sernsprecher nr.32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Rehlamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 57 Druck und Verlag lag: Schmäling& Ohlbrock, Gitersloh. Dienstag, den 14. Mai 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Dogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Erstes Blatt. Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins. Am Sonntag fand unter zahlreicher Beteiligung in Köln die siebente ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins statt, nachdem am Sonnabend eine neunstündige Sitzung des Gesamtvorstandes abgehalten worden war, in welcher folgende Resolutton zur Annahme gelangle: 1.„Die Versammlung nimmt Akt von der Erklärung des Präsidiums, daß der Verein als nationaler unpolitischer Verein einer Agitation für oder gegen eine politische Partei sernbleibt, und erklärt unter Zustimmung des Bayerischen Landesverbandes dessen Anträge für sachlich erledigt. 2. Die Versammlung spricht dem Präsidlum volles Vertrauen und herzlichen Dank für seine aufopfernde und latkräftige Führung und Förderung des Vereins aus“ Die Hauptversammlung am Sonntag eröffnete der Präsident Fürst zu Salm=Horstmar, indem er in erster Linie den Vertreter des Kaisers, General=Feldmarschall v. Hahnke, begrüßte. Daraus sei zu entnehmen, welches hohe Interesse der allverehrte oberste Landesherr an dem Flottenverein und seinen Bestrebungen nehme. Der Präsident bat den Generalfeldmarschall, dem Kaiser den Dank aller Anwesenden zu Füßen zu legen. Hierauf begrüßte der Fürst die Vertreter der Regierung und der Behörden, sowie der Provinzial=, Bezirks= und Ortsverbände und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Fürsten und die Freien Städte. Alsdann nahm Generalfeldmarschall v. Hahnke das Wort, indem er erklärte, daß er die begeisterte Huldigung des Flottenvereins, die dem Kaiser dargebracht sei, alsbald an diesen übermitteln werde. Der Kaiser werde hocherfreut sein.„Sie wissen“, so fuhr der Redner dann fort,„Seine Majestät schätzt Ihren Verein sehr hech. Der Allerhöchste Herr sieht in dem Flottenverein die Verkörperung des idealen Gedankens, in dem deutschen Volke das Verständnie für die Bedeutung und die Aufgaben der deutschen Flotte zu wecken, zu hegen und zu stärken. Was deutscher Geist und deutscher Fleiß und deutscher Wagemut zu Nutz und Frommen der deutschen Flette vermag, das hat der deutsche lottenverein mit seinem umsichtigen Präsidlum an der Spitze in erfreulicher Weise gezeigt. Unser allergnädigster Kaiser und König ist daher erfüllt von Freude und Stolz über den Flottenverein und seine Landes= und Provinzialverbände. Möchten Sie Ihre inneren Schwierigkeiten nach dem altbewährten Grundsatz„Einigkeit macht stark“ überwinden und die Verbände von Nord und Süd, Ost und West allezeit ein großartiges Beispiel deutschen Mutes und Wirkens geben. Mit solchem Ausblick lassen Seine Majestät dem Deutschen Flotten=Verein eine weitere segens= und erfolgreiche Zukunft wünschen zum Besten unserer deutschen Flotte. Vor Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten ergriff Präsident Fürst zu Salm=Horstmar zu einer Ansprache das Wort, worin er betonte: Es ist behauptet worden, der Flottenverein habe die katholische Kirche und die katholischen Mitbürger bekämpft. Ich muß diese Behauptung mit aller Entschiedenheit als unwahr zurückweisen.(Lebhaftes Bravo.) Der deutsche Flottenverein treibt keinerlei Parteipolitik. Im Deutschen Flettenverein ist jeder und jede Deutsche ohne Unterschied der Partei oder der Konfession willkommen, wenn er sich bereit erklärt, die Bestrebungen des Vereins zu unterstützen. Der Flottenverein treibt lediglich nationale Politik. Wenn er oder das deutsche Vaterland angegriffen wird, erachtet es der Deutsche Floitenverein nicht nur als sein Recht, sondern auch als seine Pflicht, diese Angriffe zurückzuweisen. Der Deutsche Flottenverein hat kein anderes Interesse, als die Ehre des deutschen Vaterlandes zu wahren. Mit stürmischem Beifall begrüßt wurde Generalmajor Keim. Seinen Ausführungen entnehmen wir das folgende: Der große Beisoll, mit dem Sie mich empfangen, gilt weniger meiner Person, als dem Präsidium des FlottenVereins. In letzter Zeit ist von einer gewissen Hetzpresse der Verein mit Schmutz beworfen worden. Da diese Angriffe keinen Erfolg hatten, hat man zum Einbruch seine Zuflucht genommen. Es ist festgestellt worden, daß in den Räumen des Fleiten=Vereins ein Einbruchsdiebstahl begangen worden ist. In falscher und verleumderischer Weise wurde behauptet, der Flotten=Verein wolle die katholischen Mitbürger bekämpfen. Ich muß diese Behauptung als Verleumdung und elende Lüge zurückweisey. Der FlettenVerein hat lediglich im Auge, bafür zu sorgen, daß mög lichst bald eine starke deutsche Flotte geschaffen werde. Wenn der Reichskanzler auch noch so schöne Noten ins Ausland schickt, so fragt dieses doch immer nur, welche Flotte und welche Heeresmacht hinter ihm stünden. Wenn der FlottenVerein seine Agiiation zwanzig Jahre früher begonnen hätte, würde es besser um Deutschlands Weltmachtstellung stehen. Die Zustimmung zu einem etwaigen Beschluß der Haager Konserenz, mit dem Bau von Kriegsschiffen auszuhören, würde ich für ein schweres nationales Unglück für Deutschland halten. Ich bin der Meinung, daß die Flotte schneller ausgebaut werden muß. Wir sind eine große Familie, und in jeder Familie, auch in der feinsten, kommt es einmal zum Zwist. Dieser ist aber glücklich beigelegt. Man sagt, Deutschland solle nicht so nervös sein. Wenn man sich aber in einer Gesellschaft befindet, in der man einem nicht wohl will, und in der zwei Leute mit starken Knütteln sind, während man selbst nur einen dünnen Spazierstock hat, so kann man schon nervös werden. Wir wollen nichts weiter, als daß Deutschland eine starke Wehrmacht besitzt zur Ehre Deutschlands und zum Trutz der Gegner" Lebhafter, langanhaltender Beifall solgte diesen Worten. Nach einer auf den beschleunigten Ausbau der Flotte bezüglichen Resolution, die einstimmig angenommen wurde, trat man in die Diskussion. Die bisherigen Präsidialmitglieder wurden einstimmig wiedergewählt. Die Anträge des bayerischen Landesverbandes wurden zurückgezogen und als Ort der nächsten Hauptversammlung Dresden gewählt. Politische Tebersiczt. Leutsches Reich. Im Beisein des Kaiserpaares, des Prinzen August mit seiner Braut, des Großherzogs und der Großherzogin von Hessen, der Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hissen und einer auserlesenen Festversammlung hat am Sonnabend nachmittag in Wiesbaden die Einweihung des neuen Kurhauses stattgefunden.— Am selben Tage vormittago sand in der Festhalle des Kunstpalasten in Düsseldorf die Eröffnung der dritten Internationalen Kunst ausstellung in Gegenwart des Kronprinzen des Protektors der Ausstellung, statt. Nachmittags 6 Uhr sand im Kaisersaale der städtischen Tonhalle aus Anlaß der Anwesenheit des Kronprinzen ein Festmahl statt. Der kommandierende General des 7. Armeekorps, General der Kavallerie Freiherr von Bissing, brachte einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Hierauf hielt Ober= bürgermeister Marx eine Rede, die mit einem Hoch auf den Kronprinzen endete, dieser wieder toastete auf den Oberbürgermeister Marx, die Stadt Düsseldorf und die reizenden jungen Damen, die er auf der Straße gesehen habe. Anläßlich der Geburt des spanischen Thronfolgers haben der Kaiser, der Reichskanzler Fürst von Bülow und die Gesandschaften der spanischen Botschaft in Berlin ihre Glückwünsche übermittelt. Außerdem hat Kaiser Wilhelm nach Madrid an König Alfons ein überaus herzliches Telegramm gerichtet. Der Deutsche Flottenverein hatte gelegentlich seiner Hauptversammlung in Köln an den Kaiser ein Telegramm gerichtet, worauf folgende telegrraphische Antwort einlief:„Sehr erfreut über den treuen Gruß der 7. Hauptversammlung des Flottenvereins ersuche ich allen Teilnehmern meinen kaiserlichen Dank für die patriotische Arbeit und meine wärmsten Wünsche für weitere segensreiche Erfolge auszusprechen. Wilhelm I. R.“ Der Justizminister ordnete für jeden Fall, in dem gegen noch nicht 16 Jahre alte Personen evangelischen oder katholischen Bekenntnisses öffentlich Klage erhoben wird, daß dem ersten Pfarrer der Gemeinde davon Mitteilung zu machen ist. Schweden. Die Erste Kammer genehmigte mit 98 gegen 52 Stimmen einen Zusatzantrag zum Wahlgesetzentwurf der Regierung nach dem den Mitglieder der Ersten Kammer dieselben Diäten wie den Mitgliedern der Zweiten Kammer gewährt werden. Die Regierung war mit dem Zusatzantrag einverstanden. England. Premierminister Botha hat am 11. de. Mis. die Rückreise nach Südwestafrika angetreten. Vorher hatte er eine Audlenz beim Könige, der ihm in herzlichen Worten eine gute Reise wünschte. Spanien. Die Freude über die Geburt des Thronerben ist in ganz Spanien groß. Das Befinden der Königin und des Prinzen vor Asturten ist sortdauernd gut. Die Elntragung des Prinzen von Asturten in das Standesamtsregister fand Sonntag vormittag 11 Uhr im Palast statt. Der Prinz erhielt die Vornamen Alsonso, Plo, Christino, Eduardo und zahlreiche andere. Canalesos teilte mit, daß der König von England telegraphisch seinen Wunsch ausgedrückt habe, Tauf=Pate zu sein. Ihm sei geantwortet, daß man bedauere, seinem Wunsche nicht entsprechen zu können, da der Papst schon darum gebeten habe, Pate zu sein. Der Taufakt, der am heutigen Dienstag stallfinden sollte, wird auf unbestimmte Zeit verschoben, da der König beabsichtigt, der Zeremonie einen besenders feierlichen Charakier zu geben. Aus Washington meldet das Reutersche Bureau: Es wird bekannt gegben, daß Venezula die Absicht habe, am 1. Juli d. Is. die britschen, deutschen und italienischen Forderungen, die sich auf 17279000 Bolivars belaufen, vollständig zu bezahlen und dann mit der Befriedigung der Ansprüche der Gläubiger in Frankreich, Spanien, Belgien, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und in Mexiko, die sich auf 21000000 Bolivars belaufen, zu beginnen. Deutscher Reichstag. Berlin, 11. Mai. Der Reichstag nahm heute den Weltpostvertrag mit dem Zusatzübereinkommen sowie die Zusatzübereinkunft zum Handelsvertrag mit der Türkei in zweiter und den Urheberschutzvertrag mit Frankreich in dritter Lesung an. Dann begründeten Abgg. Giesberts (Ztr.) und Sachse(Soz.) die Interpellationen ihrer Parteien über die Grubenkatastrophen der letzten Zeit. Staatssekretär Graf Posadowsky erwiderte, daß das Ergebnis der Untersuchung über die preußischen Bergwerksunglücke vor Ablauf von 2 Monoten nicht vorliegen werde. Die Berggesetzgebung sei Sache der Einzelstaaten: Verletzung reichsgesetzlicher Vorschriften sei in keinem der in Frage kommenden Fälle nachzuweisen. Preußischer Geh. Rat Meißner äußerte sich im wesentlichen über das Grubenunglück in Reden in gleicher Weise wie der Handelsminister im preußischen Abgeordnetenhause, während der elsaß=lothringische Unterstaatssekretär Mandel das Ergebnis der bergbaulichen Untersuchung der Klein=Rosselner Katastrophe mitteilte. Eine strafrechtliche Verantwortung dürfe nicht festzustellen sein. Die Berieselung habe den Vorschriften nicht völlig entsprochen; auch sonst sind Unregelmäßigkeiten festgestellt, die aber mit dem Unglück nicht in sachlichem Zusammenhang stehen. Ein Steiger, der mit brennender Lampe in den Schacht eintrat, ohne die Wetterführung kontrolliert zu haben, ist ein Opfer der Katastrophe geworden. An der Besprechung der Interpellation beteiligten sich Abgg. Dr. Will(Zir.), Hausmann(nl.), Henning (kons.), Behrens(christl. soz.) und Gyßling(sts. Vp.). Letztere beiden forderten wie auch die Interpellanten Arbeiterkontrolleure. Dann wurde die Besprechung vertagt. Berlin, 18. Mai. Der Reichstag, dem die Vorlage wegen seiner Vertagung bis zum 19. November d. Jo. zugegangen ist, nahm heute den Weltpostvertrag in dritter und den Auslieferungsvertrag mit Norwegen sowie das Handelsprovisorium mit den Vereinigten Staaten von Amerika in zweiter Lesung an. Zu letzterem wurde von Rednern aller Parteien der Wunsch ausgesprochen, daß an die Stelle des Provisoriums bald ein Difinitivum treten möge, das für Deutschland vortellhafter sei, wie dies Provisorium, das nur Milderungen in der Zollbehandlung, aber keine Konzessionen bringe. Die Annahme erfolgte mit großer Mehrheit; nur auf der Rechten stimmten einzelne Mitglieder dagegen. Dann wurden die Novellen zum Beamtengesetz sowie Reliktengesetz und Militär=Reliktengesetz in zweiter Lesung durchweg nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen zugleich mit einer Resolution, die baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs fordert, durch den eine umfassinde Revision des Reichsbeamtengesetzes vom 31. März 1873 herbeigeführt werde. Auch hierzu ließen alle Parteien durchweg zustimmende Erklärungen abgeben, mehrere der Redner bedauerten, daß nicht noch mehr habe erreicht werden können. Hierauf begann die dritte Beratung des Etats. Abg. Bebel(Soz.) griff in einstündiger Rede, trotz der Abmachungen im Seniorenkonvent zu Gunsten einer Beschleunigung der Geschäfte, die Blockparteien, namentlich die Freisinnigen, denen er vorwarf, nach Canossa gegangen zu sein, lebhaft an und erklärte schließlich, seine Freunde lehnten den Stat ab. Abgg. Bassermann(ntl.), Hausmann(südd. Vp.) und Müller=Meiningen(frs. Vp.) wiesen diesen Angriffe kurz und schlagend zurück. Nachdem sich Abgg. Rösicke(B. d. L.) und Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vg.) kurz gegen Bebel gewendet, schloß die Generaldiskussien. Belm Giat dis Reichskanzlers fand dann noch eine Devatte über die braunschweigische Frage statt, in der Staatssekretär Graf Posadowsky ausführte, daß über dem Prinzip der Legitimität die Sorge für den inneren Frieden stehe. Nach Erledigung des Etats des Reichskanzlers wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt. Preußischer Landtag. Berlin, 11. Mai. Das Herrenhaus führte heute die Statsberatung zu Ende und nahm den Eiai und das Etatsgesetz an. Die Verhandlung brachte noch Nachklänge zur gestrigen Polendebatte. Angenommen wurden ferner das Richterbesoldungsgesetz. Die Beamtenpensionsgesetze, die Abänderung des§ 23 des Einkommensteuergesetzes, die Novelle zum Kommunalsteuergesetz(Heranziehung der Konsumverzing zu den Gemeindesteuern), das Eisenbahnanstshegesetz, die Wegeordnung für die Provinz Posen und der Antrag des Grafen Schulenbutg auf Desikition der erlaublent Zettgeschäfte in Getreide und Mählenfabrikaten bei der bevorstthenden Novelle zum Börsengesetz. Die Novelle zum Berggesetz wurden, nachdem sich Prof. Schmoller und Gkaf Botho zu Gulenburg im Prinzip dafür ausgesprochen hatten, an eine Kommission verwiesen. Nächste Sitzung Anfang Juni. Abgeerdurtenhaus. Berlin, 11. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm die Vorlage wegen Bewilligung weiterer Staatsmittel (15 Millionen) zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern in Staatsbetrieben und gering besoldeten Staatsbeamten in erster und zweiter Lesung an, ebenso einen vom Abg. Funck(frs. Vp.) beantragten Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes beir. die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M. Ein Antrag der Abgg. Engelbrecht(frk.) und Dr. Hahn(Bd. der Landw.) betr. gesetzliche Maßnahmen gegen die Aussaugung des bäuerlichen Grundbesitzes durch das Großkapttal wurde zurückgezogen, nachdem der Landwirtschaftsminister zugesagt hatte, die Frage zu prüfen, sobald das nötige Material vorliege. Schließlich wurden Petttionen erledigt. Lokales und Provinzielles. §8 Sütersloh, 14. Mai.(Ein Gewitter,] welches die schier unerträgliche Hitze der letzten Tage brach, und einer wohltuenden Abkühlung Platz machte, ging gestern nachmittag hier nieder. Neben der ersehnten Abkühlung 1 brachte der Regen dem Pflanztum eine leichte Erquickung. Die Schulen hatten, da das Thermometer am Vormittag fast 26° im Schatten zeigte, am Nachmittag hitzefrei, was im Monat Mai jedenfalls nicht allzuost vorkommt. In der Richtung nach Isselhorst und Ummeln ging während des Gewitters ein Hagelschauer nieder, das aber nach unseren Erkundigungen Schaden in Feld und Garten nicht angerichtet hat. ) S ü t e r s l o h, 1 4. M a i.[ D i e B i b e l b e s p r e c h stunde] sällt wegen Erkrankung des Herrn Pastor Siebold in dieser Woche aus. Gütersloh, 14. Mal.[Ev. Bürgerverein. Am Sonntag abend fand die angekündigte Versammlung des Evangelischen Bürgervereins statt, in welcher der Vorstand endgiltig gewählt werden sollte. Leider war der Besuch— was bei der drückenden Hitze des Tages aber wohl zu verstehen war— ein recht schwacher und hatte die Wahl folgendes Ergebnis: Vorsitzender Herr Kgl. Seminardirektor Ebers; ferner gehören dem Vorstande an die Herren Fabrikant Ferd. Bartels, Kaufmann Traugott Köhne, Tischlermeister H. Horstkotte, Kleinhändler Aug. Heidland, Professor Müller, Lehrer Lange, Kolon Kleßmann, Meier Raßfeld, Weber Hermann Schürmann, Weber Wilhelm Tappe, Schriftsetzer August Witte, Buchbinder Heinrich Hermjacob, Stationseinnehmer A. Ingesand, Obermeister Fritz Pape. 1 Eütersloh, 14. Mai.[Sträflinge als landwirtschaftliche Arbeiter.] Bekanntlich sind vom s K r e i s e W i e d e n b r ü c k i n v e r s c h i e d e n e n G e m e i n d e n H ä u s e r e r baut worden, die zur Aufnahme von Gefangenen dienen sollen, welche der Arbeiternot auf dem Lande zu steuern bestimmt sind. Die ersten Gefangenen sind bereits in voriger Woche in Rheda eingetroffen und für Kattenstroth=Spexard erwartet man die Ankunft eines solchen Gefangenen=Kommandos für die nächsten Tage dieser Woche. Süterslod, 14. Mai.[Brandstistung.] Der Waldbrand, welcher am Tage vor dem Himmelfahrtsfeste in Spexard ausbrach, ist auf Brandstistung zurückzuführen, deren sich ein 14jähriges Bürschchen aus Kattenstreih hat zu Schulden kommen lassen. Der angerichtete Schaden ist zwar ziemlich bedeutend, doch nicht so, wie anfangs vermutet wurde. „, Sttersloh, 14. Mai.[Revision.] Der Kontrollbeamte der Landesversicherungsanstalt Westfalen wird von Mittwoch, den 15. ds. Mis., ab die Revision der Quittungskarten in hiesiger Stadt vornehmen. :: Sütersloh, 14. Mai.[Die GastspielVorstellungen] des Herrn Tertz am Sonnabend und Sonntag abend im Saale des Herrn Pollkläsener hatten leider nicht den Besuch auszuweisen, wie ihn der Känstler verdient hatte. Fanden schon seine Original=Zauber= Experimente in der ersten Abteilung allgemeinen Beifall, so forderten die autosuggestonistischen Experimente geradezu zur Bewunderung heraus. Wir haben hierüber bereits in voriger Woche des Näheren berichtet und bedauern, daß es Herrn Tertz nicht möglich war, vor einem zahlreicheren Publikum zu zeigen, was die Willenskraft, übertragen auf eine andere Person, zu leisten vermag. Die Anwesenden haben jedenfalls sämtlich die Vorstellungen hochbefriedigt verlassen. 10. Mai.[Einführung.] Herr Kastrup aus Bielefeld wurde heute morgen in Gegenwart des Schulvorstandes und des Lehrerkollegiums durch Herrn Kreisschulinspektor Pastor Siebold, Gütersloh, in sein neues Amt als Rektor der Selekta und der Volksschule eingeführt. Asselherst, 14. Mai.[Turnfest.] Der Turnverein Isselhorst feierte am Sonntag sein 14. Stiftungsfest, an welchem die Vereine aus Ummeln, Friedrichsdorf und Gütersloh sich zahlreich beteiligten. Begünstigt vom heiteren Sonnenschein und dem lachenden Frühling, nahm die Feier einen schönen Verlanf. Durch hervorragende Leistungen im Schauturnen, bei den Phyramiden und durch das Feuerwerk ernteten die Vereine großen Beisall. Zielefeld, 18. Mai.[Der technische Feuer wehrtag] des Westfälischen Feuerwehrverbandes war von ca. 280 Vertretern 80 auswärtiger und hiesiger Wehren besucht. In Gegenwart des Brandrats wurden zunächst auf dem Kaiser Wilhelmplatz von den hiesigen Abteilungen einige Schulübungen am Steigerturm vorgeführt und die mechanischen Leitern besichtigt. Daran anschließend fand eine vom 2. Vorsitzenden des Westfälischen Feuerwehrverbandes, Herrn Belten aus Bochum, geleitete Versammlung im Konzerthaus statt, in welcher die Uebungen besprochen und Vottrßge durch Hefrn Ingenieur Soißfaben=Bielisild über Gefahren zuus Vorsichlsmaßregeln für die Feuerwe bei elektrischen Aylagen kc., stwie von Herrn Obersteiger Kolster=Bielefeld über die richtige Behandluing michanischer Leitern, bezw. die dabel vorkommenden Fehler gehalten wurden. An die mit großem Beifall ausgenommenen Vorträge schloß sich eine kurze Besprechung berselben und schilderte der Vorsitzende Herr Velten einige diesbezügliche Ereignisse aus seiner 40 jährigen Tätigkeit im Feuerlöschdienst. Nach Erledigung der Tagesordnung fand ein gemeinschaftliches Essen im Hofel„Drei Kronen“ statt. Münster, 14. Mai.(Wegen der Genickstarre, die zur Zeit im Industriegebiet herrscht, ist ein Garnisonbefehl ergangen, daß vorläufig keine Beurlaubungen in das Industriegebiet erfolgen sollen. Auch den Militärkapellen ist dem M. A. zufolgen der Besuch des verseuchten Gebietes bis auf weiteres verboten. Siegen, 18. Mai.[Großfeuer.] Im Dorfe Benolpe an der Ruhr=Siegbahn gelegen, wurden gestern nachmittag gegen 3 Uhr durch Großfeuer 6 Wohnhäuser, darunter 2 Doppelhäuser mit sämtlichen Stallungen zerstört. Sämtliche Wehren der umliegenden Döefer waren an der Brandstelle tätig, vermochten indes nur einen Teil des Mobiliars und das Vieh zu retten. Ein Teil der Häuser war nicht versichert. Das Feuer soll durch Junkenauswurf einer vorüberfahrenden Lokomotive entstanden sein. Hamm, 18. Mai.[Westf. Städtetag.) Am Freitag und Sonnabend voriger Woche wurde in Hamm der 29. westfälische Städtetag abgehalten, auf welchem die Stadt Gütersloh durch Herrn Bürgermeister Mangelsdorf vertreten war. Aus den Verhandlungen, welche im Spiegelsaale des Bürgerschützenhofes(Bad Hamm) stattfanden und denen auch die Herren Oberpräsident v. d. Recke und Regierungspräsident v. Gescher=Münster beiwohnten, sei ein Vortrag des Herrn Kreisschulinspektors Dr. Schmldtz=Hamm erwähnt über:„Die Volksschule im Lichte neuzeitlicher Anforderungen“. Zum Schluß streifte Redner die Frage der ungeteilten Unterrichtszeit. Er ist entschiedener Gegner des Modus, die Schulzeit lediglich auf den Vormittag zu verlegen; die Abspannung der Schüler sei eine viel zu große, als daß sie durch die Einheitszeit noch vergrößert werden dürfte. Der ungeteilte Unterricht habe, namentlich bei körperlich zarten und schwach begabten Kindern, die Folge, daß sie nicht mehr dem Unterricht folgen können, wie denn auch durch den ungeteilten Unterricht bei lebhaften und leichtsinnigen Kindern die Schule gestört werde. Durch das Freiwerden der Nachmittage würde der Verwilderung der Kinder und deren Ausbeutung auf gewerblichem Gebiete Vorschub geleistet. Die Volksschule, der 90 pCt. aller Kinder angehören, sei zum Kampsplatz der Meinungen und Forderungen geworden; neue Lehrmethoden, Lernstoffe, Ziele und Organisationen tauchten auf, aber was der Volksschule not tut, das sei Ruhe! In der Diskussion behandelte Herr Stadtverordnete Prof. Nierhoff=Bielefeld den Erlaß, nach welchem die Kinder bereits mit 5½ Jahren in die Volksschule kommen sollen und demgemäß mit 18½ Jahren aus derselben entlassen werden; beides wird von der Schuldeputation aus körperlichen, sanitären und sozialen Gründen für falsch erachtet. Ein Antrag der Deputation beim Regierungspräsidenten, den Erlaß wieder zurückzunehmen, ist kurzer Hand vom Oberpräsidenten abgelehnt worden. Voraussichtlich werde nun von verschiedenen Seiten gegen den Erlaß Stellung genommen werden. Es findet ein Antrag Unna einstimmige Annahme, nach welchem Antrage der Oberpräsident um Zurücknahme des beregten Erlasses ersucht werden soll. Als Ort für den nächstjährigen Städtetag wird Gelsenkirchen und 1909 Minden gewählt. Bochum, 18. Mai.[Totschlag.] Vor einem Hause in der Maxstraße kam es zwischen einem Gelegenheitsarbeiter und einer Frauensperson wegen eines Hundetausches zu Streitigkeiten. Zwei Fabrikarbeiter, die durch den Lärm angelockt, stehen blieben, wurden von dem Gelegenheitsarbeiter angegriffen. In der Notwehr ergriff einer der Fabrikarbeiter ein zugeklapptes Taschenmesser und zertrümmerte dem Arbeiter den Schädel. Frühmorgens fand man ihn tot im Bett liegen. 18. Mai.[Tödlicher Unsall.) Auf dem Bahnhof„Klye“ ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unfall. Ein Bemser aus Bocholt geriet zwischen die Puffer zweier Wagen eines Zuges; es wurde ihm der Brustkord derart eingedrückt, daß er nach kurzer Zeit starb. Vermischtes. * Magdeburg, 13. Mai. Der Einjährige Rovert Rell, ein Anhänger der Sekte der Adveniisten, hatte sich geweigert, von Freitag abend bis Samstag abend irgend welchen militärischen Dienst auszuführen. Er wurde deshalb vom Kriegsgericht mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. R. ist schon einmal aus demselben Grunde zu 2 Monaten Gefängnis verurtellt worden. * Potsdam, 18. Mai. Gestern abend wurde von einem Motorboot der Tellower Kanalgesellschaft auf Havel bei Babelsberg ein Ruderboot überrannt und quer durchschnitten. Neun Personen fielen ins Wasser, von denen sechs gerettet wurden. Eine Frau und zwei Kinder ertranken. * Berlin, 18. Mai. Der Bankbeamte Max Neumann eines hießgen Bankgeschäftes flüchtete heute morgen, nachdem er einen Scheck von 50000 Mark für seine Firma einkassiert hatte. *[Die Entführung einer jungen Frau] in einem Kraftwagen erregte Sonntag mittag im äußersten Westen der Stadt Berlin großes Aufsehen. Der 42 Jahre alte Stabsarzt a. D. Dr. Küppirs aus Friedrichshagen ist seit einem Jahre mit der 19 Jahre alten Tochter Frieda des verstorbenen Fabrikbesitzers Budde verheiratet. Seit einiger Zeit aber schwebt die Scheidungsklage. Die junge Frau wohnt wieder bei ihrer Mutter am Kurfürstenbamm Nr. 62. Sohnlag machle die lunge Rrau mit ziner Fraundin, elien Soziergang. Um 12½ Uht zurückgekihrt, slanden die heißiff Damen noch ein Wischen aus dem Bürgersteige vor dem Häüft, als plötzlich ein Krastwagin, der den Kürfürstendamm entlang gefahren kam, unmittelbar bei den Damen stoppte. Kaum hielt der Wagen, so sprander Insasse, ein bärtiger Mayn, heraus, packte Freu= Küppers, die laut aufschrie, zog sie mit Gewalt hinierrücks in den Krastwagen, schloß den Schlag wieder und jagte davon. Man vermutete sofort ganz richtig, daß Dr. Rüppers selber der Entführer sei und die junge Frau nach seiner Wohnung in Friedrichshagen gebracht habe. Von dort ist Frau Dr. Küppers bereits gestern im Laufe des Tages durch den Rechtsbeistand der Familie wieder abgeholt und zu ihrer Mutter zurückgeführt worden. *[Der Naturmensch Gustav Nagel] will sich auf dem weißen Berge am Steinhuder Meer bei Mardorf ansiebeln. Die Einwohner von Mardorf haben ihm 4 Morgen Land zum Aufenthalt übetwiesen. * Erfurt, 18. Mai. Die Stadtverordneten beschlossen die Errichtung einer hauswirtschaftlichen Fortbildungsschule für schulentlassene Mädchen. * Weißwasser, 11. Mai. Bei einem gestern nachmittag im benachbarten Orte Mücha ausgebrochenen Schadenfeuer, bei welchem drei Wirtschaften mit 8 Gebäuden niederbrannten, kamen ein etwa 40jähriger Mann, der infolge des Schreckens anscheinend gelähmt war, und die Frau eines der Besitzer der abgebrannten Wirtschaften, namens Funke, in den Flammen um. * Königsberg, 13. Mai. Infolge Schaukelns kippte gestern ein Ruderboot mit 5 jungen Leuten auf dem Pregel um. Drei von ihnen konnten gerettet werden, zwei ertranken. * Bern, 18. Mai. In Kienthal im Berner Oberland hat sich in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag ein Erdrutsch ereignet, der das kleine Dorf in Panik versetzte, aber weniger ernste Folgen hatte, als die ersten Meldungen befürchten ließen. Es wurde ein einziges Haus zerstört, unter dessen Trümmern aber zwei Wache haltende Feuerwehrleute begraben und getötet wurden. Die anderen Häuser des Dorfes sind geräumt, obwohl unmittelbare Gefahr nicht droht. * London, 14. Mai. In den Hauptstädten Englands haben am Sonntag Versammlungen von Eisenbahn= angestellten stattgesunden, deren Teilnehmerzahl sich auf Tausende belief. Veranlassung zu den Versammlungen war das Verlangen, daß der Gesamtverband der Eisenbahn= Angestellten bei den bezüglich der Streitigkeiten mit den Gesellschaften zu führenden Verhandlungen anerkannt werde. In den Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, in der die Haltung des Verbandes gebilligt wird. Falls den Forderungen nicht stattgegeben werden sollte, werde am 2. August der Ausstand beginnen. *(Eine furchtbare Bergwerkskatastrophes wird aus Mexiko gemelbet. Nach den bis dohin vorliegenden Nachrichten wurden auf dem Cornethas=Schachte der Tenere Kupfer=Mine in Velardena 107 Bergleitte durch Feuer eingeschlossen. 17 Bergleuten gelang es, sich zu reiten; das Feuer wütet fort, und es besteht keine Hoffnung, daß die übrigen überleben werden; es wurden bereits 25 Leichen 88c. Ventraler Sprechsaal. (Unter dieser Rubrik gestatten wir unsern Lesern, sachlich gehalten freien Meinungsaustausch, lehnen jedoch jede Verantwortlichkeit dem Publikum gegenüber ab; die preßgesetzliche Verantwortung übernimmt selbstverständlich die Redaktion.) Sütersloh, 14. Mai. Das Eingesandt in der Samstagsnummer der N. G. Zig. betr. Verbindungsstraße zwischen Hohenzollern= und Moltkestraße ist so ganz aus dem Herzen vieler Bürger Güterslohs geschrieben. Ist es doch ein dringendes Bedürfnis, daß hier Wandel geschaffen wird, um den Verkehr vom Westen mit dem des Often der Stadt durch eine Verbindungsstraße näher zu bringen. Schon lange Jahre ist diese Straße geplant, aber vergebens wartet man auf eine Ausführung. Nachdem die Verkoppelung im morden der Stadt vorgenommen, war auch diese projektierte Straße mit ins Verkoppelungsgebiet hineingezogen, man hoffte immer auf eine baldige Lösung der Frage, jedoch man hört und sieht nichts. Hoffentlich wird sich die Stadt die jetzt noch günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen, bebaut ist noch nichts, es kommt nur der Grund in betracht. Daß die Ausführung dieses Projektes nicht ohne Kosten zu erreichen ist, wird jeder einsichtige Bürger einsehen, doch diese sind fast im Verhältnis nech sehr gering gegenäber den Kosten, wenn nach Jahren Häuser 2c. angekauft werden müssen. Wir unterstützen daher die Bitte an den Magistrat, diese Angelegenheit baldigst in die Wege zu leiten, um etwas zu schaffen, was unserm entwicklungsfähigen Gütersloh für die Zukunft zum Segen gereichen wird. Wetterdienst. (Diensistelle Meteorologisches Observatorium Nachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 14. bis zum Abend des 15. Mai: Morgen trocken bei wechselnder Bewölkung; mäßige südwestliche Winde; Temperatur nicht erheblich geändert. Der unförmige Leib bei Kindern mit Nachitis, welcher durch die stärkeren Darmgärungen hervorgerusen wird, und die Schlaffheit der Muskulatur werden am leichtesten beseitigt durch die Ernährung mit„Kuseke“= Kindermehl, welches, selbst gärungsunfähig, im Darm des Kindes gärungswidrig wirkt und andererseits auch die Schlaffheit der gesamten Muskeln beseitigt. Am Samstag abend 8 Uhr nahm Gott der Allmächtige unser liebes Söhnchen nach kurzer schwerer Krankheit im zarten Alter von 8 Monaten wieder zu sich in sein Himmelreich. Mit der Bitte um stille Tellnahme zeigen dies tiefbetrübt an Die trauernden Eltern: Wilhelm Wiesenhöfer und Frau Christine geb. Mersch. Gütersloh, den 14. Mai 1907. Die Beerdigung findet Mittwoch morgen 7½ Uhr vom Trauerhause, Königstraße No. 258, aus statt. Täglich zweimal frischen Kivitzhöfer Spargel und Phabarber. Bestellungen zu Pfingsten erbitte baldigst. Indwig Grabemann. Rasch verschwinden Hautausschläge. Hautnnreinigkeiten u. sommersprossen durch Bergmanns Teerschwefel-Seife à St. 50 Pfg. bei Ernst Hoffschildt. Puddingpulver, Backpulver, Vanillezucker von Höhenlohe, Dr. Oetker's 1 8 Pakete Dr. Crato's 25 Pfg. stets in frischer Ware. W. Küster. Mittwoch morgen von 8 Uhr ab wird bei Kuufinke am Dreiecksplatz dickfettes Schweinefleisch 8 Pfund 45 Pfg. verkauft. Habe heute und morgen ein dickfettes 2jähriges Fohlen im Auschnitt. H. Schürmann. Gesundheits=Hafer=Zwiebac ist der beste Nähr= und Tafel zwieback der Welt. W. Mestemacher habe eine Partie zu nur 5,50 Mk. per Stück abzugeben.— H. Niehaus, Berlinerstr. Ein gebrauchter dreirähriger Sitzwagen und ein gebrauchter zweisitziger Kinderkastenwage sind sehr billig zu verkaufen bei Friedrich Sthürmann Pwe. Korbgeschäft Suche auf sofort tüchtige Maurer. 2. Quermann, Maurermstr. Eine Sonderbeilage der Firma Heiur. Diu hier zur heutigen Nummer sei der Beachtung unserer Leser bistens empfohlen. Die Expedition. Es hat Gott dem Herrn gefallen, Montag morgen 2½ Uhr unsere innigstgeliebte Tochter, unsere teure Schwester, Schwägerin und Tante Marie Schmedthenke nach einem langen, schweren, mit grosser Geduld ertragenen Leiden, im festen Glauben an ihrem Erlöser im Alter von 21 Jahren 8 Monaten zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Mit der Bitte um stille Teilnahme zeigt dies tiefbetrübt an Familie August Schmedthenke. Blankenhagen, den 18. Mai 1907. Die Beerdigung fludet Donnerstag nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause, Blankenhagen No. 88 und 5 Uhr vom Bahnhof aus statt; die Vorfeier beginnt 3½ Uhr. Statt besenderer Anzeige. Es hat Gott dem Herrn gefallen, Montag morgen 4 Uhr meinen lieben Mann, den treusorgenden Vater meiner Kinder, meinen lieben Sohn, unsern guten Bruder, Schwager und Onkel, den Bäckermeister Fritz Flöttmann nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 40 Jahren und 6 Monaten zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Künsebeck, Gütersloh, Sundern, Nordhorn, den 14. Mai 1907. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag vom Krankenhause in Halle i. W. aus statt. Bekanntmachung. Am 12. Juni d. Is. findet im Deutschen Reiche eine Berufs zählung, verbunden mit einer Erhebung über Landwirtschafts=, Forstwirtschafts= und Gewerbetriebe statt. Die Zählung beruht auf dem Reichsgesetze vom 25. März 1907 und hat den Zweck, der Verwaltung und der Wissenschaft neue und zuverlässige Nachrichten über die Zusammensetzung der Bevölkerung des Deutschen Reiches nach dem Berufsowie über die Zahl und Größe der land= und forstwirtschaftlichen bezw. gewerblichen Betriebe zu verschaffen. Ich bitte die Kreiseingesessenen, denjenigen Herren, welche an diesem gemeinnützigen Unternehmen als Wähler mitwirken, in jeder Wiise entgegenzukommen. Die Angaben werden nicht zum Zwecke der Besteuerung, sondern nur zu stattstischen Zusammenstellungen benutzt. Wer die Fragen wissentlich wahrheitswidrig beantwortet oder die vorgeschriebenen Angaben zu machen sich weigert, wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mark bestraft.(§ 5 des Gesetzes). Wiedenbrück, den 6. Mai 1907. I. V. Der Landrat. Raupert, Kreisdep Kreisdeputierter. Die grösste Erholung — bietet eine Fahrt auf Hoppellopedo mit 2 Ueberselzungen. — Geste Gebirgs-Freilaufaabe! Wer probt- Jobt Eckstein’s DACAPO Zigaretten. 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In jede Haushaltung wird eine Haushaltungsliste gegeben, in die der Haushaltungsvorstand die nötigen Eintragungen zu bewirken hat. Außerdem werden alle landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe aufgenemmen durch besondere Landwirtschaftskarten und Gewerbebogen, an deren Stelle für kleinere gewerbliche Betriebe gekürzte Gewerbeformulare treten; zur Ausfüllung sind die Betriebsleiter verpflichtet. Die Erhebungspapiere sind zwar umfangreicher als beispielsweise bei den Volkszählungen, aber so geordnet und gefaßt, daß sie von jedermann mit Leichtigkeit ausgefällt werden können, der sie aufmerksam liest. Verweigerung der Auskunft und wissentliche wahrheitswidrige Beantwortung der Fragen ist durch das Reichsgesetz vom 25. März d. Is. unter Strafe gestellt. Erfahrungsgemäß sind aber Bestrafungen kaum zu erwarten, da die Bevölkerung sich durchaus bereitwillig zeigt, sobald sie über den Zweck der Erhebungen ausgeklärt ist. Dieser ist leicht einzusehen. Er besteht darin, neue statistische Prundlagen für die Beurteilung der deutschen Volkswirtschaft zu schaffen. Gesetzgebung, Verwaltung und Wissenschaft können sie nicht entbehren, je mehr die wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben des Staats und der Gesellschaft wachsen. Zu Zwecken der Besteuerung werden die Angaben nicht benutzt. Jedes Eindringen in die Vermögens= und Einkommensverhältnisse ist gesetzlich ausgeschlossen. 0 Tsselherst. 14. Mai.[Steuer=Hebetermine sind in dieser Woche für Isselhorst und Hollkamp der 16. Mai, für Hollen, Niehorst und Ebbesloh der 17. Mai. Näheres ist aus dem Steuerzettel ersichtlich. Vielefeld, 18. Mai.[Der Aufbau der Sparrenburg,] der angeregt war zum Andenken an die 300jährige Zugehörigkeit der Grafschaft Ravensburg zu Preußen, ist infolge des gegen den Plan erhobenen Protestes aufgegeben. Man will statt dessen, wie der„Burgwart“ mitteilt, ein altes Ravensburger Bauernhaus errichten. Münster, 18. Mai.[Ein erschütternder Todesfall] ereignete sich am Sonntag morgen in der St. Martinikirche zu Beginn des Elfuhr=Gottesdienstes. Kaum war der Geistliche an den Altar getreten, als die Witwe K. unter leisem Ausschrei vom Schlage getroffen zusammenbrach. Die im Verscheiden Begriffene wurde in die nebenanliegende Pasterat verbracht, wo ihr vor dem Sterben noch die letzte hl. Oelung gespendet werden konnte. Die Leiche wurde sodann in die Privatwohnung überführt. 10. Mai.(Uhrmacherverband. In den ersten Tagen des September veranstaltet der Uhrmacherverband von Rheinland und Westfalen in der Kronenburg eine Ausstellung von Uhren und Musikwerken. Nach den Anmeldungen, die von Fabriken des In= und Auslandes vorliegen, dürfte die Ausstellung einen bemerkenswerten Einblick in das Geviet der Uhrmacherkunde gestatten. Eine einzige Berliner Zirma stellt für 600000 Mk. Uhren aus. Die Ausstellung hat den Zweck, die Uhrmacher mit dim Besten, was es auf dem Weltmarkt gibt, in Kenninis zu setzen. Ob ste auch dem Publikum eröffnet wird, ist noch nicht bestimmt. Bechum, 18. Mai.[Dir erste westfälische Bezirks=Schmiedetag] wurde hier in voriger Woche abgehalten. Syndikus Dr. Schulz=Berlin erörterte die Notwendigkeit der Bildung eines Provinzial=Schmiede=Verbandes für Westfalen. Die Gründung des Verbandes wurde einstimmig beschlossen. Sitz des Verbandes soll Bechum sein. Ueber die Pflege des Schmiede=Innungswesens und die Errichtung neuer Innungen in den Landkeeisen, wo solche noch nicht bestehen, sprach Cyrus=Gotha. Obermeister Landwehr=Bielefeld und Cyrus=Geiha behandelten das Husbeschlag=Prüsungswesen auf Grund der neuen PrüfungsOrdnung. Beschlossen wurde, bei dem Reichstag und Bundesrat dahin vorstellig zu werden, daß der§ 80a der Reichs=Gewerde=Ordnung reichsgesetzlich geregelt werde, und daß die Prüfungen zur Ausübung des Husbeschlaggewerbes den Bestimmungen der§§ 129 und 138 angepaßt werden. Ueber das Schmieds=Berufs=Genossenschaftswesen verbreitete sich Landwehr=Bielefeld. Der nächste Schmiedetag soll in Mänster stattfinden. Vermischtes. * Berlin, 14. Mai. Im Berliner Baugewerbe hat sich die Krisis auf das äußerste zugespitzt. Bekanntlich schweben die Differenzen schon seit mehreren Wechen und drehen sich in der Hauptsache um die Einführung des achttündigen Arbeitstages. Wie jetzt verlautet, ist der Verband der Baugeschäfte fest geschlossen, die Aussperrung sämtlicher Bauarbeiter Berlins und der Vororte in der nächsten Woche vorzunehmen; er geht von der Ansicht aus, daß neue Verhandlungen nutzlos wären. Erkennen also die Arbeitererganisationen, unter denen der sozialdemskratische Maurer= verband an erster Stelle stehl, den Schiedsspruch nicht an, d. h. halten sie die Forderung des Achtstundentages aufrecht, so soll in nächster Woche, vielleicht sogar schon am nächsten Montag, die Aussperrung erfolgen. Unter Einbezug der verwandten Gewerbe würden etwa 100000 Arbeiter davon in Mitleidenschaft gezogen werden. * Urahne, Großmutter, Mutter und Kind wohnen gemeinsem in einem Hause in Seelow. Die Urahne, Witwe Elisabeth Scheer, konnte vor einigen Tagen ihren hundertsten Geburtstag feiern, der durch Ueberreichung einer vom Kaiser gestifteten kostbaren Tafse aus der Königlichen Porzellanmanufaktur nebst einem Glückwunschschreiben des Monarchen seitens des Landrats Dr. v. Kleiner verherrlicht wurde. Von den Nachkommen der Mairone leben 8 Töchter, 11 Enkel und 14 Urenkel in einem Hause, die älteste der Töchter ist 76 Jahre alt.„ * Metz, 18. Mai. Für die gefallenen französischen Soldaten soll auf dem Schlachtfelde Colombey (14. August) und Noisseville(31. August und 1. September) ein Denkmal errichtet werden. Es kommt gegenüber demjenigen des 1. preußischen Armeekorps bei der Brauerei L'Amitie zu stehen. Die Anregung zu der Errichtung des Denkmals ist von einem Komitee JungLothringer gegeben, und von ihm werden auch die ganz erheblichen Mittel beschafft. Die ganze Angelegenheit sieht beinahe wie eine Demonsication aus, von der schon lange gesprochen worden ist, mit der man aber erst heute hervorzutreten wagt. * Augsburg, 11. Mal. Bei einer Kahnfahrt in dem Ausflugsort Burgwalden ertranken gestern infolge Umkippens des Kahnes vier Mitglieder eines dort weilenden Gesangvereins aus dim Verort Oberhausen. Ein fünfter Insasse konnte gerettet werden. Sein Dämon. Roman in zwei Abteilungen von Franz Treiler. (81. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Henry besaß Energle und einen scharfen Verstand, lernte bald die neuen Eindrücke ordnen und warf sich mit Feuereifer auf das elementare Wissen, daneben erweiterte sein Führer den geistigen Horizont seines Schülers. Wenn Henry seiner Hand die Jeder dienstbar machte, sagte er:„Warte nur, Eichkätzchen, bald sollst Du nicht mehr über mich lachen.“ Nach vier Wochen schrieb er ihr einen Brief in einer großen, aber wohlgeformten Kinderhandschrift, auf den er sehr stolz war. Von Zeit zu Zeit überkam ihn aber der wilde Freiheltsdrang, und dann stärmte er mit Bächse und Jagdlasche hinaus in die Wälder und kam oft nach Tagen erst zurück, um dann mit neuem Eiser sich den Studten zu widmen. Dr. Wagner ließ ihn ruhig gewähren. Henry war ein vorzüglicher Reiter, und Mr. Stanford hatte ihm ein edles Pferd zur Verfügung gestellt, auf dem der Jüngling oft genug wild umherjagte. Daneben machte der begabte junge Mann, der den Wert des Wissens bald erkannt hatte, reißende Fortschritte. Sein natärlicher Verstand, die ungezwungene Anmut seines Benehmens ließen ihn in größter Gesellschaft, was die Haltung anbetraf, durchaus als gleichberechtigt erscheinen, und besonders die Damen bemühten sich, den auffallend schönen Jängling auszuzeichnen, obwohl diese Auszeichnung auf den Waldmenschen wenig Eindruck machte. Als Henry eines Tages Dr. Wagner mit den Kindern deutsch sprechen hörte, horchte er hoch auf und sein Blick irrte in die weite Ferne, als ob von dort bekannte Klänge zu ihm drängen. Doch dies war auch das einzige Zeichen, das darauf hinzudeuten schlen, daß ähnliche Laute einst sein Ohr umschmeichelt hatten. Mr. Stanford hatte ihn mehrmals besucht, und sich über die Fortschritte seines Schutzbefohlenen aufrichtig gefreut. Mrs. Walton hatte sich bei ihrer Teilnahme für den Retter Clares wiederholt nach dessen Schicksal erkundigt, aber Mr. Stanford, der das auffallende Erscheinen des Franzosen in Creek nicht vergessen hatte und mutmaßte, daß die Nachfrage der Dame vorwiegend dem auffallend schönen Manne gelte, hatte ihr nur erwidert, daß er ihn in einer Erziehungsanstalt untergebracht habe, damit er das versäumte Wissen nachholen könne. Auch hatte er Clare eingeschärft, nichts von Henrys Aufenthalt zu sagen, worauf diese um so bereitwiller einging, als ihr Mre. Walton sehr unsympatisch war. In Mr. Stanferd, der mit abgöttischer Liebe an seinem Kinde hing, war der Gedanke aufgestiegen, ob nicht der romantische Waldessohn, den so hohe Vorzüge der Stele und des Körpers auszeichneten, dem Herzen seines kaum zur Jungfrau erblühten Kindes teuer geworden sei, was ihm bei allem Wohlwollen für den, der ihm das Liebste gerettet, doch wenig angenehm gewesen wäre. Doch schien Clare weiter nichts als kindliche Teilnahme für den Jäger zu haben, der selbst nicht mehr als ein großes Kind war. Sie war noch zu jung, um sich über ihre Empfindungen klar zu sein. Der Beief Henrys bereitete ihr eine große Freude, und sie trug ihn, was ihr Vater freilich nicht wußte, ost auf dem Herzen verwahrt. Festlichkeiten fanden in diesem Teile des Jahres unter den reichen und gastfreien Bewohnern jenes Landstriches überall statt, bald war es ein Ball, zu dem die Nachbarn geladen wurden, bald ein Picknick im Walde, zu dem sich die Bewohner der Herrenhäuser vereinten. Selten sehlte bei diesen Festlichkeiten Mr. Stanford und seine Tochter, denn er war lebhaft bemüht, sie in Gesellschaft zu bringen. Daß die anmutige junge Erbin von Milmigton stets von einer Schar aufmerksamer Kavaliere umgeben war, schien aber Clare wenig zu berähren. Bei all diesen Festlichkeiten gab Mrs. Walten, die ebenso reich als weltgewandt und von seinen gesellschaftlichen Fermen war, den Ton an. Die Dumne spielte eine eigenartige Rolle in der Gesellschaft de) Kourtry. Die Gattin eines Mannes von unermeßlichem Vermögen und dementsprechenden Einfluß, hatte sie sich, beides dienstbar zu machen gewußt und herrschte nicht nur in der Gesellschaft allein. Mr. Walton hatte seine zweite Frau vielleicht ver dreizehn Jahren in Paris kennen gelernt und sie dort geheiratet. Seltsame Gerüchte liefen bald über die junge Frau um. Man wollte wissen, sie sei die Tochter eines berüchtigten Spielers aus Läistanna, sei bereis verheiralet gewesen und habe allerlei merkwürdige Abenteuer erlebt. Doch blieb dies nur ein Gerücht. Als die neue Mrs. Walton auf Woodhouse erschien, Besuche machte und ihren Salon eröffnete, huldigte doch alles der schönen eleganten Frau. Ihre mutmaßliche Vergangenheit dickten vollständig der Name und der Reichtum ihres Mannes. Von da an war Mrs. Walton die maßgebende Dame der Gesellschaft. Daß sie über den kränklichen Mr. Walton eine entsprechende Herrschaft ausübte, verminderte ihren Einfluß nicht. Mrs. Walton lebte, wie es auch der Reichtum ihres Gemahls erlaubte, auf dem größten Fuß und brachte einen großen Teil des Jahres auf kostspieligen Reisen zu. Bald glänzte sie in New=York, bald in Paris und London. Anangs begleitete Mr. Walton sie. Als diesen seine fortchreitende Krankheit an den Stuhl fesselte, reiste sie allein. Viel munkelte man darüber, daß Mrs. Walton die Kinder ihres Mannes aus erster Ehe mit großer Härte behandelte, doch wußte man darüber nichts genaueres. Mrs. Walton war eine Natur, die, gestützt auf enorme Mittel, alle Freuden des Lebens voll auskostete, ob ihr gleich die Betätlgung der Macht, die ihr der Reichtum gestattete, am wertvollsten zu sein-schten. So vergnügungssüchtig sie wor, so viel sie umworben wurde, so blieb ihr Ruf als Welb doch unangetastet. Herz schien sie nicht zu haben. Die Herrschaft in der Gesellschaft, im Hause selbst, in dem ausgedehnten Wirtschaftsbetriebe, so weit sie ihn machen konnte, schien ihr das Begehrenswerteste zu sein. Die Wirtschaftsbeamten zitterten vor ihr. Ja selbst in den Angelegenheiten der Kountry, des Staates machte sie bei Wahlen und anderen Anlässen ihren Einfluß geltend, und ostmals hatten die es zu bereuen, die sich ihrem Wollen entgegenstemmten. Wenn sie nicht zu lieben verstand, verstand sie doch zu hassen. In dieser Frau vereinigten sich maßlose Herrschbegierde mit einer bacchantischen, maßlosen Lust an weltlichen Vergnügungen, die nur durch die konventionelle Schranke, die sie auch nicht verletzen durfte, ohne sich den Boden unter den Füßen zu entziehen, in ihrer vollen Entsaltung gehindert wurde. Man verzieh dies der immer noch auffallend schönen Frau, so lange man Gewinn von ihren bizarren Launen, die steis sehr kostspielig waren, zog, und die beste Gesellschaft der Landschaft drängte sich zu ihren Festen, lag in ihrem Bann. Das war die Frau, der der junge Waldmann ein so ungewöhnliches Interesse abnötigte. Die Verhaftung der Hunters verhinderte die beabsichtigte Nachforschung nach dessen Herkunft, und trotz angewandter Mühe vermochte Mrs. Walion Henrys Aufenthalt nicht zu erkundigen, Der außerdem nur Mr. Stanford und Miß Clare bekannt war. Die vorsichtige Erkundigung nach dem Schicksal des Retters der Erbin von Milmington hatten kein Resultat. Auch gedachte des Jägers, mit Ausnahme der Herrschaft, kaum noch jemand, und in dem glänzenden Trelben, das auf den großen Gütern entsaltet wurde, schten auch Mrs. Walton den jungen Mann vergessen zu haben; wenigstens fragte sie nicht wieder nach seinem Schicksal.(Forts. folgt.)