— Druck u. Verlag: Koethers& Röttsches. Herne, Bebelstr. 8. neben der Hauptpost Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis dalbmonatl. Mk. 1.08, monatl. Mk. 2.15, frei ins Haus gebracht.; Postscheckkonto: Dortmund 1907.: Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen= u. Reklameteil: Carl Bartels in Herne. 2 Sodinger Anzeiger„ Gerther Anzeiger Kostenlose Unfallunterstützung von Mk. 250.— bei tödlichem Berufsunfall nach Mahgabe besonderer Bedingungen, die in unserer Geschäftsstelle erdältlich und. Anzeigenpreise: 1 mmn Raumhöbe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfg., Arbeite und Wohnungsmarkt 6 Pfg. 1 mm Raumhöbe, im Reklameteil 30 Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage hinsallig. 7 Feensprech Anschluß: Sammel= Rummer 52541# Telegramm-Adresse: Anzeiger Herne. Nr. 257(Erstes Blatt) Mittwoch, den 2. November 1932 28. Jahrgang Im Tagesspiegel Kaum. glaubte man nach dem Leipziger Urteil wieder einen festen Rechtsboden unter den Füßen zu haben, da fühlen wir auch schon wieder den Boden wanken. Macht oder Recht! Das ist jegt die Alternative. Dies die Tatsache: schon volle zwei Stunden, bevor die Aussprache des Reichskanzlers und des preußischen MinisterpräsidenA ten mit dem Herrn Reichspräsidenten stattfand, war die ganze Verwaltungsreform, die erst Gegenstand dieser Aussprache sein sollte, schon fix und fertig im „Reichsgesetzblatt“ gedruckt! Einen klareren und deutlicheren Beweis dafür, daß man nicht das Recht, sondern die Macht zum bestimmenden Faktor der neuen deutschen Politik machen will, kann es wohl gar nicht mehr geben. Die Rechte des Volkes werden in einer Weise mißachtet, wie man es bisher eigentlich nur in den balkanischen Staaten kannte. Ohne dem durch das Leipziger Urteil ausdrücklich wieder in seine Rechte eingesetzten Preußischen Staatsministerium auch nur Gelegenheit zu geben, sich zu den Plänen der Reichsregierung auf Umänderung in der preußischen Verwaltung zu äußern, schafft man eine fertige Tatsache und geht über jegliche Proteste und Einwendungen, über die schweren und ernsten Besorgnisse insbesondere der süddeutschen Regierungen einfach hinweg. Die Mißachtung des Spruches des höchsten Gerichtshofes ist im Effekt vielleicht noch schlimmer; denn obwohl dieses Urteil vollkommen klarstellte, daß die Reichsregierung niemals eine Landesregierung absetzen kann, werden durch diese neuen Maßnahmen der zu Recht bestehenden Staatsregierung sämtliche Aufgaben= und Arbeitskreise entzogen; ohne die preußischen Minister zu hören, werden an ihre Stelle neue Minister gesetzt und eine Unzahl von Neuernennungen vollzogen. Daß der geistlose Machtstandpunkt vor dem Recht rangiert, zeigt auch der Umstand, daß über alle Proteste, über alle Bedenken, Mahnungen und Warnungen hinweg weiter vorangeschritten wird, gerade Gis wenn man büind ware vor den heute noch nicht abzusehenden Folgen einer solchen einmal ins Rollen gebrachten Entwicklung.— Wir wollen das Recht zur Grundlage des Staates machen! Und nur Gerechtigkeit soll entscheiden dürfen in den Beziehungen zwischen Regierung und Volk, wie überhaupt unter den Menschen. Wer die Macht ablehnt und das Recht will, der weiß, was er am 6. November zu tun hat! * Die Stellungnahme der bauerischen Regierung zu den Reformmaßnahmen der Reichsregierung hat sich nicht geändert. Der Reichskanzler hat durch seine fernmündliche Besprechung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten versucht, die Maßnahmen in Preußen als ungefährlich und nicht gegen die Interessen der Länder verstoßend darzustellen. Aber man weist gerade in den politischen Kreisen Süddeutschlands insgesamt darauf hin, daß man derartigen Erklärungen nicht mit besonderem Vertrauen gegenübertreten könne, denn vor allem die Ernennung des Staatssekretärs Popitz zum Reichsminister ohne Portefeuille und kommissarischen Leiter des Preußischen Finanzministeriums lasse darauf schließen daß man seitens der Reichsregierung sicherlich mit den für Preußen beschlossenen Maßnahmen mehr beabsichtige als immer vorgeredet werde. Gerade Popitz stößt in Süddeutschland auf schwerste Bedenken, weil er immer in den vergangenen Jahren bei den Verhandlungen über den Finanzausgleich zwischen Reich und Ländern seine extreme und unitare Haltung eingenommen habe. Es ist demnach, wie in politischen Kreisen erklärt wird, gar nicht ausgeschlossen, daß die bayerische Regierung sich einem Schritte des preußischen Kabinetts Braun dahingehend anschließen könnte, daß die sofortige Einberufung des Reichsrats, noch vor dem 6. November, gefordert wird. Ein gleiches kann nach der Ansicht derselben politi# ichen Kreise für die badische Regierung gesagt „ verden. Was die Regierung in Württemberg anlangt, so ist dort gegenüber dem Vorgehen der Reichsregierung in Preußen dieselbe Beurteilung wie in Bayern festzustellen. Diie Zusammensetzung aber der württembergischen Regierung läßt es noch fraglich erscheinen, ob sie sich einem offiziellen Protest anschließen wird. Inzwischen hat der Reichsinnenminister den Reichsrat zum 10. November einberufen, woraus in politischen Kreisen geschlossen wird, daß die Reichsregierung nicht gewillt sein dürfte, eine frühere Einberufung des Reichsrats vorzunehmen. Aber darüber zu urteilen, ist erst möglich, wenn man weiß, welche Beschlüsse das Kabinett Braun fassen wird und wie sich dann die süddeutschen Länverregierungen verhalten werden. Vorläufig liegen Antrage zur früheren Einberufung des Reichsrats noch nicht vor, doch kann eine Einberufung von einem Drittel der Mitglieder innerhalb von zwei Tagen beantragt werden. Die innerpolitischen Konflikte Rechtsstaat oder Machtstaat? Das Volk hat die Entscheidung Wählt Zentrum, die Volks= und Verfassungspartei! Der Einfluß des Herrenklubs Von unserer Berliner Redaktion. # Berlin, 1. November 1932. Der Streitfall Reich—Preußen dürfte vorerst zu einem Stillstand gekommen sein. Wenn auch am 3. November eine Sitzung des Verfassungsausschusses des Reichsrats stattfindet, so ist doch bei dieser Gelegenheit keine Entscheidung zu erwarten, sondern frühestens in der Vollsitzung des Reichsrats am 10. November. Es wird auch angenommen, daß das geschäftsführende preußische Kabinett zunächst auf eine abermalige Anrusung des Staatsgerichtshofes verzichtet und sich damit begnügt, im Reichsrar gegen die Auslegung des Leipziger Urteils durch die Reichsregierung anzukämpfen. Inzwischen glaubt die Rechtspresso den Standpunkt der Reichsregierung am besten verfechten zu können, indem sie heftige Angriffe gegen das Auftreten des bayerischen Ministerpräsidenten richtet und dessen Abreise von Stuttgart vor der Unterredung mit dem Vertrauensmann der Reichsregierung, Freiherrn von Lersner, als eine Demonstration hinstellt. Die„Berliner Börsenzeitung“ weist die Reichsregierung darauf hin, daß schon ihr Prestige es ihr gebiete, den hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen. Die Zeit der freundlichen Worte sei jetzt vorbei. Es müsse gesochten werden. Der Hugenbergsche„Lokalanzeiger“ schreibt von einem„parteipolitischen Manöver“ Helds, das wahrscheinlich, mindestens soweit die bayerische Regierung in Betracht komme, wieder aufgegeben werde. wenn die Wahlen vorüber seien. Die Hugenbergsche „Nachtausgabe“ erklärt kurzerhand. Held könne nicht verlangen, daß man ihn irgendwie ernst nehme. Indessen scheint die Reichsregierung an diesen Helfersheliern keine rechte Freude zu haben. Denn sie beeilt sich, beschwichtigend zu erklären. Lersner habe Held nur zufällig nicht getroffen. Lersner ist übrigens vor der Ankunft Helds in Stuttgart von da abgereist, wo er mit dem Staatspräsidenten Dr. Bolz konferiert hatte; also nicht Held vor Lersner, sondern Lersner vor Held. Die Stellungnahme der süddeutschen Länder wird von amtlichen Stellen nach Möglichkeit bagatellisiert. Man ignoriert vorläufig die Tatache, daß es bei der Aussprache im Verfassungsausschuß des Reichsrates und im Reichsratsplenum zu heftigen Auseinandersetzungen kommen muß, und verlucht mit der Erklärung zu beruhigen, daß die Unterredung zwischen Held und Lersner in den nächsten Tagen in München stattfinden werde. Der Deutsche Herrenklub scheint das Bedürfnis zu haben, sich von der Reichsregierung etwas zu distanzieren. Der Präsident des Klubs, Graf Bodo von Alvensleben, sagt nämlich in einer Erklärung, die in der„Täglichen Rundschau" wiedergegeben wird, er habe bisher geschwiegen. weil er sich gesagt habe, daß jeder vernünftige und einigermaßen unterrichtete Politiker doch selbst wisse, wie unbeteiligt der Herrenklub als solcher und gerade auch dessen leitenden Persönlichkeiten an den politischen Entscheidungen der ganzen Jahre gewesen seien. Wer auch nur einigermaßen wisse, wie locker das Zusammenleben in einem Klub sei, könne nur lächeln über die Märchen. die seit Anfang Juni von allen Seiten über den Klub verbreitet seien. So ganz unschuldig, wie Herr von Alvensleben es hinstellen möchte, ist der Herrenklub nun an den politischen Entscheidungen der letzten Zeit nicht. Der„Vorwärts“ ist in der Lage, ein Schreiben zu veröffentlichen. das der Geschäftsführer des Herrenklubs. v. Gleichen, am 2. Oktober an einen ostpreußischen Großgrundbesitzer gerichtet hat. In diesem Brief heißt es zunächst, ein Herr Schott habe eine eingehende Aussprache mit Herrn von Gayl gehabt über die Reichsxesormfrage. Bei Herrn von Gayl solle die Absicht bestehen, ein kleines Gremium von höchstens zehn geeigneten Persönlichkeiten zu bilden. wodurch der von Herrn von Gleichen vorgeschlagene Plan eines größeren Gremiums überholt erscheine. In dem Schreiben wird weiter gesagt, die Tätigkeit des Herrn von Alvensleben habe keinen wirklichen Erfolg gehabt, sondern der Reichswehrminister Listanziere sich immer meor von ihm. Wörtlich heißt es in dem Brief: „Unerfreulich sind die Schwierigkeiten wegen der amtlichen Handelspolitik, und zwar weniger, weil die Opposition aus dem Agrarlager sich meldet, als vielmehr wegen der Neaktion beim Wirtschaftsminister. Ueberraschenderweise laucht das Gerücht Herr von Knebel=Döberitz als Nachfolger Brauus auf. Wie es heißt, hat sich Warmbold an den Wehrminister gewandt. Leider hat bisher der Oberst von Hindenburg mich nicht wieder empfangen. wobei ich nicht weiß, ob das auf seinen Einfluß zurückzuführen ist. Den Kanzler hoffe ich in den nächsten Tagen zu sprechen.“ In diesem Brief ist die Behauptung der Herrn von Alvensleben treffend widerlegt, daß der Herren klub nicht an der politischen Entwicklung beteiligt sei Man sieht beinahe in greifbarer Nähe die Draht= zieher am Werk. Der anfangs des Briefes genannte Herr Schott hat die Aufgabe, den Reichsinnenminister auszuforschen. Der Vorsitzende des Herrenklubs, von Alvensleben schlängelt sich an den Wehrminister heran. Der Geschäftsführer des Herrenklubs. von Gleichen, bemüht sich um einen Empfang beim Sohn des Reichspräsidenten. Dem Reichsinnenminister wurde vorgeschlagen, ein Gremium zur Beratung der Reichsreform zu bilden. Nimmt man den Brief nur als einen kleinen Ausschnitt aus der Tätigkeit des Herrenklubs, so ergibt sich, daß diese Leute sehr seifrig am Werke sind, um auf die Reichspolitik und die Geschicke des deutschen Volkes Einfluß zu nehmen. Auf die Vorschläge des Herrenklubs wird wenigstens teilweise Rücksicht genommen, während die verjassungsmäßigen Instanzen, Reichstag und Länderregierungen, bei der Reichsregierung abgemeldet zu sein scheinen Verlängerung des Rüstungsfeierjahres? 46 Staaten haben ihre Einwilligung gegeben □ Genf, 1. Nov. 1932. In der Resolution des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz vom 23. Juli war den beteiligten Regierungen empfohlen worden, den im vorigen Jahre abgeschlossenen Rüstungsstillstand für vier Monate vom 1. November ab zu erneuern. Bis heute haben 46 Staaten dem Völkerbundssekretariat mitgeteilt, daß sie mit der vorgeschlagenen Verlängerung einverstanden sind. Unter ihnen befinden sich u. a. Rußland, Italien, Frankreich und Großbritennien. Deutschland wird, wie bekannt, auf diesen Vorschlag des Hautausschusses nicht antworten, bevor die Frage der deutschen Gleichberechtigung geklärt ist. Paul Boncour spricht am Freitag über den französischen Plan □ Gens, 1. Nov. Der französische Kriegsminister Paul Bonc zur wird am Mittwochabend in Genf eintreffen. Für Donnerstag vormittag ist eine Besprechung zwischen Paul Boncour und Henderson vorgesehen, in der die Dispositionen für die angekündigte Rede des französischen Vertreters getroffen werden dürften. Am Donnerstagvormittag tritt das Büro der Abrüstungskonferenz zusammen, um zunächst nach einem Expose Hendersons über den Stand der Konferenz die inzwischen eingereichten Berichte über die Kontrolle, den chemischen Krieg und die Luftfahrt entgegenzunehmen. Die Rede Paul Boncours über den französischen Abrüstungs= und Sicherheitsplan ist für Freitag vormittag angekündigt. Dagegen steht es noch nicht fest, wann und in welcher Form der französische Plan der Konferenz unterbreitet wird. Die Bemühungen Henversons scheinen darauf hinauszugehen, eine möglichst baldige Veröffentlichung des Planes von der französischen Delegation zu erwirken. Eine Diskussion des Planes im Büro der Abrüstungskon= ferenz dürfte nicht stattfinden. Man spricht davon, daß diese Diskussion dem Hauptausschuß der Konferenz. der am 21. November zusammentritt, vorbehalten bleiben soll. Trendelenburg übernimmt sein Amt Gens. 1. Nov. Der neuernannte deutsche Untergeneralsekretär des Völkerbundes, Staatssekretär z. D. Trendelenburg, ist am Dienstag in Genf eingetroffen und wird sogleich seinen neuen Posten antreten. den politischen und parlamentarischen Kreisen wird ein jetzt bekannt gewordenes geheimes Schreiben des Reichskommissars Bracht an die Reichsregier ung mit Datum vom 18. Oktober lebhaft diskutiert. Denn darin wird von einer überaus bedrohlichen Lage der Gemeinden bezüglich der Finanzen gesprochen, ein ofortiges Einstreisen der Reichsregierung gefordert. sonst könnten Ruhe und Ordnung nicht sichergestellt werden, würde das Funktionieren des ganzen Staatsapparates in Frage gestellt, würden schließlich alle Wannahmen des Reiches zur Hebung des Vertrauens und zur Belebung der Wirtschaft zunichte gemacht. Ohne sofortige Reichshilfe könnten unübersehbare politische Auswirkungen eintreten. Die Reichsregierung kann den Inhalt dieses geheimen Schreibens nicht dementieren. Es wird lediglich gesagt, daß gegenwärtig Verhandlungen mit der Reichsregierung über die Behandlung der äußerst dringenden Finanzfragen schweben. Dazu wird aber auch in Wirtschaftskreisen erklart, daß die Reichsregierung nun keine Stunde mehr damit warten dürfte, um endlich die schon immer geforderte Klarheit über die Finanzlage des Reiches, der Länder und Gemeinden zu schaffen, und zwar noch vor den Wahlen. * Die Presseabteilung der Reichsregierung mußte sich dieser Tage auf zwei Veröffentlichungen hinweisen lassen; die die Linie einiger amtlicher Verlautbarungen der letzten„eu durchkreuzten. Ver schiedentlich war die Forderung erhoben worden, daß zu den Darstellungen über die Vorgänge des 13. Au gust üder das damalige Communiquee hinausgehend Stellang genommen würde. Vom Regierungstisch war mit Bestmmiatheit erklärt worden, daß man diese Angelegenheit als endgultig abgeschlossen betrachten und behandeln werde. Nun ist aber durch Verlesung in einer deutschnationalen Versammlung ein Unhaltbare Zustände Das Brann=Kabinett tritt zusammen Berlin, 1. Nov. Wie das Nachrichtenbüro der VO3. meldet. ist die für heute angesetzte Sitzung der Kabinetts auf Mittwoch verschoben worden. weil einige der Minister, die am Wahlkampf teilnehmen. nich früher in Berlin sein können. In der Kabinettssitzung will sich die Regierung Braun darüber schlüssig werden. ob und welche Folgerungen sofort aus den neuen Maßnahmen des Reichskommissars bzw. der Reichsregierung zu ziehen seien. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß sich das Kabinett von einer abermaligen Anrufung des Staatsgerichtshofes im Augenblick nichts Wesentliches verspricht, wobei eine neue Situation höchstens gegeben ware, wenn etwa Bauern oder ein anderes Land diesmal die Initiative ergrifse. Zu der Sitzung der Reichsratsausschüsse am Donnerstag dürfte das Kabinett, gestützt auf die Staatsgerichtshofentscheidung, seine Vertreter. nämlich die Ministerial= direktoren Dr. Brecht und Dr. Badt. entsenden. Außerdem wird als weiterer preußischer hauptamtlicher Reichsratsvertreter der Ministerialdirektor im Handelsministerium. Coßmann, entsendet, der sich. wie verlautet. gleichjalls allein an die Instruktionen der Staatsregierung für gebunden hält. Preußischer Stimmführer im Reichsrat bzw. in den Ausschüssen wird Ministerialdirektor Dr. Brecht sein. Die Staatsminister persönlich dürften an den Reichsratsausschußverhandlungen nicht teilnehmen. Amtsübernahme im preußischen Finanzministeriun r#r Berlin, 1. Nov. Wie der Amtliche PreußischPressedienst mitteilt, hat Reichsminister Professor Dr Popitz in seiner Eigenschaft als Stellvertreter der Reichskommissars für Preußen im Geschäftsbereich der Preußischen Finanzministeriums seine Amtsgeschäfte ubernommen. In seiner Einführungsrede vor den Beamten. Angestellten und Arbeitern des Finanzministeriums hob Dr Popitz hervor, daß er nicht als Fremder in das preußische Finanzministerium komme, mit dem er durch langjährige Zusammenarbeit in der preußischen und in der Reichsverwaltung verbunden sei. Er verwies auf die großen Aufgaben der Gegenwart, die darin gipfelen, den Finanzen des Landes Preußen und der von ihm umschlossenen Gemeinden und Gemeindeverbänden wieder eine feste Grundlage zu geben. Konserenz der Oberpräsidenten Berlin, 1. Nov. Reichskommissar Dr. Bracht hat die preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten zu Fre eingeladen, werden die preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten zu Freitag, den 4. November, zu einer Besprechung eingeladen, in der Verwaltungsangelegenheiten erörtert Brief des Kanzlers bekannt geworden, in dem er ausführlich diese Ereignisse schildert. Diese Schilderung wurde mehrfach so kommentiert, daß sie bis auf Einzelheiten bestätige, was Hitler über die Vorgänge berichtet habe. Von Regierungsseite ist man darauf diesen Kommentaren bisher in keiner Weise entgegengetreten. Man scheint es vermeiden zu wollen, daß sich um diese Dinge vor den Wahlen nochmals eine öffentliche Auseinandersetzung entwickelt. Jedenfalls ist man von der Verwendung eines persönlichen Kanzlerbriefes; m einer deutschnationalen Wahlversammlung peinlich berührt. * Auf der Jenaer Wirtschaftstagung des Deutschen Studentenwerkes am 22. Oktober forderte Professor Tillmann(Bonn), der Vorsitzende des Deutschen Hochschulverbandes, laut Pressemeldungen die allgemeine Herabsetzung des Pensionsalters auf etwa 60 Jahre. Diese Forderung hat in Beamten kreisen außerordentliches Aufsehen erregt. Wir erfahren dazu, daß Prof. Tillmann vom Deutschen Hochschulverdand keinen Auftrag empfangen dat. diese Erklärung abzugeben, daß er ferner auch keine politische Gruppe vertritt, wenn er diese Forderung auf Pensionierung angemeldet hat, die sachlich mit aller Bestimmtheit zurückgewiesen werden muß. Außer Versolgung gesetzt Berlin, 1. Nov. Die Staatsanwaltschaft 1 Berlin hatte bekanntlich gegen Polizeivizepräsident Dr. Weiß und Polizeikommandeur Heimannsberg Anklage wegen Vergehens gegen§ 3 der Verordnung des Reichspräsidenten detr. die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Groß=Berlin und der Provinz Brandenburg vom 20. Juli 1932 erhoben und beantragt, das Hauptverfahren vor der großen Strafkammer beim Landgericht 1 zu eröffnen. Diese hatte es jedoch avgelehnt, das Hauptverfahren zu eröffnen. Die vom Generalstaatsanwalt beim Landgericht 1 eingelegte Beschwerde ist nunmehr zurückgezogen, sodaß Dr. Weiß und Heimannsberg endgutig außer Verfolgung gesetzt sind. Sorgen des Reichskabinetts Sudventionierte Betriebe und Getreidepreise Berlin, 1. Nov. Das Reichskabinett tritt voraussichtlich am Mittwoch zusammen. In der Sitzung wird u. a. die Frage der Gehälter der leitenden=Persönlichkeiten in den staatlich unterstützten Betrieden erörtert. Die Grundluge der Aussprache im Kabinett ist eine nach angwierigen Verhandlungen zustande gedrachte Vorlage, in der der Begriff des suhoentionierten Betriedes— soweit er für die Gehaltskürzung maßgebend sein soll— klargelegt wird. Diejenigen Betriebe, an denen dar Reich nur in geringerem Umfange bereiliat in, wer den von den Maßnahmen der Reichsregierung nicht betroffen, dagegen dürften die Gehälter der lettenden Per sonlichtetten in den adrigen Betrieben voraussichtlich eine nicht unbeträchtliche Kürzung erfahren. Das Reichskabinett wird sich ferner mit Maßnahmen zur Regulierung der Getreidepreise befassen. Diese Frage ist durch die diesjährige Rekordernte und die damit verbundenen Absatzschwierig keiten ausgeworsen worden. Da Deutschland heute auch dinsichtlich des Weizens Selbstversorger geworden ist, durften sich die Maßnahmen der Reichsregierung sowohl auf Roggen, als auch auf Weizen erstrecken. Mit neuen Zollmaßnahmen ist der Weizenpreisfrage jedenfalls nicht mehr beizukommen. Die Entwicklung der Weizenpreise ist seit einiger Zeit rückläufig, wenn auch bespielsweise am letzten Samstag die Notierungen wieder etwas günstiger waren. Die Reichsregierung dürfte aus der veranderten Gesamtlage die notwendigen Folgen ziehen. * Das sozialdemokratische Volksbegehren Noch keine Entscheidung Die Regierung laßt sich Zeit. 2 Berlin, 1. Nov. Der sozialdemokratische Parteivorstand hatte vor einigen Monaten ein Volksbegehren ani Aufhebung der sozialpolitischen Ermächtigung der Reichsnotverordnung beim Reicheinnenminister beantragt. Eine Entscheidung über die Zulassung dieses Volksbegehrens ist noch nicht gefallen. Wie das BO3.=Büro hört. int diese Verzögerung darauf zurückzuführen, daß die Zulassung dieses Volksbegehrens eine Reihe von Rechtsfragen auswirft, die einer gewissenhaften Prüfung bedürfen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind solche Volksbegehren unzulässig. die den Etat des Reiches berühren. Die Klarung dieser Frage ist bei dem sozialdemokratischen Volksbegehren besonders schwierig und macht umfangreiche Besprechungen innerhalb der verschiedenen Reichsressorts notwendig. Solche Besprechungen fanden auch in diesen Tagen wieder statt. Die Entscheidung über die Zulassung des Volksbegehrens wird in der nächsten Zeit fallen. Angesichts der Schwierigkeiten wird aber in diesem Falle der Innenminister kaum allein die Entscheidung fällen, sondern es ist zu erwarten, daß das Gesamtkabinett zu dem Volksbegehren Stellung nimmt und über Zulanung oder Nichtzulassung entcheidet. Neues estländisches Kabinett X Neval, 1. Nov. Der Senior der estländischen Poli#iker. Konstantin Päts, hat heute die vierwöchige Aabinettskrise mit der Bildung einer neuen Regierung beendet. in der die drei großen Parteien des Landes wie blgt vertreten sind: Ministervräsident Päts. Agrarpartei: Außenminister Rei. Sozialdemokrat: Volkswirtschaft: Jürman, Agrarpartei: Inneres u Justiz: Anderkovp. Nation. Zentrum: Landwirtschaft: Tupits. Agrarpartei: Landesverteidigung: General Tönisson, parteilos: Verkehr: Johanson. Sozialdemokrat: Soziale Fürsorge: Kulke. Nationales Zentrum. Außenminister Rei ist der frühere Ministerpräsident ed einer der Führer der Sozialistischen Partei. Japan zum Lyttonbericht Eine brauchbare Verhandlungsbasis 4 Tokio, 1. November 1932. Botschafter Dosbida, der gestern abend mit den lapanischen Bemerkungen zum Lutton=Bericht nach Geni abgereist ist, erklärte. Javan werde nicht gegen den ganzen Bericht Stellung nehmen: denn er enthalte Stellen. die auf scharfer Beobachtung beruhten. So stelle er zum Beisviel fest, daß die im chinesisch=japanischen Konilikt ausgeworfenen Fragen nicht so einfach seien, wie das oft hingestellt werde. und daß nur eine innige Vertrautheit mit dem gesamten historischen Hintergrund zu einer abschließenden Beurteilung der Lage berechtige. Ferner stelle der Bericht fest, daß der Konflikt nicht auf einer Kriegserklärung ohne vorberige Erschonfung aller satzungsmätigen Schlichtungsmöglichkeiten beruhe, und daß er auch nicht einsach ein Fall der Grenzverletzung eines Landes durch die Streitkrafte eines benachbarten Landes sei. daß vielmehr in der Mandschurei viele besondere Umstände ohne vergleichbares Gegenstück in anderen Teilen der Welt vorhanden seien. Schließlich zeige die lange Aufzählung der japanischen Rechte in der Mandschurei deutlich den volitisch=wirtschaftlich=juristischen Charakter der zwischen Javan und China in der Mandschurei bestehenden Beziehungen. Dosbida betonte, daß es im Hinblick auf diese Stellen des Berichts notwendig sei alles auszubieten, um den Bolkerbund zu einem korrekten Verstandnis der Stellung Japans zu bringen. Bayern gegen die Reichsreform Held gegen Papen 5. Stuttgart, 1. Nov. 1932. In zwei Zentrumsversammlungen sprach am Montagabend der bayerische Ministerpräsident Dr. Held. Er führte gegenüber den Plänen der Reichsregierung aus. er habe nicht die Ueberzeugung, daß diese Regierung öderalistisch eingestellt sei. Die Rede des Herrn von Gayl am letzten Freitag habe ihn sehr stutzig gemacht. Die vom Reichskabinett geplanten Reformen müsse er entschieden ablehnen. Der Reichsrat dürfe nicht zu einem Prästdialrat herabgedrückt werden. sondern müsse vielmehr die Rechte des alten Bundesrats wiedererhalten. Entgegen dem Rat des Staatsgerichtshofes gehe die Reichsregierung gerade heute daran, ihren Willen in Preußen durchzudrücken, und zwar ohne die Einwilligung der Länder. Die Tage seien so ernst wie kaum semals seit 1918. Was man wolle, sei offenbar geworden, nämlich die Verpreußung des Reiches. Die Maßnahmen in Preußen kehrten die Grundlagen der Reichsverfassung völlig um.„Ich habe jetzt,“ sagte Dr. Held.„den Glauben an das Rabinett Papen verloren. Ich muß bekennen, daß ich heute auf das schwerste enttäuscht bin. Es ist unmöglich, auch nur eine einzige Minute dazu stillzuschweigen. Wenn ich meine Pflicht als bayerischer Ministerpräsident, als Anhänger verfassungsmäßigen Lebens erfüllen will, dann din ich gezwungen, öffentlich gegen Papen aufzutreten und zum Kampf gegen seine Maßnahmen auszufordern.“ Plan Bayerns zur Versassungsresorm :. München, 1. Nov. 1932. In einer Wahlversammlung der Bayerischen Volkspartei in Bad Tölz wandte sich Staatsrat Schäffer, der Parteivorsitzende der Bayerischen Volkspartei, gegen den„Turch die Regierung Papen heraufbeschworenen Verfassungskampf“ und erklärte, bei einer Personalunion Reich=Preußen kämen im Reichsrat unweigerlich die Länder ins Hintertreffen. In diesem Zusammenhang sprach Staatsrat Schaffer von einem neuen Plan Bauerns im Kampf der Länder um ihre Selbständigkeit. Der Plan werde dem Landtag nach den Wahlen vorgelegt werden. Im Kampfe Bayerns um seine Rechte müsse unbedingt Einigkeit innerhalb des Landes erzielt werden Dem neuen Landtag kommt fast die Bedeutung einer Nationalversammlung zu. Staatspräsident Volz gegen die Resormpläne Die„Vossische Zeitung" veröffentlicht einen Artikel des württembergischen Staatspräsidenten Dr Bolz unter der Ueberschrift: „Keine Experimente!“ Der Verfasser schreibt u. a., wer sich ernsthaft mit den politischen Aufgaben und ihren Lösungsmöglichkeiten befaßt, findet Gegebenes und Zwangsläufiges und wird bald zu der Erkenntnis kommen, daß alles Experimentieren mit dem sogenannten grundsätzlichen„Herumwersen des Steuers" nicht helfen kann. Ruhe möchte das Volk finden. An diesem berechtigten Verlangen des Volkes versündigen sich diejenigen, die ohne zwingende Not die Zahl und das Maß der Serzen des deutschen Volkes vermehren. Auf einmal gibt es auch noch Verfassungssorgen. Es ist wahr, daß einige Verfassungsbestimmungen änderungs bedürftig sind. Das alles aber zu seiner Zeit. Nicht übertreiben und wahrhaft bleiben! Daß man die Parteien nicht meistern kann, daß man das Instrument des Parlaments nicht zu spielen versteht, ist noch kein Beweis für dringende Reformbedürftigkeit, hochsteus für mangelnde persönliche Eignung, für schlechten Willen. Gegen unseren Willen sind die Verfassungsfragen mit in den Wahlkampf geworfen worden. Wir nehmen den Kampf auf. Wir sind überzeugt, daß das Volk begreift, um was es am Ende geht. Wir sind überzeugt, daß gerade diese Fragen geeignet sind, gleichgültiges Volk aufzurütteln. Wir hoffen, daß die Fragen der Verfassung, der Kampf um die Grundrechte des Volkes einen starken Antrieb zur Zusammenarbeit nach der Wahl bilden. Eine Notgemeinschaft der Parteien ist die entscheidende politische Frage nach den Wahlen. Kommt sie nicht zustande, dann ist der Versassungsbruch und die Diktatur unvermeidbar. Schwarz, Rot und Gold Schwarz, Rot und Gold, Jahnen entrollt. Heilige deutsche Farben. Für die unsere Väler starben, eht stolz voran Auf unserer Bahn. Schwarz ist die Not. Die uns bedroht. Doch aus den dunklen Wehen, Wird uns die Freiheit erstehen. Wahrheit und Recht. Ein neu Geschlecht! Rot wallt das Blut, Weckt unseren Mut. Niemand soll uns entrechten Unsere Ziele knechten. Stolzes Panler, Dir folgen wir. Golden das Licht Die ganze Nacht durchbricht. Strahlet der Zukunft entgegen, Daß alle Herzen sich regen, Mutig und treu, Einig und frei. Schwarz, Rot und Gold, Jahnen entrollt, So wollen neu wir schwören Daß wir zu dir gehören, In Rot und Glück, Deutsche Republik. Putschpläne der KPD? Angebliches geheimes Rundschreiben - München, 1. November 1932. Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz veröffentlicht ein„Rundschreiben der Parteiexekutive des Zentralromitees der KPD., das an die Landesbezirks= und Unterbezirksleitungen mit dem Vermerk„streng geheim“ ergangen sei. Die Aktionsauslösungen würden danach nicht vor den Wahlen erfolgen. Als erster Termin sei vom Zentralkomitee der 15. November festgelegt. Die Aktionsauslösungen müßten von den Erwerbslosen ausgehen. Die Mitglieder des Kampfbundes, des Rotfrontkämpferbundes, der Kampfgemeinschaft und der Antifa seien fernzuhalten. An den Baustellen des Wohlfahrts=, Pflicht= und Kommunal= arbeiter seien Streiks zu organisieren. Der Zweck sei, die Polizei zu zermürben. Weiter sollen auf allen größeren Plätzen der Großstadte Demonstrationen durchgeführt werden. Die Mitglieder der RFB., der KG. und der Antifa sollen mobilsiert und im entscheidenden Augenblick eingesetzt werden. Die Bewaffnung erfolge, soweit diese Truppen noch nicht bewaffnet seien, vor Beginn der Aktion. Im Ruhrgebiet würden aus Städten mit großerer Mehrheit der Kampftruppen diese nach anderen Bezirlen hiriaiert hie zahlenmahia ichmacher leien. Die Kampstruppen würden in drei Gruppen geteilt: Angriffs=, Verteidigungs= und Wachtdienst Die Angriffsgruppen hätten, wenn die staatlichen Organe gegen die Erwerbslosenkundgebungen eingesetzt würden, sofort die Stüzpunkte der staatlichen Organe zu besetzen. Die Verteidigungstruppen greisen die eingesetzten Organe an, um sie solange festzuhalten, bis den Angriffstrupper die Besetzung der Wachen, Kasernen, Lager und Unterkünfte gelungen sei. Die Wachtdiensttruppen haben sofort bei Beginn der Aktionsauslösung die Verkehrsinstitute zu besetzen und zwar in folgender Reihenfolge: Fernsprechämter Flughäsen. Post und Eisenbahn, städtische Verwaltungs gebäude und zuletzt die Banken. Wie die NSK. weiter berichtet, lägen auch schon die ersten amtlichen Bekanntmachungen nach der Revolution im Wortlaut vor. So ein Rundtelegramm an alle Amts stellen des Reiches, in dem es heißt, daß alle Aemter Weisungen vom Vollzugsrat der Revolutionsexekutive erhielten, Reichs=, Land= und Stadtparlamente aufgelöst und alle politischen Versammlungen bei Todesstrafe verboten seien. Eine andere Verordnung bestimme, daß, wer die Grenze zu überschreiten versuche, standrechtlich mit dem Tode bestraft werde. Standrechtlich werde auch erschossen, wer streike, wer Streik= oder politische Kundgebungen veranlasse oder an ihnen teilnehme usw. Alles Bargeld sei beschlagnahmt. Die revolutionäre Pressestelle prüfe den Inhalt aller Zeitungen und Druckschriften. Die Polizeistunde sei auf 8 Uhr abends festgesetzt. Wie es in dem von der NSK. veröffentlichten Rundschreiben weiter heißt, befinde sich die KPD. ab 1. Oktober in höchster Alarm= und Kampfbereitschaft. Richtlinien der Komintern für die KP9. „Deutschland ist der proletarischen Revolution an nächsten“ Moskau. 31. Okt. Das Blatt der Komintern, die „Prawda“, bringt unter der Ueberschrift„Die Konserenz der deutschen Bolschewisten“ einen Leitaussatz, der die Richtlinien der Komintern für die Leitung der deutschen Kommunistischen Partei enthält. Aus ihm ergeben sich die bisher ungeklärten näheren Umstände. die u. a. zu der Entfernung Heinz Neumanns aus der KVD. geführt haben. Die„Prawda“ sagt, Deutschland sei in einen neuen Abschnitt des verschärften Klassenkampfes eingetreten. In demselben Maße, wie die faszistische Regierung bestrebt sei, die Gegensätze des deutschen Kapitalismus zu überwinden, träten diese immer schärfer hervor. Das Blatt weist auf die Streikbewegung hin, die unter der Führung der revolutionären Gewerkschaftsorganisation ständig zunehme. Die soeben beendete erste Tagung der Kommunistischen Partei Deutschlando müsse als ein ernst zu nehmender Fortschritt auf dem Wege der Erlangung der Mehrheit der Arbeiten stimmen durch den Kommunismus angesehen wer den. Deutschland sei ein wichtiger Knotenpunkt im revolutionären Kampf der proletarischen Massen der Welt. Von allen kapitalistischen Staaten sei Deutschland der proletarischen Revolution am nächsten. Deshall habe die Tagung der KPD. wichtige internationale Bedeutung. Die Politik der deutschen Bourgeoisie bestehe darin, mit dem Protestgeschrei gegen Versailles die Arbeitermassen vom Klassenkampf abzulenken. Darin liege auch der eigentliche politische Sinn der nationalsozialistischen Massenbewegung. In Wahrheit sei die deutsche Bourgeoisie aber zu einer Verständigung mit der französischen bereit. Daß die KPD. die Fehler in der Beurteilung des Faszismus sowie der Verwechselung zwischen Faszismus und Sozialsaszismus erkannt habe.— Fehler, die von Heinz Neumann und seiner Gruppe gemacht wore den seien— sei für die ideologische Stärkung der KPD. von größter Bedeutung. Nach weiterer abfälliger Kritik der deutschen Sozialdemokratie, die, wie das Blatt sagt, nach dem faszistischen Umsturz in Preußen, bei den Verhandlungen in Leipzig usw. ihr wahres Gesicht gezeigt habe, sagt die„Prawda“, daß die faszistische Diktatur in Deutschland niemals von selbst ein Ende nehmen werde. Die weitere Entwicklung der Faszisierung Deutschlands werde von der Durchführung des Klassenkampfes abhängen. Deshalb habe Thälmann in seinem Bericht auf der Tagung unterstrichen, daß es von größter Bedeutung sei, wie schnell und wie tief die Erkenntnis von der Richtigkeit des kommunistischen Gedankens und von der Bedeutung der wirklichen Rolle der Sozialdemokratie für die Entwicklung des Faszismus dem Volksbewußtsein eingeimpft werden könne. In voller Uebereinstimmung mit den letzten Beschlüssen des Zentralvollzugskomitees habe deshalb die RBD. beschlossen, der„Rechtsgefahr" den Kampf auzusagen und alle sozialistischen Manöver, die auf eine angebliche Einheitsfront abzielten, abzulehnen. Des weiteren sei sich die KPD. einig darüber, daß Hitler nur eine der Formen des Faszismus sei und daß der Kampf ebenso gegen die SPÖ. geführt werden müsse, die auch heute noch Poltitk des kleineren Uebels fortsetze. Joseph Raudus Erdenfahrt 9. Fortsetzung. Viele der Blatter vernichtete er wieder, wenn sie seinem immer mehr eindringenden Urteil nicht standhielten. Er schrieb auch manchmal nur wenige Takte, wählte ein einziges Motiv und setzte es für verschiedene Stimmen. Da er in seinen Kentnissen merkliche Fortschritte machte, wurde er von dem Kapellmeister mit einigen elementaren Unterrichtsstunden des Chorknaben= nachwuchses betraut, Reutter schaffte auf diese Weise für sich und seine Helfer Finsterbusch und Gegenbauer Erleichterung. Sie gewannen mehr freie Zeit für private Tätigkeit und konnten gelegentlich für die eigene Tasche als Kammermusikspieler zusammenwirken. Da Joseph sehr zuverlässig und ehrgeizig war, ließ Reutter die Singübungen lieber von ihm als von eimgen seiner gleichaltrigen Kameraden abhalten. so hätte Haydn sich sehr bald für dauernd zu einer Vorrangstellung unter den Schülern des Kapellknabeninstituts heraufgearbeitet, wenn nicht ein natürliches Hemmnis diese günstige Entwicklung zunichte gemacht hätte. Als Hilfslehrer gleichsam war er wohl gut zu brauchen und konnte als solcher eine gewisse Unentbehrlichkeit erringen. Jedoch wuchs Joseph Haydn nicht nur an Geist und musikalischem Verstandnis. Die Knabenjahre flohen hinweg, und der Jüngling entpuppte sich aus dem„Sepperl“, das an Lausbubenstreichen die seinem Alter gemäße Freude empfand Joseph Haydn ward ein junger Mann. Dies keifen blieb nicht ohne Erfolg auf seine Stimme. Was sonst niemals bei seinem vorzüglichen, von allen anerkannten Gehör vorgekommen war, jetzt passierte es wiederholt, der Domkapellmeister knurrte ihn an: Joseph, gib doch acht, du intonierst ja falsch!“ Und er bemerkte betrübt, seine Stimme gehorchte ihm nicht mehr wie einst. Gegenbauer nahm ihn freundschaftlich auf die ##eie:„Du munt dich damit abfinden, Joseph! Du wirst jetzt ein Mann! Mit dem Sopransingen ist es nun vorbei, ein für allemal!“ Da zogen die Wolken am Horizont seiner Existenz herauf. Was sollte er noch in einer Singschule, in einem Domchor, wenn er keinen anständigen Ton mehr herausbringen konnte? Und er begann, sich Sorgen um sein Fortkommen zu machen. Sein Schlaf in der Nacht wurde unruhig. Doch er tröstete sich allemal wieder. Reutter würde sich seiner annehmen. Ihm weiterhelfen. Er hatte der Singschule zehn Jahre redlich gedient. Seine ganzen Kräfte und seine Kunst hatte er ihr gewidmet. Das mußte doch auch etwas zählen. Er konnte es sich nicht anders denken, als daß Reutter ihm eine angepaßte Stellung, wenn er ihn hier nicht mehr brauchen konnte, verschaffte. Um diese Zeit erfuhr Joseph von Gegenbauer, daß sein Bruder Michael für die Singschule angemeldet sei. Und in der Tat, auch Josephs Vater schrieb dem Sohne, er werde Michael nach Wien bringen. So werde er, Joseph, hinfort nicht mehr allein sein, er solle sich des kleinen Michael echt brüderlich und fürsorglich annehmen. Das Büberl sei ja noch so klein. Es tat Joseph ohne Zweitel gu., Gesellschaft von daheim zu bekommen, wenn er auch während der langen Abwesenheit selbständig geworden war. Anfangs erschien ihm Der Bruder wie ein echter Bauernbud. Er sah ziemlich ländlich aus. so daß er unter den städtischen Kameraden nicht sehr vorteilhaft wirkte. Joseph vergaß, daß er selbst einmal, als er einst nach Hainburg kam, das typische, ungeistige Bauernjungengesicht gehabt hatte. Der jahrelange Aufenthalt in der Stadt Wien hatte dann diese Merkmale der dörflichen Herkunft verwischt, und heute sah der junge„Hilfslehrer“ an der Singschule von St. Stephan wie ein gewandter, gebildeter Stadter aus Michele Haydn, der Anfänger, machte sich bald beliebt durch seinen gutmütigen, treuherzigen Charakter. Außerdem war er nicht minder begabt als der reifere Bruder und vor allem brachte er einen zauberhaft reinen Sopran mit, der überall rasch auffiel. Beinahe alt gegen Michele kam Joseph sich vor, wenn er in den Stunden, in denen er die Singschüler unterrichtete, seinen kleinen Bruder vor sich sah lange war es her, da war er selber auf diesen Bänken gesessen, die heute Michele innehatte. Und jetzt unter richtete er schor Maria Theresia, die großes Interesse für die Aufführungen der Singschule hatte, fand besonderen Gesallen an der Stimme des jüngeren Haydn, die Klangfarbe von Micheles Sopran löste ihr höchstes Entzücken aus. Bei einer Festlichkeit in Klosterneuburg. wo Chor und Kapelle mitwirkten, entschied sie sich für Michele Haydn. Sie nahm Reutter, den Hofkapellmeister, nach dem Konzert auf die Seite und gab ihm ihren Wunsch bekannt: Fortan wolle sie die Sopransoli von Michael, statt von Joseph Haydn gesungen hören.„Des jüngeren Haydn Stimme ist beraubernd, lieber Reutter, stellen sie das Bürschlein heraus, so oft Sie können. Es wird meinem Manne und mir nie zu viel werden. Michael Haydns Sopran betört mich in seiner jugendlichen Frische und Reinheit. Joseph dagegen hat stark verloren. Wie singt er jetzt? Aller Schmelz ist verflossen. Es ist kein Genuß mehr, ihm zuzuhören. Sie kennen meinen Geschmack, lieber Reutter, ich bin überzeugt. Sie werden in der Qualitat ihrer Darbietungen nicht nachlassen.“ Der als Wunsch formulierte Befehl der Kaiserin gab Reutter einen Stich. Josephs verwünschtes Rabengekrächz warf ihm die zauberischen Stellen der Partituren um. Das mußte nun geändert werden. Allerdings büßte er den hochmusikalisch empfindenden Sänger nicht gerne ein. Wenn Michele Haydn auch heranwuchs und rasch bemerkenswerte Fortschritte machte, so konnte er doch noch nicht mit allen schwierigen Erfordernissen des solistischen Gesanges überhäuft werden. Eine gewisse Reifezeit mußte dem frischen, leicht aufnahmefähigen Talente gegönnt werden Er sann auf einen Ausweg, wie er sich die Stimmtechnik des geübteren Joseph für die schwierigen Partien doch noch erhalten könne. Aber der sich vollziehende Stimmwechsel verschloß alle Möglichkeiten. * So verlor Reutter mit einem Male das Interesse an Joseph Haydn und ließ ihn wissen, daß in der Singschule länger kein Platz für ihn vorhanden sei. Obwohl ihm diese lakonische Kündigung weiter nicht überraschend kam, erregte Joseph sich naturlich doch. Wo sollte er hin, wenn er hier nicht bleiben durfte? Er vermißte einen Fingerzeig in der Kündigung des rücksichtslosen Domkapellmeisters. Du kannst mir nichts mehr nützen, also hast du ausgedient, ich kann dich nicht mehr brauchen! Sieb wo du bleibst) Der Vater schrieb ihm, der Herr Domkapellmeister habe versprochen, für das Fortkommen Josephs in Wien besorgt zu sein. Er werde ihm zweisellos eine andere Stellung zuweisen. Einem solchen Herrn man: gele es doch nicht an guten Beziehungen. Joseph solle sich nur in Geduld fassen. Künstler, wie Herr von Reutter, seien stark überlastet. Man müsse abwarten Der gute, ahnungslose Vater! Joseph bat Herrn von Reutter, ihn sprechen zu dürfen, und erinnerte ihn, an das den Eltern seinerzeit gegebene Versprechen. Kurz und bündig lautetdie Antwort, die er bekam: Reutter könne sich nicht daran erinnern. Im übrigen könne er ihm nicht helfen. Es müsse eben jeder selber sehen, wie er sich weiterfinde. Ihn habe auch kein Mensch unterstützt. Der Domkapellmeister fügte sogar die nochmaligAufforderung hinzu, das Institut so schnell wie möglich zu verlassen. Sein Budget gestatte nicht, jungLeute zu ernähren, die nichts mehr mit der Singschulzu tun hätten. Die Stadt bezahle die Verpflegung lediglich für die singenden Mitglieder des Chores. Joseph wollte auf ein gewisses Recht aus dem gegebenen Versprechen pochen, aber das Gegenteil trat ein. Er mußte sich einen nochmaligen Hinauswur gefallen lassen. Er sah schließlich ein, seines Bleibens konnte hier nicht länger sein. Es fiel ihm schwer, sich von der liebgewonnenen Stätte zu trennen. Auch das Zusammensein mit dem Bruder würde er schmerzlich vermissen. Michael durfte allein die Anstalt nicht verlassen, so konnte er Joseph nicht besuchen und auch nicht sehen. Diese jähe Trennung stimmte ihn untröstlich. Michele fiel seinem großen Bruder um den Hals und weinte.„Armer Bruder!“ schluchzte er. „Wenn du nur hierbleiben dürftest! Ich weiß nicht, wie ich dir Speise und Trank zustecken soll von meinem Teil. Es würde sofort bemerkt werden, wenn ich etwas aus der Singschule hinausschmuggeln wollte Auf der Stelle würde mich der Herr Domkapellm davonjagen. Dann säßzen wir sa alle beide auf de Straße und hätten nichts. Du kannst dir eher noch forthelfen. aber ich! Ich muß erst noch viel lernen, ehe ich mir mit der Musik mein Brot verdienen kann" So schloß sich hinter Joseph Haydn, den sein Lehrer unbedenklich im Stich gelassen hatte, im Herbststurm schroff und krachend die Tür der Singschule von St. Stephan, und er stand hilflos auf der Straße. (Fortsetzung folgt). Zweites Blatt, Nummer 257 Herner Anzeiger Mittwoch, den 2. November 1937 Die Kommunalleiter des RWJ. an die Reichsregierung. geschleht. Wie es heißt, soll sich bereits heute das Reichskabinett mit der Brachtschen Forderung beschäftigen. Erwerbslosenlasten sind Volks- und daher Reichssache.— bedürftiger Wirtschaft.— Mehr Rücksicht Die Gemeinden sind auch ein Stück sanierungsauf die Sondernot des Ruhrgevietes! Beachtliche Leitsätze Die fast hoffnungslose Lage, in der sich vor allem die Industriegemeinden dadurch befinden, daß sie mit der Fürsorge für die vom Arbeitsamt ausgesteuerten arbeitswilligen und arbeitsfähigen Erwerbslosen belastet sind, hat zu immer wiederholten Schritten der Leiter der Kommunen bei den Zentralstellen des Reiches geführt, die Erwerbslosenfürsorge auf das Reich zu übernehmen. Der Kampf der Kommunen gegen die Belastung mit einer Aufgabe, deren finanzieller Umfang nicht vorherzusagen ist, der auf alle Fälle aver die Kräfte der Gemeinden übersteigt, hat bisher leider noch nicht zu einer Aenderung der Lastenverteilung geführt. Das Reich hütet sich, den Gemeinden die Last abzunehmen, weil es sein Geld für angeblich noch dringendere Zwecke braucht. So haben die Verwaltungsleiter der Kommunen des rheinisch=westsälischen Industriebezirkes jüngst in einer Sitzung in Essen erneut zu diesem überaus schwierigen Problem Stellung genommen und das Ergebnis ihrer Beratungen in folgenden überaus beachtlichen Leitsätzen, die den zuständigen Stellen in der Reichsregierung zugeleitet worden sind, formuliert: 1. Die Konferenz wiederholt nachdrücklich ihre Forderung an Reichs- und Staatsregierung. eine sofortige und nachhaltige Entlastung der Gemeinden von den für sie untragbaren Wohlfahrtslasten herbeizuführen. Es ist nicht nur ein Gevot der Gerechtigkeit, daß die Erwerbslosenlasten; unter keinen Umständen den Gemeinden überlassen bleiben, die von diesem nationalen Unglück besonders betroffen sind. Die Nachkriegslasten müssen, wie die Kriegslasten, vom ganzen deutschen Volke getragen werden. Daher hat das Reich als Jusammenfassung des gesamten deutschen Volkes diese Lasten zu übernehmen und hat auf Grund seiner umfassenden Steuerhoheit auch allein die Möglichkeit, die Mittel dafür uuf die Dauer zu beschaffen. Darüber hinaus bedeutet die Zahlungunfähigkeit der Gemeinden eine schwere sachliche und psychologisce Beeinträchtigung der privaten Wirtschaft und droht den von der Reichsregierung erstrebten Wiederaufschwung ernstlich zu gefährden. 2. Jalls das Reich aus Mitteln seines Haushalts die unbedingt notwendige Hilfe im Augenblick nicht zu bringen vermag, muß es sich die Hilfe einstweilen im Wege des Kredits, dessen Form ihm überlassen bleiben muß, beschaffen, ähnlich wie es sich auch zugunsten vieler anderer Wirtschaftskreise trotz unzureichenden Kassenverhältnissen Mittel beschafft hat. Die Gemeinden müssen für ihre Wirtschaft auch in dieser Frage Anspruch auf unbedingte Gleichberechtigung mit anderen Teilen der deutschen Wirtschaft erheben. 3. Da die Lasten der Arbeitslosigkeit vom Reiche zu tragen sind, müssen die erforderlichen Reichsmittel ohne jede Verpflichtung zur Rückzahlung gewährt werden. Eine Einschaltung der Gemeinden in anderer Form denn als Treuhänder für die Verwaltung der Reichsmittel kann von den Gemeinden nicht vertreten werden. 4. Die Höhe der vom Reich zu gewährenden Hilfe darf sich nicht auf den Ausgleich der laufenden Haushalte beschränken, sondern muß sich auch auf eine Abdeckung der bereits aufgelaufenen Rückstände, insbesondere auch bei der privaten Wirtschaft, erstrecken. Wenn die Gemeinden ihre durch nichts ersetzbare Funktion als lebendiges Glied im volkswirtschaftlichen Organismus wieder ausfüllen sollen, müssen sie darüber hinaus auch instand gesetzt werden, wenigstens in bescheidenem Umfange wieder Aufträge an die Wirkschaft zu erteilen. 5. Eine Verteilung der Reichshilfe nach dem bisherigen Wohlfahrts-Dokationsschlüssel dürfte teils zu Fehlleitungen führen, teils den dringendsten Bedarf ungedeck lassen. Eine andere Verteilungsart. die insbesondere den besonderen Verhältnissen des Ruhrgebietes Rechnung trägt, ist daher notwendig. Wer kann„Kru" beanspruchen? Krisenfürsorge und Hilfbedürftigkeitsprüfung. Es ist die Fraze ausgetreten, ob es zulässig ist, den Beginn der Arbeitslosenunterstützung nach einer Zwischenbeschäftigung mit Rücksicht auf den hierdurch erzielten Verdienst abweichend von den Vorschriften hinauszuschieben, falls die Arheitslosenunterstützung von der Hilfsbedürftigkeit des Arbeitslosen abhängig ist und falls das Wohlfahrtsamt im gleichen Falle mit der Unterstützung in der öffentlichen Fürsorge später einsetzen würde. Hierauf ist den Landesfinanzämtern und Arbeitsämtern von der Reichsanstalt mitgeteilt worden. daß grundsätzlich die Vorschriften des§ 11. ob über die Wartezeit auch für den Unterstützungsbezug, der von der Hilfsbedürftigkeit des Arbeitslosen abhängt, ihre Geltung haben. Das bedeutet, daß der Unterstützungsbeginn keinesfalls vor Ablauf der vorgesehenen Fristen eintreten kann. Nach Ablauf dieser Frist hat der Arbeitslose Anspruch aus Gewährung der Unterstützung. falls und soweit er als hilfsbedürftig anzuseben ist. Wenn die öffentliche Fürsorge nach einer Zwischenbeschäftigung Hilfsbedürftigkei: für eine gewisse Zeit nicht anerkennt. weil der Arbeitslose in dieser Zeit noch von dem erzielten Arbeitsverdienst leben könne. so kann auch das Arbeitsamt diese Tatsache nicht völlig außer acht lassen. Denn nach den Vorschriften des Krisenfürsorgeerlisses darf die Unterstützung des Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung von der 7. Woche ab und in der Keisenfürsorge allgemein den Betrag nicht übersteigen, den er unter Prüfung der Hilfsbedürftigkeit in der öffentlichen Fürsorge zu erhalten hätte. Allerdings gilt für Empfänger von versicherungsmäßiger Arbeitslosenunterstützung und von Krisenfürsorge hierbei die Besonderheit der Reichsgrundsätze über Voraussetzung. Art und Maß der öffentlichen Fürsorge. Es kann also bei ihnen im Gegensatz zur allgemeinen Für sorge der Verbrauch oder die Verwertung kleineren Vermögene nicht gefordert werden. Was als kleineres Vermogen in diesem Sinnzu gelten hat. beurteilt sich nach den Richtlinien des zuständigen Wohlfahrtsamtes. Der aus einer Zwischen beschäftigung erübrigte und noch vorhandene Verdienst wird wohl durchweg so gering sein, daß er noch ale kleineres Vermögen im Sinne der Reichsgrundsätze angesehen werden kann. Es wird daber in aller Regel bei der Hilfsbedürftigkeitsprüfung außer Betracht bleiben. Somt# kommt auch eine Versagung der Arbeitslosenunterstützung nach Ablauf der vorgesehenen Wartezeit mit Rücksicht auf den durch eine Zwischenbeschäftigung ersielten Arbeitsverdienst, von besonderen Ausnahmefällen abgesehen, nicht in Frage. Die Arbeitsämter sind angewiesen worden biernach zu verfahren. Ein erneutes Gutochten der Gemeinde über die Hilisbedürftigteit braucht vom Arbeitsamt nach einer solchen Zwischenbeschäftigung außer der Reihe aus diesem Anlaß nicht eingeholt werden. Weiter ist die Frage gestellt worden, ob das Arbeitsamt berechtigt ist. an den Arbeitslosen für frühere Unterstützungswochen noch Nachzahlungen in einer Zeit zu leisten, in der Arheitslosenunterstützung bereits von der Hilfsbedürftigkeit abhängig ist. Es ist darau hingewiesen worden, daß solche Nachzahlungen in der öffentlichen Fürsorge nicht üblich seien. Hier ergibt sick tatsächlich ein Unterschied zu der Handhabune in der öffentlichen Fürsorge. Regelmäßig werden Nach zahlungen in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge dadurch fällig, daß die Unterstützung des Arbeits losen zunächst entweder ganz versagt oder nur ein gangeminderter Unterstützungssatz bewilligt worden ist. der Arbeitslose aber im Spruchverfahren ein rechtskräftiges Urteil erwirkt hat. durch welches ihm eine Unterstützung zuerkannt bzw. rückwirkend in hoherem Betrage als bis her zugebilligt wird. In diesem Falle hat der Arbeitslose Anspruch au die nachträgliche Leistung des Differenzbetrages. Wenn allerdings der Arbeitslose bei einer solchen Nachzahlung selbst eine größere Summe erhält. so wird geprüft werden müssen. inwieweit seine Hilfs bedürftigkeit für die Folgezeit dadurch beeinflußt wird Momentbilder vom Amtsgericht 30 Milionen rücständige Staatssteuern. Hilferuf Dr. Brachts für die Gemeindefinanzen. das Junriionieren Staatsapparates in Frage gestellt.— Er fordert sofortige Erhöhung der Reichszuschüsse um monatlich 25 Millionen Mark. Bittere Wahrheiten für von Papen Wie wir bereits gestern berichteten, hat der stelleertretende Reichskommissar für Preußen(jetzt Reichsminister ohne Porteseuille) Dr. Bracht sich zezwungen gesehen, Reichskanzler von Papen auf das dringlichste auf die zusammenbrechenden Gemeindefinanzen hinzuweisen. Dieser Brief ist bereits am 18. Oktober geschrieben worden und hat, trotzdem er geheimgehalten wurde, den Weg in den Völk. Beobachter und von da in die Oeffentlichkeit gefunden. In diesem Schreiben heißt es: „Selbst wenn man unterstellen will, daß der Fehlbetrag im Rechnungsjahr 1929 noch auf Anleihen genommen werden konnte, und daß der Fehlo=trag ir das Rechnungsjahr 1930 sich in einer kurzfristigen Verschuldung bei den eigenen Kreditinstituten ausdrückt, so kann kein Zweisel darüber sein, daß sich die Fehlbeträge der Rechnungsjahre 1931 und 1932 restlos in einer Verschuldung der Kassen auswirken, die insbesondere in der Richtablieferung von Staatssteuern und anderer fremder Gelder(wie z. B. Kirchensteuern, Versicherungsbeiträge, Berufsgenossenschaftsbeiträge), in der Nichtzahlung von Kreis. und Provinzialumlagen.-Anstaltspflegekosten und sonstigen Leistungen an übergeordnete Verbände, von Zins- und Tilgungsbeträgen sowie von Handwerker- und Unternehmerrechnungen zutage tritt. Da den Gemeinden und Gemeindeverbänden die Aufnahme irgendwelcher Kredite nicht mehr möglich war und ist, sind ihre sämtlichen eigenen Jonds(einschließlich der zweckverbundenen) inzwischen aufgezehrt worden. Die Rückstände der preußischen Gemeinden an nicht abgelieferten Staatssteuern beliefen sich am 30. Moi 1932 auf 61.7, am 30. Juni 1932 auf 83,1. am 31. Juli 1932 auf 107,2 und am 31. August 1932 auf 129.6 Millionen Mark. Seitdem sind sie weiter gestiegen, obwohl durch den Runderlaß vom 22. August 1932 alle nur erdenklichen Maßnahmen getroffen worden sind, um die Ablieferung der Staatssteuern sicher zustellen. Gerade der praktische Mißerfolg dieses Erlasses ist ein klassischer Ausdruck für die ungeheure Finanznot der Gemeinden und ihre Rückwirkung auf andere Interessenspähren, indem selbst die lokalen Aufsichtsbehörden in weitestem Umfange genötigt waren, sich über die jetzigen Anordnungen der Zentralinstanzen einfach hinwegzusetzen, um den Gemeinden durch Freigabe hoher Beträge an Staatssteuern die Zaylung von Wohlfahrtsunterstützungen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung vorläufig noch sicherzustellen. In welche unüberwindlichen Schwierigkeiten der Slaat dadurch gekommen ist, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Das Junktionleren des ganzen Staatsapparates ist durch Rückstände in solcher Höhe in Frage gesleilt. Der Zusammenbruch zahlreicher Gemeinden und Gemeindeverbände wird alle Maßnahmen zunichte machen, die die Reichsregierung zur Hebung des Vertrauens und zur Belebung der Wirtschaft inzmischen eingeleitet hat.“ Dr. Bracht schlägt dann u. a. die sofortige Erhöhung der schlüsselmäßigen Reichswohlsahrtszuschüsse um mindestens 25 Millionen Mark monatlich aus der Ersparnis der Alu und Kru vor. Zu dieser Erhöhung der Reichszuschüsse ist es für den Monat Oktober nun allerdings nicht mehr gekommen. Der gewaltige Kassenkredit von 100 Millionen RM., den sich der preußische Staat zur Ueberbrückung des Oktober=Ultimos von der Seehandlung geben lassen mußte, beweist aber zur Genüge die Dringlichkeit der Lösung des kommunalen Finanzproblems, das selbst den preußischen Staat in ernste Kassenschwierigkeiten zu stürzen vermag. Da der Ueberbrückungskredit nur drei Mmate lang läuft, so werden endgültige Maßnahmen zur Sanierung der Finanzen der preußischen Gemeinden unverzüglich getroffen werden müssen. Der Deutsche Städtetag hatte eine Erhöhung der Reichszuschüsse um 150 Millionen RM. jährlich, also um 12.5 Millionen RM. monatlich, beantragt. Bezeichnenderweise hat Dr. Bracht die Zuschußforderung sogar noch verdoppelt. Nichts beweist treffender den Ernst der Situation und die Unbegründetheit der ständigen OptimismusMacherei der Regierung von Papen, als daß ihr Adjutant Bracht sich gezwungen sieht, seinem besorgten Herzen in einem solch mahnenden Brief Luft zu schaffen. Die Gemeinden haben schon lange auf die sich zuspitzende Katastrophenlage in zahlreichen SOSRufen hingewiesen, aber in Berlin hatte man Wichtigeres zu tun, als sich um die Ordnung der Finanzen zu kümmern. Nicht einmal der eigene Reichsetat ist in Ordnung. Es scheint aber, daß jetzt endlich etwas Ein seinem Recklinghäuser Privatauto am Da kam der Straßenbahnwagen. Geschäftsmann besuchte mit 7. Juni einen Geschäftsmann auf der Bahnhofstraße. Den Wagen ließ er vor dem Geschäft stehen. Bei der Rückkehr mußte er, da ein Lieferwagen vor ihm stand, das Auto einige Meter zurücksetzen, er wollte dann linksseitig herausfahren. Er war aber eben erwas vorgefahren und hatte die Straßenbahnschienen erreicht, als ihn ein Straßen bahnwagen anfuhr. Die Schuld lag bei ihm selbst, weil er sich beim Herausfahren nicht vergewissert hatte, ob ein Wagen der Straßenbahn nahte. Da aber der Schaden unbedeutend war, stellte das Gericht das Verfahren gegen ihn ein. Es lag keine böswillige Transportgefährdung vor. Tanzvergnügen mit anschließender Schlägerei. Wegen Teilnahme an einer Schlägerei, die am 4. Juli nachts um 1,45 Uhr im Hausflur einer Sodinger Wirtschaft vor sich gegangen war, hatte sich ein junger Mann zu verantworten. Der Angeklagte war der Aufforderung eines Gekränkten gefolgt und diesem zum Flur nachgegangen. Wie die Beweisaufnahme ergab. wurde der Angeklagte zuerst angegriffen und wehrte sich. Es gab eine Balgerei am Boden und die herbeieilende Polizei mußte mit dem langen„Radiergummi“ die Kampfhähne bestreichen, bis sie voneinander abließen. Der Angreifer hat seine Strafe stillschweigend bezahlt. Der Angegriffene wurde freigesprochen Die Schnapsrevolution. Heinrich besuchte am 3. August eine Stehbierhalle am Bahnhof und sprach allzuviel seinem Lieblingsgetränk, dem Schnaps, zu. Er kam mit dem Büfettfräulein wegen der Bezahlung in Konflikt und warf einige Schnapsgläser um. Von der Bahnhofswache eilte ein Schupobeamter herbei und mahnte ihn zur Ruhe. Heinrich zeigte sich renitent und mußte mit zur Wache. Wie immer, sammelte sich eine Menschen menge an und folgte dem vom Schupo fortgeführten Heinrich zur Bahnhofswache, wo dieser in Schutzhaft genommen wurde. In der Zelle machte sich der Alkohol weiter in ihm bemerkbar und er tobte hier so herum, daß die Menschenmenge draußen meinte, drinnen gebe es Mord und Totschlag. Der Schupo beamte mußte schließlich den Platz von den vielen Neugierigen räumen. Inzwischen schaute der Wachthabende nach dem Tobenden und fragte, was er denn wolle. Der beruhigte sich:„Von Di wull eck nix, Du bis'n seinen Kiärl". Dann kam die Wut gegen den andern Beamten in ihm hoch:„Awer von dem annern Lumpen da...“ Und er schimpfte fürchterlich und unflätig gegen den zweiten Beamten, der nur seine Pflicht getan hatte. Das Gericht verurteilte Heinrich wegen groben Unfugs zu 3 Tagen Haft und wegen der Beleidigung des Polizeibeamten zu 2 WoWorum geht es am 6. November? Freiheit oder Diktatur war die Losung am 31. Juli, und das deutsche Volk hat die Diktatur Hitlers abgelehnt. Es wird sie jetzt in noch größerem Umfang ablehnen Freiheit oder Diktatur ist auch die Losung am 6. November 1932. Das deutsche Volk wird auch die Diktatur Papen verwersen Recht und Freiheit Diese Grundsätze der Demokratie durfen durch keine Verfassungsreform beseitigt werden. Regierung ohne Reichstag ist Regierung ohne Volk! Ständige Reichstagsauflösung ist Verfassungsverletzung, Verletzung von Recht und Freiheit, Dikeatur und Sklaverei. Klassenherrschaft einer„hauchdünnen Oberschicht". Wir brauchen im Reichstag zur Verhinderung ra dikaler Experimente non rechts und links eine starke gemäßigte Mitte auf parlamentarischer Grundlage einer mit dem Volke verbundenen Regierung. Wir verlangen daher die Beseitigung der„Regie rung ohne Volk“. Nicht Regierung Papen, sondern zurück zu Brüning. der Kanzler war zur Zeit der furchtbarsten Weltwirtschaftskrise, der trotzdem die attackierte deutsche Währung gerettet, die Reparationen beseitigt und gerecht und sozial zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Landwirtschaft und Verbraucher mit starker Hand. aber sozialem Empfinden Entscheidungen ge troffen hat, der als Kanzler für die Freiheit nach außen die Erfolge vorbereitet hat und das Schicksal Deutschlands meistern wird der das Vertrauen des Volkes besitzt. Deshalb wählt seine Partei, die Partei, die allein immer und unentwegt die Partei der Volksgemein schaft war und ist. Wählt Liste 4, Jentrum! chen Gefängnis. Dem Beamten wurde die Befugniz zugesprochen, das Urteil auf Kosten Heinrichs zu veröffentlichen. Die Keite. Ein Kellner bekam von einem Bekannten einen Mantel, den er in dessen Auftrag im Bochumer städtischen Pfandhaus versetzte. 3 Mark sollte er für diese Bemühung erhalten. Das Pfandhaus belieh den Mantel mit 23 Mark. Es soll an jenem Tage schon zu spät gewesen sein, das Geld abzuliefern Am nächsten Tage mußte ein Schlafkollege des Kellners den Zwanzigmarkschein wechseln. Er verlor unterwegs 10 Mark. Nachträglich erfuhr der Kellner daß der Mantel nicht dem Bekannten gehörte, auch nicht dem, in dessen Auftrag dieser gehandelt hatte sondern daß er das Eigentum eines Geschäftsmannes war, für den der Auftraggeber des Bekannten zu reisen pflegte. Der Reisende sollte den Mantel der übrigens schon getragen war, verkaufen, dachre ober, den Verkauf vorerst aufzuschieben und durch Verpfändung des Mantels Geld für sich flüssig zu machen. Als der Kellner erfahren hatte, wer der wirkliche Eigentümer sei, ging er sofort zu dem Geschäftsmann hin und erzählte ihm den ganzen Sachverhalt. Er cam auch fur den Schaden auf. Das Gericht sprach ihn von aller Schuld frei. Er verdiente sich„mehr“ als einen Taler Willi hatte Einspruch gegen die außergerichtsiche Strafe von einem Monat Gefängnis erhoben. Die Strafe war deshalb gegen ihn verhängt worden, weil er einen Anzug, der durch eine strafbare Handlung von einem Mädel erlangt worden war, verkauft hatte. Der Angeklagte erzählte, jenes Möd“ habe er durch einen Freund kennengelernt. Es h.be ihm erzählt, es solle den Anzug für ihren Onkel verkaufen. Er. Willi, werde für die Uebernahme des Verkaufes einen Taler erhalten. 13 Mark gab man Willi für den Anzug. Von den 10 Mark kaufte sich jenes Mädel Schuhe und Strümpfe. Und als die Sache herauskam, war Willi wie vor den Kopf geschlagen. So sagte er wenigstens. Aber das Gericht glaubte ihm nur zum Teil seine Ahnungslosigkeit und verurteilte ihn wegen der Hehlerei zu 2 Wochen Gefängnis. Weil es nicht mehr 1 Monat war, nahm Willi gern das Urteil in Es blieb bei Mundraub. Nach Vertagung der ersten Verhandlung erschien nun ein Betriebsleiter von der Zeche Friedrich der Große als neugeladener Zeuge. Ein Wohlfahrtsunterstützungsempfänger hatte Einspruch gegen die Strafe von 3 Mark erhoben, die über ihn verhäng: worden war, weil er seiner 10jährigen Tochter den Auftrag gegeben haben sollte, Kohlen zu stehlen. Das bestritt der angeklagte Vater, er habe die Tochter nur zum Kohlensuchen ausgeschickt und sie sei mit einem Eimer voll heimgekehrt. Ueberdies habe ihm der Betriebsleiter das Kohlensuchen gestattet. Nun war der Betriebsleiter erschienen. Dieser bestritt aber, jemals eine solche Erlaubms gegeben zu haben. Die Tochter des Angeklagten habe Nußkohlen heimgebracht und die findet man nicht zentnerweise in der Zechenbahn. In diesem Falle waren Knaben auf die Waggons gestiegen und hatten dem Mädel dte Nußkohlen heruntergeworfen. Das Gericht erkannte auf Mundraub und die festgesetzte Strafe von 3 Mark. Der Tierquäler. Zwei Jünglinge hatten je 1 Woche Hast als Strase für die Mißhandlung eines Pferdes erhalten. wogegen sie Einspruch erhoben. Zwei alte Herner. die beobachtet hatten, wie Der eine Jüngling das Pferd mit umgekehrtem Peitschenstiel mißhandelt hatte, wer es nicht den übervollen Karren aus der Baugrube ziehen konnte, waren als Zeugen geladen. Einer von ihnen hatte die Anzeige erstattet. Die Beweisaufnahme konnte nur die Schuld eines der Angeklagten ergeben. gegen den die Haftstrafe von einer Woche bestehen blieb, während der zweite Angeklagte freigesprochen wurde. Ilgo Undank Der 383 Jahre alte Kaufmann Mar N. aus Herne wurde aus der Untersuchungshaft dem Schöffengericht Gelsenklrchen zur Aburteilung vorgeführt. In Bochum und Recklinghausen hat er noch einige Verfahren angangig. die sich kaum von der Strafsache unterscheiden. deretwegen er nun zu drei Monaten Gesängnis verurteilt wurde. In einer Gesellschaft lernte er ein Fräulein kennen, dem er lästig wurde. Er gab sich alein Ehrenmann aus und erzählte. er könnte eine Ver tretung einer Autofirma dekommen und mußte dazu eine Kaution von 250 Mark stellen. Nur um den lästigen Meuschen loszuwerden, erklärte sich das Fräulein bereit. das Darlehn gegen Sicherheitsleiunng vorzustrecken. K. willst Du nie erkäller sein, nimm Dantignin- ein BAVEE * S M 4 und für Herne Allerseelen Im Garten bluhen die letzten Blumen. Es st gerade, als wenn der Herrgott sie bestimmt hätte, daß sie noch den Gottesacker schmücken sollen am Tag der Toten. Und so sammeln wir all' die bunte Pracht des Herbstes zu Sträußen und Kränzen, die wir uneren Lieben zum Friedhof bringen wollen Fest der Toten— Alte Wunden brechen wieder auf und altes Leid weint neue Tränen. Wo immer auf Erden ein Band der Liebe sich um Menschen schlingt, da steht neben dem Glück auch das Leid. Und wo der Tod dann dieses Band löst, da quält das Heimweh die erdgebundene Seele. Voll bitterer Sehn sucht blicken wir dann in unbekannte, nur geahnte Höhen, wo wir den Geist unserer Lieben wähnen. Und auf dem Kirchhof legen wir an ihren Gräbern die letzten Blumen des Jahres nieder. Einsame Friedhöfe wandeln sich in Blumengärten, über denen die Liebe wacht. Geweihte Liebe— neben der nur stille. schweigende Trauer Platz hat Gerade die heutige Zeit bitterer Not weist Allerseelentrauer in ruhige Bahnen. Wir denken an das #uanoswort:„Selig sind die Toten, die im Herrn sterven, denn sie ruhen aus von ihren Muhen."“ Das Hasten des Alltags schweigt dort in jenen dunklen Grüften und Gräbern und da gibt es keine Sorge mehr,„was werden wir essen, trinken und womit werden wir uns kleiden". Der schwache Kör ver, der so oft den Flug der Seele gehemmt hat, ist ihr nicht mehr hinderlich. Sie ist frei und verklärt. Das Göttliche, wonach sie verzehrend gesucht und gestrebt hatte, ist erreicht und selig ruht die arme Erdenseele nun in Jehovas Armen. Warum klaget ihr, Väter, Mütter, Kinder und Freunde? Weinet nicht über sie, die den Frieden gefunden haben, sondern weinet über euch. die ihr die Last dieses Lebens noch zu tragen habt. Sie gingen nur voran.— Ueber eine kleine Weile werden auch wir leidlos, friedvoll und selig in Gottes Armen schlummern. *** November Die Welt hat keine gute Meinung vom Novemder, sie hat sich von ihm eine Phantasievorstellung gemacht, in der viel Nebel, dauernder Regen, Krähengekrächze vorkommen, das Ganze wird durcheinander gemischt von kräftigen Stürmen. Die Welt hat— wie so oft— Unrecht. Gibt es etwas Schöneres, als an einem sonnigen Spätherbsttage hinter den Hunden über die Felder zu jagen zu Ehren des alten Jagdheiligen Hubertus? Wie feierlich klingt das langsam gezogene Halali, wie ein Abschiednehmen, wie ein Gruß an die sterbende Natur. Aber außer dem freudvollen Hubertustage ist noch ein Kalenderheiliger da, der sehr weltlich gesinnt ist, das ist St. Martin. Mancher wackere Gansvogel muß sein freudvolles Sommerdasein beschließen, um diesen Heiligen zu Ehren ein viel begehrtes Opfer abzugeben. Fritz Reutter sagte schon: Watt dem einen sin Uhl ist, is annern sin Nachtigall. Dann aber wird es langsam leer in der Natur Die letzten Blätter tropfen schwer und langsam von den Bäumen. Nur die Erde duftei noch herb und stark, eine neue Saat reift in ihr einer neuen Ernte entgegen. Es ist etwas Eigenartiges um eine Novemberstimmung. Es ist kein Herbst mehr, und es wird auch noch kein Winter. Dieser Monat ist zeitlos, ausgeglichen und doch wieder voll innerer Kontraste und Spannungen, durchzittert von einem Unterton leiser Wehmut. Bis eines Nachts das Wunder kommt. Leise, verschämt rieselt es aus den Lüften, kleine weiße Kristalle. Es ist nicht das Leuchten der Herbstreise in ihnen, auch nicht das Schwermütige des Ueberganges, neckisch wirbelt es durcheinander und ein marchenhafter Schimmer deckt die starre Erde— der erste Schnee Die Welt im ersten Schnee, das ist eine ganz neue Welt, eine wundersam verjüngte. Eine Welt der Kinder, alte Märchen leben auf und der alte Adventszauber belebt ihre Phantasie. Schon wird es hinter den leuchtenden Scheiben bewegt Schätze tauchen auf, eine Verheißung. Und die kleinen Nasen drücken sich an den Fenstern platt. Nein, die Welt tut dem November Unrecht. Wiederbeginn des Gottesdienstes in der Bladenhorster Schloßkapelle Einsam stand das Bladenhorster Kirchlein da, seitdem die Familie des Freiyerrn v. Weichs zur Wenne das prächtige, im Renaissance=Stil erdaute Schloß 1929 verlassen und sich anderweitig angesiedelt hatte. So konnte auch das Allerheiligste an der Stätte nicht mehr länger weilen, wo es seinen Thron seit dem Jahre 1867 aufgeschlagen hatte In einem Stimmungsbild haben wir vor längerer Zeit umeren Gedanken über die verlassene Gottesstätte Ausdruck verliehen und wehmütig daran gedacht, daß bald die Zeit nahen würde, wo die schöne gothische Kapelle, die im Innern ausgeschmückt ist mit prächtigen Statuen und farbenfrohen Heiligenbi'dern, den geplanten Industriebauten zum Opfer fallen würde. Es sollte anders kommen. Der„Freiwiliige Arbeitsdienst“ cief ein Gemeinde von jugenslichen Arbeitern dorthin mit dem Ziele, Arbeiten verschiedenster Art auf dem weiten umliegenden Wald= und Weidegelände auszuführen. Seit 5 Wochen sind jetzt stramme Jünglinge aus Wanne=Eickel und Herne Cort tätig. Unter fachkundiger Führung wurden zunächst bauliche Aenderungen in dem Schloß, das ihnen ein gastliches Obdach bietet und in dem sie ein geordnetes Familienleben führen, vorgenommen. Dann wandte man sich der verlassenen Kapelte zu, um sie zum geistigen Mittelpunkt und zur Kraftquelle des Arbeitslagers zu machen. Nachdem sie hergerichtet worden war, konnte am geimiger Allerhei'igentage zum ersten Male wieder das hl. Meßoprer gefeiert werden. Hel! erklangen gegen 10 Uhr eie beiden Glöckchen m die herbstliche Natur yinans, ein Eresan; nach so langem Schweigen. Und bald füllte sich der geweihte Raum mit frommen jugendlichen Betern. Pfarrer Loß der Vorsitzende des katholischen„Heimatwerkes für den Freiw. Arbeitsdienst" trat an den Altar und feiecte die heilige Liturgie durch ein hochreitliches Amt. wichrend die freu' eerfüllte Jungschar dem Allerhöchsten in Demut bekannte:„Hier liegt vor deiner Majestät" und dem Heuand unter der Brotsgestalt den innigsten Gruß bei seiner Einkehr in das Arbeitslager mit dem Hymnus„Lauda Sion salvatorem“ entgegenbrachte In einer eindringlichen Ansprache feierte der Priester das Glück des Toges. Glieder eines altadeligen Geschlechtes, so führte er aus, haben viele Jahre mit gläubigm Sinn hier an dieser Stätte dem Herrn gedient. Sedd Ihr, liebe Freunde des Arbeitsdienstes, Nachfolger i anbetenden Dienste und hallet hoch die Gesinnung christlichen Adels. Dazu soll auch aneisern der heutige Festtag der Heiligen. Ein Dreifaches will er uns ins Herz schreiben: Meide das Schlechte, leide und habe Mitseid mit den Millionen, die zur Arbeitslosigkeit verurteilt sind, und streite für die hohen Ideale eines christlichen Lebens. Nach der Ansprache wurde die hl. Handlung fortgesetzt. Sie schloß mit dem Jubellieke: Gelobt lei Jesus Christus, dann zog die Jungschar hinaus, die Seele voll Glück, daß jetzt der Thron Christi des Königs, Christi des Arbeiters, mitten unter ihnen ist. Kolonial=Abend Die Abteilung herne des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft. über deren rege Tätigkeit durch unser Blatt des öfteren berichtet wurde, plant am Samstag, 8 Uhr abends, einen geselligen Abend im Saalbau Strickmann. Für die musikalischen Darbietungen sind zwei den Hernern gut bekannte Künstlerinnen gewonnen, und zwar Hatta Velten, Bochum(Flügel) und Romana Krebs von Alemann, deren kultivierte Gesangskunst, verbunden mit guten Stimmitteln einen außerordentlichen Erfolg vermuten läßt. Im Mittelpunkt des Abends steht der Vortrag des bekannten Afrikaforschers, Jägers und Schriftstellers Hauptmann a. D. Steinhardt, Berlin, der mit einem fesselnden Beitrag über den schwarzen Erdteil, verschönt durch Lichtbilder, allen Kolonial= freunden einen tiefen und nachhaltigen Einblick in die so brennende Zeitfrage— den Rückerwerb eigener Kolonien— vermitteln wird. Auch Hauptmann Steinhardt ist den Hernern als Redner von großen Gaben und mitreißender Darstellungskunft genügend bekannt. Eintrittskarten sich überall im Vorverkauf und an der Abendkasse zum Preise von 50 Pf. erhältlich. Den Abend beschließt ein Tänzchen, das besonders auch der Jugend den Besuch der Veranstaltung angenehm machen soll. Wir glauben, auf den Abend, dessen evtl. Ueberschüsse vollständig der Lösung der Deutschtumsfragen in unseren alten Kolonien dienen sollen, nicht noch besonders empfehlend hinweisen zu müssen und wünschen dem Frauenvund einen vollen Erfolg. * 2* Butztags=Konzert des M.6.8.„Frohsinn“ unter Mitwirkung des Schülerchores der Bincke-Schule Castrop-Raurel. Das Herbstkonzert des MGV.„Frohfinn" wird durch tie Mitwirkung des Schülerchores der VinckeSchule Castrop=Rauxel Bedeutung gewinnen. Schon mancher hat sich im Redio an dem Gesang der Kinder erfreut. Am Bußtag ist jedem Gelegenheit geboten. die Kinder in Herne selbst zu hören. Der Schülerchor hat durch seine Berlin=, Hollond= und Saarreise die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf sich gesogen. Die kleinen Sänger haben überall vor ausverkauften Häuern gesungen. Darum versäume niemand, das Bußtag=Konzert des M. G. V.„Frohsinn" zu besuchen. Das Konzert finder am 16. November(Bußtag) abds 6 Uhr im Kafinosaal Friedrichseck, Roonstraße, statt. **** Der Segen der 2. Instanz Aus 15 Monaten Gesängnis wurde Freispruch bzw. 8 Wochen. Ein ganz anderes Gesicht erh zweiten Gerichtsinstanz, alielt ein Straffau in s er vom S der gericht beurteilt worden war. Zwei junge ffen ur. chen. K. und M., aus Herne=Sodingen, hatten in Bochum eine lüsterne Nacht erlebt und waren im Sumpf der Großstadt untergetaucht. Ein jähes Erwachen gab es für sie erst hinter den verschlossenen Toren der Gefängniszelle. Auf Grund der bestimmten Aussage der betreffenden Maid waren sie wegen gemeinsamen versuchten Raubes und Körververletzung mittels einer Bierflasche zu je 1 Jahr S Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sie fochten das Urteil durch Berufungseinlegung bei der Großen Strafkammer des Bochumer Landgerichts an. Dabei erhielt das nächtliche Erlebnis ein ganz anderes Aussehen. Auch in der Berufungsinstanz hielt sich die„Schöne“ für das Opfer einer versuchten Raubtat. Man erhielt aber den Eindruck, daß die ganze Sache mit Raub nichts zu tun hatte, vielmehr hatte sie selbst die beiden törichten und vergnügungssüchtigen Burschen mit Hilfe ihrer Verführungskünste ziemlich bis auf den letzten Groschen ausgebeutet. Was sich in dieser Nacht abgespielt hat, konnte bei erneuter Betrachtung gewiß als eine sehr schlüpfrige, aber als eine außerordentlich betrunkene Sache bewertet werden. Das einzige, was übrigblieb, war, daß der Angeklagte K. mit einer Bierflasche auf die Maid eingeschlagen hatte. An dieer Körperverletzung konnte nach Lage der Dinge der Angeklagte M. nicht beteiligt gewesen sein, so daß M. unter Aufhebung des ersten Urteils völlig freigesprochen wurde, während bei K. die Strafe auf nur 8 Wochen Gefängnis ermäßigt wurde. An diesem Fall sieht man wieder die Wichtigkeitdes Vorhandenseins einer zweiten Instanz, sonst hätten die beiden törichten Gesellen einen einzigen nächtlichen Leichtsinn mit mehr als 1 Jahr Gefängnis, zerschlagener Zukunft, zerbrochener Ehre und völlig verpfuschten Papieren büßen müssen. Dieser Fall wird ihnen hoffentlich eine heilsame Lehre sein. *** * 25jähriges Berufsjubiläum. Auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit als Schätzer für die Westfälische Provinzial=Feuerversicherungssozietät in Münster i. W. konnte Herr Architekt Eugen Sprenger zurückblicken. Die Feuersozietät sprach dem Genannten für seine Tätigkeit Dank und Anerkennung aus und überreichte ihm eine Ehrenurkunde. * Silberhochzeit. Die Eheleute Heinrich Höltmann, Gysenberger Mühle, feierten am Samstag ihre Silberhochzeit. Nachträglich herzl. Glückwunsch! * Iu dem Grubenbrand auf Constantin der Große. der in einem Stapel der stilliegenden Schachtanlage 1/2 entstanden ist und seine Rauchschwaden durch die Betriebe von 6/7 und 8/9 geschickt hat, erfahren wir, daß es im Lause der Nacht zu gestern gelungen ist, den Brand zu lokalisieren. Es besteht für andere Grubenbaue keine Gefahr mehr, da eine Brandmauer den Herd vollkommen abriegelt. 60 Prozent der Belegschaft konnte bereits gestern morgen wieder einfahren, der Rest folgt heute. * K u r s u s d e s c h r i s t l. G e w e r k s c h a f t s k a r t e l l s H e r n e. Wie wir bereits mitteilten, veranstaltet das christliche Gewerkschaftskartell Herne in der Zeit vom 3. bis 20. November einen Kursus für Mitglieder und deren Frauen. Er soll im wesentlichen Lichtbildervorträge unterhaltender Art bringen. Der erste Abend ist morgen, am 3. d. M., und behandelt das Thema„Die Frau im Leben der Gegenwart". Der zweite Vortrag ist am 7. November.(Thema:„Im Steinkohlenbergbau“.) Die Vorträge finden in der Zeit von 8—10 Uhr abends im Lokale Stemberg statt. Trinkzwang besteht nicht. Die Mitglieder und deren Frauen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. * J u m R u n d f u n k- K o n z e r t d e s V o l k s c h o r s H e r n e wird uns mitgeteilt: Die Uebertragung des Konzerts Europa im Volkslied“, findet am Sonnabend, dem große Auseinandersetzung in Deutschland, die einmal kommen muß, ob in der Politik weiranschauliche Aufsassungen maßgebend sein sollen oder ob letzten Endes Interessen oder Gewalt den entscheidenden Einfluß haben sollen.“ „Nicht Paragraphen, nicht Bajonette stützen den Staat, sondern nur das eine, daß es uns gelingt, die Gegensätze im Vaterland in unserer chrifliichen Liebe zu überwinden.“ „Auf die Schanze! Es gilt, das Signal eure: Geistes dem Vaterlande aufzuprägen.“ (Worte Dr. Brünings vor der Bamberger katholischen Jugend.) Stimmscheine nur bis Freitag Wer am Sonntag verreist ist oder wessen jetzige. Wohnung von dem Wahllokale, in dessen Liste er noch steht, zu weit entfernt ist, muß sich einen Stimmschein besorgen. Dieser wird aber nur noch bis Freitag nachmittag 4 Uhr im Rathaus. Zimmer 87. oder in der Verwaltungsstelle Sodingen ausgestellt. sonen, welche vorgäben, eine solche Ortsgruppe zu vertreten, machten sich strafbar. * Sauerländischer Gebirgs-Verein. Der Sauerländische Gebirgs=Verein, Abreilung Herne, hält am morgigen Abend in seinem Vereinsheim Hotel Meinhardt seine Monatsversammlung ab. Näheres siehe Vereinskalender. Stadt Wanne=Eickel. Das Wanne=Eickeler Zeutrum im Wahlkampf Wählerversammlung der Zentrumspartei Wanne=Mitte (s) Die Zentrumspartei hatte am Sonntagabend ihre Parteifreunde zu einer Wählerversammlung im Kolpinghause eingeladen, dessen Saal trotz der ungünstigen Witterung von Besuchern überfüllt war, die der 2. Partei vorsitzende Henkst herzlich begrüßte. Der unsoziale Kurs der Papenregierung wurde dann vom Redner des Abends, Provinziallandtagsabgeordneter Vikar Clermont, einer eingehenden Kritik unterzogen. Weder außen= noch innenpolitisch habe die Ne gierung Papens bisher irgendwelche Lorbeeren ernte können, wie der Mißerfolg der Lausanner Reparation= verhandlung und das schlechte Abschneiden Deutschlandauf der Abrüstungskonserenz bewiesen. Von den innen politischen Maßnahmen Papens zur„Wirtschafts=Ankurbelung“ sei zweifellos manches ernst zu nehmen. aber im gleichen Augenblick, in dem die Regierung das Volk zur Mitarbeit und einträchtigem Zusammenstehen unter diesem Programm aufgerufen habe, sei von ihr innenpolitisch neuer Zündstoff unter das Volk geworfen worden. Der Redner erinnerte in diesem Zusammenhang an die zweimalige Reichstagsauflösung und die starken Lohnkürzungen der Papenschen Notverordnung. Während man die Wirtschaft wieder beleben wolle, sperre man, um der Landwirtschaft mit 200 Millionen Mark beispringen zu können, durch verhängnisvolle Kontingentierungspolitik die Grenzen für eine Ausfuhr von jährlich 2 Milliarden Mark in deutschen Industrieprodukten. Auch an den Grundfragen des Arbeitsrechts und der sozialen Fürsorge habe die Regierung gerüttelt und ihr Angriff auf das Tarifrecht sei in dem bekannten„Offenen Brief" der Präsides katholischer Arbeitervereine entschieden verurtellt worden. Der berühmte„Zwickelerlaß“ reiche nicht aus, die„Christlichkeit" der Papenregierung zu dokumentieren, zumal die Hintermänner dieser Regierung die gleichen Kreise seien, die auch heute noch aus den Katholiken Staatsdürger 2. Klasse machen wollten. Das Zentrum gehe in diesen Wahlkampf unter dem alten Motto:„Für Wahrheit. Freiheit und Recht" 5 November. von 17 bis 18,15 Uhr im großen Saale— für ein Deutschland, in dem Gott gegeben werde, was des Volkshauses Herne statt. Gerüchte, die von einer Gottes, und dem Volke, was des Volkes sei. Uebertragung aus Dortmund reden, entsprechen nicht* den Tatsachen. Die Konzertbesucher werden gebeten,(s) Fahnenweihfest des Katholischen Gesellenverein pünktlich zu erscheinen, da um 5 Uhr die Saaltüren Eickel. Unter Voranmarsch der Vereinskapelle zog am punktlich zu erscheinen, da um 5 Uhr die Saaltüren Sonntagmorgen ein stattlicher Festzug, an dem sich sämt zeschlossen sein müssen. Programme, die zum Eintritt ur zwei Personen berechtigen, sind für 10 Pf. bei und Fahnenabordnungen aller Gesellenvereine des Deka amtlichen Chormitgliedern zu erhalten. * „„ nahm in feierlicher For teilt mit, daß zurzeit eine Ortsgruppe in Herne der vo. on der Festpredigt mahnte Pfarrer Hönninge nats beteiligten, vom Vereinslokal Schulte=Pelkum zur Die Zentrale der Deutschen Liag für Menschen geschmückten St.=Marien=Pfarrkliche. Der Präses Die Zentrale der beutschen Liga für Menschen: Vitar Beyer, zelebrierte hier das Festhochamt und nahm in feierlicher Form die Weihe der neuen Fahn Deutschen Liga fur Menschenrechte nicht bestehe. Per die Gesellen, tapfer einzutreten für die Forderungen d Gesellenvaters Kolping und treu die Fahne zu verteil gen. Anschließend begab sich der Festzug wiederum zu Vereinslokal, wo in schlichter Weihestunde der Senior Herbstwanderung des Sauerl. Gebirgsvereins und in betr. Heine,. vertogheznen, Loleisgsechbem el. hrudanall= Marte erntten(behenlens mihmat. G.n„ Als wir in Witten aussteigen, hat der Regen sich verdrückt, aber herb ist der Wind, der durch die Straßen fegt. Umso schneller werden die Schritte, und eh' wir uns dessen versehen, sind wir am Vorbachtal. ie reizend ist das kleine Tal selbst an diesem grauen Morgen. In wundervollen Farben prangt der das aber mie erst freuen wir uns, als die Sonne urplötzlich durch die Wolken bricht und alles mit mattsilbernem Licht überhaucht. Da wurde uns nach herbstgrauem Morgen eine Feierstunde geschenkt.— Nach der Rast in Wetter wandern wir durch den # herrlichen Buchenwald von Scheede. Absteigend komnTal anschließende Wald. Gostig getönt ist das Laub#men wir in ein fast schluchtenartiges Tal, durch das der die Höhen krönenden Buchen, während der Eichen= die Erder munter plätschert Herbstliche Farbenpracht wald seinen Behang vom fahlen Grün bis zum dunk= auch hier, vom dunklen Grun des Wiesengrundes bis en Rot gefärbt hat, die Weiden aber im Tal tragen zum leuchtenden Rot am Ahorn, bronzefarben der Be noch ihr sommerliches Grün. Die graugrünen Fluten 6— Ruchon fahlrot das Laub knorriger des Teiches peirscht der Wind, daß sie sich an den Eichen, verm icht mit dem gebleichten Grün der F Uferrändern aufbäumen und als weißlicher Gischt ten und Kiefern. Man möchte weilen und muß doch überstürzen.[Abschied nehmen von diesem Märchen im Walde! Wir überschreiten die Brücke und wandern hinem Wieder müssen wir ansteigend zur Höhe„Auf dem in den herbstlichen Wald. Wie ein bronzefarbiger Arenberge". Wieder nimmt uns uralter Buchenward Teppich deckt das Laub den sonst so dunklen Wald= in seinen Bann. Als wir bei den allersgrauen„Drei boden. Durch die Kronen des Hochwaldes braust der Buchen“ anlangen, schauen wir hinab ins Tal, und Wind, lautlos fällt losgezerrtes Laub zu Boden. An= da blitzt wieder Sonnenschein auf und zaubert wunsteigend gewinnen wir die Höhe des Hohensteins wan= derbare Lichtreflexe in Wald und Tal Wie vom Zaudern nun W. 20 nach und kommen ins Ardey. Durch verstabe berührt, wird das nasse sahle Laub am WaldFichten= und Kiesernwald führt der Weg. zur Seite boten lebendig und zu blißendem Gold, der gebleichte rauscht der Vorbach, talabwärts geht's, dann wieder Behang des Farrenkrautes nimmt wunderbaren, ansteigend zur Höhe. Hier bleibt der Wald zurück, b'auschmmernden Diamantenalanz an, die Nässe an der Weg führt nun über eine Hochebene mut über= den ragenden Buchen wird flüssiges Silber. Da raschend schönen Ausblicken. Aber rauh greift der wird's ein frohes Wandern durch den einsamen stillen Wind uns hier an, treibt aber auch die dunklen Wol= Forst.— Bald darauf führt uns der Weg am Bergken vor sich her und läßt einen hellen Schimmer am hang entlang mit schönen Ausblicken auf's Ruhrtal. südlichen Hinmel aufkommen. Am„letzten Heller“ Hier schauen wir ein neues Wurder, Ueber den senerreichen wir den Abstieg, vor uns liegt das stille seitigen Höhen liegt am Horizont, soweit die Augen Erdertal, jenseits der dunkle Wald„Auf dem Hei!“ sehen, eine nachtschwarze Wolkenwand und wirft und der langgestreckte waldbedeckte Rücken des Nak= ihren dunklen Schatten bis in's Tal Unmerklich steigt ken. Auf den Hängen und am nördlichen Talausgang sie höher und höher und hüllt den Höhenzug in Dämliegen verstreut die Häuser von Westende und Kirch=merung. Ueber uns aber huschen weiße Wosken am ende. Wir durchqueren das Tal und müssen jenserts blauen Himmel hin lacht die Sonne mit blitzendem steil aufwärts; aber der schöne Wald lohnt die Mühe Gefunkel. Unbehaglich aber wird's uns, denn wir Durch Hochwald und Schonungen erreichen wir die müssen hinein in die Dämmerung. Rascher wird der Schußhütte am Steilhang des Berges. Tief unten Schritt hinab in's Tal, hinauf auf den Wartenberg. schlangelt sich die Ruhr durch grune Wiesen, ihre Fin-[Doch als wir oben aus dem Walle treten, n der füllen den Harkortee, der vor uns im Tal sich Spuk verschwunden.### eilen noch dunkelgraue drucksvolle Worte ernsten Gedenkens widmete. Auch der frühere Ehrenpräses Borgmann nahm an dieser Feierstunde teil und richtete an die Kolvingssöhne m### reißende Mahnworte, das Banner stets im Geiste K. pings zu verteidigen Ein geselliger Abend, umrahn von Musikweisen der Eickeler Gesellenkapelle, Chorvo; trägen des Wanner und des Eickeler Gesellenchores und einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm 5 schloß unter starker Beteiligung den Fahnenweihtag der Eickeler Gesellen in harmonischer Feier. ausbreitet. Drüben liegt das wunderschöne Volmarstein auf Bergeshöhen, rechts davon das freundliche Wetter. Jenseits auf dem Koisberg grüßt uns der Steinturm. Ueber Herdecke, hinker dem Retberg, ragen Turm urd Denkmal von Hohensrburg auf waldbedeckter Höhe, anschließend das Kraftwerk des Hengsteysees. Herzerfreuend ist das schöne Fleckchen Erde etzen'gen Osten, lichter wird der Himmel, über die uhrhöhen huschen letzte Strahlen der Sonne. Da hemmen wir den eiligen Schritt, wandern geruhsam über die Höhe, hinab in's Tal und über den Hohenstein heim. Der graue Morgen und die dunklen Wolken blieben als Schemen hinter uns zurück, mit uns aber nehmen wir der Sonne blitzenden Schein Briefkasten Anfragen an unserv Briefkasten müssen mit Unterschrift verseden und ebenso muß die letzigültige Qutttung beigesügt sein. Wo dieses nich der Haß in erleigt keine Beautwertung. Wette contra. In jedem Fall muß der Spieler, wenn er gewinnen will, immer 61 Augen haben, hiebel ist es ganz gleich, ob contra und re. oder sonstige Schlagworte gegeben werden. W. B. 837. Da Sie im Stadtteil Sodingen wohnen, müssen wir noch wissen, ob städt staubfre Müllabfuhr besteht, ob städt Straßenremnigung um Kanalbenutzung sowie städt. staubfreie Müllabfuhr be steht, ob nur Straßenreinigung oder nur Kanalhenutzung neben städt. staubfreier Müllabfuhr besteht W. 60. Selbstredend ist es möglich, von mit Tinte oder Bleist'ft geschriebenen Noten ein Klischee herzustellen, urd zwar in Kautschuk oder Holz. Seten Sie sich mit einem Fachgeschäft in Verbindung(KlischeeAnstalt), zum Beispiel Richard MoDenhauer. Gelsenkirchen, Ueckendorfer Straße 148 Die von dem Magistrat gemäß§ 47 der Reichsstimmordnung zu erlassende Bekanntmochung über Durchführung der am 6. November 1932 in der Zeit von 9—18 Uhr stattsindenden Reichstagswahl, Abgrenzugg der Stmmbeziche Lage der Abdstimmungerdume und Art der Abstimmung hängt am schwarzen Brett im Erdgeschoß des Rathauses und in der Verwaltungsstelle Sodingen aus und ist außerdem an den öffentlichen Plakatsäulen angeschlagen Anträge auf Ausstellung von Stimmscheinen werden nur dis Freitag, den 4. November 1932, nachmittags 4 Uhr für das Gediet des ehemaligen Amtes Sodingen und den eingemeindeten Teil von Gerthe in der Verwaltungsstelle Sodingen und für das übrige Stadtgebtet im Rathans, Zimmer 87, entgegengenommen. 23715 Herne. den I. November 1932. Der Magistraf. ** * Scherz- und Rätsel-Eue 8 üus Sn Ki m Sp HIE OT Aberglandisch. Minnu, um wottes willen, die Benzinflasche sofort ronter vom Gasderd! Das gibt doch ein Ungläck.“ „Ader wie kann die gnadige Frau nur so abergläuglaudisch sein!“ * Gemtin. Lippen ist noch „Ueber meine tommen!“ „Sie jeden wodl durch die Rase?“ keine Luge ge * Pedantisch. Alte Dume:„Und sagen Sie, Herr Doktol, muß ich dieses Mittel vor oder nach dem Essen ins Auge tropfen“ * Gat nicht Htoll. „Wunschen Sie, daß ich Sie im Frad male?" fragt der Maler „Nee, nee,“ lucht jovial der dicke Kunde.„bebaiten Sie man ruhig Ihren drecigen Kittel an Sejahrlich. Schausteller:„Heute komme ich zum letzten Male am Spielerlaubnis! Ich löse meinen Flohzirkus auf!“ Bürgermeister:„Aber bitte nicht in unserer Gemeinde" * Alles echt. Schauspieler:„Und vergessen Sie nicht. Herr Diret tor, dast ich nicht spielen kann, wenn nicht alles echt ist. Also lassen Sie im zweiten Akt richtigen Sekt und richtige Austern servieren.“ Direktor:„Selbstverständlich, und im vierten Akt nedmen wir echtes Gift“ Anzuglich. Dur Zimmer, erinnert mich an ein(besangnis,“ schimpfte der Gast im Hotel „Sie mögen recht baden,“ erklarte der Direktor kudl„Ich kann das nicht deurteilen ich nabe noch nte im Gesängnis gesessen" Jahlenrätse! Aosselsorung. Nattelgleichung. A und 18—1) und(c—ne) und(0—19)= T. A Ruchengerat, B— himmlisches Wesen, E. Kernfrucht. D= Zahlgigsmittel. X.— Bergzug am ##bein Die Jahlen dieser Figur sind so zu vectauschen daß die Summe der drei Jahlen jeder der 8 geraden und die Summe der vier Jadlen des mittleren kleinen Blerecks je 109 beträgt * Berschlungene Ousorate. In jedes der drei Quadrate sind je vier Worter einzusetzen, die waggerecht und senkrecht gleichlauten. Dakei sind die vier letzten Buchstaden des ersten Quadrates dieselden, wie die vier ersten Buchstaben des zweiten Quadrats. Das gleiche gilt vom zweiten und dritten Quadrat 1. Quadrat: 1. Kleinster Teil, 2. Stadt in Rußland, 3. Mädchenname, 4. Fluß in Frankreich(Belgien und Holland) 2. Quadrat: 1. Brennstoff. 2. Stadt in Oberitalien, 3. militarische Führung. 4. Nadelbaum 3. Quadrat: 1. Biblischer Männername, 2. griechischer Buchstabe. 3. Behältnis, 4. Nichtsachkundiger. Kreuzwortratsel. Waagerecht: 1. Teil des Zeitmessers, 7. Göttin der Zwietracht, 6. Anerkennung. 10. europäische Haupt stadt, 12. Gehalt. Lohn, 14. weibl. Wesen, 16. Pflugteil, 18. Bündnis, 20. See in Asien, 22. Zuckersorte, 24. Mädchenname, 26. Vogel, 28. Gattin des Thor, 29. Laubbaum, 31. Kohlenprodukt, 33. europäisches Grenzgebirge, 35. großer Raum, 37. alkohol. Getränk. 36. geschmolzenes Gestein, 59. Stadt in Baden Senkrecht: 1. Zeitmesser, 2. pommerscher Kustenfluß. 3. schweizer Berg, 4. Kurzname für Isadella, 5. Hirsch art, 6. Stadt in Brandendurg, 9. Stadt in Westfalen. 11. Stand, 13. was jeder benotigt, 15. Schiffsteil, 17. chinesischer Tagelöhner, 19. Wehrmacht, 21. Fluß in der Schweiz 23. Nedeufluß der Elde. 25. füdischer Hohepriester, 27. Seidenstoff, 30. Mondgöttin, 32. bibl. Männername, 34. Kosmos, Schöpfung. 36 Kapielratsel. Wenn einer dar ist, was dar Ratselwort sagt In manchem Herzen die Mitte nagt. Sildenraisel. Bon den nachfeigenden 35 Silben sind 13 Worter bilden, deren Anfangs= wie Endbuchstaben, von vorne nach rückwärts gelesen, ein Sprichwort ergeden an— ar— dran— burg— die— da— den—e e— es— ei— 9e— im— ia— len— li— ment— mi— mu— mund— ue— u0— p!— Tu — ke— 7e— sam— sie— so— son— sor— tel tes— 11— bid. Bedeutung der Worter 1. Isarelitischer König. 2. wesegzlonigkeit, 3. gliechischer Vdileseph. 4. Provinz in Preußen, 5. Papageiegart, C. Verkaufslager, 7. Laut, Signal, ö. weidlicher Vorname, 3. Hochdild, 19. Nachkomme, Nachtreter, 11. Getreidemast, 12. Figur aus der dibl(beschichte, 13. Figur aus Wagners Oper„Lohengrin". * Naflesung der Natiel in nachster Senntagenummer. * Auflösung der Rätsel aus Nummer 127 Auflosung des Nreuzwortratsels. Wangerecht: b. Siegfried, 7. Geier, K. Neger, 10 Lager, 12. Eden, 13. tand, 14. Asta, 16. Elle, 17. Stern. 19. Rhein, 29. Meter, 21. Nuernberg. Senkrecht: 1. Segen, 2. Eger, 3. Orel, 4. Ptrat, 5. Suedosten, 6. Daenmling. 2. Gerte, 11. Galle, 14 As. 15. Armee. 16. ehren, 18. Nero. 19. Rede. * Auflosung des Bezierbildes: Bild rechts dreben. Das Rev steht unter dem Arm des Jägers * Auflesang Der Ratsele: Nach rechts oder linf:: JMMERMANN WIELANO CKCILIE. SACHSEN SONATE SERENADE ANDRERS OOSTOJEWSK MAI BOWLE MIGNON LOHENGRIN SPREEWAL 0 BARREN Auflosung des Raisels Doppelppramide 1. r. 2. Na, 3. Arm, 4. Amur, 5. Mauer, 6. Mauser, 7. Masuren, 8. Maserung, 9. Grausen, 10. Gauner. 11. Range, 12. Nage, 13. Ger, 14. er. 15. r. Auflesung des Silbenratsele: „Jeder hat das schonste Liedchen", 1. Juchten, 2. Ebe, 3. Dietrich, 4. Eigeld, 5. Rate, 6. Halalt, 7. April, 8. Treuse, 9. Damast. 10. Applaus, 11. Simson, 12. Seife, 13 Chamisso. * Auflosung des Ratsels: Gerüttelt und geschuttelt. — Tier= Lasttier Am Ne. 130* Uuterbaltungsbeilage zum Heener Anzeiger“. 1939 Die Stimme des Gewissens Ein Romau von Liebe, Gläck und Leid Von Erich Friesen schon genugen mußte, eine Mutter glücklich zu machen! Ingrid. reizt dich nicht dies Iukunftsbild"" Immer lebhafter fließen die Worte von seinem beredten Munde. Vorbei ist es mit seiner sonstigen küdlen Rude. Er weiß es geht ums Ganze. Geht um Leden und Tod Sie hat ihm mit leuchtenden Augen zugehört. Sie ist völlig in seinem Bann—— Da stebt er leise auf und geht in dus Nedenzimmer. in dem Ingrids kleines Rosendolzpianino steht. Leise praludierend gleiten seine Finger— vo!! liesster Jnnigkeit voll bedender Sehnsucht Das soll jetzt anders werden, Liebling. Mogen die Menscden da draußn odne mird fertig werden!" Er nimmt neben ihr Platz. Und erzadlt ihr von einen Bestrebungen und Erfolgen. Mit verständats vollen Augen lauscht sie seinen Worten. Wirst ab und zn Bemerkungen hin, die von leddaftestem Miterieden eugen. Und blübt ersichtlich auf. Als das Mädchen meldet, daß das Abendessen de eit ist, hilft er ihr sorglich aus dem Sessel und reicht ibt den Arm Als sie danach beim dämmerigen Schein der rot verdängten Ampel wieder am Kamin sitzen— sie den seinen Kopf hintenüdergelehnt, sodaß das goldblonde Haar üder dem onpurnen Seidenpolster aufleuchtet— er auf dem niedrigen Puf dicht neden ihr—— da schwingt er plöulich den Arm um sie und preßt ihr Gesicht fest, fest an das seine. Während er fast beiser vor Erregung murmelt:„Ach, Jngrid! Du darfst mich nie verlassen! Rein, nein!" Erstaunt hebt sie den Kopf Wie kommst du darauf, daß ich dich verlassen konnte, Henrik? Ich bin doch deine Frau—“ „Ja ju— aber es gibt Falle—— du konntest sterben— oder in——“ Sie wird ein wenig blaß. Aber der jeste Druck seiner Hand flößt ihr wieder Mut ein. „Wir werden nicht sterden. Henrik— nein. Wir wollen recht. recht lange zusammen jeben—“ Einige Augenblicke schweigt er, und der tedanke zuckt in seinem Hirn aus. ob ihr vielleicht auf dieser Basis bei zukommen ware. So sagt er eindringlich „Sied. Liebling! Dein Organismus ist nicht der stärkste. Wenn du dir nicht fest vornimist, alles Trübe an deinem Gbedächtais zu verbannen, alles Gewesene zu vergessen—“ Sie seufzt tief auf. Ach, ich mochte ju so gern vergessen! Ach wie gern!“ „Und es will nicht geben?“ „Manchmal denke ich, ich bin so weil. Dann kommen wieder Monate, da mein Ee wissen mich derart peinigt, daß ich meine es nicht ertragen zu können— und dann kommen die Schmerzen, hier—“ sie druck auf ihren Hinterkopf—„und bier—— deutei auf ihr Herz—„ach. Henrik, dann wein ich. Wenn lig in deine Augen seh. mein Gewissen will nicht schlafen— will nicht— will! So schwindet all mein Leid und Wey 10—*I Ingeid schließt erschauernd die Augen. Doch sie Ingrid!“ Er nimmt ihren Kopf zwischen seine südlt seinen hopaotisierenden Blick auf sich ruhen. beiden Hande und blickt ihr tief in die Augen Alle Höhlenstraße in angenslein „Jugrid! Glaubst du, daß ich die liede““ Sie nickt. „Und daß ich ohne dich unglücklich wäre Grenzenlos unglucklich?" Erneutes stummes Ricten Nun. also! Stelle mich, deinen Munn deinen Einziggeliebten, über dein Gewissen! Das stärkere befühl trägt stets den Sieg davon. Laß deine Liebe zu mir über das Gewissen siegen— und wir weiden beide glücklich sein. Sieb, ic bin auf dem besten Wege, ein berühmter Mann zu werden! Ich siede auf der gandidatenliste für die Volksvertretung. Ich habe eine große Laufbahn vor mir. Hilf mir dabei! Du bist jung! Du bist geistvoll! Alle diese Vorzüge werden sich von Tag zu Tag mehr entfalten. Immer inniger werden wir miteinander verbunden sein. In unserm Hause wird alles, was Geist und Namen be sitzt, verkehren— und du wirst die Königin der Feste sein! Die Königin aller und doch— allein mein eigen! Judem erwarten wir ein Kind.— Das allern Alles um sie der verschwimmt in nichts vor der Stimme, vor dem bezwingenden Blis seiner Augen. Der Kampf zwischen Liede und Gewissen ist vorbei. Das Gewissen ist tot. Die Liebe triumphiert. Sechsunddreißigstes Kapite! Arme, junge Mutter! Ingrid hat den Wunsch geaußert, die leuzte Woche vor der Geburt des Kindes in der Ruhe und Abge schiedenheit der Walddurg zu verbringen und während ihrer schweren Zeit von Betty Riels gepflegt zu werden Seit einigen Tagen hat deshalb die robuste War terin, ohne deren Assisenz seit so vielen Jahren im Fischerdorf von Klampenborg kein Kind das Licht der Welt erblickte und kein Sterbender seinen letzten Seufzer ausbauchte, ihr Domizil in der Waldburg aufgeschlagen— bartend der wichtigen Stunde. Und heute war sie endlich da, die ersehnte Stunde. Und alles lief für Ingrid gut ab. on dem Gemach der jungen Mutter ünd die Spipzenvorhange zuge zogen. Am Fuß des Bettes sin die Wärterin. Jetzt bewegt Ingrid leicht den Kopß „Frau NielJngrids Stimme klingt malt wie gebrochen „Ich mochte mein Kind seden" Ein Schimmer von Verlegenheit buschi üder Beine Niels' derde Jüge „Noch nicht Madame! Sie und noch necht kraftig geuug!“ „Ist es ein Anade oder ein Madchen“ Ein Madcden. Madame“ Jngrid seufzt leise auf „Schade, daß es kein Knade ist. Wie Frauen haben so viel zu leiden im Leden!" „Stimmt, Madame—“ die Warterin schiedt das Kopfkissen zurecht—„ader Sie dursen jetzt nicht mehr sprechen. Der Arzt hat es streug verdeten" Eine Weile liegt Ingrid Kill da. Dann flüstert sie mit Anstrengung Ich füdle mich ganz wodl. Frau Niels. ... Sagen Sie mir, wann wurde mein Kind, meine liede, kleine Tochter, gederen „Heute früd halb sochs Uhr. Modame“ Ach za, richtig. Heute früh. Und wie pät ist es jetzt?“ „Halb vier Uhr nachmittag..“ So spat won? Wie lange ich geschlafen habe!... Ich mochte meinen Gatten sehen. liede Frau Niels—“ Ich werde idn sofort rufen lassen. Aber Sie müssen mit versprechen, sich ganz ruhig zu verhalten. Der Arzt sagt—“ Ein mattes Lächeln umspielt Jnaride Lippen „Ja, ja, ich weiß schon. Ich din auch ganz ruhig... Sagen Sie mit, liede Frau Niels— ein Rind, ein liedes, kleines Kind, ist ein Gbeschenk des Himmels, nicht wadr? Ich sollte wodl sehr glücklich darüder sein? ##ch— und ich din es ja uuch—“ „Gewiß. Madame“ Aber bitte regen Sie sich nicht auf! Ich werde Idren perrn Gemahl jetzt holen.“ Jngrid schließt wieder die Augen. Sie ist mude ach, so mude! Sir kann kaum denken. Nach wenigen Minuten s#don kedrt die Warterin zuruck. Ihr aus dem Fuße folgt Henrik. Wortlos kniet penrik neden dem Lager nieder. Jetzt bliclt sie ihn mit klaren Augen an — aber mit war für Augen! Was alles liegt in diesem Blick! Erschüttert wendet Heurit sich ab „Liedster!" daucht sie leise„Jo mochte unser Rind seden Bring es mir!“ „Noch nicht. Liedling! Du bist noch nicht kraftig geuug!“ Dieselde Antwort aus dem Munde des(sutten, wie vordin von der Warterin!... Ingrid schuttelt den Kopf „ kann nicht ruhig sein bever ied nicht mein Kind gesehen hade!“ ruft sie sich medr und medi erregend.„Ich will es in meinen Armen halten, ich will sein Kopschen an mich drucken. Dann will ich schlafen. Aber erst mern Kind— meine liede, kleine Tochter!“ Henrik schweigt beklommen. Sein bleicher Gesicht scheint noch um einen Schatten bleichet zu werden Fest umschließt er die zitternden Finger seines Weides mit seinen kräftigen Händen „War hast du. Henrik?“ Unruhig bewegt Ingrid den Kopf auf den Kissen hin und der. Warums bringst du mir das Kind nicht?“ * USSSGEGUUPEEE „S S Age S. BnauE s 383S " 0•=BE amn S.9.502 57 beugt an die sein. Komm, lehne STande— so! Du weißt, wehrt sie ungeduldig ab.„Aber was ist mit ihm? Sprich, sprich!“ „ hat demjenigen, der uns das Kind gab, ge Suen, es wieder zu sich zu nehmen, Ingrid—“ sagt er endlich langsam, zogernd. „Du— du meinst— das Kind ist, ist tot?“ fragt Jngrid mit bebender Stimme. „Ja, Ingrid. Es ist tot.“ Eine Weile sagt Ingrid nichts. Aber eine seltsame Veränderung scheint in ihrem Innern vor sich zu gehen. Dann ringt sich ein tiefer Seuszer der Erleichterung aus ihrer Brust. „Dank dir, mein Gott! Du hast es wieder zu dir genommen!“ Sie faltet die Hände. Ihre Lippen bewegen sich wie in stillem Gebet.„Ja, ich danke dir. mein Gott! Aus vollem Herzen!" wiederholt sl beidenschaftlich.„Ich bin nicht wert, ein Kind zu haben. Wie hätte ich meinem Kinde eine gute Mutter ein können, ich, die ich—“ sie stockt.„Nun bleiden ihm alle Leiden und Kämpfe hier auf Erden erspart. Dank dir. Gott!... Ich din nicht unglücklich— nein, durchaus nicht!...Bring mir mein Kind, Henrik!“ „Ingrid! Es ist tot!“ „Ich weiß, ich weiß!“ nickt sie eifrig.„Aber ich mochte mein Kind sehen, ein einziges Mal nur! Ein allereinziges Mal!“ Erschrocken ruft Henrik nach der Wärterin, die sofort sieht, daß hochgradiges Fieder im Anzug ist. „Sie regen Ihre Frau aus. Herr Scott. Das darf ich nicht dulden. Gehen Sie!" „Rein. nein!“ widersetzt Ingrid sich ausgeregt.„Er soll bleiden! Aber er soll mein Kind holen!" „Weiß sie—“ „Ja. Ich weiß, mein Kind ist tot! Und ich bin gtücklich, daß es bot ist!“ erwidert Ingrid mit Nachdruck. Die Wärterin schüttelt den Kopf. „Erfüllen Sie ihr den Wunsch. Frau Niels!" gedietet Henril, der dem sordernden Blick in den Augen der armen Mutter nicht mehr widerstehen kann „Bringen Sie ihr das Kind!“ in. nein!“ wehrt Ingrld aufgeregt ab.„Du# ##llk es holen, Henrik! Ich will mein Kind in den rmen seines Vaters sehen— einmal, ein einziges, einziges Mal nur! Hol es!“ Als Henrik Scott das Zimmer verlassen hat, nahert sch die Wärterin dem Bett. „Sie regen sich auf. Madame. Sie werden wieder Kranker werden. Der Arzt „Rein, nein. Frau Niels! Ach. Sie verstehen mich nicht können mich auch gar nicht verstehen. Ich kann nicht gesund werden, ehe ich mein Kind gesehen habe. Wenn mein Mann es mir bringt, lassen Sie uns für ein paar Minuten allein— bitte, bitte! Ich verspreche Ihnen, ganz ruhig zu sein, mich nicht aufzuregen—“ Gleich darauf kehrt Henrik zurück— in den Armen o in duftige Spitzen gehülltes Etwas.. Die Wärterin hat sich entfernt. Die Eltern sind elein mit ihrem toten Kinde. Mühsam richtet Ingrid #a im Bett auf. Mit einem ganz eigenen Ausdruck blicken die Augen auf das winzige, wachsgelbe Gesichtchen, von dem Henrik soeben den Schleier hebt... Fur einen Augendlick berühren die Lippen der zugen Mutter die kalte Stirn des toten Kindes. Dann sinkt sie. tief ausatmend, in die Kissen zurück „Ich danke dir. Henrik— nimm es wieder sort!" #### die leise.„Jetzt werde ich schlasen. In meinen umen wird die Seele meines toten Kindes zu mir wrechen. Ich din eine sehr glückliche Mutter. Gute Racht!“ Siebenunddreihigkes Rapitel. Hirngespinste oder gransame Wirklichkeit? Vierzehn Tage lang kämpft das junge, geknickte mit dem Tode; vierzehn Tage lang leidet Henzir die höchsten Qualen, deren eine Menschenseele sähig ist Das einzige Wesen, das dieser sonst so kalte, egoi kische Mensch liebt, an dem er hängt mit jeder Fider eines Herzens— schon scheint es ihm zu entfliehen Seldst die Aerzte haben die Hoffnung aufgegeben. Wenn er mit bei einem Mann seltener Geduld am Krankenlager sitzt, die fieberheißen Hände seines Weides in den seinen; wenn er ihre unstet herum trrenden Blicke steht und das schmerzliche Zucken ihrer Lippen: wenn er ihre Angstrufe hört und ihre verzweiselten Selbstanklagen— dann erzittert sein Herz nd er wurde all das, wonach ehedem sein Sinn ver langte: Reichtum. Macht, gesellschaftliche Stellung— und um dessenwillen er die Seele dieses Weides verespaltigt datte— hergeben, wenn er eden dieses b behalten könnte. Er is sich nur zu klas derüder: nicht die Gedurt HerbstStimmung des Kindes und sein gleich darauffolgender Tod in schuld an Ingrids Leiden— sondern die Gewissensqualen sind es, die ihre sein empfindende Natur nicht abzuschütteln vermochte— diese nervenzerrüttenden Kämpfe zwischen der Liebe zu ihm, dem Gatten, und ihrem Gewissen... Da tritt ganz unerwartet eine Besserung in ihrem körperlichen Zustand ein. Das Fieder schwindet; die Augen flackern nicht mehr umher, die Verzweiflungs ausbrüche hören auf. Zwar ist die Kranke jetzt so schwach, daß sie kaum zu sprechen vermag. Doch besteht kein Zweifel mehr — langsam, aber Retig schwinden die düsteren Schatten des Todes Nach ein paar Wochen bereits ist sie so weit, daß sie ins Wohnzimmer getragen werden kann... und noch ein paar Wochen später hat sie fast ihre früheren normalen Körperkräfte wiedererlangt. Doch nur körperlich. In ihrem Wesen int sie eine andere geworden. Eine unnatürliche Ruhe, ja Gleichgültigkeit ist über sie gekommen. Sie ist immer zufrieden, immer fügsam. Sie lacht viel und andauernd. Aber dem Lachen fehlt etwas— niemand vermöchte zu sagen, was. Es klingt wie ein metallischer Ton ohne Seele, gewissermaßen wie ein mechanisch heruntergeleiertes Lachen. Auch Henrik merkt diesen Unterschied gegen früher. Zuerst hatte er ihre Ruhe für ein Zeichen wiederkehrender Gesundung oder die Reaktion nach schweren Fiederphantasien gehalten. Dann aber defremdet ihn ihre Teilnahmlosigkeit. Schließlich beunruhigt sie ihn. Und er beginnt, sich darüber Gedanken zu machen. Zumal Ingrid niemals die Vergangenheit erwähnt Die ganze Testamentsangelegenheit und die sich daranschließenden wichtigen Ereignisse und Seelenkämpfe, der Tod ihres Kindes—— alles scheint ihrem Ge dächtnis entschwunden zu sein.... Die Aerzte, die er wegen dieser seltsamen Erscheinung befragt, zucken die Achseln. Man könnte noch kein bestimmtes Urteil abgeben. Die Sache wäre noch zu frisch. Das Herz funktioniere jetzt völlig normal. Zu Besorgnissen sei vorläufig kein Anlaß. Nur Doktor Nicolas, der ebenfalls zu Rate gezogen wird, hat seine eigene Ansicht. Er, der damalo einen Blick in das Seelenleben der jungen Frau getan hatte, hegi Bedenken. Mit denen er jedoch noch zurückhält. „Reisen Sie mit ihr, Herr Scott! Möglichst lange und möglichst weit weg!" lautet sein Rat. Andere Eindrücke! Andere Menschen! So was wirkt eft Wunder!" Und sofort veranlaßt Heurik alles Rötige Ingrid ist mit allem einverstanden. Sie ist überhaupt jetzt immer einverstanden. Mit allem und jedem. Ohne Widerrede, aber auch ohne Begeisterung. Wohin willst du, mein Liedling? Was meinst du zu Italien?“ Sie nickt lächelnd. „Ja. Nach Italien.“ „Oder willst du nach dem Orient? Nach Kairo der Palästina?“ „Ja. Nach Kairo und Palästina.“ „Oder lieber nach Berlin und Paris? Mit einem Abstecher nach der Schweiz?“ „Ja. Nach Berlin und Paris. Mit einem Abstecher nach der Schweiz" Alles mit demselben Lächeln. Ohne eine Spur von wirklicher Freude. Nach Gerda und Cederström fragt sie nie. Da die Hochzeit der beiden bald nach Ingrids Erkrankung stattgefunden hat und die Neuvermählten sich danach sofort auf eine mehrmonatige Hochzeitsreise nach Oberitalien begaben, hat Ingrid die beiden leitdem die junge Braut damals ihr Hochzeitsgeschenk zurückwies, nicht mehr gesehen. Hat sie auch die Freundin vergessen, wie all das übrige?.. Die projektierte Reise wird ausgeführt. Herr und Frau Scott besuchen die hervorragendsten Punkte der Schweiz und Italiens. Sie weilen auf den mit ewigem Schnee gekrönten Gipfeln der Alpen und tauchen unter in dem blinkenden Azur der Blauen Grotte auf Capri. Sie stehen in ägyptischer Wüstensonnenglut am Fuß der grandiosen Cheopspyramide, diesem urewigen Weltwunder antiker Baukunst und besuchen die geweihten Stätten Jerusalems, die jedem Menschen, gleich welcher Religion oder Konfession er angehört, heilige Schauer durch's Herz jagen... Ruhig läßt die junge Frau alles über sich ergehen lächelnd. schweigend. Richts erregt sie, nichts begeistert sie. Sie lächelt— lächelt—— Wiederholt schon dachte Heurik daran, durch in hingeworsenes Wort— sei er über ihr Kind oder über das Testament oder über die Vermählung der Freundin— ihre Erinnerung wachzurusen. Aber er schreckt immer wieder davor zurück. Wenn wieder jene Seelenkämpfe aufingen? Und die stets damit verbundenen grauenvollen Folgen? Nein. Dann schon lieber sa. Ohne Erinnerung, aber kampfles.— Schon ziehen laue Frühlingslüfte durchs Land, alHenrik und Ingrid von ihrer Reise heimkehren. Sie fahren gleich nach der Walddurg. Nicht, daß Ingrid den Wunsch aussprach. Henrik selbst erhofft von dem Aufenthalt dort eine Besserung für seine Frau. Was soll sie jetzt in dem Weltstadttrudel Kopenhagens?... Nun verbringt Ingrid fast den ganzen Tag auf der Ottomane liegend oder lang ausgestreckt unter den grunenden Buchen im Park. Ihr Ruhebedürfnis ist grenzenlos. Die ganze Nacht hindurch schläft sie so fest, daß kein auch noch se lautes Geräusch imstande ware, sie auszuwecken Immer unheimlicher wird Henrik das Wesen seiner Frau Ihr Antlitz prangt in vollster Jugendfrische— aber ihre Bewegungen sind müde, sast automatenhaft, wic die einer Puppe. Sic erscheint gesund und ist us doch nicht! Langsam dämmert diese furchtbare Erkenntnis in Henrik auf. Nach ein paar Wochen bittet er Cederstrom um seinen Besuch— vorläufig ohne seine Frau. Gunnar kommt sofort. Ingrid liegt, wie gewohnlich, in einem bequemen Kordstuhl auf der Terrasse, als Gunnars Auto unten hält und er gleich darauf die breiten Stusen zur Terrasse emporsteigt. Aengstlich sorschend hängen Henriks Blicke an ihrem Antlitz. Wie wird sie den Freund empfangen? Jetzt blickt sie auf. Kein Zeichen irgendwelcher Ueberraschung. Kein nowehren, aber auch kein freunklicher Willkommengruß. „Herr Baron von Cederström—“ vom Korbsosa her streckt ste ihm ihre Hand entgegen, ohne sich weiter zu rühren—„lassen Sie sich auch mal wieder dlicken? Wir haben eine hüdsche Reise gemacht. Viel Neues und Schönes gesehen. Jetzt sind wir wieder da. Hier ist es auch hübsch— noch hübscher, als da unten in Italien oder bei den alten Steingräbern— o ja.“ Gortierung folgt) BLICKE IN DIE-ZEIT Ein Arzt rechnet mit den Verkündern der„erotischen hochehe“ ab Jenc bekannten Eheresormer, die statt der Ehe kameradschaft die Kameradschaftsehe fordern und also die mit Leid und Seele geschlossene Gemeinschaft zur genüßlichen Kostprobe erniedrigen, berufen sich mit Vorliebe auf„wissenschaftliche Ergednisse", auf „psychoanalytisch begründete Notwendigkeiten", auf „hygienische Vernünftigkeit" und dergleichen mehr. Damit wollen sie die Vertierung des Geschlechtslebens rechtsertigen, die ja doch die Folge ihrer Reformen ein wird. Welche Empörung erhedt sich jedesmal in ihren Kreisen, wenn ein Gynäkologe, ein Frauenarze. ein Fachmann für Geschlechtskrankheiten, ein seelen kundlicher Spezialist für Ehesachen die alten best gehaßten Wahrheiten neu begründet. So ist es z. B neulich in Wien geschehen. Hier sprach Geheimrat Seilheim, der Direktor der Frauenklinik der Universität Leipzig, über die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Sellheim gilt als ein führender Gynäkologe Deutschlands, er verfügt über reiche Erfahrungen, ein Wort darf also eine gewisse Autorität beanspruchen. Selbst die rote Presse hat ihn einen„fortschrittlich gesinnten, modern eingestellten Frauenarzt“ genannt. Nun, dieser Vortrag war eine Abfertigung jener modischen Eheauffassungen, die der bekannte Vandervelde in System gebracht hat. Sellheim hatte den Mut, die„erotische Hochehe“, die eben nur eine sündhaft verseinerte Genußgemeinschaft ist, als naturund normwidrig zu bezeichnen. Rein auf Grund des medizinischen Sachbestandes selbst zeigte er, daß das Dogma der Triebentfesselung allen hogienischen Forderungen widerspricht. Er räumte auf mit der liberalen Lustphilosophie, mit dem flachen Glückseligkeits jimmel, der all die medizinisch so unzulänglichen modernen Eheratgeber beherrscht.„Der eigentliche Zweck der Ehe“, sagte Sellheim,„ist die Begründung der Familic und die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes. Deshalb muß die Frau ihrer naturgegebenen Bestimmung folgen, den Beruf der Mutterschaft zu erfüllen". Die Frau, nach einem Ehereformer wie Lindsey, nur eine„Kameradin auf Zeit", verzichtet auf ihre natürlichen Rechte, wenn sie derartige Ersatz ehen, derart„gesetzlich gebilligte Verhältnisse“ eingeht; sie verzichtet als solche Kameradin gewöhnlich auf das Recht. Mutter zu werden.„Nur jene Gesell schaft kann sich behaupten, die das Kind. die Familie in den Mittelpunkt stellt“. Einc Ehe, wie sie in Sow getrußland als„registrierte Ehe“ üblich ist, bedeutet „Rücksall in die graue Vorzeit und ist schon deshalb abzulehnen, weil sie den Kindern das Familienleben nimmt. Die Kasernierung der Kinder durch den Staat, die Ersetzung der Familie durch die Gemein schaftserziehung hat sich auch tatsächlich in Rußland nicht bewährt".„Alle die Schwierigkeiten“, erklärte der Gelehrte zum Schluß,„die man in der modernen Ehe findet, sind zu vermeiden, wenn die Erziehung der Jugend schon auf die künftige Geweinschaft vor bereitet wird. Richt eine Resorm der Ehe. eine Resorm der Erziehung ist notwendig— sie muß das Ziel ein! Die Jugend muß für die wichtigste Aufgabe der Gemeinschaftsordnung erzogen werden.“ Hofsen wir, daß die Worte Sellheims Früchte bringen und manche exualresormerisch verschmutzten Eben zur naturgctreuen Reinheit zurückführen. * Raketentraume des saustischen Ingenieurs Alle Welt hat von dem mißgluckten Raketenversuch des Ingenieurs Winkler gelesen. Die Rakete ist 3 Sekunden nach dem Start— sie war erst in Hausdöhe— zersprung.n. Schade. Denn Winkler ist kein nach öffentlichen Ruhm geizender Sensationsingenieur. Was wollte e? Ist seine Rakete nur eine technische Spielerei? Taketen gibt es ja längst schon: als Ver nichtungsmittel im Kriege, als Rettungsmittel auf See, als Belustigungsmittel bei den allbekannten Feuerwerken. Winkler will sie zum Verkehrsmittel gestalten. Seine nun vernichtete Rakete sollte etwa 7000 Meter hoch steigen und an vorberechneter Stelle irgendwo im fernen Ozean niedergehen. Aber der kühne Ingenieurstraum, da er sich schon bis in die„Piccardie“, die Stratosphäre versteigt, will noch höher hinaus. Ihm genügt nicht die unbemannte Ratete: nein. Menschen sollen mitfliegen und möglichst gleich in den eisigen Weltraum hinaus. Jules Vernes Phantasien also sollen Wirklichkeit werden. Ob wenigstens unsere Ur=Urenkel nach dem Jahre 2000 diese Weltroumiakete einmal erleben werden? Lacher wir nicht zu früh. Man hat auch den Grafen Zeppelin 1900 noch für verrückt gehalten, und heute, nur ein Menschenalter später, fliegt sein Schifs in 24 Tagen um den Planeten. Die Aelteren unter uns erinnern sich noch der fürchterlichen Schiffbrüche, die Zeppelin vor dem Krieg erlebt hat. Aehnlich ergeht es nun dem Raketenbauer. Lachen wir nicht zu früh. Es konnte sein.— könnre:—, daß die Menschen diesen Stern einmal zu klein finden und sich ihn aus Welt raumferne betrachten. Ob freilich solche promotheisch vermessene Raumüberwindung die Menschen glücklicher machen wird? Wir wissen zu gut: Kein noch so ge lungenes technisches Adenteuer kann den faustischen Drang ins Unendliche ersättigen. Das Wesentliche— bei aller Bewunderung für die Naturbezwinger sei es gesagt— das eine Notwendige liegt anderswo. * Kehraus des Soethejahrs Nun geht das ungoethische Goethejahr zur Reige Und alle sind froh, daß es bald zu Ende ist. Denn wieviel Kitsch und Quatsch, wieviel Schmalz und Schmonzes hat die heute beliebte Verbindung von Kunst, Schacher und Betrieb da erzeugt! In den Festtagen des März sah man in Weimar das Dichterhaupt in Fett erglänzen; auch die ehrsame Metzgerzunst hatte so an dem großen Geistesfeste teil, und selbst die Zuckerbäcker ließen sich's nicht nehmen: Der Schokoladt=Goethe im Schaufenster machte die hoch akademischen Feiern zum diederen Volksfest. Ja, welcher Geschäftsmann hatte damals im Namen Gocthe nicht den Reklamewert erkannt. So brachte die„Neue Freie Presse“, dem Geiste mehr als dem Goethe frönend, zwar eine Zeitlang„das tägliche Goethewort", aber dann wurde es ihm sad. und siehe da, das In serat einer Krawattenfirma erschien pünktlich am 22. März: Goethe und die Sphinz. Goethe hat die Sphinx nicht gesehen. Hätte er sie gesehen, er wäre von ihr begeistert gewesen. In Rodegeschäften, mein Herr... Noch schlimmer waren Gocthe im Film. Goethe in der Operette. Die Schil lerfeiern von 1905 und gar die von 1859, wo Jakob Grimm in Berlin die Gedenkrede hielt, waren noch nicht so fortgeschritten. Damals konnte man noch deutsch sprechen und schreiben, und ohne Schreib maschine. Radio und Füllsederhalter gedieh der Geist besser als in dem technisch ausgemachten Hohlraum von 1932. Nun gut. wir müssen uns mit dem hirnlahmenden Betriebslärm des Goetherummels und dem gestärkten Vorhemdton der Festreden abfinden. Der Dichter der Helena und Pandora hat damit ohnehin nichts zu tun. Das traurige Judeljahr ist bald vorbei Zu schlimmerletzt hat man noch eine Talsperre in der Näde von Karlsbad auf den erlauchten Namen getauft. Der Dichter von Wildelm Meisters Wanderjahren, ingenieurhaft bezeistert, hätte auch an dieser Ehrung seine Freude gehabt. Mit ihr schließt der Festkreis, und uder allen Gipfeln der Geschmacksrehei= ist endlich wieder Ruh'. Mondauer Watscheltanz Die Zeit, da man sein Herz in Heidelberg verloren hatte, ist nach dem Bericht eines Tanzsachverständigen endgültig vorbei. Tiefernst bedauert er, daß Tänge jener goldenen Zeit— gleich nach der Infla tion— heute schon geschichtlich geworden sind. E war zwar für die schmalzigen Smokingjünglinge(die am Tag in irgendeinem Büro Briefmarken klebten) etwas viel, jeden Winter einen neuen Tanz zu lernen: aber jetzt. 1932, ist auch für den Tänzerich die„Krise" ausgebrochen. Richts als Foxtrott. Slowsox, Rumba alle sind auf langsamstes Tempo herabgestimmt. Das ist die trüde Aussicht auf den kommenden Fasching Damit das Maß der Tanztrauer voll werde, hat die Creme der Pariser Geselischaft den„Vignin" einge: führt. Hören wir, was der Prosessor des Tanzpariett# darüber zu sagen weiß: Ganz neu startet: Biguin, der Charleston=Ersay 1932, eine Anleihe, so heißt es, bei den Pinguinen Biguin wird seit einigen Monaten in Paris getanzt und ist von der hinlänglich schwarzen Insel Martinique importiert. Die dazugehörige Musik int dem Rumba=Rhythmus ähnlich, die Fußbewegung dem Charleston und kopiert des Watscheln der Pinguine. In den Hüftbewegungen ist Bignin etwan indezent(was hört man von den Pinguinen!). waihn aber nicht hindern dürfte, sich stürmisch das inter: nationale Tanzparkett zu erodern. Bei den Pinguinen am Südpol, nebenbei bemerkt, sollen bereits deängstigende Symptome von Größenwahn beobachtet worden sein. Die Welt. in der man sich langweilt, ist also vor lauter Stumpssinn beim Watscheln angelangt. Sie kann nicht mehr gehen und stehen, wic sich's für Menschen gehört, deren Blick auf die Gestirne gerichtet ist: sie kann nicht mehr tanzen, wir es Menschen können die ihre Daseinelust recht und schlecht in beschwingter Bewegung ausdrücken: sie können nur noch den plumpen Gang eines sonderlichen Tieres nachahmen: nächstens werden sie wie die Schlange auf dem Boden kriechen. und wer den Kriechtanz nicht tadellos beherrscht, wird nicht als salonfähig gelten. Sanz rich tig: denn diese Gesellschaft bewegt sich scon längst auf allen vieren. Sie soll endlich auch nach außen zeigen, welcher Tiernähe sie sich rühmt. Mit den Niggertänzen begann es, jetzt kommen die Pinquimwatschler an die Reihe; wir warten aus die Schlangenkriecher, auf die danse de serpent... (Entnommen der„Schonen Znkunft") —— — ** E. *—— * 89 8 **.* s TxSS 90#1 S 2 S S S 7“ □□ holens Handelskrieg gegen Danzig Immer neue Wirtschaftschikanen Der Senat protestiert G Danzig, 1. November 1932. Der Senat hat am Montag an den Vertreter Polens eine Note gerichtet, in der es u. a. heißt: „Unter dem 22. Oktober d. J. hatte ich mich erneut an Sie gewandt wegen der Behinderung des Absatzes Danziger Waren nach Polen. Immer weitere Vorstellungen werden täglich bei dem Senat von Danziger Firmen gemacht, daß die Beschlagnahmungen Danziger Waren in Polen und die Abdrängung Danziger Waren von dem volnischen Markt nicht nur nicht nachgelassen haben, sondern sogar weiter verschärft worden sind. Die volnischen Grenzstellen sind inzwischen dazu übergegangen. Danziger Waren nur dann über die Grenze zu lassen, wenn die Einfuhrgenehmigung eines polnischen Zollinspektors vorgelegt wird. Dies bedeutet nichts anderes, als daß fur jede Einfuhr von Danziger Waren nach Polen eine Einfuerzenehmigung nach polnischer Anschauung ersorderlich is. und daß die Einfuhr von Danziger Waren von der willkürlichen Aufstellung irgendwelcher Bedingungen, die mit den bestehenden Vertragen im Widersoruch stehen, von volnischen Zollinsvektoren abhängig in. Da ich es trotzdem immer noch nicht für möglich halte, daß die volnische Regierung in offener Form unter den Augen des Herrn Hohen Kommissars die Verträge verletzen will, muß ich Sie. Herr Minister, dringend bitten, auf meine Vorstellungen vom 22. 9., vom 22. 10. und vom heutigen Tage mir umgehend mitteilen zu wollen. ob Sie bereit sind, dahin zu wirken, daß unverzüglich ein den Verträgen entsprechender Zustand in dem Warenverkehr von Danzig nach Polen wiederhergestellt wird.“ Die Pressestelle des Senats meldet hierzu ergänzend: „Polnische Privatversonen und volnische Beamte versuchen mit allen Mitteln, die volnischen Kaufleute von dem Bezuge Danziger Waren abzuhalten. Man geht sogar soweit, daß volnische Kaufleute, die Danziger Waren kaufen, als Mörder des polnischen Staates bezeichnet werden." Keine Spur von dem deutschen Hostflugzeug Zentrumsmittelstand und Tagespolitik Mittelstandsbeirat der Westsälischen Zentrumspartei —„* Zamm, 1. November 1932. * Unter Vorsitz des Landtagsabs. Altegoer(Bochum) nat der Mittelstandsbeirat der W3P. gestern im Gesellenbaus zu einer die Bedeutung der Wahl für den kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand richtunggebenden Tagung bei gutem Besuch zusammen. Im Mittelvunkt der Tagung stand das Referat des Reichstagsabg. Verbandsdirektors Dr. Wages=Essen über „Wirtschaftspolitische Fragen des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes. Dr. Wages erging sich in sachlichen Erörterungen über die politische Lage. unter Berücksichtigung der wichtigen Belange des gesamten Mittelstandes. Reichskanzler von Papen habe erklärt, er müsse den„Schutt der letzten 13 Jahre“ wegräumen. Dabei vergesse er, daß die Deutschnationalen sich 1918=19 zurückgehalten haben, als mit vornehmster Hilfe des Zentrums die Grundlagen der Verfassung geschaffen und die Privatwirtschaft in brenzlichster Zeit gerettet worden sei. Der zeitige Reichskanzler kenne anscheinend nicht die Auswirkungen der Revolution. Redner verglich dann sehr merksam die Innen= und Außenpolitik der Regierung Papen mit der Politik Brünings. wobei die erstere sehr schlecht abschnitt. Er wies schließlich darauf hin, daß Brünings zielbewußte, umfassende, jahrelange Vorarbeit das schuf, worauf von Papen seine Wirtschaftsmaßnahmen ausbauen konnte — und ausgebaut hat. Das dürfe man nicht vergessen, wenn man zu dem neuen Wirtschaftsbelebungsvrogramm Stellung nehmen wolle, dem man Erfolg wünsche. Bisher sei jegliche neue Arbeitseinstellung erfolgt auf dem Wege der Arbeitsstreckung, nicht aber durch Arbeitsbeschaffung.„ Bezüglich der Finanzen mache sich ein trübes Kavitel auf. Man sei auf dem Wege zur dritten Milliarde Fehlbetrag. Es geschehe nichts, diesem abzuhelfen. Man wünsche, daß der Wirtschaftsplan der Reichsregierung gelinge, mislinge er aber, dann werde sich diese Regierung in die Büsche schlagen, dann müßten andere Leute kommen, die die unendliche Arbeit der Beseitigung des aufgerichteten Scherbenhausens übernähmen. Zum Schlusse sprach sich der Redner für eine christliche Staatsauffallung aus, geboren aus christlicher Gesinnung. Das Zentrum baue unentwegt an einer christlichen Gesellschaftsordnung und an einem christlichen Staat. Es treibe seine Politik aus der Gesinnung heraus, aus seiner Weltanschauung. Es erstrebe die Zusammenfassung der Berufsstände. Aus all dem wähle man am 6. November Zentrum in Wahrung wirtschaftsvolitischer, kultureller und sozialer Belange des gesamten Volkes. In der Aussprache wurde den Ausführungen des Redners beigetreten. Man sprach sich für eine Senkung der Hauszinssteuer aus, auch bemängelte man, daß die Hauszinssteuer nicht mit in den Kreis der Steuerermäßigung hineingebracht worden sei. Allgemein war man der Ansicht, daß das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung unterstützt werden könne. Lebhafte Bedenken habe man gegen zuweit gehende Auswirkungen des sozialpolitischen Teiles. Bezüglich der Umsatzsteuer befürwortete man die Erstrebung einer Phasenvauschalierung, wie man sich auch, wie bisher, für eine dringende Steuerreform aussprach. Der Freiwillige Arbeitsdienst dürfe nicht zu einer Ausschaltung des Handwerks führen. Man erkannte an. daß die Zentrumspartei ersolgreich sich seit Jahrzehnten für die Belange der Wirtschaft. insbesondere für die des Mittelstandes eingesetzt hade. Die Unterstützung des Zentrums bei der Wahl am 6. November durch die Mittelständler liege durchaus im Interesse der wirtschaftsvolitischen und kulturellen Belange des gesamten Mittelstandes. Das Bild zeigt ein Postflugzeug der Luft=Hausa vom Typ der abgestürzten Maschine; oben links: Funker Drebee, rechts: Flugkapitän Cuno. In der Nacht zum Sonntag ist ein deutsches Postflugzeug. das regelmäßig die Strecke ondon—Köln befliegt, über dem Kanal verunglückt. Die Maschine, deren Besatzung aus dem Flugkapitän Cuno und dem Funker Drebes bestand, sandte funkentelegraphisch Hilferufe aus. Mißglückter Die Akten über den Königsberger Terror sollten gestohlen werden Königsberg, 1. November 1932. Die Justizpressestelle Königsberg teilt mit: In der Nacht zum 1. November ist der vergebliche Versuch gemacht worden, die Räume der Staatsanwaltschaft im neuen Gerichtsgebäude in Königsberg zu erbrechen, die die Zimmer des Sachbearbeiters der Terrorakte vom 1. August d. J.(Mordüberfälle und Brandstiftungen) beherbergen. Der Einbruchsversuch kann nur der Erlangung der Akten dieser Ermittlungssache gegolten haben. Die Täter haben sich offenbar abends im Gerichtsgebäude einschließen lassen und haben dieses nach dem Einbruchsversuch anscheinend durch ein Fenster im Erdgeschoß des alten Bauteiles verlassen. Verhaftung im Breslauer Braunen Haus □ Breslau, 1. Nov. Wie die Polizei mitteilt, wurde heute früh im Breslauer Braunen Hause auf Grund von Haftbefehlen eine Person festgenommen. Vier weitere Personen, die sich nicht genügend ausweisen konnten, wurden zur Personalfeststellung ins Polizeipräsidium gebracht. Sie sind später wieder entlassen worden. Geheimnisvoller Fahrgast Wiesbaden, 1. Nov. In dem in den Zeitungen veröffentlichten Bild des geheimnisvollen Unbekannten, der anscheinend beraubt und betäubt in Berlin in einem Abteil des O=Zuges Wiesbaden—Frankfurt— Berlin ohne Fahrkarte aufgefunden wurde, haben Kriminalbeamte aus Wiesbaden=Biebrich den Schlossergesellen Richard Bauer erkannt. Auch Einwohner in Biedrich und Mainz erkannten Bauer in dem Bild sofort wieder, ebenso seine Wirtin. Ihr war er für mehrere Monate Miete für sein möbliertes Zimmer schuldig geblieben. Ihre Mahnung zur Zahlung hatte den Erfolg, daß Bauer verschwand. Er nahm den kürzesten Weg durch das Fenster der Parterre=Wohnung und rückte ohne weiteres ohne Mitnahme seiner Sachen ab. Er blieb seit jenem Tage, dem 18. Oktober, verschwunden. Ueber sein Vorleben und seinen Aufenthalt seit jenem Tage sind polizeiliche Ermittlungen ausgenommen worden. F. London, 1. Nov. 1932. Die Suche nach dem vermißten deutschen Postflugzeug wurde mit allen Mitteln, aber ohne Erfolg fortgesetzt. Das englische Luftfahrtministerium stellt seine Hilfsmittel in größtem Umfang zur Verfügung. Sämtliche Küstenwachtstationen an der Südostküste Englands haben Anweisung erhalten, an der Suche teilzunehmen. Mehrere Rettungsstationen haben ihre Boote ausgesandt. Alle Schiffe sind aufgefordert worden, nach dem verunglücten Flugzeug Ausschau zu halten. Die Lufthansa hat die mutmaßliche Unfallstelle durch ihr Frachtflugzeug absuchen lassen. In London hat man nur wenig Hoffnung, daß die Besatzung des Flugzeuges noch am Leben ist. Man befürchtet, daß der Bericht, wonach sie von einem Fischdampfer ausgenommen worden sei, nicht den Tatsachen entspricht. 8 Berlin, 1. Nov. Der Reichspost= und Reichsverkehrsminister hat heute folgendes Telegramm an die Deutsche Lufthansa Berlin gesandt: Da der Tod der Flugzeugbesatzung beim Unfall auf dem Reichspostflugzeug vom 29. Oktober traurige Gewißheit zu sein scheint, spreche ich Ihnen zu dem schweren Verlust meine herzlichste Teilnahme aus mit der Bitte, diese auch den Angehörigen der beiden Verunglückten zu übermitteln. Das Ereignis berührt mich um so schmerzlicher, als es ganz kurz vor dem Abschluß einer Flugperiode eintrat, die nach ihren flugtechnischen Ergebnissen einen unverkenndare Fortschritt in der Entwicklung der Reichspostflüge be deutet, um den auch die verunglückte Besatzung sich besan. ders verdient gemacht hat. Gronau auf Cypern Tadellos geglückter Wüstenslug rr Berlin, 1. Nov. v. Gronau hat funkentelegraphisch mitgeteilt, daß er heute früh in Bagdad um 5.53 Uhr (ME3) gestartet sei. ##r Berlin, 1. Nov. v. Gronau hat am Dienstag um 11,10(ME3) in einem kurzen Radiotelegramm mitgeteilt, daß er in etwa 10 Minuten vor Cypern landen werde. In einem späteren Telegramm bestätigte von Gronau die glatte Landung und teilte außerdem mit, daß er die Absicht habe, am Mittwoch bis Athen weiterzufliegen. Der letzte Flugabschnitt ist einer der gefährlichsten der ganzen Weltfluges gewesen, da allein der Flug mit einem Flugboot über der wasserkosen Wüste eine besondere Schwierigkeit bedeutet. Dazu kam die Ueberquerung der Randgebirge an der Küste und die große Hitze. die die Flugleistungen maßgeblich beeinträchtigt hat. Sturm und Ueberschwemmung In Frankreich ## Paris, 1. Nov. 1932. Aus den nordfranzösischen Hasenstädten und Badeorten werden weitere Sturmschäden gemeldet. Besonders Trouville, Deauwille, Cherbourg und St. Malo haben schwer gelitten. Der Strand von Trouville ist mit Brettern und Baumstämmen besät. Eine ganze Reihe von Lokalzügen mußte den Verkehr einstellen. Aus Cherbourg werden SOS=Rufe einer größeren Zahl von Schiffen gemeldet, die sich im Aermelkanal befinden. Der Hafendienst in St. Malo mußte eingestellt werden. Auch aus dem Innern Frankreichs werden schwere Sturm= und Regenschäden gemeldet. Die Marne und ihre Nebenflüsse sind in der Gegend von Chalons aus den Ufern getreten und haben weite Flächen überschwemmt. Verschiedene Ortschaften sind vollkommen von der Außenwelt abgesperrt. Die Landstraßen sind teilweise stark überschwemmt. Chalons=sur=Saone bietet den gleichen Anblick. Die kleineren Flüsse in der Umgebung der Stadt sind sämtlich über die Ufer getreten. Auch in Nordfrankreich wurde viel Schaden angerichtet. Die Maas steigt in beunruhigender Weise. An der deutschen Küste gr Bremen, 1. Nov. Die andauernden und ergiebigen Niederschläge haben im gesamten Regierungsbezirk Stade (zwischen Weser und Elbe) verheerende Wirkungen hervorgerufen. Odwohl der Wasserstand der Lesum und der Weser sich nicht sehr wesentlich verändert hat, sind im Binnenlande doch weit ausgedehnte Ueberschwemmungen zu verzeichnen. Riesige Seen haben sich in der Oste= und Mehe=Niederung gebildet. Bei dem hohen Wasserstand der Oste ist ein Abfließen des Wassers vorläufig nicht möglich. Die Feldwege sind vielfach derartig aufgeweicht, daß der Verkehr zur Einholung der Rübenernte auf den Feldwegen verschiedentlich nur noch mit Schlitten betrieben werden kann. Vier vommersche Fischer ertrunken Köslin, 1. Nov. Am Montagabend waren vie Fischer aus Nest bei Köslin in See gefahren, um ihre ausgelegten Netze einzuholen. Von dieser Fahrt kamer die Fischer nicht zurück. Heute morgen wurde nun ihr Boot am Strande bei Netz leer angetrieben. Man muß annehmen, daß die vier Fischer— es handelt sich um drei Vettern namens Erdmann und einen Fritz Schwartz aus Nest— ertrunken sind. Gssnn-Tttaunn 10 Personen ertraunen Santiago de Chile, 1. Nov. Ein mit 50 Arbeiteen besetztes Dampfboot kenterte am Montag in der Nähe der Guano=Insel Alacran. 15 Personen fanden den Tod in den Wellen. Sowjetdampfer in Seenot □ Oslo, 1. Nov. Der Sowjetdampfer„Tavoritsch Stalin", der sich auf der Fahrt von Tromsoe nach den russischen Kohlenbergwerken auf Spitzbergen befand, ist am Eingang zu dem Eisfjord auf der Höhe der Westküste von Spitzbergen gestrandet. Der Bergungsdampfer „Jason“ ist zur Hilfeleistung ausgelaufen, wird aber 84 Stunden brauchen, bis er das gefährdete Schiff erreicht. Verkehrsunglück in Breslau Zwei Tote, zwei Schwerverletzte. ## Breslau, 1. Nov. Am Montagabend überfuhr auf der Chaussee Schomberg=Beuthen ein nach Beuthen ahrender Personenkraftwagen den Heuer Konrad Prots aus Schomberg und den Schmied Salatta aus Antonien= hütte. Proks war sofort tot, Salatta erlag wenige Stunden später seinen schweren Verletzungen. Die beiden Insassen des Kraftwagens, der infolge des harten Bremsens gegen einen Baum fuhr, erlitten schwere Beinbrüche. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Die sinkende Fruchtbarkeit Europas Von Dr. R. H. France Fast jeden von uns begleiteten in der Jugend Großtern und alte Verwandte, die ein unerschöpflicher Born ebenso alter Geschichten und Erlebnisse waren. Schönste Kindererinnerungen, in dämmeriger Stunde dicht gedrängt um einen der lieben alten Menschen zu sitzen und dessen Erzählungen zu lauschen. In diesen alten Erzählungen des Vormärz kehrte regelmäßig immer und überall ein bestimmtes Erlebnis wieder: die Hungersnot. Die schreckliche von 1817 und 1818 war zwar schon in den Erihnerungen verblaßt, aber lebendig die von 1830, von 1840, ganz frisch die von 1845, von 1847. Ja, es gilt als Tatsache, daß das tolle Jahr 1848 niemals gekoatmen wäre, wenn nicht ein paar Jahre vorher immer wieder die Mißernte gewesen und es keine Kartoffeln gegeben hätte. Nach 1850 aber hat wenigstens Deutschland keine allgemeine Mißernte mehr gehabt, und das stets drohende Gespenst der Hungersnot war gebannt. Warum? Das wußten die Erzähler dieser alten Erlebnisse nicht, wir Menschen von heute aber wissen es und denken nur nicht daran, daß man das der Fortschrittsgera des bürgerlichen Zeitalters von 1850 bis 1880 verdankt, und namentlich einem Manne, der mit Recht als einer der größten Deutschen gepriesen werden sollte: Justus von Liebig. ein einfaches Kind aus dem Volke, der zum Weltruhm aufstieg. Wodurch er die Hungersnot der Friedensjahre verscheuchte, das lohnt sich schon wieder einmal zu erzählen, denn unser Geschlecht ist im Begriff, es allmählich zu vergessen. Vor Liedigs Tagen war Landwirtschaft die Idolle selbst, das geruhsamste Geschäft, das einer betreiben konnte. Vom Vater übernahm es der Sohn. und das Geschlecht saß oft schon seit unvordenklichen Zeiten auf derselben Scholle in behäbiger Dreiselderwirtschaft, ließ stets ein Drittel des Besitzes im Jahre brach liegen und führte auf den anderen zwei Dritteln fleißig den Stalldung, so lange einer da war. Alles andere siberließ man Gottes Segen und dem erhofften guten Wetter. Was muchs, das aß man auf und den Ueberschuß erug man zu Markte und freute sich, wenn noch ein Batzen übrigblieb. Dieser patriarchalische Betried ließ den Menschen viel Zeit, und so konnten sie genugsam Betrachtungen anstellen darüber, wieso die Zuren immer schlechter würden. Denn es blieb ihnen nicht verborgen, daß die Aecker allmählich immer weniger trugen. Gab es dann obendrein ein zu trockenes Frühjahr oder ein allzu kühles und nasses, dann stand die Hungersnot vor der Tür. Es war ein fester und unerschütterlicher Glauben. daß der Boden allmählich verarmen müsse. Wenn man einmal ein paar Geschlechter lang auf ihm saß, dann wurde er ausgebraucht und es mußte Neuland her. Daher erweckte jedes neuentdeckte Land größte Aufmerksamkeit. Dort mußte es noch reiche Ernten geben, dort wächst alles von selbst, so hieß es, und der Auswanderlust war kein Ende. Die Herren in der Stadt sahen das allmähliche Verarmen des Landes auch und philosophierten darüber. Damals wurde der Satz aufgebracht, jede Kultur trockne ein Land aus und zerstöre es. Das sei nicht anders möglich. Darein müsse man sich fügen. Humus sei der Bodenschatz, der die Ernten gewährleiste, aber er werde allmählich aufgezehrt; durch Stalldünger und Brache könne man dem wohl entgegenarbeiten, aber nicht für immer, Humusverarmung sei das unausbleibliche Los aller Aulturländer. Alle Welt glaubte das, nur der junge Liebig nicht. Er war Chemiker, darum betrachtete er die Frage chemisch Wie jeder große Neuerer, sing er mit dem Abc der Dinge an. Fragte die Getreidepflanze selbst: was ißt du? Und analysierte als Chemiker die„Bodenlösung“. die sie mit ihren Wurzeln aufsaugt. Fand darin Salze. Weg und rechnete und stand eines Tages davor zu wissen: auf einem Hektar mit Kartoffeln bestandenem Acker haben die Pflanzen in einem Jahr 100 Klgr. Kalt, 50 Klgr. Nolk. 40 Klgr. Phosphor und 90 Klgr. in Gestalt von Salpetersalzen verzehrt. Der Bauer hat sie als Ernte abgeholt und verkauft. Im Stalldung hat er von diesen Kernnährstoffen nur einen Bruchteil. noch nicht die Hälfte wieder aus das Feld gebracht, er hat also seinen Acker beraubt, und wenn er das Jahr um Jahr fortsetzt, muß der Acker ärmer und eines Tages sogar unfruchtbar werden Da war das Geheimnis entschleiert, warum „Kultur“, die Länder allmählich auszehre. Eine sehr nüchterne Erklärung hatte Liebig dafür gegeben. Raubbau trieben unsere Bauern, so sagte er und bewies es mit nicht widerlegbaren Zahlen. Was soll man dagegen tun? Nichts einfacher als das. Wir können ja in Fabriken Kalk= und Kali= und Phosphorsalze herstellen und Salpeter holen. Die streuen wir als „Kunstdünger“ in dem Maße auf die Felder, wie wir sie ausgeplündert haben, dann bleibt das Gleichgewicht für alle Zeiten erhalten. Das war die Geburtsstunde der Kunstdüngerindustrie, die sich zunächst gegen Widerspruch und Bockbeinigkeit durchzusetzen hatte, aber dann doch siegte und heute in unserer Wirtschaft ein Faktor ist, der jährlich mit Hunderten von Millionen Mark rechnet. Eine prachtvolle Sache das. einfach durch Versuche fest zustellen, was und wieviel jede Ackerpflanze verzehrt und danach die Salzmischungen anzufertigen, die man nötig hat. Futter= und Zuckerrüben verbrauchen viermal so viel Kali wie der Weizen, die Kartoffeln dreimal so viel, also muß man ihnen Kalidünger geben und den Zuckerrüben Kalk dazu. von dem sie zehnmal mehr essen als der Weizen. Erdsen. Bohnen und Klee wieder brauchen kaum Stickstoffdünger, denn sie versorgen sich selbst, wohl aber brauchen ihn Roggen. Gerste. Hafer, Weizen, Kartoffeln und Rüben in einer aufsteigenden Reihe. Und ein wenig Phosphorsäure und Kalk. den Hülsenfrüchten und den Wiesen sogar eine mächtige ## hektsgen Uniglucksfieule enlfernf eineter und später Ta.“ lugjeug zum Verhängnis wurdsalte waggonweise aru oe damals völlig zerkrümmert, fälle und Bergwerk kamen ohne Schaden davon. übe. Schiffsladunget.„„„„ cile übers Meer. dt.: 2. Nov. Die Lufthansa seilt n#uft unmitteldar gedung der Flugleitung, die den Unfkund um ein Drittetersucht, sind entgegen anderen m steigert. Das Leichen aller Insassen an 1chs auf dem gleicheorden. Die drei Passagiere lagen n. brauchte, beiden Besatzungsmitglieder im wissen schaftliche. Unfalle, war die Sicht so schlechin Mark Prochte, Igenzeugen über den wergang des Ulter, die der Menschtlungen Ausdruck geben können. Di Seit Liedig der technischen Sachverständigen i9 n früh zu erwarten heime Lebensgetriebe der Pflanze, und es haben sich de Dinge erschlossen, von denen man vorher keine Ahnung hatte. Man sagt, daß Kali es ist, durch dessen Genu die Rübe den Zucker, das Getreide die Stärke erzeugt weshalb Kaligaben auch den Obstbäumen nötig sind; der Kalk wieder bildet Holz, daher verleiht er den Pflanzen Festigkeit, auch begünstigt er die Blütenentwicklung und beschleunigt die Samenreife, schließlich verbessert er der Boden. Auch Phosphorsäure wirkt reifebeschleunigend und mit Kali zusammen verleiht sie dem Getreide fest Halme. Noch wichtiger aber ist der Erfahrungssatz: Ohn hosphor kein Eiweiß! Dazu braucht jede Pflanze aud den Stickstoff, der ähnlich wie Phosphor namentlich in Verbindung mit ihm wirkt. Es ist da eine erstaunliche Wissenschaft entstanden die den Menschen erst jetzt wirklich zum„Herrn#d Erde“ machte. Aber gerade durch dieses Wissen sah auch wieder in die ihm gesteckten Grenzen hinein. Denwenn er zunächst im ersten Ueberschwange dachte, da doxpelte Kunstdüngergaben doppelte Ernten und drei fache, eine dreimal höhere Ernte geben würden, so be lehrte ihn die eigenwillige Pflanzennatur bald einer Besseren. Schon Liebig selbst erkannte das rätselhafte „Gesetz des Minimums“, das allem Düngen sehr bald seine Grenze setzt. Er en fuhr es noch selbst, daß die Höhe des Ertrages stets von dem Nährstoff abhänge, welcher der Pflanze in der geringsten Menge zur Verfügung steht. Hat sie alles genügend an Phosphor, Stickstoff, Kalk. aber es fehlt an Kali, so setzt es trotzdem Mißernte. Stets bestimmt das was der Boden als Minimum enthält. die Ernte. Das macht die Kunstdüngung zu einer schwierigen Sache. denn jeder Boden ist anders. und bei jedem Frucht wechsel ändern sich die Verhältnisse. Wir haben um ein Drittel mehr zu essen. dams müssen wir uns bescheiden. Mehr zu erreichen. scheint auf diesem Wege nicht mehr möglich zu sein, denn der Aufstieg kann sich seit Jahrzehnten gerade nur noch halten. und die Landwirtschaft wäre in keine Krise geraten, wenn er sich in dem gleichen Maße fortgesen hatte. wie in den Anfangsjahrzehnten der Kunstdüngung Und wenn auch durch zunehmende Bildung und An“. klärung der Ve##swirte der Segen der richtigen Kunst düngung noch vermehrt werden kann, die Steigerung der Ernte allo zum guten Teil eigentlich eine Bildungsfrage geworden ist, so blicken die Wissenden doch wieder sehn: süchtig nach einer neuen Liebig=Tat aus. Wer hier nochmals den gleichen Sieg erringt. wird von der Menschheit neuerdings als ihr großter Wohltäter gepriesen werden Gott dem Allmächtigen hei es geiallen, Diensleg morgen ½4 Uhr meine liebe Freu, unsere gute Mutter. Schwiegermutter, Grohmutter und Tente, die Ehefrau Marianne Kubjak geb. Jorge. im Aller von 57 Jahren nech langer Krenkheit, versehen mit den hl. Sterbesekrementen, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen. Nerne, den 1. November 1932. Die Beerdigung findet em Freiteg, dem 4. November 1932, nechm. 3½ Uhr vom Sterbeheuse, Eckstrehe 3, aus sleft. Des Seelenamt ist Semsteg, den S. November 1932, vorm. 7½ Uhr in der St.-Bonitelius-Kirche. P. Gans, Herne Etagengeschäft im alten Hause Führend in Preiswürdigkeit und Qualität! Grosse Auswahl in Mantelstoften, Kleiderstoften, Seidenstotten, Baumwollwaren, Aussteueratikel, Strumpfwnen Das leistet Rindskopf im November! Riesige Mengen warmer Winterwaren nicht nur in den mittleren Preislagen— nein, vom billigsten Gebrauchsartikel bis zur bochwertigsten Stamm-Qualität finden Sie in unseren großen Spezialabteilungen. Unsere Auswahl ist unvergleichlich groß. Unsere Preise sind zeitgemäß klein! Gemust Kleiderstofte sollde Qualitäten i Beuen lasters und Parben """" Meter 955. 254 Reinwollene Um-Kleiderstoffe darunter Woll Bouclé u. Creve Caid in allen modernen Farben "" Meter 1.45. 994. 48 75 Moderne Hantelstofte 140 cm breft, in blau, grao u 4# wwarr sowie angisch rr. 1.45 Bedruckt Woschsamte 70 an breit, bochmoderne Muster, gute. florfeste Quallaten""" Meter 1.45. 964. Hammer-Crepe das moderne Oewebe. reine Wolle in allen Farben Meter Reinwollener Bouclé-Schotten gute Qualitäten, moderne Parbstellungen" Meter 75 1.25 Schlafanzugfianelle in Streites- und Blumesmustern, sowte einfarbig """: Meter 654. 454 Meter 3.90. 2.96. Elegante Mantelstofte schwarr Bouelé. soa marengo Diasonal. gute. rein vollene Oualitaten..... :" Meter 4.90. 3.90. 2.95 1.45 Seal-Fellb.-orn uun us. 79 Amerik Opossumtelle"— Echte Feh-Fpb- 1.95 Biberette-Felle sroße Porm: 1.50 Schlatdecken w kariert und unl. bis 220 cm anz:*.: 4—, 8.—. 2.75. Biber-Bettücher weis und bent. teile gute Cöper-Qualitäten *."*" 1.88, 1.30, 1.26. Bettuch-Biber veis und bant. ca. 130 cmn breit, unsere bekannt guten Qualft. Meter 1.26. 1—. 834. 39 1.75 75 69 Damen-Sttümpfe veine Wolle, sollde Qualttäten **"*""" Paar 964 Herren-Socken Wolle gestrickt...** ***""" Paar 634. Herren-Normalhosen schöne, wollgemischte Ware Damen-Schlüpfer schwere Qualitäten, mit Saamvolldecke, warm gefuttert *****„„„ 98 3 65 58 95 68 Besonders preiswert! Süßrahmbutter Schweineschmalz Holländer Häse 40“ Neue Fettheringe Pflaumen Pid Schnittnudein Neue Linsen Gelbe Erbsen Weiße Bohnen Bratheringe Spezial-Men. Mills Biskultmehl Sammeln Sie unsere Sparmarken! Herne und Sodingen, bekannie Oerkaufsstellen Nur kleise Preise! Bitte überzeugen Sie sich! nder Schäferstraße 26 Ab heute ist unser Kindergarten Schäferstraße 26 geöffnet von 8½—12 Uhr und außer Mittwochs und Samstags von 15—17 Uhr. Unverbindliche Besichtigung jederzeit. Ab 10. Nov, Donnerstags von 15—17 Uhr Beschättigungsnschmittag für Schulkinder bis zum 12. Lebensjahr. Anmeldungen zu den Kursen für junge Madchen werden Iaulend entzegengenommen. Auskunft unverbindl. Herta Heinrich staatl gepr. Jugendleiterin Ingeborg Heinrich staatl gepr. Kindergättnerin Wer hat Stoff? ch tertige Ihnen einen Maßanzug mit Anprobe und guten Zuteten für Mk. 18.— an Für guten Sitz wird garantiert Rosenbaum, Derne, Vilhelmstr.5 a Speisskartoffeln hat noch abzugeben Land wirt Schmitt Börnig. F Marisientrank Galziom-Kionmsphet) dasim Kloster St. Joseph hergestellte, altbewährte, weltAI#I bekennte Kräftigungs- und KTII Stirtumgsmittel##e# Nervenund Magenleiden, Skrophulose, Blutermut, Appetit- und Schlaflosigkeit. sttsmus, Asthma, Zuckerkrankheit. reinigt das Blut. rden die Verdauung und bildet Knochen und Zahne. Inentbehrtich für Kinder. KS 4er, Kranke, Genesende, benchenpichlen. Brhchlich in allen Apotheken und Drogerien. Bestimmtin den Drogerien: P Flische Bahn e.r a, V. Kon###per, Bahnhofstr 82e: E. Husemann, V-d.-Hayck-Sir 25 * H o l c h a u s. M- C e n i s- S t r. ##. Drog. Karl Vorthmann. M.-Cenis Str. 26; A Fuhrmann, SodingenM.-Cenis-Str. 252, Wiedenhöver, Sodingen Frtz-Eben-Straße 91. Biphosphal-Werke Recklinghausen— Fernruf 3337 arisinal-Fl. 2 90 Mh. z. 1.70 Nu. enRlich*-— 1.80 ML Nur bei uns finden Sie diese Qualität und Preise: Carveistwurst Pid. nur feise Edtersi Cerreistwurst Pfd. nur beste Carveistwarst Pfd. nur rims Cerveistwurst Pid. nur tetter ger. Landrsech 0 701 Nd. vor U.1U. leinster biezig. Baucssen n 01 ## ve. Une Pld. nin 0.30 Blut- u. Leberwurst immer frisch prima Hausmacher Sülze westt. Plechwurst Pid nur gute Plocvurtt Pld. nur Uldenbg Plechverst Pid. nurr Schinkensicch wurst Pid. nur Pnims Schinkensiechkvurst Pfd. nitt Schinkenpiechvurs Pid. nur Ptd. von 0.35 an " Pid. nur 0.35 0.48 0.85 0.90 1.10 1.40 1.50 Ich bitte die verehrten Hausfrauen, von meinen giten und preiswerten Konserven Gebrauch zu machen. Libby's Wiich große Dose nur 0.40 kleine Dose nur 0.20 ARNOLD Herne, Bahnhofstraße 18a Großer Schäferhund zugelaufen.(38240 Constontinstr. 15. Drei erklärte Lieblinge des Volkes auf der Fahrt zur Schauburg (Eintreffen Freitag)! Billiges Angebot von Briefpapier in Reisepackungen Gehämmerte Pergamentkarten 25 Stück und Umschlige Elsenbein 25 Bogen, 25 Umschläge Deutichland 30 Bogen, 30 Umschlage Feinstes Leinenpapier 20 Bogen, S Kerten, 25 Umschlege Feinstes Elienbeinpapier 20 Bogen, S Kerten, 25 Umschlage Briefkarten 25 Stück und Umschlage 0.89 Mdagaben 5 Bogen u. S Umschlage, 0.50. 0.45, 0.30, 0.18 U. 15 Mäppchen 5 Bogen und S Umschlege, 0.85 0.85 0.95 0.95 0.95 0.95 40, 0.20. 0 25 0. 15 Buchhandlung Koethers- Röttsches Bebeistreße 9. neben dem Postemt Capitol-Herne tieute, M##wech 2,30 Uhr große Jugend- u. FamilienVorstellung! Spielplan: Der spannende und lustige Grottonlilm vom Sechstagerennen Um eine Nasenlänge Tempo- Tempo- Humor- Humor. der Hauptrolle: Siegtried Arns An den masurischen Seen Kultur- und Tontilm. Die Tonwochenschau. Eistrittspselne: Jagendliche 15 snd 25 Piz Eroschsene 25 und 59 Pig. mn Immer billig immer gut, udeitet die Gnelsochlerei Ruksl. Ginster Herne, Bahnhofstr. S b und Sodingen, Mont-Cenis Sti. 236 biachen Sie einen Versuch Beerenobst. Rosen. Ziermidenpappeln. Heckenpflanzen und alle sonstigen Baumschulartikel liefert in beiter 3. Wegmann, Baumschulen. Horneburg, Kr. Recklina hausen. Tel. 178 Tatteln Preisl konten! Bin heute mit einer großen Ladung a. Oldenburger Ferkel und Läuferschweine sowie Schlachtschweine und Sauen eingetrotten und gebe diese zu den bekannt billigen Preisen ab Nachste Ledung tritlt ein Freitag, den 4. November 1932. 23780 Karl Stod, Redlingh.-Süd, hiller Reite. Heidestr. 52. Ferarul 9942. 3 F 5 *•23 9 52—12 *—*** Herne. Bahebetstraße 32 Lager Viactestraße 4 5 Glashandlung SchautensterVerglasung Miet-Planos unt. günst. Bedingungen erhalten Sie vom(5855 Pianohaus Marks Bochum, Kaiser. Wilhelm-Str. 1 Offerten M. C. 108 zu billigsten Preis Günst. Jahlungs bedingungen. Offerten unler J. G. 569 an d. Herner Anzeiger Für Gastwirtschaft oder Cose; Kraftverslärker mit dynamischem Lautsprecher. früh. Rm. 300.— setzt für Nm. 140. zu verhaufen Julins Berke, Bahnhofstr. 77, Ruf 513.05 Gebr.(23775 Herranfoderas zu kaufen gesucht Hartsch, Holsterhausen Rottbruchstr. 10 gebr., aber sehr gut erhalten, bill. zu verkaufen. Bismarchstr. 2. parterre. Guterhaltener Dauerbreuner haufen gesucht unter an 8 Buchhandl. Fust. Sodingen. Netzgerät m. Lautsprecher, fost neu, spottbillig zu verkaufen Kleimann, Friedrichstr. 2. Stadtkundige Damen oder Herren mit Fahrrad oder sonstiger Fahrgelegenh., geg. hobe Provision gesucht. Offerten unter J. R. 367 an d. Einfach möbl. Zimmer zu perm.(23415 Broddestr. 3. Welche Lehrerin oder Apttunentin ertent7 Nachhilfestunden? Offerten unter A. F. 564 an d. Herner Anzeiger. Wie suchen zum bald. Eintritt aufgeweckten von guter Figur welcher d. kaufm Handelssch. schon absolviert bot, in die heufm. Lehre Seldstgeschr. Angebote unt. F. L. 566 an d. Herner Anzeiger Wo kann ich das Nähen für eigen. Bedarf erlernen. Anged. m. Preis u. H. M. 568 an H. Anzeiger. Adgeschl.[23800 4-ZimmerWohnung per 1. Dez. oder 1. Jan. zu verm. Binchestr. 14 In der Näbe d Neumarktes wird ein leeres Zimmer für Bürozweche gesucht. Angebote mit Preisangabe unt. E. R. 565 an d. Anzeiger. Hrol. möbl Zimmer mit Bad. Teleph., eotl. volle Pension möglichst sofort zu vermieten. 38250 Zu erfragen 1 2 Etage, techts. öbl. Zimmer sofort oder sochter zu verm. 22176 Bechstr. 23. Eine(38210 4 Zimmer=Altbau=Wohnung gesucht. Zu erfragen im Herner Anzeiger. Mod. eingerich. Manteuffelstr. 12, m Zentralheizung und Warmwasser berettung. Enthaltend 9 Zimmer Küche. Mädchen kammer, Bad, gr. Balkon pp. und Garten sof. 1. vermieten, eotl. keil bar f. 1 gr. und bl. Familie. Anfr. zw. Besicht. Archtt. Sprenger, Parkstraße 4 Telph. 52089. Schöne(2740 J- u. d-ZimmerWohnung in günstiger Lage, billigst zu vermiet. Kronprinzenstr. 6. Büro, Tel. 50300. Eine(3829a 3-Limmer-Nohnung 2. Ekg., z. 15. 11. zu verm.(Altbau) Frau Wilwe Franz Müller, M.=Cents-Str. 860 Altbau 3. od. 4-ZimmerWodnung, mit od ohne Ladenlohal, 1. Dez. od. sodter zu vermieten Zu erfrogen bei Fusl, Sodingen. Viel Freude bereiten Alt und Jung die Bastelbücher der Lehrmeister-Bücherei VE Selbstbau elektr. betriebener Lokomotlven u. Schiffe Von Dip.-Ing. William Seibt. Ait 17 Abd.(944) A. 035 ine leichtverständl. Anlei-En Antriebsmotore für Spielzeugschiffe, eine tadellos funktionierende elektr. Lo#. komolige zu nauen und letziere durch einen selbstherzustellenden an die Lichlleilung anzuschließentreiben. Bau einer elektrischen Modellbahn. Von H. Vatter. Mit 31 Abb. 18831 85 Pig. Selbslanfertigung kleiner Elektromoloren. Von Dipl.-Ing. W. Seibt. Mit 15 Abb.(6991 35 Pig. Selbslanfertigung einer Wassermoterenanlage mit Magneldynamo und Schalltalel zum Aufladen von Akkumulaloren. von H. Vatter. Mit 40 Abb.(7711 35 Pig. Selbstherstellung wirklicher Flugmodelle. Von W. Eggers. Mit 36 Abb(939] 35 Pig. Selbetaniertigung eines Sezelbpotes für Knaben. Von A. Hoch. Mit 15 Abb. 1561 35 Pig. Die Bastelwerksiatl. Mit 128 Abb(327)..... 35 Pig Buchbinderei für den Hausbedarf. Von E. Collin. Mit 34 Abb.(341/421 70 Pig Herslellung von bunten Kleisterpapieren. Von A. Punde. Mit 1 Abb u. 6 Tal 887·88) 70 Pfg. Selbslanfertigung von Kleinmöbeln. Mit 85 Abb.(217/19 M. 1.05 Selbslanfertigung kleiner Küchenmöbel. Mit Tafeln.[361/6) g. B.: M. 105 Die Uhren. Einrichtung. Behandlung und Be seitigung kleiner Fehler. Von G. Andrich. Mu 84 Abb. 577/79] M. 1.05 Selbstaniertigung einer einf. Pendeluhr aus Galalith oder Hartholz. Von G. Andrich Ait 30 Abb. 38055. 35 Pla Der Holzschnitt, ehriarben- und Linolschnitt. Mit 12 Abb.(794) 15 Pig Hläusliche Melallarbeiten. Repar u. Anfertig metall. Gebrauchs- u Schmuckgegenslände Mil 72 Abb.[273/74) 70 Pig Zu beziehen durch: Buchhandlung Koethers& Röttsches 8 Rebelstrahe 9. nepen dem