erner Erscheint läglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis halbmonatlich Mark 1.08, monatlich Mark 2.15, srei ins Haus bracht: durch die Post monatlich Mark 2.— einschließlich 48 Pf. Postzeitungsgebühr, hierzu Besiellgeld 36 Pf.— Postscheckkonto: Dortmund 1907. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger„ Gerther Anzeiger Druck und Verlag: Koethers& Röttsches, Herne Hermann=Göring=Straße 8, neben der Hauptpost. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe 4 Pf., im Textteil 25 Pf.; Vereinskalender(im Textteil) se mm 10 Pf. Bäder= und Sommerfrischenanzeigen se mm 3½ Pf. Siffer= und Auskunftsgebühr 25 Pf. Fernsprecher: Sammel=Nummer 52541„ Drahtanschrift: Anzeiger Hern. Nr. 12(Erstes Blatt) Samstag, den 15. Januar 1938 33. Jahrgang Streiflichter Frankreich sucht den neuen Mann Kabinettskrisen gehören zu den vielen gewohnten Erscheinungen in Ländern des parlamentarisch=demokratischen Systems. Auch Frankreich ist ein solches Land, das mehr als oft im Zeichen der Kabinettskrisen und Regierungswechsel gestanden hat. Es scheint fast zur Tradition der dritten Republik zu gehören, daß Regie- rungen nur auf kurze Frist zustandekommen. Mau wird sich jetzt, da das Kabinett Chautemps nach einer kurzen dramatischen Vorgeschichte demissioniert hat. entsinnen, daß es im vergangenen Jahr bei seiner Bildung zunächst als ein„Uebergangskabinett“ bezeichnet wurde. Obwohl zum Jahreswechsel die innenpolitische Lage in Frankreich die Vorzeichen einer Krise aufwies, konnte man in Pariser politischen Kreisen noch die Ansicht hören. daß Chautemps mit seiner Regierung sich vielleicht doch länger behaupten würde, als es ursprünglich vorgesehen war. Tatsächlich zeigte die jüngste Entwicklung den Willen des Ministerpräsidenten, seinem Lande das zu geben, was ihm am notwendigsten ist, eine innere Befriedung durch einen sozialen Ausgleich und durch die Konzentrierung der Aufmerksamkeit des Volkes auf die nationalen Interessen. Seit Beginn der Woche nun, da Chautemps dabei war. diese Absicht zunächst einmal durch die Fühlungnahme mit den sich gegenüberstehenden Gruppen der Arbeitgeber und der marxistischen Gewerkschaften einzuleiten, haben sich die Ereignisse geradezu überstürzt und innerhalb von 24 Stunden eine dramatische Wendung genommen. Als letzte Möglichkeit, die Situation zu retten. nachdem die zahlreichen, in unaufhörlicher Folge wechselnden Sondierungen und Unterredungen keinen beruhigenden Erfolg hatten, sah der Ministerpräsident vor sich nur noch die Tribüne der Kammer. von der er einen Appell an das nationale Gewissen der Abgeordneten und das ganze französische Volk richten wollte. Aber schon die ersten Ausführungen in der Kammer zeigten, daß im parlamentarisch=demokratischen System gegenüber den Parteiinteressen alle anderen Notwendigkeiten untergeordneter Natur sind. Chautemps', Ermahnung, ihm in dieser kritischen Stunde die Treue zu bewahren, nützte ebenso wenig wie die Tatsache, daß während der vielfach unterbrochenen Kammersitzung der Franc ein weiteres rapides Fallen aufwies. Zum A und O einer Debatte, die nicht beabsichtigt war. wurde das Thema„Devisenfreiheit oder Devisenkontrolle". Chautemps verlangte Devisenfreiheit, gegenüber den Forderungen der marxistischen Gewerkschaften, aber dieses Thema ist nur ein äußerer Anlaß gewesen, um schließlich zur Demission der sozialdemokratischen Minister und damit zum Gesamtrücktritt des Kabinetts zu führen. Der eigentliche Hintergrund der ganzen Krise ist unzweiselhaft die soziale Auseinandersetzung in Frankreich, die nun schon seit langem das Land in eine innenvolitische Gärung gestürzt hat, die wie ein Fieber ein stetes Auf und Ab. eine einzige Ungewißheit zeigt. Ungewiß ist auch die Lage nach dem Rücktritt Chautemps. Vielleicht ist sie sogar ungewisser denn je geworden. Für den Franzosen ist es jedenfalls am Freitagmorgen ein böses Erwachen gewesen, als er aus den Zeitungen vom Rücktritt des Kabinetts Chautemps erfuhr, ohne daß ihm dazu gesagt werden konnte, wer nun die Geschäfte der Regierung in seine Hand nehmen wird. Das ist die große Sorge, die im Augenblick Paris beherrscht und die ohne Zweifel mehr Kopfzerbrechen bereitet, als vermutet werden kann; zumal da Chautemvs eine Neubildung des Kabinetts ablehnt. Wer wird die Nachfolge Chautemps' antreten? Das ist die Frage. die neben den Erörterungen der einzelnen Vorgänge der zurückliegenden Nacht in Paris in aller Munde ist. Gerüchte, die während der Kammersitzung in den Wandelgängen zu hören waren und von der Möglichkeit“einer Kammerauflösung und von Neuwahlen sprechen, behaupten sich nach wie vor. Aber sie haben an Wahrscheinlichkeit verloren. Die seit 48 Stunden angestellten Vermutungen über den Namen des kommenden Ministerpräsidenten konzentrieren sich inzwischen auf mehrere Politikek. Leon Blum wird genannt. aber daneben sind nach der Ablehnung Chautemps und Daladiers Kombinationen zu hören, die von Sarraut, ##landin. Reynand, Herriot sprechen. Alle diese VerSutungen haben viele Argumente für sich, aber auch „ benso viele gegen sich. Dieser Umstand spiegelt am deutlichsten die augenblickliche, völlig ungewisse Situation in Paris. Im Verlause der Vormittagsstunden des Freitag stellten sich zwei Möglichkeiten einer Lösung heraus: Eine Regierung sozialistischer Prägung mit volksfrontlichem Charakter— Blum?— oder aber eine Regierung bürgerlicher Konzentration— Reynaud. Sarraut. Flandin. Wie die Entscheidung fällt, müssen die nächsten Stunden ergeben. Die Angriffe auf Lord Swinton In England hat die Ernennung eines Produktions= direktors für die private Lustfahrtindustrie lebhafte Erörterungen ausgelöst, die auf die jüngsten Angriffe gegen den Luftfahrtminister Lord Swinton bezug nehmen und durchblicken lassen, daß die Auseinandersetzung zwischen der Industrie und dem Ministerium noch keineswegs am Ende angelangt sei und wahrscheinlich bei der bevorstehenden Wiederaufnahme der Parlamentsarbeit am Anfang des nächsten Monats eine wichtige Rolle spielen werde. Der Streit zwischen der privaten Luftfahrtindustrie und dem Ministerium datiert nicht von heute. Er liegt weiter zurück und begründet sich auf dem Vorwurf, daß bürokratische Methoden eine zeitgerechte Entwicklung der britischen Zivilluftfahrt verhindert hätten. In Kreisen der Regierungsopposition hat man mit Freude diese Auseinandersetzung aufgegriffen, um gegen die Regierung im allgemeinen vorzustoßen. Das erste Unternehmen in dieser Richtung setzte bereits im November 1937 ein. Damals mußte auf Grund des Anklagen eines Abgeordneten. Stojadinowitsch in Deutschland eingetroffen Empfang des jugoslawischen Ministerpräsidenten an der deutschen Reichsgrenze.—„Ich freue mich sehr, mit den führenden Männern Deutschlands zu sprechen“. Annaberg(Kreis Natibor), 14. Jan. Der jugoslawische Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch, der am Donnerstagabend, wie berichtet, mit seiner Begleitung, dem Kabinettschef Dr. Protitsch und dem Attachee im Außenministerium Dr. Azabaghitsch, Belgrad zu seinem Staatsbesuch in Deutschland verlassen hat, überschritt am Freitagabend die Grenze des Deutschen Reiches. Auf der kleinen Grenzstation Annaberg, an der Dreiländerecke, wo Deutschland, Polen und die Tschechoslowakei aneinandergrenzen, wurde der hohe Gast von dem jugoslawischen Gesandten in Berlin, Cincar Markowitsch, und dem deutschen Ehrendienst, dem Chef des Protokolls im Auswärtigen Amt, Gesandten von BülowSchwante, dem Chef des Ministeramtes des General= obersten Göring, Oberst Bodenschatz, dem Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen Amt, Boltze, und einem SS.=Begleitkommando unter der Führung des SS.= Standartenführers Brantenaar erwartet. Gegen 20 Uhr traf der Salonwagen mit dem Ministerpräsidenten, der bis zur tschechoslowakischen Grenzstadt Oderberg einem fahrplanmäßigen D=Zug angehängt war und dort von dem deutschen Sonderzug abgeholt wurde, in Annaberg ein. Im Salonwagen des Zuges wurde dem jugoslawischen Ministerpräsidenten der deutsche Ehrendienst vorgestellt. Gesandter von Bülow=Schwante hieß Dr. Stojadinowitsch auf deutschem Boden herzlich willkommen. Dr. Stojadinowitsch dankte mit herzlichen Worten für die Begrüßung. Man sah dem Freund der deutschen Nation, dem erfolgreichen Staatsmann und Politiker, der die vielfältigen Beziehungen zwischen Jugoslawien und Deutschland vertieft und gefestigt hat, die Freude an, die ihm der herzliche Empfang bereitete. Dr. Stojadinowitsch gab dieser Empfindung einem DNB.=Vertretre in deutscher Sprache mit den Worten Ausdruck:„Ich bin sehr glücklich, in Deutschland zu sein. Ich hosse, schöne Tage in Berlin zu verleben. Ich freue mich sehr, mit den führenden Männern Deutschlands zu sprechen.“ Sichtliche Freude bereitete Dr. Stojadinowitsch auch die Ueberreichung deutscher Zeitungen als ersten Ausdruck der herzlichen Begrüßung, die den jugoslawischen Ministerpräsidenten in Deutschland erwartet. Nach kürzerem Aufenthalt setzte sich um 21.45 Uhr der Sonderzug zur Fahrt nach Berlin in Bewegung, wo der hohe Gast am Samstagfrüh eintreffen wird. Deutschland grüßt Stojadinowitsch Das deutsche Volk begrüßt in Dr. Milan Stojadinowitsch den Regierungschef der befreundeten jugoslawischen Nation und zugleich den weitblickenden und erfolgreichen Staatsmann, der sich nicht nur um sein Land, sondern auch um den Frieden Europas bleibende Verdienste erworben hat. Schon seit Jahren fühlen sich das neue Deutschland und das aufstrebende Jugoslawien in Freundschaft und. gegenUnser Bild zeigt Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch mit seiner Gattin in seinem Heim in Belgrad.(Scherl-Bilderdienst-M) seitiger Achtung einander verbunden. Zwischen Berlin und Belgrad gibt es keinerlei Gegensätzlichkeiten und Mißverständnisse, wohl aber haben Deutschland und Jugoslawien mancherlei Berührungspunkte, die im Laufe der letzten Zeit dank dem politischen Weitblick des jugoslawischen Ministerpräsidenten und Außenministers zu einer fruchtbaren politischen Zusammenarbeit und zu einem beiden Ländern dienenden wirtschaftlichen und kulturellen Austausch ausgebaut werden konnten. Umso herzlicher und freundschaftlicher fühlt sich daher das deutsche Volk dem hohen Gast verbunden und umso mehr kann man hoffen, daß auch dieser Besuch dazu beitragen wird, das herzliche Einvernehmen zwischen den beiden Völkern zu vertiefen und weiter auszubauen. Dr. Stojadinowitsch steht seit dem 24. Juni 1935 an der Spitze der jugoslawischen Regierung. Als er sein verantwortungsvolles Amt antrat, sah er sich großen Schwierigkeiten gegenüber. Der verbrecherische Anschlag, dem im Oktober 1934 König Alexander l. in Frankreich zum Opfer gefallen war, hatte das Land in eine schwere innere Krise hineingerissen. Aber es gelang der Tatkraft und Energie des Ministerpräsidenten, nicht nur die innere Lage zu entspannen, sondern sich sehr bald auch eine feste Regierungsgrundlage zu schaffen. Selbst in der schwierigen kroatischen Frage bewies Stojadinowitsch eine glückDer große deutsche Asienforscher wieder in Berlin Der deutsche Asienforscher und Nationalpreisträger Dr. Wilh. Filchner traf nach dem ersolgreichen Abschluß seiner letzten gefahrvollen Asien=Expedition wieder in der Reichshauptstadt ein, wo ihm mannigsache Ehrungen zuteil wurden Unsere Aufnahme zeigt ihn(links) während des Empfangs im Berliner Rathaus, wo ihm die Ehrenplakette der Reichshauptstadt, die vor ihm erst einmal verliehen worden ist, überreicht wurde. daß die britische Zivilluftfahrt keine modernen Maschinen! und auch nicht neuzeitliche Instrumente besitze, und daß Piloten, die diesen Mangel beanstandeten, entlassen würden, von der Regierung eine Untersuchungskommission eingesetzt werden. Aber auch über die Zusammensetzung dieser Kommission entstand ein Meinungsstreit, der damit endete, daß für sie nicht Beamte. sondern neutrale Persönlichkeiten auserwählt wurden. Die Angelegenheit kam jedoch keineswegs zur Ruhe, sodaß der Ministerprandent Chamberlain sich im Dezember genötigt sah. gegen die Angriffe eines sozialistischen Abgeordneten energisch Stellung zu nehmen, zumal der Vorstoß der industriellen und oppositionellen Kreise nicht mehr das Ministerium im gesamten betraf, sondern direkt gegen die Persönlichkeit des Luftfahrtministers Lord Swinton zielte. In der Oeffentlichkeit machte die Erklärung des Ministerpräsidenten einen starken Eindruck. Die Gegenseite ließ jedoch nicht locker, sie freute sich, daß ihre Angelegenheit eine Bedeutung gewonnen hatte, die sogar den Chef der Regierung veranlaßte, sich damit zu be fassen. In der letzten Zeit hat vor allem der„News Chroniele“, den Fall aufgegriffen und in verschärfter Form die Vorwürfe gegen das Luftfahrtministerium wiederholt sowie hinzugefügt, daß die Luftfahrtindustrie von Beamten des Ministeriums kontrolliert werde, die sich untereinander nicht einig seien und nichts täten, um der britischen Zivilluftfahrt eine zeitgemäße Entwicklung zu sichern. Das Blatt erhob im Anschluß an diese Vorwürfe die Forderung, für die gesamte Luftfahrtindustrie eine einheitliche Leitung herzustellen. Auch auf die Luft wasse wurde eingegangen und in diesem Zusammenhang bemängelt, daß die vor drei Jahren entworfenen Jagdflugzeugpläne noch keineswegs durchgeführt seien. Es setzte eine direkte Auseinandersetzung zwischen dem Ministerium und dem Londoner Blatte ein. in deren Verlaufe festgestellt wurde, daß die erste Linie der britischen Luftwafse bereits mehr als verdoppelt sei und wertere Ergänzungen durch moderne Flugzeuge vor genommen würden. In Regierungskreisen der englischen Hauptstadt bezeichnet man trotz aller Angriffe die Stellung des Luftfahrtministers Lord Swinton als unerschütterlich X liche Hand, sodaß die aus den autonomistischen Bestrebungen seiner Zeit vorhandenen Gefahren überwunden sind. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht blieben die Erfolge nicht aus. Ueberall, ob an der sonnigen Adria oder in den fruchtgesegneten Donautälern, begegnet der gastfreundlich aufgenommene Besucher blühenden Ländereien und einer arbeitsamen Bevölkerung. Voller Dankbarkeit blickt Jugoslawien auf seinen Regierungschef, dem es gelungen ist, das Vermächtnis des großen Königs und Einigers Jugoslawiens, Alexander I., zu erfüllen. Daß die Bevölkerung Dr. Stojadinowitsch vollstes Vertrauen entgegenbringt, haben erst kürzlich die Gemeindewahlen bewiesen, wo die Regierung fast 90 v. H. aller Stimmen auf sich vereinigen und„# aller Sitze gewinnen konnte. So wird Dr. Stojadinowitsch auch weiter die Geschicke Jugoslawiens in engster Zusammenarbeit mit dem Prinzen Paul, dem Vorsitzenden des Regentschaftsrates, leiten und der junge König Peter, der zur Zeit in moderner und zielbewußter Schulung auf seine hohe Würde vorbereitet wird. kann sich keinen besseren Sachwalter wünschen, als diesen anerkannten und von der Liebe der Bevölkerung getragenen Volksführer. Jugoslawiens innerer Gesundung folgte die außenpolitische Konsolidierung auf dem Fuße. Dr. Stojadinowitsch hat es verstanden, seinem Lande nicht nur eine angesehene und geachtete Stellung im Donauraum zu verschaffen, sondern er hat Jugoslawien auch zu einem festen und unerschütterlichen Hort des Friedens auf dem Balkan gemacht. Seine Politik ging— wie er selbst einmal gesagt hat— davon aus, das jugoslawische Staatsschiff aus dem Schlepptau der großen Mächte zu lösen und es auf einen selbständigen Kurs zu steuern. Diese politische Zielsetzung hat er in einer geradezu bewunderungswürdigen Weise verwirklicht. Dank seiner Initiative konnten jahrzehntelange Gegensätze nicht nur überwunden, sondern auch Feindschaften, von denen man annahm, daß sie unüberbrückbar seien, in Freundschaften verwandelt werden. So wurden die Gegensätzlichkeiten zwischen der Kleinen Entente und den anderen Nachbarstaaten gemildert und mit Bulgarien ein Freundschaftsabkommen abgeschlossen. Stojadinowitsch führte trotz vieler Anfeindungen die wirtschaftliche und politische Annäherung an Deutschland durch, und er fand schließlich auch den Ausgleich mit Italien, der das Verhältnis der beiden Nachbarstaaten auf eine positive Grundlage stellte. Gerade das Abkommen mit Italien hat Dr. Stojadinowitsch' Ruf als weitblickender und realistisch denkender Staatsmann erneut bekräftigt, ebenso wie seine strikt ablehnende Haltung gegenüber dem Bolschewismus ihn in die Reihe jener Staatsmänner gestellt hat, die in der bolschewistischen Weltgefahr die stärkste Bedrohung des europäischen Friedens und der abendländischen Kultur erblicken. Der jugoslawische Ministerpräsident erwidert heute den Besuch, den Reichsaußenminister v. Neurath im Sommer vorigen Jahres dem befreundeten Jugoslawien in Belgrad abgestattet hat. Damals gelangten Freiherr von Neurath und Dr. Stojadinowitsch zu der Feststellung, daß die beiderseitigen Auffassungen über die politische Lage und über den Nutzen einer friedlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten übereinstimmten. Dr. Stojadinowitsch wird bei seinem Besuch in Deutschland und bei seinen Besprechungen mit den führenden Männern des Dritten Reiches feststellen können, daß man in Berlin entschlossen ist, das deutsch=jugoslawische Verhältnis auch weiter fruchtbar zu gestalten. Daß auch er den Besprechungen in Deutschland große Bedeutung beimißt und daß es ihm auf eine weitere Vertiefung des deutsch=jugoslawischen Verhältnisses ankommt, geht auch daraus hervor, daß er von der Elite der jugoslawischen Journalistik begleitet wird. Außer seinem persönlichen Pressechef und dem der Regierung befinden sich 12 führende Journalisten in der Begleitung des Ministerpräsidenten. Diese Abordnung des Friedens wird sicher nicht wenig zum gegenseitigen Verständnis zwischen den beiden Völkern beitragen. Dr. Stojadinowitsch wird sich umso besser in Berlin verständlich machen können, als er von einem längeren Studienaufenthalt in München her die deutsche Sprache ausgezeichnet beherrscht. So werden sich in Berlin zwei Völker die Hände reichen, die in ihrer jüngsten Entwicklung nicht nur viel Gemeinsamkeit haben, sondern die auch dem gleichen Ziel zustreben: der Verwirklichung des inneren Aufbaues und dem friedlichen, auf gegenseitiger Achtung beruhenden Ausgleich der Völker untereinander. Aus dem Programm des ersten Tages Berlin, 14. Jan. Der jugoslawische Ministerpräsident und Außenminister Dr. Stojadinowitsch wird mit seiner Begleitung am Samstag um 9,33 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin eintreffen. Nach der Begrüßung durch Vertreter der Reichsregierung werden sich die jugoslawischen Gäste in das Hotel Adlon begeben, wo sie während der Dauer ihres Aufenthaltes Wohnung nehmen werden. Um 11,15 Uhr wird Dr. Stojadinowitsch die deutschen Gefallenen des Weltkrieges durch eine Kranzniederlegung am Ehrenmal Unter den Linden ehren. Am Nachmittag wird sich der jugoslawische Ministerpräsident um 15,15 Uhr von seinem Hotel nach dem Flughafen Tempelhof begeben, um die Bauarbeiten für den im Entstehen begriffenen größten Zentralflughafen der Welt in Augenschein zu nehmen. Um 16 Uhr folgt eine Besichtigung des Reichsluftfahrtministeriums. Um 20.30 Uhr hat Reichsaußenminister Freiherr von Neurath die jugoslawischen Gäste zu einer Abendtafel in das„Haus des Reichspräsidenten“ geladen. „Neuer Beitrag zur Sache des Friedens“ „Politica“ zum Besuch Stojadinowitschs in Berlin. Belgrad, 14. Jan. Die Belgrader„Politica“ widmet ihren heutigen Leitartikel dem bevorstehenden Staatsbesuch des Ministerpräsidenten und Außenministers Stojadinowitsch in Berlin. Das Blatt geht von dem Besuch des Reichsaußenministers von Neurath in Belgrad im vorigen Jahre aus und sagt dann wörtlich: Der heutige Besuch hat nicht nur den Charakter internationaler Höflichkeit, sondern noch etwas mehr. Er ist ein neuer Beitrag Jugoslawiens zur Sache des Friedens und erfolgt im breiten Rahmen der Bemühungen der europäischen Diplomatie um eine Verminderung der bestehenden Span nungen. In dieser Richkung, so heißt es welker, arbefte vor allem auch die deutsche Politik. Die persönliche Fühlungnahme der verantwortlichen Staatomänner sei keine gewöhnliche diplomatische Kundgebung, sondern eine Notwendigkeit, die dem Frieden diene. Auch der Berliner Besuch verfolge diese Ziele. Zwischen Deutschland und Jugoslawien bestünden keinerlei Gegensätze. Nicht einmal in den allerschwersten Zeiten während des Weltkrieges, so fährt der Artikel fort, war bei uns und bei den Deutschen der Haß so groß, daß diese dunklen, aber auch herotschen Tage nicht schnell wieder vergessen worden wären. Vor dem Kriege seten die Beziehungen vor allem auf kulturellem Gebiet sehr eng gewesen. Die serbischen Studenten hätten mit ihrem in Deutschland erworbenen Wissen der deutschen Nation gedient. Aber auch Handwerker seten nach Deutschland gegangen. Solche gegenseitigen Bindungen begegne man heute noch auf Schritt und Tritt. Sie hätten sich vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet gezeigt. Die deutsche Industrie stehe heute genau so wie einst an führender Stelle in Jugoslawien. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten auf wirtschaftspolitischem Gebiet, die durch die internationale Lage bedingt gewesen seten, habe Deutschland seine Handelsbeziehungen mit Jugoslawien ausgebaut. Diese guten Wirtschaftsbeziehungen wirkten sich, was ganz natürlich sei, auch auf politischem Gebiet aus. „Offen, aufrichtig und real“ „Samouprava“ uder die Politik des jugoslawischen Ministerpräsidenten. Belgrad. 14. Jan. Das Zentralblatt der Partei des Ministerpräsdenten Dr. Stojadinowitsch„Samouprava veröffentlicht unter der Ueberschrift„der Berliner Besuch“ einen Leitartikel, der in hiesigen volitischen Kreisen allerstärkste Beachtung findet. Das Blatt schreibt u. a., der jugoslawische Ministerpräsident und Außenminister Dr. Milan Stojadinowitsch sei zur einem Staatsbesuch nach Deutschland abgereist. Obgleich dieser Besuch in erster Linie ein Akt der internationalen Höflichkeit sei und eine Erwiderung des Besuches darstelle, den der Leiter der deutschen Außenpolitik. Freiherr von Neurath. im vorigen Jahre in Belgrad gemacht hat. so sei diese Reise des Ministerpräsidenten und der Empfang. der ihm bevorstehe, doch ein sichtbarer und beredter Beweis dafür, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien sich immer weiter bessern und vertiefen. Diese Besserung der Beziehungen zwischen Ländern. die durch ihre Wirtschaftsstruktur gegenseitig auseinander angewiesen sind, sei ein natürlicher Ausdruck der gemeinsamen Interessen und Stimmungen des deutschen und jugoslawischen Volkes. die von jeher durch gegenseitige Achtung verbunden waren. Sogar während des Krieges habe es keinen Haß zwischen Jugoslawen und Deutschen gegeben. Nach dem Kriege sei jedoch in den Beziehungen zwischen Deutschland und Jugoslawien eine künstliche untätige Zurückbaltung ausgetreten. sowie eine gewisse Kälte, für die es keine Erklärung gebe. Das Deutschland Hitlers habe gleich das größte Verständnis für die konstruktive Friedenspolitik Jugoslawiens an den Tag gelegt und habe seinerzeit die Initiative ergelffen, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen, die bis dahin das Zustandekommen einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Jugoslawien erschwerten. Sobald in dieser Richtung der erste Schritt getan war. ließen sich auch schon die wohltuenden Folgen feststellen. Der Güteraustausch sei aufgelebt und schon heute stelle Deutschland einen sehr wichtigen Faktor auf dem jugoslawischen Markt dar. während Jugoslawien seinerseits in Deutschland sehr vorteilhafte Märkte für seine Erzeugnisse gefunden habe. Die Politik. die Dr. Stojadinowitsch begonnen habe, zeichne sich dadurch aus. daß sie offen, aufrichtig und real ist. Er sei ein Gegner aller Blocks und zwischenstaatlichen Verschwörungen und setze sich in seiner Tätigkeit das dopvelte Ziel: 1. Festigung des Friedens in der Welt. 2. weitgehende wirtschaftliche Stärkung Jugoslawiens. Ganz durchdrungen von diesen Gedanken, habe Dr. Stojadinowitsch im Laufe des vorigen Jahres mit vielen Fehlern der Vergangenheit aufgeräumt und neue Wege der freundschaftlichen und nutzbringenden Zusammenarbeit mit den östlichen und westlichen Nachbarn Jugoslawiens beschritten(Bulgarien und Italien). — Die Schriftlig.) Das Blatt fährt dann fort: „Indem Dr. Stojadinowitsch Herrn von Neurath und Deutschland seinen Besuch erwidert, gibt er einen neuen Beweis dafür, daß er fest entschlossen ist, nicht nur mit allen Nachbarn Jugoslawiens, sondern auch mit den großen Nationen unseres Kontinents eine wahre Friedenspolitik zu betreiben. Er stellt herzliche und freundschaftliche Beziehungen her. die ihren Ausdruck in einem intensiven Warenaustausch und lebhaften Handelsbeziehungen finden. Wenn er alte Freundschaften erhält und achtet und gleichzeitig überall, wo dies im Interesse des Friedens und im Interesse Jugoslawiens liegt, neue Freundschaften schließt, so entwickelt Dr. Milan Stojadinowitsch eine Tätigkeit, die sowohl hinsichtlich ihres Ergebnisses als auch ihrer Intensität ohne Beispiel in unserer politischen Geschichte dasteht. Deutschland und Jugoslawien haben so viele gemeinsame Interessen im heutigen Eurova, daß dieser Deutschland=Besuch unseres Ministerpräsidenten der Vertiefung der deutsch=jugoslawischen Freundschaft und nützlichen Zusammenarbeit nur zugute kommen kann. was auch zum Frommen des allgemeinen europäischen Friedens sein wird.“ Kabinett Chautemps zurückgetreten Der Ministerpräsident lehnte kommunistische Forderungen in der Kammer ab 7 Der Präsident der Republik auf der Suche nach dem neuen Mann 7 Chautemps und Daladier lehnen Regierungsbildung ab Paris, 14. Jan. Ministervräsident Chautemos gab verzüglich die Demission des Gesamtkabinetts zur Folge bei Wiederzusammenteitt der Kammer um 3.30 Uhr die habe. Nach der gleichen Quelle soll Innenminister DorGesamtdemission des Kabinetts bekannt. 1 mon nach dem Wortwechsel zwischen Chautemps und dem Teil der Nachtsitzung der französischen kommunistischen Abgcordneten Ramette und der daraufDer letzte Kammer, die mit dem Rücktritt der Regierung Chautemps endete, spielte sich wie folgt ab: Die Linksabordnung der Kammer hatte sich in einer Sondersitzung für die heftig umstrittene„Devisenfreibeit“ ausgesprochen. Nach Wiedereröffnung der Kammer kurz vor 3 Uhr morgens verlas der Kammerpräsident die von der Linksabordnung ausgearbeitete Tagesordnung. Sie batte folgenden Wortlaut:„Die Kammer billigt. getreu ihren Prinzivien, die Bilanz=, Währungs= und Sozialpolitik, die in den früheren Abstimmungen zum Ausdruck kamen, und setzt ihr Vertrauen in die Regierung, die finanzielle Aufrichtung im Zeichen der Währungsfreiheit zu sichern und die Achtung der revublikanischen Ordnung jedermann aufzuzwingen.“ Nach der Verlesung der Tagesordnung gaben die verschiedenen Fraktionsredner ihre Abstimmungsabsichten bekannt. Der radikalsoziale Abgeordnete Elbel teilte mit, daß die radikalsoziale Fraktion für die Regierung stimmen werde. Im Namen der Sozialdemokraten schloß sich der Abgeordnete Ferrol dieser Erklärung an. hin von der Kammer verlangten Susvendierung der Sitzung auf die Rednertribüne gestiegen sein und erklärt haben:„Jetzt ist aber Schluß!" Nachdem Chautemps bei Wiederzusammentritt der Kammer erklärt hatte, daß er zurücktreten würde, wurde bereits hier und da angenommen, daß der Präsident der Republik Chautemvs bereits schon in den nächsten Stunden mit der Neubildung eines Kabinetts betrauen werde. Ministerpräsident Chautemps hat sich in Begleitung seiner Ministerkollegen zum Präsidenten der Republik begeben, um seinen Rücktritt einzureichen. Kammerpräsident Herriot bestieg zur gleichen Stunde in der Kammer die Tribüne und erklärte, daß die Regierung demissioniert habe und die Sitzung wieder aufgehoben sei. Der Präsident der Revublik hat um 10 Uhr die protokollarischen Besprechungen zur Lösung der Ministerkrise begonnen und den Präsidenten des Senats, Jeanneney, empfangen. Die Besprechung dauerte dreiviertel Stunde. Das sei ein Grund für ihn, jetzt zu schweigen. Kurz vor 11 Uhr traf Kammerpräsident Herriot im Elysee ein und wurde sofort vom Präsidenten der Republik empfangen. die Kommunisten nicht gegen die Regierung stimmen würden, um nicht die Volkofront zu gefährden. Der Kommunist entwickelte darauf eine Reihe von kommunistischen Forderungen. Ministervräsident Chautemps erklärte darauf, daß es der Regierung unmöglich sei, die Forderungen der Kommunisten zu erfüllen und daß, wenn diese darauf beständen, ihre Handlungsfreiheit zurückzunehmen, er sie nicht daran hindern werde. Diese Erklärung des Ministernräsidenten löste einen gewaltigen Beisallosturm auf den Bänken der Mitte und der Rechten aus, während sie auf der Volkofrontseite Widerspruch hervorrief. Es wurde nun eine Susvendierung der Sitzung verlangt. Um 3.30 Uhr gab dann der Pariser Nadiosender Radio Cite bekannt, daß die sozialdemokratischen Minister nach dem scharfen Zusammenstoß zwischen Chautemps und den Kommunisten ihre Demission eingereicht hätten, was unChautemps lehnt ab Der Präsident der Republik, Lebrun, hat, nachdem er die üblichen Besprechungen mit den Vorsitzenden von Kammer und Senat, dem Abgeordneten Herriot und dem Senator Jeanneney, gehabt hat, den zurückgetretenen Ministerpräsidenten Chautemps empfangen, mit dem er von 11,30 Uhr bis 13 Uhr verhandelte. Chautemps verließ um 13 Uhr das Elysee und erklärte, der Präsident der Republik habe ihm den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts übertragen wollen. Nichtsdestoweniger stehe er aber auf dem Standpunkt, daß die Zwischenfälle, die die Regierungskrise und seinen Rücktritt herbeigeführt haben, noch zu kurz zurückliegen und daß auf diese Weise eine Neubildung einer Regierung durch ihn erschwert sein würde. Infolgedessen habe er das Angebot des Präsidenten der Republik, die neue Kabinettsbildung zu übernehmen, abgelehnt. Auch Daladier hat keine Lust In den späten Nachmittagsstunden des Freitag wurde Daladier vom Staatspräsidenten empfangen. Der bisherige Kriegsminister erklärte den anwesenden Journalisten, als er das Elysee wieder verließ, der Staatspräsident habe ihm die Kabinettsbildung angetragen. Er habe ihm für dieses Vertrauen gedankt, ihm aber gleichzeitig mitgeteilt, daß die Wichtigkeit der Aufgaben, die er im Kriegsministerium übernommen habe, ihn daran hinderten, die Führung eines neuen Kabinetts zu übernehmen. Nach Daladier wurde Albert Sarraut vom Präsidenten der Republik empfangen. Beim Verlassen des Elysee erklärte der Senator, der Präsident der Republik habe mit ihm einen Rundblick über die politische Lage vorgenommen. Er, Sarraut, habe dem Staatspräsidenten im Hinblick auf die bevorstehende Regierungsbildung mehrere Namen genannt. In diesm Zusammenyang hört man in sonst, gut unterrichteten Kreisen die Namen George Bonnet und Leon Blum. Wenige Minuten vor 19 Uhr traf der bisherige Finanzminister Bonnet im Elysee=Palast ein, wo er sofort vom Präsidenten der Republik empfangen wurde. Bonnet verlangt eine Frist Beim Verlassen des Elysee erklärte der bisherige Finanzminister George Bonnet, der Präsident der Republik habe ihm die Bildung der neuen Regierung angetragen.„„„ Bonnet lehnte nicht ab, sondern verlangte eine Frist, während der er sich mit seinen politischen Freunden besprechen wird. Er wird dem Präsidenten der Republik am Samstagvormittag seine Entscheidung mitteilen. Dr. Dietrich empfängtjugoslawische Journalisten Am Vorabend des Besuches von Dr. Stojadino witsch.— Jugoslawische Hauptschriftleiter unter Führung des Pressechefs Dr. Lukovitsch in der Reichshauptstadt. Berlin, 14. Jan. Am Donnerstag um 23,52 Uhr traf mit dem fahrplanmäßigen Zuge auf dem Anhelter Bahnhof der Pressechef der jugoslawischen Regierung, Dr. Kosta Lukovitsch, mit einer größeren Abordnung namhafter jugoslawischer Hauptschriftleiter ein, die sich anläßlich des bevorstehenden Besuches des jugoslawischen Ministerpräsidenten und Außenministers Dr. Stojadinowitsch nach Berlin begeben haben. Dr. Kosta Lukovitsch und die Journalisten wurden auf dem Bahnsteig im Namen und im Auftrage des Reichspressechefs Dr. Dietrich von dem stellvertretenden Pressechef der Reichsregierung, Ministerialrat Berndt, empfangen und in Deutschland herzlich willkommen geheißen. Zu dem Empfang hatten sich vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda Regierungsrat Bade und Regierungsrat v. Weyyenhov, ferner Vertreter des Reichsverbandes der Deutschen Presse, der jugoslawischen Gesandtschaft und Kolonie, der Reichsfilmkammer sowie der in Berlin bereits anwesende Direktor der amtlichen jugoslawischen Nachrichtenagentur Avala, Dr. Jovanovitsch, eingefunden. Dr. Kosta Lukovitsch stattete am Freitagvormittag Reichspressechef Dr. Dietrich einen Besuch ab, der Gelegenheit zu einer längeren Aussprache über gemeinsame Fragen der Presse gab. Im Anschluß daran fand zu Ehren des jugoslawischen Pressechefs im Hotel Kaiserhof ein Frühstück statt, zu dem der Reichspressechef die zur Zeit in Berlin weilenden jugoslawischen Hauptschriftleiter sowie einige führende Vertreter der deutschen Presse geladen hatte. Dr. Dietrich begrüßte die jugoslawischen Gäste mit einer Ansprache, in der er Bewunderung für die Aufbauarbeit zum Ausdruck brachte, die das jugoslawische Volk zu einem machtvollen und unabhängigen Faktor der europäischen Politik emporgeführt habe. In liebenswürdiger und herzlicher Weise wandte sich Dr. Dietrich an seine Gäste von der jugoslawischen Presse und hob das Ereignis des Journalistenbesuches am Vorabend der Zusammenkunft der Staatsmänner hervor. Es sei ein gutes Vorzeichen, daß die Journalisten dem politischen Führer ihres Landes vorausgeeilt seien, daß die Presse beider Staaten sich in Berlin bereits zusammengefunden und journalistische Vorarbeit geleistet habe, bevor die Staatsmänner ihr politisches Gespräch aufnehmen. Denn die Presse als das Sprachrohr der Völker sei nun einmal eine Schrittmacherin der Politik. Sie sei „die Trägerin der Aufklärung, die notwendig sei, damit zwei Völker über alle sie bewegenden Fragen ohne Vorurteile und ohne Schwierigkeiten sich unterhalten können“. Die Presse sei„die Schöpferin der Atmosphäre, in der sich wirkliche und dauerhafte Bemühungen um ein gegenseitiges Verständnis und damit um den allgemeinen Frieden erst entwickeln können“. Dr. Dietrich wies auf die große Bedeutung hin, die der Presse durch solche Aufgaben zukomme, und auf die hohe Verantwortung, die sie deshalb trage. Er betonte, daß die Presse in der Welt umso mehr dieser ihrer Bedeutung Abbruch tue, als sie nicht davon ablasse, die Beziehungen der Völker untereinander zu gefährden und sich selbst durch falsche und unzuverlässige Berichterstattung entwürdigen— sie werde aber umso mehr in ihrer Geltung und in ihrem Ansehen gewinnen, als sie sich „ihrer hohen Verantwortung im Dienste der Völker und des Friedens bewußt ist und dieser Verantwortung gemäß handelt". „In diesem für alle Völker segensreiche Sinne zu handeln“, so erklärte Dr. Dietrich zum Schluß seiner mit lebhaftem Interesse ausgenommenen Ausführungen,„hat sich die deutsche Pressepolitik zur Aufgabe gemacht und es erfüllt uns als deutsche Journalisten mit besonderer Freude und Genugtuung, daß wir uns in diesem Bestreben mit der Presse Jugoslawiens in so weitgehendem Maße begegnen. In diesem Geiste haben wir uns heute unterhalten. Wir haben nicht gesprochen von Paragraphen und Formeln, sondern wir haben gesprochen in Uebereinstimmung unserer kameradschaftlichen Gefühle und unserer verantwortungsbewußten Berufsauffassung— in dem aufrichtigen Willen, zugleich mit den Lebensinteressen unserer Völker auch dem allgemeinen Frieden zu dienen.“ Zum Abschluß seines Trinkspruches erhob Dr. Dietrich sein Glas auf das Wohl des jugoslawischen Königs, des jugoslawischen Volkes und seiner Presse. In seiner Erwiderung betonte der Pressechef der jugoslawischen Regierung, Dr. Kosta Lukovitsch, es sei für die jugoslawischen Gäste eine hohe Ehre, in so herzlicher Weise von der deutschen Presse empfangen zu werden, die durch ihre pflichtbewußte Arbeit zu einem mächtigen Faktor des neuen Deutschlands geworden sei.„Es ist für mich eine besondere Freude", erklärte Dr. Lukovitsch, „an der Spitze der deutschen Presse eine Persönlichkeit zu begrüßen, die an dem Kampf für das neue Deutschland in der nächsten Nähe des Führers selbst teilgenommen hat.“ Auch Dr. Lukovitsch hob hervor, daß die guten Bezlehungen zwischen der jugoslawischen und der deutschen Presse schon alt sind. Er gab seinem Dank dafür Ausdruck, daß besonders die Presse des neuen nationalsozialistischen Deutschland stets volles Verständnis für die Probleme des jugoslawischen Volkes gezeigt hat, und betonte, daß auch die jugoslawische Presse immer freundschaftliche Gefühle für das deutsche Volk gehegt habe, das soviel für die allgemeine Kultur und auch für die Kultur des jugoslawischen Volkes getan habe. „Ich überbringe Ihnen“, schloß Dr. Lukovitsch,„die Grüße unserer jungen Nation, die im Namen eines klugen Königs von einem von Patriotiomus beseelten Fürsten geführt wird und die sich um einen kühnen Staatsmann schart. Wir begrüßen das neue Deutschland, das sich seine eigene Seele erkämpft hat, wir begrüßen den großen Führer, der das deutsche Volk in seinem Geiste führt. Unser einziger Wunsch ist der Friede im Lande und der Friede an den Grenzen. Für die Aufrechterhaltung der Freundschaft und des Friedens hat die Presse eine große Aufgabe zu erfüllen. Der freundschaftliche Empfang, den wir hier sanden, ist eine Bürgschaft dafür, daß sich unsere freundschaftlichen Beziehungen noch immer stärker entwickeln werden. Wenn wir über diese Tage berichten, werden wir ausführlich zu schildern wissen, wie stark wir den Rhuthmus der Erneuerung und der Arbeit, der in Deutschland pulsiert, verspürt haben.“ Dr. Lukovitsch erhob sein Glas zum Wohle des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, des deutschen Volkes und der deutschen Presse. Eine sich an den Empfang anschließende zwanglose Aussprache gab den jugoslawischen Gästen Gelegenheit zu einem lebhaften Gedankenaustausch mit den führenden Persönlichkeiten der deutschen Presse und ihren deutschen Berufskameraden. Der polnische Außenminister vom Führer empfangen Berlin, 14. Jan. Der Führer und Reichskanzler empfing heute den auf der Durchreise in Berlin anwesenden polnischen Außenminister Beck, der vom polnischen Botschafter in Berlin, Lipski, begleitet war, zu einer längeren Unterhaltung, an der auch Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath teilnahm. Fünkeigtausend Mark für einen Mann Roman von Ant. Schwab Urheber-Rechtsschuts Verlag Oreiser. Rastatt 36. Fortsetzung. Am nächsten Morgen traf Martina am Frühstückstisch auch mit ihrer Schwägerin zusammen. Vera war sehr liebenswürdig. aber es schien Martina doch, als wenn immer ein kleiner versteckter Zug von Hohn und Spott um ihren Mund läge. Martina gab sich ebenfalls sehr freundlich und ließ sich nichts anmerken. Sie äußerte noch einmal den Wunsch, sich mit einigen bunderttausend Kronen zu beteiligen. „Ich werde Herrn Unbehaun bitten, daß er Ihnen einmal alles Nähere über den Status der Firma vorlegt. damit Sie von vornherein wissen, daß Sie Ihr Geld gut anlegen. Wir verzinsen es mit acht Prozent. auf Wunsch auch mit der Beteiligungsbasis.“ Vera war die Sprecherin. „Das ist mir gleichgültig. So sehr hoch kann ich ja nicht herangeben. Nur das freiwerdende Kapital will ich unterbringen!" entgegnete Martina gleichgültig. „Möchtest du nicht einmal unser Filmatelier besichtigen?" fragte Usser schnell.„Vera fährt dann ins Atelier und du könntest mit ihr fahren!" Martina sagte zu. Gegen zehn Uhr fuhr sie gemeinsam mit der Schwägerin in das Filmatelier. Vera stellte ihr Herrn Gustave Flaquet vor. den Meisterregisseur aus Hollywood. dem es zu verdanken war. daß die bisherigen Filme ein ganz besonderer Erfolg wurden. Flaquet war Franzose. ein mittelgroßer Mann. schmal. aber mit Temverament geladen und einem interessanten Kopf. Ziemlich ungeniert musterte Flaquet Frau Martina. entschuldigte sich dann aber sofort.„Ich bin Filmmann. und alle Menschen. die meinen Weg kreuzen, muß ich mustern. weil ich ständig auf der Suche nach neuen Gesichtern bin.“ Martina lachte und fragte scherzend:„In mir werden Sie keinen Filmstar entdecken!" „Sagen Sie das nicht, gnädige Frau! Ich glaube sogar. Sie haben ein ausgesprochenes Filmgesicht!“ „Gott sei Dank nicht! Das zeigen mir schon meine Fotos! Und außerdem habe ich zu allem Lust. nur nicht zum Filmen! Ich will damit ja nichts gegen Ihre Tätigkeit sagen. Sie ist interessant und nützlich, dem Film ist es vorbehalten, viele Freude zu spenden!“ „Das ist auch mein Grundsatz, der mich leitet!“ Er warf einen Blick zur Seite, sah, daß sich Vera mit dem Operateur unterhielt, und nahm wieder das Wort: „Nicht jeder Film befriedigt. Ich will ganz offen sein: der letzte Film. so gut er mir auch geraten ist, so rechte Freude hatte ich nicht daran. Aber sagen Sie das bitte Frau Vera nicht. Sie ist aus mir ganz unerklärlichen Gründen gerade von diesem Filmwerk begeistert, das mir stofflich nicht recht zusagte.“ „Ich habe diesen Film gesehen,“ entgegnete Frau Martina ruhig.„Ich finde ihn gut gemacht. Stofflich hat er mich auch nicht erbaut. Aber Sie werden sicher noch recht schöne Filme machen. Sie waren früher in Hollywood?“ „Ja! Frau Vera hat mich von dort geholt. Ich bin gern mitgekommen, denn das Temvo in Hollywood würgt ab. Es ist hier ein schöneres Schaffen." „Das freut mich! Schon um meines Bruders willen freut es mich, daß die Regie in bewährten Händen liegt.“ Der Regisseur selber führte sie im Atelier herum und zeigte ihr alles. Danach wurde ihr Jost Unbehaun vorgestellt, der sich scheinbar ungeheuer wichtig vorkam und Martina versprach, sie am nächsten Tage aufzusuchen, um ihr alle Unterlagen vorzulegen. * Am nächsten Tage rief Martina den Notar Sunderland an.„Ich habe die Unterlagen eben durchgesehen. Herr Sunderland! Darf ich einmal zu Ihnen kommen. um mit Ihnen alles durchzusprechen?" „Ja. bitte. aber wenn es geht. nicht vor sechs Uhr! Um die Zeit habe ich einen alten Fachmann aus der Filmbranche da. der sehr gut über alles Bescheid weiß. Es ist mein Gewährsmann. von dem ich einen großen Teil der Angaben über die Schwedische Filmunion habe.“ „Gut, ich bin gegen sechs Uhr bei Ihnen!“ Vorber fuhr Martina noch zu der bekannten Detektei Fönk und bat den Direktor um eine Aussprache. Fönk' Verschwiegenheit war stadtbekannt, sie hatte den Ruf seines Instituts groß werden lassen, und Frau Martina wußte, wem sie sich anvertraute. Der alte Herr mit dem schlohweißen Haar und den jungen Augen hörte ihr aufmerksam zu. Als Martina endete, wiederholte er: „Sie wünschen also. alles Material über die Gesellschaft Ihres Herrn Bruders zusammenzutragen, um sich über die finanzielle Belastung so gut wie nur möglich informieren zu können. Sie möchten es wissen aus Sorge um Ihren Bruder und weil Ihnen ungünstige Nachrichten zu Ohren gekommen sind. Ihr Herr Bruder versteht von dem finanziellen Drum und Dran nichts, so daß die Gefahr besteht, daß er durch unverantwortliche Elemente geschädigt werden kann. ebenso wie die— allerdings bereits stadtbekannte Verschwendungssucht— der Gräfin Vera Jörring. Sie wünschen genaue Auskünfte über Jost Unbehaun. Sie wünschen ferner eine Ueberwachung Ihrer Schwägerin, der Gräfin Jörring, weil Sie Zweifel an.. „Nein, ich habe noch keine Zweifel! Es liegt nichts bis jetzt vor. was eigentlich mein Vorgehen rechtfertigt. Es ist lediglich ein Gefühl. Vielleicht ist es schlecht von mir. aber „Machen Sie sich keine Gewissensbisse, gnädige Frau. kein Gerechter wird etwas dagegen haben, wenn man ihn unter die Luve nimmt, und schließlich interessieren Sie ja kleine Schwächen und Eigenheiten nicht. Sie wollen lediglich bestätigt haben, daß die Gräfin Vera Jörring die Frau ist... der der Platz an des Bruders Seite gebührt!" „Ja, und trotzdem schäme ich mich ein wenig!" „Das ist ganz unnütz, gnädige Frau. Ich wiederhole weiter: Sie wünschen genaue Auskünfte über Harry Lindeck, der sich zuletzt in Miami aufhielt. Ich werde mich mit Professor Kyrenne in Verbindung setzen und zunächst über Monsieur Fleurot und Herrn Martin Ostermann versuchen. Näheres zu erfahren.“ „Ich danke Ihnen. Herr Fönß, und erwarte Ihre Nachrichten!“ „Ich werde Sie anrufen! Wenn das Stichwort„Waldemar' fällt, dann wissen Sie, daß ich Ihren Besuch erwarte!" „Ja! Ich danke Ihnen. Herr Fönß! Wünschen Sie „Nein. nein. eine Vorschußzahlung ist nicht nötig. gnädige Frau! Wir rechnen ab. wenn mein Auftrag durchgeführt ist.“ Kurz nach sechs Uhr traf Martina bei Sunderland ein, der seinen Gast. Herrn Ode Erichsen. vorstellte. „Herr Erichsen stommt aus der Filmbranche, er kennt sie genau!“ sagte Sunderland. und Martina nackte die Unterlagen, die ihr Jost Unbehaun gegeben hatte, aus. kann 90 1 Eine Viertelstunde lang sah sie Erichsen durch, dann räusperte er sich und sagte kovfschüttelnd:„Das ist die tollste Bilanz, die ich jemals gesehen habe.“ „Ist sie nicht richtig, Herr Erichsen?" fragte Martina. „Nein, sie ist nicht richtig! Nehmen wir zunächst die beiden ersten Filme an. Lassen wir den dritten beiseite. Die beiden Filme. die zuerst gedreht wurden, waren sehr gut gemacht und hatten in Schweden einen recht guten Erfolg. Es stimmt auch, daß sie nach Deutschland. nach England und Amerika verkauft wurden. Aber ich halte es für ganz ausgeschlossen, daß Roberti. der die Filme für Amerika angekauft hat, zusammen eine Million Kronen geboten hat. Das wird nie gezahlt. Das kann nach meiner Ueberzeugung nicht stimmen. Ein schwedis Film muß schon etwas sehr Gutes darstellen, wenn# nur hundert= bis hundertfünfzigtausend Kronen gezan werden. Nach der Bilanz sind für beide Filme aug zwe hunderttausend Kronen gezahlt worden. Ein stattlicher. schöner Betrag! Achthunderttausend Kronen stehen noch offen. Das kann unmöglich stimmen. Nun wäre es ja möglich, daß auf einer Beteiligungsbasis abgeschlossen wurde. Aber dann könnte ich nicht verstehen, daß bereits zweihunderttausend Kronen gezahlt wurden. Das bedarf also der strengsten Nachvrüfung. Und die will ich gern durchführen. Robertis Büro befindet sich in Stockholm und ich kenne den Leiter. Herrn Randahl, sehr gut. Von dem werde ich alles Nähere erfahren! Weiter! Der Wert der Filme selbst ist mit hundertfünfzigtausend Kronen vro Film viel zu hoch angesetzt. Bedenken Sie. das schwedische, das deutsche und das englisch=amerikanische Geschäft gehen ab. Was ist da noch zu machen? Frankreich? Balkanstaaten? Südamerika? Da ist nicht viel berauszuholen. Für das französische Publikum dürften sie kaum in Frage kommen. Die Außenstände kommen mir sehr hoch vor. aber dazu kann ich nichts sagen. Unbedingt zu hoch ist aber das Atelier mit allem Drum und Dran angesetzt." Punkt für Punkt wurde durchgegangen. und dann beschloß man, übermorgen nochmals zusammenzukommen, um auf Einzelheiten zu sprechen zu kommen. * Am Abend dieses Tages, saß Martina allein mit dem Bruder zusammen. Die wunderte sich, daß Vera nicht anwesend war, und Usser erklärte ihr verlegen, daß heute Beras„freiek Tag“ sei. (Fortsetzung folgt.) Nr. 12(Zweites Blatt) Herner Anzeiger Samstag, den 15. Januar 1938 Das Arbeitsamt Herne berichtet Jahreszeitlich bedingte Zunahme der Arbeitsloligkeit.— Eintluß der Schlechtwetterlage. Die Indultrie weiter aufnahmefähig. Am erfolgreichtten war der weibliche Arbeitseinlatz. Nur noch 1776 Arbeitslose in Herne Das Arbeitsamt Herne berichtet über den Arbeitsinsatz im Dezember 1937: Die sonst schon im Herbst übliche Zunahme der Arbeitslosigkeit ist im Jahre 1937 erstmalig im Dezember eingetreten. Die Zahl der Arbeitslosen stieg von 2886 auf 3581 um 695(24,1 Prozent) und die Zahl der Arbeitsuchenden von 3309 auf 3880 um 571 (17,3 Prozent). Im Dezember des Jahres 1936 ist die Zahl der Arbeitslosen und der Arbeitsuchenden ungefähr im gleichen Verhältnis gestiegen wie im Dezember 1937, uno zwar stieg damals die Zahl der Arbeitslosen um 654 und die Zahl der Arbeitsuchenden um 571. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich mit 275 etwas geringer als im Vorjahr(289) erhöht. Diese Zahlen beweisen zunächst, daß die erfolgte Zunahme der Arbeitslosigkeit jahreszeitlich bedingt ist und in den Wintermonaten mit Eintreten des schlechten Wetters(Frost und Schnee) auftritt. Das Jaugewerbe und die sonstigen Außenberufe sind dann i vorübergehenden Entlassungen von Arbeitern geungen, um bei Besserung der Wetterlage die Beschäftigung sofort wieder aufzunehmen. Von den im Dezember in Zugang gekommenen Arbeitslosen gehörten rund 90 Prozent dem Baugewerbe und der Berufsgruppe der„Ungelernten Arbeiter"“, die vorwiegend in den Außenberufen beschäftigt werden, an. Die im Dezember erfolgte Zunahme der Ar beitslosigkeit findet somit eine natürliche Erklärung und dürfte nur von kurzer Dauer sein. Von der jahreszeitlich und saisonbedingten Ab schwächung des Arbeitseinsatzes abgesehen, zeigte sich die Wirtschaft in den verschiedenen Berufen auch im Berichtsmonat noch sehr aufnahmefähig, wenn auch der Zugang der Arbeitslosen nicht ausgeglichen wer den konnte. So wurden im Bergbau des Bezirks weitere 116 Bergleute angelegt und 113 Bergleute an andere Arbeitsämter zur Vermittlung in Dauerarbeit überwiesen. Von den letzten wurden allein 80 Bergleute von einer Zeche im Arbeitsamtsbezirk Recklinghausen angelegt. Für die nächsten Monate ist die Entwicklung des bergbaulichen Arbeitseinsatzes ebenfalls günstig zu beurteilen. Auch die übrigen Wirtschaftszweige konnten Einstellungen vornehmen. Vor allem ist die Eisenindustrie nach wie vor mit Aufträgen versehen, so daß im Dezember 51 Volksgenossen die Arbeit im Bezirk aufnehmen konnten. Selbst das Baugewerbe konnte noch 62 Einstellungen vornehmen, während das Verkehrsgewerbe 44 Volksgenossen neu beschäftigt. Die Zahl der arbeitsuchenden Angestellten ist um 16 gesunken. Am 31. 12. 1937 wurden nur noch 167 gegen 183 arbeitsuchende Angestllten des Vormonats gezählt. Amerfolgreichsten war der weibliche Arbeitseinsatz, dessen steigende Entwicklung auch im Dezember nicht unterbrochen wurde. Die Zahl der weiblichen Arbeitsuchenden und Arbeitslosen sank im Vergleich zum Vormonat um je 15. Ein Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt den großen Fortschritt, den der Arbeitseinsatz im Jahre 1937 brachte Die Zahl der Arbeitsuchenden war am 31. 12. 1937 im Vergleich zum Vorjahr um 8373(68.3 Prozent) und die Zahl der Arbeitslosen um 8228(69,7 Prozent) gesunken. Von diesem Rückgang entfallen auf die Stadtbezirke Herne, 3715 Arbeitsuchende und 3728 Arbeitslose Wanne=E. 3292 Arbeitsuchende und 3165 Arbeitslose Castrop=R. 1366 Arbeitsuchende und 1335 Arbeitslose Vom Arbeitsamt betreut wurden am 31. Dezember 1937 in Herne, 1979 Arbeitsuchende und 1775 Arbeitslose Wanne=E. 1409 Arbeitsuchende und 1368 Arbeitslose Castrop=R. 482 Arbeitsuchende und 438 Arbeitslose Diese nüchternen Zahlen sprechen für sich und werden auch im Jahre 1938 noch einen erheblichen Rückgang erfahren. Praktische Gartenbauhunde an den Hernervolksschulen Anlegung von Schulgärten.— Ernennung eines Kreisfachbearbeiters. Der Gedanke, mit den Schulen einen Schulgarten zu verbinden, wo die Kinder der oberen Klassen selbst Beete anlegen, graben, säen, jäten und ernten, also aus eigener Tätigkeit mit dem Gartenbau, mit Natur und Boden vertraut werden, ist nicht neu. Aber in jüngster Zeit wird ihm in Verbindung mit den Aufgaben zur Erfüllung des Vierjahresplanes ein besonders großes Interesse in Erzieherkreisen entge gengebracht. Die Anlage von Schulgärten möglichst für alle Schulen, ländliche und auch städtische, wird jetzt auch behördlicherseits gefordert. Seitens der Gauwaltung Westfalen des NSLB wurden zur Förderung der Schulgartenfrage in allen Kreisen Kreisfachbearbeiter ernannt. Für den Bezirk Herne beauftragte man hiermit Lehrer Hans Krüger, Franz=Seldte=Straße, einen bekannten und sehr erfahrenen Fachmann auf dem Gebiete der Pflanzenkunde, der seit Jahren nicht nur theoretischen Studien in der Botanik obliegt und hier über außergewöhnlich große Kenntnisse verfügt, sondern in seinen Freistunden auch praktische Versuche mit der Züchtung und Kreuzung, besonders fremder Pflanzen, in seinem Versuchsgarten an der Körnerstraße betreibt. An der Schule Düngelstraße, wo Lehrer Krüger tätig ist, ist innerhalb des Schulgebäudes schon ein Gartengrundstück vorhanden, so daß sich hier die Schulgartenfrage besonders gut lösen läßt. Hier sollen sich die Schüler und Schülerinnen unter fachmännischer Anleitung bald eigenhändig im Gartenbau betätigen. Besonders für solche Kinder, deren Eltern eine Heimstätte mit Garten erwerben wollen, oder die in einer Kleinsiedlung am Stadtrande wohnen, sind die Arbeiten und Erfahrungen im Schulgarten äußerst wertvoll. Hier können Fragen der richtigen Düngung und Bewässerung, des Frühgemüsebaues(Frühbeet, Frühsaat, Frühpflanzung), der Frischhaltung der Wintergemüse, der Auswahl und Pflanzung geeigneter Beeren= und Ziersträucher und der für den Boden passenden Obstbäume geklärt werden. In der Anlage des Schulgartens nach schwach, mäßig=, starkzehrenden Pflanzen, deren Wechsel und Düngung, und namentlich in der Schädlingsbekämp fung werden der Schuljugend wertvolle Anregungen für das Leben gegeben. Die einzelnen Gebiete des Gartenbaues, die im naturkundlichen Unterrichte den Schülern und Schülerinnen theoretisch erschlossen werden, erhalten bei der Arbeit der Kinder im Schulgarten ihre praktische Verwertung und Verwirklichung. Auch für die Mädchen als die zukünftigen Hausfrauen ist eine frühzeitige Ausbildung in allen Fragen des Gemüse= und Obstbaues wie in der gesamten Gartenbaukunde überaus wertvoll. An den meisten Schulen in den Außenbezirken von Herne lassen sich ohne größere Schwierigkeiten weitere Schulgärten einrichten, da in der näheren Umgebung dieser Schulgebäude durchweg Acker= oder Gartenland hierfür vorhanden ist. Durch eine Besichtigungsfahrt zu einigen vorbildlich angelegten Schulgärten innerhalb unseres Gaues sowie durch eine Ganztagung im Februar sollen alle Kreisfachbearbeiter für ihre neuen Aufgaben in der Schulgartenfrage besonders ausgebildet werden. 3700 neue NSV-Mitglieder 48,18 Prozent der Haushaltungen im Gau Westfalen-Süd As B-Mitglieder. NSG. Gottlob, daß es geschafft ist! Diesen Stoßseufzer wird mancher Volksgenosse schon ausgestoßen haben, wenn er in besinnlichen Stunden an die Tage zurückdenkt, in denen Deutschland in tiefster Schmach daniederlag, in denen Tag für Tag die Not an die Haustüren klopfte, in denen Raub und Bettel an der Tagesordnung waren, in denen immer neue Schicksalsschläge unser gepeinigtes Volk trafen. Der Alpdruck ist vorüber. Das ganze deutsche Volk atmet wieder auf, befreit und tatendurstig. Unter der Führung Adolf Hitlers ist es wieder stark geworden und wird von den anderen Staaten wieder geachtet. An diesem Aufbauwerk hat auch die NS=Volkswohlfahrt ihren Teil gehabt. Vergeßt deshalb nicht, ihr dafür Dank zu zollen. Wen sie von schweren Sorgen um die wirtschaftliche und soziale Zukunft befrzite, wem sie aus eigener Not geholfen hat, und wer noch abseits steht, den ruft sie heute zur Mitarbeit: Werde Mitglied der RS=Volkswohlfahrt! Dieser Ruf ist im Gau Westfalen=Süd bisher stets auf einen guten Boden gefallen. Unsere südwestfälischen Volksgenossen haben in weitem Maße dem Ruf Folge geleistet und sind Mitglieder der NS=Volkswohlfahrt geworden. Auch die noch abseits stehen, werden bald der NSV beitreten. Heute aber bereits entspricht die Mitgliederzahl der NSV im Gau Westfalen=Süd 48,18 v. H. der Haushaltungen. Auch im Dezember sind wieder 3693 Volksgenossen neu der NS=Volkswohlfahrt beigetragen, so daß sich der ab solute Mitgliederstand von November mit 325 760 auf 329 453 im Dezember erhöht hat. Das sind 12,64 Pro zent der Einwohner des Gaues gegenüber 12,50 Prozent im November 1937. An erster Stelle in der Anzahl der Mitglieder im Verhältnis zur Zahl der Einwohner stehen weiter die Kreise: Arnsberg, Olpe, Altena=Lüdenscheid, Dortmund, Hagen und Bochum. Der Kreis Iserlohn, der im November an 10. Stelle in der Rangordnung der Kreise stand, ist im Dezemver durch eine absolute Zunahme von 332 neuen Mitgliedern an die 9. Stelle gerückt. Die Herner Hallenbadfrage wird angepacht Eine Belprechung mit der Indultrie im Rathaus. Unsere Leser wissen aus früheren Veröffentlichungen, daß in Herne von privater Seite, an deren Spitze Herr Theo Stemberg steht, seit einigen Jahren mit Nachdruck der Bau eines Hallenbades betrieben wird. Es ist zweifellos, daß das Sommerbad, weil es nur 4 Monate im Jahr geöffnet und stets vom Wetter abhängig ist, keine ausreichende Lösung der Schwimmbadfrage darstellt. Eine Stadt von 100 000 Einwohnern hat aber ein Anrecht darauf, ein zu allen Jahreszeiten brauchbares Schwimmbad, d. h. ein Hallenbad zu besitzen, das viele kleine Städte, selbst solche unter 10 000 Einwohnern, längst haben. Nur im Industriegebiet, dessen Städte viel schneller wuchsen, als der Ausbau der gemeindlichen Einrichtungen vonstatten ging, leiden noch sehr unter dem Mangel an Hallenbädern. Wir erinnern nur an die Bestrebungen im benachbarten Recklinghausen, wo schon mehrere Hallenbadprojekte aufgestellt wurden, aber immer noch keins verwirklicht werden konnte. In unserer Nachbarschaft gibt es nur in Bochum und Gelsenkirchen ein Hallenbad. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß der Schwimmsport bei uns im Industriegebiet noch nicht zu einer Angelegenheit der gesamten Bevölkerung geworden ist und noch keine überragenden schwimmsportlichen Könner hervorgebracht hat. Nun hat aber vor einiger Zeit der Reichsjugendführer Baldur von Schirach neue Bestimmungen erlassen über die Ausbildung der Jugend im Schwimmen, und in Zusammenarbeit von Reichspropagandaminister Dr. Goebbels, Reichsernährungsminister Darré und Reichsjugendführer Baldur von Schirach ist ein Propagandaausschuß zur Förderung des Schwimmsports gebildet worden, der das Ziel versolgt, in Kürze 50000 neue Schwimm bäder in Deutschland zu schaffen. Diese von hohen Reichsstellen nachdrücklich betonte Bedeutung des Schwimmsports für die Ertüchtigung der Jugend und die Gesunderhaltung des Volkes war nun Veranlassung, auch in Herne die Frage des Hal lenbadbaues energischer anzufassen. Es war gelungen, den für den Propagandaausschuß tätigen Reichsarchitekten Immendorf, Berlin, nach hier zu holen, um mit ihm über die Hallenbadfrage zu sprechen. Zu dieser Besprechung hatte Oberbürgermeister Meister auch die Vertreter der Industrie, der Schwimmvereine usw. eingeladen. Die am Donnerstag nach mittag im Rathaus abgehaltene Besprechung wurde von Bürgermeister Menerhoff eröffnet, der auf die unbedingte Notwendigkeit eines Hallenbadbaues hinwies. Schon vor dem Kriege habe man in Herne ein Hallenbad bauen wollen, aber Krieg und Inflationszeit hätten die Ausführung der Pläne verhindert. Heute, wo dem Gedanken der Volksertüchtigung größte Aufmerksamkeit geschenkt werde und wo auch manche Werke schon dazu übergingen, ihrer Gefolgschaft die Möglichkeit zur schwimmsportlichen Betätigung zu schaffen, sei es an der Zeit, ein für alle Bevölkerungskreise bestimmtes Hallenbad ins Auge zu fassen. Dabei benötige man die Mitarbeit und Hilfe der Industrie, die erfreulicherweise ein immer stärkeres Interesse an der Schaffung von Sportstätten zeige. Er würde es daher begrüßen, wenn die Industrie sich mit der Frage, wie in Herne in gemeinsamer Arbeit ein Hallenbad erstellt werden könne, beschäftige. Reichsarchitekt Immendorf teitte mit, daß es der besondere Wunsch des Führers sei, Hallenbäder zu bauen und zwar nicht wie bisher mit 25=MeterBahnen, sondern mit 50=Meter=Bahnen, da es nur dadurch möglich sei, die schwimmsportlichen Leistungen zu steigern. Oberbürgermeister Meister erklärte, daß die Stadtverwaltung die Hallenbadfrage jetzt mit Nachdruck anfassen wolle. Sie benötige dabei allerdings die verständnisvolle Mitarbeit der Industrie, der der Bau eines Hallenbades für alle die Sorge um eigene Schwimmsportstätten abnehmen werde. Er hoffe daher, wenn er in den nächsten Tagen an die industriellen Werke herantrete, Verständnis und Entgegenkommen zu finden. Aus der Aussprache ging hervor, daß dieses Verständnis durchaus vorhanden ist und daß die Anlage des Hallenbades in der Nähe einer Warmwasser liefernden Zeche das Problem erheblich vereinfachen dürfte. Hoffen wir, daß der jetzt gemachte neue Anfang zum Bau eines Herner Hallenbades recht bald von Erfolg gekrönt wird. 50 Prozent mehr„Kraft=durch=Freude". Fahrten NSG. Das neue Jahresprogramm der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ im Gau WestfalenSüd ist bereits in Arbeit. Anfang Februar wird dieses Verzeichnis auer Urlaubsreisen, Wander. und Seefahrten erscheinen. Es wird wie immer auf den Kreisämtern ausgegeben und von den Orts= und Betriebswarten verteilt; es kostet 20 Pf. Wie in den vergangenen Jahren, sind auch diesmal die Urlaubsreisen übersichtlich geordnet, damit jeder sich schnell in dem Heft zurechtfindet. Die Zahl der Reisen ist um 50% vermehrt worden, und zu den alten bekannten Zielen sind neue hinzugekommen. Bis Mitte August startet„Kraft durch Freude“ 99 größere Urlaubszüge, während im vergangenen Jahr 66 Züge gefahren wurden. Dabei wies aber auch das vergangene Jahr schon gegenüber dem Jahr 1936 eine gewaltige Steigerung der Anzahl der Fahrten und der Teilnehmerzahlen auf. 1936 benutzten 197 000 die Züge von„Kraft durch Freude", und zwar verzeichneten die Urlaubsfahrten 41 500 Teilnehmer, die Hochseefahrten 3160 und die Kurz und Omnibusfahrten 152 340 Teilnehmer. 1937 fuhren 368000 Volksgenossen und Volksgenossinnen aus Westfalen=Süd mit„Kraft durch Freude“. 56 900 beteiligten sich an Urlaubsfahrten, 5500 an Hochseefahrten, und die übrigen nahmen an den Kurz= und Omnibusfahrten teil. Auch die Aufnahme von„Kraft durch Freude"Urlaubern im Gau Westfalen=Süd wird in diesem Jahr gegenüber dem vergangenen Jahr um 50 Proz gesteigert werden. 1937 nahm Westfalen=Süd 27 „Kraft durch Freude": Urlauberzüge aus anderen Gauen auf, daneben eine Reihe Omnibus= und Kurzfahrten. Die Aufnahme der„Kraft durch Freude"Urlauber war im vergangenen Jahr bereits so stark, daß das Sauerland 160000 Uebernachtungen an „Kraft durch Freude"=Urlauber abgab. Erinnerungen an Wilhelm Busch (f 9. 1. 1908.) Stichel- und Stachelverse von Stichel=Stacheldorn. 1. Vorbemerkung. Wilhelm Busch ist allbekannt dem ganzen deutschen Land, *at der Verse viel geschrieben, „ die auch haften sind geblieben. Zu den Worten und der Schrift Kam hinzu der Zeichenstift, Schelmisch wurde dann bebildert, Was in Worten er geschildert. Auch den Pinsel führte er Auf der Leinwand hin und her. Viele Bilder so entstanden, Die auch Anerkennung fanden. Ueberall trat der Humor In dem Wort und Bild hervor. Darum schwärmen auch noch heute Für den Meister viele Leute Manchmal aber liegt darin Auch ein feiner, tiefer Sinn, Doch der wird oft nicht beachtet, Weil man nach Humor nur trachtet. 2. Aus. der Jugendzeit. In Hannover— Niedersachsen— Ist als Kind er aufgewachsen. Dort, im Dörschen Wiedensahl Unweit von dem Wesertal, Floß im leichten Jugendsinn Auch sein Leben froh dahin. Vater Busch, der Kaufmann war. Machte ihm schon vieles klar, Lehrte ihn schon dies und das, Und der Junge konnte was, Hat auch manchen Streich verübt, Wie's bei Jungens oft beliebt, Und dann kriegte er auch fixe Von dem Vater seine Wichse. Mutter Busch, die fleißig strickte Und des Bübchens Hosen flickte, Hatte schon aus Muttertrieb Ihren Sprößling herzlich lieb, Gut versorgt-und ihn umhegt, Großgezogen und gepflegt, Und ihr Wilhelm hat indessen Ihre Liebe nie vergessen. 3. Wie er seinen Eintritt ins Leben beschreibt. „Eh' man auf diese Welt gekommen Und so still vorlieb genommen, Da hat man noch bei nichts was bei; Man schwebt herum, ist schuldenfrei, Hat keine Uhr und keine Eile Und äußerst selten Langeweile, Allein man nimmt sich nicht in acht, Und schwupp! ist man zur Welt gebracht 4. Wie er seine verstorbene Mutler ehrte. „O du, die mir die Liebste war, Du schläfst nun schon so manches Jahr, So manches Jahr, da ich allein, Du gutes Herz, gedenk ich dein, Gedenk ich dein, von Nacht umhiillt, So tritt zu mir dein treues Bild. Dein treues Bild, was ich auch tu, Es winkt mir ab, es winkt mir zu, Und scheint mein Wort dir gar zu kühn, Nicht gut mein Tun; Du hast mir einst so oft verzieh'n, Verzeih auch nun!“ 4. Seine Lehr- und Wanderjahre Er kam im zehnten Lebensjahr Zum Onkel, der ein Pfarrer war. Der hat ihn treulich unterrichtet Und seinen Geistesweg belichtet. Dann kam er auf ein Technikum, Das nahm er aber schrecklich krumm. Er tat hier nun wohl seine Pflicht, Jedoch die Sache lag ihm nicht, Drei Jahre aber hielt er aus, Dann kam er heim ins Vaterhaus. Sein Sinn war auf die Kunst gerichtet Er hatte nämlich schon gedichtet, Gezeichnet viel und auch gemalt, Doch blieb das alles unbezahlt. In Düsseldorf, der Malerschule, Saß er auf dem Studentenstuhle, Dann zogen ihn die Künstlerbande Nach Antwerpen und zum Niederlande, Und dann zog ihn der Wandersinn Nach Süddeutschland, nach München hin In München hat er flott gelebt, Saß oft am Stammtisch festgeklebt, Hat viele Schwänke hier gemacht Und in ein Witzblatt dann gebracht. Sehr derbe war darin der Ton Und beißend oft der Spott und Hohn Mit dem er alles kritisierte Und in die„Fliegenden" lancierte Daneben war der Zeichenstift Geladen oft mit scharfem Gift; Das sollte meistens Kritik sein Für den und den im Kunstverein, Doch war er selber auch dabei Und sprach sich nicht von Kritik frei. 5. Wilhelm Busch, der Junggeselle. Wilhelm Busch, der Jungeselle, Saß oft still in seiner Zelle, War allein und war zufrieden, Konnte er hier Verse schmieden Oder solche Bilder machen. Die die andern gern belachen. Im Kasino war er munter, Sein Humor ging niemals unter, Immer wußt' er neue Witze, Brachte Lust durch Geistesblitze, Doch dem weiblichen Geschlecht Wurde selten er gerecht. Einmal war es fast so weit, Denn er liebte eine Maid, Doch er hatte oft Bedenken, Herz und Liebe zu verschenken; Hat es darum nicht gewagt Und dem Mädchen was gesagt, Hat sich schnell zurückgezogen Hinter seine Bilderbogen. So blieb er auf alle Fälle Hier im Leben Junggeselle. 6. Seine Heimatliebe. Was er in der Ferne sah Auf der Akademia, Was er alles dort erlebt Und was seinen Geist umschwebt Das ersetzte aber nie Ihm die Heimatphantasie, Denn in seines Herzens Triebe Lebte stets die Heimatliebe. Immer kehrte er zurück, Wo erstand sein Jugendglück, Immer wieder fand er Ruh, Kehrte er der Heimat zu Frieden fand er jedesmal In dem Dörschen Wiedensahl, Und bei jeder Wiederkehr Liebte er die Heimat mehr. Als das Alter näher kam Ihn die Heimat wiedernahm, Mit den Reisen war's vorbei Wie mit seines Lebens Mai, Und er fand als schönste Zeit Stille in der Einsamkeit. Eine Schwester, Hand in Hand, Treulich ihm zur Seite stand, Die ihn immer sorglich pflegte, Bis er sich zur Ruhe legte. 7. Wilhelm Busch als Mensch. Er lebte einfach und ganz schlicht, Ein großes Aufsehn liebt' er nicht, Und all die vielen Gecken, Die waren ihm ein Schrecken. Wurd' mal ein Zimmer tapeziert, Dann hat ihn dies oft sehr geniert, Und weißgekälkte Wände, Die liebt' er bis zum Ende. Ein altes Tranlicht fand er schön, Petroleum wollt' er nicht sehn, Und was er schrieb, es war ja viel, Das schrieb er mit dem Gänsekiel. Er rauchte viel, man konnte wetten Auf täglich vierzig Zigaretten, Und nebenbei fand er Geschmack An Dosen mit dem Schnupftabak. Dann hatte er auch viel Pläsier In München am Salvatorbier, Doch später trank er nur noch Wein, Um nicht so korpulent zu sein. Geburtstagsfeiern und so weiter, Das lag ihm nicht als Außenseiter, Er liebte nicht den äuß'ren Schein Und wollte nicht gefeiert sein. So ist er alt und grau geworden, Doch ohne Titel, ohne Orden. 8. Schlußbemerkung. Wilhelm Busch, der Humorist, War jedoch kein Renommist, Einfach, schlicht und bürgerlich, So gab er im Leben sich, Und so ist er auch gestorben Und hat großen Ruhm erworben. Dreißig Jahre ruht er schon, Seit die Seele ihm entflohn Doch sein Werk in Bild und Wort Lebt im deutschen Volke fort, Und so wird es auch wohl bleiben, Wenn mir mal zweitausend schreiben Aus und für Herne Zum Sonntag Weihnachten ist wieder vorüber. Es hat viel Freude und Glück den Menschen gebracht, namentlich dort, wo der Friede ist. Auch der Arme konnte glücklich gemacht werden, denn gerade Weihnachten zeigt uns ja, was urmut heißt. In jenem Stall zu Bethlehem stand einst die Armut an der Wiege des Gottessohnes. Nichts gehörte ihm, nicht einmal das Stroh, auf dem er lag. Am Anfang dieses Lebens war schon die Armut da, arm war die Kindheit und die Jugend, von Almosen lebte er, als er der Welt die Liebe predigte, und bei seinem Tode gaben ihm die jüdischen Mörder nicht einmal einen Trunk Wasser und keine Rast für das müde, verwundete Haupt. Oft schon sahen und erlebten wir es in der Welt, daß große Männer arm waren, aber dafür um so reicher in ihrem Herzen. Ihr ganzes Leben, dessen sichtbares Merkmal Einfachheit, Schlichtheit und Anspruchslosigkeit war, war Beispiel, daß im irdischen Besitz nicht das endgültige und wahre Glück liegen kann. Nicht in Worten allein haben solche großen Männer diese Lehre vorgetragen, sondern sie zeigten sie auch in der Tat. Sollen wir deshalb alle arm sein? Nein! Du darfst reich sein und viele Güter besitzen, aber dein Reichtum darf nicht dich besitzen. Du darfst von diesem Reichtum gut leben und dir manche schöne Stunde vergönnen, aber dieser Reichrum verpflichtet dich auch zum Dienste in der Sorge um deinen Nächsten, der weniger oder gar nichts hat, aber genau so wie du in der Gemeinschaft des Volkes steht und dort heute so viel gilt wie der Reiche. Zum Reichtum braucht man Glück; aber zum Glück nicht Reichtum. Schau nur dort hin, wo viel Glanz ist! Da ist auch viel Schein. Glücklich mact vor allem der Reichtum, den Diebe nicht entwenden können, der wertbeständig ist und nicht verderben kann. ** Kriegsopfer sammeln für das WHIW. NSG. Irontsoldaten, Kriegsopfer und Kriegerhinterbliebene sammeln am 15. und 16. Januar 1938 für das Winterhilfswerk. Damit stellt sich die RSKOD in die gewaltige Hilfsaktion des Führers im Kampf gegen Hunger und Kälte. Tue jeder im Krieg gegen die Not seine Pflicht unter der Parole: Opfert! Seid Sozialisten der Tat! *** Aufmarsch der SA=Standarte 457 Lastwagenfahrt durch den Standartenbereich. Die von der Obersten SA=Führung angeordnete Propaganda=Aktion wird am Sonntag, 16. Januar, durch eine Lastwagenfahrt auch im Bereich der SA==Standarte 457 fortgesetzt. Die Propagandafahrt bzw. der Propagandamarsch erstreckt sich auf die Städte Castrop=Rauxel, Herne und Wanne=Eickel. In Castrop=Rauxel beginnt die Fahrt. ** Prüfung der Stadtgärtnerei und der Straßenbahn Gemäß§ 12 der Durchführungsverordnung vom 30. 3. 33 zur Notverordnung vom 6. 10. 31 über die Prüfungspflicht der Wirtschaftsbetriebe der öffentlichen Hand sind die Stadtgärtnerei Herne und die Straßenbahn Herne=Castron=R. von der Wirtschaftsberatung Deutscher Gemeinden AG. geprüft worden. Das abschließende Prüfungsergebnis über die Prüfung für das Geschäftsjahr 1936 lautet bei der Stadtgärtnerei: Nach pflichtgemäßer Prüfung durch die von dem Gemeindeprüfungsamt der Regierung in Arnsberg beauftragte Wirtschaftsberatung Deutscher Gemeinden AG., Berlin, wird auf Grund der Schriften, Bücher und sonstigen Unterlagen der Stadtgärtnerei Herne W. sowie auf Grund der erteilten Aufklärungen und Nachweise festgestellt, daß die Buchführung und der Jahresabschluß für das Geschäftsjahr 1936 den gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Rücklagen zur Erhaltung der Sustanz sind nicht gemacht worden. Im übrigen haben die wirtschaftlichen Verhältnisse keine wesentlichen Beanstandungen ergeben. Arnsberg, den 9. Dezember 1937. Der Regierungspräsident(Gemeindeprüfungsamt). Für die Straßenbahn Herne=Castrop Raurel lautet das Prüfungsergebnis wörtlich genau so, nur fehlt hier der Satz über die Rücklagen. er gestern im Stadtbild die Sensation des Tages war. Nachdem wir ihm weiter„Hals= und Beinbruch“ gewünscht hatten, kroch der Riese wieder zu einer Schlangenfigur zusammen, und schon war er draußen, wo neuer Kinderlärm ihn jubelnd begrüßte. Feier des Tages der Briefmarke in Herne In schlichter Weise beging der Briefmarkensammlerverein Herne am Donnerstagabend im Vereinsheim Lobeck den Tag der Briefmarke. Außer den zalt reich erschienenen Mitgliedern hatten sich auch Gäste aus Bochum und Castrop=Rauxel eingefunden. Amtsgerichtsrat Naubert begrüßte als Vereinsleiter Mitglieder und Gäste in herzlicher Weise und wünschte ihnen für das neue Jahr noch manchen Erfolg. Nachdem des verstorbenen Mitgliedes Lösken würdig gedacht worden war, sprach der Vereinsleiter über die Entwicklung des Briefmarkenwesens. Sie sei zuerst in England erfunden und eingeführt worden. Erst nach geraumer Zeit sei Deutschland gefolgt. Bayern habe im Jahre 1848 den Anfang gemacht. Schon in den ersten zehn Jahren habe es 66 verschiedene Briefmarken gegeben, heute müsse man an diese Zahl schon drei Nullen hängen. Zum Gedenktag der Briefmarke habe man indes nicht den Tag ihrer Einführung, sondern den 7. Januar als den Geburtstag des genialen Schöpfers des Weltpostvereins, Heinrich Stephan, gewählt, der im Jahre 1831 als der Sohn eines Schneidermeisters geboren wurde und später für seine Verdienste mit dem erblichen Adel belohnt wurde. Der Reichsverband der Briefmarkensammler sehe in ihm sein großes Vorbild. Amtsgerichtsrat Naubert schilderte weiter die Aufgaben des Reichsverbandes, der vor zwei Jahren gegründet wurde und der nach nationalsozialistischen Grundsätzen aufgebaut worden ist. Am 11. und 12. Juni 1938 veranstalte er eine große Tagung, eine internationale Ausstellung sei für das Jahr 1939 geplant. In Herne arbeite man mit der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ und dem WHW zusammen. Nach dem Führergedenken wurde eine Verlosung vorgenommen, bei der wertvolle Marken, u. a. des WHW, gewonnen wurden. Im gemütlichen Teil folgte ein Gedankenaustausch der Philatelisten untereinander. Mikrophonprüfungen für Redner und Tonkörper Der Landesleiter der Reichsrundfunkkammer teilt mit: RSG. Gemäß einer Verfügung des Präsidenten der Reichsrundfunkkammer werden an allen Reichssendern Mikrophonprüfungen durchgeführt, an denen sich alle Rundfunkschaffenden beteiligen müssen, die weiterhin Wert darauf legen, von irgendeinem Sender zu Sendungen eingesetzt zu werden. Die Mikrophonprüfungen werden einheitlich durchgeführt. Prüfungen finden statt in: 1. Wort, 2. Volksmusik und 3. Instrumentalmusik. Alle Volksgenossen, die weiterhin im Rundfunk von Fall zu Fall beschäfigt werden wollen, werden deshalb gebeten, sich umgehend mit dem für den Gau Westfalen=Süd zuständigen Reichssender, dem Reichssender Köln, Köln, Dagobertstraße, in Verbindung zu setzen und alle benötigten Unterlagen dort anzufordern. *** Sparen macht lebenstüchtig Im deutschen Volk hat, wie nicht zuletzt die dauernd steigenden Einlagen bei den Sparkassen erkennen lassen, die Erkenntnis immer mehr Platz gegriffen, daß Sparen eine wertvolle und unentbehrliche Hilfe in der Daseinsführung des einzelnen wie des ganzen Volkes bedeutet. In einer großen Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels unlängst in Münster hielt, legte er anschaulich dar, welchen Auftrieb gerade der Spargedanken durch das ganze Werk des deutschen Neuaufbaus erfahren hat. Dr. Goebbels wies darauf hin, daß das deutsche Volk durch die Verhältnisse gezwungen sei, sparsam zu leben. Aber die Not mache erfinderisch in des Wortes bester Bedeutung, und sie mache das deutsche Volk für den Lebenskampf tüchtiger als Nationen, die im Ueberfluß und Reichtum leben. Diese Worte werden gerade bei dem Millionenheer der deutschen Sparer heimkehr von Bürgermeister a. v. Wiethoff Gestern wurde er auf dem Börniger Friedhof beige setzt. Gestern mittag kehrte der so plötzlich in Steele verstorbene Bürgermeister a. D. Max Wiethoff in das ehemalige Amt Sodingen, wo er über 25 Jahre als Amtmann gewirkt hatte, zurück, um hier seinem Wunsch gemäß seine letzte Ruhestätte zu finden. In der Totenkapelle des Börniger Krankenhauses wurde er aufgebahrt, und Freunde, Bekannte und Bürger nahmen hier noch einmal von ihm Abschied. Als die Stunde seiner Beisetzung gekommen war, hatten sich viele Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung auf der Widumerstraße eingefunden. Pfarrer Pren ger nahm in der Totenkapelle die Einsegung vor, und der Pfarr=Cäcilienchor widmete dem Toten eine Trauerweise. Dann hoben sechs Beamte der städtischen Polizei, die in ihren Paradeuniformen angetreten waren, den Sarg auf und trugen ihn hinüber zum Friedhof. Voran schritt der Gaumusikzug, ihm folgten die Träger von drei Riesenkränzen, die von der Fachschaft Kommunalverwaltung Herne, von der Ortsgruppe Herne=Sodingen der NSDAP und von der Stadtverwaltung Herne als letzte Grüße gespendet waren. Dann kamen die Fahnenabordnungen der politischen Bewegung Sodingens und der Fachschaft Kommunalverwaltung, danach die städtischen Polizeibeamten mit dem Sarg, dem die Kapelle Zimmer, der Pfarr=Cäcilienchor und die Trauerversammlung folgte. Der Mittelweg des Friedhofs war von Friedhofsgärtner Lubbers, einem letzten Wunsche des Toten entsprechend, mit Tannen zu beiden Seiten ausgeschmückt worden. Auch die Gruft war von Tan„Wie es Euch gefällt“ Shakespeare-Aufführung durch das Westfälische Lan destheater. Riesen Es war kein alltäglicher Besuch, der gestern nachmittag, durch Kinderlärm angekündigt, durch die Tür des Redaktionszimmers kroch und sich dann zu einer Länge von 3,20 Meter aufrichtete. Wir fürchteten fast, er würde mit dem Kopf durch die Decke gehen, aber sie war noch gerade hoch genug, um sich und ihn vor Schaden zu bewahren. Wir kamen uns vor wie der kleine Däumling oder Gulliver im Lande der Riesen, und wir mußten schon den Kopf weit in den Nacken legen, um die Unterhaltung mit ihm führen zu können. Und wer war dieser Besuch? Ein Artist, der auf hohen Stelzen ging, die unter langen roten Hosenbeinen verborgen waren. Er macht seit einiger Zeit für ein Erfrischungsgetränk Reklame, wobei er schon durch 46 deutsche Städte gekommen ist. Früher aber war er bei Sarrasani und anderen Zirkusunternehmen und hat mit ihnen die Welt bereist. Auch im Dienste des WHW hat er an verschiedenen Tagen schon sehr erfolgreich seine Riesengestalt in den Verkehrstrubel der Großstädte gestellt. Seine Stelzen sind sein eigenes Patent, sie sind nämlich unten mit beweglichen Füßen ausgestattet, so daß sein Gang die Steifheit sonst üblicher Stelzengänger verliert. Sein artistisches Können ermöglicht ihm zu dem die unglaublichsten Stellungen. So kann er sich so weit nach hinten herüberhocken oder=beugen, daß er sogar zur Tür hineinkriechen kann, die kaum höher ist als seine Stelzen. Auch Treppen spaziert er hinauf, radelt auf einem eigens gebauten 2,50 Meter hohen Fahrrad und macht überhaupt allerlei Bewegungen, die man diesem Riesen gar nicht zutrauen sollte. Kein Wunder, daß Ulrich Bräker, der„Arme Mann in Tockenburg", sagt in den 1780 entstandenen Aeußerungen über Shakespeares Schauspiele, die er als„armer ungelehrter Weltbürger“ einmal las, und besonders über das Lustspiel„Wie es Euch gefällt“ folgendes:„O, Sir William, du hast gewiß dies holde Schäferleben nach der Länge studiert, bist wohl oft wonnetrunken von den Schafhürden nach der tumultischen Stadt zurückgekehrt. Ein verliebter Sylvius und eine spröde Phöbe mögen oft dein Herz gerührt haben, daß du deine Rosalinde selbst zur Schäferin gewünscht... Ja, du hast Himmelsmacht, göttlicher Mann: einen tyrannischen Herzog, einen barbarischen Bruder bekehrst du plötzlich... machst die wunderbaren und glücklichsten Ehen, hilfst der verstoßenen Unschuld auf den Thron und stürzest hohnsprechende Goliaths zu Boden. Wem sollte deine Arbeit nicht gefallen, du Wundermann?... Mir gefällt's, lieber Mann. Du hast mich ergötzt, belehrt und beruhigt.“ Was liegt nicht in den hier zitierten treffenden Worten über des bisher unerreichten Dichters unerreichte Kunst! Milieuschilderung und Menschenzeichnung(der äußere Mensch) in Bildern, in denen kein Strich zu viel oder zu wenig, kein Licht oder Schatten zu hell oder dunkel. Und ist einmal hie und da an Strichen oder Lichtbesetzungen einiges mehr als sonst, so geschieht das absichtlich zum Zwecke der Herausarbeitung liebenswert heiterer Typenzeichnungen, die manchem menschlichen Wesenszug Spiegel sein sollen. Die Zeichnung des äußeren Menschen aber ist nicht das Wesentlichste im dichterischen Schaffen. Der im Schau= oder Lustspiel vor unsern Augen Tretende muß vom Dichter psychisch richtig dargestellt sein. Auch das hebt Bräker an Shakespeares Menschen lobend hervor, wie er den Momenten von Gut und Böse, die ja ständig im Kampfe liegen, die verdiente Bedeutung in des Dichters Schaffen beimißt. Wenn Bräker endlich davon spricht, er sei durch„Wie es Euch gefällt“ ergötzt, belehrt und beruhigt worden, so trifft er Shakespeares geistvollen Dialog im innersten Kern. Dieser Dialog vermittelt nämlich Erkenntnisse in einer einzigartig gefaßten Form, die(oft im Wortspiel gehalten) tiefste Wahrheiten zu uns sprechen läßt. Das sind neben anderen derart wertvolle Vorzüge des Gesamtwerkes von Shakespeare, daß er der Unerreichte ist und bleiben wird. Wenn wir in Westfalen mit der Shakespearepflege (Bochum!) in Deutschland und über die Grenzen hinaus an erster Stelle stehen, so bekunden wir damit liefes Verständnis für die Werke des Genies. So war es denn auch erfreulich, daß wir am Donnerstagabend in der Lichtburg vom Westfälischen Landestheater durch Vermittlung der RSG. „Kraft durch Freude"(ehem. Kulturgemeinde) das Lustspiel„Wie es Euch gefällt“ sehen konnten, denn hier führten uns das Theater und die genannte Organisation einem Kulturgut näher, das von überragender Bedeutung für alle Zeiten bleiben wird.— Das froh und unbeschwert dahinfließende Lustspiel„Wie es Euch gefällt“ ist durchaus nicht nur unterhaltenden Charakters, wie bereits oben herausgestellt wwurde. Hinter allem Geschehen leuchtet die Erkenntnis hervor, daß der natürliche, seelisch also unverbogene Mensch den rechten Weg stets finden wird, und das nicht nur für sich, sondern auch für andere, denen er Wegweiser, ja Führer wird. Wie dieses Moment von Trude Mützel in der Verkörperung der Rosalinde in Wort und Spiel vorzüglich unterstrichen wurde, das verdient restlose Anerkennung. Eine liebenswerte Rosalinde stand vor uns auf der Bühne. Die Spielleitung hatte hier die rechte Kraft an die rechte Stelle gesetzt. Den verliebten Orlando spielte Rudolf Therkatz sympathisch, wenn auch sprachlich manches verloren ging. Als Oliver sah man Fritz Walter, der auch für die in Farbe und Raum frohe, tempobeschwingte(leider manchmal sprachlich zu flotte) Inszenierung zeichnete, für die Ernst Hummel die Bilder entwarf. Sehr gut in Schauspiel und Sprache war der Narr des Otto Fehrmann. Dem Spiel fügten sich ferner gut ein: Heinz Sinzig(Doppelrolle des Herzogs und seines Bruders), Otto Tönges(Amiens und Ringer), Herta Schönke(Celia), Gitta Reimann(Phoebe) u. a. Das sehr gut besuchte Haus spendete der Aufführung herzlichen Beifall. Dr. Karl Heinr. Schmidt. Nichage Korn-Kaffce — haben Sie schon probieri? Kandiert mit Carlsbader 628. S. Kafleegewürzdaher der kaffee2 Ihnliche Geschmack Ineigener tägl. irisch gebrannt. Versuchen Sie bitte! 500 gr 5 Qualität II 500 Gramm 2Große Auswahl in Kcrordions Musikhaus Holting senior Bahnhorstt. 54 Ecke Heinrichstr. Zu haben um im Schuhhaus Wilmsen Kur 50311 Bahnhotstraße 80 nenbäumchen umgeben und mit Tannenzweigen ringsum ausgelegt. Die Tannen sollten an die sauerländische Heimat des Verstorbenen erinnern. Als sich dann der Sarg in die Gruft gesenkt hatte, sprach Pfarrer Prenger die kirchlichen Gebete. In seiner Trauerrede gedachte er darauf mit herzlichen Worten des jäh aus dem Leben gerissenen Mitbruders, der 30 Jahre in Sodingen gelebt und als Beamter pflichteifrig gewirkt hat. Man habe ihn stets als einen edlen, lauteren Charakter gekannt. Als er vor drei Jahren von Herne schied, sei sein Wunsch gewesen, hier beigesetzt zu werden. Plötzlich sei er dahingegangen, doch nicht unvor bereiter, und nur ein Schmerz sei den Angehörigen geworden, daß sie ihn nicht hätten in seinen letzten Stunden pflegen können. Nach einem stillen Gebet für den Entschlafenen erklang ein Trauerlied des Pfarr=Cäcilienchores. Unter den Klängen des Liedes „Ich hatt' einen Kameraden“, das der Gaumusikzug intonierte, senkten sich die Fahnen der politischen Be wegung und der Kommunalbeamten lange über der Gruft. Für die NSDAP Herne=Sodingen legte Ortsgruppenleiter Pflüger den Kranz am Grabe nieder, für die Stadtverwaltung Bürger meister Meyerhoff. Dann sandten die Ange hörigen des Verstorbenen ihm als letzten Gruß Tan nensträußchen seiner Heimat nach. Langsam schieden die Menschen von der letzten Ruhestätte eines Man nes, der in Sodingen und Herne unvergessen bleiben wird. besonderen Widerhall finden. Ist doch das Sparen immer nur Ausdruck einer verantwortungsvewußten Lebensführung, bei der der Sparer um wertvoller Ziele willen auf blicksgenüsse verzichtet. Es kann als sicher angenommen werden, daß der Spargedanke im deutschen Volk. weil der Vierjahresplan uns anschaulich zeigt, warum wir mit unserer Arbeitskraft, Sachgütern und Rohstoffen, aber auch mit den Erträgnissen unseres Schaffens sorgsam und planmäßig umgehen müssen, auch in *** Ein Müttererholungsheim für den besten Briefmarkenverkauf RSG. Die Reichsführung der NSV hat auch in diesem Jahr für das beste Ergebnis im Briefmarkenverkauf ein Mütterheim im Werte von 200 000 Reichsmark ausgeschrieben. Jetzt sind alle Dienststellen bemüht, sich so erfolgreich für den Verkauf der WHW=Briefmarken einzusetzen, daß dieses Mütterheim in diesem Jahr in den Gau Westfalen=Süd fällt. Die WHW=Briefmarken haben selbstverständlich für den öffentlichen Briefverkehr dieselbe Gültigkeit wie die anderen Briefmarken. *** * 40jähriges Werksjubiläum. Der Schlosser Emil Ruhm, Bismarckstr. 119, kann heute auf eine 40jährige ununterbrochene Tätigkeit bei der Firma Schüchtermann& Kremer, Baum zurückblicken, in die er, als sie noch Maschinenfabrik Baum war, am 15. 1. 1897 als Schlosserlehrling eintrat. Der Jubilar erfreut sich großer Beliebtheit bei seinen Arbeitskameraden und Wertschätzung bei det nen Vorgesetzten. Möge ihm noch manches Jahr Rüstigkeit und Schaffensfreude beschieden sein. * Kreisleiter Nieper spricht. Am Dienstag, dem 18. Januar, veranstaltet die NSDAP Castrop=Rauxel=Nord im Stadtteil Habinghorst eine öffentliche Kundgebung, in der Kreisleiter Nieper über das Thema„Der Kampf des Führers für Deutschland“ sprechen wird. * RS-Frauenschaft— Deutsches Frauenwerk HerneMitte. Am Dienstag, dem 18. Januar, beginnt um 16 Uhr der Pflichtnachmittag in der Westfalenschänke. Es kommt das Märchenspiel„Die Sterntaler“ zur Aufführung. * Kameradschaftsabend der 1. Kompanie der Augustdorfer. Wie wir hören, veranstaltet die 1. Kompanie der „Augustdorfer“ am Sonnabend, dem 29. 1., in der Westfalenschänke einen Kameradschaftsabend. Es ist ein interessantes Programm vorgesehen. Besondere Einladungen ergehen hierzu noch. * Ein gefährliches Schlagloch. Ein Bergmann von Constantin, der gestern früh gegen 7 Uhr mit seinem Motorrad von der Schicht heimfuhr, geriet auf der Wiescherstraße in ein Schlagloch, wobei das Vorderrad brach und er zum Sturz kam. Er fiel zwar mit dem Kopf auf das Pflaster, doch trug er keine ernstlichen Verletzungen davon. Er konnte noch einige Autos, die herannahten, auf die gefährliche Stelle aufmerksam machen, dann begab er sich nach Hause und ließ später das zertrümmerte Motorrad abholen. * Zu dem Verkehrsunfall auf dem Bahnhofsvorplatz. wo ein Omnibus ein Personenauto hinten anfuhr, erfahren wir noch, daß der Omnibus das Vorfahrtsrecht des Personenautos nicht beachtet hatte und vom Bahnhofsvorplatz in die Bahnhofstraße eingebogen war, trotzdem das Personenauto schon vor ihm war. * F a h r r a d d i e b s t ä h l e. Am Dienstag wurde vor dem Bahnhof in Herne ein Herrenfahrrad Marke Hassia Nr. 1772770 und am Donnerstag vor der Städt. Sparkasse ein Damenfahrrad Marke Roland, Nummer unbekannt, gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. * Das Gewissen trieb ihn zum Tatort zurück. Am Abend des 30. Dezember wurde einem armen Kumpel vor der Wirtschaft Brinkmann, Altenhöfener Straße, das Fahrrad gestohlen. Trotz sofortiger Nachforschung und Meldung bei der Polizei konnte das Rad nicht wieder herbeigeschafft werden, weil der Dieb schnell damit das Weite gesucht hatte. Der Bestohlene war nun gezwungen, den weiten Weg bis zur Arbeitsstelle in Sodingen in Wind und Wetter zu Fuß zurückzulegen. Wie groß war aber sein Erstaunen, als er dieser Tage an derselben Wirtschaft vorbeikam und sein Fahrrad unversehrt an Ort und Stelle vorfand. Wie Augenzeugen berichten, hatte das Rad schon einige Stunden dort gestanden. Ist der Dieb nun von Gewissensbissen geplagt worden oder wirkte die hohe Strafe für Fahrraddiebstahl abschreckend auf ihn? Freilichtbühne in Wattenscheid NSG. Die Freilichtbühne der Stadt Wattenscheid beginnt in diesem Jahr bereits am 5. Juni mit den Aufführungen. Gespielt wird jeden Samstag, jeden Sonntag und jeden Mittwoch. Folgende Stücke kommen zur Aufführung: Vom 5. bis 19. Juni„Konzert des Teufels“, Schauspiel von Walther G. Klucke; v#s. 25. Juni bis zum 10. Juli„Der Widerspenstigen 34 mung“ von Shakespeare; vom 16. Juli bis zum 51. Juli„Hockewanzel“, Schauspiel von Kaergel; vom 6. August bis zum 21. August„Anna=Susanna", Lustspiel von Weitbrecht; vom 27. August bis zum 4. September„Der Frontgockel", Lustspiel von Fitz. Briefkasten Aufragen an unsern Briefkasten müssen mit Unterschrift versehen und ebenso muß die letztgültige Quittung beigefügt sein. dieses nicht der Fall ist, erfolgt keine Beantwortung J. T. Versuchen Sie, den Rest der Flecken durch Befeuchten mit Brennspiritus zu beseitigen. Aus amtlichen Bekanntmachungen In unser Handelsregister, Abt. A, Nr. 988, ist am 7. Januar 1938 neu eingetragen die Firma L. Hasselbrink, Inh. Frau Luise Hasselbrink in Herne. Alleinige Inhaberin ist ist die Ehefrau Luise Hasselbrink, ged. Vialon, in Herne, Schulstraße 22. Dem Kaufmann Ferdinand Hasselbrink in Herne ist Prokura erteilt. Der Sitz Ner Firma ist unter Aenderung der Firmenbezeichnung von Recklinghausen nach Herne verlegt. Amtsgericht Herne. Hahen Sie Fußbeschwerden? Dann tragen Sie Dr. Das Fachgeschäft für Alle, die gut und billig kaufen wollen. Foto-Ateller Epping Bahnhofstr. 70 Paßbilder Stück 50 Pig. * Nr. 12(Drittes Blatt) Herner Anzeiger Samstag, den 15. Januar 1938 Die große Volkszählung im Mai Viel Arbeit für die Gemeinden, aber eine hochbedeutlame Aufgabe Am 4. Oktober 1937 erschien das Gesetz über die Durchführung einer Volks=, Berufs= und Betriebszählung für das Jahr 1938. Es mag die Allgemeinheit, die damit zum ersten Mal etwas von dieser Zählung erfuhr, überrascht haben; denn die letzte Erhebung dieser Art, die immer einen gewaltigen Aufwand an Arbeit und Kosten bedeutet, liegt erst fünf Jahre zurück. Wohl ist eine derartige„Bestandsaufnahme“ des deutschen Reiches alle fünf Jahre vorgesehen. Aber zwischen den Zählungen bis zu der von 1933(1907 und 1925) lag jeweils ein erheblich größerer Zeitraum. Die zwar programmäßige, aber eben doch überaus rasche Aufeinanderfolge beweist, daß nach dem ersten halben Jahrzehnt nationalsozialistischer Regierung, nach den gegenüber 1933 grundlegenden Veränderungen der Wirtschaftslage in Deutschland— Beseitigung der Arbeitslosigkeit, Umwandlung von Wirtschaftsbetrieben und Herausbildung neuer Wirtschaftszweige zur Herstellung der deutschen Wirtschaftsfreiheit und Wehrfähigkeit— die Entwicklung jetzt voraussichtlich in den umrissenen Bahnen vor sich gehen kann. Weiter ist die in zeitlich kurzem Abstand erfolgende Zählung ein Zeichen dafür, daß — wenn auch die Zählung von 1933 noch ihren unbestreitbaren Wert für Praxis und Wissenschaft besitzt— diese grundlegende Umwandlung eine neue, große„Bestandsaufnahme“ notwendig macht. Sollen doch ihre Ergebnisse die Grundlage und die Ausrichtung für die Arbeiten der Regierung und der ihr unterstellten Behörden auf allen Gebieten(Bevölkerungspolitik, Siedlungspolitik, Verkehrspolitik, Arbeitseinsatz usw.) liefern. Angesichts dieses Ziels der Volks=, Berufs= und Betriebszahlung ist es verständlich, daß die Erhebung des Jahres 1938 besonders grundlich sein wird. Aus den eingehenden Fragebogen, auf die im einzelnen näher einzugehen heute noch nicht der richtige Zeitpunkt ist, soll nicht allein die Zahl der Bevölkerung, ihr Altersaufbau, ihre Entwicklung in den letzten Jahren, ihre Verteilung auf Gemeinden und Wohnplätze verschiedener Größe, ihre Volkszugehörigkeit(Abstammungskarte!) und Angaben über den wirtschaftlichen Aufbau hervorgehen— um nur einiges herauszugreifen. Sie bringt auch erstmals eine Zählung der Handwerks= und Einzelhandelsbetriebe insofern, als diese Betriebe nach Zahl und Umfang besonders behandelt werden. Eine derartige Zählung ist durch die in den letzten Jahren erzielte organisatorische Zusammenfassung dieser Berufsstände und Wirtschaftszweige ermöglicht worden. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, daß die alljährliche landwirtschaftliche Bodenbenutzungserhebung diesmal im Rahmen der großen Erhebung vorgenommen wird. In dem Gesetz vom 4. 10. 1937 heißt es: Die unmittelbare Durchführung der Zählung ist Aufgube der Gemeinden. Bei dem Umfang und der Bedeutung der Zählung liegt auf der Hand, daß die Volks=, Berufs= und Betriebszählung des Jahres 1938 erhebliche Anforderungen an die deutschen Gemeinden stellt. Während das Statistische Reichsamt schon länger als ein Jahr an der Vorbereitung der Zählung arbeitet, setzt die Arbeit der Gemeinden in vollem Umfang in diesen Wochen ein. Sie wird, damit bei ihnen an dem eigentlichen Zähltag(Dienstag, 17. Mai 1938) alles klappt, also mehrere Monate in Anspruch nehmen. Worin besteht nun diese Arbeit der Gemeinden? Die vom Statistischen Reichsamt ausgegebenen Fragebogen werden allen Haushaltungen, landwirtschaftlichen Betrieben und nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten zugeleitek. Die Helfer der Gemeinden sind dabei, wie auch bei der letzten Zählung, die Grundstückseigentümer. Dann übernehmen die Gemeinden das Ausfüllen der Zählpapiere; d. h. sie sind dafür verantwortlich, daß dies richtig und vollständig geschieht. Hierzu bedienen sie sich der Zähler, die einen bestimmten Zählbezirk angewiesen erhalten. Da die Zähler grundsätzlich die ausgefüllten Bogen einsammeln und in jedem Falle die Antworten zu prüfen und durch Rückfragen und Nachforschungen zu ergänzen haben(bis auf die Abstammungskarte, die vom Ausfüllenden in einem verschlossenen Umschlag abgegeben wird), dürfen auf einen Zähler nur wenige Haushaltungen entfallen. Voraussichtlich werden 30 Haushaltungen in der Regel einen Zählbezirk bilden. Damit werden die Zählbezirke diesmal im Durchschnitt weniger Haushaltungen umfassen als 1933; für die Gemeinden bedeutet das einen erhöhten Bedarf an Zählern. Der Bestellung der Zähler muß die größte Sorgfalt zugewandt werden: deshalb ist es für die Gemeinden wichtig, mit der Einteilung des Gemeindegebietes in Zählbezirke rasch vorwärts zu kommen. Für das Ehrenamt des Zählers müssen zuverlässige Persönlichkeiten bestellt und in angemessenem Umfang Ersatzzähler vorgesehen werden. Zur Uebernahme eines Ehrenamtes aber sind nach den Vorschriften der Deutschen Gemeindeordnung die Bürger verpflichtet. Darüber hinaus wird man nach den guten Erfahrungen früherer Jahre auch diesmal auf die Mitwirkung von Studierenden und Schülern höherer Klassen Wert legen. Da zu erwarten ist, daß die Behörden und die Lehrerschaft in ausreichendem Maße eingesetzt werden können, erscheint die erforderliche Anzahl von Zählern gesichert. Ihre Arbeit wird im allgemeinen von einem Oberzähler unterstürzt, der die Fragebogen nochmals auf Unvollständigkeit chin durchsieht. Für 6—8 Zähler etwa wäre ein gleichfalls ehrenamtlich arbeitender Oberzähler einzusetzen. Selbstverständlich muß den Oberzählern bekannt gegeben werden, welche Zähler ihnen zugeteilt sind; und diesen ist bekannt zu geben, an welchen Oberzähler sie die Zählpapiere abzuliefern haben. Bei der Menge, der für diese Zählarbeit benötigten Personen wird es sich für die Gemeinden empfehlen. Personalblätter anzulegen. in denen die Zähler, Oberzähler und Ersatzzähler mit Namen, Dienststelle und Anschrift erfaßt sind. Zu den ersten Vorbereitungsarbeiten gehört auch, daß die Gemeinde sich aus den vorhandenen Unterlagen einen Ueberblick über die insgesamt für ihren Bereich erforderlichen Fragebogen, Zähleranweisungen und sonstigen Drucksachen verschafft. Die rechtzeitige Meldung der benötigten Menge von Fragebogen usw. ist für das Statistische Reichsamt zur Papierbeschaffung und zum Ausdruck der Zählvordrucke wichtig. An der sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung gerade dieser Zählung haben auch die Gemeinden und Gemeindeverbände selbst entscheidendes Interesse. Für sie werden, wie für das Reich, die Ergebnisse der Zählung bei allen verwaltungspolitischen Entscheidungen maßgebend und bestimmend sein. Deshalb wird bei der Bearbeitung der Erhebung in besonderem Maße auf die Wünsche der Gemeinden Rücksicht genommen. So wird die Aufbereitung zum ersten Mal nicht durchweg bei den politischen Gemeindegrenzen Halt machen. Vielmehr ist beabsichtigt, bei wichtigen Erhebungsmerkmalen eine weitere Aufgliederung des Materials nach Wohnplätzen, sowie für die größeren Gemeinden nach Stadtbezirken oder Stadtteilen vorzunehmen. Die Zählung wird somit erstmals den Gemeinden einen zahlenmäßig gut gegründeten Einblick in die Bevölkerungszusammensetzung nach dem volklichen, beruflichen und wirtschaftlichen Aufbau der einzelnen Stadtgebiete liefern. Die Vorerhebung, die das Statistische Reichsamt in 9000 Haushaltungen verschiedener deutscher Städte und Dörfer zur Volks=, Berufs= und Betriebszählung durchgeführt hat, sind befriedigend verlaufen. Sie erwiesen die Brauchbarkeit und Zweckmäßigkeit der für die Haupterhebung vorgesehenen Fragebogen. Wo ist das Rauchen verboten? Brandverhütung ist Pflicht eines jeden Deutschen! Viele Menschen verlieren jährlich durch Brände ihr Hab und Gut und büßen manchmal dabei auch ihr Leben ein. Die durch die Brände verursachten Schäden betragen jährlich viele Millionen Reichsmark, wodurch dem deutschen Volksvermögen großer Verlust zugefügt wird. Ein großer Teil aller Brände ist durch Fahrlässigkeit und Unvorsichtigkeit verschuldet. Im Zuge des Vierjahresplanes ist auch die Brandund Schadenverhütung als Aufgabe der Polizei in den Vordergrund gerückt. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen hat deshalb eine Polizeiverordnung zur Verhütung von Feuersgefahr erlassen, die am 25. November 1937 in Kraft getreten ist. Sie wird im Hinblick auf ihre Bedeutung abschnittweise fortlaufend veröffentlicht werden. § 1 der Verordnung besagt: Die Benutzung von unverwahrtem Feuer oder Licht sowie das Wegwerfen von glimmenden Streichhölzern ist in Räumen, in denen leicht entzündliche Stoffe anfallen oder lagern, verboten. § 2. Das Rauchen ist an allen Orten untersohzt, wo besondere Gefahr vorhanden ist, daß durch herabfallenden oder weggeworfenen glühenden Tabak. Zi garren= oder Zigarettenstummel Feuer entstehen kann, namentlich in Räumen, die zur Lagerung oder Verarbeitung leicht entzündlicher Stoffe dienen, wie Werkstätten, Packräume, Scheunen, Ställe und Böden, sowie in unmittelbarer Nähe von größeren Mengen Stroh, Heu, Torf und sonstigen leicht entzündlichen Stoffen und in Räumen, in denen leicht entzündliche Gase, Dämpfe oder Staub in gefahr drohender Menge auftreten. Wir tragen die Nelke Die Opfer des Krieges appellieren am 15. und 16. Januar an unsere Opferfreudigkeit! Wir alle tragen die Nelke der ersten Gaustraßensammlung des WHW. der Prozeß um die nürburgring-belder „Herr Landrat, wir haben so viel Schulden.“— Die kostspieligen Essen im Landratshaus.— Ein Projekt, das auf 2 Millionen Mark veranschlagt war und 13 Millionen Mark kostete. schlossenen Briefumschlägen vertrauliche Zuwendungen gemacht. Dazu bemerkte der Staatsanwalt, daß dies auf gut Deutsch keine Zuwendungen, sondern Schmiergelder gewesen seien. Das frühere Kreisausschußmitglied Bungartel, der sämtliche vom Landrat vorgelegten Beschlüsse unterschrieben habe, sagte als Zeuge aus, daß er sich an die Einzelheiten kaum noch erinnern könne. Der Landrat habe ihm wohl die Etats vorgelegt, aber die meisten Kreisausschußmitglieder hätten die Titel buchmäßig überhaupt nicht verstanden. Sie hätten ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet, daß der Landrat ihre Umlage nicht erhöht habe. Im übrigen hätten sie alle dem Landrat grenzenloses Vertrauen entgegengebracht. Man habe dem Landrat einfach erklärt:„Wenn Sie uns sagen, daß die Reise so und soviel gekostet hat, dann glauben wir Ihnen das. Eine Quittung brauchen Sie uns nicht zu geben.“ Das Gericht hielt dem Zeugen vor, daß er doch von den hohen Repräsentationsausgaben des Landrats Kenntnis gehabt haben müsse, da er mitverantwortlich für die Kreisgelder gewesen sei.„Wir haben geglaubt“, so sagte der Zeuge weiter aus,„das seien alles Nürburggelder". Deshalb hatten die Kreisausschußmitglieder auch niemals eine Nachweisung für die Ausgaben des Landrats verlangt. Der Zeuge erklärte weiter. die Ausgaben des Landrats seien ihm nie zu hoch vorgekommen. Das Gericht fragte, ob der Kreisausschuß sich überhaupt keine Gedanken über die Beschaffung der Mittel gemacht habe. Der Zeuge erwiderte, daß er gedacht habe:„Ein Pferd, das arbeiten soll, muß auch Hafer kriegen.“ Das Gericht erinnert den Zeugen an verschiedene kostspielige Vorgänge. So wird festgestellt, daß der Landrat der damaligen Berliner Presse bei Kroll ein Essen für 5000 Mark gegeben hat. Wenige Tage später hätte der Landrat die ausländische Presse nach Adenau eingeladen und den Vertretern ein Essen für 6000 Mark gegeben. Ein Essen im Kreishaus Adenau, das zu diesem Zweck extra festlich geschmückt wurde und auf dem auch der frühere Oberpräsident zugegen war, hat eine noch viel größere Summe verschlungen. Von diesen Kosten weiß der Zeuge nichts. Man habe sich darüber keine Gedanken gemacht und alles in Ordnung befunden. Auch nach der Gründung der NürburgRing=EmbH. sei der Kreisausschuß damit einverstanden gewesen, daß der Landrat den Kreis und den Ring repräsentiert habe.„Wir haben den Landrat damals schwören lassen, uns nicht zu verlassen“, denn, so sei ihm gesagt worden,„wir haben ja soviel Schulden, Herr Landrat.“ Der Zeuge fügte noch weiter hinzu:„Wir hatten kein anderes Ziel, als mit dem Bau des Ringes fertig zu werden, wenn es auch ein paar Mark mehr koste.“— Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt. Koblenz, 13. Jan. Im Prozeß gegen den früheren Landrat des ehemaligen Kreises Adenau, Dr. Creutz, wird seit Montag die Verhandlung wieder in Koblenz geführt. nachdem das Gericht über einen längeren Zeitraum hin in Ahrweiler bzw. Adenau getagt hatte. In der Verhandlung wurden u. a. als Zeugen vernommen die Ministerialräte Dr. Greiner, Eras. Schütte und Döbereiner. Aus der Aussage von Ministerialrat Greiner ging hervor, daß man im Reichsfinanzministerium die Geschäftsführung des Landrats Dr. Creutz bezüglich des Nürburgring=Baues als ungeheuerlich empjand. Ein Projekt, das mit 2 Millionen RM. Kosten veranschlagt war, sei schließlich auf einen Gesamtkostenaufwand von 13 Millionen RM. gelandet. Aus diesem Grunde sei auch die Gründung der Nürburgring=G. m.b.H. betrieben worden, durch die man den Landrat Creutz ausschalten wollte. Durch Landrat Creutz sei es zu ungeheuerlichen Machenschaften gekommen. Er habe mit allen Mitteln, sogar mit anonymen Briefen gegen leitende Persönlichkeiten der Nürburgring=G.m.b.H. intrigiert. Ebenso erklärte Ministerialrat Dr. Eras, daß die Gründe für die Bildung der Nürburgring=G.m.b.H. darin zu erblicken seien, daß man den Nürburgring vom Kreise Adenau trennen wollte, um so die unmögliche Geschäftsführung des Angeklagten zu unterbinden. Es sei dann auch in Zukunft auf eine scharfe Trennung zwischen Nürburgring=G.m.b.H. und Kreis geachtet worden. Bekanntlich hat dessenungeachtet. der Angeklagte weiterhin den Nürburgring repräsentiert bei allen möglichen Veranstaltungen und Empfängen. Dr. Creutz belastete dann einfach den Kreis mit seinen Reisespesen. Die Geldentnahme wurde von besonderen Konten getätigt, so daß die Manipulationen den zuständigen Körverschaften des Kreises verborgen blieben. Auch die Aussage von Ministerialrat Schütte ergab. daß der Zweck der Gründung der Nürburgring=G.m.b. H. eine scharfe Trennung zwischen der neugegründeten Gesellschaft und dem Kreise gewesen sei, die auch immer Zur beschichte des Herner Theaterlebens 1916. ein Jahr reichsten Theaterlebens.— Das Her ner Theaterpublikum schwelgt in Operettenaufführun gen.— Eine bisher nicht erreichte Zahl von Theaterabenden. Die Erfolge, die die Rhein.=Westfälische Verbandsbühne in den Jahren 1914 und 1915 mit ihren Vorstellungen hatte, führen mit Beginn des Jahres 1916 zu einer größeren Zahl von Theaterabenden des Ensembles. Ein Stamm von Vormietern sichert die finanzielle Seite der bei Steffen „stattfindenden Aufführungen, die am 4. Januar mit ##dem Schauspiel„Der Strom“ von Mar Halbe einetzen. Bereits am 10. des Monats folgt das Lustspiel„Der Vetter“ von Biedermeier und Benedkr. Am 19. steht„Die Ahnfrau", Trauerspiel von Grillparzer, am 28.„Raub der Sabinerinnen“ auf dem Spielplan. Ein fast ausverkauftes Haus erlebt man am 4. Februar bei Sudermanns„Ehre“. Eine Woche später(11. Febr.) wird„Renaissance“, ein Lustspiel von Schönthan und Koppel, und am 28. des Monats Lessings„Nathan, der Weise" gespielt. Kotzebues „Kleinstädter“, Rosenows Komödie„Kater Lampe“, Kruses Komödie„Standhafte Liebe“ sind für den 15., 25. und 30. März zur Aufführung angesetzt. Der letztgenannte Tag wird durch Rezitationen vor dem Spiel der Komödie zu einer Feier des 100. Geburtstages des Dichters Heinr. Kruse ausgestaltet. Die Monate April, Mai und Juni sehen im Hause Steffen eine Reihe von Gastspielen solcher Ensembles die Possen, Operetten, Burlesken bieten. Wir nennen die Gastspiele des Possen=Ensembles Nitsche, das Hans=Fuchs=Ensemble und Rollars Gesellschaft. if den Spielplan einzugehen, erübrigt sich, da weDer kleine Künstler (Delke-M Lustspielen kennen.„Ein nettes Paar" und„Eine Spritztour“ unterhalten das Haus. Abends hebt sich der Vorhang für die Operette„Marinebraut" von Stinde und Engels, die bis zum Ende des Monats viermal wiederholt wird. Am 13. Juli erfolgt die Erstaufführung von„Polnische Wirtschaft“ von Gilbert. Sie steht weiter für den 15. und 16. Juli sowie den Abschiedsabend der Truppe am 31. auf dem Spielplan.„Ehrliche Arbeit“, eine Operette von Wilken, erlebt vier Aufführungen(16., 17., 18., 19.). Conradis Operette„Der Postillon von Müncheberg“ wird am 21., 22. und 23. Juli gespielt. Am 25. Juli hebt sich der Vorhang für Schönthan=Ellfelds Lust spiel„Komteß Guckerl“, das am 26. als Wohltätigkeitsvorstellung noch einmal gegeben wird. Falls Operette„Der fidele Bauer" steht für den 28. und 29. auf dem Spielplan. Im Monat August treffen wir auf das Possenensemble: K. Hahnemanns fiedele Sachsen. Alle ebengenannten Gesellschaften neigen sich mit ihren Darbietungen dem Variete= bzw. Kleinkunstwesen zu. Sie werden hier genannt, um die Theaterlücke der Monate April—September zu erklären. Am 1. September setzt das Operettenensemble Kurt Brüc vom Kölner Metropoltheater mit einem vierzehntägigen Gastspiel bei Steffen ein, und zwar mit der Operette„Nervös“(Musik von Alfredy). Nach der Erstaufführung wird sie ferner am 2., 3., 4. und 5. des Monats geboten. Am 3. nachmittags wird die Operette„Sie will geheiratet sein" von Okonkowski gespielt. Am 6., 7. und 8. September kann man die Operette„Der brave Ehemann“(Musik von Schweizer) sehen. Der 10. und 11. September bringen die Operette„Lehmanns Kinder“(Musik von Schweizer). Am 10. September, abends, wird„Die Dollarprinzessin“ von Fall gegeben.„Der Zaungast“ nennt sich eine Operette mit der Musik von Schweizer, die am 13., 14. und 15. September gespielt wird. Das Brück=Ensemble hat nicht so„gezogen“ wie die Operettengesellschaft Goßmann, die am 1. Oktober bei Steffen mit Blumenthals und Kadelburgs Lustausdrücklich betont wurde. Was die weiteren Revräsentationen des Landrates anging. so wandte er sich selbst nicht mehr an den Aussichtsrat, nachdem dieser seine ersten Forderungen für Repräsentationskosten mit der Begründung abgelehnt hatte, daß der Aussichtsrat ihm zu der Teilnahme an den betreffenden Veranstaltungen keinen Auftrag gegeben habe. Es wurde dann noch festgestellt, daß der Landrat Creutz in den Jahren nach der Gründung der G. m. b. H. noch 25000 RM. für Repräsentationskosten aus Mitteln des Kreises entnommen hatte. Koblenz, 13. Jan. In der Verhandlung des CreutzProzesses am Mittwoch bekundete der frühere Regierungsvizepräsident von Syble, daß er entgegen den Angaben des Angeklagten von dessen kostspieligen Repräsentationen auf Kreis= und Staatskosten nichts gewußt habe. Er hätte sonst den Angeklagten als Beamten darauf aufmerksam gemacht, daß er sich streng an die Richtlinien und die an ihn ergangenen Anweisungen der Regierung zu halten habe. Der Zeuge Dr. Römer, der früher bei der Kreisverwaltung Adenau tätig war, schilderte die damaligen schwierigen Finanzverhältnisse im Kreis. Er führte als Beispiel an, daß er öfters Bittgänge zu den zahlungsfähigen Einwohnern gemacht habe, um das Geld zur Auszahlung an die Erwerbslosen zu beschaffen. Das geliehene Geld sei später zurückgezahlt oder auf Steuerschulden verrechnet worden. Ueber die Lebensverhältnisse des Angeklagten befragt, erklärte der Zeuge, daß der Landrat sehr viel Besuch in seinem Hause empfangen habe. Zu diesen Besuchern gehörten u. a. der Prinz Heinrich der Niederlande. Minister Hirtsiefer mit Familie, Postminister Giesbert, der Zentrumsführer Heß, Ministerialdirektoren und=räte aus Berlin und zahlreiche Abgeordnete, Rennfahrer und Journalisten. Dieser Aufwand habe natürlich sehr viel Geld gekostet. Der Angeklagte bemerkte dazu, daß dieser Aufwand im Interesse des Ringes notwendig gewesen sei. Auch habe er aus demselben Interesse zahlreichen Personen in verspiel„Im weißen Röß'l“ ein dreimonatiges Gastspiel beginnt. Zwei Wiederholungen können für das Lustspiel angesetzt werden. Fünf Aufführungen(2., 3., 4., 5., 15. Okt.) erlebt„Die Dollarprinzessin". Die Operette„Sein Herzensfritz" (Verfasser nicht genannt) wird am 8., 13. und 14. Oktober gespielt. Viermal(am 15., 17., 18. und 22.) kann„Der Juxbaron“ gegeben werden. Am 8., 10., 11. und 12. Oktober steht die Operette„Unsere Marine“(Musik von Mannstädt) auf dem Spielplan. Zweimal(am 20. und 21.) hebt sich der Vorhang für „Der fidele Bauer“ von Fall. Das militärische Schauspiel mit Gesang„Krone und Fessel“ nimmt fünf Theaterabende(22., 24., 25., 26. und 29. Okt.) in Anspruch. Das Lustspiel„Die Herren Söhne" von Kadelburg und Schönthan erfreut die Herner Theaterfreunde am 27. und 28. Oktober. Am 29. wird „Polnische Wirtschaft“ gegeben. Die Rheinisch= Westfälische Verbandsbühne spielt am 30. Oktober Fuldas Lustspiel„Jugendfreunde".. Die erste Woche des Novembers füllt Direktor Goßmann zum größten Teil mit Werken für die Sprechbühne. Am 1. November nachmittags wird das Schauspiel„Muttersegen“(Verfasser nicht genannt!), abends Sudermanns„Heimat"(am 2. Nov. wiederholt!) gegeben. Meyer=Försters„Alt=Heidelberg“ steht für den 3. und 5. November an. Nach der Aufführung der Operette„Walzerkönig“ am 4. folgt am 5., 6., 7. und 8. November„Puppchen". Wilkens Operette„Ehrliche Arbeit" wird nur einmal(am 9. November) gespielt. Die obenerwähnte„Marinebraut" erscheint am 11. des Monats. Die Nachmittagsvorstellung des 12. Nov. bringt den„Jurbaron“, die des Abends„Flotte Weiber".(am 13. und 14. wiederholt) mit der Musik von Roth. Für das Libretto der Operette„Unsere Donjuans“(gespielt am 16. und 19. Nov.) schrieb Tärron die Musik. Vier Aufführungen(19., 20., 21., 25.) sind für„Wie einst im Mai“ zu notieren. Als Benefizvorstellung für den Spielleiter Pfeiffer wird für den 23. November die Komödie„Die größte Sünde“ von Ernst angesetzt, die am 28. wiederholt wird. Am 26. und 27. wird das Schauspiel„Die Rabensteinerin“ von Wildenbruch gespielt. Mit Gilberts Operette„De keusche Susanne“ werden am 29. November, oie Theaterabende des Monats beschlossen. Am 2. Dezember ist die Rheinisch=Westfalische Verbandsbühne wieder einmal in Herne zu Gast mit der Aufführung des Schauspiels„Das NürnberStadt Wanne=Eickel. Jachgruppe Nahrungs- und Genußmittel tagte. In den verschiedensten Stadtbezirken hielt die Fachgruppe Nahrungs= und Genußmittel 3 Mitgliederversammlungen für die Wanne=Eickeler Lebensmittelhändler ab. die unter Leitung des Fachgrupvenleiters Wenzel standen. Der Kreisschulungswart der DAF., Pg. Bade. sprach vier über den Gemeinschaftsgeist in der Volks= und Betriebsgemeinschaft. Nach einem Hinweis auf die Notwendigkeit, den Geist der Volksgemeinschaft in jedem Betrieb lebendig werden zu lassen, betonte er den Wert regelmäßiger Teilnahme an den weltanschaulichen und fachvolitischen Schulungen der DAF. Auch das Lesen des weltanschaulichen Materials. das Partei und DAF. herausgäben, sei unentbehrlich. Der Fachgrupvenleiter unterstrich die Ausführungen des Redners und sprach weiter über die Arbeiten der Wirtschaftsgrupve Einzelhandel auf dem Gebiete der Berufsförderung. Er richtete an alle Mitglieder den Avvell zur Teilnahme am diesjährigen Reichsberufswettkampf. insbesondere am Schaufensterwettbewerb. Geschäftsführer Dr. Schaaf sprach über neue Regelung der Fettwirtschaft. Kundenlisten und die Wichtigkeit der Buchführung für den Einzelhändler. Eine besonders wichtige Aufgabe falle im Rahmen der Verkaufslenkung gerade den Lehensmittelkaufleuten zu. Wichtig sei weiter eine zugkräftige Werbung. Hierzu werde die Werbegemeinschaft mithelfen, deren Gründung in Wanne=Eickel geplant sei. Für das schöne Heim. Die NS.=Frauenschaft WanneEickel hat einen neuen Lehrgang für Heimgestaltung in der Mütterschule angesetzt. Im neuen Kursus wollen die Frauen sticken und weben. Leder. Bast und Pergament zu farb= und formschönen Gebrauchsgegenständen verarbeiten. damit aus der Wohnung ein mit feinsinniger Kultur ausgestattetes Heim wird. Die Kurse finden Dienstags von 20 bis 22 Uhr statt. Die Kursusgebühr beträgt 3 RM. Ehrenvolle Berufung. Die aus Wanne=Eickel stammende Sopranist in Marianne Piever, die drei Jahre hindurch am Deutschen Theater in Osnabrück tätig war. wurde durch den Intendanten Leutheiser für zwei Jahre als 1. Overettendiva an das Stadttheater in Plauen im Vogtlande verpflichtet. gisch Ei“ von Harlan. Die„Nachmittagsvorstellung des 3. Dez. bringt„Wie einst im Mai“, die des Abends„Försterchristel", gespielt von der Goßmanntruppe. Am 4., 5., 6. Dezember wird Jarnos„Försterchristel“ wiederholt. Der 8., 9. und 10. sehen„Die keusche Susanne“ auf dem Theaterzettel. Eine militärische Operette aus dem Kriegsjahr 1914„Gold gab ich für Eisen“(Verfasser nicht genannt) wird am 10., 11., 12., 13. uno 17. des Monats gegeben. Am 14. spielt die Rheinisch=Westfälische Verbandsbühne„Im weißen Rößl“. Im„Jurbaron“ hat Dir. Goßmann am 15. und 16. Dezember als Blaukehlchen starke Erfolge. Zellers„Vogelhändler“ geht am 18., 19. und 20. über die Bretter.„Wenn die Friedensglocken läuten“ steht in den Tagen des 21., 22., 24. und 25. Dezember zur Aufführung an. Die Nachmittagsvorstellung des 24. bringt„Die Försterchristel“. Am Abend des ersten Weihnachtstages erfolgt die Erstaufführung der Operette„Der Walzertraum“ von O. Strauß. Sie wird am 26., 28. und 30. Dezember wiederholt. Die„Frühlingsluft" steht für den 27. und 29. des genannten Monats im Spielplan. Am Silvestertage beschließt die Gesellschaft Goßmann mit der„Dollarprinzessin“ ihr dreimonatiges Gastspiel in Herne, während dessen sie täglich (Sonntags sogar zweimal) zu ihren Aufführungen einlud. Nicht vergessen sei, daß sie mir Märchendarstellungen(„Hänsel und Gretel“ u. a.) die Kleinen erfreute. 140 Theaterabende erlebte Herne, abgesehen von den Aufführungen der genannten Possenensemble, im Kriegsjahr 1916. Wenn wie die Monate April, Mai, Juni und August ausscheiden, so ergibt sich eine Spielzeit von 8 Monaten. Damit kämen auf den Monat rund 17 Theaterabende. Wie Direktor Adolf Steffen uns mitteilt, waren die Aufführungen durchweg gut besucht. Das darf im Hinblick auf die große Zahl von Operettendarbietungen nicht wundernehmen.„Ziehen" doch auch heute die Operetten noch.(Die Güte der Aufführungen wird hie und da auch heute noch verschieden gewertet.) Zum andern mag auch das seelische Moment, den Krieg für Stunden vergessen zu wollen, den Theaterbesuch günstig gestaltet haben. Weiter zeigt unser Rückblick auf das Jahr 1916, daß Adalf Steffen das Verdienst gebührt, durch die Verpflichtung der Truppe Goßmann für vier Monate zum ersten Male' ein stehendes Theater in Herne eingerichtet zu haben. in deutsches Filmschaffen! Brigitte horneu als Regine in Sudermanns„Ratzensteg“ „Man braucht als Darsteller einfach nur da zu sein!“ Brigikte Horney warte: in ihrer Garderobe auf die näch#e Aufnahme zum„Katzensteg“. in dem sie die Rolle der Magd Regine spielt. Wie ein verwildertes ostpreußisches Bauernmädel, einen Wollschal über die Brust gekreuzt, im kurzen draunen Rock, sitzt sie da. Ihr dunkles Haar reicht In natürlichen Locken tief über die Schultern. So und nicht anders müßte das zum Porträt gewordene wilde Kind aus Hermann Sudermanns„Katzensteg“ einem Maler eingefallen sein, wie Brigitte Horney mit geringen Veränderungen der Maske, mit knappen Mitteln des Kostüms zur Regine wurde. Diese Rolle ist ihrer Laufbahn enkgegengewachsen, und sie ist dafür reif geworden, sie dat sich seit langer Zeit darauf gefreut, obwohl rein äußerlich manche ihrer Rollen, diesen Typ der naturhaften Frau, die zwischen Leidenschaft und Scham die schweren Erlebnisse ihrer Liebe bezwingt, schon vorweggenommen oder angedeutet hatte, wie z. B. ihre große Leistung in„Stadt Anatol“. Seit Heinz Hilpert sle als jungen Vamp mit der unvergeßlichen Ballade,„So oder so ist das Leben“, herausstellte, hat man ihre unverfälschte und unverfälschbare Ark immer wieder für die glelchen Bravourstücke an Frauentypen verwandt. Ein Wunder, daß sie niemals eintönig wurde, ein Beweis ihrer inneren Kraft. Sudermanns Regine ist die Zusammenfassung, der Höhepunkt dieser naturhaften, ursprünglichen Menschenark.„Zu spielen habe ich da eigentlich nicht viel, die starke Dramatik der Sudermannschen Handlung, die Hans H. Zerlekt als Autor und Fritz Peter Buch als Regisseur, was meine Nolle angeht, unverändert übernommen haben, #n u Die Magd Regine. Brigitte Horney spielt die tragische Rolle der treuen Magd Regine in dem neuen Tobis-Film„Der Katzenstee" nach dem bekannten Roman von H. Sudermann. (Mater: Cuphono=Tobis) verläuft so elementar, so zwingend, daß man als Darsteller einfach nur da zu sein braucht. Es ist im Buch alles echt, das ja auch heute noch zu den klassischen Seiten deutscher Prosa gehört. Und weil das Urerlebnis dieser Regine, wie Sudermann es erfand, so blutecht ist, kann man als Darsteller den Ton überhaupt nicht verfehlen. Man kann hier duchstäblich nicht eine Sekunde lang aus der Rolle fallen, wenn man für die gequälte und doch so gläubige Kreatur des verlorenen Menschen als Darstellerin geeignet ist.“ Allzu bescheiden ist diese Auffassung Brigitte Horneys ohne Frage. Wir wissen, daß meist nichts schwieriger filmisch darzustellen ist, als das Einfachste, nichts einer inneren Kunsthaltung mehr bedarf, als die Natur, wenn man sie durch die vielen technischen Mittel des Fülms überwältigend und klar darstellen will. Denn gerade eine Regine1 Flgur, verfallen dem Herrn, hörig in ihrer Liebe, unfähig, sich menschliches Recht auf geradem Wege zu holen, kann leicht kitschig, unglaubhaft, übertrieben, sa lächerlich wirken. Der deutsche Film kann sich glücklich schätzen, ein Naturtalent wie Brigitte Horney in seinen Reihen zu wissen, das von Jahr zu Jahr zu größter Selbstkontrolle auch über alle technischen Mittel gelangte, ohne dabei die Unbewußtheit der Jugend zu verlieren. Jetzt hat der Aufnahmeleiter sie telephonisch aufgefordert, ins Gelände zu kommen. Schnell ist sie aufgesprungen. Kein Gedanke daran, daß dies Brigikte Horney sein könnte, wie sie zum Beispiel als große Dame des englischen Fülms in ihren beiden letzten englischen Rollen erschien und auf„sweet“ und mondän zahllose Titelblätter der Weltmagazine bedeckte. Barfuß läuft sie eilig über die Holztreppen des Atelierhauses ins Freie. Sie hat etwa dreihundert Meter zu lausen an diesem Abend, bis sie zu den Filmbauten kommt, die zwischen den Waldungen von Gelfelgasteig errichtet sind. Und noch vor der Aufnahme hat sie die Suggestion ihrer Rolle befallen. Ja, so läuft auch Regine, wie sie durch das hohe Sommergras davoneilt, ein wenig geduckt, verhetzt, in Furcht vor den Schrandener Bauern, die Steine hinter ihr her werfen, weil sie den alten Grafen, der die Franzosen über den Kaßensteg geführt hat, rund den der Haß der Bauern tötete, in einem ehrlichen Grabe bestatten will. Jetzt steht sie vor den Sensen und Dreschflegeln erregter Bauerngruppen, zwischen den Häusern von Schranden. Die Kamera föhrt hinter ihr her, als sie die Stufen zum „Schwarzen Adler“ hinaufellt, denn drinnen ist ein wichttges Verhör des jungen Grafen(Hannes Stelzer), dem man auch ans Leben will. Immer ist diese Regine bereit, andere zu verkeidigen, ohne sich selbst verteidgen zu können. Die Tragik, ein Opfer mit Freuden zu sein, leuchtet aus ihren Augen. Es ist nicht die Atmosphäre des Filmateliers, die um diese Aufnahmen liegt— nicht zum wenigsten trägt Regine dazu bei, daß das Schausptel um Blut und Ehre, wie Sudermann es schrieb. im Film ein Bild unmittelbaren Erlebens und Lebens wird. Der plastische Film Worauf beruht seine Wirkung?— Das Wunder der Polarisation. Zum ersten Mal in der Geschichte des flimmernden Bandes ist vor einigen Tagen in Berlin der RaumTonfilm einer größeren Oeffentlichkeit gezeigt worden. der nun seinen Weg in das Reich nehmen wird. Hunderte von Zuschauern erlebten in dem großen Uraufführungstheater. wie plötzlich die Fläche der Leinwand zum Raum wurde, wie die Personen der Spielhandlung des Werbefilms sich vom Hintergrunde lösten und bei Großaufnahmen mitten im Theaterraum zu stehen schienen. Am verblüssendsten war natürlich die Wirkung, wenn Bälle oder einzelne Gegenstände bei der Aufnahme des Films in Richtung auf die Kamera geworsen worden waren. Dem dadurch entstehenden Eindruck, daß die Wurfgeschosse direkt auf den Zuschauer zuflogen, vermochte sich niemand zu entziehen. und unwillkürlich zuckten die Hände, um das Gesicht vor dem vermeintlichen Aufprall zu schützen. Es ist in Zusammenhang mit dieser ersten Aufführung eines Raumfilms vor der breiten Oeffentlichkeit recht interessant, einmal die technischen Grundlagen des plastischen Films aufzuzeigen. Worauf berubt überhaupt das räumliche Seben? Es ergibt sich aus der Tatsache, daß die beiden Augen des Menschen jeden Gegenstand von einem verschiedenen Standort aus betrachten. Das eine Auge steht ihn gewissermaßen mehr von links das andere von rechts. Wenn diese etwas verschiedenen Bilder im Gehirn zu einem Gesamteindruck verschmolzen werden, entsteht das„räumliche“ Sehen. Es ist nur ein kleiner Schritt nach dieser Erkenntnis, an die Stelle der beiden Augen je einen Photoapparat zu setzen, also zwei Bilder festzuhalten, von denen das eine mehr rechts, das andere mehr links ausgenommen wurde. Das Prinziv der Aufnahme ist also verhältnismäßig einfach zu lösen, wenn auch die Technik natürlich manche Schwierigkeiten bereitete. Das Problem liegt nur darin. dem Zuschauer die beiden ausgenommenen Bildstreisen gleichzeitig vorzuführen, daß jedes Auge nur den einen der Filme sieht. Das Zeiß=Ikon=System bedient sich zu diesem Zweck des Wunders der Polarisation des Lichtes. Die Grundlagen des Begriffes„Polarisation“ sind ebenfalls recht einfach zu verstehen. Die Schwingungen des Lichtes liegen nicht in einer Ebene. Es schwingt nicht wie die Wasserwellen nur von oben nach unten, sondern ebenso nach der Seite. in allen Richtungen. Es gibt aber Stoffe, die nur bestimmte Lichtschwingungen durchlassen, z. B. solche, die von oben nach unten geben, während die waagerechten verschluckt werden. Das Licht, das durch diese Stoffe dringt. nennt der Physiker„polarisiert". Es schwingt nur nach einer Richtung. Nun ist das System des Raumfilms leicht zu verstehen. Die beiden von verschiedenen Punkten ausgenommenen Bilder werden gleichzeitig auf die Projektionswand geworsen. Da beide Bilder etwas voneinander verschieden sind, entsteht ein verschwommenes, unklares Bild. In den Strahlengang beider Bilder schaltet man jedoch Polarisationsfilter, die das Licht— und zwar verschieden! —„richten". Das eine Bild entsteht also— grob gesprochen— aus senkrechten, das andere aus waagerechten Lichtschwingungen. Dem Zuschauer gibt man aber eine Brille, von denen das rechte Fenster nur die eine, das linke nur die andere„Strahlenart“ bindurchläßt. Daher sieht das eine Auge nur das„rechtsausgenommene“, das andere das von links ausgenommene Bild. Und im gleichen Augenblick entsteht die Raumwirkung! In Wirklichkeit liegen die Dinge natürlich wett komplizierter, und bis zur restlosen Vollkommenheit ist immerhin noch ein weiter Weg. Die Möglichkeiten, die der Raumfilm erschließt, sind aber nun nach dem Erfolg des ersten plastischen Films keine Utovie mehr. Von der Sette der Technik her ist im Prinziv der Film in natürlichen Farben mit Raumwirkung bereits gelöst, da die Brillen, die der Zuschauer tragen muß. auf die Farbe des Bildes keinen nennenswerten Einfluß hat. Kameramann der Weltberühmtheiten Davis Miller filmt Könige und Staatspräsidenten.— Die Chrysantheme des Mikado. Vor einigen Tagen hielt am frühen Morgen vor dem Palazzo Venezia, dem Regierungssitz Benito Mussolinis. ein hellgraues Lastauto, das von Angehörigen der faschistischen Miliz blitzschnell ausgeladen wurde. Die wenigen Passanten, die zu dieser Stunde die langgezogene Piazza überquerten. staunten nicht wenig, als unter der Dachplane des Wagens Stück für Stück die komplette Einrichtung einer Tonfilmapparatur erschten und. von Hand zu Hand vorsichtig weitergegeben. schließlich hinter dem altertümlichen Renaissancetorbogen des Palazzo verschwand. Ein hagerer Mann mit einem vom Wetter stark mitgenommenen Regenmantel begleitete mit Warnungsrufen und Befehlen diese nicht alltägliche Szene und leistete sich einen kleinen Zornausbruch, als ein Ungeschickter beinahe einen der großen Scheinwerfer umgeworfen hätte. Dieser nervöse bewegliche Herr war niemand anders als Dovis Miller. auf dessen Visitenkarte stehen könnte:„Kameramann der Könige, Staatspräsidenten und anderer Weltberühmtheiten.“ Kleine Eigenheiten großer Männer. Mit Juvitersonnen. Akkumulatoren. Schneidetischen. Mikrophonen. Bild= und Tonkameras reist Davis Miller von Land zu Land, von Erdteil zu Erdteil. um die weltbekannten Politiker bei ihrer Arbeit und ihrem Privatleben zu filmen. Mit den Aufnahmen zum Film„Ein Taa bei Mussolini“ hat der Amerikaner seine europäische Filmserie begonnen. Für einige Stunden regierten unter Millers Kommando im Palazzo Venezia die Filmtechniker. Im Landkartensaal. dem großen Arbeitsraum des Duce, wurden Lichtkabel gezogen, lärmabdichtende Decken gespannt.„Galgen“ aufgestellt, an denen Mikrophone bingen. Beleuchter durch laute Zurufe dirigiert, bis Bentto Mussolini für die Kamera bereit war. Der Duce und Davis Miller sind sich dabei nicht zum ersten Mal begegnet. Als Chefkameramann einer amerikanischen Wochenschaufirma hat Davis Miller schon die meisten herrschenden Männer unserer Tage kennengelernt. Seine„Kamerainterviews“ mit den führenden Politikern in allen Teilen der Welt brachten ihm einen großen Ruf ein, sodaß man sich schließlich entschloß, ihm statt der wenigen Meter in der Wochenschau, genügend Geld und Material für die Produktion politischer Revortagefilme bereitzustellen. So werden in Bälde Namen wie Atatürk. Mussolini. Aga Khan. Hirohito. General Franco in Leuchtbuchstaben an den Kinofassaden von Neuyork. London oder Paris flimmern. Das Wort Navoleons, daß ein großer Mann vor seinem Kammerdiener keine Geheimnisse haben könne, hat auch für Davis Miller. den Filmrevorter. eine gewisse Berechtigung. Im arellen Schein der Atelierlampen werden die kleinen Eigenheiten der großen Männer aufgedeckt. So befindet sich in der Sammlung Millers eine Zeitluvenaufnahme Roosevelts, die den Titel führt: „Der Präsident lacht.“ Man sieht, wie Roosevelt sein berühmtes„smiling", sein Lächeln, gleich einer Maske aussetzt, wie diese glänzend einstudierte Heiterkeit sein Gesicht allmählich überzieht, um schließlich seinen Höhepunkt in einem lauten ansteckenden Lachen zu finden, in das die ganze Umgebung des Präsidenten einfällt. Der„Sohn der Sonne“ wird erstmals gefilmt. Eine andere Anekdote erzählt Davis Miller von Tschiangratschek. Der chinesische Marschall ließ sich an der Seite seiner Frau aufnehmen. Er hatte seine englische Erklärung auf einem Blatt Pavier vor sich und las langsam die ersten Worte ab. plötzlich aber wurde der sonst so kühle Mann vom eigenen Pathos gepackt, und er begann seine Rede zu improvisieren. Es sollen dabei nicht immer divlomatische Worte gefallen sein und Miller hatte nachher manchen Satz des Wochenschauinterviews wegzuschneiden. Weniger zugänglich war nach Millers Erzählung der javanische Mikado. Nur mit Mühe erreichte der amerikanische Filmrevorter von den Behörden die Erlaubnis, den„Sohn der Sonne“ bei einer Parade erstmals zu filmen. Als er dann aber dem Herrscher, der ein ernster Forscher auf dem Gebiete der Biologie ist, einen wissenschaftlichen Mikrofilm über die Geburtsvorgänge im Bienenstock überreichen ließ. durfte er mit seinen Kameras auch in den Palast kommen, um dort einige Aufnahmen zu machen.„Dieser Einladung war Herner Filmschau „Janny Elßler“ Lichtburg. Noch nach hundert Jahren lebt der Name Fanny Eißler als einer der größten Tänzerinnen fort. Wenn sie zum Mitelpunkt der Filmhandlung gemacht wird, so bedeutet das, daß ihre Darstellerin neben schauspielerischem Vermögen auch ein überdurchschnittliches tänzerisches Können einsetzen muß, um die Wirkung des Tanzes auf die Mitwelt glaubhaft zu machen. Dieser Umstand mag eine tänzerisch so begabte Darstellerin wie Lillan Harvey gereizt haben. Der Film„Fanny Elßler“ wurde von den Drehbuchverfassern Eva Heidmann und Paul Martin noch mit anderen pannungswirksamen Momenten ausgestattet, um der Handlung einen dramatischen Auftrieb zu sichern, Fanny Eißler wird mit bekannten Männern der polttischen Geschichte zusammengebracht, mit dem Herzog von Reichstadt, Metternich und einigen andern. Metternich hat den Herzog. den unglücklichen Sohn Napoleons, mit der Tänzerin zusammengeführt, um ihn von seinen ehrgeizigen politischen Plänen abzulenken. Sie verlieben sich wirklich ineinander, wenn auch unter anderen Umständen, als es Metternich gewünscht hatte. Die Tänzerin wird der geheimen Mithilfe an den Plänen des Herzogs beschuldigt und nach Paris abgeschoden. Auch dem Herzog gelingt es, nach Frankreich zu entkommen. Sein Traum, Kaiser der Franzosen zu werden, erfüllt sich nicht. Er muß sich nach Wien zurückbegeben und stirbt dort. Fanny Elßler hört kurz vor ihrem großen Tan,„on dem Tode des Geliebten, und während sie die Menge durch ihre anmutige Kunst in Entzücken versetzt, weilen ihre Gedanken bei dem Geliebten und in der Erinnerung an ihr kurzes Glück. Lilian Harvey entledigt sich ihrer schweren Aufgabe nicht nur als Tänzerin mit schöner Hingabe, sondern te weiß auch die Freude und das Leid eines fühlenden Menschen glaubhaft zu spiegeln. Die Regie Paul Mart ins ließ ihr dabei alle Hilfe zuteil werden, um durch Aufmachung und optische Hilfsmittel etwas von dem zauberhaften Eindruck des Tanzes zu verdeutlichen. Träger des Schicksal wird freilch der Herzog von Reichstadt, dem Rolf Möbius jugendlich reine Jüge und ein überzeugendes Spiel mitgibt. Stärker als Paul Hoffmann(Metternich) wirkt Willy Birgel, der den die Tänzerin heimlich Uebenden Hofrak Gentz diskret und gefühlsecht darstellt. Den punktvoll ausgestatteten Tanz= zenen sicherte eine Fülle ausgezeichneter Leistungen den gewünschten Eindruck. Franz Bruns. * „Tango Rotturno“ Schauburg. Pola Negri, deren Stern aus der Stummfilmzeit an Glanz nicht verloren hat, ist nach ihren Amerikajahren auch dem deutschen Tonfilm als Tragödia kreu geblieben. Zwar hat sich Jarah Leander, die Schwedin weit nach vorn gespielt, doch reicht sie noch nicht an den Gipfel der Dar kellungskunst einer Pola Negri heran. Das mag daher rühren, daß der nordische Mensch verhaltener wirkt, während in der Negri die ganze Vollblütigkeit ihrer slawischen Rasse zum Durchbruch kommt. In diesem Film verkörpert sie die Gestalt einer berühmten Chansonsängerin, die nach dem Abschied von einem Offizier, der in die Tropen ging und dort 6 Jahre weilte, ihr Herz einem armen Komponisten geschenkt und ihm zur Berümtheit verholfen hat. Sie ist mit ihm und dem einzigen Söhnchen sehr glücklich. Aber eines Tages kehrt der Offizier zurück, der die Geliebte nicht vergessen kann. Er sinkt herunter und scheint um seine ganze Karriere zu kommen. Das vermag die Chansonsängerin nicht länger mit anzusehen und sie läßt eines Abends das eben von einer schweren Krankheit gesundete Kind allein, um den Offizier aufzusuchen und ihn zu bitten, zu vergessen und zu vergeben sich aufzuraffen und an seine Zukunft zu denken. Der Offizier geht in sich, doch mittlerweile ist das Kind die Mutter suchen gegangen, die Treppe hinuntergestürzt und stirbt. Der heimkehrende Gatte findet seine Frau nicht vor und jagt sie später aus seinem Hause, weil sie das Familienglück zerbrochen und ihn betrogen haben soll. Der Offtzier, der davon erfährt, führt eine Aussprache mit dem Galten herbei. Aber die Sängerin ist verschwunden. Zwei Jahre sucht man die Verjagte, bis der Gatte sie als dem Kokainteufel verfallen wiederfindet. Sie will mit ihm ein neues Leben anfangen, doch dann kommt es zu dramatischen Zwischenfällen, die die Handlung steigern und den Komponisten als den angeblichen Mörder der unter fremdem Namen lebenden Chansonsängerin in Haft bringen. Und wie ein Tango Notturno klingt dann die Handlung aus. Zwei durch das Schicksal gereifte Männer gehen hinaus in die Freiheit, einem neuen Leben entgegen. Pola Negri fasziniert als Chansonsängerin mit ihrer warmen, dunklen Altstimme, gewinnt aber besonders als Gattin und Mutker in ihrer Häuslichkeit. Als sich die Handlung kragisch zuspißzt, weiß sie auch das zerquälte arme Frauenherz packend zu offenbaren. Albrecht Schoenhals als Gatten und Hans Tesch-Ballot als Offizier stellen zwei charakterstrenge, gradlinige Männertypen heraus. Der kammerspielartige Rahmen mit dem kriminellen Einschlag verläßt nur dort, wo es bedingt ist, den Grundton der dramatischen Linie, und der Tango Notturno klingt dem Besucher noch lange nach. Franz Semglaty. * „Die Landstreicher“ Gloria-Palast. Dieser neue Füm, der den altbeliebten Stoff der gleichnamigen Altwiener Operette Ziehrers unter der für solche Dinge stets treffsicherer Hand des Regisseurs Carl Lamac zu recht erheiterndem Leben erweckt, fließt so unbekümmert ab wie nur immer moglich. Paul Hörbiger, liebenswürdig und herzhaft wie immer, verkörpert den Landstreicher Haselhof. Er begegnel in Lucle Enalisch seiner verflossenen, aber immer noch herzlich geliebten Braut, und läßt sich von ihr vorschwindeln, sie sei die berühmte Sängerin Marlee, Walter Grüters macht als junger Musikus eine sompathische Figur und Erika Drusowic feiert ein achtbares Filmdebüt mik ihrer frischen, mekallischen und mühelos zur Höhe schwebenden Stimme. Noch ein drittes, nicht minder glückliches Paar stellen die fesche ennienerin Gretl Theimer und der urprächtige Rudolf Carl. Gösta Ekmom gestorben Der bekannte schwedische Schauspieler Gösta Ekman, der durch seine Filmtätigkeit auch in Deutschland bekannt ist, ist an einer doppelseitigen Lungenentzündung gestorben. Unser Bild zeigt Gösta Ekman in einer seiner Filmrollen.(Scherl-Bilderdienst-M) als poetischer Passierschein eine Chrosantheme beigeleg## die ich den Türhütern nur vorzuweisen verzüglich Einlaß zu erlangen“, erzählt Miller Besonders„kamerafreudig" sind nach den Aussager des Amerikaners die französischen Staatsmänner. Als Miller Minister Herriot vor seine Kamera bat, erlebte er die Ueberraschung, daß der französische Staats mann selbst die Szene stellen wollte und eigentlich öftet hinter als vor der Aufnahmeapparatur zu finden war weil ihn jedes technische Detail interessierte. Als Miller ein andermal die Mitglieder der französischen Regierung beim Verlassen des Präsidentenvalais nach einer Kabinettssitzung gerade im entscheidenden Augenblick vervaßte wiederholten sie auf seine Bitte die ganze Szene noch einmal. Dreharbeit mit List und Schläue. Als schwierigste Aufnahme seines Lebens bezeichnet Miller sein Filminterview mit Zaharoff. Der überaus mißtrauische Kanonenkönig schlug alle Bitten des Amerikaners aus und scheute sich nicht, mit dem Stock auf Miller loszugehen, als er ihn mit einer kleinen Handkamera bei seiner täglichen Promenade am Quai des Anglais in Nizza aufnehmen wollte. Der Kameramann fand einen Trick. der als klassisches Stückchen in die Annalen der Filmrevortage eingegangen ist. Er verkleidete sich als Verkäufer von Getränken und Erfrischungen am Bahnhof von Nizza. verbarg seine automatische Kamera in einem kleinen Schiebewagen und filmte„den geheimnisvollsten Mann Europas“, während er einige Trauben kaufte und dabei griesgrämig sich über Wuchervreise beklagte.— Auf seiner neuen Reise un die Welt hofft Miller allerdings größeres Entgegenkommen zu finden als bei dem inzwischen verstorbenen Sir Basil Zaharoff. Seinem Film„Ein Tag bei Mussolini“ sollen ähnliche Filme mit General Franco. Lebrun und König Georg VI. folgen. den Miller noch aus der Zeit kennt, da er Herzog von Vork war und sich als eifriger Filmamateur von dem„Kameramann der Weltberühmten" beraten ließ. Filmallerlei Ein Streifzug durch ein Filmjahrzehnt. Wenn heute im deutschen Filmleben gesunde Verhältnisse herrschen und erst in den zurückliegenden Tagen wieder eine erfreuliche Jahresbilanz nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern— was viel wichtiger ist— auch auf dem Gebiete der künstlerischen Leistung gezogen werden konnte, so dürfte gerade jetzt eine Betrachtung der vergangenen Filmjahrzehnte angebracht sein. Sie ist aber nur möglich an Hand einer zusammenfassenden Darstellung des geschichtlichen Werdegangs des Films. die vor allem die positiven und negativen Kräfte dieser Entwicklung aufzeigt. Eine solche Darstellung ist unter dem Titel Film=„Kunst", Film=Kohn. Film=Korruption im Verlag Hermann Scherving erschienen. Als Verfasser dieses Streifzuges durch vier Filmjahrzehnte zeichnen Carl Neumann. Curt Belling und Hans=Walther Betz verantwortlich. Sie weisen in der Einleitung darauf hin, daß ihre Veröffentlichung ein volemisches Buch ist. „weil die den geschichtlichen Ablauf des Films entscheidend beeinflussende jüdische Filmherrschaft und Filmwirtschaft bis 1933 nur ihre rücksichtslose Entschleierung zuließ". So ist dieses Buch nicht nur aufschlußreich für die Entwicklung des Films. es ist zugleich ein interessanter Beitrag für eine vom Standpunkt der Judenfrage aus gesehene Geschichtsbetrachtung der Zeit von 1895 bis 1933. Der Jude witterte, welche Macht der Film in seinen Händen bedeuten würde, aber die Unfähigkeit zu erhabener künstlerischer Leitung und die Neigung zur Gewinnsucht ließen den Juden, der die Entwicklung des Films für seine Zwecke mißbrauchte, nicht nur einen„Seelenfänger des 20. Jahrhunderts“, sondern auch einen„König der Korruption“ sein. Das alles enthüllt das Buch, das durch 50 Porträts und 21 Abbildungen auf 16 Bildtaseln bereichert ist und zum Schluß versönliche Erlebnisse der Verfasser aus dem Kampf um einen deutschen Film schildert. Im Anhang befindet sich ein Kleines Film=ABC“ und ein Quellenverzeichnis, das wegweisend ist für das Studium persönlich interessierter Fragen. Amerikanische Kinoreklame. Bei uns in Deutschland ist die Güte eines Fil entscheidend für die Werbung zum Kinobesuch. Unse Lichtspieltheaterbesitzer haben es nicht nötig. durch irgen welche Reklamemätzchen das Publikum anzulocken. In Amerika geht die Kinoreklame jedoch seltsame Wege. Das State=Theater in Oklahoma City ging Mitte Dezemder vom Einschlagerprogramm zum Zweischlagerprogramm über. Gleichzeitig wurden die Besucher durch Plakate und Maueranschlag davon unterrichtet, daß nach 5 Uhr nachmittags ein kostenloser Parkplatz vor dem Kino eingerichtet wird, daß Weihnachtsvakete unfrankiert im Theatersoyer abgegeben werden könnten und durch das Kinoversonal bestellt würden, daß ebenfalls die Wethnachtsgeschenke kostenlos eingenackt werden. Bei der Losung von mehr als zwei Kinokarten wird außerdem # ein rostenloser Imbiß beim Betreten des Theaters gereicht. Obwohl Weihnachten inzwischen längst vorbei ist. wurde leider noch nicht bekannt, ob dieser Reklameeinfall dem betreffenden Kino tatsächlich einen erhöhten Besucherstrom zugeführt hat. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, so dürfte der Theaterbesitzer wohl nun gor oer Frage, steden, womit er in Zukunft ein besseres Gesie Imbistabe ungen oder m Firmenbezeichnung von Recklinghausen nat ND• Amtsgericht Herne. IIL-KGE Das Fachgeschäft für Alle, die gut und billig kaufen wollen. Foto-Ateller Epping Bahnhofstr. 70 Paßbilder Stück 50 Pig. Ilkorgen in der Dämmerung brachen wir auf - Pall, Adalsteinn, Edvard und ich. Wenn es schußhell war, hatten wir den Berg erreicht, Fell, der sich steil une breit über die Schneebogen der Heide hob, ein weißer, von dunklen Felsgürteln umgürteter Koloß. Unwurde jedem ein Absatz zugeteilt, und dann machten wir uns auf den Weg westwärts, die Süoseite entlang, wo sich in der Regel die Schneehühner aufhielten. In Wind und Schneegestöber konnte es schwer sein, sie zu finden. Dann ließen sie sich verschneien und krochen unter der weißen wärmenden Decke zusammen. Ich ging froh und ruhig dahin, selbst wenn ich keine fand, bis ich begann, die andern schießen zu hören. Dann kam der Wetteifer — mir auf, dann war keine Zeit mehr, sich seinen Gehnken hinzugeben oder oas wechselnde Licht über oer ###inode zu betrachten— jeder Schuß, der fiel, verkündete mir, daß ich wahrscheinlich auch heute das kleinste Bündel nach Hause tragen würde. Es hatte sich nämlich gezeigt, daß Edvard und ich doch aufpassen mußten, wenn wir auch größer als Alli waren: er war„ein Teufelskerl", wenn es galt, die weißen Vögel zu finden, ein Teufelskerl, wenn es galt, sich an sie anzuschleichen, und dazu kannte er wohl aus Erfahrung ihre Zufluchtsstellen. Sein Bündel war nicht immer das kleinste, das war das meine in der Regel. Edvard warf mir vor, daß ich im Geben schliefe. Nun, schlafen tat ich nicht. Aber ich war zeitweise recht abwesend. Eines Tages hätte ich jedoch fast einen Triumph erlebt, und den brauchte ich. Ein Falke kam über meinem Kopfe dahergeglitten, abwärts— ich die Büchse an die Backe, schieße. Er schlägt plötzlich mit den Flügeln, als sei er gegen eine unsichtbare Wand gestoßen, überschlägt sich ein paarmal in der Luft, stürzt, aber stürzt über den Felerand, wo Pall geht. Ich laufe, so schnell ich kann, zum Absatz, um, wenn möglich, zu sehen, wo er hinfällt, komme aber zu spät. Da hier und da ein Stein aus dem Echnee hervorguckt, ist es nicht leicht, ihn zu finden, wenn Pall ihn nicht fallen gesehen hat. Ich sehe Pall drunten gehen und rufe ihm zu, ob er nicht einen Falken aus der Luft hat stürzen sehen. Wann?. Eben jetzt! Nein, das hat er nicht. Ich kleitere zu ihm hinunter, und wir beginnen jetzt zu suchen. Pall hat einen Falken zwischen seinen Schneehühnern, der siehr aus, ale sei er noch warm, aber er sucht eifrig und angeregt, sodaß es ja vielleicht nicht der meine ist. Pall nimmt an, daß ich den Falken nur verwundet habe— ein Vogel kann ja gut aus dem Flug geraten, herumwirbeln und doch wieder auf die Flügel kommen,„Flug gewinnen". Ich suche allmählich nur noch des Scheins wegen, nur, damie Pall nichts von meinem imer stärker werdenden Verdacht merkt. Aber Pall fährt fort zu suchen, fährt fort, sich zu wundern und Möglichkeiten aufzustellen. Ich habe ihm längst verziehen. So viele Schneehühner, wie es nur sein sollte, hätte er gern und großzügig für mich aufgelesen, dessen bin ich sicher. Aber ein Falke ist ein Falke. Dieser achtsame Vogel fällt felten von einem ganz gewöhnlichen Ernstes Mädchen Nach einem Gemälde von Prof. Adolf Ziegler(Deike M) DAS BILD Ein Maler war zu sehr hohen Jahren gekommen und lebte so, daß er innerlich ganz allein war. Denn wenn wir jung sind, so leben wir wie ein Jüngling, der mik einer großen Gesellschaft von Freunden am Morgen aus der Stadt zieht, um die Höhe eines Berges zu erwandern, welcher eine weite Fernsicht hat. Die Sonne steigt, der MNittag naht, einer und noch einer bleiben (Schuß. Pall nahm seinen aus dem Schneehuhnbündel z###ck in en em Dorf am Wege, denn sie uino mude. Die — wollte ich sehen, wie sein er getroffen war!... 9Nerk= Ochar der Freunde wird immer geringer, immer mehr wollte ich sehen, wie fein er getroffen war!... Ierk würdig übrigens, daß auch ich beinabe einen Falken erlegt hatte. So am selben Tage... Eine Schande war es, daß ich die Augen nicht besser aufgemacht hatte. Ich lächelte ihn an, denn keiner hielt die Augen in dem IIaße offen wie Pall auf Fell, die kleinen, scharfsichtigen, ewig suchenden Augen. Pall war schon gut vom Frost gerötet, wurde aber auf einmal noch röter, und ich beeilte mich, mein Lächeln wieder gutzumachen, es zu erklären. Pall nahm es für bare Münze. Wir gingen jetzt miteinander und taten das weiter, indem wir abwechselnd schossen und uns die Zeit mit Geschichten nne heiterem Plandern verkürzten. Da geschieht weder Schlimmeres noch Besseres, als daß ein neuer Falke angeflogen kommt. „Schieß du!“ flüstert Pall edelmütig, ganz zusammen geduckt vor Spannung. Ich die Büchse an die Backe, fehle— ich habe nie schießen können, wenn jemand mir zusieht. Im selben Augenblick war Pall mit seinem Schuß da. Und er traf. Ja, er traf! Und nicht allein diesen Falken traf er, sondern hiermit hatte er sich auf einmal beide Falken erschossen. Alle seine Gezwungenheit war wie fortgeblasen. Den Rest des Tages über erzählte er keine Geschichten: er prahlte schamlos, ganz schamlos. ein Sieg über mich hatte ihn berauscht, ihn besessen ##acht. Gleichzeitig hatte er mich viel lieber gewonnen früher, das war ganz deutlich. Seine Sympathie mastrahlte mich wie eine(onne, und er wollte sogar meine Schneebühner tragen, was ich ihm jedoch nicht erlaubte. Aber bei der Heimkehr klopfte er mir mit eigenen Händen Schnee ab. Der kleine Künstler (Delke-M werden müde, zuletzt wandert der alte IIkann allein seines Weges den Berg hinan, und wenn er oben angekommen ist, und nun alles in der Runde sieht, das er sich gedacht hat, als er auszog am IIkorgen, dann hat er niemanden um sich, dem er sprechen und zeigen kann. Der Mlkaler war zu hohen Jahren gekommen, wie selten Menschen geschieht, deshalb mag er auch sonst einsam gewesen sein, denn nicht nur seine Jugendfreunde fehlten, er hatte auch in den Zeiten vorher und nachher wenig Altersgenossen gehabt. Wir können aber nur von unseren Altersgenossen verstanden werden, und ein Ilkann, der sehr alt wird als Ilkaler oder Dichter, versteht dann Bilder und Gedichte anderer alter Ilkänner, die in den Zeiten vor ihm gelebt haben, die den übrigen Illenschen stumm sind, und seine Werke müssen warten, ebe sie von jemandem gehört werden, bie nach ihm einmal wieder ein begabter Alkann zum Hochaltar gelangt. In seiner Einsamkeit dachte sich der Mann ein Bild aus: eine Landschaft eines boben Gebirges, mit verstreuten Hütten frommer Einsiedler. Er wollte eine weite Luft malen und einen unendlich scheinenden Raum, denn er fuhlte eine Unendlichkeit in sich, er stellte sich die Einsiedler vor, uralte Männer, welche in Rufweite von einander wohnten und sich doch nicht kannten, denn jedem waren die anderen gleichgültig geworden: welche in einem unendlichen Raum schwebren, unter sich ein weites Land hatten mit einem Fluß, dessen Windungen zum fernen Streifen des Meeres führen, und über sich den weiten Himmel, in welchem, wie sie glaubten, die Götter thronen, ein Gott über dem andern: der Gott ihrer Kindheit, der Gott ihrer Jugend, ihres Ilkannesalters, ihrer Greisenjahre, und so ohne Ende ein Gott über dem andern in die Ewigkeit hin ein. Vor langen Jahren hatte der alte Ilkaler eine Frau geliebt und Kinder gehabt, Söhne und Töchter. Er hatte die kleinen Kinder auf den Knien geschaukelt, dann waren da unversehens Jünglinge und Jungfrauen gewesen; sie waren ausgeflogen wie die fluggen Vögel aus dem Nest, es waren Familien der Kinder in der Yäbe uno der * W e i t e g e w e s e n, b e i i h n e n w a r e n d i e K i n d e r g r o ß g e w a c h Ulen und ausgeflogen, die Alten blieben allein im Hause, nd zuweilen kam Besuch von Jugend, die im Garten 2 belte und auf den Treppen tobte. Denn auch die Enkel ten ihre Nester gebaut und hatten Junge aufgezogen. r das alles lag nun hinter dem alten Ilkann. Er # wohl, daß die Jungen un sich dachten, und daß sunge sich für das Wichtigste hielt, oas es auf der = Lad, weil denn immer alles wiederkehrte, denn die gjungen Leute war, wie die Liebe der Abnen ae Zuweilen war auch oa noch derselbe Baum, „ Sein Pärchen am Abend sich traf, um zu —1 sich die Urgroßeltern getroffen hatten, und ersten Kindes war und Freude und Gluck o“ SFh, auch Tod kam und rief ab, und alles e*= 8 Bgäßig wie die Wellen eines Flusses, die — S*###ken, in denen ein Funken aufbliet, die is= Achatten überflogen werden, die rauschen, nickenden Grasern, em Gras anderc und doch wieder gleich dem — S Lunter =. S—„ 9 C— Von PAUL ERNST Iun malte der alte Ikann also das Bild der Landschaft aus dem hohen Gebirge mit den verstreuten Hütten. Er wußte genau, wie man die Hütten verteilen mußte, damit der Eindruck von der Unendlichkeit dee Raumes herauskam; er lachte vor sich hin, als er sich das dachte, denn man muß ein alter Ilkann werden, bis man einsieht, daß man dergleichen alles wissen kann. Ja, aber wenn man es weiß, dann ist man einsam, und was nützen einem dann die vielen geialten Landschaften, die Bäume und Aecker auf den Bildern?. Ein alter Mann kann alles, das er will, aber weshalb soll er noch wollen, wenn er alles kann? Die jungen Leute kamen und betrachteten das Bild, auch ältere Leute kamen. Sie freuten sich und waren stolz auf den Ahnen, sie sprachen von der Luft und dem Licht, vom Baum und der Wirkung; der alte Mann wusch seine Pinsel. Er dachte, was die Jungen nicht denken konnten, was sie nicht verstanden hätten, wenn er es ihnen gesagt hätte; aber er hätte es auch noch nicht einmal sagen können. Es war wohl besser, zu schweigen und zu hören. und nickend zu tun, als stimme man mit den gesprochenen Ilkeinungen überein. Denn jedes Alter hat ja seine IIeinung, und das ist nun einmal so. Das ist aber auch so wichtig, denn wenn man alt ist, so sind zehn Jahre, was für die jungen Leute zehn Wochen sind, oa sieht man die Folge der Illeinungen näber zusammen. Der alte Mann sah auf sein Bild; da sah er, wie die Einsiedler in ihren Hütten saßen; sie dachten Gedanken, die er selber dachte: sie bekümmerten sich einer nicht um den anderen; da blübten Blumen, welche er wollte, und ein Baum war, wie er ihn brauchte: denn hier im Zimmer war seine Brust beengt. Seine Brust war beengt, es umgaben ihn seine ITachkommen, junge und alte Leute, und sprachen von ihm und dem Bild mir hoher Verehrung. Aber sie waren ihm freind, und was sie sagten, das hatte er vor langen Jahren einmal gedacht; nun konnte er es nicht mehr denken, es war ihm gleichgültig. So hob er den Fuß und ging, er ging in das Bild. Er trat auf den Weg, welcher durch die Landschaft führte, er ging hoch: da war eine Hütte, in welcher kein Einsiedler lebte: er öffnete die Tür und trat ein, dann schloß er die Tür wieder zu. Die Leute, welche zugegen waren, standen in(Stille und Ehrfurcht. Sie sahen, wie der Ahne seinen Fuß bob und in das Bild hineinging; sie sahen, wie er ganz klein war und den Weg hinaufschritt, und wie er die Tür der Hütte öffnete und wieder hinter sich schloß. Iun war er in dem Bild. Gie wußten, daß er ein guter Mann gewesen war und sein Leben lang gearbeitet hatte, um Bilder zu malen, welche die Illenschen erfreuten, daß er für seine Gedanken nie bei ihm selber gewesen war. Iun war er in das Bilo gegangen und lebte unter den Heiligen, welche Zwiesprache halten mit sich. Die Leute weibten seinen Arbeitsraum zu einer Erinnerungestätte für ihn, sie hängten das Bilo m iym auf und verehrten es. Wenn einer der Nachkommen beiratete, dann brachte er seine junge Frau vor das Bilo, in welchem der Abn lebte, daß er sie vielleicht anschaute durch die geschlossene Tür, und wenn ein Kind geboren wurde, so wurde es vor oas Bild gebracht, damit sein (Jegen übergeben sollte auf oas Kind. In dem Bilo lebte der alte Alkann, schweigend und unsichtbar hinter der Tür der Hürte, in der Welt wanderten und irrten seine Nachkommen, sie stießen sich an Steine, sielen und standen wieder auf, und que wutzten, daß in dem Bilo ihr Adne lebte, der sie gesegnet hatte, als sie kleine Kinder gewesen waren. An einem jener Frühlingsabende, veron sanften Lockungen das junge Blut so gerne sich ergibt, sah ich sie zuerst. Gegenüber dem hohen Fabriktore, das mit Tansenden auch inie an jedem Abend entließ, stand sie und wartete. Im Lichte greller Bogenlampen brannte ihr (Strohhut wie eine Flamme und wart dunkle Schatten über ein Augenpaar, desten rattelvolle Tiefe mich erschauern ließ. Die Säfte, die ein langer Tag munt seiner Arbeit müde gemacht, stromten neu durch meinen Körper. Elastisch wurde mein Schritt, der mich vorüberfuhrte an der Gtelle, an der sie, ich weiß nicht auf was, wortete. Im Vorbeigehen warf ich einen langen Blick auf ei# bellen Seidenstrümpfe. in denen der Glanz des Asphalte sich spiegelte, den der Schritt der Tausende kurz und heftig überknallte. Dann war sie meinem Blick entschwunden. Abend für Abend stand sie nun an der an der der(Strom der#ennreyrenden einmal noch steil und mit gesammelter Kraft aufbrandet, ene er einmundee in das versickernde Dunkel muder Werkskolonien und jeden Abend überfiel mich dieses gleiche Begehren, einen Blick in ihre Augen zu werten und einzuhängen mich ur ihren Arm. Sie zu entführen aus den dunklen Bezirken der Arbeit in die lichterglänzende Stadt, einzutreten mit ihr in festlich erleuchtete Läden und Lokale. Und ging an jedem dieser Abende wie am erster# Abend vorüber au ihr. Wagte kaum, in flüchtigem Verüberschreiten einen Blick zu werfen in ihre Angen, wis zufällig mit wonneschauernder Haut sie zu berühren. Und war doch wieder erfüllt von der Anast. ein anderer würde sie ansprechen mit plumpen Worten uno sie erschrecken, daß sie nie zurückkehren würde an diesen ihren Platz. So eilte ich Abend um Abend mnt ewig unerfüllten Sehnsucht durch die dunklen Straßen nach Hause und quälte mich dunkle und endlose Nächte hindurch mit Fragen und Vorwürfen und beschloß, sie zu bitten, einen dieser seltenen Abende mit mir zu verbringen und gung am nachsten Abend vorüber an ihr wie an allen Abenden zuvor. Etwas war immer um sie, das mich abhielt, mich ihr zu nähern. (o gingen die wonnedurchbebten Abende des Fräh# lings dahin. Der Sommer kam mit vielem Licht. Kleider bargen auch ihren keuschen Leib. Und tiefen Glanz bekamen ihre Augen.(üßer und länger lockte ihr Blick. Das junge Leben rief nach jungem, nach kechendem Leben. Still, wie er gekomnen, ging der Sommer dahin. Ililder Herbstwind wehre erste Blätter von den Bäumen. Raschelnd flohen sie hin über den Boden. Immer noch waren die Abende weich. Die Bänke in den Anlagen waren noch besetzt von Liebenden; aber eine stille, unsagbare Trauer lag schon in der Luft. Dunkler waren die Kleider geworden, die sie trug. Die Flamme ihres Strehhutes war erloschen. Ein seiner Korb aus dunklem Geflecht barg die Frucht ihres Hauptes. Jeder Abend kam nun schneller als sein Vergängen uno der Wind wehte kräftiger in den kahlen Bäumen. Da packte mich die Angst. Die Anast vor dem Winter, der kommen würde und mich einsam finden, wie er die letzte Rose einsam fand im Garten vor der Fabrik, den sonst Tulpen und Stiefmütterchen und allerlei bunte Blumen mit ihrem Geblübe erfüllt. Und mein Bine fror wie das Wasser im Strom und Angst fraß an meinem Herzen, die Liebe könne an nuir vorübergeben wie dieser Sommer und ich würde einsam bleiben mit meinem Traum. Einen ganzen Tag umaab mich der dumpfe Sang der Maschinen, einen ganzen Tag blickte ich in das Licht der glühenden Oefen, aber ich sah nur sie. Im Fallen der Hämmer und im Anschlag des Ileißels, den meine Hand umspannte, stählte ich meinen Willen. INkein Leben wollte ich formen wie das Eisen unter meinen Händen sich formte, und wollte ihm die Glätte sanfter Liebe, die Härte eines festen Willens geben. Entschlossen verließ ich an diesem Abend das hobe Tor der Fabrik. Elastisch in Schritt und Haltung richtete ich den Blick bin zu jener Ecke, an der ich sie viele Abende gesehen. Ich war entschlossen, sie zu bitten. den Weg mit mir zu gehen, der von dieser Ecke fort in die leuchtende Helle der lichterglänzenden Stadt führt. Aber an diesem Abend sah ich sie nicht. Hatte ich zu sehr mich geeilt nne war se nech nicht da, oder war sie schon fort? Ihr Bild quälte ic den ganzen kommenden Und die Furcht, sie verloren zu haben, ebe ich sie besaß. Ich eilte am nächsten Abend noch schneller vor das Ter. Und sab sie wie immer. Doch wie ich den Schritt wagre, den Illund zu öffnen mich schickte, trat ein anderer beraus aus dem önnklen Cirem der Heimkehrenden une nahm ihren Arm. Ich sah sie lächeln. Und glaubte doch wieder einen Schimmer tiefer Traurigkeit in ihren Angen zu sehen, als ich voruberging. Langsam und ehne Kraft setzte ich meine Gchritte. Und frer. Wie früher ging ich an jedem Abeno meine Straße. Aber sie war still und mein Schritt blieb hinter den anderen zurück. Mlein Blut gab keine Wärme. Kuhl und träge rollie es mir durch enge Adern und das Atmen fiel mir schwer. Der Winter war gekommen. Viel zu früh. Und mit ihm die Lust, lange und tief zu schlafen. Aber ich mage es nicht, zu schlafen und schleppe mich mit mudemn (chritt durch dunkle und stille(traßen, denn ich weiß es nicht, ob noch ein Fruhling kommt und sie für mich belebt und leuchtend macht. In der(Schule. „Ris, war trifft man am meisten m Landern ran feuchtem Klima?“ „Regenschirme, Herr Lehrer!“ Der Winter kam, viel zu frun Von ERICH GRISAR Der Falke Jagderinnerung aus der Knabenzeit von Gunnar Gunnarsson. ANGST Von KNUT HAMSUN Ich habe eigentlich nie gewuße, was Angst sei, bie einmal während meines Aufenthaltes in Amerika. Nicht weil meine Kuhnheit so groß ist, sondern weil sie bis dahin niemals auf eine richtige Probe gestellt war. Das war im Jahre 1884. Draußen in der Prärie liegt eine kleine Stadt, die MNadelia heißt, ein ärmliches, unschönes Nest mit seinen häßlichen Häusern, seinen Gehsteigen und seinen Plankenabfällen und seinen unliebenswürdigen INlenschen. Hierher war ich gekommen— in der friedlichen Absicht, einem Bekannten von mir aus einer Verlegenheit zu helfen. Ein Amerikaner namens Johnston war Lehrer an der„Mittelschule“ in einer Stadt in Wiecosin, wo ich ihn und seine Frau kennen lernte. Einige Zeit darauf gab dieser IIkann seine Stellung auf und ging zu einer praktischen Tätigkeit über, er reiste nach der Präriestadt Ilkadelia und eröffnete dort ei Holzgeschäft. Nachdem er ein Jahr diese Tätigkeit ausgeübt hatte, erhielt ich einen Brief von ihm, worin er mich bat, wenn es mir möglich wäre, nach INadelia zu kommen und seinem Geschäft vorzustehen, während er und seine Frau eine Reise nach dem Osten machten. Ich war zu jener Zeit gerade frei und begab mich nach Ilkadelia. An einem dunklen Winterabend traf ich auf dem Bahnhof ein, wo mich Johnston empfing, ging mit ihm nach Hause und erhielt ein Zimmer angewiesen. Gein Haus lag eine ganze Strecke außerhalb der eigentlichen Stadt. Wir verbrachten einen großen Teil der Nacht damit, mich ein wenig in die für mich so freinden Finessen des Holzgeschäfts einzuweihen; am folgenden Illorgen händigte mir Johnston mit einem Scherz seinen Revolver ein, und ein paar Stunden später saßen er und seine Frau im Eisenbahnzug. Da ich nun allein im Hause war, zog ich aus meinem Zimmer in das Erdgeschoß hinab, wo ich bequemer wohnte und von wo ich außerdem bessere Aufsicht über das ganze Haus führen konnte. Ich nahm auch das Beit des Ehepaares in Gebrauch. Einige Tage gingen dahin. Ich verkaufte Planken und Bretter und brachte jeden Abend das am Tage ein genommene bare Gelo nach der Bank, wo ich eine Quittung darüber in mein Buch eintragen ließ. Es befanden sich also keine anderen Menschen im Hause, ich war ganz allein. Ich bereitete mir mein Essen selber, molk und besorgte Johnstons zwei Kühe, buk Brot, kochte und briet. Es war recht einsam in diesem großen Hause für einen einzelnen Illenschen von einigen zwanzig Jahren. Da waren steckdunkle Nächte und es gab keine Nachbarn, bis man in die Stadt hinabkam. Aengstlich war ich aber nicht, es kam mir gar nicht in den Ginn, ängstlich zu sein. Und als ich zwei Abende hintereinander ein verdächtiges Geräusch an dem Schloß der Küchentür zu hören meinte, stand ich auf, nahm die Lampe und untersuchte die Küchentür von innen und außen. Aber ich fand nichts Verdächtiges am Schloß. Und ich hatte den Revolver auch nicht in der Hand. Aber er sollte eine Nacht kommen, in der mich eine so baarsträubende Angst befiel, wie ich sie weder vor- noch nachher erlebt habe. Und noch lange Zeit nachher konnte ich das Erlebnis dieser Nacht nicht verwinden. Es war an einem Tage, an dem ich mehr als gewöhnlich zu tun hatte, ich schloß mehrere große Geschäfte ab und arbeitete bis spät in den Abeno hinein. Als ich endlich Schluß machte, war es so spät geworden, daß es bereits dunkelte und die Bank geschlossen war. So konnte ich denn die Bareinnnahme des Tages nicht abliefern. Ich nahm alles Geld mit in das Zimmer und zählte es: Es waren 700 bis 800 Dollar. Wie gewöhnlich setzte ich mich auch an diesem Abend hin, um an einer Arbeit zu schreiben; es wurde später und später, und ich saß da und schrieb; es wurde Nacht, die Uhr wurde zwei. Da hörte ich plötzlich abermals das geheimnisvolle Geräusch an meiner Küchentür. Was war das? Das Haus hatte zwei Türen nach außen, eine, die in die Kuche führte und eine andere— die eigentliche Haustur— die auf einen Vorplatz vor dem Zimmer führte. Diese letzte Tür hatte ich der Gicherheit halber von innen mit einem Sperrbalken verrammelt. Die Jalousien im Erdgeschoß waren ein Paten., sie waren so dicht, daß man von außen absolut keinen Schein der Lampe sehen konnte. Und jetzt dringt also von der Küchentür her ein Geräusch an mein Ohr. Ich nehme die Lampe in die Hand und gehe dorthin. An oer Tür bleibe ich stehen und lausche. Draußen ist jemand, es wird geflüstert und im Schnee vor der Tür schleicht etwas hin und her. Ich lausche eine ganze Weile, das Flüstern hört auf und gleichzeitig scheint es mir, als entfernten sich die schleichenden Schritte. Dann wurde alles still. Ich gehe wieder hinein und fange wieder an zu schreiben. Eine halbe Stunde verging. Da fahre ich plötzlich in die Höhe— die Haustür wurde eingerannt. Nicht nur das Schloß, sondern auch der Sperrbalken innerhalb der Tur wurde zertrummert, und ich hörte Schritte auf dem Vorplatz gerade vor meiner Tür. Der Einbruch konnte nur mittels eines starken Anlaufes und mit vereinten Kräften mehrerer Personen ausgeführt sein, denn der Sperrbalken war stark. 9Nein Herz schlug nicht, es zitterte. Ich gab keinen Ausruf, keinen Laut von mir, aber ich fühlte die wegung meines Herzens bis oben in meinen Hals hinein, es hinderte mich, ordentlich zu atmen. In den ersten Gekunden war ich so bange, daß ich kaum wußte, wo ich war. Da fiel mir plötzlich ein, daß ich das Geld reiten müsse, ich ging in die Schlafstube, nahm meine Brieftasche aus meiner Tasche und steckte sie unter die MNatratze im Bert. Dann kehrte ich in das Zimmer zurück. Diese Handlung nahm sicher keine Illinute in Anspruch. Vor meiner Tür wurde gedämpft gesprochen und an dem Gchloß wurde herumgearbeitet. Ich holte Johnstohns Revolver heraus und untersuchte ihn: er funktionierte. Ilkeine Hände zitterten hefeig und meine Beine konnten mich kaum tragen. Ilkeine Augen fielen auf die Tür, sie war ungewöhnlich solide, eine Bohlentür mir starken Querbalken; sie war sozusagen nicht getischlert, sondern gezimmert. Diese massive Tur machte mir Ilkut, und ich fing wieder an zu denken— was ich bisber wohl kaum getan hatte. Die Tür ging nach außen, folglich war es eine Unmöglichkeit, sie einzurennen. Der Vorplatz war auch zu schmal, um genügenden Raum zu einem Anlauf zu gewähren. Dies fiel mir ein und ich fühlte mich plötzlich mutig, ich schrie hinaus, daß ich jeden, der eindringe, tor niederstrecken würde. Keine Antwort. Um meine Augen an die Dunkelbeit zu gewöhnen, für den Fall, daß die Fenster eingeschlagen würden und die Lampe erlosch, blies ich die Lampe sogleich aus. Ich stand nun im Dunkeln, die Augen auf die Fenster gerichtet, den Revolver in der Hand. Die Sache zog sich in die Länge. Ich wurde immer kuhner, ich nahm keinen Anstand, mich als Teufelskerl zu zeigen, und ich schrie: „Nun, was haben Sie denn beschlossen? Wollen Sie geben oder kommen? Denn ich will schlafen! Da antwortete nach einer kleinen Weile ein erkälteter Baß: Wir wollen gehen, du Hundsfott! Uno ich hörte, wie jemand den Vorplatz verließ und in den Echnee hinausknirschte. Der Ausdruck„Hundsfott“ ist das nationale Schimpfwort Amerikas— wie übrigens auch Englands— und da ich es nicht auf mir sitzen lassen konnte, daß man mir dies Wort zurief, ohne daß ich eine Antwort gab, wollte ich die Tür öffnen und den Schlingeln nachschießen. Ich hielt indessen inne, ich dachte nämlich im letzten Augenblick, möglicherweise habe nur der eine Ilann den Vorplatz verlassen, während oer andere darauf Winter Im Wesertal Holzschnitt von Rudoll Riege(Deike M) wartete, daß ich die Tür öffnete, um mich dann zu überfallen. Deshalb ging ich an eine der Fenster, ließ die Jalousie mit Blitzesschnelle an die Decke hinaufrollen und sah hinaus. Ich glaubte, einen dunklen Punkt im Schnee zu erkennen. Ich rieß das Fenster auf, zielte so gut es ging auf den dunklen Punkt und schoß. Klick! Ich schoß nochmals. Klick! Rasend erledigte ich den ganzen Zylinder, ohne zu zielen, endlich ging ein einziger arm seliger Schuß ab. Aber der Knall war stark in der frosterstarrten Luft, und vom Wege her horte ich Rufe: Lauf! Lauf! Da sprang plötzlich noch ein Mann von dem Vorplatz in den Schnee hinaus, den Weg entlang und ver schwand in der Finsternis. Ich hatte richtig geraten: es war noch einer dagewesen. Und diesem einen konnte ich nicht einmal hübsch Gute Nacht sagen, denn es war nur ein elender(Schuß in dem Revolver gewesen, und den hatte ich verbraucht. Ich zündete die Lampe wieder an, holte das Geld an dem Bett und steckte es zu mir. Und setzt, nachdem all; überstanden war, war ich so sämmerlich feige geworden daß ich es nicht wagte, mich in dieser Nacht in das Ehebett zu legen, ich wartete noch eine halbe Stunde, bis es zu dammern begann, dann zog ich meinen Ueberzieher an und verließ das Haus. Ich verbarrikadierte die zertrümmerte Tür, so gut es ging, schlich in die Stade hinab und schellte im Hotel. Wer die Spitzbuben waren, weiß ich nicht. Aber so bange um iemn Leben bin ich niemals gewesen, wie in dieser Nacht in der Präriestadt Madelia. Es ist mir auch seither mehrmals passiert, wenn ich erschreckt wurde, daß der Schlug meines Herzens bis oben in meinen Hale hinauf gehämmert und mir meinen Atein behindert hat — das ist ein Ueberbleibsel aus dieser Nacht. Nie zuvor hatte ich eine Abnung von einer Angst gehabt, die sich auf so außergewohnliche Weise äußern kann. Symphonie der Arbeit Holzschnitt von Hermann Schiebel(Deike M) OPUS 1 Von HELENE VOIGT-DIEDERICHS alle Junges Blut von siebenzehn Jahren. Gedichte, die sochen bebarrlich an Otto von Leirner ge schickt wurden. Die Antwort erfolgte vorläufig noch im Briefkasten der von ihm geleiteten Romanzeitung. Be trüblicherweise hielt meine, der Siebenzehnjährigen, INutter dies Blatt nur im Lesezirkel; sechs oder sieben Wochen vergingen, bis sein Rundlauf von Gut zu Gut das heimische IUarienhof erreichte. Dies bedeutete eine schwer zu ertragende Wartezeit— bis endlich der List gelang, sie zu verkürzen. Einer meiner Brüder, der sich wegen Schulbesuchs in der Kreisstadt Eckernförde aufhielt, wurde ins Vertrauen gezogen. Freudig übernahm er das Ehrenamt, samstags in der Heldtschen Buchhandlung, sobald die neuen Zeitschriften eingelaufen waren, den Briefkasten der Romanzeitung durchzustöbern und das auf mich Gemunzte abzuschreiben. Das Kennwort, nicht bürgerlichmenschlichen Bezirken, sondern lockenden Tier=, Stein=, Pflanzen oder Sternenwesen entlehnt, wurde dem ITothelfer von Fall zu Fall bekannt gegeben. Sonntags kam der Briefträger nicht über Land. War ein Urteil fällig, holte ich es zu Fuß ooer Pferd von der eine Stunde weit entfernten Poststation. Niemals lautete es eindentig: Papierkorb! ooer: Helfen Sie lieber Ihrer Ilkutter in der Küche!, sondern es ermunterte, belehrte dichterväterlich, auch an kleinen handfesten Hinweisen auf die Mängel des jeweiligen Musengeschöpfes fehlte es nicht. Aber das bezaubernde„Angenommen“, mit welchen Rosinen besagter Briefkasten ohnehin nicht reich gespickt war— niemals galt es während dieser halbkindlichen Werdezeit dem Herrn Erdrauch, Möve, Donnerkeil, Beteigenze Gegen Ende des Jahres gab es, von Herbstgefühl be feuert, frische Versware.„Mondnacht auf dem Illoore“ nannte sie sich, laut Tagebuch gedichtet bei Vollmondschein am Tor der Dauerweide. Lanoschaft, mit leidlich eigener Geele gesucht, im Ansdruck schwer befangen durch die höhere Gewalt des Lenauerlebnisses. Ganz geheuer war mir von Anfang an der Fall nicht. Vollmononacht, Riedgras, dunkle Gräben, herbes Geschick und Nebelschweben entsprachen den Tatsachen. Doch es fehlten die schwarzen Wasser, endlos Lach= neben Lache, in denen das Dichterange, auf den Ilkond bezogen,„hundertfach sein Abbilo glühen" sah. Kurzum, das große wirkliche MNoor hatte bei diesen Strophen nicht Gevatter gestanden. Schwamm darüber! wozu gibt es dichterische Freiheit! Abgeschrieben, einmal und einmal und noch einmal, und dann dem Hüter der geistigen Arena nach Berlin geschickt. Am gleichen Abend schon meldete sich ein Herzschreck. Gut, mochte das herbeigeschwindelte Illoor als notwendiger Echauplatz zu Recht bestehn. Aber das tausendfache Abbild machte sich mansig. Es half nichts, daß die larfasserin sich vor sich selber bereit erklärte, das rhythmisch wohlklingende„tausend“ in„hundert" abzu mildern. Sogar ein Spielraum lassendes„vielfach“ wurde angeboten, erwies sich aber schon wegen der eingesparten Gilbe als unbrauchbar. Guter Rat war teuer. Ich zog, ein Paar Langschäftige, die noch von Großoakers Zeiten her hingen, an den Füßen, auf nächtliche Erkundungsfahrt, streifte bin an Kuhlen, Gräben, überschwemmten Wiesen und Förde ufern— nirgend die bescheidenste Mehr=Zahl, immer nur der eine einzige(7 piegelmond enthüllte sich. Trotzdem verlor ich nicht jede Hoffnung: all dies Gegenzeugnis war kein Beweis, solange nicht die echten schwarzen Lachen bei Nacht und Mond sich auch dem äußeren Blick ent scheidend aufgetan. Aber das Ilkoor war weit, und die nachste Ilkondenzeit müßte herangewartet werden. Es war kurz vor Weibnachten. Mein Bruder und ich pflegten, sobald er auf Ferien kam, im(tuhlwagen oder (chlitten aus dem Walde eines entlegenen Gistes den Cbristbaum zu bolen. Großmoor— bis dort hinab reichte dieser Wald: willkommene Möglichkeiten wieberten ge radezu! JTachmittage rummelten wir vom Hof, dae übliche Butterdri#tel für die Bahnstatien umn Wagenstroh, die Tuten mit braunen Kuchen für die Forsterskinder im Fußsack. Anderthalb Stunden später das Gewimmel der frohen Stube, draußen dann, duftend neben der Wunde seines Giumpfes, der waldgrüne, zum Illitnehmen bereite Baum. Inzwischen war es dämurig geworden, in halber Höhe hing ein dumpfes IKondlicht, ja, und so traute mein hintersinniger Vorschlag sich veraus: Laß uns einen Umweg machen, am Illoor vorbei! Ilkein Bruder war hochzufrieden: Ungewöhnliches, obendrein zur ungewöhnlichen Zeit, genügte als Lockung. Der Wagen spurt die überfrorenen Gleise des Knickweges hinab. Unter den schollernden Hufen des Pserdes knackt das Lufteis, freier und rötlichgrün zwischen Abend und Das weite Illoor im sich auf. flacher wird oas Land, Nacht öhnkelt das All. Jlebelschwaden, braunes Heidekraut und Wasserlachen, bis hierher hat der Dichter am heimischen Hecktor richtig geschaut. Aber nun, Herz und Augen weiten sich: so sehr sie sich ansaugen und spähen, o Schmach und Graus! die zum Abzählen des vielfachen Weltkörpers bereiten Finger erstarren. Trübgoldener Ilond im Himmel, und aus den schwarzen stummen Torflöchern— kein Querlegen des Kopfes, kein von Untenherblicken hilft— immer nur, nirgend mehr, nirgend weniger, das eine einzige Abbild glüht! Ich entsinne mich nicht, was der Briefkasten diesmal geantwortet hat. Immerhin gab unbewußt dieser Vorfall dem Dichterling Anlaß, sich abzukehren von dem schwungvoll in gebundener Form auftrumpfenden Ich und zunächst einmal die Fühler andersherum zu strecken. Am gleichen Tor, wo ein junger, nie zuvor gerittener Fuchs ihn einstmals kopfüber in die Aue geschmissen, ereignete es sich ein gutes halbes Jayr später— während in gewittriger, halb schon mondiger Schwüle die Tagelöhner beim Weizenmähen Feierabend machten und zwischen den Garben schweren Schrittes Buttermilchskruken und blaue Linnenjacken zusammensuchten— daß der Plan zu einer richtigen Menschengeschichte aufsprang. Acht Stunden darauf, noch vor Gonnenaufgang, in der schrägen nach Osten gerichteten Geheimkammer wurde die Hinschrift begonnen. Und es dauertesnicht allzulange - wie kann man Freude bei sich behalten— bis eines Mllittags der Mutter beileibe vorerst nur ihr! das Blatt mit der gedruckten Erstlingsgeschichte hingelegt werden konnte. Schauplatz: Erntekoppel und brennendes Kuhr haus Ilit dem Erfolg, daß draußen vor den Fenstern ein halbes Dutzeno handbeschatteter Gesichter sich gegen die Scheiben quetschte und alsbald die Freude der vorlaut das Geheimnis brechenden Geschwister lostrommelte: Ohah— sie hat gedichtet! ** *— * 8 .5 S 3. * S 9 5 6 S 5 * * 2 —— c E: —* 1 E D. E 5 E 2 — K%— E # S. — 9 S. „ n 2— *. S 25 S S 13s * S7Snn "..** SBSuE N 03 33 7— 70 SnSn S A%SS 3½9n2 * 28 aüSnS * Tanß nC: S5 „SSN — 1-— Fnü SnFASEHERUSE — U U„ UE "SSSHDSTDEEE .0 5 SA S“ SESSS „ rSoßss #-5SEg S SSSaE noch lange leben können. Mutter hat es oft gesagt. wenn ne so schwer kämpfen mußte, seit mein Vater plötzlich starb.“ „Es mag schmerzlich für Sie sein.“ sagte Herr Hilmers und hatte ein leidendes Gesicht.„Ihr Vater starb plötzlich, sagen Sie?“ „Er ist mal in einer Winternacht einem jungen Menschen nachgesprungen, der sich im Kanal das Leben nehmen wollte. Das weiß ich heute noch, wie er mit den nassen Sachen nach Hause kam. Mutter war sehr erschrocken. aber mein Vater lachte. Doch dann mußte er ins Bett. er hatte sich erkältet. Und ich glaube, da kam irgend etwas hinzu. und er ist auch nicht mehr aufgestanden.“ Es war ganz still im Zimmer. Das Ticken der Uhr war in der Stille wie eine ferne Stimme. „Mutter hat oft davon gesprochen, und ich war dem Manne. den mein Vater gerettet hatte, gar nicht gut: aber meine Mutter hat immer gewünscht, daß Vater den Fremden wenigstens nicht vergeblich gerettet haben möge.“ Der Direktor saß wie erstarrt da. Auch Frau Hilmers. Jetzt erst sah es das Fräulein. Oh. sie hätte wohl nicht so viel von dieser Geschichte erzählen sollen. Sicher wollte Herr Hilmers etwas ganz anderes wissen. „Herr Direktor.“ sagte sie zaghaft.„haben Sie noch eine Frage?“ Herr Hilmers schien es nicht gehört zu haben. Endlich blickte er sie an.„Nein. Sie können gehen, liebes Fräulein.“ sagte er. Es lag soviel Wohlwollen in seinem Blick. Es beruhigte sie. Leise ging sie aus dem Zimmer. Herr Hilmers saß noch immer gedankenversunken da. Seine Frau trat zu ihm. „Es liegt lange zurück. Fred!“ sagte sie behutsam. „Ich habe an manches gedacht. aber nicht an diese Wendung.“ sprach er. „Und eines ist nun klar.“ fuhr sie fort.„jetzt bleibt sie immer bei uns.“ Er drückte ihre Hand. „Wenn nicht Horst——“ lächelte sie,„nun möchte ich es selber wünschen.“ Er fühlte, daß es keine Kluft mehr zwischen ihnen gab. Prachtvoller„Sau“-Dusel Von FREIHERRN von BISCHOFFSHAUSEN Eines Mittags treffe ich einen alten Jagd= und Jugendgefährten. dessen Vater in der Altmark einen herrlichen Grundbesitz sein eigen nennt. Hocherfreut über dies unerwartete Wiedersehen setzen wir uns zusammen und waren in eifrigster Unterhaltung natürlich bald bei unserem Lieblingsthema. der Jagd. an gelangt. „Ach. da muß ich dir von einem großartigen Erlebnis erzählen, von einem Morgen. so erfolgreich, wie ich wohl keinen je wieder erleben werde!"„Das klingt ja vielversprechend. Aber wenn du mir etwa Jägerlatein verzapfen willst, dann bedenke bitte, daß ich vom Lügen selber ein bißchen was verstehe. Prost!“" —„Meine Eltern werden dir alles bestätigen, wenn dir meine Erzählung unwahrscheinlich vorkommt, was mich gar nicht wundern würde. Na. also. hör zu. Kremser. unser Oberinspektor. rang ganz verzweifelt die Hände über den fürchterlichen ungebeuerlichen Wildschaden, den die Sauen anrichten. Ein großer Kartoffelacker am Bruch sei von ihnen derartig zugerichtet worden, daß sich eine Ernte erübrige. Er beschwor meinen Vater. doch mal dazwischen zu funken. um die„Saubande“ wenigstens etwas zu erschrecken und zu stören.„Na.“ sagte da mein Vater. „dann geh du morgen früh mal raus und versuche dein Heil. Der gute Herr Kremser wird ja doch wohl etwas übertrieben haben, um mich breit zu schlagen!“ Ich zog alio am nächsten Morgen los und erreichte kurz vor Büchsenlicht unseren berühmten„Exzellenzstand“. den Schirm. in dessen Nähe die Hauptwechsel nach dem Bruch vorüberführen. Garzugern hätte ich mir jetzt eine Zigarette angesteckt, wagte es aber nicht. um nichts zu vergrämen. Und das war auch gut so. Urvlötzlich tauchte vor mir im Zwielicht ein riesiger schwarzer Klumpen auf. den ich als sehr starke Sau, wahrscheinlich einen groben Keiler, ansprach. Schließlich zog er auf dreißig Gänge ganz langsam und vertraut bei mir vorbei, und der Schuß. der ihn zusammensinken ließ. war wirklich kein Kunststück Hocherfreut zünde ich mir nun die ersehnte Zigarette an. male mir die Wonne des erbosten Oberinspektors über dieses Luder aus und überlege, ob ich nun nicht ruhig wieder nach Hause gehen und mich ins Bett legen soll. Doch da ertönt plötzlich vor mir in den Kartoffeln lautes Grunzen und Quieken. und bald darauf taucht eine Bache vor mir auf mit einer ganzen Rotte stärkerer Frischlinge. Ich führte Vaters Doppelbüchse und beschloß, wenn irgend möglich, zwei der Frischlinge zu belegen. Um Zeit zu gewinnen. wollte ich ihnen entgegenschießen. Ich lasse also meine Papyros fallen. nehme die Büchse an den Kopf. und als so auf 70 Schritte ein Frischling recht schön frei und breit steht. knallt es. und er liegt im Feuer. All die anderen brausen nun wie ein Ungewitter bei mir vorbei, ich fasse einen der„Frösche“ vorn am Gebräch an, und er rollt über wie ein Hase. Ich kann dir garnicht sagen, wie ich mich da gefreut habe und wie mächtig stolz ich war auf die geglückte Doublette! Aber nun war ich denn doch auf den Geschmack gekommen und sagte mir, bei solch unglaublichem Dusel könne es ja vielleicht auch noch weiter gehen mit dem Anlauf. zumal es noch sehr früh am Tage war. Ich blieb also ruhig noch sitzen und nach etwa einer halben Stunde, nachdem es inzwischen auch heller geworden war. sehe ich wahrhaftig von weitem wieder zwei Sauen angewechselt kommen. die schnurgerade auf mich zuhielten. Es waren zwei stärkere Ueberläufer. Auf 50 Gänge reißt meine erste Kugel den einen im Feuer zusammen, der andere haut ab wie das Donnerwetter, ohne sich scheinbar um meine nachgesandte zweite Kugel auch nur im geringsten zu kümmern. Da ich aber gut abgekommen war. machte mir dies nicht viel Sorge, denn du weißt ja selber. daß ein flüchtiger Schwarzkittel auf den Schuß meist wenig oder gar nicht zeichnet. Nun aber hielt ich es doch nicht mehr aus in meinem Schirm und ohne mich um die vier herumliegenden Sauen weiter zu kümmern, ging ich erstmal auf den Anschuß der letzten. Und richtig! Ich fand tiefe Eingriffe und nach einigen Fluchten hellroten schaumigen Lungenschweiß. Der war mir also sicher, aber um ja nichts zu verderben. ging ich nicht gleich weiter nach, sondern lüftete nun erstmal die vier Stück und holte mir dann den Förster mit dem Hunde. Nach einer guten Stunde waren wir wieder an Ort und Stelle und standen zehn Minuten später vor der fünften Sau, die mit gutem Blattschuß 80 Schritte weiter längst verendet dalag. Der Förster war einfach baff und der Oberinspektor hat sich am Abend im Ueberschwang seiner Freude derartig viel hinter die Binde gegossen, daß er drei Tage nicht aus den Augen sehen konnte. Und hier ist auch noch eine photographische Urkunde. die meine ganze Strecke vor dem Exzellenzstand zeigt. allen Zweiflern zur Belehrung!" Und wir zwei beide haben dann dies denkwürdige Ereignis auch noch ganz gebörig gefeiert, wenn auch nicht gerade so gründlich, wie der beglückte Herr Oberinspektor. ZAHNWEH IM 200 Leichte und schwere, friedliche und gefährliche Patienten vor der Zange Beton als Zahnfüllung für Flußvferde Man kennt heute schon in allen größeren Zoologischen Gärten Europas Tierspezialisten, die ganz besonders für die Behandlung von exotischen Tieren ausgebildet wurden. Das Tier entwickelt in der Gefangenschaft eine Menge Krankheiten. die einer Behandlung bedürfen. Schließlich ist jedes Tier für den Garten ein Wertobjekt. Dieses Wertobjekt muß sich rentieren. Es muß so lange gehalten werden können und zur Besichtigung zur Verfügung stehen. wie es eben möglich ist. Aus diesen Tatsachen heraus erklärt sich die Notwendigkeit von„exotischen Tierärzten“. Unter diesen Tierärzten, gibt es eine ganze Reihe, die sich wiederum auf die Zahnbehandlung spezialisiert haben. Das hat seinen besonderen Grund. Durch die „Kultur=Ernährung“ entwickelt sich, genau wie beim Menschen so auch beim Tier. eine ganze Anzahl schwerer Zahn=Veränderungen. Sogar die Paradentose, die man sonst nur beim Kultur=Menschen findet. tritt beim Affen. bei allen hundeartigen Geschöpfen und selbst beim Löwen in Erscheinung. Man muß also den Zahnarzt zu den Tieren schicken. Das ist manchmal einfacher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn es gibt eine ganze Reihe von Tieren, die schon mit dem Zahnarzt Bescheid wissen. Wenn zum Beispiel ein Affe mehrere Zahnbehandlungen durchgemacht hat. dann läuft er unter Umständen mit seinen neuen Zahnschmerzen dem Zahnarzt schon entgegen, legt sich ihm auf die Knie und macht das Maul weit auf. Andere Tiere dagegen. die weniger Verständnis und Erinnerung entwickeln, müssen nach besonderen Der Zahnarzt im Raubtierläsig Das von Zahnschmerzen gequälte Tier will nicht einseben, daß ihm geholfen wird.(Weltbild) Methoden behandelt werden. Ein Löwe kann nur ohne Narkose durch die Zahn=Behandlung hindurchgehen, solange er noch jung ist. Später gibt man ihm eine Spritze oder eine andere Betäubung. Der Zahnarzt im Zoo hat manchmal aber auch regelrechte Abenteuer zu bestehen. Es bedarf oft raffinierter Ueberlegung, ehe man zum Beispiel ein Flußpferd dazu bringen kann, das gewaltige Maul aufzumachen. Wenn man es in eine Ecke getrieben nud gefesselt hat, muß man ihm einen mächtigen Baumstamm quer in das Maul legen, damit die riesigen Kiefer sich nicht schließen, wenn etwa der Zahnarzt gerade innerhalb des Maules an der Arbeit ist. Für Krokodile und Flußpferde hat man außerdem besondere Zahnfüllungen für hohle Zähne entwickelt. Es war nämlich beobachtet worden, daß die sonst üblichen Füllungen in den Zähnen eines Flußpferdes nicht hielten. Außerdem kam es ein wenig teuer. einem Flußpferd ein halbes Pfund Porzellan=Füllung in einen hohlen Zahn hineinzuschmieren. Dagegen machte man sehr gute Erfahrung mit— Zement. Wenn man den Zahn schön mit Zement ausfüllte. dann hielt sich dieser sonst höchstens für Haus= und Brückenbauten verwandte Stoff ausgezeichnet. Und das Flußpferd konnte sein großes Maul fröhlich im Wasser wieder auf= und zuklappen und die mächtigen Zähne knirschend aufeinander reiben. Der Kummer des hohlen Zahnes war überwunden. Nr. 5 Amfferdfeuer C SSETES GEETEE zum Herner Anzeiger 1938 Die Faust des Schicksals VON HANS SCHULZE Dann standen sie noch einmal im Dunkel der Kirchhofsmauer, und ihre Herzen schlugen schwer und drängend, daß sie nun wieder voneinander lassen sollten. Verschlafenes Insektengezirp hing in den dichten Holunderbüschen. Sonst kein Laut weit und breit. Und doch erschien ihnen die Welt wie erfüllt von Harfenklang und hallendem Gesang.— Da stieß Klaus endlich mit gewaltsamem Entschluß die Gartentür auf. „Komm Lore, wir müssen wieder unter die Menschen zurück!“ Einen Augenblick lang stand das Mädchen zögernd, noch ganz überwältigt von dem großen Geheimnis, das sie im Herzen trug. Dann legte sie die Arme zum letzten Male um den Hals des Mannes und ihre blassen, sehnsüchtigen Augen liebkosten sein schönes, erregtes Gesicht. „Hast du mich wirklich lieb?“ Er antwortete nicht, er umschlang sie nur fester, fast gewaltsam und schmerzhaft. Und mit zuckenden Lippen wiederholte er immer wieder ganz nahe und leise an ihrem Ohr: „Ich liebe dich, ich werde dich immer lieben!“ Der Abend hatte unterdessen das lanz erwartete große Ereignis gebracht. Der„Kugelblitz“ hatte endlich die erlösende Formel gefunden und Fräulein Helene war in der siebenten Stunde glückliche Braut geworden, umwogt von der allgemeinen Aufregung des Verlobungstrubels, so daß die lange Abwesenheit von Lore und Klaus eigentlich nur von Sibylle bemerkt worden war. Frau Pastor Gürtler hatte aus den Gründen ihrer anscheinend unerschöpflichen Speisekammer allerlei gewaltige Schüsseln hervorgezaubert, mit kaltem Braten und Geflügel, die in ihrer buntfarbigen Aufmachung mit leckeren Kompotts und Gelees nur zu deutlich verrieten, daß sie in weitschauender Voraussicht eines höheren Zweckes so kunstvoll hergerichtet waren. Walter Ralff war von den beiden Pfarrherren in der Frage der Getränke mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet worden und hatte unter der sachverständigen Beihilfe der beiden Studenten, die mit den Warkentienschen Zwillingen in den dunkleren Laubengangen des Gartens schon recht untergefaßt promenierten, eine umfängliche Erdbeerbowle angesetzt. Dann hatte er mit allerlei Windkerzen und Seidenpapierlampions unter den Blutbuchen eine stimmungsvolle italienische Nacht improvisiert und den Kaffeetisch des Nachmittags mit staunenswerter Schnelligkeit zu einer festlichen Verlobungstafel umgeschaffen Und als die erste offizielle Ansprache des noch immer fassungslos gerührten Brautvaters verklungen war und Herr Pastor Warkentien mit seinem beliebten Königsberger Klatschsalamander auf die Neuverlobten loslegte, da hatte auch der unverwüstliche Walter an sein Glas geklopft und um die Erlaubnis gebeten, im Namen der Jugend dem Brautpaar seine Glückwünsche darbringen zu dürfen. Die sternenklare Feierlichkeit der lauen Sommernacht, der Duft von Wein und Rosenblühen hatte seinen Worten Glanz und Tiefe verliehen, als er die Allgewalt der Liebe gefeiert hatte. Der neugebackene Ehemann hatte mit bewegter Stimme, wenn auch schon ein wenig unsicher und seinen eigenen Sätzen zuweilen auf die Schleppe tretend, auf die ehrenvolle Ovation geantwortet und seine zusammengestotterte Rede erst mit einer jähen Wendung zu Ende gebracht, als ihm aus dem zu seinen Häupten hängenden Riesenlampion ein umfangreicher Stearinklecks auf sein schon stark gelichtetes, nach einem sinnreichen Defizitsystem geordnetes Scheitelhaar herabgetropft war. Man hatte schließlich ohne ersichtlichen Grund ein Hoch nach dem anderen herausgejubelt, bis es Frau Pastor Warkentien am Ende doch für angezeigt gehalten hatte, bei der übermütigen Jugend ein wenig nach dem Rechten zu sehen und langsam zum Aufbruch zu blasen.— Mitternacht war nahe herangekommen, als die letzten Lichter unter den Blutbuchen erloschen und der Siebenlindener Wagen wieder zum Pfarrhof hinausrasselte. Walter Ralff hatte sich bei den Knauffschen Herrschaften vor der Heimfahrt beurlaubt; auf einmal war mitten in dem lautesten Festestreiben eine merkwürdige Unruhe in ihm wach geworden, die er nur in einem weiten Wanderweg ersticken zu können meinte. Er begleitete Klaus und Lore mit dem nicht mehr ganz taktfesten„Kugelblitz" durch das schlafende Dorf bis zum Schloß und wandte sich von hier in den nachtdunklen Park hinüber. Der rasche Gang war ihm wie eine Befreiung, eine Erleichterung; er fühlte, wie sich mit jedem Schritt sein Denken wieder klärte und in den alten ruhigen Rhythmus kühler Gelassenheit zurückschwang. Dann saß er lange auf einer Bank in der holländischen Einsiedelei und schaute auf den See hinaus. auf dessen Grunde sich alles Licht der Mitternachtsdämmerung in einem seltsam phosphorischen Grün gesammelt zu haben schien. Zuweilen scholl ein Hundegebell aus fernen Uferdörfern gedämpft herüber. Dann wieder Stille. Nur ein lauer Luftzug ging mit, ohne Frische, fast ohne Laut, wie erstickt von der lastenden Schwüle des großen Schweigens. Da klang auf einmal ein leise plätscherndes Geräusch, wie das talktmäßige Rucken eines Ruders. Ein kleines Boot tauchte auf der düsteren Wasserseite auf und näherte sich langsam dem Landungsplatz. Abend im Dorfe Holzschnitt von Rudolf Kraft— Weike-M.) Ein einzelner Mann sprang heraus und ging auf die Orangerie zu. Bei der geringen Entfernung erkannte Walter in den Umrissen der schlanken Gestalt sofort Kurt von Rhaden. In der nächsten Minute flammte im Schlafzimmer des Fliegers ein Licht und stand eine Zeitlang ruhig in der Umrahmung des Fensters. Und dann war es plötzlich wieder erloschen und alles still und dunkel wie zuvor.————Walter richtete sich höher empor. Kurt von Rhaden! Auf einmal wußte er, was ihn zu so seltsamer Stunde in die Einsiedelei geführt hatte, stand das verschwundene Testament, dem er schon am Morgen in der Orangerie nachgespürt, jede andere Vorstellung überschattend, wieder im Mittelpunkt seines ganzen Denkens. Mit leisen, katzenartigen Schritten stahl er sich endlich, die verräterischen Kieswege sorgfältig meidend, über die Rasenböschungen des Gartens bis dicht an das Schlafzimmerfenster. Trotz der fast völligen Finsternis konnte er im Hintergrunde die Amrisse eines Bettes undeutlich unterscheiden. Und jetzt drangen aus der Tiefe des Zimmers langgezogene. regelmäßige Atemzüge an sein Obr. Der Flieger schlief also bereits ruhig und fest, ohne Ahnung des heimlichen Lauschers. Minutenlang verharrte Walter unschlüssig. Sollte er es wirklich wagen, wie ein Dieb in der Nacht in die Wohnung seines Opfers einzudringen und sich seiner Brieftasche zu bemächtigen? Eine unerschütterliche, hellseherische Gewißheit war in diesem Augenblick in ihm, daß kein anderer Verwahrungsort für das kostbare Dokument in Frage kommen konnke. Da stand er in dem kleinen Vorsaal und tastete sich suchend an der Wand entlang. Er hatte seine elektrische Lampe aus der Tasche genommen und sandte zuweilen einen fadendünnen Lichtstrich über die leise knisternden Steinfliesen. Die Tür zum Wohnzimmer war nur angelehnt. Mit äußerster Vorsicht drückte er den Türflügel ganz langsam zurück und schlich auf den Zehenspitzen in den nachtdunklen Raum. Was nun? Auf einmal fiel ihm der Wahnwitz seines Unterfangens wieder lähmend auf die Seele. Das Blut brauste ihm in den Ohren, seine Schläfen brannten, ein grauenhaftes Empfinden überfiel ihn plötzlich, als wimmele es ringsum von verzerrten Gesichtern mit weit aufgerissenen Augen, als reckten sich aus den stummen Wänden nach ihm 100 entsetzliche Arme. Mit wildklopfendem Herzen, unfähig. ein Glied zu rühren, lauschte er auf den Atem des Schlafenden, der ihm allmählich immer lauter und drohender, wie in einem hallenden Sausen, aus dem anstoßenden Zimmer herüberzuklingen schien. Da knirschte im Garten auf einmal ein leichter, rascher Schritt. Walter zuckte zusammen, die seltsame Erstarrung löste sich. Mit Gedankenschnelle wich er wieder in den Vorsaal zurück und barg sich hier tief in einer Nische zwischen Oleanderbäumen. Im nächsten Augenblick flog die Tür auf. Eine weibliche Gestalt huschte so nahe an ihm vorbei, daß sie ihn fast mit dem Kleide streifte. Und plötzlich schnitt eine angstvolle Stimme durch das nächtliche Schweigen, daß Walter unwillkürlich der Herzschlag stockte „Kurt, ich bin's, ich muß dich unbedingt noch einmal sprechen.“ „Sibylle!“— Sekundenlang war wieder alles totenstill. Und dann klang es durch die atemlose Stille von neuem dringender, flehender: „Mach' doch um Gotteswillen Licht. Kurt! Die Angst bringt mich ja noch um meinen Verstand!“ Walter hatte sich von seinem Nischenversteik weit vorgebeugt und das Gesicht an den schmalen Angelspalt der halboffenen Tür gelegt. Im Zimmer war es inzwischen hell geworden. Der Flieger lehnte mit übereinandergeschlagenen Armen an seinem Zeichentisch. Er hatte eine Lederjoppe über seinen Schlasanzug geworfen und sah mit unverhohlenem Erstaunen auf seine nächtliche Besucherin, die kraftlos, verfallen und müde wie eine Schwerkranke auf dem kleinen Korb sessel zusammengebrochen war. Ein Ausdruck hoffnungsloser Verzweiflung lag auf dem schmalen, süßen Gesicht. „Kurt, hilf mir! Ich bin ja umstellt, gehetzt, verfolgt wie ein Tier!"— „Sibolle!“ Der Flieger war ganz nahe zu ihr herangetreten und rührte leise an ihrer Schulter. „So sprich doch endlich vernünftig! Was ist denn geschehen?“ Mit einer matten Bewegung strich sie sich das verwirrte Haar aus der Stirn. „Wir sind am Ende. Kurt. Seit Tagen trage ich es schon mit mir herum. Ich bin zum Umsinken müde und finde doch nirgends Ruhe.“ „Die Vergangenheit steht gegen uns auf.“ fuhr sie dann mit mühsamer Beherrschung fort.„Die Herren im Schloß sind nicht das, wofür sie sich ausgeben. Dr. Hauffe ist der junge Graf Ritland. Er und der Maler sind hierhergekommen, um dich und mich zu verderben.“ Mit einem ächzenden Laut sank sie wieder in sich zusammen und weinte leise wie ein Kind. Kurt stand unbewegt; keine Muskel in seinem undurchdringlichen Gesicht zuckte. „Du siehst Gespenster. Sibylle,“ sagte er endlich. „Mag sein, daß es Wahrheit ist, was du mir über jene Herren gesagt hast. Darüber werde ich zu ge* legener Zeit mit ihnen abrechnen. Was uns beide angeht, so hoffe ich, daß du jetzt einsehen wirst, wo dein Platz ist. Ich allein kenne das Geheimnis jenes Abends, als dein Mann starb. Und niemand soll es mir entreißen. Und ich allein kann dich schützen, wenn man dir deinen Reichtum wieder nehmen will. Solange sich das Testament in meiner Hand befindet, bist du sicher. Und du weißt ja auch, wie du dir deine Sicherheit für alle Zeit wahren kannst.“ Mit einem tränenumflorten Blick sah sie zu ihm auf. „Kurt, warum quälst du mich so? Siehst du denn nicht, wie ich leide? Ich finde keine Ruhe, solange ich weiß, daß das unselige Papier noch vorhanden ist. Habe doch Mitleid mit mir. Gib das Testament. Wir wollen es noch heute gemeinsam verbrennen.“ Ein langes Schweigen folgte. Die Minuten rannen in qualvoller Ungewißheit. Auch der Lauscher im Vorsaal stand wie gebannt. Was sollte er kun, wie konnte er eingreifen, wenn der Mann da drinnen dem Drängen des unseligen Weides nachgab und das kostbare Dokument, das einzige Zeugnis für Lores Erbansprüche einer unersetzlichen Vernichtung anheimfiel.— Kurt war an das offene Fenster getreten und schaute sinnend in das Dunkel der Nacht hinaus. Ein Sturm von Empfindungen wogte durch seine Brust. Er fühlte, wie die Frau hinter ihm wartete, daß er das erlösende Wort sprach, das sie für alle Zeit aus Rot und Friedlosigkeit befreite. Eine schmerzhafte Leidenschaft überkam ihn plötzlich, sie in seine Arme zu nehmen und in freiwilliger Hergabe des Testaments einzig durch die Gewalt seiner großen, bezwingenden Liebe sich all das wieder zu erringen, was er schon einmal besessen hatte. Da sah er auf einmal in der spiegelnden Fensterscheibe Siballes Gesicht. Der Ausdruck rührender Hilflosigkeit, der ihm so tief ins Herz gegriffen hatte, war verschwunden. Eine drohende Falte stand zwischen den schmalen Augenbrauen und ein seltsam lauernder Blick verfolgte eine jede seiner Bewegungen. Mit einem kurzen Ruck wandte er sich zurück; mit einem Schlage war alle Weichheit wieder von ihm abgefallen, war er wieder ganz der kühle, unbeirrbare Tatsachenmensch. „Ich kann deinen Wunsch nicht erfüllen. Sibylle,“ sagte er mit harter Stimme.„Weil ich dir nicht mehr voll vertrauen kann. Mein Sinn steht nicht nach Geld und Gut. Ich will nur dich. Und ich weiß, daß du mir wieder entgleitest, wenn ich das Letzte aus der Hand gebe, womit ich dich halten kann. Es bleibt bei dem, was ich dir schon einmal gesagt habe: Am Abend unserer Hochzeit steht dir das Testament zur Verfügung. Eher nicht!“ Sibylle antwortete lange nicht. Regungslos saß sie am Tische. Wie eine tödliche Lähmung kroch die Erschöpfung der beiden durchwachten Nächte über sie hin. Sie fühlte, daß sie vor der letzten, entscheidenden Wendung ihres Ledens stand; und sie fühlte auch, daß sie gerade in diesem schicksalsschweren Augenblick ohne Kraft und ohne Willen war. Sie hatte die dunkle Empfindung. als sei sie mit dem Saum ihres Rockes in die Speichen eines Rades geraten, das sie mit eiserner Kraft widerstandslos, unentrinnbar in das Getriebe einer entsetzlichen Maschine hineinriß.—— „Ich bin in deiner Hand.“ sagte sie endlich,„und ich muß mich fügen. Wenn du darauf bestehst, daß mir nur unsere Eheschließung meine Freiheit und meinen Frieden wiedergeben soll, so soll sie so schnell wie irgend möglich erfolgen. Ich bin bereit, noch in dieser Woche mit dir nach England zu reisen und mich dort mit dir trauen zu lassen. Ich muß hier ein Ende machen, wenn ich nicht zu Grunde gehen soll.“ Sie hatte sich bei den letzten Worten mühsam aufgerichtet und stützte sich schwer auf die Lehne ihres Sessels. „Darf ich dich jetzt bitten, mich heimzubegleiten? Ich fürchte mich heute nacht im Park.“— Zwei Minuken darauf erlosch das Licht. Walter war im Haus allein. Geraume Zeit stand er wartend und lauschte auf das Geräusch der langsam verklingenden Schritte. Dann ging er ganz ruhig und leise nach Schlafzimmer hinüber und zog den Kasten des Betttisches auf. Er wußte mit nachtwandlerischer Sicherheit, daß er finden würde, was er suchte. Die Brieftasche des Fliegers lag zwischen allerlei Gebrauchsgegenständen in der Lade obenauf. Mit verhaltenem Atem öffnete er den Verschluß und nahm ein zusammengefaltetes Blatt heraus. Ein Lichtblitz huschte über das Papier. Das Testament. Im nächsten Augenblick hatte er sich über die niedrige Fensterbrüstung in den Garten hinausgeschwungen und war im Dunkel der Nacht verschwunden. Eine halbe Stunde später ging die Haustür von neuem. Kurt von Rhaden kam zurück. Er kleidete sich im Dunkeln aus und warf sich mit einem Gefühl unbeschreiblichen Erlöstseins auf sein Bett. Jetzt endlich hatte er erreicht, worum er in der ganzen letzten Zeit der Finsternis und Verwortenheit gerungen hatte. Mitten in der Nacht war das Glück zu ihm gekommen, das er schon unwiederbringlich verloren geglaubt, hatte sich ihm die Frau ergeben, die er in tiefster Seele als die schicksalsbestimmte Ergänzung seines Wesens empfand. Sibylle! Mit seinem ganzen Denken umspannte er den geliebten Namen, zwang er sie immer wieder vor sein geistiges Auge, in all ihrer Kraft und Gesundheit, in der blühenden Schönheit ihrer unzerstörbaren Jugend. Zwei Tage noch, und der letzte Ring der Kette klirrte herab, der ihn“ an die Vergangenheit sesselte, dann fuhr er mit der geliebten Frau zu bunten Abenteuern in die Welt hinaus, unabhängig, reich und frei, Herr seines Schicksals.— Reich und frei! Ein würgendes Gefühl saß ihm plötzlich im Haise. Auf einmal wußte er, daß ihm alle Herrlichkeit dieser Welt das eine nicht wiedergeben konnte, was er dafür geopfert hatte. Ein Blatt Papier stand für alle Zeit zwischen ihm und dem Frieden seiner Seele. Das Blatt, um das er seine Ehre verkauft, um das er sich dazu erniedrigt hatte, einen andere: Menschen in Armut und Heimatlosigkeit hinauszustoßen. Ein seltsames Verlangen überkam ihn plötzlich, dies Blatt noch einmal anzusehen, das zugleich der Talismann seines Glückes und das Dokument seiner tiefsten Schande war. Mit unsicherer Hand drehte er seine Bettlampe an und nahm seine Brieftasche aus dem Nachttisch. Und dann fuhr es wie ein Axthieb gegen seine Stirn. Das Testament war verschwunden. (Fortsetzung folgt.) Begegnung am ArlbersEFRTREINHOLD Marianne hatte sich über dem Frühstück verspätet, nun saß sie am offenen Hüttenfenster und sah. gegen die Sonne zwinkernd, der Schar ihrer Kameradinnen nach, die eben, ein aufgeschlossenes. wildes Rudel junger Menschen, in stiebender Fahrt zu Tal glitten. Es ärgerte sie, daß sie nicht mit von der Partie war. aber als die Saaltochter abzuräumen kam und fragte, ob sie etwa den Anschluß vervaßt hätte. meinte sie lächelnd. sie zöge es heute vor. gegen die Valluga aufzusteigen. Tatsächlich schnallte sie sich eine Viertelstunde später die Stier unter und stieg in weiten Kehren zu Berg. Es war das erste Mal in diesen zwölf Tagen, die sie nun am Arlberg war, daß sie allein auf Tour ging. Sie war eine gute Läuferin und auf den Brettern wie zu Hause, aber sie liebte Geselligkeit und war nie sonst ohne Begleitung einiger gewesen. Nun überraschte sie die Köstlichkeit der Stille, die sie umgab, als sie einen Tobel hochstrebte und die Hütte hinter einer Felsmauer versteckt blieb. Der Tag war selten klar. Die Sonne strahlte, der Schnee war salzig und führig. und kein Windhauch krich über die Höhen, die glänzten und blinkten. Oft blied sie stehen, um das wundersame Bild der gewaltigen Berglandschaft zu trinken, und es war ihr mehr als einmal, als sehe sie die Gipfelwelt zum ersten Male im rechten Licht. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, nach einem kleinen Aufstieg auf Umwegen den Kameraden nachzufahren, aber als sie so den Reichtum des Alleinseins inmitten weißer, schweigender und doch sprechender Berge entdeckte, kam sie davon ab und stieg weiter steilauf über Wächten nach einem Paß, wo, wie sie wußte, der Weg von der Stuttgarter Hütte und vom Zürser Tal hochkam. Oben angelangt, gelüstete es ihr. den nahen Vallugagipfel zu ersteigen, aber sie wagte nicht. allein und ungenügend ausgerüstet über den Grat zu klettern. So schnallte sie ab, legte die Bretter hin und hockte sich darauf nieder. Die Sonne meinte es gut. Marianne wurde es warm, sie zog sich die Bluse über den Kopf und badete wohlig im Licht. Die Schneebrille auf der Nase schaute sie lange in das weite Land, bis sie ermüdete und plötzlich einschlief. Sie hörte ein verhaltenes Hüsteln, das sie ermunterte. Erschrocken sprang sie auf und warf die Bluse über. Dann erst sah sie sich um. Ein Skiläufer war von jenseits auf den Paß gekommen und hatte sie überrascht. Braungebrannt, groß und kräftig stand er da und lachte über das ganze Gesicht:„Habe ich gestört?“ fragte er und kam auf sie zu. Als sie eine Stunde später mit ihm den Grat zu Valluga hinaufkletterte,= war sie ihm alles andere als gram. Sie hatten nebeneinander gehockt, und er hatte, ohne ihr Sonnenbad zu erwähnen, vieles gesprochen und auch seinen Proviant mit ihr geteilt. Bald hatten sie sich wie alte Bekannte gegeben, und war es da verwunderlich, wenn sie, nach einer bittenden Frage, mit ihm gegangen war? Das Seil gegürtet stapfte sie vorsichtig den wächtenverhangenen Grat hoch, gebrauchte Hände und Füße, schwitzte und fror, sah in Abgründe und hörte Lawinen donnern. Aber nicht einmal kam ihr ein Angstgefühl an, oft sah sie sich um und spürte dann seine Kraft, wenn er, das Seil um den gerammten Pickel geschlungen, sie sicherte. Auf dem Gipfel standen sie lange schweigend. bis er ihr die Namen der Bergriesen ringsum nannte. Er rauchte dabei eine Pseise und nahm Marianne in den Windschatten seiner Gestalt, denn es windete kalt, daß sie fröstelte. Es war eigenartig, wie seltsam geborgen sie sich in seiner Nähe fühlte, und es tat gut, wenn er sich zu ihr herabbeugte und bedachtsam auf sie einsprach. Er wußte viel vom Leben und liebte die Berge, die er mit anderen Rugen sah. Er war vom Allgäu her über die Stuttgarter Hütte gekommen und wollte im späten Abend in St. Anton sein, on anderntags in das Silvrettagebiet zu wechseln. „Dahin möchte ich auch gern einmal,“ sagte Marianne und schwieg plötzlich. Solch eine törichte Rede! Unwillkürlich löste sie sich von ihm und trat in den Wind, der ihre dunklen Haare unter der Mütze vor zauste. Er blieb stehen und sah starr nach den lichtübergossenen Silvrettabergen hinüber.„Kommen Sie mit, kleines Fräulein,“ sagte er dann und fügte seinen Namen bei. Sie gab ihm keine Antwort. Schweigend stiegen sie den Grat zurück. Wieder ging sie voran, und wieder sicherte er sie Seillänge um Seillänge. In kurzer Zeit waren sie auf dem Paß. Wortlos schnallte er ihr die Bretter unter, packte seinen Rucksack und wies ihr hernach den Weg der Abfahrt. „Ich glaubte, daß Sie auch hinunter wollen?“ sagte sie und sah ihn an. „Fahren Sie!" befahl er kurz. und als sie hinunterschoß, rief er ihr besorgt nach, sie möge vorsichtig sein. Wie der Wind glitt sie zu Tal. Die Bretter sangen, der Schnee stiebte und der Luftzug nahm ihr den Atem. Auf einem Buckel, den sie umspringend nahm, machte sie halt und sah sich um.„Wie ungeschickt er fährt," dachte sie, denn er nahm die Wendungen nicht im kühnen Schwung, sondern fuhr den Tobel kreuz und quer, jedesmal vor einer Kehre hangauffahrend. wo er umständlich wendete.„Auch ein Skifahrer!" sagte sie verächtlich und sauste weiter talab. Plötzlich fühlte sie, daß sie durch die Luft schoß, sie fiel und fiel, stauchte auf, kam ins Gleiten und sackte willenlos gegen eine Felswand. Noch hörte sie, wie die Bretter splitterten, spürte einen bösen Knacks im Fußgelenk. Dann schwanden ihr die Sinne. „Nun?“ sagte eine besorgte Stimme. Da schlug sie die Augen auf.„Der Fuß“ jammerte sie. Er stand breitbeinig über ihr und befühlte ihre Knöchel.„Noch einmal gut abgegangen,“ schalt er und suchte schon nach den Resten ihrer Bretter. Ihr war zum Weinen zumute. Wie sollte sie nach der Hütte kommen? Das Gelenk schmerzte brennend „Aus... aus“, murmelte sie, denn sie erinnerte sich der nächsten, der letzten Ferienwoche. Jetzt erkannte sie auch, wie es geschehen war: in einer Kehre war sie zu steil gewendet und in Schußfahrt gekommen, die sie nimmer zu bremsen vermochte. In wahnwitzigem Tempo war sie über eine Wächte geschossen, auf verharrschtem Steilhang ausgetaucht und haltlos tiefer gerutscht bis gegen die Felswand, an der sie jetzt lehnte. Es war ein Wunder, daß er sie gleich gesunden hatte. Sie sah, wie er die Bindungen aus den Skitrümmern löste und in seinem Rucksack verstaute. Sie sah aber auch, wie er sie zwischen seinen Handgriffen prüfend ansah. Da neigte sie beschämt den Blick, und jetzt erst bemerkte sie, daß er ihr seinen Pullover übergezogen hatte. Auf einmal fühlte sie eine grenzenlose Sicherheit und vermeinte nun nicht weiter tun zu müssen, als abzuwarten, was er zu unternehmen gedachte. „Versuchen Sie zu stehen,“ sagte er weich, als er ihre Stöcke gefunden hatte. Gehorsam erhob sie sich, sank aber gleich wieder zusammen.„Es geht nicht.“ sagte sie weinerlich. „Hm!“ machte er und dachte einen Augenblick nach. „Der Weg nach der Hütte ist weit!“ sagte sie, nur um etwas zu sagen. Er gab ihr keine Antwort. Rasch beugt, er sich zu ihr nieder und hob sie in seine Arme, als wollte er ihr Gesicht prüfen.„Es muß gehen,“ murmelte er und kramte aus dem Rucksack das Seil, das er zu einer Art Tragsitz knotete, den er sich kunstgerecht überschnürte.„Kriegsweisheit.“ sagte er, befahl, daß sie sich seinem Rucksack aufhuckte und schob ihr schon die Traggurte unter die Arme. Dann schnallte er sich die Skier unter und ließ sie sich in den Tragsitz setzen. „Fassen Sie fest um meine Schultern,“ sagte er, und ebe er sich losschob und bedachtsam mit seiner Last zu Tal fuhr, setzte er tröstend hinzu:„Wenn es auch wehwir kommen gut nach unten!“ So kam Marianne nach der Hütte. Er sorgte dafür, daß sie sofort gute Pflege erhielt. Dann stieg er nach dem Zimme:, wo sie lag, und wollte sich verabschieden. „Gehen Sie nach der Silvretta?“ fragte Marianne und sah ihm voller Dankbarkeit ins Gesicht. „Freilich.“ antwortete er.„Morgen früh von Landeck aus.“ „Morgen früh?“ flüsterte sie. Dann suchte sie seine Hände und sagte:„Ich komme nach, wenn Sie es wünschen und wenn es möglich ist...!“ Erstaunt sah sie, daß er wie ein Schuljunge errotete. Gleich aber sagte er:„Nein!" zog seine Hande zuruck und ging zur Tür. Im Augenblick aber kam er zurück. Liebkosend strich er ihr über das Haar.„Wenn Sie mir schreiben wollen. Marianne,“ sagte er und steckte ihr seine Anschrift zu. „Gern!“ wollte sie sagen, aber er war schon wieder fort.——— Als sie nach vier Tagen gehen konnte— an ein Skilaufen war während der Saison nicht mehr zu denken,— ließ sie sich Umschlag und Briespapier geben. Eine ihrer Kameradinnen, die ihr zuweilen Gesellschaft leisteten, sah, wem sie schrieb.„Willst du ihn wiedersehen?" fragte sie neugierig. „Ja!“ Marianne sagte es laut. „Dankbarkeit ist keine Zuneigung,“ meinte die Kameradin klug. „Es ist keine Dankbarkeit!“ Marianne sagte die Wahrheit. „Weißt du, daß er ein künstliches Bein trägt?" Die Kameradin sagte das betont. „Das weiß ich!“ sagte Marianne und tauchte die Feder in die Tinte. Da erhob sich die Kameradin und ging aus dem Zimmer. Ein Mann sprang nach.““KVEoser Der Direktor saß am Schreibtisch und arbeitete. als es an der Tür klopfte. Seine Frau trat ins Zimmer.„Ich muß dich sorechen. Fred.“ sagte sie.„es handelt sich wegen Fräulein Seifert. Wir müssen sie entlassen.“ „Bist du nicht zufrieden mit ihr?" fragte Hilmers überrascht und lehnte sich zurück. „Es ist etwas anderes.“ seufzte seine Frau,„dein Neise hat sich in sie verliebt.“ „Gibt dir ihr Verhalten Grund zur Klage?" „Das nicht. Ich muß zugeben, daß sie sich völlig korrekt benimmt. Aber Horst ist imstande. Fräulein Seifert zu heiraten.“ Der Direktor lachte.„Da bekommt Horst eine tüch tige Frau.“ „Ich verstehe nicht, daß du lachen kannst." fuhr seine Frau auf. „Du meinst— keine standesgemäße Partie. nicht wahr?" „Es wäre bestimmt nicht im Sinne deines verstorbenen Bruders.“ „Hier hat es sich nur im Sinne der beiden jungen Menschen zu handeln.“ „Wenn wir sie entlassen, wird Horst sie vergessen. ehe es zu spät ist.“ Der Direktor schüttelte den Kopf.„Vier Jahre ist Fräulein Paula nun bei uns, du hast nie einen Grund zur Klage gehabt, sie ist nett, bescheiden, tüchtig. die Kinder haben sie gern.. „Und du besonders!", lächelte seine Frau über legen. „Ausgesucht hast du sie,“ entgegnete der Direktor. „während ich auf Reisen war. Ich war erstaunt, als ich zurückkam. ein neues Fräulein vorzufinden. Du hattest rasch engagiert. Und weil du Furcht hattest. ich könnte nicht einverstanden sein. nahmst du mein Mitleid in Anspruch: Fräulein Seifert wäre Waise. Daran möchte ich dich jetzt erinnern.“ „Ich will ja auch nicht, daß sie auf der Straße liegt. Ich werde ihr in einer anderen Stadt eine gute Stellung besorgen.“ „Vielleicht greifst du damit entscheidend in ihr Leben ein? Vielleicht bringst du sie um ihr Glück. Wenn Horst sie wirklich lieden könnte?" Es schien ihn fast zu freuen. „Wenn sie nicht aus so einjachen Kreisen wäre." seuizte sie. „Du vergißt, daß ich nicht anderen Kreisen entkamme,“ sagte der Direktor.„Wie schlecht es mir früher ging, hast du allerdings nicht miterlebt. Aber ich sage dir, es ging mir so schlecht, daß ich es ein mal vorzog. ins Wasser zu hopsen. Zwanzig war ich damals.“ „Diese alte Geschichte.“ flüsterte seine Frau nervös. „damit renommierst du heute.“ „Wenn du es so nennen willst.“ lächelte der Direk tor ruhig.„aber daß ich es heute überhaupt noch kann. verdanke ich vermutlich Fräulein Seiserts Vater." „Wem?" fragte Frau Hilmers bestürzt. „Fräulein Seiferts Vaters. Jedenfalls hieß so der Mann. der mir von der Brücke aus nachsprang, und es war in jener kleinen Stadt. in der sie geboren ist.“ „Viele Leute heißen Seifert,“ atmete seine Frau auf. „Gewiß. Und ich weiß es ja auch nicht ganz genau. Selbst ihr Name hat mich damals noch nicht daran erinnert, erst als ich ihren Geburtsort erfuhr. kam ich darauf.“ „Jetzt verstehe ich. warum du immer so besonders freundlich zu ihr warst.“ „Ich wäre auch sonst zu ihr freundlich gewesen: auch dir ist es nicht schwergefallen. Natürlich hatte Gold in Aepseln Durch einen Zufall ist man einem raffinierten Goldschmuggel aus Kanada nach Britisch=Kolumbien auf die Spur gekommen. Eine Frau hatte sich in Georgetown in Britisch=Kolumbien Aepfel gekauft und war nicht wenig überrascht, als sie im Kerngehäuse der Früchte kleine Goldstücke entdeckte. deren Vorhandensein sie sich nicht erklären konnte. Jeder Apfel. den sie durchschnitt, enthielt mehrere Gramm Gold. Die Frau machte der Polizei von ihrer Wahrnehmung Mitteilung. und die Behörden untersuchten das Rätsel der„goldenen Aepfel". Man beschlagnahmte bei dem Händler eine Aevselkiste und stellte fest, daß sämtliche zum Verkauf bereitliegenden Acpfel Goldstücke enthielten, wovon der Händler freilich nichts wußte. Man nimmt an, daß die Aepfelkiste nur durch ein Versehen in den Handel gebracht worden ist. Sie diente in Wirklichkeit dazu, um Gold von Kanada nach Britisch=Kolumbien zu schmuggeln. Vorläufig hat man jedoch die Urbeber dieses merkwürdigen Schmusgeloeschäfter noch nicht ermitteln können. ich manchmal das Gefühl. ihr irgendwie danken zu müssen, da ich es bei ihrem Vater versäumt datte. Er gab mir damals zwar seine Adresse, die ich vergaß. Ich behielt nur seinen Namen. Im übrigen war ich ihm damals auch gar nicht so dankbar gesinnt. Aber es war seltsam: seit jener Zeit nahm mein Schicksal eine andere Wendung, mein Aufstieg begann.“ „Selbst wenn er es gewesen wäre. du hast keine Verpflichtung gegen seine Tochter. Ich meine—.“ setzte sie rasch hin, als sie sah, daß sich sein Geücht verfinsterte.„du brauchst nicht gerade seiner Techiet in solcher Weise dankbar zu sein. Sie hat dich doch nicht gerettet.“ Er fühlte die Kluft, die in manchen Dingen zwischen ihnen bestand. tron aller Liebe. Crila. aus reichem Hause stammend, hatte ja nirmals Rot kennengelernt. „Aber fortschicken möchte ich sie nicht.“ sagte er. „nicht aus diesem Grunde.“ Es klovfte wieder. Das Fräulein kam herein, um etwas zu bestellen. „Bleiben Sie noch!“ sagte Hilmers. Daß sie in diesem Augenblick hereingekommen war. schien ihm mehr als Zufall zu sein. „Setzen Sie sich doch. bitte.“ Er sah so sonderbar aus, fand das Fräulein. als ob er sehr nachdenken mußte und etwas sagen wollte, das er lange bei sich bewahrt hatte. Ob es sich um seinen Nessen handelte? Hatte sie sich nicht richtig benommen? Etwas angstlich sah sie auf das Ebepaar. Ach. sie dachte ja nur daran, sich korrekt zu benehmen und zu Herrn Horst hatte sie schon gesagt, daß er ihr die zweite Heimat. die sie hier gefunden habe, nicht nehmen solle.„Wir sprachen gerade von Ihnen, liebes Fräulein Se##ert.“ sing der Direktor an. und wir möchten etwa wissen.“ „Bitte!" flüsterte das Fräulein. Auch Frau Hilmers sah so sonderbar aus. „Ihre Eltern sind tot. verzeiben Sie, wenn wir davon sprechen. Ihre Mutter stard vor sechs Jahren?" „Ja!“ „Wie alt waren Sie, als Ihr Vater stard?“ „Vier Jahre!" „Da können Sie sich wohl kaum an ihn erinnern?“ fragte der Direktor und blickte sie nachdenklich an. „Meine Mutter hat mir viel von ihm erzahlt" berichtete das Fräulein leise. war erst fünfunddreihig, als er kard. Er dette Sport-Rundschau *9 Im Fußball der Entscheidung entgegen Großer Beluch in Herne: Borullia Dortmund am Schloß Strünkede.— Der VIB. Börnig auf Reilen.- Fortietzung der Kreisklallenlpiele. In großer Aufmachung wurde der 9. Januar als großer Sportsonntag angekündigt. Leider konnte das Programm nur teilweise abgewickelt werden. So war das Nakalendlviel in Köln die wichtigste Angelegenheit im deutschen Fußballsport. Für uns Westfalen war es eine besondere Genugtuung, unseren Altmeister Schalke 04 in Front zu sehen, und das in einer derart überzeugenden Art, so daß alle Blätter des Lobes voll waren. Dadurch gewinnt das 0:0 der Westfalia am Schloß Strünkede noch erhöhte Bedeutung. Leider blieb dieser große Tag unserer Herner Westfalia nur eine Eintagsfliege. In den nächsten Spielen zeigte man derart lasche Leistungen, als wenn man es nun nicht mehr für nötig hielte, allen Gegnern mit gleichem Einsatz entgegenzutreten. Gegen Rotthausen wäre es beinahe schief gegangen, mit Mühe und Not langte es noch zu einem Siege. Dann kam am 9. Januar der zweite Knall: einen Punkt entführten die Germanen aus Bochum. Nun aber steht Herne mit seiner Westfalia vor einem Großkampftag. August Lenz schaft auf den zweiten Platz. Zurzeit halten die Strünkeder= erste Stelle. Sollten sie Borussia abhängen, so der Platz bis zum Spiel in Schalke wohl gehalten werden können. Dazu gehört aber eine meisterliche Leistung der Gastgeber wie im Schalker Spiel. Es gilt, einen großen Gegner marrzusetzen. Der BfB Börnig bereitete uns im neuen Jahr bereits mehr Freude als die Strünkeder. Nach ihrem großen Sieg über Erle 08 warteten die Schadeburger am Vorsonntag gegen den BV 12 Gelsenkirchen mit einem weiteren großen Spiel auf und warfen den BV 12 mit 4:0 aus dem Rennen. Zu diesem Erfolg kommt für die Schadeburger noch der Aufstieg im Bilde der Tabelle. Schon hat man den vierten Platz erklettert und namhafte Vereine hinter sich gelassen. Bei weiteren Erfolgen haben die Schadeburger Aussichten auf einen noch besseren Tabellenplatz. Schon jetzt aber haben sie bewiesen, daß sie auch in der als spielstark bekannten Gelsenkirchener Gruppe bestehen können. Die Kreisklassen setzen nun zum Endspurt an. Der Wettlauf um die Meisterschaft der 1. Kreisklasse gerät ins entscheidende Stadium. Phönix Bochum, Preußen Wanne, oder doch noch Germaniz Herne, wer wird es schaffen? Vorläufig sind die Preußen noch ungeschlagen in Führung. Diesen Monat wird es nicht anders werden, denn die beiden nächsten Spiele tragen die Preußen noch auf eigenem Gelände aus. Strancheln die Bochumer„Zitronen“, so dürfte im Februar die Entscheidung fallen, und das wird sehr interessante Spieltage geben. Nur diese drei genannten Mannschaften können noch Meister werden. Heftig gerungen wird auch noch an den letzten Tabellenplätzen werden. Zu unserem Leidwesen müssen wir zwei Herner Mannschaften in gefahrvoller Lage feststellen. So den alten Pionier der Vorstadt, SpV Sodingen, und unsern östlichsten Verein, Rasensport Holthausen. In größter Gefahr befinden sich weiter Teutonia Riemke und Jahn Holsterhausen. Die Abstiegsfrage wird unter diesen vier Vereinen entschieden werden. In der 2. Kreisklasse komm für den Aufstieg Constantin Bochum, SC Werne, Spusp Gerthe und SpV Wanne in Frage. Die Abstiegsfrage berührt neben Hansa Herne, Rasensport Wanne und Hordel nun auch noch Schwarz=Weiß Herne. Wir wollen jedoch hoffen, daß die Stämmschen sich durch eigene Kraft noch aus der verzwickten Lage befreien. Ebenso setzen wir unsere Hoffnungen auf den SpV 16 Herne, daß er es im Endspurt doch noch schaffen und sich den Aufstieg zur 2. Kreisklasse erkämpfen wird. Großkampf am Schloß Strünkede Borullia Dortmund am Schloß Strünkede.— Schalke am Hellweg. Fünf Punktelpiele in Welttalen Nach dem großen Spiel von Köln wird sich in allen deutschen Gauen nun die ganze Anteilnahme auf die heimischen Punktekämpfe richten. Die Heimat des Deutschen Doppelmeisters freilich wartet nur noch auf die Klärung der Abstiegsfrage. Hier geht es in erster Linie darum, wer den SV Rotthausen auf dem bitteren Wege in die Bezirksklasse begleiten muß, und allenfalls wird noch interessieren, wer den zweiten Rang hinter den Königsblauen erobern wird. Am 16. Januar steht eine volle Tageskarte an: SV Höntrop— Schalke 04 SV Rotthausen— SuS 09 Hüsten Westfalia Herne— Borussia Dortmund. Spielvgg. Herten— Spielogg. Röhlinghausen Arminia Marten— Germania Bochum Der Kampf in Marten beansprucht besondere Aufmerksamkeit, denn die Arminia ist zur Stunde am meisten gefährdet. Am Hellweg spielt Schalke 04 auf; der Auseinandersetzung fehlt allerdings die Bedeutung früherer Jahre. Viele Liebhaber wird auch das Spiel am Schloß Strünkede finden, wo sich die nach Schalke erfolgreichsten Mannschaften auseinandersetzen. SB Höntrop— Schalke 04. In den letzten Jahren kam Höntrop nie gegen die Schalker an und verlor jedesmal auf eigener Scholle mit einer gewissen Gesetzmäßigkeit 0:3. Und diesmal hat Höntrop ganz andere Sorgen als die, Schalke Karlchens Sehnsucht nach dem Pokal Nachklänge zum Triumph der westfälischen Meisterelf in Köln.— Flehentliche Bitte an den Wettergott. Begeisterung sehr erwünscht, aber, liebe Herner Jugend, bitte, keinen Radau!— Etwas vom Rundfunk und vom„Schalker Oberbürgermeister".— Lenz contra Krüger. van Haren. Wenn man eine Unterhaltung mit dem Thema „Wetter“ einleitet, so macht das nicht gerade den Eindruck geistiger Größe, sondern nimmt sich mehr als ein Verlegenheitsprodukt aus. Auch Karlchen ist nicht gern an die Zeiten erinnert, als man noch „errötend ihren Spuren folgte" und beim ersten Zusammentreffen mit der„angebeteten Schönen“ vor lauter Verliebtheit nichts weiter stammeln konnte als „Schönes Wetter heute...“ Nun, Karlchen wäre froh, wenn er das heute sagen könnte. Denn so was an Nässe, wie wir in dieser ersten Hälfte des Januars mit in Kauf nehmen müssen, geht auf keine Kuhhaut. Karlchen muß unwillkürlich immer an das melancholische Liedchen denken, das kürzlich im Kino die schöne Zarah Leander, die kommende„Greta Garbo“, mit ihrer tiefen Altstimme sang. Heute stehen wir wirklich im Regen...“ Um sich vor der äußeren Nässe zu retten, bleibt Karlchen nichts anderes übrig, als sich auch innerlich das Entsprechende einzuverleiben. So viel Wacholder, Grogs und Glühweine hat Karlchen, der doch sonst ein passionierter Anhänger des Gerstensaftes ist, noch nie durch seine Kehle geschüttet. Es wird wirklich langsam Zeit, daß der gute Petrus wieder ein anderes Gesicht aufsetzt. Dann schon lieber Schnee und Frost, das ist gesunder, und dann kommt unsere liebe Jugend auch wirklich zu ihren Winterfreuden. Bisher hat sie nur ein ganz klein wenig davon naschen können. * Stärkstes Interesse daran, daß das Wetter bald andere Formen annimmt, hat aber auch der Sportsfreund, der Anhänger des runden Lederballes. Denn wo wollen wir hinkommen, wenn das so weiter geht. Dann haben wir zwar immer noch ein Hemd an, wie es in dem schönen Liede in umgekehrter Weise heißt, aber dann sitzen wir in der schönsten Patsche. buchstäblichen Sinne des Wortes. Denn die Fußballfelder sind zurzeit die reinsten Moorbäder. Nicht alle Vereine haben eine solch gepflegte Rasenfläche wie unser heimischer Gauligist am Schloß Strünkede, und wenn sich das Wetter bis Sonntag nachmittag nicht ganz gewaltig bessert, wenn nicht ein frischer Wind aufkommt, der all die Feuchtigkeit, die sich hier angesammelt hat, wegbläst, dann können wir uns morgen wieder auf Spielausfälle gefaßt machen. Aber so langsam müssen wir mit unseren Punktespielen ja vom Fleck kommen, sonst gibt es am Schluß wieder eine wüste Hetze. * Tabellenführer sind wir inzwischen ja wieder geworden. Mit Ach und Krach. So'n bischen Aufregung bei einem Fußballspiel ist ja ganz nett, aber was einem am letzten Sonntagnachmittag am Schloß Strünkede vorgesetzt wurde, das war denn doch des Guten ein bischen zu viel. Dohlenheinrich fiel, wie Karlchen glaubwürdige Augenzeugen versichern, von einer Ekstase, von einer Erschütterung in die andere. Erst 1:0, dann 1:1, ein Elfmeter für Herne, 2•1 für Bochum, 2:2, Elfmeter und 3:2 für Bochum, 3:3, und dann noch eine Viertelstunde toller Endspurt. Das hält selbst der nicht aus, der Nerven wie Stricke hat. Auch Karlchen brauchte geraume Zeit, um sein inneres und äußeres Gleichgewicht wiederzufinden. Karlchen taumelte an diesem Nachmittag schwer „groggy“ vom Platz... Ein Wort bei dieser Gelegenheit noch über die liebe Herner Jugend und etwas über Platzordnung. Es ist nett, wenn ein Verein, wenn eine Mannschaft eine begeisterungsfähige Jugend hinter sich hat. Aber das darf nicht in wüste Schreierei ausarten, und zudem muß ein für allemal verhindert werden, daß die Jungens sich hinter dem Tor der gegnerischen Mannschaft aufbauen und bei jedem Vorstoß der Herner Mannschaft wie die Wilden an zu brüllen fangen, auch wenn das in Bochum damals nicht besser war. Das kann sich ein kleiner, unbekannter Vorstadtverein vielleicht gestatten— obwohl man auch hier größten Wert auf Platzdisziplin legen sollte—. aber bei einem großen Gauligaverein wirkt sich das doppelt peinlich aus. Also, Platzordner, tut eure Pfiicht! Karlchen hat nach dem 0:0=Spiel gegen Schalke den feierlichen Schwur vernommen: Bis zum 6. Februar(Rückspiel gegen Schalke 04 in der GlückaufKampfbahn) wird kein Punkt mehr abgegeben. Nun, man soll mit Schwüren bekanntlich vorsichtig sein, ein Punkt ist bereits flöten gegangen. Tragisch ist das an sich weiter nicht, denn wir würden auch ohne diesen Verlust Schalke 04 wohl schwerlich hindern könin Dortmund, wo schließlich ein 1:1 heraussprang. Am Schloß Strünkede war es aber bis zur Stunde keinem Gegner der Westfalia möglich, einen Sieg herauszuspielen. Dort verlor selbst Schalke mit einem 0:0 den bislang einzigen Punkt. Sicherlich werden Lenz und seine Kameraden schon in großer Form sein müssen, wenn sie zum Zuge kommen wollen. Sonntag vormittag: Westfalia 1. Jgd.— Reichsbahn Wanne 1. Jgd. Westfalia 2. Jgd.— Reichsbahn Wanne 2. Jgd Spielvgg. herten— Spielogg. RKöhlinghausen. Am Katzenbusch hingen in den letzten Wochen die berühmten„Trauben“ unangenehm hoch, und mancher Fuchs hat sich dort verfangen. Herten weiß, worum es geht. Man wartet mit Ungeduld auf den Neuling, dem man das 1:2 aus dem Hinspiel ankreiden und zwei der noch so bitter nötigen Punkte abnehmen will. Das wird zwar nicht so einfach sein. aber wir glauben doch nicht, daß Röhlinghausen dort bestehen kann, wo jüngst nacheinander Dortmund, Hüsten und Bochum die Punkte verloren und selbst Schalke mit einem 2:0 zufrieden sein mußte. Arminia Marten— Germania Bochum. Schwer ist die Aufgabe auch für den anderen „Novizen“, den die Germania aus Bochum auf Herz und Nieren prüfen wird. Bochum scheint nun doch kurz vor Toresschluß noch in Schwung zu kommen. Jedenfalls war das 3:3 von Herne für die Elf ein schöner Erfolg, und alles spricht dafür, daß sie sich auf dem heißen Boden in Marten nicht so ohne weiteres den Schneid abkaufen lassen wird. Knapp war das Ende im Hinspiel(2:1 siegte die Germania), und in der Neuauflage wird auch nur die Tagesform entscheiden. Die Bezirksklafse wieder vouzanlig am Start Der ViB Börnig muß nach den Sporttreunden In Gladbeck den Rang abzulaufen. Man ist noch nicht aus der Abstiegszone heraus. Obschon das 3:1 gegen Germania Bochum etwas aufatmen ließ, wird gegen den Meister, der im Hinspiel mit 5:0 klare Sache machte, nichts zu machen sein und Höntrop— das sicherlich nach großem Kampf und Widerstand— erneut zurückfallen. SU Rotthausen— SuS 09 Hüsten. Es ist eine saubere sportliche Haltung, daß der rettungslos verlorene SV Rotthausen bis zuletzt seinen Mann steht. Von seinem Willen, mit Ehren aus der höchsten Klasse zu scheiden, sprach noch das 1:2 von Herne. Und gegen die Gäste aus den sauerländischen Bergen wird man mit dem gleichen Elan vom Leder ziehen. Wie groß war im Hinspiel die Ueberraschung, als Rotthausen mit seiner damals noch starken Elf mit einem 4:1 aus Hüsten zurückkehrte. Und trotz allem erwarten wir auch jetzt der einen heißen Kampf. Westsalia Herne- Borussia Dortmund Eine vielversprechende Kraftprobe. Herne und Dortmund haben sich mit deutlichem Abstand vom übrigen Felde losgelöst und wären in diesem Jahr allein in der Lage gewesen, etwaige Schwächen des Meisters zu nutzen. Beide verloren sie aber am Sonntag einen Punkt, so daß ihr Wettlauf immer noch offen ist. Schwer war schon seinerzeit der Kampf Der 9. Januar brachte in der Erledigung des Punkteprogramms der Bezirksklasse durch den Ausfall zweier Spiele eine kleine Störung. An diesem Sonntag sind nun erneut fünf Spiele vorgesehen. Der BfB Börnig kletterte am Vorsonntag durch seinen 4:0=Erfolg über den BV Gelsenkirchen auf den vierten Tabellenplatz und muß nun nach Gladbeck. Kann er dort auch die Sportfreunde schlagen, so steigt er noch einen Platz höher.— Eine Art Vorentscheidung gibt es im Spiel BfB Bottrop— Union Gelsenkirchen. Gelingt es den Unionisten, diese Klippe zu überwinden, so kommen sie der Meisterschaft erheblich näher.— Westfalia Buer hat auch auf eigenem Boden keine Erfolgsaussichten. Gelsenguß wird die wichtigen Punkte einstreichen.— Der BV 12 Gelsenkirchen ist nicht mehr zu retten. Diesmal wird ihm Delog, die Punkte entführen.— Der Ausgang des Treffens Erle 08— Schwarz=Gelb Gladbeck scheint eher für die Gladbecker günstig auszufallen. Wird der BfB Börnig sich halten? Sportfreunde Gladbeck— BfB Börnig BfB Bottrop— Union Gelsenkirchen Westfalia Buer— Gelsenguß Gelsenkirchen BV 12 Gelsenkirchen— Delog Rotthausen Erle 08— Schwarz=Gelb Gladbeck Sportfreunde Gladbeck— BfB Börnig. Der Formanstieg des BfB Börnig wird auch den Gegnern nicht entgangen sein. So können sich denn die Schadeburger auf ein ernstliches Spiel vorbereiten. Im Rückspiel müßten sie es eigentlich schaffen können, da die Elf sich nun zu ihrem Vorteil verändert hat und man ja auch schon das Hinspiel in Börnig 3:1 gewann. Es ist eigentlich schade, daß die Schadeburger zuviel Boden verloren haben. Mit ihrer derzeitigen Elf brauchen sie in dieser Gruppe keinen Gegner zu führen, auch die Gladbecker nicht. Die morgigen Gastgeber stellen eine technisch gut durchgebildete Mannschaft ins Feld. Gute Einzelkönner in ihren Reihen erhöhen die Durchschlagskraft dieser Mannschaft. Zurzeit ist aber gerade die BfB=Mannschaft in bester Verfassung. Immer besser in Schwung kommt der Gebrüder=Sturm: Humpert 2, Pachurka 2, Humpert 1, Pachurka 3, Pachurka 1. Sind die Platzverhältnisse günstig, so garantiert uns diese Sturmreihe für einige Tore, zumal sie eine Läuferreihe hinter sich hat, auf welche Verlaß ist, und die den Sturm immer wieder richtig einzusetzen versteht. Da sich auch das Schlußdreieck verbessert hat, kann sich die Mann schaft sehen lassen, sie ist mit einem Schlage zu einer der gefährlichsten in dieser Gruppe geworden. Trotzdem darf man nicht gleichgültig in dieses Spiel gehen. Die Leistungen der Sportfreunde waren im Hinspiel recht ansehnlich und werden daheim weit besser sein. Es wird Kampf kosten; setzen sich die Schadeburger aber voll ein, so erwarten wir einen neuen nen, sich auch in diesem Jahr die Westfalenmeisterschaft zu holen. Die„Knappen“ sind wieder in großer Form, sie haben sich in weit überlegenerem Stil den Tschammer=Pokal geholt, als es das Ergebnis besagt. Damit wird auch das Gerede, daß Schalke in anderen Gauen es weit schwerer haben würde, als im Westfalengau, in das richtige Licht gestellt. Die Schalker haben in der westfälischen Gauliga schon viel schwerere Kämpfe bestehen müssen, als dieses Pokalendspiel gegen Fortuna Düsseldorf, und so wirft ihr Triumph in Köln, der von der gesamten Presse einmütig herausgestrichen worden ist, ein gutes Licht auf unsere so viel gelästerte westfälische Gauliga, auf die „Trabanten hinter Schalke 04“, wie ein rheinischer Kollege von Karlchen so geistreich zu sagen pflegte. Wenn Schalke schon die Fortuna mit Haut und Haaren fraß, was würde dann erst mit den„Kleinen“ im Niederrheingau geschehen? * Die Schalker sind übrigens nach ihrem Pokalsieg mit Pauken und Trompeten in ihrer Heimatstadt empfangen worden. Im Fackelzug ging es zum Schalker Markt, Karlchen mittenmang. Manche treffliche Rede wurde auf den Deutsch= und Pokalmeister geschwungen, wobei es allerdings auch nicht an kleinen Seitenhieben fehlte. Die eine war an die Adresse des Kölner Reichssenders gerichtet, dessen Sprecher beim Endspiel in Köln denn doch ein zu offensichtliches Fortuna=Herz im Leibe hatte. Der gute Mann wollte dauernd„Wind“ für die Düsseldorfer machen, und solche Scherze darf man sich als„Neutraler“ denn doch nicht erlauben. In Schalke war man jedenfalls mächtig eingeschnappt, und auch aus dem übrigen Westfalen sind bei„Mutter Thiemeyer" und im Schalker Geschäftszimmer bereits eine ganze Reihe von Briefen eingegangen, die Schalke auffordern, gegen diese einseitige rheinische Orientierung des Rundfunks energisch Front zu machen. Zum andern hatte Gelsenkirchens Oberbürgermeister etwas auf dem Herzen: Es gibt immer noch Leute, die nicht wissen, wo die Mannschaft, die die„Viktoria" und den Tschammer=Pokal in ihrem hat, zu Hause ist. So habe eine westdeutsche Zeitung geschrieben, daß „die Oberbürgermeister von Gelsenkirchen und Schalke“ dem Endspiel beigewohnt hätten, eine Feststellung, die bei den Schalker Kumpels, die in dichten Mengen die Ehrentribüne auf dem Schalker Markt umdrängten, schallende Heiterheit auslöste; denn sie sind schon seit Lebzeiten eingebürgerte Gelsenkirchener. Uebrigens, daß Karlchen sich den Tschammer=Pokal einmal angesehen hat, versteht sich am Rande. Als Karlchen sich durch die Menge zwangte, die sich am Sieg, womit ein noch besserer Tabellenplatz verbu## den wäre. Weitere Spiele der Bezirksklaffe Bochum: Spottgem. Wattenscheid— SC Dahlhausen Witten 92— Polizei Bochum Preußen Bochum— TG Ehrenfeld MBV Linden— Witten 07 Sus Bochum— Westfalia Bochum Dortmund: VfL Altenbögge—. BV Brambauer TB Eickel— Union Recklinghausen Alemannia Dortmund— Sus Ahlen Sportgem. Mengede— Sportfr. Dortmund Hörder SC— SC Unna 08 Minden: VfL Geseke— SuS Herford Union Herford— BfI Paderborn SpVg. Beckum— Borussia Lippstadt SV Neuhaus— SpVg Gütersloh SpVg. Schildesche— VfB Bielefeld Arminia Bielefeld— Teutonia Lippstadt Münster: Preußen Münster— Titania Essel Borussia Rheine— Rheine 09 Sus Hüls— Münster 08 Vorwärts Gronau— BV Rheine Sauerland: VfL Schwerte— SV Herdringen Tus Milspe— Hemer 08 Hagen 72— DSC Hagen Union Haspe— Sportring Gevelsberg Menden 09— Schwelm 06 Siegerland: DC Sportfreunde Siegen—. SV Altenseelbach BfB Weidenau— SV Jahn Werdohl Tus Eiringhausen— SV Klafeld=Geisweid SV Lüdenscheid=Höh— SpVg. Olpe DfE Osnabrück in Klagenfurk. Der DfL Osnabrück, der früher in der ostwestfälischen Meisterschaft sehr ort ein ernstes Wert mitsprach und heute in der niedersächsischen Gauklasse einen guten vierten Platz einnimmt, hat eine ehrenvolle Einladung zu einem internationalen Fußballturnier nach Klagenfurt erhalten Die Osnabrücker finden dabei als Gegnei neben dem Gastgeber Austria Klagenfurt noch die Nationalmannschaft von Niederländisch-Indien, die in Amsterdam den Ausscheidungskampf zur Weltmeisterschaft bestreiten muß, und Ferenczvaros Budapest vor. Larry Gains traf in London auf den auch in Deutschland bekannten Italiener Pavesi und siegte in der zweiten Runde durch k. o. Schalker Klubheim drängte, stand der gute Ernst Kuzorra, Schalkes Mannschaftskapitän, mit der Trophäe am„Treesen“, hob den Pokal, eine verhältnismäßig kleine silberne Schale, hoch empor und rief mit gleichgültigem Lachen:„Das ist er, um den wit uns drei Jahre lang so haben abrackern müssen!" Nun, hoffentlich findet der Pokal eines Tages seinen Weg auch nach Herne. Den Anfang haben unsere Mannschaften ja am Sonntag gemacht. Die Kreisklasse ist an den Start zum Tschammer=Pokal 1938 39 gegangen. Zu den Herner Mannschaften, die die Vorrunden überleben, gesellten sich später BfB Börnig und Westfalia. Ganz gleich, ob Kreisklasse, Bezirksklasse oder Gauliga, von allen Herner Mannschaften erwartet Karlchen, daß sie es diesmal im Pokalwettbewerb möglichst weit bringen. Auch Karlchen möchte aus dem„Pott“ mal einen kräftigen Schluck trinken. Also morgen wird es sich voraussichtlich entscheiden, wer in diesem Jahr den zweiten Platz hinter Schalke belegt, wer„Westfälischer Vize" wird, die Lenzmannschaft, Borussia Dortmund, oder unsere blauweiße Westfalia. Karlchen braucht hier sa kaum noch etwas über das Spiel zu sagen, über die Taktik, die die Strünkeder einzuschlagen haben etc. pp Darüber wird in der„Vorschau" alles Erforderliche zu lesen sein. Karlchen gibt sich lediglich der ange nehmen Hoffnung hin, daß die„Westfalia“ mal wieder„ganz groß“ aufdreht", so wie gegen Schalke, dann kann es nicht schief gehen. In diesem Sinne wagt Karlchen auch kühn seine Tips: Westfalia Herne— Borussia Dortmunk S3 Höntrop— Schalke 04 Herten— Röhlinghausen Marten— Germania Bochum SV Rotthausen— Hüsten 09 Sportfreunde Gladbeck— BfB Börnig BfB Bottrop— Union Gelsenkirchen Westfalia Buer— Gelsenguß Erle 08— Schwarzgelb Gladbeck BV 12 Gelsenkirchen— Delog Viktoria Herne— Teutonia Riemke Preußen Wanne— Sodingen Constantin Herne— Phönix Bochum Fortuna Herne— Germania Herne Holsterhausen— Herne=Süd Rasensport Wanne— SuS Gerthe Werne 19— Fortuna Wanne VfL Herne— Bruchstraße Hansa Herne— Wanne 1911 Schwarz=Weiß Herne— Harpen Marathon Bochum— Herne 16 Fünf meisterschaftsspiele in der 1. Kreisklasse An der Holper Heide Lokalkampf: Fortuna Herne— Germania Herne.* Phönix Bochum am Constantiner Busch. 2 Viktoria erwartet die Riemker Teutonia.* Der BY Herne-Süd in Holsterhausen. Sodingen wieder bei Preußen Wanne. Das Punkteprogramm des 16. Januar weist zwar nur fünf Meisterschaftsspiele in der 1. Kreisklasse auf, aber diese Spiele haben es in sich und sind sämtlich von großer Bedeutung. An der Holper Heide warten die Fortunen auf Germania Herne, welche unbedingt siegen muß, wenn sie nicht die letzten Hoffnungen zu Grabe tragen will. Es ist aber möglich, daß sie einen Punkt verliert.— Interessant wird es bei Constantin Herne zugehen, wo Phönix Bochum erscheint und unbedingt siegen will. Ob es gelingt, steht auf einem anderen Blatt.— Viktoria Herne wird diesmal die Sache umgekehrt machen und die Riemker Teutonia knapp, aber sicher schlagen.— Der BB Herne=Süd hat es in Holsterhausen sehr schwer und wird kaum einen Erfolg verbuchen können.— An einer erneuten Niederlage wird der SpV Sodingen bei seinem Gang zu den Preußen nach Wanne nicht vorbeikommen. 10 Punkte spielt die 1. Kreisklasse aus. Fortuna Herne— Germania Herne Constantin Herne— Phönix Bochum Viktoria Herne— Teutonia Riemke Holsterhausen— B3 Herne=Süd Preußen Wanne— Spa Sodingen Fortuna Herne— Gecmania Herne. Dieses Spiel an der Holper Heide dürfte für die Germanen eines der schwersten Auswärtsspiele sein, schlagen doch die Fortunen auf eigenem Gelände eine besonders gute Klinge. Der Gastgeber hat sich in dieser Klasse ganz sein herausgemacht, sein Tavellenplatz beweist es. Für die Germanen heißt die Parole daher morgen nur: komplett antreten, keine Experimente in der Mannschaftsaufstellung machen und einen eisernen Siegwillen mitbringen, dann kann es gelingen, Sieg und Punkte mit heimzunehmen. Dann ist noch nicht alles verloren, der eine oder andere Favorit verliert auch noch Punkte, die Herner könnten dann die lachenden Dritten sein, wenn... alle Spiele gewonnen werden. Die Germanen mögen daran denken, daß sie im Vorjahre von dort einen hohen 5:2=Sieg mitbrachten; ob es morgen nochmal so kommt? Jugendspiele, Germania-Sportplatz: Germania 1. Jgd.— Borussia Dortmund 1. Jgd. Germania 2. Jgd.— Herne=Süd 2. Jgd. Constantin Herne—. Phönix Bochum. Ein für den Ausgang der Meisterschaft bedeutungsvolles Spiel steigt diesen Sonntag auf dem Gelände des SC Constantin Herne. Der Tabellenzweite und aussichtsreichste Bewerber der 1. Kreisklasse, Phönix Bochum, gibt seine Visitenkarte dort ab und hat damit eines der ernstlichsten Hindernisse zu überwinden. Zwar ist die Form der Märker nicht beständig, zur Zeit scheint es aber wie am Schnürchen zu klappen, zudem sind sie auf eigenem Boden, und die Herner könnten zum Schrittmacher der Wanner Preußen werden. Die Bochumer kennen die Gefahr und werden sich gut darauf vorbereitet haben. Im ersten Gang vermochten sie die Herner mit 2:0 abzufertigen, damals war es schon knapp, und jetzt? Die Bochumer Zitronen haben sich aber gegen damals erheblich verbessert und gaben in der 2. Serie noch keinen Punkt ab. Gefürchtet ist vor allen Dingen der Bochumer Innensturm. Im Mittelläufer hat man die stärkste Waffe und dazu ein z#verlässiges Schlußdreieck, welches bisher erst 14 Tore zuließ, dagegen stehen 54 Plustore. Diese Bilanz ist ein Beweis dafür, wie schwer es die Märker haben werden, wenn sie einen Punkt erobern wollen. Viktoria Herne— Teutonia Riemke. Durch die Zahl der noch auszutragenden Heim spiele ist Viktoria Herne anscheinend aller Abstiegs sorgen enthoben. Das bedrohliche Tabellenende ha ben die Horsthauser längst verlassen, denn vier Geg ner stehen schon schlechter, unter diesen auch der mor gige Gegner aus Riemke. Es ist eigentlich schade um die Riemker. Durch ihren Platzumbau haben sie noch kein Spiel auf heimischem Boden austragen können. Das muß selbst die beste Mannschaft zer mürben. Die schnell gesammelten 10 Punkte wurden von 20 Minuspunkten übertrumpft, und schon sitzt den Riemkern das Abstiegsgespenst hart im Nacken. Es wird Zeit zur Umkehr, denn sehr, sehr faul steht die Sache für Teutonia Riemke. Auch an der Schleuse 7 wird sie auf wenig Liebe und Entgegen kommen stoßen, denn dort hat man selbst noch jeden Puntt bitter notwendig. Die Riemker gaben im ersten Spiel den Horsthausern mit 2:1 knapp das Nachsehen, den Spieß werden die Gastgeber wohl umdrehen. Wir rechnen jedenfalls mit einem Sieg Viktorias. Jahn Holsterhausen— B3 Herne-Süd. Eine weitere ernstliche Auseinandersetzung wird es auch an der Heinrichstraße in Holsterhausen geben. Die Platzherren liegen an vorletzter Tabellenstelle und werden alles versuchen, dieses Heimspiel zu gewinnen, denn nur noch drei weitere stehen auf dem Programm. Jeder Punkt ist bei ihnen von Wichtigkeit. Sie haben in diesem Spiel das Glück, den BB HerneSüd in einer ziemlich schwachen Form anzutreffen. Die Süder sind von stolzer Tabellenhöhe auf den 6. Platz zurückgefallen. Im Falle einer erneuten Niederlage können sie diese Stelle zwar noch halten, aber schon der nächste Sonntag dürste dann ein weiteres Abrutschen in der Tabelle mit sich bringen. 15:17 lautet schon jetzt das Punktekonto der Süder. Es wird hohe Zeit, an den Ausgleich zu denken. Im ersten Gang gab es ein 2:2, aber schon mit einem Unentschieden könnten die Süder diesmal mehr als zufrieden sein. Es wird aber sehr schwer halten, diesen Punkt zu retten, denn Jahn Holsterhausen wird alles auf eine Karte setzen, wobei die Siegesaussichten für Jahn günstiger als für den Gast sind. Preußen Wanne— Spy Sodingen. Nun treten die Sodinger in dieser Meisterschaft die zweite Fahrt nach Preußen Wanne an. Durch die damals über Sodingen verhängte Platzsperre mußten sie auch in der ersten Serie nach Wanne und wurden dort äußerst knapp mit 2:1 geschlagen. Auch diesen Kampf werden die Sodinger kaum für sich entscheiden, aber mit aller Verzweiflung werden sie sich ins Zeug legen. Zur Zeit halten sie mit 8:24 Punkten das rote Schlußlicht der Tabelle, also Tabellenführer gegen den Letzten der Tabelle. Allgemein ist es bekannt, daß solche Spiele es in sich haben, wobei nur zu oft sensationelle Ergebnisse an der Tagesordnung waren. Bisher blieben die Wanner ungeschlagen. Mit dieser Begegnung erledigen sie ihr vorletztes Heimspiel. Schwere Wege haben die Preußen noch zu machen, so nach Germania, Herne=Süd, Fortuna Herne, Viktoria Herne und Phönix Bochum. Diese Spiele werden wohl kaum ohne Niederlagen erledigt werden können. Es wird daher ihr unbedingtes Bestreben sein, jedes Heimspiel sicher unter Dach und Fach zu bekommen. So werden sie sich auch gegen den SpV Sodingen mächtig ins Zeug legen uno zu einem knappen Sieg kommen. alle mannschaften der 2. Kreisklasse am Start Drei Spiele in Herne: Bruchstraße Langendreer bei BfL Herne.— Tus Harpen stellt sich bei SchwarzWeiß ein.— Hansa erwartet Wanne 11. Hansa Herne— Spy 11 Wanne. Nach Erledigung der 1. Pokalvorrunde setzen alle Mannschaften der 2. Kreisklasse ihre Punktespiele fort. Unsere drei Herner Mannschaften sind daheim beschäftiat. So erwartet der VfL Herne Gäste aus Langendreer, welche ohne Punkte abziehen werden. — Am Herner Stamm stößt man auf Tus Harpen, auch hier erwarten wir Schwarz=Weiß in Front.— Hansa Herne steht wohl vor einer erneuten Niederlage. Gegen Wanne 11 wird sie kaum bestehen können.— Rasensport Wanne erwartet den Sp. u. Sp. Gerthe, welcher ihm Sieg und Punkte entreißen ird.— Der SC 19 Werne dürfte die Wanner Forna glatt abfertigen.— Der Tabellenführer Conin Bochum steht vor einem neuen Erfolg. Diesal wird der BC Hordel das Opfer sein. Wer sichert sich die Punkte? VfL Herne— Bruchstraße Langendreer Schwarz=Weiß Herne— Tus Harpen Hansa Herne— SpV 11 Wanne Rasensport Wanne— Sp. u. Sp. Gerthe SC 19 Werne— Fortuna Wanne Constantin Bochum— BC Hordel BfI Herne—. Bruchstraße Langendreer. Zum Rückspiel der zweiten Serie stellen sich beim VfL Herne Gäste aus Langendreer ein. Diese mußten schon auf eigenem Boden eine 2:1=Niederlage von den BfLern hinnehmen, so daß es auch im erneuten Zusammentreffen einen klaren Erfolg der Horsthauiser absetzen wird. Im Pokalspiel des vergangenen Sonntages zeigten die Horsthauser ganz vorzügliche Leistungen und blieben nur mit einem Tor Unterschied durch den klassehöheren BV Herne=Süd geschlagen. In der Tabelle liegen die Horsthauser an 5. Stelle. Diesen Platz werden sie kaum verbessern, wohl aber halten und festigen können. Das Torverhältnis von 28:29 muß diesen Sonntag günstiger gestaltet werden. Langendreer liegt mit 11:19 Punkten an 8. Stelle, wird aber diesen Sonntag etwas zurückfallen, da man in Horsthausen an einer Niederlage kaum vorbeikommen dürfte. Schwarz=Weiß Herne— Tus Harpen. An der Dungelstraße werden diese Gegner ihr fälliges Rückspiel erledigen. Im ersten Gang gab es ein 2:2; das damalige Spiel nahm für Harpen ein unrühmliches Ende. Es brachte ihnen vier Wochen Sperre und weiter für 4 Spieler Platzsperre ein. Durch diesen Umstand ist die Elf von einem der ersten Plätze auf den 7. Platz zurückgefallen und scheint nun nicht mehr recht in Schwung zu kommen. Immerhin liegt sie mit 13:19 Punkten in Sicherheit. Dagegen wird es für Schwarz=Weiß Herne Zeit, sich aufzurappeln, sonst könnte man mit in den Abstiegsstrudel geraten. 10:18 Punkte ist reichlich wenig. Wir wollen hoffen, daß sie diesen Sonntag dafür sorgen, daß beide Punkte in Herne bleiben. Vor einer fast aussichtslosen Situation steht Hansa Herne in diesem Treffen. Die Wanner wollen unbedingt wieder zur Spitze aufschließen und sich von Hansa daher nicht abstoppen lassen. Das erste Spiel fiel ohne Kampf an Wanne 11, welche dadurch um eine Reihe Tore kam. Um so mehr werden sich die 11er in diesem Rückspiel anstrengen. Am Vorsonntag fertigten die Besucher ihren Ortsrivalen, Reichsbahn Wanne, im Pokalspiel glatt mit 4:0 ab. Hansa Herne wird ebenfalls an einer Niederlage nicht vorbeikommen. Vier Punktespiele in der 3. Kreisklasse Der Spy 16 Herne bei Marathon Bochum. Durch das Ausscheiden einzelner Vereine ist die 3. Kreisklasse auf 8 Vereine zusammengeschmolzen. Davon steigen nun 4 Mannschaften auf. Unsere 16er liegen dabei sehr günstig. Diesen Sonntag stehen sie aber vor einem schweren Spiel, sie müssen zum VfL Marathon Bochum. Die Herner werden das Spiel kaum gewinnen können.— Friesen Bochum kann daheim knapp über Stiepel siegreich bleiben.— Die SS=Sportler aus Bochum werden Laer 87 glatt abfertigen, wie schon im Hinspiel, damals hieß es 5:0. — Der BV Gerthe=Hiltrop erwartet Tus Hannibal Wanne und hat gute Siegesaussichten. Wer spielt gegen wen? VfL Marathon Bochum— SpV 16 Herne Friesen Bochum— Teutonia Stiepel SS=Spork Bochum— Laer 87 BV Gerthe=Hiltrop— Hannibal Wanne DfE Marathon Bochum— SpU 16 herne. Gleich im ersten Meisterschaftsspiel maßen diese beiden Mannschaften am 19. 9. 37 ihre Kräfte. Marathon wirkte damals noch unter dem alten Namen Edelstahl Bochum. 0:0 endete die Begegnung. Beide Mannschaften hielten in den bisherigen Spielen wacker durch, und beide haben Aussichten, zur zweiten Kreisklasse aufzusteigen. Sehr viel wird von dieser Begegnung abhängig sein. Der SpV 16 muß sich mächtig strecken, wenn er auch nur einen Punkt retten will. Nach den vorsonntäglichen Leistungen im Pokalspiel mit Viktoria Herne ist kaum mit einem Erfolg der Herner zu rechnen. Gelingt es aber doch, so wäre es eine kleine Ueberraschung. Im Handball in allen Klassen Hochbetrieb Wieder gab es am Vorsonntag nichts mit dem vorgesehenen und angekündigten Vollprogramm im Handball, diesmal verhinderte die Witterung die Durchführung der Spiele. Lediglich die Gauliga führte zwei Spiele durch. Tus Holsterhausen feierte einen neuerlichen Sieg, diesmal über den TB Spenge, und setzte sich dadurch erneut an die 3. Tabellenstelle, an einen Platz, welchen er unter Umständen noch einige Zeit halten kann. Die Schwächeperiole ist überwunden, der Neuling wird weiterhin ein ernstliches Wort mitreden. Er hat sich bisher wacker geschlagen und würdig benommen. An 2. Stelle liegt ebenfalls ein Neuling, Gevelsberg. Eine Elf mit hervorragendem Können, aber mangelhafter Sportdisziplin. Sie kann nicht mit Würde verlieren. Einmal entgleiste sie schon in Schalke, und am vergangenen Sonntag lieferte sie bei Eintracht Dortmund eine noch unsportlichere Partie. Die Folgen werden sich bald bemerkbar machen. Im Bezirk und Kreis hat sich die Lage gegenüber dem Vorsonntag nicht verändert, da alle Spiele dieser Klassen ausfielen. Die Gauliga mit vier Spielen beschäftigt Der OSC Hagen in Holsterhausen. Mit vier Punktetreffen setzt die Gauliga ihre Spiele fort. Tus Holsterhausen ist Platzverein und erwartet den DSC Hagen. Für Holsterhausen besteht die verlockende Aussicht, im Falle eines Sieges die zweite Stelle zu ereichen. Da man es schon in der 1. Serie schaffte, müßte es nun ebenfalls gelingen.— Ein weiteres Spiel gibt es in Schalke. Die Handballer des Deutschen Fußball= und Pokalmeisters erwarten Besuch aus Münster, den die Gastgeber schließlich abfertigen können.— Ein weiteres Treffen steigt zwischen Hindenburg Minden und TV Spenge, das die Mindener glatt gewinnen sollten.— Selbst auf eigenem Boden haben die zum Abstieg verurteilten Bielefelder Arminen keine Aussicht, Eintracht Dortmund etwas anhaben zu können. Diese siegte schon im Hinspiel 15:5 und wird auch diesmal sicher die Oberhand behalten. Acht Punkte spielt die Gauliga aus. Tus Holsterhausen— DaC Hagen Schalke 04— MSV Münster Hindenburg Minden— T2 Spenge Arminia Bielefeld— Eintracht Dortmund Tus Holsterhausen— DSC Hagen. 10:8 für den Tus lautete das Ergebnis des ersten Spieles dieser Gegner. Damals horchte man auf. Tus schlug eine alte, erfahrene Handballmannschaft. Nun ist Tus Holsterhausen sogar Platzverein, und als solcher sind die Vorteile für ihn größer. Der DSC Hagen hat Abstiegssorgen und muß unbedingt baldigst zu Punkten kommen. Die alten Pioniere im westfälischen Handball sind auf die Verliererstraße geraten. Tus Holsterhausen will unbedingt den guten dritten Tabellenplatz halten, eventuell noch verbessern. Dazu bedarf er auch des Sieges. Wir rechnen daher mit vollem Einsatz der Holsterhauser, womit ein neuer Sieg und auch der 2. Tabellenplatz in ihren Besitz gelangte; diese Aussicht wird der beste Ansporn sein. Drei Punktespiele der Bezirksklasse. SpVgg Röhlinghausen— TB Eickel Turnklub Wanne— Henrichshütte Friesen Bochum— MBV Linden In Röhlinghausen steigt das am Vorsonntag ausgefallene Lokalspiel der SpVgg. gegen den TB Eickel. Ein für den Abstieg bedeutendes Spiel. Der Sieger hat Aussichten, sich die Bezirksklasse zu erhalten.— Der Turnklub Wanne kann gegen die Henrichshütter, welche bereits Meister sind, nichts ausrichten und wird glatt verlieren— Friesen Bochum, vom Abstieg nicht meyr zu retten, wird an den MBV Linden Sieg und Punkte abtreten müssen.. Die Kreisklassen starten nun zur 2. Serie. Drei Spiele in Herne: Tamd. Ehrenfeld bei Westfalia Herne.— Germania Bochum stellt sich dem Herner Turnklub.— UfL Herne wartet auf Wattenscheid 09-30 Eigentlich war der Start zur zweiten Serie für den Vorsonntag vorgesehen. Leider fielen aber alle Spiele buchstäblich ins Wasser, so bleibt es dem 16. Januar vorbehalten, mit dem Beginn der 2. Serie aufzuwarten. Es gibt gleich drei Spiele am Ort. Der Tabellenführer, Westfalia Herne, erwartet die Tamd. Ehrenfeld, welche ihm im Hinspiel mit 4:4 einen Punkt abnahm. Das 4:4 wollen die Strünkeder energisch korrigieren.— Vor einem Sieg steht auch der Herner Turnklub. In Bochum schlug er die Germania schon mit 8:3, diesmal wird es noch eindeutiger werden.— VfL Herne erwartet die 09=30er aus Wattenscheid. Auch hier wird es einen klaren Sieg der Herner geben.— Ein für die Spitzengruppe wichtiges Spiel gibt es zwischen dem Polizei=SpV. Bochum und dem TV 01 Wattenscheid. Im ersten Gang gab es ein 5:5. Jetzt erwarten wir die Polizei in Front, womit die Wattenscheider praktisch ausgechaltet wären.— An der Feldsieper Schule in Boch.Hamme stellt sich Tura Werne den Bochumer Westfalen. Diese werden die Tura erneut hoch schlagen, wie schon im Hinspiel. Damals siegte Westfalia Bochum 13:1. Vor drei Herner Siegen? Westfalia Herne— Tamd. Bochum=Ehrenfeld Herner Turnklub— Germania Bochum VfL Herne— Wattenscheid 09:30 Polizei Bochum— TV 01 Wattenscheid Westfalia Bochum— Tura Werne Westfalia herne— Tgmd. Bochum-Ehrenfeld. In allzu guter Erinnerung steht den Strünkedern immer noch das 4:4 der 1. Serie gegen den gleichen Gegner. Unter den sonderlichsten Umständen kam es zustande, nachdem die Partie noch kurz vor Schluß 4:2 für die Herner gestanden hatte. Inzwischen haben sich die Herner an die Spitze der Tabelle gesetzt. Ehrenfeld liegt einige Plätze zurück, ist dabei immer die Ueberraschungsmannschaft geblieben. Wird sie es auch morgen vormittag sein? Die Strünkeder haben etwas gutzumachen und werden mit schwerstem Ge###schütz auffahren. Noch einmal wollet sie nicht Re### Leidtragenden sein. In ihrer derzeitigen Aufstellung" müßte auch ein sicherer Westfaliasieg zu erwarten sein. Wir glauben nicht, daß die Ehrenfelder den wurfgewaltigen Herner Sturm kaltstellen können, wen dieser uneigennützig spielt. Ein sicherer Westfaliasieg müßte fällig sein.— Vorher spielen: Westfalia 1. Jgd.— Ehrenfeld 1. Jgd. Herner Turnklub— Germania Bochum. Einen klaren Herner Sieg erwarten wir auch vom Turnklub. Im Rückspiel stoßen die Herner auf Germania Bochum, welche schon in der 1. Serie glatt 8:3 geschlagen wurde. Die Bochumer Germanen lieferten die große Enttäuschung in dieser Meisterschaft. Sie galten als Favorit und haben nun Abstiegssorgen. Der allgemeine Aufschwung im Handballbetrieb des Kreises Bochum machte sich hier bemerkbar. An der Düngelstraße haben die Bochumer nicht die geringsten Erfolgsaussichten. Der starke Sturm des Herner Turnklubs wird hier für eine hohe Torspanne sorgen. Die solide Hintermannschaft der Turner wird wenig Erfolge der Bochumer zulassen. Ergebnis: ein sicherer Turnklubsieg. BfL Herne— Wattenscheid 09-30. Die Spielpaarungen dieses Sonntags sind für die Herner günstig. So ist auch der Partner der VfLer nicht sonderlich spielstark und ziert das Tabellenende. 5:2 siegte VfL schon im Hanspiel, und damals war man noch mit zahlreichem Ersatz zur Stelle. Auf heimischem Boden sollten die Horsthauser einen weit klareren Sieg herausholen. Sie dürfen aber nicht in die alten Fehler zurücfallen und diesen Gegner unterschätzen. Schon manchen Verlust gab es schon aus diesem Grunde für die Horsthauser. Sie sollten daher die Sache nun ernstlicher auffassen und einen klaren Sieg feiern. Bezirksmeisterschaften im Gerätturnen Allein S Herner in der Bochumer Kreismannichaft.— Die Belten der Kreile Dortmund, Bochum und Hagen im Kampf. Morgen finden in Dortmund=Aplerbeck im Saalbau Meering die Bezirksmeisterschaften in Geräteturnen des Industriebezirks statt. Insgesamt sind drei Kreise, Dortmund, Bochum und Hagen, mit rd. 36 Gerätturnern daran beteiligt. In der ZwölferMannschaft des Kreises Bochum sind allein fünf Herner Turner vertreten. Der Kampf beginnt bereits vormittags mit den 6 Pflichtübungen und wird am Nachmittag mit dem Kürturnen, das ebenfalls 6 Uebungen vorschreibt, fortgesetzt. Den besten Gesamtdurchschnitt erzielte in den Kreiskämpfen die Mannschaft des Kreises Dortmund, die somit als Favorit gilt. Hart wird sich besonders der Kampf um die Einzelmeisterschaft des Bezirks gestalten, da hier die ausgezeichneten Könner aus den Kreisen Dortmund, Hagen und Bochum vertreten sind. Wir nennen u. a. die Hagener Meiser, Kruger, Hüttemann, die Bochumer Kreisvertreter Caspelherr(Herne), Vöpel (Herne), die Gebrüder Heinr. und Fritz Platzek (Bochum), Friedrich(Herne) und den Dortmunder Trostheim. Trotzdem der Dortmunder Trostheim allgemein als Favorit gilt, hat er gegen die beiden Hagener Meiser und Hüttemann und den Herner Caspelherr einen nicht leichten Stand. Der Kreis Bochum ist mit folgenden Turnern vertreten: Fritz Caspelherr(HTC), H. Platzek und Fr. Platzek(beide Bochum), Vöpel und Friedrich(beide Herner Turnvereinigung), Schulte(Bochum), Wroblewski(Tus Carolinenglück), E. Caspelherr(5XC), Kaufmann(Bochum=Ehrenfeld), Bialleck(Bochumer Verein), Merr(Dahlhausen) und Zackoll(HTE). Werner Selle schlug Hans Schönrath Amateure und Profi borten in Düsseldorf für das WHW. In Düsseldorf wurde eine von über 2000 Zuschauern besuchte Boxveranstaltung durchgeführt, deren Ertrag dem Winterhilfswerk zufoß. Dabei stellten sich Amateure und Profi in den Dienst der guten Sache. Wenn auch Jakob Schönrath als Trainingspartner Schmelings nicht erscheinen konnte, so sprang doch sein Bruder Hans in die Bresche und lieferte gegen Werner Selle einen großen Kampf. Der Duisburger, der zur Zeit seiner Dienstpflicht genügt, kämpfte taktisch sehr glücklich, hatte eine vorzügliche sechste Runde, und damit den Punktsieg für sich. Meister Beck-Düsseldorf zeigte sich im Federgewicht seinem Gegner Rothenverger-Stuttgart klar öberlegen, wenn es auch nur zu einem Punkterfolg reichte. Im Halbschwer gewicht landete der Düsseldorfer Siepmann einen klaren Punktsieg über Pappen=Krefeld, und schließlich brachte es Klockhaus=Krefeld schon in der ersten Runde zu einem k.o.-Erfolg. Hoch-Leverkusen mußte bis dahin schon viermal die Bretter aufsuchen Auch die Amateure erfreuten mit guten kämpferischen Leistungen, deren Zeuge auch Gauleiter Staatsrat Florian war. Im Leicht gewicht siegte Kartz, der jetzt die Düsseldorfer Farben trägt, Aßmann=Düsseldorf nach Punkten. Im Mittel gewicht trug Wego-Düsseldorf über den Essener Kochaneck einen Punkterfolg davon. Zwei Unentschieden gab es im Halbschwergewicht. Scholl I-Wuppertal kam über dieses Ergebnis in seinem Kampf gegen den Wupperssaler Polizisten Schmidt nicht hinaus, und Reimke=Düsseldorf mußte froh sein, gegen Knorr-Wanne-Eickel mit einem Unentschieden wegzukommen. Der Kampf zwischen BabskiBochum und In der Wiesche=Düsseldorf nahm ein irreguläres Ende. Die Kämpfer stießen in der zweiten Runde so hart zusammen, daß sie sich beide am Kopf verletzten und aus dem Ring genommen wurden. Und nun gegen Schweden! Deutschlands 51. Amateur-Boxländerkampf. Den ersten Länderkampf im neuen Jahr bestreiten unsere Amateurboxer am Sonntag in Stockholm gegen Schweden. Es ist der 51. Länderkampf der deutschen Amateure, und zugleich die dritte Begegnung mit den Nordländern. Die beiden voraufgegangenen Treffen brachten uns 1926 in Stockholm eine Niederlage von 6:10 Punkten und zwei Jahre später in Berlin mit den gleichen Ergebnis einen Sieg. Seither sind unsere Boxer mit den Schweden nur auf internationalen Turnieren, bei den Europameisterschaften und bei den Olympischen Spielen zusammengetroffen. Umso größer ist das Interesse, das diesem drikten Zusammentreffen entgegengebracht wird. Es ist verständlich, daß aus diesem Grunde beide Nationen ihre Mannschaften mit großer Sorgfall ausgestellt haben, um in der Gesamtbilanz die Führung zu erlangen. Die beiden Mannschaften stehen wie folgt: Fliegengewicht: Prieß(Hamburg)— Allan Hansson. Bankamgewicht: Wilke(Hannover)— P. Almström. Federgewicht: Völker(Berlin)— Kreuger. Leichtgewicht: Heese(Düsseldorf)— Erik Aagren. Weltergewicht: Fluß(Köln)— Oskar Aagren Mittelgewicht: Campe(Berlin)— v. Borg. Halbschwergewicht: Vogt(Hamburg)— Per Andersson Schwergewicht: Runge(Wuppertal— Olle Tandberg. Die Kämpfe, die in der neuen Stockholmer Tennishalle steigen, die gut 3500 Zuschauer aufnimmt, dürften recht ausgeglichen verlaufen. Die deutsche Mannschaft ist jedoch stark genug, um auch diesen Länderkampf zu ihren Gunsten zu gestalten und damit im 51. Wettstreit den 40. Sieg herauszuzahlen.2 BSC 22 Herne— BC 30 Sodingen sieht die Herner Boxsporkgemeinde diesem Klubkampf der beiden Ortsrivalen entgegen, die sich am Sonntagabend im großen Saal des Kolpinghauses gegensperschen,„Diese Veranstaltung wird dre Anzedungtkraft nicht verfehlen, da die früheren Kämpfe der beiden noch in bester Erinnerung sind. Allgemein ist man auf den Ausgang dieses Großkampfes gespannt. Mit der Verpflichtung des Trainers Theiß bekundet der BSC 22 wieder größere Regsamkeit. Es scheint, als ob dieser Verein wieder an seine große Zeit anknüpfen wollte. Das Programm des Abends verspricht guten Sport, da die Paarungen gut getroffen sind. Die Hauptkämpfe werden im Feder; uno Weltergewicht zu erwarten sein, wo Röttger 1 mit Glebsattel und Kubiak mit Stratmann zusammentreffen. Röttger 1 trägt an diesem Abend seinen 75. Kampf aus und wird versuchen, diesen mit einem Siege abzuschließen, wobei er allerdings in Glebsattel auf einen gleich guten Könner trifft. Die Aussichten für den Gesamtsieg sind ziemlich verteilt, doch ist zu bedenken, daß BSC 22 im eigenen Ring nur sehr schwer zu bezwingen ist. Das Programm des Abends: Jugend-Papiergewicht: Scheiba(BSC 22)— Joswiak (BC 30). Bereits im Einleitungskampf des Abends wird das Publikum in die richtige Stimmung kommen. Beide Jugendliche konnten bisher in ihren Kämpfen gut gefallen. Es wird auch morgen drei aufregende Runden geben, wobei das Ende äußerst knapp sein dürfte. Jugend-Fliegengewicht: Rumpfhardt(BSC 22)— Haak (BC 30). Im nächsten Kampf haben nochmals die Jugendlichen das Wort. Der Herner Nachwuchsmann konnte noch immer gefallen, da er stets erbittert um den Sieg kämpfte. Er bringt vor allen Dingen Schneid mit in den Ring. Ferner ist seine„Schlagkraft noch zu erwähnen, die jedem Gegner schwerg#chaffen macht. Den Sodinger sahen wir bisher noch nit### der Arbeit, so daß eine Voraussage unmöglich ist. Federgewicht: Hendzelek(BSC 22)— Reinartz(BC 30). Die Federgewichtspaarung der Senioren wird besonderes Interesse bei dem Publikum erregen. Reinartz ist ein alter Pionier des Boxsports und allen Hernern bestens aus selnen früheren Kämpfen bekannt. Gegen ihn wird Hendzelek einen schweren Stand haben. Doch verfügt der Herner Nachwuchsmann über eine enorme Härte und kann auch selbst kräftig hinlangen. Wir müssen auch diesen Kampf offen lassen. Ein Ende vor der Zeit ist ebenfalls möglich. Federgew.: Röttger 1(BSC 22)— Glebsaktel(BC 30). Röttger 1 hat sich einen starken Anhang gesichert. Er trägt morgen seinen 75. Kampf aus, und kann auf eine erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. In der diesjährigen Meisterschaft scheiterte er an keinem geringeren Könner als an dem Bochumer Gänserig, der bereits für die deutsche Länderstaffel auserwählt wurde. Mit Glebsattel kreuzte er bereits einmal die Klingen und zwar in Nordhorn, wo es nach einem harten Gefecht ein Unentschieden gab. Glebsatel ist ein erfolgreicher Nachwuchsmann der Sodinger. Er wird auch morgen einen großen Kampf liefern und versuchen, durch seine Reichweite zu Vorteilen zu kommen. Der Ausgang dies Kampfes ist ungewiß. Leichtgew.: Richter 2(BSC 22)— Ceranna(BC 30). Im Leichtgewicht wird es ebenfalls zu einem erbitterten Kampf kommen. Richter 2 ist ein Nachwuchsmann der Herner und stand bereits gegen gute Leute im Ring. Von Ceranna können wir dasselbe behaupten. Bisher kreuzten beide noch nicht die„Handschuhe". So läßt sich der vermutliche Sieger schwerlich voraussagen. Leichtgew.: Röttger 2(BSC 22)— Prehsler(BC 30). Der Herner hat inzwischen den Weg zum Ring wieder zurückgefunden, in dem er früher eine erfolgreiche Laufbahn angetreten hatte. Die Anhänger des Boxsports sahen den Herner aber immer gern im Ring, da er stets bemerkenswerte Kämpfe zeigte. Prehsler scheint ein Nachwuchsmann zu sein, von dessen Können wir nicht unterrichtet sind. So lassen wir den Ausgang offen. Weltergew.: Kubiak(BSC 22)— Stratmann(BC 30). Im Hauptkampf des Abends ist eine ganz große Auseinandersetzung zu erwarten. Schon seit Tagen spricht man über dieses erste Zusammentreffen der beiden Weltergewichtler. Beide„Boxer haben große Erfolge aufzuweisen. Stratmann war#er der Liebling der Herner Borsportgemeinde, und eille von Erfolg zu Erfolg. Er war damals Landesmeister und stand bereits gegen Polen in der deutschen Länderstaffel. Er ging seiner Zeit zum Polizeisportverein Essen und landete später beim BC 30 Sodingen, wo er auch das Training leitet. Kubiak erwies sich bereits als Anfänger als gut verlangter Boxer. Durch eifriges Training brachte er es dann auch schnell weiter. Bereiks mit 16 Jahren stand er gegen die bekannten Größen wie Kartz (Oberhausen), Murach(Schalke), Schmedes(Dortmund), Jakubowski(Bochum) usw. im Ring. Nur einige Niederlagen weist sein Rekordauszug heute auf. In diesem Jahr wurde er Kreismeister und vertrikt somit den Kreis Bochum bei den Gaumeisterschaften. Der klare Sieg über Pries 1 (Wanne=Eickel) ist noch in bester Erinnerung. Kubiak wird Kubiak gegen Stratmann! auch morgen einen großen Kampf liefern und wohl einen Sieg gegen den alten Ringsuchs Stradmann erkämpfen. Weltergewicht: Peter(Recklinghausen-Süd 28)— Wollert 2(BC 30). Im zweiten Gefecht der Weltergewichtsklasse haben die Herner sich Peter aus Recklinghausen verpflichtet, der in allen Kämpfen großen Mut zeigte, doch wird er gegen Wollert 2, der wieder im Kommen sein soll, nicht viel ausrichten können. Wollert wird seine frühere Form noch nicht wiedergefunden haben, dürfte aber doch einen Sieg schaffen können. Halbschwergewicht: Richter 1(BSC 22)— Stratenhoff hoff(Schmeling Wanne=Eickel). Im letzten Kampf des Abends stellen sich Richter und Stratenhoff abermals zum Kampf. Der Wanne=Eickeler liegt dem Herner nicht gut, da er ein schwer zu boxender Mann ist. Der Herner war früher eine ausgezeichente Waffe der BSC 22-Staffel, doch hat er von seinem Können erheblich eingebüßt. Vielleicht kommt er unter der Trainingsleitung von Theiß(Bochum) bald wieder in Schwung. Nach hartem Schlagwechsel wird das Ende dieser Begegnung recht knapp sein. Ergebnisse des Sieger= und Abschlußturnens beim Herner Turn-Club. Es beteiligten sich an diesem Turnen 80 Mädel der Jahrgänge 1923/24. Siegerinnen der 1. Klasse wurden: Maria Bach mit 52 Punkten, Ursel Wenzel mit 51, Hilde Bohlmann mit 50, Hannelore Schmidt mit 50, Erika Griese mit 47,5 Regina Bartkowiak mit 47, Friedel Schröder mit 46 Bunkten. Siegerinnen der Schrige 46 und Johanna Althoff mit 2. Klasse wurden: Dorts Schulze mit 55, Helga Horentrup mit 55, Ursel Weiß mit 52, Henny Pütt mit 50.5 Grete Rohrend mit 50, Hilde Koslowski mit 49 und Erika Scholz mit 49 Punkten. In der 3. Klasse wurden Siegerinnen: Gisela Fichkener mit 51, Hannelore Papenkordt mit 50, Erna Bohlmann mit 48, Ilse Schröder mit 48, Hilde Griegel mit 47,5 und Emmi Bröcker mit 46,5 Punkten. Die Siegerinnen der Gesamtwertung sind: Doris Schulze mit 19.5, Gisela Fichtner mit 19, Hannelore Schmidt mit 18.5, Helga Horentrup mit 17.5 und Hilde Bohlmann mit 17 Punkten. Fußball=Weltmeisterschaft Deutschland spielt in Straßburg. Die Fifa hat auf ihrer Tagung in San Remo, wo der genaue Zeitplan für die Fußball-Weltmeisterschaft aufg stellt wurde, gleichzeitig die Frage der Austragungsorte in großen Zügen geklärt. Als Spielorke kommen zehn französische Städte: Paris, Antides, Bordeaux, Le Havre, Lille, Lyon, Marseille, Reims, Straßburg und Toulouse in Betracht. USA und Niederländisch-Indien werden ihren Ausscheldungskampf am 29. Mai bestimmt in Rotter dam durchführen. Die für den gleichen Tag angesetzte zweit Ausscheidung zwischen Argentinien und dem Vertreter von Zentral=Afrika wird voraussichtlich in Bordeaux veran staltet. Für die acht Spiele der ersten Hauptrunde am 4. und 5. Juni erfolgt die Auslosung erst im Monat März in Paris. Fest steht jedoch, daß zwei Spiele dieser Runde in Paris, und zwar am 4. Juni in der Prinzenparkbahn und am 5. Juni im Colombes-Stadion ausgetragen werden. Für die übrigen sechs Spiele ist geplant, Deutschland in Straßburg, Belgien in Lille, Italien in Marseille oder Ernst Henne fährt nicht mehr „Ich will mich meinem Beruf widmen.“ Es war in den letzten Oktobertagen bei der 1. Internationalen Rekordwoche der Ons auf der Reichsautobahn bei Frankfurt am Main. Ernst Henne saß in seinem meergrünen BaRW=Kabriolett, nach soundsoviel Versuchsfahrten auf der Stromlinien=BARW, und erzählte, wie die Maschine um 250 km'std zu schwänzeln begann.„Was nun? — Da fahren wir halt heim. Probieren ein bißl und kommen dann wieder!“ meinte er in seinem unverwüstlichen Optimismus ganz undefangen. Und er kam wieder zu jenem denkwürdigen 28. November, der Deutschland in zwei Stunden zwölf neue Weltrekorde einbrachte. Darunter mit 279.5 kmistd den absoluten, der mit 273 kmistd im Besitz des Engländers Fernthoug war. Wie eine Bombe schlägt nun die Nachricht ein, daß Ernst Henne nicht mehr fährt und den Motorsport aufgibt, dem er fünfzehn Jahre lang treu und erfolgreich, wie selten ein anderer, gedient hat. Deutschland verliert mit ihm einen siegreichen Rennfahrer, den Besten der berühmten BW=Sechstagemannschaft, seinen größten Weltrekordbrecher. Henne will sich künftig seinem Beruf widmen. Er hat in München eine BMW.Vertretung. Vom Mechanikerlehrling zum Deutschen Meister. Seinen Heimatort Weiler im Allgäu verließ der junge Henne— er ist 1904 geboren— um im Württembergischen seine Lehrjahre als Mechaniker hinter sich zu bringen. Nach seinen Erstlingserfolgen wagte sich Henne 1925 zum ersten Male ins Ausland. Er suchte sich hierfür ausgerechnet den Großen Preis von Europa in Monza aus. Der völlig unbekannte Münchener zog zur Ueberraschung aller selbst dem späteren Sieger Tazio Nuvolari auf und davon. Erst als der selbst hingetrimmte Japmotor nicht mehr recht wollte, fiel Henne zurück und wurde Sechster. Das folgende Jahr sah ihn zum ersten Male als Mitglied der BMW-Rennmannschaft. Die Siege häuften sich. Henne wurde berühmt und sicherte sich 1927 den Titel eines Deutschen Metsters. Internationale Erfolge schlossen sich an, so der Rekordsieg in der Taraga Florio auf Sizilien. Der Welt schnellster Fahrer. Mit acht Weltrekorden sing es 1929 an. Deutschland schwang sich zum großen Gegner Englands im Kampf um den absoluten Weltrekord der Motorräder auf. Henne und seine BMW schraubten ihn von den ersten 216.8 kmistd immer wieder höhet, wenn Gefahr von jenseits des Kanals drohte. Gyon in Ungarn und später die Frankfurter Reichsautobahn bildeten die wichtigsten Etappen. 76 Weltrekorde stellte er auf, darunter sieben obsolute. Diese Leistungen brachten ihm den Ehrennamen„Der schnellste Motorradfahrer der Welt“ ein. Heute sind noch 19 Bestleistungen in seinem Besitz. Der Weiße Teufel von Wales. Eng verknüpft mit den deutschen Siegen in der Internationalen Sechstagefahrt ist die BW-Dreischaft Henne, Mauermeyer, Stelzer. Es war 1933 in den Bergen von Wales. Henne hakte Reifenschaden und jagte der verlorenen Zeit nach, daß den Zuschauern Hören und Sehen verging. Nach dieser Großkat ehrten ihn die Engländer als den „Weißen Teufel". Deutschland errang zum ersten Male die vielbegehrte Trophäe und verteidigte sie mit Henne, Kraus und Stelzer noch zweimal erfolgreich in den Bergen Süddeutschlands. Westfalenhalle im Zeichen der Pausins Aber auch Eishockeykampf Dortmund— Brüssel. Die dritte Eissportveranstaltung am Sonntag in der Eissportveranstaltung am Sonntag in der Westfalenhalle verspricht wieder besondere Ereignisse, so daß man mit einem großen Erfolg rechnen kann. Wenn auch Lydia Beicht ihre ursprüngliche Zusage infolge ihres Trainings für die Europameisterschaft nicht aufrecht erhalten konnte, so werden doch die Kunstlaufdarbietungen mit den Geschwistern Ilse und Erik Pausin im Mittelpunkt auch in Dortmund zu heller Begeisterung mitreißen. Zuletzt stellten in der Westfalenhalle Maxi Herber Ernst Baier ihr Können heraus, jetzt wird das Wiener Paar, das bekanntlich in Garmisch-Partenkirchen zur Silbermedaille kam, einen interessanken Vergleich ermöglichen, zumal Ilse und Erik Pausin außer im Paarlauf auch einzeln ihr prächtiges ausgefeiltes Können zeigen werden. Ueberraschend gut dürfte auch der Dortmunder Nachwuchs gefallen, der noch bei den Deutschen Kunstlaufmeisterschaften in den JuniorenWettbewerben am letzten Wochenende in Köln eine vorzügliche Rolle spielte. Das Eishockeytreffen bringt den ersten Start der Dortmunder Mannschaft auf der heimatlichen Bahn. Die Mannschaft des Eissportvereins„Westfalen“ hat gründlich trainiert und infolge der Mitwirkung der Kanadier Ring und Schwinghammer in den bisherigen Kämpfen um den Nordwest-Pokal trotz der erstklassigen Gegner zufriedenstellend abgeschnitten. Gegner ist in Dortmund die Mannschaft von„Nordstern“ Brüssel, die im Augenblick, wie ihr hoher 11:2=Sieg am Mittwoch über die Universität Cambridge beweist, in hervorragender Form ist. Immerhin verloren die Dortmunder das Hinspiel nur mit 7:8, so daß es am Sonntag im Rückkampf, der auch als Pokalspiel gewertet wird, ein heißes Ringen um den Sieg geben wird. Die Dortmunder werden diesmal bei den Zuschauern eine starke Rückendeckung haben, so daß es vielleicht zu einem knappen Erfolg reicht. Die voraussichtliche Aufstellung der Dortmunder: Tor: Dr. Seippel; Verteidigung: Ring, Schwinghammer; 1. Sturm: Ludyga, Becker, Flasche; 2. Sturm: Simfeld, Nauroschat, Hosbach. Antides antreten zu lassen. Die vier Spiele in der zweiten Runde sollen am 12. Juni in Paris, Marseille, Le Haore und Straßburg abgewickelt werden. Die beiden Kämpfe der Vorschlußrunde sind am 16. Juni wieder für Paris und Marseille vorgesehen. Das Endsplel um den dritten Platz kommt am 17. Juni in Lille und der große Schlußkampr am 19. Juni im Pariser ColombesStadion zur Austragung, Das Colombes-Stadion wird zu diesem Zweck auf einen Fassungsraum für 60000 Zuschauer erweitert. Zeachim überlegener Meister Deutsche Billardmeisterschaft im Cadre 45 2 beendet. Die sich über vier Tage erstreckenden Kämpfe um die Deutsche Billardmeisterschaft im Cadre 45/2 wurden in Köln beendet. Der Titelverteidiger JoachimBerlin schlug auch seinen Landsmann Sorge mit 400:298 Punkten in elf Aufnahmen, und blieb so ohne jede Niederlage, nachdem sein Meisterschaft schon am Mittwoch feststand. Zweiter wurde überraschend der Aachener Förster, der trotz seiner 58 Jahre Ausgezeichnetes leistete, und zu diesem guten Platz durch einen Sieg über Thielens-Gelsenkirchen kam, der sich mit dem vierten Platz hinter Sorge=Berlin begnügen mußte. Ergebnisse am Donnerstag: Lükgehetmann— Schürgens 400:171(15 Aufnahmen), Förster— Wagner 400:251(22), Joachim— Sorge 400:298(11), Unsheim— Richter 400:174 (21).— Schlußstand: 1. Joachim-Berlin 7 Siege 21,05 Gesamtdurchschnitt, 40 bester Einzeldurchschnitt, 185 Höchstserie; 2. Förster=Aachen 5 Siege, 2 Niederlagen; 3. SorgeBerlin 4 Siege, ein Unentschieden, 2 Niederlagen; 4. Thielens-Gelsenkirchen 4 Siege, 3 Niederlagen; 5. Lütgehetmann-Frankfurt 3 Siege, ein Unentschieden, 3 Niederlagen; 6. Unshelm=Magdeburg 3 Siege, 4 Niederlagen; 7. Wagner-Nürnberg 1 Sieg, 6 Niederlagen; 8 SchürgensKöln kein Sieg, 7 Niederlagen. Sonstige Sportnachrichten Englischer Fußballspieler verunglückt. Der englische Berufsfußballspieler Jimmy Hampson ist auf sehr unglückliche Weise ums Leben gekommen. Hampson, der sich als Angriffsführer des FC Vlackpool und in der englischen Länderelf einen Namen gemacht hat, befand sich mit einem Freunde an Bord eines Segelbootes, das mit einem Dampfer zusammenstieß und unterging. Hampson und sein Begleiter ertranken. Fritz Wiese wieder im Bob. Die schweren Verletzungen, die sich Bobmeister Fritz Wiese im Vorjahre in Cortina zuzog, sind nunmehr endlich als völlig ausgeheilt anzusehen. Wiese hat sich mit einem neuen Schlitten bereits nach Garmisch-Partenkirchen begeben, um das Training aufzunehmen. Die richtige deutsche Aussprache Bestandsaufnahme der deutschen Sprache auf Veranlassung der Reichsregierung. Die Reichsregierung hat Prof. Graef=Berlin von der Reichsrundsunkkammer. Pros. Geisler von der Universität Erlangen und Prof. Roedemeyer von der Universität Frankfurt, der zugleich der Leiter der Zentralstelle für mündliche Sprachpflege an der Deutschen Akademie in München ist. beauftragt, ein Standardwerk„Die deutsche Aussprache" zu schaffen, in dem die richtige Aussprache erstmalig wissenschaftlich und endgültig festgelegt wird. Der amtliche Pressedienst des Reichsstudentenführers hat sich über den Sinn und die Erreichung dieser ersten Bestandsaufnahme der deutschen Sprache näher informiert. Er stellt fest, daß mit der neueingeleiteten Maßnahme in der großzügigsten Weise die Grundlage zur Schaffung einer deutschen Nationalsprache gelegt wurde. Diese in dem Standardwerk festzulegende deutsche Sprache wird die gemeindeutsche Umgangssprache sein, und diese gemeindeutsche Umgangssprache wiederum wird die Sprache des Rundfunks. die Sprache der Schulen, des Theaters. der Redner, der deutschen Feiergestaltung, kurz die Sprache des Volkes sein. Gerade der deutsche Rundfunk. von dem aus das gesprochene Wort stündlich das Ohr von Millionen Deutschen trifft, ist besonders interessiert an der Neuordnung. Pros. Roedemeyer erklärt dazu. daß man möglichst bald in den praktischen Genuß dieser Arbeit kommen will. Daher werde zunächst ein kleines Handbuch erscheinen, in dem alle gebräuchlichen deutschen und eingedeutschten Wörter geregelt sind. Es ist für den Berufssprecher am Rundfunk. in der Schule und in den Vortragssälen gedacht und soll bereits bald herauskommen. Die Hauptarbeit aber wird mehrere Bände erfordern, die alle deutschen Wörter und alle im Deutschen gebrauchten Fremdwörter enthalten. Es wird ein weltumspannendes Werk. Um bei den Fremdwörtern die landesübliche Aussprache richtig festlegen zu können. wurden in in allen Ländern der Erde die bedeutendsten Linguisten zur Mitarbeit herangezogen. Weitgebende Berücksichtigung wird in dem Werk die Berufssprache finden. Auch neue Wörter, die erst unsere Zeit geboren hat. werden ausgenommen, wie das Werk überhaupt fortlaufend ergänzt werden soll. Neue Arbeitsgebiete im neuen Jahr Flugmodellbau im RSIK. NSG. Vor der Machtübernahme fand der Flugmodellbau in Westfalen nur an wenigen Orten Beachtung. Das Hauptinteresse galt seinerzeit dem Freiballonsport, später auch dem Motor= und Segelflug. 1935 fand anläßlich der Einweihung des Segelflugplatzes in den Borkenbergen der erste Flugmodellwettbewerb statt. Noch im gleichen Jahr konnte Oberscharführer Adenar mit einem neuartigen Nurflügelmodell auf dem 4. Reichs=Segelflugmodell=Wettbewerb auf der Wasserkuppe in der Gesamtbewertung als Wettbewerbssieger hervorgehen. Ill den folgenden Jahren galt es nun vor allem, Breitenarbeit im Flugmodellbau zu leisten. Der Erlaß des Reichserziehungsministers vom 17. 11. 34 war hierfür richtunggebend. Um auch im kleinsten Dorfe Westfalens jedem Schüler, jedem Jungen überhaupt, die Schönheit und die vielen Möglichkeiten des meist noch völlig unbekannten Modellfluges zu zeigen, wurde von der damaligen Luftsport=Landesgruppe Westfalen(heute im Nationalsozialistischen Fliegerkorps) eine Flugmodell=Wanderschau ins Leben gerufen. Während ihrer 14monatigen Tätigkeit wurden 214 Flugvorführungen vor rund 123000 Schülern und Lehrern unter Leitung von Sfl.=Hauptführer Haas, Gladbeck, abgewickelt. Welche Begeisterung hierdurch bei den Jungen entfacht wurde, zeigt schon der Verkauf von 20 000 Bauplänen durch die Wanderschau. Neben dieser Kleinarbeit wurden aber weiterhin Höchstleistungen vollbracht. Nachdem auf dem ReichsSegelflugmodell=Wettbewerb 1935 in der Hochstartklasse 1. und 2. Preise errungen wurden, konnte die Westfalegmannschaft im Jahre 1936 als Sieger die Wasserkuppe verlassen. Das Wettbewerbsmodell des Hitler=Jungen Seerbeck, Borghorst, flog 1937 von der Wasserkuppe bis nach Schmalkalden in Thüringen und errang mit dieser Streckenleistung von 42 km einen deutschen Rekord. Der 2. und 3. deutsche Rekord wurde erst kürzlich von dem Ig. Haas, Gladbeck, aufgestellt. Sein Bennmotormodell erreichte mit Bodenstart eine lugdauer von 1 Stunde 8 Minuten und eine Flugstrecke von 20 km. G Das neue Jahr bringt auch für den Flugmodellbau neue Arbeitsgebiete. Im Vordergrund steht die Entwicklung des Schwingflugmodells, eine ebenso interessante wie lohnende Aufgabe. Das Problem der Fernsteuerung freifliegender Modelle muß durch enge Zusammenarbeit von Modeilbauern und Radiotechnikern gelöst werden. Schließlich muß der Leistungsmodellflug die Spitzenleistungen erreichen, welche deutsche Siege auf internationalen Flugmodellwettbewerben sicherstellen. Rotes Blinklicht- ein Geheimnis? Jeder Verkehrsteilnehmer weiß heute, welche Bedeutung das rote Licht für den Wegebenutzer hat, ganz gleich. ob sich jemand im Kraftfahrzeug. auf dem Fahrrad oder zu(uß durch den Verkehr bewegt. Wenn jedoch trotz ununterbrochener Aufklärungsarbeit immer wieder Unfälle gemeldet werden, dann gibt es dafür nur die eine Erklärung: sträfliche Unachtsamkeit. Leider spielt in der Statistik der Verkehrsunfälle die Bahnschranke, besonders bei uns im Industriegebiet. eine besondere Rolle, aber man verzeichnete nur verhältnismäßig wenig Fälle, in denen eine nicht geschlossene Schranke Unfallursache wurde. Dagegen geht aus einer Bekanntgabe der Reichsbahndirektion hervor, daß allein im Bezirk Berlin in den Monaten Januar=Juni 1937 in 15 Fällen Kraftfahrzeuge geschlossene Bahnschranken durchbrochen und schwer beschädigt haben. Nun sind die Menschen angesichts von außergewöhnlichen Ereignissen schnell bei der Hand mit der Entschuldigung, daß man für alles Verständnis aufbringen müsse. Aber hier gibt es nur schärfste Verurteilung eines Leichtsinns. einer Unaufmerksamkeit, die jeder Beschreibung spottet. Es gibt im ganzen deutschen Reich keinen Bahnübergang. der nicht am Wegrande gekennzeichnet ist. und wer sagt, er habe eine geschlossene Schranke nicht gesehen. der muß schon auf beiden Augen blind oder— am Lenkrade eingeschlafen sein. Folgerichtig gibt es also nur eine Erklärung für den Unglücksfall: zu hohe Geschwindigkeit. Aber auch diesen Begriff muß man noch steigern, denn wer trotz Warnkreuz. Warnzeichen und dem 90 bis 100 Mal in der Minute schnellblinkenden roten Licht eine Schranke durchbricht, muß mit rasender Geschwindigkeit gefahren sein. Solche Autofahrer verdienen es nicht, den Führerschein zu besitzen, und gottlob sind die Verkehrsgesetze heute so streng, daß in solchen Fällen die Führerscheinentziehung der Tat auf dem Fuße folgen kann Schienenwege. die nicht durch eine Schranke geschützt sind, gibt es nur noch ziemlich selten. Aber wo sie noch angetroffen werden. sind sie bei weißem langsam blinkendem Licht gefahrlos zu überaueren. Leuchtet dagegen das rote, schnellblinkende Licht auf. dann hat der Kraftfahrer in jedem Falle sofort zu stonnen Die geschlossene Bahnschranke durchbrochen? Welch grauenhafte Folgen kann eine derartige Uebertretung der Verkehrsgesetze zeitigen! Und wenn das Schicksal den einen oder anderen noch vor den natürlichen Folgen des Leichtsinns bewahrt, so ist in jedem Fall das Gesetz zur Stelle. um den Uebeltäter empfindlich zu bestrafen. 15 durchbrochene Bahnschranken in weniger als einem halben Jahr! Ist das rote Blinklicht ein Geheimnis? Eine Loreley der Fernstraße? Denkt daran: Sein Blinken heißt„Gefahr!" bieras. Das gute Buch Der Ausführende. Roman. Verlag: Langen Müller-München. Preis 5.50 Mark. Fesselbe schon eine der Erstlingserzählungen des jungen von Bernh. v. Mechow entdeckten südtiroler Dichters Franz Tumler„Das Tal von Lausa und Duron“(wir brachten an dieser Stelle eine Besprechung), so hält der Roman„Der Ausführende“, von Anfang bis zum Schluß der Handlung stärkstes Interesse wach. Eigenwillig ist sowohl die Wahl des Themas(in der Tat wächst der Mensch über sich selbst hinaus in seinem Wollen; die Tat wendet sich gegen den Menschen, der sie schuf!)- wie auch seine dichterische Durchführung. Der Ausführende— das ist der Ingenieur Taraton, der an der österreichisch-italienischen Grenze vor dem Weltkriege Befestigungswerke baut— ersteht vor dem Leser als ein von seinem Werk Besessener, der alles an dessen Vollendung setzt. Auch die scheinbar unüberwindlichen Widerstände zwingt er nieder, Vermögen, Familie, Liebe, Freundschaft opfernd. Sein Werk schlägt ihn mit der Geißel des Wahnsinns, in dem er, ohnmächtig nunmehr, es noch bei Ausbruch des Krieges— er ist jetzt ein zerbrochener Mann— zu vollenden sucht. Die Tragik des von dem inneren„Du mußt“ getriebenen schöpferischen Menschen hat Tumler in dieser Gestalt mit einer dramatischen Intensität sondergleichen, dichterisch einzigartig packend herauszuarbeiten gewußt. Der tragische Mensch Taraton wird Prodlem. Das in Taratons Seele geborene„Du mußl“ ist von dem Dichter personifiziert in Zakum, der geheimnisvoll. fast unirdisch anmutenden Gestalt, die immer dann erscheint, wenn der Ausführende verzagen will, des Rates bedarf oder geführt werden muß. In des Menschen eigenem„Du mußt“ liegen Kraft, Rat, Weg. So weist Tumler ins zutiefst Seelische. Man findet selten ein derartiges Sichversenken und Sicheinfühlen in der Menschen Seele und somit ein Erkennen der Tatsache, daß wir alle Ausführende, von unserer Seele Getriebene— jeder im Nahmen der Intensität seines„Du muß!“— sind. Wie Taratons Werk ins Uebermenschliche wuchs, so führt sein seelisches Sein uns an das Uebersinnliche beran. Jedem von uns senkte die Allmacht ein„Du mußt“ in die Seele: das Wollen zur Tat. Wir werden seelisch Ewige, sind wir stark im Wollen zur Tat, denn Tat, aus der Seele erstanden, trägt— eben als Jeelisches— das Moment der Ewigkeit In sich.— Es ließen sich der an Letztes rührenden Gedanken, die beim Lesen dieses Buches aufsteigen, noch viele anführen. Es ließe sich vom äußeren Geschehen noch manches sagen. Der Raum verbietet es. Man könnte Seite über Seite über das Buch schreiben. So reizt das Prodlem dieses einmaligen dichterisch-starken Wurfes, der zweifellos eines der bedeutendsten Werke des Jahres 1937 auf dem Gebiet des Romans ist. Dr. Karl Heinr. Schmidt. Cvangelische Gottesdienstordnung. Sonntag, den 16. Januar 1938. Herne. Hauptkirche: 8.30 Uhr Frühgoktedienst, Pfarrer Kil 9.45 Uhr Hauptgottesdienst, Pfarrer Schaub; 11.15 Uhr Kmdergottesdienst, Pfarrer Helmich; 13 Uhr masurischer Gottesdienst; 15 Uhr Taufen, Pfarrer Schaub.(Die Taufen sind in der Woche vorher bei dem Bezirkspfarrer anzumelden.) Kapelle Horsthausen: 9.45 Uhr Gottesdienst, Pfr. Hartmann; Taufen; 11.15 Uhr Kindergottesdienst. Waldschule Constankin: 10 Uhr Gottesdienst, Pfarter Helmich; 10.45 Uhr Taufen; 11.15 Uhr Kindergottesdienst. Evangelisches Krankenhaus: 8.45 Uhr Gottesdienst, Pfr. Helmich. Lutherhaus: 9.45 Uhr Gottesdienst, Pfarrer Kill; 11 Uhr Kindergottesdienst, Pfarrer Kiehl; 11.40 Uhr Taufen. Amtswoche: Pfarrer Schaub. Vorsitz im Presbyterium: Pfarrer Harkmann. Baukau. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst, Pfarrer Barnerz 11.15 Uhr Kindergottesdienst: 12.15 Uhr Taufen.— Dienstag 8 Uhr Bibelstunde im Gemeindehaus Strünkede an der Bertastraße. Sodingen. Sonntag 9.30 Uhr Goktesdienst, Pfarrer Lehbrink, 11 Uhr Kindergottesdienst; 12 Uhr Tauffeier.— Donnerstag 8 Uhr Bibelstunde in der Kirche. Bladenhorst. Sonntag 10 Uhr Gottesdienst; 11 Uhr Kindergoktesdienst. Holsterhausen(Eickel II). Sonntag 10 Uhr Gottesdienst. Pfarrer Steil; 11.10 Uhr Kindergottesdienst; 12 Uhr Taufen. Eickel. Johanneskirche: Sonntag 8 Uhr Pastor Pälmer; 10 Uhr Pastor Engau(Taufen); 11.30 Uhr Kindergottesdienst, Pastor Pälmer. Krankenhaus: Sonntag 10 Uhr Pastor Pälmer. Crange. Sonntag 10 Uhr Festgottesdienst, Pastor Schaub. Herne (der Kirchenchor singt); 11.15 Uhr Kindergottesdienst; 12.15 Uhr Taufen. Wanne. Christuskirche: Sonntag 8.30 Uhr Frühgottesdienst, Pastor Stein: 10 Uhr Hauptgolesdienst. Pastor Engel; 12.30 Uhr Taufen; 14 Uhr Kindergottesdienst, Pastor Meßling. Lutherkirche: Sonntag 10 Uhr Hauptgottesdienst, Pastor Stein: 11.30 Uhr Kindergottesdienst, Pastor Engel; 12.30 Uhr Taufen: 14.15 Uhr masurischer Gottesdienst, Pastor 1. R. Schmidt aus Essen. Tchertage Ein deutscher Humorist Am 9. Januar 1908 starb im Alter von 76 Jahren in Stille und Weltabgeschiedenheit in Mechtshausen bei Seesen im Harz einer der größten Söhne des Hannoverschen Landes. Wildelm Busch. der unvergeßliche und unerreichte Schöpfer jener unvergänglichen humoristischen und tragikomischen Gestalten und Verse. wie die berühmten ersten bösen Buben„Max und Moritz“, die in alle Länder der Erde gingen und heute noch in den Zeitungsbeilagen Amerikas leben, ferner„Die fromme Helene".„Balduin Bählamm".„Maler Klerel“ und eine weitere schier unendliche Fülle. Busch begann seine Laufdahn als„ernster“ Maler. Viele seiner ausgezeichneten impressionistischen Gemälde erinnern an Franz Hals. Spitzweg und Adrian Brouwer. Seine Größe aber lag darin, daß er selbst die Grenzen seiner Fähigkeit auf diesem Gebiete erkannte, sie auf einem anderen Gebiete „einsetzte“, das er sicherlich ansangs für bescheidener hielt. das aber bald sein ureigenstes werden sollte und ihm zu einer Größe und Pooularität verhals, wie sie wohl kaum einem anderen Zeichner vergönnt war. Wilhelm Busch liefert ein Beispiel für das Goetbewort, daß sich in der Selbstbeschränkung erst der Meister zeige. Diese Selbstbeschränkung mag in den ersten Jahren nicht leicht gewesen sein, denn der Malerpbilosoph konnte damals nicht abnen, daß ihn die Nachwelt einst unter die Großen stellen würde. Sein Maler Klexel, der mit der„hohen Kunkt" beginnt und als Bierwirt endet und sein Dichter Bählamm verraten etwas von Selbstironie, muten wie Selbstkarikaturen an. Seine satirischen Spitzen wenden sich gegen jede Scheinheiligkeit und das Philistertum. Sein Humor ist mitleidlos und gewaltig. Sein Gelächter verrät den Einsamen, der über den kleinen Dingen des Lebens steht. Seine Situationskomiken belegen, daß seit ee die„Schadenfreude die reinste" ist. Deshalb wirkt seine Art. die beiden entgegengesetzten Pole Tragik und Komik zu mischen. so besonders stark. Der Pessimismus, den Busch verrät, wird mit allen Situationen fertig, zeigt sich lebensbejahender, als manch flacher. sich selbst belügender Optimismus. Von den Figuren. die der Philosoph Busch schuf. sagte er:„Wenn man eine Sache sertig und zum Druck gebracht hat, so hat man sie erledigt und ganz und gar abgestreift wie die Schlange ihre Haut: es geht einen dann nichts mehr an.“ Seiner Auffassung entsprach es auch, daß er es nicht verstand. Geld aus seinen Werken zu schlagen. Er außerte sich darüber folgendermaßen:„Eigentlich ist es überhaupt so ne Sache, daß man noch Geld dafür nimmt, was einem selbst soviel Pläster gemacht hat!" Sein Leben war außerordentlich bescheiden und anspruchslos. Wer das Wilhelm=Busch=Museum in Hannover besucht, wird auch erstaunen über die primitiven Mitteln. mit denen der große Künstler seine Werke schuf. Wenn er auf die Reise ging. dann wickelte er einen einfachen weißen Federkiel in Zeitungspapier und steckte ihn in die Tasche. Das war sein ganzes Rüstzeug. Ebenso verhielt er sich bei den Vorbereitungen zu seinen Reisen. Das heißt, er traf gar keine. Er sagte darüber: „Der Lenbach konnte sich ins Kursbuch vertiefen, wie in einen Roman. Das kann ich nicht, aber ich bin doch immer dahin gekommen, wo ich hinwollte.“ Er nahm in jeder Lage das Leben so. wie es eben ist und bewahrte bei aller Tragik den wahren und echten Humor, wie ihn Schovenbauer zum Unterschied vom Witz definiert. Als er sich den Siebzigern näherte, da trug er ständig einen Zettel in der Tasche, auf dem sein Name stand und die Bitte. seinem Neffen zu telegraphieren, falls ihm etwas zustoßen solle. Mit Hudor kündigt er seine Ahnung vom baldigen Tode an. Als an seinem 75. Geburtstage eine Festausgabe seiner„Frommen Helene" erschien, da schrieb er dazu das folgende melancholische Verschen:„Mir selbst bald verreisen— die Backenzähne schenkt ich schon den Mäusen— als müßt' ich endlich mal den Ort verändern. und weiter zieh'n nach unbekannten Ländern. Mein Bündel ist geschnürt. Ich geh' zur See. Und somit. Lenchen. sag' ich dir ade!" Drei viertel Jahre später war er tot. In der Anekdote Ein Stoß. grad in die Magengegend. ist aber auch sehr schmerzerregend. Ueberqueren der Karlstraße in München wurde Wilhelm Busch einmal von einem Radfahrer angefahren. erhielt einen mächtigen Stoß vor den Magen und fiel zu Boden.„Entschuldigen Sie bitte", sagte der Radfahrer ängstlich zu ihm.„aber ich bin noch ein Anfänger.“ —„Ui Gottes willen". erwiderte der Malervoet.„dann Meiter degeonet hin: Glick, dab 16 * Zum ersten: ist es mal so schicklich Zum zweiten: ist es sehr erquicklich. Wir wissen aus berufenem Munde, daß Wildelm Busch auch zu einfachen Leuten von einer seinen Herzenshöflichkeit war. Nie kam es vor. so wird erzählt, daß er nicht dem Stubenmädchen, das den Tisch abräumte, artig die Tür öffnete, wenn es mit den Tellern zur Küche ging. dazu paßt die treffliche Antwort, die er auf die Frage gab, welche Eigenschaften er an einer Frau am meisten schätze. Er meinte:„Eine hübsche und gescheite Frau. die ihre Dienstboten gut behandelt, müßte entzückend sein.“ * Oh. was macht der Besenstiel — für ein schmerzliches. Gefühl! Wilbelm Busch war einmal mit Freunden zusammen und einer erzählte, ein berühmter bolländischer Maler habe mit einem Pinselstrich ein lachendes Kindergesicht in ein weinendes verwandeln können.„Das dürfte nicht so schwer sein". meinte Busch.„das konnte meine gute alte Mutter auch— mit einem Besenstiel.“ * Wer einsam ist, der hat es gut. weil keiner da, der ihm was tut. Busch war nicht ungesellig, war aber im Grunde ein Einsiedler. Außer seiner Schwester durfte niemand sein Arbeitszimmer betreten. In der warmen Jahreszeit liebte er es. in seinem Lieblingswinkel im Garten zu sinnieren. Skizzen zu entwersen und die Vogelwelt zu beobachten. Eines schönen Tages entdeckte er im Gebüsch ein Vöglein, das einen Flügel gebrochen datte. Er nahm es auf und sah zu seinem Leidwesen, daß ihm nicht zu helfen sei. Da wandte er sich ab und zerdrückte ihm mit schnellem Ruck das Kövschen. Dann ging er hinaus zu der spielenden Kinderschar und sagte:„Da drinnen liegt ein toter Vogel. nehmt ihn auf und begrabt ihn.“ Er aber ging ins Haus. schloß sich in sein Zimmer ein und ließ sich den Rest des Tages nicht mehr sehen. * Es ist ja richtig: heut pfeift der Spatz. Und morgen vielleicht schon holt ihn die Katz. Im Pastorhause in Wiedensahl wurde abends bei der Lampe aus der Zeitung vorgelesen, daß zwei Mädchen versucht hatten, sich mit Losol umzubringen. Es wurde gefragt. Lrsol. was das sei. Busch meinte:„Ein scharfes Zeug, mit dem man sich so wegdesinfiziert.“ Wer aber hätte im Jahre 1897 mit solchen Fest stellungen etwas anfangen können? Sie wären vermutlich verlacht worden, wie es in einem Zusatz, macht. bei der Ausführung seiner Theorien den heißt. #ung seiner Thea#..— I.„ rst im Jahre 1846, als der Brief längst in den Regalen der„Königlichen Gesellschaft“ schlummerte, erwähnte Faraday in einer Vorlesung an der Royal Institution in London ganz nebenbei seine Gedanken über Wellen und Schwingungen. Maxwell war es dann, der für diese neuartige Heutung des physikalischen Geschehens einen mathematischen Ausdruck in der elektromagnetischen Lichttheorie sand. Das Vermächtnis eines Genies 1837 schrieb der Physiker Faraday seine Entdeckungen nieder. Menschen, die in kühnem Gedankenflug ihrer Zeit weit vorauseilen, haben meist ein schweres Leben. Zahllose Erfinderschicksale beweisen uns das, die Zeitgenossen haben nicht an die großen Entdeckungen geglaubt, die erst eine spätere Welt in ihrer ganzen Tragweite erkannte. Es ist schwierig, seiner Mitwelt etwas zu beweisen, das sie nie und nimmer begreift. Aus dieser bitteren Erkenntnis heraus mag der große englische Physiker Michael Faraday, einer der Schöpfer der modernen Elektrizitätslehre, jenen Brief geschrieben haben, der nach seinem Wunsch erst hundert Jahre. nachdem er verfaßt worden war, geöffnet werden sollte. Bis zum heutigen Tage lag dieser Brief in den Archiven der„Königlichen Gesellschaft“ zu London, wo seine Siegel nun in einer feierlichen Sitzung gelöst wurden, damit man ihn lesen konnte. „Ich habe diesen Brief versiegelt und erst einer späteren Welt zugänglich gemacht“, so heißt es in dem Schreiben,„weil ich den Beweis für die darin geäußerten Theorien vorerst noch nicht antreten kann und weil man mir jetzt diese Theorien niemals glauben würde". Man fühlt aus diesen Worten, wie ein Genie mit einer Materie kämpfte, von deren Vorhandensein der Durchschnittsmensch keine Ahnung hatte. Faraday hat die Entwicklung der Wissenschaft und Technik freilich etwas unterschätzt. Für die heutige Zeit bietet sein Brief keine Ueberraschung mehr, denn wir haben ja längst die drahtlose Wellenübertragung, zu der Faradays Erkenntnisse sozusagen den Grundstock gelegt haben, in der Telegraphie und im Rundfunk in die Praxis umgesetzt. Immerhin ist es eine erstaunliche, aus Faradays Brief hervorgehende Feststellung, daß der große Physiker bereits vor 100 Jahren die Meinung äußerte, daß magnetische und elektrische Kräfte durch Wellen oder Schwingungen mitteilbar sind, womit er gleichsam schon auf die Möglichkeit der drahtlosen Wellenübertragung hinwies. Er erläutert sogar, daß die Ausbreitung der elektrischen und magnetischen Wellen vergleichbar ist mit der Ausbreitung der Wellen des Wassers, und daß diese Wellen in Form von Schwingungen auftreten. Schnellkurs für englische Zollbeamte „Frauen sind die besten Schmuggler!“. So lautet der oberste Leitsatz der neuen Schule für Zollbeamte in London, in der man den Hütern des Gesetzes die jüngsten Erfindungen auf dem Gediete des Schmuggelns zeigt. England wird nicht so sehr von berufsmäßigen Schmugglern als von„Amateuren“ heimgesucht, meist wohlhabende Damen, die im Ausland. vorzugsweise in Paris, Toiletten und Schmuck gekauft haben und den oll sparen wollen. Es ist erstaunlich, was diese häufig zur besten Gesellschaft gehörenden Ladis für Tricks erfinden, um ihre Täuschungsmanöver durchzuführen. „Was fällt Ihnen an dieser Dame auf?“, fragt der Lehrer, während eine Frau in einem Pelzmantel das Schulzimmer der Zollbeamten durchschreitet. Zunächst fällt an ihr gar nichts auf. als daß sie etwas korpulent ist. Wenn man aber mit den Augen eines Zollbeamten hinschaut, muß man es verdächtig finden, daß eine so starke Dame einen so zierlichen Gang hat. Das liegt daran, daß sie fünf Pariser Modellkleider übereinander trägt. Das ist ein Fall aus der Praxis. Besonders schwierig ist es, versteckte Juwelen zu finden. Die Schmugglerinnen verbergen sie in Seifenschalen, in Schirmgriffen, in Puderdosen unter dem Puder, im Halsband ihres Hundes oder in ausgestopften Vögeln, die den Hut zieren. Ein ehr beliebter Trick ist es auch, die Londoner Zollbeamten zu täuschen, indem man ein wertvolles Schmuckstück mit einer unechten Fassung versieht und es harmlos als Brosche ansteckt. Eine sehr bekannte Dame der englischen Gesellschaft brachte ihre Einkäufe mehrfach auf eine recht originelle Weise unverzollt nach London. Sie setzte sich mit der Schiffsmannnschaft in Verbindung und erklärte, sie wolle den Reportern, die die Ankunft der Dampfer erwarten, um neugierige, Fragen zu stellen, entgehen. Arglos erklärten sich einige Matrosen bereit, sie unbemerkt beim Transport eines Dampfkessels an Land zu bringen, ohne zu ahnen, daß sie einer Schmugglerin Vorschub leisteten. Wohl die raffinierteste Schugglerin, der man in diesem Jahre habhaft werden konnte, war eine Frau, die ein Glasauge hatte. Sie pflegte wertvolle Diamanten nach England zu bringen, indem sie an der Rückseite des Glasauges ein Loch bohrte, in das sie die kostbaren Steine verstaute. Aber auch sie entging ihrem Schicksal nicht, als ihr häufiges Erscheinen im Hafen von Southampton Verdacht erregte. Erst vor kurzem geschah es, daß ein Reisender aus Südafrika an Land ging, der, was an sich ganz unverdächtig war, eine Tasche mit Golfschlägern bei sich trug. Verdächtig war jedoch, wie ängstlich er diese Tasche an sich preßte und sie nicht aus den Händen ließ. Der Zollbeamte nahm, dadurch mißtrauisch geworden, einen Golsschläger heraus und fand, daß er sich in zwei Teile zerlegen ließ. Der untere Teil enthielt— goldene Uhren. Der Zoll für die Schmuggelware betrug allein 20000 Mark. Ein anderer Reisender hatte eine Flasche in seiner Hosentasche. Er versicherte, daß sie keinen Whisky enthalte, sondern nur Tee. Das war sein Verhängnis. Denn der Whisky in dieser Flasche— es war in der Tat Whisky, wie die Kostprobe ergab— wäre zollfrei gewesen, nicht aber der Whiskyvorrat, den die nun aufmerksam gewordenen Zollbeamten bei der erneuten Durchsuchung seines Gepäcks fanden. Sehr gefährlich sind die Rauschgiftschmuggler, die ihre Ware, wasserdicht in Oelhautsäckchen verpackt, unweit der Küste ins Meer werfen, wo sie dann von Helfershelfern aufgefischt werden. Champagner aus Marseille und Tabak aus Antwerpen kommen auf den seltsamsten Wegen nach England einen jährlichen Zollverlust von schätzungsweise 800 000 Pfund verursachend. Stewards bringen den Champagner in„leeren“ Milchfässern an Land oder man läßt die Ware, mit der Angabe, sie sei für einen nichtenglischen Hafen bestimmt, von den britischen Zollbehörden versiegeln. Auf hoher See ändert das Schiff seinen Kurs und kehrt wieder nach England zurück, nachdem man die Siegel von dem Tabak. dem Wein, dem Parfüm oder worum es sich sonst handeln mag, entfernt hat. An irgend einem verschwiegenen Platz wird nun die Ladung gelöscht. Sacharin, das in England mit hohen Zöllen belegt wird, schmuggelt man mit Vorliebe in Blumen. Ein Kapitel für sich ist der— Menschenschmuggel. Wär der Gelehrte in biesen rein kheoretischen Ge danken seiner Zeit weit vorausgeeilt, fanden doch seinanderen Entdeckungen in der Elektrizitätslehre begeisterte Anerkennung und wurden grundlegend für dieses Gebiet der Physik. Faraday entdeckte unter anderem die elektromagnetische Rotation und die galvanische und magnetische Induktion. Er untersuchte die Elektrizitätsleitung in Lösungen(Elektrolyse) und stellte die beiden nach ihm bekannten elektrolytischen Grundgesetze auf. die zu einer völlig neuen Ansicht über die elektrischen und magnetischen Vorgänge führten. der in England heute, da die Einreisebedingungen für Ausländer sehr erschwert sind, geradezu zu einer Industrie geworden ist. Es gibt kleine Handelsdampfer verschiedenster Nationalitäten, die bereit sind, für einen Betrag von 100 Pfund jeden Fremden ohne Paß nach England einzuschmuggeln. Wenn man den Fremden dann doch an Bord des Schiffes erwischt, redet sich der Kapitän damit aus, daß es sich hier wohl um einen blinden Pasagier handele, der seiner Aufmerksamkeit entgangen sei. Es ist schwer, das Gegenteil zu beweisen, der Kapitän geht also kaum ein Risiko ein. Als aber unlängst an Bord eines kleinen französischen Frachtdampfers in kurzer Zeit der dritte„blinde Passagier“ entdeckt wurde, stellte man den Kapitän vor Gericht und beschlagnahmte sein Schiff. In der Schule für Zollbeamte sind eine ganze von Schauspielern beschäftigt, deren Aufgabe es ist. die Zöllner durch eine möglichst geschickte Maske und durch raffinierte Tricks zu täuschen. Man konstruiert typische Fälle, um den Instinkt der Beamten, auf den es ja in erster Linie ankommt, zu prüfen. Und man schärft ihnen immer wieder ein, daß ihre gefährlichsten Widersacher die Frauen sind, die, wie der Leiter der Schule versichert, viel geschickter lügen können als Männer. Feinde der Bazillen werden auf Erreger gehezt.— Sie fressen die Bakterien von innen auf.— Neue Methoden gegen Krankheiten. Vor einigen Jahrzehnten war man stolz darauf. als man die Bakterien entdeckte. Man glaubte schon, jeder Krankheit nun sehr schnell an das„Leder" zu können, indem man ein Serum herstellte. Aber es zeigte sich dann, daß gewisse Bakterien viel zu sein waren, um auf. dem normalen und sonst üblichen Wege isoliert oder gezüchtet zu werden. Es kam dann noch eines hinzu. Man wurde auf gewisse winzige Körper aufmerksam, die zwar alle Eigenschaften eines lebenden Wesens besaßen, aber nach der Ansicht anderer Forscher keine Lebewesen sein konnten, weil sie weder Sauerstoff noch irgend ein anderes Gas brauchten und auch keinen Stoffwechsel aufwiesen. Es handelte sich um sogenannte Bakteriophagen. Diese Bakteriophagen lebten— wie man nach langen Forschungen nachweisen konnte— innerhalb einer Bakterie und hatten die Fähigkeit, eine Mikrobe von innen her aufzufressen. Es würde also unter gewissen Umständen genügen. solche Bakteriophagen in recht starker Zahl heranzuzüchten, um mit ihrer Hilfe alle Bakterien, alle Mikroben vernichten zu lassen. Aber so leicht geht es leider auch wieder nicht. Denn die Bakteriophagen sind so klein, daß sie sich noch schwerer„bändigen“ lassen, als die kleinsten aller Mikroben. Immerhin sind in den letzten Jahren eine Reihe von sehr beachtlichen Erfolgen mit Hilfe der Bakteriophagie erreicht worden. Als im Punjab vor einigen Jahren die Cholera ausbrach, gab es zwei Möglichkeiten der Behandlung. Man gab entweder eine Impfung mit einem Serum gegen Cholera, oder aber man bearbeitete einfach das Trinkwasser, welches für die Cholera wohl verantwortlich war, mit einer Bakteriophagen=Kultur. Da man nicht genügend Aerzte im ersten Augenblick zur Verfügung hatte, teilte man sich in die Arbeit. Die eine Aerzte=Kolonne versorgte nur die Brunnen mit jenen merkwürdigen Kulturen. Die andere Kolonne gab Einspritzungen. Es zeigte sich nun ein überraschender Erfolg: dort, wo man nämlich nur mit den Bakteriophagen=Kulturen gearbeitet hatte, war die Seuche nach zwei Tagen vollkommen verschwunden. In den Dörfern mit den Impf=Methoden dauerte die Seuche viel länger. Freilich ist es nicht immer möglich, mit solchen Kulturen vorzugehen. Oft sind die Mikroben in ganz unerwarteter Form so aktiv, daß sie die Bakteriophagen auffressen. Im jetzigen Stadium kann man jedenfalls mit den Mikrobenfressern zwar experimentell, aber noch nicht endgültig arbeiten. Eine Stadt entdeckt ihre Ahnen In Passau wurde die Geschichte jeder Familie erfaßt.— Das einzigartige Lebenswerk eines Heimatforschers. Der„Tizian“ von Schrobenhausen Franz von Lenbachs Geburtshaus wurde zum Museum.— Die Totenmaske im Dachstübchen. In 30jähriger Forschungsarbeit schuf Professor Dr. Schmid für seine Heimatstadt Passau eine einzigartige Kartei. in der die Geschichte jeder einzelnen alt eingesessenen Familie in allen Einzelheiten niedergelegt ist. Dieses„Historische Hausbuch von Passau“ dürfte beispielgebend sein für die geplante samilien geschichtliche Erfassung des ganzen deutschen Volkes. Wenn sich in der schönen, alten Dreiflüssestadt Passau zwei Knirpse streiten, kann es schon passieren, daß der eine verächtlich die Nase rümpft und sagt:„Puh, du Drauchst dir gar nichts einzubilden mit deinem Namen, der nur 300 Jahre alt ist, meine Ahnen waren schon bekannt, als noch gar nicht die Festung Oberhaus gestanden hat. Und wenn du das nicht glaubst, dann frag' nur ruhig den Professor Schmid, der es ja wissen muß!“ Nun. die hoch auf einem Steilufer über Passau chronende ehemalige bischöfliche Feste Oberhaus wurde bereits im Jahre 1219 angelegt— sollte das Geschlecht dieses Prahlhans wirklich so weit zurückverfolgt worden sein? Und wer ist dieser Mann, an den sich alle alt eingesessenen Passauer wenden, wenn sie Daten aus ihrer Familiengeschichte wissen wollen? Man nennt ihn den „Ahnenprofessor“, den Passauer Heimatforscher Dr. Schmid, per es in 30jähriger mühseliger Arbeit fertiggebracht hat. die Lebensgeschichte der Bevölkerung einer ganzen Stadt zu ergründen. Diese in der Welt ohne Beispiel dastehende Uhnentafel einer 24000 Seelen zählenden Gemeinde ist in einer umsangreichen Kartei niedergelegt, in der nicht nur über die Vorfahren jedes bodenständigen Bewohners. sondern sogar noch über Hunderte von Bürgerhäusern genaue Chronik geführt wird. Wer in dieser traditions bewußten Stadt an der Donau den Nachweis seiner Abstammung benötigt, braucht sich nur an den„Ahnenprofessor“ zu wenden, der mit einem Griff in seine Kartei das ganze Werden. Leben und Wirken eines alten Passauer Geschlechts bis in die kleinsten Einzelheiten hinein wieder aufleben läßt. Wirklich, man hat es den Passauern leicht gemacht und man könnte ihnen darob neidisch sein, denn jeder, der sich schon einmal um seine Familiengeschichte bemühen mußte, weiß, wieviel zeitraubende und mühselige Arbeit nötig ist. um die Geschlechterfolge über wenige Genera tionen hinweg festzustellen. Welch ungeheure Ausdauer und Geduld und welches große Wissen gehört dann erst dazu. wenn ein Mann es unternimmt. die Vergangenheit der Bevölkerung einer ganzen Stadt lückenlos zusammenzufassen!„Mehr als 30000 Einzeluntersuchungen waren notwendig", erzählt Professor Dr. Schmid,„um auch das letzte Geschlecht, das durch die Bischofsstadt gegangen ist, urkundlich zu erforschen. Ich beließ es ja nicht allein mit der Zusammenstellung der einzelnen Generationen einer Familie, sondern ich hatte den Ehrgeiz auch eine lebendige Darstellung ihrer Geschichte zu geben. So interessierte ich mich für die Entstehung eines Namens ebenio wie für das berufliche Wirken jedes einzelnen Vorfahren, für dessen Vermögensverhältnisse und be sonderen Verdienste im öffentlichen Leben. Dazu bemühte ich mich noch, möglichst viele alte Familienbilder in die Sammlung miteinzubeziehen, weil solche Abbildungen viele Schlüsse auf die Persönlichkeit der Vorväter und, was noch wichtiger ist, rassenbiologische Vergleiche mit den heutigen Nachkommen ziehen lassen!“ „Hans in allen Gassen“. Daß Dr. Schmid bei seinen umfangreichen Forschungen, die bis in Passaus älteste Vergangenheit zurückreichen, manch wichtige volkskundliche Entdeckung machen könnte, sei nur nebenbei erwähnt. So hat er festgestellt, daß trotz der frühen Christianisierung der alten Keltensiedlung an dem Zusammenfluß von Inn und Donau sich die altdeutschen Namen wie Dietmar, Meinhelm, Rüdiger usw. noch bis tief ins 13. Jahrhundert hinein erhalten haben. Erst im Jahre 1253 taucht der erste christliche Taufname auf. Besonders war es der Name„Hans“, der sich in der Folgezeit immer mehr einbürgerte; so hießen im 14. Jahrhundert dreißig von hundert Passauer Einwohnern schlicht und einsach Hans. Um 1150 wurde es Sitte, sich einen Familiennamen zuzulegen, man nannte sich zuerst nach dem Beruf, den man ausübte, also Mautner, Münzer. Richter, Glöckner, dann zog man noch die Straße, in der man wohnte, oder den Ort der Herkunft hinzu. Wie nun so ein„Hans von der Höllgasse“ im Laufe von Jahrhunderten zum„Höllgassinger“ wurde, darüber fand Dr. Schmid in den alten Urkunden interessante Hinweise. Selbst aus Scherzworten entstanden ehrenhafte Familiennamen, so pflegte man einen dickbauchigen Mitbürger„Vaist" zu nennen, ein Name, der sich auch auf die Nachkommen vererbte und heute noch in verschiedener Schreibweise erhalten ist. Auch Häuser erzählen ihre Schicksale. Recht aufschlußreich ist auch die Statistik der Geburtenbewegung, die Dr. Schmid für die vergangenen Jahrhunderte aufstellte. Starke Geburtenrückgänge waren auch in der„guten alten Zeit“ nicht selten, besonders wenn schwere Seuchen in der Stadt wüteten. War aber die Gefahr vorüber, stellte sich sofort wieder eine große Kinderfreudigkeit ein. Beim Vergleich der Geburtenziffern über einen Zeitraum von 500 Jahren hinweg konnte Dr. Schmid außerdem die interessante Beobachtung machen, daß im beginnenden Frühjahr mehr Mädchen und in den Herbstmonaten mehr Knaben geboren wurden. eine Feststellung, die auch heute noch zutreffen soll und selstverständlich nicht nur für Phrasen Geltung hat. Nicht nur die Geschichte der Bevölkerung hat der „Ahnenprosessor“, in seiner einzigartigen Kartei festgehalten, auch die toten Mauern der Stadt erzählten ihm ihre Schicksale. So hat der Forscher bis heute 720 Privathäuser vom Tage ihrer Entstehung an bis zum heutigen Lage mit all ihren wechselvollen Ereignissen beschrieben man lien in deren Chronik, welche Menschen in ihren Räumen wohnten, wie oft sie ihre Besitzer wechselten ob Feuer oder Wasser sie beschädigten und welche historischen Merkmale sie aufweisen. So ist in Passau aus Liebe zur Seimat ein Werk entstanden, das einzigartic in der Melt dasteht und beispielgebend ist für das ganze deutsche Balk.— „In diesem Hause wurde Franz von Lenbach geboren am 13. Dezember 1836.“ Diese Inschrift prangt seit wenigen Tagen über der Türe eines bescheidenen einstöckigen Gebäudes im oberbayerischen Städichen Schrobenhausen, das südlich vom Donaumoos halbwegs zwischen Ingolstadt und Augsburg zu finden ist. Nun kann es einem Fremden wohl nicht mehr passieren, daß er sich mühselig nach dem Geburtshaus eines der größten deutschen Maler des vergangenen Jahrhunderts durchfragen muß, denn nun weiß ja jedes Kind in Schrobenhausen, wo der Maurersohn Franz Lenbach den ersten Schrei seines Lebens getan. Als man vor einem Jahre in feierlicher Weise den bundertsten Geburtstag des berühmten Sohnes der Stadt beging. blieb dessen Vaterhaus, das im Schatten einer trutzigen Ringmauer liegt. von der das mittelalterliche Schrobenhausen noch teilweise umgeben ist. vergessen. Ja. wenige Monate später wäre das baufällige Gebäude, das sich zuletzt im Besitze eines Kaminkehrermeisters befand. beinahe versteigert worden. Gut, daß die 78 Jahre alte Witwe des am 6. Mai 1904 verstordenen Meisters der Palette rechtzeitig von diesem Plan erfahren hatte. Sie tat. was ihr das Herz vorschrieb: sie fuhr eilends nach Schrobenhausen und erwarb das Häuschen. Mit Hilfe der Stadt und unter der künstlerischen Leitung des Münchener Konservators Toni Roth ist es wieder baulich instandgesetzt und schließlich zu einem LenbachMuseum ausgestattet worden, das dieser Tage im Rahmen einer schlichten Gedenkfeier der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Lenbach. der große deutsche Maler des 19. Jahrhunderts. der bis zu seinem Lebensende in München rastlos schaffte. ist mit annähernd 400 Kunstschöpfungen wieder in sein Heimatstädichen zurückgekehrt. Aus dem engen Dachstübchen des Schrobenhausener Vaterhauses. wo der kleine Franz seine ersten schüchternen Zeichenversuche unternommen hat und in das er sich stets einzusverren pflegte. wenn der gestrenge Vater über die „unnützen Kritzeleien“ seines Sprößlings ungehalten war. ist ein kleines Heiligtum geworden. Man findet weiter nichts darin als die mit Lordeer umrankte Tolenmaske des Künstlers und eine in allen Farben schillernde Palette, die Lenbach solange benutzt hat. bis ihm der Knochenmann den Pinsel aus der Hand nahm. Die übrigen zehn Räumlichkeiten des Hauses geben mit zahlreichen Oelgemälden. Zeichnungen und Ent würfen. die fast alle aus dem Privatbesitz der Witwe Frau Lolo von Lenbach stammen. einen Umriß über das einzigartige Schaffen dieses Künstlers, den man einst nicht mit Unrecht den„deutschen Tizian“ genannt hat. Aber nicht nur seine eigenen Werke sind in der Schroben hausener Gedöchtnisstätte untergebracht, sondern viele Dinge, die einstmals sein Heim schmückten oder die im engen Zusammenbang mit seiner Vaterstadt stehen Kunstvolle alte Möbelstücke und Plastiken. Vitrinen mit Urkunden und Zeugniisen. Orden und Ehrenzeichen halten die Erinnerung an den Menschen und Künstler Lenbach Ein 80jähriger Schrobenhausener Bürger. der mit undurch die geschmackvoll ausgestatteten Zimmer wandert erzählt uns, daß Lenbach erst in seinen alten Jahren wieder in seine Heimat fand und hier von seinen Jugendfreunden begeistert begrüßt wurde.„Der gute Franz“. meint er,„hat ja vor lauter Festen, Ehrungen und Einladungen gar keine Zeit mehr gehabt, nach Schrobenhausen zu kommen. Wir haben ihm das nie verübelt, wußten wir doch, wie sehr er trotzdem an seinem Vaterstädtchen hing. obwohl er hier in seinen jüngeren Jahren manch harte Nuß zu knacken hatte.“ Wirklich, der ehrsame Schrobenhausener Maurermeister Lenbach hat seinem Sohne das Leben nicht gerade leicht gemacht. Es behagte ihm wenig, daß Franz nicht in Vaters Fußstapfen trat# sondern höher hinaus wollte. Als im Jahre 1852 der alte Lenbach starb. packte der 16jährige Frapo-=seine Siebensachen und ging nach Augsburg. wo er die Polytechnische Schule besuchte und nebenbei mit großem Fleiß die Werke der Augsburger Galerie abmalte. Aber als er im Zeichnen unter allen Schülern die schlechteste Note erhielt, kehrte er der alten Fuggerstadt enttäuscht den Rücken und versuchte nun wieder in Schrobenhausen sich mit seinen Malereien das tägliche Brot zu verdienen. Eines Tages. als er glaubte, genügend Gutes geschaffen zu haben, machte er sich mit seiner Zeichenmapve unterm Arm auf den weiten Futzmarsch nach München und suchte dort sofort den berühmten Meister Piloty auf. Dem gesiel der willensstarke Junge mit den leidenschaftlich blitzenden Augen. brachte ihm zunächst das Technische des Malens bei und nahm ihn 1857 dann als Schüler mit nach Rom. Drei Jahre später schon wurde er mit Böcklin zusammen an die neugegründete Weimarer Kunstschule berufen, von wo er aber schon 1861 wieder nach München zurückkehrte. Dem Auftrage des Freiherrn von Schack. für seine berühmte Galerie Meisterwerke der Malerei zu kovieren. verdankte er dann die Möglichkeit. in Italien. Holland und Spanien noch tiefer in die Malweise eines Tizian. Rubens. Rembrandt und Belasquez einzudringen. Lenbach begann nun seine glänzende Laufbahn als Bildnismaler, die ihm in den folgenden Jahrzehnten immer höhere Ehren eintrug. 1882 wurde er geadelt. Allerdings lähmten das Uebermaß seines Schaffens und die starke Inanspruchnahme durch gesellschaftliche Verpflichtungen seine scheinbar unverwüstliche Kraft. So oft er jedoch innerliche Berührung mit den Menschen fand. die er darzustellen hatte, gelangen ihm bis in seine letzten Jahre noch hervorragende Bildnisse. Papst Leo XIII., Kaiser Wilhelm I., Bismarck. Moltke und unzählige andere hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind ihm Modell gesessen. Könige und Fürsten gingen in seinem Münchener Heim ein und aus. seine Werke bilden in den Museen fast aller deutschen Großstädte heute Prunkstücke. Nie aber hat er sich weder seiner Abstammung geschämt. noch weniger, daß er keine Akademie besucht hatte. Das hat ihm seine Heimat hoch angerechnet, die sich nun rühmen kann. neben der Kunststadt München ein ausgesprochenes Lenbach=Museum zu besitzen. Jahrestag des Durchbruchs in Lippe Heute und morgen 5. Erinnerungstressen an den Stätten des Entscheidungskampfes Als Adolf Hitler zum Abschluß des Münchener Prozesses im Jahre 1924 in weiter Vorausschau die kommende Erstarkung der nationalsozialistischen Bewegung und die Befreiung Deutschlands durch diese Be„Lippe muß die Entscheidung bringen“ Der Jührer an der Spitze des entscheidenden Wahlganges. Streiflichter aus dem Wahlkampf. wegung ankündigte, gad es außerhalb des Gerichtssaales Propbeten, die sich an das Verbot der Partei wie an einen Strobhalm klammerten und aus Leibeskräften schrien, der Nationalsozialismus sei tot. Um so veinlicher war für sie im Februar 1925 die Ueberraschung, als die Partei, von vielen Schlacken gereinigt, um so lebensfähiger mit ihrer Provaganda vor die Oeffentlichkeit trat. Das Wort, daß Totgesagte lange leben, hatte sich bewahrheitet. Auch um die Jabreswende 1982•33 wurde die Bewegung von ihren damaligen Gegnern für erledigt erklärt. Der unmittelbare Anlaß, uns dieser Tatsache gerade in dieser Woche zu entsinnen, ist das Livvische Erinnerungstreffen am heutigen Samstag und morgigen Sonntag. Es ist dem Gedanken der entscheidenden nationalsozialistischen Kraftanstrengung im Livvischen Wahlkampf am 15. Januar 1933 gewidmet, jenem Tage, der die Voraussetzungen für den siegreichen Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution des 30. Januar desselben Jahres schuf. Die Bewegung stand damals in den ersten Januartagen in einer ähnlichen Situation wie das deutsche Volk im letzten Abschnitt des Weltkrieges. Es ist, daß Mutlosigkeit und Verzweiflung niemals be tigt sind. am allerwenigsten in den Stunden ernster S aus denen es nur einen Ausweg durch die größte K entfaltung und den kühnsten Wagemut gibt. RSK. Wieder jährt sich der Tag des Livper Wahlsieges. der zur entscheidenden Durchbruchsschlacht für den Nationalsozialismus im Reiche wurde. Unermüdlich zog damals der Führer kreuz und quer durch das Lipper Land, um täglich in mehreren Versammlungen die Volksgenossen auszurütteln und für den deutschen Freiheitsgedanken zu gewinnen. Der Führer selbst hatte die Parole ausgegeben:„Livpe muß die Entscheidung bringen.“ Die Männer, die damals Schulter an Schulter mit dem Führer verbissen um den Wahlsieg kämpften, hatten im Laufe des gewaltigen Geschehens härtesten Einsatzes so manches unvergeßliche Erlebnis in der Nähe des Führers. Von einigen dieser kleinen Begebenheiten, am Rande des Wahlkampfes erlebt, sollen die nachfolgenden Zeilen berichten. * Am ersten Tage des Wahlkampfes erwarteten SSStandartenführer Wappenbans, der damalige Gaugeschäftsführer Dr. Glasmeier, jetzt Reichsintendant des Deutschen Rundfunks. und Pg. Sauer, heute RSKKGruppenführer und Führer der Motorgruppe Pommern. der dem Führer als Lotse durch das Livver Land dienen sollte, den Führer an der Landesgrenze auf offener Landstraße. Stunden um Stunden vergingen. aber der Führer kam nicht. Erst am nächsten Tage erfuhren die Männer. daß der Führer in Köln mit Herrn von Papen zusammentraf. Endlich brausen zwei schwere Wagen heran. Dicht neben den Männern hält der erste Wagen, und Gaugeschäftsführer Glasmeier meidet:„Der Gau Westfalen=Nord heißt seinen Führer im Lande der Roten Erde, im Lande Hermanns des Befreiers willkommen!“ Der Führer dankt mit Händedruck und sagt:„Meine Kameraden. Sie haben lange auf mich gewartet, entschuldigen Sie bitte.“ „Alles andere hatten wir erwartet.“ sagt Gruppenführer Sauer später.„aber nicht, daß sich der Führer bei uns entschuldigen würde. Wir waren ja so dankbar und grüßen zu können und ihn Mitte zu wissen.“ iesen Tagen des schweren näher kennenlernte, überFahrten durch das Land naue Kenntnis des Jedes Volk bestim Jugoslawisches Blatt rechnet mit der Doppelmoral der„westlichen Demokratien“ ab!„Die Balkanstaaten keine Vasallenstaaten“ Belgrad, 14. Jan. Das Blatt des jugoslawischen Innenministers Koroschetz, der in Laibach erscheinende „Slovenec“, veröffentlicht einen Leitartikel, der die Ueberschrift trägt:„Wir stehen nicht unter Vormundschaft". In dem Artikel heißt es: Eine allgemein anerkannte und allgemein übliche Regel des internationalen Lebens, die auch im internationalen Recht anerkannt wurde, ist, daß kein Staat sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates einmischen darf. Diese Regel wurde im vorigen Jahrhundert von der Demokratie gegen die Reaktion erkämpft, als Metternich im Namen der Heiligen Alltanz seine Nase in alle möglichen fremden Angelegenheiten hineinsteckte. In erster Linie war es England, das derartigen Eingriffen in die inneren Angelegenheiten anderer Völker halt gebot. Heute nun, da im Sinne der Wilsonschen Punkte im ##### ie Kulturstaaten, ob sie nun groß oder klein sichtlich Amerik De drückt vernichteln Die Mraische Republik und schickten immer noch gläubige Christen unter auf möglichst boshaften Beweisen aufgebauten Vorwänden massenhaft zum Sterben in die stbirischen Arbeitslager oder unmittelbar aufs Schafott. Und dies alles nur deshalb, weil sie an Gott und die Gerechtigkeit glauben. Haben wir jemals gehört, daß diese andachtsvolle englische oder amerikanische Demokratie im Namen der Humanitätsprinzipien bei der Sowjetregierung dagegen protestiert hätte? Oder daß die Regierung der französtschen Volksfront, die sich soviel mit ihren freiheitsliebenden Prinzipien zum Nutzen aller Völker der Erde rühmt, bei dem befreundeten Regime im Kreml im Interesse der unterdrückten und verfolgten Schichten in Rußland vermittelt hätte? Was würde man in England sagen, wenn sich der Vertreter irgend eines fremden Staates im St.=JamesPalast anmelden würde, um„im Namen der Menschlichkeit", des„Selbstbestimmungsrechts“ der Völker und der Grundfreiheiten der Menschen dagegen zu protestieren, daß ein fremder Staat in Palästina zugunsten der jüdischen Einwanderer die Einheimischen vertreibt und ihren Boden und die Naturreichtümer enteignet, die überwiegende Mehrheit der arabischen einheimischen Bevölkerung mit Fliegerbomben, Tanks und Maschinengewehren züchtigt? Oder wenn jemand in Paris„energisch und feierlich“ einen amtlichen Schritt unternehmen würde, weil Anhänger der Rechten eingesperrt werden, während Kommunisten ihre Angriffstruppen der roten Miliz bewaffnen und ausbilden dürfen? Oder wenn sich ein europäischer Diplomat erfrechen würde, im Weißen Hause in Washington die Regierung der Nordamerikanischen Union zu ermahnen, ihren Anhängern auch tatsächlich alle jene Rechte und jene Würden zu gewähren, die ihnen als Menschen und Staatsbürger zukommt? Natürlich wird niemand so etwas unternehmen, denn die sogenannten„großen Demokratien“ würden eine solche Intervention mit größter Entrüstung zurückweisen, da sie dadurch beleidigt würden und diese Einmischung auch die internationalen Gepflogenheiten breche und einen Eingriff in ihre Souveränität darstelle. Den großen Demokratien hingegen gefällt es, da sie offensichtlich auf dem Standpunkt stehen, was Große tun dürfen, dürfen Kleine nicht. Kein Staatsmann oder offizieller Politiker oder diplomatischer Vertreter darf, so sagt der Artikel, öffentlich die französische Demokratie kritisieren, in der. wie bekannt, nicht das Volk regiert, sondern einige Rechtsanwalts= und Großkapitalistencliquen in trauter Gemeinschaft mit den Generalsekretären der roten Gewerkschaften, oder die englische Demokratie. von der Chesterton in seinem Buche über Dickens feststellt, daß sich seit den Zeiten, in denen Dickens lebte und für Menschenrechte eintrat, im Grunde genommen nichts geändert habe. „Jeder“, so sagt Chesterton,„ist ein Dummkopf, der glaubt, daß England sich wirklich erneuert hat, ein demokratischer Staat geworden ist und sich von der Korruption befreit hat. Vielmehr besteht das Londoner sarlament nach wie vor in erster Linie aus Abgeordneten, ie wissen, daß die Stellungen in der Regierung und in der Verwaltung gute Futterkrippen sind, in zweiter Linie aus solchen Abgeordneten, die wissen, daß die verschiedenen hochoffiziellen Erklärungen nackter Schwindel sind, und in dritter Linie aus solchen Abgeordneten, die nichts wissen und sich doch wohl fühlen.“ Diese Worte Chestertons sind zwar etwas dichterisch übertrieben, im großen und ganzen stimmt es aber schon, was jeder weiß, der hinter die Kulissen dieser Demokratie Landes und seiner geschichtlichen Stätten. Als die Wagen von Augustdorf nach Horn durch die herrlichen Buchen= und Tannenwälder des Teutoburger Waldes fuhren, machte der Führer seine Begleiter aufmerksam, daß sie gleich an den Externsteinen, dem alten germanischen Heiliatum, vorbeikommen würden. Wenige Minuten darauf ging die Fahrt auch an den Externsteinen vorbei, im Elltempo dem kleinen livvischen Städtchen Horn zu. * Die Kundgebung in der Stadt Schwalenberg fand am Fuße der mittelalterlichen Burg Schwalenberg in einem Riesenzeltbau statt. Auf einer unwegsamen Bergkuppe wurde das Zelt errichtet, da aber während des Tages ständig neue Besuchermassen herbeiströmten, mußte immer wieder angebaut werden. So entstand schließlich eine ganze Zeltstadt auf der Bergkupve. Unverdrossen schleppten SA.=Männer und die Bevölkerung der Stadt durch den ausgeweichten, unwegsamen Lehmboden Zeltstangen. Zeltplanen und Stühle bergan, um zum Gelingen dieser Kundgebung beizutragen. Bei der Ankunft des Führers leuchteten lange Lichterketten von schwelenden Fackeln von der Stadt bis zur Zeltstadt hinauf durch die Dunkelheit. Ein herrlicher Anblick dieses Fackelspalier, durch das der Führer dann zur Zeltstadt schritt. in der ihn der Jubel der Volksgenossen empfing. Der Führer selbst bezeichnete diese Versammlung nachher als eine der besten Kundgebungen des Landes und sprach von ihr:„Es war eine richtige Arbeiter= und Bauernversammlung; ich fühlte sofort, diese Menschen versteben michgenau.“ * Zahlreich waren die kleinen, kennzeichnenden Erlebnisse dieser Art. die der Livper Wahlgang den Mitkämpfern des Führers bescherte. Sie sanden den Führer, der keine Schonung kannte, immer an der Spitze seiner Getreuen. Ihr allerschönstes Erlebnis aber war dann. daß schon am 30. Januar die Worte in Erfüllung gingen. die Reichsleiter Rosenberg bei der Kundgebung im Lemgoer Schützenhaus sprach: „Die Partei ist sich darüber vollkommen klar, daß ihr die Herrschaft nicht geschenkt wird und daß sie sie sich in schweren Kämpfen noch erringen muß. Aber fest steht die Zuversicht, daß bald der Augenblick kommen wird, wo die braunen Bataillone durch das Brandenburger Tor marschieren, ihre Standarten Friedrich den Großen grüßen und die Fahnen auf dem Berliner Schloß emvorsteigen, die den Wiederaufstieg verkünden zu einem großen deutschen Nationalstaat.“ O. T. blicken konnte. Jedoch das darf niemand anrühren, wern er keinen großen Skandal hervorrufen will. Trotzdem durfte der höchste Vertreter einer solchen großen Demokratie unlängst in seiner Rundfunkrede Europa Lektionen erteilen, welche Regierungen sich seine Völker erwählen sollen. Da ist etwas nicht in Ordnung und wir dürfen mit Recht von doppelter Moral sprechen. Die einen erlauben sich, alles zu machen, was sie wollen und ihnen gefällt, auch wenn es im Gegensatz zu den grundlegendsten internationalen Prinzipien steht. Die anderen sollen sich aber auf ihrem Gebiet, auf dem ihnen das internationale Recht volle Unabhängigkeit und Souveränität zuerkennt, dem Willen ihrer großen Vormünder und Aufseher unterwerfen. Die ganze Presse schreit, wenn man den Juden irgendwo auf die Finger tritt oder wenn keine solche Politik gemacht wird, wie sie den westlichen Demokratien und Herrn Litwinow gefällt. Dem muß man sich energisch widerjetzen. Die Staaten des Donaubeckens und Balkans sowie auch die Oststaaten sind nicht mehr Basallenstaaten oder irgendwelche Kolonien und unter Mandat stehende Länder. Auch Rumänien und die anderen„kleinen Staaten“ werden ihr Schicksal selbst bestimmen und eine solche Regierung haben, die sie selbst wollen. Schließung der Pariser Devisenbörse Die Devisenbörse in Paris ist geschlossen worden, aber die Wertpapier= und Warenbörse bleibt wie gewöhnlich offen. Neuwahlen in England? London, 14. Jan. Verschiedene Londoner Blätter, insbesondere die Linkspresse, hatten in der letzten Zeit Andeutungen gemacht, daß mit baldigen Neuwahlen zu rechnen sei. Der politische Korrespondent der liberalen„News Chronicle" berichtet nunmehr gleichfalls in großer Aufmachung, daß in der Konservativen Partei starke Kräfte am Werke seien, die für eine Neuwahl im Mai arbeiteten. Man habe sich zu diesem Zeitpunkt entschlossen, weil er für die Regierungspartei der günstigste sei. Es sei möglich, daß die Regierung unter irgendeinem Vorwande, z. B. dem eines Appells zur Erhöhung der Aufrüstung, die Neuwahlen vorschlagen werde. Wenn das britische Kabinett sich zu einer solchen Erhöhung entschließ, sei es sehr gut und wahr, daß Chamberlain von der Wählerschaft hierfür ein Mandat einfordere. Von zuständiger Seite verlautet bisher nichts über diese Gerüchte. Bekanntlich würden die ordnungsmäßigen Neuwahlen erst in 2½ Jahren stattfinden. Zentrale der„Roten Hilfe“ ausgehoben Neuer Schlag gegen die Kommunistenwühlereien in Brasilien. Rio de Janeiro, 14. Jan. Die Zentrale der kommunistischen Roten Hilfe für Brasilten, die in einer Buchhandlung in Rio de Janeiro untergebracht war und von hier aus ihre Wühlereien im ganzen Lande betrieb, wurde am Donnerstag ausgehoben. Bisher wurden acht Ken, vie ur0 pisce Drsapbeter uarnir festgenommen. Die polizeilichen Ermittlungen dauert noch an. Inzwischen wurde ein Regierungsausschuß aus Ber tretern verschiedener Ministerien gebildet, der eine Anzahl neuer Gesetze über die Ausweisung lästiger Elemente vorbereiten soll. Pferdesport Rennen zu Nizza. 1. Rennen: 1. Bellissima(Gigant), 2. Parmelan, 3 Buland Babe. Toto: Sieg 39:10. Platz 16. 31, 19:10 La.: K. K., 6. d. Ferner liefen 6 Pferde. 2. Rennen: 1. Kirdul(Dubus), 2. Beau Pantin, 3. Montmajour. Toto: Sieg 15:10, Platz 11. 14:10. Lo.: ½. W. Ferner lief 1 Pferd. 3. Rennen: 1. La Gabelle(Gleizes), 2. Castel Gon dolso, 8. Deucalion. Toto: Sieg 29:10. Platz 17, 32:10 Lg.: 1. 1½. 2. Ferner liefen 3 Pferde. 4. Rennen: 1. Armando(Lock), 2. Marauis u. 3. Nappe. Toto: Sieg 38:10. Platz 21. 37:10. La.: K. 4, 4. Ferner liefen 2 Pferde. 5. Rennen: 1. Vive le Rot(Bates), 2. Attacus. 3. Ange Gardien. Toto: Sieg 65:10. Platz 20, 26. 18:10. Lg.: K. H., 2. 1½. Ferner liesen 6 Pferde. Rheinisch=Westfälische Börse Düsseldorf, 14. Jan. Die Börse eröffnete wieder überwiegend schwächer. Auch im wekteren Verlauf trat eine Geschäftsbelebung nicht ein. Auf dem Montanmarkt verkehrten Rheinstahl 1¼ Prozent. Hoesch 1 Prozent und Ver. Stahl ¾ Prozent niedriger. Von Maschinenwerten büßten Demag ¾ Prozent ein. Farbenaktien standen unter Abgabedruck und mußten sich einen Kursabschlag von 1¾ Prozent, gefallen, lassen. Kalimarkt ruhig. Wintershall bei kleinem Geschäft ¾ Prozent leichter. Von den Versorgungswerten stellten sich RWE. ¾/ Prozent niedriger. Rentenmarkt frundlich. Reichsbahnvorzüge leicht gebessert. Altbesitz ziemlich gehalten. Im Zusammenhang mit der schwächeren Berliner Tendenz gaben auch die Kurse am Kuxenmarkt nach. Das Geschäft bewegte sich in sehr kleinem Rahmen. Von den Kohlenkuren waren Deutschland zu knapp behaupteten Preisen im Handel. Diergardt verloren gegenüber ihrem gestrigen Höchstkurs rund 250 RM. Am Braunkohlenmarkt war das Geschäft ruhig. Die Kurse erfuhren kaum nennenswerte Aenderungen. Am Kalikurenmarkt kamen Umsätze nicht zustande. Von Salzdetfurth=Ascherslehen= werten waren Braunschweig=Lüneburg einige 100 RM. höher gefragt. Warenmärkte Hamburger Warenmarkt. Reis: Im Export konnten Aufträge aus Westafrika gebucht werden, während das Platzgeschäft fast umsatzlos blieb. Der Saigonmarkt lag weiter fest, während in Burmah die Preise leicht nachgaben.— Preise unverändert. Baumwolle: Ruhig. Suverfine 4.40. Eine Omra 4.75 Dollar.„ Kaffee: Bei zufriedenstellenden Umsätzen am Platze ergaben sich keine Preisveränderungen.— Der Transithandel wies Ansätze zu einer Belebung auf. Schmalz: Stetig. Unverändert. Fettwaren: Unverändert. Hülsenfrüchte: Die Bedarfsnachfrage blieb auf Linsen beschränkt, die in Abladungsware besser beachtet waren als in greifbaren Partien. Während letztere ausreichend zur Verfügung standen, war Abladungsware kaum im Markte. Preise unverändert. Oele und Fette: Am Inlandsmarkt war der Handel in Rohölen ruhig. Dem Bedarf kann glatt entsprochen werden. Für Fettsäuren hat sich die Kauflust erhalten, namentlich Kokosvalmkernölfettsäure, wurde begehrt. Am Weltmarkt war die Stimmung ruhiger.— Man hörte folgende Preise: Holl. Leinöl prompt 22¾. Febr.=April 22¾, Mai=August 23½ hfl. für 100 Klg.— Kokosöl. Cevlon. Februar 19(15/—. Sojabohnenöl. roh. mandsch. Jan.=Febr. 18/—/— engl. Pfund für 1016 Klg. Rizinusöl, 1. Pressung. 51½—54½, Rizinusöl, 2. Pressung 49½—52½. Rindertalg. La Plata, prima, 34—42 RM. für 100 Klg. Baumwollsaatöl, eis. Hamburg per Dez.=Jan. 20/10/— engl. Pfund für 1016 Klg.— Uebriges unv. Gewürze: Abzüge nach dem Inlande fanden nur vereinzelt statt. Die verhältnismäßige ruhige Geschäftslage ist dadurch bedingt, daß die Verbraucher den anfallenden Bedarf aus ihren Beständen decken können und daher zu Ergänzungskäufen noch nicht genötigt sind. Die Preise erfuhren keine Veränderung. Rohkakao: Fest. Die durch den Streik der afrikanischen Farmer bestehende Unsicherheit kommt durch die schwankende Preisgestaltung der letzten Tage zum Ausdruck. Während am Vortage am Weltmarkt die Preise für marktgängige Sorten niedriger lauteten, traten heute wieder Preiserholungen ein. Accra g. f. loko 29/3. Accra g. f., neue Ernte, per Jan.=März 297— eif. Ahldg. Lagos sag, neue Ernte per. Dez.=Fehr. Abldg. 26/6 eif. Sup. Thome auf Avprobation per Jan.=März Abldg. 30/6 cif. Suv. Bahia, monatl. Abladung per Jan.=März 29/1 efr. Abladung. Preise verstehen sich für 50 Klg. netto unverzollt.— Alles übrige unverändert. Kakaohalbfabrikate: Kakaohalbfabrikate fanden anhaltend gute Beachtung. Infolgedessen ließen sich Abschlüsse, die auf der bisherigen Preisgrundlags stattfanden, leicht ermöglichen. Kautschuk: Ruhig, Sheets loko 7 1/16. Fedr.=März 7 1/8. März=Avril. 73/16 Pence per lbs. Zucker: Die Marktlage hat sich allgemein nicht verändern können. Die Tendenz lautete immer noch eüchig und abwartend. Preise unverändert. Wie wird das Wetter? Temperaturrückgang. Das kräftige Tiefdrucksystem im Raume Island—England bestimmt weiterhin das Wetter Mitteleuropas. Da aber der Luftdruck über dem Festland ansteigen wird. wird die Niederschlagstätigkeit bei uns nachlassen. Gleichzeitig werden aber bei nordwestlichen Winden küblere Meeresluftmassen nach Mitteleurova gelangen und allgemein zu Temperaturrückgang führen Vorhersage für Samstag: Bei auffrischenden südwestr Winden vormittags stark wolkig mit leichten Niederschlägen. noch mild. Für Sonntag: Winde aus West, zeitweise stärkere Abkühlung. aber immer noch nicht ganz niederschlagsfrei. etwas kühler. Weiterentwicklung: Im Flachlande Frostgefabr, im hohen Sauerland auch tagsüber geringer Frost. Rundfunk=Programm mstag, den 15. Januar 1938. 0 Morgenlied— Wetterbericht. 0 Leibesübungen. Frühkonzert.— 0 Nachrichten— Morgenlieb— Morgenruf. Wetter, Wasserstund— Kalenberblatt. 0 Frauenturnen. Musik am Morgen. Kleine virtuose Musik. 5 Nachrichten. Theoverich. Hörspiel aus der Geschichte des stgotenreiches, von Meingast. Fröhliches Spiel für unsere Kleinsten. Marktbericht des Reichsnährstandes— Bauer, Mittagskonzert. 1. Gounod: Marsch aus der lönigin von Saba“, 2. a) Niemann; Astrid nzt: b) Rust: Romanze Des=dur, 3. Debusly; ste„Kleine Suite“, 4. Strauß: Märchen aus m Orient, 5. Adam: Melodien aus der Oper der Postillon von Longsumean“, 6. a) be A i: Spanische Serenade, b) Schütt: Der# bten. Nachrichten— Glückwünsche. Fortsetzung des Mittagskonzertes. 7. Lortzing: ivertüre zur Oper„Undine: 8 renade: 5) Die Mühle. 9. Strecker: Melodieg s dem Singspiel„Aennchen von Tharau“, 10 hulenburg: Pußta=Märchen. 11. 22,00 Nachrichten. 22,30 Wir spielen zum Tanz. schläger: Im Zirkus, Suite: a) Die Schulreiterin, b) Am Trapez, c) Humsti=Bumsti, d) Cowboyspiele. 14,00 Nachrichten— Sportvorschau. 14,15 Zur Unterhaltung. 15,00 Reichssendung: Grundsteinlegung für die Adolf Hitler=Schulen. 15,50 Wirtschaftsmeldungen. 16.00 Gaukulturwoche Köln=Aachen. Für heut' die Arbeit aus. Frohes Wochenende aus Brühl. 18.00 Der neue Innkplan. 18,10 Die Leutestube 18.50 Im Kampf um die Macht. 19.00 Nachrichten. 19.10 Wochenendkonzert.(Schallplatten und Aufnahmen). 20.00 Gaukulturwoche Köln Nachen. Fünftes Städtisches Volke Sinsonie Konzert. 1. Maler: Flämisches Rondo. 2. Spohr: Violinkonzert Nr. VIII. 3. Röhrig: Ouvertüre über die Aachener Hymne „Urbs Aquensis“, 4. Brahms: Einfonie Nr. 1 C=Moll. Sonntag, den 16. Januar 1938. Gankulturwoche Köln Aachen, Tag des Rundfunks. 6,00 Hamburger Hafenkonzert. 8.00 Wetter— Wasserstand. 8,05 Lichter Morgen. 8,15 Orgelstunde. 1. Schröder: Kleine Stücke. 2. Graeber: Fughetta. 8,30 Und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit! Die Eschweiler Singschar d. Hitler=Jugend singt. 9.00 Morgenfeier der SA. 9,30 Musik am Sontnagmorgen.(Ind.=Schallpl. und Aufnahmen). 10.30 Dichterstimmen auf Schallplatte. 11.15 Musik unserer Zeit aus d. Gau Köln=Aachen. 11,45 Der Intendant des Reichssenders Köln, Gauamtsleiter Toni Winkelnkämper, spricht zur Hörerschaft. 12.00 Der Reichssender Köln am Sonntagmittag. 1. Huppertz: Karussell. 2. Spies: Reigen. 3. Häuser: a) Wiener Moment. b) Beim Heurigen. 4. Meyer: Serenade Des=Dur. 5. Drei Lieder: a) Kowalski: Gerda=Marie, b) Eysoldt: Du sollst die Rose sein, c) Eysoldt: Ich weiß, daß wir uns wiedersehn. 6. Heuser: Italienische Serenade. 7. Unger: Kleine Dorfmusik. 8. v. d. Berg: Blauer Himmelsbogen. 9. Kauffmann: Ein kleines Blumenkonzert. 10. Mausz: Kuba nische Serenade. 11. Zwei Tänze: a) Roonthal: Mir geht's gut, b) Eysoldt: Ich schau so gern in deine Augen. 15,00 Glückwünsche. 13.05 Leichte Kost. 1. Gebhardt: Das Fest der Infantin. 2. a) Lincke: Isola bella, b) Drdla: Erinnerung. 3. a) Jungherr: Kulleraugen, b) Mahr: Bauernvolka, 4. Derksen: Liebeswerben. 5. Zwei Tänze: a) Stolz: Eine goldige Frau, b) Kirchstein: Weit, ganz am Ende der Welt. 6. a) Mahr: Ringelreihen, b) Macho: Corian= doli. 7. a) de Curtis: Es war ein Traum, b) Künneke: Serenade. 8. Zwei Tänze: a) Kaschubec: Auf meiner kleinen Violine, b) KrügerHanschmann: Autobäschen. 14,00 Ein Wintermärchen. Märchenspiel von O Wollmann. 14,30 Der Kiepenkerl packt aus. 15.00 Junge Mannschaft. Ein Bericht von der Kulturarbeit der Hitler=Jugend im Gebeei Mittelrhein. 15,40 Student im Braunhemd. Zur 10jähr. Grün dungsfeier des NSD.=Studentenbundes in Bonn. 16.00 Bunte Melodien. Mitw.: Edith Heimba#h#Rego(Sopran); Helgar(Tenor); die Sechs Froben Sänger; das Klavierduo: Bund, Franz Xylophon); Hagestedt mit seinem Orchester. 18.00 Pferd kämpft mit Lokomotive. Eine Szene von Schmidtbonn. 18.15 Die Rundfunk Arbeitsgemeinschaft der Staatlichen Musikhochschule musiziert. 19,00 Nachrichten. 19,10 Festlicher Ausklang der Gaukulturwoche. Lob der Gemeinschaft. Ausführung: Kälner Rundfunkorchester und Rundfunkchor, Chor des Collegium Musicum und der Hochschulchor. 20.30 Beethoven— Mozart— Brahms. 1. Beethoven: Ouvertüre zu„Egmont“. 2. Mozart: Sinsonie D=Dur. 3. Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn. 21,20 Zur Unterhaltung und zum Tanz. (Industrie=Schallplatten) 22,00 Nachrichten. 22,30 Wir bitten zum Tanz. Heinrich Schlenkhoff 5.p Hohlen " Hoks II. Brikerts##l (gcheger 1ge Palbrant „iung Volktsernplänger 10: 18 Nensteratre. Mende, Nore, Telefunken, Scheub-Fernempfänger kaufen Sie bei Radte-Niederdrenk tan Werde Mitglied Fahrschule Hans Klein der NSUT# Ruf 52402. Bahnhofstr. 116 der NSviMern C Statt Korten Die Verlobung unserer Tochter Gerda mit Herrn Heinrich Schmidt zeigen hierdusch an. Joset Severin u. Fraa Erna geb. Schöne Meine Verlobung mit Fräulein Gerda Severin beehre ich mich anzuzeigen. Heinrich Schmidt Herne, Goethestr. 57 15. Januar 1938 Hannover — Weinet nicht an meinem Grabe, Gönnet mir die ew'ge Ruh; Denkt, was ich gelitten habe, Eh’ ich schloh die Augen zu. ... ist das wirklich meine INNTTNF 4 Oiefe Broge konn mon versiehen! Wer Dersit almmt, ist eine hohe Leistung gewohnt.-Aber in der letzten Zeit hat die Wäsche ein so frisches und auffallendes Weiß, ein so„verjängtes“ Aussehen, daß es gleich auffällt. Wie kommt das?—= Kann ein Waschmittel mehr als Waschen? - Jawohl, Dersil bietet heute ganz neue Vorteile: es verhindert weitgehend die schädlichen kalkhaltigen Ablagerungen im Gewebe und gibt dadurch der Wäsche ihre arsprängliche Weichheit wieder, Griff und Aussehen sind viel besser als früher und die Haltbarkeit ist erhöht. Es gibt einen neuen Grundsatz der Wäschebehandlung: Nicht nur gewaschen, nicht nur rein, persil-gepflegt soll Wäsche sein! Nach Gotfes hl. Willen verschied heute morgen 10.45 Uhr meine liebe Frau und gute Mutter, meine liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante, die geb. Kulzewier nech langem, schwerem Leiden, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, Im Alter von 37 Jehren. In tielem Schmerzt Johann Winkowskl und Sohn Franz nebst Anverwandten. Herne, Münster, Lille, Posen, 14. Jan. 1938. Die Beerdigung findet statt am Montagnechmittag 3.30 Uhr vom Sterbehause, Hermannstraße 13, aus.— Das Seelenamt ist Montag morgen 7 Uhr In der Herz-JesuKirche. C Eine Anzeise in dieser Größe 22 mm breit. 50 mm hoch kostet nur noch RM. 2. bei Wiederholung bis zu 20 ·/0 Rabatt Frostfreie billig bei H. Fingerhut jr. Rosenstraße 9. Ig. Ehep. sucht zum 1. 3. 38 abgeschlossene 2-Z.=Wohnung Stadtgebiet. Ang. u. H B14 an d. H. Anzeig. mit eingebautem Bad, Mansarde, 2 Kellern, nebst Autogarage zum 1. 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OD!TELIS.„.. 111101 Julius Berke Lies den Anzeiger. Gewinnauszug 4. Klasse 50. Preußisch-Süddeutsche (276. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten vorzugehen. Oft sind die Mikroben in ganz uner ter Form so aktiv, daß sie die Bakteriophagen auf* Im jetzigen Stadium kann man jedenfalls mit Kikrobenfressern zwar experimentell, aber noch nicht Itig arbeiten. Schrobenhausen m.— Die Totenmaske im Dachstübchen. Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich bobe Gewinne gesallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und 1I in 80jähriger Schrobenhausener Bürger. der mit un a die geschmackvoll ausgestatteten Zimmer wander: chlt uns, daß Lenbach erst in seinen alten Jahre jeder in seine Heimat fand und hier von seinen Jugen! #nden begeistert begrüßt wurde.„Der gute Franz' 2. Ziehungstag 13. Januar 1938hn er,„hat ja vor lauter Festen, Ehrungen und Ein enungen gar keine Zeit mehr gehabt, nach Schrobe In der heutigen Vormittagszsehung wurden gezogtenüsen zu kommen. Wir haben ihm das nie ver#### 4 Gewinne zu 10000 RM. 139409 327387 eneißten wir doch, wie sehr er trotzdem an seinem A# 5 2 bewinne zu 5000 R2. 287214. nd ldichen hing. obwohl er hier in seinen jüngeren I# 2 Hewinne zu 1000 N. 3828 17102 S uch harte Nuß zu knacken hatte.“ Wirklich, der ehr 26 161 350421 372500 er= sschrobenhausener Maurermeister Lenbach hat sen 151969 1665“ 1900as 244284 30813 3:0e sohne das Leben nicht gerade leicht gemacht. Es ber 371733 375027—— 808148 32/8shm wenig, daß Franz nicht in Vaters Fußstapfen tr48 Gewinne zu 500 RM. 3184 16421 27128%ts bndern höher hinaus wollte. Als im Jahre 1852.. 46463 78561 106592 128102 180707 Meboo— 1flahries Ssamameich Hauptschriftleiker Dr. Leo Weiners, Herne. Stellv. des Hauptschriftleiters Jos. Möller, Herne, Verantwortlich für Politik Dr. Arthur Auppert, Gelsenkirchen; für Kommunalpolikik und Lokales Dr. Leo Reiners, Herne; für Unterhaltung Franz—runs, Gelsenkirchen; für Sport Josef Möller, Herne; für Anzeigen 1. V. Willi Hülsmann, Herne. Bildverantwortliche: Ressortleiter. Beiträge sind an die Schriftleitung(Herne, Hermann-Göring=Straße 8), nicht an ihre einzelnen Mitglieder„# richten. D. A. XII. 37 über 3500.— Druck und Verlag Koethers& Röttsches, Herne. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 gültig.— Mengenstaffel E. 200168 203887 206364 209969 239435 247642 249301 301715 329639 333976 335392 36348 376248 397863 162 Gewinne zu 400 RN 9927 18964 22784 39067 56603 58690 90196 64924 65046 68553 72435 77366 86483 89128 97337 101791 109690 130823 135059 136647 138997 150369 157996 167755 195130 214690 239890 264872 294272 329699 349610 395967 158730 176693 195417 220199 242384 285066 29710 330399 360375 398156 15970 180350 195497 223390 242566 273993 306480 334659 363064 398954 160527 181629 202623 228669 253730 274706 316742 337338 363957 152040 164154 18941 206690 239203 257935 275511 319749 338513 365576 155364 166157 190690 211033 239257 260643 27883 322868 34346 371725 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 100000 RM. 161777 2 Gewinne zu 50000 RM. 337831 4 Gewinne zu 5000 RM. 301665 375545 6 Gewinne zu 3000 NM. 27751 36554 378672 8 Gewinne zu 2000 RM. 60194 86524 367363 37366 12 Gewinne zu 1000 RM. 56625 123358 136212 150783 209644 25886 22 Gewinne zu 800 RM. 16889 71120 75532 106530 120657 183954 206356 240153 243871 310941 362521 60 Gewinne zu 500 RR 32589 36067 38127 63969 69930 71826 78024 90993 94703 111151 118191 120875 132842 149204 167540 196938 203435 210195 213707 217673 220750 225983 245276 253882 261390 310060 324437 349674 364200 395805 174 Gewinne zu 400 RM. 2103 6547 7395 9283 10167 11644 34675 38480 40687 46010 46443 48383 61687 62870 63344 64398 69068 70653 73457 76750 81190 90035 90198 94560 96898 97683 96486 102203 103513 117710 123733 128944 130310 153669 159659 184726 188274 201758 4201786 227015 231989 261947 277219 306464 307525 322441 329262 342042 344204 381360 390929 40085 16.649 211457 250965 261474 309069 329856 345954 141332 166360 195968 213757 251973 294036 315523 338432 361036 144507 172206 199523 216359 255625 302152 316460 368734 145048 183766 200967 259662 302922 319953 340142 372469 Die Ziehung der 5. Klasse der 50. PreußischGüddeutschen(276. Preutzischen), Klassen-Lotterie findet vom 8. Jedruar bis 14. März 1933 statt. Torfmul für Tortschnellkompost Geflügeltorf Isoliertorf Marke„Flora“ auch in kleinsten Mengen hält vorrätig DUx W. Schlenkhoft Herne Friedrich straße 2 Fernsprecher 50637 Farben Lacke kauten Sie preiswert bei a lo. Bahnhofstr. 111. Gebt den Herner Anzeiger Eurem Nachbar Blut, Kraft Starke Nerven, frisches Aussehen, gesunden Appetst erreichen alt und jung durch Lebens- Elikir-Hattermann Die Quelle neuen Lebens. Der Gehalten Lecithin u. Eisen macht's Gr. Fl. RM 2.75 Kurfl. RM 4.90 Drogerte Klische. Bahnhofstr 5o u Drogerie Masthoff, Wiescherstraße 35. rogene lansen, an der evang. Kirche rogerte Meicher. Bahnhofstraße 1%8 ogene Stiepelmann, Ludwigstraße 22 Sodngen: Drog. Fuhr mann(em Desimel Dr 5