erner Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Bezugspreis halbmonatlich Mark 1.08, monatlich Mark 2.15, fru ins Haus arbracht: durch die Post monatlich Mark 2.— einschließlich 48 Pf. Postzeitungsgebühr, hierzu Bestellgeld 36 Pf.— Postscheckkonto Dortmund 1907. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger, Gerther Anzeiger Druck und Verlag: Koethers& Röttsches, Herne Hermann=Göring=Straße 8, neben der Hauptpost. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe 4 Pf., im Certtei 25 Pf. Vereinskalender(im Textteil) se mmn 10 Pf.; Bäder= und Sommeririschenanzeigen se mm 3½ Pf; Ziffer und Auskunftsgeböhr 28 Pf.; Fernsprecder: Sammel=Nummer 52641„ Drabianschrift. Anzeiger Horne. Nr. 139(Erstes Blatt) Samstag, den 17. Juni 1939 35. Jahrgang Streiflichter(Neue Verhandlungspanne in Moskau Entente cordiale Die Entente cordiale erlebt zur Zeit in Frankreich eine Verehrung, die fast an den Weltkrieg und die Jahre der Durchführung der„Friedensbedingungen“ erinnert. Bei jedem Anlaß, gleich welcher Natur er sein mag, liest man mehr oder weniger glückliche Formulierungen auf die Entente cordiale und die„aus ihr geborene“ Friedensfront der Völker, die„guten Willens“ sind. In diesem Zustand soll sich wohl der französische Bürger. der durch tausend Gerüchte so oft beunruhigt wird, schließlich glücklich und geborgen fühlen, wobei er sicherlich gleichzeitig zu der Einsicht kommen soll, daß eine bessere Regierung und eine bessere politische Linie einfach un möglich sei. Herr Anthony Eden, der sich zur Zeit in Paris stark hervortut, steuerte dieser Atmosphäre ein übriges bei. Gelegentlich eines Vortragsabends machte im übrigen der französische Finanzminister Paul Reynaud in seiner Begrüßungsansprache das Kompliment, daß Eden für die jungen französischen Studenten der Schule politischer Wissenschaften„ein Ideal“ sei. Gewiß sind die französischen Anschauungen über Herrn Eden nicht einheitlich, und man findet auch heute in der französischen Presse Bemerkungen, die dem Kompliment durchaus keinen Beifall zollen. Aber solche Dinge liegen nun einmal im Rahmen der„Verinnerlichung“ der Entente cordiale und dienen dabei einem bestimmten Zweck. Anscheinend hat es Herr Eden aber auch den sozialdemokratischen und kommunistischen Kammeraogeordneten angetan, die auf Veranlassung des Abgeordneten Grum bach, ein jüdischer Sozialdemokrat. die Gründung einer englisch=französischen Kammergruppe vollziehen wollten. Der gewünschte Erfolg dieser Aktion blieb jedoch aus. Man erinnerte sich, daß ein ähnlicher Versuch 1932 mißlang. Vorläufig ist die Gründung vertagt worden. Dennoch wurde einstweilen eine Delegation gewählt. deren Aufgabe es ist, eine englisch=französische Kammergruppe aufzustellen. Dieser Delegation gehören unter anderem der frühere Luftfahrtminister Pierre Cot und der ehemalige Außenminister Delbos an. Das neue Bankgesetz Gestern trat ein neues Bankgesetz in Kraft, das einem Auftrag gerecht wird, den der Führer dem Reichsminister Funk anläßlich dessen Berufung zum Präsidenten der Deutschen Reichsbank erteilt hat. Adolf Hitlers Auftrag lautete dahingehend, die mit dem Gesetz vom 10. Februar 1937 eingeleitete Umgestaltung der Reichsbank zu einer der Souveränität des Staates bedingungslos unterstellten Deutschen Notenbank zu jenem Abschluß zu bringen, der den nationalsozialistischen Prinzipien entspricht. Das neue Bankgesetz ist die Erfüllung dieser Weisung Adolf Hitlers. Reichsminister Funk hat in das neue Bankgesetz alle jene Prinzipien und Grundsätze hineingebracht, die dem Gebot des Nationalsozialismus entsprechen. So bekommt denn die„Deutsche Reichsbank einen völlig neuen Charakter. Sie hört auf, privatkapitalistisches Erwerbsunternehmen zu sein. Es widersprach dem nationalen Empfinden und der völkischen Neugestaltung des Lebens, daß die Reichsbank nicht unter der vollen Hoheit des Reiches stand und geleitet war von volkswirtschaftlichen und geldpolitischen Gesichtspunkten, die in unserer neuen Zeit als veraltet empfunden werden mußten. So ist es denn selbstverständlich, daß die wichtigste Neuordnung des nunmehr in Kraft getretenen Gesetzes die Einführung des autoritären Prinzins auch bei der Reichsbankleitung ist. Grundsätzlich ist die Deutsche Reichsbank nunmehr unmittelbar dem Führer unterstellt. Gleichzeitig ist das Führerprinzip endgültig innerhalb des Direktoriums durchgeführt. Die En:scheidung hat ausschließlich der Präsident zu treffen, während bisher das Direktorium beschloß. Der überflüssig gewordene Generalrat wurde übrigens schon im Jahre 1933 abgeschafft, wobei die Ernennung und Abberufung des Präsidenten der Bank sowie der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums ausschließlich in die Hände des Reichsoberhauptes gelegt wurden. So ist denn nach dem neuen Gesetz die Deutsche Reichsbank in den entscheidenden Dingen unmittelbar ein in der Hand des Führers arbeitendes Instrument. Oberstes Prinzip der Leitung wird sein, die Hilfe der Reichsbank bei der Durchführung der großen staatspolitischer. Aufgaben im nationalsozialistischen Sinne zu gewährleisten. Hierbei kommt es sowohl darauf an, die Finanzkraft des Staates zu sichern wie auch die der Wirtschaft zu fördern und zu lenken. Die Stabilität der deutschen Währung, der Preise und Löhne zu wahren. ist ein weiterer Grundsatz. Die Reichsbank ist zur Bank des Deutschen Reiches zeworden. Schirach ruft die Jugend zum volksdeutschen Sammeltag Zur Freude deo Führers und zur Ehre des Reiches! Berlin, 16. Juni. Reichsjugendführer Baldur von Schirach wendet sich mit folgendem Aufruf an alle Pimpfe, Jungmädel, Hitleriungen und BDM.=Mäde sowie an die Angehörigen des BDM.=Werkes„Glaube und Schönbeit": Am 2 und 25. Juni Findet eine Haus= und Straßensammlung des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland(BDA.) statt. Es ist unser ault Eurenpflicht gegenüber unseren Volksdeutschen Kameraden und Kameradinnen, durch unseren Einsatz und Sammeleifer am 24. und 25. Juni ein stolzes Bekenntnis zu diesen treuen Söhnen und Töchtern deutschen Blutes abzulegen. Ich erwarte von Euch. daß Ihr mit Euren Sammelbüchsen erfolgreich seid. denn Ihr sammelt für unser geliebtes Volk zur Freude des Führers und zur Ehre des Reiches Ihr wißt, worum es geht! Die hauptschwierigkeit: Stalin fordert Rückendeckung in Fernost London, 16. Juni. Wir erhalten über die Hintergründe der Schwierigkeiten in den englisch=sowjetrussischen Verhandlungen von einer höheren Stelle aus maßgeblichen Kreisen in London Golgende interessante Aufklärung, die sich mit den Meldungen, die wir außerdem von anderer Seite in London sowie aus Moskau vorliegen haben, decken:— Die Frage der Garantie der baltischen Staaten besitzt nur untergeordnete Bedeutung. England ist bereit, wenn notwendig. die baltischen Staaten nicht nur gegen ihren Willen zu garantieren, sondern sogar unter gewissen sowietrussischen Zusicherungen ganz aufzugeben Dies ist aber nicht die entscheidende sowjetrussische Forderung. Die sowjetrussischen Unterhändler verlangen vielmehr vor allem eine bindende englische Zusicherung für den Fall, daß Sowietrußzland im Zuge der Erfüllung seiner Beistandsverpflichtungen in Konflikt mit Japan geraten sollte, außerdem überhaupt eine bündige englische Erklärung für eine Unterstützung Sowjetrußzlands im Falle eines Konfliktes mit Japan. Auch dazu soll sich die englische Regierung im Prinziv bereit erklärt haben. Sie soll jedoch unter keinen Umständen gewillt sein, diese ihre Zusicherungen schriftlich zu skizzieren. Daher versuchte sie auch die sowjetrussischen Bedenken durch die Absendung Strangs nach Moskau zu zerstreuen, um durch ihn noch einmal mündlich die entsprechenden britischen Versicherungen abgeben zu lassen. Molotow soll jedoch bedingungslos auf eine klare und eindeutige schriftliche Skizzierung der britischen Beistandsverpflichtungen in Asien bestehen. Man fürchtet nun in London, sich durch ein Bekanntwerden einer solchen Verpflichtung schweren Rückschlägen in Ostasten auszusetzen bzw. sich durch ein solches Dokument in eine unhaltbare Abhängigkeit Sowjetruhlands gegenüber zu begeben. Wie einleitend bemerkt, ist uns diese Nachricht nunmehr von zwei anderen Seiten, die als genau unterrichtet anzusehen sind. bestätigt worden. Moskau, 16. Juni. Die Unterredung am Freitag zwischen Molotow einerseits und William Strang andererseits, der wiederum von den Botschaftern Englands und Frankreichs begleitet war, fand auch diesmal im Kreml statt und dauerte etwas über eine Stunde. Obwohl bis jetzt von keiner Seite eine Verlautbarung über die Verhandlungen erfolgt ist, nimmt man in Moskauer politischen Kreisen auf Grund des bekannten sowjetamtlichen Kommuniques von Freitag morgen an, daß Molotow zu den gestrigen englischfranzösischen„Kompromißformeln", die dem divlomatischen Gepäck Strangs entstammten, in ablehnender Form Stellung genommen hat. Molotow dürfte die Botschafter zunächst um weitere Erläuterungen gebeten haben, um ihnen dann eine entsprechende Note der Sowjetregierung überreichen zu lassen, die die Unterhändler zwingen soll, ihre Vorschläge den Bedingungen der Sowietunion anzugleichen Kriegstreiber demaskieren sich selbst Ungeheuerliche Enthüllungen des„Temps“ 7 Polens Luftwafse soll aus dem Hinterhalt angreisen Paris, 16. Juni. Ein mit drei Sternen gezeichneter Artitel des„Temps“ fordert, daß im gemeinsamen Interesse die polnischen Luftstreitkräfte auf einen Stand gebracht werden müßten, der es ihnen ermöglichen würde. die Vorteile ihrer geographischen Lage auszunutzen. Polen müsse hierzu bei seinen europäischen Verbündeten oder durch deren Vermittlung bei den Vereinigten Staaten die nötige Hilfe finden. Jedes neue Luftgeschwader, das in der Weichselebene geschaffen würde, würde die„Friedensaussichten“ heben. Denn die polnischen Flugstreitkräfte könnten im Falle eines Konfliktes eine große Anzahl deutscher Rüstungsfabriken bombardieren und ihre Arbeit lahmlegen. Ebenso könnten sie alle deutschen Ostseehäfen angreifen und die Versorgung der deutschen Industrie mit skandinavischen Erzen stören. Schließlich könnten sie im Bedarfsfalle„Vergeltungsmaßnahmen“ ausüben, da die Hauptstadt des Reiches weniger als dreiviertel Flugstunden von der Grenze entfernt sei. * Diese ungeheuerlichen Darlegungen beweisen mit eindringlicher Klarheit die wirklichen Absichten der„Friedensfront“ und die Rolle, die Polen bei der Einkreisung zu spielen hat. Wenn auch die geplante Bombardierung Berlins, deutscher Industriewerke und Ostseehäsen im Ernstfalle an der unüberwindlichen Verteidigungsorganisation der deutschen Luftabwehr zerschellen würde. so entschuldigt das die böst Absicht nicht. Die Absicht ist und bleibt morverisch. Polen soll also endgültig die Rolle des ehemaligen Benesch- Staates übernehmen, der nach den Erklärungen des französischen Ministers Pierre Cot die Aufgabe hatte. Deutschland in den Rücken zu fallen und durch die Bereitstellung seines Gebietes an die alliserten Luftflotten einschließlich der Bombengeschwader aus der Sowjetunion die deutsche Industrie zu zerschmettern. Durch die eherne Entwicklung wurden alle diese Pläne überholt. Daß sie aber nicht tot sind, beweisen die erwähnten Ausführungen des„Temps“ von neuem. Sie enthüllen restlos die verbrecherischen Absichten der Einkreiser, die den salbungsvollen„Friedensreden“ ihrer Staatsmänner zum Trotz kaltblütig die Aktionen zur Vernichtung Deutschlands berechnen. Französisches A=Boot verunglückt? Nach einer Uebung in den indochinesischen Gewässern nicht aufgetaucht Paris, 18. Juni. Das französische Kriegsministerium teilt amtlich mit: Das Unterseeboot„Phenix“, das in den indochinesischen Gewässern detachiert ist, ist seit Durchführung einer Tcuchübung vor mehreren Stunden noch nicht wieder aufgetaucht. Havas verbreitete um 8.15 Uhr folgende amtliche Mitteilung des Kriegsmarineministeriums: „Ernste Besorgnisse herrschen über das Schicksal des U.Bootes 1. Klasse„Phenix", das augenblicklich nach Indochina detachiert ist. Nach einer Tauchübung, die im Laufe einer Uebung in den Morgenstunden des 15. Juni auf der Höhe der Bucht von Camranh ausgeführt wurde. ist das U=Boot nicht wieder aufgetaucht. Die Flottenstreitkräfte des Fernen Ostens sowie die in Indochina liegenden Einheiten der Marine haben sofort Nachforschungen unternommen, die noch fortgesetzt werden und an denen auch die Wasserflugzeuge der Kolonie teilnehmen.“ Das französische Unterseeboot„Phenir“ gehört zur 1. Klasse der französischen U.=Bootkategorien und hat eine Wasserverdrängung von 1379 Tonnen. Das 1930 31 erbaute U.=Boot hat eine Stammbesatzung von 63 Mann, seine Länge beträgt 92 Meter. Die Hiobsbotschaft von dem Untergang des französischen 1400 To. U.=Bootes„Phenix“ hat sich in den Abendstunden in Paris. nachdem schon in den Zeitungsvierteln und den Redaktionsstuben das Gerücht umgelaufen war. * 7 DDGCEFKET „Die Ostmark, altes Germanenland“ Im Wiener Messepalast wurde eine Ausstellung„Die Ostmark, altes Germanenland“ eröffnet, die interessante Einzelheiten der geschichtlichen Vergangenheit der Ostmark zeigt. Unser Bild zeigt die Funde eines frühdeutschen Gräberfeldes bei Steinabrunn. Bezirk Stockerau, aus dem Jahre 1000 vor der Zeitrechnung. 96 v. H. der hier gefundenen Toten waren nordischer Herkunft.(Scherl-Bilderdienst-M) wie ein Lauffeuer verbreitet. Einige Blätter, darunter der„Paris Soir“ warfen gegen 21 Uhr Sonderausgaben auf die großen Boulevards mit den Schlagzeilen:„Das französische U.=Boot„Phenix“ ist untergegangen und ruht 30 Meter tief in Höhe Saigon.— 51 Tote.“ „Paris Soir“ läßt sich aus dem französischen Kriegshasen Toulon eine Bestätigung dieser Unglücksnachricht melden. Der Kommandierende Admiral des Mittelmeergeschwaders habe den Kriegsmarineminister von dem Unglück in Kenntnis gesetzt, der sofort ergänzende Informationen verlangt habe und noch in der Nacht ein längeres Kommuniquee ausgegeben würde. Auf Grund der bisher eingegangenen Informationen sei die anormale Dauer des Tauchversuches, von dem das U=Boot seit über 36 Stunden nicht wieder aufgetaucht sei. auf einen Materialschaden zurückzuführen. Die Marinepräfektur in Toulon bewahre absolutes Stillschweigen über diesen schmerzlichen Zwischenfall. der— nach den Katastrophen des amerikanischen U=Bootes„Squalus“ und des englischen U=Bootes„Thetis“— große Besorgnisse ausgelöst habe. Man meldet in Toulon, daß man mit 51 Toten zu rechnen habe. Mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Die Alte Garde (Bericht über den zweiten Tag der Westialenfahrt im Innern des Blattes!) Mmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Auch die Rundsunksender haben ihre Darbietungen unterbrochen, um den französischen Hörern die tragische Nachricht durchzusagen. Ein Rundfunksender prazisiert. daß an Bord des verunglückten U=Bootes 47 Mann Besatzung und vier Offiziere waren. In einer Havas=Verlautbarung über das Schicksal der untergegangenen französischen U=Bootes„Phenix“ wird mitgeteilt, daß sich an Bord des verunglückten U.Bootes 71 Mann Besatzung, darunter vier Offiziere, befunden haben. Das französische Kriegsmarineministerium sei am heutigen Freitagvormittag von dem Verschwinden des U=Bootes„Phenix“ in den indochinesischen Gewässern auf der Höhe von Cam Ranh(nördlich von Saigon) unterrichtet worden. Der Kriegsmarineminister habe sofort durch die Marinepräfektur die Familien der Besatzungsmitglieder benachrichtigen lassen. In der französischen Oeffentlichkeit hat das schwere U. Bootsunglück große Bestürzung und tiefste Trauer hervorgerufen, dies umso mehr, als im Anschluß an die im Verlaufe der letzten Wochen erfolgten zwei U=Bootskatastrovhen der französische Kriegsmarineminister vor dem zuständigen Parlamentsausschuß beruhigende Versicherungen über die verstärkten Schutz= und Sicherheitsmaßnahmen an Bord der französischen U=Boote abgegeben hatte. Eine amtliche Bestätigung, daß das U=Boot noch nicht wieder aufgesunden ist und daß sämtliche Besatzungsmitglieder den Tod gefunden haben, steht zur Zeit noch aus. Das U=Boot„Phenix“ sollte sich am Donnerstag. wie es in einer Havas=Mitteilung heißt, von einem Punkt etwa 300 Kilometer nördlich von Saigon in der Bucht von Cam Ranh zu einem anderen Punkt der indochinesischen Küste begeben. Der Kommandant der französischen Flottenstreitkräfte im Fernen Osten gab. nachdem das U=Boot zur angesetzten Stunde nicht wieder auftauchte, sofort Alarm an alle Schiffe und Wasserflugzeuge der französischen Flottenbasis in Indochina. Bisher sind jedoch alle Nachforschungen vergeblich geblieben. Das U=Boot hat wahrscheinlich beim Untertauchen das Gleichgewicht verloren und ist auf Grund gegangen. Englische Hilferufe an U62. Boykottmache gegen Japan wird wieder aktuell. Neunork, 16. Juni. Die Neigung der Zeitungen in USA., sich als eine Art Weltschiedsrichter aufzuspielen. kommt auch in der Stellungnahme zu dem Konflikt in Tientsin wieder deutlich zum Ausdruck. So schreibt die„New Vork Times“. daß USA. weder Konzessionen noch Kolonialinteressen im Fernen Osten habe und daß daher seine Lage in keiner Weise mit der Englands und Frankreichs vergleichbar sei. Aber dennoch könne man nicht gleichgültig beiseite stehen. Dunkle Worte„Moral“ und„ominösem Zusammentreffen von Ereignissen in zwei Kontinenten“ sollen dann sichtlich Oel in das Feuer nordamerikanischer„Faschistensurcht“ gießen. In ähnlichen Gedankengängen bewegt sich auch die übrige Presse. Groß verzeichnet wird überall die Tatsache, daß England „Hilferuse“ an USA. richtet. In diesem Zusammenhang macht sich auch das sehr rege„USA.=Institut für öffentliche Meinung" bemerkbar. Es behauptet, daß sich bei einer kürzlichen Probeabstimmung 66 v. H. aller Befragten für einen Boykott aller japanischen Waren ausgesprochen habe. Der jüdische Terror in Palästina Jerusalem, 16. Juni. Von drei Arabern in Jaffa. die von Juden beschossen wurden, wurde einer getötet, die beiden anderen verwundet. Unmittelbar nach diesem Feuerüberfall warfen Juden zwei Bomben in eine Araberhütte an der Straße Jassa—Tel Aviv. Bei diesem Attentat wurde glücklicherweise niemand verletzt. Im Zusammenhang mit diesen jüdischen Terrorakten verbot der militärische Befehlshaber des Südbezirks jeden Verkehr nach und von Tel Aviv bis Freitag um 19 Uhr. Das Militärgericht in Haisa verurteilte vier Araber zum Tode. Bangkok-Flug von Elly Rosemeier=Beinhorn Trotz schlechter Wetterlage programmgemäß. Teheran, 15. Juni. Elly Rosemever=Beinborn, die vor kurzem einen Alleinflug nach Bangkok unternommen hat. landete auf dem Rückflug in Teheran und hielt abends vor der deutschen Kolonie einen Vortrag. in dem ne auch über die Erlebnisse dieses Fluges nach Siam berichtete. Obwohl ein schwerer Monsunsturm in Indien und unerhörte Hitze an die deutsche Fliegerin und ihre Maschine ausßerordentliche Anjorderungen stellten. u. a. eine schwierige Notlandung in einem Reisfeld notwendig war, wurde das Reisevrogramm mit der bewährten Messerichmitt„Taifun"=Maschine glatt abgewickelt. Die Zeitungen Teherans würdigten ausführlich die Leistungen des deutschen Flugwesens. Notizen Das englische Königspaar hat am Donnerstagabend die Hauptstadt Neuschottlands zur Heimreise verlassen * Der rumänische Außenminister Gasenen ist am Donnerstag in Athen eingetroffen. Reichsarbeitsminister Seldte hat dem Betriebsführer und der Gefolgschaft der Zeche„Erin“ zu dem schweren Anglück seine aufrichtigste Teilnanme ausgesprochen und gebeten, den Hinterbliedenen der Verunglückten seine herzliche Anteilnahme zu übermitteln. Ministerpräsident Chamberlain gab im Unterhaus bekannt, daß die Regierung am Montag eine Entschließung zum Finanzgesen einbringen werde, die die Besteuerung von hohen Rustungsgewinnen vorsieht. * 12 Senatoren brachten im amerikanischen Senat eine Entschließung ein, die einen Verfassungszusatz verlangt der eine Kriegserklärung von einer vorhergehenden Volksabstimmung abhängig macht * General Aranda sprach gestern in Berlin vor Offizieren des deutschen Heeres über seine Erfabrungen im spanischen Krieg. Er stellte u. a. fest, daß auf beiden Seiten eine Effektivstarke von je 700 000 Mann erreicht wurde. Sodann betonte er. die Infanterie bleibe auch in Zukunft die entscheidend wichtige Truppe. Das Schadenersatzverlangen der U6A. gegenüber Deutschland aus dem Weltkrieg Berlin. 16. Juni. Zur Entscheidung über Schadensersatzansprüche aus dem Weltkrieg war durch einen Staatevertrag aus dem Jahre 1922 eine Deutsch=Amerikanische Gomischte Kommission in Washington eingesetzt worden. Die amerikanischen Mitglieder dieser Kommission. in der die Stelle des deutschen Kommissars zur Zeit unbesetzt ist, haben am gestrigen Donnerstag eine „Entscheidung" bekanntgegeben, nach der die Verantwortlichkeit des Reiches für die Zerstörung einer Munitionssabrik und eines Bahnhofes in Neuyork in den Jahren 1916 und 1917 bebauptet wird. Diese„Entscheidung". die offenbar lediglich die Einleitung eines neuen Feldzuges deutschfeindlicher Agitation bezweckt. ist unter Verletzung der Verfabrensvorschriften der Kommission ergangen und daher natürlich für die deutsche Regierung nicht verbindlich. Die deutsche Regierung behält sich die geeigneten Schritte vor. „Craf Zeppelins“ Deutschlandfahrt Frankfurt a. M., 16. Juni. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" befand sich um 13.55 Uhr westlich von Finsterwalde und um 14,05 Uhr über Leipzig. Die Landung in Frankfurt a. M. dürfte schon in den späten Nachmittagestunden erfolgen. Hamburg, 16. Juni. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“. passierte Donnerstagabend gegen 22 Uhr Verden an der Aller. etwa 12 Klm. südöstlich, und erreichte Hamburg in 400 Meter Höhe gegen 22,30 Uhr. Das Luftschiff kreuzte in langsamer Fahrt etwa eine halbe Stunde über der Hansestodt und setzte seinen Weg anschließend elbabwärts über Blankenese und Stade fort. Nach mehr als 24stündiger Erprobungsfahrt. Frankfurt a. M., 16. Juni. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“, ist nach seiner mehr als 24stündigen Erprobungsfahrt am Freitag um 19.18 Uhr auf dem Flugund Luftschiffhafen Rhein=Main glatt gelandet. Euner überbrachte dem Duce eine Freundschaftsbotschaft Rom. 16. Juni. Der spanische Innenminister Suner richtete beim Verlassen Italiens an Mussolini und Graf Ciano herzlich gehaltene Danktelegramme.— Gleichzeitig wird eine Botschaft Francos an den Duce veröffentlicht, die das Datum vom 30. 5. trägt und dem Duce durch Suner überbracht wurde. Franco bringt darin seine und Spaniens Dankbarkeit für die spontane, wirkungsvolle und kluge Hilfe des Duce zum Ausdruck. die unverbrüchliche Bande geschaffen habe. Auch versichert Franco den Duce seiner Freundschaft und tiefen ZuZeigung. Dorffeuer in Polen Ueber 100 Gebäude zerstört. Warschau, 16. Juni. In der Woiewodschaft NowoHrodek vernichtete ein Schadenfeuer über 100 Wohn= und Pirtschaitsgebäude im Dorfe Ciereszla. Eine 70jährige Frau kam in den Flammen ums Leben. Die Bauten auf dem Reichsparteitaggelände Starkes Zeugnis für den neuen Bauwillen 7 Eindrucksvolle Besichtigung des größten Baugeländes der Welt Nürnberg, 16. Juni. Auf dem Reichoparteitagsgelände sind seit dem letzten Parteitag die Bauten des Führers ein gewaltiges Stüg vorwärtsgetrieben worden. Neben den fertiggestellten Bauten in Luitpoldhain als dem Marschgelände der Formationen der Partei. der Luitpoldhalle als dem vorläufigen Tagungsort der Parteikongresse, dem Zeppelinfeld als dem Aufmarschplatz der Politischen Leiter und des Reichsarbeitsdienstes und dem als Aufmarschstätte für die Jugend dienenden alten Stadion wachsen die übrigen Bauten und Anlagen immer mehr empor und geben ein Bild von dem Bauchafsen des Dritten Reiches. Der neue Kongreßbau, der nach seiner Fertigstellung neben der eigentlichen Kongreßhalle zahlreiche Nebenräume, darunter zwei Hallen von 24 zu 57 Meter Größe zur Aufstellung der Standarten und der Führerschaft aller Parteigliederungen vor Beginn der Parteikongresse enthalten wird. ist bei einer Länge von über 275 Meter und einer Tiefe bis zu 265 Meter fast bis zum zweiten Obergeschoß fertiggestellt. Die Schauseiten des Baues sind aus Granitquadern hergestellt, die in mehr als 80 deutschen Steinbrüchen gebrochen wurden. Der Innenraum des Kongreßbaues ist so groß, daß darin der Adolf=Hitler=Platz zweieinhalbmal Platz finden konnte. Auf dem inneren Säulengang wird die freigespannte Dachkonstruktion ruhen, deren Scheitelpunkt 68: Meter über dem Gelände liegen wird. Ihre größte Spannweite wird 160 Meter betragen. Das Deutsche Stadion, zu dem während des Reichsparteitages 1937 der Grundstein gelegt wurde, wird bekanntlich 405000 Zuschauern Platz bieten können. In fünf großen Rängen werden sich die Stufen der Tribünen bis zu einer Höhe von 80 Meter erheben. Die beiden Ecktürme, die die in Huseisenform zu errichtenden Tribünenbauten abschließen werden, werden sogar 22 Meter höher sein als die Türme der Nürnberger Lorenzkirche. Für diesen gewaltigen Bau sind bereits umsangreiche Vorarbeiten bewältigt worden. Go wurden neben anderen Bauten drei eigene Bahnhöfe für den Abtransport des notwendigen Baumaterials erstellt. Auf dem Gelände, auf dem das Deutsche Stadion erstehen wird. wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Von den insgesamt zu bewegenden zwei Millionen Kubikmerer Erdmassen sind bereits 700000 Kudikmeter bewältigt, sodaß in Kürze mit den Fundamentierungs= arbeiten begonnen werden kann. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist auch hier eine Riesenarbeit geschehen. Das Märzfeld, das künftige Aufmarsch= und Vorführungsgelände der Wehrmacht, wird ringsum von Tribünen umzogen sein. die 250 000 Personen Platz bieten. In gleichen Abständen werden 24 je 38 Meter hohe Türme vor den Tribünen aufragen. Die Innenfläche des Märzfeldes ist 610 Meter lang und fast einen Kilometer breit. Auf ihr können etwa 1,8 Millionen Personen Aufstellung nehmen. Neben der großen Führertribüne, die gegenüber der Einmündung der großen Straße erbaut wird, wird auch eine Riesenplastik in Bronze von Professor Thorak das Märzfeld schmücken. Von den sonstigen Bauten verdient vor allem der unterirdische Bahnhof in der Nähe der SS.=Unterkunft hervorgehoben zu werden. Er dient dem Zweck, den Straßenbahnverkehr ungestört in das Parteitagsgelände führen zu können. Auch die Reichsbahn tritt auf dem Reichsparteitagsgelände mit einem großeren Bau heröbr. So wird in unmittelbarer Nähe des Lagergeländes ein Lagerbahnhof erstehen, der eine Front von 250 Meter haben wird. Von den Fortschritten der Bauarbeiten auf dem Reichsparteitagsgelände erhielten am Donnerstag die Ratsherren und Beigeordneten der Stadt der Reichsparteitage sowie die Nürnberger Presse durch eine Besichtigung, zu der Oberbürgermeister Liebel eingeladen hatte, Kenntnis. Wasserweg Schlesien—Südosteuropa Oder=Donau=Kanal bringt Verkehrseinheit Schlesien-Ostmark Gleiwitz, 16. Juni. Auf der Tagung des Vereins zur Wahrung der Oderschiffahrtsinteressen in Gleiwitz am Freitagvormittag hielt Staatssekretär Koenigs vom Reichsverkehrsministerium eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Aufgabe der Oder ist im Großdeutschen Reich nicht kleiner geworden, sondern unerhört gewachsen. Die Oder ist dazu bestimmt, die wirtschaftlichen Kräfte des Ostens zu sammeln und zu binden, dem Verkehr das Rückgrat zu bieten und dem Seehafen Stettin das tiefe Hineingreifen in sein natürliches Hinterland bis nach Mähren zu ermöglichen. Was zur Zeit an der Oder gebaut wird, ist bekannt. Das Ziel des Ausbaues bleibt, eine Fahrtiefe herzustellen, welche der Schiffahrt zu jeder Zeit eine Abladung bis zu 1.40 Meter erlaubt. Auf der kanalisierten Strecke von Cosel bis Ransern ist der Bau einer neuen Schleuse bei Lengefeld eingeleitet. Alle Staustufen werden auf ihre Entbehrlichkeit untersucht, da die Schiffahrt den Fortfall jeder Staustufe als Erleichterung begrüßt. Der Adolf=Hitler=Kanal wird im nächsten Jahr dem Verkehr übergeben werden. Zu dem gleichen Zeitpunkt wird auch der Hafen Gleiwitz fertiggestellt sein Der Redner fuhr dann fort:„Auf der Oder ist das Wort geprägt, daß die Schiffahrt versommert sei. Darum ist es seit langem das Bestreben der Reichswasserstraßenverwaltung, in den Nebenflüssen Wasser in großen Staubecken anzusammeln. Das Staubecken Ottmachau konnte in den letzten Jahren schon wesentlich zur Verbesserung der Wasserführung in der Oder beitragen. Die Talsperte in der Malapane bei Turawa steht unmittelbar vor ihrer Vollendung und wird sich im nächsten Jahre voll auswirken. Im Zusammenhang mit den Sandentnahmeanlagen für den Bergeversatz der oberschlesischen Zechen entstehen an der Klodnitz drei kleinere Becken. Die Arbeiten am Staubecken im Weistritztal bei Berghof sind voll im Gange. Wir dürfen damit rechnen, daß in den nächsten Jahren der Schiffahrt damit wesentliche Erleichtungen zuteil werden. Die Anlagen sind in erster Linie für die Schiffahrt gedacht, bieten aber auch gleichzeitig einen Schutz gegen die Hochwassergefahren. Zu den seit Jahren geplanten, inzwischen begonnenen und teilweise schon fertiggestellten Wasserstraßenbauten tritt nunmehr als neues, großes Unternehmen der Bau des Oder=Donau=Kanals, der Schlesien die unmittelbare Verbindung mit Wien und dem südosteuropäischen Raum bringen soll. Der Kanal, der in der March endet, erhält eine Abzweigung nach Wien und bekommt dadurch einen doppelten Ausgang, von dem der eine nach Wien und der zweite nach Preßburg führt.“ Staatssekretär Koenigs behandelte, dann die Maßnahmen, die von Reichs wegen zur Erleichterung des Absatzes oberschlesischer Kohle getan würden und schloß mit der Feststellung, daß der Verein der Oderschiffahrtsinteressen es bisher meisterhaft verstand, die Einheit der Oder und ihrer Wirtschaft als ein deutsches Bollwerk im Osten zu vertreten und auszubauen. Er sei überzeugt, daß die Arbeit des Vereins auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag zu der Stärkung des deutschen Ostens leisten werde. Der Kultureinfluß des deutschen Ostraumes Tag des Schrifttums der Gaukulturwoche in Danzig Ministerialdirigent Berndt sprach Danzig. 14. Juni. Die Gaukulturwoche in Danzig, die am Dienstag mit der feierlichen Eröffnung der Ausstellung„Kunst der Hansestädte" begann, widmet die nächsten Tage dem Schrifttum. der Musik. dem Film und dem Tanz. Ihren Höhepunkt wird sie am Sonntag in der großen Kulturkundgebung mit der Ansprache von Dr. Goebbels finden. In einer Arbeitstagung der Abteilungen Schrifttum und Presse der Landeskulturkammer gab Reichsamtsleiter Hagemeyer zum Thema„Europas Schicksalskampf im Osten“ eine großangelegte geschichtliche Schau. Dann sprach Ministerialdirigent SS.=Standartenführer Berndt über„Der deutsche Osten und die deutsche Kultur“. Der Redner erinnerte an die noch gar nicht weit zurückliegende Zeit, in der der deutsche Osten als rückständig und kulturlos verschrien war und in der von jüdischen Liberalen das Schlagwort„Ostelbier“ geprägt wurde, das die ganze Mißachtung des Großstädters und der übrigen Reichsteile für den Osten zum Ausdruck bringen sollte. Er erinnerte weiter daran, daß jene Juden, die den„Ostelbier“ erfanden, sich nicht einmal scheuten, selbst das Deutschtum des deutschen Ostens anzugreifen und sich die Argumente der Reichsfeinde zu eigen zu machen, um mit ihrem alttestamentarichen Haß ihre politischen Gegner bis ins Mark zu treffen. Es gibt keine Ostelbier und hat nie welche gegeben. Und darum fort mit diesem aus dem Sprachschatz des deutschen Volkes! Wir Deutsche der alten preußisch=deutschen Ostmark sind stolz auf die Kultur unserer Heimat, und wir können ohne Ueberheblichkeit feststellen, daß unsere Ostgaue sich sowohl hinsichtlich ihrer kulturellen Gestalt als auch ganz besonders im Hindlick auf ihren Beitrag zur Kultur des ganzen deutschen Volkes und Raumes mit jedem Gau des Reiches mit Stolz und ohne Minderwertigkeitsgefühle messen können. Ja, es hat Zeiten gegeben, in denen Deutschlands Kulturleben gerade aus diesen Ostgauen die Gestalten, Ideen und Kräfte empfing, die preußisch=deutsche Ostmark zum Kulturbollwerk der ganzen deutschen Nation wurde. Es gibt kein wesentliches Kulturgebiet, auf dem der deutsche Osten nicht Männer hervorgebracht hätte, die die ganze Nation mit Stolz zu ihren Großen zählt. Ium Beweis für diese Kulturleistung des deutschen Ostens zählte Ministerialdirigent Berndt eine lange, dabei aber, wie er selbst betonte, keineswegs vollständige Liste von Persönlichkeiten auf, deren Bedeutung er dabei in knappen Bemerkungen skizzierte. Wir Deutsche im Osten, so etwa schloß Ministerial= dirigent Berndt seine Ausführungen, können eine Kulturleistung unter Beweis stellen, ohne die unser Volk arm wäre, eine Kulturleistung, von der vieles zum kostbaren Besitz der Menschheit gehört. Wenn heute Ansprüche auf den Boden unserer Heimat erhoben werden, dann mögen diejenigen, die sie stellen, selbst einmal nachweisen, welche Leistung sie auf diesem Boden vollbrachten und die Leistung aufweisen, die ihnen das Recht zu diesen Ansprüchen gibt. Wir können dieser Beweisführung ohne Sorge und mit Stolz entgegensehen. Deutsch war zu allen Zeiten unsere Heimat und ihre Kultur, deutsch ist sie heute und deutsch wird sie für alle Zukunft sein. Dafür bürgt uns heute der Mann, der Großdeutschland schuf und der der größte Weabereitee und Förderer der deutschen Kultur in der Geschichte „Die Achse eine Garantie des Friedens in Europa“ Durcansky über das Verhältnis zu Deutschland. Preßburg, 16. Juni. Der Außenauzschuß des slowakischen Parlaments nahm gestern einen Bericht des Außenministers Dr. Durcansky über die slowakische Außenpolitik entgegen. Dr. Durcarsky ging dabei auch auf die Beziehungen zu Deutschland ein. Es fehle nicht an böswilligen Stimmen in der Welt. die zu beweisen versuchten, daß die slowakische Republik kein souveräner Staat sei. Aber dies geschehe nur, um dem Deutschen Reich einen angeblichen„Imperialismus" nachzuweisen. In Wirklichkeit werde mit solchen Lügen das slowakische Volk getroffen. Ferner organisiere man jene Verleumdung. weil die slowakische Republik nicht nach den Intentionen jener Völker entstanden sei, die alle ihre Hoffnungen in diesen Winkel Europas auf das tschechische Volk gesetzt hätten. „Wir sind uns voll bewußt", sagte der Minister, „daß Deutschland nichts im Wege gestanden wäre, wenn es sich entschlossen hätte, die Slowakei zu annektieren. Wenn es nicht zu diesem Schritt gegrissen hat, hat es einen neuerlichen Beweis dafür geliesert. daß es nicht die Unterjochung der kleinen Völker, ihre Entnationalisierung, Unterdrückung oder sogar ihren Untergang verfolgt, wie das die Mächte zu behaupten bemüht sind, da sie in Deutschland eine Gefahr für ihre Stellungen und Interessen erblicken. Deutschland hat nicht nur zu keinem derartigen Schritt gegrissen. sondern gerade im Gegenteil die Garantie der Grenzen und der volitischen Unabhängigkeit der Slowakei auf sich genommen. Wir wissen diese Tat sehr gut zu schätzen. Denn gerade die jüngste Vergangenheit hat uns überzeugt, daß von allen Garantien für uns nur die deutsche Garantie die größte Bedeutung haben kann. Richtig ist, daß Deutschland dem slowakischen Staat gegenüber nicht nur vom politischen Gesichtspunkt aus eine günstige Haltung einnahm, sondern uns auch in wirtschaftlicher Beziehung entgegenkam, damit die Anfangsschwierigkeiten leichter und rascher überwunden würden, was für die Festigung unserer Selbständigkeit von großer Bedeutung war.“ Der jüdische Mörder Million begnadigt Paris, 16. Juni. Der im Weidmann=Prozeß mitangeklagte und zum Tode verurteilte Jude Million wurde begnadigt. Der Präsident der Republik hat die Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Weidmann wird hingerichtet Paris, 16. Juni. Der Staatspräsident hat das Gnadengesuch, das die Rechtsanwälte des Massenmörders Weidmann eingereicht hatten, abgelehnt. Das Gericht setzte danach die Hinrichtung Weidmanns auf Samstagfrüh an. Keine Nachricht von Hamilion Roman von Haus Hirthammer Conyright by Verlag Oskar Meister. Werdau l. Sa. 2 Fortsetzung. Mit fast senkrecht gestellten Tragflächen legte sich der Apparat in die Kurve und glitt dicht an der steilen Wand entlang, die den nördlichen Ausgang des Talkessels verschlossen hielt. „Wir müssen notlanden!“ schrie Hamilton, ohne sich umzuwenden.„Weiß nicht, was mit dem Motor auf einmal los James Cookerel hatte ein ungemein peinliches Gefühl in der Magengrube.„Eine nette Bescherung!“ rief er wischen Angst und Aerger.„Sie können doch nicht landen. st ja stockfinster da unten!“ Professor Flond erwies sich indes als der Mann mit den besseren Nerven.„Mach doch Mister Hamilton nicht nervös! Es gibt keine andere Möglichkeit, als daß wir versuchen, einigermaßen unbeschädigt zu Boden zu kommen.“ In sanftem Gleitflug glitt die Maschine in das tiefe Dunkel des nach drei Seiten von Felsen umschlossenen Tales. Hamilton war sich wohl bewußt, was es bedeutete, auf dem sandigen Boden eine Landung vorzunehmen, noch hazu mitten in der Nacht, in einer weltverlassenen, unbekannten Gegend. Er versuchte, das Flugzeug solange es ging, in der Luft zu halten. Als er aber einige 100 Meter vor sich eine Felsbarriere zu unterscheiden glaubte, lockerte er nit raschem Entschluß das Höhensteuer und ließ die Maschine absacken Die braune Fläche des Bodens wuchs heran. Unbepußt, in einer jähen Anspannung der Nerven. verhielten die beiden Gelehrten den Atem— und dann geschah es. Zuerst ein knirschendes. ohrenbetäubendes Geräusch. sann ein splitterndes Krachen— und im gleichen Augenlick fühlte sich James Cookerel von einer geheimnissollen Kraft aus seinem Sitz geschleudert, in einem deiten Bogen emporgehoben und schließlich mit einem umpfen Fall auf den sandigen Boden hingeworfen Eine Weile blieb er regungslos liegen, nur von dem iinen Bewußtsein erfüllt, daß er lebe, und daß alles limpflich abgelausen war. Dann aber trieb ihn die Sorge um das Sichcksal der anderen hoch Dicht vor ihm bewegten sich die Umrisse einer dunklen Gestalt. „Hallo, Francis!“ Floyd rappelte sich hoch und spuckte eine Ladung Sand aus, die ihm in den Mund geraten war. „Ah, James? Alle Knochen noch an ihrem Platz?“ Sie schüttelten sich die Hände und eilten dann zum Flugzeug. „Damned, den armen Hamilton scheint es erwischt zu haben!“ Die Maschine stand senkrecht und hatte sich mit der Propellerspitze in den Boden gebohrt Im Führersitz hing Edward Hamilton wie leblos Floyd geiff nach dem Arm des Piloten und fühlte den Puls. „Er lebt!“ rief er aufatmend. IV. Das dunkle Gewölbe des Himmels füllte sich mit Licht. Wie von einem riesigen Scheinwerfer angestrahlt. leuchteten die kahlen felsigen Zinken auf und schälten sich aus der Umhüllung der Nacht. Francis Floyd öffnete die Augen, und als er seine schmerzenden Glieder fühlte, erinnerte er sich des nächtlichen Abenteuers. Neben ihm, gleichsam zu einer Kugel zusammengerollt, kauerte James Cookerel. Sein Mund war leicht geöffnet, und ein sanftes Schnarchen deutete an, daß er noch keine Lust verspürte, in die rauhe Wirklichkeit zurückzukehren. Es kostete den Professor eine gewisse Ueberwindung. ihn wachzurütteln.„Hallo, James. raus aus dem Federbett!“ Cookerel, die Augen aufschlagend, knurrte wie ein hungriger Wolf.„Federbett sagst du? Dabei din ich wie gerädert. Hm— auf den Frühstückstee werden wir verzichten müssen.“ Ein unterdrücktes Stöhnen aus dem Führersitz ließ sie ihr Gespräch abbrechen. Floyd kletterte nach vorn.„Morgen. Mister Hamilion! Immer noch Schmerzen? Ich hoffe, Sie haben wenigstens schlafen können!“ „Es ging!“ entgegnete der Pilot mit einem schwachen Lächeln und richtete sich von dem Lager auf. das ihm die beiden Männer aus mitgeführten Wolldecken zurechtgemacht hatten, nachdem es ihnen unter gemeinsamen, heftigen Kraftanstrengungen gelungen war. das Flugzeug aus seinem verrückten Kopfstand in eine vernünftige Lage zu bringen. Oder hätte man sich etwa auf dem kalten Wüstensand zur Ruhe ausstrecken sollen? „Und Ihre Schmerzen?“ Hamilton betastete vorsichtig seinen Schädel, der oderhalb des rechten Auges mit einer großen, leuchtenden Beule geschmückt war. „Ich muß gestehen, daß mir der Kopf noch ganz gehörig brummt. Und der linke Arm, scheint mir, hat eine kleine Prellung abbekommen.— Ich muß Ihnen danken. Sir, daß Sie——“ „Unsinn, Hamilton! Das war wohl selbstverständlich. Wir wollen lieber überlegen, was wir nun anfangen sollen. Glauben Sie, soweit bei Kräften zu sein, daß Sie versuchen könnerk, die Maschine wieder flott zu bekommen?“ Inzwischen hatte Cookerel seinen Platz verlassen, war um das Flugzeug herumgegangen und steckte nun den Kopf über den Rand des Führersitzes. „Das wird uns wenig helfen!“ beantwortete er die Worte Floyds.„och fürchte, daß wir mit einem zerbrochenen Propeller nicht weit kommen werden." „Verdammt!“, rief der Professor.„Was nun?“ „Wir haben zwei Möglichkeiten,“ erklärte Cookerel sachlich, nachdem er eine Zigarette in Brand gesetzt hatte „Entweder wir schnüren unser Bündel und suchen zu Fuß den Gainer=See zu erreichen— oder wir warten, bie sie uns holen. Ich persönlich stimme für das Hierbleiben.“ Edward Hamilton war hinter Floyd aus der Kiste geklettert. Nun stapften sie alle drei nach vorn und schauten sich den zersplitterten Propeller an Der Pilot brach ein Stück ab, das nur noch lose an der Nabe hing und schleuderte es dann mit einem Fluch zu Boden.„Ich habe Ihnen da eine schöne Suppe eingebrockt! Gäbe was drum, wenn ich meine Entdeckung für mich behalten hätte!“ „Sie vergessen, daß ich es war, der Sie zu dem Flug verleitete. Für den Motordefekt können Sie nichts Außerdem ist es ebenso überflüssig wie lächerlich, uns über die Schuldfrage die Köpfe zu zerbrechen.“ „Wie weit ist der Weg zum Gainer=See?“ Cookerel holte aus dem Apparat die Landkärte. die einige Risse davongetragen hatte, und breitete sie sorgfältig im Sande aus Er tippte mit dem Zeigefinger auf eine bestimmte Stelle.„Dies dürfte ungefähr der Punkt sein, an dem wir uns befinden. Und das hier ist der Gainer=See. Die Entfernung beträgt etwa 100 Meilen.“ „Das heißt, daß wir uns auf einen Marsch von mindestene 5 Tagen gesaßt machen müssen.“ „Vollkommen unmöglich!“ stellte Floyd fest.„Vergessen wir nicht, daß wir keine Lebensmittel und vor allem kein Wasser haben!“ Cookerel schleuderte den Rest seiner Zigarette weg Also bleiben wir hier! Wir können damit rechnen, daß bereite morgen, vielleicht schon heute nach uns gesucht wird" „Ganz bestimmt!“ versicherte Hamilton.„Sie vergessen aber, daß es niemand riokieren wird, in dieser Sandkule eine Landung vorzunehmen!“ „Das ist nicht notwendig! Man kann uns aber wenigstens mit Lebensmitteln und Wasser versorgen und uns vom Gainer=See Leute entgegenschicken.“ Flond lächelte spöttisch.„Sehr schön, James! Aber wie willst du die Besatzung des Flugzeuges von deinen Wünschen in Kenntnis setzen? Wir haben keine Funkausrüstung.“ Cookerel kratzte sich verlegen den Kopf. jedoch Hamilton vermochte die Männer ihrer Sorge zu entheben.„Das ist das wenigste. Wir Flieger signalisieren in solchen Fällen mit dem Arm. Das Morsealphabet ist ein wichtiger Punkt des Pilotenexamens.“ „Na also!“ lachte Floyd erleichtert auf.„Da bleibt uns vorläufig nichts weiter zu tun übrig, als uns auf ein geduldiges Warten einzurichten. Machen wir zunächst einmal eine genaue Bestandsaufnahme vielleicht vorhandener Lebensmittel!“ Das Ergebnis war nicht gerade begeisternd, immerhin aber würde man zur Not bis zum nächsten Tag durchhalten können, wenn man sich mit einigen Tafeln Schokolade, etlichen Stücken Keks und einigen Bananen begnügte. Zu aller Begeisterung fand sich auch noch eine Flasche Whisky vor, und mit Zigaretten und Tabak war man zur Genüge versorgt, dank Miß Hugsley, die ihrem Freund zwei große Schachteln zugesteckt hatte. Unterdessen war die Sonne über den Rand des Gebirges emporgestiegen und schleuderte ihren glühenden Brand in die Tiefe des Talkessels. Die drei Männer begannen sich aus ihrer Vermummung zu schälen. „Wenigstens haben wir ein schattiges Dach über uns!“ meinte Cookerel, indem er auf die riesigen Tragflächen des Flugzeugs wies.„Am vernünftigsten wird es sein, wenn wir uns wie die Hühner in den Sand huddeln und uns die Zeit mit Schlasen vertreiben.“ Floyd wollte gerade eine zustimmende Antwort geben. als er plötzlich zusammenzuckte und ausgeregt nach Cookerels Arm griff Sein Blick war ganz zufällig über die nördliche Felswand geglitten und hatte dabei eine auffallende Beobachtung gemacht „Sieh dort hinauf. James! Genau in der Richtung der vorderen Tragflächenkante, etwa 50 Meter unerhalb des Grates Bemerkst du nichts?“ Er dauerte nicht lange, da hatte auch Cookerel die weiße Gestalt entdeckt, die sich dort oben zwischen den Felsen bewegte und sich deutlich von dem dunkleren Gestein abhob Hamilton holte aus dem Führersitz einen Fernstecher und richtete ihn auf die in dieser Gegend immerdin ungewöhnliche Erscheinung. „Ee ist ein Mann mit einem togaförmigen weißen Umhang. Er beobachtet uns. Hier. nehmen Sie. Professor!".(Fortsetzung folgt.) Nr. 139(Zweites Blatt) Herner Anzeiger Sportliche Leistungsschau der Herner 53 Zum Bann- und Untergaulportfeit am Senntag. Ein großes Sportprogramm. Am Sonntag tritt die gesamte Herner H3 auf dem Westfalia-Stadion zum Sportfest der Jugend an. H J. B 0 M, 93 und IM werden zeigen, was sie sportlich leisten können. Das Bann- und Untergausportfest ist die größte sportliche Prüfung, die jährlich im Bannbereich stattfindet. Seit Tagen sind die Einheiten mit den letzten Vorbereitungen für das Sportfest beschäftigt gewesen. Die Gymnastik-Abteilung des Herner BOM-Werkes „Glaube und Schönheil“ übt noch an der Laufschule, die am Sonntagnachmittag gezeigt wird, die Sondereinheiten der H3 bereiten ihre Sondervorführungen vor. Die Fliegergefolgschaft wartet mit einer besonderen Sache auf: Einer ihrer Kameraden wird eine schnelle Sportmaschine, eine Kl 35, fliegen und über dem Platz einige schneidige Kurven„drehen". Alle Jungen und Mädel sind mit Eiser bei der Sache, denn das Sportfest, ihr Sportfest, soll ganz groß werden. Bereits am Sonntagmorgen beginnen die Kämpfe um die Bannmeisterschaft. Die Bannmeister werden av 9 Uhr schon im Hochsprung. Weitsprung, im 400- und im 800-Meter-Lauf sowie in der 100 ½-Runden-Staffel ermittelt. Am Nachmittag tritt in dem vorgesehenen Programm eine kleine Aenderung ein. Statt des 1000Meter-Laufes wird ein 1500-Meter-Lauf gestartet. Nachmittags 15 Uhr beginnt das eigentliche Sportfest mit dem Einmarsch der Teilnehmer und dem Aufmarsch der Fahnen. Dann wird sich. Schlag auf Schlag, ein ausgewähltes sportliches Programm mit Läufen, Staffeln, Turnen. Gymnastik, Tänzen, Bewegungsgestaltung des BomWerks„Glaube und Schönheit". Sondervorführungen der Marine-H3(Schau= und Gruppenwinken), der Flieger=53(Modellflüge und Rutscher) sowie der Motor-H3(Schau= und Mutfahren) abwickeln, das auch die sportlich verwöhnten sportbegeisterten Herner zufriedenstellen wird. Er wird aber nicht nur einzelne Spitzenleistungen sehen, sondern ihm wird vor allem die allgemeine sportliche Erziehung in ihrer wertvollen Breitenarbeit auffallen. Und das ist ja schließlich nicht das Wichtigste, daß einzelne „Kanonen“ herangezüchtet werden, sondern daß eine ganze Jugend in harlem Sport erzogen wird. * Breitenarbeit— Spitzenleistungen. RSG. Der Reichssportwettkampf der Hitler=Jugend zeigte am 3. und 4. Juni 1939 einen umfassenden Ausschnitt aus der sportlichen Arbeit der national sozialistischen Jugend, der der Beweis für die hier geleistete sportliche Breitenarbeit war. Hier ist es die Durchschnittsleistung, die Leistung der Gemeinschaft, die gilt. Die sportliche Arbeit der Hitler=Jugend strebt nämlich in erster Linie danach, diese einzelnen Einheiten zu verbessern. Man hat nun der Jugend des Führers zum Vorwurf gemacht, daß sie durch diese Breitenarbeit, die zwar gut und schön sei, die Spitzenkönner und Höchstleistungen gefährde und sogar das Abschneiden Deutschlands bei der Olympiade und überhaupt das Ansehen des deutschen Sports gefährde. Diesen Liberalisten ist es offenbar unwesentlich, ob von 100 Mitgliedern 90 über 5 Meter weit springen oder nur 10, wenn demgegenüber nur 2 über 7 Meter springen dürfen. Mit diesen komischen Grundsätzen einer vergangenen Zeit hat der Nationalsozialismus grundsätzlich gebrochen und alle seine Anhänger zu einer gesunden Ansicht geführt. Dennoch ist es nicht so. daß die HJ nun gewillt sei, auf die Förderung talentierter Jungen und Mädel zu verzichten und dadurch wirklich Deutschlands Abschneiden in internationalen sportlichen Wettkämpfen zu gefährden Die Bann= und Untergausportfeste der westfälischen Hitler-Jugend sollen allen denjenigen, die auch heute noch dem Erfolg der sportlichen Arbeit der HI pessimistisch gegenüberstehen, zeigen, wie verkehrt ihre Annahme ist. Wir erinnern an die Sportfeste der Jahre 1937 und 1938, in denen immer wieder gezeigt wurde, wieviel es ausmacht, daß die HJ als die allein verantwortliche Organisation den Sportbetrieb der Jugend übernommen hat. Ständig aben sich die Leistungen gesteigert, und Springen— Werfen— Laufen Die drei Grundübungen der Leibesübungen, auf denen sich im wesentlichen die körperliche Grundausbildung der Hitler=Jugend aufbaut. (2 Weltbild— 1 Schirner-M) im Vorjahre wurden beim Gebietssportfest der HJ in Dortmund Leistungen erzielt, die an diejenigen der Senioren heranreichten und sogar die Meisterschaften der Wehrmacht erreichten und überboten. Bei den Bannsportfesten tritt zunächst die beste Mannschaft im Dreikampf aus jeder Gefolgschaft, jedem Fähnlein, jeder Mädel- und Jungmädelgruppe an. Diese Mannschaften haben sich beim Dreikampf des Reichssportwettkampfes als die besten erwiesen und werden bei den Bann= und Untergausportfesten wieder denselben Dreikampf zu bestehen haben. Wer auch diese Kraftprobe besteht und aus dem Wettkampf der besten Gefolgschaften, Mädelgruppen, Fähnlein und Jungmädelgruppen siegreich hervorgeht, hat sich damit den Titel eines Bannmeisters 1939 und die Berechtigung zur Teilnahme am Gebietssportfest erworben. Neben diesem Mannschaftswettkampf treten auch die Spezialisten auf und tragen ihre Meisterschaften in verschiedenen Disziplinen aus. Auch sie können sich durch einen Sieg und eine entsprechend hohe Leistung das Recht zur Teilnahme am Gebietssportfest und dort dann den Titel eines westfälischen Jugendmeisters erwerden. Den Abschluß dieser Auslese bilden die Deutschen Jugendmeisterschaften, bei denen die besten Jungen und Mädel aus dem Reichsgeviet ermittelt werden. Selbstverständlich ist der Weg schwer, der zu diesem Wettkampf führt, und auch noch lange nicht jeder Teilnehmer wird einmal Deutscher Jugendmeister. Diejenigen aber, die sich diesen stolzen Titel erwerben, sind wirkliche Könner und Kämpfer, die sich später auch in internationalen Wettkämpfen erfolgreich durchsetzen werden. Neben diesen Wettkämpfen zeigt die Hitler=Jugend auch Vorführungen, die einen allgemeinen Einblick in die körperliche Ertüchtigungsarbeit der Einheiten geben. Doch das wurde schon oben aufgezählt. Alles in allem: das Bann= und Untergausportfest zeigt so viel Interessantes aus der Arbeit unserer Jungen und Mädel, daß man nur sagen kann: Kommt und seht! Der Sprung ins Grüne Sonntägliche Freiheit— richtig und falsch ausgenutzt. Der Frühling wäre nun ja wieder da, mit allem. was dazu gehört, mit Sonne. Liebe. Licht und Luft! Eigentlich doch eine seine Sache, der Frühling! Es zuckt ordentlich in allen Gliedern, mal hinauszukommen aus der Ssadt, besonders bei allen denen, die in eine: Großstadt wohnen müssen. Frühling und Wandern. das gehört zusammen. Ob das zweite zu Fuß. auf dem Rade oder mit dem Auto betrieben wird, ist durchaus eine Frege zweiter Ordnung. Endlich mal wieder Sonntag! Die Woche ist verteufelt lang. im Frühling ist sie noch länger. Aber einmal geht auch die längste Woche zu Ende, einmal wird doch Sonntag! Nun kann man leider an einem Sonntag nicht die ganze Welt bereisen, auch wenn man den Samstagnachmittag noch dazu nimmt, reicht es nicht aus. Ziele gibt es zwar eine ganze Menge. Wald und Wasser an vielen Stellen. wohin aber? Wer zuviel Pläne macht und an allen Ausflugszielen gleichzeitig sein möchte, wird erleben, daß der Sonntagmorgen da ist und ein Ziel immer noch nicht bestimmt wurde Wozu ist man aber schließlich ein moderner Mensch? Es geht einfach los Irgendwo wird man ja landen und irgendwie auch wieder nach Hause finden. Mir kann keiner! Ein Mann. der Sonntags einen Sprung ins Grüne macht, ist nicht mehr der kleine Angestellte oder der Arbeiter des Alltags. er ist sein eigener Herr und an diesem Tage niemandem untertan! Er kann seine Zeit einteilen, wie es ihm paßt, kein Mensch hat böse auf die Uhr zu gucken, wenn er eine halbe Stunde länger Früh stück macht! Am Sonntag hat ihm niemand reinzumeckern. Das ist fürwahr ein schönes Gefühl, und weil der Mensch nunmal aus Fleisch und Blut ist, überträgt er dies Gefühl der sonntäglichen Freiheit auf alles. was er an diesem Tage zu tun gedenkt. Ihm kann keiner! Eine Kurve soll man ausfahren? So ein Quatsch, da wird der Weg noch viel länger! Außerdem verträgt sich die Vorschrift an sich nicht mit seinem Sonntags gefühl. Im Walde soll man nicht rauchen? So ein Blödsinn, als ob die Bäume explodieren könnten! Man ist doch schließlich nicht in der Fabrik! Nein, nein. Sonntag ist Sonntag, da will man seine Ruhe haben und richtig ausspannen, und also führt ihn sein Weg in das nächste Lokal, um mal zwischendurch den Durst zu ertränken Ein Ravitel Verkehrsschilder! Richtig. die stehen auch am Sonntag da und nirgends ist zu lesen daß sie nicht mehr in Kraft waren Das schiert uns#o#r wenig. Gewiß, wenn wir im Dienst wären! Dann würde das Beachten der Verkehrs vorschriften und der Verkehrsschilder gewissermaßen zur Arbeit gehören, und seine Arbeit muß man ja gewissenhaft tun. Das ist klar. Man ist aber nicht im Dienst. wenn man einen Ausflug macht, also frisch darauflos! Die anderen werden schon aufpassen. Gott, ja, die anderen! Das sind ja auch Menschen aus der Ober und Gast Stichel- und Stachelverse. Von Stichel=Stacheldorn. 1. Vorbemerkung. Im Gasthof„Zum Berliner Haus“, Da gehn die Gäste ein und aus: Sie essen hier besonders gut Und trinken Bier und Rebenblut. Der„Ober“ steht zu jeder Zeit Für alle Gäste dienstbereit, Erfüllt die Wünsche, bringt heran, So viel er eben schleppen kann. Wenn er so seine Dienste tut, Entsteht mitunter ein Disput, Weil hin und wieder einem Gast Mal dies und jenes gar nicht paßt So reden sie dann hin und her. Bald bissig, bald auch höflicher, Und manchmal wird dann unbedecht Auch nebenbei ein Witz gemacht Wir wollen nun von diesen Dingen Mal eine kleine Auswahl bringen, Vielleicht wird dazu auch gelacht, Sofern der Witz Pläsier gemacht 2. Der Weinkenner. Wie heißt der Wein, den Sie gebracht Und der mich ganz konfus gemacht? Ober: Verweil wir ihn im Faß bekamen, So hat er hier noch keinen Namen. Gast: Wie sollte das denn möglich sein? Getauft ist aber dieser Wein. 3. Das aparte Beessteak. Gast: Das Beefsteak nennen Sie apart, Herr Ober? Es ist zäh und hart, So daß man's nicht genießen kann, Und wäre man ein junger Mann. Ober: Sie können sich dagegen wehren Und bei dem Ochsen selbst beschweren. Gast: Nun gut, ich danke Ihnen sehr, Dann rufen Sie den Wirt mal her. 4. Nicht zufrieden. Gast: Ober, möchte zahlen jetzt, Was Sie hier mir vorgesetzt. Ober: Einmal Essen macht eins zehn, Und ein Glas mit Wein versehn— Macht eins fünfzig dieser Spaß, Haben Sie denn sonst noch was? Gast: Ja, ich habe Hunger noch, Sagen Sie das mal dem Koch 5. Anzüglich. Ober: Nun, mein Herr, wie schmeckt der Wein? Gestern traf die Sendung ein. Haben davon, ungelogen, Zehn der Fässer gleich bezogen. Gast Eine Frage ich noch hege: Doch nicht auf dem Wasserwege? 6. Es handelt sich um Ohren. Gast: Dreimal habe ich geschellt, Nur der Hund hat laut gebellt, Sind Sie hier denn eingefroren, Haben Sie hier keine Ohren? Ober: Ohren! Ja, die haben wir, Und ein gutes Gläschen Bier, Lecker schmecken uns're Ohren, Extra heute auserkoren; Sollen sie von einem Schwein Oder einem Ochsen sein? Gast: Ich verzichte auch die Ohren, Hab' hier weiter nichts verloren. 7. Ein Mißverständnis. Gast: Möchte eine Bowle haben. Die ist gut für alte Knaben. Ober: Pfirsich könnte ich empfehlen, Das ist was für trockne Kehlen. Gast: „Für sich“, ja, was heißt„für sich", Selbstverständlich nur für mich So ein Trottel weiß das nicht, Wenn er deutsch mit andern spricht. 8. Die andere Hälfte. Gal: Soll das ein halbes Hähnchen sein? Dann war das Hähnchen aber klein. Ober: Ganz recht, mein Herr, die Hälfte nur Nach dem Gesetze der Natur. Gast: Dann bringen Sie, ich bitte sehr, Die and're Hälfte doch mal her. 9. Die Schildkrötensuppe. Gast: Fast eine Stunde sitz ich hier Und warte auf das Suppentier. Sind diese Kröten denn zu faul, Und fürchten sie das große Maul? Ober: Da sehen Sie, mein Herr, geschwind, Wie langsam solche Kröten sind. 10. Umgekehrt wäre richtiger. Gast: Was hier auf der Rechnung steht, Das ist aber umgedreht. Ober: Umgedreht? Ich wüßte nicht, Wie man so was fertig kriegt. Gast: „Junges Huhn" und„alter Wein“ Sollen das gewesen sein? Was ich habe hier verzehrt Stimmt schon, aber umgekehrt. 11. Warten überflüssig. Gast: Ich warte hier schon lange Zeit, Fast eine kleine Ewigkeit, Doch meinen Kalbskopf krieg ich nicht, Wann endlich kommt denn das Gericht? Ober: Verzeihen Sie, verehrter Herr, Den gibt es heute hier nicht mehr, Ich glaubte, der nun weggeschnappt, Den hätten Sie schon längst gehabt. 12. Sehr einfach Gast: Die Forelle hat sa schwarze Flecken, Rote kann ich nicht entdecken, Sagen Sie, wie geht das zu, Aendert sich so was im Nu? Ober: Ja, da fällt mir eben ein, Wird halt eine Witwe sein. 13. Das versteckte Beessteak. Stadt, die den Sonntag genießzen wollen, und vielleicht auch von dem Gefühl der Sonntagsfreiheit besessen sind. trotzdem aber nicht den allergeringsten Wert dar auf legen, sich abends im Krankenhaus wiederzufinden Na. es wird schon gut geben.(Manchmal tut es das auch, manchmal aber auch nicht. und das ist dann sehr bitter.) Die Heimfahrt! Teufel, wie die Zeit vergeht! Da hat man eben noch emn dißchen im Schatten gedöst, ist noch ein Stückchen weitergetrudelt, und plötzlich scheint es doch an der Zeit zu sein, sich allmählich auf den Heimweg zu machen Wenn bloß die Stadt jetzt noch nicht so weit weg warSeufzen hilft nichts. Fluchen auch nicht. Schön war: außerdem. also Tempo, Tempo, los in Richtung Heimat Die anderen scheinen es auch eilig zu haben. Ob die auch noch alle einen gemütlichen Sonntagabendskat anlegen wollen? Na. mal schnell überholen! Schon passiert. War ja man knapp. der Raum dazu, und das Auto, das gerade entgegenkam, sah auch nicht so aus. als ob man es mit einer Hand hätte beiseiteschieben können. Aber es hat ja gebremst. so ging es noch mal gut. Da ist schon der Kirchturm von weitem, da ist schon die Ausfallstroße, gleich ist es geschafft. Noch einmal ein bißchen das Tempo gesteigert. Es ist doch zu schön. daß Ausfallstraßen meist so schön glatt und übersichtlich sind. Hopola. nun ware es doch bald schief gegangen Was muß der dämliche Radfahrer aber auch nach links abbiegen! Abgewinkt hat er ja. aber trotzdem! So. da ist die Wohnung, nur was zu essen muß man jetzt haben, dann kann es auch ruhig wieder Montag werden. Die Woche wird ja auch mal wieder ein Ende haben. Die Moral von der Geschicht"! Wer sich so bewegt am Sonntag? Der Autofahrer? der Radfahrer?. Peinlich. veinlich. es einzugestehen. meist alle beide Damit Sie nun sehen, wie man es macht. noch ein kleines Schlußkapitel: Einer macht einen Plan! Er will auch hinaus ins Grüne am Sonntag. Weil er aber klug ist und nicht meint. Rekorde aufstellen zu müssen, macht er sich einen Plan und sucht sich ein Ziel. das er erreichen und von dem aus er wieder zur Zeit beimkehren kann, ohne seine Kräfte aufzureiben und ohne am Abend rasen zu müssen. Er teilt auch seine Zeit ein. in Fahrzeit. Zeit zum Essen, zum Ruhen usw. Rich Sicherheitsviertelstunden schaltet er ein. d. h. genügend Zeit, um nicht durcheinander zu kommen, wenn irgend etwas nicht genau klappen sollte. Für ihn ist es selbstverständlich, daß man im Walde nicht raucht: außerdem will er da reine Luft atmen. Eine Sonnenbrille steckt er ein, denn ein von der Sonne geblendeter Fahrer hat schon manchem Unheil gebracht. Und warum soll er seinem Körper draußen Alkobol zuführen, er will sich doch erholen! Dazu hat ein betrunkener oder angesäuselter Fahrer— ob auf dem Rad oder im Auto ist gleich— noch niemals Segen gestiftet. Unser Mann ist auf Ausfallstraßen besonders vorsichtig, denn... siehe oben! Verkehrsschilder sind ihm stets warnende Freunde, das weiß er und beachtet die Warnungen. denn, und das ist ausschlaggebend, ein Sonntag im Frühling. ein Sprung ins Grüne verkehren ihren Sinn ins Gegenteil. wenn der Mensch in seiner Unvernunft die eigene und die Gesundheit anderer frevelhaft auss Sviel setzt. fg.(RAS) Betriebsausflug der Stadtamter 1 und 2 Am Donnerstag unternahmen die Stadtämter 1 (Hauptamt) und 2(Rechnungsprüsamt) einen Betriebsausflug nach Haltern. Um 7 Uhr startete ein Autobus mit Anhänger, der 64 Damen und Herren nach Haus Niemen brachte. Dort wurde der Vormittag zu Wanderungen, Kahnfahrten ooer zum Baden benutzt. Um 10 Uhr trafen zur Freude aller auch Oberbürgermeister Meister und Bürgermeister Meyerhoff ein. Nach dem Mittagessen wurde ein Schützenfest veranstaltet. Beim Schießen auf den Vogel wurde Pg. Mar Kernich Schützenkönig, der Frl. Baether zur Königin erwählte. Meisterschütze auf die Scheibe wurde Pg. Zumberg. Als bester Schütze des Tages konnte Pg. Otto Böttcher angesprochen werden. Nach dem Kaffeetrinken startete man zu einer Motorbootfahrt um den Halterner See, die für alle das schönste Erlebnis des Ausfluges war Am Abend um 19.15 Uhr fuhr man von Haus Niemen nach Helenenhöhe, wo das Abendessen eingenommen und ein fröhlicher Kameradschaftsabend veranstaltet wurde. Hierbei wurden auch die Schießpreise verteilt. Eine Verlosung brachte jedem Teilnehmer einen Gewinn. Bei Tanz, Scherz und froher Unterhaltung vergingen die Stunden nur zu schnell, jedoch verspürte niemand Lust, heimzukehren, so prächtig waren Stimmung und Harmonie. Es war schon erheblich nach Mitternacht, als endlich doch die Heimfahrt nach Herne angetreten wurde. Ober: Wie fanden sie das Beessteak eben, Das Sie gestärkt fürs weit're Leben? Gast: Ich konnte es erst gar nicht finden, Es ging mir so wie einem Blinden, Ich fand es aber ungesäumt, Ais die Kartoffeln weggeräumt. 14. Man lacht und schimpft. Gast: Das Ding hier soll ein Beefsteak sein? Das seh ich aber noch nicht ein: Das sind ja wirklich Sachen, Die reizen nur zum Lachen? Ober: Sie lachen, Herr, als Prozedur, Die andern aber schimpfen nur. Man mag hier machen, was man will. Die Kritik steht doch niemals still. 15. Schlußbemerkung. Der Humor kann unserm Leben Eine heit're Seite geben, Kann uns manchmal sehr erfreuen, Kann den Lebensmut erneuen, Kann Gemüt und Herz erfassen Und uns herzlich lachen lassen. Der Humor kann zart und sein, Aber auch sarkastisch sein, Kann uns manchmal schmerzlich beißen. Kann die Freundschaft gar zerreißen, Kann uns an die Nieren gehen Und uns mal ein Schnippchen drehen. Nun, genießen wir die Witze Mit und ohne Geistesblitze, Laßt uns eine Pulle trinken, Doch nicht in die Knie sinken, Alles sei, wenn wir jetzt essen, Schnell vergeven und vergessen. el CT PE Litzners zweite Frau bestreitet alles Sie will am Mordtage in Holland gewelen lein 7 Ein Herner Polizeibeamter beeidet, lie damals vor dem Morchaule gelehen und gelprochen zu haben 7 Sie wird verhattet. 9. Verhandlungstag. Der neunte Verhandlungstag des Mordprozesses Litzner erbrachte die eingehende Vernehmung der zweiten Frau des Angeklagten, Helene geb. Schlösser, mit der Litzner seine zweite Ehe eingegangen ist, die gleichfalls, wie die erste, durchaus unglücklich wurde. Nachdem die Vernehmung das Vorleben der Zeugin gestreift hat, wird die Frage behandelt, wie Litzner die Helene Schlösser kennengelernt hat. Vorwegzunehmen ist, daß die Zeugin im Laufe ihrer mehrstündigen Vernehmung mit zahlreichen Widersprüchen kommt. Sie bestreitet auch, daß bis zu ihrer Verheiratung ein besonderer Verkehr zwischen ihr und Litzner bestanden hat, wodurch sie sich mit Angaben des Angeklagten und einer ganzen Reihe von Zeugen in Widerspruch setzt. Sie behauptet ferner, daß sie keine tiefere Neigung zu ihrem Mann gehegt habe. Damit setzt sie sich in Widerspruch zu Briesen, die ihr inhaltsweise ent gegengehalten werden, Briefe zärtlichen Inhaltes, die noch während der Haftzeit ihres Mannes an ihn von ihrer Hand geschrieben, worden sind. Auch bezüglich ihres Aufenthaltes in holländischen Hotels hat sie in früheren Vernehmungen falsche Behauptungen aufgestellt, die sie jetzt als irrtümlich hinstellt. Sie führt manches in ihren unrichtigen Darstellungen auf Nervenleiden zurück. Die Frage, ob sie sich am 5. November 1923, dem Tattage, in Herne aufgehalten habe, verneint sie stark. Entgegen der Erklärung des Angeklagten bestreitet e, auf Verheiratung gedrängt zu haben. Der Vorißende muß mehrere ihrer Einwande als geradezu töricht bezeichnen. Sie bestätigt, daß sie viele Mißhandlungen durch ihren Mann auszustehen gehabt habe, insbesondere nach der Zeit ihrer Rückkehr aus dem Auslande, als sie in Dortmund in der 2. Kampstraße Wohnung genommen hatten. Sie bezichtigt die Belastungszeugin Frau Brock, früher Firmenich, daß sie ihren Mann gegen sie aufgehetzt habe. Sie bleibt bei ihrer wiederholten Erklärung, an der Mordtat nicht beteiligt gewesen zu sein und an diesem Tage sich in Holland aufgehalten zu haben. Auch der Angeklagte sei nach ihrer Ansicht unschuldig an der Tat. Der Vorsitzende hält ihr das der Frau Firmenich gegenüber gemachte Geständnis im einzelnen vor. Sie erklärt, mit der Frau Firm. kein Wort über den Mord in Herne gesprochen zu haben. Wenn sie dieser gegenüber die ihr vorgehaltenen Darlegungen gemacht haben sollte, so dann nur im Zustande der Besinnungslosigkeit durch Einnahme von Tabletten, die Frau Firm. ihr gereicht habe. Sie will mehrere Tage besinnungslos gewesen sein. In diesem Zustande habe sie gegen Ihren Willen etwas erzählt, was ihr aus eigenem Wissen nicht bekannt gewesen sei. Sie wird darauf hingewiesen, daß ihre heutige Begründung über die mögliche Entstehung der von ihr der Frau Firm. gegenüber gemachten Erzählung ganz neu sei und sehr widerspruchsvoll ihren früheren Aussagen gegenüberstehe. Der Zeugin werden Frau Firm. und Frau L. gegenübergestellt, in deren Gegenwart sie die Erzählung über die Mordtat gemacht haben soll. Diese Frauen halten ihre Aussagen, die sie vor dem Schwurgericht über die Erzählung gemacht haben, voll aufrecht. Frau Litzner habe sie mit klarem Verstande gemacht. Die Zeugin entgegnet, sie könne die in der Erzählung enthaltenen Einzelheiten der Tat nicht erzählt haben, da sie zur Zeit der Tat in Holland geweilt habe und erst am 9. November zurückgekehrt sei. Daß ihr Bruder Walter den Vocwurf erhoben habe, er sei für ein Alibi ausgenutzt worden, bezeichnet die Zeugin als durchaus irrig, so etwas könne er nicht gesagt haben. Auch bezüglich dieser Behauptung kommt es zur Gegenüberstellung von Zeugen mit Frau Litzner und ihrem Bruder Walter. Walter Schlösser erklärlt erregt, er glaube jetzt seiner Schwester nichts mehr. und erhebt den Vorwurf, daß es auf ihn den Anschein mache, daß er für seine Person unbewußt als Werkzeug für ein Alibi mißbraucht worden sei. Es tritt eine Pause ein, nach der die Vernehmung der Zeugin Frau Litzner fortgesetzt wird. Dabei weist der Vorsitzende auf verschiedene Widersprüche in den bisherigen Aussagen der Frau Litzner hin. Die Verteidigung stellt mehrere Beweisanträge bezüglich der Glaubwürdigkeit einzelner Belastungszeugen. Der Staatsanwalt stellt den Antrag, Frau Litzner und Walter Schlösser nicht zu vereidigen. Es werden der Frau Litzner Bekundungen gegenüber anderen vorgehalten, nach denen sie gesagt haben soll, sie brauche nur den Mund aufzumachen, so sei ihr Mann morgen nicht mehr da und komme auch nicht wieder. Diese und andere gleichlautende Ausspruche stellt Frau Litzner in Abrede. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie noch jetzt zu ihrem Manne halte, erwidert Irau Litzner, sie lasse sich von ihm scheiden. Ihr dritter Ehescheidungsantrag werde nun durchgeführt. Ueber die in dieser Erklärung enthaltene auffallende Wandlung kommt es zu weiteren Ausführungen, wobei der Staatsanwalt bemerkt, daß die Zeugin noch gestern ihrem Mann bei seiner Abführung aus dem Schwurgerichtssaale zugelächelt und zugewinkt habe. Der Verteidiger richtet an die Zeugin die Frage, ob sie in irgendeinem geistigen oder perlönlichen Zusammenhang zu der Tat stehe oder von dieser gewußt habe, möglicherweise einer Tat, an der der Angeklagte nicht beteiligt sei. Frau Litzner erklärt, sie habe weder an der Tat teilgenommen, noch von ihr gewußt. Der Staatsanwalt legt der Zeugin Bilder von dem Leichenbefund der ermordeten Frau Litzner vor. Sie bleibt bei ihrer eben abgegebenen Erklärung. Der Staatsanwalt befragt die Zeugin nochmals, ob sie nicht am 5. November 1923, dem Tattage, sich in Herne aufgehalten habe, was die Zeugin wieder bestimmt verneint. Nun kommt der Staatsanwalt mit der Benennung eines rüheren Hilfspolizeibeamten B. aus Herne, der das Gegenteil unter Beweis stellen könne. Das Gericht beschließt, den an Gerichtsstelle anwesenden Mann, der seit dem Zahre 1925 erblindet ist, zu vergehmen. Das Mädchen an der Hauswand— späiere Frau Litzner. B. hatte an dem Nachmittag des 5. November 1923 an der Ecke der Strünkeder Straße Verkehrsdienst. Nach 5 Uhr sei ein Mann, Litzner, zu ihm getreten mit der Nachricht, seine Frau sei ermordet worden. Er habe ihn zur Polizeiwache verwiesen. Als die Polizeibeamten sich nachher mit Litzner dem Hause Auguststraße 28 genähert hätten, habe er sich angeschlossen und mit diesen den Befund in der Litznerschen Wohnung besichtigt. Da sich vor dem Hause ein Menschenauflauf gebildet habe, habe er den Auftrag bekommen, die Leute zurückzudrängen. Bei der Ausführung dieses Auftrages habe er auf der Vortreppe des Hauses ein Mädchen, etwas angelehnt an die Hausmauer, stehen sehen. Dieses habe er gefragt, was es hier wolle, worauf es erwidert habe, es komme aus Recklinghausen=Süd und kenne die Familie Litzner. Er habe sich dann noch kurze Zeit mit dem Mädchen unterhalten. Zu der damaligen Zeit habe er, der Zeuge, in dem Hause in der Bismarckstraße in Herne gewohnt, wo später Litzner mit seiner zweiten Frau Wohnung nahm. Hier habe er die jetzige Frau Litzner wiederholt gesehen. Gleich beim ersten Male sei ihm plötzlich in Erinnerung gerommen:„Das ist ja die Frau, die du am 5. November 1923 auf der Treppe des Hauses Auguststraße 28 gesehen und gesprochen hast“. Damals sei ihm, dem Zeugen, von einem Zusammenhang der Tat mit Helene Schlösser nichts bekannt gewesen. Erst vor einigen Wochen habe er hiervon gehört und seine Wahrnehmung am 30. Mai dieses Jahres der Polizei mitgeteilt. Diese Mitteilungen des Zeugen B. bilden Veranlassung zu eingehenden Erörterungen im Gerichtssaale, in denen erneut die Zeugin Frau Litzner zu Erklärungen aufgefordert wird. Auch hier erklärt sie, am 5. November 1923 nicht in Herne, sondern in Utrecht in Holland geweilt zu haben. Sie seit mit der Person, die der Zeuge B. vor dem Hause Auguststraße 28 gesehen und gesprochen hat, nicht identisch Der jetzt blinde Zeuge glaubt Frau Litzner auch an der Stimme wiederzuerkennen. Der Zeuge wird vereidigt und schließlich auch die Zeuginnen aus Dortmund, vor denen Frau Litzner die mehrfach gekennzeichnete Erzählung über die Mordtat gemacht hat. Vor Schluß der Sitzung teilt der Staatsanwalt mit, daß er Frau Litzner. die unvereidigt geblieben ist, wegen Verdachts der Mittäterschaft habe verhaften lassen. Der Prozeß wird am Samstag fortgeführt. Aus und für Herne Zum Sonntag Das Jahr sonnt sich in seiner Mittagshöhe. Des Sommers reiches Kleid breitet sich über die fruchtbare Erde. Es ist die Zeit der Reise. Wärme, die wie atmosphärisches Gold sich an alle Formen des Wachstums schmiegt, knistert ganz leise, gleich seiner Seide, in den Halmen des still reifenden Feldes. Roter Mohn säumt deine Wege, Kornblumen lachen wie unschuldige Kinderaugen dich an. Begleite mich heute zu einem beschaulichen Spaziergang in den blauenden Sommertag hinein! Ja, die ganz nach innen gerichtete Beschaulichkeit vermag des Sommers geheimnisvolles Schaffen in uns zu wecken. Da mögen wir uns bewußt werden der starken Tugend der Geduld. die weise alles schöpferische Tun in unserm ganzen Leben leiten soll. Nichts entsteht auf einmal. Was Wert in sich tragen soll, das verlangt in seinem allmählichen Werden Sammlung von Kraft und Willen, von Mühe, Können und Lust. Denn nicht lustlos dürfen wir schaffen, sonst verdirbt das Werk schon im Keimie. Betrachte doch des Sommers gevallte Kraft, wie sich bündet mit Schönheit, Schmuck und Lust! Die gewaltigen Stämme des Waldes umwallt schmückend das Laub, und in den Zweigen schallt der Lieder buntgemischter Chor. Die Berge türmen ihre Last bis hinauf zum ewigen Schnee, aber bis zu ihren Knien hinan blühen in bunten Kleidchen des Sommers lachende Kinder. Ist nicht eines Gewitters flammende Wildheit das göttliche Spiel entfesselter Kräfte?— Nun durchbrechen Sonnenpfeile das grollende Dunkel: des Sommers sieben Farben— innig gesellt— spiegeln sich unserem Auge auf Myriaden blitzender Tröpschen; auf langsam weichender Wolkenwand spannt sich lieblich des Regenbogens friedliches Triumphtor. Laßt uns Gottes neugesegnete heitere Fluren durchschreiten! Auf unserm Wege, in Gärtchen hinter Zäunen blühen die ersten Rosen; auch des Goldregens reiches Gehänge kündet den Sommer. In die Stille hinein, die auch in unserer Seele wohnt, tönt auf weiten grünsatten Wiesen der Grillen Streichkonzert wie ein Aufgalopp der Freude. Falter schaukeln über grünes Gewoge wie trunken flatternde Blumen. Im Blau des Himmelslichtes zergehen die letz len Wetterwolken. So sei das einfühlende Erleben eines dargereichten Sommertages uns Gleichnis geduldigen Strebens nach Vervollkommnung: Kräfte sammelnd zu schöpferischem Werk, Freude spendend überall, wo tapfere Menschen ihrer bedürfen! **„* Höhere Schweinefleisch=Kontingente Der große Reichsinnungstag des Fleischerhandwerks in Innsbruck, der in den letzten Tagen unter Teilnahme von mehr als 6000 Gewerbetreibenden aus dem Reich stattfand, wurde am Mittwoch abgeschlossen. Im Laufe dieser Tagung wurden die wichtigsten Probleme des Fleischergewerbes und der Fleischversorgung ausführlich behandelt. U. a. teilte der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Viehwirtschaft, Röders, mit, daß ab 19. Juni eine Erhöhung der Kontingente für Schweinefleisch eintreten kann. *** Mit Kox zum Stapellauf eines Panzerkreuzers nach Bremen! Von der NSG.„Kraft durch Freude" wird zum Stapellauf eines Panzerkreuzers am 1. 7. in Bremen ein Sonderzug durchgeführt. Der Sonderzug fährt am 1. Juli vormittags ab Dortmund. Für die Teilnehmer ist ein Mittagessen in Bremen, anschließend Teilnahme auf bevorzugten Plätzen am Stapellauf um 15 Uhr, Abendessen und Uebernachtung mit Frühstück in Bremen und am 2. Juli eine Seefahrt über Bremerhaven hinaus in die Nähe der Nordseeinseln vorgesehen. Diese Fahrt wird am frühen Nachmittag beendet sein, so daß in Bremen nochmals ein Essen eingenommen werden kann und dann die Rückfahrt nach Dortmund erfolgt. Der Preis dieser Fahrt beträgt insgesamt 14,50 RM. mit sämtlichen Leistungen. Anmeldungen nehmen die Vorverkaufsstellen der RSG.„Kraft durch Freude“ Herne, Bahnhofstr. 45, und in Castrop=Rauxel, Viktoriastraße 10, entgegen. *** Junge Schwäne und Wildenten auf den Eysenberger Teichen Auf unserm Gysenberger Mühlenteich sind jetzt vier junge Schwäne angekommen, Von den 9 Eiern sind also vier ausgebrütet. Auch auf dem Teich im„Zoo“ sind die ersten Wildenten dieses Jahr in der stattlichen Zahl von rd. 25 kleinen Tieren erschienen. ** Denkmalsweihe der ehem. 39er Auch die Herner 39er nehmen leil. Der letzte Monatsappell der Kameradschaft ehem. 39er wurde in Abwesenheit einiger Mitglieder, die zum Verbandstag nach Castrop=Rauxel abkommandiert waren, von Kameradschafts=Kassenwart Overkämping eröffnet und geleitet. Besonders interessiert der Bericht der Hauptleitung der Denkmalsfeierlichkeiten in Düsseldorf. Die Herner Kameradschaft beteiligt sich geschlossen an allen Veranstaltungen. Den größten Teil der Kosten trägt die Kameradschaftskasse. In Herne befinden sich noch viele ehem. 39er, die der Kameradschaft nicht angehören. Diesen Kameraden soll nochmals Gelegenheit gegeben werden, sich anzuschließen, damit sie sich ebenfalls in Düsseldorf beteiligen können.(Anmeldungen bis spätestens 25. Juni 1939 an den Kameradschafts=Schriftwart Heinrich Dr. Leu heute im Kreise Herne—Castrop-Rauxel Ehrung der toten Knappen. NSG. Leider war es dem Reichsorganisationsleiter Dr. Ley nicht möglich, wie vorgesehen, an den Trauerfeierlichkeiten für die auf„Erin“ verunglückten Knappen teilzunehmen. Wie nunmehr feststeht, trifft Dr. Ley heute um 9.30 Uhr, von Gelsenkirchen kommend, in Begleitung von Reichsfachamtsleiter Stein in Castrop=Rauxel ein, wo er im Beisein von Angehörigen der SA, 11, H3 und Politischen Leitern aus Herne und Castrop=Rauxel eine Blumenspende am Grabe der Knappen niederlegen wird. Gleichzeitig wird er das Wort zu einer kurzen Ansprache ergreifen. Für 10 Uhr ist eine Trauerfeier in der Aula vorgesehen, in der der Reichsorganisationsleiter den Hinterbliebenen sein Beileid aussprechen wird. Der„Glaserne Zug“ im Nuhrgebiet vom 20. Juni bis 2. Juli 1939. Der Aussichtstriebwagen der Deutschen Reichsbahn, der„Gläserne Zug“, wird, wie wir von der Reichsbahndirektion Essen hören, in der Zeit vom 20. 6. bis 2. 7. 1939 den Ruhrgebietsbewohnern zur Verfügung stehen. In dieser Zeit werden 7 Rundfahrten in landschaftlich bevorzugte Gegenden der näheren und weiteren Umgebung des Ruhrgebiets durchgeführt. Fahrkarten und Reisepläne mit allen weiteren Angaben sind bei den Fahrkartenausgaben in Essen, Bochum, Dortmund und Duisburg sowie M.=Eppinghofen erhältlich. Die übrigen Fahrkarten ausgaben und MER-Büros vermitteln Bestellungen. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 33½ ¾, sie wird beim Vorzeigen der Rundfahrkarten auch auf Anschlußstrecken bis zu 50 km gewährt. Weitere Fahrten mit anderen Reisewegen werden vom 19. bis 31. August uno vom 24. bis 29. Oktober d. J. stattfinden. Eröffnung des Freilichttheaters Wattenscheid mit Zerkaulens„Sprung aus dem Alltag". Das Freilichttheater Wattenscheid öffnet Sonntag nachmittag seine Pforten für die Sommerspielzeit 1939. Zur Aufführung gelangt die auf fast allen deutschen Bühnen mit dem größten Erfolg gespielte rheinische Komödie„Der Sprung aus dem Alltaa“ von Heinrich Zerkaulen. Das Freilichttheater, das im Stadtgarten, dem Mittelpunkt der Stadt, gelegen ist, ist das schönste des Westens und bietet für 3000 Personen Sitzgelegenheit. Wer noch nicht Zuschauer bei einer Aufführung gewesen ist, darf es jetzt nicht versäumen, diesem Theater unter freiem Himmel einen Besuch abzustatten. Das Schauspielerensemble besteht nur aus Berufspielern, die vordem an den ersten deutschen Bühnen verpflichtet waren. Die künstlerische Leitung hat in diesem Jahre der erste Spielleiter des Oberhausener Stadttheaters, Hanns Reinhardt. Die Spielzeit dauert bis zum 3. September 1939. Der Spielplan sieht neben Märchenstücken, von denen„Winnetou" nach Karl May, das in den großen Ferien über die Bühne geht,„G'wissenswurm“ von Anzengruber,„Was ihr wollt“ von Shakespeare,„Johannisfeuer“ von Sudermann und„Spektakel in Kleihörn“ von Bunje vor Man kann wohl sagen, ein ausgezeichnetes Pro gramm. Das Freilichttheater Wattenscheid erfreut sich bei den schwer arbeitenden Menschen unserer Heimat eines ganz gewaltigen Zuspruches, das wird sich auch in diesem Jahre wieder bestätigen. Brennholt, Herne, Bochumer Straße 30a.) Die do meraden treffen sich in ihren alten Kompagnien und nehmen in dieser Zusammenstellung am Festmarsch teil. Für die Herner wird noch ein besonderes Lokal bestimmt. *** * Die Kreiswaltung der DAJ heute geschlossen. Wie die Deutsche Arbeitsfront mitteilt, ist die Dienststelle der Kreiswaltung, Schulstraße 28, heute vormittag für den Publikumsverkehr geschlossen. * Im Schmucke der Silbermyrthe. Morgen feiern die Eheleute Paul Niegsch. Herne=Börnig, Ringstraße 85, das Fest ihrer Silbernen Hochzeit. Wir gratulieren! * S i l b e r n e H o c h z e i t. Heute begehen die Eheleute Frz. Sydow und Josefine geb. Wolniak, In dem Breil 14, im Kreise der Familie das Fest der Silbernen Hochzeit. Den langjährigen Beziehern des H. A. herzl. Glückwunsch! * Dr. Elleringmann, Bochum, zum Universitätsprofessor berufen. Der bekannte Leiter der Verwaltungsakademie m Bochum, Stadtrechtsrat Dr. Elleringmann, der seit 1932 auch als Privatdozent an der Universität Münster tätig ist, ist jetzt vom Führer dort zum Universitätsprofessor ernannt worden. * Endspielverlauf wird auch im Sommerbad übertragen. Das am 18. Juni 1939 in Berlin stattfindende Spiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft Fa Schalke 04 gegen Admira Wien wird im hiesigen städtischen Sommerbad an der Bergstraße durch Großlautsprecheranlage übertragen. * V e r k e h r s k o n t r o l l e a u f d e r B o c h u m e r S t r a ß e. Gestern wurde in der Zeit von 18—20 Uhr auf der Bochumer Straße eine große Verkehrskontrolle durch die Bereitschaft Bochum der Verkehrspolizei mit Unterstützung des Motorsturms 23/69 Herne durchgeführt. Sämtliche Kraftfahrzeuge und Krafträder wurden angehalten und hauptsächlich ihre Lenkung, Bremsen und Beleuchtung geprüft. Die Befunde wurden an die Verkehrspolizei vom RSKK weitergegeben. Bei kleineren Mängeln, wie schlecht leserlichen Nummernschildern, ließ man Milde walten, und es blieb diesmal noch bei einer Verwarnung. Nach Prüfung der Richtigkeit aller Ausweispapiere wurden die Fahrzeuge wieder freigegeben. In unmittelbarer Umgebung der Kontrollstellen sammelten sich auf den Bürgersteigen viele Menschen an. * Aufgefahren— Zwei Verletzte. Gestern nachmittag gegen 16.30 Uhr fuhr auf der Roonstraße beim Kasino Friedrichseck ein Personenauto mit Wucht auf einen parkenden Personenwagen von hinten auf. Beide Fahrzeuge, von denen das haltende ein großes Stück vorwärtsgestoßen wurde, zeigten starke Beschädigungen. Der Fahrer des Unglücksautos, an dem das Steuer versagt haben soll, und eine Insassin wurden mit schweren Schnittverletzungen im Gesicht in das Marienhospital gebracht. * D e r u n g e t r e u e E h e m a n n. Gestern mittag um 12 Uhr ging ein Paar Arm in Arm die Kantstraße nach Sodingen zu. Plötzlich kamen zwei Frauen auf Fahrrädern aus dem Uhlenbruch gefahren, das Fahrrad der einen Frau flog zur Seite, ein Schuh wurde ausgezogen, und schon hagelten die ersten Schläge unbarmherzig auf den Kopf der Begleiterin am Arme des Mannes nieder, wobei man hörte:„Du willst mir meinen Mann nehmen, den Vater meiner beiden Kinder?" Als die empörte Frau den Schuh verlor, zog sie auch den andern aus, es hagelte Schlag auf Schlag, ganze Bündel Haare flogen auf der Straße herum. Zum Schluß griff die Ehefrau sogar zur Luftpumpe. Diesen Moment benutzte die Geprügelte zur Flucht in ein Haus. Jetzt bekam der Ehemann die Luftpumpe zu spüren, dann mußte er zwischen den zwei Frauen nach Hause marschieren, wobei seine Frau ihm noch eine weitere Abreibung zu Hause versprach. Im Nu hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die belustigt dem betrüblichen Schauspiel zusah. Jedenfalls dürfte dem Manne die Lust zu weiteren Seitensprüngen vergangen sein, nachdem seine Frau so energisch ihre Rechte gewahrt hat. * Zeugen gesucht. Am 6. 6. 1939. gegen 20.30 Uhr, wurde ein Mann festgenommen, der sich am alten Bootshaus am Stichkanal des Dortmund=Ems=Kanals zwei schulpflichtigen Mädchen in unsittlicher Weise gezeigt haben soll. Die Mädchen wollen diesen Sachverhalt einem unbekannten Mann erzählt haben. Dieser Mann soll den Täter beobachtet haben. Der betr. Mann wird gebeten, sich bei der Kriminalpolizei in Herne, Z. 208 des Polizeiamtes, zu melden. * Sonntag erster Kreisflug. Die Herner Brieftaubenreisevereinigung steuert mit ihren Flügen dem Höhepunkt der diesjährigen Flugsaison zu. Der kommende Sonntag bringt mit dem ersten Kreisflug erneut eine besondere Leistungsprufung. Den ersten Kreisflug, der ab Rehfelde (480 km) führt, veranstalten die Reisevereinigungen von Herne, Wanne=Eickel und Wattenscheid zusammen. Der Flug am 2. Juli ab Küstrin(525 km), den wiederum die drei Vereinigungen zusammen ausführen, sieht für den Sieger die Goldene Medaille vor. Castrop=Raure Leiche gesunden. Am Donnerstag wurde aus dem Emscherdüker eine vorerst unbekannte Leiche gelandet. Durch die kriminalpolizeilichen Ermittlungen konnte die Leiche als die eines Mannes aus Recklinghausen=Suderwich ermittelt werden. Baubeginn des H3=Heims in Ickern. Seit längerer Zeit hat die Stadtverwaltung Castrop=Rauxel in Verbindung mit der Reichsjugendführung der Hitler=Jugend die Errichtung eines H3=Heimes am Marktplatz des Stadtteils Ickern geplant Die Vorarbeiten für dieses neue Heim unserer Staatsjugend — es ist das vierte H3=Heim im Stadtgebiet Castrop=Rauxel — sind inzwischen soweit gefördert worden, daß am Mittwoch dieser Woche die Bauarbeiten beginnen konnten. Aus dem Rettenkarussell gestürzt. Am 11. dieses Monats gegen 19.15 Uhr riß an einem in voller Fahrt defindlichen Kettentarussell auf der Festwiese ein Haken, und eine Insassin des Karussells stürzte samt Sitz und Ketten zu Boden. Sie erlikt einen Rippenbruch und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Lebensgefahr besteht zur Zeit nicht. Hauptschriftleiter: Dr. Leo Reinero. Herne. Stellv. des Hauptschriftleiters Jos. Möller, Herne(i. Url.). Verantwortlich für Politik Dr. Arthur Ruppert. Gelsenkirchen: für Kommunalpolitik und Lokales Dr. Leo Reiners. Herne: für Unterhaltung Franz Wruns, Gelsenkirchen; für Sport Josef Moiler, Herne(1. Url.): Stellvertreter für Sport Dr. Leo Reiners: für Anzeigen Hubert Beyer, Herne. Bildverantwortliche: Ressortleiter. Beiträge sind an die Schriftleitung(Herne. Hermann=Göring=Straße 8). nicht an ihre einzelnen Mitglieder zu richten. D. A. V. 39 über 3500. Druck und Verlag: Roethers& Röttsches. Herne Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 gültig.— Mengenstaffe! E Der Feuerreiter, die gern gelesene Ulustrierte Wochenschrift, wird den Bestellern mit der heutigen Ausgabe des Herner Anzeigers ins Haus gebracht. Nr. 139 Drittes Blatt) Herner Anzeiger Samstag, den 17. Juni 1939 Hohenlimburger Lehen der Strünkeder Die Dranglale des Dreißigjährigen Krieges 7 Die Pappenheimer in der Mark/ Das Strünkeder Archiv ihretwegen weggelchaftt. Belehnungen 1638, 1655 und 1696/ Conrad von Strünkede 1695 in England. IV. Anlchlag an der Umminger Kirche Eine neue Belehnung der Strünkeder mit dem Gute Ummingen, Kapelle und Küsterei sollte 1632 stattfinden. Doch war Conrad von Strünkede verhindert, zum Termin zu erscheinen. In einem Briefe vom 8. Oktober 1632 aus Emmerich schreibt er an den gräflichen Vormund Wilhelm Henrich, Grafen zu Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt und Limburg, Herrn zu Rheda, Wevelinghofen und Alpen, Freiherrn zu Lennep, Erbvogt zu Köln, ihm sei mit geteilt worden, daß des Grafen„placat ond offene Citation Ahn der kircken zu Vmmingh arfiairet(— angeheftet)“ worden sei, wonach alle Limburgischen Lehnsleute sich am 13. Ot tober neuen Stils bei seiner Lehnskammer in Tecklenburg mit Lehnbrief und„Gesinnungsschein“ einstellen und dort ihre Lehnserneuerung gebührend nachsuchen sollten. Als er die Nachricht aus Ummingen, das drei Stunden von Strünkede entfernt sei, spät und erst vor wenigen Tagen erhalten habe, sei er„auff der reißen hürhin ghen Embrich nach Churfl. Cleuisch ond Marckischer Cantzelley und Respective versambleten Cleuischen Sten den... in ehrhaften und gantz wichtigen Saichen, darahn meine Wollfart gelegen, angagirt und be griffen gewesen“. Er habe keine Möglichkeit gehabt, „darvon dannen auch allnoch und in geschwinder eill abzukommen und mich zu erleddigen“. Auch könne er nicht so bald die erforderlichen Briefe beibringen, weil er sie wegen des Durchzugs und der Einquar tierung der Wannonheimer!) in der Grafschaft Mark und wegen„darbey vorgangenen kentlichen Verderbß und annoch wehrender gefhar von meinem Hauß anderwerts in Verwharsam hin bringen mueßen“)". Der Graf, so schreibt Con rad von Strünkede weiter, möge diese Entschuldigung und das Nichterscheinen„in keinen ungnaden vermer ken“ und ihm durch den Bringer des Briefes Aufschub und einen neuen Termin, der etwa drei Monate später liege, mitteilen. Er hoffe, alsdann in Person wenn es Kriegsgefahr halber möglich sei, oder durch einen Bevollmächtigten zum Lehnsempfang zu er scheinen. Strünkede Ichuldet Lehngelder Entweder ist Conrad von Strünkede tatsäch lich später belehnt worden, aber das Heergeweide schuldig geblieben, oder infolge der Wirren des Dreißigjährigen Krieges und anderer Ursachen ist es überhaupt nicht zur Belehnung gekommen. Jeden falls schuldet Conrao von Strünkede noch 1639 eine„ansehnliche Summe versprochener Lehngelder". Dies geht aus einem Schreiben des Grafen Arnold Jost von Bentheim an seine Schwägerin Johannetta Elisabeth, geb. Gräfin zu Nassau=Katzenellenbogen, in Hohenlimburg, datiert „auf meinem Hauß Bentheim den 29 January Stcilo) vet(ere) A. 1639“, angekommen in Hohenlimburg am 11/21 März, hervor, mit dem er auf einen Brief der Gräfin=Witwe vom 16. Dezember 1638 antwortet, den er erst am Tage vorher von Tecklenburg aus empfangen habe. Zunächst spiegelt sich auch in diesem Schreiben die Drangsal des Dreißigjahrigen Krieges wider. Er habe, so schreibt er, gern vernommen, daß die Gräfin sich bei guter Gesundheit befinde, auch er habe Gott für ziemlich gesundes Be finden(„Vffwesen") zu danken. Von seinem Sohne Ernst Wilhelm, der jetzt in„Saumcur"*) in Frank reich sei, habe er noch neulich„Zeitung“(— Nachricht) erhalten, daß er wohlauf sei. Leider müsse man sehen, daß„noch wenig waß zum frieden dienet, gesuchet werde, Dannenhero dan die beschwerden dieser ortter“ sich also häuffen, daß man endtlich kein außkommen länger absehen kan". Was nun die„Steinfurtsche Forderung“ der Gräfin anbelange, so müsse er be kennen, daß die Gräfin„wegen etliche Jaren miß bezahlung Vrsach zu doliren(— klagen)“ habe, er möchte auch wünschen,„Eß wehre Von denjenigen so die Steinfurtschen güter Vuterhanden gehabt beßerer richtigkeit in der bezahlung gehalten worden", er erinnere sich aber, daß„der von Strünckede nochein ansehenliche Summe an Meinen in Gott ruhenden geliebten Bruder Friedrich Ludolffen sehl. gedächtniß Versprochener Lehengelder schuldig blieben“. Die Gräfin sei schon früher ihrer Forderung halber darauf verwiesen worden(sie sollte sich also für ihre Steinfurtsche Forderung an den Strünkeder Lehnsgeldern schadlos halten).„Wie sichs nun damit habe, ob geldachter) Strünckede sich in der Zah lung sperre, oder ob er auch jemahls von denen so deswegen commission gehabt, Alß erstlich Doctor Freiman und hernacher Doctor Huberts zu Dortmünden, mitt ernist drumb besprochen, Bnd gemahnet sey, dauon hab bißhero noch keinen bericht empfangen.“ Er gebe der Gräfin daher zu überlegen, ob sie nicht noch einmal deswegen bei dem Strünkeder anmahnen lassen wolle. zur Bezahlung anderer Schulden von Vetter Mauritzen zu Tecklenburg angewiesen wolden seien. Er könne das auch nicht billigen, weil diese Pfennige von seinem verstorbenen Bruder Friedrich Ludolf auf den gleich falls verstorbenen Bruder Wilhelm Henrich vererbt worden seien. Dieser habe Dr. Huberts Auftrag gegeben, die Pfennige von dem von Strünkede einzu treiben und der Gräfin auf ihre Steinfurtschen Restanten zu liefern. Er habe deshalb an Vetter Mauritz in Tecklenburg geschrieben und ihm zu Gemüte geführt, er solle nach dem Willen Wilhelm Henrichs verfahren. Paltor Baack als Bevollmächtigter ig der geschuldeten Lehngelder durch scheint mit der am 27. August Immer noch Kriegsbedrückungen Ein Jahr später, am 31. Januar 1640, schreibt Graf Arnolt Jost aus Bentheim wieder einen Brief an seine Schwägerin, in dem er sich einleitend auf einen Brief der Gräfin an seine Gemahlin vom 11/21. Januar aus Limburg bezieht. Wie auch die Gräfin es an ihrem Orte finde, müsse man feststellen, daß„die große Kriegspressuren(— Be drückungen) uns auch leider mehr als zu schwer fallen“, doch habe man dem lieben Gott noch herzlich zu danken, daß man bisher noch bei den Seinigen verblieben sei. Weiter habe er aus der Gräfin Brief ersehen, daß sie„zwar die restirende Gelder von Strünckede mitt großer mühe emplangen“ habe, daß sie ihr aber nicht auf die aus steinfurt vermachten mütterlichen Legate, sondern Die Bezahlun die Strünkeder sche 1638 erfolgten Belehnung zusammenzuhän gen. Darüber liegt der von ihm mit eigener Hand geschriebene Reversalbrief des Strünkeder Bevollmachtigten Pastor Johannes Baaa vom 28. August 1638 mit inseriertem Lehnbrief vor. In diesem auf den 27. August datierten Lehnbrief bekennt Johannetha Elisabetha, geboerne Grafin Von Naßaw, Catzenelnboegen, Vianden Vndt Dietz, Graffin zue Bentheimb, Tecklaburgh, Steinfurth Vndt Limpurgh, Wittib“, kraft von ihrem Vetter Mauritz, Graf zu Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt und Limburg, erhaltener Gewalt und Vollmacht, heute den„Ehrwürdigen Vndt Wohlgelährten Johann Baackh Pastoren zue Strünckede alß Vollmachtigen deß WollEdelen Vndt Vesten Conradt Van Vndt Zue Strunckehde.. Zuem rechten neuwen Manlehn belehnet“ zu haben und hiermit zu belehnen„mit dem Erb Vndt Hoef Vmmingk im Kirspell Lüetzgen Dortmundt mit allen seinen Pertinentien, auch mit der Capellen Bndt Costereyen Zue Vmmingk im Kirspell Von Bochumb gelegen. Vndt Von der Grafschafft LimPurgh lehnrührich“, nachdem er den gewöhnlichen Lehnseid in die Seele seines Prinzipalen geleistet und geschworen hat, dem Vetter Mauritz und der Grafschaft Limburg treu und hold zu sein. Zeugen sind gewesen Claß Henrich von Lüningk, Drost zu Limburg, und Johannes Huberti,„Beyder rechten Doctor Vndt vornehmer Advocat". Richter Johann Roßteulcher von Strünkede Eine weitere Belehnung fand 1655 statt. Im Jahre 1654 war Conrad von Strünkede, der 1636 in den Reichsfreiherrnstand erhoben worden war und 1645 die Gerichte Herne und Castrop zurückerlangt hatte, gestorben. Sein Sohn Gottfried war am 6. 11. 1654 mit Strünkede belehnt worden, und nun folgte auch die Belehnung mit dem Lehengut Ummingen. Da er„ehrhaffter behinderung halber“ die Belehnung mit dem„Adelichen Guth Vmminck“ nicht selbst vom Grafen Mauritz zu Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt und Limburg empfangen konnte, sandte er seinen Richter Johan Roßteuscher als Bevollmächtigten. Die für ihn ausgestellte Vollmacht') trägt das Datum vom 28. Oktober 1655. In dem ebenfalls noch vorliegenden Reversal") des Johan Roßteuscher, Richter zu Strünkede, mit dem Datum Limburg, 30. Oktober 1655, und dem Siegel des Ausstellers— es zeigt ein stehendes Roß und ist das älteste uns bisher zu Gesicht gekommene Siegel eines Strünkeder Richter=?)— bekennt der Bevollmächtigte, daß Herr Mauritz, Graf zu Bentheim etc., ihn heute in Behuf des Hochedelgebornen Gottfried von Strün kede„mit dem Erb und Hoff Vmming im Kerspel Lütgen Dortmund mit allen seinen Pertinenzien, auch mit der Kapellen und Küsterei zu Vmming im Kerspel von Boikum“ zum rechten neuen Mannlehen belehnt habe. Richter Rütger Dieterich Morlaeus schreibt Im Jahre 1681 ist Freiherr Gottfried von Strünkede gestorben. Die Vormundschaft über die Kinder wurde dem Bruder der Witwe, Mauritz Joh. Bertr. Braten muß die weiße Pelle... Sommers Thermometergrade achtet nicht, wer schwach betucht, jetzt. im Junisonnenbade seiner Schonheit Krönung sucht Selbst die hitzigste Komoresse scheint ihm nicht der Rede wert. wenn sie auf des Winters Blässe Sommers Bräune ihm beschert. Darum ist die Hitzewelle seines Strebens bester Freund. braten muß die bleiche Pelle. bis der letzte Fleck gebräunt Kocht's ihm auch in allen Poren. Eitelkeit ist ohne Pein! Bauch und Rücken müssen schmoren. alles lechzt nach Sonnenschein! Mit dem Sonnenstrahl alleine kommt, jedoch ganz ohne List nimmermehr der Mensch ins Reine. dessen Sehnsucht Bräune ist. Nein, er schwärmt nicht für das Halbe— kürzend seines Harrens Pein reibt er Sonnenöl und Salbe in die blassen Poren ein. Endlich, unter blankem Strahle weicht der Blässe müder Hauch. mehrmals wechselt man die Schale, doch die bleiche Farbe auch Wohl: wan teilte manche Stunde das Geschick der Siedewurst. doch befriedigt ist im Grunde nun des Herzens Schönheitsdurst! Wem Kinder aus geschiedenen Ehen soll das Sorgerecht übertragen werden?] Dem Vater, der Mutter, dem nichtschuldigen Teil oder einem Dritten?/ Subjektive Jaktoren beim Kinde. NSG. Durch das neue großdeutsche Eherecht ist das Wohl des Kinoe= zum ausschließlichen Maßstab für die Verleihung des Sorgerechtes an geschiedene Eltern erhoben worden, damit ist den Eltern jede Aussicht auf die Durchsetzung eigensüchtiger Wünsche, die sich mit dem Interesse des Kindes nicht decken, genommen und die Grundlage gegeben, seelische Gefährdungen von Kindern aus geschiedenen Ehen nach Möglichkeit zu verhindern. Wie sehr das Wohl des Kindes im Vordergrund steht, geht vor allen Dingen auch aus der Tatsache hervor, daß das Gesetz die Sorgerechtsübertragung auch an den allein oder für überwiegend schuldig erklarten Elternteil zuläßt,„wenn dies aus besonderen Gründen dem Wohle des Kindes dient". In der Tat handelt es sich nicht nur darum, die objektiven Bedingungen des einen oder des anderen Lebensraumes, der zur Wahl steht, sondern die subjektiven Faktoren zu ermitteln, die den einen Lebensraum geeigneter als den anderen erscheinen lassen. Zu diesen subjektiven Faktoren gehören unter anderem das Alter des Kindes, seine konstitutionelle und individuelle Eigenart, die Beziehung des Kindes zu den Elternteilen, die Eignung der Eltern, die individuellen Erziehungsansprüche eines Kindes angemessen zu erfüllen. Zu dieser überaus wichtigen Frage der richtigen Unterbringung von Kindern aus geschiedenen Ehen finden sich nun in den neuen Mitteilungen des„Vereins zum Schutze der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung" sehr beachtenswerte Hinweise und Vorschläge, die sich auf eine genaue Beobachtung einer Reihe von Fällen, in denen sich der Verein mit Kindern aus geschiedenen Ehen zu befassen hatte, stützen. Zunächst wird darauf hingewiesen, daß es zahlreiche Fälle gibt, in denen das Angewiesensein des Kindes auf den mütterlichen Lebensraum bei der Entscheidung über die Sorgerechtsübertragung den Ausschlag geben wird, sofern die Persönlichkeit der Mutter die Gewähr bietet, daß sie dem Kinde gerecht zu werden vermag. Dieses Angewiesensein auf den mütterlichen Lebensraum besteht fast ausnahmslos beim Kleinkind(bis etwa zum vollendeten 6. Lebensjahr). Wenne sich in vielen Fällen beim Sechsjährigen eine Loslösung von dieser engen Gebundenheit an die Mutter als eine natürliche Entwicklungstatsache einstellt, so gibt es doch viele Kinder, bei denen dieses Angewiesensein auf den mütterlichen Lebensraum weit über das 6. Lebensjahr hinaus besteht. Hierzu gehören vor allen Dingen die zurückgepliebenen, sich langsamer entwickelnden Kinder, ferner die sensiblen Kinder mit neuropathischen Zügen. Das Gegenstück zu diesem Angewiesensein auf den mütterlichen Lebensraum bildet das Angewiesensein der alteren Kinder, die der festen Führung durch die Hand des Vaters bedürfen, auf den Lebensraum des Vaters. Diese älteren Kinder (im allgemeinen handelt es sich um Jungen) stellen allerdings kein so schwieriges Problem dar wie die noch ausschließlich auf den mütterlichen Lebensraum angewiesenen Kinder. Denn diese älteren Kinder sind zumeist bedeutend widerstandsfähiger als die Kleinkinder, so daß bei ihnen die Gefahr der Schädigung nicht so groß ist. Eine sehr schwierige Angelegenheit ist bei all dem die Frage der ablehnenden oder bejahenden Haltung des Kindes dem Vater oder der Mutter gegenüber. Diese Frage ist durch Erfahrungen, die das Kind gemacht hat, oft ebenso bedingt, wie durch eine von Anfang an bestehende größere Sympathie oder Antipathie für den einen Elternteil. Die Zuneigung des Kindes ist das, worum die Eltern vor, während und nach dem Ehescheidungsverfahren oft in unverantwortlicher Weise werben. Das umstrittene Kind weiß oft wirklich nicht mehr, wie es sich verhalten soll. Es bleibt ihm oft kein anderer Ausweg als der, durch Heuchelei und Lüge beim Vater die Mutter und bei der Mutter den Vater zu verdammen. Daß das Kind, das dauernd mit einem Elternteil zusammenlebt, von ihm die Ablehnung des anderen übernimmt, gehört zu den täglichen Erfahrungen. Diese übernommenen und eingeredeten Ablehnungen sind im allgemeinen von den echten, eigenständigen zu unterscheiden, was praktisch von besonderer Bedeutung ist. Es zeigt sich nämlich, daß die eingeredete, übernommene Ablehnung mit Geduld überwunden werden kann. Eigenständige, echte Ablehnung dagegen erweist sich praktisch als unüberwindbar. Sie entspringt oft einem Zugehörigkeitsgefühl zu einem Elternteil, mit dem sich das Kind von klein auf in besonderer Weise verbunden fühlt, sie beruht oft auch auf Erfahrungen, die das Kind gemacht hat. Besonders schwierig sind die Fälle, in denen ein Kind, das mit einem der geschiedenen Elternteile bereits seit längerer Zeit zusammengelebt hat, dem anderen zu geführt werden soll. Der häufige Wechsel des Lebensraumes bei den Kindern, die zuerst bei den Eltern, nach erfolgter Scheidung bei einem Elternteil, nunmehr bei dem anderen un tergebracht werden sollen, stört einen gesunden Entwicklungslauf. Es kommt oft zu derartigen Schwierigkeiten, daß die Umpflanzung wieder rückgängig gemacht, oder das Kind an einem dritten, neutralen Ort sichergestellt werden muß. Grundsätzlich läßt sich zu diesen Umpflan zungsversuchen sagen: als die Umpflanzung erschwerend ist es anzusehen, wenn das Kind sich in einem Entwicklungsstadium befindet, in dem die Vor aussetzung für eine Umpflanzung ungünstig sind. Das gilt einerseits für Kinder, die in ihrem Entwick lungsstand(nicht ihrem Lebensalter!) noch ganz auf den mütterlichen Lebensraum angewiesen sind, andererseits für Kinder in den Entwicklungsjahren. Die Umpflanzung ist auch schwierig bei Kindern, die sich durch geringe Anpassungsfähigkeit auszeichnen und sich daher in den neuen Lebensraum nur schwer ein leben. Weiter wird die Umpflanzung erschwert, wenn eine besonders starke Bindung an den alten Lebensraum und Abneigung gegen den neuen vorhanden ist. Während die Umpflanzung bei 80 bis 90 Prozent der Kinder mit echter, eigenständiger Abneigung scheitert, sind über nommene, eingeredete Ablehnungen dann, wenn die Kinder sonst für eine Umpflanzung geeignet sind, in 80 Prozent der Fälle, allerdings oft nur mit großer Geduld, zu überwinden. Aus all dem zeigt sich recht deutlich, wie wichtig es ist, die subjektiven Faktoren bei der Sorgerechtsübertragung zu ermitteln uno zu berücksichtigen. Daraus ergibt sich weiter die Notwendigkeit, daß in verstärktem Maße als bisher ozialpsychologisch geschulte Kräfte ein gesetzt werden, auf deren Berichte sich der Richter bei seiner Entscheidung, wem das Sorgerecht übertragen werden soll, zum tatsächlichen Wohle des Kindes stützen kann. von der Recke zur Horst, sowie dem Bruder des Verstorbenen, dem Freiherrn Conrad von Strünkede zur Dorneburg, der damals Drost des Amtes Bochum war, übertragen. Im Jahre 1693 hatte Graf Friedrich Mauritz die Grafschaft Limburg inne. Bei ihm mußten die Lehnsträger um Neubelehnung nachsuchen. Auch die Strünkeder wurden mit Schreiben vom 6. September 1693 dazu aufgefordert, doch der Strünkeder Richter Rütger Dietrich Morsaeus schreibt am 15. September 1693 aus Bochum an einen Herrn der Limburger Lehnskammer, offenbar den Rat Dr. Nies, die Citation wegen des Lehngutes Ummingen sei zwar auf dem Hause Strünkede angekommen, er müsse aber als Richter dieses Hauses mitteilen, daß der Vormund, Herr Drost Freiherr von Strünkede, nach Kleve„abgeladen“ und der Freiherr von der Recke zur Horst abwesend sei. Mangels eines Auftrages könne also niemand bevollmächtigt und die Lehenbriefe nicht nachgesehen werden. Er bitte also, die beigefügte Supplic dem Grafen vorzutragen. Diese Supplic, die an den Grafen selbst gerichtet ist, besagt das Gleiche wie das vorige Schreiben. Außerdem wird darauf hingewiesen, daß„der altiste und nähigste lehensfolger Freyh. Jean Conrad von Strünckede auch annoch minderjährig und in kurtzer Zeit ohngefehr in Zweyen jahren zur großjährigkeit gelanget". Als Richter und Bedienter des Hauses Strünkede bitte er daher, bis zur Großjährigkeit des jungen Freiherrn Aufschub zu gewähren, sonst aber einen neuen geeigneten Termin zu bestimmen. Nach einer Notiz von anderer Hand unter diesem Schreiben des Richters Morsaeus ist der zweijährige Aufschub erteilt worden. Auf der„Reile nacher Engelland“ Nach Ablauf der zwei Jahre, am 30. September 1695, schreibt Rütger Dietrich Morsaeus') von Strünkede aus erneut an„Monsieur le Docteur Nies Conseiller de Monseigneur le Comte de Limbourg" und teilt ihm mit, daß der Freiherr Johann Conrad von Strünkede durch eine„ohnvermuthliche Reise nacher Engelland und sonst verhindert worden“ sei, zur Lehnserneuerung zu erscheinen. Man wisse auch nicht, wann diese Reise beendet sein werde. Er bitte daher, beim Grafen dafür einzutreten, daß bis zur Rückkehr Aufschub gewährt werde. Wenn man ihn auf 1½ bis 2 Jahre bemesse, zweifele er nicht, daß der Freiherr sich dann in Limburg einfinden werde. An den Grafen schreibt Morsaeus gleichzeitig in demselben Sinne, nur erwähnt er nichts von den 1½ bis 2 Jahren. In diesem Schreiben heißt es, der Freiherr sei„auf der Reise in Engelland oder sonst annoch Begrieffen". Es hat indes kein Jahr mehr gedauert, bis die Belehnung zustande kam. Am 7. Mai 1696 hat Jo hann Conrad von Strünkede seinem Richter Rütger Dietrich Morsaeus eine Vollmacht") ausgestellt, an dem auf den 15. Mai festgesetzten Termin den Hof Ummingen, der von seinem verstorbenen Vater, dem Freiherrn Gottfried von Strünkede, auf ihn als ältesten hinterlassenen Lehnserben devolviert sei, zu empfangen. Von der stattgesundenen Belehnung zeugt die Reversalurkunde des Rütger Dietrich Morsaeus½, datiert Limburg, den 15. Mai 1696, in der er bekennt, vom Grafen Friedrich Mauritz in Behuf seines Herrn mit dem„Erb und Hoff ümming belehnt worden zu sein. (Fortsetzung folgt.) Dr. L. Reiners. ) Im Juli 1632 war General Pappenheim vor Dortmund erschienen, das er beschoß und besetzte. Am 16. 11. 1632 ist er in der Schlacht bei Lützen tödlich verletzt worden, seine Reiter haben aber die Mark noch länger gebrandschatzt. 1634 haben sie in Eickel die Kirche geplündert. *) Daß das Strünkeder Archiv in Kriegsgefahr öfter fortgebracht worden ist(z. B. nach Münster), dafür haben wir früher schon Belege aus dem Styrumer Archiv erbracht ) G e m e i n t i s t o f f e n b a r S a u m u r, d i e A r o n d i s s e m e n t s Hauptstadt im Departement Maine=et=Loire, an der Loire gelegen. *) An späterer Stelle des Brieses wird von„von diesen ganz beschwerlichen Zeiten und verwirrten zustandt, worinnen Steinfurt eine Zeit lang begriffen gewesen“, gesprochen ) S c h l o ß R h e d a, A r c h i v L i m b u r g, U r k u n d e n N r. 7 1 0. *) e b e n d a N r. 7 1 1. *) Ein Gerichtssiegel besaß das Gericht Strünkede nicht. Urkunden besiegelte der jeweilige Richter mit seinem eigenen Siegel. Johann Roßteuscher war nicht der erste Strünkeder Richter nach der Neueinrichtung des Gerichts. ) S e i n S i e g e l, d a s d e m B r i e f e a u f g e d r ü c k t i s t, z e i g t d r e i 2:1 gestellte Herzen, über jedem steht ein lateinischer Buchstabe, über den beiden oberen Herzen K und 0, über dem unteren M. *) Schloß Rheda, Archio Limburg, Urkunden Nr. 838. **) ebenda, Nr. 839. hinter dem Kans Neuer Aus Reaue vorsehauen bel Mora.Verlas, Beriin N 38— Sehhe W (1. Fortsetzung) „Von meinem nächsten Gemälde...“ .. oder deinem nächsten Schlager...“ „.. bekommst du es mit Zins und Zinseozins zurück!“ Axel Merk holte seine Geldbörse, die nicht besonders dick war, aus der Tasche, öffnete sie und entnahm ihr ein Fünfmarkstück. „Die Hälfte genügt auch!“ Bimme ließ wieder einen seiner komischen Seufzer vom Stapel. „Daß einem das Leben immer nur die Hälfte von dem gibt, was man erhofft!“ „Für dich Faulpelz noch viel zu viel!“ „Faulpelz hat er gesagt!“ schüttelte Bimme bekümmert sein rundes Haupt.„Und dabei sitze ich Tag und Nacht vor der Staffelei und suchst nach einer neuen Melodie, ich weiß! So... und nun mach, daß du hinauskommst, ich will arbeiten! Zur Vermeidung irgendwelcher Mißverständnisse nochmals in aller Deutlichkeit: Die Bestätigung deiner künstlichen Neigungen suche lieber auf einem anderen Gebiet als dem der Belästigung meiner Sekretärin!“ „Schrecklich, schrecklich... nicht einmal seiner Liebe darf man irgend einen Ausdruck verleihen!" Axel Merks Blick fiel auf die verdeckte Schreibmaschine. „Und Fräulein Stein ist einfach fortgegangen?“ „Einfach fortgegangen!“ bestätigte Bimme. *„ U n b e g r e i f l i c h! W i e k a n n s i e w ä h r e n d d e r A r b e i t s keit gehen? Wozu bezahle ich ihr das Gehalt.. „Du meinst, wozu bleibe ich es ihr schuldig?“ *„ U n t e r l a ß d i e s e d u m m e n B e m e r k u n g e n! S a g' m i r sleber, wo die Birkenstraße ist.“ „Ausgerechnet Birkenstraße. Weiter nichts?" Was hast du in der Birkenstraße verloren?" Arel Merk war schon wieder etwas gereizt. „Verstehst du denn nicht?“ □##ee *„In der Birkenstraße wohnt Fräulein Stein. Ich muß Fräulein Stein heute noch unbedingt erreichen, da mir eine Idee auf den Nägeln brennt! Ich muß noch arbeiten!“ Junge. Junge, hast du es aber eilig! Ich rate dir, nimm ein Taxi und laß dich hinbringen!“ „So weit ist es?“ „Gar nicht weit ist es! Wenn du die Beine in die Hand nimmst, kannst du in zwanzig Minuten bequem dort sein!“ A#rel Merk öffnete die Tür und schob Bimme hinaus. „Du hast mir noch immer nicht gesagt, was du in der Birkenstraße willst. Axel!“ Merk stülpte ärgerlich den Hut auf. „Was bleibt mir weiter übrig... mein Fräulein Sekretärin fragt nicht danach, ob es Arbeit gibt oder nicht, sie geht einfach nach Hause. Da ich mich nicht selbst an die Maschine setzen kann, muß ich sie holen. Ein Skandal ist das!“ Bimme machte ein mitleidiges Gesicht. *„Ein armer Mensch bist du!“ „Unterlaß das! Seit anderthalb Jahren ist sie bei mir... aber das hat sie bis heute noch nie getan!“ „Mir hat sie, seit ich sie kenne, auch noch nie eine Ohrfeige gegeben, Axel! Das sind so Ueberraschungen, die man mit den Frauen erleben kann!“ Vor der Haustür verabschiedeten sie sich. „Grüß sie von mir.“ sagte Bimme,„und verkünde ihr, daß ich ihr die mir verabreichte Ohrfeige großmürig verzeihe! Leider kann ich dich nicht begleiten... ich habe seit gestern mittag kein Mittagbrot gegessen und muß sehen, wo es etwas für meinen Kadaver gibt!“ Axel Merk ging bis zur Königstraße. In seinen Gedanken herrschte einiges Durcheinander. Sie beschäftigten sich mit dem neuen Romanstoff, gestalteten schon die ersten Sätze, ordneten den Aufbau— und sprangen urvlötzlich zu Hilde Stein hinüber. War wirklich unerhört von dem Mädel! Gina einfach nach Hause, ohne sich um ihn zu kümmern! Wie oft hatte sie es schon erlebt, daß er eine Stunde lang spazieren ging und dann voller Ideen und Einfälle zurückkehrte! Er blieb stehen. Hier war die Königstraße zu Ende. Ein Mann kam vorüber, den er nach der Birkenstraße fragte. Der erklärte ihm umständlich und höchst unklar, wie er zu gehen habe. Arel Merk bog in die schmale Gasse ein, die ihm der Mann bezeichnet hatte und stand an ihrem Ende auf einmal am Rande eines Platzes, dessen Umgebung er erstaunt betrachtete. Donnerwetter! Diese Gegend war ihm fremd... nie, so lange er in der Stadt wohnte, hatte er etwas in diesen Gäßchen zu tun. Und doch kam ihm dieser Platz irgendwie vertraut vor. Die alten Häuschen mit den Giebeldächern * Und dort der merkwürdige Torbogen, der zwei Häuschen miteinander verband... Wo Plötzlich wußte Axel Merk. woher er diesen Platz kannte: Der Fremde heute vormittag in der Bodega hatte ihn so ausführlich beschrieben, daß man ihn unbedingt wiedererkennen mußte. Der Torbogen Eine seltsame Erregung bemächtigte sich Axel. Er überquerte den Platz, durchschritt den Torbogen und stand links vor einem Hause, auf das die Beschreibung des Fremden haargenau zutraf. Das war doch eigenartig... da befand sich ja auch der Uhrmacherladen mit dem schmalen, verstaubten Schaufenster! Arel Merks Blick überflog die Front des alten Hauses Eine so genaue Uebereinstimmung der Schilderung des Fremden mit der Wirklichkeit konnte dech unmöglich ein Zufall sein! Er mußte auf jeden Fall an diesen Torbogen, an dieses Haus mit dem Uhrmacherladen gedacht haben, als er die Gegend beschrieb. Axel Merks Phantasie begann zu arbeiten. Jäh stiegen Zusammenhänge in ihm auf. erfüllten ihn mit einer Ahnung. die Katastrophen witterte „Die Geschichte hat noch gar nicht angefangen!“ hatte der Fremde in einem seltsamen Ton gesagt, als er die Bodega verließ. Wie war das gemeint? Solln Arel Merk betrat in einem plötzlichen Entschluß das Uhrmachergeschäft Die Tür knarrte quietschend, als sei sie jahrelang nicht geölt worden. In Halbdunkel getaucht war der Verkaufsraum. Hinter dem Ladentisch— einem alten von Holzwürmern zerfressenen Tisch— entdeckte Axel Merk die hagere, gekrümmte Gestalt eines alten Mannes, der langsam den Kopf hob und Axel Merk aus tiefliegenden Augen anschaute Ein eingefallenes. gelbliches Gesicht, von einem schmutzig=weihen Bart umrahmt. Es war Axel Merk. als falle sein Blick auf ein längst erloschenes Leben Er konnte nicht feststellen, wie alt der Mann war. der sich jetzt langsam erhob... das Gesicht hätte einem Hundertfährigen gehören können, so zerknittert. vergibt, zergerbt wirkte es.. 2 Was darf's sein?" fragte eine krächzende Stimme, und aus den tiefliegenden Augen traf Axel Merk unter buschigen. weißen Brauen hervor ein forschender Blick. Der Schriftsteller stand eine Sekunde lang unschlüssig Dann holte er— als falle ihm wieder ein, was er Dann 22148 e—.. 2.1.2 Uhr aus der Westentesche Eigenrrich Ai. Wo.....„ A Bur nur Fr.—., Sehen Sie doch einmal nach, was mit der Uhr los aste. er un... gse sich, Jeiper,„Stimge, einen ich mich überhaupt nicht mehr auf sie verlassen. Mal rennt sie, wie vom Teufel besessen, und dann bleibt sie wieder stehen und ist nicht in Gang zu bringen!“ Der alte Uhrmacher nahm die Uhr in seine lange, magere Hand und betrachtete sie von allen Seiten, als könne er von außen schon feststellen, was daran set. Dann legte er sie wieder auf den Tisch zurück. „Sie müßten sie mal einen Tag hierlassen, damit ich das Werk beobachten kann,“ meinte er nach einer Weile. Axel Merk nickte. Ihm war es gleich, was im Augenblick mit der Uhr geschah. Sein Vorstoß hier hatte ja einen ganz anderen Zweck „Haben Sie Ihr Geschäft hier schon lange?“ fragte er nach einer kleinen Pause. Scheinbar so ganz nebenbei, wie man eben so etwas fragt Der Alte blickte zu Axel Merk auf. Hüstelte ein wenig und nickte. „Das kann man wohl sagen... so an die vierzig Jahre werden es her sein! Genau weiß ich es nicht mehr... läßt sich ja denken, nicht wahr?“ „Natürlich, natürlich.“ gab Axel Merk zu.„Mir fiel nur ein, früher kannte ich einmal einen Menschen, der hier in diesem Hause wohnte. Es ist schon lange her, zehn Jahre ungefähr. Der Mann stand im Aufe eines Sonderlings und hieß.. warten Sie mal, wie hieß er doch gleich? Ach ja... Westen...“ Der Alte hatte sich wieder auf seinen Schemel niedergelassen, ein Vergrößerungsglas in die Augenhöhle geklemmt und untersuchte ein Uhrwerk. Sie meinen sicher Herrn Norden,“ kam es von seinen Lippen. ohne daß er den Kopf von seiner Arbeit hob. „Norden! Stimmt!“ lachte Axel Merk.„Ich wußte doch, daß er irgendetwas mit einer Himmelsrichtung war! Axel Merk war totenbleich geworden bei dem unerwarteten Anblick. Entsetzen kroch in ihm empor. Sein Blick umsaßte noch eine Blutlache.. erfaßte geöffnete Schubkästen, auf dem Boden verstreut liegende Papiere und Wäschestücke. Dann wandte er sich um und rannte davon. Schlug die Wohnungstür hinter sich zu und lief die Treppe hinunter, stieß die Tür auf— und prallte gegen eine Frau, die das Haus betreten wollte. Er dachte nicht daran, sich zu entschuldigen. Das Entsetzen war so tief in ihm, daß er nur einen Gedanken fassen konnte: Fort... so rasch als möglich fort! Er lief durch den Torbogen, überquerte den Platz, bog in die schmale Gasse ein, die zur Königstraße führte, und blieb hier erst ausatmend stehen. Sah sich um, als fürchte er, verfolgt zu werden sah Menschen, die gleichgültig an ihm vorbeigingen und sich nicht um ihn kümmerten. Kam allmählich zu sich. „Ich benehme mich ja, als hätte ich ein schlechtes Gewissen! Und dabei habe ich doch mit der Sache nicht das geringste zu tun!“ dachte er und setzte sich wieder in Bewegung. Schritt langsamer jetzt und versuchte seine Gedanken in Ordnung zu bringen. Was war da geschehen? Er hatte einen Toten gesehen, einen Mann, der offensichtlich ermordet worden war, Ermordet von... Ja, war das denn möglich, daß temand einem anderen die Geschichte eines Mordes erzählte, der erst nach der Erzählung Tatsache werden würde? Oder.. oder war der Mord schon geschehen, als der Fremde in der Bodega die Sache erzählte? Norden natürlich! Wohnt er noch immer in der Gegend?“ „Er wohnt hier im Hause, ja! Genau so lange fast wie ich, vierzig Jahre ungefähr! Aber er empfängt keine Besuche, seit Jahren schon nicht!“ „Ich habe auch gar nicht die Absicht, ihn zu besuchen!“ meinte Axel Merk.„Mir fiel das nur gerade ein. Also, bis morgen!“ Er verließ das Uhrmachergeschäft, stand eine Minute lang auf der Straße und versuchte, ein klares Bild zu gewinnen. Eigenartig war das alles Da saß in einer kleinen Weinkneipe ein Mann. den er nie zuvor in seinem Leben sah, und dieser Mann erzählte ihm die Geschichte eines Mordes an einem Sonderling, erzählte die Nebenumstände dieser Geschichte so anschaulich, als stehe er irgendwie im Zusammenhang mit ihnen... Wie war das doch? Der Mann leitete ihre Bekanntschaft mit eigentümlichen Bemerkungen ein, die auf einen Selbstmordkandidaten schließen ließen. Der Sonderling aber, von dem er erzählte, existierte wirklich: Kein Zweifel, dieser Westen und der Norden. der hier wohnte, waren ein und dieselbe Person! Axel Merks Blick fiel auf den Hauseingang. Ein Gedanke kam ihm. „Ich muß doch einmal nachsehen.“ Und bevor er diesen Gedanken vollendete, betrat er schon das Haus. Ein ziemlich dunkler Treppenaufgang. ein mit schmutzigen Fliesen belegter Flur. Die Stufen knarrten vor Altersschwäche. „Im ersten oder zweiten Stock... links von der Treppe.“ Axel Merk hatte das erste Stockwerk erreicht. Seine Augen hatten sich inzwischen an die Dämmerung etwas gewöhnt. Er sah sich um. Eine Tür links von der Treppe. Die Wohnungen des alten Hauses schienen keinen Vorraum zu haben, wie das in solchen alten Häusern häufig der Fall ist. Die Tür war mit einer Klinke versehen, ein Klingelknopf war nirgends zu entdecken. Wer sich bemerkbar machen wollte, mußte klopfen. Arel Merk hätte später nie zu sagen vermocht was ihn bewegte, zu klopfen. Der Unbekannte aus der Bodega und auch der Uhrmacher hatten ihm erklärt, daß Norden, der Sonderling, keine Besuche empfing. Es war eigentlich zwecklos, es zu versuchen. Hinter der Tür blieb alles ruhig. Arel Merk verfügte über den Kardinalfehler aller Schriftsteller: er war ungemein neugierig. Darüber hinaus aber hatte die Geschichte ihn gepackt. Er war entschlossen, ihr auf den Grund zu gehen, zu erforschen, wie weit der Fremde mit seiner Erzählung recht hatte. Er legte die Hand auf die Klinke und drückte sie vorsichtig herab. Zu seinem grenzenlosen Erstaunen gab die Tür nach. Diese Tatsache paßte so gar nicht zu dem Bilde, das sich Arel Merk auf Grund der Schilderungen des Fremden gemacht hatte, daß er einen Augenblick lang zögerte, von der Gelegenheit. in die Wohnung des Sonderlings einzudringen und sich dem Sonderling, der seit Jahren das Haus nicht verließ, vorzustellen. Gebrauch zu machen. Dann aber siegte das Gefühl, daß er durch die Bekanntschaft mit dem alten Manne bestimmt weiteres Material für den Romanstoff. den ihm der Zufall in die Hände spielte, sammeln würde. Er öffnete die Tür und trat ein, Ein schmaler Raum, der als Küche diente nahm ihn auf Gerade gegenüber war eine Tür, die sicher in eines der beiden Zimmer führte, von denen der Fremde gesprochen hatte. Ein Zurück gab es nicht mehr. Axel Merk ging entschlossen auf die Tür zu, klopfte abermals an, erhielt wieder keine Antwort, griff nach der Klinke und drückte sie herab. Auch diese Tür war nicht verschlossen Vorsichtig öffnete er sie. Für eine Sekunde kam Axel Merk das Selisame seines Tuns zum Bewußtsein. Er drang hier einfach in eine remde Wohnung ein, deren Bewohner sich absichtlich von seinen Mitmenschen abschloß, also mit ihnen nichts zu tun haben wollte. Und nun kam plötzlich einer. Ach was! Axel Merk öffnete die Tür und wollte eintreten Blieb mit jähem Schreck auf der Schwelle stehen und unterdrückte mit Mübe einen Schreckensschrei. Da... mitten in dem nicht zu großen Zimmer lag ein Mensch. Lag mit dem Gesicht nach unten und rührte 54 iE. Im Gehirn Axel Merks flutete alles durcheinander. Erzählen konnte von der Geschichte doch nur jemand etwas, der um den Mord wußte oder der die Absicht hatte... Es gab nur eine Lösung: Der Fremde, der ihm heute morgen in der Bodega in so auffallend einprägsamer Form eine„Romanidee“ geben wollte, war der Mörder des alten Sonderlings! Der Schreck saß Axel Merk noch in den Knochen, als er seine Wohnung erreichte. Aber aus diesem Schreck wuchs fast so etwas wie Fieder. Es war wirklich eine Romanidee, die das Leben schrieb! Merks Hirn arbeitete ununterbrochen, er fand Konflikte, fand Zusammenhänge, Verwicklungen, die nach Gestaltung schrien. Das mußte geschrieben werden! Und zwar sofort! Jetzt auf der Stelle mußte er es schreiben. so lange er noch unter dem Eindruck des Geschehens stand! Hilde Stein war nicht da, war auch nicht zu erreichen. Also würde er es selbst niederschreiben, so wie es sich in ihm formte. A#el Merk nahm sich kaum Zeit, Hut und Mantel abzuwerfen. Und saß wenige Minuten später schon am Schreibtisch und schrieb... und schrieb... Die Geschichte eines Mordes, den er erlebte! Drittes Kapitel. Kriminalkommissar Haberland fuhr mit dem Taschentuch über die kugelrunde Glatze, stopfte das Tuch achtlos wieder in die Hosentasche zurück, die Asche von seiner Zigarre streichend, und wandte sich dann an den an der Tür stehenden Kriminalassistenten. „'ne einfache Sache, was, Stobbe? Raubmord und zwar einer, bei dem der Täter ganz gehörig aufräumte. Was gestohlen wurde läßt sich vorläufig nicht annähernd feststellen, da niemand weiß, was der alte Norden alles in seiner Wohnung verbarg.“ „Es wird'ne ganze Masse gewesen sein!“ drummte Stobbe.„Die alte Aufwartefrau behauptet doch, daß Norden furchtbar reich war und seinen ganzen Reichtum in seiner Wohnung aufbewahrte. Mir unbegreiflich, wie semand Geld in seiner Wohnung verstecken kann!" „So etwas gibt es noch. Stobde!“ lächelte Haberland. „Wenn einer schon über siebzig ist, hängt er besonders zähe am Leben und an irdischen Gütern! Sie sehen ja, was er alles im Nebenzimmer aufgestapelt hat. Wertvolle Kunstschätze neben altem, wertlosem Gerümpel! Ist an sich aber vorläufig unwichtig zu wissen, wieviel gestohlen wurde. Die Hauptsache: es wurde etwas gestohlen! Unsere Aufgabe ist es nun, den Mörder zu finden!“ „Sie brauchen nur den jungen Mann zu finden, der heute nachmittag, wie Frau Mielke behauptet, wie ein Verrückter aus dem Hause gestürmt kam. sie fast umrannte und so schnell verschwand, daß sie gar nicht zur Besinnung kam. Der und der Raubmörder sind meines Erachtens ein und dieselbe Person!“ Kriminalkommissar Haberland stand mit dem Rücken am Fenster, das er mit seiner breiten, massigen Gestalt fast verdeckte. Sein Blick wanderte durch das Zimmer. in dessen Mitte ein dunkler Fleck die Stelle anzeigte, an der vor einer Stunde noch der Tote gelegen hatte. Haberland und Stobbe hatten in dem Zimmer schon ein bißchen Ordnung geschaffen. nachdem der Arzt mit seiner Untersuchung fertig gewesen war und der Photograph seine Aufnahmen beendet hatte. Sie hatten die auf dem Boden verstreut liegenden Wäschestücke und Papiere. die der Täter in fliegender Hast aus den Schubsächern berausgeschleudert hatte gesammelt, hatten alles genau abgesucht, ohne jedoch eine Spur zu finden, die ihnen einen Hinweis auf die Person des Mörders hätte geben können. Haberland trommelte wieder, wie es seine Gewohnheit war, mit dem Zeigefinger auf dem Deckblatt seiner Zigarre herum, daß die Asche in feinen, grauen Stäudchen zu Boden rieselte. „Tja... den Mann müssen wir finden!" wiederholte er die Worte seines Assistenten.„Leider war Frau Mielke durch den Zusammenstoß mit ihm so erschrocken. daß sie sich den Kerl nicht einmal angeschaut hatte! Damit, daß er ziemlich groß und schlank ist, läßt sich nicht ansangen.“ „Wir müssen sehen, Herr Kommissar, daß wir mehr Leute finden, die ihn gesehen haben. Sein auffälliges Benehmen auf der Flucht wird sicher auch andere auf ihn aufmerksam gemacht haben“ Na schön vorläuftg haben mir hier nichts mehr zu suchen!“ nickte paverlano.„Gehen wir also! Die Wohnung wird versiegelt, Stobbe!“ Der Kommissar verließ das Mordzimmer und trat in den Vorraum, der als Küche diente. Frau Mielke, die am Rüchentisch gesessen hatte, erhob sich schnell, fuhr mit dem Zipfel der blauen Schürze, die sie trug, über die Augen und sah den Kommissar an. „Ja... und... und. Herr Kommissar, was wird denn nun aus mir?" schluchzte sie. Haberlands Blick glitt über die kleine, dickliche Frauengestalt, deren ganze Haltung Ratlosigkeit verriet. „Wie meinen Sie das, Frau Mielke?“ „Ich meine man... ich habe doch nun die schöne Stelle hier verloren, neun Jahre lang habe ich sie gehabt. Geerbt habe ich sie gewissermaßen. Damals, als die Meiern krank wurde und nicht mehr hergehen konnte, hat sie mich geschickt und hat dem alten Norden einen schönen Gruß bestellt und ihm sagen lassen, falls sie nicht wieder gesund würde, sollte ich ihre Arbeit übernehmen. Na, und dann ist die Meiern ja auch richtig gestorden und Haberland winkte ab „Damit müssen Sie sich abfinden, Frau Mielke!“ sagte er lächelnd.„Es währt nichts ewig auf der Welt. Sie werden schon was anderes finden. Aber noch eins, Sie erzählten mir da etwas von einem Nessen des Toten. Wissen Sie bestimmt, daß dieser Nesse in Brasilien ist?“ Frau Mielke nickte eifrig. „Freilich weiß ich das! Er hat doch immer geschrieben von da aus. Warten Sie mal. aus Sao Paulo, ja! Bloß der Alte hat die Briefe nie aufgemacht, sondern sie, wie ste kamen, ungelesen in den Ofen gesteckt.“ „Und wie oft kam so ein Brief?“ „Nicht oft... alle Viertel= oder Halbjahr mal Manchmal sagte ich mir: Nun muß der arme Junge doch bald merken, daß der Alte nischt von ihm wissen will, wenn er nie Antwort bekommt.“ „Erinnern Sie sich noch, wann der letzte Brief kam?“ „Das kann so ungefähr vier, fünf Monate her sein!“ „Und wie hiel der Neffe?“ „Das stand doch immer hinten auf dem Umschlag!“ „Ich habe so einen Umschlag leider nie zu Gesicht bekommen, liebe Frau Mielke!“ Ach so, stimmt ja, einen seinen Namen hatte er Ernst Heimdall!“ „Und Herr Norden ist in den letzten Jahren wirklich nie auf die Straße gegangen?“ „Nie!“ erklärte Frau Mielke bestimmt.„Was er zum Essen brauchte, besorgte ich ihm.“ „Und Besuche empfing er auch nicht?“ „Nee!“ „Und wie war das, weshalb kamen Sie heute später als gewöhnlich?“ „Ich hab's Ihnen doch schon gesagt: Ich mußte heute morgen zur Wohlfahrt. So ne arme, alte Frau will doch schließlich auch mal'n paar Kartoffeln und'n paar Zentner Kohlen haben.“ „Natürlich! Na, da kommen Sie, Frau Mielke Gehen Sie nach Hause, wenn ich Sie noch mal brauche, lasse ich Sie rusen!“ Mit einem Seufzer wandte sich Frau Mielke der Tür zu. Haberland ließ sie vorbei. Sie blieb auf dem Flur stehen, um zu sehen, was die Kriminalbeamten nun noch tun würden. Als Haberland ihr einen Wink gab, sich zu entfernen, stieg sie langsam und zögernd die Treppen hinunter. Stobbe verschloß die Wohnung. „Diesen Reffen muß man sich einmal näher betrachten" meinte Haberland.„Wenn der Tote nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, muß das ja seinen Grund gehabt haben!“ Stobbe legte kunstgerecht die Siegel an. „Es soll schon vorgekommen sein,“ antwortete er.„daß Neffen ihrem reichen Onkel den Schädel einschlugen..“ „... So wie er dem Toten dort eingeschlagen wurde!" „Nur, wenn er in Sao Paulo sitzt...“ Das muß eben festgestellt werden, ob er noch dort sitzt!“ Die beiden Männer stiegen Seite an Seite die Treppe hinab. Traten auf die Straße hinaus, auf der der Wagen Haberlands stand. Die Nachricht von dem Verbrechen hatte sich blitzschnell in der Schwertsegergasse verbreitet. Menschen standen umher. tauschten ihre Ansichten aus, diskutierten in kleinen Gruppen über den Reichtum des Ermordeten, stellten Betrachtungen an über den Täter. die ein so reichhaltiges Material zeigten, daß die Polizei, hätte sie diesen Mutmaßungen nachgehen wollen, binnen einer Stunde ein Dutzend Mörder hätte festsetzen können. Das Erscheinen der beiden Kriminalbeamten ließ das Gemurmel sekundenlang verstummen. Alles blickte gespannt zu ihnen hinüber, als könnten sie aus den Mienen der beiden Beamten alle Geheimnisse erkennen, die den Fall umgaben. Und in diese Stille hinein platzte eine laute, aufgeregte Frauenstimme: „Herr Kommissar, Herr Bergmann kennt den Mörder! Er hat ihn gesehen und...“ Haberland sah Frau Mielke, die ihn mit diesem Ausruf übersiel, an. Sein Blick ging über sie hinweg zu einem mageren, kleinen Mann mit altem, zerknittertem Gesicht und schmutzigweißem Bart. „Wer ist Herr Bergmann?“ unterbrach er die Frau Sie wandte sich um und deutete auf den alten Mann. „Der Uhrmacher hier im Hause! Er sagte mir eben..“ Haberland ging auf Bergmann zu. „Sie kennen den Täter?“ Der Alte nickte aufgeregt und eifrig. „Ja, heute nachmittag hat.. „Augenblick!“ Die Menschen rückten bedrohlich näher sie alle wollten hören, was der alte Uhrmacher zu erzählen wußte.„Kommen Sie in Ihr Geschäft.“ fuhr Haberland fort.„Dort können Sie mir in Ruhe er zählen, was Sie wissen.“ Sie betraten den Laden. Frau Mielke wollte zurück bleiben und sich in die Menge stürzen, um dort allen, die es wissen wollten, die interessante Nachricht zu erzählen. Aber der Kommissar winkte ihr zu, mit in das Geschäft zu kommen. Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, wandte sich Haberland an den Uhrmacher. „So... nun beginnen Sie!“ Die krächzende Stimme des Greises hatte etwas Triumphierendes. „Da gibt's nicht viel zu erzählen. Herr Kommissar!“ Er griff mit seiner hageren Hand unter den Ladentisch und brachte eine Uhr zum Vorschein. Legte sie auf den und blickte den Kommissar fast herausfordernd an: „Die gehört dem Mörder!“ Haberland nahm die Uhr in die Hand und betrachtete sle. Es war eine flache, goldene Herrenuhr. Hübsch gearbeitet, ein nicht gerade wertvolles, aber gutes Stück. Er klappte den Deckel auf Sein Blick siel auf eine Gravierung im Innern des Deckels:„Axel Merk“. Haberland zog die Stirn kraus. Axel Merk? Den Namen hatte er doch irgendwie schon einmal gehöct. Oder gelesen? Arel Merk? Plötzlich siel es ihm ein: Arel Merk war der Name eines Schriftstellers. Wie kommen Sie zu der Uhr. Herr Bergmann?" Der Alte schnarrte los, wie aufgedreht: „Heute nachmittag kam ein Herr in mein Geschäft, den ich noch nie hier gesehen hatte. Ein gutgekleideter Herr lage ich Ihnen! Und der gab mir die Uhr da. Sollte was nicht in Ordnung sein meinte er. Aber die Uhr ist in Ordnung! Sie geht aus die Minute.“ „Na und?“ perr benahm sich ziemlich komisch... mir siel es gleich auf: Mit der Uhr ist alles in Ordnung dachte ich mir. ader mit ihm nicht... mit ihm ganz bestimmt nicht! „Woraus schlossen Sie das?“ (Fortsetzungfolgt. * Jllustrierte Unterhaltungs-Beilage des Herner Anzeigers Kamerad Horst Hermann J. Theißen. In der Reihe der ungewöhnlichen Freundschaften, die m schließen ich die Freude hatte,— solche mit Greisen ind Kindern, mit Stromern und Tieren und was weiß ch alles— nimmt die jüngste einen ganz besonderen Platz ein, und obwohl sie gar nicht die Voraussetzung iner richtigen Freundschaft in sich barg, bat mich kaum ine andere Bewegung so herzlich angerührt wie diese. Und das kam so: Ich stand am Gitter des Stromufers und sah dem Wellenspiel und den Schiffen zu. Im Filigranwerk des Bruckenbogens ging der erste Stern auf, darüber chwebte die Lichtgondel des zunehmenden Mondes, Musik schwebte aus der Ferne herüber, just der rechte Hintergrund für ganz Glückliche oder sehr Ungluckliche. In der Tat, wenn ich, die Illienen der Leute zu erpähen, mich rechts oder links drehte, traf ich fast nur auf glänzende oder in wesenlose Fernen gerichtete Augen; zelangweilt wollte ich gerade weitergehen, als mich ein sonderbarer Laut, ein geseufzter Hauch amvehte, der mich stehenbleiben und aufschauen hieß. Ieben mir stand versunken und doch das Gesicht voller Trotz, ein auf geschossener junger Bursche mit strohaelber Mähne, der sich, dem Rucksack und den schweren(Schuben nach, auf Wanderfahrt befinden mochte. Doch sah ich keinen Gefährten, und er selbst schien einen solchen nicht zu vermissen, obzwar sein unwilliger und manchmal umherspähender Blick wie auf heimlicher Suche war. Irgeno ein Widerspruch, etwas seinem Wesen Feindliches lag auf ihm. „Na, Kamerad, wohin die Reise?“ fragte ich ihn. Er fuhr zusammen und sah mich prüfend an. „Nach...“ Er suchte nach Worten, doch aufsteigende Verwirrung hinderte ihn sehr. So konnte er nur die Schultern hochziehen. „Und woher kommst du?“ „Ich... von... hier.“ Wenn ein Junge mit einem vollen Rucksack niche weiß oder wissen will, wohin die Reise geht, wenn er angeblich hier in der Stadt wohnt und dazu am Rhein ufer steht wie weiland Napoleon auf Elba, so oarf man zehn gegen eins wetten, daß da erwas faul ist. So schleß ich. „Kohldampf?“, fragte ich, denn er unterdrückte ein Gähnen. Darauf sagte er weder ja noch nein, aber ich sah ihn unruhig werden. „Iun komm schon, ich wohne in der Nähe, und ein Butterbrot habe ich noch übrig.“ Er sah mich an, als sei ich ein überirdisches Wesen, und es dauerte lange, bis er sich mitzugeben entschloß. Aber dann sagte er auf einmal:„Ich heiße Horst. Darf ich du zu dir sagen?" Diesmal stutzte ich. Jugend ist verschwenderisch und voreilig mit Freundschaftsgefühlen, das wußte ich, aber ich war fast doppelt so alt wie er, hätte also fast sein Vater sein können.„Wenn du auch einige Jahre älter bist, das ist nicht wichtig. Ich glaube, daß du ein guter Kamerad bist.“ Ich muß gestehen, Horsts Freimut und sein Vertranen taten mir wohl. Das Unterschiedliche unserer äußeren Verhältnisse, das er und auch ich zu übersehen trachtete, bildete also nach unser beider Dafürbalten kein Hindernis für eine Freundschaft. Horst aß in meiner Stube ein Butterbrot, und ein zweites und drittes dazu. Und das mit einer Gier, daß ich mich versucht fühlte, eine weitere Iasche an dem Netz jener Ahnungen zu knüpfen, die fast schon Gewißheit waren. „Du hast wohl eine weite Fahrt vor?“ „Aeh... äb... Hamburg." „Und ganz allein?“ „Ja. Das heißt,— es ist möglich— ich weiß noch nicht.“ „Wissen deine Eltern, daß du auf Fahrt bist?“ „Aber klar!“ sagte Horst laut und schnell. „Und wie kommt es, daß ou noch nicht unterwegs bist, es ist doch gleich Nacht?". Darauf wußte er keine Antioort.„Na dann, Kamerad“, streckte ich ihm die Hand hin,„dann sieh zu, daß du dich weiter durch schwindelst. Viel Vergnügen und auf Wiedersehen!" Draußen trennten wir uns. Ich ging in ein Gasthaus, traf Bekannte dort und hatte Horst balo vergessen. Es war schon spät, als ich heimzugeben beschloß. Beim, Aufschließen der Haustür hörte ich jemand auf mich zukommen, ich drehte mich um und erkannte Horst, der vor Kälte zitterte. „Du hast mich erwartet?" „Ja— das heißt, ich wollte dir noch danken, und— ich habe dich vorhin belogen, das mit Hamburg, und — und—“ „Und deine Eltern wissen von nichts, und du hast weder Gelo noch Papiere, und du bist ausgekuiffen! Stimmts Und nuch nennst du Kamerad und hast nicht für zwei Pfennig Vertrauen zu mir!“ Horst sah zur Seite, als ich aussprach, was zu verbergen er sich bemüht hatte. Dann tastete em langer Blick über mein Gesicht. Tränen stiegen ihm auf, er biß sich auf die Lippen. Ich nahm ihn zum zweitenmal unt in meine Stube, legte ihm die Hand auf die Schulter: „Go, und nun erleichtere dich schon. Hat man dich ungerecht behandelt? Verpfeifen ru ich dich nicht, und Angst brauchst du auch sonst nicht vor mir zu haben, und wenn du magst, kannst du auch bei mir schlafen.“ Da riß es ihn an mich, und als empfände er jetzt erst die Last des Schweigeschmerzes, nachdem er sich ihrer schon halb ledig wußte, ließ er seinen Tränen freien, wilden Lauf.„Sie haben mich geschlagen und an den Haaren gerissen", schluchzte er bitter,„und sie haben mich Nichtsnutz und Spitzbube geschimpft und gesagt, ich solle mich zum Teufel scheren. Aber das sag ich: Die können mich kniefällig anhalten, jetzt ist es ein für allemal aus!“ „Selbstverständlich. Doch was willst ou nun tun?“ „Hm, irgendwas, vielleicht gebe ich über die Grenze, jedenfalls bis ich jetzt frei!“ „IXun, schlafen wir zuerst drüber, bie morgen wird dir wohl erwas eingefallen sein.“ Aber wie kann einem fünfzehnjährigen Brausekopf etwas anderes einfallen als phantastisches Zeug: Berlin, Hamburg. Landstraßenromantik, Italien oder Amerika. Gluck? Ach, oas kommt schon von selbst. Gefahren, Hunger, Elend? Gott, das macht doch das Leben erst reizvoll, und allzu schlimm wird es schon nicht werden. Ich lächelte bei mir, und hätte doch traurig werden mögen wie über ein verlorenes Gut. Horst schlief fest und ruhig, doch ich selbst konnte keinen Schlaf finden, zu plötzlich war aus meinem unbesorgten Tag eine Nacht der Verantwortung geworden. DOenn kennte nicht die Freundschaft des Jungen aus dem Gefühl des Geborgenseins, kettete seine Kameradschaft sich nicht an die Erfahrung des Aelteren? Also durfte ich ihn nicht im Stiche lassen, durfte vor allem nicht eine billige Lösung zu erstreben suchen, die demn Urteil einer stillen Grunde nicht würde standhalten können. Als Horst erwachte, regnete es.„Schlechtes Reisewetter!" begrüßte ich ihn. Er besann sich und sagte: „Was meinst du, was die zu Hause jetzt denken?“ IIkeine Hand beschrieb emen verächtlichen Bogen durch die Luft: „Pah, die werden froh sein, daß sie dich los sind, soviel kenne ich die schon.“ Horst widersprach, freilich wären sie ungerecht gewesen, aber wenn auch, ihr„Scher dich zum Teufel" durfe man deehalb nicht buchstäblich nehmen, denn schließlich sei er doch ihr Kind, ihr einziges sogar. Aha, dachte ich erleichtert, und suchte ihn weiter um zustimmen, was mir auch leidlich gelang, sodaß ich nach einigen Stunden die Wege für seine Umkehr geedner glaubte. Aber, kenne sich einer aus in dem Laborintb einer jugendlich gärenden Geele. Kaum hatte ich mir Horste Einverständnie die vor Schwerz und Freude aufschluchzenden Eltern benachrichtigt, noch war unser Ferngespräch nicht beendigt, da stürmte erneuter Freiheitsdrang— oder was sonst es war— wie eine wuchtige Welle über ihn, seine Lippen trotzten schmal und verbissen wie am Abend vorher, als Himmel und Strom, jene sinnfälligen Abbilder der Ungebundenheit, seinen Vorsatz festigten. Ebe ich mich versah, hatte er den Ranzen ergriffen und war hinausgestürmt; ich saß unschlüssig da, wechselweise angezogen von den beiden Polen Kameradschaft und Gewissenspflicht, bie mir ein vergleichender Gedanke dentlich die Richtung des Handelnwies. Freiheit? Ach, welche Wirrnie wäre da oben wohl ausgebrochen ohne die ordnende Hand der Allmacht, und wieviel Zerstörung würden die Wellen anrichten, hätten nicht Weitblick und Vorsicht ihren ungestümen Lauf in ein steinfestes Dammbett gezwungen. Ich eilte nach draußen, an den Rhein, vorbei an faulenzenden und genießenden Illenschen, deren Blicke und Gedanken wie beladene Schiffe stromab segelten: Horst stand nicht unter ihnen: die Promenade und die zum Bahnhof abbiegende Straße ließen sich, da sie fast inenschenleer waren, gut übersehen: Von Horst nicht eine Spur. Aber, Gott sei dank, ließ das Eisengerüst der Brücke für eine winzige Sekunde den Blick frei auf eine eilig ausschreitende Jünglingsgestalt mit strohgelbem Haar. Als er mich plötzlich neben sich sab, kam Erschrecken und Abwehr, auch ein halbes Lächeln in sein Gesicht, Frühlingsreigen Photo Ludwis Egger (Delke-Mater) Die Moni Gemälde von Karl Haider neir vor Erregung überhöhter Stimme beschwor er mich, ihn ungestört ziehen zu lassen.„Ich kann und mag nicht zurück“, seufzte er. „Das soll mir wurscht sein. Aber: betrachtest du mich immer noch als Kamerad?“ „Ja, und ich danke dir auch für alles Gute.“ „Und du meinst, daß ich dich im Stiche lassen könnte, daß ich dich fangen und ausliefern wollte? Oder glaubst du, daß du mir als dem älteren und erfahreneren Kamneraden trauen kannst, unbedingt vertrauen? Antworte!" Horst schien gleichsam von meiner Stirn, aus meinen Augen die Antwort lesen zu wollen. Endlich sagte er wie aufatmend:„Ja, das glaube ich.“ „Dann geh schon nach Hanse. Denn was du suchst, wirst du dort finden.“ Da riß er Augen und Ilkund auf. „Ja“, wiederholte ich,„Verständuis und Freihe# wirst du dort finden, man muß das nicht immer draußen suchen wollen. Zu Hause ist alles in bester Ordnung, noch mehr, sie haben eingesehen, daß sie ungerecht waren und werden danach handeln. Was übrigens die Freuheit anbelangt: Sie erscheint nur so lange begehrene wert, als man sie zu vermissen glaubt. Ordnung und Pflichtgefühl sind ungleich wertvoller, das darfst ou mie glauben. Und nun: Mach, was du willst, aber mach gut!“ Ich ging zurück. Und nach einer Welle tar Horft das gleiche. Und ich freute mich, wer verständ das nicht, freute# mich von Grund des Herzens, daß ich einem jungen Lebenswanderer einen wahrhaftigen Freundschaftedienst erweisen und ihm, wenn auch nur für eine ganz kurze Otrecke, Stab und Wegweiser sein durfte. Sie sind nur aus dem Beff gefallen Das Leben des Europäers in Zahlen.] Wie oft sind Menschen glücklich?] Die gefährliche Hänslichkeit. Eine Reihe europaischer Statistiker hat sich zusammengetan, um aus den aus den einzelnen europäischen Ländern vorliegenden Zahlen das Leben eines Menschen zu rekonstruieren und seine Wahrscheinlichkeiten des Glücks, der Krankheit, des Erfolges und des Todes in den verschiedenen Arten zu errechnen. IXan ist dabei zu sehr interessanten Resultaten gekommen. Es ware in der Theorie möglich, auszukalkulieren, ob ein Mensch in einem Jahr ein Bankdirektor oder ein kleiner Beamter ist, ob er von einem Auto überfahren wurde oder sehr spät eine Kinderkrankheit bekam. Glücklich?— Unzufrieden? Wird die Durchschnittsebe eines Europäers glücklich? Die Aussichten sind 160:1 zu seinen Gunsten, wenn man unter Glück versteht, daß diese Eben nicht geschieden werden. Oder auch daß die häuslichen Auseinandersetzungen nicht vor die Gerichte oder auch nur in die Polizeistube gezerrt werden. Versteht man darunter aber ein stilles, anhaltendes und beiderseitiges Glück— dann versichern die Statistiker, daß nach fünf Jahren nur ein Haus unter sechzig, d. h. also eine Ehe unter sechzig noch erträglich ist für die beiden Partner, die freilich aus Vernunftsgründen meist zusammenbleiben, sodaß die Ehe noch unter den Begriff der dauerhaften Ehen fällt. Erwarten. Sie in Ihrer Familie ein Baby? Die Aussichten sind sehr hoch, daß alles gut gebt. Vor sechzig Jahren starb jeder zehnte Kind. Heute leben bestimmt unter zwanzig Kindern neunzehn. Und auch für Ilkütter haben sich die Chancen erbeblich gebessert, heil und gesund aus dem Kindbett aufzustehen. Und wenn Sie krank werden— Als Frau hat man mehr Aussichten alt zu werden, denn als Alkann. 315:1 sind die Chancen einer Frau, alter als 85 Jahr zu werden. Fur den Ilkann sind die Möglichkeiten nur 626:1. Bei den Krankheiten brauchen wir uns weniger Sorgen zu machen als einst. Die berühmte Blinddarinentzündung ist nur noch ein Operationsproblem für den Arze. Auch Lungenentzündung und Diphtberie sino Seltenheiten mit Zahlen von 700:1 oder 571:1. Und den Typhue bekommt man mit 13333:1 eigentlich überhaupt nie. Nur mit den Herzkrankheiten ist man sich nicht ganz im klaren. Da wird immer noch eine starke Zunahme verzeichnet. Wenn jemand sagt, die Zeit sei zum Verrückewerden, dann übertreibe er mindestens. Denn es werden gar nicht so viele Illenschen wahnsinnig bie zur Ancteltareise. Wohl aben gibt en##le Halbvarren, on frei umberlaufen. Die Spitze hält hier Irland. Dann kommt Schottland. Auch das Sterben wurde einigermaßen klargestelle. Wir haben alle Aussichten(5.6), ruhig und still im Bett zu sterben, und zwar nach einer vorhergegangenen Krankheit und nachdem wir das mirtlere Alter überschritten haben. Das nennt man dann natürlichen Tod. Hier zeigt sich nun auch die Gefahr der Her## krankheiten. 1•4 sterben wir im Bett an einem Herzleiden, eine Herzschwäche ooer etwas Aehnlichem. Auch im Bert nicht sicher. Es ist eine Illusion, zu behaupten, daß man nirgende# sicherer wäre als im Bert. Ganz im Gegenteil. Allein z. B. in England, das freilich in dieser Hinsicht sehr bohe Ziffern aufweist, sterben alljährlich 80 Menschen, indem sie aus dem Bett fallen! Sie fallen die wenigen zentimeter bis auf den Boden— ziehen sich aber schwere innere Verletzungen zu. Und 430 ersticken im Bett. Hier stellen naturlich die Kinder die höchsten Prozentsätze, und zwar die Kleinkinder, die unter den Kissen keine Luft mehr bekommen. Die Häuslichkeit ist unter allen Umständen eine mindestens so gefährliche Sache wie Verkebrestraße. Unter 12 Kindern, die im Jahre sterben, ist eines, das sich mit Wasser in der Küche verbrüht. Teppiche und bochpolierte Böden, ferner Katzen, die zwischen die Beine laufen, sind die Ursache für viele Unfälle und Todesfälle. Unter den Verkehremitteln sind die Straßenfahrzeuge die gefährlichsten. Es ist sicherer, mit der Bahn oder dem Schiff zu reisen. Millionäre höchst selten. Taß jemand bankrott macht un Leben, kommt vor. Illan spricht manchmal von einer Bankrott=Flut. Aber nach den harten und kalten Zahlen haben wir alle Aussichten, mit einem Geschäft gut durchzukommen. Ewird nur schwer und mit Mkillionenchancen möglich sein, ein Millionar zu werden. Freilich ist es leichter, als z. B. eine Lotterienummer im voraus auszurechnen oder ein Kartenspiel mit allen Trümpfen in die Hand zu bekommen. Aber möglich wäre theoretisch auch das nach der Statistik, wenn man alle Voraussetzungen beschaffen könnte und die Illenschenleben auf der Erde ausreichten um die Kalkulationen zu Ende zu führen. Die Frauen dürfte noch interessieren, daß 999:1 Anesichten bestehen, daß sie am ersten Tag ein neueo Paar Strümpfe zerreißt. Die Frau wird sagen— stimme leider nicht. Aber— wenn die Gratistis bemeist Landen ohne Licht Der Blindslug. ein Wunder dee modernen Luftver kehrs.— Alustische Sianale leiten die Maschine. Regenwolken und Sturm. grauverhangener Himmel und dichte Nebelschwaden über weitem Land! Vor wenigen Jahren noch war bei solchem Wetter jeder Luftverkehr unmöglich, ganz zu schweigen vom Nachtpestdienst! Heute fliegen die dreimotorigen Junkersilugzeuge, die überwiegend den Nachtluftverkehr im europäischen Streckennetz versehen, bei jedem Wetter. Nicht weniger als 8000 Kilometer werden in jeder Nacht allein von den Flugzeugführern der Deutschen Lufthansa auf dem Luftpost=Streckennetz zurückgelegt. Dazu kommen noch Tausende von Kilometer, bei denen Fluggäste auf den Spatabendstrecken das unvergleichliche Erlebnis des Nachtiluges haben. Vor zehn Jahren noch war die Verwendung von Funkgerat bei der Verkehrsfliegerei kaum entwickelt und stieß auf große Schwierigkeiten. Aehnlich wie in den Anfangs zeiten des Luftverkehrs, als durch den Bau der JunkersF 13 dem Luftverkehr der entscheidende Impuls gegeben wurde, flog man nur nach Erdsicht und ließ das Fliegen eben sein, wenn es Petrus einmal nicht wollte. Dennoch unternahm man damals schon die ersten Versuche zur Durchführung von planmäßigen Nachtflügen. Das war im Jahre 1924! Bereits 1926 konnte die Deutsche Lufthansa als erste Luftverkehrs=Gesellschaft der Welt eine Nachtflugstrecke für Personen in Betrieb nehmen und zwar von Berlin nach Königsberg. Günstiges Wetter war allerdings Voraussetzung, da sich der Flug zeugführer nach den in Abständen von etwa 3 bis 15 Ailometer errichteten Leuchtieuern der Streckenbefeuerung richten mußte. Erst nach und nach wurde der Blindilug entwickelt, das Fliegen ohne Sicht, das die Fliegerei vom Wetter fast unabhängig werden ließ. Neue Instrumente, und neues Können der Flugzeugführer waren notwendig. Hinzu kam, daß mit der Ju 52 erstmalig auch eine für den Blindflug ideale Maschine zur Verfügung stand. Im Schiifsverkehr hatte die Fliegerei zwar ein gewisses Vorbild für diese Neuerung im Flugwesen, dort muß ja tage= und wochenlang nur nach Instrumenten ge steuert werden, beim Fliegen aber kommt noch eine Schwierigkeit hinzu. das Flugzeug muß stets in der richtigen Fluglage gehalten werden. Dafür aber ist neben bervorragend guten Blindflugeigenschaften des verwendeten Flugzeuamaterials eine einwandfreie Instrumentierung unerläßliche Voraussetzung. Befehle mit Punkt und Strich. Der Wendezeiger wurde bald das wichtigste Gerät für die Blindfliegerei. Mit seiner Hilfe konnte man die gewollte Fluglage einhalten oder sinngemäß ändern, ohne den Flug zu gefährden. Dazu übernahm man aus der Schiffahrt die Funkveilung, die es ermöglicht, jederzeit den Standort eines Flugzeuges über Grund festzustellen und die Anflugrichtung des Ziel=Flughafens zu ermitteln. Neue Schwierigkeiten galt es zu überwinden, als die Verkehrsluftfahrt sich vor die Notwendigkeit gestellt sab. nicht nur Streckenflüge, sondern auch Landungen bei ungenügender Sicht durchzuführen. Dafür wurde im Jahre 1931 das 33=Verfahren eingeführt, mit dem dann sehr bald samtliche Flugzeugführer. Flugzeugfunker und Funk leiter der Lufthansa in besonderen Kursen, vertraut gemacht wurden.„33“ sind die von der Bodenfunkstation des Flughafens an das Flugzeug durchgegebenen Morseseichen, die die Aufforderung an den Flugzeugführer darstellen, nach unten durch die Wolken durchzustoßen und zu landen. Nach und nach wurde dann ein dem 33=Verfahren angepaßtes mechanisches Landeverjahren entwickelt und durch das„Bakensystem“ festgelegt. Der aus der Schiffjahrt übernommene Ausdruck kennzeichnet die Art der Landung in einem Kurzwellen=Leitstrahl. Wie beim 33= Verjahren wird dem Flugzeug der Weg zum Flughafen zugewiesen. Jetzt bekommt der Flugzeugführer aber seinen genauen Kurs nicht mehr durch besondere Funkveilung. sondern er findet auf dem Leitstrahl seinen Weg zur Landung. Genau 3 Kilometer vor dem Flugbafen erhält der Flugzeugführer das Vorsignal, das ihn auffordert. bis auf eine Höhe von hundert Meter hinabzugehen. Er befindet sich dann auf der Grundlinie der Peilschneise. die im Kopfhörer durch einen gleichmäßigen Summerton markiert wird. Kommt das Flugzeug aus der Anflug richtung nach Backbord, so hört der Führer je nach dem Grad der Abweichung statt des Summertons leise oder stärker Punkte, geht die Abwichung nach Steuerbord. so sind es Striche. Diese akustischen Zeichen sind außerdem auf einem Anzeigegerät an der Schalttafel sichtbar gemacht. 300 Meter vor der Flugplatzgrenze empfängt der Flugzeugführer dann das Hauptsignal. kenntlich an der schnellen Aufeinanderfolge von Punktzeichen und dem kurzen Aufleuchten einer Signallampe. Jetzt heißt es: „Gas wegnehmen und landen!“ Warnleuchter sichern den Flugplatz. Beim Nachtflug spielt— jedenfalls bei sichtigem Wetter— die Flugplatzbeleuchtung eine wesentliche Rolle. Jeder Flugplatz ist nicht nur an den roten Umrandungsjeuern erkenntlich, er ist darüber hinaus durch die Kennzeichnung aller Hindernisse mit Warnlichtern gesichert. Das Flugzeug selbst ist an den Tragflächen entweder mit belleuchtenden Magnesiumjackeln ausgerüstet oder es besitzt, wie die viermotorige Ju 90 Landescheinwerfer, die aus der Tragfläche herausgeklappt werden können. Der Flug durch Nacht und Nebel. allnächtlich oder alltäglich, ist dennoch mehr als etwas Alltägliches: er ist der Sieg über Zeit und Wetter. Es ist schon so. wie einer der bekanntesten englischen Flugzeugführer von den Männern der Lufthansa einmal gesagt hat: sie haben tatsächlich die Nacht zum Tage verwandelt, und man darf wohl hinzufügen, daß sie es konnten, weil die deutsche Industrie ideale Voraussetzungen dafür geschaffen hatte. im Westen gelegene Kloner Drepung allein an die 10 000 Monche, die den lieben langen Tag sich mit nichts anderem beschäftigen, als mit dem Drehen der Gebetsmühle und mit dem Genuß von Tee. Sie trinken täglich oft bis zu 80 Tassen, und zu den Sehenswürdigkeiten dieser religiösen Burgen zählen die riesigen Bottiche, in denen der Tee für das ganze Haus bereitet wird. Man fand eines Tages einen unmündigen Dalai Lama in einem dieser gigantischen Kessel verbrüht auf. Ein Unglückssall? Die dicken Klostermauern wissen wohl zu schweigen. Die Mönche verbringen manchmal Jahrzehnte in ihrem freiwilligen Gefängnis, ohne einen Schritt ins Freie zu tun. Die heilige Formel„Om mani padme hum" begleitei sie durchs ganze Leben. Die Bevölkerung steht mu aberalaubischer Furcht zu diesen heiligen Männern vor Tibet auf, sie unterwirft sich willig dem Druck der aul mächtigen Klöster, bezahlt Steuern und spendet Gelde zum Bau riesiger Gebetsmühlen, die mit Wasserkraf betrieben werden. Wenn im Jahre 1940 die deutsche Tibet. Expedition in die Heimat zurückgekehrt sein wirk werden die Forscher wohl viel von dieser Welt zu erzählen wissen, die, grausam und eigenartig, ihr eigene# Leben lebt nach eigenen Gesetzen und die sich bis heute gegen alle äußeren Kultureinflüsse streng abzuschließen verstand. Die ersten Deutschen in Im Land des Dalai Lama— Geheim nisse hinter tibetanischen Klostermauern. Der unermüdliche Postbote, der mehrmals täglich seinen Packen Briefe und Karten treppauf. treppab seines Zustellungsbezirkes schleppt, konnte natürlich keine Ahnung haben, welches große Ereignis und welchen Wert er in seiner braunen Tasche trug, als er dieser Tage einen Brief, bis zur Hälfte beklebt mit sremden Marken, der Königsberger Universitätssternwarte zustellte. Solche Institute, die rege Verbindungen mit anderen Forschungsstellen unterhalten müssen, erhalten ja viele Schreiben aus dem Ausland, und so wunderte sich der Mann im blauen Rock nur über die acht eigenartigen Wertzeichen auf dem Umschlag, die mit dem Absendeort„Lhasa“ gestempelt waren. Nun. er war der Mann, der den Brief des ersten Deutschen, der den heiligen Boden der Hauptstadt Tibets betreten durfte, nach einer vierzigtägigen Zeise um die halbe Welt dem Empfänger übergab Lhasa heißt nicht umsonst die„Verbotene Stadt“. Nur selten gelingt es einem Europäer, in den 3600 Meter hoch gelegenen, ringsum von himmelragenden Bergen umgebenen„Ort der Götter", wie Lhasa auf tibetanisch heißt, einzudringen. Außer Sven Hedin, der längere Zeit das Geheimnis des Lamaismus an Ort und Stelle studieren konnte, erhielten bisher auf einen gewissen Druck ihres Landes hin nur englische Forscher vom Residenten des tibetanischen Kirchenstaates die Erlaubnis, sich für wenige Tage in Lhasa auszuhalten. Deutsche hatten sich, da sie die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten kannten, noch nicht um eine solche Genehmigung bemüht. Umso erfreulicher ist es, daß es der vom Reichsführer SS. geförderten Expedition des Zoologen Schäfer gelungen ist, als erste Deutsche der„Verbotenen Stadt“ einen Besuch abzustatten. Der„lebende Gott“ von Tibet. Der Brief, den dieser Tage ein Königsberger Professor aus der Hand Dr. Wienerts, eines Teilnehmers der Expedition, erhielt, gibt Kunde von den gewaltigen Strapazen, die die jungen Forscher zu erdulden hatten, bis sie den Göttersitz erreichten, berichtet aber auch von der großen Freude, das erstrebte Ziel nun doch erlangt zu haben. Da der Aufenthalt in Lhasa auch für sie an die Bedingung geknüpft ist. keinerlei Messungen vorzunehmen, so hatten die Wissenschaftler Gelegenheit, sich einige Tage lang auszuruhen und sich im übrigen in dieser seltsamsten Stadt der Welt etwas umzusehen.„Die rund 500 Kilometer, die auf dem Weg nach Lhasa zurückim Elendsviertel zulegen waren“, schreibt Dr. Wienert,„wurden von uns in 20 Tagesmärschen durch teilweise schwer begehbares Hochgebirgsgebiet bewältigt. Aber nun ist es doppelt schön. Wir sind sehr freundlich ausgenommen worden und haben es gut.“ Dieser Brief aus Lhasa hat großen philatelistischen Wert, sind doch die tibetanischen Marken mit einem Holzschnitt=Druckstock vervielfältigt, und außerdem handelt es sich hier um die Kunde der ersten Deutschen, die diese Stadt betreten haben. Wohl keine menschliche Siedlung auf dem ganzen Erdenrund tritt dem Europäer so fremd und geheimnisvoll gegenüber, als die etwa 20 000 Köpfe zählende Hauptstadt Tibets. deren Mittelpunkt der wahrscheinlich von König Srongtsanggampo erbaute, etwa 1200 Jahre alte Jo=khang=Tempel ist. Das größte Heiligtum aber bildet der„Potola“, die Palastburg des Dalai=Lama, die sich hoch oben auf einem Bergrücken erhebt, dem frommen Pilger schon von weitem den Weg in den„Ort der Götter“ weisend. In den weiten Räumen des„Glückseligen Schlosses" restdiert der„lebende Gott“ von Tibet. in dessen Körper nach dem Glauben der Bevölkerung Buddha selbst wohnen soll. Wenn der Dalai Lama stirbt, ist sein Nachfolger ein Knabe, der just in diesem Augenblick irgendwo im weiten tibetanischen Hochland das Licht der Welt erblickt. Es ist aber nicht leicht, dieses Gotteskind zu finden, denn„seine Beine müssen gestreift sein wie das Fell eines Tigers, seine Augenbrauen aufwärts gebogen und eine seiner Hände den Eindruck einer Muschel aufweisen". Unter solchen Bedingungen kann es oft Jahre dauern, bis die„lebende Inkarnation Buddhas“ gesunden ist. Ein Regent führt dann für das unmündige Kind, das nach seiner Entdeckung in einem großen Triumphzug in die Palastburg gebracht und dort angebetet wird, das Zepter, bis der Dalai Lama mit der Erreichung seines 18. Lebensjahres selbst die Regierungsgewalt übernimmt. Aber in den letzten hundert Jahren hat nur ein einziger Dalai Lama dieses Ziel erreicht— es war der letzte Herrscher von Tibet, der im Jahre 1934 starb— alle übrigen sind vor ihrer Großjährigkeit eines meist recht merkwürdigen Todes gestorben. Gebetsmühlen mit Wasserrädern. Schwer ist es für den Europäer, in die Geheimnisse der Klöster Tibets einzudringen, die sich rings um Lhasa als kleine Städte für sich erheben. So beherbergt das Das größte Armenquartier der Welt.— Wo Whitechapel— ein Schandern fällt den Einheimischen sowohl wie den Fremden an, hört er diesen berüchtigten Namen. Dieses Verbrecher= und Armenviertel im Osten Londons hat sich unter dem Schutz des englischen„Kulturpatents“ aus den Zeiten, da es in jedem Kolportageroman eine Rolle spielte, unberührt bis in unsere Tage erhalten. Das großte und düsterste Elendsquartier der Erde ist längst als schwärende Eiterbeule der Hauptstadt des britischen Imperiums erkannt worden, keiner der maßgebenden Männer denkt aber daran, das Seziermesser anzusetzen. In diesem Schutzgebiet des Schmutzes und der Gesetzlosigkeit starren den Besucher tagsüber unwahrscheinlich verkommene Häusermauern an, nachts aber macht sich ein lüsternes Leben breit, dem es keinen Abbruch tut, daß die Geldbörsen mager sind oder ihr Inhalt aus verbrecherischen Unternehmungen stammt. Nach 11 Uhr abends, wenn die Themsestadt sich anschickt, zu Bett zu gehen, ist der Nachtbetrieb in Whitechapel in vollem Gange. Die jungen Männer des Londoner Ostens erscheinen in der kompletten Aufmachung des „perfekten Gentleman“, wie sie ihn verstehen. Mit breiten, übermäßig wattierten Schultern, schillernder Brillantine im lockigen Haar. schief aufgesetztem Hut und auffälligen Krawatten promenieren sie Whitechapel Road, die Hauptstraße, entlang, flirten mit den jungen Mädchen, die in einer Super=Hollywood=Aufmachung mit hohen Hacken, phantastischen Hüten und unbezwinglicher Lebenslust willige Flirtpartner sind. Allabendlich ist großer Korso. nur Samstag und Sonntag nicht. Am Wochenende geht das„vornehme“ Whitechapel aus und bevölkert die Tanzlokale des Westens. Nur die ganz Armen bleiben zuruck und verschwenden ihre paar Pennies in den zahlreichen Kinos, Billard= und Tischtennishallen oder in einem der noch zahlreicheren Tanzlokale Welch grotesker Widersinn: es gibt in ganz London keinen Stadtteil, der so zahlreiche Unterhaltungsmöglichkeiten bietet, wie das East End. der Stadtteil der Armen. Kinos, Box= und Tanzsäle sind bis um 11 Uhr gefüllt, aber wenn die jungen Leute von dort herauskommen, gehen sie nicht nach Hause, sondern kehren in den Kaffeehäusern, Restaurants oder den typischen„Bratkartoffelnund Fisch=Ständen“ ein. Das Geschäft dieser Unternehmer steht bis weit nach Mitternacht in Blüte. Selbst in den ersten Morgenstunden gibt es noch viele Bummler, die nach Kino und Kaffee zum Kartenspiel gegangen sind und nun auf dem Heimweg noch ihren letzten Cent ausgeben. Tanz auf dem Elendsvulkan. Wie sehr auch der Mann vom Osten kinobesessen ist, wie gern er auch seine verschiedenen Spielhallen besucht — nichts auf der Welt geht ihm über das Tanzen. Nirgends wird mit mehr Radau, Hingabe und leidenschaftlicher Liebe getanzt, wie hier. Die Tanzklubs sind ode. leere Räumlichkeiten mit Sitzreihen längs der Wände und einem primitiven Kapellenpult und einem Büffet. Die Kapelle besteht aus zwei bis vier jungen Halb=Amateuren, die tagsüber Hausierer oder Taschendiebe sind. Die Qualität der Musik besteht mehr in der Lautstärke als in der Melodik. Hier gibt es keine „Mauerblümchen“; jeder tanzt und das Parkett dröhnt. Nach kurzer Zeit ist es so heiß im Saal, daß der Veranstalter— freudestrahlend— genötigt ist, die Gasheizkörper abzustellen. Die Luft ist dick und schwül, aber die Tänzer sind in Feuer und merken davon nichts. Die kompliziertesten neuen Schritte werden hier demonstriert. Mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit zeigen Männer und Mädchen. die Müdigkeit scheinbar nur dem Namen nach kennen. wieviel Akrobatik und„Fußarbeit“ in einen richtigen Rumba gelegt werden kann. Die meisten dieser Tanzjünglinge und=mädchen erfinden ihre eigenen Figuren, die sie mit einem geeigneten Partner einüben, um dann damit unter die kritischen Augen ihrer ebenso bewanderten Freunde zu treten und an den populären Tanzwettbewerben teilzunehmen. Kein Triumph ist für sie größer auf diesem Erdball, als der eines Poares, das einen Wettbewerb gewonnen hat. Partner und Partnerin werden im Nu der begehrte Mittelpunkt, jeder reißt sich um die„Ehre“, mit ihnen zu tanzen, und der „massive Silber=Pokal“, der für wenige Schillinge um die Ecke gekauft wurde, geht bewundert von Hand zu Hand. Inserno der Hemmungslosigkeit. Die unbezähmbare Tanzwut findet selbst in allabendlichen Uebungen nicht volle Befriedigung. Die Tänzer zeigen noch auf der Straße, auf dem Gehsteig, in der Fahrbahn, wo eben Platz ist, wie sie den Preis davontrugen. Jeder neue Schlager ist in Whitechapel bekannt, und seine Texte gehören zur„Allgemeinbildung". ehe man sie im Westen überhaupt gehört hat. Denn zum Hunger, Verbrechen und Tanzwut herrschen. Tanzen gehört fast gleichbedeutend der gesangliche Vortrag. der in den Veranstaltungen bis zum Ueberdruf „gepflegt“ wird. Jazz=Sänger sind dabei stets in geradez# lästiger Weise in der Ueberzahl. Die gebrochenen oder langgezogenen, nasalen und gegurgelten Töne finden aber stets ein begeisterungsfähiges Publikum. Die Beträge, die allnächtlich in Whitechapel umgesetz werden, sind, so absurd das auch klingt. groß. Man frage nur nicht nach ihrer Herkunft. Es ist ein Inserno des Elends. aber auch der Hemmungslosigkeit, von dem das Nachtleben des Londoner Elendsviertels Abend für Abend erfüllt ist. Ein riesiges Sammelbecken asozialer Elemente zerschellt hier in Whitechapel die primitivsten Güter der Zivilsation. Nirgends ist die Kriminalität größer als im Eastend von London, nirgends ist der Boden für Krankheiten und Seuchen so günstig. Die Wohnungen sind menschlicher Lebewesen unwürdig. Schmutz und Schut regieren den ganzen Stadtteil. Hier herrscht die bitter### Verkommenheit; einige U=Bahn=Stationen entfernt aber regieren die gefüllten Pfundsäcke. Mit eisigem Zynismus findet sich die englische Moral mit dieser Hochburg des Lasters ab, statt sie mit eisernem Besen auszukehren. Und die bleichen Gestalten in den verschlissenen Kleidern, die meist im großen Bogen der Arbeit ausweichen, wären doch so dankbare Objekte für die Menschenfreundlichkeit, von der man im Inselreich immer mit erhobenem finger zu reden weiß. Lichtsignale in den Weltenraum * Phantastisches Projekt eines italienischen Astronomen Lichtbatterien in der Sahara. Immer wieder spukt der Gedanke einer„telegraphischen Verbindung“ mit anderen Planeten in den Kövfen der Renschen. Der italienische Astronom Ugo d'Atella st es, der neuerdings den Vorschlag macht, eine Verindung mit dem Himmelsraum durch gewaltige Lichtatterien in der Sahara aufzunehmen. Freilich stehen inem derartigen, an sich interessanten Projekt große dindernisse im Weg. die in erster Linie durch die außerrdentlichen Kosten eines derartigen Experiments beingt sind. Es sind im Laufe der letzten Jahrzehnte die verhiedensten Pläne für einen„interplanetarischen Teleraphenverkehr“, gemacht worden. Zumeist sah man abei einen Nachrichtenaustausch durch Lichtsianale or. in der Annahme, daß diese am leichtesten verstanden nd erwidert werden könnten— vorausgesetzt, daß es ußerhalb der Erde tatsächlich irgendwelche Lebewesen bt, die in der Lage sind. Nachrichten von der Erde aufnehmen. Man hat ausgerechnet, daß schon das norale. von unseren Weltstädten ausgehende Lichtbündel tsreichen müßte, um etwa auf dem Mars vermittels nes sehr starken Teleskops wahrgenommen zu werden. s ist jedoch andererseits mit der Möglichkeit zu rechnen. iß die irdische Atmosphäre die künstlichen Lichtbündel ssorbiert und verteilt. sodaß sie nicht in hinreichender itensität in den Weltenraum gelangen können. Schon der gruße Mathematiker Gaus hat sich mit m Problem von Lichtsignalen in den Weltenraum beäftigt. Er dachte dabei an die Aufstellung gewaltiger diegel. die die Sonnenstrahlen in das All hinaussenden llten. Der Gedanke ist später von einem italienischen tronomen aufacariffen worv. Bag an B. Ciehenen ichte. Riesenspiegel in großerer Zahl an verschiedenen unkten der Erde aufzustellen. deren Strablen dann alle meinsam auf den Mars gerichtet werden sollen. Durch eianete Bewegung der Spiegel würde es möglich sein. wisse einfache Figuren zu beschreiben, die ausreichen unten. um einem eventuell auf dem Mars vorhandenen Lebewesen von der Existenz der Erdbewohner Mitteilung zu machen. Freilich hat bisher noch keine Industrie einen derartigen Riesenspiegel hergestellt. Leuchtballons in der Stratosphäre. Auch der Gedanke, mit künstlichem Feuer von der Sahara aus Lichtsignale in den Weltenraum zu senden. ist nicht ganz neu. Bereits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erörterte der Wiener Astronom Littrow ein derartiges Projekt, das vorsah, mit Riesenlampen Figuren von ungeheuerer Ausdehnung zu bilden, die groß genug seien, um von anderen Sternen wahrgenommen zu werden. Man dachte dabei gleichfalls in erster Linie an den Mars, doch schien der Plan unausführbar. da die Herstellung solcher Riesenlamven, wie man sie für notwendig hielt. unmöglch war. Heute wissen wir, daß diese Lamven gar nicht so außerordentlich aron sein müßten, wie man damals glaubte, wenn die umst rittenen Marsbewohner gleich uns moderne Telefkove haden würden. Könnte man doch beisvielsweise mit dem neuen Suverteleskov. das in diesen Tagen in dem amerikanischen Observatorium auf dem Monte Palomar zur Aufstellung gelangt, von Amerika aus eine Perion wahrnehmen. die sich aus dem Fenster irgendeines Hauses in Mailand herausbeugt, wenn nicht die Rundung unserer Erde eine solche Möglichkeit vereiteln würde. Freilich— je größer die neuerdings von dem Italiener d'Atello vorgeschlagenen Lichtdatterien in der Sahara wären, umso mehr Aussicht würden sie haben, auf anderen Sternen gesehen zu werden. Nach dem vorliegenden Plan besteht diese Lichtdatterie aus vier gewaltigen Scheinwersern. von denen jeder eine Rerzenstärke von mindestens zwei Millionen besitzt: die Reilektoren sind drehbar, sodaß man mit ihnen geometrische Figuren im Himmelsraum beschreiben könnte. Ein anderes. gleichfalls bereits erörtertes System wäre das. einen ganzen Kreis von Stratosphärenballonen aufsteigen zu lassen, die kleinere, wie Magnesiumlampen eingerichtete Leuchtballons mit sich führen. Diese lösen sich dann. wenn der„Mutterballon“ seinen höchsten Stand erreicht hat. los, um, eine ungeheuere Leuchtkraft ausstrahlend. jene Sphärenschicht zu durchdringen, die vermutlich das Licht absorbiert und seinen Weg in das All bemmt. Auch dieser Vorschlag ist gemacht worden, das Licht in den kleinen Magnesiumballons wie ein Feuerwerk oberhalb der Stratosobäre einfach explodieren zu lassen. Ein solches Sional, mehrmals hintereinander ausgeführt, müßte unbedingt die Aufmerksamkeit anderer Sternenbewohner, falls es solche überhaupt gibt. erregen. Aber es wird sich wohl kaum jemand finden, der die Kosten derartiger Exverimente auf sich nimmt. Darum bleiben die beschriebenen Projekte zunächst nur Theorien. Das Eche aus dem Weltall. Man wird sich fragen, warum man denn nicht die Radiowelle benützt, um mit dem kosmischen Raum in Verbindung zu treten. Das scheitert vorläufig daran. daß die Radiowellen nach der Ansicht der Wissenschaft „Gefangene unserer Erde“ sind. Das heißt, daß eine etwa 100 Kilometer über dem Meeresspiegol liegende Schicht, die sogenannte Heaviside=Schicht, die elektrischen Wellen zurückwirft, wie em Spiegel Strablen reflektiert. um ihnen den Zutritt zum Raum der Gestirne verdietet. Man könnte also nur auf einen Austausch von Botschaften mit dem Himmelsraum hoffen, wenn es gelingen sollte, jene schallabdichtende Wand, die sich wie eine Kuppel über der Erde wölbt, zu durchdringen. Und doch scheint auch diese Regel eine Ausnahme zu haben, wie das von dem norwegischen Radioingenieur Hals erstmals feit gestellte Phänomen des radioelektrischen Echos beweist. Hals fing seltsame Echos von Radiosimmalen auf. die aus dem außerhalb der Erde gelegenen Weltenraum zu kommen schienen. Nachdem die Abstände zwischen der Sendung und ihrem Echo mitunter bis zu 30 Sekunden währten, mußten die Radiowellen in diesem Fall einen Weg von 9 Millionen Kilometer durchlausen haben. da ihre Geschwindiokeit 300000 Kilometer vro Stunde beträgt. Daraus scheint wiederum dervorzugeben, daß gewisse Kurzwellen(von 12 bis 20 Meter) doch nicht Gejangene dieser Erde sind. sondern die Heaviside=Schicht zu durchdeingen vemmögen Die Anekdote Der arme König Karl. Den Königen und Kaisern ging es im Mittelalte häufig gar nicht gut; vielfach mußten sie Kleinodien versetzen, Ländereien verpfänden usw. Am traurigsten daran aber war wohl eine Zeitlang König Karl VII. von Frankreich, derselbe, unter dem die Jungfrau von Orleans auftrat. Einmal— es war noch vor dem Eingreifen Johannas— wollte sich Karl ein paar neue Stiefel leisten. Er ließ sich also von einem Schuhmachermeister Maß nehmen und freute sich schon sehr auf die kommende Verschönerung seiner Fußbekleidung. Da trat zu seinem Unglück der Haushofmeister ins Zimmer. Kaum hatte dieser erkannt, was vor sich ging, als er den Meister aufforderte, seinen Kram zusammenzupacken und nicht wiederzukommen.„Wir haben für solchen Luxus kein Geld in der Kasse; und der König kann noch sehr gut ein paar Monate mit seinen alten Stiefeln auskommen.“ Seufzend mußte der König aus die Stiefel verzichten. Bauernweisheit. Ein Bauer. Couturier, hatte Ludwig XIV. von einem schweren Fieder geheilt, dem seine Leibärzte ratlos gegenübergestanden hatten. Er sollte dafür zum Ehrendoktor ernannt werden. Die medizinische Fakultät, die ihm natürlich grollte, lud ihn mit schmeichelhaften Worten zu einer Sitzung ein, verlangte aber, als er ahnungslos erschien, plötzlich eine„Disputation“, weil das so vor jeder Titelverleihung Sitte sei. Couturier faßte sich schnell:„Wenn ihr wollt. dann gut. Aber ich habe wenig Zeit. So sage ich nur dies: Das Fieber ist eine Krankheit, die ich nicht erklären, aber kurieren kann, während Sie sie zwar erklären, aber nicht kurieren können.“ Man lachte sauersüß über den guten Witz und verzichtete auf die Fartsetzung der Disputation. Der abgewiesene Goldmacher. Während des Siebenjährigen Krieges stellte sich dem Herzog von Braunschweig ein Mann vor, der sich erbot, aus Eisen Gold zu machen.„Nicht um alles in der Welt. erklärte der Herzog;„ich brauche all mein Eisen, um gegen die Franzosen zu kämpfen, und Gold bekomme ich nötigenfalls von den Engländern. Aber wenn Ihr ein Mittel kennt, Ratten und Mäuse in Ochsen und Schweine zu verwandeln, dann nehme ich Eure Dienste gern an denn jene richten in meinen Magazinen die schlimmsten Verwüstungen an. Ochsen und Schweine aber habe ich noch nie genügend gehabt.“ Bezahlung nach Leistung. Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler war ein strenger, aber gerechter Vorgesetzter, bei der Truppe also ebense gefürchtet wie beliebt. Auch im Privatleben bewies er seine Gerechtigkeit. So traten einmal auf seinem Gut Harnecop die Kartoffelbuddler an ihn heran und ersuchten um eine Lohnerhöhung von 3 Psennig für die Kiepe. Der Marschall hörte sie an, ließ sich eine Hacke bringen und— arbeitete einen ganzen Vormittag lang in Reihe und Glied auf dem Acker mit. Zu Mittag bewilligte er die Bitte der Leute. NEHMT EIN FERIEN KIND ZUE UF. DHEIT ISTKOST BARES ll ** * Amherdfeuer 4 Die Jonne bricht durch Erzählung von Friedl Maraaraf. Seit wenigen Tagen erst fliegt Hein Leutemager eine dreimetorige Ju. einen„Belchesel“, wie die Kameraden die Waschine ihrer grauen Farbe wegen im Scherz zu nennen pflegen. Und Hein ist mächtig stolz auf seine schwere Maschine. Sie ist zwar nicht ganz so leicht zu jliegen wie seine alte Klemm. auch ein wenig langsamer als Heinkel=Blitz. an die er sich so besonders gern gewöhnt hatte, dafür aber zuverlässig wie kaum eine andere. Ein Glück bei diesem nebelgrauen, böigen Wetter! Noch dazu ist der Kopf des jungen Fliegers nicht so klar und sein Fühlen nicht so unbelastet wie sonst—— sein kleines Söhnchen liegt seit Tagen an einer gejährlichen Kinderkrankheit hoffnungslos darnieder und just in diesen Stunden wird vom Arzt eine entscheidende Wendung erwartet. Ob zum Guten oder Schlimmen, wer vermag es zu ahnen? Dem jungen Piloten jedenfalls ist elend zumute, wie er nun in seine Maschine klettert und er bereut beinabe, das Anerbieten eines Kameraden zurück gewiesen zu haben, der ihn bei diesem Flug vertreten vollte. Aber der andere hat schon einen strengen Dienst hinter sich und Hein Leutemayer ist ja nicht nur für das Wohl seiner Maschine, sondern auch für das seiner Flus gäste verantwortlich. Des schlechten Wetters wegen und es ihrer weniger als sonst: ein paar Geschäftsmänner, lufterprobte Leute, die auch Blitz und Hagelschlag nicht aus ihren Börsengesprächen zu reißen vermöchte, eine alte Dame. die mit sichtlichem Unbehagen sich dem statt bereiten„Blechesel" anvertraut, und in ihrer Begleitung ein junges Mädchen, das einen traurigen, abschiednehmenden Blick über den vom Regen verschleierten, vom Wind geneitschten Platz schickt. „Das fängt ja gut an!“ denkt Hein Leutemayer, als er beim Start, gleich über dem Boden. schon kleine Schwierigkeiten hat. Aber dieser Widerstand weckt auch sein ganzes Pflichtbewußtsein, und er reißt sich nun ernstlich zusammen, bereit. alles Persönliche weit dahinten zu lassen. Und das ist gut so. Denn dieser Flug. bei dem ihm bäufig nichts anderes übrig bleibt, als die tiefhängende Nebeldecke zu durchstoßen und blind zu fliege erfordert den ganzen Mann. Nebel ist bei der Fliegerei in jedem Falle unbeliebt. An diesem Tag aber haßt Hein Leutemayer die grauen Schwaden geradezu als den Inbegriff des Bösen, das sein Leben verderben möchte. Und das bat einen be kanderen Grund: Wenn er die vorgeschriebene Flugstrecke nach Kompaßkurs einhält, so überfliegt er zuletzt sein eigenes Haus, das sich draußen am Stadtrand bebaglich ins Grüne duckt. Und da hat ihm nun seine junge Frau versprochen. ein Zeichen zu geben, wenn bis dahin die Mürfel gefallen sind, denn es mag immerhin Abend. vielleicht sogar ein neuer Morgen bis zu seiner Rückkunft werden, da Hein die Maschine auch wieder zurückfliegen muß Wie war das gleich? Ein großes rotes Tuch wollte Ilse auf den Rasen bereiten, wenn ihr Söhnchen gerettet war. und ein weißes, ja. ein weißes, wenn——— Regen peitscht in Stößen gegen die Fenster der Kabine. die einzelnen Tropfen rinnen wie große Tränen am Gla: herab. Die schwere Iu fliegt heute keine gute Zeit: trotz der Hilfemeldungen von der Erde wird sie wohl etwas ver spätet eintreffen. Dem Piloten aber erscheint es, als rase sie mit ungeheurer Geschwindigkeit dem Ziel entgegen. Und er, dessen perz das Gefühl der Angst nicht kennengelernt hat im Kampf mit den Elementen, erbebt bei dem Gedanken an ein Stück weißes Tuch. Mit dunklem Brummen zieht die Maschine über ein Flußtal weg. in dem noch immer die Bodennebel brauen. sodaß. von oben her betrachtet, die ganze sonst so strahlend schöne Welt in ein großes Laken gehüllt erscheint. Jetzt überquert sie eine Hügelkette und einen stundenweiten Forst. Plötzlich fängt der Nebel im Tal zu brodeln an. als rühre eines Riesen Hand die Mittagssuppe zusammen. Der Regen hat aufgehört und bald trocknet der Wind auch die letzten Trovfen vom Fensterglas. Er lüftet den Nebelschleier, scheint ihn eine Weile unschlüssig hierund dortbin zu zerren, saßt ihn plötzlich und zerreißt ihn in ausbrechender Ungeduld in tausend Fetzen. Im selben Augenblick stoßen ein paar Sonnenstrahlen wie goldene Speere durch das graue Gewölk und siehe—. die ganze Landschaft erscheint vom Licht vermandelt wie durch die Berührung mit einem Zauberstab. Man nähert sich dem Ziel. Das perz des jungen Vaters schlägt einen rasenden Wirbel. Er geht vorsichtig etwas tiefer. Auf 500. auf 300 Meter. Dann stoppt sein Gewissen unerbittlich ab. Wenn ihm nun durch eine heimtückische Bö die Maschine plötzlich abrutscht———? Aber nein, der Wind kuscht sich wie ein braver Hund. Und jetzt— das helle Band der Landstraße. von steifen Papveln gesäumt und da!! Wie ein Traumbild erscheint und ver sinkt das leicht erkennbare Walmdach des eigenen Hauses. Ein, zwei Sekunden nur— und doch lange genug, daß Hein Leutemayer das große rote Tuch erkennen kann, das über den Rasenplatz gebreitet liegt wie ein leuchtendes Symbol sieghaften Lebens! In der Kabine der Fluggäste macht sich bereits jene leichte Unruhe geltend. die jeden Reisenden kurz vor der Ankunft befällt. Einer der Kaufleute verbessert noch schnell zum endgültig letzten Male den Wortlaut eines Vertrages. durch den er nicht wenig zu gewinnen hofft. Die alte Dame tastet mit einem Seufzer der Erleichterung nach ihren Siebensachen. Nur das junge Mädchen sitzt mit einem Ausdruck neuer Hoffnung in den Augen. die schmalen Hände wie zu einem Dankgebet im Schoß gefaltet, ganz still auf seinem Platz. neigt sich ein wenig zum Fenster und sagt mit einem kleinen Lächeln vor sich hin:„Wie schön— die Sonne bricht durch!“ Rund um die Verkobung) Eine Geschichte in Briefen von„Ihr" und„Ihm". Von Erich Otto Funk. I. „Liebe Sieglinde! Wenn Du in den nächsten Tagen meine Verlobungsanzeige liest. wirst Du wahrscheinlich Ziemlich erstannt sein. Nicht freilich darüber, daß ich es überhaupt iu was konnten wir uns in all den Mädchenträumen Schöneres wünschen?—, sondern wonl mehr über den— Gegner. Denn daß ausgerechnet Gerhart der Glückliche ist, der mich heimführen soll, hätte vor wenigen Wochen ich selbst kaum für möglich gehalten Der schüchtern: Gerhart! Das. wenn es mir jemand ge sagt haben würde, hätte mich lachen gemacht. Und damit Du nicht denkst, daß ich unsere heilige Verabredung, bloß den Mann zu ehelichen, dem wir mit unserer ganzen Persönlichkeit einjach verfallen sind und ich den Gerbart nicht einfach nehme, weil er jetzt so eine schöne Stelle bekommen hat, muß ich Dir endlich einmal schreiben, wie es dazu gekommen ist. Wie also der Gerbart seine neue Stelle als Bauführer antrat, hat er den Rest seines Vermögens genommen und sich für vierhundert Mark eine gebrauchte Limousine erworben. Du kannst Dir denken, daß er damit auf mich keinen besonderen Eindruck gemacht hat. Doch schlug ich, als er mich einladen kam. eine Samstagnachmittag=Kaffecjahrt mit ihm zu mawen. freilich nicht ab. Die Absage an seinen Freund hätte mein Bruder zudem sicherlich übelgenommen. Gerhart mußte mir aber versprechen, daß wir um neun Uhr abends sicher zurück sind, denn für die letzte Vorstellung hatte ich Walter das Kino versprochen. Und wenn Gerbart so ern Kerl wäre, wie wir uns immer ihn vorgestellt haben. ware dies sicher auch recht ordentlich gewesen. Zu meinem besonderen Glück hat es der Kerl aber faustdick hinter den Ohren. und die demonstrative Schüchternheit, die wir ihm bisher immer nachgesagt haben. diente wohl nur dazu. uns— oder besser gesagt— mich möglichst sicher und unbesorgt werden zu- lassen. Da unsere Uhr nämlich auf halb Acht ging und wir für die letzten 40 Kilometer Landstraße höchste Eile hatten, hielt er den Wagen plötzlich an, hob die Motorhaube und erklärte: Daß wir mit zehn Liter Benzin nicht wieder heimkommen würden, hätte ich mir eigentlich wohl denken können. Jetzt ist es aber zu spät. Und es bleibt uns nichts weiter übrig, als fünf Kilometer zu Fuß zu geben, um Betriebsstoff zu holen. Daß wir dann allerdings werden zurückgehen können, ohne vorber zu Abend zu essen, glaube ich kaum. Denn wer weiß, ob der Motor überhaupt wieder anspringt und wir nicht die Nacht auf der Landstraße bleiben. Ich bin über diese Geschichte natürlich reichlich wütend gewesen, dachte mir aber, daß da irgendetwas dahinter stecke und freute mich darauf. beobachten zu können, wie weit Gerhart seine sprichwörtliche Schüchternheit verwinden könnte. Daß ich dabei die Lachende sein würde. hättest Du an meiner Stelle wohl auch angenommen Und schließlich muß ich gestehen, daß ich auch gar nicht gewußt habe, was anders ich hätte anjangen sollen. Also marschieren wir los— und da die Landstraße zu staubig war und Gerhart behauptete, einen kürzeren Fußweg zu wissen, hatten wir uns in den Wäldern sehr bald verlaufen, wurde ich müde und waren wir glücklich, als wir endlich ein Forsthaus gefunden hatten und nach dem Weg fragen konnten. Das Forsthaus aber lag— und das Lachen verging mir—. von der nächsten Tankstelle statt 5 endlich 6 Kilometer entsernt. Gerhart war inzwischen immer gesprächiger geworden. redete von Möbeln. von Tapeten und Bildern, wollte von mir wissen, ob ich meine Hochzeitsreise einmal lieber an die See oder ins Gebirge machen möchte und schien sich in dieser vertrackten Situation umso wohler zu fühlen, je ärger sie wurde. Und als er endlich bemerkte, daß ich ärgerlich wurde und verzweifelt nach der Uhr sah und ihm erklärte, daß meine Mutter gewohnt sei. mich spätestens 12 Uhr im Hause zu sehen, meinte er— und Du kannst Dir vielleicht denken, baß er dabei sein überlegenstes Gesicht machte— daß man dann am besten gleich hier bliebe: hätte das Forsthaus schon keinen Treibstoff. so doch gewiß Telefon und man könne den bangen Eltern damit doch melden, daß Gerhart und Erika sich soeben verlobten. Ich hätte ihm am liebsten eine Ohrfeige gegeben: aber was sollte ich machen? Daß er. sich solch eine Geschichte auszudenken und dafür extra eine Ruine von Auto zu kaufen, zuvor ernstlich in mich verliebt sein mußte. kannst Du Dir denken. Und da ich in der Tat zunächst einmal hungrig war und ja noch lange nicht wissen konnte, ob er die nächsten 6 Kilometer richtig gehen würde, bin ich zunächst wenigstens auf ein Abendbrot eingegangen, und als ich dann merkte, daß er den Förstersleuten bekannt sei und die für uns den besten Wein aus dem Keller holten, gab ich ganz mählich nach und telefonierte, daß der Wagen entzwei sei und Gerhart nicht abschätzen könne, wann wir würden weiterfahren können. Und als wir nicht lange danach schließlich gleichzeitig auf den verbindenden Balkon vor unseren Zimmern traten und der Mond schien und sein Licht lag wie ein Teppich über den Tannen. hab ich den Antrag ernst und schließlich sogar angenommen Dann aber war ich die kommenden Stunden so glücklich wie bisher noch nie...“ I. „Mein lieber Otto! Für Deine Glückwünsche sage ich Dir zugleich auch im Auftrage Erikas den srohlogendsten Dank. den Du Dir denken kannst. Daß Du Dich gewundert hast, kann ich ganz gut verstehen. Und ich empfehle Dir. es genau so zu handhaben wie ich. Je weniger man darüber nachdenkt, desto eher ist man am Ziel. Und je weniger man sich vornimmt, desto weiter gelangt man. Es scheint bei den Frauen gerade umgekehrt als im Berufe zu sein. Erika hat mir im übrigen gestanden, daß sie schon lange in mich verliebt ist. Und Du weißt ja, daß ich dies oft schon geglaubt habe. Wäre mir aber nicht die Panne zu Hilfe gekommen, ich hätte es in diesem Leben wahrscheinlich überhaupt nicht erfahrey. Ein Auto verringert also nicht nur die Entfernungen der Geographie, sondern auch solche der Herzen, und ich kann Dir bloß Glück dazu sagen, daß Du so tüchtig aus Deinen Volkswagen sparst. Wenn Du erst den hast. wird Dir die Frau. die Du in der Vereinzelung der Greßstadtbude so schlecht zu finden vermagst. wohl ebenso zufallen wie mir. der ich in diesen Tagen ein richtiges Wunder erlebte. Ein Wunder allerdings aus mir selber, denn was ich sonst nie zu sagen veimochte, das gestand ich, freilich mit klopfendem Herzen. sonst aber lächelnd gewiß wie ein Sieger, als rings um uns der Wald war und ich die Verantwortung trug für ein verunglücktes Unternehmen und das Wohlbefinden meiner geliebten Begleiterin. Wünsch mir, daß ich sie nie mehr entbehre und Du wünschest mir damit den Himmel auf Erden. Dein glücklicher Gerhart Jagd nach Kanna Der Eilzug hatte den Fuß des Schwarzwaldes umfahren: nun durcheilte er das romantische Neckarbergland. Es zog ihn mit Gewalt westwärts, dem alten stolzen Vater Rhein zu. Fritz Thiele schaute nachdenklich durchs Fenster. Seine ebenso tiessinnigen wie unangenehmen Erwägungen waren einer Art. die jeder Ehemann kennt: hie zuweilen. dort öfter oder gar dauernd werden sie bei allen Angehörigen unserer holden oder unholden Weiblichkeit bedingt. Und Fritz Thiele war noch ein sehr junger Ehemann: er befand sich eben auf der Hochzeitsheimreise. Hanna hatte eine Hochzeitsreise zum Bodensee vorgeschlagen. Acht bis zehn Tage hatte sie gedacht. Fritz. der galante Kavalier, hatte zwei Wochen gesagt. und drei waren daraus geworden. Nun, um die Zeit war's nicht schlimm: aber das Geld! Es war des schlecht entbehrlichen Mammons mehr darauf gegangen, als Fritz sich seiner gewichtigen Meinung und Ueberzeugung nach leisten konnte und durfte. Und nun hatte Hanna zu der Unzahl der Andenken und Geschenke am letzten Tage noch einen teuren Wandteller gekauft. Da hatte Fritz ein höchst ungnädiges Gesicht gemacht und ihr Mangel an Ueberlegung und Einsicht vorgeworfen. Wenn zwei sich streiten, haben immer beide recht. Natürlich hatte auch Panna recht. Sie brachte das dadurch zum Ausdruck, daß sie Fritz auf der Heimreise wie Luft behandelte und sich um so angelegentlicher mit einer jungen Schwäbin und ihrem. in einem Kinderwagen die Lust und die Last des Lebens behaglich betrachtenden Sprößling beschäftigte. Vor Karlsruhe hatte der Eilzug einen längeren unplanmäßigen Aufenthalt. Hannas Reisebekanntschaft wurde arg besorgt. „Ach Herrzemersch." seufzte sie,„nu kriech' ich's Zügle nach Ettlinge nit meh! Nur siemf Minute Zeit han i in Karlsruh zum Umsteige! Und wer hilft mir mei Wägen tragen?" Natürlich erbot sich Hanna sofort, den„Wägen" tragen zu helfen. Und sie hielt Wort. Schmerzzitternden Herzens schaute Fritz ihr nach. Hoffentlich beeilte sie sich: der Eilzug hatte bereits planmäßig Weiterfahrt. Auf dem Bahnsteig herrschte ein gewaltiger, jede Aussicht wehrender Verkehr. Plötzlich wurden die Türen geschlossen.„Einsteigen“ wurde gerufen, und dann— fuhr der Zug ab. Dem jungen Ehemann brach der Schweiß aus. Sollte er aussteigen? Doch bevor er zu einem Entschluß kam, hatte der Zug bereits den Bahnsteig verlassen. Was nun? Er mußte auf schnellstem Wege nach Karlsruhe zurück. Zum Glück führte ein Mitreisender einen Fahrolan bei sich. Fritz schlug nach. 11.32 Uhr war der Zug in Bruchsal: 11.33 Uhr fuhr ein Zug nach Tragikomisches Ende einer Hochzeitereise von Th. K. Franke. Karlsruhe zurück. Mit zitternden Gliedern und schmerztrüben Augen stand der junge Strohwitwer am Türfenster: kaum war der Zug in Bruchsal eingelaufen. stürzte er hinaus. Gottdank, da stand der Zug nach Karlsruhe noch: eben hatte er ihn erreicht, fuhr er davon. Unterwegs hatte er abermals Muße, den Fahrplan zu studieren. Der Zug war 11.56 Uhr in Karlsruhe. 11.59 Uhr fuhr der Zug in der Gegenrichtung. Himmel, das war wieder verteufelt knapp. Indes. das Geschick schien es gut zu meinen: pünktlich auf die Minute langte der Zug an. Doch so sehnsüchtig er auch seine suchenden Blicke schweisen ließ. Hanna war nicht zu sehen. Fritz brach abermals kalter Schweiß aus. Was nun. was tun? Sollte Hanna doch noch den Eilzug erreicht haben? Aber nein, das war ja nicht möglich. Ah. vielleicht hatte der Zug nach Ettlingen sie mitsamt Freundin. Baby und„Wägen" dorthin entführt. Frauen sind ja manchmal arg umständlich und gemächlich. Ja. so konnte. so mußte es sein. Rauchenden Hauptes raste Fritz zur nächsten Fahrplantafel. Potzteufel. das gab wieder eine heiße Jagd. Also auf nach Ettlingen! Doch. o Pech. unterwegs gab es wieder einen unvorhergesehenen Aufenthalt: kurz vor Ettlingen begegnete ihm das Zügle nach Karlsruhe. Fritz hätte brüllen mögen. Schmerzgeknickt holte er sein Taschentuch hervor; heiße Schmerz= und Sehnsuchtstränen stürzten ihm in die Augen. Ach. hätte er doch nicht durch seine ungestüme Laune Hannas Herz gekränkt! Nun war sie ihm entwunden. verschwunden. Der nächste Zug von Ettlingen nach Karlsruhe fuhr erst in einer guten Stunde. So hatte Fritz Zeit. seine Gedanken zu sammeln und abermals den Fahrolan zu studieren. Hanna war wahrscheinlich 12.09 Uhr von Karlsruhe abgefahren. Also gab er kurzentschlossen ein Telegramm an Frau Hanna Thiele im D=Zug 163 auf: „Komme 15.10 in Mannheim an; erwarte mich dort.“ Entsetzlich trübe und langsam schlichen die Minuten und Stunden dahin. Nein. er würde Hanna nie mehr Vorwürfe machen, mochte sie tun, was sie wollte. Wenn er sie nur erst wiederhätte! Aber er hatte sie nicht. In Mannheim war sie nicht: das Telegramm war unbestellbar gewesen. Fritz drohten die Sinne zu verlassen. Klavvernden Gebeins und höllischer Aengste voll bestieg er willenlosgebrochen den nächsten Zug und fuhr heimwärts. Wo war Hanna?——— Daheim war sie. Sie hatte den Eilzug doch noch erreicht. trotz des„Wägens“. Als Fritz von seinen ebenso auf regenden wie kostspieligen Irr= und Wirrfahrten berichtete, lächelte sie versöhnt=spöttisch und sagte nur: „Ueberlegung und Einsicht der Männer.“ Die Wandlung der Renia Barrenthin Roman von Karl-Heinz Volgt 20. Fortsetzung. Der Alte zuckte mit den Schultern, nickte dann und schloß umständlich die eiserne Tür auf, die in den Angeln knarrte. Die Dogge wurde vom Gärtner am Halsband festgenommen, der begütigend auf sie einsprach, und dann schritt Tenia neben dem Greis her, der Villa zu. Auf der Terrasse bedeutete der Alte der jungen Frau. zu warten. Dann schlurfte er davon. verschwand im Inneren des Hauses. Tenia ließ alle die Schönheiten der Natur hier um sich her auf ihr empfängliches Gemüt wirken. Der Park. der weitläufige Wege und breite Rasenfläche aufwies, erfüllte das Herz mit Frohsinn, denn er lockte zu heiterem Sriel und Tanz. Hier mochten wohl die Gäste der Villa sich oft an lauen Abenden ergangen und an Spiel und Tanz erfreut haben. Hinter sich hörte Tenia ein Geräusch. Als sie sich umkehrte, erkannte sie die arawöhnisch aus dem Fenster des Erdacschosses lugende Maria Venroe. Als die Malerin erkannte, wer es war. der da draußen wartete, ging ein verklärtes Leuchten über ihr Antlitz, und kurz danach stand sie vor Tenia. „Daß ich sie hier wiederfinde, und daß Sie mich angetroffen haben, ist eines der größten Wunder der Welt.“ lachte Maria Benroe und geleitete ihren Gast ins Haus.„Sie müssen nämlich wissen, ich bin erst vorgestern dier in Rom eingetrossen, um mich ganz vor den Menschen zurückzuziehen und meiner Arbeit zu leben. Ja. ich male an einem Phantasiegemälde, wenn Sie Interesse haben, werde ich es Ihren Blicken gern enthüllen.“ Maria Venroe öffnete einen Raum. und Tenia trat In ein großes, geräumiges Atelier. Dieses ist die Stätte meiner Arbeit, sehen Sie.“ erslärte die Besitzerin des Hauses.„hier bin ich glücklsch. wenn ich mich nach den Enttäuschungen der Welt auf neine einsame Zufluchtsstätte zurückgezogen habe.“ Wahrend Tenia die vielen halb vollendeten oder ertigen Bilder, die auf Staffeleien standen, an den änden hingen oder in den Ecken lehnten, bewundert. ief Maria Venroe geschäftig hinaus, um ihrer schönen Landemännin Erfrischungen zu bringen Bald saßzen sich die beiden deutichen Frauen in dem Atélier gegenüber, und aus Marias Augen sprach die htliche Freude. Tenia bei sich zu haben. Urheber-Rechtsschutz: Drei-Quellen-Verlag. Königsbrück(Bez. Dresden) „Aber Sie müssen mir erzählen.“ sagte Maria Venroe. „wie es Ihrem Verlobten. Graf Gaston Fely, geht. oh Sie bald heiraten werden. und wie Sie sich sonst Ihre Zukunft ausmalen.“ Sie legte Tenia eine kunstgerecht zerteilte Orange vor. und während Tenia nachdenklich von der köstlichen Frucht aß, hielt sie die Lider gesenkt und blickte die alte Dame. die sie in einer unerklärlichen Weise liebgewonnen hatte. nicht an. Sie sagte nur unter leisem Schütteln ihres ror blonden Kopfes:„Der Traum ist längst zu Ende.“ „Wie denn. Sie sind nicht mehr die Braut des Grafen Fely? Und ich wollte Sie schon mit„Frau Gräfin" anreden,“ entgegnete Maria Venroe, und in ihren Mienen stand ehrliches Erstaunen. „Nein.“ entgegnete Tenia.„das alles liegt weit hinter mir. und viel Leid ist zurückgeblieben auf der Strecke meines Weges an der Seite des Grafen Felv.“ Tenia fühlte die gütige warme Hand Maria Venrocs auf ihrer Rechten, und sie hörte deren Stimme: „Ich fühle, es tut Ihnen wohl, sich auszusprechen. Tun Sie es, mein Kind, da es Ihr Herz erleichtert.“ Da hob Tenia ihren Kopf. blickte verschleierten Auges die alte Dame dankbar an und sagte:„Sie haben recht. Frau Venroe. Niemand sonst darf alles erfahren, war in meinem Leben war Schon als ich Sie das erstemal in Nizza sab, da saßte ich unendliches Vertrauen zu Ihnen, vielleicht weil Sie meiner Mutter, ein wenig ähnlich sehen, vielleicht auch— ich weiß nicht, warum— war wissen denn wir Menschen?" Maria Venroes dunkle, lebhafte Augen forschen in der Jüngeren Antlitz.„Sie haben viel Leid erfuhren, mein Kind. und Sie dürfen volles Vertrauen zu mir haben.“ Nun erzählte Tenia alles, was sie mit Graf Gaston Fely erlebt hatte. Sie verschwieg auch nicht das Zusammentreffen in der Eisenbahn mit Frank Martienssen: und als sie soweit gekommen war. machte die Zuhörerin in ihrer gütigen Art eine Zwischenfrage: „Und haben Sie den Mann, diesen Heren, zemals wiedergesehen, ich meine, hat er Wort gehalten und Sie in der Dahlemer Villa aufgesucht?" Die Gefragte hob den Blisk und sab ihr Gegenüber freimütis an:„Ja.“ bekannte ste.„Frank Martiensien in mein Gatte.“ Bei der Erwähnung des Namens war Maria Venroe unmerklich zusammengezuckt. Tenia merkte nicht, daß die Malerin blaß bis in die Lippen geworden war. denn Maria hatte sich sofort wieder in der Gewalt und verbarg durch eine rasche Bewegung. die ihr Antlitz der durch das Fenster brechenden Lichtfülle entzog. den seelischen Eindruck, der sich auf ihren Mienen widerspiegelte, vor ihrem Gast. Frank Martienssen, dachte Maria Venroe. und ihr Herz zuckte. Sie legte die Faust auf die Brust und senkte das Haupt. als kämen schwere Erinnerungen über die einsame Frau. Tenia aber sprach unbefangen weiter, erzählte von der Tochter ihres Gatten, schaltete lächelnd ein, daß sie. die siebenundzwanzigjährige Tenia. nun auf einmal Mutter einer erwachsenen Tochter geworden sei. an welchen Gedanken sie sich gar nicht gewöhnen könne, und immer und immer wieder lobte sie Franks Güte und Zuvorkommenheit. Sie konnte sich nicht genug tun im Schildern von Franks Großzügigkeit und erzählte in einem Ton der Selbstzufriedenheit von dem satten und reichen Leben. das sie nun an der Seite ihres Mannes in der Hamburger Villa und auf herrlichen Reisen führen durfte. Mit zartem weiblichen Instinkt hatte Maria Venroe erkannt, daß Tenias Liebe zu ihrem Mann nicht die große echte Zuneigung war. die wohl ein Mann. der eine Frau innig liebt. verlangen kann. Bei der Erwähnung der Hamburger Villa hatte Maria Venroe das Antlitz einmal schmerzlich verzogen und die Lippen auseinandergepreßt. aber da sie im Schatten sah. konnte Tenia den Ausdruck ihres Leids nicht erkennen. „Kind. Kind. ich glaube, du weißt nicht, was das Wort„Ehe“ zu bedeuten hat.“ Es war, als ginge der Blick aus den großen. nun traurigen Augen der Malerin durch Tenia hindurch. ersaßte eine weit zurückliegende Zeit. und es klang traurig und entsagungsvoll. als Maria Venroe nach einer kurzen Pause fortfuhr:„Einstmals wußte ich auch nicht, was die Gemeinschaft einer Ehe bedeutet, und als ich es in bitteren. Stunden der Einsamkeit erkennen gelernt hatte, da war es zu spät. Das höchste Glück des Menschen liegt nicht im Ich. sondern im Du. nicht im Glücklichsein, sondern im Glücklichmachen.“ Es war so. als sei die alte Dame nach dieser Unterhaltung ein wenig erschöpft: sie ließ sich hintenüber in ihren Sessel sinken und ihr Haupt neigte sich über die gefalteten Hände, die in ihrem Schoßz ruhten und eine wächserne Blässe zeigten.„Sie haben mir viel von sich und aus Ihtem Leden erzählt, liebes Kind. vielleicht ist es eine Fügung des Himmels, daß Sie heute dierber gekommen sind. Auch mein perz ist übervoll, und es drängt mich, auch Ihnen meine Geschichte zu erzählen, um mich zu erleichtern.— Auch Sie werden nun in Hamburg eine zweite Heimat finden, meinet Vaterstadt— aber es ist lange her. seitdem ich zuletzt dort verweilte, und heute bin ich eine alte Frau von 65 Jahren.“ Tenia wollte eine Einwendung machen, doch Maria Venroe fuhr sogleich fort, mit einer Handbewegung die andere nicht zum Sprechen kommen lassend. Ein wenig lächelte die Malerin, als sie fortfuhr, doch war es ein trübes Lächeln, hinter dem verhaltene Tränen standen: Ja, ja, ich bin jetzt eine alte Frau, wenn Sie mir vielleicht auch sagen wollen, liebes Kind, daß ich mich jugendlich erhalten habe. aber auf dem Wege meines Lebens liegt viel Leid. und ich habe es zum Teil selbst verschuldet, indessen klage ich nicht darüber. sondern nehme alles, was kam, als Fügung des Himmels. als Prüfung. als Züchtigung. als Besserung. Ich muß ein wenig weit ausholen, um Ihnen alles zu erklären.“ „Ich bitte Sie sehr darum.“ schaltete Tenia ein. und ein unbegreifliches Mitgefühl mit dem Schicksal dieser Frau, das, wie sie ahnte. tragischer war. als man vermuten durfte, ergriff Besitz von der jungen Frau. Tenia neigte sich ein wenig vor und sagte leise:„Ich habe Sie sehr liebgewonnen. Frau Venroc. und wäre glücklich, wenn ich Ihnen irgendwie helfen könnte.“ „Wenn Sie mir gern zuhören, so ist dieses mir Hilfe genug.“ entgegnete die Malerin und sprach nachdenklich weiter:„Ich war ein junges Ding von 23 Jahren. ein wenig weltfremd und doch begierig. des Lebens Schonheiten auszuschöpfen, als durch Vermittlung meiner Eltern ein Mann in mein Leben geführt wurde, der mir in seiner stattlichen Blondheit so gut gefiel, daß ich seinem drängenden Werben sehr bald nachgab und ihn heiratete. Durch diese Verbindung kam ich in glänzende Verhältnisse und lebte froh und unbesorgt in den Tag hinein. Damals hing mir der Himmel voller Geigen. Der Gegensatz von meinem vorigen Leben zum jetzigen Dasein war zu kraß. Zu Hause hatten immer Sorgen und Geldknappheit geherrscht. Die vielen freien Stunden. die es in meiner jungen Ehe gab, da mein Mann viel im ausgedehnten Exporthandel zu tun hatte. füllte ich mit meiner Lieblingsbeschäftigung. dem Malen, aus. Schon als Kind hatte ich jedes freie Stück Papier zum Aerger meiner Eltern bemalt. Mein Mann ließ mich gewähren. er lächelte ein wenig über meinen Eifer. aber da er sah. daß dieses Tun meine einsamen Stunden ganz erfüllte. ließ er, der als nüchterner Geschäftsmann wenig von Kunst verstand. der Betätigung meines Talentes freien Lauf.(Fortsetzung folgt — — Brief an eine junge Frau Wie wird aus der Einzimmerwohnung ein behagliches Heim HEITT UND WELT Mnmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Beilage zum Herner Anzeiger Liebe Hilde! Dein Brief war mir eine große Freude, oenn ich ersah daraus, daß der Ring. den Du nun seit einigen Wocden am Finger trägst, nicht nur äußerlich die zukünftige Frau aus Dir macht, sondern Dich auch innerlich langsam zur Frau wandelt. Du erlebst jetzt zum ersten Male in Deinem Dasein, daß Du nicht nur für Dein eigenes Leben, sondern auch für das eines anderen, nämlich Deines zukünftigen Mannes verantwortlich bist. Dein Mann trägt die schwere Aufgabe, für Eute Existenz zu sorgen, und Du stehst vor der großen, aber wunderbaren Pflicht, die Gestaltung Eures Lebens in Deine Hand zu nehmen. Die erste große Arbeit lieat nun vor Dir und bringt Dir Deine ersten Sorgen. Wie wollen wir uns einrichten? fragst Du Dich und mich! Du träumst von einer kleinen Zweizimmer wohnung und doch sagen Dir die nüchternen Zahlen, daß schon für eine solche die Miete vorerst zu hoch für Euch ist. Ja, auf das zweite Zimmer werdet Ihr vorläufig verzichten müssen, werdet es aber dennoch nett und gemütlich haben, Ihr müßt nur einmal von dem Althergebrachten abgehen und Euch Euer ganz persönliche: Heim gestalten. Fangen wir zuerst beim Schlaszimmer an! Ihr habt schon stundenlang Möbelgeschäfte durchwandert und noch immer nichts gefunden, schreibst Du betrübt. Viele elegante, hochglanzpolierte Schlafzimmer, aber— leider zu teuer! Ich schlage vor, nimm ein ganz schlichtes natur farbenes Eichenholz=Schlafzimmer oder— willst Du noch weniger Geld ausgeben— so kaufe ein glattes weißes Zimmer. Dieses hat außerdem den Vorteil, daß Du pater kleine Ergänzungsmöbel immer dazu passend anchaffen kannst. 2 Betten, ein Kleiderschrank, 2 Nachtchränkchen, eine Kommode, das ist der Grundstock Eures Zimmers! Die Kommode— mit Stehspiegel und Wachskuchdecke— dient Dir gleichzeitig als Frisiertisch. Bis jetzt ist das Zimmer nur ein einfaches, kaltes, weißes Schlafzimmer, so, wie jedes andere Zimmer in irgend einem Schaufenster. Durch die kleinen Nebendinge, durch die Farbe, die Du in dem Zimmer vorherrschen läßt, bringst Du das Persönliche hinein, machst es zu„Deinem“ Schlafzimmer. Ich würde zu dem Weiß des Holzes rotes Wachstuch wählen und dazu weißgrundigen, mit großen roten Blumenmustern bedruckten Kretonne für die Uebergardinen, für die Decke über die Betten, die Lampen schirme, Stuhlsitze, ja für alles, wozu Stoff verwendet wird. Wie licht und freundlich wird das Zimmer sein, wenn die Morgensonne die roten Blumen der Fenstervorhänge langsam erglühen läßt, wie warm bei mildem Licht der Lampe, wie heiter und freundlich wird es selbst an trüben Tagen wirken! Und das alles herzurichten ist nicht teuer, denn der Kretonne ist billig und dazu gut waschbar. An die Wand— die Tapete ist einfarbig, gelblich=weiß, hängst Du ein paar gute Drucke in schmalen roten Rähmchen. Ich sehe so deutlich das Zimmer vor mir. diese Sinfonie von Weiß und Rot! Und stellst Du dann noch Dein kleines rotes Nähtischchen in eine Ecke, so kannst Du auch im Schlafzimmer mal einige Stunden arbeiten. wenn Du lieber allein sein möchtest und Dein Mann ge rade Besuch hat— in der Küche! Hast Du eigentlich schon einmal daran gedacht, Dir eine richtige Wohnküche einzurichten? Ich meine weder eine Küche, in der ein Sofa steht, noch ein Wohnzimmer mit einer Kochnische. Erinnerst Du Dich noch daran, wie wir als Kinder bei den Verwandten auf dem Lande waren? Wie gemütlich war die Abendstunde, wenn wir alle zusammen auf der Sitzbank um den blankgescheuerten Tisch hockten und es auf dem Herd in der Ecke geheimnisvoll brozelte und bruzelte! Diese warme, traute Stimmung bring auch Du in Deine Wohnung Dann wird der Feierabend auch für Deinen Mann die wahre Entspannung und Erholung sein. Eine Sitzbank solltest Du in Deine Wohnküche stellen, wenn möglich eine Eckbank, mit blau=weiß gewürfelten Kissen auf Sitz und Lehne. Davor steht ein Eßtisch, wie die Bank aus naturfarbenem Tannen= oder Kiefernholz, an den Seiten des Tisches zwei einfache Holzsessel und Stühle, ebenfalls mit blau=weißen Kissen. Auf den üblichen Küchenschrank verzichtest Du, statt dessen zimmert Dir Dein Schreiner einen einfachen Geschirrschrank aus Tannen= oder Kiefernholz in bäuerlichem Stil. Der obere Teil desselben hat vielleicht Glasscheiben oder auch nur offene Regale, auf die Du schöne bunte Keramikteller und Krüge stellst, die Du im Laufe der Zeit sammelst. Willst Du es besonders gemütlich machen, so legst Du in dieser Wohnecke einen kleinen, bunten Strohteppich auf, der sich leicht mit Wasser und Seife reinigen läßt. Die andere Seite des Raumes wird als Kochküche eingerichtet. Hier steht der Herd. der Küchentisch. ein niedriges Putzschränkchen. Sind die Möbel günstig aufgestellt, kannst Du Wohnecke und Kochküche vollkommen von einander trennen, indem Du vor der Kochecke an einer dicken Messingstange eine weiß=blaue Kattungardine aufhängst, die Du zeitweilig zuziehen kannst. Dann besitzt Du eine kleine Zweizimmerwohnung, so wie Du sie Dir wünschst. Wann darf ich Euch in Eurem neuen Heim besuchen? Herzlichst Deine Ilse. Braucht die Frau auch seelisch eine Sicherbeit? Eine psychologische Betrachtung. Einer unserer berühmtesten Psychologen gebrauchte einmal in einem Gespräch einen sehr einfachen und einleuchtenden Vergleich.„Kein Mensch“, so sagte der bekannte Arzt,„dürfte heute ohne Führerschein und ohne genaue Kenntnis der Maschine wagen, ein Auto zu steuern; nur bei menschlichen Dingen, bei dem unendlich viel komplizierteren Räderwerk der Seele kann jeder von sich aus getrost„drauflosfahren“, ohne sich über die einfachsten Vorgänge und Abläufe zu unterrichten. Ist es ein Wunder, daß es dann zu unendlich vielen„Zusammenstößen, Unfällen und Bruch“ kommt? Frauen.. Auch in der Ehe fangen die Unstimmigkeiten und Zerwürfnisse da an, wo das Verständnis aufhört. Und es hörf— aus den Gegebenheiten der menschlichen Natur sehr bald auf—, denn Nietzsche fragt mit Recht:„Wer begriffe je ganz, wie fremd sich Mann und Weib sind?“ Liebe und Wunsch nach Verstehenwollen müssen die Brücke über viele trennende Abgründe zwischen zwei Menschen schlagen. Wenn ein Mann der weiblichen Natur vollkommen gerecht werden will, dann muß er sie in ihren Grundprinzivien und Grundtendenzen erfühlen und begreifen lernen. Die Frau ist auch seelisch zur Mutter, zur Gebärerin und damit zur Erhalterin allen Lebens und alles Lebendigen prädestiniert. Diese aus dem Unbewußten aufbrechenden Kräfte formen und gestalten alle ihre Gefühle und ihre Einstellung zum Leben. Den Mann treibt die politische oder persönliche Idee, der Beruf, die Berufung, er kann sich für Gedanken opfern und vielleicht sogar selbst zerstören. Die Frau kann es nicht und darf es nicht, denn ne ist das lebenserhaltende Prinzip, Bewahrerin und Hüterin der Zukunft, während der Mann das Kämpferische und Wagende bleibt. Nicht umsonst hat eine göttliche Weltordnung diese beiden gestaltenden Prinzipien neheneinandergestellt. Ohne Frau wäre der Mann schwer seßhaft geworden, ohne sie gäbe es nicht den Wunsch, über die Gegenwart hinaus das Zukünftige zu bedenken, weil aller Zukunft Land zugleich ihrer Kinder Land bedeutet. Die Frau lebt also in ihrem seelischen Organismus sozusagen immer im Streben nach Sicherheit und Festigkeit. Das Erdhafte und Lebensnahe fördert in ihr diesen Willen und Wunsch, der ja gleichzeitig ihr tiefstes Lebensgesetz ist. Wenn man einer Frau die Sicherheit entzieht und sie zu dem männlichen Ideal des„Gefährlichlebens“ zwingen wollte, müßte man ihrer Seele, ohne es zu wissen und zu ahnen, einen Bruch zufügen, der sich eben dann nach außen hin in Unzufriedenheit, Unlust, persönliche stammen, zu organischen und bewußten Leiden werden können, ist durch die epochemachenden seelischen Neuforschungen längst erwiesen. Man hat der Frau sehr oft von männlicher Seite den Vorwurf des spekulativen Denkens gemacht, weil sie sich mit der Ehe durchaus„in Sicherheit“ bringen will. Wie kann aber Erfüllung des eigentlichen Lebensgesetzes jemals Unrecht und Spekulation werden! Man soll die Vertreter jedes Geschlechtes erst in seiner Eigenart begreifen, ehe man den einzelnen richtet. Wer in seelischen Dingen helfen wiu, muß in rücksichtsloser Offenheit reden, die Lebenslüge, die falsch verstandene Rücksicht und das Drum=herum=Reden haben mehr Schaden in der menschlichen Psyche angerichtet als zehn Schicksalsschläge zusammengenommen. Die Frau hat also— das sehen wir nach dem Vorhergesagten deutlich— den eindeutigen Drang, das Leben und den Bestand der familiären Zukunft zu sichern, weil sie ohne diese Sicherheit einfach innerlich auf eine schiefe Ebene kommen muß und dann an äußerlichen Zuständen leidet, deren Ursprung sie nicht einmal zu begreifen vermag. Die Angst, berechnend zu erscheinen, bewahrt sie in vielen Fällen nämlich davor, dem Wunsch ihres Wesens Worte zu geben. Wenn man deshalb im Alltag eine Frau und Mutter fragt:„Haben Sie eigentlich Ihren Mann, der im freien und ungesicherten Beruf steht, veranlaßt. Sie selbst und Ihre Kinder durch eine Lebensversicherung sicherzustellen?“ dann wird uns von den auf falsche Weise„Feinempfindenden" todsicher die Antwort:„Wie könnte ich ihm das je sagen? Er würde sicher denken, daß ich noch über seinen Tod hinaus Geld von ihm haben will. Das muß er doch von allein tun.. Nein, das muß er nicht, denn nicht jeder Mann ist von sich aus ein sorgsamer, weitdenkender Hausvater. Erst die Lebenserfahrung von Generationen hat Männer, die von Natur aus dem„Gefährlich=Leben“ eben viel näher stehen, die Vorsicht gebracht, Frau und Kinder auf diese Weise zu schützen. Es wäre also auch in dieser Frage wie in jedem anderen seelischen Fall besser, die Frau und Mutters##ens eine schmale Lebensbasis läßt, auf der sie selbst bekennte sich vor sich und dem Gefährten ihres Lebens]existieren kann und die auch für ihre Kinder zum geraden deutlich und ehrlich zu ihren oft überhörten und daher Weg in das Leben der Erwachsenen zu werden vermag „unerhört“, erscheinenden Wünschen. Mit einem ausge= Denn jede wahre Frau und Mutter wird mit hunder raumten Inneren wird der Mensch zwangsläufig„aus= Freuden bereit sein, das Menschenmögliche zu leißten, aber geräumt", also heiter und ausgeglichen, und leidet an davor zurückschrecken, daß das Schicksal vielleicht etwas viel weniger Angstgefühlen. Eine Frau, die als Mu und äußere Pflichten zu erfüllen hat, kann ihrer zukunfts bauenden Aufgabe nur dann vollkommen gerecht werden. wenn sie weiß, daß selbst der schwerste Schicksalsschlag, die ewige Trennung von dem Lebenskameraden ihr wenigDie Renschen=Unmögliches von ihr verlangen könnte. Angst der Unsicherheit lähmt aus den Gesetzen der Mutternatur heraus die seelischen Kräfte der Frau. Und gerade auf die Mutter paßt Schillers herrliche Wort:„Man wäre imstande, die Menschen zu Göttern zu machen, wenn man vermöchte, ihnen die Furcht zu nehmen.“ Vom Kofferpacken Eine Kunst.— Was nimmt man mit?— Das hängt vom Reiseziel ab! Die große Reisezeit steht vor der Tür. Auch wer im übrigen Jahre selten sein Heim verläßt, sinnt auf eine Möglichkeit, für ein paar Wochen einmal auszubrechen aus der gewohnten Umgebung. Es gibt ja heute so viele Mittel und Wege, auch auf billige Weise zu verreisen, falls man nicht viel Geld anwenden kann. Jeder Reise gehen einige Vorbereitungen voraus. Und das Packen ist selten ein angeborenes Talent; die meisten müssen erst ihre oft teuer erkauften Erfahrungen machen und wissen von Blusen und Kleidern zu erzählen, die durch ausgelaufene Flüssigkeiten verdorben wurden, und was dergleichen Unannehmlichkeiten mehr sind. Außerdem merkt man, wenn man wieder nach Hause kommt, fast immer, daß man viel zu viel mitgenommen hat. Anderseits denkt man oft nicht daran, daß auch kalte Tage kommen und vergißt demgemäß, warme Kleidungsstücke einzupacken. Es kommt natürlich darauf an, wieviel Geld man auf seiner Reise ausgeben kann. Wenn es nicht darauf ankommt, dauernd Gepäckträger zu bezahlen oder Autos zu nehmen, der braucht freilich beim Packen kein solcher Meister der Beschränkung zu sein, als wenn man möglichst alles in einem Coupekoffer unterbringen will, den man selber tragen kann. Und eigentlich wollen wir nur von diesen Handkoffern sprechen, denn in so und so viel Schrankkoffern, Hutschachteln usw. seine Sachen zu verLuftanzug, Shorts, lange Strandhose, Bluse und Bademantel sowie Badekappe. Je einheitlicher all diese Dinge sind und je hübscher sie zueinander passen, umso men Freude wird man an ihnen haben. Den Bademantel wir man selten in seinen Koffer verstauen können, es empfiehl sich, ihn im Postpaket zu schicken. Außerdem aber braucht man am Strande unbedingt auch warme Kleidungsstücke also Wollmantel und Wollkleid, sowie Regensachen, den es kann selbst im Hochsommer an der See sehr ungemüt lich sein. Junge Mädchen werden auch ein oder zwei hübsche Abendkleider und Tanzschuhe mitnehmen wollen, denn natürlich ergeben sich allerlei kleine Feste am Abend, an denen man doch auch teilnehmen möchte. Mit Wäschestücken braucht man sich nicht allzusehr beladen. Wenn man drei Garnituren mitnimmt, genügt das. Man kann sie abends in ein wenig Seifenwasser leicht durchwaschen und dann vorm offenen Fenster zum Trocknen hängen. In den meisten Fällen sind sie dann morgens trocken. Dasselbe gilt von den Strümpfen. An der See wird man am Strande fast immer ohne Strümpfe gehen, da der Sand die dünnen Strümpfe allzu schnell zerreibt. Dagegen braucht man natürlich für nachmittags und abends wie auch für die kühlen Tage Strümpfe. In die Berge soll man unbedingt Wollstrümpfe mitnehmen. Reist man durch mehrere Städte, so ist es praktisch, ein gut sitzendes Jackenkleid mitzunehmen, weil man mit stauen, ist ja schließlich keine Kunst.. seinem solchen immer nett und passend angezogen ist. Wenn Wer seinen Handkoffer selber tragen will, soll vor allem dieses Kleid aus einem knitterfreien Stoff verfertigt ist, darauf achten, daß dieser Koffer, wenn er leer ist, möglichst wenig Gewicht hat. Kann man ihn schon ungefüllt kaum heben, so ist er ungeeignet, besonders für eine Frau. Beim Packen haben wir darauf Rücksicht zu nehmen, wie lange wir unsere Reise ausdehnen und welche Orte wir besuchen wollen. Wir sollen uns zunächst alles notieren, was wir Tag für Tag zu brauchen meinen. Und ist diese erste Linie aufgestellt, so sehen wir sie durch und streichen nun unbarmherzig alles, was uns bei genauerer Ueberlegung doch überflüssig erscheint. Unsicherheit und schwierigen Seelenkrisen auswirkt. Daß] Im allgemeinen können wir davon ausgehen, daß wir diese Seelenkrisen, die faßt stets aus dem Unbewußten auf eine Reise in die Berge weniger Kleidungsstücke mitzunehmen brauchen. als wenn wir in einen Badeort reisen, denn hier möchten wir doch auf jeden Fall ein paar nette leichte Sommerkleider haben, für die Nach mittage, wenn wir nicht im Strandanzug herumgehen wollen. Besonders viel Abwechslung in Kleidern brauchen wir natürlich in den eigentlichen großen Kurorten, wo wir auch ohne ein paar nette Hüte oder andere Kopfbedeckungen nicht auskommen. Bei den Reisen an die See sind die Badesachen besonders wichtig, und auf diese wird deshalb vor allem Wert gelegt werden. Man wird also eine hübsche Badetasche mitnehmen, ferner Badeschuhe(Strandschuhe), Badeanzug, ist es besonders praktisch. Beim Packen des Koffers legt man die schweren Gegenstände, wie Schuhe und dergleichen, nach unten, die Kleider obenauf. Es ist nicht unpraktisch, sich Pappscheiben zu schneiden, um die man die Kleider herumschlägt, oder noch besser die sogenannten Wäschehalter zu benutzen, die obenauf mit zwei Gummibändern versehen sind, so daß man die Kleider sozusagen darauf festschnallen kann. Man vermeidet auf diese Weise, daß die Kleider sich im Koffer zusammenballen und völlig verknüllt zum Vorschein kommen Auf der Reise selbst ist ein hellgraues Kostüm am praktischsten, weil man auf einem dunklen den Staub allzu sehr sieht. Helle Schuhe sind aus dem gleichen Grunde ebenfalls praktischer als dunkle.— Und nun das Geld. Es ist immer noch ratsam, das Geld in ein Täschchen zu tun, das man an einer Schnur um den Hals unter dem Kleide trägt, so daß man in der Handtasche nur gerade so viel Geld hat, wie man für seine Bedürfnisse auf der Eisenbahn braucht. Auch das Postsparkassenbuch dürfte eine empfehlenswerte Einrichtung sein, da man, wenn man ein solches Buch mitnimmt, auf jedem Postamt unterwegs Geld abheben kann, so daß man also keine größeren Beträge mitzuführen braucht. Und das istegerade für alleinreisende Frauen ein überaus angenehmer Gedanke. Wringgeräte für den Waschtag Harte Arbeit erleichtert.— Andere Zeiten, andere Stoffe. Wasser gegen Wasser. Zu den wichtigsten, aber auch anstrengendsten Arbeiten am Waschtag gehört das Auswringen der vorgewaschenen oder fertig gespülten Wäschestücke. Auf zeitgenössischen Bildern der Jahrhundertwende sind mitunter Waschfrauen bei dieser Arbeit dargestellt, indem sie mit dem Aufwand ihrer ganzen Körperkraft die Wäschestücke um einen Pfahl schlingen und dann mit Hilfe eines Knebels zusammendrehen, bis der letzte„Wassertropfen ausgepreßt ist. Wir werden an diese rauhe Arbeit auch heute noch durch die Wringhaken, die über den Rand der Waschwanne geschoben werden, erinnert und finden das merkwürdigerweise nicht eigenartig. Wohl aber wundern wir uns darüber, daß die Wäsche schnell in der Faser zerstört wird, und haben nichts eill## zu tun, als den „neuen“ Textilien die Schuld zu geben. Daß sich aber seit GroßmuttersZeiten die Feinheit der Textilgewebe erheblich geändert hat— weil wir es so schöner finden— und daß demzufolge die mechanische Festigkeit eines Hemdentuches nicht mehr dieselbe ist wie die„groben“. Stoffe ap 1 K 3911 AUS BUNTEN STOFFEN Bever=Modell K 36230(88 u. 96 cm Obw.). Das Sommer= kleid aus buntgemusterter Seide mit vorn hochansteigendem Miederteil hat eine Garnitur aus blattförmigem weißem Pikee. Erf.: etwa 4 m Stoff, 35 cm Pikee, se 80 cm breit. Bever=Modell K 36163(84 u. 92em Obw.). Jugendliches Sommerkleid aus geblämtem Chinakrepp mit breitem Miedertell und gereihtem Rock. Erf.: etwa 3 m Stoff, 90 cm br. Beyer=Modell K 26732(88, 96 und 101cm Oberweite). An diesem leichten Sommerkleid sehen wir den neuen, sehr weiten rundgeschnittenen Rock, ausspringende Fältchen. Erforderlich: etwa 3,15 m Stoff, 90 cm breit. Beyer= Modell K 26728(92 und 100 cm Oberweite). Röhrenfältchen bilden den Schmuck dieses Hochsommerkleides aus buntbedruckter Seide. Die dreite Schärpe ist einfardig gefüttert. Erforderlich: etwa 3,30 m gemusterter, 60 cm einfardiger Stoff von 90 cm Breite. Bever=Modell K 26731(96 und 104 cm Oberweite). Dieses reizende, jugendliche Kleid aus geblümter Seide hat eine durchgehende schlankmachende Schnittform. Sehr kladsam sind die weichgezogenen Einsazteile. Erforderlich: etwa 3,50 m Stoff von 90 cm Breite. K 26739 K 26731 U E Nicht mehr Ullstein-Schnitte sondern„Ultra“-Schnittmuster:-Das int der gaue Nawe des dibewährten„eptechenden“ Ulistein-Schnitte. unserer Großeltern, berücksichtigen wir bei der Wahl der Wringvorrichtungen nicht genügend. Jedenfalls hat der alte Wringhaken nichts mehr in einer Waschküche zu suchen, die auf Schonung der Wäsche bedacht ist. Werden die Hände zum Auswringen benutzt, so sollen die Wäschestücke nur gedrückt und gepreßt, nicht aber verdreht werden, weil hierdurch das Gewebe zerstört wird. Infolge der überragenden Verbreitung kunstseidener Strümpfe haben sich die meisten Frauen mit dieser Waschmethode vertraut gemacht. Bei größeren Wäschestücken vermögen die Hände diese Arbeit nicht auszuführen. Man bedient sich daher mechanischer Hilfsmittel, die aber im Prinzip nicht anders arbeiten als die Hände. Es handelt sich um die Spindelpressen für das Entwässern von Wäsche. In einem Trog aus verzinktem Blech, dessen Wände siebartig durchlocht sind, wird die Wäsche eingebracht, von oben wird dann eine hölzerne Scheibe durch eine Schraubspindel herabbewegt und zum Auspressen des Wassers wirksam gemacht. Das Wringwasse tritt aus den Löchern des Behälters heraus und wird am Boden gesammelt und durch einen rinnenartigen Abfluß geleitet. Diese Wäschepressen haben auch den Vorzug, als Kelterpressen benutzt zu werden, indem man das verzinkte Gefäß gegen einen Steingutbehälter auswechselt, der mit Kelterobst zu füllen ist. Eine andere einfache mechanische Vorrichtung zum Entwässern der Wäsche ist die sogenannte Wasserpresse. So eigentümlich es klingen mag: hier besorgt das Wasser die Entwässerung der Wäsche!. Der Behälter, in den die nasse Wäsche getan wird, besteht aus einem Gummtbeutel. der in einem eimerartigen Gefäß hängt. Von außen wird gegen den Gummibeutel der Druck der Wasserleitung wirksam. Da der Beutel so aufgehängt ist, daß das Wasser nicht am Rande des Gummibeutels austreten kann, wird es gezwungen, von allen Seiten gegen den Beutel und die darin befindliche Wäsche zu drücken. Aus letzterer tritt das Wasser aus und fließt an dafür bestimmter Stelle ab. Ein Wasserverbrauch tritt bei diesem Gerät nicht ein, wird doch nur der Druck der Wasserleitung zur Arbeit herangezogen, der nicht unter 2 Atmosphären sinken darf, wenn die Presse genügend entwässern soll. Ein derartiger Leitungsdruck ist fast überall vorhanden, höchstens könnte er in den oberen Stockwerken hochgelegener Wohnbezirke tiefer sinken. Liegt die Waschküche im Keller, sind keinerlei Bedenken gegen die Verwendung der Pressen vorhanden. Die altbekannte Wringmaschine, bei der die Wäsche durch zwei Gummiwalzen gedrückt wird, kann bei dieser Aufzählung nicht vergessen werden. Gewiß, sie ist bei vielen Hausfrauen nicht beliebt, weil sie die Knöpfe leicht zur Unförmigkeit zerpreßt oder völlig zerbricht. Abhilje hiergegen schafft die richtige Einstellung der Walzenabstände und die Auswahl möglichst dicker Gummiwalzen, in die sich harte Wäscheteile wie Knöpfe eindrücken können. Ist ein Wringer dieser Art unmittelbar an eine Waschmaschine angebaut und wird sie von dem Motor mit angetrieben, so stellt eine derartige Vorrichtung eine wesentliche Erleichterung dar. Noch vollkommener und schonender als die erwähnten Geräte arbeiten die elektrisch angetriebenen Wäscheschleudern, die bei minutlich 1400 Umläufen das Wasser durch Schleuderwirkung entsernen. Liegen auch die Anschaffungskosten von Wäscheschleudern um ein Mehrfaches höher als die von Wringern und Pressen, so sind die Betriebskosten niedria und kaum höher als die eines Staubsaugers. Da eine Trommelfüllung nicht länger als 5 Minuten geschleudert zu werden braucht, bleibt also der Stromverbrauch ohne Wirkung auf die Kosten einer Haushaltführung. * * Deutschlands großer Fußballtag Wer wird der erlte Großdeutiche Meilter? Schalke 04 zum lechlten Male im Endlpiel, 7 Gelingt ihm zum 4. Male die MeillerIchaft? 7 Oltmarkmeilter Admira Wien ein großer Rivale. Am Sonntag wird im Berliner Olympiastadion mit dem Endspiel um die„Viktoria“ der Schlußstrich unter die Deutsche Fußballmeisterschaft 1938=39 gesetzt. Damit findet wiederum ein ereignisreiches Fußballseinen Abschluß. Auch in diesem Jahre ist Schalke 04 wieder im Endspiel, und das nun schon zum sechsten Male. Dreimal jedoch wurde„nur“ der Titel gewonnen, während die beiden anderen Male Fortuna Düsseldorf im Jahre 1933 und Hannover 96 im Jahre 1938 die Oberhand behielten. Noch in bester Erinnerung sind die beiden großen Schlachten im Vorjahr im Olympiastadion, wo es erst trotz verlängerter Spielzeit nur ein 3:3=Unentschieden gab, bis dann im Wiederholungskampf acht Tage später die Niedersachsen mit 4:3 siegreich blieben, das aber auch erst in der Verlängerung. Die drei Meisterschaften holte sich Schalke 1934 in Berlin gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:1, 1935 in Köln gegen den BfB Stuttgart mit 6:4 und 1937 in Berlin, gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:0. Nun wollen die„Knappen“ den Titel zum vierten Male nach Gelsenkirchen bringen und damit dem„Rekord" des 1. FC Nürnberg wieder ein Stück näherkommen. Der Weg bis zum Endspiel wurde den Westsalen gewiß nicht leicht gemacht. Zu Beginn der Meisterschaft war die Mannschaft so schwach, daß sie im eigenen Gau, den sie sonst so überlegen beherrschte, einige Punkte abtreten mußte. Man fand aber rechtzeitig die alte Form wieder und wurde schließlich auch mit klarem Vorsprung Gaumeister. In den Gruppenspielen bereits erkannte man, daß Schalke wieder„da" war. Wäre nicht die Niederlage gegen Wormatia Worms gekommen, hätte es einen glatten Durchgang gegeben. So fiel die Entscheidung erst im letzten Spiel gegen VorwärtsRasensport Gleiwitz, doch mit 4:0 überzeugte Schalke in jeder Beziehung. Dann kam der Vorschlußrundenkampf gegen den Dresdner SC, der überraschend trotz verlängerter Spielzeit ein 3:3=Remis brachte. Schalke hatte schon 2:0 geführt, war technisch auch klar besser, ließ sich aber in der zweiten Halbzeit überrumpeln. Das Wiederholungsspiel wurde aber am vergangenen Sonntag dann umso sicherer mit 2:0 gewonnen, und hier zeigte sich dann auch, daß die Dresdner Mannschaft doch nicht so stark ist, um den Titel in ihren Besitz zu bringen. Schalke hat einmal durch das verlängerte Spiel vor vierzehn Tagen, zum anderen aber durch die Wiederholung den Nachteil, nicht so ausgeruht ins Endspiel gehen zu können, wie das bei Admira Wien der Fall ist. Dafür ist Schalke aber insofern glücklicher daran, als es nach der Genesung von Schweißfurth mit der stärksten Mannschaft antreten kann, denn auch im zweiten Gang mit Dresden hat es keinen Verletzten gegeben. Admira dagegen beklagt den Verlust des ausgezeichneten Torwarts Platzer und des ebenfalls sehr guten Verteidigers Schall, die im Gaukampf Ostmark— Schlesien am Vorsonntag in Wien so schwere Verletzungen davontrugen, daß sie wohl einige Wochen aussetzen müssen. Zwar ist der Wunsch der Wiener, den gesperrten Läufer Urbanek für das Endspiel freizubekommen, in Erfüllung gegangen, doch ist die Mannschaft zweifellos noch gehandicapt. Schalkes Chancen steigen dadurch ganz beträchtlich, doch darf auf der anderen Seite nicht vergessen werden, daß die Westfalen durch die schweren Spiele der letzten Sonntage körperlich ziemlich mitgenommen sind und sicherlich nicht die für das Endspiel notwendige Spannkraft besitzen. Denn zwischen den Spielen lagen auch immer noch die weiten Reisen von Gelsenkirchen nach Berlin und zurück. Schalkes großer Rivale Admira Wien stellt sich als erster Meister des neuen Ostmark=Gaues, sann aber auch als sechsfacher Meister des früheren Oesterreich vor. Die Wiener sind unter allen Umständen gewillt, die„Viktoria“ an die Donau zu entführen, nachdem durch Rapid bereits der Tschammerpokal gewonnen wurde. Es ware ein großer Triumph für den Wiener Fußball, beide Trophäen in seinem Besitz zu haben. Als hoher Favorit ihrer Gruppe konnte Admira in den Vorrundentreffen zur„Deutschen“ nicht überzeugen. Zuhause wurden Dessau 05, BfR Mannheim und die Stuttgarter Kickers klar geschlagen, aber bei den Spielen in der Heimat des Gegners klappte es nicht. Daß schließlich doch noch der Gruppensieg davongetragen wurde, war nur auf die unerwartete Niederlage der Stuttgarter Kickers in Halle gegen Dessau 05 zurückzuführen. Als die Wiener dann in die Vorschlußrunde kamen, waren sie in Frankfurt a. M. gegen den allerdings ohne Höffmann spielenden Hamburger Sportverein glänzend im Schwung und siegten überzeugend mit 4:1. Mit den besten Hoffnungen und in größter Ruhe sah man der Entscheidung entgegen, da passierte das Unglück mit den Verletzungen von Platzer und Schall. Sicherlich ist guter Ersatz vorhanden, aber für ein derart schweres Spiel sind die Kräfte wohl nicht ausreichend, um zwei Könner vom Schlage Platzers und Schalls vollwertig zu ersetzen. Da aber Läuferreihe und Angreff ungeschwächt in den Kampf gehen, ist man in Wien nicht ganz entmutigt und hofft trotz aller widrigen Umstände noch auf den Sieg. Es ist überflüssig, sich noch einmal eingehend mit den beiden Partnern und damit den einzelnen Spielern zu beschäftigen. Das ist in den letzten Wochen zur Genüge geschehen, und überdies kennt jeder Fußballfreund die„Größen“ aus Schalke und Wien. Fest steht, daß Schalke durch den klaren Gewinn im zweiten Treffen mit Dresden seine alte Sicherheit zurück gefunden hat. Fest steht aber auch, daß noch mehr und vor allem besser geschossen werden muß. Erfreulich war am letzten Sonntag die Zuverlässigkeit der Schalker Abwehr, wodurch die Läuferreihe mehr als sonst Gelegenheit hatte, sich dem Aufbauspiel zu widmen. Das taten Gellesch, Tibulski und Berg denn auch so famos, daß ihnen in erster Linie der Erfolg zu verdanken war. Schalke ist auf jeden Fall gugerüstet, und der ganze Westen hofft, daß die Meisterschaft wieder nach Gelsenkirchen kommt. Admiras Mannschaft ist folgende: Buchberger; Hanreiter, Marischka; Urbanek, Klacl, Mirschitzka; Vogl, Hahnemann, Stoiber, Durspekt und Schilling. Für Schalke spielen: Klodt; Bornemann, Schweißfurth; Gellesch, Vibulski, Berg; Eppenhoff, Szepan, Kalwitzki, Kuzorra, Urban. Schiedsrichter ist Schulz(Dresden). Um den dritten Platz Dresdner SC— Hamburger SD Die in der Vorschlußrunde geschlagenen Mannschaften aus Dresden und Hamburg werden sich bereits am Samstag im Dresdner Ostragehege im Kampf um den dritten Platz gegenüberstehen. Auch hier ist ein schöner Kampf zu erwarten. Auf beiden Seiten sind die Hintermannschaften nicht immer zuverlässig, die Stürmerreihen dagegen entschlossen und schußfreudig. Das gilt vor allem von der HSBAngriffsreihe, die diesmal wieder von Höffmann geführt werden sollte. Damit gewinnt der Hamburger Sturm erheblich an Durchschlagskraft. Dresden ist aber durch den Vorteil der heimischen Umgebung im Plus. Das Ende wird sehr knapp sein. Weitere Spiele im Gau Ein großes Spiel kommt in der Kampfbahn Rote Erde anläßlich des 30jährigen Bestehens von Borussia Dortmuno zum Austrag. Die LenzMannschaft hat sich zu diesem Zweck den Nieder= sachsenmeister, BfL Ornabrück, verpflichtet.— Arminia Marten hat den BfB Altena zu Gast. Die Spielvgg. Herten fährt zur Wasserkante. Das erste Spiel bestreiten die Hertener bei BfB Rostock und tags darauf sind sie bei Polizei Lübeck zu Gast. Aufstiegsspiel am Samstag Hüsten 09— SC Münster 08 Das noch ausstehende Spiel um den Aufstieg zur Fußball=Gauliga zwischen Hüsten 09 und dem SC Münster 08 ist jetzt für Sonnabend, 17. April, angesetzt worden. Da mit BfB Bielefeld und Gelsenguß Gelsenkirchen die beiden aufsteigenden Vereine bereits ermittelt sind, hat das Spiel praktisch natürlich keine Bedeutung mehr. Dennoch sollte dieser Prestigekampf nach dem 2:2=Unentschieden in Münster Aufschluß über das Stärkeverhältnis der Meister des Sauerlandes und des Münsterlandes geben. westfalia Herne in Freundschaftskämpfen Auch Spy Sodingen an zwei Tagen beschäftigt. Im Zeichen des Berliner Endspiels wird morgen ganz Sportdeutschland stehen. Neben den rd. neunzigtausend im Olympiastadion werden viele hunderttausende am Lautsprecher sitzen und zuhören und dabei wenig Zeit für andere Spiele finden, seien es sogar die eigenen Vereine. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, wenn nur wenige Freundschaftstreffen ausgemacht wurden. Unseren Gauligisten sehen wir allerdings an beiden Tagen beschäftigt, heute auf eigenem Boden und morgen in Aplerbeck Der SpV Sodingen versucht es ebenfalls an beiden Tagen. Er stellt sich heute in Habinghorst zum Rück spiel und spielt morgen auf eigenem Gelände gegen Henrichshütte.— Einen Lokalkampf gibt es sodann am Sonntag bei Constantin in Herne, welches gegen den BV Herne=Süd antritt.— Ein weiteres Lokal spiel steigt in Horsthausen zwischen Viktoria Herne und Rasensport Holthausen. zwei schwere Aufgaben für Westsalia Die letzten noch verbleibenden Wochen vor Beginn der Fußballsperre am 1. Juli werden von den Strünkedern noch weidlich ausgenutzt, und auch dieses Wochenende sieht zwei Spielabschlüsse vor. Am heutigen Abend treten die Westfalen am Schloß Strünkede dem ewigen Tabellenzweiten vom Gau Niederrhein gegenüber, dem TB Schwarz=Weiß Essen. Der Name des Geaners besagt genug. Westfalia Herne steht vor einem schwerei Spiel. Schwarz=Weiß brachte schon — Lokalkämpfe in Horsthausen und Constantin. größte Gegner zu Fall. Hier kann nur die stärkste Westfaliaelf etwas ausrichten. Sonntag geht die Reise der Herner Westfalia nach Aplerbeck. Dort schließt der SC 09 Aplerbeck sein 30jähriges Jubiläum mit einem Spiel gegen den heimischen Gauligisten ab, der nach dem schweren Vortagsspiel nichts geschenkt bekommen wird, doch müßte ein Sieg fällig sein. An der Reise nach Aplerbeck beteiligen sich auch Westfalias Handballer, welche vor den Fußballern spielen werden. Wir wollen hofsen, daß dieses Wochenende günstig für die Herner endet. Westfalla Herne— Schwarz=Weiß Essen. Um Nasenlänge ging den Essenern die Niederrhein= meisterschaft an Fortuna Düsseldorf verloren, wie schon in manchen Jahren vorher. Sie genießen aber im ganzen Reich einen guten Ruf. In ihren Reihen finden wir den Nationaltorwart Buchloh, den internationalen Mittelläufer Stephan, ferner Namen wie Winkler, Plückthun usw., alles Namen von Spitzenkönnern des Gaues Niederrhein. Hernes Mannen werden vor einer schweren Aufgabe stehen. In der Schlußstaffel dürften sich beide Mannschaften wenig nachstehen. Interessant wird der Vergleich zwischen den beiden Mittelläufern Stephan und Niklas sein. Bei den Sturmreihen halten wir Essens Angriff für stärker. Auf jeden Fall wird es ein spannendes Trefsen geben. Nach dem Herner Sieg über Gleiwitz und dem guten Abschneiden gegen den VfL Osnabrück oird man in Essen wie in Herne dem Ausgang des gewisser Spannung entgegen Nachstehend die Aufstellung der beiden Mannschaften Westfalla: Sobota Krüger Kroll Klein 2 Niklas Gendersti Behrendt Pillkan Kilz Klein 1 Joswiak Kruse Wolf Trimbold Plückthum Winkler Dettmer Stephan Roberts Gahlmann Löhr Jakob Schwarz-Weiß Essen: Sonntag zum 30. Jubiläum beim SC 09 Aplerbeck. Eine großzügige Jubiläumswoche hatte der SC 09 Aplerbeck anläßlich seines 30jährigen Jubiläums aufgezogen, und morgen wird der Schlußstrich gezogen. Hierzu haben die Aplerbecker unseren Gauligisten, Westfalia Herne, verpflichtet. Damit dürften sie sich keine Enttäuschung bereitet haben, denn unsere Strünkeder sind für solche Werbespiele dank ihrer fairen und technischen Spielweise der geeignete Gegner. Es fragt sich nur, ob das schwere Vortagsspiel die Herner nicht hemmt. Dennoch nehmen wir an, daß aus Aplerbeck ein schöner Spielverlauf und ein Herner Sieg gemeldet wird. In Aplerbeck spielen die Westfalen in derselben Aufstellung wie am Sonnabend. Auch Westfalias Handballer in Aplerbeck. Vor dem Fußballspiel treffen sich die 1. Handballmannschaften beider Vereine. Beide gehören der 1. Bezirksklasse an und dürften sich in Bezug auf Spielstärke wenig nachstehen, so daß mit einem scharfen Kampf zu rechnen ist. Die Herner werden ohne Simon, Kaminski und Rybicki spielen müssen, welche verhindert sind. Da aber einige gute Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen, dürfte es immerhin zu einem knappen Sieg der Strünkeder langen, welche in folgender Aufstellung antreten: Esser Klopothek Föllmer Poppe Servais Joyt Wille Schulze Padberg Rosche Grossek. Lokaltreisen bei Constantin Herne SC Constantin Herne— B3 Herne-Süd. Zwei alte Bekannte aus der Meisterschaft liefern sich hier kurz vor Toresschluß noch einmal ein Freundschaftstreffen, das die Platzherren gern zu einer„Rebanche“ für die auf eigenem Platz von Herne=Süd bezogene Niederlage gestalten möchten. Zur Zeit dürften in der Tat die Constantiner unbedingt als spielstärker anzusehen sein, denn der B3 Herne=Süd wird auf einige seiner besten Spieler verzichten müsen, welche vom Verband gesperrt wurden. Da die Märker in den letzten Wochen immer einen achtbaren Gegner abgaben und gegen den B3 Süd zudem jederzeit ein gutes Spiel lieferten, rechnen wir mit einem Siege der Constantiner, der sogar in Anbetracht der Umstände ziemlich deutlich ausfallen sollte. Zwei Zugendspiele des Sc Germania Herne Samstag gegen Westfalia herne. Germanias Jugend kam in der Meisterschaft mit gleicher Punktzahl wie Westfalia Herne zum Gruppenziel und anschließend zur Bannmeisterschaft. Daher dürfte der heutige Kräftevergleich sehr interessant sein. Sonntag gegen den BV Herne-Süd. Die Süder Jugend ist nicht zu verachten. Germanias Jugend hat dieses zweite Spiel bestimmt noch nicht gewonnen. Germania Herne 2. Jgd.— B3 Herne=Süd 2. Jgd. Sodingen heute in Habinghorst UfL Habinghorst— SpB Sodingen. Heute abend findet dieses Rückspiel in Habinghorst statt. Im letzten Treffen behielt Sodingen knapp mit 4:3 Toren die Oberhand. Auf eigener Scholle aber dürfte der Gastgeber die Rechnung begleichen. Ob diese Begleichung glückt, hängt von der Einsatzfreudigkeit der Sodinger ab. Der Ausgang dieses spannenden Kampfes ist durchaus offen. Spy Sodingen— Betriebssportgem. Henrichshütte. Am Sonntag spielt Sodingen daheim gegen BSG Henrichshütte. Bekannt ist diese Mannschaft in SoKarlchens Blick nach der„Viktoria“ Der„Kohlenpott“ schwört auf Schalke. Sturm auf die Sonderzüge.] Die Stimmung am Schalker Markt. 7„Admira für uns ein unbeschriebenes Blatt". 7 Interessante Gäste am Schloß Strünkede. Nun ist es mal wieder so weit, daß Karlchen sich den Kopf darüber zerbrechen kann, wein die bronzene Jungfrau, die vielbesungene„Viktoria“, diesmal ihre Huld zuwenden wird. In Hannover an der Leine scheint es ihr ja nicht sonderlich gefallen zu haben. Sie hat sich damals ohnehin erst nach hartnäckigem Sträuben von ihrem alten Freund am Schalker Markt getrennt, und es gab schon damals Leute, die sagten: „Paß auf, alte Liebe rostet nicht, die kommt wieder nach Mutter Thiemeyer zuraa...“ In Gelsenkirn hat man auch bereits festlich geschmückt. Alles zu threr feierlichen Heimkehr bereit.„Wenigstens könnte das der Außenstehende glauben, wenn er jetzt unserer Nachbarstadt einen Besuch abstattet. Aber das alles, das Meer der Fahnen, die Grubenlampen im Kranz des Tannengrüns uhd der goldenen Eichenblätter, gilt vorerst der Alten Garde, die gestern bei Ihrer Westfalenfahrt in der„Stadt der tausend Feuer" ihren vielumjubelten Einzug hielt. Aber die guten Gelsenkirchener werden vorsorglich ihre Stadt in dieem Festschmuck belassen, um am Montagabend, wie eder Gelsenkirchener hofft, die„Knappen“ als heimehrende Sieger begrüßen zu können. Sie brauchen dann nur noch die bekannten blauweißen Fahnen herauszuhängen, und Schalke wird— immer vorausgesetzt natürlich, daß unser Westfalenmeister im Endpiel gewinnt— durch eine wahre„via triumphalis“ sum Schalker Markt ziehen... Wohl noch nie, wenn Schalke zu einem Endspiel ach Berlin mußte, war die Anteilnahme der fußballreudigen Massen im„Kohlenpott“ so groß wie diesnal. Die beiden Sonderzüge, die allein in Gelsenirchen abgelassen werden waren im Handumdrehen susverkauft. Hunderte, die vor den KdF=Dienststellen Schlange standen, mußten mit betrübten Gesichtern nach Hause gehen. Aber manche von ihnen werden auch so den Weg zum Reichssportfeld finden, mit den fahrplanmäßigen Zügen, im Auto, auf dem Motorrad oder per„1 PS.“, mittels der Pedale eines strapazierfähigen Fahrrades. Auch Karlchen hatte vor, sein Behikel aus dem„Stall“ zu holen, aber bei der Probefahrt gab es letder einen Lenkstangenbruch, und o wird Karlchen zu denen gehören, die sich das Endpiel wieder einmal durch den Rundfunk zu Gemüte ühren. Leider wird nur die zweite Halbzeit übertragen, so ist Karlchen und sind all die anderen Daheimgebliebenen nicht von vornherein im Bilde. Als Karlchen sich in diesen Tagen nach der Meinung umhörte, wie der Kampf zwischen Schalke und Admira Wien wohl ausfallen wird,„tippte“ jeder echte„Kohlenpötter“ auf einen klaren Sieg unserer Landsleute und stand Schalke im Wettmarkt als heißer Favorit. Nur hier und da wagte es einer schüchtern, der„Admira“ seine Stimme zu geben, sei es aus angeborenem Pessimismus oder aus beflissener Opposition gegenüber dem Gros. Die Zuversicht, die man diesmal Schalke entgegenbringt, stützt sich in erster Linie auf die sichere Art und Weise, in der die Mannen um Szepan und Kuzorra im Wiederholungsspiel den so hoch eingeschätzten Dreodner SC ausschalteten. Hinzu kamen die Meldungen aus Wien, wonach mit Peter Platzer, dem„Zauberer“ im Tor der Wiener, und dem Verteidiger Schall zwei der besten Leute der Admira außer Gefecht gesetzt sind, eine Nachricht, die auch im Westen mit ehrlichem Bedauern aufgenommen worden ist. Denn wenn man schon Schalkes Triumph als„erster Großdeutscher Meister“, wie es schon seit Wochen am Schalker Markt heißt, feiern will, dann möchte man sich dabei nicht gern Essig in den Wein träufeln lassen:„Na jsa, was ist das schon groß, die Admira war sa bereits vorher k. o....“ Nun haben die Wiener inzwischen ihren gesperrten Urbanek freibekommen, und mit Buchberger soll ein ausgezeichneter Ersatz für den„Peter“ zur Verfügung stehen, so daß von Wiener Seite derlei Einwendungen nicht erhoben werden können, wenn Schalke, tatsächlich einwandfrei siegt. Ist so die Stimmung der breiten Masse der Fußballfreunde im Westen von einer fast hundertprozentigen Zuversicht getragen, so traf Karlchen am Schalker Markt eine wesentlich kritischere oder, besser gesagt, vorsichtigere Einstellung hinsichtlich des vermutlichen Ausgangs des morgigen Kampes an. Fritz Szepan und Ernst Kuzorra, die alten „Fußballweisen“, deren Lob jetzt wieder so laut ge sungen wird, sind zum Beispiel in ihren Aeußerungen recht zurückhaltend:„Wir kennen Admira nicht, wir haben noch nie gegen sie gespielt und bisher auch keine Gelegenheit gehabt, sie im Kampf gegen eine andere Mannschaft zu sehen. Sie ist für uns ein völlig unbeschriebenes Blatt. Es muß sich also im Spiel zeigen, was die Wiener können. Sind sie wirklich besser als wir, werden wir es in Würde tragen, wenn wir geschlagen werden. Stellt sich aber heraus, daß wir die Trümpfe in Händen haben, werden wir sie auch auftischen. Darauf können sich die Wiener verlassen.“ Die Voraussetzungen zu einem neuen großen Triumph sind für Schalke jedenfalls die denkbar günstigsten. Die Mannschaft ist zur Zeit in einer Form, die sich kaum noch steigern läßt, und zudem ist alles gesund und heil aus den beiden Spielen gegen den Sachsenmeister heimgekehrt. Das einzige, was die Schalker wurmt, ist der Umstand, daß Reichstrainer Herberger zu Beginn der Woche Klodt, Gellesch und Urban nach Duisburg beordert hat, wo er die Spieler, die in den Länderspielen gegen Norwegen und Dänemark das Nationaltrikot tragen, zusammengetrommelte, um ihnen den„letzten Schliff" zu geben. Den Schalkern wäre es lieber gewesen, man hätte ihre Leute schön zu Hause gelassen. Na, sie sind immerhin so rechtzeitig zurückgekommen, daß sie heute morgen gemeinsam mit ihren Klubkameraden die Fahrt nach Berlin antreten konnten, Schalke also seine Schäflein alle hübsch beisammen hatte. Nun hoffen auch wir, daß es klappt und Schalke 04 die Großdeutsche Meisterschaft wirklich nach dem Westfalengau bringt. Dann fällt auch auf die Mannschaften der westfälischen Gauliga, die den Mannen um Szepan und Kuzorra bei den verflossenen Meisterschaftsspielen so tüchtig eingeheizt haben, ein Stück des Glanzes. Karlchen wird sich jedenfalls am Montagabend in den Trubel, der hoffentlich in Schalke herrschen wird, stürzen und mit der Viktoria ein frohes Wiedersehen feiern... Wenn's aber wider Erwarten schiefgehen und Schalke mit einer ehrenvollen Niederlage heimkehren sollte, dann ist ja auch weiter kein Bein ab, dann schmettern wir uns eben einen Im heimischen Revier gibt es heute abend eine interessante Abwechslung, stellt sich doch mit SchwarzWeiß Essen der Tabellenzweite der niederrheinischen Gauliga ein. Da auch„Stopper“ Stephan mit von der Partie ist, werden die Strünkeder sich mächtig ins Zeug legen müssen, wenn sie sich ehrenvoll aus der Affäre ziehen wollen. Hoffentlich bringen sie diesmal den Ehrgeiz auf, den ihre„Alten Herren“ in Oberhausen an den Tag legten, wo sie„Rut=Weiß“ ein halbes Dutzend Tore aufbrummten und ohne Gegentreffer nach Hause kamen. Karlchen würde sich freuen, wenn es heute abend schon mit einem Unentschieden auslausen würde. Jedenfalls darf es keine hohe Niederlage geben. In diesem Sinne schnell noch die Tips: Reisterschaftsspiele: Schalke 04— Admira Wien 2:1 SC Dresden— SV Hamburg 2:1 Aufstiegsspiele: Hüsten 09— Münster 3•1 Borussia M.Gladbach— Hilden 08 2:1 Lindenhorst—. Preußen Wanne 2•2 Altenbochum— Dortmund 95 3:1 Gesellschaftsspiele: Westfalia Herne— Schwarz=Weiß Essen 2:2 dingen wenig. Gie gehört der 1. Kreisklasse an und soll eine gute Klinge schlagen. Da auch dieser Gegner erst bezwungen sein will, ist den Grün=Weißen zu raten, dieses Spiel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sollte den Sodingern das Spiel vom Vor tage nich.„u stark in den Knochen stecken, müßte aus dieser Begegnung der Gastgeber dann als Sieger hervorgehen. Der Absteigende gegen den Aufsleigenden SpB Viktoria Herne— Rasensport Holthausen. Die wiedererwachten Rasensportler aus Holthau sen, welche am Vorsonntag noch den BfB Börnig schlugen, stellen sich Sonntag an der Schleuse 7 den Viktorianern. Bekanntlich werden die Holthausen zur 1. Kreisklasse aufsteigen und dort den Platz der Vik toria einnehmen, welche absteigt. Auch in dem mor gigen Spiel werden die Rasensportler die Berechti gung ihres Aufstiegs unter Beweis stellen. Den Gastgebern wird der eigene Boden wenig nützen, die Gäste dürften klar gewinnen. Ein Herner beim 25 km Lauf Kohn(6TC) starkei beim reichsoffenen 25-km-Lauf in M.Gladbach. Am Sonntag, dem 18. Juni, findet in M.Gladbach der zweite 25=km=Lauf statt. 98 Meldungen sind aus dem ganzen Reich eingegangen. Favorit dieses Rennens ist der Deutsche Marathonmeister Bertsch, Stuttgart. Gnädig, Braesicke, Wiedemann, Annweiler und Puch sind die nächsten Anwärter auf weitere Plätze. Hernes Marathonläufer Kohn(HTC) hofft, auch in diesem schweren Rennen mit einer guten Zeit durchs Ziel zu gehen. Kann=Großkampftag auf der Nuhr Gaumeisterschafts-Regatta der kurzen Strecke. Nachdem die Kanuten des Gaues Westfalen am letzten Sonntag auf der Weser bei Minden die Gaumeister der langen Strecke ermittelten, erreicht ihr Wettkampfprogramm mit der Suche nach den Gau meistern der Kurzstrecke am Sonntag auf der gestauten Ruhr bei Herdecke ihren Höhepunkt. Das Programm sieht die Ermittlung von allein sieben Gaumeistertiteln vor, die sämtlich ausgefahren werden. Das Meldeergebnis weist eine derartig starke Beteiligung auf, daß am Vormittag eine ganze Reihe Vorläufe notwendig sind, aus denen sich dann die Besten für die Hauptkämpfe am Nachmittag qualifizieren. Acht Starter im Großen Sansa=Preis Die Hamburger Derby=Woche bringt am ersten Tag mit dem Großen Hansa=Preis über 2200 Meter das Hauptereignis. Am Start sind acht Pferde zu erwarten, unter denen sich auch der polnische Vollblüter Kanclerz befindet. Am Ablauf dieses mit 21 500 RM. ausgestatteten Rennen erscheinen: Gest. Zoppenbroich, Gest. Waldfried, Gest. Schlenderhan, Hauptgest. Graditz, Gest. Waldfried, Graf Kurnatowski(Polen). Gebietsregatta der 83 aus dem Hengsteysee Am kommenden Sonntag veranstaltet die HitlerJugend auf dem Hengsteysee ihre 2. Reichsoffene Gebietsregatta. Diese Veranstaltung hat mit 62 Mannschaften und 307 Teilnehmern ein sehr großes Meldeergebnis erfahren. Hier werden neben dem Rahmenprogramm die Gebietsmeister Westfalens im Achter und Doppelzweier ermittelt, die sich durch ihren Sieg für die in Berlin stattfindende Reichsjugendmeisterschaft qualifizieren. Erstmals sieht man auch das Deutsche Jungvolk im Kampf. Die Pimpfe werden Stilrudern, Geschicklichkeits= und Schnellrudern vorführen. Diese Gebietsregatta wird jeden falls beweisen, wieviel Könner die Hitlerjugend auch autf dem Gebiet des Rudersports besitzt. Kampf um Londons Dlympisches Dorf Der Auftrag des JOK in London, die Feier der 13. Olympiade 1944 zu veranstalten, ist an der bekannt konservativen Haltung der englischen Presse doch nicht spurlos vorübergegangen. Im Gegensatz zum Wochenende, wo sich die Blätter damit begnüg ten, in drei Zeilen über die Vergebung der Spiele zu berichten, beginnt man sich jetzt doch näher mit den Fragen zu befassen. Während eine Reihe von Zeitungen feststellt, der Bau eines Olympischen Dorfes sei unnötig, da man genug Hotels zur Verfügung sabe, stellen andere wieder den Vorteil gern heraus, den das Zusammenleben der Kämpfer in einem solchen Dorf mit sich bringt. Es wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, wie sich gerade in Berlin und vorher in Los Angeles der wahre olym pische Geist in dem kameradschaftlichen Leben des Dorfes entwickelt habe. Mit einiger Spannung sieht man nun der ersten Sitzung des englischen OlympiaAusschusses entgegen, der diese Fragen schon anschneiden wird. 24=Stunden=Rennen für Sportwagen in Le Mans Im Zeichen starker deutscher Beteiligung das 24=Stunden=Rennen von Le Mans für Sportwagen, das am Wochenende entschieden wird. Die Adlerwerke haben nach ihrem Vorjahressieg auch jetzt die Absicht, den Rudge=Withworth=Pokal sicher zu verteidigen. Paul von Guilleaume und Otto Löhr wollen dafür auf dem 1,5=l=Wagen sorgen. Auf dem großen 2,5=l=Wagen werden Huschke, von Hanstein und der Seitenwagenmeister K. Kahrmann(Fulda) sich erstmalig an der Ausscheidung der 20ini= und 3000 ccm=Klasse beteiligen. Das deutsche Aufgebet wird vervollständigt durch die Teilnahme einer RSKK=Mannschaft auf BMW=Sportwagen, die von Ostuf. Prinz Schaumburg=Lippe und RSKK=Mann Wenscher, Ostuf. Roese und Truppf. Heinemann. Truppf. Dr. Wiswedel und Schlüter gesteuert werden Die Gegnerschaft ist für unsere Fahrer groß und schwer. Neben Frankreich ist auch England stark vertreten, von bekannten Fahrern sind Wimille, Sommer, Dreyfuß, Etancelin, Trevoux, Chaboud. u. a. zu nennen. Wendet Minden das Blatt? Vorlchlußrunden-Rücklpiele der Handballer. Kampf dem Geburtenrückgang in Frankreich Die beiden Hinspiele der Vorschlußrunde endeten mit Ueberraschungen. Der deutsche Meister gewann in München gegen die Post nur mit Ach und Krach 4:3, und Hindenburg Minden unterlag in Lintfort 13:2. Die beiden Rückspiele am kommenden Sonntag sollen nun die Endspielteilnehmer ermitteln, ob das aber schon der Fall sein wird, ist zu bezweiseln. Fraglos wird der MTSA Leipzig gewinnen, aber die Westfalen werden sich in Minden verzweifelt gegen Lintfort ins Zeug legen, und da ist noch lange nicht sicher, wer gewinnt. Lintfort muß in Minden spielen. Der Niederrheinmeister hat wirklich eine erfolgreiche Spielzeit hinter sich. Nachdem die Gaumeist r= schaft ziemlich klar errungen wurde, wurden die Gruppenspiele zur deutschen Meisterschaft überraschend sicher absolviert. und nun gelang der Elf auch im ersten Vorschlußrundenkampf der große Wurf, nicht nur zu gewinnen, sondern den Gegner glatt zu überfahren. Die junge Lintforter Elf spielt mit: Körvers, Seigner, Brüntgens II, Wutschik, Prizigoda, Mumoth, Grosch, Meister, Ladage, Brüntgens I, Olinitschak. Die Mannschaft ist schnell, elastisch und unerbört einsatzfreudig. Das Kombinationsspiel klapnt ausge zeichnet. Torwart Körvers spielte früher bei Hindenburg Minden und kennt natürlich die Westfalen genau, die ihm nur schwer beikommen werden. Die gesamte Mannschaft ist ausgezeichnet, aber trotzdem muß man Prizigoda, Brüntgens I und Ladage noch besonders hervorheben. Der Westfalenmeister war bereis Titelinhaber, ist aber jetzt nicht mehr die kampfstarke, schnelle Einheit früherer Jahre. Die Mindener haben ihre Elf überaltern lassen. Immerhin ist der Kampf in Minden sehr offen, und ein Erfolg der Mindener würde nicht überraschen, obwohl natürlich die Gäste alles daransetzen werden, um mindestens durch ein Unentschieden ins Endspiel zu kommen. MTSA Leipzig— Post München. Der deutsche Meister MTSA Leipzig besitzt eine glänzend eingespielte, durchschlagskräftige Einheit, die freilich im Hinspiel in München nur ganz knapp gewann, aber man darf nicht vergessen, daß der Boden den körperlich schweren Sachsen schlecht lag. Als Mannschaft und auch in spielerischer Hinsicht sind die Leipziger im Vorteil, und da sie diesmal Platzvorteil haben, dürfte an ihrem Siege nicht zu zweifeln sein. Die Vorschlußrunde bei den Frauen. Stahlunion Düsseldorf und BfR Mannheim? Auch in der Frauenmeisterschaft hat sich die Mannschaft vom Niederrhein glänzend behauptet, denn Stahlunion Düsseldorf bestreitet jetzt die Vorschlußrunde gegen Eimsbüttel Hamburg. Die Düsseldorferinnen stellen eine junge, kampffreudige Mannschaft, die die bisherigen Spiele recht sicher gewann. Ohne Zweifel ist die Altmeisterelf von Eimsbüttel ein schwe rer Gegner, der sogar den Titelverteidiger ausschaltete, aber unschlagbar sind die Nordmärkerinnen keinesfalls, zumal der Kampf in Düsseldorf stattfindet. Klarer scheint die Angelegenehit in Mannheim zu sein, wo der dortige BfR,„der ewige Zweite“ der deutschen Meisterschaft, gegen den Magdeburger Frauen=SC antritt. Die Magdeburger Frauen sind keineswegs zu unterschätzen, aber die Mannheimer Mädel besitzen die größere Erfahrung in entscheidenden Kämpfen und standen schon häufig im Endspiel. Sie werden diesmal ihren Ehrgeiz darin setzen, wieder ins Endspiel zu kommen und dann endlich einmal den Titel nach Mannheim zu holen. Handballwerbewoche mit Pokalturnier bei Tus Holsterhausen. In der Zeit vom 18. bis 25. Juni führt Tus Holsterhausen, dessen Name im Handball einen ruhmreichen Klang hat, eine Handballwerbewoche durch, mit der ein Pokalturnier verbunden ist. Am Sonntag kommen die ersten Paarungen zum Austrag. Auf dem Programm stehen: BSG Bochumer Verein— Friesen Bochum Jahn Langendreer— Post Recklinghausen BSG Schalker Verein— Tus Holsterhausen Wie wir zu diesen Paarungen erfahren, greift Westfalia Herne, dessen Handballmannschaft am Sonntag nach Aplerbeck fährt, morgen noch nicht in das Turnier ein. Dies wird erst in einigen Tagen geschehen. Den Tus=Leuten in Holsterhausen wünschen wir mit ihrer Werbewoche einen recht eindrucksvollen Erfolg. 6. Bochumer Reit-, Spring-, und Fahrturnier Ueber 300 Nennungen./ Reiter und Pferde von Klasse am Start. Totalisator. Das Programm des 6. Bochumer Reit=, Springund Fahrturniers weist außer den gutbesetzten Reitprufungen auch fünf Springwettbewerbe auf, die mit über 300 Nennungen stark besetzt sind. Man kann in den Springen mit spannenden Kämpfen rechnen, da sich in Bochum viele gute Reiter und Pferde ein Stelldichein geben, darunter auch Reiter von der Klasse eines Rittmeisters Sahla, Hauptmann Schlickum, die beide schon des öfteren in Nationalpreisen die deutschen Farben im In= und Auslande ehrenvoll vertreten haben. Weiterhin finden wir vertreten Major Betzel und H. Cronn, denen beiden es in früheren Jahren gelang, sich den Rheinischen Springmeistertitel zu holen, beide haben schon im Vorjahre am Bochumer Turnier teilgenommen. Weiterhin startet Lin. König auf„Hasso". Mit frischem Siegeslorbeer vom Turnier in Recklinghausen kommt Oberlt. d. Sch. Bestring, der dort das Glücksjagdspringen mit„Arnim“ gewann und hier Volte und Coralle reiten wird. Von der SA starten Obersturmf. Prümer, Obersturmf. Zurhausen, Sturmführer Staupendahl, Obertruppf. Pfordte, SA-Truppf. van Endert; von der ½ sind am Start: 5=Untersturmf. Knuth, Oberscharf. Becker, Scharf. Sester und Scharführer Offermann. Mit besten Aussichten starHeinz Lazek schaltet sich ein Er fordert Adolf Heuser. Der Wiener Schwergewichtler Heinz Lazek hat auf dem offiziellen Wege über den Berufsverband Deutscher Faustkämpfer Adolf Heuser(Bonn) um die Europameisterschaft im Schwergewicht herausgefordert. Lazek begründet seine Herausforderung mit dem eindeutigen Sieg im Kampf über Italiens Meister Santa de Leo und mit seinem Erfolg über Walter Neusel im Europameisterschaftskampf 1938. Der Wiener rechnet sich nicht mit Unrecht eine gute Chance auf seinen neuen Titelkampf aus, da Neusel gegen Santa de Leo nur ein Unentschieden herausholen konnte. Heros Dortmund oder Hörde 04? Entscheidung in der Norddeutschen Meisterschaft. Am Sonnabend fällt im Dortmunder„Sängerheim“ zwischen Heros Dortmund und dem AC Hörde 04 die Entscheidung im Kampf um die Norddeutsche Meisterschaft im Mannschaftsringen. Die erste Begegnung fiel bekanntlich zu Gunsten der Hörder Ringer aus, und dieser Kampf wird zeigen, wer von den Mannschaften berechtigt ist, an den weiteren Kämpfen um die Deutsche Meisterschaft teilzunehmen. Für die Endkämpfe stehen bisher folgende Mannschaften fest: RSTV Neuaubing, der am vergangenen Wochenende den Deutschen Meister Siegfried Ludwigshafen entthronte, und Jugendkraft Jella=Mehlis, die im vergangenen Jahr schon bis zum Endkampf kam. Zwischen Mainz 88 und 41 Koblenz mußte das Reichsfachamt eine Protestangelegenheit dahin entscheiden, daß der Entscheidungskampf in der Wiederholung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet. Immerhin werden sämtliche Bewerber in der allernächsten Zeit ermittelt sein.— Der Sieger in der Norddeutschen Meisterschaft ist gerade nicht zu beneiden, denn er muß schon über große Kraftreserven verfügen und seine beste Vertretung zur Stelle haben, um sich zu behaupten. Es kämpfen: Heros Dortmund: Kuhnke, Haumann, Ellerbrock, Höllerer, Gocke, Funtowitz, Liebern. AC Hörde 04: Antonie, Schrader, Weikart, Perbandt, Sachs, Scharfe, Büngener. ten Pol.=Obermeister Sprenger und Oberwachtmeister Hippe. Immer vorn endende Reiter sind auch Utf. Mühlenstrodt und Wachtmeister Frölecke. Zu all diesen Reitern und Pferden gesellen sich noch mehr, die es verdient hätten, erwähnt zu werden, was aber zu weit führen würde. Man kann jedenfalls mit großen Erwartungen zum Turnier gehen und wird bestimmt keine Enttäuschung erleben. Zur Entscheidung stehen ein Jagdspringen der Klasse A, zwei Jagdspringen der Klasse L, von denen das eine als Zeitspringen ausgetragen wird, und zwei mittelschwere Springen. Das A= und die beiden MSpringen werden mit Totalisator gestartet, der an allen drei Tagen in Betrieb ist, um über Bochum das „Füllhorn des Glücks“ auszuschütten. Unsere Voraussagen Krefeld. 1. R.: Löffelmann— Odenwald; 2. R.: Gutsherr — Dukaten; 3. R.: Agnat— Laurus; 4. R.: Finor — Golf; 5. R.: Thorlind— Staatspaladin; 6. R.: Heideköniz— Prior; 7. R.: Lord Tullus— Heid geist; 8. R.: Gutsherr— Hilarius. Kleine Svortnachrichten Jetzt schon 15 Nationen in Wien. Die Zahl der an den Studentenspielen 1939 Wien teilnehmenden Nationen hat sich jetzt auf 15 erhöht. Jetzt liefen bei der Organisationsleitung der Spiele die festen Zusagen der Irischen Studentenschaft und der Organisation der Südafrikanischen Studentenschaft ein. Irland wird in Wien vor allem mit einer starken Boxstaffel vertreten sein. Dr. jur. Lutz Long. Der deutsche Weitsprungrekordmann und Olympiazweite Lutz Long(Leipziger SC) hat an der Universität Leipzig zum Dr. jur. promoviert. Um die Sorgjaltspflicht des Kraftwagen jahrers Siegen, 14. Juni. Vor der Großen Strafkammer Siegen hatte sich ein Kraftfahrer aus Köln wegen fahr lässiger Körperverletzung zu verantworten. Ein mit Arbeitern aus dem Kreise Wetzlar und dem Hinterland vollbesetzter Omnibus, der von einem Kölner Fahrer gesteuert wurde, war am 29. Oktober v. Is., morgens gegen 5½ Uhr, am Eingang des Kreisortes Bicken eine zweieinhalb Meter hohe Böschung hinabgestürzt und hatte sich überschlagen. Da der Autobus auf einen Dünger wagen aufschlug, wurde der Sturz gemildert. Immerhin wurden von den 30 Insassen 25 verletzt, davon 9 schwer. Der Unfall war dadurch verursacht worden, daß die Beleuchtung des Omnibusses aussetzte, der Fahrer geblendet war und infolgedessen zu weit auf die linke Straßenseite geriet. Bereits an der letzten Haltestelle des Omnibusses war das Licht einmal für kurze Zeit ausgegangen. Sachverständige, die das verunglückte Fahrzeug nach dem Unfall untersucht haben, kamen zu dem Ergebnis, daß sich das Minuskabel der Batterie infolge der dauernden Erschütterungen gelockert und aus der Kabelklemme gelöst hatte, wodurch der Stromkreis unterbrochen wurde. Weder zu hohe Fahrgeschwindigkeit noch Alkohol hatten bei dem Unfall eine Rolle gespielt. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß sich der An geklagte einer Unterlassung schuldig gemacht habe, indem er nach dem ersten Versagen des Lichtes nicht gründlich Nachschau gehalten hatte. In dieser Unterlassung sei die Fahrlässigkeit zu erblicken. Der Antrag Zu Gunsten einer großen französischen Vereinigung, dereArbeit der Bekämpfung des Geburtenrückganges gilt, stehl jetzt die Herausgabe von zwei Sonder=Postwertzeichen mit entsprechenden Wohltätigkeitszuschlägen bevor, deren Markenbilder eine Mutter mit ihren vier Kindern zeigen Wir geben hier einen der beiden Werte wieder. (Scherl=Bilderdienst=M.) des Anklagevertreters lautete auf eine Geldstrafe vor 150 Mark. Von der Verteidigung wurde dargetan, da es dem Angeklagten unmöglich gewesen sei, in dunkler Nacht die Fehlerquelle des Lichtversagens sofort festzustellen. Diese Forderung bedeute eine Ueberspannung der Sorgfaltspflicht eines Kraftfahrers. Diese Sorgsaltspflicht hätte der Angeklagte wohl dann gehabt, wenn das Licht wiederholt versagt haben würde. Das Gericht hat den Angeklagten mangels Beweises freigesprochen, da der Unfall auf ein Zusammentreffen verschiedener widriger Umstände zurückzuführen sei. Heiser im Dienste des Kraftjahrers 15 000 km Reichsstraßen vom ASkk-Verkehrsdienst erfaßt. Jeder Kraftfahrer, der durch Deutschlands schöne Gaue fährt, kennt bereits das Kennzeichen des NSKK.=Verkehrsdienstes, das rote Nummernschild auf blauem Grund. Auf den Reichsstraßen, alle 4 bis 6 Klm., steht dieses Schild. Freund ist es und Mahner zugleich. Wie oft schon konnte durch diese segensreiche Einrich= tung des RSKK. Verletzten geholfen oder wegen Pannen Liegengebliebenen unterstützt werden, denn überall wo dies Schild steht, befindet sich in unmittelbarer Nähe ein Fernsprecher, durch den man den zuständigen Zonenführer sofort, ob Tag oder Nacht, erreichen kann. Schon heute ist das Netz dieses Sicherheitsdienstes über einen großen Teil Deutschlands ausgebreitet. Auf 15000 Klm. Reichsstraßen befinden sich bereits die Hinweisschilder, 3000 Rufstellen, 1500 Vertragswerkstätten sind eingerichtet worden. 149 Zonenführer und 9 Verkehrshilfsdienstführer stehen ehrenamtlich und freiwillig im Dienste dieser guten Sache. Der NSKK.=Verkehrshilfsdienst, der in engster Zusammenarbeit mit dem deutschen Roten Kreuz, der Gendarmerie und dem technischen Dienst des Kraftfahrzeughandwerkes steht, konnte in wenigen Monaten seines Bestehens schon im Bereich der ASKK.=Motorgruppen Mark Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Westmark, Hochmark, Niederrhein und Westfalen eingerichtet werden. Gestern übernahm diesen Dienst am deutschen Volk auch die RSKK.=Motorgruppe Nordsee, so daß damit im Bereich von 9 RSKK.=Motorgruppen der Verkehrshilfsdienst ausgeübt wird. Ihr Zeichen gibt dem Kraftfahrer das Gefühl der Geborgenheit. Er weiß, daß ständig viele Hundert ehrenamtlicher Helfer für seine Sicherheit wachen und bereit sind, sofort zu helfen, wenn er in Not geraten ist. Ein Telefonanrufgenugt. um den gesamten freiwilligen Hilfsdienst innerhalb weniger Minuten zu mobilisieren. Bezug von Unfallrente erhält nicht die Antwartschaft in der Invalidenversicherung. Invalidenrente wird auf Antrag des Versicherten bei länger als 26 Wochen dauernder Invalidität und bei Vollendung des 65. Lebensjahres gewährt, wenn die Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft erhalten ist. Der Versicherte muß also bei Eintritt des Versiche rungsfalles schon eine gewisse Zeit der Invalidenversicherung angehören und eine bestimmte Mindestzahl von Wochenbeiträgen entrichtet haben(Wartezeit). Damit eine gesunde Finanzlage der Inpalidenversicherung ge währleistet wird, ist weiter nötig, daß der Versicherte bis zum Eintritt der Invalidität auch regelmäßig jähr lich eine gesetzlich festgelegte Anzahl von Beiträgen zur Erhaltung seiner Anwartschaft auf Leistungen entrichtet. Für die Erhaltung der Anwartschaft werden bestimmte Zeiten(z. B. Ableistung des Wehrdienstes) argerechner, vhne duß Seiträge zu zahlen sind(Ersatz= zeiten).—„ Das Gesetz über den Ausbau der Rentenversicherung vom Dezember 1937 hat das finanzielle Gefüge der In validenversicherung endgültig gefestigt, die Leistungs ansprüche für alle Zukunft gesichert und darüber hinaus die Leistungen selbst fühlbar verbessert. Die Vereinfachung und Vereinheitlichung des Anwartschaftsrechts brachte in der Anrechnung von Ersatzeiten einige Aenderungen Für die Ansaltrentenempfänger der Berufsgenossenschaften ist wichtig: als Ersatz zeiten für die Erhaltung der Anwartschaft in der Invalidenversicherung galten nach früherem Recht auch Zeiten ohne versicherungspflichtige Beschäftigung, während deren der Versicherte eine wenigstens 20prozentige Teilrente aus der Unfallversicherung(Berufsgenossenschaft) bezog. Seit dem 1. Januar 1938 wird jedoch die Anwartschaft in der Invalidenversicherung durch Bezüge aus der Unfallversicherung nicht mehr aufrecht erhalten. Die Anwartschaft auf Invalidenrente erlischt auch für die Empfänger von Unfallrenten, wenn nicht für jedes Kalenderjahr, mit dem Jahre 1938 beginnend, mindestens 26 Wochenbeittäge in der Invalidenversicherung entrichtet werden. Briefkasten. N. B. Wie kann man Wasser am besten enthärten? Wasser wird enthärtet durch Zusatz von Soda oder Bleichsoda, Borax und gute käufliche Waschmittel. Bei start kalkhaltigem Wasser bleibt die Seife ohne Enthärtung unwirksam. HERNE Bahnhofstraße in reicher Auswahl! weigstelle Recklinchausen Blicke in deutsches Silmschaffen! Beluch bei Prosellor Karl Ritter „Im Kampf gegen den Weltfeind“ Film vom Einsatz der deutschen Freiwilligen in Spanien. Es ist eine merkwürdige Atmosphäre in dem langgestreckten Haus gegenüber den großen Ateliers der Ufastadt Babelsberg, das die Schneideräume deherbergt. Hier, weiß man, erhalten die Fülme ihr endgültiges Gesicht, hier wird Szene um Szene abgewogen, und zuweilen muß die Schere aus irgendwelchen dramaturgischen Gründen erbarmungslos wegschneiden, was möglicherweise ein paar Skunden mühevoller Arbeit gekostet hat und den Einsatz vieler Menschen im Atelier. Hier erst gewinnt man die letzte, entscheidende Uebersicht über das ganze Werk und muß danach handeln. Aus einer der vielen Türen kommt Professor Karl Ritter. Sein neuer großer Spielfilm„Kadetten", zu dem er in diesen Tagen die letzten Aufnahmen gemacht hat, befindet sich anscheinend schon im Schnitt. Doch Professor Karl Ritter widerspricht: Nicht um den Kadetten-Film handelt es sich hier, sondern um den großen Dokumentarfilm„Im Kampf gegen den Weltfeind“— Karl Ritter geht mit uns noch einmal zurück in den Schneideraum, in dem Ritters Mitarbeiter Berndt von Tyszka seit Wochen tätig ist, dem Film vom Heldenkampf unserer Freiwilligen in Spanien die letzte Form zu geben, wie sie Karl Ritter beschlossen hat. Was hier in den hochgestapelten runden Blechbüchsen an Bildmaterial zu vielen Tausenden von Metern sich angesammelt hat, sind keine Bildstreifen, wie sie sonst aus der üblichen Atelierarbeit entstehen, sondern alles Originalaufnahmen aus Spanien. Heinz Ritter, Eberhard von der Heyder und Walter Hrich haben sie in den vordersten Fronklinien aufgenommen. Es ist unerhörtes Material darunter, erzählt Professor Karl Ritter, wir haben überall gedreht, wo überhaupt deutsche Freiwillige in Spanien eingesetzt wurden. Hier haben wir die Aufnahmen, die unsere Seeflieger=Abteilung zeigen, die auf Mallorca stationiert war und eigentlich einen richtigen Kaperkrieg führte, und hier diese ganzen Büchsen enthalten die Bilder von der letzten großen Offensive, die dann zum Zusammenbruch des Gegners führte. Dort stehen die Aufnahmen, die uns die Arbeit der Flak und der erfolgreichen Jagdflieger zeigen. Es ist schade, daß man von allem nur einen kleinen Teil zeigen kann, weil anders der Film ja viel zu lang sein würde, und zweieinhalbtausend Meter sind nun einmal vorgeschrieben. Wieder kommen neue Aufnahmen aus der Kopieranstalt — es sind dies die Bilder von dem Empfang unserer Freiwilligen in Hamburg, die zusammen mit den Aufnahmen von der großen Parade vor dem Führer den Abschluß des Dokumendarfilms bilden sollen. Karl Ritter erzählt von der Fülle gewaitiger Eindrücke, die er bei seinem mehrwöchigen Aufenthalt in Spanien im Frühjahr gewann. Damals ging es schon um die Entscheidung, und Ritter hat als Kriegsflieger selbst manches Bombenflugzeug bestiegen, um mit der Kamera Aufnahmen von den verschiedensten Unternehmungen zu machen. Es wundert uns auch gar nicht, daß Professor Karl Ritter bereits an einen zweiten Film über unsere Freiwilligen in Spanien denkt, an nen Film, der ähnlich wie Urlaub auf Ehrenwort oder Pourle merite an verschiedenen Einzelschicksalen zeigen soll, was die Legion Condor geleistet und erlebt hat in ihrem Kampf gegen den Weltfeind. Ritter will in diesem Film, in dem er all das, was er selbst gesehen und gehört hat, filmisch verarbeitet, das ergänzende Bild zu dem jetzt entstehenden Film liefern. Werner Beumelburg schreibt die einleitenden und erläufernden Worte zum ersten Teil des Films:„Im Kampf gegen den Weltfeind“, die Paul Hartmann und Rolf Wernicke sprechen. Herbert Windt komponiert die Mustk, soweit der Film nicht realistischen Ton braucht. H. H. Der von Professor Karl Ritter geschaffene große Dokumentar- Film„Im Kampf gegen den Weltfeind“(Deutsche Freiwillige in Spanien), der vom Einsaßz der Legion Condor handelt, löuft in Kürze auch in Herne. Gestern war in Essen die westdeutsche Uraufführung auf das„Publikum“ losgelassen werden. Der nationalsozialistische Staat hat daher auf die Institution der Filmzensur nicht verzichten können, wenn sich auch deren Aufgaben gegenüber der früheren Polizeizensur wesentlich gewandelt und erweitert haben. Zensur bedeutet heute nicht mehr gouvernantenhafte Bevormundung oder bürokratische Rechthaberei, sondern Mithilfe und verständnisvolle Förderung. Aber die Tatsache ihres Vorhandenseins bringt den festen Willen des Staates zum Ausdruck, die durch den Kitschfilm drohende Verödung der deutschen Seele, die Verwilderung des Geschmacks und die Verletzung des künstlerischen Empfindens nicht zu dulden. Das deutsche Volk soll in den Lichtspieltheatern des Dritten Reiches Stunden reiner Freude erleben. Diese kann ihm der hochwertige Film vermitteln, der technisch gekonnt und inhaltlich sauber ist.“ Macht der Film schlechter oder besser? Herner Filmschau „Der Vierte kommt nicht" Lichtburg. Gleich die Eingangsszenen beweisen die Fähigkeit des Regisseurs M. W. Kimmich, diesem Stoff durch die Echtheit seiner Grundstimmung eine künstlerische Kultur zu geben. Wer ist der Täter? Etwa der kühl=entschlossene Hauptmann Holm (Werner Hinz), der sich schon viel in der Welt umhergetrieden hat und vielleicht auch Kenntnis von exotischen Giften hat? Ist es der nüchterne und verschlossene Dr. Fredmark (Dr. Ernst Stimmel), der dem Ermordeten aus seiner Vergangenheit etwas nachzutragen hatte? Oder ist es der Gerichtsarzt Tilenius(Franz Schafheitlin), ein Mensch, der offensichtlich an Hemmungen leidet? Aber, je mehr sich die Nachforschungen der drei ausdehnen, desto meher Menschen geraten in das Netz des Verdachtes. Bis es einem klugen jungen Menschen(Alexander Engel) gelingt, das Rätsel zu lösen. Ehe er den Ramen des Mörders aussprechen kann, stirbt er plötzlich durch Gift. Aber seine Feststellungen genügen, um den Schuldigen fassen zu können. Und nun fügt sich auch in der Erinnerung des Zuschauers jeder Umstand mit zwingender Logik an den anderen, so daß er den folgerichtigen und psychologisch richtig unterbauten Handlungsgang bewundert. Prächtige darstellerische Leistungen geben in weiteren, zum Teil entscheidenden Rollen Elisabeth Wendt, Dorothea Wieck, Lina Lossen und Charlott Dandert, auf der männlichen Seite Ferdinand Marian, Karl Fochler und Werner Scharf. Im Kulturiam„Tunospringen“ sieht man eine von etwa hundert Offizieren. Unteroffizieren und Zivilreitern mit Meute gerittene Geländejagd. Mit Bewunderung verfolgt man das Nehmen der Hindernisse(Hecken, Zäune, Gräben usw.) wie die Ueberwindung der Geländeschwierigkeiten durch Pferd und Reiter bis zum Halali, das die Jagd abbläst und zur Verteilung des Bruchs an die Sieger ruft. Der Wille des Staales. In der Zeitschrift„Freude und Arbeit“, dem Organ des Internationalen Büros Freude und Arbeit, schreibt Dr. Arnold Bacmeister unter der Ueberschrift„Zauber der Leinewand": „Wenn Filme den Menschen auch nicht gut oder schlecht machen, besser oder schlechter machen sie ihn auf jeden Fall. Soweit es sich um den Spielfilm handelt, um die Darstellung der kleinen und großen Leidenschaften des menschlichen Herzens, schwankt der Film noch immer zwischen den beiden großen Gegensätzen: Lebensechtheit und Lebenslüge. Wo die Lebenslüge beginnt, beginnt der Kitsch, jener fade Ausguß von Gefühlchen und verbogenen Wahrheiten, jenes niedlich zurechtgeputzte Märchen, das einlullen und die harten Notwendigkeiten des Lebens vergessen machen soll. Kitsch ist jedem, der Geschmack und Kultur besitzt, ein Greuel; er wirft ihn höchstpersönlich aus seiner Wohnung, aus seinem Bücherschrank heraus. Aber gegen den Kitsch auf der Leinwand des Lichtspieltheaters kann sich der einzelne nur schwer zur Wehr setzen Es ist ein gefährlicher Zauber, dem mancher Arglose und weniger Kritische erliegt, der das so gefällig Gebotene widerspruchslos hinnimmt. Es gehört zu den wesentlichsten Aufgaben einer verantwortungsbewußten Filmführung, zu verhindern, daß die Seele des Volkes durch seichte Film vergiftet wird, die ohne Phantasie und Können, ohne Geist und Witz, womöglich in Serien, Ueber die Milchstraße galoppiert Csabas heer... Ein Jilm erzählt von dem Land zwischen Strom und Steppe. Von der Poesie eines Drehbuchs. Unweit von Ungarns„blondem Strom“, der Theiß, liegt die kleine Fischerstedlung. Es ist Nacht. Die Fischer sitzen um das Lagerfeuer herum und singen ein schwermütiges Lied. Etwas abseits von den andern, vor einer Fischerhütte, lauscht ein Paar dem Gesang. Es ist Maria, die Frau des Fischers Alexander Renna, und Silo, der sich selbst einen „Landstreicher“ nennt, und den sie im Dorf aufnahmen, als sie ihn verwundet am Ufer fanden. „Siehst du diesen großen, hellen Stern!“ fragk Silo, nach oben zeigend. „Ja, Silo“, anwwortet Maria. „Das ist mein Stern!“ „Du hast einen Stern?“ „Jeder Mensch hat seinen Stern. Du auch, Maria. Vielleicht ist es dieser kleine, der da oben funkeit, neben meinem „Sie glitzern so schön, und es sind so viele, daß ich meinen Stern nie herausfinden werde! Du weißt doch alles, Silo; was ist das für eine Straße da oben am Himmel?“ „Das ist die Straße der Heere..., Csodas Straße!" „Und wer ist Csoba?“ „Ungarns großer Heerführer. Vor mehr ols tausend Jahren ist er in der Schlacht gefallen..., Csaba, König Attilas Sohn.“ Maria sieht mit großen, gläubigen Kinderaugen zum * M. Foto: Tobis-Vindobone Tiroler Dorfidyll Hans Holt und Elfriede Gerhart in dem Vindobona-Film der Tobis„Konzert in Tirol“, in dem ferner Heli Finkenzeller, Früx Kampers und die Wiener Sängerknaben mitwirken. 202 v. Chr.: die Tankabwehrschlacht bei Sama Schatten über St. Pauli Schauburg. Der„Schatten über St. Pauli“ ist ein Film naturalistischen Charakters mit kriminellem Einschlag. Das nach dem Roman Baumgartens„Wasserdroschke Junge Liebe“ von Hasselbach und Schwenzen gestaltete Drehbuch ist besonders in dem Teil, in dem eine der männlichen Hauptgestalten des Geschehens, Heinrich Lafrenz, mit unlauteren Mitteln die Tochter Carstens als Gattin zu gewinnen sucht, stark an Spannungen. Im übrigen verläuft der Film in etwa Sudermannscher Art der Milieu= und Menschenzeichnung horizontal. Den räumlichen Hintergrund gibt das Hamburger Hasenleben ab, das in seiner Bewegtheit interessiert. Kontrastreiche Nachtaufnahmen sind in ihrem Halbdunkel gut von der Kamera aufgesangen worden. Das Moment seclischer Kämpfe klingt nicht besonders tief auf. In dem alten Carstens verkörpert sich der unter dem Geschick seines wirtschaftlichen Zusammenbruchs mit wenigen Anläufen zur Selbsthilfe still duldende Mensch. Seine Tochter hanna dagegen weiß durch entschlossenes Zugreisen ihr Leben zu formen. Daß ihr die Liebe dabei zur Seite tritt, ist für eine Filmhandlung wohl stets nötig. So kommt es denn verhältnismaßig schnell zu dem guten Schluß. Marieluise Claudius verkörpert die im Mittelpunkt stehende Tochter zanna des Reedereibesitzers Carstens natürlich in gewinnendem Spiel. Den mit allen Ränken gegen sie vorgehenden Nachsolger im Reedereibetrieb, Lafrenz, zeichnet Harald Paulen mit der seinem Spiel eigenen Note überlegener und berechnender Menschenbehandlung. Für das vollendete Künstlerlum von Theodor Loos bietet die Rolle nicht genügend Möglichkeiten, sein reiches Konnen voll zu entfalten. Als Barkassenführer Rasmus spielt Gustav Knuth sompathisch Dr. K. H. Schmidt. Die Kriegselefanten der Karthager.] Sieg der Römer durch Scipios Taktik. Die Degeto hat den Verleih des italienischen Großfilms„Karthagos Fall“, das Hohelied der Italiener auf ihre Vorfahren, die seinerzeit das erste Imperium begründeten, übernommen. Der Film läuft in Kürze in Herne. Wie oft ist der alte Satz„Es ist alles schon dagewesen!" zitiert worden! Aber sind Tanks schon dagewesen? Wenn man als Tanks solche Kriegsmaschinen bezeichnet, die im Rahmen ihres Einsatzes als wuchtiges und direktes aktives Angriffsmittel dienen sollen, die wendig und leicht lenkbar sind, dazu bestimmt, große Lücken und Unordnung in die feindlichen Reihen zu tragen, schwere, gepanzerte Ungetüme, die Furcht erregen, die im ersten Treffen stehen und den eigentlichen Kampftruppen, der Infanterie, vorausgehen, so hat die Behauptung„Schon dagewesen!“ wirklich recht. Diese Tanks gab es bereits Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, in dem über zwei Jahrhunderte sich erstreckenden Ringen um die Weltherrschaft des jungen, aufstrebenden Rom mit dem mächtigen Handelsvolk der Karthager. Schon nach ihren Abmessungen und ihrem Gewicht waren die Kriegselefanten der Karthager kaum kleiner und leichter als die ersten Kampfwagen des Weltkrieges; in ihrer Wirkung aber waren sie, da den Römern ja nicht die modernen Waffen und Sprengstoffe unserer Zeit zur Verfügung standen, vielleicht noch furchtbarer als die motoren= und kanonenbestückten Kriegswagen der modernen Zeit. Die ungeheure Kampfstärke dieser schwer bewaffneten Dickhäuter wissen die Geschichtsschreiber dieser Zeit anschaulich zu schildern:„Außer den Spießen an ihrer Brust, den Eichenspitzen an ihren Stoßzähnen, den Erzplatten, die ihre Seiten panzerten und den scharfen Dolchen an ihren Kniekappen trugen die Elefanten an ihren Rüsseln Lederschlausen, an denen breite Säbel befestigt waren. In den Türmen saßen die Bogenschützen mit Brandpfeilen. Die Elefanten drangen in die Menschenmassen. Die Spieße ihrer Brust zerteilten sie. Die Spitzen ihrer Stoßzähne wühlten sie auf wie Pflugschare. Die Säbel an ihren Rüsseln zerschnitten und zerhackten sie: Die Türme mit ihrem Brandpfeilregen glichen wandelnden Vulkanen. Man unterschied nichts als eine breite Masse, in der das Menschenfleisch weiße Flecke, die Erzplatten graue Flächen und das Blut rote Springbrunnen bildeten. Die furchtbaren Tiere. die mit lautem Trompeten hindurchstampften, gruben schwarze Furchen hinein....“ Hanuibal hatte bei seinem Uebergang über die Alpen, dieser technischen und militärischen Meisterleistung, über deren Ort sich allerdings auch heute die Gelehrten noch nicht ganz einig sind, 37 Elefanten mitgebracht. Und nach der fast völligen Unterwerfung der Halbinsel ergänzte er immer wieder seinen Bestand an diesen Tieren, die auf ewig das Kriegsglück mit ihm verbunden zu haben schienen. Bis die Römer in der allerhöchsten Not einen Mann fanden, der nicht nur die überlegene Kriegskunst des Karthagers selbst gegen ihn anzuwenden verstand, sondern der auch das Mittel erfand, die feindlichen„Tanks“ unschädlich zu machen Scipio, erst 24 Jahre alt, erneuerte von Grund auf die römische Armee. Die Legionen, die bisher in starrer Ordnung den Angriff erwartet hatten, wurden in bewegliche Körper gegliedert und so aufgestellt, daß sie sich leicht bewegen konnten. So vorbereitet, trat er dem Heere des nach Afrika zurückberufenen Hannibal gegenüber. 80 Elefanten sollten auch hier den ersten verwirrenden Angriff des Karthagers auf das römische Heer versuchen. Aber zur Schwächung dieses Stoßes hatte Scipio die einzelnen Glieder der Legionen diesmal so hintereinander aufgestellt, daß ein offener Zwischenraum durch die drei Treffen kerzengerade hindurchging. Römische Feldmusik und mehr noch die Schwärme der leichten Schützen sollten die schweren Tiere scheu machen. Der Plan des römischen Feldherrn ging vollständig in Erfüllung. Der Stoß der Elefanten blieb ohne jede Wirkung. Als sie vorbrachen, wichen die römischen Truppen zur Seite und ließen die Tiere hindurchrasen. Rückwärts griffen sie dann die Ungeheuer an und drängten sie nach den Seiten ab, singen sie in Fallgruben oder machten sie nieder So war der erste Stoß des Feindes wirkungslos verpufft, und die römische Infanterie stand unerschüttert wie nie zuvor. Der Ausgang der Schlacht bei Zama ist bekannt; sie endete mit der katastraphalen Niederlage Hannihals: Karthago wurde ein Kleinstaat, wie Rom einer 150 Jahre vorher war So hat Scipio schon vor beinahe 2200 Jahren gezeigt, daß römische Kriegskunst selbst einen stärkeren und erfahrenen Geaner im eigenen Lande zu besiegen verstand. In dem italienischen Großfilm der Degeto„Karthagos Fall“ sind u. a ganz ausgezeichnete Szenen aus der Schlacht von Zama zu sehen: der Angriff der Elefanten auf das römische Heer und die Abwehrtaktik der Legionen sind historisch getreu wiedergegeben Himmel hinauf und lauscht Silos Erzählung, wie ein Kind einem Märchen. „Seit seinem Tode reitet er mit vielen, vielen tausend ungarischen Kriegern da oben!... Siehst du die Hufeisen ihrer Rosse glitzern und funkeln?" „Ja, Silo!“ „Und immer, wenn unser Ungarn in Gefahr ist, kommt Csoba mit seinen vielen tausend Hunnenkriegern mitten durch den Himmel, über die Straße der Heere uns zu Hilfe. So lange Csaba da oben über uns wacht, braucht das Vaterland vor nichts Angst zu haben.— Hast du Csaba und seine Krieger gesehen?“ „Ja, Silo. Ich sehe alles, was du mir zeigst!“ Es ist vielleicht eine der charakteristischsten Szenen aus dem Terra-Film„Zwischen Strom und Steppe“(Geza von Bolvary drehte ihn nach dem gleichnamigen Roman von Michael Jorn), die wir hier geschildert haben; denn eben in ihr kommt die Stimmung der Landschaft und das Wesen ihrer Menschen so schön zum Ausdruck, und wir erleben darin vielleicht am zartesten auch die Liede, die sich zwischen dem Fremden und der Fischersfrau, die ihr Mann mit einer Zigennerin betrügt, entwickelt. Attila Hörbiger spielk den Landstreicher, der gar kein Landstreicher im üblen Sinne ist, sondern ein prächtiger, überall gern gesehener Mensch, den es schwer an einem Ort hält und dem das Wandernmüssen im Blut steckt. Man braucht nicht zu betonen, daß gerade Aktila Hörbiger die Gestalt gut zu verkörpern vermag, die uns der Dichter hier gezeichnet hak. Die Rolle der Maria stellt Heidemarie Hatheyer, die wir im Trenker-Film„Der Berg ruft" kenneniernten, vor eine neue, dankbare Aufgabe. Um die beiden rankk sich die Geschichte, die uns einen Einblick in die Seeie der Menschen zwischen Strom und Steppe schenkt. Dr. O. Endgültige Titel für 3 neue Zilme n Drei Bäler um Anna“. Drei unter vorläufigen Arbeitstiteln in Vorbereitung befindlichen bzw. fertiggestellte Ufa=Filme erhielten nunmehr ihre endgültigen Titel: Der von Geora Jacoby inszenierte Kriminalfilm„Schuß im Rampenlicht" heißt jetzt„Der Vorhang fällt": der neue Zarah=Leander=Film, der bisher unter dem Arbeitstitel„Aufschub für Brenton“ angekündigt wurde, erhielt den Titel„Lied der Wüste", und der von Carl Boese (nach einem auch im Herner Anzeiger erschienenen Roman) inszenierte Film„Fogg bringt ein Mädchen mit“, dessen Hauptrollen Ilse Werner und Hans Stüwe spielen, heißt nunmehr„Drei Bäter um Anna“. Großzügiger Straßenbau in Wanne Eicke! Rund um Eickelplatz und Verbandsstraße. Die letzten Wochen haben Wanné=Eickels Straßenhauprogramm. wie wir bereits kurz berichteten, schon einen guten Schritt vorangetrieben. Die Ueberholungsaktion an den Verkehrs= und Wohnstraßen schreiten in allen Stadtteilen gut vorwärts und so viele der von den Kraftjahrern gefürchteten Schlaglöcher sind bereits eingeebnet und unter einer Decke von aufgeschüttetem Teersplitt verborgen. Im Augenblick mag zwar der von den Reisen hoch geschleuderte teergetränkte Basaltsplitt, wie wir ihn auf der Heer= und Heinrichstraße. der Adolf=Hitler= und Scharnhorststraße und in allen Teilen des Stadtgebiets finden. von Fußgängern und Kraftfahrern nicht gerade angenehm empfunden werden. aber bald ist er festgefahren und hat die Straßendecke ausgeglichen. In der zweiten Etappe werden auch die größeren Straßenbauarbeiten, wie Pflasterung der Zietbenstraße und die dringend erforderliche Ausbesserung der Oststraße. sowie eine Reihe größerer Straßenbauarbeiten in Wanne=Nord und Eickel in Angriff genommen werden. Inzwischen sind die Arbeiten zur Umgestaltung des Eickelplatzes im ersten Bauabschnitt nahezu vollendet. Nur einige Aufmarschstraßen auf der früheren Hundewiese müssen noch gewalzt werden. Die Durchgangsstraße zur Gartenstadt konnte sich beim Kreistreffen schon im Schmucke der neuen. kunstvoll ausgearbeiteten Laternen aus blendfreiem Glas präsentieren, die angeblich der auf der Straße„Unter den Linden“ in Berlin benutzten Form entsprechen und dieser einstweilen noch stillen Straße den Charakter einer Kurpromenade verleiht. Schon der jetzige Zustand des Eickelplatzes. der bekanntlich im Stadtbebauungsplan im nächsten Jahrzehnt als Brücke zwischen den Stadtteilen Wanne und Eickel besondere Bedeutung haben wird. läßt erkennen, daß hier eine großzügige städtebauliche Lösung angebahnt ist, die in ihrer Auswirkung dem Laien erst bei weiterem Fortschreiten der im Bebauungsplan vorgesehenen Maßnahmen klar werden dürfte. Ob dies Gelände einmal den erstrebten Rathausneubau. oder zumindest das schon seit Jahren projektierte Hallenbad aufnehmen wird. liegt noch im Schoße der Zukunft verborgen. Fest steht jedoch, daß hier auch eine neuzeitliche Wohnsiedlung in geradezu idealer Lage dem Stadtbild eine wertvolle Bereicherung bringen wird. Die DVa hak bereits die. Dorstener Straße schritten und rückt nun gegen das dort zum Abbruch bestimmte Wohnhaus zu. von dem auch das unterste Stockwerk bald unter der Spitzbacke verschwunden sein wird. Damit hat das Ende des Monats Mai bereits programmmäßig den Rohbau des ersten Bauabschnitts bis zur Dorstener Straße bringen können. Auch die Kanalisationsarbeiten in Richtung zur früheren Friedhofstraße sind abgeschlossen und bald wird auch das letzte zu räumende Stück des Sandbergs vom Schlunde des knirschenden Lösselbaggers in die Lorenzüge befördert sein, um als Anschüttungsmaterial für den neuen Straßendamm zu dienen. Schon jetzt ist, wenn auch die Admiral=Scheer=Straße hinter dem Sandberg noch durch Bauarbeiten am Straßenbahngleise eingeengt ist, ein guter Durchblick für den Fahrzeugverkehr gegeben und bald wird die einst so gefürchtete„Todeskurve" zwischen Lokomotiv=Werkstätte und Sandberg völlig begradigt sein. In diesem Zusammenhange möchten wir noch einmal die Parkplatzfrage in Wanne=Eickel kurz streifen. die hoffentlich nach den verschiedenen allgemeinen Erörterungen dieses für unsere Stadt so dringenden Prodlems nunmehr in das Stadium der festen Planung eintreten wird. Wie wir unlängst berichteten, braucht vor allem die Stadtmitte und der Eickeler Süden dringend einen großräumigen Parkplatz, da die an beiden Seiten durch partende Kraftfahrzeuge und obendrein noch durch Straßenbahnaleise verengte Hindenburgstraße schon jängst nicht mehr den Anforderungen an eine grose Durchgangsstraße entspricht. Auch die Parkolatzfrage am Adolf=Hitler=Platz in Eichkel und die Regelung des VorInlenzt auc die Fraae der Schaffung geeigneter zentral gelegener Rollschuhbahnen für unsere Jugend bedürfen dringend der Klärung. fahrtsrechts, nicht zuletzt auch die Frage der Schaffung „„„ IILL.„ Folgenschwerer Fenstersturz. Ein schwerer Unfall exnete sich in den Morgenstunden am Adolf=Hitler=Platz1## m.-in, 46fährige Frau aus dem Dierten(Stock eignete in Eickel. wo eine 38jährige Frau aus dem vierten Stoch durch ein Fenster ihrer Wohnung auf die Erde ein Fenster ihrer——uunn und dabei tödliche innere Verletzungen erlitt. E Ein Vaterherz hat aufgehört zu schlagen: Müh' und Arbeit war dein Leben, Nie dachtest du an dich; Nur für die deinen streben, Hieltst du für deine döchste Pflicht. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, gestern nachmittag 4 Uhr unsern guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, den wohlachtbaren Herrn Jakob Albrecht nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im 84. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Herne, Gladbeck, Weitersborn, Schwarzerden, Seesbach(Hunsrück), den 16. Juni 1939. Die Beerdigung findet statt am Montag, dem 19. Juni, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Bismarckstraße 113, aus.— Das Seelenamt ist am gleichen Tage, morg. 7.45 Uhr, in der St.=Marien= Kirche. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zugehen sollte) diene diese Anzeige als solche. Reichssender Köln Samslag, 17. Juni. 00 Morgenlied— Wetterbericht für die Landwirtschaft. 605 Wiederholung der Abendnach: richten— Durchsprüche für den Bauern 110 Knie—e beugt!(G. Weinkötz) 430 Freut euch des Lebens! (Industrie=Schallplatten und Aufnahmen). 755 Morgenlied— Morgencuf. 100 Wetter, Nachrichten. (15 von Berlin: Frühkonzerl. 8.00 Wetter, Wasserstand— Kalenderblalt. 8.10 Frauenturnen (Ellen Derenbach.) 8.30 von Danzig: Wohl bekomm's. Musikkorps der Schutzpolizei uner Ernst Stieberißz. 9.15 Kindergarten. Fröhliches Spiel für unsere Kleinsten. 9.45 Nachrichten. 10.00 Schleswig-Holstein meerumschlungen.— Vom Kampf um die Nordmark vor 75 Jahren. Hörszenen von Waldema: Maaß. 10.30 Sendepause. 11.45 Ein Besuch im Haus der Forschung auf der Reichsnährstandsausstellung in Leipzig. 11.45 Wetter, Marktberichte. 12.00 von Wien: Musik om Mit10d. 13.00 Nachrichten— Glückwünsche 13.15 von Wien: Mustk am Mit14.00 Nachrichten— Sportvorschau. 14.10 Wochenendkonzert (Industrie=Schallplatten). 15.30 Fangt euer Handwerk fröhlich an! Düsseldorfer Jungmädel bringen Lieder und Schwänke vom deutschen Handwerk. 16.00 Die Spieldos'. Manuskript: Theo Rausch. Kapelle Eysoldt. 17.30 Eine Viertelstunde Sport. 17.45 Tänzerische Klaviermustk. (Solist: Willo Clemens.) 18.00 Kleines Berufsbild: Der Rundfunkberichterstatter. 18.10 Wer recht in Freuden wandern will. 18.50 Mutter singt: Es sitzt ne Frau im Ringelein. 19.00 Spiegel des Lebens. 19.10 Neue Mandolinenmustk. 19.45 Westsalenfahrt der„Alten Garde": Das Essener Ehrenmal für die Gefallenen d. Bewegung im Gau Essen. 20.00 Nachrichten. 20.15 Nachrichten in engl. Sprache 20.30 Musik von Schallplatten. 21.00 Westfalenfahrt der„Alten Garde": Abschlußkundgebung auf dem Prinzlpalmarkt in Münster 22.00 Nachrichten. 22.15 Nachrichten in engl. Sprache 22.35 Zur Unterhaltung und zum Tanz. 24.00 Nacht- und Tanzmustk. (Industrie=Schallplatten und Aufnahmen.) 2.00—3.00 von Stuttgart: Nachtmustk. Sonntag, den 18. Juni. 6.00 von Hamburg: Hafenkonzert. 8.00 Wetter— Wasserstand. 8.05 Zum 100. Geburtstag des Dichters Martin Greif. 8.15 Morgenständchen.— Willi Ribbert(Bariton), Robert Schwiers (Violine), Erich Rummel(Klavier). Darin: Ein besinnliches Wort Herm. Stahl: Vom Briefschreiben. 9.00 Zum Gedenken der Gefallenen der Bewegung Darin: Die feierliche Ueberführung der Toten des Gaues Essen. 9.30 Musik am Sonntagmorgen. Darin: 10.00—10.10 Weihe der neuen Fahnen des Reichsluftschutzbundes(Landesgruppe Rheinland). 11.00 Eine Viertelstunde bildende Kunst(Gotische Tafelmalerei). 11.15 Hochzeitsmusik von Jenssen. 11.30 Der lustige Rätselfunk 12.00 Musik am Mittag Leo Eysoldt mit seinem Orchester. Reinhard Fritzsche(Flöte). 13.00 Nachrichten— Glückwünsche 13.10 Fortsetzung der Musik. 14.00 Melodein— aus Köln am Rhein. 15.30 Für goße und kleine Kinder. „Die Glockenblume“, Spiel von H. Knan. 16.00 vom Deutschlandsender: Musik am Nachmittag. Orchester Otto Dobrindt. Dazw. etwa von 17.00—17.45 Uhr Zweite Halbzeit des Endspiels um die Deutsche Fußballmeisterschaft im Olympia=Stadion. 18.00 Von Bauern Art und Arbeit. 18.30 Wo bist du, Kamerad? Rundsunkappell der Frontsoldaten. 19.00 Der Sonntag im Rundfunkbericht. Darin u. a.: Deutsche Handballmeisterschaft.— Vorschlußrunde: Minden— Lintfort. 19.20 Sportvorbericht 19.30 Robert Gaden spielt! (Industrie=Schallplatten.) 20.00 Nachrichten. 20.15 Musik zum Sonntagabend. Das Große Orchester unter Hans Hilgers. Alb. Steinmann(Cello). 21.00—21.30 Ich hab ein kleines Lied erdam....(Melodien im Volkston.) 22.00 Nachrichten. 22.15 Nachr. in englischer Sprache. 22.40 von Frankfurt: Frankfurt— Turin: Tanzmusik 24.00—3.00 v. Breslau: Nachtmusik. Abgeschlossene 2-ZimmerWohnung p. 1. Juli zu verm Näh. Hollhausen Bruchstraße 51. Reparaturen von Polster=Möbeln. Dolsterei Emonß, Goetbestraße 89, Ecke KaiserWilhelm-Str. Zum 1. Juli saub. mädchen oder Frau zum Milchaustragen gesucht. 20450 Julius Beeking Hiberniastr. 46. Suche saubere welche anschließend ab 1. Juli 1939 einige Wochen mit i. Sauerland reist. Gastwirt Lule Herne=Sodingen. Für drei halbe Tage wöchentlich oder Fau zum Putzen gesucht. 20560 Bahnhofstraße 81, Laden. Ein tüchtiges, zuverlässiges Mädchen finden Sie durch eine Kleinanzeige im Herner Anzeiger. Lehrer sucht für sofort eine 4-3.=Wohng. m. Mansarde od. 5-Zimmer=Wohn. 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Juni 1939 folgendes eingetragen worden: Durch den bereits durchgeführten Beschluß vom 26. Mai 1939 ist das Stammkapital mit Wirkung vom 31. Januar 1939 ab um 50000.— Reichsmark, also auf 200 000.— Reichsmark, erhöht worden. Amtsgericht Herne. Erfrischend und gelund ist echter HimbeerSyrup ¼ Liter 45 Pig. Italienischer Zitronenmost 1 liter 35 Pig. Italienisch, echt Orangemost ¼ Liter 40 Pig. aus echt. Fruchtsalten hergestellt, kein Ersatz. Bahnhofstraße 47 und Filialen Preise ohne Glas. Lies und fördere den Herner Anzeiger! wenig Stoff # * 4 K 18950 4Bener=Modell K 26751(84 und 92 cm Oberwette). bandblenden betonen den zwischengesetzten Miedergürtel des jugendlichen Hochsommer=Kleides. Trotz der reich gezogenen Wette werden nur wei knappe angen gebraucht. Bever= Model K 26740(60 u. 96 cm Odw.) Ein schlichtes Sommer=Kleid aus Waschseide, Shantung od. Leinen. Da durchgehend geschnitten, wenig Stoffverbrauch. Die vordere Saumchengruppeergibt die modische vordere Rockw. Kurze, angeschnitt. 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Bener=Model K 20748(92 und 100cm Obw.). Eine kleidsame, sehr angezogene Modellform, deren geringer Stoffverdr. beachtensw. ist. Als Material ist gemustertes Leinen od. Wollstoff geeignet. Bei nur 96 cm breitem Stoff braucht man etwa 1m mehr. Beper=Model K26747(88 u. 96cm Obw.). Nachmitt.= Kleid aus Wollspitze oder Mischgewede. Die gut aufgetellte Schnittform mit angeschnittenen Fledermausarmeln ist günstig zur Auswertung eines sonst für andere Kleider ungenügenden Stoffrestes. Sie kaufen bei uns modisch richtig und preiswert! DOAS CRORE PAODE SPELLAU (5 EEIEEE Beyer-Schnittmuster in unserein freundlichen Leseraum im Erdgeschoß! 5 Die Fahrt der Alten Garde Die handwerkliche Altersversorgung Die Etappe Salzuslen—Wiedenbrück Wiedenbrück, 16. Juni. Beim Abschluß ihrer einzigartig schönen Fahrt durch das Lipper Land hatte am „onnerstagabent die Alte barde die Freude, Reicholener Rosenberg, der als Ehrenbürger der Gauhauptstadt mit dem Gau Westfalen=Nord besonders eng verbunden “ i s t. i n B a d S a l z u f l e n i n i h r e r M i t t e z u b e g r ü ß e n. Am heutigen Freitag vermittelte nun das Widukindland der Alten Garde unvergeßliche Eindrücke. Wieder geht es durch dichte Spaliere festlich und frohgestimmter Menschen über einen mit germanischer Geschichte besonders fest verknüpften Boden. Erinnert doch der Kreis Herford an den unbeugsamen Sachsen Widukind, an dessen Grab in Enger Dr. Ley für die Alte Garde einen Kranz niederlegte. Runen und sinnvolle Sprüche, die zwischen den Bäumen aufgehängt sind, grüßen auf der Fahrt die Getreuen des Führers. Auch diesen Tag, den wieder schönstes Sommerwetter Überstrahlt, verschönen die Jungen= und Mädelgruppen, die Trachten= und Tanzgruppen, die in ihrer Arbeitskleidung und mit ihren Erzeugnissen aufwartenden Belegschaften der Industrie= und der Handwerksstuben. Zahlreich sind auch die Gruppen des Landvolkes. nicht zuletzt die Abordnungen der Garnisonen mit den Musikkorps auf den Durchfahrtsstraßen. Oft begleiten Ketten und Staffeln von Flugzeugen der Luftwasse die Reihen der Omnibusse eine Strecke ihrer Fahrt Am Ausgang von Bad Salzuflen endet eine Teiltrecke der Reichsautobahn Köln—Berlin. Hier haben ich die Arbeiter der dortigen Baustelle der RAB. aufbestellt. Ein Dutzend Feldbahnlokomotiven begrüßen mit ihren Dampfzeichen die Alten Kämpfer. Dann geht es über Haeger und Borgholzhausen zu kurzer Rast nach Halle Westf. In Hof, an der Grenze des Kreises Halle Westf., wartet eine Gruppe von Bauern. Sie seigen, wie sie während des großen Militärkonfliktes im Jahre 1863 zu Bismarck nach Berlin reisten, um die zubedingte Treue der Ravensburger Bauern zu bekunden. Ihre kraftvolle Devise war dabei:„Dann will't wui et den Demokraten wuisen.“ In Werther wird vor der Alten Apotheke ein westfälischer Bauern=Hochzeitszug vorgeführt. In einer Schlucht im Teutoburger Wald wickelt sich vor den Augen der Alten Garde ein Opferfest der Göttin Tanvala ab. Auf dem Lindenplatz in Halle begrüßt der„Graf von Ravensburg“ mit Ritterdamen und Edelknaben in der Tracht vom Jahre 1300 die Teilgehmer. Nach kurzer Rast geht es dann nach Wiedenbrück, vo der erste Teil der Fahrt abgeschlossen wird. Im Tatenhauser Wald hat sich die Lebensmittelindustrie unter demj Motto„Kreis Halle— Land der Schlaraffen“ mit einer sinnvollen Schau der Bodenerzeugeisse aufgebaut. Sie stellt mit ihren besten westfälischen Purstwaren und den bodenständigen Getränken ein Schlaraffenland dar. In Brockhagen schließlich tagt das „Hagen=Gericht" auf freiem Platz und vor dem Gestüt Ebbesloh werden Reithengste gezeigt. Die Stadt Gü tersloh vermittelt dann einen überpältigenden Eindruck mit einer wundervollen Auschmückung des Platzes vor dem Rathaus, wo sich junge Mädel im Volkstanz wiegen. Ueberaus prächtig ist die Ausschmückung der Durchfahrtsstraßen. Man empfindet, vie große Mühe sich die Gütersloher gegeben haben, um, vie auch an den anderen Orten. die Alten Kämpfer des Führers würdig zu empfangen und zu begrüßen. Hinter Hütersloh wird die West=Ost=Achse der Reichsautobahn. sie Westdeutschland mit der Mitte des Reiches verbindet, dochmals berührt. Hierauf fahren die Omnibusse, die an allen Wegen ind Straken von den Menschen umjubelt werden. nach Wiedenbrück zu. Hier wird auf dem Markt ein Eintopf ingenommen. Auch diese Stadt trägt ein außerordentlich estliches und prächtiges Schmuckkleid. Dieser großartige Verlauf der Fahrt der Alten Garde st vor allem Stabsleiter Simon zu danken, der die im Auftrage von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley vorsereitet hat und durchführt. Festlicher in Gelsenkirchen Kurz nach 18 Uhr erschien aus Richtung Herten ein Lautsprecherwagen der Gauprovagandaleitung der NSDAP., der Durchfahrtsstraßen entlangfahrend. allenthalben die bevorstehende Ankunft der Alten Garde verkündend. Gegen 18.30 Uhr schwoll ein brausendes Heilrusen von der Stadt Herten her über die weiten, bäuerlichen Felder. Wenige Augenblicke danach rückte die Chaussee berauf eine mächtige Autobus. kolonne. Und in diesem Augenblick begann sich auch hier in Resse die spannende Erwartung der Menge zu lösen zu jubelnden veilrusen. Böllerschüsse krachten aus. In den Lüften kreiste eine Kette von Flugzeugen. Der erste Autobus kam näber, hielt. Vorn im Wagen standen aufrecht Reichsorganisationsleiter Dr Ley, Reichsleiter Alfred Rosenberg. Gauleiter Oberpräsident Dr. Mever und Gauleiter=Stellvertreter Staatsrat Stangier. Kreisleiter Scholdra entbot den hohen Gästen unter Ueberreichung eines Blumenstraußes den ersten Gruß des Kreises Emscher=Livve, Oberbürgermeister Böhmer den Gruß der Stadt der tausend Feuer. Herzliches Händedrücken hin und ber. Besonders herzlich begrüßen sich selbstverständlich Peter Stangier und sein alter Resser Kampfgefährte. Ortsgruppenleiter Lenz. Schon ziehen die Autobusse wieder an. Die Fahrt geht weiter. Nun geht es wieder— wie auch in den vorher schon durchfahrenen Städten— durch ein schier endloses Spalier jubelnder Menschenmassen: es gebt durch das festlich und reich geschmückte BuerResse, das von der alten Wirkungsstätte des Stellv. Gauleiters kündet, nach Buer=Mitte Hier erinnern Spruchbander an die Kampfzeit Fritz Florians und Heinz Knickmanns und daran, daß dies die Geburtsitadt des gefallenen Freiheitsbelden Ludwig Knickmann ist. Ein Bild ungewöhnlicher Festlichkeit bieten die Hochstraße und der Adolf=Hitler= Platz in Buer=Mitte. Weiter geht die Fahrt— immer wieder jubeln die Menschen, brechen jung und alt in begeisterte Heilruse aus. So geht es weiter über die Cranger Straße durch Buer=Erle. wo Josef Woltmann kampfte und siel. Auch hier zeigt das Straßenbild einen einzigartigen. festlich=freudigen Schmuck. Am Forsthaus biegen die Autobusse der Alten Garde nach Gelsenkirchen=Bismarck hinüber. Kurz hinter der Kanalbrücke in Bismarck stach das breite Spruchband ins Auge, das aufmerksam machte auf den Menschen der Stadt, die zur Stunde die Alte Garde begrüßte: Der Bergmann grüßt die Alte Garde des Führers. Auf der Adolf=Hitler=Straße zog die prächtige Ausschmückung des ersten Gaubauses alle Aufmerksamkeit auf sich, aber schon ging die Fabrt weiter unter einem Fahnendach her, vorbei an der Wiese. Einige Wagen schwenkten ab zum Eingang des HansSachs=Hauses. Ihnen entstiegen der Reichsorganisationsleiter Dr. Lev. Reichsleiter Rosenbera. Gauleiter Dr. Mener. Reichsleiter Fiehler, die die Front der angetretenen Ehrenformationen aus allen Gliederungen der Bewegung abschritten. Reichsführer SS. Himmler war kurz vorher eingetroffen. Im HansSachs=Haus vollzog sich die kurze Begrüßung durch das Oberhaupt der Stadt Oberbürgermeister Pa ähmer und des Kreisleiters Pg. Scholdra. Das Gros der Alten Garde war indessen durch das freudig zuwinkende Spalier der Innenstadt nach „echeinelbe“ gefahren, zum Quartier der aufgefahrenen Schlafwagenzüge, um sich hier rasch von der langen Tagesfahrt zu erfrischen und für das Fest am Abend vorzubereiten. Rudolf Heß grüßt die Alte Garde Telegrammwechsel mit Dr. Ley. Wiedenbrück(Westsalen), 16. Juni. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat an den Stellvertreter des Führers folgendes Telegramm gerichtet: „700 Alte Kämpfer des Führers entbieten Ihnen in treuem Gedenken von der eben begonnenen Westfalenfahrt der Alten Garde herzlichste Grüße." Rudolf Heß hat wie folgt geantwortet: „Ueber das Gedenken von der gemeinsamen Fahrt verdienter 700 Alter Kämpfer des Führers habe ich mich sehr gefreut und danke herzlichst für alle Grüße. Zu meinem Bedauern kann ich in diesem Jahre an der Fahrt nicht teilnehmen und daher nur auf diesem Wege die Grüße erwidern und allen Beteiligten schöne Tage wünschen.“ Berliner Börse Aktien meist wenig verändert. Renten ruhig. Das neue Gesetz über die Deutsche Reichebank durch das diese unmittelbar dem Führer unterstellt und damit die uneingeschränkte Hoheit des Reiches über das deutsche Noteninstitut wiederhergestellt wird. stand naturgemäß im Mittelvunkt der heutigen Börsengespräche. Im usammenbang damit beschäftigte man sich auch mit der Abfindung der bisherigen Anteilseigner, die, entsprechend der früheren Ankündigung des ReichewirtschaftoministerFunk in sairer Weise gehandhabt worden ist. Der Umsang des Wertpapiergeschaftes selbst blieb auch weiterhin klein, da sich wegen der geringen Beteiligung des Pudlikums auch der Berufshandet zu keiner Initiative aufzuschwingen vermag. Angebot und Nachfrage fanden im allgemeinen Ausgleich in nur wenig veränderten. angesichts der berrschenden Geschäftsstille, aber eber abwärts geneigten Kursen. So waren Montanwerte meist um Prozentbruchteile gedrückt, wobei Hoesch mit minus 5. Prozent die größte Einbune aufwiesen. Von Braunkohlenwerten wurden nur Deutsche Erdöl und Ilse Genußscheine, und zwar auf unveränderter Kursbasis. gehandelt. Von chemischen Papieren gaben Farben von einem Anfangsgewinn von ¼ Prozent die Hälfte sogleich wieder ab. In der Elektrogruppe bildeten Schuckert mit vlus 1½ Prozent eine Ausnahme. Siemens büßten 1½. Licht=Kraft 1. AE G ½ und Akkumulatoren 1 Prozent ein. Einige festere Kurse wiesen Versorgungswerte auf. so u. a. Wasserwerk Gelseneerchen(vlus 1 ¾%). Auch Autoaktien konnten sich um ca. 1 Prozent befestigen. Für Maschinenbauwerte war die Meinung geteilt. Börse Das Geschäft an der Rheinisch=Westfälischen Börse war sehr still. Das Publikum beteiligte sich kaum am Geschäft. Vereinzelt erfolgten kleinere Abgaben, doch gingen die Kursabschwächungen nicht über ½ Prozent hinaus. Vereinzelt kam es zu kleineren Besserungen. Gut behauptete Kurse erzielten Farbenindustrie. Felten batten einen kleinen Gewinn von 2 Prozent. Montanaktien lagen ziemlich unverändert. Höher gefragt wurden Klöckner. während Ver. Stahlwerke ¾ Prozent einbüßten. Der Kurenmarkt lag gut behauptet. Von Kohlenwerten waren Heinrich etwas höber gefragt, während Langenbrahm unverändert notierten. Diergardt konnten ihren Kursstand um 150 RM. aufbessern. Sonst unverändert. Braunkohlen kaum beachtet. Auf dem Kalimarkt kamen Umsätze nicht zustande. die Kurse wurden auf gestriger Grundlage genannt. Im Freiverkehr lagen Kohlenaktien nicht einheitlich. Dablbusch=Vorzüge 2 Prozent fester. Dortmunder Union gaben ihren gestrigen Gewinn wieder her. Banken unverändert die auf Rhein. Boden. die ¾ Prozent nachgaben. Am Versicherungsmarkt waren Kölner Rück stärker beachtet. Schluß still und wenig beachtet. Warenmärkte Hamburger Warenmarkt. Reis: Mit dem Inlande konnte sich kaum Geschäft entwickeln. Auch für den Exvort liegen Anfragen heute nicht vor. Die fernöstlichen Ursprungsmärkte, zeigen unterliedliche Veranlagung. So wird Burma als fester. Siam dagegen abgeschwächt gemeldet. In Saigon sind keine nennenswerten Abweichungen zu verzeichnen. Preise unverändert. Baumwolle: Stetig. Suversine 4.05. Fine Oomra 4.80 d. Kalsee: Wenn auch die Neueindeckungen der Röster lausend weitergehen, so nahm der Handel mit dem Inlande doch einen recht ruhigen Verlauf. Auch im Transitgeschäft ist es stiller geworden. Preismäßig hat sich auf der ganzen Linie nichts geändert. Schmalz: Rubig. Unverändert. Fettwaren: Unverändert. Oele und Fette: Sehr ruhiger Handel kennzeichnet auch heute den deutschen Markt. Für Fettsäuren und technische Schweinefette zeigt sich weitere Nachfrage. die aber nicht voll befriedigt werden kann. Im internationalen Verkehr wurde gleichfalls kaum etwas von größeren Abschlüssen bekannt. Die Forderungen für pilanzliche Oele sind sämtlich unverändert zu bören. Preise unverändert. Hülsenfrüchte: Eine Belebung des seit langem sehr ruhigem Geschäft trat auch heute nicht ein. Der Umsatz ist weiterhin vom Angebot abhängig. Die Forderungen der Abgeber sind die gleichen geblieben. Preise unverändert. Kautschuk: Rubig. Sbeets loco 8 11 32. Juli=Aug. 8¾. Aug.=Sept. 8 7/16 Pence per lbs. Zucker: Effektivmarkt: Auf feste Auslandsmärkte ist die Tendenz hier stetiger und die Forderung für British fine Granulated lautet leicht erhöht mit 9.— sb per Aug. Tschechen nicht notiert: Terminmarkt: Bei stetiger Marktlage werden für spätere Termine um 5 bis 10 Pig. böbere Preise gefordert. Gewürze: Der Umsatz, hielt sich heute wieder in sehr mäßigen Grenzen. Preise wie bisher. Rohkakao: Ruhig. Der ruhigen Tendenz der Auslandsmärkte entsprach am hiesigen Platz eine gleiche Haltung. wobei nennenswerte Preisänderungen nicht zu verzeichnen waren. Preise unverändert. Kakaobalbfabrikate: Die Umsatztätigkeit in fast allen Artikeln hat während der letzten Tage nachgelassen. Vereinzelt werden noch kakaopulverbaltige Erzeugnisse gefragt. Preise wie zuletzt. Viehmärkte Dortmunder Schlachtviehmarkt. Auftrieb: Rinder gesamt 533, darunter: Ochsen 43. Bullen 130. Kühe 313. Färsen(Kalbinnen) 47. Ziegen 10. Kälber 746. Schafe. Lämmer und Hammel 141. Schweine 5119. Bezahlt für 50 Klg. Lebendgewicht. Ochsen: Vollfleischige, ausgemästete böchsten Schlachtwerts 46½. sonstige vollfleischige 40—421/. Bullen: Jüngere vollfleischige dochsten Schlachtwerts 44 1/3. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40½. fleischige 34—35½. Kube: Jüngere. vollfleischige döchsten Schlachtwerts 42½—44½. sonstige vollfleischige oder ausgemastete 39—404, fleischige 33—34½. Färsen(Kalbinnen): Vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts 458. vollfleischige 40½ bis 41½. fleischige 36½. Kälber; Doppellender bester Mast 78. beste Mast= und Saugkälber 62—63, mittlere Mast= und Saugkälber 55—57, geringere Saugkälber 45 bis 48. geringe Kälber 38. Lämmer, Hammel und Schafe: Beste Weidemastlämmer 50—51, beste jüngere Weidemasthammel 49. mittlere Mastlämmer und ältere Masthammel 42. geringe Lämmer und Hammel 42. beste Schafe 42, mittlere Schafe 33—38, geringe Schafe 24—32. Schweine: Fettschweine über rund 150 Klg. Lebendgewicht 58½ vollfleischige Schweine von 135—149 Klg. Lebendgewicht 57½, vollfleischige Schweine von ca. 120 bis 134 Klg. Lebendgewicht 56¾. vollfleischige Schweine von ca. 100—120 Klg. Lebendgewicht 52½. vollfleischige Schweine von ca. 80—100 Kla. Lebendgewicht 49“. fleischige Schweine von ca. 80—80 Kla. Lebendgewicht 19. fleischige Schweine unter 60 Klg. Lebendgewicht 49½. sette Specksauen 57½. andere Sauen 51 1/8. Altschneider 56½ RM. Marktverlauf: Rinder zugeteilt. Ausstichtiere über Notiz. Kalber zugeteilt. Schafe flott. Schweine Jugelellk Fristablaus 7 Keine Befreiung der Handwerker zwischen 50 und 60 Der Reichsstand des Deutschen Handwerks weist darauf in, daß nach dem Gesetz über die Altersversorgung Vercherungsfreiheit und Haldversicherung nur dann mit dem 1. Januar 1939 beginnen, wenn der zur Inanspruchnahme dieser Rechte berechtigende Lebensversicherungsvertrag vor dem 1. Juli 1939 abgeschlossen wird. Der Reichsstand empfiehlt deshalb dringend, daß alle Hand werker schnellstens noch bis Ende Juni bei einer Versicherungsgesellschaft den Abschluß einer Lebensversicherung beantragen, soweit sie ihre Altersvorsocge nicht über die Angestelltenversicherung suchen wollen Wenn das Gesetz als Voraussetzung an sich den tatsächlich vollzogenen Abschluß des Vertrages und damit die Aushändigung des Versicherungsscheines verlange, so sei doch zu hoffen, daß in der Durchführungsverordnung auch jene Verträge anerkannt werden, bei denen vor dem 1. Jul) lediglich der Antrag auf Abschluß der Lebensverstcherung gestellt worden sei. Nach dem Angestellten=Versicherungsgesetz wird auf Antrag von der Versicherungspflicht befreit, wer beim Eintritt in die Versicherungspflicht das 50. Lebensjahr vollendet hat. Diese Möglichkeit stände an sich auch den Handwerker zu. Wie der Reichostand weiter mitteilt. in jedoch bestimmt damit zu rechnen, daß die zu erwartende Durchführungsverordnung zum Altersversorgungsgesey diese Befreiungsmöglichkeit beseitigen wird. weil sie einwesentliche Durchbrechung des Versorgungsschutzer für das Handwerk bedeuten könnte. Von der Stellung von Befreiungsanträgen soll deshalb schon jetzt abgesehen werden. Bienenvölker Ueberblickt man die Entwicklung der deutschen Bienenzucht in den letzten Jahren, dann kann man einen bemerkenswert raschen Aufstieg feststellen. Heute betreuen 250000 Mitglieder der Reichofachgruppe Imker rund drei Millionen Bienenvölker. Dazu kommen noch die Bienenstände der nichtorganisierten Imker, die etwa 3= bie 400 000 betragen, sodaß wir auf annähernd 3 ½ Millionen Bienenvölker in Großdeutschland kommen. Diese bieher nie erreichte Zahl zeigt, daß auch die deutschen Imker die Zeichen der Zeit verstanden haben und bemüht sind. an ihrem Teil dazu beizutragen, daß Deutschland von der Einfuhr imkerlicher Produkte vom Ausland frei wird. Jeder Imker ist natürlich bemüht, seinen Bienenzuchtbetrieb wirtschaftlich zu gestalten, denn nur dann. wenn er selbst Erfolg hat. wird auf die Dauer auch die Gesamtheit Nutzen davon haben: Es ist eine bekannte Tatsache, daß sog. Zwergbienenstände für unsere Volkswirtschaft ohne Belang und ebenso für den Besitzer ohne Wert sind. Je größer ein Bienenstand ist— bis zu einer gewissen Größe natürlich, denn von Großimkern soll hier abgesehen werden. weil dafür ganz die General= unkosten sich auf eine größere Zahl von Völkern verteilen. Die Reichsfachgruppe Imker ist deshalb bemüht, durch Verbilligung der verschiedensten Bienenzuchtgeräte die Imkerei nach Möglichkeit zu fördern und dem einzelnen Züchter Gelegenheit zu geben, seinen Betrieb auszubauen Jeder Imker sollte deshalb bestrebt sein, seinen Stand sinngemäß zu vergrößern und alljährlich ein oder einige Völker mehr aufstellen.= Berücksichtigt man, daß jährlich allein die Anbauflächen der Oelsaaten um viele Tausend Hektar steigen, daß die Zahl der Obstbäume sich alljahrlich vergrößert und daß andere, auch für die Bienenzucht wertvolle Pflanzen in erhöhtem Maße angebaut werden. dann leuchtet es schon ein, daß es notwendig ist, die Zahl der Bienenvölker zu erhöhen. versiegen doch heute noch Ströme von Nektar. die die Natur bietet, ungenützt. Mancher, der wohl Lust zur Bienenzucht bätte, hat sich wohl schon die Frage vorgelegt: Lohnt es sich. Bienenzucht zu treiben? Diese Frage kann man heute mit einem ruhigen Ja beantworten. Bienenzucht ist abhängig von der Bienenweide, die Bienenweide aber hat in den letzten Jahren nach den Zeiten des Nieder= gangs wieder, wie oben schon gezeigt, erhebliche Fortschritte gemacht, an denen auch der deutsche Imker selbst mitbeteiligt ist. Dazu kommt, daß wir heute auf dem besten Wege sind. eine Biene zu züchten, die sich durch erhöhte Leistungen auszeichnet. Betrug bisber der Leistungsdurchschnitt je Volk etwa 10 Klg., so geht das Bemühen dahin, den Ertrag auf 1212 Klg. zu steigern. Daß durch planmäßige Zucht dieses Ziel erreicht werden kann und auch in kurzer Zeit schon erreicht werden wird. dafür ist der Nachweis heute bereits erbracht. Wer Lust zur Bienenzucht hat. sollte jetzt den Anfang machen. Wirtschaftlich betriebene Bienenzucht lohnt immer die dafür aufgewandten Kosten. Molotow bleibt unnachgiebig Unfreundliches Kommunique. Moskau, 16. Juni Die Blätter veröffentlichen ein kurzes amtliches Kommunique über die gestrige Unterredung zwischen Molotow und den englisch=französischen Unterhändlern. An der Unterredung hat auch Potemkin teilgenommen. In einem über zweistündigen Gespräch seien, so wird bemerkt, die„hauptsächlichen Fragen der Meinungsverschiedenheiten“ zur Sprache gekommen. Die Texte der englisch=französischen Formulierungen zu den Paktverhandlungen(es handelt sich dabei offenbar schon um ganze Vertragstexte) seien Molotow darauf überreicht worden. Das Kommunique schließt:„Die Ergebnisse der ersten Unterredung und der Untersuchung der englisch=französischen Formulierungen werden in den Kreisen des Außenkommissariate als nicht ganz günstig eingeschätzt.“ Die ungewöhnliche Verlautbarung verrät einen recht dramatisch zugespitzten Gegensatz. Sicher geht es dabei um die Frage der baltischen„Garantien". Mit diesem unfreundlichen Kommunique scheint Moskau wieder einmal zu versuchen, die„öfsentliche Meinung“ der Demokratien aufzustacheln. Amerikanische Erpressermethoden an Spanien Baumwollieferungen nur gegen Verzicht auf rechtmäßige spanische Forderung nach Silberrückgabe. Washington, 16. Juni. Finanzminister Morgenthau untersagte, einer Agenturmeldung zufolge, der Exportund Import=Bank, der spanischen Regierung, die von dieser bestellten 300000 Ballen Baumwolle im Werte von 15 Millionen Dollar zu verkaufen, solange nicht die panische Regierung auf 14 250 000 Dollar Silber nerzichtet habe, das die Roten während ihrer Herrschaft nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika verschickt und an die USA.=Regieruung verkauft hatten. Die nationalspanische Regierung verklagte seinerzeit das USA.=Schatz= amt auf Rückgabe des in Spanien gestohlenen und nach Amerika verschleppten Silbers. Der Prozeß schwebt jedoch noch Neuer Bulkanausbruch auf den Aleuten Neuvork. 16. Juni. Wie aus Unalaska(Alaska) gemeldet wird, bat der auf den Aleuten gelegene Vulkan Veni=Aminoff. der seit dem 23. Mai in Tätigkeit ist, am Donnerstag weite Land= und Seegebiete mit einem Ascheregen überschüttet. Ein Motorschiff, das sich 60 Klm. von dem Vulkan entfernt befand, funkte, daß Asche und Sand auf das Schiffsdeck niederfielen und daß der Vulkanausbruch die Sicht bis auf weniger als 2 Klm. beschränke. Hamelns neue Freilichtbühne Uraufführung des„Spielmanns von Hameln“ Hameln, 16. Juni. Im Rahmen des diesjährigen Kreissportfestes des Bückebergkreises wird am 23. Juni die Freilichtbühne im Hamelner Klütwalde eingeweiht. Der Zuschauerraum faßt rund 1200 Besucher. Entsprechend dem Wunsche der Kultur=Heimatgemeinschaft„Bückeberg", die Bühne mit einem Werk zu eröffnen, das in ganz besonderem Maße aus dem Landschaftsraum kommt, dessen kulturpolitisches Leben zu betreuen sie sich zur Aufgabe gemacht hat, und das das reiche kulturpolitische Leben der Vergangenheit der Heimat in das rechte Verhältnis zu den Notwendigkeiten der Gegenwart stellt. kommt Helmut Vogts Schauspiel, der„Spielmann von Hameln“ zur Uraufführung. Sämtliche tragenden Rollen werden durch Berufsschauspieler, Mitglieder Hildeoheimer Bühne, besetzt. Zu ihnen gesellt sich eine große Anzahl Hamelner Laienspieler, die bereits seit einiger Zeit unter fachkundiger Leitung mit den Proben beschäftigt sind. Flucht aus dem Zuchthaus Detmold, 16. Juni. Der 19 Jahre alte. in Heidenoldendorf bei Detmold geborene Erich Diekmann. der vor einigen Tagen seinen alten Lehrer, den Schulleiter Meier in Heidenoldendorf, in dessen Wohnung erschlagen hatte, ist aus dem Zentralgefängnis in Neumünster, in dem er eine Zuchthausstrafe von acht Jahren zu verbüßen hatte, unter Zurücklassung seines Sträflingsanzuges entwichen. Er entwendete einem jungen Mann Kleider und Ausweise auf den Namen Alfred Koeniger. Von der Bergbehörde Bergassessor Petri vom Bergrevier Bochum 2 und Bergassessor Kier vom Berarevier Dortmund 2 sind auf Antrag aus dem Dienst der Berghoheitsverwaltung ausgeschieden. Bergrat Hülsmann vom Bergrevier Dortmund 1 ist mit Wirkung vom 1. Juli 1939 an das Oberbergamt in Dortmund versetzt worden. Verkürzte Lehrzeit und Berufsschulunterricht Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat dahin entschieden, daß die vom Reichswirtschaftsminister arundsätzlich gewünschte Lehrzeitverkürzung auch bei der Berufsschulvflicht insosern berucksichtigt werden soll, als sie mit der erfolgreichen Lehrabschlußprüsung endigt. Wie der Reichserziehungsminister dabei ausführt, schließt die Lehr= und Schulzeitverkürzung die Notwendigkett einer Intensivierung der Arbeit in der Berufsschule in sich. um ein Absinken des Leistungsstandes zu verhüten. Unter Hinweis auf die den Berufsschulen unter dem 7. Januar 1939 erteilte Weisung. den Unterricht und die Lehrrläne entsprechend einzurichten, ersucht der Minister erneut, alle Maßnahmen zu ergreifen, die eine Steigerung der Unterrichtsleistung bewirken. Zu diesem Zweecke sei nochmals eine strenge Ueberprusung der Lehrpläne unter dem Gesichtspunkt des jeweiligen Berufsbildes vorzunehmen. Besonders kritisch zu prüfen sind die Fächer Werkstättenunterricht, Buchführung. Kalkulanonslehre und ähnliche. Alle nicht der Lehrlingsstufe unbedingt gemäßen Stoffe sind zu streichen. Ferner soll auch auf die Abwehr jeglicher Störung im normalen Verlauf des Unterrichts gesehen werden(Beurlaubung von Lehrern und Schülern zu außerschulischen Veranstaltungen. Filmbesuch usw). Eine Einschränkung des staatsbürgerlichen Unterichts zugunsten der Berufskunde dari jedoch nicht erfolgen, da die Berufsschule als Erziehungsstätte nicht nur der Ge###rbeförderung im technischen Sinne zu dienen hat, sonder, für die nationalsozialiistsche Haltung ebenso verantwortlich ist, wie für die fachliche Leistung die Haltung und Leistung im Dritten Reich eine Einheit bilden soll. „Für das gesamte Wirtschaftsgebiet“ Zuständigkeit der Treuhänder. Verschiedentlich sind durch Anordnungen von Reichstreuhändern der Arbeit, die als„für das gesamte Wirtschaftsgebiet“, geltend bezeichnet waren. Zweifel entstanden, ob diese Anordnungen auch die öffentlichen Verwaltungen und Betriebe erfassen. Zur Klärung stellt der Reichsfinanzminister unter Hinweis auf die gesetzliche Zuständigkeitsabarenzung fest, daß Anordnungen, die ein Reichstreuhänder der Arbeit für das von ihm betreute Wirtschaftsgebiet erläßt, öffentliche Verwaltungen und Betriebe nur dann erfassen, wenn der Reichstreuhänder für den öffentlichen Dienst eine gleiche Anordnung erläßt. Deutscher Doppelsieg in der Senior Tourist=Trophy Meier bricht englische Vorherrschaft. Eurooameister Georg Meier schloß in seiner kurzen aber einzigartigen Laufbahn als Motorradfahrer das Rennen auf der Insel Man mit dem zwölften Siege ab. In dem schweren Rennen blieb er in der 1=Lt.=Klasse sicherer Sieger. Zweiter wurde auf BMW. der Engländer West. Zum ersten Mal seit Bestehen des Rennens im Jahre 1907 hat ein Nichtengländer gewonnen, zum zweiten Mal überhaupt hat eine Maschine, die nicht von einer englischen Firma gebaut wurde. den ersten Platz belegt. Es ist noch nie vorgekommen, daß eine weitere ausländische Maschine an zweiter Stelle zu finden war. Meier fuhr ein glänzendes Rennen. in dem er alle Reserven seines großen Könnens aufzog und die Maschine in schier unglaublicher Geschwindigkeit über die Strecke brachte. Pferdesport Rennen zu Maisons=Lassitte. 1. Rennen: 1. Roval Fern(A. Rabbe). 2. Evine d'or. 3. Santa Rita. Ferner 9 Pferde. Toto: Sieg 147. Platz 42. 43. 19:10. Lg.: 1. 1½, 1. 2. Rennen: 1. Volanda,(G. Brigland). 2. Codor. 3. Sao Liuz. Ferner 17 Pferde. Toto: Sieg 81. Platz 29. 37. 23:10. Lg.: 1. ¼. H. 3. Rennen: 1. La Normandie(W. Johnstone). 2. Le Magnat. 3. Javelin. Ferner 6 Pferde. Toto: Sieg 83. Planz 18. 26. 12:10. La.: ¼/4. U. 3. 4. Rennen: 1. Laneret(R. Perrin). 2. Triancourt. 3. Seville. Ferner 8 Pferde. Toto: Sieg 73. Platz 29. 22. 36:10. Lg.: 1. 1½. 1. 5. Rennen: 1. Ligure(G. Bridgland), 2. Satorv. 3. La Malouine. Ferner 9 Pferde. Toto: Sieg 50. Platz 26. 52. 49:10. Lg.: ¾/. ½ 3•3. 6. Rennen: 1. Courteille(W. Johnston). 2. God Bame. 3. Chantevoulet. Ferner 15 Pferde. Toto: Sieg 24. Platz 17. 57. 54:10. La.: 3. H., 1½. 7. Rennen: 1. Mevrise(R. Dornatleiche). 2. Dienine. 3. Gazon. Ferner 6 Pferde. Toto: Sieg 33. Platz 12. 14. 15:10. La.: 6. K., 4. Wie wird das Wetter? Wenia Aenderung. Vorhersage für Sametag und Sonntag: Bei mäßigen südwestlichen Winden wechselnd bewölkt. vielsoch heiter. trocken. Temperaturen bleiben unverändert. Weiterentwicklung: Wieder etwas kühler. Gioria-Palast □ heute und morgen 22.30 Uhr: 2 Spalvorsichlungen! Ein Film— abenteuerlich und spannend wie ein Roman vou Karl May! Im Tagesprogramm: mit Robert Taylor. Empfehlt den Hrrner Anzeiger! 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Samstag, 24. 6., 20 bis gegen 23 Uhr, Vormiete C 24: „König Richard II“. Sonntag, 25. 6., 20 bis nach 23 Uhr, Geschl. Vorst. Kd F., Fa. Baltz: „Lilosee". Dram. Ballade von Manfred Hausmann. Montag, 26. 6., 20—23 Uhr, Grüner Rg. 11: „Genoveva“. Tragödie von Fr. Hebbel. Kartenvorverkauf in Friedr. Stücks Buchhdlg., Herne, Bahnhofstraße 32. Schenkt Bücher! Freilichttheater Wattenscheid Stadtgarten= 3000 Sitzplätze Eröffnung am Sonntag. dem 18. Juni 1939, nachmittags 16½ Uhr mit „Der Sprung aus dem Alltag“ Rheinische Komödle von Heinrich Zerkaulen Weitere Aufführungen am 24. und 25. Juni, 1. und 2. Juli 1939. Samstag um 20 Uhr bei großer Scheinwerferbeleuchtung, Sonntag 16½ Uhr. Eintrittspreise: Numeriert. Platz 0.85 RM., alle übrigen Sitzplätze 0.60 RM. Vorverkauf 0.55 RMI. Kinder unter 11 Jahren und Militär halbe Preise. Kdf., Schulen und geschlossene Gesellschaften erhalten bei vorheriger Anmeldung und Abnahine Sonderpreise. Am 22. Juni 1930. nachm 16 Uhr Erstaufföhrung des Märchenspiels „Rübczahls lustige Streiche“ Auskunft erteilt: Städt Kultur- und Verkehrsamt. Steinstr. 5. Fernruf 1561. Verkehrsverein und die NS.-Gemeinschaft„Kraft durch Freude“, Hochstr. 20 Besuchen Sie das schöne Ausflugslokal Haus Düppe-Korte Baukauer Straße 111 Jeden Sonntag: Honzert und Tanz Bekannt guter Kaffee und Bauernstuten. Auch Samstag abends finden Sie bier Erholung und Unterhaltung. Jeden Samstag Sonnlag im Saalbau Anlauf ein neues Dariefé-Programm Tanz! Eintritt frei! Verlängerte Polizeistunde. Gaststätte Jägerhof Heinrich Dorlöchter, Vinckestr. 1 Jeden Samstag und Sonntag Konzert und Sanz Stimmungskapelle: Kuftel-Schiel Sie werden selbst überrascht sein, wie vorteilhaft sich Ihre Form verbessern läßt, wenn Sie Ihre Sorgen der Spezialistin anvertrauen. 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