Erscheint täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn= und Feiertagen Preis ¼ jährlich 2,00 5s6, ½ jährlich frei ins Haus bei Vorauszahlung 7 e6, nachher 7,50#, durch die Post ¼ jährlich 1,58 es6, mit Bestellgeld 2,00# Druck, Verlag und verantwortlicher Schriftleiter: Franz Schlüter, Bad Essen für den Kreis Lübbecke (Amtlicher Anzeiger) Anzeigen kosten für 45 mm Breite(1 spaltig) 1 mm Höhe 3 87, Reklamen für 90 gam Breite(2spaltig) 1 mm Höhe 10 Schluß der Anzeigen=Annahme: Mittags des vorhergehenden Tages, größere Anzeigen früher Telegramme:„Tageszeitung, Bad Essen“. Fernrufe Nr. 7 Nr. 107 Preuß. Oldendorf, Sonntag, 7. Mai 1916 10. Jahrgang Deutschland an Amerika. Berlin, 5. Mai. Nachstehende Note ist in Beantwortung der amerikanischen Note vom 20. v. Mts. über die Führung des deutschen U=Bootkrieges dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika gestern abend übergeben worden. Der Unterzeichnete beehrt sich, im Namen der Kaiserlich Deutschen Regierung Seiner Exzellenz dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn James W. Gerard, auf das Schreiben vom 20. v. Mts. über die Führung des deutschen Unterseebootkrieges Nachstehendes zu erwidern: Die Deutsche Regierung hat das ihr von der Regielung der Vereinigten Staaten in Sachen der„Susser“ mitgeteilte Material an die beteiligten Marinestellen zur Prüfung weitergegeben. Auf Grund des bisherigen Ergebnisses dieser Prüfung verschließt sie sich nicht der Möglichkeit, daß das in ihrer Note vom 10. v. Mts. erwähnte, von einem deutschen Unterseeboot torpedierte Schiff in der Tat mit der„Sussex" identisch ist. Die Deutsche Regierung darf sich eine weitere Mitteilung hierüber vorbehalten, bis einige noch ausstehende für die Beurteilung des Sachverhalts ausschlaggebende Feststellungen erfolgt sind. Falls es sich erweisen sollte, daß die Annahme des Kommandanten, ein Kriegsschiff vor sich zu haben, irrig war, so wird die Deutsche Regierung die sich hieraus ergebenden Folgerungen ziehen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat an den Fall der„Susser“ eine Reihe von Behauptungen geknüpft, die in dem Satze gipfeln, daß dieser Fall nur ein Beispiel für die vorbedachte Methode unterschiedsloser Zerstörung von Schiffen aller Art. Nationalität und Bestimmung durch die Befehlshaber der deutschen Unterseeboote sei. Die Deutsche Regierung muß diese Behauptung mit Entschiedenheit zurückweisen. Auf eine ins Einzelne gehende Zurückweisung glaubt sie indessen im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit verzichten zu sollen, zumal da die Amerikanische Regierung es unterlassen hat, ihre Behauptung durch konkrete Angaben zu begründen. Die Deutsche Regierung begnügt sich mit der Feststellung, daß sie, und zwar lediglich mit Rücksicht auf die Interessen der Neutralen, in dem Gebrauch der Unterseebootwaffe sich weitgehende Beschränkungen auferlegt hat. obwohl diese Beschränkungen notwendigerweise auch den Feinden Deutschlands zugute kommen, eine Rücksicht, der die Neutralen bei England und seinen Verbündeten nicht begegnet sind. In der Tat sind die deutschen Seestreitkräfte angewiesen, den Unterseebootkrieg nach den allgemeinen völkerrechtlichen Grundsätzen über die Anhaltung, Durchsuchung und Zerstörung von Handelsschiffen zu führen, mit der einzigen Ausnahme des Handelskrieges gegen die im englischen Kriegsgebiet betroffenen feindlichen Frachtschifse, deretwegen der Regierung der Vereinigten Staaten niemals, auch nicht durch die Erklärung vom 8. Februar d. J., eine Zusicherung gegeben worden ist. Einen Zweifel daran, daß die entsprechenden Besehle loyal gegeben worden sind und loyal ausgeführt werden, kann die Deutsche Regierung Niemandem gestatten. Irrtümer, wie sie tatsächlich vorgekommen sind, lassen sich bei keiner Art der Kriegführung ganz. vermeiden und sind in dem Seekrieg gegen einen Feind, der sich aller erlaubten und unerlaubten Listen bedient, erklärlich. Aber auch abgesehen von Irrtümern birgt der Seekrieg genau wie der Landkrieg für neutrale Personen und Güter, die in den Bereich der Kämpfe gelangen, unvermeidliche Gefahren in sich. Selbst in Fällen, in denen die Kampfhandlung sich lediglich in den Formen des Kreuzerkrieges abgespielt hat. sind wiederholt neutrale Personen und Güter zu Schaden gekommen. Auf die Minengefahr, der zahlreiche Schiffe zum Opfer gefallen sind, hat die Deutsche Regierung wiederholt aufmerksam gemacht. Die Deutsche Regierung hat der Regierung der Vereinigten Staaten mehrfach Vorschläge gemacht, die bestimmt waren, die unvermeidlichen Gefahren des Seekriegs für amerikanische Reisende und Güter auf ein Mindestmaß zurückzuführen. Leider hat die Regierung der Vereinigten Staaten nicht geglaubt, auf diese Vorschläge eingehen zu sollen; anderenfalls würde sie dazu beigetragen haben, einen großen Teil der Unfälle zu verhindern, von denen inzwischen amerikanische Staatsangehörige betroffen worden sind. Die Deutsche Regierung hält auch heute noch an ihrem Angebot fest, Vereinbarungen in dieser Richtung zu tressen. Entsprechend den wiederholt von ihr abgegebenen Erttärungen. kann die Deutsche Regierung auf den Gebrauch der U=Bootwaffe auch im Handelskriege nicht verzichten. Wenn sie sich heute in der Anpassung der Methoden des Unterseebootkrieges an die Interessen der Neutralen zu einem weiteren Entgegenkommen entschließt, so sind für sie Gründe bestinnnend, die sich über die Bedeutung der vorliegenden Streitfrage erheben. Die Deutsche Regierung mißt den hohen Geboten der Menschlichkeit keine geringere Bedeutung bei als die Regierung der Vereinigten Staaten. Sie trägt auch voll Rechnung der langen gemeinschaftlichen Arbeit der beiden Regierungen an einer von diesen Geboten geleiteten Ausgestaltung des Völkerrechts, deren Ziel stets die Beschränkung des Land= und Seekriegs auf die bewaffnete Macht der Kriegführenden und die tunlichste Sicherung der Nichtkämpfenden gegen die Grausamkeiten des Krieges gewesen ist. Für sich allein würden jedoch diese Gesichtspunkte, so bedeutsam sie sind, für die Deutsche Regierung bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge nicht den Ausschlag geben können. Drun gegenüber dem Appell der Regierung der Vereininten Staaten an die geheiligten Grundsätze der Menschlichten und des Völkerrechts muß dir Deutsche Regierung ernent und mit allem Nachdruck feststellen, dasz es nicht die Deutsche, sondern die Britische Regierung gewesen ist, die diesen furchtbaren Krieg unter Mißachtung aller zwischen den Völkern vereinbarten Rechtsnormen auf Leben und Eigentum der Nichtkämpfer ausgedehnt hat, und zwar ohur jede Rücksicht auf die durch diese Art der Kriegführung schwer geschädigten Interessen und Rechte der Neutralen und Nichtlämpfenden. In der bittersten Notwehr gegen die rechtswidrige Kriegführung Englands, im Kampf um das Dasein des deutschen Volkes hat die deutiche Kriegführung zu dem harten, aber wirksamen Mittel des Unterseebbotkrieges greisen müssen. Bei dieser Sachlage kann die Deutsche Regierung nur erneut ihr Bedauern darüber aussprechen, daß die humanitären Gefühle der Amerikanischen Regierung, die sich mit so großer Wärme den bedauernswerten Opfern des Unterseebootkrieges zuwenden, sich nicht mit der gleichen Wärme auch auf die vielen Millionen von Frauen und Kindern erstrecken, die nach der erklärten Absicht der Englischen Regierung in den Hunger getrieben werden und durch ihre Hungerqualen die siegreichen Armeen der Zentralmächte zu schimpflicher Kapitulation zwingen sollen. Die Deutsche Regierung und mit ihr das deutsche Volk hat für dieses ungleiche Empfinden um so weniger Verständnis, als sie zu wiederholten Malen sich ausdrücklich bereit erklärt hat, sich mit der Anwendung der Unterseebootwaffe streng an die vor dem Krieg anerkannten völkerrechtlichen Normen zu halten, falls England sich dazu bereit findet, diese Normen gleichfalls seiner Kriegführung zugrunde zu legen. Die verschiedenen Versuche der Regierung der Vereinigten Staaten, die Großbritannische Regierung hierzu zu bestimmen, sind an der stritten Ablehnung der Britischen Regierung gescheitert. England hat auch weiterhin Völkerrechtsbruch auf Bölkerrechtsbruch gehäuft und in der Vergewaltigung der Neutralen jede Grenze überschritten. Seine letzte Maßnahme, die Erklärung deutscher Bunkerkohle als Bannware, verbunden mit den Bedingungen, zu denen allein englische Bunkerkohle an die Neutralen abgegeben wird, bedeutet nichts anderes als den Versuch, die Tonnage der Neutralen durch unerhörte Erpressung unmittelbar in den Dienst des englischen Wirtschaftskrieges zu zwingen. Das deutsche Volk weiß, daß es in der Hand der Regierung der Vereinigten Staaten liegt, den Krieg im Sinne der Menschlichkeit und des Völkerrechts auf die Streitkräfte der kämpfenden Staaten zu beschränken. Die Amerikanische Regierung wäre dieses Erfolges sicher gewesen, wenn sie sich entschlossen hätte, ihre unbestreitbaren Rechte auf die Freiheit der Meere England gegenüber nachdrücklich geltend zu machen. So aber steht das deutsche Volk unter dem Eindruck, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Deutschland in dessen Existenzkampf die Beschränkung im Gebrauch einer wirksamen Waffe verlangt, und daß sie die Aufrechterhaltung ihrer Beziehungen zu Deutschland von der Erfüllung dieser Forberung abhängig macht, während sie sich gegenüber den völkerrechtswidrigen Methoden seiner Feinde mit Protesten begnügt. Auch ist dem deutschen Volke bekannt, in wie weitem Umfang unsere Feinde aus den Vereinigten Staaten mit Kriegsmitteln aller Art versehen werden. Unter diesen Umständen wird es verstanden werden, daß die Anrufung des Völkerrechts und der Gefühle der Menschlichkeit im deutschen Volke nicht den vollen Widerhall finden kann, dessen ein solcher Appell hier unter anderen Verhältnissen stets sicher ist. Wenn die Deutsche Regierung sich trotzdem zu einem äußersten Zugeständnis entschließt, so ist für sie entscheidend Auf dunklen Pfaden. Roman von A. Hottner=Grese. 11 Nachdruck verboten Josef nahm das weiße Bündel ziemlich ungeschickt in seine Arme. Als aber Hanna wieder verschwunden war, da neigte er sich ganz herab zu dem Kleinen und besah genau das rosige, runde Gesichtchen, um welches ein paar dunile Haarringelchen lagen, die zwei drallen Fäuste, die der Kleine zusammengeballt hatte, die winzigen Ohren, den allerliebsten Mund. Noch nie hatte Jolet, der alte Junggeselle, ein so kleines Kind in genau betrachtet. Eine tiese Ruhrung kam über ihn. Behutsam tätscheite er es ein wenig hin über die wesche, runde Wange Dann machte er auf Stirn, Kinn und Brust des Knaben das Zeichen des Kreuzes. „Niemand soll dir was tun, kein Mensch!“ sagte er halblaut vor sich hin.„Du bist meines armen, toten perrn Sohn! Und wenn sie dir etwas tun wollen, dann ist der alte Josef schon auch noch da! Geschehen lass' ich dir nichte Er 10o ganz kampfbereit aus in diesem Moment der gute, alte Mann. Unmillturlich hatte er an die schone Schwagerin des toten Freiherrn, an Frau Otta, denken müssen. Für sie war dieses Kind welches ihrem eigenen Sohne so vieles nahm, ein Feind. Und Josef wußte, wie diese Frau zu hassen verstand.— „Harro" war aus dem Nebenzimmer herbeigeschlichen. Etnige Minuten besah er das schlasende, kleine Kind mit ernsten, prüfenden Augen. Dann brängte er sich ganz nahe heran an den alten Mann und beleckte mit seiner breiten, roten Zunge des Knaben Händchen ein wenig. Josef nickte thm zu. „Du hältst auch zu uns!“ sagte er und streichelte den großen Kopt des Hundes.„Ja, sa! Wir halten zusammen wir drei! gelt, Bubi? Wir halten zusammen!“ „Hurro“ knurrte ein wenig und der Kleine schnarchte leise Der ciesige Hund streckte sich neben Josef hin, unausgesetzt die beiden im Auge bebaltend. So blieben sie beisammen, vis im Osten der Sonnenball emporstieg und das Firmament glühendrot färbte. Als die ersten goldigen Sonnenstrahlen über die Erde hinzitterten, trat aus dem Buschwerk, welches die Fahrstraße begrenzte, die Gestalt eines Mannes. Der Mann hatte ein Gewehr über der Schulter und trug die kleidsame, hübsche Uniform eines Försters. Unter dem Lodenhut blitzten ein Paar leidenschaftliche, heiße, scharfkluge Augen; die stark gebogene Nase gab dem schmalen Gesicht etwas Kühnes, aber um den Mund lag ein herber Zug, welcher auch durch den kurzen, dunklen Bart nicht ganz verdeckt wurde. Dieser Mann sah aus, als schrecke er vor nichts zurück, und als kenne er keine Rücksicht, wenn es galt, etwas durchzusetzen. Mit sprühenden Augen spähte er die Fahrstraße entlang, dann kniete er plötzlich nieder auf dem feuchten Boden. Da waren allerlei Spuren, welche ihn sehr interessierten. „Hm“, sagte er vor sich hin,„da ist ein Wagen gefahren! Da— die Räderspur geht direkt auf das Jagdschloß zu. Aber daneben läuft die Spur eines Autos „Merkwürdig! Wer fährt hier auf diesen Straßen, in dieser Einsamkeit mit einem Auto? Ich habe ja schon unten diese Spur gesehen! Doch da lief auch eine ganz frische zurück, der Straße gegen Salzburg zu. Die Sache ist sonverbar, höchst sonderbar! Man könnte sie ein wenig verfolgen!" Der Mann im Jagdrock kniete nochmals hin und prüfte wieder voller Aufmerksamkeit die Rinnen, welche die Räder der beiden Gefährte in dem feuchten Waldboden hinterlassen hatten. Dabei fiel sein Blick auf etwas Glänzendes, das halb im Schmutz versteckt lag. Er hob es auf. Es war eine winzige Schraube. „Man kann nicht wissen,“ murmelte der Förster— „schließlich,'s ist doch mein Revier! Und diese Sache interessiert mich!“ Ein Rascheln im Gebüsch ließ ihn emporfahren. Mit einem schnellen Ruck riß er die Büchse von der Schulter. „Wer da?!“ rief er laut und drohend. Das Rascheln verstärkte sich, es war, als ob jemand rasch flüchtete. Mit einem großen Satz sprang der Jäger nach, ungeachtei der Dornen, welche seinem Rock übel mitspielten. Und jetzt, da die Sonne höher stieg, jetzt sah er auch schon nicht weit vor sich eine Gestalt, welche eilends davonlief. „Halt.“ schrie er donnernd noch einmal,„augenblicklich stehst du still, Hexe, oder ich schieße!“ Die Gestalt stand wirklich im Augenblick und wandte sich um. Ein weißes Gesicht, lodernde schwarze Augen sahen dem Förster entgegen. Dann klang ein Lachen, scharf und unheimlich. „Schieß doch zu.“ schrie das Weib zurück,„schieß nur! Dann hat wenigstens das Elend ein End“l“ Der Förster hatte den Gewehrlauf gesenkt. „Du bist's. Aga?“ sagte er jetzt langsam, wie scheu näher kommend.„Ja, das konnt' ich freilich nicht wissen! Wie kommst du denn daher in mein Revier?“ Das junge Weib stand ganz still und sah nur immer den Mann an, der zögernd näher kam. Fast unheimlich war sie anzusehen, trotzdem das Gesicht schön war. Aber über den großgeschnittenen, regelmäßigen Zügen lag ein Ausdruck fast wie Wahnsinn. Und dieser seltsame, wirre Ausdruck lag auch in den großen Augen. Die hobe, sehr volle Gestalt war ein wenig gebückt, als ob sie unter einer schweren Last zu gehen gewohnt sei. Fortsetzung folgt einmal die mehr als hundertjährige Freundschaft zwischen ben beiden großen Völkern, sodann aber der Gedanke an das schwere Verhängnis, mit dem eine Ausdehnung und Verlängerung dieses grausamen und blutigen Krieges die gesamte ziilisierte Menschheit bedroht. Das Bewußtsein der Stärke hat es der Deutschen Regierung erlaubt, zweimal im Laufe der letzten Monate ihre Bereitschaft zu einem Deutschlands Lebensinteressen sichernden Frieden offen und vor aller Welt zu bekunden. Sie hat damit zum Ausdruck gebracht, daß es nicht an ihr liegt, wenn den Völkern Europas der Friede noch länger vorenthalten bleibt. Mit um so stärkerer Berechtigung darf die Deutsche Regierung aussprechen, daß es vor der Menschheit und der Geschichte nicht zu verantworten wäre, nach 21 monatiger Kriegsdauer die über den Unterseebootkrieg entstandene Streitfrage eine den Frieden zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke ernstlich bedrohende Wendung nehmen zu lassen. Einer solchen Entwickelung will die Deutsche Regierung, soweit es an ihr liegt, vorbeugen. Sie will gleichzeitig ein letztes dazu beitragen, um— solange der Krieg noch dauert— die Beschränkung der Kriegführung auf die kämpfenden Streitkräfte zu ermöglichen, ein Ziel, das die Freiheit der Meere einschließt und in dem sich die Deutsche Regierung mit der Regierung der Vereinigten Staaten auch heute noch einig glaubt. Von diesem Gedanken geleitet, teilt die Deutsche Regierung der Regierung der Vereinigten Staaten mit, daß Weisung an die deutschen Seestreitkräfte ergangen ist, in Beobachtung der allgemeinen völkerrechtlichen Grundsähze über Anhaltung, Durchfuchung und Zerstörung von Handelsschiffen auch innerhalb des Seekriegsgebiets Kauffahrtetschiffe nicht ohne Warnung und Rettung der Menschenleben zu versenken, es sei denn, daß sie fliehen oder Widerstand leisten. In dem Daseinskampf, den Deutschland zu führen gezwungen ist, kann ihm jedoch von den Neutralen nicht zugemutet werden, sich mit Rücksicht auf ihre Interessen im Gebrauch einer wirksamen Wasse Beschränkungen aufzuerlegen, wenn seinen Gegnern gestattet bleibt, ihrerseits völkerrechtswidrige Mittel nach Belieben zur Anwendung zu bringen. Ein solches Verlangen würde mit dem Wesen der Neutralität unvereinbar sein. Die Deutsche Regierung ist überzeugt, daß der Regierung der Vereinigten Staaten eine derartige Zumutung fernliegt; dies entnimmt sie aus der wiederholten Erklärung der Amerikanischen Regierung, daß sie allen Kriegführenden gegenüber die verletzte Freiheit der Meere wiederherzustellen entschlossen sei. Die Deutsche Regierung geht demgemäß von der Erwartung aus, daß ihre neue Weisung an die Seestreitkräfte auch in den Augen der Regierung der Vereinigten Staaten jedes Hindernis für die Verwirklichung der in der Note vom 25. Juli 1915 angebotenen Zusammenarbeit zu der noch während des Krieges zu bewirkenden Wiederherstellung der Freiheit der Meere aus dem Wege räumt, und sie zweifelt nicht daran, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nunmehr bei der Großbritanntschen Regierung die alsbaldige Beobachtung derjenigen völkerrechtlichen Normen mit allem Nachdruck verlangen und durchsetzen wird, die vor dem Kriege allgemein anerkannt waren und die insbesondere in den Noten der Amerikanischen Regierung an die Britische Regierung vom 28. Dezember 1914 und vom 5. November 1915 dargelegt sind. Sollten die Schritte der Regierung der Vereinigten Staaten nicht zu dem gewollten Erfolge führen, den Gesetzen der Menschlichkeit bei allen triegführenden Nationen Geltung zu verschaffen, so würde die Deutsche Regierung sich einer neuen Sachlage gegenübersehen, für die sie sich die volle Freiheit der Entschließungen vorbehalten muß. Der Unterzeichnete benutzt auch diesen Anlaß, um dem Herrn Botschafter die Versicherung seiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu erneuern. gez. von Jagow. Seiner Exzellenz dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Herrn James W. Gerard. Diese deutsche Note ist, wie man weiß, das Ergebnis sehr eingehender Erwägungen und Beratungen, die zunächst in den höchsten Reichsämtern angestellt und dann im Großen Hauptquartier abgeschlossen worden sind. An ihnen haben alle verantwortlichen Männer mitgewirkt, deren Händen das Schicksal unseres deutschen Vaterlandes anvertraut ist. Sie haben uns bisher durch alle Klippen und Gefahren dieses weltumspannenden Krieges mit starken Armen siegreich hindurchgeführt und deshalb dürfen wir darauf vertrauen, daß auch die jetzt von ihnen getroffene Entscheidung uns zum Heile gereichen wird. Mit Worten voll Würde und sittlichem Ernst werden die herausfordernden Redewendungen der amerikanischen Note zurückgewiesen; wir brauchen von Herrn Wilson keine Belehrung über die Pflichten der Menschlichkeit entgegenzunehmen und wissen ganz genau, was von diesen schönen Lehren zu halten ist, deren überlautes metallisches Nebengeräusch den Vereinigten Staaten so überaus glänzend bekommt. Der Präsident der Union drohte uns für den Fall der Unnachgiebigkeit mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und schien drauf und drau zu sein, es auf einen Krieg mit Deutschland ankommen zu lassen, obwohl er doch die Gesetze der Humanität und die Wahrung des Friedens über alles stellt. Wir betätigen die Gebote der Menschlichkeit, indem wir uns zu einem äußersten Entgegenkommen entschließen, das wohl auch den weitgehenden Forderungen des Weißen Hauses in Washington genügen dürfte. Damit ist unser letztes Wort in Sachen des Unterseebootskrieges gesprochen. Darüber hinaus aber enthält die deutsche Note die bündige Erklärung, daß die einseitige Respektierung des Völkerrechts, wie wir sie jetzt Herrn Wilson für unser Teil zugestanden haben, durchaus nicht etwa für die Dauer Geltung haben soll. Jetzt kann er seine Hemdärmel aufstreifen und auch einmal den Engländern zeigen, was eine amerikanische Harke ist. Wir erwarten Beweise für die brennende Liebe, mit der die amerikanische Regierung sich der Freiheit der Meere hingegeben hat und hoffen, daß es ihr gelingen wird, sie auf allen Ozeanen zur Anerkennung zu bringen, wo Englands gewaltige Flotte einstweilen noch den internationalen Seeräuber spielen darf. Manche Kreise in Deutschland werden in dieser Beziehung nur geringe Erwartungen hegen; mag sein, daß sie Recht behalten. Dann wird aber für uns eine neue Lage geschaffen, zu der wir ibehindert durch alle jetzigen und früheren Erklärungen in alleiniger Berücksichtigung der deutschen Interessen Stellung nehmen können und werden. Noch liegt es in der Hand des Präsidenten Wilson, uns eine notgedrungene Abkehr von den„Geboten der Menschlichkeit" zu ersparen. Gibt er aber seinen lieben englischen Stammesbrüdern nach wie vor unbeschränkte Vollmacht zur Vergewaltigung des Völkerrechts, dann muß für uns der Augenblick kommen, da wir uns lediglich auf uns selbst, auf unsere Pflichten gegen unser Volk und unsere Zukunft besinnen und den Kampf mit allen Mitteln weiterführen, die in unsere Hand gegeben find. Man soll sich nur keiner Täuschung darüber hingeben, daß es der Deutschen Regierung mit dieser Ankündigung bitterer Ernst ist. Wir bieten auch Amerika unsere Hand zum Frieden, wie wir es 1914 unseren jetzigen Feinden gegenüber getan haben, solange es mit unserer Selbstbehauptung nur irgend verträglich ist. Wir verzichten darum jetzt auch auf Vorteile der Seekriegsführung, von denen wir uns eine raschere Beendigung dieses Völkerringens versprechen durften. Damit sind wir aber an der äußersten Grenze unserer Friedensliebe angelangt. Das amerikanische Volk wird für diese Lage der Dinge Verständnis haben, wir wollen einstweilen hoffen, daß auch sein höchster Vertreter ihr nunmehr Rechnung tragen wird. Sollten wir uns darin täuschen, dann können wir auch Amerika gegenüber uns mit gutem Gewissen in das Unvermeidliche fügen. Die Folgen seiner Politik würden wir vor der Geschichte dann nicht zu verantworten haben. Oolitische Kundschau. Deutsches Reich. * Der Bundesrat hat zur Ausführung des Versicherungsgesetzes für Angestellte beschlossen, daß von der Versicherungspflicht befreit bleiben Dienstleistungen von Angestellten, die durch Stellenlosigkeit in gemeinnützigen Schreibstuben oder in Verpflegungsstationen und ähnlichen Wohltätigkeitsanstalten während eines verhältnismäßig geringen Zeitraums des Kalenderjahres beschäftigt werden, auch wenn eine Geldentschädigung gewährt wird. * Der Hauptausschuß des Reichstages beendete die Beratung des Kapitalabfindungsgesetzes in erster Lesung. Es wurde ein Antrag angenommen, der zur Sicherung der bestimmungsgemäßen Verwendung der Abfindungssumme eine Sicherungshypothek des Militärfiskus einführt. Diese Hypothek vermindert sich alljährlich und erlischt mit dem Tode des Rentenberechtigten. Ebenso fand ein Antrag auf Anderung der Skala unter Zugrundelegung eines Zinsfußes von 4% Annahme. Aus§ 8 wurde das Recht des Fiskus auf Pfändung von Versorgungsgebührnissen zur Befriedigung seines Anspruchs auf Rückzahlung einer Kapitalabfindung gestrichen. * Die Beratungen im Reichstagsausschuß über die Tabaksteuervorlage begannen mit der Erklärung des Reichsschatzsekretärs, daß die verbündeten Regierungen den größten Wert auf das Zustandekommen des Gesetzes legen. Die konservativen Redner traten für das Gesetz ein, die Sozialdemokraten lehnten es ab. Die Nationalliberalen wollten hauptsächlich die Zigarette belasten, das Zentrum verhielt sich zurückhaltend und will nur dann für die Vorlage stimmen, wenn die große Mehrheit des Reichstages sich dafür entschließt. * In München beschäftigte sich die Kammer der Abgeordneten mit den Steuerplänen für Bayern. Die Kammer lehnte den Antrag der Sozialdemotraten für Einführung einer Vermögenssteuer in Bayern und Zuschlägen zur Einkommensteuer auf die größeren Einkommen ab. Dagegen fand ein Antrag der Liberalen auf Fortführung der Reform der direkten Steuern und ein Antrag des Zentrums Annahme, der die Staatsregierung ersucht, mit allem Nachdruck im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß jeder weitere Eingriff der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete der direkten Besteuerung von Vermögen oder Einkommen vermieden werde. Schweiz. &am Nach dem Muster der Beratung der skandinavischen Staaten wird im Juni in Bern ein Kongreß neutraler Staaten stattfinden. An dem Kongreß sollen sämtliche Leiter der auswärtigen Angelegenheiten der neutralen Staaten teilnehmen. Bisher haben Dänemark, Schweden, Norwegen und Holland ihre Teilnahme zugesagt. Spaniens, Rumäniens und Griechenlands Antworten stehen noch aus. Das Präsidium des Kongresses wird der Schweizer Bundespräsident innehaben. Großbritannien. Aus London wird berichtet, daß das Unterhaus das Dienstpflichtgesetz mit 328 gegen 36 Stimmen in zweiter Lesung angenommen habe. In erster Lesung wurde dieses Gesetz bekanntlich einstimmig angenommen. Wo kommen mit einem Male die 36 Gegner her? am Trotz seines Zurückweichens in der Wehrpflichtfrage sieht sich das Kabinett Asquith andauernd schwersten Angriffen ausgesetzt. Der bekannte Ulstermann Carson hielt bei einem Festmahl des unionistischen Kriegskomitees eine sehr feindselige Rede gegen das Ministerium, vor allem gegen Asquith. Er sagte, der Premierminister sei nur als Parteiführer und Redner groß. Man sei der Redekünste überdrüssig und glaube, daß es ein Unglück für das Land sei, daß der Premierminister ein so großer Redner ist. Aus In- und Husland. Berlin, 5. Mai. Der Minister des Innern antwortete auf eine Anfrage nach Gnesen, daß polnische politische Vereine weder aufgelöst noch suspendiert werden würden. Ihnen sei die Weiterarbeit nach pollzeilicher Anmeldung gestattet. Berlin, 5. Mal. Um die Darlehnskassenscheine zu 1 und 2 Mark weniger schnell unansehnlich zu machen, werden sie neuerdings auf beiden Seiten mit grünlichen bzw. rosa Unterdrucken versehen. Sofia, 5. Mai. Berichte aus den Provinzen stellen fest, daß der Saatenstand überall vortrefflich ist und eine Ernte erwartet werde, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im April sind fünftausend Wagen rumänischen Mehles nach der Türkei durchgegangen. Kopenhagen, 5. Mai.„Nationaltidende“ meldet: Letzter Tage aus England hier eingetroffene Kohlendampfer mußten sich zu Rückfrachten verpflichten. Nach Mitteilung des davon betroffenen Reeders fordert England keine bestimmten Ladungen, sondern gestattet, aus Schweden und Norwegen Kiesel. Holz. Erz. Stückgut usw. mitzunehmen. Christiania, 5. Mai. Die Anklage gegen Sir Roger Casement lautet auf Hochverrat. Der Gerichtshof, der über diese Anklage zu befinden haben wird, besteht aus drei Richtern. Haag, 5. Mai. Der„Daily Expreß" schätzt die Anzahl der irischen Aufrührer, die gefallen sind, auf 3000. Am ersten Tage des Aufruhrs hätten 15000 Mann die Waffen ergriffen, am Mittwoch aber nur noch ein Drittel sich am Kampfe beteiligt. Butarest, 5. Mai. Kammer und Senat werden vom 14. bis 23. Mai eine außerordentliche Session abhalten. Bukarest, 5. Mai. Die rumänische Presse veröffentlicht eine drahtlose Depesche aus Lyon, wonach dort die Nachricht eingelaufen sei, daß ii Ispahan der russische Konsul auf offener Straße getötet und der englische Vizekonsul erdolcht wurde, ebenso der Begleiter des englischen Konsuls, während dieser selbst durch Revolverschüsse schwer verwundet sei. Lugano, 5. Mai. Ein Spezialberichterstatter des „Secolo“ meldet: In zahlreichen Metallwerken Pittsburgs (Nord=Amerika) sind Streiks ausgebrochen. Die Truppen feuerten auf die Arbeiter der Tompsonswerke, von denen 7 getötet und 20 verwundet wurden. Darauf dehnten sich die Unruhen auf die ganze Rache schwörende Arbeiterschaft aus. Der Krieg. Im Westen herrschte lebhafte Gefechtstätigkeit, die sich aber in kleineren Unternehmungen erschöpfte. Der Luftkrieg nimmt ständig an Umfang zu. Der Luftkrieg im Laufe dee April. Großes Hauptquartier, 5. Mai. Westlicher Kriegsschauplatz. Auch gestern war die Gefechtstätigkeit an der englischen Front zwischen Armentières und Arras lebhaft. Bei Gibenchy=en=Gohelle entwickelten sich Handgranatenkämpfe um einen Sprengtrichter, in den der Feind vorübergehend hatte oordringen können.— Südlich der Somme sind nachts deutsche Erkundungsabteilungen in die feindliche Stellung eingebrochen, haben einen Gegenstoß abgewiesen und einen Offizier 45 Mann gefangengenommen.— Links der Maas drangen unsere Truppen in vorspringende französische Verteidigungsanlagen westlich von Avocourt ein. Der Feind hatte sie unter dem Eindruck unseres Feuers aufgegeben; sie wurden zerstört und planmäßig wieder geräumt. Südöstlich von Haucourt wurden mehrere französische Gräben genommen und Gefangene eingebracht. Ein gegen den Westausläufer der Höhe„Toter Mann wiederholter feindlicher Angriff brach völlig zusammen.— Rechts der Maas kam es besonders nachts zu starker Artillerjetätigkeit.— Ein englischer Doppeldecker mit französischen Abzeichen fiel an der Küste nahe der holländischen Grenze unversehrt in unsere Hand; die Insassen retteten sich auf neutrales Gebiet.— Ein deutsches Geschwader warf auf die Bahnanlagen im Noblette= und Auve=Tal(Champagne), sowie auf den Flughafen Suippes ausgiebig und erfolgreich Bomben ab. Der Luftkrieg hat im Laufe des April, besonders in der zweiten Hälfte des Monats auf der Westfront einen grossen Umfang und wachsende Erbitterung angenommen. An Stelle des Einzelgefechtes tritt mehr und mehr der Kampf in Gruppen und Geschwadern, der zum größten Teil jenseits unserer Linien ausgefochten wird. Im Verlauf dieser Kämpfe sind im Monat April auf der Westfront 26 feindliche Flugzeuge durch unsere Kampfflieger abgeschossen, davon sind nenn diesseits der Frontlinie in unseren Besitz gefallen; außerdem erlagen zehn Flugzeuge dem Feuer unserer Abwehrkanonen. Unsere eigenen Verluste belaufen sich demgegenüber auf zusammen 22 Flugzeuge; von diesen gingen 14 im Luftkampf, vier durch Nichtrückkehr, vier durch Abschuß von der Erde aus verloren. Ostlicher und Balkan=Kriegsschauplatz. Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Oberste Heeresleitung. Amtlich durch das W.T.B. Osterreichisch-ungarischer Deeresbericht. Amtlich wird verlautbart: Wien, 5. Mai. Kriegsschauplatz. Unsere Flieger belegten vorgestern den Bahnknotenpunkt Zdolbunowo, südlich von Kowno mit Bomben. Im Bahnhofsgebäude, in den Werkstätten, im rollenden Material und auf den Schienenanlagen wurden Treffer beobachtet. Mehrere Gebäude gerieten in Brand. Gestern wieder überall erhöhte Geschütztätigkeit; vielfach auch Vorfeldgeplänkel. Italienischer Kriegsschauplatz. Am Rambon vertrieben unsere Truppen nach kräftiger Artillerievorbereitung den Feind aus mehreren Stellungen, nahmen über 100 Alpini, darunter drei Offiziere gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Im Marmolata=Gebiet wurde nachts eine schwächere feindliche Abteilung am Osthang des Sasso Undicv zersprengt.— Sonst nur mäßige Artillerietätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Hoefer, Feldmarschallentnant. Brindisi und Valona bombardiert. (Amtlich.) Wien, 5. Mai. Am 4. Mai vorm. haben unsere Seeflugzeuge Valona, am nachmittag Brindisi bombardiert. In Valona wurden Batterien, Hafenanlagen und Flugzeugstationen mehrfach wirkungsvoll getroffen. In Brindisi mehrere Volltreffer auf Eisenbahnzüge, Bahnhofsgebäude und Magazine. Ferner im Arsenal, inmitten einer dicht zusammenliegenden Gruppe von Zerstörern. Mehrere Bomben sind in der Stadt explodiert. Ein zur Abwehr aufsteigendes feindliches Flugzeug wurde sofort vertrieben. Auf dem Rückfluge wurde weit in See der Kreuzer„Marco Polo“ angetrossen und die auf Deck dicht zusammenstehende Bemannung mit Maschinengewehr wirkungsvoll beschossen. Trotz des heftigen Abwehrfeuers sind sowohl von Valona als auch Brindisi alle unsere Flugzeuge wohlbehalten zurückgekehrt. Flottenkommand o. Rotterdam, 5. Mai. Belgische amtliche Berichte vom Kongo behaupten, daß die belgischen Truppen den Russissifluß südlich des Kiwusees überschritten, die deutschen Stellungen von Tschangugu besetzt hätten und nördlich von Kiwu gleichfalls in deutsches Gebiet eingedrungen seien. Deutscher Kriegsbericht Graßes Hauptquartier, 6. Mal 1916 Westlicher Kriegsschauplatz Südöstlich und südlich von Armentières waren Unternehmungen unserer Patrouillen erfolgreich; es wurden Gefangene gemacht, 2 Maschinengewehre, 2 Minenwerfer erbeutet.— Bei Givenchy en Gohelle wurde ein englischer Angriff gegen einen von uns besetzten Sprengtrichter glatt abgeschlagen. — Nordöstlich von Vienne le Chateau(Argonnen) scheiterte eine größere französische Patrouillen=Unternehmung nach Nahkampf.— Auf dem linken Maasufer spannen sich die Artillerie= und Infanteriekämpfe in Gegend nordöstlich von Haucourt fort. Sie brachten uns wieder einige Erfolge ohne völlig zum Abschluß zu kommen. Südlich von Warneton hat Vizefeldwebel Frankl am 4. Mai einen englischen Doppeldecker abgeschossen und damit sein 4. feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. Seine Majestät der Kaiser hat seiner Anerkennung für die Leistung des tüchtigen Fliegers durch die Beförderung zum Offizier Ausdruck verliehen.— Südöstlich von Diedenhofen mußte ein französisches Flugzeug notlanden; die Insassen sind gefangen genommen.— Eine große Anzahl französischer Fesselballons riß sich gestern abend infolge plötzlichen Sturmes los und trieb über unsere Linie. Mehr als 15 sind bisher geborgen. Oestlicher Kriegsschauplatz Die Lage ist unverändert. Balkan=Kriegsschauplatz Eins unserer Luftschiffe ist von einer Fahrt nach Saloniki nicht zurückgekehrt. Es ist nach einer englischen Meldung abgeschossen und verbrannt. Oberste Heeresleitung. Das Luftschiff„K 2o“ explodiert. Nach Beschießung durch norwegische Soldaten. Das Wrack des„L 20“ ist inzwischen völlig zerstört worden. Aus Stavanger wird berichtet: Der Regimentskommandeur Oberst Johannsen ließ Donnerstag nachmittags um 3 Uhr das Luftschiff„I. 20“ von einer Abteilung Soldaten beschießen, so dast es explodierte. Es hatte nämlich wegen starken Windes heftige Bewegungen zu machen begonnen und hätte sich, weil noch stark mit Gas gefüllt, leicht losreißen und Schaden anrichten können. Seine Explosion war sehr stark und weithin hörbar; ein paar Bootsschuppen in der Nähe gerieten in Brand, und in den Häusern wurden Fensterscheiben zertrümmert. Die Ursache der Strandung. Wie weiter aus Stavanger gemeldet wird, ist die Ursache der Strandung des„L 20“ darin zu suchen, daß das Luftschiff bei dem scharfen Gegenwind seinen gesamten Benzinvorrat aufgebraucht hatte und somit seine Motoren nicht mehr antreiben konnte. Die gesamte Mannschaft ist bis auf ein paar Verwundete, die im Krankenhaus sorgfältig gepflegt werden, vorläufig in Molde interniert. Die norwegischen Berichterstatter heben hervor, daß die Luftschiffer sämtlich große kräftige Leute seien. Einige wären etwas„verklammt“ gewesen, sonst war es indessen keinem anzusehen, daß sie eben eine schicksalsschwere Katastrohpe durchgemacht hatten. Acht Mann, die bei dem Anprall an einen Felsen herausgeschleudert wurden, zündeten sich, kaum wieder auf den Beinen, seelenruhig ihre Zigarette an. Die Deutschen seien sehr verschlossen und verweigerten jede Auskunft über woher und wohin. Der U.Bootskrieg. Aus London wird berichtet: Der französische Fischerschooner„Bernadotte“(486 Brutto=Register=Tonnen) ist am 1. Mai im Atlantischen Ozean 150 Meilen von der nächsten Küste entfernt durch ein feindliches Unterseeboot versenkt worden. Die aus 34 Mann bestehende Besatzung ist in Booten entkommen; acht Mann sind ausgenommen worden, die übrigen 26 treiben noch.— Der Leichter„Mars“ aus Frederikstad, wurde Dienstag abend in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot angehalten und in Brand gesetzt. Die Besatzung von sieben Mann ist an Bord eines Schleppdampfers in Frederikstad angekommen. Im Schlepptau eines Unterseeboots. Die Boote mit der Mannschaft des von zwei deutschen U=Booten in der Nordsee versenkten holländischen Schiffes „Beckelstroom“ wurden, wie das holländische Marinedepartement mitteilt, von dem einen U=Boot nach dem Noordhinder Feuerschiff geschleppt. Aber nach einer Viertelstunde Fahrt näherte sich ein feindliches Flugzeug, das das schleppende Unterseeboot angriff. Das Unterseeboot tauchte. Das Schlepptau wurde abgeworfen, aber es blieb am Unterseeboot hängen und die Trosse mußte abgeschnitten werden, damit die Boote nicht in die Tiefe gezogen würden. Darauf segelten die Boote nach der englischen Küste un wurden später durch den britischen Kreuzer„Peneloped ausgenommen. Rotterdam, 5. Mai. Mehrere der bedeutendsten englischen Versicherungsgesellschaften lehnen, wie das Fachblatt „Fairplay“ erfährt, infolge der riesigen Schiffsverluste weitere Krlegsversicherungen für Schisse ab. Stockholm, 5. Mai. Zehn Invaliden vom„Albatros“, zwel Unteroffiziere und acht Mann, traten die Heimreise nach Deutschland an. □ 1.„Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich 1 am Vaterlande!“ 2.„Wer über das gesetzlich zulässige Maß hinaue Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer I befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich 1 am Vaterlande!“ Aus der Heimat— für die Oldendorf. 6. Mai 1916 uk. Spargelzelt. Noch ein paar Tage, dann wird das köstliche Gemüse der Saison, der zarte, aromatische Spargel wieder in größerer Menge feilgehalten! Jeder, der es sich nur leisten kann, gönnt sich dann den Genuß, aber nur wenige wissen, daß gerade der Spargel eine lange und nicht uninteressante Geschichte hat. Der Spargel wächst in ganz Europa und im gemäßigten Westasien an sandigem Wiesenboden wild. Er stieß daher wahrscheinlich bei Zeiten auf Liebhaber. Er wurde sogar schon von den alten Aegyptern kultiviert, während die vorchristlichen Griechen ihn nur zu Arzneigewächs benutzt zu haben scheinen. Die ersten Spargelbeete in Deutschland werden 1565 im Stuttgarter Lustgarten und 1578 am Niederrhein erwähnt.„Eine Schmeichelei für den Gaumen“ nannte schon der alte Cato den Spargel und Plinius ergänzt diese Charakteristik, indem er ihn als„die zuträglichste Speise für den Magen“ hinstellt. Die neueren Gesundheitslehrer fügen hinzu, daß die Zuträglichkeit in specie auf dem Asparagin beruhe, einem wunderbaren Stoff. der die Herzleiden hebt und die Wassersüchtelei beseitigt. Doch von dieser physiologischen Eigenheit abgesehen, ist nicht zu leugnen, daß die schlichte Spargelsuppe etwas„Frühling= ahnungerweckendes“, an sich hat, daß der Spargelsalat dies Gefühl erheblich steigert, und daß endlich der Stangenspargel mit Butter, in Begleitung von Ochsenzungen oder eines goldglänzenden Kotelettes, den Menschen zu jener Höhe der Empfindung emporhebt, wo ihm„außer der Vorlage alles Wurst ist." 5 Maikäfer als Futtermittel. Das Jahr 1916 ist ein sogenanntes Maikäserjahr und wird in kurzer Frist voraussichtlich gewaltige Mengen dieser Käfer bringen. Damit bietet die Natur ein ganz hervorragendes Geflügelfuttermittel, das nicht ungenutzt bleiben darf. Soweit die Maikäfer nicht frisch verfüttert werden können, müssen sie sachgemäß abgetötet und getrocknet werden; in luftdichten Gefäßen halten sie sich dann lange Zeit. Den hierzu geeigneten Körperschaften ist dringend zu empfehlen, die Einsammlung und sachgemäße Zubereitung der Käfer so schleunig wie möglich ins Werk zu setzen.— wast noch früher als die ersten Maikäfer sind in diesem Jahre die Wespen ausgeschwärmt. Diese liefern freilich für die Hühner ein nicht annähernd so gutes Futter und sind auch nicht ganz so gefahrlos einzufangen, wie die Maikäfer, aber sie bieten für Menschen und Vieh so viele Belästigung, daß man allgemein auf sie machen und sie unschädlich machen, vor allem aber die Wespennester zerstören sollte. Lübbecke, 6. Mai. Der deutsche Kronprinz vollendet heute sein 34. Lebensjahr. Aus Anlaß dieses Tages hatten die öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck angelegt. Lübbecke, 6. April. Kreisarzt Dr. Angenete von hier hat seit mehreren Wochen seinen dienstlichen Wohnsitz in Herford nehmen müssen, um sich der Bekämpfung der Pockenseuche im Kreise Herford zu widmen. Da uns diese Seuche auch näher rückt, so werden in diesem Jahre die öffentlichen Impfungen schon früher als sonst stattfinden. Am nächsten Montag soll in den Volksschulen und der höheren Stadtschule mit der Wiederimpfung begonnen werden und am Freitag nächster Woche mit der Impfung der Erstimpflinge. Lübbecke, 6. Mal. Der Pionier=Leutnant Holzhausen (Landmesser), welcher vor kurzem bei seinen Verwandten im hlesigen Pfarrhause einige Tage zum Besuche und zur Erholung von einer Verwundung weilte, wurde bei seiner Rückkehr zum Regiment durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse ausgezeichnel. Pr. Oldendorf, 5. Mai. Zeitunglesen ist heute das Wichtiaste. Vor der Bochumer Strafkammer hatten sich Eheleute, die mit Kartoffeln handelten, wegen Ueberschreitung der Höchstpreise zu verantworten. Der Ehemann wurde für unschuldig befunden; die Chefrau suchte sich zu entschuldigen, sie habe die Höchstpreise nicht gekannt, da es ihr namöglich gewesen sei, wegen großen Kundenandrangs die Zeitung zu lesen. Die Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 5 Mark verurtellt. Der Vorsitzende hob bei der Urteilsverkündung hervor, daß es Pflicht aller Gewerbetreibenden sei, sich über die amtlichen Bekanntmachungen auf dem Laufenden zu erhalten; das Zeitunglesen sei heute das Wichtigste, es gehe allem andern vor. Wehdem, 5. Mai. Das Eiserne Kreuz wurde dem Wehrmann Fr. Lösche, welcher schon seit Kriegsbeginn im Felde steht, verliehen. Hüllhorst, 4. Mai. Am nächsten Sonntag findet im Gasthaus Kahre ein Kundgebung zur Tabaksteuer statt. Die Frage einer Erhöhung der Abgaben vom Tabak ist besonders für die Tabakarbeiter von der größten Bedeutung, besonders jetzt während des Krleges, wo auch die Tabakarbeiterschaft stark unter den Teuerungsverhältnissen zu leiden hat. Es ist daher zu erwarten, daß die Versammlung eine rege Teilnahme aufweisen wird. Gleichzeitig findet eine aufklärende Darlegung über das Kriegsunterstützungswesen statt. Vielfach herrscht in dieser Hinsicht noch eine ziemliche Unkenntnis, sodaß eine weitere Aufklärung einem tatsächlichen Bedürfnis Rechnung trägt. Rahden, 4. Mai. Vom Blitz erschlagen wurden gestern nachmittag 2 junge Rinder des Kolon Vette Nr. 15 in Sielhorst, die sich auf der Welde befanden. Minden, 4. Mat. Die Gemeinnützige Rechtsauskunftsstelle wurde im 6. Geschäftsjahr von 2398 Personen in Anspruch genommen, von denen 262 Arbeitgeber und 2036 Arbeitnehmer waren. Brockhausen, 4. Mai. Wie im Vorjahr, so brachte auch in diesem Jahre eine von den hiesigen Schülern veranstaltete Sammlung von Osterelern für die Verwundeten und Kranken des Pflegehauses und Vereinslazaretts Essen das schöne Ergebnis von 297 Eiern. Bad Essen, 6. Mai. Zum Sparzwang der Minderjährigen. Durch neuere Bekanntmachung hat das stellv. Generalkommando in Hannover seine Verordnung, betr. den Sparzwang der Minderjährigen wegen der erneut gesteigerten Teuerungsverhältnisse einstwellen wieder aufgehoben. Barnstorf, 4. Mai. Festnahme eines Feldgrauen. Wachtmeister Warnebold hatte in Erfahrung ebracht, daß sich hier in den Nachbarorten ein Urlauber erumtrieb, der durch seine etwas abenteuerlichen Erzählungen Verdacht erregte, und der auch nicht verschmähte, Eßwaren in jeder Art anzunehmen. Gestern abend stellte er den Mann in einer hiesigen Wirtschaft. Dieser konnte weiter keine Ausweispapiere vorzeigen, als eine Urlaubsverlängerung bis zum 19. Aprtl. Da der Urlaub längst abgelaufen ist, so wurde der Mann festgenommen und nach Osnabrück befördert. Es handelt sich um einen Mann, der einem Truppentell in Osnabrück angehört, aber zurzeit geistig nicht ganz einwandfrei ist. Berden, 4. Mai. Butter und Eier dürfen von gewerbsmäßigen Aufkäufern im Wege des Hausterbetriebes für die Dauer des Krieges im Kreise Verden sortan nicht mehr aufgekauft werden. Anlaß zu dieser Verfügung des Regierungspräsidenten hat jederfalls die Tatsache gegeben, daß, wie es auch leider in anderen Gegenden der Fall sein soll, Verkäufer sowohl wie Käufer die festgesetzten Höchstpreise überschreiten. Scharmbeck, 5. Mai.(Heidebrand.) Gestern brannten in der Nähe des Forstes Erm große Flächen Heide und Wald nieder. Glücklicherweise konnte durch tüchtiges Eingreifen anliegender Bewohner das Feuer gedämmt werden, ehe es auf den großen Forst übersprang. In der trockenen Zeit sollte man äußerst vorsichtig mit Feuer umgehen. Duderstadt, 5. Mai. Sieben fleischlose Tage in der Woche hat jetzt unsere Einwohnerschaft, da infolge der Heereslieferungen der Kreis für die nächsten Wochen keine Aussicht hat, Vieh zu erhalten. Wernigerode, 5. Mai.(Die Papiernot.) Wie der Verlag der„Wernigeroder Kreisztg.“ und der„Harzer Post“ mitteilt, stellen beide Blätter vom 1. Mai ab infolge des fortgesetzten Steigens der Papierpreise den Druc von Extrablättern ein. Es werden nur noch die allerwichtigsten Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen durch Extrablätter veröffentlicht. Bochum, 5. Mai.(Bestrafte Neugierde.) Die Ehefrau Kölsch von hier hatte zu wiederholten Malen Briese, die für ihre Zimmermieter ankamen, geöffnet und nach den Liebesergüssen der jeweiligen Bräute durchschnüffelt. Nun stand sie wegen Verletzung des Briefgeheimnisses vor der Strafkammer. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 50 Mark, wobei das Gericht betonte, daß hier ein grober Vertrauensbruch vorliege, der strenge geahndet werden müsse. Leimathe, 5. Mai.(Ertrunken.) Unterhalb der Eisenbahnbrücke wollte der achtzehnjährige, auf der Straßenbahnzentrale beschäftigte Arbeiter Tudzick einige Gegenstände aus der Lenne holen. Er geriet in ein tiefes Loch und verschwand vor den Augen seiner Begleiter, die ihn nicht zu retten vermochten. Der Vater des Verunglückten steht im Felde. Solingen, 5. Mai. Ein alter Imter teilt mit, daß seine Bienen im Jahre 1860 früh und vorzeitig geschwärmt, viele Schwärme und einen fast nie dagewesenen Honigertrag gebracht hätten.„Jetzt haben meine Bienen auch wieder früh und vorzeitig, schon am 1. Mai, mit Schwärmen begonnen, und wenn es nicht trügt und sich bewahrheitet wie im Jahre 1860, dann werden in diesem Jahre die Imker für ihre Mühe und Arbeit durch einen guten Honigertrag lohnt.“ Möge die Hoffnung des alten Imkers sich erfüllen. Sterkrade, 5. Mai.„An den Herrn Kaiser“ schrieb vor einigen Wochen ein Mädchen und bat den„lieben Kaiser“ im freundschaftlichen„Du=Tone" um Beurlaubung seines Vaters zur Feier der Kommunion, zumal da die Mutter im Februar 1915 gestorben sei. Der Vermerk„Eigenhändig abzugeben“ fehlte natürlich auch nicht. Und siehe da: der„liebe Kaiser" erfüllte die Bitte des Kindes. Er versah den Brief mit dem Vermerk:„Gelesen und genehmigt“ und sandte ihn winer. Der Vater der Kleinen war am Ehrentage seines Kindes hier und weilt noch hierselbst. 0 Große Betrügereien beim Viehhandel ist man in Königsberg i. Pr. auf die Spur gekommen. Drei Fleischer und Großviehhändler namens G. Diener, Ph. Auber und Dzebel wurden verhaftet. Den in günstigen Verhältnissen lebenden Großfleischermeistern wird zur Last gelegt, ganze Wagenladungen mit Vieh, das für behördliche Lieferungen bestimmt war, nicht an die dafür bestimmte Adresse abgeliefert, sondern nach Fälschung von dazu gehörigen Papieren weiter verfrachtet und zum eigenen Nutzen verkauft zu haben. Sie sollen jeder 400 000 bis 500000 Mark verdient und zahlreiche Mitschuldige haben. — Eine Prophezeiung über den Weltkrieg hat sich ein Grapholog und Astrolog Professor Kurt Zanowsk! in Wien geleistet; sie lautet: 1. Kriegsende und Friedensschluß am 17. August 1916; 2. das Jahr 1917 bringt einen neuen Dreibund: drei Kaiser, welche eine unantastbare Weltmacht bilden; 3. Siegen werden drei Kaiser und drei Könige, zwei neue Königreiche werden entstehen, dagegen wird eine Nation vernichtet. Europa wird in zwei Teile gespaltet. Für die kleinen Staaten wird eine glückliche Zeit anbrechen; 4. der Friede wird eine Dauer von 170 Jahren haben; 5. kritische Krlegstage und wichtige Ereignisse sind 19. Jan., 9. Februar, 12. u. 26. März, 7. April, 5. u. 16. Mai, 2. u. 27. Juni, 24. Juli, der 15. Juli verkündet ein ungeheures Wellengrab, der 17. August den Frieden. Zanowskl macht diese Vorhersage als das Ergebnis einer 7 monatigen genauesten astrologischen Berechnung.— Selbstredend ist es nicht strafbar, an dem Eintreffen der vorhergesagten Ereignisse zu zweifeln. Zweifel verdient vor allem die Nr. 4 mit dem 170 jährigen Frieden, so sehr dieser auch wohl allen Völkern erwünscht wäre. Aber bei allem Zweifel ist es doch gestattet, die angegebenen Tage mit den inzwischen wirklich eingetroffenen Ereignissen zu verfolgen: 19. Januar: Friedensbitte Montenegros, 9. Februar: Beginn der neuen Offensive, 12. März: Verdun(Douaumont), 26. März: Englische Flieger über Schleswig und Zusammendruch der russischen Offensive, 7. April: Hindenburgs Militärjubiläum, 5. Mai: Deutsche Antwortnote an Amerika. Von Freund und Feind. [Allerlei Draht= und Korrespondenz=Meldungen.] Der Kanzler im Reichetagsausschuß. Berlin, 5. Mai. Zu der heutigen Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages waren erschienen: Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg, die Staatssekretäre Dr. Delbrück, v. Jagow, Dr. Helfferich, Kraetke, Dr. Lisco, v. Capelle, stellvertretender Kriegsminister v. Wandel, Unterstaatssekretär Wahnschaffe, Vertreter der Bundesstaaten sowie etwa 100 Reichstagsabgeordnete. Gleich zu Beginn der Sitzung nahm der Reichskanzler das Wort, um die deutsche Antwortnote an Amerika bekanntzugeben und unser Verhältnis zu Amerika darzulegen. Hieran schloß sich eine Besprechung, an der sich Vertreter aller Parteien beteiligten. Die Ausführungen des Reichskanzlers sowie die Besprechung waren streng vertraulich. Vor dem Sitzungszimmer waren die gewohnten Absperrmaßnahmen getroffen. König Georg an König Konstantin. Budapest, 5. Mai. Ein hiesiges Blatt erfährt aus Athen, daß König Georg von England an König Konstantin von Griechenland den telegraphischen Rat habe ergehen lassen, sich sozusagen postwendend für den Vierverband zu entscheiden; dazu sei jetzt der letzte Augenblick gekommen; durch eine solche Entscheidung würde Griechenlands Zukunft gegen alle Fährnisse gesichert sein. König Konstantin dankte für das Wohlwollen, das aus dem wohlgemeinten Rate spreche, erklärte aber, bei der bisherigen Politik verbleiben zu wollen. Gerade die Rücksicht auf die Zukunft Griechenlands gebiete ihm keinerlei Anderungen vorzunehmen. Rückberufung Nikolajewitsch' nach Suropar Bularest, 5. Mai. In Beßarabien erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß der Zar beschlossen habe, den Großfürsten Nikolajewitsch wieder an die europäische Front zurückzuberufen. Der Fall von Erzerum und Trapezunt habe den Namen des Großfürsten in der russischen Presse wie in führenden militärischen Kreisen Rußlands wieder sympathisch gemacht. „Italien ist bloß eine Halbweltlerin.“ Bukarest, 5. Mai. Anläßlich der Jahreswende der Auflösung des Dreibundes durch Italien bringt die hiesige„Seara“ einen Gedenkartikel, der einzelne bezeichnende Stellen enthält. U. a. schreibt das Blatt: Vor dem Eintritt Italiens in den Weltkrieg glaubte man, daß Italien wirklich eine Großmacht ist, speziell Rumänten hat Italien in phantastischen Dimensionen gesehen. Unsere Politiker legten der Intervention Italiens so große Bedeutung bei, daß sie den Versuch machten, unser Schicksal mit dem Italiens zu verbinden. Heute, nach einem Jahre, sehen wir nun, daß die italienische Armee ein volles Jahr am Isonzo vergebens ihr Glück versucht. Mit Staunen erblicken wir, was Italien in Wirklichkeit ist. Die Geschichte wird die Rolle Italiens im Weltkriege als einfaches diplomatisches Menuett, dessen Musik in London komponiert worden war, bezeichnen. Italien selbst war kraftlos und wurde durch die Zentralmächte ausgehalten, wie es jetzt von der Entente unterstützt wird. Italien war und ist bloß eine Halbweltlerin. Oh weh. wie bitter und wie... wahr——— Sin Englandfreund über britische Dolitik. Newyort, 5. Mai. Beträchtliches Aufsehen erregt hier ein Artikel der „New York Tribune“, der die Politik Englands beleuchtet und verurteilt. Das Aufsehen ist um so verständlicher, als die„Tribune“ sich seit Ausbruch des Krieges als das englandfreundlichste aller amerikanischen Blätter gezeigt hat. Das Blatt geht von der Niederlage in Kut el Amara und dem Aufstand in Dublin aus und kommt zu dem Schluß. daß England in Mesopotamien einen uneinbringbaren Verlust an Ansehen erlitten und in Dublin den Beweis einer sinnlosen inneren Politik erbracht habe. Dann folgen scharfe Worte:„Die britische Regierung kann der Lage nicht Herr werden, weil sie sie nicht begreift, und weil sie nur zu reden versteht. Sie hat das britische Volk jahrelang vor dem Kriege belogen. Sie hätte sich beinahe ganz und gar um den Krieg herumgelogen und Frankreich untergehen lassen und sie hat seither nicht aufgehört zu lügen... Eine Handvoll unbedeutender und eigennütziger Politiker hat lange Zeit die Macht über die Völker gehabt und hat es fertiggebracht trotz ihrer Mißerfolge, die sie in Frankreich an den Laternenpfahl gebracht haben würden, sich diese Macht zu erhalten. Sie haben das britische Volk betrogen, und das Ergebnis sieht man in Flandern, in Asten und in der ganzen Welt.“ Es ist, wie schon erwähnt, ein englandfreundliches Blatt, das vorstehendes Bild entwirst. Wie tressend muß da die Zeichmung sein! Kleine Kriegspoft. Meiningen, 5. Mai. Freiherr Georg v. Saalfeld, ältester Sohn des Prinzen Ernst von Sachsen=Meiningen, ist bei La Bassée im Kampf mit einem englischen Flieger gefallen. Ein Bruder von ihm hat bereits in Rußland den Tod erlitten. Konstantinopel, 5. Mai. Ein türkisches Wasserflugzeug warf auf Lemnos vier Bomben ab, die sämtlich explodierten. Amsterdam, 5. Mai. Die Niederländische TelegrammAgentur meldet, daß bei Sluts dicht bei der niederländischen Grenze ein englisches Flugzeug gelandet ist. Der Insaise. ein Leutnant. wurde interniert. Saloniti, 5. Mai. Die Vierverbandstrunpen in Griechenland dehnen ihre Front immer weiter aus. Die Verteidigungsline wurde bis zu der Ortschaft Kalegara verlängert. Die Kavallerietruppen dringen nach Norden vor. Paris, 5. Mai. Marschall French meldet, daß der letzte(welcher?) Zeppelinangriff 36 Opfer gefordert habe, darunter 9 Tote. Mailand, 5. Mai. Auf dem Flugfeld von Malvensa bei Busto Arsizio sind zwei italienische Militärflieger abgestürzt. Beide sind tot. Zarskoje Sselo, 5. Mal. Der Zar hat den serbischen Mininerpräsidenten Paschitsch in Privataudienz empfangen. Der##a soll Paschilsch Bulg,sch=Macedonten für Serbien verwrochen haben. Bekanntmachung Auf Grund der Bundesratsverordnung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom 25. September 1915 und 4. November 1915 wird mit Zustimmung des Herrn Regierungspräsidenten für den Umfang des Kreises Lübbecke folgendes angeordnet: Zum gewerbsmäßigen An= und Aufkaufen von Butter, Eiern, Gemüse und Obst in ein Auswels des Landrats erforderlich. Die Ausstellung dei Auswetskalten ist auf dem Amte des Wohnortes zu beantragen. Diese Anordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Uebertretungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 M bestraft. Lübbecke, 5. Mai 1916 Der Kreisausschuß des Kreises Lübbecke Freiherr von Ledebur, Landrat Aufruf! Im vaterländischen Interesse ist es erwünscht, den Goldschatz der Reichsbank zu verstärken. Die Reichsbank ist daher bereit, Gegenstände von Gold(Uhrketten, Schmucksachen aller Art, Tafelgeräte usw. mit Ausnahme von Trauringen lebender Personen) anzukaufen und sie nach ihrem Goldwert zu bezahlen. Jeder Einlieferer von Goldsachen wird mit einem Gedenkblatt und einem künstlerisch ausgestalteten Plakate bedacht. Auch ist in Aussicht genommen, den Veräußerern goldener Uhrketten als Gedenkstück an die große Zeit eine Uhrkette geschützten Musters aus Eisen oder Stahl gegen Erstattung des Selbstkostenpreises zur Verfügung zu stellen. Im Kreise Lübbecke werden 3 Goldankaufshilfsstellen eingerichtet, und zwar in Lübbecke im Kreishause(Landrat Frhr. v. Ledebur), in Oldendorf im Amtshause(Amtmann Besch) und in Rahden im Amtshause(Oekonomlerat Bückendorf). Jeder Einlieferer bekommt dort eine Bescheinigung über die eingelieferten und in eine Liste einzutragenden Gegenstände, in welcher zu vermerken ist, ob der Einlieferer einer goldenen Uhrkette die erwähnte Erlnnerungskette zu beziehen wünscht. Die Goldankaufshilfsstellen senden die eingelieferten Gegenstände mit genauer Bezeichnung des Eigentümers an die Goldankaufsstelle in Minden, welche Gewicht und Goldwert der einzelnen Gegenstände durch vereinigte Sachverständige feststellt und den Geldwert an die Hilfsstelle zur Auszahlung an die Einlieferer übermittelt. Will jemand mit Steinen oder Perlen besetzte Stücke abliefern, so läßt er diese am besten durch einen geschickten Goldarbeiter vorher entfernen. Er kann sie aber auch mit abliefern und erhält dann ihren ermittelten Gegenwert. Steine von geringem Werte werden zurückgesandt, Juwelen werden ins neutrale Ausland gegen Zahlung von veräußert und tragen somit ebenfalls zur Verstärkung des Goldschatzes der Reichsbank bei. Abgelieferte Gegenstände von Kunst und Kulturweit werden besonders behandelt und vor ihrer Verwertung dem Ablieferer zur Zurücknahme angeboten. Die Goldankaufsstellen arbeiten im Jateresse des Reichs. Gleichwohl wird ihnen zu Gunsten örtlicher Wohlfahrtseinrichtungen eine Vergütung von 1 v. H. der für den Ankauf von Goldsachen gezahlten Beträge gewährt, wovon die Hülfsstellen ½8 v H. der durch sie vermittelten Goldankäufe erhalten. Ueber die Verwendung wird noch Beschluß gesaßt werden. Indem wir zur weiteren Auskunft bereit sind, fordern wir alle Besitzer von Goldsachen auf, ihren Bestand einmal nachzusehen und sich dann nicht lange zu befinnen, sondern sich fröhlich auch von lieb gewordenen Stücken zu trennen. Ist doch das Opfer kaum ein Opfer, weil der Geldwert bezahlt wird. Wer sordert es? Das Vaterland.— Jeden, der diesen Aufruf liest, bitten wir um Verbreitung und werbende Mithülse. Lübbecke, 19. April 1916 Der Ehrenausschuß: Frhr. v. Ledebar, Landrat: v. Waldthausen; Upmeyer; Bürgermeister Pütz; Suverintendent Kuhlo; Frau Gutsbesitzer Bock; Oekonomierat Bückendorf; Freiscau v. d. Busche=Münch; Fretin v. Vely=Jungkenn; Amtmann Mojor a. D. Besch; von Oheimb; Amtmann Hohmeyer; Pastor Olpp; Freifrau v. d. Horst Haldem; Pastor Nachtigall. Hof=Verkauf Ein schöner Hof, 114 Scheffelsaat groß, recht guter Sandboden, sämtlich nahe beim Hause liegend, mit schönen, neuen Gebäuden, soll schleunigst verkauft werden, da der Besitzer zum Milltär einberufen ist. Kauspreis 25 000 M, Anzahlung etwa 12—15000 K. Näheres durch den Unterzeichneten. Pr. Oldendorf, 5. Mai 1916 Kleffmann am Montag, 8. d. M. an den Kreisstraßen a) von Lübbecke(ab 7 Uhr vorm.) nach Benne, b) von Benus(ab 9½ Uhr vorm.) nach Fiestel, c) von Fiestel(ab 10½ Uhr vorm.) nach Gestringen. Lübbecke, 4. Mai 1916 Der Kreis-Oberwegemeister Heine sparsam im Gebrauch, gibt blendend weiße Wäsche. In 20—25=Psund=Zinkeimern solange der Vorrat reicht, das Pfund 52 Ptg. brutto. Versand nach auswärts unter Nachnahme. Station genau angeben. Karl Fr. Brinkmagar, Pr. Oidendorf i. W. Fernruf Nr. 47 Volke- und Kriegewirtschaft. * Die Großhandelspreise für Fische(Süßwasser= und Seefische), zu deren Festsetzung der Reichskanzler durch den Bundesratsbeschluß vom 1. Mai ermächtigt worden ist, sind in den nächsten Tagen zu erwarten; einstweilen schweben noch Verhandlungen darüber mit den Bundesregierungen. * Zur Kartoffelversorgung. Nach den bisherigen Erfahrungen mit der Kartoffelversorgung während der Kriegszeit dürfte für das nächste Erntejahr eine anderweitige Regelung eintreten, deren Ziel es ist, die für die menschliche Ernährung erforderlichen Kartoffeln unter allen Umständen sicherzustellen. Bel einer normalen Ernte erzeugt Deutschland 45 bis 50 Millionen Tonnen Kartoffeln. Hiervon sind für die menschliche Ernährung etwa 15 Millionen erforderlich und zur Tröcknung und gewerblichen Verwendung etwa 5 Millionen. Unter Berücksichtigung einer als notwendig erscheinenden Reserve für den unvorhergesehenen Bedarf von weiteren 5 Millionen müssen also etwa 25 Millionen Tonnen unter allen Umständen sichergestellt werden. Dies dürfte einer Nachrich##stelle zufolge dadurch erreicht werden. daß noch vor Beginn der Ernte diese 25 Millionen Tonnen auf die Erzeuger nach Maßgabe ihres Kartosselanbaues umgelegt werden. Nah und Fern. o über die Habgier mancher Fleischermeister, die das ihnen von den Gemeinden zum sofortigen Verkauf überwiesene Fleisch diesem Zweck hinterziehen, wird mancherorts Klage geführt. Es ist deshalb dringend zu wünschen, daß die Behörden überall die gleiche Umsicht in der Beaussichtigung der gleichsam als Treuhändler der Gemeinden dienenden Fleischer üben, wie in Großlichterfelde bei Berlin. Dort ist bei einer unvermuteten Revision festgestellt worden, daß eine Anzahl von Fleischermeistern das ihnen zum Frischverkauf überlassene Schweinefleisch teilweise eingevökelt, anderseits zu teurer Wurst verarbeitet haben, während das Publikum das Nachsehen hatte. Der Gemeindevorsteher hat das bedauerliche Resultat der angestellten Ermittelungen öffentlich unter Namensnennung bekanntgegeben und gleichzeitig zunächst den Fleischermeistern Beitsch, Kruczkowski und Rackwitz die Fleischlieferung durch die Gemeinde bis zum 15. Mai entzogen. Im Wiederholungsfalle soll betroffenen Fleischern das Geschäft geschlossen werden. a Ein deutscher Kongreß für innere Medizin in Warschau wurde am 1. Mai eröffnet. Bei der Eröffnung war Generalgonverneur v. Beseler mit den Spitzen der Militär= und Zivildehörden anwesend. Wie der Präsident der Tagung, Generaloberarzt Pros. W. His, betonte, soll die Tagung ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dienen. Demgemäß vollzog sich auch die Eröffnung in zwar würdiger, aber einfacher Form. Unter den etwa 1200 Teilnehmern der Eröffnungssitzung überwog die feldgraue Uniform; doch waren auch zahlreiche Zivilärzte anwesend. Besonderer Aufmerksamkeit erfreuten sich die anwesenden Vertretungen der bulgarischen und türkischen Armee. 9 Ein heftiges Erdbeben wurde in der Nacht in Graz verspürt. Auch in Judenburg und anderen steyrischen Orten wurde das Erdbeben empfunden. Ein heftiger Stoß, der 5 Sekunden dauerte, ließ von den Häusern Pun fallen und in den Wohnräumen fielen Gegenstände durcheinander. 0 Aus dem besetzten Warschau wird berichtet, daß die deutschen Behörden die Wiedererrichtung des aufgelösten polnischen Schulvereins bewilligt haben. Dem Verein wurde gestattet, überall in Polen Zweigniederlassungen zu gründen, Volks=, Mittel= und höhere Schulen, sowie Volksbibliotheken und Lesehallen zu errichten, sowie Vorträge zu halten. Auch Zeitschriftenvereine dürfen gegründet werden. In Warschau selbst wird demnächst eine große polnische Tageszeitung neu erscheinen. a Mussische Merkwürdigkeiten. Warschau ist zwar seit neun Monaten in deutschem Besitz, aber die russische Regierung hat es doch für notwendig gehalten, den Vorsteher des Unterrichtsbezirks Warschau in Hofrat Subow einen Gehilfen zu geben. Diese Ernennung erfolgte nach einem Meinungsaustausch zwischen den Ministern der verschiedenen Ressorts. Gegen eine solche Ernennung wurde eingewandt, daß die Tätigkeit im Bezirt Warschau zurzeit umständehalber(! eingestellt ist und deshalb ein Gehilfe des Vorstehers nicht benötigt wird. Es drang jedoch die Meinung durch, daß wenn es einen Vorsteher des Unterrichtsbezirks Warschau mit bestimmten Verpflichtungen gibt, auch kein Grund vorliegt, ihn ohne Gehilfen zu lassen. Der Garten im Mai. Im Obstgarten hat an warmen Tagen das Beschneiden der Pfirsichbäume zu erfolgen, wenn es nicht schon früher geschehen konnte. Am Spalierobst werden hervorgebrachte Lausholztriebe sorgsam entfernt, ebenso die Wildlinge an Obstbäumen. Der B eband junger, okulierter Bäumchen ist zu lösen, sobald das Edelreis einige Zentimeter lange Triebe hat. Raupen müssen immer noch fleißig vertilgt werden, besonders der gefährliche Ringelspinner. Da diese Raupenart gesellig lebt, sind diese Tiere abends zu Hausen vereinigt und können daher leicht vertilgt werden. Die Arbeiten im Gemüsegarten erstrecken sich hauptsächlich auf die Aussaal von Bohnen; es ist ratsam. bis Mitte des Monats die Saat zu beenden. Außerdem werden Gurken und Kürbisse gelegt, sowie noch Kohl, Lauch, Salal u. a. gesät. Artischocken sind zu verpflanzen; Erbsen sind mit Reisern zu versehen. Unkraut muß ausgejätet und bereits geleertes Ge müseland zu neuer Bestellung vorbereitet werden. Da im Mai Nachtfröste häufig sind, müssen zarte Pflanzen, namentlich Gurken, geschützt werden. In den Blumenbeeten grünt und sprießt und sproßt und treibt und blüht es, daß es eine Lust ist. Es bleibt dem Menschen nur übrig, das Unkraut zu entfernen und die Blumen zu pflegen, damit sie sich in ihrer ganzen Fülle er hallen und zur höchsten Pracht und Schönheit entfalten können. Die Pflege der Pflanzen im Blumen=, Gemüse= und Obst ( garten ist dringend notwendig, wenn die ganzen Frühjahrsarbeiten nicht umsonst gewesen sein sollen. Denn eine jede Pilanze kann nur gedeihen, wenn auf ihre natürlichen Be dürfnise Rücksicht genommen wird. Wer also die Kultur eine Pilanze nicht kennt, muß sich darüber eingehend unterrichten durch gute Lehrbücher. Zeitschriften usw. Zur Pflege der Pisanzen gehört auch in trockener Zeit das Begießen. Dazu int am besten Regenwasser und Flußwasser. Brunnenwasset nur. wenn es in der Sonne gestanden hat.