Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 73 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, Gütersloh. Donnerstag, den 20. Juni 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Pogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Bestellungen auf die„Neue Gütersloher Zeitung“ nehmen jederzeit sämtliche Postanstalten, Landbriefträger, unsere Boten und die Geschäftsstelle dieser Zeitung, Schulstraße Nr. 733, entgegen. Die„Nieue Gütersloher Zeitung“ erscheint Dienstags, Donnerstags und Sonnabends und sollte von jedem gelesen werden, der über die Vorgange in Stadt und Amt Gütersloh sowie der näheren Umgebung unterrichtet sein will. Wie diesen so schenkt die„Neue Gütersloher Zeitung“ auch allen wichtigen Vorkommnissen im In= und Auslande gebührende Aufmerksamkelt. Anzeigen jeder Art finden durch die„Neue Gütersloher Zeitung“, in der auch die amtlichen Bekanntmachungen der Behörden veröffentlicht werden, weiteste Verbreitung. Vierteljährlicher Bezugspreis 1 Mark 20 Pfg. Probenummern stehen auf Wunsch gern zur Verfügung. Die bis zum Schluß dieses Monats noch erscheinenden Nummern werden neu hinzutretenden Abonnenten kostenlos zugestellt. Ein neuer„Nationalverein“. Zu den Frühlingsknospen am Baum der deutschen Einheit zählte einst der deutsche Nationalverein, der zum Zwecke der Einigung und freiheitlichen Entwickelung Deutschlands 1859 begründet wurde. In der Geschichte der deutschen Einheits=Bewegung leuchtet dieser politische Verein immerdar empor, standen doch an seiner Spitze die edelsten deutschen Patrioten, klangvolle Namen wie Rudolf von Bennigsen und Johannes Miquel. Dem durch Bismarck vollzogenen Einigungswerk hat der Nationalverein herrlich vorgearbeitet. Die verschiedenen Elemente des Liberalismus im Ringe gleichartiger politischer Anschauungen zusammenzufassen, ist ihm jedoch nicht gelungen. Schultze=Delitzsch trat infolge der Spaltung der liberalen Partei 1866 mit mehreren fortschrittlichen Abgeordneten aus, Ende 1867 erfolgte zu Kassel die Auflösung des Vereins, der seine Aufgabe ersüllt sah. Den edlen Männern, die rechtzeitig das Wehen einer neuen für die deutsche Geschichte heranbrechenden Zeit spürten und im Volke den Boden für die künftige Gestaltung des deutschen Vaterlandes vorbereiteten, gebührt der Dank über das Grab hinaus. 40 Jahre nach der Auflösung des alten Nationalvereins soll nunmehr ein neuer Nationalverein ins Leben gerufen werden. Die erste Tagung soll am 22. Juni in Heidelberg staltfinden. Es handelt sich hier um eine süddeutsche Gründung. Der Verein, der am 15. März 1907 in München begründet wurde und dessen Geschäfte ein in den weitesten politischen Kreisen unbekannter Herr Dr. Ohr leitet, will einem vermeintlichen dringenden Bedürfnis abhelfen, der deutschen Wählerschaft die Notwendigkeit eines starken liberalen Regiments begreiflich machen. In tönenden Worten läßt sich das„Leipziger Tageblatt“ unterm 11. Juni 1907 darüber aus München schreiben: „Die erste Tagung des Nationalvereins wird gewiß in der Geschichte der Überalen Einigung eine hervorragende Stellung einnehmen. Starker Besuch aus allen liberalen Parteien ist zu erwarten. Die Heidelberger Tagung wird erfüllen, was man von der noch nicht zustande gekommenen öffintlichen Versammlung der drei linksliberalen Fraktionen erwartete. Wenn der geeinte Liberalismus politisch geliend wird, braucht man nicht mehr an der politischen Entwickelung Deutschlands zu verzweifeln. Jetzt sieht alles trübe aus, aber bald wird die Sonne aufgehen.“ Die Erwartung, mit der die Urheber dieser neuen politischen Gründung dem„Sonnenaufgang“ entgegensehen, mit dem nunmehr der deutsche Liberalismus beglückt werden soll, wird seibst von den führenden Kreisen des deutschen Liberaltsmus nicht geteilt. Bestände das Bedürfnis nach einer solchen neuen Einigung des Liberalismus(die seitherigen Versuche haben wenigstens xegelmäßig mit einer Veruneinigung geendet), so würden sich die liberalen Fraktionen des Reichstages die günstige Stimmung nicht entgehen lassen. Die Nationalliberalen scheint man ja zu den Uberalen Fraktionen in jenem neuen Nationalverein nicht zu rechnen, denn es ist nur von drei Fraktionen die Rede. Es kann sich also nur handeln um die freifinnige Volkspartei, um die freisinnige Vereinigung und um die süddeutsche Volkspartei. Bestände innerhalb der drei freisinnigen Parteien eine solche Absicht, dann würde man wohl unter den Referenten auf die Namen Reinhart Schmidt und Müller=Sagan, Schrader und Naumann sowie Payer und Haußmann stoßen, doch nichts von alledem. Die„Nationalzeitung" wiegelt das neue Unternehmen bereits ab, und erklärt, daß die in den letzten Monaten in Württemberg von Dr. Ohr begründeten, sogenannten Überalen Vereine trotz aller zur Schau getragenen Tendenz der liberalen Einigung einen starken national=sozialen Einschlag haben und mehr zur Zersplitterung und Verfeindung als zur Einigung beitrügen. Die„Freisinnige Zeitung" druckt mit einer gewissen Befriedigung die Ausführung der„Natlonalzeitung“ ab, nachdem sie schon früher erklärt hatte, daß die Freisinnige Volkspartei der Sache fernstehe. Man ist also in denjenigen Überalen Kreisen, die man nicht übergehen kann, wenn man eine Einigung des gesamten Liberalismus herbeiführen will, von dieser neuen Gründung nicht sehr erbaut. Offenbar soll hier nur ein alter Wein in neue Schläuche gegossen werden. Man spekuliert auf gewisse Gefühlsstimmungen, wie sie bei einem Teil der Jungliberalen und Nationalsozialen mehr oder weniger verschwommen längst zu Tage getreten sind. Bestärkt wird man in dieser Auffassung durch die Ausführungen, die Generalseretär Dr. Ohr am 11. Juni in Darmstadt in einer von dem dortigen„Jungliberalen Verein“ einberufenen Versammlung machte. Danach dürfe der Nationalverein wirtschaftliche Fragen nicht aufrollen, da in diesen die einzelnen Gruppen verschiedene Auffassung hätten. Der National=Verein würde seine Aufgabe erblicken in dem Kampf gegen Zentrum und Reichspartei und„alle anderen reaktionären Parteien“. Wie man heutzutage praktisch Politik treiben will, ohne zu wirtschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen, die in den Wahlkämpfen geradezu vorherrschen, das auszuführen unterlleß der Herr Generalsekretär, wie er sich auch über die Stellung des Nationalvereins zu der Sozialdemokratte wohlweislich nicht aussprach. Als er in der Diskussion gefragt wurde, wie der Nationalverein, der doch durch den Referenten seine Stillung nach richts hin so scharf präzisieren lasse, zur Sozialdemokratie stünde, erklärte der Referent, daß diese Frage für den Nationalverein ausschelden müsse, da ein Teil der Liberalen in der Sozialdemokratie gegenüber der Reaktion das kleinere Uebel erblicken müßte. Bei der Sozialdemokratie sei eine freiheitliche Grundstimmung vorhanden. In der Diskussion bekannte sich Herr Pfarrer Korell, der bekanntlich bei der Nachwahl im Wahlkreise Darmstadt im Jahre 1906 für die Wahl des Sozialdemokraten gegenüber dem nationalliberalen Kandidaten eingetreten ist, als ein eifriges Mitglied dieses neuen politischen Vereins. Man kann also sich unschwer ausmalen, wohin der Kurs führt, wenn Leute, wie Pfarrer Korell in einem solchen Verein mit großem Beifall sprechen. An der Unmöglichkeit, die beiden Klippen zu umschiffen, einmal wirtschaftliche Fragen in der politischen Agitation auszuschalten, zum zweiten die Stellungnahme zur Sozialdemokratie zu verschlelern, wird die praktische Wirksamkeit dieses neuen Nationalvereins scheitern. Das wäre kein Sein Dämon. Roman in zwei Abteilungen von Franz Treller. (4.. Fortsetzung.) (Nachbruck verboten.) Miß Bolton wagte den ungeheuren Gedanken, der in ihr aufgestiegen war, nicht auszudenken, und sagte nur:„Es war erschreckend.“ „Das war es. Unmöglich konnte doch der Anblick von Mrs. Walton eine solche Wirkung gehabt haben.“ Miß Bolion schwieg. „Was fehlte dem Herrn?“ Mr. Stanford kam in das Zimmer, er hatte nur eine kurze Unterredung mit Mrs. Walton gehabt, die sich, als er ihr mitgetellt, das Miß Bolton die Gastfreundschaft seines Hauses genoß, sofort froftig verabschiedet hatte. Clare erzählte ihm, welchen Eindruck der Anblick von Mrs. Walton auf Mr. Wanderer gemacht hatte. Stanford staunte nicht wenig darüber. Sollte er die Dame mit der nicht ganz klaren Vergangenheit kennen? dachte er, sagte das aber nicht. „Den Herrn hat sicher ein Unwohlselu befallen, ich will nach ihm sehen,“ äußerte er dann. Er hatte kaum ausgesprochen, als ein Wagen vorfuhr und gleich darauf Dr. Ellinghaus aus Albany gemeldet wurde. „O, das ist überraschend,“ sagte Mr. Stonsord.„Der Herr ist willkommen.“ Die beiden Mädchen wollten sich enifernen, aber Stanford sagte:„Bleibt nur— ich stelle Euch den Herrn ver“ Doktor Ellinghausens hohe Gestalt erschten in der Tür. „Sie erfreuen mich in ungeahnter Weise, Mr. Ellinghaus," begrüßte ihn Mr. Stanford, und reichte ihm die Hand. „Ich habe Ihre Briefe erst vor wenigen Tagen erhalten, und wie sehr mir das das Schicksal meines Freundes oder seines Kindes am Herzen liegt, sehen Sie aus meinem Erschiinen. Ich habe auch Becker mitgebracht, den Sie in Rockesville kennen lernten. Wir beide sind Jugendfreunde Hohenthals und wollen die Nachforschungen gemeinschaftlich fortsetzen.“ Hoch horchte Miß Bolton bei dem Namen Hohenthal auf. „Ich danke Ihnen herzlich, Mr. Ellinghaus, auch Mr. Becker ist willkommen.“ Er stellte dann Doktor Ellinghaus den beiden Damen vor. Sehr erregt, mit bebender Stimme, fragte Miß Bolton:„Ich vernehme eben den Namen Hohenthal, Sir, darf ich fragen, ob damit Mr. Hohenthal aus Contenthouse gemeint ist?“ Standford und Ellinghaus waren beide überrascht. „Genau derselbe, Miß— Miß?“ sagte der Doktor. „Bolion.“ „Bolton? Doch nicht von Covington. Dr. Boltons Tochter?“ „Ja, Sir.“ „O, daß ist ein wundersames Zusammentreffen. Hohenthal hat uns gesagt, wie viel Tellnahme Sie ihm erwiesen.“ „Das habe ich, Sir, aber noch seltsameres sollen Sie heute erleben— Mr. Hohenthal ist hier“ „Hier?“ fragte wie aus einem Munde Stanford und Ellinghaus. „Um Gottes willen, Miß Bollon— wo— wo ist der Totgeglaubte?“ „Hier im Hause, unter dem Namen Wanderer, den er sich auf seinem Wanderleben beigelegt hat. Er wollte seinen wahren Namen Ihnen erst später sagen, Mr. Stanford.“ Mit maßlosem Erstaunen vernahmen beide das, und nicht minder erstaunt war Miß Clare über den ihr unverständlichen Vorgang und die Erregung der andern. Jetzt erzählte Miß Bolton von ihrer Begegnung mit Hohenthal auf der Landstraß; und hier im Garten. Mr. Standford klingesste. Dem eintretenden Diiner befahl er, Mr. Wanderer in den Salon zu bitten. „Mr. Wanderer ist fortgeritten, Sir.“ „Fort, wohin!“ „Nach dem Flusse.“ „Schon lange?“ „Gleich nachdem die Damen wieder zurückgekehrt waren.“ Was hatte das zu bedeuten? Miß Bolton berichtete über den Eindruck, den der Anblick von Mrs. Walton auf Hohenthal gemacht hatte. Sie und Dr. Ellinghaus sahen sich an. „Das ist doch sonderbar, Hohenthal ließ sich nicht leicht aus der Fassung bringen.“—„Sollie er der Dame, die einen so ungewöhnlichen Eindruck auf ihn gemacht hatte, nachgeritten sein?“ Mr. Stanford sah sehr ernst aus. Er erkannte an den Menschen, daß Miß Bolton sowohl als Ellinghaus diesen Vorgängen große Bedeutung beimaßen, und sagte entschlossen:„Ist es Ihnen recht, Mr. Ellinghaus, fahren wir nach Woodhill, ich wollte Mrs. Walton doch noch begrüßen; vielleicht treffen wir unterwegs ihren so lange gesuchten Freund. „Wunderbar, wunderbar ware es,“ sagte er leise. Ellinghaus, der tief erregt war von der Kunde, daß sein Freund am Leben und so nahe sei, stimmte sofort zu. Der jetzt eintretende vierschrötige Wilhelm Becker, der noch ganz so aussah wie vor fünfzehn Jahren, wurde dann von Ellinghaus unterrichtet, und sagte tief bewegt und erschüttert unter Tränen nur einige Mal in deutscher Sprache: „Gott sei Dank! Golt sei Dank!“ Auch er war selbstverständlich sofort bereit, mitzufahren. In großer Elle ließ Stanford anspannen, befahl noch einem Diener, mit der Fackel vorauszureiten, denn es war mittlerwelle dunkel geworden, und ein paar Minuten darauf fuhren die Herren dem Flusse zu. Dem Diener war befohlen, auf den ihm begegnenden Mr. Wanderer zu achten, der im Dunkeln die Landstraße halten mußte, wenn er nach Milmington zurückkehren wollte. Unter lebhaftem Austausch ihrer Gesühle und Erfahrungen fuhren die Herren dahin. Dokter Ellinghaus hatte, seit er Rockesville verließ, New=York und Chikage Unglück, da für diese Gründung, bei der ein Name als Lockschild dienen muß, der zu den Tendenzen der Neugründung nicht in Parallele gestellt werden kann, der Bedürfnis=Nachwets nicht im geringsten erbracht und unsere Zeit ganz im Gegenteil dazu angetan ist, alle bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie zu treuer vaterländischer Arbeit zusammenzufassen. politische Aebersiczt. Pentsches Reich. Der Kaiser, der gestern an Bord der„Hohenzollern“ die Reise durch den Kanal nach Klel angetreten hat, ließ sich gestern auf der„Oceana“ durch Generaldirektor Ballin den Reichstagsabgrordneten Semler vorstellen und sprach mit ihm eine halbe Stunde lang über koloniale Fragen. Reichskanzler Fürst Bülow hat sich zum Vertrag beim Kaiser nach Kiel begeben. Der Reichskanzler empfing gestern den Unterstaatssekretär im Kolonialamt von Lindequist, der sich für kurze Zeit nach Südwestafrika begibt. Herr v. Lindequist hat die Ausreise nach Südwestafrika mit dein gestern von Hamburg abgefahrenen Dampser angetreten. Er übernimmt bis zum Eintreffen des Gouverneurs v. Schuckmann nochmals in vollem Umfange die Geschäfte des Gouverneurs und wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Oktober nach Deutschland zurückkehren. Im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist man zur Zeit mit den Vorarbeiten zur Begründung einer Pensionskasse für die staatlichen Bauarbeiter beschäftigt nach dem Vorbilde der für die Arbeiter der Eisenbahnverwaltung bereits bestehenden Kassen. Neulich war berichtet worden, die Regierung werde demnächst mit der Forderung einer ganzen Reihe neuer Steuern In Gesamthöhe von ca. 250 Millionen Mark an den Reichstag herantreten. Offizlös wird demgegenüber festgestellt, daß zur Zeit noch nicht einmal die Höhe des Deckungsbedarfs für 1908 ermittelt ist und schon deshalb alle Mittellungen über die wegen der Auswahl der Deckungsmittel angeblich bestehenden Absichten und getroffenen Entschließungen in das Gebiet freier Erfindung zu verweisen sind. Die in Vorbereitung begriffene neue Ostmarken=Vorlage, welche dem Landtag in der nächsten Tagung zugehen soll, wird auch Enteignungsrecht für den Staat beantragen. Man erachtet sogar das Recht der Enteignung als eine notwendige Vorbedingung für die Fortsetzung der inneren Besiedlung der Ostmarken, da nur hierdurch das für die Ansiedlungs=Parzellen erforderliche Land noch zu erhalten ist. Ankäufe aus polnischem Besitz sind ausgeschlossen und der Ankauf von deutschem Großgrundbesitze muß in Zukunft unterbleiben, um nicht die deutschen Majoritäten auf den Kreistagen und Provinziallandtagen zu gefährden. Das zur Bildung größerer, geschlossener Siedlungsbezirke erforderliche Land kann daher im wesentlichen nur durch Enteignung erworben werden. Am 16. und 17. Juni er. tagte in Gotha die Hauptversammlung des Deutschen Privatbeamten=Vereins, der selnen Sitz in Magdeburg hat, zurzeit über 22.000 Mitglieder zählt und über ein Gesamtvermögen von zirka 12 Millionen Mark verfügt. Die Versammlung war zahlreich von Vertretern aus allen Gauen des Deutschen Reiches beschickt. Wie immer, so hatte sich auch diesmal die Versammlung der Beteiligung der hohen Staats= und städtischen Behörden zu erfreuen. Nach einem Vortrage des Herrn Direktors Schmelzer über die Stellungnahme des Vereins zur staatlichen Regelung der Pensions= und HinterbliebenenVersicherung für Privatbeamte gelangte im Anschluß an eine kurze Debatte über diesen Vortrag folgende Resolution zur Anahme.„Die in Gotha tagende, aus allen Gauen Deutschlands von Vertretern aller Berufsarten und Berufsstellungen des privatwirtschaftlichen Erwerbslebens zahlreich beschickte Hauptversammlung des Deutschen Privatbeamten= Vereins erklärt sich für baldige Einführung einer staatlichen Pensions= und Hinterbliebenen=Versorgung für Privatb mite. Die Hauplversammlung setzt in dankbarer Anerkennung des durch die staatliche Denkschrift gebotenen Materials in die Staatsregierung das vertrauensvolle Erwarten, daß sich auch für die Privatbeamten eine Sicherung der Zukunft in den gebotenen Grenzen durch staatliche Maßnahmen ermöglichen läßt. Sie erblickt auch in einer staatlichen Regelung der Pensions= und Hinterbliebenen=Versorgung für Privatbeamte eine bedeutsame Förderung des Hauptprogramms des Deutschen=Privatbeamten=Vereins, sowie einen Ansporn für die Privatbeamten zu einer kräftigen weiteren Betätigung der zur Erlangung einer angemessenen und ausreichenden Sicherstellung nach wie vor unbedingt notwendigen Selbsthilfe und beauftragt die Hauptverwaltung, mitzuarbeiten an einer baldigen und klaren Lösung die Problems“ Der Verband polnischer Vereine in Berlin hal in seine Satzungen eine Bestimmung eingefügt, welche Polen, die mit deutschen Frauen verheiratet oder mit deutschen Mädchen verlobt sind, sowie solche polnischen Familienväter, die kein polnisches Haus führen, d. h. bei denen zuhaufe auch deutsch gesprochen wird, von allen Aemiern und Ehrenposten in den Berliner Polen=Vereinen ausschließt. Das ist wieder ein recht nettes Stücklein von polnischem Fanatismus. Die Aktenstücke über das englisch=französischespanische Abkommen sind den Kabinetten vertraulich mitgeteilt worden. Die Behauptung eines Pariser Blattes, Unterstaatssekretär Dr. v. Mühlberg vom Berliner Auswärtigen Amt hätte dem französischen Botschafter gesagt, aufgesucht, um endlich in Albany eine ihm zusagende Praxie zu finden. Wilhelm Becker hat von dessen Aufenthalt nichts gewußt. Als Ellinghaus, der Hohenthal für längst gestorben hielt, von den aussichtsvollen Nachforschungen nach dessen Sohn endlich Kenntnis erhielt, hatte er sich sogliich auf den Weg nach dem Mississippi gemacht und Wilhelm Becker telegraphisch zu sich beschieden.(Fortsetzung folgt.) daß er Geheimhaltung nicht versprechen könne, ist unrichtig. Dr. v. Mühlberg hat nur darauf hingewiesen, daß eine Veröffentlichung des Notenwechsels nätzlich wirken wärde. Die Veröffentlschung kann nur Sache der Beleitigten sein. Dem Pariser„Temps“ sind übrigens schen vom französischen Minister des Auswärtigen, Eröffnungen über den Inhalt des Abkommens gemacht worden. Holland. Die erste Sitzung der Haager FriedensKonferenz hat am Mittwoch nachmittag um 3 Uhr begonnen. Die Konferenz teilt sich in vier Separatausschüsfe, die ihrerseits unabhängig sind und sich nach ihrer Wahl organisieren. Sie heißen die erste, zweite, dritte und vierte Kommission. Gutem Vernehmen nach dürften die Plenarsitzungen der Konserenz unter gewissin Vorbehalten öffentlich sein. Oesterreich-Ungarn. Mittwoch mittag fand in der Hofburg die feierliche Eröffnung der 18. Session des österreichischen Reichsrats unter überaus großer Beteiligung der Mitglieder beider Häuser statt. Die Thronrede wurde vom Kaiser verlesen, der von den Erzherzogen, Ministern und obersten Hoschargen umgeben war. Der Reichsrat nahm die Thronrede wiederholt mit lebhaftem Beifall auf. Insbesondere die Ankündigung der Reform des politischen Verwaltungsdienstes, Schaffung der Alters= und Invaliditätsversicherung, der Arbeiterschutzvorlagen, sowie die Förderung des Gewerbes und der Landwirtschaft fanden lebhafteste Zustimmung. Ueber die äußere Politik heißt es: Die auf die dauernde Erwartung des Friedens gerichteten Bemühungen finden bei mir und meiner Regierung bereitwillige Förderung. Unsere Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind andauernd freundschaftliche und in unveränderter Herzlichkeit besteht das Verhältnis zu unseren Verbündeten fort. Das gute vertrauensvolle Einvernehmen mit allen Mächten setzt uns in den Stand, jedermann im Sinne der Ausgleichung bei auftauchenden Gegensätzen zu wirken. Frankreich. Die im Süden ausgebrochene Winzerkrisis hat recht bedenkliche Gestalt angenommen. Besonders groß ist die Erregung in Narbonne, wo die Regierung den zurückgetretenen Bürgermeister hat verhaften lassen und wo Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingetroffen ist. Zur Zeit halten drei Regimenter Infanterie und ein Kavallerie=Regiment die Stadt besetzt. Eine johlende und pfeifende Menge begleitete den Wagen, in welchem Bürgermeister Ferroul weggebracht wurde. Infanterie, die mit gefälltem Bajonett vorging, unterstützt von der Kavallerie, zerstreute die Menge. Alle Läben und Werkstätten, und sogar die Banken sind zum Zeichen der Trauer geschlossen. Am Dienstag wurde in Narbonne auf dem Rathause die Sturmglocke geläutet, um die Bevölkernng, die in den Straßen mit Barrikaden beschäftigt war, dorthin zusammenzurufen. Die Regierung erweist sich als standfest; die von ihr getroffenen Maßnahmen umfaßten folgende Hauptpunkte: Gerichtliche Verfolgung aller Mitglieder des Komitees von Argelliers, Verfolgung aller Aufwiegler mit vorläufiger Festnahme aller derjenigen, gegen welche besonders schwere Anschuldigungen erhoben werden, gerichtliche Verfolgung verschiedener Bürgermeister, Strasversetzung des 100. Infanterie=Regiments und Verlegung einer Anzahl von Regimentern der südlichen Departements. Am Dienstag hat sich die Regierung in dieser Angelegenheit von der Deputiertenkammer mit 412 gegen 158 Stimmen ein Vertrauensvotum ausstellen lassen. Der Reichsrat hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in welcher das kaiserliche Manifest über die Auflösung der Reichsduma verlesen wurde. Nach einem Hoch auf den Kaiser wurde darauf der Reichsrat bis zum 14. November vertagt. In Kiew bemächtigten sich nachts 500 Soldaten des Geniedataillons des Zeughauses, erbeuteten scharfe Patronen und gaben eine Salve in die Luft ab. Der herbeieilende Batalllonschef und noch 8 andere Offizlere wurden getötet. Von den Soldaten wurden 60 verletzt und 250 verhaftet. 90 entflohen. In Kiew wird der Generalstreik vorbereitet und sind dieserhalb schon viele Verhaftungen erfolgt. Lokales und Provinzielles. Eütersloy. 20. Juni.[Städtisches.] In der am Dienstag nachmittag 5 Uhr stattgefundenen Stadtverordneten=Sitzung wurde folgendes verhandelt: 1. Der Antrag des Magistrats auf nochmalige Beschlußfassung bezgl. der Gründung eines Gesamtschulverbandes bestehend aus der Stadt Gütersloh und der Bauerschaft Kattenstreth an Stelle der aufzulösenden katholischen Schulsozietät Gütersloh=Kattenstroth wurde zur nochmaligen Vorberatung an eine Kommission überwiesen, bestehend aus den Herren W. Puwelle, Professor Müller, Sanitätsrat Dr. Stohlmann, Fr. Flättmann, Aug. Niemöller und G. Witmking. 2. Das Einkommen des am 1. Mai 1908 anzustellenden neuen Bürgermeisters wurde auf 5500,— Mark Anfangsgehalt, alle 8 Jahre steigend um 500 Mark und freie Wohnung, wofür 1400.— Mk. in Anrechnung kommen, festgesetzt. Außerdem können früher im Staats= und Kommunaldienst bereits zugebrachte Dienstjahre nach Uebereinkunft mit angerechnet werden. 3. Dem Antrage des Magistrats auf Bewilligung einer Jubiläumsgabe von 300 Mark für die Arbeiter=Kolonte Wilhelmsdorf an Herrn Pastor Dr. von Bodelschwingh an Stelle des im Haushaltsetat ausgeworfenen Betrages von 100 Mark wurde zugestimmt. 4, Ebenso wurde zugestimmt bis auf Widerruf die unentgeltliche Hergabe des Wassers aus der städtischen Wasserleitung zur Besprengung der neu einzurichtenden gärtnerischen Anlagen, auf dem Platz bei der neuen Kirche. 5. Es wurde beschlossen, an den Magistrat ein Gesuch zu richten, worin derselbe gebeten werden soll, bei der Betriebsleitung der Teutoburger Wald=Eisenbahn dahin vorstellig zu werden, daß dieselbe bei der königlichen Elsenbahn=Betriebsdirektion beantragt, den Tarifzuschlag für den Bahnhof der Teutoburger Wald=Eisenbahn fallen zu lassen.— Sodann wurde von den Vorlagen der Verwaltungsübersicht und der Jahresübersicht betr. den Stand der Stadtkosse am Schlusse des Rechnungsjahres 1906 und Uebersicht beir. den Stand der Siadtkasse am Schluffe des Monats Moi Kenttnis genommen und hierauf die Sitzung geschlossen. S Enterslok. 20. Juni.[Kirchliches.) Die Vorbereitung für den Kindergottesdienst findet morgen Freitag abend 8¼ Uhr statt. 20. Juli.(Schüler=Ausflug.] Die Selekta macht heute einen Ausflug nach Bückeburg und Umgegend; die Abfahrt dorthin erfolgte mit dem Frühzuge. * M ü t e r s l a h. 2 0. J u n.[ L a n d w i r t s c h a f t liches.] Der Ausschuß des Minden=Ravensbergischen landwirtschaftlichen Hauptvereins hat beschlossen, Ende Juli auf dem Rittergute des Herrn Dr. jur. Blomeyer=Haus Beck bei Löhne i. W. eine Vorführung mit selbstbindenden Getreidemähmaschinen vorzunehmen. Es werden dort die besten Systeme dieser Maschinen bei der Arbeit gezeigt werden. Zugleich sollen an dem noch zu bestimmenden Tage einige neue Geräte, wie Grubber und Grasmäher, welcher zugleich als Heuwender benutzt werden kann, daselbst beurteilt und geprüft werden. Wir machen auf diese ebenso lehrreiche wie praktisch wichtige Veranstaltung, welche vom Hauptverein gemeinsam mit der Maschinenprüsungsstation in Münster unternommen wird, hierdurch besonders aufmerksam. Zielefeld, 19. Juni.[Strafkammer.] Der Lehrling Th. P. von Kattenstroth bei Gütersloh hatte infolge Krankseins vom 7. Januar bis 27. Januar d. Is. die Fortbildungsschule nicht besuchen können und darüber ein ärztliches Attest erhalten. Da er aber keine Lust hatte, die Schule zu besuchen, so schwänzte er ruhig weiter und fälschte das Altest des Arztes. Die Sache aber war so plump angelegt, daß er sogleich entlarvt wurde. Die Strafkammer verurtellte den jungen Urkundenfälscher zu 1 Tage Gefängnis und beschloß, ihn der bedingten Begnadigung zu empfehlen. Gelsenkirchen, 19. Juni.[Ertrunken.] Der 14jährige Arbeiter Rud. Biel wollte heute morgen in dem hinter dem Hochofen bei Bulmke gelegenen Schlammteich ein Bad nehmen. Plötzlich versagten ihm die Kräfte und er ging unter. Sein 15jähriger Freund Gustav Jedamoki wallte ihm zu Hilfe kommen. Beide ertranken. Mühlheim a. d. R., 19. Juni.[Verunglückt.] Auf dem Thyssenschen Werk kam der Elektrotechniker Salzmann, der einen Isolator abnehmen wollte, der elekirischen Leitung mit der Hand zu nahe. Der Strom tötete ihn sofort. Der Verunglückte hinterläßt Frau und mehrere Kinder. 19. Juni.(Unter Null.] In der Eisel ist die Temperatur in der Nacht vom letzten Montag zum Dienstag so tief gesunken, daß stellenweise das Quicksilber unter Null sank. Aus vielen Bezirken der Umgegend von Trier sind Meldungen über Schäden eingelaufen, die der Frost in der genannten Nacht den Früchten und Gemüsen zufügte. Die Temperatur verblieb mehrere Stunden hindurch unter Null. Vermischtes. * Greiz, 18. Juni. Heute vormittag 11½ Uhr stürzten zwei Dachdecker vom Turm des alten Reussenschlosses; beide sind schwer, der jängere lebensgefährlich verletzt. *(Ururahne, Urahne, Großmutter, Mutter und Kind) ließen sich dieser Tage in Husum phetographieren. Die Familie stammt aus Dresdorf. Das Kind ist 1 Jahr, die Mutter 20, die Großmutter 39, die Urgroßmutter 60 und die Ururgroßmutter 86 Jahre alt. * Aus dem Taunus, 19. Juni. Das Taunusrennen um den Kaiserpreis schließt mit einem Defizit von 200000 Mark ab; der Garantiefonds hat jedoch nur eine Höhe von 100000 Mark. Der Dauerregen am 18. Juni hat das Kassengeschäft arg verdorben; außerdem waren die Platzpreise auf den Tribünen(40, 20 und 10 Mk.) zu abschreckend anständig. *[Vom Zuge zermalmt] wurde bei der Station Schwarzenbeck der Tischlergeselle Hock. Der Verunglückte hatte keine Fahrkarte gelöst und sollte vom Schaffner zur Anzeige gebracht werden. Aus Furcht vor der Strafe sprang er aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge. Er kam unter die Räder und wurde sofort gelötet. * Zabrze, 17. Juni. Das tragische Geschick einer Familie macht im ganzen oberschlesischen Industriebezirk seit einigen Tagen viel von sich reden. Hier starb vor 8 Tagen die Tochter des Werkmeisters Piechotta. Der Vater erkrankte aus Gram hierüber und folgte am vergangenen Montag seiner Tochter ins Grad. Am Dienstag wurde die beklagenswerte Mutter wahnsinnig, mußte ins Krankenhaus gebracht werden, woselbst sie in vergangener Nacht ebenfalls gestorben ist. * München, 19. Juni. Geheimer Oder=Postrat Mänch vom Reichspostamt, der mit dem Staatssekretär Kraeike und dem Geheimen Ober=Postrat Kobelt hier wellt, wurde abends von einem Radfahrer angefahren und hat einen Beinbruch erlitten. Er ist nach der Chirurgischen Klinik gebracht worden. Geffentlicher Wetterdienst. (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Nachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 20. bis zum Abend des 21. Juni: Morgen trocken und meist heiter, windig, am Tage etwas wärmer. Für die nächste Nummer bestimmte Anzeigen bitten wir möglichst schon bis Freitag abend aufzugeben. Die Expedition. Statt jeder besonderen Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, gestern nachmittag 4 Uhr unser innigstgeliebtes Töchterchen Emma nach längerer Krankheit im Alter von 2 Jahren 18 Tagen zu sich in sein Himmelreich zu nehmen. Mit der Bitte um stille Teilnahme zeigen dies liefbetrübt an Die trauernden Eltern: Herm. Kramme und Frau Friederike geb. Sunderkötter. Pavenstädt, den 20. Juni 1907. Die Beerdigung findet am Sonnabend nachmittag 3¾ Uhr vom Trauerhause, Pavenstädt 98, aus statt; die Feier im Hause um 3¼ Uhr. In unser Handelsregister Abt. A No. 177 ist heute die offene Handelsgesellschaft unter der Firma C. Görges& Co., Zweigniederlassung Friedrichsdor#, Zweigniederlassung der Firma Görges& Co. zu Beckum, und als deren persönlich haftende Gesellschafter der Kaufmann Christoph Görges zu Beckum und der Kaufmann Franz Dieckhoff zu Friedrichsdorf i. W. eingetragen und dabei vermerkt, daß die Gesellschaft am 8. Mai 1907 begonnen hat. Güterslob, den 17. Juni 1907. Königliches Amtsgericht Bekanntmachung. In Gemäßheit der Bullenkörordnung für die Provinz Westfalen vom 30. Juli 1901 werden nach folgend die im Heerdbuch des Rindviehzuchtverbandes Minden=Ravensberg eingetragenen und nicht abgemeldeten Bullen bekaant gegeben: Zwei Stiere des Landwirts Bockschatz in Sundern. Gütersloh, den 17. Juni 1907. Amtsverwalter. Villaret. Bekanntmachung. Der Neubau eines Abortgebäudes an der Schule zu Nordhorn soll öffentlich an den Mindestfordernden vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen im Amtsbureau Zimmer Nr. 1 zur Einsichtnahme aus und können daselbst gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden. Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufscheift bis Montag, den 1. Juli d. Is., 10 Uhr vormittags, an welchem Termine die Oeffnung im Beisein der Submittenten erfolgen wird, im Amtsbureau abzugeben. Gütersloh, den 19. Juni 1907. Der Amtsverwalter. Villaret. Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Photographen Hermann Kuauf zu Herford wird heute am 18. Juni 1907, nachmittags 1/6 das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsonwalt Justizrat Lümkemann zu Herford wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkurssorderungen sind bis zum 1. August 1907 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die im§ 182 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf den 11. Juli 1907, vormittags 11½ Uhr und zur Prüsung der angemeldeten Forderungen auf den 4. September 1907, vormittags 11 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte Zimmer 16 Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Kontursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 8. Juli 1907 Anzeige zu machen. Königliches Amtsgericht in Herford. Meiteste Verbreitung in der Provinz und stets wachsender Beliebtheit erfreuen sich die Berliner Neuesten Nachrichten unparteiische Zeitung nationaler Tendenz 13mal wöchentlich, also auch Montags früh, erscheinend haben sie sich durch Reichhaltigkeit des Inhalts, Zuverlässigkeit der Berichterstattung, ausgedehnten Handelsund feuilletonistischen Teil zum Lieblingsblatt der gebildeten Stände Blaues Kreuz. Am Sonntag, den 23. Juni, nachmittags 3 Uhr, feiert der Blaukrenzverein in Brockhagen sein Jahresfest. Mitglieder unseres Vereins, welche mittels Wagenfahrt an dem Fest teilnehmen wollen, mögen sich bis Donnerstag abend bei Herrn H. Kuiepkamp am Domhof melden, damit die Wagen danach bestellt werden können. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werber. Zwangsversteigerung. Am Sonnabend, den 22. d. Ms., vormittags 10 Uhr, versteigere ich im Auktionslokale, Blessenstätte 77 hler, gegen Barzahlung: 1 Sopha, 1 Tisch. 1 Ofen, 1 Wäschemangel, 1 Schreibpukt, 1 Chokokaden-Automat. Gülersloh, den 20. Juni 1907. Bäsmann, Gerichtsvollzieher. Frische Kirschen, Erdbeeren, Apfelsinen u. Citronen, Matjes=Heringe und neue Hartoffein. Ludwig Grabemann. Haarflechten von ausgekämmten Haaren fertigt sauber und billig an J. Loich, Friseur. Berliner= und Kirchstraßen=Ecke. herausgebildet.„Die Revue der Presse“ im Abendblatt unterrichtet den Leser in allen wichtigen politischen Ereignissen, auch über die Aeußerungen anderer Parteiorgane, so daß er hierdurch mit der Auffassung und den Stimmungen aller politischen Parteien vertraut wird. 6 Gratisbeilagon darunter„Deutscher Haus0 Gratisveilagen freundt. 6 seit. reichillust. Wochenschrift;„Mode und Handarbeit“, reichillustriertes Modejournal mit Schnittmusterbeilagen und anderes mehr. — Abonnementspreis= 5,50 Mk. vierteljährlich bei der Post 1,84„ monatlich abonniert. Probenummern versenden an jedermann umsonst und portofrei Berliner Neueste Nachrichten Hauptexpedition: Berlin SW 11, Königgrätzerstr. 42. Wer probt— lobt # Eckstein’s D DACAPO Zigaretten. A Unübertroffen in Qualität und hergestellt nach orientalischer Art bieten sie völligen Ersatz für die teuer gewordenen importierten Zigaretten, die der deutsche Raucher weit über den wirklichen Wert bezahlt. Preis 10 Stück 35, 40 und 50 Pfg. A. m. Eckstein& Söhne, Dresden(über 800 Arbeiter). — In Zigarrenhandlungen zu haben. Vertreter: B. Henneböhle, Güterslch. Die Entwickelung der Nutzgeflügelzucht im Kreise Wiedenbrück. Da soll einer nicht hitzig werden, wenn man so etwas zu lesen bekommt, wie Sie unsern auswärtigen Geflägelfreunden zu Ihrem eigenen Lob und Fcommen(Ihre Leistungen) vorprahlen! Geben Sie, Herr Schrewe, doch ruhig zu, daß Sie nicht der Ucheber der Mechelner Züchter=Vereinigung gewesen sind, daß Sie es nie gewagt haben würden, mit der fertigen Tatsache einer grundsätzlichen Neuerung vor den alten Verein zu treten, wenn Sie nicht unter andern den Hiern Landcat und unsern Hirrn Bürgermeister hinter und neben sich gewußt hätten, die Ihnen den Rücken stäckten, als Sie, in jener denkwürdigen Sitzung des Vereins vor ungefähr drei Jahren mit Ihren neuen Ideen vor erfahrene Züchter traten und ungeachtet aller bisherigen Leistungen des allen Vereins den neuen Verein gründeten und den Gegecal=Apell an alle Ein= und Unwohner der Stadt, die nur eine Henne setzin konnten, erließen, um sie für die goldene Zucht der Mechelner zu erwäcmm. Diesen Veclockungen konnten begreiflicherweise viele nicht widerstehen. Man sonnle sich schon in dem Vergnügen, unseen alten Verein bankcottgehen zu sehen; das Todesurteil war ja von hoher Warte über ihn gespcochin, in zwel bis drei Jahren würde er von der Bildfläche verschwunden sein, so rechnete man sich schon aus. Indessen, wie so häufig, so wurde auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht; das Gegenteil traf ein. Die Mitgliederzahl im alten Verein mehrte sich, man hielt inzwischen eine geradezu glänzende Lokal=Junggeflügel=Ausstellung ab und——— scheut sich nicht, für diesen Herbst wieder eine Ausstellung anzusetzin und si: mit einer großzügigen Prämtierung von Geflägelhösen zu verbinden, in welch letzterem Vorgehen der alte Verein ja schon vorbildlich für andere Vereine und Landwirtschafts=Kammern geworden war. Und das wagen wir ohne staatliche Bethälfe, ohne Unterstützung solch hoher Göaner, die zwar ein Verständnis von der Geflügelzucht garnicht haben können, höchstens ein Interesse für die Giflügelzucht. Wie brennen auf den nächsten Verbandstag! Unser Herr Landral hatte in der letzten Sitzung persöglich beantragt, die Staatszuschüsse nur noch durch den Kreisverein vertellen zu lassen, was soviel bedeulen mußte, daß wir in Zikunft leer ausgehen würden, weil wir uns seiner Zeit„auf Wansch“ des Herrn Landrats dem Kreisverein nicht angeschlossen, nachdem wir unsern alten bewährten Standpunkt nicht verlassen zu wollen beschlossen hatten. Die Gönner der Mechelner hätten der Beratung in Düsseldorf letzthin anläßlich der großen Wander=Ausstellung der D. L.=G. zuzegen sein sollen, sie würden dann gehört haben, wie Herr Direktor Winter gegenüber den Anzapfungen der Zucht= und Mastgeflügler energisch und unzweldeutig betonte, daß die D. L.=G. die Liebhaberzüchter unter allen Umständen unterstützen müsse und wolle; denn deren Leistungen seien grundlegend für alle Geflügelzucht, ohne sie würden die Nutz=Geflügelhöfe bald entarten und ihnen das Todesurteil zu sprechen sein. Nun„die Mechelner“! sind allen Güterslohern bekannt! Man möchte sagen, arm und reich, jung und alt wußten davon zu erzählen; es sollte ja doch die zweite Sahnenziege des Volkes wirden! Und was ist von diesem Nutzhuhn übrig geblieben? Einige verzweifelte Züchter haben bis jetzt noch nicht davon lassen wollen, aber wir hoffen, daß auch sie, belehrt durch den niederschmetternden Erfolg hier und in Düsseldorf, bald wieder zu den Hühnerrassen übergehen wirden, von denen sie mehr Eier und damit mehr Nutzen für den eigenen Herd zu erwarten haben als von dem modernen brutlustigen Mechelner Huhne. Einsichtige Züchter aus jenem Lager sollen uns in unserm Verein immer wieder willkommen sein. Wir sehen in unserm Verein nicht nach unten und nicht oben und haben bezüglich der Geflügelzucht nur den einen Wunsch, daß durch Liebhaber=Züchter Rassen gepflegt und verbreitet werden, die dem Besitzer das geben, was er in erster Linie von seinem Huhne erwartet. Mehrere Mitglieder des Vereins für Geflügelzucht und Tierschutz. Kleiderschränke zweitärig zum auselnandernehmen. 89, 45, 49 bis 75 Mark. W. Epke, Möbelmagazin. Junger Mann sucht zum 1. Juli Wohnung mit voller Verpflegung. Angebote mit Preisangabe unter J. 10217 an die Ann.=Expedition J. D. Küster Nachf., Bielefeld. Suche auf sofort einen tüchtigen auf Stück= oder Wochenlohn. H. Timmermann, Kattenstrotb 212. Wohnung von 4—5 Räumen nebst Zubehör in der Nähe der Wiedenbrücker Chauffee zum 1. Oktober zu vermieten. Näheres bei Oer, Kattenstroth 125. Spazierstöcke, Schirme und Pfeifen empfiehlt in großer Auswahl Wilh. Uekmann, Drechslermstr. Schulft Revaraturenprompt u. billig. Das Abholen von Schutt, Asche u. dergl. besorgt täglich billigst B. Möller, Kattenstolh 168. Auf sofort jängeres Mädchen gesucht für halbe Tage und leichte Hausarbeit. Zu erfragen in der d. Zig. Ser elsen schten. rechten, guten alteTropfen Elmendörfer er Ist und bleib# der beate Korabranntwelüberall! Brennerei Elmendorf 1sselhorst i. Morl. e Helie Seime e Ee Eee Ee ee Eie lee e Celen Artillerie-Verein Gütersloh. Sonntag, iden 23. Juni 1907 Feier des 3. Stiftungsfestes bei Frau Witwe Bergmann in Kattenstroth. Fest-Ordnung: Voimittags von ½12 Uhr ab: Frühschoppen=Konzert im Garten die Hotel Barkey. Nachmittags ½2 Uhr: Antreten der Vereine am Bahrhof. Danach Festzug durch die Stadt zum Fessplatze. Nachmittags 4 Uhr: Beginn des Konzerts auf dem Festplatze. Nachmittags 5 Uhr: Varade-Aufstellung, Ansprache und Parademarsch. Abends 7½ Uhr: Polopaise und Beginn des Festballes. Bei eintretender Dunkelheil: Abbrennen eines Brillantfeuerwerks. Hauptmomente werden durch Kanonendonner bekannt gegeben. Die Musik wird ausgeführt von dem Trompeter=Korps des II. Westfälischen Feld=Artillerie=Regiments No. 22 in Münster. Auswärtige ehrmalige Artilleristen, sowie die Mitglieder des Landwehr=Vereins und des Marine=Vereins, welche am Festzuge teilnehmen wollen, werden gebeten, in dunklem Anzug, Vereinsmütze und mit Orden und Ehrenzeichen zu erscheinen. für Mitglieder und Kameraden anderer Vereine, welche den Festzug Elntritlsgeld: mitmachen, 50 Pfg. einschl. Damenkarte; für Nichtmitglieder 1 Mk., Damen 50 Pfg., Konzertkarte 50 Pfg., schulpflichtige Kinder 20 Pfg.(Kinder von Vereinsmitgliedern haben freien Zutritt).— Karten zum Frühschoppen Konzert 20 Pfg. Inhaber von Festkarten haben zu diesem Konzert freien Zutritt. Aussteuer-Artikel Fertige Betten Betttedern u. Daunen Inlettstoffe. Eiserne Bettstellen Meine: in nur allerbesten Qualitäten zu billigsten Preisen Dampf-Bettfedern-Reinigungs-Maschine empfehle beim Umfüllen gebrauchter Betten. Durch sorgfältiges Entstäuben und Dämpfen werden die Federn wieder wie neu. Betten- und Aussteuer-Geschäft J. H. Manecke. Zu diesem unseren dritten Stiftungsjeste laden sreundlichst ein Der Vorstand und das Fest-Komitee. Rheinisch=Westfälische Zeitung gegründet vor 1738 erscheint seit 1896 täglich B mal · Preis im Viertelfahr 4.75 Ml.“ Hauptsitz Essen a. ö. ellen in Dortmund und Dnisburg. Hauptvertretungen in Rochum, Düsseldorf, Elberfeld, Barmen, Gelsenkirchen. Mülheim, Ruhrort, Hagen, Witten. Rlach allen 12 Orten Beförderung des Blattes durch eigene Boten, Zustellung durch eigene Erdoe. Inabhängig nationales Organ. Erstklassiger Handelsteil. Peichhaltigre Jeuillston. Wirksamstes Insertionsorgan der Probezustellung erfolgt bis zum 1. Juli kostenlos durch die Geschäftsstelle In Essen-Ruhr. Freiwillige Feuerwehr Gütersloh. Zum Feuerwehr-Verbandstag in Versmold Sonntag, den 23. d. Mts., Antreten nachm. pünktlich 1¼ Uhr am Rathausplatz. Der Hauptmann. Schwimm=Verein Gütersloh. Zu dem morgen staltfindenden Uebungsabend werden sämtliche Mitglieder um ihr Erscheinen dringend gebeten, da nach der Uebung über einige wichtige Punkte Besprechung stattfindet. Der Vorstand. Am Freitag morgen von 9 Uhr ab wird bei Kunfinke am Dreiecksplatz das Fleisch einer verkauft, das Pfd. zu 45 u. 50 Zwei an der Tentoburgerstraße gelegen, habe unter günstigen Zahlungsbedingungen billig zu verkaufen. Heinr. Schürmann, Teutoburgerstraße. Neue Sendung! in □ weißen Batist=Blusen reizende Neuheiten zu auffallend billigen preisen empfiehlt A. H. Diekötter. Man beachte meine Schaufenster. Für die Reise empfehle Reisetaschen in allen Größen und Preislagen. Reiserollen, Reisenecessaires Plaidriemen, sowle sämtliche zur Reise notwendigen Toiletten=Artikel. Margerete Kneisel, Kronen-Parfümerie, Baumstr. 823. Tücht. Fachmann mit großem Verbrauch in eigenem Geschäft sucht in Schinken und allen Wurst waren. Offerten unter Z. U 911 an Rudolf Mosse, Koblenz. Bekanntmachung. Hierdurch mache ich bekannt, daß die Jagduntzung der Jagdgenossenschaft Hollen auf die Dauer von 5⅛ Jahre, anfangend mit dem 1. August 1907, öffentlich meistbietend verpachtet werden soll. Die Pachtbedingungen liegen vom 21. Jui d. Id. ab zwei Wochen lang in der Wohnung des Unterzeichneten öffentlich aus. Jeder Jagdgenosse kann gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen während der vorbezeichneten Auslegungsfrist Einspruch beim Kreisausschuß in Bielefeld erheben. Hollen, den 19. Juni 1907. Der Jagdvorsteher. gez. Niederröhrmann, Gemeindevorsteher. Anashängige nationale Perliner Tageszeilung für soziale Mesorm. Bezugspreis bei allen Postanstalten vieneljährlich 2,85 M., monatlich 95 Pf., bei treier Zusleilung ins Haus viertelsährlich 42 Tf., monallich 14 2f. mehr. Das Reich I#1 Uglich 12 Seilen zlark und bringt Sonntags eine reich illuenierte, 8 Seiten slarke Unterhaltungs=Beilage. Probenummern verzendet unberechne = die Gezehätustalle: Perkin SW 11, Königgrätzer Straße 40. Gütersloher Landwehrverein Der hiesiege Artillerie=Verein feiert am Sonntag, den 23. d. Mts., sein 3. Stiftungsfeft bei Frau Wwe. Bergmann in Kattenstroth und labet die Mitglieder des Gütersloher Landwehr=Vereins hierzu freundlichst ein. Diejenigen Kameraden unseres Vereins, welche an dem Festzuge teilnehmen wollen, müssen sich am Sonntag nachmittag um 2 Uhr am Bahnhof mit Vereinsmütze einfinden. Oeden und Ehrenzeichen sind sichtbar zu tragen. Der Vorstand des Gütersloher Landmehr-Vereins. Holdselig macht ein zartes Gesicht ohne Sommersprossen und Hautunreinigkeiten, daher Sen kenpferd- Lillenmülch-Seife St. 50 Pfg. bei Eruast Hoffschildt. Verzugshalber ist ein Krankenwagen, Waschkessel, Nähmaschine zu verkaufen. Nordhorn 85. Beilage zu Nr. 73 der Neuen Gütersloher Zeitung. Koloniales. Halbamtlich wird mitgetellt: Der Feldwebel der Kaiserlichen Schutztruppe Franz, bisher Leiter der Nebenstelle Ikombo im Bezirke Langenburg, hat den Andru Kerant, einen Schwarzen, welcher nach einim Geständnis in der Nacht zum 1. Jannar 1905 die Stationskasse mit mehreren tausend Runten gestohlen hatte, zum Zweck der Wiedererlangung des Geldes in grausamer Weise gepeinigt. Kerant starb auf dem Wige nach dem Gericht in Langenburg. Das Kriegsgericht hat auf eine Anzeige vom Februar 1907 im Mai gegen Franz verhandalt, und einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Peinigung und dem Tede Kerants nicht angenommen. Franz wurde wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 800 Mark verurteilt. Der Gerichtsherr hat gegen dies Urteil alsbald Berufung eingelegt. Die Angelegenheit kommt daher demnächst in Berlin erneut zur Verhandlung. Lokales und Provinzielles. — Süterslohz, 20. Juni.[Feuerwehrsache. Dem Jahresbericht des Verbands=Ausschusses der Freiwilligen Feuerwehren Westsalens für das Jahr 1906/07 entnehmen wir folgendes: Der augenblickliche Bestand des Verbandes zählt 279 Wehren mit 17515 Mitgliedern. Technische Feuerwehrtage wurden abgehalten in Witten, Altern und Bielefeld. Die Rechnungslage des Verbandes ist folgende: Einnahme 6315 Mk., Ausgabe 2978 Ml. Der westsälischen Feuerwehr=Unfall=Hilfskasse gehören im ganzen 426 Wehren mit 24386 Mitgliedern an. Die Einnahmen der Kasse betrugen 82537 Mk., die Ausgaben 38818 Mk. Das Vermögen der Kasse beträgt zurzeit 148985 Mk. An Krankengeldern, Renten, einmaligen Abfindungen und Kurkosten sind im letzten Rechnungsjahre 12 885 Mk. gezahlt. Die für die Mummerhoff=Stiftung vorgesehenen 10000 Mark sind noch immer nicht erreicht, es fehlen noch 1800 Mark. Der Statistik über die Brandschäden für 1904 ist zu entnehmen, daß der Gesamtschaden in der Provinz 9041000 Mark betrug. Versmold, 19. Juni.[Bismarck=Denkmal.] Unter großer Beteiligung fand am Nachmittag des 15. Juni im Stadtparke die Gathüllung des vor der herrlichen Buchengruppe dem Andenken des ersten Kanzler des neuen Deutschen Reiches, Fürsten Bismarck, errichteten Denkmals statt. Werther, 20. Juni.[Aufhebung der Selekta.] Die mit der hiesigen Volksschule verbundene Selekta wird zum 1. April 1908 aufgehoben werden. Lippstadt, 18. Juni.[Das rasende Auto.] Heute morgen 4 Uhr, kurz vor dem daß der Eilgüterzug die hiesige Statien passierte, durchsuhr ein Automobil in der Richtung von Erwitte kommend, die Eisenbahnschranke bei Gastwirt Holtermann, den ersten Barrierbaum wie ein Streichholz knickend und blieb vor dem zweiten halten. Hinzugeeilte Stationsbeamte stellen den Namen des Führers gertümers des Autos fest, und wird dieser die teure Suppe, die er sich eingebrockl, auch auslöffeln müssen. 18. Juni.[Kaiserbesuch.] Der Kaiser wird gelegentlich seines Aufenthaltes in Münster am 29. August auch den dortigen abeligen Damenklub einen Besuch abstatten. Der Klub hatte an den Monarchen die Bitte gerichtet, er möge doch aus Anlaß der Münster=Kaisertage den Klub in seinem Heim mit einem Besuche beehren. Daraufhin hat der Kaiser antworten lassen, daß ihn die Einladung sehr freue und daß er— wenn auch nur auf kurze Zeit— am Abend des 29. August der Einladung nachkommen werde. — Sssen, 19. Juni.[Verbrannt] ist in der vergangenen Nacht das Söhnchen eines hiesigen Wirtes. Es wollte eine Kerze anzünden. Dabei gerieten seine Kleider in Brand und das Kind erlitt trotz der Hilfe der hinzugeellten Mutter so schwere Verletzungen, daß es nach kurzer Zeit starb. Bei ihrem Rettungswerke hatte sich die Mutter ebenfalls so schwere Verlitzungen zugezogen, daß man sie in ein Krankenhaus schaffen muße. Steele, 19. Juni.[Einer unsinnigen Wette) fiel gestern abend ein 20jähriger Bergmann zum Opfer. Er wollte die Ruhr dreimal durchschwimmen und führte diese Tat vor einer zahlreichen Menschenmenge aus. Als er das dritte Mal die Ruhr durchquerte, ertrank er vor den Augen der Menge, noch ene ihm Hülfe geleistet werden konnte. Püsselderf, 19. Juni.[Steuerreklamation.] Als eine Wirkung der schärferen Heranziehung der Einkommen von 900 bis 3000 Mk. auf Grund des§ 23 des neuen Einkommensteuergesetzes ist die hohe Zahl der diesjährigen Einsprüche gegen die Einkommensteuerveranlagung im hiesigen Stadtkreise anzusehen. Die Zahl derselben beträgt nicht weniger als 7545 und sie übertrifft damit diejenige sämtlicher Vorjahre um ein ganz Bedeutendes. Gerichtssaal. Freiberg l. S. 19. Juni. Im Prozeß gegen die brandstiftenden Feuerwehrmänner von Stebenlehn in Sachsen ist das Urteil gefällt: Baumeister Straube, Kaufmann Zetzsche und Schlossermeister Kaden wurden zu je 8 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, Wirtschaftsbesitzer Nendal zu 8 Jahren 6 Monaten Gefängnis, Schuhmacher Sohr zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis, Schuhmacher Starke zu 1 Jahr 6 Monaten Gesängnis und Schuhmacher Franke zu 7 Monaten Gesängnis verurteilt. Die übrigen fünf Angeklagten wurden freigesprochen. Der Prozeß förderte geradezu unglaubliche Einzelheiten zu Tage, von denen zu den schon bekannten noch folgende erwähnt sein mögen. Daß man die Feuerwehr mit dem Namen„Verschönerungsverein“ belegt hatte, ist schon gesagt. In einem Zeitraum von 10 Jahren hat dieser Verein 65 Grundstücke, auf denen alte WohnWohnhäuser, Scheunen und Ställe standen, dem modernen Städtewesen angepaßt, die alten Buden verschwinden lassen und neue schöne Häuser an deren Platz gestellt. Und das alles ohne einen Pfennig Geld dafür zu verausgaben! Man steckle nämlich die Gebäude ganz einfach an und ließ sie niederbrennen. Der„Verschönerungsverein“ hatte für seine Zwecke ein eigenes Fach=Latein. Ging es einem Schuhmacher schlecht, so sagte man:„Der rote Sperling muß fliegen!“ Und nach einigen Tagen brach bei dem bedrängten Manne Feuer aus. Wenn die Feuerglocke dann ertönte, so nannte man das„Hanf zupfer“. Darauf kam in größter Schnelligkeit, beinahe als hälte man die Sache schon vorausgesehen, der Siebenlehner„Verschönerungs= verein“, später auch„Feuermeer“ genannt, mit Spritze, Leitern und Bellen angerückt, um das Gebäude„niederzureißen“. Man arbeitete nach Schillers Wort:„Wohltätig ist des Feuers Macht!“. Und ganze Arbeit tat der„Verschönerungsverein“(ins gewöhnliche Deutsch übersetzt: die Feuerwehr). Man spritzte das Wasser dahin, wo es nicht sofort von dem Feuer aufgefressen werden konnte, brach Brandmauern durch und schleppte die brennenden Balken von dem Feuerherd weg ins bisher unverletzte Redengebäude. Dann schlug man das Dach dieses Gebäudes ein, damit das Feuer auch hier ordentlich Luft habe und der Qualm abzlehen konnte. Auf diese Art wurden im Jahre 1905 bei einem einzigen Brande 7 Anwesen„abgebrochen“ (d. h. von der Feuerwehr niedergebrannt). Die Feuerwehr besaß auch eine regelrechte Liste der abzubrennenden Häuser, denn im Gemeinderate hatte man sich schon dorüber verständigt. Natürlich durfte bei einem Brande nichte übrig bleiben, was etwa von der Schadenersatzsumme abzezogen werden konnte. Hatte man nicht sofort die ganze rbeit gemacht, so kam man am andern Tage noch einmal wieder, um die übrig gebliebenen Mauern niederzureißen. Ein Besitzer hatte sogar die Betten an den Dielen festgenggelt, damit sie nicht etwa gerettet werden konnten. Wußte man, daß irgend ein Haus schwer in Brand zu setzen war, so trug die edle Feuerwehr höchsteigenhändig Reisig und Stroh hinzu. Manchmal wurde der Brand förmlich„ausgebrütet“. Der Feuerwehehauptmann ging nach dem Dachboden des Hauses und fachte dort die Flammen eines Holzstoßes an, während ein anderer für Zugluft sorgte und der dritte schon auf dem Dache bereit saß, um es aufzuhacken. Ein andermal machte ein Feuerwehrmann schon Alarm, ehe es noch brannte, trotzdem ihm in der Instruktionsstunde genau erklärt worden war, wie man ein Feuer regelrecht— anlegt. Die Tätigkeit des Heren Bürgermeisters bestand auch darin, daß er, der zugleich Branddirekter war, die amtlichen Bestätigungen für die Versicherungsgesellschaften abgab. Wenn ein Haus auch nur 3000 Mark wert war, so bestätigte das Stadtoberhaupt amtlich, daß es 10000 Mark seien. War ein Haus schon einmal„verschöner!“ worden oder die Versicherungsgesellschaft aus irgend einem Grunde mißtrauisch, so ging man eben zu einer anderen. So waren in dem kleinen Neste fast alle Versicherungsgesellschaften der Welt vertreten. Das ganze hört sich wie eine Satire an und ist doch buchstäblich wahr! Die kleineren Brandstifter sind schon in der vorigen Session des Schwurgerichts zu Freiberg i. S. abgeurteilt worden, gegen die 18 größeren wurde in diesen Tagen verhandelt. Mehrere Angeklagte hatten allerdings den Selbstmord vorgezogen. Gegen den Bürgermeister des Städtchens, der mit der Feuerwehr unter einer Decke steckte, wird noch besonders verhandelt werden. Vermischtes. * Potsdam, 18. Juni. Ein erschütternder Bootsunfall, dem drei Menschenleben, ein Vater mit seinen beiden Kindern, zum Opfer fielen, hat sich auf einem See bei Potsdam zugetragen. Dort kenterte das Boot des Berliner Bankbeamten Max Wittenburg, der mit seiner 17jährigen Tochter und seinem 18jährigen Sohne eine Vergnügungsfahrt unternommen hatte. Alle drei Personen verschwanden in den Fluten und ertranken. *[Vom Automobil überfahren.) Gestern morgen gegen 8 Uhr wollte ein älterer Mann, welcher anscheinend dem Arbeiterstande angebörte, an der Haltestelle Hasenhelde, 67 in Berlin die Straßenbahn benutzen. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes wurde er jedoch von einem Luxus=Automobil umgestoßen und geriet unter die Räder, welche über Brust und Beine gingen. Eine Kaffeeflasche, die er bei sich trug, wurde dem Ungläcklichen in den Körper gedrückt. Man brachte ihn mittels einer Droschke nach dem Krankenhause. Nach der Schilderung von Augenzeugen trifft den Chauffeur an dem Unfall keine Schuld. *[Der Kaiser und sein Patenkind.] Von Interesse ist ein kleiner Zwischenfall, der sich auf die ungewöhnliche Bekanntschaft beziehl, die der Kaiser mit einem unerschrockenen Hamburger Jungen gemacht hat und der beweist, daß man auch heute noch mit Mut und den nötigen — Papieren selbst bis vor den Kaiser kommt, auch wenn man nur der Sohn eines Steinhauers ist. Wilhelm Münch heißt der Junge. Nicht wenig stolz darauf, daß der Kaiser sein Pate ist, drängte er sich nach dem Gottesdienst bis zu der„Hohenzollern“ und zeigte, als man ihn hier nicht ohne weiteres durchlassen wollte, der Obrigkeit seinen Geburtsschein vor mit dem Bemerken:„Der Kaiser ist doch mein Taufpate!“ Was tun? Man verständigte den Ersten Offizier der„Hohenzollern“ vor, dem hohen Tnkömmling und seinem Begehren, und der Ossizier trug den„Fall“ dem Kaiser vor. So kam der Junge wirklich vor den Monarchen, dank der Gemütlichkeit der hamburgischen Polizei gegenüber harmlosen Ansprüchen. Der Kaiser hat sich auch ein paar Minuten mit seinem„Pät“ sehr freundlich unterhalten und ihn zu zweierlei ermahnt: zu wachsen— denn er ist für seine dreizehn Jahre noch etwas stark unter dem Maß der Gardekürassiere— und recht fleißig und ordentlich zu sein, damit er ein braver Mensch werde. Freudestrahlend ging der Junge, vorher noch mit einem leckern Frühstück erquickt und, was ihm wohl noch angenehmer gewesen sein wird, mit zwei blanken Zehnmarkstücken beschenkt, von Bord. *[ S t a a t s p r e i s.] A u f d e r K o c h k u n s t= A u s s t e l l u n g i n Eisenach wurde der Maggi=Gesellschaft, Berlin, die Große silberne Staatsmedaille von Sachsen=Weimar=Eisenach zuerkannt. * Breslau, 19. Juni. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in Valesche im Kreise Groß=Strelitzsch. Zwei Schulknaben badeten im dortigen Teich, sie sanken unter und ertranken. Zwei andere Knaben, welche ihren Kameraden zu Hilfe eilten, ertranken ebenfalls. *[Exerzieren nach deutschem Muster in Spanien.] In Gegenwart des spanischen Königs, der Infantin Don Carlos, des kommandierenden Generals und des größten Tells des Madrider Offizierkorps sand dieser Tage im Lager von Carabanehel, nicht welt von Madrid ein Vergleichsexerzieren statt zwischen mehreren Abteilungen spanischer Infanterie und 44 Mann, die von Leutnant Carrion, der neun Monate bei dem rheinischen InfanterieRegiment Nr. 69 in Trier Dienst getan hatte, nach deutschem Verfahren ausgebildet waren. Leutnant Carrion hatte so großen Erfolg, daß er vom König auf das wärmste beglückwünscht wurde. Um zu zeigen, daß der Unterricht nicht auf Drill beruht, bat der Leutnant den König zum Schluß, irgend einen seiner Rekruten herauszugreisen, der an seiner Stelle kommandieren solle. Auch das gelang vortrefflich. Ebenso gut fielen Gefechtsixerzieren, Turnen und Schießen aus. Während bei dem letzten die übrigen Truppenteile nur 18 bis 40 v. H. Treffer hatten, stiegen diese bei den Rekruten Carrions auf 68 bei gleicher Uebungszeit. Humor und Witz. *[Auch ein mildernder Umstand.] Richter:„Sie haben dem Kläger drei Ohrfeigen gegeben; was können Sie als Milderungsgrund anführen?“ Angeklagter:„Herr Richter,...!“ wellt“ ihm eigentlich mehr geben!“ *[Das glückliche Gesicht.) Frau(bei einer Trauung leise zu ihrer Nachbarin):„Die junge Frau bringt ihrem Mann achizigtausend Mark mit; das sieht man ihr nicht an!“—„Nein, aber ihm!“ *(Eineländliche Naive.] Dienstmädchen(nachdem es zum ersten Male einer sich verabschiedenden Abendgesellschaft die Haustüre geöffnet):„So, da ist das Geld!... Alle hab'n zahlt— nur der blonde Leutnant nicht!“ *(Der gute Familienvater.] A.:„Was Sie immer über die Fleischrechnungen stöhnen, begreife ich nicht. Wir kommen durchschnittlich mit einem Pfund täglich aus.“ B.:„Wie ist das möglich!? Bei fünf Personen!“ A.:„Sehr einfach: Meine Frau mag kein Fleisch, die Magd bekommt keins, die Kinder brauchen keins und ich begnüge mich eben mit einem Pfund.“ *[Ausrede.] Sie:„Mit allen Damen hast du jetzt getanzt, deine Frau aber läßt du sitzen bis zuletzt!“— Er: „Du kennst doch meinen Grundsaß, das Beste bis zuletzt zu sparen!“ *[Kindermund.] Tante:„Aber Kurtchen, artige Kinder stecken den Daumen nicht in den Mund!“— Kurt: „Welchen Finger denn, Tanie?“