Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 74 Druck und Verlat Schmäling& Ohlbrock, Sonnabend, den 22. Juni 1907 Verantwortlicher Redaktenr: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Die heutige Rummer umfaßt 8 Seiten. Wochzenrückhblick. Die abgelaufene Woche war recht ereignisvoll: im Haag ist die zweite Friedenskonserenz zusammengetreten, in Rußland ist die Duma aufgelöst und das Wahlrecht abgeändert worden; in Wien ist der Reichsrat durch eine Thronrede des Kaisers Franz Joseph eröffget worden, nachdem das österreichische Abgeordnetenhaus zum ersten Male auf Grund des allgemeinen gleichen und birekten Wahlrechts gewählt worden ist; im Süden Frankreichs machen die Weinbauern eine ganz eigenartige Revolution; das französisch=japanische Abkommen ist veröffentlicht worden; zwischen Frankreich, England und Spanien ist eine Art Dreibund hinsichtlich des Mittelmeeres abgeschlossen worden; das deutsch=spanische Handelsabkommen von 1899 ist auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Ein Besuch unseres Kaisers in England auf Einladung des Königs Eduard ist angekündigt worden. Das dänische Königspaar war in Paris und hat den Präsidenten Fallieres besucht. Der Lordmayor von London ist mit einer größeren Anzahl hochgestellter Herren Gast der Stadt Berlin gewesen und hat sich mit den Berliner Stadtvätern verbrüdert. In Luxemburg wird die Thronfolge dahin geregeli, daß die älteste Tochter des Großherzogs diesem in der Regierung folgt. Auf die dem modernsten Verkehrsmittel gewidmete Taunuswoche ist die Kieler Woche gefolgt. Und das ist noch lange nicht alles, aber doch wohl das wesentlichste. Die Haager Konserenz hat sich gut angelassen. Sie ist von allen Kulturstaaten der Welt beschickt, ein Beweis dafür, daß das Bedürfnis, den Frieden erhalten zu sehen, die ganze zivilisierte Welt erfüllt. Von allen Seiten zeigt sich das Bestreben, alles von vornherein auszuschließen, was Differenzen oder Verstimmungen wochrufen könnte. Unter solchen Umständen müßte es merkwürdig zugehen, wenn die Konferenz nicht zu wertwollen positlven Ergednissen kommen sollte. In der Abrüstungsfrage wird freilich nicht viel erzielt worden. Deutschland lehnt die Beratung dieser Frage nicht schroff ab, erachtet es aber doch für überflüssig, viel Zeit auf eine Sache zu verwenden, die keine Verständigung verspricht. Die Hauptätigkeit der Konferenz wird in den Kommissionen liegen, deren fünf gebildet sind. Die erste ist die Schiedsgerichtskommission, die zweite hat sich mit Verbesserungen des Kriegsrechts zu Lande, die dritte mit solchen des Seekriegsrechis, die vierte mit Zusätzen zur Genfer Konvention zu beschäftigen, die fünfte endlich fungiert als Redaktionskommission. Deutscherseits ist der Antrag gestellt, ein internationales Oberprisengericht als Appelinstanz für die Prisengerichte der einzelnen Staaten zu errichten. Das Verlangen der südamerikanischen Staaten nach Verhinderung internationaler Zwangseintreibung von Staatsschulden scheint sich zu einem bestimmt formulierten Antrage noch nicht verdichtet zu haben; jedenfalls hat es den Beifall aller der Mächte, die gern pumpen, aber sehr ungern wiederbezahlen. Das Bekanntwerden der Mittelmeer=Tripelallianz schien zunächst wieder eine gewisse Nervosttät hervorzurufen, die sich aber rasch gelegt hat. Das Abkommen, das zwischen Frankreich, England und Spanien getroffen und den übrigen Mächten zur Kenntnisnahme unterbreitet worden ist, bezweckt nach den Mitteilungen, die darüber seitens der französischen und spanischen Minister des Aeußeren und durch offiziöse französische und englische Angaben gemacht worden sind, Sicherung des status quo in den Teilen des Mittelmeeres und des Ailantischen Ozeans, welche die Verbindungen mit den Besitzungen der drei Mächte interessieren und Gewährleistung der Sicherheit dieser Verbindungen. Noch weniger Kopfschmerzen wird uns das französisch=japanische Abkommen machen da das, was darin ausgesprochen ist, deutscherseits immer vertreten wurde. Möglicherweise wird ein ähnliches Abkommen auch zwischen Deutschland u.o Japan herbeigeführt. Die Wiener Meldung, daß Kaiser Wilhelm dem Könige von England auf dessen Einladung in diesem Commer einen Besuch abstatten werde, ist bieher weder bestätigt noch ist ihre Richtigkeit bestritten worden. An zuständiger deutscher Stelle wird eine Aeußerung darüber abgelehnt. Jedenfalls liegen feste Entschließungen noch nicht vor. Der Besuch des Lordmayors von London und seiner Begleiter in Berlin, der Verkehr zwischen den Londoner und Berliner Stadtvätern, die Reden, die dabei geschwungen wurden, und die Berichte, die die englischen Gäste nach der Heimat geschickt haben, sind ganz dazu angetan, die Beziehungen zwischen Deutschland und England in rosigem Lichte erscheinen zu lassen. Die russische Duma ist während der Berichtswoche, endlich von dem wohlverdienten Schicksal der Auslösung ereilt worden. Fast zu lange schon hatte die Geduld der russischen Regierung und ihres leitenden Staatsmannes Stolypin gewährt. Nachdem nun aber die Mehrheit der Duma es auch noch gar nicht wagte, das verbrecherische Treiben ihrer sozialdemokratischen Mitglieder mit dem Deckmantel der parlamentarischen Immunstät zu schützen, war das Maß denn auch zum Ueberlaufen voll, und die Regierung tat einfach ihre Pflicht, indem sie die Schützer des Terrors auseinander jagte und seine Organisatoren hinter Schloß und Rlegel brachte. Ministerpräsident Stolypin ist aber bei der Auflösung der Duma nicht stehen geblieben, sondern hat dieser unverzüglich eine zweite segensreiche Maß. nahme folgen lassen, nämlich den Erlaß eines neuen, den russischen Verhältnissen besser angepaßten Wahlgesetzes. Soll Rußland wirklich in die Reihe der Verfassungsstaaten übergeführt werden, so kann dies nur auf der Grundlage eines Wahlrechtes geschehen, das den patriotisch empfindenden und besonnenen Elementen des russischen Volkes das maßgebende Uebergewicht sichert und die Masse dem verderblichen Einflusse gewissenloser Demagogen entzieht. Mit der jetzigen Volksvertretung war es ein wahrer Jammer. Sie leistete nichts, kokettierte mit der Revolution und schließlich beteiligte sich ein Teil der merkwürdigen Volksvertretung an einer Verschwörung gegen Staat und Kaiser. Die Duma suchte die Verschwörer unter ihre Fittiche zu: ehrnen und gegen ein gerichtliches Verfahren zu schützen und das schlug dem Fasse den Boden aus. In Oesterreich hat die Eröffnung des Reichsrates stattgefunden. Die Thronrede kündigt eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Maßnahmen, so die Einführung der Altersund Invaliditätsversicherung, die Errichtung einer Zentralgenossenschaftskasse, die Schaffung eines neuen Strafgesetzes und die Fortsetzung der Eisenbahnverstaatlichung an. Bezüglich des Ausgleiches mit Ungarn wird als leitender Grundsatz der österreichischen Politik verkündet,„das durch jahrhundertelange, gemeinsame Schicksale geheiligte und von der pragmatischen Sanktion festgesügte und bewährte polltische Band zwischen beiden Staaten den spätern Geschlechtern unversehrt zu erhalten". Der Herbst erst wird die Entscheidung über die Möglichkeit einer solchen Politlk bringen. Auch wird sich dann im allgemeinen zeigen, ob die neue demokratische Grundlage, die das österreichische Staatswesen mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts erhalten hat, tragfähig ist oder nicht. Wenn das neue Parlament des Nachbarreiches nur einen Teil des Pflichtgefühls seines Kaisers gegenüber dem Staatsganzen besitzt, dann geht Oesterreich einer schönen Zukunft entgegen, von der wir nur wünschen, daß sie Kaiser Franz Joseph noch erleben möge. Die infolge der Weinbaukrists in Süd= Frankreich ausgebrochene Revolte macht dem Kabinett Clemenceau schwere Sorgen. Es möchte einen blutigen Konflikt vermeiden; es läßt sich aber nicht absehen, wie ohne einen solchen die Ordnung wieder hergestellt werden soll. Blutige Zusammenstöße hat es übrigens schon gegeben. Politische Aebersicht. Reich. Der Kaiser übergab vorgestern in Kiel dem Inspekteur des Bildungswesens der Marine die auf der Freitreppe der Marine=Akademie aufgestellte Büste des Großadmirals von Köster. In Berlin ist von einem gepionten Besuch des Kaisers in England nichts bekannt. Ebensowenig in London bezw. in Schloß Windsor, doch wird aus London gemeldet, dort werde die Cowes=Woche vielfach als Besuchszeit bezeichnet, zumal im Hauptquartier des königlichen Jachtgeschwaders drei, von Kaiser Wilhelm gestiftete Preise angekommen sind. Der Staatssekretär des Kolonialamts Derenburg hat einen zehntägigen Urlaub angetreten und nimmt zunächst an der Kieler Woche teil. Der deutsche Botschafter Frhr. Speck von Sternburg kehrt bereits Ende dieses Monats auf seinen Posten nach Washington zurück. Die englischen Gäste legten bei ihrem Besuche Potsdams und seiner Schlösser Lorbeerkränze am Sarge Friedrichs des Großen in der Garnisonkirche und an den Sarkophagen des Kaisers und der Kaiserin Friedrich im Mausoleum an der Friedenskirche nieder. Der Kaiser sandte heute an den Lordmayor von London ein Telegramm, in dem der Monarch die englischen Gäste zu ihrem Aufenthalt in Potsdam willkommen heißt. Der Lordmayor und die Stadt London haben dem Berliner Magistrat die Summe von 8000 Mark für Armenunterstützungen zur Verfügung gestellt. Gestern vormittag hat der Lordmayor von London mit seinen Beglettern Berlin verlassen. Die englischen Herren äußerten sich fortgesetzt entzückt über die Aufnahme, die sie in der deutschen Reichshaupistedt gefunden, und die großartige Gastfreundschaft, die ihnen zuteilgeworden sei.„Wir haben vieles gesehen und vieles erlebt,“ sagte der Lordmayor beim Abschied,„was uns neu war und hoffen daraus Nutzen zu zlehen; also auf Wiedersehen im nächsten Jahre in London!“ Bei der Abreise der englischen Gäste traf eine Einladung des Kaisers zu einem Besuch auf der Jacht„Hohenzollern“ in Klel ein. Als die Depesche ankam, war der Zug aber bereits in Bewegung. Eine Anzahl der„im Interesse des Dienstes“ aus Rheinland und Westfalen durch das Unterrichtsministerium versetzten Lehrer wollen dieser Aufforderung keine Folge leisten. Nicht weniger als 28 Lehrer haben sich, wie wir in der Rh. W. Zig. lesen, geweigert, nach der Ostmark überzusiedeln und wollen es unter allen Umständen auf eine Kraftprobe ankommen lassen; zumeist handelte es sich um ältere Lehrer, die sich scheuen, nach mnehreren Dienstjahren in ihrer Heimat nunmehr nach dem Osten zu ziehen. Ein sozial demokratischer Massenprotest gegen die Vorgänge in Rußland wird vom Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine von Groß=Berlin veranstaltet werden. Es sollen in allen Wahlvereinen Berlins und in den Vororten an einem Abend im Juli große öffentliche Volksversammlungen stattfinden, in denen gegen die Auflösung der Duma und die Verhaftung der sozialdemokralischen Duma=Abgeordneten protestiert werden soll. Auch die Polen planen eine Protestkundgebung, die sich jedoch hauptsächlich gegen die Entrechtung ihrer Landsleute durch das neue russische Wahlgesetz und die Maßnahmen gegen die polnische Presse in Rußland richten soll. Holland. Von der Friedenskonferenz im Haag ist zur Zeit nicht viel zu berichten. Um die Dauer der Arbeiten der Konferenz so viel wie möglich abzukürzen, hat der Vorsitzende unter allgemeiner Zustimmung beantragt, die Zeit für jede Rede auf höchstens 10 Minuten festzusetzen. — Bei dem deutschen Gesandten von Schloesser fand zu Ehren des 1. deutschen Delegierten, des Botschafters Freiherrn von Marschall, des Präsidenten der Friedenskonferenz, Botschafters Nelidow, ein Diner staft, wozu auch die übrigen deuischen Delegierten, der russische Staatsrat Martens, andere Mitglieder der hiesigen Diplomatie und die Angehörigen der holländischen Gesandschaft geladen waren. Italten. In der Deputiertenkammer wurde letzter Tage über die außerordentlichen Heeresausgaben verhandelt; dabei erklärte Ministerpräsident Giolitti die Regierung habe die Herabminderung der Ausgaben von 200 auf 60 Millionen angenommen aus Rücksicht auf die Kommission, die zur Untersuchung der Kriegsverwaltung eingesetzt sei. Die Regierung habe den Abstrich der Ausgaben auf das absolut notwendige angenommen, weil sonst das Heer der Ohnmacht überantwortet wäre und in drei Monaten alle Arsenale und Waffenfabriken Italiens und zwar auf lange Zeit hätten geschlossen werden müssen. Giolitti schloß: In Europa herrscht Friede, aber bewaffneter Friede. Unsere Politik ist auf die Sicherung des Weltfriedens gerichtet, aber wir dürfen gegenüber dem Vaterlande und denjenigen, die nach uns kemmen werden, nicht die Verantwortung dafür übernehmen, Italien unter Verhältnissen zu lassen, die bei einer Eventualität, welche— jedermann wünscht es — niemals eintreten möge, den Untergang des Vaterlandes herbeiführen könnten. Frankreich. Anläßlich der Vorkommnisse in den Weinbaubezirken ordnete Präsident Fallieres im Einverständnisse mit dem König von Slam die Verschiebung der zur Ehren des Königs angesetzten Festlichkeiten an. Auch das für Donurstag angesetzte gewesene Diner wurde abgesagt. Gestern und vorgestern kamen die Winzer=Unruhen von Südfrankreich in der Deputiertenkammer zur Sprache. Benolt und Lafferre fragten gestern wegen der Vorgänge in Narbonne an. Clemcceau erklärt, die Kürassiere, die bei der Verhaftung Ferrouls die Ordnung sicherten, hätten eine große Mäßigung bewiesen. Die Volksmenge dagegen, die sie mit Steinen bewarf, habe sich brutal gezeigt. Der Ministerpräsident billigte das Verhalten der Truppen sowie das des befehligenden Generals, der sich nicht auf eine Schlacht mit den Aufrührern und Brandstiftern einlassen wollte. Clemenceau fährt fort: Das schwerste Unglück würde es gegenwärtig sein, wenn die Regierung kapttulieren würde vor der disziplinlosen Soldateska. Die Meuterer wurden aufgefordert, sich wieder mit ihren Korps zu vereinigen, und die Behörden rechnen darauf, daß sie dieser Aufforderung Folge leisten werden. Die Meuterer sind keine Deserteure. Es sind ihnen keine Zugeständnisse gemacht. Um die Unterdrückung der Unruhen durchzuführen brauchen wir das Vertrauen der Kammer.— Ja der Sitzung am Donnerstag hatte Ministerpräsident Clemenceau u. a. gesagt: Ich werde fortfahren, die öffentlichen Gebäude zu schützen, bis Sie mich verjagen. Ich habe den Truppen Anweisung erteilt, von der Waffe nur im Falle der äußersten Gefahr Gebrauch zu machen. Meine Pflicht war mir, wenn auch mein Herz blutete, klar vorgezeichnet, denn 4 7 es handelte sich um die Einheit des Vaterlandes. Wenn die Agitatoren im Süden sähen, was sie getan haben, würden sie es bedauern. Glauben Sie, daß ich unter den gegenwärtigen Umstängen wünsche, auf meinen Posten zuverbleiben? Unter den Eisenbahnbeamten fanden zahlreiche Verhaftungen statt, da Delegierte von allen Eisenbahnlinten hier eintrafen, um in einer Versammlung über den Streik der Eisenbahnangestellten zu beraten. Die Abhaltung dieser Versammlung ist bisher nicht möglich gewesen. Im Kriegsministerium trafen Depeschen der Kommandeure der Militärbezirke Kiew, Odessa und Wilna ein, die zahlreiche unter den Sodaten vorgenommen Verhaftungen melden. Die betreffenden Soldaten sind als Mitglieder der vevolutionären Militärorganisation entlarvt worden, die mit den soztallstischen Abgeordneten der letzten Duma gewisse Beziehungen unterhalten haben soll. Um der revolutionären Propaganda unter den Truppen zu steuern, sind ganz ungewöhnliche Maßregeln getroffen worden. Der 35. deutsche Aerztetag wurde gestern im festlich geschmücklen Rathause zu Münster durch den Vorsitzenden, Geh. Rat Dr. Loebker=Bochum eröffnet. Zunächst gedachte der Vorsitzende der im vergangenen Jahre verstordenen Mitglieder des###ztvereinsbundes, vor allem des Prof. Kradler=Greifsn ald und des Geh. Rats Bergmann. Darauf wies er auf die im Reichstage erfolgte Ankändigung des Staatssekretärs des Innern, daß eine Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes baldigst erfolgen werde, wobel auch die Ordnung der kassenärztlichen Verhältnisse zu erwarten sei. Unter stürmischem Beifall der Versammlung erkärte der Vorsitzende, daß die Aerzie an der Forderung nach der Erfüllung ihrer Hauptwünsche, insbesondere an der Einführung der freien Aerztewahl unverbrüchlich festhalten werden. Nach den Begrüßungsansprachen des Vertreters des preußischen Kultersministers, Geh. Rats Dr. Aschemborn, des Oberpräsidenten, des Staatsministers v. d. Recke, des Rektor magnificus der Universität Münster, Prof. Pleper, des Oberbürgermeisters Jungeblodt und nach Erwiderung seltens des Vorsitzenden, worin er auch den anwesenden Vertretern der Presse dankte, begannen die geschäftlichen Verhandlungen. Der Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Kassenarztfrage und das Krankenversicherungsgesetz. Angenommen wurde die Resolution, die die gesetzliche Einführung der freien Aerziewahl der paritätischen Einigungskommission fordert. Vertreten waren auf dem Aerztetag 20000 Aerzte durch 216 Delegierte. Lokales und Provinzielles. 0) Gütersloh, 22. Juni.[Frühlings Abschied. Unter Sturmgebraus hat gestern der Frühling sich verabschiedet und der Sommer heute seinen Anfang genommen. Ein Gang in die Obstgärten zeigt zur Genüge, welchen Schaden hier der Sturm gestern angerichtet hat; wie gesät lagen die der Reise entgegengehenden Früchte unter den Bäumen und nicht selten fand man stark behangene Aeste geknickt am Stamm herunterhängen. Ueber sonstige Sturmschäden hier zu Lande ist uns nichts bekannt geworden, desto häufiger aber gehen darüber die Nachrichten aus dem Reiche ein. (—) Sütersloy, 22. Juni.[Parademustk.] Auf dem Rathausplatze findet heute abend 7½ Uhr Barademusik des hiesigen Stadt=Orchesters statt; das Programm ist folgendes: 1. Ouverture zu Oper„Weibertreue".. Schmidt. 2. Weaner Praterklänge, Walzer,... Wahlstedt. 8. Hänsel und Gretel, Salonstück... Rüdiger. 4. Largheito und Barcarola aus„Der Liebestrank"......... Donizetti. 5. Etwas für die Aelteste, Konzert=Polka für Tuba.........“. Bullerjahn. 6. Hoch Cäellie, Marsch...... Gottschalk. de. Güterslon. 22. Juni.[Bestätigt.] Die Wahl des Herrn Oberlehrers Heinrich Wilhelm Bruns am Gymnasium in Münden zum Direktor des hiesigen Gymnasiums ist bestätigt worden. . Sütersloh. 22. Juni.[Artilleriefest.] Das morgen stattfindende 8. Stiftungssest des Artillerie=Vereins nimmt seinen Anfang mit einem Frühschoppen=Konzert, welches um ½12 Uhr im Garten des Hotel Barkey vom Trompeter=Korps des Artillerie=Regiments Nr. 22 ausgeführt wird. Um ½2 Uhr nehmen die Vereine am Bahnhof Ausstellung und bewegt sich der Festzug dann um 2 Uhr durch folgende Straßen: Bahnhosstraße, Berlinerstraße, Königstraße, Baumstraße(bis zum Kriegerdenkmal), Feldstraße, Blessenstätte, Berlinerstraße, Kökerstraße, Lindenstraße zum Festplatz. Der festgebende Verein hofft keine Fehlbitte zu tun, wenn er sich mit dem Ersuchen an die Bürgerschaft wendet, die Häuser zu beflaggen und mag sich dann neben diesem Wunsch auch noch der erfüllen, daß ein sonniges regenfreies Wetter die festlichen Stunden begünftigt.— Hoffentlich folgen auch die Mitglieder des Landwehr=Vereins der an sie ergangenen Einladung recht zahlreich; diese Hoffnung ist um so berechtigter, als auch der Präses des Landwehr=Vereins aus Kameradschaft dem Artilleriefest mit großer Sympathie begegnet und es sogar, wie wir hören, übernommen hat, morgen die Festansprache zu halten. s Gütersloh, 20. Juni.[Schöffengericht. Vorsitzender: Herr Amtsgerichsrat Paleske: Als Schöffen waren berufen die Herren Fabrikant Gottfried Niemöller von hier und Färber Fritz Schröder von Isselhorst. Verhandelt wurde in folgenden Sachen: 1. Der Metzger A. G. von hler hat eine Strafversügung über 1 Mark erhalten, weil er mehrere alte Blechtöpfe auf einen vor seinem Garten vorbelführenden Weg geworfen und diesen dadurch verunreinigt haben soll. Hiergegen hat G. auf gerichtliche Entscheidung angetragen, die zu seinen Gunsten ausfiel; er wurde freigesprochen.— 2. Der Polstererlehrling F. M. in Melbergen, früher bei Polsterer Brockmann hier, hat diesen im Februar d. I. 1 Stück Gardine, 1 Stück Bordüre und einige Würste entwenbet. M. hatte die gestohlenen Sachen bereiis eingepackt, um sie fortzubringen, wobei er er erlappt wurde. Er erhielt eine Woche Gesängnis.— 8. Der Musiker Chr. W. aus Bielefeld hat im April und Mai d. J. in Bielefeld und in hiesiger Stadt zwei seiner Kinder zum Betteln ausgeschickt. Er ist in ähnlichem Falle bereits vorbestraft und erhlelt eige Haststrase von drei Wochen.— 4. Der Handelsmann J. K. soll es bei seinem Fortzuge von Gütersloh nach Sundern unterlassen haben, sich polizeilich abzumelden und hat dieserhalb eine Strafverfügung über 8 Mark erhalten, gegen die er auf gerichtliche Entscheidung angetragen hat. Nach Lage der Sache erfolgte Freisprechung.— 5. Die Händlerin W. B. zu Soist erhlelt wegen unbesugten Betriebs des Wandergewerbes eine Geldstrafe von 96 Mark oder 16 Tage Haft. „ Gütersloh, 22. Juni.[Geschworene.) Die nächste Schwurgerichtsperlode in Bieiefeld beginnt am 1. Juli unter Vorsitz des Herrn Landgerichtsdirektors Geh. Justizrat Löhr. Die Auslosung der 80 Geschworenen hat am Donnerstag stattgefunden; unter ihnen befinden sich die Herren Brauereidirektor Paul Niemöller von hier und Reniner H. Meierfrankenfeld und Bildhauer A. Mormann in Wiedenbrück. I1 Gütersloh, 22. Juni.(Sonderzug.] Morgen nachmittag ½2 Uhr wird von hier ein Sonderzug abgelassen, den der kathol. Bürgerverein bis Iburg und oie Freiw. Feuerwehr bis Versmold benutzt, woselbst morgen der 34. Feuerwehrtag des Minden=Ravensberg=Lippischen Feuerwehr=Verbandes abgehalten wird. Der Sonderzug, mit welchem Fahrpreisvergünstigung verbunden ist, kann von jedermann benutzt werden; der Fahrpreis hin und zurück beträgt à Person bis Versmold 90 Pfg., bis Iburg 1,05 Mark. S Amt Ektersloh, 22. Juni.[Sitzung.] Gestern abend hielt die Amts= und Gemeindevertretung eine zweite Sitzung in dieser Woche ab, worin folgendes beschlossen wurd:: Die Einfriedigung des Schulplatzes Pavenstädt II wird dem Gärtner Wehmhöhner zu der abgegebenen Offerte übertragen. 2. Der chausseemäßige Ausbau des Ohlbrocks= und Kleßmanns=Weges soll dem Mindestfordernden Herrn Unternehmer Vogelsang mit der Bedingung übertragen werden, daß die Fertigstellung der Wege bis zum 1. Oktober d. Is. erfolgt. 3. Die Wegeparzelle 8 19/159 soll an den Kreis ausgelassen werden, ebenso Flur 20 Parzelle 29 9/10 an Kolon Kleßmann, Nordhorn. (0) Niehorst, 22. Juni.[Rentengutsbildung.) Das von der Landbank zu Berlin im vorigen Jahre an gekaufte Meistersche Gut soll jetzt in Parzellen zu Rentengutsstellen aufgeleilt werden. Von der Landbank werden sehr günstige Anzahlungsbedingungen gestellt. Zielefeld, 22. Juni.[Auszeichnung.] Dem städtischen Musikdirektor Herrn Wilhelm Lamping ist vom Herrn Minister der Geistlichen=, Unterrichts= und MedizinalAngelegenheiten der Titel„Professor“ verliehen worden. Zielefeld. 22. Juni.[Infolge des Sturmes) wurde gestern plötzlich von einem Neubau im Sieker der Dachstuhl abgewehl und mit surchtbarem Getöse zu Boden geschleudert. Ein Mann wurde schwer verletzt, 4 andere Arbeiter erlitten leichtere Verletzungen.— Auf den Oberntorwall wurde kurz nach 2 Uhr durch den Sturm ein prächtiger Kastansenbaum niedergerissen; er fiel auf ein Gebäude, infolgedessen das Dach beschädigt und die Hälfte des Giebelgefimses mit heruntergerissen zorden ist. Manschen wurden bei dem Niederschlagen nicht beiroffen. Der Sturz verursachte ein furchtbares Krachen und brachte die Bewohner der nächsten Häuser in große Aufregung. In den Aesten des Baumes befand sich eine Anzihl Vogelnester, aus denen bei dem Sturz mehrere junge Vögel herausgeschleudert und getötet wurden. 20. Juni.[Diebstahl.] Bei dem Kaufmann Herrn B. H. Beumer wurde diese Nacht eingebrochen. Die Diebe drangen vom Hofe her durch das Kellerfenster in das Haus und entwendeten u. a. Kleidungsstoffe im Werte von ca. 500 Mk., Würste und einige Schinken. Die schlechteren Kleidungsstoffe ließen die Diebe liegen und nahmen auch nicht die kleineren Schinken mit. Die Diebe sind noch nicht gefaßt.(Gl.) Mürster, 21. Juni.[Aus Anlaß des diesjährigen Kaiser=Manövers,] das der Stadt Münster 10—14000 Mann Einquartierung bringen wird, beschloß die Stadtverordneten=Versammlung ein Ortsstatut wonach die Einquarterungslasten lediglich von den Hausbesitzern zu tragen sind. Die Quartierträger erhalten aber aus städtischen Mitteln einen Zuschuß zu den aufzuwendenden Quartierkosten. Hierbei wurde auch mitgeteilt, daß für die in Bürgerquartieren nicht unterbringbaren Truppen Baracken gebaut werden sollen. Mülheim a. Ruhr, 20. Juni.[Hohes Alter.] Im Alter von 101 Jahren und 8 Monaten starb gestern der Rentner Franz Faustmann in Mülhelm=Broich an Altersschwäche. Der ehrwürdige Greis erfreute sich bis in die jüngsten Tage hinein guter Gesundheit und geistiger Frische. 20. Juni.[Leichtfertige Dienstmädchen. Zwei Dienstmädchen in Köln bestiegen aus Uebermut mit zwei ihnen anvertrauten Kindern einen mit zwei Pferden bespanten Wagen, den ein Kutscher ohne Aussicht vor einer Wirtschaft hatte stehen lassen, und trieben die Pferde an. Die Tiere scheuten dabei, und als sie in wildem Trabe die abschüffige Straße hinabstürmten, sprangen die Mädchen in ihrer Angst mit den Kindern aus dem Wagen heraus. Eins der Kinder, ein zwölfjähriges Mädchen, erlitt einen Schädelbruch und wird kaum mit dem Leben davongekommen. Das andere Kind, ein zehnjähriger Knabe, trug leichtere Verletzungen davon. Die beiden leichfinnigen Dienstmädchen blieben unverfehrt. Erier, 21. Juni.[Eisenbahnunfall.] An der großen Kurve bei Cobern(Strecke Trier=Koblenz), wo man mit der Ausbesserung von Schienen beschäftigt ist, entgleiste heute morgen ein Güterzug. 14 Wagen und die Lokomolve stürzten die Böschung hinab, letztere steht aufrecht in einem Garten Der Lokomotivführer ist schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Mehrere Bremser sind geringer verletzt. Vermischtes. * Braunschweig, 21. Juni. Bei Hötensleben wurde ein Bote durch zwei galizische Arbeiter überfallen, seiner Barschaft(nach einer Meldung 800, nach der anderen 700 Mart) beraubt und dann ermordet. Die Burschen, die noch nicht dingfest gemacht sind, schnitten dem Ueberfallenen den Hals durch und warfen dann den Körper in das Aueflüßchen. * Halle a. d. S., 21. Juni. Heute nachmittag zwischen 2 und 8 Uhr trat während eines von wolkenbruchartigem Regen begletteten Gewitters ein surchtbarer Sturm auf, der außerordentlich viel Schaden anrichtete. Der Festplatz des Mitteldeutschen Bundesschießens gleicht einem Trümmerhausen. Besonders schwer hat die Festhalle gelitten, die zum Tell auseinandergerissen wurde. Acht Personen wurden durch niederstürzende Balken schwer verletzt. Eine erhebliche Anzahl erlitt leichtere Verletzungen. Nicht besser als dem genannten Festplatze ist es dem auf dem Roßplatze stallfindenden Jahrmarkt ergangen. Er bietet jetzt das Bild trauriger Verwüstungen, denn die meisten der Buden llegen am Boden. Nur eine einzige Reihe, die durch Häuser geschützt war, ist stehen geblieben. Der Schaden, den die Budenbesitzer erlitten haben, ist ganz bedeutend. In der Beesenerstraße wurde von einem Neubau ein Teil des dritten Stockwerkes mitsamt dem Gerüste heruntergerissen. Hierbei wurde ein Maurer schwer und ein anderer leicht verletzt. Auch auf dem Roßplatze erlitten einige Personen durch umstürzende Buden leichtere Verletzungen. * Berlin, 22. Juni. Ein heftiger Sturm, dem ein kurzes Gewitter vorherging, wütete gestern mittag in Berlin und Umgebung und richtete großen Schaden an. So wurde auf einem Hause in der Oranienstraße ein mächtiger schmiedeeiserner Schornstein umgeworsen und mit solcher Gewalt auf das Dach des benachbarten Hauses geworfen, daß dieses vollständig zertrümmert wurde. Auf der Straße wurden einige Passanten durch niederfallende Dachzlegel verwundet. Zahlreiche Fensterschelben sind dem Sturme zum Opfer gefallen, und nicht nur in den Forsten und Parks, sondern sogar in den Straßen der Stadt wurden Bäume vellstänbig. geknickt. * Berlin, 21. Juni. Am Neubau des neuen Operettentheaters am Schiffsbauerdamm hat sich gestern vormittag gegen 12 Uhr ein schweres Unglück zugetragen. Ein eisernes Gerüst wurde heute morgen zum Aufziehen der Steine aufgestellt. Es stürzte plötzlich quer über die Straße nach vorn, sodaß die verbogenen Eisenstangen bis in die Spree hinabreichten. Ein Droschkenkutscher, der dort seinen Standplatz halte, wurde schwer am Kopfe verletzt; der Wagen vollständig demoliert. 6 Arbeiter wurden verletzt in die Charitee eingeliefert, zwei andere Arbeiter, die sich zur kritischen Zeit auf dem Gerüst befanden, sind in die Spree hinabgeschleudert worden und als Leichen gelandet. * Seegeberg, 21. Juni. Heute nachmittag kenterte auf einem benachbarten See ein Segelboot, in dem vier Seminaristen saßen. Drei von ihnen sind ertrunken. * Meiningen, 21. Juni. Das hiesige Landgericht verurteilte einen 16jährigen Zigarrenmacher aus Salzungen, der sich in der dortigen Kirche eine Zigarre angesteckt hatte, zu drei Wochen Gefängnis. * Anklam, 21. Juni. Das seit 1779 bestehende Bankhaus Rösler in Anklam ist zusammengebrochen. Der Inhaber ist vor sechs Wochen gestorben. Wie verlautet, liegt Selbstmord vor. Die Schulden werden nach vorläufigem Status auf 1 Million Mark geschätzt, denen nur ganz geringes Vermögen gegenüberübersteht. Tausende von kleinen Leuten verlieren ihre gesamten Ersparnisse. Es werden wettere Zahlungseinstellungen befürchtet. * Avricourt, 21. Juni. Das Automobil des Prinzen von Sachsen=Weimar ist auf der Fahrt nach Paris bei Barbas=Blamont gegen eine hohe Böschung gefahren. Der Prinz und ein in seiner Begleitung befindlicher Baron wurden herausgeschleudert, aber nicht verletzt. Der Chauffeuc dagegen wurde schwer verletzt. * Caserta, 21. Juni. Ein Automobil, welches mit fünf Insassen aus Neapel ankam, stieß in der Nähe des Bahnhofes von Cajanello gegen einen Felsen auf; das Automobil wurde zertrümmert, die Reisenden wurden ge1ötet (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Aachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 22. bis zum Abend des 28. Juni: Nach Aufheiterung des Wetters morgen veränderliche mehrfache Regenfälle; mäßige WestBerlin, 22. Juni. Wie die Nordd. Allg. Ztg. berichtet, hat Graf Posadowski sein AbAn seine Stelle tritt v. Bethmann=Hollweg, der gleichzeitig die Funktionen des preußischen Staatsministeriums übernimmt. An Stelle v. Studt's tritt der Unterstaatssekretär im Ministerium des Junern Holle und in das Mivisterium des Innern ist der Oberpräsident Graf v. Moltke berufen. Es schweben noch Erwägungen wegen eventl. weiterer Aenderungen in den Ministerien. Kirchliche Nachrichten Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 23. Juni. 4. Sonntag nach Trinikatis. Kollekte für das Asyl in Lippspringe. Neue Kirche ½10 Uhr: Pastor Seippel. Alte Kirche ½10 Uhr: Pastor Siebold. Neue Kirche 11¼ Uhr: Kindergottesdienst Pastor Seippel. Nachmittags 8 Uhr: Pastor Meinshausen, Kinderlehre. Montag, den 24. Juni. Abends 8¾ Uhr: Bibelstunde des blauen Kreuzes im Vereinshause. Dienstag, den 25. Juni. Abends 8¾ Uhr: Bibelstunde des Jünglingsvereins im Vereinshause. Mittwoch, den 25. Juni. Abends 8½ Uhr: Bibelbesprechstunde im Konfirmandenhause. Freitag, den 28. Juni. Alte Kirche 10 Uhr: Pastor Seippel. Sonnabend, den 29. Juni. Neue Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Seippel. Katholischer Sonntag, den 23. Juni Morgens 6 Uhr: hl. Messe. Morgens ½8 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 8 Uhr: Andacht mit Segen. Grosser kleiner Nutzen! Meine Aussteuer-Artikel Fertige Betten Bettiedern u. Daunen Inlettstoffe. Eiserne Bettstellen in nur allerbesten Qualitäten zu billigsten Preisen. 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Jahrgang Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Bestellungen auf die„Neue Gütereloher Zeitung“ nehmen jederzeit sämtliche Postanstalten, Landbriefträger, unsere Boten und die Geschäftsstelle dieser Zeitung, Schulstraße Nr. 738, entgegen. Die„Neue Gütersloher Zeitnng“ erscheint Dienstags, Donnerstags und Sonnabends und sollte von jedem gelesen werden, der über die Vorgänge in Stadt und Amt Gütersloh sowie der näheren Umgebung unterrichtet sein will. Wie diesen so schenkt die„Neue Gütersloher Zeitung“ auch allen wichtigen Vorkommnissen im In= und Auslande gebührende Aufmerksamkeit. Anzeigen jeder Art finden durch die„Neue Gütersloher Zeitune“, in der auch die amtlichen Bekanntmachungen der Behörden veröffentlicht werden, weiteste Verbreitung. Vierteljährlicher Bezugspreis 1 Mark 20 Pfg. Probenummern stehen auf Wunsch gern zur Verfügung. Die bis zum Schluß dieses Monats noch erscheinenden Nummern werden neu hinzutretenden Abonnenten kostenlos zugestellt. Die Winzer=Nurnhen in Süd=Frankreichz lenken täglich mehr die Aufmerksamkeit auch der Fernerstehenden auf sich hin. Aus Narbonne, Perpignan, Montpellier und Benziers werden Ausschreitungen gegen Polizei und Militär, Brandstiftungen und Plünderungen gemeldet und über Narbonne mußie der Belagerungszustand erklärt werden. Hier hat der Aufruhr seinen Zentralpunkt; am Mittwoch haben die Ruhestörungen zu blutigen Zusammenstößen mit der bewaffneten Macht geführt. Unter den hierbei von Soldaten des 189. Infanteris=Regiments getöteten 4 Personen befindet sich ein 20 jähriges Mädchen. Die anderen drei sind angestellte Arbeiter. Der Sicherheitsbeamte Guilleaume, wurde von der Volksmenge schwer mißhandelt und in den Kanal geworfen. Weiter wird gemeldet: Narbonne, 21. Juni. Mittwoch nachmittag wurden drei Barrikaden errichtet, die nach und nach von den Truppen zerstört wurden. Das Militär besetzte die Straßen und Plätze bis 8 Uhr abends und zog sich dann zurück. Zehn Minuten später war wieder eine Barrikade errichtet. Die Infanterie kam darauf unter dem Befehle eines Wenn die wilden Rosen bläh'n An des Feldes Rand, Frischgemähtes Wiesengrün Duftet durch das Land, Wenn in stillen Waldesgründen Sich die roten Beeren ründen Und die Sommerzeit verkünden, Wenn der Himmel blaut so weit— O du schöne Rosenzeit! Hell und warm ist nun die Nacht, Länger wird der Tag, Daß er all der Schönheit Pracht In sich fassen mag. Frühling ist noch nicht gegangen, Sommer hat schon angefangen, Beide hold vereinigt prangen, Herbst und Winter sind noch weit O du schöne Rosenzeit! Ja, in Rosen steht die Welt, über ahnungsbang, Rauschet durch das Aehrenfeld Schon ein fremder Klang: Bald ertönt der Erntereigen Und die Rose wird sich neigen Und die Bögel werden schweigen. Ach wie bald, dann liegst du weit 1 du schöne Rosenzeit! Sein Dämon. Roman in zwei Abteilungen von Franz Treller. (48. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) In gewaltiger seelischer Erregung war Mr. Hohenthal in den Wald geritten, zunächst um allein zu sein und seine Gedanken zu ordnen. Seine Seele war gegenwärtig ein wildes Chaos, in dem Vergangenheit und Zukunft durcheinander wirbelten. Da war es also, das furchtbare Weib, das ihn lebendig im Irrenhause begraben hatte— das Weib, das ihn um das Teuerste, was er auf Erden hatte, um sein Kind, gebracht, das gewiß längst in der Erde ruhte. Alles Elend, alle Verzweiflung der letzten fünfzehn Johre stieg in tiefer Generals zurück. Die dichte Menge drang dann unter Schmähungen auf die Soldaten ein, bedrohte und stieß sie und suchte gegen den General persönlich vorzugehen. Die Soldaten kreuzten ihre Bajonette vor den Manifestanten, welche ihnen ihre entblößte Brust darboten. Der General befahl hierauf den Soldaten, die Bojonette einzuzlehen. Die Menge nahm den Befehl mit Beifall auf.— Am Abend ritt eine Kürassierpatrouille, die am Boulevard Gambetta mit Pfeifen empfangen wurde, mit blanker Waffe auf die Menge ein. Die Manifestanten schleuderten Stühle gegen die Pferde, von denen eins tötlich getroffen niederstürzte.„Die Kürassiere feuerten darauf mit ihren Karabinern auf die Manisestanten, die das Feuer mit Revolvern erwiderten. Es wurden Barrikaden errichtet, wobei ein Manifestant tötlich getroffen und mehrere andere verwundet wurden. Die Barrikaden wurden dann durch Infanterie fortgeräumt. Im Verlause der ernsten Ruhestörungen, die sich an verschiedenen anderen Punkten der Stadt abspielten, wurden etwa 20 Personen verwundet. Die Gendarmerie feuerte auf die Volksmenge, die die Präfektur belogerten. Donnerstag morgen ist ein Kürassier im Hospital seinen Verletzungen erlegen, ein anderer Kürassier hat tötliche Verletzungen erhalten und ein Infanteriehauptmann wurde schwer verletzt. Etwa 15 Gendarmen, noch mehr Soldaten und etwa 20 Aufrührer sind verwundet. — Die Manifestanten bemächtigten sich im Lause des Abends des Polizeikommissars, den sie als Geisel behielten. Der Verkehr in den Straßen ist nur denen erlaubt, die nach Hause zurückkehren wollen. Eine Annährung an Argeliers ist verboten. — In den frühen Morgenstunden des Donnerstag wurden auf einer Promenade die Bänke fortgenommen und neue Barrikaden errichtet. Soldaten beseitigten diese unter dem Schutze bewaffneter Mannschaften. Die Kaufleute haben ihre Läden geschlossen. Die Gendarmen und Kürassiere werden vom Volke beim Vorübergehen ausgepfiffen, während es zu den Fußtruppen eher freundlich ist; für einen Fußsoldaten, der sich beim Demolieren der Bartikaden verletzt hatte, wurde eine Kollekte veranstaltet; ferner hat das Winzerschutz=Komitee an die Fußtruppen Wein verteilen lassen. Montpellier, 20. Juni. Die zurückgetretene Gemeindeverwaltung hat an den Mauern einen Aufruf anschlagen lassen, in dem sie auf vollkommene Bewahrung der Ruhe dringt, da nur so das große Unheil vermieden werden könne, das den Ersolg der Sache der Winzer in Frage stellen würde. Heute abend fand eine Kundgebung statt, an der sich fost die gesamte Bevölkerung beteiligte.— Bitterkeit in ihm empor. Jetzt wußte er auch, wer den Mörder nach ihm gesandt hatte, sie mochte ihn gesehen und erkannt haben, als er bei Woodhill vorbeiritt. Doch alles, alles sollte vergeben und vergessen sein, wenn sie ihm sein Kind zurückgab. Sie war die Gattin, eines reichen, mächtigen Mannes, sie war ein entschlossenes, gefährliches Weib, das nicht leicht in Furcht zu setzen war. Und was war er? Ein heimatloser Wanderer, der sich selbst Wanderer genannt hatte. Doch einen Zeugen seiner Persönlichkeit hatte er— Miß Bolton. Aber diese hatte er im Irrenhause kennen gelernt. Was beginnen? Planlos im Walde hin= und herreitend, sah er plötzlich die Landstraße wieder vor sich— schon sank die Nacht herab. Da faßte er den Entschluß, die Tigerin in ihrer Höhle aufzusuchen auf jede Gefahr. Er faßte nach seinem Revolver— er hatte ihn. Er besann sich jetzt auch deutlich, wie der ausgesandte Hunter von einem Neger Sip und einem Franzosen gesprochen hatte. Er ließ seinen Gaul ausgreifen und gallopierte die Straße entlang auf Woodhill zu, dessen Lichter er bald vor sich sah. Langsam ritt er vor dem Herrenhause vor. Ein Diener kam und fragte, als er einen Gentlemann vor sich sah, nach dessen Begehr. „Ich muß dringend sofort Mrs. Walton sprechen, ich komme von Milmingion.“ „Ich werde Sie sofort zu Monsteur Beelerc führen, Sir, er hat den Dienst bei Mistreß.“ Sehr nch). Ein anderer, herbeigeeilter Diener nohm ihm das Pferd ab. Hehenthal sagte ihm, er möge das Tier nicht in den Stall führen, er wolle gleich wieder fort, und der erste führte ihn ins Haus, die erleuchtete Treppe empor in den Flur des zweiten Stocks des ausgedihnten Gebäudes. Oben trafen sie Monsteur Leclerc. „Dieser Gentlemann wünscht Mistreß bald zu sprechen.“ Der Kriole sah Hohenthal forschend an und sagte dann Gegen 9 Uhr drangen Manifestanten in großer Zahl plündernd in die Markthalle ein. Sie wurden von Soldaten zurückgetrieben. Infolge einiger Revolverschüsse bemächtigte sich der nach allen Seiten auseinanderfliehenden Menge eine Panik. Es wurde viele Verhaftungen vorgenommen. Im Lause des Abends wurden ein Schutzmann leicht verwundet, ein Dragoner aus dem Sattel gehoben. In der Nacht kehrte die Ruhe zurück, Patrouillen durchstreiften die Stroßen. 3223puen Perpignau, 20. Juni. Im Laufe des Abends bedrängten die Manifestanten den leitenden Polizeikommissar derart, daß er in das Grand=Hotel flüchten mußte, dessen Fenster und elektrische Lampen darauf zertrümmert wurden. Die Menge griff später den Polizeiposten in der Präfektur an, wanf Steine nach den Scheihen und riß in den Straßen das Pflaster auf. Um 10 Uhr wurden die Tore der Präfektur eingeschlagen und in dem Verschlag, wo sich die Wagen befinden, Feuer angelegt. Die Manifestanten drangen in die Zimmer des Präjekten, nahmen seinen Degen an sich und warfen das ganze Mobiliar ins Feuer. Der Präfekt verließ mit seiner Familie die Präfektur, die Feuerwehrleute wurden gezwungen, sich zurückzuziehen. Um 10½ Uhr stand die Präfektur in Flammen. Eine Abte ung Gendarmen drängte darauf die Manifestanten zurück, deren Zahl inzwischen abgenommen hatte. — Ueber die Brandlegung im Präsekturgebäude wird aus Perpignan noch gemeldet: Nachdem fast alle Fenster eingeworfen worden, drang eine Anzahl Leute ohne Hindernis in den ersten Stock, zerstörte die Möbel und stürzte sie auf die Straße. Die Trümmer dienten dazu, das an einem der Tore angelegte Petroleumfeuer zu unterhalten. Von vier Seiten schlugen die Flammen empor. Die Menge verlegte den Feuerwehrleuten den Weg. Erst nach einer Stunde konnte den Spritzenwagen eine Zufahrt geschaffen werden. Der Hauptschaden im Präfekturgebäude ist die völlige Einäscherung der Archive. Man sagt, daß die Brandstifter nicht Leute aus Perpignan, sondern aus der Umgegend seien. Paris, 21. Juni. Die Minister traten heute mittag zu einer Sitzung zusammen. Clemenceau gab die Berichte des Präfekten des Deportements Aude über die Vorgänge am Mittwoch bekannt. Ferner beschäftigte sich der Ministerrat, wie es heißt, mit sehr ernsten Fällen von Indisziplin in den Regimentern zweier Departements.— Eine spätere Meldung glbt hierüber Ausschluß: In dem heute mittag adgehaltenen Kabinettsrate berichtete der Ministerpräsident Clemenceau über die Meldungen aus Agde: nachlässig in einem schlechten Englisch:„Wird wohl nicht angehen, Sir, Mistreß ist gegenwärtig beim Herrn, wer sind Sie denn und was wünschen Sie?“ Hohenthal, fieberhaft erregt, verlor dem arroganten Franzosenkömmling gegenüber die Ruhe und sagte in französischer Sprache:„Dir Hallunke wünsche ich zunächst den Hals umzudrehen, noch ehe Du gehangen wirst. Deinen Gefährten Sipp hat der Sheriff schon, ebenso den Hunter, und Dich wird er haben, ehe Du noch bis zehn zählen kannst.“ Der Diener, der nicht verstand, was Hohenthal sagte, erschrack über das entsetzliche Gesicht und das leichenfarbige Aussehen des Monsieur nach des Fremden Worten. Der feige Bursche stotterte:„Ich bin ganz unschuldig und weiß von nichts.“ „Wo ist Deine Herrin?“ „Bei Monsicur—“ „Führe mich hin.“ Schlotternd ver Angst, ging Lecleic voran, der verblüffte Diener hinter Hohenthal her. Im linken Flügel deutete der Franzose auf ein Zimmer „Ist dies Mr. Woltens Zimmer?“ fragte da Hohenthal den Diener. „Jo, Sir.“ Schon vernahm Hohenthal auch die scharfe Stimme seiner Gattin:„Es ist undenkbar, daß wir noch den Verkehr mit Stanford fortsetzen, nachdem er eine von mir fortgejagte Dienerin aufgenommen hat.“ „Sie ist nur fortgejagt,“ sagte eine erregte jugendliche weibliche Stimme,„weil sie das Unglück hat, einen Mr. Hohenthal zu kennen, dessen Name allein schon Madame einen Todesschrick einzuflößen schien.“ „Schweig Närrin! Mich schrecken doch keine Namen.“ Hohenthal riß die Tür auf und sagte, hoch aufgerichtet in deren Rahmen stehend:„Doch vielleicht die Person selbst.“ Geisterhafte Stille herrschte in dem kleinen Raum. Mr. und Miß Walton sahen mit Staunen auf den hoch 300 Mann des 17. Linien=Regiments hatten sich jeder im Pulverhause 200 Patronen angeeignet, um, wie sie sagten, die Kürassiere in Narbonne zu töten, und sind dann nach Beziers maschiert, wo sie heute früh um 6,30 Uhr eintrafen. Als sie in der Kaserne des 81. Linienregiments nicht die erbetene Aufnahme fanden, ersuchten sie den Unterpräsekten, dem Ministerpräsidenten mitzutellen, daß sie bereit wären, nach Agde zurückzukehren, unter der Bedingung, daß keine Disziplinarmaßregeln gegen sie ergriffen würden. Darauf baten sie, ihre frühere Kaserne in Beziers beziehen zu dürfen. Der Ministerpräsident ließ unverzüglich antworten, daß er ablehne, mit ihnen zu parlamentieren, und auf keinerlei Bedingungen eingehe. Die Minister erklärten ihre völlige Zustimmung zu Clemenceaus Bescheid. Agde, 21. Juni. Ueber die Meuterei von Mannschaften des 17. Linten=Infanterie=Regimentes werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Nach dem Appell zogen zwei Kompagnien des genannten Regiments, die in der alten Kaserne untergebracht waren, nach den im Klostergebäude, das zu einem Kasernement umgewandelt ist, untergebrachten Bataillonen und zwangen die Mannschaften, sich ihnen anzuschließen. Diese 6 Kompagnien, begleitet von Hunderten von Manifestanten, schlugen dann die Tore zu der neuen Kaserne ein, zwangen die Soldaten, die bereits zu Beit gegangen waren, aufzustehen und sich ihnen anzuschließen. Ein Teil dieser Mannschaften war unentschlossen. Die Zivilisten schlugen das Tor des Pulvermagozins ein und verteitten Paironen an die Soldaten. Auch schossen sie auf diejenigen, die sich weigerten, ihnen zu folgen. Es entstand eine allgemeine Unordnung. Diejenigen Soldaten, die sich den Meuterern nicht anschließen wollten, überstiegen die Mauern und flächteten in alle Richtungen. Beziers, 21. Juni. 300 Soldaten verließen meuternd gestern abend mit Waffen und Patronen ihre Kaserne in Agbe und marschierten auf Beziers, wo sie um 6,30 Uhr heute früh eintrafen und wo sie auf die Aufforderung der Menge, die in die Kaserne eingedrungen war, auf dem Oseplatz kamplerten.— Die von Agde kommenden meuternden Soldaten und Gefreiten sammelten in den Dörfern, durch die sie kamen, Almosen und versammelten sich in Beziers in den Alleen, die den Platz vor dem Theater schmücken. Eine ungeheure Menschenmenge steht um ste herum und bringt ihnen Unterstützungen. Die Meuterer haben ihre Gewehre zusammengesetzt und schlafen ermüdet auf Stroh, daß die Einwohner der Stadt herbeigeschafft und auf dem Platze ausgebreitet haben. Der Führer der städttschen Abordnung, der die Meuterer aufforderte, in die Kaserne zu gehen, und ihnen Straflosigkeit zusicherte, wurde ausgepfiffen. Auf der Strecke Montpellier=Bezirk sind die Schlenen aufgerissen. Infolge konnte General Bailloud nicht nach Beziers gelangen, um die Untersuchung über die Meuterei eines Teiles der Mannschaften des 17. Linien=Infanterie= regiments einzuletten. Beziers, 20. Juni. Im Verlause des gestrigen Abends zwang eine Menge die Kaffeehäuser zu schließen und zu Ehren der Opfer von Narbonne eine Trauerfahne aufzuzlehen. Auf der Maire wurde eine rote Fahne gehißt. Agde, 21. Juni. Die Zahl der Fehlenden beim 17. Linienregiment beträgt 607; sie gehören größtenteils der 1. Kompagnie an. Die Uhr an der Kaserne wurde von ihnen zertrümmert und das Polizelburtau verwüstet. Zahlreiche Lepelgewehre fehlen, andere sind zerbrochen.— Aus Beziers wird gemeldet, der General habe das 81. Regiment ausgesandt, um die von Agde kommenden Meuterer des 17. Regiments festzunehmen. Drei Kilometer von Beziers kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Truppen. Das 81. Regiment pflanzte die Bajonette auf, worauf die Meuterer vom 17. Regiment eine Salve in die Luft abgaben. Darauf zog sich das 81. Regiment zurück. gewachsenen Mann, der mit funkelnden Augen, aus denen totbringender Zorn blitzte, nach Mrs. Walton hinübersah. Viktoria erkannte ihn augenblicklich. Ihre Stiefmutter saß da, versteinert, ein Bild des Entsetzens, mit demselben Zug im Gesicht, der Viktorla so geängstigt hatte, die Augen weit geöffnet. „Ja, teure Gattin, ich bin dem Mörder auf der Landstraße entgangen wie dem im Irrenhause, jitzt kommt die Stunde der Vergeltung.“ Mit Erstaunen, Schrecken vernahmen Mr. Walton und seine Tochter diese Worte, und beide sahen mit Entsetzen auf Hohenthal und seine Gattin. „Wo hast Du meinen Knaben, Jane? Verzeihen will ich alles— gib mir nur das Kind zurück.“ Sie antwortete nicht— sie schten vor Schreck gelähm! zu sein.„Antworte!“ „Ein Wahnsinniger! Ein Wahnsinniger!“ schrie sie schrill auf. Mit einer Ruhe, die grell abstach von der tiefen Erregung, die er bisher gezeigt hatte, sagte Hohenthal: „Daß ich es nicht bin, ist nicht Deine Schuld, Weid.“ Dann wandte er sich zu dem bebenden Mr. Walton: „Verzeihen Sie, Sir, wenn ich Ihren Frieden störe, aber vielleicht danken Sie mir noch, wenn ich Ihr Haus von einer giftigen Schlange befreie. Dieses Weib ist meine angetraute Frau, die Mutter meines Kindes, sie hat mich, Arnold von Hohenthal von Contenthouse in Virginien, gewaltsam ins Irrenhaus bringen lassen, aus dem mich treue Freunde befreiten. Verschwunden war sie vom Erdboden mit meinem Kinde— ist ihm ein Leid geschehen“— sagte er zu ihr mit aller Leidenschaftlichkeit—„sollst Du es büßen. Noch gestern wollte sie mich on einem gewissen Hunter ermorden lassen, sie mußte zufällig Kunde von meiner Anwesenheit hier erhalten haben— das ist Mrs. Hohenthal alias Wolion usw. Gib mir Henry zurück und gehe in die Nacht der Verachtung, wohin Du gehörst. Wo ist Henry?"(Fortsatzung folgt.) und Provinzielles. — Süterslon. 22. Juni[Die Gerichtsferien) beginnen am 15. Juli und endigen am 15. September. Während dieser Zeit werden nur Feriensachen verhandelt und Entscheldungen in denselben erlassen. Fertensachen sind Strafsachen einschließlich Beleidigungssachen; Arrestsachen und die eine einstweilige Versügung betreffenden Sachen; Meß= und Marktsachen; Streitigkeiten zwischen den Vermietern und Mietern von Wohnungs= oder anderen Räumen wegen Ueberlassung und Benutzung derselben, sowie wegen Zurückbehaltung der vom Mieter eingebrachten Sachen; Wichselsachen, Bausachen, wenn über Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Das Gericht kann auf Antrag auch andere Sachen, soweit sie besonderer Beschleuntgung bedürfen, als Feriensachen behandeln. Die gleiche Befugnis hat vorbehaltlich der Entscheidung des Gerichts der Vorsitzende. Bei den Landgerichten können zur Erledigung der Feriensachen Ferienkammern, bei den Oberlandesgerichten und dem Reichsgericht Feriensenate gebildet werden. Auf das Mahnverfahren, das Zwangsvollstreckungsverfahren und das Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß. Durch die Gerichtsferien wird der Lauf einer Frist gehemmt. Der noch übrige Teil einer Frist beginnt mit dem Ende der Ferien zu laufen. Fälli der Anfang der Frist in die Ferien, so beginnt der Lauf der Frist mit dem Ende derselben. Diese Bestimmungen finden auf Natfristen und Fristen in Feriensachen keine Anwendung. Notfristen sind nur diejenigen Fristen, die im Gesetz als sulche bezeichnet werden. Wer daher noch einen rechtskräftigen Titel vor den Ferien erlangen will, mag sich mit Einreichung der Klage beeilen, noch ist es Zelt, um dem Schuldner nicht zwei Monate unftelwillige Feist gestalten zu müssen; bei den Amtsgerichten mit größerem Geschättsumsang empfiehlt es sich, mit Einreichung der Klage die Bitte, daß die Sache noch vor den Ferien verhandelt werde, zu verbinden. § Sütersloh, 22. Juni.[Eisenbahnverkehr.] Einem Antrage der Handelskammer zu Bielefeld entsprechend wird vom 25. d. Mts. ab auf der Strecke Bielefeld— Schloßholte ein Arbeiterzugpaar mit II. bis IV. Klasse eingelegt werden. Die Züge verkehren wie folgt: Personen zug 668 W.: Schloß=Holte ab 522 vormittags, Kracks ab 533 vormittags, Windelsbleiche ab 589 vormittags, Brackwede Süd ab 514 vormittags, Brackwede ab 551 vormittags, Bielefeld an 600 vormittags. sonenzug 664 W.: Bielefeld ab 620 nachmittags, Brackwede ab 680 nachmittags, Brackwede Süd 685 nachmittags, Windeisbleiche ab 642 nachmittags, Kracks ab 648 nachmittags, Schloß=Holte an 655 nachmittags. Die Züge verkehren nur an den Werklagen. * M ä t e r s l a b. 2 2. J u n i.[ Z i e g e n z u c h t— Geflügelzucht.] Herr Zuchdirektor Manitlus in Münster hat in einem Aussatz über den Stand der Tierzucht in Rheinland und Westfalen sich auch über Ziegenzucht und Geflügelzucht geäußert und zwar wie folgt: Der Ziegenzucht sind vom Staat, den Provinzen und den anderen Körperschaften reichliche Mittel zur Verfügung gestellt worden. In erster Linie sind daher kleinere Vereine gechaffen worden, die später zu größeren Verbänden zuammengeschlossen werden. Als Zuchtziel ist in beiden Provinzen die Saanenzlege und die davon abstammenden Rassen aufgestellt worden. Belderseits hat man aus der Schweiz eingeführt und damit aufgehört, weil die eingeführten Tiere hier vielfach erkrankten. Der Bedarf wird jetzt in den heimischen Provinzen oder anderen deutschen Zuchtgebitten gedeckt. Namentlich hat sich die Zucht in Industriegebiet gehoben; es ist damit der arbeitenden Bevölkerung in gesundheitlicher und sozialer Beziehung wesent lich geholfen worden.— Die Geslügelzucht, welche in früheren Jahren in den meisten Wirtschaften als ein Nebenzweig des landwirtschaftlichen Betriebes betrachtet wurde, der viel kostete, aber wenig einbrachte, muß man heute unter anderen Gesichtspunkten betrachten. Während früher die Vereine nur Sportzwecken huldigten, ist die heutige Aufgabe der meisten Geflügelzuchtvereine, die Nutzgeflügelzucht zu fördern. Als die empfehlenswertesten Rassen kommen besonders in Betracht: rebhuhnfarbige Italtener, Minorko, Ramelsloher, Orpingions, weiße Wyandottes und Mechelner. In beiden Provinzen ist ein erfreulicher Aufschwung und bei den Landwirten ein steigendes Jateresse zu besbochten. IV. Prackwede. 22. Juni.[Ravensberger Rennverein.] Nicht nur die Nennungen zu dem bevorstehenden Rennen sind sehr zahlreich ausgefallen, sondern auch ganz vorzüglichen Sport werden wir am Sonntag auf der schönen Bahn in Quelle haben. Bei Besprechung der voraussichtlichen Steger wollen wir gleich mit dem „Großen Preis von Bielefeld“, der mit der hohen Summe von 10000 Mk. dollert ist, anfangen. Allen Sportfreunden wird sich die seltene Gelegenheit bieten, in einem Bewerder um den Preis Minus, das beste Hindernispferd zu sehen, welches momentan in deutschen Ställen steht und wir nehmen daher keinen Anstand, ihn als den Sieger zu erklären. Ueber die Platzchancen der ferner startenden Pferde Judith, Quadrath, San Antonio, Liichtsuß, Susi und Kurokt läßt sich mit Sicherheit wenig sagen, Judith und Kurokt haben schon in der besten Klasse in diesem Jahre gute Rennen gewonnen. Auch sind San Antonio und Quadrath stets brav gelaufen. Suft hat, wenn auch nur kleine Rennen, aber stets in verblüffender Manier gewonnen und wird die Stute bestimmt am Ende mit dabei sein. Nun noch Leichtfuß, ja Leichtfuß, das ist eben die Sache, ein unbeschriebenes Blatt. An Klasse weitaus das beste Pferd im Felde, aber noch niemals über Sprünge gelaufen, wird es höchst interessant sein, zu erfahren, wie der Saphiesohn sich in dieser wirklich guten Gesellschaft benehmen wird. Sein Besitzer, der für die schöne Queller Bahn eine ausgesprochene Vorliebe hat, scheint ihn eigene für den„Großen Preis“ gearbeitet und aufgespart zu haben und wäre eine Ueberraschung deswegen kein Ding der Unmöglichkeit. Es sollte daher hinter Minus zwischen Leichtsuß, Sufi, Kuroki und Judith ein ganz knappes Ding werden. Ueber die anderen Rennen kann man mit Sicherheit nichts sagen, da viele Pferde mehrere Engagemenis besitzen und die Trainer sich voraussichtlich erst morgen, nachdem alle Pferde eingetroffen sind, entscheiden werden. in welchem Rennen ihre Pflegebefohlenen laufen sollen. Das Teutoburger Hürden=Rennen wird voraussichtlich Monte Calvo, Freyja, Trebia, Golddrossel, Sherry, Cobler und Pothiphar am Start versammeln. Wir glauben, daß Freyja das Rennen gegen Tiebia gewinnen wird, da mit dem unverbesserlichen Uebeltäter Sherry auch wohl auf der Heimatsbahn nicht zu rechnen sein wird. Schade, galoppleren und glänzend springen kann der kleine Bursche. Auch Potiphar wird vorzüglich laufen, wenn sie nicht an den Hürden scheitert. Sollte Monte Calvo springen können, so ist er der Sieger. Im Verkaufs Jogd=Rennen sollen Reporter, Geiser, Laval, Rubin, Lorma und Kreppwör laufen. Das beste Pferd ist Lorma. Die Stute hat lange feiern müssen, doch nehmen wir an, daß sie jetzt wieder auf dem Posten ist und wird sie dunn auch vorn sein, vor Laval und Kreppwör, welche beiden Pferde schon mehrere Rennen gewonnen haben, aber steis in der mäßigsten Gesellschaft. Das Offizier=Jagd=Rennen sollte Liebesritter nicht verlieren können. Wir erwarten hinter ihm Servus, Brezina oder Szonok, der schon einmal auf der Queller Bahn gezeigt hat, daß er zu laufen und zu gewinnen versteht. Im Gütersloher Jagd=Rennen wird es ein Duell zwischen Augsburg und Patient geben, in welchem Augsburg wohl das bessere Ende für sich haben wird. Das Stiftungs=Jagd= Rennen wird voraussichtlich Habebald, Entronty, Fix, Steuermann, Friquette und Borax am Start versammeln. Friqiette, die wahrscheinlich unter Herrn von Wallenberg unserem absolut besten Herrenreiter tarten wird, sollte gegen Habebald gewinnen, da Borox, der sich ja stets brav hält, doch wohl an seinem hohen Gewicht scheitern dürfte. So ist denn alles für die interessanten Kämpfe auf dem grünen Rasen auss beste hergerichtet. Das Geläuf präsentiert sich in einer großartigen Verfassung, dagk der vom Verein ausgewandten Mühe. Nur eins fehlt noch, Sonnenschein. Wenn der sich am Sonntag hoffentlich einstellt, so werden alle Besucher der Rennbahn auf ihre Kosten kommen und auch der Verein, dem wir einen vollen Erfolg von Herzen wünschen. Zielefeld, 22. Juni.[Aenderung eines Stationsnamens.] Der an der Strecke Bielefeld=Paderborn liegende Haltepunkt Liemke erhält vom 1. Juli d. Is. an die Bezeichnung„Hövelrlege“. Rheine, 20. Juni.[Ein netter Beamter.] Seit etwa einem halben Jahr wurden auf dem hiesigen Güterbahnhof fortgesetzt die Eisenbahnwaggons beräubert, ohne daß es gelang, des oder der Diebe habhaft zu werden. Da fiel es eines Nachts einem Eisenbahnbeamten auf, doß der Wagenmeister Resenfeld eine große Kiste nach Haus schaffte und nun entsann man sich auch, daß die Wagen immer dann geplündert wurden, wenn R. Nachtdienst hatte. Eine daraufhin in seiner Wohnung vorgenommene Haussuchung hatte ein geradezu überraschendes Resultat. Man fand ein ganzes Fuder gestohlener Kisten Eßwaren, wie Butter, Kaffee usw. und einen Stapel Zeug= und Tuchballen. R. gestand sofort ein, die Sachen gestohlen zu haben. Die Strafkammer erkannte gegen den in guten Vermögensverhältnissen lebenden Angeklagten auf 1 Jahr Gefängnis, Seine Frau, die der Hehlerei mitangeklagt war, wurde freigesprochen. Teckleuburg. 20. Juni.[Zum Kaiserbesuch.] Der Oberpräsident Frhr. v. d. Ricke weilte am gestrigen Nachmittag in Begleitung des Regierungs=Präsidenten v. Gescher in unserer Stadt, um eine Besichtigung derselben und insbesondere des Schloßplatzes, auf welchem am 81. August d. Je. im Beisein des Kaisers die Feier der 200jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Tecklenburg zur Kcone Preußens abgehalten wird, vorzunehmen. Die Herren kamen per Automobil von Münster und wurden von Landrat Geh. Reg.=Rat Bekl geführt. Die Fahrt sollte sozusagen eine Probefahrt darstellen, um zu vermitteln, ob es möglich ist, mit dem Automobll bis in den Schloßhof zu gelangen. Der Kaiser beabsichtigt nämlich im Automobil von Münster nach hier zu kommen. Gerichtssaal. Berlin, 21. Juni. Das Schöffengericht hat gestern den Zentrumsführer Abg. Erzberger wegen Beleidigung des früheren Gouverneurs v. Bennigsen zu einer Woche Gesängnis verurtellt. Erzberger hatte Bennigsen in einer Wahlbroschüre vogeworfen, sich als Mitglied des Kolonialrats in schwindelhafter Weise Riesengewinne zugeeignet zu haben. Seitens des Abg. Erzberger war Widerklage erhoben worden auf Grund mehrerer in der Köln. Zig. erschienener Artikel, die vom Privatkläger herrühren sollen und persönliche Angriffe gegen Erzberger enthalten. Während des Verhörs erklärte Herr v. Bennigsen, daß er dem Vorstande der Rolonialgesellschaft angehört habe, aber ausgeschieden sei, weil er den Standpunkt vertreten habe, daß die Kolontalgesellschaft neben ihten eigenen Interessen auch die Intressen der Kolonte wahrzunehmen habe und weil diesem Standpunkte nicht nach seinem Wunsche entsprochen wurde. Herr v. Bennigsen betonte, daß es eine irrtämliche Auffassung sel, wenn er als Mitglied des Kolonialrais bezeichnet worden sei. Er sei niemals Mitglied des Kolonialrats gewesen. Angekl. Erzberger, erklärte, er habe nie gesagt, daß v. B. sich um Konzessionen beworben oder solche erhalten habe. Er habe sofort, als er gehört, daß sich v. Bennigsen beleidigt fühlte, in einer in etwa 60 Blättern erschienenen öffintlichen Erklärung betont, daß er gar nicht habe behaupten wollen, was v. Bennigsen aus der Broschüre herauslese und daß er die Ehre des Herrn v. Bennigsen gar nicht habe angreisen wollen. Der Versitzende regte den Abschluß einee Vergleichs an, indem er darauf hinwies, daß dasselbe Mißverständnis auch bezüglich des früheren Handelsministers v. Möller obgewaltet habe und bezüglich dieses die Sache durch Vergleich aus der Welt geschafft worden sei, ohne daß es zu einem Strasprozeß kam. Privatkläger v. Bentigsen stelt einen Vergleich für ausgeschlossen, da bel ihm die Verhältnisse ganz anders lägen als bei Herrn v. Möller. Er sei früher Kolonialbeamter gewesen und sei Vertreter der Köln. Zig. in Berlin. Wenn ihm der Vorwurf gemacht werde, daß er sich um koloniale Konzessionen beworben und Riesengewinne eingesteckt habe, so sei das ein ihn außerordentlich schwer beleidigender Vorwurf. Es dürfe doch nicht statthaft sein, daß jemand in einer Wahlbroschüre beliebig Beleidigungen ausstoßen kann und dann straflos ausgehen soll, wenn er revoziert und depreziert. Sonst käme man zu einer Verrohung des polttischen Tons ohnegleichen. Wer sich solcher Ausschweisung im Wahlkampfe schuldig macht, sollte auch dafür büßen. Nach scharfen Auselnandersetzungen der Parteien wurde das Urteil wie oben gefällt, Herr v. Bennigsen aber freigesprochen. Vermischtes. * Höchst a. M., 21. Juni. Die hiesige Polizeiverwaltung hat dieser Tage eine Bekanntmachung erlassen, in der es heißt:„In letzter Zeit mebren sich die Fälle, in denen rücksichtslose Fahrer von Automobilen mit unerhörter Geschwindigkeit durch die Ortschaften fahren. Vorschrift ist, daß nur mit 15 Kllometer in der Stunde gefahren werden darf. Gegen diese Rücksichtslosigkeiten mit aller Energie einzuschreiten, ist Pflicht der Behörde. Allein ist sie aber nicht imstande, alle Fälle zur strafrechtlichen Anzeige und Verfolgung zu bringen. Es ergeht daher an die Bürgerschaft die dringende Bitte, sich die Nummer des Automobils, das über die zulässige Geschwindigkeit fährt, zu merken, sich weitere Zeugen sofort zu sichern und ohne jede Nachsicht jeden Fall zur Anzeige zu bringen. Im Allgemeininteresse sollte das Publikum sich wirklich nich scheuen, unseren Wünschen Rechnung zu tragen; denn die kleinen Unannehmlichkeiten, die eventuell durch Zeugenvernehmung entstehen können, stehen doch in gar keinem Verhältnis zu dem, was die Allgemeinheit aus dem Vorgehen einzelner Mitglieder derselben gewinnt. Im öffentlichen Interesse und zum Schutze unser selbst wird dringend gebeten, unserm Gesuch auch Gehör zu schenken“ *[Ein trauriger Fall,] wie er selbst in der an Tragödien so reichen Großstadt selten ist, ereignete sich dieser Tage in Berlin. Der 24jährige Krankenwärter L. und seine 19jährige Braut, eine Wäschenäherin, vergisteten sich mit Salzsäure. Während die Braut bewußtlos zu Boden sank, trank 8. aus der Flasche und stärzte sich von Schmerzen überwältigt aus dem vierten Stock auf die Straße, wo er tot liegen blieb. Das Mädchen dürfte gereitet werden. Und der Grund zu der Tat? L. hatte am letzten Sonntag mit seiner Braut einen Ausflug gemacht und dabet den letzten Zug versäumt. Um pönktlich zum Dienst im Garnisonlazarett zu sein, mietete er sich ein Automobil, das er an einer Stelle heimlich verließ, um sich den Kosten, die sich auf 35 Mark beliesen, zu entziehen. Der Chauffeur hatte jedoch die Uniform L.s erkannt und suchte ihn im Garnisonlazarett auf. Vom Direktor zur Rede gestellt, gab L. den Betrug zu und versprach, sich das Geld von seinem Vater schicken zu lassen. Statt dessen ging er zu seiner Braut, um bei ihr das Geld auszunehmen. Doch sie hatte auch nicht soviel und aus Verzweislung griffen beide zum Gift. *[Ueber die heldenmütige Tat eines Offiziers der Garnison Lyck) wird folgendes berichtet: In vergangener Woche hatte eine Kompagnie des InfanterieRegiments Nr. 147 eine Pontonierübung zu machen. Aus bisher nicht aufgeklärten Grügden riß eine„Maschine" auseinander, und dabei versanken vier Mann in dem an dieser Stelle drei Meter tiefen Wasser. Dreien von ihnen gelang es, sich durch Schwimmen zu retten. Das des vierten Mannes wurde erst einige Zeit später bemerkt. Sofort sprang der Kompagnieführer, Oberstleutnant P=tiscus mit Mantel und Säbel ins Wasser, um den Versunkenen heraufzubringen. In der Tiefe gelang es ihm, den Soldaten zu finden. Der dem Ersticken ziemlich Nahe, klammerte sich mit dem letzten Rest seiner Kräfte derartig an den Offizler an, daß diesem bei seinem Rettungswerk der dicke Umhängemantel vollständig zerrissen wurde, ohne daß es dem Oberstleutnant Peliscue gelang, den Mann auf die Oberfläche heraufzubringen. Es muß zwischen beiden ein fürchterlicher Kampf in der Tiefe des Wassers stattgefunden haben. Als die beiden noch immer nicht austauchten, sprang der zweite Offizler der Kompagnie, Leutnant Goullon, ebenfalls mit Paletots und Säbel nach, und ihm gelang es nach unsäglicher Mühe, die beiden nach oben zu ziehen. Erst nach geraumer Zeit konnten die beiden Geretteten, die schon bewußtlos waren, wieder ins Leben zurückgerufen werden. *(Frische Milch auf dem Ozean.) Generaldirektor Ballin hat für die Schiffe der Hamburg=AmerikaLinie eine anerkennenswerte hygienische Einrichtung treffen lassen: auf die Getränkekarte sämtlicher Schnelldampfer ist einfache rohe Milch in Flaschen gesetzt worden. Die Milch wird, wie die Berliner Molkereizeitung berichtet, von einer Holsteiner Muster=Wirtschaft geliesert. Jede Flasche trägt die Aufschrift:„Tafel=, Kur= und Kinvermlich“. Der Preis dieser unter Beobachtung der peinlichsten Sauberkeit gewonnenen Milch beträgt nur 30 Pfennig pro Flasche. Die Kühe, welche das Naturprodukt liefern, unterliegen einer strengen Beaussichtigung, ebenso untersteht die Mlich, die nach dem Melken nur tief gekühlt wird, der ständigen Kontrolle des Baktertologischen Instituts und der Lendwirtschaftskammer in Kiel. Wiederholte Versuche haben erwiesen, daß die so behandelte Milch die Reise von Hamburg nach New=York und zurück ganz unbeschadet überstanden hat. *[Abgewinkt.] Feldwebel:„Meyer, haben Sie gestern nicht eine Kirmeskiste erhalten?“— Miyer:„Zu Befehl, Herr Feldwebel, aber es stand darauf: Eigene Angelegenheit des Empfängers!“ Standesamts-Nachrichten für die Zeit vom 15. bis 21. Juui 1907. Stadt Gütersloh. Geburten: Söhne: Musikdirektor Georg Christiansen. Töchter: Schreiber Friedrich Siekmeier. Schuhmacher Arnold Helnrich Potthoff. Eheschließungen: Uhrmacher Karl Streckert in Mennighüffen und Alwine Mester ant. Schlingmann hier. Klempnermeister Heinrich Zumbansen und Anna Walther, belde hier. Sterbefälle: Bergmann Franz Suchy aus Mschanna, Kreis Rybnik, 27 Jahre 5 Monate alt.— Hebamme Witwe Hanne Marie Luise Strothmann geb. Kruphölter gut. Uppenbrink aus Isselhorst, 69 Jahre 2 Monate alt. Hermine Dopheide aus Niehorst, 14 Jahre 2 Monate alt. Amt Gütersloh. Geburten: Söhne: Kutscher Wilhelm Brinkmann zu Nordhorn. Weber Karl Büteröwe zu Nordhorn. Tochter: Bahnarbeiter Heinrich Pollvogt zu Pavenstädt. Aufgebote: Weber Gottlieb Limberg und Luise Stockhecke, beide zu Sundern. Sterbefälle: Näherin Lina Krümpelmann zu Pavenstädt, 22 Jahre 3 Monate alt. Emma Kramme zu Pavenstädt, 2 Jahre alt. Märkte. 24. Juni. Paderborn:(3 Tage) Wollmarkt. 25.„ Bielefeld, Delbrück, Hamm: Viehmarkt. 27.„ Schildesche:(2 Tage) Kram= und Vlehmarkt. Lippstadt: Viehmarkt. Münster: Viehmarkt und 5 Tage Send. Naturheilverein. Dienstag, den 25. Juni, abends 9 Uhr: Versammlung im Vereinshause. Tagesordnung: Besprechung eines Ausfluges. Bericht über den Gruppentag. Verschiedenes. Der Vorstand. Aktiengesellschaft Bielefeld. Zweigniederlassungen: Herford, Minden, Detmold, Lemgo, Bad Oeynhausen. Aktienkapital 7 Millionen Mark. Check- und Depositen-Verkehr unter Gewährung tionen. Austellung von Kreditbriefen. Stahlkammer Marine-Apell 29., 30. Juni, 1. Juli. Marine-Ausstellung 29. Juni bis 15. Juli Bochum 1907. SXXIRIIZZXG herz gus. Dame ist ein schönes Gesicht, rosig. Aussehen. Dies alles erzeugt Dresdener Lana-Seife Marke H. H. D von Hahn& Hasselbach, Dresden. à Stück 50 Pfg. Ernst Hoffschildt, Drog. echt Eiche schon von 19 Mark an. W. Epke, Möbelmagazin. 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Is. im Hause des Gastwirts Pollkläsener in Gütersloh für die Militärpflichtigen der Stadt Gütersloh, des Amtes Getersloh, des Amtes Verl und der Gemeinden Friedrichsdorf, Avenwedde und Kattenstroth=Spexard. Die Militärpflichtigen haben sich an diesen Tagen in den genannten Aushebungslokalen in Wiedenbrück um 9 Uhr morgens, in Gütersloh um 8 Uhr morgens pünktlich einzufinden. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach der Aushebung gestellte Anträge auf Abänderung der getroffenen Entscheidungen, Versetzung von einem Truppenteile zum andern grundsätzlich zurückgewiesen werden mässen. Der Zivil-Vorsitzende der Ersatz-Kommisston des Aushebungsbezirks Wiedenbrück. Engelhard, Landrat. Münsterischer Anzeiger Münster i. W. Täglich zweimalige Versendung. Auflage 28675 Exemplare. Bezugspreis: für die 3 Monate Juli, August und September 1 Mk. 50 Pfe. Inserate finden wirksamsten Erfolg. Ariadne-Fahrräder Franka=Zusendung. 5 Jalure Carantie. Fahrräder v..# 44 an. 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