Fernsprecher Nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmonozeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 5 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, oh. Dienstag, den 30. April 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Erstes Blatt. Zahlungssitten im Kolonialwarenhandel. Die Anbahnung besserer Zahlungssitten ist in vielen Geschästszweigen seit Jahren schon das eifrige Bestreben des Kaufmannsstandes. Man hat längst erkannt, daß der einzelne Kaufmann gegenüber dem übermäßig langen Borgen der Kundschaft fast machlos ist und nur ein vereinigtes Vorgehen in den verschiedenen Geschästszweigen zum Ziele führen kann. Die Unsitte beginnt gewöhnlich damit, daß der Detallhändler seinen Kunden die Waren übermäßig lange borgt und dazu gezwungen wird, weil er sonst in Gefahr kommt, seine Kunden an den Konkurrenten zu verlieren, der auf pünktliche Zahlung nicht besteht und der säumigen Zahlungsweise der Kundschaft dadurch Vorschub leistet. Der Detailhändler, welcher seine Außenstände bei den Kunden nicht einzutrelben vermag, beansprucht nun seinerseits lange Zahlungsfristen von dem Großhändler und der scharfe Wettbewerb, welcher in den meisten Geschäftezweigen heutzutage besteht, führt dann dazu, daß auch im Großhandel übermäßig lange Zahlungssristen immer mehr einreißen. Dabei bildet sich schließlich ein ungesundes, wirtschaftlich nachteiliges Borgsystem heraus. Die Kundschaft gewöhnt sich an unwirtschaftliche Ausgaben. Der Detaflhändler baut sein Geschäst immer mehr auf der unsicheren Grundlage des Kredits auf, die jeder Rückschlag in der Konjunktur ins Wanken bringt. Die Neuanlage von Geschäften wird durch ungesundes Kreditgeben seitens des Großhandels allzusehr erleichtert, die Zahl der Geschäfte steigt weit über das wirtschaftliche Bedürfnis hinaus. Leute ohne genügende Geschäftskenntnisse und genägende Mittel eröffnen Ladenbetriebe, die zwar häufig bald wieder eingehen, die man aber durch Preisschleuderei und Kundensang mittelst des Borgsystems solange wie möglich zu halten sucht, sodaß schließlich der ganze Geschäftszweig die schwersten Nachteile davon hat. Besonders schlimm llegen diese Verhältnisse im Kolonialwarenhandel. Der Detailhandel klagt hier allgemein über gedrückte Preise und übermäßige Konkurrenz infolge Auftauchens immer neuer Geschäfte. Man braucht nur einmal durch neue Straßen größerer Städte zu gehen, und man wird sehen, daß häufig noch lange ehe die meisten Häuser bewohnt sind, schon eine große Anzahl von Kolonialwaren= läden eröffnet worden ist, bei denen man sich vergebens fragt, wo die Kundschaft für einen sollden Geschäftsbestand herkommen soll. Das Borgen an Kunden ist dann auch gerade im Kolonialwarenhandel besonders stark eingerissen und die Folge davon sind schlechte Zahlungssitten im Großhandel. Das an sich schon lange jetzt übliche Ziel von drei Monaten im Kolonialwarengroßhandel wird vielfach nicht aufrecht erhalten; es werden in vielen Fällen weit längere Zahlungsfristen gewährt, ja Zahlungsfristen von 6 Monaten und darüber sind nicht selten. Daß so lange Kreditfristen wirtschaftlich durchaus ungesund und ein schwerer Schaden nicht bleß für den Großhandel, sondern auch für den Detailhandel sind, liegt auf der Hand. In der gegenwärtigen Zeit der außerordentlich teuren Geldsätze macht sich dies in ganz verhängnisvoller Weise fühlbar. Das ist wohl auch der Grund, weswegen im Rolonialwarengroßhandel die auf die Beseitigung dieses schweren Uebelstandes gerichteten Bestrebungen gegenwärtig wieder besonders lebhaft aufgekommen sind. Schon Anfang dieses Jahres hat sich ein Verband von Kolonialwaren= Großhändlern des rheinisch=westsälischen Industriegebietes gebildet, dem ca. 100 Großhandelsfirmen in Essen, Elberfeld=Barmen, Duisburg, Dortmund, Bochum, Solingen, Hagen, Iserlohn, Borken und Münster beigetreten sind. Das nächste Ziel dieses Verbandes ist die allgemeine Durchführung einer Zahlungsfrist von 2 Monaten im Kolonial= warenhandel. In einem großen Teil des engeren rheinischwestsällschen Industriegebietes wurde im Kolonialwarenhandel schon bisher nur ein Ziel von 2 Monalen gegeben. Es wird nun angestrebt, auch den Großhandel des weiteren westsälischen Gebietes auf dieses Ziel zu vereinigen. Unterhandlungen dieserhalb haben für das Gebiet Münster, Hamm, Rheine, Osnabrück und angrenzende Bezirke im Sitzungssaale der Handelskammer in Münster unter den beteiligten Großhändlern bereits stattgesunden. Die Ueberzeugung, daß die Einhaltung einer Zahlungssrist von zwei Monaten dringend notwendig ist zur Herstellung einer gesunderen Lage des Kolonialwarenhandels, war dabei allgemein und ebenso die Bereitwilligkeit, der Kundschaft gegenüber das Zweimonatsztel allgemein zur Durchführung zu bringen. Es ist nur zu wünschen, daß eine Einigung darüber endgiltig zustande kommt. Davon wird nicht bloß der Großhandel, sondern auch der Detailhandel Vorteil haben. Für den Kolonialwarenhandel ist die Anbahnung gesunder Zahlungssitten noch notwendiger als in anderen Geschäftszweigen, denn er hat am meisten unter der Konkurrenz der Konsumvereine zu leiden. Man mag über deren wirtschaftliche Berechtigung denken wie man will, so wird sich doch nicht leugnen lassen, daß in dem von den Konsumvereinen meist innegehaltenen Barzahlungssystem ein großer Vorteil gegenüber dem gewerbsmäßigen Kolonialwarenhandel und seinen übermäßig langen Zahlungsfristen liegt. Lebersicht. Peutsches Reich. Dem Kaiser wurde bei seiner Ankunft in Straßburg am Sonnabend nachmittag festlicher Empfang bereitet. Vom Bahnhof aus begab sich der Kaiser mit dem Kaiserlichen Statthalter im Automobil durch das Spalier der Truppen, die die Einzugsstraße vom Bahnhof nach dem Kaiserlichen Palast umsäumten, von der Bevölkerung herzlich begrüßt, nach dem Kaiserpalast, wo um 3 Uhr Tafel stattfand, zu der die Spitzen der Behörden und die Herren der Umgebung geladen waren. Nach der Tafel brachten 600 Sänger vom Elsaß=Lothringischen Sängerbunde vor dem Kaiserpalast ein Ständchen dar, in dem sie vier Volkslieder, darunter das Elsaßlied von Wiltberger, sangen. Der Kaiser befahl den Vorstand des Bundes und den Dirigenten der Serenade zu sich und dankte ihnen für die Huldigung, die ihm Freude gemacht habe, er hoffe die Elsässer im Jahre 1909 bei dem Frankfurter Sängerweitstreit zu hören. Nach dem Gottesdienst am Sonntag besuchte der Kaiser die Umgegend von Straßburg und traf mittags 12 Uhr mit dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe=Langenburg und Gefolge im Automobil in dem festlich geschmückten Ofthausen zum Frühstück bei dem Unterstaatssekretär Fehrn. Zorn von Bulach ein. Beim Eintritt in den Schloßhof, indem sich Mädchen in der Landestracht aus den Gemeinden der Umgegend, Schulen und Vereine aufgestellt hatten, wurde der Kaiser von Herolden mait Fanfaren begrüßt. Nach dem Frühstück trat der Kaiser um 2 Uhr die Weiterfahrt nach der Hohkönigsburg an, begeistert begrüßt von den Menschenmassen, die aus dem ganzen Kreise in Osthausen zusammengeströmt waren. Nach mehrständigem Aufenthalt auf der Hohkönigsburg, wo die Ankunft um 8 Uhr nachmittags erfolgte, wurde am Abend die Abfahrt nach Schlettstadt angetreten, wo die Bevölkerung den um 6 Uhr eintreffenden Kaiser mit stürmischen Ovationen empfing; die Stadt, deren Kirche der Kaiser besichtigte, war prächtig geschmückt. Um 7¼ Uhr traf Se. Majestät wieder im Kaiserpalast zu Straßburg ein und folgte um 8 Uhr einer Einladung des Fürsten Statthalters zum Diner. Nach demselben hörte der Kaiser den Vortrag des Professors Hergesell über die letzte Nordlandsreise des Fürsten von Monaco. Der Vortrag war mit der Vorführung von Lichtbildern verbunden. Montag vormittag 11 Uhr nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der Garnison Straßburg ab und trat in der Generalsuniform mit dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe=Langenburg und dem kommandierenden General Ritter Hentschel von Gilgenheimb vor das Portal des Kaiserpalastes, wo Sein Dämon. Reman in zwei Abteilungen von Franz Treller. (25. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Clara war sehr bleich geworden, als in dieser Weise der Name Hunter erwähnt wurde, doch schten die Aeußerung ihres Vaters das schmerzliche Gefühl, das ihr die Worte des jungen Mannes erweckten, zu lindern; dann sah sie das Gesicht Henrys vor sich, mit den schönen, blauen Augen, die so ehrlich in die Welt schauten, und ihre heitere Stimmung kehrte zurück. Mrs. Wallon wandte sich an Mr. Stanford in der ihr eigenen Liebenswürdigkeit:„Ich habe mich von dem Wohlbefinden Clares überzeugt und muß nun wieder den Heimweg antreten, Mr. Sansord.“ „O. sobald schon?“ „Mr. Maltons augenblicklicher Zustand macht meine Anwesenheit auf Woodhill erforderlich und ich habe einen weiten Weg, das mag meinen raschen Aufbruch entschuldigen.“ Sie reichte ihm die Hand, küßte Clare auf die Stirn, grüßte flächtig die anderen und begab sich, von Stanford begleitet, zu ihrem Wagen, den sie mit ihrer Zose bistleg, um unter höflichen Aeußerungen des Bedauerns über den so kurzen Besuch von seiten des Hausherrn abzufahren. Das schöne Gesicht zeigte einen finsteren Ausdruck, während ihre flächtigen Virginier sie ellends davontrugen und sie verhielt sich schweigend während der ganzen Fahrt. Vor dem prächtigen, schleßähnlichen Gebäude angelangt, das schon der Vater Mr. Walions errichtet hatte, herrschte sie dem eben herbeikommenden Hausmeister zu:„Monsteur Lielere!“ und begab sich nach ihren Zimmern. Sie hatte kaum ihren leichten Mantel abgelegt, als Monsieur Lieleic, der ihr als Sekretär, Reisemarschall und Vermittler von allerlei Geschäften diente, erschlen. Monsteur Leelerc war ein eleganter Kreole französischer Abstammung, von höbschem Aeußern und den gefälligen Manieren, die dieses Volk auszeichnet. Das wohlgeformte Gesicht des Mannes trug inbessen einen Zug von Verschmitztheit, der auch unter dem höflichen Lächeln nicht verschwand, mit dem er seine Gebieterin begrüßte, während sein Auge sorschend auf ihr Gesicht geheftet war. „Was gibt es?“ fragte er ernster, als er die finstere Miene Mrs. Walions gewahrte, in französischer Sprache. „Es wohnt da hier herum, jedenfalls in der Nähe von Wilmington, eine Räuberfamille Hunter.“ „Ich habe davon gehört.“ „Diese zählt einen jungen, hochgewachsenen Mann von ansprechendem Aeußeren, Henry, einen Waldläufer, zu ihren Miigliedern. Doch ist anzunehmen, daß dieser Minsch in keinerlei Blutsverwandschaft mit den Leuten steht. Ich will alsbald wissen, woher der junge Mann stammt und was er eigentlich ist.“ „Darf ich den Grund erfahren? Hast Du etwas von dem jungen Mann zu fürchten.“ „Zu fürchten? Nein!“ erwiderte sie hochmütig, den Kopf zurückwerfend,„aber der Mensch hat eine gewisse Aehnlichkeit mit jemand, den ich früher kannte, und ich will wissen, wer er ist. Spare kein Geld, dieser Mr. Hunter wird ja dem Dollar zugänglich sein. Vor allem aber darf niemand wissen, von wem diese Nachforschungen ausgehen, der junge Mensch erst recht nicht.“ „Sage nur offen, warum Du diese Nachsorschungen anstellst!“ „Nimm an, es wäre Neugierde.“ „Es ware besser, Juang,“ sagte der Franzose,„Du schenktes mir reinen Wein ein. Es sind da einige bunkle Kapitel in Deinem Leben, die Du vor mir nie aufschlägst.“ „Geht es Dir hier zu gut, Bursche,“ sagte sie hochmütig,„Dir, den ich an der Loire als Bettler aufgelesen habe? Poche nicht zu sehr darauf, daß das Blut meines Vaters, wenn auch nicht auf ganz legalem Wege, in Deinen Adern rollt, ich könnte es vergessen. Hast Du aber Lust, Deine Stellung auszugeben? Das steht Dir frei. Willst Du nicht, so gehorche ohne zu fragen.“ „Du mißbrauchst Deine Macht, Jugna,“ sagte der Franzose,„Du solltest das nicht tun, ich könnte eines Tages den Mund auftun.“ „Bah, Du weißt sehr gut, daß, wenn ich meine Macht hier einbüße, man Dich mit Peitschenhieben von Woodhill fortsagen würde. Also laß Dein Geschwätz und suche die Herkunft des Mannes zu ergründen. Hier hast Du Geld.“ Sie gab ihm einige Hundertdollarnoten, die sie aus dem Schubfach eines Sekrelärs nahm. „Es wird nicht leicht sein, denn diese Hunters stehen in bösem Rufe. Auch weiß ich sie nicht einmal zu finden, wenn ich nicht den Neger mitnehme, der den Strom wie seine eigne Tasche kennt.“ „Das ist Deine Sorge, nur halte jeden Verdacht fern, daß ich in diese Angelegenheit verwickelt sei. „Ich werde iun, was ich kann.“ „Nur tu' es rasch, ehe andere Leute Dir zuver kommen.“ „Es soll geschehen.“ Damit ging Lielerc. Mrs. Walton saß da mit zusammengezogenen Brauen. „Es ist zwar kaum denkbar," flüsterte sie vor sich hin, „indessen, ich will Gewißheit haben.“ Einige Meilen von Milmington entfernt, zog sich ein breiter, mit kleinen Inseln und Schilf durchsetzter Wasserlauf durchs Land hinein, der, obwohl einige Bäche sich in ihn ergossen, doch wesentlich durch die Fluten des Mississippt gespeist wurde. Der Eingang, der vom großen Strome aus in den Bosou führte, war der Besetzung mit hohem Schilf wegen schwer zu erkennen. Da, wo nach dem Innern hin das Land sich erweiterte, lagen dicht am Wasser einige Blockhätten, halb von Gebüschen verheckt; in diesen hauste die Familie Hunter. Eln verwildertes Maisfeld zeigte sich in in der Nähe. Vor der Tür der größten Blockhütte lag, auf eine Bank hingestrickt, ein älterer, breitschultriger Mann im Kleide des Flußschiffers und rauchte aus einer kurzen Tonpfeise. Neben ihm log ein wolsartiger Hund. (Fortsetzung folgt.) F die Truppen in Zägen sämtlich zu Fuß vorbeikamen. Gestern nachmittag 3 Uhr unternahm der Kaiser eine Automobilfahrt nach der Dalgsburg und folgte abends 8 Uhr einer Einladung des Staatssekretärs von Köller zum Diner. Prinz Heinrich, der seit längerer Zeit beurlaubt war, übernimmt am 1. Mai wieder persönlich die Führung der Hochseeflotte, die jetzt zu den großen Uebungen in der Nordsee bereits im Kieler Hafen ankert. Das Befinden des Prinzen Eitel Friedrich hat sich in den letzten Tagen erheblich gebessert, so daß der Sturz für ihn keine üblen Folgen haben wird. Der Prinz wird sich noch einige Tage Ruhe gönnen mässen. Am 2. Mai, dem Tage der Bataillons=Besichtigung des 1. GardeRegiments, wird er seine Kompagnie schon wieder vorführen. Wie anders lautenden Meldungen gegenüber die „Nordd. Allg. Zig.“ mitteilt, ist es unrichtig, daß das gegen Herrn v. Puttkamer ergangine Urteil bereits Rechtskraft erlangt habe. Die Kolonialverwaltung kann sich über die Frage eventueller weiterer Schritte erst schlüssig werden, wenn das Urtell mit den Gründen zugestellt sein wird. Auch über die weitere Frage, eb Herr v. Puttkamer, wenn auch nur kurze Zeit, als Gouverneur nach Kamerun zurückkehren wird, ist eine endgiltige Entscheldung an zuständiger Stelle noch nicht getroffen. Der Seniorenkonvent des Reichstags stellte gestern, nachdem nunmehr die Vertagung über den Sommer hinaus gesichert ist, den Arbeitsplan für die bie Pfingsten noch verbleibenden 14 Tage fest. Auf jeden Fall sollen die Beamtengesetze bis dahin erledigt werden, und ebenso, wenn möglich, die Mojestätsbeleidigungs=Vorlage; zum mindestens soll sie in die Kommission gebracht werden. Das Handelsprovisorium mit Amerika muß natürlich auch vor Pfingsten erledigt werden. Dem Reichstage ist eine Uebersicht über die Zahl der noch lebenden Kriegsteilnehmer und ihre Hilfsbedürftigkeit zugegangen. Danach lebten am 1. Oktober 1906 noch rund 500000 Männer, die als Unteroffiziere oder Soldaten an dem Feldzuge von 1870 und den früher von den deutschen Staaten geführten Kriegen teilgenommen hatten und nicht aus Reichsmitteln oder Invalldenpensionen Unterstützungen nach Maßgabe des Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 bezogen. Von diesen Kriegsteilnehmern hatten ein Einkommen unter 600 Mark rund 250000. Von diesen 250000 hatten wiederum das 60. Lebensjahr bereits vollendet und eine auf weniger als ein Drittel herabgesetzte Erwerbsfähigkeit über 161000. Der Etalsentwurf für das Rechnungsjahr 1907 fordert für Kriegsteilnehmerbeihilsen 19800000 Mark. Dadurch würden beinahe an diese sämtlichen bedürftigen Kriegsteilnehmer Beihilfen gewährt werden können. Von den Anträgen auf Gewährung von Beihilfen, die in den Jahren 1898 bis einschließlich 1905 gestellt worden waren, sind im ganzen 70000 abgelehnt worden, etwa 31000 wegen mangelnder gänzlicher Erwerbsunfählgkeit, fost 35000 wegen mangelnder Hilfsbedürstigkeit und gegen 4000 wegen Unwürdigkeit. Wollte man sämtlichen Kriegsteilnehmern ohne Rücksicht auf Hilfsbedürftigkeit und Erwerbsunfählgkeit die Beihilfe gewähren, so würden dazu etwa 60000000 Mark erforderlich sein. Wollte man aber die Beihilfe auf diejenigen beschränken, welche ein Einkommen von weniger als 600 Mark haben ohne Rücksicht auf ihre sonstige Hilfsbedürftigkeit und herabgesetzte Erwerbsunfähigkeit, so würden annähernd 30000000 Mark erforderlich sein. Oesterreich-Ungarn. Kaiser Franz Joseph hat Prag gestern nach vierzehntägigem Aufenthalt wieder verlassen und ist nach Wien zurückgekehrt. In einem Handschreiben, das er vor der Abreise an den Statthalter Grafen Coudenhove richtete, hält der Kaiser die Stunde für gekommen, wo die beiden Volksstämme, in ihrer nationalen Kraft und Eigenart erstarkt, sich ohne Rückhalt die Hand zur Verständigung reichen und dann ohne Sorge um die Bewahrung ihres Volkstums in gemeinschaftlichem Wirken und Schaffen vorgehen könnten. Wörtlich heißt es dann in dem Schreiben weiter:„Mit der Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichheit auf dem Gebiete des Wahlrechts ist unter erfolgreicher Mitwirkung einer von mir aus Vertretern verschiedener Nationalitäten berufenen Regierung zugleich auch das verheißungsvolle Werk der Ausgleichung der nationalen Gegensätze begonnen worden, das mit aller Kraft gesördert und über alle Hindernisse hinweg der Vollendung zugeführt werden muß. Auch diese Mauern, welche die Völker noch trennen, und die volle Entfaltung ihrer reichen natürlichen Anlagen, wie auch der Macht des Staates hemmen, sallen zu sehen, wäre mein höchster Wunsch. Ich werde es als mein größtes Glück betrachten, wenn ich, der ich alle Leiden des Kampfes mitgefühlt habe, nun auch die Freude des nationalen Friedens mitempfinden könnte. Frankreich. Der König von England trifft am 1. Mai in Paris ein und wird hier ein oder zwei Tage verbleiben. Der König wird in der englischen Botschaft absteigen.„„ ##ußland. Der Zar hat am Sonnabend eine Gruppe bäuerlicher Abgeordneter, die den rechtsstehenden Parteien angehören, empfangen. Die Abgeordneten, 25 an der Zahl, überreichten dem Kaiser eine Adresse, in der die Bauern dem Zaren ihren Dank aussprechen für das hohe Vertrauen und die Wohltaten, die den Bauern erwiesen seien, sowie für die Zulassung ihrer Vertreter in die Duma. Sie stellten fest, daß ihre wirtschaftliche Lage aus Mangel an Land und wegen des Fehlens von Kredit beklagenswert sei und sprachen die Hoffnung aus, daß nur ein Wort des Kaisers notwendig sei, damit die Lage der Bauern gebessert werde. Die Adresse schließt mit den Varten:„Wir sind entschlossen, unser Leben für die Verteidiguing der kaiserlichen Autokratie zu opfern.“ Der Zar dankte der Deputation und sagte u. a.:„Seid unbesorgt und getrauet, daß ich alles tun werde, was ich kann und was ich für nötig befinden werde, um Euren Wohlstand zu bessern. Ich hoffe, daß mir dies gelingen wird durch Euer Mitwirken und durch das Mitwirken aller anderen dem Vaterland und mir treuen Mitglieder der Duma, welche jetzt in ihr sitzen und fernerhin in ihr sitzen werden. Die Reichseinnahmen im Finanzjahre 1906. Der Abschluß über die gesamten Einnahmen des Reiches im Finanzjahre 1906 liegt nunmehr vor. Danach haben die Zölle und Verbrauchsabgaben im ganzen 925,6 Millionen ergeben, d. i. 19,6 Millionen winiger als 1905, aber immer noch 12,2 Millionen mehr als der Stat für 1906 vorgesehen hatte. Die Börsensteuer hat 57,1 Mill. oder 9 Millienen über den Etatsanschlag eingebracht. Die Reichspostverwaltung, bei der diesmal auch die Portoerhöhung eine Rolle spielt, hat eine Einnahme von 564.5 Millionen Mark oder 12,7 Millionen mehr, die Reichseisenbahnverwaltung von 116,5 Millionen Mark oder 9,1 Millionen mehr zu verzeichnen gehabt. Bei beiden ist zu beachten, daß es sich nicht um Reinüberschüsse handelt. Bei der Postverwaltung stiht es vielmehr nach den Aeußerungen des Reichsschatzsekcetärs vom Februar ziemlich fest, daß die Steigerung der Ausgaben größer gewesen ist, als der Einnahmeülberschuß. Von den neuen Steuern hat die Zigarettensteuer 6,7 Millionen, der Frachturkundenstempel 11,5 Mill., der für Personenfahrkarten 10,9 Millionen, die Steuer für Kraftfahrzeuge 1.2 Millionen, für Vergütungen an Aussichtsratsmitglieder 2,8 Millienen, die Erbschaftestruer 3.6 Millionen erbracht. Der Gesamtertrag dieser neuen Steuern beläuft sich auf 86,2 Millionen Mark. Für sämtliche Einnahmen auf Grund der neuen Steuergesetze in den Eiat eine Summe von 61,7 Millionen eingestellt worden. Lokales und Provinzielles. 0 Gütersloh, 30. April.[Im Mai.] Morgen will er endlich seinen Einzug halten der Wonnemonat, nach dem sich besonders in diesem Jahre nach der langen Winterhaft alt und jung sehnte. Vergessen werden soll nun Kälte und Eis, Schnee und Regen, die Sorgen und Nöte des Winters. Erscheint doch jetzt die Erde wie ein weiter Garten, indem es knospet und grünt und blüht, daß es eine Freude ist. Es ist ein eigenartiger Zauber, den der Mai ausübt. Ven unzähliger Dichter Mund ist daher auch dieser Zauber vom Erwachen der Natur„im wunderschönen Monat Mai, da alle Knospen sprangen", besungen werden. Die Sonne steht zu Ansang des Monats 15 Grad nördlich vom Himmelsäquator und vermehrt ihre nördliche Abweichung noch bis auf beinah 22 Grad zu Ende des Monats. Wer ihren Auf= und Untergang beobachtet, wird finden, daß die Stelle, wo das Tagesgestirn erscheint, und verschwindet, merklich von der Ost= bezw. Westrichtung nach Norden abweicht. Die Tageslänge nimmt im mittleren Deutschland allmählich bis auf über 16 Stunden zu. X□ Süterslek. 30. April.[Evangelischer Bürgerverein.] Am vergangenen Sonntag fand die angekündigte Versammlung zwicks Gründung eines Evangelischen Bürgervereins im Saale des ev. Vereinshauses statt, wozu sich ca. 200 Personen eingefunden hatten. Im Auftrage des provisorischen Ausschusses eröffnete Herr H. Husemann die Versammlung und machte nach einigen einlettenden Worten den Vorschlag, Herrn Königl. Seminardirektor Ebers zum Leiter der Versammlung zu ernennen. Dieser Vorschlag fand allseitige lebhafte Zustlmmung. Herr Direktor Ebers erklärte sich bereit, die Leitung der Versammlung zu übernehmen. Derselbe gab zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, daß, wie der zahlreiche Besuch der Versammlung vermuten lasse, ein so großes und allgemeines Interesse für die Gründung eines ev. Bürgervereine vorhanden sei. Auf die vom Versammlungsleiter an die Anwesenden gerichtete Frage, wer für die Gründung eines ev. Bürgervereins sei, erklärte sich die Versammlung durch Erheben von den Sitzen einstimmig dafür. Darauf wurde der von dem provisorischen Ausschuß vorgelegte Statutenentwurf verlesen und die einzelnen§s eingehend beraten. Bis auf einen Punkt, den man auf mehrfach geäußerten Wunsch sallen ließ, und einige redaktionelle Aenderungen, wurde das Statut einstimmig angenommen. Da die Zeit inzwischen zu weit vorgeschritten, wurde die Tagesordnung dahin abgeändert, statt der Wahl des gesamten Vorstandes nur diejenige des ersten Vorsitzenden vorzunehmen. Nach dem einige Vorschläge gemacht, wurde Herr Königl. Seminardirekter Ebers einstimmig zum Vorsitzenden gewählt; derselbe erklärte sich bereit, die Wahl anzunehmen. Nachdem noch bekannt gegeben, daß die Wahl der übrigen Vorstandsmitglieder am Sonntag, den 5. Mai, abends 8½ Uhr, ira ev. Vereinshause stattfinden solle, wurde die Versammlung gegen 10¼ Uhr vom Vorsitzenden geschlessen. PI. Snterslob. 30. April.(Zweite A#potheke. Layt Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten soll im östlichen Teile von Gütersloh eine zweite Apotheke errichtet werden. Die nähere Bezeichnung der Lage bleibt vorbehalten. Bewerber haben sich bis zum 1. Juni de. Is. schriftlich bei dem Herrn Regierungspränidenten in Minden zu melden. ( Sütersloh, 30. April.[Der neue Sommerfahrplan] tritt am 1. Mai, also morgen, in Kraft. Derselbe bringt wieder mancherlei Neuerungen. Zwischen Herford und Gütersloh verkehren werklags folgende neue Züge mit 2. bis 4. Klasse: Nr. 247 Gütersloh ab 656 abends, Bielefeld an 729, ab 788, Herford an 752; Nc. 250 Herford ab 703 avends, Bielefeld an 725, ab 727, Gütersloh an 70—. Die Züge halten auf allen Zwischenstationen, was besonders auch den in Gütersloh beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen, welche die Abendzüge zur Rückfahrt benutzen, zugutekommt. Welche weitere Aenderungen, somit die hiesige Station in Betracht kommt, der neue Fahrplan mit sich bringt, ergibt sich aus den in der Beilage abgedruckten Abfahrtszeiten. Der Personenzug Nr. 233 Hamm ab 646 abends erhält in Ahlen, Neubeckum, Oelde, Rheda, Gürersloh, Isselhorst, Brackwede, Porta, Stadthagen und Haste neue Aufenthalte und wird insolgedessen verkehren: Hamm ab wie jetzt, Gütersloh ab 754. Bielefeld an 826 statt#98, ab 830 Katt 812. Minden an 929 Katt 907. an 930 Kan 911. Hannsver an 1044 statt 1028. In Ryeoa(ab 720) erhau der Zug neue Anschlüsse von Münster(ab 512) und von Lippstadt(ab 687). Der jetzige Aufenthalt des Zuges in Brake in W. fällt wieder fort. Außerdem erhält der Zug zwischen Hannover und Berlin neue Aufenthalte in Oevisfelde, Gardelegen und Vinzelberg. + Süterslohz, 30. April.[Einen Unsall auf der Baustelle) erlitt gestern nachmittag der Hilsarbeiter H. Beuse dadurch, daß er über eine Schiebkarre Krauchelte und dabei das Bein brach. Er fand Aufnahme im St. Elisabeth=Hespital. + Sütersloh. 30. April.(Turnerisches.] Zum zweiten Bezirksturnwart des Südbezirks wurde am Senntag in der hier bei Herrn Pollkläsener stattgefundenen VorturnerLehrstunde Herr Gustav Schulz gewählt. Es waren zirka 50 auswärtige Turner erschlenen. Vielefeld, 30. April.(Bauunglück.] Die Gemeinde Sieker läßt einen Kirchenneubau aufführen. Das Mauerwerk ist bereits aufgerichtet, zwei Bogen, die das Deckengewölbe tragen sollen, sind vollendet; auf einem dritten Bogen wurde gerade der Giebel aufgebaut, wobei 7 Maurer beschäftigt waren. Gestern vormittag gegen 11 Uhr Kürzte plötzlich dieser Bogen mit dem Giebel ein und riß einige der Arbeiter mit in die Tiefe, einer hatte sich noch im letzten Augenblick am Gerüst angeklammert und war dadurch der Gefahr entgangen. Die Maurer Dubert, Rolf und Sterner wurden schwer verletzt; sie erlitten Arm= und Beinbrüche; einer davon auch schwere Kopfverletzungen. Die übrigen drei kamen mit Hautabschürfungen davon. Der Bau wurde von dem Bauunternehmer Wilh. Lohweg hier ausgeführt, die Oberleitung hatte das Bauamt Bethel. Die eigentliche Ursache des Einsturzes muß die nähere Untersuchung ergeben. Wie verlautet, soll das Unglück auf einen Konstruktionsfehler, nach anderer Aussage auf schlechtes Baumatertal zurückzuführen sein. Bielefeld, 30. Aprll.[Zum Prozeß Brockseld.] Wie die Westf. Zig. heute hört, hat die Witwe Brockfeld die von ihr eingelegte Revision(stehe Beilage) zurückgenommen und sich bei dem Urteil des Schwurgerichts beruhigt. Leugerich, 30. April.[Ein frecher Streich wurde in der Nacht vom Samstag auf Sonntag verübt. Einbrecher brachen in der Druckerei von H. Bischof ein und richteten vielerlei Unheil an. Sie warfen die Schriften durcheinander und zerrissen Drucksachen. Von dem Täter sehlt jede Spur. Falzuflet. 28. April.[Beim Spielen in einer Sandgrube verunglückte) gestern hier das fönfjährige Söhnchen des Fabrikarbeiters Werner, indem es von niedergehenden Sandmassen verschüttet wurde. Es konnte nur als Leiche geborgen werden. Ein glücklicher Zusoll wollte es, daß kurz vor dem Einsturz zwei mitspielende Kinder sich von der überhängenden Wand entfernt hatten, so daß sie nur teilweise von der Erdmasse bedeckt wurden. Kinderhaus, 30. April.[Verschüttet] wurde gestern morger, der Knecht Josef Rottmann aus Cörde in der Alertichen Sandgrube. Da der Mann allein arbeitete, wurde sein Verschwinden erst nach geraumer Zeit gemerkt. Die dann sofort angestellten Hilfeleistungen waren ohne Erfolg, R. war bereits eine Leiche. 28. Avril.(Unglückliche Mutter.) Gestern morgen fand man im Bett eines Landwirts K. ein kleines Kind tot vor, das am Halse Merkmale von Strangulation aufwies. Die Frau des K. ist nun verdächtig, ihr Kind in einem Anfall von geistiger Störung erwürgt zu haben. Schon vor mehreren Tagen hat die ungläckliche Frau Aeußerungen Nachbarn gegenüber getan, die Zweifel an ihrem geistigen Zustande auskommen ließen. So hatte sie verlangt, man solle ihr Kind umbringen 2c. Die sofort eingeleitete Untersuchung wird ergeben, ob der schreckliche Verdacht begründet ist. Pohwinkel, 29. Aviil.[Ein Opfer seines Berufes wurde auf dem hiesigen Bahnhof der Rangierer Wilhelm Oltersbach. O., der mit Rangierarbeiten beschäftigt war, wollte die Geleise überschreiten, wobei er von einem Zuge erfaßt und gelötet wurde. Dortmund, 29. April.[Tötlicher Sturz.] Der Fabrikarbeiter Hermann Stölger erlitt dadurch, daß er beim Umzug über ein Waschfaß stolperte, so schwere innere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Pertmund, 29. Aorll.[Von Hunden angefallen.] Das Dienstmädchen eines Bäckers auf dem Westhellenweg wurde gestern beim Brötchentragen von zwei Doggen angefallen, und so zugerichtet, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden muß. Soest, 29. April.[Das Schweinefleisch) wird hier mit 55 Pfennig das Pfund von den Metzgern angeboten. Ein Beweis, daß doch das Fleisch billiger geliefert werden kann, wenn nur der gute Wille dafür da ist. Siegen, 29. Aprll.(Zugunfall.] Als Sonnabend früh der um 9.26 Uhr hier ankommende Schnellzug von Hagen den Bahnübergang auf Sieghätte passierte, dessen Schranke nicht geschlossen war, erfaßte er einen Postpaketwagen, der über die Schienen fuhr. Das Pferd wurde sofort gelötet, die im Wagen sitzenden zwei Beamten und der Kutscher blieben unversehrt. Die Schuld trifft den Bahnwärter, der die Schranke nicht geschlossen hatte. Folingen. 29. Aprll.[Milchuntersuchung. Der Rheinische Bauernverein hatte kürzlich eine Protestversammlung der Landwirte und Milchhändler einberufen zur Stellungnahme gegen die von der Solinger Polizelver= waltung angeordnete Veröffentlichung des Fettgehaltes der untersuchten Mlich. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der Einspruch erhoben wird gegen die Handhabung der Milchkontrolle und die Veröffentlichung der Ergebnisse der Untersuchungen, weil hierdurch die Landwirte wirtschaftlich schwer geschädigt und moralisch herabgewärdigt würden. Der Oberbürgermeister von SoUngen soll ersucht werden, die Anordnung der Veröffentlichung zurückzuziehen. Erinneruungs= u. Gedenktage für den Monat Mai. I. 1818 Schlacht bei Lützen. 6. 1882 Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen geb. 10. 1871 Friede zu Frankfurt a. M. 21. 1818 Schlacht bei Bautzen. 1871 Die Truppen der Versalller Regierung dringen in Paris ein. Straßenkampf gegen die Insurgenten. Ende der Kommune. 24. 1618 Beginn des 30 jährigen Krieges. Vermischtes. * H a m b u r g, 3 0. A p r i l. D a s D o r f M e c k e n f e l d b e i Hamburg ist gestern nachmittag durch Großfeuer fast gänzlich niedergebrannt. Kinder, die in der Scheune des Hofbesitzers Salmy mit Streichhölzer splelten, haben das Feuer verursacht, welches infolge des starken Windes mit rasender Schnelligkeit um sich griff. 18 Gebäude sind niedergebrannt. Der Schaden wird auf ein Viertel Million geschätzt. *[ S t a a t s p r e i s.] A u f d e r K o c h k u n s t= A u s s t e l l u n g in Magdeburg wurde der Maggi=Gesellschaft, Berlin, die Staatsmedallle von Anhalt zuerkannt. * A u g s b u r g, 2 7. A p r i l. I m V o r o r t P f e r s e e n i s t die Mutter mit zwei Kindern nach dem Genuß von Liberwurst unter heftigen Vergiftungserscheinungen erkrankt. Ein Knabe von 2½ Jahren ist bereits gesterben, ein zweiter von 16 Jahren liegt im Sterben. Die Mutter soll sich außer Gefahr befinden. * Würzburg, 28. April. Bei einer Tanzmusik in Oberaltenheim hat der Dienstknecht Drechsler von Virnsberg eine Dienstmagd derart mit einem Stock auf den Kopf geschlagen, daß nach 48 Stunden der Tod eintrat. Drechsler wurde verhaftet. *[Mit dem Bau einer Bergbahn) auf die Höhe des bei Bregenz belegenen Pfänder, dir der höchste Berg in der unmittelbaren Umgebung des Bodensees ist und eine geradezu unvergleichliche Fernsicht über das ganze weite Gebiet des Sees und weithin zu den ragenden Gipfeln der Alpen bietet, wird demnächst begonnen werden. Der Plan ist seit langer Zeit nach allen Richtungen durchberaten worden und die jetzt beschlossene Art der Ausführung fand den einmütigen Beifall im Bodensee=Verkehrsverein, der international ist, da in ihm alle fünf Bodensee=Staatea Wärttemberg, Bayern, Oesterreich, die Schweiz und Baden gleichmäßig vertreten sind. Die Bahn, die bei einer Länge von nur 3 Kilometern im ganzen eine Steigung von 660 Metern zu bewältigen hat, soll nach dem System der elektrischen Zahnradbahn gebaut werden, und zwar nach den Plänen, die der Ingenieur Gail Strub in Zürich, der Erbauer der Besuvbahn, der Mendelbahn und anderer Bergbahnen ausgearbeitet hat. Elwa 200 Meter von der Landungsstelle der Bodenseedampfer im Hafen von Bregenz wird die Bahn beginnen, und bis fost unmittelbar zu dem großen Hotel führen, das seit Jahren auf dem Gipfel des Pfänder, des„Rigi am Bodensee“, wie er in der Touristenwelt genannt wird, errichtet ist. Die größte Steigung wird 27 Proz., die mittlere 20 Proz. betragen. (Romanvorlesungen als Predigten.) Ein englischer Geistlicher, Rev. Noel von der Kirche der heiligen Jungfrau in einem nöedlichen Stadtteil Londons, ist auf ein neues Mittel verfallen, das die säumigen Gläubigen in die Kirche ziehen soll. Anstatt ihnen Predigten zu halten, wird er ihnen im nächsten Winter Rorzane vorlesen, und dazu wird er noch musikalische Einlagen geben. Romane von Hall Caine, Stevenson, Vic'or Hugo und ein Schauspiel von Ibsen(Der Volksfeind) stehen auf der Liste, die aber auch Novellen und Humoresken umfaßt. * Petersburg, 29. April. Wegen Mangels an Bestellungen wurde die Petersburger Waggonfabrik geschlossen. 2000 Arbeiter wurden entlassen.— Das Millitärgericht in Warschau hat den deutschen Reichsangehörigen Osten wegen Zugehöcigkeit zur revolutionären Militär=Organisation zu vierjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Kurzer Getreide-Wochenbericht der Preisberichtestelle des Deutschen Landwirtschafterate vom 23. bis 29. April 1907. Der amtliche Bericht über den Saatenstand im Deutschen Reiche hebt die erheblich über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Winterschäden und die bisherige Ungunst der Witterung für das Wachstum hervor. Auch die Berichtswoche hatte mit Nachtfrösten und Schneestürmen vlelfach einen recht winterlichen Anstrich. Erntebesorgnisse äußerten vor allem auch die Vereinigten Staaten, deren Preisfortschritte zur allgemeinen Befestigung wesentlich beitrugen. Der Hauptgrund für die auch in der letzten Woche anhaltende Aufwärtsbewegung liegt jedoch in den starken Ansprüchen Deutschlands auf dem Weltmarkte und der damit zusammenhängenden Anspannung der überseeischen Forderungen. Rahezu vollständiger Mangel an inländischem Angebot hat wieder umsangreiche Erwerbungen im Auslande nötig gemacht und die Meinung angeregt. Während sich für Weizen aber immer noch Ersatz schaffen ließ, verursachte der Einkauf von Roggen ernstere Schwierigkeiten; direkte Offerten vom Auslande sehlten nahezu ganz und das spärliche zweithändige Angebot war erheblich über Inlandspreisen gehalten. Die Mühlen sahen sich daher veranlaßt, auf dem Terminmarkte Deckung zu suchen. Der heute durch Gewinnsicherungen hervergerufene Preisdruck wurde zwar schnell überwunden und wenn der Höchststand auch nicht mehr erreicht werden konnte, so bleiben doch zum Schluß noch ansehnliche Preisgewinne bestehen, bei Weizen für Mai 2, für Juli 3½ für September 1½ und bei Roggen für Mat 4½. fürz Juli 6¼ und für September 4½ Mi. Im Mehlgeschäft griff der Bedarf wohl lebhafter zu, aber die Preise hielten mit der Bewegung für das Rosprodukt keineswegs Schritt. Auf dem Hafermarkte vermochte die vorsichtige Haltung der Käufer ein weiteres kräftiges Anzlehen der Preise nicht zu verhindern. Für Futtergerste wurden bei flottem Abzug unzewöhnlich hohe Preise bewilligt. Mais erfreute sich lebhafter Kauflust, trotzdem die letzten Ankünste von Mixed wieder zu wünschen übrig lassen. La Platamais ist in greifbarer Ware nicht vorhanden. Die Forderungen für Russischen= und Donaumals lauteten in Uebereinstimmung mit der festen Haltung Amerikas merklich höher. Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Marktage in Mark ro 1000 kg je nach Qualität an den nachgen innten Orten, wobei das Mehr(+) bezw. Weniger(—) gegenüber der Vorwoche in Klammern() beigefügt ist, wie folgt: Berlin Hamburg 198 Hannover 208 Münster— Düsseldorf 205 Köln 195 Weizen *((+0) (+-3) —) (+8) (+5) Roggen 185(+7) 184(+5) 192(+-6) Haser 190 182½ +8) +5) 196 194 197 300 200 4) 5) (+6) (+-2½ Jeder Versuch ein Erfolg! bei rechtzeitigem Gebrauch der anerkannt vorzüglichen, 1000 jack bewährten und glänzend begutachteten Risalan= Spezialitäten(Retonenmarke). „Nordsters“. Lebens=Versicherungs=Aktien=Gesellschaft zu Berlin. In der am 27. Aprsl er. abgehaltenen Gener#l=Versammlung wurde die vorgelegte Bilanz und die vorgeschlagene Gewinn=Verteilung genehmigt, wonach an die am Gewinn beterligten Versicherten des Nordstern Mk. 1461775,38, an die der Vaterländischen Ml. 574618,10, zusammen Mk. 2036388,48 und an die Aktionäre des Nordstern Mk. 299340.— oder Ml. 180,— die Aktie zu überweisen sind. Die vertragliche Divldende für die früheren Aktionäre der Vaterländischen ist mit Mk. 36.—, für die Aktie bereits zur Auszahlung gelangt. Der Verwaltung wurde Decharge erteilt. Die im regel mäßigen Turnus aus dem Aussichtsrate ausscheidenden Mitglieder die Herren Bankier von Krause, Kommerzlenrat Berve. Geh. Seehandlungsrat a. D. von Schöller und Rezierungs=Assessor a. D. de Weerth wurden wiedergewählt. Die Wahl der Rechnungsrevisoren s#el für 1907 auf die Herren Bankier George, Geh. Regierungsrat Dr. Jur. Hers und Geh. Sanitätsrat Dr. Miyer. Alle Beschlüsse erfolgten einstimmig.— In der General=Versammlung des„Nordstern, Unfall= und Alters=Versicherungs=Aktien=Gesellschaft“ wurde ebenfalls die vorgeschlagene Dividende von 10% der Einzahlung gleich Mi. 90.— pro Aktie an die Aktionäre, die Ueberweisung von Mk. 55716,10 an die am Gewinn beteiligten Versicherten, von M. 55716,10 zur Gewinnreserve, Mk. 10 735,62 zur Haftpflicht=Sonderreserve, sowie her Gewinnvortrag von Mk. 27826.24 genehmigt. Die Neuwahlen für Aussichtsrat und Revisionskommission waren die gleichen wie bei der Lebensversicherungs=Gesellschaft.— Das laufende Geschäftsjahr hat für beide Gesellschaften eine weitere erfreuliche Geschäftssteigerung gebracht, auch ist die Umschreibung der Policen der Vaterländischen auf die Nordstern=Gesellschaften zum größten Teile bereits durchgeführt. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei 8 leiden nicht, an Verdauungs störung Hervorragend bewährt bei Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhoe etc. Die glückliche Geburt prächtigen Jungen zeigen hocherfreut an Paul Metelmann u. Frar Hanns geb. Oldermann. Essen(Ruhr), den 27. April 1907 Amt Gütersloh. Bekanntmachung. Das Schulgeld für die innerhalb des Schulverbandes Umt Gütersloh gegen Kostgeld untergebrachten und eine der Schulen dieses Schulverbandes besuchenden, nicht einheimischen Kinder ist für das Rechnungsjahr 1907 von 21 auf 30 Mark pro Kind erhöht worden. Gütersloh, den 26. April 1907. Der Amtsverwalter. Villaret. Statt besonderer Anzeige. Gott dem Herrn hat es gefallen, gestern abend 9½ Uhr meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Luise Bökenhans geb. Boknecht nach langem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden im 68. Lebensjahre zu sich in sein Himmelreich zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: Familie W. Bökenhans. Gütersloh, den 30. April 1907. Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. Mai, nachmittags 8 Uhr, vom Trauerbause, Gartenstrasse 554, aus statt. Am Donners tag morgen von 8 Uhr ab wird— bei Knufinke am Dreiecksplotz das Fleischz einer jungen Kuh das Pfd. zu 45 u. 50 Pfg. verkauft. Donnerstag: ff. Nordern. Schellfisch. Wilh. Husemann. Gelegenheitskauf! Flachsteppmaschine für Schuhmacher oder Sattler passend, sowie eine Säulenmaschine(beide Singer) wenig gebraucht, für je 65 Mark zu verkaufen. Näheres H. Niehaus. Ich suche einen gebrauchten mittelgroßen Eisschrank zu kaufen. Wilhelm Saligmann, Gasstraße. Nachruf. Nach langer, schwerer Krankheit entschlief Sonnabend morgen ½5 Uhr unser Mitarbeiter Karl Hark. In dem Verstorbenen betrauern wir einen lieben Mitarbeiter, dessen Andenken auch über das Grab hinaus bei uns in Ehren gehalten wird. Die Arbeiter der Firma Vogt& Wolf A.-G. Bekanntmachung. Der Fleischwarenhändler Heinrich Flöttmann in Sundern Nr. 149 beabsichtigt, in der Bauerschaft Sundern aus seinem Grundstück Flur 28 Parzelle 269/34 ein Schlachthaus zu erbauen und in Betrieb zu nehmen. Die Abwässer sollen in ein an der Südseite des Nubaues zu errichtendes Bassin abgeleitet werden. Gemäß§ 17 der Reichsgewerbeordnung wird dies Unternehmen mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis gebracht, etwalge Einwendungen gegen die beabsichtigte Anlage binnen 14 Tagen schriftlich in 2 Exemplaren oder Protokoll bei der unterzeichneten Behörde anzubringen, zugleich mit der Verwarnung, daß nach Ablauf dieser Frist Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden können. Obige Frist beginnt mit Ablauf des Tages, an dem das diese Bekanntmachung enthaltende Blatt herausgegeben wird und ist für alle Einwendungen, welche nicht auf privatrechtlichen Titeln beruhen, präklustoisch. Die zu der Anlage gehörenden Beschreibungen und Zeichnungen liegen auf dem hiesigen Bureau während der Dienststunden zur Elnsicht offen. Gleichzeitig wird hiermit zur mändlichen Erörterung der etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen auf Dienstag. den 14. Mai d. Is., vormittags 10 Uhr, im hiesigen Amtshause ein Termin anberaumt, zu welchem die Beteiligten mit dem Eröffnen geladen werden, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird. Gütersloh, den 30. Aprll 1907. Die Polizeiverwaltung des Amtes Gütersloh. I. V.: Merklinghaus, Beigeordneter. Vorzügl. vollsaftige Messinaund Blutapfelsinen in allen Preislagen. Feinste Tranbenrosinen, feinste Peinzeßmandeln in frischer Sendung. W. Küster. I EEG elTe LATC 41143 Ein großes, guterhaltenes Zelt ist gleich oder später preiswert zu verkaufen. Zu erfragen in der Expedition dieser Zeitung. Wolll’s billige Fische. Ger. Seelachs per Pfd. 35 Pig. Ger. Schellfisch per Pfd. 30 Pfg. Donnerstag früh große Ia. Bratschellfisch per Psd. 13 Pfg. la. Schellsisch ohne Kopf per Po. 24 Pfg. la. Cabliau ohne Kopf Pfd. 16 Pfg. la. Schollen per Psd. 25 Pfg. Senntag, den 5. Mai 1907, nschmittage 4 Uhr anfangend findet bei mir —6 Frühlingsfeier bestehend in Konzert und Ball statt. und ladet zu recht zahlreichem Besuch freundlichst ein J. Schlickmann, Avenwedde. Verein für Geflügelzucht und Tierschutz. Monatsversammlung Mittwoch, den 1. Mai, abends 8½ Uhr. Tagesordnung: 1. Eingänge; 2. Bericht über den Verbandstag in Bielefeld; 8. Wahl der Vertreter zum Verbandsloge des westdeutschen TerschutzVerbandes; 4. Vortrag über Dominikaner; 5. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Kreuztüll-Gardinen erfreuen sich jetzt grosser Beliebtheit und habe ich daher diese Gardinenart in grosser Auswahl aufgenommen. 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Der Reichstag beriet heute den Postetat, wozu ein Bündel Resolutionen vorliegen, in denen verlangt werden: Ostmarkenzulagen schon pro 1907, anderthalbfache Anrechnung des Nacht= und Feiertagsdienstes der Postbeamten, Aenderung der Personalordnung für die mittlere Beamtenlaufbahn und früherer Schluß der Bearbeitung von Massendrucksachen und der Paketannahme an den Vorabenden von Sonn= und Feiertagen. Abgeordneter Dröscher(k.) trat warm für eine größere Fürsorge für die Beamten ein und mißbilligte, daß die bezüglichen einmütig beschlossenen Forderungen des Reichstags bieher nicht berücksichtigt seien. Abg. Kaempf(frs.) empfahl der Reglerung, auf dem nächsten Weltpostkongreß auf Ermäßigung des Welipostportos hinzuwirken, inzwischen aber sich um Abschluß von Spezialverträgen mit anderen Ländern zu bemühen. Ferner trat er für Einführung des Postschickverkehrs ein. Staatssekretär Kraetke teilte bezüglich des letzteren Punktes mit, daß jetzt neue Vorschläge ausgearbeitet würden. Bei der Frage der Porto=Ermäßigung dürfe doch setzt, wo uns an allen Ecken und Enden das Geld fehle, der finanzielle Effekt nicht übersehen werden. Abg. Gamp(Rp.) wünschte gleichfalls Einführung des Postscheckverkehrs, zugleich aber auch Wiedervorlegung des Pestsparkassengesetzes. Er erklärte, daß seine Freunde, um die Ostmarken=Zulagen überhaupt durchzusetzen, in deren Unwiderruflichkeit, die von freisinniger Seite beantragt ist, willigten. Staatssekretär Frhr. v. Stengel konnte noch nicht sagen, wie sich die verbändeten Regierungen dazu stellen würden. Abg. Hamacher(Zir.), der frühere Vorsitzende des Postassistenten=Verbandes, und Duffner(Z.) trugen verschiedene Wünsche der Beamten vor. Ersterer trat namentlich für das Vereinigungsrecht der Beamten ein. Berlin, 29. April. Der Reichstag überwies in heutiger Sitzung die Beamtenpensions= und Reliktenversorgungs=Vorlagen einer besonderen Kommission zur Vorberatung und setzte dann die Beralung des Postetats fort. Abg. Beck=Heidelberg(nl.) sprach für Gehaltsaufbesserungen, für Entgegenkommen der Verwaltung gegenüber den Beamtenverbänden und gegen jede Behinderung der Beamten, sich auch in persönlichen dienstlichen Angelegenheiten an die Abgeordneten zu wenden. Abg. Singer(Soz.) verwarf die Ostmarkenzulagen, mit denen die Reglerung die Beamten nur korrumpieren würde, und die Wiedererhöhung des Portos im Orts= und Nachbarorisverkehr, die wider Treu und Glauben verstoße, und verurtellte, daß auf dem sozlaldemokratischen Parteitag in Mannheim kein Postamt eingerichtet worden sei. Staatssekretär Frhr. v. Stengel teilte mit, daß die Vorlage eines Ergänzungsetats wegen der Teuerungsulagen nächster Tage dem Bundesrate zugehe. Staatsekretär Kraetke protestierte dagegen, daß von der Behörde eine unzulässige politische Einwirkung auf die Beamten geübt werde und daß die Wiedererhöhung des Orlsportos für Drucksachen und Postkarten wider Treu und Glauben verstoße. Der Verwaltung könne man nicht zumuten, Beamten auf die sozialdemokratischen Parteitage zu schicken. Abg. Lattmann(wirtsch. Vog.) wünschte u. a. die Abschaffung der bayerischen Postmarke, ferner Schaffung von Beamtenausschüssen und Wiederherstellung des ermäßigten Ortsportos für Drucksachen und Postkarten. Abg. von Chlapowo(Pole) bekämpft die Ostmarkenzulagen. Abg. Kopsch(frs. Vp.) befürwortet die freisinnigen Resolutionen, insbesondere die betr. die Neuorganisation des Personalwesens. Staatssekretär Kraetke verteidigte demgegenüber die jetzige Organisation. Morgen: Fortsetzung. Vorher: Stat des Reichskanzlers. Preußischer Landtag. Abgeerdnetenhauf. Berlin, 27. Apell. Das Abgeordnetenhaus führte heute die 3. Lesung des Stats zu Ende und nahm den Stat einstimmig an. Beim Kuliusetat wurden noch die Fälle der Nichtbestätigung einiger liberaler Geistlichen zur Sprache gebracht. Minister Dr. v. Studt sagte, daß diese Dinge nicht in den Landtag, sondern in die Generalsynode gehörten. Beim Etat des Ministeriums des Innern rechtfertigte Minister v. Beihmann=Hollweg mit dem Interesse der Disziplin den von liberaler Seite angefochtenen Grlaß, der den Beamten verbietet, sich mit Wünschen, die ihr persönliches dienstliches Verhältnis beireffen und deren Erfüllung der Zuständigkeit der vorgesetzten Behörde untersteht, an einzelne Abgeordnete zu wenden. Abgg. Frhr. v. Zedlitz(srk.) und v. Heydebrand(k.) ersuchten den Minister, den Wortlaut seines Erlasses mit seinen heutigen Erklärungen in Einklang zu bringen. Zum Stat der Bauverwaltung wurde ein Antrag der Freikonservativen angenommen, wonach mit Rücksicht auf die Baunot auf dem Lande bei staatlichen Bauten einheimische minderjährige Arbeiter nicht verwendet werden sollen. Berlin, 29. April. Das Abgeordnetenhaus beriet heute die Eisenbahnvorlage, die im ganzen 223 Millionen zur Ergänzung des Eisenbahnnetzes fordert, in erster Lesung. Nicht weniger als 86 Redner hatten sich dazu zum Wort gemeldet. Minister Breitenbach begründete die Vorlage. Abg. v. Quast(k.) beantragte deren Verweisung an eine Kommission. Abg. Macco(nil.) erklärte den Bau weiterer Kanäle zur Entlastung der Eisenbahnen für notwendig. Abg. Frhr. v. Erffa(k.) wies die in den thäringischen Landtagen gegen die preußische Eisenbahnpolilik erhobenen Beschwerden zurück und bezeichnete das Verlangen des Dr. Müller=Meiningen, daß sämtliche thäringischen Kleinstaaten an dem Reingewin der preußischen Staatsbahnen teilnehmen sollen, als einen Raubzug gegen die preußischen Finanzen. Minister Breitenbach bestritt dem Abg. Erffa gegenüber, daß die thüringischen Staaten grundsätzlich bevorzugt würden. Seitens zahlreicher Redner wurden dann Wünsche auf neue Bahnverbindungen in den verschiedeusten Landesteilen vorgebracht. Abg. Humann(Z.) bittet erneut um den Bau einer Bahn von Corbach nach Marsberg im Waldeckschen und um Weiterführung der Bahn Paderborn=Lippspringe, die jetzt als Sackbahn ende. Morgen Fortsetzung der Beratung. Lokales und Provinzielles. 88 Sütersloh. 30. April.[Mil Einführung der TarIfreform] am 1. Mai d. J. sollen in großer Schrift gedruckte Bekanntmachungen folgenden Wortlaute an auffallenden Stellen der Fahrkarten=Schalter angebracht werden:„Rückfahrkarten werden nicht mehr ausgegeben (ausgenommen im Seebäder= und Auslands=Verkehr). Wer bei Lösung der Fahrkarte schon entschlossen ist, an demselben oder am nächstfolgenden Tage die Rückreise anzutreten, kann — soweit nicht Doppelkarten verausgabt werden— gleichzeitig mit der Fahrkarte zur Hinfahrt auch eine Karte zur Rückfahrt lösen. Die zur Rückfahrt bestimmte Karte wird durch den Stempelaufdruck„Räckf.“ als gültig zur Fahrt im umgekehrter Richtung gekennzeichnet. Zur Vermeidung von Verzögerungen bei den Fahrkarten=Prüfungen wird er sucht, die mit dem Stempel„Rückf.“ versehenen Fahrkarten den Schaffnern an der Bahnsteigsperre oder den Zügen bei der Hinfahrt nicht mit vorzuzeigen.“ I1 Sütersleh, 30. Aprll.(Appell ehemaliger 7. Jäger in Bückeburg.] Zu dem am 1., 2. und 8 Juni d. Is. in Bückeburg stattfindenden Appell ehemaliger 7. Jäger sind bereits zahlreiche Anmeldungen eingegangen. Es ist dringend erwänscht, daß diejenigen Kameraden, welche an dim Appell teilzunehmen gedenken, recht bald eine bestimmte Erklärung abgeben. Programme sind durch den Kameraden Hofjäger Robert Rabe in Bückeburg zu beziehen. — Wohnungen werden den einzelnen Teilnehmern bei Ankunft in Bückeburg nachgewiesen werden. Verford, 30. April.[Revisien angemeldet.) Die Witwe Brockseld von hier, welche wegen Ermordung ihres Mannes vom Bielefelder Schwurgericht zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt. Pellert, 27. April.[Die Genickstarre] nimmt hier einen ernsten Charakter an und gibt Anlaß zur Beunruhigung. Heute morgen sind wieder zwei neue Erkrankungsfälle zur Anmeldung gelangt; es handelt sich um das dreijährige Mädchen des Arbeiters Asmus und die 54jährige Frau Angerer, die Mutter eines hiesigen Volksschullehrers. Die Erkrankten wohnen eigentlich dicht bei einander. Insgesamt sind bis jetzt 5 Erkrankungsfälle zu verzeichnen. Gin Schlosser, der gestern ins Krankenhaus eingeliefert wurde, ist der Seuche zum Opfer gefallen und innerhalb 24 Stunden gestorben. Porsten, 27. Apell.(Tollwutverdächtig. Gestern wurde hier der tollwutverdächtige Hund des Händlers M. ergriffen und auf polizeiliche Anordnung getötet. Die Sektion ergab Tollwutverdacht. Infolgedessen ist für drei Monate die Hundesperre im Stadtbezirk verhängt worden. Bißverletzungen durch den Hund sind nicht vorgekommen. Soost, 28. Aprll.[Ein schweres Unglück) ereignete sich gestern auf der Chaussee von Werl nach Soest, wobel ein Radfahrer, ein Gymnastast aus Soest, zu Tode kam. Der Verunglückte, der mit mehreren Mitschülern eine Radtour von Soeft nach Werl unternommen hatte, begegnete einem Automobil auf freier Chaussee. Das Automobll und ebenso die entgegenkommenden Radfahrer wichen nach rechts aus, während der Verunglückte offenbar die Geistesgegenwart und die Herrschaft über sein Rad verlor und nach der entgegengesetzten Seite ausbog und unmittelbar vor dim Automobil zu Fall kam. Obwohl das Automobil in mäßigem Tempo fuhr und gleich alle Bremsvorrichtungen in Tätigkeit gesetzt wurden, gingen die Vorderräder noch über den Radfahrer weg, dir innere Verletzungen erlitten hat. Das Automobil beförderte den Verletzten sofort zum Krankenhaus nach Werl, wo er verstorben ist. Köln, 29. April.[Gegen die hohen Fleischpreise.] In einzelnen niederrheinischen Orten gingen angesichts des Umstandes, daß die Metzgermeister immer noch auf hohe Verkaufspreise halten, die Landwirte dazu über, ihre massenhaft gezüchteten Schweine selbst zu schlachten und zu billigen Preisen direkt an die Abnehmer zu verkaufen. Das Fleisch fand reißenden Absatz. Auch im Ruhrgebiet wollen die Landwirte ähnliche Einrichtungen schaffen. Vermischtes. * Plauen(1. Vogtl.), 28. April. Wie der„Vogtl. Anzeiger“ meldet, ist in vergangener Nacht in Bad Eister das Hotel Weitiner Hof, das größte Hotel in Bad Elster, aus dem seinerzeit die Prinzessin von Koburg geflüchtet war, vollständig niedergebrannt. Es ist wenig gerettet worden. Menschen sind nicht verungläckt. Die Ursache des Brandes konnte bisher nicht festgestellt werden. *(Sinbruchsdlebstahl.] Reiche Beute machten Eindrecher, die in der Nacht zum Sonntag in die Wohnung des Pfarrers Stock in Groß=Lichterfelde bei Berlin eingedrungen waren. Sie erbrachen die Tür zum Pfarramisbureau und stahlen aus der Kasse 2300 Mark in barem Gelde. Ferner erbeuteten sie eine größere Anzahl wertwoller Münzen und einen vergoldeten Kirchenschlüssel. [Aufschluß aus dem Kreiskriegerverbande. Der Vorstand des Kriiskriegerverbandes in Schmalkalden hatte den drei Kriegervereinen des Kirchspiels Trusen zur Pflicht gemacht, diejenigen Mitglieder auszuscheiden, welche dem sozialdemokratischen Bergarbeiterverbande angehören. Dieser Aufforderung kamen aber nur zwei Vereine nach, der dritte erklärte sich mit Stimmenmehrheit gegen den Ausschluß. Der Kreiskriegerverband hat nunmehr beschlossen, die Mitglieder, die gegen den Ausschluß gestimmt haben, aus dem Verbande auszuschließen. ** *[Die Stellungnahme.] Eine Bewerberin um den Lehrerinnenposten einer ländlichen Schule wurde gefragt: „Welches ist Ihre Stellungnahme in bezug auf das Schlagen der Kinder?“ Sie antwortete:„Gewöhnlich nihme ich meine Stellung so ein, daß ich aus einem Stuhle sitze und das Kind fest über mein Knie lege, mit dem Gesicht nach unten.“ Abfahrzeiten der Personen- und Schnellzüge von Station Nach dem Eisenbahn=Fahrplan vom 1. Mai 1907. Die mit einem* bezeichneten Züge sind Schnellzüge, führen alse keine IV. Klasse mit sich. Nur an Werktagen verkehren ab bezw. nach Gütersloh noch folgende Personenzüge mit 3.—4, Klasse. Gütersloh ab 548, Isselhorst ab 552, Brackwede ab 608, Bielefeld ab 625 Brake(Wests.) ab 636, Herford an 645, Gütersloh ab 648, Isselhorst ab 700, Brackwede ab 728, Bleleseld ab 738, Brake(Wests.) ab 743, Herford an 752. Bieleseld ab 620, Brackwede ab 629, Isselhorst ab 632, Gütersloh an 646 Sonnabends fährt dieser Zug wie folgt: Bielefeld ab 515, Brackwede ab 600. Isselhorst ab 610, Gütersloh an 617 Herford ab 703, Brake(Westf.) ab 714, Bielefeld ab 721. Brackwede ab 735 Isselhorst ab 745, Gütersloh an 752. Teutoburger Wald-Eisenbahn. Abfahrzeiten in der Richtung nach Jbbenbüren: 6 Uhr 05 Min. morgens 8„ 50„„ 11„ 80„ vormittags 8" 00„ nachmilt.*) 4„ 50„* 8„ 82„ abends**) *) Nur Sonntags bis Marienfeld **) Nur bis Versmold. in der Richtung nach Hövelhof: 8 Uhr 45 Min. mergens 2„ 07„ nachmitt. *) Nur bis Verl; Sonntags und Dienstags bis Kaunig.