N 124 160. Jahrgang Lippische Detmold, Sonntag, 30. Mai 1926 Altestes und verbreitetstes Blatt des Die Lippische Landes=Zeitung mit den unentgeltl. Beilagen„Die Lipp. Landes=Zeitung im Bild“,„Gut Braud“, „Unterhaltungsbeilage“,„Turn= u. Sportschau", Deutsches Lied“,„Baterländ. Blätter“,„Kinderzeitung" und„Der Landwirt“ erscheint täglich frühmorgens, außer Montags. Monatl. Bezugspreis 2 J. im Postbezug 2 4 zuz. Bestellg. Im Falle 50h. Gewalt, bei Streik od. Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieserung od. Nachlief. der Zeitung vo. auf Rückzahlung des Bezugspreises: Herausgeber: Hofrat Staercke. Verantw. Redakt. E. Meinhard, für den lok. Teil u. für die„Lipp. Landes=Zig. im Bild“: Wilh. Schmiedeskamp, für die Anzeigen: Wilh. Brand. Druck u. Verlag der Meverschen Hofbuchdruckerei, sämtl. in Detmold. Geschäftsstelle in Detmold, Grabbestraße 10. 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Rund um die Woche Wenn wir in unserer letzten Wochenbetrachtunz, wie übrigens nicht zum erstenmal in diesen Spalten, auf die Notwendigkeit sparsamer Wirtschaftsführung im öffentlichen Leben hingewiesen haben, so setzt das natürlich unsere Ueberzeugung, daß sparsamer gewirtschaftet werden kann, voraus. Diese Ueberzeugung haben wir auch heute noch, und mit uns auch die überwiegende Mehrzahl der lippischen Bevölkerung. Wenn das sozialdemokratische„Volksblatt“ uns einen„Sparsamkeitsfimmel“ vorwirft, von dem es deutlich abrüken zu müssen glaubt, so fürchten wir uns nicht, auch ohne seine„freundliche Unterstützung“, den Weg zu gehen, den wir unserer Ueberzeugung nach für richtig halten. Vielleicht lauschen die Herren vom Volksblatt aber einmal in ihren eigenen Reihen. Es ist noch garnicht ausgeschlossen, daß sie dort viele solcher„Kapuziner= Predigten“ zu hören bekommen, mit denen man uns lächerlich zu machen sucht. Gegen eins aber müssen wir uns ganz energisch zur Wehr setzen: Es scheint der sozialdemokratischen Anstandslehre zu entsprechen, anderen etwas in den Mund zu legen, was man aus ihm gern hören möchte, um dann seinen Gegner herabzusetzen. Wir haben in dem letzten Wochenbericht mit keiner Silbe davon gesprochen, daß man den„Kleinund Sozialrentnern, den Erwerbslosen und anderen Hilfsbedürstigen noch mehr vom Lebensunterhalt abzwacken will“. Es ist nicht nur eine Wahrheit für das Volksblatt, daß man dort, wo nichts ist, auch nichts nehmen kann. Wenn wir aber des öfteren gewisse Mißstände in der Erwerbolosenfürsorge gegeißelt haben, so fanden wir dabei nicht nur die Unterstützung weiter Volkskreise, sondern viele Erwerbslose selbst hrben uns Recht gegeben. Wenn uns in der großen Sparerversammlung in Detmold der Dank für die geleistete Unterstützung öffentlich ausgesprochen wurde, so ist das für uns die schönste Genugtuung. Die Empfindlichkeit des Volksblatts in dieser Beziehung scheint aus der grm.dsalschen Anschauung geboren zu sein, daß jeder Eintreten für weniger bemittelte und geschädigte Mitbürger lediglich eine unantastbare Domäne des Volksblatts und seiner Kreise ist. Wir werden uns auch weiterhin trotz der Angeiserungen nicht davon abhalten lassen, für die durch die Inflation geschädigten Volksgenossen und alle Bedürftigen einzutreten, auf der anderen Seite aber auch immer wieder auf die Notwendigkeit sparsamster und verantwortungsvollster Virtschaftsführung hinzuweisen. * Flughasen Detmold? Fürs erste können wir gekrost ein oder auch mehrere Fragezeichen dahintersetzen, denn bei einem Defizit von 50 000 e wird sich die Stadt schwerlich solchen kühnen Plänen hingeben können. Aber doch muß eine weitschauende Stadtoertretung auch für die Zukunft vorbauen. Und daß insksondere dem Flugverkehr eine große Zukunft bevorsteht kann heute niemand mehr bezweifeln. Detmold hat sowohl in seiner Bedeutung als Fremdenstadt, wie auch auf Grund seiner günstigen Lage in der Nähe wichtiger Luftverkehrslinien, durchaus die Möglichkeit, als Flughafen berücksichtigt zu werden. Wenn sich dann noch die Bohrungen am Büchenberg erfolgreich zeigen sollten, dann dürste Bad Detmold einen Ausschwung erleben, der dann auch die Notwendigkeit eines Flughasens bedingen würde. Auch in der letzten Stadtvererdnetenversammlung ist diese Möglichkeit, wenn auch nur andeutungsweise, so doch zum ersten Mal überhaup: erwähnt worden Gelegentlich der Erörterungen der Spielplatzfrage teille der Sprecher des Magistrats mit, daß man die linke Seite der Jerxer Heide für einen später dort eotl. anzulegenden Flughafen reserKarrieren ins Dunhel Roman von Fedor v. ZobeltIß Copyrigth dy Presse=Photo=Nachrichtendienst, Berlin 54. Forlsetzung(Nachdruck verbolen) Bevor er abzog; denn fort wollte er. Sein Abschied konnie ihm täglich bewilligt werden: dem alten, erstauten Ehrenmann in allen Ehren; vielleicht noch mit einem Orden als Zugabe oder mit dem Geheimritslitel. Auch für seine Kinder hatte der Ehrenmann getteulich gesorgt. Sein Vermögen lag im Auslande fest: auf der Bank in Lyon. War er einmal tot, so konnie Louis zu seinem Vergnügen weiter dichten und brauchte sich nicht jeden Reim mit„zwei guten Groschen“ honoreren zu lassen. Und auch, wenn Chalencon seinem Erbe entsagen mußte— Fredrich glaubte noch nicht baran— die Dorothee sollte genug bekommen... Bei dem Gedarken an Dorothee wurde dem alten Manne Kormer um das Herz. Es war ja im Grunde genommen eine große Verrücktheit, diese Ehe mit dem närtischen Marquis. Aber er wollte und sie wollte— die beiden waren nicht mehr auseinander zu bringen. Und der Ankauf in Louisiana hatte auch sein Gutes. Der Rat dachte allen Ernstes daran, von Frankreich aus, wobin er sich zunächst wenden wollte, den Kindern zu solgen. Drüben in Amerika saß man ganz sicher. Er hatte sich erkundigt: das Klima war schön, Louisi nna 671 Paradies; die großen Pflanzer waren in anderer Ceise ihre eigenen Herren als die Grundbesitzer hier in Curopa Frederich hing seinen Mantel um und suchte nach Stoc und Hut... Daß dieser nichtsnutzige kleine Peuenee ein Anrecht auf das Chalengonsche Erblei! halte, das war eine ärgerliche Geschichte. Konnte man Minen, die Gardagne und Mombert gelegt hatten, icht sprengen? Ueberlegen, Frederich, überlegen! Erst Uhen, wie sich die Angelegenheit mit dem Obersten von Frise abwickeln läsnt:.... Er lachte vergnügt. Diese Sache machte ihm Spaß. we konnte ihm der Oberst tun?!— vieren wolle. Der Ansang ist also gemacht und wenn auch die Ausführung des Planes vorläufig noch in nebliger Ferne liegen mag, so kann man doch auch schon die Zielsetzung als ein erfreuliches Aktivum buchen. An den in Frage kommenden behördlichen Körperschaften und privaten Vereinigungen siegt es jetzt, zur Erreichung dieses Zieles das Ihrige beizutragen. * Doch warum in die Ferne schweifen, auch in der Landeshauptstadt gibt es noch so mancherlei zu tun, um ihren Namen als wunderschöne Stadt in der Erinnerung der vielen Fremden unauslöschlich zu machen. Es ist daher ganz besonders zu begrüßen, daß im Etat für 1926 3000 A für Reklamezwecke eingestellt sind, eine Summe, die auf den ersten Blick reichlich hoch erscheint, sich aber bei einigermaßen verständigem Urteil als notwendig erweisen dürfte. Es muß zugegeben werden, daß in den letzten Jahren sehr wenig für solche Bestrebungen übrig war. Hätten wir nicht das Hermannsdenkmal in unmittelbarer Nähe, dann könnte Detmold auch trotz seiner reizenden Lage nicht in dem Maße den Fremdenverkehr auf sich ziehen, wie es namentlich im letzten Jahre der Fall war. Man darf sich aber in Zukunft nicht nur auf die Zugkraft des„Großen Hermanns“ verlassen. Wenn man berücksichtigt, daß die von der Besatzung frei gewordenen Rheinlande namentlich in diesem Sommer zahlreiche Fremde an sehen werden und viele durch die größere Bequemlichkeit in anderen Städten und Gegenden vom Lixperlande abgehalten werden, dann wird man zu der Einsicht kommen, daß etwas in dieser Beziehung geschehen muß. Das scheint auch von den in Frage kommenden Vereinigungen jetzt erkannt zu werden. Der Detmolder Verkehrsverein und der Teutoburger Waldverein wollen jedenfalls, wie das in den letzten Tagen erfreulicherweise schon zum Ausdruck gekommen ist, intensiver an die Arbeit gehen. Wenn der Einwand gemacht wird, die Fremdenstadt wäre erheblich teurer, soll soll ihm eine gewisse Berechtigung nicht bestritten werden. Andererseits aber darf man nicht vergessen, daß mit dem Anwachsen des Fremdenverkehrs auch ein Entwicklung der Stadt als solche verbunden ist. In diesem Sinne ist die Bereitstellung der Reklamemittel zu begrüßen, und es bleibt zu hoffen, daß sie treuen Sachverwaltern übergeben werden, die sie zum Wohle der Stadt zu verwenden wissen. * So erfreulich der eingestellte Betrag von 21000 M als Zuschuß für das Landestheater ist, so sehr zu bedauern ist die Ablehnung der beantragten 500 A für das Landeskonservatorium.— Landeskonservatorium? Man scheint sich an dieser Bezeichnung zu stoßen. Gewiß in dem Maße etwa, wie das Landestheater beansprucht dieses Institut bei weitem nicht ein so starkes öffentliches Interesse. Das kann es auch garnicht; sein Kreis ist aus der Natur der Sache heraus wesentlich enger gezogen. Wer aber gerade die letzte öffentliche Veranstaltung des Konservatoriums miterleben durste, dem hat sich die stille, zielbewußte Arbeit, die hier von Lehrern und Schülern geleistet wird, in einer Weise geoffenbart, die den Uneingeweihten angenehm überraschen mußte. Das Institut ist für die Pflege und Ausbildung der musikalischen Talente wie auch für die Pflege guter Musik überhaupt, von nicht zu unterschätzender Bedeutung für das zanze Land. Gegenwärtig wird das Konservatorium von etwa 80 Schülern und Schülerinnen besucht, die sich je zur Hälfte auf Detmold und das ganze Land Lippe verteilen Die überwiegende Zahl sind, wie auch in der letzten Sta##verordnetenversammlung festgestellt wurde, Angehötige weniger bemittelter Familien. Nachdem sich das Land zur Trazung der Hälfte der Kosten bereit erklärt hatie, unter der Bedingung, daß die Stadt Detmold die andere Hälfte trage, ist die Ablehnung durch die Stadt mehr als unverständlich. Glaubt man damt zu sparen, so ist hier das falsche Teil erwählt. Daß gerade die rechte Seite des Hauses sich ablehnend verhielt, der man doch ein besonderes Verständnis für „Vater!" rief unter dem Fenster die Stimme Louis„der Stellwagen ist da. Kommen Sie bald?“ „Bin schon auf dem Wege...“ Er hatte den Bambus mit dem Goldknopf in der Hand und stieg die Treppe hinab. Er war nicht mehr zittrig. Nun kam es zur Entscheidung; nun hatte er die alte Festigkeit wieder gewonnen. 23. Kapitel. Verunglückte. Am Nachmittage dieses Tages ließ Otto Friese bei dem Marquis Chalencon anfragen, ob er sich nach seinem Bejinden erkundigen dürfe. Er wurde vorgelassen. Der Marquis war in einem der Turmzimmer unteigebracht worden. Dort lag er im Bett, wie eine Mumie bandagiert und vermochte sich kaum zu rühren. Aber er hatte eine###dlich gute Nacht hinter sich. sieberte nicht und war bei Laune. „Gott zum Gruße, lieber Friese“, rief er Otto entgegen.„Lieb von Ihnen, daß Sie einmal nach mir ausschauen. Ich bin kein Mensch mehr; ich bin zum Petrejakten geworden, zur regungslosen Versteinerung. Ich möchte Ihnen die Hand drücken, doch ich kann nich; ich möchte Ihnen um den Hals fallen, aber es muß beim Wunsche bleiben. Nun, setzen Sie sich an mein Bett, und dann: wie geht es dem Obersten?" „Unverändert, Marquis. Die Schwäche hält ihn nieder. Sie nimmt bald zu, bald ab. Ich warte mit Ungeduld auf den Geheimrat Heym. Lebus ist zwar kein schlechter Arzt— „Vor allem versteht er sich aus die Verpackung“ siel Chalengon ein.„Ich liege wie ein Kind im Stech kissen... Ihre Mama hai auch für eine Wärterin gesorgt und läßt mir stärkende Suppen kochen— Kinder, was mache ich euch für Umstände und wie seid ihr gut zu mir!“ „Unsinn! Sind Sie nicht unser Gast?“ „Ja, dae bin ich. Und deshalb liegt mir auch eine Last auf dem Herzen. Liebster Friese, ich möchte Ihnen gern elwas sagen, muß Sie aber bitten, es mit V'orsicht zu verwerten.— Ich sehe, daß Fräulein Dumoni eine ziemlich intime Stellung bei der Barouin einuimmt. Trauen Sie dem Mädchen nicht!..“ solche Bestrebungen zutrauen sollte, mutet komisch an. Was nun? das ist die große Frage. Man wird schlechterdings nicht verlangen können, daß der Leiter der Anstalt auch weiterhin nach bereits großen Opfern die fehlenden Summen aus seiner Tasche deckt. Es wird also zur Schließung der Anstalt kommen. Und ganz abgesehen davon, daß damit eine mit guten Erfolgen begonnene Bildungsanstalt verloren geht, werden eine Reihe Lehrpersonen brotlos, die bislang dort, wenn auch nicht gerade ein rosiges, so doch ein einigermaßen auskömmliches Unterkommen hatten. Fürs Erste ist also der Weg zur Erhaltung des Instituts verschlossen. Denn das Land dürfte schwerlich dazu zu bewegen sein, allein den Zuschuß zu tragen. Es bleibt also nur noch die schwache Hoffnung, von privater Seite Mittel zu bekommen, die über die gegenwärtige Krise hinweghelsen. Eine Hoffnung, der man des edlen Zweckes wegen baldige Erfüllung wünschen möchte. * Bei den im übrigen recht betrüblichen Detmolder Finanzverhältnissen, von denen der Herr Oberbürgermeister ein großes Klagelied anstimmte, einen Etat, soll heißen sein Defizit, zu begründen, ist sicherlich keine beneidenswerte Aufgabe. Aber des Lebens ungemischte Freude ward nur den Horner Bürzern zuteil. Wenigstens in dieser Woche. Sie feierten Schützenfest. Inoffiziell schon seit vier Wochen, programmmäßig vier Tage und vier Nächte lang. Und der Neid muß es ihnen lassen: Sie verstehen ihr Schützenfest zu seiern. Das Erfreulichste daran aber ist, daß dieses Hort sche Schützenfest ein Volksfest im besten Siune des Wortes war. In dem bunt bewegten Fahnenmeer, im frisch=grünen Straßenschmuck, in der heiteren Musik und der fröhlichsten Stimmung mußten alle politischen und gesellschaftlichen Gegensätze, die am grauen Alltag oft und hart auseinanderplatzen, verschwinden. Viele Wege fihren nach Rom und viele zur Volksgemeinschaft, die trotz aller Widerstände und gerade darum erreicht werden muß. Einen Weg müssen wir gehen, auf dem wir uns gemeinsam wiederfinden, die wir ein gemeinsames Schicksal zu ertragen haben. Was in Horn möglich war, warum sollte es nicht auch überall zu erreichen sein? ep Der Volksentscheid Vielfache Anfragen aus unserem Leserkreis veran lassen uns, über den in 3 Wochen stattfindenden Volksentscheid das folgende mitzuteillen: Der Volksentscheid ist nur dann rechtskräftig, wenn die Hälfte aller Wahlberechtigten gultige Stimmzettel abgibt. Bei 40 Millionen Wahlberechtigten wären das allo 20 Millionen. Da für das Volksbegehren 12½ Millionen Unterschriften gesammelt wurden, müßlen für den Volksentscheid noch 7½ Millionen ausgebracht werden. Das ist unmöglich, wenn alle Wähler, die dem Volksbegehren ferngeblieben sind, auch am Volksentscheid nicht teilnehmen. Niemand, der gegen den zum Volksentscheid stehenden Gesetzentwucf der Sozialdemokraten und Kommunisten auf ganzliche, entschädigunzslose Enteignung der ehemaligen deutschen Fürsten und ihrer Familien ist, darf sich an der Abstimmung beteiligen. Vieljach hört man die Ansicht, daß die Gegner des Entwurjes ebenfalls zur Abstimmung gehen und mit Nein stimmen müßten. Diese Absicht ist aus dem Grunde irrig. weil auch die Nein=Stimmen als gültiz gezahlt werden und damit zur Erreichung der 20 Millionen=Grenze heitragen. Es kommt, wie nochmals bctont sei. nicht auf die Anzahl der Ja=Stimmen an, sondern allein auf die Zahl der insgesamt abgegebenen gultigen Stimmen, zu denen die Nein=Stimmen natürlich auch gehören. Will trotzdem jemand, der gesen den Entwurf ist, zur Abstimmung gehen, so muß er daher einen ungültigen Stimmzettel abgeben. d. h. also entweder auf dem Stimmzettel überhaupt keine Eintragung machen oder beide Kreise durchkreuzen Für den Volksentscheid treten offiziell nur die Sozialdemokraten und die Kommunisten ein. Die Demokraten Otto wurde ausmerksam.„Die Dumont ist mir nie sympathisch gewesen, Marquis“, entgegnete er.„Im Verkehr mit der Mama hat sie mich andererseits häufig durch ihre Zariheit und ihr Feinempfinden, ihr taktvolles Wesen überrascht. Wissen Sie etwas aus ihrer Vergangenheit?“ „Nicht viel; aber es ist sicher, daß ihre Vergangenheit dunkel ist... Lieber Friese, das, was ich Ihnen sogen möchte, müssen Sie aus Gründen, die mich allein angehen, vorläufig recht diskrei behandeln. Ich höre. daß Ihr Vater den sogenannten Varon Gardagne in Pouence=sur=Aule kennen gelernt hat. Nun wohl, auch vor diesem Manne nehmen Sie sich in acht! Er war einst der Kammerdiener meines verstordenen Bruders und machte dann als Magnetiseur die Schweiz unsicher; die Dumont aber war seine Helserin. Ich kann das letztere nicht beweisen und beeidigen; doch spricht die größte Wahrscheinlichkeit für eine alte Verbindung dieser beiden. Allo die Augen auf!“ „Die Augen auf“, wiederholte Otto nachdenklich. Marquis, einer unbekannten Gefahr zegenüber ist es schwer, machsam zu sein. Und es gibt hier unbekannt Gefahren. Sie haben sich bereits geäußert, haben ihre Vorboten geschickt; der Tod und die Erkrankung im Hause waren die ersten Warnungen. Sind diese Vorfälle in irgend eine Beziehung zu—“ „Halt, Herr von Friese", fiel Calencon ein:„vor voreiligen Schlüssen möchte ich Sie warnen. Man spinnt sich gar zu leicht in ein Netz von Vermutungen ein, wenn man dem ersten Mißtrauen nachgibt, ohne daß man es begründen kann. Hat Doktor Lebus bereite den Totenschein ausgesertigt?“ „Ja, hat aber nur den Tod Franzens konstatiert, ohne die Ursache anzugeben. Er erklärt, er könne das nicht: Gehirn= und Herzlähmung sage gar nichts, denn das sei der Abschluß zahlreicher Krankheiten. So will er denn Heym abwarten. Ich kann Ihnen aber zugestehen, daß er mir gegenüber durchblicken ließ, auch die Möglichkeit. einer Vergiftung sei nicht ausgeschlossen Bei Franz habe das gleiche Gift stärker gewirkt, als bei Papa; das komme vor— gleiche Gifte wirken oft sehr verschieden auf den Orgaismus ein. Was für he ben die Abstimmung freigegeben, sie überlassen also ihren Anhängern die Wahl. Das Zentrum erwartet von seinen Mitgliedern, daß sie der Abstimmung fern bleiben. Alle übrigen Parteien haben offiziell die Parole gegen die Beteiligung am Volksentscheid ausgegeben, proklamieren also: Bleibt der Abstimmung fern! Der Arbeitsmarkt in Westfalen und Lippe Das Landesarbeitsamt Westfalen und Lippe in Münster, Warendorserstraße 25, berichtet: Die Arbeitsmarktlage in Westfalen und Lippe blieb in der Berichtswoche weiterhin überwiegend ungünstig. Während am 15. 3. 26 die Zahl der Arbeitsuchenden 239 659, die Zahl der unterstützten Vollerwerbslosen 203 508 mit 248777 Zuschlagsempfänzern betrug, stieg bis zum 15. 4. die Zahl der Arbeitsuchenden auf 210 228 während die Zahl der Haupt= und Zuschlagsempfänger hingegen auf 199583 bezw. 244571 zurückging Bis zum 15. 5. war der Rückgang von Woche zu Woche sehr gering; an diesem Tage wurden noch 23: 285 Arbeitsuchende und 187 804 Hauptunterstützungsempfänger mit 209 800 Zuschlagsempfängern ählt. Ein Vergleich mit dem Ausmaß und der Entwicklung der Arbeitslosigkeit des Vorjahres läßt mit aller Deutlichkeit die katastrophale Lage auf dem westfälisch=lippischen Arbeitsmarkt erkennen. Der 15. 3. 25 wies 49 062 Arbeitsuchende auf; hiervon waren 38 727 Hauptunterstützungsempfänger, hinzu kamen 52511 Zuschlagsempfänger. Der 15. April 1925 zeigte bereits einen beträchtlichen Rückgang auf 43 453 Arbeitsuchende. 33 480 unterstützte Vollerwerbslose und 45 388 Zuschlagsempfänger. Am 15. Mai 1925 waren noch 35 854 Arbeitsuchende, 24 191 Hauptunterstützungsempfänger und 33 488 Zuschlagsempfänger vorhanden. Das riesige Ausmaß der Erwerbslosigkeit hat bieher durch alle angewandten Maßnahmen nicht in dem gewünschten Umfange herabgewindert werden können. Die Außenberufe, die den Saisoneinflüssen unterliegen. haben keine durchgreifende Besserung gebracht, sondern lediglich ein weiteres Steigen der Erwerbslosenzahlen verhindert. Auch das Arbeitsangebot seitens des Staates, der Gemeinden oder öffentlicher Verbände durch vorzeitige Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten und Lieserungen konnte nicht in dem Maße gestärkt werden, daß der Arbeitsmarkt wesentlich entlastet wurde. Die Durchführung großzügiger Notstandsarbeiten scheiterte an dem anhaltenden Kupitalmangel. Nachdem alle diese Maßnahmen die Störungen auf dem Arbeitsmarkt nicht erheblich haben mildern können, und in der allgemeinen Wirtschaftslage kein Konsunkturumschwung zu erwarten ist, muß mit einer anhaltenden ungünstigen Arbeitsmarktlage gerechnet werden. Keine Sommerzeit In den Jahren 1916 bis 1919 waren bekanntlich in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September die Tagesstunden um eine Stunde vorgelegt worden. Die Nationalrersammlung hat in der Sitzung vom 11. April 1919 einen Gesetzentwurf, wonach auch weiterhin diese Vorverlegung stattfinden sollte, abgelehnt. Inzwischen haben sich aber Stimmen geltend gemacht, die eine neue Entscheidung des Reichstags forderten. Die Bouernvereine haben darauf hingewiesen, daß für die Landwirtschaft die sogenannte Sommerzeit störend wirkt, weil die Landwirtschaft sich bei ihren Arbeiten nicht nach der Uhr. sondern nach der Sonne richten muß, zumal die Landwirte auf den Feldern nichts beginnen können, bevor der Tau auf den Wiesen und Feldern verschwunden ist. Auch die Milchzüge der Eisenbahn werden dann entsprechend der Sommerzeit früher gelegt werden müssen, die Kühe während der Dur kelheit bei Lampenlicht gemolken und weitere Mißstände eintreten. Der Reichswirtschaftsrat hat nunmehr beschlossen, sich endgültig gegen die Sommerzeit auszusprechen. ein Gift hier mitsprechen könne, das wäre wahrscheinlich nur durch eine Sezierung zu erweisen. Dagegen sträube ich mich. Ist das nicht verständlich, Marquis?“ „Es wäre verständlich, wenn Sie der festen Ueberzeugung sind, daß nur ein unglücklicher Zufall die Vergiftung— angenommen, es handle sich in der Tat um eine solche— herbeigeführt haben könne, kein Verbrechen. Otto nickte.„Zusall oder Verbrechen“, sagte er langsam:„es gibt keine andere Lösung. Der Zufall findet überall Türen und Fenster offen; wer kann sich vor ihm schützen? Lebus hat sich die Menüs von gestern und vorgestern geben lassen; auch aus ihnen ist nichte zu ersehen. Es gibt Fischgifte, es gibt giftize Pilze. Auch unter den Salat kann ein tückischer Zufall einen gistigen Pflanzenteil gemischt, oder in einem der Kochgesäße kann sich Grünspan angesetzt haben. Der Möglichleiten und Annahmen gibt es unzählige. Die letzte bleibt die Einwirkung einer verbrecherischen Hand. Wo wäre sie zu finden, Marquis? Ich wüßte nicht, daß der Vater, daß Franz Feinde hätten— Feinde, die vor dem Ungeheuerlichsten nicht zurückschrecken würden. Und hätten sie Feinde, so müßten diese gestern und vorgestern im Schlosse gewesen sein, oder hier ihre Handlanger gehabt haben. Nicht wahr? Sie warnten mich vor Herrn Gardagne, auch vor der Dumont. Nehmen wir wirklich an, es sei dies ein Abenteurerpaar schlimmster Sorte— was könnte ihnen der Tod Franzens für Nutzen bringen?!..“ Der Marquis, der sehr aufmerksam zugehört hatte, wurde durch ein Klopsen an der Tür an der Antwort verhindert. Ein Diener meldete, eine Extrapost sei vorgefahren und eine junge Dame möchte den Herrn Marquis sprechen. „Wer?“ fragte Otto erstaunt,„eine junge Dame?“ „Sehr wohl, Herr Leutnant, und sagte, sie sei die Braut des Herrn Marguto...“ Ec mochte in dem Tone, in dem der junge Diener die Meldung erstattete, etwas liegen, was Chalencon ärgerte Er errötete leicht und fuhr den Burschen an: „Wenn die Dame ihm das gesagt hat, er heilloser Schlingel, so wird er dach hoffentlich nicht daran zweiJum Crinitatissonntag Bei den Soldaten gab es und gibt es Besichtigungen. Solche für die Kompagnie, für das Bataillon, für das Regiment und soweiter, immer weitere Zusammenfassungen einzelner und kleinerer und größerer Verbände. Man wollte und will sehen, was bei all der Arbeit im Kleinen herausgekommen ist für das große Ganze und was man darum vom Ganzen nun erwarten und fordern kann und darf. So ählich kann es dem Christenmenschen auch gehen, wenn er an seine Feste denkt, bei denen viele leider nur Zuschauer und nicht Teilnehmer sind; Schlochtenbummler, aber nicht in Reih und Glied stehend. Da war Weihnachten. Einfach alles nahm an der Besichtigung dieser Gnadentat Gottes teil. Und das Kindlein in der Krippe schaute jeden an: freust du dich über mein Kommen zu dir, in deine Welt hinein, die so viel Macht und Finsternis in sich birgt? Aber ich bringe dir Licht. Hungert dich danach? Und da war Karfreitag, Ostern; ein Kreuz und Menschen, erst tottraurig, eingeschüchtert, dann froh, mit raschen Füßen dahin und dorthin eilend mit der Botschaft: er lebt, der uns froh gemacht! Und das Kreuz frägt dich: weißt du, wie groß deine Sünde und dein Elend ist? und möchtest du gerne davon los werden und ein neues Leben haben? Ostern bietet es dir an: er, der Gekreuzigte, dein Heiland, dessen Blut für dich floß, er lebt. Willst du es auch? Willst du leben? Das kannst du freilich nur durch ihn und mit ihm, in seiner Nachfolge, in innigster Lebensverbindung mit dem Auferstandenen. Also, mein Freund. Und da war Pfingsten, das Geistesfest. Hast du deinen Geist diesem von oben kommenden Gottesgeist untergeordnet, daß er dich zu einem Menschen machen könnte, dessen Richtung, dessen Haltung„nach over“ ist? Die Menschen nehmen so gar verschiedene Haltungen ein, haben so vielerlei Geister. Aber sie schaffen mit allen nur immer mehr Verwirrung. Und wenn man meint, nun ist ein gewisses Ziel erreicht, dann zeig es sich gar bald: es war uns eine Atempause. Doch der Pfingstgeist, Gottesgeist, heiliger Geist ordnet, macht alles sehr gut, baut auf und festigt. Läßt du ihn auch bei dir Ordnung schaffen und an dir arbeiten? So hatte jeder Fest seine in sich geschlossene deutung. Es war etwas für sich und gehörte doch auch wieder unabweisbar zu den anderen. Und da will denn der heutige Trinitatissonntag sie alle miteinander dir vorstellen in einem geschlossenen Verband und dich noch einmal mahnen an das, was du von ihm haben könntest. Er möchte dich gerne dazu bewegen, daß du einstimmen würdest in das: wir loben den Vater, wir loben den Sohn, wir loben den heiligen Geist! Nun kommt die lange festlose Zeit. Da muß es sich zeigen, was dir die wieder durchlebten Festzeiten eingebrocht haben, ob du durch ihre Schule brauchbar geworden bist für dein Christenleben, für dein Leben, das wie Meister Guntram von Augsburg sagt, das in Sehnsucht, Qual, Kampf und stets von Kampf bedrohtem Sieg selbst Zeugnis und Wahrheit sein soll. Lippisches Landesturnier Es steht jetzt endgültig fest, daß das diesjährige große Landes=Reit= und Fahrturnier am 17. und 18. Juli in Bad Salzuflen auf dem im Vorjahre so vorzüglich bewährten Gelände stattfindet.— Es ist ein Turnierring Bad Salzuflen—Essen—Aachen zebildet worden, der seine Turniere in einwöchigen Abständen abrollen läßt, sodaß die Turnierställe die 8 Plätze auf einer Reise, der„Westfälischen Turnierreise“, besuchen können.— Durch die von Lippe aus angeregte Verbindung der 3 großen Plätze können insgesamt neben den wertvollen Ehrenpreisen 37000 A Geldpreise und 10 000 M Reiseentschädigungen auszeworfen werden.— Ein Pferdesonderzug wird die Ställe von Platz zu Platz befördern. seln— he?! Mir scheint, es wäre das Richtige gewesen, er hätte die gnädige Demoiselle bei der Frru Baronin angemeldet. Halt, stehen bleiben!... Liebster Friese, was tut nicht die Liebe! Offiziell bin ich noch nicht verlobt, Verlobung und Hochzeit sollten zusammenklappen mit der Abreise vom alten Europa. Aber nun—“ „Aber nun ists heraus. Uebrigens bin ich informiert. Fräulein Dorothee wird von Ihrem Unglück gehört haben, und da hielt es sie nicht mehr daheim. Was ist verständlicher? Wo das Herz mit, ist alles verständlich, und selbst das Unbegreifliche findet seine Erklärung.“ „Mag wahr sein; aber was nun? Soll ich Dorothre zu mir lassen?“ „Sie präsentieren sich wie ein König vor dem Lever: also weshalb nicht? Wir können das arme, kleine Ding doch nicht wieder nach Hause schicken. Denken Sie an das klopfende Herzchen—— nein. Fritz, sage dem glädigen Fräulein, der Herr Marquis ließe bitten.. Dorothee hatte weniger über die Etikettefrage nachgedacht. Sie war dem Diener einfach gefolgt, stand bereitz im Vorderzimmer und fragte die Wärterin nach dem Unglück aus— schwankte auch nicht, als der Diener zurückkehrte, sondern stürmte gewissermaßen das Krankenzimmer, sah Chalencon verschnürt, umhändert und umschient auf seinem Schmerzenslager und stürzte in Hut und Mantel vor dem Bette nieder. „L Mortimer. o mein Mortimer! O du mein Leben!“ rief sie.„Gott sei Dank, daß ich hier bin! Ich bleibe, bis du wieder gesund bist! Ich weiß nicht, ich will dich pflezen. Die Diener guckten mich so dämlich an— es ist mir gleich. Soll ich meinen Mortimer allein lassen, wenn er krank ist, und sehnt sich vielleicht nach mir? — Guten Tag, Herr von Friese. Nicht wahr, ich darf bleiben" „Sie dürsen. Ich werde mit der Mama sprechen. Aber Sie müssen hübsch artig sein. Ihr Bräutigam benötigt dringend der Ruhe.“ Fortsetzung folgt Detmold im Jahre 1926 Die Landeshauptstadt Detmold hat ihre Haushaltungspläne für 1926 fertiggestellt. Der ordentliche Etat weist bei Ausgaben von 969000 M und Einnahmen von 915100 A einen Fehlbetrag von 53 900- auf, über dessen Deckung die Gelehrten sich bisher noch nicht einig sind. Und wenn das alles wäre! Aber daneben finden sich im außerordentlichen Etat Schulden aus dem Vorjahre von 460 400 M und neue Ausgaben von 256 120 M. zu deren Bezahlung eine Anleihe von 714 000 M auszenommen werden soll. Arme Stadt Detmold! Wie kann dir geholsen werden? Du weißt es nicht, und deine Berater wissen es auch nicht. trotzdem sie sich seit der Revolution genügsam die Köpfe darüber zerbrochen haben. Und wenn wir einen Rat hätten, er nützte dir auch nichts. Denn du bist nicht dein eigener Herr. Ueber dir, als einem städtischen Gemeinwesen, steht der Staat, und in Ausführung von dessen Gesetzen und Verordnungen bist du wohl der Hauptsache nach in diesen Sumpf geraten, aus dem du jetzt so schwer wieder herausfindest. Alles, was wir für dich tun können, ist, daß wir einmal die Dinge betrachten, wie sie heute sind und wie sie früher waren. Vielleicht, daß die einfache Gegenüberstellung der Tatsachen zu denken gibt und dann bei Mithilfe aller Beteiligten doch noch einen Ausweg erkennen läßt. Also vergleichen wir einmal einzelne wichtizere Posten des Etats von 1926 mit denen von 1913. Zunächst mußte das Etatsjahr 1926 im Gegensatz zu 1913 schon mit 49273 AA Schulden aus dem Vorjahr begonnen werden. Das ist betrübend, aber geschehene Dinge sind einmal nicht zu ändern. Also weiter. Die Kosten der Verwaltung haben nach Abzug der diesbezüglichen Einnahmen 88589.73„ im Jahre 1913 und 1926 187 600 A betragen. Die Mehrkosten sind nicht nur durch die Erhöhung der einzelnen Beamtengehälter entstanden. Die Stadt Detmold hat in der ürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene. Erwerbslose. Sozial= und Kleinrentner, und in der Errichtung eines eigenen Wohnungsamts eine ganze Reihe von neuen Aufgaben übernommen, zu deren Bewältigung eine Vermehrung des Beamtenversonals unumgänglich erforderlich war. Die Kosten des Bauwesens waren 1913 auf 81 098 J. 1926 aber auf 126 630 M veranschlagt, Übrigens schon 34 700 A weniger als 1925. Das soll aber nicht bemängelt werden, da der Zustand der Straßen, weil im Kriege nichts für sle geschehen konnte, noch immer eine durchgreifende Ausbesserung sehr nötig macht. Aber die Ausgaben für allgemeine und gemeinnützige Zwecke sind von 1913 bis 1926 von 8463„A auf 39091„A gestiegen. In der letztgenannten Summe befanden sich 24 000 A als Zuchuß für das Landestheater, 750 M als Jahreszuschuß (im Ganzen 7500 MA) zu den Kosten des Baus der Straßenbahn von Bahnhof Horn nach Bad Meinberg. 5333 f und daneben 9000 A im außerordentlichen Etat als weiteren Zuschuß(im Ganzen 25 000 M) für den Bau der Straßenbahn von Detmold nach Heidenoldendorf. Für eine Stadt von 16000 Einwohnern, die voller Schulden steckt, sind 24 000 M im Jahre als Theaterzuschuß reichlich, und die Straßenbahn von Horn nach Meinberg führt in 8 Kilometer Entfernung an Detmold vorüber. Aber beim Theater handelt es sich neben der Förderung des Kunstsinns aller lippischen Landeskinder und dem noblesse oblige der kleinen ehemaligen Residenz um das Wohl und Wehe von arbeitswilligen Schauspielern, die ohne Beitrag der Stadt einsach auf der Straße lägen, und bei den Zuschüssen für den Straßenbau spielen schon die Verpflichtungen auf sozialem Gebiete mit. Krieg und Nachkriegszeit haben das Elend in der Bevölkerung, das Heer der Kriegsbeschädigten, den Vermögensverfall und die Erwerbelosigkeit geschasfen. Das Reich hat einen Teil seiner Verpflichtungen, für die unschuldigen Kriegsopfer zu sorgen, den ihm unterstellten Organen, den Stadt= und Landgemeinden, übertragen, und diese suchen sich mit den ihnen gestellten Aufgaben nach besten Kräften abzufinden. Man kann heute bei der Etatfestlegung nicht nur fragen, sind diese oder jene Bauten unbedingt nötig, sondern muß stets auch daran denken, daß durch jede Ausgabe für Arbeitszwecke die Schar der Erwerbslosen verringert wird. Neben der Pflichtausgabe von 16 000 A für das staatliche Arbeitsamt sind 10.000 M für Notstandsarbeiten und 122 520 A im außerordentlichen Etat für Straßenneubauten solchen Erwägungen entsprungen. Auch mit ihnen hat die Stadtverwaltung ihre Verpflichtung, der gegenwärtigen Not in der Bevölkerung zu steuern, immer erst sum Teil erfüllt. Es verbleiben die direkten Unterstützungen an die Bedürftigen, für die unter dem Titel„Fürsorgeamt“ außer den 16000 A für das Arbeitsamt noch weitere 168 310 M ausgeworfen sind, alles Ausgaben, die die Vorkriegszeit kaum gekannt hat, im Einzelnen 6500 A für Kriegsbeschädigte und Kriezerhinterbliebene, 500 A für Flüchtlinge, 54 000 M für Kleinrentner, 27.000.4 für Sozialrentner, 59 780 für das Unterstützungsamt, 18 030 A für allzemeine u. außerordentliche Fürsorge, 5500 A für die Stadtlüche. Die Deckung der gewaltigen Ausgabenlasten von 969 000 i im ordentlichen Etat, die nach Abzug der entsprechenden Einnahmeposten auf 810 168 e heruntergehen, ist der Stadtverwaltung etwas dadurch erleichtert worden, daß die Ueberschüsse aus den städt. Betrieben, insbesondere dem Gas= und Wasserwerk. von 24 234.06 MA im Jahre 1913 auf 125 341„ im Jahre 1926 in die Höhe gegangen sind, und ebenso bei dem vermehrten Grundbesitz der Stadt die Mieten und Pachten im gleichen Zeitraum von 69 497.28 A auf 90 325 J. Aber als Haupteinnahmen werden die Steuerüberweisungen des Deutschen Reiches und der Lippischen Staates an die Detmolder Stadtverwaltung aufgeführt, die zusammen mit den direkt erhobenen Steuern und Gebühren abzüglich der entsprechenden Ausgabeposten 540 602 M ausmachen. Steuern in ungefähr dieser Höhe sind von der Detmolder Bürgerschaft im Jahre 1926 aufzubringen. Was das für die kleine Stadt von 16 600 Einw. bedeutet, darüber wird man sich erst klar, wenn man berücksichtigt, daß von den Steuerpflichtigen der Vorkriegszeit die Kleinrentner, Sozialrentner, Kriegsbeschädigten und Erwerbolosen heute für die Steuerzahlung nicht mehr in Frage kommen. Der Rentnerbund allein zählt etwa 400 Mitglieder, die früher zum Teil zu den steuerkräftigsten Einwohnern gehörten und heute, anstatt daß sie Steuern zahlen, Unterstützung erhalten müssen. Dazu sind die Einkommensteuern für kinderreiche Familien ermäßigt. Die heute zahlungsfähigen Stadtbewohner sind bis an die Grenze des Menschenmöglichsten besteuert. Dem mangelhaften Anziehen der Steuerschraube ist der Fehlbetrag von 58 900 M im Etat nicht zuzuschreiben. Aus den Einzeletats der Stadtverwaltung interessiert noch der über den Baufonds aus der Mietzinssteuer und den Anleihen von Post und Reichsversicherungsanstalt. Einnahmen und Ausgaben des Johres 1926 stellen sich auf je 305 765 M. Eingenommen sind außer Zinsen und Tilgungsb#eträgen 220000 A aus der Mietzinssteuer, 61 000 M aus der Postanleihe, 51 000 M aus der Anleihe der Reichsversicherungsanstalt. Ausgeliehen sind an Baudarlehen 1926 819 500 M. 1925 182 700 M, 1924 142000 M. im Ganzen 641 200 M. Und nun zum Schluß zum außerordentlichen Ctat und der Anleihe von 714 000 M zur Deckung der Schulden aus dem Vorjahre und für den Straßenneubau. Die Schulden sind einmal vorhanden und müssen bezahlt werden. Aber die Straßenneubauten, 122 520 A für die Stadt, 109060 A für die Anlieger! Auch sie finden unter den heutigen Verhältnissen einzig und allein in der Notwendigkeit der Vornahme von Notstandsarbeiten ihre Entschuldigung. Und auch diesem Gesichtspunkte fragt man sich, ob gerade die Niedrigerlegung der Klüterstraße mit dem Erfordernis einer ganz erheblichen Erdbewegung und einem Kostenaufwand von 27.600 A für die Stadt, 28 100 M für die Anlieger unbedingt notwendig war. Auch bei Notstandsarbeiten kann man unter Aufwendung der gleichen Kosten sparen, wenn man die richtige Auswehl trifft, und Sparen kann man den Herren Stadtvätern nicht nur in Detmold, sondern überall im Deutschen Reiche nicht eindringlich genug empfehlen. Aber wenn auch von den ausgeworfenen 122 520 M die Hälfte gestrichen werden könnte, geholfen wird der Stadt Detmold damit allein auch nicht. Man wird Überall den Hebel ansetzen müssen, um den verfahrenen Karren wieder auf den richtigen Weg zu schaffen. Ein Ausgabeposten im außerordentlichen Etat erweckt allerdings schon heute berechtigte Erwartungen für die Zukunft. Es handelt sich um den Zuschuß von 25 000 A für die Thermalbohrungen am Büchenberge. Sollten diese Bohrungen Erfolg haben und Detmold dereinst Badestadt werden, so werden viele seiner Bewohner, die heute unter der Ungunst der Zeiten schwer zu tragen haben, und die Stadtverwaltung selbst, erleichtert ausatmen. Doch soll man die Erwartungen nicht zu hoch spannen. Einige Jahre werden im besten Falle immer vergehen, bis sich auch für den Stadtsäckel kleine Einnahmen aus der Verwaltung des Bades ergeben werden. T.=ch. Haltet den Wald sauber! Vor kurzem wurde in einem Sprechsaal=Artikel unseres Blattes mit Recht Klage darülber geführt, daß von undisziplinierten Wanderern an den Lagerstätten im Teutoburger Walde Papier und sonstige den Waldfrieden störende Sachen liegen gelassen werden. Warnungstafeln und fortwährende Ermahnungen scheinen für solche Ungezogenheiten wenig zu nützen. Vielleicht würde eine Lektion nach frischer Tat am besten wirken. Aus unserem Leserkreise geht uns auf den betreffenden Sprechsoalartikel eine Zuschrift zu, die zeigt, wie man sich in anderen Gegenden gegen Unsauberkeit im Walde zu schützen versteht. Es heißt u. a.:„Im Solling traf ich auf der Wanderfahrt, in halber bewaldeter Höhe, eine starke Quelle, deren Wasser durch künstliche Anlagen kaskadenförmig unterbrochen, durch Springbrunnen weiter geleitet wird. Eine neben der Quelle befindliche Schutzhütte enthielt eine Tafel mit folgender launiger Aufschrift des Sollinger Waldvereins: Wer Glas, Papier und alte Tüten und alles was man sonst nicht braucht, hier fortwirft, der wird 5 Minuten ins kalte Wasser eingetaucht Anscheinend hat die Warnung abgeschreckt, denn es war überall sauber.“ Bringe man an den Berlebecker Quellen und beim Donoper Teich eine Tafel mit gleicher Aufschrift an, er vird helfen. Das Schlagen des Holzes und seine Dauerhaftigkeit als Bodenbelag Von der Lippischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft wird uns geschrieben: In manchen Gegenden ist es üblich, daß in den landwirtschaftlichen Betrieben das Holz, das als Bauholz oder zu Reparaturzwecken benutzt werden soll, erst in den letzten Wintermonaten geschlagen wird. Jeder Holzfachmann weiß, daß der Holzwurm nur das Holz meidet, das im Spätherbst oder in den ersten Wintermonaten gefällt wird. Schon im Februar steigen die Säfte in den Stämmen hoch: diese trocknen in den gefällten Stämmen ein und dienen dem Wurm zur Nahrung. Das im Frühjahr geschlagene Holz hat infolgedessen eine erheblich geringere Lebensdauer. Es ist vorgekommen, daß Bodenbeläge, die erst 15 Jahre eingebaut waren, schon so vom Wurm zerfressen waren, daß sie entfernt werden mußten. Solche verhältnismäßig neuen Bretter sind in Scheunen und über Tennen, wo keine Zwischendecke vorhanden ist, von der Unterseite vielfach noch hell. Die Wurmlöcher lassen sich nur bei genauer Prüfunz des Holzes erkennen. Wegen seiner hellen Farbe wird der Belag noch als vollwertig angesehen, bis dann eines Tages jemand, der auf dem Boden zu tun hat. durchbricht, herabstürzt und sich erheblich verletzt. Der Besitzer wundert sich, daß die Bretter, die noch garnicht so lange liegen, schon schlecht sind, ohne sich über den Grund klar zu sein. Die Erneuerung des Belages verursacht große Kosten; eine manchmal nur schwer zu ersetzende Arbeitskraft fällt oft lange Zeit aus; ein gesunder, arbeitsfreudiger Mensch ist möglicherweise zum Krüppel geworden; die Zahl der von der Berufsgenossenschaft zu behandelnden Unfälle ist um einen Fall reicher, der gewiß nicht zu einer Verminderung der Beiträge führt. Dies sind alles Punkte, die bei der wirtschaftlichen Rotlage größte Beachtung verdienen. Es empfiehlt sich also dringend, alles Holz, das nicht gerade als Brennholz benutzt werden soll, schon in den ersten Wintermonaten, also direkt nach Beendigung der Heröstbestellung, zu schlagen; manche unnötige Kosten können dadurch erspart werden. Jur Sportplatzfrage Wir haben vor einiger Zeit an dieser Stelle kurze Ausführungen gebracht über die Lösung der brennend gewordenen Detmolder Spiel= und Sportplatzfrage. Wir wiesen hin auf zwei Plätze, die dafür unter Umständen in Frage kommen könnten: auf die Wiese in der Brunnenstraße und den sogen.„Kuhkamp“ an der Hornschen Straße. Beide Plätze gehören zur Domäne Johannettental, sind also Eigentum des Landes und können nur auf Grund von Verhandlungen mit der obersten Landesbehörde erworben werden. Des weiteren haben wir darauf hingewiesen, daß Staat und Stadt im Verein mit den dafür in Frage kommenden Verbänden Hand in Hand gehen müßten, aus dem gemeinsamen Interesse heraus, um eine allgemein befriedigende und für alle Teile bestmöglichste Lösung in dieser Angelegenheit zu erzielen. Vor allem und in erster Linie kommt die Stadt selber für die Schaffung dieses Sportplatzes in Frage. Sie ist davon heute mehr denn je Überzeugt und läßt es an dem guten Willen gewiß nicht fehlen. In der letzten Stadtverordneten=Versammlung gab der Vertreter des Magistrats auf eine Eingabe des „Vereins für Bewegungsspiele“ die Erklärung ab, daß das Stadtbauamt demnächst der Versammlung eine Vorlage zur Schaffung eines Sportplatzes unterbreiten würde. Als geeignetes Gelände hade es den rechts von der Klüterstraße gelegenen Teil der früheren Jerxer= heide in Aussicht genommen. Dieses Gelände wird begrenzt von der Sylbecke=, Klüter und Grünstraße. Während es früher brach lag, ist es nun seit einer Reihe von Jahren urbar gemacht und vornehmlich an die Anwohner oben genannter Straßen in Pacht gegeben. Es dürfte ohne Zweifel gewisse, wenn nicht die meisten Voraussetzungen für einen derartigen Zweck erfüllen. Das Gelände liegt horizontal, es braucht nicht erst planiert zu werden, was im Kuhkamp geschehen müßte. Gegenüber diesem Gelände im Kuhkamp hat es den weiteren Vorzug, daß es trockenen Boden hat, also nicht erst kanalisiert zu werden braucht. Eine gute Zugangs= und Zufahrtsstraße ist, wenn die Klüter Straße fertig gestellt ist, für beide Plätze in gleichem Maße vorhanden. Auch bietet die Unterbringung der Zuschauer keine Schwierigkeiten. Der Platz im Kuhkamp wäre eher zu erreichen. Das ist zunächst der am meisten in die Augen springende Vorteil gegenüber der Jerxerheide. Auch würde ein Sportplatz im Kuhkamp geschi tzter liegen. Ob diesen Vorzügen aber eine ausschlaggebende Bedeutung zukommt, vermögen wir nicht zu entscheiden. Darüber und dazu müssen in erster Linie die sporttreibenden Verbände selber gehört werden und ihre Gutachten abgeben. Wenn alle dafür in Frage kommenden Stellen von dem gemeinsamen Willen beseelt sind, etwas Gutes und für unsere Verhältnisse Ausreichendes zu schaffen, dann dürfte auch eine Lösung auf dem Gelände der Jerxerheide, das der Stadt gehört, möglich sein. Die Schaffung dieses Sportplatzes geschieht im besonderen zum Nutzen der sporttreibenden Verbände, die sich hier an Sonn= und Werktagen in edlem Wettkampfe untereinander messen werden. Ohne Zweisel dürfte das Vorhandensein eines solchen Platzes auch für die Stadt selber von Nutzen sein. Andere sporttreibende Vereine werden hier ihr Können zeigen wollen Bei dem hohen Interesse, das man heute allernärts dem Spiel und Sport entgegenbringt, muß an den Tagen, an denen besonders interessante Wettkämpfe ausgetragen werden, mit einem beachtlichen Zustrom von Fremden gerechnet werden. Wir müssen jede Gelegenheit begrüßen, die geeignet erscheint, den Fremdenverkehr für Detmold zu heben. Die Bürgerschaft hat den Gewinn davon. — Soldregen ist giftig! Augenblicklich steht der bei Spoziergängern und Ausflüglern sehr beliebte Goldregen in Blüte. Es ist deshalb geboten, auf die außerordentliche Gefährlichkeit dieser Blüten aufmerksam zu machen. Die Blüten des Goldregens sind überaus giftig. Werden sie in den Mund genommen oder mit den Händen angefaßt, die Wunden aufweisen, dann können sie großes Unheil anrichten. Ganz besonders aber wird es not tun, die Kinder auf die großen Gefohren des Goldregens hinzuweisen. Am zweckmäß'gsten und sichersten ist es, wenn die Kleinen diese Blüten überhaupt nicht in die Hand bekommen. — Der Verein ehem. 459er, Lippspringe, welcher bereits am 18. 5. 24 das Regimentsdenkmal im Kurpark des Arminiusbades einweihte, hält vom 5.—7. Juni ds. Is. seine 5. Jahresversammlung in Bad Lippspringe ab, wozu auch alle ehem. Angehörigen des rheinisch=westfälischen Insanterie=Agts. Nr. 459, welche noch nicht dem Verein beitraten, willkommen sind, ebenso die Angehörigen der Gefallenen wie auch die Kameraden der anderen Truppenteile der ehem. 236. I=D.(Mühry).— Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß ein zweites Ehrenmal seiner Vollendung entgegengeht: Die vom ehem. Kommandeur, Oberst a. D. von Pirscher(Kassel, Weinbergstr. 29) im Rahmen der Schriftfolge des Reichsarchivs„Erinnerungsblätter deutscher Regimenter" bearbeitete Regimentsgeschichte, welche auch die Ehrenliste aller Gefallenen enthält.— D’öglichst baldige Anmeldungen zur Jahresversammlung— unter Angabe etwaiger Unterkunftswünsche— sowie Vorbestellungen nimmt entgegen der 2. Schriftführer, Kamerad Heinz Harms, Düsseldorf, Birkenstraße 32. Unbemittelten werden auf Antrag Teilzohlungen auf das Buch seitens des Vorstandes gern gewährt. — Fürst Leopold zur Lippe begeht heute seinen 55 Geburtstag. Wie in jedem Jahre, so werden auch heute wieder weite Kreise des Lipperlandes mit besten Wünschen des früheren Landesherrn gedenken, denen euch wir uns als Gratulanten anschließen. — Ihren 99. Geburtstag kann am heutigen Sonnt 1g die Witwe Helene Schormann. Wall 11, in verhältnismäßiger Rüstigkeit begehen. Wir wünschen unserer ältesten Mitbürgerin das beste zum heutigen Tage und für die Zukunft. — Die nächste Stadtverordnetensitzung, die am Doinerstag dieser Woche stattfindet, wird sich mit der Weiterberatung des Haushaltsplans der Stadt beschäftigen. Die Tagesordnung wird im Anzeigenteil dieser Ausgabe veröffentlicht. — Naturapostel„andreas schneider, eisenach“, der sich rühmt, einst am Fürstlich Lippischen Landestheater als„Opernsänger“ gewirkt zu haben, und später— weniger zu seinem Ruhm— durch Alkohol und Tabak seine Stimme verlor, war gestern abend wieder in Detmold. Auf dem Marktplatz hielt er an einige Neugierige eine Ansprache, die zum Teil recht amüsant a rkte. Gegen viel Essen und Trinken wetterte er genau so wie gegen die moderne Kleidung und konnte auch den Bubenkopf nicht verschmerzen(Zuruf: er hat a selbst einen!). Mit einem Überspannt relie ösen Akt fand dann die harmlose Versammlung ihren Abschluß. — Die grobe Modenschau, die wir vor kurzem bereits ankündigten, wird am Mittwoch, dem 2. und Donnerstag, dem 3. Juni im Neuen Kruge über die Leistungsfähigkeit der Detmolder Firmen bestes Zeugnis ablegen. Folgende Firmen haben sich zur Teilnahme gemeldet: Seidenhaus Koopmann(DamenmoBrüggemeger der gute Tabak für die Pfeise Henner kauen h A Rug. Chr. Steneberg. HKautabaktabrik Gegr. 1805 Barntrup 1. L. Jow. 1905 den), M. Kligge(Damenputz), C. Hamann(eleg. Schuhwaren) Th. Ohle(Korsett=Wäsche=Spezialhaus,, C. Beneke(Raumkunst), P. Beckmann(Lichtbildkunst), R. Jülischer(Blumenschmuck), Landwehr& Schulz(elektr. Lichteffekte), Cläre Meyer=Füllkrug Peine, Hannover, u, mit der zugleich auch verDet(Brokatmalerei). Die eine Ausstellung für Mode. Kunst nud Gewerbe bunden ist, wird ein gesellschaftliches Ereignis für mold werden. — Reformierte Frauenhilfe. Zur BezirksfrauenVersammlung am Montag, 8 Uhr, im Anbau des Vereinshauses sind auch Gäste freundlich willkommen. — Das Sommersest des Turnvereins Bahnfrei. Heute nachmittag 2 Uhr sammeln sich die Mitglieder bei der Knabenbürgerschule, von wo aus der Verein unter Vorantritt der Musikkapelle zum Krummen Haus marschiert. Bei dem Schauturnen am Krummen Haus zahlen die Erwerbslosen, die einen Ausweis vorzeigen können, nur die Hälfte des Eintrittspreises. Da das Programm außerordentlich reichhaltig ist, kann ein Besuch nur empfohlen werden. —„Wie Gretel und Peter den Zauberwald sanden", so heißt das liebliche Märchenspiel, das heute nachmittag 4½ Uhr im Ev. Vereinshaus wiederholt wird. Die ganze kleine Welt muß dieses Märchenspiel gesehen haben. — Landestheater. Heute abend. 7.45 Uhr, als Eröffnungsvorstellung„Ballerina des Königs“ oder„Fridericus Rex“, der erfolgreichste neueste Lustspielschlager. — Mittwoch, den 2. Juni, 7.45 Uhr, neu einstudiert „Minna von Barnhelm“ mit Frl. Leszinsky als Minna und Frl. Kolms als Franziska. — Frische Quelle. Heute nachmittag um 3½ Uhr findet ein großes Künstlerkonzert der beliebten Kapelle Kropp=Müller statt. Amt Detmold Verlebeck, 29. Mai. Hotel„Zur Forelle": Heute, Sonntag, von 3½ bis 11 Uhr Konzert. Salzuflen — Vom Bildungsverein. In der Generalversammlung kam einmütig der Wille zum Ausdruck, den Verein bestehen zu lassen. Es soll durch Einzeichnung festgestellt werden, ob sich mindestens 200 Mitglieder zum Veitritt in den Verein bereit erklären. Sobald ein genügendes Interesse vorhanden ist, sollen in einer neuen Versammlung weitere Beschlüsse gefaßt werden. Die Herren Studienräte Bothe und Grunewald wurden zu Vorstandsmitgliedern gewählt. — Vom Vorstand des Bürgervereins werden wir um Aufnahme nachstehenden Schreibens ersucht:„Auf die beiden Artikel dieses Blattes erwidern wir folgendes: Auf den Inhalt im einzelnen einzugehen, behalten wir uns für die nächste Versammlung vor; denn der Bürgerverein ist nicht dazu da, Pressefehde zu betreiben, sondern in erster Linie im Interesse der Wirtschaft, wovon letzten Endes alles abhängt, zu wirken. Der von Herrn Bürgermeister Quentin gebrachte Artikel ist nur geeignet, die öffentliche Meinung lahmzulegen; denn wenn jede Kritik unterbleibt, fällt die Möglichkeit, Mängel zu beiseitigen. Daß unsere Bestrebungen seitens der städt. Körperschaften anerkinnt werden, begrüßen wir, sind auch bereit, mit denselben Hand in Hand zu arbeiten und zu gegebenen Zeiten Vorschläge zu machen.“ — Vom Bade. Für Sonntag sind wieder 3 KurKonzerte vorgesehen, und zwar vormittags 1156 Uhr. nachmittags 4 und abends 8 Uhr.— Das Lippische Landestheater erössnet die Spielzeit am Dienstag. dem 1. Juni, mit der Neuheit„Die Ballerina des Königs". Donnerstag gelangt„Minna von Barnhelm“ und Sonnabend„So'n Windhund“ zur Aufführung. — Der Mittwoch bringt die üblichen Militärkonzerte. — Die Besucher des Bades seien darauf hingewiesen. daß ab Dienstag, dem 1. Juni, die Kurmittelabgabe außer vormittags auch nachmittags, von 2½—4½ Uhr, erfolgt. — Die hiesige städtische Sparkasse schreibt auf den Wahlausweisen zum Volksentscheid eines Gesetzes Über Enteignung der Fürstenvermögen ein Preisrätse! aus, das den Spardienst fördern soll. Es kommen 14 Sparbücher zu je 5 Reichsmark und je 1 Sparbuch über 10 bezw. 20 Reichsmark zur Auslosung. Falls mehr als 16 richtige Lösungen eingehen, entscheidet das Los des Sparkassenvorstandes. Die Lösungen müssen bis zum 20. 7. d. Is. bei der hiesigen Sparkasse eingereicht sein. Mit Bestimmtheit ist anzunehmen, daß sich die hiesige Bürgerschaft, vor allem aber die Jugend. an diesem Preisausschreiben beteiligt. Dadurch dürfte der Zweck, den Sparsinn zu fördern, bestens erreicht werden. — Auf dem Fundbüko ist abgegeben: 1 Medaillon mit Kette, 1 brauner Damenhut, 1 Herrenstock(eichen), 1 Portemonnaie mit Inhalt. Schötmar — Eine Stadtverordnetensitzung vor leerem Zu hörerraum fand Freitag abend im Rathause statt. Di Ursache des Nichterscheinens von Zuhörern war nich auf Interessenlosigkeit an den städt. An der Siadtnerg u. nicht legenheiten in Besucher tadtverordnetensitzungen konnte man größtenteils auf dem Marktplatze bei den turnerischen Veranstaltungen anläßlich der Reichsgesundheitswoche sinden. Von den Stadtvätern kann man solch reges Interesse gerade nicht behaupten, sonst###tte man wohl an diesem Abend keine Stadtverordne nsitzung anberaumt. Die reichhaltige Tagesordnung wurde verhältnismäßig flott und in folgender Weise erledigt: Von einer Teilnahme an dem Reichsstädtetag in Königsberg soll mit Rücksicht auf die hohen Kosten Abstand genommen werden. Ebenso wird die Stadt in der Grundstücksverkaufssache Winter=Henke das Vorkaufsrecht nicht ausüben. Für die Wiederherstellung der beim letzten Hochwasser beschädigten Brücke bei Heerse werden noch 400 Mark Mehrkosten nachbewilligt. Die Neuregelung der Wirksamkeit und die Bezirkseinteilung für die beiden Gemeindeschwestern wird zur Renninis genommen. Die eine Schwestet wird östlich und die andere westlich der Bega wirken. Beide Schwestern wohnen im Pfarrhaus 1. Lange Str. Für die Anschaffung eines Fahrrades werden 130 Mk. bewilligt. In den Grundwertausschuß beim Finanzamt werden gewählt für den kleineren Hausbesitz Maurermeister Fr. Pankoke und für größeren Grundbesitz Rentner W. Korte. Als Vertreter zum Gewerbeausschuß wird Kaufmann W. Böke gewählt. Zu Stellvertretern bestimmte die Versammlung den Kaufmann H. Kesting und den Schuhmachermeister H. Rulle. Von dem Schreiben der Lipp. Regierung betr. Aufwertung der Kommunalanleihen nahmen die Stadtverordneten diese nur mit 12½ Prozent aufwerten. Der Magist rat machte weiter die Mitteilung, daß mit der Betriebskommission eine Neuregelung vorgenommen sei. Eine Grenzbegehung soll in diesem Jahre nicht vorgenommen werden, dafür wird aber eine Besichtigung an Hand des neuen Bebauungsplanes erfolgen. Der Antrag des Gewerkschaftskartells auf Gewährung einer Unterstützung an bedürftige Erwerbslose wird in vertraulicher Sitzung behandelt. Es folgt dann noch die 2. Lesung des Voranschlages 1926/27. Neu eingestellt wird noch ein Posten von 15000 Mark für Förderung des Wohnungsbaues. Oerlinghausen — Reichsgesundheitswoche. Am Donnerstag abend hielt vor zahlreicher Zuhörerschaft Herr Keeisarzt Dr. Rott einen Vortrag über„Die Grundlagen der Gesundheit". Der Vortrag war von Lichtbildern begleitet und erntete starken Beifall. Herr Dr. Rott verstand es, die Zuhörer zu fesseln, er verdient für seine Mühe großen Dank. Der nächste Vortrag wird in erwa 4—5 Wochen ebenfalls im Nathaussaale stattfinden. Näberee darüber wird noch bekannt gegeben. Tage — Dao Fest der silbernen Hochzeit feierten gestern die Eheleute Kaufmann Hugo Weweler in Firma G H. Busemeyer& Co. Dem geschätzten Ehepaare noch nachträglich beste Glückwünsche! — Die Reichskrone=Lichtspiele bringen in dem neuen Fox=Film„Tom Mix, der Damenfreund“, ein echtes Tom Mix=Vild, voll Leben, Humor, Tempo und Spannung. Herrlich sind die Leistungen seines Wunderpferdes Tony, welche sicherlich Beifall bei den Kinofreunden finden werden. Zwei Fox=Grotesken und die neue Ufa=Wochenschau vervollständigen das Programm. Pivitsheide, 29. Mai. Durch einen bedauer lichen Unfall ist den beiden blinden Brüdern Strate schwerer Schaden zugefügt. Als sie am Freitag mit ihren Musikinstrumenten, mit denen sie sich ihr Brot verdienen, in Breite bei Brake waren und sich von Lemgo Pserd und Wagen mitgebracht hatten, das von der Frau des älteren Strate geführt wurde, scheute das Tier, das wahrscheinlich die Musik nicht gewöhnt war, plötzlich. Die beiden Mustker fielen mit ihren Instrumenten vom Wagen wobei sich der jüngere der beiden Brüder recht erhebliche Verletzungen zuzog, während der ältere mit Hautabschürsungen davon kam. Frau Strate kam dabei so unglücklich zu Fall, daß sie mit mehreren Rippenbrüchen in schwerverletztem Zustande zum Landkrankenhaus nach Detmold geschafft werden mußte. Man bringt den Anglücklichen hier allgemein herzliche Teilnahme entgegen. Horn — Nachklänge zum Schützenfest. Die Festtage mit Trubel und Tanz. mit Frohsinn und Lebenslust sind verrauscht, und der Alltag mit Arbeit und Mühe, Trauerbriefe und Danksagungskarten lieleri schnell und billig Meyersche Hofbuchdruckerei Delmold, Leopoldstraße 12. „aben einen Teil leicht beschädigte Exemplare von Esmarch Kimmle Erste Hille bel Unglückställen zum Preise von 2.— Mk. pro Exemplar abzugeben. Dücherstube der Meyerschen Hofbuchhandlung. Ich bekam Zuwachs! Zu meinen Brödern Erbe. Blumenkohl, Spargel. Grünkern, Tomaten, Pllz. Krebe. Ochsenschwanz haben eich vier neue gesellt: Elersternchen, Elerriebele, Elereinge. Eiernudein. Auch de geben, nur in Wanser 20 Minuten gekocht eine Ober alles Erwarten gute Suppe. Tnen Suppen in Wurstform 9710.279 zerieren bringt Gewinn Bulh Amuhe STATT KARTEN Ole Verlobung unserer Tochter Margarete mit dem Gerichtsreferendar Herrn Karl Freund be. ehren wir uns anzuzelgen Georg Neumann und Frau Margarete geb. Wolft Horn. Im Mal 1926 Meine Verlobung m Frl. Margareie Neumann. Tochter des Herfn Apothekenbesitzers Georg Neumann und seiner verstorbenen Frau Gemahlin Elisabeth. geb.Vose. bechre lch mich anzuzeigen Karl Freund Herford. Im Mai 1926 Rüchternheit und Ernst teitt wieder gebieterisch in eine Rechte. Verschwunden über Nacht ist der Glanz der rieren Fahnen, das frische Grün von den Straßen, verschwunden auch die unbekümmert frohen und hellen Eesichter Bestehen bleibt aber ein Abglanz des Festeo, Die Erinnerung an die Tage, die uns sagten, daß trotz Parteihader und Zank die Bewohner Horns wußten und wissen, daß sie Kinder einer Heimatstadt sind. Auf die Einmütigkeit, auf die nie gestörte Harmonie können wir Horner mit vollem Recht stolz sein Und dieser alle Mitbürger beseelende Gedanke ist ein Gewinn des Schützenfestes, wie wir ihn herrlicher und schöner nicht wünschen konnten.— Den beiden letzten Tagen des Festes hatte Frau Sonne ein freundliches Gesicht gezeigt. Mittwoch wurde der König der alten Schützen, von all seine Getreuen begleitet, durch die Straßen seiner dreitägigen Residenz gefahren Im herrlichsten Sonnenschein mrschierten die einzelnen Notts, die Offiziere, die chtschwertierer und das Königsrott auf dem Manplatze auf. Der Aufmarsch und Durchmarsch nahm sast den ganzen Nachmittag in Anspruch. Als es dunkelte, wurde auf dem Marktplatze die traditionelle Polonaise getanzt, der der Festhall cuf zwei Sälen folgte. Donnerstag war der Tag der ungen Schützen. Der Aufmarsch ging in gleicher Weise wie am Mittwoch vor sich. Blumen über Blumen war der Tribut der treuen Untertanen an die Königinnen. Ein schöner Anblick war am Donnerslag abend die Polonaise der jungen Schützen. Die hellen weißen Mützen und die vielfarbigen Kleider der Damen boten ein farbenfreudiges Bild. Mustergültig war die Ordnung des Publikums. Gern folgte es den Anordnungen der Polizeibeamten. Horn kann Volksfeste feiern, es wird auch beim kommenden Heimatfest gigen, daß auch das„lüttse Horn“ ein gewichtiges sort zu reden vermag. Amt Horn Schlangen, 28. Mai. Unsere Badeanstalt wurde am 2. Pfingsttage. nachmittags, eingeweiht und der allgemeinen Benutzung übergeden. Leider fiel die Sache„ins Wasser“, und zwar ins kalte, nicht zum werinsten durch den kühlen Pfingstregen. Aus Detmold war Herr Oberregierungsrat Dr. Corvey von der Regierung erschienen, auch vom Verwaltungsamt Delmold sand sich später ein Vertreter ein. Die Badeanstalt wurde mit vollem Recht als ein Hauptfaktor zur Förderung der Volksgesundheit und Stärkung gepriesen und empfohlen. Vom Schwimmverein Pader= born waren freundlicher Weise einige Mitglieder am Start, die sich, trotzdem kein Mailüftel wehte und das Wasser in dem geräumigen Bassin arg kühl war, im Badekostüm in das nasse Element stürzten und den Zuschauern schwimmend viel Freude bereiteten.— Dem Gemeindevorsteher Ellerbrok und der ganzen Badeanstalts=Kommission gebührt Dank und Anerkennung, daß sie das Werk, das 10 bis 12000 M gekostet hat, unter den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen fertig genracht haben. Schlangen, 28. Mai. Die Maul= und Klauenseuche, die im März hier an einigen Stellen ausgebrochen war, auch im benachbarten Kohlstädt, ist glücklicher Weise in beiden Orten längst erloschen. Der hief. Lardwirt und Fuhrunternehmer H. hat durch die Seuche großen Schaden erlitten. Ohne daß genau festgestellt werden konnte, auf welche Weise sie übertragen war, brach auf einer Weide in der Nähe des Bauerkampes, die H. gepachtet hat, von neuem diese Viehkrankheit aus und raffte mehrere dort weidende Rinder dahin, wadurch ihm ein Schaden von 1500—2000 entstand. Jetzt ist auch auf den Weiden die Seuche wieder erloschen. Schlangen, 28. Mai. Silberne Hochzeit. Am Monlag. 31. Mai, begeht der Landwirt E. Lübbertsmeier mit seiner Frau Wilhemine, geb. Dicke, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Dem Paare, das sich stets gern in den Dienst der Allgemeinheit stellt, seien auch an dieser Stelle die besten Wünsche dargebracht. Barntru. — Der Magistrat weist darauf hin, daß wegen der in den letzten Tagen hier vorgekommenen Erkrankungen zu einer Beunruhigung der Bevölkerung kein Grund vorliegt, da bisher noch nicht einwandfrei festgestellt worden ist ob es sich bei den Erkrankten um Typhus handelt. Bislung besteht nur der Verdacht. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, können erst die noch schwebenden Untersuchungen ergeben. Blomberg — Kirchenvorstandswahl. Die Wahl eines neuen achten Kirchenältesten für den Stadtbezirk findet am Sonntag, dem 31. Mai, in der Kirche, in der Jeit non 12 bis 3 Uhr, statt. Die Neuwahl ist deshalb erforderlich, weil gegen die am Sonntag, dem 21. Februar, stattgefundene Kirchenvorstandswahl Berufung eingelegt war. Das Konsistorium hat daraushin die Wahl des Tischlermeisters Fr. Tappe, Petersilienstraße, weil eine nähere Bezeichnung fehlte(sen. oder jun.) beunslandet. — Der Ehrenbürger der Stadt, Herr Bauheir a. D. Karl Diekmann sen., Langer Steinweg, feierte am vergangenen Freitag(28. Mai) seinen 81. Geburtslag in seltener geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit. Der gesamte Magistrat überbrachte dem greisen Jubilar aus diesem Anlaß namens der Stadt die herzlichsten Wünsche in dessen Wohnung am Vormittag und überreichte ihm einen prächtig ausgestatteten Frühstückskorb. Herr Diekmann, der Jahrzehnte lang ununterbrochen den beiden städtischen Körperschaften angehört hat, beteiligt sich auch jetzt noch ab und zu an mancherlei verschiedenen Beratungen einzelner städtischer Kommissionen. Auch wir gestatten uns, dem Jubilar die besten Wünsche auszusprechen. — Personalwechsel im Magistratsbüro. Herr Stadtsekretär Otto Niemeier verläßt am 31. Mai d. Is. seine hiesige Stellung freiwillig, um am 1. Juni d. Is. die gleiche Stelle als Stadtsekretär in Oerlinghausen an zutreten. Wie verlautet, ist die Wahl Herrn Niemeiers in Oerlinghausen einstimmig erfolgt. Magistrat hat Herrn N. zu dessen Austritt aus dem städtischen Diensten seine Zustimmung erteilt. Dem Scheidenden nebst Familie die besten Wünsche auf dem ferneren Lebenswege auch im neuen Wirkungskreis! — Der angesetzte Viehmarkt am Montag, 31. Mai, wird wegen Ausbruch der Maul= und Klauenseuche gemäß§ 168 der V. P. A. für Klauenvieh gesperrt. Dagegen findet der Pferde= und Krammarkt, wie sonst üblich, auch diesesmal statt. Die städtische Flußbadeanstalt im Braunenkampe ist seit Sonnabend, 29. Mal, bis auf weiteres der allgemeinen Benutzung übergeben. Die Badezeiten sind in üblicher Weise bekannt gemacht worden und außerdem im Rathausflur angeschlagen. Sonnabend nachmittag von 4 Uhr ab steht die Badeanstalt Herren gegen Zahlung eines ermäßigten Preises von 10 J für die Person zur Verfügung. Nachbargeblete Bad Pyrmont, 29. Mai. Folgende SymphonieKonzerte sind von der Kurdirektion vorgesehen: II. Symphoniekonzert(Dresdener Philharmonie, Solistin Dora Pein, Klavier) 81. Mai; III. Symphoniekonzert(Solistin Caruana) 7. Juni; IV. Symphoniekonzert 14. Juni; V. Symphoniekonzert 21. Juni(Solist Prof. Kulenkampf); VI. Symphoniekonzert(Solistin Frl. Freydank). Im Juli wird als Gastdirigent Herr General=Musikdirektor Möricke, Dresden, das Philharmonische Orchester dirigieren. Minden, 29. Mai. Die Arbeitslosigkeit ist im Kreise Minden weiter zurückgegangen. Infolgedessen ist die Zahl der Vollerwerbslosen von 4 240 auf 3879 Personen gesunken. Bad Oeynhausen, 28. Mai, Verhaftung eines Raubmörders. Heute vormittag wurde der der Raudmordes an der Ilgarrenhandlerin Müller in Barmen dringend verdächtige Hans Hoffmann vethaftet.4 Der neue Roman von Her das Juntheft von Velhagen Er spielt in der Bismarchzeit fessor“. Gs ist ein Werk vo Der neue Roman von Hermann Sudermann eröf & Klasings Monatehef t und heißt„Der toll # iin Werr von leidenschaftlicher Bewegung und ungemeiner Spannung, ein Schöpfung, die mit ihrer sinnlichen Fülle einen erstaunlich tiesen Gedankengehalt verbindet. Wundervoll reich ist die illustrative Ausstattung des Heftes. Neben den meisterhaft gedruckten Kunstbeilagen nach Werken von Dill, Kampf, Spiro u. v. a. fesseln die farbigen Aufsätze über Philipp Otto Runge von Dr. Paul Ferdinand Schmidt,„Deutsche Fechtkunst“ von Prof. Dr. G. 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Der Naturwein ilt das reine Produkt der Traube. Dem aus ihr gewonnenen Molt wird keinerlei Zulatz beigefügt. Der„gezuckerte“ Wein ilt gewonnen aus Molt, dem Rübenzucker zugeletzt worden ilt. Ob es überhaupt nötig ilt, in Jahren mit nicht genügender Sonnenwärme dem Molte Zucker zuzufügen, darüber ilt man geteilter Nleinung. Die Itaatlichen Weinbauinltitute, die Domänen u. a., letzen dem Molte bekanntlich niemals Zucker zu. Diese Inititute belitzen Weinberge in Orten, wo das Zuckern der Molte die Regel bildet, und doch werden die von ihnen zum Verkauf geltellten Weine bei den Verlteigerungen lebhaft begehrt. Um jedoch ganz licher, zu gehen, lehe man lich die Naturwein-Produzenten. Verband Deutlcher Naturweinverlteigerer, an, die auch niemais zur Zuckerung greiten, oder lofort aus dem Verband auslcheiden müllen, worin lie nie wieder autgenommen werden. Warum setzt man dem Molte eigentlich Zucker zu? Der Molt, der in Jahren mit wenig Sonnenlchein gewonnen wird, ilt weniger lüß, dagegen reicher an Säure. Um dielen Giehalt an Säure zu vermilchen, letzt man Waller zu, weil nun aber durch das Waller der Gelamtltoff dünner wird, letzt man in Waller gelölten Rübenzucker zu, der dem verdünnten Produkt wieder zur Fülle verhelfen Toll. Es bedarf wohl keiner belonderen Betonung, daß das Waller, das auf diese Weile als„vvein“ verkauft wird, einen gewillen Anreiz bildet, der Tchließlich zu einem Mißbrauch ausarten kann. Deshalb die„Weingeletze“! Die Naturlüße des Moltes entlicht durch den von der Natur gebildeten Traubenzucker. Er koltet in der Form, wie er im Naturmolt lich vorfindet, beim Drogilten Nlk. 6.50 das Pfund. Der Rübenzucker, wie er beim Zucker des Weines Verwendung findet, koltet Nik. 0.32 das Pfund. Er ilt allo 20 mal billiger als der Traubenzucker. Wenn dieler billige Zucker nun aber lo genollen würde, wie z. B. bei dem obenerwähnten Citronenlaft, lo wäre das eine ideale Sache. Aber! Der Mlolt, der Naturmolt lowohl, wie auch der mit Rübenzucker verlühte, gärt um. Aus den beiden Zuckerarten, Traubenzucker(Mk. 6.50) und Rübenzucker( Mk 0.52) gärt Alkohol. Der Unterschied zwischen diesen beiden Alkoholen ilt ohne weiteres aus den Preisen der Urltoffe erlichtlich. Schon rein rechnerisch tritt er hervor. Aber mehr noch tritt der Unterschied hervor in der Praxis. Alkohol aus Naturwein 20 mal mehr wert. Wohlbekömmlich, leicht, keine Nebenerscheinung. Macht froh und heiter. Die feine Säure, die lich übrigens beim Flalchenlager selbst mehr und mehr verliert, macht Appetit. Sie regt die Labdrülen des Magens an, erzeugt Hungergefühl. Naturwein, selbst der geringlte, hat Bukett, er ist auf der Flaiche entwicklungsfähig. Selblt bei reichlichem Genuß ilt er am anderen Morgen ohne jede Nachwirkung. Im Weinland beiteht der Spruch:„Sauer macht luftig!“ Naturwein ist Medizin. Er ist die„Milch des Greisenalters!“ Alkohol aus gezuckertem Wein 20 mal minderwertiger als Naturwein. Bekommt feinen Nerven schlecht, weil er im Gegenlatz zum Naturalkohol Fufelöl, das schädigende Prinzip des Alkohols, in reichem Maße enthält. Deshalb bei ltärkerem Genuß hochroter Kopf, lüß animierend, kein Bukett, die anregende Säure fehlt, bei reichlicherem Genuß am anderen Tage Kopfweh, Ichwerer Kater. pappiger Gelchmack im Munde. Wahre Freude hat er nicht auslösen können. Der Rausch durch gezuckerten Wein ist in leiner Erlcheinung übel, Erbrechen ulw. Etwas, was auf diele Weile wirkt, kann auch in kleinen Dolen nicht förderlich lein! Deshalb, deutscher Weintrinker, trinke nur Naturwein! Man verlange von leinen Lieferanten nicht die Belcheinigung„garantiert rein“, dem„Geletz“ entIprechend(die oben erwähnte Himbeerbrühe entlpricht auch dem„Geletz“), londern die ausdrückliche Garantie für„Nvuturweine“. In Galthäufern oder Weinltuben achte man darauf, daß bei den Weinen das „wachstum“(Erzeuger) angegeben ilt. Diese Angabe darf nur bei Naturweinen gemacht werden, oder daß der Wein von Mitgliedern des Verbandes Deuticher Naturweinverlteigerer hergeltellt worden ilt. Verband Deutscher Naturwein-Verlteigerer Abteilung: Rheinhessen. N 124 160. Jahrgang Detmold, Sonntag, 30. Mai 1926 Altestes und verbreitetstes Blatt des Die Lippische Landes=Zeitung mit den unentgeltl. Beilagen„Die Lipp. Landes=Zeitung im Bild“,„Gut Brand“, „Unterhaltungsbeilage“,„Turn= u. Sportschau", Deutsches Lied“,„Vaterländ. Blatter“,„Kinderzeitung“ und„Der Landwirt“ erscheint täglich frühmorgens, außer Montags. Monatl. Bezugspreis 2 4, im Pesivezug 2 J zuz. Bestellg. Im Falle höh. Gewalt, bei Streik od. Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieserung od. Nachlief. der Zeitung od. auf Rückzahlung des Bezugspreises: Herausgeber: Hofrat Staercke. Berantw. Redakt. E. Meinhard, für den lok. Teil u. für die„Lipp. Landes=Ztg. im Bild“: Wilh. Schmiedeskszap, für die Anzeigen: Wilh. Brand. Druck u. Verlag der Meverschen Hofbuchdruckerei, sämtl. in Detmold. Geschäftsstelle in Detmold, Grabbestraße 10. Landes und der angrenzenden Bezirke Anzeigenpreis: 12 G.=Pfg., Familienanzeigen und Stellengesuche 10 G.=Pfg., amtliche Anzelgen 20 G.=Pfg., die Millimeterzelle oder deren Raum; Reklamen 40 G.=Pfg. Schwieriger Satz mit 50% Aufschlag. Beilagengebühr: 1000 Stück 15 G.=Mk., bei Teilauflage höher. Platzvorschriften mit erhöhtem Zeilenpreis. Bei Wiederholungen und Abschlüssen Rabatt nach Tarif. Zahlungspflicht 8 Tage nach Rechnungserteilung. Anzeigenrabatt gilt als Kassenrabatt und kommt in Wegfall bei Überschreitung der Zahlungsfrist, bei zwangsweiser Eintreibung durch Klage und außergerichtl. Vergleichen. Postscheckkonto Hannover Nr. 7646. Telegramm=Adresse: Landeszeitung Detmold. Druckereigebäude in Detmold, Leopoldstr. 12. Fernspr. Nr. 28 u. 24. Vertretungen in allen Orten des Lipperlandes. Heute 8 Seiten Die polnische Umwälzung Personen und Aussichten. Von Diplomaticus. Auf dem Boden der gestern geschilderten Zustände kam der Staatsstreich Pilsudskis zustande. Daß nur er ihn wagen konnte, erklärt sich aus dreierlei Umständen: von allen lebenden Polen war er der früheste, der die bewaffnete Hand für die Freiheit gegen das russische Joch erhob, nämlich schon im August 1914 mit den ersten österreichischen Truppen, die die Grenze überschritten. Er erwarb dadurch den Stempel des Nationalhelden wie Kosciuszko. Alsdann erwies er sich als eine echte Freischärlernatur,— eine Natur, die der polnischen Seele(wie der italienischen) näher steht, als die des Fachmilitärs. Endlich bewahrte er in Haltung und Lebensweise den Anschluß an den gemeinen Mann und mied die Staatskrippenpolitik, ja er mied sie nicht nur, er brandmarkte sie öffentlich bei jeder passenden Gelegenheit, und zwar in einer völlig ungezwungenen, man kann schon sagen, unbeherrschten populären Redeweise, die jeden anderen vor die Gerichte gebracht hätte. Nach vertraulichen Berichten, die über die Grenze gekommen sind, ist kein Zweifel mehr, daß der Putsch seit einem halben Jahr vorbereitet worden!“. Die Hauptrolle dabei hat der General Seligowski vielt, ein unbedingt ergebener Freund Pilsudskis. L# Pilsudoki dem Kabinett Skrzunski den General Seligowski als Kriegsminister aufzwang und dadurch seine beiden schärfsten Widersacher, den General Sikorski als Kriegsminister und den General Grafen Szepticki als Generalinspektor der Armee beseitigte, war damals auch schon eine Art Putsch, nur ohne Blutvergietzen. Es ist auch als sicher anzunehmen, daß die Vorbereitungen mit Kenntnis und Duldung des Grafen Skrzynski geschahen, der bis zum 10. Mai Ministerpräsident und Minister des Acußeren war; denn dieser begabte Diplomat, zwar nicht dem Linkslager Pilsudskis angehörig, hatte doch bei seinen erfolgreichen Aktionen in Locarno, Genf und Paris, beim Abschluß seiner Schiedsgerichts= und Handelsverträge in Bukarest, Prag und Wien deutlich verspürt, daß Polen ein beargwöhnter Verhandlungspartner sein und bleiben würde, so lange es unter der Fuchtel des rechtsparteilichen Blocks mit seiner Provokationspolitik nach außen und seiner liederlichen Wirtschaft im Innern stände. Die Einfädelung der Katastrophe war ein richtiges amüsantes Operettenstück; ich bedauere, daß mir hier der Platz fehlt, es auszuführen. Nicht ganz sicher, aber ziemlich unwichtig ist, ob der Marschall die Legionen die ihm der Kriegsminister im Uebungslager von Rembertow wie auf dem Präsentierteller hingestellt hatte, zum Zuge nach Warschau aufforderte, oder sich. mit diplomatischer Zurückhaltung, von ihnen hierzu auffordern ließ. Die Hauptsache war, daß er den Schlag plötzlich, unvermutend, betäubend führte. Er kannte seine Landsleute; er wußte, seine Widersacher würden sich ducken, wenn er ihnen keine Zeit zur Besinnung liebe. Wojcziechowski, der Staatspräsident, Witos. der Ministerpräsident, die anderen Minister, sogar General Szepticki, der gewissermahen davongejagte Generalissimus, konnten sich im ersten oder zweiten Schrecken nicht entbrechen, das Volk durch Proklamationen aufzufordern, die Herrschaft Pilsudskis anzuerkennen. Ueber die ohnmächtigen Gegenzüge solcher verzweifelter Räubernaturen wie Korfanty und General Haller konnte Pilsudski die Achsel zucken. Die Art, wie Pilsudski seine unumschränkte Macht gebrauchte, nachdem er sie errungen, zeigt ihn in neuem Lichte. Seine Diktatur aufzurichten, seine Gegner niederzutreten, wäre ihm ein Leichtes gewesen. Er hat ##, verschmäht. Er hat die Verfassung anerkannt und ihr unterworfen; er hat die Nationalversammlung einberufen, um ihr die eben gewonnene Macht zu Übergeben; er hat seine Widersacher befreit, laufen lassen, oder bis auf drei Generale, die Verbrechen begangen haben sollen, begnadigt; er hat sich beeilt, den fremden Gesandten und Journalisten, mit besonderem Eiser den französischen, zu versichern, er wolle nichts anderes als die Herrschaft von Frieden. Arbeit und Gesetzlichkeit aufrichten und mit seiner Person, wenn es dem Vaterlande nützlich, verschwinden. Den volnischen Botschafter in Paris jedoch, den Pan Chlapowski, der dort Großoffizier der Ehrenlegion und Halbfranzose geworden war, hat er nach Warschau berufen, um zu erklären, wer ihn bevollmächtigt hätte, am Tage des Umschwungs in einer öffentlichen Kundgebung in der Pariser Sorbonne zu versichern, Pilsudoki sei ein gewöhnlicher Hochverräter, und die Regierung in Warschau, die nur einem Ideal nachlebe, mit der großen französischen Nation auf Leben und Sterben vereint zu sein, habe ihn schon beim Kragen. Andererseits wehrt Pilsudoli die auflodernden Wünsche seiner sozialistischen, agrarradikalen und militärischen Freunde nach radikalen Maßnahmen, die sie Reformen nennen, aber Vergewaltigungen merkwürdig ähnlich sehen, mit sanfter Hand ab und verweist sie auf die gesetzlichen Instanzen, die von der Nationalversammlung erst geschaffen werden sollen. Schon einmal hat Pilsudski durch eine Wandlung überrascht. Von Hause aus sozialistischer Revolutionär, wurde er an der Spitze seiner Legionäre ganz Soldat. Es schien, als ob das militärische Interesse sein Herz ganz und gar gefangen genommen hätte. Jetzt überrascht er durch seine Wandlung zum Staatsmann. Wahrscheinlich handelt es sich aber überhaupt nicht um Wandlungen. So wie er als Militär seine Beziehungen zu seinen alten radikalen Freunden niemals hat einschlafen lassen, so hat er anscheinend nie aufgehört, ans Staatsganze zu denken und sich nur zum sichtbaren Exponenten der Annee gemacht, um le sicher in seine Hand zu bekommen. Das scheint ja etzt in der Hauptsache geschohen zu sein. liegt in der Logik der Vorgänge, daß Pilsudokt von der Nationalversammlung(das ist die Vereinigung von Seim und Senat) zum Präsidenten der Republik gewählt wird. Er weiß das ganz gut. Dennoch hat er sachte abgewehrt. Der Grund liegt auf der Hand. Das polnische Staatspräsidium ist ein dekoraives Amt. Daran liegt ihm nichts, ihm liegt an der Handlungsfreiheit. Als Staatsoberhaupt hat er sie nur, wenn dieses Amt mit den Machtvollkommenheiten ausgestattet wird, die der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat. Kann er sich eine Versassungsänderung sichern, wird er sich wählen lassen; kann er es nicht, bleibt er lieber Chef der Ermee, als solcher der ausschlaggebende Mann im Staate, bis die Zeit zur Verfassungsänderung reif geworden ist. Wie diese Sache liegt, werden wir viel1 morgen schon erfahren. Am morgigen Montag ititt die Nationalversammlung zusammen. Möglich, daß der Stand der Dinge schon am ersten Tage klar wird. Folgende Probleme wollen von einem Regiment Pilsudot gelöst sein— u. man kann ruhig hinzufügen: können nur von ihm gelöst werden: 1. Herbeiführung vernünftiger Handelsbeziehungen den Nachbarländern; Internationalen 2. Ausführung der Beschlüsse des In Schiedsgerichts im Haag; 3. Billige und gerechte Bodenreforn; 4. Beschränkung der Rüstungen; 5. Regelung der polnischen Position im Völkerbund; 6. Finanzreform, d. h. vor allem eine große Auslandsanleihe; 7. Beseitigung oder wenigstens Milderung der inneren Korruption; 8. Regelung der Minoritätenfrage und der Autonomietendenzen der Westprovinzen. Jedes dieser Probleme ist unentwirrbar verstrickt, jedes ist ein Weichselzopf. Sie bedingen sich gegenseitig ungefähr in der angegebenen Reihenfolge. entstehen; so ionäre. Ihre Komplikationen werden oft und am ehesten durch die Forderungen der Befriedigung durch die Bodenreform hat noch lange Wege; so wird die Verminderung des Heeresstandes ein überaus schwieriges Problem bleiben und als vorläufiger Ausweg die kräftige Heradsetzung der Dienstzett gewählt werden. In Deutschland soll man sich hüten, von Pilsudoki eine deutsch=freundliche Politik zu erwarten. Seine Gefühle gegen das Deutschtum sind im tiefsten Grunde von denen aller anderen Polen nicht sehr verschieden. Persönlich ist er ja auch im Kriege, obwohl Verbündeter, von der berühmten psychologischen Unzulänglicheit, der deutgenug keit, man kann schon sagen: Seelenblindheit, de schen militärischen Verwaltungestellen schlecht behandelt worden. Aber er wird auch unnötige keine deutsch=feindliche Politik machen. Seine Achtung vor deutscher Tüchtigkeit hat er dauernd bekundet, man darf annehmen, daß sie ihm als Ideal für sein Volk vorschwebt. Sonst ist er nur Pole; aber ein Pole von intensiver, nicht extensiver Richtung, d. b. er glaubt nicht, daß es zum Vorteil seines Volkes sei, seine Kräfte im Kampf gegen fremdes Volkstum aufzuzehren. Darum neigt er zu einer weitgehenden Berücksichtigung der nationalen Wünsche der Minderheiten. War es doch diese Neigung, die seine erste Präsidentschaftszeit zum guten Teil unfruchtbar machte und ihr ein wenig erfreuliches Ende bereitete. Für uns kann das Verhalten der französischen Politik gegenüber Pilsudskis Regiment ein Barometer der Einstellung sein; jetzt macht man an der Seine noch mit kerster Selbstbeherrschung eine süßsauere Miene. Das kann für uns kein Anlaß sein die Stirn zu runzeln. Stresemann gegen Graf Westarp Die Außen= und Innenpolitik utb. Rostock, 29. Mai.(Radio.) Anläßlich einer Landesversammlung der Deutschen Volkspartei sprach Reichsminister Dr. Stresemann heute hier über die politische Lage und nahm im wesentlichen Bezug auf eine Rede, die Graf Westarp in Schwerin gehalten hat. Zur Kritik Graf Westarps an dem Dawes=Abkommen führte Dr. Stresemann etwa folgendes aus: Die Meinung Graf Westarps, daß die gegenwärtige schwierize Lage der deutschen Wirtschaft als eine Folgeerscheinung des Dawes=Abkommens hinzustellen sei, ist vollkommen unrichtia. Man kann nicht die Leistungen aus dem Dawes=Abkommen und die Laze, wie sie ohne derartige Leistungen sein würde, gegenüberstellen, sondern man muß die Situation gegenüberstellen, die sich vor Abschluß des Dawes=Abkommens und nach diesem für die Gestaltung der deutschen finanziellen und wirtschaftlichen Verhaltnisse ergeden hat. Gewiß haben die tatsächlichen Verhältnisse gzezeigt, daß man die Eitwicklung einer Wirtschaft nicht theoretisch vorausbestimmen kann, denn gerade in der Zeit der nach dem Dawes=Abkommen der deutschen Wirtschaft gegebenen Atempause ist die große Arbeitslosigkeit entstanden. unter der wir jetzt leiden. Aber man wird auch die Frage stellen müssen, wie Deutschland über diese große Krisis hinweggekommen wäre, wenn anstelle der für die Uebergangszeit vorgesehenen Regelung der erst allmählich ansteigenden Leistungen jene vor den Londoner Vereinbarungen herrschinde Willkür weiter Platz gegriffen hätte. Man darf diese Frage nicht durch parteipolitische Einseitigkeit in einem falschen Licht erscheinen lassen. Sollte sich im Laufder Entwicklung ein negatives Ergebnis der DawesRegelung herausstellen, so wäre die Voraussetzung für eine Aenderung der Art und der Methode der DawesRegelung ebenfalls eine auf gegenseitiger Verständigung aufgebaute Außenpolitik der beteiligten Mächte. Wenn Graf Westarp in Bezug auf die Frage der großen Koalition in seiner Rede weiter zum Ausdruck bringt, daß die Deutsche Volkspartei sich dem Zentrum gegenüber verpflichtet habe, die neue Regierung nach links zur großen Koalition zu erweitern, so müßte nach dem Beschluß der Deutschen Volkspartei wie des Zentrums, die Regierung nur durch Parteien zu erweitern, die die Garantie böten für eine Fortführung der bisherigen Außenpolitik und für Anerkennung der bestehenden internationalen Verträge angenommen werden, daß er durch diese Ausführungen für die Deutschnationale Volkspartei die Garantie der Fortführung der bisherigen Außenpolitik und der Anerkennung der beste henden internationalen Verträge ablehnt. Er wird aber wohl selbst nicht erwarten, daß diejenigen Parteien, an die er appelliert, gewillt sind, sich ihrerseits aus den Bahnen der von ihnen als richtig anerkannten Außenpolitik verdängen zu lassen, und er wird danach die Frage, wer die Wege zur Mitarbeit der Deutschnationalen Volkspartei verbaut, sich selbst beantworten können. Zur Frage der Fürstenabfindung bemerkte Dr. Stresemann, daß die Deutsche Volkspartei an ihre Anhänger im Lande den Appell richte, der Stimmabgabe fern zu bleiben. Die Deutsche Volkspartei werde alles daran setzen, doch einer Kompromißentscheidung zur Annahme zu verhelfen, um durch eine solche reichsgesetzliche Regelung der jetzigen Unsicherheit der Verhältnisse auf diesem Gebiet ein Ende zu machen. Das Abfindungskompromiß Berlin, 30. Mai.(Radio.) Der Gesetzentwurf über die Vermögensauseinandersetzungen mit den früheren Fürstenhäusern ist jetzt, wie der„Verl. Lokal=Anzeiger“ meldet, vom Reichorat erledigt und dem Reichotag überwiesen worden. Der Reichstag wird vorauesichtlich den Entwurs erneut dem Rechtsausschuß überweisen. In parlamentarischen Kreisen halte man es, dem Blatt zufolge, nicht für wahrscheinlich, daß der Reichotag noch vor dem Volksentscheid die Vorlage erledigen wird. Stärke der Besatzungsarmee Berlin, 30. Mai.(Radio). Nach einer Stattstit des Reichoministeriume für die besetzten Gebiete, die den Blättern zufolge, dem Reichotagsausschuß für die Besatzungsfragen zugegangen ist, betrügt gegenwärtig die Zahl der französischen Truppen im Rheinland 72.000, die der Belgier 7944, die der Engländer 8155. Insgesamt stehen danach in der 2. und 3. Zone 88 000 Mann, während in diesem Teile des Rheingebietes vor der Räumung der 1. Zone 80 250 Mann standen. Brasilien und der Völkerbund wtb. Paris, 29. Mai.„Oeuvre“ zufolge habe Brasilien auf freundschaftliche und einmütige Bitten hin erklärt, es werde kein Beto gegen den Eintritt Deutschlands in den Bund einlegen.— Es sei ein Abkommen getroffen worden, dem Brastlien zugestimmt habe. Einzelheiten über dieses Abkommen teilt das Blatt jedoch nicht mit.— Diese Nachricht wird auch von„Quotidien" bestätigt. Brasilien und Spanien dürften, selbst wenn sie während der Bölkerbundstagung nicht zugleich mit Deutschland ständige Sitze im Bölkerbundsrat erlangten, sich zugunsten der Zuteilung eines ständigen Sitzes an Deutschland aussprechen. wtb. London, 29. Mai. Die Meldung, daß Brasilien endgültig beschlossen habe, sein Beto gegen die Erteilung eines ständigen Natesitzes an Deutschland nicht aufrechtzuerhalten, wird von der Presse viel beachtet. Ernrek" erklärt, die britische Festigkeit habe einen Sieg in Genf danongetragen. Deutschlands Aufnahme wüter sem Ostlkcnn ef. 5.=aml bie. Stärkung verleihen. wtb. Poris, 29. Mai.(Radio.) Der Vertreter Brasiliens bei den letzten Genfer Besprechungen über die Ratsfrage, Montaroyos. teilte im Gegensatz zu französischen Blättermeldungen über eine Aenderung der Haltung Brasiliens in der Frage der Ratssitze einem Vertreter der Agentur Havas gegenüber mit, daß die von Brasilien angenommene Haltung unverandert bleibt. Weiterhin erklärte er, er habe Gelegenheit gehabt, am Schluß der Verhandlungen des Völkerbundsausschusses Herrn von Hoesch persönlich zu erklären, daß er die von ihm abgegebene Versicherung wiederhole und verschärfe, nämlich daß Brasilien in keinem Augenblick daran gedacht habe, sich der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund zu widersetzen. Die Lage in Portugal wtb. Lissabon, 29. Mai. Die Regierung hat gestern eine Mitteilung veröffentlich, die besagt, der Aufstand beschränkte sich auf einige Elemente von Braga, die unter dem Befchl des Generals Gomez Costa ständen. 2 Abteilungen würden in Porto aufgestellt, um die Aufständtschen von Braga mattzusetzen. wtb. Lissabon, 29. Mai.(Radio). Der Präsident der Republik hat den Parteiführern mitgeteilt, er bewahre der gegenwärtigen Regierung das Vertrauen. Diese Regierung verfüge über die notwendigen Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung. General Peies trifft Vorkehrungen, um die Aufständischen in der Gegend von Braga anzugreifen. wtb. Paris, 29. Mai.(Radio). Nach einer HavasMeldung aus Lissabon treffen Nachrichten über die revolutionäre Bewegung infolge der auberordentlich strengen Zenfur nur langsam ein. Die Zeitungsverleger hätten beschlossen, als Protest gegen die Zensur keine Zeitungen erscheinen zu lassen. Kavalleriepatrouillen durchziehen Tag und Nacht die Stadt. Lissabon sellst sei vollkommen ruhig. Die Bevölkerung gehe ihrer Arbeit nach. Paris, 29. Mai. Nach einer Meldusig aus Lissihon ben die Führer der Aufstandsbewegung den räsidenten der Republik aufgefordert, eine republikanische Regierung aus Nichtparlamentariern zu bilden und die Führer der politischen Parteien zu sich zu berufen Nach einer Havas=Meldung ist es die 8. Division, die gemeutert hat. Die Tivision von Porto habe sich ihr ebenso angeschlossen wie verschiedene andere Einheiten, um auf die Hauptstadt zu marschieren. Erkrankung des Reichstagopräsidenten Löbe. Der Reichstagspräsident Löbe erkrankte Freitag abend an einer akuten Entzündung der Gallenblase. Er litt große Schmerzen und hatte Fieber. Er ließ den Arzt und Reichstagsabg. Dr. Moses kommen, der ihn in Behandlung nahm. Während der Arzt das Krankheitsbild Freitag abend als typisch schlecht bezeichnen mußte, konnte er es gestern vormittag als zur ansprechen. Es geht Herrn Löbe bedeutend besser. Er wird aber noch die nächste Woche das Bett hüten müssen. „Platz der Republik“. Der Berliner Polizeipräsident hat unter dem gestrigen Datum an den Berliner Magistrat eine Verfügung ergehen lassen, daß von gestern ab der Königsplatz den Namen„Platz der Republik“ trägt. Unheils wtb. Tuonnad(Siebenbürgen), 29. Mai. Ein Aunnad(S tobus stürzte in einen 50 Meter tiefen Abgrund. 4 Personen wurden getötet, 16 verletzt. wtb. Sao Paolo, 29. Mai. Infolge der Explosion eines staatlichen Munitionsdepots wurden 20 Zivilisten und 2 Offiziere getötet und eine Anzahl Personen verletzt. wtb. Marburg a. d. L., 29. Mai. Heute vormitta passierten etwa 20 Personenautos auf der Fahrt na Kassel den Ort Anzefahr. Kurz hinter dem Ausgang des Dorfes kam ein mit 4 Personen besetztes Auto ins Schleudern und fuhr auf einen Chausseestein. Die Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert wobei Frau mtsgerichtsrat Jäckel aus Gieben so schwer verletzt sie innerh rigen Inse dießen schn icht. Die Jäckel aus Gieben so schwer verletzt wurde, daß sie innerhalb weniger Minuten verstarb. Von den übrigen Insassen wurde der Frauenarzt Dr. Koch aus Gießen schwer verletzt in eine Marburger Klinik gebracht. Die anderen kamen mit leichteren Verletzungen davon. landenachrichton Die Wirkung des Kohlenmangels in England. wtb. London, 29. Mai.„Daily Telegraph" berichtet, daß der Kohlenmangel infolge der Stillegung der Kohlenbergwerke die ernsteste Wirkung auf die Industrie in allen Teilen des Landes ausübt, insbesondere in Sheffield hat die Zahl der Hochöfen, die den Betrieb einstellen mußten, zugenommen. Die Zahl der Arbeitslosen in Südwales wächst ständig. wlb. London, 29. Mai.(Radio). Angesichts des Bergarbeiterstreiks wurde der am 30. April erklärte Ausnahmezustand verlängert. Unterstützung der streikenden englischen Vergleute. wtb. London, 28. Mai.(Radio). Den Bergarbeitern sind durch die internationale Bergarbeitersörderation folgende Beihilfen zugegangen: Aus Deutschland 5000, aus der Tschechoslowakei 1000. aus Oesterreich 145, aus den Niederlanden 100, aus Belgien 750 und Jugoslavien 60 Pfund Sterling. Aus Deutschland wurde ein weiterer Betrag von 5000 Pfund Sterling in Aussicht gestellt, die Niederlande beabsichtigen ebenfalls weitere 100 Pfund zur Verfügung zu stellen. Die englische Nationalspende zugunsten der Polizei. utb. London, 28. Mai. Die Nationalspende zugunsten der britischen Polizel, die den Dank der Berölkerung wegen der Haltung der Polizei während des Generalstreiks zum Ausdruck bringen soll, hat bereits mehr als 200 000 Pfund Sterling ergeben. wtb. Hammersmith, 29. Mal. Bei der Nachwahl zum Parlament erhielt der Kandidat der Arbeiterpartei 13095. der Kandidat der Konservativen 9484, der liberale 1974 Stimmen. Die Arbeiterpartei hat damit einen neuen Sitz gewonnen. Eine große englische Fabrik durch Feuer zerstört. wlb. Blundellsands(Manchester), 28. Mai. Letzte Nacht wurden die ausgedehnten Gebäude der Fabrik Costain u. Sohn mit ihren Holzvorräten und Maschinen von einer Feuersbrunst zerstört. Das Feuer bedrohte den benachbarten Bahnhof, der jedoch geschützt werden konnte. Die Völkerbundskontrolle für Ungarn. wtb. Gens, 28. Mai. Auf Ersuchen der ungarischen Regierung ist die Abschaffung der Finanzkontrolle des Vilkerbundes für Ungarn, deren Behandlung im März wegen der Frankfälschungen verschoben worden war, nachträglich auf die Tagesordnung der am 7. Juni beginnenden Tagung des Völkerbundsrates gesetzt worden. Kleine Meldungen Berlin, 30. Mai.(Radio.) Die am Tarisvertrag für Gas=, Wasser= und Elektrizitätswerke Rheinland= Westsalen beteiligten Gewerkschaften haben den Lohnvertrag zum 30. Juni gekündigt. Es wurde, dem„Vorwärte" zufolge, wegen der Teuerungsverhältnisse eine Lohnerhöhung gefordert. Ferner wurde der Arbeitozeitvertrag gekündigt und die Wiedereinführung der achtstündigen Schicht verlangt. Berlin, 30. Mai.(Radio). Zwischen den Stationen Laufach und Aschaffenburg löste sich bei dem Abendschnellzug Karlsbad=Nürnberg=Frankfurt a. M. in der Mitte des Zuges die Kuppelung. Der Zug mußte auf offener Strecke halten, wo der Schaden sofort behoben wurde. Der hinterherfahrende Orlent=Expreßzug konnte rechtzeitig benachrichtigt werden und wurde aufgehalten. wtb. Paris, 29. Mai.(Radso). Der deutsche Botschafter von Hoesch und der belgische Botschafter in Paris haben heute das Abkommen zwischen dem deutschen Reich und Belgien über den Luftverkehr unterzeichnet. Abschiedsessen des Reichspräsidenten für Dr. Luther. Ehren des aus dem Amte geschiedenen ReichoZu rrhren des aus dem umie mirch.. kanzlers Dr. Luther gab der Reichspräsident Freitag abend ein Abschiedeessen zu dem die Mitglieder des Reichekabinetts und in Vertretung Löbes Reichstagsvizepräsident Dr. Bell erschienen waren. Der Reichspräsident sprach Dr. Luther seine besten Wünsche für Skagerrak Zue Erinnerung an den deutschen Seefieg am 31. Mai 1916. Zum zehntenmal jährt sich morgen der unvergeßliche Tag, an dem die junge deutsche Flotte ihre größte Tat im Weltkriez vollbrachte und den ihr an Zahl weit überlegenen englischen Gegner im Stagerrak zu einer Schlacht zwang, der größten Seeschlacht aller Zeiten, aus der sie siegreich hervorging. Ein volles Jehrzehnt trennt uns nun schon von diesem Tage und doch erscheint die Frage berechtigt: Sind es wirklich schon 10 lange Jahre, seitdem die Kunde von dem gewaltigen Seetreffen das deutsche Land und die gesamte Welt durcheilte und Stolz, Bewunderung und drüben im englischen Inselrelch Bestürzung und Furcht hervorrief? Am Taze nach Himmelfahrt war's, am 2. Juni 1916, als die ersten genaueren Nachrichten über die Schlacht im Skagerrak durch die Zeitungen verbreitet wurden und aller Blicke auf die deutsche Hochseeflotte lenkten, die mit dieser Schlacht allen Zweiflern zum Trotz einen überzeugenden Beweis ihrer Leistungsfähigkeit im Kampfe mit dem seemächtigsten Volk der Erde gegeben hatte Der amtliche Heeresbericht vom 1. Juni 1916 meldete: „Unsere Hochseeflotte ist bei einer nach Norden gerichteten Unternehmung am 31. Mai auf den uns erheblich überlegenen Hauptteil der englischen Flotte gestoßen. Es entwickelten sich am Nachmittag zwischen Skagerrak und Horns Riff eine Reihe schwerer, für uns erfolgreicher Kämpfe, die auch während der ganzen folgenden Nacht andauerten. In diesen Kämpfen sind, soweit bisher bekannt, von uns vernichtet worden: Das Großschiff„Warspite“, die Schlachtkreuzer„Queen Mary“ und„Anorfatigadle“, zwei Panzerkreuzer, Kreuzer, die neuen Zerstörerführerschiffe„Turbulen!“, Restor“ und„Alcastor“, sowie eine große Anzahl von Torpedobootzerstörern und ein Unterseeboot. Nach einwandfreier Beobachtung haben ferner eine große Reihe englischer Schiffe durch die Artillerie unserer Schiffe und durch die Angriffe unserer Torpedobootsflotille während der Tagesschlacht und in der Nacht schwere Beschädigungen erlitten, und es hat auch das Großkampfschiff„Marlborough“, wie Gefangenenaussagen bestätigen, Torpedotreffer erhalten. Auf unserer Seite ist der Kleine Kreuzer„Wiesbaden" während der Tagesschlacht durch feindliches Artilleriefeuer und in der Nacht S. M. S. „Fommern" durch Torpedoschuß zum Sinken geracht worden. Ueber das Schichsal S. M. S. „Frauenlob“, das vermißt wird, und einiger Torpedoboote, die noch nicht zurückgekehrt sind, ist bisher noch nichts bekannt. Die Hochseeflotte ist im Laufe des heutigen Tages in unsere Häfen eingelaufen.“ Auf deutscher Seite war unter Führung des Vizeadmirals Scheer die gesamte Hochseeflotte beteiligt, ebenso auf englischer Seite der größte Teil der englischen Kampfflotte, darunter allein etwa 34 Großkampfschiffe, die unter dem Befehl der Admirale Jellicoe und Beatty standen. Das deutsche Kreuzergeschwader befehligte Vizeadmiral Hipper. Die nächsten Tagen brachten weitere Einzelheiten über den Verlauf des Seetreffens, die den deutschen Sieg in vollem Umsang bestätigten, auch wenn sich der Gesamtverlust der deutschen Flotte noch etwas höher herausstellte. Auf deutscher Seite sanken 1 Schlachtkreuzer, 1 älteres Linienschiff. 4 Kleine Kreuzer und 5 Torpedoboote. Die Hochseeschlacht vor dem Skagerrak war und bleibt aber ein deutscher Sieg, wie sich allein schon aus der Tatsache ergibt, daß selbst bei Zugrundelegung nur der von amtlicher englischer Seite zugezebenen Schiffsverluste einem Gesamtverlust von 60 720 deutschen Kriegeschiffstonnen ein solcher von 117 750 engli. schen gegenübersteht. Der deutsche Sieg wird heute auch von keinem englischer Secoffizier mehr bestritten, nachdem man anfangs unter dem niederschmetternden Eindruck der Schlacht alles versucht hatte, um dem eigenen Volk die Niederlage zu verheimlichen. Die Wahrheit hat sich auch hier Bahn gebrochen und wenn jüngst Lord Sydenham in der angesehenen„English Review schrieb: „In der langen und glorreichen Geschichte der britischen Marine ist nichts verzeichnet, was sich mit dieser Tragödie auch nur einigermaßen vergleichen ließe“. so beweisen diese und andere Aeußerungen mabgeblicher Persönlichkeiten, daß man in England die Tatsache des deutschen Sieges im Skagerrak anerkannt hat. Die meisten deutschen Schiffe, die vor 10 Jahren im stürmischen Skagerrak unter der ruhmreichen schwarz= weiß=roten Flazge für das Vaterland kämpften, ruhen herte auf dem Meeresgrunde bei Scapa Flow. Aber ihre Taten, ihre Führer und ihre Besatzungen, sind im deutschen Volk unvergessen und unvergessen sind alle diejenigen, die damals in die gurgelnde See hinabgerissen wurden und freudig ihr Leben hingaben für die deutsche Heimat. Der Tag von Skagerrak wird für alle Zukunft ein einzigartiges Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte bilden. Neues vom Cage Eisenbahnunsall eines Militärtransportes. Die Reichsbahndirektion Stuttgart voilt mit: Bei der Ueberführung eines Militärzuges vom Ortsgüterihnhof Ludwigsburg nach dem Rangierbahnhof Korne h u. ung einer Weiche 2 mit Pferden beladene Wagen leist und umgestürzt. Von den Begleitmannschafwurde ein Mann getötet, ein 2. schwer verletzt. EiPferde wurden beschädigt. Explosion in einer Dampfmühle. In dem Dampfmühlenwerk von Georg Frühling in Glogau explodierte gestern früh ein Sauerstoffapparat. Der Monteurraum und die darin befindlichen Maschinen wurden vollständig zerstört. Ein Monteur und ein Lohrling wurden leicht, 2 andere Lehrlinge schwer verletzt. Einem von ihnen sind beide Beine abgerissen worden. 7 Liebestragödie im Berliner Westen. Die 19 Jahre alte Tochter Hertha der Witwe des giefabrikanten Schwarzlose wurde von einem n erschossen, well sie seine Anträge zurückgehatte. Der Student versuchte nach der Tat Selbstmordversuch und liegt als Polizeigeim Krankenhaus. * Furchtbare Familientragsdie. Vorgestern nacht verletzte infolge ehelicher Zerwürfgisse und geschäftlicher Schwierigkeiten der 34 Jahre alte Kaufmann Rittershausen in seiner Wohnung in Hohenschönhausen seine 31 jährige Frau und sein fünf Jahre altes Söhnchen durch Revolverschüsse schwer. Darauf schoß er sich selbst eine Kugel in den Kopf. Vater und Sohn sind nach Ueberführung in das Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Die Frau, der die Kugel die Lunge durchbohrt hat, liegt hoffnungslos danieder. * Zwischen Biebrich und Schierstein hat sich am RheinUfer eine furchtbare Tragödie abgespielt. Am Einus des Schiersteiner Hofens sah man ein schweres del im Wasser treiben. Es waren die zusammenbeschnürten Leichen einer Frau, eines Knaben und nes Mädchens. Die Feststellungen ergaben, daß Selbstd voclegt. Schweres Autounglück. Bei Zaist in Holland stieß ein großer, voll besetzter Autoomnibus mit einem Zuge der elektrischen EisenSahn zusammen. Der Autoomnibus wurde vom Zuze In der Mitte durchschnitten. Sämtliche Insassen des Autoomnibusses mit Ausnahme des Chauffeurs, sowie rige Reisende der Zuges erlitten schwere Versetzungen. Eine Dame war sofort tot. * Liebestrag ödie. I Binsen wurden die nde 17jährige Grete stande und der m Walde bei der Försterei Heinbuch im Kreise in Hamburg bei ihren Eltern wohacher erschossen nicht bekannt. Tödlicher Flugzeugabsturz. Gestern vormittag stürzte nördlich des Flugplatzes Staaken ein Flugzeug der Deutschen Verkehrs=Fliegerchule aus 500 Meter Höhe ab. Der 28 Jahre alte Fluzschüler Asel wurde auf der Stelle getötet. Aais Vor Maikäfer=Heere. nmern kommen Meldu gen, die das Land heimsuchen und les kahl fressen. Die Käferplage greift auch auf Redlenbura Strelitz ülber Die Voruntersuchung gegen Landgerichtsdirektor Jürgens Rr ücer er der Sitchch Bur ue chchehe Ue Anklage dürfte Jürgens und feiner Frau annd 70 Fälle des Kreditschwindels, des Versicheigsbetruges und des Meineides bezw. Falschiides Last legen. Jürgens, der sich in Stettin in Haft indet, bestreitet nach wie vor jede Schuld. Ob die uptverhandlung noch vor den Gerichtsferien stattinden kann, ist angesichts des Umfanzes des durcharbeitenden Materials zweifelhaft. * Grausiger Selbstmord eines Liebespaares. S Aus Laibach wird berichtet: Gestern frllh sand An Aufseher im Walde von Opcina die verkohlten LeiDen von: hungen Leuten. Ein Flährioer Ehemann ihr will sich beid Drabt aneinander gesteo über Die, gergziche 8jähriger# te sich in die Schwester seiner Gattin verliebt, die so zu fesseln verstand, daß er ihr willenloses Werkwurde. Gestern fruch hatten sich be ide nach Opeina den, ihre Körper mit einem Draht aneinander ib die Enden des Drahtes über die elektr ungeleitung geworsen. Der Strom augenblicklich und setzte ihre Körper in Brand. ichsten Baum war ein Stück Papier mit der Auf„Berührt uns nicht!“ angeschlagen. Der Scherz mit dem Tode. In einer Zettung von Rennes erschien, wie wir im ##emps“ lesen, am 20. Mai eine Anzeige, worin die Aus Bürgermeister Stümbkes Reich Von Bürgenmneister Quentin, Bad Salzuflen. Gern flüchten wir mit unsern Gedanken aus der sorgenvollen Gegenwart in eine friedlicher VerHeisters Stünbke über die Verwaltung der Stadt Salzuflen für die Jahre 1876 und 1877. Zwischen damals und heute scheint uns eine Ewigkeit zu liegen, obnoch viele unter uns weilen, die schon in dem des seligen Bürgermeisters Stümbke gewohnt Damals ertönte noch kein Pfiff einer Lokoin dem stillen Salzetale. Noch ratterten keine iobile durch die schlafenden Gassen des Städtdens. Noch wandelten keine Scharen Erhobung suchen: K u m ä s t e d u r c h d e n s c h ö n e n K u r p a r k, d e n n n u r wenige suchten damals erst die heilkräftigen Quellen im Salzetal auf. Die Stadt war bewohnt von Ackerbürgern und Handwerkern, die fleißig aber ohne Hast ihrer Beschäftigung nachgingen. Dazu kamen noch die Arbeiter der Hoffmannschen Stärkefabrik. Die Honoratioren der Stadt bestanden aus dem Bürgermeister, Kirdem Stadtrichter, dem Pfarrer der reformierten chengemeinde, dem Arzt. dem Leiter der Rektorschule, dem Apotheker und einigen alteingesessenen Bürgerkamtlien. Freilich hatte das Städtchen auch seine Mängel. Noch lagen überall die Mif Türen der Bürger keine Auf Kreuzer Seydlitz am 31. Mai 1916 Von Marine=Oberstaabsingenieur a. D. Olto Looks d zu ichte. Wir entnehmen nachstehenden Gedenkaufsatz mit Erlaubnis des Verlages J. F. Lehmann in München dem dort erschlenenen prächtigen Werke„Auf See unbesiegt", herausgegeben von Admiral v. Mantey. Preis der beiden einzeln käuflichen Bände je 5 Mark. Beim Lecksicherungsdienst. Bei„Klar Schiff zum Gefecht!“ eilten die Heizer der Freiwache auf ihre Stationen für den Lecksuchdienst. Der Erste Offizier, Korvettenkapitän von Alvensleben, und Oberingenteur der Reserve Lucke, der Führer der Heizerfreiwache, kletterten in die Kommandozentrale, die Panzerluken wurden geschlossen, und nun saßen ste da unten mit ihren Hilfskräften ziemlich eng zuammen, rund 12 Mann in einem Raum von 25 Kubikmetern. Die große schematische Tafel des auseinandergeklappten Schiffes stand bereit; auf ihm konnte jeder Raum mit einem roten Stöpsel versehen werden, wenn er voll Wasser gelaufen war. Daher der Name: Stöpselbrett. Die Seeschlacht konnte beginnen. Krrrums!— krachte unsere erste Salve zur allgemeinen Freude. Aber bald gab es alle Hände voll zu tun und rechnen und nachzudenken, daß der Kopf rau Krach!— ganz in der Nähe hatte es eingeschlagen, das merkte man am harten Schlag. Gleichzeitig brauste aus der einen Ecke oven Wasser. Die Feuerlöschleitung mußte abgerissen sein; deshalb wurde die Leitung abestellt. Aber jetzt schnarrten die Decktelephone und rachten Meldungen.. Durch das Schallrohr rasselte ein kleines Blechtöpschen mit den Zettelberichten und Skizzen von der Oberwelt. Laut las der Melder vor: „Treffer in Abteilung 8 Steuerbord. Die Deckoffiziersse ist zerstört und brennt. Die vordere elektrische Atstelle ist ausgefallen!" Die Feuerwehrgruppe 2 erhielt Befehl, das Feuer zu löschen. Dazu mußte die Feuerlöschleitung wieder angestellt werden. Wenn auch dabei recht viel Wasser in die Höhle der Leckleitung drang, so kam doch noch genug nach oben in die Löschrohre, und das war zunächst das Wichtigste. Oben im Zwischendeck dringt die Feuerwehr vor. Die Gasmasken werden mehr aufgerissen als aufgesetzt, die Schläuche abgerollt und die Nummer 1 stürmt mit dem Spitzenmundstück an den Herd des Feuers.„Feuerlösch 2 Wasser!" befiehlt der Leiter, und ein dicker Wasterstrahl prasselt in die brennenden Trümmer. Qualm, heiße, sengende Glut schlägt der Nummer 1. dem Mundstückführer, entgegen, aber unablässig richtet er seinen Schlauch auf die lodernde Glut, immer nach dem Ausgangspunkt der Flamme spähend. Das Klavier möchte er schonen, aber es ist ja sowieso schon zerbrochen. Wie lange Haare hängen die Saiten daraus hervor, und als er den Strahl darauf richtet, werden se vom Wasser lustig durchgekämmt. Alles lacht zu diesem komischen Bilde, während oben die Geschütze krachen und hier das Feuer wütet. Bald ist das Feuer elöscht, und jetzt muß der Pumpenmeister, der stets öhliche und heitere Maschtnist Roth, dafür sorgen, aß das eingedrungene Wasser gelenzt wird. Kaum ist er mit seinen Anordnungen fertig und hat dem Ersten Offizier Meldung gemacht, als dieser die Nachricht erhält:„Treffer in Umladekammer von Turm Cäsar. Turm Cäsar brennt.“ Befehl:„Fluten!“ Das war eine schöne Bescherung. Also wie am 24. Januar 1915. Damals waren die sämtlichen Kartuschen des Turmes wie ungeheure Rateten, eine nach der andern sich entzündend, abgebrannt mit mächtigen Feuergarben. Damals hatte der Zweite Pumpemeister, Obermaat Heidkamp, die Munitionskammern geflutet. Die Luft war mit giftigen Stickgasen erfüllt, die Ventilräder waren glühend gewesen, das Fleisch seiner Hände verhrannte, als er sie anfaßte, aber er hatte den Befehl des Ersten Offiziers ausgeführt und dadurch das Schiff vor der Explosion gexettet. Jetzt geht ein gewaltiger Stoß durch das Schiff. der ganze Rumpf scheint sich zu heben, und jeder glauht im ersten Augenblick: Jetzt fliegt„Seydlitz“ in die Luft! has feite Schiff fährt r.“ treffer hat ihm zwar ein mächtiges Loch gerissen, das Torpedoschott hat jedoch korpedoschott, Hat gie bgc#en ungeheuren gepanzerte Druck abgehalten und ist nur kräftig durchgebeult worden. Auf der anderen, der Backbordseite, ist eine Granate eingeschlagen und hat ebenfalls ein mächtiges Loch geeissen, durch das Wasser in Strömen eindringt. Im Vorschiff sind mehrere Granaten eingeschlagen. Die Leckwehrabteilungen dringen vor, aber die stellenweise siebartig durchlöcherten Wände lassen sich nicht dichten, einzelne Lecks haben Quadratmetergröße, und überall dringt Wasser ein. Die Leckwehr kann nichts retten. sie kann nur feststellen, in welchen Räumen. Hellegats, Lasten und Wallgängen Wasser ist. Dreißig, vierzig Meldungen laufen in der Leckhzentrale ein. Stöpsel auf Stöpsel wird eingesteckt. Ingenieurapplikant Ellrich rechnet fieberhaft zusammen: 2000 Tonnen Wasser im Schiff und starke Schräglage nach vorn. Dieses Ergebnis gibt dem Ersten Offizler die Gewißheit, daß das Vorschiff fast ganz voll Wasser gelaufen ist. Nur der vordere Torpedoraum war mit seinem Notausgang leer geblieben, ringsherum war alles voll Wasser. Wie eine Luftblase trug er vorne das Schiff. In den übrigen Räumen des Vorschiffes war nichts mehr zu retten. Da blieb nur übrig, hinter das große Panzerquerschott, ja selbst noch hinter die nächste Abteilung zurückzugehen, um diese vor dem Vollaufen zu bewahren. Obering. Lucke eilte nach oben und übernahm die Anordnungen. Das eine Leck an Backbord war besonders gefährlich. Da mußte mit allen Mitteln versucht werden, ein weiteres Eindringen von Wasser zu verhüten. Die großen Turnermatratzen wurden herangeschleppt und in die Oeffnung gestopft. Das war nicht so einfach. Die Ränder des Loches waren richt glatt. Die Eisenplatten waren meterlang umgebogen, zackig, reaellos zerrissen, mit scharfen Kanten und spitzen Ecken. Im Wasser stehend, arbeiteten die Mannschaften schwer. Sie drückten die Matten in das Loch Bretter wurden zersägt, verpaßt und eingeklemmt. ich Lä änge geschnitten und dagegen „ Stül ruihin we Balken wurden na gestützt, Keile dazwischengetrieben. Bei jedem Stück mußte ausprobiert werden, wie es am besten sitzen konnte. Die vor dem Gefecht vorbereiteten Stücke waren für die kleineren Schußlöcher schon längst aufgebraucht, denn man hatte mit so zahlreichen und so großen Löchern nicht gerechnet. Nach stundenlangem Irbeiten war endlich eine Verschalung an dieser Stelle fertig und verhütete das Eindringen weiterer Wassermengen. Zwar leckten diese Dichtungen an allen Ecken und Kanten, aber das Leckwasser wurde schnell von den Pumpen abgesaugt. Das Gesecht war inzwischen beendigt, die Nacht hereingebrochen. In der Dunkelheit, bei zum Teil mangelnder elektrischer Beleuchtung, wurde die Arbeit des Leckdichtens besonders mühsam und schwierig. Da war es Obermaat Schmidt, der, wie im Gefecht, so auch jetzt, unermüdlich die alle Augenblicke versagende Beleuchtung wieder in Ordnung brachte. Plötzlich kam die Meldung:„Das Vorschiff brennt.“ Sonderbar, alles voll Wasser, und doch brennt das Deck, das noch über dem Wasser lag. Hohe Flammen drohten den Standort des Schiffes zu verraten. Auf dem völlig verwüsteten Vorschiff stieß die Löschgruppe vor über das Geröll und die Trümmerhaufen, suchte und löschte in zäher Arbeit die verschiedenen Brandherde. Trotz der aufopfernden Tätigkeit der Leckwehr— die Heizer waren sa harte Arbeit von je gewöhnt und hatten auch hier schier Uebermenschliches geleistet— drang das Wasser allmählich weiter. Räume, die nicht zugängig oder abgeschnitten waren, Wallgänge, Lasten, Hellegats. Rohrgänge,— sie liefen allmählich voll, und das Schiff senkte sich vorne immer tiefer. Jetzt stieg auch das Wasser beim vorderen Turm höher und höher. Es ging uns an die Gurgel. So muß dem Wattenläufer zumute sein, der von der Flut überrascht wird und nun fühlt, wie das Wasser langsam höher und höher steigt. Wenn das Wasser in den Turm eindringt. laufen die Munitionskammern voll. Die kön. glleuge werben. Enld dann noch der Tordedoraum, die einsame Luftblase, zu halten sein? Und es kam der Zeitpunkt, da die Munitionskammern trotz aller Anstrengung voll liefen und das Wasser auch durch den Notausgang wassersallartig in den Torpedoraum strömte. Dieser Raum mußte unbedingt gerettet werden. Da stieg Ingenieurapplikant Walter hinunter, schwamm im Raum nach den Lenzventilen, deren Ort er von den häufigen Uebungen her genau kannte, tauchte und drehte, tauchte wieder und drehte weiter, bis sie endlich ganz geöffnet hatte. Jetzt konnten die großen Leckpumpen das Wasser heraussaugen, und der Torpedoraum, unsere Schwimmblase, unsere Rettung, konnte leer gehalten werden. In den vorderen Kasematten drohte das Wasser durch die Pforten zu dringen, und auch hier mußten die Leckweh,rgruppen mit Hängematten und Brettern und Keilen und Klötzen die Löcher dichtstopfen. Die vordere Wand des fünften Heizraumes steht unter Wasserdruck. Manchmal ist es, als böge ste sich durch. An den zahllosen Kabeln. Sprachrohren, Schrauben und Nieten dringt das Wasser durch. Ein kleiner Strahl neben dem anderen bildet in seiner Gesamtheit einen starken Wasserstrom und droht den Raum zu füllen. Aber das läßt sich Maschinist Wegner nicht gefallen.„Fix die Leckstützen her!" befiehlt er, und schnell werden die vorbereiteten Balken gegen die drohende Ausbeulung gesetzt und nach hinten versteift. Wo noch die Gefahr eines Schottbruches sein könnte— Maschinist Wegner sieht mit Kennerblick die Stelle und baut vor. Sodann sorgt er unermüdlich dafür, daß die Sauger der Lenzpumpen nicht verstopfen. Die Kessel bleiben ruhig weiter im Betrieb, wenn es auch ein bißchen stark regnet im Raum. In der Leckzentrale leckt es am Schott und an allen Ecken und Enden. Dax Wasser steht den Leuten zeitweise bis an den Hüften. Aber mit Hilfe einer schnell gebildeten Kette wird es mit Pützen hinausgefördert und der Raum gehalten. Viele Stunden lang fliegen die Eimer hoch im Bogen; Ablösungen müssen kommen, weil die Leute vor Ermattung zusammensinken. Die Ablösungen werden auch matt und können nicht mehr, und alle heldenmütige Arbeit ist schließlich vergebens. Das Schott bricht, und auch dieser so zähe und lange verteidigte Raum muß aufgegeben werden. Die Leckleitung siedelt weiter nach achtern um. Trotz aller Anstrengungen sank der Schiffsrumpf allmählich tiefer; auch trat eine bedrohliche Schräglage nach Backbord ein, und das Wasser drang in die Kasematten. Da mußten auch hier Menschenketten mit Eimern gebildet werden, um das Wasser auszuschöpfen, und lange, lange Zeit schien es, als ob es gar nichts nützen wollte: aber nach vielen bangen Stunden zeigte das große Schiffspendel eine allmähliche Besserung. Und als abends die sehnsüchtig erwarteten Pumpendampfer der Werft längsseits festmachten und ihre großen Saugeschläuge in die Kasematten legten, da richtete sich das Schiff langsam wieder auf. Es war fast ein Wunder, daß die„Seydlitz“ noch schwamm, waren doch 3000 Tonnen Wasser eingedrungen. Eine zweite Nacht begann. Dauernd mußten die Leckdichtungen nachgebessert und neu auftretende Wassereinbrüche abgedämmt werden. An Ruhe war nicht zu denken. Ueberall war Lucke mit den Heizern der Leckwehr, und überall war Schmidt. Stets war er der erste, der rechte„Seydlitz=Mann,— allen voran!“ Allmählich richtete sich das Schiff wieder auf. Die Leckwehr hatte gesiegt. Aber das Schiff war noch nicht in Sicherheit, deshalb mußte unentwegt auch noch eine dritte Nacht durchgehalten werden. In durchnäßten Kleidern, fröstelnd, stumpf von der übergroßen Anstrengung, bei der schweren Arbeit einschlafend und wie im Traume arbeitend, so erfüllte die Leckwehr ihre Pflicht. Als nach einigen Tagen unmittelbar vor Wilhelmshaven die gefährlichsten Wassermassen aus dem Schiff entfernt waren. konnte die„Seydlitz“ in die Schleusen einlaufen. Erst jetzt war es geborgen, und das„Maschinenversanal konnte stolz darauf sein, ein erstklassiges Schiff bis zum rettenden Hafen schwimmfähig erhalten zu haben. vor den ger und verbreiteten ländli Noch gab es keine Kanalisation, und das mußte seinen Weg in die Strabengosse nehm Trinkwasser wurde noch aus dem uralten Brunnen geschöpft, denn noch gab es keine Wasserleitung. Das hatte zur Folge, daß alljährlich Krankheiten in der Stadt Einkehr hielten, die nun verschwunden sind. Und in der Bürgerschaft gab es wie heute mancherlei Meinungsverschiedenheiten, die abends an den Stammtischen oft mit hitzigen Köpfen ausgesochten wurden, meist über Dinge, die uns heute längst abgetan erscheinen, die damals aber groß und wichtig erschienen. Doch lassen wir die schon vergilbten Blätter des Verwaltungsberichts selbst reden. Nach einer kurzen geschichtlichen Einleitung und einem Bericht über die Größe des Stadtgebietes gibt Bürgermeister Stümbke zunächst die Einwohnerzahl an. Nach der Volkszählung von 1. Dezember 1875 waren 2477 Einwohner vorhanden, und zwar 1240 männliche und 1237 weibliche. Die Natur hatte es also mit beiden Geschlechtern gut gemeint, da nur drei weibliche Wesen weniger waren als männliche. Die Einwohnerzahl vern“ sch auf 5e7 Haushaltungen, Geboren wurden Jahre 1877 108 Kinder, auch hier in saft genauer rteilung auf die Geschlechter 55 Knaben und 53 Mädchen. Von der damaligen Bürgerschaft und GemeindeverBeerdigung des im Alter von 39 Jahren verstorbenen Dachdeckers Louis Rouger in der Aue Saint=Malo Nr. 21 angekündigt war. Eine Anzahl von Verwandten und Freunden erschienen zur angegebenen Morzenstunde im Sterbehaus und waren nicht wenig erstaunt. den angeblich Verstorbenen bei vollem Leben zu finden. Rouger versicherte, er habe seinen Tod angekündigt, um zu sehen, ob seine Freunde auch recht zahlreich zum Begräbnis kommen würden. Und da Rouger seine Freunde nicht umsonst bemüht haben wollte, so lug er stie zum Trinken ein. Und gegen Abend, als alle sich zurückgezogen hatten, holte er ein Gewehr, setzte sich allein an dem verlassenen Wirtstisch nieder und schoß sich eine Kugel durch den Kopf. Eine russische Stadt in Flammen. Die Stadt Kotelnitsch im russischen Gouvernement Wjatka, die zum großen Teil aus Holzhäusern besteht, steht nun schon seit 8 Tagen in Flammen. Alle städtischen Gebäude sind bereits abgebrannt. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf Millionen. Ueber 700 Merschen sind obdachlos geworden. Die Zahl der Opfer an Menschenleben ist noch nicht festgestellt. tretung erfahren wir folgendes: Die Bürgerrolle enthielt 364 wahlberechtigte Bürger. Zum Landtage wählten 479 Wähler, 3 in der ersten, 37 in der zweiten und 439 in der dritten Klasse. Zum Reichstag wählten 657 Personen. Der Magistrat bestand wie heute aus 5 Mitgliedern, dem Bürgermeister und 4 ehrenamtlichen Natsherren. Es waren die Herren C. D. Grimme, G. Reischauer, F. Capellen und S. H. Witte. Das Stadtverordneten=Kollegium bildeten die Herren F. Brüggemann als Vorsteher, W. Sturhahn, H. Limberg, H. Eblebracht, H. Ueckermann, G. Strunk, W. Krecke, F. Ehlebracht und H. Kuhlmann. Im Jahre 1876 fanden 34 Magistratssitzungen statt, in denen, wie te mit Bewunderung lesen, 201 Gegenstände zur Verhandlung kamen, während heute in einem Jahre ungefähr 1500 Beschlüsse in rund 60 Sitzungen abt werden. Gemeinschaftliche Sitzungen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung fanden in demselben Jahre 25 mit 107 Vorlagen statt. Höchst merkwürdig ist die Tatsache, daß sich Magistratsbüro und Standesamt nicht in dem Rathause besanden, denn darin amtierte damals noch der Stadtrichter, sondern in der Wohnung des Bürgermeisters.„Im eigenen Hause wurde der Bürgermeister“, wie es rtlich heißt,„zu allen Stunden des Tages vom Publikum in Anspruch genommen, was bei der stetigen Zunahme der Geschäfte auf die Dauer nicht mehr durchführbar ist“. Die Zahl der bewohnten Häuser betrug am 1. Dezember 1875 334, wozu noch 11 unbewohnte kamen. Die Ueberwachung der Bauten lag in den Händen der Baukommission. Diese hatte, wie hervorgehoben wird, mit groben Schwierigkeiten zu kämpfen, denn„sie begegnete in den meisten Fällen steter Renitenz". Im Jahre 1876 wurden 15 und 1877 wurden 12 neue Wohnhäuser gebaut, also etwa so viele wie jetzt jährlich. Unter„Feuerversicherung und Feuerlöschwesen" berichtet der Bürgermeister zunachst, daß durch Gesetz die Landeobrandversicherungsanstalt neu geregelt sei. In Salzuflen waren im ganzen für rund 2½ Millionen Mark Gebäudewerte versichert. Weiter berichtet er, doß sich im Jahre 1877 nach dem Vorbilde benachbarter —„elm—„ Wildwest. Wie dem„Newyork Herald“ aus Washington gemeldet wird, haben mexikanische Banditen einen Bergwerksbesitzer und einen seiner Mitarbeiter(zwei Amerikaner) gefangen und in eine gebirgige Gegend Mexikos verschleppt. Die Banditen fordern 6000 Dollar Lösegeld. Der Präsident von Mexiko habe eine Abteilung Truppen zur Verfolgung der Uebeltäter und zur Befreiung der beiden Amerikaner entsandt. Prohibttionsverstob eines deutschen Kreuzers. wtb. London, 29. Mai. Einer„Times“=Meldung zufolge wird aus Los Angelas berichtet, daß auf dem deutschen Kreuzer„Hamburg“, während er in San Pedro(Kaltfornien) vor Anker lag, Bier an Besucher verkauft worden sei, dessen Alkoholgehalt über den durch das amertkanische Prohibttionsgesetz vorgeschriebenen Prozentsatz hinausging. wtb. Berlin, 29. Mai. Von einem angeblichen Verstoß der Besatzung des Kreuzers„Hamburg" gegen das Prohibitionsgesetz liegen an hiesiger maßgebender Stelle Meldungen nicht vor. Die Blätter weisen darauf hin, daß ein deutsches Kriegsschiff exterritorial ist, deutschen Boden darstellt und daß an Bord die deutschen Gesetze gelten. Schweker Unfall des Frhr. v. Wangenheim. Ein Führer der deutschen Landwirtschaft, Konrad Frhr. v. Wangenheim in Kleinspiegel, ist das Opfer eines Unfalls geworden. Bei einer Fahrt, die er mit seiner Schwiegertochter unternahm, scheuten die Pferde und die Insassen wurden aus dem Wagen herausgeschleudert. Frhr. v. Wangenheim erlitt eine Gehirnerschütterung, die im Hinblick auf das hohe Alter des Verunglückten nicht unbedenklich ist. Der neue Ober=Reichsanwalt. Das Reichokabinett hat in seiner letzten Sitzunz, der„B. Z.“ zufolge, dem Vorschlag des Reichsjustizministeriums, den Ministerialdirektor Wilhelm Werner zum Ober=Reichsanwalt zu ernennen, zugestimmt. Nunmehr muß der Reichsrat zur Frage der Nachfolge Ebermayers Stellung nehmen, da die Ernennung durch den Reichspräsidenten auf Vorschlag des Reichsrates erfolgt. wtb. Berlin, 29. Mai. Der Präsident des evangel. Dberkirchenrates in Wien Dr. Caveslus, weilte, wie der Evangelische Pressedienst erfährt, dieser Tage in Berlin, um über den Anschluß der evangelischen Kirchen Oesterreichs an den Deutschen Kirchenbund mit den maßgebenden kirchlichen Stellen zu verhandeln. Zu Ehren des Gastes gab der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses, D. Dr. Kappler, ein Frühstück. Städte auch hier eine freiwillige Feuerwehr gebildet habe, die einen erfreulichen Ausschwung genommen be. Diese zählte außer dem Schriftführer und Kassierer 49 Mitglieder. Zu den nicht unerheblichen Kosten der Ausrüstung spendete der Magistrat 900 M., die Sparkasse 600 M. und der Herr Apotheker Brandes 645 M. Der Bürgermeister sagt weiter wörtlich:„Das Feuerlöschwesen darf man mit Recht hier als ein geregeltes und gutes bezeichnen und hat sich bei den hier gottlob selten vorkommenden Bränden als tüchtig erwiesen. Der Spezialaufseher, Ratsherr Capellen, zeigt für das Institut ein lebhaftes Interesse und hält auf strenge Ordnung, hat auch für die Instandsetzung der Spritzen und Geräte stets ein wachsa An diese Worte des Bürgermeisters Stümbke darf mes Auge.“ Worte des Bürgermeisters Stümbke darf ich den Wunsch anschließen, daß unsere Freiwillige Feuerwehr künftighin mehr die Beachtung der jungen Männer in unserer Gemeinde finden möge. Wenn man sieht, mit welchem Eiser ältere Bürger bei den Feuerwehrübungen tätig sind, so wird man erwarten müssen, daß die heranwachsende Jugend mit demselben Eiser die Reihen der freiwilligen Feuerwehr auffüllt. Bei dem Kgpitel„Straßen und Verbindungswege“. werden zunächst alle Verbesserungen und Neuanlagen von Wegen aufgeführt. Wenn wir diese Aufzeichnung lesen, so wird uns recht klar, wie sehr die Stadt seitdem in threm äußeren Umsang gewachsen ist. Ferner berichtet der Bürgermeister, daß im Jahre 1877, um der herrschenden Unordnung und Unreinigkeit auf den Straben Abhilfe zu schaffen, eine neue noch heute gültige Straßenpolizeiverordnung erlassen ist.„Soll unscre Stadt“, so fährt er fort,„ein besseres Aeußere gewinnen und wollen wir darin nicht gegen alle unsere Nachbarstädte zurückstehen, so ist eine straffere Handhabung der Straßenordnung dringend nötig, zumal auch Fürstliche Regierung in sanitärer Beziehung fortwährend darauf drängt. Die Rücksicht auf die Entwicklung unseres Bades und auf die in Aussicht stehenden Amtssitze sollten doch den hiesigen Bewohnern ein Sporn für bessere Ordnung sein". In dieser Beziehung ist es seit der Zeit des Bürgermeisters Stümbke erheblich besser geworden. Es muß aber noch besser werden, und zu diesem Zweck ist der Erlaß einer neuen den heutigen Verhältnissen entsprechenden Straßenpolizeiverordnung notwendig geworden. Eine dahingehende Vorlage wird der StadtverordnetenVersammlung in Bälde zugehen. Die Beleuchtung der Straßen erfolgte durch 47 Laternen, die im ganzen rund 800 Liter Petroleum verbrauchten. Die Unterhaltung der Kommunalwege kostete 1876 944 M. und im Jahre 1877 1641 M. Dazu kamen noch geringe Ausgaben für die Unterhaltung der Feldwege. In dem Abschnitt„Gewerbs= und Fabrikwesen“ er wähnt Bürgermeister Stümbke zunächst den großen wirtschaftlichen Rückschlag, der nach der bekannten Gründerzeit eintrat. Doch sei Salzuflen von der Krisis nicht allzu stark betroffen worden. Vor allem die Stärkefabrik habe ihren Betrieb fortsetzen lönnen. Wenn auch die Arbeitslöhne herabgegangen seien, so habe es doch an Arbeit nie gemangelt. Wie wir weiter hören, bestanden hier damals als Vorläufer der heutigen Ortskrankenkasse 4 gewerbliche Hilsfskassen, und zwar für Gigarrenarbeiter, für Zimmer= und Maurergesellen, für andere Handwerko= gesellen und für die Arbeiter der Stärkefabrik. Der Bürgermeister gibt sodann einen Bericht über die allgemein bekannte glänzende Entwicklung der hiesigen städtischen Sparkasse und hebt dabei besonders die verdienstvolle Tätigkeit des Rendanten H. Hunecke und des Kontrolleurs Ad. PBarkhausen hervor. Die Sparkasse hatte in ihrem Gründungsjahre im-1848 einen Ueberschuß von 7 Reichstalern, im 1877 betrug der Umschlag 740 486 M. und der gewinn bereits 20 953 M. Mit Wehmut überfliegen wir das Kapitel über die städtischen Stiftungen, die durch die Inflation ihr Vermögen fast verloren haben. Möge die Aufwertung ihnen ermöglichen, ihre segensreiche Tätigkeit wenigstens teilweise wieder aufzunehmen. Ferner erfahren wir, daß hier damals eine Sterbekasse bestand, der jeder Bürger beizutreten verpflichtet war. Im Jahre 1877 wurden für 20 verstorbene Mitglieder 618 M. verausgabt, also für jedes Mitglied die nach heutigen Begriffen bescheidene Summe von etwas mehr als 30 M Mit wahrem Neid hören wir den Bericht des Bürgermeisters über das Armenwesen. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1877 aus Kapitalzinsen und Landpachten rund 4000 M., Verausgabt wurden im gleichen Jahre an regelmäßigen Unterstützungen 510 M., an außerordentlichen Unterstützungen 407 M., an Kur= und Beerdigungskosten 189 M. und an Alimentationsgeldern 1017 M. Daß die Stadt gegenwärtig jährlich weit über 100000 M. für die soziale Für sorge ausgeben muß, zeigt uns den ungeheuren Abstand zwischen damals und heute. Merkwürdig mutet uns die Mitteilung des Bürgermeisters an, daß die Verteilung der Armenmittel ohne Rücksicht auf Religion oder Konfession erfolgte. Ueber das Kapitel„Schulwesen“ müssen wir schnell hinweggehen, da es den Nahmen eines Zeitungsaufsatzes übersteigt. Die Stadt hatte damals eine Rektorschule(die heutige Realschule), eine Bürgerschule, die auch Küsterschule genannt wird, eine private Töchterschule und eine Gewerbeschule. Die Rektorschule wurde von 45 Knaben besucht(25 Einheimischen und 20 Auswärtigen). Der Unterricht im Rechnen. Schreiben und Singen geschah gemeinschaftlich mit der Bürger schule. Das Schulgeld an der Rektorschule betrug für Einheimische 24 M., für Auswärtige 36 M. jährlich. Heute beträgt das Schulgeld für Einheimische 216 M., für Auswärtige 324 M., hat sich also inzwischen verneunfacht. An der Bürgerschule wurde Turnunterricht damals noch nicht erteilt, dagegen er hielten die Schülerinnen wöchentlich 2 Stunden in weiblichen Handarbeiten. Die Tochterschule wurde in der Oberstufe von 12 Schülerinnen und in der Unterstufe von 10 Schülerinnen besucht. Das Schulgeld betrug in der Oberstufe jährlich 60 M., in der Unterstuse 40 M. Der Bürgermeister befürchtet, daß dieses „nützliche Institut“ bei der schlechten Beteiligung in seinem Bestande gefährdet werden könne. Das ist goltlob nicht eingetreten. Wir werden vielmehr hoffentlich recht bald für Salzuflen und Schötmar Stadt und Straßenbau in Amerika In der Vorkriecszeit war es um die amerikanischen Landstraßen außerordentlich schlecht bestellt. Das hat sich nach dem Kriege grundlegend zeändert. Mit dem Siegeszug des Autos ergab sich die Notwendigkeit, Straßen zu schaffen, die einem starken Personen= und Lastwagenverkehr standhalten. Die Amerikaner setzten ihren ganzen Ehrzeiz daran, die Aufgabe mustergültig und rasch zu lösen; heute weisen die Vereinigten Staaten Staatsstraßen auf, von denen 60 000 Kilometer aus Beton bestehen. Im Jahre 1925 sind nicht weniger als 80 000 Kilometer Landstraßen neu gebaut worden, hierunter 9000 Kilometer Betonstraßen. Eine solche Bauleistung hat eine besondere Straßenbautechnik zur Voraussetzung. Und in der Tat ist der amerikanische Straßenbau vollständig auf maschinelle Baurerfahren eingestellt. Die eigentliche Handarbeit ist zu Gunsten der Maschine völlig ausgeschaltet. Schon die Herstellung des Planums, das Wegbewegen der Erdmassen um das Niveau der Straße festzulegen, geschieht ausschließlich durch Maschinen, und zwar finden entweder pflugartige Einrichtungen, die mit Raupenschleppern arbeiten, oder Löffelbagger, je nach der Art der örtlichen Verhältnisse, Verwendung. Diese Maschinen vermögen täglich etwa 200—300 Kubilmeter Erde zu bewegen. Nach Durchführung dieser Erdarbetten werden sogenannte Oadforms gelegt. Dies sind Eisenschienen, die die seitliche Begrenzung des Betonkörpers zu liefern haben und gleichzeitig als Gleise für die weiterverwendeten Straßenverarbeitungsmaschinen dienen. Dies ist zunächst, nachdem das Rohplanum gewalzt und abgehobelt ist, die Betonmisch= und Verteilungsmaschine, der sogenannte„Paver“; diese Maschine mischt nicht nur den Portlandzement mit Sand und Zusatzstoffen zum Beton, sondern bringt ihn auch auf die Arbeitsstätte. Die folgenden Arbeitsgänge führt der„Finisher“ aus, dessen Aufgabe es ist, die Betonmassen abzustechen, zu verdichten und zu glätten. Beim Glätten wird eine sehr hohe Genauigkeit verlangt, die Unebenheiten dürfen nur wenige Millimeter betragen. Durch die Maschinenarbeit ist eine außerordentliche Arbeitsbeschleunigung möglich geworden; es glückte damit, bei einer fünseinhalb Meter breiten Straße, eine Rekordleistung von 800 Metern Baufortschritt in 13 Stunden zu erzielen. Als Durchschnittsleistung kann man 250—350 Meter in zehn Stunden annehmen. Natürlich hängt dies von der Raschheit der Material= zuführung ab, die gleichfalls mit Hilfe neuzeitlicher Transporteinrichtungen für Massengüter vor sich geht. Dank dieser zielbewußten Straßenbautechnik weist Amerika zur Zeit durchgehende Betonstraßenzüge auf, die entweder den Norden mit dem Süden miteinander verbinden oder den gesamten Kontinent vom Atlantischen bis zum Pazifischen Ozean durchziehen. So ist beispielsweise der Lincoln=Higway 5500 Kilometer lang. Die Betonwagen besitzen nicht nur den Vorzug, ein angenehmes, sicheres und stoßfreies Fahren der Kraftwagen zu gewährleisten, sondern sie verhüten auch fast völlig die Staubentwicklung. Aus all diesen Gründen ist zu wünschen, daß auch bei uns die maschinell hergestellte Betonstraße bald Einzang findet. Land ein vollwertiges Luzeum haben. Bei der Gewerbeoder Fortbildungsschule ist die Mitteilung bemerkenswert, daß damals noch an dieser Schule ein allerdings geringes Schulgeld erhoben wurde. Der Unterricht erfolgte an den Abenden. Außerdem wurde Sonntag morgens von 8—9¼ Uhr Unterricht im Zeichnen gegeben. Zum Besuch der Schule waren damals nur die Lehrlinge der Handwerker verpflichtet. Beim Kapitel„Forstwesen“ hören wir, daß damals wie heute ein Förster und zwei Forstaufseher vorhanden waren. Verausgabt wurden für die Forstbeamten jährlich 2700 M., fük Forstkulturen und Waldwegebauten 2000 M. und für Hauerlöhne 1800 M. Weiter heißt es, daß, da die Bürgerzahl sich sehr vermehrt habe, jeder Bürger nicht mehr wie früher 4 Fuder, sondern nur noch 2 Fuder Schlagholz als freies Deputat erhalte. Das übrige gehauene Holz wurde meistbietend verkauft und brachte einen Jahreserlös von über 20000 M. Wo sind die Zeiten geblieben, in denen jeder Bürger aus dem Walde sein Deputat erhielt und trotzdem noch ein solcher Ueberschuß für die Stadtkasse blieb? Zum Schluß der gekürzte Bericht über das Finanzwesen der Stadt. Auch hier muß uns wieder ein wenig Neid ankommen, wenn wir wörtlich lesen: „Man kann das städtische Finanzwesen wohl als ein schr günstiges bezeichnen, das den Neid vieler Schwesterstädte erregen könnte. Stadtschulden und Kommunal= steuern waren hier bis jetzt fast unbekannte Dinge, aber es dürfte diese glückliche Situation sich nur zu bald ändern. Wenn die Stadt die zum Bau der Eisenbahn gezeichnete Beisteuer von 300000 M. erst auszahlt— und es scheint nahe bevorzustehen— und wenn die vielen anderen für das Emporkommen unserer Stadt durchaus notwendigen Ausgaben gemacht sind, so ist die Erhebung von Kommunalsteuern unvermeidlich.“ Die Einnahmen der Stadt mit rund 60 000 M jährlich slossen aus dem Forst, aus Grundstückspaachten, aus Kapitalzinsen, aus Kontribution und Einliegergeld, Bümereinkaufsgeld, Bier= und Branntweinakzise, einer sehr geringen Hundesteuer und Gerichtssportel, die noch in die Stadtkasse flossen. Die Elats konnten damals noch leicht ins Gleichgewicht gebracht werden. Unter den Ausgabeposten sind erwähnenswert die Gehälter mit rund 13000 M., die Pensionen mit etwas über 1000 M, die Bürokosten mit rund 1000 M., die Straßenbeleuchtung mit rund 600 M. und die Polizei mit knapp 300 M. Soweit der Bericht des Bürgermeisters Stümbke. Wir wollen ihm für seinen sorgfältigen Bericht auch heute noch dankbar sein, denn er gibt uns vielco zu denken. Doch richten wir unsere Blicke nur nicht in die Vergangenheit, die nun einmal ebensowenig wie das Paradies zurückzuzaubern ist, sondern schauen wir frohgemut in die Zukunft, die uns vor neue groblusgaben stellt. Zeitgemäße Betrachtungen (Nachdruck verboten.) Rückblick anf den Mai. Das war der schöne Monat Mai— von dem wir eie. etharrten,— er ließ gedeih'n so vielerlei— zumal in Flur und Garten.— Er brachte uns die Blumenzler— im bunten Schöpfungsdrange,— noch st er Herrscher im Revier,— doch leider nicht mehr nge. Es ist der Mai zu jeder Zeit— sich konsequent geblieben,— er gab der Flur ein buntes Kleid,— und dunt hat er's getrieben,— er liebte nicht des Friedens Ruh,— er rief die Geister munter,— und auf der Welt eing's streitbar zu,— und bunter stets und bunter. Sehr kritisch war für uns der Mai— gleich an dem ersten Tage,— Regierungswechsel und derlei— stand wiederum in Frage,— doch hat sich noch mit gutem Glück— das Kabinett gehalten,— nur Doktor Luther trat zurück,— das andre blieb beim alten! Nun geht es wieder wie zuvor,— wir leben möglichst friedlich,— nur nebenan im„Korridor“— ist's etwas ungemütlich,— in Polen streiten die Partei'n — jetzt heiß um die Regierung,— Pilsudski griff energisch ein— und übernahm die Führung. Ein Volk, aus dem die Einheit wich,— ruht sicher nicht auf Rosen,— schon bildeten zwei Lager sich:— die Warschau und hie Posen!— Wer immer auch der Sieger sei,— schwer wird die Wunde heilen.— Die Polen sind aufs neu dabei— sich wieder mal zu „teilen“. Sonst ist der schöne Monat Mai— beliebt in allen Kreisen,— daß er ein Freund des Friedens sei,— will er zum Schluß beweisen.— Drum zieht er auch die Konsequenz— es ist in diesen Wochen,— von einer Abrüstungs=Konf'renz,— noch mehr wie je gesprachen. Doch ob sich rings der Völkerbund— mit solcher Absicht brüstet,— bis jetzt hat auf dem Erdenrund— nur Deutschland abgerüstet,— und dabei bleibts wohl noch bestehn,— man wird in Zukunft weiter— noch oft zu Konferenzen geyn— wie einst im Mai. Ernst Heiter. und Spiel Der Rasensportverein Waddenhausen teilt mit: Zum Kampf unserer 1. Mannschaft gegen die Ligareserve Preußen 04 Wanne am 2. Pfingsttag traten beide Mannschaften gegen 2 Uhr nachmittags auf dem Spielfelde an, die Waddenhauser ohne ihren bewährten ormann und mit kleiner veränderter Neuaufstellung in Sturm und Läuferreihe. Die Gäste stellten eine körperlich überlegene und gut spielende Mannschaft ins Feld. Besonders lieferte der Sturm stets ein gutes, klottes Zusammenspiel und konnte deshalb schon in der dritten Minute den ersten Ball für sich buchen. Die Rasensportler, die gleich beim Anspiel wohl ein gutes Kombinationsspiel zeigten, verwirrten sich immer mehr, so daß schön vorgelegte Flanken stets verpaßt wurden. Der Mittelstürmer versagte fast dauernd. Die Verteidigung, die infolge der guten Angriffe der Gäste viel zu tun hatte, leistete die beste Arbeit. Erst nach 201 Minuten Spieldauer raffte die Mannschaft sich etwas auf: trotzdem gelang es den Gästen noch einmal, in der 33. Minute ein Tor zu treten. Gut getretene Eckbälle wurden auf beiden Seiten nicht verwertet. Nach der Halbzeit kamen auch die Waddenhauser durch einen leichtgeschossenen Elfmeter zum ersten Erfolg. dem jedoch Wanne ein drittes Tor bald folgen ließ. Die 30. Minute nach Halbzeit brachte für Wanne den 4. Trefser, dem Waddenhausen aber 5 Minuten später ein zweites Tor entgegensetzte. Zwei Minuten vor Schluß trat Wanne den fünften Ball. Eckenverhältnis 2:5 für Waddenhausen(Halbzeit 1:1). (1:4) läßt Das Eckenverhältnis der zweiten Halbzeit(1:4) läßt sicher auf ein besseres Spiel schließen, zumal gegen den Wind gespielt wurde. Ein besonderes Lob verdient auch der jugendliche Tormann, der sein Tor oftmals rein halten konnte. Mit 5:2 (2:0) trennten sich die Mannschaften. Der Schiedsrichter leitete das Spiel gut.— 2. Jugend=Mannschaft gegen 2. Jugend=Mannschaft Löhne i. W. 1:3; 3. Jad.= Mannschaft gegen 1. Schülermannschaft Leopoldohöh: 1:1. * Der„goldene Kranz des Siebengebirgee“ 1926 wurde gewonnen auf A.J.S. 350 cc. Herr Heyer, Krefeld, fuhr die zweitschnellste Zeit aller Motorräder des Tages und erhielt den ersten Preis als Industrie= fahrer.— Im Hainberg=Nennen Göttingen wurde Herr Niez, Hamburg, erster auf A.J.S. 350cc als Industriefahrer und erzielte dabei schnellste Zeit des Tages aller Motorräder. Stches Twenun Die Amerikafahrt der deutschen Turnriege. Die Amerikafahrt der deutschen Turner zu dem vom 15. bis 20. Juni in Louisville stattfindenden Bundesturnfest des Nordamerikanischen Turnbundes wird die Zeit von 30. Mai bis 15. Juli beanspruchen. Die Hinreise eht von Bremen über Newyork nach Louisville, die eimreise über Chilago und Newyork nach Bremerzaven. Während ihres Aufenthalts in Amerika werden die deutschen Turner eine Anzahl nordamerikanischer Städte mit deutschem Einschlag besuchen. Die Kosten für die Amerikafahrt sind durch Stiftungen aufgebracht worden. Die Kasse der DT. wird dodurch nicht belastet. Zum Führer der Riege ist der Vorsitzende der D.T., Dr. Berger, Berlin, bestimmt worden. Der turnerische Leiter ist Stadtturnrat Mühlner, Breslau. Am 30. Mai tritt die Riege von Bremerhaven aus die Ausreise an mit dem Dampfer„Columbus“ vom Norddeutschen Lloyd. Die Rückreise wird am 1. Juli mit dem Dampfer„Berlin“. von Newyork nach Bremen angetreten. Aus dem heimatlichen Parteileben Deutsche Volkspartei, Frauengruppe. Die Frauen der Deutschen Volkspartei werden auf Mittwoch, den 2. Juni, freundlichst zu einer Versammlung in Friedrichshöhe, nachm. 4 Uhr, einceladen. Frau Steffen, Bielefeld, wird einen interessanten Vortrag über die Dortmunder Tagung halten. Auch nicht eingeschriebene Mitglieder der Partei sind willkommen. Bädernachrichten Pauschalkuren in deutschen Bädern. In den Kreisen des reisenden Publikums ist wiederholt der Wunsch geäußert worden, einen Kuraufenthalt in deutschen Bädern zu einem vorher festgelegten festen Preise zu ermöglichen und in diesen Preis die volle Pension und sämtliche Kurmittel einzubeziehen. Nunmehr ist es dem Mitteleuropäischen Reisebüro(MEN) gelungen, zunächst mit einer Reihe führender großer deutscher Bäder dahingehende Abmachungen zu treffen. In den deutschen Heilbädern Altheide, Elster, Flinsberg, Lippspringe, Mergentheim, Neuenahr, Oeynhausen, Salzschlirf und Wildungen können schon in der jetzigen Reisezeit solche genannten Pauschalkuren gebraucht werden. Diese Bäder haben sich bereit erklärt, Heilungsuchende in ausgesuchten Häusern zu mabringen und mu Satbslanen, Hade schrtuiche Kurmichel zubringen und zu verpflegen. Far samtliche Kurmittel einschl, der Kurtaxe ist fester Preis bewilligt, so und Kurveranstaltungen ein der Badeverwaltung ein fester Preis bewilligt, so daß die Kurkosten in ihrer Gesamtheit im voraus berechnet werden können. Die in allen größeren Städten bestehenden Vertretungen des Mtteleuropätschen Reisebüros nehmen Anmeldungen auf diese neueingerichteten Pauschalkuren entgegen. Rundsunknachrichten Staatssekretär Dr. Bredow, Rundsunk=Kommissar des Reichspostministeriumo. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, scheidet Staatssekretär Dr. Bredow am 1. Juni aus seiner bisherigen Tätigkeit im Reichspostministerium aus. Das Rücktrittsgesuch ist darauf zurückzuführen, daß der ständig zunehmende Umfang seiner Tätigkeit als Leiter des Telegraphen= und Fernsprechwesens es Dr. Bredow unmöglich machte, sich seinem Spezialgebiet, dem Funkwesen, in dem er seit mehr als 20 Jahren eine führende Rolle einnimmt, in der Zukunft ausreichend zu widmen. Dr. Bredow behält als Rundfunk=Kommissar des Reichspostministers die bereits früher übernommene Tätigkeit als Vorsitzender und Delegierter des Verwaltungsrats der Reichs=Rundfunk=Gesellschaft bei und vertritt gemeinsam mit den übrigen Postvertretern in der Gesellschaft die Interessen der Reichspost im Rundfunk. Die besonderen Befugnisse des Rundfunk=Kommissars des Reichspostministers sind durch Vertrag und Dienstanweisung unter dem Gesichtspunkte geregelt, daß der Rundfunk mit Rücksicht auf die parlamentarische Verantwortung des Reichspostministers zwar unter scharfe behördliche Wirtschaftskontrolle gestellt ist, sich aber wie in anderen Ländern frei von bürokratischen Hemmungen weiterentwickeln kann. Wetter der Woche (Nachdruck verboten.) Hamburg, den 28. Mai. Nachdem ein Keil hohen Luftdruckes, der mit dem nordskandinavischen Hoch in Verbindung stand, uns trockenes Wetter beschert hatte, trat am letzten Sonnabend vor Pfingsten Witterungsumschlag ein. Unter der Wirkung von Randwirbeln, die vom Südosten herkamen, herrschte am ersten Pfingsttage trübes Wetter. Stellenweise regnete es fast den ganzen Taz. Der zweite Feiertag brachte eine geringe Besserung. Diese Randstörungen wurden beseitigt durch ein flaches Hochdruckgebiet, das bisher unser Gebiet beherrschte. Es war meist heiter, trocken und warm. Das Hochdruckgebiet zog in östlicher Richtung ab, wobei es immer mehr an Intensivität verlor. Augenblicklich bereitet sich ein Wetterumschlag vor, da wir in den Bereich von westlichen Luftströmungen kommen werden. Die atlantische Zyklone zieht langsam ostwärts. Ihr Kern wird im Norden von uns vorüberziehen. Ihre Ausläufer werden uns weiterhin Regen bringen. Der hohe Druck im Norden Europas wird langsam abgebaut. Das Azorenhoch dürfte einige Keile hohen Luftdruckes vorstrecken, die vorüberzehend Besserung bringen. Die nächste Woche wird also noch recht veränderlich sein. Bei der meist fehlenden Wärmeeinstrahlung durch die Sonne dürften sich die Temperaturen auf niedrigen Werten halten. Deutsche Seewarte. vom Sonnaben., dem 29. Mai 1926. t ter jetzt ganz in seinen Bereich gezogen. Die an seiner Südseite sich entwickeinden Teilstörungen gestalten unser Wetter veründerll#d, unmal das Azorenhoch über Spanien und Südfrankreich wieder etwas vorgestoßen ist. Das hierdurch verstärkte Luf stärkere Luftbewegung aus folged Nachdruck verboten.) atlanttsche Tiefdruckgebiet hat auch unser Wet ganz in seinen Bereich gezogen. Die an seine Teilstbrungen gestalten un —ronhoch über S vorgestotzen ist. lle verursacht ichen Richtungen. Inolgedessen gingen auch die Temperaturen wieder etwas zurück. Sie lagen heute morgen bei 15 Grad C. Da das atlantische Tief langsam weiter vordringt, hält das windige Wetter mit zeitweiligen Regenfällen an. Vorhersage für den 30. und 31. Mai 1926. Meist bewölkt mit Regenfällen, zwischendurch geringes Aufklären, lebhafte westliche Winde, mäßig warm. Kandels Industrie Tendenzbericht der Berliner Börse. (Mitgetellt von der Lippischen Landesbank.) Berlin, 29. Mai. Der heutige Sonnabendverkehr eröffnete wieder in fester Haltung. Das Geschäft ist sehr lebhaft bei steigenden Kursen, veranlaßt durch Publikumskäufe und große Orders aus dem Rheinland. Im Vordergrunde stehen weiterhin Farbenindus nstahl, Deutsch hen weiterhin Farbenindustrie, utsche Erdöl= und Rütgerowerte. iebeck, Rhei..,#, Deu. Ferner Kohlenwerte und Elektropapiere, besonders A.E.G. Auch Kaliwerte, Schuckert und Bankaktien lebhaft gesucht. Von Nebenwerten besonders fest Goldschmidt. Lissaboner Stadtanleihe konnte von 7,70 auf 8½ anziehen, auf Gerüchte, nach denen die Zinsenzahlungen in Gold wieder ausgenommen werden sollen. Nach den ersten Kursen teilweise Realisationen. Produktennotierungen. Berlin, 29. März. Weizen, märkischer 303—305½, stetig; Roggen, märkischer 171—182, stetig; Sommergerste 188—200; Futtergerste 149—182, still; Hafer, märkischer 197—208, ruhig; Weizenmehl 36¼—39½, behauptet; Roggenmehl 25¼—26½, behauptet; Weizenkleie 10½, still; Roggenkleie 11½—12½, still; Viktoria=Erbsen 32—44; Kleine Speiseerbsen 26—30; Futtererbsen 20—25; Peluschken 22—24; Ackerbohnen 22 bis 24; Wicken 28—32; Lupinen, blaue 12—13½: Lupinen, gelbe 15½—17½; Serradella 40—45; Rapskuchen 13,8—14; Leinkuchen 17,8—18; Trockenschnitzel, prompt 9.9—10,3; Zuckerschnitzel 19—19,2; KartoffelOeffentlicher Sprechsaal (Ohne Verantwortung der Redaktion.) Detmold, 29. Mai. Alkohol und Gemeindebestimmungsrecht. Eine Einsendung in Nummer 115 wendet gegen den Artikel des Landesverbandes über dies Thema zweierlei ein: Erstens der Alkoholverbrauch sei in Deutschland heute geringer als vor dem Kriege. Ja, hat denn je einer von uns behauptet, er sei heute so hoch wie vor dem Kriege? Was hat es für einen Sinn, Artikel gegen Behauptungen zu schreiben, die kein Mensch aufgestellt hat? Was wir behauptet haben und was der Einsender bestätigt, ist lediglich die Tatsache, daß Deutschland z. Zt. 3 Milliarden jährlich für Rauschgetränke ausgibt, also mehr als unsere Feindesabgaben nach dem Dawesgutachten, und ferner, daß der Schnapsverbrauch innerhalb eines Jahres sich verdoppelt hat. Diese beiden Tatsachen haben uns auf den Kampfplatz gerufen. Wer diese beiden Tatsachen kennt und doch uns die Hilfe weigert oder unsere Bestrebungen bekämpft, von dem de man also vermuten, A * 7 oick wendet nuer unst! S oder dan er zum Witholcpim gehort, daran interesstert I, daß möglichst auschgetrünke verbraucht werden. Zweitens wend sich der Einsender gegen meine Behauptung, daß die Unterschriftensommlung„sehr boträchtliche Erfolge“ erzielt habe. Ja, hat denn der Einsender noch mehr als 16 500 Unterschriften in unserem kleinen Lande erwartet? Ich möchte vermuten, daß noch niemals in Lippe eine Petition je so viel Unterschriften erhalten hat. Ortttens macht der Einsender gegen uns zeltend, daß der Reichstag das G. B. N. abgelehnt hat. Ja, daraus folgt doch nur, daß wir den Kampf für dies notwendige Volksrecht noch eifrizer betreiben müssen als bieher. Zeiß. Brief= Nach Sonneborn. Empfehlenswerte Lieserung von Turn= und Sportgerdten und Sportgerätefabriken Meyer. Hag Dolffs& Helle, Braunschweig und Inl Hamak, Chemnitz. irmen zur irtgeräten sind die Turnagen i. W., von zulius Dietrich& Geschäftliches. Lachender Sonnenschon lockt jetzt alt und jung hinaus in das saftige Grün. Bei den Wanderungen leisten Mazgi's Fleischbrühwürfel, die mit bestem Fleischextrakt und seinsten Gemüseauszügen aufs sorgfältigste hergestellt sind, vorzügliche Dienste. Nur durch Auflösen des Würfels in 1/4 Liter kochendem Wasser erhält man augenblicklich feinste Fleischbrühe, die beim Picknick im Walde wunderbar erfeischt und ausgezeichnet mundet. Vereins= u. Versammlungskalender Detmold. Verein für Nationalstenographie. Mon tag abend ab 8 Uhr Wiederbeginn der Aebungs= abende für Anfänger und Fortgeschrittene. Jeden Sonntag vormittag ab 11½ Uhr Zusammenkunft im Kaiserkeller. — Konservatorium. Dienstag 8¼ Uhr Chorprobe der Singschule im Konservatorium. — Verein der Sachsen und Thüringer. Dienstaa, 1. 6., Ausflug nach Sternschanze. Treffpunkt abends 8 Uhr Alexanderplatz. — M. G.V.„Eintrach!". Heute Familienausflug nach Belfort. Treffpunkt pünktlich 3 Uhr beim Volkshaus. — M.G.V.„Frohsinn". Nächste Uebungsstunde Donnerstag, 3. Juni, abends 8 Uhr, im Lozeum.(Liederprobe für das 75jährige Jubiläumsfest der Liedertafel). Sämtliche Sänger müssen erscheinen. — Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold. Sonntag. Schnitzeljagd von Berlebeck nach Holzhausen. Die Detmolder Kameraden treffen sich um 1 Uhr an der Turbine. Die Kamcraden von Rödlinghausen, Eichholz, Hiddesen, Heiligenkirchen, Berlebeck und Holzhausen 2,30 Uhr Kanne=Berlebeck. Erscheinen ist Pflicht. — Schießverein. Montag von 5—7½ Uhr nachmittags Schießen auf dem Schützenberge. — Bund ehemaliger 55er. Sonntag mittag 12½ Uhr Abfahrt mit Fahne vom Lipp. Hof zur Teilnahme am 50jährigen Stiftungsfeste des Kriegervereins Heiligenkirchen. — Jungschwesternschaft. Dienstag, 1. Juni, abends 8 Uhr Jungschwesternabend im Odeon. Klub Lippischer Motorradfahrer D.M.V. Dienstag, 1. Juni, abends 8¼ Uhr, wichtige Versammlung im Klublokal Hotel zum Hermann, Klubzimmer. Ein Sonderangebof für den Herrn! Der elegante Herr bevorzugt nach wie vor für die warme Jahreszeit den bequemen Halbschuh. Wir bringen: Herren-Halbschuhe für Straße und Promenaden in braun, schwarz und mit Wildledereinsatz in den verschied. Ausführungen und neuesten Formen Mik. 2050 1880 1650 Weygand-Werk Remmighausen in Lippe. Bekanntmachung. Wir beabsichtigen, die demnächst bei Lustharkeiten zur Ausgabe kommenden städtischen Eintrittskarten mit ruckseitiger Reklame für die lesige Geschäftswelt gegen Bezahlung zu verehen und bitten die Bürger, soweit sle interessiert sind, sich nach den hierfür in Frage kommenden Bedingungen bis zum 2. Juni 1920, Im Magistratsbüro Rathaus, Zimmer Nr. 5, zu erkundigen. Lage, 27. Mai 1926. Der Magistrat. Unnabmestelle für Lampenschirme befindet sich nicht mehr Straße 37 (im Hause Weinhandlung Hasse) * N ä h e r e s w i r d n o c h b e k o n n t g e g e b e n. Paula Niewald, Lemgoer Straße 67. Schweinsköpfe geräuchert, mit dicker Fleischbacke, monatelang haltbar. 9 Pfd. M 5.20 30 Pfd. Schweine-Kleintl. M. 8.70 9 Pid. rote Kugelkäse M. 3.80 9 Pid. rote Tafelkäse M. 3.80 9 Pfd. gelbe Sroden M. 3.80 9 Pid. Tilsiter Art M. 4.70 9 Pid. d5n. Edamer Feit M. 7.40 9 Pid. dün Tafel Fott M. 7.40 9 Pid. dän. Hollärd. Fett M. 6.75 9 Pld. dän. 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Zahlung der Mietzinssteuer in der Stadt Detmold. Die Steuerpflichtigen werden hiermit ausge fordert, die am 15. Mai fällig gewordenen Miet ussteuerbeträge für den Monat Aoril 1020 35 v. H. der veranlagten Friedensmiete) bis pätestens 5. Juni d. J. an unsere Kämmereikasse zu zahlen. Bei Feststellung und Zahlung der Steuer ist der Steuerbescheid für das Rechnungsjahr 1925(gelber Zettel) vorzulegen. Besondere schriftliche Aufforderung erfolgt nicht. Rückstände werden im Verwaltungszwangsverfahren beigetrieben. Die jetzt zur Erhebung kommenden Mietzinssteuerbeträge werden bei Durchführung der Veranlagung auf Grund des vom Lippischen Landtage bislang nicht verabschiedeten Gesetzes über die Gebäude= bzw. Grundentschuldungssteuer in Anrechnung gebracht. Detmold. den 25. Mai 1926.(5950 Der Magistrat. Sitzung der Stadtv.=Versammung am Donnerstag, den 3. Juni 1926, abends 6 Uhr. Tagesordnung: 1. Aufnahme eines Darlehns zur Deckung der Kosten für Notstandsarbeiten an der Klüter Straße. 2. Beratung des Voranschlags für 1920. Detmold, den 29. Mai 1926. Der Stadtverordneten=Vorsteher. gez. Dr. Gregorlus Anzeigen-Annahme: Heldensche Straße Nr. 22 Fernrut 344 Famlllen-Drucksachen schnellstens Köstritzer Bier für Vie! bei„August Thoxen, vorm. Heinrich älll Erhäl Brück Nachs., Delmold. Baumstr. 2. Fernspr. 295 und in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften. Habe meine Praxis nach Detmolder Straße 3 direkt d. Krankenhaus Lage gegenüb verlegt! Sprechstunden 9.12 u. 3-7, außer Sonnabends nachm. und Sonnntags Dr. Lingen, Zahnarzt Lage, Tel. 54, Obore Sita92“ STATT KARTEN. Für alle Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Frau Ww. Nullmeier u. Kinder. Billinghausen, den 28. Mai 1926. Für die uns anläßlich unserer silbernen Hochzeit und Verlobung in so überaus reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesem Wege unsern herzlichsten Dank. Herm. Hambusch u. Frau Walter Brand u. Braut. Detmold, 29. Mai 1920. 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 12 3 2 1 1 1 1 3 1 1 1 2 1 2 1 1 2 1 1 1 2 Damenhemd mit Stickerei und Hohlsaumträger Beinkleid mit Hohlsaum, offen oder geschlossen Jumper-Untertallle mit Stickerei und Hohlsaumträger Kissenbazug Nessel, 80/80 cm Frottier-Handtuch 42/90 cm. mit bt. Rand Kinder-Prinzeßrock mit Stickerei, Größe 50—60 Korsett aus rein Leinen, kräftige Ware Kinderschürze aus gutem Satin, reizend gearbeitet Damenschürze mit Träger. gute Qualität Damen-Zierschürze weiß, verschiedene Ausführungen Spiel-Anzug reizende Formen Kinder-Taschentücher fardig gekurdelt Stiekerel-Laschentücher 4seitig, reich gestickt Stickereipassen reizende Ausführung Stück Stickerei 4,60 Meter, mitteldreit, gute Qualität Stück Klöppelspitze ca. 5 Meter. mittelbreit Stück Klöppelspitze à 5 Meter, 2—3 cm breit, hübsche Muster Einkaufsnetz in verschiedenen Farben Schlupfhose Baumwolle, in vielen Farben Korseitschoner mit Achselband, 2 X 2 gewirkt Kinder-Sweater Baumwolle, in weiß oder marine Paar Damen-Strümpfe Kunstseide, schwarz und farbig Paar Damen-Strümpfe Seidenflor, schwarz und sardig, 2. Wahl Paar Herren-Socken Baumwolle, in sarbig, gute Qualität Paar Herren-Socken Baumwolle gestickt, hübsche Dessins Paar Kinder-Söckchen mit Wollrand, in entzückenden Farden Paar Damen-Handschuhe gute Zwirnqualität Selbstbinder u. 2 Strickbinder schöne Dessins Paar Hosenträger sabelhaft billig Ueberhandtuch gezeichnet, Schilfleinen, sardig garn. Mitteldecke mit Spitze und Durchsatz Stück Barmer Bogen 10 Meter, la. Qualität Stück Barmer Bogen je 10 Meter, gute Qualität Meter Gardinenstoffe boppeltbreit Decke 80 X 80 kochecht Meter Etamine 150 cm breit Meter Kleiderdruck ca. 70 cm. breit, gute Qual., schöne Muster 1 Damenhemd in vielen, schönen Ausführungen, reich garn. 1 Nachtjacke aus gut. Hemdentuch, m. Barm. Bog. garn. 1 Beinkleid mit Stickerei=Volant, geschlossen 1 Jumper-Untertaille mit Stickerei oder Handhohlsaum 1 Nissenbezug festoniert od. mit 4selt. Hohlsaum garn. 1 Kinder-Badetuch aus gutem Frottierstoff 2 Luren weiß oder fardig ca. 80/80 cm groß, Biber gute Qualität 1 Korsen Drell gute Qualität 1 Prinzenrock Seidentrikot in schönem Farbensortim., fabelhaft billig 1 Damen-Schürze Jumperferm, aus Satin, Zefir od. Siamosen 1 Servier-Schürze weiß aus kräft. Hemdentuch m. Stickerei garn. 6 Taschentücher a. Maco, mit fardiger Kante 1 Stück Stickerei 4,60 Meter in eleganter Schweizer Ausführung 1 Coupon Rockvolant 2.30 Meter teils m. Fältchen u. Einsätz., in gut. Ausf. 5 Hemdenpassen Klöppel und Stickerei 1 Schlüpfer Kunstseide, großes Fardensortiment 1 Einsatzhemd weiß, mit schönen Ripseinsätzen 1 Herrenheid Maco imit., kräftige Qualität 1 Herren-Hose Maco imit., alle Größen durch 3 Paar Damen-Strümpfe Seidenflor, 2. Wahl. in den modernst. Fard. 1 Paar Damen-Strümpfe Waschseide, schwarz und fardig 1 Paar Damen-Strümpfe Maco, schwere Qualität, in allen Farden 1 Paar Damen-Strümpfe pa. Seidenflor, schwarz und fardig 2 Paar Herren-Socken elegante Jacquard-Muster 1 Selbstbinder elegante Dessins 1 Paar Sport-Stutzen in hübschen Mustern 1 Milteldecke mit Spitze und Einsatz, reich garniert 1 Ovale Decke mit Spitze und Einsatz, weiß garniert 4 Meter Hemdentuch gute grobsädige Ware 4 Meter Rohnessel quie Qualität 4 Meter Handtuchgebild Gerstenkorn, ca. 48 cm breit 1 Meter Haustuch 160 cm breit, für Bettücher 4 Aufnehmer 55 X 80 cm, gute Qualität 1 Nissenbezug 80/80 cm, aus Bettkattun, farb. 1 Sessel-Garnitur 2 teilig, in bunten Dessins 1 Künstlerdruckdecke 80.80 cm, waschecht 1 Halbstores mit breitem Einsatz 1 Meter Rouleaudamast in creme und gold 1 Meter Madras 130 cm breit, in vielen Farden S Gläsertücher mit Inschrift Damenhemd i Schulterschluß oder Trägerform mit reicher Stickerei Nachthemd mit Klöppelspitze und Einsatz Nachtjacke Biber mit Umlegekragen, mit Barmer Bogen verziert Prinzeßrock la. Qualität, reich mit Stickereien garniert Hemdhose aus gutem Waschstoff. reizend garniert Beinkleid erstkl. Qual. geschlossen m. dr. Stickerei Untertallle aus Macodatist mit Handhohlsaum od. Valenciennespitze reich garniert Frottierhandtücher gute Qualität mit fardiger Kante Kinderbadetuch 100/100, ertra schwere Qualität Bettuch 140/210 cm breit, kräftiger Nessel Prinzeßrock Seidentrikot. großes Farbensortiment Herren-Biberhemd kariert, gute Qualität Hüfthalter mit Gummizug und Strumpfhalter Damenschürze aus la. Salin oder Siamosen Servierschürze weiß, reich garniert, gute Qualität Servierkleid aus Wiener Leinen, schöne Form Hemdenpassen eleganteste Ausführung Einsatzhemd la. Qualität, eleganter Trikoline=Einsatz Schlupfhese Waschseide, großes Farbensortiment Damen-Hemdhose a. 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Stickereivolant reich garniert Untertallle weit unter Preis, mit Handarbeit oder reich mit Spitzen garniert Bettuch 160/225 cm, aus kräftigen Nessel Kissen gestickt oder handgezogener Hohlsaum Frottierhandtücher extra schwere Qualität Herren-Biberhemd kariert, schwere Qualität Waschtisch-Garnitur 2=teilig, aus gutem Frottierstoff Gummi-Hüfthalter mit Strumpshalter, äußerst bequem Stück Stiekerel ca. 4.60 cm, prima Qual., auf gut. Grundst. Einsatzhemd hochelegant, mit beige Tricoline=Einsatz Herren-Hose echt aegyptisch, Maco, la. Qualität Damen-Sportweste reine Wolle, mit fardiger Blende Knaben-Sweater Wolle platt., schwere Qualität Knaben-Hose marine, Wolle platt., schwere Qualität Herren-Garnitur Jacke und Hose, mit Laufmasche Kinder-Weste Jacquard, hübsch gemustert Paar Damen-Strümpfe Waschseide „Tramatine“, hocheleg., in d. mod. Farden Paar Damen-Strümpfe Kaschmir, reine Wolle, la. 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