Neue Gütersloher Zeitung Fernsprecher nr. 52 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. lustrierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 41 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, Sonnabend, den 6. April 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Erstes Blatt. Den Anfang unserer Berichtswoche machten diesmal die Osterfeiertage, welche unter allen Zeichen der Wiederkehr des Frühlings, unter einem wolkenlos blauen Himmel und strahlender Sonne, bei milden Lenzeslüften und treibendem Grün stattgesunden haben. Es ist klar, daß solches Wetter fördernd und belebend auf die Osterfreude und ihre Aeußerungen einwirken mußte. Eine eigentliche Felertagsstille hat es in der Politik aber nicht gegeben. Das bedeutsamste Greignis, das die Feiertage gebracht haben, war die Zusammenkunft des deutschen Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem italienischen Minister des Auswärtigen Tittoni in Rapallo an der Riviera. Als Ergebnis der Unterredung der beiden Staatsmänner ist deren volle Uebereinstimmung in allen prinzlpiellen Fragen verkündet worden. Die augenblicklich schwebenden Fragen sind: die marokkanische und die der Haager Friedenskonferenz. Von englischer Seite ist angeregt worden, auf der am 15. Juni beginnenden Haager Friedenskonferenz auch die Abrüstungsfrage bezw. die Frage einer Begrenzung der Rästungen zur Erörterung zu stellen. Die Vereinigten Staaten und Spanien, also zwei Mächte, die einen der letzten Kriege gegen einander geführt haben, haben den Vorschlag Englands zu dem ihrigen gemacht. Deutschland und Oesterreich=Ungarn versprechen sich kein praktisches Ergebnis von einer solchen Erörterung; der Gedanke einer Abrüstung oder einer Begrenzung der Kriegerüftungen ist leicht hingesprochen, aber eine Verständigung über das Wie der Ausführung stößt auf Schwierigkeiten, die noch für lange Zeit als unüberwindliche angesehen werden müssen. Wenn der englischen Anregung Folge geleistet wird, so entsteht die Gefahr, daß das ursprüngliche Programm für die zweite Haager Konferenz in den Hintergrund gedrängt wird, und dieses Programm enthält eine Reihe sehr wichtiger Punkte, an deren Erledigung allen Friedensfreunden, die weniger auf große Worte als auf positive Leistungen Wert legen, gelegen sein muß. Was die marokkanische Frage anlangt, so handelt es sich im Grunde genommen nur um eine neue Phase derselben. Die Franzosen haben Ursache zu Beschwerden über die morokkanische Regierung oder doch über marokkanische Behörden. Sie verlangen Sühne für die Ermordung des Dr. Mauchamp und deutscherseits werden den bezüglichen Forderungen Frankreichs natürlich keine Schwierigkeiten gemacht, solange diese Forderungen nicht über das Maß des Billigen hinausgehen. Nach den Beschlüssen von Algeciras soll dem Sultan von Marokko die Souveränität garantiert sein, ebenso die Integrität des scherifischen Reiches. Bei den Franzosen besteht offensichtlich Neigung, ihre Beschwerden zu Gebietverweiterungen auf Kosten Marokkos auszunutzen. Es sieht ganz danach aus, als ob sie sich in Udschda festsetzen wollten. General Lyautey, der Kommandeur der französischen Truppen, hat sich als gewandter Politiker erwiesen und es anscheinend verstanden, die marokkanischen Grenzstädte auf seine Seite zu bringen. Die Londoner „Times“ raten Deutschland und Frankreich zu einer Verständigung. Zum Zwecke der Verständigung war aber doch die Könferenz von Algeelras da, und wenn auf allen Seiten der gute Wille vorhanden ist, die Algecirasakte leyal auszuführen, dann bedarf es einer weiteren Verständigung nicht. In Südwestafriko, welches leider viele Millionen verschlungen hat, weil man nicht rechtzeitig den notwendigen Griff in den Beutel tun wollte, ist noch immer nicht alles im Lote. Simon Kopper hatte versprochen, sich mit seinen Franzmann=Hottentolten zu unterwerfen und die Waffen abzuliefern; er hat sich aber die Sache anders überlegt und ist mit seinem Stamme nach der Kalahartwäste abgezogen, wo er von Major Pierer verfolgt wird. Diese Tatsache beweist, wie töricht das Gerede der Sozialdemokraten war, daß die Reglerung schon vor Auslösung des vorigen Reschstags Kenntnis davon gehabt habe, daß sich die Bondelzwarts unterwerfen würden. Von Vorverhandlungen bis zur vollendeten Taisache ist noch ein weiter Schritt. Mit Simon Kopper waren jetzt die Verhandlungen beralis abgeschlossen; dieser Kapttän hatte seine und seines Stammes Unterwersung erklärt, damit war aber die Tatsache der Unterwersung noch nicht vollzogen. Er hat sein Wort gebrochen und der Kleinkrieg geht weiter, wenn vollständige Ruhe im Schutzgebiet hergestellt werden soll. Der russischen Duma ist ein reichliches Gesetzgebungsmaterial seilens der Regierung unterbreitet worden. Aber die Abgeordneten schwätzen bis ins unendliche und die Karre geht nicht vorwärts. Die russischen Volksvertreter scheinen sich noch immer nicht in das konstitutionelle Wesen hineinfinden zu wollen. An eine Auflösung der Duma ist aber trotzdem zunächst nicht zu denken. Gegenüber der ersten bedeutet sie immerhin einen Fortschritt, da sie sich minder revolutionär als jene geberdet. Der Bauernkrieg in Rumänten kann in der Hauptsache als beendet angesehen werden. Die Staatsgewalt hat sich als ausreichend erwiesen, die Ordnung wieder herzustellen; es hat keiner fremden Intervention bedurst. Volitische Aebersiczt. Peutsches Reich. Der Kaiser hat die Enthüllung des Nationaldenkmals in Memel auf den 21. September d. I. festgesetzt und wird mit der Kaiserin an der Enthühungsfeier teilnehmen. Im Laufe der nächsten Woche tritt der deutsche Reichstag nach Ablauf der Osterpause wieder zusammen, um die Elatsberatung sortzusetzen und zu Ende zu führen. Da die Session noch vor den Pfingstfeiertagen geschlossen werden soll, wird außer dem Etat nicht viel mehr erledigt werden können. Ein Teil der angekündigten Vorlagen wird für die zweite Tagung der neuen Wahlperiode zurückgestellt. Die nächste Session, die bereits im Oklober beginnen soll, dürfte eine der arbeitsreichsten und, wie wir hoffen wollen, auch eine der fruchtbarsten werden. Allerdings wird man sich wohl oder übel darauf gefaßt machen müssen, daß auch wegen der Eröffnung neuer Einnahmequellen an den Reichstag herangetreten wird. An den Reichssäckel werden fortgesetzt steigende Ansprüche gestellt; es sei nur auf die mannigfachen Wünsche hinsichtlich der Beamten=Ausbesserung hingewiesen, auch die künftige Arbeiter=, Witwen= und Waisenversorgung, auf die Versicherung der Privatbeamten usw. Wenn diesen Ansprüchen entsprochen werden soll, so muß auch dafür gesergt werden, daß der Schornstein raucht. Bayern, Wärttemberg und Baden haben nunmehr im Bundesrat den Antrag auf Entschädigung für Schöffen und Geschworene eingebracht. Der Antrag wird sowohl im Bundesrate, wie auch später im Reichstage Annahme finden. Ob eine bezügliche Vorlage noch in dieser Session des Reichslages gemacht werden wird, muß allerdings mit Rücksicht auf deren kurze Dauer zweifelhaft erschiinen. Eine Dividendensteuer wird in konservativen Kreisen erwogen, um das Defizit des Reiches zu decken. Alle Dividenden über 5 Prozent sollen zu einer progressiven Steuer herangezogen werden. Das preußische Landwirtschafts=Ministerium hat die Einfuhr von lebenden Wiederkäuern und Schweinen Milch und Rahm, Häuten und Fellen usw. aus Belgien und den Niederlanden in das preußische Staatsgebiet verboten, da in den genannten Ländern Viehseuchen in bedrohlichem Umfange herrschen. Die Ersatzwahl für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Prinzen v. Arenberg, der den Wahlkreis Nachen I(Schleiden=Malmedy=Monisote) vertrat, ist auf den 3. Mai anberaumt worden. Nachdem man sich in der Versammlung von 20 Vertretern der deutschen Textilindustrie im Reichsamte des Innern bereit erklärt hat, in den Vereinigungen und Verbänden der Textilindustrie dahin zu wirken, daß die Mitglieder zu den Baumwollunternehmungen des kolonialwirtschaftlichen Komitees Beiträge leisten, richtete Graf Posadowsky dem Berliner Lokal=Anzeiger zufolge an den deutschen Handelstag ein Schrelben, worin er unter Hinweis darauf, daß die Möglichkeit, unseren Bedarf an Baumwolle zum Teil aus den Kolonien und anderen neuen Baumwollgebieten zu dicken, eine erhebliche Kräftigung unserer gesamten handelspolitischen Lage zur Folge haben würde, sagt, er würde es mit Genugtuung begrüßen, wenn der Handelstag bei der nächsten Vollversammlung dafür eintrete, daß nicht nur der Beschluß der Vertreter der Tixtllindustrie einheitlich durchgeführt wird, sondern auch weltere Kreise des Handels und der Industrie dazu angeregt werken, diese Bestrebungen finanziell zu unterstätzen. Helland. Hier bestand eine Ministerkrists, die einen guten Ausgang genommen hat. Das Kabinett hat nämlich auf Ersuchen der Königin sein Rücktrittsgesuch zurückgezogen mit Ausnahme des Kriegsministers, an dessen Stelle der bisherige Plotzkommandant von Amsterdam, van Rappert, tritt. van Rappert teilt die Ansicht seines Vorgängers bezüglich der Miliz. Es hat sich also in der Stellung dis des Kablnetts zu den Militärfragen seit der letzten Abstimmung im Senat nichts geändert. Oesterreich-Ungarn. Die ungarlschen Minister werden sich zu Beginn der nächsten Woche nach Wien begeben, um die Ausgleichsverhandlungen mit den österreichischen Ministern sortzusetzen. Frankreich. Der einst vielgenannte Oberst Baron Stoffel ist im Alter von 84 Jahren in Parts gestorben. Er war in den Jahren 1866 bis 1870 Militärattache in Berlin und sein Fehler war es nicht, wenn sich damals die französische Reglerung in der militärischen Leistungsfähigkeit Preußen=Deutschlands so schwer täuschte. In dem deutschen Generalstabswwerk über den Krieg von 1870/71 ist ausdrücklich hervorgehoben, daß die klaren und trefflichen Berichte des Barons Stoffel dem französischen Kriegsministerium die Ueberzeugung hätten beibringen müssen, daß Preußen sehr gut vorbereitet war. Aber die Berichte wurden zum Teil überhaupt garnicht gelesen. Nach dem Sturz des Kaiseriums wurde betannt, daß viele Berichte ungeöffnet in den Tuilerien gefunden worden seien. Amerika. Im Auftrage des deutschen Kaisers ist der früvere preußische Handelsminister von Möller mit den übrigen deutschen Delegierten zur Feier der Pittsburger Universität in Newyork eingetoffen, wo ihnen Generalkonsul Bünz ein Diner gab, um die deutschen Gäste mit den dortigen Behörden usw. bekannt zu machen. Der Generalkonsul brachte den Trinkspruch auf Kaiser Wilhelm, Herr v. Möller den auf den Präsidenten Roosevelt aus. Herr v. Möller betonte dabei die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Verständigung zwischen den vereinigten Staaten und Deutschland im eigenen Interesse beider Länder und legte dabei unumwunden dar, wie sehr den deutschen Kaufmann das zögernde Eingehen Amerikas verstimmen müsse. Es liege dem deutschen Kaufmann weniger an der Beseitigung des Dingley=Tarifs als an einer gerechteren Handhabung desselben, da es ihm jetzt unmöglich gemacht sei, die Kosten seiner Exportware genau und somit reell zu berechnen. Am Donnerstag empfing Präsident Roosevelt den früheren preußischen Handelsminister v. Möller und den Archivdirekter Koser. Lokales und Provinzielles. * Sütersloh, 6. Aprll.[Seinen 80. Geburtstag konnte am vergangenen Donnerstag der Gründer der Flöttmann'schen Buch= und Steindruckerei, Herr Ludwig Flöttmann, begehen und damit zugleich den Tag, an dem er vor 65 Jahren seine Buchdruckerlaufbahn begann. Der alte Herr, der bis vor kurzem unausgesetzt in seinem Berufe tätig war, erfreut sich noch einer vorzüglichen geistigen Frische. Möge sie ihm noch lange erhalten bleiben. Eütersloh, 6. April.(Kleinkinderschulen.] Die Kleinkinderschulen II(Friedrichstraße) und III(Grünstraße) beenden ihre Osterferien am Montag nächster Wochund beginnen wieder am Dienstag, den 9. April. Kinderschule I(Moltkestraße) setzt die Ferlen noch weitere acht Tage fort. Sütersloh, 6. Aprss.[Monatsversammlung.] Der Besuch der gestrigen Monatsversammlung des hiesigen Obst= und Gartenbauvereins ließ zu wünschen übrig. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung machte der Herr Vorsitzende bekannt, daß ein für die heutige Versammlung beabsichtigter Vortrag über Pflanzung der Obstbäume aus verschiedenen Gründen bis zur Maitagung zurückgestellt werden müsse. Ein Mitglied hatte verschiedene Apfelsorten mitgebracht, die sihr gut erhalten waren, u. a. lagen vor„Kaiser Wilhelm“ und Landberger Renette. Wie uns mitgeteilt wurde, ist es einem Mitgliede gelungen, die Birne„Charles Cognée“ bis heute gut aufzubewahren. Durch diese Tatsache stellt sich die Birnsorte als eine sehr wertvolle Winterbirne heraus, was besonders hervorgehoben werden muß, da gute Winterware in Birnen selten ist.— Ein Mitglied warnte vor dem Ankaufe geringwertiger Obstbäume und Sorten; an guten Bäumen mit vorzüglichen Sorten veredelt sei durchaus kein Mangel. Auch wurde der Gebrauch des„Tno“ besonders empfohlen. Es sei jetzt gerade noch Zeit, die Bäume mit diesem wirksamen Schutzmittel gegen viele tierische und pflanzliche Schmarotzer zu streichen. Dies Mittel ist zu billigem Preise von der Geschäftsstelle des Obstbauverbandes in Herford zu beziehen. Nachdem die eingelaufenen Eingänge verlesen und besprochen und noch weitere interessante Obstbaufragen erörtert waren, wurde die Versammlung gegen 11 Uhr geschlossen. (0) Gütersloh, 6. April.[Neue Wechselplätze.] Wechsel auf Waldenburg a. S., Penig, St. Egidlen, Lichtenstein und Callnberg bei Lichtenstein werden von jetzt ab angekauft; dieselben sind an die Reichsbanknebenstelle in Glauchau zu girieren. Bielefeld, 6. Aprll.(800jährig: Jubelfeter. Außer der Grasschaft Mark ist auch die Gegend um Bielefeld, die ehemalige Grasschaft Ravensberg, im Jahre 1609 an Brandenburg=Preußen gefallen. Der„historische Verein für die Grafschaft Ravensberg“ legte für eine Jubelfeier im Jahre 1909 folgendes fest: Feier am 16. Juli 1909 auf dem Sparrenberg bei Bielefeld; Bau eines echten altravensbergischen Bauernhauses auf dem Stadtgeblet; Veröffentlichung einer Festschrift; Errichtung eines Gedenkzeichens auf dem Tie zu Jöllenbeck, wo die Ravensberger Stände ihrem neuen Herrn 1609 die Treue gelobt haben. Von dem Ausbau der Sparrenburg, der von anderer Seite angeregt worden ist, will man als zu kestspielig und den jetzigen Anschauungen über Denkmalspflege nicht entsprechend absehen. Greuen. 5. April.[Ein Opfer seines Berufes] wurde am Donnerstag nachmittag gegen 6 Uhr der Dachdickermeister W. hierselbst. Von dem Dache der neuen Schule, das er nachmessen wollte, stürzte er infolge Fehltritts zur Erde, woselbst er halbzerschmettert liegen blieb. Besinnungslos wurde er vom Platze aufgehoben und zum Krankenhause gebracht. Der Arzt stellte den Bruch eines Handgelenkes, den Bruch eines Beines sowie komplizierten Rippenbruch fest. Das Blut, welches aus Nase und Mund kam, ließ auch auf schwere innere Verletzungen schließen. W. wollte sich in den nächsten Wochen verheiraten. 5. April.[Verunglückt.] Der 15 Jahre alte Bergmann Kauermann von Herne geriet mit seinem Fahrrade unter ein schweres Lastfuhrwerk, wurde überfahren und getötet. Predelar, 6. April.[Einen schrecklichen Anblick) erlebten gestern in einem Personenzuge zwischen hier und Marsberg die Passagiere eines Abtells 4. Klasse. Ganz unbemerkt hatte sich ein Italiener, der sich auf der Reise nach Solingen befand, mit einem Rasiermesser den Hals durchschnitten, sodaß die entsetzten Mitreisenden die Notleine ziehen und die Entfernung des Selbstmordkandidaten auf der nächsten Station veranlassen mußten. Schon in Warburg soll derselbe versucht haben, sich von dem Zuge überfahren zu lassen. Ueber den Beweggrund zu der unseligen Tat, sowie darüber, ob der Mann, der Aufnahme in einem Krankenhause fand, mit dem Leben davonkommt, konnte bis zur Stunde nichts in Erfahrung gebracht werden, Essen, 5. Aprll.[Explosion.] Auf der Zeche Dahlbusch Schacht 5 in Roithausen entzündeten sich bei der Abgabe eines Sprengschusses schlagende Wetter. Durch die erfolgende Explosion wurden vier Maurer eines Unternehmers, die im Schacht Reparaturarbeiten verrichteten, schwer verbrannt. Die Verunglückten liegen Im Knappschaftskrankenhause zu Ueckendorf lebensgefährlich verletzt darnieder. Köln, 5. April.[Einen furchtbaren Tod) erlitt der Rentner Broich im Siegorte Tenegierscheid. Kinder hatten einen Waldbrand angelegt, der auch die Parzellen des Bruders Broich ergriff. B. schickte sich an, den Brand zu dämpfen, als er ohnmächtig zusammenbrach und von den Flammen ergriffen wurde. Die verkohlte Leiche wurde später gefunden. Bonn, 6. April.(60jährigs Dienstjubiläum.] Generalfeldmarschall Freiherr von Loe hegeht heute am 6. April sein 60jähriges Dienstjubiläum. Fehr. Walter von Loe ist am 9. September 1828 auf Schloß Allner an der Sieg geboren, steht somit jetzt im 79. Lebensjahre. 5. April.(Gehorsamsverweigerung.] Ein Sergeant des 29. Infanterie=Regiments weigerte sich, als Protestant den Befeyl auszuführen, in der katholischen Garnisonkirche die Ordnung aufrechtzuerhalten mit der Begründung, er fühle sich innerlich verletzt, einem Gottesdienst Andersgläubiger beizuwohnen. Das Kriegsgericht verurtellte ihn wegen Gehorsamsverweigerung zu drei Wechen Mittelarrest. Vermischtes. * Berlin, 6. Apill. Im Berliner Magistrat ist man von dem Gedanken der Veranstaltung einer Weltausstellung in Berlin nicht sonderlich begeistert. Von magistrats=ossizlöser Seite wird versichert, daß in städtischen Kreisen nur winig Neigung dafür verhanden sei. Das Gleiche darf auch von der Regierung angenommen werden, und so hat man das Projekt schon jetzt als ins Wasser gefallen anzusehen. *(Gerüst=Einsturz.] Freitag morgen gegen 8 Uhr hat sich auf dem Baugrundstück Müllerstraße 142 in Berlin ein felgenschwerer Unglücksfall ereignet. Die Baufirma Lang u. Ernst läßt auf dem erwähnten Terrain gegenwärtig zwei große Säle, die dem Vergnügen und zu Vereinsfestlichkeiten dienen sollen, errichten. In dem in der ersten Elage belegenen Saal stürzte gestern morgen das ganze Gerüst zusammen und etwa zehn Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen. Vier der Verunglückten zogen sich bei dem Sturze schwere Verletzungen zu und einer der Leute ist bei der Katastrophe so übel mitgenommen worden, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Der Saal, in dem das Gerüst einstürzte, hat eine Höhe von nahezu 14 Metern und ist 30 Meier breit und 85 Meter lang. Das Gerüst war durch den ganzen Raum hinweg aufgestellt. Die Stuckateure und einige Maurer waren heute morgen auf dem oberen Teil mit der Vollendung der Deckenarbeiten beschäftigt, als das Gerüst plötzlich schwankte und wenige Sekunden später einstürzte. Aus einer Höhe von etwa 12 Metern wurden die Leute sämtlich mit in die Tiefe gerissen. Sechs der Verunglückten kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon, 4 dagegen erlitten nicht unerhebliche Verletzungen und wurden sofort nach der Unfallstalton gebracht, wo sie die ersten Notverbände erhielten. Die Ursache des Einsturzes ist darauf zurückzuführen, daß das Gestänge nicht genügend verstelft war. Die Unterlage vermochte infolgedessen die Last der Arheiter nicht zu tragen. Die Schuld wird von den Arbeitern dem leitenden Polter, einem noch jungen Manne, zugeschrieben. *[Automobil=Unfall.] Die Familie des früheren Direkters der Deutschen Bank, Stemthal in Berlin erlitt bei einer Automobilfahrt in der Königshalle einen schweren Unfall, infolge Versagens der Steuerung. Der Wagen fuhr gegen einen Träger der elektrischen Straßenbahn und wurde zertrümmert. Ein 16jähriger Sohn erlitt einen Arm= und Schädelbruch, eine 15jährige Techter einen Schädelbruch und innere Verletzungen. * Starnberg, 5. April. Der Gärtner Geiselmann ertränkte gestern seine drei Kinder und sich selbst im Starnberger See. * Stralsund, 5. April. Ein Jagdhaus für die Prinzen Gitel=Friedrich wird demnächst In Prerow in P. zur Ausführung gelangen. Ein Berliner Baumeister und ein hiesiger Archttekt weilten dieser Tage in Prerow, um das Bauterrain in Augenschein zu nihmen. Als Bauplatz ist ist eine romantisch gelegene Stelle in der Nähe des Westrandes der Halbinsel, beim sogenannten Tiergarten, in Aussicht genommen. *[Ein kleiner Irrtum.] Der alle Herr ven Zastrew in H. besuchte fast nie das Theater. An einem seiner Geburtstage, so schreibt der Bote a. d. R., wurde er überredet, der Vorstellung der„Zauverflbte" beizuwohnen. Kaum hatte er sich indes in der Loge niedergesetzt, als er, wahrscheinlich infolge der anstrengenden Geburtstagsfeier, einschlief und nicht eher erwachte, als bis der Schlußcher des ersten Aktes ausklang:„Es lebe Sarastro! Sarastre soll leben!“ Durch die Aehnlichkeit der Namen getäuscht, glaubte der alte, noch verschlafene Herr, es handle sich um eine Ovation zu seinem Geburtstage. Er erhebt sich deher, trilt an die Legenbrüstung, verbeugt sich geschmeichelt und ruft zu allgemeinem Erstaunen mit lauter Stimme:„Ich danke ergebenst, meine Herrschaften! Das ist zuvie!! Ichz danke Ihnen vielmals!“ *[Militärische Abstufungen.] Hauptmann bein Kompanie=Exerzieren zum Leutnant:„Herr Leutnant, dürfte ich Sie bitten, Ihren Unterleib etwas einzuziehen.“ Zum Feldwebel:„Vizefeldwebel, tun S' Ihr'n Bauch nei!“ Zu der Mannschaft:„Wer von Euch noch einmal seinen Sauranzen rausstreckt, fliegt ins Loch!“ für den Monat März 1907. Geburten: Söhne: Meier Heinrich Spexard in Spexard. Fabrikarbeiter Heinrich Großelanghorst in Kattenstroth. Pächter Heinrich Jacoktorweihen in Spexard. Fabrikarbeiter Anton Ebert in Kattenstroth. Bahnarbeiter Johann Heinrich Großekathöfer in Kattenstroth. Bücker Heinrich Strothotte in Kattenstroth. Töchter: Maurer Martin Stachätzkt in Kattenstroth. Lokomotirheizer Albert Feuerhelm in Kattenstroth. Fabrikarbeiter Friedrich Hornberg in Kattenstroth. Aufgebote: Ackerer Johann Christoph Wittenbrink in Wiedenbrück und Anna Maria Schulte in Spexard. Kolon Josef Heinrich Wöstmann in Spexard und Katharina Klaßen in Morschenich, Kreis Düren. Tischler Wilhelm Karl August Kramer in Kattenstroth und Johanne Marie Katharine Diekötter in Pavenstädt. Sterbefälle: Anna Elisabeth Lillemeier in Kattenstroth, 8 Monate 28 Tage alt. Heinrich Dezener in Kattenstroth, 2 Monate alt. Ehristine Hedwig Suddrock in Kattenstroth, 1 Jahr 6 Monate 18 Tage alt. Ackerer Bernhard Edbersmeier in Kattenstroth, 69 Jahre 7 Monate alt. Franz Heinrich Mütterthies in Kattenstroth, 2 Monate 22 Tage alt. Witwe Katharine Charlotte Stender geb. Kornfeld in Kattenstroth, 78 Jahre 7 Monate 19 Tage alt. allen Hautübeln. Rp. Rasasan 50, Lanolin 15, Hausnafalan(Retortenmarke) bei 5, Paraffin 15, Zinkweiß 2 — Königl. Preuss. Staatsmedallle Seidenhaus Michels 2 Cie. BERLIN SW. 19, Leipziger Strasse 43-44 Deutschlands grösstes Beidengeschäft als. Seidenskaffe in seiner Krefelder Fabrik and versendet Proben von diesen und anderen erstklassigen Fabrikaten: Glatte Meter 1.—bis 850M. Gemusterte Meter 1,50 51s 15.-M. sowie Katalon von Seidenen Blusen, Jupons, Morgenröcken umgehend und franks. Am Dienstag, den 9. Apriler., vormittags 11 Uhr, versteigere ich in Pavenstädt gegen Barzahlung: 17 Bände Convers.Cexikon(Brockhaus Jubiläums=Ausgabe). Versammlung beim Wirt Saligmann Gasstraße. Gütersloh, 6. April 1907. Bäsmann, Gerichtsvollzieher. Fr. Schrewe Gütersleh, Bleistelder Chaiste: Spezial-Betten-Geschäft. 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A#bends 8¾ Uhr: Bibelstunde des Jänglingsvereins im Vereinshause und Vortrag des Bundensekretärs Weber daselbst. Dienstag, den 9. Aprik. Abends 8½ Uhr: Bibelstunde des blauen Kreuzes im Vereinshause. Mittwoch, den 10. Aprik. Abends 8½ Uhr: Bibelbesprechstunde im Konfirmandenhause. Freitag, den 12. Aprik. Alte Kirche abends 5 Uhr: Past. Seippel. Sonnabend, den 13. Aprik. Alte Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Meinshausen. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 7. Aprik. Weißer Sonntag. Morgens ½16 Uhr: hl. Resse. Morgens 7 Uhr: hl. Messe ohne Predigt. Morgms 7¾ Uhr: Beginn der Feler der Erstkommunion der Kinder; Predigt; Hochamt. Nachmittags 8 Uhr: Dankandacht mit Tedeum. Montag, den 8. Aprik. Mariae Verkündigung. Morgens 6 Uhr: hl. Messe. Morgens ½8 Uhr: hl. Resse mit Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Muttergottesandacht. Bekanntmachung. Die Beitrags=Hebeliste zu den Kosten der Handwerkskammer für das Rechnungsjahr 1907 liegt vom 8. d. M. ab 14 Tage lang im Magistratsbureau Zimmer 3 zur Einsicht der beteiligten Handwerker offen. Gütersloh, 4. Aprll 1907. Der Bürgermeister: Mangelsdorf. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenninis gebracht, daß die Milzbrandsenche unter dem Rindvlehbestande des Neuwöhners Wilhelm Hollmann zu Blauken. hagen 79 erloschen ist. Die zur Bekämpfung der Seuche angeordneten Verkehrsbeschränkungen 2c. sind aufgehoben. Gütersloh, 2. April 1907. Die Polizeiverwaltung des Amtes Gütersloh. Villaret. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Schweine. seuche unter dem Schweinebestande 1. des Neuwöhners Karl Kuhlwilm zu Blankenhagen 85, 2. des Bremsers Friedrich Strat. hoff zu Nordhorn 17 erloschen is. Die zur Bekämpfung der Seuche angeordneten Verkehrsbeschränkungen 2c. sind aufgehoben. Gütersloh, 8. April 1907. Die Polizeiverwaltung des Amtes Gütersloh. Villaret. Bekanntmachung. Die Frühjahrskörung der Zuchtstiere findet für den hiesigen Amtsbezirk am Mittwoch, den 17. April er., vormittags 10½ Uhr auf dem Markplotze in Gütersloh Katt.— Die Bullen mässen bei der Vorführung mit Nasen ring versehen sein. Gütersloh, 4. April 1907. Der Amtsverwalter: Billaret. Ein Vermögen repräsentiert ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße, sammetweiche Haut und schöner Teint. Alles dies erzeugt die echte Steckenpferd-Lillenmilch-Seile v. Bergmann& Co. Radeben! mit Schutzmarke: Steckenpferd. St. 50 Pf. bei B. Daltro Trauerbriefe Hefern in sauberer Ausführung Schmällng& Ohlbreck. Statt besenderer Anzeige. Es hat dem Herrn über Leben und Tod gefallen, heute mittag 12 Uhr unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Tante Wwe. Wilhelmine Strothotte geb. Bermpohl nach längerem Leiden im 90. Lebensjahre in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Angehörigen bittet um stille Teilnahme Friedrich Strothotte. Kattenstroth, den 4. Aprll.1907. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. April, nachmittags 8 Uhr vom Tranerhause, aus statt. Vorfeler im Hause ½ Stunde trüher. Bekanntmachung. Die an der Königstraße belegenen Gebäude, nämlich das Spritzenhaus und das früher Ostermannsche Wohnhaus Nr. 257 mit Zubehör sollen auf Abbruch verkauft werden. Die Gebäude können nach Anmeldung auf dem Stadtbauamte besichtigt werden. Die Bedingungen liegen ebendaselbst aus und sind gegen Entrichtung der Schreibgebühr erhältlich. Angebote werden bis zum 15. d. Mts., mittags 12 Uhr, erbeten. Gütersloh, den 6. April 1907. Der Magistrat. Mangelsdorf. Bekanntmachung. Sämtliche Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche eine Paßnotiz erhalten haben, sowie diejenigen Mannschaften der Landwehr II. Aufgebots, welchen weder eine Kriegsbeorderung noch eine Paßnotiz bis zum 1. April zugegangen ist, haben im Mobilmachungsfall einen Gestellungsbefehl zu gegenwärtigen und abzuwarten. Bielefeld, den 2. April 1907. Königliches Bezirkskommando. ist die Einzige welche das Handwaschen nachahmt und dadurch also eine ebenso gründliche, dabei aber mehrfach schnellere und leichtere Reinigung bei grösster Schonung der Wäsche erzielt. Tausende von Anerkennungen 1905: 6 Goldene Medaillen. Um die grossen Vorzüge und die ausserordentlichen Vorteile der —„WeltwunderMk. 15, 25, 27.50 30, 42. Waschmaschine“ den hiesigen Hausfrauenvor Augen zu führen, veranstalte ich am Montag, den 15. April1907 nachm. 3—6 Uhr ein öffentliches Probewaschen in meinem Geschäftslokal, zu dem hiermit freundlichst eingeladen wird. H. F. Kniepkamp. Wenn Deine Lebensgeister erschlafft, So trinke ein Gläschen Orangen-Saft. Ob Bier Du sonst trinkest oder Wein, Ob Du gehörst zum Blaukreuzverein, Orangen-Saft, das lass Dir sagen Darfst Du zu trinken immer wagen. 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Lina Jacke gehörenden, an der Ringstraße gelegenen Grundstücke sowie eine Feldschenne versteigert werden. Ich bin von den Vormändern der Erben mit diesem Verkauf beauftragt worden und setze Termin an auf Mittwoch, den 24. April, nachmittags 3 Uhr, im Hause der Erben der verstorbenen Wwe. des Bäckermeisters Jacke, Berlinerstraße 397. Die Grundstücke liegen sämtlich im Stadtgebiet und sind zu Bauplätzen eingeteilt. Die Verkaufsbedingungen können jederzeit bei mir eingesehen werden. Heinrich Bornemann. Raucht Eckstein-Zigaretten! Nr. 5 Dieserühmlichst bekannte Zigarettenmarke wird auch nach Einführung der Zigarettensteuer in derselben vorzüglichen Qualität u. Handarbeit hergestellt. Preis: 10 Stück 25 Pfg. Der enorme Konsum befähigt die Fabrik, die Zigarrenhandlungen stets mit frischer Ware zu versorgen. Man verlange ausdrücklich: Eckstein’s Nr. 5 und prüfe genau, daß jede Zigarette die volle Firma „A. M. Eckstein& Söhne" nebst Schutzmarke trägt. (Arbeiterzehl über 800.) Vertreter: B. 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Angabe der Preislagen für Federnproben erwünscht Füllung der Beiten in Gegenwart der Käufer in wenigen Minuten! Zernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. strierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 41 Druck und VerlaSchmäling& Ohlbrock, lag: Gütersloh. Sonnabend, den 6. April 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Zweites Blatt. Aus der Verwaltung des Gesängniswesens in Preußen. II. Die Zahl der bei den Landeskulturarbeiten verwendeten Gefangenen hat im Durchschnitt 1477 betragen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Verwendung von Strafzemn am besten den Zwicken des Strafvollzuges ent, w e n n g r ö ß e r e A b t e i l u n g e n v o n 4 0 b i s 6 0 G e f a n g e n e n unter Leilung eines Oberbeamten mit dem erserderlichen Aufsichtspersonal zur Verwindung kommen. Die Gefangenen zeigen sich willig, fleißig uns anstellig; ihre Leistungen stehen Hnter binen freier Arbeiter nur bei Beginn der Arbeit zurück, kommen ihnen aber später gleich. Die Aufrechterhaltung der Dieziplin= macht keine Schwierigkeiten, Fluchtversuche komnten nur gung vereinzelt vor. Dagegen sind bei Verwendung kleinerer Abteilungen unter Führung von einem eder zwei Unterbramten, namentlich zu landwirtschaftlichen Arbeiten, bei denen eine Verührung mit freien Arbeitern kaum zu verhindern ist, sehr erhedliche Mißstände hervergetreten; Durchstechereten, Indlsziplin, Auflehnung gegen die Beamten, ja sogar schwere Gewalttätigkeiten sind vorgekommen. Solche kleine Abteilungen können daher nur ausnahmsweise, wo die Bedingungen für die Aufrechterhaltung des Disziplin ganz besenders günstig, liegen, verwendet merden Die übrigen Gefangenen werden im öffentlichen Ausan Unternehmer zur Ausführung ven InduKrtearbeiten vergeben. Es wird barauf gehalten, daß nicht einzelnen Unternehmern eine zu große Anzahl von Gefangenen, überlassen wird, und daß nicht in einzelnen Industrien eine im Verhältnis zur Zahl der derin freien Arbeiter unverhältnismäßig große Zahl von Gefangenen beschäftigt wird. Kurzzeitige und gebrechliche Gefangene werden in geringer Zahl ohne Vertrag mit sogenannten Verlegenheitsurbeiten beschäftigt. z. B. mit Virlesen von Hülsenfrüchten, Federreißen, Taurupsen. Die Zahl derselben beträgt 5,1 Prozent. Seit dem Jahre 1869 ist die Zahl der auf Grund von Verträgen in Unternehmerbetrieben beschäftigten Arbeiter von 78 auf 21,4 Prozent herabgemindert. Je größeren Umsang die Bischäftigung der besangenen mit Arbeiten für Staatsbehörden gewinnt, destemihr kann der Unternehmerbstrieb eingeschränkt werden; einzelne Anstalten haben ihn schon ganz beseitigt. Durch diese Oeganisation der Arbeit hat. der Strafe vollzug erheblich gewonnen. Der rege Verkehr der Unternehmer und ihrer Angestellten mit den Gefangenen, wie ihn der Arbeitsbetrieb mit sich bringt, föhrt auch bei strengster Aussicht der Verwaltung und gutem Willen der Unternehmer zu manchen Unzuträglichkeiten; durch Einschränkung der fabrikmäßigen Arbeit kann der Eigenart der Gefangennd bei der Beschäftigung besser Rechnung getragen werden, uun vor allem wird den Klagen der freien Arbeiter über ungerechifertigte Konkurrenz der billigen Gefangenenarbeit in Verbindung mit dem Kapital des Unternehmers der Boden enizogen. Freilich gestaltet sich dadurch das rech tungsmäßige Bild über den Ertrag der Gefängnisarbeit ungünstiger als früher beim Unternehmerbetriebe. Gesängnissträflingen, sofern sie sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und Zuchthausstrafe noch nicht verbüßt haben, kann mit Genehmigung der Aussichtsbehörde gestattet werden, sich selbst zu beschäftigen. Da bei der Zuweisung der Arbeit die weitestgehende Rücksicht auf die Eigenart der Gefangenen genommen wird, so werden Anträge auf Selbstbeschäftigung nur selten gestellt und dann in der Regel genehmigt. Den Untersuchungsund zu einfacher Hast verurteilten Gefangenen steht das Recht auf Selbstbeschäftigung zu, wenn sie es nicht vorzlehen, sich an den in der Anstalt eingeführten Arbeiten zu beteiligen. Die Zahl der sich selbst beschäftigenden Gefangenen betrug 8. Die Fürsorge für die Entlassenen hat seit dem Jahre 1895 die eingehende Aufmerksamkeit der Verwaltung auf sich gelenkt. Zur Förderung dieser Fürsorge sind in den Provinzen Zeintralstellen gebildet worden. Um den Fürsorgeorganen ihre Arbeit zu erleichtern, bestimmt die Dienstordnung: Die Aussichtsbehörde kann einem Mitgliede der Zentralstelle oder einer von ihr dazu beauftragten Person den Verkehr mit den Gefangenen in der Anstalt, insbesondere Zellenbesuche und die Teilnahme an derjenigen Konferenz der Oberbeamten, in welcher über die Fürsorge beraten wird, gestatten. Leider wird von dieser Besugnis bisher nur in geringem Umfange Gebrauch gemacht. Die Zahl der entlassenen Gefangenen, welche Fürsorge begehrten, belrug 4002; zuteil geworden ist sie 8494. Die Zahl der bestehenden Fürsorgevereine, welche neben den kirchlichen Organen sich mit der Fürsorge beschäftigen, beträgt 427. Die Vereine besaßen im Jahre 1905 ein Vermögen von Insgesamt 626008 Mark. Die Einnahmen betrugen 801 507 Mark, die Ausgaben 225 407 Mark, gegen das Vorjahr hat sich das Vermögen um 29515 Mark verringert. Zur Förderung der Fürsorge sind in den Etat der Verwaltung des Innern 84000 Mark eingestellt. Trotz der greßen Zahl der Vereine, trotz der erheblichen Geldmittel, die zur Verfügung stehen, läßt die Fürsorgetätigkeit noch sehr viel zu wünschen übrig; es sind nur wenige Orte, an denen sie zweckmäßig erganisiert ist und woselbst freiwillige Kräfte sich in ihren Dienst stellen. Die Zahl der Rückfälle würde sicherlich erheblich abnehmen, wenn die Fürsorge für die Gefangenen, nach der Entlassung und für ihre Familien während der Haft besser ihre Schuldigkeit täte Lokales und Provinzieles. hk. Sütersloh, 6. April.[Postverkehn] Vem 1. April ab werden im Postanweisungsverkehr mit Großbritannten sowie im Postanwaisungsverkehr mit den britischen Rolonien und den britischen Postanstalten im Auslande, soweit der Austausch über London vermittelt wird, auf Verlangen der Absender Auszahlungsscheine gegen eine Gebühr von 20 Pig. ausgestellt. "* Gütersloh, 6. April.[Telephonisches.] Es ist zum Sprechverkehr mit Gütersloh zugelassen: Herten(Westf.); Gesprächsgebühr 50 Pfg. Hörste, 5. Aprll.[Feuer.) Gestern nachmittag gegen 2 Uhr wurden unsere Einwohner durch Feuerlärm erschreckt. Es brannte die Scheune des Kolenen Schulte hierselbst. Durch den hiftigen Wind wurde das Feuer auch auf das in der Nähe stehende Wohnhaus des Pächters Diestelkamp übertragen und so standen beide Häuser bald in hellen Flammen. Während man sich noch mit dem Retten von Vleh und Hausinventar beschäftigte, brannte auch schon der Giebel des Schulteschen Kolonatsgebäudes. Mit aller Macht ging man sofort gegen dieses Haus vor und dank des reichlichen Wassers wurde der Brand bald erstickt. Dann aber schlugen plötzlich die Flammen aus dem Giebel der Schröderschen Wirtschaft. Obwohl diese gegen hundert Meter von dem eigentlichen Brandherde liegt, hat das Ilugfeuer es doch vermocht, hier zu zünden. Doch auch hier gelang Ansern Eöchtern zur Keuftrmation. Zum Altar Gottes lenkst Du Deine Schritte Das erste Mal gar demuisvoll dahin; hält der Kindheit Zauber Dich umfangen, Roch trübt kein Schatten Deinen frohen Sinn. Noch liegt die Welt in ihrer Blütenschöne Vor Deinem kindlich unschuldsvollen Blick, O, bliebe Dir auf Deiner Pllgerreise Erspart des Lebens herbes Mißgeschick! Doch nur zu buld auftürmen sich die Wolken, Wann sich des schönen Edens Pforte schloß; Balb stehst Du in des Bebens Wetterleuchten, Gefahren ringen sich vom Dasein los. O, glücklich Kind, wenn dunn der Eltern Sorge Den dunklen Pfav der Zukunft Dir erhellt, Wenn aus der Kindheit gold'nem Sommertage Ein Strahl des Lichts verklärend darauf fällt. Doch, winn Du einsam stehst im Weltgefühle, Wenn Dich der Mutter Hand nicht führen kann, Dann blicke auf zum mächt'gen Sternenhimmel, Und wandle gottergeben Deine Bahn. Vertreue ihm, wenn Leid und bitt're Zühre Dir Deiner Seele Frieden rauben will: Des Heilands Bild soll Dir vor Augen schweben, Drum halte dulbend und vergebend still. Bewahre Dir im rauhen Sturm des Lebens Ein edles Herz, ein seldstlos tief Gemüt; Und sorge, daß der Tugend Strahlenkrone Im reinsten Schimmer Deine Stien umglühl, Was Gott Dir in die junge Brust gepflanzet, os blühet auf zu Taten groß und rein; Für alle guten, göttlich hohen Triebe Seüft Du Dein eigner, strenger Bildner sein. So geh', mein Kind, und lenke Deine Schritte Zum erstenmel zu Geites heiligem Altar, Und bringe ihm mit bemutsvollem Sinne Vertrauensinnig Dein Gelübde dar. Dann nimm ihn auf, den ernsten Kampf des Lebens, Nur wahre Dir in Deines Herzens Raum Ein säß' Erinnern an der Kindheit Tage, An Deines Erdendaseins Bläktentraum! Sein Dämon. Roman in zwei Abtellungen von Franz Tresler. (16. Fortsetzung.)—(Nachdruck verbeten.) Die nächsten Verhöre ergaben, daß die Persönlichkeit Mr. Hohenthals nicht nur von Williams, sendern auch von einem anderen Wärter festgestellt wurde, wie auch die Exhumierung der Leiche die Kennzeichen ergab, die der junge Assistent angegeben hatte. Aufgesundene Briefschaften bekundeten, daß dem Direktor eine große Summe für Hohenthals Beseitigung und den gesetzmäßigen Totenschein angeboten worden war. Doktor Wood wurde vor die Assisen verwiesen und der Leichenstein mit dem Namen Hohenthal zerschlagen. Ebenso wurde durch den Richter festgestellt, daß der Totenschein auf Mr. A. von Hohenthal lautend zu Unrecht ausgestellt worben, da dieser erwiesenermaßen noch am Leben sei und man dem Karoner betrügerischer Weise die Leiche eines gewissenen Weller unter dem Namen Hohenthal zur Untersuchung vorgestellt habe. Nach herzlichem Abschiede von den Männern, die ihm so ehrlich beigestanden hatten, reisten Hohenthal und Ellinghaus jetzt nach Rockesville zurück, das ersterer vor mehr als zehn Monaten verlassen hatte. Nicht gering war das Erstaunen über Hohenthals Erscheinen, denn die Nachricht von seinem in Towertomn erfolgten Tode war bikannt geworden. Mr. Hoykius, der convingtoner Arzi, der das Zeugnis ausgestellt hatte, das ihn ins Irrenhaus brachte, war plötzlich verschmunden. Von Mrs. Hohenthal und dem jungen Henry wußle in Rockesvill= und seiner Umgebung niemand etwas. Zwar hatte Mrs. Hohenthal versucht, durch einen Sachverwalter, durch den sie zugleich der Behörde in Rockesville den Totenschein ihres Gatten vorlegen ließ, über Contenthouse frei zu verfügen und es zum Verkauf zu bringen. Der durch Ellinghaus aufwerksam gemachte Sheriff öffnete auf Grund des Totenscheines das Testament Hohenthals und stellte, da Henry Hohenthal Gebe sei und die Witwe nur einen Teil des Reinertrages zu verlangen habe, in Abwesenheit des ernannten Testamentsvollstreckers und Vormundes die Verwaltung von Contenthouse unter obrigkeitliche Aussicht im Interesse der Erden. Hohenthal hatte keine Schwierigkeiten, um wieder in den Besitz seines ganzen Eigeniums zu kommen. Das Wiedererscheinen des beliebten Arztes erregte allgemeine Freude. Von ihrem Abenteuer aber schwiegen beide Freunde, und nur dem Sheriff wurde von allem Mitteilung gemacht und ihm die Gerichtsverhandlungen in Stanley zur Kennt nie gebracht. Mit tiefster Rührung dankte Hehenthal dem Schlesser Wilhelm Becker, der sich alsbald, nachdem er seine Aufgabe erfüllt, auf den Weg zur Heimat gemacht hatte, da er ängstlich einer Berührung mit der Behörde aus dera Wege ging. Er betrieb in Covington sein Geschäft nach wie ver. Hohenthals einziger Gedanke war, seinen lieben Knaben zurückzugewinnen, alles andere war ihm Nebensache. Zahlreich waren die Besuche der Nachbarn in Contenthause, von denen einige durch wirkliche Teilnahme getrieben kamen, die Mehrzahl aber nur die Neugierde herführte, die indessen bei dem ganz schweigsam gewordenen Hohenthal keine Befriedigung fand. Da es keinem Zweisel unterworfen schien, daß Mrs. Hohenthal mit Mr. Vancouver davongegangen war, galt es den Aufenthaltsort dieses Herrn festzustellen, und es wurde deshalb nach New=Yerk geschrieben, wo dessen Famille ansässig wer. Gleichzeitig schrieb Hohenthal ausführlich seine Erteoniste an seine Verwandten nach Deutschland, hoffend, daß seine Frau vielleicht menschlich genug sei, seinen Sohn dahln zu übergeben, da er nicht annahm, daß sie das ungeliebte Kind bei sich behalten wärde auf einer Bergnügungsreise mit Bancouver. Von New=Yerk traf sehr bald die Nachricht ein, daß Mr. Henrn Bancauner dert anwesend sei und in seinem Hause, 5. Avenue Nr. 17, wohne. „Ich wirde vun sosort den Versuch machen, den Herrn zu sprechen,“ sagte Hohenthat zu dem Freunde. „Versprichst Du Dir Nutzen davon?“ „Er ist der Einzige, der mir Nachricht über den Aufenthalt meiner Frau geben kann, ich muß den Versuch machen auf jede Gefahr hin. Nur auf diese Wetse kann ich noch Nachricht von dem Aufenthalt meines Kindes erlangen.“ „Ich färchte, Du wirst Dich hinreißen lassen, laß mich lieber gehen.“ „Nein, ich will den Buben selbst ins Verhör nehmen.“ Hohenthals Entschluß war nicht zu erschüttern, und am anderen Tage reiste er auch nach New=York. Nicht ohne Besorgnis blieb Ellinghaus zurück. In der Nacht in New=York angekommen, fuhr Hohenthal am folgenden Tage gegen 12 Uhr vor Nr. 17 der Fifih Avenue in einem eleganten Gig vor. Der Diener, der ihn empfing, erwiderte auf die Frage, es dem schnellen und mutigen Vorgehen der Feuerwehr= mannschaften, dem Brande Einhalt zu tun. Die Gebäude und ebenfalls das Inventar sind versichert. Die Freiwillige Feuerwehr von Halle und die Spritzen von Breckhagen und Tatenhausen waren erschlenen und ist es diesen in Gemeinschaft mit den hilfsbereiten Einwohnern von Hörste zu verbanken, daß das Feuer, trotz des hestigen Windes, sich nicht noch weiter ausgedehnt hat. Die Entstehungsursache in bis jetzt noch unbekannt. Warenderf, 4. Aprll.[Ein Automobilunfel! ereignete sich gestern auf der Provinzial=Chaussee in der Nähe des Bahnhofs Raestrup=Everswinkel. Ein Herr aus Münster unternahm eine Probefahrt in einem neuen anzukaufenden Automobil unter Assistenz eines Chauffeurs einer Bielefelder Firma. Plötzlich bemerkten die Leiter des Kraftwagens in einiger Entfernung auf der Chaussee ein Mädchen, das sich im Radfahren übte und Gefahr lief, mit dem Automebil in Kollisien zu geraten. Da das Mädchen die Warnungssignale zu überhören schien, erhob sich der Chauffeur, um es durch Rufen und Winken aufmirksam zu machen. Das Autom=hl gelangte indes bis an die gefährdete Stelle und der Leiter konnte einem Zusammenstoße nur dadurch verbeugen, daß er das Automobil mit einer plötzlichen Wendung auf die Seite warf. Hierdurch wurde jedech der im Wagen stehende Chauffeur herausgeschleudert und trug bei dem Sturze schwere innere Verletzungen davon. Er wurde in das hiefige Krankenhaus überführt. Der Leiter und die übrigen Insassen des Tlagens kamen mit dim Schrecken davon. a. Wattenscheid, 5. Aprll.(Ein schwerer Unglücksfall] ereignete sich gestern nachmittag. Der Arbeiter Kowalka aus Weitmar glitt beim Transportieren einer Wringmaschine aus und Kürzte rücklings die Treppe hinunter. Er erlitt einen Schädelbruch und ist gestern nacht im Elisabeth=Hespital in Bochum, wohin er transportiert wurde, gesterben. R., welcher einem Kollegen an der Engelsburg beim Umziehen behilflich war, hinterläßt eine Frau, welche in Posen lebt. a. Gelsenkirchen, 5. Aprll.[Lysolvergiftung. Als gestern der Tischler R. zu Hause kam, fand er seine Frau entseelt vor. Der Arzt stellte Bysolvergiftung fest. Der Grund soll in ungläcklichen Familienverhältnissen zu suchen sein. Die Verstorbene war Mutter von drei Kindern. Puisburg-Ruhrort, 5. April.[Leichenfund.] Vergestern wurde bei der Ruhrbrücke eine Leiche gelandet, die inzwischen als die des Metallwarenhändlers Heimberg aus Mülheim a. d. Ruhr erkannt ist. Dieser ist seit Ende Februar verschwunden gewesen, nachdem er vorher gegen Mitternacht mit mehreren Artisten in Streit geraten war. Bei der Leiche sanden sich goldene Uhr und Börse nebst Inhalt. Ob ein Verbrechen oder Unglück vorliegt, ist noch nicht ermittelt. + Büsselderf, 6. Aprll.[Der deutsche Werkmeister=Verband](Sitz Düsselderf), der zurzeit 46000 Mitalieder zählt, lehnte auf seiner Generalversammlung in Mainz den Antrag auf Sitzverlegung ab und beschloß den Bau eines eigenen Verbandshauses in Düsseldorf. Weiter stimmten die Vertreter der Gründung einer Sparbank und Buchhandlung zu. Ferner wurde der Entschließung ob Mr. Heury Banceuver zu sprechen soi:„Der Herr ist krank und empfängt nur noch wenige Personen, darf ich um ihre Karte bitten, Sir, ich will anfragen.“ Hehenthal, der färchten mußte, als solcher einfach abgewiesen zu werden, händigte dem Diener die Karte eines Graßgrundbesitzers ein, die er zu diesem Zweck eingestickt hatte. Der Diener kam zurück, sogte, daß der Besuch Mr. Banceuver angenehm sei, föhrte Hehenthal die Treppe hinauf und ließ ihn ins Zimmer treten. Mit einem Blick umfaßle Hoh hal das Zimmer, aber sein Auge haftete nur an der Gestalt, die dert in Kissen und Decken gehüllt im Lehnstuhl saß. Es kostete Mühe, aus diesem bleichen, abgezehrten Gesicht, dessen Augen geisterhaft auf den hochaufgerichtet dastehenden Mr. Hohenthal hafteten, Banceuvers Züge herauszufinden. Eine zerstörende Krankheit hatte hier ihr Werk getan und diesem Gesicht war der Tod aufgeprägt. Aller Erimm schwand bei diesem Anblick aus Hehenthals Gesicht.(Zortsetzung folgt.) zugestimmt, den Reichstag und den Bundesrat'zu ersuchen, baldigst an die Schaffung von Arbeitskammern heranzutreten, weiter die Neuregelung der Unfall=, Kranken= und Invaliden=Versicherung zu beschleunigen. Eine weitere Kundgebung der Delegierten sprach der Regierung und Reichstag lebhaften Dank aus für das Eintreten zugunsten einer Pensionsversicherung der Privatangestellten. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Herr Fabrikdirektor Fr. Barthel, Kottbus, gewählt. Der Verband verfügt zurzeit über ein Vermögen von Mk. 8 500000 und zahlte an Mitglieder, Witwen und Waisen rund Mk. 11000000 Sterbegelder und Unterstützungen. Die nächste DelegiertenVersammlung findet 1909 in Düsseldorf in Verbindung mit der 25jährigen Jubelfeier des Verbandes statt. u. Gedenktage für den Monat April. 1. 1815. Fürst v. Bismark geb. 6, 1885. General Vogel v. Falkenstein gest. 16. 1871. Der Reichstag nimmt die Verfassung an. 17. 1895. Friede zwischen Japan und China. 18. 1864. Erstärmung der Dappeler Schanzen. 21. 1813. Edikt zur Errichtung des Landsturms in Preußen. 28. 1828. König Albert von Sachsen geb. 24. 1891. General=Feldmarschall v. Moltke gest. 26. 1881. General von der Tann gest. 27. 1848. König Otto von Bayern geb. Vermischtes. * Rathenow, 5. Aprll. Hier wurde in der Rhinomer Straße eine Falschmänzerwerkstätte entdeckt. Seche verschiedene Gipsformen, gesälschtes Geld und Werkzeugfür Falschmünzerei wurden von der Polizei beschlagnahmt. ein Mann namens Becker wurde verhaftet. *[Konitzer Mordaffäre.] Die jedenfalls noch in guter Erinnerung befindliche Mordaffäre(Ermordung des Gymnasiasten Winter) beschäftigt aufs neue die Oeffentlichkeit. Vor einem Jahre, am 8. April 1900, wurde in Beuthin in Oberschlesien in der Nähe des Heumarktes die zerstückelte Leicht eines jungen Mannes gesunden. Der grausige Fund erinnerte in seinen Einzelheiten an den Konitzer Mord. In einem Sack befand sich nur der Rumpf mit den Armen, in einem zweiten Sack der Kopf und die Beine, Ober= und Unterschenkel waren getrennt. Nach der Art der Zerstückelung mußte diese von einem Fleischer ausgeführt worden sein. Der Umstand, daß der Fund an einem Wochenmarkttage gemacht wurde, an dem zahlreiche jädische Heuhändler aus Galizien nach Beuthen kommen, die ihren Standort bei der Fundstelle haben, lleß, wie einst in Konitz, die unsinnigsten Gerüchte aufkommen. In der Annahme, daß die Leiche von auswärts eingeschleppt werden sei, wurden die Ermittelungen nach dieser Richtung hin ausgedehnt, führten aber trotz eifrigen Bemühens der deutschen und österreichischen Behörden zu keinem Ergebnis. Mitte März wurde mit einem Male der Schleier über das geheimnisvolle Dunkel gelüstet. Das Verbrechen war in der im Zentrum der Stadt Beuthen gelegenen Roßschlächter Liberkaschen Speisewirtschaft verübt worden. Der bei Liberka beschäftigte Haushälter Kioliyka hatte, von Gewissensbissen gepeinigt, der Polizei Angaben gemacht, die die Identität des Toten feststellen ließen und zur Ermittelung des Mörders fährten. Der Tote war der Arbeiter Josef Bronner aus Charley und sein Mörder der Brotgeber des Kloliyka, der Roßschlächter und Speisewirt Liberka. Dieser hatte den Bronner aus Nachsucht erschlagen und dann mit Kioltyka zusammen die Leiche in die Abortgrube geworfen. Nach Verlauf von vierzehn Tagen hatten beide die Leiche wieder herausgeholt, zerstückelt, und in zwei Säcken nach der Fundstelle geschafft. Liberka befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Vor dem Untersuchungsrichter gestand Liberka ein, den Mord an dem Arbeiter Josef Bronner begangen zu haben. Außerdem gestand er ein, in den letzten Jahren noch drei weitere Morde in der Umgegend von Beuthen verübt zu haben. Die Angaben Liberkas, der nach eigener Aussage auch seinen Schwager hat töten wollen, aber durch seine Verhaftung an der Ausführung dieses Planes gehindert wurde, stimmen mit der Wirklichkeit überein. Das Motiv aller Taten ist in Nachsucht zu suchen. Nun stellt sich heraus, daß ein gewisser Liberka in den Jahren 1900/1901, also zurzeit des Mordes an dem Gymnasiaften Winter, dort bei dem Roßschlächter Schulz in Konitz oder dessen Nachfolger am Mönchsanger beschäftigt gewesen ist. Er hatte damals auch mit einem Mädchen aus einem Hause gegenüber verkehrt, das Dehnert hieß und jetzt in Berlin wehnt. Wegen einer auswärts über ihn verhängten Strafe wurde er seinerzeit auf dem Hofe eines jüdischen Schlächters verhaftet. Liberka trug bei der Verhaftung eine Perrücke. Nachdem er seine Strafe abgesessen, wandte er sich nach Bärwalde, wo er bei einem jüdischen Schlächter Hermann Grünthal gewohnt hatte. In Konitz hatte er zurzeit des Mordes am Mönchsanger 10 gewohnt, ebenfalls bei einer jüdischen Familie namens Berger, die unter der Hetze viel zu leiden hatte und schließlich Konitz verlassen mußte. Die Sache wird noch weiterer Aufklärung im Einzelnen bedürfen, dech steht schon jetzt fest, daß auf Liberka die schwersten Verdachtsmomente fallen. Nach dem Konitzer Tageblatt hat die Oberstaatsanwaltschaft in Marienwerder bereits die Wiederaufnahme der Untersuchung in Sachen der Ermordung des Gymnafiasten Winter angeordnet, andererseits kommt aus Konitz die Meldung, an amtlicher Stelle sei mitgetellt worden, daß in den Akten über die Konitzer Mordaffäre und auch in den Gefangenenlisten der Name Liberka überhaupt nicht zu finden ist. Auch die Gesellenliste des Schlächters Schulz enthält den Namen Liberka nicht. *[Bei einem Brande] in einem italienischen Hotel zu San Franzisko kamen 17 Personen ums Leben. 18 wurden schwer verletzt. Standesamts=Pachrichten für die Zeit vom 30. März bis 5. April 1907 Stadt Sütersloh. Geburten: Söhne: Wirt August Gehle. Kaufmann Ludwig Pötter. Arbeiter August Hoere, Zwillinge. : K u e c h t A u g u s t U e k m a n n. M e t z g e r H e i n r i c h J o h a n n August Kniepkamp. Aufgebete: Bergmann Heinrich Lanströer in Hamm und Katharina Meuer in Bernholte. Handlungsgehälfe Johann Heck und Klare Schnatmeyer hler. Eheschließungen: Lokometivheizer Gustav Lauterbach und Emma Eickholz, beide hier. Bäcker Ernst Thiro in Gräfrath und Lisette Beckmann hler. Sterbefälle: Paula Henriette Lohmann in Ebbesloh, 4 Jahre 11 Monate alt. Witwe Hanne Friederike Dirksmöller geb. Bastert hier, 75 Jahre 6 Monate alt. Ehefrau Maria Klara Pötter hier, 81 Jahre 7 Monate alt. Amt Sütersloh. Geburten: Söhne: Jeber nugust Hokamp zu Sundern. Zimmermeister Heinrich Sewerin zu Nordhorn Töchter: Meier Siegfried Merklinghaus zu Sundern. Lagerarbetter Heinrich Kardinahl zu Pavenstädt. Eine uneheliche Seburt. Aufgebote: Weber Hermann Hebestreit zu Nordhorn und Marie Gröschler zu Gütersloh. Neuwöhner Friedrich Fritzenkötter und Johanne Ottenottebrock, beide zu Blankenhagen. Bäckermeister Friedrich Zumwinkel zu Gütersloh und Anna Hark zu Blankenhagen. Arbeiter Albert Kochbeck und Anna Dietrich, beide zu Pavenstädt. Cheschließung: Hartmann in Blankenhagen mit Charlotte Ster befälle: Kolon Friedrich Gierhake zu Sundern, 70 Jahre 8 Monate alt. Paul Landwehrjohann zu Nordhorn, 8 Monate 2 Tage alt. Märkte. 8. April. Oerlinghausen: Kram= und Viehmarkt. 9.„ Bielefeld, Ibbenbüren: Biehmarkt. Herford: Kram= und Biehmarkt. Minden: Kram=, Vieh=, Schaf= und Hammelmarkt. 10." Lage: Hammelmarkt. 11.„ Blotho, Lippstadt: Viehmarkt. 12.„ Brockhagen: Bieh= und Haufmark. Wochenspielplan des Bielefelder Stadttheaters. Sonntag, den 7. April 1907. Zum zweiten Male: Novität. Die lustige Witwe. Operette in 8 Akten von Viktor Léon und Leo Stein. Musik von Franz Lehür. Montag, den 8. April. Martha oder Der Markt zu Richmend Romantische komische Oper in 4 Auszäigen von W. Friedrich. Rusik von F. von Flotow. Dienstag, den 9. April. Zum dritten Male: Die kustige Witwe Mittwoch, den 10. April. Cavasleria ructicans. Oper in 1 Auszug von Pietro Mascagni. Hierauf: Der Najazzo. Große Oper in 2 Aufzügen und einem Prolog. Dichtung und Musik von R. Leonesvalle. Donnerstag, den 11. April. Zum vierten Male: Die kustige Witwe. Freitag, den 12. April. Die Hochzeit des Figare. Komische Oper in 4 Akten von W. A. Mozart. Sonnabend, den 18. April. Zu gewöhnlichen(nicht kleinen) Opernpreisen. Zum fänften Male: Die kustige Bitwe. Anfang sämtlicher Vorstellungen 7½ Uhr. Fahrräder erstklassig, direkt FanfTäuer, von der Fabrik, an Private und Händler von Mk. 65 an. Zubehörteile, Mk. 4.—, Luftschläuche von Mk. 8.80 an. auch an fremden Fabrikaten prompt und billigst. Katalog gratis und franko. Duisburger Fahrradfabrik „Schwalbe“ Akt.-Ges. Dalsburg-Wanhelmerert. Gegründet 1896. 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