Herner * Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis baldmonatlich Mark 1.08, monatlich Mark 2.15, frei ins Haus gebeacht; durch die Post monatlich Mark 2.— einschließlich 48 Pf. Postzettungsgebühr, dierzu Bestellgeld 36 Pf.— Postscheckkonto: Dortmund 1007. * Nr. 143(Erstes Blatt) Streiflichter Rom-London auf dem toten Punkt Nachdem am Montag im Verlaufe der weiteren diplomatischen Fühlungnahme eine neue längere Unterredung zwischen dem italienischen Außenminister, Graf Ciano, und dem britischen Botschafter in Rom, Lord Perth, stattgefunden hat, haben die Erörterungen in der politischen Oeffentlichkeit einen gewissen Höhepunkt erreicht und zugleich auch jenes Stadium, das sich immer durch eine besondere Vielfältigkeit der Vermutungen auszeichnet. Nach der amtlichen Mitteilung über die jüngste Unterredung zwischen dem Grafen Ciano und Lord Perth drehten sich die bisher gepflogenen Besprechungen um die Möglichkeit der Revision einiger Punkte der englischitalienischen Vereinbarungen. In den frühen Vormittagsstunden des Dienstags ist über diese Feststellung hinaus der Oeffentlichkeit eine endgültige amtliche Ansicht von englischer Seite noch nicht bekannt gewesen. Umsomehr nahm die schon seit Tagen vorherrschende Spannung auf eine inoffiziell angekündigte Erklärung des Ministerpräsidenten Chamberlain zu. Allerdings lassen die Ausführungen der Dienstagmorgen=Blätter nicht nur in London. sondern auch in Paris, das im Hinblick auf sein Interesse an der Entwicklung des Ganzen ein sehr aufmerksamer Beobachter ist, gewisse Schlüsse über die mögliche amtliche Einstellung in den beiden Hauptstädten zu. Ihnen ist zu entnehmen, daß die britische Regierung nicht geneigt zu sein scheint, an der bisherigen Abrede für das Inkrafttreten des Abkommens mit Rom etwas zu ändern. Wenn in der„Times“ von drei Möglichkeiten gesprochen wird, über den toten Punkt hinwegzukommen, nämlich von einem schnellen Sieg Francos, den man bezweifelt, von einem Waffenstillstand, für den wenig Hoffnung vorhanden sei, und schließlich von einem wirklichen Fortschritt im Nichteinmischungsausschuß, so ist nur zu deutlich die Konzentrierung der Aufmerksamkeit auf diesen Ausschuß zu erkennen. Es wird offen ausgesprochen, daß nach englischer Ansicht der sicherste Weg für ein baldiges Inkrafttreten des englisch=italienischen Abkommens die Annahme des im Ausschuß vorliegenden Planes sei. Im übrigen ist der Versuch zu erkennen, und zwar auch in den Ausführungen der Pariser Presse, der italienischen Regierung schon jetzt die Verantwortung für ein eventuelles Scheitern einer Verständigung zuzuspielen. Der japanisch=französische Meinungsstreit Von japanischer Seite ist in der letzten Zeit mehrfach auf eine französische Einmischung in die Auseinandersetzung mit China hingewiesen worden. mas nunmehr den Außenminister Bonnet veranlaßt hat. am Montagnachmittag dem japanischen Botschafter in Paris„das Erstaunen der französischen Regierung über diese Beschuldigungen auszudrücken" und zu versichern. daß Frankreich sich an seine Verpflichtungen halte und vor allem keine Kriegsmateriallieferungen an China vorgenommen habe. Der Ausgangspunkt für den japanisch=französischen Reinungsstreit ist eine Domei=Meldung gewesen, in der behauptet wurde, daß zwischen China und Frankreich ein Geheimabkommen verhandelt werde. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Tokio hat es als erwiesen betrachtet, daß das geplante Abkommen französische Waffenlieferungen und Bahnbauten sowie wirtschaftliche Konzessionen an Frankreich in der Provinz Dunan vorsehe. Nun hat der Sprecher des japanischen Außenministeriums am Montag eine neue Erklärung abgegeben, in der er die Insel Hainan als rein chinesisches Gebiet bezeichnete, das gar nichts mit dem japanisch=französischen Pakt des Jahres 1907 zu tun habe und das anzugreifen Javan für durchaus notwendig halte. Der Sprecher fügte die Feststellungen hinzu, daß in Kanton Anfang Juni 30 französische und 60 sowietrussische Bomber eingetroffen und in Bunan französische Flieger, die direkt aus Spanien kamen, gelandet seien. Diesen japanischen Argumenten gegenüber wird in Paris ein französisch=chinesisches Uebereinkommen aus dem Jahre 1897 angeführt, in dem die chinesische Regierung Frankreich die Zusage machte, daß die Insel an keine andere Macht abgetreten oder verpachtet würde. Damals hatte Frankreich allerdings mehr, nämlich den Besitz der Insel, erreichen wollen, stellt Hainan doch eine Insel von nicht zu unterschätzender strategischer Bedeutung dar. Was den französisch=japanischen Pakt von 1907 betrifft, so besagt die jetzt daraus von Frankreich zitierte Klausel, daß die Unabhängigkeit und die Unversehrtheit Chinas respektiert werden sollen. Das französische Interesse nicht nur im Augenblick der Erörterungen über Hainan ist weniger politisch als wirtschaftlich bedingt durch die unmittelbare Nachbarschaft zwischen China und Französisch=Indochina. Seit jeher hat Frankreich sich bemüht, zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Interessen auf die chinesische Provinz Yunan Einfluß zu gewinnen, was zum Teil auch bereits gelungen ist. Schon einmal, im Winter des vergangenen Jahres, hat Frankreich sich gegen eine Inbesitznahme der Insel Hainan durch Japan gewehrt, und zwar dadurch, daß es zwischen die japanischen Triegsschiffe und die Küste einen Kreuzer legte, worauf auf japanischer Seite zunächst von einer Landung abgesehen wurde. Nun ist die Frage wieder spruchreif geworden, und da auch England in die gegenwärtigen Erörterungen eingeschaltet ist, gewinnt sie geradezu weltpolitische Bedeutung. Frankreich kommt die Auffassung in London, daß auch englische Interessen durch das japanische Vorgehen gefährdet würden, außerordentlich gelegen, wie überhaupt die französische Stellung im Fernen Osten sehr stark an eine enge Fühlungnahme, ja geradezu an einen Beistand von englischer Seite gebunden ist. reisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger7 Gerther Anzeiger Druck und Verlag: Koethers& Röttsches, Herne Hermann=Göring=Straße 8. neben der Hauptpost. den 22. Juni 1938 Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe 8 Pf., im Textteil 26 Pf.; Vereinskalender(im Textteil) se mm 10 Pf.; Bäder= und Sommerfrischenanzeigen se mm 3½ Pf. Siffer= und Auskunftsgebübr 25 Pf. Fernsprotder: Sammel=Nummer 52541" Drahtanschrift: Anzeiger Hoone. 34. Jahrgang Spanien=politik unverändert Chamberlain vor dem Unterhaus: Nicht die Absicht, der Labourparty einen Gefallen zu tun London, 21. Juni. Im Unterhaus griff am Dienstag der Labourabgeordnete Baker die Spanien=Politik der Regierung Chamberlain scharf an. Er machte dabei Vorschläge, die Chamberlain als leichtfertig zurückwies. Chamberlain betonte, daß seine Regierung nicht die Absicht habe, ihre Politik zu ändern, um der Labourpartei einen Gefallen zu tun. Es habe keinen Zweck, eine allgemeine Einladung zu einer Verständigung über die Regeln des Luftkrieges herausgehen zu lassen, wenn man nicht den Eingeladenen einen konkreten und praktischen Vorschlag unterbreiten könne. Chamberlain entwickelte dann die Ansicht der englischen Regierung zur Luftkriegfrage, indem er drei Regeln ausstellte, wobei er jedoch darauf hinwies, daß sich aus ihnen offensichtlich erhebliche Schwierigkeiten ergeben würden, sobald sie praktisch angewandt werden müßten. Die Regeln lauteten: Es verstoße gegen das internationale Recht, wenn man absichtlich die Zivilbevölkerung angreise, aus der Luft angegriffene Ziele müßten legitime militärische Objekte darstellen und als solche erkennbar sein; ferner müsse bei den Angriffen auf diese militärischen Ziele ausreichend sorgfältig vorgegangen werden, damit nicht die Zivilbevölkerung in ihrer Nachbarschaft getroffen werde. Chamberlain betonte dann nochmals, es wäre nutzlos, Regeln festzustellen, welche die Schwierigkeiten der Praxis unberücksichtigt ließen. Ein Uebereinkommen dieser Art hänge aber nicht nur von den vorgebrachten Vorschlägen ab, sondern auch von der internationalen Atmosphäre. Die britische Regierung sehe es daher als eines ihrer Ziele an, die internationale Almosphäre allgemein zu bessern. Zu Spanien verwies Chamberlain darauf. daß die britischen Kriegsschisse den Befehl hätten, im Falle eines Angriffes oder einer Behelligung angemessenen Schutz zu gewähren. Man könne sich aber nicht verpflichten, in jedem Fall ein Kriegsschiff bereit zu haben, in dem ein Angriff erfolge. Niemand habe das Recht, die britischen Schiffe anzugreifen. Wenn Baker verlange, daß auf Flugzeuge geschossen werden solle, so müsse er demgegenüber feststellen, daß man bei der Abwehr von Luftangriffen nur auf alle Flugzeuge schießen könne. Das aber würde eine klare Intervention darstellen. Die britische Regierung aber habe nicht die Absicht, ihre Politik zu ändern, um der Labourparty einen Gefallen zu tun. Wenn die Labour=Opposition an der Regierung wäre, würde sie nicht so leichtfertige Vorschläge machen, die mit Sicherheit dazu führen würden, daß Großbritannien in einen allgemeinen europäischen Krieg verwickelt würde. Für die spanische Frage gebe es nur eine befriedigende Lösung: die Beendigung des Krieges. Sie würde mit einem Schlage alle Schwierigkeiten beseitigen. An General Franco sei eine Protestnote geschickt worden, da man ihm nicht das Recht zugestehen könne, britische Schiffe absichtlich oder unabsichtlich mit Bomben zu belegen. Die Aufrechterhaltung der Nichteinmischung werde von der britischen Regierung als von größter Wichtigkeit angesehen. Von Zeit zu Zeit strecke die britische Regierung ihre Fühler aus, um festzustellen, ob Aussichten für den Erfolg einer Vermittlungsaktion in Spanien vorhanden seien. Sobald die Zeit hierfür reif wäre, würde sie„ihre guten Dienste“ anbieten, um, sei es allein oder mit anderen, den bedauerlichen Konflikt zu beenden. Ein verdienter Nasenstüber London, 21. Juni. Der Oppositionsliberale Mander wurde am Montagabend vor Abschluß der Unterhaussitzung von Ministerpräsident Chamberlain gehörig zurechtgewiesen. Mander hatte Chamberlain auf Veröffentlichungen in der amerikanischen und kanadischen Presse über Meinungsverschiedenheiten mit Eden bei dessen Rücktritt als Außenminister hingewiesen und dem Ministerpräsidenten vorgeworfen, seinerzeit dem Unterhaus den wahren Sachverhalt vorenthalten zu haben. Chamberlain bezeichnete Mander als das„Enfant terrible“ des Unterhauses, das sich eifrig bemühe. Unheil zwischen England und anderen Ländern zu stiften. Es sei im Interesse des Hauses und Englands nicht wünschenswert, daß diese Dinge besprochen würden. Mander habe kein Recht, Auskunft über alles zu verlangen, was zwischen der englischen Regierung und einem anderen Lande besprochen werde. Das Zeitalter schäristen Wettbewerbs London, 21, Juni. Premierminister Chamberlain wurde Montag durch den Kanzler der Universität in Regding. Sir Samuel Hoare, der Titel eines Ehrendoktors der Philosophie verliehen. Chamberlain betonte in seiner Rede die Notwendigkeit, sowohl die körperlichen wie geistigen Fähigkeiten der jetzigen Generation zu erhalten und zu erhöhen, da man sich in einem Zeitalter schärfston Wettbewerbs befinde. Wenn England Einfluß und Macht des britischen Empires erhalten wolle, müsse es sich geistig und körperlich zumindest auf dem Stande seiner„Rivalen“ halten. Berlins große Sonnenwendfeier im Olympia=Stadion Am Dienstagabend beging der Gau Berlin im Olympia=Stadion das Fest der Sommer=Sonnenwende. Audiesem Anlaß fand am Montagabend eine Generalprobe statt, bei der auch dieses riesige lebende Hakenkreuz, aus fackeltragenden SA=Leuten gebildet, zu sehen war, das sich um einen brennenden Flammenstoß des Sonnenwendfeuers drehte.(Scherl-Bilderdienst-M) Vertraulicher Erlaß der Regierung Blum Erlaubnis zum Durchgangsverkehr von Kriegsmaterial nach Spanien Flandin brandmarkt die Brunnenvergifter Es bestätigt sich, daß die Unterbrechung der ranzösisch=türkischen Generalstabsbespresprechungen von längerer Dauer sein werden. Der Grund ist darin zu sehen, daß die Türken Forderungen gestellt haben, auf die die Franzosen nicht eingehen dnnten Paris, 21. Juni. Der ehemalige Ministerpräsident Flandin gab am Dienstagvormittag eine durch den Rundsunk verbreitete Erklärung ab. in der er zur politischen Lage Stellung nahm, da es ihm infolge der Schließung der Parlamentstagung nicht mehr möglich sei, sich vor der Kammer auszusprechen. Die Verletzung der Nichteinmischungsabmachungen durch die Volksfront stellte Flandin„eindeutig als ein trübes Manöver" fest und erklärte. es könne den Frieden beeinträchtigen, daß die Regierung Leon Blums am 17. März 1938 einen vertraulichen Erlaß ausgegeben habe, um den Durchgangsverkehr von Kriegsmaterial durch Frankreich, das für Spanien gestimmt ist, zu erlauben. Die Folge dieser Politik sei, daß im April und Mai mindestens 25 000 Tonnen Material und Munition über die Purendengrenze gegangen seien. Nachdem Flandin die Forderung aufgestellt hatte. in der spanischen und in den tschechoslowakischen Fragen eine Politik zu treiben, die mit der englischen in Uebereinstimmung stehe, brandmarkte er die Gefährlichkeit der internationalen Brunnenvergiftung. Wenn man wirklich den Frieden wolle, dürse man nicht tatsächlich die internationalen Beziehungen durch Falschnachrichten. Polemiken und Beleidigungen verschlimmern. Flandin forderte seine Hörer auf. sich selbst eine Meinung zu bilden und gewisse Zeitungen durchzusehen auf das, was in ihnen geschrieben oder gezeichnet werde, oder einmal gewisse Radiosprecher anzuhören. Seine Hörer würden dann über die dunklen Machenschaften gegen die Wiederherstellung des Friedensklimas in Eurova im Bilde sein. Er, Flandin, habe innerhalb 14 Tagen im Monat März in einer einzigen Volksfrontzeitung fünf sensationelle Falschmeldungen-festgestellt, die Frankreich in den Spanienkonflikt hineinziehen und sogar die Beziehungen zu England trüben sollten. Es vergehe kein Tag. an dem nicht Chamberlain von der kommunistischen„Humanite" oder dem sozialdemokratischen„Populair“ durch den Schmutz gezogen würde. Hauptunterausschuß stimmt zu Die Zurückziehung der Freiwilligen. London, 21. Juni. Die Beratungen des Hauptunten ausschusses des Nichteinmischungsausschusses am Dienstag wurden kurz nach 7 Uhr abends abgeschlossen. Wie verlautet, wurde in der Sitzung des Ausschusses der britische Plan über die Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien einstimmig angenommen. Der Ausschuß billigte weiter einstimmig die vorgeschlagene Verstärkung der See= und Landkontrolle sowie die Einsetzung von Beobachtern in gewissen spanischen Häfen. Der Ausschuß wird am Freitag erneut zusammentrete:. um die Frage der Finanzierung des Planes zu besprechen. Gleichzeitig ist beschlossen worden. dem Vollausschuß den heute fertiggestellten britischen Plan zur Stellungnahme zuzuleiten. Eine Vollsitzung des Nichteinmischungsausschusses wird für Anfang nächster Woche erwartet. Eröffnung der Verwaltungsakademie in Wien Sektionsches Dr. Mannlicher als Präsident eingeführt. Wien, 21. Juni. Unter außergewöhnlich großer Anteilnahme der österreichischen Beamtenschaft eröffnete am Montagvormittag Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers die Verwaltungsakademie in Wien. Im Konzerthaus hatten sich etwa 3500 Beamte zur feierlichen ersten Sitzung der Akademie versammelt. Anwesend waren außer dem Reichsleiter Dr. Lammers u. a. Staatssekretär Stuckart. Reichsstatthalter Dr. SenßInquart,Gauleiter Globocnik sowie zahlreiche führende Männer von Partei und Staat und Vertreter der Wissenschaft. Nach Begrüßungsansprachen von Reichsstatthalter Dr. Seyß=Inquart und des Wiener Gauleiters Globocnik gob Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers in seiner Eröffnungsansprache zunächst der Freude darüber Ausdruck, die Gründung der neuer Verwaltungsakademie auf dem Boden des alten deutschen Wien vornehmen zu können. Die Verwaltungsakademien hätten sich seit vielen Jahren im Reiche als die Stätten bewährt, an denen. in lebendiger Wechselwirkung von Wissenschaft und Praxis. den Beamten das Wissen vermittelt werde. das sie zur richtigen Lösung der ihnen gestellten Aufgaben brauchten. Seit der Machtübernahme seien sie zu Pflanz= stätten nationalsozialistischer Rechts= und Verwaltungsaufsassung und volksdeutschen Denkens geworden. Dann brachte Dr. Lammers ein Telegramm zur Verlesung. das er an den Führer gerichtet hat und in dem er nagen## der Staatsdiener des Dritten Reiches im deutschen Wien des Führers. des Schirmherrn der Beamtenschaft und Wiederherstellers ihrer auf Vertrauen und Leistung gegründeten Berufsehre gedenkt und treue Gefolgschaft gelobt Das Antworttelegramm des Führers, das Reichsminister Dr. Lammers anschließend verlas, wurde mit großem Jubel ausgenommen. Hierauf führte Dr. Lammers den Sektionschef Präsident Dr. Mannlicher in sein Amt als Leiter der Verwaltungsakademie ein. Die Reihe der fachlichen Vorträge an der Verwaltungsakademie Wien wurde durch Reichsminister Dr. Lammers mit einem grundlegenden Vortrag über„Die Staatsführung im Dritten Reich“ eingeleitet. Der Redner ging dabei auf die Grundlagen des nationalsozialistischen Staatsbaues ein, umriß denn Ideengehalt dieses Neubaues und arbeitete dessen gedankliche Grundlagen heraus. Reichsminister Dr. Seyß=Inquart sprach anschließend über das Thema„Praktische Probleme des Anschlusses für Recht und Wirtschaft in Oesterreich" und führte u. a. aus, daß die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reich in den Märztagen 1938 die Erfüllung des Jahrhunderte alten Sehnens des deutschen Volkes nach Einheit von Volk und Reich gebracht habe. Diese Heimkehr der Ostmark sei ein geschichtliches Ereignis. das in seiner Bedeutung die Geschicke des deutschen Volkes. aber auch des euroväischen Kontinents und Abendlandes grundlegend und dauernd beeinflussen werde. Für uns in der Ostmark stellt sie den entscheidenden Wendepunkt in unserem völkischen, politischen, staatlichen und wirtschaftlichen Dasein dar. Sie bedeute das endgültige Eingehen in die Lebens= und Leistungsformen des nationalsozialistischen Dritten Reiches Adolf Hitlers. Am Nachmittag sprach Staatssekretär Dr. Stucart vom Reichsministerium des Innern. Er betonte, daß es sich bei der Eingliederung um die Vereinigung zweier hochentwickelter Rechtssysteme handele. Die Vereinheitlichung könne nicht darin bestehen, daß österreichisches Recht durch die Einführung von Reichsrecht ersetzt werde. Vielmehr müsse oftmals neues großdeutsches Reichsrecht geschaffen werden, in welchem das Wertvolle des österreichischen Rechtes und des Altreichrechtes Eingang findet. Der zweite Vortrag des Nachmittags. den der Leiter der Verwaltungsakademie, Sektionschef Dr. MannlicherWien, hielt, behandelte Probleme der Verwaltungsorganisation, des Verwaltungsverfahrens und der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Trier ehrt die Alte Garde Auftakt zur Westmark=Fahrt. Trier, 21. Juni. Das 2000jährige Trier hat am Dienstag der Alten Garde des Führers. die von dieser Grenzfeste deutscher Art und deutschen Wesens ihre dreitägige Westmark=Fahrt antritt, einen überwältigenden Empfang bereitet. Sein Höherunkt war die abendliche Großkundgebung vor dem ehemaligen kurfürstlichen Palast. auf der Dr. Len die Alte Garde begrüßte und ihre Fahne dem Gau Koblenz=Trier in treue Obhut übergab. Den Ausklang bildete eine von den Junkern der Ordensburg Vogelsang gestaltete erhehende Feierstunde. Die an herrlichen Bauten. Denkmälern und Kostbarkeiten überreiche Stadt im Moseltal zwischen Hunsrück und Eifel prangt im zauberhaften Schmuck. Triumph= bögen und Fahnenmasten. Girlanden ohne Ende. Führerbilder und Embleme der Bewegung. an den Fronten und Fenstern breite Bänder mit herzlichen Willkommensgrüßen an die Getreuesten des Führers: Goldlorbeer auf Deutschland hört den Schmelingkampf Berlin, 21. Juni. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag überträgt der deutsche Rundsunk ab 1 Uhr früh den Vorkampf Schmeling— Louis aus Neuuork. Sprecher ist Arno Hillmis. * Notizen. In London begann am Montag die 16. Tagung des Internationalen Roten Kreuzes, an der Vertreter aus 30 Ländern teilnehmen. * Die deutsche Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen hat feierlich erklärt, daß sie sich dem Einigungswerk Konrad Henleins unterstellt. * Reichswirtschaftsminister Funk hatte am Dienstagnachmittag sämtliche Gauwirtschaftsberater erstmalig zu einer Arbeitstagung nach Berlin ins Reichswirtschaftsministerium berufen. * In der Zeit vom 24. Juni bis 1. Juli wird Stabechef Luge aus Einladung des Generalstabschefs der faschistischen Miliz in Italien weilen und dort Einrichtungen und Vorführungen der faschistischen Miliz sehen. Der Reichsführer SS. und Chef der deutschen Polizei Himmler hielt die Sonnwendfeier des 12. Sturmes der 90. SS.=##randarte in Wolfsberg im Lavantal bei Klagenfurt ab. * In Berlin beging am Montag Dr. Walter Bloem seinen 70. Geburtstag. * Arabische und armenische Zeitungen melden, die Sowjetunion habe von der Türkei die Rückgabe von Kars und Ardahan verlangt. Beide türkische Provinzen wurden der russisch=armenischen Sowjetrepublik im Jahre 1922 durch die Türkei mit Waffengewalt abgenommen. * Auf der Höhe von Dünkirchen finden zwischen Landtruppen. Seeflugzeugen und Kriegsschiffeinheiten kombinierte Manöver statt. dem grauen Gestein der alten Bauten und auf dem frischen Grün der Ehrenpforten bilden eine wahre Farbensinfonie. Mehr aber als dieser unvergeßliche Schmuck und der strablende Tag bezaubert die Herzlichkeit, mit der das fleißige und lebensfrohe Volk dieses Gaues die Getreuen des Führers empfing. Ihr Gruß und ihr Dank ist mehr als der Ausdruck ehrlicher Freude, er ist ein glühendes Bekenntnis zum Führer und das Gelöbnis. Trutzburg der deutschen Westmark zu sein und zu bleiben. Bis zum Mittag waren alle 650 Teilnehmer der Westmarkfahrt in Trier eingetroffen. Am Nachmittag besuchten sie unter kundiger Führung die zahllosen steinernen Zeugen aus 2000jähriger deutscher Geschichte, überall von der herzlichen Freude der Bevölkerung umgeben. Ihren schönsten Ausdruck aber fand diese bei der Großkundgebung vor dem ehemaligen kurfürstlichen Palais und im anschließenden Marsch durch die Stadt. Ausklang in Wien Eine glanzvolle„Lohengrin"=Aufführung der Berliner Staatsover. Wien, 21. Juni. Die Reichstheater=Festwoche klang mit einem gewaltigen Schlußakkord aus. Indes draußen im Prater Reichsminister Dr. Goebbels und Gauleiter Bürckel das Volk von Wien zu Gast luden. indes heller Festesglanz über die von uralten Bäumen gesäumte Praterwiese erstrahlte, wurde in der Wiener Staatsover Richard Wagners„Lohengrin“ in der Aufführung der Berliner Staatsover als Abschluß des großen Theaterereignisses gebracht. Heinz Tietien war der über ragende Dirigent des Abends, der das Orchester der Wiener Staatsover. den aus Berliner und Wiener Sängern gemischten Chor und schließlich die Hauptdarsteller zu unerbörten Höchstleistungen emporführte. Zu der Aufführung hatten sich abermals die in Wien anwesenden deutschen Theaterintendanten eingesunden. In der Festloge sah man Reichsminister Dr. Goebbels und Frau, den Reichsminister und Chef der Reichskanzlei. Dr. Lammers. und Reichsstatthalter Dr. Seyß=Inquart mit Frau. Reichsminister Dr. Goebbels wurde von den Cästen des Abends vor dem dritten Akt eine besondere Dankovation für den glanzvollen Verlauf des geschichtlichen Theaterereignisses dargebracht. Zum Schluß entlud sich die Begeisterung der Zuschauer in nicht endenwollenden Beifallsstürmen und nur langsam leerte sich das Haus. Von dieser denkwürdigen Reichstheaterwoche, der ersten im Großdeutschen Reiche, werden nun mächtige Imvulse für das deutsche Theater ausstrahlen. Die Wechselwirkung Wien—Berlin, die bereits diesmal in so glücklicher Weise zum Ausdruck gekommen ist, wird das deutsche Kunstschaffen zu neuen ungeahnten Höhen emvorführen. Nordische Fesitage in Lübeck Unter den Auslandsgästen: Marie Hamsun Lübeck, 21. Juni. Am Montagabend gab Reichsminister Dr. Frick im Namen der Reichsregierung in sämtlichen Räumen des St.=Annen=Museums einen Empfang für die Ehrengäste der 5. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft. Außer dem Gastgeber, Reichsinnenminister Dr. Frick. sah man Reichsleiter Alfred Rosenberg. den Reichsführer SS. Himmler, den Leiter der Nordischen Gesellschaft. Gauleiter und Oberpräsident Lohse(Kiel), Gauleiter Staatsrat Sauckel(Weimar), Gauleiter Krebs (Berlin) sowie in Vertretung des Gauleiters und Reichsstatthalters Kaufmann Bürgermeister Krogmann(Hamburg). Vom Auswärtigen Amt waren der Chef des Protokolls. Vortragender Legationsrat Boltze, vom Außenpolitischen Amt Reichsamtsleiter Daitz, Stabsleiter Schickedantz, sowie der Leiter der Abteilung Norden, von Stechow, und vom Reichs= und Preußischen Verkehrsministerium Ministerialrat Dr. Ebhardt erschienen. Unter den ausländischen Ehrengästen bemerkte man insbesondere die offizielle Vertreter der Länder des Nordens, den dänischen und isländischen Gesandten Zahle, den finnischen Gesandten Wuorimas und den schwedischen Gesandten Richert. Weiter sah man den dänischen Unterrichtsminister HojbrgChristensen, die Gattin des bekannten Schriftstellers Knut Hamsun, Marie Hamsun, den Schriftsteller Gunnar Gunnarsson=Fredsholm, die finnische Schriftstellerin Salminen, den Bürgermeister von Reykjavik. Halldersson den Schriftsteller Gunnar Berg(Lund) und Professor von Euler(Stockholm). An dem Empfang der Reichsregierung schloß sich ein Mitternachtskonzert in der St.=Marien=Kirche an, bei dem Domkantor Dr. Walter Haacke(Naumburg) an der großen Orgel und Staatsopernsängerin Lea Piltti vom Deutschen Nationaltheater Weimar mitwirkten. Der Schluß der 5. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft in Lübeck gewann besondere Bedeutung durch eine große Rede des Reichsleiters Alfred Rosenberg. Vorher ergriff als erster Redner Landesbibliothekar Dr. Gudmundur Finbogason, Reykjavik, das Wort zu einem Vortrag über die isländisch=deutsche Zusammenarbeit auf nordisch=wissenschaftlichem Gebiet. Protokollsekretär Carl Patric Oßbahr, Stockholm, sprach dann über Schwedens nordeuropäische Aufgabe. : R o s e n b e r g s p r i c h t Reichsleiter Alfred Rosenberg, von den deutschen und nordländischen Teilnehmern herzlichst begrüßt, nahm sodann das Wort. Er wies einleitend auf die Gemeinsamkeit zwischen den Völkern Europas hin, gleichgültig, ob man diese Schicksalsgemeinschaft heute schon errennen wolle oder ob sich rößere Gruppen noch aus überlebten Gedankengängen eraus dieser Tatsache gegenüber verschließen wollten. Gunnar Gunnarsson und Gunnar Berg Nicht nur Deutschland, sondern sämtliche Völker des Eroballs befänden sich heute in einem Zustand einer mit schnellen Schritten vor sich gehenden Umwandlung, deren Ergebnisse für jede Nation heute noch nicht abzuschätzen seien. Der Reichsleiter erinnerte in diesem Zusammenhang an die schweren kriegerischen und revolutionären Ereignisse im Fernen Osten, im Nahen Ortent und in Spanien. Wenn der skandinavische Norden und die Baltischen Staaten noch einigermaßen von den politischen Erdbebenstößen verschont geblieben seien, so bedeute das zwar ein augenblicklich beruhigendes Moment für diese Völker und für Europa überhaupt, aber es sei nicht unmittelbar ein Zeichen dafür, daß sich diese Völker und Staaten, aus die Dauer gesehen, den großen Auseinandersetzungen zu entziehen vermöchten. Der Kampf zwischen der Tradition in ihren verschiedenen Formen und einer irgendwie geartet hervortretenden neuen Zeit sei Schicksal für alle geworden. „Deutschland stand vor 1933“, so fuhr der Reichsleiter fort,„vor der Entscheidungsfrage, ob sein Fortbestehen in der Geschichte zu einem ckade gekommen sei, oder ob gerade die Tiefe des Falles bie Voraussetzungen für eine Wiedergeburt darstelle. In einem großen Ringen um die Seele des deutschen Volkes einigte sich schließlich die ganze Nation um die Persönlichkeit des Führers. So ist aus der tiefsten Niederlage die größte Wiedergeburt erwachsen und alles das, was alle träumten, die Männer der großen deutschen Vergangenheit bewegt hatte, wenn sie vom Reich sprachen und nach einer inneren Einheit riefen, das ist geschichtliche Wirklichkeit geworden. In wenigen Jahren hat das Deutschland Adolf Hitlers die Ernte eines ganzen Jahrtausends nach Hause getragen.“(Stürmischer Beifall.) „Wir alle.“ so stellte Rosenberg unter lebhafter Zustimmung der deutschen und nordländischen Teilnehmer fest,„stehen unter dem gleichen Schicksal Europas, und müssen dieses gemeinsame Schicksal als Verpflichtung empfinden, weil am Ende die Existenz des weißen Menschen überhaupt von dieser Einheit des europäischen Kontinents abhängt! Das fordert aber auch, daß man den Instinkt für das aufbringt, was sich absolut zeitlich gegen die Lebensgrundlagen aller europäischen Staaten richtet. Einmütig muß jener furchtbare Versuch einer Weltzerstörung, der von Moskau aus schon viele Völker in ein Meer von Blut getaucht hat, abgelehnt werden!“ (Stärkster Beifall.) Reichsleiter Rosenberg sprach zum Schluß die nung aus, daß immer meyr Kräfte in allen um die Nordsee und die Ostsee gelegenen Völkern sich an ihre Vergangenheit erinnern, an die Wurzel ihres völkischen kulturellen Wesens, und daß sie alle in ihrer Weise entchlossen sein möchten, inmitten eines großen gemeinamen Schicksals sich ihrer Art gemäß zu formen. Der Kindermord von Karlsruhe wieder verschwanden, konnten sie sich des traurigen Er folges rühmen, daß sie 117 wehrlosen Menschen— dar unter 30 Mannern, 5 Frauen und 82 Kinder— mitter heraus aus dem blühenden Leben einen schrecklichen Tod bereitet hatten, und daß weiter 140 Unglückliche, darunter 48 Männer, 20 Frauen und 72 Kinder, verwundet in ihrem Blute lagen. Jammernd irren verzweifelte Mütter unter schrecklich verstümmelten Leichen umher, um ihre getöteten Lieblinge zu suchen. Drei blühende Knaben hatte eine von ihnen verloren; eine andere, die Witwe eines gefallenen Fliegers, den einzigen Sohn. Soldaten selbst, die draußen im Felde kein Schrecken des Kampfes erschüttert hatte, bekannten, daß ihnen nie zuvor so Furchtbares vor Augen gekommen sei. Die französische Nation, die sich so gern als ritterlich und vornehm rühmt, kann in ihrer Geschichte ein neues „Heldenstück“ verzeichnen. 154 deutsche Kinder haben bluten und 82 von ihnen haben sterben müssen, damit die Flieger des stolzen Frankreichs sich eines Triumphes rühmen konnten, der ihnen im Kampf mit den wehrhaften deutschen Beherrschern der Luft bisher versagt geblieben war.“ Einstellungen von Freiwilligen in die Luftwaffe im Frühjahr 1939 Berlin, 21. Juni. Das Reichsluftfahrtministerium gibt bekannt: 1. Für die Annahme von Freiwilligen für die Einstellung im Frühjahr 1939 bei der Fliegertruppe und der Luftnachrichtentruppe steht nur noch sehr kurze Zeit zur Verfügung. Den Bewerbern wird deshalb dringend angeraten, sich sofort bei einer Fliegerersatzabteilung, einer Abteilung oder einer Kompagnie der Luftnachrichtentruppe zu melden. Bei später eingehenden Gesuchen besteht die Gefahr, daß das Annahmeverfahren bis zum Meldeschluß(5. 7. 1938) nicht mehr durchgeführt werden kann, und die angestrebte Einstellung im Frühjahr 1939 nicht mehr möglich ist. Auskunft über die Bedingungen und über den vorher abzuleistenden Arbeitsdienst erteilen die genannten Truppenteile, die Wehrbezirkskommandos und die Wehrmeldeämter, Das„Merkblatt für den Eintritt als Freiwilliger in die Luftwaffe“ wird durch die angegebenen Dienststellen an die Bewerber auf Anforderung ausgehändigt. 2. Einstellungsgesuche bei anderen militärischen Dienststellen sind zwecklos. Sie verzögern nur die Bearbeitung zum Nachteil des Bewerbers. 3. Bei der Flakartillerie und beim Regiment General Göring werden im Frühjahr 1939 keine Freiwilligen eingestellt. 4. Der Zeitpunkt für die Meldungen von Freiwilligen für die Herbsteinstellungen 1939 bei Fliegertruppe, Flakartillerie. Luftnachrichtentruppe und Regiment General Göring wird noch durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben. Dienstruhe im Juli für das NöFK. Ein Besehl des Korpsführers. Berlin, 21. Juni. Der Korpsführer des NS.=Fliegerkorps, Generalleutnant Christiansen, hat folgenden Korpsbefehl erlassen. „Korpsbefehl. Erinnerung an eine„Heldentat“. Berlin, 21. Juni. Unter der Ueberschrift„Zum 22. Juni“ schreibt die„Berliner Börsenzeitung": Morgen jährt sich wieder einmal der Tag. an dem französische Flieger(am 22. Juni 1916) unter Führung des Hauptmannes de Keryllis Bomben auf Karlsruhe warfen. In unser aller Erinnerung lebt noch das Entsetzen über das furchtbare Blutbad, das unter unschuldigen Menschen, hauptsächlich Frauen und Kindern, angerichtet wurde. Wir geben im folgenden den ausführlichen deutschen, 14 Tage später veröffentlichten Bericht wieder, 1. weil es heute besonders Frankreich ist, das Erregung über nationalspanische Bombenangriffe auf rotspanische militärische Anlagen zur Schau trägt, weil Herr de Kerollis zu jenen Kreisen führender französischer Journalisten gehört, die Gehässigkeit gegen Deutschland und Sowjetfreundschaft mit gleicher Intensität betreiben. Der deutsche Bericht lautet nach„BBZ.“ vom 7. Juli 1916: „Die amtlichen Ermittlungen über den letzten Fliegerangriff auf Karlsruhe sind nunmehr abgeschlossen. Die erschütternden Einzelheiten des französischen Verbrechens gegen die friedliche badische Hauptstadt sollen daher dem deutschen Volke nicht länger vorenthalten bleiben. Es ist offenbar kein Zufall gewesen, daß die Franzosen sich gerade den Fronleichnamstag für ihren Ueberfall auserwählt hatten. Sie wußten genau, daß an diesem hohen katholischen Kirchenfest, das heller Sonnenschein verschönte, ein Strom von licht= und luftbedürftigen Menschen über die Straßen und Plätze fluten würde. Und auf Menschenleben hatten sie es abgesehen. Das eines französischen Hetzjournalisten beweist die Art der benutzten Abwurfgeschosse. Brandbomben sind daher nicht, und schwere zur Sachzerstörung bestimmte Geschosse nur in sehr geringer Zahl verwendet worden. Bei weitem die meisten Bomben hatten nur kleines Kaliber, dafür aber eine Füllung, deren besonders starke Sprengkraft die auf lebende Ziele berechnete Splitterwirkung erzielen und obendrein auch vergiftende Gase entwickeln sollte. Den Vorbereitungen und der Absicht hat der Erfolg nur allzusehr entsprochen. Auf dem Karlsruher Festplatz, wo Hagenbecks Tierschau ihre Zelte aufgeschlagen hatte, wogte am Nachmittag des 22. Juni eine festliche Menge durcheinander. Fröhliches Kinderlachen mischte sich mit den Klängen der Musik. Da plötzlich traf die Meldung ein, daß feindliche Flieger nahten. Noch ehe es möglich war, die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen, schlugen bereits die ersten Geschosse ein. In großer Höhe kreisten, durch leichten Dunst fast ganz der Sicht entrückt, die verderbenbringenden Sendboten feindlicher Mordlust über der friedlichen Stadt, Schlag auf Schlag zerbarst jetzt mit dröhnendem Krachen Bombe auf Bombe. Ein Teil der Geschosse traf die Stadtviertel, wo kleine Bürger und Arbeiter wohnten. Auch nahe beim Schloß, wo die Königin von Schweden auf dem Krankenbett lag, schlugen einzelne Bomben ein. Die schlimmsten Verheerungen aber richtete der Feind in der Nähe des Festplatzes unter den kurz bevor noch so fröhlichen schuldlosen Kindern an. Als die französischen Flieger nach einer Viertelstunde Der Monat Juli dient der Erholung aller NSFK.= Führer und=Männer und dem Sammeln fliegerischer Kräfte für die zahlreichen und wichtigen vor uns liegenden Aufgaben. Ich ordne daher an, daß im Monat Juli jeder Sturmdienst, ausgenommen Segelflug, im NS.=Fliegerkorps ausfällt. Außerdem sind alle angesetzten bzw. laufenden Lehrgänge und Wettbewerbe ausgenommen. Berlin, den 21. Juni 1938. Fr. Christiansen. Generalleutnant und Korpsführer des NS.=Fliegerkorps.“ Rentenerhöhungen für Militär= und Kriegsdienstzeiten Berlin, 21. Juni. In dem Gesetz über den Ausbau der Rentenversicherung vom 21. Dezember 1937 ist vorgesehen, daß die aktive Dienstzeit der Soldaten des neuen Heeres sowie die Zeiten des Reichsarbeitsdienstes eine Erhöhung der Rentenansprüche bewirken sollen, obwohl für diese Zeiten keine Beiträge entrichtet zu werden brauchen. Ferner beseitigt das Gesetz die Härte, daß bisher den Invalidenversicherten im Gegensatz zu den Angestellten=Versicherten die Kriegsdienstzeiten für ihre Renten nicht angerechnet wurden. Die näheren Anordnungen, insbesondere über die Höhe der Rentensteigerungen, sind Ausführungsvorschriften überlassen. die bisher aus besonderen Gründen noch nicht herausgegeben werden konnten. Sie werden aber voraussichtlich bald ergehen. Nachteile für die Versicherten entstehen aus der Verzögerung nicht, weil alle Beträge nachgezahlt werden. sobald die Verordnung erlassen ist. Ichub im Funkkaus Das Schicksal einer jungen Sängerin n K. S6ce Copyright by Prometheus-Verlag. Dr. Eichacker. Oröbenzell b. München 24. Fortsetzung. Die Straßen der Stadt lagen leer und ausgestorben. ein paar matte Lichter brachen sich schwach auf den feucht glänzenden Straßen, der Himmel war unendlich weit weg. ein dünner Wind hatte sich ausgetan und segte in kleinen zuckenden Stößen über die Erde. „Es regnet nicht mehr", sagte Schaub gedankenlos und schaute in die nächtliche Dunkelheit.„Kommen Sie, steigen Sie ein. Fräulein Kay... Auf morgen denn. Torsten Das Auto glitt auf dem feuchten Asphalt, ein vaar Lichtreklamen brachen in den Wagen, erhellten ihn grell. erloschen. Dann war er wieder dunkel und still Evelyns weiche, ruhige Stimme klang plötzlich durch das Dunkel:„Ich habe Herrn Dr. Bortefeld heute heftig beschuldigt!“ Schaub hob den Kopf und sah das Mädchen an. „Ja?“ meinte er interessiert. „Sie kennen doch den Brief. Alles. war darin steht. ist nicht wahr.. Schaub setzte sich höher auf. Er sah das Mädchen an. „Ich verstehe nicht!“ murmelte er. Evelyns Gesicht war hart geworden, ein hereinbrechendes Licht beleuchtete es eine Weile, dann war es wieder vom Dunkel wie verschluckt. „Als meine Mutter mir das alles schrieb, war sie krank. Ich erfuhr das alles erst heute abend. Sie hatte sich in die Idee verrannt, daß einzig Bortefeld ihr noch helsen und ihr wieder den alten Ruhm schaffen könne. Sie war fertig mit ihrer Stimme. Mutters alte Dienerin war bei mir. sie ist die ganze Zeit bei meiner Mutter gewesen und konnte mir glaubhaft bezeugen, daß der Brief nichts anderes ist, als ein Dokument von Haß und Rache—— geschrieben von einer Kranken. Ich bin auch nicht Bortefelds Tochter... ich muß mich bei ihm entschuldigen wegen meines Angrisss. „Dazu werden Sie heute keine Gelegenheit haben.“ „Ich weiß. Aber wenn ich nur erfahre, wie es ihm geht, daß er lebt, daß er——“ Evelyn brach ab. Die rote Fassade der Klinik kam ins Bild. Sie stieg aus und ging mit Schaub einen langen gepflasterten Weg bis zum Portal. der Park der Klinik war dunkel und regennaß. von den Bäumen lösten sich ein vaar schwere Trovsen und sielen feucht und zärtlich auf Evelyns blasses Gesicht, sie merkte es nicht. In der Halle der Klinik war es kühl und still. Nur eine schwache Lamve in der Loge des Pförtners warf einen zitternden Lichtschein aus die grauweißen Fliesen. Eine weiße Haube buschte vorüber. Das sanfte müde Gesicht Schwester Elisabeths neigte sich zu Schaub und Evelyn. „Herr Professor Hevstedt hat mir nur unter den größten Schwierigkeiten erlaubt, daß dieser Besuch noch stattfindet. Herr Schaub“, sagte sie leise.„Aber wir wollen ja alles tun, um den Kranken nicht weiter aufzuregen. Bitte. sprechen Sie kurz mit ihm. beruhigen Sie ihn, wir hoffen, daß er sich dann wirklich zufrieden gibt und einschläft.— Darf ich bitten?" Sie ging den beiden voran, sah sich dann noch um „Will die Dame mit?“ fragte sie dann noch. „Fräulein Kay kam, um sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen?" antwortete Schaub sachlich. „Vielleicht kann sie irgendwo warten?“ Bei Evelyns Namensnennung kam etwas wie schüchterne Neugier in die müden Augen der Schwester. Aber sie beherrschte die Regung mehr diszipliniert und sagte nur:„Die Dame kann ja vielleicht oben warten!" Mit zitternden Knien schritt Evelyn neben Schaub die Treppen hoch, breite flache Stufen, die kein Ende nehmen wollten. Dann war da ein weißer, schwach erhellter Gang, eine Tür. über der sich ein Aeskulapstab wand. eine Tür. die alles verbarg und tiese, tiese Stille Die Schwester wies auf eine nahe Sesselgruppe. Evelyn setzte sich. Mechanisch sah sie um sich, da waren die dunklen Korbstühle, ein vaar freundliche Bilder, ein hoher Gummibaum mit saftiggrünen Blättern. der steif aufgerichtet neben ihr stand. Mechanisch glitt ihre Hand immer wieder über die weiße Spitzendecke, die auf dem Tisch lag. über eine Reihe von Blumenvasen, die auf der Erde aufgereiht nebeneinander standen. Blumen aus den Patientenzimmern. Sie nahm nichts von ihrer Umwelt in sich auf— sie wartete nur. wartete... * Die kleine gelbe Nachttischlampe warf einen matten Schein über das weiße Leinen des Bettuches. Eine matte große Hand streckte sich Schaub entgegen. Der sah mit ernstem Ausdruck in das bleiche Gesicht: „Gottlob, daß alles so gut abgelausen ist. Herr Dr. Bortefeld! Bitte, seien Sie ganz ruhig! Ich habe die Untersuchung auf Ihren Wunsch vorläufig noch nicht weitergeführt.“ Der große Mann in den Kissen hob den Kopf. „Ich glaube, daß es das beste ist, wenn ich Ihnen einige Erklärungen abgebe...“ Die Schwester, die in der Ecke saß. hob mahnend den Finger. sagte behutsam: „Bitte. sprechen Sie nicht viel, Herr Dr. Bortefeld. Und nur leise Bortefeld nickt etwas ungeduldig. Schaub beugte sich noch näher. „Eine Untersuchung braucht nicht stattzufinden". meinte der Mann in den Kissen zwar leise, aber nachdrücklich. „Es handelte sich um einen Unfall... ich habe die Verletzung selbst verschuldet.. Schaub schwieg einen Moment, wie erschlagen von dieser Erklärung. „Ich habe“, sagte der blasse Mann in den Kissen. „den Revolver, den Fräulein Kay bei mir vergaß. betrachtet und damit hantiert, wußte nicht, daß er geladen war und zog mir dabei die Verletzung zu... Keiner meiner Besucher ist an dem Unglück schuld...!“ Schaub sah den Patienten ruhig an. „Ich versprach Ihnen, die Untersuchung einzustellen. Fräulein Kay ist frei. Fräulein Coordt ist frei. Trotzdem — Herr Bortefeld—— wozu dieses Verbrechen? Sie wissen selbst, daß ich Ihnen den selbstverschuldeten Unfall nicht glauben kann. Sie waren Offizier und wußten mit einer Wasse umzugeben. Als wir Sie fanden, haben wir die Umstände des Unfalls genau untersucht. Sie wissen wie ich, daß es kein selbstverschuldeter Unfall war. der Schuß kam aus einer Entfernung von fast zwei Meter. Ihre Haltung... Bortefeld hatte mit gesurchtem Gesicht zugehört. er biß sich auf die Lippen und machte eine abwehrende Handbewegung. „Aber ich stelle keinen Strafantrag“, sagte er schnelt und bittend. Schaub schwieg eine Weile. Es war still im Zimmer. Die Schwester saß teilnahmslos in der Ecke und las ununterbrochen in ihrem schwarzgebundenen Buch. „Es gibt doch die Möglichkeit. die Sache als einen Unfall darzustellen. nicht wahr?" fragte Bortefeld eindringlich. Schaub sah nachdenklich zu Boden. Also doch eine Frauenzimmergeschichte, dachte er. Wahrscheinlich doch Fräulein Coordt— Kavalierspflicht— Galanterie— ist das die ganze Lösung? Eisersucht. Verzweiflung aus Nichtbeachtetsein—— wer kennt sich in der Psyche eines jungen verwöhnten Mädchens wirklich aus? Der drängende Blick des Patienten wich nicht von seinem Gesicht. Schaub raffte sich zusammen. „Das wichtigste ist, daß Sie erst mal wieder gesund werden. Herr Dr. Bortefeld... dann können wir ja weitersehen. Sie dürfen mir glauben, daß ich. als ich die Untersuchung aufnahm, nur von dem Wunsche beseelt war. Ihnen zu helfen... den Täter zu finden und dafür zu strafen, daß er gerade Sie. dem die Kunstwelt so viel verdankt und von dem wie alle noch so viel erhoffen, bis an den Rand des Grabes gebracht hat...“ „Ich bin froh, daß alles gut abgelausen ist“, sagte der Mann in den Kissen etwas mühsam.„Wäre eo— — ware es schlimm mit mir ausgegangen—— dann waren heute vier Menschen sehr unglücklich geworden...“ Er schwieg eine Weile. Die Schwester war behutsam aufgestanden, reichte ihm ein Glas Wasser, er trank es langsam aus. „Schlasen Sie. Herr Dr. Bortefeld", meinte Schaub warm.„Sie werden bald wieder unter uns sein—— ruhen Sie...“ Der Patient in den Kissen nickte, begann aber wieder zu sprechen. „Was hätten Sie, was hätte das Gesetz davon, wenn es einem Unglücklichen und Verzweifelten schwere Strafe für eine unüberlegte Tat auferlegte? Glauben Sie, der Täter ist bestraft genug——“ Schaubs kriminalistisches Gehör wurde wach. „Der Täter?“ „Ja... oder glauben Sie im Ernst. Fräulein Kay oder Fräulein Coordt hätten auf mich geschossen? WelchIdee, Schaub!“ Der hlasse Mann in den Kissen lehnte sich zurück. Die Schwester hatte leise den Raum verlassen, als ahne sie, daß es jetzt kommen würde, das auch ihr verborgen bleiben sollte— och möchte Ihnen gegenüber ganz offen sein. Steiten Sie sich vor, daß ich einen väterlichen Freund besitze, einen Mann, dem ich viel verdanke. nicht nur materielle Hilfe, als es mir schlecht ging und ich ganz am Anfang meiner Laufbahn war. nein, noch viel mehr. Geistige, seelische Förderung und Anregung. ein wunderbares Verständnis für meine Pläne und mein Wollen. Unv der Sohn dieses Mannes hat heute abend auf mich geschossen.. Es blieb eine Weile sehr still im Zimmer. „Ich habe viel zu seiner Entschuldigung zu sagen. Er ist jung und haßt mich. Aus einem einfachen Grunde. Er liebt eine Frau, die mir leider eine starke Neigung entgegenbrachte, er betrachtete mich als Zerstörer seines Glückes und seiner Zukunftshoffnungen, kam zu mir. wir wechselten einige Worte, leider gelang es mir nicht, ihn zu beruhigen, er griff im höchsten Affekt zur Wafse und schoß. Das ist die ganze Wahrheit. Alles. was ich Ihnen zu sagen habe.. Auf Schaubs Mund schwebten hundert Fragen. Wie war der Täter ins Haus gekommen? Wahrscheinlich doch durch das Restaurant, sonst bätte der Pförtner vielleicht doch von dem fremden Gesicht gewußt? Wie kam er in den Besitz der Wasse? Kannte er sie? Und wo war er ietzt? Würde er sich der Polizei stellen, war er gefloben? Der Mann in den Kissen sprach langsam weiter.„Er ist der ganze Stolz seines Vaters, das einzige Vermächtnis seiner Frau. die er sehr liebte und die früh von ihm ging. Er ist der Erbe eines großen Werkes. Herr über Tausende und ein Mensch von nobler, und warmherziger Gesinnung—— trotz allem. Sein eigentlicher und einziger Fehler ist ein plötzlich auftretender Jähzorn.— So griff er zur Waffe und schoß——“ *( F o r t s e t z u n g f o l g t.) Nr. 143(Zweites Blatt) Herner Anzeiger Mittwoch, den 22. Juni 1938 Die Unfallversicherung hilft in der Not Ein wichtiges Gelpräch zwilchen Meilter und Arbeiter, das jeden angeht. RSG. Im Maschinenraum eines Eisenwerkes. Das Sausen der Räder, das Stampfen der Kolben und das Pochen der Hämmer vereinigen sich zum ehernen Gleichklang der Arbeit. Ein heller Schrei übertönt den Lärm, ein dumpfer Fall forgt. Erschreckt halten schaffende Hände eine Sekunde in der Arbeit inne. Dann springen Arbeitskameraden zu Hilfe. Einer von ihnen liegt, von einem zerbrochenen Werkstück getroffen, aus einer schweren Kopfwunde blutend am Boden. Die Werksanitäter eilen herbei. Ein Auto bringt den Verunglückten in das nächste Krankenhaus. Wenige Tage später besucht der Meister den Verletzten. Er weiß vom Arzt. den er vor dem Krankenzimmer gesprochen hat, daß zwar keine Lebensgefuhr besteht, daß aber viele Monate vergehen werden, bis die Wunde restlos geheilt und die Folgen des Unfalls gebannt sein werden. Als der Meister an das Krankenbett tritt, blicken ihm aus einem dick verbundenen Kopf ein paar Auen voll wehen Jammers entgegen. Worte des Trotes und der Hoffnung stoßen auf müde Ablehnung. Die Untallverlicherung hilft! „Sehen Sie, Meister, nicht die Schmerzen und die Angst vor den noch nötigen ärztlichen Eingriffen sind es, die mich mutlos und verzweifelt machen", antwortet der Verletzte,„sondern die Gewißheit, daß ich monate=, vielleicht jahrelang arbeitsunfähig sein und dann der Fürsorge zur Last fallen werde, weil ich von keiner Seite Hilfe oder Unterstützung erwarten kann.“ „Nur gemach, mein Lieber, wissen Sie nicht, daß es im Rahmen der gesamten Sozialversicherung auch eine Unfallversicherung gibt, die den bei Betriebsunfällen verunglückten Arbeitern und Angestellten nicht nur die nötige Heilbehandlung zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, sondern auch bei fortdauernder Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit eine Rente gewährt?“ „Nein, Meister, von der Unfallversicherung habe ich nur unklare Kenntnis. Mir sind doch niemals Beiträge zur Unfallversicherung vom Arbeitslohn einbehalten worden.“ Wer bezahlt die Beiträge? Es ist zwar richtig, daß Beiträge vom Arbeits lohn für die Unfallversicherung nicht abgezogen wer den; denn die Aufwendungen für die gesamte Unfall versicherung, die in der Reichsversicherungsordnung gesetzlich geregelt ist, wird nur von den Unternehmern getragen. Diese sind zu diesem Zweck in Berufsge nossenschaften vereinigt, die fachlich gegliedert sind. So gibt es z. B. die Knappschafts=Berufsgenossen schaft, die die Unternehmer der Bergwerke umfaßt, die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik, die Steinbruchs=Berufsgenossenschaft u. a. m. Die landwirtschaftlichen Unternehmer sind in örtlich gegliederten landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften vereinigt. Es gibt zur Zeit 64 gewerbliche und 37 landwirtschaftliche„Berufsgenossenschaften. Daneben kommen noch das Reich. die Länder, Gemeinden oder Gemeindeunfallversicherungsverbände, die Reichsbahn und einzelne andere Körperschaften als Versicherungsträger in Betracht. Die Bedeutung der Unfallversicherung können Sie schon daraus ermessen, daß unter dem Schutz der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften etwa 25 Millionen Versicherte stehen. Zurzeit laufen fast 1000000 Renten an Verletzte und deren Hinterbliebene mit einem Jahresaufwand von rund 260 Millionen Reichsmark. „Also kann auch ich damit rechnen, daß die zuständige Berufsgenossenschaft für mich sorgen wird?“ Jeder hat Rechtsanlpruch! „Jawohl, Sie haben, da Sie das Opfer eines Betriebsunfalles geworden sind, einen Rechtsanspruch darauf, daß Ihnen die Berufsgenossenschaft nicht nur die erforderliche Krankenbehandlung, d. h. ärztliche Behandlung, Versorgung mit Arzneien und anderen Heilmitteln und die nötige Pflege zuteil werden läßt, sondern die Berufsgenossenschaft ist, wenn Sie durch Folgen des Unfalls über die 13. Woche hinaus in Ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt sind, verpflich tet, Ihnen eine Rente zu gewähren. Für die Dauer der ersten 13 Wochen zahlt der Träger der Unfall versicherung bei Arbeitsunfähigkeit Krankengeld, so fern der Verletzte nicht schon aus der Krankenversicherung Krankengeld bezieht. Die Verpflichtung zur Gewährung der Rente beginnt bei Verletzten, die auf Grund der Reichsversicherung gegen Krankheit ver sichert sind, mit dem Wegfall des Krankengeldes aus der Krankenversicherung, spätestens mit der 27. Woche nach dem Unfall, bei anderen Verletzten mit dem Tage nach dem Unfall.“ „Wie hoch ist denn die Rente, die ich erhalten würde?“ „Das kann ich Ihnen nicht ohne weiteres sagen. Die Vollrente, die Sie für die Zeit Ihrer vollen Erwerbsunfähigkeit erhalten, beträgt zwei Drittel des Entgelts, den Sie im letzten Jahre im Betriebe bezogen haben. Wenn die Unfallfolgen nun noch eine teilweise Minderung der Erwerbsfähigkeit bedingen, so erhalten Sie eine entsprechende Teilrente.“ „Ich habe im letzten Jahre nicht nur eine erhebliche Anzahl Ueberstunden gemacht, sondern habe auch noch, wie es bei uns im Betriebe üblich ist, eine Sonderzuwendung aus Anlaß des Weihnachtsfestes erhalten. Werden diese Beträge bei der Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes berücksichtigt?“ „Jawohl, der Jahresarbeitsverdienst umfaßt den gesamten Entgelt, den der Versicherte in dem Jahre vor dem Unfall bezogen hat.“ Fällt Rente aus bei eigener Schuld? „Ihre Aufklärung, Meister, gibt mir neue Hoffnung. Wird aber nicht die Berufsgeossenschaft einwenden, ich hätte den Unfall selbst verschuldet und könnte deshalb eine Rente nicht erhalten?“ Nein! „Nein, dieser Einwand ist nach dem Gesetz unzulässig. Verbotswidriges und auch grob fahrlässiges Verhalten schließt den Entschädigungsanspruch nicht aus. Lediglich bei vorsätzlicher Herbeiführung eines Unfalls ist ein Entschädigungsanspruch nicht gegeben. Eine Ausnahme hiervon bilden nur die Unfälle auf dem Wege von und zur Arbeit, auf dem der Arbeiter oder Angestellte, der dem Schutz der reichsgesetzlichen Unfallversicherung untersteht, auch versichert ist. Hat aber bei der Entstehung eines Wegunfalls ein Verschulden des Versicherten mitgewirkt, so kann der Versicherungsträger den Schadenersatz ganz oder teilweise versagen. Im übrigen haben es sich die Versicherungsträger zur Hauptaufgabe gestellt, durch vorbeugende und aufklärende Maßnahmen Unfälle weitgehendst zu verhüten. Es werden sehr erhebliche Mittel jährlich aufgewendet, um Maschinen mit Schutzvorrichtungen zu versehen, die Gefolgschaft durch Unfallverhütungsbilder und aufklärende Schriften zur Vorsicht zu mahnen und durch immer neue technische Verbesserungen die Versicherten vor Schaden zu bewahren. Hier ist die verständnisvolle Mitarbeit der Gefolgschaftsmitglieder von besonderem Wert. Sie müssen einsehen, daß das Losungswort der Versicherungsträger„Unfälle verhüten ist besser als Unfälle vergüten", nicht nur zum Besten der Volksgemeinschaft, sondern insbesondere auch zum Besten jedes Einzelnen geprägt ist. Denn keine Heilbehandlung und keine Rente kann das kostbarste Gut des Menschen, die Gesundheit und Untersehrtheit des Körpers, ersetzen.“ „Das erkenne ich ohne weiteres an. Ich werde Ihrer Mahnung, Meister, stets eingedenk sein, wenn ich wieder in Arbeit stehe. Beschränkt sich denn die Unfallversicherung lediglich auf das Gebiet der Ver gütung und Verhütung von Unfällen oder greift sie auch schützend bei Krankheiten ein?" Wer lchützt vor Berutskrankheiten? „Der Schutz gegen Krankheiten ist grundsätzlich Aufgabe der Krankenversicherung, trotzdem gibt es eine Reihe von sogenannten Berufskrankheiten, die auf Grund einer besonderen Verordnung des Reichs arbeitsministers unter den Schutz der Unfallversiche rung fallen. Es handelt sich hierbei um Krankheiten, die bestimmten Berufszweigen als besondere Gefanren eigen sind, so z. B., um eine der wichtigsten Berufskrankheiten zu nennen, die Erkrankung an schwe rer Staublunge in bestimmten Betrieben. Eine Ent schädigung auf Grund dieser Berufskrankheiten— Verordnung kann aber, was von den Versicherten häufig übersehen wird, nur dann gewährt werden, wenn es sich um eine Erkrankung handelt, die in der Verordnung genannt ist, und wenn die Krankheit in einem Betriebe erworben ist, den die Verordnung bezeichnet.“ Anmeldung von Entlchädigungsanlprüchen. „Nun sagen Sie mir bitte noch. was ich zu tun habe, um in den Genuß der Leistungen aus der Unfallversicherung zu kommen.“ „Auf dem Gebiet der Unfallversicherung sind die Leistungen der Versicherungsträger an sich von amtswegen festzustellen. Da es aber aus mancherlei Gründen möglich ist, daß diese Feststellung unterbleibt, so empfiehlt es sich, bei der zuständigen Berufsgenossenschaft die Entschädigungsansprüche anzumelden. Zur Heuernte Mit der Sommersonnenwende beginnt der richtige Sommer, und der letzte Frühlingsmonat. der Juni. nimmt von uns Abschied. Die Blütenzeit geht allmählich zu Ende. Der Roggen setzt zur Reise an—„PeterPurzel(Peter=Paul. 29. Juni) bricht dem Korn die Wurzel". Die Erntezeit kommt, die wichtigste Zeit des Jahres für den Bauern, der Höhepunkt seiner Jahresarbeit. Die Heuernte, die Heuaust, auch Heumahd genannt, macht den Anfang. Im alten Bauernliede heißt es:„Vor Johanni bitt' um Regen. nachher kommt er ungelegen". Die Heuernte beginnt meistens um den Johannistag und scheut den Regen durchaus. Das Heu ist besonders empfindlich und soll vom Regen verschont bleiben. Zu keiner anderen Zeit und Arbeit fühlt der Bauer so stark seine Verbundenheit mit der Natur und seine Abhängigkeit vom Wetter, wie zur Erntezeit, insbesondere in der Heumahd. Diese wäre ein reines Vergnügen, wenn sich nur jemand fände, der mit untrüglicher Sicherheit eine Woche lang für gutes Wetter garantieren könnte. Alle Arbeit in der Heuernte muß in einer ewigen Hetze durchgeführt werden, denn eines der in dieser Zeit des Sommerbeginns so geliebten Gewitter kann eine Arbeit von Tagen zunichte machen Gerade der Johannistag gilt als kritischer Tag erster Ordnung. Singt die Nachtigall und schreit der Kuckuck noch nach Johanni, so sind Mißernte und Teuerung zu befürchten. Wenn dagegen die Johanniswürmchen abends munter um die Hecken schwärmen und ihr seines Licht leuchten lassen. dann ist hieraus auf eine gute Ernte zu schließen. Erntebeginn wird je nach Landschaft und Stammesart mit gewisser Feierlichkeit begangen. Auf der Insel Sylt wurde bis 1870 Beginn und Ordnung des Mähers von der Ortsbehörde genau festgesetzt und mit Musik und Tanz unter freiem Himmel eröffnet. In Kärnten, das ja wieder zum Deutschen Reich gekommen ist, bestand eine förmliche Grashauerzunft der„Heuzieher", die ihre zunstmäßige Lade und ihre besonderen Gesetze hatten. An einem festgesetzten Tage zogen die Mitglieder— Meister. Gesellen und Lehrlinge— unter Trommelschlag der Arbeit. Während des„Heuets“ wird in den meisten Gegenden der Kleidung besondere Sorgfalt gewidmet, was wohl auf eine uralte Sitte verehrungsvollen Bittgangs zur vorchristlichen Wettergottheit zurückgeht. Auf germanischem Ackerkult beruhl der Volksglaube, wonach das blühende Leben menschlicher Jugend fördernd auf das Wachstum der Pflanzen wirkt: Nach der Ernte soll sich das junge Volk der Schnitter auf die Weide setzen— so wächst das Gras wieder reichlich zum zweiten Schnitt, zum„Grummet" im September. Vollsdeittsche Josef haydn ged. 1752 m Rohrau(Niederösterreich), gest. 1809 in Wien, der Lonschöpfer des Deutschlondliedes Herner Schuljugend sammelt für den VoA. Denn binnen zwei Jahren nach dem Unfall muß der nicht von amtswegen festgestellte Anspruch bei dem Versicherungsträger angemeldet sein. Sonst besteht die Gefahr, daß sich der Versicherungsträger auf den Ablauf der zweijährigen Ausschlußfrist beruft und damit den Anspruch zu Fall bringt. Nach Ablauf der Frist können Ansprüche nur unter bestimmten, in der Reichsversicherungsordnung näher geregelten Voraussetzungen geltend gemacht werden. Ich weise übrigens darauf hin, daß die Unfallanzeige allein zur Anspruchmeldung nicht ausreicht. Nach den gesetzlichen Vorschriften hat der Betriebsunternehmer jeden Unfall in seinem Betrieb, der den Tod oder eine Verletzung zur Folge hat, die den Betroffenen für mehr als drei Tage völlig oder teilweise arbeitsunfähig macht, bei der Ortspolizeibehörde oder einer durch die Satzung des Versicherungsträgers bestimmten Stelle anzumelden. Die Ortspolizeibehörde hat den Unfall, sofern der Versicherte getötet oder so erheblich verletzt ist, daß er voraussichtlich nach acht Wochen noch nicht wieder voll erwerbsfähig sein wird, zu untersuchen, d. h., sie hat Veranlassung, Ort, Zeit, Hergang und Art des Unfalls festzustellen, den Versicherten und etwaige Zeugen des Unfalls zu vernehmen und andere zur Aufklärung notwendige Ermittlungen anzustellen. Der Versicherungsträger wird dann in der Regel einen oder mehrere ärztliche Sachverständige hören und muß schließlich dem Verletzten einen Bescheid erteilen, indem zu der Frage der Entschädigung Stellung genommen wird. Die Berufungsinitanz. Werden die Ansprüche des Verletzten abgelehnt oder glaubt er, höhere Entschädigungsleistungen, als sie ihm gewahrt worden sind, geltend machen zu können, so steht ihm das Recht zu, binnen einem Monat nach Zustellung des Bescheides Berufung an das für seinen Wohnsitz oder Beschäftigungsort zuständige Obexversicherungsamt einzulegen. Er hat in dem Feststellungsverfahren das Recht, die Anhörung seines behandelnden Arztes zu verlangen. Er kann auch die Einholung seines Gutachtens von einem bestimmten Arzt, den er selbst ausgewählt hat, beantragen, muß dann allerdings unter Umständen die für die Anhörung nötigen Kosten vorschießen. Gegen das Urteil der Spruchkammer des Oberversicherungsamtes, die mit einem Mitgliede des Oberversicherungsamts als Vorsitzendem und je einem Vertreter der Betriebsführer und der Versicherten besetzt ist, gibt es— mit Ausnahme bestimmter im Gesetz besonders aufgeführter Fälle— den Rekurs an das Reichsversicherungsamt. Ueber dieses Rechtsmittel entscheidet der Spruchsenat, der mit einem Senatspräsidenten als Vorsitzendem, einem ständigen Mitglied des Reichsversicherungsamts, einem Richter und je einem Vertreter der Betriebsführer und Versicherten besetzt ist. Aufklärung fut not! „Haben Sie Dank für Ihre Aufklärung. Sie haben mir neue Kraft und den Glauben gegeben, daß der einzelne Volksgenosse in Zeiten der Not durch die Sozialversicherung Schutz und Hilfe findet.“ Würde Sophokles seine Stücke verfilmen lassen? Die Geschichte der ewig jungen„Jugend“.] Ein Erfolgs stück setzt auf der Leinwand seinen Siegeszug fort. Ein Zwiegespräch mit und von Max Halbe. Eines der größten Erfolgsstücke der neueren deutschen Theatergeschichte. Max Halbes„Jugend“. hat nun auch zum Tonfilm gefunden und schickt sich an. seinen Siegeszug auf der Leinwand fortzusetzen. In einem launigen Zwiegespräch mit einem erdachten Herrn I. schildert der Dichter Max Halbe nachstehend die Entstehungsgeschichte seines berühmten Werkes und nimmt dabei zu einigen wenigen Fragen der Filmkunst Stellung. Ich: Nehmen Sie Platz. Herr T.! Sie kommen im Auftrag Ihrer Zeitung. Womit kann ich Ihnen dienen? Herr T.: Es wird jetzt viel von Ihrem Drama „Jugend“ gesprochen. Noch mehr von dem gleichnamigen Film. Wann haben Sie Ihr Stück geschrieben? Ich: Vor sechsundvierzig Jahren. Herr T.: Vor sechsundvierzig Jahren' Gerade damals heiratete meine Großmutter meinen Großvater! Ich: Nun sehen Sie! Herr T.: Ich habe es bei der Abfassung meiner Ahnentafel neulich festgestellt. Ich wüßte es sonst wahrhaftig nicht. Haben Sie sich vor sechsundvierzig Jahren wohl träumen lassen, daß Ihr Stück jemals verfilmt werden würde? Ich: Ich glaube kaum. Schon deshalb nicht, weil man damals vom Film noch nichts wußte. Herr T.: Ganz richtig! Man übersieht das immer. Aber haben Sie auch nur geglaubt, daß man Ihr Stück nach so langer Zeit noch spielen würde? Ich: Hoffte es immerhin. Ich war vermessen genug. es zu hoffen. Wie vermessen das war, weiß ich erst jetzt. Herr T.: Warum? Ich: Weil ich inzwischen über die Lebensdauer von Stücken einige Erfahrungen sammeln konnte. Herr X.: Pessimistische? Ich: Wie mans nimmt! Mir scheint, es kommt auf die ersten dreißig Jahre an. Herr T.: Dreißig Jahre: Ich verstehe Sie nicht. Ich selbst bin erst sechsundzwanzig. Ich: Sehen Sie! Gerade so alt war ich, als ich meine„Jugend“ schrieb Herr T.: Ich habe auch schon mehrere Stücke in der Schublade. Aber was wollen Sie mit den dreißig Jahren sagen? Ich: Wenn ein Stück, ein Schauspiel, ein Drama die übersteht, ich meine die ersten dreißig Jahre auf der Bühne, dann ist schon einiges gewonnen. Dann ist Hoffnung, daß es sich auch noch länger behaupten wird. Herr T: Das scheint ja bei Ihrer„Jugend“ der Fall zu sein. Ich: gewinne allmählich auch den Eindruck. Herr X.: Liegt Ihrem Stück irgend ein Erlebnis zugrunde? Ich: Man kann wohl von einer solchen Urzelle sprechen. Herr T.: Würden Sie sich darüber äußern? Ich: Ich möchte Ihre Leser nicht damit ermüden. Sie finden alles Wissenwerte in meinem Buch„Scholle und Schicksal", Seite 255—265. Herr T.: Das sind offenbar Ihre Lebenserinnerungen? Ich: Der erste Band. Ja. Herr T.: War damals auch ein Pfarrhaus der Schauplatz Ihrer Erlebnisse? Ich: Gewiß! Aber ohne alle dramatische Zuspitzung Es gab nur den pfarrherrlichen Onkel und Vetter und Base, zwei blutjunge Menschenkinder. Ein einfaches. schlichtes Liebesidyll. Drei Tage. Und alles war vorbei. Herr T.: Aber der Kaplan. der noch im Stück und ganz besonders im Film eine so entscheidende Rolle spielt? Ich: Der trat erst später in das Bild, als alles nur noch Erinnerung war. Herr T.: Erinnerung wor?... Was taten Sie denn nachher? Ich: Ich ging nach Heidelberg, später nach München und Berlin, und studierte. Herr T.: Und schrieben Ihr Stück? Ich: Jawohl! Neun Jahre später! Herr T.: Verdammt! Sie haben sich reichlich Zeit gelassen! Warum? Ich: Weil ich mich noch nicht reif genug dafür fühlte. Es war ja auch nicht mein erstes Stück. Es war schon mein viertes. Herr T.: Das wurde dann natürlich sofort angenommen und sozusagen frisch von der Pfanne weg aufgeführt: Ich: Nicht so ganz! Es dauerte ein Jahr bis zur Annahme und Aufführung. Herr X.: Ein Jahr? Ich: Währendessen wurde es in Berlin und von den groten deutschen Bühnen überall abgelehnt Herr X.: Sie wurden natürlich ungeduldie Ich: Ein bißchen! Ja. Wir verbrachten den Som mer damals in Ammerland am Starnberger See. Meine Frau stellte sich jeden Morgen am Eingang des Dorfes auf und fing den Postboten ab. Er konnte ja wieder ein Manuskript des Stückes zurückbringen. Da wollte sie mich schonend darauf vorbereiten. Sie hat immer ein gutes Herz gehabt. Herr T.: Na schließlich hat ja dann das Residenztheater in Berlin das Stück doch noch gebracht. Und es wurde ein schöner Erfolg. wie die Berichte von damals lauten Ich: Kann man vielleicht sagen. Herr T.: Noch eine Frage. Ich: Bitte! Herr X.: Wie stellen Sie sich zu der Verfilmung Ihres Geisteskindes? Ich: Ich mußte das Wagnis eingeben. Niemand kann sich ihm heute entziehen, an den es herantritt. Auch Schiller und Goethe könnten es nicht, wenn die Tobis oder die Usa heute zu ihnen käme. Herr I: Das soll heißen, der Film ist die Dynamik der Masse? Ich: Wenn Sie wollen. ja. Wie der Rundsunk auch Es gilt eben nur. dieser Dynamik eine Seele einzuhauchen. Herr X.: Ist das Ihrer Ansicht nach bei Ihrem Film geschehen? Ich: Gehen Sie hin und überzeugen Sie sich selbst! Herr T.: Nur noch ein Wort: Würde Sphokles heute der Tobis den Oedivus zur Verfilmung übergeben? Ich: Wohl möglich! „Petermann ist dagegen“ Schauburg. Oetermann, der ewig mißgelaunte und verknöcherte Oberbuchhalter, fährt, wie in dem auch den Hernern bekannken Bühnenstück von August Hinrichs, mit„Kraft durch Freude“ zur See, aber nicht nach Madeira, sondern nach Norwegen. Der lustige Betrieb an Bord ist der gleiche, und gleichgestimmt in Ferien- und Erholungsfreude sind die Menschen, die das prächtige Reiseschiff bevölkern. In Pelermann vollzieht sich in Zusammensein mit den vielen frohen Fahrtgenossen und unter dem Erlebnis der schönen Gotteswelt die große Wandlung vom Miesepeter zum lebenund gemeinschaftbejahenden Volksgenossen.„Kraft durch Freude“ hat ihn gelehrt, das Leben von der richtigen Seite zu sehen und Schritt zu halten mit dem Nebenmann. Es ist nicht mehr als gerechl, daß solche Einsicht und Einkehr durch den Gewinn eines liebreizenden weiblichen Wesens belohnt wird. Frank Wosbar, der Spielleiker, brachte von einer Norwegenfahrt zünftige Aufnahmen vom Bordbetriebe und herrliche Landschaftsaufnahmen mit. Ihm, dem sonst zu ernsthaft mit Stilproblemen ringenden Regisseur, fiel es auch nicht schwer, die Handlung durch flüssiges Spiel und flotte Bildkomposition auf die rechten Lustspieltemperaturen zu bringen. So entstand ein Werkchen, das durch seinen Frohsinn und seine ungebundene Heiterkeit die Zuschauer unwiderstehlich ansteckt, so daß auch hier eine aufgeräumte „Krafl durch,Freude“ Stimmung herrscht. Nicht zuletzt ist der Erfolg darauf zurückzuführen, daß für die Hauptgestalten eine Reihe hervorragend geeigneter Darstellertypen zur Verfügung stand. Da ist zunächst der prachtvolle esermann Ernst Waldows. Er ist zunächst ein schrullenhafter, übellauniger Junggeselle, ein rechtes Betriebsekel, dem alle Angehörigen der Firma nach Möglichkeit aus dem Wege gehen. Aber es ist doch etwas, das mitleidig stimmt und für ihn einnimmt. Das empfindet besonders das muntere Fräulein Krüger, Leiterin der Betriebskantine, dargestellt von Fita Benkhoff. Die Gelegenheit, Petermann zu einer vernünftigen Auffassung des Daseins zu bekehren, ist gegeben, als beide ein Los für die Norwegenfahrt gewinnen. Dort versteht sie es wirklich, aus Petermann einen anderen Menschen zu machen, den alle gern haben. Waldow macht diesen Wandlungsprozeß mit seinkomischen Mitteln glaubhaft. Er hält sich von jeder Uebertreibung fern und sichert sich so bis zum glücklichen Ende eine stete Anteilnahme. Unter den weiteren Mit wirkenden: Hilde Schneider, Walter Groß, Beppo Brem Erstes Engagement. Von Brigitte Horney, im Fanal-Film der Afa „Anna Favekti“. Noch bevor ich das Studium beendet hatte, veranlaßte ein Agent, daß ich in Gera und Würzburg vorsprach Ich schnitt hier wie dort gut ab, entschied mich aber für Würzburg. Das war um Frühjahr 1930, die Spielzeit oder begann erst im Herbst, so daß ich noch Zeit für weitere Vorbereitung hatte. In Berlin wurde zu dieser Zeit ein Preis für die beste Nachwuchs=Schauspielerin ausgeschrieben; auf Veranlassung meiner Lehrerin beward ich mich darum und ging auch als Siegerin hervor. An dem Tage. da ich in die engere Konkurrenz trat, war meine Lehrerin aufgeregter als ich: sie legte sich, wie ich dies einstmals tun wollte, kurzerhand zu Bett. Mein Erfolg hatte sofort Auswirkungen. Nichk nur, daß mein Bild in allen Zeitungen erschien, das Deutsche Theater schloß mit mir einen Vertrag ab, der nach Beendigung des Würzburger Engagements wirksam werden sollte. Außerdem meldete sich sofort die Ufa und bestellte mich zur Probeaufnahme nach Babelsberg; zwei Tage späler bereits drehte ich meinen ersten Film— es war „Abschied". Trotz allem ging ich nach Würzburg, denn meine Lehrerin war der sehr richtigen Auffassung, sich erst einmal in der Provinz umzutun, ehe man sich auf einer Berliner Bühne sehen lietz, und ich kann nur erklären, daß mir diees eine Jahr in Würzburg viele wertvolle Erkenntnisse vermitlelt hat. Einen teuer erkauften Urlaub von zwei Monaten denußte ich, um auch in Paris zu fümen. Aus und für Herne Heute: Sommeranfang. Der Sommer beginnt in diesem Jahre kalendermäßig nicht am 21. Juni. sondern am 22. Juni. also heute. Diesmal war der Frühling recht unsreundlich. Er kam spät. brachte immer wieder kalte Tage. die Vegetation blieb zurück und viele Blüten erfroren. Aber schließlich konnte auch dieser Frühling das Grünen und Blüben nicht aufhalten, und er kann es jetzt nicht verhindern, daß er kalendermäßig Abschied nehmen muß, daß er vom Sommer abgelöst wird. Die Sonne bat ihren höchsten Tageslauf erreicht, die Sonnenwende steht bevor und damit auch der Sommer. Nun ist alles erwacht. Auch die Laubbaumarten, die ihre Blätter jedesmal am spätesten ansetzen. tragen jetzt einen weiten grünen Mantel. und dieses Grün ist so frisch, so leuchtend. als ob es eben erst von einem Meistermaler aufgetragen worden wäre. Grün wogen die Getreidefelder, über denen noch jubilierend die Lerchen stehen, wie schmale Bänder liegen die Straßen und Wege zwischen den Feldern. Wäldern und Wiesen, auch kahle Höhen und Schluchten mit Steingeröll sehen jetzt weniger verödet aus. Wer den Kuckuck noch einmal bören will, der muß jetzt hinaus in den Wald geben. denn bald wird er nicht mehr rufen. In den Gärten blühen die Blumen. die Rosen verbreiten ihren feinen Duft, bald wird dazu der Duft der Lindenblüte kommen. In der Vogelwelt geht es recht lebendig zu. In den Nestern hocken junge Schreibälse. denen die Eltern fortwährend Nahrung zutragen müssen. Viele der jungen Vögel sind schon ausgeflogen und schlagen sich bereits allein durch die Welt. Meister Grimbart. der Dachs. ist jetzt unermüdlich auf der Nahrungssuche, denn er hat sich noch lange nicht das Bäuchlein angemästet, das er braucht, wenn er sich im Herbst in seinen unterirdischen Bau zurückziehen will. Für Reineke Fuchs ist ebenfalls die Gelegenheit, sich einen guten Bissen zu verschaffen, besser als im Winter. Nun ist die Badezeit gekommen. Ueberall tummeln sich Menschen in Seen. Flüssen und Teichen. Auch die Zeit der Erholungsreisen, des Sommerurlaubs. setzt ein. Schon ist ein Teil der Arbeiter. Angestellten oder Beamten in den Urlaub abgeschwirrt, andere halten Familienrat ab. wobin in diesem Jahre die Reise gehen soll. Kraft durch Freude wird Trumpf! Landkarten. Geographiebücher Reiseführer liegen in den Wohnungen und in den Büros auf den Tischen, der sorgliche Hausvater macht einen Ueberschlag über die voraussichtlichen Ausgaben der gevlanten Reise. Zugleich bereiten sich die Bade= und Erholungsorte überall auf das Kommen der Gäste vor. Kommt der Sommer beran, so beschleicht die meisten Menschen ein Gefühl. das Paul Gerbardt einmal in dem Soruch zusammenfaßte: Geh' aus mein Herz und suche Freud' in dieser lieben Sommerzeit! ** 2 An die Pflegeeltern der Kinder der Osimark. Butter-Zusatzscheine abholen! Wir bitten hierdurch alle Pflegeltern, in der Kreisgeschäftsstelle der NS=Volkswohlfahrt, Rathaus, Zimmer 128, vorzusprechen zwecks Abholung von Butter=Zusatzscheinen. NS=Volkswohlfahrt. ** Sonnenwendfeier der Herner SA. Diesmal Leitgedanke: Großdeutschland. Die SA begeht den Sonnenwendappell aus einem inneren Bedürfnis heraus. Sie will am Feuerstoß zur nächtlichen Zeit eine Stunde der Besinnung in ihrem Kampf um Deutschland erleben. Die soldatischen Kämpfer des Führers erinnern sich in dieser Stunde, daß sie die dunkelste Zeit unseres Volkes siegreich überwunden haben. Wenn sie am Feuerstoß stehen, erscheint ihnen die leuchtende Flamme inmitten der Nacht als ein Symbol des Kampfes und des Sieges. Der Gemeinschaftsgedanke, die Freude am Sieg und die Verpflichtung zum weiteren Kampf finden hier ihren sinnvollen Ausdruck. Der diesjährige Sonnenwend=Appell beginnt heute, am 22. Juni, gegen 21.30 Uhr auf dem Schützenplatz. Er steht unter dem Eindruck der Rückkehr unserer österreichischen Brüder ins Reich. Sein Leitgedankesoll daher sein: Großdeutschland. Dem 1. Teil, der mit einem Sieg=Heil auf den Führer endet, folgt ein kurzer Marsch der Einheiten durch die Innenstadt. Nach der Rückkehr zum Sonnenwendfeuer rufen ihnen die„Wachen“ ihre mahnenden und verpflichtenden Worte zu. Die brennenden Fackeln werden ins Feuer geworfen. Deutschland= und Horst=Wessel=Lied beenden die Feier. Die SA beging bisher diese nächtlichen Stunden der Besinnung still für sich. In ihrer Freude über die Rückkehr unserer Brüder und Schwestern aus Oesterreich möchte sie sich aber eins wissen mit allen Volksgenossen unserer Stadt. Sie fordert darum alle deutschen Männer und Frauen auf, am diesjährigen Sonnenwendappell teilzunehmen. 2* Arbeitsomt geschlossen! Geldstrafe bis zu 150 RM., in besonders schweren Fällen mit Haft bis zu zwei Wochen bestraft. Diese Vorschrift gilt nicht, sofern Personen beschäftigt werden, die dem Unternehmer(Arbeitgeber) von einem Arbeitsamte zugewiesen sind oder deren Beschäftigung der Unternehmer(Arbeitgeber) dem zuständigen Arbeitsamt unter Angabe des vereinbarten Lohnes angezeigt hat. § 2. Die Polizeiverordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft und am 1. April 1941 außer Kraft.“ Das Arbeitsamt wird bei Verstößen gegen die vorstehende Polizeiverordnung von den Strafmitteln in allen Fällen Gebrauch machen. Es liegt also im eigenen Interesse aller Personen, die Arbeiter oder Angestellte beschäftigen wollen, diese nur nach Zuweisung durch das Arbeitsamt einzustellen. *** Verkaufssonntage vor Weihnachten 1938. RSG. Das Gaupresseamt weist darauf hin, daß der Reichsarbeitsminister bereits jetzt die Regelung der Verkaufssonntage vor Weihnachten 1938 bekanntgegeben hat. Danach werden auch in diesem Jahr einheitlich die Verkaufssonntage vor Weihnachten für das gesamte Reichsgebiet festgelegt, und zwar in der Zeit vom 26. November bis 26. Dezember 1938 kommt nur die Freigabe des 11. und 18. Dezember 1938 als Verkaufssonntage in Betracht. Wie im vergangenen Jahre, sind auch Lage und Dauer der Verkaufsstunden in benachbarten Bezirken einheitlich festzusetzen. Diese Regelung bezieht sich auch auf den Gewerbebetrieb im Umherziehen. soweit er unter die§§ 42 B und 55 Abs. 1 Zimmer 1/3 der Gewerbeordnung fällt. Dagegen wird die termingemäße Festsetzung der Sonntagsmärkte hiervon nicht berührt. Durch diese Bekanntgabe können sich Handel und Gewerbe rechtzeitig darauf einstellen. *** Oesterreichhilfe. Im Auftrage des Herrn Reichskommissars für die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche, Gauleiter Bürckel, hat die Geschäftsstelle „Oesterreichhilfe“ eine allgemeine Aufklärungsschrift „Oesterreich im großdeutschen Volksreich“ von Hans F. Weck sowie eine Sammlung von 24 künstlerischen Bildpostkarten aus dem Lande Oesterreich herausgegeben, die allen Herner Schulen zugestellt wurden. Wie in dem Geleitwort des Herrn Reichsministers Dr. Fria zum Ausdruck kommt, ist es der Zweck dieser beiden Veröffentlichungen, jedem Volksgenossen, vor allen Dingen der deutschen Jugend die Möglichkeit zu bieten, sich in die Vergangenheit Oesterreichs im Sinne seiner deutschen Mission zu vertiefen, um so sie Größe unserer Tage zu begreifen und zu erkennen, velche Bedeutung die Rückkehr der Ostmark für den lusbau des großdeutschen Volksreiches besitzt. Die Geschäftsstelle der Oesterreichhilfe in Wien macht ausbrücklich darauf aufmerksam, daß der Erlös restlos der Oesterreichhilfe des Gauleiters Bürckel zufließt. * Wie man feststellen konnte, bemühen sich die Herner Pflegeeltern sehr um ihre Gastkinder. In mehreren hiesigen Familien wurden den Kindern aus Oesterreich bereits neue Kleidungsstücke, z. B. Schuhe, Wäsche, Hosen und Röcke besorgt. Von den Speichern und aus den Kellern holte man Zurückgestelltes, aber noch brauchbares Spielzeug, sogar Fahrräder, um sie damit zu erfreuen. Schon am letzten Sonntag machten einige Betreuer mit ihren Schützlingen Ausflüge mit dem Wagen zur Ruhr und zum Halterner See. So wird allerseits in Herne tatkräftige Oesterreichhilfe geleistet und den Gastkindern der hiesige Aufenthalt gewinnbringend für Körper und Geist gestaltet. —* Stadt und Land im Gau Koblenz=Trier haben ihre Ehre darin gesetzt, den 600 Getreuen des Führers vom Gauleiter bis zum Blockwart aus allen Gauen des Reiches— zum ersten Male sind auch die alten Kämpfer der deutschen Ostmark dabei— als Dank für ihre von der Kampfzeit bis heute ununterbrochen geleistete opferbereite und ehrliche Arbeit im Dienst des Führers, der Bewegung und des Volkes einmal das zu zeigen, was die Westmark im Reich Adolf Hitlers geleistet hat. Die Fahrt begann gestern abend mit einer Großkundgebung auf dem Palastplatz der ältesten deutschen Stadt Trier. Hier schloß sich am Abend eine von den Junkern der Ordensburg Vogelsang gestaltete Feierstunde an. Heute früh tritt die Alte Garde des Führers ihre Westmarkfahrt von der Porta Nigra in Trier über die Mittelmoselstraße nach Bernkastel über den Hunsrück an. Durch den Hochwald geht es dann nach Idarstein und durch das Nahetal nach Bad Kreuznach. Der zweite Fahrttag bringt die alten Kämpfer um historischen Bacharach am Rhein. Nach dem Beuch der Jugendburg Stahleck geht es mit einem Sonderfahrt zur Reichsgartenschau am 26. Juni 1938. Nach folgendem Fahrplan geht die Fahrt vonstatten: Hinfahrt: Castrop ab 8.20 Uhr Herne ab 8.31 Uhr Wanne=Eickel Hbf. ab 8.40 Uhr Essen Hbf. an 9.05 Uhr Rückfahrt: Essen Hbf. ab 20.56 Uhr Wanne=Eickel Hbf. an 21.21 Uhr Herne an 21.29 Uhr Castrop an 21.46 Uhr Aemeldungen für diese Fahrt werden noch auf den Dienststellen der RSG.„Kraft durch Freude", Herne, Schulstraße 28. Zimmer 7. und in der Vorverkaufsstelle Castrop=Rauxel, Viktoriastraße 10, entgegengenommen.— Fahrpreis mit Eintrittsgeld zur Ausstellung 1,50 RM. *** Der B9A fährt zum„Sohenstein“ Am Donnerstag, dem 23. Juni, 15 Uhr, treffen sich die Herner Mitglieder des BDA am Neumarkt, um zum Hohenstein bei Witten zu fahren. Bei kleineren Vorführungen und gemeinsamen Besichtigungen, Spaziergängen und Kaffeerast werden sie hier einen schönen und fröhlichen Nachmittag verleben. Karten für die Fahrt sind zum Preise von 1,30 RM. bei den Kassiererinnen sowie im Vereinslokal Hotel Schlenkhoff zu haben. *** Muß ich noch Bekleidung aus südischer Hand kaufen? RSG. Die„Adefa“, Arbeitsgemeinschaft deutscharischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie e. V., veranstaltet in der Zeit vom 21. Juni bis 1. Juli 1938 in den Reichshallen Berlin, Leipziger Straße 77, die 21. Adefa=Ausstellung für Damen= und MädchenBekleidung. In dieser Schau wird wiederum in sehr eindrucksvoller Weise bewiesen, daß der urische Fabrikant erstklassige und modisch sehr schöne Bekleidung herzustellen in der Lage ist. Der Besuch dieser Ausstellung ist daher dringend zu empfehlen, vor allem auch jedem deutschen Textil=Einzelhändler. Bekanntlich ist jede Käuferin heute in der Lage, bei ihren Einkäufen festzustellen, ob sie Ware von einem deutschen oder jüdischen Hersteller kauft, da die Waren der Adefa=Mitglieder das bekannte Schild tragen:„Das Zeichen für Ware aus arischer Hand". *** Betriebsausflug der Stadtverwaltung Herne In Verbindung mit der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ unternahm am Fronleichnamstage die Herner Stadtverwaltung einen Betriebsausflug zum Rhein. Rund 1000 Teilnehmer hatten so einmal Gelegenheit, sich, statt an Akten, am herrlichen Bilderbuch der rheinischen Landschaft zu erfreuen. Morgens um 5.45 Uhr traten alle auf dem Adolf=Hitler=Platz an, um von hier aus mit Musik zum Bahnhof zu marschieren, wo ein Sonderzug um 6.30 Uhr die Teilnehmer bis nach Köln=Deutz beförderte. Das Wetter war leider nicht günstig, doch wurde hierdurch die Laune der Ausflügler keineswegs getrübt. In Köln=Deutz bestieg man den Dampfer„Westmark“ und um 8.45 Uhr setzte sich dieser in Bewegung. An Bord herrschts schon bald frohe Stimmung, wozu Musikstücke und Tanzeinlagen beitrugen. Von 12 bis 13 Uhr wurde das gemeinsame Mittagessen eingenommen. Besondere Aufmerksamkeit erregten natürlich das Leben auf dem Rhein und die Sehenswürdigkeiten an dessen Ufern. Man fuhr bis Linz und dann zurück bis Königswinter. Infolge Reißens der Ankerkette verzögerte sich das Anlegen des Schiffes um zwei Stunden, so daß erst um 16 Uhr das Schiff verlassen und das Städtchen aufgesucht werden konnte. Der Aufenthalt dort währte bis 19 Uhr. Herrlicher Sonnenschein lag jetzt über Königswinter, so daß der Abschied von hier schwer fiel. Doch mußte um 19.15 Rheindampfer bis Andernach und von dort zum zauberhaft schönen Laacher See in der Eifel. Durch das Brohltal führt der Weg dann nach Bad Neuenahr. Am Schlußtage werden Adenau, der Nürburgring, die Dauner Eifelmaare mit Bad Bertrich, Alf und Cochem besucht. Am Spätnachmittag trifft die Alte Garde wieder in Koblenz ein, wo eine große Schlußkundgebung am Deutschen Eck, bei der der Stellvertreter des Führers zu den alten Kämpfern sprechen wird, eine Fahrt an den festlich beleuchteten Rheinufern entlang, ein Rheinischer Abend im Weindorf zu Koblenz der feierliche Ausklang sein werden. Der Gauleiter des gastgebenden Gaues KoblenzTrier, Staatsrat Simon, gab den Vertretern der aus allen Teilen des Reiches gekommenen Presse einen außerordentlich anschaulichen Umriß über die Struktur, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung seines Gaues, der erkennen ließ, daß die treuen Gefolgsmannen des Führers, von denen 18 aus dem Gau Westfalen=Süd— unter ihnen auch Oberbürgermeister Meister— sind, vor einem Erlebnis stehen, das ihnen unvergeßlich bleiben wird. Die Westmarkfahrt der Alten Garde Das Programm der Jahrt durch den Gau Koblenz-Trier. Achtung, SA=Sportabzeichenträger! SA=Sportabzeichenträgern, die bisher noch nicht an der Wiederholungsübung teilgenommen haben und im Besitz ihres Abzeichens bleiben wollen, wird am kommenden Sonntag, dem 26. Juni, noch einmal hierzu Gelegenheit gegeben. Angetreten wird auf dem Adolf=Hitler=Platz; der Abmarsch erfolgt um 7 Uhr. Die erforderlichen Unterlagen sowie Bleistift und Papier sind mitzubringen. Der SA=Sportabzeichenprüfer: Schneider, Sturmhauptführer. Uhr die„Westmark" zur Rückkehr nach Köln=Deutz bestiegen sein. Auf der Rückfahrt wurde gemeinsam das Abendessen eingenommen. In Köln=Deutz, wo man um 21 Uhr angekommen war, verbrachte man noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Sonderzuges. Um Mitternacht war man wieder in Herne. Und über die Akten gebeugt wird man zwischendurch noch oft an diese schöne Rheinfahrt zurückdenken. „** Gemeinschaftsabend für Hausgehilfinnen. Die Deutsche Arbeitsfront, Fachgruppe Hausgehilfen, gibt bekannt, daß am Mittwoch, dem 22. Juni d. J., abends 8 Uhr im Lokal Dorlöchter, Herne, Vinckestraße, ein Gemeinschaftsabend für Hausgehilfinnen stattfindet. Die Hausfrauen werden gebeten, ihre Hausgehilfinnen für diesen Abend zu beurlauben. n*2 1 Jahr Gesängnis für einen Schmutzfink. Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Bochum verurteilte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit einen W. von Herne wegen widernatürlicher Unzucht im Rückfall gemäß§ 175 des Strafgesetzbuches zu 1 Jahr Gefängnis. ** * Die starke Benutzung des Notbahnsteiges im Herner Hauptbahnhof durch Sonder= und Urlauberzüge, so durch die NS=Volkswohlfahrt, die KdF und andere Betriebsausflüge, ist bei der Essener Reichsbahndirektion nicht unbemerkt geblieben. Der Notbahnsteig ist im Vorjahr von nicht weniger als rd. 85000 Personen benutzt worden. Dieser Tage ist eine Kommission von der Essener Reichsbahndirektion in Herne gewesen, die an Ort und Stelle die Verhältnisse auf den Bahnsteigen studierte. Man hat eingesehen, daß der Notbahnsteig den Zukunftsforderungen nicht mehr genügt und daher eines Ausbaues bedarf. Man rechnet damit, daß für 1938 mehr als 100 000 Personen diesen behelfsmäßigen Bahnsteig benutzen werden. Wir nehmen an, daß in erster Linie der schmale Aufgang nach beiden Seiten hin erweitert wird, um die erste Vorbedingung zur Bewältigung bei Massenandrang zu erfüllen. * Z u r l e t z t e n R u h e g e b e t t e i. Mit dem verstorbenen Malermeister Heinrich Disteldorf wurde gestern nachmittag eine der bekanntesten Erscheinungen des Stadtteils Baukau zu Grabe getragen. Alle, die diesen ruhigen Menschen gekannt haben, werden sein Hinscheiden bedauern. Als Mitglied der Caritasbewegung hat er sich stets für die Notleidenden eingesetzt. Er gehörte seit 35 Jahren dem Kirchenchor der St.=Marien=Pfarre, zuleßzt als Ehrenmitglied, sowie den kirchlichen Vereinen an. Die Malerinnung Herne—Castrop=Rauxel, die ihm gestern in besonders stattlicher Zahl neben den vielen übrigen. Trauergästen das letzte Geleit zum Baukauer Friedhof gab, schätzte seinen Rat besonders. Nach den kirchlichen Zeremonien, die Vikar Hengstbach vornahm, sang der Kirchenchor von St. Marien unter Leitung von Wißdorf die Trauerweise„Auferstehn". Möge der Dahingeschiedene in Frieden ruhen! * In neuen, hellen Farben. Umfangreiche Instandsetzungsarbeiten hat die Verwaltung in der letzten Zeit an den Häusern ihrer Wohnkolonie Julia durchführen lassen. Gegenwärtig werden die Häuser mit einem hellen Anstrich versehen. * Die Hand verloren. Von einem bedauerlichen Unfall wurde der jugendliche Arbeiter W. B. aus der Rottbruchstraße betroffen, der beim Beheben eines Schadens mit der Hand in die Mähmaschine geriet. Dabei trug er derart schwere Verletzungen davon, daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte, wo die Hand amputiert werden mußte. * D a s i s t F u h r m a n n s p e c h. Ein Kohlenfuhrmann, der gestern die Hiberniastraße befuhr, war nicht wenig erstaunt, als sich plötzlich ein Radbruch einstellte, so daß die Ladung nach Herbeischaffung eines Reservewagens umgeladen werden mußte. Etwas später, als er die Fahrt fortgesetzt hatte, zog sich das Pferd beim Scharren an einem Erdhaufen durch Glassplitter eine schwere Fußverletzung zu, die wiederum tierärztliche Behandlung notwendig machte. * Deutsches Frauenwerk. Herne-Mitte. Am Donnerstag, dem 23. Juni, 20 Uhr, findet ein Heimabend bei Stemberg statt. * Deutsches Frauenwerk, Herne-Alt. Am Donnerstag, dem 23. Juni, abends 20 Uhr. findet die Mitgliederversammlung in Koopmanns Gaststätten statt. Die Jugendgruppe nimmt geschlossen daran teil. 190 Kriegerwitwen in Erholung Ein schönes Liebeswerk im Zeichen der RSKOD. Ausnahmen in dringenden Fällen. Das Arbeitsamt teilt mit: Wegen der im ganzen Reiche stattfindenden Arbeitsbuch=Statistik bleiben die Dienststellen des Arbeitsamtes in Herne, Wanne=Eickel und Castrop= Raurel für den allgemeinen Publikumsverkehr am Freitag, dem 24. Juni 1938, und am Sonnabend, dem 25. Juni 1938, geschlossen. Arbeitslose werden an diesen Tagen in den Vormittagsstunden nur vorgelassen, wenn sie das Arbeitsamt in dringender Angelegennei:— Arbeitslosmeldung und Abmeldung in Arbeit— in Anspruch nehmen wollen. Die Kontrollmeldungen fallen an diesen Tagen mit Ausnahme der Kontrolle für Angehörige des Gaststättengewerbes und für Musiker aus. Die Unterstützungszahlung findet jedoch am Freitag, dem 24. Juni 1938, statt. * Bekämpfung der Schwarzarbeit. Beschäftigung von Arbeitslosen nur im Einvernehmen mit dem Arbeitsamt möglich. Auf Grund des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. 6. 31 ist für das Land Preußen mit Wirkung vom 1. 4. 38 folgende Polizei=Verordnung erlassen worden: § 1. Wer Personen, von denen er weiß oder wissen muß, daß sie Arbeitslosen= oder Wohlfahrtsunterstützung beziehen, gegen Entgelt beschäftigt, wird mit RSG. Bahnsteig 3 im Bahnhof in Dortmund. Frohe Gesichter, Blumensträuße, Tücherschwenken. 10 Frauen fahren 3 Wochen ins Siegerland. Weit weg ist die Sorge des Alltags, der seine Spuren in die Gesichter all der Frauen hineingemeißelt hat. Es sind Frauen, deren Männer in den Argonnen und deren Söhne in Flandern oder in Rußland für ein ewiges Deutschland gefallen sind. Es sind Frauen, deren Männer oder Söhne als Frontsoldaten ihr Leben freudig hingaben, damit Deutschland lebe. Es hat eine Zeit gegeben, da hatte man sie und ihre Opfer vergessen. Da standen die Frauen ganz allein, bis die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung und das vom Führer gegründete Kriegsopferamt der RSDAP sich ihrer annahmen, bis Hitler der Führer in Deutschland war und sich sofort ihrer erinnerte. Deutschland wurde wieder dankbar. Und nun wich die Sorge aus dem Gesicht dieser Frauen und Mutter: nun können sie wieder lachen, nun schwenken sie Tücher und Frühlingsblumen, die die Angehörigen ihnen als Gruß mit auf die Reise gaben. Wie dankbar leuchten die Augen! Sie glauben doch an den Führer, der ein treuer Kamerad ihrer unvergeßlichen Toten ist. Sie glauben an ihn, weil er an sie glaubt und sie nicht vergißt. Da rollt der Zug hinaus aus der Halle, und unsere stillen Wünsche begleiten die Frauen. Möge ihrem Urlaub gutes Wetter beschieden sein, damit sie sich erholen und Freude finden. Sie leben heute in dem Bewußtsein: Sie sind im Staat Adolf Hitlers alle in treuer Hut bei den Frontsoldaten in der RSKOV.— Und morgen fahren wieder andere und immer wieder neue, den ganzen Sommer hindurch und den Herbst, in die grünen Berge des Siegerlandes und Sauerlandes. Dann kommen sie drei Wochen später wieder mit blanken Augen und gesund an Körper und Seele und mit dem festen Willen, dem Führer dankbar zu sein. Vor drei Jahren begann die NSKOV im Gau Westfalen=Süd mit der Erholungsfürsorge für diese Frauen. Man kann schon sagen, daß sie Erfolg gehabt hat. In jedem Jahr wurden es mehr. In diesem Jahr sind es bereits 189. Ins Erholungsheim Charlottental bei Siegen fuhren: vom 3.—31. März 1938 39 Frauen, vom 4. April bis 2. Mai 1938 41 Frauen, vom 5. Mai bis 1. Juni 41 Frauen; in die Pension Rubarth, Belecke: vom 10. Juni bis 7. Juli 1938 25 Frauen; ins Müttererholungsheim Warstein der NSV fahren vom 16. Juli bis 11. August 1938 43 Frauen. * A u s d e m K l e i n g ä r t n e r v e r e i n H e r n e- S ü d. Zur Schulung seiner Mitglieder wird der Kleingärtnerverein Herne=Süd in gewissen Zeitabständen als Gemeinschaftsfahrten die Reichsgartenbauausstellung in Essen besuchen, um dort insbesondere in der Kleingartenabteilung während des Sommers und Herbstes wertvolle Neuerungen auf dem Gebiete des Obst= und Gartenbaues kennenzulernen, was für die Weiterbildung aller Mitglieder unerläßlich ist. Dieser erste Gemeinschaftsbesuch der Ausstellung findet am nächsten Sonntag, dem 26. Juni, statt. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Verein wieder sein so bekanntes und beliebtes Sommerfest. Dieses findet am Sonntag, dem 10. Juli, in den Kleingartenanlagen statt. Es wird wie bisher auch diesmal wieder ein echtes Volksfest werden. Samstag, den 9. Juli, bewegt sich abends durch die bunt beleuchteten Gartenanlagen der bei groß und klein so beliebte„KinderFackelzug“. Sonntag nachmittag spielt nach dem „Festzug“, mit dem eine Blumenwagenfahrt verbunden ist, wieder das„Kasperle=Theater“ auf. Weiter sind Kinderbelustigungen aller Art vorgesehen. Eine Musikkapelle verschönert das Gartenfest mit Märschen, Volksliedern und Tanzweisen. In der n9U. finden sich Die Starben zu einer Gemeinschaft zusammen, um ale Schildträger vor dem teben deo Velbee zu Niehen! Schmeling schwerster Kampf Wird„Max“ zum zweiten Male Weltmeilter?-— Zweite Begegnung mit Joe Louis. Kampf des Jahrhunderts? Nun steht der Deutsche Meister aller Klassen, Max Schmeling, vor dem schwersten Kampf seines Lebens. Mit 33 Jahren will er versuchen, zum zweiten Male Weltmelster im Schwergewicht zu werden und damit die disherige Ansicht der Fachwelt übertrumpfen, die besagt, daß Schwergewichts-Weltmeister nimmer zurückkommen. Es hat dem Deutschen viel Beherrschung und Konzen tration gekostet, bis er sein Ziel, den Weltmeisterschafts kampf, erreicht hat. Kostbare Jahre gingen für ihn verloren, da die amerikanischen Geschäftemacher ihn um jeden Preis ausschalten wollten. Als er 1936 den damals als „Ueberboxer“ geseierten Neger Joe Louis in der zwölften Runde durch k. o. besiegte, da schien sich Schmeling endgültig den Weg zum Weldmeisterschaftskampf mit James Jimmy Braddock freigemacht zu haben. Aber Braddock zing dem Deutschen in seiger und unsportlicher Haltung aus dem Wege und stellte sich dann um eines besseren Verdienstes Willen dem Neger Louis, der sich durch einen Nie derschlagssleg nach acht Runden auf billigste Weise den Weltmeisterkitel sichern konnte. Dann wartete man wieder einige Zett, erst dann erklärte man sich bereit, einen Kampf Louis— Schmeling um die Weltmeisterschaft abschließen zu wollen. Aber auch setzt ließ man den Deutschen noch einige Zeit„zappeln“. Erst als Mike Jacobs, der inzwischen die Hegemonie als amerika nischer Boxkampfveranstalter erreicht hatte, die Sache in die Hände nahm, kam es zum Abschluß eines gültigen Vertrages. Jacobs hatte richtig gewitterk— dieser Kampf Schmeling— Louis um die Weltmeisterschaft wird ein Ereignis sein, wie man es seit Jahr und Tag nicht mehr Im amerikanischen Boxsport erlebt hat. Durch die von beiden Boxern eingegangenen Vorbereitungskämpfe gab es von Monat zu Monat eine Steigerung, und schon jetzt steht fest, daß die Begegnung heute nacht im Neuvorker Bankee=Stadium nur noch mit den Kämpfen verglichen werden kann, die sich einst Dempsey und Tunney lieferten. Wird Schmeling in diesem 64. Kampf seiner Laufbahn das bisher von niemand erreichte hobe Ziel gewinnen? Dieses ist für uns Deutsche die Grundfrage der Auseinandersetzung. Aber auch in Amerika, wo man sicherlich schon allein aus nationalen Gefühlen heraus gerne sehen würde, daß der Weltmeistertitel in den Staaten bleibt, hat man für die Bestredungen Schmelings ein großes Mitgefühl. Auch dem ehrlichen Amerikaner war es schließlich zuviel, wie dieser sympathische Deutsche, der durch den Sieg über Louis das verdriefte Recht hatte, Braddock um die Weltmeisterschaft zu boxen, offensichtlich verschoben wurde. Und wie es dann der ganzen Welt imponierte, daß dieser Deutsche nicht locker ließ und konsequent seiner Chance nachging und auf seinem Recht bestand, so empfand auch der Bankee Achtung vor Schmeling. Nun, da es zu der großen Auseinandersetzung kommt, zeigt es sich deutlich, daß Schmeling viele, viele Freunde in Amertka gewonnen hat. Obwohl sein Trainingslager weitab von Neuvork lag, kamen welt mehr Zuschauer als zu Louis nach Pompton Lake, das nur eineinhalb Autostunden von der Weltstadt entfernt ist. etwas trägen Weltmeister geistig haushoch überlegen. Wenn Louis das Werkzeug seiner Sekundanten in der Ecke ist, dann ist Schmeling der Mann, der nach eigener Taktik handelt und in jeder Sekunde genau weiß, wie er sich einzustellen hat. Joe Louis' Absicht ist offenbar. Er will den Deutschen in den ersten Runden überfallen und vernichten. Technisch bringt der Neger ein gutes Rüstzeug in den Ring. Er hat eine wundervolle Linke, und auch seine Rechte kann hart zuschlagen. Außerdem ist Louis schnell und kann beldhändig ungemein genau und schmerzlich trommeln. Schmelings große Chance ist es, den Ueberfall des Gegners abzustoppen. In erster Linie wird hier wieder seine Rechte entscheldend sein, die vor zwei Jahren bereits in der zweiten Runde den Neger zurückwarf. Ueber die Distanz hat Schmeling, so gestehen alle amerikanischen Boxfachleute es ein, ohne Zweifel die größten Aussichten, und sie halten Louis für verloren, wenn er den Deutschen nicht frühzeitig von den Beinen bringen kann. * Wir alle werden in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag am Radio sitzen und uns die Uebertragung aus Neuyork anhören. Mit uns wird es die halbe Welt. Wenn aber dieses Gefecht für die ausländischen Boxsportfreunde eine besondere Sensation ist, dann ist es für uns Deutsche eine nationale Angelegenheit. Max Schmeling ist nicht nur unser größter Boxer, sondern auch unser perfektester Sportsmann, der sehr viel für das deutsche Ansehen im Ausland getan hat. Ihm gelten für den Kampf seines Lebens alle unsere guten Wünsche. Wir wissen, daß wir ihm voll vertrauen können, daß er seinen Mann stehen wird und mit dem letzten Einsatz um den Höchsten Preis kämpfen wird, den der Boxsport zu vergeben hatte. Deutschland hört den Schmeling=Kampf. In der Nachl vom Mittwoch zum Donnerstag überträgt der Deutsche Rundfunk ab 1 Uhr früh den Boxkampf Schmeling— Louis. Sprecher ist wieder Arno Hellmis. Italiens meisterhafte Leistung Schlußltrich unter 15 Fußball-Tage. Die dritte Weltmeisterschaft im Fußball ist Vergangenheit. Italien hat einen Erfolg davongetragen, der in seiner ganzen Bedeutung erst klar wird, wenn man ihn in Zusammenhang bringt mit den Erfolgen des italienischen Fußballsports in den letzten vier Jahren überhaupt. 1934 Weltmeister, 1936 Olympiasieger(also nach dem Erfolg der Profis auch Sieg der Amateure!!) und nun wieder die Weltmeisterschaft. Es kann heute keinen Zweifel mehr darüber geben, daß Italien die führende Fußballnation auf dem europäischen Kontinent ist. Eindrucksvoller als durch die drei großen Siege in dieser kurzen Zeitspanne konnte es nicht bestätigt werden. Das Endspiel war selbst für den verwöhnkesten Geschmaß ein fußballsportlicher Hochgenuß. Es ist das Geheimnis der Italiener, wie sie ihre Mannschaft in die große Form gebracht haben. Nach dem Start gegen Norwegen war Vittorio Pozzo verzweifelt, schien keinen Ausweg zu wissen. Monzeglio, der bewährte Verteidiger der Weltmeisterelf 1934, hatte so schwach gespielt, daß er durch Fon ersetzt werden mußte. Das itallenische Verteidigerpaar Rava—Foni hakte im Olympischen Turnter schon eine Rolle esptelt. Im Sturm nahm man in Biavatt und Colausst anere Flügelleute. Es war eine Meisterleistung kluger Regie, wie sich später zeigen sollte. Italten spielte sich über Frankreich und Brastlien in eine einzlgartige Form, erreichte am entscheidenden Tag Wellmeister-Formak. Wie sehr ausgeprägte Technik Vorbedingung zu meisterhaftem Fußballspiel ist, haden Italien und— mit einiger Einschränkung— auch Ungarn gezeigt. Es ist kein Zufall, daß Italien sich selbst leichte taktische Schwächen(mit deutschen Augen gesehen!!) leisten kann. Das technische Können dieser Spieler gleicht alles zumeist wieder aus, zumal der berühmte Einsatz, die kaum glaubliche Schnelligkeit in allen Aktionen hinzukommt. Lehren für Deutschland? Sind wir auf dem Wege, zu einem Mittelmaß zwischen Erstklassigkeit und Annäherung an zweitklassigen europäischen Fußball herabzusinken? Es wäre falsch, sich mit dieser Frage überhaupt ernsthaft zu beschäftigen. Wir dürfen nicht vergessen, daß uns diese Weltmeisterschaft recht ungünstig kam, gerade in eine Zeitspanne fiel, in der wir den Versuch machen mußten, deutschen und Wiener Stil zu verschmeizen. Das ging nun einmal nicht von heute auf morgen, und es war übertriebener Optimismus, an einen derart schnellen Wandel zu glauben. Inwieweit das zu große deutsche Programm sich auf das Leistungsvermögen unserer Spitzenspieler ausgewirkt hat, darüber gidt es keine Debatten. Reichsfachamksleiter Linnemann hat hier selbst die beste Antwort gegeben, als er die Notwendigkeit einer Einschränkung der Berufung für die Spieler auf höchstens sechs Treffen herausstellte. Auffallend ist, daß in diesem Turnter in erster Linie Mannschaften durchtamen, die Spieler von technisch grohem Können hatten: Ungarn, Brastlien, Tschechoslowakei, Itallen(von Schweden ist in diesem Zusammenhang nicht zu sprechen!!). Man müßte daraus für den deutschen Fußball Lehren zlehen. Die Art, wie die Italiener bei allen Temperament, bei ihrer eminenten Schnelligkeit den Ball beherrschen, mußte Imponieren. Voraussetzung zu diesem System— ganz gleich, wie man es nennt!— ist nun einmal die Beherrschung des Balles in allen gegebenen Lagen. Wenn wir dazu in Deutschland wieder kommen, haben wir den ersten großen Schritt zu großen internationalen Erfolgen getan. H. K. * Es ist zweifellos klar, daß sich am Mittwochabend— nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag— die zurzeit besten Schwergewichtler der Welt gegenüberstehen werden. Trotz seiner Jahre hat Mar Schmeling sich seine Elastizität, seine Kraft und Energie durch ein auf Mäßlgkeit und sportlichem Ernst aufgebautes Leben bewahren können. Joe Louis steht in der Blüte seiner Jahre und hat an Erfahrung gewonnen. 1936 war der Neger haushoher Favorit, als er auf Schmeling traf. Aber dieser machte dann dem Gerede vom unbesiegbaren„Braunen Bomber“ ein Ende und zertrümmerte den Neger mit seiner stahlharten Rechten. Trotz dieses imponierenden Sieges will die amerikanische Reklame auch für die zweite Begegnung, die Joe Louis als Revanchekampf ansieht, Schmeling nicht zum Favoriten machen. Joe Louis steht mit 2:1 vorn— aber hinter diesen Jahlen verbirgt sich zu einem gewissen Teil der Wunsch, daß er siegen möchte. Ein Neger, der einmal schwer geschlagen wurde, vergißt so leicht nicht die Prügel, die er bekommen hat. Das ist eine alte Weisheit. Louis mag sich noch so sehr in Schwung fühlen, er wird doch Hemmungen haben, sobald ihm Schmeling wieder gegenübersteht. Dieser Max ist dem Wie ist diese neue Weltmeisterschaft im Gegensatz zu 1934? Eine Frage, die am besten beantworket ist, wenn man sie durch eine andere ersetzt: Wie waren die Gegner Italiens 1934 im Verhältnis zu 1938, Und da möchte man fast behaupten, daß sie diesmal nicht so schwer gewesen sind. Es hat nach diesem großen Turnier, an dem eine Reihe der besten Fußballnationen der Welt teilgenommen hat, den Anschein, als ob im Fußballsport auch international ein Rückschritt eingetreten ware. 3. B. spielten die Tschechoslowakei, Oesterreich, auch Deutschland 1934 in Ihalien besser. Spanien mit seiner großen Leistung in zwei Spielen gegen Italien hat für alle Zeiten einen Platz in den Annalen der Fußball-Weltgeschichte. Im Italienischen Spiel des Jahres 1934 steckte noch mehr Fluß, war vor allem die Zusammenarbeit zwischen Läuferreihe und Angriff noch wirkungsvoller ausgeprägt. Bertolino und Ferraris waren schließlich damals zwei Außenläufer, die in jede englische Professional=Elf gepaßt hätten. Italiens Sturm mußte damals mehr tun, um Tore zu schießen, zumal gegen Spanien und die Tschechoslowakei, auch gegen Ungarn. Man möchte sagen, daß Italien mit seinem Sturm von 1934 diesml gegen Ungarn mit sechs Toren Unterschied gewonnen haben würde. Spielsperre im Fußball bis 13. August. Entgegen der bisherigen Anordnung, daß die Sperrzeit am 1. Juli 38 beginnt und am 14. 8. 38 endigt, wird jetzt darauf hingewiesen, daß am Sonntag, dem 14. 8. bereits wieder gespielt werden darf. Drei neue Gauliga-Vereine. In den Aufstlegsspielen zur Fußball-Gauliga sind am Sonntag einige weitere Entscheidungen gefallen. Neden dem SB Trolsdorf. der als erster der beiden neuen Gauligamannschaften vom Mittelrhein feststeht, kann der Gau Baden seine beiden neuen Gauligisten mit dem FB Offenburg und dem traditionsreichen Karlsruher FB melden. Insgesamt stehen nunmehr 17 neue Gauligamannschaften in den 16 Gauen fest. Eine neue Rollschuhbahn in Herne=Baukau. Der Herner Schlittschuh- und Eislaufverein hat im Saale der Wirkschaft Neweling auf der Bismarckstraße in Baukau eine neue Rollschuhbahn angelegt. Die UebungsJungbann-Wettkämpfe auf dem Sportplatz der Wie uns vom Jungbann 259 mitgeteilt wurde, finder die Jungbann-Wettkämpfe nicht auf dem Westfalia=Sport platz, sondern auf den Kampfstätten der SA auf der Böde statt. möglichkeit auf dem blanken Parkett im Kasino Friedrichseck in Horsthausen entsprach nicht so recht den Anforderungen einer Rollschuhbahn, da der Boden zu glatt war. Bei Neweling hat man im Saal einen Steinboden für den Rollschuhlauf eingebaut, der durch seine Rauheit besser den Bedürfnissen dieses Sportes Rechnung trägt. Für die Zukunft planen die Anhänger dieses Sportes mehr als bisher an die Oeffentlichkeit zu treten, um ihm weitere Freunde zu sichern. Die Vertretung des 83 Gebietes Westfalen bei der 83=Segelregatia in Kiel. Minden, 20. Juni. Am 26. Juni führt die MarineHitlerjugend in Kiel eine große Segelregatta durch. Als einzige Einheit des Gebietes Westfalen(9) der HJ. wird die MHJ.=Gefolgschaft 3 des HJ.=Bannes 15(Minden) mit einem Führer und 8 Mann für die Ehre des gesamten Gebietes Westfalen zu kämpfen wissen. Ss Kraftfahrsport=Meisterschaften abgeschlossen. Am Samstag wurden die 1. SS=Meisterschaften im Kraftfahrtsport abgeschlossen. Morgens um vier Uhr starteten in Berne bei Hamburg 22 Motorrad= und 26 Personenwagenfahrer zur Langstreckenfahrt nach Wunsdorf. Teilweise berrschte starker Nebel. Auf dem Truppenübungsplatz Zossen schloß sich dann eine Hochleistungsprüfung an die an die Fahrtechnik. die Geschicklichkeit des Fahrers und die Leistungsfähigkeit der Maschinen hohe Anforderungen stellte. In dem tiefen Waldboden ging es nur sehr schwer vorwarts und man cher Fahrer blieb auf der schwierigen Steigung von 44 Prozent stecken, da er falsch geschaltet hatte. So mußten mehrjach die bereitstehenden Schiebekommandos in Aktion, treten. Von dieser Hochleistungsvrüfung ging es dann nach Lichterfelde, wo auf den Schießständen. ebenso wie am Vortag in Berne. eine Schießprüfung mit der Kleinkaliberbüchse erledigt werden mußte. Zum Schluß gab es noch eine Zustandsbrüfung, bei der. wie am Vortage. äußere Beschädigungen an den Kotflügeln. Scheinwerfern und Kühlern mit Schlechtpunkten bewertet wurden. Das Schiedsgericht brauchte aber nur selten in Erscheinung treten, da fast alle Fahrer sehr schonend mit ihren Fahrzeugen umgegangen waren. Sieger und Meister wurden bei den Wagenfahrern SSOstuf. Lutterbach vom SS=OA=Mitte auf Mercedes=Benz 170. während bei den Motorradfahrern SS=Hauptscharf. Lepvin vom SS=OA=Nordwest mit einer 250=ccm=DKW sich den Titel sicherte. Von dieser 1. SS=Meisterschaft im Kraftfahrsport. die nun alle Jahre wiederholt wird, darf gesagt werden, daß sie einen in jeder Hinsicht zufriedenstellenden Verlauf nahm. Ganz hervorragend waren die Organisationen, die Sicherung der Fahrstrecke usw. Es war z. B. am zweiten Tage einfach unmöglich, sich zu verfahren Auch die sportliche Ausbeute war gut. Man muß bedenken, daß die besten Kraftfahrer der SS diesmal von der Teilnahme ausgeschlossen waren. Unsere Voraussagen Hamburg-Horn. 1. R.: Milo— Makramee; 2. R.: Goldelse— Gincrusta; 3. R.: Effner— Jaromir; 4. R.: Norddeich— Jupiter; 5. R.: Scaevola— Lampe; 6. R.: Zauberin— Monte Christo; 7. R.: Broock— Inshallah; 8. R.: Landsknecht— Duerer. Düsseldorf. 1. R.: Polarstern— Stall Roesler; 2. R.: Thammo— Hansemann; 3. R.: Fangschuß— Lebensweg; 4. R.: Helliot— Sonnenfalter; 5. R.: Natango— Mithra; 6. R.: Colorado— Folge; 7. R.: Adare— Gewehrlauf; 8. R.: Debatte— Graf Moltke. Aufeuil. 1. R.: Grandjour— M' As Tu Vu; 2. R.: Terek— Jceberg 2; 3. R.: Best Love— Cornac; 4. R.: Barboteur — Flexen; 5. R.: Militärrennen; 6. R.: Beau Tenebreux — Dresbyterium. Fünf Johre 190.— Fünf Jehre Aife durch die Dolhsgemeinschen für des Dohlergehen von„Mutter und Aind“. Westfalen Sieger im Rheinlandflug Flugzeugführer Wellershaus, Dortmund, und Orter Heinz Haller, Gellenkirchen, machten Zwilchenitation. Montag gegen 11,20 Uhr steuerte vom Westen her eine Klemm=Sportmaschine den Flugplatz in GelsenkirchenRotthausen an, zog eine kurze Schleife um das Vorgelände und landete dann glatt. Es nahm Aufstellung an der Startlinie, dann ging ihm der Atem aus. Aus dem Flugzeug stiegen zwei Piloten, sie stellten sich der Flugwache vor: Flugzeugführer Wellerhaus der 10. Gruppe RSFK. Dortmund. Flugzeugorter Heinz Haller, Gelsenkirchen. Man war im Bilde, wußte, welche besonderen Gäste den Flugplatz angeflogen hatten. Wir waren auch sofort zur Stelle, im Kasino setzten wir uns zusammen, ohne Umschweife umstellten wir die beiden Flieger mit Fragen. Flugzeugführer Wellerhaus ist ein stiller Mann, der wohl ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht trägt, aber recht sparsam mit Worten ist. Aber das eine verrät er doch: Heinz Haller ist ein fixes Bürschlein, ein Fuchs, mit ihm kann man zum Siege kommen, wenn eine schwierige Aufgabe gestellt ist. Heinz Haller. der Orter, hat ein aufgewecktes Gesicht, nicht groß an Gestalt, aber unbeugsame Entschlossenheit spricht aus dem Gesicht. Also zum Rheinlandflug war aufgerufen, erzählt er, an dem sich 55 Maschinen beteiligen wollten. Samstag steuert der Flugzeugführer Wellerhaus von Dortmund hier in Gelsenkirchen an. mein Chef, Albert Wildfang, hat mich beurlaubt, ich stehe bereit, steige ein und auf steigt wieder unser Flugzeug. Wir mußten zwischen 11 und 13 Uhr in Bonn sein. Eine Maschine nach der anderen setzt dort auf. bis die Teilnehmer alle beisammen sind. Uns wurden jetzt die Bestimmungen des Fluges bekanntgemacht, allen ein herzliches Glückab! gewünscht, und noch am Nachmittag stiegen wir zum Wettflug auf. Zuerst überflogen wir die Eisel. Die Welt ist schön, aber wer die Heimat in ihrer eigenen Gestaltung betrachten will, muß sie von oben sehen. Wir überflogen die Ordensburg Vogelsang, gingen tief, um das grandiose Bild einzutrinken. Aber hier war uns schon die erste Aufgabe gestellt. Südlich der Burg soll eine Talsperre im Entstehen sein, wir haben sie zu suchen, die Lage zu skizzieren, die Meldung im Zielbeutel abzuwerfen. Man muß Spürsinn beweisen und auch Glück haben. Und wir haben Glück, entdecken die Talsperre, machen Bericht und entledigen uns der ersten Aufgabe. Jetzt haben wir mehr Ruhe. Unter uns liegen die Berge der Eifel, kleine Ortschaften und spitze Türme zeigen wie emporgerichtete Finger auf uns. Wir nehmen den Kurs auf Aachen, müssen jetzt achtgeben, daß wir die Reichsgrenzen nicht überfliegen. Wir beschreiben um Aachen die schuldige Schleife, gehen dann nieder. Wir werden erwartet. Herzlich ist die Begrüßung. Aachener Printen werden uns als Geschenk und Ehrengabe überreicht, die wir wohl zuschätzen wissen. Aber fort mußten wir wieder, unsere wackere„Klemm D. Ejuv“ steigt wieder auf. neigt die Nase gen Duisburg. Dieser Flugabschnitt mußte in möglichst kurzer Zeit erreicht wrden. Also Vollgas, aber wir hatten das Sichtzeichen auszumachen, es skizzenmäßig festzulegen. Auch dieses Zeichen erkundeten wir mit einigen Schwierigkeiten, brausten dann gen Essen, ließen es uns nicht entgehen, die Reichsgartenschau von oben anzusehen. Ein festlich buntes Bild. Menschen kribbelten wie Ameisen, Bäume, Fahnenmasten, aufgeregtes Treiben und alles war von der Sonne überschüttet. Wir schwammen im Aether noch eine Weile über dem Häusermeer, über Schloten und Hochhäusern und gingen dann nieder. Das Ziel des ersten Tages war erreicht. Wir wurden in Essen recht herzlich empfangen, waren an diesem Abend Gäste der Stadt Essen. Natürlich kam man unserem Wunsch entgegen, die Reichsgartenschau zu besuchen Uns zu Ehren wurde ein herrliches Feuerwerk abgebrannt, wie wir es schöner noch nicht gesehen hatten Keiner ist unsteter als der Flieger. Ganz wohl fühlt er sich auf der Erde nicht, ihm muß Wind und Wetter um die Ohren knattern, er muß die Freiheit der Lüfte austrinken. Also am Sonntagmorgen erhalten die Maschinen Starterlaubnis zum zweiten Fluatag des Rheinlandwettbewerbes. Das Wetter ist herrlich, fast ist es uns zu ruhig. Die Tragflächen müssen schaukeln, wir müssen in Gruben fallen und aufgerissen werden, wenn es ein richtiger Flug sein soll. Wir nehmen Richtung auf den Niederrhein, fliegen Cleve an, haben nördlich von Wesel eine Autoaufgabe zu lösen. Wir werden fast übermütig vor Freude, alles glückt uns. Wir umfliegen die Wendemarke, machen uns zur Zwangszwischenlandung auf den kleinen Flughafen Bönighardt bereit. Wir verzehren das Frühstück, wir gucken aber wie die Vögel in die Luft, sind auch froh, als der Motor wieder brüllt. Jetzt schauen wir wieder nach unten. Moers liegt unter uns, ein Massenaufgebot von Menschen winkt und jubelt uns zu, die da unten sind vom Licht umsprüht. Unsere Luftwanderung geht unaufhaltsam weiter. Wir haben auf einem Quadrat, dessen Lage wir festzustellen haben, die Anzahl der aufgestellten Segelflugzeuge anzugeben. Eine kleine Aufregung ist nicht zu vermeiden. Da nützt die Karte allein nichts, man muß Witterung haben. Das Flugzeug neigt die Flächen, wir blinzeln und strengen die Augen an. Ah, endlich, die schlauen Menschen da drunten! Also schnell fixiert, Notizen gemacht, wenden uns mit dem Seufzer der Erleichterung nach Krefeld, machen unsere Meldung, sind bald wieder in Moers, wo wir eine Zwangspause von 15 Minuten einlegen müssen. Wir stärken uns, dazu muß der Flieger schließlich doch auf die Erde zurück, um das Proviant für sich und die Maschinen zu erneuern. Klar ist die Luft, wir halten auf Köln zu, folgen eine Zeit dem Rheinstrom, gehen in Köln zur kurzen Mittagsrast nieder. Dann halten wir uns auf die Querachse des Rheinlandes, überfliegen das Bergische Land. das unvergeßliche Eindrücke hinterläßt. Aber die Freude ist immer mit Ernst gemischt. Wir haben in den Tälern und Mulden ein Segelflugzeuggelände auszukunden, das so versteckt wie eben möglich lag. Oben in der Luft gibt es keine Wegweiser, und die auf der Erde kann man nicht ablesen. Also muß man sich auf das Auge ganz verlassen. Auf einmal halten wir den Atem an. wir können auch einen Freudenschrei getan haben. Wir haben es! Schnell wird eine Skizze angefertigt, und nun schleunigst Kehrt und auf nach Düsseldorf. Jetzt hatten wir die letzte Aufgabe zu lösen. Auf einem bestimmten Abschnitt der Reichsautobahn sind die Zahl der Brücken ihre Lage und Art festzustellen. Es hieß. den Augen die Kost zu geben, es war ein schneller Spazierweg über die Brückenkette. Die Aufgabe wurde gelöst, der Meldebeutel fertig gemacht, den wir genau aufs Ziel setzten. Unsere Aufgabe war gelöst. wir waren entspannt, wußten aber, daß wir einen Platz in der Spitzengruppe hatten. Wir gingen in Düsseldorf nieder. Gauleiter Florian und der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Dr. Otto. waren zur Begrüßung der Rheinlandflieger herausgekommen. So langsam trudelten alle Teilnehmer ein. Wir wurden zu den Rheinterrassen geleitet, wo auch das Ergebnis des Fluges bekannt gemacht und die Siegerehrung vorgenommen werden sollte. Natürlich war ein jeder der Teilnehmer gespannt welches Ergebnis der Wettbewerb hatte. Uns versagte in der Tat der Atem. als Gauleiter Florian in der Stille verkündete, daß der Sieger im Rheinlandflug. Flug zehn der Gruppe 10, Dortmund, Flugzeugführer Wallershaus mit Orter Heinz Haller waren. Aus seiner Hand empfingen wir die goldene Plakette des Korpsführers des NSFR. Wie hatten somit den Sieger des Vorjahres, Falkenhausen, Gruppe Magdeburg, mit einem Punkt Unterschied, auf den zweiten Platz verwiesen. Das Letzte nun ist schnell erzählt: wir feierten am Abend das Ereignis in kameradschaftlicher Weise. Am Montagmorgen stiegen wir dann zum Heimflug auf Es ging nicht anders, zuerst mußten wir in Gelsenkirchen Rast machen. Nun sind wir hier, steigen in gut einer Stunde auf. wenden uns nach Dortmund, zum Heimatflughafen der Klemm=Maschine. Hinter uns liegt dann ein Ereignis, das uns eine stolze Freude einbrachte. Und die nächsten Ausgaben?... Ja. wer weiß In zwei Wochen soll ein Küstenflug von Königs berg bis zur Nordsee steigen. Ob wir dabei sind? ... Wir hoffen: ja! Wellershaus nickt zu allem freundlich, was er an Freundlichkeit in sich hat, beweist er dadurch, daß er zu einem Rundflug über Gelsenkirchen einladet. Und dann rüsten die beiden Flieger zum Abschied. das Flugzeug reißt sich auf, eine kurze Schleife, dann die Nase gestreckt gen Dortmund. Wir winken nach: Glück=ab! Ergebnisse des Rheinlandfluges 1938. Die Siegerverkündung und Preisverteilung nahm der Gauleiter des Gaues Düsseldorf. Staatsrat Florian, im Rahmen eines von der Stadt Düsseldorf im Rheingoldsaal der Rheinterrassen gegebenen festlichen Empfanges vor. 1. Wellershaus(Führer), Haller(Orter) RSFK.=Gruppe 10, 118 Punkte. 2. von Falkenhausen RSFK.=Oberscharführer(Führer), Horn RSFK.=Ober scharführer(Orter), RSFK.=Gruppe 4. 117 Punkte. Helmer(Führer), Boecker(Orter), RSFK.=Gruppe 15, 113 Punkte. 4. Mors, Oberleutnant(Führer), Larisch. Ober leutnant(Orter), Gr. K. Fl.=Schule Faßberg, 113 Punkte 5. Girbach(Führer), Pfeiffer(Orter), RSFK.=Gruppe 1., 111 Punkte. 6. Kraus. Major(E)(Führer), Griesch, Oberfeldwebel(Orter), L. A. Berlin, 111 Punkte. 7. Frommhagen(Führer), Knörich(Orter), Förderer 110 Punkte. 8. Dr. Eggers, RSFK.=Gruppenführer(Füh rer). Bürger, RSFK.=Mann(Orter), RSFK.=Gruppe 1 110 Punkte. 9. Dr. Scherzer(Führer), Frau Scherzer (Orter). Förderer. 108 Punkte. 10. Daser. Hauptmann (Führer). Aufhammer(Orter), 2/157 Wunsdorf, 108 Punkte. 11. Kloo(Führer), Hösel(Orter). RSFK Gruppe 14. 104 Punkte. 12. Steinhoff, RSFK.=Sturm führer(Führer), Seibert(Orter), RSFK.=Gruppe 11, 103 Punkte. * Amfierdfeüer Rund um den„Ste#le“ Das Hotel der großen Namen.— Die erste Führerglocke wurde gegossen „Die kleinen Carusos von Wien“ werden die Wiener Sängerknaben häufig genant. In der Tat stellen sie einen der berühmtesten Knabenchöre der Welt dar. Zweimal im Jahr finden in den Sälen der Wiener Hofburg die Aufnahmenrüfungen in den Chor der Wiener Sängerknaben, der dieser Tage der neuen Leitung von Dr. Paul Lorenzi anvertraut wurde, statt. Dann sitzen die kleinen Kandidaten, die meist acht bis zehn Jahre alt sind, mit hochroten Wangen in den Wartezimmern und barren ihrer Aufrufung. Ungefähr achtzig Jungen werden jährlich in die vorbereitenden Kurse aufgenommen. Erst wenn die zweijährige Ausbildungszeit vorüber ist, entscheidet es sich, ob sie in die„erste Garnitur“ der Sängerknaben ausgenommen werden. Der Ruhm dieser weltberühmten kleinen Künstler ist vergänglich. Nur wenige von ihnen bleiben auch nach dem Stimmwechsel stimmlich so auf der Höhe, daß sie sich der Laufbahn eines Sängers zuwenden können. Meist landen sie. wenn sie 14jährig den Chor verlassen, in irgendwelchen bürgerlichen Berufen. turnen in schwindelnder Höhe die Handwerker berum. die das Dach umdecken und die schadhaften Fenster revarieren, während die Zimmerleute an der Außenseite des Domes ein Gerüst errichtet haben, um die zahlreichen durch die Verwitterung entstandenen Schäden auszubessern. Es war nach dem Urteil der Sachverständigen allerhöchste Zeit. die Restaurierungsarbeiten vorzunehmen, wenn man das stolze Bauwerk nicht in seiner Erhaltung gefährden wollte. Und noch ein Lieblingswunsch der Wiener hat sich erfüllt: in Kürze wird auch Sonntags Post zugestellt werden, genau wie im übrigen Reich. Unter dem alten Regime gab es am Sonntag keine Postzustellung. ein grotesker Zustand in unserer tempodurchvulsten Zeit, der sich natürlich in einer Millionenstadt besonders unangenehm auswirkte. * Bei den Aufräumungsarbeiten im ehemaligen Volksbekleidungsamt in Wien hat man einen Stapel von Gesuchen vorgesunden, die noch aus der Zeit des Weltkrieges stammen. Einige Stilblüten seien hier herausgegriffen und im Wortlaut wiedergegeben:„Bitte um ein Paar Schuhe, um meinen Hunger stillen zu können..“ —.„.. habe sieben Kinder, die alle noch minderwertig sino—„Ich erlaube mich an Ihnen das Ansuchen. mir aus meiner schlechten Bekleidung herauszuhelfen..“ —„Ich genieße meinen Lebensunterhalt durch Halten von Kostknaben. wobei ich mitessen kann, was ich aber infolge Altersschwäche nicht mehr lange werde tun können.—„Mein Mann litt an einem Magenkrebs. der uns mit der Zeit das ganze Vermögen aufzehrte.. „... mein Mann ist nach dreijähriger Krankheit gestorben und ich deswegen ohne Mann ganz entblos....—.Ich unterbreite mich mit der Bitte, da ich schon auf der eigenen Haut gene...—„Drei Söhne habe ich aufgezogen mit dem mir von Euerer Majestät allergnädigst verliehenen Stelzsug...—„Ich habe eine großkönfige Familie...—„Da mir die Schuhe fehlen, sebe ich mit Schrecken meiner Heirat entgegen...—„Mein Sohn war 1908 bei den Manövern, wobei er sich durch fortwährende Positionsveränderung den Fuß verstauchte...—„Ich besitze ein Tapferkeitsmedaillon. aber mein Sohn hat mich und meine morsche Gattin durch seinen Tod den Begräbniskosten ausgesetzt...“—„Teuere Schuhe kann ich nicht zahlen, ich bitte daher dringend um einen Ablaß...“ Feuerzauber in der Jokannisnacht Der Kult des Sonnengottes. Leuchtendes rotes Gesieder der Paradiesvögel Es wird nur wenige Hotels auf dem europäischen Kontinent geben, die ein Fremdenbuch besitzen, wie das Hotel Imwerial am Kärntnerring. Seit den stolzen Tagen der Vereinigung Oesterreichs mit Greßdeutschland schmücken dieses ehrwürdige Buch auch die Namenszüge des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, der in den bewegten Märztagen hier Wohnung nahm. Als 1879 zwischen Oesterreich=Ungarn und dem Deutschen Reich der Zweibund abgeschlossen wurde, saß hier Fürst Otto von Bismarck und entwarf die Bündnisverträge. Bismarck hat in seinen„Gedanken und Erinnerungen“ seinen Aufenthalt im Hotel Imperial ausführlich beschrieben. Aber auch die Namen von Kaiser Friedrich III., König Georg von Griechenland und König Milan von Serbien, von König Alerander von Jugoslawien, Exkönig Alfons von Spanien und dem Prinzen von Wales, dem heutigen Herzog von Windsor. der Königin Natalie und der Kaiserin Eugenie. Gattin Navoleon III., finden sich hier vor. neben Unterschriften zahlreicher indischer Fürsten und Mitglieder des japanischen Kaiserhauses. Wir begegnen im Fremdenbuch des Hotels Imverial dem Autogramm des Grafen Zeppelin und Richard Wagners. Franz Liszt. die große Schauspielerin Duse. John Galsworthy und Marschall Foch sind hier ebenso verzeichnet wie der ungarische Freiheitskämpfer Kossuth. Graf Leo Tolstoi. der einstige deutsche Reichskanzler BethmannHollweg. Luiai Pirandello. Henry Ford. Edison. Enver Pascha und Marconi. Nun flattert seit dem Tage der gluckhaften Heimkehr Oesterreichs in das großdeutsche Reich die Hakenkreuzflagge über diesem„Hotel der großen Namen“ im Winde. * In der berühmten alten Wiener Gieckengießerei Pfundner ist dieser Tage der Guß derersten Wiener gunrerglocke erfolgt. Die Erzglocke besitzt ein Gewicht von 650 Ailogramm und trägt die Inschrift:„Ich grüße dich. du neue Zeit! Heil Deutschland groß und weit!" Sie wird in der schönen historischen Kirche der Wiener Vorstadt Sievering ihre eherne Stimme ertönen lassen. wo es einen nicht minder guten„Heurigen“ gibt, als in dem bekannteren Schwesterbezirk Grinzig. Sechshundert Jahre ist die Kirche alt, deren mächtigen quadratischen Turm die Führerglocke zieren wird. Sie erlebte ein bewegtes Kavitel deutscher Geschichte, denn um sie herum wielte sich die Entscheidungsschlacht ab. die der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken ein Ende machte. Aus dem danebenliegenden Steinbruch aber haben schon die Römer das Baumaterial zur Errichtung ihrer Straßen geholt. Mit der neuen Zeit, die in der Donaustadt eingezogen ist. verjüngt sich auch der Stephansturm, dieses jahrhundertealte ehrwürdige Wahrzeichen Wiens, von den Einheimischen„Steffl“ genannt. Bisher konnten die Mittel für seine Instandsetzung nicht aufgebracht werden. ja. die Fenster unter dem Dach sind seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt worden und waren völlig verstaubt. Nun Wenn der Funke sprüht. Wenn die Flamme glüht. Eilen wir den alten Göttern zu. (Goethe. die Braut von Korinth). Swenta Ignis— das heilige Feuer: obwohl auf vielen Bergen Deutschlands dieser Feuerzauber in der Johannisnacht emporflammt, wissen doch nur verhältnismäßig wenige die eigentliche Bedeutung dieser zum Himmel flammenden Gluten. Dieser Brauch ist nämlich das letzte Ueberbleibsel jener Sühneovfer, die in Urzeiten den Göttern dargebracht wurden. Die frühe Menschheit, deren Schicksal ganz dem Walten der Naturkräfte anheimgegeben war. fürchtete den Zorn ihrer Götter. wenn Angehörige des Stammes durch Sünden die Mächte über den Sternen beleidigt hatten. Aber schon diese primitiven Menschen waren sich dessen bewußt, daß es außer den offenkundigen Sünden auch solche gab. die nicht allgemein bekannt waren. Und so den Verbrechern, die man auf dem Holzstoß verbrannte, vielfach auch schuldlose Angehörige der Flamme geopfert, die das Los dafür bestimmte. An diese Sitte erinnert noch heute ein in manchen Gegenden gebräuchliches Orakel: Am Vorabend des Festes wird für jeden Angehörigen des Hauses ein Häuschen Salz auf den Tisch gelegt. Ist am Morgen einer dieser Miniatur=Salzberge zusammengesunken, so bedeutet das den Tod desjenigen Familienmitgliedes, mit dessen Namen das Salzhäuschen bezeichnet war. Vieljach finden sich auch bezüglich der Opfer Beweise, daß Kranke und Erblindete, ja selbst ganz Gesunde oder solche, die eine Ehren darin suchten, ihr Leben zum Heil des Volkes hinzugeben, sich freiwillig als Opser darboten. Man denkt dabei unwillkürlich an Horatius, der in die Erdspalte sprang. um die Götter der Unterwelt zu versöhnen, die anscheinend beabsichtigten. Rom zu verderben. Oder an den sagenhaften König von Dänemark, der sich dem Opserschwert des Priesters darbot, um den Zorn der Götter zu beschwichtigen, die sein Land mit Mißernten. Hungersnot und Seuchen für unerkannt gebliebene Sünden grausam straften. Diese Beschwichtigung göttlichen Zornes finden wir in allen Religionen in den verschiedensten Formen. Anfangs sind es blutige Menschenopfer, dann werden es Tierovfer, dann der sogenannte Ovferbrei, den schon die heiligen Beden Indiens kennen. Bei den Germanen wurde das heilige Feuer für das Sühneopfer stets neu entzündet, und zwar dadurch, daß man zwei Holzpfähle so lange mit einem Seil rieb. bis die Funken sprühten und endlich zur Flamme wurden. die den Scheiterhausen und die Opfer verzehrte, worauf das dicht um den Holzstoß versammelte Volk in Jubelrufe ausbrach, weil nun der Zorn der beleidigten Gottheit beschwichtigt schien und gesegnete Ernte. Gesundheit und Glück zu erhofsen war. Nicht in allen Gegenden Deutschlands begnügte man sich mit dem Anzünden eines Holzstoßes am Johannisabend. In Gegenden, in denen sich am Fuß des Kultberges ein Flußlauf oder ein See befand. rollte man Räder, die mit Stroh umwickelt und mit Teer und Pech getränkt waren, brennend den Berg hinab. Und die Bevölkerung jubelt noch heute, wenn das Rad. in Flammen gehüllt, ins Wasser stürzt, weil das ein gesegnetes Obst=, Wein= und Kornjahr bedeutet. Verlöscht dagegen das Rad mitten auf dem Wege, so ist man betrübt, weil man dann Mißwachs. Krankheit und Unglück befürchtet.— In einzelnen Orten Deutschlands herrschte noch vor wenigen Jahrzehnten die Sitte, daß alle Zuschauer beim Herabrollen des Rades die Arme flehend zum Himmel emvorhoben, was deutlich auf das Anflehen der Gottheit. d. h. auf eine religiöse Feier hinweist. Das ganze Zeremoniell deutet auf den Kult für den altgermanischen Sonnengott„Froh“. dem das Rad als Symbol geheiligt war. Gelangte das Rad brennend in das Wasser, so waren die Götter versöhnt. Verlöschte aber unterwegs die Flamme, so war dies ein Zeichen, daß die Götter das Opfer nicht annahmen und dem Volke weiter zürnten.— Dieses Furchtgefühl, das sich durch alle unzähligen Generationen fortgeerbt hat. lebt noch heut in all jenen Gegenden, in denen man behauptet, ein naher Fluß bzw. See verlange an jedem Johannistage sein Opfer. weshalb Kinder soviel als möglich davor behütet werden, dem Wasser zunahe zu kommen.„Es braust der See und will sein Opfer haben"—— Dieser Gedanke ist auch in der wundervollen Ballade von Börries v. Münchhausen lebendig, die den Tod der drei Kinder am Johannistag schildert, und in der Ballade vom „Hungrigen Teich“, dessen Wasser im Eimer geschöpft. dem erhitzten Knaben. der vor den Wellen flüchtet, den Tod bringt, als er von dem eiskalten Wasser trinkt. Die Namen all jener alten Gottheiten sind auf Anregung des Papstes Gregor des Großen in die Namen von Aposteln und Heiligen umgewandelt worden, während ihre Feste in gemilderter Form erhalten blieben. So ist aus der Feier des altdeutschen Sonnengottes„Froh“ das in Flammen leuchtende Fest des heiligen Johannes geworden. Und Frohs Sonnenwend= und Sühnefest heißt heute Johannisfeuer. Eine schöne Symbolisierung dieses Feuerzaubers am Johannisabend gibt Sudermann in seinem Drama „Johannisfeuer“. Er läßt hier seinen Helden Georg v Hartwig für die Empfindungen eines modernen Menschen beim Johannisseuer die Worte finden:„Ein Funken Heidentum schwelt in uns— unbewußt— in allen Herzen Einmal im Jahr flammt er auf und heißt dann Johannisfeuer. Da sind in unserem Herzen die flammenden Wünsche erwacht, die das Leben nicht erfüllt hat und nicht erfüllen durfte. Denn gleichviel, wie die Ordnung heißen mag, die gerade die Welt regiert. Damit der eine Wunsch zur Wahrheit werden kann, müssen tausend andere Wünsche zugrundegehen—.— die einen vielleicht, weil sie unerreichbar waren, die anderen—— weil wir sie entfliehen ließen, wie wilde Vögel. über deren weichem Gefieder sich unsere Hand allzu lässig geschlossen hat. Was wir am Johannisabend in Flammen auflodern sehen, das sind unsere ertöteten Wünsche, das ist das leuchtende rote Gefieder der Paradiesvögel, die wir hätten begen dürfen. vielleicht unser Leben lang, und die uns doch davongeflogen sind———“ Kleines Weltpanoptikum Hochzeit mit 35 Hindernissen. Daß eine ausgedehnte Verwandtschaft einem mitunte: das Leben recht schwer machen kann. beweist das Schicksal des Ehevaars Norwich aus Ageney im Staate Missouri, das bereits im Jahre 1909 den Weg zum Standesamt gehen wollte, um ihn nun erst. mit 29jähriger Verspätung und nachdem der Hochzeitstermin 35mal verschoben werden mußte, glücklich beschreiten zu können. Ellen Hatfield war 16 Jahre alt, als ihr Harald Norwich einen Heiratsantrag machte. Vier Jahre wäter sollte in Agency die Trauung stattfinden. Auf dem Weg zur Kirche erreichte das junge Paar die Nachricht, daß ein Onkel der Braut gestorben sei. Die Zeremonie wurde verschoben. Ein Jahr später, in der Nacht vor dem neuangesetzten Hochzeitstermin, starb Ellens Bruder. was abermals eine Verschiebung der Trauung zur Folge hatte. Das wiederholte sich in den nächsten sieben Jahren in der gleichen Weise. Jedesmal, kurz bevor die Hochzeit angesetzt war. starb ein naher Verwandter einer der beiden Brautleute. 1918 wurde Harald zur amerikanischen Armee eingezogen. Erst 1920 kehrte er zurück. und bevor er nun beiraten konnte, wurde Ellen krank. Weiter trieb das Schicksal sein seltsames Sviel mit den beiden Brautleuten. Nacheinander starben Haralds Eltern, zwei Geschwister von Ellen, eine Großmutter. zwei Vettern, zwei Onkel und drei Tanten. Bis zum Jahre 1938 dauerte diese Kette von Zwischenfällen. und nun, da Harald 50 und Ellen 49 Jahre alt ist, haben die beiden endlich geheiratet. Sie wählten zwei Freunde als Trauzeugen, da die beiden Familien buchstäblich ausgestorben waren. Pec.„ * Scheintoter feiert 100. Geburtstag. Vor 50 Jahren wurde der Gastwirt Nicola Satinon in der bulgarischen Stadt Rustschuk von einer trauernden Menschenmenge zu Grabe getragen. Damals hatte gewiß niemand daran gedacht, daß der 50jährige einst in voller körverlicher und geistiger Frische seinen 100. Geburtstag feiern werde. Satirow war nämlich nur scheintot gewesen und kam auf dem Friedhof, kurz bevor der Sara in die Grube gesenkt werden sollte, wieder zur Besinnung. Es gelang ihm. den Deckel des Sarges zu öffnen, und während die Trauergesellschaft unter panischen Schreckensrusen auseinanderstob. kehrte der Gastwird wieder friedlich hinter seinen Schanktisch zurück. Auch hier bewahrheitete sich das alte Wort, daß derjenige lange lebt. den man einmal totsagte. Dieser Tage konnte Nicola Satirow ein persönliches Gratulationsschreiben des Königs von Bulgarien zu seinem 100. Geburtstag in Empfang nehmen. Noch heute erzählt er mit großem Vergnügen die seltsame Geschichte seiner Beerdigung. Im hillewerk„Mutter und Kind“ liegt unser Behenninis zur deuischen mutter ale Trägerin des völhischen kebene. Wenn Au nach eine Jante hast.... PID-AMHEERHERMH Roman von PI. V. SAWERSK V 5. Fortsetzung. Aus alledem hatte die lebenserfahrene Frau Brändli stillschweigend ihre Schlüsse gezogen. Das Irmli war der Gattin ihres Pflegevaters unerwünscht. Abet nun saß die Dade offenbar in der Klemme und erinnerte sich des Mädchons. So eine selbstsüchtige Person!" schalt Madam, wahrend ihr Blick aus dem Fenster fiel. Da schritt das Irmli aufs Haus zu, sah hübsch, frisch und beiter aus. Anscheinend war ihr der kleine Ausflug gut bekommen. Und nun sollte sie dem Mädchen gleich mit diesem Brief und neuen Aufregungen ins Gesicht soringen? Frau Brändli beschloß, das nicht zu tun. Sie warf das Schreiben in eine Lade. Frau Habermann konnte mit dem Aufbau ihrer Existenz auf anderer Leute Rosten noch ein bißchen warten. Und so kam es, daß Irma Schütte von ihrer Cbefin mit woelen Lobesworten für ihre frischen Wangen und blanken Augen in Empfang genommen wurde. aber von Frau Major Habermanns Evistel vorderhand nichts erfuhr.—— Um die gleiche Zeit kleidete sich Henro Coster in seinem Zimmer im Suvretta=Haus zum Abendessen um. Mit einem Liedchen auf den Livven band er sich die Krawatte und warf dann einen prüsenden Blick in den Spiegel. Ohne gerade eitel zu sein. stellte er mit vergnugtem Augenzwinkern fest, daß der stattliche braune Kerl gar nicht so übel aussah und einem... hm Madel wohl gefallen konnte. Vielleicht sogar der kleinen Blondine von heute nachmittag? „Henry. alter Junge. die Frage hat dir doch bisher noch nie Kopfschmerzen gemacht.“ redete er sein Spiegelbild an.„Was ist bloß mit dir los?" Der Spiegelmann grinste vielsagend. was Herr Coster mit einer Verbeugung quittierte. „Ich glaube, dich hat's erwischt. Henry!“ Dann klopfte er an das benachbarte Appartement, um sich bei seiner Tante. Frau Julius Bosch, geborene Anne Coster. zu melden. Im Vorraum wurde Henrn von einer Negerin im schwarzen Kleid und weißer Schürze empfangen. Das war Jussi. die Zofe seiner Tante. Wenn man ihr die grauen Schläsenbaare weggetuscht, von ihrer Rundlichkeit und ihren Jahren ein Drittel gestrichen und ihr dann noch ein buntes Tuch um den Krauskopf gebunden hätte, so ware sie bestimmt das getreue Abbild des, Rumilaschenetiketts gewesen, das Frau Habermann seinerzeit so ent setzt hatte. Jossi begrüßte ihren jungen Herrn mit einem Lachen. das ihte weiden Zähne in voller Pracht zeigte. „Die Frau Tante wartet schon. Herr Henry. Und sie ist sehr böse.“ „Böse ist viel zu menig gesagt.“ kam eine helle Stimme durch die angelehnte Tür.„Ich bin einfach wütend. Herein mit dir. du Herumtreiber!". Mitten im Zimmer stand ein zierliches junges Mädchen. Es war ganz in Weiß gekleidet, hatte dieselben hellen Haare wie Henry Coster. aber dunkle Augen, und reichte ihm gerade bis zum dritten Westenknopf. Keinem vernünftigen Menschen ware es eingefallen, zu diesem Püpochen„Tante" zu sagen. Und Henry tat das auch gar nicht. „Du siehst entzückend aus. Mutz.“ schmeichelte er, um die Strafpredigt abzubiegen.„Ich muß noch mehr Licht einschalten, um dich in voller Glorie zu bewundern.“ Beim helleren Licht sah man, daß Frau Anne Bosch eine gute Dreißigerin war; aber sie wirkte mit ihrer hellen Stimme, der schlanken Gestalt, dem kleinen Gesicht und den lebhaften Bewegungen wie eine Achtzehnjährige. „Mutz, du siehst aus wie eine Fee...“ „Keine Komplimente. Henry! Wo hast du gesteckt?" „In Celerina, Mutzi.“ „Allein?“ „Nein. Pop war mit mir.“ „Was hast du getrieben?" „Nichts. Das heißt, ich habe bei Hanselmann Kaffee getrunken.“ „#ir das wahr?" „Ich schwör's.“ versicherte Henry Coster und leistete damit nicht mal einen Meineid. Frau Bosch atmete auf. „Wir haben den ganzen Nachmittag auf dich gewartet. Ich und... Vivian Gray.“ „Oh. das tut mir leid. Mutzlein.“ Der scheinheilige Ton brachte Frau Annes berühmtes Temperament zum Platzen. Sie sprang auf den großen Neisen los und trommelte mit ihren Puppensäusten Falten in seine tadellose Hemdbrust. „Du schwindelst, du abscheulicher Bengel! Es tut dir gar nicht leid. Du hast uns absichtlich versetzt!" Henry Coster hob das wütende Nichts von einer Tante lachend emvor und setzte es auf die Couch. Dabei sah er, daß sie in Strümpfen war. „Du hast ja keine Schube an. Mutz!“ „Rein, ich habe sie Jossi an den Kopf geworf.n.“ Die Negerin hob grinsend zwei Däumlingsschuhe hoch. die bestimmt keine Beulen in ihrem Wollschädel ver ursacht hatten. „Madam gefielen sie nicht mehr“ sagte sie. Henry Coster nahm der Zose die Schuhe ab und zwinkerte ihr zu, das Zimmer zu verlassen. Dann kniete er nieder, um die Liliputfüße seiner Tante sachgemäß zu bekleiden. „Was hast du denn getrieben. Mutz?“ forschte er vorsichtig. vernünftig geredet.“ Kulm gemacht. Dort haben wir Tee getrunken und sehr vernünftig geredte.“ „Aber, Mutzlein „Gar kein„aber“, Henry. Es war eine sehr ernste Unterhaltung.“ „Oho, um was drehte sich das Thema?“ „Um deine Verlobung mit... Miß Gray!" Henry Coster verlor vor Schreck das Gleichgewicht. kippte um und starrte. auf dem Teppich sitzend. mit aufgerissenen Augen in Frau Annes Kindergesicht. „Mutz, du bist wohl ganz und gar übergeschnappt?“ „So sprichst du mit deiner Tante, du respektloser Bengel?“ „Jawohl! Und ich würde noch viel mehr sagen, wenn mir das meine kostspielige Erziehung nicht verbieten würde. Damit du's nur weißt, beste Mutz, zum Verloben gehören zwei. Was fällt dir in des Teufels Namen ein. mich an Miß Gray zu verkuppeln?" „Pfui. Henry, welch abscheuliches Wort! Und es ist nun einmal mein Lieblingswunsch, dich mit Vivian verheiratet zu sehen. Sie ist hübsch, elegant, sie paßt großartig zu dir...“ „Na. das möchte ich doch lieber selber entscheiden. Mutz.“ „Aber ich habe sie doch hierher ins Suvretta=Haus eingeladen, damit die Sache zwischen euch zum Klappen kommt.“ „Auch ein voetischer Ausdruck!“ spottete Henry Coster. „Mir schwante doch gleich, daß du wieder einmal eine Dummheit angezettelt hast. als Miß Gran„per Zufall“ hier auftauchte. Aber ich habe diesen Zauber satt. meine gute Mutz. Ich siedele morgen nach Pontresina über.“ „In deine geliebte Chesa Brändli. nicht wahr?" „Selbstverständlich! Kommst du mit?" Frau Anne zog das Näschen kraus. „Brr. in das langweilige Nest kriegen mich keine zehn Pferde!" „Na. dann nicht, liebe Tante. Dann bleibst du eben hier. Aber ich rücke aus.“ „Du hast Julius versprochen, mich nicht allein zu lassen. Henry.“ „Ich habe lange genug den getreuen Pagen bei dir gespielt. Mutzchen. Nun möchte ich mal ein bißchen Atem schöpfen. Und allein bist du gar nicht, du unternehmende kleine Dame. Du hast hier mindestens zwei Dutzend Bekante für Bridge. Tees. Ausflüge und sonstige Vergnügungen. Ungerechnet den deutschen Ingenieur. der dir den Hof macht, und seine Schwester..." „Die sehr streng ist und das gar nicht gern sieht.“ siel die kleine Frau lachend ein „Ich glaube. Onkel Julius würde es auch nicht gern sehen" „Du mutt eben besser auf mich aufpassen. Henro!" „Nee. Mutz, lieber hüte ich einen Sack Flöhe. Onkel Julius soll gefälligst selber auf seine Frau achten. Wo steckt er eigentlich? Ist keine Post von ihm gekommen". „Es ist ein Hausen geschäftliches Zeug von der Hamburger Agentur da. Ich habe es nicht ausgemacht. Ja. und ein Brief von Julius aus Amsterdam. Er kann noch nicht kommen. Er muß noch ein paar Geschäftsfreunde in Holland besuchen. Ich werde mich von Julius scheiden lassen, weil er sich nicht um mich kümmert.“ Henry Coster lachte seine Tante aus. Julius und Anne Bosch waren seit zehn Jahren verheiratet und ließen sich ebensolange scheiden. Kein Mensch nahm das noch ernst. In Wirklichkeit waren sie ebenso ineinander verliebt wie am ersten Tage. Julius Bosch hatte seiner Zeit als Aufseher auf den Costerschen Zuckerplantagen gearbeitet. Dem Plantagenbesitzer sielen die guten Manieren seines Angestellten auf. Er zog ihn ins Haus. teils weil das Leben auf der Plantage recht einsam war. teils um die deutsche Sprache zu pilegen. Denn Coster stammte selber aus deutschem Blut. Sein Vater war allerdings mit einer Spanierin verheiratet gewesen. Wahrscheinlich hatte diese südländische Ahne ihr Temperament auf Anne Coster vererbt. Anne war nämlich, wie ihr Vater sich ausdrückte, ein wahres Quecksilberteufelchen. Den Gedanken an Heirat hatte das Mädchen immer verlacht, aber in den netten Julius Bosch verliebte sie sich Hals über Kopf. Wer weiß, ob aus der reichen Erbin und dem armen Aufseher je ein Paar geworden wäre, wenn nicht ein Herzschlag Costers Leben ganz plötzlich geendet hatte. Anne stand ganz allein da. Die Mutter war lange tot. sonstige Verwandte waren auch nicht mehr am Leben, ausgenommen ihr Nefse Heurv. Aber der war damals noch ein halber Knabe. Die riesige Plantage, die Rumfabrik, der ganze ausgedehnte Geschäftsbetrieb lasteten schwer auf Anne. Ihre heitere Frohnatur war alledem nicht gewachsen, konnte nicht mit soviel Balast reisen. In ihrer raschen Art machte sie Julius Bosch kurzweg einen Heiratsantrag. Der lachte ein bißchen über diese umgekehrte Methode, nahm die hübsche, dunkeläugige, kleine Person in seine Arme und küßte sie herzhaft ab. Die Ehe wurde restlos glücklich. Auch in die Plantagenwirtschaft und Rumfabriken arbeitete sich Julius Bosch mit Eiser und Zähigkeit ein. Henry wuchs heran und wurde ihm ein treuer, tüchtiger Helfer. Heute waren die Jamaikaflaschen mit dem Bildnis der lachenden Negeria auf dem Etikett in der ganzen Welt bekannt und begehrt. Jedes Jahr reiste das Trio nach Eurova, wo man das Angenehme mit dem Nützlichen verband. Julius Bosch besuchte seine Geschäftsfreunde. Frau Anne ging in die Schweiz, um sich in den Bergen von Jamaikas Tropenklima zu erholen. Und Henro fiel die ehrenvolle, aber undankbare Aufgabe zu, auf seine Tante„aufzuvassen“. (Fortsetzung folgt.) Ke** * Das Gutachten * des medizinischen Sachverständigen im Schönewald=Prozeß. Nach der Mittagsvause erstattete am Montag der vsochiatrische Sachverständige. Medizinalrat Dr. Kavv sein mit Spannung erwartetes Gutachten über die beiden Angeklagten. In einer vorausgeschickten Vorbemerkung erklärte er zunächst, daß entsorechend der Eigenart des Verbrechens die Erforschung des Seelenlebens der beiden Angeklagten von besonderer Wichtigkeit gewesen sei. Die vollen Schwierigkeiten der psychologischen Untersuchung hätten sich erst dann ergeben, als er darauf ausgegangen sei, die Persönlichkeiten der Täter und ihren verbrecherischen Willen näher festzustellen und zu firieren. Vorweg müsse er betonen, daß die Tat des einen vom Verhalten des anderen Teils psychologisch nicht zu trennen und auch nicht allein zu verstehen sei. Nach einem kurzen Hinweis auf den äußeren Unterschied in den Bekundungen der beiden Angeklagten— die Angeklagte hat ruhig und sachlich, der Angeklagte hat heitig und mit Nachdruck ausgesagt— geht der Sachverständige auf die körverlichen Befunde näher ein. Trotz mancherlei vorbergegangener Krankheiten seien beide Angeklagten körverlich als voll gesund zu bezeichnen. Als er bei der ersten Unterredung 4 mit dem Angeklagten diesen gefragt habe, warum er sich nicht bei alledem eine Kugel durch den Kopf geschossen hätte, habe Schönewald dazu in keiner Weise Stellung genommen. Am nächsten Tage sei ihm dann von dem Angeklagten sein Lebenslauf sehr eingehend und flüssig und zum Teil in Diskussionsform erzählt worden. Schönewald habe sich dahin geäußert, daß er anfänglich lieber die Kunstakademie besucht hätte oder Offizier geworden sei. Gebummelt habe er damals nur. um das Studentenleben kennenzulernen; er sei davon sehr enttäuscht gewesen, habe sich aber gedacht, es sväter literarisch zu verwerten. Bei dieser Untersuchung stellte der Sachverständige fest, daß der Angeklagte sichtlich Freude an seiner Schilderung gehabt, gleichzeitig aber auch alles genau und kritisch abgewogen und immer dabei seine Frau und das Milieu, dem er entstammte, für jedes Verschulden belastet habe. Ihm, dem Sachverständigen habe es tatsächlich zunächst so geschienen, als ob sich hier ein exzentrischer Schriftsteller selbst bezichtige, um das interessante Geschehen bei der Untersuchung und vor Gericht schriftstellerisch auszunutzen. Bei der Darstellung der Grundlagen zur Beurteilung der Frau Schönewald erklärte der Sachverständige zunächst, daß der Vater der Angeklagten ihm Auskunft über seine Familie gegeben habe. Davon ist zu erwähnen, daß ein Bruder des Vaters der Angeklagten aus der Art geschlagen sei. Der Vater habe seine Tochter in ihrer Beziehung zu Schönewald für völlig hypnotisiert und für sexuell hörig gehalten. Die Angeklagte selber erkläre vieles in ihrem Verhalten aus der Reaktion auf die Strenge des väterlichen Hauses. die ihr durch die Freiheit an der Universität ermöglicht wurde. Erst ihr Mann, über den sie zunächst überhaupt nichts Belastendes ausgesagt habe, habe sie als Frau geweckt. Der Sachverständige untersucht darauf die Schlußolgerung seiner Untersuchungen über den Angeklagten. Bei der Familie Schönewalds scheine eine gewisse ervliche Belastung vorzuliegen, andererseits seien hier aber auch Kennzeichen gewisser künstlerischer Begabung vorhanden. Zurzeit der Anzeige habe sich der Angeklagte zweisellos in einem krankhaften Wahnzustand befunden, der weder gemacht noch vorgetäuscht sei, wenn man auch die Persönlichkeit Schönewalds im Grunde für unecht und unehrlich halten müsse. Der Sachverständige ist der Auffassung, daß man dem Angeklagten in etwa zubilligen müsse, er habe bei seinem Verhalten in der Asfäre Innsbruck die subjektive Aufsassung gehabt, daß er im Recht gewesen sei. Diese Verhalten sei dann zum Modell seines späteren Benehmens geworden, wobei ihm die Selbsttäuschung und Selbstsuggestion aber nicht mehr vollständig gelungen sei. wofür der Selbstmordversuch zeuge. Auch das habe bei ihm nicht zu einer wirklichen Selbsterkenntnis geführt. da seine durchschnittliche Intelligenz infolge der regen Phantasie zwar sehr beweglich, aber auch sehr oberflächlich sei. Seine eigene seelische Unzulänglichkeit projeziere er stets in die Außenwelt. vor allem in seine Frau. Bei alledem könne bei ihm weder von Svaltungsirrsinn noch non echtem Trübsinn oder Melancholie, weder von Gehirnerweichung noch von sonst einer geistigen Krankheit die Rede sein. So müsse man ihn als einen innerlich zerrissenen, selbstquälerischen, aber auch selbstüberheblichen Psychovathen bezeichnen, für den jedoch die Voraussetzungen des§ 51. Abs. 1 und 2 in keiner Weise in Frage kämen. Frau Schönewald sei im Grunde eine wenig komplizierte Persönlichkeit. Ihre Intelligenz sei tief. Anzeichen irgendwelcher geistiger Erkrankung lägen bei ihr nicht vor. Der Einfluß des Ehemannes auf sie sei stärker gewesen als umgekehrt. Diese Suggestion habe sich immer stärker ausgewirkt. Beim Ehemann liege keine Hörigkeit von seiner Frau vor. Die Glaubwürdigkeit der Frau Schönewald sei größer als die ihres Ehemannes: sie habe zwar dies oder jenes beschönigt. aber doch die Wahrheit gesagt. Die Unwahrhaftigkeit gehöre zur Wesensart des Ehemannes. Der Sachverständige hält die Darstellung der Frau über die Planung und Vorbereitung der Tat vom 2. 11. 1932 für glaubhaft, diejenige über den Hergang der Tat als fraglich. Durch eine große Anzahl von Hypnosen der Angeklagten hätten sich diese Wahrnehmungen bestätigt. Die Angeklagten hätten bei diesen Hypnosen die Vorgänge als ihre Erlebnisse wiedererzählt. so z. B. die Revolverbedrohung der Frau durch Schönewald. Ehescheidungsabsprachen. der Aufbruch von Hause und Gang zum Rudolfplatz u. a. Die Ereignisse erschienen in der Hypnose subjektiv und objektiv als echt. Frau Schönewald sei eine gelehrige Schülerin ihres Mannes gewesen. Der Widerstand, den sie anfänglich ihm entgegengesetzt habe, sei immer schwächer geworden Durch nur kurze Redensarten wie„Du bist doch lieb“ oder„Du hilfst mir doch. Frauchen“ habe er sie zum Schluß soweit gebracht, daß sie sich zum aktiven Mittun bereit erklärt habe. Die Beeinflussungen der rau durch den Mann seien vsychologisch einwandfrei sichergestellt. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß eine besonders starke Abhängigkeit ihrem Manne gegenüber unmittelbar vor und bei der Tat vorgelegen habe. Der Mann habe seine Frau geformt, nicht die Frau den Mann. Bei den Auswirkungen der Beziehungen zwischen Schönewald und seiner Frau. und bei einem Zustand. der in das Gebiet des Krankhaften hineinreiche, sei die Zurechnungsfähigkeit natürlich beeinträchtigt. An sich komme eine Anwendung des§ 51.2 nicht in Frage. Aber bei der Langsamer japanischer Vormarsch Der Wasserstand des Hoangho um einen halben Meter gesunken“ 3000 Quadratkilometer überschwemmt Schanghai, 21. Juni.(Ostasiendienst des DRB.) Infolge der Ueberschwemmungskatastrophe in Mittelchina dauern die militärischen Overationen zur Zeit nur im Jangtsetal an. Und auch hier muß sich die Flotte gegen das Hochwasser langsam flußauswärts vorarbeiten. Sie bildet gleichzeitig den Flankenschutz für die auf beiden Ufern des Stromes in schwerem Regen langsam vorrückende javanische Insanterje, die über Anking hinaus nach Westen vormarschierend kurz vor der Stadt Taibo stebt. Die Flut des Hoangho bedeckt bis jetzt 3000 Qudratkilometer eines einst dicht bevölkerten fruchtbaren Landes. doch soll der Regen im Oberlauf des Flusses angeblich aufgehört haben. Hankau, 21. Juni. Die Frontlage im Osten der Provinz Honan ist infolge der Ueberschwemmungen noch immer unverändert. Der Wasserstand des Gelden Flusses ist zwar um einen halben Meter gesunken, aber es wird bis auf weiteres mit einem endgültigen Rückgang der Ueberschwemmung nicht gerechnet, weil im Juli gewöhnlich eine Regenveriode eintritt. Japanische Flugzeuge warfen bei Tschungmao an der Lunghai=Bahn mit Fallschirmen eine große Anzahl von Gummibooten ab. weil an der erwähnten Stelle mehrere Kompagnien japanischer Soldaten vom Hochwasser eingeschlossen sind. Am Danatsekiang sind die japanischen Fahrzeuge bis zur chinesischen Sperre bei Matang vorgedrungen, wo sie auf beiden Seiten des Stromes mehrere Kompagnien landeten, die die Aufgabe haben, die Batterien anzugreifen, die die chinesische Sperre verteidigen. Mord im Schnellzug paris—Diedenhofen Der Ermordete ein rotspanischer Wassenschmuggler 7 Verräterische Telegramme ( Paris, 21. Juni. Auf dem Bahnhof in Diedenhofen gab es am Samstag eine große Aufregung, als in einem Abteil der ersten Klasse eines aus Paris eingelaufenen Schnellzuges ein Mann erschossen aufgefunden wurde. Da die ersten polizeilichen Feststellungen bereits einen Selbstmord für ausgeschlossen hielten, wurden unverzüglich weitgehende Ermittlungen ausgenommen, die zunächst ergaben, daß der Ermordete Hilario heißt. Man kam auch seiner Anschrift in Paris auf die Spur und nahm dort eine Durchsuchung seiner Wohnung vor. Dabei wurden Briefe und Telegramme entdeckt, aus denen hervorgeht, daß Hilario ein Agent der für Rotspanien tätigen Waffenschmuggler war. Vor allem boten drei Telegramme Hinweise, die zwar bereits zerrissen waren, aber durch die Polizei wieder vollständig zusammengesetzt werden konnten. Das eine der Telegramme enthielt die Bitte einer Frau in Nizza um Geld. Offenbar handelt es sich um eine mit den Waffenschmugglern ebenfalls in Verbindung stehende Agentin. Ein zweites Telegramm aus Algier weist als Absenderin eine Tänzerin Martha aus, die von Hilario bestimmte Anweisungen Greisers Rechenschaftsbericht Fünf Jahre nationalsozialistische Regierung in Danzig Danzig, 21. Juni. Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens der nationalsozialistischen Regierung in Danzig fand Montag mittag eine Sitzung des Volkstages statt. vor dem Senatspräsident Greiser eine Regierungserklärung abgab. Er betonte eingangs, daß der Volkstag am heutigen Feiertag der nationalsozialistischen Regierung zum ersten Male das stolze Gesicht einer wahren deutschen Volksvertretung zeige. Der Volkstag habe sich unter dem Siegeszeichen des Hakenkreuzes zur Tagung versammelt. Damit sei ein hohes Ziel erreicht. Dafür. daß dieses Ziel verwirklicht sei, danke er besonders Gauleiter Forster. Sodann gab der Senatsvräsident einen Rechenschaftsbericht über die Entwicklung seit 1933. Er erwähnte u. a. die Arbeitsbeschaffung, die Wohnungsfürsorge, die Schaffung produktiver Wirtschaftseinrichtungen, den Ausbau des Flughafens. die Hausinstandsetzung. die Gesundung der Sozialversicherung, die Neu= und Umbauten am Staatstheater und die außerordentlich umfangreichen Erneuerungsarbeiten an der St.=Marien=Kirche, dem Wahrzeichen Danzigs. Alles dieses habe dazu geführt, daß von den 40000 Arbeitslosen im Jahre 1933 nur noch ein völlig unbedeutender Rest von 2000 übrig geblieben sei. Durch gesetzliche Maßnahmen sei die Verschuldung der Danziger Landwirtschaft, die 1933 mit über 100 Mill. Gulden völlig zerrüttet gewesen sei. zum Stillstand geFeinheit der Kriterien, die sich hier ergäben, und unter Berücksichtigung so vieler Unwägbarkeiten käme er doch zu dem Schluß, daß bei der Angeklagten. auch wenn sie noch den Schuß auf die Vermieterin abgegeben habe, erheblich verminderte geistige Zurechnungsfäbigkeit als gegeben zu erachten sei. Nach Erstattung des sechs Stunden beanspruchenden psychiatrischen Gutachtens kündigte der Verteidiger des Angeklagten einen Antrag auf Einholung eines Obergutachtens an. bracht worden. Die Ebeschließungen seien durch Ebestandsdarleben im Gesamtbetrag von 1.6 Mill. Gulden gefördert worden. Auf schulischem Gebiet erwähnte der Senatspräsident in erster Linie die Neugründung der Hochschule für Lehrerbildung und die Bekämpfung der Sportplatz= und Turnhallennot. Aus der Justiz sei eine Volksjustiz im schönsten Sinne des Wortes geworden. Danzigs Polizei und Beamtenschaft seien zu absolut positiven Trägern der Volksgemeinschaft geworden. Anschließend kam der Senatspräsident auf das Verhältnis Danzig—Polen zu sprechen. Niemals wäre die Freundschaft zweier Völker und das freundschaftliche Verhältnis zweier Staaten wie Danzig und Polen möglich gewesen, wenn nicht zwei Frontsoldaten sich zu Staatsmännern Europas aufgeschwungen und die Voraussetzungen für diese normalen und guten Beziehungen geschaffen hätten. Abschließend stellte der Senatspräsident fest, daß Danzig innen= und außenpolitisch zu einem allerersten Faktor der Ordnung geworden ist und daß dieses Staatswesen sich in seiner heutigen Gestalt mit der Betonung seiner Liebe und unwandelbaren Treue zum deutschen Mutterlande anerkannt sieht von allen. die in der Welt guten Willens sind, den Frieden zum Segen der Menschheit zu erhalten. Gutenberg=Festwoche in Mainz Mainz. 21. Juni. Am Sonntagnachmittag wurde die Gutenberg=Festwoche im Akademiesaal des Kurfürstlichen Schlosses feierlichst eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache wies der Kulturdezernent der Stadt Mainz. Dr. Hallier. auf Ziel und Zweck der Mainzer Gutenberg= Festwoche hin: Den größten Sohn der Stadt und sein Werk zu ehren und den Mainzer Kulturwillen zu bekunden. Ihren größten Sohn ehre die Stadt Mainz in der Ehrung der Kulturschaffenden der Gegenwart. In diesem Jahre sei Professor Dr. Hans Psitzner in den Mittelpunkt der Gutenberg=Festwoche gerückt. Dann hielt Professor Pfitzner seine Festrede über das Thema:„Wagner und Schumann, eine Sternenfreundschaft". Oberbürgermeister Dr. Barth erklärte darauf die Gutenberg=Festwoche offiziell für eröffnet. Anschließend betonte er, daß es die Stadt Mainz als ihre Aufgabe ansehe, der Gutenberg=Grabstätte in Mainz eine bedeutungsgemäße Form zu geben. erwartete. Das dritte in Laon ausgegebene Telegramm enthält den Hinweis:„Gemischte Brigade(röm.) 2. Komvagnie Huesca=Barcelona". Weiter wurde im Verlause der umfangreichen Nachforschungen der Polizei festgestellt. daß Hilario in der letzten Zeit zahlreiche größere Reisen unternommen hatte. so nach Rotspanien. nach Nordafrika. nach Amerika und in die Schweiz. Interessant ist übrigens, daß man Hilario. als er in Diedenhofen in dem Eisenbahnabteil aufgefunden wurde, für den Oberleutnant Telliere von der Spezialabteilung der Garde Mobile hielt, weil er dessen Paviere in der Tasche trug. Es konnte jedoch einwandfrei nachgewiesen werden, daß dem betreffenden Offizier im Januar seine Papiere gestohlen worden waren. Zweifellos ist dieser Diebstahl von Hilario selbst oder von einem seiner Komplizen ausgeführt worden. um unter dem Namen Telliere gewisse Schwierigkeiten bei der Agententätigkeit zu umgeben. Vor seiner Abreise hatte Hilario sich übrigens in auffallend aufgeregter Verfassung beim Hauswart seines Hauses nach einem Telegramm erkundigt, das jedoch nicht eingelausen war. Die Polizei ist mit sieberhaftem Eiser dabei, das Gebeimnis vollständig zu enthüllen. Rheinisch Vestälische Pr##e Düsseldorf, 21. Juni. An der heutigen Börse fanden nur kleinere Umsätze statt. Geringes Angebot führte bei der mangelnden Kauflust meist zu kleineren Kursrückgängen. Vereinzelt waren aber auch Besserungen festzustellen. Im Verlause blieb das Geschäft unverändert still. In einigen Werten ergaben sich kleinere Erholungen. Mehrfach gingen aus dem Montanmarkt kleinere Posten Ver. Stahlwerke zu knapp behaupteten Kursen um. Mannesmann schwächten ¼ Prozent ab. gewannen dann iber ½8 Prozent zurück. Rheinstahl X Prozent leichter. Erdöl verkehrten ¼ Prozent niedriger, blieben auf der ermäßigten Basis aber gefragt. Farbenaktien konnten unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages zirka ½ Prozent anzieben. RWE. waren ¾ Prozent gebessert. Warenmärkte Hamburger Warenmarkt. Reis: Aus dem Inlande liegen kaum Aufträge vor Im Export kam es zu kleinen Abschlüssen nach Westafrika. Die Preise lauten wir zuvor. Die fernöstlichen Ursprungsmärkte liegen weiter ruhig und stetig. Eine Aenderung der Preise ist auch hier nicht zu vermerken. Baumwolle: Tendenz ruhig. Superfine 3.65. Fine Oomra 4.15. Kaffee: Am Platze kam es lediglich zu geringen Bedarfskäufen, die auf bisberiger Preisbasis getätigt werden. Der Transithandel liegt ruhig, kann aber immerhin befriedigen. Meldungen aus Uebersee lassen weiterbin feste Tendenz für seine Brasilsorten erkennen. Schmalz: Ruhig. Amerik. Steamlard 22. Purelard raffin. 22½ bis 22¾ Dollar. Dänisches Schmals fehlt. Gertwaren: Unverändert. Hülsenfrüchte: Die Aufnahmeneigung für Hülsenfrüchte hat keine Verstärkung erfahren, die Käufer sind nur schwer zu Abschlüssen zu bewegen. Man nennt die bisherigen Preise. Kautschuk: Fest. Sheets loco 6 5/16. per Juli“ August 6¾8. August September 67/16 Pence per lbs. Zucker: Effektivmarkt: Bei unveränderten Notierungen behält der Markt sein stetiges Gepräge. Terminmarkt: Ruhig. unverändert. Für Dezember ließen sich Abschlüsse zu 3.95 buchen. Oele und Ferte: Mit dem Inlande war die Umsatztätigkeit verhältnismäßig gering. Deutsches Leinöl ist nur schleppend abzusetzen, dagegen sind Firnisse aus dem Anstreichkontingent stärker begehrt, Preise wie zuletzt. Am Weltmarkt ist die Nachfrage für alle Fabrikate äußerst ruhig und damit blieben die Umsätze sehr klein. Man nannte unveränderte Preise. Gewürze: Bei sehr stillem Geschäft— nur hier und da kommt es zu kleinen Bedarfskäufen— trat in den Notierungen keinerlei Abweichung ein. Getrocknete Früchte: Die Nachfrage blieb ungemein rege. kann aber, wie bisher schon, nur teilweise efriedigt werden. Insbesondere Pflaumen sind stark gefragt, daneben aber auch weiter Mandeln und Haselnußkerne. Rauhfutter: Ruhig. unverändert. Futtermittel: Ruhig. unverändert. Rohkakao: Stetig. Am Weltmarkt hielt sich die Umsatztätigkeit in engen Grenzen. Abladungsware und Accra und auch solche in Lagos konnten sich weiter leicht befestigen. Von der Goldküste wird eine weitere Zunahme der Verschiffungen gemeldet, die in der ersten Hälfte des Juni auf 21 195 Tonnen anstiegen gegenüber 27 443 Tonnen im ganzen Monat Mai. Im Inland liegt Rohkakao vernachlässigt. Accra Haupternte JuliAugust 19/6 cif., Lagos Haupternte Juni Juli 18°9 cif. Alles übrige unverändert. Kakaohalbfabrikate: Lausend gut gefragt und zu bisherigen Preisen abzusetzen. Keine neue Dollarentwertung? Washington, 21. Juni. Finanzminister Morgenthau und der am Montag von London auf Urlaub nach Amerika zurückgekehrte Botschafter Kennedo suchten Gerüchten von einer bevorstebenden Dollarentwertung entgegenzutreten. Morgenthau erklärte, diese Gerüchte stammten von Spekulanten, die Gold aufgekauft hätten in der Hoffnung. es mit großem Gewinn verkaufen zu können. Er dementierte energisch, daß die Regierung Entwertungsabsichten hege. Botschafter Kennedy wies auf die Fruchtlosigkeit einer solchen Entwertung hin. weil andere Nationen dem amerikanischen Beispiel sofort folgen würden. Viehmärkte Altenessener Schweinemarkt. Auftrieb: Ferkel 900. Läuserschweine 306. zusammen 1206. Es kosteten im Großhandel: Ferkel unter 6 Wochen 16.50 RM., 6—8 Wochen alte 17—23 RM., 8—12 Wochen alte 23—31 RM. Läuferschweine: 3—4 Monate alte 31—41 RM., 4—6 Monate alte 41—60 RM., größere entsprechend höher. Marktverlauf langsam. Pferdesport 30 Bauern ertrunken Flußunglück in Polen. Warschau, 21. Juni. In der Nähe des Dorfes Orla im Distrikt Brzesc ereignete sich ein furchtbares Unglück. Ein Transportschiff, das 80 Bauern beförderte, verlor inmitten des Flusses seinen Boden. Das Wasser drang augenblicklich ein. Alle 30 Bauern ertranken. Die Leichen der Opfer sind noch nicht geborgen. Wie ergänzend bekannt wird, befanden sich die 30 Bauern, die in der Nähe des Dorfes Orla unweit von Brest=Litowsk in den Fluten des Bugs ertranken, auf der Fahrt zu ihren auf dem jenseitigen Ufer gelegenen Wiesen, wo sie das Heu ernten wollten. Der Bug, der größte Nebenfluß der Weichsel, ist bei dem Dorfe Orla sehr breit und reißend. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß bisher noch keine Leiche der Opfer des Unglücks geborgen werden konnte. Aufgescheuchte Pyrenden=Bären Paris, 21. Juni. Im Laufe der letzten Tage sind zahlreiche Bären. die noch in den Wäldern und schwer zugänglichen Hochtälern der Pyrenäen hausten, vor den zurückweichenden sowjetspanischen Truppen auf französisches Gebiet geflüchtet. Während man bisher die Zahl der auf der französischen Seite der Pyrenäen wild lebenden Bären auf 150 bis 200 schätzte, hat sich diese Zahl im Laufe der letzten Tage fast verdoppelt. Wie die„Liberte“ hierzu schreibt, hegt die Landbevölkerung schwere Sorgen für die Viehherden, die schon bisher infolge der Angriffe von Bären stark zu leiden hatten. Rennen zu Lonachamp. 1. Rennen: 1. Oriflamme 2(J. Hillion), 2. Qumerebia. 3. Phryne. Tot.: Sieg 48. Platz 19. 17. 22. La. H., 2. ½. Ferner liefen 6 Pserde. 2. Rennen: 1. Courteille(W. Johnstone), 2. Jrifle. 3. Turbulent. Tot.: Sieg 37. Platz 13. 14. Lg. 3. 4. 1. Ferner lief 1 Pferd. 3. Rennen: 1. Le Boucau(W. Johnstone), 2. Magalo. 3. Reve d'Argent. Tot.: Sieg 23. Platz 18. 18. Lg. ¾. ¼. 2. Ferner liefen 4 Pferde. 4. Rennen: 1. Vaisseau Fantome(P. Villecourt). 2. Spaghetti, 3. La Lumiere. Tot.: Sieg 16. Platz 29. 22. 34. Lg. 2. 1. 1/. Ferner liefen 6 Pferde. 5. Rennen: 1. Loggia(C. Bouillon), 2. Courtil. 3. Fansarona, Tot.: Sieg 75. Platz 29. 20. La. 1⅛. ¾. ½. Ferner liefen 4 Pferde. 6. Rennen: 1. Scotch(A. Rabbe), 2. Asthael. 3. Michel Ange. Tot.: Sieg 95. Platz 22. 16. 16. La. 1½. ½. H. Ferner liefen 5 Pferde. Wie wird das Im Zusammenhang mit der nördlich Irlands gelegenen Störung dringen in der Höhe von Westen her etwas feuchte und milde Meeresluftmassen in unseren Bezirk ein und verursachen leicht hohe Bewölkung. Die zu dieser Störung gehörende Kaltfront wird unser Gebiet im Laufe des morgigen Tages erreichen und dabei Gewitterneigung aufkommen lassen. Vorhersage für Mittwoch: Ansangs schwache dis mäßige südwestliche Winde, dabei überwiegend heiter später bei auffrischenden Winden und Drebung auf West bis Nordwest Bewölkungszunahme und aufkommende Gemitterneigung. Für Donnerstag: Westliche Winde, dabei noch wolkig bis aufheiternd. trocken und warm. Weiterentwicklung: Erneutes Hochdruckwetter mit geringer Bewölkung und kräftiger Sonneneinstrahlung. Rundfunk=Programm Mittwoch, den 22. Juni 1938. 6.00 Morgenlied— Wetterbericht. 6.10 Knie—e beugt! 6.30 Freut euch des Lebens! 7.00 Nachrichten. 7.10 Frühkonzert. 8.00 Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10 Frauenturnen. 8.30 Unterhaltungskonzert. 9.30 Vom gesunden Leben. 9.45 Nachrichten. 19.00 Ein Ton klingt aus. Karl Maria von Webers Fahrt nach England. 11.45 Bauer merk' auf! Marktberichte des Reichsnährstandes. 11.55 Wetter für den Bauern. 12.00 Reichssendung: Werkpausenkonzert anläßlich der Arbeitstagung des Fachamtes Chemie. lawische Tänze Nr. Slawische Rhavsodie hoff: Ich freue mich so. b) Kaschubee: Au meiner kleinen Violine. c) Fischer: Jollu Joker. 3. Kochmann: Deutsche Mädels. Kletzki: Marsch der Flak. 14.00 Nachrichten. 14.10 Melodein aus Köln am Rhein. 15.00„Was sich unsere Kinder wünschen“. 15.25 Wir treiben Familienforschung. 15.50 Wirtschaftsmeldungen. 16.00 Nachmittagskonzert. Das Kölner Rundsunkorchester unter Leo Eosoldt. Melitta Wittenbecher(Sopran). 17.00—17,10 Der Erzähler. 18.00 Grift ins Leben. 18.30 Heinz Stadelmann singt heitere Lieder von Schubert. 18.45 Deutsches Turn= und Sportsest 1938. 10.00 Nachrichten. 19.10 Tänzerische Suite in fünf Sätzen(Industrieschallplatten) Rhapsodie. 4. Dvorak: 1 bis 3. 5. Friedemann: 6. Weber: Aufforderung zum Tanz. 7. Liszt: Rhapsodie Nr. 1. 8. Strauß: Rothausballtänze. 22.00 Nachrichten— 10tägige Wettervorhersage vom 22. Juni bis 2. Juli. 22.15 Zwischenmusik(Schallvlatten). 22.30 Bunte Musik. 24.00 Nachtmusik. 1.00 Konzert.— Darin; vom Ive; aus Neuyork: Ringfrei— Schmeling und Louis kampfen um die Weltmeisterschaft in USA. Es spielt das Große Orchester des 19.45 Politische Zeitungsschau. „##senders Saarbrücken. 120,00 Heitere Bilder aus dem Zoo, 13.00 Nachrichten— Glückwünsche.„ 13.15 Mittagskonzert. 1. Wood: The widon malone: a) The widow malone. b) A song of erin. c) Irisb merrymaking. 2. a) Ige) Sopran. Bariten. Chor und Orchester 20.30 Kurkonzert aus Bad Pormont. 1 Svendsen: Rhapsodie Nr. 3. 2. Grieg: Norweg Tänze Nr. 1 bis 4. 3. Chabrier: Spanische Donnerslag. den 25. Juni 1938 6.00 Morgenlied— und 10tägige Wettervorhersage für den Bauern. 6.10 Knie—e beugt! 6.30 Freut euch des Lebens! 6.55 Nachrichten. 7.00 Morgenlied— Morgenruf. 7.10 Frühkonzert. 8.00 Wetter— Wasserstand— Kalenderblatt. 8.10 Frauenturnen. 8.30 Ohne Sorgen jeder Morgen. 9.30 Ungebetene Sommergäste. 9.45 Nachrichten. 10.00 Volksliedsingen. 11.45 Bauer, merk' auf! 11.55 Wetter für den Bauern. 12.00 Mittagskonzert. 1. Gade: KonzertOuvertüre„Hamlet". 2. Grieg: Peer=GynSuite Nr. II: Der Brautraub/ Arabischer Tanz/ Peer Gynts Heimkehr] Solveigs Lied. 3. Kajanu: Rhapsodie Nr. II. 5. Sibelius: Der Schwan von Tuonela. 5. Sinding: Rondo infinito. 13.00 Nachrichten— Glückwünsche. 13.15 Konzertfortsetzung: 6. Strauß=Retterer: Ouvertüre zu„Frühlingsluft“. 7. Künneke: Wenn Liebe erwacht. 8. Strauß: Feuerfest. 9. Kollo: Wie einst im Mai. 10. Hellmesberger: Flora. 11. Strauß: Reise. 14.00 Nachrichten. 14.10 Melodein aus Köln am Rhein. 15.00 Das gute Buch. 15.20 Kleine Musik. 15.35 Das Recht des Alltags. 15.50 Wirtschaftsmeldungen. 16.00 Kurkonzert aus Bad Oennhausen. 1 Wagner: Marsch und Chor aus„Tannhäuser“, 2. E. Bach:„Hamlet"=Ouvertüre 3. Neßler: Fantasie aus„Der Tromveter von Säkkingen", 5. Delides:„Coppelia"= Ballet: a) Slawische Volksmelodie mit Variationen. 5)„Festtanz und Stundenwalzer. e) Musik der Automaten und Walzer, d) Clardas. 17.00—17.10 Der Erzähler. 5. Fischer: Südlich der Alpen. 6. Strauß: Intermezzo aus„Tausendundeine Nacht“, 7. Ziehrer: Weaner Madln. 8. Dostal: Melodien aus„Clivia“. 9. Fucik: Florentiner Marsch 18.00 Der Beruf des Hitlerjugendführers. Es spricht der Chef des Personalamtes der Reichojugendführung. Obergebietsführer Heinz John. 18.10 Kleines Konzert. Greti Gnehm (Sovran). Traut u. Hildebrandt(Klavier 18.50 Momentaufnahme. 19.00 Nachrichten. 1. 10 Unterhaltungskonzert. 20.00 550 Jahre Universität Köln. 20.15 Festkonzert anläßlich der 550=Jahr=Feier der Universität Köln. Ausführende: Proi Dr. d. c. Fischer(Klavier), das Städtische Orchester Köln und der Gürzenich=Choi. Beethoven:„Egmont"=Ouvertüre Brahms: Fest= und Gedenksprüche für achtstimmigen gemischten Chor a. c. Brahms: Klavierkonzert B=Dur. Händel: Halleluta. 22.00 Nachrichten. 22.15 Zwischenmusik(Schallplatten) 22.30 Spätkonzert. 24.00—3.00 Nachtkonzert. Wanne-Lichels Fehlbetrag stark gesenht Um talt 2 Millionen im Rechnungsjahr 1937.— Tagung der Ratsherren. Am Freitag. dem 17. Juni 1938. fand eine Sitzung der Ratsherren unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Oberbürgermeister bekannt, daß die Amtszeit der Beiräte für finanzielle Angelegenheiten inzwischen abgelaufen sei und die bisherigen Beiräte erneut aus die Dauer von 2 Jahren bestellt worden seien, nämlich die Ratsherren Kruger und Lenz und weiterhin aus der Bürgerschaft die Kaufleute Josef Teuber und Wilhelm Franken. Sodann gab der Oberbürgermeister einen Ueberblick über den Abschluß des Rechnungsjahres 1937. indem er damit einen Ausblick auf die voraussichtliche künitige Entwicklung der Finanzen unserer Stadt verband. Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1937 wurde im März 1937 mit einem geschätzten Fehlbetrag von 1 743 190 RM. aufgestellt. Dieser haushaltsvlanmäßige Fehlbetrag erhöhte sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1937 um den berichtigten Fehlbetrag aus Vorjahren in Höhe von 98036.43 RM. sowie um die am Schlusse des Rechnungsjahres 1936 vorhandenen Kassenausgabereste in Höhe von 237 171.68 RM. auf insgesamt 2 078 398.11 RM. Mit diesem rechnerischen Fehlbetrag trat die Stadt Wanne=Eickel in das Rechnungsjahr 1937 ein. Nach dem Abschluß für das Rechnungsjahr 1937 beträgt der Fehlbetrag nur 91073.21 RM., so daß im Verlause des Rechnungsjahres 1937 der Fehlbetrag um 1 987 324,90 RM. verminderte. Diese starke Senkung des Fehlbetrages wurde durch folgende Mehreinnahmen und Minderausgaben erreicht: a) Mehreinnahmen gegenüber dem Voranschlag: Steuern 986 205.55 RM., Staatsbeihilfen 80000 RM., sonstige Mehreinnahmen 306 971.04 RM., insgesamt 1873 176. 59 RM. Zu den Einnahmen muß erläuternd bemerkt werden. daß die bei der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge mit 320000 RM. veranschlagten Wohlfahrtsdotationen des Reichs völlig ausgeblieben sind. b) Die Wenigerausgaben gegenüber dem durch Ausgabereste und durch die zu wenig veranschlagte Vorjahresbelastung erhöhten haushaltsplanmäßigen Ansätze betragen 614 148.31 RM. Hieraus ergibt sich die Senkung des Fehlbetrages um insgesamt 1 987324.90 RM. Hinsichtlich der Ausgaben ist zu erwähnen, daß den Rücklagen insgesamt 93 728,20 RM. mehr zugeführt wurden. als Zuführungen auf Rücklagen im Haushaltsplan 1937 veranschlagt waren. Vergleicht man diese Mehrzuführung auf die Rücklagen im Betrage von 93 728.20 RM. mit dem rechnungsmäßigen Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1937 in Höhe von 91 073.21 RM., so ergibt sich die Tatsache, daß. sofern die notwendig erschienene Mehrzuführung auf Rücklagen unterblieben ware, die Jahresrechnung 1937 mit einem kleinen Ueberschuß von 2654.99 RM. abgeschlossen hätte. Dieses äußerst erfreuliche Ergebnis der Jahresrech= nung 1937 spiegelt den starken Aufschwung wider. den die Wirtschaft unseres Stadtkreises in den letzten Jahren genommen hat. Trotz dieses erfreulichen Jahresabschlusses 1937 wird die Stadt Wann=Eickel auch im Rechnungsjahre 1938 sich in ihrer gesamten Finanzgebarung von äußerster Vorsicht, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit leiten lassen müssen, da die Auswirkungen des neuen Finanzausgleichs im Augenblick noch nicht zu übersehen sind. Nach diesem Ueberblick über die Finanzlage der Stadt stand die Uebernahme einer Bürgschaftsschuld für die frühere Westfälische Straßenbahn und deren Umwandlung in ein langfristiges Tilgungsdarlehn zur Erörterung. Hiernach erwächst der Stadt aus der Zeit vor der Mochtergreifung eine Neuverschuldung von 253000 RM., die auf 365 715.12 RM. inzwischen angewachsen war und im Wege der Verhandlung und durch andere günstige Umstände auf die vorbezeichnete Höhe von 253000 RM. berabgedrückt werden konnte. Die Ratsherren nahmen von der beabsichtigten Umwandlung dieser Schuld in ein langfristiges Darlehn zustimmend Kenntnis. Zur Beratung standen ferner die Festsetzung des Tarifs über die Kosten zur Herstellung. Unterhaltung und Aenderung von Anschlüssen an die öffentliche Kanalilation sowie die Behandlung der Zinsrückstände der Anliegerbeiträge der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter bliebenen. Auch hier fanden die von der Verwaltung der Stadt beabsichtigten Entscheidungen die einhellige Zustimmung der Ratsherren. Erwähnt sei hierzu, daß in Anerkennung der Notlage der Kriegsbeschädigten und Kriegerbinterbliebenen, die in ungünstiger Zeit vor der Mochtergreifung gebaut haben, die von diesen seit Jahren geschuldeten Rückstände an Verzugszinsen erlassen werden sollen. Einen breiten Raum im Rahmen der Erledigung der weiteren Tagesordnung nahm die Beratung von zahlreichen Grundstücksangelegenheiten ein. Die Stadt wird sich hiernach entschließen. Teile ihres Grundbesitzes im Stadtteil Wanne zu günstigen Preisen abzugeben, um diese Grundstücke im Sinne einer gesunden Wohnungspolitik der alsbaldigen Bebauung zuzuführen und gleichzeitig das städtebauliche Bild in einer dringend erwünschten Weise zu ergänzen. Auch hier stimmten die Ratsherren den Ausführungen des Oberbürgermeisters vorbehaltlos zu. Nach mehr als dreistündiger Sitzung wurde die arbeitsreiche Tagung. der Ratsherren durch den Oberbürger= meister geschlossen. * Freiquartiere für den Musik= und Spielmannszug der Kriegsmarine. Aus Anlaß des großen Gautresfehs des NS.=Marinebundes in Wanne=Eickel am 30. und 31. Juli 1938 wird sich auch ein Musik= und Spielmannszug der aktiven Kriegsmarine hier aufhalten und an den geplanten festlichen Veranstaltungen teilnehmen. Die Bevölkerung unserer Stadt wird es dankbar begrüßen, daß ihr erstmalig nach der Wiederherstellung der uns durch unseren Führer Adolf Hitler geschenkten deutschen Wehrfreiheit Gelegenheit gegeben wird. Angehörige der aktiven Kriegsmarkne hier empfangen zu können. Wegen der starken Belegung der Hotels und Gasthöfe durch auswärtige Gäste müssen für die Unterbringung der Angehörigen des Musik= und Spielmannszuges Quartiere beschafft werden. Wer stellt für die blauen Jungen Freiquartiere ohne Verpflegung zur Uebernachtung zur Verfügung? Es kommen in Frage Samstag, 80. Juli. auf Sonntag. 31. Juli. und Sonntag. 31. Juli. aus Montag. 1. August. Das Städtische Verkehrsamt Wanne=Eickel. Rathaus. Schwerinstraße 6. Zimmer 100. das an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt ist, nimmt Meldungen— mündlich oder schriftlich—. die baldigst erbeten werden, jederzeit entgegen. Ausbau der Waschkaue auf„Unser Fritz“. Die Zunahme der Belegschaftszahl in den letzten Monaten auf „Unser Fritz“ machte es erforderlich, die große Waschkaue an der Anlage am Bahnhof„Unser Fritz" noch zu erweitern. Eifrig sind die Handwerker mit der Instandsetzung beschäftigt, so daß Ende des Monats mit der Fertigstellung gerechnet werden kann. Flugzeug am Stadtrande notgelandet. Am Sonntag mußte ein Flugzeug unweit des Freibades Grimberg notlanden, da es einen Motorschaden erlitten hatte. Glücklicherweise konnte der Schaden gleich behoben und die Fahrt fortgesetzt werden. Felddiebstahl. In der Nacht zum Sonntag wurde einem Anwohner der Dorstener Straße von seinem Gartenlande In der Nähe der Brot- und Teigwarenfabrik im Stadtteil Holsterhausen eine große Menge Zwiebeln gestohlen. Zum Abtransport ist anscheinend ein Fahrzeug benußt worden. Wer kann zur Ermittlung der Täter Angaden machen. gen, die man auch din in den Teutoburger Wald un das lippische Bergland ausdehnen sollte. Kunst und Unterhaltung: In Bad Oeynhausen weiß man, was eine gute Kurmusik bedeutet, und hat daher besonderen Wert auf ein ständiges Orchester gelegt, das morgens, mittags und abends im Kurpark spielt und auch Sinfoniekonzerte von Ruf gibt. Eine künstlersch hochstehende Bühne bringt Ernstes und Heiteres. Auf den Tennisplätzen fliegt der weiße Ball, im schönen Freibade tummeln sich die Schwimmer und auf der Werre sind die Bootfahrer eifrig Das größte Ereignis jedes Jahres ist es, wenn im Reit= und Springturnier die edlen Pferde über die Hürden gehen. Bad Oeynhausen hält alles bereit, was zur Kur gehört: Quellen, Gärten, Kunst und Unterhaltung. Hier wird der ganze Mensch erfaßt, umgestellt und neu. Quellen und Gärten in Bad deunhausen Zu einer Badekur gehört vieles, was zusammentreffen muß, wenn der Erfolg kommen soll. Voraussetzung ist die Quelle, jener Heilschatz, den der deutsche Boden in verschwenderischer Fülle in einigen Gegenden hat. Ihre Kräfte, in ihrer letzten Wirksamkeit noch gar nicht erforscht und vielleicht auch niemals zu ergründen, greifen den kranken Körper an, stärken seine Widerstandskraft und vertreiben oder lindern das Leiden. # * Bad Oeynhausen, Preuß. Staatsbad— Jordansprudel. Außerdem ist es von großer Wichtigkeit, daß der ganze Mensch einmal aus seiner gewohnten und ihn belastenden Alltagsumgebung herausgenommen wird und in eine Atmosphäre kommt, die ihn befreit und erfreut. Der Kurgast muß umsorgt werden in seiner Pension, er muß sich ergehen können in schönen Gärten und Parks, er muß sich erheben lassen von guter Musik und von gepflegter Unterhaltung, er soll auch fröhlich sein und soll ruhig tanzen. Zu der Kur des Körpers muß die Kur der Seele kommen. Beide müssen zusammenwirken, wenn der Aufenthalt im Bade seine Wirkung tun soll. In Bad Oeynhausen an der Porta Westfalica weiß man um diese Geheimnisse des Zusammenwirkens von der Kraft der Quellen, der Schönheit der Gärten und Landschaft, dem Einfluß der Musik und Kunst und froher Unterhaltung. Man weiß auch, daß jedes einzelne wichtig ist, und ist stolz darauf, alles zu besitzen, was zum Erfolge der Kur gehört. Quellen: 7000 Liter in der Minute schleudert der Jordansprudel in den Himmel, ein Wunder, das mit dem Namen Oeynhausen untrennbar verbunden ist. 7000 Liter in der Minute warme kohlensäurehaltige Sole, unerschöpflich, in immer gleicher Mächtigkeit aus den Tiefen der Erde kommend. Aber dieser gewaltige Sprudel steht nicht allein. Noch weitere acht besitzt das Bad, darunter die berühmte Wittekindsquelle, die stärkste Chlorcalciumquelle Europas. In sechs auf das beste eingerichteten Badehäusern stehen die Wannen bereit, um die Heilwässer aufzunehmen. Kein Bad braucht angewärmt oder abgekühlt zu werden. Es wird jede erforderliche Temperatur natürlich gemischt und somit verhindert, daß wertvolle Bestandteile der Quellen sich verändern. Herz, Nerven, Rheuma und Gelenke werden geheilt, Erkrankungen der Atmungsorgane und Frauenleiden seit jeher mit Erfolg behandelt. Wissenschaftliche Institute mit den neuesten Apparaten und allen Mitteln der Diagnostik stehen zur Verfügung, die erfahrensten Badeärzte betreuen den Gast während seiner Kur. Gärten: 500 Morgen groß ist der Kurpark, angelegt von Meister Lenne, dem genialen Gartenschöpfer. Breite Alleen und verschwiegene Wege kann man wandeln in ihm. Helle Rasenflächen und verschwenderische Blumenbeete entzücken das Auge. Besonders der freie Blick von der Kurhausterrasse ist unvergleichlich. An Gärten fehlt es gewiß nicht in Bad Oeynhausen. Seine ganze Umgebung ist ein großer Garten. Das Weserbergland mit seinen tiefen Wäldern, die alle von gut angelegten Spazierwegen durchzogen sind, lockt zu Wanderungen und Ausflü„Entartete Kunst“ in Düsseldors. Düsseldorf, 20. Juni. Am Samstagvormittag wurde die Ausstellung„Entartete Kunst", die bisber in München. Berlin und Leipzig gezeigt wurde und nunmeb: in Düsseldorf als der voraussichtlich einzigen westdeutschen Stadt der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. eröffnet. Die Ausstellung ist inzwischen vergrößert und durch eine straffe Einteilung in Gruppen mit entsprechenden Beschriftungen eindrucksvoller gestaltet worden. Sie vermittelt einen klaren Einblick in das surchtbare Chaos einer sogen.„Kunst“ der Systemzeit und zeigt die Zusammenhänge auf. die zwischen der Verfallskunst— dem Kulturbolschewismus— und dem politischen Bolschewismus— und dem politischen Bolschewismus bestehen. Auf diese Punkte wies mit besonderem Nachdruck Gauleiter Staatsrat Florian hin, als er in seiner Eröffnungsansprache betonte, daß die Ausstellung ein Sviegel des grauenerregenden kulturellen Niederganges Deutschlands in der Systemzeit ist. Sie soll den endgültigen Schlußstrich ziehen unter eine Vergangenheit. die wir endgültig überwunden haben. Erfreulicherweise ist es der veriudeten Clique der Kulturbolschewisten nicht gelungen, mit ihren Machwerken den Kern des deutschen Menschen zu erfassen. Der Nationalsozialismus muß als Lebensretter auch für die deutsche Kunst genannt werden. Der Führer hat dem deutschen Volk eine Kunst geschenkt, die es zum Erhabenen führt. Mit dem Dank an den Führer, der den Weg zu der lebensbejahenden Kunst unserer Zeit gewiesen hat, erklärte der Gauleiter die Ausstellung für eröffnet. „Westdeutsche Bühnenbildner“ Große Sommerausstellung in Duisburg. Alljährlich in den Sommermonaten tritt die Städtische Kunstsammlung in Duisburg mit einer großen und umfassenden Ausstellung vor die deutsche Oeffentlichkeit. Diese Veranstaltungen brachten in den vergangenen Jahren in erster Linie lebendiges Kunstschaffen. Im gleichen Sinne ist auch in diesem Sommer wieder eine große Veranstaltung geplant. die dem Bühnenbild gilt. Die westdeutschen Bühnenbildner sind zu einer umfassenden Schau aufgerusen. Auch die Städte Aachen. Koln. Düsseldors. Wuppertal u. a. m. werden neben den im eigentlichen Industriegebiet liegenden Theatern auf dieser Ausstellung zur Geltung kommen. Die vielseitige Schau wird den Fachleuten wie auch den kunstliebenden Laien mannigfaltige Anregungen bieten. Die feierliche Eröffnung findet am 26. Juni. vormittags 11 Uhr, statt. Züge nicht mit Steinen bewersen. Schon öfter ist in den Tageszeitungen und von Lehrpersonen darauf hingewiesen worden, daß minderjährige Personen von Bahnüberführungen aus Züge der Reichsbahn durch Bewerfen von allerlei Gegenständen gefährdet haben. Derartige Fälle häufen sich in letzter Zeit besonders stark. Es ergeht daher an alle Eltern und Erziehungsberechtigte die Bitte, ihre Kinder auf diese gefährliche Handlungsweise aufmerksam zu machen. Die Eltern werden darauf hingewiesen, daß sie für jeden auf diese Weise entstandenen Schaden haftbar sind. Die Beteiligten haben, soweit sie den Strafgesetzen unterliegen. eine sehr strenge Bestrafung wegen Transportgefährdung zu erwarten. Die guten Siepp-, Daunen und Wolldecken vom Bettenhaus Höster All-Herne, Steinweg 9. Salon Roncez Herne, Bahnheistr. 8b. Tel. 50808 fertigt die schönsten, haltbaren Dauerwellen u. Wasserwellen mit den besten haarschonenden Zutaten kompfert für 5.— RM. Kräfte. Mäßige Preise. Sessaldt: Jung- ud Vaservellen, Hasfichen,— Herea. 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Beiträge sind an die Schriftleitung(Herne, H.-Göring-Str. 8) nicht an ihre einzelnen Mitglieder zu richten. D. A. V. 38 über 3500.— Druck und Verlag Koethers 4 Röttsches, Herne. Jur Zeit ist Preisliste Nr. 5 gältig.— Meagenstaffel E. Ihr bester Kunde ist der Zeitungsleser! Der kluge Geschaftsmann bevorzugt daher für seine Ankundigungen stets den Herner Anzeiger! Ungezieler Ameisen, Erdflöhe. Motten usw. jetzt bekämpfen. Radikalmittel In gr. Auswahl. Husemann v. d. Heydtstr. Ecke Poststraße achDregerte s Kinderiest in simon’s Garten-Restaurant Eselreiten— Tierpark— Kinderspielplatz Verkäufe Fast neues DürkoppDamenfahrrad billig abzugeben. Franz=SeldteStraße 2, 1. E. StellenAngebote Morgenmädchen für 2-PersonenHaush. gesucht. Franz=SeldteStraße 2, 1. E. Herrschaftliches Einfamilienhaus in HHerne, Parkgegend, sofort oder später zu vermieten. Anfragen unter P. L. 184 an den Herner Anzeiger. Moderne billige von Sayn&a Hüls Bahnhofstr. 82 Einige verkautsgew. Herren f. d. 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