es erner Druck u. Verlag: Koetbers& Röttsches. Herne, Hermann Oöring=Straße 8, neden der Hauptpost. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn u. Feiertage. Bezugspreis halbmonatl. Mk. 1.08, monatl. Mk. 2.15, frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Essen 19759. 7 Verantwortlich für den rodaktionellen Ceil: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen- u. Reklameten: Carl Bartols in Herne. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger, Gerther Anzeiger Kostenlose Anfallunterstätung von Mk. 250.— bei ködlichem Berufsunsall nach Mot gabe besonderer Bedingungen, die in unserer Oeschäftsstelle erhältlich sind. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböhe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfa., Arbeite und Wodnungsmarkt 5 Pfa. 1 mm Raumhöbe, im Reklameteil 30 Pfa. Der au die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage hinfällig. Fernsprech=Ansoluß: Sammel=Rummer 526 91 Telegramm=Adresse: Anzeiger Horne. * Nr. 178(Erstes Blatt) Der 1. August Heute, vor neunzehn Jahren, erlebte Deutschland das Sturmtempo und die Begeisterung des ersten Mobilmachungstages. Es liegt uns Deutschen nicht, über Vergangenes im Erlebnis und in der Leistung viel zu reden. Aber wir sind es uns selber, die wir damals als Kriegsfreiwillige zum Bezirksamt eilten oder den Reservistenschein in der Tasche hatten, schuldig, die vier Jahre lang an der Front, in der Etappe und daheim mitgekämpft, geblutet und geopfert haben. Und die Jugend unserer Tage hat ein Recht darauf, an den Hochgesang des Heroismus erinnert zu werden, der nicht nur bei Langemarck zu hören war. Wir brauchen keine Rechtfertigung, denn wir wollten das Recht. Weil es so ist, wollen wir gegenüber einer Lügenpropaganda der Sieger sagen, warum wir vor unserem Gewissen bestehen können. Die feindlichen Staaten haben schon lange vor diesem Kriege die ganze Welt gegen Deutschland einzunehmen versucht, und leider blieben sie damit, wie sich 1914 dann zeigte, nicht erfolglos. Insbesondere waren es die alten Wirtschaftsvölker, die sich gegen uns wandten, und hier vor allem England. Um den gefährlichen deutschen Konkurrenten zu schwächen und aus seinen weltwirtschaftlichen Stellungen womöglich zu verdrängen, verbündete es sich mit dem französischen Imperialismus, über dessen Beweggründe gegen Deutschland es keines Wortes weiter bedarf. Beide wiederum, und dies war das Sinnlose an jener Koalition, fanden im zaristischen Rußland ihren mächtigen Helfer. So geriet Deutschland in einen Zweifrontenkrieg, bei dem die feindliche Seite in jeder Hinsicht von vorneherein hoch überlegen war. Welch ein anderes Volk hätte es angesichts dieser Sachlage überhaupt wagen dürfen, sich zum Kampfe zu stellen? In der Tat, es bedurfte hierzu schon einer tief verwurzelten Ueberzeugung, daß das Recht unbestreitbar auf unserer Seite laa. Wir meinen dabei nicht die im internationalen Leben geltenden formulierten Rechtsthesen. Wir meinen jenes Recht, das mit den Völkern geboren ist: ihr Recht auf Leben, ihr Recht auf Behauptung und ihr Recht auf Wachstum. Wir sind in der abendländischen Welt ein zu spät gekommenes Volk. Blut und Boden sind das Schicksal der Völker, und deutsches Schicksal ist, daß deutsches Blut fruchtbarer ist als deutscher Boden(August Winnig). Der wirtschaftliche Ausweg aus der Gefahr unserer Uebervölkerung war die Industrialisierung, und die soziale Behauptung unserer ins Proletariat abgestürzten Bauernsöhne— und Töchter hing davon ab, inwieweit wir auf dem Weltmarkte Fuß faßten. Was man dann deutschen Wirtschaftsimperialismus genannt hat, war der Lebenskampf unseres Volkes. Anfang 1914 machte der französische Gewerkschaftsführer Jouhaux auf einem Kongreß den deutschen Gewerkschaften schwere Vorwürfe, weil sie den„kaiserlichen Imperialismus“ unterstützten. Was wollt ihr Deutsche eigentlich, warum stört ihr uns und die anderen Völker überall in der Welt— so etwa entrüstete sich der Franzose. Wir— antwortete ihm der Deutsche— unterstützen damit nicht Kapitalisteninteressen, wir verfechten die Sache des deutschen Proletariats. Es ist von vornherein ein grundsätzlicher Unterschied zwischen dem Imperialismus Deutschlands und dem der anderen Völker. Sie alle treiben weltwirtschaftlichen Imperialismus, um ihre Lebenshaltung immer höher zu steigern, wir Deutsche hingegen, um nicht in einen Dauerzustand des Entbehrens und des Siechtums zu geraten. Damit, wahrlich, war alles gesagt. Und wie der Mensch, der im Ueberflusse lebt, oft denjenigen schließlich haßt und bekämpft, der aus seinem Mangel aufbegehrt und am Reichtum dieser Welt wenigstens soviel Anteil haben will, daß er auskömmlich leben und bescheiden aufsteigen kann, so auch im Leben der Völker. Deutschland sollte das zu spät gekommene Volk bleiben, es sollte für alle Zeit gleichsam der Proletarier der Welt sein. Wie einst durch die Jahrhunderte ohne politisches Eigenleben, so sollte es nunmehr auch wirtschaftlich und sozial wieder in ein Nichts zurückgestoßen werden. Das war der Inhalt des Angriffes, den die feindliche Koalition 1914 offen begann. Es war ein umfassender, vom Vernichtungswillen getragener Anschlag gegen das Leben des deutschen Volkes, insbesondere gegen seine Arbeiter und Angestellten. Begreift man, warum diese Massen damals die sozialdemokratischen Parteilehren vergaßen, still und entschlossen zu den Waffen griffen und sich viereinhalb Jahre hindurch so heldenhaft schlugen, wie es bis dahin ohne Beispiel in der Weltgeschichte! Und begreift man, warum jene, die nicht nach Herkunft oder Wesen als proletarisch angesprochen werden können, in diesen uns aufgezwungenen Kampf mit aller Kraft und mit aller Begeisterung marschierten! Wenn kürzlich in Berlin auf einer großen Kundgebung von dem Bündnis, von der unlöslichen Verbindung zwischen Arbeitern und Studenten gesprochen wurde— nun, sie entstand am 1. August 1914 und sie wuchs zusammen in den Gräbern und Trichtern, in den Materialschlachten und Bajonettangriffen. Wir verteidigten in diesem Kriege das, was Deutschland seit der Reichsgründung politisch und wirtschaftlich geworden war, wir schlugen uns für das Lebensrecht unseres Volkes. Das verlieh unserem Willen die Härte, unserer Kraft die Stärke, das befähigt uns, die beispiellose Summe körperlicher und seelischer Belastungen zu tragen. Wir fühlten die tiefe sittliche Rechtfertigung dieses Widerstandes. denn wenn ein Volk elementar in seinem Leben bedroht wird, so fordert das Schicksal, daß es sich mit aller Leidenschaft und aufs äußerste wehrt. Das ist nicht nur sein Recht, das ist seine Pflicht Dienotag, den 1. August 1933 29. Jahrgang Anweisung für Auftragsvergebungen Ein Schreiben Dr. Schmitts 7 Gegen einseitige Auswahl bei öffentlichen Aufträgen Die Wirtschaft braucht Ruhe (Von unserer Berliner Redaktion). Berlin, 31. Juli. Für die Vergebung öffentlicher Aufträge durch die staatlichen und kommunalen Verwaltungsstellen wurden vor kurzem einheitliche Richtlinien aufgestellt. Reichzwirtschaftsminister Dr. Schmitt hat in einem Brief an die anderen Reichsminister und an die Länderregierungen darum gebeten, daß die Anwendung der Rictlinien sichergestellt werde. U. a. heißt es in dem Schreiben: „In der letzten Zeit haben zahlreiche Behörden, z. T. veranlaßt durch außerhalb ihres Geschäftsbereiches stehende nicht amtliche Stellen, neue Richtlinien über die Auswahl der zur Angebotsabgabe bei öffentlichen Vergebungen zuzulassenden Firmen aufgestellt. Dienstanweisungen und Richtlinien der vorbezeichneten Art, zumal wenn die einzelnen Regierungsstellen jeweils gesondert abweichende Maßnahmen ergreifen, führen zu einem Chaos auf dem Gebiet des Verwaltungswesens und zu schweren Schädigungen Sanzer Machteinsatz für die Difziplin Reichsstatthalter Wagner verurteilt scharf jede Disziplinlosigkeit Anweisungen an die badischen Kreisleiter der RSDAP Karlsruhe, 31. Juli. Der Gauleiter der RSDAP. und Reichsstatthalter für Baden. Nobert Wagner, hat folgenden Aufruf erlassen: „Parteignossen! In den letzten Tagen haben sich bedauerlicher Weise einzelne Parteimitglieder— besonders SA-Führer— zu Handlungen verleiten lassen, die ein bedenkliches Maßzvon Mißachtung der StaatsautoriSene len gud eine grobe Verletzung der altbewährten Parteidisziplin darsteilen. Wer sich heute nachdem der nationalsozialistische Staat Wirklichkeit geworden ist, gegen Anordnungen der Staatsorgane wendet, schädigt nicht nur die Bewegung, sondern stellt sich bewußt in Gegensatz zu den Anordnungen des obersten Führers. Der Minister des Inneren ist von mir angewiesen worden, die Autorität des Staates unter allen Umständen und nötigenfalls mit allen Machtmitteln aufrecht zuerhalten. Die Zugehörigkeit zur Partei oder einer ihrer Organisationen, B. SA. berechtigt nicht zur Ausübung amtlicher Befugnisse, sie verpflichtet vielmehr zu absoluter Disziplin. Amtliche Befugnisse werden, nachdem die nationalsozialistische Bewegung die Macht im Staate übernommen hat, ausschließlich von den Regierungsstellen und ihren nachgeordneten Behörden ausgeübt. Die Kreisleiter sind von mir angewiesen worden. innerhalb ihrer Bereiche für eine Bekanntgabe und Beachtung dieser Anordnung Sorge zu tragen und zur Aufrechterhaltung der Parteidisziplin unter Einsatz aller hierfür vorhandenen Mittel Sorge zu tragen. Um eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Parteistellen und Staatsbehörden noch mehr als bisher sicherzustellen, sind den Landräten(Polizeipräsidenten, Polizeidirektoren) vom badischen Innenminister im Einvernehmen mit mir als Gauleiter die Kreisleiter als politische Berater beigegeben worden. Ich erwarte von meinen alten Mitkämpfern, daß sich jeder mit seiner ganzen Kraft dafür einsetzt, daß auch der letzte Parteigenosse an dem obersten Ziel mitarbeitet, um jede Beunruhigung der Oeffentlichkeit und damit der Wirtschaft zu vermeiden, um damit unserem Ziele der Behebung der Arbeitslosigkeit zu dienen.“ der Staatsautorität und der Wirtschaft. Die Aufstellung von Richtlinien und die Durchführung der Vergebungen ist ausschließlich Sache der zuständigen nur ihren amtlichen Vorgesetzten verantwortlichen amtlichen Stellen. Aus diesem Grunde ist es auch ausgeschlossen, etwa die Auswertung der Angebote durch nicht amtliche Stellen vornehmen zu lassen. In der deutschen Wirtschaft arbeiten — eine Tatsache, die vorläufig nicht zu ändern ist— zurzeit noch rund 20 Milliarden ausländisches Kavital. Ob eine deutsche Firma mit ausländischem Leihkapital arbeitet, ist in der Regel schwer zu ermitteln. Am leichtesten feststellbar ist die Tatsache ausländischer Kapitalbeteiligung beim Aktienbesitz und dergl. Gerade diese Form der Kapitalbeteiligung ist aber die volkswirtschaftlich weniger unerwünschte, weil der ausländische Aktionär in ganz besonderem Maße mit der deutschen Wirtschaft schicksalverbunden ist. Ferner muß im Auge behalten werden, daß auch nicht unerwünscht Kapitalien im Ausland angelegt sind. Im Interesse der unbedingt erforderlichen Stabilisierung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse muß sichergestellt werden, daß die Befolgung des selbstverständlichen Grundsatzes der Bevorzugung deutschstämmiger Firmen bei gleichwertigen Angeboten nicht dazu führt, daß die Beschaffungsstellen durch Einleitungpeinlicher Untersuchungen nach dem deutschstämmigen Charakter einer Firma in jedem einzelnen Fall und ohne besonderen Auftrag die Wirtschaft in ständig neue Beunruhigung versetzen.“ Der Reichswirtschaftsminister wünscht weiterhin, bei der Tendenz der Bevorzugung ortsansässiger Firmen nicht zu übertreiben. Er weist daraufhin, daß die Ueberspitzung dieses Grundsatzes die Einheitlichkeit des deutschen Wirtschaftsgebietes aufheben wurde, während doch die verschiedenen Teile des Reiches gerade auf gegenseitige Befruchtung durch öffentliche Aufträge angewiesen seien. Ehre dem Soldaten des Weltkrieges Aufruf des Kyffhäuserbundes zum 1. August 7 Mehr Sorge für die Kriegsopfer Berlin, 31. Juli 1933. Der Präsident des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser, General der Artillerie a. D. von Horn, erläßt— wie die Hauptpressestelle des Kyffhäuserbundes mitteilt— zum 19. Jahrestage des Kriegsausbruchs folgende Kundgebung: „Zum 19. Male jährt sich heute der Tag, an dem das deutsche Volk in Wafsen den Marsch in den Verteidigungskrieg antrat. Weder Greuelmärchen noch die völlig enthüllte Lüge von der Schuld Deutschlanos an diesem größten aller Kriege werden vor der Geschichte Bestand haben Rein in Ehr und Wehr hat die alte deutsche Armee in diesen 4½ Jahren gekämpft. Sie ist unsterblich geworden durch den Ruhm ihrer Tapferkeit, ihrer Leistungen und ihrer Disziplin. Das einige völkische nationale Deutschland, das der Frontsoldat Adolf Hitler nach heißem Ringen im 14. Jahre nach Beendigung dieses Krieges schuf, ist die Erfüllung aller Frontsoldaten. Der Volkskanzler ist der Vollstrecker unseres Glaubenstestaments. Darum stehen wir in engster Frontverbundenheit zu ihm und seinen Kämpfern, die den Sinn dieses Krieges zum Wohle Deutschlands zu Ende führen Unter der Führung Adolf Hitlers werden nun die Nöte der Kriegsopfer anders gelindert werden als bisher. In seiner Regierung herrscht der Frontgeist des Pflichtbewußtseins und der Kameradschaft. Sie wird den Soldaten wieder an den Ehrenplatz stellen, der ihm gebührt. Unser großer deutscher Soldatenbund, der sich freudig bekannt hat zum Staate Adolf Hitlers hofft, daß in künstigen Jahren der 2. August als besonderer Tag des deutschen Soldaten auch äußerlich zum Ausdruck bringt, daß das ganze nationalsozialistische Deutschland durchdrungen ist von dem Worte seines Führers:„Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie vom Heldentum reden, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken!" Ehre dem Soldaten. der Gut und Blut für sein Volk eingesetzt hat!“ Schacht an Amerika Berlin, 31. Juli 1933. Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach am Montagabend im Rundfunk zu den Vereinigten Staaten. Er sagte dabei, die nationalsozialistische deutsche Regierung sei bestrebt, sich auf die eigenen Kräfte der Nation zu verlassen. Solange der Welthandel nicht wieder belebt sei, bedeute das naturlich wirtschaftliche Selbstverleugnung: es bedeute ferner, daß den ärmeren Ständen durch höhere Besteuerung der wohlhabenderen Arbeit verschafft werden müsse. In diesem Zusammenhang streifte Schacht das Arbeitsbeschaffungsprogramm und betonte, diese ganze Politik habe ihren Stützpunkt in dem neuen Hitler=Geist, der jeden mit dem Grundsatz erfüllt habe, daß Gemeinnutz vor Eigennutz gehe. Die Verwaltung werde vereinfacht und es werde weniger für den Staat und mehr für das Volk ausgegeben. Zur deutschen Verschuldung bemerkte er: Da das Ausland Deutschland nicht einen genügend großen Export gewähre, um seinen Schuldverpflichtungen nachkommen zu können, werde Deutschland fortfahren, zu gegenseitigen direkten Abmachungen mit seinen Gläubigern über eine Adjustierung der Schulden zu gelangen. „Seelsorge und Politik“ Ueber das Thema„Seelsorge und Politik“ veröffentlicht Professor Dr. Schneider=Münster in Nummer 203 der„Germania“ vom 26. Juli 1933 einen Aufsatz, der sich mit Artikel 32 des Reichskonkordates befaßt. Prof. Schneider macht am Schluß seiner Ausführungen die Bemerkung, man möchte wünschen, daß der Klerus das Verbot parteipolitischer Betätigung nicht so sehr als eine Entiehung staatsbürgerlicher Rechte aufassen wurde. Er werde sich vielmehr bewußt sein, daß er nach Zurückziehung aus dem parteipolitischen Leben mehr als bisher die Möglichkeit habe seine ganzen Kräfte ausschließlich auf seine eigentliche Berufs= und Seelsorgearbeit zu verwenden. Damit werde er der geistlichen Mission der Kirche vielleicht mehr nutzen als durch das Herabziehen in die politische Arena. Zu diesem Teil der Erklärung des Professors Schneider hat der„Osservatore Romano“ in Nummer 176 Stellung genommen. Die Bemerkungen des„Osservatore Romano“ haben, wie der römische Vertreter der„Germania“ meldet, folgenden Wortlaut: „Professor Egon Schneider der theologischen Fakultät in Münster hat in der„Germania" Nummer 203 Bemerkungen über den Artikel 32 des Konkordats veröffentlicht. In ihm spricht er auch von dem Einfluß der Geistlichen im Parlament als Abgeordnete, wodurch der Eindruck entstehen konnte, daß eine solche Frage in einem Artikel, mit dem er sich beschäftigte, behandelt sei. Es wird daher nicht unnötig sein, noch einmal hervorzuheben, daß das Konkordat nichts in dieser Hinsicht enthalt. Es ist folglich nicht ausgeschlossen, daß es ungbhängige Abgeordnete, d. h. solche, die keiner politischen Partei angehören, gibt.“ Zum Abschluß des Deutschen Turnfestes Auf der Ehrentribüne(von links): Reichsaußenminister Frhr. v. Neurath, Vizekanzler v. Papen, Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsp:opagandaminister Dr. Goebbels Das 15. Deutsche Turnfest fand am Sonntag seinen Höhepunkt mit einer Rede des Kanzlers Adolf Hitler vor 150 000 Turnern und Turnerinnen. Notizen Der Remscheider Messerwarenfabrikant Johann Peter Schmidt wurde in Wengi in der Schweiz von einem Arbeiter seiner Schweizer Filiale erschossen. * Die Kreise Stolzena u. Grafschaft Diepholz und Jeven, die Städte Nordborn und Wildeshausen in Oldenburg und das Amt Vordfelde in Braunschweig sind am 1. August frei von Arbeitslosen. Die oberschlesischen Vergarheitergewerkschaften haben gegen die neuerlichen Lohnkürzungen Protestkundgebungen veranstaltet. * Englische Bombenflugzeuge warfen in der indischen Nordwest=Provinz über dem Gebiet des BajauriEStammes Flugblätter ab und drohten mit einem Luftbombardement, falls die Rädelsführer der letzten Unruhen nicht sofort ausgeliefert würden. * An Stelle des ausscheidenden Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Wagemann ist Dr. Reichardt. bisher Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, zum Prasidenten des Statistischen Reichsamtes ernannt worden. Ein Studentenschulungslager Aachen, 31. Juli 1939. Der 10. Deutsche Studententag, der erste nach der Verleihung des deutschen Studentenrechts, dat am Montag mit der Beziedung des Schulungslagers in der Näbe von Monschau begonnen. Bereits am Sonntag waren mehrere Hundert Teilnehmer auswärtiger Hochschulen und Universitäten in Aachen eingetroffen. Am Montagmorgen folgten weitere 350 Teilnehmer. Die Studententurner, die am Zeltlager beim Deutschen Turnfest in Stuttgart teilgenommen batten, werden am Dienstag erwartet. Am Montagmorgen wurde das Schulungslager in Monschau mit einem allgemeinen Avvell eröffnet. Der erste Vortrag behandelte Euven=Malmedy, Flandern. die Saarfrage um. Darauf wurden die einzelnen Arbeitskreise gebildet, die sich am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag weiter mit Fragen des deutschen Westens befassen werden. Reichsinnenminister Di. Frick bat dem Deutschen Studententag folgendes Telegramm gesandt: „Dem Deutschen Studententag Aachen übermittele ich alle guten Wünsche für erfolgreichen Verlauf. Ich begrüße es, daß die deutschen Studenten an der Westgrenze des Reiches ihr Bekenntnis zur Unversehrtbeit und Verteidigung deutschen Landes ablegen. sich in neuen Formen der Erziebung für ihre Aufgaben an der Hochschule und für den Dienst in Staat und Volk fähig zu machen." Seldte SA=Obergruppenführer Berlin, 31. Juli. Der Stabschef der SA., Röhm, richtete an den Reichsminister Franz Seldte folgendes Telegramm: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Sie der Führer heute mit dem Dienstgrad eines SA.= Obergruppenführers unter Zuteilung zum Stabe des obersten SA.=Führers beliehen hat.“ Katholische Schulorganisation nicht aufgelöst Köln, 31. Juli. Das erzbischöfliche Generaloikariat in Köln teilt mit: Die am Sonntag von einem Teil der Presse gebrachte Nachricht, daß die Katholische Schulorganisation aufgelöst sei, entspricht nicht den Tatsachen. Die Katholische Schulorganisation ist eine Organisation mit religiös- kulturellen Zwecken. Sie untersteht der Leitung der Bischöfe und fällt deshalb unter den Schutz des Konkordates. Keine neuen Frauensportgruppen Berlin, 31. Juli. Viele Frauenverbände, die sich in der Frauenfront breitgemacht haben, haben geglaubt, sich in einem nationalsozialistischen Deutschland nun mit neuem Eifer auf die Gründung neuer Sport= und Jugendgruppen werfen zu müssen. Das hat vielerorts zu Unstimmigkeiten mit der nationalsozialistischen Jugendbewegung geführt Da mit dem 1. August die Eingliederung der in der Frauenfront gleichgeschalteten Verbände in die dem Reichsministerium des Innern unterstellte Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenverbände beginnt, ordnet das Reichsministerium des Innern für diese Frauenverbände bis zur endgültigen Regelung an, daß die Gründung neuer Ortsgruppen und Jugendgruppen bis auf weiteres verboten ist. Ekrasit=Explosion in Brünn Ein Hotel eingestürzt 7 Furchtvare E xplosionswirkungen Bisher 4 Tote. 11 Schwerverletzte Prag. 31. Juli 1933. Montag gegen 8 Uhr früh ereignete sich in Brünn im Zentrum der Stadt eine katastrophale Explosion, deren Folgen zur Zeit noch nicht zu übersehen sind. Der gesamte Froutteil des vierstöckigen Hotele „aropa“ wurde vom ersten Stockwerk dis zum boden zertrummert und stürzte mit ungeheurem Getose auf die Straße. Im Augenblick der Explosion schlugen die Flammen 60 Meter hoch aus dem Gebaude heraus. Das erste Stockwerk, in dem sich ein Kafseehaus besand. wurde vollkommen zerstört. Einige Hotelgaste wurden schwer verlegt. Einer von ihnen in während der Ueberführung ins Krankenhaus gestorben. Bisher wurden aus den Trümmern die verstämmel ten Leichen einer Frau und eines Kindes geborgen. Man nimmt an, daß sich unter den Trummern noch mehrere Verschüttete befinden, doch ist vorläufig an ihre Rettung nicht zu denken, da Einsturzgefahr besteht. Die Ursache der Explosion konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Man vermutet, daß es sich um die Entzundung eines Explosivstoffes, wahrscheinlich Ekrait handelt. Es wird das Gerücht verzeichnet, daß die Frau, deren Leichnam mit dem ihres Kindes in verstümmeltem Zustand aus dem Schutt geborgen wurde, in selbstmörderischer Absicht eine Ekrasitpatrone zur Explosion gebracht habe. Zur Explosionskatastrophe in Brünn werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Unglücksstätte bietet einen trostlosen Anblick. Die Wirkung der Explosion war so stark, daß in den Häusern auch der weiteren Umgebung nicht nur die Fensterscheiben zertrummert und die Fensterrahmen herausgerissen, sondern auch der Mörtel von den Wänden bis auf die Ziegeln heruntergerissen wurde. Ein Dienstmädchen, das in einer etwa 500 Meter entsernten Gasse Feuster reinigte, wurde auf die Straße geschleudert und blieb tot aus dem Pflaster liegen. Die Aufräumungsarbeiten der am Unfallorte eingetroffenen Feuerwehr, Polizei und Militärbereitschaft werden durch die große Einsturzgefahr sehr behindert. Die Zahl der Opfer an Menschenleben konnte daher noch immer nicht ermittelt werden. Bisher wurden vier Tote geborgen und elf Schwerverletzte ins Krankenhaus eingeliefert. Auf der deutschen Rettungestation wurden 32 Leichtverletzte und 11 Feuerwehrleute behandelt. Von 5 Personen, die knapp vor der Explosion bei dem Hotel standen, konnte bioher keine Spur gefunden werden. Man befürchtet, daß auch sie ums Leben gekommen sind. Ein Augenzeuge berichtet! Als erster wurde die Frau des jetzigen Hotelbesitzers mit leichten Verletzungen aus den Trümmern geborgen. Von Minute zu Minute steigerte sich die Panik bei der Bergung einzelner Menschenteile. Nach und nach wurde unter ungeheuter Erregung der Menschenmenge zuerst ein Frauenkopf und ein Frauenarm, dann der Brustkorb eines Mannes und schließlich die Leiche eines Arbeiters geborgen. Die bisherige Untersuchung ergab, daß die Explosion, die nach Sachverstandigen=Gutachten auf Ekrasit zurückzufuhren ist, im Gastzimmer Nr. 7 erfolgte, in dem seit gestern abend der technische Beamte Adolf Bauer aus Mährisch=Ostrau mit Frau und Kind wohnte. Wie aus Mährisch=Ostrau gemeldet wird, ist dort ein Adolf Bauer bei der Polizei nicht gemeldet. Es handelt sich offensichtlich um einen fingierten Namen Wie sich in den späten Abendstunden herausstellte, ist das Explosionsunglück auf eine unglückliche Liebesaffäre zurückzuführen. Kreislauf des schlesischen Anwetters Riesenausmaß der Schäden in Oberschlesien Gleiwitz, 31. Juli. Die erst jetzt bekanntgewordenen Einzelheiten der Unwetterkatastrophe, die am Samstag und in der folgenden Nacht Oberschlesien heimsuchte, zeigen ein Riesenausmaß, deren Folgen noch gar nicht zu übersehen find. Wie bereits gemeldet, wurde besonders Stadt und Kreis Groß=Strelißz schwer betrossen. Dort wurden zahlreiche Dächer vom Sturm abgedeckt und die Gesimse von den Häusern abgerissen. Ein etwa 30 Morgen großer Wald zwischen Radlub und Rosmierka wurde vollkommen vernichtet. Die Landstraken in dieser Gegend sind von entwurzelten Baumen völlig gesperrt. Die Licht= und Telefonleitungen wurden dabei zum großen Teil zerstört, sodaß die Ortschaften im Dunkel liegen und ohne Verbindung mit der Außenwelt waren. In mehreren Ortschaften schlug der Blig ein, ohne jedoch zu zünden. Auch zahlreiche Ueberschwemmungen werden gemeldet. Die ganze Nacht über hielt das Unwetter mit kurzen Unterbrechungen an, um erst am Sonntagfrüh gegen 3 Uhr abzuflauen. In einem andauernden Kreislaus bewegte sich das Unwetter zwischen der Oder und der Malapane hin und her. Auch aus den Kreisen Tost=Gleiwitz und Neisse werden schwere Unwetterschäden gemeldet. An der auf den Feldern stehenden Ernte ist großer Schaden angerichtet worden. In Peiskretscham wurde ein Getreideschober, in den sich ein Landwirt mit seiner Tochter vor dem Unwetter geslüchtet hatte, vom Blitz getrofsen und in Braud gesegzt. Das junge Mädchen war sofort tot. Der Vater wurde leicht verletzt und konnte sich nur mit Mühe aus dem brennenden Schober retten. Zu der Unwetterkatastrophe am Samstag ist ergänzend zu berichten, daß auch die Kreise Oppeln, Falkenberg und Neunadt in Mitleidenschaft gezogen wurden. Im Landkreise Oppeln sind er besonders die Ortschaften in der Oder=Niederung, wo die Ernte fast zu 100 v. H. vernichtet wurde. In Dobrau schlug der Blitz in die Getreide=Feldscheune des dortigen Dominiums ein. Die Scheune, die mit mehreren hundert Zentnern Getreide gefüllt war, wurde ein Naub der Flammen. Auch im Kreise Frankenstein hat das Unwetter große Verwüstungen angerichtet. U. a. wurde eine Scheune umgerissen. Durch große Hagelkörner wurden auf dem Felde arbeitende Dorfbewohner verletzt und zahlreiche Bögel erschlagen. Auf dem Kamenzer Bahnhof wurden über tausend Scheiben vom Hagel eingeschlagen. Die Verwüstungen in Sachsen Dresden, 31. Juli. Wie bekannt wird, hat das Unwetter in der Sächsischen Schweiz fünf Tote gefordert. Der sächsische Innenminister Fritsch besuchte noch am Samstagabend das Unwettergebiet. Ganz besonders schlimm sieht es in Groß=Sedlig aus, wo der große, von August dem Starken angelegte Park übel zugerichtet wurde. Der Wirbelsturm hatte eine so scharfe Begrenzung, daß beispielsweise an der Staatsstraße Pirna—Lohmen links der Straße nur 6 v. H., rechts der Straße über 50 v. H. Ernteschaden entstand Das evangelisch=lutherische Landeskonfistorium hat für die Unwettergeschädigten zunächst 10000 Nz. zur Verfügung gestellt. Um die Hilfsaktion energisch durchführen zu können, ist vom evangelisch=lutherischen Landeskonfistorium bestimmt worden, daß am 15. August im ganzen Lande eine Pflichtkollekte für die Geschädigten durchgeführt wird. Rekordhitze in Neuyork Acht Tote. Neuyork, 31. Juli. Neuyork ist von einer ungeheuren Hitzewelle heimgesucht worden. Zwei Millionen Menschen suchten am Sonntag in den nahegelegenen Badeorten Zuflucht vor den sengenden Sonnenstrahlen. Vier Personen erlitten einen tödlichen Hitzschlag, vier weitere Perionen sind ertrunken. Das Thermometer erreichte am Sonntag mit 34 Grad Celsius fast den Rekord von 1917. Eine Abkühlung steht noch nicht in Aussicht. 4000 Menschen ertrunken Schunghai, 31. Juli. Infolge riesiger Ueberschwemmungen sind in der chinesischen Provinz Schensi über 4000 Menschen ertrunken. Die Flüsse King und Wei sind kilometerweit über die Ufer getreten und haben den Bezirk von Kwan schung sast völlig unter Wasser gesetzt. Die Fluten haben ganze Dörfer einsach hinweggerissen. Hunderttausende von Einwohnern sind obdachlos. Das Stadion=Anglück Zwei weitere Todesopfer Berlin, 31. Juli. Das furchtbare Motorradunglück, das sich am Sonntag nachmittag im Stadion ereignete, hat zwei weiter. Todesopser gesordert. Im Krankenhaus Westend ist ein Hitlerjunge, dessen Personalien noch nicht sestgestellt werden konnten. kurz nach der Einlieferung seinen schweren Verletzungen erlegen. Im Hildegard=Krankenhaus, wo ebensalls acht Opser des Unglücksfalles eingeliefert worden waren, verstarb ein unbekannter SA.=Anwärter. Von den Schwerverletzten befinden sich entgegen anderslautenden Meldungen nur noch zwei in ernster Lebensgefahr. Im Krankenhaus liegt noch der Motorradfahrer Wemhöner=Bielefeld(Oberschenkelbruch und Gehirnerschütterung). Das Unglück ereignete sich in der sechsten Runde bei rasendem Tempo. Wemhöner hatte versucht, die Maschine Herzogenraths abzudrücken, jedoch zu spät. Im selben Augenblick kam es zum Zusammenstoß. Wemhöner flog in die Zuschauermenge, die an dieser Stelle größtenteile aus Hitler=Jungen bestand, die sich, so gut es ging, auf den Boden warsen. Aber das Motorrad ersaßte viele von ihnen und brachte ihnen schwere Verletzungen bei. Von allen Seiten liefen Hilfsmannschaften herbei, die sich der verletzten Fahrer und der Hitlerjungen annahmen und sie ins Krankenhaus brachten. Brauner war bereits tot, als man ihn unter den Trümmern der Maschine hervorzeg.„„ Das Rettungsamt der Stadt Berlin war.sofort mit sechs Wagen und zwei SS.=Aerzten an der Unfallstelle, darunter dem stellvertretenden Leiter des Rettungsamtes, Dr. Hermann. Auch der Staatskommissar für das Gesundheitswesen der Stadt Berlin, Dr. Klein, überwachte die Rettungsarbeiten. Der im Hildegard=Krankenhaus verstorbene SA. Anwärter, der in schwerverletztem Zustand von dem Motorradunglück im Grunewaldstadion dorthin eingeliefert wurde, ist als der 26 Jahre alte SA.=Mann Wladislaus Grota, Charlottenburg, Horstweg 2, identifiziert worden. Die Leiche des im Westend=Krankenhaus verstorbenen dritten Opsero konnte als die des 13jährigen Wolfgang Techow erkannt werden, der aus Hohendorf bei Solßen (Niederlausitz) stammt und der mit seinen Eltern in Berlin zu Besuch weilte. Zum Uebergang der Zentrumsfraktion H. Berlin, 31. Juli 1933. Die Verhandlungen der Bindungsmänner des aufgelösten Zenrrums mit den zuständigen Stellen der NSDAP gehen nach wie vor weiter. Man rechnet damit, daß in den Fragen, die sich aus dem Uebergang der Zentrumsabgeordneten in das Hospitantenverhältnis zur NSTAP ergeben, bis zum September keine Entscheidung fällt. Die parlamentarischen Verwaltungen haben jedenfalls bisher keinerlei Anweisung über die zukünftige Haltung gegenüber den bisherigen Zentrumsabgeordneten bekommen. Es dürfte in diesem Zusammenhang interessieren, daß in Verbindung mit der Frage der geistlichen Mandatsinhaber die Verhandlungen auch um die Frage gehen. wieweit der Rahmen des geistlichen Würdenträgers zu ziehen ist. Man darf ferner annehmen, daß dem Wunsch des Reichskanzlers entsprechend alle weiblichen Inhaber von Mandaten, soweit ihre Parteien nicht schon aufgelöst sind, ihre Mandate zur Verfügung stellen werden. Christlicher Bauernverein gleichgeschaltet München, 31. Juli 1935. Halbamtlich wird mitgeteilt: „Im Auftrage des Reichsministers Darré hat Staatssekretär Luber die Gleichschaltung der Regensburgen Genossenschaft. Organisation des Christlichen Bauerne vereins. vorgenommen. Geheimrat Dr. Heim ist von seinen sämtlichen Aemtern zurückgetreten. Der Aussichtsrat hat die derzeitigen Vorstandschaften der Zentral= genossenschaft und der„Gewa“ außer Funktion gesetzt. Die Mitglieder des Aussichtsrates haben ihre Aemter zur Verfügung gestellt. Nun wird neues Leben auch in dem von Nationalsozialisten eroberten Regensburger Gebiet erblühen und die neu eingesetzten nationalsozialistischen Führer unter Leitung des alten Vorkampfers Weigmann werden dafür sorgen, daß der genossenschaftliche Gedanke auch in der Regensburger Organisation wieder zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückgeführt wird.“ Donnerstag wieder Reichsratssitzung Berlin. 31. Juli. Wie der Parlamentsdienst der Telegraphen=Union meldet, findet am Donnerstag dieser Woche wieder eine Vollsitzung des Reichsrates im Reichtagsgebäude statt. Zur Erledigung steht eine Reihe kleinerer Vorlagen. In Wien geht der I Hochzeitsmarsch Roman von Bert Bertel 32. Fortsetzung. Graf Lieben richtete sich hochauf. Hinter ihm im Abenddammer der steile Abfall zur See.„Ich lasse mich nicht entlohnen! Berichten Sie das Ihrem Herzog. Im übrigen ist mein Plan längst nicht mehr der meinige, sondern die Oeffentlichkeit des Landes hat ihn bereits angenommen, verarbeitet, wirdt für ihn. Und wenn ich wirklich die Seele des neuen Hafenplanes bin—“ Walter konnte nicht aussprechen. Er sah plötzlich die Gestalt des unheimlichen Langen wie eine Lanze querliegen. Sein Mantel schien aufgerissen. Eines der langen südländischen Messer rammte jählings vorwärts. Zuckte.— Hatte Walter diese tolle Handlung vorausgesehen? Er bog mit einer jähen Hüftwendung auf seinem gefahrlichen Platz zur Seite, spürte an seinem Rock einen reißenden Ruck und spannte sich unter einem grell neben ihm, unter ihm aufgesperrten Schrei. Was war geschehen? Er wußte es ohne sich umzuwenden: Der Fremde war von der Wucht seines eigenen Stoßes nach vorn gerissen worden, hatte im Abgleiten sich nicht halten können und war über die Klippe gekippt. Ein Schrei im Raum. Dann nichts mehr. Woher dieser zweite Schrei? In diesem Augenblick gewahrte Walter, der blaß in den Abend spähte, den heranstürmenden Ingenieur. Hinter ihm eine ganze Gruppe lärmender Bauern. Jetzt war der Ingenieur nahe und atmete aus keuchender Lunge:„Gott sei Dank, Graf, wir fürchteten das Schlimmste. „Haben Sie uns gesehen?“ fragte Walter erregt. Der furchtbare Sturz des Fremden wirkte in ihm noch nach.— „Gesehen?!“ rief der Ingenieur, um den sich die Bauern inzwischen geschart hatten und mit heftigem Winken den Grafen begrüßten. Jede Bewegung sah von unten wie ein Schattenriß aus, wie ein unheimlicher.„Ihr hattet Glück, Graf! Wir wären zu spät gekommen. Dieser in die See gestürzte Fremde hatte die Bauern Colchow und Tarte bestochen. Sie sollten Euren Leichnam drunten auf dem Küstengrund suchen gehen, um die Planpapiere und alles Kenntliche zu beseitigen, falls die See anständiger gewesen ware als Ihr Attentäter. Die Bauern haben mich vor einer halben Stunde noch warnen können und sind gleich mit mir heraufgesaust, um das Schlimmste zu verhüten. Aber das Schicksal hat ja nun bereits Gericht gespielt—“ Der Ingenieur schwieg. Stumm starrten die Männer ins Weite. Erste Sterne hoben sich auf goldenem Grund. „Wie hieß der Mann?“ fragte Walter nach Weile. Der Bauer Colchow trat vor.„Er stand schon lange in Diensten des Herzogs. Er trug die Bestechungen an den richtigen Mann. Er stand im Hintergrund des anderen Projekts. Er machte die Leute toll mit dem Gedanken: Der richtige und einzige Weg zur Küste ginge durch die Wälder des Herzogs. Er hieß Maratti! * „Du, die Anny, das ist eine! Hübsch, lacht, kann aber suchsteufelswild werden, wenn es ihr nicht recht kommt, daß man lustig ist!" Der Pferdehüter spornte seinen Gaul an, daß sein Freund, der dicke Fardas, grimmig nachkommen mußte. In Wirklichkeit war es so, daß die Zose Anny während ihrer nun schon mehrmonatlichen Anwesenheit auf den Gütern der Gräfin Schlettow alle Herzen im Umkreis erobert hatte. Freilich, ihr selbst war es gar nicht immer so herzhaft zumute. Wenn am Abend die Sonne in die Weite der ungarischen Ebene hineinsank, wenn die Pferde in dichten Rudeln zusammenstanden, wenn das eintönige Gerausch der Ziehbrunnen abgelöst wurde vom schwermütigen oder feurigen Gesang der Burschen, dann stahl sich doch mitunter ein Tranlein in ihre klaren, jungen Augen. Von neuem sah sie dann in ihrer Erinnerung die Oede der weiten Wege Rußlands, sah die leere Verlassenheit, die hinter dem Reisemagen blieb. Ihren Karl brachte niemand wieder her. Rußland ist weit. Rußland ist groß. Der Zorn einer listigen Frau hatte ihrem Karl Unglück gebracht. Zürnte sie der Grafin noch? Ach. Zorn war das rechte Wort. Zudem sah sie selbst, daß die Gräfin am selbstgewählten Los zu tragen hatte. Niemand durfte ihr etwas von Wien erzählen. Niemand nur Namen von gestern nennen. Fürchtete sie zu hören, daß man im fernen Petersburg ihren Adjutanten hingerichtet hatte? Ihren Adjutanten? Anny begehrte im stillen auf. Er war ihr Adjutant gewesen. Ihr Karl. Und wenn das Schicksal! Man hat niemals vernommen, was Anny vom Schicksal wollte, denn als sie gerade diese Betrachtung anstellte, liefen von dem breit hingestreckten Gutshof die Knechte zusammen, um einen schmalgelenkten Gaul zu betrachten, den Gaul eines Fremden, der soeben vorgeritten war und nach der Gräfin Schlettow gefragte hatte. Anny sah den Mann noch vor der Treppe stehen. Er wandte sich langsam um und blickte zum hohen Balken des Ziehbrunnens hinüber. Sie fühlte sich schwanken. Wer war das? Was war das? Was war mit ihren Augen los? Freilich, die ewigen Gedanken an Rußland, an Karl, an „Anny!“ schrie der fremde Mann. War der fremde Mann närrisch? Die Knechte stießen sich an und waren sprachlos. Denn der Reiter sah aus wie ein wirklich vornehmer Mann. Also der und die Anny?! Ein Glück hatte der Kerl. der Fremde, der Mann, der zur Gräfin Schlettow wollte und nun auf der Treppe einfach umgekehrt war, weil er drüben die Anny gesehen hatte Die Anny hatte derweil nich keinen Schritt gerührt. Alle Marchen beginnen: Es war einmal.... Nun gut, das weiß man von den Großmüttern. Aber wenn man da so im ungarischen Abend auf der Ebene steht, beim Ziehbrunnen, und man hat das Gefühl: Das ist nur ein dummes unwahres Märchen— dann ist das eben doch etwas sehr Merkwürdiges. „Anny!“ sagte der Mann jetzt ganz nahe. sie erkannte: Der Mann war Karl. Karl, der falsche Graf. Karl, der Adjutant. Kari, der Küfer. Karl, ihr Karl! Was nun dem Karl geschah, das hatte sich von den Knechten schon jeder gewünscht. Sie legte ihm nämlich ihre schlanken Arme um den Hals und sagte leise, zitternd, glücklich den herrlichsten Vornamen der Welt, sagte:„Du!“ * Die Gräfin Schlettow stand am Fenster und sah es. Sie ließ einen dunklen Ungarnwein holen und lächelte, als Karl und Anny zu ihr ins Zimmer traten. Auf dem Tisch standen drei Gläser, funkelnd, versöhnlich. Zwischen diesen drei Gläsern gab man sich schließlich die Hände. Niemanden kam zum Bewußtsein, welch eine seltsame Runde hier zusammen saß, die Gräfin, die Zofe, der Küfergesell. Es sind ernste Worte gesprochen worden an diesem Abend, die Gräfin war sehr still, aber sie lebte auf. als Anny ihr ganzes Glück in ein munteres Lachen lud. Vom Ziehbrunnen erscholl ein Lied. Die Burschen sangen es. Die Mägde in den Stuben stimmten ein. Stern um Stern stieg. Am folgenden Tag nahm Karl Abschied. Anny sollte in kurzer Zeit nachkommen. Nach Wien, und dann, wenn der Vater von ihrem Glück wußte, würde sie mit Karl in die Wachau ziehen. Der Trab des Pferdes verhallte. Ein Wind wehte weither aus der Donau=Ebene und war mild. Im Klettergrün des Hauses blühte es schon. Oh. es blühte! Der Herzog von Gmunden zerknickte einen Federkiel zornig in seiner Hand. Wo blieben die Nachrichten aus Monario? Maratti schwieg. War der Schlag gegen den Grafen Lieben nnißglückt? Mit harten Schritten stieß sich der Herzog über die Stufen des kleinen Landhauses. Die Dächer von Syrakus lagen feucht unter einem warmen Regen. Das Meer sah dunkel aus. Die Landschaft schien wie unter einem Druck zu stehen. Büsche schwankten wie düstere Flammen. Als der Gmundener in der Nahe des Strandes kam, sah er den Fischer Paolo, wie er das Segelzeug seines Bootes lässig in Ordnung brachte. Der Herzog wollte umkehren. Dieser Paolo war zu fürchten. Der Herzog war nicht feige, aber irgend etwas in den hintergründigen Augen des jungen Schiffers machte ihm zu schaffen.(Fortsetzung folat.) Nr. 178(Zweites Blatt) Herner Anzeiger Dienstag, den 1. August 1933 Nur mehr 98572 Einwohner Die Ausrechnung der Wohnbevölkerung.— Das Großstadtsein war nur von kurzer Dauer.— Wann werden die restlichen 1428 Einwohner ausgeholl? Die Ergebnisse der Zählung vom 10. Juni Wir haben vor einiger Zeit den Unterschied zwichen ortsanwesender und ortsansässiger oder Wohnbevölkerung dargelegt. Diese Unterscheidung ist von wesentlicher Bedeutung für die Auswertung der Volks=, Berufs= und Betriebszählung vom 16. Juni dieses Jahres. Die Feststellung der ortsanwesenden Bevölkerung. d. h. der Bevölkerung, die in der Nacht vom 15. zum 16. Juni tatsächlich in Herne anwesend war, war schon nach kurzer Zeit erfolgt. Es ergab sich eine Zahl von 97320 Personen. Schwieriger war jedoch die Errechnung der Wohnbevölkerung. Denn unter den genannten 97320 Personen befanden sich, wie die spätere mühselige Ausrechnung ergab. 1006 Personen(480 männliche und 526 weibliche), die sich nur vorübergehend in Herne aushielten. Anderseits waren 2258 Personen(1329 männliche und 929 weibliche) nur vorübergehend von Herne abwesend. Rechnet man diese gegeneinander auf. so mußte die Zahl von 97320 noch um 2258— 1006 = 1252 Personen erhöht werden, so daß sich die tatsächliche Einwohnerzahl auf 98 572 stellte. Diese Zahl ist eine Enttäuschung für die, die sich zu sehr über ihre neue Eigenschaft als Großstädter gefreut hatten. Denn jetzt fehlen wieder 1428 Personen an den 100 000, um die wir jahrelang gerungen und die wir im März— allerdings nur auf Grund der Bevölkerungsfortschreibung— glücklich erreicht hatten. Es sind indes nicht nur die immer in der Fortschreibung enthaltenen Fehler durch die Volkszählung korrigiert worden, vielmehr ist das Absinken unter 100000 tatsächlich in der Hauptsache durch Wegzug verursacht worden. All die jungen Leute z. B., die in die Landwirtschaft als Landhelfer entsandt worden sind, gelten als weggezogen. Dagegen sind als nur vorübergehend abwesend behandelt die in Arbeitsdienstlagern Untergebrachten. Es ist daher zu Beginn des Winters. wenn ein Teil der Landhelfer und Landhelferinnen zurückkehrt, wieder mit einem Anwachsen der Bevölkerungszahl zu rechnen. Allerdings ist es fraglich, ob ihre Zahl im Verein mit dem Geburtenüberschuß ausreichen wird, um die 100000 wieder voll zu machen. Wenn man anderseits das Bestreben aller amtlichen Stellen berücksichtigt, möglichst viele Industriemenschen wieder auf das Land zu verpflanzen, so rückt die Wiedererreichung der Großstadtgrenze in noch weitere Ferne. In der Statistik des Reiches und Staates wird Herne nun noch für lange Zeit weiter unter den Mittelstädten rangieren, wenn auch als die größte unter ihnen. Der Traum der Großstadt war kurz, die Hoffnung auf die Wiederkehr eines neuen 100 000. Herners aber bleibt. Was nun die Zusammensetzung der Einwohnernach dem Geschlecht anbelangt, so sind von den 98 572 Hernern 49647 männlich und 48925 weiblich. Im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung Deutschlands und zu der vieler anderer Städte hat Herne also, genau wie fast alle Industriestädte, mehr Männer als Frauen aufzuweisen. Allerdings ist der Unterschied nicht mehr sehr groß, er beträgt nur noch 722. Jedoch sind viel mehr männliche als weibliche Jugendliche aufs Land gekommen, so daß bei deren Rückkehr die Differenz wieder erheblich größer werden dürfte. Die Zusammensetzung der Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis sieht folgendermaßen aus: katholisch 46917= 47,6 Prozent evangelisch 44348= 45,1 Prozent jüdisch 467= 0,47 Prozent dissidentisa, 568= 0,57 Prozent andere Religionsbekenntn. 2451= 2,4 Prozent kein Bekenntnis 3821= 3.8 Prozent Die Katholiken sind also gegenüber den Evangelischen etwas im Uebergewicht, und zwar um 2569. Es hat schon Jahre gegeben, wo dieses Uebergewicht bedeutend größer war, aber auch Jahre, wo die Evangelischen stärker vertreten waren. Die Juden stellen noch nicht ein halbes Prozent der Bevölkerung dar. Als Dissidenten sind auch nur ro. ½ Prozent angegeben, an Vertretern der verschiedensten Sekten dagegen 2,4 Prozent und als bekenntnislos sogar 3821 Personen oder 3,8 Prozent! Ueber die Berufszugehörigkeit der Herner ist die Errechnung noch nicht abgeschlossen. Die Berufszählung, das zweite Objekt der großen Erhebung vom 16. Juni, ist also noch auszuwerten. Die Betriebszählung. das dritte Objekt, ist ebensowenig schon ausgewertet. Fest steht nur, daß 1443 Gewerbekarten abgegeben wurden, also 1443 Gewerbebetriebe mit mindestens einer Hilfskraft in Herne vorhanden sind. Das ist für eine Stadt von fast 100 000 Einwohnern sehr wenig und nicht nur auf das Ueberwiegen der Großbetriebe(Zechen und Werke) zurückzuführen, sondern vor allem auf die Wirtschaftskrise, die manchen Handwerker und kleinen Gewerbetreibenden gezwungen hat, sein Gewerbe abzumelden. An Land= und Forstwirtschaftskarten sind 119 ausgefüllt worden, d. h. es sind 119 Land. und Forstwirtschaftsbetriebe da, deren wirtschaftlich genutzte Bodenfläche mehr als ½ Hektar= 2 Morgen beträgt. Wieviel sonst an Klein= und Schrebergärten usw. gezählt worden sind, ist noch nicht bekannt. Wohl bekannt ist dagegen die Zahl der bebauten und unbebauten Grundstücke. Es sind namlich 6733 Grundstückslisten von Grundstückseigentümern ausgefüllt worden. Hierbei mußte auch die Zahl der leerstehenden Wohnungen angegeben werden. Am 16. Juni standen in Herne Wohnungen leer. Davon hatten 13 nur einen zabl 9857 26 746 Haushaltungen. selbständige und unselbständige, in Herne haben. Rechnet man die 1443 Gewerbekarten, 119 Landund Forstwirtschaftskarten, 6733 Grundstückslisten und 26 746 Haushaltungslisten zusammen, so kommt man auf 35 041 Karten und Listen, die statistisch ausgewertet werden müssen, nachdem sie auf die Richtigkeit der Eintragungen nachgeprüft sind. Daß diese Auswertung eine mühselige Arbeit ist und noch einige Zeit beanspruchen wird, ist nur zu natürlich. Wir werden aber zu gegebener Zeit noch mehr Ergebnisse der Volks=, Berufsund Betriebszählung veröffentlichen können. Die Arbeitsgrundsätze der Rs.=Volkswohlfahrt. Die NS=Volkswohlfahrt hat für ihre Arbeit ausführliche programmatische Richtlinien festgelegt, in denen als erster Grundsatz aufgestellt wird, die Volksmeinung vom Begriffe des„Wohlfahrtsstaates" zu befreien. Es wurde die Auffassung großgezogen, daß allein das Wohlfahrtsamt dazu da sei, zu helfen. Der in Not Befindliche muß wieder dazu gebracht werden, daß er neben seinem Recht an die Volksgemeinschaft die Pflicht anerkennt, selbst zur Besserung seines Zustandes beizutragen. Darum will sich die Arbeit der NS=Volkswohlfahrt vor allem auf die Gebiete erstrecken, in denen es möglich in, aufbauende Arbeit zu leisten. Sie will da helfen, wo eine Gesundung zu erreichen ist. Das Mißverhältnis zwischen den Aufwendungen für gesunde und kranke Volksgenossen, das bisher bestand, soll behoben werden. Von der ungesunden Berweichlichung und dem übertriebenen Ich=Denken wird eine Umkehr der Erziehung zur Gemeinschaft und zum Opsergedanken stattfinden müssen. Die Haltung der Reformpadagogen in den letzten Jahren führte zur Verneinung, zur Auflockerung und zur Auflösung. Nationalsozialistische Jugendfürsorge wird gegen Verwahrlosung und Aufsässigkeit aufbauen auf dem Willen der Jugend selbst zur Zucht, zur Gemeinschaft, zur Ehre. Aus dem gleichen Gedanken der aufbauenden Arbeit wird die Fürsorge für die Mutter als Trägerin der völkischen Zukunft eine weitere Aufgabe sein. Es ist nicht notwendig, daß von der NS=Volkswohlfahrt jede Arbeit selber praktisch erledigt wird. Sie kann sich dabei auch der bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen bedienen. Darum ist die Zusammenarbeit mit Wo den übrigen noch anerkannten ohlfahrtsverbanden der freien Wohlfahrtspflege unbedingt erforderlich. Nicht ohne weiteres kann sie sich behördliche Aufgaben aneignen. Hier wird es vielmehr gelten, in Verbindung mit den amtlichen Stellen gegebenenfalls gewisse Aufgaben zu übernehmen. In den größeren und kleineren Ausschüssen der Wohlsahrtsbehörden sind bereits Persönlichkeiten vertreten, die als Vertreter der NS=Volkswohlfahrt ihre Tätigkeit auszuüben haben. Die RS=Volkswohlfahrt hat in diesen Kommissionen und Ausschüssen führeno zu wirken Sie sieht ihre Aufgabe überhaupt darin, die ge samte soziale Arbeit von der nationalsozialistischen Weltanschauung her von Grund auf neu zu gestalten Herner kath. Arbeiter wallfahrteten nach Stiepel Eindrucksvolle Glaubensfahrt und religiöse Feierstunden am Sonntag. Rund 900 Teilnehmer. Katholisches Werkvolk pilgert seit dem 2. Juli zu den Gnadenstätten Westdeutschlands. Der Aufruf des Verbandes der katholischen Arbeiter= und Knappenvereine Westdeutschlands hat eine Armee betender Männer und Jungmänner in Bewegung gesetzt. Die Sturmscharen des lebendigen Gottesglaubens hatten schon bis zum 16. Juli eine Stärke von 45000 erreicht. sauf In dem großen„Aufmarschgebiet" zwischen Paderborn und Aachen, Trier und Osnabrück gab es überall katholische Arbeiter, die zu den Gnadenorten der engeren Heimat pilgerten. Sie alle wollten teilhaben an der großen Mission der katholischen Kirche im neuen Deutschland. Sie sind ihren Opfer= und Gebetsgang durch die heimatlichen Fluren gegangen, Menschen, die sich zu ihrem Glauben und zum Boden ihrer Heimat mit glühender Liebe bekennen. am letzten Sonntag zum veranstaltet wurde, war starken Widerhall finden Provinzialhaushalt 1932 ohne Fehlbetrag Westfalentag in Münster am 17. September. Aus dem Provinzialausschuß Der Westfälische Provinzialausschuß trat am 28. Juli unter dem Vorsitz des Provinziallandtagsabgeordneten Stürtz in Anwesenheit des Oberpräsidenten Freiherrn von Lüninck zu einer Sitzung zusammen, um eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Der Vorsitzende gab zu Beginn der Sitzung bekannt, daß die Mitglieder des Provinzialausschusses Generaldirektor Borbet(bisher DRBP. und Freiherr von Oer(bisher Zentrum) erklärt haben, der Fraktion der RSDAP als Hospitanten beitreten zu wollen, und daß sie als solche von der nationalsozialistischen Fraktion ausgenommen worden seien. Der Staatskommissar der Provinzialverwaltung brachte dem Provinzialausschuß zur Kenntnis, daß er im Einvernehmen mit dem Oberpräsidenten den Konsistorial= rat Bommel, Münster, zum komm. Landesrat ernannt und ihm das Personaldezernat übertragen habe. Der Finanzdezernent der Provinzialverwaltung gab einen Bericht über die jetzige Finanzlage der Provinz. wobei er mitteilte, daß der Rechnungsabschluß für das Jahr 1932 ohne Fehlbetrag abschließt. Es ist also gelungen, die erheblichen Einnahmeausfälle aus dem Jahre 1932 durch eine straffe Verminderung der Ausgaben auszugleichen, sodaß aus 1932 keine Vorausbelastung für 1934 entsteht. Der„Finanzoezernent gab ferner einen Ueberblick über die Finanzentwicklung bei der Provinzialverwaltung im ersten Viertel des laufenden Verwaltungsjahres, in dem sich eine leichte Auflockerung der Zahlungsfähigkeit einer Anzahl von Stadt= und Landkreisen bemerkbar machte und berichtete dann weiter über die Pläne der Verwaltung zum Ausgleich des Haushalts 193.. Dem vom komm. Landeshauptmann vorgelegten Entwurf einer abgeänderten Besoldungsordnung für die Beamten der Provinz Westfalen, durch die auf Grund der vom Reich und Preußen kürzlich erlassenen Vorschriften eine Angleichung der Bezüge der Provinzialbeamten einschließlich der vorhandenen Ruhestandsbeamten an die der gleichzubewertenden Staatsbeamten festgelegt wird, stimmte der Provinzialausschuß zu. Mit dem von der Verwaltung vorgelegten Vorschlag über die Verteilung der Kosten der Wanderarbeitsstätten für das Rechnungsjahr 1932 auf die Kreise der Provinz erklärte sich der Provinzialausschuß einverstanden.— Zur Durchführung eines geplanten Erweiterungsbaues der Jugendherberge auf der Burg Altena wurde eine Beihilfe bewilligt. Für das Provinzialinstitut für westfälische Landes= und Volkskunde wurde einSatzung beschlossen, durch die die innere Organisation des Instituts neu festgelegt wird. Auf dem Gebiete der Kulturpflege wurden ferner zur Wiederherstellung und Erhaltung einiger wertvoller alter Baudenkmäler Beihilfen bewilligt, durch die zugleich infolge der geschaffenen Beschäftigungsmöglichkeiten zur Linderung der Not von Künstlern und Bauhandwerkern beigetragen wird. Der Provinzialausschuß nahm dann Kenntnis von dem am 17. September d. Is. vom Westfälischen Heimatbund geplanten Westfalentag in Münster, der eine großangelegte Kundgebung des Westfalentums unter dem Leitwort:„Heimat und Reich“ werden soll, wobei insbesondere auch die Beziehungen Westfalens zum deutschen Osten durch eine Ausstellung des Landesmuseums dargestellt werden sollen. Die Teilnahme maßgebender Regierungsmitglieder wird zu dieser Kundgebung erwartet, an deren Organisation neben dem Westfälischen Heimatbund der Oberpräsident, die Gauleiter von Westfalen=Nord und Westfalen=Süd und die Provinz beteiligt sind. Auf der Kundgebung werden sprechen: ein Mitglied der Reichsregierung, der Reichsleiter des Volksbundes für das Deutschtum im Auslande Dr. Steinacher, Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer und der um die Pflege von Volkstum und Heimat hochverdiente westfälische Heimatdichter Dr. h. c. Karl Wagenfeld. Ferienfreuden 191 großen Ferien. Heute beginnen die der Schuljugend. Für sieben und 5 mehr als sieben Räume einschl. Küche ind bewohnbarer Kammern. Nicht berücksichtigt sind dabei die leerstehenden gewerblichen Räume, die nicht gezählt worden sind. Zum Schluß sei noch gesagt, daß 26 746 Haushalungslisten ausgefüllt worden sind, daß wir also 191 Wohnungen leer. Davon halten 10 hlat glien der Schuljugend. Ful em enme ern ua Raum, 39 zwei, 74 drei, 39 vier, 15 fünf, 5 sechs, den die Schulhäuser verwaist sein, während sich das siohon und 5 mehr als sieben Räume einschl. Küche kleine Volk draußen herumtummelt, ledig aller großen Ferien, die Sehnsucht eine Reihe von Wochen wei kleine Volk draußen herumtummelt, ledig aller Pflicht, wandte ein Plätzchen bereithalten zu schönem Ferienaufenthalt. Aber auch die, die daheim bleiben müssen, werden sich die Tage und Wochen schon so zu gestalten wissen, daß sie ihrer Ferienzeit froh werden und reiches Erleben in Spiel und Wanderung und körperliche Kräftigung in Ausspannung und Tatenganz hingegeben der Freiheit und Erholung. Viele drang finden. Möge das Wetter ihnen hold sein und von ihnen sind am Samstag und Sonntag bereits in ihnen die Ferientage zu einer Quelle der Freude und die deutschen Lande hinausgefahren, wo sie Stärkung Kräftesammlung werden lassen. und Kräftigung an Leib und Seele erfahren sollen. Manche werden ihnen noch folgen, für die liebe VerAuch die Wallfahrt, die Gnadenbild in Stiepel ein religiöses Ereignis, das Herne, Wanne=Eickel, Castrop=Rauxel und Gelsen kirchen beteiligten sich trotz der Wetterungunst(die Vorhersage kündigte Regen an) außerordentlich zahlreich. Die Teilnehmer aus den einzelnen Städten kamen in Omnibussen, Sonderwagen der Straßenbahn, Fahrrädern und zu Fuß. Allein aus Herne wurdenrd. 900 Teilnehmer gezahlt. Das weite Rund um den Marienaltar unter den beiden Buchen war während des Levitenamtes, das von Domvikar Marx=Padervorn, Pfarrvikar Splitt und P. Scheidweiler zelebriert wurde, von Andächtigen gefüllt. Ein unvergeßlicher Anblick: Im Hinterrunde grüne Ruhrberge, gigantische Profile der roduktionsstätten der Berg= und Metallindustrie und vor der Wallfahrtskirche eine große Gemeinde von Pilgern aus dem Lande der Kohle. Weithin schallte der Lobgesang der Pilger, als das Levitenamt begann. Diözesanpräses Marx, Paderborn, der seit Jahren der Missionar der katholischen Arbeitervereine der Diözese Paderborn ist, verstand das Gebet, das aus dem Gesang der Ruhrarbeiter und Ruhrarbeitslosen herausklang. In seiner Predigt gab er zunächst eine zu Herzen gehende Einstimmung in den Sinn der Wallfahrt und des Opfers. Er erinnerte daran, daß viele von den Pilgern noch bis tief in die Nacht hinein gearbeitet hatten und doch dabei sein wollten. Sie alle kommen zur Gottesmutter, um ihre Fürbitte für die Not des Werkvolkes und die Not des ganzen deutschen Volkes zu erflehen. Bekenntnis wollen sie an dieser heiligen Stätte für Christus und die neuen Aufgaben der Zeit ablegen. Wenn er. der sagte:„Kommt zu mir, Ihr Mühseligen und Beladenen..., heute unter uns lebte und in die Fabriken, die Zechen und Häuser der Arbeiter ginge, er würde wiederum sagen:„Mich erbarmt des Volkes.“ Nicht nach Brot allein sehnt sich unsere Sehnsucht, so fuhr Domvikar Marx fort. Mit den Wallfahrern sehnen sich viele Menschen in unserem Lande nach der Anerkennung der Menschenpersönlichkeit, die früher in der Masse untergegangen war. Die Entwicklun hat gezeigt, daß der Mensch mehr sein will und mu als eine Nummer. Er kann nicht untergehen wollen in der Materie. Vom Christusglauben mit seiner Gemeinschaftskraft geht die Brücke zur neuen Zeit. Ihre Sehnsucht geht nach Gemeinschaft und Bruderliebe. In den Satzungen der katholischen Arbeitervereine steht es von jeher:„Einander Bruder sein!" Der Tarifvertrag genügt wirklich nicht. Wir brauchen das Bruderverhältnis. Und das bedingt eine lebendige Rückkehr zu Christus. Ohne ihn keine Gemeinschaft, ohne Gemeinschaft kein wahres Volk. Mit Hindeutung auf den Willen der neuen Staatsführung, die Abkehr vom Mammonismus zu stützen und die positive Förderung des Führertums durchzusetzen, wurde dann die Bedeutung des christlichen Führertums unter dem Leitgedanken des Königtums Christi betont und die Kraft der von Gott abgeleiteten Autorität. Der könne zum Heile der Gesamtheit als katholischer Arbeiter mitwirken in der Welt, der durch die Jüngerschule des katholischen Standesvereins gegangen sei. Die Werkjugend vor allem sei an den Wunsch des Hl. Vaters erinnert, Apostel zu werden. Mit solcher Gesinnung könnten unsere Vereine am Aufbau der Fundamente der Neuordnung mitwirken. Und solange es noch betende Jungmänner gibt, solange brauchen wir nicht verzagen. Darum könnten alle von dieser Glaubensfahrt einen unerschütterlichen Glauben mitnehmen. Wer so zu Wallfahrern aus dem Bezirk der Not spricht und sie zur friedwilligen, hoffnungsvollen Arbeit aufruft, bestärkt das Vertrauen, das im Reichskonkordat gerade den katholischen Vereinen in Deutschland direkt und indirekt ausgesprochen worden ist. Auch bei der Bannerweihe in der Andacht wurden die Pilger aufgefordert, die Kräfte der Religion für die Gegenwart zu mobilisieren. Mit dem Dankgesang„Großer Gott, wir loben dich“ wurde die Feierstunde beschlossen. Noch lange hallte der Klang der Lieder und Gebete in den Herzen nach, als die Prozessionen über die Ruhrberge in die Heimat pilgerten. 24 Die neue Kriegsopferversorgung Großer Kriegsopferaufmarsch in Dortmund. In großer Zahl nahmen auch die Kriegsbeschädigten aus Herne an der großen westfälischen Kriegsopferkundgebung teil. die am Sonntag in Dortmund in der Kampfbahn „Rote Erde" stattsand. Insgesamt war die Kundgebung wohl von 100 000 Teilnehmern aus ganz Westfalen besucht. Reichsarbeitsminister Seldte war durch Krankheit am Erscheinen verbindert. Er hatte der Kundgebung kameradschaftliche Grüße entboten. Der Reichsführer Hans Oberlindober hielt die Hauptansprache. Dabei erörterte er die Grundgedanken des neuen Kriegsopferversorgungsgesetzes. Die deutschen Soldaten seien nicht ausgezogen, um Rentenempfänger zu werden, sondern ihren Kindern die Heimat zu erhalten. Keine Esse würde mehr rauchen, wenn diese lebendige Mauer nicht standgehalten hätte. Daraus sei die Vervflichtung für die deut ihe Wirtschaft abzuletten, auch dem letzten Soldeten wieder eine Arbeitsstätte zu geden. In Zukunft würden nur solche Firmen Aufträge erhalten, die über das gesetzliche Pflichtmaß hinaus Kriegsopser und ebemalige Frontsoldaten beschäftigten. Auch der Sehnsucht ein Stuck Land sein eigen zu wissen, die in so manchem Frontsoldaten lebendig sei. wolle die Regierung durch ein großes Siedlungsgesetz eine befriedigende Lösung schaffen. Der deutsche So##at sei der erste Bürger Volkes. Der Reichsfudrer erklärte zum Schluß, das er in der deutschen Kriegsovserverlorgung weder Klassenkampf. noch Ste idesdunel dulden werde Er schloß mit einem Bekenntnis zu Adoll Hitler. Am Schluß wurden telegrapdisch eingegangene Gruße des Reichskanslers verlosen. Aus und für Herne Wendung zur Freude Verdrossen stolperst du eines Morgens den tägn sonst so gern hast, ärgert dich nur, denn gestern ichen Weg zu deinem Bütro entlang: Die Sonne, die ist dir dein freier Nachmittag grad ebenso gründlich eingeregnet wie das vergangene Wochenend, für das du von einem guten Freund zu einer Segelfahrt oder zu einem Autorutsch ins Grüne eingeladen warst, der so nun„selbstverständlich wieder einmal ins Wasser gefallen“ war. So geht es einem aber auch immer, haderst du mit dir herum:„Nimmt man sich einmal etwas vor und freut sich darauf, bestimmt kommt einem was in die Quere, und man hat das Nachsehen. Aber heute muß es schön werden, wo ich den ganzen lieben langen Tag über hinter den Mauern sitzen muß! Aber wie du eben im Gehen in deiner mißmutigen Versunkenheit den Kopf hangen laßt, daß man meinen könnte, du wolltest die Pflastersteine abzählen, da ruft es auf einmal neben dir: „Mensch! Hallo! Was ist denn mit dir los?“, und wie du nun leicht zusammenschreckend aufschaust, ist es ein guter, alter Bekannter von dir, den du schon lange, lange Zeit nicht mehr gesehen hast. Und mit dem du nun nach ein paar wenigen Worten— denn ihr habt sa beide keine Zeit zu verlieren— mit einer Verabredung zu einem soliden Viermännerskat ohne stunde wieder auseinander gehst. Kaum eine Minute hat die Begegnung gedauert, aber du bist nun wie umgewandelt! Deine Augen sind wieder vergnügt und klar und blicken wieder munter in der Runde spazieren. So geht es uns manchmal, und bestimmt hat jeder etwas ähnliches schon einmal erlebt. Wir sind, weil uns eine„Laus über die Leber gelaufen ist" gewissermaßen„vorsätzlich“ verärgert— es ist, als wenn da im Unbewußten eine Art Abwehr dagegen vorhanden sei. sich durch irgend etwas von seiner Verdrossenheit abbringen zu lassen— aber auf einmal ist etwas da, das uns überrumpelt und diese innere Abwehr völlig umrennt und über den Haufen wirft; und das ist dann ein rechtes Glück, denn sonst könnte es uns am Ende gar leicht so gehen, daß wir in einem solchen Fall des Abends noch ebenso als„Pflasterzähler" nach Hause gestiefelt waren, wie wir uns auf den Weg gemacht hatten! ... aber am besten sind freilich doch die Leute dran, die sich grundsätzlich erst gar nicht ärgern lassen! * 22 2 Oberstudiendirektor i. R. Dr. Wirtz verläßt Herne Heute, zum 1. August, verläßt Oberstudiendirektor 1. R. Dr. Wirg die Stadt seines langjährigen Wirkens, um nach Düsseldorf überzusiedeln. Mit ihm nimmt eine um das Herner höhere Schulwesen hochverdiente Persönlichkeit unserer Stadt Abschied. Ueber ein Vierteljahrhundert hat er in stiller, uneigennütziger und rastloser Tätigkeit der ihm anvertrauten Anstalt vorgestanden, die er im Jahre 1902 als Rektoratschule mit einer verhältnismäßig nur geringen Schülerzahl übernahm. Er hatte dann die Freude, sie zunächst zu einer Realschule nebst Progymnasium und dann in den Jahren 1909 bis 1912 zu einer Vollanstalt als Oberrealschule ausbauen zu können. Als er 1926 infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand trat, hinterließ er seinem Nachfolger Dr. Gagelmann eine blühende, angesehene Anstalt von weit über 600 Schülern. Nur schweren Herzens nahm er Abschied von der ihm liebgewordenen Tätigkeit und seiner Anstalt, an der er so vielen Generationen von Schülern nicht nur ein hervorragender Lehrer und Erzieher, sondern auch ein treuer Berater und ein Beispiel hingebender Pflichterfüllung gewesen war. Nicht leicht ist es ihm, dem Arbeit ein unentbehrliches Lebenselement war, geworden, sich in das Unvermeidliche, nämlich das süße Nichtstun, zu fügen. Auch mit der Stadt seines Wirkens fühlte er sich durch die langen Jahre seiner Tätigkeit, die nicht immer die verdiente Anerkennung fand, so verbunden, daß er nach seiner Pensionierung sich nicht sobald entschließen konnte, sie mit einer von Natur aus reicher bedachten zu vertauschen. Und wenn er jetzt im Alter von 72 Jahren aus familiären Gründen nach der schönen Rheinstadt Düsseldorf übersiedelt, so begleiten ihn und seine treue Gattin die besten Wünsche ihrer zahlreichen Freunde, Bekannten und ehemaligen Schüler für ihr ferneres Wohlergehen für hoffentlich noch recht viele Jahre. 25 Jahre in städtischen Diensten Am heutigen Tage können die bei der hiesigen städtischen Verwaltung tätigen Herren Vermessungsdirektor Ansorge und Kasseninspektor Lünstroth auf eine ununterbrochene 25jährige Dienstzeit zurückdlicken. Den zahlreichen Glückwünschen, die den Jubilaren zu ihrem Ehrentage zugehen, schließen wir uns an. **** Ferienreisende, vergeßt die Landwerker nicht! Jetzt, zur Reisezeit, richtet, wie die„Wandelhalle" meldet, der Reichsstand und Reichsverband des deutschen Handwerks einen Appell an alle Ferienreisende. Er weist darauf hin, daß die Not des Handwerks groß sei und daß die Handwerksbetriebe durch die Tat unterstützt werden müßten. Erfreulicherweise verzeichne der Handwerksmarkt eine gewisse Belebung in den meisten Zweigen. Aber es genüge nicht, nur Aufträge zu erteilen, es ergehe an alle Auftraggeber die dringende Bitte, mit der Bezahlung nicht allzu lange zu zogern. Gerade in der Reisezeit werde der Handwerker, der seine Arbeit geleistet habe, oft vergessen. Die Rechnung werde beiseite gelegt. obwohl Handwerker und Lieferant das Geld dringend brauchten. Sicher möge das kein böser Wille sein, aber das Kleingewerbe friste heute in den meisten Fällen nur ein kümmerliches Dasein. Bei der geringen Verdienstspanne sei es auf schnelle Bezahlung angewiesen. Es gehe darum nicht an, daß man vergnugt in die Ferien reise und den Handwerksmeister und Kleingewerbetreibenden vergesse und ihn einen Monat auf seinen Tohn warten Injeder guten Gaststätte finden Sie den Herner Anzeiger. Bitte, verlangen Sie ihn! lasse. An alle Ferienreisenden ergehe duher die dringende Bitte, mitzuhelsen am Wiederaufdan des Handwerks und für schnelle Bezahlung der geleisteten Arbeit Sorge zu tragen. *** Steuertermine im Monat August 1933 Reichssteuern. 5. August: Lohnabzug Ehestandshilfe der Lohnund Gehaltsempfänger und Abgabe zur Arbeitslosenhilse, soweit letztere mit dem Loynabzug zusammen zu entrichten ist, für die Zeit vom 16. bis 31. Juli 1933. Keine Schonfrist. 10. August: Umsatzsteuervoranmeldung und Umsatzsteuervorauszahlung für den Monat Juli 1933. Schonfrist bis 17. 8. 1933. 15. August: 1. Teilbetrag der Aufbringungsumlage für das Rechnungsjahr 1933. Keine Schonfrist.(Hierunter fallen nur Pflichtige mit einem Betriebsvermogen von mehr als 500 000 RM.) 15. August: Zweite Rate der Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1933(ein Viertel des Jahresbetrages). Keine Schonfrist. 21. August: Lohnabzug, Ehestandshilfe der Lohnund Gehaltsempfänger und Abgabe zur Arbeitslosenhilfe, soweit letztere mit dem Lohnabzug zusammen zu entrichten ist, für die Zeit vom 1. bis 15. 8. 1933. Keine Schonfrist. 31. August: Ablauf der Frist für die Anzeige auf Grund des Volksverratgesetzes(betr. ausländisches Vermögen und Devisen). Den Vermögenssteuerpflichtigen wird demnächst vom Finanzamt ein Vordruck zur„Anzeige auf Grund des Volksverratgesetzes“ und ein„Merkblatt zum Volksverratgesetz" zugesandt. Més. 1862 und„Schlägel und Eisen“ auf dem Gesangwettstreit. Der Herner Männergesangverein von 1862 und das Doppelquartett„Schlägel u. Eisen“, beide unter der Leitung von Eberhard Hennecke, beteiligten sich am Sonntag an dem Sängerwettstreit in Sprockhövel. Der Männergesangverein mußte sich im Klassensingen trotz sehr hoher Punktzahl mit dem dritten Preis zufriedengeben. In dem darauffolgenden Ehrensingen bekam er den zweiten und im Hauptehrensingen errang er mit Auspunktierung den ersten Hauptehrenpreis. Dieser Preis fiel auf das herrliche Volkslied„Liedesklage“ aus dem 16. Jahrhundert in der Bearbeitung von Wörg. Das Doppelquartett belegte im Klassenfingen evenfalls den dritten Platz. Im Ehrensingen brillierte es mit dem so sehr schwierigen Chor:„Nur wer die Sehnsucht kennt“ von Schubert und errang damit den ersten Ehrenpreis. Der wackeren Sängerschar von beiden Vereinen und seinem Leiter Ev. Hennecke unsem herzlichen Glückwunsch zu den erreichten Erfolgen! *** * F e s t g e n o m m e n wurde in Herne wieder eine Person wegen kommunistischer Umtriebe. * Vervotene Postkarten. Das Reichspostministerium weist erneut darauf hin, daß Postkarten, deren Vorderseite ganz oder teilweise in Felder zur Aufnahme nacheinander anzubringender Anschriften eingeteilt ist, ebenso wie im innerdeutschen Verkehr auch im zwischenstaatlichen Verkehr verboten sind und daher nicht befördert werden dürfen. * Sprechstunde für Angestellte. Heute findet die Sprechstunde des Verwaltungsinspektors Scholz der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte im Verwaltungsgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Herne, Schulstraße 24, von 14½ bis 16 Uhr statt. * 25jähriges Dienstsubiläum. Am heutigen Tage kann der Bürobeamte Artur Stoffregen, Schulstraße 17, auf ein 25jähriges Wirken bei der Bergwerksgesellschaft Hibernia zurückblicken. Herr Stoffregen, seit 1908 in Herne ansässig, kam nach kurzer Tätigkeit bei der Maschinenfabrik Baum vor 25 Jahren zur Hauptverwaltung. Wir rufen dem Jubilar zum silbernen Dienstjubiläum ein recht herzliches Glückauf zu. * F ü r d e n J o n d s d e r n a t i o n a l e n A r b e i t pendet die Belegschaft der Schachtanlage Lothringen 1=4 bis auf weiteres jeden Monat pro Mann 50 Pf. * Ein schwerer Motorradsturz. Der Motorradfahrer Willi H. aus der Bochumer Straße befand sich Montag morgen mit seinem Motorrad auf einer Fahrt nach Hagen. Auf der Chaussee zwischen Herdecke und Hagen riß plötzlich die Kette und im hohen Bogen stürzten er und seine Soziusfahrerin infolge Schleuderns der Maschine vom Rad Wahrend H. nur mit leichteren Verletzungen davonkam, trug seine Begleiterin schwere Kopf= und Armverletzungen davon und mußte mittels Unfallwagens dem Hagener Krankenhaus zugeführt werden. * Die leidige Unsitte. Kinder mit aufs Rad zu nehmen. wurde dem Bergmann B. aus der Uhlandstraße gestern morgen zum Verhängnis. Als er sein etwa 4 Jahre altes Söhnchen auf der Stange sitzen hatte und er im Ostbachtal einer Gruppe Spaziergänger ausweichen wollte, kam er zum Sturz. Während er fast unversehrt davonkam, erlitt das Kind, da es unter dem Rad lag, starke Gesichtswunden, die ärztliche Hilfe erforderlich machten. * Von einem Getreidewagen angefahren. Der kleine Sohn Bernhard der Famisie D. aus der Forellstraße befand sich gestern mit auf dem Felde Wann kann die Staatszugehörigkeit aberkannt werden? Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über Wider ruf von Einbürgerungen. Im Reichsgesetzblatt Nr. 87 vom 28. Juli wird die Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehorigreit vom 26. Juli veröffentlicht. Ob eine Einbürgerung als nicht erwünscht anzusehen ist, beurteilt sich danach nach völkisch=nationalen Grundsätzen. Im Vordergrunde stehen die rassischen, staatsbürgerlichen und kulturellen Gesichtspunkte für eine den Belangen von Reich und Volk zuträgliche Vermehrung der deutschen Bevölkerung durch Einbürgerung. Für den Widerruf der Einbürgerung kommen im besonderen in Betracht Ostjuden, es sei denn, daß sie auf deutscher Seite im Weltkriege an der Iront gekämpft oder sich um die deutschen Belange besonders verdient gemacht haben, sowie Personen, die sich eines schweren Vergevens oder eines Verbrechens schuldig gemacht oder sich sonstwie in einer dem Wohl von Staat und Volk abträglichen Weise verhalten haben. " Der Widerruf soll, soweit nicht besondere Umstände vorliegen, nicht ausgesprochen werden gegenüber Eingebürgerten, die vor dem 9. November 1918 die deutsche Staatsangehörigkeit besessen und sie auf Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrags und seiner Ausführungsabkommen ohne ihr Zutun verloren haben, sowie gegenüber Personen, die zufolge eines Einbürgerungsanspruchs gemäß den Bestimmungen des Reichs= und Staatsangehörigkeitsgesetzes vom 22. Juli 1913 eingebürgert worden sind. Die Gründe für den Widerruf werden nicht mitgeteilt. In der Widerrufsverfügung sind diejenigen Personen namentlich aufzuführen, auf die sich der Widerruf erstreckt. Der Widerruf kann nicht mit Rechtsmitteln angefochten werden. Ein der Treupflicht gegen Reich und Volk widersprechendes Verhalten ist gegeben, wenn ein Deutscher der feindseligen Propaganda gegen Deutschland Vorschub geleistei oder das deutsche Ansehen oder die Maßnahmen der nationalen Regierung herabzuwürdigen gesucht hat. Die Vermögensbeschlagnahme und die Verfallerklärung werden im„Reichsanzeiger“ veröffentlicht und mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung wirksam. Die Bergmannstracht soll wieder zu Ehren kommen Bemerkenswerte Anregungen im„Deutschen Bergknappen“. In der letzten Nummer der Zeitschrift„Der Bergbau“ veröffentlicht Dipl.=Ing. Meuß(Bochum) einen Aufruf an alle im Bergbau tätigen Volksgenossen, in dem alle Bergleute aufgefordert werden, bei festlichen Gelegenheiten die alte deutsche Bergmannstracht anzulegen.„Der deutsche Bergknappe“. das Fachblatt des deutschen Arbeiterverbandes des Bergbaues(Bochum, Nr. 5. vom 29. 7. 33) schließt sich diesem Aufruf an, der wie folgt lautet: In dem neuen Staatsaufbau soll unser Volk berufsständisch gegliedert werden. Demgemäß werden alle im Bergbau tätigen Volksgenossen im Berufsstand„Bergbau“ zusammengefaßt werden und wieder die Ehrenbezeichnung„Vergleute" tragen, im Gegensatz zu dem marxistisch anrüchigen„Vergarbeiter". Damit greifen wir zurück auf den alten Berufsstand der Bergleute, wie er von altersher hochgeehrt und angesehen im Volksleben bestanden hat. Nach außen wurde diese Zusammengehörigkeit der Bergleute dadurch verdeutlicht, daß alle Bergleute eine gemeinsame Berufskleidung trugen, den Kittel und das Arschleder, dazu die Mütze oder bei festlichen Gelegenheiten den Schachthut mit dem Federbusch. Leider ist dann in den letzten dreißig Jahren der„Bergarbeiter“ gekommen und damit diese alte schöne Kleidung im Ruhrbezirk mehr und mehr verschwunden, so daß man auf den Gruben nur noch sehr wenige Bergleute fand und findet, die diese gute Sitte in die neue Zeit herübergerettet haben. Nunmehr ist die Zeit, wo der„Vergarbeiter“, endgültig der„Vergangenheit“ angehören soll und wo aue„Bergleut jung und alt“ wieder als Vergleute nach außen hin geschlossen auftreten sollten, wo mit der organischen Zusammenfassung des Berufes der Oeffentlichkeit auch die Geschlossenheit der Bergleute durch die einheitliche Kleidung gezeigt werden sollte. Als am 1. Mai die riesigen Züge der arbeitenden Menschen durch die Straßen zogen, da fielen besonders erfreulich die Innungen der Metzger, Schlosser, Friseure u. a. in ihren Berufskleidern auf— nur die Bergleute fielen aus dem Rahmen, obgleich gerade sie in der glücklichen Lage sind, eine ebenso schöne wie kleidsame Berufstracht zu besitzen, die schöner und geschichtlich ehrwürdiger ist als die meisten anderen Berufskleidungen unserer Tage. Das gleiche Kleid bringt die Menschen auch sonst näher, und die schöne Bergmannstracht zwingt zu Kameradschaft und Verbundenheit, die im Zeichen der nationalen Erhebung unseres Volkes geistiges Allgemeingut werden sollen, besonders im Bergmannsstand. Wer hindert uns, zu den schönen alten Gepflogenheiten unserer Väter zu rückzukehren und wieder die alte, immer schöne Berg mannstracht in Ansehen zu bringen? Ja, ist das nicht geradezu heute ein Gebot der Stunde, alles Bindende hervorzuholen und in den Dienst der großen Volkseinigung zu stellen? Es wäre sicherlich ein schönes Bild am 1. Mai 1934, wenn dann alle Bergleute wieder in ihrer alten Tracht antreten würden. Wie wäre es, wenn die Betriebsräte, Betriebzellen u. a. diese Anregung aufgreifen würden und nun mit Tatkraft an die Arbeit gingen, um durch Vermittlung von Massenbezug und von Zahlungserleichterungen die Beschaffung wenigstens zunachst von Kittel und Mütze für alle zünftigen Bergleute zu erleichtern? Als Vorbilder für die Kleidung mögen die im Bergmuseum zu Bochum ausgestellten Modelle und Bilder dienen: ferner bestanden im staatlichen Bergbau Preußens Kleidervorschriften für die Berufskleidung der Bergleute aller Dienstgrade, die unverandert übemommen werden können. und geriet auf noch nicht bekannte Weise unter einen Einfahrwagen. Mit Brustquetschungen. Gesichts= und Kopfverletzungen mußte er dem Kath. Krankenhaus zugeführt werden. * Bei einem Fußballspiel erlitt ein 11jähriger Schüler aus der Hiberniastraße durch eien unglücklichen Sturz auf dem Spielfeld einen Schlusselbemnbruch und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. * Unfall beim Spiel. Der Schüler Otto Sa. aus der Castroper Straße hatte Montag morgen den Zaun an dem Güterbahnhof in Horsthausen erklettert und blieb, als er abspringen wollte, in einem Eisenband hängen, wobei er sich den rechten Arm brach. Der Junge mußte ins Krankenhaus geschafft werden. * J a h r r a d d i e b s t a h l. In der Nacht zum Sonntag wurde aus einem Stall des Grundstücks Alstedehof 12 durch Einbruch ein Herrenfahrrad, Marke und Nummer unbekannt, gestohlen. * Kellereinbruch. Im Laufe des Samstagnachmittags wurde in einem Hause in der Wiescherstraße ein Keller erbrochen. Ob etwas gestohlen wurde, hat sich noch nicht feststellen lassen. Wer kann über den Täter Angaben machen? * Der kath. Gesellenverein Börnig-Sodingen ladet nochmals zu dem heute stattfindenden musikalischen Abend beim Gastwirt Rembold ein. Es soll ein gemütliches Beisammensein in der Kolpingsfamilie werden. Der kleine Abendausflug wird jeden angenehme Stunden bereiten, wofür allein schon die Musikkapelle unter der Leitung von Wilhelm Scheppul. sorgen wird. Der Abmarsch erfolgt unter Vorantritt der Musikkapelle um ½8 Uhr vom Amtshaus. * Der Kriegerverein„Haeselerbund“, 16. A. A., Herne, hielt am 26. Juli in Holthausen auf dem Tell=Schießstand sein erstes Schulschießen ab, wobei sehr gute Resultate erzielt wurden. Kamerad Grona holte mit 6 Schuß 72 Ringe, Keßler mit 6 Schuß 71 Ringe, Brüning mit 6 Schuß 69 Ringe, Spielbrink mit 5 Schuß 56 Ringe, Dietzen mit 5 Schuß 55 Ringe Schlottmann mit 5 Schuß 54 Ringe. Außerdem schofsen 12 Kameraden mit je 5 Schuß zusammen 656 Ringe. Das zweite Schulschießen findet am Mittwoch dem 2. August, nachmittags 4 Uhr auf demselben Schießstand statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gegebeten. * Der Bergmanns-Verein Herne=Baukau-Nord hielt am Sonntag im Lokale Kuhlmann, Hafenstraße, seine außerordentliche Generalversammlung ab. Bevor man zur Tagesordnung überging, wurde vom 1. Vorsitzenden Michel Hoffmann sowie vom ganzen Vorstand und den Mitgliedern bestätigt, daß der Verein geschlossen hinter der nationalen Regierung steht. die für den Bergmannsstand ihre ganze Kraft einsetzt Der Verein gelobte, mitzuhelfen am Aufbau des neuen Deutschland, bis die Ziele erreicht sind, die unsere Volksführer sich gesteckt haben. Nach einen„Heil" auf die heutige Regierung ging man zur Tagesordnung über. * Postbeförderung mit Luftschiff„Graf Jeppelin“ Am 5. August beginnt in Friedrichshafen(Bodensee) die nächste Südamerikafahrt des Luftschiffs Zeppelin". Für gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und gewöhnliche Pakete an Empfänger in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay, die mit diesen Fahrten sowie mit den Anschlußflügen ab Berlin und in Südamerika befördert werden werden erhebliche Zeitgewinne erzielt. Die Sendungen müssen mit dem blauen Luftpostklebezettel und der Leitangabe„Mit Luftschiff Graf Zeppelin" versehen werden und bei dem Postamt Berlin C 2 bis zum 5. August um 11.30 Uhr, bei dem Postamt Friedrichshafen an demselben Tage bis 18 Uhr vorliegen. Die Beförderungsgebühr setzt sich aus der gewöhnlichen Freigebühr und einem besonderen Luftpostzuschlag zusammen, über dessen Höhe die Postanstalten Auskunft erteilen. Sämtliche Sendungen erhalten einen Sonderstempel, dessen Bild bei jeder Fahrt wechselt. Außer den schon bekanntgegebenen Fahrten führt das Luftschiff noch eine Fahrt nach Südamerika aus ab Friedrichshasen(Bodensee) am 19. August. Sendungen zur Beförderung mit dem Luftschiff bis Spanien werden nicht mehr angenommen, weil in Barcelona keine Lan dungen oder Postabwürfe mehr stattfinden. RSDAP.=Stadtverordnetenfraktion löst sich auf (m) Dorsten, 30. Juli. In der am Freitagabend abgehaltenen gemeinsamen Sitzung des Magistrates und der Stadtverordneten wurden zunächst für die beiden ausgeschiedenen Magistratsmitglieder des früheren Zentrums zwei Angehörige der NSDAP. in den Magistrat gewählt, ebenso an Stelle des bisherigen Zentrumsabgeordnetenvorstehers der Fraktionsführer der NSDAP., Lehrer Lorenz. Wie Beigeordneter Köster bekanntgab, hat nunmehr auch die Fraktion der NSDAP, sich aufgelöst, da im Stadtverordnetenkollegium nur noch eine große Volksgemeinschaft herrschen soll. Als Verbindungsmann zwischen der NSDAP. und der früheren Zentrumsfraktion wurde der Stadtverordnete Paul Schurholz benannt. Um Arbeitsgelegenheit zu schaffen, wurde ein Arbeitsbeschaffungsprogramm in einer Gesamthöhe von 345 000 Mk. angenommen, das noch der Zustimmung der Zwei-Drei- Rezept und Vierfrucht.: Pfirsiche, Seuerkirschen, Marmelade Aprikosen, Reinekleuden oder Mirebellen— ein zein oder in belebiger Mischuna— schr qut 1e. kleiner und mit 4 Pla. Zucker zum Kochen briegen. Hlereut 10 Minuten stark durchtochen, denn 1 Normalflosche Opekte zu 88 Pfa hinzurühren u. 1n Glaser füllen— Auzfunf. Rerepte sowie biltenen FUr Ihre Mermele dengläse: liegen jeder Flasche bei Opekte is1 nur ech mit Aue Trüchten gewonnen dem 10 Mlnuten-Topt. lochen-Opekte lei Opette in Pelvertern und wtro gerne Iüs kleine Portionen von 1 bie 4 Plund Merne. ade verwendel, de er schon in Päckchen zu 11 Penaio und 45 Pfennig zu haben Is1.— Packung für 1 Diund Mer nelede 54 Plennig. Gensus Reicpte sind euigeGruck! Schtung Rundfunk! Sie höten uber den Wesldeutschen Rundtunt jeden Mittwoch-Vormitteg 9.30 Uhr den schr hier essanten Lehrortrag aus der Opekta-Küche ,10 Mlnuten eur die fortschtittliche Haustrau“.— Reseptdurchgsbe Opekte-Rereptbuch, reich bebildert, erhelten Sie 0: 90 Pfennig in den Geschätten Falls vergrillen, gegen Vereinsendung von 20 Pfennig In Brietmarten von der OPEKIA-GESELLSCMAFI M. S. M., K OLN, RISNL S . ISe REERRESESSEEEE 5 igöETTSSS Seman F gigchgf SSSSSSEE Es Büd ven den Hebungsarbeiten. Im Jahfe 1799 strandete m der Nähe der friees schen Insel Tershelling das englische Segelschift „Lutine“, das einen Goldschatz an Bord hatte, in den inzwischen vergangenen 134 Jahren ist mmer wieder der Plan auigetaucht, den Schatz des Schiffes, dessen Lage man ungefähr kennt, zu beben. Jetzt hat ein deutscher Ingenieur, Franz Beckers, ernstliche Hiebungsarbeiten begonnen. Mit einem von ihm selbst konstruierten kegelförmigen Stahlturm, dessen Durchmesser unten 12 und oben 3 Meter betragt und der ein Eigengewicht von 100000 Kilogramm hat, wird gearbeitet. Der urm wird an der Stelle versenkt, wo sich das Wrack befindet. in den Turm ist em starker Plugzeugmotor montiert, der eine Pumpe betä tigt und den Sand heraussaugt. Die Arbeiten meressieren das große Publikum so stark, daß schon Sonderausflüge mit Dampfern von der Küste aus dorthin unternommen wurden. und notierte:„Kaltes Bad, drei Kognaks, Bett!" Inzwischen war der wohlwollende ältere Herr ausgestiegen, und ein gleichfalls wohlwollender älterer Herr, der Peter gegenüber saß, bemerkte:„Kaltes Bad ist salsch! Heißes Bad muß es sein; die Japaner, die secr zum Schnupsen neigen, nehmen als Vorbeugungsmittel die Bäder so heiß, als sie es irgend ertragen konnen. Aber die drei Kognaks sind richtig!“ Peter notierte:„Heißes Bad. drei Kognaks!“ Er hätte den wohlwollenden älteren Herrn gern gefragt, wie das mit dem Bett wäre, aber der Zug hielt, und er mußte aussteigen. Bei Tante Martha traf er auch Tante Elfriede und die Tante Berta. wie jeden Donnerstag. Als er die Kaffeetasse zum Munde führen wollte, mußte er niesen. Die drei Damen fuhren erschreckt auf.„Schnupsen!", konstatierte Tante Martha als die älteste.„Schnupfen", echote Tante Elfriede—„Schnupfen!", flüsterte Tante Bertha. Eine warme Wolle von Mitleid ergoß sich üder den bedauernswerten Reffen. „Aber bitte“, wehrte sich Peter.„er ist doch erst im Anzug „Dann mußt du aber entschieden etwas dagegen tun", erklärte Tante Martha,„Schnupfen— warte einmal: Kamillentee, so heiß wie möglich getrunken, und dann schwitzen, schwitzen, schwitzen!“ „Aber nein, liebste Martha!“ rief Tante Elfriede. „Kamillentee ist nicht das Richtige: Lindenblütentee beruhigt die Schleimhäute und wirkt viel mehr schweißtreibend, als Kamillentee!“ „Um Gotteswillen!", entsetzte sich Tante Bertha. „wollt Ihr dem armen Jungen eine schwere Krankheit anhängen? Das einzig Mögliche ist Tee vom Tausendguldenkraut. Kamillentee hilft gegen Migräne, Lindenblütentee ist gut bei Angina, aber gegen Schnupfen hilft ausschließlich das Tausendguldenkraut!" Peter zog sein Notizbuch, und während die drei Tanten sich lebhaft über die Wirkung der drei Teearten sich zankten, notierte er:„Kamillentee, Lindenblütentee, Tee vom Tausendguldenkraut!“ Und da ihm von den drei Tanten jede gleich sympathisch war, nahm er ihre Ratschläge auch als völlig gleichwertig hin, trank seinen Kaffee und aß den Kuchen, den Tante Martha gebacken hatte, und nieste nur noch ein einziges Mal, und zwar keineswegs sehr heftig. Nachdem die anderthalb Stunden abgelaufen waren, die er programmgemäß bei den drei Tanten bleiben mußte, empfahl er sich „Kamilleutee!“, rief die Tante Martha, als er iht Abschied nehmend die Hand küßte. „Lindenblütentee!“, sagte Tante Elfriede streitbar, und maß ihre ältere Schwester mit einem bösen Blick. „Tee vom Tausendguldenkraut!“, sagte Tante Bertha leise, die ihm auf den Korridor begleitet hatte. „Und ruf' auch morgen oder spätestens übermorgen an“, wie es dir geht!" Peter begab sich nun— es kann nicht verschwiegen werden— in eine Tanzbar, wo er eine junge Dame traf, die sein sonst so geordnetes Leben gelegentlich ein wenig in Verwirrung brachte. „Schnupfen", fragte sie, als Peter sauft nieste. „Mach dir nichts draus, Peterchen! Da läufst du morgen einfach eine Stunde in den Stadtwald. pumpst dich mit frischer Luft voll. und die Geschichte ist erledigt!“ „Einstündiger Spaziergang!“, notierte Peter gewissenhaft. Nachdem er die junge Dame, die in einem Theater als Edelkomparsin tätig war, an die Stätte ihrer Wirksamkeit gebracht hatte, suchte er das Restaurant auf. in dem er sein Abendbrot einzunehmen pflegte. Dort traf er seinen Freund Paul. „Was machst du für ein komisches Gesicht, Peter?“, fragte Paul. „Ich fürchte, ich bekomme einen Schnupfen!" „Fürchte! Als ob das auch etwas wäre! Uebrigens — wenn er erst im Anzug ist, kannst du ja vorbeugen Setz' dich einfach unter Alkohol, und die Geschichte ist erledigt. Weggeblasen!“ „Wie macht man das?“ „Höchst einfach: nimm dir einen Liter Rum mit nach Hause— den trinkst du im Laufe des Abends aus. Wenn dir der Rum zu stark ist, brau dir Grog — wie man das macht, wirst du ja wohl verstehn. Und dann ins Bett. Morgen ist vom Schnupfen keine Spur mehr vorhanden!" Peter notierte:„Ein Liter Rum, eotl. als Grog zu nehmen!“ Als er nach Hause kam, studierte er aufmerksam die Eintragungen in sein Notizbuch, dann rief er seine Wirtin und konferierte mit ihr eine Viertelstunde. Dann nahm er ein eiskaltes Bad und drei Kognaks. Dann ein siedheißes Bad und drei Kognaks. Dann legte er sich zu Bett, und trank zunächst eine Tasse Kamillentee, dann eine Tasse Lindenblütentee, dann eine Tasse Tee vom Tausendguldenkraut. Dann ließ er sich einen Liter siedendes Wasser zu Zucker bringen, mixte das mit dem Liter Rum zusammen, und trank das Gebräu bis auf einen ganz kleinen Rest, den er nicht mehr bewältigen konnte, weil ihn das Bewußtsein verlassen hatte. Am anderen Morgen erwachte er mit entsetzlichen Kopfschmerzen; mit einem schaudervollen Gefühl im Magen. Unter großen Beschwerden studierte er sein Notizbuch— hatte er vielleicht doch etwas falsch gemacht Oh— der Spaziergang fehlte ja noch, der einstündige Spaziergang im Stadtpark! Trotz entsetzlicher Uebelkeit und einer richtiggehenden Alkoholvergiftung erhob sich Peter gewissenhaft, zog sich an und ging auf die Straße. Aber die Straße war verregnet, Peter glitt aus, stürzte und brach das Bein. In schrecklichem Zustand hat man ihn in das Spital gebracht. Aber den Schnupfen hat er nicht bekommen! DIE BUNTE WELT In Kohlen umgerechnet Man muß schon ein ausgesprochener Schöngeist sein und dabei für„tiesere Prodleme“ viel Zeit übrig haben, um eine Rechnung aufzumachen, wie sie kürzlich zustandegekommen ist: über den Verbrauch des menschlichen Muskelsystems umgerechnet nach Kilogramm Kohlen. Die Bezwingung eines Berges wie des Monte Rosa präsentiert eine Menge Steinkohle im Gewicht von 13 Kilogramm. Beweis:... Hier ist er. Man braucht etwa 10 Stunden, um diesen Berg von 3400 Meter zu bezwingen. Die Beinmuskulatur muß. um ein durchschnittliches Gewicht von 75 Kilogramm auf die Höhe von 3400 Meter Hohe zu tragen, dabei eine Arbeit leisten im Betrag von 255 000 Kilogramm. nämlich 75 mal 3400. Die Muskeltätigkeit des Herzens deträgt 33.000 Kilogrammeter in den 10 Ctunden des Aufstiegs. Die Brunmuskulatur wird mit 990 Kilogrammeter errechunt Nun sind aber auch die Armmuskeln in Bewegung, sei es beim Klimmen bzw. beim Gebrauch des Eispickels. Dafür gehen mindestens 25000 Kilo= grammeter drauf. Zählt man schließlich noch die Anspannung der Füße unter sorgfältiger Veranschlagung einer Anzahl von Stürzen und Fehltritten hinzu, sowie die Hilfe, die man den Gefährdeten leisten muß, se werden auch dafür noch mindestens 18000 Kilogrammeter ausgewandt werden müssen. Das ergibt an 340 000 Kilogrammeter oder pro Stunde 34.000, was einer Fünftel Pferdekraft entspricht. Diese aber wird gleichgesetzt einer solchen von 8 Kilogramm Dampf. Um ein Ps in einer Stunde zu erhalten, müssen 39 Kilogramm Dampf aufgewendet werden, ein Kilogramm Steinkohle ergibt aber 6 Kilogramm Dampf, was bei einer Fünftel Pferdekraft gleichbedeutend ist mit 1.33 Kilogramm Steinkohle pro Stunde und demgemäß für 10 Stunden genau 13,3 Kilogramm Stein= kohle. Quod erat demonstrandum! sagt der Mathematiauis Was zu bemeiien mar Wenn der Mensch„wie ein Vogel ißt“ Es ist das Schicksal vieler sprichwörtlich gewordenen „Wahrheiten“, daß die heutige Zeit ihre Unhaltbarkeit nachweist und oft das gerade Gegenteil feststellt. Eine höfliche Gastgeberin muß sich heute also hüten, zu einem Gast zu sagen:„Sie essen wie ein Vogel“. Sie würde ihn damit aufs schwerste beleidigen. Denn ein Mensch, der wie ein Vogel äße, müßte seine 26 bis 30 Pfund täglich verzehren. Man hat nämlich durch Versuche festgestellt, daß ein Vogel täglich eine Nahrungsmenge zu sich nimmt, die einem Fünftel seines eigenen Gewichts entspricht. Die wildlebenden Vögel verbringen demgemäß auch den größten Teil des Tages mit Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme. Das Eigentümliche ist, daß der Appetit umso großer je kleiner der Vogel ist. Ein Kanarienvogel zum Beispiel, der nur 16 Gramm wog, verzehrte in einem Monat 512 Gramm Nahrung, also etwa das Zweiunddreißigfache seines Gewichts. Er muß also jeden Tag ebensoviel aefressen haben, wie er selber wog. Am Herdfeuer# nr. 88* Uuterhaltungsbeilage zum Heener Anzeiger= 1033 F. Rohrbacher-Verlag, Berlin-Lichterfelde Roman von Walther Hjalmar Kotas Hasselfelder Weg11e Nachdruck verbolen „Dieses Geld haben Sie sich leichter erworben, als Sie es sich in Batavia verdienen werden, Viscount", jagte Raj Singit Pandhu. „Geben Sie für heute auf, Hoheit?“ „Ich denke nicht daran.“ Der Viscount mischte wieder die Karten. Die Spielwut hatte ihn gepackt. Er merkte nicht, wie der Inder mit kaltem, wartendem Blick jede seiner Bewegungen verfolgte, wie er sich an der Gier dieses Mannes weidete. „Und wo gedenken Sie in Batavia zu wohnen?“ fragte er plötzlich. Der Viscount schreckte auf. „Ich— ich glaube in Buitenzorg.“ „Hat Ihnen denn Ihr zukünftiger Chef gar nicht mitgeteilt, ob und wo er Ihnen eine Wohnung bereitstellen wird?" „Ach, das hat doch dis zur Ankunft Zeit“. entgegnete der Viscount irritiert. „Fünf Pfund“, sagte der Radscha unvermittelt. Der Viscount griff sich an die Stirn. Die sprunghafte Konversation mit diesem indischen Luchs, der ihn überall zu belauern schien, wurde nachgerade nervenzerreibend. „Zehn“, fauchte Rutham. „Zwanzig.“ „Vierzig.“ „Achtzig.“ „Hundertsechzig.“ „Ich bitte um Oeffnung." Rutham deckte sein Blatt auf. Flusch. Kühl schob der Inder das Geld dem Gewinner zu. Dann sah er sein Gegenüber plötzlich mit durchdringendem Blick, der nicht mehr losließ, an. „Ich glaube, Viscount. Sie haben heute bereits genug gewonnen. Wir wollen das Blättchen einmal wenden. Gestatten Sie.. Er nahm die Karten, schichtete sie säuberlich zusammen und steckte sie in die Tasche. Dann zog er aus einer anderen Tasche ein neues Spiel und legte es ruhig auf den Tisch. Der Viscount starrte seinen Partner verblüfft an. Dieser lächelte, daß die weißen Eckzähne aus den Mundwinkeln blinkten. „Wir wollen es einmal mit diesen Karten versuchen. Vielleicht sind sie noch besser als die Ihren, Viscount.“ „Hoheit, ich verstehe nicht—“ „O doch. Sie verstehen ganz genau, Viscount. Nun werden Sie mir Revanche geben.“ Erregt griff der Viscount nach den Karten und wollte sich entfernen. Aber der Inder saßte ruhig seine Hand und hielt sie mit eiserner Kraft fest. Beständig umspielte seine Züge dasselbe gleichgültig=höfliche Lächeln. Der Viscount versuchte, dem Gegner die Hand zu entziehen, dabet verschob sich die Manschette seines Hemdes nach oben. Mit blitzschneller Anstrengung aller seiner Kräfte riß der Engländer seine Hand aus der stählernen Umklammerung. Der Inder senkte die Lider. Angstvoll blickte der Viscount zu ihm auf. Hatte er auch das gesehen? Doch die Züge des Radscha blieben undurchdringlich. „Sie werden mir also die Revanche nicht vorweigern, Viscount?“ Rutham versuchte, den Beleidigten zu spielen „Nach all dem, was vorgefallen ist, muß ich die Partie abbrechen.“ „O nein“, entgegnete der Inder mit drohender Höflichkeit.„Sie werden weiterspielen, Viscount. Sie werden mit meinen Karten weiterspielen. Sie wissen, daß es für die Gäste interessant wäre, einen Kartenkünstler, wie Sie es zu sein scheinen, näher kennenzulernen. Wenn Sie also durchaus keinen Wert darauf legen, das Spiel fortzusetzen. so werden Sie mie wenigstens das Vergnügen gestatten, die Herrschaften hier im Saale auf Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten im Eskamotieren und Volteschlagen aufmerksam zu machen. Das dürfte sicher auch in Batavia einiges Aufsehen erregen.“ Er machte eine Pause und weidete sich an der ohnmächtigen Wut des andern. Dann fragte er:„Nun? Darf ich Sie zum letztenmal zur Fortsetzung des Spieles einladen? Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen noch mitteilen, daß meine Karten nicht gezeichnet sind— zum Unterschied von den Ihren.“ Rutham gab sich geschlagen. Er erhod sich „Ich— ich nehme das Spiel an“, stammelte er leise.„Und— und verzeihen Sie mir, wenn ich in ung-Amerika iroinier! Araber Auf einer großen Pferdeschau des staatlichen Gestals in Pomona(Kalttornien) wird Miß Mona Lindley die Araberpierde, den Stoiz des Oestats, vorführen. einem unbedachten Augendlick...“ Er hielt inne und sad angstvoll seinen Gegner an. Raj Singit Pandhu lächelte. „Sie sind noch jung. Viscount. Wir wollen die Sache mit diesem Nevenchespiel abgetan sein lassen.“ Der Engländer atmete auf. „Thank von.“ Er setzte sich wieder und nahm die Karten zur Hand. Das Spiel war wechselvoll, doch schließlich hatte der Inder so ziemlich seinen ganzen Verlust zurückgewonnen. Den Viscount aber hatte das Spielfieber jetzt um so mehr gepackt, als er im Verlieren war Er mußte gewinnen... er mußte! Da... Was für ein herrliches Blatt! Nur eine Karte noch. Er zog... Ein kleines Lächeln flog über seine verknifsenen, blutleeren Lippen. Flusch in Pique. „Zehn Pfund“, bot er. „Zwanzig“, replizierte der Inder. „Vierzig." „Achtzig.“ „Hundertsechzig.“ Finshandert“ Der Viscount sah auf. Der Inder saß mit undurchdringlicher Miene da. Was konnte er im Blatt haben? Einen Vierling?... Und wenn es ein Fünfling war ... Sein Blatt war noch immer besser. „Tausend“, sagte Rutham mit fester Stimme. „Zweitausend", antwortete der Inder gleichmütig. Der Viscount schwankte. Sollte er noch weiter gehen? Rein, jetzt war es genug. Er deckte auf. Der Inder besah die Karten des andern. Dann sagte er kurz:„Das tut mir leid.“ Er öffnete sein Blatt. „Um Sie“, setzte er dann hinzu.„Roval Flusch in Herz." Der Visconnt harrte die Karten des andern geistesabwesend an „Sie spielen zu nervös. Viscount“. tönte mit überlegenem Hodn die Stimme Nas Singtt Pandhus auf. Der kalte Klang ernüchterte den Englander. Mit schlechtverhülltem Haß sah er den Gegner an. „Ich habe gegenwärtig nicht so viel Geld bei mir.“ Der Inder sah auf die Uhr. „Ich bleide noch eine Weile hier. Sie konnen das Geld ja aus Ihrer Kadine holen.“ „Dringen Sie auf sofortige Bereinigung der Schuld?“ „In diesem einen Falle ja.“ Rutham erhod sich. Mit zitternder Stimme sagte er: „Ich wußte nicht, daß ein englischer Gentleman in indischen Augen nicht kreditfähig is.“ „Ein Gentleman ja. Ein Falschspieler nicht“ Ein Zucken ging durch den Visconnt. Es war, als wollte er sich auf den andern stürzen. Aber nur einen Augendlick lang. Dann sank er schlaff zusammon und sagte tonlos:„Ich werde das Geld holen" Gr ging Seine Schritte waron fest. Trogz allem Der Inder sah ihm nach, dann setzte er sich an seinen Tisch und nahm eine Zeitung auf. Wr. Alscott, dor in sämtlichen Partien von Dr. Bi Tung geschlagen worden war, ruckte ärgerlich das Schachbrett fort und sagte: „Nun lassen Sie's für heute genug sein, Doktor. Ich win jegt mal'n dißchen das Terrain sondieren geben. Der Madaradscha sitzt wie festgenagelt an seinem Tisch. vielleicht gelingt es mir. ein Endchen von seiner allerhöchsten Gemahlin zu sehen. Kommen Sie mit.“ Im Gehen begegnete ihnen Herr Treitsche mit Gemahlin, die am Arm ihres Gatten in großer Aufmachung daberschritt. Ihren Budikopf hatte sie von der Friseuse in drei Etagen staffeln lassen, sodaß die Haarwellen aussaben wie die hängenden Gärten der Semiramis. Kaum hatte Herr Treitsche Arvid Larsen erblickt, als er auch schon auf dessen Tisch lossteuerte, ganz undekümmert, ob dort eine fremde Dame saß oder nicht. „Ih. gu'n Ahmd. Herr Larsen! Freit mich, des ch Se noch dräffe. Also was sagen Se zu dem Dawldot?— Ach bardong. Enädigste, gestatten Se. deß# mer vorstelle. Mein Name is nämlich Treitsche. Inhaber der Ferma Treitiche und Sauerabbel, Leepzich Emilchenstraße, gleich fisafih von der sanidaren Staziong. Wenn Se mal was in Gostumstoffen brauchen... Ja. bardong, das is meine Frau. die Garoline... Ei, Herr Jäses. Se sind ne Eesterreicherin! Nee. das is zum Schießen! Nu sind mer doch schon drei Deitsche uffn Schiff...“ Er ließ sich mit seiner Frau an dem Tische nieder Aroid Larsen sah seine neue Bekannte mit vielsagendem Lächeln an und verstehend legte sie die Karten zusammen. Frau Garoline, die mit keiner Menschenseele an Bord verkedren konnte— vor dem I Burnen* Sport* Sphel Meldungen zu den Deutschen Meisterschaften fur Die Deutsche Sportbebörde hat jetzt das Meldeergebnis die Deutschen Leichtathletik=Meisterschaften 1933 am 12. und 13. August in Köln bekannt gegeben. In der Erkenntnis, daß für die Kämpfe um den Titel„Deutscher Meister“ nur die Besten in Frage kommen. wurden von allen Vereinen und Verbänden nur die aussichtsreichsten Bewerber gemeldet. Nachstebend ein Auszug aus diesem Meldeergebnis: 100 Meter: Verteidiger: Jonath(Bochum) 10.6 Sek. 27 Meldungen. u. a. von Jonatb. Vent. Buhe=Vieper. Borchmever(alle Bochum). Pflug. Körnig. Müller(SC. Charlottenburg). Hendrix. Heithoff(beide Preuben Krefeld) Kurz(BSC. 99 Offenbach). Lammers. Nelles(Oldenburg). Eldracher(Gießen). Schein(Hamburger SV.), Geerling (Eintr. Frankfurt). Mölle. Kremer(KBC. Köln) und Melles(TG. Borbeck). 200 Meter: Verteidiger: Jonath(Bochum). 21.2 Sek. 22 Meldungen. u. a. von Jonath, Borchmever. Butbe=Piever (alle Bochum), Körnig. Müller. Pflug(alle SC. Charlotten= burg). Melles(TG. Borbeck). Geerling(Eintr. Frankfurt). Eldracher(Gießen). Hendrix. Küsters(beide Preußen Kreseld), Schein(Hamburger SV.). Mölle(Kölner BC.). Kurz (BSC. 99 Offenbach) und Lammers(Oldenburg. 400 Meter: Verteidiger: Metzner(Frankfurt). 21 Meldungen. u. a. von Voigt(DSC. Berlin). Leseber(Düsseldorfer SC. 99). Bergmann(Quisburg 99). Mezner(Eintr. Frankfurt). Helmle(IESV. Frankfurt). Beneke(Hamburger SV.). Nottdrock. Nöller(beide ASV. Köln). Nebb(3V. Rastatt) und Dr. Münzinger(Stuttgarter Kickers). 800 Meter: Verteidiger: Dr. Pelter(Stettin) 1:54.4. 27 Meldungen. u. a. von Vach(Barmer TV.). Engelbard (Siemens Berlin). Müller(Zehlendorf). Adrabam(PsV. Berlin). Leseber(Düsseldorfer SC. 99), Kaufmann(DSC. Hanngver), Danz(Hessen=Preußen Kassel). Müller(Mara, thon Leipzig). Dr. Peltzer(Preußen Stettin). Paul(Stuttgarter Kickers) und Pochat(Oldesloer SV.). 1500 Meter: Verteidiger: Wichmann(SC. Charlotten= burg) 4:01.8, 21 Meldungen. u. a. von Bach(Barmer TV.) Gottschalk(Allianz Berlin).„Wichmann(SC. Charlotten= burg). Schilgen(ASC. Darmstadt). Altenboven(TV. EssenMaxgaretenhöhe). Boltze(Hamburger SV.). Patzwahl (Viktoria Hamburg). Kaufmann(DSC. Hannover) und Müller(Marathon Leipzig). 5000 Meter: Verteidiger: Syring(Wittenberg) 14:56.4 Min. 15 Meldungen. u. a. von Göhrt(Berl. SC.). Konn (PSV. Berlin). Mollitor(Vikt. Hamburg). Kapv(München). Helber(Reichsbaon Stuttgart). Kelm(Schwarz=Gelb Unna). Holthuis(Union Weener). Spring(KXV. Wittenberg). 10 000 Meter: Verteidiger: Spring(Wittenberg) 31:21.2 Min. 17 Meldungen. u. a. von Kohn(PsV. Berlin). Gebhardt(PsV. Chemnitz). Mollitor(Vikt. Hamburg). Bree (Berliner SC.). Kavo(München). Helber(Reichsbahn Stuttgart). Kelm(Schwarz=Gelb Unna). Holtbuis(Union Weener) und Syring(KXV. Wittenberg). Marathonlauf: Verteidiger: Brauch(Berlin) 2:41:34.8 Std. 48 Meldungen. u. a. von de Bruon(Berliner SC.). Brauch(Osram Berlin). L. Reichel(Bajuwaren München). Bornewasser(VfB. Remscheid). Suhr(Eimsbüttel Hamburg). Kreglinger(Wilhelmsbaven). Peter(Maratbon Leipzig) und Gaßner(ViR. Mannbeim). Marathon=Mannschaftswettbewerb(erstmalig im Programm): 3 Meldungen. von Osram Berlin. SC. Cbarlotten. burg und Sportfrd. Spandau. 110 Meter Hürden: Verteidiger: Wegner(Schöneberg) 14.8 Sek. 14 Meldungen. u. a. von Wegner(TSV. Schöne. berg). Nöller 2(Bonner FV.). Wienecke(Duisburg 99). Welscher(Eintr. Frankfurt). Pollmanns(Sportfrd. Neuß). Huber und Schenk(beide Stuttgarter Kickers). 400 Meter Hürden: Verteidiger: Nottbrock(Köln) 54.4 Sek. 12 Meldungen. u. a. von Scheele(PsV. Altona). Nöller 2(Bonner FV.). Nottbrock(ASV. Köln), Kürten (Post=SV. Düsseldori). Sitzenstock(Berliner SC.) und Boehm(1. FC. Nürnberg). 4=mal=100=Meter=Staffel: Verteidiger: Eintracht Frankfurt 41.9 Sek. 11 Meldungen. u. a. von Tus Bochum. SC. Charlottenburg. Quisburg 99. Eintracht Frankfurt. Preußen Krefeld. ViL. Orvo Oldenburg und TV. Eimsbüttel Hamburg. L=mal=400=Meter=Meter=Staffel: Verteidiger: Polizei=SV Berlin 3:20.0 Min. 9 Meldungen. u. a. von Berliner SC., Zehlendorf Berlin. Polizei=SV. Berlin. I6SV. Frankfurt a. M.. Hamburger SV. Stuttgarter Kickers. 4=mal=1590=Meter=Staffel: Verteidiger: SC. Charlotten. burg 16:36.2 Min. 12 Meldungen. u. a. von Berliner SC. Viktoria Hamburg. DSV. 78 Hannover. Hessen=Preußen Kassel. VfB. Remscheid. Stettiner SC., Stuttgarter Kickers Dreisprung: Verteidiger: Drechsel(Thalbeim) 13.96 Meter. 9 Meldungen. u. a. von Bonnet(Polizei=SV. Berlin). Lebmann(Arminia Hannover). Wolf(Kölner BC.). Drechsel(Thalbeim) und Weikmann(Nürnberger SC.). Hochivrung: Verteidiger: Bornböfft(Limbach) 1.93 Meter. 14 Meldungen. u. a. von Ladwis(DSC. Berlin). Plietb(Tus Bochum), Busch(AsV Köln). Vornhöfft (AXV. Limbach). Stechemesser(Preuß. Münster). Bonneder (Jahn Regensburg) und Lebmann(Arminia Hannover). Stabdochsprung: Verteidiger: Müller(Kuchen) 4.05 Meter. 9 Meldungen. u. a. von Schulz(Berliner SC.). Dwiza(Tus Bochum). Vorn(Polizei Bochum), Wegner (VfL. Halle). Müller(TV. Kuchen) und Waibel(VfB. Stuttgart). Weitsorung: Verteidiger: Köchermann(Hamburg) 7.32 Meter. 15 Meldungen u. a. von Biebach(Polizei=SP Halle). Grablev(Polizei=SV. Hamburg). Mölle(Kölner BC.). Huder. Scheck(beide Stuttgarter Kickers) und Wittmann(Polizei Würsburg). Kugelstoßzen: Verteidiger: Hirschfeld(Wünsdorf) 15.86 Meter. 13 Meldungen. u. a. von Hirschfeld(Allenstein). Seraidaris(Dresdener SC.), Berg(IGSV. Frankfurt a. M.). Sievert(TV. Eimshüttel). Werring(Gronau 09). Lampert(Karlsruber FP.). Debus(ASV. Köln), Reomann (SV. Rendsburg) und Woellke(Polizei=SV. Berlin). Diskuswerfen: Verteidiger: Hirschfeld(Wünsdorf) 46.08 Meter. 15 Meldungen. u. a. von Hirschfeld(Allenstein). Hänchen(SC. Charlottenburg). Berg(IGSV. Frankfurt a. M.). Kilo(Gießen 1900). Sievert(TV. Eimsbüttel). Lamvert(Karlsruber FV.). Debus(ASV. Köln). Hoffmeister(SC. Münster) und Reomann(SV. Rendsburg). Sveerwerfen: Verteidiger: Weimann(Leipzig) 67.23 Meter. 9 Meldungen. u. a. von Stöck(SC. Charlotten= burg). Weimann(Wacker Leipzig). Vögelin(SC. Münster) Huber und Bartb(Stuttgarter Kickers). Hammerwersen: Vertejdiger: Erimm(Preuben Pader= dorn) 44.98 Meter. 5 Meldungen u. a. von Grimm(Preugen Paderborn). Manz(Jahn Regensburg). Katz(SC. Charlottenburg). Reiser(Polizei Manndeim). Niemeier (Dresdener SC.). Schleuderballwersen: Verteidiger: Reymann(SV. Rendsburg) 63.60 Meter. 14 Meldungen. u. a. von Hirschfeld Allenstein), Eberle(Berliner SC.). Wiegandt(Düsseldorfer SC. 99). Heiberg(Schwarz=Weiß Essen). Renmann(SV. Rendsburg). Große(Zwickau) und Depvenbrock(ASC. Darmstadt). Steinstohen: Verteidiger: Debus(Köln) 10.49 Meter. 11 Meldungen, u. a. von Berg(IGSV. Frankfurt a. M.). Debus ASV. Köln). Reomann(SV. Rendsburg). Landsberg(DLC. Aachen) und Mever(DSV. 78 Hannover). Zehnkampf: Verteidiger: Eberle(Berlin) 7865.455 P 15 Meldungen. u. a. von Eberle(Berliner SC.). Ladewig (DSC. Berlin). Sievert(TV. Eimsbüttel). Dr. Dinkler Heidelherg). Stechemesser(Preußen Münster). Kovo(Nürnberger SC.) und Große(Zwickau). Pferdesport Rennen zu Le Tremblan. 1. Nennen: 1. Perly(Arnal), 2. Valseuse, 3. Chaitane. Sieg 59:10. Platz 16. 14. 16:10. Ferner: 8 Pferde. 2. Rennen: 1. Kiblab(Nicard). 2. Ventrebleu. 3. Besan. Sieg 17:10. Platz 16. 26:10. Ferner: 3 Pferde. 3. Rennen: 1. Marc Aurele 2(Sautour). 2. Essendieras. 3. Taquin. Sieg: 14:10. Drei liefen. 4. Nennen: 1. Nicaragua(Semblat). 2. Beau Gars. 3. L·Ooulent. Sieg 45:10. Platz 15. 18. 19:10. Ferner: 8 Pferde. 5. Nennen: 1. Fanar(Robson), 2. Zenodore. 3. in totem Rennen Azais 3 und Makila. Sieg 36:10. Platz 16. 19. 23(Azais) und 16(Makila:10. Ferner: 10 Pferde. 6. Nennen: 1. Chauserona(Rabbe), 2. Sabine. 3. La Solpbide. Sieg 48:10. Platz 27. 24. 26:10. Ferner: 10 Pf. Die Kunst, jung zu bleiben Das Streben nach ewiger Jugend## Veränderungen der Haut Die Altersbekämpfung Von Dr. med. Ernst Tannert. Exakte Maßstäbe, die eine genaue Feststellung des menschlichen Alters ermöglichen würden, vergleichbar etwa den Jahresringen der Bäume oder der Muscheln und Tierhörner, gibt es— ein Trost für viele— nicht! Hätten wir nicht die unbestechlichen Eintragungen der Standesämter und der Paßbehörden, so wären wir bei der Alterseinschätzung unserer Nebenmenschen auf recht wenig eindeutige Vermutungen angewiesen. Denn das Altern des Menschen folgt zwar Gesetzen, die in ihren großen und allgemeinen Linien unabänderlich sind, aber doch ist der einzelne recht weitgehend abhängig von jugendverlängernden und jugendzerstörenden Einflüssen der Umwelt und schließlich von besonderen und erblichen Bedingungen jener Körper= und Seelenkräfte, die frühzeitiges Altern bedingen oder verhindern können. Unsere Zeit beherrscht ein immer deutlicheres Bestreben nach„ewiger" Jugend. Konnte man früher gar nicht schnell genug dem Kind das Aussehen eines würdigen und gesetzten Erwachsenen geben, so wollen ganz entgegengesetzt die Alten heute so lange wie möglich ein jugendliches Aussehen bewahren, oder doch wenigstens vortäuschen. Die Jugend ist durch Sport, Mode und Lebensanschauung die herrschende Generation geworden und daher ist es mehr als bloße Eitelkeit, wenn sich ein jeder um seine eigene Jungenhaltung demüht. Denn der Jugendliche hat im Lebenskampf die ungleich besseren Aussichten; der Gealterte wird von vornherein als minder leistungsfähig mißtrauisch abgelehnt. Dadurch erhält der allgemeine Kampf um die eigene Jugend eine außerordentliche soziale Bedeutung. Wer aber einen Feind bekämpfen will, der muß ihn gründlich kennen. Wie sieht dein Feind, das Alter, aus? Vor allem sind es Verschiebungen und Veränderungen des Fettpolsters, die mit zunehmendem Alter in Erscheinung treten. Das Längenwachstum ist zwar bis jum 25. Lebensjahr spätestens abgeschlossen, trotzdem nimmt in der Regel das Körpergewicht in den zwanziger bis vierziger Jahren noch um einige Kilogramm zu, um schließlich in den sechziger Jahren wieder regelmäßig abzunehmen. Diese Gewichtsschwankungen beruhen neben der Zunahme der Muskulatur, der Verdickung der Knochen. vor allem auf einer Zu= und Abnahme des Körpersettes. Aber nicht nur diese quantitativen Schwankungen kennzeichnen ein bestimmtes Alter, sondern vor allem die Stellen. an welchen das Fett schwindet, und wo es sich ansammelt. Beim Säugling und Kleinkind sind es die dicken Backen, die Kleinheit von Nase und Mund, die glatte samtweiche und rosig durchblutete Haut, die uns auffallen. Bis zu Beginn der zwanziger Jahre bleibt dieser Zustand noch mehr oder weniger erhalten. Die Lippen werden zwar breiter und geschwungener, aber sie strotzen von Lippenrot, die Nase springt zwar markanter hervor, aber keine Falte stört die zarten Wölbungen der Gesichtshaut. Erst Ende der zwanziger Jahre beginnt eine merkwürdige Verschiebung des Fettes in die unteren Regionen des Gesichtes. Von gleich großer Bedeutung für das Aussehen des Alternden wie die Veränderungen des Fettgewebes der Unterhaut sind die Vorgänge im Hautorgan selbst. Die kleinsten Blutgesäße, die bis unter die Oberhaut gelangen, werden immer spärlicher. Daher wird die Haut schlechter durchblutet, kühler, es kommt zu Ernährungsstörungen der einzelnen Zellen. die Haut wird immer trockener, sie verliert vor allem durch einen allmählichen Schwund der elastischen Fasern ihre Schmiegsamkeit und Elastizität. Die ersten Zeichen dieser beginnenden Altersveränderungen pflegen die gefürchteten„Krähenfüße" zu sein, feine Fältchen, die, von den Schläfen ausgehend, im äußeren Augenwinkel zusammenlaufen und so um die Dreißig herum sich bemerkbar machen. Um diese Zeit treten auch die Horizontalfurchen der Stirn und die tiefen, von der Nase zu den äußeren Mundwinkeln verlausenden Falten stärker hervor. Immer weiter geht die Erschlaffung, an der Nasenwurzel bilden sich eine Menge kleiner Fälichen, vom Kinn zum Schlüsselbein ziehen große, häutige Längsfalten bei Menschen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben. Die Hautfarbe erhält einen fahleren, gelblichen oder braunen Ton. Die Oeffnungen der Hautporen werden tiefer und gröber, besonders an der Nase, deren Hautfarbe röter wird. Unter den Augen bilden sich mitunter Säcke. Die oberflächlichen Hautvenen springen besonders an den Händen, infolge des starken Feitschwundes, deutlich hervor, die Haut wird immer dünner; hebt man sie leicht an, so bleibt die Falte stehen. Die Finger werden knochiger. Die Aufzählung aller dieser äußerlich sichtbaren Alterserscheinungen darf jedoch nicht den Leser und noch weniger die Leserin erschrecken. Zwar bleibt keinem von uns das Schicksal des Alters erspart, wenn auch eine neue Wissenschaft, die Altersbekämpfung, auf den verschiedensten und durchaus erfolgversprechenden Wegen sich bemüht, wenigstens einige Jahre verlängerter Jugend der Menschheit zu erkämpfen. Wenn wir also vorläufig noch alt werden müssen, so brauchen wir es wenigstens nicht vorzeitig zu werden. Eine zweckmäßige Hygiene der Haut, die schädliche und ungesunde Einflüsse von ihr fernhält. ein gesunder Korper und schließlich, wenn alle natürlichen Mittel versagt haben, die Hilfe des Arztes können viel erreichen. So ist es zum Beispiel möglich, durch kleine chirurgische Eingriffe an verdeckter Stelle die Falten und Runzeln des Gesichts wieder zu glätten und so dem Menschen ein um viele Jahre verjüngtes Aussehen zu vermitteln. Eine andere Methode, die gesunkene Lebenskraft der alternden Oberhaut wieder zu heben, hat kürzlich ein amerikanischer Arzt angegeben. Er spritzt das Serum von Tieren, die mit einem Extrakt aus der Haut von jungen Schweinen vorbehandelt wurden. dem Menschen ein, dessen Haut der Wiederbelebung bedarf, und nach mehreren Wochen sollen in vielen Fällen die Krähenfüße und Gesichtsfalten verschwunden sein. Motorbootunglück an der spanischen Nordküste 16 Tote. Madrid, 31. Juli. In unmittelbarer Näbe des Badeortes Deva an der panischen Nordküste schlug ein mit 25 Personen besetztes Motorboot infolge starken Wellenganges um. Teotz sofortiger Hilfeleistung ertranken 16 Personen. Witterungsbericht )( Das skandinavische Sturmzentrum in rasch in nord östlicher Richtung abgewandert. Mitteleuropa gelangte gestern im Bereiche der aus seiner Rückseite in das Festlang eindringenden Kaltluftmassen in eine Berubigungszone. in der es vieljach aufheiterte. Die Temperaturen konnten in Deutschland fast allgemein wieder Höchstwerte zwischen 20 und 23 Grad erreichen. Gleichzeitig entwickelte sich westlich von Irland eine neue Störung. die über Nacht an Energie erbeblich zunahm. Sie liegt heute als geschlossener Sturmwirdel über Schottland. England sowie die Kanalländer und Nordfrankreich melden bei stürmischen Winden starke Bewölkung und vielfach Regen. Ueber dem Kanal wird sich ein selbständiger Kern derausbilden. unter dessen Einfluß Westdeutschland noch im Lause des heutigen Tages gelangt. Die neuesten Mele dungen von 11 Uhr ergeben in dem nordwestlichen Mitteleuropa sowie über Südengland am Boden Windstärken zwischen 60 und 80 Klm., Aachen verzeichnet in 1500 Meter bereits mehr als 100 Std.=Klm. Die Störung wird rasch über unseren Dienstbezirk hinwegzieben, sodaß der Witterungscharakter auf ihrer Rückseite unbeständig und zeitweise regnerisch bleibt. Vorbersage für Dienstag: Bei starker Bewölkung anfangs verbreitet Regen. Frische bis stürmische südwestliche Winde. Später nur noch Regenschauer und etwas Aufbeiterung bei Winddrebung aus Nordwest. Temperaturen wenig verändert. Rundfunk=Programm 6.00 6.05 Dienstag, den 1. August 1933. Morgenrus. 1. Choral: Lobe den Herrn, den mächtigen König. 2. Spruch des Tages. Morgenkonzert. I. Teil. 1. Polonäse aus der Oper „Eugen Onegin“(Tschaikowsky). 2. Rosestock, Holderblüt, Volkslied. 3. Hydropathen, Walzer(Gungl). 4. Ouvertüre zur Operette„Zigeunerliebe"(Lehar). 5. Szenen aus der Operette„Der Bettelstudent“ (Millöcker). 6. Im Uhrenladen, Charakterstück (Orth). 7. Sturmgalopp(Komzak). 8. Werberlied und Csardas aus der Operette„Der Zigeunerbaron"(Joh. Strauß). 9. Badenweiler=Marsch 6.40 6.45 7.00 7.03 8.00 8.03 8.15 9.10 10.00 10.05 10,30 12.00 12.50 13.00 14,00 15,00 15.30 15.50 iederholung des Spätberichts. Hans Jacob Reinarz: Leibesübungen. Wettervorhersage und Zeitangabe. Wiederholung des Morgenrufs. Anschließend Morgenkonzert. UI. Teil. Musiktrupp des Sturmbann IV 58 Aachen der SS.=Standarte KölnAachen. Leitung: Sturm= und M.s=Führer Hermann Schmidt. Wiederholung der Wettersorhersage. Für die Frau. Hilde Bremus: Gymnastik für Frauen. Schulfunk für Schüler vom 12. bis 19. Lebensjahre. Ferien. Sprecher, Sänger, Musiker und Schallplatten gestalten eine bunte Hörfolge. Frühbericht. Kindergarten. Mensch und Welt. Gemeinschaftsempfang für Arheitslose.„Ein junger Mann geht zur See.“ Ein Bericht von Kapitänleutnant a. D. Carl Dietrich. Unterhaltungskonzert, Leitung: Erich Kloß. Erster Mittagsbericht. Mittagskonzert, Leitung: Eysoldt. Zweiter Mittagsbericht. Kinderstunde. Gekribbel und Gekrabbel. Wirtschaftsbericht und Zeitangabe. Erika von Hopfgarten: Sommerreise und kein Geld. 16.10 16.30 16.50 17.00 17.15 17.35 17.50 18,00 18.40 18.50 19.00 20.60 20,05 21,00 21.20 21.45 20.00 Völkische Erziehung. Horst Grüneberg: Landschaftliche Schulpolitik. Wir sagen den neuen Monat an! Kleine Anleitung zum Leben mit und in der Natur.(Der August im Garten. im Tierreich, im Jagdrevier, am Sternenhimmel, in Brauchtum und Volkskunde). Stimme der Zeit. Schöne Stimmen auf Schallplatten. Klänge aus Chile. Ein Vortrag um vier Schallplatten von Willi Pferdekamp. Frauenstunde. Hilde Heisinger: Wohnungstausch als Reisemöglichkeit. Junge, Junge, kannst du flunkern! Feierabendkonzert des Städtischen SinsonieOrchesters Essen(Orchester erwerbsloser Berufsmusiker), Leitung: Anton Nowakowski. Universitätsprofessor Dr. Heinermann: 10 Minuten Italienisch. Meldungen: Wetter, Wirtschaft, Sport. Reichssendung: Stunde der Nation. Ein ewiges Feuer vom heiligen jungen Deutschland. Erster Abendbericht. Dichtung wird Volkslied. Vaterländische Lieder. Rolf Pfarr(Baß=Bariton). Untergruppenkapelle des Gaues Köln=Aachen, Leitung: Max Meier. Der Kinderchor des Westdeutschen Rundsunks unter Leitung von Rektor Hüsch. Der Männerchor des Konzertvereins Kölner Singakademie, Leitung: Hans Morschel. Zusammenstellung: Theo L. Goerlitz. Gastspiel der Ganghofer=Thoma=Bühne. Egern: Der erste August. Ein Akt von Ludwig Thoma. Spielleitung: Bertl Schultek. Heldische Musik. 1. Leonoren=Ouvertüre Nr. 2 (Beethoven). 2. Trauermarsch aus„Götterdämmerung“(Wagner). Stippoisite. Spätbericht. Westdeutsche Wochenschau. Handel? Gewerbr d Industrie Dollar in Berlin: 3.027 gegen 3.147 vorher(Parität 4,198) Mark. Pfund in Berlin: 13.98 gegen 13.95 vorher(Parität(4.866) Mark. Arbeit für Blinde Die Arbeitsmöglichkeit für die Blinden war von jeher beschränkt. Nun hat erstmalig die Direktion der „Sturm“=Zigarettenfabrik, Dresden, in großem Stil den Versuch gemacht, Blinde in ihren Fabrikationsgang einzuschalten. Seit einiger Zeit werden 16 Blinde, 4 weibliche und 11 männliche, in der Tabaklöserei und ferner eine Stenotypistin im Büro beschäftigt. In einem großen Saal, in dem 120 Personen an Einzeltischen zu je acht Arbeitern sitzen, sind die Blinden verteilt. Die Tabakbuschen werden aus großen Kisten abgefädelt und aufgeblättert. Ein laufendes Band sorgt für die Weitergabe in die Tabakschneiderei. Das Bestreben von den Blinden ist es natürlich, den ihnen gestellten Anforderungen gerecht zu werden, um möglichst vollwertige Arbeit zu leisten. Die bisherigen Ergebnisse lassen darauf schließen, daß dieses Ziel erreicht wird. Die Einschaltung von Blinden in einen lebenswichtigen Fabrikationsgang bedeutet für sie nicht nur eine materielle Hilfe, sondern auch eine ideelle, wird ihnen doch so die Möglichkeit gegeben, ihre Kräfte zu nutzen und ein arbeitstätiges Glied der menschlichen Gemeinschaft zu sein. Daß ihnen die Arbeit durch das Entgegenkommen der Leiter der„Sturm“=Zigarettenfabrik nach jeder Richtung hin erleichtert wird, sei zum Schluß mit besonderem Dank vermerkt. Der Franken bleibt stabil Eine Rede Daladiers. Paris, 31. Juli 1933. kinistervräsident Daladier nahm am Sonntag an den tlichketten zu Ehren Wilhelm des Schweiglam Orange teil. Bei einem Festessen nahm Daladier kurz zu den im Vordergrund des Interesses stehenden Fragen Stellung und erklärte insbesondere, daß der Franken auf alle Fälle gehalten werde. Eine Inslation in Frankreich würde unweigerlich den Zusammenbruch bedeuten. Nach der Ueberwindung der finanziellen Schwierigkeiten müsse man aber auch an die wirtschaftlichen Schwierigkeiten denken, denn es sei unmöglich, von Finanzen zu sprechen, ohne gleichzeitig der Wirtschaft einen neuen Aufschwung zu verleihen. Daladier entrollte dann ein ganz kurzes Bild der außenpolitischen Lage und betonte, daß Frankreich auf allen Konferenzen vertreten sein werde. Es verlange von den anderen Ländern nichts als Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Berliner Börse: Rentenmarkt günstig Nach der zweitägigen Unterbrechung setzte die Börse heute bei kleinstem Ordereingang wenig verändert ein. Nur einzelne Werte waren nennenswert höher. Interesse zeigte sich insbesondere für Tarifwerte. Charlottenburger Wasser 69¾ nach 66¼. Dessauer Gas 115 nach 113¾. Auch Tarifwerte waren gebessert. Für Dessauer Gas stimulierte die Erwartung auf eine günstige Bilanz. Autowerte waren durch die Kraftwagenbestellungen der Reichsbahn wenig berührt, anscheinend wartet man erst ab, wie weit die einzelnen Firmen an den Aufträgen partizivieren. Siemens waren unter Hinweis auf die großen Neueinstellungen bei dem Unternehmen gefragt. AEG. konnten ihre Erholung fortsetzen. Der Montanaktienmarkt war nicht einheitlich, die Veränderungen bielten sich aber in kleinstem Rahmen.„Interesse bestand für Reichsbahnanteile, die 1 Prozent höher bezahlt wurden Nach den ersten Kursen blieb die„freundliche Grundstimmung erhalten. Insbesondere die Veranlagung des Rentenmarktes gab der Tendenz einen guten Rückhalt. Man verwies auf die Anregungen Dr. Thassens. die Wirtschaftsbelebung durch Pflege des Anleibemarktes zu fördern. Durch eine Bewegung am Rentenmarkt werden sich mit der Zunahme des allgemeinen Vertrauens neue Kreditmöglichkeiten bilden. Von günstigem Einfluß auf die Tendenz war auch die Entschei dung des Amtsgerichte Düsseldors, daß die Ruvons der Ver.=Stablwerke=Obligationen in Mark zum Nennbetrag honoriert werden müssen. Die Obligationen waren 1¾ P. höher. Auch Mittelstabl waren angeregt. Am Anleihemarkt waren Altbesitz 4 höher. bestand fr Schulpbuchforderungen Der Geldmarkt stand im Zeichen des Ultimos. Man hörte einen Satz von 5—7. vereinzelt auch 4'8. Am Valutenmarkt gab der Dollar nach der vorangegangenen Steigerung wieder nach. London=Kabel 4.58½= einer Parität von 3.04 in Berlin. Pfunde=Paris waren mit 85.09 wenig verändert. die Mark etwas fester. Der Schluß war bei kleinen Umsätzen infolge weiterer Anschaffungen des Publikums fest. Farben zogen auf 132 (131) an. Nachbörslich hörte man: Braubank 83, Gesfürel 81. Doxtmunder Union 129½. Altbesitz 77.70, Neubesitz 10):. Reichsbahnvorzugsaktien 99¾. Erdöl 111¾. Rütgers 58¾. Buderus 73½. Rheinstahl 90¼. Hoesch 63¾. Gel. senkirchen 63½. Harvener 102¼. Ver. Stahl 77¼. Mannesmann 62¾. Essener Börse: Ruhig Die Essener Börse verkehrte bei Wochenbeginn bei ruhigem Geschäft bei kaum veränderten Kursen. Wintersball hatten ruhiges Geschäft und wurden ungefähr zu letzten Preisen umgesetzt. Am Kohlenmarkt hatten Deutschland. Heinrich. Langenbrahm und Diergardt einige Umsätze zu verzeichnen. Am Kohlenaktienmarkt wurden Diergardt und Dahlbusch zu wenig veränderten Kursen gehandelt. Die übrigen Werte lagen bei behaupteter Kursbasis umsatzlos. Die Börse schloß ruhig bei anhaltender Geschaftsstille. Warenmärkte Duisburger Getreidemarkt. Es notierten: Pomm. Weizen 21.25. rhein. Weizen, alte Ernte. 20.00—20.50. vomm. Roggen 18.00. rhein. Roggen. neue Ernte. 15.45—15.75. Ostseebaser 16.00—17.50. süddeuticher Hafer 16.00—16.50. Pommernbaser, neue Ernte. 16.25 bis 16.75 rhein. Haser, alte Ernte. 16.00—16.50. inl. Gerste (neue Wintergerste) 16.00—16.75. DGh=Gerste—. ausl. Weizen 24.00—25.50. Plata=Mais 20.00—20.50. inquantinoMais 22.00—2.25. Weizenmehl(Grundpreis) 97proz. 26.50 bis 26.75. Weizenmehl(Grundvreis) 70—30proz. 27.25 bis 27.50. Roggenmehl. Konzern. 24.25—24.50. Roggenmehl. Ostmühlen. 23.50—23.75. Weizenbollmebl 10.75—11.00. Weizenkleie 8.25—9.25. Roggenkleie 7.50—8.00. Steffens Zuckerschnitzel 9.75—10.00(für 100 Klg. frei Waggon Duisburg). Tendenz: ruhig. Hamburger Warenmarkt. Reis: Dem Markt fehlte es an Anzegungen und dem. zufolge ist die Tendenz und das Geschäft nur ruhig bei unveränderten Preisen.— Gewürze: Am Abladungs= markt bleidt Pfeifer weiter stetig. Relken und Muskatnüsse dagegen schwach. Am Lokomarkt sind die Preise bei minimalem Abzug unverändert.— Brasil=Kafsees: Brasil=Offerten unverändert. Nach langer Zeit kommt es zu einigem Geschäft mit dem Inland. während vom Ausland keine Nachfragen vorliegen. Lokomarkt still und unverändert.— Gewaschene Kaffees: Markt ruhig. Preise unverändert.— Kautschuk: Rubig. Sheets loko 4½4, August=September 3¾. September=Oktober 3% pence per lbs. — Baumwolle: Ruhig. Middling Universal loss 11.95 Dollarcents.— Oele und Fette: Leinöl etwas schwächer. Großposten mit 30 Mark erhältlich. Listenvreise aber unverändert. Talg auf Abladung und bald eintreffend schwächer, prompte Ware wie alle übrigen Artikel unverändert. Geschäft schleppend. Die Harburger Oelmühlen ermäßigten soeben ihren Leinölpreis für prompt Dezember auf 39 Mark und für Januar auf 39.50 Mark.— Zucker: Effektivmarkt ruhig. abwartend. Unverändert. Terminmarkt ruhig. abwartend. geschäftslos. Tschechische Kristalle prompt 8/—. Juli=August 7/10½, sb. per 50 Klg.— Hülsenfrüchte: Markt unentwickelt. Preise behauptet.— Rohkakao: Markt und Preise unverändert.— Rauhfutter: Ruhig. unverändert.— Schmals: Stetig. Preise unverändert. Viehmärkte Essener Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 40 Ochsen. 123 Bullen. 194 Kühe. 85 Färsen, 3 Fresser. 484 Kälber. 30 Schafe. 2446 Schweine. Preise für 50 Klg. Lebendgewicht? in Mark. 1. Rinder: a) Ochsen: a1) und a2)—. b) 32—34. c) 27—30. 0)—. Bullen: a) 27—30. b) 24—26.) 24—26. 0) 20—23. Kühe: a) 28—30, 9) 24—27.) 21—23. d) 14—18. Färsen: a) 30—32. b) 20 bis 29.)—. d)—. Fresser:—. Kälber: B.) and. Kälber: a) 42—46. b) 36—41, c)—. 0) 26—32. Lämmer. Hamme und Schafe: Hammel: b2) 28—32. Schweine: a) bis c) je 44—46. d) 42—44. e) 38—41. f)—. a) Sauen: 36—40 Tendenz: Großvieh schleopend. Kälber. Schaje und Schweine lebhaft. Dortmunder Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 29 Ochsen. 113 Bullen. 526 Kühe. 40 Färsen 12 Fresser. 406 Kälber, 6 Schafe. 1980 Schweine. Preise für 50 Klg. Lebendgewicht in Mark. 1. Rinder: a) Ochsen nicht notiert: Bullen: a) 28—30. b) 25—27. c) 22—24. 9) 19—21. Kühe: 28—31. b) 24—27. c) 20—23. 0) 15—19. Färsen: a) 31—33. b) 28—30. c) 25—27. d)—. Fresser:—. B.) andere Kälber: a) 39—41. b) 31—38. c)—. 0) 22—30. Lämmer. Hammel und Schafe:—. Schweine: a) bis c) je 44—47. 0) 41—46. e) 38—43. 1)—. a) Sauen: 38—42. Tendenz: Großvieh sehr langsam, kleiner Ueberstand: Kälber mittel, geräumt. Schweine rege geräumt. Eine Antwort an den „Osservatore Romano“ Das vatikanische Blatt„Osservatore Romano“ hat, die wir am 27. Juli berichteten, vom Standpunkt der katholischen Kirche aus das Vertragswerk gewürdigt. Es folgte ein zweiter Artikel über das Vetorecht bei Bischofswahlen, über die theologischen Fakultäten usw. Darauf erschien gestern im WTB.= und TU.=Dienst eine Antwort aus Berlin. Wir veröffentlichen diese Ausführungen. Es ist anzunehmen, daß eine vatikanische Darstellung schon in den nächsten Tagen folgen wird Berlin, 29. Juli. Von unterrichteter Seite wird der T. U. geschrieben: „Der„Osservatore Romano“, das amtliche Blatt des Vatikans. beschäftigt sich mit Zeitungsstimmen zum Reichskonkordat. Diese Artikel verdienen aber wegen der besonderen Beziehungen des Blattes zum Vatikan besondere Beachtung. Richtig ist die dort getroffene Feststellung, daß die Oeffentlichkeit über den Gang der Verhandlungen in Rom nichts weiß. Umsomehr muß dabei aber das Ergebnis der Verhandlungen in einer für die Oeffentlichkeit unzweideutigen Weise festgelegt werden. Im einzelnen ist zu bemerken: 1. Wenn der Artikelschreiber zuvorderst darauf hinzuweisen zu müssen glaubt, daß der codexjuris canonici die Rücklage und die wesentliche juristische Voraussetzung des Konkordats bildet und dessen einzelne Bestimmungen ergänze, so ist dies eine erstaunliche Behauptung. Das Konkordat regelt die rechtlichen Beziehungen des Deutschen Reiches und der römisch=katholischen Kirche. Lediglich für den innerkirchlichen * Gereich wird zur Ergänzung in Artikel 33 auf das seltende kanonische Recht hingewiesen. Die dreimalige Hervorhebung, daß es sich um kirchliche Personen, um kirchliche Dinge und um den kirchlichen Bereich debei handele, spricht deutlich genug dafür, daß es sich hierbei lediglich um die für den staatlichen Vertragspartner selbstverständliche Anerkennung der Kirche handele, in ihrer eigenen Rechtssphäre maßgebende Bestimmungen zu erlassen. Es ist also durchaus nicht an dem. als ob das Reich bezüglich der im Konkordat geregelten Beziehungen zwischen Staat und Kirche sich irgendwie der kirchlichen Gesetzgebung unterstellt. Das gerade Gegenteil ist richtig. 2. Mißverständlich können die Ausführungen des „Osservatore Romano“ wirken, wenn dort behauptet wird, nach dem Konkordat werde die Erziehung zur Vaterlandsliebe nach den Vorschriften des Glaudens und den Geboten Jesu Christi geregelt. Der Wortlaut des Artikels 21 stellt lediglich fest, daß die gesamte Erziehung auf dem Gebiete des christlichen Glaubensund Sittengesetzes mit besonderem Nachdruck gepflegt werden. Das Recht einer Nachprüfung nach konfessionellen dogmatischen Gesichtspunkten ist hier den kirchlichen Vertragspartnern nicht eingeräumt. 3. Das Konkordat sieht hinsichtlich der Ausbildung der katholischen Lehrer Einrichtungen vor, die eine Ausbildung der katholischen Lehter entsprechend den besonderen Erfordernissen der katholischen Bekenntnisschulen gewährleisten. Die Uebersetzung des italienischen Textes des Artikelschreibers könne den Eindruck erwecken. als ob damit konfessionelle Lehrerausbildungsanstalten zugestanden wären. Das wäre nicht zutreffend. 4. Der kirchliche Anspruch auf die Begründung der Ehe durch das Sarrament ist in Artikel 26 weder in bejahendem noch in verneinendem Sinne behandelt. Es wird nur gegenüber dem bisherigen Recht einer vorherigen kirchlichen Trauung im Falle lebensgejährlicher, einen Aufschub nicht gestattender Erkrankung eines Verlobten noch der Fall eines schweren sittlichen Notstandes als Ausnahme gestattet. Dieser Notstand muß durch die zuständige bischöfliche Behörde bestätigt sein. Es handelt sich hier nahezu ausschließlich um ausländische Wanderarbeiter. Die Zahl dieser Fälle ist in den letzten Jahren auf durchschnittlich 5 bis 6 zurückgegangen. 5. Die Entfernung der Geistlichen und Ordensleute aus politischen Parteien und die Ausschließung ihrer Tätigkeit für solche Parteien darf nicht allzu eng ausgelegt werden. Der Sinn dieser Vorschrift ist, die Geistlichen ihrer seelsorgerischen Aufgabe zurückzugeben. Es liegt im ureigensten Interesse der römisch=katholischen Kirche, wenn gerade auf diesem Gebiete die Geistlichen auf das strengste den Anschein einer Umgehung dieses Verbots vermeiden. Eine durchaus falsche Auslegung erfährt die Begründung des Artikels 32. wenn sie als eine Bedingung dargestellt wird. Der Heilige Stuhl erklärt, daß er auf Grund der in Deutschland bestehenden besonderen Verhältnisse wie im Hinblick auf die durch die Bestimmungen des Reichskonkordats geschaffenen Sicherungen einer die Rechte und Freiheiten der katholischen Kirche im Reich und seinen Ländern wahrenden Gesetzgebung Bestimmungen für die Geistlichen und Ordensleute erlasse, die den Ausschluß der Mitgliedschaft in politischen Parteien und der Tätigkeit für solche Parteien für Geistliche und Ordensleute zum Inhalt hätten. Dieser Artikel geht weiter als Artikel 33 des italienischen Konkordats, wo lediglich zugesagt wird, daß der Heilige Stuhl für alle Geistlichen und Ordensleute in Italien das Verbot erneuere,„sich bei einer politischen Partei einzuschreiben oder zu betätigen“. Sollte also eines Tages von der Kirche die Zurücknahme dieses Verbotes etwa mit der Begründung, die Bedingungen seien nicht eingehalten worden", verucht werden, so käme das einer Aufhebung des Konkordatszustandes überhaupt gleich. 6. Ein staatliches Veto gegenüber den Kandidaten für die hohen kirchlichen Aemter ist in dem Artikel 14 allerdings nicht ausgesprochen worden, daß der Reichsstatthalter rechtzeitig Bedenken allgemein=politischer Natur gegenüber diesem Kandidaten aussprechen kann. 7. Eigentümlich mutet die Verwahrung des Artikelschreibers dagegen an, daß der Abschluß des Konkordats eine Anerkennung der nationalsozia: lischen„Richtung" bedeute. Das Konkordat sei mit dem Deutschen Reiche als solchem abgeschlossen. Das Deutsche Reich wird von der nationalsozialistischen„Nichtung" völlig beherrscht, was auch privaten Artikelschreibern in Rom nicht unbekannt sein dürfte. Der Vertragsabschluß bedeutet also die tatsächliche und rechtliche Anerkennung der nationalsozialistischen Regierung.“ Zahlreiche Hochverräter verurteilt Hochbetrieb am Oberlandesgericht in Hamm Zwecke der Verbreitung vorrätig gehalten. 7. Der er Johann Gast aus Hannover zu 1 Jahr, 8 Monaten Dortmund, 31. Juli. Die Juktispressestelle des Oberlandes gerichtsbezirks Hamm in Dortmund teilt mit: In den Sitzungen des Strafsenats für Hochverratssachen bei dem Oberlandesgericht in Hamm vom 18., 19., 22. und 26. Juli 1933 wurden wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt: 1. Der Arbeiter Wilhelm Quessel aus Dortmund zu 1 Jahr, 10 Monaten Gefängnis. 2. Der Arbeiter Emil Pseiffer aus Düsseldorf zu 1 Jahr Gefängnis. Quessel und Pfeiffer waren Mitglieder der KPD. Sie haben Flugblätter bzw. Broschüren, in deuen zum Kampf gegen die jetzige Regierung und zur Errichtung eines Sowjet=Deutschlands aufgefordert wurde, zur Verteilung gebracht. 3. Der Schuhmacher Josef Jürgens aus Borghorst zu 1 Jahr Gefängnis. Jürgens hatte hochverräterische Druckschriften zum Zwecke der Verbreitung vorrätig gehalten. 4. Der Fabrikarbeiter Rudolf Leupold aus Solingen zu 1 Jahr, 8 Monaten Gefängnis. Leupold hatte Druckschriften hochverräterischen Inhalts im Besitz, um sie als Hilfsmittel zum Zwecke der ideologischen Beeinflussung anderer Personen für die auf gewaltsamen Umsturz gerichteten Ideen der KPD. zu verwenden. 5. Die Bergleute Karl Sommerey aus GelsenkirchenHorst, Eduard Geschwendtner aus GelsenkirchenHorst und Johann Wieschnewski aus GelsenkirchenHeßler zu je 1 Jahr, 4 Monaten Gefängnis. Sie hatten Druckschriften hochverräterischen Inhalts, der z T. auf Zersetzung der Schutzpolizei gerichtet war hergestellt und verbreitet. 6. Der Bergmann Heinrich Lürkens aus Recklinghausen zu 1 Jahr Gesängnis. Lürkens hatte Druckschriften hochverräterischen Inhalts zum Dreh Gefängnis: der Melker Friedrich Koschnitzki aus Wulse rode(Kreis Hannover) und der Schlosser Friedrich Kräft aus Hannover zu je 1 Jahr Gesängnis. Gast, Koschnitzki und Kräft hatten hochverräterische Schriften verbreitet. 8 Der Maurer Hugo Wischlinski aus Wuppertal=Elderfeld zu 1 Jahr, 6 Monaten Gefängnis. Wischlinsky hatte sich an der Herstellung von Schriften hochverräterischen Inhalts beteiligt. 9. Der Former Friedrich Mithöfer aus Osnabrück zu 1 Jahr, 8 Monaten Gefängnis; der Stellmacher Hans Moormann aus Osnabrück zu 1 Jahr Gefängnis; der Kaufmann Henry Brand aus Osnabrück zu 1 Jahr, 6 Monaten Gefängnis; der Graphiker Adolf Hengst aus Essen zu 2 Jahren Gesängnis; Wilhelm Vehmeier aus Nienhagen zu 1 Jahr, 3 Monaten Gefängnis; der Schlosser Gustav Thorum aus Bottrop zu 1 Jahr, 3 Monaten Gefängnis. Sie haben sich noch bis zum März 1933 als Funktionäre der K PD. in illegaler Weise betätigt. 10. Der Arbeiter Johann Grein aus Oberrahmede zu 1 Jahr Gesängnis und der Arbeiter Werner Draude aus Oberrahmede zu 1 Jahr, 4 Monate Gefängnis. Beide Verurteilte sind bei der Verbreitung einer kommunistischen Zeitung, in der zum gewalksamen Kampf gegen die Regierung aufgefordert und unwahre Behauptungen aufgestellt wurden, die das Ansehen der Regierung und der SA. zu schädigen geeignet sind, beteiligt gewesen. 11. Der Maler Heinrich Gante aus Essen zu 1 Jahr, 6 Monaten Gefängnis. Gante hatte eine große Anzahl kommunistischer Schriften hochverräterischen Inhalts in seiner Wohnung aufbewahrt und für die KPD. bereitgehalten. den, wer dafür verantwortlich ist, daß der Kabinettsbeschluß in der endgültigen Form herausgebracht wird. Der federführende Minister legt das Gesetz unverzüglich dem Reichskanzler zur Vollziehung vor. Der Sachbearbeiter hat dann die Festlegung des Wortlautes persönlich zu veranlassen. Eine für die Presse besonders bedeutungsvolle Angelegenheit ist die Aenderung des§ 107 der gemeinsamen Geschäftsordnung der Reichsministerien, der sich mit der Presseabteilung der Reichsregierung befaßt. Es war bereits früher bestimmt worden, daß alle Veröffentlichungen und Mitteilugen an Presse und Rundfunk über die Presseabteilung der Reichsregierung zu leiten seien. Diese Bestimmungen sind jetzt noch verschärft worden. Es heißt in der neuen Fassung des§ 107: Dies gilt auch von Mitteilungen, die an Vertreter von Zeitungen in einer in der Presse zu verwertenden Unterredung(Interview) gemacht werden. Danach müssen also auch Interviews über die Presseabteilung der Reichsregierung geleitet werden. Großer SA=Tag in Berlin Berlin, 31. Juli 1933. Am 5. und 6. August findet auf dem Tempelhoserfeld eine große Besichtigung sämtlicher Verbände der SA=Gruppe Berlin=Brandenburg durch den Stabschef Röhm statt. In einer Front von etwa 800 Meter Länge und etwa 200 Meter Tiefe wird das Tempelhoferfeld für diesen Aufmarsch abgesperrt sein. Für die Zuschauer, die schon jetzt auf ro. 100000 geschätzt werden, sind genügend Plätze vorgesehen. Wie bei allen großen Massenveranstaltungen wird auch, wie der„Völkische Beobachter“ meldet, für diesen gewaltigen Aufmarsch eine große Lautsprecheranlage aufgestellt werden. durch die die Rede des Stabschefs Röhm sowie anderer höherer SA=Führer verbreitet wird. Um die erforderliche Sicherheit für die Veranstaltung, die auch der Deutschlandsender übernimmt, zu gewährleisten, wird in einer fahrbaren, vom allgemeinen Stromversorgungsnetz unabhängigen Stromerzeugungsstation gearbeitet. Die Großlautsprecheranlage verfügt über ein Drittel mehr der Leistung jener des 1. Mai. Nach einem Feldgottesdienst wird Stabschef Röhm die SA=Anwärter verpflichten. Außerdem werden eine Reihe von S=Sturmbanne zu Standarten erhoben und die Beförderung mittlerer und höherer SA=Führer bekanntgegeben werden. Im Mittelpunkt steht eine Ansprache des Stabschefs Röhm, an die sich ein Vorbeimarsch anschließt. Ueberfall auf Hilfspolizisten Die Freiheit der Presse In einem Vortrag in München betonte der Reichsjustizkommissar Staatsminister Dr. Frank, daß sich die Justizverwaltung eingehend mit dem Presserecht beschäftigt und daß die nationalsozialistische Regierung sich für die Freiheit der Presse und ihrer Aeußerungen einsetze. Diese Pressefreiheit sei durchaus mit den nationalsozialistischen Zielen vereinbar. Der deutsche Meusch gedeihe nur in der Freiheit. Diese Freiheit erkämpft zu haben, sei eine Leistung, auf die der Nationalsozialismus stolz sei. das Mädchen bis Samstag abend die elterliche Wohnung noch nicht aufgesucht hatte, wurde die Polizei benachrichtigt. Sonntag nachmittag sand man die Leiche der F. in völlig entblößtem Zustande im Walde liegend aus. Die Mordkommission aus Bielefeld wurde sofort herbeigerufen. Da die Leiche keinerlei Verletzungen aufwies, nimmt man an. daß es sich um einen Giftmord handelt. Die Mordkommission ist noch mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. Ein Kommunist erschossen. Iserlohn(Westfalen), 31. Juli. Aenderung der Geschäftsordnung des Reichskabinetts Berlin, 31. Juli. Zu der bereits gemeldeten Aenderung der Geschäftsordnung des Reichskabinetts wird von unterrichteter Seite noch ausgeführt: Es handelt sich im wesentlichen um drei Punkte. Einmal müßte die Präambel geändert werden, da jetzt nicht mear der Reichstag Gesetze de schließt, sondern das Reichskabinett. Es heißt also in Julunft:„Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen“. Die zweite Aenderung betrifft das Inkrafttreten der Gesetze. Allgemein treten die Gesetze jetzt, wenn nichts anderes bestimmt wird, am Tage nach der Verkundung in Kraft, während nach der bisherigen Regelung ein Gesetz erst nach 14 Tagen in Kraft trat. Die dritte Aenderung besteht darin, das auch bei Vertragen mit ausländischen Staaten der Reichstag fortgelassen wird, wie es sich aus dem geanderten Aufbau des staatlichen Lebens ergibt. Weiter sind die Sätze in der Geschäftsordnung geändert worden, die sich darauf beziehen, daß Entwürfe und Ausfertigungen von Gesetzen bisher an den Reichsrat und Reichstag gingen. Früher übersandte, sobald der Reichstag ein Gesetz beschlossen hatte, der Reichstagspräsident dem federführenden Ministerium den Beschluß des Reichstages und die Veröffentlichung erfolgte in der Form, in der der Reichstag das Gesetz zum Abschluß gebracht hatte. Es mußte jetzt besonders bestimmt werIn der Nacht zum Sonntag wurden hier zwei der SA. angehörige Hilfspolizeibeamte von drei Kommunisten angegriffen. Als die Hilfspolizei die Angreifer festnehmen wollte, wurden diese handgreiflich und sollen auch Schüsse abgegeben haben. Die Beamten mußten in der Notwehr von ihrer Waffe Gebrauch machen. Der Kommunist Solecki wurde durch einen Schuß auf der Stelle getötet. Sein Helfershelfer Neumann mußte mit lebensgefährlichen Verletzungen dem Krankenhaus zugeführt werden. Beide waren seit langem als rabiate Kommunisten bekannt. Leipzig ehrt die itatienischen Gäste Leipzig. 31. Juli 1933. Der Sonntag brachte für die italienischen Jungfaschisten, die auf ihrer Reise durch das Deutsche Reich in Leipzig Station gemacht hatten, nach einem Feldgottesdienst in der Polizeikaserne einen kurzen Empfang im Rathaus, bei dem Bürgermeister Löser und Stadtverordnetenvorsteher Wolf die Grüße und Wünsche der Stadt Leipzig darboten. Es folgte eine Besichtigung der Stadt, insbesondere des Völkerschlachtdenkmals. in dem der Leivziger Männerchor Gesangdarbietungen gab. In Halle 7 der Technischen Messe sprach Baurat Stegemann über die Bedeutung der Leipziger Messe. Abends war auf Einladung des Rates ein zwangloses Zusammensein im Zoo. Die italienischen Gäste haben am Montagmorgen Leinzig verlassen, um nach Dresden und von dort nach Berlin weiterzureisen. Am Samstagabend hatte das italienische Konsulat zu einem Begrüßungsabend eingeladen, bei dem eine Reihe freundschaftlich gehaltener Reden ausgetauscht wurden. Besuch in Dresden Dresden, 31. Juli. Auf dem mit Tannengrün und mit den italienischen und deutschen Farben festlich geschmückten Dresdener Hauptbahnhof trafen am Montagvormittag von Leinzig kommend die italienischen Jungsaszisten ein. Auf dem Bahnsteig hatten sich eine große Anzahl Ehrengäste zum Empfang eingefunden. So bemerkte man unter anderem den Leiter der Bahnvolizei des Reichsbahndirektionsbezirk. Oberregierungsrat Psotenbauer. Auf dem Wiener Platz hatten Abordnungen der SA., SS. und der Hitler=Jugend Aufstellung genommen. Ihnen gegenüber marschierten die italienischen Gäste auf. denen Gebietsführer Schnaedter den Willkommensgruß entbot. Darauf setzte sich der Zug nach dem Adolf=Hitler=Platz in Bewegung. wo der onizielle Empfang durch die Staatsbehörden stattfinden wird. Ueberall jubelten Tausende den italienischen Gasten auf ihrem Wege zu. Ein schauerlicher Paderborn, 31. Juli. In der Nahe von Stukenbrock(Kreis Paderborn) wurde Sonntag nachmittag die Leiche der Lina Friedrig aufgesunden. Das Mädchen hatte am Freitag die Wohnung ihrer Eltern verlassen, um eine Bekannte in Sutbeide bei Leogotdoböbe im Livvischen zu besuchen. Da Balbos Rückflug erneut verschoben 24 Mann der Besatzung sollen in Neufundland bleiben. St. Johns(Neufundland), 31. Juli. General Balbo hat den Rückflug des italienischen Ozeangeschwaders weiterhin aufgeschoben, da die Wetternachrichten immer noch ungunstig lauten. Möglicherweise wird am Montag ein Probeflug stattfinden. General Balbo hat beschlossen, beim Rückflug einen Mann von der Besatzung jedes Flugzeuges in Neufundland zurückzulassen, um das Gewicht der Maschine so niedrig wie möglich zu: halten. Da das Geschwader zum erstenmal ohne Zwischenlandung über den Ozean fliegen soll, werden die Benzintanks bis zum äußersten Fassungsvermögen aufgefüllt. Alle unnötigen Ausrüstungsgegenstände werden ebenfalls in Neufundland zurückgelassen werden. Kein Ozeanflug des Prinzen Nikolaus Berlin, 31. Juli. Prinz Nikolaus von Rumänien, der am Sonntagabend in Begleitung seines Vetters, des Fürsten Friedrich Victor von Hohenzollern in Berlin eingetrossen ist, hat. wie die„B3. am Mittag“ meldet, erklärt, daß er auf Bitten seiner Mutter der Königinwitwe Maria seinen für August geplanten Ozeanflug vorläufig aufgegeben habe. Eimon in Rio eingetroffen Rio de Janeiro, 31. Juli. Der englische Außenminister Sir John Simon, der sich in Südamerika erholen will, traf am Sonntag in Begleitung seiner Gemahlin auf dem Dampfer „Arlanza“ in Rio de Janeiro ein. Simon wird am Montag den brasilianischen Staatspräsidenten besuchen. Verhaftung Gandhis? Er denkt heute anders über Gewaltaktionen. Bombay, 31. Juli 1933. Mit der erneuten Verhaftung Gandbis wird hier stündlich gerechnet. nachdem der Mahatma seinen neuen Ungeborsamkeitsmarsch auf Dienstag festgesetzt hat. Die Presseerklärungen Gandbis. worin er von seiner neuen„heiligen Mission“ spricht, sind von der Zensur verboten worden. Gandbi hat seine Anhänger angewiesen, den Marsch auch im Falle seiner Verhaftung durchzuführen. Falls die Regierung nicht einschreitet, wird Gandhi am Dienstagvormittag mit 32 Anhängern, darunter 16 Frauen, von seinem Seminar in Sabarmati losmarschieren, von Ort zu Ort wandern und die Einwohner zum Anschluß an den individuellen Ungehorsamkeitsfeldzug auffordern. Gandhi erklärte: Wir wollen die Botschaft der Furchtlosigkeit in jedes indische Dori tragen. Da keinerlei Geldmittel mitgenommen werden sollen, sind Gandhi und die Marschteilnehmer auf die Wohltätigkeit der Leute angewiesen. Das unmittelbare Ziel ist das Dorf Ras, das bei dem letzten Ungeborsamkeitsfeldzug am meisten gelitten hatte. Ganobi erklärte am Sonntag: Wir haben bisher keine Gewalt angewendet, weil wir hilflos sind. Wir würden aber Gewalt anwenden, wenn wir es erfolgreich tun könnten. „Neusaschist“ Marquet über sein Ziel Paris, 31. Juli. Auf einer sozialistischen Kundgebung in Vordeaux ergriff der Bürgermeister Marquet das Wort, der bekanntlich zu den 43 sozialistischen Abgeordneten gehört, denen man in Frankreich den Namen „Neufaschisten“ gegeben hat. Marquet erklärte, daß die Revolutionen seit 1918 nur zu dramatischen Rückgangen geführt hätten. Der Sozialismus müsse sich die Worte Ordnung und Autorität zum Grundsatz machen. Diese Ordnung und Autorität müßten zunächst im nationalen Rahmen durchgeführt werden, ohne daß man deshalb gezwungen sei, etwas von seinem internationalen Ideal aufzugeben. Nur wenn man den Massen die Fähigkeit zum Regieren beweise, werde man bei ihnen das notwendige Vertrauen erwecken, Franz von Papen Längst vor dem Abschluß des Reichskonkordats dem großen Erfolg des Vizekanzlers, haben einsichtig Katholiken unter den Anhängern der früheren Zentrumspartei vor einer negativen Beurteilung von Papens gewarnt. Sein Charakterbild hat seit Dezember an Profilklarheit gewonnen. Es ist eine lohnende Aufgabe geworden, den Verfechter der revolutionär-konservativen Weltanschauung nähe: kennen zu lernen. Dazu will das soeben erschienene Buch„Franz v. Papen“ von Gert Buchheit(Bergstadtverlag) helfen. Wir bringen als Leseprobe einen Auszug aus dem Kapitel„Der Mensch": Der Meusch. Am 30. Januar 1933 wird Franz von Papen als stellvertretender Reichskanzler an die Macht zurückberufen. Es ist die Gewalt der Dinge, die unerbittliche Logik der Tatsachen, die diesen Schritt herbeiführt. Der„große Zusammenschluß aller wahrhaft nationalen Kräfte", den er im Juni 1932— dem Ruse Hindenburgs folgend— verkündet hat, ist trotz mancher Irrwege endlich Wirklichkeit geworden. Das unselige Erbe der Vergangenheit an Wirrsal und Hader ist begraben. Ueber alle naturgegebenen Verschiedenheiten, über die Gräben der Abstammung, des Temperaments, der Anschauung findet sich Papen zu Hitler, mit dem ihn der Gedanke an die Zukunft des Vaterlandes, der Dienst am Staate vereint. Auf den ersten Blick liegt nichts Zauberhaftes in der Persönlichkeit des Vizekanzlers. Wer ihn jedoch näher kennenlernt, findet in ihm einen geborenen Kavalier, ritterlich und doch nicht leicht zu durchschauen, einen Edelmann, vornehm, klug und tapfer,— von der verschwindenden Art, die den ganzen Einsatz liebt, weil sie das Leben nicht mit Tatenlosigkeit erkaufen will, einen mit Ideen in leidenschaftlichem Dialog ringenden Menschen, der die Fehler seiner Klasse, einen Patrioten, der die seiner Freunde von gestern kennt. Aeußerlich eine elegante Erscheinung, der die Uniform genau so gut steht wie der Frack, ist er von schlanker, disziplinierter Gestalt, in den Bewegungen lebendig, aber maßvoll, durchgeprägt die Züge, in denen gewinnende Höflichkeit und männliche Entschlossenheit einander die Waage halten. Unter den ergrauten Haaren sprechen die Augen, hell und klar— wie Türen in das Innere geöffnet.„Sie sind aufmerksam auf den Sprechenden gerichtet und werden im Ernst des Gespräches von einer lebhaft mitarbeitenden Stirn überschattet. Sie leuchten plötzlich auf, unauffällig von innen her, am meisten wenn eine Frage der persönlichen Verantwortung des Mutes, der Unternehmungslust, irgend etwas auftaucht, das den Einsatz des ganzen Mannes fordert— oder wenn die Rede auf den gefühlsstarken Unterbau aller Politik kommt: auf Deutschland, sein Volk und sein Schicksal, auf die Jugend, die sich für die Zukunft des Reiches einsetzt.“(Dr. R. K. im„Fränkischen Kurier", Sept. 1932). Dann entfaltet er meist eine Beredsamkeit, die in Deutschland in dieser Form selten ist, eine Beredsamkeit, wie sie etwa Macaulay an einem Burke oder einem William Pitt so sehr geschätzt hat,— offen, klar, kräftig, von überzeugendem Idealismus getragen und bis in die letzte Formulierung von einem hohen geistigen Niveau. In der Entfaltung der Gedanken, die stets weit ausgreifen und dennoch geballt einem Zentralpunkt zusteuern, entzündet er sich und stößt vor wie ein Motor, der sich zum Gleichmaß seines Ganges zwingt. Dabei engt keinerlei Rechthaberei die Formung der Probleme ein. Die starke Intelligenz und hohe Achtung vor anderen Menschen lassen ihn jeder sachlichen Meinung aufgeschlossen erscheinen und selbst wenn er in einem flammenden Appell die Zügel seiner vollen und sympathischen Stimme lockert, bezeugt er noch jene Strafsheit der Haltung, jene einfache und feste bröße, jene Selbstsicherheit und Nüchternheit, wie sie nur die harte Schule preußisch=deutschen Soldatentums zu formen vermag. Eine kleine Anekdote, die uns Walther Schotte erzählt:„Am Abend von Lausanne wird vergeblich nach dem deutschen Reichskanzler von Papen gefragt. Auch die deutsche Delegation sucht ihn umsonst und findet ihn endlich spät nachts an der Bar des Hotels, wo die Führer der internationalen Presse verkehren und lebhaft mit ihm plaudern. Er hat sich gleich bekannt machen wollen.“ Denn reiterlich gespannt, elastisch und von ungestümem Drang nach Bewegung, Veränderung beseelt, liebt er den Vorstoß, das Impromptu, den gefährlichen, ständigen leuzten Nerveneinsatzes, aber er kann sich auch als Führer sammeln und er wird stark durch die Kraft seines Glaubens. Zu dieser Mitgift des Blutes und der Erziehung. die der diplomatische Dienst im Ausland ins Allgemeine. Menschliche. ins Weltmännische steigerte, gesellen sich als Erbaut der von jeher den liberalen Ideen des Westens zugeneigten Heimat eine größere Gelassenheit, ein freierer Weitblick, ein stärkerer Sinn für Wirklichkeiten, als er im Durchschnitt bei den Politikern der Vor= und Nachkriegszeit zu finden ist. Trotz Gläubigkeit wahrhaftig kein Fatalist, im Widerspiel der parlamentarischen Launen nud Egoismen keineswegs verbraucht. weit eher über Gebühr gedrängt vom rapiden Tempo der Zeit, von den Möglichkeiten formloser Augenblicke des Staates, die sich von Stunde zu Stunde steigern, bewahrt er sich auch als Staatsmann die Kraft der Intuition, die vom Leben zum Gesetz, zur Verfassung, zum Paragraphen vorstößt um sie zu gestalten, wo sie dem Leben hemmend entgegenstehen Wenn diese Eigenschaften, die unseres Erachtens zu den unerläßlichen Voraussetzungen eines Führers gehören, „aristokratisch“ sein sollen, wie die Tagespolemik zuweilen vorwurfsvoll behauptet, dann ist Franz von Papen „Aristokrat“, aber er ist es in dem Sinne, wie etwa Gladstone Aristokrat war, der jeden Titel zurückwies,— nämlich als einer, der zu arbeiten gelernt hat, ohne sofort den Erfolg zu sehen, der warten kann, ohne bereits morgen ungeduldig nach dem Gewinn zu suchen, und wenn man an ihm das„Preußische“ gerügt hat, dann sollte man nicht vergessen, daß Preußentum nichts anderes heißt: als den romantischen Hang zum Wagnis, den Aufbruch zu unentdeckten Gestaden an die festen Formen der Ueberlieferung, an die starken Klammern realpolitischer Erkenntnis, an das eherne Fundament unbedingtester Pflichterfüllung zu fesseln. „Ich bekenne mich zu dem Glauben an alte Rechtsformen, aus denen der alte preußische Grundsatz gekommen ist:„Jedem das Seine:: Es ist die Tradition Preußens von seinen großen Königen her, daß nur der zur Führung der Nation zugelassen werden kann, der sich freiwillig in ihre Gesetze einordnet.“ „Jedem das Seine!", das heißt an das ganze Volk denken ohne Voreingenommenheit nach einer Seite hin. ohne Verpflichtung gegen irgendeine Klasse oder Partei, ohne Rücksicht auf irgendwelche Sonderinteressen.„Jedem das Seine“, das heißt den Staat in Recht und Gesetz, in außenpolitischem Einsatz und innerpolitischer Ordnung, in nationaler Wehr und in sozialer Gesinnung so führen, daß keiner dem andern Luft, Atem und Leben nehmen kann, das heißt— auf der Ebene des verantwortlichen Regierungschefs— das wichtigste Interesse des Landes klar erkennen, es von verhängnisvollen Bahnen fernhalten, es an seine historische Mission erinnern, seinen Ehrgeiz, seinen Energien ein klares Ziel zeigen. Es gibt noch eine andere praktische Wahrheit, von der Papen zutiefst durchdrungen ist, nämlich: daß die Macht eines Landes die Synthese und das Zusammenwirken all seiner lebendigen Kräfte ist, daß die Scheidung zwischen Innen= und Außenpolitik nur an der Oberfläche besteht als ein verwaltungstechnisches Auskunftsmittel, daß die geschicktesten Kombinationen der Diplomatie keinen Wert besitzen, wenn sie nicht eine starke Armee, günstige Finanzen, eine gesunde Regierung eine allgemeine Disziplin der Geister und Herzen zur Grundlage haben.“ Die Entführer 9•Connels verhaftet? Neuyork, 31. Juli. Wie aus Albann gemeldet wird, hat die Polizei in Zusammenhang mit der Entführung des 24jährigen Jonny O'Connels drei Personen verhaftet, darunter einen bekannten Gangsterführer. — Stadt Wanne=Eickel. Krebs- und Lupusausstellung in Wanne=Eicke (0. Die Wanderausstellung des Dresdener Hygieneums, die durch eine interessante Sonderschau des „Westfälischen Vereins für Krebs= und Lupusbekämpfung" wirkungsvoll ergänzt wird und in der Zeit vom 29. Juli bis 13. August den Besuchern zugänglich ist, wurde in der Stadthalle vor einem kleineren Kreise geladener Gäste eröffnet. Mit Grußworten an die Gäste verband Oberbürgermeister Dr. Wulf den Dank an die Leiterin des Gesundheitsamtes, Frau Dr. Wulf, wegen ihrer Verdienste um die Vorbereitung der Ausstellung. Nach dem Wunsche, daß die Ausstellung unserer Bevölkerung zum Heile gereichen moge, schloß der Oberbürgermeister seine Eröffnungsansprache. Landesrat Dr. h. c. Krak, 2. Vorsitzender des„Westfälischen Vereins für Krebs= und Lupusbekämpfung“, gab seiner Freude über das Zustandekommen der Ausstellung in Wanne=Eickel Ausdruck. Auch der Lupusverein gebe hier lehrreiche Einblicke in die erschreckenden Wirkungen der Lupuskrankheit. Dr. Oberschulte=Beamann dankte als Vorsitzender des Aerztevereins Wanne=Eickel für das Zustandekommen der Ausstellung. Entstehung und Heilung der Krebskrankheit behandelte der bekannte Krehsforscher Prof. Dr. Friedemann, der in 23jähriger Tätigkeit als Leiter des großen Knappschaftskrankenhauses Langendreer gerade auf dem Gebiete der Krebsbekämpfung große Erfahrungen gewinnen konnte.„Der Krebs ist heilbar!“ hob er nachdrücklich hervor, aber nur dann, wenn der Arzt rechtzeitig mit Radium, Röntgenstrahlen, Elektrizttät oder dem Operationsmesser den Kampf gegen die gefährliche Fremdrasse der „Krebse“ aufnehme, die sich im Körperstaat rücksichtslos durchsetzen wolle. Unter fachkundiger Führung machten die Gäste einen Rundgang durch die Ausstellung, die an zahlreichen Tafeln, Wachsmodellen und Kreds=Präparaten das Wüten der Krankheit in allen Stadien zeigt und zugleich über Entstehung und Heilung der Kredskrankheit eine Fülle interessanter Aufschlüsse vermittelt. Besondere Beachtung verdienen die Sonderschau für Frauen und eine Spezialausstellung über Lupusbekämpfung. Die Ausstellung wird täglich ab 10 Uhr geöffnet sein. Die Aerzteschaft hat sich zu Führungen bereiterklärt. Besondere Führungen durch die Lupusabteilung werden werktäglich um 5 Uhr, Sonntags um 11 und um 5 Uhr stattfinden. Bei Sammelführungen kann der Einntrittspreis ermäßigt werden. * Gleichschaltung beim Wanne=Eickeler hausbesitz (s) Der Allgemeine Haus= und Grundbesitzerverein Wanne=Eichkel, sowie die Bezirksgruppe Wanne kamen am Donnerstagabend im Kurhause zu wichtigen Beratungen zusammen. Für die Bezirksgruppe Wanne wurden einstimmig ernannt zum 1. Vors. W. Kamphenkel, 2. Vors. Alfred Schimpf. Beisitzer: W Ernst, A. Frings, Joh. Stickel, Hrch. Cordt. Hrch. Loeven, W. Steinkamp und H. Schnickers. Sondikus Dr. Schaaf prach über den Vollstreckungsschutz für den Hausbesitz, sowie neuen Schutz für Aufwertungsschuldner und wies darauf hin, daß die Frist für erneute Anrufung der Aufwertungsstelle am 31. Juli ablaufe. In einem eingehenden Referat behandelte er weiter die Stellung des Nationalsozialismus zum Hausbesitz. Der Haus= und Grundbesitz stelle seine Mitarbeit am Wiederaufbau freudigen Herzens zur Verfügung. Steinkamp leitete die Versammlung des Gesamtvereins, in der als 1. Vors. W. Kamphenkel, als 2. Vors. W. Hillburg ernannt wurde. Dem bisherigen 1. Vors. Cordt soll für seine Mühe der Dank des Vereins übermittelt werden. An die Stadtverwaltung und das Wasserwerk wurde ein Protest gegen die hohen Wasserpreise gerichtet. Nach einer Aussprache über Schornsteinbrände, die oft durch Fahrlässigkeit entstehen, sowie über Luftschutzfragen schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dreifachem„Siegheil“ auf den Volkskanzler Hitler. * (s) Auflösung des MöB.„Emschertal“. In einer letzten Zusammenkunft der 13 Mitglieder wurde beschlossen, sich örtlichen Vereinen anzuschließen. Die Vereinskasse wurde der Sparkasse zur Förderung der nationalen Arbeit überwiesen. Harmonische Geselligkeit und gemeinsame Lieder beschlossen die letzte Zusammenkunft. (s) Ein schöner Erfolg wurde das am vergangenen Sonntag zwischen Auswahlmannschaften der zwei besten Vereine für die Hitlerspende veranstaltete Handdals werkspiel auf dem Eickelplatz. Der Finanzkasse konnte gestern als Ueberschuß ein Betrag von 50 RM. überwiee en werden. Briefkasten Anfragen an unsern Briefkasten munen mit Unterschrift versehen und edenso muß die legt gultige Qutttung deigetugt sein We dieses nicht der Jes in erfolgt teine Beantwortung Nr. 16. Sie erhalten Auskunft über alles Wissenewerte durch die Reichsstelle für Siedlerberatung, Berlin W 8, Leipziger Platz 17. J. J. Es fragt sich, inwieweit hierdurch die Benutzung Ihrer Wohnung beeinträchtigt wird. Bei wesentlicher Herabminderung des Gebrauchswertes der Wohnung kann auch eine entsprechende Mietsenkung beansprucht werden.§ 537 BGB. Denn nach§ 536 BGB. hat der Vermieter die vermietete Wohnung in einem zum vertragsmäßigen Gebrauch geeigneten Zustande zu erhalten. Falls der Einbau den Vereinbarungen im Mietvertrag entgegen vorgenommer wurde, so ist der Anspruch auf eine Herabsetzung der Miete berechtigt. Ebenso können Sie verlangen, daß der Hauseigentümer nicht beliebig lange mit der Instandsetzung der Küche wartet. nachdem Sie diese ausgeräumt haben. Im Streitfalle entscheidet das Miet einigungsamt. Begehrte Kunstseid.-Wäsche wie sie jetzt während der Sommerzeit getragen wird. Ueberzeugen Sie sich bitte von unserer grohen Auswahl und Preiswürdigkeit. 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