Neue Gütersloher Zeitung Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr.52 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 111 Schmäling& hibrock, Süterzlot. Dienstag, den 17. September 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Dogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Blatt. Unsere Postabonnenten weisen wir bei dem bevorstehenden Quartalswechsel darauf hin, daß der Briefträger das Abonnementsgeld für das neue Vierteljahr in der Zeit vom 15.—25. Sept. einziehr und rechtsgültige Quittung darüber erteilt. Wer noch nicht auf unsere Zeitung abonniert ist, braucht nur eine an das zuständige Postamt abressierte Bestellkarte unfrankiert in den Briefkasten zu wersen, dann erscheint der Briefträger am nächsten Tage zur Entgegennahme dir Bestellung und Abbholung des Geldes. Eine eigenartige Einrichtung zum Zwick der Lehrlingsfürsorge ist in der Schweiz ins Leben gerufen worden, die sogenannten Lehrlingspatronate, welche den Zwick verfolgen, das Lehrlingswesen namentlich durch Stellenvermittlung und durch Ueberwachung der Lehrlinge zu sördern. Einen Einblick in die Organisation und die Tätigkeit der Lehrlingspatronate läßt das amtliche„Gewerbeblatt aus Württemberg“ tun, indim es das Statut des Züricher Lehrlingspatronats vorführt. Daraus ist zu entnehmen, daß dieses Patronat sich folgende Ausgaben stellt: 1. Mithülfe bei der Berufswahl und Vermittelung von Lehrstellen: 2. Vermittelung geeigneter Wohn= und Kostorte für Lehrlinge und Lehrtöchter; 8. Abschluß von Lehrverträgen und Regelung des Verhältnisses zwischen Meistern und Lehrlingen im Interesse gründlicher Ausbildung; 4. Aussicht über das Betragen der Behrlinge sowie Fürsorge für ihre Erholung, Schutz und nätzliche Beschäftigung derselben in der freien Zeit durch Lektüre, Besuch einer Fortbildungs= oder Gewerbeschule, der Lehrsäle, Bibliotheken, Unterhaltungsabende usw.; 5. Unterstützung unbemittelter, tüchtiger Lehrlingdurch Beiträge für Lehrgeld, Kost und Wohnung, und 6. Stipendien an tüchtige und brave Lehrlinge für Fachschulen und Wanderschaft. Als besondere Organe der Patronate sungieren die Lehrlingspatrone, deren je einer für jeden Lehrling gestellt wird, und die sich meist aus Geistlichen, Lehrern und Beamten rekrutieren. Der Patron hat die Pflicht, den seiner Pflege unterstellten Lehrling in jeder Richtung# beaufsichtigen und ihn zu nützlicher Tätigkeit und Zeitverwendung anzuhalten. Er hat, so oft es die Umstände erfordern, mindestens aber jährlich zweimal, an den Vorstand über Betragen, Fleiß und Fortschritte seines Pflegebefohlenen schriftlich zu berichten; bei etwaigen Differenzen mit dem Lehrmeister hat er vermittelnd einzugreifen und nötigenfalle den Vorstand zum Eingreisen aufzurufen. Bei ungünstigen Berichten über den Lehrling gibt das Patronat davon den Eltern oder dem Vormunde Nachricht. Für die Lehrverträge, mische durch die Vermittelung des Lehrlingspatronats abgeschlossen werden, ist ein besonderes Formular, das dem vom schweizerischen Gewerbeverein aufgestellten Normal=Lehrvertrag angepaßt ist, zur Anwendung gebracht. Beim Vertragsabschluß tritt das Lehrlingsnatronat als vertragschließende Partei„im Auftrag der Eltern bezw. des Vermundes“ auf. Durch den Lehrvertrag wird dem Lehrlingspatronat die Besugnis zur Beaussichtigung des Lehrlings eingeräumt; auch wird im Vertrag der Lehrmeister verpflichtet, selbst(nicht durch Vermittelung des Patrons) jährlich mindestens einmal einen Bericht über die Fortschritte und das Betragen des Lehrlings an das Lehrlingspatronat zu erstatten. Lehrstellengesuche und Lehrstellenangebote sind bei dem Präsidenten des Vorstandes anzubringen. Das Lehrlingspatronat verpflichtet sich den Lehrmeistern gegenüber zur Bezahlung des Lehrgeldes und verlangt seinerseits von den Eltern, Vormündern 2c. Ersatz, soweit diese zur Ersatzleistung imstande sind. Es hat also nicht der Lehrmeister, sondern das Lehrlingspatronat das Risiko des Ausfalles. Die Tätigkeit der Lehrlingspatronate auf dem Gebiete der Lehrstellenvermittelung ist in erster Linie darauf gerichtet, die Lehrlinge bei tüchtigen, in jeder Hinsicht empfehlenswerten Lehrmeistern unterzubringen. Durch die Lehrlingspatrone und durch sonftige Vertrauensmänner werden sorgfältige Erkundigungen über die angemeldeten offenen L hrstellen eingezogen. In öhnlicher Weise wird auch der Besähigung der angemeldeten Lehrlinge und der Wahl eines für den einzelnen geeigneten Berufs große Aufmerksamkeit geschenkt. Ohne Zweifel ist diese schweizerische Einrichtung der Lehrlingspatronate beachtenswert und sollte namentlich von den Handelskammern und Gewerbevereinen in Erwägung gezogen werden. Das Urteil solcher Patronate kommt von belden Teilen, den Lehrmeistern und den Lehrlingen zugute. Schließlich dienen aber diese Institute in hervorragender Weise auch der Familie und der Allgemeinheit, indem durch sie den schädlichen Einflüssen, die auf die jungen Lehrlinge einstürmen, entgegengewirkt werden kann. Pelitische Aebersicht. Der Kaiser hat dem Minister des Königlichen Hauses v. Wedel unter Belassung des Ranges der Staatsminister und unter Verleihung der Brillanten zum Schwarzen Adlerorden die nachgesuchte Entlassung aus dem königlichen Dienst zum 1. Oktober d. J. gewährt und mit der Verwaltung des Ministeriums bis auf weiteres den Oberhofund Hausmarschall Grafen zu Eulenburg beauftragt. Ueber Veränderungen in unserem diplomatischen Dienst tauchen fortgesetzt neue Kondinationen auf. Jitzt weiß ein ausländisches Blatt zu berichten, daß Staatssekretär von Tschirschky Botschafter in Washington werden solle und zugleich wird angedeutet, daß der jetzige deutsche Botschafter in Washington Frhr. Speck von Sternburg Staatssekretär des Auswärtigen werden würde. Vorläufig kann von einem Wechsel in der Leitung des Auswärtigen Amts nicht die Rede sein. Die Frage der Gleichstellung der Oberlehrer mit den Richtern steht, wie die Berl. N. N. hören, demnächst zur Entscheldung der maßgebenden Stellen. Es ist anzunehmen, daß sie im Sinne des Votums des Abgeordnetenhauses fallen wird, das sich bekanntlich seinerzeit einstimmig für die Gleichstellung aussprach. Zur Frage des Wahlrechts hat der Parteitag der freisinnigen Volkspartei folgenden Antrag Dr, Müller=Sagan und Müller=Iserlohn angenommen:„Der Parteitag hält es für unvereinbar mit der notwendigen Einheitlichkeit der Reichspolltik, daß in Preußen, dem Bundesstaat, der den wesentlichen Einfluß ausübt, auf die Reichsverwaltung, ein anderes Wahlsystem herrscht, als im Reiche, und erachtet schon aus diesem Grunde, auch abgesehen von allgemeinen Gründen der politischen Gerechtigkeit, die Einführung des im Programm der Freisinnigen Volkspartei gesorderten gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts in allen Bundesstaaten für geboten. Der Parteitag erwartet, daß die Fraktion der freifinnigen Volkspartei im preußischen Abgeordnetenhaus, wie bisher, mit allem Nachdruck für die Beseitigung des bestehenden, durchaus ungerechten und widersinnigen Dreiklassenwahlsystems eintreten wird.“ Der deutschnationale HandlungsgehilfenVerband unterbreitete dem Bundesrat einen völlig ausgearbeiteten Gesetzetwurf für die Einführung der völligen Sonntagsruhe im Handel und Gewerbe, und zwar mit vollständiger Begründung Eugland. Kriegsminister Haldane hielt am Sonntag in Bleir Achol(Schottland) eine Rede, in der er neue Pläne über eine erhebliche Verstärkung der englischen Heeresmacht entwickelte. Auf Einzelheiten eingehend, sagte der Minister: Neben sechs Divisionen regulärer Truppen sollen 14 Territorialdivisionen geschaffen werden, zwei Fräulein Sturmwind. Reman aus der Gesellschaft von T. Tschürnau. (85. Fortsetzung.)—(Rachdruck verboten.) Heinz hatte seiner Schwester das Briesblatt aus der Hand genommen. „Schon die ersten Worte mußten Nadine's Neugier im höchsten Grade erregen,“ sogte er, ihr das Blatt hinhaltend.„Von meinem früheren Verhältnis zu Jutta hat sie sicherlich schon gehört und die boshafte Person, die Stafi, wird nicht unterlassen haben, mich bei ihr zu verdächtigen. Die läßt eine Gelegenheit, Unheil zu fliften, so leicht nicht unbenutzt vorübergehen. Hier hat nun Nadine unerwartet die Möglichkeit gefunden, klar zu sehen in einer Sache, in der es sich um ihr Lebensglück handelt. Einer solchen Versuchung widersteht ein junges temperamentvolles Mädchen nicht!“ Lette sah das ein; sie seufzie und schwieg. „Weißt du, was sie infolge dieser schädlichen Lektüre getan hat!" begann Heinz von neuem. „un!“ „Sie hat mir kurz und bündig den Abschied gegeben!“ Frau Loite war entsetzt. „Und das sagst du so ruhig? Du liebst sie alse nicht?“ „Doch, ich liebe sie so sehr, daß ich nicht wüßte, wie ich es ertragen sollte, f.: zu verlieren. Ich hoffe aber, daß es dahin nicht kommen wird. Durch Vernunftsgründe habe ich sie dazu gebracht, daß sie einwilligte, vor der Welt vorläufig noch als meine Braut zu gelten. Dadurch habe ich Zeit gewonnen! Ich hoffe, daß es mir gelingen wird, sie mir wiederzugewinnen, oder vielmehr sie mir überhaupt erst zu gewinnen. Denn vorläufig gehörte sie mir noch gar nicht,— auch nicht vor der Entdickung, die sie so sehr gegen mich aufbrachte. Es ist uns sellsam ergangen. Ich habe mich aus Mitleid mit ihr verlobt und mich dann sterblich in sie verliebt, und sie hat meinen Antrag mit Jubel aufgenommen, um dann herauszufinden, daß ihr der gute Freund von früher weit angenehmer war als der nachherige Verlebte.“ „Hat sie dir denn von dem Unglücksbrief gesprochen?“ sagte Frau Lotte. „Nein, kein Wort, aber sie versteht sich so schlecht aufs Lügen, daß ich binnen kürzester Frist wußte, weran ich war. Natürlich darf sie nicht erfahren, daß ich mit dir über die Sache gesprochen habe!“ „Nein, nein!— Ach, Heinz, ich bin trostlos darüber, daß ich durch meine Nachlässigkeit dieses Unheil verschuldet habe!“ Heinz käßte ihr die Hand. „Gräme dich nicht, Lotte!“ sagte er.„Was jetzt geschehen ist, wäre früher oder später doch gekommen. Mit einer halben Liebe und einem bloßen Gutseln hätte ich mich nie begnügen können. Ganz muß sie mir gehören mit jedem Schlage ihres Herzens, wenn sie mein Weib werden soll. Das habe ich ihr auch gesagt. Es scheint, Lotte, daß dein Bruder kein Glück in der Liebe hat!“ Die Baronin fiel ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich. Sie tat das nur sehr selten, denn sie war eine abgesagte Feindin von allen derartigen Demonstrationen, aber heut war ihr das Herz übervoll und unvergossene Tränen saßen ihr in der Kehle. Waren denn die Frauen blind? Sie hatte Jutta sehr gern und sie liebte Nadine, aber in diesem Augenblick wünschte sie von ganzer Seele, daß belde nie den Weg ihres vergötterten Bruders gekreuzt hätten. „Willst du mir denn nicht sagen, was der Grund deiner Trennung von Jutia ist?“ fragte ste. Heinz stand auf. „Ich kann es nicht,“ sagte er,„wenigstens jetzt noch nicht. Sowie ich das Recht habe, darüber zu sprechen, sollst du die erste sein, die es erfährt!“ Und er drückte seiner Schwester bekräftigend die Hand. Er ahnte nicht, daß er sein Wort nicht würde halten können, weil das Schicksal es nicht so bestimmt hatte,— daß die erste, die das erfuhr, keine andere sein sollte als die Exbraut:— Fräulein Sturmwind. Der nächste Tag war ein Sonntag und die gesamte Schloßbewohnerschaft von Sakrau war gerüstet zum Kirchgang. Nur die Stafi fehlte noch und als sie dann endlich erschten, setzte sie alle in Erstaunen durch die Pracht ihrer Toilette. Helle Seide mit einer Unmasse von Volants, Spitzen, Bändern und dazu einen Hut,— nein, nicht einen Hut, sondern ein buntes Blumenbeet, das auf der kunftvollen Frisur wie vom Frühlingswinde bewegt leise hin und her schwankte. „Donnerwetter,“ fuhr's dem Baron heraus,„das ist 0— Hier ein mahnendes Hüsteln seiner Frau, das ihn veranlaßte, den Schluß seiner Rede zu verschlucken. Aber die Stafi ahnte doch, was er hatte sagen wollen. Sie warf ihm einen schmachtenden Blick zu und widmete sich dann ausschließlich dem Doktor. Man durfte diesen armen Max nicht noch bestärken in seiner unglücklichen Leidenschaft. „Können wir nun endlich aufbrechen?“ fragte der Schloßherr. Der schmachtende Blick der Stafi war ihm auf die Nerven gefallen und die unausgesprochenen Grobheiten saßen ihm schmerzlich im Magen. Man ging durch den Park und dann auf einem Heckenwege hinter dem Dorfe wig nach der Kirche. Wenn das Wetter schön war, liebte der Baron es nicht, die Wagen vorfahren zu lassen. „Zu unserm Herrgolt können wir zu Fuß gehen so gut wie die anderen Leute!“ pflegte er zu sagen. Mit dem Gesangbuch in der Hand schritt Nadine neben Heinz, der heut in Uniform war, den anderen voraus. In ihrem schlichten weißen Kleide und dem einfachen Hütchen soh sie aus wie eine kleine Konfirmandin, die zu ihrer ersten Kommunion geht,— so frisch, so holdselig und so unglaublich jung. davon in Schottland. Die Gebirgsbatterten sollen wieder ins Leben gerufen werden und die Infanterie=Bataillone sollen 1000 Mann zählen. Zwischen Friedens= und Kriegsstärke soll kein Unterschied gemacht werden; sie soll bei der Kavallerie, Yeomanry und Artillerie die gleiche sein. In einer Besprechung mit den Lord=Leutnants hätten diese ihre Freude darüber ausgesprochen, nunmehr an die Formierung der Grasschafts=Vereine gehen zu können, die am 31. März ins Leben getreten seien. Großbritannien werde in sechs große Territorialkommandos eingeteilt werden. Er schlage vor, daß für die Territorialtruppen drei Millionen Pfund Sterling ausgegeben werden, was mehr sei als das, was in der Vergangenheit für die Volunteers ausgegeben sei. Er hoffe das Volk und das Heer enger zusammenzuschließen, als dies jemals der Fall gewesen sei. Der neue Hieresplan werde vielleicht mit einem beträchtlichen Fehlbetrag von Mannschaften beginnen, aber er vertraue darauf, daß der Gemeinsinn seiner Landleute ihn doch ersolgreich gestalten werde. Marokko. Augenblicklich herrscht wieder mal Waffenruhe, während welcher die Verhandlungen fortdauern, die besonders Bemerkenswertes bisher nicht gebracht haben. In einer Unterredung mit dem Redakteur des„Gil Blas“ über die Marokkoangelegenheit erklärte der Ministerpräsident Clemenceau, die Regierung beabsichtige nicht, den Fuß vorzusetzen, um ihn dann wieder zurückzuziehen. Man wirde die Polizei organisieren, aber solange die Umstände nicht dringende Maßnahmen erforderlich machten, werde man sich zunächst auf Casablanca beschränken und auch die Operationen der Polizei an der algerischen Grenze abwarten. Der Meinungsaustausch mit der europäischen Diplomatie sei mit Freimütigkeit und ohne Feilschen vor sich gegangen, es könnten sich keine Erkaltungen daraus ergeben. Persten. An einer alten Französin, die in Teheran in abgelegener Gegend wohnte, ist von einem Wachtposten ein Raubmord verübt worden. Die Leiche wurde mit Hundeleichen bebeckt, in einem Brunnen aufgesunden. Strengste Bestrafung der angeblich schon ergriffenen Täter ist seitens der Behörden zugesichert worden. Lohales und Provinzielles. * Eütersloh, 17. Sept.[Einführung.] Heute vormittag 10 Uhr fand in der fistlich geschmückten Aula des hiesigen Gymnasiums die feierliche Einführung des neuen Direktors, des Herrn Wilhelm Bruns, früher Gymnasialoberlehrer in Hann.=Münden, statt. Die Feier wurde eröffnet durch den Gesang des Liedes 663 V. 1—4, worauf der Anstaltegeistliche Herr Professor Pastor Möller als Schriftlektion den für das heutige Fest passenden Psalm 127 verlas. Nach dem Gebete bestieg Herr Pastor Siebold hier das Podium, um als Vertreter des leider verhinderten Provinzial=Schulkollegiums und des Kuratoriums den neuen Direkter zu begrüßen und in sein Amt einzuführen. In seiner gehaltvollen Rede wies Herr Pastor Siebold darauf hin, daß der Direktor der hiesigen Anstalt nicht blos der Leiter, sondern in weit höherem Maße auch der Träger des Geistes derselben sei und sein müsse, einer Anstalt, welche die hohe Aufgabe habe, charakterfeste Männer auf positlo christlicher Grundlage heranzubilden. Mit dem Wunsche, daß der Herr, der bisher unter den alten Direkvoren das Gymnasium sichtbar gesegnet habe, auch die Arbeit des neuen Direktors segnen möge, überreichte er diesem die von Sr. Majestät eigenhändig vollzogene Bestallungsurkunde. Sodann begrüßte Herr Professor Pastor Möller namens des Lihrer=Kollegiums den nunmehrigen Direktor und beglückwünschte das Kuratorium zu der Wahl, die es getroffen. Er mahnte die Schüler in seinen wetteren Ausführungen zum Gehorsam und zum Vertrauen gegen den neuen Direktor, und forderte sie zur Bekräftigung ihres Gelödnisses auf, sich von ihren Plätzen zu erheben.— Als letzter Redner ergriff der neugewählte Leiter der Anstalt das Wort. Anknüpfend an die Worte des verlesenen Psalmo führte er aus, daß die Schule nicht nur berufen sei, die Jugend auf den geistigen Gebieten für den Kampf ums Dasein vorzubereiten, sondern weit mehr für die Bildung des Herzens zu sorgen habe. Hiernach werde er sich bemühen zu handeln und er hoffe auch auf die Unterstützung der Lehrer, welche ihm helfen möchten im christlichen Sinne die Anstalt zu letten und zu führen; im Vertrauen auf die Gnade Gottes trete er sein Amt an. Gesang und Segen schlossen die schöne Feier, zu der sich zahlreiche Freunde der Anstalt eingefunden hatten.— Heute mittag 12 Uhr fand im Anschluß an die Einführungsseier in der„Erholung“ ein Festefsen zu 50 Gedecken statt und heute nachmittag konzertiert die Gymnasialkapelle bei Bergmann, wo die Schüler der Anstalt freie Bewirtung erhalten. — Süteroloh, 17. Sept.[Auszeichnung.) Dem Maurerpolier bei der Firma Paul Struck Herrn Ludwig Westerhelweg in Pavenstädt ist von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Dasselbe wurde ihm heute nachmittag in der Wohnung des Herrn Struck im Beisein der Gemeindevertretung und der übrigen Polierer durch Herrn Landrat Dr. Engelhard in feierlicher Weise überreicht. Eine beHeinz kam sich mit seinen dreißig Jahren alt neben ihr vor. Er hatte schon so viele Kämpfe und Stürme durchgemacht, und die Jahre des aufreibenden afrikanischen Kriegslebens zählten doppelt. Vom Kirchturm her lönte das Glockenläuten,— dieses dörfliche, helle Bimmeln, das so anheimelnd und so friedvoll durch den stillen Morgen klang. Es war nur ein kurzer Weg; schon nach einer Viertelstunde traten sie durch das altersgraue Tor auf den Gottesocker, in dessen Mitte die schmucklose Kirche stand. (Fortsetzung folgt.) sondere Feler aus diesem Anlaß gedenkt Herr Stuck seinem gesamten Personal morgen nachmittag 6 Uhr im Vereinshause zu bereiten. 17. Stpi.(Eisenbahn=Verein. Am vergangenen Sonntag feierte bei Frau Wwe. Bergmann der hiesige Eisenbahn=Verein sein diesjähriges Sommer= sest. Die Mitglieder des Vereins hatten sich nebst ihren Angehörigen um 3 Uhr unter Meiers Bäumen versommelt und zogen dann unter Musikbeglettung in geschlossenem Zuge zum Festplatz. Für Unterhaltung war aufs beste gesorgt. Das Gütersloher Stadtorchester kenzertierte und n den Zwischenpausen fanden Kinderdelustigung statt, Wettrennen und dergleichen mehr. Ferner waren Glücksbuden aufgeschlagen, wo die Festbesucher sich immer wieder versammelten. So flossen die Stunden schnell dahin. Bei Anbruch der Dunkelheit wurde ein Kinderfackelzug veranstaltet, an dem sich Jung und Alt erfreute. Hierauf versammelten sich die Festbesucher auf der Wiese, um sich das Brillant=Feuerwerk anzusehen, das allgemein löbliche Anerkennung fand. Bis zu später Stunde hielt dann der Ball die Tanzlustigen zusammen. .. Sütersloh. 17. Sept.[Der St. JosepheArbeiterverein] hielt am Sonntag seine Monatsversammlung ab, die einen auffallend schwachen Besuch hatte. Herr Kaufmann Hans Derichsweiler hielt einen Vortrag über das neue Volksschulunterhaltungsgesetz, woran sich eine kurze Diskussion schloß. Nach Vornahme von Delegiertenwahlen beschloß die Versammlung die Veranstaltung eines Familienabends, der vielleicht im November stattfindet und für den die Vorbereitungen dem Vorstande übertragen wurden. )§( Süterslob, 17. Sept.(Einen Menschen= auflauf) gab's am Sonnabend abend gegen 9 Uhr vor dem Rathause. Eine fremde Hausterertruppe, welche anjeblich überlaut und mit einer Mundharmonika spielend sie Berlinerstraße herauskam, wurde von dem Nachschutzmann Kornfeld zur Ruhe verwiesen. Dabei sollen die Leute der Aufforderung nicht Folge gegeben und schließlich bei der Verhastung auch Widerstand geleistet haben. Das Ende davon war, daß der Beamte Hilfe herbeiholte und als solche kam, von der blanken Waffe Gebrauch machte. Das Publikum faßte das Vorkommnis anders auf und glaubte, daß hier ein polizeilicher Uebergriff vorliege, da der Beamte sich in Notwehr gar nicht befunden habe. Die Angelegenheit, die sofort am andern Morgen von der Polizeibehörde protokolliert wurde, wird jedenfalls noch das Gericht beschäftigen und wird sich dann ja herausstellen, ob der Beamte seine Machtbefugnis überschritten hat oder nicht. Bis dahin wird man gut tun, mit seinem Urteil zurückzuhalten, erlebt man es doch nicht selten, daß, wenn die Polizei gegen Ruhestörer einschreitel, ihr nachher mit Vorwürfen gedankt wird, die sie gleichfalls aber auch treffen, wenn sie zu rechter Zeit mal nicht an Ort und Stelle sind. Gütersloh, 17. Sepibr.[Die Leipziger Sänger, Direktion Eyle=Schmidt, hatten gestern abend wieder ein ausverkauftes Haus. Das reichhaltige und vielseitige Programm, dessen Abwicklung fast drei Stunden in Anspruch nahm, rechisertigte denn auch den starken Besuch aufs glänzendste. Das Quartett, bestehend aus den Herren Horbath, Schmidt, Ludwig und Steiner, fand mit seinen prächtig und glockenrein gesungenen Liedern dankbare Aufnahme und fand besonders Herr Steiner mit seinem Baß volle Bewunderung. Größte Aufmerksamkeit spendete das Publikum dem a capella gesungenen Lled„Ihr Rosen der Heimat, wie seld ihr so schön.“ Die Herren Eyle und Mühlau zeigten sich wieder von der besten Seite und sorderte ftürmischer Beifall sie zu mehrfachen Zugaben heraas; ganz besonders gefiel Herr Eyle in dem Verwandlungskouplet„Ja, wenn Musik erkling!“, und Herr Mühlau als„Der Postillon von Klein=Klunkersdor““. In der Charakerszeinte„Der Zigeuner" erfreute Herr Horvath, der den Güterslohern noch ein Neuling war, das Publikum nicht nur als vorzüglicher Darsteller, sondern vor allem auch durch seine Leistungen als Geigenvirluos. Herr Jebben als Damenimitator hatte gleichfalls großen Erfolg zu verzeichnen sowohl bei seinem Alleinauftreten als auch bei dem Terzett„Der brave Johann“ und dem den Schluß des Abends bildenden humoristischem Gesamtspiel„Das versiegelte Brautpaar“. Mit der üblichen musikalischen Zugabe verabschiedeten die Sänger sich von dem zahlreich erschienenen Publikum, das sich des gestrigen Abends gewiß noch ost und gerne erlnnern wird. * Mäterslab, 17. Sept.(Ehrenerklärung.] Der Redakteur des in Paderborn erscheinenden Westsälischen Volksblattes erklärt dem Güterbodenarbeiter Heinrich Henkenjohann zu Gütersloh, früher zu Verl wohnhaft, daß die auf Grund einer Einsendung eines Korrespondenten in Nr. 15 des Wests. Volksbl. vom 16. Jan. 1907 aufgenommene Netiz, Henkensohann habe Stückgüter auf der Statton Verl gestohlen, vollständig unrichtig ist. Der Redakteur bedauert die Aufnahme jenes Artikels und alldarin gegen Henkensohann gebrauchten Ausdrück= und nimmt diese zurück. Diese Erklärung erfolgt gemäß gerichtlichen Vergleiches vom 28. Mai 1907. p. Gütersloh, 17. Sept.(Telephonisches.] Es sind zum Sprechverkehr mit Gütersloh zugelassen: St. Pieter bei Maastricht, Gesprächsgebühr 1.50 Mk. und Merfeld(Kr. Konsfeld), Gesprächsgebühr 50 Pfg. .“ Amt Gütersloh, 17. September.(Sitzung. Am Sonnabend nachmittag fand eine Sitzung der Amteund Gemeindevertretung statt, die zwar nur von fün Vertretern besucht war, dennoch aber beschlußfähig war, well die zuvor anberaumt gewesene Sitzung mit der gleichen Tagesordnung wegen Beschlußunfähigkeit nicht statlfinden konnte. In den Schulvorstand des kathol. Gesamtschulverbandes wurden gewählt die Herren Meier Pavenstädt in Pavenstädt und Obermeister Lenzen in Sundern.— Für die beiden neu errichteten Lehrerstellen in Sundern II und Pavenstädt II hat die Kgl. Regierung auf Widerruf einen jährlichen Zuschuß von je 500 Mark bewilligt, wevon Kenninis genommen wurde.— Zurn diesjährigen Tierschaufest wurden 100 Mark bewilligt zur Prämiterung von Ziegen, Geflägel und Produkte mit der Bedingung, daß auch Nicht=Vereinsmitglieder Prämien erhalten können. § Wiedenbrück, 17. Sept.[Neue Posthilfsstellen.] In Bokel und Hammoor bei Rietberg traten mit gestrigem Tage Posthilfestellen in Wirksamkeit. Bei ihnen werden Postwertzelchen verkauft und Postsendungen nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften zur Weiterbeförderung angenommen. 16. Sept.[Verbotenes Glückssp#iel.] Der Kleinhändler Anton Wiesbrock hier, der eine geheime Kneipe in seinem Wohnhause unterhielt, hatte sich am 1. August d. Is. vor dem Schöffengericht zu Gütersloh wegen unbefugten Betriebes der Schenkwirtschaft zu verantworten und war zu einer Geldstrafe von 30 Mk evtl. 6 Tagen Befängnis verurteilt, dagegen von der Duldung des Glückspiels freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil war wegen der Freisprechung Berufung bei der Strafkammer in Bielefeld eingelegt worden und fand dieserhalb am Sonnabend Termin statt. Da der Angeklagte zugab, daß bei ihm ab und zu„Stebzehnundvier“ gespielt worden sei, wurde auf die Vernehmung von Zeugen verzichtet. Er wurde unter Aufhebung des ersten Urteils wegen Duldung von Glückszu einer Geldstrafe von 10 Mk. bezw. 2 Tagen Gefängnis verurteilt. □ Asselherst, 17. Sept.(Einen glänzenden Errets im Weitawerbe hat die Frma Ep; J. Eimenderf der jetzt geschlossenen Deuischen Armee=, Marineund Kolonial=Ausstellung in Berlin errungen. Ihr wurde für die hervorragende Qualität ihrer Branntweine, Elmendörser Korn und Steinhäger, die goldene Medaille mit Ehrenpreis verliehen. X Versmeld, 17. Sept.[Verschwunden] ist seit Freitag morgen der Bäcker und Kosonialwarenhändler H. von hier. Man munkelt von geschäftlichen Zahlungsschwierigkeiten. Die Nachforschungen sind im Gange. 0 Prachmede, 17. Sept.(Herbstrennen.] Das dritte diesjährige Rennen des Ravensberger Rennvereins findet am 20. Oktober statt. Wir machen nun darauf aufmerksam, daß auch ein landwirtschaftliches Galopp=Reiten eingelegt wird, für welches der Nennungsschluß am 5. Oktober ist. 17. Sept.(Fahnenweihe.] Sonntag nachmittag 3 Uhr wurde auf dem Kaiser Wilhelmplatz die Fahnenweihe des hiesigen Marinevereins vollzogen. Eine Anzahl militärischer Vereine aus Stadt und Umgegend mit 14 Fahnen und mehreren Musikkorps waren in zwei Treffen ausgestellt. In der Mitte des Platzis erhob sich ein reich mit Flaggen geschmücktes Podium in Gestalt eines Kriegsschiffes, auf dem weißgekleidete Ehrendamen des Kommenden harrten. Pünktlich 8 Uhr erschten in Equipage der KontreAdmiral z. D. Thiele, der nach Abschreiten der Parodeaufstellung vom Podium aus mit kräftiger, welihin tönender Stimme die anwesenden Militärvereine begrüßte und dann die Wiihe und Uebergabe der Fahne vornahm. Nach Uebergabe der Fahne und ihrer Schmückung mit einem Fahnenbande durch die Ehrendamen nahm der Herr Admiral den Parademarsch der Vereine ab, die darauf zur Fortsetzung der Feier nach dem Johannisberg abrückten. Hier fand die feierliche Ueberreichung der geftifteten Fahnennägel stalt und hielt auch hier der Herr Admiral noch eine kurze Ansprache. Das treffliche Konzert einer Marinekapelle sand reichen Beifoll. 17. Sept.(Verhaftet.] Die Polizei in Brackwede verhaftete den sich mit seiner Ehefrau seit längerer Zeit in hiesiger Gegend herumtreibenden Arbeiter H. B. aus Brockhagen, der von der hiesigen Staatsanwaltschaft wegen eines in der Nacht zum 28. Juli in Nordhorn bei Gütersloh verübten Wäschediebstahls, bei dem er ein Kleid und ein Hemd erbeutete, steckbrieflich verfolgt wurde. Gleichzeitig mit ihm wurde seine Ehefrau, welche seit fast einem Jahre obdach= und arbeitslos die Gegend zwischen hier und Gütersleh bettelnd abstreifte, festgenommen und zur gerichtlichen Untersuchungshaft gebracht. Sie werden in nächster Zeit durch die hiesige Strafkammer abgeurteilt werden. Herford, 1d. Sept.(Beim Obstpflücken] stürzte der 71jährige Arbeiter Roltmanni von hier von der Leiter und brach die Wirbelsäule. Binnen wenigen Minuten gab der verletzte Greis seinen Geist auf. 16. September.[Die 8. National= konferenz der evangetischen Jünglingsbündnisse Deutschlands] hat ihren programmmäßigen Verlauf genommen. Am Sonntag sanden in allen Kirchen des Landes Festgottesdienste statt. In Detmold konzertierten während des Vormittags die Posaunenchöre. Schon in den früheren Vormittagsstunden herrschte auf den Straßen ein festlich=frehes Gewoge. Gleich nach Mittag entwickelte sich auf der Grotenburg ein solches Leben, wie es hier seiten gesehen wird. Die nach vielen Tausenden zählende Volksmenge, die sich zwischen dem Denkmal und der Bandelwiese und zwischen dieser und der Restauration bewegte, sowie das Hauptarrangement auf dim Festplatze erinnerte lebhaft an die weihevollen Stunden der Einweihung des Hermannsdenkmals. Gleich an dem Denkstein, der bekundet, daß während des Aktes der Einweihung Wilhelm I. an Fürst Leepolds Seite an dieser Stelle gestanden hat, war, wie damals ein mit Landesferben und Wappen geschmücktes Fürstenzelt aufgebaut, um den Protektor der Feier, unsern Fürsten aufzunehmen; wo der Erbauer stand, vor seiner Hütte, war eine Rednertrlbüne aufgebaut, und da, wo sich der Kaiserweg nach rechts oberhalb der Bandelhütte wendet, war eine Kanzel aufgeführt, von der aus Hirr Paster Kuhlo=Bethel den noch weit über tausend zählenden Posaunenchor diriglerte. Die schönen Worte der Redner verfehlten ihre Wiekung nicht, und was diese nicht ver mochten, erzielten die Männerchöre und Musikstücke. Eine H Wie herrlich klangen aber auch die Posaunznchöre, Die unter der sicheren Leitung des Herrn Kuhlo außerordentich exakt und mächtig wirkend zum Vortraße kanten. Dim Fürsten, der in Begleitung seines Flügelasjutanten erschtenen war und sich längere Zeit auf der Gretenburg aushielt, wurden beim Kommen und Gehen brausende Ovatiönen dargebracht, die ihm sichtlich große Freude machten. Die Tausenden von Fremden, die dem Volke angehören, wollten nicht unterlassen, ihrer Freude über die Anwesenheit des Fürsten bei der Feier Ausdruck zu geben. Es mochte wohl so gegen 5½ Uhr sein, als die Feier am Denkmal ihr Ende erreicht hatte. Die große Zoht der Bläser und mit diesen viele Tausende verließen das Denkmal auf dem Kaiserwege, und wenn auch ein Strom von Menschen die Fußwege benutzte, um Detmold zu erreichen, so hielt sich doch noch ein großer Teil der Festteilnehmer bis zum Einbruch der Dunkelheit auf der Grotenburg. Die Elektrische hatte auch nicht wenig zum Transport der Massen beigetragen. Auf dem Bahnhofe war es eine solche Vollheit, wie man es sich kaum vorstellen kann. Dank des Einstellens verschiedener Extrazüge seitens der Eisenbahndirektion war es möglich, die vielen Fremden ihren Heimatsorten glatt zuzuführen. Münster, 16. Sept.(Kaiserliche Anerkennung für das 7. Armeskorps.] General der Kovallerie Frhr. von Bissing, kommandlerender General des 7. Armeekorps, veröffentlicht folgende an ihn gerichtete Allerhöchst Kabinetisordre: Wilhelmshöhe, den 11. Sept. 1907. Ich habe sowohl bei der Parade wie auch an den darauffolgenden Manövertagen in sämtlichen Truppenteilen des 7. Armeekorps eine vortreffliche Haltung, innere Ordnung und kriegsgemäße Ausbildung gesunden, die Mich ganz besonders befriedigt und erfreut hat. Ich nehme daher gerre Veranlassung, Ihnen Meinen Dank für Ihre ersolg reiche Tätigkeit auszusprechen und verleihe Ihnen, in ehrender Anerkennung Ihrer Verdienste Meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler, dissen Insignien anbei folgen. Zugleich beaustrage Ich Sie, unter Bekanntgabe der aus der Anlage ersichtlichen Gnadenbeweise, in Meinem Namen allen Generalen, Kommandeuren und Offizieren für die Sorgfalt, mit der sie die Ausbildung der Truppen geleitet haben, zu danken, den Unteroffisieren und Mannschaften aber Meine Zufriedenheit mit ihren Leistungen zu erkennen zu geben. Gleiche Anerkennung gebührt den zur Verstärkung des Armeekorps und zur Bildung der Kavallerie=Division A von anderen Armeekorps herangezogenen Truppen, ihren Kommandeueen und höheren Führern und wollen Ste auch diesen hiervon mit den in der Anlage enthaltenen Gnadenbeweisen Kenntnis geben. Meine besonderen Bemerkungen über die Manöoer behalte Ich mir vor. Wilhelmshöhe, den 11. Sept. 1907. Wilhilm R. Neußen, 16. Sept.[Bel einem ehelichen Zwiste] trat die Frau eines Fuhrmanns diesen gegen den Unterleib. Der Fußtritt verursachte einen Darmriß, und schon bald nachber trat der Tod ein. Siegen, 16. Sepi.(Ein schweres Eisenbahn= unglück ereignete sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem Bohnhef Altenhundem. Der Gäterzug 7859, der nachts 2.05 Uhr mit einer Drucklokomotive von Altenhundem fuhr, teilte sich durch einen Kuppelungs=Defekt in zwei Teile. Mährend nun die Zuglokomotive voraussuhr und die vor der Drucklokometive verbleibenden Wagen langsamer fuhren, war bald ein beträchtlicher Zwischenraum zwischen den beiden Teilen des zerrissenen Zuges. Bei dem herrschenden Nebel hatlen die beiden Lokomotivführer nichts von dem Zerreißzen dis Zuges bemerkt. Ein mit seiner Maschine im Bahnhef Altenhundem stehender Lokomotivführer bemerkte den Schaden und gab das Bremesignal, das jedoch nur der Führer der Zuglokomotive hörte und infolgedessen bremste. Der Fährer der Druckmaschine fuhr in voller Fahrt weiter und rannte so heftig auf den vor ihm haltenden anderen Teil des Zuges, daß etwa 15 bis 20 Wagen total zertrümmert wurden. Einem Bremser wurde der Arm vollständig abgequetscht und die Laterne so heftig in die Seite gedrückt, daß ihm einige Rippen gebrochen wurden. Der Zug hatte eine Länge von 60 Wagen. 14. Sept.(In den Schacht gefallen.] Auf Zeche Hannibal II ist der Betriebsführer Passing heute morgen 5 Uhr in den Schacht gefallen. Beim Nachsehen des Schachtes bekam er einen Schwindelanfall und verlor das Gleichgewicht. Er war sofort tot. Der Verunglückte war 50 Jahre alt. Er hinterläßt Frau und drei Töchter. Vermischtes. * Emden, 16. Sept. Die Frau des Landwirts Sanders in Rechteuferweg legte in der Trunkenheit ihr 9 Monate altes Kind statt in die Wiege in ein Buttermlichsaß, wo es ertrank. Und solches Weib darf sich Mutter nennen! * Hamburg, 17. Sept. Die Hamburger Viermast bark„Alsternixe“, Kapitän Althaber, ist am 26. November 1906 von Callae nach Melbourne abgegangen, hat ihren Bestimmungsort bieher aber nicht erreicht und gilt als verschollen. Das Schiff ist zweifelsohne mit seiner 38 Mann starken Besatzung untergegangen. * Halberstadt, 16. Sept. Bei dem am vergangenen Samstag hier und in der Umgegend niedergegangenen Gewitter wurden 3 auf dem Felde beschäftigte Arbeiter erschlagen. In dem benachbarten Grögingen wurde ein Schüler, der unter einem Baume Zuflucht gesucht hatte, ebenfalle vom Blitz gelötet. * Heiligenstadt, 16. Sept. Ja Hohengandern schoß der Dreschmaschinenbesitzer Drost gestern abend auf seinen Sohn und seine Tochter, beide wurden getötet. Der Mörder ist flächtig. * Hirschberg, 16. Sept. In der vergangenen Nacht brach in den oberen Räumen des Hotels Silesia in Petersdorf im Riesengebirge Feuer aus. Der Giebel ist völlig abgebrannt. Heute morgen 8 Uhr brannte noch das 4. Stockwerk. Drei Kinder des Besitzers Feuchner, zwei Knaben von 10 und 11 Jahren, und ein Mädchen von 15 Jahren, fanden den Tod in den Flammen. Drei Dienstmädchen wurden schwee verletzt. Die Entstehungsursache ist unbekannt. * Landau(Pfalz), 16. Sept. Zvischen Oltersheim und Knittelsheim wurden heute nacht von unbekannten Tätern 5 scharfe Schüsse auf einen Wagen, in welchem Besucher des Kirchweihfestes heimfuhren, abgegeben. Ein Buchhalter aus Offenbach wurde getötet. Einem andern Insassen drang ein Schuß in den Kopf. * Ilensburg, 16. Sept. Ein vierzehnjähriges Mädchen, das aus Sehnsucht nach der Mutter das Anwesen ihres Dienstheren in Osterbargum anzündete, wurde von der hiesigen Strafkammer zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. * Boston, 15. Sept. Ein mit Ausflüglern besetzter Expreßzug stieß bei Cunaan(New=Hampshire) zwischen Quebec und Boston mit einem Güterzug zusammen; über 20 Personen wurden getötel. Die meisten Toten sind Frauen. Einige der Verletzten liegen hoff nungslos darnieder. Angenommen wird, daß der Unfall auf mißverstandene Anordnungen zurückzuführen ist. Der Expreßzug stieß in einer Kurve gegen den Güterzug, der in entgegengesetzter Richtung fuhr. Beide Lokomotiven stürzten die Böschung hinab. Beide Lokomotiven stürzten die Böschung hinab. Der Gepäckwagen schob sich in den ersten Personenwagen; dieser wurde in den zweiten Personenwagen hineingetrieben. Fast alle Tote befanden sich im ersten Personenwagen. *[Explosion eines Luftballons.] Die Lustschifferin Myers nahm gestern in New=York vor 8000 Zuschauern einen Aufstieg vor. In einer Höhe von 300 Muiern explodierte der Ballon. Die Lustschifferin stürzte zur Erde und wurde mit zerschmetterten Gliedmaßen aufgefunden. (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Nachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 17. bis zum Abend des 18. September: Morgen trocken bei wechselnder Bewölkung; Luftbewegung; Temperatur nicht erheblich geändert. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Kindermahl Diarrhös, grankenkost Darmkafarrh, erc. Bestellungen auf die Neue Gütersloher Zeitung mit der achtseitigen reich illustrierten Wochen=Gratisbeilage werden jederzeit entgegengenommen von allen Postanstalten, Landbriefträgern, unsern Zeitungsboten und der Expedition Schulstraße 783. Bekanntmachung, Wandergewerbescheine für 1908 sind bis zum 10. Oktober d. Is. im hiesigen Amtshause Zimmer 5 eventl. unter Vorlegung der bereits für das lausende Jahr erteilten Wandergewerbescheine zu beantragen. Gütersloh, den 18. Sept. 1907. Polizeihehörde des Amtes Gütersloh. J. V. Merklinghaus, Beigeordneter. Betanntmachung. Die Wandergewerbescheine für das Kalenderjahr 1908 sind bis zum 30. September ds. Is., im hiesigen Amtshause— Zimmer Nr. 4— zu beantragen, elventl. unter Vorlegung der bereits für das Vorjahr erteilten Wandergewerbescheine. Brackwede, 12. Sepfdr. 190.. Der Amtmann. Hilboll. ff. geräucherten Schellfisch u. Bücklinge. Ludwig Grabemann Vorzügliches Puddingpulver 6 Packete 35 Pfg. empfiehlt Clemens Müller. ie er eit am Sonntag bei Frau Wwe. Bergmann einen Damenschirm unrecht mäßigerweise angeeignet hat, wird hierdurch aufgefordert, denselben innerhalb 3 Tagen bei Frau Bergmann zurückzugeben, andernfalls Anzeige erfolgt. Es hat Gott dem Herrn gefallen, Sonntag morgen 2¼ Uhr, unsern lieben Vater, Grossvater und Onkel, den Kolon nach kurzer Krankheit, im festen Glauben an seinen Erlöser, im 78. Lebensjahre, zu sich in die Ewigkeit abzurufen Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tietbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Pavenstädt b. Gütersloh, den 15. Sept. 1907. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 2¼ Uhr vom v 17 and statt. Die Feier im Hause Trauerhause, Pavenstädt Nr. 17, aus statt. Die beginnt um 1¾ Für die uns erwiesene liebevolle Teilnahme beim Heimgange unseres geliebten Sohnes sprechen wir hiermit unsern tiefgefühlten Dank aus. Familie Ludwig Witte. Gütersloh, den 17. September 1907. Danksagung. Allen denen, welche uns aus Anlass des Ablebens unserer lieben Entschlafenen so innige Teilnahme bekundet haben, sagen wir aut diesem Wege unsern tiefgefühltesten Dank. Kattenstroth, den 17. September 1907. Familie Wilh. Witte. Suche einen Frachtknecht. H. C. König. 12—14 jähriges Mädchen für nachmittags gesucht. Roonstraße 797 11. Statt jeder besonderen Anzeige. Die Verlobung unserer Tochter Luise mit Herrn Paul Thomas, Pastor in Hartsburg Mo., Nord-Amerika, beehren wir uns ergebenst anzuzeigen. Gustav Wilmking u. Frau Sophie geb. Wissel. Gütersloh, im September 1907. 3. * Neue Sendung seinsten echten Tilaiter-Käse „ Edamer-Käse W. Küster. Gesundheits=Hafer= Zwiebachk ist der beste Nähr= und Tafelzwieback der Welt. W. Mestemacher. Verblüffend schnell verschwinden alle Hautunreinigkeiten als: Mitesser, Finnen, Blütchen, Gesichtsröte 2c. durch Waschen mit Radebeuler Carbel=Ceerschwefel=Seise. à St. 50 Pfg. bei: Ernst Hossschildt. Ginige Maurer sucht auf dauernde Beschäftigung W. Peceweg, Baugeschäft. Am Tierschaufest ein silbernes Armband verloren. Gegen Belohnung abzugeben in der Geschäftsst. d. Z. Mädchen von 12—14 Jahren für einige Stunden am Tage gesucht. Näheres bei H. Niehaus, Berlinerstraße. Mädchen für Hausarbeiten täglich morgens für sofort oder 1. Oktober gesucht. Frau Uwe. Eintracht. Am Sonntag ist mir eine entlaufen. Krull, Polizeisergeant, Tran=Texte werden sauber angefertigt in der Buchdruckerei von Schmäling# Mit der heutigen Nummer erhalten die Leser unserer Zeitung eine Extrabeilage der Firma J. H. Manecke hier, die wir der besonderen Beachtung empfehlen. Die Expedition. Kusik- Cab)Veren wiederbeginn der Uebungen om Mittwoch, d. 18. Sept., in der„Erholung“. Damen: pünktlich 8 Uhr. Herren: 8½ Uhr. Obst=Verkauf. Das Obst von 32 Bäumen an der Kreisstraße Gütersloh=Marienfeld km 0,3— 0.6 soll am 18. ds. Mis., vormittags 9 Uhr an Ort und Stelle öffentlich meistbietend gegen sofortige Bezahlung verkauft werden. Der Provinzial=Straßenmeister. Kleffmann. Betten! Bettbarchend, Federleinen, Bettfedern und Dannen in sehr guter dauerhafter Ware, unter jeder Garantie, kaufen Sie sehr billig bei H. Niehaus, Berlinerstr. NB. Umstopfen alter Betten = billigst.= Rasch verschwinden Hautausschläge, Hantnureinigkeiten u. Sommersprossen durch Bergwanus Teerschwefel-Seife a St. 50 Pfg. bei Ernst Hoffschildt. in vorzellan u. Emaille werden prompt besorgt. J. F. Zumwinkel. Trotz dir enormen Preissteigerung gebe garantiert reinen entölten Kakao 8 Pfund noch zu 1 80, 1.60 2c. ab Clemens Müller. Donnerstag: Wilh. Husemann. ug-Weidlich Seife Shomssierh Jist und bleibt die beste Verkaufastellen durch Placate kenntlich. 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Oelbermann's Fussbodenlack ist der beste. Derselbe trocknet über Nacht, ist geruchlos und glänzt wunderbar schön. Leinöl, Terpentin, Siecativ, Möbellacke, Bohnerwachs, Tapeten und Borde in allen Preislagen, Rolle von 10 Pfg. an. Broncen, Beizen, Pinsel, Schwämme und Fensterleder. Ernst Hoffschildt, Löwendrogerie und Filiale. Mittwoch morgen 10 Uhr: Fortsetzung des Maschinen=Verkaufs bei Witte-Wulfhorst. L. Stertkamp. Rheinisch=Westsälische Zeitung gegründet ver 1738 erscheint seit 1896 täglich 8 mal · Preie im Viertelfahr 4.75 Mb.* Hauptsitz Essen a. d. R. in Dortmund und Duisburg. Hauptvertretungen in Rochum, Düsseldorf, Elherfeld, Barmen, Hellenkirchen. Mülheim, Ruhrort, Hagen, Witten. Unabhängig nationalse Organ. Erstklassiger Handelsteil. Wirksamstes Schneidergehilfen für dauernde Beschäftigung sofort gesucht. W. Wieseke, Schneidumstr. Rheinisch=Westsälischen Industriebezirkes Probezustellung erfolgt bis zum 1. Oktober kostenlos durch die Geschäftsstelle in Essen=Ruhr. vorrätig in der Buchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock. Bekanntmachung. Der für die Stadt Wiedenbrück auf den 26. September ds. Is., festgesetzte Kram- und Viehmarkt wird wegen der im Amte Everswinkel ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche aufgehaben. Die Pollzeibehörde. Meiergerd. Amt Reckenberg. Bekanntmachung. Der am 25. September in Friedrichsdorf austehende Piehmarkt ist wegen des Ausbruches der Maul- und Klauenseuche in Everswinkel im Kreise Warendorf aufgehoben, was hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. Wiedenbrück, 11. September 1907. Der Amtmann: Murenhoff Die Besitzung Mauerstraße 411, früher Verleger'sche Fabrik, ist durch mich zu verkaufen. Die Besitzung besteht aus Wohnhaus mit Hintergebäuden und geräumiger Fabrikanlage und grenzt an 2 Straßen. Die Fabrikräume mit ca. 700 □ Meter Arbeitsfläche enthalten Dampfkessel, Dampfmaschine, sowie komplette Transmission und sind mit Gas= und Wasserleitung versehen. Die Räume sind hoch und luftig und eignen sich zu jeder Art Fabrikation. Heinrich Bornemann. Gras-Verkauf. Am Donnerstag, den 19. September er., soll der 2. Grasschnitt in meinen sämtlichen Wiesen meistbietend gegen Kredit verkauft werden. Anfang 4 Uhr nachmittags. Blankenhagen, den 14. September 1907. Meier Rassfeld. Prima 1— Limburger Käse. Anna Boß. Donnerötag morgen: frischen Schellfisch und Schollen sehr billig. Clemens Müller. kaufen sie am billigsten bei W. Epke, Möbelmagazin. Mehrere Arbeiter gegen hohen Lohngesucht L. Ruhenstroth, Selzhandlung. Handlanger gesucht. AurBn Carl Brune, Bauunternedmer. Ia. Weintrauben, gemischt, per Pfo. 28 Pfg. Kisichen ca. 10 Pro. Mi. 2,50. Ia. Fettbücklinge Stück 8 Pig., Kiste 1.80. Mittwoch u. Donnerstag: Ia. Einmachgurken pr. Schock von 1 Mk. an. Ia. Pratschellsisch per Pso. 18 4910. Ia. Augelschellsisch per Pso. 17 P. Ia. Zlumenkohl und Halatgurken. Gebrüder Wolff. Beilage zu Nr. 111 der Neuen Gütersloher Zeitung. Dienstag, den 17. September 1907. Die Posener Jestungskriegsübung. Ein ungewohnten militärisches Bild zeigt jetzt die Stadt Posen und die nächste Umgegend. Seit Wochen sind fortwährend neue verschiedene Truppen, hauptsächlich die Spezialwaffen, Pioniere, Fußartilierte, Verkehrstruppen (Gisenbahner und Luftschiffer) aus allen Tellen des Deutschen Reiches eingetroffen, um die schon Jahrhunderte alte Festung Posen, die vor 80 Jahren neu befestigt wurde, in einen derartigen Verteidigungszustand zu setzen, daß sie selbst einem längeren, kräftigen Angriff des Gegners fiegreich standzuhalten vermag. Das militärische Bild, das sich in der Woche vom 16. bis 21. d. Mis. in der Belagerung, dem Angriff und endlich dem letzten Sturmangriff einer bis in alle Einzelheiten sorgsam ausgerüsteten Festung dem Auge barbieten wird, zählt zu den interessantesten, die der „Krieg im Frieden“ mit sich bringt. Alle neuen kriegstechnischen Erfahrungen der lehrreichen Kriege der letzten Jahre, besondes des russisch=japgnischen Belagerungskrieges, alle Neuerungen der letzten Zeit auf artilleristischem, technischem und fortifikatorischem Gebiete sollen bei dieser Uebung Anwendung finden und, falls sie sich hier in der Proxis gut bewähren, auch im deutschen Heere dauernd eingeführt werden. Geschütze neuesten Modells werden ihren Donner ertönen lassen, vom Fesselballon und von Aussichtstärmen aus werden geübte Augen die Annäherung, Bewegung, Stärke des Gegners usw. zu erspähen trachten, Telephon, Feldtelegraph und drahtlose Telegraphie werden zur Anwendung kommen, ebenso wie alle Neuerungen im Eisenbahnbau, im Transport von Materialten, Munition und dergl., Radfahrer, Automobile und Meldereiter wirden Befehle überbringen und Meldungen erstatten; elekirische Scheinwerfer werden zur Nachtzeil das Terrain sondieren, um den verborgenen Gegner zu entdecken. Hierzu kommi, daß an einem Tage der Uebung von den Belagerten scharf geschossen wird. In weitem Umkreise sind alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um hierbei Unglücksfälle zu verhüten. Von sicherer Deckung aus werden Mannschaften Kavollerie attackieren, Artillerie auffahren, Infanterie=Kolonnen anmarschieren und nach bestimmter Zeit wieder verschwinden lassen. Diese aus Pappe und Holz hergestellten Zielgegenstände werden auf Feldbahnwagen und Rollen bewegt. Täglich waren über hundert Gespanne damit beschästigt, das nötige Material an Ort und Stelle zu schaffen. Feldbahnen gehen kreuz und quer durch das Uebungsgelände. Zu ihrer Legung waren mehrere große, teils 70 Meter lange Brückenanlagen, die über die Nebenflüsse der Warthe(Gluwna und Weina) sowie über sumpfige Stellen führten, ja sogar eine Eisenbahnüberführung notwendig. Und alle diese Arbeiten hat die Eisenbahnbrigade aus Schöneberg und das Mänchener kriegsstarke Eisenbahnbataillon in einem Zeitraum von drei Wochen ferliggestellt. Unter anderem ist die schmalspurige Militärbahn Rogassen—Kobelnitz gebaut worden, die 47 Kllemeter lang und größtentells zweigleisig ist; sie hat Bahnhöfe mit mehreren Rangiergleisen und verbindet die einzelnen Zeltlager. Unterhalb Posens haben die Pioniere eine Kriegsbrücke hergestellt, um die Artilleriestellung des Angreifers mit seinem Belagerungspark in Verbindung zu setzen, ferner sind für den Transportverkehr der Verleidigungstruppen Schiffsbrücken über die Warthe geschlagen worden. Die Unterbringung der vielen tausende Soldaten, dar unter allein mehrere tausend Reservisten und Landwehrleute, die zur Uebung einberufen sind, und der Pferde verursacht nicht geringe Mühe. Die Truppin müssen größtenteile biwakieren. Zu ihrer Verpflegung sind eine Feldbäckerei und eine Feldschlächterei errichtet. Dazu das Leben und Treiben in den Feldmagazinen, fürwahr, ein äußerst natürliches Kriegsbild!— Eine derartige Uebung hat in solchem Umfange, wie jetzt, in der deutschen Armie bisher noch nicht stattgesunden. Es ist daher erklärlich, daß nicht nur der Kriegsplan vollständig geheim gehalten wird, sondern daß auch sämtliche an der Uebung beteiligte Militärpersonen strenges Stillschweigen beobachten müssen über die Art und Weise, die Lage und den Gang der Belagerungs= und Befestigungsarbeiten sowie der gewaltigen Schanzvorrichtungen, Verhaue, Drahthindernisse, Lauf= und Schützengräben, unterirdischen Minen und dergleichen. Das Uebungsgelände ist abgesperrt, ebenso werden zahlreiche Straßen während der Uebung gesperrt, sodaß sich der Straßenverkehr ziemlich schwierig gestalten wird. Mehrere Festungstore werden geschlossen, auch wird der Eisenbahnverkehr zeitweilig umgeleitet werden. Für den Kaiser, der am 20. September eintrifft, ist ein Zeltlager errichtet, von dem aus er dem Verlauf der Uebungen solgen und in dem er auch übernachten wird. Ein Sturmangriff bildet am 21. d. Mis. den Schluß der Uebung. Lokales und Provinzielles. dhr. Gktersloh. 17. Sept.[Zur Frage der Pensionsversicherung der Privatangestellten) hat der deutschnationale Handlungsgehilfenverband auf seiner Dresdener Tagung nach eingehender Beratung der amtlichen Denkschrift und ausgiebiger Beleuchtung aller in Betracht kommenden Gesichtspunkte neue Wege für die fernere Behandlung der Frage gezeigt und praktische Vorschläge für die Ausgestaltung der Pensionsversicherung gemacht. Die bisherigen allgemeinen Besprechungen der Denkschrift haben noch kaum nennenswerte praktische Ergebnisse gezeitigt. Umsomehr sind die Vorschläge des deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes von Wert. Sie gipfeln in der Forderung einer besonderen Kasseneinrichtung für die Privatbeamten, eines 10.(statt 14) prozentigen Beitrages, der Berufsinvalidität, einer Altersrente spätestens bei Vollendung des 65. Lebensjahres usw. Der Reichszuschuß soll den Privatangestellten erhalten bleiben. Wir wir hören, veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes am Donnerstag, den 26. September d. Is., abends 9 Uhr, im Saale des Herrn Georg Pollkläsener(Harmonie) einen Vortrag, mit dem Thema„Die staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellten.“ Der Vortrag interessiert welteste Bevölkerungskreise und ist von höchster sozialer wie nationaler Bedeutung, weshalb wir den Besuch, der Versammlung nur empfehlen können. be. Sütersleh, 17. Sept.(Falsche Reichskassenscheine.] In den letzten Monaten sind in verschiedenen Städten Deutschlands, u. a. in München, Mannheim, Koblenz, Bonn, Halle a. S., Leipzig, Berlin, Braunschweig unw., falsche Reichskassenscheine von 1882 über 20 Mark verbreitet worden. Die Scheine sind auf lithographischem Wige hergestellt und leicht an dem dunkleren Druck— namintlich auf der Rückseite— als Falschstücke zu erkennen. Es ist leider bisher nicht gelungen, die Fälscher ausfindig zu machen. Die Verbreitung der Scheine wird, soweit zu ermitteln gewesen, teils durch einzelne Personen, teils durch mehrere gemeinsam und zwar meist bei geringwertigen Einkäufen in Geschäften, in denen Verkäuferinnen tätig sind, bewirkt. Das Publikum, insbe sondere die Geschäftsinhaber, werden gut daran kun, die ihnen in Zahlung gegebenen Zwanzigmarkscheine auf ihre Vermischtes. * Berlin, 18. Sept. Das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten veröffentlicht das Ergebnis der wiederholten Untersuchungen wegen des Eisenbahnunfalls bei Strausberg an Ort und Stelle. Danach ist es ausgeschlossen, daß als Ursache des Unfalls etwas andires als Bahnsrevel in Betracht kommen kann. Die Annahme, daß eine nicht ordnungsmäßige Ausführung von Ausbesserungen an dem Gleise die Ursache gewesen sei, hat sich als durchaus grundlos erwiesen.— Sonnabend morgen wurde der lenkbare Pasevalsche Meiorballen dem Aussichtsrat und den Mitgliedern der Moterlustschiff=Studiengesellschaft vorgeführt. Maser v. Parseval erklärte zunächst die Konstruktien seines Lustschiffes, werauf der Ballon zum ersten Mal seinen Aufstieg unternahm. An diesem Aufstieg beteiligte sich auch Exellenz v. Hollmann. An einem bald darauf folgenden zweiten Aufstieg nahm Kriegsminister v. Einem teil.— In der Kirche zum heiligen Kreuz am Blächerplatz wurde am Sonntag der erste Pfarrer der Gemeinde, Pastor Stage, bei der Liturgie von seiner Abschiedspredigt vom Schlage getroffen und starb wenige Augendlicke später, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.— Die Belohnung für Ergreisung der Frevler, die den Straußberger Eisenbahnunfall herbeigeführt haben, ist von 2000 auf 5000 Mark erhöht worden:— In Luzern verhaftet wurde der Kassenbote Eduard Barisch, der der Kommerz= und Diskontebank mit einer gefälschten Quittung 60000 Mark abschwindelte und dann mit seiner Geliebten, dem Dienstmädchen Hedwig Lehmann, die Flucht ergriff. Durch große Ausgaben in einem Konfektionsgeschäft lenkten sie die Aufmerksamkeit auf sich. Das Auslieferungsverfahren ist bereits eingeleitet worden. Hedwig Lehmann wird als Mitschuldige behandelt, weil anzunehmen ist, daß sie von der Straftat ihres Geliebten gewußt hat. Bei dem Paar wurde noch eine große Geldsumme gesunden. *( G r o ß f e u e r.] D u r c h B r a n d s t i f t u n g w u r d e n i n Landsberg a. Warthe in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend fünf Gebäude eingeäschert, die dem Verein für Kreditreform gehören. Der Schaden ist sehr groß. Ein Händler allein erleidet einen Verlust von 75 bis 100000 Mark. * Bebra, 15. Sept. Gestern mittag entgleisten vom Militärzug 540 Kassel=Bebra=Gerstangen bei einer Rangierbewegung auf Bahnhof Bebra fünf Wagen infolge Umstellens einer Weiche unter dem Zuge. Ein mit drei Pferden beladener Wagen stürzte um. Verletzt sind zwei Hoboisten ganz leicht, ferner ein Hilfsschaffner. Betriebsstörungen sind nur in unerheblichem Umfange eingetreten. Aufgleisung war nach vier Stunden beendet. * F o r b a c h, 1 5. S e p t e m b e r. V o n e i n e r E x p l o s i o n schlagender Wetter in der Grube Merlenbach wurden 15 Arbeiter betroffen. Davon sind 4 tot und 3 verletzt, einer schwer, sodaß er kaum mit dem Leben davonkommen wird. Die Toten sind entsetzlich verstämmelt. * Oberamstadt im Odenwald, 17. Sept. In der sogenannten Schnakenmühle in der Nähe der im Ernsthofer Kreise gelegenen Dieburg Ist Sonntag nachmittag ein Raubmord verübt worden. In Abwesenheit des Müllers Neuroih drang ein Bursche in die Mühle ein und überfiel die Frau mit ihren zwei Kindern. Ein Kind wurde durch Beilhiebe getötet, das zweite, die 18jährige Tochter und Frau Neuroih wurden durch Beilhiebe und Misserstiche so schwer verletzt, daß sie im Sierben liegen. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft ist der Täter der im Jahre 1865 in Heldenbergen bei Friedberg in Sachsen geborene, bei dem Müller Neuroth bedienstet gewesene Tagelöhner Georg Josiph Martin, dim 840 Mark Bargeld in die Hände gefallen sind. * B r e s l a u, 1 6. S e p t. E i n f o l g e n s c h w e r e s B r a n d unglück hat sich in Kunzendorf im Kreise Großwartenberg (Schlefien) ereignet. Eltern hatten ihren 2jährigen Sohn in der Wohnung eingeschlossen und sich entfernt. Aus noch unaufgeklärter Ursache brach Feuer in dem Hause aus und der Knabe verbrannte. Der zurückkehrende Vater eilte in das brennende Haus, um sein Söhnchen zu reiten und erlitt dabei erhebliche Brandwunden. Die Ehefrau des Hausbesitzers wollte noch etwas von ihrer Habe retten; sie wurde aber von den Flammen erfaßt und getötet. * Stdney, 16. Sept. Die Stadt Murwilkumbe (Australien) wurde in der letzten Nacht durch Feuer gänzlich zerstört. 4 Banken, 2 Hotels, das Landamt und 52 andere Holzgebäude brannten nieder. Der Schaden wird auf 100000 Pfund Sterling geschätzt, Unglückssälle haben sich nicht ereignet. Echtheit genau zu prüfen, und sofern sich eine Fälschung ergibt, nicht nur die Scheine selbst anzuhalten, sondern auch sowelt als möglich darauf hinzuwirken, daß die Verbreiter zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden. Auf die Ergreifung der Fälscher ist von der Reichsschuldenverwaltung eine Prämie von 1000 Mark ausgesetzt worden. — Bücheburg, 17. Sept.(6. Niedersachsentag.) Der am 6. Oktober d. Is. mit einem Begrüßungsabend beginnende diesjährige Niedersachsentag in Bückeburg weist ein besonders reiches Programm auf und verspricht, ein großes Interesse in den Reihen der Heimatfreunde zu finden. Der Montag, 7. Oktober, ist den Vorträgen und Verhandlungen des Heimatbundes Niedersachsen gewidmet. Lehrer Wiegmann in Nienstädt, der erste Kenner der lippischen Volkstrachtenforschung, spricht über die Volkstracht im Fürstentum Schaumburg=Lippe; Hofrat Pros. Dr. Böhling in Hannover über ausgesterbenes und aussterbendes Sprachgut im Niedersächsischen; Justizrat Knodt in Bückeburg über die Hagendörfer; Museumsassistent Dr. Schäfer in Bremen über Arbeiten des Vereins für niedersächsisches Volksium. Am Nachmittag folgen Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten Bückeburgs, unter fachmännischer Führung; den Abschluß dieses Tages macht der Niedersächsische Dichterabend, auf dem neuere Dichtungen heimatlicher Autoren in beiden Sprachen Niedersachsens zum Vortrag gelangen.— Den Vormittag des Dienstag beanspruchen die Verhandlungen und Vorträge der unter dem Namen „Niedersächsischer Vertretertag“ in Hannover bestehenden Zentralstelle für Heimatschutz in Niedersachsen. Schriftsteller Sohnrey in Steglitz, der hochvirdiente Geschäftsführer des deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrtspflege, spricht über die Spinnstubenfrage; Schriftster Konrich, Herausgeber der so schnell zu großem Ansehen gelangten Zeitschrift„Hannoverland“, über persönlichen Heimatschutz; Dr. Menzel in Bakenem, Geologe der Königl. Geolog. Landesanstalt zu Berlin, über heimatkundliche Ersorschung des Ambergaus; Oberstleutnant Lehmann in Göttingen und Konfistorialbaumeister Prof. Mohrmann in Hannover über die Restaurierungsfrage(mit besonderem Bezug auf Göttingen); Pros. Dr Kettler in Hannover über die Gefahr flawischer und mongolischer Anfiedelungen in Niedersachsen. Nachmittags findet das Festmahl, abends unter Leitung des Hofkapillmeisters Pros. Sahla ein„Niedersächsisches Konzert“ der Fürstlichen Hoskapelle statt.— Anmeldungen zur Teilnahme von Vertretern niedersächsischer Behörden oder Vereine sind an Pros. Dr. Keitler in Hannover zu richten, alle sonstigen Teilnahme=Anmeldungen an Herrn Landrat v. Hinüber in Bückeburg. Reheim, 16. Sept.(Unglücksfälle.] Hier entlud sich Ende der vor Weche durch die Unvorsichtigkeit eines Bäckermeisters eine Schußwaffe. Die Kugel traf einen Gehilfen so unglücklich, daß er nach wenigen Minuten eine Leiche war.— Ein Fuhrmann des Sägewerksbesitzers Laitrich in Hüsten fiel im Neheimer Walde vor den mit schweren Baumstämmen beladenen Wagen. Ein Rad ging ihm über den Kopf, der arg zerquetscht wurde. Der Tod trat sofort ein.