Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr.32 Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 102 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, Gütersloh. Die Politik des Selbstvertrauens. Die öffentliche Meinung in Europa scheint einig darin zu sein, daß sich die allgemeine Lage während dieses Sommers merklich verbessert habe und die Friedensaussichten günstiger seien als lange zuvor. Diese Ansicht beruht nicht auf neuen Abmachungen unter den Großmächten. Solche sind zwar getroffen worden zwischen Frankreich und Japan, ferner zwischen Rußland und Japan, und der Abschluß eines russisch=englischen Vertrags wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Diese Abkommen beziehen sich alle auf den fernen Orient. Der russisch=japanische und der russisch= englische Vertrag beruhen hauptsächlich auf dem Bedürfnisse Rußlands, sich gegen auswärtige Verwickelungen zu sichern und im Innern nach den schweren Niederlagen in Ostafien und den Erschütterungen seines alten Regierungssystems neue Kräfte zu sammeln. Es handelt sich hier um natärliche Folgen des russisch=japanischen Krieges, die, eben well sie natürlich sind, nichts Wesentliches zu einer veränderten Auffassung der allgemeinen Lage in Europa beitragen konnten. Den Kernpunkt dieser Lage bildet die Stellung Deutschlands. Sie schien durch englische Bemühungen mehr und mehr isoliert zu werden. Schon in Algestras hatte die deutsche Politik, nur unterstützt von Oesterreich=Ungarn, hart gegen eine durch Verträge gesicherte Unterstätzung Frankreichs durch die meisten anderen Großmächte zu kämpfen. Im November 1906 führte Fürst Bülow aus, daß der Gedanke der Isolierung für uns nichts furchtbares ist und uns nur anspornen kann, mit Selbstvertrauen auf eigenen Füßen zu stehen. Dem oberflächlichen Beobachter kann es merkwürdig erscheinen, daß die sog. Einkreisung Deutschlands gerade in dem Lande, das auf eine Verkleinerung des Deutschen Reiches hofft, mehr Unruhe als Genugtuung und Freude erregte. Mehr und mihr stellte sich als Hauptgewinn der Marokkoaktion für uns die Befestigung der Einsicht in Frankreich heraus, daß die englische Hülfe in einem Kriege mit Deutschland diesem zwar schaden, aber Frankreich nicht viel nätzen kann. So tritt neuerdings der Wunsch einer deutschfranzssischen Annäherung in Frankreich stärker als bei uns hervor. Weder in den Besprechungen des Reichskanzlers mit dem italienischen und dem österreichisch=ungarischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Rapallo und Berlin, noch bei den Monarchenbegegnungen in Swinemünde und Wilhelmshöhe sind neue Abmachungen getroffen worden. Wenn trotzdem die öffentliche Meinung in Europa einig darin ist, daß die allgemeine Lage sich gebessert hat, so ist der tiefere Grund in einer veränderten Disposition der Geister, besonders in der Erkenntnis zu suchen, daß man Fräulein Sturmwind. Roman aus der Gesellschaft von T. Tschürnau. (26. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Der Reitknecht führte die beiden Pferde schon aus dem Fuhrwege seitwärts von der Rampe umher, als Nadine im dunkelblauen Reitkleide, die Gerte in der Hand und den Halbzylinder tief in die Stirn gedrückt, aus dem Schlosse trat. Sie ließ sich von dem Manne auf das Pferd heben und ritt langsam auf und nieder, bis ihr die Geschichte langweilig wurde. Dann ließ sie das Tier eine Acht nach der andern beschreiben, versuchte ihm den spanischen Schritt beizubringen und schließlich— ein Schnalzen mit der Zunge— in schneldigem Bogen sitzte die Magenta über eine Gartenbank und landete jenseils auf dem Rasenplatz. „Teufelsmädel!“ schrie der Baron von der Rampe her.„Ich werd' dich lehren, mir den Rasen zu ruinieren!“ Dabei fuchtelte er mit der Reitgerte durch die Luft und schnitt ein Gesicht wie ein Menschenfresser Und zu seiner Frau, die neben ihm stand, sagte er leise: „Famose Krabbe! Die paßt weit besser als die Jutia zu dem Heinz! Die Jutta ist ja auch ein lieber Schatz, aber doch ein bißchen indolent. Der Irrwisch dort aber hat statt des Blutes Feuer in den Adern—“ „Und wird infolgedessen dem Heinz manchmal den Kopf gründlich warm machen!“ fiel Frau Lotte ein. „Das glaub' ich auch!“ sagte der Baron überreizt. „Es wird manchmal ein Donnerwetter geben, aber dann hinterher auch wieder den schönsten Sonnenschein. Nun, adien, Lotte!“ Er küßte seiner Frau galant die Hand, Nadine legte grüßend die Hand an den Reithut und dann ging's— heidi— durch den Park und das anstoßende Buschland, ein paar Drainagegräben wurden in kurzem Ansatz genommen, immer querfeldein. Dem Baron war heiß geworden; er strich sich mit dem Taschentuch über das braunrote Gesicht. Dienstag, den 27. August 1907 eine Macht wie Deutschland nicht isolieren kann. Rußland braucht uns, Frankreich fürchtet uns, und eben deshalb scheinen auch in England, das uns weder braucht noch zu fürchten hat, allmählich wieder die alten freundlicheren Gefühle für uns zu erwachen. Das sind Früchte der Politik eines friedlichen, aber sicheren Selbstvertrauens, mit denen wir zufrieden sein können. Pelitische Aebersichzt. Peutsches Peich. Der Kaiser traf Sonnabend nachmittag 6¼ Uhr von Wilhelmshöhe kommend in Schwerin=Mecklenburg zur Teilnahme an der Enthühungsseier des Denkmals der Großherzogin Alexandrine, der Schwester Kaiser Wilhelms I., ein. Zum Empfang waren u. a. erschienen: der Großherzog in der Uniform des Garde=Kürassier=Regiments, der Herzog=Regent von Braunschweig Johann Albrecht in der Uniform der Leib=Garde=Husaren; Prinz Heinrich der Niederlande in der Uniform der Garde=Jäger. Als der Kaiser, der die Genergls=Uniform trug, dem Zuge entstiegen war, sand eine herzliche Begrüßung zwischen ihm und dem Großherzog sowie dem Herzog=Regenten Johann Albrecht und den übrigen Fürstlichkeiten statt. Nach folgter Vorstellung der zum Empfang Erschienenen und der Gefolge begaben sich der Kaiser und der Großherzog zum Portal am Bahnhofsplatze und fuhren im offenem, vierspännigem Wagen unter den Jubelrufen der nach Tausenden zählenden Menge, welche die Straßen umsäumte, nach dem Schlosse. Im Schlosse wurde der Kaiser von der Großherzogin und den übrigen fürstlichen Damen und Herren begrüßt. Um 8 Uhr fand im goldenen Saal des Schlosses ein Galadiner statt. Die Enthüllung des Denkmals geschah Sonntag mittag 12 Uhr. Der Vorsitzende des Denkmalskomitees Slaatsminister Graf v Bassewitz=Levetzow hielt die Festrede, nach der die Hülle fiel, während die Musik die Nationalhymne spielte. Nach gemeinsamem Gesange des Liedes„Ach bleib mit deiner Gnade“ machten der Kaiser, der Großherzog und die übrigen Fürstlichkeiten einen Rundgang um das von Hugo Bergwald=Berlin geschaffene Denkmal, das in Marmor ausgeführt ist und legten Kränze nieder. Der Kaiser unterhielt sich längere Zeit mit dem Künstler. Nach dem Rundgang erfolgte ein Parademarsch der Leibkompagnie des Grenadier=Regiments Nr. 89. Alsdann begaben sich der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten unter dem Jubel der im Schloßgarten versammelten Menge zum Schloß zurück. Nach der Feier fand in der Waffenhalle des Schlosses Familienfrühstück statt, an dem der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten teilnahmen. Um „Tolle Hitze!“ sagte er.„Du spürst's wohl nicht?“ „Nein, Onkelchen!“ „Dacht mir's! Siehst auch noch so kühl und frisch aus! Bei mir ist das was anderes. Wenn man erst so sachte in die Vierziger hineinkommt und anfängt, Feit anzusetzen,— puh! Lach' nicht, Irrwisch, das ist herzlos!“ „Es gilt ja gar nicht dir, Onkel Mox," verteidigte Nadine sich, noch immer lachend,„wenigstens nicht in dem Sinne, wie du es glaubst! Sagen kann ich dir's leider nicht. Es ist ein Geheimnis, das die Stafi mir anvertraut hat!“ Baron Wagenheim strich sich den Bart und blinzelte schlau zu seiner Begletterin hinüber. „Geheimnis? Die Staft?“ sprach er ihr nach.„Da hat sie dir wohl die Geschichte von meiner unglücklichen Liebe erzählt?“ „Was— du weißt?“ Nadine brachte es kaum heraus. Er nickte ganz seelenruhig. „Versteht sich!“ sagte er.„Es gibt, glaube ich, in unserm Bekanntenkreise nur wenige, denen sie nicht dieses süße Geheimnis schon einmal unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut hätte. Sogar der Lotte hat sie' schonend beigebracht.“ Nadine brauchte einige Zeit, ehe sie sich aus ihrem Lachparoxismus zu der Frage aufraffen konnte: „Hast du denn wirklich je einen so schlechten Geschmack gehabt, Onkel Max?“ „Hm,“ meinte der Baron nachdenklich,„damals— vor etwa zwanzig Jahren— war sie gar nicht übel,'n bißchen reichlich semmelblond, aber sonst, wie gesagt, ganz allerliebst. Ich hab' ihr einmal vierzehn Tage lang wie toll die Kour geschnitten und mich dann vorsichtig in meine Verschanzung zurückgezogen, weil ich merkte, daß sie die Sache ernst nahm. Davor hatte ich doch einen heillosen Respekt. Im übrigen war ich damals ein rechter Windhund und wie das Wetter hinter allen hübschen Mädeln her. So etwa ein halbes hundert Herzensdamen werd' ich wohl nach der Stafi noch gehabt haben, ehe ich glücklich Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 8. Jahrgang 7½ Uhr abends begaben sich der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten nach Ravenstein zum Diner bei der verwitweten Großherzogin Marie. Montag morgen erfolgte die Abreise des Kaisers nach Hannover. Der Kaiser hat, amtlicher Veröffentlichung zufolge, den Generalfeldmarschall von Hahnke zum Kanzler des Schwarzen Adlerordens ernannt. Prinzessin Heinrich von Preußen traf gestern vormittag zum Besuche der Kaiserin in Wilhelmshöhe ein und reiste nachmittags nach Darmstadt weiter. Der französische Botschafter in Berlin Cambon hat am Sonnabend in Norderney mit dem Reichskanzler Fürsten Bülow zwei längere Unterredungen und ist am Sonntag von Norderney wieder abgereist. Auf eine Eingabe an den Reichskanzler betr. Errichtung eines Reichskaufmannsgerichtes beim Reichsamt des Innern beschloß der Bundesrat, daß der Eingabe keine Folge gegeben werden soll. Die Kolonialverwaltung bemüht sich, wie die B. N. N. mittellen, neuerdings, die Unterrichtsverwaltungen der einzelnen Bundesstaaten mehr dafür zu interessieren, daß in den Unterrichtsanstalten dem Verständnis für unsere Kolonien größere Sorgfalt gewidmet wird. Die Kolonial= verwaltung will dozu die einzelnen Staaten veranlassen, größere Mittel auszuwerfen zu Reisen von Universitätsund Gymnasiallehrern in die Kolonten. Die Kolonial= wirtschaft sei zwar Sache des Reiches, wirke aber in solchem Maße auf die Bundesstaaten ein, daß man sich in den letzteren der Teilnahme an den Aufgaben des Reiches nicht länger mehr werde entziehen können. Zur bevorstehenden Tagung des Evangelischen Bundes, die vom 29. September bis 3. Oktober in Worms stattfindet, erläßt der Zentralvorstand gemeinsam mit den Vorständen des Hauptvereins im Großherzogtum Hessen und des Wormser Zweigvereins, sowie mit dem großen Festausschuß einen Aufruf, in dem es heißt:„Eine verheißungsvolle Wendung hat die erfrischende Volkserhebung am Jahresanfang uns gebracht; der Bann der unerträglichen, politischen klerikalen Minderheitsherrschaft im Mutterlande der Reformation ist gebrochen! Aus diesem Umschwung erwachsen dem deutschen Protestanlismus verantwortungsvolle Pflichten. Jetzt gilt es bei aller Mannigfaltigkeit evangelischer Anschauungen einig sich zusammenzuschließen, damit dem rastlos rüstenden Gegner protestantischer Geistesfreiheit entschlossene Abwehr entgegensteht und nicht Nivelungenhader bösen Rückschlag und schlimmere Not uns bringt.“ Mit einem feierlichen Geläut sämtlicher Glocken der bei meiner Lotte landete.— Eine verrückte Person, die Stafi! Wenn man doch nur ein Mittel fände, sie loszuwerden! Weißt du keins, Irrwisch?“ Nadine überlegte ernstlich. „Wenn du sie bätest,“ meinte sie,„um deiner Herzensruhe willen von Sakrau fortzugehen? Sag' ihr doch, daß der tägliche Anblick ihrer holden Person dich zu sehr erschüttert; ich glaube beinahe, dann ginge sie!“ „Ich auch,“ nickte er, aber vorher fiel sie mir um den Hals und darauf mag ich's nicht ankommen lassen. Außerdem aber ist es doch immer noch fraglich, ob das Gewaltmittel hälfe. Sie hat's auf den Doktor abgesehen!“ Nadine nickte. „Das hab' ich auch bemerkt,— er aber wahrscheinlich nicht auf sie!“ „Keine Spur, und darin liegt gerade die Gefahr für den armen Kerl. Er wird einmal unversehens verlobt sein, ehe er auch nur eine Ahnung davon hat. Er ist so schüchtern, so unbeholfen und— last not least— so kurzsichtig. Die angemalte alte Person erscheint seinen blöden Augen möglicherweise als wahres Himmelsbild an Schönheit. Außerdem heuchelt sie ihm ein Interesse für seine Arbeiten vor, das er sonst hier auf dem Lande nicht findet. Kurz,— ich bin auf alles gefaßt!“ „Man müßte ihn warnen!“ riet Nadine. „Daran hab' ich auch schon gedacht,“ stimmte der Baron bei,„und nötigenfalls werd' ich's auch ton. Der Doktor ist mir zu lieb, als daß ich ihn diesem Drachen als Opfer überlassen möchte. Paß' hübsch auf, Irrwisch, und wenn du merkst, das die Sache anfängt, brenzlich zu werden, so sag mir's.— Da sind wir ja glücklich auf der Chaussee, nun können wir einen schlanken Trab anschlagen.“ Das taten sie denn auch. Nach einer Weile hielt der Baron sein Pferd an. „Dort kommt der Inspekler vom Rapsfelde herübergeritten,“ sagte er,„der will mich sprechen. Reit' nur immer sacht voraus, Kind, ich komme bald nach!“ (Fortsetzung folgt.) 24 katholischen Kirchen Würzburgs und einem Hochamt im Dom wurde Sonntag vormitlag in Würzburg die 54. Generalversammlung der Kathollken Deutschlands eröffnet. Unter den Teilnehmern befanden sich in großer Zahl Mitglieder der Fraktion des Zintrums im Reichstage und den einzelnen Landtagen. Eine Reihe von Bischöfen ist bereits eingetroffen, teils haben sie ihr Erscheinen zugesagt. Die Einleitung des Katholikentages am Sonntag bitdete der Arbeiterumzug, am dem ctwa 10 bis 12000 Personen teilnahmen. Huldigungstelegramme wurden an den Papst, an den Kaiser und an den Prinzregenten von Bayern gesandt. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen zu kräftiger Unterstützung des Peterspsennigs aufgesordert und ferner empfohlen wird, Anfang Mai n. I. anläßlich des 50jährigen Priesterjublläums des Papstes einen Pilgerzug nach Rom zu veranstalten und Festversammlungen in Stadt und Land zu abzuhalten. Der 2. Preußische Fortbildungsschultag wird am 3. und 5. Oklober in Hannover abgehalten werden. Vorträge halten über die Fortbildungsschule als Mittel der Jugendpflege der Regierungs= und Gewerbeschulrat Dr. Thöne, über die kaufmännische Fortbildungsschule in mittleren und kleineren Städten der Direktor Jahn=Oppeln und über ländliche Fortbildungsschule der Kreisschulinspektor Olto=Pinne. Von sämtlichen Ortschaften des Taunus wird eine Massenpetition an den Reichstag verbrettet, die gegen die Benutzung der öffentlichen Straßen zu Automobilrennen und zu der Herkomerfahrt protestiert. Es wird um Einführung einer Maximalgeschwindigkeit ersucht und eine genügende Posizelaussicht verlangt. Nachdem der polnische Schulstreik jetzt glücklicherweise beendet ist, hat die Regierung angeordnet, daß die vierzehnjährigen Schulkinder, die wegen Teilnahme am Schulstreik in der Schulpflicht zurückgehalten wurden, jetzt sofort entlassen und daß die von der Versetzung ausgeschlossenen Schüler nachträglich den höheren Klassen zugeteilt werden. Oesterreich-Ungarn. Der italienische Minister Tittoni, der am Samstag abend gemeinsam mit Herrn v. Aehrenthal in Ischl eingetroffen war, halte Sonntag vormittag 10 Uhr eine Audlenz beim Kaiser in der kaiserlichen Villa, wohln er sich mit Freiherrn v. Aehrenthal begeben hatte. Die Audienz währte ¾4 Stunde. Sodann hielt Aehrenthal dem Kaiser einen einstündigen Vortrag über die Semmeringer Vereinbarungen. Montag vormittag 9¼ Uhr ist Minister Tittoni nach herzlicher Verabschiedung von dem Minister Freiherrn v. Aehrenthal und dem Gesandten Freiherrn v. Gagern in Begleitung des Gesandten Bollati mittels Automobils über Gmunden nach Salzburg abgereist. Freiherr v. Aehrenthal reiste um 1 Uhr 21 Minuten nach Wien ab. Däuemark. In Erkenntnis der großen Interessen, welche bei den diesjährigen schwierigen Ernteverhältnissen auf dem Spiele stehen, hat der König, um der Landwirtschaft eine größtmöglichste Stütze zu bieten, eine zeitweilige Verordnung unterzeichnet; danach fallen in diesem Jahre die Einberufungen der Mannschaften zu den Herbstübungen sort, ausgenommen für das 1. Infanterie=Regiment. Die Uebungen der Kavallerie und eines Artillerie=Regimentes werden um einige Tage verschoben. Die Abhaltung größerer Lager und Manöver wird ebenfalls ausgehoben. Rutzland. Als Termin für die Dumawahlen in Petersburg und Moskau ist der 28. Oktober festgesetzt worden. England. König Eduard soll ein demnächstiges Zusammentreffen mit dem Zaren in Aussicht gestellt haben. Marokko. Im Innern dauert die Bewegung gegen die Fremden fort. Die spanische Regierung lehnt es ab, ihre Truppen in Casablanca an einem Kampfe gegen die Kabylen teilnehmen zu lassen. Daß die Proklamation Muloy Hafids zum Sultan tatsächlich erfolgt ist, darüber besteht jetzt kein Zweifel mehr. Mulay Hafid soll auch bereits Minister ernannt haben. Man glaubt, daß er die Proklamation nur angenommen habe, um zurzeit dort für Ruhe zu sorgen und die Stämme in seinem Gebiet in Ordnung zu halten. Nach einer weiteren Meldung aus San Sebastian scheint der neue Sultan indessen andere Absichten zu haben. Die spanischen Konsuln in den marokkanischen Häfen haben nämlich dem Minister des Aeußern telegraphisch mitgeteilt, sie hätten die Nachricht erhalten, daß Mulay Hafid auf Casablanca marschiere. Der französische Ministerpräsident Clemenceau bemerkte in einem Interview, nach seiner Ansicht sel die Lage in Casablanca keineswegs beunruhigend. Die Proklamierung Mulay Hofids zum Sultan scheine ihm wahr zu sein. Man könne unmöglich vorher sagen, welche Folgen dies Ereignis haben werde, man müsse jedoch daran denken, daß Mulay Hafis in der Vergangenheit stets freundliche Gefühle für Frankreich gezeigt habe. Die Mitglieder der deutschen Kolonie verließen als die letzten Europäer die Hauptstadt Fez. Koloniales. Während der Gouverneur der Kapkolonie die Anwesenheit Morengas auf englischem Gebiet bei Bakciviermund mit dem Hinzufügen bestätigt, daß Morengas Leute auf englischem Gebiet plündern, wird von anderer Seite gemeldet, daß Morenga von Bakrivier wieder in die Berge gezogen ist, nachdem Morris am 20. August mit 2 Hottenlotten und 87 Pferden zu ihm gestoßen. Ein deutscher Generalstabsoffizler geht nach Kapstadt und wird dem kommandierenden Polizetoffizier des Gordontadistrikts attachlert zum Zwick der Herstellung der Verbindung zwischen den deutschen und englischen Streitkräften. In Aussicht genommen ist dafür Hauptmann o. Hagen. Der Kaiser in Hannover. Der Kaiser reiste Montag vormittag von Schwerin in Mecklenburg nach Hannover, wo großer militärischer Empfang stattfand. Die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar, Prinz Albert von Belgten, Fürst Fürstenberg und die Generalfeldmarschülle Graf von Häseler und v. Hahnke waren schon vorher in Hannover eingetroffen, um an dem Empfange teilzunehmen. Die Ehrenkompagnie stellte das Jüstlier=Regiment Nr. 78. Der Kaiser wurde von den zu tausenden auf dem Bahnhossvorplatz versammelten Menschen enthusiastisch begrüßt. Zu Pferde hielt er seinen Einzug in die Stadt, eskortiert von einer Schwadron Königsulanen; die Truppen der Garnison bildeten Spalier. Die Stadt ist reich geschmückt. Insbesondere welst die Straße vom Bahnhof zum Schloß eine fortlaufende Dekoration auf, die durch eine überaus reiche Verwendung blühender Gewächse sich auszeichnet. In der Bahnhofstraße erheben sich zu beiden Seiten Obelisken und Bogenreihen in dunkelrotem und weißem Grundton mit Tannengrün umlegt. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte den Kaiser bei seinem Einzuge in die Stadt überaus herzlich. Der Kaiser trug bei seinem Elnzug die Uniform der Königsulanen mit dem Feldmarschallstab in der Hand. Die Huldigungen setzten sich fort bis zum Markt, wo die städtischen Behörden ihn erwarteten. 3000 Schulmädchen und 1000 Schüler waren mit ihren Schulbannern aufgestellt. Stadt=Direktor Tramm hielt eine Ansprache, worin er u. a. sagte:„Aus dem Schmuck der Häuser und Straßen, den begeisterten Rufen und strahlenden Gesichtern werden Ew. Majestät die hohe-Freude erkennen, welche jung und alt darüber beherrscht, nach einer Reihe von Jahren unsern kaiserlichen Landesherrn umgeben von den Söhnen des königlichen Hauses wieder auf längere Tage inmitten unserer treuergebenen niedersächsischen Bevölkerung verweilen zu sehen und deren Huldigung entgegenzunehmen. Ueberall sind heute die Gedanken voll Dank auf Euere Majestät gerichtet, dessen hohem und entschlossenem Wollen, den Frieden zu wahren und zu erhalten, doch schließlich allein nur alle wirtschaftliche Tätigkeit und aller sozialer Fortschritt unserer Heimat zu danken ist. Diese Empfindung ist es aber nicht allein. Denn, wenn jetzt alle Schichten der Bevölkerung der Wunsch durchdringt,„jede Tat so groß gleich zu tun, als wie sie wächst und wird, wenn jahrelang durch Länder und Geschlechter der Mund der Dichter sie vermehrend wälzt“, wenn alle der Wille beherrscht, ein jeder an seinem Teile mitzuwirken, um diese mächtige Nation, von der einmal Heinrich von Treitschke sagt, daß sie erst im ersten Drittel ihrer kraftvoll aufsteigenden Geschichte steht, vorwärts zu führen auf den Bahnen ihrer Zukunst und die Wunden zu schließen und vergessen zu machen, welche eine unselige Periode vor nunmehr fast drei Jahrhunderten und auch spätere Zeiten der Zerissenheit derselben geschlagen, so ist er dabei durchdrungen und beseelt von dem Empfiaden, damit lediglich an der Erfüllung der Aufgabe mitzuarbeiten, welche Eure Majestät vom ersten Tage der Regierung an der deutschen Nation als Ziel gesteckt haben und bei dessen Virfolgung Eure Majestät in guten wie in ernsten Tagen uns alle Zeit ein weithin sichtbarer und stets zielbewußter Steuermann gewesen sind. Mit den Gefühlen tiefer Liebe und Verehrung, mit den Empfindungen heißen Dankes für alles, was wir Euerer Majestät entschlossenem Wollen verdanken, bringt daher die Vertretung unserer Stadt am heutigen Tage Euerer Majestät beim Eintritt in die Provinz Hannover ihre Huldigung dar und bittet, den Willkommengruß derselben gnädigst entgegenzunehmen.“ Der Kaiser ergriff hierauf den Ehrenpokal und erwiderte:„Ich spreche Ihnen miinen herzlichsten wärmsten Dank aus für die Worte, die Sie soeben an mich gerichtet haben. Vor allem muß ich Ihnen den Gruß meiner Frau, der Kaiserin aussprechen, die zu ihrem tiesen Schmerz, nicht in der Lage gewesen ist, mich zu begleiten. Die Entwickelungsperioden, die Sie soeben berührt haben, sind in dem Stadtbild von Hannover in so prägnanter Form ausgedrückt, daß sich die Stadt nur gratulieren kann zu dem gewaltigen Ausschwunge, den sie genommen hat, auf zielbewußter Bahn fortschreitend. Es ist mir eine besondere Freude bei den vielen Besuchen, die ich in Hannover habe machen können, persönlich zu sehen, wie ernstes Streben unter den Bürgern Hannovers herrscht, vorwärts zu kommen nach jeder Richtüng hin, um die Stadt zu einer der schönsten und glänzendsten zu entwickeln. Daß auch des Weltmeeres Wogen das schöne Land bespülen, macht sich fühlbar bis weit hinein. Daß es mözlich gewesen ist, den Frieden so lange zu erhalten, verdanken wir nächst der gnädigen Fügung des Himmels, dem Schwert der bewährten Truppen, die wir auch hier sehen. Gebe Golt, daß es mir gelingen möge, fernerhin dieses kostbare Unterpfand zu erhalten, ohne welches die intensivste Arbeit des Bürgers, des Bauern und des Arbeiters umsonst ist. Ich teinke auf das Wohl der Stadt Hannover, der ich von ganzem Herzen ferneres Blühen, Grünen und Gedeihen wünsche, mit der Bitte, in meinem Namen der Bürgerschaft den herzlichsten Dank auszusprechen für den warmen Empfang, den sie mir bereitet hat, nicht nur gärtnerisch mit den schönsten Zierden des scheidenden Sommers, wie auch vor allem mit den leuchtenden Augen und freudigen Gesichtern, die mir entgegengebracht sind, was mich hoch beglückt und dankbar macht.“ Das Töchterchen des Stadt=Direktors überreichte dem Kaiser einen Blumenstrauß, wobei es folgendes Gedicht sprach: O Kaiser, nimm die Rosen hin, Die wir zu bieten wagen, Und sag' der lieben Kaiserin, Wie wir ihr Leid beklagen. Wir bitten Gott aus Herzensgrund, Er mach' sie bald, recht bald gesund Der Stadtdirektor Lrachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in das die anwisenden Tausende jubelnd einstimmten. Hierauf wurde der Einzug bis zum Schlosse fortgesetzt. Vor dem Residenzschlosse erwies eine Ehrenkompagnie des Insanterie=Regiments Nr. 74 die militärtschen Ehren. Im Residenzschlosse fand großer Zioilempfang statt. Im Laufe des Nachmittags trafen ein Herzog Johann Albrecht, Regent von Braunschweig, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg und gegen 4 Uhe im Automobil der Kronprinz. Um 6 Uhr begab sich der Kaiser nach dem Ständehaus, wo ein Festmahl seitens der Pcovinz Hannover stattfand. Mit dem Kaiser erschienen auch der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Oskar und Prinz Albert von Beigien. Während des Mahles hielt in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden des Provinzialausschusses zu In= und Knyphausen Stadtdirektor Tramm einen Teinkspruch, auf den der Kaiser wie folgt antwortete: „Von Herzen dankend erwidere ich Ihnen, wie tief ich bewegt und gerührt bin durch die in großartiger stilistischer Form und in patriotischem Schwung vorgetragenen Worte. Auch an die Herren der Provinz habe ich den Auftrag im Namen meiner Gemahlin den herzlichsten Gruß auszurichten. Sie können wohl denken, wie tief Ihre Majestät bewegt ist, schmerzlich bewegt ist, daß sie am heutigen Tage nicht unter Ihnen weilen kann. Zugleich auch möchte ich von ganzem Herzen des Fürsten Kayphausen gedenken, der mir Ihre freundliche Einladung gebracht hat, und von dem wir alle hoffen, daß ihn Goltes Gnade wieder von seiner Krankheit befreien möge. Sie haben soeben in zündender Rede einen kurzen Blick über die Entwickelung der Provinz Hannover getan. Ich bin von Herzen dankbar dafür, daß die Erweisungen, die ich der Provinz habe zukomien lassen können, in dem Geiste und dem Sinne aufgefaßt worden sind, wie sie gemeint waren. Ich wollte den alten Söhnen der Kämpfer früherer Jahrhunderte Heimstätten gründen in den Regimentern des zehnten Korps, auf daß sie mit den jungen Kameraben vereint auf diese einwirken sollten durch Erzählung, Anfeuerung und Belspiel, und zugleich die Freude haben sollten, sich an dem jungen Geschlechte zu weiden. Sie haben auf diese glorreiche Zeit wieder hingewiesen und haben gedacht der Hannoveroner, die an allen Ecken von Europa sich ausgezeichnet und für Deutschland sowohl wie für Hannover Lorbeeren errungen haben. Da ist es mir wohl gestattet, wenn auch ich den Blick zurücklenke in die Zeit vor nunmehr 100 Jahren, und, noch unter dem Eindruck der erhebenden Feler, der ich gestern habe belwohnen dürfen, wo wir das Standbild der edlen Tochter der Königin Luise enthüllt haben, derjenigen gedenken, die uns die Stadt Hannover einst geschenkt, und die herüber gekommen ist ine preußische Könizshaus, von Gott dazu ausersehen, als eine Stütze und ein Halt zu einer Zeit, wo alles zusammenbrach; sie ist zu einer Nationalheiligen geworden, zu einem Vorbild aller königlichen Fcauen. Die Königin Luise hat uns vor allen Dingen eines gelehrt, und das ist gewissermaßen der ruhende Pol in der damaligen schweren Ziit gewesen: sie hat ihrem Manne und ihren Söhnen das Gottvertrauen gelehrt, die schönste Eigenschaft, die unter der Hand einer deutschen Frau in der Familie blühen und gedethen kann. Und so wollen wir von ihr auch lernen. Gottvertrauen gibt Selbstvertrauen und Selbstvertrauen gibt Eatschlossenheit, die Ziele zu erreichen, die man sich gesetzt hat. Hier wird zlelbewußt gearbeitet und ist schon viel erreicht worden. Daß die Provinz so fortfahren möge in allen Dingen, das ist mein Wunsch und dazu wünsche ich Gottes Segen. Die Provinz Hannover hurro, hurra, hurra!“ Nach dem Diner im Ständehause begab sich der Kaiser um 8½ Uhr nach dem Königlichen Schauspielhause, wo auf allerhöchsten Befehl Galavorstellung stattfand. Gegeben wurde„Die lustigen Weiber von Windsor“ von Nicolai. Das Haus war schön geschmückt. Der Kaiser, vom Intendanten in die große Hofloge geführt, wurde mit Fanfaren und Hochrufen empsangen, wofür er sich dankend verneigte. Mit dem Kasser nahmen in der Loge die schon bei dem Diner anwesend gewesenen Fürstlichkeiten Platz. Lotzales und Provinzielles. 523 Gütersloh, 27. August.[Zur Teilnahme an der Kaiserparade] haben sich bieher, wie in der gestrigen Versamatlung bekannt gegeben wurde, 55 Mitglieder des Landwehr=Vereins gemeldet. Da nun für 60 Mitglieder Karten beantragt und eingegangen sind, können solche noch an fünf Mitglieder des Vereins abgegeben werden. Die Abfahrt nach Münster erfolgt bekanntlich Freitag morgen 5 Uhr 87 Minuten mittels Sonderzuges. e. Gütersloh, 27. August.(Parademusik.] Bei gutem Wetter findet Mittwoch abend 7 Uhr auf dem Rathausplatz: Parademusik statt. Es gelangen zum Vortrag: 1. Hoch deutsche Ilagge. Marine=Marsch Wiggert. 2. Si j'étais roi. Ouverture... Adam. 3. Konzertino für 8 Trompeten... Vorberger. 4. Herbstweisen. Walzer..... Waldteufel. 5. Jagdlieder=Pospourri. Schreiner, 8 Sütersloh, 27. August.[Die Handarbeitsschule des Eoangel. Bundes beginnt wieder am Montag nächster Woche. — Sütersloh, 27. Aug.(Turnverein.] Am Sonntag nachmittag unternahm der hiesige Turnverein einen Ausflug nach der schönen, schattig gelegenen Wirtschaft Maßmann bei Rheda. Ueber 100 Personen hatten sich mit ihren Damen eingefunden. Nach Ankunft daselbst wurde gemeinsam der Kaffee eingenommen. Alsdann begann auf den nebenan gelegenen Wiesen ein munteres fröhliches Treiben. Die Turnübungen, bestehend in Steinstoßen, Schleuderballwerfen, Laufen und Weitsprung wurben in zwei Abteilungen geturnt. Jn der ersten Abteiltung wurden 12 Kränze und in der zweiten 18 Kränze verteilt. Den 1. Preis in der ersten Abteilung erhielt Beinkmann und in der zweiten Wilmskätter. Der Vorsitzende Herr G. Fink hielt dann eine Ansprache an die Turner mit Ueberreichung von finnigen Gischenken an die Sieger, von denen jedem Elnzelnen von zarter Damenhand noch ein Eichenkeanz wurde. Die Mitglieder der Gesangs=Abteilung, die leider nicht alle erschlenen waren, erfreuten noch durch 1 Besenderen Spaß bereitete die Verzopfung eines Fäßchen Bieres und die bei eingetretener Dunkelheit von einem Mitgliede angeführte Polonaise mit der Sturmlaterne. Wie immer, so war auch dieser###flug für alle Teilnehmer ein solcher großer Freude und legte Zeugnis ab von icht turnerischer Gemeinschaft. Gut Heil nen außerordentlich zahlreichen Besuch hatte die Gineralrsammlung des Landwiktschaftl. Lokalvereins Gütersloh zuweisen, welche am Sonntag nachmittag im Restaurant Tanne(Remke) in Blankenhagen abgehalten wurde. ich Begrüßung der Anwesenden durch den zweiten Vorsitzinden Herrn Meier Raßfeld wurde in die Tagesordnung eingetreten, deren erster Punkt Niuwahl eines Vorsitzenden war. Der Versammlungsleiter gab von dem Schreiben enninis, welches der bisherige Vorsitzende Herr Meier Merklinghaus an den Vorstand des Vereins gerichtet und worin er unter Darlegung der Gründe sein Amt als Vorsitzender niederlegt. Herr Meier Raßfeld bedauerte diesen Schritt des Herrn Merklinghaus, der wohl im ersten Stadium großer Erregtheit getan sel, glaubte aber auch, daß, nach dem Schrelben zu urtellen, Herr Merklinghaus sich zu einer Wiederwahl kaum verstehen werde und so sehe sich der Verein denn vor eine Neuwahl gestellt. Diese vollzoz sich glatt und ohne Widerspruch und wurden Herr Meier Raßfeld als erster, Herr Aug. Wistheermann als stell vertretender Vorsitzender per Akklamation gewählt. Größer exregt wurden die Gemüter bei Punkt 2 der Tagesordnung: Beratung über das diesjährige Tierschaufest. Der Vorsitzinde gab bekannt, daß die für die das diesjährige Tierschaufest, beaptragte Verlosung abgelehnt sel und verlas dann folgendes Schreiben des Herrn Oberpräsidenten vom 81. Juli ds. Is.: „Dem Gesuch vom 8. ds. Mis., worin Sie um die Genehmigung zu einer Verlosung von Vieb, Maschinen pp. gelegentlich des diesjährigen Tierschaufestes in Nordhorn bitten, wird nicht stattgegeben, weil ein Bedürfnis, die Zahl der Lokal=Tierschaufeste und damit verbundener Verlosungen über das bisher übliche Maß hinaus zu vermehren, nicht anzuerkennen ist.“ Das Schreiben war an den Vorstand des Landw. Lokalvereins Gütersloh z. H. des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Meier Raßfeld in Gütersloh gerichtet und diesem durch Vermittelung des Magistrats der Stadt Gütersloh zugestellt worden. Erregte dies schon einige Verwunderung, so noch mehr der Umstand, daß das unterm 31. Juli in Münster ausgesertigte Schreiben erst am 19. August an den Vorstand gelangte(der hiesige Magistrat hal das Schreiben am Tage des Eingangs sofort weiterbeföcdert, ihn kann also kein Vorwurf treffen). Geradezu unbegreiflich aber war es der Versammlung, daß man die Verlosung verboten hatte, da doch der Verein bereits zwelmal sein Tierschaufest mit Verlosung gefeiert hat und somit von einer „Vermehrung der Zahl der Lokal=Tierschaufeste und damit verbundener Verlosungen“ nicht die Rede sein kann. Man neigte daher der Annahme zu, daß der Herr Oberpräsident nicht recht informiert sei und beauftragle den Vorstand, sofort ein ausklärendes Schreiben an den Herrn Oderpräsidenten zu richten. Dann wurde mit Einstimmigkeit beschlossen, das Fest in diesem Jahr mal ohne Verlosung, sonst aber unverändert zu feiern. Für den Fall eines Defizits lagen bereits drei Garantie=Zeichnungen in von 200 Mark vor und wurden weitere Zeichnungen in Aussicht gestellt. Das Fest, von dem der Verein hofft, daß es trotz verbotener Verlosung ein recht vergnügtes werden wird, findet am 12. September auf Westheermanns Hofe in Nordhorn statt und soll ein Eintrittsgeld für Herren von 1 Mk., für Damen von 50 Pfg. erhoben werden.— Zum dritten Punkt der Tagesordnung wurden die Herren Bockschatz, Kleßmann und Oesterhelweg beauftragt, von den am 26. August mittags hier vom Rindviehzuchtverband Minden=Ravensberg zum Verkauf kommenden Bullen 1 oder 2 für den Verein anzukaufen, falls die Preise nicht zu hoch werden würden. Die Tiere sollten dann am Tierschaufeste den Vereinsmitgliedern zum Kauf angeboten werden.— Nach Erledigung dieses Punktes wurden mehrere Herren als neue Mitglieder in den Verein aufgenommen und dann nach Verlesung des Protskolls die Versammlung, die unter dem Zeichen größter Einmätigkeit stand, geschlossen. 0 Gütersloh, 27. Aug.(Zuchtbullen=Verkauf. Gestern mittag brachte hier der Rindvlehzuchtverband von Minden=Ravensberg neun Zuchtbullen zum Verkauf, für die ganz respektable Preise— 500 bis 940 Mark— gebolen wurden. Der hiesige Landw. Lokalverein sah von einem Ankauf bei solchen Preisen ab und wird nun eine Kommission nach Ostfriesland entsenden zum Ankauf von Zichtbullen und Rindern, die dann gelegentlich des hiesigen LokalTierschaufestes wieder zum Verkauf kommen sollen. Die gestern hier verkauften Tiere gingen nach Rietberg, Lintel, Oldinghausen und dem Gute Bökel bei Rödinghausen. Zielefeld, 27. Aug.[Der Besuch des Kaisers und die Enihüllung des Kaiserdenkmals] am 29. dieses Monats wird nach den bisher bekannt gewerdenen Bestimmungen in folgender Weise verlaufen. Um 10 Uhr vormittags Abreise Seiner Masestät und der Prinzensöhne mit Sonderzug von Hannover. Um 11 Uhr 45 Minuten Ankunft in Biettseld. Auf dem Bahnhofe der kommandierende General und der Oberpräsident. Fahrt durch die Düppel=, Hetforder=, Niederwallstraße zum Schillerplatz. Auf der Niederwallstcaße steht die Ehrenkompagnie mit und Regimentsmusik. Seine Majistät werden gebeten, das auf dim Schillerplatz dem Denkmal gegenüber errichtete Kaiserzelt zu beireten. Gesangvorikag der vereinigtin Männergesangvereine. Ansprache des Oberbürgermeisters, welche mit der Bitte an Seine Majestät schließt, das Zeichen zur Enthüllung zu geben. Nachdem die Hülle gesallen, beingt der Obetbürgermeister ein Hoch auf Seine Majestät aus, die Ehrenkompagnie präsentiert. Ehrentrunk. Niederlegung von Kränzen am Fuße des Denkmals. Besichtigung des Denkmals. Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie. Abfahtt Seiner Maj stät durch die Rathausstraße, Obernstraße, Oberntorwall, Oderwallstraße zum Hause von Exzellenz Hinzpeter, wo Frühstückstafel stattfindet. 2 Uhr 85 Minuten Abfahrt zum Bahnhof durch die Oberwallstraße, Hersorderstcaße und Düppelstraße. Wie der Her: Oberhoftnarschall durch das Oberpräsidium in Münster dem hiesigen“ Magistrat mitteilt, wil der Kuser nach der Denkmalsenthällung dem Rathause einen kurzen Besuch abstattet. Birleseld, 26. Aug.[Die 12. Hauptversammlung des Zentralverbandes der Gemeindebeamten Preußens] beschäftigte sich am zweiten Beratungstage zunächst mit der Frage der Begründung einer Pinsionszuschußkasse und, beschloß, zunächst Echebungen anzustellen und das dabel gewonnene Material durch den Vorstand bearbeiten u lassen. Zur Herbetschaffung weiterer Mittel für Untertötzungs= und Wohlfahrtszweke soll in den nächsten 5 Jahren alljährlich eine Lotterie veranstaltet werden. Zur Frage der Aufhebung der Dienstkaution der Gemeindebeamten soll, da eine Peittion an die Staatsregierung keinen Zweck hat, an die Städretage petitioniert werden. Zum Schluß wurde noch ein Antrag angenommen, der Vorstand möge dahin wirken, daß die Arreststrafen für Unterbeamte in Fortfall kommen. Die nächstjährige Hauptversammlung soll in Altona staitfinden. 20. Aug.(Unglücksfall.] Auf der Hagemannschen Ziegelet in Oldentrup war der Vizemeister Kölling aus Heepen mit Rangieren von Güterwagen beschäftigt, die von Pferden gezogen wurden. Kölling kam unter die Räder eines dieser Wagen. Der Tod trat sofort ein. Der Verunglückte war verheiratet und stand im 38. Lebensjahre. Halle, 26. August.[Feuer.) Gestern nachmittag um 2½ Uhr stand das an der Langenstraß: belegene und von zwei Familien bewohnte Haus des Botenfuhrmanns Knoop plötzlich in hellen Flammen. Das alte aus Fachwerk bestehende Gebäude brannte total nieder. Die schnetl herbeigeellte Freiwillige Feuerwehr mußte ihre Tätigkeit vorwiegend darauf richten, die Nachbargebäude, welch wiederholt Feuer fingen, kalt zu halten und von dem Hab und Gut der Bewohner des brennenden Hauses zu retten, was zu retten war. Steinhagen, 24. August.(Eln trauriger Ungläcksfall] ereignete sich gestern nachmittag bei Herrn Gustav Kniepkamp hierselbst. Als der Kolon Dellbrügge damit beschäftigt war, Stroh vom Wigen zu laden, verlor selbiger das Gleichgewicht; er stürzte rück väcts vom Wigen und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf seinen Geist aufgab. Der Verstorbene steht im Alter von 61 Jahren und hinterläßt Frau und 4 erwachsene Kinder. Minden, 26. August.[Diebstahl.] Einem belm 15. Jufanterie=Regiment eingezogenen Reservisten wurde vor. Woche nachts der Brustbeutel mit 70 Mk. Inhalt entwenbet. Von dem Dieb hat man bis jetzt keine Spur. Heeßen, 25. Aug.[Tötlicher Unfall.] Der Bremser a. D. und Wegewärter Karl Wiethaup fil in der Ristauration„Zu. Weißenburg" hierselbst die Kellertreppe hinunter in den Keller. Er zog sich bei dem Falle einr Gehirnerschütterung zu, an deren Folgen er bald nachhee verschied. Hamm, 20. Aug.[Auf dem Bahnhofe] der Ruhr=Lippe=Kleinbahn fuhr eine Lokomotive mit voller Wuchi auf einen Güterzug. Die Lokomotive wurde stark beschädigt. Die Maschinisten retteten sich durch Abspringen Eine Maschine fuhr ohne Führer auf ein Peivatgleise und durchbrach die Mauern einer Fabrik. Menschen sind nicht verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Gelsenkirchen, 24. August.[Verhaftet.] Der Steuerassistent Loos wurde verhaftet unter der Beschuldigung, eine Summe von 18 bis 20000 Mark unterschlagen zu haben. Reheim, 24. Aug.(Selbstmord.— Verhaf tet. Heute morgen wurde im Herdringer Walde gegenüber der Chemischen Fabrik der bisherige Bllegermeister Brüning (der vor einigen Wochen auf höhere Anordnung hin sein Pensionsgesuch einreichen mußte) erschossn aufgefunden. Er wurde seil einigen Tagen vermißt und hat seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Man fand ihn mit dem Rivolver in der Rechten, Stock und Hut neben sich, mit einem Schuß in der Schläfe. Der Rasen um die Leiche herum war arg zerkratzt. Die Tai muß unmittelbar vor Auffinden der Leiche geschehen sein, da Brüning noch schwach almete. Die Beweggründ= zu dem Selbstmord sind in den bedeutenden Unterschlagungen des Standreotmeisters Burgard und des Steuersekretäes Vitz zu suchen, in welche verwickelt zu werden der Selbstmörder mit Recht befürchtete, da er seine Pflicht, die städtischen Kassen zu revidieren, in grödlicher Weise verletzt hatte. Man glaubt hier allgemein, daß noch mancher bisher hochachtbare Bücger in die unergückliche Affäre hineingezogen werde.— Der Steuersekretät Vitz hier wurde virhaftet. Er soll an dem bedeutenden Unterschlagungen des früheren Stadtrentmuisters Burgard mitbeteiligt sein. Lüdenscheid, 20. Aug.(Plötzlich erbitndet. In der zur Gemeinde Werdohl gehörenden Ortschaft Ev king erwachte eine 55 Jahre alte Frau an einem Morgen in der verflossinen Woche vollständig erblindet. Sie hatte sich am Abend vother mit vollständig gesunden Augen zu Bett gelegt. t, 26. Aug.(Während der Manöver] wurden zwei Reservisten vom 16 Infanterleregiment MäthelmRhein nach anstrengendem Marsche von einem Schlaganfall betroffen. Beide sind gesterben. Hagen, 24. August.[Ein schwerer Unfal! ertignete sich heute früh auf der steil abfallenden Straße bei Vollmarstein. Die 4. Eskadron der 5. Ulanen aus Düsseldorf ritt die Straße hinunter, als plötzlich der hinierher fahrende Fouragzwagen infolge Versagens der Brems in die Eskadron hineinfuhr. Zwel Ulanen und ein auf der Straße befindlicher Zloilist wurden schwar verletzt. Ein Ulan wurde in das=Krüppelheim von Vollmarstein gebracht. 8 Pferde mußten wegen ihter schweren Verletzungen sofort erschessen werden. Elwa 20 Pferde gingen durch und liefen auf die Straße nach Vorhalle, 13 Pferde liefen bis nach Hagen. Köln, 26. Aug.[Nach Unterschlagung von 2070 Mark) ist ein 14 Jahre alter Laufbursche Julius Franke entflohen. Man vermutet, daß er sich nach Berlin gewandt habe, um die Freuden der Riichshauptstadt zu kosten. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt worden. Köln, 26. Aug.[Glück beim Unglück) hatte ein Dachdeckergeselle, der vom Turm der St. Josefskirche abstürzte und an einer Dachrinne hängen blieb. Er konnte von seinen Kollegen aus der gefährlichen Lage befreit werden. Der Mann mußte zwar ins Bürgerhospital geschafft wirden, jedoch halte er nur leichte Verletzungen erlitten. für Haus= und Nach der im Kalserl. Siat. Amte vorgenommenen Zusammenstellung der Nachrichten über den Saatenstand im Deutschen Reich um Mitte des Monats August d. J. sind folgende Saaten(1 sehr gut; 2 gut; 3 mittel; 4 gering; 5 sehr gering) ermittelt worden: Wiaterweizen 2.9; Sommerweizen 2,3; Spelz 2,2; Winterroggen 2,6; Sommerroggen 2,6; Gerste 2,3; Hafer 2.3; Kartoffein 2,6; Klee 8; Luzerne; 2,9; Bewässerungswiesen 2,6; andere Wiesen 2,9. Durch die nasse und kalte Wilterung wurde die Ernte der Winterfrüchte vielfach sehr verzögert. Die Schätzungen des Eenteertrages lauten meist nicht ungünstig. Die Beurteilung des Standes der Sommerfrüchte zum Tetl auch schon ihrer Eente=Ecgebniss, ist meist eine recht günstige. Die Kartoffeln haben durch die naßkalte Witterung gelitten; der Stand von Klee und Luzerne, wie auch der Wiesen fiidet fast allgemein eine wenig günstige Beurtellung. Das Heu ist zum Teil minderwertig; stellenweise ging es auch durch Ueberschwimmungen ganz verloren, und der Nichwuchs läßt meist viel zu wünschen übrig. Vermischtes. * Borkum, 26. Aug. In der Nähe der Insel stieß der Hamburger Dampser„Minerva“ mit dem französischen Schlepper„Aveille“ zusammen, der sofort sank. Leider sind bei diesem Unglück 10 Pirsonen von letzterem ums Leben gekommen, nur 2 konnlen gerettet werden. * Nordhausen, 26. Aug. Das einjährige Kindchen eines Agenten hier hatte den Gummisauger an einer Schnur um den Hals hängen. Die Schnur drehte sich, als das Kind schlief, auf irgend eine Wise zusammen und erwücgte das kleine Wisen. * Raguhn(Anhalt), 26. Aug. Der Kassierer der Gewerbebank, Ferdinand Schmidt, ist nach Unterschlagung bedeutender Summen, die sich auf Zehntausende belaufen sollen, flüchtig geworden. Er hat von Cilbra aus an seine Frau die Nachricht gelangen lassen, daß er sich das Leben nehmen werde. Schmidt bekleidete lange Jahre hindurch das Ant des Stadtverordnetenvorstehers. *[Das verwechselte Viehfutter.] Ein herbes Mißgeschick traf den Gutsbesitzer Degott vom Ponsheimer= hof in der Pfalz. Beim Füttern des Viehs wurde versehentlich Chilisalpeter statt Viehsalz verwendet. Jafolgedessen sind über 20 Stück Rindvieh zugrunde gegangen. Degott hat nichts versichert und erleidet dadurch einen großen Staden. * Augsburg, 26. Aug. Der Mühlenbesitzer Klaus in Oberneufach wurde durch das Mahlwerk seiner Mähle zu Tode gerähert. Seit wenigen Jihren ist das schon der dritte tödliche Unfall auf dieser Mühle. * Paris, 26 Aug. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich in der Nacht zum Sonntag ereignet. Zwischen 11 und 12 Uhr ist der Schaellzug Bordeaux=Paris vor der Einfahrt zum Bahnhof in Coutras=Gironde mit einem rangierenden Güterzuge zusammengestoßen, wobei es viele Tote und Verwundete gav. Das Unglück ist, wie amtlich erklätt wird, wahrscheinlich durch falsche Weichenstellung herbeigeführt worden. Vom Synellzug wurden die drei ersten Wagen vollständig zertrümmert. Vom Güterzug sind 10 Wagen vernichtet. Der Schlenenweg wurde in einer Ausdehnung von 800 Metern vernichtet.— Nich neueren Feststellungen sind bei der Egtgleisung 10 Pirsonen getötel und 20 verletzt worden. Minister Barthou traf gestern abend in Coutras ein und besichligte die Stälte des Eisenbahnunfalletz. Der verhaftete Weichensteller beteuerte, daß er seine Pflicht voll ersällt habe, daß aber der von ihm bediente Apparat schon den ganzen Tag hindurch nur mit der größten Schwierigkeit zu führen gewesen sei. * Budapest, 20. Aug. 2500 Schneldergehilfen der Damenkonfektion sind in den Ausstand getreten. Sie fordern neunstündige Arbeitszelt und Eehöhung der Stundenlöhne um 100 Pozent. * N e w y o r k, 2 5. A u g u s t. W i e a u s S t. F r a n z i s c= gemeldet wird, fand gestern jenseits der Bay eine furchtbare Puloer=Explosion statt, bei der sieben Personen getöttt und mehr als hundert Personen verletzt wurden. Auf der Flucht, die in in allgemeiner Pinik vorgenommen wurde, erlitten noch viele Menschen, die der Explosion entgangen waren, schwere Verletzungen. Geffentlicher Metterdienst. (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Aachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 27. bis zum Abend des 28. August: Morgen meist trocken, aber ziemlich trübe; schwache Luftbewegung: Temperatur nicht erheblich geändert. Bekanntmachung. Unter dem Schweinebestande des Milchhändlers Friedr. Twelkemeyer hier, Bismarckstraße No. 727, ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. Die polizeilichen Schutzmaßregeln sind angeordnet. Gütersloh, 28. August 1907. Die Polizeiverwaltung. Mangelsdorf. Bekanntmachung. Unter dem Schweinebestande des Viehhändlers C. H. Stedtfeld hier No. 421 sind die Backsteinblattern ausgebrochen. Die pollzeilichen Schutzmaßregeln sind angeordnet. Gütersloh, 24. August 1907. Die Polizeiverwaltung. Mangelsdorf. Von der Reise zurück! Zahnarzt Krietenstein. Ia. Wasserglas zum Einlegen der Eier. Ludwig Grabemann. Feinste Süßrahm=Butter und Eier steis frisch zu haben bei H. Westerhellweg. 22 Endlich“ ein leicht bequemer Hosenträger der den guten Sitz der Hose fördert. Vorrätig bei Wilh. Lohmann, Schneidermeister. 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Gestern abend 7½ Uhr nahm der liebe Gott unser s Söhnchen Joseph im Alter von fast 6 Monaten wieder zu sich in sein Reich. Bernhard Johannknecht u. Frau Bernhardina geb. Strübbe. Pavenstädt, den 27. August 1907. Die Beerdigung findet statt am Freitag, den 30. d. M., morgens 7½ Uhr vom Sterbehause, Pavenstädt 116, aus. Für die uns beim Heimgange meiner geliebten Frau und treuen Mutter bewiesene herzliche Teilnahme sagen wir unsern innigsten Dank. Wilhelm Riemer. Ida Heissmann geb. Riemer. Gütersloh, im August 1907. Amt Gütersloh. Bekanntmachung. Auf Grund der Vorflutspolizei=Verordnung vom 8. Oktober 1898 (A.=Bl. S. 825) werden die Uferbesitzer hierdurch aufgesordert, die gründliche Räumung der Bäche und Gräben im hiesigen Amtsbezirke bis zum 10. September er, zu bewirken, namentlich Ansandungen, Kraut, Schilf und das noch an den Ufern stehende Holz und Gesträuch zu entfernen, die Ufer vorschriftsmäßig abzuschrägen und wieder in ordentlichen Zustand zu setzen, auch die Breite und Tiefe der Wasserläufe so herzustellen, daß sie der Vorflut entsprechen. Brücken, Stege, Waschbänke usw. müssen vorschriftsmäßig angelegt sein. Säumige verfallen in eine Polizeistrafe vis zu 30 Mark und erfolgt die Räumung außerdem auf ihre Kosten. Gütersloh, den 20. August 1907. Die Pokizeibehörde des Amtes Güterskohz. Dr. Villaret. Oelbermann's Fussbodenlack ist der beste. Derselbe trocknet über Nacht, ist geruchlos und glänzt wunderbar schön. Leinöl, Terpentin, Siccativ, Möbellacke, Bohnerwachs, Tapeten und Borde in allen Preislagen, Rolle von 10 Pfg. an. Broncen, Beizen, Pinsel, Schwämme und Fensterleder. Ernst Hoffschildt, Löwendrogerie und Filiale. Raucht Eckstein-Zigaretten! 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