sernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 lustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 84 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbroch, Gütersloh. Dienstag, den 16. Juli 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Der Friede im stillen Gzean. In Japan ist die geplante Entsendung der Schlachtflotte der Vereinigten Staaten nach der Westküste Nordamerikas äußerlich im ganzen ruhig aufgenommen worden. Mißmutig zeigt sich nur die Presse der Fortschrittspartei, die unter ihrem Führer, dem Marquis Ito, in Opposition gegen das Ministerium steht und wieder ans Ruder zu kommen strebt. Die japanische Regierung bietet alles auf, um keinen Kriegsdrang aufkommen zu lassen. Ihre Vertreter in Washington, Paris, London, dem Haag haben in verschienen Formen versichert, daß Japan nicht daran denke, sich durch das Erscheinen eines Uebungsgeschwaders im stillen Ozean beruhigt zu sehen. Anderseits ist der Admiral Yamamoso kürzlich vom Präsidenten Raosevelt sehr freundlich aufgenommen worden, und auch bei diesem Besuch hat ein Austausch friedlicher Versicherungen stattgesunden. Als Unterpfand der freundschaftlichen Gesinnung Japans wurde Herrn Roosevelt ein wertvoller Nephritstein als Geschenk des Mikado überreicht, während andererseits das Staatsdepartement in Washingion eine koreanische Deputation, die gegen Uebergriffe Jopans in Korea Hilfe suchte, ablaufen ließ. Ein englisches Blatt ist deshalb sogar auf die Vermutung gekommen, daß die Regierungen von Washinglon und Toklo in einem geheimen Einvernehmen miteinander ständen oder daß darüber vorhandelt würde. Die Tendenz ist jedenfalls auf belden Seiten friedlich, wenigstens zurzeit. Es wird aber weder jemand glauben, daß die amerikanischen Schlachtschiffe im Herbst bloß zu Uebungszwecken nach der Küste von Colorado gehen, noch läßt sich durch freundliche Erklärungen die Tatsache beseitigen, daß ernste Reibungsflächen zwischen beiden Reichen vorhanden sind. Gleichzeitig mit den diplematischen Erklärungen, daß die offiziellen Beziehungen gut seien, kamen neue Nachrichten über Bedrohungen japanischer Einwanderer im fernen Westen der Vereinigten Staaten. In den Staaten Colorado, Montana, Arizona, Idaho hat sich neben dem Landbau eine große Minenindustrie entwickelt. Heftige Lohnkämpfe in amerikanischem Stil, d. h. rücksichtslos bis zum Aeußersten und unter Gehrauch von Waffen, sind an der Tagesordnung. Die Arbeiter in den Goldund Kupferbergwerken lassen die billigere japanische Konkurrenz nicht zu, und auch in den Städten sind die gelben Elnwanderer mißliedige Gäste. Aus diesen Streitigkeiten können leicht Gewaltiaten und diplomatische Zwischenfälle entstehen. Der japanische Nationalstolz hat sich bisher gegenüber der schlechten Behandlung der japanischen Einwanderung in den Vereinigten Staaten Gewalt angetan. Der tiefere Grund liegt darin, daß Jopan die im letzten Kriege erlangten Vorteile nicht ohne zwingende Umstände aufs Spiel setzen, daß es vorerst seinen Einfluß in der Mandschurei befestigen, in China erweitern und seine erschöpfte wirschaftliche Kraft neu beleben möchte. Volkseigenschaften können aber die Zeit bis zu ernster Auseinandersetzung abkürzen. Denn es ist sicher: Nordamerikaner und Japaner lieben sich nicht. Politische Jeber Peutsches Peich. Die Kaiserin wird am 22. Juli, der Kaiser am 5. August in Wilhelmshöhe zum Sommeraufenthalt eintreffen. Die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise ist gestern mittag in Kadinen eingetroffen. Die bevorstehende Reise des Zaren in das Schärengebiet sollte, wie es hieß, zu einer Begegnung des Deutschen Kaisers mit dem Zaren im Schärengebiet führen. Nach einer der„Vossischen Zig.“ aus Petersburg übermittelten Meldung wird die Begegnung erst im August und zwar bei Danzig erfolgen. Die Enthüllung des Nationaldenkmals in Thorn zur Erinnerung an die Kriegszeiten vor hundert Jahren ist, wie aus Torn gemeldet wird, vom Kaiser auf den 28. September festgesetzt worden. Der Kaiser und die Kaiserin haben ihr Erscheinen zur Feier zugesagt. Der Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dernburg, trat Sonnabend vormittag mit dem Chef des Kommandos der Schutztruppen, Oberstleutnant Quade, dem Baurat Baltzer und dem Rittmeister Grafen Henke Donnersmark die Ausreise nach Deutsch=Ostafrika an. Die Rückkehr Dernburgs wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des November erfolgen. Seine Vertretung führt bis zu der Anfang Oktober in Aussicht stehenden Räckkehr des Unterstaatssekretärs von Lindequist aus Südwestafrika der Direktor im Reichskolonialamt, Dr. Conze. Die Reise hat namentlich auch den Zwick, über die Richtung und den Ausbau der Eisenbahnen zu einer Entscheldung zu gelangen. Der vor kurzem durch Verleihung des Titels Professor ausgezeichnete Afrikasorscher Schillings wurde als Hilfsarbeiter in das Kolonialamt berufen. Der Alldeutsche Verband, Ortsgruppe Hamburg, hat Dr. Karl Peters bei seinem Aufenthalte in Hamburg folgende Adresse überreicht:„Hamburg, den 18. Juli. Herrn Dr. Karl Peters, London. Endlich geht es zwischen Freunden und Feinden tatkräftiger deutscher Kolonialpolitik wieder hart auf hart, Stahl auf Stahl. Deutschland teil sich in zwei Lager, Ihr Name bildet den Kampfruf. Ihre Freunde von der Wasserkante brauchen Ihnen wohl nicht zu sagen, auf welcher Seite sie stehen. Gleichwohl drängen uns die Ereignisse jüngster Zeit, Sie zu versichern, daß kein Angriff imstande ist, unsere Anerkennung und Dankbarkeit für den Mehrer des Reichs zu schmälern. Im Anfang war die Tat. Der Mann der Tat wirh den Sleg behalten. Mit deutschem Gruß. Die Ortzgruppe des Alldeutschen Verbandes“ Die Berliner Staatsanwaltschaft hat nunmehr, wie die Münchener Neuesten Nachrichten berichten, gegen den der Entwendung der vielgenannten Briefe des Generals Keim verdächtigen ehemaligen Bureaubeamten des Flottenvereins, Oskar Janke, die Anklage auf schweren Diebstahl erhoben. Vom Personal des Bayerischen Kurter werden in der Angelegenheit in den nächsten Tagen mehrere Personen, darunter nahezu sämtliche Expeditionsbeamte, eidlich vernommen werden. Der bisherige Chefredakteur des Zentrumsblattes Siebertz hat kürzlich München verlassen, um die Chefredaktion des Wiener Vaterland zu übernehmen. Der Dreibund gilt nunmehr bis 1914, da das Bündnis zwischen Italien und Oesterreich=Ungarn, das bis Juni 1908 abgeschlossen war mit der Klausel, daß im Juni 1907 mit einjähriger Frist gekändigt werden müsse, andernfalle aber stillschweigend auf sechs Jahe verlängert werden soll, nicht gekündigt worden ist. Nach einem Beschlusse des Bundesrats vom 18. Juni d. Is. ist Zigarettenpapier, das in einer Form oder Aufmachung in den Verkehr gebracht wird, die seine Bestimmung, als Zigarettenhüllen bei der Herstellung von Zigaretten durch den Raucher zu dienen, erkennen läßt als gemäß§ 2 des Zigarettensteuergetzes steuerpflichtige Zigarettenhüllen zu behandeln und nach der Zahl der Einzelblättchen zu verfteuern, die davon entnotamen werden können. In Zweifelsfällen ist der Steuerberechnung eine Größe der Einzelblätichen von 27 gem zugrunde zu legen. Nächstens werden 10 Mark=Kassenscheine ausgegeben. Hoffentlich dauert es nicht zu lange. Es fehlt an baren Umlaufsmitteln, ein Uebelstand, der durch die Einziehung der Taler noch verschärft wird. Wie hoch der Betrag der noch vorhandenen Taler ist, läßt sich mit Sicherheit nicht angeben; geschätzt wird er auf ca. 400 Millionen Mark. Dafür muß nicht nur Ersatz geschafft, sondern es muß auch dem weit darüber hinausreichenden Bedarf Rechnung getragen werden. Der Entwurf, betressend den zehnstündigen Maximalarbeitstag der Frauen, wird, wie verlautet, dem Reichstage in der nächsten Tagung bestimmt zugehen Fräulein Sturmwind. Roman aus der Gesellschaft von T. Tschürnau. (8. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) „Warum behandeln Sie mich eigentlich heut gar so ungnädig?“ fragte Ereling nach einer kleinen Pause.„Ist es Ihnen so sehr unangenehm, daß der Zufall mich Ihnen in den Weg geführt hat?“ Nadine sah zu ihm auf mit dem Ausdruck unverholener Abneigung in ihrem reizenden Gesicht. „Das können Sie sich doch wohl denken,“ sagte sie trotzig.„Mama weiß natürlich nichts davon, daß ich durchgegangen bin, weil ich mich zu Hause zum Sterben langweilte und weil ich keine Lust hatte, um Ihretwillen die Kranke zu spielen. Daß mir der dumme Rerl, der Johann, in dem Gedränge abhanden kommen würde, konnte ich natürlich nicht voraussehen. Nun mußten Sie mich auch gerade noch ertappen—“ „Ich hoffe doch, daß Sie von meiner Diskretion überzeugt sind!“ fiel er rasch ein.„Nie wird ein Wort von unseter heutigen Begegnung über meine Lippen kommen!“ beteuerte er mit dem nötigen Pathos. Nadine hätte allen Grund gehabt, ihm dankbar zu sein für dieses Versprechen, aber sie zuckle nur die Achseln und wandte den Kopf von ihm ab. „Bin ich Ihnen denn so ganz und gar unleidlich, Fräulein Nadine?“ Das war eine gefährliche Frage an das Schicksal und eine Versuchung, der Nadine nicht widerstehen konnte. Wenn er es denn wissen wollte, so sollte er es erfahren— jetzt, sofort. Es war am besten so. Ihr Kopf fuhr herum; sie sah zu ihm auf, die seinen Nasenflügel leicht gebläht und eine Flamme im Auge. „Es ist wahr,“ sagte sie,„ich mag Sie nicht besonders gut leiden. Vielleicht kommt das daher, daß man mir gar zuviel von Ihnen und Ihren Vorzügen spricht. Das langweilt mich. Sie würden mir weit besser gefallen, wenn Sie die Güte hätten, sich gar nicht mehr um mich zu kämmern!“ Das war offenherzig! Dem etwas verwöhnten Millionärssohn war so etwas in seinem ganzen Leben noch nicht geboten worden. Die Frauen pflegten ihm auf halbem Wege entgegenzukommen. Und dieses kleine Mädchen da neben ihm gab ihm, dem Vielbegehrten, in kurzen Worten den Lauspaß. Eine Regung des Verdrusses wollte in ihm aufsteigen, aber sie hielt nicht stand vor Nadine's Liebreiz. Ein echtes Rassengeschöpf! Keine unseine Linie an der ganzen zierlichen Gestalt. Unter dem schwarzen Haargekräusel das feingemeißelte Elsenbeingesichichen mit den dunklen, sprühenden Augen. Er dachte nicht daran, sie aufzugeben, und er glaubte auch nicht an ihren dauernden Widerstand. Soweit dieser blasierte Lebemann noch zu lieben vermochte, liebt er Nadine Helldorf. „Was mißfällt Ihnen eigentlich so sehr an mir?“ fragte er demätig. Das war nun wieder solch eine heitle Frage! Sie konnte ihm unmöglich sagen, daß sein gigerlhaftes Auftreten ihr mißfiel, wie ebenso seine fade Unterhaltung, und noch ein Dutzend anderer Sachen, von denen die eine immer unhöflicher geklungen haben würde als die andere. „Ihre Abneigung schmerzt mich umsomehr,“ suhr er fort,„da sch selbst Sie so sehr liebe!“ Auch das noch! Eine Liebeserklärung auf offener Straße! Nadine war entsetzt. Wenn sie sich nicht vor den Verübergehenden geschämt hätte, würde sie einfoch davongelaufen sein. So sagte sie nur in heller Verzweiflung: „Warum nicht gar! Das ist ja Unsinn! Das bilden Sie sich nur ein!“ „Nein,“ beteuerte er,„ich weiß es ganz genau, daß ich nur mit Ihnen glücklich werden könnte!“ Nadine hatte als Antwort nur ein Achselzucken, das so deutlich wie Worte sagte: „Ja, da kann ich Ihnen nicht heisen, da müssen Sie eben ungläcklich durchs Leben wandern!“ „Und wenn ich Ihnen nun verspreche,“ suhr er fort, „daß ich vernünftig sein, daß ich Sie nicht mehr mit meiner gar zu offen zur Schau getragenen Bewunderung belästigen werde—“ „Das wäre ja reizend von Ihnen!" versicherte Nadine und ihr eben noch so verdrießliches Gesichichen strahlte in hellster Liebenswürdigkeit auf. Das aber ermutigte ihn gleich wieder, fortzufahren: „Werden Sie mir dann einige Hoffnung lassen?“ „Hoffnung?“ wiederholte sie.„Worauf?“ „Daß Sie einst, wenn sie eingesehen haben, daß Sie mich zu scharf beurteilen, doch noch einwilligen werden, mir zu gehören!“ Nadinens flüchtige Anwandlung von Liebenswürdigkeit schlug sofort wieder ins Gegenteil um. „Darauf rechnen Sie nur nicht,“ sagte sie,„das würde ich nie tun. Wir passen nicht zusammen. Schon in der ersten Woche würden wir uns schrecklich miteinander zanken und in der zweiten würden Sie Gott danken, wenn ich meine Sachen wieder packte und dahin zurückkehrte, von wo ich gekommen wäre. Fragen Sie einmal die Annemarie, was für ein unausstehliches Ding ich sein kann, wenn mir irgend etwas nicht in meinen Kram paßt. Gar nicht zu sagen ist's! Danken Sie Ihrem Schöpfer, daß ich nichts von Ihnen wissen will!— Ah, da ist Johann Wo warst du denn hingekommen, Johann?“ Sie wäre dem alten Diener, der aufgeregt vor dem Hause auf= und abpatrouillierte, in ihrer Herzensfreude beinahe um den Hals gefallen. Kaum nahm sie sich Zeit, Herrn von Ereling adieu zu sagen. Ein flüchtiges:„Gute Nacht und besten Dank für die Begleitung!“— gann huschte sie leichtfüßig wie ein Reh durch den Vorgarten in das Haus, dessen Tür der Alte hinter ihr schloß. Nadine hatte Glück. Ihre Heimkehr blieb ebenso unbemerkt wie ihr Fortgehen. Als Frau von Helldorf nach Hause kam, fand sie ihre jüngste Tochter im Wohnzimmer mit einer Stickerei beschäftigt, die man sonst nur selten in ihren Händen sah. (Fortsetzung felgl.) Die in Betracht kommenden Industriezweige haben sich fast ausschließlich mit der Herabsetzung der Maxlmalarbeitszeit von 11 auf 10 Stunden einverstanden erklärt. Der Entwurf sieht gewisse Uebergangsfristen vor. Helland. Aus Niederländisch=Indien wird offiztell gemeldet, daß die Bergbevölkerung aus unbekannten Gründen das Dorf Eudoh auf der Florasinsel angriff und in Brand steckte. Das Regierungsgebäude ist gerettet. Es find bereits Truppen dorthin entsandt. Italien. Die offizlöse Agencla Stefani veröffentlicht folgende aus Desio datierte Note vom 15. Juli: In einer Unterredung, die heute vormittag zwischen dem österreichischenungarischen Minister des Auswärtigen, Freiherrn v. Aehrenthal und dem italienischen Minister des Auswärtigen, Tittoni, stattgefunden hat, sind die Gefühle sehr herzlicher Freundschaft zum Ausdruck gebracht und bestätigt worden, die infolge des Bündnisses der beiden Regierungen der beiden Länder sich vereinigen. Die Prüsung der allgemeinen europäischen Lage, sowie alle die verschiedenen Fragen, die für Oesterreich=Ugarn und Italien besonders Interesse haben, gestattete beiden Ministern, mit gegenseitiger Genugtuung ihr vollkommenes Einvernehmen festzustellen. Dieses Einvernehmen, dessen Grundlage immer das Prinzip des Gleichgewichts und die Aufrechterhaltung des status quo bleibt, bezieht sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf alle Eventualitäten der Zukunft. Exminister Nasi, gegen den ein Verfahren wegen Unterschleife, begangen in seiner Eigenschaft als früherer Unterrichtsminister, schwebt, ist gestern abend plötzlich verhaftet worden, was große Aufregung verursacht hal. Nach wie vor bildet das Zarenreich den Schauplatz neuer Schreckensiaten. Mord und Totschlag, Ueberfälle und Kassenberaubungen sind an der Tagesordnung. Die Terroristen schrecken selbst vor den kühnsten Gewaltakten nicht zurück, um sich Gelder zu verschaffen, wie folgende Meldung aus Odessa beweist: 16 Meilen von Odessa wurde der Dampfer„Sophia“ auf der Fahrt von Odessa nach Korthy von beroaffneten Räubern angegriffen; um 11 Uhr abends erschienen drei junge Männer auf dem Verdeck, wo die Passagiere mit dem Kapltän zu abend aßen und hielten sie dort in Schach, während zwei andere Räuber sich der Person des Steuermanns vergewisserten und demselben unter Todesandrohungen befahlen, das Schiff nach Odessa zu lenken. Sie begaben sich darauf in den Salon erster Klasse und nahmen die eiserne Kasette des Kassierers der russischen Bank für auswärtigen Handel an sich, welche 50000 Rubel enthielt, nebst weiteren 1000 Rubel, die den Passagieren gehörten; darauf warsen sie die Kohlenvorräte über Bord und machten die Maschinen unbrauchbar, ließen den Dampf ab und suchten schließlich in zwei Schaluppen der„Sophia“ das Weite, nachdem sie die dritte vernichtet hatten. Die Räuber hatten gedroht, das Schiff in die Luft zu sprengen, wenn innerhalb von zwei Stunden irgend welche Zeichen von diesem gegeben würden. Die Polizei nahm die Verfolgung der 18 Räuber auf, jedoch ohne Erfolg. Bulgarien. Für die Feler des 20jährigen Jubiläumo der Thronbesteigung des Fürsten Ferdinand werden in Sofia große Vorberettungen getroffen, und in den nächsten Tagen soll das Programm hierfür festgestellt werden. Fürst Ferdinand, der gegenwärtig auf der ungarischen Besitzung des Prinzen Philipp von Koburg weilt, wird Ende dieses Monats in Sofia eintreffen, um der Jubiläumsfeier am 2. Angust beizuwohnen. Vorläusiger Entwurf eines Der Reichsanzeiger veröffentlicht den vorläufigen Entwurf eines Scheck=Gesetzes, um den beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, dazu Stellung zu nehmen und etwaige Wünsche geltend zu machen. Aus den einzelnen Bestimmungen führen wir folgendes an: Als Bezogene dürfen bezeichnet werden: 1. Die Reichsbank und diejenigen staatlichen und kommunalen Geld= und Kredit=Institute, sowie diejenigen eingetragenen Genossenschaften, die sich mit Annahme von Geldern und Leistung von Zahlungen für fremde Rechnung besassen; 2. ins Handelsregister eingetragene Bankterfirmen. Der bei der Firma oder dem Namen des Bezogenen angegebene Ort gili als Zahlungsort und zugleich als Wohnort des Bezogenen. Ist ein solcher nicht angegeben, so vertritt dessen Stelle der Ausstellungsort. Der Schick ist bei Sicht zahlbar. Die Angabe einer anderen Zahlungszeit macht den Scheck als solchen ungittig. Der auf eine bestimmte Person oder Firma gestellte Schick ist durch Indossament übertragbar, falls nicht der Aussteller die Uebertragung durch bezüglichen Vermerk untersagt hat. Der Scheck darf nicht wie ein Wechsel angenommen(acceptiert) werden. Ein auf den Schick gesetzter Annahmevermerk gilt als nicht geschrieben. Der innerhalb des Reschsgebiets ausgestellte und zahlbare Scheck ist spätestens binnen 7 Tagen dem Bezogenen am Zahlungsort zur Zahlung vorzulegen. Die Regreßansprüche gegen den Aussteller und die übrigen Vorwänner verjähren, wenn der Scheck in Europa zahlbar ist, in drei Monaten, andernfalls in sechs Monaten. Ist die Regreßverbindlichkeit dis Ausstellers durch Unterlassung rechtzeitiger Vorlegung oder durch Verjährung erloschen, so bleibt derselbe dem Scheckinhaber so weit verpflichtet, als er sich mit dessen Schaden bereichern würde. Die Schicks sind von Wechselstempel= abgabe frei. Lokales und Provinzielles. ) Sütereleh. 16. Juli.[Das Landwehrfest] In nächster Woche gewinnt nicht nur dadurch an Bedeutung, daß an ihm die neubeschaffte Vereinsfahne geweiht werden kann, sondern insbesonder auch dadurch, daß der k. General des 7. Armeekorps Exzellenz Frhr. v. Bissing diesem feierlichen Akte persönlich beizuwohnen sich bereit erklärt hat. Eine gewiß hohe Ehre für den Landwehr=Verein!— Das Programe für die Fahnenweihe ist wie folgt festgesetzt: Vormittags 10½ Uhr: Aufstellung der Gütersloher Vereine sowie der Abordnungen der auswärtigen Vereine. Vormittags 11 Uhr: Abschreiten der Front der Vereine durch Se Exzellenz General der Kavallerte und kommandierender General des 7. Armeekorps Jrhrn. v. Bissing. Begrüßung der auswärtigen Gäste namens des Vereins durch den Vorsitzenden des Gütersloher Landwehr=Vereins. Begrößung der auswärtigen Gäste namens der Stadt durch Herrn Bürgermeister Mangelsderf. Prolog. Weiherede Sr. Exzellenz des Herrn Generals von Bissing und Kaiserhoch. Uebergabe der Fahne an den Vereinsvorsitzenden. Uebergabe der Fahne durch den Vereinsvorsitzenden an den Fahnenträger. Ueberreichung des von Frauen und Jungfrauen der Stadt gestifteten Fahnenbandes und der Schärpen an den Fahnenträger und die Fahnenbegleiter. Ueberreichung der Fahnennägel, gestiftet von der Stadt Gütersloh, dem Amte Gütersloh, dem Amte Reckenberg, vom Verein alter Offiziere, von den Offizieren des Beurlaubtenstandes, vom Kreiskriegerverband, vom Vorstand des Gütersloher Landwehrvereins, vom Vereins=Komitee und vom Vorsitzenden des Vereins. Hoch auf das deutsche Vaterland und Gesang der 1. Strophe von Deutschland, Deutschland über alles. Parademarsch auf dem Marktplatz vor Sr. Exzellenz General der Kavallerie und kommandierenden General des 7. Armeekorps Freiherrn von Bissing.— Wie wir weiter erfahren, wird Se. Exzellenz der Herr General im Automobil aus dem Sennelager abgeholt. Nach beendeter Parade soll in der „Erholung“ ein Frühstück zu etwa 70—80 Gedecken stattfinden, an welchem außer den staatlichen und städtischen Behörden auch Reserve=Offiziere des Landwehr=Bezirks Bielefeld sowie die Vorsitzenden der Vereine des KreisKriegerverbandes Wiedenbrück und die Vorsitzenden der Sanitätskolonnen teilnehmen werden. Aus dem Vorstehenden schon geht hervor, daß das diesjährige Landwehr=Fest in ganz besonders festlichem Rahmen sich abspielen und auch für unsere Stadt ein bedeutsamer Tag sein wird. ) Sütersloh. 16. Juli.[Stiftungsfest.] Dem diesjährigen Süiftungsfest des Turn=Vereins ging am Sonnabend abend im festlich geschmückten Saale des Herrn Pollkläsener ein Kommers vorauf, der leider verhältnismäßig schwach und weil es Kommers mit Damen sein sollte, auch von zwei Damen besucht war. Den musikalischen Teil führte das hiesige Stadt=Orchester aus, welchem nach jeder Programm=Nummer lebhafter Applaus zu tell wurde. Nach dem zweiten Konzertstäck hieß der Vereinsvorsitzende die Erschienenen willkommen und brachte unserm Kaiser ein freifaches„Gut Heil“ dar, in welches kräftig eingestimmt wurde. Als im Verlauf des Abends der Vorsitzende zum zweilenmal das Wort nahm, gab er davon Kenntnis, daß die Herren Carl Stahl, Sanitätsrats Dr. Stohlmann, W. Puwelle, Fr. Gnegeler und H. Johann= knecht jetzt 25 Jahre dem Turnverein angehörten und die in dieser Zeit dem Verein bewiesene Treue Anerkennung verdiene; diese wurde durch Ueberreichung eines Eichenkranzes und ein dreisaches Gut Heil zum Ausdruck gebracht. Namens der anwesenden Jubilare Gnegeler und Johannknecht(die übrigen Herren waren nicht erschienen) sprach ersterer für die ihnen erwiesene Aufmerksamkeit Worte des Dankes, die in den Wunsch auf ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins ausklangen.— Auch des Turnwarts G. Schulze, der auf dem Kreisturnfest in Bielefeld aus heißem Kampf als Sieger mit hervorging, wurde dafür nach Turnart gedecht. Gut zum Vortrag gebrachte Lieder des Turner=Gesangvereins, sowie gemeinschaftlicher Gesang wechsellen mit dem Orchester ab, bis kurz nach 12 Uhr der Kommers offiziell geschlossen wurde.— Den Anfang des Festes am Sonntag machte ein gut besuchtes und recht beifällig aufgenommenes Frühschoppenkonzert im Garten des Hotel Barkey, ausgeführt von der Kapelle des Pionier=Bataillons Nr. 10 aus Minden, die auch bei schönstem Weiter am Nachmittag den Festzug durch die Stadt und zum Austrup'schen Festplatze begleitete. Hier verlief der Nachmittag bei Konzert, turnerischen Vorführungen und den üblichen Spielbudenfreuden in angenehmster Weise. Gegen 9 Uhr wurde zur Polonaise angetreten und damit der Festvall eröffnet, der, wenn für diesen auch nur die Festhalle zur Verfügung stand, die Teilnehmer noch manche Stunde in schönster Harmonie beisammenhielt. * Sütersloh, 16. Juli.[Konzert.] Morgen abend 8 Uhr konzertiert das hiesige Stadt=Orchester im Bockskrug. I11 Süterslot. 16. Juli.[Kauf.) Die an der Mauerstraße llegende Fabrikanlage des Herrn Arnold Verleger ging zu dem uns benannten Preise von 28500 Mark in den Besitz des Herrn Metzgermeisters W. Sewerin, der die bisherige Metallwarenfabrik zu einer Fleischwarenfabrik einzurichten gedenkt, über. 16. Juli.(T. W.=E.) Infolge Einlegung eines neuen Zuges Dortmund—Bielefeld(ab Gütersloh 20) hat sich die Teutoburger Wald=Eisenbahn veranlaßt gesehen, den Zug 85 Gütersloh—Hövelhof 5 Minuten später zu legen, um den Anschluß dieses Zuges aufzunehmen. Abfahrt Gütersloh von jetzt ab 212 nachmittag(sonst 207). 1 Sütersloh, 16. Juli.(In der Blau=Montagsstimmung) gerieten gestern mittag in einer Wirtschoft zwei Maurer an einander und glaubten sich gegenseitig mit Schnaps= und Biergläsern traktieren zu müssen. Dabei warf der eine seinem Gegner ein Bierglas mit solcher Gewalt ins Gesicht, daß dissen Mund und Nase arg verletzt wurden und der Mann nachher Aufnahme im Krankenhause suchen mußte.— Sbenfalls in der Montagsstimmung befanden sich zwei Männer aus Rheda, die durch ihr Verhalten auf der Straße die Polizei zwang, sich der Männer anzunehmen und sie in die„Stistung“ unterzubringen, aus der sie heute früh wieder entlassen wurden. — Sütersloh. 16. Juli.(Viehmarkt.] Auf dem heutigen Viehmarkte waren aufgetrieben 88 Stück Rindvieh, bestehend aus 6 fetten Ochsen, 11 feiten Kühen, 12 Zugochsen, 40 tragenden und Milchkühen und 14 Stück Jungvieh. Fette Ochsen kosteten 68—72 Mk., fette Kühe 65 bis 70 Mk. pr. 100 Pfd. Schlachtgewicht. Zugechsen kosteten 300—400 Mk., tragende und Mlichkühe 850 bis 500 Mk. und Jungvieh 210—270 Mk. das Stück. Aufgefahren waren 83 Wagen mit 748 Ferkeln und kosteten das Paar, 6—8 Wochen alt, 15—21 Mk. An Stangen und größeren Schweinen wurden 57 Stück gezählt. Stangen kosteten 30—45 Mk., größere Schweine(Sauen) 70 bis 120 Mk. das Stück. Der Handel mit Rindvleh war lebhaft, dagegen mit Schweinen flau. Nieherst, 16. Juni.[Obduktion.] Gestern hat im Krankenhause zu Gütersloh die gerichtsseitig angeordnete Obduktion der Leiche des Schuhmachermeisters Berwinkel durch die Herren Geh. Medizinalrat Dr. Schlüter hier und Dr. med. Dickel aus Eckardisheim stattgefunden. Der Besund der Leiche stellte fest, daß die auf Berwinkel abgegebenen Schüsse den Tod absolut zur Folge haben mußten und dieser somit denn auch durch die umfangreichen Verletzungen des Unterleibes herbeigeführt worden ist. Eine Revolverkugel wurde im Leibe vorgefunden.— Die Angaben, welche der mitbeteiligte Brennereiarbeiter Goldbeck der Redaktion dieser Zeitung gemacht hat, scheinen nach Angaben anderer Zeugen doch nicht so ganz den Tatsachen zu entsprechen. Es würde aber müßig sein, hierüber die Auseinandersetzungen noch weiter auszudehnen, da ja das Gericht erst volle Klarheit schaffen wird. Bemerkt sei aber, um Mißverständnissen vorzubeugen, daß der traurige Akt sich nicht in direkter Nähe des Kolonats Kobusch, sondern mehr in der Nähe der früher Meister'schen Besitzung abgespielt hat; Herr Kobusch wie auch sein Personal können bei der ganzen Affoire nur als Zeugen in Betracht kommen und stehen der eigentlichen Tat durchaus fern, wie man das anders bisher ja auch wohl nicht angenommen hat. Warendorf, 16. Juli.[Neuer Fabrikbetrieb.) Ein auswärtiges Konsortium beabsichtigt, in den seit langem leerstehenden Räumen der früheren Fleischwarenfabrik „Westfalia“ Blech=Emballagen zu fabrizieren. Münster. 15. Juli.[Ertrunken.] Im Kanal sind wieder einmal zwei Personen ertrunken. In der Nähe der Schleuse wurde gestern nachmittag nach 3 Uhr die Leiche des dort seit Jahren angestellten Vorarbeiters R. aus dem Wasser gezogen. Er wurde seit Samstag abend vermißt, und man nimmt an, daß er in der Dunkelheit einen Fehltritt getan hat.— Der andere traurige Fall ereignete sich am Abend. Der siebenjährige Sohn des Küsters F. hierselbst hatte sich mit andern Spielgenossen an den Kanal begeben. In der Nähe der Wirtschaft Haverkämper flog ihm die Mütze in den Kanal. Rasch entschlossen entkleldete sich der Knabe und lief ins Wasser. Leider war augenblicklich keine Hilfe zur Stell= und so mußte der Knabe vor den Augen seiner Kameraden und einiger Spaztergänger ertrinken. Durch die Jasassen eines vorbeifahrenden Ruderbootes wurde der Kleine als Leiche aus dem Wasser gezogen. Arnsberg, 15. Juli.[Der neue Regierungspräsident.] Der Oberpräsidialrat v. Schwerin in Münster ist an Stelle des Unterstaatssekretärs Frhrn. v. Coels zum Präsidenten der Regierung in Arnsberg ernannt worden. 14. Juli.(8 Uhr=Ladenschluß.) Am 22. Juli tritt hier der 8 Uhr=Ladenschluß in Kraft. Ausgenommen hiervon sind die Sonnabende. 10. Juli.[Die Kieler Beschlüsse.] Die milltärtschen Vereine, die sich den Kieler Beschlüssen nicht gefügt haben, traten am Sonntag im Hotel Ostermann zusammen, um einen neuen außerhalb des Landeskeiegerbundes stehenden Verband zu gründen. Die Zahl der Delegierten, die zu diesem Zwecke aus allen Tellen der Provinz nach hier gekommen waren, betrug etwa 200. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 30 Vereinen mit 11 344 Mitgliedern. Der Vorsitzende der Versammlung, Bauunternehmer Sieberg=Schwerte brachte zu Beginn ein Hoch auf den Kaiser aus und führte zunächst eine allgemeine Aussprache herbei, bei welcher Gelegenheit mitgeteilt wurde, daß vielen Vereinen, die infolge der Nichtannahme der Kieler Beschlüsse aus dem Kriegerbunde ausgeschlossen worden seien, sogar von den Behörden die erheblichsten Schwierigkeiten gemacht würden; es sei sogar mit der Eniziehung des Rechts der Fahnenführung gedreht worden. Der als Vertreter der Vereinigung des 16. Armeekorps anwesende Oberleutnant v. Trotha betonte, daß man sich sogar in letzter Zeit nicht gescheut habe, Generalfeldmarschall v. Haeseler bloßzustellen. Exzellenz v. Haeseler bekleide hinter dem Kaiser die höchste Charge in der Armee mit, so daß von einem kriegsministeriellen Räffel gewiß keine Rede sein könne. Was die Zurückweisung der außerhalb des Landeskriegerverbandes stehenden Vereine bei der Spalierbildung in Münster angebe, so habe Exzellenz v. Haeseler ihm persönlich gesagt, sobald er Gelegenheit habe, mit dem Kaiser zu sprechen, werde er ihm die Verhältnisse innerhalb der Kriegervereine klarlegen und darauf hinwirken, daß jene Versügung aufgehoben würde, weil sie sich nach keiner Richtung hin rechtfertigen lasse. Der Delegiertentag beschloß dann einstimmig die Gründung eines Verbandes, der die Bezeichnung„Vereinigung deutscher militärischer Vereine“ führen soll. Die Satzungen wurden genehmigt. Im§ 1 ist der Zweck der Vereinigung in folgender Weise festgelegt:„Aufrichtige Liebe und Treue für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland bei ihren Mitgliedern zu pflegen, zu betätigen und zu stärken, deutsch=nationale Gesinnung zu fördern und den vaterländischen Kriegsruhm in lebendigem Andenken zu erhalten.“ Kaufmann Müller=Schwerte wurde zum ersten und Lehrer Althoff=Schwerte zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Im übrigen wurden die Vorstandsämter auf Vereine in der ganzen Prorinz verteilt. Die Ver einigung soll sich nicht nur auf die ganze Provinz, sondern über ganz Deutschland erstrecken, alle Vereine, die gegenüber den Kieler Beschlüssen einen eppositionellen Standpunkt einnehmen, sollen Anschluß finden.— Der Riß im deutschen Kriegervereinswesen ist nun einmal da, und es scheint, als wenn er eine ziemliche Ausdehnung annehmen sollte. Pertmund, 15. Juli.[Verunglückt.] Gestern nachmittag verunglückte in Fredenbaum ein Mädchen, das mit seinem Bräutigam in einer Schiffsschaukel saß und infolge Schwindels abstürzte. Das Mädchen erhielt schwere Verletzungen. Essen, 16. Juli.[Milchküche.] Die hiesige Stadtgemeinde eröffnet morgen eine Milchküche, in der Säuglingsmisch zu billigen Preisen oder unentgeltlich an Familien direkt oder durch die Milchhäuschen der gemeinnützigen Gesellschaft für Milchausschank abgegeben wird. Mit dieser Milchausgabe ist eine Mutterberatungsstelle verbunden. Es werden zweimal wöchentlich Sprechstunden stattfinden. Eine Behandlung kranker Kinder findet nicht statt. Büsseldorf, 15. Juli.[Verschiedenes.) Die hiesige Strafkammer verurteilte einen Milchkutscher, der wiederholt aus einem fremden Hause dort im Vorraum niedergelegte Zeitungen mitgenommen hatte, zu 1 Tage Gefängnis. Zeitungsmarder sollten sich diesen Fall merken. — Die für die Tage vom 28. bis 28. Juli geplante westdeutsche Automobil=Tourenfahrt ist aufgegeben worden, da bis heute die ministerielle Genehmigung nicht eingetroffen ist. Infolgedessen wird auch der für Sonntag, den 28. Juli in Aussicht genommene Blumenkorso ausfallen. Köln, 15. Juli.(Bürgermeister=Wahl.] An Stelle des Oberbürgermeisters Becker, der am 1. Oktober seinen Posten in Köln verläßt, um dauernd nach Berlin überzusiedeln, ist seitens der Stadtverordneten Oberpräsident Wallraff=Koblenz zum Oberbürgermeister gewählt worden. Die Wahl erfolgte einstimmig, und zwar auf 12 Jahre. Das Gehalt beträgt 25000 Mark. Krefeld, 15. Juli.[Kanalprojekt.] Der Stadtrat von Antwerpen beschloß, in der Kammer die Vorlage zum Bau eines großen Schiffahrtskanals zwischen Rhein und Antwerpen einzubringen. Der Kanal soll in Krefeld seinen Anfang nehmen. Koblenz, 15. Juli.[Beerdigung einer Klosterschwester mit militärischen Ehren.] Mit militärischen Ehren beerdigt wurde die Schwester Hildegart, Klosterschwester vom Heiligen Geist vom Kloster Marienhof bei Koblenz. Ein Musikkorps in Uniform ging dem Militär=Leichenwagen voraus. Zahlreiche Offizlere und Abordnungen sämtlicher Truppenteile der Garnison Koblenz nahmen mit den Ocdensschwestern, der Geistlichkeit und Bürgern aus allen Ständen an dem Leichenbegängnis teil. Die Verstorbene wirkte als barmherzige Samariterin auf den Schlachtfeldern von 1866 und 1870/71. Trier, 15. Juli.[Großfeuer.] Der Moselort Enkirch wurde durch eine Feuersbrunst eingeäschert. 17 Wohnhäuser mit zahlreichen Oekonomiegebäuden brannten nieder. Naturdenkmalp slege. be. Der Kultusminster hat jetzt den Oberpräsidenten die Grundsätze zur provinziellen Ausgestaltung der Naturdenkmalpflege zugehen lassen. Danach soll zunächst für jede Provinz sein Provinztalkomitee gebildet werden, wozu nach Bedarf noch Bezirkskomitees für die Regierungsbezirke oder Landschaftskomitees für sonstige größere Bezirke treien. Außerdem ist es erwünscht, daß von den schon bestehenden naturwissenschaftlichen und anderen Vereinen die Förderung der Naturdenkmalpflege übernommen wird. Die Komilees werden im Wege freier Verständigung gebildet, wobei als Mitglieder vernehmlich Vertreter der zuständigen Behörden und der beteiligten wissenschaftlichen Anstalten und Vereine sowie besonders interessierte Privatpersonen in Betracht kommen. Für jedes Komitee wäre etwa ein Vorsitzender und ein Geschäftsführer, am besten ein naturwssenschaftlich durchgebildeter Fachmann zu wählen, deren Tätigkeit eine ehrenamtliche ist. Die Komitees haben mit der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege dauernde Verbindung zu halten und deren Wünsche nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Der Minister hält es für wänschenswert, daß die Herren Oberpräsidenten bzw. Regierungspräsidenten selbst den Vorsitz der Provinzialkomitees bzw. Bezirkskomitees übernehmen. Vermischtes. * Aachen, 15. Juli. Gestern ist die Tuchfabrik von Arnold und Schull vollständig abgebrannt. 250 Arbeiter sind beschäftigungslos. * Kassel, 15. Juli. Während der vorgestrigen Felddienstübung des Husaren=Regiments entlud sich der Karabiner des Husaren Thier. Die Kugel drang Thier durch den Hals und verletzte ihn tödlich. * Berlin, 15. Juli. Ein heftiger Sturm, welcher gestern morgen nach einem sast 36 stündigen wolkenbruchartigen Regen wütete, hat recht erheblichen Schaden angerichtet, besonders in den Obstkulturen und Forsten. Aber auch in Berlin selbst ist der Schaden bedeutend, so stürzte in der Marine= und Kolonial=Ausstellung die 40 Meter lange Fahrzeughalle ein. Auf der Alsenbrücke wurde ein großes Baugerüst umgerissen. Zahlreiche Ziegel wurden von den Dächern gerissen. Ein Bäckerlehrling wurr durch einen herabstürzenden Zlegel schwer verletzt. *[Ein sensationeller Prozeß,] der auch nach Berlin herübergreift, wird demnächst vor den Petersburger Gerichten verhandelt werden. Es dürfte eine Art HumbertAngelegenheit werden, denn die Schulden, welche die Angeklagte, Frau Olga Stein, gemacht hat, sollen beträchtliche sein. Frau Olga Stein, die mit einem bekannten Berliner Musiprofessor verheiratet war, hat es verstanden, in einem abenteuerlichen Leben, trotzdem ihr zweiter Gatte über Millionen versügte, diese Millionen durchzubringen und noch die Millionen anderer. * Landsberg a. W., 14. Juli. Hier wurde dieser Tage bei den Rohrlegungsarbeiten auf dem städtischen Wasserwerk der Arbeiter Schmidt lebendig begraben. Die Rettungsarbetten nahmen etwa eine Stunde in Anspruch. Die Leiche war gräßlich verstümmelt. Der Tote hinterläßt Frau und Kind. * Wiesbaden, 13. Juli. Der hiesige praktische Arzt Dr. Schellenberg, der Vertrauensarzt der hiesigen Postverwaltung, hat bei der letzten Reichstagsstichwahl sozialdemokratisch gestimmt und dies auch offen zugegeben. Die Oberpostdirektion in Frankfurt a. M. schickte einen höheren Beamten zu ihm und ließ ihn zur Rede stellen. Dr. Schellenberg verweigerte jede Auskunft über seine politische Gesinnung und erhielt von der Post seine Kündigung zum 1. Oktober. Auf Anfrage des Arztes erklärte die Postverwaltung, daß die Kündigungsursache in seinem Eintreten für den sozialdemokratischen Kandidaten zu suchen sei. Sämtliche Wiesbadener Aerzte, an die sich die Postverwaltung nun wegen Uebernahme des Vertrauenspostens wandte, lehnten ab und erklärten sich mit Schellenberg solidarisch. Die Sperrung der Wiesbadener Postarztstelle seitens des Leipziger Aerzteverbandes wird bestimmt erwartet. * Breslau, 15. Juli. Die Grafschaft Glatz im schlesischen Gebirge ist von großen Ueberschwemmungen heimgesucht worden; es liegen darüber folgende Meldungen vor: Die Neisse ist infolge anhaltenden Regens aus den Ufern getreten, große Strecken sind völlig überschwemmt. In Glatz sind der Roßmarkt, der Holzplan und das Schützenhaus schwer bedroht. Infanteriemannschaften und Feuerwehr arbeiten unausgesetzt an der Absperrung der Fluten. Auf den genannten Straßen steht das Wasser meterhoch. Der Stadtbahnhof kann nur mit Kähnen erreicht werden. Durch Kähne wird auch der Verkehr auf den Straßen vermittelt. Viele Gehöfte außerhalb von Glatz sind durch die Fluten völlig zerstört. Die gesamte Ernte scheint vernichtet. In den Fluten der Weistritz ist bei Rückers gestern ein Schulknabe ertrunken, ein Mann wird vermißt. Auch aus dem Riesengebirge lauten die Nachrichten trostlos. Das Dorf Straupitz bei Hirschberg ist völlig abgeschnitten. Das Gelände zwischen Straupitz und Hirschberg bildit eine wogende Wasserfläche. Auf der Schneekoppe mußten wegen des herrschenden furchtbaren Sturmes sämtliche Fensterläden geschlossen bleiben, den ganzen Tag brannten die Lampen. An dem Aeußeren der Gebäude wurde großer Schaden angerichtet. Die Oberstrombauverwaltung teilt amtlich mit, infolge bedeutender Regenfälle im Quellgeblet der Oder und ihrer linksseitigen Nebenflüsse sind alle diese Flüsse bedeutend gestiegen. In der Oder ist noch größeres Hochwasser zu erwarten. In den oberen Strecken der Glatzer Neisse, der Weistritz, der Katzbach und der Bober fällt das Wasser wieder.— Die Eisenbahndirektton teilt mit: Die Strecke Hirschberg=Ober= rörsdorf ist bei Kilometer 125 wegen Dammrutsches infolge Hochwassers auf unbestimmte Zeit gesperrt. Die Güter sind anzuhalten, rollende aufzuhalten und den Absendern zuzustellen. *[Kaiser und Kronprinz als Paten.] Der Kronprinz hat bei dem achten Sohne des Bergmanns Geppert in Eckersdorf bei Glatz Patenstelle übernommen und die Elntragung seines Namens in das Kirchenduch gestattet. Vom Hofmarschallamt erhlelt der glückliche Famillenvater zugleich mit dieser Mitteilung ein ansehnliches Patengeschenk zugesandt. Bei dem siebenten Sohne Gepperts hatte im Jahre 1904 der Kaiser Patenstelle angenommen. * Bozen, 15. Juli. Zwei norddeutsche Touristinnen fanden beim Ueberschreiten der Birnlücke(Hohe Tauern) den Tod durch Uebermüdung und eisiger Kälte. * Wien, 15. Juli. Gestern wütete in Wien und Umgebung ein heftiger Orkan, während dessen ein starker Wolkenbruch niederging. Das noch nicht eingefahrene Getreide hat stark gelitten. Bei Lau ist die Donau ausgetreten. In Klosterneuburg sind viele Auen überschwemmt. Im Ray=Gebiet ist Neuschnee gefallen, der bis ins Tal hinab liegt.— Auch in Böhmen und Schlesien herrscht Unwetter mit Sturm. * Johannesburg, 18. Juli. Durch eine DynamitExplosion wurde das Hotel Kilfols=Boksburg in die Luft gesprengt. 8 Personen wurden getötel, mehrere verwundet. Der Direkter des Hotels fand am 10. Juli in einem zum Holel gehörigen Nebengebäude eine große Menge Dynamit. Geffentlicher Wetterdienst. (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Nachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 16. bis zum Abend des 17. Juli: Morgen teils heiter, teils nebelig ohne wesentliche Niederschläge, schwache Luftbewegung, am Tage etwas wärmer. Bestellungen auf die Neue Gütersloher Zeitung git der achtseitigen reich illustrierten Wochen=Gratisbeilage Lesehalle werden jederzeit entgegengenommen von allen Postanstalten, Landbriefträgern, unsern Zeitungsboten und der Expedition Schulstraße 788. Zur Zeit findet im hiesigen Amtsbezirte eine Beschreibung sämtlicher Gebände statt. Die Besitzer werden ersucht, die FeuerVersicherungs=Police bereit zu halten und den die Aufnahme bewirkenden Personen auf Ersuchen die erforderlichen Angaben zu machen. Gütersloh, den 15. Juli 1907. Der Amtsverwalter: Villaret. Am Donnerstag morgen von Uhr ab wird bei. Knafinke am Dreisdsplotz Schweinefleisch verkauft, das Pid. zu 55 Pfg. Reichsbank-Diskont-Notas sind steis vorrätig bei Schmälinz& Ohlbreck. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, am Freitag, den 12. d. Mts., abends 11 Uhr, unsern innigstgeliebten Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, den Schuhmschermeister Wilhelm Berwinkel nach kurzem schweren Leiden infolge eines Unglückstalles im 25. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Familie Heinrich Berwinkel. Niehorst, den 15. Juli 1907. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 17. d. Mts., nachmittags 2½ Uhr vom eiterlichen Hause, Niehorst Nr. 22; in Isselhorst um 3½ Uhr; Vorfeier im Hause 2 Uhr. Roggen u. Vieh=Verkauf. Am Donuerstag, den 18. Juli, nachmittags 4 Uhr anfangend, lasse ich ca. 20 Scheffelsaat vorzüglichen Roggen auf dem Halm meistbielend gegen Kredit verkaufen. Ferner lasse ich Bullen und tragende Rinder sowie ein 8 jähriges zuverlässigee gegen Barzahlung zum Verkauf bringen. Blankenhagen, den 18. Juli 1907. F. Zumhagen. Inventar= u. Getreideverkauf. Am Dienstag. den 23. Juli, nachmittags 4 Uhr aufangend, wird Kolon Wilh. Kniepkamp in No. 19 wegen Aufgabe der Landwirtschaft gegen Kredit: 10 Scheffels. mit Roggen, 3„„ Hafer, 1 Ackerwagen, 1 Pflug, 1 Egge, 1 Häckselmaschine, sowiesonstige Acker-, Haus- und Küchengeräte, ferner gegen bar: 1 guten schweren Zugochsen, 1 milchgebende Kuh meistbietend verkaufen lassen. Käufer lade dazu ein. Brockhagen, den 10. Juli 1907. Heinrich Bröel. Zoll-Inhalts-Erklärungen vorrätig in der Buchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock. 1-uund L zugelaufen. Gegen Erstattung der Unkosten abzuholen. Zu erfragen in der schäftsst. d. Ziz. Wohnung von 5 Räumen nebst Zubehör auf sofort oder später zu vermieten. Bäcker C. Pahlke, Marienfelderstr. 23. * Vom 20. Juli bis * 20. August verreist. Dr. Fromm, = Frauenarzt, vielefeld, am Zwinger 2. FIEE verschwinden Zautausschläge. Dantnnreinigkeiten v. Sommersprossen durch Bergmanns Teerschwefel-Seife à Si. 50 Pfg. bei Ernst Hoffschildt. Kochkisten von heute ab, solange der Vorrai reicht, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. W. Epke, Dreiechsplatz. Gesundheits=Hafer= Zwieback ist der beste Nähr= und Tafelzwieback der Welt. W. Mestemacher. Reintönig. Ostfriesland, Niederlage: W. Küster, Gütersloh i. W. 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Juli 1907. Niederröhrmann, Gemeindevorsteher. Putzgeschäft. Für sofort ein junges Mädchen in die Lehre gesucht. Vom wem, sagt die Exp. d. Bl. Stundenmädchen gesucht. Frau Photograph Nottebrock. Belnnerstraße 824. Wohnung zum 1. Oktober zu vermieten. Ringstraße 859. Wohnung im Hinterhaus von 4 Räumen nebst Zubehör in guter Lage der Stadt zum 1. Oktober zu vermieten. Näheres in der Geschäftsst. 8. Zeitung. Wohnung von 5 Räumen nebst Zubehör und Stallung zum 1. Oktober zu vermieten. Rudolf Eggert, Kattenstroth. In der Nähe des Bahnhofs Isselhorst eine evil. auch zwei kleine Wohnungen zu vermieten. Mumperow, Isselhorst. Mittwoch eintreffend Ia. Herzkirschen per Pfund 28 Pfg. ra. Blumenkohl per Stück 25 Pfg. Ia. Bolatgurken per Stück 15 Pfg. Mittwoch u. Donnerstag: Ia. Pratschellsisch per Pfund 12 Pfg. Ia. Augelschellsisch per Pfund 15 Pfg. Täglich treffen 50 Körbe Heidelbeeren ein. Gebr. Wolff. Raucht Eckstein-Zigaretten! Steter auch nach Einführung ttensteuer in derselben = Qualität u. Handarbeit hergestellt. enorme Konsum befähigt die Fabrik, die Zigarrenhandlungen stets mit frischer Ware zu versorgen. Man verlange ausdrücklich: Eckstein’s Nr. 8 und prüfe genau, daß jede Zigarette die volle „A. M. Eckstein& Söhne" nebst Schutzmarke trägt. (Arbeiterzahl über 800.) Vertreter: B. Henneböhle, Güterslch. Oelbermann's Fussbodenlack ist der beste. Derselbe trocknet über Nacht, ist geruchlos und glänzt wunderbar schön. Leinöl, Terpentin. Glecativ, Möbellacke, Bohnerwachs, Tapeten und Borde in allen Preislägen, Rolle von 10 Pfg. an. Broncen, Beizen, Pinsel. Schwämme und Fensterleder. Ernst Hoffschildt, Löwendrogerie und Filiale. Restauration zum„Bockskrug“, Morgen Mittwoch, abende 8 Uhr: Grosses Konzert des hiesigen Stadtorchestere. = Eintritt à Person 25 Pfg.= Gras= und Frucht=Verkauf. Am Freitag, den 19. Juli, nachmittags 5 Uhr beginnend, beabsichtigt Frau Rinna Nordwald zu Prochkhagen Nr. 1 45 Abteilungen gutes Kuhgras, 30 Scheffelsaat Roggen, vorzüglich zur Faat geeignet, meistbietend auf Kredit zu verkaufen. Käufer ladet dazu ein Brochhagen, den 9. Juli 1907 Heimrich Bröel. An- und Abmelde-Formulare zur Krankenkasse stets vorrätig in der Buchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock, Schulstraß:.