Neue Gütersloher Zeitung sernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher ne 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. lustrierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfennig, für auswärtige 15 Pfennig; Reklamen 30 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr.— Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 138 schnsling& Shlbrock, Säterloh. Dienstag, den 19. November 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Vogt in Sütersloh. 18. Jahrgang — Erstes Glarr. Zum Wiederzusammentritt des Reichstages. Am Freitag dieser Woche tritt der Reichstag von neuem zusammen, um die unterbrochene Session fortzusetzen. Aus dem ersten Teil der Session liegt noch eine Anzahl unerledigter Aufgaben vor, und dazu dürfte noch eine ganze Reihe neuer bedeutsamer Vorlagen treten, sodaß das Arbeitspensum des Reichstages reichlich bemessen ist. Es bedarf daher pflichttreuer und fleißiger Arbeit unserer Reichsboten, um dis Arbeitestoffes Herr zu werden, und vor allem einer Eindämmung der ungezügelten Redeflut, die unserm Parlamentarismus mehr und mehr zu nachhaltigem Schaden zu gereichen droht. Aus dem bisherigen Sessionsabschnitte harren an wichtigeren Vorlagen noch ihrer Erledigung der Entwurf beireffend die Abänderung der Gewerbeordnung(sog. kleiner Befähigungsnachweis), der Entwurf betreffend die Herstellung von Zigarren in der Hausindustrie, der Entwurf betreffend die Bestrafung der Majestätsbeleidigungen, der Entwurf beireffend die Aenderung des Gesetzes über den Unterstötzungswohnsitz, der Entwurf eines Gesetzes über die Hälfskassen und der Entwurf über die Sicherung von Bausorderungen. So lief auch einzelne dieser Entwürfe in das wirtschaftliche Leben der Nation eingreisen, so kommt doch keinem derselben eine hohe politische Bedeutung zu, und es ist deshalb auch nicht anzunehmen, daß ihre Beratung zu einem erhitzten Zusammenstoß der Meinungen Anlaß geben wird. Erregte Debatten und schwierige Verhandlungen sind vielmehr nur von den erst noch einzubringenden Vorlagen zu erwarten. Als solche neuen Vorlagen stehen besonders in Aussicht ein Vereins= und Versammlungsgesetz, das abgränderte Börsengesetz, eine Flottenvorlage, ein Entwurf beireffind Aufbesserung der Beamtengehälter und ein Viehseuchengesetz. Ferner wird auch die Sozialpolitik in den Verhandlungen des Reichstages voraussichtlich wieder einen großen Raum einnehmen. Zwar die erwartete große Reform der gesamten sozialen Versicherung wird noch nicht kommen. Die Vorarbeiten hierfür sind so schwieriger und zeitraubender Art, daß darüber noch eine geraume Frist verstreichen dürfte, zumal auch der neue Staatssekretär des Reichsamts des Innern doch genügende Zeit haben muß, um sich in die überaus weitschichtige Materie gründlich einzuarbeiten. Auch wird man nicht gerade behaupten können, daß es wohlgetan wäre, ein so lieseingreifendes Resormwerk übers Knie zu brechen. An sozialpolitischem Beratungsstoffe wird es aber trotzdem nicht fehlen. So ist die Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Herabsetzung des elfstündigen Moximalarbeitstages für die erwachsenen Arbeiterinnen auf zehn Stunden nach den halbamtlichen Ankündigungen in dem bevorstehenden Sessionsabschnitte wohl mit Sicherheit zu erwarten. Auf handelspolitischem Geblete endlich dürften unsere Beziehungen zu Großbritanien eine Neuregelung erfahren, da das englische Provisorlun, mit dem Schluffe dieses Jahres abläuft. Den Verhandlungen des wiederzusammentretenden Reichstages wird mit begreiflicher Spannung entgegengesehen, handelt es sich doch um die Frage, in welchem Umsange die bei den letzten Reichstagswahlen vollzogene Niugruppterung der Parteien auch fernerhin bestehen bleiben wird. Es will uns aber scheinen, als ob bei den endlosen Preßerörterungen, die gegenwärtig über Blockpolitik und ihre bevorstehenden Belastungsproben im Schwange sind, vielfach eine teiale Verkennung des wirklichen Tatbestandes mit unterläuft. Der Begriff der Blockpolitik wird unsers Erachtens ganz ungebührlich ausgedehnt, wenn man ihn gegenüber dem gesamten Aufgabenpensum des Reichstages in Anwendung bringt. Ob Kenservative und Liberale bei dieser oder jener Vorlage dissentieren, ändert an dem Fortbestehen des Bloks und seiner Bewährung absolut nichts. Nur bei den großen Lebensfragen der Nation gegenüber, wie sie besonders in militärischen und kolonialen Forderungen ihren Ausdruck finden, kann in Wahrheit von Blockpolitik die Rede sein. Im übrigen wäre es freilich mit lebhafter Freude zu begrüßen, wenn das Zusammengehen bei der letzten Reichstagswahl auch auf die sonstigen Beziehungen zwischen rechts und links absärbte und auch in anderen weniger wichtigen Dingen eine Einigung auf der mittleren Linie erleichterte resp. ermöglichte; denn dies kann auf die nationale Blockpolttik nur fördernd einwirken. Zu einer solchen Einigung aber gehört parteipolitische Selbstzucht und Mäßigung auf belden Seiten, und diese wünschen wir den Partelen der Linken und Rechten beim Wiederzusammentritte des Reichslages auss dringendfte. velitische Vebersicht. Der Kaiser erschien am Sonnabend in der deutschen Botschaft zu London, wurde vom Botschafter Grafen Wolff=Meiternich empfangen und in die oberen Räume geleitet. Der Kaiser, der Zivil trug, empfing hier eine Reihe von Deputationen, mit denen er sich aufs sreundlichste und eingehendste unterhielt. Beim Ewpfang einer Abordnung englischer Journalisten sagte der Kaiser u. a.:„Ich freue mich, Sie gesehen zu haben, und hoffe, Sie werden Ihre Bemühungen fertsitzen, die für den Frieden Europas so notwendigen freundschaftlichen Gefühle zwischen unseren beiden Nationen zu pflegen. Wir gehören zu derselben Rasse und haben dieselbe Religion. Das sind Bande, die sich stark genug erweisen sollten, zwischen uns Harmonie und Freundschaft bestehen zu lassen.“ Weiter folgten Generalkonsul Geheimer Legationsrat Dr. Johannes, Konsul Humbert, die Herren des Konsulats, dann eine Deputation der deutschen Vereine, die eine Kollektivadresse überreichte. Der Generalkonsul stellte die 28 Herren vor. Der Kaiser unterhielt sich mit jedem einzelnen derselben. Inzwischen hatte die Kaiserin, die von den Damen der Botschaft empfangen worden war, in einem andern Raum die Mitglieder des Frauenvereins für innere Mission empfangen, ebenso die Mitglieber der Diakonenvereine, die durch die Baronin v. Schröder vorgestellt wurden. Die Kaiserin ließ sich dann, neben den Kaiser tretend, ebenfalls die Vertreter der deutschen Vereine vorstellen. Es folgten die deutschen Offiziere der Reserve und außer Dienst, etwa 80 an der Zahl, die ebenfalls von dem Kaiser und der Kaiserin empfangen wurden; darauf eine Deputation des Verbandes der deutschen evangelischen Gemeinden und eine Deputation des Generalkomitees für die deutsche evangelische Seemanns=Mission in Großbritannien. Später empfing der Kaiser eine Abordnung englischer Verleger, die ihm eine Adresse überreichte. In der Unterhaltung mit diesen wurde auch der großartigen, beinahe zu weit gehender Gastlichkeit gedacht, welche den englischen Journalisten in Deutschland erwiesen worden war, wobei der Kaiser herzlich lachend äußerte:„Ja, und das trotz der Woge des Antialkoholismus die über das Land hinausgehl.“ Um ½ 4 Uhr kehrte das Kaiserpaar nach Windsor zurück.— Am gestrigen Montag ist der offizielle Besuch des deutschen Kaiserpaares am englischen Hofe zu Ende gegangen. Der König und die Königin von England sowie der Prinz und die Prinzessin von Wales begleiteten mit großem Gefolge das Kaiserpaar von Windsor zu Wagen nach der SouthwesternStation, von wo die Kaiserin mittels Sonderzuges nach Port Viktoria(Holland) abreiste. Bald nachher reifte der Kaiser nach Highellffe Castle und traf daselbst bald nach 1 Uhr ein. Die deutsche Kaiserin kam um 12,29 Uhr in Port Viktoria an, wo sie von dem Höchstkommandierenden der Heimalflotte empfangen wurde. Die Kriegsschiffe feuerten Salut. Der Kaiser hat den Staatssekretären der obersten Reichsbehörden und dem Staatssekretär in Elsaß=Lothringen vom kaiserlichen Hofe den Rang unmittelbar nach den Königlich preußischen Staasministern verliehen. Ferner hat der Kaiser angeordnet, daß im Bereiche des Auswärtigen Amts und des Reichskolonialamts, einschließlich der Kaiserlichen Behörden und Fahrzeuge in den deutschen Schutzgebieten, der Reichsadler mit der Kaiserlichen Krone in der Reichsdienstflagge zu führen ist. Kronprinz Wilhelm erläßt folgende Danksagung: Aus Anlaß der Geburt Unseres zweiten Sohnes ist der Kronprinzesfin, meiner Gemahlin, und Mir aus allen Kreisen der Bevölkerung des deutschen Vaterlandes und aus dem Auslande eine Fülle von Glückwünschen zugegangen, die Unsere Herzen mit Dank gegen Gott, sowie mit Freude und Stolz über die allgemeine Anteilnahme an Unserem Glück erfüllen. Ich spreche allen denen, die so freundlich Unserer gedacht haben, von ganzem Herzen unseren Dank aus. Der Bundesrat hat am Sonnabend wieder eine Rihe von Stais, darunter den Militäretat, den Postetat und den Stat des Innern, sowie die Prägung von 20 Millionen Mark in Fünfmarkstücken genehmigt. Aus den am Sonnabend vom Bundesrat angenommenen Einzeletats sind halbamtlich weitere Auszüge veröffentlicht worden. Danach beansprucht das Reichsamt des Innnern ca. 8 Millionen mehr, als im laufenden Etat. Diese Mehrforderung wird durch die Erweiterung des Kaiser Wilhelm=Kanals bedingt. Zur Unterstützung des Zeppelinschen Lustschiff=Unternehmens sind 2 Millionen Mark eingestellt. Beim Militäretat betragen die Mehrforderungen 86, beim Marineetat über 50 Millionen. Infolge der Preissteigerung sind für Naturalverpflegung des Heeres fast 11 Millionen mehr eingestellt. Von den Marine=Mehrforderungen beziehen sich 28½ Millionen auf Schiffsbauten und 14 Millionen auf Armierung. Für Unterseebeste sind 7 Millionen mehr angefordert. Im Etat der Post= und Telegraphen=Verwaltung sind die Einnahmen um 34 Millionen, die Ausgaben im orbentlichen Elat um ca. 31 Millionen höher veranschlagt. Die Armee der Postbeamten wird um 6500 Köpfe vermehrt. Der Ertrag der Zölle ist um rund 66½ Millionen höher veranschlagt, wovon 58 Millionen Mark für Arbeiter=Witwenund Waisenversicherung zu reservieren sind. Von den neuen Steuern konnten nur der Frachturkundenstempel und die Erbschaftssteuer höher veranschlagt werden. Die Vorsage über die Aenderung die das bestehende Flottengesetz erfahren soll, ist am 14. November vom Bundesrate angenommen worden. Sie bestimm:: Ausgenommen bei Schiffsverlusten sollen Linienschiffe und Kreuzer nach 20 Jahren ersetzt werden. Die Fristen laufen vom Jahre der Bewilligung der ersten Rate des Ersatzschlffes. Für den Zeitraum von 1908 bis 1917 werden die Ersatzbauten nach der Anlage B geregelt. Nach der Anlage B sind zu bauen in den Ersotzjahren 1908, 1909 und 1910 je 8 Linienschiffe und zwei kleine Kreuzer und endlich 1917 ein Linienschiff, ein großer Kreuzer und ein kleiner Kreuzer. In diesen zehn Jahren sollen also gebaut werden: 17 Linienschiffe, 6 große Kreuzer und 19 kleine Kreuzer. — Die neue Verteilung wird durch die Verkürzung der Lebensdauer der Kriegsschiffe von 25 Jahren auf 20 Jahre nölig, denn dadurch werden in der Periode 1908—1917 drei Linienschiffe mehr ersotzpflichtig, als bisher, also die Gesamtkosten der Aenderung des Gesitzes kommen etwa den Kosten von drei Linienschiffen gleich. In der Hauptversammlung des Deutschen Sparkassenverbandes, die am 7. Dezember in Berlin abgehalten wird, werden sprechen General der Infanterie z. D. v. Blume über die Kriegsbereitschaft der Sparkassen, Prof. Dr. Apt und Geh. Regierungsrat v. Boddien über den Schickverkehr in seinen wirtschaftlichen und juristischen Grundlagen. Holland. Aus dem Haag wird unterm 18. ds. Mis. geschrieben: Die deutsche Kaserin trifft heute abend in Ymuiden ein, wo sie der Oberstallmeister, Baron Bentinck namens der Königin begrüßen wird. Prinz Heinrich reist der Kaiserin bis Amerssoort entgegen. Gegen 1 Uhr nachmittags trifft die Kaiserin auf Schloß Het Loo ein, wo Frühstückstafel und abends Familiendiner stattfindet, woran der deutsche Gesandte mit Gemahlin und der Legatlonssekretär der deutschen Gesandtschaft teilnehmen. Abends 10 Uhr reist die Kaiserin nach Potsdam ab. In der gestrigen Sitzung der Reichsduma überreichten 246 Mitglieder dem Präsidenten eine Denkschrift, worin die Notwendigkeit betont wird, dem Kaiser auf die en die Duma gerichteten Begrüßungswünsche eine Ergebenheitsadresse zu überreichen. Der Präsident der ersten Duma, Muromzeff, einer der tüchtigsten und befähigsten Politiker und Kenner Rußlands und des Charakters des russischen Volkes, äußerte sich über die jetzige politische Lage seines Vaterlandes im „Utro Rossse“ folgendermaßen: Ich befürchte, daß mit Eröffnung der dritten Duma die Zersitzung des russischen Reiches mit Riesenschritten vorwärts gehen werde, da sie jetzt schon ihren Anfang genommen hat. Die moralische Autorttät der Regierung hat im Volke an Kraft verloren. Gleichzeitig erfüllt alle immer mehr eine gänzliche Gleichgültigkeit gegen das Schicksal des Riiches. Die Leute gewöhnen sich an ein Leben von Tag zu Tage, von Stunde zu Stunde. Während sich einige damit trösten, es könnte nicht schlimmer gehen, als es auginblicklich geht, träumen andere davon, daß alles auf einmal sich wenden werde, durch ein Wunder. Das charakteristischste am russischen Volke ist sein Glaube, daß alles von selbst kommen werde. In Anbetracht dessen verkaufen die verormten Bauern ihre Besitzungen zu hohen Preisen, welche die Großgrundbesitzer mit Hilfe der Landbank ankaufen. In der Stadtbevölkeherrscht dieselbe Gleichgültigkeit gegen die Duma und die Schicksale des ganzen Reiches. Unterdessen gibt man sich der Trunksucht, dem Spielteufel und anderen Lastern hin. So vermehrt sich in Rußland die Anarchie; alles zersetzt sich und zerfällt. An eine sichere Grundlage ist vorläufig nicht zu denken. Auf der Insel Formosa meuterte eine in sapanischem Dienste stehende Kompagnie chinesischer Soldaten. Die Meuterer ermordeten 68 Japaner, Polizisten, Beamten und Zloilisten, darunter mehrere Frauen und Kinder. Nach der Tat entflohen die Soldaten in eine unbewohnte Gegend. Lokales und Provinzielles. :0: Gütersloh, 19. Nov.(Deklamatorlum.] Unter kosossalem Andrang der Gemeindeglieder hat am Sonntag und Montag abend der hiesige Blaukreuz=Verein das Deklamatorium von Postor Modersohn„David der Mann nach Gottes Herzen“ zum Vortrag gebracht. Am Sonntag abend war bereits eine halbe Stunde vor Beginn der große Vereinshaussaal voll besetzt und auch gestern abend wieder verblieb nur noch wenig Raum. Die Darstellung, in höchstem Grade erbaulich, greist ein in das Leben Dovlds bis zu seinem Tode und stellt dem gegenüber das Leben und Wirken Jesu auf Erden. Neben dem, was wir aus dem Munde des alltestamentlichen Erzählers und des neutestamentlichen Gezählers hören, hören wir Angepaßtes aus Schriftvorlesungen und eingeschalteten Deklamationen, die mit großem Ernst zu den Herzen und in die Gewissen reden. Zwischendurch singt die zuhörende Gemeinde und erfreuen mit Gesängen der gemischte Chor, der Frauenchor, der Männerchor und ein Kinderchor unter Herer Lehrer Waltkings Leitung, welche Gesangsvorträge durch einige Solis des Fräulein Mentzel und des Herrn Lehrer Vieker sehr vorteilhaft ergänzt wurden. Ueber 2½ Stunde Zeit beanspruchte das Deklamatorium, für welches man dem Blaukreuz=Verein Dank und Anerkennung zollen muß, stellte es doch an Einzelne und nicht minder an die Gesamtheit der Mitwirkenden große Anforderungen, aber mit ersichtlich großer Freude schienen all die Opfer an Zeit und Mühe gebracht zu sein. Einer nochmaligen Wiederholung dürfte ganz gewiß der gleiche durchschlagende Erf ig beschieden sein und würden wir bei einer solchen den Besuch nur aufs wärmste empfehlen können. § Sütersloh, 19. Nov.[Die KriegsmarineAusstellung) im Saale des Herrn Pollkläsener wird noch bis einschl. Donnerstag geöffnet sein, was besonders manche der auswärtigen Schulen veranlassen dürfte, der Ausstellung einen Besuch zu machen. Wer in der Ausstellung noch nicht war, sollte nicht versäumen, setzt noch hinzugehen, um alles in Augenschein zu nehmen, was unsere Kriegs= und Handelsmarine aufzuweisen hat. Der Besuch der Ausstellung war bisher ein guter. 0 Gütersloh, 19. Nov.[Wissenschaftlicher Vortrag.] Der heute abend 7 Uhr in der Erholung beginnende Vortrag des Herrn A. Stein wird nicht das Thema „Deutschtum über See“, sondern das Thema„Der Kaiser und seine Umgebung“ behandeln. Wir machen auf diesen Vortrag nochmals empfihlend aufmerksam. 333. Sütersloh, 19. Nov.[Konzert.] Der erblindete Pianist Emil Fischer veranstaltet am Donnerstag abend im Saale der„Eintracht“ ein Konzert, auf welches wir hiermit besonders ausmerksam machen. Der Anfang des Konzerts ist auf 8 Uhr festgesetzt. §§ Gütersloh, 19. Nov.[Militär=Brieftauben=Ausstellung.) Kürzlich wurde in Bielefeld auf der Generalversammlung der Minden=Ravensberger Reisevereinigung beschlossen, eine Militär=Beieftauben=Ausstellung mit anschließender Verbandsversammlung in Gütersloh zu veranstalten. Die Ausstellung wird nun laut Beschluß der am Sonntag stattgefundenen Generalversammlung des Brieftaubenvereins„Pfeil“ mit der Feter des 25jährigen Bestehens des hiefigen Vereins verbunden und am 15. und 16. Februar n. J. im Pollkläsenerschen Saale abgehalten. Sütersloh, 19. Nov.[Viehmarkt.] Auf dem heutigen Viehmarkte waren aufgetrieben 108 Stück Rindvieh, darunter 12 fette Ochsen, 7 fette Kühe, 19 Zugochsen, 45 tragende und Milchkühe und 20 Stück Jungvieh. Fette Ochsen kosteten 65 bis 68 Mk., fette Kühe 68 bis 65 Mk. per 100 Pfund Schlachtgewicht. Zugochsen kosteten 270 bis 400 Mk., tragende und Milchkühe 300 bis 450 Mk. und Jungvieh 180 bis 250 Mk. das Stück. — Aufgefahren waren 46 Wagen mit 475 Ferkel, und kostete das Paar, 6 bis 8 Wochen alt, 12 bis 18 Mk. Stangenschweine und Sauen waren nicht vorhanden. Der Handel war flau. — 5 walrrsloh, 19. Nov.[Zur Erleichterung des Geldmarktes) nimmt die Reichsbank, vom 1. Februar n. Jahres ab einen„Hypotheken und Zahlungsverkeb=“ unter ihre Geschäftszweige auf; sie will die Hypothekendokumente, die Zug um Zug gegen bare Zahlung an einen anderen ausgehändigt werden sollen, zu getreuer Hand entgegennehmen, bis zum Zahlungstage aufbewahren, dem Empfänger Gelegenheit zur Prüsung der Dokumente geben und ste ihm gegen Empfang der Zahlung aushändigen. Bei dem über das ganze Reich verzweigten Illialnetz der Reichsbank wird die Einrichtung dem Publikum namentlich dann besonderen Vorteil bieten, wenn Gläudiger und Schuldner an verschledenen Orten wohnen; in diesem Falle nimmt die Reichsbank bei der Bezirksanstalt des Einlieferers an und versendet sie zur Prüfung und Aushändigung an die Bezirksanstalt des Empfängers, nimmt bei letzterer Anstalt die Zahlung entgegen und überweist sie an die erstere. Gelde, 18. Nov.[Ein interessantes Urtei!) fällte dieser Tage das hiefige Schöffingericht. Es handelt sich um Beleidigungen durch anonyme Schmähschriften. Der geladene Sachverständige bezeichnete die Handelsfrau H. als die Schreiberin dieser Briefe. Der Gerlchtshof erkannte gleichwohl auf Freisprechung und zwar mit der Begründung, daß die zahlreichen Prozesse in der letzten Zeit ergeben hätten, was auf Schreibsachverständigen=Gutachten zu geben sei! Münster, 19. Novmber.[Der Westfälische Bauernverein] hielt gestern im Hotel Moormann hier unter dem Vorsitze seines Präsidenten Freiherrn von TwickelStovern, eine gut besuchte Vorstands= und Ausschußsitzung mit reichhaltiger Tagesordnung ab. Niu ausgenommen wurden dim„M. A.“ zufolge insgesamt 1484 Mitglieder. Aus der Versicherung bei der Provinzial=Feuersozität erzielte der Verein für 1906/07 einen Reingewinn von 77 051.60 Mark. Beschlossen wurde die Umwandlung der Vereinsschrift„Westfälischer Bauer“ in eine Halbmonatsschrift, die 1 bis 1½ Bogen stark und durch Postüberweisung den einzelnen Mitgliedern zugestellt werden soll. Daraus wird der Vereinskasse eine Mehrbelastung von etwa 8000 Mk. erwachsen. Der Jahresvoranschlag für 1908 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 185000 Mark festgesetzt. Leugerich, 18. Nov.(Erwischt.] Der Postgehllfe Gewaitig aus Suderwich bei Recklinghausen, der am 81. vor. Mte. bei dem Postamte Lengerich einen Geldbrief unterschlagen hat und auf dem Wege über Bocholt, Emmerich, Kleve nach Holland geflüchtet war, ist in Amsterdam festgenommen worden. Eiwa 500 Mark bares Geld wurden noch bei ihm vorgefunden. Alverskirchen, 18. Nov.(Erschossen aufgefunden] wurde gestern nachmittag der Verwalter des Gutes Bruckhausen. Am Sonntag kurz nach 1 Uhr hatten der Besitzer des Gutes Bruckhausen und dissen Verwalter Ludwig Grubbe(aus Dülmen) in einem benachbarten Walde, der zum Gute gehört, einen Schuß fallen hören. In der Meinung, daß es sich vielleicht um junge Burschen handele, die auf der Fasanenjagd seien, erklärte sich der Gutsverwalter bereit, die Sache zu untersuchen und ging, nur einen Spazierstock in der Hand führend, auf das Gebüsch los. Einige Zeit später hörte man auf dem Gute wieder zwei Schüsse nacheinander fallen. Als dem Gutsbesitzer Sch. die Rückkunst seines Verwalters zu lange dauerte, machte er sich mit einigen Knechten auf die Suche. Sie fanden den Verwalter an einem Graben liegen. Zwei Schüsse, die dem Verwalter ins Herz gegangen waren, hatten seinem Leben ein Ziel gesetzt. Der so jäh aus dem Leben Gerissene, ein unverheirateter Mann von 29 Jahren, wurde als fleiß und gut überall geschätzt.(M. A.) Sleiwäsche(Kreis Büren), 18. Nov.[Guter Fang.] Der hier stationierte Förster Bader sing innerhalb 14 Tagen 15 ausgewachsene Füchse im Tellereisen. Wie manchen Hasen und manches junge Reh mögen diese roten Räuber vertilgt haben! Man hat aber auch noch nie so wenig Wild in hiesiger Gegend angetroffen, wie in diesem Jahre. Dortmund, 18. Nov.(Preiserhöhung.] Der Verband deutscher Brauereien kündigte den Landwirten des Krieses Dortmund eine Erhöhung der Treberpreise von 60 auf 70 Pfg. an. In einer heutigen Versammlung der Landwirte wurde die Preiserhöhung als ungerechtfertigt bezeichnet und in Aussicht gestellt, daß diese bei der Verwirklichung dieser beabsichtigten Preiserhöhung den Milchpreis erhöhen müßten. Es wurde jedoch beschlossen, einstweilen von der weiteren Anwendung der Treber als Viehfutter abzusehen unde eine Viebfütterung nach der neuesten wissenschaftlichen M thode dafür einzuführen, zumal hier von der Genossinschaft ein neues Lagerhaus eröffnet würde, welche den Bezug der Futtermittel wesentlich erleichtert. Essen, 18. Nov.[Einsturz eines Dachgerüstes. Heute nachmittag Zwischen 4 und 5 Uhr ist auf der Ziche „Amalie“, die im Neubau begriffine Maschinenhalle beim Anziehen von 18zölligen U=Eisen zum Teil eingestärtzt. Unter den Tellmmern wurden lt. Rh. W. Z. mehrere Arheiter verschüttet und dabei zum Teil erschlagen, zum Teil schwer verletzt. Sofort erschlagen wurden der leitende Monteur Heinrich Prost, der von einem U= Eisen getroffen wurde, ferner der Arbeiter Hermann Förster, der eine schwere Kopfquetschung und eine schwere Gehirnerschütterung davontrug und unter den Händen des Arztes stard. Schwer verletzt sind drei Arbeiter. Die Kruppsche Feuerwehr war sofort nach dem Eintreten des Unglücks zur Stelle und zog die Toten und Verunglückten unter den Trülmmern hervor. Drei Aerzte waren ebenfalls gleich zur Hand, um de, wo es noch ging, helfend einzugreifen. Durch die städtischen und Kruppschen Krankenwagen wurden die Schweiverletzten nach dem kath. Krankenhause und dem Huyssenstift gebracht. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß einer von ihnen mit dem Leben davenkommen wird. Ueber die Urfache dis Unglücks verlautet noch nichts Bestimmtes. 16, Nevember.[Zechenunglück.) Gestern abend sind auf der Zeche Zentrum zwei Hauer durch Kohlenmassen verschüttet worden. Beide erst ckten. A-Gladbach, 18 Nov.[Eln überraschendes Resultat] hatte der„Gladd. Zig.“ zufolge ein Landmann aus Holk, der auf seinem Felde ein Plakat angebracht hatte mit der Aufschrift:„Hier kann Kappus geholt werden“ Natürlich meintezer gegen Bezahlung, hatte aber vergessen, dies anzugeden. Das Plakat wurde nur zu wörtlich befolgt, denn als später der gläckliche Besitzer zu seinem Kappusfelde kam, fand er auch nicht einen Kopf meht vor. Vermischtes. * London, 18. Nov. Ein eigenartiges Testament hat der vor wenigen Tagen hier verstordene Mr. John Robert Pringle hinterlassen. Dasselbe lautete wie folgt: „Meine Ueberreste sind zu verbrennen und die Asche in zwei Uenen zu verteilen, die mit den Nummern 1 und 2 versehen sind. Auf die Asche in Urne Nr. 1 soll ein mit derselben Zahl bezeichnetes Pakei gelegt werden, das auf meinem Schreibtisch liegt, und außerdem meine Vorstecknadel mit meinem Miniaturbild. Ja Urne Nr. 2 kommt ein gleiches Paket und ein Ring mit meinem Miniaturbild. Dann werden die Urnen verlötet, und Nr. 1 wird im Grabe meiner Mutter zu Newport Pagnell beigesetzt, während Nr. 2 auf dem Streatham=Friedhof zu Tooting im Grabe meiner lieben Lizzie D.... beigesetzt werden soll“ Alsdann folgen noch einige Bestimmungen über den persönlichen Nachlaß des Verstorbenen. Die Bedingungen des Testaments werden auf das Genaueste befolgt werden. * Lissabon, 18. Nov. Das Schiff„Sopatelro“ ist in der Nähe der Küste untergegangen. Die unternommenen Rettungsversuche blieben erfolglos. Die Mannschaft in Stärke von 86 Mann ist ertrunken. 14 Leichen sind bereits geborgen. Kurzer Getreide-Wochenbericht der Peeisberichtestelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 12. bis 18. November 1907 Von unverkennbar vorteilhafter Wirkung auf den Getreidehandel war der Umstand, daß die abgelaufene Woche wenigstens keine weitere Verschärfung der Geldverhältnisse gebracht hat. Dazu kam noch, daß die von der russischen Regierung einberufene Konferenz des Gerücht von einem beabsichtigten Ausfuhrverbot Rußlands entstehen ließ. Wenn sich dieses auch als unbegründet herausstellt, so scheinen die vorgeschlagenen Aenderungen der Eisenbahntarise immerhin einer Erschwerung des Exports gleichzukommen, ein Umstand, der namentlich für den Roggenmarkt von weittragender Bedeutung ist. Aufmerksamkeit erregte auch der Ankauf amerikanischen Weizens für Odessaer Rechnung, während Erwerbungen argentinischen Weizens seitens rumänischer Händler die ungewöhnliche Lage des internationalen Getreidegeschästes kennzeichnen. Das Zusammenwirken dieser Momente bewirkte, daß die Märkte die ihnen durch die Geldteuerung auferlegten Fesseln zeitweise abzustreifen vermochten. Daß sich der Berliner Markt befestigenden Anregungen gegenüber besonders empfänglich zeigte, ist übrigens auf die nach wie vor anhaltende Warenknappheit zurückzuführen. Wenigstens haben sich die auf eine Vermehrung der Zufuhr nach beendeter Feldarbeit gerich eten Erwartungen bisher nicht in dem Maße erfüllt, wie dies angesichts der allgemein ungenügenden Versorgung erwünscht gewesen wäre. Erschwerend fällt dabei ins Gewicht, daß die Niederschläge der letzten Woche keine wesentliche Besserung der Flußschiffahrt herbeigeführt haben. Besonders feft lag Roggen, dessen zuli gzt etwas geschmälerter Preisfortschritt 8—4 Mark beträgt, während Weizen mit einer Besserung von 3½ bezw. 2½ Mark folgte. Verhältnismäßig ruhiger war die Geschäftslage in West= und Süddeutschland, aber auch am Rhein, wo bessere Wasserverhältnisse Aussicht auf größere Zufuhren eröffnen. Während Brotgetreide meist überall gute Aufnahme fand, wird über den Absatz von Hafer nahezu überall geklagt. Teils erschweren die Schiffahrtsverhältnisse, teils die Unnachgibigkeit der Warenbesitzer das G'schäft; besonders schwerfällig gestaltet sich der Absatz nicht ganz einwandfreier Qualitäten. Auch für Mals ist das Kaufinteresse nur gering. Nicht viel lebhafter gestaltet sich der Absatz von Futtergerste. Im Braugerstengeschäft fanden gute Qualitäten vorteilhafte Verwendung. Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität an den nachgenannten Orten, wobei das Mehr(+) bezw. Weniger(—) gegenüdber der Vorwoche in Klammern() beigefügt ist, wie folgt Tausendfach bewährte — Nahrung bei: Brechdurchfall, V-Kinderman.##.., Dlarrhös, Krankernkost Darmkatarrh, etc. sverkauf! J. H. Manecke. Filzhüte! Herren., Knaben-, Winter- u. Sportmützen kauft man sehr billig bei H. Riehaus, Berlinerstr. Nur echte2 Neue Feigen. W. Husemann. Feinste echte Istrianer Maronen empfiehlt Clemens Müller. KOIAILENEEEEI-ST IAMMSHUI -nnniee LI SEE SSCH M Zu haben bei: Ernst Hoffschildt, Drogerie in Güterelch. Donnerstag: frischen Nord. Schellfisch. Ludwig Grabemann. uche zu Ostern= einen Lehrling. Tobias Kern, Rietmacher. Total-Ausverkauf wegen Hufgabe des Geschäfts!! Ich beabsichtige, mein Geschäft aufzugeben und stelle ich mein gesamtes Warenlager zum Ausverkauf!! ist es Zeit, wirklich gute Manufaktur- u. Kurzwaren, Damen-, Herren- und KinderKonfektion, nur letzte Neuheiten der Saison, Betten, 2öbb Bettwaren und Aussteuer-Artikel Carl Bunse, Gütersloh. Rirchliche Nachrichten. Evangelischer Gottesdienst. Mittwoch, den 20. November. Landes=Buß= und Bettag. Kollekte für das blaue Kreuz. Neue Kirche 10 Uhr: Pastor Meinshausen. Alte Kirche 10 Uhr: Pastor Siebold. Alte Kirche abends 5 Uhr: Pastor Seippel. Sonnabend, den 23. November. Neue Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Stebold. Ratholischer Gottesdienst. Mittwoch, den 20. November. Mariä Opferung und Erntedankfest; 13stündiges Gebet. Morgens6 und ½8 Uhr: hl. Messen ohne Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt ohne Predigt. Betstunden bis 6 Uhr abends. Abends 6 Uhr: Schluß mit Tedeum. Behanntmachung. Am 2. Dezember ds. Is. findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt. Gleichzeitig wird die Zahl der in der Zeit vom 1. Dezember 1906 bis einschließlich 30. November 1907 vorgenommenen, von der amtlichen Schlachtviehund Fleischbeschaubefreiten Schlachtungen ermittelt werden. Die Austeilung der Zählkarten erfolgt durch die hiesigen Polizeiheamten am 29. und 30. November, die Wiedereinsammlung am 4. Dezember. Indem ich die hiesigen Einwohner hierauf hinweise, ersuche ich für die ordnungsmäßige und sorgfältige Ausfüllung der Zählkarten Sorge zu tragen. Gütersloh, den 18. Novembur 1907. Der Bürgermeister. Mangelsdorf. Freitag morgen von 8½ Uhr an wird bei Kuufinke am Dreieckplatz dicksettes Rindfleisch verkauft, das Pfund zu 50 u. 55 Pfg. Neue Eleme=Haselnüsse Lambertus=Haselnüsse und Pora=Rüsse empfiehlt Clemens Müller. Alle Zutaten zum Schlachten in bester Qualität. Wunderpfeffer, weißer pfeffer, schwarzer pfeffer, Nelken, Cumin, Majoran, Thymian, Bindfaden 2c. Ernst Hoffschildt, Löwen=Drogerie. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, gestern abend 6 Uhr meine liebe Frau, unsere treusorgende unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Friederike Langreck geb. Niemann nach kurzem, schwerem Leiden im 72. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Familie Kolon Langreck. Nordhorn, den 19. November 1907. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 1½ Uhr vom Trauerhause, Nordhorn Nr. 21,(2½ Uhr vom Bahnhof) aus statt; die Feler im Hause beginnt um 1 Uhr. Für die uns während der Krankheit und bei dem Heimgange unseres lieben Vaters in reichem Masse erwiesene Teilnahme danken herzlich Die Hinterbliebenen. Namens derselben: Fritz Flöttmann. Gütersloh, 19. November 1907. Zum Totenfeste halte ich wieder grosse Auswahl in geschmackvoll gebundenen Kränzen, Kreuzen, Buketts, sowie langstielige Herbstastern in jeder Preislage vorrätig. Gleichzeitig meiner werten Kundschaft die Mitteilung, dass ich am Sonnabend wieder meinen Stand auf dem hiesigen Rathausplatze habe. C. A. Woelfer. schützt das Leben vieler Menschen. Feinsten Lofoden-Dorsch-Lebertran in frischer Füllung, —à Flasche 75 Pfg.— Ungarwein, Portwein und Samos 1c. in gar. reinen Qual. W. Küster. Halberstädter Würstchen zu haben im Kaffee-Import, Blessenstätte 113. Landwirtsshaflicher Lokal-Verein Gütersloh. Versammlung m Freitag, den 22. November, abends 6 Uhr, bei Herrn Aug. ehle, Bahnhofstraße. Tagesyrdnung: 1. Besprechung über eine zu gründende Pferdeversicherung 2. Beratung über die Winterschule. 3. Mitgliederaufnahme. Der Vorstand. Glaswaren aller Art. ooc J. F. Zumwinkel. Holländer, Schweizer, Tilalter, Edamer, Harzer und SahneKäse. W. Husemann. Neue Sendung Liebigs FleischExtrakt, in Töpfen von 50 Pfg. an, Liebigs Oxo=Bouillon, Knorrs Suppentaseln in allen Sorten. W. Küster. Stärkungsweine, Kräftigungsmittel. Löwendrogerie Hoffschildt. Ia. westf. Speck, kleinere, ca. 2—5pfündige Stücke, ctierfett, offeriere zu Mk. 067 pro Gustav Oldermann. Prima neue Konserven ½ 1, 2, 8 und 4 Pfd.=Packung. W. Husemann. Ein neuerbautes Zweifamilienhaus mit Stallung und schönem Garten billig zu verkaufen. Wo, sagt die Geschäftsstelle d. Zig. Suche auf sofort einen zuverlässigen Arbeiter. Näheres in der Geschäftsst. d. Z Wohnung, 1. Etage, von 8 Räumen nebst Zubehör, in schöner Lage der Stadt, zum 1. 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Meldungen neuer Mitglieder werden vom Kolonnenführer Ibrügger an diesem Abend und auch schon vorher entgegengenommen. Der Vorstand. Wilke’s Haaru. Woll-Hüte anerkannt bestes, deutsches Fabrikat Neuheiten der Saison in schwarz und farbig, nur gediegene, gute Qualitäten zu billigen Preisen. Wülhelm Kirchhoff. u. Knaben=Mützen in großer Auswahl, Solo in Carton, ff. Margarine im Faß stets frisch Kaffee-Import, Blessenstätte 115. Schwimm=Verein Gütersloh. Zu der am Freitag. h o r s t( u n t e r . den 22. November, 8½ Uhr, bei Herrn (unterm grünen Baum) stattfindenden Witte=Wulfhor Generalversammlung wird hierdurch freundlichst eingeladen. Tages=Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Wahl der Kassenprüfer. 4. Entlastung des Kassierers. 5. Umwahl des Vorstandes. NB. Alle aktiven Mitglieder über 17 Jahre werden um pünktliches Erscheinen ersucht. Der Vorstand. Bei den hohen Fleischpreisen leistet A. 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November 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Zweites Klatt. Bestellungen auf die Neue Gütersloher Zeitung mit der achtseitigen reich illustrierten Wochen=GratisbeilagNeue Lesehalle werden jederzeit entgegengenommen von allen Postanstalten, Landbriefträgern, unsern Zeitungsboten und der Expedition Schulstraße 783. Zußtag. Vor fast anderthalb Jahrzent noch haben wir zu anderer Zeit Bußtag gefeiert. Da fiel er in die Frühlingszeit und mitten hinein in die hohen Feste des Kirchenjahres. Das hatte auch einen gar feinen, tiefen Sinn. Gottes Güte ist es ja, die uns sonderlich zur Buße rufet. Die hehen Gnadentaten Gottes sollen auch uns demütigen und beugen Nur wird ihrer froh und gewiß, der ihnen mit einem bußfertigen Herzen gegenübersteht. Seit einigen Jahren aber fällt der Bußtag auf den Mittwech vor dem Totensonntag, in die ernste Herbst= und Winterszeit. Das hat auch einen feinen, guten Sinn. Predigt doch die ganze Jahreszeit, in der wir stehen, von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Jedes fallende Blatt jeder entlaubte Baum verkündet dir, daß alles Fleisch ist wie Heu und daß du nur ein Gast bist auf Erden. Der Totensonntag aber stellt es uns doppelt vor die Seele, daß die Stunde kommt, da wir vor Gottes Angesicht treten und und Rechnung ablegen müssen von all unserm Tun. Wen sollen solche Gedanken nicht tief hinein in die Demätigung, in die Buße treiben? Knüpfen die Bußtage auch nicht wie die anderen christlichen Feiertage an ein besonderes uns von den Evangelisten überliefertes Ereignis an, so findet er seine Begründung doch in der Menschenseele, in dem Bedürfnis des Menschen und Christen in sich zu gehen, über dus Verhältnis zu seinem Gott nachzudenken und sein Leben, sein Tun und Denken zu vergleichen mit den göttlichen Satzungen. Wohl sollten wir Tag für Tag den Maßstab der Lehren Christi an unser Leben, unser Tun und Denken anlegen. Aber wie selten geschieht das, wie selten finden wir die Zeit dozu in den Kämpfen des Lebens, im Alltagstreiben. Und darum ist es nicht nur nützlich, sondern geradezu notwendig, daß uns der Anstoß dazu von außen gegeben wird, nicht dem einzelnen nur, sondern dem ganzen Volke zugleich, und daß durch Ansetzung eines besonderen Feiertags hierfür von außen her die Mahnung zur inneren Einkehr an uns herantritt und alles, was uns davon ablenken könnte, möglichst beiseite geschoben wird. Allzunahe läge sonst die Gefahr, daß wir in Indifferentismus und zugleich ins Pharisäertum versänken. Auf dem Wege zur Besserung, zur inneren Reinigung aber befindet sich der Zöllner, der sich seiner Fehler bewußt ist und sie aufrichtig bereut mit dem ehrlichen Entschlusse, möglichst wieder gut zu machen, was er bisher Uebles getan. Lokales und Provinzielles. Sos Gütersloh, 19. Nov.[Die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hierselbst, welche bereits seit 10 Jahren besteht, nimmt für den am 22. Nevember im evangelischen Vereinshause beginnenden neuen Unterrichtskursus noch neue Mitglieder auf. Die Kolonne verfolgt bekanntlich den Zweck, den Verwundeten im Kriege hilfreich zur Seite zu stehen, aber auch im Frieden bei etwaigen Unglücksfällen, Epidemien usw. hilfreiche Hand zu leisten. Besonders übernimmt es auch die Kolonne, Krankentransporte durch geschulte Kräfte auszufähren und ist sie auch in diesem Jahr zu derartigen Dienstleistungen in Anspruch genommen worden. Ebenso sollen auch in Gewerbebetrieben, die unter den Angestellten und Arbeitern befindlichen Mitglieder der Sanitätskolonne imstande sein, bei Unglücksfällen bis zur Ankunft eines Arztes die erste Hilfe zu leisten. Zu diesem Zwick werden die neuaufgenommenen und auch die älteren Mitglieder im Winter wöchentlich einmal(Freitags) durch Herrn Sanitätsrat Dr. Stohlmann unterrichtet und im Anlegen von Notverbänden geübt. Im Frühjahr und Sommer schließen sich hieran einige praktische Uebungen im Gelände. Die Kosten für Anschaffung der Unterrichtsmittel und Gerätschaften, für Ausrüstung der Mitglieder, Lokalmiete usw. werden jetzt durch freiwillige Beiträge einer Anzahl hiesiger Herren aufgebracht, welche gern bereit sind, die Kolonne welche der Allgemeinheit dienen möchte, in ihren Bestrebungen zu unterstätzen. Eintrittsgeld und Jahresbeiträge werden daher von den aktiven Mitgliedern nicht mehr erhoben. Wegen Meldung zum Beitritt verweisen wir auf die Anzeige in der heutigen Nummer unserer Zeitung. ##teralah, 19. Novemb.[Eine Viebzählung) findet am 2. Dezember d. J. im Deutschen Reiche stalt. Wie in einer„Ansprache an die Bevölkerung“ hervorgehoben wird, werden folgende Viehgattungen gezählt: Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel, Rindvleh, Schafe, Schweine Ziegen, Federvieh und Bienenstöcke. Mit der Viehzählung wird ferner eine Ermittelung der sogenannten Hausschlachtungen verbunden, d. h. derjenigen Schlachtungen, bei denen gemäß den bestehenden Vorschriften eine Schlachtvieh= und Fleischbeschau nicht wahzunehmen war. Die Zählung erstreckt sich auf alle derartige Schlachtungen, die während der Zeit vom 1. Dezember 1906 bis zum 30. November 1907 vorgekommen sind; gezählt werden nur die Schlachtungen von Rindern(mit 5 Unterabteilungen), Schafen, Schweinen und Ziegen. Ahlen, 19. Nov.[Zugentgleisung.] Sonnabend nachmittag 2½ Uhr entgleisten der Packwagen und 4 Personenwagen des Zuges 213 Richtung Hamm=Hannover bei der Einfahrt in den Bahnhof Ahlen. Personen sind der amtlichen Meldung zufolge nicht verletzt. Der Verkehr warde durch eingleisigen Betrieb aufrecht erhalten. Die Ursache konnte noch nicht festgestellt werden. Münster, 19. Oktober.[Raubanfallim Eisenbahnzuge.] Nach einer amtlichen Meldung wurde am 15. November der Schnellzug 61, der 11 Uhr 48 Minuten vormittags Hamm verläßt und 12 Uhr 19 Minuten in Münster eintrifft, unmittelbar nach der Durchfahrt durch den Bahnhof Drensteinfurt zum Halten gebracht. Es ergab sich, daß in dem letzten Ateil des letzten Wagens die Notbremse gezogen war. In diesem Abteil, dessen eine Fensterscheibe zerträmmert war, lag ein allein rei ender Herr langgestreckt auf dem Boden, der nach einiger Zeit dem Zugpersonal erklärte, er sei von einem während der Fahrt zugestiegenen Herrn überfallen und seiner Barschaft von etwa 85 Mark beraubt worden. Das Nebenabteil, zu dem eine Verbindungstür führte, war von einem Herrn nebst zwei Damen und zwei Kindern besetzt, die von dem Vorfall nichts bemerkt haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittelungen nach dem Täter eingeleitet; auf seine Ergreisung hat die Eisenbahndirektion eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Pelbert, 18. Nov.[Im Bette ermordet.] In der Nacht vom Freitag auf Samstag voriger Woche wurde im benachbarten Flandersbach der Landwirt Homm in seinem Bette getötel, indem ihm von ruchloser Hand mit einem Messer die Brust durchbohrt wurde. Wer der Täter war, konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Gegen 2 Uhr hörte die Frau des Hamm einen Aufschrei ihres Mannes. Sie eilte in sein Zimmer und fand ihn sterbend in seinem Blute liegend. Der Mörder war durch das Fenster eingestiegen und auch wieder entflohen. Hoffentlich werden die zurückgelassinen Gegenstände, das blutige Messer, ein Stock und ein Hut zur Entdeckung des Mörders führen. Büsseldorf, 18. Nov.[Das Kriegsgericht verurteilte den früheren Musketter Emil Th. vom InfanterieLußtag. Die Bußtagsglocken dumpf und ernst Erschallen durch die Lande; Sie fragen dich, ob auch dein Herz Sich von dem Schöpser wandte. Hast du das teure Vaterhaus Nicht leichten Sinns gemieden? Run wanderst du in Nacht und Graus Und ohne Trost und Frieden. Wie wonnig war der Kindheit Traum An treuer Eltern Herzen! Du wußtest nichts vom Trug der Welt, Von Sühne, Schuld und Schmerzen. Ein Paradies voll Seligkeit Umblühte deine Jugend— Längst schwand dahin die goldne Zeit Und mit ihm Glück und Tugend. Run suchst du wohl im Drang der Welt Des Herzens stillen Frieden. Doch nimmer ist dem irren Geist Dies seltne Glück beschieden. Zurück, zurück ins Vaterhaus, Ans Vaterherz, das treue! Hier weine deinen Kummer aus n göttlich=sel'ger Neue Hörst du der Bußtagsglocken Klang? Kannft ihren Ton du deuten? Wohl klingt er ernst, doch kündet er Dir Freuden über Freuden. Das Vaterhaus, das Vaterher; Erschließt er dir auss neue, Und fröhlich blickst du himmelwärts Zum Gott der Lieb' und Treue. Richard von Felseneck. Ihr Schicksal. Roman von H. Friedrich. 14. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Die Gräfin Domst lag kokett in den seidenen Kissen eines Landauers, der langsam die Linden entlang nach dem Tiergarten fuhr. Es ließ sich schwer sagen, was mehr Aufsehen erregte: — die schöne Frau selbst oder das Leben, das sie führte. Wer die Verhältnisse kannte, wer wußte, daß die gefeierte, einzige Tochter des verstorbenen Grafen Domst sich in der Fremde ihr Brot verdienen mußte, der konnte den Luxus nicht verstehen, mit dem die Gräfin sich umgab. Dazu flüsterte man sich in die Ohren, daß der Graf, ihr Gemahl, sich erschossen habe, weil er den Ruin voraussah; das Schloß war daraushin verkauft, die Familie in die Welt hinausgetrieben worden. Und dennoch Wagen und Pferde, dennoch seidene Kleider und Brillanten, eine fürstliche Einrichtung und ein Leben à la Princesse! Zwei Herren gingen dem Brandenburger Tor zu. Am Pariser Platz überholte sie die Equtpage der Gräfin Domst. Diese ließ halten, als sie die Herren erkannt und für den Gruß gedankt hatte. Es sah fast so aus, als wollten beide Herren weitergehen trotz der unverkennbaren Aufforderung der Gräfin, an den Wagen heranzutreten. Aber es mochte ihnen zum Bewußisein kommen, daß eine Weigerung zuviel Aufsehen gemacht haben würde, und so willfahrten sie ihr. Mit ihrem liebenswürdigsten Lächeln reichte sie ihnen die Hand über den Schlag hinweg. „Ich sollte Ihnen ernstlich böse sein, Herr von Lankow,“ sagte sie dabei,„denn Sie scheinen ganz vergessen zu haben, daß ich Donnerstags für meine Freunde zu Hause bin.— Und Sie, Herr Rittmeister, der Sie ja ein ganz gefährlich böses Gesicht aussetzen, hätten mir längst einmal Kunde bringen können von Ueberlingen!“ „Komiesse Gabriele wird Ihnen gewiß alles mitgeteilt haben, was not tut!“ wehrte Rittmeister Ueberlingen fast unhöflich ab. Die Gräfin schien es nicht zu merken. Ihre Augen sprühten förmlich Blitze auf den Uebeltäter, aber der Rittmeister blieb stichfest. Sehr deutlich trat er auf das Trottoir zurück und veranlaßte damit seinen Begleiter, seinem Beispiel zu folgen. Die Gräfin hielt kaum noch an sich. „So wissen also auch Sie schon, daß Gabriele— daß Ihr Bruder—“ Die Pferde zogen plötzlich unerwartet an und was die Gräfin noch sagen wollte, ging in dem entstehenden Getöse vollständig verloren. Der Rittmeister aber glaubte sie nur zu wohl verstanden zu haben, und deutlich malte sich das in seinen Zügen, während er finster hinter dem dahinrollendem Gefährt dreinschaute. Und Lankow, der ihm ins Gesicht blickte, begriff und verstand alles. „Hat das Gift gewirkt?“ richtete er die teilnehmende Frage an seinen Begleiter. „Nicht so, wie die Frau Gräfin es wünschen mag, Herr von Lankow,“ versetzte Ueberlingen.„Ich glaube, die Komtesse denn doch zu gut zu kennen, als daß ich annehmen könnte, sie verschenke ihre Hand ohne ihr Herz!“ „Bleiben Sie bei diesem Glauben, Herr Rittmeister,“ sagte Lankow warm,„das Mädchen ist ein Charakter. Sie wird nur nach festen Grundsätzen handeln, wie sie es bisher noch immer tat.— Hatten Sie lange keine Nachricht von Ueberlingen?“ „Sehr lange nicht,“ sagte der Rittmeister.„Meine Mutter schreibt selten und mein Bruder niemals!“ „Schade,— ich hätte gern gehört, ob die Komtesse sich dert glücklich fühlt!“ meinte Lankow.„Die Gräfin scheint raeyr zu wissen. Es wäre vieneicht klug gewesen, sie auszuforschen. Wenn wir zu ihr gingen?“ „Ich überschreite ihre Schwelle nicht!“ sagte der Rittmeister fast schroff. „Sie kennen sie schon lange?“ Lankow warf die Frage leicht hin. Der Rittmeister biß die Zähne zusammen. „Ja und nein!“ stieß er hervor.„Was ich aber von ihr weiß, erweckt nicht den Wunsch in mir, mehr von ihr zu erfahren. Ein hoffnungsvolles junges Menschenleben endete um threthalben. Ihretwegen erschoß er sich, weil sie ihn auslachte, als er ihr seine Liebe offenbarte und ihm riel, mit Puppen zu spielen. Die Schmach konnte er nicht verwinden!“ „Wann war das!“ „Nicht lange, ehe sie Gräfin Domst wurde. Weiß der Regiment Nr. 187 wegen Körperverletzung, mehrfacher Gehorsamsverweigerung und tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte zu 2½ Jahren Gefängnis. Die abgeurteilten Delikte beging der Angeklagte an seinem Entlassungstage. Essen, 18. Nov.[Krupp.=Denkmalenthüllung. Sonntag nachmitteg wurde in Gegenwart des Generals der Kavallerie v. Scholl als Vertreter des Kaisers, des Ministers Fehrn. v. Rheinbaben, des früheren Ministers v. Studt sowie der Spitzen der Bhörden und großer Beteiligung Himmel, wie sie es fertig brachte, den alten Herrn zu um garnen. Haben Sie eine Ahnung, mit welchem Gelde sie in Aufwand treibt!“ Lankow schüttelte den Kopf. „Entweder besitzt sie selbst Kapital, oder macht Schulden!“ meinte er. „Das müßte doch zu erfahren sein!“ entgegnete Ueberlingen.„Warten Sie mal, lernte da neulich bei einem Kameraden einen alten Herrn kennen, der sehr eingeweiht schten in die Domst'schen Verhältnisse. Derselbe wunderte sich auch, daß das Geschwisterpaar sich in abhängige Stellung begeben hat; er meinte, die Mittel müßten doch gereicht haben, ein sorgenloses, wenn auch nicht gerade luxlöses Leben zu führen.“ Lankow lachte. „Na, Rittmeister, dieser alte Onkel scheint wohl aus dem Kaffeelande zu kommen, weil er so ganzl,und gar nicht au falt ist?“ „Allerdings kommt er aus Südamerika zurück und hatte dert Glück in Kohlengruben. Woher wissen Sie das?“ fragte Ueberlingen erstaunt.„Sie keimen wohl schon den alten Herrn?“ „Keine Ahnung von ihm, daß er eritiert und daß er hier ist!“ beteuerte Lankow.„Wie heißt er?“ „Ja, wenn ich das so genau wüßte! Habe den Namen schlecht verstanden, es geht ja meist so bei den Vorstellungen. Aber es klang wie Blomha oder so ähnlich. „Blomha? Rein, ich hab's, Blumhagen hieß er, nicht war?“ rief er plötzlich lebhaft!„Ein entfernter Verwandter des Grafen Domst mütierlicherseite! Blumhagen— ein langer, schlanker Herr, Bart Henri=quatre, dichtes, lockiges Haar, jetzt wohl ganz grau, eine große Nase, darüber ein Paar schlauer, dünkler Augen. Wenn er spricht, reibt er sich die Hände.— Stimmt dies alles!“ So genau, als ob ich ihn vor mir fähe!“ gab Ueberlingen zurück. „Ja, ja, Blumhagen!“ wiederholte Lankow.„Der kennt allerdings die Verhältnisse, denn er war einer jener Vampyre, die den alten Grafen von jeher ausgebeutet haben. Ja, der Bevölkerung und der Werksangehörigen die Enthüllung des von dem Bilshauer Hugo Bederer geschaffenen F. A. Krupp=Denkmals vorgenommen. Die Weiherede hielt das Mitglied des Direktotiums der Firma Krupp, Finanzrat Kluepfel, der das Denkmal dem Schutze der Stadt übergab. Nachdem die Denkmalshälle gefellen war, sprach als Vertreter der Stadt Oberbürgermeister Holle. Namens der Familie Krupp sprach der jetzige Inhaber des Werkes, Herr Krupp v. Bohlen=Halbach, allen bei der Denkmalsvielleicht kann der Auskunft geben! Wissen Sie, seit wann Blumhagen wieder in Berlin ist?“ „Ich meine, gehört zu haben, daß er just nach der Beisetzung des alten Grafen ankam. Es schwebt mir auch so etwas vor, als hätte man mir gesagt, dieser Blumhagen sei ganz außer sich gewesen, als man ihm die Gründe gesagt hat, die den alten Herrn zum Selbstmord veranlaßten. Wir könnten ihn ja aufsuchen, die Adresse ist leicht durch meinen Bekannten zu erfahren!“ „Gut, teilen wir uns in die Aufgabe, Rlttmeister!“ entschied Lankow.„Sie übernehmen den Amerikaner, und ich— stürze mich in die Sirenengefahr!“ „Gehen Sie nicht zur Gräfin!" warnte Ueberlingen. Lankow lachte heiter auf. „Ich fürchte ihre Künste nicht, glaube auch nicht, daß sie sich mir gegenüber verstellen wird, denn sie weiß, daß ich sie durchschaue und schon durchschaut habe, ehe ich in die weite Welt hinauszog!“ „Ah, Sie kannten die Gräfin auch schon früher?“ „Ja, ja, mein li ber Ritimeister, ich kannte sie leider schon früher. Und wenn es mir auch nicht erging wie Ihrem Freunde und ich nicht Hand an mich zu legen brauchte, vielmehr die Sache sich ganz im Gegenteil abspielte, so zog ich doch vor, damals den Schauplatz meiner Enttäuschung, die ich derzeit für die bitterste meines Lebens hielt, zu verlassen. Und ich tat gut daran!“ Die Herren waren bis zur Lennsstraße gelangt. Dort blieb Lankow stehen und reichte Ueberlingen die Hand. „Ich will sofort mein Glück versuchen und das Eisen schmieden, solange es hiß ist,“ sagte er.„Wo treffen wir uns wieder?“ „Ich denke, im Palastrestaurant oder Bellevue, wenn es Ihnen recht ist!“ meinte Ueberlingen. „Gewiß,“ stimmte Lankow bei.„Also sieben Uhr heute abend, Rittmeister! Suchen auch Sie zu erfahren, was zu wissen nottut.“ So trennten die beiden Herren sich, die in ihrer Fürsorge für Gabriele rasch aneinander angeschlossen hatten. (Fertsetzung folgt.) fliftung Beteiligten seinen Dank aus. Gleichzeitig machte er Mitteilung von zwei Stiftungen der Frau Geheimrat F. A. Krupp für Wohlfahrtszwecke im Betrage von einer halben Millien für die Stadt und die Werksangehörigen. M Prraggter. * Hamburg, 17. November. In der Nacht zum Sonntag brannte in Altona eine in Gr. Freiheit gelegener Speicherkomplex ab, in dim sich die Möbelfabrik von Frank u. Co. und das Steinkohlenlager von Rosendahl u. Co. befanden. Heute morgen wurde auf Steinwärder drei Speicher der Lagerhäuser der Firma Nathan, Philipp u. Co. durch Feuer zerstört. Das Fmer war abends noch nicht gelöscht. Wahrscheinlich ist es durch Selbstentzändung von Baumwolle entstanden. Der Schaden wird auf 200000 Mk. geschätzt. Ein zweites Großfeuer war einige Stunden vorher an der Hamburg=Altonaer Grenze ausgebrochen. Der hier verursachte Schaden beziffert sich auf ungefähr 100000 Mk. Dieser Brand legte eine Möbelfabrik und ein Kohlenlager in Asche. * Frankfurt a. M., 18. Novbr. Auf der Rei, von Fuloa nach Frankfurt wurde am Samstag ein Passagie!“ vollständig ausgepländert. Er war in einem Abteil, inr welchim außer ihm noch zwei andere Fahrgäste saßen, eingeschlafen. Seinen Ueberzieher hatte er an die Wand gehängt. Als er in Offenbach erwachte, weren die beiden Mitreisenden verschwunden, und ihm fehlten sein Ueberzieher, seine Handtasche und Brieftasche, die 200 Mark enthielt, sowie seine Uhr und Kette. *[17 Menschen ertrunken.] Bei stürmischer See ist an der portugiesischen Küste eine Fischerbarke gestrandet, wobei 17 Menschen ihren Tod gesunden haben. * Rotterdam, 16. Nov. Der am 15. November in Nieuven=Waterwyk eingetroffine Dampfer„Geruvia“ hatte 8 Schiffdrüchige der Besatzung der norwegischen Bark „Wladimir“, welche auf der Fahrt von Burryport nach Gothenberg in der Nordsee unterging, an Bord. Die „Peruvia“ rettete die Leute, die auf einem Wrack umherschwammen. Einer der Geretteten starb gleich nach der Bergung. Beim Schiffbruch waren 52 Mann umgekommen. *[Der wirtschaftliche Niedergang) ist in Nordamerika viel ärger als in Europa. Der industrielle Ausblick dort erregt bereits schwere Besorgnisse. Das Fachblatt„Ironmonger“ schreibt, daß die Nachfrage auf dem amerikanischen Eisenmarkt gänzlich aufgehört habe, und daß das letztwöchentliche Geschäft das stlülfte seit langer Zeit gewesen sei. In allen Eisenbezirken werden Hochöfen gelöscht, um die Produktion zu verringern. Die Folge daven sind Arbeiterentlassungen. J. F. Zumwinkel. Schönheitsfehler durch Puder und Schminke zuverdecken, ist nicht selten ein Verbrechen anider eigenen Gesundheit. Man benutze die nach dem genialen R. P. Nr. 188988 von L. Zucker& Co., Berlin, hergestellte wunderbal milde ZucksohSeise, ärztl. empfohlen und tausendfach bewährt, Preis 50 Pfg. (kleine Gebrauchspackung) und Mk. 150(große Geschenkpackung) in Verbindung mit Erème, dem herrlichsten und unnachahmlichsten Hauteréme, Preis 2.—, Probet ube 75 Pfg. 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