Neue Gütersloher Zeitung. Abonnementspreis pro Quartal: 1 Mark inkl. Botenlohn. Insertionspreis: Die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pf. Reklamen 25 Pf. Wöchentliche Illustrierte Gratis-Beilage: O# Neue Lesehalle. Fernsprech-Anschkuß Nr. 32. Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Samstag abend. Redaktion und Expedition: Schulstraße 733. Nr. 3. Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock in Gütersloh. Sonnabend, den 7. Januar 1905. Verantwortlicher Redakteur: Johannes Vogt in Gütersloh. 16. Jahrgang Erstes Blatt. 5 Woczenrüchblick. Der Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus treten nach langen Weihnachtsferlen nächsten Dienstag wieder zusammen und werden sich zunächst mit den Etats beschäftigen. Ob der Reichstag schon im Januar die Beratung der Handelsverträge beginnen kann, hängt von dem Zeitpunkte ab, zu dem die Regierung die Verträge dem Parlamente vorlegen wird. Der späteste Termin der Vorlegung soll nach offizlösen Erklärungen das Ende dieses Monats sein. Bis dahin wird auch das Resultat der Verhandlungen mit Oesterreich=Ungarn, deren bisher ergebnisloser Verlauf den Ausschub veranlaßt hat, nach der positiven oder negativen Seite feststehen. Allzulange wird die Beratung der Handelsverträge den Reichstag wohl nicht aufhalten, da ihm nichts weiter übrig bleibt, als zu den Verträgen sein Ja oder Nein zu erklären. Würde der Reichstag darauf bestehen, die Verträge in einzelnen Punkten abzuändern, so müßte die Regierung in neue Verhandlungen mit den Vertragsstaaten eintreten. Das Zustandekommen der Verträge wäre damit überhaupt gefährdet, jedenfalls aber um Monate hinausgeschoben. Für Handel, Industrie und Landwirtschaft ist es aber von größtem Interesse, nun endlich einmal zu erfahren, wie sich die deutsche Wirtschaftspolitik gestalten wird, und der Reichslag wird schwerlich die Verantwortung für eine weltere Periode der Unsicherheit übernehmen wollen. Ein solches Prognostikon flotter Erledigung läßt sich für die Kanalvorlage, mit der das Abgeordnetenhaus bis Ostern fertig sein will, nicht geben. Nachdem die Regierung auf den vollständigen Kanal verzichtet hat und sich mit der Führung des Kanals bis Hannover, mit einem„Torso" begnügen will, nachdem das Schleppmonopol in die Vorlage ausgenommen worden ist, sind viele Freunde der Vorlage zu Gegnern geworden. Da aber die Vorlage nicht allen alten Gegnern durch die Abänderung schmackhaft geworden ist, so läßt sich heute über ihr endliches Schicksal noch keine bestimmte Voraussage geben. Außer der Kanalvorlage steht auf dem Arbeitsplane des Abgeordnetenhauses auch eine Novelle zum Einkommensteuergesetz, die Abänderungen einschneldender Natur enthält: die Progression, die bis jetzt bei vier Prosent schließt, soll bis zu fünf Prozent fortgeführt werden. Außerdem sollen— ein glücklicher Gedanke— kinderreiche Famllien bei der Steuerveranlagung entlastet werden. Belm Neujahrsempsang, der im übrigen nicht zu bemerkenswerten Ansprachen benutzt wurde, hat der Kaiser dem amerikanischen Botschafter Charlemagen Tower gegenüber den Wunsch ausgesprochen, daß deutsche Gelehrte an amerikanischen und amerikanische Gelehrte an deutschen Hochschulen wirken möchten. Auf diese kaiserliche Anregung hin hat die Newyorker Germanische Gesellschaft bereits erklärt, daß ihr Vereinszweck die Heranziehung deutscher Gelehrten zu amerikanischen Vortragskursen sei. Wenn aus den figanziellen Wechselbeziehungen zweier Staaten auf ein gutes politisches Verhältnis geschlossen werden kann, so ist die Unterbringung eines großes Teiles der neuen russischen Anleihe in Deuzschland freudig zu begrüßen. Die freihändlerische Legende, daß Deutschland die Anleihe als Gegenleistung für den Handelsvertrag habe gewähren müssen, ist so energisch dementiert worden, daß kein Verständiger mehr daran glauben kann. Die Japaner haben mit ihrer letzten Anleihe insosern Pech gehabt, als sie sie einige Wochen zu früh ausgegeben haben; wäre damit bis nach dem Falle von Port Arthur gewartet worden, so hätten die Japaner natürlich zu bedeutend günstigeren Bedingungen kontrahieren können. Welche Konscquenzen Rußland aus der Kapitulation von Port Arthur ziehen wird, ist noch nicht bekanni. Vorderhand scheint man sich in Petersburg noch nicht schlüssig gemacht zu haben, ob man die baltische Flotte, die bis Madagaskar gekommen ist, zurückberufen soll. Muß die Flotte die Fahrt nach Ostasien fortsetzen, dann steht ihr eine ungemein schwierige Situation bevor: da Wladiwostock vereist und Port Arthur in Feindeshand ist, so gibt es für sie in Ostasien keinen Hafen, der als Stützpunkt der Operationen dienen kann, kein Dock, in dem die von der langen Fahrt beschädigten Maschinen ausgebessert werden können. Optimisten kaüpfen an die Kapstulation die Erwartung eines baldigen Friedensschlusses, und ganz kühne Geister sehen sogar in gewissen Vorkommnissen die Vorboten eines russisch=jopanischen Bündnisses. Der Pariser„Tempe“ führt den Russen in einem offiziösen Artikel zu Gemüte, daß weitere Kriegführung für sie aussichtslos und an eine Wiedereroberung Port Arthurs bii der Uebermacht der Japaner zur See nicht zu benken sei. Ein zlapanischer Abgeordneter, Sybro Syro, hat auch schon Friedensbedingungen ausgearheitet, die u. a. den eigenartigen Passus enthalten— daß Klautschou an China zurückgegeben werde. g#bis jetzt nure Aus russischen Regierungskreisen legt bis jetzt nur eine Kundgebung über den Frieden vor: der russische Botschafter in Paris hat erklärt, daß alle über den Frieden umlaufenden Gerüchte widersinnig seien. Der Fall Port Arthurs nahm das politische Interesse überstark in Anspruch; daher kam es auch, daß der österreichische Ministerwechsel nicht allzuviel Beachtung fand. Der neue Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch hat in seinem Programm erklärt, er wolle das Interesse jeder Nationalität berücksichtigen, soweit das ohne Verletzung einer anderen möglich sei. Das ist im wesentlichen das selbe, was auch sein Vorgänger gewollt hat. Ob Gautsch fertig bringen wird, was Körbers ehrlichem Ringen nicht gelang, ob er die Arbeitsfähigkeit des Parlaments wieder herstellen kann, das wird die Zukunft lehren.— Das ungarische Abgeordnetenhaus ist aufgelöst worden, nachdem es das Ersuchen Tiszas, durch Bewilligung des Budgels den ex lex Zustand zu vermeiden mit Radauszenen beantwortet hatte. Es ist schwer zu sagen, wo die parlamentarischen Zustände trostloser sind, ob diesseits oder jensetts der Leitha. Der Einfluß der Franzosen in Marokko, der ihnen durch den englisch=französischen Vertrag zugesichert war, schten infolge einer von islamitischem Fanatismus hervorgerufenen Fremdenbewegung zu einer Gabe zweiselhaften Wertes zu werden. Da der Sultan sitzt energische Maßregeln gegen die Fanatiker zugesichert hat, so dürfte vorderhand wenigstens die Gefahr vorüber sein, und Frankreich wird sich die schon geplante Flottendemonstration ersparen können. In Paris war für den marokkanischen Zwischenfall nicht allzuviel Interesse vorhanden, weil die Gemüter noch immer von der Frage bewegt werden, ob Syveton, der zu trauriger Berühmtheit gelangte Ohrfeigenmann, Selbstmord begangen hat oder von seine nächsten Angehörigen gelötet worden ist. politische Aebersictzt. utsches Reich. In seinem Dankschreiben auf die Neujahrs=Glückwünsche des Berliner Magistrats spricht der Kaiser den Wunsch aus, daß es den städtischen Behöcden Berlins auch im neuen Jahre mit Gottes Hilfe gelingen möge, den gewaltigen Anforderungen der Zweimillionenstadt gerecht zu werden und für das leibliche und geistige Wohl der Bürgerschaft in segensreicher Weise zu sorgen. Eine Konserenz der Oberpräsldenten der preußischen Provinzen hat vorgestern im Ministerlum des Innern unter Vorsitz des Ministers Freiherrn v. Hammerstein gelagt, in der schwebende Verwaltungsangelegenheiten erörtert wurden. Die in Berlin anwesenden Oberpräsidenten nahmen darauf an dem Abendessen bei Freiherrn v. Hammerstein leil, zu dem auch der Kaiser erschlenen war. Auch der Reichskanzler Graf Bülow und der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben gehörten zu den Gästen des Freiherrn von Hammerstein. Reichskanzler Graf Bülow hat der„Täglichen Rundschau“ zusolge an die ihm unterstellten Behörden die Anregung ergehen lassen, bei Beantwortung von Fragen, welche von legitimierten Vertretern von Zeitungen an Beamte gerich“ werden, die zu Erteilung von Auskünften besugt sind, also an die verantwortlichen Leiter einer Behörde, die Dezernenten) nicht unnötig Zeit verstreichen zu lassen, sofern nicht die Erteilung der Auskunft Bedenken entgegenstehen.„Ich selbst mache es auch so!“ Zu der Frage, wann die neuen Handelsverträge in Kraft treten werden, erfährt die„Köln. Zig.“ zuverlässig:„Der Verzicht auf die Kündigung des österreichischen Handelsvertrages am 81. Dezember wird keinerlei Einfluß ausüben auf die Frage, wann die neuen Handelsverträge praktisch in Kraft treten werden. Es ist sicher, daß zu diesem Zeitpunkte der alte Vertrag mit Oesterreich=Ungarn nicht mehr bestehen wird. Er wird entweder durch den neuen Vertrag, über den gegenwärtig noch verhandelt wird, oder aber durch einen vertraglosen Zustand zwischen Deutschland und Oesterreich=Ungarn ersetzt sein. Für nächsten Sonntag hat der Evangelische Oberkirchen rat die Ausschreibung einer Kirchenkollekte zu Gunsten der Errichtung einer deutsch=evangelischen Kirche in Rom angeordnet. In einem an die Gemeinden der Landeskirche gerichteten Aufruf der genannten Behörde werden über die Bauangelegenheit folgende Angaben gemach:: Eine organisierte Gemeinde im Anschluß an die bei der deutschen Botschaft bestehenden kirchlichen Einrichtungen ist in Rom durch Allerhöchsten Erlaß vom 18. April 1900 an unsere evangelische Landeskirche angeschlossen worden. Die in ihrem Bestand häufizem Wechsel ausgesetzte und überwiegend aus wenig Bemittelten bestehende Gemeinde ist durch die älieren Werke der Gemeindepflige schon sehr in Anspruch genommen. Deshalb ist unter allen Beteiligten ein Einverständnis darüber erzielt, daß mit dem Kirchbau erst begonnen wird, nachdem einschließlich der bereits vorhandenen, aber zum großen Teil für Erwerbung und Unterhaltung des Baugrunds verwandten Mittel im Betrage von annähernd 300000 Mark im ganzen ein Kopital von 850000 Mark gesichert seln wird. Es sind mithin noch 550000 Mark auszubringen.— Superinlenden! Terlinden in Duisburg am Rhein nimmt Gaben entgegen. Oesterreich-Ungarn. Wie aus Stry in Galizien gemeldet wird, ist der Reichsrats=Abgeordnete Eugen Ritter v. Abrahamowicz insolge eines Schlaganfalls gestorben. Abrahamow cz spielte neben dem ebenfalls vor kurzem versterbenen Jaworskl im Polenklub eine große Rolle. Er war zu Badenis Zeiten Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Den Deutschen ist sein Name in unangenehmer Eeinnerung selt jener Sitzung, da unter seinem Präsidium Militär in den Saal beordert wurde zur Bekämpfung der Oostruktion. Rutzland. In Balachan hat gestern ein Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Kosacken stattgefunden, wobei 6 Arbeiter und 1 Kosak getölet und viele verwundet worden sind. Amerika. Ein dem Repcäsentantenhause vorgelegter Bericht über die Handelsmarine schlägt vor, Subventionen für 10 neue Postlinien zu gewähren, wovon aber keine ihren Endpunkt in einem europäischen Hafen haben soll. Der Bericht empfi hlt ferner, Maßregeln zu treffen, die geeignet sind, den Seehandel der Vereinigten Staaten mit Süd= und Mittel=Amerika, mit Asrika und dem Orlent zu heben, und endlich den Mannschaften der Handelsmarine, die sich verpflichten, in Kriegszeiten der Kriegsflotte zu dienen, Prämien zu zahlen. Die Gefahr in Rußland. Der Präsident des Moskauer Semstwo Fürst Trubetzkol, hat an den Minister des Innern Fürsten Swiatopolk=Mirski folgenden Brief gerichtet: Hochgeehrter Fürst! Euere Erlaucht erhalten heute eine Adresse der Moskauer Semstwo an den Kaiser. Ich, als Präsident dieser Versammlung, kann natürlich als Ucheber der Zulassung der Adresse angesehen werden, und werde dafür die Verantwortung übernehmen, was ich nicht verheimlicht habe und nicht verheimliche, obgleich die Regierung schon nach Annahme der Adresse eine Mitteilung veröffentlicht hat. Hiermit will ich Ihnen klarlegen und Sie bitten, dem Kaiser alleruntertänigst zu melden, welche Erwägungen mich bewogen haben, den Semstwo zu gestatten, ihre Meinung, die ich vollkommen teile, auszusprechen. Rußland durchlebt jitzt eine Epoche der Anarchie und Revolution. Was jetzt vorkommt, sind nicht nur bloße Unruhen der Jugend, sondern vielmehr die Abspiegelung des gegenwärtigen allgemelnen Zustandes, in welchem sich die Gesellschaft befindet. Der gegenwärtige Zustand ist äußerst gefährlich und für die ganze Gesellschaft und namentlich für die geheiligte Person des Kaisers gefahrdrehend. Deshalb ist es die Pflicht jedes treuen Untertanen, mit allen Mitteln solches Ungglück zu verhindern. In diesen Tagen hatte ich das Glück, mich dem Kaiser vorzustellen und ihm offenherzig, sowelt ich es konnte, über den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft Bericht zu erstatten. Ich suchte dem Kaiser klarzulegen, daß das, was jetzt vor sich geht,„n'est pas une simple émeute, mais une revolution“ und ihm ferner klarzulegen, was das russische Volk in die Revolution hineindrängt, welche es nicht will. Das letztere ist des Kaisers Majestät zu verhüten imstande; es ist dazu aber nur ein Weg vorhanden, das ist das Vertrauen des Kaisers zu der Nation und den ständischen Kräften. Ich bin im Grunde meines Herzens fest überzeugt, wenn der Kaiser nur vertrauensvoll diesen Kräften gestatten würde, an ihn heranzutreten, so wird Rußland von allen Schrecken eines blutigen Aufruhrs, der ihm droht, erlöst sein; es wird seinen Kaiser, seine Autokratie und seinen Willen unterstützen. Bei einem solchen Gemütszustand aller, die mit Schrecken und Abneigung an das Vorerwähnte denken, liegt nicht in Menschenmacht, ihnen die Möglichkeit zu versagen, dem Kaiser auszusprechen, was jedem das Herz tief und quglvoll bedrückt. Es ist nicht der Augenblick zum Schweigen, wenn das Vaterland in Gefahr ist. Man darf nicht vergessen, in welcher Lage sich gegenwärtig diejenigen befinden, die Familien und Kinder haben. Wenn ich auch als Präsident der Semstwoversammlung für schuldig erkannt werde, so ist mein Gewissen dem Kaiser gegenüber doch rein und ruhig. Aus Deutsch=Südwestafrika. General Trolha meldet aus Windhuk unterm 5. Januar: Overst Deimling beabsichtigte, am 4. Januar Gochas konzentrisch anzugreisen mit Abteilung Meister(4., 5. und 7. Kompagnie, Batterie Stahl), Auob abwärts, mit Kompagnie Ritter und Hasbbatterse Stuhlmann von Gibeon über Goamus, mit Abtellung Lengerke(8. Kompagnie, 8. Batterie) von Kös über Persip. Major Meister fließ bereits am 1. Januar, 6 Uhr abends, bei Stamprletfontein auf 500 bis 600 Hottentotten. Diese hielten trotz wiederholter Bajonettangriffe bis 9.30 Uhr abends, nach Eintritt völliger Dunkelheit stand und zogen sich erst unter dem Schutz der Nacht auf beiden Ufern des Auob in Richtung auf Gochas zurück. Masor Meister folgte am nächsten Morgen. Verluste des Feindes, welche bedeutend gewesen sein müssen, sind noch nicht festzustellen gewesen. Der Hererokapitän Friedrich von Omburo hat am 4. Januar in Omaruru seine Gewehre abgegeben. Seine Werst will seinem Beispiel folgen. Bis jetzt sind 50 Männer und 150 Frauen in Omaruru zugelaufen. Lokales und Provinzieles. (:) Gütersloh, 7. Januar.(Sturm.] Aufs neue tobt seit gestern ein heftiger Sturm, der das Einkommen der Dachdecker und Glaser vermehren hilft. Im Hofraum der Brauerei erfaßte in vergangener Nacht der Sturm ein kompliziertes Gerüst, welches den Monteuren zur Legung eines Rohres dienen sollte. Durch den Zusammenbruch dieses Gerüstes wurde auch das vom Kesselhaus nach der Mälzerei führende Dampfrohr zerschlagen und infolgedessen eine Betriebsstsrung herbeigeführt, bie noch dadurch vergrößert wird, als auch die elektrische Lichtanlage vernichtet worden ist. Der Schaden dürste sich auf weit über tausend Mark belaufen. Ein Glück ist es, daß der Einsturz nicht bei Tage während der Arbeitszeit erfolgte, es hätten dann leicht Menschenleben in Gefahr kommen können. Sütersloh, 5. Januar.[Schöffengericht.) Vorsitzender Herr Amtsgerichtsrat Paleske. Als Schöffen waren anwesend die Herren Meier Schulte aus'm Erley von Avenwedde und Meier Oesterschwienstert von Sende. Nachstehende Sachen kamen zur Verhandlung: 1. Die Joh. Oe. und Fr. V., beide von Rheda, haben gemeinschaftlich am 15. November 1904 in hiesiger Stadt unbefugterweise hausiert und jeder von ihnen eine Pollzeistrafverfügung über 10 Mk. erhalten. Hiergegen haben Beide auf gerichtliche Entscheidung angetragen; sie hatte den Erfolg, daß die Strafe auf 5 Mk. oder 1 Tag Haft für jeden ermäßigt wurde.— 2. Der Fabrikarbelter W. H. von hier, wurde von der Anklage der Unterschlagung freigesprochen. Eine Privatklagesache wegen Beleidigung endete mit der Verurteilung der Angeklagten zu einer Geldstrafe von 15 Mk. oder 3 Tage Gefängnis. Amt Gütersloh, 7. Jan.(Sitzung.] In der gestrigen Sitzung der Gemeinde=Verordneten kam es zu einer Vorsteherwahl nicht; dieser Punkt der Tagesordnung wurde vielmehr vertagt, da man möglichst an der früheren Wahl des Kolons Fislake festhalten will. Letzterem ist nämlich in der Kreisausschußsitzung am Donnerstag die Uebertragung der Wirtschafts=Konzession auf seinen Sohn abgelehnt worden und will er dagegen den Beschwerdeweg einschlagen.— Die Herren Fislake, Neuhaus, Maas und Wix wurden beauftragt, die Wegearbeiten, die bei den letzten Wegebegängen festgestellten Wegebesserungen ausführen zu lassen.— Von dem Ankauf von Grundstücken zwicks Wegeverbesserungen in Pavenstädt wurde, da die Wegeverhältnisse in Zukunft bessere sein werden, abgesehen. — Die Anlage von Ueberfahrten in Pavenstädt von dem Wege zu der Besitzung des Maurers Plaßzmann wurde abgelehnt.— Der Antrag des Lehrers Köster auf Zahlung des Betrages für die verkauften Eichen des Schulgrundstücks soll zunächst den Schulvorstand vorgelegt werden. — Für den vom 1. April d. Is. ab neu anzustellenden Pollzeibeamten wurde das Gehalt wie folgt festgesetzt: Gehalt 1050 Mk., Dienstkleidung 100 Mk., Mielsentschädigung 150 Mk.— Betriffs Einrichtung einer Gemeindekrankenkasse sollen die Statuten vorber#itet werden. Münster, 6. Jan.(Durch Absturz vom Wagen verunglückte der Arbeiter Wilhelm Prott, welcher bei dem Handelsmann Hiltrup beschäftigt war. R. hielt mit seinem Gespann#auf dem der P. saß, auf der Winkelstraße. Plötzlich scheuten die Pferde und gingen durch. An der Ecke der Winkel= und Salzstraße fiel P. bei der scharfen Biegung, die der Wagen machte, rücklings vom Wagen, mit dem Kopf auf das Straßenpflaster und starb unmittelbar darauf infolge Schädelbruchs. Hannover, 6. Januar.(Für den Kronprinzen.] Der Provinzialausschausschuß der Provinz Hannover beschloß in seiner gestrigen Sitzung, dem Kronprinzenpaar als Hochzeilsgeschenk einen Prunkschrank mit einem Tafelschmuck, der eine Nachbildung des Hildesheimer Silberfundes darstellen wird, zu überreichen. Das Geschenk wird etwa 75000 Mark kosten und wird von Goldschmieden in Hildesheim und Hannover hergestellt werden. 7. Jan.[Strelk.] Die Frühschicht auf Zeche„Bruchstraße“ ist heute morgen nach der Rh. W.=Zig. mit Auenahme von 8 Bergleuten nicht angefahren.— Es kann dies der Anfang eines größeren Bergarheiterstreiks werden. Essen, 5. Jan.[Tötlicher Sturz.] In der Nähe des Grafenhofes wurde gestern nacht der Laternenanzänder Wilhelm Ernst aus einer schweren Kopfwuude blutend aufgefunden. Er war offenbar infolge des Glatteises gestürzt und hatte sich einen Schädelbruch zugezogen. Er starb sofort nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Essen, 6. Januar.(In den glühenden Ofen.)] Heute morgen fiel auf der Kruppschen Fabrik ein 27 jähriger Arbeiter, der die Glühöfen zu bedienen hatte, samt der Kohlenkarre in den glühenden Ofen und verbrannte bis auf wenige Ueberreste. Gelsenkirchen, 5. Jan.[Verbrannt.] Das dreijährige Söhnchen des Schuhmachermeisters Rörsch trank in einem unbewachten Augenblick aus einer Kanne mit frich aufgebrühtem Tee. Es verbrannte sich dabei innerlich derart, daß es bald darauf seinen Verletzungen erlag. 6. Jan.[Der berüchtigte Einbrecher, der jahrelang mit seinen Komplizen die Hauptstädte Westdeutschlands unsicher machte, wurde zur Verbüßung einer langjährigen Zuchthausstrafe nach Werden transportiert. Nachdem er 19 Ausbruchsversuche gemacht, wurde er später in Ketten gelegt und angeschmiedet. Auch diese Fesseln zerriß er wie Bindsäden, und so zwang man ihn schließlich in eine mit starken Elsengittern versehene Lade, die er gleichfals zertrümmerte. Wie aus der Schwurgerichtsverhandlung hervorging, konnte Bertram in Köln nur dadurch gebändigt werden, daß man einmal seine Zelle derart mit Wasser füllte, daß ihm das Wasser zum Munde reichte. Vermistztes. * K a s s e l, 5. J a n. I n d e r O r t s c h a f t R o ß b a c h b e i Witzenhausen im Bezirk Kassel herrscht seit einiger Zeit eine schwere Typhusepidemie, die jetzt auch auf die Nachbarorte übergreift. In Ellingerode wurden heute sechs Fälle von Typhus festgestellt. Die Ursache der Epidemie liegt angeblich in den schlechten Trinkwasserverhältnissen. * Berlin, 6. Januar. Heute vormittag wurde die 46 Jahre alte Hauseigentümerin Auguste Sinnig in dem in ihrem Hause Wilhelmshavener Straße 67 befindlichen Zigarrenladen durch Beilhiebe ermordet und beraubt aufgefunden. Die Kriminalpolizel setzt für zweckdienliche Mitteilungen zur Ermittelung des Mörders eine Belohnung von 1000 Mark aus, die ausdrücklich nur für Privatleute bestimmt sind, nicht für die Polizeibeamten. *[Die Heilsarmee) hat auch in diesem Jahre wieder in mehreren Großstädten des Landes ihre bekannten Armenspeisungen eingerichtet; es wurden bereits während des vorigen Winters etwa 55000 Arme und Arbeitslose gespeist. In Berlin findet am Dienstag, den 10. Januar, abends ½6 Uhr in den Corcordia=Festsälen eine ganz besondere Speisung statt, an welcher wenigstens 1000 bis 1500 der allerärmsten und bedürftigsten Leute teilnehmen werden. * Hamburg, 7. Januar. Der Schleppdampfer „Defender“ geriet auf seiner Reise nach Piltsburg infolge einer Explosion in Brand. 16 Marn kamen um, die übrigen 12 wurden gerettet. Der Schleppdampfer„Titaue", der zur Hilfeleistung des bei Ymunden gestrandeten Dampfer „Klaus Dreyer“ abging, ist mit 32 Mann Besatzung verloren gegangen. Der Frachtdampfer„Oskar“ aus Hamburg fiel auf der Fahrt von Libau nach Hamburg dem Sturm zum Opfer. Der Seeschlepper„Cyclop“ mit 7 Mann Besatzung gilt als verloren. * Hamburg, 6. Jan. Hier ist eine ganze Familie durch Kohlenoxydgas vergiftet worden. Ein Arbeiter der städtischen Verbrennungsanstalt namens Fischer, seine Frau und zwei Kinder im Alter von 2½ und 1¼ Jahren sind noch spät abends in eine neue Wohnung gezogen. Die Frau machte im Ofen Feuer an und begab sich mit den Kindern zu Bette. Als der Arbeiter spät nachts nach Hause kam, fiel er sofort ohnmächtig nieder und konnte das Fenster, das er aufmachen wollte, nicht mehr erreichen. Die Nachbarn, die den Geruch merkten, schlugen die Tür ein und sanden alle bewußtlos vor, röchelnd und mit Schaum vor dem Munde. Der jüngste Knabe ist tot; die anderen Personen liegen schwer krank im Krankenhause, und man fürchtel, ihr Lehen nicht retten zu können. * Koburg, 6. Jan. Gestern bis 10½ Uhr vormittags waren neun Arbeiter aus den Trümmern hervorgezogen; drei davon sind tot, vier schwer und zwei leicht verletzt. Von den Verletzten sind nachträglich noch zwei Personen gestorben, so daß die Zahl der Toten fünf beträgt. * Nürnberg, 6. Jan. Ein Großindustrieller— vermutlich Kommerztenrat Ernst Faber— spendete für die Errichtung eines Volksdades den Betrag von 1000000 Mark, und Kommerzlenrat Tuchmann fügte einer Familienstiftung, deren Zinsen nach Wegfoll der Angehöcigen zur Hälfte für Arbeiterwohnhäuser, zur Hälfte für Wohltätigkeits= und Bildungszwecke verwendet werden sollen, einen wetteren Betrag von 500000 Mark hinzu. * Stuttgart, 5 Januar. Der hiesige Gemeinderat lehnte in seiner heutigen Sitzung mit großer Mehrheit ab, sich an einem Beitrag für ein Hochzeitsgeschenk für den preußischen Kronprinzen zu beteiligen. * Saarbrücken, 5. Januar. Ein Unfall auf dem Kasernenhof der reitenden Abteilung des Artillerte=Regiments von Holtzendorff in unserem Vorort St. Arnual ist durch die Unvorfichtigkeit eines Rekruten entstanden. Die Abteilung war von einer Uebung eingerückt und sollte ausgeschirrt werden, wozu die Rekruten kommandiert waren. Hierbei machte sich einer der Rekruten an einem Geschütz zu schaffen, das noch geladen war, wobei sich die ManöverKartusche entlud. Die volle Ladung erhielt ein dicht vor dem Kanonenrohre stehendes Pferd, das derartige Verletzungen erlitt, daß es gleich darauf verendete. Ein Kanonier, der ebenfalls in der Nähe stand, wurde an der Hand getroffen und nicht unerheblich verletzt. Bekannt geworden ist noch nicht, ob das Geschütz aus Versehen noch nicht entladen war, oder ob alle Geschütze erst auf dem Kasernenhof entladen werden sollten. Es ist aber wohl das erstere anzunehmen, denn die Abteilung wird doch nicht mit geladenen Geschützen durch die Stadt fahren. *[Von der Gräfin Montignoso] war behauptet worden, sie habe dieser Toge eine Audienz beim Papste gehabt und ihn um seine Vermittelung beim sächsischen Hofe gebeten. Die Gräfin aber hat in der letzten Zeit Florenz nicht verlassen und eben erst den dortigen Blättern folgende Mitteilung zugehen lassen:„Gräfin Montignoso wird den Zeitungen dankbar sein, wenn sie sich nicht mehr mit ihr beschäftigen, da sie mit ihrer geliebten Tochter Monica in größter Ruhe und Zurückgezogenheit leben möchte. Ihr Trost allein seien die Sympathie=Kundgebungen des sächsischen Volkes, welches keine Gelegenheit vorübergehen laffe, ihr seine Liebe zu zeigen.“ * Pest, 6. Januar. In der Station Lakasd stieß ein voll besetzter Personenzug auf leer stehende Waggons. Fünf Waggons des Personenzuges wurden zertrümmert, zwei Eisenbahnbeamte getötet und über 20 Passagiere schwer verletzt. Stadttheater Bielefeld. Wochenspielplan vom 8. bis 13. Januar 1995. Sonntag, den 8. Januar. Nachmittags 3 Uhr: Letzte NachmittagsVorstellung zu kleinen Preisen. Aschenbrödek. Romantisches Weihnachtsmärchen von Görner. Abends 7 Uhr: Die Dame von Marim. Schwank in 3 Akten von G. Feydeau. Deutsch von B. Jacobson. Montag, den 9. Januar. Beneftz für den Kapellmeister Herrn G. Dubelowskt. Preziosa. Schauspiel in 4 Aufzügen von P. A. Wolff. Musik von C. M. v. Weber. Dienstag, den 10. Januar. Kater Lampe. Komödie in 4 Akten von E. Rosenow. Mittwoch, den 11. Januar. Zum ersten Male: Maria Friedhammer. Ein Drama in 3. Aufzügen von Heinrich Lilienfein. Donnerstag, den 12. Januar. Einmaliges Gastspiel des OriginalEnsembles des Kaiserl. Japanischen Theaters in Tokio. Jatum. Eine jepanische Schicksalstragödle in 1 Akt. Ronin.(Der arme Edelmann.) Eine dramatisierte Begebenheit in 3 Bildern aus dem Leben des japanischen Feldherrn Kuroki. Freitag, den 13. Januar. Keine Vorstellung. Auch jetzt noch werden Bestellungen auf die„Neue Gütersloher Zeitung“ für das 1. Quartal 1905 von allen Pestanstalten, Landbriefträgern, unsern Boten und der Expedition, Schulstraße 733, entgegengenommen. 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Alte Kirche 10 Uhr: Pastor Seippel. Sonnabend, den 14. Januar. Alte Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Hoppe. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 8. Jannar. Morgens 0¼ Uhr: erste hl. Messe. Morgens 8 Uhr: zweite hl. Messe mit Predigt. Morgens ½10 Uhr: Levitenamt mit Predigt. Nachmittags 8 Uhr: Todesangstbruderschaft mit Predig. Gottes Güte bescherte uns gestern abend ein gesundes Nordhorn, den 7 Jan. 1905. Lehrer Schwarz u. Frau. Statt besonderer Anzeige. Donnerstag nachmittag entschlief infolge Unglücksfalles mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel August Kornfeld im 50. Lebensjahre. Dies zeigen hiermit an: Die trauernden Hiuterbliebenen. Gütersloh, den 6. Jan. 1905. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag 2½ Uhr vom Krankenhause aus statt. Gesundheits=Hafer=Zwiebach ist der beste Nähr= und Tafelzwiebeck der Welt. W. Mestemacher. Fenchelhonig vorzüglich gegen Husten u. Heiserkelt Krustboubous, Löwendrog. E. Hoffschildt. 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Geradezu traurig sieht es in Port Arthur aus und es ist unmöglich die Mehrzahl der Kranken und Verwundeten fortzuschaffen. Die Japaner sind bemüht, eilig Medizin und Nahrungsmittel nach der Festung zu schicken. Man hofft, durch die verbeisserten Sanilätsverhältnisse und Pflege Tausende zu retten. Die Japaner tun alles, um den Einwohnern beizustehen. Die Zahl der russischen und japanischen Verluste in Port Arthur ist noch nicht bekannt, dagegen berichtet General Nogi dem sapanischen Hauptquartier folgendes: „Die Uebergabe der in Artikel 2 des Kapitulations= abkommens aufgeführten Gegenstände hat am 4. d. Mis. stattgefunden, die Uebergabe der Forts und Batterien ist beendet. Die Gefangenen werden sich am 5. an dem hierzu bestimmten Platz versammeln, doch sind die Feststellungen Aber die Gefangenen so verwickelt, daß ein Ergebnis noch nicht gemeldet werden kann. Nach summarischen Angaben sind Gefangene: 8 Generale, 4 Admirale, 57 Obersten und Majore, 100 Schiffskapltäne bezw. Kommandanten, 581 Hauptleute und Leutnants des Landheeres, 200 Schiffsleutnants und Marinebeamte, 99 Heeresbeamte, 109 Stabsärzte, 20 Kapläne, 22484 Unterosfiziere und Gemeine des Landheeres, 4500 Marinemannschaften, 8645 Nichtkombattanten des Landheeres und 500 solche von der Marine, insgesamt 32207 Personen. Die Freiwilliigen sind der Mehrzohl nach bei den Nichtkombattanten mit eingeschlossen. Außerdem#inden sich 15000 oder 16000 Kranke und Verwundete in den Hospitälern. An Pferden sind 100 Sattelpferde und 1870 Zugpferde übergeben worden". Der Kaiser von Rußland teilte Stössel mit, daß es den Offizieren der Garnison von Port Arthur freistehe, ihr Ehrenwort zu geben, oder sich in die Gefangenschaft zu begeben. Dem Reuterschen Bureau wird aus Tokio gemeldet, General Stössel habe sein Ehrenwort gegeben, an dem Kriege nicht mehr tellzunehmen, und kehre über Nagasaki in die Heimat zurück. Donnerstag vormittag 11 Uhr trafen Stössel und Nogi in einer Hütte des Dorfes Schnischi zusammen, und hatten, nachdem sie sich begrüßt hatten, eine lange Unterredung. Sie schättelten sich dann die Hände, worauf General Stössel zu Pferde stleg und nach Port Arthur zurückkehrte. Die europäischen Kolonten in den Häfen an der Küste hatten die Absicht, die Kranken und Verwundeten aus Port Arthur in den Hospttälern von Tschifu, Tientsin, Schanghal, Weihatwei und Tsingtau zu verpflegen. Eine Besprechung zwischen dem englischen und dem jopanischen Konsul in Tschifu ergab, daß dort nur für 60 Verwundete Platz ist. Auch Tientsin und Schanghal genügen nicht annähernd, und alle genannten Orte zusammengenommen können nur einen Teil der Kranken und Verwundeten aufnehmen; infolgedessen wird die Mehrzahl der Kranken in Port Arthur bleiben müssen. Nach Tschifu entkommene Russen erzählen über den letzten Aufenthalt in Port Arthur und bestättgen, daß es den Russen an Munition gefehlt und jeder Mann tapfer gekämpft habe. Jeder Kampffähige in den Schanzen war mindestens einmal verwundet worden, es gab sogar Leute in der Verteidigungslinie, die sechsmal verwundet worden waren. Nur drettausend Mann waren wirklich noch imstande, vollen Dienst zu tun. Ein Teil kämpfte mit scheußlichen Wunden weiter, während die Kälte ein Heilen dieser Wunden verhinderte. Endlich ging auch die Munution aus. Eine große Zahl der großen Geschütze war noch vollständig gebrauchsfähig, aber man hatte keine Granaten mehr für sie und in Port Arthur konnte man die großen Granaten nicht anfertigen. Der ursprüngliche Plan eines allmählichen Rückzuges auf die Forts an der See wurde infolgedessen als nutzlos aufgegeben und die Belagerung endete so, tatsächlich aus Mangel an Munition, nach Ansicht der Russen einige Monate früher, als es sonst der Fall gewesen sein würde. Schließlich wurde auch noch bekannt, daß die Japaner beabsichtigten, die Sturknangriffe in immer größerem Maßstabe zu betreiben, um die Festung vor dem russischen Neujahrstage zu nehmen. Einem allgemeinen Angriff würde die Besatzung wegen ihrer numerischen Schwäche und des Mangels an Munition nicht gewachsen gewesen sein und deshalb war ein Gemetzel mit Sicherheit vorauszusehen. Die russische Artillerie konnte das Feuer der feindlichen Artillerie absolut nicht erwidern. Die Japaner richteten ihrerseits ein konzentriertes Feuer auf jedes Fort, das sie stärmen wollten, und warfen oft bis zu 60 Granaten in einer Sekunde in das wehrlose Fort. Die japanische Artillerie hatte in der Tat in der letzten Zeit vollstündig freie Hand. Die russischen Batterien konnten ihr nichts mehr anhaben. Ferner erzählen die Russen:„Unserer Ansicht nach hatten die Japatier die Festung bereits vor vielen Wochen nehmen können, wenn sie nicht zu vörsschtig geworden wären, oder zu furchtsam, durch die schweren und bitteren Niederlagen. Sie haben oft enorin für ihre verfrühte und törichte Uebereilung bezahlt. Statt wie früher bei den allgemeinen Stürmen mit mächtigem Ansturm über alle Hindernisse hinweg direkt auf uns loszugehen, um das Glacis irgend eines Forts zu gewinnen, gingen sie jetzt zum Anschleichen über. Sie krochen auf allen Vieren oder auf dem Bauch langsam an unsere Batterien heran. Oft, wenn wir nicht feuerten, weil wir keine Munition hatten, schrieben sie dies unserer Schlauhelt zu und glaubten, wir lägen auf der Lauer, während wir in Wirklichkeit nichts tun konnten, als dem Schauspiel zuzusehen.“ Der Mangel an Munition führte zu barbarischen Kampfesszenen. Die Russen sagen darüber:„Während der letzten Woche war der Kampf schwerster Art. Er wurde hauptsächlich mit dem Bajonett durchgeführt, und die Konflikte wurden zu bedauerlichen Abschlachtereien, sodaß die Gräben und Wälle aussahen wie Schlachthäuser. Da wir nur wenige Leute halten, war das Ende vorauszusehen; es war der Triumph der vielen. Bei diesen furchtbaren Handgemengen packten und zerrten sich die Leute wie wilde Bestien. Sie bissen, keatzten und drückten sich gegenseitig die Augen aus. Die russischen Zeitungen lassen erkennen, welche Stimmung der Fall von Port Athur bei der rüssischen Bevölkerung hervorgerufen und welches Verschleierungssystem bis dahln bestanden hat und auch wohl noch weiter bestehen wird. So werden Konsequenzen für die inneren Verhältnisse mit großer Schärfe von der Zeitung„Ruß“ gezogen, in der man liest:„Roschdjestwensky wäre genau zwei Monate früher angekommen und hätte Port Arthur gerettet, wenn die Ausrüstung seiner Flotte sofort nach Beginn des Krieges begonnen hätte. Die Presse hätte laut die Gesellschaft hierauf aufmerksam machen müssen; doch vor 11 Monaten war noch das selbstmörderische System Plehwes am Ruder, das sowohl der Presse als auch der Gesellschaft einen Maulkorb anlegte. So duldeten wir alle bis zur Kapitulation Port Arthurs. Was denkt man eigentlich? Es kann doch eine offene Sprache der Presse nur eine Wohltat, aber nichts Böses hervorbringen. Ein Sieg muß kommen, damit um jeden Preis der Krieg beendet wird. Doch nicht allein ein Sieg im Felde ist nötig, das ganze Volk muß seine Kraft anspannen und in dieser furchtbaren Sache seine eigene erblicken. Das japanische Volk jubelt heute mit Recht; wir dagegen, wir wußten so gut wie nichts vom Gang der Ereignisse. Nur diejenigen, welche zensurfreie ausländische Zeitungen lasen, waren unterrichtet. Wir hler mußten verbreiten, daß die Japaner immer nur kleine Befestigungen eingenommen hätten und der Sturm auf die eigentlichen Forts noch in weitem Felde liege. So arbeitet hier die Zensur! Wir lechzen aber nach Wahrheit".— In einem anderen Blatte wird gesagt:„Ein Land, fünfzigmal kleiner als Rußland, besitzt Freiheit, Selbständigkeit und Besonnenheit. Dafür erreicht es auch, was ihm not tut, und das ist in erstaunenswert kurzer Zeit geschaffen. Es verdankt seine Siege über uns lediglich unseren historischen Sünden und Fehlern". Reuter erfährt aus Tokio: Laut einer Mittellung der Marineverwaltung sind durch die Japaner vor der Kapikulation von Port Arthur die russischen Torpedoboote „Gaidamak",„Vadnik“ und die Torpedobootszerstörer „Detirny“,„Sessy“,„Bolroi“ zum Sinken gebracht worden. — Der Kreuzer„Bajan“ liegt schwer beschädigt auf der Südsette des Osthafens. Das Kanonenboot„Bobr“ ist durch fapanisches Granaifeuer zerstört worden. Weihafwet, 5. Jan. Die Japaner haben es abgelehnt, dem britischen Kreuzer„Andromeda“ zu gestatten, in Port Arthur oder in der Nähe der Stadt Vorräte zu landen, indem sie erklärten, die russischen Minen seien noch nicht aufgefunden. Das Schiff ist daher hierher zurückgekehrt. Der Ursprung des Namens Port Arthur. Bekanntlich hatte das am 8. Dezember 1857 von der englisch=französischen Kriegsflotte ausgeführte Bombardement von Kanton eigentlich den Krleg Englands und Frankreichs gegen China eröffnet, welcher bis 1860 währte. Während dieser Wirren in Ostasien geschah es, daß das englische Kanonenboot„Algerine“ als erstes fremdes Kriegsschiff in die treffliche Bucht an der Spitze der Halbinsel Ligotung einlief und dort die englische Flagge hißte. Der KommanDie Mutter. Kein Lied so süß, kein Gruß so warm, Als einer Mutter Wort, So sicher als der Mutter Arm Auf Erden ist kein Ort. Wie Mutteraug“ kein Adler schaut; Kein Stern am Himmel steht, Der wie der Mutter Blick so traut Zum tiefften Herzen geht. Problem. Original=Roman von Max Hoffmann. (8. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Breitach strich lebhaft über seinen dunklen Schnurrbart und blickte den Italiener verwundert an.„So feierlich, Righeitini? Könnte das nicht gleich hier erledigt werden?“ Der Angeredete sah verlegen zur Erde.„Nein, es ist eine ernste Sache, über die ich eine Auseinandersetzung wünsche. Es wird sich nicht mit ein paar kurzen Worten erledigen lassen. Also nicht wahr, Herr Direktor, wir sprechen nachher zusammen?“ „Herr Direktor? Sie wissen doch, daß ich mir ein für alle Male diesen Titel von Ihnen verbeten habe Also abgemacht, wir gehen nachher noch einmal beide nach der kleinen Halle.“ Breitach wendete sich unmutig wieder seinen Gästen zu, die aber bald zum Aufbruch drängten. „Seien Sie überzeug!“, versicherte der Amerikaner, „daß wir uns durch Ihre Absage durchaus nicht für immer zurückweisen lassen! Ich komme bald mit umfassenden Vollmachten wieder zurück, und dann finde ich Sie vielleicht geneigter, auf meine vorteilhaften Vorschläge einzugehen“. „Sie werden mir immer willkommen sein“, versicherte Breitach höflich.„Aber was Ihre sonstigen Absichten anbetrifft, so mache ich Ihnen keine Hoffnung". Die übrigen Herren dankten noch einmal in beredten Worten für die interessante Vorführung, und nur der Engländer verabschiedete sich schweigend mit einem kräftigen Händedruck. Als die Equlpagen, in denen die Herrn nach der im Norden Berlins, in Pankow, gelegenen Fabrik gekommen waren, davongerollt waren, sagte Breitag zu Righettini: „So! Nun bin ich bereit!“ Und sie schritten beide nach dem roten Backsteingebäude. Es ließen sich nicht leicht größere Gegensätze in der äußeren Erscheinung finden, als bei diesen beiden Männern. Breitach war untersetzt, gedrungen, mit einem Ansatz zur Behäbigkeit, wie man es bei Männern in den mittleren Jahren sieht. Seine grauen Augen schauten klug durch die scharfen Brillengläser, und seine Kleidung war solide, aber einfach. Righeitini war noch fast ein Jängling, vom weichen Filzhut bis auf die Lackschuhe mit höchster Eleganz gekleidet sehr schlank und einen halben Kopf größer als der Fabrikbesitzer. „Nun, bitte, schießen Sie los!“ sagte der letztere jovial, nachdem sie den Maschinenraum betreten hatten. „Hoffentlich dauert's nicht zu lange. Sie wissen ja, daß ich noch verschiedene Schriftstücke zu erledigen habe“. Righeitini war zu der kleinen Maschine getreten, und tat, als wenn er eifrig daran einzeine Telle studiere. Dann sing er hastig, als wenn er eine Last abschütteln wollte, an zu sprechen. „Ich weiß sehr wohl, Herr Breitach, wie viel ich Ihnen zu verdanken habe. Als Sie mich vor Jahresfrist hierherkommen ließen, war ich ein armer Teufel, voll Ideen, aber ohne die geringsten Mittel, diese in Wirklichkeit umzusetzen. Ich glaubte, eine glänzende Stellung bei Ihnen gefunden zu haben; aber die Wirklichkeit übertraf noch alles, was ich damals erwartet hatte. Sie machten mich nicht bloß zu Ihrem Angestellten mit hohem Gehalt, sondern behandelten mich wie einen Gleichgestellten und nahren mich in Ihr eigenes Haus auf“. „Was soll das? Warum sagen Sie mir das? Das ist doch eine längst bekannte Sache für mich. Sie hatten sa dafür auch genug bei meinen Experimenten mitzuarbeiten“. „Bitte, das ist es ja eben, worauf ich kommen möchte. Mein Name wird immer neben dem Ihrigen genannt werden, gewiß, aber in Bezug auf Ruhm und Einnahmen werden Sie doch schließlich den Löwenanteil haben, Herr Breitach“. „Was soll das heißen? Ich verstehe noch garnicht, worauf Sie hinaus wollen". Righettini holte tief Atem und richtete sich dann stolz auf.„Sie werden mich gleich verstehen. Ich bin nämlich nicht bloß ehrgeizig, ich habe nicht bloß ein glühendens Verlangen, eine erste Rolle auf dieser Welt zu spielen, ich will auch schrankenlos genießen, was sich uns an Genüssen bietet“. „Das habe ich längst bemerkt“, erklärte Breitach mit einem Anflug von Bitterkett. „Sie meinen meine nächtlichen Schwärmereien? Ja, ich bin kaum fünfundzwanzig Jahre, und in meinen Adern rollt südliches heißes, Blut! Also kurz gesagt, ich brauche Geld, sehr viel Geld“. „Um Gotteswillen, haben Sie Spielschulden? Sagen Sie mir die Summe, ich werde alles ins reine bringen“. Der Italiener lächelte.„Damit ist's nicht getan. Ich brauche eben fortgesetzt große Summen, um meinen Passionen nachgehen zu können. Was bedeutet ein jährliches Einkommen von zwanzigtausend Mark, wenn man erst gelernt hat, Geld auszugeben? Und das ist eine Bagatelle im Verhältnis zu den Summen, die jetzt in Aussicht stehen. Sie freilich kennen nicht den Durst nach Geld, nach großem Kapital, der mich ergriffen hat. Schon frühzeitig waren Sie durch den Tod Ihrer Eltern vielfacher Millionär geworden und besitzen außerdem das kalte Herz des Nordländers, der im Verfolgen seiner Ideen alleinige Befriedigung findet, ohne an äußere Ehren und und die Freuden dieser Welt dabei zu denken. Ich nicht! Also kurz und gut: ich finde es unverantwortlich, daß Sie die Vorschläge die vorhin gemacht wurden, kützer Hand zurückgewiesen haben“. Breitach spitzte die Lippen und ließ einen pfelfenden Von hören.„Aha, das war's?! Endlich ist's heraus! Nun, ich muß gestehen, der Kasus macht mich nicht lachen. dant des englischen Schiffes, welcher die Bucht besetzte, hieß W. Arthur, und nach ihm erhielt der Hafenplatz seinen heutigen Namen. Später mußle die englische Flagge eingezogen und der Platz seinem rechtmäßigen Besitzer, China, zurückgegeben werden, aber der Name Port=Arthur wurde bis auf unsere Tage beibehalten. Lekales und Provinzielles. * Sütersloh, 7. Jan.(Schulbildung.] Die Königliche Regierung zu Minden, Abteilung des Innern, hat an sämtliche Kreisschulinspektoren folgende Versügung erlassen betr. die Entlassung von Analphabeten: Euer pp. veranlassen wir hierdurch, uns binnen 6 Wochen anzuzeigen, ob und welche Kinder in den letzten 10 Jahren aus der Schule entlassen sind, ohne lesen, schreiben und rechnen zu können. Die betreffenden Analphabeten sind namentlich und unter Angabe des Geburtstages und des Monats und Jahres der Entlassung aus der— ebenfalls anzugebenden — Schule aufzuführen. Zugleich ordnen wir an, daß fortan kein Analphabet ohne unsere unter Darlegung der Gründe besonders einzuholende Erlaubnis aus der Schule entlassen wird, sondern alle Kinder, wenn sie auch das 14. Lebensjahr vollendet haben, so lange zur Schule angehalten werden, bis sie die notwendigste Elementarbildung, wozu Lesen, Schreiben und Rechnen gehört, erlatigt haben. Hiernach sind die Schulvorstände mit Anweisung zu versehen. Hk. Gütersloh. 7. Jan.[Auf dem Bureau der Handelskammer zu Bielefeld) kann von Interessenten der Abdruck eines Entwurfes zu den Bestimmungen betr. die Statistik des Verkehrs auf den deutschen Binnenwasserstraßen eingesehen werden. Die Einsichtnahme muß jedoch bald erfolgen, da der Entwurf nur für ganz kurze Zeit der Handelskammer zur,Verfügung gestellt worden ist. Hesselteich bei Versmold, 5. Januar.[Selbstmord infolge Schwermut.] Der Heuerling Heinrich Pannhorst von hier wurde gestern morgen in seiner Wohnung erhängt vorgefunden. P. lebte mit seiner Frau in kinderloser aber glücklicher Ehe, befand sich auch in guten Verhältnissen, war aber schon seit längerer Zeit schwermätig. Es ist daher anzunehmen, daß er im Zustande geistiger Umnachtung Hand an sich gelegt hat. Ich finde die Sache sogar sehr ernst. Sie wollen mir also ganz offen Vorwürfe wegen meines Verhaltens machen?“ „Könen Sie mir das verdenken? Hundert Millionen Mark! Das bedeutet für mich ein plötzliches Vermögen von fünfzig Millionen!“ „Wie können Sie sich nur dadurch gleich so verblenden lassen, Righettini! Unser Gewinnanteil wird doch mit der Zeit ebenfalls diese Summe erreichen. Außerdem habe ich patriotische Rücksichten“. „Die letzteren gehen mich nichts an“, versetzte der Italiener kühl.„Und was den Gewinnanteil betriffl, so dauert mir das viel zu lange. Das kann sich Jahre, ja Jahrzehnte hinziehen bei der Konkurrenz, die uns voraussichtlich trotz der Patente bald erwachsen. Liefern wir aber die ganze Sache dem Amerikaner aus, so bin ich mit einem Schlage ein gemachter Mann und aller weiteren Quälereien und Arbeit ledig". „Wie kann man einen so niedrigen Standpunkt einnehmen! Nein, Righeitini, ich erkläre Ihnen mit aller Bestimmtheit, daß ich bei meinem Entschluß bleiben werde". „Ich bitte Sie noch einmal: Treten Sie in Verbindung mit dem Amerikaner!“ „Nein!“ „Soll das Ihr letztes Wort sein?“ „Sie sollten mich doch sowelt kennen, um zu wissen, daß ich nie etwas Zweckloses zu sagen pflege!“ „Schön! Dann zwingen Sie mich, Herr Direktor, auch meine schroffen Seiten herauszukehren. Bedenken Sie: Wenn ich mich gleich von Ihnen trenne, wird aus der ganzen Sache nichs!“ „Auch Sie können dann keine Maschine bauen. Unsere Geheimnisse sind gegenseitlg“. „Das ist mir gleich. Wenn ich meinen Willen nicht habe, soll ihn auch ein anderer nicht haben“. (Fortsetzung folgt.) Haspe. 5. Januar.[Ein Kleinbahn=Scherz ist von der Nebenbahn Haspe=Vörde zu erzählen. Der gegen 8 Uhr fällige Zug wurde gestern an der Haltestelle von einer großen Menge Personen aus Vörde erwartet, die nach Hause zurückkehren wollten. Die Viertelstunden vergingen, ohne daß sich der Zug sehen ließ, sodaß man von Vörde aus telephonisch nach dem Bleiben des Zuges sich erkundigte; nach etwa ¾ ständigem Warten begaben sich einige Personen zum„Hauptbahnhof“, um nach dem Schicksal des Zuge zu forschen. Was fanden sie? Einen vollständig verlassenen Kleinbahnzug, von dem Begleitpersonal war kein Mensch zu sehen. Die Ursache klärte sich bald auf. Von 4 Schweinen, die ebenfalls nach Vörde transportiert werden sollten, hatte eines die Flucht ergriffen, und das ganze Personal war auf der Jagd nach dem Ausreißer. Endlich gelang es, den Vlerfüßler zu fassen und nach fast einstündiger Verspätung schnaubte sodann das„Dampfroß“ gen Vörde. Jeuer, 4. Jan.[Ertrunken.] Der 9jährige Sohn des Hauptlehrers und Organisten Wilkens und der 8jährige Sohn der Witwe Heinrichs, beide aus Wiesels, brachen auf dem Fettenser See durch die Elsdecke und ertranken. Vermischtes. * Berlin, 7. Januar. Bekanntlich hat sich eine große Reihe preußischer Städte zu einer gemeinsamen Hochzeitsgabe für das kronprinzliche Paar vereinigt. Die Grundlage für die beabsichtigte Schenkung bildet ein Communigué, das allen preußischen Städten vom Komitee zugesandt worden ist und folgende wesentlichen Erklärungen enthält:„Bei der Vermählung des jetzt regierenden Kaiserpaares im Jahre 1881 haben sich die preußischen Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern und eine Anzahl Städte mit geringerer Einwohnerzohl zu einem gemelnsamen Geschenke vereinigt. Gegenwärtig sind die dem Vorstande des preußischen Städtetages angehörenden Bürgermeister unter Hinzuziehung je eines Stadtverordneten aus den von ihnen vertretenen Städten zu dem unterzeichneten Komitee zusammengetreten, um die Hochzeltsgabe der Städte vorzubereiten. Nachdem zahlreiche Kundgebungen gezeigt haben, daß auch viele Städte mit einer geringeren Einwohnerzahl den lebhaften Wunsch haben, sich an der Gabe zu beteiligen, haben wir beschlossen, alle preußischen Städte zu gemeinsamem Vorgehen einzuladen. Im Jahre 1881 haben sich 96 Städte mit 4709478 Einwohnern beteiligt, die damals ausgebrachten Kosten für eine silberne Tafelausstattung für 50 Personen betrugen rund 400000 M., so daß auf hunder! Elnwohner 8,494 Mk. entfielen. Jetzt ist wiederum eine silberne Tafelausstattung für 50 Personen als Hochzeitsgabe in Aussicht genommen, deren Kosten etwa 500 000 Mark betragen dürften. Die sämtlichen preußischen Städte haben nach der letzten Volkszählung(1900) 14847 846 Einwohner. Es wird beabsichtigt, die entstehenden Kosten unter diejenigen Städte, welche sich an der Gabe beteiligen, nach Verhälinis der Einwohnerzahl zu verteilen. Der Beitrag wird sich also, falls alle Städte tellnehmen, auf rund 3,88 Mk. für hundert Einwohner berechnen und auch bei nicht allseitiger Beteiligung voraussichtlich 5 Mk. für hundert Einwohner nicht überschreiten.“ Zum Schluß ersucht das Komitee, bis 15. Jannar zu erklären, ob die betreffende Stadt geneigt ist, sich an der geplanten Hochzeitsgabe zu beteiligen. * Nürnberg, 4. Januar. Zu drei Monaten Gefängnis wegen Entwendung einer einzige Zeitungsnummer mußte der Orgelbauer Andreas Meisel verurteilt werden. Der Angeklagte hatte einer Zeitungoträgerin die Nummer entwendet; da es sich um einen Diebstahl im Räcksall handelte, mußte er zur Mindeststrafe von drei Monaten Gesängnis verurteil werden. * Verviers, 4. Jan. In einem Anfall von plötzlicher Geistesstörung hat die 21 jährige Bäckersfrau Johanna Henaff aus Grungat bei Quimper ihre beiden fünf und drei Jahre alten Kinder getötet. Sie führte die Kinder an einen 25 Zentimeter Wasser führenden Bach, stieß sie trotz ihres Schreiens in denselben und hielt sie mit den Köpschen solange unter das eiskalte Wasser, bis der Tod eingetreten war. Iumor und Witz. *[Würdevoll.] A.:„Ich habe Sie lange nicht gesehen; wie gehl es Ihnen?“— B.:„Danke, gut; Sie wissen doch, daß ich jetzt zu den Vätern dieser Stadt geböre?“ — A.:„Sind Ste in den Magistrat gewählt worden?"— B.:„Nein, das nicht, aber wir haben ein kleines Mädchen bekommen.!“ *(Verblümte Mahnung.]„Ich kenne einen Herrn, der Ihnen so ähnlich sieht, daß man Sie fast gar nicht von einander unterschelden kann!“—„Dem haben Sie doch nicht etwa irrtümlicherweise die zwanzig Mark zurückgegeben, die ich Ihnen vor drei Monaten geliehen habe?!“ Standesamts-Nachrichten für die Zeit vom 31. Dezbr. 1904 bis 8. Januar 1905. Stadt Gütersloh. Geburten: Sohn: Schlachter August Vornbäumen. Töchter: Weber Emil Schmidt. Lehrer Hermann Goldstein (Zwillinge). Betriebsverwalter Karl Kleinfeldt. Brennereiarbeiter Wilhelm Langreck. Aufgebote: Stellmacher Johann Karl Fuchs und Johanne Sofie Flöthmann, beide hier. Sterbefälle: Witwe Marie Charlotte Gosebrink geb. Hermelbracht, 79 Jahre 8 Monate alt. Kind Kleinfeld(Mädchen ohne Vornamen), 12 Stunden alt. Amt Geburten: Söhne: Weber Heinrich Spilker zu Nordhorn. Fabrikarbeiter Friedrich Hambrink zu Nordhorn. Töchter: Heuerling und Gartenarbeiter Gustav Hörmann zu Nordhorn. Kolon dugust Strothmann zu Pavenstädt. Weber Friedrich Gierhake zu Sundern. Tischler August Jasper zu Pavenstädt. Eheschlleßung: Ackerknecht Friedrich Schomann zu Pavenstädt mit Dienstmagd Wilhelmine Johannsmann zu Blankenhagen. Sterbefälle: Böttchergeselle Karl Oberdiek zu Blankenhagen, 34 Jahre 8 Monate alt. Tagelöhnerin Witwe Luise Vornholt geb. Brinkmann zu Pavenstädt, 58 Jahre 2 Monate alt. Tagelöhner Wilhelm Berwinkel zu Pavenstädt, 70 Jahre 2 Monate alt. Märkte. 10. Januar. Bielefeld, Münster, Ibbenbüren: Biehmarkt. 11.„ Warendorf: Vlehmarkt. Wichtig für Landwirte! Vom Verein der T##mer###r#n fabriken, Berlin SW., Hafenplatz 4, werden Broschüren und Flugblätter herausgegeben, die von jedem gelesen zu werden verdienen, der Interesse für die Landwirtschaft hat. Unter anderm liegt uns eine neue, bis auf die neue Zeit ergänzte Auflage der bekannten Broschüre „Der Schniftenbergerhof“ vor, durch welche die von der Theorte längst aufgestellte Behauptung daß durch Anreicherung der Böden mit Phosphorsäure wesentliche Ertragssteigerungen bei guter Rentabilität zu erzielen sind, sich glänzend bestätigt findet. Ferner sei hingewiesen auf die illustrierte Broschüre„Der Kreis Wiedenbrück und seine Meliorationen und Wiesenanlagen in der Boker Heide“, wo ebenfalls ganz hervorragende Erfolge durch zweckmäßige Melioration und Düngung erzielt wurden. Wegen kostenlosen Bezuges der genannten Drucksachen wende man sich an obigen Verein. Im Verlage von Thomas& Oppermann in Königsberg i. Pr. erschien soeben das 10. Bändchen von: Ut Noatange. Plattdütsche Spoaßkes vertellt von W. Reichermann=Creuzburg. Preis 60 Pfg. Welchen Beisalls sich die Spoaßkes von Reichermann zu erfreuen haben, zeigen die vielen Auflagen der ersten neun Bändchen. Jedes derselben bildet ein abgeschlossenes Ganze und kostet einzeln 60 Pf., Band 1—8 zusammen in elegantem Einbande Mk. 6,—. Den vielen Käufern der ersten neun Bändchen wird auch dieser neue Band hochwillkommen sein. Wer hohe Körnerernten erzielen will, darf es an einer Phophorsäuredüngung nicht fehlen lassen. Welche Form des Düngers aber zu wählen ist, dafür spricht sehr wesentlich der Preis mit. Pro kg% Gesamtphosphorsäure ist ab 1. Januar 1905 der Thomasmehlpreis gegen den verflossenen Herbst um ½ Pfg. herabgesetzt, für ettronensäurelösliche Phosphorsäure um 1 Pfg. Ost wiederholte Düngungsversuche haben immer bewiesen, daß das Thomasmehl auch zur Frührjahrssaat auf den verschiedensten, selbst schweren Böden mit größtem Vorteil benutzt wird, wenn es nur zeitig ausgestreut wird. Am schlagendsten geht dies wohl daraus hervor, daß nachweislich in ganzen Provinzen der Thomasmehlkonsum im Frühjahr denjenigen des Heibstes stark überwiegt. Ich hatte Gelegenheit, größere Partie Elsässer eine vorteilhaft einzukaufen und gebe dieselbe bei ganzen Stücken sehr billig ab. Fritz Güthenke. Betten Oberbett, Unterbett und 2 Kissen, dickgefüllt mit neuen staubfreien Federn, zusammen 1½ schläfig v. 22,50 Mk. an 2schläfig v. 28,50„ an bis zu den feinsten Herrschaftsbeiten liefert J. H. Grohmann Güterssoh. Stopfen der Betten im Beisein der Käufer. Schweine-Verkauf. Am Donnerstag, den 12. Januar, nachmittags 1 Uhr aufaugend, lasse ich auf meinem Hofe 21 tragende und 10 Stangen=Schweine meistbietend gegen Kredit verkaufen und lade ich Kauflustige hierzu ein. Meier Bürenheide, Spexard. Allgemein als der beste und wirksamste Lebertrau anerkannt. Wirkt blutbildend, säfteerneuernd, appetitauregend. Hebt die Körperkräfte in kurzer Zeit. Allen ähnlichen Präparaten und neueren Medikamenten vorzuziehen. Geschmack sein und milde, daher von Groß und Klein ohne Widerwillen genommen. Jahresverbrauch stetig steigend, bester Beweis für die Güte und Beliebtheit. Viele Atteste und Danksagungen darüber. Preis Mk. 2.30 und 4.60, letztere Größe für längeren Gebrauch profitlicher. Man hüte sich vr Nachahmungen, daher achte man beim inkauf auf die Firma des Fabrikanten Apotheker Lahnsen Bremen. Frisch zu haben in der Apotheke in Gütersloh. 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