Fernsprecher nr. 52 Wöchentliche Gratisbeilage Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. lustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. 32 sertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 P klamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an besti elle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktio Expedition: Schulstraße Nr. 733. Ins Rel Stelle fennig, stimmter ion und Nr. 15 Schmäling&am; Ohibroc Fütersloh. Dienstag, den 5. Februar 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang — Erstes Blatt. Der Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück unter roter Das ist ein Ereignis, welches weit über die Grenzen des Minden=Ravensberger Landes hinaus größtes Aussehen erregen wird. Während in sonst der Sozialdemokratie sicheren Wahlkreisen diese Partei hat das Feld räumen müssen, stehen wir in Bielefeld=Wiedenbrück vor der Tatsache, nun von einem Sozialdemokraten im Reichstage vertreten zu sein. Eine Schmach für den ganzen Wahlkreis, eine Schmach für den Regierungsbezirk Minden! Mit welchem Eiser ist gearbeitet worden, um die drohende Gefahr abzuwenden; vereint sind Nationalliberale, Konservative, Freisinnige und Christlich=Sozlale in den Wahlkampf eingetreten und dennoch unterlegen! Wo ist die Schuld zu suchen? Sie mag in verschiedenen Gründen gesunden werden, von denen wir vielleicht nur teilweise unterrichtet sind. Das aber wissen wir bestimmt: Die Kandidatur v. Möller war von vornherein allerlei Ausstellungen ausgesetzt und wenn dennoch in der Hauptwahl Herr von Möller 684 Stimmen mehr als der Sozialdemokrat erhielt, so mußte dies zu der Hoffnung berechtigen, daß nun in der Stichwahl der Sozialdemokrat unterliegen werde. Wenn nun dennoch das Gegenteil eingetreten ist und der Sozialdemokrat Severing mit 2000 Stimmen Majorität das Feld behauptet hat, so steht unzweifelhaft fest, daß mancher, der bei der Hauptwahl seinen Stimmzettel für Herrn v. Möller abgegeben, dies bei der Stichwahl nicht getan hat. Eine weitere betrübende Erscheinung ist, daß diesmal dus Zentrum versagt hat, und das wird man ihm sobald nicht vergessen. Nur der Unterstützung derer, die diesmal nach Lage der Sache gegen das Zentrum gehen mußten, hat letzteres im diesseitigen Wahlkreise seine bisherigen Siege zu verdanken gehabt, und da wäre es nur ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit gewesen, jetzt auch gegen den gemeinsamen Feind zu Felde zu ziehen. In welcher Weise dies geschihen, das beweisen recht deutlich die Zahlen, die uns zum höchsten Erstaunen gestern abend aus dem Kreise Wiedenbrück zugingen. Rot! war sowohl in der Kreishauptstad, wie auch Das Rätsel der Vergnacht. Roman von E. Merk. (17. Jortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Es war wie eine Erlösung, als Gräfin Tina eintrat mit dem Kinde an der Hand. Leonhard hob sein kleines Mädchen in die Höhe und drückte seine Augen auf das welche Haar,— das litzte, das einzige, was ihm noch blieb vom Glück, von dem warmen Heim, das er für so unentreißbar sich zu eigen geglaubt. Und auch an das süße Geschöpfchen sollte er nicht mehr mit reiner Freude denken: es entweder der Mutter fortnehmen oder es selbst entbehren müssen! Ein unlösbarer Zwiespalt! Ein verdorbenes Leben! Carlotta hatte leise das Gemach verlassen. Sie wollte also keinen Abschied Mit einer heftigen Gebärde setzte er die Kleine auf den Boden und, der Gräfin die Hand reichend, stieß er hastig hervor:„Entschuldigen Sie mich— ich muß gehen!“ „Aber ich bitte Sie, lieber Leonhard! Erklären Sie mir doch! Was habt Ihr nur?“ frug Tina sehr bestürzt. „Ich kann nicht reden,“ sagle er, ganz fassungslos nach seinem Hut greisend.„Dank für alle Ihre Güte! Sprechen Sie der Kleinen zuwellen von ihrem Vater!“ Er war so außer sich, daß die Gräfin nicht den Mut fand, ihn zurückzuhalten. Kopfschättelnd blickte sie ihm nach, wie er, ohne einen Blick zurückzuwerfen, durch den Garten fertstärmte. Das Gitterthor fiel heftig hinter ihm ins Schloß. Seine verstörten Züge, seine Erschütterung hatten der Gräfin ein lebhaftes Mitleid erweckt, das ihren Aerger, ihre Verstimmung gegen Carlotta nur steigerte. Sie konnie es nun nicht mehr lassen, bei jeder Gelegenheit eine scharfe Bemerkung hinzuwerfen über die Launenhaftigkeit junger Frauen; über den Frevel, mit dem Glück zu spielen, über trotzigen Eigensinn, der zu spät bereut werden wörde. Carlotta hatte keine Entscheidung, keine Erklärung, ein Wort der Verteidigung. Dieses Geheimnis, in das in den umliegenden Ortschaften die Parole und wir freuen uns aufrichtig, daß wenigstens die Zentrums=Wähler in Stadt und Amt Gütersloh und Kattenstroth=Spexard in rühmlicher Weise eine abweichende Haltung eingenommen haben, daß sie sich des oft gerühmten Ausspruchs bewußt geblieben sind: ein wahrer Katholik darf und kann keinen Sozialdemokraten wählen. Ob dieses Bewußtsein aus sich selbst herausgekommen, oder ob es, wie behauptet wird, erst durch die Einwirkung Anderer geweckt worden, das mag hier heute unerörtert bleiben. Die Wahlresultate aus den übrigen Ortschaften des Kreises Wiedenbrück geben jedenfalls zu denken Anlaß und die Haltung dieser Wähler wird ganz gewiß nicht ohne Einfluß bleiben auf die Wahlkreise, in denen am heutigen Tage ein Zentrumsmann in Stichwahl steht. Was wird durch den gestrigen Wahlausfall die Folge sein? Wird der Wahlkreis für alle Zeit an die Sozialdemokratie vergeben sein? Wir hoffen und glauben es nicht, aber wir hoffen, daß der furchtbare Schlag vom 4. Februar 1907 eine neue Lehre gewesen ist für die kommende Zeit. Woraus die Lehre gezogen werden kann, das wollen wir vorderhand dem Selbstempfinden der Parteileitungen überlassen, nicht minder aber auch dem Empfinden der Wähler. Diese werden nicht zuletzt davon betroffen, wenn sie dazu beitragen, die Sozialdemokratie mit samt Ihren Gelüsten zu stärken. Jeder Patriot und vaterländisch gesinnte Mann in unserem Wahlkreise wird und muß es aufs tiesste beklagen, daß nun die rote Fahne über dem Wahlkreise Bielefeld=Wiedenbrück weht, er wird aber auch mit uns hoffen, daß es das erste und letzte Mal gewesen ist. Politische Aebersitzt. Der Sultan drückte dem Kaiser zur Grubenkatastrophe in Reden telegraphisch sein aufrichtiges Beileid aus. Der König von Württemberg hat bestimmt, daß von der Befugnls des Justizministeriums zur Niederschlagung des Verfahrens wegen Majestätsbeleidigung tunlichst ein weitgehender Gebrauch gemacht werden solle, wenn die Tat mehr den Charakter einer nicht überlegten Ungebühr als eines aus schlimmer Absicht entsprungenen Angriffs an sich trägt. sie sich hüllte, ohne einmal zu klagen, einmal ihr Herz auszuschütten, erbitterte Tina vollends. Als die Tage immer kürzer wurden, die Gärten vereinsamten, und die geschlossenen Villen mit den versperrten Fenstern der Gegend einen abgestorbenen Charakter gaben, als nur noch das Kreischen der Raben über den feuchten, bräunlich gefärbten Wiesen, durch die tiefe, traurige Spätherbststille klang, in die der Nebel über den Bergen das Tal hüllte, erklärte Tina auf das entschiedenfte, daß sie in die Stadt zurückkehren wollte. „Bitte, laß mich hier bleiben,“ flehte Carlotta erschrocken. „Das geht nicht,“ gab die Gräfin ungeduldig zurück. „Nein, das geht auf keinen Fall. Ich will gar nichte darüber erwähnen, wie auffällig es wäre, wenn Du allein hier draußen bliebst, jetzt, va alle Welt heimkehrt. Es sprechen auch äußere Gründe dagegen; ich kann Dir meine Dienstboten nicht hier lassen; die Möbel müssen für den Winter ordentlich verwahrt werden; ich will mich selbst überzeugen, daß man alles sorgsam verschließt. Kurzum, Dein Bleiben ist ganz und gar unmöglich, liebes Kind.“ Carlotta spielte nervös mit der Theeserviette, die sie in der Hand hielt.„Aber Du erlaubst doch, nicht wahr, daß ich— daß ich auch in der Stadt bei Dir wohne. Bitte!“ preßte sie mühsam hervor. Der Gräfin rundes Gesicht zeigte ganz ungewöhnlich schwere Falten.„Du weißt, Carlotta,“ erwiderte sie,„daß Dir mein Haus offen steht. Aber ich muß Dir ehrlich sagen, daß es mir sehr peinlich ist, in diesem Konflikt zwischen Euch törichten jungen Leuten irgend welche Rolle zu spielen, um so peinlicher, als ich ja gar nicht weiß, was dieser plötzliche Groll gegen Deinen Mann zu bedeuten hat. Ich erkläre Dir auch von vornherein, daß ich meine Gesinnungen gegen Leonhard gar nicht verändert habe und ihm, so wenig wie Dir, die Tür weisen werde, wenn er sein Kind besuchen will.“ Ein schwerer Geuszer entschlüpfte den Lippen der jungen Frau, und mit einem Blick hilfloser Verzweiflung Reichskanzler Fürst Bülow hat den Münchener Neust. Nachr. und der Münch. Zig. auf bezügliche Anfragen telegraphisch geantwortet:„Daß die verbündeten Regierungen eine Verschlechterung des Wahlrechts planen, ist ersunden.“ Veranlaßt waren die Anfragen durch die Behauptung Münchener Centrumsblätter: eine den boyerischen Hef= und Regierungskreisen sehr nahe stehende Persönlichkeit habe versucht, die Münchener Centrumspartei zum Eintreten für die Liberalen dadurch zu bewegen, daß sie erklärte, es handle sich darum, eine Mehrheit für eine Aenderung des Reichstagswahlrechis zu gewinnen. Nun läßt auch die bayrische Regierung erklären, daß ihr ebenso wie dem bayerischen Hose jeder Gedanke an eine Aenderung des Reichstagswahlrechts vollkommen fern liege, und daß dem, nach niemand mit deren Wissen und Willen in diesem Sinnwirken konnte. Der Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd Dr. Wiegand erhielt vom Reichskanzler Fürst Bülew auf die Meldung von dem Ausgange der Stichwahl nachstehendes Antwort=Telegramm:„Seb erfreut durch die gute Nachricht sende ich Ihnen aufrichtigen Glückrunsch. Möge der Sieg, den in Bremen vaterländischer Sinn und einheitliches Vorgehen errungen haben, vorbildlich für die Stichwahlen werden.“ Unter den der Sozialdemokratie entrissenen Wahlkreisen befindet sich u. a. der Wahlkreis Pinneberg=Ottensen, der Geburtskreis des Reichskanzlers Fürsten Bülow. Auf eine bezügliche telegraphische Mitteillung, worauf der Reichskanzler selegraphisch antwortete:„Herzlichen Dank für Ihre Meldung. Ich beglückwünsche meinen Geburtskreis zu diesem schönen Erfolg und freue mich, daß über meiner lieben Heimat wieder die nationale Flagge weht.“ Der frühere Präsident des Reichsversicherungsamts Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Dr. Boedicker ist Montag früh im Alter von 68 Jahren an Herzschwäche gestorben. Sein Name ist mit unserer sozialen Versicherungsgesetzgebung unlösbar verknüpft, er ist der eigentliche Oeganisator unseres Reichsversicherungswesens. Er war der erste Präsident des Reichsversicherungsamts, nachdem er die Arbeiterversicherungsgesetze schon seit 1881 als Vortragender Rat im Reichsamt des Innern vor dem Reichstage vertreten hatte. Infolge von Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem damaligen Staatssekee är des Innern von Boetticher schied Dr. Boedicker 1897 aus und trat als General= direktor bei der Firma Siemens und Haloke ein. starrte sie zum Fenster hinaus in das Treiben und Flattern der fahlen Blätter. Sie sollte Leonhard sehen, immer wieder sehen! In einer Stadt, dicht in seiner Nähe wohnen! In keiner Stunde sicher sein, ob sie nicht seinen Schritt vernehmen, und das instinktive Gefühl, das sie in seine Arme treiben wollte, zu bekämpfen haben würde! Wie sollte sie denn die lange fortgesetzte Marter ertragen? Ach, eine Mutter hätte wohl erraten, daß ihr Kind ein unsägliches Leid erduldete; hätte gesühlt, daß Carlotta mihr denn je der Liebe bedurfte. Aber Gräfin Tina ward nur verletzt durch die„hartnäckige Verstocklheil“, wie sie das Schweigen der jungen Frau nannte, und als diese nach langem Nachsinnen endlich schüchtern bemerkte:„Ich könnte vielleicht auf einige Wochen Paulys besuchen,“ rief Tina ziemlich scharf: „Nun, ich hoffe, Du wirst wenigstens das Kind nicht zu den fremden Leuten mitschleppen wollen, die arme Kleine! Nicht wahr?“ fügle sie dann milder, fast bittend hinzu:„Du läßt Carita bei mir. Dir mag eine Reise, etwas Abwechslung ja ganz gut lun!“ Carlotta verstand wohl, daß die Gräfin froh war, sie los zu werden, und zuckte wehmütig um ihren Mund. Sie machte in diesem Augenblick die bittere Erfahrung, daß tiese Trauer vereinsamt wie ein Bannfluch. Albert Pauly hatte in demselben Jahre, in dem sein Freund Leonhard sich verheiratete, die Fabrik seines Vaiers in der Nähe von Verona übernommen und seine Braut heimgeführt. Auf der Hochzeitereise hatte er Carlosta seine Frau gebracht, und da die beiden großes Gefallen aneinander gefunden, war ein baldiger Besuch, da oder dort, vereinbart worden. Damals hatte Carlotta freilich nicht gedacht, daß sie einmal allein, ohne Mann und Kind, glücklos, heimatlos, über den Brenner fahren und bei den Freunden eine Zuflucht suchen würde, bis die Trennung ihrer Ehe gerichtlich entschieden war. Es war ein Opfer, daß ste im Grunde mehr ihrem Gatten als der Gräfin brachte, wenn sie Cartta zurückließ. Es gibt so seltsam verworrene Empfindungen in einer Im Hippodrom zu Frankfurt a. M. veranstaltete am Senntag die Handelskammer und die Frankfurter Abteilung der deutschen Kolenialgesellschaft eine Versammlung, in welcher der stellvertretenbe Kolonialdirektor Dernburg einen Vortrag über die Kolonial=Finanzpolitik hielt. Dem Vortrag wohnten etwa 5000 höhere Beamte bei. Anwesend waren u. a. Prinz Friedrich Karl von Hessen, Oberbürgermeister Adickes, die Generalität, Vertreter der Behörden und zahlreiche Handelskammern. Die Rede fand an verschiedenen Stellen lebhafte Zustimmung. Zum Schluß gab es stürmische Ovationen. Nach dem Vortrag fand ein Festessen statt im Frankfurter Hof. Handelskammerpräsident Andreae feierte den Kaiser, weil er in Dernburg den richten Mann auf den rechten Platz gestellt habe. Der kommandierende Ge##ral von Eichhorn brachte das Hoch auf Dernburg aus. In Darmstadt hielt gestern vormitttag im städtischen Saalbau in Gegenwart des Großherzogs, der Minister, der Spitzen der Behöcden Oberstleutnant Quade einen Vortiag über den deutsch=südafrikanischen Feldzug. An den Vortrag schloß sich eine Ansprache des Kolonialdirektors Dernburg, der auf die Kulturaufgaben hinwies, die dem deutschen Volke in den Kolonien erwachsen, und die sozialdimokratischen Verleumdungen wegen angeblicher Kolonial= greuel zurückwies. Vor dem Vortrag war der Kolonial= direktor vom Großherzog empfangen worden. Der neue Stat der Staatseisenbahnverwaltung siehl im Kontrolleurdienste neue Stellen vor und technische Betriebs=Kontrolleure und Oberbau=Kontrolleue. Die technischen Betriebs=Kontrolleure sollen auf dem Gebiete des technischen Sicherungs= und Telegraphenwesens den betreffenden Dezernenten der Eisenbahn=Direktionen zur Hilfeleistung beigegeben wirden und die betriebssichere Instandhaltung der für den Eisenbahndlenst immer wichtiger werdenden elektrischen Signal= und Telegraphen=Anlagen ständig zu überwachen. Die Oberbau=Kontrolleure sollen die bautechnischen Dezernenten der Eisenbahndirektionen in Bezug auf die ständige Ueberwachung des betriebssicheren Zustandes der Geleise vnterstützen. Zweifelles sind beide Stellungen von bedeutender Wichtigkeit für die Betriebssicherheit. Die ständige Ueberwachung der einzelnen Betriebseinrichtungen und des Oberbaus wird zur rechtzeitigen Beseitigung mancher Mängel führen, die in ihren Folgen sonst bedenklich werden könnten. Hier sind die aus dem praktischen Dienste hervorgegangenen Aussichtsbramten sehr am Platze und es ist erfreulich, daß die Eisenbahnverwaltung zu Maßregeln greift, die jedenfalls das Sicherheitsgefühl bei dem reisenden Publikum zu stärken geeignet sind. . Der Anfang des Winters in Rudolstadt gegründete sozialdemokratische Wahlverein wurde vom Landrai auf Grund des Artikels 2 des Vereinsgesetzes vom 23. Dezember 1898 verboten. Oesterreich-Ungarn. Unter starker Beteiligung sand gestern in Brünn der deutschfortschrittliche Parteitag statt. Der Vorsitzende, Bürgermeister Wieser, betonte in seiner Begrüßungsansprache, die nächste Wahlperole müsse sein:„Eine einzige große deutsche Partei im neuen Perlament“. Abg. Groß trat ebenfalls dafür ein und erklärte, die drei Vertreter der deutschfreiheitlichen Parteien, die dem gegenwärtigen Kabinett angehören, können nur dann Einfluß haben, wenn sie von den deutschfreiheitlichen Parteien unterstützt wärven. Die bürgerlichen Parteien müßten gegen die Sozialdemokraten geschlossen vorgehen wie in Deutsch= land. Schließlich wurde einstimmig ein Wahlaufruf angenommen, in dem der Zusammenschluß der deutschfreiheitlichen Parteien zu einer einheitlich geleiteten Phalanx als erstes Erfordernis bezeichnet wird. Der Wahlaufruf betont weiter, die Partei werde auf dem Boden der bestehenden Gesellschaftsordnung für eine gesunde Mittelstandspolitik eintreten, eine wirtschaftliche Trennung von Ungarn einem ungünstigem Ausgleich vorziehen und als oberstes Gedot das Wohl der deutschen Volkes in Oesterreich betrachten. Der Nachfolger des ungarischen Justizministers Polenyi ist der bisherige Staatssekretär im Justizministerium Dr. Anton Günther geworden. Trotz seines deutsch klingenFrauenseele: es schlen ihr wie ein Trost, das Kind in seiner Nähe zu wissen, damit er durch die Augen der Kleinen immer mehr an sie erinnert werde. Sie mußte ihn lassen, aber sie wollte gar nicht von ihm vergessen sein. Sie wurde von dem jungen Ehepaar aufs herzlichste begrüßt, und wenn Herr und Frau Pauly sich vielleicht auch ein wenig über den plötzlichen Besuch wunderten, so verschonten sie Carlotta doch mit Fragen. Da der Ehemann in der Fabrik viel beschäftigt war, und die junge Frau von ihren zwei kleinen Kindern vollauf in Anspruch genommen wurde, so blieb Carlotta auch hier in so mancher Stunde sich selbst überlassen. In der südlichen Stadt war's noch sommerlich schön und mild, und wie wehmätige Kindererinnerungen überkam es sie, wenn sie unter diesem dunkleren Himmelsblau, in dieser weichen Luft, die sie wie ein Heimatshauch umwehte, einsam in der Umgegend umherwanderte in dem wundervollen Giardino Giusti mit seinen herrlichen alten Cypressen und seiner eigenartigen Poesie. Als sie an demn Grabmal Romeos und Julias stand, überkam es sie fast wie ein Gefühl dis Neides auf den tragischen Tod dieser beiden, die sich auch liebten, dem Haß der Väter zum Trotz; ihnen war doch nicht das banale Los zu Teil geworden, das ihrer wartete; weiter zu leben, gleichgiltig, zwecklos, bis das Alter kam und das Herz siumm und nüchtern wurde. Am liebsten weille sie in der Arena, die wie ein Riese aus einer größeren, gewaltigeren Zeit, emporragt mitten im modernen Tagestreiben der alten Stadt. In dim stillen Steinbau, der eine so markige Sprache spricht, in dim das Lärmen der Straße, das Hoften der Menschen draußen so zwerghaft klein erscheint, ließ sich am besten in ein dem eigenen Leid entrückendes Träumen versinken. (Fortsetzung folgt.) den Ramens ist Dr. Güuther ein Stockmagyare und Mitglied der Unashängigkeitspartei. Helland. Die Staatskommission für die Revision der Verfassung in den Niederlanden schlägt in ihrem Berichte vor, daß Kinder des Herrschers, die nach seiner etwaigen Abdankung geberen werden, von der Thronfolge ausgeschlossen und daß die Generalstaaten ermächtigt wirden, Vorsorge für die Thronfolge zu treffen und, wenn nötig, Abänderungen an der Thronfolge vorzunehmen. Ferner wird in dem Berichte die Aufnahme folgender Bestimmungen in die Verfassung vorgeschlagen: Erfordernis der Zustimmung der Generalstaaten zu allen Verträgen, Ermöglichung einer proportionellen Vertretung und der Wählbarkeit der Frauen, gleiche Bedingungen für die Wählbarkeit zur Eisten oder Zweiten Kammer, Amendementsrecht(Berechtigung, Zusatzanträge zu stellen) der Ersten Kammer, ausgenommen bezüglich des Budgete. Frankreich. König Eduard, der Samstag nachmittag 6 Uhr von London in Paris angekommen ist, begab sich Sonntag nachmittag in das Elysee, wo ihn Präsident Fallieres am Eingang zu den Salons empfing. Die beiden Staatsoberhäupter drückten sich herzlich die Hand und unterhleiten sich eine halbe Stunde lang. Der Monarch verließ darauf das Elysee, nachdem er vorher noch Frau Fallieres seine Aufwartung gemacht hatte. Eine Stunde späler begaben sich Herr und Frau Fallieres nach der englischen Botschaft und stalteten dem König und der Königin einen Gegenbesuch ab. Am Montag vormittag empfing der König von England den deutschen Botschafter, Fürsten Radolln, in durchaus privater Form in der Erinnerung an dessen alte Beziehungen zur englischen Königsfamilte. Der König behielt den Fürsten Radolin in einer ¼ ständigen sehr herzlichen Unterhaltung bei sich. Stichwahlen. Am gestrigen Montag haben eine Reihe von Stichwahlen stattgefunden, die folgendes Ergebnis hatten: Bieléseld=Wiedenbrück. v. Möller(nll.) 16 852 und Severing(Soz.) 18405 Stimmen. Severing ist somit gewählt. Herford=Halle. Gewählt Dr. Centze(natl.) mit 11 698 Stimmen, gegen Meyer(kons.) mit 11438 Stimmen. Osnabrück. Gewählt Bitter(Zir.) mit 18.058, gegen Wamhoff(natl.) mit 17032 Stimmen. Ansbach=Schwabach. Gewählt Fußangel(kons.) mit etwa 500 Stimmen Mehrhe!“. Lüneburg=Winsen. Gewählt Sievers(natl.) mit 14111 Stimmen gegen Wangenheim(Welse) mit 18348 Stimmen. Erlangen=Fürth. Gewählt Manz(frs. Vp.) mit 16009, gegen Segitz(Soz.) mit 15941 Stimmen. Wärzburg. Gewählt Thaler(Zir.) mit 11767, gegen Meißner(lib.) mit 6897 Stimmen. Immenstadt. Gewählt Schmidt(Zir.) mit 13765 Stimmen, gegen Bader(natl.) mit 10827 Stimmen. Bayreuth. Gewählt Hagen, natl., mit 10798 St. gegen Hügel, Soz., mit 8072 Stimmen. Germersheim. Spindler, Zir., mit 200 Stimmenmehrheit gewählt gegen Eronauer, natl. Kaiserslautern. Gewählt Rösicke, Bund der Landwirte, mit 1000 Stimmen Mehrheit gegen Klement, Soz. Forschheim. Veraussichtlich gewählt Graf Pestalezza, Zentrum. Landau. Wiedergewählt Schellhorn, natl., gegen Erlewein, Zir. Zweibrücken. Gewählt Göhring, Zir., gegen Leineweber, natl. Speyer. Gewählt Erhardt, Soz., mit 21 600 Stimmen gegen Buhl, natl., mit 17 400 St. Lokales und Provinzielles. Gütersloh, 5. Febr.(Feuer.] Die Besitzung des Wirts Hermann Ruhlmann an der Bielefelder Chaussee ist gestern ein Raub der Flammen geworden. Die Isselhorster Feuerwache erschien an der Brandstelle, konnte aber nicht verhindern, daß viel Mobiliar durch das Feuer vernichtet wurde. Das Feuer brach auf dem Boden aus und glaubt man die Entstehungsursache auf Undichtigkeit des Schornsteins zurückführen zu müssen. Den Schaden hat die Provinzial=Feuerversicherung zu tragen. 1 Skterslok. 5. Febr.(Blaues Kreuz.] Sein 10. Jahresfest feierte am Sonntag unter zahlreicher Beteitigung seitens der Gemeinde und vieler auswärtiger Vereine der hiesige Blaukceuzverein. Der Festgottesdienst fand in der alten Kirche statt und hielt Herr Pfarrer Thummes aus Kamen die Festpredigt, welcher er 4. Mose 21, Vers 8 u. 9 und Eo. Joh. 3 Vers 14 zugrunde legte. Er verglich den Alkohol mit einer Schlange, schilderte die klaffenden Wunden, die die Trunksucht dem einzelnen und dem ganzen Volke geschlagen hat und schlägt und wies hin auf den Arzt, der allein imstande ist, diese Wunden zu heilen. Mit dem Gesange des Gemischten Chors„Jubeind, dankend treten wir an dich“ wurde die Nachversammnlung im Vereinshause eröffget. Den Jahresbericht erstattete der Präses Herr Pastor Meinshausen, anschließend an 1 Sam. 7 Vers 12. Am 25. Januar wäre wohl ein heißer Wahlkampf gewesen und in diesen Tagen sei der Kampf noch heißer. Wenn es uns aber auch gelingen sollte, die valerlandslose und vaterlandverräterische Sozialdemokcatie zur Freude des Kaisers und des ganzen Landes zu besiegen, so gäbe es doch noch einen schlimmer und schwerer zu bestegenden Feind wie die Sozialdemokratie, das sei der Alkohol, der Verderber und Ecbfeind unseres Volkes. Das Blaue Kreuz habe seit 20 Jahren den Kampf gegen diesen Feind des Volkslebens ausgenommen. Der deutsche Bund der Blaukreuzvereine zähle jetzt ca. 23000 Mitglieder; der Kirchliche Bund hobe über 3000 und der Freikirchliche Bund etwa 800 Mitglieder. Im deutschen Vaterlande seien ca. 28000 organisierte Blaukreuzler vorhanden, da in Betracht käme, daß verschiedene Vereine dem Bunde nicht angehörten. Die Zahl der Mitglieder des Guttempler= ordens wird auf 38000 angegeben. Außerdem gibt es noch mehrere Enthaltsamkeitsvereine, den Alkoholgegnerbund und verschiedene Berufsvereine. Nach der Statistik vom 1. September 1906 seien von den Mitgliedern der Blaukreuzvereine 12965 Männer und 10028 Frauen, darunter 6165 frühere Trinker und 7114, welche zur Bewahrung eingetreten. Ja den letzten 10 Jahren sind etwa 5900 Personen durch die Arbeit des Blauen Kreuzes gereitet. Der Internationale Bund zähle. 61214 Mitglieder, daven Zuwachs im letzten Jahre 7311. Welch eine Summe Elend durch die Blaukreuzarbelt beseitigt wird, geht daraus hervor, daß von den 61 214 Mitgliedern 14741 gerettete Trinker sind, Zugang im vorigen Jahre allein 1186. Wollte man fragen, was habe das Blaue Kreuz in unserer Gemeinde ausgerichtet, se müsse man sagen: über Bitten und Verstehen hat Gottes Barmherzigkeit unsere Arbeit gesegnet, denn sie hal in der Gemeinde liese Wurzel geschlagen, die Bibelstunden sind vielen unentbehrlich geworden und immer gut besucht gewesen; auch von den eingeladenen Wanderern sind viele gekommen und wird der Besuch manchen zum Segen geworden sein. Die Mitgliederzahl des hiesigen Vereins ist seit dem 2. Jahresfest nicht gestlegen, aber es hat sich ein fester Stamm gebildet, denn der Zweck des Vereins sel, Teinker zu retten und zu bewahren. Von den 244 Mitgliedern, (129 Männer, 115 Frauen) sind 85 frühere Teinker. Der Präses überreichte 5 Mitgliedern, welche bereit sind, sich dauernd dem Blauen Kreuz anzuschließen, die Vereinsnadel mit der Bitte, stets offin sich für die Blaukreuzsache zu bekennen und das Abzeichen der Ehre zu tragen. Der Bundesverstand hatte seinen Gruß gesandt mit Bezug auf Lukas 12 Vers 35„Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen". Herr Pfarrer Klostermeyer aus Friedrichsdorf hielt seine Ansprache im Anschluß an 1. Mose 12 Vers 2„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“. Er zeigte, wie viel Segen von einem Blaukreuz= vereine ausgeht und was er bedeutet für den einzelnen. Die Blaukreuzarbeit sei eine schwere Arbeit und sie ersordere Ausdauer, Geduld, Liebe und Glaube. Die Losung mässsein: Vorwärts im Namen dessen, der uns gesegnet und weiter segnen wird, daß wir zum Segen werden unsern Brüdern. Der Festprediger Pastor Thummes schilderte unter Zugrundelegung von Römer 5 Vers 20„Wo aber die Sünde mäßiger geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger“ Erlebnisse aus dem Vereinsleben in Kamerun, die bewiesen, wie durch das Blar: Kreuz an Leib und Seele tiefgesunkene Trinker geretlet und dieselben ein Vorbild für viele geworden sind. Jeder müsse seine letzte Kraft anstrengen und nicht erlahmen, Seelen zu retten und sich sagen: Ach, könnte ich immer noch einen mehr helfen zur Rettung. Nachdem der Präses dem Posaunen= chor des Jänglingsvereins für sein Mitwirken bei Ausflügen den Dank namens des Vereins abgestattet und Herr Hausvater Weiters den Gruß der Herforder, insbesondere des Siift Berger Blaukreuzvereins überbracht hatte, wobei er die Eathalisamkeit als eine Verjängung für das deutsche Vaterland bezeichnet, sprach Herr Pfarrer Meinshausen das Schlußwort. Die verschiedenen Deklamationen, wie auch der Gesang des Gemischten und des Männerchors und die Mitwirkung des Posaunenchors des Jänglingsvereins trugen zur Verschönerung der Feier bei. Die Kollekten in der Kirche und im Vereinshause waren zum Besten der Blaukreuzsache bestimmt. 0 Sütersloh, 5. Febr.[Der Kraft=SportVerein] feierte am Sonnabend Abend im Vereinslokal Paul Breipohl sein Winierfest, verbunden mit Kaisersgeburtstags= Jeier. Das Fest erfreute sich eines zahlreichen Besuchs. Eingeleitet wurde die Feier durch einige gut vergetragine Konzertstücke vom Gütersloher Stadtorc, ster, darauf folglen einige Auffährungen vom Kraft=Sport=Verein, die musterhaft ausgeführt wurden. Jnsbesondere war es wieder der Ringkampf, der großes Interesse herverrief; unter stürmischem Jubel siegte Herr Fritz Gottenstroih, wofür ihm auch der Lohn nicht ausblied. Eine vom Vorstand gestiftete feine Bowie war der Preis für den Sieger. Der Kraft=Sport=Verein hat wieder gezeigt, daß er keine Mühe und Arbeit scheut, wirklich nur Gutes zu leisten. Möze dim Verein immer mehr Sympathie entgegengebracht werden und sich ihm neue Mitglieder zuwenden, besenders seitens der Jugend, damit sie als gesunde, kräftige Männer herangebildet werden, um dereinst auch als tüchtige Soldaten des Königs Rock tragen zu können. Nach den Aufführungen begrüßie der zweite Vorsitzende im Namen des Vorstandes die Festversammlung und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Da ja auch die Kaisers=Geburtstagsfeier mit dem heutigen Abend verbunden sei, forderte der Vorsitzende die Anwesenden auf, auch Sr. Majestät zu gedenken und ihm die besten Wünsche darzubringen. Begeistert fiel die Festversammlung in das Kaiserhoch ein, werauf das„Heil Dir im Slegerkranz“ gesungen wurde. Ein flotter Tanz hielt die Anwesenden bis zur Morgenstunde in fröhlicher Stimmung beisammen. Möze der Kraft=Sport=Verein weiter blühen, wachsen und gedeihen. „Kraft Heil!“ „“ Sütersloh, 5. Jehr.(Unterhaltungsabend. Aller Anfang ist schwer, so darf auch die hiesige SchneiderInnung von dem Unterhaltungsabend sagen, den sie erstmalig am letzten Sonntage im Saale des Herrn Breipohl veranstaltet hatte. Trotzdem auch die anderen Innungen zu diesem festlichen Zusammensein eingeladen waren, ließ doch der Besuch sehr zu wünschen übrig, und was am meisten zu bedauern war, war die Taisache, daß die Herren Schneldermeister selbst nicht einmal vollzählig zur Stelle waren. Verschönt wurde der Abend durch die Vorträge des Handwerker=Gesangvereins, die in anerkennenswerter Weise zu Gehör gebracht wurden und davon Zeugnis ablegten, daß die aus das Einüben verwandte Mühe des Dirigenten nicht erfolglos geblieben ist. Eine weitere Abhe D an Ur la he # be M be kri be lie sch da ne t s0 i 15 dr Fe sei 11 sch d. B za fal Ze bo au Kr hie wel Ost wichslung in die Stimmung brachte die humoristische Duoszene„Der erste Tag in der Kaserne“, die viel Heiterkeit hervorrief und die Darsteller mit lautem Applaus besohnte. Die Begräßung der Erschienenen erfolgte durch den Obermeister der Innung, Herrn Schneidermeister Herm. Flöttmann, der in seiner Ansprache hervorhob, daß die Feier aus dem Grunde veranstaltet sei, um das Interesse an der Innung neu zu beleben, das leider in den Versammlungen sehr vermißt würde. Der schwache Besuch des Unterhaltungsabende aber lass: erkennen, daß nuch der rechte Sinn für solchVeranstaltung fehle. Das möge aber die Stimmung der Anwesenden nicht trüben und er hoffe, daß alle noch einige recht fröhliche Stunden miteinander verleben möchten. Der Obermiister gedachte sodann des vor acht Tagen geseierten Geburtslages des Kaisers und hod hervor, wie Se. Majsstät stets auf die Förderung des Handwerks bedacht gewesen sei und das das Handwerk auch von dem neuen Reichslage eihoffe. In das Hoch auf Se. Majestät den Kaiser Kimmte dann die Versammlung begeistert ein und sang stehend das „Heil dir im Siegerkranz“. Mit einem gemätlich veirlaufenen Ball endete dann die festliche Veranstaltung, die hoffentlich trotz der bösen Erfahrung nicht die letzte dieser Art wird gewesen sein. 10: Gütersloh, 3. Fedr.[Monatsversammlung.] Die letzte Mogatsversammlung des hiesigen Obstund Gartenbau=Vereins war trotz der kalten Witterung gut besucht. Zunächst brachte der Herr Vorsitzende auf Seine Mase,, i unsern allergnädigsten Kaiser und Herrn ein wohlbegründetes„Hoch“ aus, in welches die Versammelten kräftig einstimmten. Sodann gedachte er in warmen und herzlichen Worten des so früh und so plötzlich heimgegangenen lieben Vereins= und Vorstandsmitgliedes, Herrn Fritz Steinhaus, indem er seinen Biedersinn, seine Vereinstreue und seine rege, uneigennützige Tätigkeit besonders betonte und die Anwesenden aufforderte, sich zu Ehren des Entschlafenen zu erheben, was auch geschah. Darauf wurde das Protokoll der Januarversammlung verlesen und genehmigt. Ein längeres Schreiben des Verbandes, vom Schriftführer zur Verlesung gebracht, in welchem die Betelligung des Vereins an der Stiftung eines Garantiesonds für die pro 1908 geplante Provinzialausstellung erbeten wurde, rief eine lebhafte Debatte hervor. Schließlich wurden 150 Mark zum Garantiefonds bewilligt. An Stelle des Herrn Steinhaus trat nach§ 4 des Statuts Herr Sanitätsrat Dr. Stohlmann dem Vorstande bei. Es wurden dann drei neue Mitglieder in den Verein ausgenemmen. Herr Feind machte darauf aufmerksam, daß es jetzt böchste Zeit sel, die Raupenfanggürtel abzunehmen, auch müsse zur Vertilgung der Blutläuse der Boden um den Stamm(Baumscheibe) umgegraben werden. Zum Schluß wurden ein Kördchin mit Aepfeln und Gartengeräte(Messer, Hippen, Bürsten) verlost. §“ Amt Gütersloh, 5. Fibruar[Gemeinde= verordneten Sitzung.] Die Amts= und Gemeinde= vertretung hielt am Sennnbend nachmittag eine Sitzung ab, in welcher das Geundgehalt des Gemeindeeinnehmers Kolbe vom 1. April ds. Is. ab un 200 Mark erhöht wurde. Die Beschlußfassung über Gerichtung einer Gemein##Krankenkasse wurde ausgesetzt bis zur stattgefundenen Verhandlung mit dir Ottskcankenkass: Ne. 3. Abgelehnt wurde der Antrag auf Uebernahme einer selbstschuldnerischen Bärzschaft für ein Darlehen aus der Landesversicherungsanstalt, well der Kostenauschlag zu hoch befunden wurde. Die Ausstattung des oberen Klassenzimmers in Paoenstädt II mit Schulbänken, Lehr= und Lernmitteln sollen im Wige der öffentlichen Ausschreibung vergeben wurden. 3. Februar.(Schlägerei.] Ein Bankbeamter aus Gütersloh, der hier in einem Lokale mit verschiedenen Herren anwesend war, hatte über die bevorstehende Stchwahl gesprochin. Als genannter Heer das Gastzimmer verließ, wurde er im Hofe bluttg geschlagen, so daß ein Auge empfindliche Verletzungen zeigte. Am Kopfe waren große Schlagwunden entstanden. Minden, 3. Fedr.[Erschossen.] Leutnant Kombst vom hiefigen Infanterie=Regiment hat sich gestern mit einem Revolver in seiner Wohnung erschofsen. 4. Febr.[Als Leiche aufgefunden wurde auf dem Wige zwischen Ahaus und Wällen die Leiche eines 16 jährigen Dienstmädchen. Wie die ärztliche Untersuchung engab, scheint das Mädchen zu der Stelle, an der sie von Schulkindeen aufgesunden wurde, hingeschaff worden zu sein, nachdem bereits vor einigen Tagen der Tod durch Ersticken herbeigefährt worden ist. Allem Anscheine nach handelt es sich hier um einen Mord. Als Täter kommt ein 28jähriger Mann aus Ortwick in Betracht, der seit einigen Tagen flüchtig ist und sich wahrscheinlich über die holländische Grenze begehen hat. Elberfeld, 2. Fehr.[Die älteste Einwohnerin) Elberfelds, die unverehelichte Wilhelmine Stahlschmidt, ist im St. Josefshospital, wo sie selt einigen Monaten lag, im 100. Lebensjahre gestorben. Vermischtes. * Kassel, 3. Febr. Eine teuere Ohrfeige hat in einem hiesigen Bierlokal in später Nachtstunde ein Gast einem anderen Gaste verabreicht, mit dem er in einen Wortwechsel geraten war. Der Geschlagene erwiderte die Ohrfeige nicht, begab sich vielmehr nach Hause und legte sich zur Ruhe, erwachte aber in der Nacht mit einem fürchterlichen Schmerz im Ohre. Ein Arzt stellie fest, daß das Tcommilfell zerrissen war. Der Schlaz hatte zur Folge, daß der Mann auf einem Ohr taub blieb und als er dieser Taze das Krankenhaus verließ, strengte er ein: Eatschädlzungsklage an. Sein Geguer ließ es jedoch nicht dazu kommen, sondern bezahlte auf dem Vergleichswege eine Gatschädigung von 3000 Murk. *[Die Entfestigung Spandaus] soll in diesem Semmer im ganzen Unkreise der Stadt in Angriff genommen wirden. Ulber die Ausfährung ist nach mehrjäheigen Virhandlungen zwischen dem Reichsmilitäcfiskus und den städtischen Behörden ein Vertraz zust indegekom men. Dmach geht ein großer Teil des Festungsterrains in den Besitz der Stadtgemeinde über; der Kauspreis dafür beträgt rund 4 Millionen Mirk, die indes nur zum gerinzen Teil in bar gezahlt werden. Für die Einebnung und Bauceifmachung des gesamten Festungsgebietes ist im gansen ein Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen. Das Teerain, welches die Stadt erwirbt, braucht diese zum Teil füc kommunale Zwicke, u. a. zum Bau eines neuen Ruhruses. * Paris, 4. Jebe. Bil Sunt=Denis im SeineDipartemeat ertrank im Seine=Kaaal der bekannte englische Schauspieler Eoelya, der in Begleitung seiner Frau von Dover aus eine Verzusgungsfahrt mit seiner kleinen Jacht unternommen hatte. Humor und witz. *[Schöne Aussichten.] Junzer Ehemann(am Hechseitstage):„setzt wollen wir aber mal ein ernstes Wort reden über die Mitgift!“ Schwiegeroater(sich erst den Kopf keatzend und dann in die Tasche greifend):„Hm ja, ich wollte auh schon davon anfangen... Köngen Sie mir herausgeben? *[Der Pantoffelheld.] Ehemann(flehend): „Aber, Amalle, wenn Du nun einmal mit mir schimpfen mußt, so klopfe doch wenigstens nicht gleichzeitig das Sopha dabei aus!... Wis sollen denn die Nachbarn denken?!" *[Immer Aerger.]„Immer Aerser!" seufzt der Acbeiter und zieht seinen Rock an,„wenn et det eene nich is, denn is et det annere, awer Aerjer hat man immer!“ „Na, wat is denn nu widder, Willem?“ fragte die Frau. „Nu, et is wat mit de Fawriek,“ ist die Antwort.„Ach du llewa Joti, Willem, et Is doch nich schon widder eene Aussperrung?"„Ne. Juste, ins Jesendeel, et is ville schlimmer als wie det," erwiderte das Familienoberhaupt, „der Chef hat nachsejebem, unn nu muß ick man widder an de Arweet!“ Vorbeugen ist leichter wie Das beweisen dem Leidenden die Lafalan=Hämorhoidal= Heitel!! Zäpschen(Retortenm.), Nafal. 50, Wachs 45, Kakaob. 5. Zwangsversteigerung. Am Mittwoch, den 6. d. Ms., vorm. 10 Uhr, versteigere ich im Auktionslokale, Blessenstätte 77 hler, gegen Barzahlung: 1 Fahrrad. Gütersloh, 5. Februar 1907. Büsmann, Gerichtsvollzieher. Steuerhebetermin. Die für das 4. Vierteljahr 1906 fälligen Staats-, Gemeindeund Schulabgaben sind in der Zell vom 4. bis 9. d. Mte., vormittags von 8½ bis 1 Uhr auf der Stadtkämmerei— Mänster= Kraße Nr. 187. Seiteneingang— hier zu entrichten. Gütersloh, den 2. Febr. 1907. Der Rendaut. Mehlhoff. Die für das 4. Quartal des Rechnungsjahres 1906 zu zahlenden Staats= und Gemeindesteuern und sonstige Gefälle sind vom 4. bis 9. Febr. 1907 beim Unterzeichneten, Moltkestraße 819, zu entrichten. Gütersloh, den 2. Febr. 1907. Kolbe, Rendant. Donnerstao: f. Nordsee=Schellfisch grüne Heringe. Wilh. Husemann. Junge welcher Lust hat, das TischlerHandwerk zu erlernen, kann zu Ostern bei mir eintreten. Wilh. Evre, Tischlermeister, Dreiecksplatz. Gestern abend um 8 Uhr entschlief sanft und unerwartet nach kurzem Kranksein infolge Altersschwäche unsere liebe gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter und Urgrossmutter Frau Jobanne Dreesbeimdieke geb. Berwinkel im eben vollendeten 86. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Isselhorst, Bielefeld, Elberfeld und Rheda, den 5. Februar 1907. Die Beerdigungsfeier beginnt am Freitag, den 8. Februar, nachmittags 2½ Uhr im Trauerhause. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem so unerwarteten Verlust unserer innigstgeliebten treusorgenden Mutter sagen wir unsern tiefgefühlten Dank. Gütersloh, den 5. Februar 1906. Geschwister Jacke. Bekanntmachung. Zur Aufnahme der Reklamationen auf Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienst bezüglich der in den Jahren 1885, 1886 und 1887 geborenen Militärpflichtigen habe ich folgende Termine angesetzt: a) für die Gemeinden Isselhorst, Holtkamp, Hollen, Niehorst und Ebbesloh am Montag, den 1I. Februar er., von 8—12 Uhr vormittags, im hiesigen Amtsbureau, Zimmer Nr. 2; b) für die Gemeinde Brackwede am Dienstag, den 12. Februar er., von 8—12 Uhr vormittugs und von 2—5 Uhr nachmittags, im hiesigen Amisbureau, Zimmer Nr. 2; c) für die Gemeinden Quelle, Senne I, Senne II und Ummeln am Mittwoch, den 18. Februar cc., von 8—12 Uhr vormittags, im hiefigen Amtsbureau, Zimmer Nr. 2. In diesem Termine sind Steueczettel, Bescheinigungen der Arbeitgeber über den Verdienst der Milltärpflichtigen und der übrigen Famllienangehörigen, sowie sonftige Nachweise, welche zur Aufklärung der Verhältnisse dienen, mit vorzulegen. Brackwede, den 1. Februar 1907. Der Amtmann: Hilboll. Bekanntmachung. Die durch den Tod des bisherigen Inhabers erledigte Kreistierarztsstelle des Kreises Wiedenbrück soll wieder besitzt werden. Die Höhe der dem Stelleninhaber zu gewährenden Gehaltsbezüge wird auf Grund des Geseges vom 24. Juli 1904, betreffend die Dienstbezüge der Kreistierärzie, und der dazu ergangenen Ausführungsbesllmmungen festgesetzt. Außer dem Gehalte wird für die Stelle z. Zi. eine widerrufliche Stellenzulage in Höhr von 600 Mark aus Staatsfonds jährlich gezahlt. Nach dem vorläufigen Ergebnisse der letzten Viehzählung hat der Kreis Wiedenbrück einen Bestand von 3955 Pferden, 27.877 Stück Rindvleh und 44 896 Schweinen. Gesuche um Verleihung dieser Stelle sind mir unter Nachweisung der Befähigung und Vorlage eines Lebenslaufs nebst Führungsattest bis zum 1. März d. Is. einzureichen. Minden, den 80. Januar 1907. Der Regierungs=Präsident. Dr. Krufe. Zur Ermittelung des Ecgebnisses der am 4. dieses Monats staltfindenden engeren Wahl zum Deutschen Reichstage im 3. Wahlkreise des Regierungsbezirks Minden, Kreise Bielefeld Stadt und Land und Wiedenbrück, ist auf Freitag, den 8. dieses Monats, vormittags 9¼ Uhr, im Kreishause hier Termin anberaumt. Der Zutritt zu dem Lokale steht jedem Wähler offen. Bielefeld, den 2. Februar 1907. Der Wahlkommissar. v. Ditfurth, Landrat, Gey.=Reg.=Rat. Trauerbriefe liefern in sauberer Ausführung Schmäling& Ohlbrock. Ein 12—18jähriges Schulmädchen für nachmittags zu Apeil oder Mai gesucht. Roonstraße 7971I. Laden mit Wohnung sehr gelegen für Schneider, für 800 Mk. per 1. Oktober zu vermieten, Zuerfragen in d. Geschäftsst Bessere Wohnung bestehend aus 5 Räumen, Mädchenzimmer, Speisekammer und Zubehör umständehalber zum 1. April oder päter in ruhigem Hause zu vermieten. Garten und Veranda vorhanden. Zu erfragen in der Exp. d. Zeitung. Ein Priseurlehrling auf sofort oder Ostern gesucht. Auskunst erteilt die Exp. d. Zig. Frische Landeier(Trinkeier) Si. 8 1/1, Otzd. 1.— Frische Süßrahmbutter p. Psd. 115 Pfg. Frische Jettbücklinge St. 5 Pfg., Kiste 123 Psg. „ Große grüne Heringe v. Psd. 11 Pfg. Donnerstag früh einteeffend: Ia. lebendfr. norderneyer Bratschestsisch p. Pid. 13 Pig. Ia. Schellsisch ohne Kopf p. Psd. 20 Pfg. Gebrüder Wolff. Kuok-(6b) Terein Mittwoch, 6. Febr., abends 7 Uhr: Prolge für Damen, 9 Uhr für Herren. Der wenigen noch folgenden Proben wegen, ist allseitiges Erscheinen dringend nötig. Was sollen wir trinken? Talanda Ceylon-Tee! hervorragende Marke, sehr ausgiebig, daher billig im Verbrauch, hocharomatisch. Original-Bastpackung ¼ Ptd. Mk. 0, 50, 0, 60, 0,75. Aug. Heidland Von heute ab prima Fleisch. H. Schürmann. Neue Sendung Apfelsinen schöne, dunkle, vollsaftige Früchte, Dtd. 45 und 55 Pfo. bei Aug. Heidland. Frisches Mett knachenfrei v. Pid. zu 60 Pfg. — Geräucherte Karbonade=Nacken p. Pfd. 80 Pfg. hat abzugeben Gustav Oldermann. Husten! Wer diesen nicht beachtet, ver sändigt sich am eigenen Leibe Kaisers Brust-Caramellen seinschmeckendes Malz=Extrakt. Aerzlich erprobt u. empfihlen gegen Husten, Heiserkeit, Katarih, Verschleimung u. Rachenkalarrhe. 5120 not. begl. Zeugnisse beweisen, daß ste halten, was sie versprechen. Packet 25, Dose 50 Pfg. Kaiser's Brust-Extraßt Flasche Mk. 1.—, beides zu haben bei Wilh. Küster in Gütersloh Wilh. Husemann„ Strengerstraße. Mittwoch und Donnerstag: Norderneyer Scheöfisch und große grune Heringe. Ludwig Grabemann. Auf sofort oder zu Ostern suche einen Priseur-Lebrling. Julius Loich. aften Tropfen Ilebt, der trInie Elmendörfer er Ist und bleibt der beste Kornbranntwelüberall! Gexr. Anno 1699. Splherst f. Wislt. Sie allein haben den Schaden davon, wenn Sie an Stelle des echten Kathreiners Malzkoffee irgend eine minderwertige Nachahmung mit nach Hause nehmen. Nur der echte „Kathreiner“ hat die bekannten, in ihrer Art einzig dastehenden, hervorragenden Genuß=Eigenschaften, vor allem den wärzigen koffteähnlichen Wohlgeschmack. Das wissen alle, welche seine unersetzlichen Vorzöge einmal kennen und schätzen gelernt haben. Achten Sie deshalb beim Einkaufe ganz genau auf die aus unserem Bilde ersichtlichen untrüglichen Kennzeichen des echten Kathreiners Malzkaffee. Diese sind: 1. Das fest verschlosseue Paket in seiner bekannten Ausstattung, 2. Das Bild und der Name des Pfarrers) wache. 3. Die Unterschrift des Pfarrers Kneipp, 4. Die Firma„Kathreiner's Malzkaffee Fabriken“. Man erspart sich Aerger und Enttäuschung, wenn man sich die angeführten Kennzeichen des echten„Kathreiner" fest eingeprägt und jeden anderen Malzkaffee energisch zurückweist. Räumungs=Ausverkauf. Um mit den noch vorhandenen Winterschuhen vollständig zu raumen, gebe auf dieselben trotz der billigen Preise 10 bis 15 Proz. Rabatt. Eine Partie zurückgesetzter Schuhe gebe zu jedem annehmbaren Preise ab. Fritz Maas, Schuhgeschäft, Schulstrasse. Autol gesetzlich geschätzt. Unübertroffenes Oel für Motorwagen, Motorräder 2c. von H. Möbius& Sohn Loudon. Hannsver=Wülfel. Basel. D. R. G. M. Nr. 148 422 in allen Farben vorrätig. Kronen-Parfümerie. Sele aus einer ersten deutschen Cognac-Brennerei bezogen u. ärztlich empfohlen Dustach fahrsgt Marke“ z. Mk.2.— p.Orig.% Ltr. Fl. „*„ 2.50 „„ 3.— „„ 3.50„ empfiehlt in ganzen und halben Flaschen H. Schlüpmann, Gütersloh. Für meine Bäckerei und Konditorei suche ich einen evang. Lehrling. H. Kortemeier Porta, Fährstraße 188. Nähere Auskunst erteilt die Geschästsst. d. 8“ Bekömmlicher werden die Speisen mit S UNISSMI Sie regt Appetit und Verdauung Vürze. wohltuend au, wird daher auch zur Krankenkost ürztlich empfohlen. In allen Flaschengrössen zu haben bei Ludwig Grabemann, Bahnhofstrasse und Strengerstrasse Ecke 479 CHEG Für lung und alt eind Malz-Extrakt und Caramellen von L. H. PIETSCH& Co., BRESLAU das beste Hausmittel bei Husten, Heiserkeit, Keuchhusten etc. Lösend. Kräftigend. Blutbildend. Anerkennung: Ihr Malz-Extrakt leistet meiner Tochter gegen Keuchhusten vorzügliche Dienste. A. von Zitsewitz. In Flaschen à Mk. 2.50, 1.75 und 1.—, Beutel à 50 Pfg. und 80 Pfg. zu haben in Gütersloh bei W. Küster, Dellkatessenhandlung. Lehrer machten die Beobachtung, dass Kinder, welche Coffon geniessen, durch dessen intensiv blutbildende Wirkung geistig und körperlich frischer werden und leichter lernen Sprechende Beweise, wie empfehlenswert es ist, Coffon im Haushalte zu verwenden. Coffon ist nicht nur der wohlschmeckendste Kaffeezusatz, er ist auch der bekömmlichste und vollkommenste Kaffee-Ersats und dabei ein erstklassiges Nährprodukt. Doch nicht nur Kindern, auch Blutarmen, Magenschwachen, Nervenleidenden, Gesunden und Kranken leistet Coffon vorrügliche Dienste. In Fällen, wo jahrelanges Medizinieren erfolglos war, brachte Cotfon die Verdauung in kurzer Zeit in Ordnung. Das ist wichtig, denn bekanntlich lebt der Mensch nicht von dem was er ist, sondern von dem was er verdaut. Wer Coffon nicht beachtet, tut es nur zu leicht zu seinem eigenen Nachteil. Brüder,Kunz, Wien und Bigge In Westfalen. Postversandt an Private per Kilo Mk. 1.20 flndet nur dann statt. teansäasigen Kaufleuten nicht erhältlich ist, Bei 5 Kllo pertefrei. Thomasschlackenmehl 8 Bewährtester und billigster Phosphorsäuredünger für Wiesen und Frühjahrssaaten. Das Ausstreuen kann in jetziger Zeit mit bestem Erfolge vorgenommen werden Man verlange beim Einkaufe ausdrücklich Thomasmehl„Sternmarke“ und achte auf Gehaltsangabe. Schutzmarke und Plombe. Vor minderwertiger Ware wird gewarnt. Thomasphosphatfabriken G. m. b. H. BERLIN W. Wegen Offerte wende man sich an die bekannten Ver— kaufsstellen.— A Neue GütersloherZeitung Fernsprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher Nr. ustrierte Neue Lesehalle. Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklamen 25 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr. Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 15 Druck und Verlac rlag: Schmäling& Ohlbrock, Gütersloh. Dienstag, den 5. Februar 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Zweites Blatt Ergebnis der Reichstagsstichwahl im Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Stichwahlen. Gütersloh, 5. Fedr. Schon manchen Wahlkampf verschiedenster Art haben wir in Güterstoh miterlebt, noch nie aber haben wir ein solches Interesse an einer Wahl beobachtet, wie an der jetzigen Reichstagswahl bezw. Siichwahl. Nicht nur die Wähler selbst, nein, auch ihre Familien standen ganz unter dem Eindrucke der Wahl, deren Ergebnle man mit größter Spannung entgegensah. Kaum hatte die Schlußstunde des Wahlaktes geschlagen, da begann auch schon die Nachfrage nach Extrablättern, die das Resultat verkünden sollten. Je näher die Stunde rückte, die das übersehbare Endresultal bringen sollte, desto lebhafter wurde es am Telephon, auf den Straßen und in den Wirtschaften, die, nolabene, von der Wahl den größten Nutzen gehabt. So lebhaft, wie es gestern abend auf den Straßen der sonst so friedlichen Stadt Gütersloh herging, ist es wohl noch nie g wesen. Alt und Jung, Männlein und Weiblein debattierten über die Wahl und in die patriotischen Freudenausbrüche mischten sich nicht selten die Hochrufe auf den andidalen der Sozialdemokratte, Severing. Und doch trotz der herrschenden Aufregung hat die Polizei keinen Anlaß gefunden, ernstlich einschreiten zu müssen.— Die Wahlbeteiligung am gestrigen Tage war wiederum eine recht rege; wäre überall so gewählt worden, wie in Stadt und Amt Gütersloh und Kattenstroth=Spexard, ein Sozialdemokrat brauchte jetzt nicht als Vertreter des Wahlkreises BielefeldWiedenbrück seinen Einzug in den Reichstag zu halten. Wie sich das Resultat im Einzelnen gestaltet, das geht aus vorstehender Ausstellung hervor. *„* Bel den 12 Stichwahlen, die am Sonnabend stattfanden, wurden gewählt: zwei Kandldaten der Nationalliberalen, einer der Freisinnigen Volkspartei, einer der Freisinnigen Vereinigung, vier Konservative, zwei Reichspartei, ein Wildliberaler und ein Kandidat der Wirtschaftlichen Vereinigung. Die Kenservativen verlieren zwei und gewinnen zwei, die Freisinnige Volkspartei gewinnt einen, die Sozialdemokraten verlieren drei und die Wildliberalen gewinnen einen Sitz. Der Verlust der Sozialdemokratie beträgt b.sher insgesamt 25 Sitze. Im einzelnen stellen sich die Ergebnisse vom Sonnabeno wie folgt: Holzminden=Gaudersheim. Gewählt ist v. Damm (Wirtsch. Vgg.) mit 2500 Stimmen Mehrhelt. Bisher v. Damm(Wirtsch. Vog.) Schaumburg=Lippe. Gewählt ist Brunstermann (Rpt.) mit 5049 Stimmen. Es erhielt Klingenhagen (Soz.) 8285 Stimmen. Bisher Brunstermann(Rpt.) Memel=Heydekrug. Gewählt ist Schwabach(Natl.) mit 11401 Stimmen. Es erhiel: Krause(Kons.) 6484 Stimmen. Blsher Krause(Kons.) Randow=Greifenhagen. Gewählt ist Frhr. v. Steinäcker(Kons.) mit 22478 Stimmen. Es erhielt Körsten(Soz.) 17904 Stimmen. Bisher Körsten(Soz.) Pinneberg=Ottenson. Gewählt ist Carstens (Frs. Vpt.) mit 28882 Stimmen. Es erhielt v. Eim (Soz.) 19848 Stimmen. Bisher v. Elm(Soz.) Hagenow= Grevesmühlen. Gewählt ist Graf Bothmer(Wildlib.) mit 8891 Stimmen. Es erhielt Rettich(Kons.) 6100 Stimmen. Blsher Rettich(Kons.) Schwerin=Wismar. Gewählt ist Dr. Droescher (Kons.) mit 12142 Stimmen. Es erhlelt Starossen(Soz.) 8698 Stimmen. Bisher Büsing(Natl.) Parchim=Ludwigslust. Gewählt ist Dr. Pachnicke (Fes. Vog.) gegen Dade(Kons.) Bisher Dr. Pachnicke (Frs. Vgg.) Malchin=Waren. Gewählt ist Frhr. v. Maltzan (Kons.) mit 12046 Stimmen gegen Lorerz(Soz.) mit 5589 Stimmen. Bisher Frhr. v. Maltzan(Kons.) Rostock. Gewählt ist Ratssyndikus Linck(Nati.) mit 15141 Stimmen. Es erhielt Richnungsrat Dr. Herzfeld(Soz) 13882 Stimmen. Bisher Dr. Herzseld(Soz.) Güstrow. Gewählt ist v. Treuenfels(Kons.) mit 10775 Stimmen. Es erhielt Knappe(Soz.) 5561 Stimmen. Bisher v. Treuenfels(Kons.) Mecklenburg=Strelitz. Gewählt ist Nauck(Rpt.) mit 12515 Stimmen. Es erhielt Lülh(Soz.) 6674 Stimmen. Bieher Nauck(Rpt.=Hosp.) Lokales und Provinzielles. Sütersloh, 5. Febr. Unter zahlreicher Beteiligung von hier und auswärts feierte am Sonntag die hiesige Guttempler=Loge ihr 6. Stiftungs= und Agitationsfest, das mit einem flotten Marsch vom biesigen Stadt=Orchister eröffnet wurde. Die Stimmung war auch in diesem Jahre wieder bei Alt und Jung eine recht gehobene, und daß sie das war, dazu trugen nicht unwesentlich die Vorträge des Gesangvereins der vereinigten Bielefelder Logen bei. Im besonderen aber wußten auf die Stimmung einzuwirken dlejenigen, welche auf der Bühne durch theatralische Verführungen ihr Bestmöglichstes leisteten und die wie die Sänger mit vollem Beifall überschüttet wurden. Die Festrede zu holten, hatte Herr DistriktsSekretär Tiesler aus Bielefeld übernommen, der namene der Gütersloher Loge die Festteilnehmer willkommen hieß und für das zahlreiche Erscheinen den Dank der Loge abstattele.„Wer vor ca. 12 Jahren, so fuhr der Redner dann fort, gesagt hätte, daß man wohl in der Lage wäre, ein schönes Fest ohne Alkohol zu feiern, den hätte man auch hier im schönen Gütersloh nicht für voll; angesehen. Und wie ist es heute, kein vernünftig denkender Mensch wird heute noch nach seiner ehrlichen Ueberzeugung sagen, daß es etwas besseres glbt, als ein Fest ohne Alkohol. Gott sei Dank, gibt es auch heute in unserem lieben deutschen Vaterlande tausende Männer und Frauen, die nicht erst des Alkohols bedürfen, um ihrer natürlichen Stimmung Ausdruck zu geben. Leider ist das Häuslein derer, die dem Alkohol vollständig entsagen, noch sehr klein, darunter ist aber ein fester Stamm begeisterter Kämpfer für unsere Sache, die es verstanden haben, daß heute die Zahl der organisierten Abstinenten auf ca. 70000 angewachsen ist. Zieht man in Betracht, daß erst die letzten Jahre unsere Bewegung festen Fuß gesaßt hat, so kann man wohl sagen: Fürwahr, ein guter Erfolg. An der Spitze marschiert der Guttemplerocden mit über 34000 Mitgliedern aus allen Kreisen der Bevölkerung." Der Redner verbreitete sich dann des Näheren über die Entstehung und Entwickelung des Guttempler=Ordens, der heute in 1000 Logen ca. 34000 Mitglieder vereinigt habe. „Hier in Gütersloh wurde am 19. Januar 1902 die eiste Guttemplerloger mit 9 Mitgliedern gestiftet, dieselbe erhielt den Namen„Gütersloh Nr. 447.“ Wie wohl überall damals, hatte die junge Loge mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber meisterhaft haben es unsere Gütersloher Ordensgeschwister verstanden, nicht nur ihr Feld zu behaupten, sondern sogar viel dazu beigetragen, um die deutsche Nüchternheitsbewegung zu sördern. Im Laufe der Jahre war es der Loge Gütersloh vergönnt, 3 weitere Logen zu stiften und heute beträgt die Zahl der Mitglieder hier allein über 60. Jedenfalls ein Resultat, auf das die Gütersloher Guttempler stolz sein können. Aber trotz dieses Erfolges werden es sich die Guttempler hier nicht nehmen lassen, weiter zu arbeiten, um noch recht viele für unsere Sache zu gewinnen. Und das ist nötig. Denn noch gar viele sind es, denen es an Mut und Kraft fehlt, um mit den Trinksitten zu brechen über die das Ausland seinen Spott treibt. Gar viele sind es, die noch immer dem Alkehol, dem sogenannten Allerweltsmittel, Freudenspender und Sorgenbrecher nicht zu widerstehen vermögen. Schauen Sie hinein in so viele Familien, wo Elend, Not, Jammer und Unfrieden herrscht und in 85 von 100 Fällen werden Sie feststellen können, daß der Alkohol die Ursache dieses Uebels war. Und dann schauen Sie hinein in die Familien der Guttempler und dann stellen Sie Vergleiche an; fürwahr, hier stehls anders aus. Hier ist ein großer Unterschied. Viele 1000 Famllen, die früher nichts vom Glück gekannt haben, sind heute erwacht, sind erwacht unter dem Zeichen des I. O. G. T. Jawohl, dort schauen Sie hinein, dor wohnt Friede, dort ist Ruhe, dort ist das echte deutsche Familien= glück. Die meisten Leute glauben immer noch, der Guttempler= orden ist eine Vereinigung zur Rettung von Trunkenbolden. Das ist nicht ganz richtig. Unser Orden bezweckt die sittliche und eihische Virvollkommnung des ganzen Menschengeschlechtes. Zur Erreichung dieses Zieles hält der Orden für seine nächste Aufgabe den Kampf gegen die alkoholischen berauschenden Getränke, die eine Quelle vieler Leiden und Unglücksfälle, von Verarmung und Krankhelt, Unsittlichkeit und Verbrechen, Verrohung und einer schrankenlosen Genußsucht bilden. Allerdings suchen wir auch die Opfer des Alkohols für unsere Sache zu gewinnen, indem wir sie in unsere Reihen aufnehmen. Wie bekämpfen nun die Guttempler den Alkohol? Nun, auf die einfachste Weise, die es gibt. Wir versuchen das Volk über den vollständigen Unwert des Alkohols aufzuklären. Wir sammeln Staustiken über die Schädigungen des Alkohols auf den verschiedensten Gebleten u. s. w. Das ist nicht schwer, denn jeder Tag bringt ja neue Beweise über den Schaden, über den Jammer, welchen der Alkohol anrichtet.“ Der Redner führt nun eine Reihe von Zahlen vo., die dartun, aus welchem Gebiete der Alkohol seine schädlichen Wirkungen ausäbr und fährt dann fort:„Denken Sie über diese Zahlen einmal nach, ist dies nicht ein Grund zum Nachdenken? Man kann es aber garnicht begreifen, daß dem Volke erst derartige Zahlen vorgejührt werden müssen, um ihnen das Verderdliche des Alkoholgenusses vor Augen zu führen. Hat man nicht fast täglich Gelegenheit, zu beobachten, wie in unserer Nachbarschaft, bei Freunden und Verwandten dieser unheimliche Gast einkehrt und ganze Familien zerstört und an den Beitelstab bringt. Ich bin überzeugt, daß Sie alle schon M Gelegenheit hatten, einen Einblick in eine Trinkerfamilie zu bekommen. Wie sieht es dort aus und dann bedenken Sie, daß es in unserem deutschen Vaterlande etwa eine halbe Mil ion solcher Trinkerfamilien existieren. Ist es da nicht hohe Zeit, einmal Hand anzulegen, daß unser Volk diesem Alkoholjoch entrissen wird? Da nutzt aber kein Aufruf zur Mäßigkeit, denn die Mäßigkeit ist der eiste Schritt zur Unmäßigkeit und auch der Unmäßigste ist einmal mäßig gewesen. Dagegen hilft nur die vollständige Enthalisamkeit aller berauschenden Getränke. Nur der Enthaltsame ist frei vom Alkoholjoch. Und diese Freiheit der Menschheit zu bringen, ist unsere erste Aufgabe. Um diese Aufgabe vollführen zu können, brauchen wir noch recht viele Mithelfer und deshalb, verehrte Anwesende, möchte ich auch Sie bitten, bei uns einzutreten, um Mithelfer zu sein bei einem großen Werke, welches der ganzen Menschheit zum Segen gereichen wird.“— Lebhafter Beifall wurde dem Redner gespendet. In fortgesetzter Erledigung des reichhaltigen Programms machte dann ein fröhlicher Ball den Schluß des Festes, bei dem Frohsinn und Heiterkeit bis zum letzten Ende anhielten. Wiedenbrück, 5. Febr.[Radau=Versammlung.] Die auf Sonntag nachmittag 5 Uhr ins katholische Gesellenhaus einberufene Wählerversammlung, in der Staatsminister von Möller sprechen sollte, war der Schauplatz wüster Szenen. Es hatten sich sehr viele Sozialdemokraten aus Bielefeld und Rheda eingesunden. Ale Herr Staatsminister von Möller auf der Rednerbühne erschten, wurde er mit wüstem Geschrei und ohrenbetäubendem Lärm empfangen. Der Lärm war so groß und so andauernd, daß an eine Eröffnung der Versammlung nicht gedacht werden konnte. Die Bemühungen mehrerer Herren, Ruhe zu stiften und Herrn von Möller zu Worte kommen zu lassen, wurden mit den Rufen„Pellkartoffeln mit Hering", „Zweimal in der Woche Fleisch“ und mit stürmischen Hochs auf den sozialistischen Kandidalen Severing beantwortet. Angesichts dieser unerhörten Vorgänge blieb dem anwesenden Bürgermeister Schmitts nichts anderes übrig, als den Saal räumen zu lassen; so daß die Versammiung nicht staltfinden konnte. Selbst auf der Straße setzten sich die Schmähungen gegen v. Möller fort. Im ganzen Wahlkreise herrscht über diese Vergewaltigung einer Wählerversammlung nur eine Stimme der Empörung. Die Sozialdemokraten wußten diese selbst inszenierte Radau=Versammlung natürlich für ihre Sache sehr geschickt auszubeuten, indem sie in einem während der Nacht gedruckten Flugblatte den Zintrumsleuten die Schuld an dem Radau zuschoben. Wäre Herr v. Möller von Wiedenbrück fern geblieben, es wäre jedenfalls besser gewesen, denn zu retten war da doch nichts mehr. Lünde, 4. Febr.[Diebstahl.] Bei dem Wirt Meyer in Hangbaum wurde in vergangener Nacht ein in der Gaststube stehender Sekretär erbrechen und das darin befindliche Wechselgeld von etwa 15 Maik gestohlen. Ein bei dem Einbruch benutztes, mil Pech behaftetes Schuster messer und ein Zirkel nurden am Tatorte zurückgelassen. Werne. 4. Fedr.[An Blutvergiftung starb hier im blühenden Alter eine Näherin. Am 28. Januar zog sie sich eine kleine Wunde zu, die sie anfangs nicht beachtete. Erst als die Wunde anschwoll, und heftige Schmerzen eintraten, zog man einen Arzt zu Rate, der sofort Blutvergistung feststellte; leider konnte die ärztliche Kunst nicht mehr heifen, da die Blutvergistung zu weit vorgeschritten war. 4. Febr.[Unglücksfall.] Bei Reparaturarbeiten an dem Tunnel auf der Eisenbahnstrecke Solingen=Ohligs brach heute nachmittag das Gerüst einer Maleriallentransportbahn zusammen. Der Arbeiter Domizellt wurde von einem herabstürzenden Kippwagen gegen die Mauer gedrückt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Pheydt, 4. Febr.(Gefühlsrohelt.] Ein Fuhrmann, der von Rheydt nach Nachen Möbel zu fahren hatte, kehrte in einer Wirtschaft ein und hielt sich über 4 Stunden auf. Die Pferde ließ er uneingedickt in der Kälte vor der Türe stehen. Beide Pferde sind an den Folgen eingegangen. Reden, 4. Febr.[Die Opfer der Katastrophe. Von den 9 vermißten Bergleuten wurden 8 Leichen zulage gesördert. Sämtliche 149 Teie sind jetzt erkannt. Die zur Unterstützung gespendete Summe beträgt 240000 Mk. Vermischtes. * Berlin, 4. Februar. Unter dem Verdachte des Mordes wurde der 1877 zu Schwarzwald in Posen gevorene Wächter Paul Waldeck gestern verhaftet. Er wird beschuldigt, seine Braut, eine Köchin, durch Aufschneiden der Pulsader getötet zu haben, weil sie das Verlöbnis aufheben wollte. Die Leiche wurde in der Laudenkolonte Hermannshell, im Nordosten Berlins, aufgefunden. *[Ein Kindesmörder wider Willen.] In Oberschöneweide bei Berlin hat ein ehelicher Streit einen sehr tragischen Ausgang genommen. Der in der Rellauxstraße 22 wohnende Schleifer Robert Hain wollte abends aus Eifersucht seine Frau erschleßen; die Kugel verfehlte jedoch ihr Ziel und drang dem vier Monate alten Kinde, das die Frau auf dem Arm hielt, in den Kopf. Nach wenigen Minuten war das Kind eine Leiche. Hein wurde verhaftet. * K a r l s r u h e, 4. F e b r. Z u d e m b l u t i g e n F a m i l i e n= drama in Lützelsachsen in Baden, wo, wie gemeldet, der 50jährige, anscheinend geisteskranke Wagenbauer Hördt seine ganze Famllie mit einem Küchenbeil in den Betten überfiel, wird weiter gemeldet, daß dit 46jährige Ehefrau und der 7 Jahre alte Sohn Jakob gestern ihren schweren Verletzungen erlegen sind. Der älteste Sohn und die Tochter wurden, wie wir mitteilten, bereits tot aufgefunden. Der ebenfalls durch Beilhiebe schwer verletzte 14 Jahre alte Sohn Philipp befindet sich zurzeit noch am Leben, er ist in Gemeinschaft mit seinem leicht verwundelen Bruder Heinrich bei Verwandten am Orte untergebracht. Das Befinden Philipps ist besorgniserregend, seine Wiederherstellung erscheint nahezu ausgeschlossen. Die Beerdigung der vier Opfer hat inzwischen unter großer Tellnahme in einer gemeinsamen Gruft auf dem dortigen Friedhof stattgesunden.— Der Massenmörder Hördt, der sich bisher in Heidelberg in Untersuchungshaft befand, ist zur Beobachtung seines Geisteszustand in die dertige Irrenklinik eingeltefer worden. *[Kafsee und Nierentätigkeit.) Den Einfluß des Koffeins auf die Niere, besonders auf die Diurese (übermäßige Harnabsonderung) behandelt Privatdezent Dr. med. Ernst Frey in einer Arbeit„Der Mechanlsmus der Koffeindlurese“. Da die Frage hygienisch von großer Bedeutung ist, so dürfte das Resultat der Frey'schen Untersuchung wohl allgemeines Interesfe beanspruchen. Dr. Frey fand, auf Grund der von ihm angestellten Versuche, die Ansicht Loewl's bestättgt, daß die Steigerung der Zirkulation in der Niere die einzige oder mindestens die bei weitem wirksamste Ursache der Koffeindiurese ist, daß die gesteigerte Harnabsonderung demnach durch eine Gesäßerweiterung zustande kommt. Nach fortgesetzten Koffeingaben wird die diuretische Wirkung immer geringer; es tritt dann eine„Ermüduno“ der Niere ein, sodaß die Niere immer weniger Harn abschneidet und unter den späteren Koffeingaben sich immer weniger ausdehnt. Es zeigt sich eben auch bei der Niere die charakteristische Wirkung des Koffeins, wie sie beim Herzmuskel beobachtet wurde, nämlich zuerst die Tätigkeit des beireffenden Organes unnatürlich pettschenhiebartig zu steigern und zu forzieren, um hinterher eine desto größere Erschlaffung und Schwäche zu verursachen, die mit der Zeit die ganze Funktionskraft des Organes in Frage stellen kann. Mancher eingefleischte Kaffee=Trinker, dessen Nlerentätigkeit zu wünschen übrig ließ, ahnte wohl bisher noch nicht, daß er eine solche Störung des Wohlbifindens seinem Lieblingsgetränk zu verdanken habe. Auch diese physiologische Entdickung mahnt also zur Vorsicht in Bezug auf den Kaffee=Genuß. *[Im Eiskeller eingesperrt.] In einem Eiskeller in Schierstein wurden durch Unvorsichtigkeit beim Gisabladen acht Arbeiter vollständig von der Außenwelt abgeschnitten und besanden sich in der eisigen Temperatur drei Stunden lang in Lebensgefahr. Erst nach mühsamer Arbeit gelang es, mittels heißen Wassers ein Loch herzustellen, durch welches die Abgeschlessenen befreit werden konnten. *[Der deutsche Turntag) findet am 28. und 29. Juli in Woims statt. Zwei Tage vorher tritt der Ausschuß der deutschen Turnerschaft in Frankfurt a. M. zu seiner diesjährigen Sitzung zusammen. * Neustadt, i. Schl., 4. Febr. Der 11 Jahre alte Schulknabe Wichilm Sauer, Sohn des Fleischers Juliue Sauer in Schnellewalde bei Neustadt, Oberschl., hatte sich auf das Eisenbahngeleise gelegt und wurde von dim um 5 Uhr die Strecke passierenden Güterzuge überfahren und sofort getötet. Der Rörper war durch die Räder vollständig zerschnitten worden. Ueber die Ursache des Selbstmordes eines so jugendlichen Menschen fehlt bisher eine bestimmte Erklärung. * Rotterdam, 4. Febr. Im Jesuitenkloster Exgeten in der Provinz Limburg fand eine furchtbare LeuchtgasExplosien stalt, bei der fünf Klosterbrüder schwer verletzt wurden. Einer erhlelt 1ötliche Verletzungen. Auch drei Arbeiter, die nach dem Loche in einer Gasleitung mit einem Lichte suchten, erlitten schreckliche Brandwunden. Die Schönste weiße, sammetwelche Haut, ein zaries reines Gesicht mit rosigem jugendfrischen Aussehen und blendend schönem Teint erhält man bei tägl. Gebrauch der echten Steckenpferd-Lilienmilch-Seile v. Beramann& Co., Radeben! mit Schutzmarke: Steckenpferd. St. 50 Pfg. bei: B. Daltrop. Gesundheits=Haser= Zwieback ist der beste Nähr= und Tafelzwieback der Welt. W. Mestemacher. Frostin ist das Biste gegen Frost und Frostbeulen. Drogerie E. Hofschildt. Aussteuer-Artikel Fertige Betten Bettfedern u. Daunen Inlettstoffe. Eiserne Bettstellen in nur allerbesten Qualitäten zu billigsten Preisen. Meine Iltis- und Marder=Felle kauft zu den höchsten Preisen H. Niehaus, Berlinerstraße 346. Wohnung von 4—5 Räumen, am liebsten mit Gartenland, das sich als Lagerplatz eignel, per sofort oder 1. April gegen gute Miete gesucht. Von wem, sagt die Exp. d. Zig. Garten(6 Bauplätze) in der Nähr des Seminars zu verkaufen. Schriftlich= Anfregen unter B600 besorgt die Geschästsstelle d. B'g. Dampf-Bettfedern- Reinigungs-Maschine empfehle beim Umfüllen gebrauchter Betten. Durch sorgfältiges Entstäuben und Dämofen werden die Federn wieder wie neu. Betten- und Aussteuer-Geschäft J. H. Manecke. Raucht Eckstein-Zigaretten! Nr. 5 Dieserühmlichstbekannte Zigarettenmarke wird auch nach Einführung der Zigarettensteuer in derselben vorzüglichen Qualität u. Handarbeit hergestellt. Preis: 10 Stück 25 Pig. Sssssssssssssss Der enorme Konsum befähigt die Fabrik, die Zigarrenhandlungen stets mit frischer Ware zu versorgen. Man verlange ausdrücklich: Eckstein’s Nr. 5 und prüfe genau, daß jede Zigarette die volle Firma M. Eckstein& Söhne" nebst Schutzmarke trägt. (Arbeiterzahl über 800.) Vertreter: B. Henneböhle, Gütersloh. Bekanntmachung. Zur Förderung des Baues gesunder und billiger Kleinwohnungen verleihi die Landesversicherungsanstalt der Provinz Westsalen an Versicherse die erforderlichen Gelbmittel bis zu ¾ der Baukosten bei 8°/iger Verzinsung und 1°/iger Tilgung, wenn die Gemeinde die schuldnerische Bürgschaft übernimmt. Diese wird von der Landgemeinde Gülersloh unter folgenden Bedingungen geleistet: 1. Dim Antrage sind beizusügen: a) Bescheinigung des Gerichts über den schulden= und lastenfreien Besitz dis Grundstücks, b) Bauzeichnung. c) Kostenanschlag. 2. Der Darlehnsucher hat sich a) zur Tragung der durch die Revision und Kontrolle während des Baues durch einen Archttekten entstehenden Kosten, b) zur Eintragung einer Sicherungshypothek an erster Stelle im Grundbuche für die Landgemeinde Gütersloh in Höhe des gewährten Darlehns, c) zur Versicherung des Gebäudes bei der Westfälischen ProvinzialFeuer=Sozietät zu verpflichten. 3. Die Darlehnssucher dürfen den Bau nicht ehr beginnen, als die Gemeinde sich zur Bürgschaftsleistung bereit erklärt hal. 4. Objekle, welche so hoch bemissen sind, daß die Gemeinde zu einer 10000 Mk. übersteigenden Bürgschaft herangezogen wird, werden nicht berücksichtigt. Gülersloh, den 30. Januar 1907. Der Amtsverwalter: Wirth. Mil Staunen verfolgt jeder Landwirt die Erfolge, die mit dem entölten und entfetteten Futter-Fischmehl Marke„Kornblume“. erzielt wurden. Zu beziehen durch den General=Vertreter L. Parnholt, Sundern und in den Verkaufsstellen von Fr. Twelkemeier, Bismarckstraße Frau Pwe. Stratemann, Berlinerstraße heinr. Wulkhorst, Pavenstädt Nr. 115.