Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn und Feiertage. Bezugspreis halbmonatlich Mark 1.08, monatlich Mark 2.15, frei ins Haus gebracht; durch die Post monatlich Mark 2.— einschließlich 48 Pf. Postzeitungsgebühr, bierzu Bestellgeld 36 Pf.— Postscheckkonto: Dortmund 1907. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger, Gerther Anzeiger Druck und Verlag: Koethers& Röttsches, Herne Hermann-Göring=Straße 8, neben der Hauptpost. Anzeigenpreise: 1 mm Raumhöbe 4 Pf., im Textteil 25 Pf. Vereinskalender(im Taxkteil) je mm 10 Pf. Bäder= und Sommerfrischenanzeigen se mm 3½ Pf., Sifser= und Auskunftsgebühr 28 Pf. Fernsprecher: Sammel=Nummer 52541 Drahianschrift: Anzeiger Herne. Nr. 216(Erstes Blatt) Donnerstag, den 15. September 1938 34. Jahrgang Chamberlain heute auf dem Obersalzberg Der englische Premierminister schlug eine Besprechung mit dem Führer vor 7„Um zu versuchen, eine friedliche Lösung zu finden“. „Die Lunie am Pulverfaß“. Lschectscher Chauvinismus tobt sich aus. Verschärfung der Lage durch tschechische Schuld Volksabstimmung? Die neue Terrorwelle geht über das ganze sudetendeutsche Land. Tschechische Banden, aufgeputschte Gendarmerie und blutdürstige Soldateska rasen gegen eine wehrlose Bevölkerung. Im Eger=Bezirk wurde gestern ein ganzes Dorf überfallen, belagert und schwerem MG.=Feuer ausgesetzt. Damit ist durch tschechische Schuld die Krisenatmosphäre in gefährlichster Weise verschärft worden. Die Berichte erwecken den Eindruck, als sei seit 48 Stunden, also seit dem klärenden Wort des Führers, von Prag aus ein geheimes Kommando zum Looschlagen gegeben worden. Das Land unter dem Prager Gewaltregiment gehört, so scheint es, seitdem nicht mehr zum europäischen Kulturbereich. Die Ueberfülle, Morde und Massenverhaftunge sind ein Hohn auf alle die demokratischen Prinzipien. auf die sich Prag nach wie vor beruft. Ein Zustand völliger Rechtlosigkeit ist eingetreten. Ein sudetendeutscher Abgeordneter, der bei Zwischenfällen schlichtend eingreifen wollte, wird vor das Standgericht gestellt, das bekanntlich„kurzen Prozeß“ macht. Gestellungsbefehle sind an Sudetendeutsche ausgestellt worden mit dem Bescheid, daß alle, die sich nicht stellen, dem Kriegsgericht, d. h. Blutgericht ausgeliefert werden. Der Hussitenhaß tobt sich ungehemmt aus. Ueber 200 Verletzte, 16 Tote(diese Zahl muß nach den letzten Meldungen überholt sein), das ist eine furchtbare Bilanz. Das ganze deutsche Volk trauert mit den Angehörigen der Blutopfer, und keiner ist unter uns, der angesichts des furchtbaren Unheils, das die ganze Bevölkerung— zumal im nordböhmischen Gebiet— bedroht, nicht tief erschüttert wäre. Gänzlich unvorstellbar ist es für uns und muß es für Europa sein, daß ein Zusammenleben der Sudetendeutschen mit diesem Tschechentum künftig möglich sein sollte. Es ist unmöglich. Die alarmierenden Nachrichten dieser beiden Tage haben nun auch in Paris und London endlich zum ernsteren Nachdenken angeregt. Meint man es ernst mit dem Vorschlag einer Volksabstimmung? Man stellt dieses Wort in den Vordergrund, erwägt sogar die Frage. ob sofort eine internationale Polizei die tschechische ersetzen soll. Jedenfalls dürfen sich die Verantwortlichen in Paris und London keinem Zweifel über die kritische Zuspitzung der Lage hingeben. Wenn gehandelt wird, muß zur Sicherung des europäischen Friedens eine endgültige Bereinigung erstrebt werden. Es fehlt nicht an Auslandsstimmen, die das skrupellose Vorgehen der Prager Regierung entsprechend kennzeichnen. Ein finnisches Blatt in Helsinki stellt fest, daß die Einführung des Standrechtes in der TschechoSlowakei in einer so überhitzten und überspannten Lage A durch die Tschechen ein Mißgriff war, welcher die verhängnisvollsten Folgen nach sich ziehen kann. Prag habe dummdreist die Lunte an das Pulversaß gelegt. Auch in der Schweiz, wo man sich nur ungern zu diesem Problem kritisch äußert, fordert die„Suisse“ Prag auf, schleunigst die Sudetendeutschen freizugeben. Ein Krieg zur Erhaltung der gegenwärtigen Tschecho=Slowakei wäre der sinnloseste aller Kriege:„Deshalb muß alles untemnommen werden und versucht werden, um ihn zu vermeiden. Das ist die ungeheure Aufgabe Lord Runcimans: Den Tschechen begreiflich zu machen, daß es unerhörte Verwegenheit wäre, selbst um den Preis eines blutigen Krieges ihre Herrschaft über Volksgruppen behaupten zu wollen, die sie 20 Jahre lang nicht mit sich haben aussöhnen können und die heute von der Herrschaft Prags befreit sein wollen. Sache der tschecho=slowakischen Regierung ist es, Europa das Schlimmste zu ersparen und den Sudetendeutschen sowie den mderen nationalen Minderheiten die erstrebte Freiheit gewähren.“ Inzwischen läßt Prag Lügenberichte über die Zusammenstöße und Morde verbreiten, um die Schuldfrage zu verkehren. Eine tolle Stimmungsmache wird auch mit Hilfe sowjetrussischer und sowietspanischer Sender versucht. Aber die Verhängung des Standrechts und die Ueberfälle— der britische Beobachter Major Sutton=Pratt ist bei einem dieser Zwischenfälle beschossen worden— haben die tschechischen Absichten überdeutlich gemacht. Die zivilisierte Welt kann nunmehr erkennen. was aus diesem Spiel mit der Lunte am Pulverfaß werden soll. Dr. R. Kabinettssitzung in London London, 14. Sept. Das britische Kabinett trat, wie vorgesehen, um 11 Uhr zu einer Besprechung der europäischen Lage zusammen. London, 14. Sept. Die heutige Kabinettssitzung dauerte 2½ Stunden und war gegen 13.30 Uhr beendet. Ueber ihren Inhalt ist bisher nichts bekannt geworden. Es ist vorläufig keine weitere Sitzung anberaumt worden. Der König von England fährt nach London zurück London, 14. Sept. Wie amtlich bekanntgegeben wird, fhrt der König heute abend von Balmoral nach London surück. Man erwartet, daß der König bereits am Donkerstagvormittag den Premierminister in Audienz empsangen wird. Der engtische Botschafter bei Daladier Paris, 14. Sept. Ministerpräsident Daladier hat im Mittwochabend den englischen Botschafter in Paris mpfangen, Daladier s Anregung zur Reise Chamberlains Berlin, 14. Sept. Der britische Premierminister, Herr Neville Chamberlain, hat heute dem Führer und Reichskanzler durch Vermittlung des britischen Botschafters in Berlin folgende Mitteilung zugehen lassen: „Im Hinblick auf die zunehmend kritische Lage schlage ich vor, sofort zu Ihnen herüberzukommen, um zu versuchen, eine friedliche Lösung zu finden. Ich schlage vor, auf dem Luftwege zu kommen und bin morgen zur Abreise bereit. Teilen Sie mir bitte den frühesten Zeitpunkt mit, zu dem Sie mich empfangen können und geben Sie mir den Ort der Zusammenkunft an. Ich wäre für eine sehr baldige Antwort dankbar. gez. Neville Chamberlain.“ Der Führer und Reichskanzler hat aus die vorstehende Mitteilung geantwortet, daß er gern bereit sei, sich mit dem britischen Premierminister am 15. d. M. zu treffen. Herr Neville Chamberlain wird dementsprechend morgen, Donnerstag nachmittag, auf dem Obersalzberg erwartet. Abflug Chamberlains um 8.30 Uhr Die Begleiter des Ministerpräsidenten. London, 14. Sept. Der britische Premierminister Chamberlain wird Donnerstag früh 8.30 Uhr von London starten und gegen 13 Uhr in München eintreffen. Er wird dann mit der Bahn nach Berchtesgaden weiterjahren. Auf seinem Flug nach Deutschland wird Premierminister Chamberlain von Sir Horache Wilson begleitet. dem langjährigen Wirtschaftsberater der britischen Regierung. Sir Horache Wilson gehört zu den engsten Mitarbeitern und Beratern des Ministerpräsidenten und als solcher hat er auch in der tschechischen Frage bereits mehrfach beratend gewirkt. Ferner befindet sich in Begleitung des Premierministers William Strang. der Leiter der mitteleuropäischen Abteilung im englischen Außenamt. Strang hat kürzlich Berlin. Prag und Paris besucht, um mit den dortigen britischen Vertretern die Fühlung aufzunehmen. Premierminister Chamberlain wird mit dem Fluge nach Deutschland den ersten Flug seines Lebens machen. Paris, 14. Sept. Von der Agentur Havas über die Reise Chamberlains nach Deutschland befragt, erklärte Ministerpräsident Daladier: „In Anbetracht der schnellen Abwicklung der Ereignisse in der Tschecho=Slowakei. durch die lokale Verhandlungen sehr schwierig gestaltet wurden, habe ich gegen Ende des gestrigen Nachmittags(Dienstag) die Initiative ergriffen, eine persönliche und direkte Fühlungnahme mit dem britischen Ministerpräsidenten aufzunehmen, um mit ihm zusammen die Möglichkeit eines außerordentlichen Vorgehens ins Auge zu fassen, das gemeinsam mit Deutschland die Ueberprüfung der wirksamsten Mittel für die Sicherung einer freundschaftlichen Lösung des Streitfalles zwischen den Sudetendeutschen und der Prager Regierung und damit die Erhaltung des Friedens in Eurova erlaubt. Ich bin besonders glücklich über das Uebereinstimmen der Ansichten der beiden befreundeten Regierungen. SOp=Abgeordnete vor dem Standgericht Karlsbad, 14. Sept. Nach Mitteilung von amtlicher tschechischer Seite ist eine Reihe von sudetendeutschen Abgeordneten und Amtswaltern von der tschechischen Staatspolizei festgenommen und dem Standgericht über stellt worden, das gegen sie auf Grund der Ausnahmegesetze vorgehen werde. Von sudetendeutscher Seite verlautet dazu, daß sich unter den Verhafteten auch der Abgeordnete Künzel befinde, der versucht habe, in Görkau im westböhmischen Braunkohlenrevier zu vermitteln und dabei von der Staatspolizei, der an der Beruhigung der Bevölkerung nichts lag, rücksichtslos festgenommen wurde. Da die Standgerichtsbestimmungen sehr scharf sind, bestehen für das Schicksal der sudetendeutschen Führer die schlimmsten Befürchtungen. Sutton=Pratts Flugzeug von Tschechenkugeln getroffen London, 14. Sept. Wie der Prager Sonderkorresvondent der„Times“ meldet, ist das Flugzeug des britischen Beobachters Major Sutton=Pratt. als dieser von Eger nach Prag zurückflog. über tschechischem Gebiet beschossen worden. Eine Kugel hat dabei die Aktentasche SuttonPratts getroffen. Er selbst wurde nicht verletzt. Von zuständiger englischer Stelle liegt über diesen Vorfall. der aufs neue die Skruvellosigkeit des tschechischen Vorgehens beweist, noch keine Mitteilung vor. London, 14. Sept. Reuter berichtet aus Prag, daß Ashton Gwatkin heute morgen in Asch eingetroffen sei, wo er die sudetendeutschen Führer aussuchen wird. Blut=Terror im Eger=Bezirk Militär und Panzerwagen gegen Gudetendeutsche 7. Maschinengewehrfeuer auf ein sudetendeutsches Dorf Zahlreiche Todesopfer Karlsbad, 14. Sept. In dem Ort Habersbirk bei Falkenau an der Eger ist es am Dienstag und Mittwoch zu außerordentlich blutigen Vorgängen gekommen, die nach tschechischen und englischen Meldungen eine große Anzahl von Todesopfern gefordert haben sollen. Da die Verbindungen mit Falkenau unterbrochen sind, war es bisher unmöglich, die genaue Zahl der Opfer festzustellen. Die tschechische Gendarmeriewache des rein deutschen Ortes hatte schon seit Wochen unter der Anführung des tschechischen Gendarmen Bartosch ein blutiges Terrorregiment aufgerichtet. Nacht für Nacht wurden zahlreiche Sudetendeutsche aus ihren Häusern in das Gendarmerie= gebäude geschleppt und dort brutal mißhandelt und geprügelt. Die Bevölkerung war vollig eingeschüchtert, und es war ihr schließlich unmöglich geworden, überhaupt noch Eger, 14. Sept. In Eger kam es am Mittwochabend erneut zu schweren Zusammenstößen. Tschechische Staatspolizei versuchte unter Einsatz von Panzerwagen im Hotel Viktoria, wo sich zur Zeit der Hauptsitz der Sudetendeutschen Partei befindet, eine Hausdurchsuchung vorzunehmen, um nun auch die restliche Tätigkeit der Sudetendeutschen Partei lahmzulegen und das gesamte Sudetendeutschtum führerlos zu machen. Da zu befürchten war, daß durch Beschlagnahme der Mitgliederlisten Zehntausende von Sudetendeutschen dem schärfsten Terror seitens der Tschechenvolizei ausgesetzt werden würden, widersetzte sich die Hauswache zunächst dem Eindringen der Polizei. Die Polizei eröffnete darauf das Feuer auf das Gebäude. Dabei wurde durch einen Querschläger ein tschechischer Polizist getötet. Die Polizei drang dann in das Haus ein und besetzte alle Räume. in der Dunkelheit die Häuser zu verlassen. Als am Dienstag die Bevölkerung des Ortes mit Frauen und Kindern nach der Führerrede, von einem schweren Druck erleichtert, einen Freudenumzug veranstaltete, wurde sie von bewaffneten Kommunisten, die mit Gendarmerieantos aus Zwodau nach Habersbirk geschafft worden waren, angegriffen. Die Menge setzte sich zur Wehr und zwang die Kommunisten zum Rückzug. Die Gendarmen, die den Vorfällen untätig zugesehen hatten, zogen sich daraufhin ebenfalls in das Gendarmeriegebäude zurück. Als der Umzug in der Höhe des Gendarmeriegebändes angelangt war, fiel in dem Haus ein Schuß, gleich darauf prasselten ganze Salven von Gewehrkugeln mitten in die Bevölkerung. Dabei wurden eine Reihe von Sudetendeutschen, darunter auch Frauen, verletzt. Die empörte Bevölkerung stürmte nunmehr die Gendarmeriewache, wobei mehrere Gendarmen verletzt und der Gendarm Bartosch im Kampf getötet wurden. Aussagen der verwundeten Gendarmen Sie nahm auch eine Durchsuchung nach Waffen vor, bei der lediglich ein altes Jagdgewehr gefunden wurde. Den Angestellten der Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei ist seitens der Parteileitung der Waffenbesitz und die Mitnahme von Waffen in das Büro schon seit einiger Zeit untersagt gewesen, sodaß sich keinerlei Wassen im Hause befinden konnten. Anschließend drang die Polizei auch unter Anwendung von Gewaltmitteln in das Hotel Welzel gegenüber dem Hauptbahnhof ein, wo sich ebenfalls Büros der Sudetendeutschen Partei befinden. Sie feuerte ohne Grund in die Räume hinein und tötete dabei einen Mitarbeiter der Sudetendeutschen Partei. In den Abendstunden waren die Büros der Sudetendeutschen Partei immer noch von Polizei besetzt. Somit ist jede Tätigkeit der Partei lahmgelegt. ergaben, daß Bartosch seinen Oberwachtmeister, einen Slowaken, der sich seinem Treiben schon seit Wochen widersetzt hatte, wegen der Verweigerung des Schießbefehls in Gegenwart seiner Kameraden niedergeschossen und dann das Signal zu der allgemeinen Schießerei gegeben hatte. Der slowakische Oberwachtmeister war sosort tot. Da kurz darauf erneut mit Lastkraftwagen tschechischkommunistischer Pöbel in den Ort Habersbirk einzudringen versuchte, bemächtigte sich die Bevölkerung der in der Gendarmeriestation lagernden Waffen, um sich gegen die weitere Terrorisierung zur Wehr zu setzen. Die Kommunisten zogen daraufhin ab. Am Mittwoch wurde Habersbirk von tschechischen Polizei= und Militärkräften mit Panzerwagen eingeschlossen und aus größerer Entfernung von verschiedenen Seiten der Ort unter Maschinengewehrsener genommen. Die Sudetendeutschen erwiderten daraufhin das Feuer. Bei den sich entspinnenden Kämpfen sind nach noch nicht bestätigten Meldungen bisher auf tschechischer Seite etwa 15. auf sudetendeutscher Seite bereits über 30 Personen getötet worden. In den Abendstunden dauerten die Kämpfe noch an. Die Bevölkerung ist völlig verzweifelt, da sie von außen keine Hilfe bekommen kann und die Führer der tschechischen Polizeikräfte die Drohung ausgesprochen haben, daß die gesamte Bevölkerung von Habersbirk bis auf den letzten Mann niedergemacht werden würde.(!) Der Bevölkerung der ganzen Umgebung von Falkenau hat sich auf Grund dieser Vorgänge eine ungeheure Erregung bemächtigt. Dieser Bericht, der von sudetendeutscher Seite stammt, wird von zahlreichen Augenzeugen ausdrücklich bestätigt und auch von mehreren ausländischen Nachrichtenbüros liegen entsprechende Meldungen vor. Von tschechischer Seite werden die blutigen Vorfälle am Mittwoch mit dreister Stirn glatt abgeleugnet. Man behauptet einfach, es handele sich um die Zusammenstöße vom Dienstag, bei denen es bekanntlich ebenfalls mehrere Tote gegeben hat. Es hat den Anschein, als ob Prag mit derartigen Taschenspielerkunststücken die schwere Blutschuld von sich abwälzen will, in die es sich immer mehr verstrickt. Eger, 14. Sept. Nach den bisherigen Feststellungen der Sudetendeutschen Partei sind im sudetendeutschen Gebiet am Dienstag insgesamt 13 Sudetendeutsche, darunter mehrere Ordner, bei den Terrorüberfällen durch Staatspolizei, Zoll= und Finanzwachen und durch Kommunisten ermordet worden. Auf tschechischer Seite sind bisher vier Tote zu verzeichnen, von denen ein Zollbeamter und ein Gendarm in der Gegend von Schwaderbach durch verirrte eigene Kugeln getötet worden sind. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Zahl sich noch erhöht, da mit einer großen Reihe sudetendeutscher Bezirke keinerlei telesonische Verbindung mehr besteht und daher eine genaue Nachprüfung einer Reihe von Terrorfällen noch nicht möglich war. Prag, 14. Sept. Amtlich wurde verlautbar, daß das Standrecht auch auf die Bezirke Graslitz und Joachimsthal ausgedehnt wurde. Damit ist das Standrecht nun über folgende Bezirke verhängt: Eger. Graslitz, Neudeck. Joachimsthal, Falkenau. Elbogen. Karlsbad. Kaaden, Preßnitz, Krumau, Tachau und Bischofteinitz. Kurz befristete Gestellungsbefehle für Eudetendeutsche Eger, 14. Sept. Im sudetendeutschen Gebiet haben viele Tausende von Sudetendeutschen heute vom tschechischen Militär auf wenige Stunden befristete Gestellungsbefehle erhalten. Wie dazu berichtet wird. leisten die Sudetendeutschen den an sie ergangenen Einrückungsbefehlen der tschechischen Regierung keine Folge. Der“Tod rast durch das Land der Sudetendeutschen. Unser Bild zeigt die Verlustliste der letzten 48 Stunden. Ein Kreuz bezeichnet jeweils den Ort einer Mordtat. Inzwischen ist die Zahl der Blut opfer erheblich größer geworden. Zugleich bezeichnet das weiße Feld das sudetendeutsche Siedlungsgebiet. Die Skizze umsaßt nicht das slowakische und magyarische Gebiet. (VDA— Scherl-Bilderdienst-M Wieder zwei Tote in Eger Hauptbüro der S9 P. von Polizei besetzt Blutige Ausschreitungen der tschechischen Polizei Die Schuld der Prager Regierung Wichtige sudetendeutsche Erklärung zum Abbruch der Verhandlungen 7 Vertreter Runcimans bei Henlein Prag, 14. Sept. Von führender sudetendeutscher Seite wird mitgeteilt: Im Anschluß an die Antwort des Ministerpräsidenten auf die Aufforderung der Sudetendeutschen Partei hätte Mintsterprüsident Dr. Hodza privat dem Abgeordneten Karl Hermann Frank gegenüber die Forderungen der SDP. als vernünftig und erfüllbar bezeichnet, jedoch hinzugefügt, er müsse in Prag mit ihm verhandeln. Trotz dieser Aeußerung des Vorsitzenden der Regierung hielt es die tschecho=slowakische Regierung nicht für notwendig, dem in Asch auf eine Aeußerung der Regierung wartenden Politischen Ausschuß der SDP. überhaupt nur eine Antwört auf ihre Forderungen zu geben. Konrad Henlein sah sich angesichts dieser Tatsache gezwungen, die von ihm ernannte Verhandlungsdelegation von ihrem Auftrag zu entbinden und festzustellen, daß für weitere Verhandlungen keine Möglichkeiten gegeben sind. Um 18.30 Uhr verständigte Ashton=Gwatkin die Kanzlei Konrad Henleins in Asch und teilte sein Ersuchen mit, von Konrad Henlein empfangen zu werden. Ashton=Gwatkin traf in Begleitung der beiden Mitglieder der Kommission Peto und Henderson um 1,30 Uhr nachts in Asch ein. In der Kanzlei Henleins wurden die Herren auftragsgemäß vom Abgeordneten Ingenteur Franz Künzel, Dr. Ernst Tscherne und Dr. Walter Brand erwartet und ihnen mitgeteilt, daß Konrad Henlein zur Zeit unterwegs sei, während sein Stellvertreter Karl Hermann Frank in Eger zu einer Unterredung zur Verfügung stehe. Die Herren der Mission Lond Runcimans wurden von dem Kommunique in Kenntnis gesetzt, das die Enthedung der SDP.=Delegation durch Kenrad Henlein mitteilt und begründet. Die Herren der Mission Lord Runcimans fuhren daraushin nach Eger, wo um 2,10 Uhr nachts ein Gespräch mit Abgeordnetem Karl Hermann Frank stattfand, bei dem dieser nochmals die Notwendigkeit der Forderungen der Parteiführung begründete und die Verantwortlichkeit der tschecho=slowakischen Regierung dafür herausstellte, daß durch die Nichtbeantwortung der Forderungen die Verhandlungsgrundlage endgültig zerschlagen sei. Abgeordneter Karl Hermann Frank erklärte sich auf neuerliches Ersuchen Ashton=Gwatkins bereit. eine Unterredung mit Konrad Henlein im Laufe des Vormittags zu vermitteln. Diese Unterredung fand Mittwoch um 11,45 Uhr in Asch statt. Bei dieser waren außer Konrad Henlein und den Herren der Mission Lord Runcimans Gwatkin, Peto und Henderson die Abgeordneten Karl Hermann Frank und Ingenteur Künzel anwesend. Kourad Heulein kennzeichnete unter Hinweis auf die ständig wachsende Zahl der Todesopfer und die brutalen Maßnahmen gegen die Sudetendeutschen die Entwicklung der Lage in den letzten Stunden und gab nunmehr selbst den Mitgliedern der Mission Lord Runciman bekannt, daß er die Verhandlungsdelegation ihres Auftrages entbunden habe, weil die durch das Verhalten der Regierung allein verschuldeten Ereignisse im sudetendeutschen Gebiet jede Verhandlungsgrundlage zerstört haben. Konrad Henlein erklärte jedoch, daß eine tatsächliche und sofortige Verwirklichung der Forderungen der Partei immer noch die Möglichkeit geben würde, in Verhandlungen mit der Regierung einzutreten, wobei jedoch keinesfalls die Karlsbader acht Punkte die Grundlage abgeben könnten, sondern dem Selbst bestimmungsrecht des Sudetendeutschtums Rechnung getragen werden musse. Korrad Henlein dankte den Vertretern der Mission Lord Runciman für ihre Arbeit, deren Ziel die Regelung der Nationalttätenverhältnisse gewesen ist und begründete abschließend die Schuld der tschecho=slowakischen nalerung daran, daß auch die Arbeit dieser Mission erfolglos bleiben mußte. Die Kanzlei des Parlamentarischen Klubs der Abgeordneten und Senatoren der Sudetendeutschen Partei und Karpathodeutschen Partei bleibe in Tätigkeit. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Klubs, Abgeordneter Ernst Kundt, ist zur Erteilung der notwendigen Weisungen in Prag eingetroffen. Ferner weilen in Prag der Abgeordnete Dr. Gustav Peters und der Prager Senator Rektor Dr. Braß sowie schließlich der in Prag wohnhafte Rechtsanwalt Abgeordneter Dr. Hans Neuwirth. Prager Ministerkomitee diskutierte Prag, 14. Sept. Am Mittwoch fand um 18.15 Uhr eine Sitzung des politischen Ministerkomitees statt, das unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Dr. Milan Hodza alle Maßnahmen zur„Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung" diskutierte. Auslandspresse für Volksabstimmung „Daily Mail“ betont: Die von Versailles versäumte Volksabstimmung muß nachgeholt werden Levhafte Presse=Diskusston in England London, 14. Sept. Die Dienstagmorgenblätter verfolgen mit größter Aufmerksamkeit die Geschicke der Sudetendeutschen. Obzwar man überall versucht, Henlein zu kritisieren und die zugunsten der Sudetendeutschen gesenkte Waagschale wieder durch Parteinahme für die Tschechen mit deren Waagschale auszugleichen, ist man sich fast allgemein darüber einig, daß es den Sudetendeutschen ermöglicht werden muß, ihr Schicksal zum ersten Mal selbst zu bestimmen. Die„Times“ schämt sich zunächst allerdings nicht, u. a. die unglaubliche Behauptung aufzustellen, daß ebensoviel Deutsche und Tschechen getötet worden seien, ja vielleicht mehr Tschechen(!!!). Das Blatt verschweigt weiter, daß Henlein durch die tschechischen Maßnahmen außerstande gesetzt ist, auf die schwer beunruhigte Bevölkerung einzuwirken. Das Blatt hält es einfach für ein Märchen, daß die deutsche Minderheit in Böhmen stündlich für Leben und Eigentum zu fürchten habe. Dann aber gibt das Blatt zu, Adolf Hitlers Forderung auf Selbstbestimmung sei grundsätzlich gerecht und vernünftig. Gie sei die einzige Basis, auf Grund deren Eurova in diesem Zeitalter des Nationalismus hoffen dürse, Friede und Sicherheit zu haben. Aus diesem Grunde würde es schwächlich und irreführend sein, im voraus irgendeine Lösung abzulehnen, die mit diesem Grundsatz vereinbar sei oder sich aus ihm ergebe. Die Weltmeinung werde, kurz gesagt, den Appell für die Selbstbestimmung weder ablehnen noch ausschließen, und der tschechische Staat sei der letzte, der es sich leisten könne, ihn zu ignorieren. Verhandlungen zwischen den Hauptmächten könnten jenes beispiellose Ziel einer Vertragsrevision erreichen und eine ruhige Entwicklung Europas sichern. Hitlers Erklärung in Nürnberg habe den Verhandlungen in Prag keinerlei Hindernis in den Weg gelegt. Das Blatt verlangt dann eine neue Formulierung der sudetendeutschen Forderungen und zählt anschließend die Einwände auf, die seines Erachtens gegen eine Volksabstimmung zu machen seien. Sie habe an der Saar gut funktioniert. Wer solle nun die oberste Kontrolle im sudetendeutschen Gebiet übernehmen; wer könne einen Waffenstillstand nach innen und außen garantieren? Das direkte und unmittelbare Interesse Deutschlands an der Entwicklung Osteuropas sei offensichtlich— fährt die„Times“ fort. Die britische Politik bestehe nicht darin, daß ste natürliche Prozesse, die sich in diesem Gebiet abspielten, vereiteln solle. „Daily Telegraph“ schreibt ebenfalls. nicht weniger als eine Volksabstimmung werde nunmehr der Lage entsprechen. Das Blatt behandelt dann noch einmal die letzte Führerrede und betont noch einmal, daß der Führer die Tür in Nürnberg nicht zugeschlagen habe. Der„Daily Herald“(marxistisch) schreibt, im Augenblick sei das Problem aller Probleme, Zeit zu gewinnen. Die liberale„News Chroniele“ erklärt, die Forderungen der Sudetendeutschen auf ein Plebiszit seien unvereinbar mit der Integrität der TschechoSlowakei. Ein merkwürdiger„Liberalismus“, der so bedenkenlos das eigene Freiheitsideal und demokratische Grundforderungen preisgibt!! „Daily Mail“ erklärt zunächst, sowohl die Tschechen wie die Sudetendeutschen hätten eine ungeheure Verantwortung. Das Blatt stellt dabei fest, die tschechische Regierung habe die Pflicht, sich aller provokatorischen Erklärungen und Maßnahmen zu enthalten. Hitler habe in seiner Rede keineswegs die Sudetendeutschen zur Gewalt aufgerufen. Die ganze Welt befasse sich mit Hitlers Wort von der Selbstbestimmung für die 3.5 Millionen Sudetendeutschen. Eine Forderung auf Plebiszit sei derart, daß keine Demokratie versagen könnte, ihr Folge zu geben. Selbstbestimmung, das Recht jedes Volkes, seine eigene Regierungsform zu wählen, sei im Wesen demokratisch. Das Blatt weist dann darauf hin, wie überall bereits durch Volksabstimmungen wichtige Entscheidungen in angrenzenden Gebieten Deutschlands herbeigeführt worden seien. In Versailles habe man gerade bei der TschechoSlowakei, als diese künstlich geschaffen worden sei, die Völker nicht gefragt. Man habe sie, ob sie wollten oder nicht, in den neuen, willkürlich zusammengesetzten Staat hineingeworsen mit der zweiselhaften Sicherheit eines Minderheitenvertrages, der, wie die Ereignisse zeigten, nicht loyal ausgelegt worden sei. Jede Forderung auf ein Plebiszit oder jener andere Plan, der die Minderheiten in den Stand setze, über ihre eigenen Rechte zu bestimmen, sollte von den Kanzleien auf das stärkste beachtet werden. Die Annahme des Grundsatzes der Selbstbestimmungsformel solle eiligst von den Mächten erörtert werden. Keine Sowjettruppen durch Rumänien Rumänischer Ministerrat einberufen Rom, 14. Sept. Nachrichten aus bester Quelle zufolge habe, wie„Agenzia Stefan!“ aus Bukarest erfährt, König Carol eine persönliche Botschaft an Benesch gerichtet. die in Uebereinstimmung mit den Ideen für eine friedliche Lösung der tschecho=slowakischen Frage stehe. Außerdem habe König Carol aus eigener Initiative Außenminister Comnen gebeten. den Vorsitz in der Genfer Liga nicht anzunehmen, umsomehr, als der auf den Außenminister ausgeübte Druck von sowjetrussischer Seite ausgeht. Weiterhin sei Außenminister Comnen, auf den in seinen Besprechungen mit Litwinow und Bonnet ein starker Druck ausgeübt worden sei, um den Transvort sowjetrussischer Truppen und sowietrussischen Kriegsmaterials durch Rumänien zu gestatten, auch von Bukarest mitgeteilt worden, daß sich Rumäniens Haltung nicht ändere und daß derartige Forderungen absolut nicht angenommen werden können. Rumänien, so erklärte man in Bukarest. bleibe in dieser Frage der von König Carol eingeschlagenen Linie unbedingt treu und das heiße Ablehnung der sowietrussischen Forderung. Diese Linie sei bereits vor einigen Tagen dem Vertreter der„Agenzia Stefani“ von der für die rumänische Außenpolitik verantwortlichen Stelle bestätigt worden. Bukarest, 14. Sept. Der rumänische Ministerrat ist für Mittwochabend 22 Uhr einberusen worden. Daladier ermahnt die Tschechen zur Mäßigung Der„Matin“ bezeichnet ein Zusammenleben von Tschechen und Eudetendeutschen als unmöglich Paris, 14. Sept. Die der französischen Morgenvresse bei Redaktioneschluß vorliegenden Meldungen gehen nicht über die Nichterfüllung der Forderung der Sudetendeutschen hinaus. Ein Erklärung, die der Ministerpräsident Daladier beim Verlassen des Kriegsministeriums Pressevertretern gegenüber abgegeben hat, wonach die Dinge sich zu arrangieren schienen, bildeten den Schlußpunkt der in der Presse verbreiteten Nachrichten. Der radikalsozialen„Revublique“ zufolge hat Daladier übrigens hinzugefügt, daß er an die Tschechen einen Avvell zur Mähigung gerichtet habe, der, wie er hoffe, befolgt werden würde. Sehr ausführlich berichten die Blätter hingegen über die blutigen Zwischenfälle in der TschechoSlowakei. Eine Schlagzeile des„Petit Parisien" besagt. daß die Sudetendeutschen nunmehr eine Volksabstimmung fordern. „Ordre“ fordert. so schnell als moglich eine internationale Polizei in den sudetendeutschen Gebieten an Stelle der tschechischen einzusetzen. Das Blatt schreibt, in Berlin herrsche vollkommene Ruhe. In solch einem Augenblick sei die Kaltblütigkeit mehr denn je nötig. Man dürfe auch nicht an der Aufrechterhaltung ie sagt u. a. Ordter welter, Abderralst zu sein. 39 Angriff auf die Regelung von 1912,spiele Jahren in gerader Linie unnachsichtlich ab. Im sozialistischen„Papulaire" wiederholt Leoz Blum mit größerer Inständigkeit als je zuvor Avvell an die Rube und Kaltblüttgkeit seiner Freunde. „Evoque“ meint, man stehe heute vor einem divloma tischen Verdun und habe die Pflicht, den Heroiemus der Verteidigung Verduns wiederzufinden. „Matin" bebt hervor, die Sudetendeutschen forderten eine Volksabstimmung; diese Tatsache beherrsche seit gestern abend alle übrigen. Das Blatt erklärt in diesem Zusammenbang, falls Frankreich den Frieden retten wolle, so könne es sich ihr nicht widersetzen, auch nicht, wenn es seinen ewigen Prinzivien treu bleiben wolle. Es handele sich nämlich darum, daß Tschechen und Sudetendeutsche an einem Punkte angelangt seien. wo es menschlich fast unmöglich sei, sie zusammenleben zu lassen. Das sei nicht das erste Mal in der Geschichte zweier Völker verschiedener Rasse. Sprache und Kultur. Die Geschichte zeige, wie es in Mazedonien und Irland gewesen sei. Sie zeige ebenfalls, wie es heute in Palästina sei. Unter allen Umständen werde Frankreich für eine innere Angelegenheit eines anderen Landes keinen Krieg führen. Juristisch zwinge keine Verpflichtung Frankreich dazu. und das französtsch=tschechische Abkommen vom Jahre 1924, das man so häusig zitiere, laute in seinem ersten Artikel: Die französische und die tschecho=slowakische Regierung vervflichten sich, in den Fragen der Außenpolitik zu einigen, die geeignet sein könnten, ihre Sicherbeit zu gefährden. Das aber schließe die innenvolitischen Fragen aus. Traditionsmäßig könne Frankreich eines seiner geschichtlichen Prinzipien nicht verleugnen, nämlich das Prinziv des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Dieses Prinziv habe Frankreich für das Saurgebiet angenommen. Für dieses Prinziv habe Frankreich häusig sein Blut vergossen. Es werde aber nicht einen Trovsen für ein Prinziv des Gegenteils hergeben.— Die literarisch=politische Wochenschrift„Candide“ will zu dem letzten Ministerrat berichten können, daß Außenminister Bonnet„hinsichtlich der äußersten Hypotbese des äußersten Falles" die Notwendigkeit betont habe, daß Frankreich gegebenenfalls erst alle juristischen Vorsichtsmaßnahmen ergreife. Dieser Hinweis hätte gewisse Minister wieder zur Ruhe gebracht, die bereit gewesen seien, Brandstifter zu spielen. insbesondere Mandel. * Die„Evoque“ spricht von einem divlomatischen Verdun. Bei Verdun wurde bekanntlich mit schwerstem Kaliber— auf beiden Seiten— geschossen. Und auf beiden Seiten kämpften und starben beroische Soldaten. Die Tschechen aber machen ihr Land zu einem Festungsgelände der Sowiets. Gewalt wird gegen Wehrlose eingesetzt. Man sollte darauf verzichten, den Namen Verdun, den Namen des gewaltigen Totenmals, durch solche Bluff=Vergleiche zu entwürdigen! Hier wurde das Standrecht verhängt. Die unterstrichenen Namen unserer Karte kennzeichnen die Bezirke, in denen das Standrecht verhängt wurde.(Scherl-Bilderdienst-M) Der Zauberer vom Abenteuerroman von Barbara Cartland Copyrisht br Wilhelm Goldmann Verlag. Leipzig. 8. Fortsetzung, „Man fand den Gedanken ausgezeichnet“, hatte Carrow seiner Tochter erzählt,„da man vor allen Dingen jedes Aufsehen an der Zollabfertigung, sei es hier oder in Kalkutta, zu vermeiden wünscht. Je weniger man mich beachtet, desto besser, und die wenigen Instrumente, Kompasse, Photoapparate und dergleichen fallen in deinem Gepäck gar nicht weiter auf, wenn sie überhaupt gesehen werden. „Mit anderen Worten“, versetzte Vivian vergnügt. „man ist nur zu froh, sich meiner bescheidenen Person bedienen zu können. Dann dürfen die Herren sich aber später nicht wundern, wenn auch wir den Spieß herumdrehen.“ „Ich sehe große Unannehmlichkeiten voraus“, entgegnete der Professor ernst,„aber ich will sie gern mit in Kauf nehmen, wenn— ich dich wieder lächeln sehe, Kleine.“ Vivian errötete, sah aber ihrem Vater fest in die Augen. „Im Augenblick, wo ich England verlasse“, sagte sie bestimmt,„wird alles. was hinter mir liegt, tot und vergessen sein.“ Aber dies Versprechen war leichter gegeben als zu halten, und ihre Augen füllten sich mit Tränen, als Englands Küste kleiner und immer kleiner wurde. Nach dem Diner hüllte sie sich in einen dicken Mantel und ging an Deck. Eine stille Nacht. Der leichte Wind strich schmeichelnd über ihre Locken und brachte den salzigen Geschmack des Meeres an ihre Lippen. Die Klänge der Musik in dem strahlend erleuchteten Salon. das Gelächter und die Stimmen der Tanzenden drangen an ihr Ohr. Sie fühlte sich so klein, so verlassen inmitten dieser Unendlichkeit von See und Himmel. Eine quälende Sehnsucht nach Jimmy packte sie. Noch vor wenigen Tagen erst war sie vor ihm, vor Monte Carlo, geflüchtet, and jetzt hatte sie nur den einen Wunsch, ihn wiederjusehen, mit ihm zu sprechen. Er wußte doch, wie sie ihn liebte, und— er hatte sie doch auch lieb! Vielleicht war sie zu übereilt gewesen, vielleicht hätten ein paar Worte von ihr alles wieder einrenken können, vielleicht ... aber dann erwachte wieder ihr Stolz. Nein, keine noch so überzeugenden Worte, keine Entschuldigungen, keine Erklärungen und Verzeihungen würden je die qualvolle Erinnerung an jene schrecklichen Minuten im Sommerhäuschen von Monte Carlo verwischen können ... nie wieder würde Jimmy den Platz in ihrem Herzen einnehmen können, den sie ihm so vertrauensvoll eingeräumt hatte. Nein, die Wunde war zu tief gewesen, die Narbe würde immer bleiben. Vielleicht würden aber all die neuen Interessen, die jetzt in ihr Leben kamen, die abenteuerlichen Monate in einem Lande, das fast nie von eines Weißen Fuß betreten war, und vor allen Dingen die heilsame Wirkung der Zeit sie auch die Narbe vergessen machen. Wie lange sie so an der Reling lehnte und auf die See hinausblickte, hätte sie nie zu sagen vermögen. Eine angenehme Stimme mit etwas fremdem und doch anziehendem Akzent riß sie aus ihren Gedanken. „Darf ich einen Augenblick mit Ihnen plaudern, Miß Carrow?... Oder unterbreche ich eine angenehme Träumerei?“ Vivian fuhr zusammen und strich sich mechanisch mit der Hand über die Augen, dann wandte sie sich dem Sprecher zu. Es war Prinz Kowa. Siebentes Kapitel. „Wenn Sie traurig aussehen, sind Sie wunderschön“, sagte der junge Inder feierlich,„und wenn Sie lächeln, sind Sie wunderschön. Ich weiß nicht, für welche Ihrer Gemütsstimmungen ich mich entscheiden soll.“ Vivian lachte. Sie lag, eine Decke auf den Knien, auf ihrem Liegestuhl; Prinz Kowa, mit einer ausgesprochen europäischen Mütze auf den schwarzen Haaren, saß neben ihr. Der Wind war kühl, aber die Sonne schien prächtig auf das Mittelländische Meer. „Machen Sie sich nicht lächerlich. Prinz“, sagte Vivian, aber ihr Lächeln verriet, daß diese Schmeichelei sie nicht verletzte. „Warum wollen eigentlich englische Frauen nie nette Dinge hören?" beklagte sich ihr Begleiter.„Sagt man ihnen etwas Unfreundliches oder kritistert man, so erhält man meistens die Antwort:„Ich befürchte. Sie haben recht" oder„Ja, es ist nett von Ihnen, daß Sie mir dies sagen". Erzählt man aber eine angenehme Wahrheit, so soll man„sich nicht lächerlich machen". In meinem Lande ist das ganz anders.“ „Schmeicheleten bringen einen immer in Verlegenheit, glaube ich“, sagte Vivian nachdenklich,„vielleicht sind wir nicht daran gewöhnt. Der Engländer hält nicht viel von Komplinenten.“ „Ich verstehe Ihre Männer nicht. Ihren Vater? Ja. Meinen Lehrer auch. Was sie tun und denken, ist immer richtig, aber sie sind doch alt! Ich spreche von Männern meines Alters. Wir Inder, wir leben, lieben, heiraten und lieben immer noch. aber die Männer in England? Sie spielen Golf! Alles und jede Frau wird dem Golf geopfert. Ein merkwürdiger Gott und ein sehr anspruchsvoller.“ „Wie lange waren Sie in England?“ fragte das junge Mädchen lachend. „Vier Monate.“ „Und in so kurzer Zeit glauben Sie uns kennengelernt zu haben und uns beurteilen zu können? Sind Sie nicht etwas zu hastig?“ „Wenn ich nun Ihr Urteil über Indien hören wollte, würden Sie es mir geben?“ „Warum nicht?“ „Und das wäre natürlich richtig!“ sagte der Prinz nachdenklich.„Das Urteil eines Engländers ist immer richtig, wie viel oder wie wenig er von den Tatsachen auch wissen mag. Wenn aber ein armer Ausländer seine Meinung äußern will. nennt man ihn anmaßend.“ „Sie sind schon wieder lächerlich, Prinz“, sagte Vivian schläfrig.„Ich bin auch viel zu müde, um mich mit Ihnen herumzustreiten. Sie nahm den jungen Mann nicht sehr ernst. Er amüsierte sie, die Tage verstrichen in seiner Gesellschaft schneller, und er machte kein Hehl daraus, daß er Vivian sehr anziehed fand und ihre Gesellschaft soviel wie möglich suchte. An jedem Morgen erwartete er sie auf dem Promenadendeck am Eingange der Kajütentreppe, die zu ihrer Kabine führte, stellte ihr den Liegestuhl zurecht, legte ihr eine Decke über die Knie und benutzte jede sich nur bietende Gelegenheit, um ihr Cocktails anzubieten, sie an den Deckspielen zu beteiligen und sie zum Tanz einzuladen. Letzteres lehnte Vivian ständig ab. Die Erinnerung an Jimmy lebte noch viel zu stark in ihr, sodaß schon allein der Gedanke, in den Armen eines Fremden den Klängen der Musik zu folgen, ihr unerträglich erschien. Dann machte ste sich aber auch klar, daß ihr ständiges Zusammensein mit dem jungen indischen Prinzen die Zungen der Passagiere schon lebhaft in Bewegung setzte. Sie duldete seine Unterhaltung, war ihm sogar dankbar dafür, denn sie half ihr über viele bittere Gedanker und Ueberlegungen hinweg. Die Anglo=Inder, die Offiziersdamen, die Teeplantagenbesitzer, aus denen fast die gesamten Passagiere der ersten Klasse bestanden, machten kein Hehl aus ihrer Mißbilligung. Vivian hätte blind und taub sein müssen, um nicht die tadelnden Blicke und mehr oder weniger deutlichen Anspielungen zu bemerken, wenn sie in Begleitung Prinz Kowas an den Spielen teilnahm oder au dem Promenadendeck umherschlenderte. „Ist es Ihnen noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß Sie meinen guten Ruf völlig untergraben?“ fragte sie ihn eines Tages halb im Scherz, halb im Ernst und war überrascht, welch einen Sturm von wilden, il unverständlichen Worten ihre Bemerkung entfachte. Das fuhr er entrüstet in englischer Sprache fort: „Der Teufel soll sie holen! Verzeihen Sie, bitte Miß Vivian, aber... Was haben diese Menschen für ein Recht, überhaupt Ihren Namen in den Mund zu nehmen? Wenn sie zu meinem Volke gehörten, würde ich sie für ihre Unverschämtheiten martern lassen!“ „Seien Sie doch nicht ein so schrecklicher Barbar“, begütigte das junge Mädchen.„Das kränkt mich übrigen: nicht im geringsten...“ „Sie sind so gut, Sie stehen so hoch über all denen—“ Wieder einige unverständliche indische Worte.„Diest blassen, ertrockneten, kleingeistigen Geschöpfe. Die heiße Sonne Indiens hat sie verdörrt und ausgebrannt... nur das Gift ihrer Zungen ist geblieben.“ „Aber das ist ja glänzend, was Sie da gesagt haben!“ Vivian klatschte lachend in die Hände.„Vergessen Sie nicht, das Ihrem Lehrer zu wiederholen. Er wird stolz auf Sie sein.“ „Jetzt lachen Sie mich wieder aus“, sagte der Prinz verstimmt. In manchen Dingen war er naiv wie ein Kind. Sein Charakter war eine Mischung von Unduldsamkeit und Wildheit. von listiger Ueberlegung, artigen Ehrbegriffen und orientalischen, Idealen. Manchmal fragte sich Vivian, ob seine ausgezeichneten Umgangsformen, sein wirklich einnehmend s Wesen nicht nur ein dünner Firnis waren, der die charakteristis en Grundeigenschaften seiner Rasse verdeckte. Nach so kurzer Bekanntschaft war es unmöglich, , ein endgültiges Urteil zu bilden, und es war gleichfalls schwierig, sich durch die unverhül'te Bewunderung, die sich aber immer in den vorgezeichneten Grenzen hielt, nicht angezogen zu fühlen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 216(Zweites Blatt) Herner Anzeiger Donnerstag, den 15. September 1938 Eröffnung des Emschertalmuseums Fahnen flattern auf Schloß Strünkede.- Ein bedeutlames kulturelles Ereignis In Herne.-— Der erlte Teil weitergehender Pläne verwirklicht. Von der Kellerwohnung zum Schloß Zwischen diesen beiden Unterkunftsstätten, dem Keller des ehemaligen Oberlyzeums an der Franz Seldte=Straße und dem Schlosse Strünkede, liegt die ganze bisherige Entwicklung unseres Heimatmuseums eingeschlossen. Nicht nur räumlich, sondern auch qua litativ. In zwei Räumen des Schulkellers damals ein kleiner, armer Anfang, heute in den geschmack voll hergerichteten Sälen des Schlosses eine große, reichhaltige, gepflegte und glänzende Schau. Nur wenige wissen heute noch, wie das Mu seum eigentlich angefangen hat. Zum ersten Male hat im Mai 1925 der verstorbene Bür germeister Dr. Sudkamp die Gründung eines Heimatmuseums angeregt. Einige Wochen später wurde von Dr. Hoischen und mehreren anderen im Stadtparlament beantragt, im Bergelmannschen Hofe ein Heimatmuseum zu errichten. Der Magistrat war jedoch der Meinung, man müsse versuchen, das * S c h l o ß S t r ü n k e d e f ü r e i n M u s e u m f r e i z u b e k o m m e n Im Juli berief Dr. Sudkamp sachverständige und in teressierte Herren zu einem Arbeitsausschuß zusam men, aber verwirklicht wurde der Plan eines Mu seums, dem man„freudig zustimmte“, nicht. Es war ja überhaupt nichts da, womit man anfangen konnte Ein ganzes Jahr verstrich, da meldete sich plötzlich bei der Stadtverwaltung der heutige Museumsleiter Karl Brandt und bot seine stattliche vor= und früh geschichtliche Privatsammlung kostenlos als Grund stock für ein Heimatmuseum an. Dies war die Geburtsstunde unseres Museums. Die Stadtverwaltung nahm das Angebot Brandts an und stellte ihm, da kein anderer Raum zu finden war, zwei Kellerräume in dem damaligen Oberlyzeum zu Aufstellung seiner Sammlung zur Verfügung. An 7. November 1926 wurde hier das Museum in Ge genwart des Magistrats, der Stadtverordneten und der Schulleiter eröffnet. Allgemein war man erstaunt über die Fülle des Gezeigten, doch war man sich auch bewußt, daß damit erst der Grund gelegt war. Un verdrossen arbeitete nun Karl Brandt ehrenamtlich, später, als man seine Erfolge sah, als angestellter Museumsverwalter, an dem weiteren Ausbau. Mit großem Fleiß vermehrte er das Material. Zu ihm gesellte sich als wissenschaftlicher Leiter Dr. Diß mann, dem nach seinem Tode Dr. Hoischen folgte, bis Karl Brandt die Gesamtleitung des Museums übertragen wurde. Von Schneidermeister Cornelsen wurde eine„Schmetterlingssammlung erworben, und der jetzige Rektor Krüger richtete zeitweise ein Herbarium einheimischer und ausländi scher Pflanzen ein. Knappschaftsbürovorsteher Rieke übertrug man die Betreuung der kulturhistorischen Sammlung. Seele des Museums aber blieb der ständig forschende, ausgrabende, sammelnde ued ba stelnde Karl Brandt. Im Jahre 1928 war so viel Museumsgut da, daß man aus dem Keller in die erste Etage des Hauses Ecke Bahnhof= und Von=der=Heydt=Straße ziehen und hier eigentlich erst an das helle Licht der Oeffentlichkeit treten konnte. Schon beim Einrichten erwiesen sich die Räume als zu klein. Die bei der Eröffnung am 19. Juli 1928, woran auch auswärtige Museumsleiter teilnahmen, geäußerten Wünsche,„daß das Kind, das heute aus der Taufe gehoben wird, ein recht großer, stattlicher und schöner Mann werde", erfüllten sich bald insoweit, daß man schon Anfang 1930 in die Räume des Alten Amtsgerichts umziehen mußte, wo am 23. Februar die Eröffnung stattfand. Diese Räume boten viel mehr Wandflächen, hatte man doch nun nicht mehr einen großen, sondern 14 kleinere Räume, die eine bessere Gliederung in Abteilungen und Unterabteilungen ermöglichten. Auch im Alten Amtsgericht setzte sich der Ausbau fort. Ja, jetzt kamen sogar die großen Ausgrabungen mit ihren Funden am Schloß Strünkede, an der Germanenstraße, am Ostbach, an der Körnerstraße, im Wietel usw. Besonders bedeutsam aber wurde für unser Museum die Machtergreifung des Nationalsozialismus. Die Partei, die gemäß ihrer Weltanschauung der Geschichte der Heimat, des Bodens und der germanischen Menschen stärkste Beachtung schenkte und alle diesem Ideenkreis dienenden kulturellen Ein richtungen förderte, wandte ihre Aufmerksamkeit auch dem Museum zu. Oberbürgermeister Meister, Kreisleiter Nieper und neben ihnen der mit dem Museumsdezernat betraute Magistratsrat Horstmann haben sich große Verdienste um die Weiterentwicklung erworben. Wir erinnern nur an die Hakenkreuzausstellung, die sogar als Wanderausstellung durch Westfalen gegangen ist, wir erinnern an die vielen anderen Sonderausstellungen, an den Aneil des Museums an dem Festzug beim ersten großen Lchützenfest, wo die Heimatgeschichte lebendige Gekalt annahm, an die Ausgrabungen auf dem Alten Markt, der danach so prächtig und einzigartig ausgestaltet wurde. Schritt für Schritt wuchs das Museum, und hald schaute man eifrig nach einer neuen, größeren und womöglich endgültigen Unterkunft aus. Wie schon am Anfang der Erörterung über ein Heimatmuseum in Herne, dachte der eine wieder an Bergelmanns Hof, der andere an Strünkede. Der Gedanke Strünkede setzte sich durch. Sobald sich die Möglichkeit bot, mit der Hitlerjugend, die dort nach dem Abzug der Polizei eingezogen war. zu tauschen, wurden alle Kräfte dafür eingesetzt, nun auch in Strünkede ein Museum einzurichten, wie es sich der Museumsfachmann wünscht und wie es modernster Ausstellungstechnik entspricht. Die Provinz förderte den Gedanken, ein vorbildliches Emschertalmuseum zu schaffen, mit Rat und finanziellen Mitteln. Viele Monate wurde auf Strünkede gearbeitet, und nun ist es endlich so weit, daß das Museum in seiner neuen Gestalt an einer althistorischen Stätte der Oeffentlichkeit übergeben werden kann. Aus Kellerräumen über Mietetage und ehemalige Gefängniszellen ist es aufgestiegen in die ehrwürdigen Säle eines Schlosses, auf dem des Emschertales bedeutendstes Herrschaftsund Adelsgeschlecht jahrhundertelang gesessen hat und das in Mittelalter und Neuzeit das Verwaltungsund Herrschaftszentrum des mittleren Emscherraumes gewesen ist. Möge dieser Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte des Museums wie des Schlosses der Auftakt zu verstärkter, lebndiger Kulturarbeit in Herne sein. Der Rundsunk berichtet vom Emschertalmuseum. Wohlgelungene Sendung des Reichssenders Köln. Aus besonderen Gründen war der Reichssender Köln gezwungen, die für heute abend vorgesehene Sendung über den Besuch im Emschertalmuseum schon gestern zu geben. Um 19.50 Uhr, als die Sendung „Vom Tage“ fällig war, hörte man den Ansager auf das Ereignis der heutigen Museumseröffnung in Herne und die Vorbesichtigung, die der Rundfunk gemacht hatte, hinweisen. Einleitend schilderte Dr. Ernst dann die überraschende Entdeckung, die man mache, wenn sich an der großen Verkehrsstraße Bochum—Herne—Recklinghausen, die das Aussehen einer typischen Industriegebietsstraße habe, auf einmal ein großer freier Raum öffne und eine Art Waldschneise an die verschwiegene, parkhaft von Grün umschlossene wuchtige Baumasse des Schlosses Strünkede heranführe. Aus einem Wechselgespräch mit Magistratsrat Horstmann vernahm der Rund funkhörer dann Näheres öber die Bedeutung und Geschichte des Hauses und Geschlechtes Strünkede, worauf ein kurzer Rundgang durch die Räume angetreten wurde. Hier führte Miseumsleiter Brandt, dessen Verdienste um das Muselm besonders gewürdigt wurden. An der Tafel übe: die Bevölkerungsentwicklung in dem Raum des industriellen Herne las Dr. Ernst die Zahlen über die amerikanische Entwicklung ab und war mit Magistratsrat Horstmann der Meinung, daß der große Wert eines Heimatmuseums in der Industriestadt gerade darin liege, den Zehntausenden von Zugewanderten die reiche geschichtliche Vergangenheit ihrer neuen Heimat zu zeigen und sie so mit ihr innerlich zu verbinden. Dr. Ernst lobte die lichten und schönen Räume, von denen aus man auf das Grün der alten Bäume und das Wasser der alten Wasserburg schaue, und aus seinem Gespräch mit Museumsleiter Brandt erfuhr man, welche Bedeutung die vor= und frühgeschichtlichen Forschungsergebnisse und Anschauungsstücke des Museums für das Emschergebiet und das Emschergebiet wieder für Westfalen haben, und wie wichtig die geologische Abteilung der Steinkohlenzeit für die vom Bergbau lebende Bevölkerung ist. Zum Schluß sprach der Direktor des Landesmuseums, Dr. Nissen, Münster, zu der Frage, wie die Bevölkerung auch zu lebhaftem Museumsbesuch angeregt werden solle und was sonst noch geplant sei. Nicht nur ein schönes Museum, Vorträge und Führungen, ein Archiv, eine Bibliothek, ein Lesesaal sollten den Besucher anziehen, sondern auch eine gepflegte, kultivierte Gastwirtschaft mit Kinderspielplatz, bequeme Ausruh= und Erholungsmöglichkeiten im Schloßhof und im Park, der mit deutschen Bäumen und Sträuchern, vor allem Rosenhecken und Blumen der Gegend zu bereichern sei, ferner ein Garten für Heilpflanzen und bäuerliche Pflanzen usw. Nach diesen Gesichtspunkten werde man das Schloß Strünkede weiter ausbauen. Und Dr. Ernst schloß das trotz seiner Kürze von zehn Minuten sehr aufschlußreiche Gespräch mit derWunsche, daß tatsächlich das Schloß Strünkede nicht nur eine Stätte der Belehrung, sondern auch der Erholung für die Industriebevölkerung werde. Ein Gang durch das neue Museum □ R Ein Blick in den Saal„Alt-Herne“ Eine Ecke aus der erdgeschichtlichen Abteilung. Fotos: Städt. Emschertalmusum. In der Empfangshalle. Wenn man durch das Portal des Schlosses geschritten ist, kommt man auf den durch seinen alten schattigen Baumbestand, die in letzter Zeit hergestellte gefällige Ordnung und die saubere helle Ausfugung der Schloßwandungen verwunschen und doch gepflegt wirkenden Schloßhof. Wendet man sich links, wo das frühere störende Musikpodium verschwunden ist, o kommt man an eine dreistufige Treppe, die zum Eingang des Museums führt. Dieser Eingang wird von einem schönen Renaissancerahmen mit aufgesetz tem Viereck, das offenbar einst eine Inschriftplatte trug(heute hat es ein Fenster mit Bleiverglasung), geschmückt. Allerdings ist dies nicht der ursprüng iche Portalrahmen, sondern ein neuer, der dem alten, verwitterten genau nachgebildet wurde. Durch eine kräftige Holztür gelangt man in die Empfangs halle. Diese ist durch Wegnahme der Decke zwischen Erd= und erstem Obergeschoß und Einbau einer mäch tigen Eichenholztreppe, die sich an zwei Wänden ent lang nach oben zieht, neu geschaffen worden. Ihr Gesamteindruck ist recht wirkungsvoll und geeignet, auf das Kulturerlebnis des Museumsbesuches einzu timmen. Nur wenige, aber um so eindrucksvollere Ausstellungsstücke sind hier zu sehen. Da ist zunächst in der Ecke zur Rechten die große, mit grüner Patina überzogene Bronzeglocke aus der alten Dionysiuskirche, die im Jahre 1750 auf Bergelmanns Hof von Christian Vogt dem Sohn aus dem Material der alten, 1744 gesprungenen Glocke gegossen wurde und als erstem dem in der Glockeninschrift verewigten Freiherrn Ludwig von Strünkede als Totenglocke läutete.(Sie war bisher auf dem Lager der Zeche Friedrich der Große aufbewahrt und ist erst vor einigen Tagen ins Museum geschafft worden. Im alten konnte sie nicht aufgestellt werden, weil sie durch keine Tür ging.) An der Wand über der Treppe befindet sich ein zweites wertvolles Stück, eine der Strünkeder Sterbetafeln, die in der alten Dionysiuskirche hingen und später ins Wittener Museum kamen. Diese Tafel hier ist vor einiger Zeit an Herne zurückgegeben worden. Sie ist vor allem deswegen von Bedeutung, weil sie die Sterbetafel der Frau ist, die auf Strünkede die reformierte Religion einführte und die reformierte Gemeinde gründete. Diese Frau war Sybilla Gertrud von der Reck zur Horst, die Gattin jenes Gottfried von Strünkede, der den Schloßflügel baute, in dem sich diese Empfangshalle befindet. Sie starb am 14. 12. 1689. Die Tafel zeigt das Strünkeder Wappen und das Wappen der Familie von der Reck zur Horst. An der Wand rechts steht ein weiteres großes Ausstellungsstück die rechteckige, große, mit Wappen und Schrifträndern geschmückte Grabplatte der Margarete von Asbeck, der Witwe des„dollen Jost von Strünkede", der in jungen Jahren 1529 von seinem Schmied erschlagen wurde, während die Witwe erst 1587 hochbetagt starb. Es ist der älteste Herne“ Grabstein überhaupt, den wir haben. Ihm stehen durch reliefartigen Schmuck und beachtliches Alter(1642 und 1658) zwei weitere Grabsteine einheimischer Bauernfamilien, die ebenfalls in der Empfangshalle aufgestellt sind, nicht viel nach. Ueberragt werden die genannten Ausstellungs stücke durch die an der Wand zur Linken aufgestellte große künstlerisch gestaltete Holzplastik des eisernen Jobst, der während des Weltkrieges benagelt wurde und dann im Rathaus stand. Hier hat er endlich den richtigen Platz gefunden, wo er alte und neue Geschichte, ja den Geist des ganzen Hauses symbolisiert. Bilder und Beschriftungen, sparsam verwandt, zwei zur Linken in Büroräume des Museumsleiters führende Türen, ein Bodenbelag aus rötlichen Sand steinplatten und nicht zuletzt die wuchtige, breite Treppe aus Eichenholz vervollständigen den Eindruck der Empfangshalle. Aus der Kampfzeit. Schreitet man die Treppe empor, gelangt man im ersten Obergeschoß auf eine Galerie des Treppen hauses, die eine Ausstellung„Aus der Kampfzeit der Bewegung" trägt. Ein mächtiger, wegen seiner künstlerischen Ausdruckskraft sehr wertvoller Kopf des Führers, den die Harpener Bergbau A.=G. schenkte, bildet den Mittelpunkt. Er will hier jedem das an die Wand geschriebene Wort aus „Mein Kampf“, in die Seele prägen: „Kämpfen kann ich nur für etwas, das ich liebe, lieben nur, was ich achte, und achten, was ich mindestens kenne.“ An den Wänden sind außer Aufnahmen aus der Kriegs= und Nachkriegszeit, zahlreiche interessante Bilder aus der Kampfzeit aufgehängt, ferner befinden sich in zwei Vitrinen schriftliche Dokumente aus der Geschichte der Herner Ortsgruppe und SA, so alte Mitgliedsausweise, Listen von Parteitagteilnehmern, Originalschreiben von dem jetzigen Gauleiter und Oberpräsidenten in Ostpreußen, Koch, von Gauleiter Karl Kaufmann, von Hauptmann Pfeffer, ein Exemplar der ältesten Gauzeitung, des„Ruhrkämpfers“, weiter zahlreiches interessantes Material vom Deutschen Freiheitstag 1926 mit Originalbriefen von Dr. Goebbels, Viktor Lutze, Schramme sowie einem Telegramm Adolf Hitlers. In der Ecke sieht man die erste Hakenkreuzfahne, die in Herne ausgehängt wurde. Sie stammt von Oberbürgermeister Meister. Das industrielle Herne. Durchschreitet man nunmehr den dickwandigen Türbogen zum ersten eigentlichen Museumsraum, so zeigt sich dem Besucher das industrielle Herne. Man sieht von Schlüter vergrößerte Photographien Herner Zechenanlagen, wie sie früher waren, man sieht Qualitätserzeugnisse der Herner Eisen= und Maschinenindustrie(Flottmann=Bohrhämmer, Schrauben von Dorn, Einmannhaspel und Fräsarbeiten von Beien, Erzeugnisse von Halstrick usw.) und sonst noch manches — allerdings unter Vermeidung jedes Zuviel—, das einen Eindruck von der Herner Industrie wie auch von der Herner Bevölkerungsentwicklung vermitteln kann. Dem hier eindrucksvoll sprechenden industriellen Herne steht das alte Dorf gegenüber, aus dem sich diese Industriestadt entwickelte. Es ist, als fielen 80 bis 100 Jahre von dem Beschauer ab. Denn jetzt fesselt ihn ein an der Fensterseite(man befindet sich hier über dem Schloßportal) stehendes großes Modell des alten Dorfes, das Herr Amann. Herne, in mühseliger Arbeit angefertigt hat. An Hand der Katasterkarten von 1823 sind in liebevoller Vertiefung in die Einzelheiten die Straßen, strohgedeckten Fachwerkhäuser, Scheunen, Backhäuser, Hausgärten, Brandteiche, die Kirche, der Friedhof usw. entstanden. Es sind auch Häuser dabei, die heute noch in Alt=Herne stehen(sie sind durch rote Ziegeldächer kenntlich gemacht) oder die die betagten Herner noch gekannt haben. Darum wird gerade dieses Modell viel Interesse finden. Es bildet nicht nur den Gegensatz zu dem industriellen Herne, sondern auch die Vorbereitung zu dem Eintritt in den nächsten Museumsraum, der Hernes bäuerliche Kultur zeigt. Wenn man den saalartigen Raum betritt, entringt sich dem Munde ein erstauntes und bewunderndes„Aah“, denn hier kommt der Besitz des Museums an altem, bäuerlichem Hausrat aus Herne(!) zu unerwartet großartiger Wirkung. Alte Schränke (darunter einer, der nachweislich bis vor einigen Jahrzehnten auf Schloß Strünkede stand) und Truhen, gute handwerkliche, z. T. schön mit Schnitz= oder Beschlagwerk verzierte Stücke, Gerätschaften aus Zinn, Messing, Eisen und Holz sind aufgestellt. Eine Sehenswürdigkeit für sich ist die Abteilung Kucheneisen und Hale. In der Mitte des großen Raumes steht auf einem groben hellen Teppich ein Klapptisch mit einer Blaudruck=Leinendecke. Da auch die Farbgebung des saalartiges Raumes auf Helle und Weiträumigkeit eingestellt ist, kommt ein von hoher Ausstellungskultur zeugender Eindruck zustande. Vor- und Frühgeschichte im Eckturm. Der nächste Durchgang— die Durchgänge sind alle neben der Innenwand der Hofseite, so daß jeder Raum geschlossen wirkt— führt in den Eckturm, d. h. in einen fast quadratischen, durch zwei monumentale, mit Bogen verbundene Pfeiler aufgeteilten Raum, der den Besucher noch weiter in die Vergangenheit Hernes zurückführt, und zwar in die Vorund Frühgeschichte unserer Heimat, die ja eigentlich die besondere Stärke und weitreichende Bedeutung unseres Emschertalmuseums ausmacht. Fast alles ist Ergebnis der Forschungsarbeit unseres Museums. Berücksichtigt ist vorwiegend das Emschertal um Herne, nur hin und wieder ist ein besonders wichtiger Fund aus dem Lippetal ausgestellt. Mittelalterliche Gefäße(Siegburger und Groppenbrucher Keramik), die im Boden gefunden wurden, leiten über zu den Funden aus dem ersten Jahrtausend, aus karolingischer, Völkerwanderungsgermanisch=römischer Zeit, aus der EisenBronze=, Jung=, Mittel= und Altsteinzeit. Mit Die bekannte Einkaufsstelle für billig-gute Schuße ..Oeiitats Speinger großem Geschick der anschaulichen Herausstellung des Wesentlichen ist hier eine Abteilung geschaffen, die in allen dargestellten Sachgebieten beispielhaft ist. Man betrachte nur einmal die Nische, in der der kulturelle Hochstand der Germanen zur Anschauung gebracht wird, oder die Darstellung der alten Weberei mit Webstuhlgewichten, tönernen Spinnwirteln, Webstubenfunden usw., die alle heimische Errungenschaften sind. Oder man sehe sich die Darstellung der Tongefäßtypen oder die schönen Urnen des Strünkeder Urnenfriedhofes an. Oder man lasse sich belehren über die Art, wie die Sprache des Bodens studiert wird, wie ein Pfostenloch vom ersten germanischen Rechteckhaus, das im Ruhrgebiet gefunden wurde, ein Querschnitt durch einen Baumstammsarg des 9. Jahrhundects (vom Haranniplatz) oder eine Ecke aus einer germanischen Webstube mit angehäuften Webstuhlgewichten oder ein Knochenhäuschengrab aus der Zeit um 1000 v. Chr. G. aussieht. Mit großem Geschick hat der Museumsleiter es verstanden, solche Ausgrabungsfunde im Original ins Museum zu schaffen Jedenfallhaben wir hier eine Darstellung der ältesten kulturellen Vergangenheit des Emschertales, wie sie sonst nirgendwo zu finden ist. Die erdgeschichtliche Abteilung. Vom Eckturm gelangt der Besucher auf roten Cocosläufern, die den bläulichgrau gestrichenen Boden bedecken, in den größten Saal des Schlosses. Er beherbergt neben einer besonderen altsteinzeitlichen Abteilung, die das erste Auftreten des Menschen in unserer Heimat vor zirka 200 000 Jahren behandelt, die erdgeschichtliche Abtetlung. Gerade für uns auf der Kohle und von der Kohle lebenden Menschen ist die erdgeschichtliche Entwicklung unseres Heimatbodens von größter Bedeutung. Deshalb finden wir hier besonders die Steinkohlenschichten mit ihren Tier= und Pflanzenabdrücken sowie das Deckgebirge mit den verschiedenen Meer= und Landperioden, den Eiszeitund Wasserwirkungen dargestellt. Man tut einen fesselnden Einblick in die großen, durch Jahrmillionen sich hinziehenden Perioden, die unsere Erdkruste gebildet haben, und lernt ihre Pflanzen= und Tierwelt, ihre Mineralien und ihre formenden Kräfte kennen. Dabei ist eine sorgfältige und sparsame Auswahl in den Ausstellungsstücken getroffen, alles ist durch kurze, verständliche Beschriftungen, Anschauungsbilder, Proflle usw. auf Sperrholz, durch heutige Vergleichsstücke (z. B. bei den Tieren) auch dem Laien verständlich gemacht. Große Uebersichtlichkeit, lockere Anordnung in einheitlicher Zusammenfassung zeichnen diese Abteilung aus. Hier ist der gelehrte Stoff in geradezu sprechender Deutlichkeit und werbender Gefälligkeit ledendig gemacht. Naturkunde. Der letzte Raum des ersten Obergeschosses zeigt uns Flora- und Fauna der Heimat. Zwar ist er noch nicht reich an Ausstellungsstücken, aber was man an Vögeln, Schmetterlingen, kleineren Säugetieren usw. sieht, ist bereits ein erfreulicher Anfang. Diese Abteilung führt den Besucher, nachdem er im Geiste den Weg von der industriellen Gegenwart bis in die weikeste erdgeschichtliche Vergangenheit gemacht hat, wieder in die Gegenwart zurück, in die Natur, in das, was um uns wächst, kreucht und fleucht. Vielleicht kann hier auch in guten Bildern zur Darstellung kommen, was Herne an landschaftlichen Schönheiten der Natur noch heute besitzt. Weitere Pläne. Bei diesem Durchgang durch die Ausstellungsräu me wird man der Auffassung sein, daß die dörflich Geschichte und die Entwicklung zur städtischen Sied lung noch eine umfangreichere Darstellung erfahren kann. Das soll demnächst in dem Saal des obersten Stockwerkes geschehen. Hier sollen auch die alten Gewerbe wie Blaudruck, Zinngießerei, und die alten bäuerlichen Hausgewerde wie Flachsbearbeitung, Weberei usw. Aufstellung finden. Ferner will man den sog. Rittersaal im Erdgeschoß zu einem Vortragsund Lesesaal ausgestalten, sowie einen Raum für Wander= bzw. Sonderausstellungen herrichten. Und um schließlich auch der heimatkundlichen Arbeit den nötigen Resonanzboden zu geben, soll bald nach der Museumseröffnung ein Heimatverein gegründet werden. Darüber hinaus be Aufgabe darin, die er heute ist. haltene Wa steht noch eine besondere Aufgabe darin, die alte ehrwundige Strünkeder Kapelle ihrem unwürdigen Zustand zu entreißen und nach einer Instandsetzung einem neuen Zweck zuzuführen, indem man z. B. die kirchliche Geschichte Hernes darin zur Darstellung bringt. Der ursprüngliche Strünkeder Portalbau Eine bisher unbekannte Zeichnung zeigt den ehemaligen Renaillanceichmuck der Schloßtrent Der„gelehrte" Jobst von Strünkede war es, der an der Stelle der alten fehdeumtosten mittelalter lichen Burg Strünkede das Renaissanceschloß zu er richten begann. Es war aber keineswegs, fertig, als er 1602 starb. Erst sein Enkel Gottfried(F 1681) „baute den anderen Teil des Hauses"(v. Steinen). Schließlich hat noch dessen Sohn Johann Conrad (F 1742)„das Schloß trefflich verbessert"(v. Stei nen). Er ist es auch gewesen, der nach einem Schreiben der Clevischen Regierung an den König vom Jahre 1718 in einer damals im Clever Archiv vorhandenen schriftlichen Darlegung geschrieben hatte: Dieser Rittersitz(Strünkede) träget nichts ein, sondern nachdem solcher von meinem Urgroßvatter zum theil. hernacher von meinem Vater sel. Ged. der zweite und von mir der dritte theil mit schweren kosten neuerbaut ist, woran annoch begrissen bin, erfordert es jährliches ein ansehnliches Stückgeld zur unterhaltung.“(Staatsarchiv Münster.) Es steht also fest, daß das in drei Teilen errichtet worden ist. Der älteste, „gelehrten". Jobst zuzuschreibende Teil ist offenbar der nach Norden gerichtete Flügel mit den durch tei Sandsteinrippen geteilten Fenstern, wahrscheinlich gehört auch noch der wuchtige Eckturm und ein Stück des Hauptteils— man sieht deutlich an der Außenund der Hofseite vor dem Portal eine von oben nach unten laufende Baufuge— dazu, der Portalbau aber und überhaupt die Vollendung des Hauptflügels ist Gottfried von Strünkede zuzuschreiben, dessene Name unter dem von Löwen gehaltenen Wappen über dem Eingangsportal angebracht ist. Es heißt da:„Gott Fried Frey Herr von und zu Strünckede& Anno 1664.“ Demnach muß Gottfried von Strünkede 1664 den Hauptflügel vollendet haben. Worin dann der von seinem Sohne Johann Conrad schon vor 1718 erbaute dritte Teil bestanden hat, ist vorläufig mangels schriftlicher oder baulicher Grundlagen nicht zu sagen. Auffallend ist, daß v. Steinen um 1750, also rund 80 bis 40 Jahre, nachdem Johann Conrad den dritten Teil erbaut hatte, und wenige Jahre nach seinem 1742 erfolgten Tode, nur noch von einer„trefflichen Verbesserung" schreibt. Es muß sich also bei dem dritten Teil um Bauteile gehandelt haben, die nicht olche Flügel wie die noch stehenden, sondern vielleicht niedrigere und weniger massive Gebäude waren. Daf die Nordseite des Schloßhofes von einem, wenn au gegenüber den anderen niedrigeren Flügel einge nommen wurde, muß aus dem Zugkanal des K Zugkai chloßw er We Kamins wand der Ostseite stseite des Hof und den Dachansätzen in der geschlossen werden. Auch an der vierecks müssen sich Bauteile befunden haben, denn hier schließt sich an das Ende des Hauptflügels noch ein Stück Mauer an, wie auch in der Wand eine ehemalige Oeffnung zu erblicken ist, die in einen Mauergang geführt zu haben scheint. Ebenso haben in dem Winkel, in dem die beiden Bauund wo ein erst nach 1900 9.S.— in dem d flügel zusammenstoßen und wo ein erst nach entstandener Eingang mit Windfang sich befindet, e Bautelle vorher andere Bautelle gestanden, denn oben in der Wand erblickt man in jeder der beiden Flügelwände eine große mit Ziegelsteinen zugemauerte Durchgangsöffnung. Offenbar stand in dieser Ecke, wie auch das unregelmäßige Mauerwerk verrät, ein Treppenturmvorbau. Schließlich bildet die Nordwestecke noch bauliches Problem, denn es hat den Anschein, als ob hier einmal ein großer Turm gestanden hat. Vielleicht ist der Einzug des Museums in die Schloßräume Anlaß, den noch ungeklärten Fragen der baulichen Entwicklung auf den Grund zu gehen. * Heute soll aus Anlaß der Museumseröffnung zu der Baugeschichte des Hauses ein Beitrag geliefert werden, der mit einer bisher unbekannten Zeichnung der Front des Hauptflügels, besonders des die Front gliedernden Portalrisalits bekannt macht. Diese Zeichnung fanden wir im Besitz der Harpener Bergbau A.=G. Sie ist im Jahre 1899 angefertigt worden und trägt das Datum„Herne, den 30. Sept. 1899“ und die Unterschriften:„Der Antragsteller Adolf Fuhse, der Architekt C. Theecke“. Die Zeichnung ist also angefertigt, bevor die Harpener Bergbau A.=G. das Schloß im Jahre 1900 erwarb. Wahrscheinlich hängt die Zeichnung mit baulichen Veränderungen zusammen, die durch die Errichtung einer Gastwirtschaft auf dem Schlosse bedingt waren. Für diesen Wirtschaftsbetrieb waren Umbauten und Einrichtung bereits vor dem Besitzübergang getroffen. Am 27. Juli 1900 beantragte die Harpener Bergbau A.= G. unter Hinweis auf die geplante baldige Eröffnung die Einrichtung einer Straßenbahnhaltestelle auf der Strecke Herne—Recklinghausen am Zugangswege zum Schlosse Strünkede. Wenn wir uns den heutigen Portalbau ansehen, entdecken wir gleich, daß er heller und neuer ist, als die übrigen Bauteile, da er aus glatten, unverwitterten Steinen besteht. Es muß also erst in junger Zeit eine Erneuerung der Wandung vorgenommen worden sein, die zugleich gegenüber dem Portalbau, den die Zeichnung zeigt, eine sehr starke Vereinfachung mit sich brachte. Verschwunden sind die beiden Figuren auf der Ballustrade über dem Dachgesims, verschwunden die beiden Figuren seitlich über dem Eingang, von denen die eine eine gekrönte, die andere eine geistliche Gestalt darzustellen scheint, verschwunden sind die Konolen unter dem Dachgesims in der Breite des Portalbaus, verändert sind die beiden Fenster Schrift loßhof Im Obergeschoß, die in der Mitte eine Wasserjungfrau und eine von zwei Säulchen und kleinem Gesims umschlossene Inschrifttafel einschlossen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Fensterpaar ohne Zwischenteil. Noch vorhanden ist dagegen das große Wappenornament mit der Krone, den beiden Löwen und der oben bereits zitierten eingemeißelten Inschrift. Man erinnert sich aber, daß genau dieselbe große Steinplastik, nur völlig verwittert und ohne Wappen(einige Bleipflöcke zeigen noch, daß sie das ovale Wappen gehalten haben), bieher auf dem Schloßhofe gestanden hat. (Es steht auch jetzt noch dort, nur an anderer Stelle.) Man hat also bei der Erneuerung und Vereinfachung der Fassade das Wappenornament in genau derselben Art, wie das alte war, neu hergestellt und der Portalwand eingefügt, während das alte im Schloßhof aufgestellt wurde. An Hand unserer Zeichnung ist es endlich auch moglich, zwei lange vier kantige Steine mit erhaben ausgeführter S zu erklären, die bisher ebenfalls auf dem Se lagen und zur Herstellung einer niedrigen Mauer an der Nordwestecke verwandt worden waren. Man kann auf dem einen noch die Worte„Gottes Fried“ und auf dem anderen„Strunkde“ entziffern. Wie die Zeichnung zeigt, besanden sich diese Inschriftsteine über der Portalöffnung. Bei der Anfertigung der Zeichnung waren in der oberen Reihe noch die Worte„In Freud und Gottes Fried Strunkde....“. in der unteren„daß ihn die Lügen fluht moge.... zu entziffern. Von den weiteren Schmuckstücken des Portalbaues sind noch verschwunden die jonischen Kapitelle der Wandpfeiler beiderseite der Portalöffnung und der von einer Fratze geschmückte Schlußstein des Portalbogens. Neu hinzugefügt aber hat man bei der damaligen Erneuerung links und rechts von dem neuen Fensterpaar Steine, die ein Loch mit einer Steinkugel darunter enthalten. Allerdings ist links das Loch nicht ausgearbeitet, sondern nur eine Vertiefung. Mit diesen neu eingefügten Steinen wird der Eindruck erweckt, als ob ehemals eine Zugorücke bestanden hätte, deren Ketten durch diese Löcher gelaufen seien. Unsere Zeichnung enthält aber keinerlei Andeutung von Oeffnungen für eine Zugbrückenkette. Wohl ist zwischen dem beiderseits mit einer Backsteinmauer versehenen Zugang zum Schloß und dem Portal eine gewölbte und mit„Eisengeländer versehene kurze Brücke über das Wasser gebaut, welche die Annahme nahelegt, sie sei an die Stelle der Zugbrücke getreten, aber im Hause selbst finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß zu dem Schloß einmal eine Zugücke geführt hat. Aus den genannten Steinen ist jedenfalls nichts über eine ehemalige Zugbrücke zu entnehmen, sie sind nur eine romantische junge Zutat! Uebrigens sitzt neben dem Portalbau in der dicken Schloßwand eine Wendeltreppe, die von vier zleich rechts neben dem Portalbau untereinander itzenden kleinen Licht= und Luftöffnungen erhellt wird. Auffallenderweise sind diese vier kleinen rechteckigen Oeffnungen in der Zeichnung nicht enthalten. Was die übrigen Teile der in der Zeichnung dargestellten Hauptflügelfront anbelangt, so sind auch hier starke Veränderungen festzustellen. Bekanntlich sind links von dem Portalbau drei Fenster in jedem Stockwerk, rechts dagegen vier. Doch sind auf der linken Seite die belden mittleren Fenster zugemauert, während sie auf der Zeichnung noch bestehen(die Zeichnung haben wir an den Seiten verkürzt, so daß nicht alle Fenster wiedergegeben sind). Auch haben die Fenster in der Zeichnung noch ihre ursprüngliche Gestalt. Sie haben steinerne Fennerrreuze und im Oberlicht teils quadratische(oberes Stockwerk). teilsrhombische kleine Scheiben, die scheinbar gewölbt waren. Heute dagegen sind einfache Fenster mit Holzkreuzen angebracht. Andere Gestalt haben auch die Fenster des Sockelgeschosses. In der Zeichnung sind sie quadratisch mit rechteckigen kleinen Schreiben, am Schloß findet man sie heute rundbogig und schmaler. Nur die beiden Sockelfenster vor dem Eckturm haben die alte Form behalten. Stark verändert ist ferner das Dach. Früher wies es drei eckige, mit einer Spitze und einem kleeblattför migen Ausschnitt gezierte Dachsenster und über dem Portalbau ein Dachhäuschen auf. Heute sieht man nichts mehr davon. Ihre Stelle nehmen jetzt einige ewöhnliche aufklappbare Dachfenster ein. Ebenso ist Dache as Türmchen auf dem Dache verschwun den. An seiner Stelle steht heute ein wuchtiger Schornstein. Ein zweiter befindet sich einige Meter davon entfernt über der anderen Seite des Portalrisaltts. Wann statt des Türmchens die Schornsteine auf das Dach kamen, darülber soll später noch etwas gesagt werden. War vielleicht das Türmchen nur der obere Abschluß oder die Umkleidung des einen Schornsteins? Der erhebliche Wert der hier veröffentlichten Zeichnung liegt darin, daß sie uns den ehemals ziemlich reichen Renatssance=Schmuck des Portalbaus erkennen läßt, der in einem unverkenmbaren Gegensatz zu der Schlichtheit der übrigen Bauformen steht. Wenn man bedenkt, daß in der Nähe Strünkedes, schon Jahrzehnte bevor der „gelehrte" Jobst zu bauen anfing, der alle anderen Renaissanceleistungen in Nordwestdeutschland weit überragende, mit Karyatiden, Band= und Beschlag werk reich gezierte Schloßbau von Horst, der auch auf andere Schlösser wie Assen, Hovestadt und Overhagen erkennbaren Einfluß ausgeübt hat, entstanden war, wenn man ferner bedenkt, daß zu Beginn des 17. Jahrhunderts und erst recht zur Zeit, da Gottfried von Strünkede den Portalbau errichtete, der Ueberschwang des Barock sich zu entfalten begann, muß man sich über die sparsame Zurückhaltung in der Verwendung von Schmuckformen und ihre Beschränkung auf das Portalrisalit und den rings um den Bau laufenden, aus Konsolen und Rosetten gebildeten Fries unter dem Dachgesims wundern.(Die Vierecke mit den Rosetten sind übrigens auch nicht mehr da, dafür sind zwischen den Konsolen Maueranker sichtbar, die links vom Portalbau die Buchstaben ANNO bilden, ohne daß ihnen an anderer Stelle— etwa rechts vom Portalbau— eine Jahreszahl entspricht.) Aus dieser Beschränkung spricht westfälische Einfachheit und die Treue der Nachfahren zu der ursprünglichen Planarbeit. Wenn es nun auch scheint, als sei die starke Veränderung der Wandung des Portalbaus 1899/1900 geschehen, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß schon Lehrer Doering in seinem 1896 erschienenen Schriftchen„Chronik von Strünkede und den umgebenden Gemeinden“ den Portalbau so beschreibt, wie denn er hedi nur das von 2 Löwen ge Wappen hervor und erwähnt„rechts un links hiervon die beiden, für die früher Zugketten angebrachten Mauerlöcher, durch welche zu Zeiten der Gefahr die bewegliche Zugbrücke aufgezogen einen Verschluß der Portals bildete. muß also diese offenbare Spielerei schon angebrach und alles sonstige Schmuckwerk des Portalbaus ent fernt gewesen sein. Doering schreibt au., daß das Innere des Gebäudes„vielfach umgebaut" sei. Es „ist nur teilweise von zwei Pächtern bewohnt. Außerdem hat die Gemahlin des früheren Landrats von Forell noch Wohnung im Hauptteile des Schlosses. Nennenswerte Sehenowürdigkeiten sind im Gebäude nicht mehr vorhanden.“ Schließlich muß noch auf eine farbige Lithographie „nach einer Originalaufnahme von Riefstahl“ hingewiesen werden, von der sich ein Exemplar im Emschertalmuseum befindet. Es gehört zu einer Reihe ähnlicher, von einem Berliner Verlag herausgegebener Abbildungen von Schlössern, die ca. 1850 bzw. ca. 1860 datiert werden. Für das Herner Exemplar wurde uns einmal das Jahr 1856 genannt.(Ob der genannte Riefstahl der 1827 in Neustrelitz geborene und 1888 in München gestorbene Maler Wilhelm Riefstahl ist?) Dieses Bild zeigt an der Westseite des Schloßhofes überhaupt keinen Abschluß, weder eine Mauer, noch die heute vorhandene Säulchengalerie, wohl aber eine Pumpe. Der Westgiebel des Hauptflügels hat bereits die vier zugemauerten Fenster, die diesen Giebel heute so tot erscheinen lassen. Auf diesem Bild fehlen auch bereits die vier großen Figuren unserer Zeichnung und, wie es scheint, der übrige heute nicht mehr vorhandene Schmuck! Wohl hat das Dach die dreieckigen Dachfenster und darüber das Dachhäuschen unserer Zeichnung, statt des Dachreiters(Türmchen) erblickt man jedoch bereits die beiden Schornsteine, die auch setzt das Dach überragen. Schließlich muß noch erwähnt werden, daß bei Riefstahl die Fenster des Sockelgeschosses noch quadratisch, die beiden Mit telfenster der linken Frontseite aber schon unsichtba## sind. Ferner ist die Zugangsbrücke zwar mit Eisengeländer, aber nicht mit Backsteingewölbe, vielmehr ganz waagerecht, während der heute mit einer Backsteinmauer eingefaßte Aufgang ohne Geländer ist. Man muß aus diesent Vergleich mit Doerings Angaben und Riefstahls Bild schließen, daß uns unsere Zeichnung nicht den Zustand wiedergibt, wie er 1899 bei der Anfertigung der Zeichnung bestand, sondern einen viel älteren Zustand. und es ist daher die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß man im wesentlichen eine alte Plan= oder Bauzeichnung kopiert hat. Daß diese aber im großen und ganzen einen wirklichen ehemaligen Zu stand wiedergegeben hat, beweisen das Wappenornament, die beiden Inschriftsteine auf dem Schloßhof unt eine Reibe weiterer, heute noch an dem Gebäude wie an Riefstahls Bild nachkontrollierbarer Einzelheiten. Dr. L. Reiners. Besuchszeiten für das Emschertal=Museum u Schloß Strünkede ber d. J., ab für die Das Emschertal=Museum auf st von Freitag, dem 16. Septembe.—— Bevölkerung geöffnet. Die Besuchszeiten sind: Wochentags— außer Montags— von 10—12.30 Uhr und von 15 Uhr bis Eintritt der Dunkelheit, Sonntags von 10—13 Uhr. Montags ist das Mu ossen. kuseum geUnerfüllte Herner Hoffnungen um den Kanal. Als in den neunziger Jahren der Dortmund=EmsKanal gebaut wurde, was machte sich Herne damals für Hoffnungen! Die Kommunalpolitiker wollten eine großzügige Politik treiben, der Industrie entgegenkommen und ihr die Ansiedlung am Kanal leicht machen. Aber 15 Jahre später seufzte man, daß der Schatz(gemeint war der Kanal) vor der Türe liege, daß man aber nichts damit anzufangen wisse. Man hatte Hafenanlagen und sonstige den Hafenverkehr belebende und fördernde Anlagen bauen wollen, doch war es bei dem Stadthafen genannten Ende des Stichkanals geblieben. Neue Hoffnungen verbanden sich daher vor dem Weltkriege mit dem Bau des Rhein=Herne=Kanals. So veröffentlichte am 8. September 1913, also vor 25 Jahren, die Kölnische Volkszeitung folgenden Artikel: „Wie wir erfahren, beabsichtigt die mit dem Bochumer Verein verbundene Gewerkschaft Teutoburgia in der Gemeinde Börnig die Einrichtung eines großen Eisenwerkes dicht am RheinHerne=Kanal in Börnig=Nord. Gleichzeitig soll die Hochofenanlage des Bochumer Vereins dorthin verlegt werden, so daß die Gewerkschaft die chwedischen Eisenerze auf dem unmittelbaren Wasserwege bis an ihren Bestimmungsort befördern kann. urzeit schweben Verhandlungen zwischen dem Boumer Verein und der Eisenbahnverwaltung wegen Genehmigung der Ueberbrückung der Köln=Mindener Eisenbahn zum Zwecke der Anlage einer Seilbahn von der Zeche Teutoburgia nach der geplanten Anlage. Sobald diese Verhandlungen erledigt sind, soll mit der Errichtung des Eisenwerkes begonnen werden. 2. eser Nachricht folgte bald eine zweite, vaß nämlich die Rütgerswerke A.=G. in Börnig einen Neubau für die Naphtalinfabriration errichten wollten. Es ist aber aus all dieen Plänen nichts geworden. Das einzige, was geschah, war, daß die Stadt Recklinghausen von der Kanalverwaltung und vom Wirt Haarmann an der Stadtgrenze ein 6 Morgen großes Gelände ankaufte und hier einen nie besonders bedeutungsvoll gewa denen Hafen anlegte. Von den am Kanal geplanten Eisenwerken besteht allerdings noch das Projekt der Klocknerwerke, bei Schloß Bladenhorst eine große Anlage zu errichten. Der Kaufmann und wir haben den Erdal=Preis gech ist jetzt noch besser#, tägliche Erdalmoglia. Jessere Schuhpflege bedeutet aber Schuhe sparen, denn gut gepflegte Schuhe halten länger und bleiben länger schön. Die Normaldose Erdal kostet jetzt 20 Pfg., farbig 25 Pfg. Einheitliche Polizei in den Gemeinden. Der Reichsführer SS. und Cyef der deutschen Polizei Erlaß die Organisation der Schutzvolizei neu geregelt. Um der Schutzpolizei der d„not##en straffen Ausbau zu geben und ne damit, der Schutzvolizei des Reiches anzugleichen, wird zn ee. eigenen Vorgesetzten geführt in den Orten. in denen sie von einem Major der Schutzpolizei geführt wird.„Komin allen übrigen Orten #er Schtt#### Dtennabteilung“. Die Masore E# S####; denen die Führung eines Komandos per Shusvoltze iner Gemeinde endgültig übertragen Komamnbeure bestatigt werden. Alle hrar Fraheiteg. stere und Beamten sind Fübrer Aus und für Herne Schauübungen des Herner Roten Kreuzes in der Werbewoche. Kampffeld im Constantiner Busch. Der Constantiner Busch, unmittelbar binter dem Schleßstand an der Wiescherstraße, wird Sonntag den Schauplatz einer Felddienstübung der männlichen und weiblichen Bereitschaften abgeben. Wirklichkeitsnah soll den Herner Bürgern die Tätigkeit einer Ganitätseinheit vom Kampffeld bis zum Abtransport des Verwundeten zum Lazarett demonstriert werden. Sprengstoffexplosion auf der alten Ziegelei in Sodingen. Auf dem Ziegeleigelände an der Friedhofstraße in =Holtbausen wird vornehmlich der Bevölkerung des Stadtteils Sodingen am Donnerstag nächster Woche Gelegenheit gegeben werden, die Bereitschaft des DRK. bei Unglücksfällen in ihrer Tätigkeit zu beobachten. Angenommen wird: Die alte Ziegelet soll ein Sprengstofflager sein. Durch eine Explosion sind die darin befindlschen Männer verschüttet worden. Die techn. Nothilfe wird eingesetzt. Wie nun das Rettungswerk vor sich geht, das kann jeder am Donnerstag nächster Woche miterleben. Kesselexplosion in der Schule am Schützenplatz. Bei dieser Uebung handelt es sich um folgendes: Während einer Versammlung in dem Schulgebäude erfolgt eine Kesselexplosion. Die anwesenden Versammlungsteilnehmer können wegen eines ausgebrochenen Brandes nicht entfliehen und sind bei der Ka##phe mehr oder weniger verletzt. Die Feuerwehr erscheint und hält den Einsatz einer Sanitätseinheit für notwendig. Was nun folgt, wird am Freitag nächster Woche den Herner Bürgern vorgeführt. *** Vom Fahrzeugverkehr ausgeschlossen Der Polizeipräsidenten in Bochum teilt mit: Im Monat August 1938 ist zwei Personen di Fahrerlaubnis entzogen, zwei Personen die Fahr erlaubnis versagt und drei Personen die Führung von Fahrrädern und führerscheinfreien Kraftfahr zeugen untersagt worden. In elf leichteren Fällen wurden Verkehrssünde ernstlich verwarnt mit dem Hinweis, daß sie im Wie derholungsfalle vom Fahrzeugverkehr ausgeschlossen würden. Während in acht Fällen die Verwaltungsmaßnah men wegen grober Verstöße gegen die Verkehrsvor schriften oder andere Strafgesetze ergriffen wurden war in zehn Fällen Trunkenheit im Verkehr die Ur sache. *** Aufnahme in den Rs=Reichskriegerbund (Kysshäuser) nach dem 30. September nur noch als Einzelmitglied einer Bundeskameradschaft. Der Aufruf des Reichskriegerführers SS=Gru penführer Generalmasor a. D. Reinhard in Pre und Rundfunk an alle dem NS= Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) noch nicht angehörenden ehemaligen Soldaten der alten und neuen deutschen und österreichischen Wehrmacht hat bereits eine große Zahl von Beitrittsmeldungen zur Folge gehabt. Die Aufnahme noch außenstehender geschlossener Kameradschaften in den RS=Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) ist nur noch bis zum 30. September 1938 möglich. Diejenigen Kameradschaften, die sich bis zum 30. September 1938 noch nicht angemeldet haben, müssen sich auflösen und die ihnen angehören den Kameraden können nur noch als Einzelmitglie der in schon bestehende Kameradschaften ausgenommen werden. Neugründungen von Kameradschaften unterliegen nach dem 30. September 1938 der Ge nehmigung des Reichskriegerführers. Anträge auf Aufnahme geschlossener Kamerad schaften können jederzeit schriftlich oder mündlich auf der Geschäftsstelle des Kreisverbandes, Haldenstr. 7, erfolgen. *** mit dem Eisernen Kreuz ausgegeben. Dem Bundesabzeichen entsprechend ändern sich auch Aermelabzeichen. Türplaketten usw. Zwangsgeld bei Richterstattung von Arbeitsbuchanzeigen In Wiederholungsfällen Verdoppelung bis zum Höchstbetrage von 150 Mark. Die wiederholten Hinweise auf die Verpflich tung der Unternehmer, über alle von ihnen In das Arbeitsbuch gemachten Eintragungen den Arbeitsämtern Anzeige zu erstatten, hat in einer Richtung bestimmten Erfolg gehabt. Sehr wesentlich hat dazu allerdings auch die Erleichterung beigetragen, daß diese Arbeitsbuchanzeigen zugleich mit den Meldungen an die Orts=, Land= und Innungskrankenkassen verbunden werden können Dieser Teil der Anzeigen ist daher neuerdings auch Im großen und ganzen richtig und vollzählig erstattet worden. Anders steht es aber mit den Anzeigen, die die„Arbeitsbücher nicht krankenversicherungspflichtiger Personen betreffen oder die auch sonst zu erstatten sind. In dieser Beziehung wird von den Arbeitsämtern noch immer über eine völlig unzureichende Erfüllung der Anzeige pflicht geklagt. Um nun aber auch hinsichtlich dieser restlichen Anzeigen die Unternehmer zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten, hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeltsvermittlung und Arbeitslosenversicherung im Einverständnis mit dem Reichsarbeitsminister nunmehr verfügt, daß fortan gegen alle saumigen Unternehmer ein Zwangsgeld festzusetzen ist. Dabei wird das erstemal gegen den säumigen Unternehmer noch insofern gilmpflich verfahren werden, als ihm noch einmal eine bestimmte Frist zur Nachholung der unterlassenen Anzeige gestellt wird. Erst für den Fall, daß er auch diese Frist ungenützt verstreichen läßt, wird ein Zwangsgeld von zunächst 3 Mark gegen ihn festgesetzt. Zugleich wird er aber auch darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn er auch künftighin die Veränderungsanzeigen nicht pünktlich erstattet, sofort— d. h. ohne nochmalige Fristsetzung— ein Zwangsgeld gegen ihn in der gleichen Höhe festgesetzt werden wiro. Ist in einem solchen Falle das Zwangsgeld bereits festgesetzt worden, geht aber die Meldung noch am Tage der Zwangsgeldfestsetzung ein, so gilt dadurch die Zwangsgeldfestseßung für aufgehoben. Ein Eingang der Anzeige nach dem Tage der Straffest= setzung hat aber auf diese keinen Einfluß mehr. Bleibt der Unternehmer auch trotz wiederholter Straffestsetzungen immer noch säumig, so haben die Arbeitsämter das Recht, ein höheres Zwangsgeld festzusetzen. Hiervon wird der Unternehmer zuvor benachrichtigt. Bei jeder erneuten Androhung von Zwangsgeld wird dieses verdoppelt werden, und zwar nötigenfalls bis zum Höchstbetrage von 150 Mark. Es liegt also im Interesse jedes 2 er fortan die Verpflichtung zur Erstattung der vor geschriebenen Arbeitsbuchanzeigen gewissenhaft innehält. Bemerkt sei schließlich noch, daß sich diese Anordnung des Präsidenten der Reichsanstalt nur auf die Erstattung der Arbeitsbuchanzelgen bezieht. Die Nichtbeachtung der übrigen Vorschriften, wie z. B. die Nichtvorlage von Arbeits büchern, wenn diese vom Arbeitsamt angefordert sind, oder auch die Nichtbeachtung von sonstigen die Der Führer über das Rote Kreuz: „Deutschland erkennt und würdigt das Rote Kreuz als ein Vorbild der Opferwilligkeit, Pflichterfül lung und unbedingten Zuverlässigkeit im Dienst am leidenden Volksgenossen. Das Deutsche Rote Kreuz erfüllt damit im höchster Sinne die Pflicht nationaler Volksverbundenheit" Adolf Hitler. Arbeitsbücher betreffenden Ersuchen wird vielmehr in jedem einzelnen Falle der Zuwiderhandlung eine besondere Zwangsgeldfestsetzung zur Folge haben. dak. *** * S t r a ß e n u n f a l l. Die Ehefrau des Bergmanns Erich F. aus der Kronenstraße fiel beim Begehen der Straße so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß sie sich eine nieverletzung zuzog und dem Marienhospital zugede Ein vergessener Herner Friedhof se Versuchtes Sittlichkeitsverbrechen schwer bestraft. Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Bochum mußte sich hinter verschlossenen Türen mit einem gemeinen Ueberfall, den ein junger Mann namens 2 aus Herne auf ein junges Mädchen verübt hatte, beschäftigen. Der Angeklagte konnte die von ihm versuchte Tat der Notzucht nicht ableugnen, kam aber mit dem Einwand starker Betrunkenheit. Mit diesem Einwand hatte er aber keinen Erfolg, denn sein Verhalten während und gleich nach der Tat sprach wohl dafür, daß er angetrunken, aber nicht sinnlos betrun ken war. An dem betreffenden Tattage begegnete dem Angeklagten in der Nähe des Ostbaches ein Mäd chen, das der Unhold in ein anliegendes Kornfeld warf und dann zu vergewaltigen versuchte. Da aber das Mädchen sich mit allen Kräften gegen den Burschen zur Wehr setzte und auf seine Hilferufe Nachbarn herbeieilten, flüchtete der Täter, wurde aber eingeholt und erhielt verdientermaßen eine ganz gründliche Ab Hibung. Da er bisher nicht vorbestraft war, suchte der Staatsanwalt durch Zubilligung mildernder Umstände vor dem Zuchthaus zu bewahren. Er be antragte 8 Monate Gefängnis. Das Gericht beur teilte die gemeine Tat aber schwerer und kam zur Verurteilung des Angeklagten unter Ablehnung mil dernder Umstände zu 6 Monaten Zuchthaus. Nach dem Gesetze kann diese Strafe, da sie ein Jahr Zucht haus nicht erreichte, in Gefängnisstrafe umgewandelt werden. Es wurde daher eine Gefängnisstrafe von neun Monaten in Ansatz gebracht. In der Urteilsbegründung erklärte die Jugendschutzkammer, daß es sich bei Notzuchtsüberfällen um ganz scheuß liche Taten handele, bei denen auch im Versuchs stadium Milde nicht am Platze sei. Der Schutz der Jugend als Deutschlands größten und wertvollsten Gutes erheische die Verhängung ganz empfindlicher Strafen, die auch der Abschreckung zu dienen hätten. Das habe die Jugendschutzkammer auch veranlaßt, über das vom Staatsanwalt beantragte Strafmaß hinauszugehen. *** Eisernes Kreuz im Kriegerbundabzeichen. Durch die Anordnung des Reichskriegerführers ist für den RS=Reichskriegerbund statt des bisherigen Abzeichens mit Kyffhäuserdenkmal und Hakenkreuz ein neues Bundesabzeichen geschaffen worden. Nach dem Vorbild der Bundesfahne wird auf dem neuen Bundesabzeichen das Eiserne Kreuz auf rotem Felde mit dem Hakenkreuz im weißen Spiegel dargestellt. Kameraden, die im Besitz des bisherigen Bundesabzeichens sind. können dieses weitertragen. Neu wird aber nur noch das Abzeichen Von Lupinen umwuchert. Zwischen den Betriebsanlagen der Zeche MontCenis und der stilliegenden„Gaveg“, an der Straße „An der Linde“, liegt der seit 15 Jahren geschlossene Friedhof der Ev. Klrchengemeinde Sodingen. Wenn man durch das verrostete Törchen tritt, fühlt man sich. so man nicht zu den Industrieanlagen hinüberschaut, in eine weltabgeschnittene Einsamkeit versetzt. Doch diese Einsamkeit ist kein Idyll. Man glaubt nämlich kaum, daß ein Friedhof, wenn er auch seit dem 24. Dezember 1919 keine Beisetzungen mehr gesehen hat und drei Jahre später für immer geschlossen wurde, sich in einem solch vernachlässigten Zustande befinden könnte, wie dieser hier. Einzig die Natur hat ein Erbarmen, denn sie läßt die Lupinen hier wild blühen. Bei unserem Besuch war von den noch vorhandenen etwa 600 Gräbern ein einziges etwas gesäubert. Die Geschichte des Friedhofes. Er wurde, zugleich mit dem katholischen Friedhof an der Widumerstraße, im Jahre 1900 angelegt. Die Gewerkschaft Mont=Cenis trat der Sodinger Evangelischen Kirchengemeinde 4 Morgen ab. Bis zum Dezemberende 1919 wurden rund 1000 Beisetzungen vorgenommen. Es kam aber die Zeit, wo Mont=Cenis sich weiter ausdehnen wollte. Da lag der Friedhof Im Wege. Es kam zu Verhandlungen mit dem Vorstand der Ev. Kirchengemeinde. Das Ergebnis war die Stillegung dieser Begräbnisstätte. Die Zeche trug die Kosten der Umbettung von Gräbern nach Holthausen und zum Kommunalfriedhof an der Wiescherstraße, soweit sie von den Angehörigen beantragt wurde. Ein Teil der Gräber jenseits der Straße„An se der Linde“ wurde zum alten Teil zurückgebettet. Nach der Abtretung eines großen Stückes, auf dem die Ammoniakfabrik und andere Anlagen errichtet wur den, verblieb der heutige Teil. Woher der jetzige Zustand? Die Angehörigen von Verstorbenen, die heute noch auf dem kleinen Friedhofsteil liegen, erklären, der Rauch der Ammoniakfabrik und der Zeche lasse ein Gedeihen der Pflanzen auf den Gräbern nicht aufkommen, so daß es zwecklos sei, die Gräber in Ordnung zu halten. Die Zeche wiederum sah, daß man scheinbar nichts mehr um den guten Zustand der Gräber gab und tat von sich aus auch nichts mehr für die Unterhaltung des Friedhofes. So ist denn ein Zustand eingetreten, der allen Pietätgefühlen Hohn spricht. Man sieht umgeworfene Steindenkmäler, zerborstene Platten und wildwachsendes Unkraut auf und neben den Gräbern, wovon die Lupinen noch das angenehmste ist. Aus den Inschriften spricht die Geschichte der Bevölkerungsbewegung. Man liest die Namen aus dem Osten eingewanderter Familien wie auch die Namen der bodenständigen Bevölkerung. Weiter erzählen die Inschriften von in der Grube verunglückten Knappen. Soll das alles achtlos und pietätlos verkommen? Wir machen niemandem einen Vorwurf, aber da uns Sodinger Familen gebeten haben, doch auf den jetzigen unwürdigen Zustand des Friedhofes einmal öffentlich hinzuweisen, um Abhilfe herbeizuführen, hoffen wir, nicht vergeblich das Wort ergriffen zu haben. führt werden mußte. * V o n d e r T u r n s t a n g e g e f a l l e n. Beim Turnen an der Turnstange fiel das Kind der Eheleute Reinhold F. aus der Gneisenaustraße zu Boden und erlitt einen Unterschenkelbruch. Der Krankenwagen brachte das Kind zum Evgl. Krankenetriebsführers, daß haus. * Mit dem Fahrrad gestürzt. Der Invalide Andreas G. aus der Rottstraße stürzte mit dem Fahrrad derart heftig, daß er meh rere Rippenbrüche erlitt. Man brachte ihn zum Recklinghäuser Knappschaftskrankenhaus. * Die Treppe hinuntergefallen. Der Invalide Anton K. aus der Horsthauser Straße fiel gestern die Treppe seiner Wohnung hinunter. Mit inneren Verletzungen wurde er zum Marienhospital gebracht. * Deutsches Frauenwerk, Herne-Mitte, Jugendgruppt Am Donnerstag 20 Uhr Heimabend in der Geschäftestelle. Heinrichstraße 3. Handarbeit ist mitzubringen. der Verdunkelung zu beachten! Verkehr und Wirtichaftsleben dürfen nicht unterbrochen werden. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Für die in nächster Zeit überall in Deutschland überraschend zu erwartenden Verdunkelungsübungen ist folgendes zu beachten: Die Verdunkelung ist so durchzuführen, daß Wirtschaftsleben und Verkehr nicht unterbrochen werden. Sie ist so vorzubereiten, daß sie jederzeit wirksam werden kann, sobald ihr Beginn durch die Polizeibehörden bekannt gegeben ist. Die Verdunkelung ist ein Dauerzustand, der sich auf mehrere Nächte erstrecken kann. Die häufig vertretene Ansicht, daß die Verdunkelung erst bei Fliegeralarm vollständig zu sein braucht, ist irrig. Verkehrsbeleuchtung. Während der Verdunkelungsübung wird die öffent liche Straßenbeleuchtung gelöscht. An wichtigen Verkehrs punkten bleiben abgeschirmte und abgeblendete Richt leuchten in Betrieb. Die Beleuchtung von Verkehrs= und Warnzeichen, Hinweisschildern und Haltestellensäulen ist so herabzusetzen, daß diese Lichtquellen nur auf eine Entfernung von etwa 500 Mtr. sichtbar sind. Signale an Land= und Wasserstraßen, die auf größere Entfernungen sichtbar sein müssen, sind gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen, sodaß sie nur in der verkehrstechnisch notwendigen Blickrichtung zu erkennen sind. Die zur Kennzeichnung von Bauarbeiten und ähnlichen Gefahrenquellen auf Straßen verwendeten roten Laternen sind ebenfalls gegen Fliegersicht abzuschirmen. Der Bevölkerung wird geraten, die Benutzung von öffentlichen Straßen im eigensten Interesse und im Interesse der Sicherheit und Ordnung auf das notwendigste Maß zu beschränken. Verkehromittelbeleuchtung. Bei allen Kraftfahrzeugen, Straßenbahnen, Fahrrädern und Fuhrwerken sind sämtliche Außenlichtquellen mit Verdunkelungsvorrichtungen zu versehen. Die Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen und Straßenbahnen sind so abzudecken, daß nur ein waagerechter, 5—8 Zentimeter langer, 1,5 Zentimeter breiter Ausschnitt das Licht durchläßt. Bei Fahrradscheinwerfern ist der Lichtaustritt auf einen waagerechten Schlitz von 4 Zentimeter Länge und 1 Zentimeter Breite zu vegrenzen. Mit den Verdunkelungsvorrichtungen fahren Kraftfahrzeuge auf freier Landstraße mit Fernlicht, in geschlossenen Ortschaften mit abgeblendetem Licht. Schluß= und Bremslichter sowie sonstige Beleuchtungsvorrichtungen sind so abzublenden, daß sie nur auf eine Entfernung bis zu 500 Mtr sichtbar sind. Die Fahrtrichtungsanzeiger sind auch während der Verdunkelung zu benutzen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln sind Nummern= und Zielschilder so schwach zu beleuchten, daß sie nur auf Entfernungen von 10—15 Meter lesbar sind. Nicht in Fahrt befindliche Verkehremittel(außer Fahrrädern) müssen auf öffentlichen Wegen vorn und hinten durch eine abgeblendete Lichtquelle kenntlich sein. Bei Wasserfahrzeugen dürfen nur die Positions= und Ankerlichter in Betrieb bleiben, die aber gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen sind. Sonstige Außenbeleuchtung. Lichtreklamen, Normaluhren sowie die Schaufensterbeleuchtungen und jede sonstige, nicht zur Durchführung dringender Arbeiten im Freien notwendige Beleuchtungen werden während der Verdunkelung gelöscht. Die notwendigen Lichtquellen sind so abzuschirmen und abzublenden, daß aus der Luft keine auffälligen Lichterscheinungen wahrzunehmen sind. Bei Außenarbeiten mit größerem Lichtbedarf oder hellen Lichterscheinungen. z. B. Schweißarbeiten, müssen die Arbeitsstellen durch Zelte oder ähnliche Maßnahmen lichtdicht abgeblendet werden. Taschenlampen usw. dürfen nur abgeblendet benutzt werden. Helligkeit TreppenInnenbeleuchtung. In Räumen, in denen nur eine schwache um Zurechtfinden notwendig ist, wie Flure, Treppen äuser, Lagerräume, Aborte usw., ist zweckmäßig die nnenbeleuchtung zu verdunkeln. Die Helligkeit der Innenbeleuchtung ist in diesen Fällen soweit herabzusetzen, daß keine aus der Luft wahrnehmbare Lichterscheinungen ins Freie dringen können. Dies kann durch Herabsetzen der Stromspannung, Verwendung von Glühlampen und Glühkörpern geringerer Lichtleistung oder von besonderen Luftschutzglühlampen, durch Umhüllen der Lichtquellen mit lichtdämpfenden Abblendemitteln, schließlich durch Abschirmen der Lichtquellen erreicht werden. Hierbei sind helle Lichtflecke auf dem Fußboden oder an Wänden in Nähe der Fenster zu vermeiden. In Räumen mit größerem Lichtbedarf sind die Fenster und Oberlichter so abzublenden, daß kein Licht ins Freie dringt. Hierfür können Klapp= oder Rolläden. Zug= oder Rollvorhänge aus Holz, Gewebe. Papier oder anderen Stoffen verwendet werden. Häufig wird es zweckmäßig sein, nur die einzelnen Fensterflügel abzudecken und die hierfür verwendeten Blenden während der Verdunkelungsübung ständig an den Oberflügeln der Fenster zu belassen. Es empfiehlt sich, die Blenden nach Zimmer und Fenster zu bezeichnen. Bei industriellen Arbeitsräumen mit großen Fensterflächen und zahlreichen Oberlichtern ist das Anbringen von Verdunkelungsvorhängen oder ähnlichen Vorrichtungen aus technischen und wirtschaftlichen Gründen vielfach nicht möglich. Bei stärkster Einschränkung der allgemeinen Raumbeleuchtung ist in solchen Fällen abgeschirmte Einzelbeleuchtung der Arbeitsplätze zu empfehlen. Die Erfordernisse der Verdunkelung müssen hierbei mit einer möglichst geringen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Einklang gebracht werden. Bei Türen. die aus beleuchteten Innenräumen unmittelbar ins Freie führen, sind Lichtschleusen oder Vorhänge vor den Türen notwendig. Für die Innenbeleuchtung von Fahrzeugen aller Art sind sinngemäß die gleichen Verdunkelungsmaßnahmen zu treffen. Sicherheitsmaßnahmen und Verantwortlichkeit. Diejenigen Beleuchtungsanlagen und Lichtquellen, für die keine Verdunkelungsmaßnahmen getroffen werden, sind so außer Betrieb zu setzen, daß jede Betätigung durch Unberufene und jede versehentliche Betätigung verhindert wird. Verantwortlich für die Durchführung der Verdunkelungsmaßnahmen sind innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches im Werkluftschutz die Betriebsführer und Werkluftschutzleiter, im erweiterten Selbstschutz die Behördenleiter. Betriebsführer und Betriebsluftschutzleiter, im Selbstschutz die Hauseigentümer. Pächter. Mieter und Luftschutzwarte. Für die Verdunkelung aus öffentlichen Straßen. Wegen und Plätzen sind die für die Verkehrssicherheit sorgenden Dienststellen, für Fahrzeuge die Fahrzeughalter und Fahrzeugführer, im übrigen jeder Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Während der Verdunkelungsübungen werden allabendlich die Verdunkelungsmaßnahmen geprüft und Mängel gegebenenfalls der Polizei gemeldet, der die Ueberwachung der Maßnahmen obliegt. Der Zweck der Verdunkelungsübungen kann nur erreicht werden, wenn die ganze Bevölkerung einschließlich aller öffentlichen und privaten Betriebe die notwendigen Vorkehrungen mit größter Sorgfalt durchgeführt und während der Uebungen vorbildliche Verdunkelungsdisziplin walten läßt. Abhebungen bis 1000 RM. ohne Kündigung. Die Reichsregierung hat das Reichsgesetz über das Kreditwesen in einigen Punkten geändert. Von allgemeinerem Interesse ist dabei die gesetzliche Neuregelung der Rückzahlungen von Spareinlagen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen durften ohne Kündigung nur 300 NM. monatlich von einem Sparbuch abgehoben werden. Praktisch ist diese gesetzliche Bestimmung allerdings in den letzten Jahren nicht geworden, denn alljährlich wurde erneut durch Bekanntmachung klargestellt, daß bis zu 1000 RM. monatlich ohne Kündigung abgehoben werden dürfen. Diese Praxis ist jetzt auch gesetzlich fest gelegt worden, womit ihr der Charakter einer Aus nahmeregelung genommen ist. Nach der neuen Fassung des Gesetzes dürfen Rückzahlungen von Spareinlagen bis zum Betrage von 1000 RM. für jedes Sparbuch im Monat geleistet werden. Zur Rückzahlung höherer Be träge bedarf es der Kündigung; die Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Etwa vor Fälligkeit geleistete Zahlungen sind als Vorschüsse zu behandeln und als solche zu verzinsen. Der Reichskommissar für das Kreditwesen wird ermächtigt, den Betrag von 1000 RM. und die Kündigungsfrist bei außergewöhnlichen Notständen Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister ändern. Das Gesetz gilt nicht für Oesterreich. im zu Stadt Wanne=Eickel. Abschlußvrüsung der Bergvorschule. Ein Zeichen für den Eifer, mit dem die Wanne=Eickeler Bergknapven ihre Weiterbildung betreiben, bildete die in der hiesigen Berg vorschule in der Wilhelmstraße in Eickel unter Vorsiv von Bergassessor Vollmer aus Bochum und in Anwesen heit des Ersten Bergrats Schroeder=Gelsenkirchen durch geführte Abschlußprüfung. Diese Prüfung. an der im Juni 1910 gegründeten Bergvorschule, die im Laufe der Jahre schon Hunderten von Steigern die ersten Grundlagen für ihr berufliches Fortkommen gab. bildet den Abschluß eines 1½ Jahre dauernden Lehrganges und be rechtigt zum Besuch der Bergschule in Bochum. Mit KdF. nach Bückeberg. Bei dem KdF=Kreisam: liegen bereits zahlreiche Anmeldungen für die in de: Nacht vom 1. auf den 2. Oktober steigende Sonderfahr nach Tündern am Bückeberg vor. Die Rückfahrt erfolgt in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober. Die genauen Fahrzeiten werden noch mitgeteilt. Schaffung einer neuen Turnhalle. Der Saal von Schulte=Berge. der schon seit Jahren den Wanne=Eickeler Boxern als Schauplatz ihrer öffentlichen Veranstaltungen diente, soll nunmehr vom Reichsbahn=Tus in eine Turnhalle umgewandelt werden. Die Geräte sind dort schon aufgebaut und ein weiterer Ausbau ist geolant. Kleingärtner schützen die Ernte. Wie in früheren Jahren, so haben die Wanne=Eickeler Kleingärtner auch in diesem Jahre die nötigen Vorkehrungen getroffen, um die mit soviel Mühe vorbereitete Ernte gegen unliebsame Gäste zu sichern. Zum Schutz gegen Gartendiebe wurden in einzelnen Kleingartenanlagen Nachtwachen eingesetzt, die abwechselnd von den Mitgliedern beschick. werden. Vereinskalender Kriegerkameradschaft Alk-Herne. Antreken zur Beerdigung des Kameraden Birk am Donnerstag, dem 15. Septemder, nachmittags 3.15 Uhr im Vereinsheim. Der Kameradschaftsführer. Bellagen-Hinwets (Außer Verantworkung der Schriftleitung.) Unsere heutige Ausgabe enthält eine Beilage der Firma Defaka, Deutsches Familien-Kaufhaus G. mn b. H., Dortmund, Hansastraße 5, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen. Verdingung. Der Adbruch der beiden Häuser Bahnhofstraße 7a und 75 soll vergeben werden. Verdingungsunterlagen sind, sowett der Vorrak reicht, beim Stadtplanungsamt, 39 Im Sparkassengebäude, 3. Obergeschoß, gegen Erstattung der Unkosten erhältlich. Die Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift:„Angebot auf Abbrucharbeiten“ bis zum 18. 9. 1938 beim Stadtbauamk, Zimmer 2 im Sparkassengebäude, vormittags 11 Uhr abzugeben. Die Oeffnung findet anschließend statt. Der Oberbürgermeister. 1— Werde auch Du Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes. Lerne helfen für den Fall der Rot! Amherdfeüer 6 Um Liebe Revelle von S. Hering. Für Herbert Anke war ein Sommer gewesen. ein langer. herrlicher Sommer. Das war vor fünf Jahren, als er einzog als junger Lehrer in das stille Gebirgsdörschen mit seinen alten, vertrauten Häusern, den gemalten Hausgiebeln, den leuchtenden Matten und dem glucksenden Bergstrom, der wildschäumend aus den Höhen stürzte. die im trotzigen Massiv ihr zackigen Zinnen wie eine gewaltige Kulisse aus dem Hintergrund schoben. Ein stürmischer, wilder Tag war es gewesen, als die Bergler am Abend Tina Hautig au der Bahre ins Dorf brachten. Wo hätte man mehr Platz für die Abgestürzte gehabt, als gerade im Schulhaus? In einer Schlucht hatte man das Mädchen mit gebrochenen Gliedern aufgefunden. Rettung war es in höchster Not. denn lange hätte es nicht mehr gedauert. bis der schwache Atem des Lebens aus dem zarten Körper geflohen wäre. Als der Arzt im Schulzimmer die Mütze der Verunglückten vom Kopfe nahm, da quoll eine Fülle sprühenden blonden Haares daraus hervor. Die Männer, die darum standen, zitterten leicht: soviel Schönheit hatten sie im Dorf noch nicht gesehen. Und als erst in die blassen Wangen wieder das Rot des Lebens kam, da blühte ein Gesicht in den Kissen auf, zart und mit dem wundervollen Ton kostbaren Porzellans. Ein sonderbares Gebet sprach in dieser Nacht der junge Lehrer Anke in den strahlenden Nachthimmel. „Herrgott. laß sie lange nicht gesund werden!" Ach. wir wissen ja nichts von der lächelnden Weisheit Gottes. vielleicht erhört er in seiner Güte auch solche Gebete. Jedenfalls ging die Genesung Tina Hautigs nur langsam vonstatten. Und jede freie Stunde war der junge Lehrer am Krankenlager. Herbert Anke stützte die leichte Last des Mädchens auf seine kräftigen Schultern und führte Tina neu ins Leben zurück. Sie hatten nicht viele Worte, die beiden jungen Menschenkinder. Worte machen nur Verliebte. Liebende genießen das Glück im großen Schweigen. Im leichten Druck ihrer Hände redeten sie und in der zärtlichen Bebutsamkeit stummer Gebärden. Und wenn dann die beiden jungen Menschenkinder enganeinandergeschmiegt in friedlicher Beschaulichkeit die Melodie der Berge in ihre trunkenen Sinne aufnahmen. dann ergriff sie die Lust des Lebens. dann umbrauste sie der Strom seligster Gefühle und das Glück tränkte ihr Blut und ließ es überschäumen in Küssen, die erst brannten wie verzehrendes Feuer und nachbebten in berauschender Süßigkeit. Große, heilige, unverbrauchte Liebe feierte ihre Verklärung. Das war Herbert Ankes seligste Zeit im Leben. Aber einmal kam doch die Stunde, da ließen die Briefe der Eltern Tina keine Ruhe mehr, da verlangten sie die Heimkehr. Herbert Anke raste in die Nacht. weil er die Gewalt in seiner Brust nicht mehr bezwingen konnte. Er kämpfte an gegen den Wind, der in seinen Haaren wühlte und ließ den Schrei seines Herzens hinausklingen gegen die ewigen Berge: Tina...— Am nächsten Morgen begleitete er Tina Hautig zur Bahnstation. Es war ein schwerer Weg und die Küsse, die ihn überbrückten, waren durchtränkt von der Bitterkeit fließender Tränen. „Ich kehr zurück, ich komme wieder. Herbert!" Der rote Mund stammelte es mit einem seltsamen Klang in der Stimme. Anke ging den Weg zurück, taumelnd und erschlagen von der Wehmut des Abschieds. „Ich kehr zurück, ich komme wieder. Herbert!" Das war eine Melodie. die nun in Anke lebte und nicht mehr aus seinem Herzen wich. Das war ein sicherer Glauve an Wochen und Monate. Aber der Sommer hatte seine reisen Kelche längst verschwendet. Herbst war gewesen und der Winter umklammerte wieder das Gebirgsdörschen mit Eis und Schnee. Herbert Anke ließ die Melodie in seinem Herzen weiterströmen, seine Liebe wuchs zu gewaltigen Akkorden. Die Dörfler wunderten sich, wenn sie sich Sonntags in die hölzernen Bänke des Bergkirchleins drängten. Was hatte nur ihr Lehrer? So einen hatten sie noch nicht gehabt. Der ließ die Orgel klingen, daß die Töne hinaufschlugen zu den Bergen. als wollten sie hinausstürmen. in die Welt. Nein. sie wußten es nicht, daß der Lehrer Herbert Anke das Lied seiner Liebe spielle. Aber kam deswegen Tina zurück? Bis tief in die Nacht hinein brannte das Licht im Schulzimmer. Wenn das ganze Dorf schlief, dann saß Herbert Anke noch vor seinem Schreibtisch und schrieb und schrieb... Notenbücher füllten sich. Und einmal erlebten die Dörfler etwas, von dem sie noch lange sprachen und von dem auch ihre Kinder noch sprechen werden. Da verkündete es der Pfarrer von der Kanzel:„Heute nachmittag wird Herr Lehrer Anke eine eigene Komposition auf der Orgel spielen: Sursum conda.. Die Dörfler kamen, borchten. Was sie da hörten, das war kein Orgelspiel mehr. Das war Musik, die den Himmel anstürmte. Das blieb nicht im Dorfe, die Gewalt dieser Töne drang hinaus in die Welt. Der Dorfschullehrer erhielt vornehme Besuche. Künstler kamen... Konzertdirektoren Kapellmeisterstäde wurden ihm angeboten. Herbert Anke lehnte alles ab. In ihm war eine Metodie, die stärker war als aller verlockender Ruhm. „Ich kehre zurück, ich komme wieder, Herbert!" Herbert Anke spielte um seine Liebe. Seine Liebe wurde größer, je einsamer sie wurde. Er konnte sein Herz nicht mehr an andere Dinge verschwenden. Aber Tina kam nicht zurück. Die Welt horchte auf. wenn ein neues Werk von Anke erschien. Er hatte längst keine Not mehr an materiellen Gütern, das Geld floß ins kleine Schulhaus, aber er verließ das Dorf nicht, er mußte ja auf Tina warten. Und die Jahre vergingen. Herbert Anke hielt keine Schule mehr. Er hatte sich ein kleines Häuschen in der Nähe des Dorses bauen lassen und lebte darin wie ein Einsiedler. Die Leute schüttelten schon die Köpfe über ihn, sie hielten ihn für einen Sonderling. Sie hatten Mitleid mit ihm. Aber was kümmerte dies alles Herbert Anke. Er erfuhr davon nichts mehr. Es war, als ob er langsam leerbluten müßte, als ob das Feuer in ihm sein ganzes Hers verbrannte. Seine Gedanken verwirrten sich. Er konnte Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden und wußte kaum noch, daß einmal Tina eine wunderbare Wirklichkeit seines Liedens gewesen war. Sie wurde zu einer Lichtgestalt, die ihm einmal gegeben war, damit er sich entfalte in seiner Kunst. Die Nacht des Wahnsinns senkte ihren barmherzigen Schleier über seinen Geist. Zum fünften Male blühte der Frühling. seit die Gebirgler Tina Hautig ins Tal gebracht hatten. In einer großen deutschen Stadt prangten an den Plakatläulen die Ankündigungen eines Orgelkonzertes mit Werken Herbert Ankes. Unter den Tausenden, die diese Ankündigung lasen, war ein junges Mädchen mit ihrem Begleiter. Sie las den Namen und der Hauch der Vergangenheit berührte sie. Der herbe Geruch der Berge wehte um sie. Sie wurde ziemlich einsilbig und verabschiedete sich bald von ihrem Begleiter. Wenige Tage später schreckte eine Autohuve die Dörfler. Vor dem Schulhaus sprang leichtfüßig ein junges Mädchen ab und zog mit klopfendem Herzen die Glocke. Eine alte Frau erschien. „Ich möchte den Lehrer Anke sprechen...“ Die alte Frau zeigte ein verwundertes Gesicht. Sie rieb verlegen die Hände an der Schürze. „Der Herr Anke ist nicht mehr bei uns. Tränen liefen über die Wangen der Alten. „Es war so ein guter Mensch... Und Orgel hat er wielen können! Vor vierzehn Tagen haben sie ihn fortgeran... ins Irrenhaus!" Tina Hautig lehnte bleich an der Wand. Alles drehte sich um sie. Sie wandte sich ab, um ihre Tränen vor der fremden Frau zu verbergen. Langsam, mit beschwerten Schritten ging sie zurück. Noch einmal suchte sie die Wege auf. die sie einmal mit Herbert Ange gegangen war. Am Abend fuhr sie zurück in die Stadt... in ihre Welt. Der Retter der StadtErzählung von Hans Bethae. In der alten deutschen Festungsstadt Thorn lebte während des Dreißigjährigen Krieges ein Mann, der seine Familie auf ehrliche Weise durch das Handwerk eines Kesselschmiedes ernährte. Aber hin und wieder kam es über ihn, schön blinkende Gegenstände aus Silber oder Gold in seinen Besitz zu bringen. nicht etwa, um sie gegen klingende Münze zu verkaufen, sondern um sich zuweilen an ihrem lockenden Gefunkel zu erfreuen. Lange Zeit ging alles gut. niemand wußte sich zu erklären, wer der Urbeber der Diebstähle sei, zumal keine der gestohlenen Sachen je im Handel auftauchte und man also auch keine Spur verfolgen konnte,— da wurde der seltsame Mann eines Nachts bei frischer Tat ertappt und ins Gefängnis geworfen. Man durchsuchte seine Wohnung und stieß endlich auch auf einen geheimen Raum, in dem man nun staunend alle die blinkenden Dinge beisammen fand, die schon seit Jahren aus den verschiedenen Haushalten Thorns entwendet worden waren. Es herrschte ein händeringendes Entsetzen über den Sünder in der braven Stadt und eitel Freude bei allen denen, die ihren so schmerzlich vermißten Besitz an schönen Gold= und Silbersachen nun plötzlich wiedererhielten. Der Dieb wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Er saß binter festen Gittern, an denen er vergebens rüttelte, und sah seinem schmerzvollen Ende mit einem Empfinden des Grauens entgegen. Gerade in jenen Tagen gelangte das Gerücht in die Stadt. ein schwedisches Heer unter Führung des Generals Wrangel befinde sich im Anmarsch und chabe die Absicht, sich für einige Zeit in der Stadt Thorn einzunisten. Man wußte, was das zu bedeuten hatte; wo sich ein schwedisches Heer einquartierte, da zog es nicht eher wieder ab. als bis der letzte Sack Mehl und der letzte klingende Heller aus der Stadt herausgepreßt worden waren. Es wäre also sinnlos gewesen, einen solchen Besuch anzunehmen, und es gab nur ein einziges Mittel, ihn zu verhüten: indem man mit gut gezielten Kanonenkugeln zur Abwehr schritt. Zunächst schickte man aber zwei Spione ins Freie, die auskundschaften sollten, ob das erschreckende Gerücht überhaupt auf Wahrheit beruhte. Man nahm einen Schuster und einen Schneider dazu, zwei Leute, die in dem Ruf großer Geriebenheit standen. die aber sonst nicht viel tangten, so daß man sich sagte, wenn diese beiden wirklich bei dem Abenteuer zugrunde gehen sollten, so hat die Stadt nicht allzuviel verloren. Die beiden Auserwählten zogen mit energischen Späherblicken hinaus, und sie waren etwa eine Meile weit gekommen, da hielten sie es dann für richtig, zunächst einmal geruhsam in einem Graben die mitgenommenen Lebensmittel zu verzehren. Sie tranken auch einen guten Schluck dazu und schlummerten dann so lange, wie ihnen das Schicksal die süße Gabe des Schlafes vergönnte. Nach dem Erwachen erzählten sie sich lachend allerlei lustige Geschichten, äugten zuweilen über den Grabenrand, stellten zu ihrer Genugtuung fest, daß bis an den fernen Horizont hin kein Feind zu erblicken war, und nachdem sie so volle 24 Stunden faulenzend im Graben zugebracht hatten, kehrten sie guten Mutes in ihre Heimatstadt Thorn zurück. Sie erzählten dort von mannigfach ausgestandenen Gefahren und berichteten. daß der General Wrangel nicht daran denke. Thotn einen Besuch abzustatten, daß er vielmehr sicheren Nachrichten zufolge bereits in anderer Richtung abmarschiert sei. Die Stadt hörte diese Meldung mit Freuden, und der Schneider sowohl wie der Schuster wurden für ihre aus gestandenen„Mühen“ mit besonderen Auszeichnungen belohnt. Der Magistrat hatte nun Zeit, sich wieder mit dem gefangenen Dieb zu beschäftigen, und um dem Volk die schon lange erwartete Sensation nicht länger vorzuenthalten, wurde die Exekution gleich auf den nächsten Tag festgesetzt. Als am frühen Morgen das Armesünderglöcklein erscholl, setzte sich der Zug nach dem Richtplatz in Bewegung. Er lag in der Nähe der Stadtmauer. und der Galgen ragte hoch über den Mauerkranz hinweg. Nachdem dem Sünder noch einmal seine Vergehen vorgelesen waren und ein Städtbeamter den Stab über ihn gebrochen hatte, führte ihn der Henker zur Leiter. die der Unglückliche bebend und gesenkten Hauptes mit zögernden Schritten emvorstieg. Der Henker. von menschlichen Gefühlen nicht beseelt, gab ihm einen Stoß in den Rücken und raunte ihm zu: „Beeile dich. Mann, dir kann weder Gott noch der Teufel mehr helfen.“ „Der Teufel nicht." erwiderte der Dieb,„aber Gott würde es schon können, wenn er wollte!“ Damit war er auf der Höhe der Leiter angelangt. und der Henker, einige Sorossen unter ihm stehend. begann die Schlinge in seinen Händen zurechtzulegen. Der arme Sünder richtete noch einmal seine Augen in die ferne heimatliche Landschaft, um einen letzten freundlichen Eindruck mit ins Jenseits hinüberzunehmen, da hob er plötzlich erregzt seinen Arm, wies in die Ferne und schrie: „Die Schweden kommen! Das schwedische Heer rückt an!“ Der Henker stieg schnell die letzten Sprossen hinan, äugte gleichfalls hinaus und rief: „Er hat recht! Die Schweden kommen! Rettet die Stadt!“ Nun entstand ein ungeheurer Tumult, alles flutete wild durcheinander, der Bürgermeister kommandierte: „Alle Kanoniere an die Geschütze!" und jeder tat in Windeseile das, was ihm in diesem Augenblick das Notwendigste erschien. Die Stadttore wurden geschlossen, die Frauen kochten in den Waschküchen mächtige Kessel Wasser, um es den Ankommenden von dem Mauerkranz herab siedend auf die Schädel zu gießen, und als sich die Schweden der Stadt auf einen Kanonenschuß genähert hatten, da krachten auch schon die Böller los und schlugen mörderisch in die ersten Reihen des anrückenden Heeres ein. Die Rotte macht halt, sie hatte eine so energische Abwehr nicht erwartet, und da sich die Geschütze Thorns durchaus nicht mit einigen Schreckschüssen zufriedengaben. sondern immer wilder zu brüllen begannen, so kam schnell das Kommando„Kehrt!“ und die schwedischen Truppen wendeten sich eiligst rückwärts, um ihren Marsch auf ruhigeren Straßen fortzusetzen, die weit um die tapfere Stadt herumführten. Thorn war gerettet. Daß man dem verdienstvollen Bürger, dessen wachsames Auge im richtigen Moment den Anlaß zur Rettung gegeben hatte, das Leben schenkte. braucht kaum erwähnt zu werden. aber die Dankbarkeit der Stadt ging weiter: Da man die Freude des Retters an schön funkelnden Gegenständen wohl kannte, so machte ihm der Magistrat kurz entschlossen ein paar herrliche silberne Leuchter zum Geschenk. die ihn für daran erinnerten, daß er mit Gottes Hilfe seine, stadt vor der schrecklichen Heimsuchung durch die dischen Heerscharen, sich selber aber vor dem Tode bewahrt hatte. Verrliche ne die schweWetten, Jie haben keine Alnung! Wissen Sie schon? daß die Goldgewinnung ein teures Geschäft ist? Man will nämlich herausgefunden haben, daß im ganzen mehr Gold in die Goldminen hineingesteckt worden ist, als iemals herausgeholt werden konnte. daß auf dem Neujahrsball des russischen Gesandten in Berlin im Jahre 1801 ein Herr während des Tanzes tot zu Boden sank, weil er sich Knie, Taille und Hals zu stark geschnürt hatte? daß es in Spanien einst als schwerer Verstoß gegen den Anstand galt. von den Füßen einer Dame zu sprechen oder sie gar anzusehen? daß Kautschuk in der Kälte seine Eigenschaften verändert? So verliert er beisvielsweise bei Temveraturen unter 55 Grad seine Elastizität vollkommen. daß man in Neuyork infrarote von Autos verwendet? Strahlen zur Zählung daß im alten Griechenland für die Wettkämpfe Preise in Gestalt von Olivenöl ausgesetzt wurden? Das Oel wurde den Gewinnern in kostbaren Vasen überreicht. daß die Hörorgane bei den Schmetterlingen der Eulengruppe am Hinterrücken oder am Bauch liegen? daß auf dem Mond an Stellen, die von der Sonne direkt beschienen werden, mittags 129 Grad Wärme. nachts aber 91 Grad Kälte herrschen sollen? daß man in Bernsteinstückchen nicht nur Fliegen eingeschlossen gefunden hal, sondern auch einen Floh? daß in China vor Jahrhunderten die Gebeine von einer Million Menschen gemahlen und als Baumaterial für den„Turm der weißen Knochen" in Liangschow verwandt wurden? daß die letzte Schiene der amerikanischen transkontinentalen Eisenbahnverbindung im Jahre 1869 mit silbernen und goldenen Nägeln befestigt wurde? daß von 287 Vogeleiern nach den Feststellungen eines Forschers nur 144 Vögel flugfähig wurden? daß auf einer Schönheitskonkurrenz für Briefmarken in Philadelphia den 1. Preis eine amerikanische Ein=Dollar= Marke von 1893 erhielt? Auf den Sammelwert ist der Schönheitspreis allerdings ohne Einfluß. Foga beingt ein Mädchen mit Roman von WALTHER KLOEPFFER Copyright 1936 by Aug. Scherl O.m.b.H., Berlin Erstes Kavitel. Fogg. die Hand unschlüssig auf dem Türgriff. betrachtete ärgerlich den Himmel. Eine schiefergraue Avrilwolke hing dick und tief über dem mächtigen St. Pauli und jagte nasse Menschen in Hausflure und Lokale. Das sah nicht aus. als ob es bald aufhören wollte. Als Fogg zaudernd und unbehaglich die Bar„Zu den sieben Todsünden" betrat, empfingen ihn hitzig aufflatternde Streitworte und das Quieken einer Ziehbarmonika. „Was soll's denn sein?" fragte ein mürrischer Kellner. „Etwas Heißes soll es sein, wenn Sie nichts dagegen haben. Sagen wir Grog. Dorthin in die Ecke“. befahl Fogg. dem unhöfliche Kellner ein Greuel waren. Während er seinen tropfenden Ueberzieher auszog. dachte er: Na, den hat es ja schön erwischt! So geht es, wenn ein leichtsinniger Mann sein Hotel ohne Schirm verläßt und bummeln geht. Dann ließ er sich auf das schmierige Wandsoja fallen. knivste eine Zigarette an und musterte den Raum. Wilde Gestalten bevölkerten dieses Nebelheim. Angetrunkene Matrosen. verdächtige Burschen. Farbige und Damen leichtester Sorte. Hinter der Theke lümmelte ein fetter Mann und bearbeitete sein Ohr mit einem Zahnstocher. Fogg kam sich in seinem gutsitzenden Anzug wie ein verschlevpter Prinz in einer Räuberhöhle vor. Auch eine Stimmungssängerin war da. Sie stak in dunkelblauen Seemannshosen und hatte ein flottes Lächeln um die grellgeschminkten Livven. Ihr schiefes Tellermützchen trug die Aufschrift„S. M. S. Nire“. Sie stand keß und breitbeinig zwischen den Tischen, spielte Bandoneon und sang mit schräggerollten Augen: „In der Hasenbar von Rio. Hollahe, hollaho. Soff ein Maat bis fünfe früh, oh. Hollahe, hollaho, Um Dolores zu vergessen. Hollahe, hollaho. Die sein Sweetheart war gewesen. Hollahe, hollaho—“ Die Gäste grölten diesen Song. der sich als ungemein Eranbenreich entpuppte, begeistert mit und verlangten eine Dreingabe. Danach ging das Hosenmädchen sammeln. Als es an Foggs Tisch kam, beugte er sich aus dem Schatten vor. um seine Münze zu den anderen auf den Teller zu legen. Da begab sich etwas Seltsames. Die Sängerin schrie halblaut auf. starrte Fogg an, und der Teller in ihrer Hand begann zu zittern. „Foga?!“ „Wie? Sie kennen mich?“ fragte er verwundert in das bestürzt aufgerissene Gesicht hinein. Er grub in seinem Gedächtnis. aber es kam nichts zutage. Nun, da die Unbekannte dicht vor ihm stand, nahm er wahr, daß er kein junges Mädchen vor sich hatte, sondern eine Frau mit Sorgenfalten um den Mund, in denen billiger Puder nistete. Sie war mittelgroß, eher klein, und ihre rötlichbraunen kurzen Haare waren glatt an den Kopf gebürstet. was ihr im Bund mit dem koketten Matrosenmützchen ein bubenhaftes Aussehen gab. „Ja. ich kenne dich! Rate einmal! Denke an den Krieg. an Pinsk! Nun?“ sagte sie lächelnd. „Donka! Daß ich nicht früher darauf gekommen bin! Na, so eine Ueberraschung!" rief er aufgeregt und fröhlich. „Ein kleines Wunder, nicht wahr? Ich freue mich sehr. Fogg. Darf ich mich ein bißchen zu dir setzen?" „Aber natürlich. Donka. Willst du einen Stuhl. oder ist dir das Sofa lieber?" Er war voller Eiser und Betriebsamkeit, fegte Brösel vom Tisch. nahm ihr den Teller ab und vergaß völlig, daß all dies für eine arme. verblühte Kneipensängerin geschah, die in einer üblen Spelunke eindeutige Lieder zum besten gab. „Sitzt du ordentlich? Ja? Was darf ich dir bestellen?" „Danke! Nichts. Wie famos du aussiehst! So braungebrannt, so gesund. Es geht dir gut, ja?“ Sie betrachtete angestrengt sein kantiges, wie aus Wurzelholz geschnittenes Gesicht. Die Wildschützen und Holzfäller in den Wäldern ihrer Heimat hatten manchmal solche Gesichter gehabt. „Ich kann soweit nicht klagen. Daß du mich gleich erkannt hast?" Sie lachte.„Das macht mein Gedächtnis. Du hast dich aber auch gar nicht verändert. kein bißchen. Willst du mir nicht dein Rezept verraten? Hast du eine Zigarette für mich? Huch. und dieser seine Stoff!“ Sie streichelte den Aermel seines hellgrauen Anzuges.„Wie bist du durch den Krieg gekommen?" „Soso. lala. Ein paar Streifschüsse. ein paar Granatsplitter, einmal verschüttet, einmal Gas; der Rest sitz neben dir.“ „Und wie kommst du hierher? Wohnst du in Hamburg?“ „Nur vorübergehend. Ich wollte hier den Regen abwarten.“ „Also Zufall.“ Die Zigarette reizte sie zum Husten. Auf ihren Backen erschienen kleine rote Flecken, und das Taschentuch zeigte eine zarte Spur von Blut. Obgleich sie dies vor Fogg zu verbergen trachtete, hatten seine wachen Augen es erspäht. „Du mußt mir alles erzählen, ja“, bettelte sie munter und zog vor ihrem Taschenspiegelchen das Lippenrot nach. Dann rückte sie näher und sah zutraulich zu Fogg empor. der berichtete: „Wie der Krieg aus war. habe ich Medizin studiert. Nach dem Examen bin ich ins Ausland. Es hat da mit meinem Vater so Geschichten gegeben; na ja, du weißt ja. wie es ist, wenn eine junge Stiefmutter ins Haus kommt. Erst war ich Schiffsarzt auf einem Dampfer der Ostindischen Kompanie, später am Tropeninstitut in Colombo. Dann habe ich erfahren, daß ein Trupp Landsleute aus meinem Dorf nach Peru auswandern wollte, und habe mich ihm angeschlossen. Wir haben zusammen eine kleine deutsche Siedlung am Ucayali gegründet; das ist ein Nebenfluß des Amazonenstromes. Santa Agatha heißt sie. Das war vor neun Jahren. Und seither nichts als Indianer. Urwald. Moskitos und Arbeit. Kannst du dir das vorstellen? Für den Arzt gab es drüben zwar nur mäßig zu tun, aber desto mehr für den Jäger und Landwirt. Na. und dann kam vor einem halben Jahr dieser Brief aus Schellenberg. Der Bürgermeister— er heißt Gsogmair, und du kennst ihn auch— schrieb, mein Vater sei gestorben, und ich sollte wegen der Erbschaft herüber. Wenn möglich, sollte ich gleich dableiben; denn die Gemeinde brauchte dringend einen Arzt. und meine Vorgänger seien nach einigen Monaten immer wieder ausgerückt. Kann mich übrigens ausgezeichnet hineindenken. Weißt du. Schellenberg liegt ganz dahinten im Bayerischen Wald. an der böhmischen Grenze. kleines Kaff. keine Bahn, nicht einmal Postauto. Malefizwege für einen armen Doktor und kein Kino und kein Kaffeekränzchen für die Frau, kurz eine Gegend. wo sich Hafen und Füchse gute Nacht sagen. Für so eine Praxis gehört schon ein besonderer Magen her oder eine besondere Liebe. Gott. mir macht das weniger aus: ich habe die Welt vorn und hinten gesehen, mag den Wald gern. und schließlich ist's meine Heimat. Ich habe also zugesagt, habe mein Haus bestellt, wie es in der Bibel so schön heißt. Koffer gepackt und nichts wie rüber. So ein Stück Heimweh hat man ja immer, auch wenn man ein alter Globustreter ist wie ich. Na. und jetzt bin ich halt wieder in dem guten alten Deutschland. und. wenn ich mich in Hamburg ein paar Tage verschnauft habe, geht's heim. So. nun weißt du Bescheid!“ sagte Fogg und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus. „Weiß ich Bescheid? Wirklich? fragte sie spitzbübisch und sah ihn mit ihren dunklen, brennenden Augen von der Seite an.„Du hast mir doch gar nicht gesagt, ob du verheiratet bist. Fogg?“ „Ach so!“. Er schüttelte energisch den Kopf.„Hat nie recht gelangt. Ich meine bei mir, mit der Liebe. Und dann. mein Leben bisher war so gar nicht auf Ehefrau abgestimmt. Dieses Herumzigeunern, diese Koloniegeschichte wären nichts für eine Frau von Kultur gewesen: Aber was nicht ist. kann noch werden. Gelübde habe ich jedenfalls keines abgelegt“, lachte er jungenhaft. „Wie alt bist du eigentlich?“ „Muß ich das sagen, du Naseweis? Ist dir mit achtunddreißig gedient?" „Du kannst dich getrost für dreißig ausgeben. Wenn ich ein junges Mädel wäre, würde ich mich auf der Stelle in dich verlieben. Entsinnst du dich noch, Fogg. wie du mich damals in der Nacht mit deinem Mantel zugedeckthast? Es war so fürchterlich kalt in eurem Graben, und dann diese Nebel von der Pina her... Du warst schon immer ein guter Mnsch“. sagte sie leise und strich mit den Fingern über seine große harte Hand.„Es müßte mehr solche wie dich geben,, dann wäre es leichter auf der Welt.“ „Donka beliebt zu übertreiben“, erwiderte er verlegen. „Und wie geht es dir, wenn man fragen darf? Noch immer so tapfer?" „Ich? Nein, gar nicht. Sieh mal, ich bin eine alte Frau gegen dich: mit mir ist nichts mehr los“. sagte sie müde und ließ die Schultern sinken.„Ich singe zuchtlose Lieder in einem Bumslokal, und wenn mir einer von diesen Kerls sein Glas hinhält, muß ich ihm Bescheid tun. Wenn du das tapfer nennen willst? Ich habe kein Glück im Leben gehabt, das ist es. Reden wir lieber von dir.“ „Du bist damals spurlos verschwunden. Wir haben dich wie eine Stecknadel gesucht. Auch auf der Kommandantur in Pinsk haben sie Nachsorschungen angestellt. Nichts. Keine Donka weit und breit. Wo hast du eigentlich gesteckt——?“ Fogg wurde durch den dicken Wirt unterbrochen, der sich vom Büfett heranschob. Dieser fand es nicht der Mühe wert, zu grüßen, und sagte, an seiner ausgefransten feuchten Zigarre vorbei, zu Donka:„Heh. Donka, dauert diese Idylle noch lange: Die Gäste wollen Musik.“ „Ich habe einen alten Bekannten getroffen, Bas“, entschuldigte sich Donka.„Wir haben uns viele Jahre nicht mehr geseben.“ Der Wirt schielte tückisch auf Foggs noch halbvolles Glas und stieß das Kinn vor.„Sehr rührend. aber es tut mir leid. Wiedersehen seiern mußt du, wenn ich die Budike zumache. „Ich kann heute nicht mehr singen. Bas. Ich bin nicht in Stimmung! (Fortsetzung folgt.) Asommpmruer Jungfernfahrt des neuen„Graf Jeppelin“. länge des Schiffes 245 Meter bei einem Höchstdurchmesser von 41,2 Meter 200 000 Kubikmeter Gasinhalt 7 Wieder ein Großwerk deutscher Technik 7 Die erste Werkstättenfahrt nach der Tause Friedrichshafen, 14. Sept. Silberglänze Riesenleib des neuen Luftschiffes L3 130i Montagehalle des Luftschiffbaues Zeppelini Rheinisch=Westsatische Börse Die Börse eröffnete in schwächerer Haltung. Das herskommende Material nahm jedoch kei Silberglänzend liegt der in der großen elin in Friedrichs= hafen. Weithin leuchtet am Seitenruder des Schiffes das Hakenkreuz als Symbol deutscher Weltgeltung. Ueberall wird noch letzte Hand angelegt, werden von den Monteuren die letzten Versperrdrähte nachgezogen und die letzten Pinselstriche über die aluminiumfarbene Haut geführt. Am Dienstagnachmittag hatten die Vertreter der deutschen Presse Gelegenheit, den Luftriesen eingehend zu besichtigen. An der Besichtigung nahm auch Reichshauptamtsleiter Dreoler teil. Direktor Dr. Eckener wies nach herzlichen Willkommensworten auf die hauptsächlichen Neuerungen des L3 130 gegenüber dem Luftschiff „Hindenburg“ hin. Die Führung durch Offiziere und Fahringenteure vermittelte, dann ein eindrucksvolles Bild von dem neuen Luftschiff und zugleich der Genialität deutscher Erfinder und Ingenieure. Die Länge des Schifses beträgt 245 Meter, sein größter Durchmesser 41,2 Meter, der Gasinhalt 200 000 Kubikmeter und die Gesamttragkraft rund 200 000 Klg. Man kann sich einen Begriff von der Weitläufigkeit der Konstruktion machen, wenn man erfährt, daß die Gesamtlänge der Gerippeträger etwa 22 Kilometer umfaßt, die Gesamtlänge des verwendeten Stahldrahtes rund 135 Kilometer und die Zahl der verwendeten Nieten etwa 5,5 Millionen beträgt. Die Außenhaut des Schiffes besteht aus einem starken, unzerreißbaren Stoffgewebe, das durch mehrere Lackanstriche wetterfest gemacht wurde. Gesamtfläche dieser Außenhaut mißt nicht weniger als rund 28000 Quadratmeter. In der Führergondel mit' dem Kommando= und Navigationsstand sind alle für die Schiffsführung erforderlichen Einrichtungen und Geräte vereinigt. Ueber den ziemlich schmalen Laufsteg gelangt man in das Innere des Luftschiffes. Inmitten eines Labyrinths von Drähten und Drahtverspannungen bemerkt man riesige Wassertonnen, die je etwa 2500 Liter fassen und hauptsächlich zum Ballastausgleich dienen. Das Traggas wird in 16 einzelnen Gaszellen mitgeführt, die aus nach einem besonderen Verfahren hergestellten gasdichten Stoff bestehen. 14 Zellen sind mit Ueberdruckventilen versehen, die in einen senkrechten(gleichzeitig der Entlüftung des Schiffsinnern dienenden) Luftschacht ausmünden. Die Gesamtfläche des verarbeiteten Zellenstoffes wird mit 57000 Quadratmeter angegeben. Wir schreiten den Laufsteg entlang und werfen jetzt einen Blick in die wohnlich eingerichteten Mannschaftsund Offiziersmessen sowie die zweibettigen Schlafkammern der einschließlich des Kommandanten und der Offiziere aus 45 Köpfen bestehenden Besatzung. Die Fahrgasträume sind— wie beim„Hindenburg“— in den eigentlichen Schiffskörper eingebaut. Die Gesellschafts= und Speiseräume sind von vornehmer Gediegenheit und verbinden in vorbildlicher Weise das Angenehme mit dem Nützlichen. Der mittschiffs erhöht liegende Speisesaal ist in grauem und lindgrünem Ton gehalten und mit bequemen Ledersofas ausgestattet. Die neuartige Anordnung der 20 Kabinen, die für 40 Fahrgäste bestimmt sind, ermöglicht es, dem größeren Teil der Schlafkammern durch Außenfenster direktes Tageslicht zuzuführen. Alle Schlafräume sind mit elektrischem Licht und fließendem Wasser ausgestattet; neu ist auch, daß sie nicht mehr Nummern, sondern Namen deutscher Städte tragen, die mit dem Zeppelin=Gedanken irgendwie besonders verbunden sind. Zum Vortrieb des Luftschiffes werden vier Daimler= Benz=Diesel=Motoren von je 800 bis 850 PS. Dauerleistung(1200 PS, Hilfsleistung) benutzt. Die größte Geschwindigkeit des Schiffes beläuft sich auf 135 Std.= Klm., die Marschgeschwindigkeit durchschnittlich auf 125 Std.=Klm. Eine Neuerung ist der Einbau von Ballastwassergewinnern; durch sie wird aus den Abgasen der Motoren Wasser niedergeschlagen, das als Ballast zum Ersatz des Gewichtes des verbrauchten Brennstoffes dient. Diese Neuerung trägt wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit des Fahrbetriebes bei. Am Mittwochfrüh um 7,15 Uhr sand die Tause des neuen Luftschiffes 93 130 statt. Es erhielt den Namen„Graf Zeppelin“. Dazu hatte sich in der Halle neben der Gefolgschaft ein kleiner Kreis geladener Gäste, darunter Graf von Brandenstein=Zeppelin und der Luftschiffreferent im Luftfahrtministerium, Oberst Breithaupt, eingefunden. Dr. Eckener hielt eine kurze Ansprache. Es sei Sitte, jedem Luftschiff, bevor es aufsteige, einen Namen zu geben. Eln altes Sprichwort laute:„Nomen est omen“. Deshalb soll das neue Luftschiff im Jahre des 100.Geburtstages des Grafen Zeppelin dessen Namen erhalten, als Ersatz für das alte Luftschiff„Vraf Zeppelin“, das sich so glänzend bewährt habe. Während dann die Hülle, die den Namen„Graf Zeppelin“ bisher verdeckt hatte, weggezogen wurde, nahm Dr. Eckener die Tause, wie es üblich ist, mit flüssiger Luft, vor. Nachdem sodann die Besatzung von 35 Mann von der Werft sich an Bord begeben hatte, wurde das Luftschiff 7,40 Uhr zum Osttor hinausgezogen. 7,52 Uhr fielen die Haltetaue. und langsam stieg das Schiff unter dem Beifall der Anwesenden empor. Es nahm Richtung gegen Westen, wo es alsbald im Morgendunst verschwand. An Bord befinden sich Dr. Eckener, der die Führung des Luftschiffes übernommen hat, ferner Chefkonstrukteur Dr. Dürr sowie 71 Mann. Die erste Werkstättenfahrt wird voraussichtlich acht Stunden dauern. Die Landung erfolgt auf dem Flugplatz in Löwental. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ berührte am Mittwoch um 13,30 Uhr auf seiner ersten Werkstättenfahrt auch Nürnberg. Bei der Fahrt über die noch im festlichen Reichsparteitagsschmuck prangende Altstadt jubelten die vielen Tausende von Menschen dem Luftriesen freudig überrascht zu. Das Luftschiff setzte seine Fahrt in westlicher Richtung fort. Das Luftschiff hatte vorher von Friedrichshafen aus das Bodenseegebiet, das Allgäu und das schwäbischbayerische Oberland überflogen. Gegen Mittag hatte es München erreicht, über dem es in 150 Meter Höhe eine große„Schleife zog und etwa 20 Minuten kreuzte. Die Bevölkerung verfolgte mit Bewunderung. Ueberraschung und Freude das majestätische Schauspiel. Ueberall fiel das geringe Motorengeräusch des„Graf Zeppelin“ auf, das im Lärm des Großstadtverkehrs fast unterging. In Friedrichshafen wieder gelandet Friedrichshafen, 14. Sept. Das neue Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist am Mittwoch, 16.40 Uhr, von seiner ersten Werkstättenfahrt über Friedrichshafen zurückgekehrt und ist um 17,30 Uhr auf dem Flugplatz Löwental glatt gelandet. „Japan steht auf seiten Deutschlands“ Der Sprecher des japanischen Auswärtigen Amtes stimmt der Führerrede zu. Tokio, 14. Sept.(Ostasiendienst des DRB.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes brachte zur Fürerrede die vollste Anerkennung und Zustimmung Japans zu den Forderungen des Führers für das Recht der Sudetendeutschen zum Ausdruck. Japanischerseits wird gleichzeitig die Rolle der Komintern im Hintergrund auch dieser europäischen Krise unterstrichen. Es sei zu hoffen — so heißt es in der Erklärung—, daß die Großmächte England und Frankreich die unterirdische Wühlarbeit der Komintern im Interesse des Weltfriedens endlich erkennen und entsprechend bewerten mögen. Japan sei jederzeit bereit, mit Deutschland und Italien seine Kräfte zu vereinigen zum Kampf gegen die bolschewistischen Machenschaften und Intrigen. Die Forderung des Führers— so heißt es weiter— bedeute hinsichtlich der Behandlung der Sudetendeutschen mit einem Wort die gerechte Lösung, für die das javanische Volk nur Bewunderung und Sympathie kenne. Der Wunsch der Sudetendeutschen. ihre Zukunft selbst zu bestimmen, sei durch das Friedensdiktat von St. Germain zunichte gemacht worden. In St. Germain habe man die Saat für die augenblicklichen Schwierigkeiten gesät. Die Erklärung des Sprechers des Auswärtigen Amtes hat in der japanischen Presse stärksten Widerhall gefunden. Alle Blätter unterstreichen die große Bedeutung dieser Erklärung und machen sich die Stellungnahme des offiziellen Japan ausdrücklich zu eigen. Sie heben sämtlich ohne Ausnahme hervor, daß Javan dem befreundeten Deutschen Reich bei seinem Kampfe für das Lebensrecht der Sudetendeutschen vollsten Erfolg wünscht und allen feindlichen Machenschaften, woher sie auch immer kommen mögen, energisch entgegentreten wird. Die einzige logische Lösung! Späte Genfer Erkenntnisse. Paris, 14. Sept. Der Genfer Berichterstatter des Matin“ unterstreicht, daß man in Genfer Kreisen eine Volksbefragung im sudetendeutschen Gebiet als einzige Lösung des Problems betrachte. Der Berichterstatter des Blattes gibt im Anschluß daran die beschwörende Frage enes Genfer Vertreters wieder, ob man der einzig logischen Lösung. die eine Volksbefragung darstelle, etwa den Rücken kehren werde? Diese Lösung entspreche der Ideologie der Liga. und das sei mehr wert, als wenn man in Europa eine Art Palästina schaffen wollte. Schon 3000 Gudetendeutsche nach Deutschland geflüchtet Schwaderbach von tschechischem Militär eingeschlossen. Klingenthal(Erzgebirge), 14. Sept. Der größte Teil der Bevölkerung des sudetendeutschen Ortes Schwaderbach, das unmittelbar an der Grenze liegt, ist heute vor anrückendem tschechischen Militär über die Grenze auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet und befindet sich in Sachsenberg=Georgenthal. Am Dienstag hat bekanntlich in Schwaderbach vor dem Zollamt die Gendarmerie von der Arbeit heimkehrende Arbeiter beschossen. Dabei wurde ein Zollbeamter durch ine verirrte Kugel getötet. Bei der Erwiderung des miers durch die Zouwache erhielt ein Gendarm einen tödlichen Schuß. Der Vorfall hat dazu geführt, daß tschechische Polizei und tschechisches Militär den Ort von drei Seiten eingeschlossen und angekündigt haben, daß die Bevölkerung mit Tränengas ausgeräuchert werden wurde. Daraufhin sind die meisten Familien auf deutsches Gebiet geflüchtet. In Breitenbach, einem sudetendeutschen Dorf, das in der Nähe der deutschen Grenze bei Johanngeorgenstadt liegt, ist es am Dienstag ebenfalls zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen, bei denen die Polizei schließlich den Ort verlassen mußte. Als sie heute mit großer Verstärkung zurückkam und sofort eine wilde Schießerei eröffnete, flüchtete fast die gesamte Bevölkerung auf deutsches Gebiet. Nach den bisherigen Meldungen schätzt man die Zahl der nach Reichsdeutschland übergetretenen Sudetendeutschen auf insgesamt etwa 3000. Verhaftungswelle im Eudetendeutschland Deutsche werden zum tschechischen Militärdienst gezwungen. Eger, 14. Sept. Im gesamten sudetendeutschen Gebiet hat am Mittwochnachmittag eine Verhaftungswelle von sudetendeutschen Amtswaltern begonnen. Zur Verhaftung wurde nicht nur Gendarmerie sondern auch bewaffnete rote eMehr eingesetzt, die von der Gendarmerie als Hilfspolizisten aufgeboten wurde. Die Amtswalter wurden dabei in zahlreichen Orten den bestialischsten Mißhandlungen ausgesetzt. Ebenso ist eine große Zahl von Sudetendeutschen durch Anwendung von Polizeigewalt zwangsweise zum Militär eingezogen, sofort eingekleidet und dann in tschechische Gebiete abtransvortiert worden. Für den Fall von Fluchtversuchen wurde ihnen mit sofortiger Erschießung gedroht. Der englische Geschäftsträger beim italienischen Außenminister Rom, 14. Sept. Der englische Geschäftsträger ist am Mittwochabend vom italienischen Außenminister empfangen worden. Die Unterredung, die aus englischen Wunsch erfolgte und etwa eine halbe Stunde dauerte, galt— wie allgemein angenommen wird— der sudetendeutschen Frage. Der tschechische Rundfunk lügt 16 Tote und über 200 verletzte Sudetendeutsche ohne Habersbirk.— Erklärung von sudetendeutscher Seite. Eger, 14. Sept. Der tschecho=slowakische Rundfunk hat am Mittwochabend eine Erklärung zu den schweren Zwischenfällen ausgegeben, in der er behauptet, daß bisher 23 Todesopfer zu verzeichnen seien, davon 13 Tschechen und 10 Sudetendeutsche. Ferner seien 75 Personen verletzt worden, davon nur 14 Sudetendeutsche. Von sudetendeutscher Seite wird dazu erklärt, daß es sich hier um eine gerissene und geradezu empörende Fälschung handele. indem von tschechischer Seite eine ganze Reihe von Mitgliedern der Sudetendeutschen Partei, die erschossen worden seien, einfach als Tschechen reklamiert würden, weil sie tschechische Namen trugen. Es sei aber bekannt, daß im Gebiet der Tschecho=Slowakei der Name selbst keinen Rückschluß auf die Nationalität zulasse und es eine Fülle u. a. auch von führenden Tschechen gebe, die rein deutsche Namen tragen. In Wirklichkeit habe das Sudetendeutschtum ohne die Vorfälle von Habersbirk bereits 16 Tote zu verzeichnen, während auf seiten der Tschechen bisher 7 Tote zu verzeichnen seien, von denen 2 von tschechischen Augeln getötet worden seien, während bei 5 Toten die Todesursache ungeklärt sei. Im übrigen müsse noch einmal ausdrücklich festgestellt werden, daß die Bevölkerung infolge der strengen Waffenbestimmungen garnicht im Besitz von Waffen sein konnte und nur in den Orten sich in den Besitz von Waffen gesetzt hat, wo als Akt der Notwehr nach schweren Terroraktionen der Gendarmerie die Gendarmeriestationen von der empörten Bevölkerung besetzt worden seien. Die Zahl der Verletzten auf sudetendeutscher Seite betrüge über 200, von denen ein großer Teil sehr schwer, zum Teil lebensgefährlich verletzt worden sei. Die Terrorisierung der Bevölkerung, insbesondere einer Reihe von Grenzorten, halte an. Die Stimmung würde durch rücksichtslose Einziehung der Sudetendeutschen zum tschechischen Militär mit ganz kurzfristigen Gestellungsbefehlen noch verschärft. Arabische Zustimmung zur Führer=Rede Der Zustand in Palästina zutreffend gekennzeichnet. Jerusalem, 14. Sept. Die bekannte arabische Zeitung „Falastin“ gibt heute einen Kommentar zur großen Rede des Führers auf dem Parteitag. Das Blatt führt aus. daß die Staatsmänner der autoritären Staaten die Lüge der Demokratien von dem angeblich gewährten Selbstbestimmungsrecht der Völker klar und unmißverständlich zurückwiesen. Der Führer habe den Zustand in Palästina so genannt, wie er in Wirklichkeit sei. Die Behauptung Englands sei dagegen nicht wahr, wenn es sage. 52 Staaten hätten ihre Zustimmung zu dem Mandat über Palästina erteilt. Die ewige Gerechtigkeit erfordere, daß man nun endlich auch von dem Recht der arabischen Nation spräche. Araber zum Tode verurteilt Wieder eine Hinrichtung in Akko Haisa, 14. Sept. Das britische Militärgericht verurteilte einen Araber wegen Waffentragens zum Tode. In Akko wurde ein vom beitischen Militärgericht verurteilter Araber hingerichtet. Jerusalem, 14. Sept. In der Nähe von Safed wurde ein Jude erschossen aufgefunden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Straßenkampf in Bethlehem Jerusalem. 14. Sept. In der Nacht zum Mittwoch drangen in Bethlehem arabische Freiheitskämpfer ein. Sie griffen die Polizeistation an. die sie ebenso wie das Postgebäude vor ihrem Abzug in Brand steckten. Um den schnellen Einsatz von Militär zu verhindern, hatten sie auf den Zufahrtsstraßen große Barrikaden errichtet. die ihren Zweck erfüllten. Beim Eintreffen des Militärs waren die Freischärler bereits abgezogen. In Bethlehem wurde während der ganzen Nacht heftiges Schießen aus südwestlicher Richtung gehört. auskommende Material nahm jedoch keinen größeren Umsang an. Im allgemeinen bewegten sich die Kursrückgänge zwischen 1 und 2 Prozent. Zu den eomäßigten Kursen zeigte sich vereinzelt wieder Kau neigung. In der zweiten Börsenstunde war das Geschäft still bei leicht abbröckelnden Kursen. Montanwerte standen stärker unter Druck. so wurden Ver. Stabl 2¼. Mannesmann 1¾. Rheinstahl 1¾ und Erdöl 1¾ Prozent niedriger umgesetzt. Rheinmetall gaben ½. Demag zirka 3 Prozent nach. Farbenaktien setzten ¾ Prozent niedriger ein und gingen im Verlause um weitere X Prozent zurück. Elektrovaviere bei Umsätzen in Siemens und Schuckert abgeschwächt. Interesse bestand für RWE., die mehrfach unter kleinen Schwankungen verkehrten, später jedoch eine Kleinigkeit nachgaben. Wintershall waren 2 Prozent gedrückt. Kaufhof angeboten und 3½ Prozen: niedriger. Warenmärkte Hamburger Warenmarkt. Reis: Eine Veränderung des sehr ruhigen Inlandsgeschäftes ist nicht eingetreten, Auch für den Exvort ließen sich noch keine neuen Abschlüsse buchen. Preise unverändert. Baumwolle: Ruhig. Suverfine 3.70. Fine Oomra 4.80 d. Kaffee: Die Umsatztätigkeit am Platze und nach dem Inlande konnte sich auf Grund erfolgter Zuteilungen in Santos=Kaffees recht lebhaft gestalten. während im Transit eher eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten ist. Preise unverändert. Schmalz: Stetig. unverändert. Fettwaren: Unverändert. Hülsenfrüchte: Bei unverändert fester Grundstimmung kommt es im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mengen zu weiteren Abschlüssen auf bisberiger Preisbasis. Besonders begehrt sind weiterbin Bohnen Kautschuk: Still. Sheets loco 7 15/16 nom., Okt. Nov. 8 nom., Nov.(Dez. 8 1/16 nom. Zucker: Effektivmarkt: Bei stetiger Tendenz lauten die Forderungen sowohl für Tschechen=Zucker als auch für British fine Granulated weiter erhöht. Tschechen=Kristalle Feinkorn per Sept. 7/3¾. Nov.(Dez. 7/5¼ sb für 30 Kilogramm brutto für netto fob Hambura. British fine Granulated per Sept. Okt. 7/2¼ sh für 1 ewt. netto fob London.— Terminmarkt: Die Tendenz ist unverändert stetig. die Preise zogen zumeist um 5 bis 10 Pfg. an. Oele und Fette: An der ruhigen Marktlage hat sich auch heute nichts geändert. Die Preise zeigen kaum eine Abweichung. Lediglich Leinöl zur Abladung wird etwas fester genannt. Holl. Leinöl Okt.(Dez. 17¼. Jan. Avril 17¼ hfl für 100 Kilogr.— Uebriges unverändert. Gewürze: Umsatzmäßig blieb die ruhige Grundtendenz erhalten. Preise unverändert. Rauhfutter: Ruhig. unverändert. Kakaohalbfabrikate: Bei Kakaohalbfabrikaten hält die starke Nachfrage besonders für Kakaopulver unvermindert an. aber auch Kakaobutter und Couvertüre sind weiter begehrt. Robkakao: Schwächer. Das deutsche Inlandsgeschäft ist immer noch sehr ruhig. Die Forderungen sowohl für kurante Sorten als auch für Edelkakaos lauten heute weiter ermäßigt. Pferdesport Rennen zu Krefeld. 1. Preis von Kalkar: 1. Schutzhoheit(J. Starosta). 2. Nullus. 3. Esther, 4. Widerspruch. Tot.: Sieg 111. Platz 18. 13., 17, 13. Ferner: Gerro. Adjunkt. Alexander. Gutsherr. Gong. Antoinette, Si Si. Fernruf. La. ¼— 18—1/2. EW. 380. 2. Rheinberg=Jagdrennen: 1. Goldhawk(W. Wolff). 2. Lord. 3. Zelina. Tot.: Sieg 69. Platz 13, 11, 12. Ferner: Maiglöckchen, Thammo. Hasadeur. Goldkirsch. Lg. 3—22— 10. EW. 136. 3. Wilhelm=Jentges=Rennen: 1. Barsdorf(I. Vinzenz), 2. Thrönfolger. 3. Guernika. Tot.: Sieg 26. Platz 20. 19. Ferner: Forstgraf. Manzanares. Lg. 2—2—4. EW. 94. 4. Preis von Kempen: 1. Bronceluster(F. Schönfisch), 2. Stromer, 3. Sense. Tot.: Sieg 61. Platz 13. 12. 17. Ferner: Mario. Natango. Feldmesser. Virgilius. Lg. 3—½—3. EW. 132. 5. Moerser=Jagdrennen: 1. Athenerin(Sauer). 2. Sonny Boy, 3. Freiheitslied Tot.: Sieg 25. Platz 18. 14. Ferner: Segelflug. Lg. 8—12—W. EW. 84. 6. Preis von Geldern: 1. Perbellina(H. Richter), 2 Ilmenau, 3. Höllenfahrt. Tot.: Sieg 40. Platz 13. 14. 15 Ferner: Berna. Blumengöttin. Melgenis. Baoul. Ma Clochette, Faland. Lg. 5—2½—K. EW. 164. 7. Preis von Xanten: 1. Norne(H. Richter), 2. Lau fir. 3. Armada, 4. Fatima. Tot.: Sieg 201. Platz 27 14, 17, 26. Ferner: Boreas. Mauriza. Romantik. Hochmeister. Fechter, Gamin. Florian Geyer. Ottorico. La. 3—2—1½. EW. 662. Rennen zu Chantilly. 1. Rennen: 1. Maitre Godiche(F. Herve). 2. Le Mufti. 3. Clotilde. Tot.: Sieg 200. Platz 45. 29. 18. Ferner liefen 8 Pferde. Lg. 1—¼—5. 2. Rennen: 1. Talma(C. H. Semblat), 2. Eridan. 3. Pocket Avollo. Tot.: Sieg 60. Platz 14, 11. Ferner liefen 2 Pferde. Lg. 1½—9—¾. 3. Rennen: 1. Turbulent(G. Dusorez). 2. Saut# Ruisseau, 3. Anasthase 2. Tot.: Sieg 22. Platz 14. 30. 25. Ferner liefen 6 Pferde. La. K—2—5. 4. Rennen: 1. Ibycus(G. Duferez), 2. Lord Bob. 3. La Canee. Tot.: Sieg 52. Platz 26. 23. Ferner liefen 2 Pferde. Lg. ½—K5—4. 5. Rennen: 1. Atalanta(C. Elliot). 2. Shrift), 3. Son Amphore. Tot.: Sieg 91. Platz 87. 31. 77. Ferner liefen 9 Pferde. Lg. 2—4—4 6. Rennen: 1. Aquilina(G. Duforez), 2. Tana. 1 oucarmont. Tot.: Sieg 51. Platz 24, 25. 28. Ferne iefen 7 Pferde. Lg. ¼—2—¾. 16 Wie wird das Wettes? Wechselnd bewölkt. Ein verbreiteter Tiefdruckwirbel über Nordskandi navien führt unserem Gebiet verschiedenartige Luftmassen zu. Bei wechselnder Bewölkung sind nur stellenweist einige Regenfälle zu erwarten. Die Temperaturen ent sprechen der Jahreszeit. Vorhersage für Donnerstag: Bei mäßigen nördlichen Winden wechselnd bewölkt, nur vereinzelt schwachen Regen. Temveraturen wenig verändert. Für Freitag: Wie Donnerstag. Weiterentwicklung: Unverändert. Rundfunk=Programm Donnerslag, den 15. September 1938 600 Morgenlied— Wetterbericht. 4.05 Durchsprüche für den Bauern. 7.10 Knie—e beugt! 610 Freut euch des Lebens! 6.55 Morgenlied— Morgenruf. 7.00 Nachrichten. 7,10 Frühkonzert. 8.00 Wetter. Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10 Frauenturnen. 2.30 Ohne Sorgen— jeder Morgen. 9.30 Warum klappt die Sache nicht immer? 9.15 Nachrichten. 10.00 Volksliedsingen. 11.45 Oelquellen in der Landwirtschaft. 11.55 Wetterbericht für die Landwirtschaft. 12,00 Mittagskonzert. 1. Auber: Ouvertüre zur Oper„Der schwarze Domino“, 2. Grieg: a) Norwegischer Tanz: b) Hochzeitstag auf Troldhaugen. 3. Donizetti: Melodien aus der Over„Lucia von Lammermoor“, 4. A. Järnefeldt: Präludium. 5. Humverdinck: Lied der Zwerge aus„Schneewittchen“. 6. Strauß: Thermen=Walzer, 7. Tschaikowsky: Romanze, 8. Spies: Reigen. 13.00 Nachrichten— Glückwünsche. 13.15 Mittagekonzert=Fortsetzung. 9. Suvve: Paragraph 3. 10. L. Ganne: Schön Japan, 11. Pachernegg: Erzherzog Johann. Suite: a) Hochzeitsmarsch: b) Steirische Ländler: c) Steierische Volksweise: d) Lustiger Tanz. 12. Ketelben: Silberwolke, 13. Bähre: Unfre Kleinsten exerzieren. 14. Povien: Ruhrgeister. 15. Bund: Im Gleichschritt. 14.00 Nachrichten. 14,10 Melodein— aus Köln am Rhein. 15.00 Das gute Buch. 15.20 Kleine Zwischenmusik. 15.45 Dao Recht des Alltags. 16.00 Nachmittagskonzert ausgeführt vom Kölner Rundsunkorchester. 1. Bülow: MazurkaFantasie. 2. Bungert: Deutsche Reigen, 3. Humverdinck: Hellafest und Kinderreigen. 4. Berlioz: a) Sylven=Tanz. b) Tanz der Irrlichter. 5. Dvorak: Slawische Tänze, 6. Granados: Zwei spanische Tänze. 7. Tschaikowsky: Walzer aus„Dornröschen“. 8. Liszt: Chromatischer Galopp. 17.00 Der Erzähler. 17.10 Beliebte Ouvertüren(Schallvlatten). 18.00 Vor seouts und HJ. Kameradschaftsabend in der Jugendberberge Welver. 18.30 Kleines Konzert. 1. Händel: Chaconne für Harse. 2. Hoffmann: Harfenquintett. 19.00 Unterhaltungskonzert. Es spielt das Kölner Rundsunkorchester. 1. Weber: Ouvertüre zur komischen Oper„Abu Hassan“. 2. Grieg: Gebet und Tempeltanz. 3. Leoncavallo: Melodien aus der Oper„Der Bajazzo“, 4. Lanner: Die Werber. 5. a) Micheli: Küsse im Dunkeln: b) Drdla: Pagode. 6. Smetana: Suite aus der komischen Over „Die verkaufte Braut". 7. Dvorak: Slawische Tänze Nr. 2 und 1. 19.50 Vom Tage. 20.00 Nachrichten. 20,10 Tanzmusik. Es spielt Eysoldt mit seinem Großen Tanzorchester. 20.50 Denken Sie noch daran? 21,00 Ländliche Hochzeit. 22.00 Nachrichten. 22.15 Kleine Zwischenmusik. 22.30 Volks= und Unterhaltungsmusik. 24,00—3,00 Nachtkonzert. Freitag, den 16. September 1938 6.00 Morgenlied— Wetterbericht. 6.05 Durchsprüche für den Bauern. 6.10 Knie—e beugt! 6.30 Freut euch des Lebens! 6.55 Morgenlied— Morgenruf. 7,00 Nachrichten. 7.10 Frühkonzert. 8.00 Wetter. Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10 Frauenturnen. 8.30 Morgenmusik. 9.30 Um Nadel und Faden— und was damit zusammenbängt. 9.45 Nachrichten. 10.00„Johann Nikolaus Dreuse“. Der Waffen. schmied aus Thüringen. 10.30 Reichssendung: Kampfspiel=Ergebnisse der 5J.=Kämpfe und die Lehren daraus. 1.45 Das Herdbuch in der Ziegenzucht. 11.55 Wetterbericht für die Landwirtschaft. 12.00 Mittagskonzert. 1. Berlioz: Ouvertüre „Beatrice und Benedikt“. 2. Rimski=Korssakow: Fantasie für Violine und Orchester. 3. Niemann: Vier alte Tanzstücke für Streichorchester. 4. Giordano: Melodien aus der Oper„Andrea Chenier". 5. Liszt: Tanz in der Dorfschenke. 13.00 Nachrichten— Glückwünsche. 13.15 Mittagskonzert(Fortsetzung). 6. Gebhardt:„Das Fest der Infantin". 7. Grimne: Kleines Intermezzo. 8. Suppé: Melodien aus der Overette„Boccaccio". 9. Lehar: Walzer aus der Overette„Zigeunerliebe“. 10. Komzak: Erzberzog=Albrecht= Marsch. 14.00 Nachrichten. 14.10 Melodein— aus Köln am Rhein. 15.00 Aus westdeutscher Heimat. 16.00 Nachmittagskonzert. 1. Suppé: Ouvertüre zu der Overette„Pique Dame“. 2. Strauß: Csardas aus der Ballettmusik„Ritter Pasman“. 3. a) Leut: Es leuchten die Sterne. b) Buder: Die Liebe ist das Element des Lebens. 4. E. Bayer: Melodien aus dem Ballett„Die Pupvensee“. 5. de Micheli: a) Intermezzo capriccioso. b) Kindertanz 6. Krüger=Hanschmann: Südseefahrt. 7. Damp: Von der Waterkant: a) Schlichte Weise. 5) Im Fischerkrug. 8. Strauß: Ouvertüre zu der Overette„Indigo und die vierzig Räuber“. 9. Plessow: Melodien aus der Overette„Die Hochzeitsreise“. 10. a) Doelle: Zähle nur die Stunden. b) Otten: Der schmucke Jägersmann. 11. Lebar: Fürstenkind=Walzer. 12. Lautenschläcer: Spanisches Liebeslied. 13. Millöger: Marietta Mazurka. 14. Suppe: Boccac##oMarsch. Darin: 17.00—17.10 Der Erzähler. 18.00 Der Sommer ging über das Land. 18.45 Unterhaltsame Cembalomusék. 19.00 Lied der Gemeinschaft. Eine Gemeinschaftssendung der drei HJ=Gebiete Westfalen. Ruhr=Niederrhein. Mittelrbein. 19.50 Vom Tage. 20.00 Nachrichten. 20.15 Serenadenabend. Ausführende: Das ölner Rundfunk=Orchester und der Rundiunkchor. 1. Schubert: Ouvertüre C=Dur im italienischen Stil. 2. Grabner: Serenade für Orchester. 3. Niels=Gade: Beim Sonnenuntergang. 4. Grovermann: Heitere Tanzzene. 5. Kunkel: Romanze für Engl.orn und Orchester. 6. Reuter: Serenade für Orchester. 7. Mozart: Spielmanns=Stendchen für Chor und Bläser. 8. Weber: Froher Mut. aus„Preziosa“. 21.15 Adolf Hitler:„Mein Kampf“. Halotamtsleiter Pg. Baur spricht anläßlich der Vier=Millionen=Auflage des Führerbuches. 21.30 Stunde des Soldaten. Darin: Wo bist du. Kamerad? 22.00 Nachrichten. 22.15 Zwischenmusik. 22.30 Tanz und Unterhaltung 24.00—3,00 Nachtmusik. Neusel— Lazek diesmal um den Titel Europameilterichaftskampf im Schwergewicht. Zum zweiten Male innerhald von zwei Monaten stehen sich die beiden deutschen Schwergewichtler, Europameister Heinz Lazek(Wien) und Walter Neusel(Bochum) gegenüder. Während aber die Stuttgarter Begegnung ohne höheren Einsatz ging, wird morgen in Wien um den Europatitel des Wieners geboxt. Der Kampftag auf dem Platz des Wiener Eislaufvereins, der 20000 Zuschauer saßt, wird sicherlich großen Zuspruch finden, denn es ist durchaus nicht sicher, daß Neusel seinen Punktsieg von Stuttgart wiederholt. Lazek hat diesen Gegner nunmehr kennengelernt, und wird sich auf den unorthodoren Kampfstil des Westfalen besser einstellen können. Es hat sich in Stuttgart gezeigt, daß Neusel die rechten Konter des Wieners sehr unangenehm waren und Lazek ist ehrgeizig und stark genug, um eine Ueberraschung zu bringen. Ob Neusel in diesem 15-Runden=Gefecht sofort auf Angriff ausgehen wird, muß abgewartet werden, denn der schnelle Wiener kann ihn über die lange Distanz frühzeitig außer Atem bringen. Die größere Erfahrung des Westfalen, sein energisches Zermürben des Gegners geben ihm die besseren Aussichten in diesem Kampf. Im Rahmenprogramm trifft der starke Wiener Ro mus auf den Südafrikaner James Britt, der für den manchmal etwas überhasteten Wiener recht gefährlich sein kann. Der deutsche Leichtgewichtsmeister Karl Blaho kämpft gegen den guten Schotten Angus McGregor, der in England sehr schöne Siege errungen hat, und von dem Techniker Blaho nicht mit einer Hand zu schlagen ist. Weiter boxen der Frankfurter Jost gegen Herrmann, Hampeis gegen Sweder und schimek gegen Albert. Kreitz gegen Witt in Königsberg. Karl Beck verkeidigt seinen Titel gegen Schiller. Erstmalig finden am kommenden Samstag Berufsboxkämpfe in Königsberg statt. Mit einem hervorragenden Kampfprogramm soll das sportlich so wertvolle ostpreußi sche Gebiet erschlossen werden, und man darf— zumal auch Max Schmeling sein Erscheinen zugesagt hat— mit einem glänzenden Besuch in der„Kraft durch Freude"Halle rechnen. Im Hauptkampf treffen sich Adolf Witt(Kiel) und der Aachener Jean Kreitz in der Endausscheidung zur deutschen Halbschwergewichtsmeisterschaft. Der erst 24 Jahre alte Witt, ein Kämpfer von Format und und Härte, wird alles daransetzen, um seinen Revanchekampf gegen Europameister Adolf Heuser zu dekommen. Auf Herz und Nieren wird da der 19jährige Jean Kreiß geprüft, der vorsichtig aufgebaut wurde und wirklich hervorragende Kämpfe geliefert hat. Wie stark dieser Kreitz zuschlagen kan, beweist sein Sieg über den eisenharten Nice Droog. Nunmehr aber muß er beweisen, daß er auch schwere Treffer einstecken kann. Der Düsseldorfer Karl Beck verteidigk im Federgewicht seinen Meistertikel gegen den Hannoveraner Hans Schiller. Der Rheinländer ist technisch seinem Gegner überlegen und könnte als sicherster Favorit zwischen die Seile klettern, wenn er manchmal etwas temperamentvoller wäre. Schiller muß schon eine große Leistung zeigen, wenn er Beck gefährden will. Das Nahmenprogramm bringt einen Kampf zwischen dem Königsberger Schwergewichtler Fritz Knor: und dem Sounger Erwin Klein, der sellem Gegltet un Erfahrung überlegen ist. Im Mittelgewicht doxen Bruch(Berlin)— Balkowitsch(Wien) Wiskandt(Königsberg)— Wielsch(Breslau) und Schmidt(Kiel)— Stein(Vonn). Rutz forder! Der französische Schwergewichtsmeister Cherles Rutz hat über die 3B1 eine Herausforderung an Eurovameister Heinz Lazek(Wien) gerichtet. Vorher hat Lazek aber am 16. September seinen Titel noch gegen Walter Neusel(Bochum) zu verheidigen. Rutz hat in seinem letzten Kampf in Paris gegen Francis Jacques nicht viel gezeigt, vielleicht gelingt es ihm, am 25. September in Düsseldorf, wo er be kanntlich auf Paul Wallner trifft, sich besser für einen Ti telkampf zu empfehlen. SS B Rückständige Pokalspiele. Am 18. Sepkember tragen PfB Stutlgark und 1. Ulm ihre rückständigen Pokalspiele aus. Nur Hapgood berücksichtigt. Englands Fußball-Mannschaft, die am 21. Septemder in Belfast gegen Irland antreten muß, wurde jetzt aufgestellt. Merkwürdiger Weise arbeiteten zwei Kommissionen an der Zusammenstellung dieser Elf, in der von den Meisterschaftsspielern der Arsenal nur der Verteidiger und und Kapitän Hapgood berücksichtigt wurde. Die Mannschaft lautet: Woodlen(Chesea); Sproston(Tollenham Hotspurs— Hapgood(Arsenal); Willingham(Huddersfield Town)— Cullis(Wolverhampton Wanderers)— Welchs(Charlion Athletic); Matthews(Stoke City)— Robinson(Sheffield Wednesday)— Lawton(Everton)— Goulden— Morton (beide Westham United). Auf= und Abstleg 1938•39 in Weslsulen. Nach den Ausführungsbestimmungen wird der Auf- und Abstieg 1938/39 in der Gauliga und Bezirksklafe Westsalens wie folgt vorgenommen: Aus der Gauliga steigen die beiden letzten Mannschaften zur Bezirksklasse ab, zwei Mannschaften der Bezirksklasse rücken zur Gauliga auf. Aus den sieben Gruppen der Bezirksklasse werden zwei Abteilungen gebildet. Der ersten Abteilung gehören die Sieger der Gruppen Bochum, Gelsenkirchen, Münster und Siegerland an, die zweite Abteilung setzt sich aus den Siegern der Gruppen Dortmund, Minden und Sauerland zusammen. Die Aufstiegsspiele werden in einer Doppelrunde(Hin- und Rückspiel) durchgeführt. Die beiden Gruppensieger steigen dann zur Gauliga auf. In den Kreiklassen bleibt es wie lm letzten Jahr. Also steigen in der 1. Kreisklasse von den vier Gruppenmeistern wiederum drei auf. Hoffentlich gehört ein Herner Verein zu ihnen. FIFA-Ausschuß tagte in Basel. Das Dringlichkeits-Komitee des internationalen Fußball-Verbandes setzte auf seiner Sitzung in Basel eine Kommission ein, welche die Vorbereitungen für das Spiel England— Kontinenr am 26. Oktober in London zu treffen hat. Die Kommission besteht aus Mauro (Italien) als Präsident, Pelikan(Tschecho-Slowakei) und Lotsy(Holland). Der schweizerische Schiedsrichter. Unparteiischer im Länderkampf Deutschland— Polen in Chemnitz ist der bekannte schweizerische Schiedsrichter Hans Wüthrich, der große Spiele wiederholt mit bestem 100 Boleromantel, eine modtsche Neuheit. Schwarzer Wollstof mit Persianer. Ultra=Schnitt M 2743 U snd wenn ein noch so schöner Herbst über den scheidenden Sommer hinwegtäuscht, es kommen doch Tage, an denen uns ein warmer Mantel unentbehrlich wird. Schon jetzt trägt man mit Vergnügen einen der neuen losen Schlupfmäntel, die so weit gehalten find, daß man sie bequem über sein Jackenkostüm ziehen kann. Blasen die rauhen Winde erst von Norden oder Osten, ist es gut, einen pelzbesetzten Mantel in Bereitschaft zu haben. Schöne, breite, mit Pelz umrandete Aufschläge sind als diesjähriges Kennzeichen an vielen neuen Mänteln aus dicken Wollstoffen anzutreffen. In welliger Linie gibt der weiche Pelz diesen Mänteln eine üppige Note, auch wenn der Kragen im Nacken nur schmal ist und sich weit von der umfangreichen Größe verflossener Pelzkragenungetüme entfernt, m die wir uns früher bis über die Ohren vergruben. Seltener nur legt sich noch mal ein großer Fuchs schmeichelnd um den Hals, und dann ist es vielleicht einer der neuen Samtmäntel in blusiger Machart mit weiten Bündchenärmeln, zu dem er gehört. Die Mehrzahl der ersten Mäntel für das im Herbst beginnende Winterhalbjahr begnügt sich mit schmalen Pelzröllchen. Die werden dann allerdings manchmal doppelt nebeneinander gesetzt, damit es nach mehr aussieht. Auch Taschen aus Pelz gehören zu den modischen Neuheiten, sei es, daß schmale Streifen sie betonen oder daß sie mit einem größeren Fellstück bedeckt sind. Zur Freude aller Weiblichkeit, die stolz auf ihre schlanken Beine ist, haben die Mäntel nicht an Länge zugenommen. Knapp und kurz hüllen sie uns in tailliertem Schneidersitz oder der erwähnten neueren blusigen Linie ein. Fast mehr noch als bei glockigen Rockpartien kommt diese blusige Linie obenherum zur Geltung, wenn der Mantel unten eng und gerade gestellt ist. Die Mode zeigt beide Richtungen und überläßt es den Trägerinnen sich für die eine oder die andere zu entscheiden. Es werden auch sehr neue, jugendliche Boleromäntel gebracht. Sie sind so recht etwas Loser wetter Herbstmantel aus Flausch mit sportlichen Nähten. Ultra=Schnitt M 2744 für schlanke Figürchen. Die Boleroteile enden in seitlich liegenden. Rückennähten und knöpfen vorn über dem eigentlichen Mantel. Gürtel haben ein wenig an Beliebtheit eingebüßt. Taillierte Schnitte und neuere Querteilung machen sie überflüssig. Es liegt aber im Zug der neuen blusigen Mode, daß vorhandene Gürtel enger als bisher umgeschnallt werden und so auch durchgehenden Mänteln manchmal eine blusige Wirkung verschaffen. Pelzlose Mäntel, wie es die weiten Schlupfmäntel sind, hoten ihren Erfolg aus den erlesenen sportlichen Stoffen. Sie schmücken sich sachlich mit breit übergesteppten Nähten in sehr neuer Linienführung. Wer sich eine Besonderheit leisten will, besetzt seinen weiten Schtup#mantel mit Garntturtetlen aus Wildieder. Das sieht ungehener sportlich und direkt nach Autobesitzerin aus. M. G. Schöner schwarzer Samtmantel inder neuen blusigen Form mit Fuchs. UltraSchnitt M 2753 Taillierter Mantel. Pelzröllchen besetzen Kragen und Taschen. Ultra=Schnitt M 2756 Weitgeschnittener Sportmantel mit neuartigem Wildlederbesatz. Ultra=Schnitt M 2746 Der winterliche Gürtelmantel zeigt einen welligen Pelzbesatz. Ultra-Schnitt M 2754 Nicht mehr Ullstein-Schnitte sondern„Ultra“-Schnittmuster.-Das ist der neue Name des altbewährten„sprechenden“ Ulistein-Schnitte. Von der Reise zurück! Dentist Dienhart, Schaeferstr. 1 Zn allen Kassen zugelassen außer Ruhrknappschaft. Schulbücher und alle Schulartikel sind bei uns zu haben Buchhandlung Koethers= Röttsches Hermann-Göring=Straße 8— neben dem Postamt Hauptschriftleiter: Dr. Leo Reiners, Herne. Stellv. des Hauptschriftleikers Jof. Möller, Herne. Verantwortlich für Politik Dr. Arthur Ruppert, Gelsenkirche; für Kommunalpolitik und Lokales Dr, Leo Reiners, Herne; für Unterhaltung Franz Bruns, Gelsenkirchen; für Sport Jos. Möller, Herne; für Anzeigen: Huberk Beyer, Herne. Bildverantwortliche: Ressortleiter. Beiträge sind an die Schriftleitung(Herne, H.=Göring=Str. 8) nicht an ihre einzelnen Mitglieder zu richten. D. A. VIII. 38 über 3500.— Druck und Verlag Roethers& Röttsches, Herne. Jur Zeit ist Preisliste Nr. 5 gültig.— Mengenstaffel E. Zwangsversteigerung Freitag, d. 16. 9. 1938, 10 Uhr, versteigere ich in der Wirtschaft Biermann, Herne, Bahnhofstr. 136: Ziehharmonika mit Karten, Büfekt, Ausziehtisch, Schreibmaschine, Personenwag., Wanduhr, NationalRegistrierkasse u a. m. öffenti. meistbietend geg. Barzahlung. Herne, 15. 9. 38 Riehl, Gerichtsvollzieher kr. A., Von-der-HeydtStraße 1. Zwangsversteiger ung Am Freitag, d. 16. 9. 38, vorm. 10 Uhr, werde ich im Pfandlokale Herne, Kaiser-WilhelmStraße 53: 3 Schreibtische, 1 Registrier= kasse 1 Küchenschrank, 1 Büfett, 1 Tisch, 1 Bücherschrank, 1 Schreib= maschine, 1 Geldschrank u. a. m. öffentlich meistbietend geg. bar versteigern. Freund, Obergerichtsvollzieher, Herne Heinrichstr. 17. RegenSchirme! Taschenschirme! Bei uns sinden Sie steis die schönste Auswahl in allen Preislagen. Neue Sendung eingetrotten! 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