Altestes und verbreitetstes Blatt des Die„Lippische Landeszettung“ mit den unentgeltlichen Beilagen„Gut Brand“.„Der Landwirt“, Etwat“ und„Blätter für Lippische Heimathunde“ erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich. P. Geschäftostelle: Detmold, Leopoldstraße 12. Fernsprecher Nr. 23. Telegramm=Adresse: Landeszeitung Detmold. Vertretungen in allen Orten des Landes. Fürstentums und der angrenzenden Bezirke Abonnementspreise: Bei der Geschäftsstelle und den Vertretungen für ½ Jahr M. 2.25, für 2 Monate M. 1.50, für 1 Monat M. 0,75. Bei der Post für ¼ Jahr M. 2.25, für 2 Monate M. 1.50, für 1 Monat M. 0.75 Postbestellgeld für ¼ Jahr M. 0.42, für 2 Monate M. 9.28, für 1 Monat M. 0.14. Anzeigen werden für Lippe mit 15 Pfennig, für Auswärts mit 20 Pfennig die kleinspaltige Kolonelzelle oder deren Raum berechnet Rehlamezeile 75 Pfg. Kompliziere Anzeigen werden mit 50% Aufschlag berechnet. Ns 85 Detmold, Montag, den 10. Kpril 1916 142. Jahrgang Die neuesten Generalstabsberichte. wotb. Großes Hauptquartier, 8. April 1916. Westlicher Kriegsschauplatz. Auf dem linken Maasufer erstürmten Schlesinger und Bayern zwei starke französische Stützpunkte südlich von Haucourt und nahmen die ganze feindliche Stellung auf dem Rücken des Kamiten=Hügels in einer Breite von über zwei Kilometern. Ein heute früh versuchter Gegenstoß scheiterte völlig. Unsere Verluste sind gering; diejenigen des Gegners, auch infolge des heimtückischen Verhaltens Einzelner, besonders schwer. Außerdem wurden 15 Offiziere, 699 Mann unverwundet gefangen, darunter Retruten der Jahres klasse 1916. Auf den Höhen östlich der Maas und der Woevre war die beiderseitige Artillerie stark tätig. Am Hilsenfirst(südlich von Sondernach in den Vogesen) stieß eine kleinere deutsche Abteilung in eine vorgeschobene französische Stellung vor, deren Besatzung bis auf 21 Mann im Kampfe fiel. Der feindliche Graben wurde gesprengt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die russischen Angriffe blieben auch gestern auf einen schmalen Frontabschnitt südlich des Naroczsces beschränkt und wurden glatt abgewiesen. Balkan=Kriegsschauplatz. Nichts neues. Oberste Heeresleitung. wotb. Großes Hauptquartier. 9. Kpril. Amtlich Die Lage ist auf allen Kriegsschauplätzen unverändert. Oberste Heeresleitung. wtb. Berlin, 9. Kpril. Amtlich. Am 8. Kpril griffen 4 Marine-Flugzeuge die russische Flugstation Papenshelm bei Kielkond auf Oesel an. Politische Wochenschau. Der Sitzung des deutschen Reichstags vom 5. April wird in der Geschichte dieses Weltkrieges steis eine besondere Bedeutung beigemessen werden, denn der Reichskanzler hat in seiner großzügigen Rede mehr von Deutschlands Kriegszielen kundgetan, als dies bisher je der Fall war. Wenn er erklärt, daß wir die befreiten Völker zwischen dem Baltischen Meer und den Wolhynischen Sümpfen, mögen es Polen, Balten, Littauer oder Letten sein, nicht wieder dem reaktionaren Rußland ausliefern wollen, so ist das ein Programm, wenn auch zunächst nur ein negatives. Aber es liegt in der Natur der Sache, daß der leitende Staatsmann jetzt noch nicht auf die Frage eingehen konnte, wie sich das Schicksal dieser befreiten Völker im einzelnen gestalten solle. Zurück haltender drückte Herr v. Bethmann Hollweg sich in Bezug auf die belgische Frage aus, indem er als sein Ziel bezeich neic,„reale Garantien dafür zu schaffen, daß Belgien nicht englisch französischer Vasallenstaat, nicht militärisch und wirt schaftlich als Vollwerk gegen Deutschland ausgebaut wird". Jedenfalls werden auch die Neutralen, wenn sie dies Pro granmn mit dem unserer Gegner vergleichen, einen grund sätzlichen Unterschied zugehen müssen, nämlich den, daß wir weniger fordern, als wir schon erreicht haben, während die meithereigen Kriegsziele der Gegner noch restlos zu erkämpfen sind. Es war ersichtlich, daß der Reichskanzler in seinen Ausführungen über unsere Kriegsziele ein Kompromiß zwischen den widerstreitenden Ansichten zu finden suchte, ebensowic er das in Bezug auf den eine Zeitlang so leidenschaftlich geführten U. Bootstreit getan hat. Wenn er versicherte, daß wir uns die Abwehrmittel gegen den völkerrechtéwidrigen Aushungerungskrieg unserer Gegner nicht entwinden lassen werden, daß wir diese Mittel anwenden und sie abwenden müssen, während er zugleich die Rücksicht auf die berechtigten Interessen der Neutralen betonte, so hat der leitende Staatsmann sich damit auf den Sandpunkt der von allen Parteien bis auf die neue Haase Gruppe verein barten Resolution gestellt. Wnn aber der eine oder der andere mit diesem Ausgang der parlamentarischen UVootaktion nicht zufrieden ge frieden sein sollte, so wird die außerordentlich rege und erfolgreiche Tätigkeit, welche unsere schneidigen Unterseeboote gerade in der letzten Zeit entwickelt haben, in dieser Beziehung wohl jeden Rest von Mißvergnügtheit beseitigt haben. Und das gleiche gilt für jene, welche der Meinung Die Station wurde mit 20 Bomben belegt. Von 4 zur Abwehr aufgestiegenen feindlichen Flugzeugen wurden 2 zur Landung gezwungen. Trotz heftiger Beschießung sind unsere Flugzeuge unbeschädigt zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Oesterreich-ungarischer Bericht. Fliegerangriff im Rücken der italienischen Isonzofront wtb. Wien, 8. April. Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts von besonderer Bedeutung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Doberdo wurde der Feind heute nacht aus einigen vorgeschobenen Sappen vertrieben. Auch südlich des Mrzl Brh nahmen unsere Truppen eine italienische Stellung und brachten dabei 43 Gefangene und ein Maschinengewehr ein. An der Tiroler Front unterhielt die italienische Artillerie in mehreren Abschnitten, insbesondere gegen unsere Stellungen westlich von Riva, lebhaftes Feuer. Eine feindliche Abteilung, die sich in einer unserer Sappen am Südhange der Rochetta festgesetzt hatte, wurde durch Gegenangriffe daraus vertrieben. Die Zahl der bei der Säuberung des Rauchkofels eingebrachten Gefangenen erhöht sich auf 3 Offiziere 150 Mann. Alle anderen dort kämpfenden Italiener fielen im Handgemenge. Gestern bei Morgengrauen griffen Geschwader von Landund Seeflugzeugen die Bahnhöfe von Zasarsa und Sau Giorgio di Nogaro mit deutlic errennbarem Erfolg an. Von den kühnen Fliegern, die sich zum Bombenabwurf tief herunterließen, sind drei nicht zurückgekehrt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Hoefer, Feidmarschalleutnant. wotb. Wien, 9. April. Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Stellenweise lebhaftes Geschützfeuer, sonst keine nennenswerten Kämpfe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. wairen, daß auch unsere Zeppeline den lieben Engländern nicht das gebührende Interesse zuwenden. Die jüngsten, von so außerordentlichem Erfolg begleiteten Luftschiffvisiten in Cngland dürften hierüber ebenso viel Beruhigung per schafft haben, wie sie im Inselreiche, das seine„glänzende Isolierung“ schwinden sieht. Beunruhigung erregten. Wäh ren wir handeln, beraten unsere Gegner. Aber die Pariser Konferenz hat weder die tatkräftige Fortführung des deut schen Unterseebootkrieges, noch die Bombenerfolge der Zeppe line verhindern können. Sie vermag die gewaltigen Fort schritte der deutschen Heere vor Verdun nicht aufzuhalten, und wenn sie auch eine neue russische Offensive erzwang, so muß sie sich doch dabei bescheiden, daß diese hoffnungslos „in Sumpf und Blut" erstickt ist. Endlich ist es der Pariser Konferenz nicht gelungen, ihren Hauptzmeck zu erreichen, nämlich die Beteiligung Italiens am Kriege der Alliierten. Cadorna, der Vertreter des„heiligen Egoismus“, ist zur großen Befriedigung Salandras wenigstens in dieser Be ziehung das geblieben, was er bisher noch nie war, nämlich Sieger. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Rücktritt des Kriegsministers Zupelli hiermit zusammenhängt. Jeden falls ist in diesem Punkt die Einheitlichkeit des Vierverlandes einigermaßen hergestellt, da der russische, der fran zösische und der italienische Kriegsminister fast gleichzeitig ge gangen— wurden. Da der Vierverband sich außerstande sieht, dem Vierbund gegenüber irgendwo Erfolge zu erringen, versucht er über die Neutralen zu siegen, indem er sie nach Kräften drangsa liert. In Griechenland, wo die Entente wieder eine Anzahl neuer Gewalttaten verübt hat, weiß man ein Lied davon zu singen; doch voll Sorge vor der angedrohten Aushungerungs taktik Englands(die Deutschland gegenüber völlig versagte), magt das Volk der Hellenen nicht wider den Stachel zu löcken. Die Hollander aber wollen sich nicht graecisieren lassen. Sie haben auf die angekündigte Blockadeverschärfung und die in Paris geforderte Grenzsperre gegen die Mittel mächte mit militärischen Maßnahmen geantwortet, die er kennen lassen, daß unsere niederländischen Nachbarn gewillt sind, nicht nur ihre Neutralität, sondern auch ihre Souveränität zu wahren. Auch die swarten Bankees woilen trotz aller Reuter Beschwörungen nicht das„Kriegsbeil“ gegen die deutschen U. Boote ausgraben, und man erinnert sich jetzt in Washington sogar, daß in England noch immer unbennt wortete Noten lagern. Auch ist Präsident Wilson anderweitig beschäftigt; er wartet auf den letzten der„zwei glück lichen Tage“, wo er— Villa los wird Zu Hindenburgs Jubiläum. Prinz Heinrick überbringt die Glückwünsche des Kaisers. wib. Aus dem Hauptquartier Ost wird uns berichtet: Hauptquartier Ost, 8. April. Bei dem gestern abend im Hauptquartier Ost stattgehabten Festmahl, an dem als Vertreter Sr. Majestät des Kaisers Prinz Heinrich von Preußen und als Vertreter der dem Feldmarschall unterstellten Armeen Generaloberst von Eichhorn teilnahmen, wurde zunächst das Glückwunchtelegramm S. M. des Kaisers verlesen. Hierauf hielt der Herr Feldmarschall folgende Ansprache: An meinem heutigen Ehrentage spreche ich bewegten Herzeus in tiefer Ehrfurcht und unbegrenzter Liebe und Treue im Geiste vor meinem allergnädigsten Kaiser, König und Herrn. Was ich erreicht habe und was ich leisten durfte, das danke ich seiner Guade und seinem Vertrauen. Sein bin ich bis zum letzten Atemzuge, und der soll ein (ebet für meinen König und mein Vaterland sein, und so bitte ich Sie denn, in dieser Weihestunde die Gläser zu ergreifen und mit mir freudis einzustimmen in den Ruf: Unser Preußenkönig, des Deutschen Reiches Kaiserliche Majestät burra! Seine Königliche Hoheit Frinz Heinrich von Preußen sprach dem Herrn Generalfeldmarschall seine Glückwünsche mit folgenden Worten aus: Als glorreicher Kämpfer stehen Sie heute an dem militär. Jubekund Ehrentage da als Präzeptor der deutschen Armee und Mehrer der deutschen Heeresmacht, des Vertrauens des Allergnädigsten Kriegsherrn sicher, auf den Händen getragen von der Armee und von Eurer Exzellenz Untergebenen, ein Bild, welches niemale aus den Herzen des deutschen Volkes herausgerissen werden kann. Möge der liebe Gott Eure Exzellenz auch ferner schützen und schirmen und Ihnen dazu verheifen, daß Sie das Werk, welches Sie als Meister begonnen haben, auch als solcher siegreich zu Ende führen möchten. Das sind die Wunsche, die ich Ihnen persönlich am heutigen Tage überbringen möchte. Wir aber rufen aus vollster Kehle: Unser Feldmarschall, der General von Hindenburg, hurra! Generaloberst von Eichborn überbrachte die Glückwünsche der Armec: Sie wissen, wie stolz wir sind, vom ältesten General bis zum letzten Trainsoldaten, Angehörige der Hindenburg=Armee zu sein. Der brausende Jubel der Soldaten, wo Die immer erscheinen, spricht deredter als dies dürren Worten möglich ist. Gottes Segen schwebt sichtlich über Eurer Exzellenz Haupt; sein Segen stärkt Eure Exzellenz in der schweren Aufgabe, die Sie zu Ehren und Nutzen von Kaiser und Reich zu vollbringen haben. Gocthes Wort wird bei Ihnen zur herrlichen Wahrheit: Was man in der Jugend sich wünscht, das hat man im Alter in Fülle. Unvergänglicher Ruhm, des Kaisers Gnade und Dank, die stürmische Berehrung der Armee, die Liebe u. Bewunderung des ganzen Volkes drängt sich um Sie herum, und gleichwohl wage ich es, noch persönlich Ihnen meinen Wunsch auszusprechen, ebenso berzlich, wie Eure Exz. vor wenigen Tagen mir Ihre Glückwünsche aus. gesprochen haben. Und nun die Zukunft. Was können die Armeen ihrem Heerführer wünschen, war kann ich als Soldat dem Soldaten sagen? Weiter auf dem Ruhmcopfad, zu alten Siegen neue Siege! Unser Generalfeldmarschall hurra! Gneralfeldmarschall von Hindenburg antwortete mit folgenden Worten: Eurer Königlichen Hoheit sage ich meinen untertänigsten Dank für die gnädigen Worte und dafür, daß Eure Königliche Hoheit die Gnade hatten, zu meinem Ehrentage hier zu erscheinen. Meine Herren! Ich habe es schon ausgesprochen und kann es nur immer wirderholen: Der Grundton meiner Gefühle heute ist der Dank, Dank gegen Gett den Herrn, gegen meinen Kaiser und König und gegen so viele, vielc andere. Zunächst wende ich mich an Sie(an den Chef des Generalstabes gerichtet), meinen lieben treuen Gehilfen und Berater. Was Sie mir sind, gehört der Geschichte an und wird immer mehr im Volke empfunden, und das freut mich innig. An Sie reihen sich meine anderen treuen Gehilfen, von denen viele, viele seit Beginn des Krieges in diesem Stabe wirkten. Und so geht es weiter; meine treuen braven Truppen. vor deren Opfermut und Tapferkeit ich Ehrfurcht empfinde. An Generaloberst von Eichborn gerichtet.) Eure Exzellenz baden mir die Grüße der mir jetzt anvertrauten Armee überbracht und ich danke dafür von Herzen. Ich sehe daraus, daß das Verhältnis zwischen den Truppen und mir so ist, wie es sein soll: Liebe gegen Liebe, Vertrauen gegen Vertrauen, und dann muß es gelingen. Ich darf nicht unterlassen, auch zu gedenken unserer Marine, deren Großadmiral, Eure Königliche Hoheit, diesen Ehrentag mit une bezehen. Ich bewundere mit allen meinen Herren die Großtaten der U. Voote. Wir freuen uns, daß der Feind, der die Hauptschuld an diesem Kriege trägt, von ihnen erfolgreich bekämpft und niedergezwungen wird. Und so bitte ich Sie denn, meine Herren, meinen schwachen aber tief empfundenen Dank aussprechen zu dürfen, indem ich rufe: Unsere herrliche Armee und un sere herrliche Marinc hurra! Hindenburgs Dank. wotb. Hauptquartier Oft, 8. April. Der fünfzigste Jahrestag meines Eintritts in das Heer hat mir eine überwältigende Fülle von freundlichen Grüßen und treuen Wunschen gebracht. Sie haben mich aufs tiefste gerührt und erfüllen meine Seeie mit Dank gegen Gott, der meine Armee sichtlich gesegnet hat, und gegen meinen Kaiserlichen und Königlichen Herrn, dessen Guade und Vertrauen mich einst auf meinen jenigen Posten berief. Mit allen denen, die meiner gedachten, weiß ich mich eins in dem Gefuhl, daß heute alle unsere Kräfte Kaiser und Reich gehoren, der heiligen Sache des Vaterlandes und seinem endail tigen Diege. So darf ich auf Verständnis und Nachsicht rechnen, wenn ich bitte, mit diesem kurzen, schlichten Worte, das für alle bestimmt ist, gutigst vorlieb zu nehmen. gcz. von Hindenburg, Generalfeldmarschall. Der deutsche Frühling. Die Märzschlachten 1916. 1. Es ist nur natürlich, wenn sich die angespannie Aufmerksamkeit des Erdballs auf die große Kampfhandlung per einigte, welche die Deutschen seit dem 21. Februar zunächst auf dem östlichen, dann auch auf dem wstlichen Mageufer eingeleitet hatten. Diese Kämpfe lassen sich in drei große Gruppen gliedern: Zunächst erfolgte der wesentlich nordindlich gerichtete Vorstoß aus der Linie Consenvone—Azannes auf die Linie Champ—Neuville—Donaumont. Eine zweite Angriffshandlung richtete sich von Etain, also von Nordosten, aus auf die Höhen der Ectes Lorraines in allgemeiner Richtung auf die nordöstliche Kante des Fortgürtels. Im Anschluß an diese innerlich zusammenhängenden Augriffsgruppen entwickelte sich dann vom 6. März an eine dritte Reihe von Kämpfen, die auf der Linic Forges—Regnisville über die Maas hinübergriffen und sich den Nordrand der Befestigungsanlagen des westlichen Maasufers zum Ziele nahmen. Der jähe und anscheinend nicht völlig erwartete Vorstoß gegen die nördlichen und nordöstlichen Befestigungsgruppen des Festungsgürtels um Verdun hatte im ersten Anlauf bis an den eigentlichen Fortgürtel herangeführt und ein wichtiges Glied dieses Gürtels, das Fort Douaumont, und dann, nach dem harten Ringen mehrere Tage, das noch weit stärkere befestigte und mit Hartnäckigkeit verteidigte Dorf Douaumont nebst den anschließenden Feldwerken in unsere Hand gebracht. Dieser Erfolg rief eine seiner Bedeutung entsprechende sehr beträchtliche Gegenaustrengung des Feindes hervor. Indessen blieben die Versuche der Franzosen, uns die erkämpfte Linie wieder zu entreißen, erfolglos. State dessen gelang es uns am 8. März, einen wichtigen Stützpunkt für die linke Flanke zu gewinnen, indem das Dorf Vaur genommen und bis zur Straßengabel im Westen des Ortes befestigt wurde. Der Angriff stieß auch bis in das gleichnamige Fort durch, doch konnten nur die nördlich des Forts angelegten Befestigungen dauernd gehalten werden. Seitden beschränkten wir uns östlich der Maas auf die Festhaltung und den Ausbau der gewonnenen Linie vom Südrande des Forts Douaumont durch den Albain=Wald und weiter am Südhang des Pseffer=Rückens entlang bis zu den in unseren Besitz gelangten Dörfern Vacherauville und Champ an der Maas. Links anschließend haben wir aus der Woevre=Ebene andringenden Truppen der Nordostgruppe trotz schwersten Artilleriefeuers, das von den Höhen der Cötes herab ihr Vordringen zu hemmen suchte, am 7. März die Franzosen aus Fresnes herausgeworfen, am 9. März nach dem FeuillaWald und die Weinbergshöhe 251 nördlich Damloup genommen und halten nun den Fuß der Cöte bis Champlon nordöstlich Combres fest in Händen. Der Angriff aus nördlicher und nordöstlicher Richtung war sonach mit Beginn des zweiten Märzdrittels zunächst zum Stehen gekommen. Der Feind hat auf der Kampflinie beiderseits der Maas in klarer Erkenntnis des Ernstes seiner Lage ganz außerordentlich starke Kräfte hereingeworfen. Im Kampf ist das Vorhandensein von 28½ französischen Divisionen festgestellt worden, während mit großer Bestimmtheit noch der Einsatz von vier weiteren Divisionen ermittelt werden konnte. Insgesamt stehen also hier die Kräfte von rund 16 französischen Armeekorps im Kampf. Während so die Schlacht auf dem östlichen Maasufer zu den Formen und Kampfmitteln des Festungskrieges überleitete, gingen wir seit dem 6. März auch auf dem westlichen Maasufer zum Angriff über, und hier ist ein schrittweises, aber ununterbrochenes Vorwärtsdringen im Gange. Nachdem der Maasübergang und die Einnahme der Dörfer Forges und Regniéville gelungen war, nurde am 6. März die Höhe 265 südöstlich Forges gestürmt. Dann warfen sich unsere Truppen mit einer Rechtsschwenkung in die zusammenhängenden, hartnäckig verteidigten Dickichte des Cumièresund Rabenwaldes hinein. Beide wurden bis zum 10. März gesäubert und gegen stürmisch anrennende Gegenangriffe gehalten. Schon vier Tage später wurde die ganze, den Wäldern westlich vorgelagerte„Alorte somme=Stellung“ genommen und trotz wütender Rückeroberungsversuche behauptet. Und nun griff unser Angriff noch weiler westlich um jene zusammenhängende Gruppe fester Stellungen herum, welche die Dörfer Béthincourt, Malancourt und Hancort zu Stützpunkten und hinter ihrer Mitte die Höhe 304 zum Rückhalt hat. Aus dem Gehölz von Malancourt drangen unsere Trupven in den südlich vorgelagerten Wald von Avocourt ein und brachten ihn am 20. März fest in ihre Hand. Am 22. wurden die nach Malancourt und Haucourt vorspringenden Bergnasen hinzugenommen, und am 31. März wurde auch das Dorf Malancourt selber erstürmt. So verengte sich hier von Tag zu Tag der dem Feinde noch gebliebene Raum. In diesen Kämpfen gingen die dem Feinde noch verbliebenen Dörfer Cumières, Marre und Bras in Flammen auf. Aber auch die Stadt Verdum, die seit Beginn der Operationen unter unserm Feuer liegt, steht in Brand. II. Die Kämpfe an der Maas stehen im Mitielpunkte der gesamten kriegerischen Opcrationen seit dem historischen 21. Februar. Alle anderen Kämpfe bilden ihnen gegenüber teils Begleit, teils Folgeerscheinungen. An der gesamten Westfront machte sich vor und mit dem Einsetzen unserer Offensive an der Maas eine gesteigerte Ge fechtstätigkeit geltend. Besonders ist der Sturm der Sachsen auf die Ville=aur=Bois=Stellung nordwestlich Reims zu verzeichnen, welcher wichtige Artilleriebeobachtungspunkte und in einer Breite von 1400 Metern auf 6 bis 800 Meter Tiefe auch die feindlichen Infanteriestellungen in unsere Hand brachte. In der Champagne versuchten die Franzosen, die am 27. Februar ihnen entrissene Navarin=Stellung wieder in ihre Hand zu bringen; aber ihren hartnäckigen Bemühungen bliev der Erfolg versagt. Ebensowenig gelang es freilich uns, die am 11. Februar von den Franzosen genommenen Graben östlich der Champagne zurückzuerobern. Auch an manchen Stellen der übrigen Westfront tobten Auillerie= und Grabenkämpfe von wechselnder Stärke und Dauer. Als bedeutsamste Folgeerscheinung der Kämpfe an der Naas verdient aber heivorgehoben zu werden, daß von Armentières bie Arras und im letzten Trittel des März auch weiter südlich bis zur Somme die französischen Trup pen durch Engländer abgelöst worden sind. Eine besonderRegsamkeit haben diese Ersatztruppen indessen nicht entfaltet. Die Engländer haben auch nicht den leisesten Versuch gemacht, auch ihrerseits angriffsweise ihre hartringenden fran zösischen Verbündeten zu entlasten. (Schluß folgt.) Der letzte Kampf des Kreuzers „Königsberg“. Berlin, 7. April. Der Kommandant des Kreuzers „Königsberg“ hat über den letzten Kampf des Schiffes folgendermaßen an den Admiralstab der Marine berichtet: Rufiji, den 20. Juli 1915. Am 6. Juli wurde ein vom Blockadegeschwader auf S. M. S.„Königsberg“ mit fünfzehnfacher Uebermacht ausgeführter Angriff abgeschlagen. Nach neunstündigem, sehr heftigem Feuergefecht zog sich der Gegner zurück, ohne daß die Gefechtsbereitschaft S. M. S.„Königsberg" beeinträck, tigt war. Im Verhältnis zu den vom Blockadegeschwader eingesetzten vielfach überlegenen Kräften und zu dem sehr großen Munitionsaufwand der S. M. S.„Königsberg" beschießenden Kreuzer und Kanonenboote(über 2000 Schuß) waren die Verluste, die S. M. S.„Königsberg" bei diesem allgemeinen Angriff erlitt, äußerst gering. Am 11. Juli wurde der Angriff des Blockadegeschwaders auf S. M. S.„Königsberg“ mit noch größerem Kraftaufwand wiederholt. Vor dem Telta befanden sich an diesem Tage der Panzerkreuzer„Cumberland“, die geschützten Kreuzer„Weymouth“, Hyacinth",„Astraea",„Pyramus“, zwei Kanonenboote, drei Hilfskreuzer, sechs armierte Wachboote, Hilfskreuzer„Duplex“, Dampfer„Helmut" und zwei weitere größere Dampfer. Gegen Mittag näherten„Weymouth",„Astraea",„Pyramus“ und die beiden Kanonenboote sich der Kiknuja=Mündung und liefen unter äußerst heftiger Beschießung beider Ufer ein. Die flachgehenden Kanonenboote liefen bis auf die Höhe des Dorfes Nyemsati, etwas unterhalb davon ankerte„Pyramus“, dicht dahinter„Weymouth" und „Astraea".„Cumberland“ lag dicht vor der Mündung. Alle Schiffe nahmen darauf S. M. S.„Königsberg“ unter Feuer, das von dieser auf die Kanonenboote schon während ihres Einlaufens eröffnet worden war.— Schon nach kurzei Zeit war der Feind auf S. M. S.„Königsberg“ eingeschossen, da zwei Flieger, die über dem Delta kreisten, durch Signal die Beobachtungen übermittelten, und überschüttete das Schiff von da ab mit einem Hagel von Geschossen, die zuerst besonders im Vorschiff große Verluste herbeiführten. Sämtliche Geschützbedienungen und Munitionsmänner des Vorschiffs fielen, der Kommandant wurde schwer verwundet; im Achterschiff wütete ein verheerendes Feuer, und hochgehende Gebrauchsmunition verursachte auch bald bei den Geschützbedienungen des Achterschiffs große Verluste. Der Verlust aller Geschützmannschaft und die außerordentlichen Verheerungen an Oberdeck machten schließlich die Fortsetzung des Artilleriefeners zur Unmöglichkeit. Der Brand des Schiffes zwang zum Fluten der Munitionskammern. Mit den beiden letzten Schrapnells wurde noch einer der beiden Flieger heruntergeschossen. Der errletzt nochmals schwerverwundete Kommandant gab um 1 Uhr 30 Min. nachmittags dem ersten Offizier den Befehl, das Schiff zu sprengen. Unter heftigstem Granatfeuer ging der Rest der Besatzung unter Mitnahme aller Verwundeten in aller Ruhe mit Booten an Land und sammelte sich, vom Feinde noch lebhaft mit Schrapnells beschossen, ca. 1000 Meter vom Schiff entfernt. Die Sprengung des Schiffes erfolgte gegen 2 Uhr nachmittags durch Sprengung eines Torpedokopfes, welche das Schiff in Höhe der vorderen Kommandobrücke auseinanderriß. Das Schiff legte sich mit wehender Flagge und Wimpel auf die Seite und versank alsbald bis zum Oberdeck im Rufidji. Bei Sonnenuntergang, 5 Uhr 45 Min. rachmittags, wurde die von Hunderten von Granatsplittern zerfetzte Flagge und der Wimpel durch die beim Schiff gebliebene Besatzung unter dreifachem Hurra auf Seine Majestät den Kaiser niedergeholt. Die Kanonenboote fuhren nach Beendigung des Kampfes noch eine Strecke stromauf; an S. M. S.„Königsberg“ wagten sie sich jedoch nicht heran. Alle Schiffe verließen genen 4 Uhr 30 Min. nachmittags den Rufidji und dampften seevärts. Alle Vernnindeten wurden nach dem mit Hilfe des Roten Kreuzes für S. M. S.„Königsberg“, geschaffenen Feldhospital Neustieten gebracht; ihr Befinden ist durchaus zufriedenstellend. Der Rest der Besatzung S. M. S.„Königsberg“ ist dem Gouverneur von Deutsch=Ostafrika zur Verteidigung der Kolonic zur Verfügung gestellt worden. Die ganze Mannschaft tat im stundenlangen schwersten Granatfeuer getreu ihrem Eide mit Todesverachtung und Kampfesfreude ihre Pflicht bis zum äußersten; ihr Verhalten war über jedes Lob erhaben, S. M. S.„Königsberg“ ist vernichtet, aber nicht besiegt. Loof. Anstiftung zum Kriegsverrat in einer geistlichen Schule Brüssels. wtb. Brüssel, 9. April. Am 6. April, abends, wurden von der deutschen Militärpolizei auf der Landstraße bei Sicchem=Moll im Norden der Provinz Brabant zwei junge Leute angehalten, die bei ihrem Verhör alsbald gestanden, daß sie über Holland zur feindlichen Armee reisen wollten. Die beiden jungen Leute sind Schüler, in dem Institut St. Louis, der ersten geistlichen Erziehungsanstalt Brüssels, zu welcher Kardinal Mercier rege persönliche Beziehungen unterhält und in deren Räumen er bei seinen Besuchen in Brüssel Wohnung nimmt. Sie gaben an, daß sie von ihren Lehrern aufgefordert worden waren, nicht länger mehr auf den Schulbänken zu bleiben, sondern sich zum Heere zu begeben. Die Lehrer hatten ihnen außerdem Geld und gefälschte Personalausweise zur Flucht über die Grenze gegeben und ein Stichwort für den Führer, der sie über die Grenze bringen sollte. Die gefälschten Personalausweise und erhebliche Geldsummen wurden tatsächlich bei ihnen gefunden. In Verbindung mit diesen Feststellungen wurde der Lehrer Truyens und der Direktor Cocheteux vom Institut St. Louis wegen Beihilfe zum Kriegsverrat(Zuführung von Mannschaften an den Feind) in Haft genommen. Ein neuer englischer Fehlschlag am Tigris. Konstantinopel, 9. April. Das Hauptquartier meldet: An der Irakfront fügten wir dem Feinde bei einem Gesecht am 5. und 6. April in einem von einer fliegenden Abteilung besetzten Schützengraben der vorgeschobenen Linie vier Kilometer östlich unseres Hauptabschnittes von Felahie einen Verlust von fünfzehnhundert Mann zu und nahmen ihm einige Gefangene ab. Wir schoffen ferner ein Flugzeug ab. Dieser zweitägige Kampf spielte sich folgendermaßen ab: Da infolge des Steigens des Tigris in den letzten Tagen unsere an den Fluß stoßenden Schützengräben, die einen Teil unserer vorgeschobenen Linie bildeten und die sich vier Kilometer östlich unserer Hauptstellung befinden, überflutet und zerstört wor den waren, so räumte ein großer Teil unserer Truppen am 4. April abends befehlsmäßig diese Gräben, in denen sie ungefähr zwei Kompagnien zurückließen. Am 5. April morgens beschoß der Feind, der die Ursache dieser Räumung nicht kannte, diese Gräben mit seiner Artillerie eine Stunde lang und griff mit einer Truppenmacht von ungefähr drei Brigaden an. Obwohl unsere beiden Kompagnien den Besehl erhalten hatten, vor diesen überlegenen Kräften zurückzugehen, so hielten sie doch stundenlang den Feind durch Angriffe mit dem Bajonett und mit Bomben auf und wichen dann in unsere Hauptstellung zurück. Gleichzeitig zogen sich unsere aus schwachen Kräften zusammengesetzten Vorposten auf dem rechten Ufer des Tigris ebenfalls auf den Flügel unserer Hauptstellung zurück. Gelegentlich dieser Angriffe stellten wir fest, daß eine Anzahl der feindlichen Truppen in den durch die Ueberschwemmung gebildeten Sümpfen einsanken. Durch diese Scharmützel ermutigt, näherte sich der Feind, der neue Verstärkungen erhielt, am 6. April an einigen Stellen bis auf 800 Meter unserer Hauptstellung und versuchte dann einen Angriff. Es wurde aber durch unseren Gegenangriff und unser heftiges Feuer gezwungen, zwei Kilometer in östlicher Richtung zurückzugehen. Dabei ließ er eine beträchtliche Zahl von Toten und Verwundeten zurück. Die feindlichen Verluste werden auf 1500 Mann ge schätzt, während die unsrigen gering sind. Am 7. April, morgens, bekämpften sich nur die beiden Artillerien. Vom Tage. Ein neuer Liebknecht-Skandal. Berlin, 8. Aril. Bei der zweiten Lesung des Etats des Reichsschatzamts im Reichstage kritisierte heute der Abgeordnete Liebknecht das Zustandekommen der Kriegsan:ihe. Darauf erhob sich großer Tumult im ganzen Hause. Die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien drängten vor den Tisch des Hauses und verlangten unter erregten Zwischenrufen und heftigen Gestikulationen, daß der Präsident ihnen ihr Recht verschaffe. An den Zwischenrufen waren die meisten in dem Lärm nicht zu verstehen. Dann hörte man wiederholt die Ausdrücke: Lump! Sie gehören ins Irrenhaus. Der Kerl verrät uns dreimal! Präsident Dr. Kaemuff schwingt unaufhörlich die Glocke. Während des Lärmes spricht Dr. Liebknecht weiter, ohne verständlich zu sein.(s hat wiederholt den Anschein, als ob es zu Handgreiflichkeiten gegen ihn kommen sollte. Plötzlich springt Abgeordneter Hubrich=Oberbarnim an das Rednerpult, reißt dem Abgeordneten Liebknecht das Manuskript vom Pult und wirkt es auf den Boden.(Donnernder Beisall. Händeklatschen im Hause und auf den Tribünen. Minutenlange Rufe: Bravo Hubrich!) Abg. Dittmann hebt das Manuskript auf und gibt es Lieb knecht wieder. Dieser wendet sich zum Präsidenten und erklärt, es sei infam, daß derartiges zugelassen werde. Darauf entzieht der Präsident dem Redner das Wort wegen gröblicher Bei etzung des Hauses und hebt die Sitzung auf. Die Anordnungen über Kaffee und Tee. woth. Berlin, 8. April.(Amtlich.) Zu der am 6. April erlassenen Verordnung über Kaffee und Tee wird vom Kriegsausschuß für Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel, G. m. b. H., Berlin, Bellevuestr. 14, folgendes zur Erläuterung mitgeteilt: Rohkaffeemengen von 10 Kilo und mehr und Teemengen von 5 Kilo und mehr sind beschlagnahmt. Der Handel mit beiden Artikeln ist daher bis auf weiteres gesperrt. Eine Millionenstiftung des Fürsten Heuckel=Donnersmarck. Wie wir erfahren, hat der Fürst Henckel=Donnersmarck mehrere Millionen Mark gestiftet, um eine Heilanstalt für verwundete Krieger in der Nähe der Reichshauptstadt ins Leben zu rufen. Neben dem erforderlichen Baugrund mit entsprechenden Waldungen sind mehrere Millionen bar überwiesen worden, um die entsprechenden Anstalten nicht bloß zu erbauen, sondern auch dauernd zu erhalten. Millionenschaden durch Zeppelinaugriffe. Haag, 8. April. Holländische Bankkreise erfahren aus London: Englische Bürger haben aus Anlaß der letzten Zeppelinangriffe bei der englischen Regierung Schaden ersatzansprüche in Höhe von 12 Millionen Mark gestellt. Die französischen Verluste vor Verdun. Frankfurt a. M., 8. April. Der Kriegsberichterstatter der„Frankf. Ztg.“ im Westen berechnet die Zahl der französischen Verluste vor Verdun auf mindestens das Doppelte der deutschen Verluste. Für die ungeheuren Opfer, die Frankreich bisher erlitten hat, gewinnt man eine gewisse Anschaulichkeit durch die Zahl der französischen Kinder, welche der Krieg bisher zu Waisen gemacht hat. Barré, der gewiß nicht übertreiben wird, beziffert sie im„Echo de Paris“ vom 23. März auf 1 400000. Rückzug der Franzosen aus Béthincourt? Köln, 9. April. Nach einem Telegramm der„Köln. Ztg.“ erklärt das„Echo de Paris“, daß sich die Besatzung von Béthincourt in gefährlicher Lage befinde und daß deshalb mit einer Räumung der Stellung gerechnet werde. Der letzte französische Vatikangesandte beim Papst. Lugano, 8. April. Der Papst empfing gestern in einer Privataudienz den früheren französischen Botschafter am Vatikan, Nisard, der von 1899 bis 1904 als letzter Vertreter Frankreichs am päpstlichen Stuhle vor dem Bruch mit dem Vatikan tätig gewesen war. Obwohl der Besuch den Charakter einer strengsten Privataudienz trug und Nisard persönlich den Klerikalen zuzurechnen ist, wird die Audienz in politischen Kreisen viel beachtet. Deutsche U.=Boote in Tätigkeit. Genf. 8. April. Der französische Dampfer„Colbert“ (5394 Bruttoregistertonnen), der vor dem Hafen von Ajacio auf Korsika vor Anker lag, wurde einer Meldung des „Matin“ zufolge von einem feindlichen Unterseeboot beschossen und versenkt. Frankfurt a. M., 8. April. Nach der„Frankf. Zig.“ meldet die Schweiz. Telegrapheninformat. aus Athen: Deutsche Tauchboote wurden vor Korfu gesichtet. Ein Transportdampfer mit Serben, der nach Marseille ausfahren wollte, wurde im Hafen zurückgehalten, nachdem ein französischer Frachtdampfer knapp vorher der Torpedierung entgangen war. wotb. London, 6. April. Der britische Tampfer„Braunton“.(4575 Bruttoregistertonnen und das Segelschiff „Clyde“(201 Bruttoregistertonnen; wurden durch Minen zerstört. Der britische Dampfer„Chantala"(„Cantara“?) (2602 Bruttoregistertonnen) wurde versenkt. Versenkt. st. Haaa, 9. April. Die Wochenliste des Lloyd, die mit dem 6. April abschließt, enthält 22 gesunkene und 3 be schädigte Schiffe. Unter den gesunkenen Schiffen befinden sich 11 britische, 7 norwegische, 2 französische, 1 holländisches und 1 spanisches Schiff. Von den beschädigten sind 2 englische und 1 ein französisches Schiff. London, 9. April. Lloyds meldet: Der französische Fischdampfer„Sainte Marie“ wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet.“ Kristiania, 9. April. Der Vizekonsul in Almeria berichtet, daß aus dem Verhör beim Scegericht hervorgehe, daß die„Norne“, von einem deutschen U. Boote in Grund ge schossen wurde, nachdem das U. Boot Bestimmungsort und Ladung des Schiffes erfragt und der Besatzung Zeit gelassen hatte, in die Boote zu gehen. Ehrentafel. Minengefahr. Das Infanterie=Regiment Nr. 76(2. Hanseat.), Hambure hatte eine Stellung zu besetzen und auszubauen. Das 2. Bataillon hatte einen Schützengraben, direkt an einer Ferme gelegen. Dieser Abschnitt wurde von einer feindlichen Batterie stark beschossen. Trotz andauernder Beobachtung war es nicht möglich, die Stellung dieser Batterie ausfindig zu machen, so daß eine Patrouille ausgesandt werden mußte. Zu dieser meldete sich der Vizefeldwebel Hermann Jacobs von der 6. Komp. mit 2 Mann freiwillig. Kaum waren die drei 40—50 Schritt vom eigenen Graben entfernt, wurden sie von der Batterie mit Salvenfeuer beschossen. Um aus dem Feuerstrich zu kommen, machten sie mehrere lange, schnell aufeinander folgende Sprünge. Schließlich gelang es ihnen, ein Waldstück in Höhe des feindlichen Schützengrabens zu erreichen. Hier vom Walde konnten sie die eifrig schießende Artillerie genau und deutlich sehen. Nachdem sie die Lage und Stellung genau festgestellt und somit ihren Auftrag ausgeführt hatten, gingen sie zurück zur eigenen Stellung. Doch kaum waren sie wieder auf freiem Felde, als auch schon das Artilleriefeuer vom Groben ab auf sie gelenkt wurde. Nun galt es, die noch 1200 Meter bis zum Graben in Sprüngen zurückzulegen. Leider wurde hierbei ein Mann der Patrouille durch Volltreffer getötet. Nachdem Jacobs seine Meldung abgegeben hatte, ging er mit seinem Begleiter zu dem verunglückten Kameraden, doch hier war nichts mehr zu helfen. Auf Grund der Meldung gelang es der deutschen Artillerie sehr bald, die feindliche Batterie zum Schweigen zu bringen. Vizefeldwebel Jacobs erhielt für die glänzend ausgeführte Patrouille das Eiserne Kreuz. Barrikadenbau. In den Kämpfen im März 1915 wurde die 7. Kompagnie zur Verstärkung einer ermatteten Kompagnie eines NachbarRegiments eingesetzt. Es galt einen von den Franzosen genommenen Graben wieder zu gewinnen. Da die feindliche Artillerie aber auf dieses Grabenstück sich ganz besonders eingeschossen hatte, wurde nach vergeblichen Versuchen vom Abschnittskonmmandeur besohlen, in dem eingeschossenen Graben eine Barrikade zu errichten. Da übernahm der Grfreite August Deike aus Hameln freiwillig mit einigen Handgranatenverfern die Aufgabe, das obere Grabenende vom Feinde zu säubern und denselben soweit als möglich zurückzudrängen. Nachdem bei einbrechender Dunkelheit einige Handgranaten geworfen, zog sich der Gegner hinter eine Schulterwehr zurück. Jetzt galt es, so rasch wie möglich eine Barrikade zu errichten. Deike baute, immer auf dem Bauche liegend, mit den ihm zugereichten Pfählen und Sandsäcken eine etwa 1½ Meter hohe Barrikade zum Schutz gegen das einsetzende Minenfeuer. Obwohl vollkommen erschöpft, wollte er doch seinen Posten nicht verlassen. Vielmehr ließ er einige Zeit von den Nameraden die Barrikade höher schichten, um dann wied: 5tahlb1-*.- und Schießscharten selbst anzubringen. Deike, der schon mit dem Eisernen Krenz 2. Klasse aus gezeichnet war, wurde sofort zum Unteroffizier befördert. Leider ist der tapfere Mann bei dem Sturmangriff am 16. 6. 15, bei dem er sich noch ganz besonders hervortat, g#fallen. Heldenmütige Verteidigung einer Sappc. Der Gefreite Hermann Wilhelm aus Rahla, Kreis Liebenwerda, von der 7. Kompagnie Insanterie Reziments Nr. 72 befand sich mit seiner Gruppe in einer Sappe, ale ein Angriff des Gegners erfolgte. Trotzdem 6 Mann seiner Gruppe verwundet wurden u. die Sappe durch das feindliche Artilleriefeuer fast eingeebnet war, verließ Wilhelm die Sappe nicht u. warf fortgesetzt Handgranaten, so daß es dem Jeinde nicht gelang, in den Graben einzudringen. Während des stärksten Artilleriefeners baute er in der zerschossenen Sappe eine Sandsackbarrikade u. stellte, als diese wieder zerstört war, wiederum in starkem feindlichen Feuer eine neue her. Es konnte festgestellt werden, daß vor der Sappe 18 tote Feinde lagen, die von den Handgranaten getötet worden naren, die Wilhelm geworfen hat. Wilhelm erhielt für seine Taferkeit das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Lippisches. Detmold, 10 April 1916. Unsere# Helden. Aus den Reihen des Res.=Inf.=Reats. Nr. 56 sind auf auf dem Felde der Ehre gefallen: August Grewe aus Detmold. Friedrich Geller aus Liemergrund bei Lemgo und Heinrich Theiler aus Bad Sal zuslen. Im Weltenbrand. Sriginal=Kriegsroman aus ernster Zeit von Mubvif Zollinge Nachdruck verboten(Alle Rechte (29. Fortsetzung.) vorbehalten.) „Dann bin ich gezwungen, Sie zu verhaften und Sie zu weiterer Verfügung meinem Vorgesetzten zuzuführen. Es tut mir lei., wenn Ihnen daraus Ungelegenheiten erwachsen, aber ich darf keine Rücksichten nehm n!“ Zwei der Kosaken hatten v. Rittmeister bereits in die Mitte genommen und grinsten ihm unverschämt ins Gesicht. Aber der alte Herr bewahrte mit bewunderungswürdiger Selbstbeherrschung seine Haltung. „Sie sind augenblicklich hier der Stärkere, Herr Leutnant,“ sagte er nur.„Darum muß ich mich fügen. Aber ich erwarte von Ihrem soldatischen Ehrgefühl, daß das Eigentum eines Bürgers, der Ihnen unbewaffnet entgegengetreten ist, geschont werde! Man hat mir bereits von bedauerlichen Ausschreitungen berichtet, deren Ihre Leute sich drüben im Dorfe schuldig gemacht haben. Und ich protestiere dagegen in aller Form!“ „Ihre Proteste sind uns sehr gleichgültig.“ sagte der Offizier hochmütig, indem er ihm den Rücken kehrte und einen Unteroffizier heranrief, dem er verschiedene Befehle erteilte. Worauf sie hinausgingen, wurde alsbald offenbar. Ein weiteres, halbes Dutzend Kosaken saß ab und wandte sich unter der Führung des Unteroffiziers dem Wirtschaftshofe zu, wo die Stallungen und die Wagenremisen lagen. Dann stieg der Leutnant selbst aus dem Sattel, um sich in Begleitung von zwei Mann mit gezogenem Säbel dem Eingang des Hauses zu nähern. „Wenn Sie meiner Behausung einen Besuch zugedacht haben, so gestatten Sie wohl, daß ich die Führung übernehme,“ sagte der Rittmeister. Und mit einer einzigen Bewegung seiner riesenstarken Arme schleuderte er die beiden Kosaken zurück, die ihn hatten festhalten wollen. Die Burschen machten Miene, blank zu ziehen; aber ein Besehl des Leutnants ließ sie von ihrem Vorhaben abstehen. „Ich gestatte Ihnen, mich zu begleiten. Aber ich warne Sie, Herr von Raven, sich noch einmal einer Gewalttätigkeit schuldig zu machen. Der Befebl, an den ich gebunden bin, lautet:„Wer einen Soldaten anrührt, ist des Todes!“ „So warnen Sie gefälligst auch Ihre Soldaten, mich anzurühren, Herr Leutnant! Auch in meiner Familie gibt es ein Gesetz, das bis zum heutigen Tage noch immer befolgt worden ist. Und es lautet:„Wer einen Raven anrührt, der ist des Todes!“ Diesmal verzichtete Herr von Baranow auf eine Erwiderung; aber mit dem Rechte des Gebieters trat er vor dem Rittmeister über die Schwelle. Der alte Herr wurde dunkeirot, als er sah, daß Hertha den Befehl, sich auf ihr Zimmer zu begeben, nicht befolgt hatte; denn hochaufgerichtet, mit ruhiger, ernster Miene, stand sie in der offenen Tür des Wohnzimmers. „Guten Tag, Herr von Baranow!“ sagte sie mit der größten Gelassenheit.„Darf ich fragen, welcher Gefahr Sie hier mit blanker Klinge zu Leibe zu gehen gedenken?“ Der Leutnant stieß den Säbel in die Scheide und salutierte höflich. „Mein gnädiges Fräulein! Ich bitte um Verzeihung! Aber das ist der Krieg! Sie dürfer nicht mich verantwortlich machen für das, was der Dienst von mir fordert!“ „Da ich sicher bin, daß der Dienst nicht von Ihnen fordern wird, gegen Weyrlose vorzugehen, sehe ich keinen Grund, Ihnen zu zürnen.“ Der junge Mann schien unschlüssig, was er weiter tun solle. Die alte Bekanntschaft und die Erinnerung an die Huldigungen, die er vor zwei Jahren dem schönen Fräulein von Ruven dargebracht, schienen ihn doch empfindlich zu genieren. Mehr verlegen als herrisch wandte er sich wieder an den Rittmeister: „Ich will von einer Durchsuchung Ihres Hauses Abstand nehmen, Herr von Raven, wenn Sie mir Ihr Wort geben, daß weder Angehörige des deutschen Hoeres noch Waffen oder Munition in Ihrem Hause verborgen sind.“ „Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, Herr Leutnant!“ „Schön!— Für mich persönlich ist das genug. Ob es auch meinen Vorgesetzten genügen wird, kann ich natürlich nicht wissen. Jedenfalls muß ich Sie zu meinem Bedauern ersuchen, mich In das Dorf zu begleiten.“ Der Rittmeister wollte antworten, aber ein Lärm, der sich draußen vor dem Hause erhob, veranlaßte ihn, darauf zu verzichten. Man hörte die rauhen Stimmen der Kosaken, die drohend und schimpfend auf irgendwelche andere Personen einschrien, da zwischen das Knallen von Peitschen und das Rollen von Wagenrädern; jetzt auch einen gellenden Angstschrei aus weiblichem Munde. „Darf ich fragen, Herr Leutnant, was das bedeutet?“ „Vermutlich nichts weiter als die von mir befohlene Requisition. Wir brauchen Ihre Pferde und einige Wagen. Sie werden dafür selbstverständlich angemessen entschädigt werden.“ „Aber ich kann meine Pferde nicht entbehren. Meine Erntearbeiten sind noch nicht beendet. Einige wenigstens werden Sie mir doch wohl lassen?"— Baranow zuckte die Achseln. „Meine Order lautet sehr bestimmt. Vielleicht, wenn Sie dem Herrn Rittmeister Ihre Bitte vortragen——“ Er machte kehrt, und hinter ihm traten Jauch Herr von Raven und seine Tochter wieder auf den Platz vor dem Herrenhause hinaus. Die Szene, die sich da im Schein der tiefstehenden Nachmittagssonne vor ihren Augen abspielte, war wüst genug. Die Kosaken hatten sämtliche Arbeitsgäule, sowie die beiden Kutschpferde aus den Ställen gezogen, und sie trieben unter Flüchen und Schimpfworten die aus ihren Schlupfwinkeln aufgestöberten Knechte an, die Tiere in die ebenfalls herbeigeschafften Wagen einzuspannen. Zwei von ihnen aber hatten sich einer jungen Magd bemächtigt, um ihre rohen Späße mit der Geängstigten zu treiden. Mit aufgelöstem Haar und teilweise zerrissener Kleidung wehrte sich das Mädchen wie eine Verzweifelte gegen die Brutalitäten ihrer Peiniger, denen die anderen mit viehischem Gelächter zusahen. „Gehört das auch zur Requisition, Herr Leutnant von Baranow?“ fragte Hertha mit bebender Stimme, dem Zornesausbruch ihres Vaters zuvorkommend, dessen hochausschwellende Schläsenadern nichts Gutes weissagten.„Ich hatte geglaubt, der Krieg, der jetzt geführt wird, sei ein Krieg zwischen zioilisierten Nationen!“ Kurz und scharf kam ein befehlendes Wort aus dem Munde des Offiziers. Sichtlich erstaunt und nach einigem unmutigen Zaudern ließen die Kosaken von dem Mädchen ab, das sich schluchzend ins Haus flüchtete. „Die Leute führten nichts Böses im Schilde, gnädiges Fräulein,“ sagte der Leutnant.„Daß ihre Scherze vielleicht etwas derb sind, muß man in Kriegszeiten wohl oder übel mit in den Kauf nehmen. Es setzt mich, offengestanden, in Erstaunen, daß gnädiges Fräulein nicht vorgezogen haben, den Kriegsereignissen aus etwas größerer Entfernung zuzuschauen. Denn ich mochte mich nicht dafür verbürgen, daß jede Truppe, die nach der unsrigen hier erscheinen wird, mit derselben Rücksicht verfährt wie wir.“ Hertha blieb der Notwendigkeit überhoben, ihm zu antworten, denn eine vom Dorfe beransprengende Ordonnanz schwang sich vor dem Leutnant aus dem Sattel und erstattete in strammer, dienstlicher Haltung eine Meldung. Baranow eilte daraufhin die Stufen der kleinen Freitreppe herab und brachte mit raschen Kommandoworten Ordnung in seinen Zug. Die Kosaken rangierten sich als Eskorte für die weggenommenen Pferde und Wagen, welche letzteren von den Knechten des Gutes gelenkt werden mußten. Dann trat der Leutnant, die Hand an der Kopfbedeckung, wieder vor den Rittmeister hin. „Darf ich also bitten! Sie haben wohl die Güte, auf einem der Wagen Platz zu nehmen!“ Es war jetzt ganz im Befehlston gesprochen, und der Ausdruck von Ernst und Entschlossenheit, den das keineswegs unschöne Gesicht des jungen Offiziers angenommen hatte, bewies, daß die eben überbrachte Order ihm seine volle soldatische Sicherheit zurückgegeben hatte. Glücklicherweise hatte Herr von Raven sich wieder in der Gewalt und erhod keinen Widerspruch. Mit eherner Miene bestieg er einen der Leiterwagen und wollte sich dann mit einem Abschiedswort an Hertha zurückwenden. Aber sie war seltsamerweise nicht mehr da, und der Rittmeister konnte sich keine Aufklärung über ihren Verbleib verschaffen, da sich der Zug alsbald in raschester Gangart in wegung setzte. Die Entfernung bis zum Dorfe war nicht groß und wurde in kürzester Zeit zurückgelegt. sie Truppen, die hier haltgemacht hatten, waren zwar nicht so zahlreich, wie die entwischte Frau des Gastwirts im Herrenhause berichtet hatte; aber es mochte sich immerhin um zwei oder drei sich dem Rittmeister, dessen dorthin dirigiert worden war, ein herzzerreißenAnblick. Inmitten der im Biereck aufgestellten ein Hause der Anblick. Inmitten der im Soldaten stand dicht zusammengedrängt von Männern, die heinahe die gesamte männ liche Einwohnerschaft des Dorfes ausmachten An einem aus dem Wirthause herbeigeholten Tische saßen zwei Kosaken-Sotniks oder Nittmeister die ein Verhör mit den Gesangenen anzustellen schienen und sich dabei unablassig ihre Weingläser aus einer halb geleerten Branntweinflasche fülllen, die schwerlich die erste war. Neben ihnen aber zur Rechten wie zur Linker knieten schluchzend und flehend die Frauen und Kinder der Unglücklichen, die hier ihrer Aburteilung wegen irgendeines wirklichen oder vermeintlichen Verbrechens entgegensahen. An anderer Stelle hatte man offenbar alles Vieh zusammengetrieben, das im Dorse aufzufinden gewesen war, und das gellende Angstgeschrei, das hier und da aus einem der armseligen Häuschen drang, gab Kunde davon, daß ein Teil der Mannschaften noch mit Durchsuchungen der Behausungen oder mit Schlimmerem beschäftigt war. Zugleich mit dem Leutnant Baranow, der seine Meldung erstattete, trat der Rittmeister an den Tisch. Die beiden anscheinend schon schwer betrunkenen Sotniks musterten ihn vom Kopf bis zu den Füßen, dann schrie ihn der Aeltere von ihnen an: „Nettes Gesindel hier auf Ihrer Besitzung! Aus einem Hause ist auf unsere vorausgeschickte Patrouille geschossen worden Aber wir werden ein Exempel statuieren. Die Kerle werden samt und sonders füsiliert.“ Er mußte ein Deutschrusse sein, denn er beherrschte die Sprache des Landes, in dem er sich unverkennbar bereits als Herr und Gebieter fühlte, auf das vollkommenste. Ein vielstimmiges verzweiseltes Wehgeschrei der Frauen und Kinder folgte seinen letzten Worten. Die Unglücklichen warfen sich mit den Stirnen auf den Boden oder rangen die Hände. Eine unmutige Bewegung des anderen Sotniks nach dieser Richtung hin aber genügte, um die hinter den Knienden stehenden Kosaken zum unbarmherzigen Gebrauch ihrer fürchterlichen kurzen Peitschen zu veranlassen. So brutal ließen sie sie aufs Geratewohl zwischen die Wehrlosen sausen, daß da, wohin sie trafen, Kleider und Haut zugleich zerrissen wurden, und daß einem getrossenen Kinde das Blut in Strömen über das Gesicht rieselte. (Fortsetzung folgt.) Fürstlich Lippische Kriegsverdienstkreuz wurde dem Sanitäts-Unteroffizier Wilhelm Gerke aus Pivitsheide, Sohn des Landswirt Fritz Gerke dorselbst, verliehen. Gerke stellte dem Vaterlande vier Söhne zur Verfügung, von denen zwei zum Unteroffizier befördert wurden. Mit dem Lippischen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde der Pionier Frigge, Sohn des Fabrikarbeiters H. Frigge, Werler Straße. — Die Taufe der am 23. Januar geborenen Tochter des Prinzen und der Prinzessin Julius Ernst zur Lippe fand am 6. April— in Erinnerung des Geburtstages der Hochseligen Graf=Regentin— in Dresden=Blasewitz statt. Die junge Prinzessin, die von Seiner Kgl. Hoheit dem Großherzog von Mecklenburg=Strelitz über die Taufe gehalten wurde, erhielt die Namen: Elisabeth, Caroline, Adelheid, Friederike, Leopoldine, Armgard. Taufpaten waren außer dem Großherzoge die Großherzogin=Witwe und die Großherzogin Elisabeth von Mecklenburg=Strelitz, der Herzog von Anhalt, der Fürst zur Lippe, die Prinzessin Friedrich von Sachsen=Meiningen, die Prinzessin Carola, Prinzessin Bernhard, Prinzessin Adele zur Lippe und die Gräfin zu Erbach-Fürstenau. Neben den zur Taufe erschienenen Paten nahm auch die Prinzessin Sizzo zu Schwarzburg und das Gefolge der Hohen Herrschaften an der Taufe und dem sich anschließenden Frühstück in der prinzlichen Villa teil. Die Taufhandlung vollzog der alte Freund und Seelsorger des Fürstenhauses, Herr Superintendent Lappe=Bielefeld, und legte seiner Predigte den Text Psalm 107, Vers 1, zu Grunde. Eingeleitet und abgeschlossen wurde die Feier mit einem Geang des Leipziger Soloquartetts. — Altgummi(alt: Ueberschuhe, Radreifen, Gummimäntel) und Konservendosen sollen in unserer Stadt im Laufe dieser Woche von den Mannschaften des 2. Ersatz=Bataillons Infanterie=Regiments 55 gesammelt werden. Die Sommler machen sich durch Klingelzeichen bemerkbar und holen die Sachen aus den Häuseln. Es wird gebeten, die obengenannten Gegenstände schon jetzt bereit zu halten, damt das Einsammeln schneller vonstatten geht. Das 2. Bataillon ist auch gern bereit, bei Benachrichtigung durch Postkarte oder Telephon (Nr. 99) die Gegenstände besonde:s abholen zu lassen. Gewiß wiro die Sammlung von den Bewohnern von Detmold begrüßt und kräftig unterstützt werden. — Ein Verbot des Bier- und Schnapsverkaufs an Militärpersonen bes heute nachmittag 4½ Uhr ist seitens der Militärbehörde ergangen. Diese Maßnahme hängt sicher mit den bedauerlichen Erscheinungen zusammen, die bei dem letzten größeren Truppentransport zutage getreten sind. — Dem Lippischen Konsumverein traten im dritten Quartal seines laufenden Geschäftsjahres 136 Personen als Mitglieder bei. Der Umsatz stieg in dieser Zeit von 159 800.57 Mk. auf 229 769.91 Mk., sodaß ein Mehrumsatz von 69 969.34 Mk. erzielt wurde. In der Läckerei vurden für 52 098.69 Mk. Backwaren hergestellt. — Fleischversorgung. In einer Versammlung von Landtäten, Kürgermeistern, Landwirten, Fleischern und sonstigen Personen, die vom Statsministerium einberufen worden war, wurde die Flage besprochen, wie die neuen Anordnungen des Bundesrats am besten durch. zuführen seien. Der Minister wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, daß die an das Land gestellten Anforderungen sehr groß seien, und daß es sich noch frage, ob die genannten Zahlen für das, was an Schlachtvieh aus Lippe aufzubringen ist, zugrunde zu legen maren. Vorläufig müsse allerdings damit gerechnet werden. Es haudele sich darum, einen Weg zu finden, auf dem die Durchfuhrung ihne wesentliche Schädigung der Interessen des Landes und seiner Bewohner möglich sei. Vom Regierungsrat Heldman wurden dann de Bestimmungen im einzelnen erläutert, und es wurde an praktischen Beispielen gezeigt, wie sich die Regierung die Regelung denkt. Es verde eine wesentliche Verminderung der für die Landesbewohner selbst zur Verfügung stehenden Fleischmenge eintreten. Von der allgemeinen Einführung der Fleischkarte sehe die Renierung ab, weil die Schwierigkeiten zu groß wären. Diese Schwiergteiten seten kürzlich auf einer Konferenz in Herford, auf der die westfalischen und lippischen Beyörden vertreten gewesen sind, allgemein anerkannt worden. Die Regierung werde den Gemeinden in dieser Hinsicht jedoch nichts in den Weg legen, vielmehr werde sie die in dieser Hinsicht etwa gemachten Versuche mt Aufmerksamkeit verteigen. Bürgermeister Biermann(Detmold) verlangte scharfe Maßnaymen gegen das Aufkäuferunwesen. Die Höchstpreisfestsetzungen würden umgangen, und es sei eine Tatsache, daß z. B. aus dem Bezirk Detmold viel Speck usw. nach westfälischen Industriestädten ausgeführt werde, wobei die Höhe der Preise keine Rolle spiele. Die Fleischer hoben hervor, daß in den nächsten Monaten sehr viel weniger Fleich als bieher zur Verfügung stehen weide. Freihändig sei jetzt fast kein Vieh mehr zu haben. Die Versammlung einigte sich dahin, daß co zweckmäßig sei, von der Bildung einer Zwangsorganisation für die Unterverteilung des Schlachwiehes abzusehen. Die bestehenden Fleischerinnungen sollen die Sache regeln. Zunächst soll auch festgestellt werden, wieviel Vieh im einzelnen verfugbar ist, und Enteignungen sollen nur in dringenden Fällen vorgenommen werden. Für die Hausschlachtungen wurde eine vorläufige Regelung für zweckmäßig gehalten. Es komme, so wurde von verschiedenen Seiten hervorgehoben, jetzt sehr viel darau an, alles zu tun, damit die weitere Mästung von Schweinen nicht leide. Auch hier sei die Durchführung der Bestimmungen nicht leicht, aber es musse auf jeden Fall das emselne Interesse den allgemeinen Bedürfnissen untergrordnet werden.- Es wird sich ja bald zeigen, ob die jetzt ugeordneten Naßnahmen genügen. Wahrschinn m er, da bald wer ter gegangen werden muß, wenn eine gleichmäßige Berücksichtigung dringender Bedurfnisse erfolgen soll. Wenn sich übrigens die Behörden über die Schierigkeiten klar geworden sind, die der Einführung einer Fleischtarte entgegenstehen, dann wäre es doch wohl angebracht, die Gründe offentlich mit zuteilen. Städtischer Fischverkauf. Am Dienstag, den 11. d. M., vormittags von 8 Uhr ab werden vor dem Rathause grüne Heringe vertauft. Die Specktnappheit nimmt in Detmold immer mehr zu. Es sei derhalb an dieser Stelle die Bitte des Stadtv. Bock in der vor 14 Tagen stattgefundenen Stadtverordnetensitzung, mit dem Speckverkauf zu beginnen, wiederholt und der Magistrat gebeten, bei dem Verkauf nicht nur die Steuersätze, sondern auch die Kopfzahl der Familien berücksichtigen zu wollen. Bei dem Fettverkauf ist bisher die Anregung des Stadtv. Sieg, den Minderbemittelten dieses billiger zu verlaufen, und den besser Situierten mehr abzunehmen, nicht berücksichtigt. Weshalb nicht! Die Braut von Messina. Was Julia Behre, die Brai schweig'sche Hofschauspielerin und Rezitatorin am 14. d. M. in Ressouree vortragen wird, dürfte weitaus das Größte sein, das bis in dieser Hinsicht versucht wurde. Einzelszenen aus Schillers„Bre von Messina" wiederzugeben, pflegten gelegentlich einige unserer sten Rezitatoren(Frau Behre selbst erntete noch vor kurzem dar reichen Beifall) das ganze gewaltige Werk im Zusammenhang ne den Chören vorzutragen, wagt sie als erste; und auch nur eiKünstlerin von ihrer beispiellosen Sammlungskraft und ihrem u fassenden Gedächtnis— Frau Behre trägt stets frei vor— kann? riesenhaft: Unternehmen gelingen. — Theater im Neuen Kruge. Auf die beiden Vorstellungen kommenden Mittwoch, den 12. April, sei an dieser Stelle nochmalse psehlend hingewiesen. Nachmittags 4 Uhr wird das reizende Märd von(Gerner„Lügenmäulchen und Wahrheitsmündchen" und hier „Die Zauberglocke“, komische Pantomime bei kleinen Preisen auf fuhrt. Am Abend 8.10 Uhr geht das heitere Singspiel in 4 Ak von Friedr. Blum„Maric, die Tochter des Regiments“ mit der Mi von Tonizett m Szene. Die musikalische Leitung hat Herr Kap meister Schorcht von der Weimarer Hofkapelle übernommen. Für Inszenierung zeichnet Richard Gellert verantwortlich. Der Einl kartenverkauf findet bei Knöner(Hinrichssche Hofbuchhandlung) ste n einem Nabsahrer überfahren wurde in Rödlinghausen Gen Tu. Der Junge erhieit erhebliche Verletzungen Sohien—####yrer fun, ohne sich um den Jungen zu kümme Veränderungen ke... al in Zeld und Flur gre der Frühiahisbeitenn.—.— Der Landmann dat einen großen T und um Detmold iedes guern können. Mehr wie bieder wird , u m D e t m o l o j e d e s v e r f ü g b a r e S t u c k L a n d n u t z b a r g e m a c h t. Zerrerheide fall dunch uug ar große Rläche umgegraben und auf Terxerheig, sil durch ruff. Gefangene en großer Teil urtor gema Stan erkerzlich, daß alles geschicht, um Karloffeln und müse zu bauen. Leider hört man nichts mehr von den Bestrebung Sansd Pscsiens goen. Beiche Gründe migen der wohi de Danksagung aus Lodz. Mit diesen Zeilen sei es dem Unterzeichneten gestattet, den tiesempfundenen Dank für eine hochherzige, edle Tat auszusprechen. Ich erhielt zu meiner Freude aus Detmold eine sehr große Sendung von Liebesgaben für die deutschen evangelischen Gemeinden zu Lodz. Die so überaus reichen und schönen Spenden an Kleidern, Wäsche, Geld und dergl. sind zum größten Teil unter der lippischen Bevölkerung gesammelt und unsern Armen zur Verfügung gestellt worden, ebenso die Gelder. Frau Zwick, geborene von Rodewald, hatte die Güte, die ganze Sammlung in die Wege zu leiten und mit glänzendem Erfolg durchzuführen. Es fällt mir schwer, in Worten den Dank auszusprechen, den ich im Innersten meines Herzenns empfinde.— Die Lage unserer deutschen Arbeiterbevölkerung ist gegenwärtig eine überaus schwierige. Wie dankbar sind wir daher, wenn man in Deutschland unserer in Liebe gedenkt, jetzt zu dieser Zeit.— Auf dieser edlen Tat wird sicher unseres Gottes reichster Segen ruhen! In erster Linie erlaube ich mir, meinen ehrerbietigsten und untertänigsten Dank Sr. Hochs. Durchlaucht dem Fürsten zur Lippe für den überaus reichen, edlen und hochherzigen Geldbetrag auszusprechen, den Se. Hochf. Durchl. in huldvoller Weise für unsere Armen zu spenden geruhte. Junigen Dank auch allen, die im Lipperlande und anderen Gauen Deutschlands ihre Spenden uns zur Verfügung gestelli haben. Auch der hochgeehrten Schutzherrin dieser Liebesarbeit, Frau Zwick, geb, von Rodewald, herzlichsten Tank! Ich bewundere hier die Tat einer edlen, echten deutschen Frau, die schon hier so segensreich gewirkt hat.— Zu großem Tank bin ich auch den Redaktionen der„Lippischen Tages=Zeitung" zu Detmold und der„Lippischen LandesZeitung" verpflichtet. In dankenswerter Weise haben diese Zeitungen völlig selbstlos die nötigen Inserate vielfältig erscheinen lassen. Endlich sei auch herzlichst gedankt dem Herrn Spediteur, welcher kostenlos die Liebesgaben zur Bahn besorgen ließ. Auch Tank den gütigen Spendern, die ihre Gaben direkt an das Kaiserl. Bezirksgericht geschickt haben, und die mir durch den gütigen Chef, Herrn Kaiserl. Bezirksgerichtschef Zwick, zugingen und hier so großen Jubel erregen. Wir Deustchen hier, die wir Eure gottgesegneten Waffentaten für Euren heiligen Krieg jubelnd erfahren, wir falten die Hände und bitten Gott, den Herrscher der Heerscharen, er möge Euch segnen, er moge Euch Sieg auf Sieg auch fernerhin verleihen, und Ihr deutschen Frauen daheim, Euch möchte er Kraft schenken, auszuharren und mitzuwirken im wirtschaftlichen Kampf hinter der Front, ausharren und siegen gleich Euren herrlichen Söhnen, Gatten, Vätern und Brüdern da draußen im Felde. Der Herr aber, welcher uns Barmherzigkeit gelehrt, sei aller Wohltäter Licht und Lohn und Halt. I. Dietrich. Pastor an der ev. St. Johanniskirche zu Lodz. Lemgo. — Ein Unglücksfall hat sich am Freitag abend im benachbarten Niedermein zugetragen. Die beiden Lehrlinge des Schmiedemeisters Steffen hatten sich auf irgend eine Weise Pulver verschafft, und es in einen Baumstumpf gesteckt, um diesen zu sprengen. Durch die Explosion wurden beide Jungen so schwer verletzt, das sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Dem einen davon, des Meisters Sohn, wurde ein Auge derart verletzt, daß das schlimmste zu befürchten ist. Bad Salzuflen. — Im Betriebe von Hoffmanns Stärkefabriken sind auf Veranlassung eines Kriegsausschusses durch eine Meißener Fabrik umfangreiche Maschinenanlagen ausgeführt worden, die der Herstellung von Strohmehl dienen sollen. Das Strohmehl liesert in Verbindung mit Süßstoffen ein vortreffliches Futterersatzmittel. Ebenso wird in dem genannten Betriebe seit längerer Zeit bereits aus Heidekraut ein Futterersatzmittel hergestellt. Das Heidekraut wird täglich in großen Mengen in Lastautos aus der Senne hierhergeschaftt. Alle Futterersatzmittel gehen von hier an die Zentral=Einkaufsgesellschaft in Berlin. Amt Schötmar. Schötmar, 8. April. Herr Oberpostassistent Hanke wird zum 1. Mai als Postverwalter nach Hohenhausen versetzt. Die Bürgerschaft von Schötmar, welche mit dem Postbeamten viel in Berührung kam, sieht ihn ungern scheiden. War Herr Hanke doch ein Beamter, der jedermann, ob arm oder reich, bereitwilligst entgegenkam. Amt Blomberg. Großenmarpe, 8. April. Der Schuhmacherlehrling W. Brockmeser bestand am 20. 3. seine Gesellenprüfung mit dem Prädikat„recht gut". Amt Sternbera=Barn"=uv. Schwelentrup, 4. April. Standesamtliche Nachrichten vom 1. Januar bis 1. April. Geburten: 1 Mädchen.— Eheschließungen eine.— Sterbefälle: Kolon Heinrich Niemann Nr. 42 in Schwelentrup, 74 Jahre alt; Kind Minna Unverzagt in Schweineberg, Tochter der Zieglers Hermann Unverzagt, 10 Monate alt; Frida Grote, 3 Jahre alt, Tochte- des Zieglers Aug. Grote in Schweineberg; Leibzüchter Hermann Kersting Nr. 68, fast 74 Jahre alt; Musketier Gust. Lampe im Inf.=Regt. 68, am 4. Juli 1915 gefallen; Heinrich Rabe, 14 Jahre alt, Sohn des Zieglers Eimon Rabe Nr. 67; Hermann Sölter in Schweine. berg. Gefreiter im Reserve=Inf.=Regt. Nr. 230, am 29. Januar 1916 gefallen; Ackerknecht Ernst Rothaus in Farmbeck, 30 Jahre alt, Wehrmann im Landwehr=Inf.=Regt. Nr. 76, am 2. Febr. 1916 gefallen. Aus den Nachbargebieten. Soest, 8. April. Auf einem Felde in der Nähe von Welver wurden zwei Russen aufgefunden, die sich dort in die Elde eingegraben hatten. Sie waren aus dem Gefangenenlager in Kassel entwichen In Mersch wurden drei flüchtige Franzosen aus dem Gefangenenlager in Meschede eingefangen.— Auch in Dorsten wurden drei französische Gefangene ermittelt. Man vermutet, daß sie ihren Unterhalt durch Diebstähle gewonnen haben. Arnsberg, 8. April. Ein sehr nachahmenswertes Beispiel gibt die hiesige Stadtverwaltung. Da die Preise für junge Ferkel augenblialich sehr hoch sind, sollen solche von der Stadtverwaltung aufgekauft und den Schweinezüchtern zum Selbstkostenpreis überlassen werden. Weniger bemittelten Personen sollen Ratenzahlungen gestattet sein. =Depeschen. Eigene Drahtnachrichten der Lipp. Landes-Zeitung. Das Glüamunschtelegramm des Kanzlers an Hindenburg. Berlin, 9. April. Das Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers zum goldenen Militärjubiläum des General= feldmarschalls von Hindenburg hat folgenden Wortlaut: Euer Exzellenz darf ich bitten, zum Dienstjubiläum meine herzlichsten Wünsche entgegenzunehmen. Als junger Leutnaut haben Sie mitgesochten, als es um die deutsche Einheit ging. Im Alter stehen Sie schirmend vor dem Reiche, da seine Macht sich in furchtbarstem Existenzkampfe ehern und unerschütterlich erprobt. Händen vertraute unser Kaiserlicher Herr die Geschicke der Nation dort an, wo die schwerste Gefahr drohte. Von Hindenburgs Schlachten und Siegen wird unser Volk bis in die letzte Hütte singen und sagen, solange deutsche Herzen für Heldengröße schlagen. Und wenn Sie in diesen Sturmtagen ein neues Lorbeerreis in den vollen Kranz Ihres Feldherruruhmes flechten konnten, so sehen wir alle darin eine besondere Fügung und glückbringende Verheißung. treuer Verehrung Bethmann Hollweg. Ein Besuch bei Immelmann. wtb. Berlin, 10. April. Ueber einen Besuch bei Immelmann wird dem„Berliner Tageblatt“ berichtet, daß es Immelmann eine sehr große Freude bereitet habe, daß ihn der Kaiser zum 12. Siege beglückwünschte, als eben der 13. gemeldet werden konnte. Der Kaiser habe deshalb den 12. durchstrichen und 13 darüber geschrieben. Auch soll der Kaiser geäußert haben, man könne nicht so schnell schreiben, wie Immelmann schieße. Verschärfung der Kriegsgewinnsteuer. wtb. Berlin. 10. April. Wie der„Deutsche Kurier“. hört, sind Besprechungen im Gange, die auf eine wesentliche Verschärfung der für das Deutsche Reich in Aussicht genommenen Kriegsgewinnsteuer hinzielen. Die Postgebühren. tu. Berlin, 10. April. Der Verein deutscher Zeitungsverleger hat in zwei Eingaben an den Reichstag die Neuregelung der Sätze für Preßtelegramme und Preßferngespräche im Anschluß an die Regierungsvorlage zur Erhebung einer Reichsabgabe zu den Post= und Telegraphengebühren gefordert. Holländische Auffassungen. tu. Zürich, 10. April. Aus gut unterrichteter holländischer Quelle wird den„Neuen Züricher Nachrichten“ über die dortigen militärischen Maßnahmen folgendes berichtet: Von englischer Seite wurde an Holland ein gewisses Ansinnen gestellt, das beschleunigte Beratungen des holländischen Ministerrats notwendig machte und das dem Ministerrat die beschleunigte Einberufung des holländischen Parlaments zu einer geheimen Sitzung ratsam erscheinen ließ. Trotzdem betrachtete man den Zustand in Holland nicht ale kritisch, weil keinerlei Maßregeln Englands sichtbar sind, die Hollands militärische Lage verschärfen könnten. Man sehe in Englands Schritt bei der holländischen Regierung nur eine Demonstration gegen Deutschland, um die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung vom Balkan ab und nach Holland hinüberzulenken. Das militärische Schwergewicht liege nach Hollands Auffassung auf dem Balkan.(Vossische Zeitung.) Die holländische Schiffahrt. tu. Amsterdam, 10. April. Die„Tjid“ schreibt: Der Kapitän eines Postdampfers von der Dampfschifffahrtsgesellschaft Nederland hat der Dircktion der Gesellschaft über seine Reise um Nordengland herum Bericht erstattet. Der Kapitän teilte mit, daß er infolge des warmen Wetters viel Nebel gehabt habe. Unter normalen Umständen halte er die Fahrt um England herum für eine sehr schöne Route. Die Minengefahr dort sei gering, denn im Norden der Doggerbank sei das Meer sehr tief. Die Mannschaft hat auf der Heimreise kein einziges Kriegoschiff gesehen. Für unsere große Schiffahrt sei es nuch der Ansicht der Direktion der Gesellschaft Nederland das beste, die Schifse bie nördlich von der Doggerbank von Schleppbooten begleiten zu lassen. Es wird in Erwägung gezogen, möglichst viel Schiffe zusam menfahren zu lassen, und die verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften tauschen auch darüber ihre Gedanken aus. Wahrscheinlich wird die Schiffahrt in Kürze wieder, wenn auch nicht mit den neuesten und größten Dampfern wieder aufgenommen werden. Maßnahmen der holländischen Regierung. wtb. Kovenhagen, 10. April. Nach einer Meldung der„Daily Mail“ aus dem Haag hat die holländische Regierung die Holland=Amerika=Linie ersucht, ihr für alle eintretenden Möglichkeiten 80 Prozent ihrer gesamten Flotte zur Verfügung zu stellen.(Verl. Lokalanzeiger.) Englische Verluste. tu. London, 10. April. Die englische Verlustliste vom 5. und 6. April meldet den Tod von 16 Offizieren. 46 Offiziere sind verwundet oder vermißt. Außerdem werden 1082 Mann als getötet, verwundet oder vermißt gemeldet. Der spanische Ministerpräsident über die Lage. zu. Genf. 10. April. Hann. Kurier.) Von einem Mitarbeiter des„Petit Parisien“ ausgefragt, erklärte Graf Romanones, daß der Eintritt Portugals in den europäischen Krieg für Spanien von großer Bedeutung sei. Die öffentliche Meinung sei von der Ernennung der spanischen Ge sandten in Berlin und Lissabon zu Vertretern der Interessen der beiden Kriegführenden sehr befriedigt und erblicke darin einen Beweis des Vertrauene, das Deutschland und Portugal der spanischen Regierung schenken. Romanones gibt die ernste Lage zu, die in Spanien durch die Verhältnisse des Krieges geschaffen wäre. Spanien leide außerordentlich unter den Folgen des Krieges, der das nationale Leben des Landes stark erschüttert habe. Dic spanische Nation müsse ihre ganzen Anstrengungen dayin zusammenfassen, ihre wirtschaftliche Abhäugigekeit von den großen Nationen Europas zu vermindern. Die Spanier wünschten aus den angeführten Gründen das Ende des Krieges, er halte jedoch den gegenwärtigen Zeitpunkt für wenig günstig, von Frieden zu sprechen. Als neutrales Land wünsche Spanien lebhaft, daß der Friedenskongreß in Madrid zusammentrete, weshalb man auch die Jahrhundertfeier für Cervantes verschoben habe, die man in dem Augenblick begehen möchte, wo die Ver treter der heute im Kriege befindlichen Mächte zu Friedensarbeiten sich auf spanischem Boden zusammenfänden. Ueber die innere spanische Politik äußerte der Ministerpräsident sich dahin, daß die Regierung keinen Druck auf die demnächst stattfindenden Wahlen ansüben werde, denn es sei vorauszusehen, daß sie eine künftige Mehrheit von mindesteus 250 Stimmen bei den 408 Parlamentemitgliedern erhalten werde. Eine italienische Stimme über Belgien. tn. Lugano, 10. April. Guglielmo Ferrero macht in einem verhältnismäßig objektiv gehaltenen Artikel im „Sekolo“, überschrieben:„Der letzte Krieg zwischen Frankreich und Deutschland“, folgendes wichtige Zugeständnis betreffs Englands Ohnmacht und Einfluß auf Belgien: Die Entente versichert, Belgiens Unabhängigkeit wiederherzustellen und seine Neutralität zu schützen. Es ist klar, daß Belgiens Reutralität, welche lediglich im Interesse Englands liegt, nur wieder erstehen kann, wenn England im Stande wäre, Belgiens Neutralität strengstens zu verteidigen, sei es gegen Frankreich oder gegen Deutschland. Der europäische Krieg hat aber bewiesen, daß England nicht im Stande ist, das zu tun. Es würde daher für Belgiens Neutralität eine große Gefahr bedeuten, sich nach dem europäischen Kriege anders als mit Frankreich oder Deutschland zur Sicherung seiner eigenen Existenz zu verbünden. Betreffs des Krieges erklärt Ferrero, er habe gelehrt, daß beide Länder durch die neue Art des Stellungskampfes eine endgültige Lösung unmöglich gemacht haben. Jeder Teil trachte nunmehr mit Anstrengung seiner letzten äußersten Kraft danach, sich eine möglichst vorteilhafte Kampfesstellung zu sichern, da beide überzeugt davon sind, daß der nächste Friede auf ein langes Zeitalter hinaus die Grenzen definitiv festlegen wird. Neuer griechischer Justizminister. wtb. Athen, 10. April.„Agence Havas“ unterm 9. April: In Richtigstellung früherer Nachrichten wird gemeldet, daß Chatzakos mit dem Justizministerium betraut wurde anstelle von Rhallis, der das Finanzministerium übernimmt. Protest der Verbandsmächte bei Skuludis. tu. Genf, 10. April. Meldung des„Hann. Kur.“ vom 9.: Die Gesandten der Verbündeten haben nach Blättermeldungen aus Athen bei Skuludis Protest erhoben, weil die griechische Rezierung angeblich eine große Anzahl in Salonikt liegender russischer leerer Säcke nicht abgeliesert habe. Die bei der Verhaftung des bulgarischen Konsuls in Saloniki aufgefundenen Schriftstücke hütten zur Feststellung dieser Tatsache geführt. Skuludies habe erklärt, von der Sache nichts zu wissen, habe jedoch versprochen, eine Untersuchung einzuleiten und innerhalb der von den Gesandten der Verbündeten gestellten dreitäglgen Frist Genugtuung zu geben. Bevorstehende Aktion auf dem Balkan? tu. Lugano, 10. April. Der Mailänder„Sekolo“. meldet aus Athen: Das Bli.:k„Hestia“ bestätigte gestern die Gerüchte von einer bevorstehenden Aktion auf der Balkanhalbinsel. Die Verbündeten hätten die Einwohner von Nigritas und der umliegenden Ortschafteu ermahnt, sich vorzubereiten, ihre Dörfer preiszugeben, sowie der Feind eindringe. Auch nach einem holländischen Bericht der„Neuen Kirchner Nachrichten“ ist der Schwerpunkt der militärischen Lage augenblicklich auf dem Balkan. Dort sei für die nächste Zeit nach den Beschlüssen der Pariser Konferenz ein großer Durchbruch der Saloniki=Armee nach Konstantinopel zu erwarten.(Morgenpost.) Vom Balkan. tu. Paris, 10. April.„Petit Parisien“ meldet aus Saloniki, daß es den Deutschen bei der Beschießung der französisen: Stellungen auf dem linken Ufer des Bardar gelungen ist, mehrere vorgerückte Schützengräben zu zerstören. Die französischen Verluste werden unbedeutend genannt. Nach dem„Journal“ haben zwei deutsche Schwadronen einen kühnen Vorstoß in der Richtung auf Elindir gemacht. Aus Amerika. tu. Newnork, 10. April. Das Kabinett beratschlagte über den Fall„Sussex" und über andere Fälle von Torpedierungen. Die Regierung teilt die Ansicht, die Angelegenheit zur Verlegung an den Kongreß vorzubereiten. Das Parlament dürfte aber keineswegs geneigt sein, die Sache zu überstürzen, besonders im Hinblick auf die überraschende Stimmenabgabe für Heury Ford im Staate Michigan, welche eine politische Sensation bereitete, unbeschadet der krampfhaften Bemühungen der lokalen Presse, welche die A“ gelegenheit als unbedeutend hinstellt.(Frankf. Ztg.) Verstärkung der amerikauischen Handelsflotte. tu. Paris, 10. April. Die„Agencc Americane“ meldet dem„Temps“ zufolge aus Rio de Janeiro, daß der minister der Vereinigten Staaten Mc Ador auf der parlamentarischen Regierungskonferenz in Buenos Aires erklärt habe, die amerikanische Nation müsse dringend eine Handelsmarine von großem Umfange schaffen, um die Sicherheit ihrer Schiffahrt und ihrer wirtschaftlichen Interessen zu garantieren. Das Infanterie-Regiment Nr. 158 in der Ehampagne. Nach einem Entwurf des Gefreiten Eikermann(5. Kowp.] von Ad. A. Sie hatten uns nach der Winterschlacht In die blutüberströmte Champagne gebracht. Und als wir kamen ins Grabenquartier, Da sprengte der Tod in unser Revier: Der forderte grimmvoll Leben um Leben Von uns— und wir mußten knirschend sie geben. Wenn sterbend der Freund noch nach Linderung schrie, Und wir Hülflosen hörtens mit bebendem Knie; Wenn er bat: Gebt Wasser der schmachtenden Kehle— Das drang wie ein Pfeil in die weinende Seele. Doch weinte die Seel' auch in heimlicher Pein, Nie liegen wir Tränen ins Auge herein. Da ballte der Schmerz sich im Herzen zur Wut, Und die Wut schwoll auf zur verzehrenden Glut. Wir hoben und schüttelten drohend die Hände; Es schot uns, es drängt' uns zum Feindesgelünde. Die Geister der Rache, sie waren entglommen: Wir haben am Feinde Vergeltung genommen! Der Liebe sind Flammen des Hasses entsprungen; Das Liedchen, das wir dem Franzosen gesungen, Das hat er bis heut nicht verlernt und vergessen: An ihm mag er uns und sich selber bemessen. Und waren wir Hunnen, und waren Barbaren, So sprechen wir heute: Gottlob, daß wirs waren!— Da endlich im Spätherbst sollte es sein, Da viel es auf einmal dem Franzmann ein, Zum endlichen Siegen gehöre der Sieg: Drum kündet' er mitten im Krieg uns den Krieg. Er gab uns im eiligsten Takte zu hören Ein ganz neues Liedchen mit schwierigen Chören. Herr Joffre schwang selbst(als gälts nur Befehle!) Den Taktstock des Feldherrn mit siegfroher Seele. Er träumte gewiß von entscheidender Schlacht; Wer weiß, ob er nicht gar an Kronen gedacht!— Und als nun geendet das grausige Spiel, Da fragt' er nach Lohn— und da wars ihm zuviel; Da hatten die Deutschen so reich ihn bedacht, Daß den Segen zu bergen ihm Mühe gemacht: Da waren die Lipper, vereint mit Westfalen Zu stark ihm gewesen, zu flink im Bezahlen. So kams, daß vom Hören die Ohren ihm klangen, Vom Sch'n sind die Augen ihm übergegangen.— Das war das große Champagne=Konzert, Bekannt und berühmt auf der ganzen Erd'; Vom Feldherrngeiste Joffres erdacht, Und von ihm selber in Noten gebracht: Von einem großen Franzosenheere Wohl aufgeführt als Premiere: Mit großer Hoffnung erwartet von allen. Zuletzt aber glänzend durchgefallen. Das deutsche Gewehr und ihr Mörsertanz Hatten alles gebracht in Dissonanz.— Wir aber, wenn einst nach Hause wir ziehn, Weil endlich uns Frohen der Friede erschien, Dann wollen wir singen bei Bier und bei Wein So gings und so gehts und soll immer so sein! Für den gesamten Inhalt verantwortlich Max Staercke; Druck und Verlag der Meyerschen Hofbuch„ druckerei in Detmold. 1 In weiser Voraussicht hat gleich bei Ausbruch des jetzigen Krieges der Bundesrat zur Sicherung der Leistungsfählgkeit der Krankenkassen die Beiträge auf 4½ vom Hundert festgesetzt und die Leistungen der Krankenkassen auf die Mindestleistungen der Krankenkassen beschränkt, es sei denn, daß den Krankenkassen mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde gestattet wird, Mehrleistungen zu gewähren und niedrigere Beiträge zu erheben. Es ist erfreulicherweise nach den Ergebnissen des verflossenen Jahres festzustellen, daß die Krankenkassen im allgemeinen den Krieg und dessen Einflüsse besser überwunden aben, als angenommen worden ist. Es hat ein großer Prozentsatz der Krankenkassen die Mehrleistungen wieder eingeführt bezw. von vornherein mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde bestehen lassen. Unter diesen Mehrleistungen steht die Familienhilfe, d. y. die Gewährung von freiem Arzt an die Angehörigen der Kassenmitglieder an erster Stelle. Neben diesen Mehrleistungen waren viele Krankenkassen in der Lage, die Beiträge unter die im Notgesetz festgelegte Höhe festzusetzen. Dieses sind erfreuliche Zeichen und geben den Beweis, daß die Krankenkassen auch ohne Notgesetz nicht gefährdet worden wären. Von dem in der Reichsversicherungsordnung und im Notgesetz festgelegten Recht der Weiterversicherung auf Grund freiwilliger Mitgliedschaft haben leider nur recht wenige Kassenmitglieder Gebrauch gemacht und zu spät erst eingesehen, welchen Schaden sie sich selbst und ihren Angehörigen durch die Ersparnis weniger Pfennige verursacht haben. Da nun im allgemeinen zu wenig beachtet werden, die den Versicherten günstigen Entscheidungen, sei hier mitgeteilt eine Entscheidung des Reichsversicherungsamts in bezug auf§ 3 des Gesetzes betr. die Erhaltung der Anwartschaft auf die Krankenversicherung vom 4. August 1914, der bestimmt, daß die Kriegsteilnehmer berechtigt sind, binnen sechs Wochen nach der Rückkehr in die Heimat der Krankenkasse als freiwillige Mitglieder wieder beizutreten. Für alle solche Kriegsteilnehmer, die nicht gleich be der Einberufung zum Heeresdienst sich freiwillig weiter versicherten, ist die Entscheidung von außerordentlicher Bedeutung. Das Reichsversicherungsamt hat nämlich den Begriff„Rückkehr in die Heimat“ so ausgelegt, daß damit nicht emeint sein solle die Rückkehr erst nach Beendigung des eges, sondern jede Rückkehr aus dem Felde auf längere eit. Ein Soldat, der einen Urlaub von mehr als 10 bis 12 agen in der Heima tverbringt, hat das Recht, sich freiwillig weiter zu versichern. Allen Urlaubern sei daher empfohlen, sich diese günstige Auslegung des Gesetzes zunutzezumachen und ihre freiwillige Mitgliedschaft bei der Krankenkasse zu beantragen, damit sie bei Erkrankung oder Verwundung die Wohltaten der Krankenversicherung in Anspruch nehmen können. Es haben Anspruch auf Krankengeld auch die Soldaten für die Zeit, die sie in der Revierstube verbringen und Heimatsurlauber, wenn sie arbeitsunfähig sind. Eine außerordentlich wichtige Entscheidung hat das Reichsversicherungsamt inbezug auf die Erblichkeit des Anspruchs auf Krankengeld gefaßt. Es handelte sich in einem Streitfalle darum, ob der Mann seiner verstorbenen Frau Anspruch hat auf das seiner Frau zustehende Krankengeld, das erst nach dem Tode der Frau beansprucht wurde. Das Reichsversicherungsamt hat in einer Revisionsentscheidung diese Frage bejaht und entschieden, daß die Krankenkasse an den Mann, als dem Erben der Frau, das Krankengeld zu zahlen hat. Eng verbunden mit der Krankenversicherung sind die erlassenen Bestimmungen über die Reichswochenhilfe. Es ist wohl zu verstehen, daß bei diesen neuen Bestimmungen Meinungsverschiedenheiten entstanden sind. Erfreulicherweise hat mit wenig Ausnahmen eine möglichst soziale Auslegung der Bestimmungen bei den Krankenkassen stattgefunden, während bei vielen Versicherungsämtern diese soziale Regung sehr zu wünschen übrig ließ. Es hat daher auch das Reichsversicherungsamt eine Reihe grundsätzlicher Entscheidungen bezüglich der Reichswochenhilfe fassen müssen. Die wichtigste ist wohl die bezüglich des Stillgeldes. Es war zu entscheiden, ob bei Zwillingsgeburten für ein Kind oder für beide Kinder das Stillgeld zu zahlen ist. Das Reichsversicherungsamt kam, da es in der Veordnung heißt, für jedes Kind ein Stillgeld usw. zu der Entscheidung, daß bei Zwillingsusw. Geburten, wenn alle Kinder von der Mutter gestillt werden, für jedes Kind das Stillgeld zu zahlen ist. Inbezug auf die Reichswochenhilfe sind eine Reihe Bescheide des Reichskanzlers erfolgt, die von einschneidender Bedeutung sind. Ein solcher Bescheid befaßt sich auch mit der Frage, ob erwerbstätige Kriegsteilnehmer bezw. veren Wöchnerinnen Anspruck, auf Wochenhilfe haben. Der Bescheid des Reichskanzlers(Reichsamt d. Innern) besagt, daß in der Zeit, in der die Kriegsteilnehmer bezw. die zum Heeesdienst Eing#zogenen, erwerbstätig sind, ein Anspruch auf Wochenhilfe nicht besteht, das sie ja damit wieder in die Lage versetzt seien, für ihre Familie zu sorgen: Es bestehe daher kein Anrecht auf den Pauschal““: von 25 Mark für Arzt= und Hebammenhilfe, sondern lediglich auf Wochen= u. Stillgeld für den ev. sich ergebenden enn die Er## erbstätigkeit Res aufgehört hat. Bei Fehlgeburten, besteht kein Anrecht auf ißt es in einem anderen Bescheide, ochenhilfe, trotzdem hat in einem besonderen Falle, wo der Wöchnerin 40 Mark für Arztkosten entstanden waren, das Versicherungsamt Hamburg einer Wöchnerin einen anteiligen Betrag von 10 Mark zugesprochen und die zuständige Krankenkasse zur Zahlung dieses Betrages verurteilt. Dieser Fall beweist, daß es immer auf die näheren Umstände ankommt und sollte in solchen Fällen stets die Entscheidung beantragt werden, bevor die Wöchnerinnen auf ihr vermeintliches Recht verzichten. Auf der letzten Krankenkassenzusammenkunft in Lage wurde von einer Kasse gefragt:„muß den Wöchnerinnen, wenn diese Miglied der Kasse sind, der wirklich entstandene Betrag für Arzthilfe gezahlt werden, oder nur der Betrag der Reichswochenhilfe.“ Es wurde die Auskunft gegeben, daß in dem Falle die Satzung der Krankenkasse Wochenhilfe vorsieht, die vollen ärztlichen Kosten von der Kasse zu tragen sind, da die Wöchnerin durch die Reichswochenhilfe nicht schlechter, sondern besser gestellt werden solle. Diese Auffassung wird in Nr. 2 der„Arbeiterversorgung“ dieses Jahres auf Seite 48 bestätigt. Bemerkt sei noch, daß es sich aber bei der Wochenhilfe um eine Mehrleistung handelt, die die Krankenkassen nur dann gewähren dürfen, wenn das Versicherungsamt(Spruchausschuß) oder im Streitfalle das Oberversicherungsamt diese endgiltig genehmigt hat. Zum Schluß dieses Artikels sei noch eine für die Kassen wichtige Entscheidung darüber mitgeteilt, ob die Aerzte verpflichtet sind, die Einzelleistungen in den Rechnungen für die Krankenkassen anzugeben. Es war, da einige Aerzte im Regierungsbezirk Magdeburg den Kassen nur summarische Rechnungen einreichten, von den Kassen die Einzelaufführungen der Leistungen gewünscht worden, von den Aerzten aber abgelehnt. Die Krankenkassen wandten sich daher an das durch Vertrag mit den Aerzten eingesetzte Schiedsgericht, daß entschied. die Aerzte haben auf Grund des Reichsabkommens zwischen Aerzten und Krankenkassen in den Rechnungen die Einzelleistungen aufzuführen. Folgende Entscheidung des Fürstlichen Oberversicherungsamts erscheint uns wichtig und druckwert: Das Fürstliche Versicherungsamt Brake hat durch Verfügung vom 14. Januar d. Is. die von der Unterstützungskasse des Zieglervereins Alverdissen(Ersatzkasse) vorgelegte Nachweisung Nr. 2 für Wochenhilfe während des Krieges beanstandet, weil zu den 13 darin enthaltenen Unterstützungsfällen die Voraussetzungen des§ 1 der Bekanntmachung vom 8. 12. 1914 oder des§ 20 der Bekanntmachung vom 23. 4. 1915 nicht nachgewiesen seien. Die genannte Ersatzkasse hat mit dem Schreiben vom 18. Januar d. Is. gegen diese Beanstandung die Beschwerde bei dem Fürstlichen Oberversicherungsamt erhoben. Nach§ 1 der Bekanntmachung vom 3. 12. 1914 wird Wöchnerinnen die Wochenhilfe gewährt, wenn ihre Ehemänner vor Eintritt in Kriegsdienste auf Grund der Reichsversicherungsordnung gegen Krankheit versichert waren. Das Versicherungsamt ist der Ansicht, daß Ersatzkassen keine Krankenkassen im Sinne der R. V. O. seien und deshalb auf ihre Mitglieder die Bestimmungen des angezogenen Paragraphen keine Anwendung finden. Diese Ansicht ist unzutreffend, soweit sie sich auf die versicherungspflichtigen Mitglieder von Ersatzkassen bezieht. Die versicherungspflichtigen Mitglieder der Ersatzkassen, deren Rechte und Pflichten bei der Krankenkasse ruhen, gehören vielmehr zu dem Kreise der Personen, die auf Grund der Reichsversicherungsordnung gegen Kankheit versichert waren(vergl. Lehmann, Kriegswochenhilfe Anm. 11 zu§ 1 der Bekanntmachung vom 3. 12. 1914 und Hoffmann, die Kriegsgesetze für die Krankenversicherung Anm. 10 zu§ 1 der angezog. Bek., vergl. auch die Erläuterungen zu der Bekanntmachung vom 23. 4. 1915 in der Norddeutschen Allg. Zeitung Nr. 114 Abschnitt III). Als Nachweis für die Versicherungspflicht der einzelnen Mitglieder verlangt das Versicherungsamt ferner eine Bescheinigung der Pflichtkasse oder eine Bescheinigung der Ortsbehörde des Arbeitsorts über Art und Dauer der Beschäftigung. während die Ersatzkasse eine Erklärung ihres Vorsitzenden, daß die in der Nachweisung genannten Mitglieder versicherungspflichtig gewesen seien, für ausreichend hält. Das Oberversicherungsamt vertritt ebenfalls den von der Ersatzkasse angenommenen Standpunkt. Es ist der Ansicht, daß es genügen muß, wenn der Vorsitzende der Ersatztasse, der über die Beschäftigung der Mitglieder durch deren Beitragszahlung stets unterrichtet ist, bestätigt, daß die in der Nachweisung angeführten Mitglieder versicherungspflichtig gewesen sind. Das Oberversicherungsamt zieht aber außerdem in Betracht, daß die von dem Versicherungsamt verlangten Bescheinigungen in den meisten Fällen garnicht oder nur außerordentlich schwer in Abwesenheit der Mitglieder zu erlangen sind, da die Arbeitsorte der Ziegler durch das ganze Reich zerstreut liegen, sehr viele Ziegeleien außerdem während des Krieges geschlossen sind, sodaß der geforderte Nachweis zur Zeit nicht erbracht werden kann. Eine Hinausschiebung der Gewährung der Kriegswochenhilfe widerspricht aber durchaus dem Sinne der fürsorgenden Bestimmungen des Bundesrats. Nach dre Erklärung des Vorsitzenden der Ersatzkasse sind alle in der beanstandeten Nachweisung genannten Mitglieder versicherungspflichtig, soweit der erforderliche Nachweis nach Ansicht des Oberversicherungsamts erbracht. Auf die Frage, ob die Voraussetzungen für die Anwendung des§ 20 der Bekanntmachung vom 23. 4. 1915 vorliegen, braucht deshalb nicht eingegangen zu werden. Die von dem Fürstlichen Versicherungsamt Brake vorgenommene Beanstandung mußte aus den hervorgehobenen Erwägungen als unbegründet aufgehoben werden. Diese Entscheidung ist nach§ 5 Abs. 3 der Bekanntmachung vom 3. 12. 1914 endgültig. Der Direktor. I. V.: (gez.) Brandes. Jührlich Fausend Sesiner Vieblatter vom Mergen. Einmal gepflanzt. 30Jahre lang abzuernten.„EdelComfrey“ das beste Viehfutter der Welt. Schmackhaft nahrhaftes Futter für Schweine. Pferde, Rinder, Schale, Kaninchen Hühner. Enten u. Gänse. Eine Verbilligkeit der gesamten Viehhaltung Achtmal im Jahre abzuernten! Jeder Landwirt sollte„wenigstdes ein kleinesVersuchsstück mit Comfrey anpflanzen. Die Erträge werden geradezu verblüffen. Man steht wie vor einem Wunder. Es hat wohl noch nie eine Futterpflanse existiert, die derart ungeheure Futtermengen hervorbringt. Von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft auf das dringendste zum Anbau empfohlen. 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Collani, Oberleutn. im Ins.=Regt. 55. = Preis 50 Pfennig.= Das Buch bebandelt die Tage der Mobilmachung unseres Heimatregiments, den Einmarsch in Belgten, die Kämpfe der 55er bei Lünich, Namur, Maubeuge, Loivre, Ferme St. Marie, die Schlachten bei Reims usw. Oberleutnant v. Collani gibt uns in seinem„Krigstagebuch“ die erste umfassende Veröffentlichung über unsere 55 er, über die Tage des Ruhmes und der Ehre unseres Heimatregiments. Das Buch ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen und durch die Meyersche Hofbuchhandlung, Holzverkäufe in den Fürstlichen Forsten. Oberförsterei Sternberg und Brennholz=Verkauf. Am Donuerstag, den 13. April 1916, nachmittags 3 Uhr, soll in der Hellwegschen Gastwirtschaft in Sevinghausen b. Barntrup nachbenanntes Holz öffentlich meistbietend verkauft werden. 1. Schutzbez. Barntrup. Distr. Eschenhorst Eichen Nr. 451—454= 4 Sick. mit 4,85 fm. Distr. Hainholz. Buchen: 160 rm Klob Nr. 224 bis 260 und 291 ungek. 4 Astreisighsn. Distr. Rauenberg. Buchen: 34 rm Klob. 264—290 ungek. 2 Hfn. Distr. Klusort. Buchen: 291—300=13 Klb. und Knpl. 1 Hfn. Kl. Laufnacken. Eichen: Nr. 1/6= 8 rm Knpl. 2 Buch.=Hsu. Nr. 71/72. Distr. Kohlstätte. Buchen: 30 rm Klb. 200/224 und 13 Hfu. 2. Schutzbez. Dörentrup. Distr. Sporkholz Eichen=Nutzholzstücke Nr. 474, 499/511. 582/586 668/670 und 710= 23 Stck. mit 20,31 fm. 233 ng. Die Lehrberren der zum Besuch der kaufmännischen Bekanntmachun n der zum Besuch der I. und gewerblichen Fortbildungsschule verpflichteten Lehrlinge werden unter Dinweis auf die Straf bestimmungen der bezügl. Ortsstatute darauf aufmerksam gemacht, daß die Anmeldung der Lehrlinge zum Schulbesuch sofort nach ihrem Eintritt in die Lehre zu ersolgen hat und nicht erst nach Ablauf der Probezeit. Detmo ld, 1. April 1916. 4 Der Magistrat. J. B.: Biermann. Vorbereitungsanstalt für das Einjährigen=, Prima= und Abiturienten=Gramen zu Bückeburg. 8368 Unter Staatsanssicht. Kleine Klassen. Familieninternat. Prospekt und Jabresbericht durch — den Direktor der Anstalt.— Kriegs-Literatur! „Deutschlands Flotte im Kampf.“ Eine Phantasie von Graf Bernstorff, Korvettenkapitän a. D. Mit zahlreichen Abbildungen. Preis 1.20 Mk. Der Zusammenbruch"(Die Seeschlacht bei Borkum und Helgoland). Von einem deutschen Marineossizier. Mit etwa 100 Abbildungen.— Preis 1.20 Mk. Kriegstagebuch des Johannes Kraft." Mit einem Vorwort von Major Viktor von Strantz.— Preis 1.20 Mk. „Die Kosaken des Zaren.“ Selbsterlebtes in den Kriegsjahren 1914/15.— Preis 90 Pf. Im Kampf gegen die Russen.“ Selbsterlebtes. Von Major Viktor von Strantz.— Preis 90 Pf. Aus dem Kriegstagebuch eines 55ers.“ Von Oberleutnant Lotbar v. Collani.— Preis 50 Pf. Kriegsgreuel." Selbsterlebtes im türkisch=bulgarischen Krieg 1912.— Preis 1 Mi. uf Jahre Fremdenlegionär.“ Selbst erlebtes während meiner fünfjährigen Dienstzeit. Von Franz Kull— Preis 80 Pf. „Humor und Ernst aus den Kriegsjahren 1914/15.“— Preis 30 Pf. 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