Neue Gütersloher Zeitung Ferusprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr.: ustrierte Neue Lesehalle. Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 32 Druck und Verlag Schmäling& Ohlbrock, Sonnabend, den 1o. März 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Dogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Die heutige Rummer umfaßt 8 Seiten. Mohenräcblich. Dir Reichstag erledigte in abgelaufener Woche auch in dritter Besung die kolonialen Nachtragsetats, deren Ablehnung für die Existenz des alten Reichstags so verhäugnisvoll gewerden war. Die Abstimmung entsprach der Stellung, die die einzelnen Fraktionsredner bei der ersten und zweiten Beratung zum Ausdruck gebracht hatten: Die Bleckparteien stimmten für die 29 Millionenforderung, Zentrum und Sozialdemokraten lehnten sie ab. Den Bau der Eisenbahn von Kubub nach Keeimannshoop, die eine Fertsetzung der Bahn Lüderigbuch—Mubub werden soll, genehmigte auch das Zentrum. Da die Kolontalverwallung bestimmt damit gerechnet hatte, daß die Bahn genehmigt werde, sind die allgemeinen Vorarbeiten bereits in Angriff genommen und es wird voraussichtlich noch ver Ostern mit dem Bau begonnen werden können. Nicht weniger als 6 Millionen Mark Mehrkesten sind dadurch entstanden, daß infolge der Auslösung des Reichstags der Bau nicht schon wie prejektiert ver drei Monaten in Angriff genemmen werden konnte. Die braunschweigische Frage ist ihrer Erledigung wieder einen Schritt näher gekommen, und zwar auf dem Wege, der allein dem nationalen Interesse entsprechen kann. Der Bundesrat hat einstimmig den Beschluß gesaßt, solange ein Mitglied des Hauses Braunschweig=Lüneburg Ansprüche auf preußische Gedietsteile erhebt, sei auch die Threnbesteigung eines anderen Mitgliedes dieser Famillie, seibst wenn es für sich und seine Nachkommen auf alle solche Ansprüche verzichtet, unzulässig. Runmehr brachte der Regentschaftsrat beim Landtage den Antrag ein, die Wahl eines Regenten vorzunehmen, einen Antrag, den übrigens der Regentschaftsrat bereits einmal im Okteber gestellt hatte, der damals aber vom Landtag abgelehnt worden war. Nachdem durch den klaren Ausspruch des Bundesrats die legitimistischen Bedenken des Landtages zerstreut waren, wurde am Dienstag der Regierungsantrag einstimmig und ohne jede Debatte angenommen. Er erhebt sich nun die Frage, wem die Regentschaft übertragen werden soll. Hierüber ist sich der Landtag scheinbar noch nicht im klaren und offenbar deshalb hat er sich bis auf weiteres vertagt. Die Welfen sind mit dem Verlauf der Angelegenheit garnicht zufrieden und fordern eine reichsgerichtliche Entscheidung darüber, ob ein deutscher Fürst deshalb an der Ausübung der Regierung gehindert werden dürfe, weil andere Mitglieder seines Hauses an Ansprüchen auf fremde Gebietstelle festhalten, auf welche er zu verzichten bereit ist. Sie setzen aber auch jetzt noch alle ihre Hoffnungen auf den Prinzen Einst August von Cumberland. Diese Hoffnungen werden aber sicher zu schanden werden; denn eine Anrusung des Reichsgerichts kann jitzt unmöglich noch in Frage kommen: Um eine juristische Frage handelt es sich nicht, sondern um eine nationale, und eine Berufung gegen Beschlüsse des Bundesrals in nationalen Fragen kennt die deutsche Reichsverfassung nicht. Erst wenige Wochen sind vergangen, als von der holländischen Küste die traurige Botschaft von dem Untergang der„Berlin“ eintraf, da meldet der Draht bereits wieder ein entsetzliches Schiffdunglück, dem über hundert französischer Blaujacken zum Opfer gesallen sind. Nicht Wind und Weiter waren es diesmal, die den Verluß des größten und schönsten französischen Panzerschlachtschiffes herbeifährten, sondern die Kräfte, die gefesselt im Rumpfe des Schiffis lagerten und zur Bekämpfung des Feindes dienen sellten, hatten sich gegen den eigenen Herrn gewandt. Das Schiff befand sich in Teulen im Dock, als sich in einer der Pulverkammern das Pulver von selbst entzündete, wedurch auch die auf dem Schiffe befindlichen Terpedegeschoffe zur Explosten gebracht wurden. Das ganze Hinterteil des Schiffes flog in die Lust. Zwei Tage vorher erst war man in Courrieres hinausgewandert an die Gräber, um am Jahrestag dieses nicht minder furchtbaren Unglücks der wackeren französischen Bergleute zu gedenken, die ein Opfer ihres schweren Berufes geworden waren. Während Frankreich den natärlichen Tod seines früheren Präsidenten Casimier=Perler zu betrauern hatte, fiel am Montag in Bulgarten der Ministerpräsident Peikow einem Meuchelmörder zum Opfer. Es scheint sich hierbei um einen politischen Mord zu handeln, da der Mörder selbst angegeben hat, einer Verschwörergruppe anzugehören und den Mord zur Befrelung des bulgarischen Volkes vollzogen zu haben. Dieses Geständnis wird besonders dadurch glaubhast, daß sich schon seit Monaten Anzeichen einer bibenklichen Eeregung gegen den Ministerpräsidenten demerkhar machten. Diese Gährung hatte ver allem ihren Grund darin, daß Peikow, ehne die Sebranfe zu befragen, die Universttät wegen fiudentischer Unruhen schließen und viele Studenten in die Armee einreihen ließ und daß deshalb gewisse Kreise in ihm den Diktater Bulgartens erblickten. In Prätoria hat dieser Tage der Premierminister für Transvaal, Leuis Boiha, bei einem Festmahl eine Rede gehalten, in der er sagte, die britischen Interessen seien in den Händen des Ministerlums vollkommen sicher. Die Welt werde sehen, daß die Regierung von Trausvaal se besorgt um die Ehre der englischen Flagge sei, als es ein Ministerlum nur sein könne. Die Ehre und die Interessen des alten Volkes würden damit auch gewahrt. Ueberdies seien die Transvaaler von tiefer Dankbarkeit ersüllt, weil König Eduard, die britische Regierung und das britische Volk ihnen in einer in der Gescichte einzig dastehenden Weise vertraut hätten, indem sie dem Volke von Transvaal eine freie Verfassung gewährten. Die Buren würden diese Großherzigkeit niemals vergessen, und das Ministerium wärde sein bestes tun, um eine große geeinigte Nation zu schaffen, deren einer Teil auf den anderen nicht mit Mißachlung oder Mißtrauen blicke. Wenn dann auch in der Oranjekolonie eine direkt verantwortliche Regierung errichtet sei, werde das Ministerium bestrebt sein, auf ein geeinigtes Südafrika hinzuarbeiten. Peutsches Reich. Der Kaiser traf gestern früh im Automobil in Potedam ein, wohnte vormittags der Offizierreitstunde der Garde=Kavallerie=Regimenter bei und frühstückte darauf beim Offizierkerps des 1. Garde=Ulanen=Regiments. Die Rückkehr nach Berlin erfolgte mittags. Die Budgetkommission des Reichstags beschäftigte sich auch am Donnersiag nachmittag mit der Frage der Teuerungezulage für die Beamten. Infolge von Angriffen des Abg. Speck, die Regierung habe für alles mögliche Geld, nur nicht für die unteren Beamten, nagelte Schatzsekretär Frhr. v. Stengel das Zentrum auf seinen früheren Standpunkt fest, wonach es ausdrücklich betont habe, daß keine Forderung bewilligt werden würde, ohne daß vorher für die Deckung gesergt sei. Die Notwendigkeit einer Aufbesserung der Beamten wurde übrigens von allen Seiten anerkannt. Schließlich wurde der Antrag der Bleckparteien, der eine Erklärung der Regierung bis zur dritten Lesung des Stats sordert, mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen, nachdem der Zentrumsantrag mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt werden war. Die Wahlprüfungskemmissien des Abgeerdnetenhauses hat die Wahl des in Bielefeld gewählten konservativen Abgeordneten Rudorf einstimmig für ungiltig erklärt. Die Wahl war schon vor längerer Zeit beanstandet, und es war Beweiserhebung beschlossen werden. Die Beweiserhebung hat ergeben, daß in einem Wahlbezirk zwei Herren das Wahlprotekoll unterschrieben haben, ohne daß sie vom Wahlversteher durch Handschlag verpflichtet werden waren. Die Wahlmänner dieses Bezirks mußten für ungiltig erklärt werden, und dadurch ehlte Herrn Ruderf eine Stimme an der absoluten Majorität. In der Zeit vom 1. Januar bis 14. März 1907 sind allein nach Anzeige bei der Präsidial=Geschäftsstelle zum deutschen Zlotion=Verein neu hinzugekommen 5618 Mitglieder. Dagegen find nur 1026 Mitglieder ausgetreten, darunler 643 in Westfalen. In derselben Zeit haben sich 249 neue Ortsgruppen gebildet, aufgelöst haben sich dagegen nur 4 Ortsgruppen. Rußzland. Die Deck= des Sitzungssaales der Duma im Taurischen Palais ist gestern mergen eingestürzt. Der Dumasaal zeigt ein trauriges Bild der Zerstörung. Fast Dreiviertel der Deckenbekleidung sind eingestürzt und haben die Sitze der Linken, des Zentrums und eines Teiles der Rechten verunstaltet und mit Trümmern bedeckt. Hätte sich ein derartiger Einsturz während einer Sitzung ereignet, so wären wenigstens 300 Deputierte unter den Tiümmern begraben worden. Die Architekten erklären den Einsturz der Decke dadurch, daß der Sitzungssaal ursprünglich ein niemals geheizter Wintergarten wor. Der jetzt durch Heizung und Lüftung herbeigeführte Temperaturwechsel hat offenbar dazu beigetragen, daß der an konischen Nägeln befestigte Holzbalken sich veränderte, weshalb die Ssuckatur herabstürzte. Die gestrige Sitzung wurde im sog. Runden Saale des Taurischen Palais abgehalten. Unter großer Unruhe des Hauses bringt der Präsident den Antrag zur Abstimmung, daß die Beratungen unterbrechen werden und das Präsidialbureau der Reichsduma beauftragt wird, sich mit der Reglerung ins Benehmen zu setzen, damit eine Stätte für die Fortführung der Beratungen hergerichtet werde. Der Antrag wird fast einstimmig angenommen und die Sitzung sodann geschlossen. Ira Winisterrat wurde nachher beschlessen, die beschädigte Saaldicke zu beseitigen und vorläufig eine Segeldecke herzustellen, damit die Sitzungen zum 20. März wieder aufgenommen werden können. Das Feldgericht verurteilte gestern drei Studenten der Moskaner Universität und einen früheren Postbeamten, die am vergangenen Dienstag einen Schutzmann ermordeten, zum Tode durch den Strang. Das Urteil ist bereits vollstrickt worden. Lulgarien. Während der Mörder des Ministerpräsidenten Petkow bisher ein selbstbewußtes Benehmen zur Schau trug, beginnt er jetzt kleinmätiger zu werden und zeigt bereits Neue. Er gestand, daß er den Mord unter dem Einfluß der verhetzenden Artikel der eppositionellen Presse sowie wegen seiner eigenen und wegen seiner Mutter verzweifelten materiellen Lage verübt habe. Er gestand ferner ein, daß der Mordplan mit den Komplizen zu wiederhalten Malen beraten werden sei, wobei beschlossen wurde, den Fürsten Ferdinand oder den Minister Petkow oder Genadjew zu töten, damit das jetzige gewalttätige Regime beseitigt werde. Auch zwei in Frankreich studierende Universitätshörer hätten den Mörder brieflich zu der Mordtat angefeuert. Abgeerdurtenhaus. Berlin, 14. März. Die zweite Lesung des Kultus= etats beginnt mit einer allgemeinen Besprechung des polnischen Schulstreiks. Abg. Styche!(Pole) sucht das Verhalten der polnischen Kinder als Notwehr gegen den Gewaltakt der Regierung, als einen Verzweiselungskampf zu rechtfertigen. Daß der Schulstreik nicht schon früher ausgebrochen, sei nur aus der bewundernswerten Langmut der Polen zu erklären. Die polnischen Kinder verständen gar nicht, was sie im deutschen Gebet aussprechen, deshalb müsse ihnen der Unterricht in der Muttersprache erteilt werden. Die deutschen Lehrer zeigten eine unglaubliche Reheit. Eine spätere Zeit werde die edlen Motive aufdecken, von denen sich die Kinder bei ihrem passiven Widerstande haben leiten lassen. Kultusminister Dr. v. Studt weist darauf hin, wie von polnischer Seite die stärksten Anstrengungen gemacht werden, um die deutschen Kathollken des Ostens zu polonisieren. Die Regierung würde der nationalen Ehre und den nationalen Interessen nicht gerecht, wollte sie diesen Bestrebungen nicht mit Entschiedenheit entgegentreten. Die polnischen Eltern seien von Agitateren verhetzt worden. Die Protestresolutionen trugen wiederholt die Unterschrift bereits verstorbener Personen. Der Aufruf des polnischen Komitees und der Hirtenbrief des Erzbischofs hätten ein plötzliches Aufflammen des Schulsreiks zur Folge und die pelnische Presse aller Richtungen hat dann nach Kräften geschürt. Die pflichtgetreuen deut chen Lehrer wurden beschimpft, bedroht und sogar mißhandelt und die Schulräume wurden beschädigt. Der Schaden wird die polnische Bevölkerung selbst tragen. Erfreulicherweise geht der Schulstreik mehr und mehr zurück, Dank des großen Takteo der Lehrer und der Festigkeit der Regierung. Für die Polenpolitik der Regierung traten ein Abgg. v. Heydehrand u. d. Lasa(kens.), Dr. Friedberg(ntl.) und Irhr. v. ZedlItz(freik.) Abg. Dittrich (Zir.) wünschte ein größeres Entgegenkommen der Regierung gegenüber den Polen. Abg. v. Jazbzewoki vertrat den polnischen Standpunkt. Berlin, 15. März. Nach Vereidigung des Abg. Grasfen v. Spee(Zir.) wird die Beratung des Kultusetats mit der Besprechung des polnischen Schulstreiks fortgesetzt. Es sprachen hierzu noch die Abgg. Kindler(srs. Vp.), Ernst(sis. Vgg.), Dr. v. Mizenski(Pole), Szesnleet (freik.), Strosser(kons.), Graf Proschma(Zir.) und Luhensky(nl.), sowie Kultusminister Dr. v. Studt. Dann begann die Besprechung des von den Freikonservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen gemeinsam gestellten Antrags, im Volksschulwesen auf Einführung der fachmännischen Schulaussicht Bedacht zu nehmen. Abg. Schiffer (nt.) begründete den Antrag, worauf der Minister sich unter dem Beifall der Rechten dagegen aussprach, da eine Neuregelung der Schulaussichtsfrage jetzt, wo man mit der Ausführung des Schulunterhaltungsgesetzes beschäftigt sei, nur Verwirrung schaffen würde. Abg. Glattfelder(Zir.) lehnte mit seinen Freunden den Antrag ab; die Schulaufsicht müsse bei den Geistlichen bleibeg. Weiterberatung mergen. Herrenhaus. Berlin, 14. März. Nach Vereidigung der neu eingetretenen Mitglieder Landgraf von Hessen und Graf Raczinski und Erstattung des Berichts der Matrikelkommissien, wonach 356 Mttglieder des Herrenhauses, ungerechnet die königlichen Prinzen vorhanden sind, davon 114 erblich Berechtigte, wird der Antrag v. Chezewski auf Einstellung eines gegen das Mitglied des Herrenhauses v. Retcielski schwebenden Strafverfahrens mit knopper Mehrheit abgelehnt. Ohne Debatte wurden angenommen die Gesetzentwürse betr. Erweiterung der Stadtkreise Danzig und Hanau.— Endlich wird der Entmurs dis Beamtenpensiensgesetzes nach Besürwortung desselben durch Zinanzminister Frhr. v. Rheinbahen auf Anfrag des Oberbürgermeisters Struckmann an die Kommission zurück. verwiesen. Nächste Sitzung Mittwoch, 20. März. Sohales und Provinzieles. Sütersleh, 16. Mär.[Städtisches.) In der gestrigen 5 Uhr nachmittags tagenden StadtverordnetenSitzung wurde die Tagesordnung wie nachstehend erledigt: 1. Herr Rudolf Niemöller, welcher kürzlich von der ersten Abteilung für Herrn Fritz Güth gewählt worden ist, wurde durch den Herrn Bürgermeister Mangeisdorf eingeführt und virpflichtet. 2. Der Haushallsplan für das Siatsjahr 1907 wurde beraten und im ganzen genehmigt bis auf die im Voranschlage angesetzte Gehöhung des Gehalts und Wohnungsgeldes einiger städtischer Beamten. Es wurde dieser Gegenstand der Zinanzkommission zur gründlichen Beratung überwiesen, um in der nächsten Sitzung dem Kollegium geeignete Vorschläge machen zu können. Als Neuerung ist im Stat vorgesehen eine Hausmeister= und Gefangenwärterstelle im Rathause für den aus demselben wegen Ueberbürdung ausziehenden Polizei=Wachtmeister Herkströter. Auch sollen probeweise einige Polizeihunde eingeführt werden. 3. Der Antrag des Magistrais betr. Verzinsung der Kautionsbeträge der Sparkassen=Feamten von 3½ auf 4 Proz. wurde angenommen. 4. Von der Vorlage der Antwort der Landesbau=Inspektion in Bielefeld, auf die Beschwerde der Anwohner der Hohenzollernstraße betr. Pflasterung wurde Kenntnis genommen. Vorläufig soll wegen der in diesem Gebiet in Aussicht genommenen Kanalisation von einer Pflasterung abgesehen und die Straße wieder in einen geordneten Zustand gebracht werden. 5. Bei der Besprechung des Planes der Eisenbahn=Verwaltung auf Herstellung einer Unterführung zwischen der Elntracht und der Bartelsschen Besitzung einigte man sich dahln, den Magistrat zu ersuchen, persönlich beim Herrn Minister vorstellig zu werden, und dieses dauernd für die Stadt so ungünstige Projekt zu verhindern zu suchen. Auf die Dauer muß der Bahnübergang bei Schmale wegen der Verkehrssicherheit entlastet werden. Sind doch an einem Tage über 600 Fahrwerke und über 5000 Fußgänger gezählt, welche den Bahnübergang passierten. Für den Fuhrverkehr soll eine Unterführung nach dem Plane der Eisenbahn zwischen der Eintracht und der Barthelschen Besitzung hergestellt werden. Dies bedeutet bis zum Güterbahnhof einen Umweg von 500 Metern und den Rückweg zugerechnet gleich 1000 Metern oder 1 Kllometer. Der Nachteil, welcher für unser so lebhaftes Verkehrswesen hierdurch entstehen wird, ist einleuchtend, wozu noch die hohen Summen kommen werden, welche die Stadt für die nötigen Zufuhrwege usw. anlegen mäßte. Für die Bahnverwaltung ist dieser Plan augenscheinlich der billigste und für die Stadt dauernd der unkequemfte und teuerste. X0. Sütersloh, 16. März.[Städtische Sparkasse.] In verliegender Nummer wird die Bilanz über den Geschäftsbetrieb im Jahre 1906 veröffentlicht; danach erzielte die Sparkasse einen Reingewinn von 70976 Mark 37 Pfg□ iö: Sütersloh, 16. März.[Prüsung.] Gestern nächmittag fand im Vereinshause die von der BaugewerkenZwangsinnung vorgenommene theoretische Gesellenpräfung stau, nachdem die praktische Prüsung bereits während des Vormittags vorgenommen war. Von den 11 Geprüften gehörten 7 dem Maurerhandwerk, s dem Zimmerhandwert und 1 dem Steinmitzgewerbe an. Mit dem Prädikat„gut“ bestanden zwei, während den übrigen nur das Prädikat „genügend“ zugesprochen wurde. ) S ü t e r s l o t z, 1 6. M ä r z.[ E r t r u n k e n.] S e i n e n Tod durch Ertrinken fand in der Nacht zum Freitag der 85 Jahre alte Fabrikarbeiter Friedr. Wilh. Hernberg in Blankenhagen Nr. 28. Nachdem seine Angehörigen in der Nacht zusällig gewahrten, daß H. nech nicht zu Hause sei, machten sich die beiden Brüder sofort, nichts gutes ahnend, auf die Suche, die jedoch erfolglos blieb. Bei Anbruch des Tages forschten sie aufs neue nach und fanden dann 7 Uhr den Vermißten in einem mit fließenden Wasser Sesien 60 Zeulimeter hohen, am Postdamm verbesfsührenden ergraben als Leiche liegen. Wahrscheinlich hat H. in der Dunkelheit einen Fehltritt getan, ist dann in den Graben gestürzt und ertrunken. □ Sütersloh, 16. März.[Schwimm=Vereiy. In der am Donnerstag abend im Gasthof zur Krone stattgehabten Versammlung des hiesigen Schwimmvereins, welche von ca. 30 Personen besucht war, hielt Herr Römer, der Vorsitzende des Bielefelder Amateur=Schwimmklubs, einen interessanten Vortrag über das Schwimmen. Der Redner erklärte die verschiedenen Schwimmarten wie Brust=, Rücken=, Seiten= und Spanischschwimmen in eingehender Weise, sprach auch über die verschiedenen Springarten beim Schwimmen, welche in der Hauptsache nur dazu dienten, das eigentliche Schwimmen vielseitiger und interessanter zu gestalten. Auch wurde besonvers hervorgehoben, daß dem Schwimmsport, besonders in gesundheitlicher Beziehung, sogar vor dem Turnen der erste Platz gebühre und deshalb auch gebührende Beachtung seitens der Bürgerschaft verdiene. Der ganze Vortrag wurde von den Anwesenden mit großem Interesse ausgenommen. Zum Schluß erbei sich Herr Römer in liebenswürdiger Weise mit einigen Bielsfelder Herren dem Verein bei den demnächstigen ersten Uebungsabenden mit persönlicher Leitung an die Hand zu gehen, was dankend angenommen wurde. Amt Sütersloh. 10. März.(Sitzung.] Die Amis= und Gemeinde=Vertretung nahm in ihrer am Donnerstag nachmittag abgehaltenen Versammlung nach Eintritt in die Tagesordnung zunächst die Mittellungen über die Veränderungen im Lehrpersonal der Schulen entgegen, wovon als vielleicht noch nicht gllgemein bekannt zu erwähnen bliebe die endalltige Anstellung des Lehrers Eickholz in Nordhern vom 1. Mäcz d. Iv. as.— Zur besseren Ausstattung der Schullokal; mit Bilbern wuche ein Zuschuß von 50 Mark hewilligt zu dem von der Reglerung dazu ausgewersenen Betrage.— Ein Antrag des Kleinhändlere zu Sundern auf Entschäbigung für ein zum Friedrichsdorfer Chausseebau abgeiretenes Grundstück wurde abgelehnt, well Pieper sich s. Z. zur unentgeltlichen Hergabe bereit erklärt habe. Zum Zweck der Wegebefferung in der Gemeinde wurde beschlossen, eine Anleihe von 40 000 Mark aufzunehmen und die Angelegenheit in die Hände einer Kommission zu legen, welche außer dem Amtmann und dem Gemeinde=Versteher bestehen soll aus den Gemeinde=Vertretern Strenger, Westheermann, Diestelkamp und Enegeler. In Aussicht genommen sind zunächst die Wege a) an der Schule Sundern II vorbei(800 Meter), b) der in Nordhorn belegene sog. Kleßmanns Weg bis zur Eisenbahnüberfahrt(500 Meter), c) der sog. Bohlenweg in Pavenstädt (500 Meter), d) der sog. Fortweg nach Kolen Gronebaum in Sundern führend(1000 Meier) und e) der sog. Ohlbrockwig in Pavenstädt von Droop nach Loerpabel zu(800 Meier); insgesamt 3600 Meter.— Um eine schon lange zwischen der Stadt und Landgemeinde bestehende Streitfrage zu beseitigen, erklärt die Gemeinde=Vertretung ihr Einversändnis damit, daß die Grenzfeststellung an der verlängerten Baumstraße, woselbst der Graben schon zu allerlei berechtigten Beschwerden Anlaß gegeben hat, durch das Katasteramt vorgenommen werden soll.— Die bisher von Herrn Stadtbaumeister Balke ausgeführte technische Rivision der Anträge der Bau=Dorlehen aus der Landesversicherungsanstalt soll, dessen Annahme vorausgesetzt, Herrn Stadtbaumeister Schluckevier übertragen werden.— Sodann beschließt die Versammlung die Annahme eines Antrages an die Stadt Gütersloh auf Leistung eines Zuschusses zu den Schul lasten.— Dim Antrage auf Zuschlagserteilung an die Submittenten auf Lieferungen für innere Ausstattung des oberen Klassenzimmers der Schule Pavenstädt II wurde zugestimmt, ebenso beir. Regelung einer Restforderung des Tischlermeisters Heißmann in Pavenstädt für Arbeiten an derselben Schule.— Bewilligt wurde auch die Nachserderung eines Mehrbetrages von ca. 46 Mark für Aufstellung der Uhr am neuen Schulhause zu Nordhorn.— Zu den Vorarbeiten des projektierten Chausseebaues Gütersloh=Stein= hagen bewilligte die Versammlung gleich der Stadt den auf die Gemeinde entfollenden Betrag von 30 Mk.— Zum Schluß wurde angeregt, die Regierung nochmals anzugehen um Genehmigung zur Erhöhung des Schulgeldes für in den Gemeindeschulen untergebrachte auswärtige Kinder von 22 Mark auf den Selbstkostenpreis von 30 Mark. + Nieherst, 16. März.[Chausseebau.] Mittwoch nachmittag hatten sich die Gemeindevertreter von hier und Hollen mit den Interessenten an der Chausstelinie Niehorst—Hollen versammelt, um die Länge derselben und die Größe der abzutretenden Grundstücke zu besichtigen. Wie allgemein angenommen wurde, könnte der Weg, die sogenannte Brüderstraße, mehr benutzt werden, als jetzt geschehen ist. Weshalb vom Herrn Baumeister der Weg über die Felder neben dem eigentlichen Wege berlaufend, gelegt ist, ist für manchen unverständlich. Hoffentlich läßt sich der Weg doch noch etwas verschieben, sodaß er in seiner ganzen Breite benutzt wird. Wenn auch die Preise, die geferdert werden, für den gm Ackerland 0,60 Mk. und Heideland qm 0,20 Mk., immer zu hoch sind, so sind die Gemeinden doch insofern mit dem Bau weiter gekommen, als die Interessenten sich schriftlich erklärt haben, den Grund und Boden abgeben zu wollen. Wenn der Weg benutzt wird, wollen sie den Preis auch ermäßigen. Hoffentlich wird dieser Weg noch in diesem Jahre ausgebaut, damit dann der Linte Gütersloh—Steinhagen nähergetreten werden kann, die doch auch sehr wichtig ist. 1d. März.[Zum Kaiserbesuch. Obgleich der Tag der 200jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Tecksenburg zu Preußen noch nicht bestimmt ist, werden hierorts schon die umsassendsten Verbereitungen zur Ausschmückung der Stadt, Regelung des zu erwartenden Fremdenverkehrs u. dergl. mehr getroffen. Das zu diesem Zwecke gebildete Komitee entsaltet eine rührige Tätigkeit. Ein Beamter des Kaiserlichen Marschallamts aus Berlin wird in den nächsten Tagen hier erwartet, um die Bestimmungen über den Kaiserbesuch pp. zu treffen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß die Feier schon am 17. Mai abgehalten wird, da sich das Kaiserpaar in dieser Zeit im westlichen Teile des Reiches aushalten wird. Pelvert, 15. März.[Postraub.] Auf dem biesigen Pestamte wird seit vorgestern nacht ein Geldpostheutel vermißt, der am Mittwech in Wülfrath aufgegeben wurde und nach Velbert bestimmt war. In dem Beutel befanden sich 600 Mk. in bar, mehrere Wechsel und verschiedene Checks. Ob ein Verbrechen vorliegt, wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Beutel wurde heute mergen in dem Kanal der E.schen Brauerei aufgefunden, er war zerschnitten und des Inhalis beraubt. Witten, 14. März.[Tötlicher Unfall.] Gestern mittag wollte der Knecht H. Meiland dem Wasserwerke im Sundern eine Kohlenfuhre zufahren. Er glitt im Straßen schlamm aus, wurde überfahren und sofort getötet. 14. März.[Im Zieberwohn, In der Gemeinde Imsbach hat sich eine junge Frau mit ihrem Kinde im Fieberwahn in einen Brunnenschacht gestürzt. Mutter und Kind waren sofort tot. Militärisches. Die Kaisermanöver zwischen dem 10. und dem 7. Armeekorps werden sehr früh ihren Ansang nehmen. Wie verlautei, findet die Kaiserparade des 10. Armeckorps auf dem histerischen Paradefelde am Kronsberg bei Hannever bereits am 27. August statt. Die Manöver ziehen sich von der Warburger Gegend nach Münster hin und werden September bereits ihr Ende erre wrrden nicht, wie in früheren# nprächtig, Bild veigen,##. die Tteren m. setherg felßenerschmüßig erscheinen. Die kunkle Beinkleider, bei Amtlichen Teuspen Aalgre e. gewehnte se in Pareheu# 80 Schabracken, bei ven die Pelze und bei den Ulanen die Brust= und TschaplaRabatten weg. Vermischtes. *[ S t e n o g r a p h i e.] D i e R e g i e r u n g e n v o n B a y e r n, Sachsen, Sachsen=Weimar, Oldenburg und Sachsen=Koburg und Getha haben ein gemeinsames Vorgehen in der Stensgraphiefrage beschlossen. * Wien, 15. März. Hier sind die Bäckergesellen in den Ausstand getreten. Es kommen etwa 6000 Mann in Betracht, die in 700 Beirlebsstätten beschäftigt sind. Der Ausbruch des Ausstandes kam für die Meister ganz unerwartet. 99 Proz. der Meister haben sich ehrenwörtlich verpflichtet, die Ferderungen der Ausständigen nicht zu bewilligen. In mehreren Betrieben haben sich heute vormittag Arbeitswillige zur Wiederaufnahme der Arbeit gemeldet. Die Gebäckausträgzer haben sich mit den Bäckergehllfen soltdarisch erklärt, daher machte sich der Ausstand heute früh recht föhlbar. * Toulon, 15. März. Die zur Erforschung der Ursachen der„Jene“=Katastrophe eingesetzte Kommissien hat festgestellt, daß in den Munitionskammern für die 10 cm Geschütze eine Temperatur zwischen 50 und 56 Grad geherrscht hat, während die normale Temperatur 35 Grad betragen soll. Die beiden Ventilateren, die zur Abkühlung der Temperatur in diesen Kammern bestimmt sind, waren beschädigt und funktienierten nicht. Ferner war verabsäumt, Abkühlverrichtungen in den Dynamokammern die wegen nicht genügender Leistungen entfernt waren, durch neue zu ersetzen. Dazu kam, daß die Sonne von 10 Uhr morgens ab auf das Hinterschiff brannte, wodurch die Temperatur in den Munitionskammern jedenfalls wesentlich erhöht worden ist.— In Abwesenheit des Marineministers wurde bei genauer Untersuchung des Panzerschiffes„Jeno" festgestellt, daß das ganze Achterschiff, darunter die Panzertürme, Panzerbrücke, Geschütze 2c. völlig zerstört sind. Das Schiff ist gänzlich unbrauchbar geworden. Bis heute vormittag 10 Uhr sind von den 107 geborgenen Leichen 88 rekognosziert. Einige, die die zu sehr verstümmelt oder verbrannt sind, werden mit Sicherheit wohl überhaupt niemals rekognosziert werden können. Die meißen Verwundeten leiden furchtbar, haben durchweg hohes Fleber und müssen sorgfältig gepflegt und überwacht werden, de sie jeden Augenblick im Fieberdelirium die Verbände ven den Brandwunden reißen. * Pittsdurg, 15. März. In Westpennsylvanien und Westvirginien sind große Ueberschwemmungen eingetreten. Viele Städte sind davon betroffen. Die Kohlengruben im Tale des Monongahela sind überschwemmt; tausende ven Bergleuten sind brotlos. Eine Anzahl von Personen ist ertrunken. Die niedriger gelegenen Plitsburg und Allegheny sind überfluttt; der Verkehr wird durch Boote vermittelt.— Heute morgen brach hier eine Feuersbrunst aus, durch die bis jetzt 15 Wohnhäuser und 4 große Geschäftshäuser zerstört sind. Jedem nützlich, Jedem erschwinglich täten mit der Retortenmarke. sind die bewährten, unerreichten In ungewöhnlich kurzer Zeit nach Zusammentritt des Hauses ist diesmal Kürschners Deutscher Reichstag 1907(Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9) erschienen, jenes kleine und wohlbekannte Buch, das reiches biographisches Material sowie die Porträts sämtlicher Abgeordneten enthält. Die vielen neuen Reichstagsmitglieder, die in das Haus am Königsplatz eingezogen sind, machen das Buch doppelt interessant, aber auch die Porträts und Biegraphien derjenigen, die schon in früheren Ausgeben vertreten waren, verlangen erneute Aufruerksamkeit, denn die Bilder sind größtenteils nach neuen Aufnahmen hergestellt und die Biographien bis auf die leuzte Zeit ergänzt. Die Brauchbarkeit des Buches als Ortentierungsmittel bei der Zeitungslektüre wird noch durch eine Reihe tabellarischer Uebersichten erhöht, die der Leser nach jeder nur denkbaren Richtung über die Zusammensetzung unseres Parlaments sowie durch die vergleichende Wahlstatlstik über jeden Wahlkreis 1908 und 1907 unterrichten. Eine besonders schätzenswerte Bereicherung aber bilden die beiden originellen, neu beigegebenen Pläne, deren einer die Parteiverhältnisse im Reich zur Anschauung bringt, während der andere den Sitzungssaal unter Angabe des Platzes jedes Abgeordneten und seiner Parieizugehörigkeit darstellt. Daß für den geringen Preis von 60 Pfennig die Herstellung dieses inhaltsreichen und gediegenen Werkes überhaupt möglich ist, läßt sich wohl nur aus seiner ungewöhnlichen Beliebtheit erklären: wurden doch bisher nicht weniger als 450000 Exemplare des Buches zum Verkauf gebracht. Deueste Nachzrichten. w St. Johann, 16. März. In der Grube Kl.=Rosseln fand gestern abend eine Schlagwetter. Explosion statt. Etwa 100 Vergleute waren eingefahren; von diesen sind 53 geborgen, und zwar 25 tot, 12 schwer verwundet. Die übrigen gelten als tot. — Nach einer später uns zugegangenen Meldung waren 80 Vergleute eingefahren und bis dahin 65 Tote und 12 Schwerverletzte geborgen. w Saarlonis, 16. März. Auf dem Mathildenschachte der Gerhardgrube riß heute früh das Förderseil. Auf der Verderschale befanden sich 25 Bergleute, welche dem Saarl. Journ. zufolge umgekommen sind. Nachrichten. eier Pi e Judica. für die Blödenanstalt Wittekindshef. Neue Kirche 10 Uhr: Paster Kley. Alte Kirche 10 Uhr: Pastor Meinshausen. Konfirmation. Alte Kirche nachmittags 3 Uhr: Paster Siebold. Prüsung der Mädchen vom Lande. Montag, den 18. März. Abends 8½ Uhr: Bibelstunde des blauen Kreuzes im Vereinshause. Dienstag, den 19. Bärz. Abends 8¼ Uhr: Bibelstunde des Jünglingsvereins im Vereinshause. Mittwech, den 20. März. Abends 8½ Uhr: Bibelbesprechstunde im Konfirmandenhause. Freitag, den 22. März. Alte Kirche abends 5 Uhr: Past. Meinshausen. Passionsgottesdienst und Abendmahlsseier. Honnabend, den 23. März. Neue Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Stere. Gottesdienst. den 17. März. Passionssonntag. Beginn der österlichen Zeit für den Empfang der hl. Sakramente. Morgens 6 Uhr: Hl. Messe. „ ½8 Uhr: Hl. Resse mit Predigt. „ 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Fastenpredigt und Treusueg. Statt besonderer Anzeige. Die glückliche Geburt eines strammen Jungen zeigen hocherfreut an Ernst Hoffschildt und Frau Hulds geb. Schalte. Gütersloh, 16. März 1907. ROOSSS Statt Karte. Die Verlobung meiner Schwester Anna mit dem Fabrikanten Herrn Ernst Freyberger in Barmen beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Oppenheim a. Rhein, 15. März 1907: Husten! Wer diesen nicht beachtet, versändigt sich am eigenen Leibe Valsers Brust-Caramellen seinschmeckendes Malz=Extrakt. Aerzlich erprobt u. empfehlen gegen Husten, Heiserkeit, Katarrh, Verschleimung u. Rachenkatarrhe. 5120 not. begl. Zeugnisse beweisen, daß sie halten, was sie versprechen. Packet 25, Dose 50 Pfg. Kaiser's Brust-Extraßt Flasche Mk. 1.—, beides zu haben bei Wilh. Küfter in Gütersloh Strengerstraße. Tran=Texte werden sauber angefertigt in deBuchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock. Statt Die Verlobung ihrer Tochter Auguste mit dem Kaufmann Augast Diekötter aus Gütersloh i. W. beehren sich ergebenst anzuzeigen Heinrich Göthente u. Frau geb. Frormann. Hann i. W., im März 1907. Anzeige. Meine Verlobung mit Fräulein Auguste Güthenke, Tochter des Kaufmanns Heinrich Güthenke und seiner Frau Gemahlin geb. Frormann, zeige hiermit ergebenst an. August Diekötter. Gütersloh, im März 1907. Stat eige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, Donnerstag abend meinen lieben treuen Sohn, unsern guten Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Hornberg plötzlich und unerwartet infolge eines Unglückstalles im Alter von 85 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Blankenhagen b. Gütersloh, den 15. März 1907. Die Beerdigung findet Dienstag, den 19. März, nachmittags 3¼ Uhr vom Trauerhause, Blankenhagen 28, aus statt.(Um 4 Uhr am Bahnhof.) Die Feier Im Hause beginnt um 2¾ Uhr. Am Donnerstag abend verschied durch einen plötzlichen Tod unser Mitarbeiter Friedrich Hornberg. In dem Verstorbenen betrauern wir einen lieben Mitarbeiter, dessen Andenken bei uns allzeit In Ehren gehalten wird. Die Arbeiter der Firma Vogt& Wolf A. G. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, am Donnerstag morgen 11 Uhr nach langen, schweren, mit Geduld ertragenen Leiden meinen lieben Mann, unsern guten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Kolon Heinrich Torwiehe im Alter von 71 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen Familie Torwiehe. Isselhorst, den 15. März 1907. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. d. Mts., nachmittags 8½ Uhr, vom Trauerhause 88 aus statt; die Vorfeier um 3 Uhr Gütersloher Landwehr=Verein. Die Mitglieder werden ersucht, sich an der am Mentag 3½ Uhr vom Hause Blücherstrafte 719 stallfindenden Beerdigung des verstorbenen Kameraden Zimmermann Hermann Brinkmann richt zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. Gütersloher Landwehr=Verein. Die Mitglieder werden ersucht, sich an der am nachmittag 8¼ Uhr vom Hause Blankenhagen 28(4 Uhr vom Bahnhof aus) stattfindenden Beerdigung des verstorbenen Kameraden Friedrich Hornberg recht zahlreich zu beteiligen. Der Verstand. An- und Abmelde-Formulare zur Krankenkasse stets vorrätig in der Buchdruckerei von Schmäling& Ohlbrock, Schulstraße. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme von nah und fern während der langen Krankheit, sowie bei der Beerdigung unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen unsern herzlichsten Dank. Sundern, 16. März 1907. Familie Eliasmöller. offon ist der wohlschmeckendste u. bekömmlichste Kaffeezusatz. Für jedermann, besonders Blutarmen, Magenschwachen, Nervenleidenden und Kindern, gesündester, coffeeintreler Kaffee. Per Kilo M. 1.20. Brüder Kunz, Wien und Bigge-Westfalen. Einen Arbeiter, welcher auch zu fahren versteht, sucht für dauernde Beschäftigung Fleischwaren-Fabrik J. F. Marten. 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Bessing-Bettstellen. Bettstellen für Kinder. Rosshaar-Matratzen. CapckMatratzen. Erstes Bielefelder Spezial-Haus für Betten- u. Matratzen-Fabrikation. Bielefeld, Jahnplatz. Polster-Bettstellen. Natratzen. Waschtische. 4 Bekanntmachung. Der von der Versicherungs=Anstalt der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft ausge: stellte Heberollen=Auszug pre III. und IV. Quartal 1906 liegt in Gemäßheit des§ 28 Absatz 1 des Abänderungsgesetzes vom 80. Juni 1900, beiressend die UnfellVersicherung der bei Bauten bischästigten Personen während zweier Wochen zur Einsicht der Beteiligten auf dim Rathaus, Zimmer S offen. Gütersloh, 14. März 1907. Bürgermeisster: Mangelsdorf. Bekanntmachung. Der Hederollen=Auezug der Versicherungsanstalt der Hannoverschen Baugewerks= Berufsgenossenschaft liegt vom 18. d. Mis. ab zwei Wochen lang auf dem Amtsbureau zur Einsicht der Beteiligten offen. Gütersloh, 15. März 1907. Der Amtsverwalter: Wirth. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öff milichen Kenntnis gebracht, daß die Schweineseuche unter dem Schweinebrstande der Witwe Kolona Hark zu Blankenhagen 5 erloschen ist. Die zur Bekämpfung der Seuche angeordneten Verkehrsbeschränkungen 2c, sind aufgehoben. Gütersloh, 12. März 1907 des Wirth. Die Polizeiverwaltung Amtes Gütersloh. A Furn- Els Verein. Dienstag abend kein Turnen. Dafür Versammlung der aktiven Turner bei G. Pollkläsener. 9 Uhr. Der Turnwart! SMgk-KeTeelle Hetel HolländerFilsiterLimburger-e KräuterHopfender.) 80 empfiehlt Westerhellweg. Wegen Plotzmangel billig zu verkaufen: Kinderwagen, I Sportwagen, 1 Sltzstuhl, 1 Paar lange Stiefel, gut erhalten. Zu erfragen in der Exped. d. Zi. Suche einen zuverlässigen Knecht. Otto Fricke. Ein Mädchen von 16 Jahrin sucht leichte Stelle, am liebsten bei Kindern. Zu erfragen in der Geschäftestelle dieser Zeitung. 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Wo, sagt die Geschäflöst. d. Zig. (55) zui büte Freitag, den 22. März 1907: im Saale der Gesellschaft„Erholung“: VII. Musikvereinskonzert unter Leitung des Herrn Musikdirektors Georg Christiansen. Solisten: Fräulein Emmy Christern, Konzertsängerin aus Hamburg(Sopran) Herr Rudolf Gerhardt, Opernsänger vom Kölner Stadttheater(Bariton). Orchester: Das Bielefelder Städtische Orchestrr. Programm. 1. Suite in Canonterm(C-dur) für Streichorchester.(Wüllner gewidmer). Julius Otto Grimm. Allegro con brio-Andante lento-Tempo di Menuetto. 2. a) Litanel..... Franz Schubert. b) Ave Maria mit Cellobegleitung.. Bizet. c) Mache mich selig. 0 Jesu.. Albert Becker. Frl. Christern. 3. Vier ernste Gesänge op. 121... Johannes Brahms. Max Klinger gewidmet. Letzte Komposition des Meisters comp. 1896 Herr Gerhardt. Pause. 4. Ein deutsches Requlem op. 45.... Johannes Brahme. nach Worten der heiligen Schrift, für Soll, Chor und Orchester in 7 Teilen. Anfang 7½ Uhr präsise. Eintrittspreis 2,50 Mk. Schüler 1,25 Mk. Die nicht mitwirkenden Aktiven und Passiven haben ihre Ligitimationskarten beim Eintritt vorzuzeigen. General-Probe Dennerstag, den 21. März, abends 7½ Uhr. Eintrittspreis 1 Mk. Schüler 75 Pig. Karten zu beiden Aufführungen sind bei Tigges und abends an der Kasse zu haben. Textbuch zum Requiem à 10 Pfg. und Konzertführer à 10 Pfg. ebendaselbst. VIII. Musikvereins-Konzert Mitte Mai. A eapella-Kenzert. Die Aufnahmeprüfung für die städt. höhere Mädchenschule findet statt am Sonn abend, den 28. März, morgens 8 Uhr. Kinder, welche die evangelische Stadtschule nicht besuchen und an der Prüfung teilnehmen wollen, sind bis zum Freitag, den 22. März, bei dem Unterzeichneten anzumelden. Gütersloh, den 16. März 1907. Der Rektor. hart. Die Aufnahmeprüfung für die Selekte der evangelischen Schule findet statt am Freitag, den 22. März, morgens 8 Uhr. Güter sloh, den 16. März 190.. Der Rektor. hart Gasthof zur Krone Paal Breipchl. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab: Unterhaltungsmusik. Städtisches Orchester. und Bockbierfest. Zu zahlreichem Besuche ladet ein Paul Breipohl. Die für vermietete Ländereien auf dem Jörüggerschen Kolonate fällige Landmiete wird am Montag, den 25. März, von 8 Ahr morgens ab, im Kolonatshause in Empfang genommen. Die Vormünder. Sofas, Vertikows, Stühle, Spiegel etc. Gardinen empfiehlt Wilh. Baumann, Bahnhefstrasse. lse telleceen Boeeeeereeeeeeeeeen Einem geehrten Publikum von Gütersloh und Umgegend die ergebene Mitteilung, dass ich am heutigen Tage ein Atelier für Photographie und Vergrösserungen im Hause des Kenditers Herra F. W. Lohmeyer, Münsterstrasse, eröffnet habe. Es wird mein Bestreben sein, nur künstlerische Arbeit zu liefern. Durch Renovierung des Atellers bin ich imstande, selbst bei trübem Wetter mustergültige Aufnahmen zu machen Mit vorzüglicher Hochachtung Hermann Knauf, Photograph. Fernsprecher m. Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn: durch die Post bezogen und durch den Brief144 Mark. träger frei ins Haus bestellt 1 Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 32 Druck und Verlag: Schmäling& Ohldroch, Vaterslos. Sonnabend, den 1o. März 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes Vogt in Gütersloh. 8. Jahrgang Die heutige Rummer umfaßt 8 Seiten. Reichskanzler und Landwirtschaft. Die Mitglieder des in Berlin tagenden Deutschen Landwirtschaftsrats vereinigten sich Donnerstag abend zu einem Mahl, an dem auch der Reichskanzler teilnahm und währenddessen er folgende Rede hielt: Ein ernster und schwerer politischer Kampf liegt hinter uns, der viel Anfregung hervorgerufen, aber auch gesunden Sinn, kräftiges Nationalgesühl im deutschen Volk von neuem hat hervortreten lassen. Denn der Kampf ist der Vater aller Dinge. Ein Band ist in diesem Kampfe erfreulicherweise nicht gelockert, sondern wie ich hoffe, noch gefestigt werden: Das Vertrauen zwischen dem drutschen Reichskanzler und der deutschen Landwirtschaft. Dieses Vertrauensverhältnis wird auch keinen Wandel erfahren, des bin ich sicher, wenn ich mich anschicke, Wünsche zu erfüllen, die bereite seit langer Zeit von den Parteien der bürgerlichen Linken gehegt werden. Wenn ich im Reichstage unter anderem meine Bereitwilligkeit erklärt habe, eine Reform des Vereinsund Versammlungsrechts, des Strafrechis und der Strafprezeßerdnung durchzuführen, so leitet mich dabei die Ueberzeugung, daß ein führender und verantwortlicher Staatsmann nicht zögern soll, unzeitgemäße Zustände durch sachgemäße Refermen zu ändern. Auch über die im Reichstag von mir angekündigte Reform des Börsengesetzes will ich mich hier ganz offen aussprechen. Wir werden bei dieser notwendigen und dringenden Resorm nichts bringen, was die Interessen der Landwirtschaft schädigen könnte. Ich erwarte dishald auch, daß die Vertreter der Landwirtschaft im Reichstage den Entwurf vorurtellsles prüfen werden. Auch die Landwirtschaft hat ein Interesse daran, daß die Börse als hechwichtiges Wirtschaftsinstrument erhalten und leistungsfähig erhalten wird. Wir haben in Deutschland noch zu viel Verurtelle, in allen Lagern, bei allen Parteten, in allen Schichten der Bevölkerung. Wir haben zu viele vorgefaßte Miinungen, die als Scheuklappen den Bück einengen. Vor Jahren sagte mir einmal ein liberaler Professer, ein ganz verständiger Mann:„Wie können Sie, Herr Reichskanzler, eine agrarische Politik machen, wo Sie doch so gebildet sind.“ Als ob man nicht ganz gebildet und dabei ein Stockagrarier sein könnte. Ich kenne aber auch Konservative und Agrarier, welche in Handel und Börse, wenn nicht ein unsittliches, so jedenfalls ein verderbliches Element sehen. Das sind Scheukleppen, die wir ablegen müssen. Wenn ich jene Resormen in Aussicht stelle, so bleibt unangetaftet das Wirtschaftspregramm, daß ich seit bald sieben Jahren vertrete und durchführe: Schutz der nationalen Arbeit, Schutz unserer Produktlon, Schutz und Fürsorge insbesondere für die Landwirtschaft. Ich habe ver Ihnen einmel gesagt, daß ich die Bezeichnung Agrarier als Ehrentitel ansehe, als rühmliche Anerkennung. Und wenn ich mich einmal aus dem öffentlichen Leben zurückziehe— der Augenblick wird ja mal kommen, wenn auch vielleicht nicht so bald, wie das dieser oder jener zu wünschen scheint— so mag man nur auf meinen politischen Leichenstein schreiden:„Dieser ist ein agrarischer Reichskanzler gewesen.“ Und warum, meine Herren, war ich das, und bin es, und werde is bleiben? Weil eine vernünftige agrarische Politik meiner vollen Ueberzeugung entspricht, weil sie sich wirtschaftlich und politisch wohl bewährt hat. Ich sage politisch auch im Rückblick auf die Wahlen. Mit Recht hat mein Freund, Herr v. Oldenburg, darauf hingewiesen, daß wir dem braven Schwein Dank schulden. Gar manchen Abgeerdneten hat es durch den reißenden Wahlstrom getragen. Schon darum gebe ich es nicht preis, sondern schätze es ver Pestilenz. Daß aber diese meine Politik sich auch wirtschaftlich bewährt hat, beweist die geger wärtige wirtschaftliche Lage. Die Landwirtschaft fängt an, sich endlich zu erholen, die Industrie blüht. Das Gedeihen des einen Erwerbszweiges ist aber kein Schaden für den andern. Die Landwirtschaft kann eine blühende Industrie vertragen, denn sie hat in der Industrie einen herverragenden Konsumenten. Ich weiß wohl, meine Herren, daß eine industrielle Hochkonjunktur Nachteile für die Landwirtschaft mit sich bringt infolge des Arbeitermangels. Da ist es die Aufgabe der Staatskunst und der derufenen Organe der Landwirtschaft, durch planmäßige Anfiedelungen und Seßhaftmachung der Arbeiter Wandel zu schaffen. Ich vertraue, daß mein veehrter Kollege, der neue Land wirtschaftsminister, den Spuren seines vortrefflichen Vorgängers folgend, auch diese Frage, wie das Problem, das große Problem der Entschuldung zu einem günstigen Abschluß führen wird. An meiner Hilfe wird es ihm nicht fehlen. Und nun nech eins. Ich will dankbar anerkennen, daß mich die Landwirtschaft und daß mich insbesondere der Bund der Landwirte nicht im Stich gelassen haben, vor allein nicht in meinem Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Mein Verhältnis zum Bunde der Landwirte war ja anfänglich etwas stürmisch. So geht es gerade in guten Ehen, daß man sich zunächst kabbelt und zankt, bis man sich kennen gelernt und einander gewöhnt und ineinander gesunden hat. Dann geht es um so bisser. Ich halte es trotzdum nicht für ausgeschlossen, daß auch in Zukunft gelegentlich Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und dem Bunde der Landwirte vorkommen werden. Denn für mich als Reichskanzler kann es nur eine einzige Richtschnur geben, das wohlerwogene Gesamtinteresse des Landes; darum kann ich mich nie einer Partei, einer Richtung ganz su eigen geben. Und der Bund der Landwirte ist seinerseits kein offizielles oder offiziöses Organ, er steht auf eigenen Füßen. Ich werde dem Bunde der Landwirte stets Gerechtigkeit widerfahren lassen, und ich hoffe, daß er fortfahren wird, tapfer, aber auch klug, mit Entschiedenheit, aber auch mit politischem Geschick unter Anerkennung der berechtigten Forderungen anderer Erwerbestände für die Landwirtschaft einzutreten. Die Landwirtschaft aber möge überzeugt sein, daß ihre wirtschaftliche, sozialpolitische und politische Bedeutung von den verbündeten Regierungen verstanden und gewürdigt wird. Sie wird auch an der jenigen Stelle gewürdigt, deren Ihr verehrter Vorsitzender Graf Schwerin soeben in so schönen und beredten Worten gedacht hat. Als ich ver einigen Jahren die Söhne unseres Kaisers in Plön besuchte, führten sie mich nach einer Insel im Plöner See, wo ihnen ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb eingerichtet worden war. Auf dem Häuschen, das in diesem Betriebe lag, standen die Worte:„Nihil melius, nihil homine libero dignius quam agricultura“, d. h.„Nichts Besseres gibt es, nichts, was des freien Mannes würdiger wäre, als die Landwirtschaft“. In dieser Gefinnung erzieht unser Kaiser seine Söhne, solche Gesinnung hegt er selbst“. Der Reichskanzler schloß mit einem Hoch auf die deutsche Landwirtschaft und den Landwirtschaftsrat. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. März. Der Reichstag nahm heute in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf betr. die Verwaltung des aus den Zellmehreinnahmen für die ArbeiterWitwen= und Waisen=Versicherung anzusammelnden Fonds an. Schatztekretär Frhr. v. Stengel begründet die Verlage, die aus den Mehrerträgen der neuen Zölle für eine Arbeiter=Witwen= und Waisen=Versicherung angesehen werden soll, möglichst billig und einfach zu gestalten und zwar durch Uebertragung an den Reichs=Invalidenfonds. Auf eine Anregung des Abg. Gamp(Rp.), die bieherige Verwaltung des Invalidenfonds eingehen zu lassen und den Reliktenfends einfach in das Reichsschuldbuch eintragen zu lassen, erwidert der Staatssekretär, daß das nicht angängig sei, da es in Bayern kein Staatsschuldbuch gebe.— Darauf begründet Abg. Heyl v. Herrnsheim(ntl.) seine Interpellation beir. eine eventuelle staatliche Pensions= und Hinierbliebenen=Versorgung für die Privatbeamten. Er beschwert Ein Merkspruch für Keusirmanden. Wer durch des Lebens Glück und Plagen Sich will als Held und Streiter schlagen, Der wird allzett gerüstet sein, Wenn er vertraut auf Gett allein. Sein Dämon. Roman in zwei Abteilungen von Franz Treller. (7. Ferisetzung.)—(Nachdruck verboten.) Der Dekter, der, getrieben von Unruhe, wie ein wachsamer Haushund an der Mauer hergeschlichen sein mußte, hatte das Tau entdeckt. Ein grimmiger Zorn, der Zorn des zur Verzweiflung Setriebenen, awacht bei diesem Anblick in Weller. Mit brei furchtbaren Sötzen ist er bei dem Manne— es ist Beiten— und ehe er noch einen Schrei ausfloßen kann, sreckt ihn ein mit wuchtigem Arm gefährter Faustschlag zu Beden. Einen Augenblick steht Willer vor dem HingeKreckten und seine Augen funkeln in tötlichem Hasse. „Nein, Deinem Kinde zu Liebe will ich Dich am Leben lassen, Schurke.“ Dann klettert er an dem Tau emper. Er ist auf der Mauer, er blickt hinab. „Ottol“ ruft er mit gedämpfter Stimme. „Hier!“ Unter den Bäumen hervor kommt ein Reiter, der ein Pfard am Zügel mit sich führt. „Komm, der Strick reicht bis zum Beden.“ Weller is unten. „Olle, Olte!“ „In den Sattel, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Weller schwingt sich auso Pferd, während dim zieht der andere den Strick von der Mauer herab. Beide erreichen dann leicht den Weg und setzen ihre Tiere in Galepp. Sie reiten stumm in Eile dahin, den Pferden es üverlassend, din Weg zu suchen. Bei einem dichten Gebüsch schleudeet der ein den Strick fort. In einigen Miuuen find sie an der großen Landstraße. „Behio!“ „Links!“ „Wo sind wir.“ „omm nuf.“ Sie jagen jetzt die Landstraße dahin. Es beginnt zu regnen, stärker und stärker. Die Reiter achten dessen nicht. Länger als eine Stunde sitzten sie in unverminderter Eile schweigend den wilden Ritt noch fort. Endlich sehen sie Licht zur Seite des Weges. Sie reiten darauf zu und kommen bald an eine Einfriedigung. Ein hochgemachsener Mann steht dahinter. „Blte?“ „Jo, ich bin's!“ antwortete der Mann in deutscher Sprache,„ich hörte Euch kommen. Hier herein!“ Er entsernte ein paar Fenzrlegel. Die Reiter ritten vor, der mit Wilke angeredete Mann nahm ihnen die Pferde ab, führte diese in einen Stall und die Reiter dann ins Haus in ein wohlerleuchtetes Zimmer. „Der Regen ist gut,“ sagte Wilke, als sie eintraten, „dinn er verwischt alle Spuren.“ „Bei Gott!“ meinte er, als er Mr. Weller jetzt im Scheine der Lampe betrachtete,„mein lieber Nachbar Herr von Hohenthal, den alle für tot hielten. Willkommen bei Heinrich Wilke!“ „Heinrich Wilke,“ sagte der mit Hohenthal Angeredete,„Dank, Dank!“ Dann wandte er sich an seinen Begleiter und mit einem„Otlo! Otto!“ warf er sich an dessen Brust und schluchzte laut auf. Es dauerte einige Zeit, ehe dieser Ausbruch hoher Nervenaufregung endete. Endlich wurde Hohenthal still. „Verzeih mir, ich kennte nicht anders!“ „Mache Dir Lusi!“ „Wo sind wir, Olto?“ „In Tenessee unweit Memphis.“ „In Tenessee? Bin ich in Sicherheit?“ fragte er dann hastig,„bei Gett, lebendig falle ich nichl wieder in die Hände dieser Schurken. Bin ich sicher?“ „Sicher, Herr,“ sagte Wille, eine Hünengestalt mit ehrlichem treuherzigen Gesicht, auf dem aufrichtige Teilnahme zu lesen war,„bei mir sucht Euch niemand, außerdem ist der Regen zu richtigen Zeit gekommen.“ „Wo ist Wilhelm?“ „Unser Schlosser? Der wird wohl schon auf einem Missisippidampfer sitzen, obgleich er kaum etwas zu befürchten hat. Mr. Bolton wird sich wohl sehr hüten, die Sache auf die Spitze zu treiben.“ „Nun aber nihmen die Herren erst einmal trockene Kleider,“ sagte Wilke,„ich habe, als ich den Regen kommen sah, vorgesorgt.“ Er reichte den durchnäßten Männern derbe Friesröcke, wie sie im Lande dort üblich sind. Dann holte er eine große Kanne Kaffee, Fleisch und Maisbrot herbei und ladete zu dem Essen ein. Hohenthal trank, war aber nicht imstande, zu essen, während sein Begleiter der Speise kräftig zusprach. „Die Sonne wird bald aufgehen, machen die Herren ein kurzes Schläschen, dort sind Matratzen und Dicken, und beim Tagesscheine besprichen wir alles übrige.“ Damit ging Wiike und ließ die beiden Freunde allein. „Wo ist meine Frau, Otto?“ „Fert, wohln, weiß ich nicht.“ „Mein Sohn?“ „Ste muß ihn mitgenommen haben. Doch laß das alles, bis Du ausgeschlafen hast.“ „Schlafen? Ich kann jetzt nicht schlafen. Sag mir nur das eine, wie hast Du mich ausfindig gemacht?“ „Da hat der Zusoll oder die Vorsehung, wie Du willst, geholfen. Als Du so plötzlich verschwandest und alle Nachforschungen kein Ergebnis hatten, fiel mir ein, daß ich Deine Frau eines Tages bei einem Arzte sah, der nur eine Schande seines Standes ist. Dieser Kerl ist unter den Kollegen bekannt, daß er für eine Hundertdellarnete ohne welteres Geisteskrankheit bescheinigt, die zur Ueberführung und Aufnahme des Patienten in ein Irrenhaus berechtigt. Mir kam der Gedanke, daß Deine liebe Frau sich auf diese Weise von Dir entledigen wolle, denn PM 1 A darüber, daß es mit der Sozialpolttik der Regierung zu langsam vorwärts ginge. Das praktische Leben gehe verwärts und die Regierung hinke immer hintendrein.— Staatssekretär Graf Posadewsky verweist dem gegenüber darauf, daß neulich von einem Automobiltempo unserer Sozialpelltik die Rede war, während jetzt die Regierung hinierdrein hinken solle, und teilt dann mit, daß über die stattgehabten Erhebungen dim Hause noch heute eine Denkschrist zugehe. Wolle man die Pensiensverhältnisse genau so wie bei den Reichsbeamten regeln, so würden unter Hinzurechnung der Heilpflege 19 Proz. des auf 2100 Mk. berichneten Durchschnittsgehalts erforderlich sein. Es sei nun die Frage, ob die Privatbeamten so hohe Beiträge zahlen könnten und welcher Weg überhaupt betreten werden soll. An diese Antwert schloß sich eine Besprechung, in der sämtliche Redner für die Privatbeamtenversicherung eintraten und die Mitwirkung ihrer Parieien in Aussicht stellten. Es sprachen Abgg. Sittart(Zir.), PauliPoisdam(k.), Dr. Potthoff(frs. Veg.), Heine(Soz.), Linz(Ro.), v. Saß= Jaworsk!(Pole), Bruhn(Rsp.), Stresemann(ntl.), Hermann(frs. Pp.) und Erzberger(Zir.) Berlin, 15. März. Der Reichstag nahm heute das Berner Zusatzabkommen zur internationalen Eisenbahnfrachtverkehrskonvention endgiltig an. Auf der Tagesordnung stand dann die sozialdemokratische Interpellation über behördliche Wahleinmischung. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, der Reichskanzler lehne die Beantwortung der Interpellation ab im Hinblick auf seine allgemeinen Erklärungen vom 25. und 26. Februar.(Bewegung.) Sollte sich bei den Wahlprüfungen ergeben, daß berechtigte Beschwerden vorliegen, so werde der Reichskanzler nicht zögern, das weitere zu veranlassen. Nach dieser Erklärung verließ Graf Posadowsky den Saal und die nun auf Antrag des Abg. Singer(Soz.) stattfindende Besprechung erfolgte vor leerem Bundesratstische. Abg. Fischer(Soz.) erging sich in den heftigsten Ausfällen gegen den Reichskanzler, gegen das Kolonialamt, gegen die Blockparteien und den Flettenverein und in persönlichen Insurten gegen den Chef der Reichskanzlei Herrn v. Lotbell, den er einen alten Praktikus in Wahlsälschungen nannte, und den Generalmajer v. Liebert, dem er vorwarf, mit seiner Kolonialschwärmerei persönliche Interessen zu verfolgen. So trieb er es zwei Stunden lang unter großem Lärm. Er heimste zwei Ordnungsrufe ein. Große Heiterkeit löste seine Argumentation aus, die vom„Bayer. Kourier" veröffentlichten Briefe seien nicht gestohlen, bloß abgeschrieben und das sei zweierlei. Abg. Dr. Schädler (Zir.) sprach sich ähnlich wie Fischer, nur in anständiger Form aus. Seine Angriffe richteten sich namentlich gegen den Generalmajor Keim, den er als den offiziellen Wahl„Boß“ dis Reichskanzlers bezeichnete. Abg. Kreih(k.) erkannte im Gegensatz zu den Vorrednern der Regierung das Recht zu, zu den Parteien und zu den einzelnen Kandidaten Stellung zu nehmen. Dieses Richt sei nicht überschritten worden. Redner geißelte ferner die illoyalen Wahlmanöver der Sozialdemokraten. Abg. Dr. v. Liebert (Rp.) sprach im gleichen Sinne unter energischer Zurückweisung der beleidigenden Anwärfe Fischers und gab zur Charakterisierung der sozialdemokratischen Agitation eine große Kollektion von Wahllägen sozialdemekratischer Blätter zum besten. Nachdem sich noch Abg. Breiski(Pole) über Wahlbreinflussungen gegen die Polen beklagt, schloß die Sitzung. Nächste Sitzung morgen. Lokales und Provinzielles. 8( Eüteroloh, 14. März.[Schöffengericht. Vorsitzender Herr Amisgerichtsrat Paleske; als Schöffen waren zugegen die Herren Fabrikant Gottfr. Niemöller von hier und Färber Friedrich Schröder von Isselherst. Verhandelt wurde in nachstenden Sachen: 1. Der Dachdeckergeselle W. W. aus Schladen wurde im Herbst 1905 von dem Ackerer L. Beihlehm in Nordhorn in Arbeit genommen. Am 18. Dezember 1905 schlich sich W. in die Schlafstube des B. und entwendete ihm aus einer im Kleiderschranke hängenden Hose ein Portemonnaie mit 45 Mark und suchte dann das Weite. Wegen Diebstabls erntelt W. eine Gesängnisstrafe von 2 Monaten.— 2. Der Kötter Th. D. gnt. H. zu Avenwedde und der Költer H. W. zu Kattenstrath sind angeklagt, Fleisch einer Kuh, das zum Genusse für Menschen untauglich befunden war, in den Verkehr gebracht zu haben. Gegen D. erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe von 100 Mark oder 10 Tage Gefängnis; gegen W. auf 1 Woche Gesängnis.— 3. Der Schäfer J. B. zu Verl steht wegen Jagdvergehens und die Witwe M. z. B wegen Hehlerei unter Anklage. Der Hund des Schäfers hatte an einem Tage im Herbst v. J. einen Hasen herbeigebracht. Der Schäfer nahm den Hasen und brachte ihn zu seiner Dienstherrin, die den Hasen speisefertig machte und dann verzehren ließ. B. wurde zu 8 Mark Geldstrafe oder 1 Tag Gesängnis, die Wilwe M. zu 1 Tag Gesängnis verurteilt.— 4. Der Händler A. Sch. zu Isselhorst wurde von der Anklage, Ende des Jahres 1904 das Schankgewerbe unbefugt betrieben zu zhaben, freigesprochen.— 5. Zwei Angeschuldigte erhielten je 1 Mark Geldstea fe wegen verspäteler standesamtlicher Anzeige. hk. Sätersloh, 16. März.[Aus der Handelskammer] zu Bielefeld wird uns geschrieben, daß auf dem Bureau derselben vertrauliche Mitteilungen über zweiselhafte Firmen in Lenden, Ploesti(Rumänien), Warschau und Griechenland eingesehen werden können. Versmold, 16. März.(Große Freude] herrschte dieser Tage bei einer Familie in einer benachbarten Landgemeinde. Vor ungefähr 3—4 Jahren hatte ein Rötter auf dem Markte in Lengerich eine Kuh verkauft und das dafür erhaltene Geld in seinem ledernen Geldbeutel vorsichtig in die Tasche gesteckt. Hierauf hat er von dim erlelten Kauspreise bei einem Gläubiger Schulden bezahlt. Rit dem Reste in der Tasche begab er sich auf der Heimweg. Bevor er aber bei seinen Familienangehörigen antraf, besah er die Früchte auf seinem Acker. Hierbei muß ihm der Beutel mit dem Gelde aus der Tasche gefallen sein. Alles Suchen nutzte derzeit nichts. Als die Tochter des Kötters nun das Land losforkte, fand sie zu ihrer großen Freude den verlorenen Beutel mit seinem vollen Inhalt wieder. Schnell lief sie, das Gefundene hoch in der Hand haltend, der elterlichen Wohnung zu. Das Geld wurde gezählt und es fehlte kein Deut daran. Als mittags der Hausvater von der Arbeit kam, machte er große Augen, das Verlorene wieder vorzufinden. Das Mittagsbrot hat der Familie wohl lange nicht so gut geschmeckt, wie an diesem Tage. Plotho, 16. März.[Ueber die traurige Tat,] welche, wie in ver. Nr. berichtet, der Neubauer Klocke im benachbarten Uffeln am Mittwoch beging, wird folgendes bekannt: Klocke war mit Umziehen beschäftigt, wezu er sich den Tischler Fromme zur Hilfe nahm. Als sie bereits mit dem Umziehen fertig waren, forderte die Ehefrau den K. auf, dem Tischler einen Schnaps einzugießen, was er auch sofort tat. In seiner Betrunkenheit geß K. viel Schnapt vorbei, worüber ihm seine Frau Vorwürse machte. Hierüber geriet K. in solche Wut, daß er verschiedene Gegenstände in seiner Wohnung zertrümmerte und sogar nach einem an der Wand hängenden Gewehr griff und auf seine frau schoß. Die letztere hatte bereits die Flucht nach der Wohnung eines Nachbarn ergriffen. Der Schuß des K. traf jedoch nicht die Frau, sondern sein vierjähriges Kind, welches die Frau an der Hand führte. Das Kind starb sofort. Minden, 16. März.[20. Westfälisches Bundesschießen.] Vom 1.—4. Juni d. I. findet hier das 20. Wistsälische Bundesschleßen statt, dissen Vorbereitung dem hiesigen Schützenbunde übertragen ist. Das Protektorat über das Bundesfest hat Herr Regierungspräsident Dr. Kruse übernommen. Das Interesse für das große Fest gibt sich in weiten Kreisen kund, so sind nach dem M. L. K. die Spitzen der sämtlichen Militär= und Zioilbehörden und eine Reihe weiterer Herren aus der Bürgerschaft dem Ehrenausschuß beigetreten. Der Vorstand des Schützenbundes ist eifrig tätig und hat aus sich und den übrigen Vereinsmitgliedern die verschiedenen Ausschüsse gebildet, so z. B. den Hauptfestausschuß, den Schießausschuß und den Ausschmückungsausschuß. Auf den Schelbenständen der„Grille“ werden 18 Schleßstände aufs beste eingerichtet. Auch sind bereits eine Auzahl von Ehrenpreisen für das Bundesfest angemeldet; weitere in großer Zahl werden nech folgen. Aus der Reihe der festlichen Veranstaltungen sei besonders mitgeteilt, daß ein Festzug am Mittag des 2. Juni geplant ist, dessen Genehmigung bereits erbeten ist. Der Festausschuß gibt sich der Hoffnung hin, daß das Bürgerbataillen, die hiesigen Turn= und weiteren Sportvereine sich daran beteiligen und dadurch besonders zur wirkungsvollen Ausgestaltung des Zuges beltragen werden. Sagen, 14. März.[Verschüttet.) Bei den Abbrucharbeiten der für den Bahnhofsumbau erwerbenen Häuser in der Sternstraße wurde heute morgen gegen 10 Uhr ein italienischer Arbeiter von herabfallendem Mauerwerk verschüttet und konnte nur als Leiche gebergen werden. Vserlohn, 15. März.[Schlecht geworden: Konserven.] Wie durch die amtliche Untersuchung festgestellt wurde, ist der Tod der Frau des Gastwirts Jäger durch den Genuß von Konserven erfolgt, jedoch trifft die Schuld daran die Frau selbst, weil sie die urspränglich gute Ware einige Tage in der Büchse offen stehen ließ und dann die in Zersetzung befindlichen Früchte aß. Rosenheim, 14. März.[Aus Eifersucht) hai ein italienischer Arbeiter den neunzehnjährigen Fabrikarbeiter Salomen in der Wohnung seiner Geliebten erstochen. Schurken gibt es hier unter den Besitzern von Privatanstalten genug, die für Geld zu allem fähig sind, und Du haltest durch Deine leidenschaftlichen Ausbrüche eine Handhabe dazu geboten. Ich glaubte weder an Selbstmord noch an Unglück, noch daß Du davon gelaufen seiest, wie die Gerüchte sich durchkreuzten. Ich stellte Deine Frau zur Rede, ohne aber etwas aus ihr herausbringen zu können. Ehe ich einen zweiten Versuch machen konnte, war sie abgereist.“ „Mit ihm?“ „Das ist zu virmuten."(Fortsetzung folgt.) Kiesow in Pommern drach in den Stallungen Feuer aus, wobei gegen 100 Stück Vieh, Kühe und Schweine, sowie große Futter= und Strohvorräte verdrannten. * Dresden, 15. März. In der letzten Nacht ist die Tochter Hilde des Oberförsters Wilsdorf ebenfalls ihren Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt u haben. Die übrigen Mitglieder der durch Mord bezw. Seilbstmerd geendeten Familie des Oberförsters sind gestern vormittag auf dem Tolkowitzer Friedhof beerdigt worden, die sieben Leichen fanden in einem Grabe Aufnahme. Daß der Oberförster Wilsdorf mit voller Ueberlegung gehandelt hat, gehi daraus hervor, daß er über seine Verhältnisse ganz eingehende Rufzeichnungen hinterlassen und Bestimmungen ber seinen Nachlaß sowie wegen des Begräbnisses getroffin hat. *[Der Mörder seiner Geschwister.] In Niedermünsbach stritten sich in der Wohnstubr mehrere Kinder des Ackerers Jud. Ein fünsjähriger Knabe ging in ein Nebenzimmer, holte eine scharf geladene Jagdslinte und schoß in seine Geschwister hinein. Von der Schretladung wurden drei der Kinder getroffin, zwei daven tötlich.— Geradezu unbegreiflich ist der Leichisinn, mit dem man Flinten und Gewehre an der Wand hängen oder in der Ecke stehen läßt. Wieoiel Unheil ist dadurch schon angerichtet! * München, 15. März. Gegen den seit einiger Zeit wegen Ermordung des Kaufmanns Hendschel in Haft befindlichen Zirkusdirektersohn Niederhofer ist nunmehr, wie die Münchener Neuesten Nachrichten melden, auch eine Untersuchung wegen Raubmordes, begangen am 31. Mai 1906 an der prostituierten Frieda Franke in Innsbruck, eingeleitet worden. Die polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß Niederhofer zur Zeit dieses Mordes in Innsbruck war. Vermischtes. * Berlin, 15. März. Gestern abend fand die Arbeitsfrau Anna Wuschnakowsky, als sie von der Arbeit in ihre Wohnung zurückkehrte, ihr 15 Wochen altes Kind lei auf. Sie rief sofort einen Arzt herbei, der konstatierte, daß der Tod infolge eines Schlages gegen die linke Kepfseite erfolgt sei. Die weiteren Ermittelungen haben ergeben, daß der Vater des Kindes, der 24 Jahre alte Arbeiter Artur W., es mißhandelt hatte, so daß der Tod eintrat. Der unmenschliche Vater ist nachts ergriffen worden. * Altona, 15. März. Die Witwe des seinerzeit im Eisenbahnzuge auf der Strecke Altona=Blankenese ermorbeten Zahnarztes Clausen hat, wie die„Altonaer Nachrichten“ melden, gegen den Eisenbahnfiskus einen Prozeß auf Eatschädigung angestrengt. Die Klägerin macht den Eisenbahnfiskus hastbar, weil in dem Zuge nicht die neuen Durchgangswagen, sondern die alten Eisenbahnwagen benutzt worden waren. Nach ihrer Ansicht hätte das Verbrechen in einem Durchgangswagen nicht mit solcher Leichtigkeit ausgeführt werden können. *[Großfeuex.] Auf einem Gehöft in Beelitz Kreis Pyritz, brach Feuer aus, das sofort auf die mit Stroh gedickten Stallungen übersprang und sich mit solcher Schnelligkeit fortwälzte, daß über 500 Schafe, viel Federvieh, landwirtschaftliche Maschinen und große Futtervorräte ein Raub der Flammen wurden.— Auf dem Gute KleinStandesamts=Nachrichten für die Zeit vom 9. bis 15. März 1907. Stadt Gütersloh. Geburten: Söhne: Lokomotivheizer Heinrich Köster. Lokomotivheizer August Kohlhase. Fuhrmann Friedrich Reckmann. Töchter: Bäckermeister Heinrich Barkey. Zementarbeiter Heinrich Birkenhake. Aufgebote: Werstkupferschmied Reinhold Frischdier und Marie Katharine Charlotte Wittkamp, beide in Kiel(Gaarden). Lokomotivheizer GustaLauterbach und Emma Eickholz, beide hier. Sterbefälle: Witwe Katharine Margarete Bierbaum geb. Uthoff hier, 77 Jahre 2.Monate alt. Näherin Johanne Charlotte Strothmann, 16 Jahre 2 Monate alt. Gustav Karl Heinrich Gasse, 8 Jahre 8 Monate alt. Invalidenrentenempfänger Heinrich Hermann Brinkmann, 45 Jahre 7 Monate alt. Amt Gütersloh. Geburten: Söhne: Schriftsetzer Heinrich Amtenbrink zu Pavenstädt. Schlachtergeselle Wilhelm Peschke zu Sundern. Bahnarbeiter Heinrich Güth zu Kordhorn. Bahnschlosser Adolf Heinemann zu Sundern. Metallarbeiter Hermann Kniepmeyer zu Blankenhagen. Töchter: Kolon Karl Saligmann zu Parenstädt. Ackerer Heinrich Lienke zu Nordhorn. Zimmermann Hermann Brinkmann zu Nordhorn. Ackerer Wilhelm Hark zu Blankenhagen. Aufgebote: Holzschuhmacher August Hartmann in Blankenhagen und Charlotte Barnhold in Sundern. Ster befälle: Kolon August Twelker gnt. Detmersander zu Pavenstädt, 71 #hre 3 Monate alt. Wilhelm Barnholt zu Sundern, 6 Jahre 2 Monate alt. Ehefrau Charlotte Eliasmöller geb. Uekmann zu Sundern, 78 Jahre 1 Monat alt. Paula Ibdicke zu Nordhorn, 1 Monat 1 Tag alt. Märkte. 18. März. Soeft: Biehmarkt. 19.„ Gütersloh, Lübbecke, Detmold: Viehmarkt, Saerbeck: Kram= und Viehmarkt. „ Wiedenbrück, Warendorf, Petershagen, Stadthagen: Kramund Viehmarkt. Osnabrück: Biehmarkt. „ Halle, Bückeburg: Viehmarkt. Lengerich(Stadt): Kramund Viehmarkt. „ Harsewinkel: Kram=, Vieh= und Kleesamenmarkt. Ennigloh, Paderborn: Viehmarkt. Wochenspielplan des Bielefelder Stadttheaters. Sonntag, den 17. März. Janst(1.). Eine Tragödte in 5 Akten von Joh. Wolfgang von Goeihe. Anfang 7 Uhr. Ende 10½ Uhr. Montag, den 18. März. Benefizvorstellung für die Pensionsanstalt der Genossenschaft Deutscher Bühnen=Angehöriger. Lapfenstreich. Schauspiel in 4 Akten von Franz Adam Beyerlein. Anfang 8 Uhr. Ende 10½ Uhr. Dienstag, den 19. März. Zum ersten Male: Der heimliche Romantische Komödie in 4 Akten von Ludwiz Fulda. Anfang 7½ Uhr. Ende 10¼ Uhr. Mittwoch, den 20. März. Zum ersten Male: Colberg. Historisches Schauspiel in 5 Atten von Paul Heyse. Ansang 7½ Uhr. Ende 10¼ Uhr. Für Schüler und Schülerinnen auf allen Plätzen, mit Ausnahme der Galerie, halbe Preise. Donnerstag, den 21. März. Zum zweiten(letzten) Male: Der heimsiche König. Schluß der Abonnementsvorstellungen. Sonnabend, den 23. März. Letzte Klassiker=Vorstellung zu kleinen Preisen. Des Meeres und der Liebe Wellen.(Hero und Leander.) Trauerspiel in 5 Akten von Franz Srillparzer. Anfang 7½ Uhr. Ende 10¼ Uhr. Sonntag, den 24. März. Letzte Vorstellung der Schauspielseison. Herr und Frau Hokter. Lustspiel in 4 Aufzügen von Heinr. Heinemann. Anfang 7 Uhr. Ende 9¾ Uhr. Beginn der Opernsaison: Sonntag, 81. März(Oftersonntag). — Königl. Preuss. Staatsmedallle Seidenhaus Michels& Cie. BERLIN SW. 19, Leipziger Strasse 48-44 Deutschlands erbastes Seidengeschäft nils. 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