Neue Gütersloher Zeitung Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 52 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, Gütersloh. Donnerstag, den 2. Mai 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Blatt. Geffentlicher Weiterdienst. be. Am 29. und 30. April fanden im Reichsamte des Innern Beratungen der beteiligten Behörden und des Sachverständigenbetrats für den öffentlichen Wetterdienst statt. Der Sachverständigenbeirat ist gebildet worden, um den Staatssekrelär des Innern in Fragen zu beraten, die den Reichswetterdienst und seine Ausgestaltung in wissenschaftlicher und namentlich auch in praktischer Hinsicht betriffen. Wie der seit langem bestehende Sturmwarnungs= und sonstige Seewitterungsdienst der Schiffahrt zu großem Segen gereicht, so kommt der im vorigen Jahre innerhalb des Reichsgebiets eingerichtete Witterungsdienst natürlich in erster Reihe der Landwirtschaft zugute. Aber auch darum wird es sich vornehmlich handeln, den Dienst in steigendem Maße auch dem Interesse von Handel und Gewerbe dienstbar zu machen. Hierbei sind zahlreiche und mannigfache Erwerbszweige beteiligt; es sei nur an den Holzhandel mit seinen großen Werten und mit seinen umfangreichen und weilverzweigten Disposilionen erinnert. Nicht unwesentlich sind auch die Interessen der Fluß= und Kanalschiffahrt mit dem Wetterdienst verbunden. Nach diesen Gesichtspunkten ist bei der Bildung des Sachverständigen=Beirats verfahren worden. Er setzt sich zusammen aus Vertretern der meteorologischen Wissenschaft und der schaffenden Erwerbestände, in erster Reihe der Landwirtschaft und ihrer Sonderzweige, sodann aber auch des Handels und Gewerbes. Ferner ist darauf Rücksicht genommen worden, nach Möglichkeit allen Teilen des Reichs eine Vertretung zu gewähren. Die Mitglieder sind seinerzeit von den maßgebenden fachlichen Körperschaften des praktischen Lebens dem Herrn Staatssekretär in Vorschlag gebracht worden, und zwar vom Deutschen Landwirtschaftsrat, von der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft, vom Deutschen Weinbauverein, vom Deutschen PomologenVerein, vom Deutschen Handelstag, von den Aeltesten der Kaufmannschaft und vom Zentral=Verein für Hebung der Deutschen Fluß= und Kanalschiffahrt. Die Tagesordnung war reichhaltig und erfordert zu ihrer Bewältigung außer den Plenarsitzungen noch einige nachträgliche Kommissionssitzungen. Bei dem meteorologischtechnischen Teil der Beratungen kam namentlich zum Ausdruck, welche umfangreichen Vorarbeiten nötig sind, um zunächst das grundlegende Maierial an Witterungsbeobacbtungen aus aller Welt herbeizuschaffen, und welcher sorgsamen und dabei meist in äußerst knapp bemessener Zeit zu erledigenden Arbeit es sodann bedarf, um die Prognosen auszubauen. Es stellte sich heraus, daß dieses Material noch in vieler Hinsicht dringend weiterer Vervollständigung bedarf und daß man dabei namentlich auf die methodische Erforschung der höheren Luftschichten sein Augenmerk werde richten müssen. Diese Ersorschung hat auf verschiedenen Wegen zu erfolgen; namentlich dienen ihr auch die bekannten, in gewissen Zeiträumen methodisch aufgelassenen, kleinen, automatisch registrierenden Ballons, auf welche in den Zeitungen regelmäßig aufmerksam gemacht zu werden pflegt. Beim wirtschaftlich praktischen Telle der Beratungen erwies sich namentlich wertvoll die Mitarbeit der Vertreter der schaffenden Erwerbsstände. Es steht zu hoffen, daß die Beratungen praktische Fortschritte im öffentlichen Witterungsdienste zeitigen werden. Peutsches Peich. Der Kaiser ist Dienstag nachmittag um 3 Uhr von Straßburg nach Berlin abgereist, wo er Mittwoch morgen gegen 8 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof eintraf. Im Laufe des gestrigen Vormittags besuchte der Kaiser den Reichskanzler, empfing im Königl. Schloß den Viz=Ober= Zeremontenmeister Grafen Kanitz und hörte den Vortrag des Kriegsministers. Um 12½ Uhr empfing der Kaiser den österreichisch=ungarischen Minister des Auswärtigen Baron von Aehrental in Audienz, dem zu Ehren abends beim Kaiserpaare ein Diner stattfand. An diesem nahmen teil Botschafter Szoegjeny, Gesandter Freiherr Gagern, Botschaftsrat Szechemyl, der Reichskanzler, Staatssekretär von Tschirschky, sowie die Chefs des Zlvilkabinetts und der Mililär= und Marinikabinette. Die Kaiserin ist Dienstag abend 9 Uhr von Homburg v. d. H. nach Potsdam abgereist. Zu der am 29. April abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde, wie der Reichsanzeiger mittellt, dem Eutwurf eines Handels=Abkommens mit den Vereinigten Staaten von Amerika die Zustimmung erteilt. Ein Hauptbestandteil des neuen Abkommens bilden die Vorschriften über die Zollabfertigung deutscher Waren bei der Einsuhr in die Vereinigten Staaten. Gesterreich-Ungarn. Der Besuch des Ministers des Aeußern, Frhr. v. Aehrenthal, in Berlin wird natürlich in der Presse lebhaft besprochen. So schreibt die Wiener Neue Freie Prisse u. a.:„Alle Welt hat empfunden, daß durch die internationale Politik eine Bewegung geht, über deren letzte Ziele man verschiedener Meinung sei, deren Nachdrücklichkeit und Erfolgaussichten man verschieden beurteilen kann, von der es aber nicht zweifelhaft ist, daß sie in Deutschland nicht erfreulich wirken konnte. In diesem Moment trifft der österreichisch=ungarische Minister dis Arußern in Berlin ein. Die Reise ist seit langem beschlossen und das Datum ist seit langem festgesetzt, und niemand wird daher einen gewollten Zusammenhang zwischen ihr und den politischen Erscheinungen der letzten Zeit vermuten dürfen. Unwillkürlich aber hält man dies Geschehnis und den Ministerbesuch, der die Intimität zwischen den beiden Reichen neu bekundet und neu bekräftigt, nebeneinander, und mehr als es sonst vielleicht der Fall wäre, wird man sich darüber klar, daß, wenn ernstlich versucht werden sollte, die europäischen Machtverhältnisse zu verschieben, solchem Versuch noch immer eine Krast entgegensteht, mit der heute ebenso gerechnet werden muß wie bisher, die Kraft der treuen Freundschaft, die Oesterreich=Ungarn und das Deutsche Reich verbindet.... Von einer wirklichen Isolierung Oesterreich=Ungarns oder Deutschlands kann natürlich nicht die Rede sein, da sie auseinander allezeit zählen können; daß aber eine Potenz, wie das befestigte Friedenslager, das die belden Reiche in der Mitte des Erdteils bilden, eine starke Anziehungskraft ausüben muß, hat sich gezeigt, als Italien sich ihnen anschloß. Und trotz aller verdrießlichen Stimmen, die man dort über den Dreibund vernimmt, hört man doch immer wieder die Stimme der Vernunft durchklingen, die davon abmahnt, ein Verhältnis aufzugeben, das ohne Kosten die Geltung Italiens vermehrt. Der Besuch, den Baron v. Aerenthal im Sommer dem Minister des Aeußern Tittoni abzustatten beabsichtigt, soll der Welt zeigen, daß die leitenden Staatsmänner das beiderseitige Interesse an der nicht nur formalen, sondern lebendigen Fortdauer des Bündnisverhältnisses anerkennen.“— Das„Neue Wiener Tagblatt“ meint: Wenn im Laufe des Sommers Frhr. v. Aehrenthal sich dem Könige von Italien vorstellen und mit dem Minister des Aeußern Tittoni in persönliche Fühlung treten wird, so dürfte sich darin gleichwie in der Fahrt nach Berlin die Tatsache bekunden, daß der Dreibund trotz aller Ausstreuungen nach wie vor die sicherste Friedensbürgschaft ist. Frhr. v. Aehrenthal ist in der internationalen Diplomatie als ebenso ernster wie besonnener und der Idee des Dreibundes sowie des Weltfriedens treu ergebener Staatsmann bekannt. Es herrscht allgemein die Ueberzeugung, daß die Besuche in Deutschland und in Italien zu einer neuen Kräftigung und Festigung führen werden. Rutzland. Die Duma hat am Dienstag die Regierungs=Vorlage betreffend die Festsetzung des RekrutenSein Dämon. Reman in zwei Abteilungen von Franz Treiler. (26. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten. Das Gesicht des Mannes, das von einem Bart umgeben war, in dem sich rot mit grau mischte, bot mit seinen Zügen einen winig vertrauenerwickenden Anblick dar und wurdt durch ein Tuch, das um die Stirn geschlungen war und hier und da blutige Stellen zeigte, nicht angenehmer. In seiner Nähe saßen zwei junge Leute, gleich dem Alten gekleidet, im Grase, eine Flasche Whisky zwischen sich, der sie von Zeit zu Zeit fleißig zusprachen. Der eine schnitzte mit einem Messer an einem Stück Holz herum, während der andere finster vor sich hinstarrte. Aus der Hüste drang zuwellen ein leises Stöhnen hervor, dem aber niemand Beachtung schenkte. „Warum starrst Du denn wie ein verdrießliches Oppossum vor Dich hin, Asa, das wird ja langweilig.“ „Ich wollte, ich wäre nicht dabei gewesen,“ sagte der Angeredete,„werden wie die Bluthunde hinter uns her sein.“ „Dummheit, der Strom spült alles fort, wer soll uns was anhaben!“ „Sage Dir, Ellah, der Sheriff hält ein Auge auf uns.“ „Sind ehrliche Leute, die Holz für die Dampfer schlagen und Jährdienste tun, der Sheriff mag zur Hölle gehen.“ „Ich wellte, ich wäre nicht dabei gewesen,“ widerholte der andere,„war ein blutiges Stück Arbeit.“ „Was wehrte sich der Kerl auch so.“ „Und nicht einmal Beute gemacht, die Strompolize war dicht hinter uns.“ „Verdammt sei die Strompolizel! Werden uns drüben suchen. War ein Hauptkniff von dem Alten, nach drüben auszureißen, kennt dert auch jeden Unterschlupf.“ „Sage Dir, Eliah, wird Aussehen machen der lote Mann.“ „Hör jetzt mit dem Geschwätz aus, bin ein ehrsamer Holzhauer und weiß von nichts.“ „Er muß doch den Alten gehörig zugerichtet haben, sitzt so still de,“ meinte Asa leise. „Ah, hat einen dicken Schädel, geht so leicht nichts durch.“ „Habe die Meinung, werden von Hause weiter müssen.“ „Meinetwegen,“ knurrte Eliah,„ist mir auch gleich.“ Ein etwas lauteres Stöhnen ließ sich aus der Hüte vernehmen.“ „Geh mal einer von Euch und seh nach der alten Frau,“ sagte der alte Hunter. Ein mürrisches Knurren der jungen Männer war die Antwort, keiner machte Anstalt, dem Befehle nachzukommen. Der Hund, der neben dem Alten lag, spitzte die Ohren und windete nach dem Walde hin, wedelte aber dann nur mit dem Schweife und legte den Kopf nieder. Aufmerksam hatte Hunter seinen Hund beobachtet. „Es wird Hemy sein,“ sagte er dann zu den Söhnen, die sich bei des Hundes Bewegungen hastig aufgerichtet hatten. Gleich darauf teilten sich die Büsche und heraus trat der junge Jäger mit der Büchse im Arm. „Aha, da kommt der Prinz,“ meinte Eliah höhnisch, hat sich lange nicht sehen lassen.“ „Sieh nur, was er für ein Schießeisen im Arme hat.“ Henry nickte den beiden Burschen leicht zu und ging auf Mr. Hunter los. „So, lebst Du noch?“ fragte dieser,„wundert mich, daß Du überhaupt noch den Weg zum Neste zurück findest.“ Die Haltung des Jägers hatte etwas energisches, fast trotziges, als er an den Brüdern vorüberging, und das sonst so freundliche Gesichte zeigte mit Widerwillen vermischte Strenge. „Habi recht, Mr. Hunter, wundre mich manchmal selbst darüber.“ Der Alte, überrascht von der Anrede und dem Ton, starrte ihn aus seinen tückischen Augen an. „Oho, Master, bist Du flügge geworden? Willst aus fliegen und vergessen, was wir an dir getan haben?“ Ein bitteres Lächeln erschien in Henrys Gesicht. „Ja, ich bin Euch vielen Dank schuldig, obgleich die Felle, die ich Euch in den letzten Jahren ins Haus brachte, etwas davon abgetragen haben dürften.“ „Und was hast Du denn da für ein Gewehr?“ „Segne meine Augen, wo hast Du das her?“ „Ist unter Brüdern 200 Dollar wert.“ Hunters Söhne, denen die prachtvolle Waffe sofort aufgefallen war, hatten sich aufgerichtet und standen neben dem jungen Mann, die Büchse ausmerksam betrachtend. „Ist ein Geschenk, Mr. Hunter.“ Die jungen Huniers lachten unbändig. „So? Ein Geschenk? Müssen merkwürbige Leute sein, die in den Wäldern solche Büchsen verschenken. Zeig mal her.“ Asa wollte nach der Büchse greifen, aber Hemy fließ ihm die Hand zurück:„Laß das, sie ist geladen.“ „Möchte nur einmal nach dem Zeichen dessen sehen, der sie geschenkt hat.“ „Zeig her!“ sagte Eliah und griff auch nach der Waffe, um sie Henry zu entreißen, erhielt aber sofort einen Faustschlag, der ihn taumeln machte. „Verdammt sei Deine Seele, Hund,“ schrie er und zog sein langes Messer. trat zurück, aber der drohende Ausdruck des Gesichts, unterstätzt durch die Haltung des athletischen Körpers, hätte auch andere erschrickt, als die beiden rohen Gesellen, so kräftig sie auch waren. „Gebi Frieden, oder ich lege Euch auf den Grund, Fellows. Ihr wißt, daß ich mit Euch fertig werde.“ Und in der Tat hatten die beiden Hunters wiederholt die überlegene Kraft und Gewandtheit des Jägers kennen gelernt. „Geht zur Hölle, Ihr Hallunken,“ schrie der Alte. „Wir haben besseres zu tun, als uns die Knochen entzwei zu schlagen. Ruhe, Eliah, oder Du sollst meine Faust fühlen.“ (Fortsetzung folgt.) Kontingents für 1907 mil 193 gegen 128 Stimmen angenommen, nachdem es hierüber tags zuvor in geschlossener Sitzung zu bedeutsamen Lärmszenen gekommen war. Im Verlauf dieser geheimen Sitzung erklärte der Kriegsminister, nach dem Kriege mit Japan sei es besonders notwenidg, das militärische Prestige Rußlands aufrecht zu erhalten. „Wollen Sie uns das als erforderlich erachtete Rekrutenkontingent nicht bewilligen,“ sagte er,„so werden wir es ohne Sie ausheben auf Grund des§ 119 der Staatsgrundgesetze.“ Hierauf verlas der Kriegsminister diesen Paragraphen mit dem Hinzusetzen:„Sie müssen uns die verlangten Soldaten bewilligen.“ Dies verursachte größten Lärm im ganzen Hause; man hörte Rufe wie:„Wir befinden uns nicht in einer Kaserne! Sprechen Sie nicht mit uns wie mit Soldaten!“— Abgeordneter Hessen sagte, der Minister habe vergessen, daß er zu Vertretern des ganzen russischen Volkes spreche. Der Minister könne Courtoisie von der Duma nur beanspruchen, wenn er selbst sich eines höflichen Tones bediene. Heffen forderte dann die Duma auf, die Worte des Ministers zu ignorieren und die sachliche Debatte zu eröffnen. Gegen Schluß der Sitzung kam es dann zu heftigen Lärmszenen, als der Sozialdemokrat Surabow rief, so lange das gegenwärtige autokratische Regime fortbestehe und die Armee zum Polizeidienst im Innern verwandt werde, würden ihr immer die moraltschen Eigenschaften fehlen, gegen einen äußeren Feind zu kämpfen. Nach weiteren Angriffen gegen den Thron und die Armee vergrößerte sich der Lärm. Die Mitglieder der Rechten schrien, trampelten und schlugen mit den Fäusten auf die Pulte. Die anwesenden Minister verließen den Saal. Insolge der Lärmszenen schloß der Präsident Golowin die Sitzung um 8 Uhr.— Am Dienstag, nachdem die Debatten über die Festsetzung des Rekrutenkontingents in der Duma geschlossen waren, gab der Dumapräsident Golowin unter Hinweis auf den bedauerlichen Zwischenfall eine Erklärung ab, werin er die Beleidigung der russischen Armee zurückweist und mit den Worten schließt:„Es ist klar, daß die Duma ohne Zweifel gegen die Arußerungen über die Armee, die hier von einem Mitgliede der Duma gemacht worden sind, Widerspruch erhebt.“ Die Worte des Präsidenten wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Am Freitag dieser Woche erfolgt auf Grund des Artikels 87 des Staats=Grundgesetzes die am Dienstag von der Duma beschlossene Aushebung der Feldgerichte. Der Kriegsminister erließ ein Verbot, die Namen der an Feldgerichten beteiligten Offiziere bekanntzugeben, und untersagte diesen Offizieren selbst, Schriften darüber zu veröffentlichen. Sämtliche Arbeiter der Briansker Werke in Jekaterinoslaw wurden entlassen, die Arbeiten eingestellt und die Hochöfen zugemauert. Preußischer Landtag. Abarordurtenhaus. Berlin, 80. Aprtl. Das Abgeordnetenhaus überwies heute die Eisenbahnvorlage, nachdem noch zahlreiche Redner dazu Wünsche nach neuen Bahnverbindungen in den verschiedensten Landesteilen geäußert, an die Budgetkommission.— Minister Breitenbach erklärte, daß er durch den Verlauf der Dehatte davon überzeugt worden sei, daß noch vieles zu tun übrig bleibe, sodaß Jahrzehnte nötig wären, um alles zu erfüllen. Er werde alle Wünsche eingehend prüfen und mit der Berücksichtigung der dringendsten beginnen. Berlin, 1. Mai. Das Abgeordnetenhaus beauftragte heute seinen Präsidenten, dem Kronprinzen zu dessen Geburtstage(6. Mai) die Glückwünsche des Hauses zu übermitteln und nahm dann in zweiter Lesung die Entwürfe des Beamtenpensionsgesetzes, des Beamten=Witwen= und Waisen=Fürsorgegesetzes und des Richterbesoldungsgesetzes, das erste und dritte mit einigen Aenderungen, das zweite unverändert an. Der Antrag Hammer, wonach auch Aktlengesellschaften, Berggewerkschaften eingetragene Genossenschaften, deren Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, juristische Personen, sowie Konsumvereine kommunalsteuerpflichtig sein sollen, hinsichtlich des ihnen aus Grundvermögen, Handels= und gewerbliche Anlagen in der Gemeinde zufließenden Einkommens, wurde in erster Lesung beraten, die zweite Lesung noch ausgesetzt. Morgen: Dritte Lesung der heute in zweiter Lesung erledigten Gesetzentwürfe. Lokales und Provinzielles. „“ Süterslotz, 2. Mai.[Ausstellung.] Am Fredenbaum zu Dortmund ist Ende vorigen Monats die bis zum 15. Mai dauernde zweite Provinzielle Ausstellung für Hotel= und Wirtschaftsbetrieb, verbunden mit Kochkunst und Volksernährung, eröffnet werden. Die Gesamtausstellung bietet viel des Interessanten und macht auf den Besucher einen recht guten Eindruck. Viel Beachtung findet ein kleines Bauernhaus, in dem eine alte westfältsche Schenkeingerichtet ist und für welche Herr Tischlermeister Fritz Wulfhorst hier, der seit Jahren schon einen Handel mit Altertümern betreibt, das Mobilar für Küche und „Upkammer“ in bereitwilligster Weise zur Verfügung gestellt hat; auch eine Anzahl alter Bauernfenster und Türen zum Einbau sind von ihm geliefert worden. Alle, welche der Ausstellung einen Besuch abstatten wollen, glaubten wir Lerauf besonders aufmerlsam machen zu sollen, wie auch daß Herr Schlichte=Steinhagen wieder Schinkenbutterbrot und Steinhäger verabreichen läßt. § Güterslok. 2. Mai.(Theater.] Das Emdener Stadttheater=Ensemble, welches in der vorvorigen Woche hier die Sherlock Holmes=Aufführung in Szene gehen ließ, wird mancherlei laut gewordenen Wünschen entsprechen und dieser Erstaufführung in der kommenden Woche eine zweite folgen lassen und zwar wird bei dieser Gelegenheit das populärste und erfolgreichste Stück der Gegenwart„Husarenfieber“ zu Worte kommen, welches Lustspiel Herr Direktor Müller unter einem großen Aufwand von Kosten eigens für W stfalen angekauft hat.— Das beliebte Stück knüpft bekanntlich an die Epssode an, die sich während des Aufenthaltes Sr. Majestät in Krefeld anläßlich des Empfanges der Ehrenjungfrauen abgespielt hat und schildert diesen Vorgang in einer äußerst dramatisch, wirksamen, seinhumoristischen Weise.— Se. Majestät der Kaiser hat sich für das in seiner Erfindung durchaus neue Stück ganz besonders interessiert und dessen Aufführung wiederholt befohlen, ein Umstand, der nicht nur dessen große Erfolge gezeiligt, sondern auch die Ursache zu der fast beispiellosen Reklame gewesen ist, die dieses vortreffliche Lustspiel gefunden.— Wir wollen nicht unterlassen auf diesen interessanten Theater=Abend schon heute aufmerksam zu machen. )( Sütersloh, 2. Mai.[Festgenommen] wurde hier gestern abend der Fürsorgezögling Wilh. Scheidemann, der aus der Anstalt Bethel entlaufen war. Der zwanzigjährige Ausreißer war früher hier als Klempnergeselle tätig und hatte sein damaliges Logishaus aufgesucht, aus welchem heraus ihn die benachrichtigte Polizei verhaftete. Nach seiner Festnahme machte das Bürschchen vor dem Rathause den mißlungenen Versuch, die Freiheit wiederzuerlangen und wurde ihm dann ein Nachtquartier in der„Stiftung“ angewiesen. § Sütersloh, 2. Mai.[Obstbauverein.] Morgen findet bei Billing die Maiversammlung des hiesigen Obstund Gartenhauvereins statt, auf die wir besonders aufmerksam machen wollen. Zunächst findet ein Vortrag statt aus dem Gebiete des Obstbaues, sodann folgen verschiedene wichtige Anträge, und zum Schluß werden 100 niedrige Ebelrosen verlost. Anfang der Versammlung 8½ Uhr. ) Sütersloy, 1. Mai.[Vor der Strafkammer In Bielefeld) stand gestern der Kötter und Händler H. W. aus Kattenstroth, der s. Zi. vom hiesigen Schöffengericht wegen Vergehens gegen§ 12 des Nahrungomittelgesetzes zu einer Woche Gefängnis verurtellt worden war. Da die angeblich strafbare Handlung nicht nachgewiesen werden konnte, wurde das erste Urtell aufgehoben und W. freigesprochen. Rhendt, 1. Mai.(Unter Vergiftungs=Erscheinungen] sind in der Familie des Lehrers Prein hier 8 Personen lebensgefährlich erkrankt, anscheinend infolge des Genusses verdorbener Fleischwaren. Eine im Hause beschäftigt gewesene Näherin ist bereits gestorben. Der Lehrer„selbst befindet sich außer Gefahr; die Frau, vier Kinder und ein Dienstmädchen liegen schwer krank darnieder. Untersuchung ist eingelettet und die Obduktion der Leiche für heute angeordnet worden. Essen, 1. Mai.[Verschüttel.] Heute morgen wurden beim Abbruch eines Preßofens auf der Kruppschen Fabrik zwei Arbeiter verschüttet. Der eine verstarb auf dem Transport zum Krankenhaus, der andere liegt noch lebensgefährlich darnieder. Köln, 1. Mai.[Oberbürgermeister Becker hat seinem Vertreter, dem Ersten Beigeordneten Farwick, die amtliche Mitteilung zugehen lassen, daß er beabsichtige, am 1. Oktober d. Is. in den Ruhestand zu treten. Gerichtssaal. Die Wahlunruhen im Kreise Iburg bei der Reichetagshauptwahl am 25. Januar beschäftigte während zweier Tage die Strafkammer zu Osnabrück. Angeklagt waren wegen Landfriedensbruchs 6 Personen aus Laer und 4 Personen aus Glandorf. Die nationalliberale Partei hatte an dem Tage der Hauptwahl 6 Personen aus Osnabrück zur Wahlkontrolle nach Laer, Glandorf und Glane geschickt. Diese Leute wollen nun dort von der durch das Benehmen der Wahlkontrolleure aufgereizten Bevölkerung mißhandelt worden sein. In Glane hat sich kein Täter feststellen lassen und das Verfahren für dort ist infolgedessen niedergeschlagen worden. In Glanderf sind die Vorkommnisse sehr harmlos gewesen, weshalb die dortigen Angeklagten jetzt freigesprochen wurden. In Laer ist einer der Osnabrücker Wohlkontrolleure geschlagen worden. Wegen dieser Ausschreilung wurden drei von den Angeklagten aus Laer wegen Landfriedensbruchs zu der Mindeststrafe von je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen drei wurden reigesprachen. Vermischtes. * Nachen, 1. Mai. Aus dem hiesigen Gerichtsgebäude sind gestern die Tagelöhner Johann Kettenis und Johann Jahn, von denen der letztere früher wegen Raubes mit drei Jahren Zuchthaus verbestraft und erst vorige Woche wegen Bandendiebstahls wieder zu 2½ Jahr Zuchthaus verurteilt worden ist, entflohen, nachdem sie die Fesseln, mit denen sie aneinander geschlossen waren, gesprengt hatten. * Bremen, 1. Mal. Bei einem heute nachmittag 6 Uhr in einem Schuppen am Neuen Freihafen ausgebrochenen Großfeuer wurden 6000 Ballen Baumwolle zerstört. Die eine Hälste des Schuppens wurde vernichtet, die andere dagegen durch die übermenschlichen Anstrengungen der Feuerwehren gerettet. * Berlin, 1. Mai. Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung erfährt, ist das Achilleion auf Korsu von der Peivatschatulle des Koisers käuflich erworben worden. Besitzerin des Schlosses war seit dem Tode der Kaiserin Elisabeth ihre mit dem Prinzen Leopold von Boyern vermählte älteste Tochter, die Erzherzogin Gisela, die Nutznießung hatte Kaiser Franz Joseph. Das Schloß war von Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses seit dem Tode der Kaiserin Glisabeih nicht bewohnt. Man hörte daher schon mehrfach von Verkaufsabsichten. In letzter Zeit sollten von privater Seite Verhandlungen begonnen worden sein, um das Achilleion zu Sanatoriumszwecken in die Hände einer Gesellschaft zu bringen. Seiner Lage nach ist das Schloß als Erholungsaufenthalt vorzüglich geeignet, und den Kaiser hat zu dem Kauf denn auch der Wunsch bestimmt, für die Mitglieder der kaiserlichen Familie eine Besitzung zu erwerden, die in mildem Klima als Absteige=Quartier dienen kann. * Berlin, 2. Mai. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern nachmittag bei Ruhleben. Die amtliche Meldung besagt: Gestern nachmittag 5,20 Uhr wurde ein Straßenbahnwagen der Linie Spandauer=Bock=Spandau durch einen Eisenbahnzug bei dem Chausseeübergang der Bude 7 der Güterzugstrecke Moablt=Spandau in der Nähe der Spandauer Bock Brücke überfahren, wobei zwei Passagiere der Straßenbahn getötet und elf Passagiere verletzt wurden. Ursache des Unglücks ist vorzeitiges Oeffnen der Schranke für die elektrische Straßenbahn durch einen Bediensteten dieser Bahn. Der nach den bisherigen Berichten Schuldigan der folgenschweren Katastrophe, der Schrankenwärter Vermomm, wurde sofort nach dem Unfall verhaftet. Die nähere Untersuchung dürfte ergeben, inwiewell noch anderen Faktoren die Schuld an dem Unfall beizumessen ist. Der Schrankenwärter war 17 Jahre alt. *[Einen schrecklichen Tod) hat die 49jährige Wilwe Anna Plotke in Rummelburg bei Berlin gefunden. Frau P. hatte eine Petroleumlampe versehentlich umgestoßen. Es erfolgte eine Explosion und im nächsten Augenblick standen ihre Kleider in hellen Flammen. Auf ihre Hilferufe eilten Hausbewohner hinzu, denen es nur schwer gelang, die Flammen zu ersticken. Sie wurde noch lebend in das städtische Krankenhaus gebracht, starb aber bald nach ihrer Einlieferung unter furchtbaren Qualen. * Dresden, 1. Mal. Die Eröffnung der Internationalen Gactenvau=Ausstellung, für die sehr zahlreiche Anmeldungen vorliegen, findet am 4. Mai statt. * Mannheim, 1. Mai. In Anwesenheit des Erbgroßherzogs und der Erbgroßherzogin ist cheute die Jubiläums=Ausstellung Mannheim 1907, die Internationale Kunst= und Große Gartenbau=Ausstellung feierlich eröffnet worden. * Wiesbaden, 1. Mai. In der Gemeinde Freiendiez wollte der 74jährige Landwirt Friedrich Römer von hier sein Pferd zum Pflügen anschirren, dabei schlug das Pferd aus und traf den alten Mann so fest auf die Brust, daß der Tod sofort eintrat. Der dabei anwesende Sohn konnte seinen Vater nur noch als Leiche nach Haus tragen. * Stuttgart, 30. April. Die Erkrankung von 120 Personen unter Vergiflungserscheinungen wird aus Ludwigsburg gemeldet. Dort ist nach Genuß von Leberwurst, die in einem Metzgerladen gekauft wurde, das gesamte Pflegepersonal der Wernerschen Kinderheilanstalt erkrankt. Bei 20 Personen des Pflegepersonals und etwa 100 von der Handwerkerkompagnie des Bekleidungsamtes zeigen sich Vergistungserscheinungen mit teilweise starkem Fieber. Die Erkrankten befinden sich nicht in Lebensgefahr. *[Sturz in den Löwenkäfig.] Bei den waghalsigen Vorführungen zweier Künstlerinnen in einem Pariser Varietee hat sich Montag ein schwerer Unfall ereignet. Im Pariser Apollo=Theater riß das für die Künste zweier Tänzerinnen oberhalb eines Löwenkäsigs gespannte Sell. Die beiden jungen Mädchen stürzten in den Käfig, eins wurde von einem Löwen am Halse gepackt und zerfleischt. Durch eiserne Stangen wurde das Tier von seinem Opfer zurückgedrängt. Unter den Zuschauern wurde mehrere Damen ohnmächtig. * Konstantinopel, 30. April. Ein Leipziger Lehrer, der aus Toulon vorgestern hier angekommen ist, wurde bei der Ankunft des Schiffes sistiert und ihm der Paß abgenommen, da er verdächtig sein soll, das Arsenal in Toulon angezündet zu haben. Der Lehrer besuchte dert das Arsenal, um als geborener Jenenser sich den Platz anzusehen, wo die„Jena“ verunglückte. Seines photographischen Apparates wegen wurde er verhaftet, später aber wieder freigelassen. Nach dem Brande des Arsenals wurden die türkischen Behörden von der französischen Polizei benachrichtigt, die dann in ganz widerrechtlicher Form gegen den Lehrer vorgingen. Der deutsche Konsul hat sich des Falles bereits angenommen. der Gemeinde Melhors für den Monat April 1907. Geburten: Söhne: Tischler Karl Schniedermann zu Isselhorft. Kutscher Heinrich Oppermann zu Isselhorst. Heuerling Heinrich Rosendahl zu Riehorst. Heuerling Friedrich Spiekermann zu Niehorst. Kolon Wilhelm Imkamp zu Isselhorft. Kolon Friedrich Maibrink zu Hollen. Tischler August Flöttmann zu Isselhorst. Töchter: Kolon August Hollmann zu Niehorst. Weder Heinrich Boßpeter zu Hollen. Chausseearbeiter August Voikmann zu Hollen. Auf gebole: Kolon Heinrich Auguft Friedrich Niediek zu Isselhorst mit Johanne Sophie Flöttmann zu Sundern. Kaufmann Friedrich Wilhelm Stockhecke zu Bieleseld mit Johanne Marie Karoline Heitmann zu Niehorst. Arbeiter Heinrich August Wilhelm Nordwald zu Nordhorn mit Karoline Philippine Luise Stricker zu Isselhorst. Hälfsweichensteller Heinrich Wilhelm Kleinedepenbrock mit Johanne Christine Luise Büscher, beide zu Isselhorst. Eheschließungen: Kolon Hermann Heinrich August Mußmann zu Rieherst mit Elise Sophle Charlotte Schmäling zu Blankenhagen. Kolon Heinrich Auguft Friedrich Niediek zu Isselhorst mit Johanne Sophie Flöttmann zu Sundern. Sterbefälle: Katherine Luise Hanhörster geb. Brinkmann zu Riehorst, 56 Jahre alt. Kalharine Marte Stockbrügger geb. Goldbeck zu Hollen, 76 Jahre 4 Monate alt. Magdalene Ottensarnd zu Isselhorft, 1 Jahr 8 Monate alt. Hermann Heinrich Steilwer zu Isselhorft, 84 Jahre 3 Monate alt. Geffentlicher Wetterdienst. (Dienststelle Meteorologisches Observatorium Nachen.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 2. bis zum Abend des 8. Mai: Kirchliche Nachrichten Evangelischer Gottesdienst. Freitag, den 3. Mai. Aite Kirche abends 5 Uhr: Past. Siebold. I Sounabend. den 4. Mai. Alte Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Kley. SSSSSEE Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen hocherfreut an Friedr. Sehrewe und Frau Anna geb. Fingberg. Gütersloh, den 1. Mai 1907. B Bekanntmachung. Mit Bezug auf§ 4 der Pollzeiverordnung vom 23. Oktober 1885 werden die Hauseigentümer oder die zur Reinigung Verpflichteten hiermit aufgefordert, bis auf Weiteres die Rinnsteine sowie die Gossen bezw. Gatzen zwischen den Häusern täglich zu reinigen und mit reinem Wasser durchzuspülen. Diese Arbeit muß bis 9 Uhr morgens beendigt sein und darf nur an Regentagen unterbleiben. Unterlassung dieser Reinigungsarbeit wird mit Geldbuße bis zu 30 Mark oder mit Haft bestraft. Die Reinigung der Straße hat wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, zu geschehen. Der zusammengekehrte Unrat ist sofort von der Straße wegzuschaffen. Bei der Straßenreinigung ist an trockenen regenfreien Tagen vor dem Kehren die Straße reichlich mit reinem Wasser zu besprengen. Gütersloh, den 1. Mai 1907. Die Polizeiverwaltung Mangelsdorf. Bekanntmachung Bei unserm Gasweik ist die Stelle eines Ofen= und eines Platzarbeiters zu besetzen. Meldungen nimmt das Bauamt entgegen. Gütersloh, den 1. Mai 1907. Der Magistrat: Mangelsdorf. Städtischer Arbeitsnachweis Süterslohz. Nathaus, Zimmer Nr. 3. Fernsprecher Nr. 15. Gesucht werden: 2 Arbeiter, 1 Barbier Bekanntmachung. Am Sonnabend, den 4. Mai d. Is., vorm. 11½ Uhr, versteigere ich aus einer Streitsache auf freiwilligen Antrag öffentlich meistbietend gegen Barzahlung, im Auktionslokale, Blessenstätte 77 hier 1 dunkelbr. Arbeitspferd (Wallach). Der Verkauf findet statt. Gütersloh, den 2. Mal 1907 Bäsmann, Gerschtsvollzieher. HHe Sarankirt chlortres MS E fUrec Gesellen-Ausschuß! Alle bei einem Innungsmitgliede beschäftigten volljährigen Kaurer, Zimmerer, Dachdecker, Steinmetzer und itukkatenr-Gesellen resp.-Gehülfen der Stadt und des Amtes Gütersloh und der Gemeinden Kattenstroth= Spexard, Avenwedde und Friedrichsdorf, welche im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sich befinden, werden zur Ergänzungs=Wahl des Gesellen=Ausschusses auf Sonnabend, den 4. Mai, abends 8½ Uhr, hiermit eingeladen. Versammlungsort: Vereinshaus. Der Gesellen-Ausschuß. I. V.: Dieckmann. Schwartz., Am Sonnabend morgen von 8 Uhr ab wird bei Knuflnk= am Dreiecksplatz das Fleisch einer fetten Ku# das Pfund zu 45 Pfennig verkauft. Suche auf sofort oder später einen Schlosserlehrling. H. Horstkotte, Schlossermeister. lorfr AE S SSESAN Freitag nachmittag von Uhr ab wird be# Leopold Klau, Veiler Chaussee Schweinefleisch das Pfund zu 40 u. 45 Pfennig verkauft. Täglich frischen Spargel u. Rhabarber vom Kibitzhof. Ludwig Grabemann. Kreuztüll-Gardinen ertreuen sich jetzt grosser Beliebtheit und habe ich daher diese Gardinenart in grosser Auswahl aufgenommen. Aus allerbestem Material in einer neuen, äusserst soliden Webart hergestellt, vollständig staubfrei, sind diese Gardinen als bestes, preiswürdigstes Gewebe zu empfehlen. Creme und weise. per Meter 0,65, 0,75 0,85, 0,95, 1,—, 1,20 bis 1,90 Mk. J. H. Manecke. Wer probt— lobt Eckstein’s B DACAPO Zigaretten. Unübertroffen in Qualität und hergestellt nach orientalischer Art bieten sie völligen Ersatz für die teuer gewordenen importierten Zigaretten, die der deutsche Raucher weit über den wirklichen Wert bezahlt. Preis 10 Stück 35, 40 und 50 Pfg. A. M. Eckstein& Söhne, Dresden(über 900 Arbeiter). — I n Z i g a r r e n h a n d l u n g e n z u h a b e n.— Vertreter: B. Henneböhle, Gütersloh. eue, Upate Aussteuer-Artikel Fertige Betten Betttedern u. Daunen Inlettstoffe. Eiserne Bettstellen in nur allerbesten Qualitäten zu billigsten Preisen. Meine Dampf-Bettfedern- Reinigungs-Maschine empfehle beim Umfüllen gebrauchter Betten. Durch sorgfältiges Entstäuben und Dämpfen werden die Federn wieder wie neu. Betten- und Aussteuer-Geschäft J. H. Manecke. An- und Abmelde-Formulare zur Krankenkasse stets vorrätig in der Buchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock, Schulstraß Landwirtschaftlicher Lokalverein Gütersloh. Der Rindviehzucht-Verband für Minden=Ravensberg ladet hierdurch zu einer Versammlung ein auf Freitag, den 3. Mai, nachmittags 1 Uhr, in der„Erholung“. Husten! Wer diesen nicht beachtet, versündigt sich am eigenen Leibe; Kaisers Brust-Caramellen seinschmeckendes Malz=Extrakt. Aerzlich erprobt u. empfehlen gegen Husten, Heiserkelt, Katarth, Verschleimung u. Rachenkatarrhe. 5120 not. begl. Zeugnisse beweisen, daß sie halten, was sie versprechen. Packet 25, Dose 50 Pfg. Kaiser's Brust-Extrakt Flasche Mk. 1.—, beldes zu haben bei Wilh. Küster in Gütersloh Wilh. Husemann„ Strengerstraße. TCerbst': FleischfaserKücken=Aufzuchtfutter, Fleisch=Trissel, Fischmehl * Hundekuchen. Hauptlager: W. Schrewe& Co. Mitglieder der Geflügelzuchtvereine erhalten Vorzugspreise. Holdselig macht ein zartes Gesicht ohne Sommersprossen und Hautunreinigkeiten, daher gebrauchen Sie die echte Setckenpferd.- Lillienmilch-Seife St 50 Pfg. bei Ernst Hoffschildt. Für ein besseres Geschäft wird ein junges Mädchen, welches zu Hause wohnen kann, zur Erlernung gesucht. Näheres bei Margarete Kneisel, Kronen=Parfümerie. Baumstraße. Per— echten. Techten, guten alte Tropfen Elmendörfer er ist und bleibe der beste Kornbranntwelüberall! 1884hOrS1 I. Meslf. Oegr. Anno 1680 Diana Fleischfaserhundekuchen Hundebrot, Puppy bisquit= Welven futter. GeflügelKücken= und Vogelfutter 2c. Niederlagen: W. Schrewe& Co., Ernst hossschildt, Löwen=Deogerte. Gesundheits=Hafer= Zwieback ist der beste Nähr= und Tafelzwieback der Welt. W. Mestemacher. Ich suche einen zuverlässigen Arbeiter für Fuhrwerk. Carl Stahl. IU Putzextrack. Wohnung von 2 bis 8 Räumen in der Nähe der Schule Sundern II zum 1. Oktober zu mieten gesucht. Näheres in der Geschästsst. d. Zig. Taschenuhr=Fahrplan zum Einlegen in das Uhrgehäuse. Abfahrtzeiten der Personenzüge# Gütersloh n. Bielefeld: 206 502 530 543*) 71089 100710 612 128 10 410 K29gsar) 754 830 1010 1100 nach Rheda=Hamm: 318 555 800 837 10¾4 1128 901 g14 443 727 735 1048 Nur Wertiags. nach Biefeseld: 12 552*) 719 844 1010 1227 321 535 700*) 804 839 1120 nach Hüterskoh 545 749 1114 1217 169 422 700 745*) 1088 Die Zeit von 6 Uhr abende bis 6 Uhr morgens, also die Nachtzeit ist durch Unterstreichen der Minntenzahl gelennzeichnet. Mit dem heutigen Tage eröffnete ich im Hause Schulstrasse 682, neben dem Vereinshause, ein Buch- und Schreibwarengeschäft. Indem ich bitte, mein Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen, versichere ich nur beste Ware zu führen. Gütersloh, den 1. Mai 1907. Frau Auguste Fingberg. Freiwillige Feuerwehr Gütersloh. Sonntag, den 5. Mai a. c., Antreten morgens 6 Uhr am Spritzenhause. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. Der Hauptmann. Geschäfts-Uebernahme. Mit Gegenwärtigem gestatte ich mir ergebenst die Mitteilung, dass ich die#### 1 Baumstrasse 823 hierselbst von der Firma H. G. Schemmel käuflich übernommen habe. Ich bitte freundlichst, das meinem Vorgänger entgegengebrachte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen, und gebe ich die Versicherung, dass ich stets bestrebt sein werde, durch freundliche und reelle Bedienung, durch Führung von Waren nur bester Qualität und zu den billigsten Preisen mir das Vertrauen einer gütigen Kundschaft zu erwerben und auch dasselbe zu erhalten suchen. Indem ich höflichst bitte, im Bedarfstalle sich meiner gütigst erinnern zu wollen, zeichne mit aller Hochachtung Kneisel. Habe die Verwaltung der Kreistierarztstelle des Kreises Wiedenbrück übernommen und wohne im Hause der Frau Veterinärrat Flindt. Telephon No. 27. h n. Kreistierarzt. Margarete Landwehr=Verein Gütersloh. General-Versammlung am Sonntag, den 5. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, bei Frau Witwe Bergmann in Kattenstroth. Tages Ordnung: 1. Beratung über das diesjährige Fest; 2. Wahl des Festkomitees; 3. Beratung über eine Felddlenstübung. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Knaben-Anzüge reizende Neuheiten. Mk. 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 bis 20. Fertige Herren-Anzüge aus Cheviot und Kammgarn. Anfertigung dieser Anzüge aus eigenen Stoffen, daher nur gute erprobte Qualitäten, wobei für vorzügliches Tragen jede Garantie übernehme. Mk. 20, 25, 30, 35 bis 50. J. H. Manecke Chilisalpeter wieder am Lager. J. F. Zumwinkel. Pinsel, Farben, Lacke, schnelltrecknende Fußboden Farben, streichf ertige Oelfarben kaufen Sie daher am besten bei Wilb. Heckmann, gros. Farbwaren, en detail. wegen Aufgade des Artikels unter Eil kaufspreis. Infolge dis neuen Preis abschlags geben wir jetzt auch auf zu Mk. 1.00 p. Pfd. die großen Zugaben. Buchthal’s Kaffee-Magazin. Blessenstätte 116. Am Sonntag, den 5. Mai, teiert der Gesang-Verein Männerchor Isselhorst sein diesjähriges Sommerfest, verbunden mit Konzert, Gesangvorträgen und Ball, in den dazu aufgebauten Zelten bei Wirt Wwe. Ortmever in Isselhorst. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Ballanfang 6 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Der Vorstand. NB. Auf dem Festplatze sind Karussell, Spiel- und Kuchenbuden aufgestellt. Schützen=Verein Gütersloh. General=Versammlung am Sonntag, den 5. Mai er., nachmittags 5 Uhr, bei Wwe. Austrup, Kattenstroth. Tagesordnung: Umwahl des Vorstandes. 2. Festfrage. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. NB. Da der Verein in diesem Jahre sein 75jähriges Jubiläum hat, richtet der Vorstand an alle Bürger der Stadt, welche dem Verein in dieser Zeit vorübergehend angehört haben, die höfl. Bitte, an vorstehend einberufener Generaluersammlung teil zu nehmen. Landschaften, fein koloriert 44X70 cm. schmale Hoch- und Querformate in gutem Ralimen Mk. 4.50, Grösse55X70 cm. Mk. 5.—. Bibeln mit Familienchrenik, Alabasterkreuze, Trautexte, etc. etc. F. Tigges, Buch- und Kunsthandlung. 4% mündelsichere Anleihescheine der Rheinprovinz 31. Ausgabe. Die Landesbank der Rheinprovinz bringt demnächst neue, mit der Haftung der Rheinprovinz ausgestattete Anleihescheine im Betrage von 30 Millionen Mark zum Kurse von 99½% zur Ausgabe. Die Ausgabe der an der Berliner und Frankfurter Börse zur Einführung gelangenden Stücke wird etwa Mitte Juni erfolgen, doch können bereits jetzt Anmeldungen und Einzahlungen auf dieselben bewirkt werden. Wir nehmen Bestellungen zu den vorgenannten Bedingungen kostenfrei entgegen. Westfälisch-Lippische Vereinsbank Aktiengesellschaft. 925 Junger Baubeflissener oder Lehrling auf sofort gesucht. H. Schlerbaum, Archilek Dezimal-,Tisch-u. Säulenwagen um zu räumen, mit 10% Rabatt. Es sind dies Ia. Qualitäten zu erstaunlich billigen Preisen. H. F. Kniepkamp, Ecke Berliner= und Schulstr. Sernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreima! Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 52 Schmäling& Donnerstag, den 2. Mai 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Zweites Blatt. Deutscher Reichstag. Berlin, 30. Aprtl. Der Reichstag beriet heute den Elat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei, wobei die angekündigte Aussprache über Fragen der auswärtigen Politik stattfand. Abg. Frhr. v. Hertling(Ctr.) begründete den Zentrumsantrag auf bessere Informierung des Reichstags über die auswärtige Politik durch Vorlegung von Weißbüchern unter Hinweis auf die neuerlich aufetauchte Besorgnis über die Lage. Er erwarte beruhlgende irklärungen seitens des Reichskanzlers. Das Zentrum werde jede Erinnerung an innere Zwistigkeiten bei den Verhandlungen über die auswärtige Politik zurückorängen. Was die„Einkreisungspolltik Englands“ angehe, so dürfe man auf Monarchenbesuche, wie den in Gaeta, nicht allzuviel Gewicht legen. Deutschland habe ein gutes Gewissen, sei friedlich gesinnt, und das müsse doch schließlich zu einer Verständigung zumal mit England führen. Die Abrüstungsfrage sei nur eine Doktorfrage, Beschlüsse darüber im Haag würden nur Scheinbeschlüsse sein. Wir wollen wachsam sein, schloß Redner, aber jeden Schein von Schwäche vermeiden.— Abg. Winckler(k.) dankte dem Professor Münsterberg für seine bei der Carnegieseier in Amerika abgegebene Erklärung, daß das deutsche Volk auf seinen Militärdienst stolz sei und ihn nicht als Last empfinde und schloß sich bezüglich der Abrüstung dem an, was Freiherr v. Hertling gesagt. Als Erbteil Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks sei uns ein seines Gefühl für nationale Ehre und Würde geblieben. Seine Freunde lehnten alles ab, was unsere freien Entschließungen über das Maß unserer Rüstungen beeinträchtigen könnte. Abg. Bassermann(nl.) äußerte sich in ähnlichem Sinne wie Frhr. v. Hertling, nur etwas minder optimistisch in der Beurteilung der allgemeinen Lage. Die Gründe der bestehenden Spannung sieht Redner in dem raschen Wachsen der deutschen Macht und der Tatsache, daß wir auf allen Märkten im Auslande wirtschaftliche Konkurrenz machen. Redner empfahl schließlich eine Politik der Ruhe, die sich mit den Tatsachen abfindet, und eine gute Diplomatie unter Erweiterung des Kreises der in ihr tätigen Personen. Jedenfalls müßten wir die Augen offen halten angesichts unserer geographischen Lage.— Abg. Fürst v. Haßfeldt(Rp.) konstatierte das Vertrauen des Landes und der Parteien zu dem Mann der das Staatsruder führt. Wir würden als Emporkömmlinge mit neidischen Augen betrachtet und müßten stark genug sein, um auch einmal ohne Bundesgenossen einer ganzen Koalttion gegenöber stehen zu können, wie Preußen unter dem großen Friedrich. Deutschland sei das friedfertigste Land, aber auf die Abrüstungsfrage sollten wir uns nicht einlassen, da diese nur Verwickelungen bringen könne.— Abz. Wiemer(frs. Vp.) stimmt mit seinen Freunden dem Zentrumsantrage zu. Offenheit gegenüber der Volksvertretung in Fragen der auswärtigen Politik werde das Vertrauen zur Regierung heben und vorhandene Besorgnisse verscheuchen. Die diplomatische Regierung bedürfe der Blutauffrischung. Die Abrüftungssrage dürfe nicht als Mittel zur Schwächung der Machistellung Deutschlands benutzt werden. Gegen einen solchen Versuch würde das ganze deutsche Veik der Regierung zur Seite stehen. Reichskanzler Fürst Bülow führte zunächst aus, daß die deutsche Regierung im Haag bereitwilligst mitwirken werde, um ein praktisches Ergebnis herbeizuführen. Bezüglich der Abrüstungsfrage haben die Vorschläge noch keine feste Gestalt angenommen; es ist noch keine Formel gefunden, die der Verschiedenartigkeit der einzelnen Staaten gerecht werden kann. Deutschland wird an der Verhandlung darüber deshalb nicht teilnehmen und seine Zurückhaltung kann es nicht in den Ruf bringen, nicht friedliebend zu sein. Wir sind seit 1871 von niemand angegriffen worden und haben niemand angegriffen und werden das auch nie tun. Unsere gute Rüstung hat sich als Friedenswerkzeug bewährt. Dem Wunsche des Reichstag auf Information über die auswärtige Politik werde er auch künftig entsprechen; nur könne er keine Verpflichtung übernehmen, in jedem Augenblick alles zu sagen. Der Reichskanzler wandte sich dann gegen die Nervosität, die die Zusammenkunft in Gaeta hervorgerufen hat. In Marokko verfolgte Deutschland nur wirtschaftliche Ziele; er sehe da keinen Anlaß zur Trüdung unseres Verhältnisses zu Frankreich. Zwischen uns und England seien keine Streitfragen vorhanden. Lassen wir anderen die Bewegungsfreiheit, die wir selbst verlangen, schloß Fürst Bülow; streben wir danach, die innere Kraft zu sammeln und unsern Frieden einmätig zu verteidigen. — Abg. v. Vollmar(Soz.] behauptete, unsere Politik sei eine ununterbrochene Kette von Fehlern gewesen, sodaß jetzt Deutschland isoliert sei, wenn auch die Schwarzmalerei übertrieben sei. Das deutsche Volk wolle den Frieden, aber im Ausland wisse man, daß das deutsche Volk nichts zu sagen habe, am wenigsten in Dingen der auswärtigen Politik.— Abg. Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. gg.) wies darauf hin, daß durch unsere Zollpolitik die Brotversorgung für den Fall eines Krieges gesichert sei.— Nachdem noch Abg. Schrader(frs. Vgg.) die Einmütigkeit aller Parteien hinsichtlich unserer Friedensliebe, aber auch unserer Wehrbereitschaft konstatiiert hatte, wurde die Debatte geschlossen. Berlin, 1. Mal. In der heute fortgesetzten Beratung des Etats des Reichskanzlers erstreckte sich die Debalte auf Fragen der inneren Politik. Zu dem vom Abg. Kämpf begründeten Antrag der Freisinnigen, wonach Unterstätzungen in Form freier Lehr= und Lernmittel, freier ärztlicher Behandlung und Hellmittelgewährung oder Aufnahme in einer Krankenanstalt und zurückerstattete Unterstützungen nicht den Verlust des Reichstagswahlrechts oder anderer öffentlichen Rechte zur Folge haben sollen, sagte Staatssekretär Graf Posadowsky eine dem sozialpolitischen Geiste der Gegenwart entsprechende Prüfung zu. Abg. Götz v. Olenhusen (Welfe) griff den Reichskanzler wegen der braunschweigischen Frage lebhaft an. Einem solchen Reichskanzler könne man kein Vertrauen schenken und kein Gehalt bewilligen. Reichskanzler Fürst Bülow legte den Sachverhalt eingehend dar. Im Interesse des Reiches habe er nicht anders handeln können. Der Herzog von Cumberland mässe für alle Zeit auf Hannover verzichten und seine Agnaten müßten dem Verzicht rückhaltlos beitreten, um eine Bürgschaft gegen eine Agiiation wider die Struktur des Reiches zu schaffen. In der jetzigen schwierigen Weltlage müsse alles vermieden werden, was den Zusammenhang des Reiches lockern könnte. (Beisall.) Abg. David(Soz.) fand in der Rede des Reichskanzlers, daß Gewalt vor Recht gehe und kritisierte dann die innere Politik, die keine deutsche, sondern eine preußische sei, abfällig. Nach einigen Einwendungen des Fürsten Bülow und des bayer. Bundesbevollmächtigten Grafen Lerchenfeld sprach Abg. v. Oldenburg(kons.), der ein energisches Vorgehen gegen die Sozialdemokraten forderte, dem Reichskanzler das Vertrauen der Landwirte und Konservativen aus. Abg. Vonderscher(Els.) befürwortete gesetzgeberische Autonomie Elsaß=Lothringens. Abg. v. Kulerski(Pole) verurteilte die preußische Polenpolltik. Abg. Flschbeck(fes. Vp.) wandte sich gegen die Schifffahrtsabgaben sowie gegen das Verlangen von RepressioMaßnahmen gegen die Sozialdemokratte. Der Etai des Reichskanzlers und die Resolutionen betr. Wahlrecht und betr. Wohnungswesen wurden angenommen. Beim Stat des Auswärtigen Amis wurden dann noch zwei Resolutionen angenommen beir. internationale Vereinheitlichung des Wechselrechts und betr. periodische Vorlegung urkundlichen Materials über die auswärtige Politik. Morgen: Postetat. Zum neuen Wetterdienst. Aachen, 2. Mai 1907. Am ersten dieses Monats hat der Sommerdienst seinen Anfang genommen. Die Vorhersagen werden wieder an sämtlichen Postanstalten zum öffentlichen Anschlage gebracht. Das Material von Nachrichten für die Wetterdienststelle ist reichlich vermehrt worden. Der hiesigen Dienststelle, dem Meteorologischen Observatorium Aachen, gehen von ca. 70 über Europa verteilten Stationen die täglichen Beobachlungen von 8 Uhr vormittags, durch die deutsche Stewarte zu Hamburg zu. Neu aufgenommen wurden in diese die Nachrichten aus Island und von den Faer Oer Inseln. Ferner erhält das hiesige Instltut täglich von 26 Stationen Nachrichten aus dem Dienstbezirk selbst, und zwar von folgenden Stationen telegraphisch. Arnsberg, Birkenfeld im Hunsrück, Herford, Cleve, Monte Rigl im Venn, Müllenbach im Sauerland, Mänster in Wistfalen, Luxemburg und Willz. 20 Stationen berichten bei außergewöhnlichen Witterungserscheinungen, während ca. 120 Berichtsstationen zu Zwecken der Wettervorhersageprüfung in Tätigkeit sind. Zur schnelleren Aufnahme und Abgabe der täglichen Telegramme ist das Meteorologische Observatorium mit einer Telegraphennebenstelle versehen. Der Dienstbezirk umfaßt Westfalen, die Rheinprovinz bis zum Hunsrück und in diesem Jahre neu das Großherzogtum Luxemburg. Dieses ist ebenfalls mit einem Meteocologischen Stationsnetz überzogen worden, bestehend aus 8 Stationen höherer Ordnung und ca. 20 Stationen für Regenmessungen. Die Ocganisation dieses Netzes, wie auch des Wetterdienstes sand nach den Ratschlägen des Direktors des Meteorologischen Observatoriums, Aachen, Herrn Dr. Polls statt. Das Versehen des Luxemburger Landes mit Wetternachrichten, Wittervorhersagen und Wetterkarten findet von der Nachener Dienststelle aus statt. Ueberhaupt werden sämtliche Wettervorhersagetelegramme für den öffentlichen Ausschlag von der Wetterdienststelle, Meteorologisches Observatorium zu Nachen abgegeben, während die Verbreitung der Wetterkarten sowohl der Wetterdienststelle in Nachen, wie auch der Wetterdienstnebenstelle in Bonn, die eine Abteilung des Meieerologischen Odservatoriums Nachen bildet, zufällt; diese Nebenstelle erhält auch die täglichen Berichte. Eine weitere Bereicherung des Nachrichtenmaterials für die Wetterdienststelle trat durch die Aufnahme der Wasserstandsbeobachlungen der größeren Stromgebiete ein. Der Aachener Dienststelle berichten aus dem Rheinstromgebiete: Caub, Cöln, Ruhrort und Trier(Mosel), Mülhelm(Ruhr), aus dem Weserstromgebiet Münden an dem Zusammenfluß von Werra und Fulda. Lokales und Provinzielles. .0* Gütersleh. 2. Mai.[Wissenschaftliche Ballonfahrten.] Heute früh sollten wieder Internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege stattfinden. Es stlegen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons, in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Bielefeld, 1. Mai.[Erhängt.] Gestern mittag erhängie sich der Tischlermeister Huwendiek(Ritterstraße) in seiner Wohnung an einem Ofenrohr. Das Motiv zur Tat ist unbekaant, dürfte aber in dem zwangsweisen Verkauf seiner Besitzung zu suchen sein. Padervorn, 1. Mai.[Das Brautbett.) Aus der von der städtischen Armenverwaltung verwalteten Stiftung Langen steht in jedem Jahre ein Betrag von 108 Mark zur Beschaffung eines Brautbettes zur Versügung. Das Beit ist stiftungsgemäß an eine seit einem oder eineinhalb Jahren verheicatete arme und fromme Person, welche eines hiesigen Bürgers Tochler ist und einige Jahre gedient hal, zu schenken. Für das verflossene Jahr ist das Bett noch zu vergeben. Bewerberinnen werden darum aufgesordert, sich schriftlich unser Beifügung eines Attestes ihres Pfarrers und ihres Dienstbuches innerhalb 14 Tagen bei der städtischen Armenverwaltung zu melden. Hamm, 1. Mai.[Uebers Ziel geschossen. In der gestrigen Schöffengerichtssitzung wurde der Rechtsanwalt Dr. Sch. wegen Beleidigung zu 300 Mark verurteilt. Er hatte in einer Privatbeleidigungsklage seinen Klienten mit zu scharfen Worten gegen die Gegenpartei verteldigt. Warburg, 1. Mai.[Tödlicher Unfall.] Im benachvarten Dringenberg stürzte gestern morgen ein Bürger von der Futterbühne, er fiel so unglücklich, daß er das Genick brach und tot liegen blieb. Vermischtes. *[Zu Tode getanzt] hat sich die 20jährige Tochter des Landwirts Pasewald aus Biedersdorf bei Teltow. Das junge Mädchen hatte an einem Tanzvergnügen teilgenommen. Es brach plötzlich mitten im Saale zusammen und starb nach wenigen Minuten an den Folgen eines Herzschlages. * München, 1. Mal. Gestern mittag ist von einem Wagen, der von der Stadt aus zur Maffeischen Maschinenfabrik fuhr, eine Kiste mit 28000 Mark Bargeld während der Fahrt abhanden gekommen. Heute nacht wurde dieses Geld teils im Englischen Garten vergraben, teils in einem Hause verstickt gefunden. Zwei junge Burschen, die die Kiste erbrochen hatten, sind festgenommen, sie behaupten, die Kiste auf der Straße gefunden zu haben. * Brüssel, 30. April. In dem sehr alten Bergwerk Aquesses unterhalb Angleur bei Lätlich hat sich ein furchtbares Unglück zugetragen. Ein Bergmann war mit Hauen beschäftigt, als plötzlich ein Schlag mit der Picke einem reißenden Strom unterirdischen Wassers Ausgang schaffte. Die 140 Arbeiter, die in der Grube waren, flohen eiligst. Doch 16 von ihnen konnten sich nicht mehr reiten, da das Wasser rasch in der Grube stieg. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen, doch sind bis jetzt nur 6 Leichen, die auf dem Wasser trieben, geborgen worden. Es erscheint zweifelhaft, ob es gelingen wird, die übrigen noch fehlenden Leichen zu finden, da die Wasser stets das Bergwerk anfüllen, das verloren sein dürfte. Einige der Verunglückten waren durch die Gewalt des Wassers gegen die Wände geschleudert und sofort getötet worden. Die Wasser rühren wahrscheinlich von einem benachbarten, bereits verlassenen Bergwerk her. Aehnliche Katastrophen haben sich in dieser Gegend bereits öfters ereignet. Die Grube von Aguesses sollte, wie verlautet, demnächst aufgegeben werden. * Cetinje, 80. Aprll. In der Hafenstadt Antwari brach gestern abend eine Feuersbrunst aus, die eine Hütte ergriff, in der 15 Zentner Pulver und Dynamit lagerten. Es erfolgte eine Explosion, durch die eine Frau getötet wurde, sowie 27 Personen schwer und 41 leichte Verletzungen erlitten. Eisenbahn=Fahrplan vom 1. Mai 190.. Die Zeit von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ist durch Unterstreichen der Minutenahl bezeichnet. Köln. Schn.(Pers. Pers. Pers. Pers. Schn. Pers. Pers. Pers. Schn. Pers. Pers. 0 Zug Pers. Pers. Schn. 2412—I Wagenklasse 1—4|1 pres Pers. Pers. Schn. 1—8/3—4 1-4 1—4/1—4 1—8 41—8 1—4 1—3 /1—4 2—4|1—4 1—4 1—38—4 Hannover an „ ab Bückeburg Minden Porta Oeynhausen„ Löhne Herford„ Brake i. W. Bielefeld Brackwede Isselhorst„ Gütersloh„ Rheda Oelde Neubeckum„ Vorhelm Ahlen Heeßen.... Hamman „ ab Dortmund Köln.n 343 410 604 418 612 627 641 105 048 1208 Rheda ab Rheda Herzebrock Clarholz„ Beelen Vohren Warendorf Klauenberg„ Raestrup=Ew., Telgte Jägerhaus„ Handorf„ St. Mauritz, Münster an Bielefeld Brackwede Quelle Steinhagen Künsebeck Halle in Westf. Borgholzhausen Westbarthausen Dissen=Rothenfd. Hilter Hankenberge Wellendorf Otto=Schacht Oesede Malbergen Osnabrück Wiedenbrück Jägerheim Lintel Rietberg=Neuenk. Westerwiehe Westerloh Nordhagen Delbrück Ostenland Sennelager Münster 840 849 1218 Münster—Rheda. Köln Dortmund Hamm ab 420 440 25 1037 Heeßen Ahlen Vorhelm Neubeckum Oelde Rheda Gütersloh Isselhorst... Brackwede Bielefeld Brake i. W. Herford Löhne Oeynhausen Porta Minden Bückeburg Hannover „ ab Berlin 8. Bof.an „ Frdrstr.„ 281137 1200 8058 1242 1247 1254 106 15 354 530 16 1016 940 95 1002 1018 1022 1086 1051 1105 1120 1139 1158 335 Herford—Detmold—Altenbeken. Altenbeken—Detmold— 7/448] 759 0/501] 812 4505 817 1511 81518 531 Prackwede—Osnabrück. ab Osnabrück—Brackwede—Zielef. Löhne—Osnabrück—Rheine. Rheine—Osnabrück—Löhne. Sennelager-Wiedenbrüch. Sennelager Ostenland Delbrück Nordhagen Westerloh Westerwiehe Rietberg=Neuenk. Lintel Jägerheim Brachwede-Schloß Brackwede Windelsbleiche Kracks Schloß Holte Liemke Hövelhof Ostenland Sennelager Neuhaus Paderborn Nord Paderborn an 1058 112 1123 1122 1136 1132 1140 1153 1200 1213 1217 1226 5 510 524 540 73 510 600 614 620 626 35 613 653 706 714 722 Paderporn-Schlaß Holte-Brackwede. Paderborn ab 516 726 1185 232 527 856 Paderborn Nord„ 529 739 1209 246 511 915 Neuhaus„ 584 744 1215 251 546 915 Sennelager..„ 5 21752 1224 259 554 922 Ostenland„ 551 1801 1234 809 603 Hövelhos.... 556 806 1240 315 608 926 Liemte 606 816 1260 324 618 940 Schloß Holte„ 618 826 100 383 627 955 Kracks 627 835 109 341 636 1008 Windelsbleiche„ 684 840 116 347 642 1005 Brackwede.. an 644 849 126 356 652 1017 Rheda—Lippstadt. Rheda Wiedenbrück Batenhorst Langenberg i. W. Benteler Lipper=Bruchb. Lippstadt Morgens 8.26 8.35 8.42 8.52 9.00 9.12 11.86 5.17 11.44 5.25 11.51 5.31 12.00 5.42 12.08 5.50 12.20 6.02 12.34 6.16 Nachmittags. 8.20 8.35 8.43 8.55 9.04 9.16 9.30 Lippstadt ab Lipper=Bruchb. Benteler Langenberg i. W., Batenhorst„ Wiedenbrück Rheda an Rheda. Morgens Nachmittags 10.28 10.87 10.49 10.58 11.07 11.15 11.23 36 6.50 7.02 7.11 7.20 Bechum—Nenbeckum. Neubeckum—Beckum. 6.267.49/8.8011.20 2 214 40 7 43|10.41 an Neubeckum ab 6.41/8.06/8=42|12.05 3 45 5. 80 8 38 10.28 6.28/7.46/8.27/11,23/2.18/4.87/7.4010.08 ab Friedrichsh.„(6.45/8.10/8.49/12.09/2.49/5.87/8.29s10.82 6.15/7.38/8.19/11.15/2.10/4.29 7.82/10.00 ab Beckum, an 6.52/8.17/9.02/12.16/2.565.50/8.8610.39 Löhne ab Oeynhausen„ Blotho Oldendorf Hameln, an Löhne—Hameln. Morgens Nachm. 6.46 10.06 1.49 5.11 6.57/10.15 1.58 5.20 7.08/10.24s2.07/5.29 7.56 11.06 2.48 6.13 8.13 11.22/3.04 6.30 Abends 7.40 9.58 7.51 /10.09 8.01 10.19 8.54 11.11 9.13 11.30 Hameln, ab Oldendorf Blotho Oeynhausen„ Löhne an Hameln—Löhne. Morgens Nachm. Abends 9.42 9.59 10.40 10.50 10.57 290s Lemgo Barntrup Hameln Lemgo—Hameln. Hameln—Lemgo—Lage. 6.45 9.20 56.50 9.25 26.57 9.32 87.06 9.41 R7.11 9.46 57.17 9.52 7.2610.01 Kleinbahn 47.20/10.01/12.51/3.49 K7.84/10.09/12.50/3.57 12.10/3.08/7.20 9.40 ab Bielefeld Kleinbyf. 12.15/3.13/7.25 9.45 Schildesche=Retigsk 12.22/3.20s7.32 9.52s,, Schildesche Bahnh 12.31/3.29/7.41/10.01„ Gellershagen 12.30 3.34/7.40 10.06„ Babenhausen 12.42/3.40s7.52s10.12„ Dornberg 12.51/3.49/8.01|10.21)„ Isingdorf 8.09/10.29] an Werther Bielefeld Bieleseld=Ost Hillegossen Ubbedissen Oerlinghausen Helpup Ehlenbruch Wissentrup Lage Lage Wissentrup Ehlenbruch Helpup Oerlinghausen Ubbedissen Hillegossen Bielefeld=Ost Bielefeld Lage—Zielefeld. Hamm—Unna— Ammerte—Dagen—Elberfe Elverfeld—Hagen—Schwerte—Runa— 9.40 10.36 11.10 11.14 11.29 10.00 9.56 9.50 9.48 9.38 9.27 9.17 9.05 11.25 11.50 11.54 12.20 12.41 12.58 1.44 1.53 12.20 12.27 12.49 12.53 1.08 1.27 1.28 1.44