Druck u. Verlag: Koelbers ch Röttsches. Herne. Bebelstr. s. neden der Hauptpost Erschetnt täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 60 Pfa. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907 Verantwortlich tur den redaktionellen Ceil: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen- und Reklameteil: Carl Bartels, beibe in Herne. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger7 Gerther Anzeiger Amtlich beglaubigte Abonnentenz ahl Jeder Abonnent nebst Ebefean ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.— verschert, wenn durch einen Anfall der Tod oder Ganzinvalldität einteltt. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfa., Arbeitsund Wodnungsmarkt 5 Pfa. 1 mm Raumdöbe, im Reklameteil 30 Pfa. Der auf die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage hinfällig. 7 Fernsprech=Anschluß: Sammel=Nummer 52541# TelegrammAdresse: Anzeiger Herne. Nr. 137(Erstes Samstag, den 15. Juni 1929 25. Jahrgang. Die Rechtslage der kathol. Kirche in Preußen Preußens Vertrag mit der Kurie— Das Konkordat unterzeichnet— Inkraftsetzen nach Ratifikation Paderborn wird Erzbistum Der Inhalt des Vertrages X Berlin, 14. Juni 1929. Die Unterzeichnung. Heute mittag 11 Uhr wurde von dem Vertreter des Heiligen Stuhles und den Vertretern des preußischen Staatsministeriums das Konkordat unterzeichnet. Es wird eingeleitet mit dem Hinweis, daß beide Parteien, in dem Wunsche, die Rechtslage der katbolischen Kirche in Preußen den veränderten Verhältnissen anzuvassen, beschlossen haben, sie in einem förmlichen Vertrug neu und dauernd zu ordnen. Der Vertrag umfaßt 14 Artikel und ein Schlußprotokoll. Nach Aufzählung der beiderseitigen Bevollmächtigten, des Avostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischofs von Sardes Dr. Eugen Pacelli, einerseits und des preurischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, des preußischen Kultusministers Dr. Becker und des preußischen Finanzministers Dr. Hövker=Aschoff anderseits folgen die einzelnen Artikel. Die Freiheit des Bekenntnisses. Artikel 1: Der Freiheit des Bekenntnisses und der Ausübung der katbolischen Religion wird der preußische Staat den gesetzlichen Schutz gewahren. Die Oeganisation der Diözesen. Artikel 2. 1. Die gegenwärtige Diözesanorganisation und ZirkumKkrivtion der katholischen Kirche Preußens bleibt bestehen, soweit sich nicht aus dem folgenden Aenderungen ergeben. 2. In Nachen wird wieder ein bischöflicher Stuhl errichtet und das Kollegiat= in ein Katbedralkavitel umgewandelt. Das Bistum Aachen wird den Regierungsbezirk Aachen sowie die Kreise Grevenbroich, Gladbach, München=Gladbach, Rheydt, Krefeld(Stadt und Land) und Kempen umfassen und der Kölner angehören. 3. Dem Bistum Osnabrück werden die bisher von seinem Bischof verwalteten Missionsgebiete einverleibt. Es wird in Zukunft Sufiragandistum des Metrovoliten von Köln sein. 4. Dem bischöflichen Stuhl zu Paderborn wird der Metrovolitancharakter verlieben; das dortige Katbedralkavitel wird Metrovolitankapitel. Zur Paderborner Kirchenprovinz werden außer dem Erzbistum Paderborn die Bistümer Hildesheim und Fulda gehören. An die Diozese Fulda tritt die Paderborner die Bezirke ihres Kommissariats Heiligenstadt und ihres Dekanats Erfurt ab. 5. Das Bistum Fulda überläßt den Kreis Grafschaft Schaumburg dem Bistum Hildesheim und den bisher ihm zugehörigen Teil der Stadt Frankfurt dem Bistum Limbura. Wie Fulda, so wird auch dieses aus seinem bisherigen Metrovolitanverband gelöst, aber der Kölner Kirchenprovinz angegliedert. 6. Der bischöfliche Stubl von Breslau wird zum Sitz eines Metrovoliten, das Breslauer Katbedral= zum Metrovolitankavitel erhoben. Der bisher dem Bischof von Breslau mitunterstehende Delegaturbezirk Berlin wird selbständiges Bietum, dessen Bischof und Katbedral= kapitel bei St. Hedwig in Berlin ihren Sit nehmen. Zur Unterstützung des Diösesanbischofs wird in Zukunft den erzbischoflichen Stühlen von Köln, Breslau und Paderborn und den bischöflichen Stühlen von Trier, Münster und Aachen ein Weidbischof zugeteilt sein, der vom Heiligen Stubl auf Ansuchen des Diozesanbischofs ernannt wird. Nach Bedarf können in derselben Weise für die genannten und andere Bistümer weitere Weibbischöfe bestellt werden. Zum Sitz eines Weihbischofs wird ein anderer Ort als der Sitz des Dibzesanbischofs erst nach Benehmen mit der preußischen Staatsregierung bestimmt werden. Nach Artikel 3 können, unbeschadet der Bestimmungen des Art. 2. kirchliche Aemter frei errichtet und umgewandelt werden, falls Aufwendungen aus Staatsmitteln nicht beansorucht werden. Eigentumsrechte. Artikel 4 enthält Bestimmungen über die Dotation der Diösesen und Diözesananstalten, die künftig jährlich 2 800 000 RM. betragen und im einzelnen gemäß desonderer Vereinbarung verteilt werden wird. Für eine Ablösung der Staatsleistungen gemäß der Verfassung des Deutschen Reiches bleibt die bisherige Rechtslage der Diszesandetation maßgebend. Artikel 5 ordnet die Eigentumsverhältnisse der anderen Rechte der öffentlich=rechtlichen Körverschaften, Anstalten und Stiftungen der katholischen Kirche an ihrem Vermögen nach Maßgabe der Verfassung des Deutschen Reichs. Bischofswahl und Aemterbesetzung. Artikel 6. 1. Nach Erledigung eines erzbischöflichen oder bischöflichen Stuhles reichen sowohl das betreffende Metropolitan= oder Kathedralkavitel als auch die Diösesanerzbischöfe und Bischöse Preußens dem Heiligen Stuhl Listen von kanonisch geeigneten Kandidaten ein. Unter Würdigung dieser Listen benennt der Heilige Stubl dem Kapitel drei Personen, aus denen es in freier, gebeimer Abstimmung den Erzbischof oder Bischof zu wählen hat. Der Heilige Stuhl wird zum Erzbischof oder Bischof niemand bestellen, von dem sicht das Ravitel nach der Wahl durch Anfrage bei der dreußischen Staatsregierung festgestellt hat, daß Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen. Artikel 8. 1. Die Dianitäten der Metrovolitan= und der Katdedralkavitel verleibt der Heilige Stuhl. und war beim Vorhandensein zweier Dianitäten die erste (Domprovstei) auf Ansuchen des Kavitels, die zweite Domdekanat) auf Ansuchen des Diözesanbischofs, beim Vorbandensein nur einer Dianität(Dompropstei oder Domdekanat) diese abwechselnd auf Ansuchen des Kavitels ind des Diözesanbischofs. 2. Die Kanonikate der Ravitel besetzt der Diöesandischof abwechselnd nach Anbörung und mit Justimmung des Kavitels. Die Abwechslung findet bei residentialen und nichtresidentialen Kanonikaten gesondert statt. 3. Die Domvikarien besetzt der Diözesanbischof nach Anhörung des Kavitels. Artikel 9 besagt u. a.: Angesichts der in diesem Vertrag zugesicherten Dotation der Diözesen und Diözesananstalten wird ein Geistlicher zum Ordinarius eines Erzbistums oder Bistums, zum Weihbischof, zum Mitglied eines Domkavitels, zum Domvikar, zum Mitglied einer Diözesanbebörde oder zum Leiter oder Lehrer an einer Diözesanbildungsanstalt nur bestellt werden, wenn er die deutsche Reichsangehörigkeit hat und das vorgeschriebene Studium erledigt hat. Bei kirchlichem und staatlichem Einverständnis kann von den genannten Erfordernissen abgeseben werden. Mindestens zwei Wochen vor der beabsichtigten Bestellung eines Geistlichen zum Mitglied eines Domkapitels oder zum Leiter oder Lehrer an einem Diözesanseminar wird die zuständige kirchliche Stelle der Staatsbeborde von dieser Absicht und von den Personalien des betreffenden Geistlichen Kenntnis geben. Eine entsprechende Anzeige wird alsbald nach der Bestellung eines Bistums=(Prälatur=)Verwesers, eines Weihbischofs und eines Generalvikars gemacht werden. Artikel 19. Bei der dauernden Uebertragung eines Pfarramtes wird der Dibzesanbischof alsbald nach der Ernennung der Staatsbehörde von den Personalien des Geistlichen mit besonderer Rücksicht auf Absatz 1 dieses Artikels Kenntnis geben. Artikel 11. Bis zu einer neuen Vereinbarung. insbesondere für den Fall des Erlasses des in Artikel 83 der Verfassung des Freistaates Preuzen vorgesehenen Gesetzes wird die Präsentation auf Grund eines sogenannten Staatsvatronats durch die Staatsbebörde erst gemäß besonders zu vereinbatender Anweisung geschehen. Runtius Pacelli Ministervräsident Braun. bleibt. Die Notwendigkeit des neuen Vertrages ergab sich daraus, daß zahlreiche Bestimmungen der Regelung aus dem Jahre 1821 überbolt sind. Inzwischen sind territoriale Veränderungen eingetreten, allein schon durch den Versailler Vertrag, außerdem aber auch Bevölkerungsverschiebungen, wie z. B. in Berlin, wo vor 100 Jahren nur einige Zehntausend Katholiken wohnten, während ihre Zahl jetzt annähernd eine balbe Million ist. Dieser Verschiebung wird durch die Einrichtung des Bistums in der Reichshauptstadt Rechnung getragen. Die Regelung der finanziellen Fragen ist in dem neuen Konkordat von dem Gesichtspunkt aus—„„ gegangen, daß eine Erhöhung der Ausgaben für den nich Benehmen mit dem Biv#esannim: Staat nur durch die Anpassung an die modernen Geldverhältnisse. nicht aver durch Mehraufwendungen Die Vorbildung der Geistlichen. für die Einrichtung der neuen Aemter entsteht. Die Artikel 12. Für die wissenschaftliche Vorbildung der Ausgaben für das Kirchenregiment betrugen bisher 1.8 Seistlichen bleiben die katholisch=theologischen Fakultäten an den Universitäten in Breslau, Bonn und Münster und an der Akademie in Braunsberg Kirchenvrovinz bestehen. Ihr Verhältnis zur kirchlichen Behörde regelt sich entsorechend den für die katholisch=theologischen Fakultäten in Bonn und Breslau geltenden Statuten. Der Erzbischof von Paderborn und die Bischofe von Trier. Fulda, Limburg. Hildesheim. Osnabrück sind berechtigt, in ihren Bistümern ein Seminar zur wissenschaftlichen Vorbildung der Geistlichen zu besitzen. Der Unterricht an diesen Seminaren wird dem deutschen theologischen Hochschulunterricht entsorechen. Die genannten Diözesanbischöfe werden dem vreußischen Minister fur Wissenschaft, Kunst und Volksbildung von den Statuten und dem Lehrplan der Seminare Kenntnis geben. Zu Lehrern an den Seminaren werden nur solche Geistliche berufen werden, die für die Lehrtätigkeit in dem zu vertretenden Fach eine den Anforderungen der deutschen wissenschaftlichen Hochschule entsprechende Eignung haben. Artikel 13. Die hohen Vertragschließenden werden eine etwa in Zukunft zwischen ihnen entstehende Meinungsverschiedenheit über die Auslegung einer Bestimmung dieses Vertrages auf freundschaftliche Weise beseitigen Artikel 14. Dieser Vertrag soll ratifiziert und die Ratifikationsurkunden sollen möglichst bald in Berlin ausgetauscht werden. Er tritt mit dem Tag ihres Austausches in Kraft. Das enthält übereinstimmende Erklärungen der Vertragsunterzeichner, die einen integrierenden Bestandteil des Vertrages selbst bilden. In diesem heißt es u. a.: Bei Bemessung der Dotation ist von dein derzeitigen Stande der Aufwendungen des vreußischen Staates für vergleichbate persönliche und sächliche Zwecke ausgegangen worden. Hierin etwa eintretende Aenderungen sollen bei der Dotation entsprechende Berücksichtigung finden. Das an einer österreichischen staatlichen Universität zurückgelegte philosophisch=theologische Studium wird entsprechend den Grundsätzen gleichberechtigt. die für andere geisteswissenschaftliche Fächer gelten werden. Die übrigen Erklärungen des Schlußprotokolls enthalten lediglich Bestimmungen für die Ausübung eines Lebramts der katholisch=theologischen Fakultät. Der Ministervräsident dankte nach der Unterzeichnung des Vertrages dem Herrn Avostolischen Nuntius und seinen Mitarbeitern für die große Mübewaltung, die er dem Vertragswerk gewidmet hat, und sprach auch den Herren auf der preußischen Seite seinen Dank aus. Er sprach die Hoffnung aus, daß das Parlament den Vertrag genehmigen werde und daß damit heute der Grundstein zu dauernd friedlichen Beziebungen zwischen dem preußischen Staat und der Kirche gelegt sei. Der Apostolische Nuntius dankte dem Herrn Ministerpräsidenten und erklärte, daß das Parlament, wenn es diesen Vertrag genehmigt, eine bistorische Tat vollzieht, mit der der dauernde kirchliche Friede gesichert sei. Halbamtliche Erläuterungen G Berlin, 14. Juni 1929. Zu dem beute veröffentlichten Konkordat wurden der Presse von zuständiger preußischer Stelle noch einige Erläuterungen gegeben. Dabei wurde darauf bingewiesen, daß das Dokument nicht die Ueberschrift„Konkordat" trägt, sondern „Vertrag des Freistaates Preuhen mit dem Heiligen Studl“. Nach staatlicher Auffassung kam es darauf an, nun auch das Verhältnis zur katbolischen Kirche auf eine feste juristische Geundlage zu stellen, nachdem die Stellung der evangelischen Rirche bereite vor einigen Jahren neuzeitlich geregelt worden ist. Der neue Vertrac mit der Kurie soll den Boden für ein friedliches Zusammenarbeiten schaffen. Er ist aber bewußt auf die Behandlung der Fragen beschränkt worden, die berits in den alten Verträgen entbalten waren. Diese Tendenz kommt z. B. in der Formulierung der Einleitung und in Artikel 2 zum Ausdruck, wo vereinbart wird, daß die gegenwartige Diozesanorganisation bestehen und betragen nach dem neuen Vertrag 2.8 Millionen, also eine Million mehr als bisher. Die Zahl für die evangelischen Kirchen beläuft sich auf 3.5 Millionen. Dabei wird darauf bingewiesen, daß diese Summen im Verhältnis zu den Kosten der Pfarrerbesoldung keine sehr erhebliche Rolle spielen. Die Pfarrerbesoldung erfordert bei der evangelischen Kirche 50.3 Millionen. bei der katholischen Kirche 21 Millionen Mark. Die Differenz ergibt sich zum wesentlichen Teil aus dem Zölibat der katholischen Kirche. während bei den evangelischen Pfarrern die Versorgung der Witwen und Waisen hinzukommt. In der Oeffentlichkeit ist die Frage ausgeworsen worden, warum diese Neuregelung nicht einfach durch Gesetz erfolgt. Dazu wird unterstrichen, daß ja bindende Vereinbarungen mit der Kurie bestehen, die nicht gelöst. sondern nur durch einen neuen Vertrag ersetzt werden können. Die lange Dauer der Verhandlungen erklärt sich auch daraus, daß eine ganze Reihe von Fragen besprochen werden mußten, die in dem jetzt vorliegenden Vertrag nicht enthalten sind. Dazu gehört die die Pfarrerbesoldung. die Behandlung der und die Frage der Minderheiten. Schule Orden Der Abschluß Von unserer Berliner Vertretung. 2# Berlin, 14. Juni 1920. Wer bei der Veröffentlichung des Wortlautes des zwischen dem Heiligen Stuhl und der vreußischen Regierung vereinbarten Staatsvertrags einen Sturm der Kritik im Blätterwald der Reichshauptstadt erwartet hatte, sah sich schwer getäuscht. Die meisten Zeitungen begnügten sich vorläufig mit dem Abdruck des Textes. Nur einige Blätter nahmen kritisch Stellung. Selbstverständlich kann die rechtsradikale„Deutsche Zeitung" die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne an der preußischen Regierung ihr Mürchen zu kühlen. Dieses rechtsradikale Blatt überschreibt seine Ausführungen mit dem ebenso geschmacklosen wie unwahren Titel„Die Kapitulation des Staates“ und glaubt dann einige Bemerkungen machen zu müssen, die mit der Wahrheit nicht in Einklang zu bringen sind. Gegen diese gehässige Kritik stechen wohltuend die Ausführungen ab, die Abg. Oberschulrat Dr. Bohner im„Berliner Tageblatt“ veröffentlichte. Es heißt darin u. a.: „Die preußischen Vereinbarungen entsprechen der Ankündigung der Regierung, daß sie keine wichtigen Staatsboheiten preisgeben. Sie stellen gegenüber allen jungst getroffenen Vereinbarungen einen Erfolg des Staates dar. Man darf vor allem nicht verkennen, daß die Kirche zwar durch die Vereinbarungen Rechte neu bestätigt erhält(Dotationen, Besetzung der Fakultäten daß sie aber ganz erhebliche Bedingungen eingehen muß und zwar gerade in den Fragen der Zirkumskrivtion, der Bischofswahl und der Zusammensetzung des Domkapitels.“ Von Bedeutung sind auch die Ausführungen, die der Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium, Trendelenburg, der auf das engste mit dem neuen Staatsvertrag verwachsen ist, im Amtlichen Preußischen Pressedienst macht. In dem Artikel wird u. a. ausgeführt: „Die Unterzeichnung ist erfolgt. Weshalb aber. so fragen viele, weshalb überhaupt dieses„Konkordat“ Wesbalb gerade in unserem zu zwei Dritteln der Bevölkerung evangelischen Preußen?, Wenigen ist auch heute nach jahrelanger Diskussion wirklich geläufig, daß ein Vertrag Preußens mit Rom nichts Neues, daß dies vielmehr die seit über 100 Jahren bestehende Rechtsbasis ist. Was vor bundert Jahren galt— und auch damals war kurz vorher ein bayrisches Konkordat zustandegekommen— das gilt auch heute: Vor einem Jahrhundert ebenso wie heute lag der Anlaß zu den Vertragsverhandlungen in der Reichsgesetzgebung. Handelte es sich damals um eine Verpflichtung Preußens zur Durchführung des die großen Säkularisationen enthaltenden Reichsdevutationshauptschlusses. so ergeben sich heute Pflichten zur Durchführung der kiechenrechtlichen Grundsapbestimmungen der Reichsverfassung, deren Preußen unbedingt Herr werden muß. Alles in allem beschränkt sich der neue Vertrag auf die Materien, an deren zweckmäßige Ordnung der Staat bei Durchführung der Reichsverfassung ein eigenes Interesse hat. Auch wenn man bei kritischer Würdigung den Kompromißcharakter einzelner Vertragsbestimmungen erkennen wird, wird man andererseits doch feststellen müssen, daß das Ergebnis aufs ganze gesehen erheblich einem Zustande vorzuzieben ist, wie er beim Scheitern des Werkes sich ergeben könnte. Unbestreitbar wird nach den Grundsätzen der Parität der Abschluß eines katholischen Kirchenvertrages Konsequenzen nach der evangelischen Seite mit sich bringen. Daß das vreußische Staatsministerium bereit ist, diese zu ziehen, ist bereits durch eine amtliche Erklärung öffentlich ausgesprochen worden. Auch das ist schon gesagt, daß Verhandlungen hierüber mit den evangelischen Kirchenbehörden sofort nach der Verabschiedung des Gesetzes über den Vertrag mit der katholischen Kirche eingeleitet werden sollen.“„Sobald“, beißt es am Schlusse der Ausführungen Tendelenburgs.„diese notwendige Ergänzung des jetzigen Vertragswerkes vorliegt, wird auch ein letztes der Staatsregierung vorschwebendes kirchenpolitisches Ziel voll in die Erscheinung treten: das der Wahrung des konfessionellen Friedens. Verkehrsfragen vor dem Reichstag 6 Berlin, 14. Juni 1929 Auf der Tagesordnung steht die 2. Bergtung des Verkehrsctats Der Ausschuß verlangt in Entschließungen die Unterbringung von Kindertransvorten in D=Zugswagen. eine Uebersicht über die Auftragsvergebungen der Reichsbahn und die Einstellung aller Zahlungen an den Nürdurg=Ring. Reichsverkehrominister Stegerwald: Heute Nachmittag werden Besprechungen mit dem Präsidenten Schacht über das Pariser Konserenzergebnis stattfinden. Erst nach ihrem Abschluß werden wir genau überseben können, wie sich die Verhältnisse bei der Reichsbahn gestalten werden. Gegenwärtig arbeiten neben= und teilweise gegeneinander Reichsbahn. Reichspost.„Wasserstraßen. Kraftwagenverkehr. Luftverkehr. Schnellbadnen. Gaswerke, Elektrizitäts=Ueberlandsentralen. Wir müssen hinarbeiten auf ein besseres Zusammenwirken der verschiedenen Zweige des Verkehrswesens. Die Reichsbahn war in den letzten Jahren in wenig glücklicher Lage. Die auf ihr rubenden schweren Geldlasten hinderten den wünschenswerten technischen Ausbau und auch die notwendigen Maßnahmen zur weiteren Förderung der Betriebssicherheit. Einer Tariserböhung steht die Reicheregierung in der gegenwärtigen Stunde ablehnend gegenüber.(Beifall). Erst muß abgewartet werden, was im einzelnen aus dem Tarif herausgeholt wird. Für den Fall. daß die Pariser Vorschläge Wirklichkeit werden. 500 Millionen für die weitere Entwicklung hängt enlichreit. An. zu bekommen. olche Anleiden würden in erster Linie dazu dienen. die in Angriff genommenen Betriebsbauten zu vollenden. Bei dem weiteren Ausbau der elektrischen Vollbahnen werden wir vor allem die volle Ausnutzung der baperischen Wasserkräfte versuchen müssen. Der Ausbau unserer Wasserstraßen wird erschwert durch den Geldmangel. In erster Linie müssen die betonnenen Bauten vollendet werden. Als einheitliches Werk detrachten wir den Mittellandkanal, den Rhein=Main=Donau=Kanal, die Neckar=Kanalisation und die Reaulierung der Oder. Hierbei darf nicht ein Wirtchaftsgehiet aus Kosten der anderen bevorzugt werden.) Für die Regulierung des Oberrbeins haben wir mit per Schweis bereits eine Verwird der Ausgleichsbetrag von Reichsbahn frei werden. Die we ab. von der Möglichkeit. Anleiben Solche Anleih ständigung erzielt. Da Frankreich seine Mitwirkung zugesagt hat, wird schon im nächsten Jahre mit den Arbeiten begonnen werden können. Der Ausbau des Dortmund=Ems=Kanals ist vielleicht rein wirtschaftspolitisch im Augenblick nicht geboten, aber es fragt sich, ob wir solche Gesichtspunkte allein ausschlaggebend sein lassen. Im Kraftverkehrewesen hat sich eine gewaltige Steigerung entwickelt. Heute entfällt auf jeden 60. Deutschen ein Kraftwagen. Ich habe den Ländern eine Vorlage zum Ausbau des Straßennetzes und zur Anpassung an die Entwicklung eingereicht. Der deutschen Verkehrspolitik steden in den nächsten ren große Aufgaben bevor. Ich hoffe, schon in den nachsten Monaten ein Programm für die allernächsten konkreten Angelegenheiten vorlegen zu können. Aba. Grotz(Zentr.) führt aus. die Pariser Beschlusse würden das Reichsverkehrsministerium vor wichtige und schwierige Aufgaben stellen. Am besten wäre es. wenn die Reichsbahn dem Verkebrsminister wieder unterstellt würde. Im Luftverkehr werde es zunächst nicht odne Reichshilfe gehen. Der Verkehr müsse sich aber auf wenige große Linien beschränken und es müss Untug aufhören, daß jede kleine Stadt sich eine svieligen Flugplatz zulegt. Abg. Dr. Quaatz(D. N.); Der von den frem Machten in Paris auf Deutschland ausgestellte Wekönne nicht eingelöst werden. Die Substanz der Ei bahn hat hauptsächlich infolge des Druckes von au einen Verlust von 2.1 bis 2.5 Milliarden erlitten. Entente hinterläßt uns ein sinanziell ruini tes. Unternehmen, wenn auch die Leitung un dank deutscher Tüchtigkeit ausge; gramm des Ministers findet der Deutschnationalen. Die Wasser in einer besonderen Vorlage aus berausgenommen werden.: Un dürfen wir auf die Dauer nicht wie jetz: Aba. Dr. Hugen(D bahn den Bedürfnissen nung tragen kann. 70! werden durch Ausgaben in politisch beeinflußt sind: Ner Personalausgaben. Die Reig versetzt werden, durch Ausnah ko eichnet ist.: Beifall traßenprojekte dem allgemei so sparsam eit sel 1e K Pi aration isbahn erstüten kurrenzfähigkeit gramm für die Wasserstraßenvolitik. Reichsverkebrswinitter Stegerwald: Proder grage der gepkanken Tariferhöhung ein Gegensatz zwischen Reichsbahnverwaltung und Reichsregierung entsteht, dann wird das im Reichsbahngesetz vorgesedene der neuen Rbeinbrütken schweben noch die Verhandlungen mit der Botschatterkonserenz. Abg. Mollatd(Wirtscho.) fordert die vollo Untertellung der Reichsbahn unter das Reichsverkehrsministerium. nach der in Paris beschlossenen Aenderung der Revarationsbedingungen. Die Wirtschaft könne weitere Eisenbahntariserhöhungen nicht vertragen. Die Bahnhöse dürften nicht länger zu Warenhäusern gemacht werden, die den Beschränkungen der Verkaufszeit nicht unterliegen. Die Kraftwagensteuer muß restlos für den Wegebau verwandt werden. Aba. Dr. Wieland(Dem.) fragt den Minister, wie die Lohnerdöhung der Reichsbahnarbeiter gedeckt werden solle. Seine Fraktion könne weder einer Tariserhöhung noch einer Deckung aus Steuermitteln zustimmen. Die Notlage der Wirtschaft sordere vielmehr eine Senkung der Eisenbahntarise. Nach weiterer unwesentlicher Debatte schließt die Aussprache. Die Abstimmungen werden auf Montag vertagt. kächste Litzung Samstag * Das Sofortprogramm für die Arbeitslosenversicherung Abgebrochen. Voz Berlin, 14. Juni. Die Verhandlungen der Resierungsparteien des Reichstages über das Sofortv#o#gramm für die Arbeitslosenversicherung sind am Freitagnachmittag ergebnislgs abgebrochen, da eine Verständigung über die Beitragserhöhung nicht erzielt werden konnte. Die Volksvartei lehnt nach wie vor jede Beitragserhöhung entschieden ab. während die Sozialdemokratie andererseits die Erhöhung unbedingt fordert. Auch die Demokraten scheinen nicht geschlossen für eine Beitragserhöhung zu sein. Das Zentrum siebt es als seine Aufgabe an. bei diesen Schwierigkeiten vermittelnd einzugreifen. Ob diese Bemühungen zu einem Erfolg führen werden. muß dabingestellt bleiben. Es ist bekanntlich überhaupt eine Zweckmäßigkeitsfrage, ob das Sofortvrogramm in diesem kaitpunkt angenommen werden muß. Einanz= und Justisberakers. Es war bas eine Rückkebr zu den Vorkriegsverhältnissen, als noch Lord Cromer England in Aegyoten vertrat und seine bekannte Regierung durch Ratschläge ausübte, eine Politik, die übrigens auch von Lord Kitchener gebilligt wurde. Aegypten wai dadurch nur soweit gebunden, als es keine Schritte gegen das englische Interesse tun konnte, in allen anderen Beziebungen aber, namentlich auf kulturellem Gebiete konnte es sich selbsttätig entfalten Auf diesem Gebiete betätigte sich deshalb auch vor allem Zagblul Pascha und evenso Könia Fuao. der Begründer der Universität Kairo. Das Programm dieser Politik ist: durch Erziehung zur politischen Reise! Mit diesem Programm könnte man auch im Schatten des englischen Einflusses recht weit kommen. Die Ungeduld der Wafdvartei ist freilich mit dieser langsamen organischen Entwicklung nicht zufrieden. Daraus erklären sich in der Hauptsache die innervolitischen Schwierigkeiten in Aegopten. Die letzten Endes über Aegypten entscheidende Schicksalsfrage ist der Suezkanal. Wahrscheinlich ware England zu noch größerem Enigegenkommen gegenüber den ägnotischen Selbstandigkeitswunschen bereit, wenn es nicht besorgen mugte, dadurch seine Akleinderrschaft über diese wichtige Wasserstraße der Welt zu verlieren. Diese Herrdurch seine Alleinderrschaft über diese wichtigste Grundlage. Die von der agyotischen Regierung an England erteilte Konzession läuft im Jahre 1968 ab. Was soll dann an idre Stelle treten? Ein Versuch unglands vor dem Weltkriege, die Konzession wenigstens um 40 Jahre zu verlängern schlug fehl. So ist nun in absehbarer Zeit eine kritische Situation zu erwarten. Von beiden Seiten, von englischer wie von dgyotischer, rüstet man sich für die Entscheidung. Ein über den Suezkanal frei verfügendes Aegppten würde allerdings ein volitischer Faktor ersten Ranges sein. Ewürde sich dann auch nicht mehr zu scheuen brauchen, Sis und Stimme im Völkerbund zu beanspruchen, worauf es zur Zeit mit Rücksicht aus England noch verzichtet. Im übrigen entwickeln sich die Verhältnisse am Roten Meer in den letzten Jahren mit überraschender Schnelligkeit. Frankreich teitt von Sorien her in scharfe Konkurrenz mit England, und Italien versucht seinerseits, Frankreich aus der Gunst Abessiniens zu verdrängen. Ein klug abwartendes Aegypten könnte in diesem Spiel des Wettbewerbs um das Rote Meer auch noch einmal eine interessante Rolle vielen. #ter die Treove rgeden Gören.„„— Polizeiwachtmeister bekundet. Frau Mertens dabe sagt, sie sei vergiftet. Er sei dann mit den heiden ten zur medizinischen Klinik gefahren. UnterDie Kriegsfackel im fernen Osten Die Zukunft Aegyptens 2. Bekanntlich hat König Fuad, der zur Zeit in Deutschland weilt, am 19. Juli 1928 das ägoptische Parlament für 3 Jahre susvendiert. Die einen bedaupten, es sei auf englischen Einfluß hin geschehen, die anderen sehen einen selbständigen Entschlut Fuads darin, wobei dann nach Zweifel bestehen, ob er mehr einem gewissen Zuge der Zeit zur Diktatur Folge leistete, oder ob er den klugen Plan verfolgt, die extremen Nationalisten bloß solange von der offiziellen Politik sernzuhalten, bis alle notigen Vorbereitungen zu einem solbständigeren Austreten Aegyptens gegeben seien Mit Sicherheit ist die komolizierte Lage natürlich nicht m deuten, vielleicht, daß der König und sein agyptisches Volk selbst noch üder die Wege der Zukunft einigermaßen im unklaren sind. Daß England einen starken Einfluß auf die ägyotische Politik ausübt, ist hffentliches Geheimnis und hängt mit dem wirtschaftlichen und militärischen Interesse am Suezkanal zusammen. Man darf sich aber auch die englische Einflußznahme nicht gar zu schlimm vorstellen. Im allgemeinen ist England in Aegypten ebenso wie In anderen Landern bedutsam und mit viel virchologischem Verständnis für die Volksstimmung vorgegangen. Am 18. Februar 1922 wurde das Protektorat aufgehoben und die ägoptische Unabhängigkeit anerkannt. Seit diesem Tage nimm: Gultan Fuad die Stellung eines richtigen Königs ein. Er konnte damals sämtliche ausländische Beamte, darunter die Hälfte Engländer, entlassen. Vielleicht ware die politische Entwicklung in ruhigster Weise weiternegangen, wenn nicht die Wasdvartei gar zu stürmisch und radikal vorgegangen ware. Es kam zur Ermordung des Generalgouverneurs des Sudan in Kairo und zu anderen englandseindlichen Demonstrationen. Ein Unglück war das Ausscheiden Zaghlul Paschas aus der ägoptischen Politik. Ihm gegenüber hat auch England sicherlich Fehler gemacht. Im Gegensan zu der Auffassung des damaligen Oberkommissars. Sir Reginal Vinganie, verfugten die Militarbehorden kurz nach dem Weltkriege seine Verbannung. Er wurde dann sväter zwar wiedergeholt. und der jetzige Ministervrasident Mabmud Pascha ist sein Gesinnungsfreund. Aber durch das Intermeszo war nun doch etwas die Fühlung zwischen ihm und England verloren gegangen. Als die Sonderkommission unter dem Vorsin von Lord Millner ihren Bericht über Aegovien erstattete, der dann vorzeitig in die Oeffentlichkeit drang, ware Zaahlul Pascha der Mann gewesen, der eine kluge Verständigung hatte vermitteln können. Der Bericht sieht die Unabhängigkeit Aegyptens vor, ergänzt durch ein Militärbündnis und durch die Einserung eines englischen Russeneinfall in die Mongolei eh London, 14. Juni.(Telegr.) Medrere Londoner Blätter berichten in großer Aufmachung, daß russische Truwvenabteilungen die sibirische Grenz e überschritten haben und russische Posten auf mongolischem Gebiet errichtet worden seien. Ani der traussibirischen Bahn wurden fortgesetzt neue Verstärkungen berangebracht, die an der russisch=chinesischen Grenze zusammengezogen würden. Der Diktator der Mandschurei hat in einem dringenden Avpell die Zentralregierung in Ranking um sofortige Maßnahmen zum Schutze seines Gebieter aufgefordert. Anßerdem sind bei der Ranking=Rezierung Telegramme von chinestichen Konluln in Rutzland eingelausen, wonach die chinesischen Konsulate von russischen Truppen umstellt sind. Der„Dailv Exvreß" bezeichnet dieses russische Vorgeben als den ersten direkten Kriessakt gegen China als Folge der kürzlichen chinesischen Herausforderung in der Mandschurei, mo der Kampf um den Besitz der chinesischen Ostbahn entbrannt sei. In Nanking nimmt man an, daß die javanische Regierung einereisen werde, salls durch den russischen Einfall die Mandschurei gefährdet werden könnte. Die chinesischen Truppen seien bereits in einer Art Mobilisterung begriffen.„Dailo Telegraph“ meint, die russische Absicht ginge vielleicht dahin, die äußere Mandschurei in Besitz zu nehmen und darüber hinaus einen Teib der chinesischen Mongolei zu besetzen, dis China Rußland Genugtnung für die Ueberfälle auf die russischen Konfulate geleistet habe. Das Blatt erwartet ein Eingreisen Japans, falls die Mandschurei selbst angegriffen werden sollte. da Javan starke wirtschaftliche Interessen zu schützen hätte. Sollte es wirklich zu ausgedehnten Feindseligkeiten kommen, so müßte dadurch die gesamte internationale Lage im Fernen Osten in die gleiche ungewisse und gefährliche Lage wie früher zurückgeworfen werden. In Peking nichts bekannt X London, 14. Juni. Aus Sbanghal und Peking eingesandte telegraphische Meldungen besagen, daß man dort an einen Einfall sowjetrussischer Truppen in der Mongolei und Mandschurei nicht glaube. Auschinestscher Quelle seien in Peking keine Nachrichten über einen solchen Einfall eingetroffen, noch seien amtliche oder sonstige Berichte ähnlichen Inhalts nach Tokio gelangt. Die Zeugenvernehmung in der Morssache nimmt ihren Fortgang Der öritte Prozeßtag vor dem Bonner Schwurgericht #r Bonn, 14. Juni 1929. Gegen 9,30 Uhr trat man in die Zeugenvernedmung ein. Ven dentenzest.“ Sr 85 kennt den Angeklagten aus einer„Studentenzett. Er hält ihn eines Mordes nicht für fäbig. Zeuge König, der ebenfalls Dr. Richter seit längerer Zeit kennt. weiß auch nichts von einem Verkehr mit Frau Mertens gewesen. Auf Befragen gibt die Zeugin zu, das Dr. Richter gebabt. Frau Lommerzheim. die Schwester der Ermordeten. äußerte sich als erste Zeugin zu der Mordsache selbst. Sie war am 1. Dezember 1928. dem Mordtage, in der Wohnung der Frau Mertens. Dr. Richter sei schon bei Frau sertens gewesen. Auf Befragen gibt die Zeugin, daß ihre Schwester ihr gesagt habe. ste wolle Richter mit Selbstmord droben, um ibn gefügig zu machen. Die Rampftätigkeit in Marokko a Paris, 14. Juni(Telegr.) Havas meldet aus Rabat: Der französische Posten Alt Dacub, der von 300 Mann mit zwei Geschüren verteidigt wird, wurde vorgestern vormittag von den abgefallenen Stämmen bart bedrängt, die den französischen Posten erobern wollten. Fliegertrupven von Rich hätten sich an der Verteidigung von Ait Dacub rege beteiligt und auf die Angreifer mehr als 600 Bomben abgeworsen. Um die Mittagszeit hätten die Flieger gemeldet, daß der Posten etwas Luft bekommen habe und daß die Eingeborenen sich zerntreuten. Dies Ergebnis sei nicht nur aus die Tätigkeit der Fliegertrunven, sondern auch auf Ablenkungsmanöver franzosentreuer Eingeborener in der Gegend von Iver zurückzuführen. Diese franzosentreuen Eingeborenen hätten einen Ueberfall auf Tun Fit ausgeführt, das sie einnahmen, wobei sie 35 Eingeborene töteten, sechs Gefangene machten und 30 Gewehre erbeuteten. Vorgestern nachmittag und gestern früh sei der Posten Ait Dacub nicht weiter bedrängt worden Dr. Richter gesteht den Reineis ein Zeuge Barth. der im Hause der Frau Mertens gewohnt hat, ist in der Mordnacht gegen 9.20 Uhr abende nach Hause gekommen. Frau Mertens sei sehr lustig gewesen. Frau Joseph Muller, die nächste Zeugin. bat am 1. Dezember ihr Kind zu Frau Mertens gebracht mit der Bitte, es zu verwahren, ha sie selbst ins Theater gebe. Als sie nach dem Theater gegen 11.30 Uhr zu Frau Mertens kam. kam der Zeugin ihr Kind bereits auf dem Korridor entgegen. Frau Mertens habe einen sehr rohen Eindruck gemacht und gesagt. Dr. Richter sei gekommen. Frau Mertens sagte der Zeugin beim Abschied„Auf Wiedersehen bis morgen“ Student Stillger wohnte in der Mordnacht in der Etage über der Frau Mertenz. Er kam abends gegen 11.15 Uhr nach Hause. Gegen 12 Uhr hörte er furchtbare Schreie und merkte, daß es im Hause war. Frau Mertens rief dann:„Liselotte. Liselotte, komm zur Mutter. Mutter muß sterben.“ Der Zeuge lief dann hinunter und sah, daß Frau Mertens die Tür zu öffnen versuchte. Die Tür sei aber immer wieder zugeschlagen worden. Später sah der Zeuge Frau Mertens die Treppe hinuntergeben. Hinter ihr ging Dr. Richter. Vo chter. Vom Fenster sah Einlieferung geru er wväter. das Frau Mertens schnell die Straße Hinunterlief, hinter ihr lief Dr. Richter. 0— Dr. Richter erklärt hierauf. er habe Frau Mertens nur veranlassen wollen, nicht ohne Hut und Mantel auf die Straße zu lausen. Dabei habe sich vielleicht die Szene an der Tür abgespielt. Die Schreie erklärt er sich lo. daß Frau Mertens auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der Hausbewohner auf sich lenken wollte.. Dr. Thielemann von der Bonner Odrenklinik. der lange Zeit mit Dr. Richter zusammengzarbeitet dat. schildert Richter als einen überaus gutmütigen Menschen.—4— Dr. Eder bekundet, daß Richter seinen Vatienten gegenüber sehr rücksichtsvoll gewesen sei. Dr. Paas, ebenfalls ein Kollege Richters. rühmt Richters Zuverlässigkeit. Kameradschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft. Er könne an seine Schuld nicht glauben. Frau Banting. die seit November 1928 im ersten Stock des Hauses der Frau Mertens wohnt, bekundet. die Schreie der Frau Mertens gegen 12 Uhr nachts vernommen zu haben. Sie habe beide spä: heruntergeben bören. Der Vol ihm gesagt. sulammen—.——— wegs habe Richter ihm. dem Zeugen, gesagt, er habe die Frau untersucht. Sie behaupte. von ihm. Richter. vergiftet zu sein. Sie müsse einen Einlauf bekommen. Sie könne nicht brechen. Dr. Jakoby von der medizinischen Klinit dabe Frau Mertens untersucht und erklärt. er könne nichts finden. Der Zeuge behauptet. am Halse der Frau Mertens blutunterlaufene Würgemale bemerkt zu haben. Frau Mertens habe zum Schluß Dr Jakoby gebeten, wenn sie sterben müsse, solle er dafür sorgen, daß ihre Leiche seziert werde. Jakoby habe Frau Mertens zur Nervenklinik bringen lassen. Der dortige Arzt habe die Ueberführung in die Provinzial=Heil= und Pflegeanstalt angeordnet. Es tritt dann die Mittagspause ein. Dr. Richter gesteht den Meineid ein Nach der Pause gab Rechtsanwalt Dietrich 2. der Verteidiger des Angeklagten. in dessen Auftrag die Erklärung ab, daß er nach einer Rücksprache mit seinem Verteidiger nunmehr eingestebe. im November 1923 in dem Ehescheidungsprozeh der Frau Mertens wissentlich einen Meineid geleistet zu baben. Diese. Erklärung wurde mit großer Bewegung im Gerichtssaal ausgenommen. Der Angeklagte machte einen niedergeschlagenen Eindruck. Die Aussichten für einen Freispruch in der Mordangelegenheit sind durch dieses Eingeständnis stark vermindert. Nach der Erklärung wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Die Oberin des Binger Krankenhauses erklarto. Dr. Richter sei immer äußerst gewillendalt oewesen, Diesen Eindruck habe man im ganzen Hause gehab: Schwester Aloisia, die in der medizinischen Klinik auf Nachtwache war, sagte u. a. aus. Frau Mertenz habe nach der Einlieferung dauernd erklärt, sie sei vergiftet worden. Sie habe einen sehr bosterischen Eindruck gemacht..„ Schweiter Sotberia gab u. a. an. Frau Mertens habe behauptet. Dr. Richter hätto sich bei der Untersuchung in ihrem Hause etwas auf die Finger gestreut. Fortgesetzt habe sie nach einem Staatsanwalt verlangt und geschrien:„Gott. laß mich doch nicht sterben, mich arme Mutter!“ Würgemale am Halse bade sie. die Zeugin, nicht gesehen. Es folgte die Vernehmung Dr. Jakobos. Er sagte aus, daß er außerdienstlich nie mit Dr. Nichte: zusammengekommen sei. In der fraglichen Nacht sei Dr. Richter gleich mit dem Ersuchen an iohn berangetreten. einen Einlauf zu machen. Er habe gesagt, dann ei alles wieder gut. Spater babe Dr. Richter die Kranke als husterisch bezeichnet. Frau Mertens hade sich ihm gegenüber zuerst sehr abweisend verhalten. Weiter habe sie erklärt. Dr. Richter fürchte ihre Aussage. Sie wolle den Staatsanwaltschaftergt von W sprechen. Der Polizeibeamte sei bei diesen Aeußerungen auf ausdrücklichen Wunsch der Frau Mertens im Zimmer geblieben. Vergiftungsmerkmale dätten sich nicht gezeigt. Um Frau Mertens zu beruhigen, sei dann ein Einlau#f# gemacht worden. Blaue Druckflecke am Halse habe er nicht geseben. Dr. Jakobo erklärte weiter, er sei zu dem Schluß gekommen, daß eine ohosische Storung vor: liege. Deshalb habe er die Ueberführung In die Nervenklinik veranlaßt. Wädrend der Untersuchung sei Dr. Richter ausgeschaltet gewesen Der Sachverständige. Professor Muller=Heß. stellte dann die Frage. ob der Puls nicht beschleunigt gewesen sei. Zeuge Dr. Jakobo antwortete mit Rein. Auch Herzangst sei nicht vorhanden gewesen. Der Zeuge Müller, der den Krankenkraftwagen begleitete. sagte aus. Frau Mertens habe nicht geduldet, daß Dr. Richter sich in den Wagen setzte. Sie habe dahei das Wort„Schuft“ gebraucht. Auf der Fahrt habe sie erklärt, sie sei mit Pralinen vergistet worden. Unterwegs habe sie auf einen Zettel geschrieben:„An Staatsanwalt von W.! Lieber Otto! Ich muß sterben. Richter hat mich vergiftet.“ Bei einer Schilderung der Vorgänge in der Küche habe Frau Mertens erzählt. Dr. Richter habe sie am Hals gevact, so daß Tische und Stühle umgefallen seien. Diese Aussagen bestätigte im wesentlichen auch der zweite Begleiter des Krankenwagens. Die Pförtnerin der Nervenklinik gab an. Frau Mertens habe bei der sen: Man— #an solle ihr den Magen ausDer tolle Essaf Roman von(Nachdrut Marie Amelie Freiin v. Godin. verboten). (6. Fortsetzung.) Freilich vatte der Pascha gleich nach der Ankunft die Jagd zu bereiten begonnen. Von seinen Altersgenossen liebte in Albanien nur er allein das Weidwerk, und auch er liebte es nur dann. wenn ihm eine ganze Schar wilder Schweine ergiebiges Ziel bet. oder wenn eine Rerte niedrig streichender Enten gar nicht gefehlt werden konnte „Lohnt es sich etwa anzustrengen für ein einziges Jier““ mochte er sagen,„solch magere Jagd, die überlasse ich den Knechten!". Um auf der Verfolgung eines einzelnen Ovsers große Hindernisse zu überwinden, war er zu trage: der Schuß, in Gefahr eines Fehlschlages dünkte ihn überdies Vergendung von Schießbedarf und Kraft. Essat bebagte die sonderbare Art des Alten: lo konnte er selbst, mit Abdas, seinem eigenen Knechte, und einem wegkundigen Knaben, allein das Land durchstreisen, fern von Agifs vielen munigen Worten Nirgend war Essaf vorher einem Mann begegnet, der wie der Pascha, sein Hausherr, bis zum Kragen politischen Klatsches voll war und zugleich nie müde wurde, andere nach Tagesneuigkeiten auszuforschen Um ein Gerucht aufzuswuren hatte Agif die Findigkeit des besten Hundes auf halbverwischter Fährte. Schon am ersten Morgen nach seiner Ankunft in Rogosta wurde Agif in seinem Selamlik von Gleichgesinnten dicht umringt. So früh auch Essaf ihn aufsuchte, damit der Pascha den Gast nach der Sitte zu seiner Tochter fuhrte. er traf ihn doch schon inmitten von vielerlei Genossen bei Mokka über des Landes krause Zukunft öde kannegießernd Issa Bolletin sei mit Beiram Sur kürzlich bei Ekrem Bei Vlora in Valona gewesen, um gegen die Italiener .. Und Prenk Bib Doda war es ganz bestimmt, der den Mark Bineschi erschlagen ließ Nur zum Schein galt dies für eines Bauern Rachemord... Gegen die Itaiener sei Ekrem Vlora! Nein für sie; denn sie hatten dem klugen Valonesen für seine Hilfe viel geboten. Und der Kaiser in Wien und die Cholera... und die Serben in Kossovo... und der katbolische Bischof von Skutari— und Essaf— und Adiz. Essaf ergriff nach einer Stunde Wartens die Flucht: denn seine Geduld war gründlich erschooft. Wo fand nur Agif all diese üblen Schwaner, denen der Wille nur noch in der Zunge led#e Erst am zweiten Tage führte der Alte sohr widerstrebend den jungen Gast zur Tochter. An diesem selben Morgen hatte der Knecht des Hauses, der aus dem gleichen Dorfe stammte wie Abbas, dieem anvertraut,„der Herr liebte seine Tochter nicht". Sie gemahnte ihn allzusohr an„unsere große Herrin“. „Diese große Herrin war schon?“„Sehr schön und klug und gütig. Einer Mutter gleich versorgte sie meine Wunde, die mir bei einem Waffengang mit griechischen Raubern geschlagen wurde. Sie ist ausgewachsen, unsere junge Herrin, wie das Kleine eines Wolses, der von seinen Jungen nichts weiß. Sie wollte werden wie Gulide Hanum, unsere große Herrin, gewesen ist. Als sie noch ein Kind war, hat sie viel geweint. Aber der Herr schlug sie, bis ihr die Tränen versiegten. Selbst der Baum wächst nicht, wie er sollte und könnte, wenn nicht ein gutes Auge sein Wachstum überwacht" „So ist die junge Herrin allo nicht wie Gulfide Hanum, ihre Mutter?" datte daraufbin Abbas, des Essais Waisenknecht, gefragt. „Sie hat es verlernt, den Menschen zu vertrauen.“ war die zögernde Antwort.„Sie spricht wenig, und so wissen wir wenig von thr. Aber die alte Kato, ihre erste Masd, liebt sie sehr.“-An diesem wweiten Tage also gab Agif dem Drangen Essafs nach und geleitete ihn zu Hamide. Hamide empfing ihren Vater und ihres Vaters Gast. lo wie sie sollte. Der Türe gegenüder, zwischen zwei Fenstern saß sie auf Polstern. Essat erschrak; denn er entsann sich wieder der Erzählung Murato. So emofing in jenem andern Hause Agifs vor langen Jahren Gulfide Hanum am Tage ihres Unbeils, Murat Bei Tevtoni. Im Geiste soh Essaf Gulfide Hanum, die Mutter. die auf das Kommen der Knechte lauschte. nach dem Mord an ihrem Vetter aus Ochrida... Wie immer auch die Seele dieses Madchens war, das sich von der Wiege fast ohne Fürsorge nur auf sich selbst bescheiden mußte, die Schonheit der Mutter blieb ihr eine gute Gabe Sutz und lieblich saß sie mit gelenkten Lidern, so daß ihre langen Wimvern ihr Wangen kosten. Essaf zwang nur schwer die Augen von idr. Drüben in Bari hatte er einst in einer Klosterkirche ein Bild der Madonna der Christen gesehen, daran gemahnte Ihn das schöne Madchen, er stellte an sie die Fragen, die er stellen mußte, die Frage nach ihrem Wohlbefinden, die Frage nach ihrer Tante, uud sie hinwiederum fragte alles, was ihr zu fragen ziemte. Fragte nach Vrleci, nach seiner Mutter und der Schwester Sanft ging die Rede dig und wieder, wie sie in Albanien bei denen, welche woblgesittet sind, zu geben hat. Fost wie in einem Heiligtum Agif saß Essaf gegenüber, zur Linken seiner Tochter, sauste seinen Bart und lachelte hamisch und gelangweilt. Als die alte Mogd auf einem großen Silbectablett den Mokka und eingelegte Fruchte brachte, erhob sich das Mädchen und kredenzte beides selbst dem Vater und dem Gaste. Wie sie vor Essaf stand, der sein Zittern selbst mit eisernem Willen nicht ganz beherrschen konnte, bob Hamide langsam die Lider und sab Essaf an. Er fühlte es, und zwang sich, ihren Blick zu suchen. Er meinte, daß ihre Augen, blau wie das dunkelblaue Wasser des Meeres. ihn um Hilfe riefen. Er empfand tief, wie verlassen und freudlos diese Unglückliche mar. „Trinke," bat das Mädchen leise,„und nimm von den Früchten. Beides möge Dir wohl bekommen!“ Da besann er sich und tat, wie sie ihn zu tun hieß Sobald Hamide auf ihre Polster zurückgekehrt war, erhob sich Agis. Dieser Besuch hatte nach seiner Meinung nun lange genug gedauert. Essad aber konnte nicht hoffen, Hamide bald wieder zu sehen. * Das Madchen lebte ganz für sich mit ihrer alten Magd: nicht einmal eine kurze Abendstunde widmete ihr der Vater Niemals sprach Agif von ihr: von den Frauen überhaupt aber ging sein Wort um vieles verächtlicher, als andere albanische Manner von ihnen sprachen. So oft die Rede auf die Frauen kam, verlor er seine Sicherheit, ward unruhig, dringlich und unduldsam So konnte Essaf nur auf einen glücklichen Zufall doffen, der ihn dennoch mit Hamide zusammenbrachte. Von Tag zu Tag ertrug er den Schütterbart mit beftigerem Widerwillen. Trovdem horte er ihn höflich an und suchte ihm mit Scherz und Schnurren seine Zeit wohl zu vertreiben. Essafs Kraft und Regsamkeit behagte dem Alten:„Solch einen Sohn wie Dich hätte ich wohl haben wollen.“ versicherte er sogar einmal in plötzlich aufwallender echter Empfindung „Du hast eine sehr schöne Tochter,“ erwiderte Essaf. Agif sah ihn rasch von der Seite an:„Was ist eine Frau,“ brach es ihm von den Lipven,„töricht. treulos und verlogen. Sabst Du ste andere"" Wieder war er plötzlich leidenschaftlich und so, als läge ihm viel an Essafs zustimmender Antwort. Essal betrachtete ihn: In es nicht gerade, dachte er, als sollte jedweder ihm bestätigen, daß er gegen Gulfide Hanum recht gehandelt dat.„Ich kenne salt nur Frauen,“ lagte er,„deren Herz treu ist und voll Liede.“ Abermals musterte Agis ihn schnell und fast erschrechkt Mißtrauen tauchte in seinen Augen auf— dann plötzlich böse Schadenfreude. Er schickte den aufwartenden Knecht aus dem Saale, so daß er allein blieb mit Essaf. „Ich muß Dir erzählen," begann er.„daß mir eine große Befriedigung zuteil geworden ist. Reschat Bei Delvina hat mir seine Unterhandler gesandt, er mochte meine Tochter Hamide zur Gattin“ „Reschat Bei Delvina!“ fuhr Essaf auf.„Weißt Du denn nicht, daß er unter der Jugend einen üblen Nomen hat: denn er von uns allein ist ganz in den Händen der Zigennerinnen.“ „Nimmst Du das schwer?" fragte Agif, ohne Essaf aus seinem Blick zu lassen, und lächelte.„Sei es drum! Denn er hat bunderttausend Joch guten Bodens. wo Die der Pflug nur über sechzigtausend mäßig bebauter Erde holvert!“ Essaf wurde sich klar, daß der Alte ihn belauerte, und bezwang seinen Schrecken und seine Empörung, um sich nicht noch mehr zu verraten.— Am Nachmittag begleitete er Agif auf die Jagd, wie so oft, aber er ließ seinen Wattenknecht Abdas zu Hause: „Halt die Augen offen,“ befahl er ihm,„und suche zu erkunden, wann Hamide Hanum gewöhnlich das Haus verläßt.“— Nach seiner Heimkehr am Abend sorschte er den Burschen aus:„Nun, was hast Du erfahren?" „Ich weiß, Herr, daß Hamide Hanum an einer durch Büsche ganz versteckten Stelle des Gartens Bienen unterhält. Sie liebt die emsigen Tiere und sucht sie an jedem Morgen auf, während der Pascha im Selamlik bei seinen Gästen ist.“ „Gut.“ Obschon aber Essaf nichts weiter fragte, blieb Abbas, die Hand auf der Brust, vor ihm stehen:„Herr— Ihr wißt, daß der Pascha der jungen Herrin Mutter in den Tod trieb, und daß er ihres Obeims Sohn von seinen Waffenknechten erschlagen ließ auf offener Straße— um des Mißtrauens willen, das in seinem Herzen lebte...“ Essaf sah Abbas kalt an:„Was soll mir das?" fragte er so, daß sein Waffenknecht ins Stottern geriet und es nicht mehr wagte, die Mahnung beizufügen, zu der ihn Angst und Liebe seines treuen Herzens trieben. * Andern Tages kam zu Agif schon sehr früh Besuch aus Duraszo. Essaf kannte Zanel und Hakki Pojani sehr wohl und wußte; die gingen nicht so bald. wenn sie einmal idre Erörterungen begonnen hatten. Er begrüßte sie und zog sich dann unter einem Vorwand nach kurzer Zeit aus dem Empfangssaal zurück Er ging rasch in den Garten, dessen Pfirsichbaume und Kletterrosen, dessen Granaten und Sauerkirschen. dessen Feigen und Quitten im Tau aliverten, wie der Nacken einer Königin im Leuchten ihrer Juwelen. Der Garten lag in tiefster Rude. Eine hobe weiße Mauer, von der Königskerzen aufragten und Buschel kleiner blauer Glocken, schied ihn vom Geräusch der Außenwelt. Die Frauen duldeten nicht einmal, daß die Hühner und Truthennen in dies ihr blühendes Reich drangen, seit das Geflügel eines Tages an den Bienenkorden Schaden angerichtet hatte. Von teuer Stunde an waren die Huhner auf Hof und Stoll verwiesen. (Fortsetzung folgt.) pumpen. sie sei vergiftet. Auch der diensthabende Arzt in der Klinik bestätigte diese Aussage. Dr. Richter dabe. so erklärte dieser Zeuge weiter, der Frau Mertens ein Bulver einggführt, Nach der auslage eines weiteren Zeugen sei Frau Wertens, de. ko einen sehr nervosen Eindruck machte, m die Abteilung für Unruhige gebracht worden. Kurz darauf lei sie bereits tot gewesen. In Gegenwart des diensthabenden Arztes habes Dr. Bichter die Leiche untersucht. Sonderbarerweise habe Dr. Richter dabei auch gefragt, ob man eine Morphiumverzittung nachweisen könne. vor dem Urteil im Rogens=Prozeß en Neustrelitz. 14. Juni.(Telear.) Der auf Grund des schenfalles am Nachmittag der Verhandlung geladene Zeuge Pfarrer Ablers bestritt. Frau Kähler=Nogens irgendetwas von einem Geständnis des Fritz Nogens mitgeteilt zu haben. Eine solche Mitteilung würde seinen Grundsätzen widersprechen. Oberstaatsanwalt weder nahm dann zu einer langeren Antwort das Wort, in der er seine Strafanträge voll aufrecht erhielt. Der Replik des Oberstaatsanwalts solgten kurze Erwiderungen des Vertreters der Nebenkläger und der Verteidiger. Der Angeklagte August Rogens rief schließlich:„Wenn ich als Mörder bestraft werde. hat mich der Oberstaatsanwalt auf dem Gewissen". Die Verhandlungen wurden geschlossen. Die Urteilsverkündung soll am Montagmittag erfolgen. Jum Code verurteilt Fziretz, 14. Juni.(Telegr.) Das Schwurgericht Berichte über die angebliche Vorgeschichte des Autonomismus und seine Auffassung dieser Bewegung sich lächerlich gemacht und eine völlige Verstandnislosigkeit gegenüber Elsaß=Lotbringen gezeigt hatte. Bauer legt die ersten Anfänge des Autonomismus dar. die in die Zeit vor der Rückkehr Elsatz=Lotbringens an Frankreich hineinspielten. Er zitierte Artikel aus verschiedenen Zeitungen. um die Verbindung der Autonomisten mit Deutschland nachzuweisen. Die Ausführungen Bauers machten den Eindruck einer regelrechten Anklagerede. Sie stimmen im übrigen fast wörtlich mit den im Kolmarer Prozeß gemachten Ausführungen überein. gerurteilte deute nach vierstündiger Verhandlung den immermann Erich Paul Salewikt wegen Mordes ewski hat am 10. Dezember 1928 in Kleinsum Tode. Salemst niltitz bei Leipzig die 24 Jahre alte Packerin Erna Völcke rurch einen Schuß in den Hals tödlich verletzt. Der Anleiheschiebungs=Prozeß Die weitere Vernedmung des Angeklagten Stinnes. „i Beilia 14 Saol. Golen) Dn der deutioen Verandlung im Stinnes=Prozeß erklärte der Angeklagte Bela rob, dab die Zeitungsnachrichten, die ihn als Verwandten des in die Spritschmuggelassäre verwickelten Robert Groß bezeichnet hätten. unzutreffend seien. Dann wurde die Vernehmung des Angeklagten Stinnes fortgesert. Stinnes schilderte sein Zusammentreffen mit dem Reichskommissar Heinzmann beim Untersuchungsrichter. Heinzmann sagte, auch die Regierung hae den Wunsch, die Angelegenheit möglichst gerauschlos aus der Welt zu bringen, da sie eine Schadigung des deutschen Kredits im Ausland mit sich bringen könnte. Stinnes erklärt, daß er aus der Absicht heraus, alles zu tun. um Schädigungen für Familie und Kirche abzuwenden. dem Untersuchungsrichter eine falsche Aussage machte, was er dann nach der Vernehmung auch seinem Verteidiger sofort gesagt habe. Rechtsanwalt Dr. Aloberg fragte den Angeklagten Rothmann od er während seiner Untersuchungshaft zuc den Eindruck gehabt habe, daß die Fragen der Untersuchungsrichter darauf binzielten, unter allen Umsanden belastendes Material gegen Stinnes zu bekommen. Angeklagter Rothmann: Zweisellos. der Unteruchungsrichter sagte zu mir mit Bezug auf Stinnes: Vollen Sie diesen Lumpen noch weiter schützen? Die Vernehmung der Angeklagten ist hiermit beendet. Die Jeugen gegen Roos Pr Besancon, 14. Juni.(Telegr.) Als erster Beanungszeuge wird Polizeikommissar Bauer vernommen. der schon im Kolmarer Prozeß durch die phantasievollen Der ellässische Autonomistenführer Philivve Roos steht im Revisionsverfahren vor dem Schwurgericht in Besancon unter der Anklage des Hochverrats gegen Frankreich. Dieser Prozeß, in dem die Klagen des Elsaß gegen die französische Machtvolitik zur Sprache kommen, findet in ganz Deutschland das größte Interesse. „Furor teutonicue“ Merkwürdiger Prozeß in Löwen r Brüssel, 14. Juni.(Telegr.) Am Freitagvormittag begann vor dem Löwener Zivilgericht ein Prozeß, den der amerikanische Architekt Whitney Warren gegen die Universität Löwen angestrengt dat. Der Grund für diesen Prozes besteht in der Weigerung der Universität, an der Bibliothek einen Sims mit einer Aufschrift anzubringen. die die Wendung„Furore teutonico“ enthält. Warren verlangt im Hinblick auf das Recht, das ihm als dem Architekten zustehe, daß der gegenwärtige Sims beseitigt und durch einen anderen mit der deutsch=seindlichen Inschrift ersetzt werde. Er hat für die Entfernung eine Frist von 48 Stunden gesetzt und die Forderung erhaben, daß die Universität Löwen für eine etwaige Verzogerung täglich 5000 Franken zahlen soll. Auberdem verlangt er mit Rücksicht auf die moralische Einbuße. die er erlitten habe. einen Schadenersatz in Höbe von 100 000 Franken. Der Verteidiger, der die Universitat vertritt. wies diese Ansprüche zurück und erklärte. der Anspruch des Klägers fände im belgischen Recht keine Handhabe. Außerdem lei zwischen Warren und der Universität in keiner Hinsicht ein derartiges Abkommen getrossen worden. Endlich hätte Warren weder moralische noc materielle Schäden erlitten. Warren wird von drei Anwalten vertreten, von denen einer ein Liberaler, der andere ein Katholik und der dritte ein Sozialik ist. Der letztere ist der frühere Unterrichtsmininer. Dem Prozeßz wird besonders von seiten der Studenten großes Interesse entgegengebracht. Die Verbandlungen sind auf den nächsten Freitag vertagt worden. Eindruch in des Landratsamt. Sochum, 14. Juni. In das diesige Landratsamt drangen m der letzten Nacht Diebe ein. Sie durchstöberten alle Schränke und Pulte und versuchten auch einen Geldschrank zu öffnen. Dieses gelang ihnen jedoch nicht, so daß sie ohne wesentliche Beute abzieden mußten. Die Täter sind leider unerkannt entkommen. Ermittlungen wurden sofort eingeleitet. Langendreer, 14. Juni. Auf der Zeche„Bruchstrabe“ ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der Bergmann Wilamezy wurde bei seiner Arbeit plöplich von Koblenmassen verschuttet, und als soch im Anschluß daran Kohlenstaub entwickelte, erstickte er. Die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben leider ohne Erfolg. 5 Dortmund, 14. Juni. Als das fünfjährige Madchen Eleonare Werdermann gestern mittag die Märktschestraße überqueren wollte, lief es direkt in einen in schneller Fahrt daberkommenden Lieserwagen hinein. Der Chauffeur konnte ein Anglück nicht mehr verhindern und überfuhr die Kleine. Mit einem dovvelten Schädelbruch wurde das Kind dem Krankenhaus zugeführt, wo es jedoch kurz nach seiner Einlieferung verstarb. Kamen, 14. Juni. Zwischen mehreren Bergleuten kam es in der Schillstraße zu einem schweren Streit, der bald in eine Schlagerei uverging. Ein Beteiligter wurde dabei blutig geschlagen, so daß er bewußtlos auf der Straße liegen blieb. Eine Polizeivatrouille sand später den Niedergeschlagenen auf und sorgte für seine Ueberführung in ein Krankenhaus, wo er in bedenklichem Zustande darniederliegt. Die beiden Haupttäter an der Schlägerei, die nach der Bluttat das Weite gesucht hatten, konnten bereits von der Polizei ermittelt und festgenommen werden. d Hunnebroc, 14. Juni. Der fünfläbrige Hans Dertmer datte hier hinter einem Fuhrwerk gesvielt. Er trat in dem Augenblick hinter dem Wagen hervor, als ein Kraftwagen herannahte und den Wagen überholen wollte. Er wurde von dem Auto erfaht, überfahren und sofort getötet. 5. Heerlen, 14. Juni. Ein vierjähriger Junge vergnügte sich mit Feuerstreichen. Dabei sotzten die Kleider Feuer und er erlitt trotz der Bemühungen des Vaters, der selbst schwer vorletzt wurde, so schwere Brandwunden, daß er an den Folgen starb. h Bottrov, 14. Juni. Zwei Kohlenhauer fuhren in einem Aufbruchschacht der Zeche„Prosper 5“, der für die Seilfahrt nicht hergerichtet und freigegeben ist. verbotenerweise herunter. Hierbei erlitten die beiden Bergleute schwere Verletzungen und mußten in hoffnungslosem Zustande dem Krankenhaus zugeführt werden. Nachrichten #r Hildesheim. 14. Juni. Nach kurzer schwerer Krankbeit verstarb hier der Domdechant. Avostolische Protonotar Konrad Steinemann. Steinemann wurde am 10. Seotember 1852 in dem Nachbardorfe Harsum geboren. Er studierte in Hildesheim und Münster und kam dann an das Priesterseminax in Meaur in Belgien und an die belgische Universität Löwen. Nachdem ex im Jahre die Pfarrstelle in Groß=Förste bei Hildesheim übernommen hatte. gründete er dort die landwirtschaftliche Winterschule und wurde später in Ansehung seiner Verdienste von der hannoverschen Landwirtschaftsgesellschaft zum ordentlichen Mitglied ernannt. Zu seinem goldenen Priesteriubiläum, am 26. September 1925. wurde ihm die Würde eines apostolischen Protonotars verliehen Zwanzig Rebellen hingerichtet Grausames Urteil in Meriko In Norsspanien gelandet Der Flug des„weiven Dogeks“ geglückt 160 Kilometer Geschwindigkeit Neuvork, 14. Juni.(Telegr.) Radio Corvoration lit von dem Dampfer„American Farmer" heute nacht 1.50 Uhr ein Funksoruch zugegangen, wonach dieser Dampfer das Flugzeug„Gelber Vogel" kurz nach Mitternacht mit der Funkstation Rochambeau und dem englischen Schiff„Laconia“ sorechen dörte. Die Funktation Rochambeau berichtet, der„Gelbe Vogel“ habe einen Kurs geändert und Richtung auf die Czoren und die vortugiestsche Küste genommen. Die Kursanderung sei wegen des starken Verbrauchs von Gasolin erfolgt. Paris, 14. Juni.(Telegr.)„Varis midi“ vernichnet eine drahtlose Meldung des Damvfers„Whitezille“, der das französische Flugzeug„Oiseau Jaune" gechiet dat. Nach dieser MeldZeit der Sichtung durch den Dampfer„Wditeville“ 2600 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 Kilometer in der Stunde zurückgelegt Die offizielle französische Wetterwarte gibt bekannt, daß die französischen Flieger nur während der ersten 1800 bis 2000 Kilometer gutes Wetter gehabt haben dürften. Sie müssen alsdann in ein 800 Kilometer breites Tiefdruckgebiet geraten sein mit sehr heftigen Nordwestwinden(80 bis 90 Kilometer in der Stunde) zu kämpfen und unter Regen und eisigem Wettex zu leiden gehabt haben. A Paris, 14. Juni.(Telegr.) Havas meldet aus Santander, das Flugzeug„Helber Vogel“ lei in der Nähe der Stadt gelandet. Die Meldung von der Landung in Spanien wurde Nach dieser Meldung darfe das Fluszeug zur jedoch nicht Aus Westfalen und Rheinland Furchtbare Familientragsdie Dortmund, 14. Juni. Im Stadtteil Dorstfeld erignete sich gestern abeno gegen 21 Uhr eine furchtere Eisersuchtstragödie. Nach einer heftigen Juseinandersetzung gab der Bergmann Meinighaus aus Erfersuchtsgründen auf seine Frau mehrere Schüsse, wosuurch diese schwer verletzt wurde. Danach tötete sich der Bergmann selber durch einen Schutz. Die Frau wurde in jedenklichem Zustande dem Krankenhause zugeführt und nurfte wobl kaum mit dem Leben davonkommer Ein echter„Cizian“ in Bochum h Bochum, 14. Juni. Ein jüngst von einem ausvartigen Kunsthändler in Holland entdeckter Tizian ist ##ir einige Zeit der hiesigen Galerie als Leidgabe zur Verfügung gestellt worden. Die Kunstgeschichte weiß. das Tizian das Thema dieses Bildes„Venus und kdonis“ drei= oder viermal ausgeführt hat. Das einizige bisher bekannte Bild gesicherter Tizianischer herkunft dieses Motivs befindet sich im Prado in Ma#zid. Das Bild in der Bochumer Gemaldegalerie trägt lo unverkennbar für jeden Kenner alle Merkmale Tizianischer Hand, daß es schon in den wenigen Tagen, da es durch einen wahren Glückszufall bekannt geworden ist, das Interesse der ersten Autoritäten auf dem Gediete der Kunstforschung wochgerufen dat. Entlassung von 300 Arbeitern h Bochum, 14. Juni. Infolge Absatzmangels sah sich die Verwaltung der Chemischen Werke„Lotbringen" in Gertbe gezwungen, 150 Arbeitern zu kündigen. Am Samstag soll weiteren 150 Arbeitern die Kündigung zugestellt werden. Eine tugendliche Messerstecherin. G Remscheid, 14. Juni. In einem hiesigen Hause hatte ein 60jahriger Schuhmacher mit einem 16jährigen Mädchen einen Wortwechsel. Das junge Mädchen zog im Verlaufe vlötzlich ein Messer und stieß er dem alten Mann in den Unterleib. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht. Glücklicherweise scheint Lebensgesahr nicht zu bestehen. Die Messerbeldin wurde verhaftet. □ Mexiko, 14. Juni.(Telegr.) Nach Meldungen aus Palmirs wurden der Rebellenfuhrer Romaro und 19 setner Anhänger nach einem lumarischen Kriegsgerichtsverfahren hingerichtet. Romaro und seine Bande hatten vor einigen Tagen einen Eisenbahnzug überfallen. Bundeskavallerie hatte darauf die Verfolgung aufgenommen und 40 Mitglieder der Bande getöter und Remare gesangen genommen, Schiffsunglück in Mazedonien 15 Personen ertrunken #r Berlin, 14. Juni.(Telegr.) Nach einer Meldung Berliner Blätter ging am Donnerstag auf dem See Kastoria in Mazedonien ein Segler mit 110 Prionen unter. 15 Personen ertranken. * Führerloser Eisenbahnzug □ Madrid, 14. Juni.(Telear.) Beim Einlausen in den Bahnhof Villaverde explodierte der Kessel einer Lokomotive eines aus Getase kommenden Zuges, wobei der Lokomotivführer und ein Heizer in weitem Bogen fortgeschleudert und schwer verletzt wurden. Zwei Reisende sprangen in ihrer Kovflosigkeit aus dem Fenster und blieben besinnungslos am Boden liegen Der Zug, der mit groger Geschwindigkeit seine Fahr: sortsetzte, wäre fast mit einem im Bahnhof baltenden Zug zusammengestoßen, wenn der Bahnhofsvorsteher nicht die Weiche gestellt und den Zug auf ein Leergleis geleiter batte, wo er schließlich stehen blieb. Eine Dame, die ihr Geld nicht verbrauchen konnte. er Neunork, 14. Juni.(Telegr.) Trotz ihres ofter geaußerten Entschlusses, den größten Teil ihres Vermögens schon bei Lebzeiten zu verbrauchen, hinterließ Frau Mary Coolen Thaw aus Pittsburg nach ihrem Tode im Alter von 87 Jahren jedem ihrer vier Kinder eine Million Dollar. Max Devrient gestorben. —— 14. Juni.(Telear.) Der Schauwieler am Burgtheater Max Devrient ist im Alter von 71 Jahren in Chur in der Schweiz gestorben. König Fuad svendet 20 000 Mark für die Armen Berlins. □ Berlin, 14. Juni.(Telegr.) Anlößlich seines Berliner Aufenthalts hat König Fuad von Aegopten Oberbürgermeister Ber einen Berrag von 20000 RM zur Verwendung im Interesse der armeren Bevölkerung Berlins zur Verfügung gestellt. Javanische Stiftung für deutsche Wissenschaftler. Tokio, 14. Juni.(Telegr.) Der javanische Großindustrielle Genzo Shmida Kioto stellte dem jgpanischdeutschen Kulturinstitut in Tokio und der Universität Kioto sein neu gebautes Haus nebst Park zur Beherbergung deutscher Wissenschaftler, die vorübergebend sich in Javan aufhalten, zur Verfügung. Explosion im Trockendock von Brootion. □ Neunork, 14. Juni.(Telegr.) Im Trockendock von Brooklyn sind durch eine Explosion drei Personen getotet. wei schwer und funf leichter verletzt worden. Die Explosion erfolgte beim Abkratzen des Petroleumdampfers„Gulfvenn" und dürfte durch eine schadhafte Pretzluftleitung verursacht worden sein. Neun Rechtsanwälte suchen ein Waisenkind Die kleine Frieda Peters in Plompton wurde von neun Rechtsanwälten, die ihr Oheim mit ihrer Auffindung betraut hatte, vergeblich gesucht. bis die Glücksgöttin ihnen half. Da wurde sie endlich in einem Arbeitshause ausgefunden. Das Mädchen hatte beide Eltern verloren, als sie noch ein Säugling war. Ihre Mutter überlebte nicht die Geburt des Kindes und der Vater, ein Postbeamter, folgte seiner jungen Frau aus Verzweislung in das Grab. Frieda wurde in dem üblichen englischen Kinderbaus, das sich durch besondere Frostigkeit auszeichnet, in höchst sparsamen Formen aufgezogen und gelangte dann in untergeordneter Stellung, verschollen für die Welt. in die abgelene Anstalt. Der Bruder ihrer Mutter bahnte sich den Weg zu ihr, weil die Mutter dem Kinde ein kleines Vermögen hinterlassen hatte. Die wiederentdeckte Erbin wird aus Hausmieten eine Rente von sast 5000 Mark jährlich beziehen und bekommt außerdem mit Zinsen und Zinseszins ein Kavital, das beim Tod# ihre Mutter 6000 Mark betrug und sich im Verlauf von zwei Jahrzehnten zu dem dreifachen Betrage aufgesummt haben wird. Fortuna streichelte ein Waisentind. Jechpreller.... Zechvrellerei wird auf den verschiedensten Methoden ausgeübt. Aber nicht immer wird sie berufsmäßig betrieben, manchmal lassen sich in Not befindliche Menschen durch den quälenden Hunger dazu verleiten; Zechorellerei zu üben. Diesen Dilettanten des Faches gelingt ihr Vorhaben in den wenigsten Fällen. Sie verraten dem Kellner durch ihre nervöse Unruhe von vornherein ihre Absicht; mit ängstlichen Mienen sitzen sie auf ihrem Platz, wurgen die Speisen teilnahmslos hinunter und sind ständig auf der Lauer. im geeigneten Moment die Flucht zu ergreisen. Aber der aufmerksame Ober lätzt den Zechoreller nicht aus den Augen und führt ihn dem Geschäftsführer oder Lokalinhaber zu. Ganz anders gehen die gewerbsmätzigen Zechvreller zu Werke, die sich aus der Schar der internationalen Gaunerwelt rekrutieren. Sie kehren immer den großen Mann beraus, sind sicher und gewandt im Auftreten und bedienen sich der verschiedensten Tricks, um den aufmerksamen Ober zu täuschen und in Sicherheit zu wiegen. Sehr beliebt ist die Zechvrellerei unter Beihilfe von Kindern. Der Zechyreller lockt auf der Straße durch Süßzigkeiten oder Versprechungen ein vertrauensseliges Kind an sich beran und begibt sich mit ihm in ein Lokal, ein Kafsee oder eine Konditorei. Dort gibt er sich dem Kellner gegenüber so. als ob er der Onkel oder Vater des Kindes ware, bestellt ausgiebig vom Teuerston und Besten und labt sich an erlesenen Dingen. Freundlich spricht er dabei auf das Kind ein, lätt es gar nicht zu Worte kommen, damit es sich nicht verrat und mimt den kinderlieben Mann. Und während das Kind noch ihzt und trinkt, steht er plötzlich auf. schlüpft in Montel und Hut und verläßt die gastliche Stätte„auf einige Minuten, um noch erwas zu besorgen“. Bedenkenlos laßt der Kellner den Mann geben, da dieser ja das Kind als Pfand zurückgelassen hat. Als aber der Zechoreller nach geraumer Zeit nicht wieder kommt, wird das Kind verlegen und unruhig, der Ober sucht es zu beruhigen und muß dann erfahren, daß er schnöde getäuscht worden ist. Diese Gastrolle mit dem Kinde wird in allen möglichen Variationen ausgeübt. Leichtatbletischer Großbetrieb in Amerita. In Pennsolvanien sand ein Svort=Meotzing statt, an dem 300 Atbleten teilnahmen. Richt waniger als 45000 Eintrittskarten wurden verkauft, so daß die Besucherzabl mit 50000 eber zu niedrig als zu doch angesetzt sein wird. 125 hauptamtlich tätige Funktionäre regelten die Abwicklung der einvelnen Kämpfe, 117 goldene Armbanduhren, 17 Silbervokale, 200 Gold=Silberund Bronzemedaillen standen als Trophäen zur Verteilung. Börsenberichte Berliner Börse. Lustlos und abgeschwächt. Berlin, 14 Juni.(Telear.) Die Berliner Borse erffnete in abgeschwächter Haltung. Da vorlagen, hielt sich das Geschäft in den bescheidensten brenzen. Die Kurse setzten allgemein um etwa 1—2 Grozent niedriger ein. Von Kalzartien verlogen Salzdetfurtb bei Beginn o Prozent. Auch nach den ersten Kursen war die Haltung weiter rückläufig. Im Verlauf blieb die Tendenz bei kleinstem Geschäft zunachst ichwach Infolge der Geschaftostille gaben die Kurse durchweg weiter nach. Später setzte für einige Spezialwerte eine leichte Erdolung ein. Die Börse wurde etwas widerkand, Deuische, Anlelden lagen schnach, Auesar“oi, Merikaner, ½ Prozent fester. Devisen, hatten bei nachgedenden Rotterungen ruhiges Geschäft. Am Gervmarkt hörte man fur Tagesgeld 6—8 Prozent, fur Monatsgeld 95—10½ Prozent. Der Privatdiskont kleibt unverändert 7½ Prozent für beide Sichten. Warenmärkte Berliner Produktenbörse. Berlin, 14. Juni.(Telegr.) Die Tendenz an der Produktenborse war abgeschwächt. Bestimmend wirkten die flauen Meldungen aus Livervool. Das Geschäft hielt sich in sehr engen Grenzen. Am Lieferungsmarkt gad es bei Brotgetreide Preiseinbußen bis zu. 1.50 Mt Mebl las vollkommen still und vernachlässigt. Haser lag matter. Gerste still. Es wurden notiert Weizen. märk.. 211—212. Roggen, märk. 187—189. Futtergerste 176 bis 182. Haser, märk.. 178—188, Weizenmebl 24.00—28.25. Roggenmehl 25.10—27.60. Weizenkleie 11.75—12.00 Roggenkleie 11.75—12.00. Viktoriaerbsen 40—48. kleine Speiseerdsen 28—84. Juttererbsen 21—23. Veluschken 25 bis 26.00. Ackerbohnen 21.00—23,00. Wicken 27.00—30.00 bleue Luvinen 18.50—19.50. gelbe Luvinen 27.00—29.00 mittel 100 Kiloe: Hamburger Warenborse. Hamburg, 14. Juni.(Telegr.) Auf dem Kaffeemarkt lagen die Brasilofferten im Preise bis um## b höher. Da auch von Neunork höhere Preise gemeldet wurden, zogen auch die Preise am dieüigen Terminmarkt an. Im Platz= und Inlandsverkehr war das Geschäft ruhig. Lokopreise: Santos good 96—39. Suverior 99 bis 108. Prime 102—106. extra Prime 106—116 waschene zentralamerikanische Kaffeesorten 110—145 sb.— Auf dem Reismarkt verlief das Geschäft in zuhigen Bahnen: auch die Preise haben sich nicht wesentlich geandert.— Auf dem Hüllenfruchtmarkt ist das Geschaft bei unveranderten. Preisen weiter recht klein.— Auf dem Gewürzmarkt hielt die feste Tendenz für Pfeffer an. sonst war die Haltung stetig. Es notierten Schwarzer Lamvons=Pfeffer 145. Telli=Cherro=Pfester 150 weiher Muntok=Pieffer 257. Biment 124 sd die 30 Kilogramm loko txansito.— Auf dem Schmalzmarkt war die Tendenz stetig. Es wurden notiert: Amerikanisches Steam Lard 29.25 Dollar. Raffiniertes Schmalz verschiedener Marken in Tierces 30.75—31.25 Dollar(in Firkins zu 30 Kflogramm 0.5 Dollar In Eimern zu je 12.5 Atogramm 1.5 Dollas tauter als in Tierteol. demburger Schmalz in Dritteltonnen. Marke Kreus. 84.25 Dollar die 100 Kilogramm netto verzollt— Auf dem Getreidemarkt war die Tendenz still. Die Preise haben sich nicht verändert. * Gelsenkirchener Vergwerks=A.=G. Wieder 8 Prozent Dividende. h In der Aufsichtsratssitzung wurde der Akschluß fur das abgelaufene Geschaftsjahr vorgelegt. Es ergibt sich einschließlich Gewinnportrag aus dem Vorjahr ein Gewinn von 27323 106 Ml. Hieraus werden 1 485 540 Mk. zu Abschreibungen verwendet. Nach Abzug der Aufsichtsrats=Tantieme gelangt nach Zahlung von wieder 8 Prozent Dividende ein Betrag von 6381 430 Mt zum Vortrag auf neue Rechnung. Die Bilanz schließt auf en Seiten mit 485 726 121 Mk ab Der am 5. Juli stattfindenden H.=V. wird ferner. wic bereits bekannt. die Fusion mit der Adlder A.=G. fur Berghau in essen vorgeschlagen. Das Umzguschvei: hälfnis in 2 Adler Aktien gegen 1 Gellenberg=Aktie mit Zinibenhanbercctisung tur dan Janlanns Maichuftsann Sensationell billiger Unsere Juni- Schlager! Schwere Küche,(natur lack.), mit Fassettgläsern, bestehend aus 1 Büfett, 1 Anrichte, 1 Tisch, 2 Stühle. alles mit Linol. 1 Handtuchhalter mit Messing Mk. 295.Prachtvolles Schlafzimmer mit Innenspiegel, 180 cm breit, mit echt ital. Marmor, 2 Patentmatratzen, 2 Stühle mit Seidenpolster Mk. 590.Rodernes Speisezimmer, Büfett, 180 cm breit, mit Kristallfassette. Kredenz, Ausziehtisch und 4 eichen Stühlen mit echtem Rindleder Mk. 395.bedertuch=Gofas von M. 56. an mit 32 Federn gepolstert Kleiderschrünke von M. 55. an Herde. Federbetten, Einzelmödel sehr billig. Vortmunder Möbelhaus omil Simreth Herne i. 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Bezugspreis wöchentlich 7 Pfa frei ins Haus gebrocht. Vor= u. Zuname:.— Beruf:— Wohnort:——— Straße und Hausnummer: InNO Nummer 137, Zweites Blatt Herner Anzeiger Samstag, den 15. Juni 1929 Die Zukunft der Emscher-Mittelstädte. Weiterentwicklung auf der Kohlenbasis. — Die Aus sichten für eine Kanalstadt.— Eine Unterredung mit Oberbürgermeister Kiwil. Der sahrelange Kampf um die Regulierung der Grenzen im rheinisch=westfälischen Industriegebiet hat den zum Teil in natürlicher Entwicklung gewordenen, zum Teil erst 1926 gebildeten Mittelstädten im allge meinen auch nicht im bescheidensten Maße die Erfüllung der Wünsche gebracht, die sie im Interesse eines gesunden Fortwachsens glaubten vorbringen zu sollen. Wie eine Ausnahme von dieser allgemeinen Tatsache könnte Herne wirken, das im vergangenen Jahre das Amt Sodingen mit den Gemeinden Börnig, So dingen und Holthausen eingemeindete, zusammen etwa 23 000 Einwohner; hier muß man aber berücksichtigen, daß es sich bei dieser Eingemeindung um die Einbe ziehung eines Amtes in die Stadt handelte, zu der es tatsächlich längst gehörte. Alle anderen Forderungen haben im Gegensatz zu denen der Großstädte kaum Aussicht auf augenblickliche Verwirklichung. e Gründe für die wahrscheinliche Nichterfüllung der Gebietsforderungen der Mittelstädte Castrop= Rauxel, Herne, Recklinghausen, Wanne=Eickel und Wattenscheid, sind nicht recht ersichtlich. Allenfalls könnte man die Absicht der maßgebenden Körperschaften mit dem äußerlich halbwegs verständlichen Argument rechtfertigen, daß man bei diesen Mittelstädten zunächst eine den heutigen Hellwegstädten ähnliche Entwicklungsstufe abwarten müsse, ehe man ihr Gebiet auf den Umfang einer durchschnittlichen Großstadt erweitere. Um so interessanter muß es sein, in liesem Augenblick die Meinung des Leiters einer grohen Kommune über die Zukunftsgestaltung dieses Gedietes zu hören. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, dem Oberbürgermeister von Wanne=Eickel, Kiwit, im Rahmen einer längeren Unterredung einige Fragen diesbezüglicher Art vorzulegen. Nach der Meinung dieses Kommunalleiters, der in den Eingemeindungskämpfen mit besonderem Nachdruck auf die Bedürfnisse seiner Stadt und auch der übrigen Kommunen an der Mittelemscher hingewiesen hat, beruht auch die Zukunft Wanne=Eickels(wie der übrigen Emscher=Mittelstädte) auf der Kohlenbasis, im Gegensatz zu der Meinung bekannter Kommunalpolitiker, die diesem Gebiet für die Zukunft eine Umstellung auf andere Industriezweige glauben voraussagen zu können. Die Rationalisierung im Berabau, die diesen fast rein auf die Kohle anagie enen Städten erhebliche Sorgen gebracht hat, hier allem Anschein nach den Höhepunkt er Fühlbarkeit überschritten. Auch eine spätere Wiederinbetriebnahme der Wanne=Eickeler Zeche Unser Fritz liege durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, da ihre Stillegung im Augenblick nicht zuletzt auf die Schwierigkeiten der Ausnutzung der Gasflammkohle und ihres Absatzes auf dem Weltmarkt zurückzuführen sei. Der Geburtenausfall des Krieges werde sich bereits vom nächsten Jahre ab in Form eines verminderten Angebots von Arbeitskräften bemerkbar machen und sich voraussichtlich günstig auf die Erwerbslosenziffer mit den Wohlfahrtsempfängern und damit die kommunalen Finanzen auswirken. Unstreitig weise die Entwicklungstendenz des Bergbaues nach Norden, indessen sei auch in den heutigen Hauptkohlenstädten eine Steigerung der Prosperitat zu erhoffen, sobald sich die allgemeine Weltmarktlage umgestaltend verbessere. Von dieser Verbesserung hänge naturgemäß auch das kommunale Wachstum in hohem Maße ab. Wanne=Eickel bedürfe(ebenso wie Herne) bis zu einem gewiUn Umfange nördlichen Gebietes zur Erlangung der Möglichkeit entsprechender Weitersiedlung. Auf die Frage, wie weit durch eine eventuelle Zuteilung nördlichen Gedietes und eine stärkere Besiedlung desselben in absehbarer Zeit die Frage einer Kanalstadt durch die Vereinigung von Wanne=Eickel, Herne, Herten= Recklinghausen und Castrop=Rauxel akut werde, anti tete der Oberbürgermeister, daß dieses Problem erst mit der genannten wirtschaftlichen Jortentwicklung der Notwendigkeit einer Lösung näherkomme. Der Gedanke der Bildung einer solchen Kanalstadt sei an sich nicht zu verwersen. Die Tatsache, daß es unter diesen fünf Kommunen keine die anderen wesentlich überragende gebe, könne eher werbend als hindernd für die eventuelle spätere Durchführung dieser Idee wirken, wie er auch beispielsweise in Wanne=Eickel eine möglichst gleichmäßige und nach Gesichtspunkten der Gleichberechtigung der einzelnen, früher selbständigen Stadtteile untereinander beeinflußte Entwicklung für das richtige halte. Einen eventuellen Zusammenschluß von Herne und Wanne=Eickel allein könne er nicht befürworten, da damit das Gesamtprodlem kaum einer Lösung nähergebracht werde, zumal die schon bestehende Arbeitsgemeinschaft auf einigen Gebieten vorderhand den beiderseitigen Bedürfnissen genüge. Oberbürgermeister Kiwit sprach dann noch seine feste Ueberzeugung aus, daß eine Eingemeindung nach Bochum, vor allem nach der letzten Besichtigungsreise, sowie ein schnelles Wiederaufleben der Eingemeindungskämpfe im engeren Bezirk außerhalb des Wahrscheinlichen liege. Warum bloße Süterzugstrecken? Ein Vorschlag zur Erschließung neuer Einnahmequellen. Die Verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft versucht nun schon seit Jahr und Tag, den durch die privaten neuzeitlichen Beförderungsmittel geschwächten Personen= und Güterverkehr wieder zu heben. Die Aufgabe ist wahrlich schon des Schweißes der Edlen wert. Vermehren sich doch die modernen Fahrzeuge in einer Weise, die wirklich zu denken gibt. Der Straßenverkehr nimmt Dimensionen an, die geradezu beängstigend wirken. Die Bevölkerung ist tatsächlich ihres Lebens nicht mehr sicher. Beweis: Die tagtäglich zu verzeichnenden zahlreichen Unfälle... Nebenbei bemerkt, erleidet die Reichsbahn durch die Industrieeisenbahnen und den Rhein=Herne=EmsKanal einen nicht unbedeutenden Ausfall an Frachten. Im kommenden Herbst wird sehr wahrscheinlich auch noch der neue Wasserweg Datteln—Dorsten—Wesel in Betrieb genommen, der dem Eisenbahnverkehr merklich Abbruch tun dürfte. Auffallender Weise verfügt die Deutsche Reichsbahngesellschaft im diesseitigen Industriebezirk über eine Anzahl Strecken, die nur dem Güterzugverkehr dienen, für den allgemeinen öffentlichen Personenzugverkehr also nicht in Frage kommen. In dem dichtbevölkerten Emscher= und Ruhrgebiet sollten derartige Bahnen dann doch nach Möglichkeit für den Personenverkehr freigegeben werden. Eine allzu große Sparsamkeit und bürokratische Engherzigkeit dürften weniger angebracht erscheinen. Zu den Strecken, dir gar keinen Personenzugbetrieb aufzuweisen haben, gehören folgende Bahnen: von Herne nach Gelsenkirchen=Bismara, von Herne nach Bochum=Riemke und weiter über die Gußstahlbahn zum jetzigen Hauptbahnhof in Bochum — als vorläufiges Provisorium bis zur wirklichen Fertigstellung der projektierten Nord=Südverbindung —. von Gelsenkirchen=Hbf. nach Gelsenkirchen=Watten scheid, von Gelsenkirchen=Wattenscheid nach Wanne Eickel Hbf., von Gelsenkirchen=Bismarck über Horst bis Osterfeld, von Langendreer über Laer, Bochum=Weit mar bis Dahlhausen=Ruhr, von Bochum=Nord über Bochum=Weitmar bis Dahlhausen=Ruhr, von Dahlhausen=Ruhr nach Ueberruhr, von Kamen nach UnnaKönigsborn u. a. m. Letztere wurde in der Vorkriegszeit bereits von Personenzügen befahren. Brach liegt bis zur Stunde auch noch die schon vor Ausbruch des unglückseligen Weltkrieges neuerbaute Bahnverbindung von Witten=West nach Schwelm. Auch der neuhergestellten Linie von Lünen Hbf. bis Münster sollten zunächst keine Personenzüge beschieden sein. Nur dem energischen Eingreifen der gesetzgebenden Körperschaften ist es zu verdanken, daß diese Neubaustrecke am 18. Oktober 1928 dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde. Seit dem 15. Mal d. J. befahren die Strecke Dortmund=Hbf., Lünen=Hbf., Münster sogarschon zwei Eilzüge bis Emden und wieder zurück. Gewiß ein Zeichen zunehmender Verkehrsbedeutung. Zur Erschließung weiterer Einnahmequellen wäre es denn doch angebracht, alle Güterbahnen des Reichsbahndirektionsbezirks Essen für den Personenzugdetriev einzurichten. Wird doch im gonzen deutschen Vaterlande wohl nirgends soviel gereist wie im Emscher= und Ruhrland. Knippbrücke gezeitigt nis schöpfen, daß die at, wieder einmal die Erkenntorsicht, mit der sie an ihre Lebhafter Verkehr über die Knippbrücke Ein Beitrag zur Verkehrspolitik der Reichsbahn.— Werden die„Baukoftenzuschüsse" Ein Beispiel für die Rentabilität der Nord-Südlinie. zurückgezahlt?— Der Personenverkehr über die Knippbrücke ist nun seit einigen Wochen im Gange. Es kann festgestellt werden, daß die Zahl der Fahrgäste, die diesen wichtigen Rheinübergang benutzen, ständig im Wachsen ist. Die neue Verbindung, die damit zwischen dem Ruhrgebiet und dem linksrheinischen Inkustriebezirk hergestellt ist, erfreut sich also eines Zuspruchs, der ein vollgültiger Beweisfürdie Rotwendigkeit dieser neuen Personenstrecke ist. Zeigt schon der Werktagsverkehr steigende Tendenz, so gilt das in ungleich höherem Maße vom Ausflugsverkehr an den Sonntagen. Der Zudrang zu den Personenzügen, die über die Knippbrücke führen, ist an den Sonntagen so stark, daß nicht selten zahlreiche Ausflügler zurückbleiben mussen, sei es weil der Zug schon bis zum äußersten besetzt ist, sei es, weil der Kartenverkauf und der Durchgang durch die Sperre infolge des großen Andrangs nur unter starken Verzögerungen vor sich gehen kann. Das gilt besonders von dem Bahnhof Duisburg=Beeck, der inmitten eines äußerst stark besiedelten Gebietes liegt und für diese Bevölkerung den natürlichen und lange ersehnten Ausgangsikt für Sonntagsausflüge darstellt. Die vor der Eröffnung der neuen Personenstrecke von der Reichsbahndirektion ausgesprochenen Befürchtungen unzureichender Rentabiliict haben sich nicht erfüllt. Schon heute erscheint die Rentabilität der neuen Personenstrecke voll gesichert. Damit ist die alte Erfahrung bestätigt, daß jede neue Anlage verkehrswerbend wirkt. Sobald im Industriegebiet die Gelegenheit zum Fahren geschaffen ist, kommen auch die Fahrgäste, und wenn die Anlage der Stationen sowie der Fahrplan den Bedürfnissen der umwohnenden Bevölkerung Rechnung tragen, kommen sie in hellen Scharen. Nach der Eröffnung des Verkehrs über die Knippbrücke hat sich alsbald dasselbe punk Bild gezeigt, wie nach der Eröffnung der Strecke Essen-Borbeck—Bottrop, bezüglich deren Inanspruchnahme die Eisenbahnverwaltung auch die stärksten Befürchtungen hegte, während die Entwicklung alle Erwartungen übertraf. Nach dieser neuerlichen Bestätigung der sachlichen Berechtigung der von der Ruhrbevötkerung gestellten Verkehrsforderungen wird die Reichsbahnverwaltung hoffentlich einsehen, daß auch hinsichtlich einer Reihe anderer vordringlicher und durchaus bauwürdiger Vorhaben, wie z. B. die Bahnverbindungen Gelsenkirchen—Bochum, EssenHaltern und Bochum—herne—Recklinghausen keine Befürchtungen bezüglich ihrer Wirtschaftlichkeit zu bestehen brauchen. Die erfreulichen Erfahrungen, die jetzt mit dem Personenverkehr über die Knippbrücke gemacht werden, legen es nahe, die Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt der von der Reichsbahnverwaltung geforderten Baukostenzuschüsse näher zu betrachten. Bekanntlich hat sich die Reichsbahnverwaltung von den beteiligten Kommunen und Kommunalverbänden Baukostenzuschüsse in der Höhe von 700000 RM. zahlen lassen. Sie nannte diese Leistungen„Baukostenzuschüsse“. Aber in Wirklichkeit erblickte sie darin kapitalisierte Betriebszuschüsse. Denn die Reichsbahnverwaltung stand in Wirklichkeit auf dem Standpunkt, daß sie nicht mit entsprechenden Betriebseinnahmen rechnen könne, und so sollte diese Summe im wesentlichen auch die nach ihrer Meinung nicht herauszuwirtschaftende Verzinsung und Tilgung der Anlage decken helfen. Die Reichsbahnverwaltung möge aus dem erfreulichen Ergebnis, das bisher der Verkehr über die Wirtschaftlichkeitsberechnungen herangeht, innerlich nicht berechtigt ist, daß im Gegenteil gerade im Ruhrgebiet wie kaum sonst irgenbwo eine den Verhältnissen sorgsam angepaßte neue Verkehrsanlage die Gewähr der Wirtschaftlichkeit immer in sich selbst trägt. Man kann es sich kaum vorstellen, daß neue Verkehrsanlagen innerhalb des dicht bevölkerten Industriegebietes überhaupt jemals einen Jehlschlag darstellen könnten. Uebrigens wird die Rentabilität des Verkehrs über die Knippbrücke wenigstens in den Sommermonaten noch eine gewaltige Steigerung erfahren, wenn erst die geplante Linie übe: Utfort und Dachsberg nach Geldern mit der Fortführung des Verkehrs nach Kevelaer und Cleve hergestellt sein wird. Dann wird der Weg zu diesen beliebten Reisezielen nahezu um das Doppelte abgekürzt sein. Immer noch unbefriedigende Lage auf Arbeitsmarkt. Wochenlagebericht des Arbeitsamtsbezirks Herne für die Zeit vom 3. bis 8. Juni 1929. Die Besserung auf dem Arbeitsmarkt fetz! sich fort. Zwar ist in der Berichtswoche die Zahl der Arbeitsuchenden erheblich gestiegen, dagegen aber ist durch intensive Beratungsmaßnahmen die Zahl der Vermittlungen gegenüber der Vorwoche etwas erhöht worden. Gleichzeitig ging die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger von 3494 auf 3214 zurück.(Wieriel wurden ausgesteuert? D. Red.) Der Abgang beträgt danach 280 Personen. Bei den einzelnen Berufsgruppen zeigt sich bei Metall, den handwerksmäßigen Berufen, beim Baugewerbe, Theater und Musik, Lohnarbeit und auf dem kaufm. Arbeitsmarkt eine geringe Verschlechterung, während bei Landwirtschaft, Bergbau und häusliche Dienste eine wesentliche Besserung eingetreten ist. Bei Landwirtschaft ist das Angebot deswegen stärker geworden, als die Schulentlassenen, soweit sie sich noch nicht auf dem Arbeitsamte gemeldet haben, eingehend beraten wurden. Ein größerer Teil konnte für Landwirtschaft gewonnen werden, so daß 8 Mädchen und 93 Burschen durch Transporte und Einzelüberweisungen der westfälischen und außerbezirklichen Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden konnten. Beim Berabau meldeten sich 60 Bergleute erneut arbeitslos, darunter allein 20 Hauer und 6 Lehrhauer. Vermittelt wurden 71 Bergarbeiter, darunter 47 Hauer und 8 Lehrhauer. 37 Hauer wurden in den Wurmbezirk bezw. nach Oelsnitz in Sachsen vermittelt. Die hiesige Beschäftigungslage ist gut. Auf 2 Zechen des hiesigen Bezirkes wurden zum 15. Juni insgesamt 10 Leute gerundigt, darunter 33 Tagesarbeiter. Feierschichten wurden nicht eingelegt Bei Metall ist bei einer hiesigen Fabrik eine Entlassung von 40 Fachkräften eingetreten, die durch Auftragsmangel bedingt wurde. Andererseits wurden 22 Personen in ein Arbeitsverhältnis überführt, so daß zahlenmäßig eine geringe Verschlechterung dieses Teilarbeitsmarktes festzustellen ist. Bei den handwerksmäßigen Berufen trat wieder eine Verschlechterung ein. 3 Polsterer, 6 Schreiner und Tischler, 5 Bäcker, 1 Metzger, 6 Schneider, 3 Schneiderinnen, 2 Schuhmacher wurden abgelegt, dafür nur 1 Schneider und 1 Schneiderin in Arbeit vermittelt. Die Zurückhaltung der Auftraggeber hält weiterhin stark an. Außerdem wird die schlechte Beschäftigungslage des Handewerks auf den schlechten Geldeingang zurückgeführt. Beim Baugewerbe ist der Zugang an Arbeitsuchenden nach Beendigung der Siedlungsbauten immer noch verhältnismäßig stark, da die Privat-Bauindustrie mit ihrem Bauvorhaben noch nicht begonnen hat. Bei Theater und Musik sind ebenfalls sechs Musiker abgelegt worden, für die sich weitere Einbaumöglichkeiten nicht boten. Bei Gast= und Schankwirtschaft scheint sich das Geschäft etwas zu heben, dennoch kann aber Weiße Zähne: Chlorodont Flammen aus der Tiefe. 2) Romon von Hans Land. (Nachdruck verboten.) Völlig niedergedrückt saß er nachmittags bei seiner Mutter, als Edith gemeldet wurde. Sie trat rasch und ein wenig atemlos herein, begrüßte beide, ließ sich am Tisch nieder und begann, sich zu entschuldigen:„Lieder Groth, Sie dürfen mir nicht böse sein, daß ich heute vormittag so zerstreut gewesen din, doch wenn meiner Kleinen etwas fehlt, verliere ich den Kopf. Jetzt ist das Fieber fast geschwunden und nun bin ich auch wieder rahig. Da ist es mir eingefallen, daß Sie heute zu mir herüberkamen, um mir etwas zu sagen, und daß ich in meiner Aufregung völlig vergessen hatte, Sie zu fragen, was Sie eigentlich von mir gewollt hatten.“ Groth lächelte schmerzlich:„Liede Frau Edith, ich nehme es als Vorbedeutung und möchte doch lieber völlig davon absehen, Ihnen meine Mitteilung zu machen. Ich habe das Gefühl, es wird so besser sein...“ Ueberrascht blickte Edith ihn an:„Sind Sie gekränkt? Es ist wirklich nicht meine Schuld...“ Lächelnd wandte sie sich Frau Groth zu und meinte: „So sind nun einmal die Männer, liebste Frau Groth! Sehen Sie— wie wenig sie uns begreifen! Sie sind Mutter und wissen, was in uns vorgeht, wenn ein Kind fiebert und die Angst uns würgt, es könnte von schlimmer Vorbedeutung sein.“ Frau Groth faßte Ediths beide Hände:„Ich verstehe Sie durchaus, liebe Edith, und auch mein Sohn wird sich dazu bequemen müssen, nachzufühlen, wie einer besorgten Mutter in solchen Stunden zumute ist Edith nickte zustimmend, streckte Franz die Rechte entgegen und rief erfreut:„Na also, zeigen Sie mir, daß Sie nichts nachtragen. Schlagen Sie ein und sagen Sie mir jetzt ruhig, was Sie heute morgen vorbringen wollten.“ Franz Groth ergriff ihre Hand, drückte sie, ließ sie aber plötzlich, zusammenschreckend, los. Wieder verstand Edith nicht, was vorging, und ihr fragender Blick streifte Frau Groth, die, verlegen lächelnd, aufgestanden war und sich anschickte, aus dem Zimmer zu gehen.„Bleibe, Mutter!“ rief ihr Sohn. Es klang so gequält, daß Edith aufhorchte und nun langsam zu ihm hinüberging, ihm die Hand auf die Schulter legte und ihn zum Tisch hinüberzog. Frau Groth hatte ihren Platz auf dem Sofa wieder eingenommen. Franz und Edith ließen sich wieder am Tische nieder. Ein beklommenes Schweigen herrschte zwischen den drei Menschen. In Groths Zügen soh man deutlich die Qual— er fürchtete die Antwort auf die Frage, die er nicht zu stellen wagte. Er glaubte schon, das Nein gehört zu haben, obwohl die junge Frau neben ihm noch gar nicht ahnte, was er zu sagen hatte. Er war beinahe entschlossen, überhaupt nicht zu reden, wenigstens nicht heute und vielleicht auch später nicht, niemals. Wozu in peinigenden Erklärungen sich noch bestätigen lassen, was er ohnehin deutlich spürte? Doch es schien, als müßte er den bitteren Kelch jetzt leeren. Ediths Augen waren fregend auf ihn gerichtet, sie legte ihre Hand auf seine Rechte und bat bedrückt:„Lieder Freund, so sprechen Sie doch, was haben Sie auf dem Herzen?" Da gab es kein Ausweichen mehr. Groth machte, fast lieblos, seine Hand frei. Da griff seine Mutter ein und wandte sich ihrem Sohn zu:„Würde es dir nicht vielleicht lieber sein, wenn du mit Edith allein bliebst?“ Franz Groth verneinte. „Bleibe nur,“ sagte er.„Ich brauche nicht weiter zu reden, ich weiß ohnehin— daß Edith meine Frau nicht werden will.“ Edith war wie versteinert. Sie schien im ersten Augenblick nicht begreisen zu wollen, was diese Szene bedeuten sollte, offendar hatte sie nicht im entferntesten an eine solche Möglichkeit gedacht, niemals beobachtet, welche Empfindungen ihr Groth entgegenbrachte, und sie schien von dieser Wendung namenlos überrascht zu sein. Leise brachte sie endlich hervor:„Mich wollen Sie zur Frau nehmen, Franz? Sie wissen doch, wie es um mich steht und welche Erlebnisse ich hinter mir habe Nun sprudelte er heraus:„Dennoch will ich! Und es ist nur an Ihnen, ebenfalls zu wollen. Sie brauchen mir nur eine klare Antwort zu geben. Sie müssen verstehen, daß ich endlich Gewißheit haben möchte und den bisherigen Zustand nicht länger ertragen kann.“ Ediths Augen wurden feucht. Sie hatte sich niemals, auch in den schwersten Stunden ihres Daseins nicht, so hilflos gefühlt wie in dem gegenwärtigen Augenblick. Den Mann, dem Sie tiefsten Dank schuldete, sollte sie nun verletzen? „Lieder Freund,“ begann sie,„weshalb wollen Sie sich gerade an eine Frau verlieren, die das Schicksal ohnehin schan gezeichnet hat? Es gibt jüngere und schönere als ich, Mädchen, die Ihnen bessere Gattinnen werden könnten, Ihre Wahl wäre eine Torheit und Sie würden Sie bereuen. Sie wollen ein offenes Ja oder Nein— und ich bin nicht fähig, heute eine Ent scheidung zu treffen. Ich kann die Dinge nicht über sehen, alles ist für mich noch unentwirrbar, ich wünschte, daß Ihnen dies so klar würde, wie es mir st.“ Doch ihre Antwort wirkte nicht so, wie sie geglaubt hatte, denn Groths Miene blieb finster, in seine Stirn gruben sich tiefe Falten. Edith fuhr fort:„Könnte ich Sie doch einen Einblick in mein Inneres tun lassen! Was mir zugestoßen ist, hat mich innerlich so wund gemacht, daß ich seelisch ganz und gar unfähig bin, eine neue Verbindung einzugehen. Ich vermag es einfach nicht! Nicht einmal mit nen, der mir von allen Männern, mit denen ich je in Berührung trat, wahrhaft als der zuverlässigste und vertrauenswürdigste erscheint. Noch bin ich von den Schlägen, von denen ich heimgesucht wurde, nicht gesundet." Sie hielt inne, denn ein scharf forschender, fast feindlich aufblitzender Blick traf sie aus Groths Augen. „Noch nicht gesundet?“ erwiderte er bitter.„Hängen Sie etwa noch an Ihrem ersten Gatten, der Ihnen so vieles angetan hat? Du lieber Gott, ich weiß, daß so etwas bei Frauen vorkommen soll... Hurer tatsächlich noch einen Platz in Ihrem Herzen?“ Edith schüttelte den Kopf. „Er ist mir völlig fremd und gleichgültig geworden Er ist tot für mich. Nein, noch hoben Sie mich nicht verstanden! Die Dinge stehen anders. Ich bin von meinem ersten Erlebnis noch so verstört, daß ich nicht den Mut besitze, mich jetzt schon wieder einem zweiten auszusetzen. Schon der Gebanke allein erscheint mir fürchterlich! Mag sein, ich weiß es nicht, ich vermag es nicht zu ermessen, und das einzige, was ich Ihnen sagen kann, ist: lassen Sie mir Jost, zu gesunden. Zeit, mich wiederzufinden. Ich hoffe, es kann und wird dahin kommen. Nur erlassen Sie es mix, Ihnen dafür einen bestimmten Tenkin anzugeben. Aber, falls Sie Ihre Neigung für mich bewahren sollten, wenn Ihre fühle nicht erkalten, und falls Sie, was ich trotz allem annehmen darf, auch fernerhin mein treuer Freund bleiben wollen, so will ich Ihnen die Hoffnung nicht rauben, daß es mir später— später— nach Jahren, doch noch einmal möglich sein wird, Ihre Frau zu werden.“ Groth machte eine abwehrende Handbewegung, sein Gesicht blieb unbewegt. Edith sah dieses Gesicht und erschrak. In diesem Augenblick erschien sie sich hart, böse, undankbar einem Menschen gegenüber, dem sie so vieles schuldete. „Ja,“ seufzte sie,„es ist bettelwenig, bettelwenig, was ich Ihnen da gebe, verglichen damit, was Sie für mich und die Meinen getan haben. Glauben Sie nicht, daß ich dies nicht einsähe und Ihre große Enttäuschung nicht begriffe.“ Zögernd stockte sie und schloß:„Und ich glaube..“ „Was, was glauben Sie?“ fuhr es ihm heraus. „Ich glaube... ich vermag Ihnen noch eine gewisse Sicherung zu gewähren.“ „Und zwar welche?“ „Die eine, mein Freund, daß ich Ihnen gelobe, nie einen anderen Mann zu heiraten. Wenn ich mich je entschließen sollte, eine zweite Ehe einzugehen, dann— nur mit Ihnen!" Sie streckte ihm beide Hände beteuernd hin.„Wollen Sie damit zufrieden sein? Er bejahte eifrig. „Ich will mich damit abfinden, will geduldig warten und will Ihnen Zeit lassen. Sie sollen erkennen, daß weine Gefühle für Sie nicht von heute auf morgen vergehen.“ Jetzt war die Lage nun doch wenigstens soweit ceklärt, daß er sicheren Grund unter den Füßen zu spüren glaubte. Das gab ihm vorerst den Frieden seineHerzens wieder. Er glaubte jetzt, Edith zu begreifen und zu wissen, was sie bewegte. Aber nicht minder verständlich war ihm noch etwas geworden, nämlich die Tatsache, daß die junge Frau, alls sie nur einen Bruchteil jener Neigung zu ihm empfunden hätte, die er für sie hegte, über alle Bedenken hinweg die Seine geworden wäre. Daß dies nicht der Fall war, damit mußte er sich vorläufig bescheiden. (Fortsetzung folgt.) *S 1b— *— von einer wesentlichen Besserung des Arbeitsmarktes noch nicht gesprochen werden.“ Beim Verkehrsgewerde hält die Ablegung bei der Post und Eisenbahn an. Dagegen wurden der Schiffahrt drei Arbeitskräfte zugeführt, außerdem ein Arbeiter für Eisenbahn und je ein Fuhrmann und Chauffeur. Auch hier kann eine Besserung der Arbeitsmarktlage nicht festgestellt werden. Bei häusliche Dienste ist das Angebot durch eifrige Maßnahmen der weiblichen Abteilung stärker geworden. Ebenso hat sich die Nachfrage wesentlich erhoht. Erfreulich ist hierbei die Tatsache, daß auch Mädchen ohne Zeugnisse und berufsfremde in Haushaltstellen untergebracht werden konnten. Für die gegen Ende dieser Woche beendeten Haushaltskurse (60 Personen) sind Stellen zum größten Teil bereits verfügbar. Bei Lohnarbeit ist ebenfalls die Verschlechterung festzustellen. Die Zahl der Vermittlungen steht zu der Zahl der Neuarbeitsuchenden in keinem Verhältnis. Auch hier trägt der Umstand wesentlich bei, daß Straßen= und Kanalisationsarbeiten aus dem freien Wirtschaftsmarkte fast kaum durchgeführt werden. Mit einer weiteren Verschlechterung muß gerechnet werden, weil die Chemischen Werke einer Nachbargemeinde in einigen Tagen 150 Salzlader zur Entlassung bringen, von denen ungefähr die Hälfte auf den Bezirk unseres Arbeitsamtes entfallen.“ Bei Maschinisten und Heizer meldeten sich 12 arbeitslos. Vermittelt wurde nur 1. Bei kaufmännische Angesteilte ist die Ablegungsaktion im Handel vor allem an Verkäuferinnen noch nicht beendet. 34 Verkäuferinnen wurden abgelegt. Vermittelt wurden dagegen nur 4. Hier ist die Verschlechterung offensichtlich. Ebenso trat eine wesentliche Verschlechterung bei Büroangestellte ein, als 11 Angestellte arbeitslos wurden, während nur 1 weibl. Kraft wieder in ein Arbeitsverhältnis überführt werden konnte. Bei der Berufsberatung konnten 5 Lehrlinge in ein Lehrverhältnis gebracht werden und zwar: 1 Schmied, 2 Bäcker, 1 Drogist und 1 kaufmännische Angestellte. Bei den übrigen Berufsgruppen hat sich die Lage nicht wesentlich geändert. Notstandsarbeiter wurden 664 beschäftigt. Vermittelt wurden: 4 Lehrlinge, 1 Lehrmädchen, 8 weibl. und 93 männliche Kräfte für die Landwirtschaft, 71 Bergarbeiter, 22 Metallarbeiter, 1 Schreiner, 1 Schneider, 8 Maurer, 2 Kellner, 1 Kellnerin, 6 Verkehrsarbeiter, 34 Hausangestellte, 19 Lohnarbeiter, 1 Maschinist, 4 kaufmännische Angestellte, 1 Büroangestellte. Zusammen 296 Personen. Es wurden unterstützt: Wanne=Eicke!: Arbeitslosenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 1181 männl., 44 weibl., 1536 Zuschlagsempfänger; Krisenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 198 männl., 5 weibl., 268 Zuschlagsempfänger. Herne: Arbeitslosenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 1040 männl., 76 weibl., 1536 Zuschl.= Empfänger; Krisenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 184 männl., 9 weibl., 242 Zuschlagsempfänger. Castrop=Rauxel: Arbeitslosenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 404 männl., 28 weibl., 496 Zuschlagsempfänger; Krisenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 42 männl., 3 weibl., 69 Zuschlagsempfänger. Zusammen: Arbeitslosenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 2625 männl., 148 weibl., 3568 Zuschlagsempfänger: Krisenunterstützung: Hauptunterstützungsempfänger 424 männl., 17 weidl., 579 Zuschlagsempfänger. An Unterstützung wurde gezahlt: a) in der Arbeitslosenversicherung b) in der Krisenfürsorge 25 Jahre Verein ehem 131er Herne. Jndelfeler zugleich mit Regimentstag Aus der Vereinsgeschichte. Fünfundzwanzig Jahre— ein Zeitabschnitt, der im Leben eines Einzelnen und noch vielmehr im inneren Vereinsleben eine große Rolle spielt, zumal, wenn die Jahre sich in einer so bewegten Zeit abwickeln, wie die heutige es ist. Es geziemt sich daher wohl, einen kleinen Rückblick auf den Werdegang des Vereins zu wersen, der bisher so tapfer durchgehalten hat, und, es darf mit Stolz gesagt werden, im Kreise der Herner Kriegervereine eine geachtete Stelle einnimmt. Es war im Sommer 1901, als in Witten ein Regimentsappell des Inft.=Regts. 131 abgehalten wurde Auf Anregung einzelner Kameraden fanden sich auch hier in Herne eine Anzahl ehem. 161er zusammen, die an diesem Appell teilnahmen und im strammen Schritt an Exz Graf v. Haeseler vorbeizogen. Die Kameraden blieben dann zwanglos zusammen in Erinnerung und Anhänglichkeit an das alte Regiment 131. Es wurden dann noch Regiments= und Korpsappelle, die in Elberfeld, Bochum, Hagen abgehalten wurden, besucht. Die Beteiligung war immer sehr groß. In den Nachbarstädten hatten sich im Laufe der Jahre Regimentsvereine gebildet. Am 7. April 1904 enschlossen sich auch die Herner Kameraden, emnen „Verein ehem. 131“ zu gründen. 32 Kameraden traten sofort dem Verein bei. Der geschäftsführende Vorstand wurde von den Kameraden Ludwig Redbe, 1. Vors., Heink. Spiekermann, 1. Schriftf., Gustav Dietze, 1. Kassierer gebildet. Immer mehr Kameraden fanden sich in den Versammlungen ein. Die Vereinsleitung ruhte nicht, sondern arbeitete unverdrossen weiter für den Verein, die Anerkennung als Kriegerverein zu erhalten. Die Bemühungen waren erfölgreich; am 13. Juli 1911 wurde der Verein ehem. 131er Herne als Kriegerverein anerkannt und in den Westfälischen= und Preußtschen Landes=Krieger=Verband aufgenommen. Nachdem dies erreicht war, gingen die Kameraden unter sich daran, für die Mittel zur Beschaffung einer Fahne zu sorgen. Das Gesuch, eine Fahne führen zu dürfen, wurde durch ministeriellen Erlaß vom 22. November 1912 in bejahendem Sinne beantwortet und dem Verein die Genehmigung zur Führung einer Fahne erteilt. Durch die Opferwilligkeit der Kameraden waren die Auslagen für die Fahne beschafft, und sie konnte der Firma Umbach=Dortmund in Auftrag gegeben werden. Am 21., 22. und 23. Juni 1913 fand dann unter zahlreicher Beteiligung auswärtiger Regimentskameraden und des Kreis=Kriegerverbandes Herne das Fest der Fahnenweihe statt. Das Regtment selbst schickte eine Abordnung von 62 Mann zum Fest. Major Pohl nahm die Weihe vor. Voller Freude erinnern sich die alten Kameraden noch gern dieser Festtage, die für den Verein nach außen hin einen vollen Erfolg bedeuteten. Die Zeit verging und es kam der Sommer 1914. In die Festfreude des Kreis=Krieger=Verbandsfestes im Juli 1914 mischten sich schon dunkle Wolten und trübten das Bild. Es brach der Krieg aus. 15 Kameraden folgten dem Rufe zur Fahne. Als da gewaltige Ringen sich immer mehr ausdehnte, wurden bis Kriegsende noch 33 Kameraden eingezogen. Vier von den ausgezogenen Kameraden sahen die Heimat nicht wieder, sie fanden draußen den Tod. Eine Ehrentasel im Vereinszimmer führt uns die Namen vor Augen: Karl Jinger gefallen 14. 12. 1914. Gustov Dietze fr gefallen 3. 8. 1915. Joses Walkowiat gefallen 28. 12. 1915. Reinhold Jochinke gefallen 1. 5. 1918. Während des Krieges war die Vereinstätigkeit ganz auf Wohltun und kameradschaftliche Hilfe eingestellt. Als nun nach Friedensschluß die Kameraden sich eben wieder eingelebt hatten,— leider machte sich auch hier durch den Wechsel der Zeiten eine Aenderung bemerkbar,— kam die Besetzung unserer Stadt, und die Vereinstätigkeit wurde ganz stillgelegt; denn alles, was nur irgendwie an Militär erinnerte, war von fremder Macht verboten. Als nach dem Abzug der Besatzungstruppen die Heimat frei wurde, fanden sich die Kameraden wieder zulammer,, und## konnte die volle Tätigkeit ausgenommen werden. Nun ist der Tag da, an dem die Erinnerung an die Gründung vor 25 Jahren festlich begangen werden soll. Ein Zeugnis von dem Geiste, der im Verein herrscht, zeigt der Umstand, daß von den Gründern des Vereins 25 Kameroden ihr 25jähriges Jubiläum feiern können. Ihre Namen sind: Frr. Spiefernann. ustav Dietze. Friedrich Bosbach, Karl Kersting, Ferdinand Wegat, einrich Koch, r. Ostwinkel, erdiand Baake, franz Vollmer, ermann Schulte, ark Spiekermann, Heinr. Coring, Ludwig Rebbe, Theodor Seegers, Karl Knebel, Karl Reitze, Heinr. Kuhlmann, Bernh. Wienbrake, Heinr. Wöhrmann, Franz Frank, Matthias Pfannkuch, Ferdinand Domann, Heinr. Rennstiel, Hermann Timmer, 57811,07 RM 7731,91 RM Kreislehrerratswahl. Gestern fand in der Zeit von 11—18 Uhr für den Schulaufsichtsbezirk Herne die Wahl für den Kreislehrerrat statt. Bei der Wahlkommission waren fünf Wahlvorschläge eingegangen, nämlich 1. Lehrerinnenverein, 2. Katb. Lehrerinnenverein, 3. Rektorenverein, 4. Gemeinschaftsliste(Deutscher Lehrerverein und Gewerkschaft), 5. Kath. Lehrerverein. Die Listen 1 und 4 und die Listen 2 und 5 waren verbunden. Wahlberechtigt waren 329 Lehrkräfte der Herner Volksschulen. Es wurden 279 Stimmen(— 84½) abgegeben, darunter 2 ungültige. Auf die Liste 1 fielen 32 Stimmen, Liste 2 erhielt 68. Liste 3 18, Liste 4 97 und Liste 5 62 Stimmen. Die 15 Sitze verteilen sich auf die einzelnen Organisationen im Verhältnis wie 1:4:1:6:3. Adolf Timmer. Wenn auch einzelne Namen im Verein gewechselt haben, zweier muß in Dankbarkeit gedacht werden, die von Anfang an im Verein an erster Stelle verzeichnet stehen, der Kameraden Heinr. Spiekermann und Gustav Dietze. Spiekermann gehört 25 Jahre dem Vorstande an, 23 Jahre hat er das Amt des ersten Vorsitzenden inne, Dietze war 20 Jahre erster Kassierer. Möge dem Jubeltage ein schönes Gelingen beschieden sein, möge es aber auch den Gästen, die zum Oberleutnant a. D. Berenberg, der Vater und Gründer der Vereine ehemaliger 131er von Rheinland und Westfalen. Generatmasor a. D. Buchholz, Protektor des Vereins ehem. 131er Herne und Vorsitzender des Offiziersbundes Inf.=Regt. 131. Unser Wetterberichl. Während das Hochdruckgebiet über Osteuropa weiter abgenommen und sich zurückgezogen hat, hat sich das südwestliche Hochdruckgebiet über Süd= und Mitteldeutschland ausgebreitet. Ein neues Teiltief naht von Großbritannien heran. In Deutschland war es gestern früh trocken und teilweise wolkig, sonst heiter. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 18 und 19 Grad.—— Wettervorhersage bis Sonntag: Wechselnde Bewölkung und teilweise Gewitterregen bei wenig geänderten Temperature. K Regimentstag von nah und fern herbeieilen, in Herne gut gefallen, auf daß sie sich auch später noch gerne unserer Industriestadt in Achtung und Freude erinnern. *" Fest-Ordnung: Samstag, den 15 Juni: Nachmittags: Empfang der Ehrengäste, u. a. des Herrn General a. D. Buchholz und anderer ehem. Offiziere, sowie der eintreffenden Kameraden. 19 Uhr: Antreten des Vereins und der bereits anwesenden auswärtigen Kameraden im Vereinslokal des Kameraden Gust. Dietze, Mont=Cenis=Straße, zur Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal, danach Abmarsch zum Festlokal, daselbst großer Festkommers unter Mitwirkung des Turn-Clubs Herne und des Doppel=Quartetts„Glück Auf“ Herne. Sonntag, den 16. Junii 6 Uhr: Großes Wecken. 9 Uhr: Empfang der auswärtigen Vereine 10 Uhr: Abgeordnetensitzung des Regimentsbundes im Vereinslokal Gust. Dietze, Mont=Cenis=Straße. 11.30 bis 12,30 Uhr: Frühkonzert auf dem Rathausplatz. 13 Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen der Abgeordneten im Vereinslokal. 14 Uhr: Antreten sämtlicher Vereine in ihren Standquartieren und Abmarsch zum Rathausplatz. 14.30 Uhr: Paradeaufstellung mit anschließendem Festzug durch die Stadt zum Festlokal. Ab 16,30 Uhr: Großes Konzert. 20 Uhr: Großer Festball. Montag, den 17. Juni: Ab 16 Uhr: Gemeinschaftliches Kaffeetrinken im Festlokal mit Konzert. 20 Uhr: Beginn der Schlußteier durch Konzert und Tanz Brieskasten. O. P. Das Reiter=Regiment Nr. 13 liegt in Hannover und Lüneburg, das R.=Regiment Nr. 15 in Padervorn, Neuhaus und Münster, das R.=Regiment Nr. 16 in Erfurt, Hofgeismar und Langensalza. Nr. 300. Sie fahren mit Personenzug 21,09 ab Herne durch bis Berlin Bhs. Friedrichstraße; dort an 6.58, ab Berlin Wriezener Bahnhof 8.50, an Schulzendorf 10,34 Uhr morgens. Die Fahrt kostet ca. 20 M. Willi R. Wenn Sie nur 120 M. im Monat verdienen, wird man Ihnen diese nicht für die Schulden Ihrer Mutter pfänden können, es sei denn, daß Wertgegenstände von Ihrer Mutter vorhanden sind, die selbstverständlich zur Deckung der Schulden Ihrer Mutter dienen können. P. J. Die 5 Menschenrassen sind: Kaukasier(weiß), Neger(schwarz), Indianer(rot), Mongolen(gelb), Malaien(braun). Wir gehören zur kaukasischen Rasse. A. V. Wenn die Haustochter gegen Entgelt beschäftigt wird, ist sie gemäß§ 165 RBO. in der Krankenversicherung zu versichern. Dieselbe Verpflichtung besteht gemäß§ 1226 RVO. bezüglich der Invalidenversicherung. Wenn das Porzellan durch offensichtliche Nachlässigkeit und Unvorsichtigkeit zerbrochen wird. kann man eotl. die Haustochter dafür haftbar machen. Wenn es sich aber lediglich um einen unglücklichen Zufall handelt, der bei dauernder Hantierung mit den Haushaltungsgegenständen leicht einmal eintreten kann, so wird man von einer Haftung nicht sprechen können. T. h. 114. Sie wenden sich am besten unter Beifügung von Rückporto und 50 Pf. Gebühren an das Einwohnermeldeamt in Kettwig. J. E. B. 85. Wassergeld ist mit 3% in der Miete. Bei Mehrverbrauch ist der Hauseigentümer berechtigt. das Wassergeld anteilig auf die Mieter umzulegen, muß aber dann die Miete um 3% kürzen. Wenn eine Partei besonders viel Wasser verbraucht, insbesondere zu gewerblichen Zwecken, so wird es der Billigkeit entsprechen, wenn er sich zur Zahlung einer Entschädigung an den Hausherrn bereit erklärt. Ob Sie vierteljährlich 2 Mark mehr zu zahlen haben, läßt sich natürlich ohne Kenntnis Ihres Verbrauches an Wasser nicht sagen. Wenn Sie die Miete stets pünktlich bis zum 15. d. M. entrichten, kann Ihnen der Vermieter nicht ohne weiteres einen Zahlungsbefehl schicken. Stichel und Stachelverse Von Dr. Stichel=Stacheldorn. Auf dem herner Wochenmarkte. 1. Einleitung. Ganz ergötzlich ist ein Bummel Durch des Wochenmarktes Rummel, Denn für Seele und für Leib Gibt es manchen Zeitvertreib. Aber auch in schlimmen Sachen Kann man hier Erfahrung machen, Mancher kommt von dort zurück , Und erzählt sein Mißgeschick. 2. Für alle Sinne etwas. Gesicht: Man bekommt hier viel zu sehn Und wie hoch die Preise stehn, Jedes Auge ist erfreut, Was der Markt an Waren beut. Gehör: Unser Denken wird gestört, Wenn man hier das Schreien hört, Seine Ware preist der Manr Immer als die beste an. Geruch: Dann kriegt auch bei jedem Schritt Unsre Nase etwas mit, Manchmal ist dies angenehm, Manchmal aber unbequem. Beschmack: Was der Zunge lieblich schmeckt, Wird hier auf den Tisch gedeckt, Mancher wird zum Kauf bestimmt, Wenn er erst die Probe nimmt. Gefuhl: Wer zum Kaufen Neigung fühlt, Wird durch Preise abgekühlt, Und man liest— bedeutungsvoll— Daß man nichts betaften soll. 3. Was alles zu haben Ifl. Alles was der Mund begehrt Und der Magen gern verzehrt, Alle diese guten Gaben Sind für unser Geld zu haben. Aus dem Land„Kannitverstan" Bringt uns viel die Eisenbahn, Aber auch die Herner Bauern Auf die Käuferinnen lauern. Alle Gaben der Natur Und veredelt durch Kultur Können wir in großen Hausen Auf dem Markte für uns kaufen. Das Gemüse von dem Feld Ist auf Tischen aufgestellt, Spargel, Möhren und Kohlraben, Zart und saftig, sind zu haben. Erbsen, Bohnen und Salat, Melde, Stielmus und Spinat Und Kartoffeln, alt und frische, Gibt es für die Bürgertische. Obst, das allen Kindern schmeckt, Haben diese längst entdeckt, Und die Mutter sorgt in Güte Für die Füllung einer Tüte. Kirschen sind für gutes Geld Massenweise ausgestellt, Stachel=, Erd= und andre Beeren Können Kinder jetzt verzehren. Aepfel aus Amerika Sind zur Zeit in Massen da, Und Bananen sind in Haufen Auf dem Markte jetzt zu kaufen. Wurst und Fleisch und frischer Speck Gehn wie warme Semmel weg, Eier, Fett und gute Butter Sorgend kauft des Hauses Mutter. Manches Fleisch= und Buttertier Liegt zerschnitten für uns hier, Ebenso sind auf dem Tische Ausgebreitet viele Fische. Auch das kleine Federvieh Fehlt auf unserm Markte nie: Gänse, Enten, Hühner, Hähne Für die Zucht und für die Zähne. Was der Bäcker formt und bäckt Und den Menschen köstlich schmeckt, Das wird uns in großen Broten Oder Kuchen angeboten. Zwieback, Semmel, Honigbrot, uckerstangen, glühend rot, Und gefüllte dicke Ballen Allen in die Augen fallen. Und das süße Kleingebäck Findet immer Ziel und Zweck, Marzipan und Schokolade Liegen käuflich in Parade. Was man sonst in unsrer Stadt Für den Haushalt nötig hat, Ist zu haben dutzendweise Für herabgesetzte Preise. Spangen für den Bubikopf Und Kartone Knopf an Knopf, Zwirn und Nadel, Fingerhüte Kauft man hier in jeder Güte. Makkovänder für die Schuh Kriegt man fost umsonst dazu Und von Holz verschied'ne Sachen, Die die Köchin glücklich machen Blumen, Kinder der Natur, Aus dem Wald und von der Flur Oder durch die Kunst erstanden Sind in Massen hier vorhanden. Manche Hausfrau führt als Strauß Blumen mit ins kahle Haus, Um damit das Heim zu schmücken Und die Freude auszudrücken. Lebhaft geht so der Verkehr Auf dem Markte hin und her, Bis dann mit den Mittagsstunden Sich verlaufen alle Kunden. 4. Taschendiede. Achtung, Frauen, Taschendiede Folgen ihrem bösen Triebe, Und sie schleichen still und stumm Auf dem Markte oft herum. Wenn die Frauen plaudernd stehen, Ist's oft um das Geld geschehen, Und dann klagt man Ach und Weh: „Eo ist denn mein Portmonnaie?“ 5. Früh übt sich.... Kleine Burschen, dreist und frech, Nehmen manchmal etwas weg, Kühnlich wird nur das erfaßt, Was für ihren Magen paßt. Wenn die Frau betrachtend sitzt, Wird ihr dies und das stibitzt, Wenn sie mit den Käufern spricht, Naht der kleine Bösewicht. Ruhig steht er da und hört, Wenn die Frau sich dann empört, Er ist schon auf schiefer Bahn, Weil er solches oft getan. Wird der kleine Dieb entdeckt, Wenn er etwas zu sich steckt, Dann gibt es ein Standgericht: Unrecht Gut gedeihet nicht! 6. Die Aufsicht. Ordnung, das sieht jeder ein, Muß auch auf dem Markte sein, Darum wird, wie sich's gebührt, Auch die Aufsicht hier geführt. Ueberall sieht dieser Mann Den Betried sich gründlich an, Jeder wird hier überwacht, Daß er keine Streiche macht. Oft gibts bei Gelegenheit Einen kleinen Händlerstreit, Dann greift er als Schlichter ein Ueder Mein und über Dein. Er geht auch von Stand zu Stand Und verlangt ein Unterpfand, Darum, das ist zu verstehn, Ist der Mann nicht gern gesehn. 7. Planderstündchen. Für die Plauderhaftigkeit Gibt der Markt Gelegenheit; Trifft die Frau die Nachbarin, Geht ihr etwas durch den Sinn, Beide plaudern lange Zeit Ueber eine Neuigkeit. Weil dabei die Zeit vergeht. Wird es manchmal ziemlich spät. In der Küche und am Herd Wird die Hausfrau dann entbehrt, Eilig geht es heimwärts dann, Denn um zwölf Uhr kommt der Mann 8. Die Besengarde. Ist der Wochenmarkt vorbei Folgt die große Fegerei, Es tritt jene Garde an, Die den Schmutz nicht sehen kann Ueberall liegt das Papier, Faule Früchte sehen wir, Knochen von des Meygers Tisch Und die Reste von dem Fisch. Alles wird dann weggesegt, Wenn sich erst die Garde regt, Und dann herrscht nach kurzer Zeit Wieder schönste Sauberkeit. Ke mr Aus Bädern und Sommerfrischen. Und wieder durchs schöne Sauerland! 9. Erst in die Unterwelt, dann empor zur Sonne. Selbst wenn wir Tropfsteinhöhlen schon kennen, sind wir doch immer wieder entzückt über deren unterirdische Gebilde. Wenn wir eine Weihestunde erleben wollen, sollten wir öfter in diese Jahrtausende alten Hallen treten und uns von der Urgewalt der Schöpferkraft der Natur überwältigen und packen lassen. So übt auch die Dechenhöhle immer noch ihre eheimnisvollen Reize aus. Wir fahren bis zu der besonders dafür eingerichteten Haltestelle und bewundern wieder und wieder die mannigfachen bizarren Formen, denen menschliche Phantasie die seltsamsten Namen beizulegen gewußt hat. Dann wandern wir durch das Tal der Grüne aufwärts bis zum Postamt. Hier beginnt ein bezeichneter Ortsweg südlich ansteigend am Fuße der Stünenburg vorbei, über die Gehöfte Selberg, Mooskamp und Hilkenhohl bis zum gleich danach folgenden Zusammentreffen mit der Hauptwanderstrecke 5 des Sauerländischen Gebirgsvereins. Bis hierher sind es von der Dechenhöhle aus ungefähr 1¼ Std. Weges. In weiteren 40 Minuten haben wir den Gipfel des Wixberges(445 Meter) erklommen und halten vom hölzernen Turmgerüst Ausschau nach allen vier Windrichtungen. Vor uns tief unten ruht Altena mit der darüber emporsteienden Burg, ein reizendes Bildchen; die nicht immer übschen Häuser der Stadt umgibt eine Fülle von krün, so als ob dies alle menschlichen Mängel verdecken möchte. Im Osten sehen wir das Ehrenmal des S. G. V. und den Aussichtsturm auf dem Kohlberg, im Westen Wiblingwerde, und noch manches andere schöne Fleckchen entdecken wir bei näherem Zuschauen. Steil fällt der Wixberg nach Altena(160 Meter) ab; wir schießen nur so den Hang hinunter. Schon nach&X Stunden sind wir im Städtlein. Dort haben wir Gelegenheit, die sehenswerte Burg mit dem schönen geschlossenen Burghofe und dem feinsinnig zusammengetragenen Burgmuseum zu besuchen und, hinterher noch eine kleine Rundwanderung auf der westlichen Lenneseite zu unternehmen. Auf Blatt 2 der Sauerlandkarte 1:50 000 des Sauerland=Verlages zu Iserlohn und im Kneebusch Sauerlandführer finden wie eine ganze Anzahl von Vorschlägen zu lohnenden kleinen und größeren Wanderungen rund um Altena. Darunter ist besonders empfehlenswert der Weg aufwärts über das Blockhaus zum Forsthaus Dickenhaaen(430 m), zu dem man außer auf einem Ortowege auch auf Hwstr. 17 und herrlichem Waldweg in fast 1 Std. gelangen kann. Der etwas steile Aufstleg wird durch prächtige Ausblicke belohnt. Nun führt ein bezeichneter Ortsweg auf der Höhe in spitzem Winkel nordwärts weiter halbwegs zum Tiergarten; wir gehen jedoch schon nach 10 Minuten nicht geradeaus, sondern links hinab ins liebliche Brachtenbeiktal, verfolgen den Bach abwärts bis zur Lenne und kehren auf der Landstraße zum Bahnhof Altena zurück. Dieser Rundweg denötigt etwa 2 Std. Zeit.— Sehr schön ist auch der Hangweg auf der alten Landstraße nach Einsal(1 Std.), wobei man einen hüben Rückblick auf Burg Altena genießen kann. unendliche Weite wird nur unterbrochen durch die Silhouetten von Juist und Norderney, die wie ferne Gebirge über den Fluten zu schweden scheinen. Das Baden selbst ist durchaus sicher und ohne jegliche Gefahr. Nirgends bietet sich an der Nordsee bessere Gelegenheit, den Schwimmsport auszuüben, als in Norddeich. Zwanzig Minuten vom Orte entfernt stehen die Masten der weltbekannten Funkstation Norddeich. Am Hafen ist die Anlegestelle für Dampfer, die den Badeverkehr nach Norderney und Jnist regein. Bei stärkerem Wind kann man in der Binnensette des Deiches im Schutze ruhen, ohne, wie es häufig auf der Insel der Fall ist, von stiebendem Sand belästigt zu werden. Für behagliche und billige Unterbringung ist in jeder Weise Sorge getrogen. Privatwohnungen und Hotels stehen zur Verfügung Die Bahn= und Autobusverbindungen liegen so günstig, daß jeder, der in Norden seinen Wohnsitz genommen hat, bequem zu allen Togeszeiten sowohl Norddeich wie auch die Dampfer nach Norderney erreichen kann. Pensionspreise mit voller Verpflegung: 3 bis 7 M. Auskunft erteilt: G. Schröder, Norden, Rosenweg 4. Reist an die Mosel! Von dem größten Nebenfluß des Rheins sind bisher nur einzelne Punkte oberhalb Koblenz moselaufwärts eingereiht worden zu den ersten Reise=Sehenswürdigkeiten des Rheinlandes. Dabei stellt aber die ganze Mosel eines der schönsten deutschen Flußtäler dar; in den traulichen alten Spitzweg=Dörfern lebt und schafft ein bodenständiger Winzerschlag; in den behaglichen, preiswerten Gaststätten gilt auch der fremde Besucher noch als Hausgenosse. Ein sehr bedeutendes und gern besuchtes altes Weindorf dieser Art ist Reil, zu Fühen der Marienburg, in einer Schnellzugstunde von Koblenz über Bullay bequem zu erreichen. Mit 180 ha Weinbergen hat Reil den drittgrößten Weinbau der ganzen Mosel und ebenfalls eine führende Stelle im Weinhandel. Ein prächtiges Tiesdruck=Werbeheft des Bürgermeisters von Bausendorf (Mosel) macht uns bestens bekannt mit der Schönheit von Landschaft und Ortsbild Reils; die Drucksache wird kostenlos abgegeben und verdient eine aufmerksame Berücksichtigung. Bad Oeynhausen. Das neue Kurmittelhaus, mit dessen Bau begonnen wurde, ist so geplant, daß es durch 2 Verbindungsbauten mit dem Badehaus 4 zu einer Einheit verbunden werden kann. Da die äußeren Formen des Badehauses 4 nicht wiederholt werden sollen, werden die Verbindungsflügel flache Dächer erhalten. Der Hauptbau wird mit einem Walmdach abgedeckt, einer Dachform, die auch der Mittelbau— jedoch in flacherer Neigung— erhält. Während das Badehaus 4 mit gelblich=roten Verblendern bekleidet ist, soll das Kurmittelhaus mit Edelputz versehen werden.— Im Erdgeschoß des Kurmittelhauses sollen 26 Fangozellen mit Thermalbädern untergebracht werden. Die Thermalbadewannen der Zellen stehen an den Trennungswänden je zwei gekuppelt, so daß sämtliche Zu= und Abläufe gemeinsam heran= und abgeführt werden können. Zwischen der Wanne und der Außenwand befindet sich eine Duschennische, die durch ein besonderes System entwässert werden kann. Im Mittelbau des Erdgeschosses befinden sich der Warteraum, die Kasse und ein Wäscheraum. Im Nordflügel des Obergeschosses sind entsprechend der Teilung im Erdgeschoß 13 Fangozellen mit Süßwasserbädern untergebracht. Die westliche Seite des Mittelbaues ist für das Röntgeninstitut freigehalten. Hierin sind folgende Räume vorgesehen: Raum für die Diagnostik, Apparaterauta und Bedienungsraum, Raum für Therapie, Dunkelkammer, je ein Raum für den Arzt und die Röntgenschwester. Gegenüber dem Röntgeninstitut an der östlichen Seite befindet sich ein Warteraum, das Treppenhaus und ein Wäscheraum. Im Südflügel des Obergeschosses sind das Inhalatorium und die Abteilung für elektromedizinische Bäder untergebracht. Das Inhalatorium gliedert sich folgendermaßen: 1. Dunstraum für Vernebelung und Trockeninhalation, 2. Bedienungsraum, 3. Raum für Einzelinhalationen und damit im Zusammenhang 2 Kabinen mit pneumatischen Sauerstoffapparaten. An der Ostseite des Mittelganges im Südflügel liegen die elektrischen Bäder, und zwar Höhensonne und Vierzellenbad, getrennt durch ein von beiden Zellen aus benutzbares Süßwasserbad. Außerdem liegen hier, ebenfalls durch eine Badezelle getrennt, Vollicht= und Teitlichtbad. Kreuz und quer durchs Bergische Land. Nordseebad Es ist viel zu wenig bekannt, daß Nonden mit seinem Vorort Norddeich die schönste Stadt der füdlichsten Nordseeküste ist. Norden will gar nicht mit den Nordseeinseln in Wettbewerb treten. Seine Vorzüge liegen ganz wo anders. Es ist der gegebene Erholungsort für alle die, deren Nerven der dauernde Aufenthalt an dem ewig drandendem Meer und die dlendende Weiße des Sandstrandes nicht so zusagt, und die es vorziehen, für halbe oder ganze Tage nicht nur das Wasser, sondern auch den Wald, die Heide und die friedliche, ganz in Grün gebettete Kleinstadt auf sich wirken zu lassen. Norddeich ist ein dehagliches, ruhiges Fischerdor# mit sauberen roten Häuschen, die sich in den Schutz des hohen Deiches ducken Der grüne Deich, der das Land in Sturm und Not schützt, bietet mit seiner Raenfläche und seinen Ruhebänken Platz zur Rast. Vom Deich badet man bei Fiur in den grünen Wogen der See. Während bei Niedrigwasser das Watt mit seinen Scharen von Seeschwalben und Seemöven und aneren Lebewesen dem Wanderer auf der schier endlosen viel Interessantes bieten kann, schweift bei tzeit der Blick über die bewegte Meeresfläche. Die Für die Wandervögel aus dem Industriegebiet sei auf einen Teil des Bergischen Landes aufmersam gemacht, der soviel Schönheiten in sich birgt, daß ein Wandern über die luftigen Höhen, durch die schönen Täler sich für jeden kohnt. Es ist das von der Natur so ausgezeichnete Gebiet zwischen Burscheid. Wermelskirchen, Remscheid und Wipperfürth hinüber ins Sülz= und Aggertal einerseits und dem rechterheinischen Köln andererseits. Bequeme Landstraßen und versteckte Wald= und Feldwege führen vorbei an Schlössern, reizenden bergischen Dörfchen, romantischen alten Steinbrücken und Punkten, von denen aus man ein herrliche Fernsicht in die weite Kölner Tiefebene genießt. Vom Industriegebiet aus ist dieses eigentlich noch wenig begangene Wandergebiet von Opladen. Burscheid, Remscheid oder Lennep aus begem zu erreichen. Gleich jenseits dieser Orte beginnen schon die jeden vollauf befriedigenden Wanderstrecken. Einer der Hauptwege führt ins Dhünntal, auch Odinskal genannt, an dessen Anfang der herrliche Altenberger Dom liegt, mit Recht die Perle des Vergischen Landes genannt. Der Ort selbst geht auf eine Klostergründung der Cisterzienser Mönche zurück. Der Dom, malerisch eingeschlossen von uralten Klostergebäuden und herrlichen Wäldern, ist der Gegenstand sorgsamster Pflege und innen und außen in seiner alten Pracht fast wiederergestellt. Am besten wandert man nun südwärts das Tal der Dhünn entlang, an der Burg Strauweiler(Graf v. Wolff=Metternich) vorbei nach Odenkdal. Hier ist man am Scheidewege, rechts führt die Landstraße nach Schlebusch und Köln, geradeaus über die Höben weiter durchs unterbergische Land über BergischGladbach nach Sand, Herkenrath(oder kür. zer über Bensberg) ms schöne Tal der Sülz. Einen der schönsten Weitblicke genießt der Wanderer von Bärbroich bei Herkenrath, von dm Platz zwischen Kirche und Gutshof. Von dort erblickt man die Kirchtürme von Hohkeppel, Marienheide, ja von Gummersbach. Von Bergisch-Gladbach bis Herkenrath, Wipperfürto und Bensberg bestehen Postomnibusverbindungen. In Sand versäume man nicht, das Dentmal des bergischen Heldenpfarrers Johann Peter Ommerborn auf dem alten Friedhof am Pfarrhaus zu besuchen. Pfarrer Ommervorn hat gegen Ende des 18. Jahrhunderts die bergischen Bauern zum Verteidigungskampfe gegen die französtichen Revolutionshorden organisiert und die Heimat erfolgreich verteidigt. Eine gute halbe Stunde von hier entfernt— der Weg führt tolabwärtz über Leerbach, am Fuße des Bensberges— befinden sich noch aus derselben Zeit, tief versteckt in einem dichten Tannenwalde, zwei Massengräber österreichischer und französischer Soldaten, die hier auf dem Durchzuge von der Cholera hinweggerofft wurden. Von Herkenvath und Bensberg gelangt man leicht ins romantische Sülztal, dessen schönster Teil zwischen Lindlar und Rösrath liegt. Die Sülz, reich an Forellen und anderen Süßwasserfischen, ist ein Nebenbach der größeren Agger, die wohl wegen ihrer entzückenden Partien in Wanderkreisen bekannt ist. Von Eckenhagen, wo sie entspringt, gehr es talabwärts über Derschlag. Ründeroth, Engelskirchen, Overath, Donrath bis Siegburg. Für die meisten dieser auf gezählren Wanderstrecken braucht man nicht die Landstraße zu benutzen, sondern die durch Zeichen sichtbaren Waldwege. Besonders das obere Aggertal hat reichen Waldbestand mit uralten Buchen und riesenhaften Tannen. In der Nähe von Lindlar stehen auch einige gewiß tausendjährige dicke Bäume der sog. Hülsenkrabben, die wegen ihrer grohen Seltenheit unter Naturschutz stehen. Aus dem oberen Aggerval, etwa von Eckenhagen über Drolshagen, kommt man leicht nach Olpe ins obere Tal der Bigge, einem Nebenflüßchen der Lenne. Von Olpe ist es nicht mehr weit bis zur Listernohler Talsperre und Aktendorner Tropfsteinhöhle. Nordwärts gelangt man öber den östlichen Teil des Ebbegebirges nach Plettenberg ins Lennetal und weiter nach Werdohl, Hohenlimburg und Letmathe. Die letztere Wanderstrecke hat den Vorteil, daß sie wieder in direkte Nähe des Industriegebietes führk. Alle oben geschilderten Wege führen kreuz und quer durch das schöne Unter= und Oberbergische Land. Die Natur bieket hier so viele Schönheiten, daß jeder entzückt sein wird, der es als sein Wanderziel wählt. Auch bann man seine Wanderungen so einteilen, daß man schon bei einer ein= und zweitägigen Wanderung ein gut Teil des Bergischen Landes zu sehen bekommt. Auch die Unterkunft läßt sich leicht bewerkstelligen, da in den letzten Jahren eine Reihe von Jugendherbergen eingerichtet wurden. Hindenburgturm bei Ketzberg im Kreise Lennep. Er gewährt einen wunderbaren Rundblick über das gesamte Bergische Land. Die Bekämpfung der Ermüdung durch Reizmittel ist auf die Dauer nicht richtig. Sie tun gut, sie durch eine Kraftnahrung zu beheben. 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Knab: Gesänge für Frauenchor(Uraufführung) — Ebel: Btolinsonate.— Wibral: Vier Gesänge nach Terten htnesischer Dichter.— Bunk: Streichauartett in A=moll.— Cavlet: lorta und Sanetus aus der Messe für dreistimmigen Frauenchor Urauffüdrung. c 13: Mittagskomert. o 14.30: A. Stecher: Funkliteratur. 14.50: Dr. Roth: Wettbewerb auf dem deutschen und europätschen Frübkartoffelmarkt. o 15.10: Dr. Mondorf: Steuerunt. S 15.30: Dr. Meitzner: Cremoneser Geigen und deutige Geigenbaukunst. c 15.50: Dr. Rockenbach: Die Jeit im Buch. " 16.10: Dr. Herzberg: Die Cdemie in der Strafrechtspflege. 0 16.30: Gartenkomeri der Vereinigung edem. Militärmusiker. Intermezzo: Im Teutoburger Wald. Eins. Worte: Dr. Lange. o 18: Dr. Andre: Die Formgestaltung der Pflanze, ihre Gesetze und Ursachen# 18.25: Pros. Dr. Muckermann: Das Problem eheratung 0 18.55: W. Schäferdtek: Der werktätige Mensch Westen. O 20: Overnhaus Essen: Das Mädchen aus dem gold Westen. Over in drei Aufzügen von Bucctnt. Pers.: Minnie: Ranca. Shertft: Dis Johnson(Ramerrez): Rick, Verwalter Schenke zur„Volka“; Ashby. Agent der Transvortgesellschaft WellFargo: Larkens; Billv Jackradbit. Indianer: Wowkle, Billis Indianerweth: Jose Castro. Mestize. aus Rammerrez Räuderbande: ein Postillen: Goldgräber: Männer aus dem Lager. Ein Goldräher=Lager am Fuße der Wolkenberge(Cloudo Mountains. in taliformen. in der Zett des Goldfiebers 1849—1850. 1. Akt: ineres der„Polka"=Bar. 2. Akt: Minntes Wohnung. 3. Akt: ∆ Anschl.: Nachtmusik und Tam. Leitung: Er 10 PKREREE VE! Im Lager. Inschl.: Nachtmusik und Tam. Leitung: Evsoldt. Montag, 17. Juni. 12.10: Schallplatten. m 13.05: Ko o 15: Kindersp#elstunde: Afrikanische Geschichten. D 16: N rungsrat Dr. Gudula Kall: Säuglingssterblichkeit und ihre kämpfung. 16.30: Freiherr von Maltzahn: Theater in Fran reich. o 17: Jugendsunk: Kläre Wickert: Türkische Volksmärchen. — d. Raasch: Werkarbeit für die Jugend. v 17.45: Hausmusik. Ausf.: Elisabeth Domke(Soyran), Theo Schottmann(Violiner Lh. Raderschatt(Cello) Dr. Schiffer(Klavier). 18.30: H Wedderkov: Was nicht im Baedeker steht: Paris.# 19 Spanische Unterhaltung. o 19.40: Elternstunde: Frau 0 landesgerichtsrat Schumatder: Mein Kind überrascht mich. S 20: Mit Wolken und Winden. Mitw.: Kätde Seed W. Vieldaber(Bartton) Mital. des Städt. O gem. Cdor. Sprecher: Dr. g. Castelle. Flügel:——— Meyer: Der Gesang des Meeres.— Mendelssohn: Meeresstille ind glückliche Fahrt.— Goetde: Madomets Gesang.— Betnrek: Der Wind". Lied.— Dehmel: Der Sturm.— Beethoven: Gewitter. Sturm. Allegro a. d. 6. Sinsonie.— Fock: Der Untergang am Slagerrak.— Brockt: Wasserkantate s. gem. Chor, Altolo. Streichquartett und Klavier.— Mörike: Mein Mever: Der römische Brunnen.— Beolo.— Lieder für Bariton: Wolf Nöd.— Heine: Das sind wie der Wind des Sturmes Die Wolke. und Tam. Dienstag. 18. Juni. 12.35: Schallplatten. S 13.05: Ronzert Kavelle Heinz Schladers o 15: Kinderstunde: Spiel und Tanz Freien S 16: H. Tastemka: Filmregte. o 16.30: Lebende ter: Aldert Edrenstetn: Ritter des Toder“. o 17: Stud.=Rat Willemsen: Die schöne Literatur und ibre Verwendung im katdolischen Religionsunterricht o 17.45: Frankfurt am Matn: Belverkomert: Overnmustl. Funkorch. Sol.: Lena Mortin=Bösnicker(Sovran, O 18.30: Pros. Dr. Aschaffenburg: Schwer erziehbare linder.# 19.15: Framdt, Unterhaltung. A 19.40: Gespräche über lenichentum: Hardt—Hontasbeim— Stein-Worm. o 20.15: Die deutsche Sinsonte. Funkorch, Schumann: Ouv. Scherzo und Finale. — Mendelssohn: Reformations=Stukonte Nr. 5.— Wagner: SinMeer.— Lieder Flut.— 1. Biolinde: Der Mädchen : Wind: Der Mummelsee: Rabl: Ich wollt“. ich wär s Weib: Berger: Gemäht sind die Felder.— Reinick: — Schubert: Forellenauintett. D Darauf: Nachtmusik der M ** C dur Mittvog. 19. Juni. 12.10: Schallvlatten. m 13.05: Kon Sol.: D1 korch Sol: Dung Kopolow(Trompete). K 14.50: Kindervielstunde.# 16: Frauenskunde: Dr. med. Zimball: Einrichtung F Einrichtungen der modernen Säuglngo##flege 16.30: Dr. Stein: Roti Wirtschaftslage. o 17: Die Zeitung im Rechenunterricht als to# zu Nechenüdungen. S 17.45: Ronzert: Schallplatten. B 18 Pros. Dr. Honigsheim: Dei tunge Mensch# 19.15: In Hardt: Aus einer Arbeiterbiographit. 19.40: Sondiki nze: Entwicklungstendenzen und Aufgaben des deutschen Kredit bankwesens. O 20: Irgendwo in Westdeutschland: Bei Dr. Oetter in Bieleseld. S 20.30: Rodext=Koovel=Abend. unter Mitw. der Kleinen Funkorch Lieder mit Orchesterdeglettung: Cowler: Es eibt ine Frau die dich nemals vergißt.— Jurmann: Einma! im beben erblüht uns die Liebe.— Mey: Ich bör so gern Musik. enn io verliedt din.— Hanschmann: Harmonika=Jim.— Lacombe: Frühlingsständchen.— Waldau: Es klingen die Glocken vom Kölner Lom.— Meisel: Du hast mich nie gelsebt.— Henning: Schön in die Jugend— Kandler: So singt man nur. so trinkt man nur,# un man nur am Rhein.— Jessel: Aufzug der Stadtwache.— nezitationen: Frhr. v. Schlicht: Das Foulardkleid.— Maupasant: Der Orden.— Fräulein„Nicht“, Herr„Wissen Sie“ und Herr„Versteht Ihr mich".— Tamschlager mit Meisel: Das Lied der Liede dat eine süße Melodie.— Gilbert: eine kleine Frau sehlt dir im Frühling.— Solva. Brown. Henderson und H. Johnson: Rannst du mit gut sein.— Rosen: Wenn du anmal dein Herz verschenkst.— Meisel: Für einen Fliederstrauch kannn du mich küssen.— Daold: Hallo Margot.— Strecker: Wenn in Sansloun rote Rosen 5lühn.— Altonso: Du schönste Frau von Madrid.— Rosen: Ich schick dir ein vaar Beilchen.— Schwarz: Wenn ich die kleine Inge abends nach Hause bringe.— Krome: Lust'ge Jungs von der Waterkant abot: Drum woll'n wir uns wieder vertragen. D Darauf: Nachtmusik und Tanz. Der neue Ortsempfänger mit Röhren kostet nur noch 30. 50 Merk im Jadis- unf Hettro-Spezialgesaint Erich Steinbeck Herne, Bismarckstraße 118. Telefon 31616 :: Führe von jetst ab such sämtliche elektrische Arübel. Der Radiobaster F. C. Neustrasse 57. Teleion 518 21 Bastler-Spezial-OeschAft B##nge, lachmann sche Ladestelle. Leutsprecheranlegen von 18 HN en komplett, Gerantie Pernempfanger v 90 JA.en Ausfürrung aller Reperaturen an Kopfhörern Lautsprechern und Appereten.— Elektrieche Anlegen eller Art, Moderne Kraltverslärker- Anlagen mit Großlautsprecher für Restaufants. APA Cales und Garten-Restaurants„ von Mk. 250.- an H. Siakemann, Herne, Bahnholstr. 19 ∆ Teleion 505 28 e* * 5••. Nummer 1377 Drittes Blatt Herner Anzeiger Samstag, den 15. Juni 1929 40 Jahre Kath. Gesellenverein Herne. Adolf Kolping. der Gesellenvater. Zum Geleit! Gesellenverein! Ein Wort inhaltreichen Klanges. Man denkt sofort an Wanderschaft weit durch das deutsche Land und das Ausland, denkt an junge frohe Handwerksgesellen, die sich die Welt ansehen wollen, die lernen wollen, über den kleinen Kreis des Heimatstädtchens hinauszublicken, die wissen wollen, wie die Menschen da draußen sind in der Fremde, was ihre Handwerkskunst dort vollbrachte, die einen großen Gesichtskreis sich verschaffen wollen, persönliche Selbständigkeit und Selbstsicherheit und die Fähigkeit, das Leben in all seiner Wucht und Schwere zu meistern. Gesellenverein! Man denkt unwillkürlich an die unzähligen Gesellenhäuser, die dem wandernden Gesellen, fern vom sorgenden Elternhaus, Obdach und Freundschaft bieten, die ihm Geborgenheit und Sicherheit geben in der fremden Stadt, die ihn vor der Verlassenheit und Einsamkeit und den Gefahren der Fremde bewahren. Man denkt an all das, von dem die Alten so gern erzählen, von dem frisch=frohen Leden im geselligen Freundeskreis dieser Häuser, von dem Zusammenhalt der jungen Leute, die ihre größte Jugendfreude darin hatten, dem Gesellenverein mit seinem echt katholischen Leben ihre ganze Freizeit zu opfern, von dem Stolz auf ihren Präses, der ein ganzer Kerl war, so wie ihn die Jungmannschaft sich wünschte, von dem prächtigen Senior und dem nimmermüden Hausmeister und von den langen, langen Abenden mit eingekehrten weit gewanderten Kolpingsbr dern. Gesellenverein! Es klingt die Erinnerung auf an Unterrichtsabende, an ernste Weiterarbeit„im Theoretischen" und„im Praktischen“, an herrliche Theateraufführungen und klangreiche Sangesabende, aber es steigt auch der Geist auf sparsamer Lebensführung, solider Religiosität, kirchlicher Gesinnung, sittlicher, selbstverständlicher Mannhaftigkeit. Gesellenverein! Immer wieder gehört zu ihm die Fülle des Erlebten, die Freude der Zugehörigkeit, der tolz des Standesbewußtseins, die solide Festigkeit der katholischen Glaubensüberzeugung. Zu ihm gehört aber auch die dankbare Begeisterung für Adolf Kolping, den Vater der Gesellen, den Apostel der Jungmännerwelt, den Sozialethiker und christlichen Volkspädagogen, den Mann, der die Gefährdung der christlichen Ehe und Familie schon früh erkannte und für ihre Ueberwindung positive Aufbauarbeit leistete. Kolping war der Mann, der schon früh Berufsschulen in seinen Gesellenvereinen schuf und für die Erhaltung des Mittelstandes innerhalb der modernen Proletarifierung seine Kräfte einsetzte. Sein Werk ist groß und gewaltig geworden. Aber es ist auch mit so großen und weiten Ideen unterbaut, daß es den neuesten Strömungen nicht zu weichen braucht. Kolping hat die Erziehung zur Volksgemeinschaft, zum demokratischen mit Autorität gepaarten Denken in sein Werk hineingelegt, er hat die Bürger zu schaffen gesucht, die wir brauchen; das bekannte große politische Bekenntnis der Gesellenvereine ist daher nichts anderes als der Geist Kolpings im Gewande gegenwärtiger Forderungen. Gesellenverein! Heute ein etwas anderer Begriff als zu Väter= und Großväterzeiten. Heute ist das selbständige Handwerk von der Industrialisierung gefährdet, heute steht neben dem alten Zunftgesellen der Industriegelelle, der Geselle der Großbetriebe und der Riesenwerke. Aber auch hier Standesbewußtsein, nicht Massen= und Klassenbewußtein! Der Gesellenverein umsaßt heute beide, betreut sie und erzieht sie zu dem, was Kolping aus ihnen machen wollte: ganze Männer voll christlicher Gesinnung, Männer, die den Glauben in das Leben tragen, In ihren Beruf und in ihre menschlichen Beziehungen. Gesellenverein heißt Aufbauarbeit am deutschen Volke. Gestaltung der Jungmännerwelt zu vollwertigen Bürgern des Volksstaates und der Kirche. 40 Jahre Gesellenverein Herne! Es gibt bedeutend ältere Gesellenvereine. Aber auf Hernes Boden bedeuten diese 40 Jahre die Geschichte des katholischen Vereinslebens. Wie das große Gesellenhaus in Herne Sammelpunkt so manchen persönlichen, kulturellen und politischen Geschehens ist, so ist der Gesellenverein Ausgangspunkt und Stamm des heute weitverzweigten Baumes katholischer Vereinsarbeit Da ist es Recht, einen Tag des Gedenkens und Sichfreuens einzulegen in die Tagesarbeit und mit einem herzlichen Glückwunsch dem Gesellenverein zuzurufen: „Gott segne das ehrbare Handwerk!" Die heute noch lebenden Gründer von Unks nach rechts: Josef Knust, August Fröchte, Josef Hövener, August Wewer, Heinrich Greve. Das Bild im Hintergrund zeigt Pfr. Gerh. Strickmann. Die Geschichte des Kath. Gesellenvereins Herne 83 Jahre sind es her, daß in Elberfeld der erste kath. Gesellenverein ins Leben gerufen wurde. 80 Jahre, seitdem Kolping in der jetzigen Zentrale Köln, wo er Domvikar war, einen Gesellenverein folgen ließ. In den fölgenden Jahren hat er dann die Organisation der Gesellenvereine über einen großen Teil eutschlands, Oesterreichs und der Schweiz ausgebreitet. Bei seinem Tode 1865 zählte man bereits 400 Gesellenvereine. In Herne ging das Samenkorn Kolpings erst verhältnismäßig spät auf. Das lag in der Kulturkampfszeit begründet. Als Kpl. Strickmann seine Arbeit wieder ungehindert aufnehmen konnte, da waren es die Hausseelsorge, der Bau des Marienhospitals, der Erweiterungsbau der Bonisatiuskirche, die Gründung des Elisabethvereins, die zunächst alle Kräfte erforderten. Dann aber kam der Anstoß. Zwei hiesige Handwerksmeister, Franz Bromen und Heinrich Greve, die als Wandergesellen Kolpings Geist und Kolpings Wirken verspürt hatten, faßten den Entschluß, auch in Herne einen Gesellenverein zu gründen. Sie weihten noch andere Kolpingsfreunde in ihren Plan ein, und mit Hilfe des neu hinzugekommenen Kvl. Kreutzmann erfolgte am 7. April 1889 die Gründung. Die 12 Bauleute dieses Vereins waren folgende Gründer: Buchbindermeister Franz Bromen, Schneidermeister Heinrich Greve, Metzgermeister Franz Grimberg, Schreinergeselle Johann Grimberg, Bäckergeselle Gerhard Hesselmann, Schneidergeselle Joseph Hövener, Metzgermeister Johann v. d. Horst, Lehrer Joseph Knust, Zimmergeselle Kobus, Schreinereselle Richter, Schneidergeselle August Wewer. Sieben Gründer ruhen bereits unter dem kühlen Grabhügel: Franz Bromen, Johann v. d. Horst, Gerhard Hesselmann, Franz Grimberg, Johann Grimberg, Kobus, Richter. Vizepräses wurde Lehrer Knust, Senior Johann v. d. Horst, Schriftführer wurde H. Greve. Nach kurzer Zeit gab v. d. Horst das Seniorat an Schreinermeister Heinrich Giefers ab, da er sich verheiratete. Allsonntäglich versammelten sich die Mitglieder im Stembergschen Saale zu geselliger Unterhaltung und zur Stellungnahme zu aktuellen Standesfragen. Die erste Abteilung, die gegründet wurde, war die Gesangsabteilung. Das Weihnachtsfest 1889, das in der Form eine anheimelnden Familienfeier begangen wurde, verschaffte neue Mitglieder und eine Reihe Ehrenmitglieder. Der Verein hatte festen Fuß gefaßt. Dennoch wollte es nicht recht vorwärtsgehen. eshalb gingen vor allem die Mitglieder F. Bromen und H. Greve daran, eine große Aktion einzuleiten. Mit Hilfe von Pfarrer Strickmann kam Ostern 1890 eine Versammlung der Vertreter und Freunde der Gesellenvereinssache zustande, die einen Zuwachs von 12 aktiven und 25 Ehrenmitgliedern brachte. Nun ging's fortgesetzt aufwärts. 40 Mitglieder waren bald vorhanden, Tagungslokal wurde Roloff. Hier schufen sich die Gesellen ihr wahres Heim. Im Herbst wurde rstan der Schußvol id gegründet, der dem Verein treue Helferdienste geleistet hat. An dem Tage, an dem Pfr. Strickmann, der neue Präses, den Seinen durch den Tod entrissen wurde, am 17. Juni 1892, kam die neue Fahne an, die den toten Vater und Freund noch zu Grabe geleiten durfte. Dann übernahm Kpl. Reinecke die Leitung. Vizepräses wurde Kvl. Balzer, später Lehrer Plesser. Der neue Präses faßte seine Aufgabe richtig an. Bald hatte der Verein bereits 100 aktive Mitglieder. Es wurden Kurse im Zeichnen, Rechnen und in Deutsch eingerichtet. Die Vereinsversammlungen waren mittlerweile in den Nußbaumschen oberen Saal (jetzt Schauburghaus) verlegt worden. Der Präses rief auch eine eigene Sparkasse ins Leben. Höhepunkte waren die Stiftungsfeste mit den charakteristischen Handwerkerfestzügen. Dann tauchte der Plan zum Bau eines eigenen Hauses auf. Schon waren 5000 M. zusammengebracht, da wurde der Präses nach Güsten versetzt, sein Nachfolger aber, Kpl. Mock, der ein rechter Gesellenvater wurde, vollendete das Begonnene. Von Oktober 1894 an wirkte er segensreich bis 1901 und führte in dieser Zeit die Mitgliederzahl auf 200 hinauf. Am 23. Juli 1894 wurde im Hotel Schmitz eine Gmbh. zum Bau eines Gesellenhauses gegründet, das Stammkapital betrug 62 500 M., davon waren 25.000 M. in den Händen des Gesellenvereins. Die übrigen 37.500 M. entstammten Darlehn von 40 Herner Bürgern. Architekt Lohmann, Recklinghausen, entwarf den Bauplan, Bauunternehmer Kraus und Gebr. Senger führten ihn aus. Am 13. November 1898 fand die Einweihung des zur Zierde des Stadtbildes gewordenen umfangreichen Baues statt, wobei 29 auswärtige Vereine vertreten waren. Am 1. März 1901 erhielt August Aust die Leitung des Hauses, der seitdem mit anerkennenswertem Eifer und treuer Sorge die Geschäfte des Hausmeisters besorgt. Im Oktober 1901, als Kpl. Mock als Missionspfarrer nach Alsleben ging, übernahm der bisherige Vizepräses, Kpl. Dinkloh, die Leitung. Es gab ein starkes religiöses Leben, viermal im Jahre gab war Das kath. Gesellenhaus an der Neustraße, das aus Anlaß des Jubelfestes im Innern völlig renoviert und neugestrichen wurde. Links sieht man den zum Jubiläum neu errichteten Verbindungsbau zwischen Haus und Saal. Vikor Eggenwirth. der jetzige Präses. + * Festprogramm: Sonntag 6 Uhr: Großes Wecken 9¾ Uhr: Antreten zum Festhochamt 10 Uhr: Feierliches Hochamt mit Festpredigt 11½ Uhr: Konzert im Gesellenhause nachmittags 2½ Uhr: Festandacht 3 Uhr: Aufstellung des Festzuges 3½ Uhr: Handwerkerfestzug Die Handwerkerwagen nehmen Aufstellung auf der Haldenstraße und Poststraße, zu beiden Seiten der Neustraße. Der Zug geht durch folgende Straßen: Neustraße, Bahnhofstraße, Bochumer Straße, SiepenHaldenstraße, Neustraße bis zum Gesellenhaus.“ Uhr: Große Handwerkerkundgebung mit Festrede von Dr. Zimmermann von der Zentrale in Köln, Darbietungen der Gesang=, Theater und Turnabteilung Montag 8 Uhr: Seelenamt für die gefallenen und verstorbenen Mitglieder, anschließend gemeinschaftliches Frühstück nachmittags Dampferfahrt zum Schiffshebewerk Henrichenburg abends 7 Uhr: Familienabend. Ilaggen heraus! er Bürgerschaft für den Verein ab. Daher war es in Glück, daß zur rechten Zeit ein Mann als Vizedräses seine Mithilfe lieh, der mit Hingabe und Energemeinschaftliche hl. Kommunion, an der im Durchschnitt mehr als 80 Prozent der Mitglieder teilnahm, es gab Religionsvorträge, Vorträge über allerlei Wissensgebiete, Vorlesungen, es wurde eine Bibliothek angeschafft, Zeitungen und Zeitschriften wurden lten. Fortbildungskurse vermittelten Weiterbileine Ausstellung gewerblicher Zeichnungen 1904 fand große Beachtung, eine Turnabteilung, die 1903 eingerichtet wurde, sorgte für körperliche Ertüchtigung, die Sparkasse brachte es 1906 bereits auf M. Einlage, der Zentralsterbekasse schlossen sich 71 Mitglieder an, der Verein stand damals in schönster Blüte. Besonders bemerkenswert sind aus der Folgezeit 1908 hatte Kpl. Dinkloh Abschied genommen, andere Präsides waren gefolgt— die Einführung des eucharistischen Apostolates und die Kolpingsfeier 1913 anläßlich des 100. Geburtstages des großen Gesellenvaters. Allerdings nahm in dieser Zeit das Interesse der ein präses ie neue Begeisterung schuf: Schmiedemeister Karl Jokisch. Rastlos hat er selbst in Tagen bitterer Krankheit sich für den Verein eingesetzt. Am 27. Mai 1914 wurde Kpl. Düser zum neuen Präses gewählt. Er trat sein neues Amt mit Eifer und Energie an, galt es doch, umfassende Vorarbeiten für das 25jahrige Jubelfen am 20. September 1914 zu treffen. Der Gesellenhaussaal wurde verschönt und baulich verändert, da brach der Krieg aus. Sofort zogen viele Gesellen ins Feld, andere folgten später, nur beschränkt ließ sich das Vereinsleben all die Jahre hindurch noch aufrechterhalten. Eine große Zahl Mitglieder starben den Tod fürs Vaterland. Es waren die 24 artiven Mitglieder: Friedrich Rademacher, Schreiner; Paul Holtkötter, Küster und Gesanglehrer: Heinrich Wolf, Maurer; Johann Drengowski, Schuhmacher; Joseph Reck, Schreiner; Joseph Rust, Maurer; Adam Czajka, Mechaniker; Heinrich Schumacher, Maurer; Joseph Lerch, Dreyer; Bernard Wiegert, Hilfsarbeiter; Paul Meier, Dreher: Karl Schoppmeyer, Maurerpolier; Bernhard Hartmann, Maurer: Johann Danner, Dreher; Bruno Kuntze, Maurer; Klemens Basium, Schneider; Heinrich Krekeler, Buchdrucker; Joseph Rempe, Schmied; Albert Eßfeld, Telegraphenarbeiter: Lorenz Luse, Telegraphenarbeiter: Karl Hülsmann, Schlosser; Heinrich Wormland, Schlosser; Wilhelm Hölscher, Kernmacher; Hermann Brox, Sattler, und die 10 Ehrenmitglieder: Kaufmann G. Lehnhausen, Kaufmann A. Kampert, Metzgermeister F. Schmücker, Bäckermeister I. Böing, Metzgermeister F. Grimberg, Bäckermeister Michels, Anstreichermeister Preisi g, Bäckermeister J. Kusch, Lademeister Kirchner, Schuhmachermeister Spenner. Den braven Kämpfern Ehre, den Gefallenen ein Requiem aeternm dona eis, Domine! Kaum hatte der Krieg sein grausiges Ende erreicht, da lebte der Verein aufs neue auf. Der Prases Kpl. Düser setzte alle Kräfte ein. Wir registrieren aus dem Zeitraum 1918—1926 nur gewisse Momente. Auflebung der Gesangsabteilung, Vortragsreihen über religiöse und andere Themen, stilvolle Stiftungsfeste, liebliche Weihnachtsseiern, Teilnahme an Festen anderer Vereine, Familienabende und Ausbildungskurse. 1919 wurde das 30jährige Stiftungsfest gefeiert„1923 wurde das Haus durch die Franzosen belegt, der Hausvater hatte Schweres zu erdulden. Am 10. Januar 1926 schied der Präses Kpl. Düser nach 14jährigem, reichem Schaffen in der Kolpingsgemeinde, um als Pfarrer nach Lüdenscheid zu gehen. Nach eine interimistischen Leitung durch Vikar Loß übernahm Anfang Juni 1926 Vikar Eggenwirth das Präsidium. Was er geleistet hat und was sonst die Nachkriegsgeschichte gebracht hat, ist zu bekannt, als daß wir hier näher darauf einzugehen brauchten, wie wir überhaupt nur einen rohen Ueberblick über die Geschichte des Gesellenvereins geben konnten. Ueber Einzelheiten orientiert das geschmackvolle und liebevoll bearbeitete Festbuch. Zum Schluß sei ein Ueberblick über die Präsides, Vizepräsides, Dirigenten des Gesangvereins und die Senioren gegeben, die in den 40 Jahren ihre Kräfte dem Verein geliehen haben. Es sind folgende: a) Präsides: 1. Kaplan Kreutzmann 1889—1890 2. Pfarrer Strickmann 1890—1897 3. Kaplan Reineke 1892—1896 u ** 4 4. Kaplan Mock 1896—1901 5. Kaplan Dinkloh 1901—1908 6. Kaplan Halsband 1908 bis Juni 1908 J. Kaplan Ostendorf 1908—1909 3. Kaplan Lange 1909—1914 9. Kaplan Düser 1914—1926 ikar 10. Vikar Eggenwirth seit 1926 6) Vizepräsides: 1. Lehrer Knust 1887—1892 2. Kaplan Balzer 1892—1393 3. Lehrer Plesser 1893—1900 4. Kaplan Dinkloh 1900—1901 5. Kavlan Halsband 1901—1908 6. Kaplan Lange 1908—1909 7. Kaplan Simon 1909—1910 8. Kaplan Klüppel 1910—1913 9. Schmiedemeister Jokisch seit 1913. 0 Dirigenten der Gesangabteilung: 1. Lehrer Knust 1887—1892 2. Lehrer Plesser 1892—1899 3. Lehrer Dresbach 1899—1900 4. Lehrer Wilmes 1900—1902 5. Lehrer Kl. Hoischen 1902—1908 6. Lehrer Ammermann 1908—1913 I. Paul Holtkötter 1913—1915 8. Lehr hrer Hesselmann seit 1919. b) Senioren des Bereins: 1.Joh 2. H on der Horst 1889 iefers 1889—1890 B O O„— 3. August Wewer 1890—1892 4. Gerhard Wewer 1892—1894 Bernhard Platzmann 1894—1896 August Aust 1896—1901 A. Bertelt 1901—1903 W. Stüke 1903—1906 Blömeke 1906—1907 W. Bücker 1907—1910 g wadsmacher 1910—1913 F. Bargel 1913—1913 August Wewer 1915—1917 Wilhelm Plester 1917—1919 S. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14 15. G. Montag 1919—1922 16. 17. 18. 19. 20. W. Wewer 1922—1923 W. Derina 1923—1927 G. Montag 1925—1927 Clemens Schönevauk 1926—1927 Willi Schmis seit 1928. Und nun schließen wir mit dem Wunsche, daß das 40jährige Jubelfest einen imposanten Verlauf nehmen möge, und mit der frohen Hoffnung, daß nach einem Dezennium dem Gesellenverein der goldene Ehrenkranz überreicht werden kann. Der katholische Gesellenverein und die moderne Zeit. Von Vikar Eggenwirtd, Präses Am 19. Februar 1856 schrieb Kolping an den Gründer des Halberstädter Vereins:„Der Gesellenverein ist eines der vielen, oft unscheinbaren Mittel. deren sich die Vorsehung zur Erreichung ihrer Ziele und Absichten bedient.“ Was der Gründer schon damals ahnte, hat die mehr als 80jährige Geschichte des Vereins bestätigt. Niemand sah klarer die Not der weiten Schichten des werktätigen Volkes und die heranziehenden Gefahren als er. Die Gewerbefreiheit und das Anwachsen der Industrie hatte viele Handwerksgesellen aus den Familien herausgerissen. Nun galt es, diese vor dem sittlichen und religiösen Unterbewahren und damit die katholische Familie en. Darum gab er dem Verein neben dem erzieherischen einen ganz eigenartigen familiären Charakter. in dem das Familienleben nachgebildet werden und der Präses nicht Herr und Gebieter, sondern Vater und Förderer aller Mitglieder sein sollte Am 6. Mai 1849, am gleichen Tage, als die Soztalistenführer K. Marx und Engels in Köln das Proletariat zusammenriefen und leidenschaftliche Kundgebungen erließen, berief A. Kolping die Handwerksgesellen in ein Schullokal zusammen, um in tätiger Liebe ihnen zu helfen. Und sein Werk ist vielen. vielen tausend Gesellen zunuge gekommen. Die Zeiten haben sich weiterentwickelt: Der Kampf gegen den Glauben tobt heute gewaltiger, die Grundpfeilerchristlichen Familienlebens sind teilweise niedergerisen. das Erwerbsleben ist industrialisiert. Ferner steht neben den Gesellen und Meistern des alten Handwerks ein Heer von Industriegesellen und Meistern mit ihren seelischen und wirtschaftlichen Nöten. Gegenüber dem gegenseitigen Sichverstehen und Sichachten im christlichen Gemeinschaftsleben ist innere Zerrissenheit und Klassenhaß getreten. Angesichts dieser Verhältnisse müssen wir uns wieder bewußt werden, daß uns von der Vorsehung im Gesellenverein eine große Aufgabe zugeteilt ist. Wir wollen nicht verargert und pessimistisch beiseite stehen, sondern wie Kolping frisch und mutig ins Volksleben eingreifen. Bei dem modernen Menschen fehlt heute vor allem die innige, ungezwungene Verbindung zwischen Glauben und Leben. Kolping hatte Glauben. Dieser leitete ihn mit ganz natürlicher Klarheit und Selbstverständlichkeit durch alle Verhältnisse und Lebensfragen. Freunde! Ihr müßt wieder euren Beruf als Ruf Gottes zum Dienst an der Allgemeinheit und euren Werktag als Gottesdienst werten! Dann seid ihr auch wieder opferbereit für die Familie und für die eigene ewige Bestimmung. Wie hatte sich Kolping so selbstlos an seine jungen Freunde verschenken können, wenn ihn nicht ein lebendiger Glaube"—4 Werdet des Glaubens! Und die christliche Familie? Liebe und Treue als hl. Hüter der Ehe sind selbst mit dem Paradies nicht untergegangen. Und Christus, der„die Seinen liebte bis ans Ende“, wollte nicht, daß Christenliebe erkalte und Christentreue gebrochen werde. Er, der alles heiligte, wollte auch die Ehegatten in seinem Blute weihen und segnen. Von dem Segen des Sakramentes begleitet, sollen sie im Dienste des Schöpfers leben, bis sie im Lande der ewigen Liebe sich für immer besitzen. Was will nun die moderne, unchristliche Welt aus dem Heiligtum der Ehe machen? Wir erschrecken vor ihren Rusen:„Freie Liebe",„Zeitehe". „Ehe auf Widerruf".„freie Gewalt über werdendes Leben". Wieviel seelisches Leid hat solcher Geist in manche Familien hineingetragen! Wer hilft unsere Jugend davor bewahren und sie heranbilden für die dauernde Liebes= und Schicksalsgemeinschaft der christlichen Familie? Welch hohe Aufgabe für den Gesellenverein! Mancherlei Sorgen bringt das heutige Wirtschaftsleben. Immer noch findet sich in unserm Volke die Vorliebe für den kleinen Mittelstand, für den selbständigen Handwerksmeister, der im freien Berufe im eigenen Heim sein gutes Auskommen hat. Weiter glaubt man, besonders in den Kreisen der inaktiven Mitglieder, der Verein habe nur die Gesellen desalten Handwerks zu betreuen. Gewiß gibt es schon bei diesen viel Arbeit und Sorgen. Zahlreiche Mitglieder stehen in Berufen, die heute nur noch wenig Hoffnung auf Selbständignachung geben. Nicht wenige erleben, wenn sie zu sellen, die in der Ausbildung denen des alten Handwerks ebenbürtig sind, stehen in Großbetrieben. Nun erhebt sich die Frage: Wie stellen wir uns zu diesen Menschen der Industrie? Auch diese wertvolle Schicht der Bevölkerung gehört zu uns. Wir müssen sie hochbringen, glücklich machen und vor dem Untergang bewahren. Hier tut sich eir eine riesengroße verein nicht ausschließlich für ledige Handwerksgesellen eingerichtet ist, wissen alle, die an demselben in den Städten tätig sind.“(Feierstunde Nr. 49.) So wurde Kolping der große soziale Apostel seiner Zeit, der überall zu helfen suchte, wo Hilfe nötig war. Ein leuchtendes Vorbild für uns! Und endlich, ein Blick in unser gesellschaftliches Leden zeigt uns Kampf und Zerrissenheit überall. Darum wollen wir in die jungen Menschen das Bewußtsein von dem eigenen Menschenwert und die Achtung vor der Wurde jedes Mitmenschen hineinpflanzen. Wir wollen„freie Bahn dem Tüchtigen" und auch Anerkennung jedes Tüchtigen. Das Standesgefühl soll nicht im allgemeinen Klassenbewußtsein erstickt werden. In jedem Betriebe stützen wir die Autorität. Der Jünger der Arbeit soll die Autorität schätzen lernen, soll wachsen vom Unfertigen zum Fertigen, vom Hörenden zum Befehlenden. Der Meister aber möge schon im Lehrling nicht nur den jungen Menschen, sondern den künftigen Meister in seinem Berufe achten. Im Verein werden diese Gedanken verwirklicht. Der Präses verkörpert die Autoriat, er ist Vater des Vereins, aber Vater freier ), die geachtet sind und mitberaten und mitbehletzen für das Wohl der Gemeinschaft und so zur igkeit gelangen. Also Herz und Sinn für die Gemeinschaft haben, ist das nicht auch eine Forderung unserer Zeit! Ist nicht jeder ein Glied der Gemeinschaft seiner Familie, seiner Stadt, seines Volkes?. Von dieser Gemeinschaft nur etwas haben wollen, ist niedriger Cgoismus; laßt uns vielmehr für sie ovferbereit sein. Nur dann werden wir würdige Führer im Gesellschaftsleben. Welch hohe Anforderung stellte Kolping an die Geistlichen!, nämempfohlen, weit sonst bei dem beschranrten umfang der Ausgabe auf Lieferung nicht zu rechnen ist. * Zu einem Auflauf kam es gestern in den Mittagsstunden auf dem hie igen Wochenmarkte. Eine Bürgersfrau von der Wicherstraße wurde von einem Manne in groder und gemeiner Weise des Diebstahls bezichtigt. Die Frau wußte nicht, worum es sich handelte, sie wurde sogar tätlich angegriffen. Bevor es zu einer Schlägerei kam, beteuerte die Frau ihre Unschuld in Gegenwart eines Polizeibeamten, der sich der Sache annahm. * Bergmannslos. Ein schwerer Unglücksfall mit tödlichen Ausgang trug sich im unterirdischen Grubenbetriel der Zeche Shamrock, Behrensschachte, zu. Als de Bergmann Josef Köhler einen mit Steinen bela denen Wagen auf den Korb eines Stapelschachtes schie ben wollte, kam ein auf der höheren Etage befind. licher Wagen ins Rollen, fiel um und schlug dem danebenstehenden Köhler so heftig gegen den Kopf, daß ihm der Schädel zertrümmert wurde, was seinen soortigen Tod zur Folge hatte. Der Verunglückte war erst 51 Jahre alt. verheiratet und lich,„daß der Priester sich heutzutage unter allen Umständen um das soziale, bürgerliche und gesellschaftliche Leben zu kümmern hat, daß er sich bis zur Erde bücken soll, um aufzuheben, was nur die Hand nach Hilfe bedo“ ausstreckt, bedarf keiner Erörterung mehr.“ Das sind einige Aufgaben, die zu lösen wir berufen sind. Fürwahr, vieles ist verloren gegangen. Was wollt ihr nun vergangenen Zeiten nachtrauern und mißmutig beiseite stehn? Der alte Kolpingsgeist erwache wieder, kommt mit ganzer Bereitschaft zu helsen! Gebt unserer Zeit eine große Bedeutung, daß die Späteren uns danken, uns ehren! Und unsere Jugend? Ist sie für solche Ideale noch zu haben? O sa. Noch manches Gute schlummert in ihren Seelen; es muß nur geweckt werden. Die Jungen brauchen euer Beispiel, auf das sie schauen, das ihnen Mut gibt, das Höchste zu wagen, und Gewähr, daß sie es erreichen können, sie brauchen euer ermunterndes Wort, das sie begeistert. Und eine neue Zeit wird anbrechen, größer als die alte, und ein Geschlecht wird erstehen, an dem unser Herrgott seine Freude hat. Drum auf zur katholischen Tat, ihr Jungen und Alten in der Kolpingsfamilie! und für Herne Sonntagsgedanken Der Lärm des Alltags ist wieder verstummt. Die Menschen der Arbeit haben wieder ihren Ruhetag. Aber der Lärm der Metnungen geht weiter. Der kennt keinen Sonntag mehr. Ja, er ist manchmal größer als der der Arbeit. Dieser muß oft schweigen, damit der Lärm der Gasse um so besser durchdringt. Und gerade am Sonntag machen politische Marktschreier nicht die schlechtesten Geschäfte. Da sind es Schlagworte, die im heutigen Streite der Meinungen sich oft kreuzen wie blitzende Klingen. Zugengewandthett der Streiter gibt diesen die Schärfe. Zündend fahren sie in die Massen und entfachen Brände und wollen Blut. Manch Opfer hat das Schlagwort wieder in den letzten Wochen gefordert und gerade der Sonntag war der Tag des Kampfes. Hätten wir doch mehr durchgebildete Meinungen in uns und weniger geprägte Schlagworte, so wäre der politische Streit weniger gehässig und geräuschvoll. Nichts reizt so zur Feindschaft und zum Widerspruche wie solche einzelne, selbstherrische, jedes Urteil vergewaltigende Wortprägungen. Schlagworte sind immer die Waffen dessen, der aus eigenem Erleben sich keine geistigen zu schaffen weiß. Sie sind die Waffe des geistigen Proletariats, die jeweils als Knute oder als stechende Nadel geführt werden. Dem Denker aber ist das Schlagwort der Straße nicht ein Zeugnis für, sondern gegen eine Sache Darum deutsches Volk, lerne zu denken; nimm nicht ohne Not das Wort der Gasse in den Mund! Befonders aber halte deinen Sonntag rein davon, wenn dir sein Friede lieb und heilig ist! schwimmsportlichen Veranstaltung ist der Eintritt nur gegen ordnungsmäßige Lösung einer Eintrittskarte des veranstaltenden Vereins möglich. Ab 18 Uhr if das Bad wieder für den allgemeinen Vadebetrieb geöffnet. * Gottesdienst in St. Bonisatius. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Hochamt in St. Bonisatius nicht um 10¼, sondern um 10 Uhr beginnt. * Bergpersonalien. Der Vergassessor Frorath ist auf ein weiteres Jahr zur Fortsetzung seiner Tätigkeit bei der Berg AUsch werksgesellschaft Hibernia in Herne und der Berg assessor Meuthen bis Ende d. J. zur Fortsetzung er seiner Tätigkeit bei der Concordia=Bergbau=Aktien gesellschaft in Oberhausen beurlaubt worden. * Bei Reparaturarbeiten abgestürzk. In der Mittagsschicht des Donnerstags war der Schlosser W. von hier auf der Zeche Constantin an einem Kaminkühler mit dem Auswechseln von Ankerschrauben beschäftigt. Plötzlich stürzte er von dem provisorischen Haltemast ab. Mit erheblichen inneren Verletzungen und einem Bein= und Armbruch mußte er dem Bergmannsheil in Bochum zugeführt werden. * Der Erfolg der Sauberkeitswoche Die Preise aus dem Wochenmarkt. dieser Einsicht kommen, die erste große Lebensenttauchung. Sie sehen die Hoffnung der Jugendzeit beschwer hiervon. Wie helfraben und erholen sich nur en wir diesen? Doch vergessen wir nicht, daß sich unser ganzes Erverbsleben umgestaltet hat. Tausende von GeAuf dem Wochenmarkt am 14. Juni wurden folgende Preise amtlich festgestellt: Rindfleisch pro Pfund 0.90—1.20, Schweinefleisch Schinkenstück 1.20—1.30, Nackenstück 1.40—1.50. Koteletts 1.40—1.50, durchwachsen 1.10—1.20. Kalbfleisch 1.10—1.40, Speck, ger. fett 1.80—1.40, durchwachsen 1.30—1.40 M. Kartoffeln 20—22 Pfund 1.00 M., Grune Bohnen Pfund 0.85—0.60, Dicke Bohnen 0.30—0.35, Wurzeln Bündchen 0.35—0.50, Zwiebeln 0.10—0.15, Steckrüben 0.10, Kohlrabi Stück 0.15—0.18, Blumenkohl Pfund 0.60—1.00, Kopfsalat 0.10—0.15, Schlangengurken Stück 0.40—0.60, Aepfel Pfd. 0.30—0.60. Molkereibutter Pfund 2.00—2.10, Landbutter 1.60 bis 1.80. Eier 8 bis 10 Stück 1.00 M., Holländer Käse Pfund 1.20—1.50, Schweizer Käse 1.60—1.80 Schellfische, kleine Pfd. 0.25—0.30, große 0.50 bis 0.60, Schollen 0.30—0.60, Kabeljau 0.40—0.50, Bresen 0.60 M Spinat Pfund 0.10—0.15, Apfelsinen Stück 0.08 bis 0.15, Erbsen Pfund 0.50—0.60, Tomaten 0.90 bis 1.00, Spargel 0.70—1.00, Stachelbeeren 1.25, Erdbeeren 1.20—1.50, Kirschen 0.50—0.70, Melde pro Pfund 0.10 Mark. * Der Badebetrieb im Sommerbad während der Gauschwimmfestes. Das Sommerbad ist am Sonntag, dem 16. d. M., in der Zeit von 15,30 Uhr bis 18 Uhr, wegen Durchführung einer schwimmsportlichen Veranstaltung für den allgemeinen Badebetrieb geschlossen. Badegäste, die vor 15.30 Uhr schon in der Badeanlage waren. brauchen diese nicht zu verlassen. Während der nächst Parteiblättchen verteilten, die, wie immer, auf die Straße geworfen wurden. Ein Bursche warf die Flugblätter in einen dort stehenden Papierkorb und steckte das Papier in Brand. * Im hohen Bogen auf die Straße wurde am Donnerstag zur Nachtzeit der hier wohnhafte Bierverleger auf der Rottbruchstraße geschleudert. Von dem Sucher eines Transportautos wurde das Pferd erschreckt ud sprang in die die G Fahrtrichtung des Autos. S., welcher die Gefahr des Zusammenstoßes erkannte, zog die Bremse an, dabei stürzte er vom Wagen und erlitt neben einem Beinbruch erhebliche Quetschwunden. Beide Fahrzeuge wurden zum Teilen beschädigt. * Meyr Vorsicht auf dem Markte. Trotz wiederholten Mahnungen in der Tagespresse vor Dieben auf dem Markte kann man immer wieder beobachten, wie gleichgültig Käufer und Verkäufer mit dem Gelde umgehen. So wurde einem Händler aus Horsthausen gestern gegen mittag auf dem Markte von seinem Verkaufsstande eine Tasche mit der Tageseinnahme von über 50 Mark gestohlen * Ein ehrlicher Finder fand gestern morgen auf der Behrensstraße ildenen Trauring. Der Verlierer kann der ebelstraße 12 abholen. einen nielben 923 weite Sommerausgabe des Reichskursbuchs für Einige Tage vor dem 1. Juli erscheint die 2. Sommerausgabe des Reichskursbuchs. Sie enthält außer den inzwischen eingetretenen Fahrplanänderungen die neuesten Fahrpläne der Eisenbahn in Frankreich Großbritannien und Irland, Rußland, Estland, Litauen, Griechenland, Rumänien und der Türkei. Der Verkaufspreis beträgt wie bisher 6,50 RM. Bestel * Angefahren. Am Donnerstag gegen 14.25 Uhr wurde der Raduhrer Stanislaus K. aus Herten auf der Strünkeder Straße von einem Pferdefuhrwerk angefahren. Verletzte wurde niemand; das Fahrrad wurde stark beschädigt. * Jusammenstoß. Gestern gegen 8,10 Uhr stießen auf der Bochumer Straße der Motorradfahrer Frieorich B. aus Herne und ein Lastkraftwagen, Führer Otto P. aus Bochum. Sigeumeg. der Motorradfahrer leichte innere erletzungen davontrug. * Kaminbrand. in 13 Uhr entstand im Hause Holperheide 75 ein Kaminbrand, der. ehe er Schaden anrichtete, von den Hauseinwohnern gelöscht wurde. * Warnung vor einem Schwindler. In den letzten Tagen wurden in Herne durch eine sekannte Person im Namen des Schwimmklubs unbekannte im N Wiking e. V., Herne, Gelder gesammelt. Es handelt sich bei dem Sammler um einen Schwindler, weil der Verein niemand mit einer Sammlung beauftragt hat. Bei weiterem Auftreten des Schwindlers wolle man seine Festnahme veranlassen. * Geschäftsübernahme. Herr Ernst Sonntag hat die Hafen=Drogerie und das Photohaus Clemens Lütz, Herne, Bahnhofstraße 113, übernommen. * Ausbildung von Kraftfahrzeugführern. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst einem emeinsamen Runderlaß des Handelsministers und Ministers des Innern entnimmt, bestehen keine tellten usw. als Führer von Kraftwagen auch ntsprechenb der Klasse 35 ausbildet, und daß deme Kl en auch die Prüfung für Wagen der Klasse 35 erfolgt. * Keine Postsendungen, die unter der hitze leiden! Die Post klagt darüber, daß jetzt häufig Päckchen mit Gegenständen aufgeliefert werden, die unter dem der Wärme leicht verderden oder Flüssigkeiten absetzen, wodurch andere Sendungen beschmutzt werden. Für die Absender können daraus leicht Weiterungen und Ersatzverhindlichkeiten entstehen. Die Post ist auch berechtigt, derartige Sendungen von der Beförderung auszuschließen. Es empfiehlt sich daher. solche Gegenstände, wie Früchte, Beeren, Butter und andere leicht schmelzende Fette, in der heißen Jahresit in Päckchen nicht zu versenden. Auch zu anderer eit ist es ratsam, eine Verpackung anzuwenden, bei der der Inhalt so gesichert ist, daß eine Beschädigung anderer Sendungen nicht vorkommen kann. * Das Trommlerkorps des Vereins heimattreuer Oflund Westpreußen beging am vergangenen Sonntag im Lokale bach eine kleine Festlichkeit, zu der auch der Vor des Hauptvereins erschienen war. In der kurzen Zei seines Bestehens hat sich das Korps kräftig entwickelt, und seine Leistungen stehen auf beachtenswerter Höhe Der 1. Vorsitzende Schiffke sprach den Mitgliedern seine Anerkennung über das bisher Erreichte aus und zeichnete den Fuhrer des Korps, den verdienten Landsmann Nietz, durch Ueberreichung der silbernen Ehrennadel des Reichsverbandes aus. Ferner gedachte er in lobenden Worten der ernsten Arbeit des Spielleiters Focke, der ebenfalls einen Anteil an dem Stand der Leistungen des Korps Auch der 2. Vorsitzende des Vereins. David. des Initiative hauptsächlich die Gründung und die erste Einrichtung des Korps zu verdanken ist, richtete freundliche Worte an die Versammelten und ermahnte die Korpemitglieder, treu zu dem Wahlspruch der Vereinsfahne„Einigkeit macht stark" zu stehen, dann werde es um das Korps nie schlecht stehen. In angeregtem, gemütlichem Kreis blieb man noch recht lange beisammen und nahm den Eindruck mit nach Hause, daß es auf dem beschrittenen Wege, alle Landsleute für die Zwecke des Vereins enger zusammenzufassen, gut vorwärts ginge. großen rps bat. d. dessen Kinweise. * S t a d t g a r t e n- R e s t a u r a n t H e r n e. Jeden Sonntag ab 3.30 Uhr Kaffee=Konzert. Schi ner Tierpark, großer Kinderspielplatz.(S. Inserat.) * Restaurant zum Bürgerkrug. Bochum Ds Denn müssen Sie jetzt im e. d. Kr. Werendo“ Un b. H. Ihre Wohnungseinrichtung kaufen, auch wenn Sie diese erst spater benoti####### Pre: G 1d Qualitäten unübertrefflich! Der Stadtgarten ist das Ziel vieler Herner. Seine Anlagen—— gepflegten Anlagen bergen manch schattiges Plätzchen zur angenehmen Ruhe. Im Stadtgarten=Restaurant finden täglich Nachmittags= und Abendkonzerte statt. Eine spiegelglatte Holzfläche im Freien lockt zum Tanz. (Siehe Inserat.) * Restaurant Däppe. Alt=Baukau. Jeden Sonntag ab 3.30 Uhr Kaffee=Konzert. SchöSonntag morgen Frühkonzert der Kapelle Fritzel. (Siehe Inserat.) * 2. einla * Ge einlag * Re einlag m Ca M Sonn (Sieh * 10 B Geflü * Au Ir Wirt Garte G.=V stimm lebt u tig 94 tung Lehre Um d zu kör dem h Porol Ströck linie * De in Do den se 3 Uhr Attral birgst das K Abwe einen Dunke abgen Beleu preise 70 b#s bl. geden Hole — So nich: Zeiche: sich sel Sod glam: (Bobe Oosten belkung 1 Desba Sodele untor 3 nin Prtses güt e bin, d diesen uin, d arte 5 an, geb 910 dur tisd Ha ern ra# da kon Ch die tun mit 9 der Eit Rei 6l um #b ein wa tie Sch er lon bel * R e s t a u r a n t„ Z u m J e l d k a m p“. Jeden Sonntag großes Künstlerkonzert mit Tanzeinlagen.(Siehe Inserat.) unz n Garten=Restaurant„Zum Kurfürsten“. Morgen ab 4 Uhr nachmittags Konzert mit Tanzeinlagen.(Siehe Inserat.) * R e s t a u r a n t z u m s t i l l e n W i n k e l. Jeden Samstag und Sonntag Konzert mit Tanzeinlagen bei freiem Eintritt.(Siehe Inserat.) * Cafe Jeldkämper. Mittwochs und Samstags erstklassiges Konzert. Sonntags Tanzunterhaltung. Kein Preisaufschlag. (Siehe Inserat.) a W a l d s c h l ö ß c h e n. R e c k l i n g h a u s e n- S ü d. Beliebtes Ausflugslokal. Großer Tierpark und Geflügelhof. 9 Morgen Waldpark.(Siehe Inserat.) n Auf nach herne=Holthausen! Im schönen, schattigen Garten veranstaltet der Wirt Ströcker(früher Ellinghaus) am Sonntag ein Gartenkonzert mit Tanz unter Witwirkung des M.= G.=T.„Concordia“, Herne=Sodingen. Es werden bestimmt unvergeßlich schöne Stunden sein, die dort verlebt werden, besonders da der Garten schön und schattig gelegen ist und was noch mehr bedeutet, die Leitung des M.=G.=V.„Concordia" beim Chormeister, Lehrer Edmund Konsek, in den besten Händen liegt. Um den Ernst und die Sorgen des Alltags vergessen zu können, werden nur Lieder in fröhlicher Weise und dem herrlichen Wetter angepaßt, gesungen, warum die Parole für Sonntag unbedingt lauten muß:„Auf nach Ströcker(fr. Ellinghaus), Haltestelle der Straßenbahnlinie 2 * Der Vergnügungspark Fredenbaum in Dortmund bildet mit seinen gepflegten Parkanlagen den schönsten Erholungsaufenthalt. Nachmittags von 3 Uhr ab ist großes Doppelkonzert. Die vielerlei Attraktionen des Vergnügungsparkes, wie die Gebirgsbahn, die Autobahn, der Toboggan, die Rabeta, das Karussell, die polnische Wirtschaft usw., sorgen für Abwechslung. Am morgigen Sonntag gibt es noch einen ganz besonderen Genuß. Nach Eintritt der Dunkelheit wird ein auserlesenes großes Feuerwerk abgebrannt, dessen Schluß die effektvolle bengalische Beleuchtung der Gebirgsbahn bildet. Die Eintrittspreise sind trotz des Feuerwerks nicht erhöht. Rachtrag zum Kirchlichen Anzeiger. Pfarrei Holthausen. Jünglings=Sodalität: Kardoltscher Jungling, das Fest des hl. Aloysius nogt heran! Willst du den Monat vorübergehen lassen, ohne die hl. Kommunion empfangen zu haben? Hole das Versäumte heute nach und beginne die Alovsianischen Sonntage. Du wirst sicher großen Nutzen davon haben — So manche Aspiranten sind am vergangenen Sonntage nicht zur kirchlichen Aufnahme erschienen. Ein trauriges en unserer Zeit. Die Eltern dieser Jünglinge haben selbst das beste Zeugnis über die eifrige Mitarbeit mit der Sodalität ausgestellt. Man ist jetzt zu einem klaren Urteil gekommen über die Gesinnung dieser Eltern. Im Monat Otober soll voraussichtlich eine zwein Aufnahme erfolgen. Horentlich werden sich die Säumigen dann über ihre Einpellung zur Sodalität klor georden sein Wandergruppe„Falle“. Mitwoch abend 8 Uhr: Heim. ebend. Es soll eine Feierstunde werden für alle Teilnehmer. Desbalb mögen alle pünktlich kommen! Auch die übrigen Sodalen, die sich nach wahrer Freude sehnen, sind hierzu eingeladen. Gie werden nicht entrauscht sein. Musikinstrumente untönngen! Jungfrauen=Kongregation: Alle Jungfrauen, die noch am Exenzitienkursus, der vom 25. bis 29. Juni in Essen=Vorbeck s#a#rfindet, teilnehmen wollen, melden sich umgehend beim Prüses. Ein zweiter Kursus wird vom 30. Juli bis 3. August abgebalten. Auch hierfür werden schon Meldungen entgegengenommen. Bei ewwas gutem Willen wird es möglich ein, daß auch von unserer Kongregation eine ganze Reihe an diesen Gnadentagen teilnehmen.— Montag abend 8 Uhr im Linzenzhause: Vorstandssivzung. Sollr es nicht möglich vin, daß alle der Sitzung beiwohnen und auch samtliche Besrte vertreten sind?— Donnerstag 8 Uhr Nusikstunde im CE CZEIE A •III Der Staubsauger als Universalgerät. Von Ing. W. Sartorius. Bei dem Kampf gegen lästiges Angezieser ist ein Staubsauger mächtiger Bundesgenosse erstanden in Gestalt des Staud. laugers. Bereits im vergangenen Winter bei dieser Kampf in vielen Städten eingesetzt. Man wollte vor allen Dingen den Mücken zu Leibe geben, die uns so manchen schönen Sommertag durch ihre Anwesenheit verderben. Aber auch Fliegen, Motten und andere Insekten. sind in manchen Gegenden eine förmliche Plage. Wenn man abends einen Viehstall oder auch gewisse Wohnkäume betritt, so sieht man oft die Wände schwarz mit Eliegen besät, und jeder Tierfreund hat häufig die Pferde bedauert, die von den zubringlichen Insekren geveinigt werden. Ein zeitgemäßer Staubsauger, etwa der gewöhnliche Protos=Staubsauger, kann mit einigen einfachen Handgriffen ohne Benutzung von Werkzeugen in eine vorzügl'ch wirkende Insektenfalle umgewandelt werden. Man ziebt die normale Saugstange heraus und schiebt an ihre Stelle ein erweitertes Nodr. In dieses steckt man ein kürzeres Nohr, das mit einer Wulst verseher, ist. in welcher mit einem Gummiring ein Fangbeutel befestigt ist. Die Maschenweite dieses Beutels ist so gewählt, daß zwar der Staub hindurchtritt und sich im Staubsauger absetzt, daß abet die Insekten im Fangbeutel zurückgehalten werden. Zum Abfangen von der Decke besonders hoher Räume kann zur Verlängerung der Saugstange zwischen Fangrüssel und Insektenfänger aufgesteckt werden. Wenn Absaugen beendet ist, wird der Fangbeutel mit einer Schnur zugebunden, der Gummiring auf den Geschwulst hinaufgedreht und der Beutel abgezogen. Der Inhalt kann in heißem Wasser vernichtet und der Beutel nochmals benutzt werden oder er wird mit seinem Inhalt verbrannt, da er nur einige Piennige kostet. Zehn Fangbeutel werden mit jedem Insektenfänger mitgeliefert. Der besondere Vorteil dieses Insektenvertilgers besteht darin, daß das Aufsangen der Insekten vor dem Ventilatorrad erfolgt mit dem sie überhaupt nicht in Berübrung kommen, so daß es nicht erforderlich ist verschlagene Insekten und anderen Schmutz aus dem Ventilator zu entfernen. Wie geben nachstehend nun noch weitere Beispicle dafür, in wie weitgehendem Mahe der Staubsauger Verwendung finden kann, auch außerbalb seiner eigentlichen Domäne, des Haushalts, wo er sich bereits so eingebürzert hat, daß ein Hinweis darauf überflüssig erscheint. Beginnen wir mit einem Gebiet, bei dem wir aus eigener Erfahrung sprechen, der Entfernung des Bleistaubes aus den Setzkästen der Druckereien. Bisher wurde diese nur unvollkommen durchgeführt, da viele Druckereien sich noch veralteter Reinigungsverfahren, wie Blasebalg, Staubvinsel usw., bedienten. Der gesundheitsschädlichen Wirkung des Bleistaubes wurde damit nur wenig oder gar nicht gesteuert. Das Absangen und wirkliche Entfernen des gefährlichen Bleistaubes ist eine Forderung der Gewerbehygiene, die mit einem Staubsanger, der unempfindlich gegen raube Behandlung ist. in vollkommener Weise erfüllt werden kann. Die Setzkastendüse in so bemessen, daß selbst die kleinsten Setzkastensächer von Staub gereinigt werden können. Sie ist mit einer Gummimanschette ausgestattet, die es ermöglicht, auch den tieerliegenden Bleistaub bei äußerster Schonung des Tyvenmaterials zu lockern und den bestehenden Schriftsatz zu entstäuben. Eine durch den Daumen zu bedienende Klavve gestatt;, den Luftweg zu ändern, so daß angesaugte kleine Lettern in das Kastenfach zurückfallen. Der gleiche dogienische Gedanke liegt auch not) einer anderen äbnlichen Einrichtung zugrunde. Bei vielen Arbeitsvorg ingen in der metall= und hartgummiverardeitenden Industrie entstedt durch das Schleifen Staub, der nicht nur bei der Arbeit störend wirkt, sondern auch beim Atmen schädlich für die Gesundbeit ist. Hier hilft der Vinzenzhause.— Unsere Generalkommunion und Versammlung ist auf den 23. Juni verlogt. Jede Jungfrau muß sich diesen Sonntag für die Kongregation freihalten D. J.K.„Germania“: Donnerstag abend 8 Uhr bei Eckmann für die Fupballer wichtige Sitzung. Es soll bereten werden, ob nicht die Spielersitzung für die Zukunft neuzeitlich umgestaltet werden kann, damit eine wirkliche Gemeinschaft unter den Mitgliedern erzielt wird. Es ware deshalb zu wünschen, wenn sämtliche Fußballer einmal zu dieser Sitzung erscheinen würden. Alle Mitglieder bringen ein Paßbild mit, damit der Paß zur rechten Zeit in Ordnung kommt.— Wie stoht es mit der Turnerei? Es wäre zu begrüßen, wenn auch die Turner an der Sitzung am Donnerstag aoend bei Eckmann teilnehmen würden, damit eine schöne Zusammenarbeit für die Zukunft erzielt wird. Gesellen=Verein: Dienstag abend 8.15 Uhr: Versammlung mit Vortrag und anschließender Unterhaltung. An alle Gesellen und Ehrenmitglieder wird die Bitte gerichtet, auch jetzt im Sommer die Versammlungen gut zu besuchen.— Für Sonntag, den 16. Juni lautet für alle ohne Ausnahme die Parole: Auf zum Bruderverein in Herne, der ja an diesom Tage sein 40jähriges Bestehen soiert! Wer zurückdleib: ist ein Feigling und gedört man zu uns. Wir versammeln uns um 1.30 Uhr bei Eckmann; um 1.45 Uhr ziehen wir unter Voranmarsch des Trommkerkorps der Sodalität zum Jugendheim in Börnig, und voran geht es mit dem dortigen Bruderverein unter den Klängen der Musikkapelle nach Herne. Dort nehmen wir an dem Festzuge und der Festversammlung veil. Großer Handtverkerzug! Deohalb: Auf nach Herne! Abends gemeinschaftlicher Rückmarsch!— Geselle, wie stoht es mit deiner Monats=Kommunionk Willst zu in diesem Monat von der Kommunionbank sern bleiben, Wanne=Eickel. Selbstmordversuch. Gestern gegen 6,30 Uhr wurde der Arbeiter M. aus der Bielefelder Straße im StadtEr erhält ein nassendes Mundstuck, das an die abzusaugende Stelle gebracht wird. Sehr gute Dienste leistet auch der Staubsauger beim Reinigen des Automobils, da er beim Saugen nicht din und der gefahren oder in der hand getragen zu werden braucht. Er kann daher sowohl im Innern des Wagens als auch draußen an jeder beliedigen Stelle aufgestellt werden. Da er auch zum Blasen benutzt werden kann, so ist er besonders nützlich, wenn es gilt den Staub zwischen den Rippen der Küblelemonte zu entfernen, freiliegende Gestänge und Ventile vom Staubmantel zu befreien oder sonstigs schwer zugängliche Maschinenteile zu säudern. Es ist nicht zu verwundern, daß auch die Flugzeuggesellschaften den Staubsauger in ihre Dienste gestellt haben, um die Fahrzeuge stets betriebsfähig und in sauberem Zustande zu erhalten. Auch der praktische Landwirt, der heute mehr denn je viel Wert auf Sauberkeit in Haus, Hof und Ställen legt, hat erkannt, daß der Staubsauger das handlichste und solideste Reinigungsgerät für die Wohnung, für das Vied und für viele andere landwirtschaftliche Zwecke ist. In Verbindung mit einem Saugstriegel, ist der Staubsauger geeignet, Pferde, Rindvied und andere Nutz= oder Haustiere zu vutzen. Viehreinigung mittels Staubsauger gechiebt sauberer, gründlicher und schneller als durch Handpurz und ist besonders für die Tiere infolge der Massagewirkung und Durchlüftung des Felles wobltuend. Der wertvolle Rassehund und der kleine Schoßbund lassen die Bebandlung mit dem Staubsauger gerne über sich ergehen Auch das Abblasen schätzen sie sohr, beisvielsweise nach dem Bade. Während die verschiedenartige Ausbildung der Saugwerkzeuge eine äußerst mannigfaltige Anwendung der Saugwirkung des Staubsaugers gestattet, war bisher eine Verwendung der vom Staubsauger erzeugtenDruckluft nur dadurch gegeben, daß man die Gesenstände mit dem sozenannten„Krümmer“ oder der„Fugendüse“ ansblies. Durch Schaftung neuer Zusavzgeräte ist nun das Anwenuungsgebiet der Staubsanger=Druckluft wesentlich erweitert worden. Der Naß=Stäuber besteht aus einem runden vernickelten Blechdehälter mit etwa 0.5 Liter Inbalt, der mit lüssigen Stoffen gefüllt werden kann. Der Naß=Stäuber läßzt sich im Privathausbalt, in Kinos, Restaurant, Theater und in der Landwirtschaft vielseitig verwenden. Im Haushalt kann er dazu dienen. Duftstoffe aller Art sehr sein zu zerstäuben, desgleichen in Theatern und Kinos zur Luftverbesserung. In der Landwirtschaft st es möglich, den Naß=Stäuber zum Besoritzen von Bäunen und Strauchern mit Kaltmilch und anderen Flüssigkeiten zur Betämpfung von Baumkrankheiten und Baum. schädlingen zu verwenden. Da der Raß=Stäuber allereinste Verteilung der flüssigen Stoffe unter Vermeidung von Troofenbildung gestattet, ist er für Gärtnereten. Banmschulen, besonders aber auch für Viebzüchter sehr gut geeignet, da man auch Arzneistoffe, z. B. bei Maulund Klauenseuche, Kreosollösung und andere Medikamente. sowohl an den Tieren selbst als auch in den Ställen sein zerstäubden kann. Der Trocken=Stäuber besteht ebenfalls aus einem vernickelten Blechbehälter mit etwa 0.5 Liter Inbalt. Werden in die Einlaßöffnung des Trocken=Stäubers pulverförmige Stoffe(Ansektenoulver. Desinsektionomittel u. dal.) eingefüllt, dann können diese Stoffe, je nach dem Einstellen einer Reguliervorrichtung, in verschiedener Dichte zerstäubt werden. Das Anwendungsgebiet dieses Trocken=Stäubers ist: Verteilung durch Insektenpulver in Pelzwarengeschäften, im Hausbalt zur Einmottung von Kleidern, Pelzen, Tevvichen u. dol., in der Landwirtschaft zrr Desinfektion In Viebställen, besonders in Hühnerställen zur Bekämpfung von Ungeziefer aller Art. arten Wanne an einem Baum hängend vorgefunen. Städtische Arbeiter schnitten ihn ab und stellten Wiederbelebungsversuche an, die Erfolg hatten. Den Grund zur Tat bilden wirtschaftliche Schwierigkeiten. Kurze Insormationen. Preußen Berlin in Lettland. Die Fußballmannschaft des Berliner FC. Preußen spielte in iga gegen die Riga Wanderers 1:1, nachdem die Deutschen vorher eine andere lettische Elf mit 11:0 abgefertigt hatten. Der internationale Boord in Paris. In Paris fand eine Sitzung des International Board, der obersten Regelkommission im Fußball, statt. Den Vorsitz führt Dr. Bauwens(Köln). Unter anderem wurde bestimmt, daß der Torwart beim Elfmeterstoß erst dann die Torlinie überschreiten darf, wenn der Ball getreten ist. Spieler, die regelwidriges Schuhwert tragen, sollen nicht mehr des Platzes verwiesen werden, sondern vom Schiedsrichter zum Wecheln der Schuhe angehalten werden. Schottlands Antrag, den Strafraum zu vergrößern und Elfmeterbälle in Zukunft von der Stelle aus zu treten, wo der Regelverstoß begangen wurde, fand keine Gegenliebe und wurde abgelehnt. Stadttheater Bochum Samstag, 15. Juni: Geschlossen Sonntag, 16. Juni, 19,30—22,30 Uhr. Zum ersten Male! D. 31.„Maschinist Hopkins“, Oper in einem Vorspiel und 3 Akten von Max Brand Montag, 17. Juni, 17 bis gegen 20 Uhr. 2. Schülervorstellung:„Des Meeres und der Liebe Wellen". Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Dienstag, 18. Juni, 20—22,45 Uhr. A. 31.„Die Petroleuminseln“, Stück in 3 Akten von Lion Feuchtwanger. Mittwoch, 19. Juni, 19,30—22,30 Uhr. E. 31. „Maschinist Hopkins“. Oper in einem Vorspiel und 3 Akten von Mar Brand. Donnerstag, 20. Juni, 20—22,30 Uhr. Bühnenvolksbund Serien B und C:„Vater und Sohn". Freitag, 21. Juni. 20—22,15 Uhr. Brauner Ring 11 und Volksbuhne Serie 2:„Der Lügenbeutel". Burleske Komödie in 3 Alten von Carlo Goldoni. Samstag, 22. Juni, 19,30—23 Uhr. Außer Vormiete:„Die Fledermaus“, Operette mit Ballett von Johann Strauß. Sonntag, 23. Juni, 20—22,30 Uhr. Außer Vormiete:„Arm wie eine Kirchenmaus", Lustspiel in drei Akten von Ladislaus Fodor. Montag, 24. Juni, 17—19,45 Uhr. 3. Schülervorstellung:„Emilia Galotti“, Trauerspiel in 5 Akten von G. E. Lessing. 2939a Kartenvorverkauf in Stücks Buchhandlung, Herne Bahnhofstraße 80(Fernruf 506 71). Kath. Kaufm. Verein. Heute, Samstag, und morgen, Sonntag. den 16. d. M., Silberjubiläum des Westfälischen Südgaues in Bochum. Die Mitglieder mit Fahnendeputation sammeln Sonntag morgen 7,30 Uhr am Neumarkt. Von ort Abmarsch(oder Fahrt) nach Bochum. 9.30 Uhr feierl. Levitenamt in der St. Meinolfuskirche mit Festpredigt des hochw. Generalpräses. 11,30 Uhr öffentliche Kundgebung im weißen Saale der Bürgergesellschaft. Verbandsdirektor Dr. Wages spricht über„Grundsätzliches zur deutschen Wirtschafts= und Sozialpolitik". Der Vorstand. Garde=Verein Herue. Sonntag, den 16. Juni 1929, nachmittags 2 Uhr, Antreten zur Teilnahme am Festzuge der 131er. Dunkl. AnzuOrden und Eh teilgung erwa Krieger= und Landwehrverein Giesenberg-Sodingen. Sonntag, den 16. Juni, 1,30 Uhr pünktlich, Abfahrt nach Habinghorst zur Teilnahme am Kriegerjubelfest. Fahrt in mehreren Autobussen frei, ebenfalls Eintritt ins Festzelt. Zahlreiche Teilnahme erwartet(2973a) Der Vorstand. Artillerie-Verein Herne. Zur Teilnahme an dem Regimentstag und der Wiederehensfeier des Vereins ehem. 131er treten die Kameraden am Sonntag, dem 16. Juni 1929, nachm. 2 Uhr im Vereinslokal Christian Möller, v. d. Heydtstr. 65. an. Dunkler Anzug, Mütze, Orden und Ehrenzeichen. 2931a Der Vorstand Krieger= und Landwehrverein Bankau. Zur Teilnahme an der Jubelfeier des Vereins ehem. 131er am Sonntag, dem 16. d. M., treten die Mitglieder um 1,45 Uhr nachmittags im Vereinsheim an. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. M.=G.=B.„Concordia" Herne- Sodingen. Sonntag, den 16. Juni, nachmittags von 4 Uhr ab Gartenkonzert mit Tanz beim Wirt Ströcker(früher Ellinghaus). 28523 BOCHUMS FACHGESCHAFTEe WOHNUNGSEINRICHTUNGEN SPEZIALABTEILUNGEN: MOBEL, TPPPICHE, DEKORATIONEN, FEINE HANDARBEITBN, KUNSTGEWERBL. GPGENSTANDE. WERKSTATTEN PUR INNENAUSBAU NACH EIGENEN UND GEGEBENEN ENTWURPEN UND MODERNP POLSTERMOBEL LOUIS SCHNIIEDEKNECHT, BOCHUM WITTENER STR. 30.36-40-42, BONGARDSTR, 15. MAURTTIUSSTR, 29-31, TEI. S.-NR 66851 Die seltsame Stunde Novellette von Harro Wien. Der Chef sitzt da und rührt den Staoel Briefe necht an. den Sturre, der Lehrling, ihm aus dem Nebenzimmer gebracht. Der Chef sitzt da, groß, schwer, breitschulterig, graues wildes Haar um den breiten Schädel, und starrt durch das Fenster. Seine Hand liegt auf der Schreibtischplatte. Es ist eine sonderbare Hand. Gar keine Hand, wie man sie an diesem schweren massigen Körver erwartet, sondern eine gelöste, fremde Hand mit überraschend schmalen Fingern, die auch in der Tönung der Haut von der rurpurnen Vollblutigkeit des Gesichtes absticht. Es sieht so aus: selbst Sturre, dem Lebrling, kommt der Gedanke— es sieht so aus als wären der Cdef und die Hand zweierlei, und weder der Mensch noch die Hand wußten im Grunde, was sie mitetnander zu tun hatten. Der Chef starrt noch immer durchs Fenster. Sturre begreift das nicht. Was siebt er nur an der Erde, die hier grün ist, dort braun, hier glatt, dort ausgerissen, mit ein wenig Wiese und Baumwuchs und einem krumm sich dabinschlängelnden, trübe flimmernden Flühchen in er Ferne? Hat Sturre sich nicht verhört? Er meint, der Cdef dabe geseufzt. Das wird ihm unbeimlich. Und da der Cbef gar nichts sagt und sich nicht rührt, meint Sturre, daß er sich wieder an seinen Arbeitsplatz ins Rebenzimmer begeben kann. Aber während er die Briefe in den Leitordnern registriert, beobachtet er durch die Glasture hindurch, die der Chef bat anbringen lassen, um mit einem Blick die Arbeitsräume übersehen zu Ennen, noch immer den Schweigsamen drinnen; und auf einmal fällt ihm aus, wie plotzlich der Machtige auf eine wahrdaft erschreckende Weise gealtert ist. Solche Vertiesungen, Einsenkungen waren sonst nicht an den Schläfen. So eisengrau nicht das Haar. Und so zermittert sab die Haut nicht aus, die jetzt durchzogen ist Die von Rissen und Sorungen. Nur die Hand. die so sonderbar aussieht, ist nicht gealtert. Sie erscheint so dell und jung, als wären alle die Bisse, die Streiche, die finsteren Elemente des Lebens, die den Kouf und den mächtigen Korver dort angefallen, schonend über sie binweggegangen. Der Chef aber, der durchs Fenster blickt, kann das Auge nicht lösen von dem Lande draußen. Er erinnert sich jetzt, daß er es anders gekannt hat. Hoch stand das Gras. Died weidete in den saftig schimmernden Flächen Aecker waren da. Baumblütte. Strauchobst. Uevvig quoll die Natur. Sie blübte, sie summte, sie gad Duft, Saft, Frucht. Gie war so unberührt und rein, wie eben gekommen aus des Schöpfers Hand. Da war das Gericht über sie hereingebrochen, der Unsegen, die Vernichtung. Er hatte sich genabt. Ihm waren die Holzhauer gefolgt, die Handwerker, die Ingenieure. die Architekten. Das Gras wurde ausgerodet. Die Accker brach gelegt. Das Vied vertrieben. Der Boden umgegraben. Die Mauern wuchsen. Die Fabriken bauten sich auf. Aus ihren vielen Schornsteinen zogen die schwarzen Rauchfahnen über den reinen Himmel. Die Vögel flüchteten. Blumen entsalteten sich nicht. Der Lärm. der Stank, der Stein seiner Fabriken hatte aus blübendem Land, dem Garten Eden gleich. Oedland gemacht Gut, daß Sturre nicht abnen konnte, daß der Chei dachte:„Was bin ich denn eigentlich anderes als ein Mörder? Wie konnte im das Leben. das hier wuchs. atmete, prahlte, duftete, binmorden um des Geldes willen, um meines Ehrgeizes willen? Wer gab mir das Recht dazu? Wie würde es mir gefallen, wenn ein anderer kame, um mir zu irgend welchen Zwecken, die ihm dienlich waren. Atem, Herzschlag zu nehmen?“ Gut, daß Sturre von diesen Gedanken nichte dörte Was für eine Meinung bätte er von seinem Chef bekommen sollen? Der Chef dat die Fabrik verlassen und ist nach Hause gegangen. Sturre hat den Kopf geschüttelt und ihm nachgestartt, aber nicht nur Sturre, sondern alle Angestellten bis zum Portier dinah, die gesehen haben, das der Alte die abriken verläßt, die noch im vollen Betrieb sind, lange bevor der Feierabendofiff erklungen. Dies ist nicht gescheben, solange man zurückdenken kann. Der Shef satz schon da, wenn man morgens kam, und der Cdef war noch da, wenn man nachmittags ging, und wenn in dem en Hauptgebäude auch schon alle Fenster dunkel waren, oft, wie oft war noch jenes Fenster erhellt, in dessen Zimmer der Chef arbeitete.„Er ist krank". flusterten die Angestellten sich zu, und der Portier, selbst ein alter Manr, murmelt, als er dem Davongebenden nachschaut:„Jeden packt's einma!! Auch einen wie diesen. von dem man's nicht geglaubt.. Irmgard, die Frau, schaut erschrocken auf, als der Gatte zu lo ungewohnter Stunde heimkommt. Sie ist reich gekleidet, hängt aber lo schmal und verblüht in den kostbaren Gewändern. Ihre Handchen, an denen die Ringe blitzen. sind müde ohne wirklich die Arbeit zu kennen. Der Chef mutz die Frau immer ansehen, wadrend ste die Mahlzeit einnehmen. Und es kommt ihm zum Bewußtsein, daß sie gar nicht glücklich aussieht, sondern belastet, bebangt, als wäre ihre eigentliche Natur umgebogen, die bestimmt gewesen, sich auf gang andere Leise zu entfalten. Und er denkt:„Wie war sie blond, wie war sie jung, wie war sie leicht, hüpfend. beschwingt, beseelt. als ich sie kennen lernte. War sie nicht wie eine kleine Libelle? Wie ein Stückchen Sonnenstrabl? Wie eine Wolke, die so hoch, so leicht dabinzieht, als wolle sie die Erde niemals berudren? Aber ich habe sie dinabgestoßen. Sie hat sich formen müssen nach dem Bilde, nach dem ich sie gesormt daben wollte. Nichts an ihr ist jener mehr ähnlich, die mir entgegentrat, als ich sie zum ersten Male in ihres Vaters Garten sal. „Warum döre ich dich nie mehr singen, Irmgard?“, fragt er plötzlich, als er nach der Mablzeit seine Zigarre raucht Irm emgard blickt verwundert auf Dies i im Laufe der Zeit so langsam eingeschlasen“. sagt sie.„Man bat so viel anderes zu tun, die vielkoptige Dienstbotenschar will regiert lein. Die Damen der Wohltätigkeisvereine kommen Tag für Tas mit ihren Anforderungen. Großer Reichtum bringt eben viele Verpflichtungen. Aber, wenn du gerade Lust bas. Gesang zu hören, kann ich ja ein Liedchen singen „Io bitte die datum. Irmaard. laut u be#####t. 158 925 Sie geht zum Klavier. Sie schlägt die singt. Er lenkt den Kovf ganz tief und ru ins Dunkel, daß man den Ausdruck sieht. Du, lieber Gott, diese eingerostete, hald ungepflegte Stimme! Und sie sang einmal lo rein.## hell, so voll Wohllaut, daß man die Nachtigall leldit en hören meinte, wenn sie sang Und er dachte:„Dich habe ich erdruckt und dingeoufert wie das blübende Land, das jetzt Oedland is..““ Er dat sich in sein Schlafzimmer zurückgezogen und müde auf den Bettrand gesetzt. Ihm gegenüber ist große Spiegel. Er schaut hinein. Da siedt er auf sei Knie, aus dem dunklen Stoff seines Beinkleide. rechte Hand liegen: zart, dell, schmachtig fost im Gegensatz zu der übrigen breiten Körverlichkeit. Er bebt be emvor und führt sie dicht vor seine Augen. Und als er auf die sensidlen Finger blickt, da fällt ihm ein, das in seinen ersten Jünglingsjadren diese Hand gezeichnet dat, gemalt, daß sie beglückt war, das Oval eines Gesichts den Umritz einer Landschaft, die Silhouette eines Tierkooses zu entwersen. Aber da war über dieser Hand das kluge Gebirn, das sagte:„Künstlertum— Hungerjahrs!“ Und er stellte sich um. Und langsam kam der Aufstieg. und schließlich dekamen seine Fabriken Weltruf. Aber in dieser Stunde dünkt es ihm: die Hand klage ihn en und es war ihm, als habe er unersetzlich Wertvolles verloren, weil er ihr das Leben nicht gab, das die Soele idrer Fingerspitzen verlangte. Und er dachte: Ich habe nicht nur das Land gomordet, ich habe nicht nur die Frau dingeoofert, ich habe mich auch selbst betrogen und umn mein Bestes gebracht... Als Sturre am nächsten Tag den Cdef durch die Glastür betrachtet, siebt er, dem fliegt die Arbeit wie sonst von der Hand. Rein, nicht wie sonst. Sturte meint: so habe er den da drinnen noch nie schaffen sehen; so intensiv, so verbissen, so eingegraden in Werk und Tat. Und fortan ist der Chef stets, wie man ihn seit jeber gekannt. Und niemand merkt; daß er, lowett es moglich ist. es angstlich vermeidet, der Slis zum denster Aipanee —* Ji reige o#nd. teilteine Herne sicht Kopf! Spicht d. ie Gele Kleiderstoffe, Herrenstoffe, Seidenstoffe, Weiß- und Baumwollwaren, Damen- und Herrenwäsche, Gardinen, Dekorationen, Strümpfe, Handschuhe, Kurzwaren, Spitzen, Berutskleidung, Bettwaren. C Sparkasse der Stadt Herne Hauptstelle: Rathaus, Fernsprecher: 31441, 51551 Reichsbank-Gtro-Konto Postscheck Dortmund 8099 Zweigstelle I: Herne-Sodingen, Fernsprecher 52010 Reichsbank-Otro-Konto Postscheck Dortmund 9326 Annahme von Spareinlagen bei täglicher Verzinsung Scheck- u. Kontokorrentverkehr Kredite in laufender Rechnung 7 Vermietung von Schrankfachem Ausgabe von Heimsparbüchsen Reisekreditb riefe. Betien. Weinberg reinigt Ihre Betten Betten-Reinigung ist iür Sie eine hygienische Notwendigkeit. 2956a rogramm Laugenbeng(462.2. u. K ind Glei hwellensender Man die hwellenfender S 1.15: Schultunt(do. O 13.30: Progromm, O 15.30: Wirtschäfts Tage(a. So.), Wirtschaftem. Wetter. 10.35:— In: Deutsche als Träger der Komert. S 15: Kin von M'a Achenbach. S 13.05: Gefungen vor rbs: Untenne und Erde. . C 11.55: Leib und Seele ang O 12.25: selstunde: Frohe ibach. S 15.40: Telegraphen= # 1 6: D r. I l l e R e i c h e v o n ationale Frauenorganisation. c 16.20: Dr. Rich. ntsch=österreichische Wirtschaftsgetmeinschaft. S 16.40: umor der Weltliteratur. S 17: Nathaussaal der : Eröffnungsfeier des 3. Westsälischen Musikfester du Reichsverbandes deutscher Tonkünstler. Begrüßzungsansprache der ernon Vors. Herrn Rud. Huesgen. Münster.— Mustkoorträge. — Anipr. des Herrn Oberpräs. Gronowskl, Neg.=Präs. Dr. Amelunvon. Münster: Prof. Kestenberg vom Ministerium für Kunst und Wisserschaft und des Oberbürgermeisters der Stadt Münster. Dr. k. Sperlich. O 17.45: Konzext des Kammerchors und des Orch. vas Rundfums. Soliften: Leni Gülland(Sopran), H. Wodton). 6 18.30: w. Perrot: Das französische Kulturieben. 19.10: Dr. Grütters: Die Gemeindearbeiter und ihr Arbeitsverbaltnis. 19.30: Rathaussaal der Stadt Münster: Westsalisches Musikfest eichsverhandes deutscher Tonkünstler: Kammerkonzert. Mitw.: ma Ebel=Wilde(Sopran), Madrigalchor Dortmund, Kammerorch.: gI. des Städt. Orch. Münster und des Gürzenich=Orch. Köln. Herrmann: Kammersinfonte(Uraufführung).— Sieal: Drei Madrigale„Claudius=Gesänge".— Greß: Mezart=Varlationen(UraufUhrungz.— Volbach: Dante=Hymnus: Nachttgall: Immensegen.— Daas: Rokokovariationen.— Marr: Motette(Werkleute sind wir). o unschl.: Halsentzündung. Groteske nach Mark Twain von Karl Köstliu. Pers.: Mr. Me. Williams; Mrs. Me. Williams: Klara. das kleine Töchterchen; Pros. White. Ort: Wohnung des Mr. Wilsams. O Darauf: Nachtmusik und Tanz. Deutsche Welle 1646. Sender Königswusterhausen und Jeesen. Deutsche Welle. Sonnabend, 15. Juni. 5.50: Wetter für den Landwirt. S 12: Künstlerische Darbietungen für die Schule:„Singtunde Prof. Dr. Jöde. O 12.50: Wetter für den Landwirt. o 12.55: Nauener Zeit. o 14.30: Kinderstunde: William Wauer: Kinder. Tiere. Blumen:„Mutter Huhn“. o 15: B. R. Graef: Sprechtechnik. O 15.30: Wetter und Börse. S 15.40: Frauenunde: William Wauer: Der Zeitgeschmack im Lichte der Kunst: Die Wohnung. o 16: Stephan Konetzky: Aus der Arbeit der pädag. Abt. des Zentralinstituts. o 16.30: Min=Dir. Dr. Brill: Beamtenrecht in der Uebergangszett. S 17: Hamburg: Kammermusik für Guttarre. Mitw.: Casper Peovers(Violinel. Romeo Sarpa(Viola), G. Meier(Guitarxe). 6 18: Dr. Würzbuger: Aus dem Arbeitstag einer Wohlfahrtspflegerin. m 18.30: Franösise für Anf. S 18.55: Stud.=Dir. Dr. Zolmann: Meeresküste und Landschaft in Nordwestdeutschland. 19.55: Wetter für die S 20: Stadt ohne Schlaf“. Uebertr. aus dem Berliner Leben. Am Mikrophon: Leo Lania. Alfred Braun. p 20.30: Funkbrett!. Danach: Tanzmusik der Kavelle ErichsAlberti. Pause: Bildfunk. o 24: Spiele um Mitternacht:„Des zeimnis von Montrouae“ von Emil Hesse=Burrt. 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Wochenendverkehr 1929 sowie für Ausflugsorte, Sommerfrischen und Jugendherbergen für den theinisch-westlällschen Industriebezirk. Ausgebe Mei 1929. 208 Seiten stark. viele Illustrationen. Herausgegeben von der Reichsbahndtrektion Essen und den Verkehrsvereinen des theinisch-westtalischen Industriebezirks. Preis 20 Pig. Vorrätig in der Buchhandlung Koethers& Herne, neben dem Postamt Nummer 137, Viertes Blatt Herner Anzeiger Samstaa, den 15. Juni 1999 Der DöK.=Sport am 16. Juni. Nun endlich, nach langen Wochen, wieder allgemeiner Sport. Westhollandspiel, Fronleichnamstag=, Bezirksfest und der 2. Sonntag— zwang uns Herner zu vielen freien Sonntagen. Die letzten drei Sonntage vor der Sperre sollen nun noch voll ausgenutzt werden. So steht denn der 16. Juni im Zeichen eines regen Sportbetriebes. Im Vordergrund steht jedoch über allen anderen Spielen dasjenige unserer Verhandsmannschaft gegen Holland in Ludwigshafen. Ferner das Spiel unserer Stadtmannschaft gegen Recklinghausens Bezirkself. Blau=Weiß spielt mit den übrigen Spielern gegen die Gau=Mannschaft EssenRellinghausen.— Im Handball steht der Lokalkampf Folkenhorst—Herne=Süd im Vordergrund, dem am Samstag das Spiel Sportfreunde 19— Falkenhorst(komb.) vorangeht Deutschland-Holland. Das achte Ländertreffen! Es sind jedesmal Festtage, diese Begegnungen! Festtage in des Wortes edelster Bedeutung! Wohl gilt alles zunächst dem Spiel, dem Ringen um den Sieg! Aber dieser Kampf ist nicht das Wesen, ist vielmehr nur Auswirtung, Ausstrahlung tiefer logernder Kräfte und Gefühle, die hier äußerlich gleichsam einen gewissen Abschluß, eine Krönung finden! Die innere rbundenheit als Brudervolk! Aber zutiefst die gemeinsame Verwurzelung im katholischen Glaubensleben, der auch ein„sportlicher Zweig" entsprießt, der zum Lichte drängt! Wir wissen wohl, daß bloßer Sport die Völker nicht einander näher bringt, nicht der Versöhnung Wesen ist. Da müssen schon stärkere Kräfte wirken, binden, ausgleichen: Kräfte, die übernatürliche Quellen besitzen und nicht im Vergänglichen wurzeln. Und das Wort eines deutschen Führers bei der ersten„Fußdall=Begegnung“ im Juli 1921: „Es ist nicht der Sport, der uns einander so nahe bringt. Wir kannten uns schon vorher und unsere Seelen fühlten in Gemeinschaft, ehe wir uns gesehen, weil wir in innerer Einigkeit und in innerem Verwandtsein dem Ewigen dienen.“ Dieses Wort ist auch heute noch wahr... Kraftvolle Jugend beider Völker steht einander gegenüber! Und die deutsche Jugend, die hier kämpft, gehört einer Generation an, die durch Holland über furchtbare Nachkriegsjahre für das Heute mit herübergerettet wurde. Mehr als 1000 katholische Familien Hollands gaben über 33000 unterernährten Kindern aus dem deutschen Westen und Süden Erholung und Wiedererstarken! Däzu Millionen kg an Lebensmittelsendungen, an Liebesgaben. 1922 war es der größte Teil der eingeernteten landwirtschaftlichen Erzeugnisse(der erste Waggon ging nach Ludwigshafen). Zu all diesem kam noch die Gründung von Kinderheimen in Deutschland, die durch Holland unterhalten wurden. Und wie schrieb vor einigen Tagen in Erinnerung an diese Zeit ein führender holländischer Katholik: „Die katholischen Holländer haben viel tun dürfen zur Linderung der Not. Sie konnten sehr viel dazu beitragen, die gegenseitige Achtung und herzliche Freundschaft zu fördern. Und wir Holländer sprechen ein herzliches Dankgebet zu ott, der es uns ermöglichte, die furchtbare, durch den Weltkrieg verursachte Not zu lindern. Wir sagen ein Wort des Dankes an die vielen katholischen Eltern Deutschlands, die nicht davor zurückschreckten, ihre Kinder, ihren köstlichsten Schatz, in diesen Tagen des Elends und des Kummers abzutreten und uns anzuvertrauen.“ Ein herrliches Wort edelster Bescheidenheit! Und dennoch ein Wort der Größe! Ludwigshafen muß ein Festtag werden. Die Mannschaften: Deutschland: Weidenbacher(Sparta Nürnberg). Fontein(Homberg=Hochheide), Keller(Freiburg= Wiehre). Baumgärtel(Sparta Rürnberg), Breuer(Rheinfronken Düsseldorf), Keppeler(Sparta Nürnberg). Lechleitner(Mannheim=Neckarstadt), Roppelt, Jobst, Bickel(Sparta Nürnberg), Maes(Rheinfranken Düsseldorf). Ersatz: Mertens(Eicken 99 M.=Gladboch. Tor), Hirth (Ludwigshafen, Verteidiger), Keller(Hauenstein, Pfalz, Läufer), Strohbücker(Falke Gelsenkirchen, Sturm). Schiedsrichter: Brüschweiler, Zug(Schweiz). Holland: Wilhelmus(Marsana). v. Laarhoven(Helmond), B. de Lange(den Haag). Thissen(Limburg), Jos. v. Eekeren(Helmond), Hassing(Amersfoort) Klostermann(Amsterdam), F. de Lange(Zaandam), Fr. v. Eekeren(Helmond), Müller(Nymegen), v. Wanrooy(Borne). Ersatz: Houbour(Tor), v. Hilten(Verteidiger), Kempermann(Sturm). 9. J. K. Stadtmannschaft Herne gegen Bezirksmannschaft Recklinghausen. Erst wenige Wochen sind seit der ersten Begegnung dieser Mannschaften vergangen und schon steigt das Rückspielm Recklinghausen, wo die Spieler aus dem Vest sich revanchieren wollen für die 3:0=Niederlage in Herne. Das Spiel ist noch allen in lebhafter Erinnerung, sah man doch die Herner in einer selten guten Form diesen Sieg erringen und das Bollwerk des Gegners, den sehr guten Torwart Baumann dreimal schlagen. Das war des guten zuviel und nun soll die zweite Auflage erfolgen, wobei Recklinghausen mit einem Sieg ihrer Vertretung rechnet. Herne tritt wie folgt an: Block(Falkenhorft) Klewes Krebber (Sportfreunde 19) Werner Kruch Wienke (Sportfreunde)(Blau=Weiß)(Falkenhorst) Schmidt Amting Krüger Rodegro Gödde (Falkenhorst)(Blau=Weiß) Sportfr. 19) Bezirksmannschaft Recklinghausen: Baumann(Westfalia) Paul Schuchalski (Arminia)(08 Recklingh. Popping Wasinski Okoniewski (Arminia)(08 Reckl.)(Wacker) Ludorf Bonneberger Banaschak Bösing Glischler (Polsum)(Wacker)(Westsalia)(Marl)(Röll.) Treffpunkt der Stadtmannschaft Herne: 2¾4 Uhr effpunk dr Bismarckstraße. Anstoß 4 Uhr in Recklinghausen Jußball. Sonntag, den 16. Juni 1929: Jalkenhorst 1. und 2. komb. gegen Arminia Eicke Anstoß 5 Uhr. Jugendmannschaft Fußball gegen Eichel 4 Uhr handball. alkenhorft— Herne-Süd 6.30 Uhr. alkenhorft— Herne-Süd 1 Uhr. alkenhorft— Herne-Süd 11 Uhr. Fußball am Samstag abend. 1. M. Jalkenhorst— Germania Res. Anstoß 7 Uhr. 2. Igdm. Jalkenhorst Germania Anstoß 6 Uhr. Blau=Weiß komb.— Essen=Rellinghausen Gau=Klasse. Ein Rückspiel, welches für Blau=Weiß eine Kraftprode sein wird, muß man doch auf die in der Stadtmannschaft mitwirkenden Kräfte verzichten. In Rellinghausen spielte damals noch eine schwächere Elf, nämlich die 1b der Baukauer, diese unterlag nur knapp 3:1. Danach gerechnet müßte es Baukau doch schaffen oder die Rellinghauser beweisen ihre Klasse. Blau=Weiß 1. Jugend— Rellinghausen 1. Jugend. Die Blau=Weiß=Jugend sollte sich durchsetzen. Handball. Blau=Weiß 1. handballm.— Polizei-Sporto. herne. * Germania Holthausen— Sportfreunde Gerthe 07. Auf dem Sportplatze im Volkspark treffen sich diese Gegner. Die Sportfreunde, die augenblicklich in guter Form sind, und einen guten Fußball spielen, werden den Germanen eine harte Nuß zu tacken geben. Wir erwarten einen Sieg der Sportfreunde, jedoch wäre bei einem guten Zuspiel der Germanen ein Unentschieden nicht ausgeschlossen. Anstoß 5 Uhr. Vorher spielen die Jugendmannschaften beider Vereine. Anstoß 4 Uhr. Landball=Sport. Samstag abend. Jaikenhorft!— Sportfreunde 19 I. Der ehemalige Stammplatz ist Austragungsort dieses Lokaltreffens. Der jungen Spor“ ster wohl noch nicht zurück sein können. Dadurch ist die Elf erheblich geschwächt, weil man ganz ohne die Der 3. Tag im Kursus der Reichslehrstätte. Gewerbeoberlehrer Max Tilly(Münster) spricht über Presse und Propaganda. liebe Sohne meint es mit uns zu gut und hal send die Absicht, uns in Kongo=Neger zu vern, so unharmherzig sendet sie ihre Strahlen ere unbedeckten Körperteile. Mit etwas BanDie liebe Soane meint es mit uns zu gut und hat anscheinend die Absicht wandeln. auf unsere unbedeckten Körperteile gen gingen wir in den 3. Tag, doch ganz so schlimm wurde es nicht, denn nach dem Kirchgang und nach dem Frühstück belegte uns der Schriftleiter unseres Kreisblattes mit Beschlag und hielt uns einen sehr interessanten Vortrag über die Pressearbeit und paganda in der DIK. Mit Genugtuung nahmen wir wahr, daß wir in Herne den richtigen Weg gehen. Eine besondere Freude wird es für die Herner DIK. ein, endlich nach langen Jahren wieder Herner Berichte in„Sturm und Steuer“ zu bekommen. Max Tilly war dafür sofort begeistert und wünscht engste Fühlungnahme mit Herne. Wie alles ein Ende hat, so auch dieser Vortrag. Sportlehrer Bluhma legte gleich wieder seine Hand auf uns. Zur allgemeinen Freude vergaß er heute die sogenannte„Frühstücksrunde“, das ist der Lauf, der vor dem Frühstück uns so und so oft um die Aschenbahn des Stadions bringt. Im Anschluß an das Frühstück kam ein kurzes Uebungsspiel, und dann gings in die Badeanstalt, dem„Schrecken der Nichtschwimmer“. Unbarmherzig machten auck Ma dions knautschte und knetete unsere mißhandelten Muskelpartien, und hatte so seine ehrliche Freude an die jammervollen Gesichter. Endlich ertönt der so sehr herbeigesehnte Pfiff zum Mittagesser, und damit ist für Mittwoch„Schicht". Der Nachmittag ist frei. Münsters Sehenswürdigkeiten werden ab ½4 Uhr besichtigt. Der herrliche Dom mit dem Kapitelsaal und seinen weltberühmten Schnitzereien ziehen uns in seinen Bann, dann der Chor mit d. Sakramentshäuschen und den Alabasterparamenten, ferner die Domuhr, dessen Schlagwerk dumpf durch den Dom schallt, während das Zeigergangwerk schon seit der Wiedertäuferzeit stillsteht und augenblicklich auf 11 ruht. Herren, darunter ein schwedischer Professor, sind mit der Inbetriebnahme beschäftigt, man hofft, dies in einigen Jahren fertig zu bringen. Hoffen auch wir es.— In einem lauschigen Cafe erfreuen wir uns an den Genüssen eines Täßchen Mokka, denn die Lehrstätte kennt als Sportstätte nur„Muckefuck“, also Malz. Bald nimmt uns der herrliche Schloßgarten auf, doch die Zeit drängt zum Aufbruch, und die Kehlen sehnen sich doch noch vor dem Abendessen nach dem o sehr entbehrten Bier, denn so bald die Kaße aus dem Haus Wie wunderbar hat der edle Tropfen gemundet, das Essen geschmeckt, nochmal so gut, rasch in die Koburg, noch ein Glas... marsch, marsch ins Bett.. Der 3. Tag ist vorbei, morgen erwartet uns Lehrer Bastion, mit Schrecken denken wir? Bastion, chrecken denken wir daran. Der Kursus geht dem Ende entgegen.— Der vierte Tag ist vorbei.— Der Lichtbildervortrag ausgefallen. Wieder haben wir einen Tag hinter uns, der sich würdig den andern anpaßte. Sportlehrer Bastion führte uns zur Kirche. Wir dachten setzt schon mit gedem Schrecken jetzt wird er uns auch 2 Stunden mit Gymnastik plagen, doch als um 8 Uhr der Pfiff ertönt, erscheint Dipl.=Turn= und Sportlehrer Bluhma, alles atmet auf, leider zu früh. 2 Stunden Laufschule und Gymnastik, daß uns das Wasser in Strömen aus den Poren drang. Es blieb auch nicht bei der„Frühstücksrunde", nein, aus der einen wurden mindestens zehn, Bluhma war anscheinend von den Polizeischülern und der Reichswehr bestochen, diese armen Kerle teilten unser gleiches Schicksal, nur in verschärfter Auflage. Schon manchmal in dieser Woche haben wir unsern„langen Hans“ bedauert, der bei den Polizeischülern ist. Wir nehmen ihn Samstag für zwei Tage mit nach Herne. Da heute morgen der Vortrag ausfiel, sprach man beim Kaffee verstohlen von Gesang, nur um etwas Zeit zu gewinnen, es gelang, und der gesangfreudige Bluhma spielte auf..., zu kurz die Zeit, auf dem Gelände finden wir uns bei der Ballarbeit wieder, dieser Arbeit schließt sich ein Uebungsspiel an:„Olympia“=Elf—„Flaschen"=Elf, so bezeichnet sie Bluhma. Die Leute von Olympia, zu denen ich und der HerneSüdler Paul gehören, siegten 6:0. Diese Mannschaft wird Freitag dem Gaumeister, Armini Münster, gegenübertreten. Mitten im Kampf ertönt der so heiß ersehnte Pfiff zum Mittagessen und für die 2stündige Ruhe. Ist auch am Nachmittag kein Vortrag? Enttäuschung— nein, der Vortragende sagt ab. Wieder auf den Platz: Schlag= und Schleuderball, Kaffee, Ruhe, Blutdruckprüfung(die vier Herner sind gesund), dann hinein ins Wasser. Nach kurzer Dusche verdrücke ich mich still mit Paul, alles ruft entrüstet, doch wir sind dem„Ungeheuer“ Wasser entronnen und sonnen uns. Welch geschmackvolles Abendessen, gesättigt gehen wir wieder auf die Stadionanlage, ein Fußball= und ein Handballspiel vertreiben uns die Zeit als Zuschauer. DIK. Vorussia— Polizeischule spielen Fußball, Vorussia— Arminia Handball. Der 4. Tag ist vorbei. W. S. Spieles lassen wir offen. Anwurf 6 Uhr. Ferner spielen: Sportfreunde 19 Schüler— Falkenhorst Schüler Anwurf 5 Uhr. Sportfr. 19 1. J.— SC. Westfalia 04 1. J.(WSV.) Anwurf 7 Uhr. Soantag. Das große Lokaltreffen: Jaikenhorft— D. J. K. herue=Süd. Endlich, nach langer Zeit, treffen sich diese hartnäckigen Rivalen wieder und werden den großen Spielen der früheren Zeit bestimmt ein weiteres zufügen. An Kampf um die Vorherrschaft im Herner DöK.=Handball wird dieses Zusammentreffen seinen Vorgängern in nichts nachstehen, da beide Manschaften augenblicklich eine gute Form besitzen und gut durchträiniert sind. Zweimal siegte Falkenhorst mit dem knappsten aller Resultate 1:0, noch knapper wurde es im 3. Spiel für Falkenhorst, beim 0:0=Stande wurde das Spiel wegen des schlechten Wetters abgebrochen. Wie wird es nun diesmal auf dem Falkenhorstplatz werden? Offener denn je ist hier der Ausgang und die Frage nach dem Sieger. Hat HerneSüd im Sturm ein Plus, so besitzt Falkenhorst dieses in der Hintermannschaft. Da beide im Tor gut besetzt sind, wird es auch morgen sehr knapp ausfallen, man rechznet sogar mit einem Stege Herne=Süds. Anwurf Jalkenhorst II— Herne-Süd II. Nach langer, langer Pause sehen wir die 2. Garnitur der Falkenhorster wieder, um sich von der 2. Elf der Süder eine Niederlage zu holen, oder haben die geenannten„Kavaliere“ etwas vor und melden einen Jalkenhorst 1. Jgd.— herne-Süd 1. Jgd. Ein hoher, sicherer Sieg von Süds Jugend wird der Schluß sein. Wattenscheid-Altst.— Schiedsrichter-Vereinigung. Die Leute von der Trillerflöte fühlen sich sehr stark und forderten diesmal den B=Meister WattenscheidAltstadt. Es ist das 2. Spiel der Schiri, im ersten Spiel ließen sich die Flöten=Männer von HerneSüds 1b 4:2 schlagen, jetzt wird die Niedertage noch etwas höher ausfallen. Auch in Castrop=Rauxel Wös. 1. klasse gegen Deutsche Jugendkraft am heutigen Samstag. Roland Bladenhorst 1.— Castroper Sp. Vg. 02 l. Am heutigen Samstagabend steigt in Castrop dieses Treffen, welches im Rahmen der leichtathletischen Wettkämpfe am 16. 6. steigen sollte. Wegen der Bezirkssportfeste in Recklinghausen und Dortmund müssen diese Wettkämpfe ausfallen, dafür steigt schon Samstag dieses Ortstreffen. Selbst die Spielstärke Rolands wird nicht ausreichen, um diesem Vertreter der 1. Bezirksklasse des Ruhrgebietes die Waage halten zu können, ein sicherer Sieg der Castroper wird zu erwarten sein. Dieses Spiel hat das Interesse Castrop=Rauxels erweckt, wie schon in Herne das Spiel DIK.— Germanta. Anstoß 6,30 Uhr. Die leichtathletischen Wettkämpfe sowie der vorgesehene Sport für den 16. 6. fällt aus, doch steigt am Abend im Saale Tolper in Rauxel der große Festund Werbeabend, in dessen Programm u. a. Turnen, Gymnastik sowie Volkstänze vorgesehen sind. Diese sportlichen Dardietungen werden von der DIK.=Abteilung„Wanderglück“ Bochum ausgeführt. Bezirks=Schiedsrichter=Vereinigung Gelsenkirchen-Kerne. Folgende Schiedsrichter sind zum SchiedsrichtenBelehrungsspiel aufgestellt: Mikus Keller Sander Kemper Weimar Kusniki Kubiak Trimborn Verfürth Budde Kochau Ersatz: Cloer=Schaefer. Leiter des Spieles: Schiederichter H. Hane. * appetitlich gedeckten Sisch schmeckt das Essen noch einmal so gen! Da blinken und funkeln auf schneeweiler frischdufiender Persilwäsche die Niesser, Gabeh und Löffel, die durch Ata, Henkels Pinz- und Scheuerpulver so rasch zu pintzen sind Ala gibt allen Gegensänden aus Holz, Stein, Marmor, Porzellan, Glas und Nietall spiegelnden Glanz, Reinheit und Prische. Ata ist sparsam und bilig. Die praktische Streuflasche koster nur 20 Pfennig. U Das Spiel findet in Herne=Baukau statt. Sweater stellt Blau=Weiß Herne. Anstoß: Samstag, den 15. Juni, 6,30 Uhr. Die Schiedsrichter werden ausgefor„Rund um den Stadtpark“ gegen eine Städtemann=l und da sie in diesem Spiel nur zu gewinnen und nichts trefsen doch hier zwei der technisch besten zu verlieren hat, dürfte das Ende für die Norddeut= Mannschaften zusammen, die sich in ihrer Spielweise schaft Bochum spielt. Aufstellung: Vogt 2(Arminia) der: Kmtlich zu erscheinen, da nach der. S#e# nrmit Lücke(Teutonia), Bönninghaus(Schwarz=Weiß) und Aufklärung gegeben wird. Schuhe, Hosen und ani###linghaft(Teutonia). Schmeina(Teuto ## verlieren hat, dürste en recht knapp werden. Stutzen sind mitzubringen. Die Schiedsrichter, die nicht erscheinen, werden zur Meisterschaft nicht berücksichtigt * Bezirksspielausschuß für Sommerspiele Einer Einladung des Bezirks Bochum folgend, ist ere Stadtmannschaft„Wanne=Eickel“ in Handball zufgestellt, die am 26. Juni in Bochum anläßlich Wiggelinghoff(Teutonia), Schmeing(Teutonia), Vogt 1(Arminia). Wehren(Sportfreunde), Wagner(Teutonia), Rüngeler(Arminia), Rabiga(Arminia), Mallmann Weiß) wäre eine große und freudige Ueberraschung.— Schiedsrichter it der Süddeutsche Fritz(Oggersheim) Ein Sieg der Meidericher überaus ähneln. 1. Wacker Leipzig— Schalte 04. Dieses Treffen findet in Leix uas haut und fuht umner dr Gestung vorn, Peters Dr Höshern, Vottvox un Schautlaure, Seschelscer. Broloer(Schwarz=Weiß),(Hampurg). Die Schalker stehen hier einer überaus Sieg der„Payern herauskommen. e“'o) kampfkrättigen Eff gegenüber, die einer technisch weit Manger(Düsseldorf) besseren Mannschaft— wie sie Schalke ohne Zweifel ist— recht erfolgreich die Stange dieten kann. Das mußte der Dresdner SC. im Pokalendspiel am eigenen Leibe erfahren. Zudem haben die Leipziger noch den Vorteil des heimischen Publikums, was aus ähneln. Die Bayern mit dem Vorteil eines bekannten Platzes und eines einheimischen Publikums haben ohne Zweifei ein kleines Plus. Ob dieses Plus aber genügt, um den Dresdner SC. mit dem schußgewaltigen Hofmann im Sturm zu schlagen, muß abgewartet werden. Ist Münchens Hintermannschaft auf Schoarg Ersat: Stöhr(Arminia), Hamfland(Teutonia). Kleidung stellt„Arminia“ Wanne=Eickel. Nähere Anwetsung geht den einzelnen Abteilungen noch zu. Westdeutscher Spielverband. Schiedsrichter: Tennis-Borussia-Berlin— Titania Stettin. Einen leichteren Gegner konnten die Tennis=Borussen überhaupt nicht bekommen. Die Stettiner rei* g e in so schweren Spielen von ausschlaggebender Be 1. Bezirksklasse. Weitfatta Herne- nol Weiß Essen. Es war damit zu rechnen, daß der Gruppenmeister Rot=Weiß die hier in Herne vor einigen Wochen erlittene Niederlage nicht so ohne weiteres hinnehmen würde. Morgen fahren die Westfalen nach Essen, um die gewünschte Revanche zu geben. Dieses Vorhaben kann den Gastgebern auch glücken, da, wie wir hören, die Herner mit neuen Leuten aus der Jugend antreten werden. Daß die neuen Kräfte nicht restlos genügen werden, damit ist zu rechnen. Schließlich muß aber auch mit dem Probieren so bald wie möglich angefangen werden, jeder Sonntag, der nicht zu Prodezwecken denutzt wird, gilt als verloren. Es bleibt aber noch zu berücksichtigen, daß nur die Mannschaft bei den kommenden Meisterschaftstreffen Aussicht auf Erfolg hat, der mindestens 16 gleichwertige Spieler für die 1. Mannschaft zur Verfügung stehen. Dieses ist im Augenblick bei den Westfalen bestimmt nicht der Fall. Daher müssen die Spieler, die zur Zwangspause verurteilt werden, den Maßnahmen ihres Spielausschusses das erforderliche Verständnis entgegenbringen. Die Westfalen werden in Essen einen vorbereiteten Gegner antreffen. Erst jüngst mußte Preußen Bochum mit 10:2 und am letzten Sonntag Union Gelsenkirchen mit 6:5 die Segel streichen. Germania Herne beabsichtigte morgen nach Köln zu Blau=Weiß zu fahren. Aus dieser Fahrt wurde nichts, da ihr Kölner Gegner gegen den Kölner Ballspiel=Club im Ausscheidungsspiel für die Sonderklasse anzutreten hat. Man wird daher zu Hause bleiben und pausieren. Alt=Herne komb.- Sodingen Börnig komb. Bereits am Sonntag abend 7 Uhr treffen sich diese Mannschaften auf dem Platz des Sp. V. Sodingen. Die Mannschuft von Alt=Herne, die wir bereits in unserer Mittwochausgabe veröffentlichten, wird vielleicht, falls Germania am Sonntag nicht spielt, auf dem einen oder anderen Posten noch verstärkt werden, was allerdings auch wohl nicht schaden könnte. Den Sieger aus diesem Spiel im voraus zu nennen, ist wohl nicht gut möglich, dürfte aber wohl nicht das Wichtigste sein, wohl aber wäre von Bedeutung, ein faires Spiel vorzuführen. Vor diesem Spiel findet um 6 Uhr ein Meilenlauf(7.5 Kilomeler) statt. Dieser Lauf ist offen für sämtliche Herner Vereine und wird in drei Klassen: a) Senioren nioren, c) Anfänger ausgetragen. b) Juen Der Sportverein Sodingen rt am Sonntag mit seiner 1. Elf nach Hamm=Heeen, um hier sein Glück zu versuchen. Rasensport Solthausen fährt am Sonntag mittag 1,30 Uhr vom Vereinslokal Ströcker, um im Pokalentscheidungsspiel der D.3.K. Westerholt auf dem Platze der Viktoria Westerholt gegenüberzutreten. Anstoß 3 Uhr. Wir wollen hofen, daß Holthausen auch hier Sieger bleibt und den Pokal als Lohn mit nach Hause bringt. B.f.B. Börnig— Spielvereinigung Bochum-West. Der V.f.B. Börnig hat für den morgigen Sonntag diesen Verein verpflichten können. Von der Spielstärke dieses Vereins ist uns weniger bekannt, doch erwartet man einen spannenden Kampf zumal Börnig in neuer Aufstellung antritt. Anstoß 17 Uhr. Rasensport Wanne 1.— B.f.L. Herne 1. Dieses ist das letzte Meisterschaftsspiel in der Gauklasse und findet in Wanne statt. Der Anstoß ist um 11 Uhr. Treffpunkt der Spieler 8.15 Uhr im Vereinsheim. Abfahrt vom Bahnhof 9.30 Uhr. Germania 1. Jugend— B.f.L. Herne 1. Jugend. Der Anstoß ist, um 11 Uhr auf dem GermaniaPlatz. Jugendspiele des S. C. Westsalia 04 e. V. Auf dem Westfalia=Platz spielen: Westfalia 1. Schüler gegen 2. Schüler. Anstoß 10 Uhr. In Hervest=Dorsten treffen sich: Westfalia 1. Jugend und die gleiche des S. V. Hervest=Dorsten. Die 1. Jugend=Mannschaft folgt einer Einladung nach Hervest=Dorsten. Wir hoffen, daß der neue Gruppen= und Gau=Jugendmeister den S.C.W. würdig vertritt. Treffpunkt 7 Uhr am Bahnhof. Die Abfahrt erfolgt 7,15 Uhr. „Karlchens“ Ansichten. Tennis=Borussia— Titania 3:0 Holstein Kiel— 1. FC. Nürnberg 1:3 Bayern München— Dresdner SC. 2:1 Wacker Leipzig— Schalke 04 2:3 Sp. Vg. Fürth— Fortuna Düsseldorf 4:2 Meidericher S. V.— Hamburger S. V. 1:4. Handball. Polizei Berlin— Polizei Darmstadt 2:3. Handball Westfalia 1.— Sv. B. Reptun 1. Diese Gegner treffen sich Sonntag um 5,30 Uhr zu einem Freundschaftsspiel auf dem Westfaliaplatz. Die Westfalen i gewohnter Form dürften den Sieg davon tragen. Doch darf der Gegner nicht zu leicht genommen werden. Vorher treffen sich Westsalia 2.— T. B. Eickel 2. Westfalias zweite Garnitur tritt in diesem Jahre m ersten Male auf. Ihnen dürfte der Sieg wohl r fallen. Anwurf 4,30 Uhr. Vorher spielen Wefffalia 1. Jugend— S. B. Reptun 1. Jugend. Anwurf 2,30 Uhr. V.s.L. Herne 1.— Blau=Weiß Bochum 1 tung sein kann. Geht Schalke mit dem nötigen Ernst in den Kampf— und daran zweiseln wir nicht— so müßte es den Leipzigern eine klare Niederlage beibringen können. Das Zeug dazu hat die Mannschaft in sich, die noch vor einigen Wochen einen Gegner wie die Spp. Fürth klar zu schlagen vermochte. Der Kampf in Leipzig wird hart werden, aber trotzdem sollte sich Schalke durchsetzen und die Zwischenrunde erreichen können. Spo. Jürth— Jortuna Düsseldorf. Fortuna geht einen schweren Gang, der geradezu aussichtslos erscheint. Gegen eine Mannschaft der Fußball=Hochburg zu gewinnen, ist überhaupt schwer, und Fortuna muß nun sogar noch nach Nürnberg, was die Sache noch weit aussichtsloser erscheinen läßt. Die„Kleeblätter“ sind heute wieder in bestechender Form und neben dem„Club“ erste Anwärter auf die Meisterschaft. Für Fortuna heißt es jetzt nur, in Nürnberg mit größter Energie und letzter Hingabe zu kämpfen, damit die Niederlage— die wohl unausbleiblich ist— nicht so hoch, sondern recht ehrenvoll wird. Schiedsrichter ist der Breslauer Gerlach. Bayern München— Dresdner SC. Das Spiel im Münchner 1860er=Stadion dürfte wohl eines der interessantesten der Vorrunde werden, radechen bei weitem nicht an die Spielstärke der übrigen Endspielteilnehmer heran und sie werden sich mit ziemlicher Sicherheit in der Reichshauptstadt eine Niederlage holen. Schiedsrichter ist Bohn(Mannheim). Holstein Kiel— 1. JC. Nürnberg. Der„Club“ ist in diesem Jahre wieder in überragender Form und gilt allgemein als heißer Favorit. Wenn auch die Nürnberger nach Hamburg müssen und dort den kampfkräftigen zweiten norddeutschen Vertreter zum Gegner haben, so wird zum Schluß doch ein sicherer Sieg des süddeutschen Meisters h auskommen, der schon allein auf Grund seiner großen Spielerfahrung und Routine in schweren Kämpfen nicht verlieren wird. Unter der Leitung des Berliner Unpartetischen Birlem wird jedenfalls Hamburg einen großen Kampf zu sehen bekommen. * Nach all dem Vorgesagten würden allo in der Zwischenrunde zu erwarten sein: Hamburger Spielverein; 1. F. C. Nürnberg; SSp. Vg. Fürth: Tennis=Borussia; Schalke 04; Bayern München od. Dresdner SC sowie Hertha=Berliner SC. und Breslauer SC. 08, di sa bereits ihre Vorrundenspiele gewonnen haben. Deutsche Turnerschaft. Fußballvorrunde der 9.2. Die am Sonntag in Gera, Mannheim und Essen vonstatten gegangenen Vorrundenspiele zur deutschen Turnerfußballmeisterschaft endeten jedesmal mit dem Siege der Platzvereine, ATG. Gera, To. Mannheim 1846 und Rhenania=Essen. Bei ganz prächtigem Wetter und unter großer Anteilnahme der Geraer Turnerschaft ging das Vorrundenspiel ATG. Gera— Tv. Jahn=Scholwin(Pommern) in Gera vonstatten. Leider wurde die norddeutsche Mannschaft in der 10. Minute durch Verletzung des Tormannes und später durch die Verletzung zweier weiterer Spieler sehr geschwächt, konnte aber trotzdem mit einem Treffer in Führung gehen. Erst kurz vor der Halbzeit gelang Gera der Ausgleich zum Austrag kommen. Der westdeutsche Handballmeister TV. Krefeld=Oppum muß nach Ludwigshafen, wo er auf den südwestdeutschen Meister DV. Friesenheim trifft. Glücklicher hat es der Fußballmeister Rhenania=Essen getroffen, der wieder zu Hause spielt und zwar gegen Mannheim 46. Im einzelnen wurden die Paarungen, wie folgt, festgesetzt: Handball: Männer: 16. Juni: MTV. Schwartau Lübeck— TK. Hannover=Limmer in Hannover; Vorwärts Breslau— TuSB. 67 Leipzig in Breslau. 23. Juni: To. Friesenheim— Tv. Krefeld=Oppum Ludwigshafen; die Sieger der Spiele vom 16. Juni in (Ort steht noch nicht fest). Frauen: 16. Juni: Tschaft. Barmbeck=Uhlenhorst— ser und erzielte nun seinerseits das Führungstor. Dieses Ergebnis von 2:1 blieb bis zum Schluß unverändert. Einen gleichfalls spannenden Verlauf nahm dazweite in Essen vonstatten gegangene Vorrundenspiel zwischen Rhenania=Essen und Tv. Mainz 1817, das mit einem Siege der Rhenanen endete. Mainz führte bereits nach 15 Minuten mit 2•0. Nach weiteren sünf Minuten konnte Rhenania durch die Verwandlung eines Elfmeters seinen ersten Treffer erzielen und das Wir erwarten die Herner Spiel von da ab üherlegen, gestalten, so daß schon dei Halbzeit der Ausgleich geschaffen war. Nach Wiederbeginn kamen die Mainzer aber wieder auf, während die Rhenanen nachließen. Trotzdem konnten sie nach fünf Minuten einen dritten Treffer buchen, aber durch die Schuld des Essener Torhüters holten die Mainzer diesen Vorsprung schon bald wieder auf. Mainz spielte „„„„ nun eine zeitlang tonangebend, konnte aber gegenüber Unser Herner Boxer Benny Wallbraun boxt heute der zahlreichen Essener Verteidigung nichts mehr erSamstag abend im Harmoniumsaal in Köln gegen reichen. Rhenanias Sturm kam zum Schluß noch In der zweiten Spielhälfte war Gera um einiges bes= TC. Hannover in Hamburg; Vorwärts Breslau— e miner Jurnerichaft in Obige Gegner treffen sich am Sonntag im Stadion zum Freundschaftskampf. Wir erwarten in Form. Anwurf 9,30 Uhr vormittags. Wanne 11 1. Jugend— B.f.L. 1. Jugend. Dieses Spiel findet auch vormittags in Wanne statt.— Bersport Berliner Turnerschaft m Breslau. 23. Juni: Sieger der Spiele vom 16. Juni; Mainz 1817— 2B. Ulm in Mainz. Jußball: 16. Juni: TV. 62 Hamburg— DV. Vater Jahn Peine in Peine. 23. Juni: Rhenania=Essen— WV. Mannheim 46 in Essen: Sieger des Spieles vom 16. Juni gegen A T. V. Gera. den bekannten Boxer Grüneberg, Köln. Wer wird deutscher Fußballmeister? westdeutichen Vertreter vor schweren Aufgaben. Schon am vergangenen Sonntag wurden mit zwei Treffen in Königsberg und Gleiwitz die Endspiele um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1928•29 eingeleitet. In Königsberg unterlag der Baltenmeister, BfB Königsberg, etwas überraschend mit 1:2 gegen den südostdeutschen Zweiten, Breslau 08, und in Gleiwiß landete Berlins Meister, Herta=BSC., den erwarteten 8:1=Sieg über den südostdeutschen Meister, Preußen Jaborze. Inzwischen wurden auch die letzten Landesverdands=Teilnehmer an der DFB.=Endrunde ermittelt und der Sonntag bringt jetzt die restlichen sechs Trefsen der Vorrunde und zwar wie folgt: in Duisburg: Meidericher Spo.— Hamburger S9. (Schiedsrichter: Fritz. Oggersheim) in Leipzig: Wacker Leipzig— Schalle 04 (Schiedsrichter: Peters, Hamburg) in Nürnberg: Spo. Fürth— Fortuna Düsseldorf (Schiedsrichter: Gerlach, Breslau) in Hamburg: Holstein Kiel— 1. FC. Nürnberg (Schiedsrichter: Birlem, Berlin) In Berlin: Tennis=Borussia Berlin— Titania Stettin (Schiedsrichter: Bohn, Mannheim) in München: Bayern München— Dresdner SC. (Schiedsrichter: Manger, Düsseldorf) Wie man sieht, haben es die westdeutschen Vertreter durchweg recht schlecht getroffen. Fortuna DüsW. Seiden seldorf muß in die süddeutsche Hochburg Nürnberg, wo gegen die Spo. Fürth nicht viel zu holen sein wird und der Meidericher Spo. hat den Titelverteidiger, Hamburger SV. zu Gast, der wohl auch nicht gewillt sein wird, sich schon in der Vorrunde eliminieren zu lassen. Schalke 04 fährt nicht aussichtslos nach Leipzig, wenn auch der mitteldeutsche Pokalmeister sehr kampfkräftig ist und erst vor 14 Tagen den Dresdner SC. zu schlagen vermochte. Da wir Fortuna und Meiderich mit dem besten Willen keine Chancen geben können, liegen also die ganzen Hoffnungen bei Schalke, das am ehesten Aussichten hat, in die Zwischenrunde zu kommen chluß noch einmal gut auf und stellte das Ergebnis auf 5:3 und siegte damit verdient. Schiedsrichter Heine(Dortmund) leitete gut. Ein ebenso knappes Ergebnis wie in diesen beiden Spielen gab es im dritten Vorrundenkampf in Mannheim zwischen Tv. Mannheim 1846, und dem Tbd Reutlingen. Auch hier ging der Platzverein, Mannheim 1846, als Sieger hervor und zwar mit 3:2(0:1). In der ersten Spielhälfte war Reutlingen sichtlich überlegen, während sich Mannheim nicht entfalten konnte Das Endspiel um die S8B.=Sandballmeisterschaft. Berlin oder Darmstadt? Das 8. Endspiel um die D SB.=Handballmeisterschaft führt am kommenden Sonntag in der mitteldeutschen Handball=Hochburg Halle Polizei SV. Berlin und Polizei SV. Darmstadt zusammen. Während die Verliner Polizisten nach ihrem hohen Sieg über den südostdeutschen Meister, Borussia Carlowitz, in der Vorschlußrunde spielfrei blieben, mußte Darmstadt den schweren Kampf gegen den Polizei SV. Hamburg bestreiten, der bekanntlich den Titelverteidiger, DHC. Berlin aus dem Rennen geworfen hatte. In diesem Vorschlußrundenkampf erwiesen sich die Darmstädter Polizisten unter Führung des bekannten Internationalen Hauptmann Jans als die Besseren und qualisizierten sich durch einen 8:4-Sieg zum Endspiel. Es ist das erste Mal, daß sich die Darmstädter Polizisten bis und sich verdientermaßen ein Führungstor der Gäste= zum Endspiel durchgerungen haben, dagegen steht der mannschaft gefallen lassen mußte. Nach dem Mochle!! Polize: S9 Barlin schan s- fl-b.an# un mannschaft gefallen lassen mußte. Nach dem Wechsel jedoch, mit leichtem Wind im Rücken, erreichte Mannheim seine gewohnte Form, konnte den Ausgleich erzielen und bald darauf sogar in Führung gehen. Mannheim spielte weiterhin überlegen und vermochte die Ueberlegenheit auch durch ein drittes Tor zahlenmäßig auszudrücken. Gegen Schluß der Spielzeit war der Kampf wieder offen. Nachdem ein Elfmeter für Reutlingen ohne Erfolg blieb, konnten die Reutlinger einen Strafstoß zum zweiten Tor verwandeln. Meidericher Spo.— Hamburger Sp. Der Meidericher Spo. hat das Erbe des Duisburger Spp. angetreten und steht in diesem Jahre zum ersten Male in den Endkämpfen um die„Deutsche". Wie man sieht, haben die Meidericher in der Auslosung Pech gehabt, denn kein Geringerer als der Deutsche Meister und Titelverteidiger, Hamburger Reic SV., ist ihr Gegner. Der HSV, hat sich im vergange= das 76. Feldbergfest mit seinen 1500 Meldungen nen Jahre in imponierendem Stil die deutsche Fuß= Rheinland: Niederrheinische Kampfspiele in Ki ballmeisterschaft gesichert, in einem Augenblick, wo Erpeler Leyfest eigentlich niemand in Fußball=Deutschland an die!—— Wochenendprogramm der Turner. Das Programm der Turner ist auch diesmal wieder sehr umfangreich. Hervorzuheben sind die Zwischenrundenspiele der Handballer und Fußballer, die Reichswettkämpfe der Volksturner in Dortmund und en. Krefeld Hamburger geglaubt hat. Wenn es Ernst wird, dann Eintracht Dortmund. Westfalen: Volkstümliche Reichswettkämpfe des TB la. fehlerfreie ausgesuchte Ware sind die Leute vom„Rothenbaum“ immer da. Und so wird es auch diesmal wieder sein. Nach schlechtem Start bei den Endkämpfen um die norddeutsche Meisterschaft ging zum Schluß der HSB. doch noch als überlegener Sieger durchs Ziel. Holstein Kiel wurde mit 4:1 und Hannover 96 gar mit 6:0 geschlagen. In beiden Spielen wirkte Tull Harder nicht mit. Ob das allerdings ein Nachteil für den Hamburger SB. war, muß dahingestellt bleiben; denn ohne Harder kommt der ehemalige Westdeutsche Franz Horn weit mehr Danzig in Danzig. Mittelrhein: 76. reichsoffenes Feldbergfest. Sachsen: Ausscheidungsturnen für den Volksturnstädtekampf Hamburg— Leipzig— Berlin. Fußball: Westsachsen— Mittelsachsen. Brandenburg: Jahnfeier der Berliner Turnerschaft, Lausitzer Volksturmeisterschaften in Grube IlseBückgen. Dommern: Staffellauf„Quer durch Stettin Norda“ Polizei SV. Berlin schon zum siebenten Male im Schlußspiel. Sechemal konnten die Berliner bisher— von 1922 bis 1927— im Endspiel siegreich bleiben und sich den stolzen Meistertitel sichern, lediglich im Vorjahre wurden sie von dem Deutschen Handball=Club Berlin, der im Endspiel über Polizei Halle triumphierte, abgelöst. In den sieben Jahren leit Bestehen der DSB=Meisterschaft fiel also der Meistertitel immer nach Berlin und es besteht auch keine Ursache anzunehmen, daß es diesmal nicht wieder so kommen wird. Die Darmstädter Polizisten haben zwar in den Endspielen überragendes Können gezeigt, ob es ihnen! aber gelingt, die spielerfahrenen und routinierten Berliner in Halle zu schlagen muß füglich bezweiselt werden, wenn es auch schließlich nicht unmöglich ist. Ein Sieg der Süddeutschen köme auf jeden Fall unerwartet und würde eine Ueberraschung bedeuten Vor dem Spiel der Männer wird die deutsche Damenmeisterschaft entschieden. SC. Charlottenburg und Viktoria Hamburg stehen sich hier im Endspiel gegenüber. Wie bei den Männern, so triumphierten seit der ersten Austragung im Jahre 1923 mit einer Ausnahme(Guts Muts Dresden 1927) jedesmal Berliner Mannschaften im Endspiel. Der SC. Charlottenburg ist Titelverteidiger und hatte die Meisterschaft schon einmal 1926 inne. Die Hamburger sind zum ersten Male im Cuibspiel, haben aber keine schlechten zur Geltung und seine Führereigenschaften sind ja hier hinlänglich bekannt und wurden in den letzten SpieGardinen und ordofl: Gauturnfest des Turngaues Freie Stadt Dekorationen len gegen Kiel und Hannover nur unterstrichen. Ohne vallmeisterschaft der 2T Schlesien: Breslauer Frauensportfest und Vereinsmehrkampf der Männer. Zwischenrunde zur HandStrümpfe Harder ist also u. E. der HSV. weit kampfkräftiger; ob aber die Vereinsleitung bei den Endspielen auf den gefürchteten Torschützen verzichten wird, bleibt abzuwarten.— Man darf gespannt sein, wie sich die Meidericher gegen den grüßen Gegner schlagen werden. Wenn sie in der gleichen Form wie gegen Schalke anKampfgeist mitbringen, dann eine Ueberraschung erleben, richer)noch den Vorteil dion, also vor heimischem den, im ublikum, Papierform nach müßte ja der HSV. siegen, aber die Meidericher Elf ist recht unberechenbar Norden: 75=Jahrfeier der Lübecker Turnerschaft mit kreisoffenem Sportfest. Hannover: Vorrundenspiele zur Handball= u. Fußballmeisterschaft in Hannover. Pfalz: Mannheim— Ludwigshafen im Handball in Freudenheim. TV. Krefeld-Oppum in Ludwigshafen. Zwischenrunde um die OT.=Meisterschaft. Die Zwischenrunde um die Fußball= und HandballMeisterschoft der Turner wird am 16. und 23. Juni Verlangen Sie unverbindlich Muster und Kostenanschlag. Herne Eine Spezial-Abteilung für den verwöhntesten Geschmack Aussichten. Tharlottendurg ist diesmal nicht so stark, wie im letzten Jahre, wo ebenfalls eine norddeutsche Elf(Spiel=Verein Güstrow) im Endspiel hoch geschlagen wurde. * Trabrennen zu Gelsenkirchen. Sonntag, den 16. Juni 1929. # d e m g r o ß e n s p o r t l i c h e n E r f o l g, d e n d e r W e s t sche„raber=, Zucht= und Rennverein mit dem „Stichfahren“ der Internationalen am letzten Sonntag erzielt, beginnen heute die beiden Vorläufe zum großen Juni=Vorlaufs=Rennen. Qualität der Bewerber wird in beiden Vorläufen die Quantität reichlich ersetzen. Sind doch im 1. Vorlauf an Glasformer und Facette zwei erst kürzlich erfolgreiche hochklassige drefjährige, sowie an Minka L., Sarnekau, Meine Liebste, Peter Mochester und Heriana erprobte ältere Flieger am Start zu erwarten. Der 2. Vorlauf vereinigt an Lady Duffy, Rosenblüte, Miß W., Volker und Peter W. die Elite unserer Inländer, die ebenso im ersten Vorlauf hochinteressante schnelle Rennen gtrantieren. Facette müßte nach Gesamtform im 1. Vorlauf zegen Minka L., Meine Liebste, Peter Mochester und riana die Oberhand behalten, während im 2. Vorauf Lady Duffy, wenn sie einmal glatt vom Start kommt, allen das Nachsehen geben müßte. Versagt sie wieder einmal, so werden sich Rosenblüte und Miß W., sowie Volker und Peter W. einen heißen Kampf um den Siegeslordeer liefern. Bleibt die Witterung dem Geläuf günstig, so dürften bei der Klasse der Bewerber wieder alle Rekorde fallen Die übrigen Rennen weisen sämtlich wieder die übliche starke Besetzung auf Allein im einl. Preis vor „Landshut“ sind 19 Zweijährige als Vorstarter genannt, von denen Landito zum dritten Mal triumphieren wird. Ein noch stärkeres Feld wird das 5. Rennen aufweisen, für das nicht weniger als 23 Starter angegeben sind. Gewinnen mußte der mit Lehrlingserlaubnsi vorn abgehende Niersperle. Im übrigen verweisen wir auf unsere Voraussagen. 1. Rennen: Landito— Salvator— Mamertus. 2. Rennen: Goldfink— Riedel— Donator 3. Rennen: Facette— Sarnekau— Meine Liedste. 4. Rennen: Miß W.— Lady Duffy— Rosenblüte — Peter W 5. Rennen: Niersperle— Die Erste von Hamern — Alicka. 6. Rennen: Anvil jr.— Stapellauf)— Manzanares— Nachtfalter 7. Rennen: Angelmaid— Goldfink— Friede M. 8. Rennen: Rosie Watts— Diktat— Prodomo. Beginn: Punkt 3 Uhr. Worüber man in Sportkreisen spricht.. Neue Aufgaben des Fußballsports. Jörderung der unteren Mannschaften— Propaganda auf dem Lande. Nach einem schnellen und machtvollen Emporschnellen der Mitgliederziffern ist im Fußballsport eine gewisse Stagnation eingetreten. Man braucht aus diesem Anlaß nicht gleich von einem Rückgang des Fußballsports zu sprechen, aber unverkennbar bleibt doch, daß das Tempo der Entwicklung um vieles langsamer geworden ist und daß die Werbekraft des Fußballspiels nicht mehr so stark in Erscheinung trit: als früher. Die Ursachen liegen auf verschiedenen Gebieten. Die wirtschaftliche Notlage und die„Konkurrenz“ anderer Sportzweige haben einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dieser Erscheinung. Ein Teil der Abwanderung erstreckt sich auf das Handballspiel, das inzwischen von den meisten Vereinen in das sportliche Programm übernommen ist. Wenn trotzdem die Mitgliederziffern stagnieren oder zurückgehen, so ist das ein bedenkliches Zeichen und zeigt, daß etwas faul im Staate Dänemark sein muß. Man beschäftigt sich im allgemeinen in allen Vereinen viel zu sehr mit der Förderung des Spitzensports und konzentriert alle Arbeit und finanziellen Mittel auf die erste Mannschaft des Vereins, während die unteren Mannschaften vernachlässigt werden. Während die Plattform an Breite und Kraft abnimmt, wird der Spitzenbau übertrieben. Hier liegt die Wurzel des Uebels. Die Zahl der spielenden Mannschaften ist bei vielen Vereinen erheblich zurückgegangen, die Jugendabteilungen sind bei weitem nicht mehr so stark als vor einigen Jahren. Der Fußballsport ist damit an einem gefährlichen Wendepunkt der Entwicklung angekommen. Nicht die Spitzenmannschaften, nicht die Zuschauermassen, sondern die unteren Mannschaften, das Heer der Namenlosen, sind die Träger der Bewegung. Wenn der Nachwuchs versiegt, bleibt die Rückwirkung auf den Spitzensport unausbleiblich. Heute liegen die Dinge so, daß die Hauptarbeit der sportlichen Verwaltungsstellen einzig und allein dem Spitzensport gewidmet ist. Man sehe sich einmal einen Bezirks=, Verbands= oder Bundestag an und stelle fest, was diese Versammlungen für die Allgemeinheit leisten. Das Ergebnis ist erschreckend und beschämend. Die wichtige Pionierarbeit tritt völlig in den Hintergrund. Man überläßt alles den Vereinen, es gibt keine Anregung, keine Richtlinien und keine zielbewußte Unterstützung. Die wenigen Ausnahmen können das Allgemeinbild nicht ändern. Mit der Organisation der„Meisterschaftsspiele" der unteren Mannschaften allein ist es nicht getan. Wichtig ist, den Sportbetrieb der„Unteren“ mit neuem Leben zu erfüllen, diesen im Verborgenen tätigen Sportsleuten mehr Gelegenheit zu geben, werbend an die Oeffentlichkeit zu treten. Weshalb folgt man nicht dem Beispiel des Hockeysports und läßt häufiger Vereinskämpfe austragen? Eine Veranstaltung dieser Art wird bei Mitgliedern und Freunden stets mehr Interesse finden, als ein untergeordnetes Spiel der 1. Mannschaft mit wenigen hundert Zuschauern. Weshalb machen sich die Verwaltungsstellen der Bezirke und Verbände nicht die unteren Mannschaften zunuße. um auf dem flachen Lande zu werben. Die Jugend von heute drängt nach draußen. Beratung und Unterstützung der Vereine an kleineren Orten durch Veranstaltung von Turnieren wird größte Werbewirkung haben. * Der Spitzensport geht seinen Weg. Gewisse wenig erfreuliche Begleiterscheinungen sind unausbleiblich. Man spricht heute viel von einer Verflachung des Fußballsports. Will man dieser mit Erfolg begegnen, dann muß die Arbeit aller Interessierten der Aufgabe dienen, den Fußballsport zu einem Massensport der Aktiven, nicht der Zuschauerl, zu machen. Das beste Hilfsmittel ist die Förderung der unteren Mannschaften, die eine Lebensfrage der Bewegung ist. Der Fußballsport in den Postsvortvereinen. Jasi 200 Post-Mannschaften. Der Fußballsport ist heute in allen Ländern der volkstümlichste Sport, der Massensport. Für die jungen, gesunden, kräftigen und tatendurstigen Menschen ist er der gegebene Kampfsport mit allen körperlichen, geltigen und ethischen Vorzügen. Bei diesem Manntskampf muß jeder der Elf seinen Mann stehen. Es ist eine große Schule für den Kampf ums Dasein, der hart und unerbittlich ist. Zimperliche Menschen setzen sich heute im Leben nicht mehr durch, darum muß die Jugend frühzeitig lernen, den Daseinskampf zu meistern. Gegen den Fußballsport bestehen gerade auch in den Kreisen der älteren Beamten vielfach noch Vorurteile. Wenn nun schon einmal ein Spieler auf feuchtem Rasen ausgleitet, ist das wirklich so schlimm, daß man gleich mit einem abfälligen Allgemeinurteil den ganzen Fußballsport in Bausch und Bogen verdammen muß? Fällt das kleine Kind, das laufen lernt, nicht auch dauernd hin, gleitet der Anfänger im Schlittschuhlaufen nicht auch fortwährend aus— ohne Schaden zu nehmen? „Postbeamte als Fußballspieler!“, das ware ein Thema, über das man Bande schreiben könnte. Zu allen Zeiten und in allen Städten gab es unzählige Fußballanhänger unter den Postbeamten. Mancher große Spieler, der in Auswahlmannschaften gespielt hat. war von der Post. Die Zahl derer, die heute, nachdem die Post=Sportvereine gegründet worden sind, in alter sportlicher Treue in ihren Zioilsportvereinen verblieben sind, ist unübersehbar. Wenn man gelegentlich unter der Hand erfährt, wie viele Postbeamte als aktive Spieler, als Vereinsvorsitzenden und Vorstandsmitglieder in Fußballvereinen noch tätig sind, dann muß man sich immer wieder aufs neue wundern, wie volkstümlich gerade doch der Fußballsport bei den Postbeamten ist. Die Fußballabteilungen der Post=Sportvereine betrachten es als eine Ehrensache, sich möglichst schnell dem Deutschen Fußball=Verband anzumelden. Die Bundesführer hatten uns schon 1926 bei den Deutschen Kampfspielen in Köln die Zusicherung gegeben, daß die Post=Sportvereine keinerlei Aufnahmeschwierigkeiten haben sollten. Auf der im Spätsommer 1928 in München erfolgten Bundesvorstandssitzung wurde folgender Beschluß vom DFB. gefaßt: „Der DFB. stellt sich auf den Standpunkt, daß bei der Aufnahme und bei der sportlichen Betätigung der Behörden= und Firmen=Sportvereine kein Unterschied gegenüber anderen Vereinen gemacht werden soll.“ Der Aufstieg eines neugegründeten Vereins ist im Fußballsport sehr schwierig. Er muß in der untersten Leistungsklasse beginnen, und nur ein ganz geringer Prozentsatz der in einer Leistungsklasse spielenden Vereine erlangt von Jahr zu Jahr die Höhereinstufung. Einige Vereine haben in besonders verabredet gewesenen Gesellschaftsspielen gegen namhafte Gegner ein großes Können an den Tag gelegt, so daß man für ihren Aufstieg gute Hoffnungen hegen kann. Die Spielstärke der Post=Sportvereine untereinander ist noch nahezu ungeklärt. Einige Freundschaftsspiele sind wohl schon ausgetragen worden, aber der Antrag auf Austragung einer allgemeinen Fußballrunde zur Ermittlung des stärksten Post=Sportvereins mußte aus Mangel an geldlichen Mitteln wieder fallengelassen werden. Begegnungen mit ausländischen Post-Mannschaften haben ebenfalls bereits schon stattgefunden. Bonn, als der kleinste deutsche Post=Sportverein, hatte 1928 etwas voreilig zwei Spiele gegen die Pariser Postsportler vereinbart. Die Bonner verloren zu Ostern in Bonn mit 4:5 und im September in Paris mit 1:8. Dieses Vorkommnis führte auf der Jahrestagung 1929 zu folgendem Beschluß: „Spiele mit internationalen Post=Mannschaften müssen vor ihrem Abschluß der Arbeitsgemeinschaft mitgetellt werden. Ausgenommen it der Grenzverkehr.“ Das zweite Spiel fand 1928 in der Reichshauptstadt zwischen dem Sport=Klub„Post“, Wien, und dem PostSportverein Berlin statt. Es wurde unter dem Protektorat des Herrn Reichspostministers ausgetragen, der für beide Mannschaften je els silberne und bronzene Plaketten gestiftet hatte. Herr Staatssekretär Dr. Sautter, die Herren Präsidenten aus Wien, Berlin und Potsdam sowie zahlreiche höhere Beamten des Reichspostministeriums und der Oberpostdirektion Berlin wohnten dem Spiel als Ehrengäste bei. Ein Chor von 100 Postsängern verschönte den Tag durch einige Lieder. Wien gewann den Kampf mit 3:1. Schwimmfest in der Sommerbadeanstalt Herne Ganz Westdeutschland schickt Vertreter.— 39 Vereine.— 330 Teilnehmer. Das Gau=Jugend=Fest, das der Schwimm=Club „Wiking" am Sonntag nachmittag im Sommerbad durchführt, ist bis jetzt ein voller Erfolg. Von ganz Westdeutschland— von Hamm bis Emmerich, von Münster bis zu der Ruhr— kommen die Jugendschwimmer in der stattlichen Zahl von 330. Nicht weniger als 39 Vereine haben ihre Meldungen abgegeben. Im Verlauf der Wettkämpfe werden 412 Schwimmer ihre Bahn ziehen, um den Sieg zu erkämpfen! Trotz der großen Anzahl von Wettkämpfern wird Langeweile nicht aufkommen. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Wettkämpfe innerhalb 2½ Stunden abgewickelt sein werden. Außerdem ist die Jugend kampfbegeistert genug, um für stete Abwechslung für Spannung und Ueberraschung zu sorgen. Und Ueberraschungen wird es auch in Fachkreisen geben! Die unerwartet große Zahl der Wettkämpfer läßt eine Voraussage einfach nicht zu. Oft genug haben wir es auch bei den letzten Schwimmfesten erfahren müssen, daß bisher nicht in Erscheinung getretene Schwimmer plötzlich in vorderster Reihe auftauchten. Bemerkt sei noch, daß bei der Zusammenstellung des Programms besonderer Wert auf die Staffeln gelegt wurde in Verfolg des Gedankens: nicht die Leistung eines Einzelnen— die dadurch keinesfalls geschmälert werden soll— ist maßgebend für die sportliche Stärke, eines Vereins, sondern der Durchschnitt. Daß dieser Weg von der Westdeutschen Schwimmergemeinde auch tatsächlich beschritten wurde, beweist die Tatsache, daß zur großen Staffel 10X50 Meter sieben Vereine gemeldet haben! Eines besseren Beweises bedarf es wahrlich nicht, daß wir Schwimmer nicht auf Spitzenleistung um jeden Preis eingestellt sind, sondern in erster Linie die Massen heranbilden wollen und werden. Nun die Wettkämpfe: Eröffnet wird die Veranstaltung mit einer JugendFreistil-Staffel 3X100 Meter. Fünf Mannschaften— Gladbeck, Oberhausen, Dortmund, Münster und Gel senkirchen— werden um den Sieg streiten. Es folgt das Damen=Jugendschwimmen beliebig 100 Meter. Im Jugend-Rückenschwimmen über 100 Meter starten insgesamt 13 aus 10 Vereinen. 14 Mädels der Vereine ohne Winterbad(VoW) bestreiten das Jugend-Brustschwimmen über 100 Me ter. Hier dürfte Fräul. Zeminz vom S. V.„Neptun“ Herne wohl an der Spitze liegen. Das Knaben-Schwimmen, beliebig, 50 Meter, hat „nur“ 29 Teilnehmer aus 12 Vereinen. Dieser Wett kampf dürfte wohl von den Einzelrennen der interessanteste sein. Mit 27 Teilnehmern aus 13 Vereinen dürfte das Jugend-Brustschwimmen über 100 Meter nicht an letz ter Stelle stehen. 10 Mannschaften streiten in der Jugend-Bruststaffel 3X100 Meter(VoW) um den Sieg. In diesem Wettkampf spielt sich gleichzeitig ein Lokalkampf ab. Beide Herner Vereine stellen je eine Mannschaft. Der Wettkampf. Damen=Lagenstaffel 3X100 Me ter hat die geringste Beteiligung gefunden. Ein gutes Zeichen des Fortschrittes in VoW. ist die Zahl von 17 Wettkämpfern im Jugend-Freistilschwimmen über 100 Meter. Gespannt darf man hier sein Ueberraschungen in der dritten Runde des Daviscup. Glückssiege in Hamburg und Budapest. War der Verlauf der Davispokalkämpfe in der europäischen Zone bisher als durchaus normal zu bezeichnen, so brachte die dritte Runde mit ihren vier Begegnungen gleich drei Ueberraschungen. Deutschland schlug Italien mit 3:2, Ungarn siegte mit dem gleichen Ergebnis über Holland und England schaltete Südafrika gar mit 5:0 aus— wie man sieht, völlig unerwartete Ergebnisse. Während man die Siege Deutschlands und Ungarns als reine Glückssiege bezeichnen muß, die man nur unter den allergünstigsten Bedingungen für möglich hielt, wirkt der glatte 5:0 Sieg Englands über Südafrika geradezu sensationell. Es ist klar: die Briten hatten großes Glück. Aber noch größer ist ihr Können. Ohne Zweifel ist der Unterschied im Können der beiden Nationen nicht so kraß, wie es das Ergebnis vielleicht besagen mag. Man muß einmal berücksichtigen, daß die Südafrikaner ohne ihren besten Spieler Spence anzutreten gezwungen waren und dann das Raymond in so schlechter Form war. Normalerweise hätte man einen knappen 3:2 Sieg für die eine oder andere Partei erwarten können, bestimmt noch eher für die Südafrikaner als für die Engländer. Mit dem Nichtantreten von Spence waren natürlich die Chancen für die Briten gewachsen, da man durch Austin und Gregory bestimmt zwei Einzelspiele zu gewinnen hoffte und das Doppel sowieso sicher hatte. Ein Ausfallen Raymonds wurde gar nicht in Rechnung gezogen. Es kam aber wieder einmal ganz anders; denn sowohl Austin als auch Gregory, die beide in ganz großartiger Form waren, schlugen Louis Raymond und so nahm das Verhängnis für Südafrika seinen Lauf. Mit Spence wäre es vielleicht anders gekommen, aber doch nur vielleicht. In Hamburg und Budapest mußten formgemäß Italien bezw. Holland siegreich bleiben. Bei Italien mußte de Morpurgo zwei Einzelspiele gewinnen und bei Hollend Timmer und Diemer=Kool je eins gegen Takasz(tegen von Kehrling war nichts herauszuschlagen!) Da Italien und Holland auch in den Doppelspielen ihren Gegnern als überlegen galten, mußten also für sie knappe 3:2 Siege herauskommen An ein Versagen ihrer Spitzenspieler hatte sowohl Italien wie auch Holland nicht gedacht. Das kaum Glaubliche trat aber dennoch ein. de Morpurgo, der italienische Tennisdiktator und Weltranglistenspieler, unterlag gegen den ausgezeichneten Hans Moldenhauer und gleichzeitig ließ sich in Budepest der holländische Spitzenspieler Timmer von Takasz schlagen. Alle anderen Spiele verliefen programmäßig: Italien und Holland gewannen ihre Doppelspiele, Bela von Kehrling machte für Ungarn zwei Punkte in seinen Einzelspielen und de Morpurgo gewann in Hamburg sein zweites Einzel während Moldenbauer auch geuen#i Stefani— wie am ersten Tage Dr. Landmann— siegte. Deutschland und Ungarn siegten also jeweils mit 3:2, mit den gleichen Ergebnissen, mit denen man Italien und Holland in Front erwartet hatte. Ohne natürlich die Siege Deutschlands und Ungarns schmä lern zu wollen, muß man sie doch als recht glücklich und unter den denkbar günstigsten Bedingungen errun gen bezeichnen. In Hamburg war de Morpurgo ohne Zweifel physisch und psychisch gehandicapt und in Bu dapest war Timmer von allen guten Geistern verlassen Des einen Freud', des anderen Leid! Oder auch um gekehrt! Die vierte Begegnung endlich in Kopenhagen zwischen Dänemark und der Tschechoslowakei sah erwar tungsgemäß die starken Tschechen mit 4:1 in Front. Noch vor einem Jahre hätten wohl die Tschechen kaum in Kopenhagen gewinnen können, denn damals waren noch Arel Petersen und Erik Worm für Dänemark verfügbar. Jetzt ist Petersen Profi und Worm außer Lands; der Verlust der beiden besten Spieler war ein zu großes Handicap und gab gegen die Tschechei keine Siegeschance. In der vierten Runde— zu gleicher Zeit Vorschlußrunde— werden also noch vier Nationen erscheinen; Deutschland, Tschechoslowakei, Ungarn und England. Deutschland muß in Prag gegen die Tschechen spielen und Ungarn trifft auf den geheiligten Wimbledon plätzen auf England. Während man in Wimbledon mit einem ziemlich sicheren Siege der Briten rechnen kann, ist die Prager Begegnung wieder eine recht offene Sache. Der Deutsche Tennisbund hat ja seine Mann schaft mit Moldenhauer, Dr. Landmann, Dr. H. Kleinschroth und Prenn schon nominiert, wobei Prenn wohl nur als Ersatzmann figuriert. Die deutschen Aussichten erscheinen uns ja nicht als besonders rosig, zumal die Tschechen bestimmt stärker einzuschätzen sind als die Italiener. Von Jan Kezeluh ganz abgesehen, haben unsere Gegner in Menzel, Marcenauer und Malecek noch drei ganz große Könner, die unseren Leuten das Leben recht sauer machen können. Menzel schlug erst vor kurzem in Berlin Prenn! Ist Moldenhauer wieder in seiner Hamburger Glanzform, dann wird er seine beiden Einzelspiele gewinnen und da auch Dr. Landmann für einen Punkt gut ist, so sollte es zu einem knappen deutschen Siege langen, bei Verlust des Doppels(in dem wir international katastrophal schwach sind!) und eines Einzels. Es kann aber auch leicht anders kommen, zumal in Prag Deutschland— England im Final der europäischen Zone wäre ein großer Erfolg für uns und würde die erfreulichsten Perspektiven eröffnen. Vorläufig heißt es natürlich abwarten und in Prag siegen! auf das Abschneiden des Herners Rasch(S. B Neptun). Die Mädels(Schülerinnen) wollen auch nicht nachstehen und stellen im Mädchen-Brustschwimmen, 50 Meter, auch 24 Teilnehmerinnen. Acht Mannschaften versuchen in der Jugend-Bruststaffel 3X100 Meter den Sieg zu erkämpfen. Hart wird es hergehen, denn es sind hier alle großen Vereine, wie Westfalen, Dortmund, S. V. 04— Poseidon, Gelsenkirchen, Gladbeck, Oberhausen, Hamm usw. am Start. Das Jugend-Springen hat 5 Teilnehmer. Zur Damen=Jugend-Bruststaffel, 3X100 Meter, treten 7 Mannschaften an. Recht erfreulich ist die Zahl von 11 Startenden in der olympischen Strecke 200 Meter beliebig. 6 Mannschaften sieht die Knaben-Bruststaffe 4X50 Meter am Start. Die folgende Mädchen-Bruststaffel, 4X50 Meter, bestreiten Hamm, Duisburg, Oberhausen und Dortmund. Das stärkste Feld hat das Damen-Jugend-Bruftschwimmen, 100 Meter, mit 31 Wettkämpferinnen. Für den Schluß ist das große Rennen, 10X50 Meter. reserviert. Wie bereits erwähnt, sind es sieben Mannschaften, die hier um den Sieg kämpfen werden. Eine Schnelligkeitsprüfung ist es, wie sie besser nicht gedacht werden kann. Nun muß nur der Wettergott noch ein Einsehen haben, damit diese gut vorbereitete Veranstaltung auch wirklich ein Jugendfest— auch für die Erwad — werden kann. senen Kurze Informationen. Horn und Kreß in der deutschen Elf. Die Aufstellung des Hamburger Horn als Mittelstürmer und des Frankfurter Kreß als Torwart in der deutschen Ländermannschaft gegen Schweden am 23. Juni in Köln hat überall berechtigtes Aufsehen erregt. Die Hamburger selbst sind von der Aufstellung Horns ebenso überrascht, wie die Frankfurter von der Berücksichtigung Kreß's. Beide Spieler befinden sich zurzeit nicht in bester Form und dürften in der Ländermannschaft kaum die notwendigen Leistungen aufbringen Ganz besonders gilt dies von Kreß, der das verantwortlichste Amt auszuüben hat und dessen Versagen unter Umständen äußerst schwerwiegend werden kann. Wenn die beiden Nürnberger Stuhlfauth und Schmitt II. nicht in Frage kommen, so besitzt Deutschland doch genügend Torhüter, die besser als Kreß sind. Das Experiment Horns kann vielleicht gutgeheißen werden, weil es beim Fehlschlag doch nicht so fühlbar werden wird, wie z. B. der Ausfall von Kreß. Da die Presse fast einmütig diese Ansicht vertritt, ist zu erwarten, daß der Deutsche Fußballbund noch rechtzeitig eine Umbesetzung besonders auf den Torwartposten vornimmt. Es wäre bedauerlich, wenn Deutschlands diesjährige gute Erfolgsserie durch eine verfehlte Aufstellung unterbrochen wird. Glückliche Hertha-B. S.C. Ueber Schlesiens Vertreter in die Vorschlußrunde. Der Deutsche Fußballbund hat die beiden Sieger aus der vorweggenommenen Vorrunde, Hertha=BSC. und Breslau 08, für die Zwischenrunde gepaart, Schauplatz Breslau. Das Treffen wird bereits am 23. Juni, also eine Woche vor der eigentlichen Zwischenrunde abgewickelt. Daß der DFB. sich beeilt, ist verständlich. Aber diese voreilige Paarung wirkt unverständlich. Man soll doch zunächst einmal das Ergebnis der Vorrimde am 16. Juni abwarten, um dann die Gegner der Zwischenrunde zusammenzustellen. Jedenfalls wird der Berliner Meister in unangebrachten Vorteil versetzt, wenn man berücksichtigt, daß schon in der Vorrunde Mannschaften wie Bayern München und Dresdner SC. aufeinander losgelassen werden, daß auch die drei westdeutschen Vertreter insgesamt kaum eine Chance erhalten, über die Vorrunde hinauszukommen. Zwar sind bei dem Ausscheidungssystem Härten für einzelne Teilnehmer, ja sogar für geschlossene Verbandsvertretungen nicht zu vermeiden— und diese waren auch willig in Kauf genommen worden, würde die öffentliche Begünstigung des Berliner Meisters nicht gegenüber anderen Bewerbern eine unnötige Rücksichtslosigkeit bedeuten. Pferdesport-Skandal. Eine Doping-Affaire. Am Tag des„Union=Rennen“ in Hoppegarten(2. Juni) entlief beim Aufgalopp des abschließenden„Gastfreund=Rennen“, der im Besitz des Herrn A. Lenau befindliche Wallach„Genius". Sein Reiter konnte das überaus nervöse Pferd erst nach Zurücklegung einer ganzen Bahnrunde zum Stehen bringen. Am Start erschien dann„Genius“, nicht mehr, vielmehr wurden dem Wallach auf Ersuchen seines Besitzers Speichelproben entnommen, da man bei dem Pferd ein„Doping“ vermutete. Die Untersuchungen, die von Dr. Pape geleitet wurden, hatten jetzt ein positives Ergebnis, da festgestellt wurde, daß„Genius“ mit Coffein und Kokain gedopt worden ist. Der Berliner Union=Klub hat jetzt sofort eine Untersuchung eingeleitet, damit der oder die Schuldigen ermittelt werden können. Die Vernehmung von Trainer, Reiter und Stallpersonal ergab allerdings bisher noch nichts Positives. Wenn der Schuldige nicht ermittelt werden kann, dann muß nach den Rennbestimmungen der Trainer(A. Weichhaus) in eine Geldstrafe genommen werden, da er das Pferd nicht genügend unter seiner Aufsicht gehalten hat. Italienisches Echo. Wie die Hamburger Niederlage ausgenommen wird. Der Ausgang des Davispokalkampfes Deutschland gegen Italien in Hamburg findet in der italienischen Presse starken Widerhall. Der immer objektive„Corriere della Sera“ anerkennt den deutschen Sieg und hebt besonders hervor, daß die italienische Mannschaft bei ihrem Abgang über großen Beifall zu quittieren hatte. Anders natürlich die antideutsche„Gazetta della Sport“(Mailand), deren Sonderberichterstatter De Luca vom Hamburger Publikum von einer„seindlichen, höhnischen und erschreckend teutonischen Menge“ spricht. Eine„dunkle Sache“ sei auch die„Blindheit der Linienrichter“ und im übrigen„da oben“(in Hamburg! Red.)„alles möglich gewesen“. Im Gegensatz hierzu schreibt der„Corriere della Sera“ lediglich von einigen fragwürdigen Entscheidungen der Linienrichter. E Am Donnersteg, dem 15. Juni 1929 verschied unerwartet mein ehemaliger Soziun gerede zu einem Zeitpunkt, in dem er sich nach jehrzehntelanger, auloplernder Arbeit gans seiner Pamilie und seiner Gesundheit widmen wollte. Schmerzlich bewegt stehe ich an der Bahre diesos Mannes, dessen Name mit der Pirma Gebr. Kaufmann, die wir gemeinsam vor drei Jehrzehnten gründeten, und der er mit verbildlichem Pflichteifer bis zum letsten Augenblick seiner Tätigkeit vorstand, auf des engste verknüpft ist Ehre seinem Andenken und Priede seiner Asche. Siegmund Kadden Herne Am Donnerstag, dem 15. Juni 1929 verschied plötzlich unser ehemaliger Chef Erschüttert und in tiefer Trauer stehen wir an der Bahne dieses hochverdienten Mannes Er war uns allen ein leuchtendes Vorbild und zu jeder Zeit ein gütiger und wohlwollender Chef. Die Erinnerung an diesen seltenen Menschen wird auch über das Grab hinaus weiter in uns fortleben. Das Personal der Firma Gebrüder Kaufmann, Akt.-Ges. Herne # — H Nachruf. Durch des Ableben stehere res Reprösententen-Vorhat unsere Gemeinde einen großen Verlust erlitten Er gehörte unserem Repräsentanten-Kollegium seit 25 Johren und seit 6 Jahren els dessen Vorsteher an. in diesen ehrenamtlichen Stellungen hat er seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen zum Wohle unserer Gemeinde verwendet und sich namentlich els Vorsteher des Repräsentanten-Kollegiums hervorragende Verdienst in unserer Gemeinde erworben. Seine perzönliche Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitscheft sicherten ihm die Liebe aller Semeindemitglieder In diefer Treuer sichen wir an seiner Bahre, des Andenken an ihn wird in unserer Gemeinde unvergessen bleiben. Herne, den 15. Juni 1929.. 29658 Der Verstand und Au Resräzentaates-Kelegian der Sruazagen-Gemeinde. Brenustottwerber gerracht Angebote unter E. H. 306 an den Herner Anzeiger. Jugendlicher für sofort gesucht Zu melden bei: E. Kledevka. Breddestr. 4. 2660) 14—15jähriger Junge sofort gesucht. Zu erfragen im Herner Anzeiger. (2646) n NE. 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Juni 1929 Aatzichterat und Vorstans der Rosendahl& Tachrach Aktiengesellschaft. Hierdurch erfüllen wir die treurige Pflicht, von dem plötzlichen Hmscheiden des Mitbegründers und langjährigen Vorstandsmitgliedes unserer Gesellschaft, des Herrn Simon Kaufmann Herne Kenntnis zu geben. Die unermüdliche Schaffenskraft, umtassende kaufmännische Kenntnis, Lauterkeit und Vornehmheit des Charakters waren mitbestimmend für das Gedelhen des Unternehmens, dem der so jöh Dahingeschiedene über 30 Jahre seine genze Arbeitskratt gewidmet hatte Leider ist es ihm nicht vergonnt gewesen, die Prüchte seiner Arbeit in wohlverdienter Ruhe zu genießen. Wir werden dem teuren Verstorbenen stets ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Herne-Bochum, 15. Juni 1929. Im Namen des Aufsichtsrates: Der Vorsitzende: Hermann Röttgen, Rechtsanwatt, Gebrüder Kaufmann, Akt.-Ges., Herne. Achtung! Achtung! Herner laßt eure Autträge hiesigen Gewerbetreibenden au gute kommen. FärbereiMayer Herne, Neustraße 2. 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Juni 1929 Los 50 Pfennig 2892 Gewinne und 2 Prämien zusammen 15000 Rm. Höchstgewinn M. 8000 1 hauptgewinn.......... M. 5 000 1 Pramie M. 2000 1 Prämie M. 1 000 1 Gewinn M. 500 5 Gewinne zu se M. 100= M. 500 10 Gewinne zu je M. 50= M. 500 25 Gewinne zu se M. 20= M. 500 100 Gewinne zu je M. 10= M. 1000 250 Gewinne zu se M. 4= M. 1000 500 Gewinne zu se M. 2= M. 1000 2000 Gewinne zu je M. 1= M. 2000 Lose vorrätig bei: Koethers& Röttsches, Herne neben dem Postamt. Wiedersehen auf Es war Jeanette gelungen. Edgar ins Kino zu bringen, trotz seiner undegreiflichen aber ausgesprochenen Aversion dagegen. Sie saßen jetzt im verdunkelten Parkettraum eines mäßig besuchten Vorstadttheaters und Jeanette verfolgte gespannt die vorbeiflimmernde Handlung während Edgar sich wie leider schon gewöhnlich in seiner abscheulich ostentativen Art zu langweilen schien. Je medr sich das Stück seinem Höbenunkt näberte,— je deutlicher die tragischen Mienen und der augenaufschlagende Blick des Helden und seiner Partnerin das ravide Herannaben des Seelenzustandes der„letzten Dinge“ abnen ließ.— um so haufiger und andauernder bewegten sich Edgars Kinnbacken in krampfhaftem Gähnen. Jeanette lehnte sich in den Sessel zurück und konnte so, nicht odne eine gewisse Sorge und ein Gefübl der Verantwortung, die rechte Gesichtshälfte idres Begleiters beobachten, ohne daß ihr etwas von den Vorgangen auf der Leinwand zu entgeben brauchte. Sie kannte schon die Eigenheit Edgars auf ein spannendes Drama wie auf eine angemessene Dosis Veronal zu reagieren; aber ihre Neugier nach neuen filmischen Eindrücken verleitete sie immer wieder zu der ootimistischen Hoffnung. er werde sich diesmal anständig denehmen. Wie jeglicher Ootimismus in bezug auf die Besserung der Menschen, erwies sich diese Hoffnung als vollkommen unbegründet, denn Edgar gähnte bäufiger und krampfhafter denn je. „Sein Betragen ist unerhört.“ dachte Jeanette, dieser Mangel an Kunstverständnis,— diese Rücksichtslosigkeit mir gegenüber,— es ist direkt taktlos. Was sollen die Leute von mir denken, wenn sie meinen Begleiter derartig ostentativ gädnen seben?— Man muß mich für das langweiligste und uninteressanteste Geschöpf der Welt halten! Ich werde unvermutet fortgeben und ihn allein lassen! Man muß ihm einmal eine Lehre geben.— Aber vorläufig werde ich noch warten, der Film ist eben auch ganz nett.“ Edgar abnte wohl nicht, was für abgründige Gedanken sich in Jeanettes Kövschen bewegten,— vielleicht dätten sie ihn auch nur wenig tangiert, denn er var zu sehr non den bequemen Vorstellungen der absoluten Unverbindlichkeit des Befreundetseins durchdrungen. Er ersand es als angenehmen Zustand, der Absicht kennt, dessen einzelne Etappen man zufällig gemeinsam absolviert,— wie bei einer Reise, wo wahrscheinlich an irgend einer Station jemand allein aussteigen wird, wo man kein Endziel bat, aber doch die Möglichkeit, gemeinsam irgend ein Ende, das man vorher nicht kannte, zu erreichen. Es war gut, daß Jeanette gewartet batte, denn sie mußte jetzt in Edgars Gesicht eine plötzliche Veränderung bemerken,— seine Züge verrieten Soannung,— die Livven waren halb geöffnet wie in maßBuntes Allerlei Wie alt sind die Scebäder? Im alten römischen Imperium war der Wert der Seedader für die Gesundheit, nicht minder übrigens uch ihre Eignung für Vergnügungszwecke, wohl bekannt. Ueberall entstanden zur Kaiserzeit am Strande des Mittelmeeres luxuriöse Seebäder, und die Kaiser lieben sich oft ihre Prachtvillen unmittelbar am Strande erbauen. Mit dem Verfall des römischen Imperiums aber versielen auch die Seebäder. Das ganze Mittelalter hindurch kannte man sie nicht Man unternahm zwar Badereisen, d. b. man suchte " die warmen Quellen und Mineralbäder des Binnenlandes auf, die Meeresküste jedoch blieb öde und leer. Erst um die Mitte des 18. Jahrbunderts wurde man auf den Wert der Seeluft, des Badens in der See und der Sonnenstrablung am Strande aufmerksam. Der englische Arzt Russell gilt im allgemeinen als Entdecker des Meeres“. In England kamen die Seebader denn auch zuerst auf. In Deutschland wurden die Aerzte Lichtenberg und Janus bahnbrechend. Das älbeste deutsche Seebad ist das Ostseebad Doberan in Mecklenburg, das im Jahre 1793 eingerichtet wurde, und zwar durch den Großberzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg. Im Jahre 1798 folgte Nordernev. 1804 Wangerooge. Von den Ostseebädern entstanden Travemünde im Jahre 1905. Sminemünde und Saznitz im Jahre 1828. * der Teinwano" en losem Erstaunen, sein Blick mit unverkennbarem Interesse auf die Leinwand gerichtet. „Was ist mit Ihnen, Edgar?“ flüsterte Jeanette und beugte sich an sein Obr. „Sehen Sie die Frau im Film?— Ich kenne sie. Sie ist fabelhaft! Richt wahr? Sehen Sie Ihren Partner? Diesen jungen eleganten Snob?— Sehen Sie,— den hätte ich soielen können! Was sagen Sie dazu?“ „Wissen Sie,— ich glaube eigentlich nicht, daß an Ihnen ein Filmstar verloren gegangen ist, Edgar, — leider,— oder vielleicht ist das einer Idrer wenigen Vorzüge.— Im übrigen verstebe ich nicht ganz die Zusammenbänge.“ „Ich werde es Ihnen erzählen. Es mag vor einem Jahr, oder so, gewesen sein.— An einem Sonntagvormittag schlenderte ich durch die Straben, um einen Freund zu besuchen. Nach einem ziemlich bewegten Abend hatte ich gut ausgeschlafen und fühlte von der Wirkung des Alkohols nur noch das angenehme Zurückdämmen des Alltags in entfernteste Regionen des Bewußtseins; ich brauchte nicht ins Bureau zu geben und ein Hundertmarkschein, der wirklich über den Etat war, brannte in meiner Tasche. Sie können verstehen, daß mir ganz wohl war und ich mich in einer Versassung befand, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit mich in den Strom des Lebens zu stürzen. Völlig unvermutet vertritt mir eine junge Dame den Weg und bittet mich in gebrochenem Deutsch, sie einen Moment anzudören. Dabei sieht sie mich mit großen tiefschwarzen Augen, deren Weißes so bläulich schimmert,— wissen Sie Jeanette— richtige südländische Augen,— flebend an! Sie war adrett angezogen und schien ganz jung zu sein. Ihr ganzes Wesen war so unverfälscht und offen, daß ich fast unwillkürlich zur Seite trat und sie bat, zu erzählen. Eine Italienerin,— was auch der Aussprache nach wahrscheinlich schien,— war sie angeblich vor einigen Tagen nach Berlin gekommen, um hier in einem Film mitzuwirken. Sie hätte eine ganz gute Rolle in Aussicht und erwähnte auch, daß sie und der Regisseur noch einen Partner,— einen jungen soignierten Herrn suchen. Das paßte doch vorzüglich — nicht wahr? Jetzt kam aber das weniger Schöne an der Sache: sie könnte heute am Sonntag nicht an ihr Bankkonto gelangen und sei in furchtbaret Verlegenheit, da sie dringend ihre Hotelrechnung bezahlen müßte. Man habe ihr gedroht, sie sofort auf die Straße zu setzen. Sie flocht jetzt noch einige Bemerkungen über gewisse Herren ein, die wohl gut fundiert und auch durchaus hilfsbereit, aber letzten Endes eben doch sehr kommerziell gesinnt wären. Was tut also der weltgewandte Großstädter in so einem Fall? Er gibt kein Geld und verweist an die zuständigen Bebörden, nicht wahr?— Wissen Sie, das mit dem Das teuerste Seebad der Welt Die europäischen Luxusbäder, Nizza. Trouville, Ostende, Norderneo sind nichts gegen das Luxusbad der amerikanischen Millionäre, das diese sich eigens an einer sonst unwirtlichen Küste geschaffen haben, um ganz„unter sich" zu sein. Es ist Palm Beach(auf deutsch: Palmenstrand) an der Küste Floridas. Meilenweit umher ist nichts als öder Sand, nur mit kümmerlichen Zwergpalmen, Nohr und Gestrüvp bestanden. Auch die Stelle, wo heute der Badeort steht, war ursprünglich nicht anders. Wenn heute dort ein Palmenwald aufragt— daher der Name— und prächtige Gärten sich ausbreiten, so ist dies alles mit unendlicher Mübe künstlich geschaffen. Der Badeort besteht nur aus drei riesigen, mit allem nur denkbaren Luxus ausgestatteten Hotels und den Villen, die sich etliche Millionäre dort errichtet haben, zum Teil mit einem Aufwand von vielen Millionen. Dazu kommen Golfplätze, Tennisplätze, Parkanlagen, Rennstraßen(für Automobile natürlich) und die üblichen Strandanlagen. Alles ist darauf berechnet, das das durchschnittliche Kurpublikum— und der Durch schnitt beginnt hier schon bei sechsstelligen Vermögenszahlen— fernzuhalten. Aus Neugierde kommt wohl der eine oder andere minder Begüterte einmal hin; tritt er entsprechend auf, so findet er wohl in den Hotels auch eine Unterkunft, aber es je von Nicolas Alerander. Gelde, klang ja wohl sehr hanal, aber ich datte doch nicht den Eindruck, es mit einer abgeseimten Person zu tun zu baben, und wählte deshalb einen weisen Mittelweg: ich bat sie, mir ihre Telephonnummer zu geben, und ich versprach, sie anzurufen. Seben Sie, Jeanette, diese Frau spielt in diesem Film die zweite Rolle, und ich hätte sicher den Snob mimen können. — Voila.— Heute wäre ich bestimmt schon ein Star. Dann trennten wir uns und die kleine Italienerin war so gerührt, daß sie mitten auf der Straße einen tiefen Knicks machte. Das war zu echt und verstärkte noch den Eindruck ihrer Harmlosigkeit in mir, so daß ich fast entschlossen war, ihr, soweit es meine Mittel erlaubten, zu belfen. Nachber kam ich zu meinem Freunde, der ein ausgesprochener Zoniker ist und laut auflachte, als ich ihm die Geschichte erzählte: „Du bist maßlos naiv.“ Edgar, sagte er,„das bat die gerissene Hochstaplerin, die Dir begegnet ist, sofort geseben. Mir könnte so etwas überhaupt nicht passieren.“ Man will nur ungern die Rolle des Naiven spielen heutzutage, so habe ich sie dann auch nicht angerufen.— Sehen Sie,— sicher hätte ich den eleganten Snob spielen können; denken Sie bloß, eine wie passende Rolle das gewesen wäre?— Einmal hätte man sich natürlich geben können! Ja, das moderne Leben ist sehr komoliziert. Was hätten Sie an meiner Stelle getan, Jeanette?“ „Sie hätten der Frau natürlich helfen sollen.“ „Und wenn sie wirklich eine Schwindlerin gewesen wäre?“ „In diesem Falle ganz gleichgültig.— Sie sagen doch, sie war jung und hübsch, dazu bilflos,— das genügt doch wohl. Sie sind eben ein Egoist wie alle Männer!“ „Ich war bloß vorsichtig, was viele Frauen nicht sind.“ „Man muß eben nur den richtigen Blick für die Menschen und Dinge haben; übrigens im Film wären Sie bestimmt nicht reussiert!" Jeanette dachte: ist er ganz raffiniert und erzählt mir diese Geschichte, die dann nicht wahr sein wird, nur um sich interessant und begehrenswert zu machen? Oder war er wirklich so naiv mit der Italienerin, wie er es darstellt? Bei Edgar weiß man das nie genau, eigentlich ganz nett, man macht immer neue Entdeckungen. Vielleicht ist das überhaupt ein Vorteil,— so hat man Variationen ohne Wechsel des Objekts. Jedenfalls hat er nach seiner Darstellung nichts getan,— wahrscheinlich war er zu faul, wie gewöhnlich. „Eins könnten Sie aber bestimmt aus der Geschichte lernen, Edgar!“ „Nämlich?“ „Daß es manchmal auch ein Fedler ist, nichts zu tun.“ wird sich bald eine so rasende Schwindsucht in seinem Geldbeutel einstellen, daß er den Aufenthalt leid werden wird. Die Saison dieses Seebades ist kurz; sie dauert etwa von Februar bis Avril. Von da ab liegt es in trovischer Hitze verlassen da— nur die Zinsen für die investierten Millionen lausen weiter. * Ein Mißverständnis Rossini wohnte einst der Uraufführung einer Oper bei. Er saß neben dem Komponisten in der Loge, und zwar nach einer alten Sitte, die man auch heutzutage mitunter noch in der Pariser Over beobachten kann, mit dem Hute auf dem Kopf. Fast bei jeder neuen Arie nahm er den Hut grüßend ab und setzte ihn dann wieder auf den Kopf. Der Komponist fühlte sich geschmeichelt und sagte endlich:„Ach bitte, Meister. behalten Sie doch Ihren Hut auf. So hervorragend sind die Melodien denn doch wohl nicht, daß ein Rossini in dieser Weise seine Achtung bezeugen müßte.“ —„Sie irren, lieber Kollege," erwiderte Rossini trocken,„ich begrüße nur, wie es sich gehört, meine alten Bekannten.“ Am Herdscner# Uuterhaltungsbeilage zum Heener Anzeiger“. Copyright 1929 by Karl Köhler& Co., Berlin=Zehlendorf. Orisinal-Roman von Auny u. Panhuys Nach einer kurzen Pause fuhr der alte Herr Bürger, zu seinem Sohn gewandt fort:„Ich dachte mir vorder, man müßte das gemeinsame Blut doch spüren. So nett wie es ist, ne hübsche junge Person im Hause zu haben, die zu einem gebört, so eigen ist's, daß ich mir diese Zusammengebörigkeit immer erst wieder selbst klarmachen muß. Du dagegen füblst Dich fast ein bißchen zu sehr mit ihr zusammengebörig, Lothar. Wenigstens glaube ich, das seit einiger Zeit beobachtet zu haben. Seit ich Dich nun heute mit Toni zusammen sah, wurde mir meine Beobachtung bestätigt. Du weißt, Toni wäre mir eine sehr willkommene Schwiegertochter gewesen, aber.. Er brach kurz ab, sab den Sohn noch immer an. Lothar erwiderte ruhig:„Wenn ich Charlotte nicht kennengelernt hätte, wäre Toni auch wohl wahrscheinlich meine Frau geworden.“ Der Aeltere runzelte die Stirn. „Charlotte kam zu uns, um mir die Tochter, Dir die Schwester zu ersetzen.“ „Ersetzen, Vater, nur zu ersetzen. Aber sie ist und bleibt deshalb doch Deine Nichte und meine Kusine. Sie nennt Dich nicht Vater, sondern Onkel, und warum sollte ich meine Kusine nicht beiraten. Vater, die Gelegenheit einer Aussprache ist gegeben, also will ich sie nützen. Ja, ich liebe Charlotte, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als sie meine Frau zu nennen.“ Hubert Bürger strich energisch über seinen dicken Schnurrbart. „Ich habe es kommen sehen, und ich wüßte auch nicht die geringste Einwendung zu machen. Dennoch, mein lieber Junge, überlege Dir alles nicht nur einmal, sondern ein dutzendmal. Die Toni wäre mir lieber. Wenn Du mir sagen würdest, Du möchtest Dich mit ihr verloben, dann ließe ich zur Feier dieser Stunde eine Flasche Sekt aus dem Keller holen. Ich habe nichts gegen Charlotte, aber als Deine Frau— Die Geschichte heute abend hat mich geärgert, ich kriege mit dem besten Willen kein Mitleid zusammen. Ich sehe gern klar, und bei Charlotte ist irgend etwas, wo ich mich nicht auskenne. Aber wenn Du sie liebst, soll Dich das nicht verhindern, glücklich zu werden. Wenn Dich Charlotte wiederliebt—“. Er zuckte die Achseln.„Wollen schlafen geben, Lotbar, morgen früh um acht müssen wir beide im Bureau sitzen und eben schlägt es Mitternacht!" * Lothar ging noch lange nicht zur Rube. Er stand am Fenster seines Zimmers und schaute in die Nacht binaus, die sich mit unzähligen flimmernden Sternen geschmückt hatte. Er sann darüber nach, wie es kam, daß ihm nie zuvor ein weibliches Wesen so sehr gefallen hatte wie Charlotte. Morgen wollte er sie befragen, ob sie die Seine werden wollte. Leise flüsterte er vor sich hin: Morgen, morgen! Hoffentlich hatte sich Charlotte bis morgen vollständig von der heutigen Erregung erholt, die für ihn keiner besonderen Erklärung bedurfte, wenigstens keiner anderen, als die sie selbst von Anfang an gegeben. * Trude Berger war am Ziel ihrer Wünsche. Lothar hatte sie gefragt, ob sie seine Frau werden wollte, und sie war ihm jubelnd um den Hals geflogen, hatte ihn fast erstickt mit ihren Küssen. Er war glücklich. Daß ihn das süße bkonde Mädel so sehr liebte, das hatte er doch nicht geahnt. * Er nahm sie bei der Hand. „Nun komm zum Vater!“ Hubert Bürger sah seinem Sohne sofort an, was er für eine Neuigkeit brachte. Er selbst hatte immer noch gehofft, Lothar würde erkennen, daß Toni Karrmann viel besser zu ihm paßte. Er seufzte heimlich. Schade, jammerschade. Die beiden hätten so gut zueinander gepaßt. Er schämte sich fast des Gefühls, das in ihm aufstieg und das er selbst als ungerecht gegen die Nichte empfand. Er dachte, es wäre besser gewesen, Cbarlotte überhaupt nicht in sein Haus zu holen. Aber weil er sich dieses Gedankens schämte, zwang er sich, sie freundlich anzuseben, sie auf die Stirn zu küssen. „Aber ich bitte mir aus, daß ihr erst nach Weibnachten beiratet!" bestimmte Hubert Bürger.„Im übrigen wird ja durch Eure Heirat äußerlich hier nicht viel verändert. Wir bleiben doch nachber genau so beieinander wohnen wie vorber?“ Lothar nickte. „Natürlich, Vater, wir werden Dich doch nicht allein lassen in dem großen Kasten.“—— Verlobungskarten wurden ausgesandt. Herr Karrmann gratulierte schriftlich, auch im Namen von Frau und Tochter. Als Hubert Bürger die Glückwünsche las, zuckte es ein bißchen melancholisch um seinen Schnurrbart. Arme kleine Toni! Er traf dann zufällig seinen Freund Karrmann im Bodenbacher Bahnbof. Sie gingen zusammen einen Schoppen trinken. Karrmann war anfangs etwas zurückhaltend, als aber Hubert Bürger ganz offen bekannte, er hätte, obgleich er keinen Grund gehabt, sie zu bintertreiben, keine Freude an der Verlobung, da öffnete der andere weit sein Herz. Toni hatte jämmerlich geweint, als die Verlobungsnachricht ins Haus geflogen wäre, und seine Frau habe vor, mit dem Mädel für längere Zeit nach Wien zu Verwandten zu reisen. Im Wiener Wintertrubel solle sie vergessen. Die Männer drückten sich die Hände, frob, daß ihre alte Freundschaft fest geblieben. Hubert Bürger war in einer Stimmung, noch ossenherziger zu sein. Er erzählte, daß er sich die Nichte ganz anders vorgestellt und wie sehr sie ihm, trotz ihres Liebreizes, fremd bleibe. Der andere lächelte. „Ein bildhübsches Geschöpf ist sie. Aber es ist ein bissel was Erzwungenes um sie berum" Hubert Bürger nickte eifrig. „Was Erquältes, so als ob sie in Unsicherbeit berumtappt. Das sört mich so besonders an ihr. Sie ist doch daheim bei mir, aber wenn man sie etwas fragt, über ihre Eltern oder von späteren Tagen, dann meint man, sie müßte erst jedes Wort, ebe sie Antwort gibt, dreimal überlegen.“ Er leerte bastig das Glas.„Als wenn sie was zu verbergen hätte! Das stört mich an ihr, stört mich immer aufs neue. Und diese merkwürdige Scheu, eine Taste zu berübren oder einen Ton zu singen! Ich höre so gern gute Hausmusik, aber seit mein Lottchen tot ist, gibt's kein trauliches Dämmerstündchen mebr. Bach, Beethoven, meine Lieblingsmeister, böre ich nicht mehr. Mein Lottchen spielte so lieb und warm, wie Dein Mädel spielt.“ Er schluckte.„Ich dachte, ich erwartete, die Nichte würde mir wenigstens zum Teil mein Kind ersetzen, aber— Ach was, lassen wir nun das Thema, mein Junge wird hoffentlich glücklich mit ihr!“ Sie redeten von anderen Dingen. * Und die Zeit ging hin. Monat reibte sich an Monat. Weihnachten zog vorbei. Lothar mußte sich während der Verlobungszeit in der Fabrik installieren, wo es ein paar nette Zimmer gab, weil Frau Mattausch erklärte, die gute Sitte verbiete Verlobten, unter einem Dache zu wohnen. Aber Lotbar kam zu den Mahlzeiten, blieb bis spät abends daheim. Trude Berger wurde von ihm sehr verwöhnt. Er ließ alle möglichen Geschenke für sie kommen. Ihr Lächeln schon war ihm Dank genug. Sie hatte es als Braut bequem. Die Sorge der Aussteuer drückte sie nicht, im Hause war alles überreichlich vorhanden, und was sie sonst noch wünschte und brauchte, wurde ihr zur Auswahl geliefert von ersten Wiener Firmen. Das Brautkleid wurde in Bodenbach gefertigt und lag schon lange vor der Hochzeit bereit. Sie betrachtete es oft und nahm sich vor, wenn sie in diesem Kleide vor dem Altar gestanden, wollte sie mit keinem, auch nicht mit dem kleinsten Gedanken mehr an früher denken. Mit der Mittagspost kamen täglich einige Zeitungen und nach Tisch pflegten Vater und Sohn zu lesen. Auch für Trude war zuweilen Lekture dabei. * Es war Anfang Februar und es schneite tüchtig. Die drei befanden sich im Wohnzimmer, kasen in den vorhin gebrachten Zeitungen und Lotbar, der rauchend am Fenster saßz, erzählte zuweilen seiner Braut irgend etwas, was er gelesen. Er tat es in halb. lautem Tone, um den Vater nicht zu stören, der in ein Fachblatt vertieft war. Das junge Mädchen hielt lässig eine Frauenzeitung in Händen, börte zu, wenn Lothar sprach und blickte hinaus in das Flockengewimmel. Schön sah es aus, wie sich der dichte weihe Mantel, der über alles draußen gebreitet war, immer voller und wollige; zusammenwebte. Sie blätterte teilnahmslos und schlug die Umschlagseite zu. auf der allerlei Annoncen standen. Gedankenlos streiften ihre Augen darüber din und blieben dann unwillkürlich an einer Stelle dängen. weil sie ibren eigenen Namen gelesen zu baben meinte. Sie blickte genauer hin und las mit jäb einsetzendem Herzklopfen: „Große Erbschaft! Gesucht werden die rechtmäßigen Nachkommen von Karl Berger, Tischler in Berlin, der einen einzigen Sohn Ernst hatte, der sich rung mit Minna Rubbert verbeiratete und mit ihr ein kleines Geschäft in Berlin=Osten betrieben haben soll. Dieses Ebevaar oder Kinder aus dieser Ebe haben Erbansprüche. Es dandelt sich um Nachlaßwert von Millionen des verstorbenen Franz Verger aus Berlin in Argentinien. Meldungen sind zu richten an Justizrat Festnagel, Hamburg.“ Es folgte genaue Adresse. Trude Berger hatte wirklich Mübe, ihre Erregung zu bezwingen. Sie hielt das Blatt vor die Augen, damit Lotbar nichts von ihrer Verwirrung merken sollte. Es handelte sich um Millionenwerte in Argentinien, und die Einzige, die ein Recht besaß, sich zu melden, wäre sie, denn Ernst Berger war ihr Vater gewesen und Minna Rubbert ihre Mutter. Karl Berger, der Tischler, war ihr Großvater, und sie wußte, daß sein Bruder Franz in jungen Jahren aus. gewandert sein sollte. Irgendwobin ins Weite. Der war also gestorben. Millionenwerte barrten ihrer und sie durfte sich nicht melden, sie mußte es gescheden lassen, daß der Reichtum irgendwie dem Gemeinwohl zugeführt wurde oder gerissenen Schwindlern in die Hände fiel. Sie sah Lothar an und ihr Herz wurde weich. Sie bedurfte keiner Millionen, um glücklich zu sein Sie konnte sorglos leben, wurde die Frau des Mannes, den sie liebte. Was brauchte sie noch mehr! Der Aufruf ging sie ja auch gar nichts an. Sie hieß Charlotte Bürger und kannte die Nachkommen Karl Bergers nicht.— Aber sie nahm das Heft mit nach oben und konnte nicht widerstehen, den Aufruf immer wieder zu lesen Eine eigenartige Stimmung wurde in ihr wach. Vor Rechts wegen hätte sich jetzt die falsche Charlotte Bürger mit den Papieren von Trude Berger bei den Hamburger Notar melden müssen. Sie sächelte. Dum mes Zeug, das ging doch nicht. Wie mochte es der echten Charlotte Bürger überhaupt geben? Wahrscheinkich wohnte sie noch bei Frau Klockow. gab Klavierstunden und bildete sich ein, eine große Sängerin zu werden. Sie legte das Heft in ein Fach des Schreibtisch chens. und dabei jann sie, daß sie nun auch bald ibee alten Zomilienpaviete vernichten mußte, die sie immer noch ausocboben, in einer unklaren, verworrenen Auast. Sie waren in ihr altes blaues Jackenkleid eingenäbt. in dem Kleid, das sie sich gemacht für ihr erstes Zusammentroffen mit Lothar damals in Berlin. Sie öffnete den Kleiderschrank im Schlaszimmer, tastete an dem Kostum herum und sann, daß die Paviere, die de leise rascheln börte, deute Millionen wert waren, denn sie bewiesen klar ihre Ansprüche, weil be das einzige Kind von Ernst und Minna Berger ocdorenen Rudbert war Sie lachte. Wie reich war sie denn eigentlich, daß be freiwillig auf Millionen verzichten konnte? Man mußte schon sehr reich sein, um sich das erlauben zu dursen Ihr Lachen schwand, maskenhaft start wurden ihre Zuge. Weshalb redete sie sich nur diesen Unsinn ein von einem freiwilligen Berzicht! Freiwillig? Sio schlug die Schranktür zu. Am Morgen ihres beczeitstages würde sie die Papiere von Trude Berder verdrennen, damit sie nie im Leden jemand in die Hande fallen konnten Ein Schatten duschte über ihr Gesicht. Bielleicht sard be zung, keine Spur durfte zurückdleiben von ohrer Schuld. Ihre Stirn wurde wieder dell. Welch eine Närrin war sie doch, ans Sterden zu denken, so kurs vor ihrem Gluckstage. Sie trällerte ein Liedchen, ihre Stimme war unbedeutend und auf ein dibchen Falschsingen war es vor nie angekommen. Roch nicht einen Ton datte sie bisder dier im Hause gesungen, war stets darauf bedacht gewesen, es nicht zu tun.—— Nun ging aber Hubert Bürger aus dem Flur vor oder und dorchte auf. Wer sang denn dinter jener Tür lo salsch und unmusikaltsch? Das war doch Cdarlottens Schlafzimmer? Das Dienstmädchen raumte wodl auf. Blötzlich verstummte der Gesang wie abgeschnitten Trade Berder war sich jäh bewußt geworden, wie deadrlich die Singerei für sie war Im selden Augenblick kam das Dienstmadchen die Treppe vom Dachstock derunter Hudert Bürger war verdutzt. Das Mädchen kam von oden. Frau Mattausch hatte er noch eben unten ersorochen. Alle konnte niemand anders so marternd allch gesungen daben wie Cdarlette. Er muhte Gewibheit daden und vochte an die Tür Trude Berger öffnete sofort. Der Mann blickte in das Zimmer. Niemand besand sich darin, auber dem junden Mädchen Er loste rosch:„Ich wollte Dir nur sagen, daß Lothar und ich deute abend etwas locter nach Hause Und dann setzte er dinzu:„hast Du eben hler bo erausigen Singsang verübt? Ich dabe jedt noch eine Gänsebaut davon?“ Trude füdlte es wie einen Ruck durch idren Körper geben, ganz starr und eisig wurden ihre Glieder. Frechbeit, stehe mir bei! dachte sie und lachte kaut auf. „Ach. Onkel, ich dade manchmal so dumme Einfälle, ich habe einen Clown nachoemacht, den ich einmal geseden habe im Wintergarten in Berlin!" „So, lo!“ sagte er,„ich glaudte schon. Du prodtest aus, ob Du noch was von Deinem Gesangunterricht behalten hast." Er nickte ihr kurz zu und wandte sich um Trude schloß leise die Tür. Wie datte sie auch solche Dummheit verüben können!— Ob ihr Hubert Bürger die blöde Ausrede glaubte? Nun, er vermochte ihr ja nicht zu beweisen, daß sie sich einer Ausrede bedient batte. Hubert Bürger aber war den ganzen weiteren Tag über sehr nachdenklich. Charlotte hatte ihn angelogen, daran datte er keine Sekunde gezweiselt, er wußte nun genau, weshald sie sich niemals hatte bereit finden lassen, etwas zu singen. Sie besaß keine Stimme. Wenn ihr Klavierspiel aus derselden Stufe Rand, wie ihr Gesang, dann war er frob, es nicht hören zu müssen. Aber sie hatte doch Klavierunterricht erteilt und war im Begriffe gewesen, ihre Stimme für die Over auszubilden. Wenn die Auskunft sich mit diesem Bericht über sie geirrt hatte, was immerdin kaum anzunehmen war, se hatte sie selbst doch alles bestätigt. Seltsam war das, seltsam! Odne Norbert Hermanek dätte Charlotte Bürger niemals alles das zu tun vermocht, was notwendig war, um im nächsten Winter schon auf der Bühne stehen zu können. Er sorgte für eine gute Schauspielledrerin, die früher selbst eine dervorragende Overnsängerin gewesen und ihr in allem, was dazu gehörte, gediegene Anweisungen zu geben vermochte. Als der Herbst im Anmarsch war, da sagte Norbert Hermanek zu Charlotte Bürger:„Ich habe mir mal letzthin die Gesend angeschaut, in der Sie wohnen, habe unter einem Vorwand Idrer dicken Schlummermutter einen Besuch abgestattet und sage Idnen nun deute, weil der Tao, da Sie unserem Overnensemdle eingereiht werden sollen, nicht mehr fern liegt: Machen Sie Schluß bei dieser Klockow. Es ist niz, wenn Sie von dieser düsteren Hintertrevvenvension des Ostene in das Ensemdle kommen. Ich finde auherdem, die Umgebung drückt aufs Gemüt. Künstler brauchen Schönheit um sich. Die dunkle, schmutzige Mietokalerne ist bein Billen für Sie. Wenn Sie Geldmangel daden, beien Sie oisen. Der Jntendant gibt Idnen derne Verichud! Sie sanden je mit einer döchn achtungswerten Monatsgage an.“ Cdarlotte Bürder sad ein, daß Nordert Hermanek recht datte. Er besorgte ihr zwei schöne große Zimmer bei einer verwitweten Frau von Lichbero, die Anspruch auf den Titel Ewellens datte. Die Dame, eine sattliche Frau, Ansano der Sechzis. war sehr frod über diese Nebeneinnahme und ein zukünftiger Overnstar war ihr viel lieber als sonst jemand. Cdarlotte hatte noch den Vorteil, in dem ihr zugewiesenen Wohnzimmer einen Flugel vorzufinden. Nun begann für sie ein neuer Lebensadschnitt. Ihre Tage vergingen mit den Vorbereitungen für ihr erstes Auftreten, und sie fühlte sich immer wohler in der neuen Umgedung Dann lernte Charlotte idre neuen Kollegen kennen. Die ersten Proben mit Orchester begannen. Ihr sicheres mustkalisches Gefudl kam niemals in den Zwiespalt, falsch einzuseten. Neue Proden folgten. Oft kehrte sie totmüde deim, aber sets mit einem so glückseligen Gesicht, daß die Exzellenz sagte:„Wenn ich nach meinem Tode noch einmal aus die Welt kommen dürfte, würde ich mir wünschen, in Ihrer Gestalt, mit Idrem Talent gedoren zu werden" Und die Zeit gino din, der Winter kam und damit Charlottes erstes Auftreten. Die Zeitungen datten schon Hinweise auf den neuen Stern am Opernhimme! gebracht, der ein Stern allererster Größe sein sollte. Alle, die von Musik etwas verstanden oder es sich wenigstens einbildeten, waren erschienen, um Lotte Burg, wie sie sich mit idrem Künstlernamen nannte, als„Mignon“ zu bören Die Erzellenz war bei ihr in der Garderobe, betreute sie in herzlicher, mutterlicher Weise, ermutigte sie und sand dann in den Kulissen, als Charlotte dinaustrat auf die Bühne Sie war im ersten Ausenblick wie betäubt. Jäde Angst prehte ihr die Redle zu, aber da war es ihr plötzlich, als döre sie Nordert Hermanek in dem kurzen schrossen Tone, in dem er sie in den Unterrichtssunden anzuschnurren pflegte, sagen: Los, los. Sie können doch was. Blödes Getue! Mund auf und guaken Sie mir nicht etwa was vor. Singen sollen Sie, n, verstehen Sie! Und sie sang und spielte. Spielte ihre Rolle und lang. Beides verwod sich zu einer Einheit, ließ die Unnatur der gesungenen Nolle zur Wahrhaftigkeit wirden, schuf wirkliches Erleden (Fertsedung folgt.) Der Desuv in Cätigkeit Von Josend Urdan. Um 4. Juni ds. Is. erfolgte nachmittags gan olotzlich ein schwerer Ausdruch des Besuvs. Nachts hatte er bereits die Ansiedlung Campitello und das Wosserreierveir von Terzigno vernichtet. Die Feuersule erreichte eine Höbe von 500 Meter, wie es in den Berichten aus Reapel deißt. Noch den bisherigen Schützungen beträgt die zur Zeit ausgestohene Lava wasse 8 Millionen Kudikmeter, was etwa die Hälfte der bei dem letzten groben Bulkanausbruch im Jadie 1906 ausoeworsenen Lavamassen darstellt Die Erinnerungen an die entsetzlichen Verheerunern des Ausbruches im Jahre 1906 sind bei der italiegeschen Bevölkerung, namentlich aber den Bewohnern der unmitteldar in der Nähr des Besuns gelegenen Stadten und Dörfern in frischer Erinnerung. Da mals nahm die Lava zwei Richtungen ein, von denen der eine Strom eine Breite von 50 Meter und eine vode von 5 Meter erreichte. Später erreichte der Strom eine Breite von 400 Meter und eine Lange nan 1200 Meter. Der Ort Boscontrecase wurde zunachst vernichtet. Viele Bauernhäuser und Hütten wurden von den Ilammen zerstört. In der Stadt Bescontrecase bildete sich ein besonderer Krater, der von der einst bludenden Stadt nichts mehr übrig ließ. Am 10. April 1906 sturzte das Dach der Monte=Ulipcto Markthalle ein, wobei eine grove Anzahl von Renschen getotet und schwer verletzt wurde. In Ottahano wurden eine ganze Reide Häuser verstört. der Tom Sen Michele brach unter dem Druck der Lava wassen zusammen und begrub viele wertvolle Kunstschate unter sich. In San Giusepve sturzte wahrend einer kurchlichen Feier das Dach ein und tötete eine erour Anzahl Glaudigen, die um Rettung flebten Im Verlaufe der mehrere Tage andauernden Erup tionen wurde Ottajano dann vollstandig derstört. Im Bodndef wurde ein Zus in der Asche begraben. In Torre del greco wielten sich erschutternde Szenen ab Die Bewohner, die von einer surchtdaren Pani ergriffen wurden, rasten hald irrsinnis durch die Straben. Die Läden wurden geschlossen, alles ergriff die Flucht. Man kürmte den Fuhrvark der Artillerie, die derankommenden Trambahnen, wobei viele Personen verletzt wurden. Bereits mehrere Tage vor diesem Ausbruch machten sich beunrudigende Symptome bemerkdar. Mit Wasserdämpfen gemischte Aschen= und Sandsäulen, begkeitet von zuckenden Blitzstrahlen, siegen bunderte von Meter doch aus dem Krater emvor. Dann kam langsam die gkühende Lava zum Vorschein. Glübende Stücke wurden in die Luit geschleudert. Der Besuv erdröhnte unausgesetzt von dem odrenbetäubenden Lärm der inneren Exolosionen, so daß der ganze Berg zitterte. Glühende Steine sausten zu tausenden durch die Luft und sielen gleich einem vernichtenden gol denen Regen zur Erde. Zwischen den dunklen Wolken, die der Krater ununterbrochen ausstieß, zuckte der Widerschein der ausgestoßenen glühenden Lavamassen. Die beängstigende Stillc der übrigen Natur bildete einen erschutternden Gegensatz zu den entsetzlichen Donnerschlagen der Ausbrüche. Immer schneller, in immer breiterem Ausmaße wälzte sich der meterdicke Lapastrom den Bera hinab, alles Leben zerstörend, alles, was menschliche Hand errichtete, unter sich begrabend. Unter den Volksmassen Neapels rief der Ausbruch des Besuns und dessen Verwüstungen leidenschaftliche Erregung dervor. Es wurden stürmische Kundgebungen gegen die Hausbesitzer veranstaltet wegen der Einsturzgefahr der von den Aschenmassen überschutteten Häuser. Theater, öffentliche Gedaude und Ber kaufsläden mußten geschlossen werden. Aus gan Italien wurden die Feuerwehren derangczogen, um in der Provins Neavel von den bedrobten Häulern die Lapillimassen wrazuschaffen, da die Neapolitaner wie auch die Bauern für eine solche Arbeit nicht zu baden sind. Die Strabe von Resina nach Torre de Greco, wegen idrer großartigen Begetation als eine der schönsten der Welt bekannt und„die goldene Reile“ genannt, war nicht wieder zu erkennen. Alles lag grau in grau. Die prachtvollen Ghärten waren zerstört, kein gruner Zweig war medr zu jeden. Das Meer war kaum sichtbar in der düsteren Atmospdäre. Der Aschenregen erstreckte sich sogar bis nach Florenz, ein Beweis für die ungeheure Höhe, die die in die Luft geschleuderten Aschenmassen erreichten. Erst langsam wieder berubigte sich der keuerweiende Beluv; seine Kraft erladmte und die um Hab und Gut gekommene Bevölkerung siedelte sich mit Unterstutzung des Staates wiederum da an, wo vor dem Ausbruch ihre Heimat war. Denn es ist bekannt, daß gerade die erkalteten Lavamassen einen überaus fruchtbaren Boden darstellen. Bei diesem Ausbruch im Jahre 1906 wurde die Gegend, in der die bei dem surchtbaren Besuvausbruch im Jahre 79 n. Chr. ganlich zerstörten Stadte Pompesi. Herkulanum, Stadig und andere kleinere Orte lagen, von den Lavamassen verschont. Nach dem Ausbruch im Jahre 1906 veränderte sich sowodl die Gestalt des Kraters als auch die Höhe des Besuvs überhaupt. Betrug die Höhe des Berges vor dem Ausbruch noch 1301 Meter, so reduzierte sie sich nachber auf 1223 Meter. Besonderschwer war. was nicht unerwähnt bleiben soll. der Ausbruch im Jahre 1631, bei dem allein 3000 Menschen getötet wurden, während die Katastrepde im Jahre 1906 etwo 1009 Opfer sorderte. ABEETSLS ###SGEES„EGUEP *• 8• DGun Die Dision am Kap Horn Ein Erlebnis. Von Berndard von Friesen.(Nachdruck verboten.) Schwere und dunkle Sturmnacht am Rao vorn Brausend tolen die entfesselten Elemente über das Deck der„Cortez“, und mit odrendetäubendem Lärm trachen die Stangen, von den gedrochenen Raden klatschen die Segelseven an die Masten. Aus der wildschäumenden Sischt der Bugwelle steigt die Soukgestalt des Kladautermannes über den Bugspriet an Bord und an Steuerdord siebt man im sahlen Mondes. licht die Schatten des Fliegenden Holländers vorüderzagen, dessen Gewensterschiff seit Jahrdunderten durch die Meere seistert. Schon tagelang stand die Besatzung bis zum Halse im Wasser an den Lenzvunwen. Von den ungebeuren Brechseen waren die Luken eingeschlagen und ein großer Teil der Ladung war durch das unausdaltsame Rollen des Sealers über Staa gegangen, lo daß das Schifi mit starker Schlagseite gegen die doch gedende See anlag. Tae und Nacht dindurch Kanden zwei Matrosen am Ruder, die nur wit größter AnKrengung das Schift am Winde zu dalten vermochten. Wir lagen über Steuerbord=Hals und führten nur noch Grotz=Untermars und den gereeften Sturmdesan. Auf der Abendwache zwischen 10 und 11 Uhr dörten wir von der Luvseite der aus weiter Ferne Kanonenschläge, die als Rotruse von einem in döchster Seenot defindlichen Segelschiffe berrühren mußten Sofort wurden alle vier Tooven mit Posten besetzt, die Ausguck nach Feuern oder Raketensionalen zu dalten hatten. Der schnell auseinanderfolgende Donner der Sianalkanone ließ uns erkennen, daß größte Eile geboten war; aber gegen Mitternacht verstummten plötzlich die Schallsignale und soweit das Auge reichte, wurde nirgends am Horizont ein Feuer gesichtet. Das orkanartige Brausen des Sturmes laute allmäblich ab und der Wind dredte sich einige Striche zu unseren Gunsten. Sprüdende Gischt segte über die„Cortez“ hinweg und eine dicke feuchte Nedelbank lagerte wie eine undurchdringliche Wolle an Deck. so daß wir vom Ruderstand aus nicht einmea! die Takelage erkennen konnten. Unter der Mannschaft machte sich eine sonderdare Stimmung demerkbar, die auch auf den Kapitän übergina, und die in jeder Weise andetan war, an die Deutung eines sehr abergläudischen alten Matrosen zu glauben, der schon während der ganzen Reise immer von einem außergewöhnlichen Erlebnis gesprochen datte, welches wir an Bord der„Cortez“ am Kap Horn mitmachen sollten. Und seine Adnungen sollten sich auch tatsächlich noch in dieser Nacht bestätigen... Kurz vor Ablösen der Wache erscholl von achtern der ein gellender Schrei und ganz unerwartet ein Glockensignal vom Ruder. Der Steuermann, der gerade auf der Brucke am Peilkomvaß sland, eilte sofort achteraus, um zu jeden, aus welchem Motiv beraus das Alarmsignal gegeben war. Die beiden Matrosen standen, das Steuerrrad krampshaft in den Händen wie erstartt da, und saden wie versteinert auf die Kompabrosc. Sie erklärten, daß sie nicht länger mehr das Ruder bedienen könnten, denn es sei gerade eben ein Unbekannter aus dem Achterdeck gewesen und hätte sich am Kompaß zu schaffen gemacht und sei io veräuschlos, wie er gekommen, über die Reeling dinweg über Bord gesorungen, hätte nur einen Finger zuruckbelassen, der in Abstanden aus den Kompaß sichtbar lei. Als er an der Reeling stand, dade er ihnen noch zugerufen:„Segelt ichnell! Setzt alle Marsen und Brahnsegel und daltet genauen Kurs Süd=Ost!“ Die Matrosen wurden abgelost, und auf Anordnung des Kapitäns setzten wir die Obermarosegel und segelten auf dem geänderten Kurs. Die gesamte Besatzung besand sich auf Achterdeck. Peter Larson, der alte Norweder, der immer von Schiffbruch besprochen hatte. veranlaßte den Kapitän, die Boote klar zu halten, da wir nach seiner Ansicht noch heute nacht mit in die Boote sollten. Gegen Morgen um 4 Uhr kam plotzlich mit donnernder Stimme die Meldung vom Ausauck:„Treidendes Boot an Steuerdord— voraus!“ In selden Augendlick setzte eine fürchterliche Boc ein. Eine dausbohe Sturzer drauste uber Deck. Sämtliche Segel flogen mit entsetzlichem Ectose aus den Lielen und der Kluverbaum gine mit dem ganzen Vordergeschirr über die Seite. Die„Cortes“ achtte in allen Fugen und wild daumte sich der städlerne Rumpf des Seolers auf und nieder. Mit markerschutternder Stimme drödnte das Kommando underes alten norwegischen Kapitäns von der Brücke derunter über Deck:„Schoten und Falle los! Schiff zwei Strich abfallen! Alle Mann klar am groben Kutter! Freiwillige ins Boot!“ Schon rauschte das Boot mit sechs Matrosen und dem Steuermann aus den Devistalten zu Wasser und schoß, von einer mächtigen Welle gesaßt von der Bordwand weg. dem treibenden Bootswrack entgegen. Ebot sich unseren Augen ein Andlick des Grauens. In dem vollig zertrümmerten Boot las völlig erschöpft, aus einer schweren Kovfwunde blutend, ein Schiffbrüchiger, an dessen rechter Hand ein Finger sehlte. Mit den uns zu Gebote stedenden Mitteln wurden dem Verunglückten Verdände angelegt und erst nach einigen Tagen erfuhren wir von ihm, daß er wohl der einzige Ueberlebende der im Sturm gesunkenen französischen Bark„La Patrie“ sei, die während des Sinkens im Orkan die Notsignale abgegeben hatte. Als er als Letzter über Bord ging, wai er mit seinem Trauring an einem Haken in den Wanten däugen geblieben und hatte sich dabei den Finger derausgerissen. Die französische Bark„Lo Patrie" sank om 19. Seotember am Kav Horn auf der Reise von Port=Abeleide in Australien nach Le Haver. Das Schiff hatte Weisen geladen, der durch das Eindringen großer Wassermassen gequollen war, und den Schiffsrumpf buchstablich auseinandergetrieden hatte. Der nerwegische Sealer„Cortez“ wurde durch die Boc so stark beschadigt, daß wir in New Castle in Australien docken mußten, da wir am Kap Horn in jener Nacht den Kluverbaum und den Fockmast verloren. Peter Larson ist eine Wache vor der Ankunft in Australien gestorden. Schicksal Nevellette von Erike Wolden. Den Mund des Mädchens, das doch ausoerichtet vor dem jungen Manne stand, umeitterte ein müdsam debändigtes Weinen. Aber die Livven preiten sich iest aufeinander, eine tiese Halte sand zwischen den Augenbrauen und gab dem Gesicht einen entschlossenen Ausdruck. „Ich wuhte es lange, Horst,“ sagte Gabriele Steiner.„Schon vor Deiner letzten Reise war mir klar, daß Deine Gefudle sich bewandelt datten. Du dist mir entalitten. Ich will aber kein Hemmschuh in Deinem Leben sein——.“ Wädrend sie sprach, zog sie den Ring vom Finger Er sad es und fuhr zusammen:„Gabriele——“ Hob die Hand, um sie an ihrem Tun zu bindern. „Horst, sei ehrlich, freust Du Dich nicht im stillen, daß Du frei wirst?“ klang die klare Mädchenstimme. „Hast Du nicht wochenlang unser Verlöbnis als eine drückende Fessel empfunden?“ Der Mann gab keine Antwort. Er trat aus Feuster und sab hinaus.„Ich babe keine Schuld,“ sagte er geprebt. „Wer spricht von Schuld. Horst? Nennen wir es Schicksal—.—.“ Des Mädchens Stimme bedie.„Wir wollen auseinandergeben, ohne uns Vorwürse zu machen.“ Dann legte das junge Weib den Ring auf den Tisch— es klirrte leise— und ging still dinaus. In ihrem Zimmer verhartte Gabriele lange, den Kopf in die schlanken Hände gelegt. Unaufhaltsam rannen die Tränen über die schmalen Wangen. Sie stand ganz allein im Leben, datte nach einer sorglos verlebten Jugend als baldes Kind die Eltern ver loren, dann in der Inflationszeit ihr großes Vermogen. Jetzt unterrichtete sie seit Jahren in fremden Sprachen. Sie kannte Horst Amdros seit ihren Kinderjahren. Seine und ihre Eltern waren befreundet. Es war fur sie eine Selbstverständlichkeit, daß sie den jungen, strebsamen Menschen, der das Konservatorium besuchte und durch den Bankerott seines Vaters verarmte, inanziell unterstützte, daß sie seine Mutter, nachdem sein Vater aus dem Leben geschieden, bei sich aufnahm und die völlig niedergebrochene Frau dis zu ihrem Tode pflegte. Sie klagte auch nicht, als ihr Vermogen wertlos wurde und sie Stück um Stück des alten Hausrats veraupern mußle, um die Rei von sich und den Menichen, die sie hiedte, fernzudalten. Nie erfuhr Horst Ambres, dab das seine, stille Madchen, das ei leine Braut nannde, in den Abendstunden Handarbeiten ansertiate und Teepuoven kleidete, um die Einnadmen zu steigern und jeden Mandel sernzudalten. Ste datte Jadre so geledt, die Sorge stand an idrem Lager am Morgen ichon. Aber die Liede gad iht Kraft und Zuversicht, alles Schwerc zu ertragen Sie war erast geworden und idre Wanden schmal, und idren seinen Händen waren die Spuren des tag lichen Frondienstes ausgeprägt. Seit Horst Amdros von einer Reise zu Studienzwecken zuruckgekehrt war, wußte Gabriele, daß er ihr entalitt. Verzweiselt hatte sie sich zunachst gegen den Gedanken gestemmt, idn verlieren zu mussen, eine quälende Angst kam über sie in den wenigen Stunden, die ihr zur Muße verdlieden. Sie glaubte es nicht ertragen zu können, lo einsam werden zu sollen. Sie vermarterte sich den armen muden Kopi nach einem Auswes. Sie sand keinen! Do führte sie selbst die Entscheidung derbei und gad den Mann frei, den sie liebte. Horst Amdros stand gebeugt uber eine zarte Frau, die auf einem Rudebett lag.„Heute abend,“ sagte er zärtlich,„wird es sich entscheiden, ob ich in Zukunft zu den„Groben" zadle. Und dann, Mignon, reisen wir fort— in den Suden, und Du wirst gesund, wirst erstarten, wirst wieder meine frische, lebensfrode Frau.“ Graße, seelenvolle Augen sahen zu ihm auf, ein Lacheln irrte um einen dlassen Mund. „Wie ich mich freue, Horst! Schade, daß ich nicht dabei sein kann, wenn Du spielst. Jede Minute werde ich an Dich denken, jede——. Du wirst Ersolg haben, ich wein es.“ „Soll ich jemand zu Dir bitten, Liebste, damit Du nicht allein dist?“ „Rein, mein Freund: Nia in za bei mir, das ist gcnue Als das Kind seinen Namen nennen hörte, kam es aus seiner Spielecke derbei.„O. Vater,“ lagte es altklug,„ich gede schon acht auf Mutti und bin sein Kill, wenn sie schlaft.“ „Jo, Nia ist eine gute Wärterin,“ sagte die Kranke lächelnd und strich mit blassen Händen über das Blondhaar idres Kindes Horst Amdros sielte—— wielte mit leidenschaftlicher Hingabe seines oenialen Könnens—— pielte derrlich—— dinreißend. Endloser Judel sullte den Konzertsaal. Man ward begeistert, Klatschen und Hochrufe wollten nicht enden. Der festliche Abend datte Horst unter die Groben leiner Kunst erboben. „Mutti,“ fragte die kleine Nea.„kommt Vater bald"? „Ja, Liedling, bald.“ Irau Mignon schloß die Augen vor übergroßer Mudigkeit. und auch das Kind war schläfrig. Es hatte gespielt und die Mutter unterhalten. Nun wollte es eine Geschichte voren. aber die Kranke konnte nicht sprechen. See streifte den Trauring ab und gad idn Nia. Dar war ein Mittel, sie ruhig zu halten. Das Kind zog einen Faden durch den Rine und lieb ion an ein Glas klingen.— Die kranke Frau schlotz die Augen. Wie aus weite? Ferne dörte sie das„Klino=klina=kling“. Sie gung einen undekannten Weg—— immer weiter odwohl sie sehr müde war und kaum armen konnte. Sie wollte bitten, daß man ihn delse; aber fir brachte keinen Ton bervor.„Kling=kling=kling“. Was war das nur? Es war ein vertrauter Laut, aber sie konnte sich auf nichts besinnen. And dann wurde der Klang stärker. wurde ein großes Glockenschlagen, ein Drohnen. Es tat ihr weh in den Odren. Dann wurde olötzlich alles gans Rill.——— Horst Ambros sturmte die Trevpe dinauf. Vor der Tür blied er eine Atemzugeslange stehen. Dann druckte er behutsam die Klinke nieder. Am Tische saß das Kind und schlief, den Blondkopf auf der Tischplatte. Auch die Frau auf dem Kubebett schlies. Horst Ambtos sab auf den ersten Blick, daß sie aus diesem Schlaf nicht mehr erwachen wurde. Stödnend deckte er die Hand über die Augen. Er stand erschüttert. Da erwachte das Kind. „O, Vater!" stammelte es schlaftrunken. Durch eine Bewegung entglitt seinem Händchen der Faden, der den Ring hielt. Er fiel und klirete leise. Horst Ambros fuhr zusammen. Wo datte er diesen Klang schon einmal gedört? Er wuhte es... Beim Abschiednehmen! 5 5 3 15 *2 5 8. 2 *— —* * 0 5 # 2 2 7 25 * * 5 FFE 5 2 85 # 9 * 28 3 50 S S 2 Zur Unterhaltung# Beilage zum Heener Anzeiger An Steiermarks Grenzpfählen 75 Jahre Gemmeringbahn— älteste Gebirgsbahn Von Karl Lutke. Es ist zugig, wo die steirischen Grenzpfahle am weitesten nach Osten, bis an den Rand der 1100 Kilometer langen Alvenkette vorgeschoben sind. Ueber den seit alters vielbenutzten Paß ziehen die Stürme aus den Bergen in die unendlichen Ebenen Niederösterreichs, Ungarns und der Slowakei. Seitlich dieses fortdauernd bewegten Luftstromes, sind an sonnigen Hängen Hotels und Pensionen, Sanatorien, Gaststätten und Villen entstanden. Sie prositieren von den erfrischenden Winden, ohne ihnen ausgesetzt zu sein. Der Ort, der so seltsam verstreut rund um den 1000 Meter hohen östlichsten Alvenvaß gruppiert ist, beißt nach dem landschaftlich einzigartigen, hochgeorie. senen Gebiet, der Semmering. Der steirische Dichter Peter Roseggex hat den Semmering besungen, noch bevor der große Fremdenplatz am Paß entstanden war. Die vom Lieblichen zum Großartigen gesteigerte Schönheit des Ostzivsels Steiermarks begeisterte Rosegger, wie sie später Peter Altenberg zum modernen Sänger des Semmering werden ließ Am frübesten war die Carolusstraße. Die Pabstraße von Wien nach der Adria hatte hier im zerklüfteten Semmeringgebiet die größte Höbe zu überwinden. Wiewohl die Schwierigkeiten beim Bau groß waren, wurde die Straße im Eiltemvo erbaut, da Karl IV. eine dringende Reise durchzuführen hatte. In wenig mehr als 30 Tagen war die Paßstraße mit ihren verschmitzten Kurven und kecken Brücken fertiggestellt. Erst die Semmeringbahn, die vor 75 Jahren vollendet wurde, und die neue, großartige Semmeringstraße minderten die Bedeutung der alten Semmeringstraße“, ohne der Straße, die durch den naturgewaltigen Adlivgraben ziebt, völlig den Garaus zu machen. Die Semmeringbahn führt von Wien, über den Semmering, nach Murzzuschlag als erster Teil der österreichischen Sudbahn(Wien—Meran und Wien—Graz—Adria). Karl Ritter von Gbega legte von 1851 bis 1854 über den Semmering die blinkenden Eisenpfade; er ist der erste kuhne Eisenbahnerbauer. der in die Alven vorstieß, und der erste, der einen Riesentunnel schuf. Von der 895 Meter hohen Station Semmering dringt der„Große Semmeringtunnel“ in fast 1500 Meter Länge. unterm Paß hindurch, von Niederösterreich nach Steiermark. Zuvor hat die Semmeringbahn zahllose Viadukte. Galerien und kleinere Tunnels zu passieren; sie klebt bald an steilen grauen Felswänden, bald zieht sie auf hobem Viadukt uber tiesen Talgründen. In Schleifenfahrt dringt sie anfangs in die Höhe. und entschließt sich zum Schluß zur großen Tunnelfahrt und dem direkten Weg. Ueber den„großen Semmering=Tunnel“, der nur knapp eineinhalb Kilometer lang ist, sollte man nicht lächeln. Vor 75 Jahren gab es weder den 15 Kilometer langen Gotthardt=, noch den fast 20 Kilometer langen Simplon= tunnel. Es gab überhaupt keinen Gebirgstunnel. Das Denkmal für Ghega an der Station Semmering steht mit vollem Recht für einen der großen wagemutigen Männer, die das technische Zeitalter mit ihrer Tatkraft einleiteten. Daß das Monument im Kurort Semmering steht, wo auch das(wenig beachtete) barocke Carolusdenkmal für den ersten Straßenbauer aufragt, ist nicht zufällig. Der Semmering— hier ist der Kurort gemeint— ist der hochste Punkt der Bahn. und ist der weitaus wichtigste Punkt an der Strecke. Und endlich existierte der Ort nicht ohne die Bahn, die Gbega erbaut hat. Heute halten vor dem rauchgeschwärzten Tunnelmaul des großen Semmeringtunnels täglich in jeder Richtung mehr als ein Dutzend Züge, darunter Expreß= und Schnellzuge mit Wagen nach Rom, Meran. Nisza, Adria usw. Die Züge halten nicht vergeblich. In den elegantesten Hödenkurort und Wintersportolatz Oesterreichs zieht ein großer Fremdenstrom zu jeder Jahreszeit. Autobusse und Postautos, Kutschwagen oder Schlitten fahren in langer Keite die vielgewundene Auffahrtstraße hinauf bis zu den verstreut an den verschiedensten Hängen erbauten Häusern: nach Niederösterreich und nach Steiermark. Denn die Grenzpfähle Steiermarks stehen mitten im Kurort Die großen Hotels haben ihre Sportanlagen in Steiermark, den Hotelvark in Niederösterreich oder umgekehrt. Wenn das Hotelauto eines groben Hotels zu befreundeten kleineren Hotels Gäste planmäßig fahren will, dann bedarf es besonderer Erlaubnis durch Gesuche bei zwei Lanbesregierungen, zwei Gemeindeverwaltungen usw. Die Entwicklung des Semmering hat der Amtoschimmel nicht aufhalten können. Aus dem beherrschend im Angesicht des grobartigen Raxmassivs stehenden Südbahnhotel, dem ersten Großbau am Semmering, das die Bahnverwaltung Ende des vorigen Jahrhunderts erbaute, bis zum hocheleganten Kurbaus und dem Grand Hotel hielt die Entwicklung des Semmering stets Schritt in allen Erfordernissen der Zeit. Wünsche Von E. A. Stein. Stille im Zimmer. Nur die Uhr tickte in gleichmozigem, beruhigendem Taki. Der Mann mit den ergrauten Schlafen sah von der Zeitung auf und warf einen sorschenden Blick auf die Frau, die in einer halbdunklen Nische saß, die Arme binter dem Kopf gekreuzt, und träumte. Er öffnete den Mund, als ob er sprechen wollte, doch dann besann er sich und sah wieder in die Zeitung. Nach einer Weile ustelte er. Er faltete die Zeitung zusammen, strich sie sorgfältig glatt und legte sie auf den Tisch. Er stand auf und ging einige Schritte bin und her. „Gewiß. der Anschaffungsvreis für ein Automobil ist erschwinglich,“ sagte er.„Die Unterhaltungskosten aber sind hoch. Garage, Chauffeur. Steuer, Versicherung, Amortilation, Revaraturen. Da kommt eine erkleckliche Summe heraus. Und es ist gerade jetzt schwere Zeit.“ „Aber Edgar, es ist ja nur ein Wunsch,“ sagte sie. Er zog ein Papier aus der Tasche. „Hier habe ich mir eine Aufstellung machen lassen.“ Sie sorang auf.„Ach nein, wirklich?“ Sie nahm ihm den Zettel aus der Hand.„So viel? Komm, wir setzen uns hin und seben, was wir streichen können Denn das ist natürlich zu viel.“ Sie setzten sich nebeneinander an den Tisch.„Also zunächst ist der Wagen viel zu teuer. Für zwei Drittel der Summe bekommst Du auch ein schönes Automobil. Garage— daran ist nichts zu ändern. Chauffeur— streichen wir. Ich fahre selbst. Siehst Du, dann vermindern sich die Unkosten schon fast um die Hälfte. Steuer, Versicherung— alles ermäßigt sich bei einem billigeren Wagen. So, dann kommt das heraus. Ist das zu viel?“ „Bei unserer gegenwärtigen Lage immer noch eine Belastung.“ „Atw, dann lo!“ Sie nahm das Papier, zerriß es in mehreren Streifen und ließ sie zu Boden flattern „Siebst Du, nur ein Wunsch.“ Dann küßte sie ihn.„Du hast doch eine vernünnftige Frau, nicht wahr? Sag, hab ich Dir das Leben je schwer gemach! Er sah ihr in die Augen. Dann zog er sie an sich und küßte sie Zu ihrem Geburtstag erlebte Frau Charlotte eine Ueberraschung. Ein Automobil hielt vor ihrer Tür. ein eleganter Sechssitzer. Ein Chauffeur in einer Livree saß am Steuer. Sie schrie auf, als sie das erblickte. Dann lief sie zu ihrem Gatten, umhallte ihn und bedeckte ihn mit Küssen.„Ach, Edgar, Du weißt nicht, wie ich das ersehnt habe. In diesen Mietswagen sitzen, wo Tausende vor mir gesessen haben, mo Zigarettenstummel von fremden Leuten liegen und Butterbrotpaviere— ach, mit einem wahren Ekel setze ich mich in solche Wagen hinein. Du, jetzt beginnt erst das Leben! Ist es Dir recht, so bringe ich Dich heute in das Kontor" Er lächelte über ihre Ueberschwenglichkeit. Mit tiefer Befriedigung ompfand er es, wie sie sich um ihn bemühte, ihm Kaffee einschenkte, ihm die zärtlichsten Worte gab, wie ein Kind ganz außer sich war vor Freude, doch darin mischte sich ein Gefühl, als hätte er etwas Unverantwortliches geran, sich über die Gepflogenheiten des gewissenhaften Kaufmanns hinweggesetzt, als er diesen teuren Wagen erstand. Als sie vor dem Geschaft angekommen waren, bestand sie darauf. ihn bis in sein Arbeitszimmer zu begleiten. Sie rümpfte die Rase, als sie eintrat. Schlechte Kontorluft kam ihr entgegen. Ein einziges Fenster ließ dürftiges Licht hinein, so daß auch am Tage die elektrische Lampe auf dem Schreibtisch brannte. Sie beleuchtete einen Hausen von Briefen, Rechnungen, Pavieren, die neu eingelausen waren und der Erledigung harrten. „Wie kannst Du es hier aushalten?“ sagte sie entsetzt. Und nicht einmal ein Sessel? Ein harter Holzstuhl nur? Warum machst Du es Dir nicht bequem?“ Er versuchte zu scherzen.„Svaren, meine Liebe, lparen. Bureaueinrichtungen sind teuer.“ „Die Gardinen sind auch schon schlecht. Und die Schrärde———“ Er hatte schon einige Briese, die zu oberst lagen, geöffnet. Eine Wolke zeigte sich auf seiner Stirn. Er klingelte. Ein junger Mann trat ein. „Machen Sie alles fertig zum Diktat. Der Brief eilt.“ Er wandte sich zu seiner Frau.„Entschuldige, Liebste Du siehst die Hausen von Korresvondenz. Ich muß an die Arbeit.“ Er brach indessen schon weitere Briese auf. Sein Gesicht wurde immer lorgenvoller dabei. Es verlor seine frische Farbe. Falten gruben sich ties in die Stirn Sie sah die Veränderung und erschrak.„Ich bleibe noch.“ sagte sie. Sie warf den Mantel von sich und setzte sich in eine Ecke. Er schien kaum zu bemerken, daß sie da war. Er hielt mehrere Briese zugleich in der Hand und sprach schon die ersten Worte des Diktats halblaut vor sich bin, wahrend der junge Mann hereintrat und sich ihm gegenüber setzte, um das Diktat aufzunehmen. Es waren Bitten um Stundung von Zahlungen, die unter ausführlichen Begründungen erhoben wurden. Dann kamen eigene Mahnbriefe, Bestellungen, Reklamationen, Eingaben an Gerichte und Steuerämter— kurz, ein ganzer Kampf ums Dasein gewann hier Gestalt auf dem Papier. Die Gestalt des Diktierenden sank indessen mehr und mehr zusammen. Der Kopf vergrub sich fast in den sich häufenden Papieren. Ein nervöser, gepeinigter Zug schlich sich um den Mund, der ein Wort nach dem andern von sich stieß. Auf der Stirn hockte die Sorge, und die grauen Schläsen schoben sich beraus. Dazwischen klingelte das Telephon, kamen Leute mit Anfragen. Ein kurzes Augenschließen, ein Besinnen, dann wurde eine Entscheidung gegeben. Endlich war das letzte Schreiben beantwortet. Der junge Mann verschwand. Der ältere aber saß erschöpft da, er wischte sich den Schweiß von der Stirn, seine Augen blickten wie abwesend umher und blieben erstaunt an der Frau hängen, die in dem halbdunklen Winkel sak „Du bist noch hier? Entschuldige—“ Mühsam erhob er sich. Er stützte sich mit der einen Hand auf den Tisch. Und während er dann näher kam, war es ihr, als träte ein Fremder auf sie zu. Sie schrie leise auf.„Du taumelst ja.“ „Ja, es nimmt mich mit.“ Sie stützte ihn.„Warum nimmst Du Dir nicht eine Hilse?“ „Das Geschäft trägt es nicht.“ „Aber Du arbeitest Dich ja auf.“ Er machte nur eine hilflose Geste Sie führte ihn zu seinem Platz zurück. Vor ihrem Auge stand jetzt der Wagen, der unten auf sie wartete, elegant, mit Polstersivzen, Blumen an den Fenstern,— zu einer Spazierfahrt. Ein ehrliches Gefühl der Empörung kam in ihr auf. „Warum kauftest Du denn den Wagen?" „Den Wagen? Ja, Du wolltest ihn doch——“ „Ich wollte ihn? Wann?“ „Es war doch Dein Wunsch———“ „Ja, ein Wunsch, weiter nichts. Wann hätten Frauen nicht Wünsche? Aber verpflichten Wünsche denn? Ist etwas Schlimmes dabei? Wenn ich mir ein Paradies wünsche, bist Du verpflichtet, es mir zu schaffen?" Er sah sie groß an. Dann erhob er sich.„Wißt Ihr, was Eure Wünsche sind? Sie sind Pfeile, die an uns vorbei in eine unsichtbare Ferne abgeschossen werden und die uns im Vorbeistreisen verwunden. Sie sind Hammerschläge auf unser Herz, die wir als unablässige Erprobung empfinden. Die Angst, Euch nicht zu genügen, die Sorge um Euer frohes Angesicht, wenn wir beimkehren, das gibt Euren Wünschen keimende Kraft, sie wachsen in uns mit Naturnotwendigkeit zur Erfüllung, Wünsche sind Suggestionen, und zwar gefährliche... Wiederum erschien der junge Mann. Er trug neue Eingänge in der Hand. Der Prinzival nahm Platz. Er öffnete den ersten Brief.„Auf Ihr wertes Schreiben vom siebenten des Monats. begann er mit brüchiger Stimme zu diktieren Frau Charlotte legte den Mantel an und schritt stumm hinaus. Hinter ihr verklangen, müde und resigniert gesprochen, die letzten Worte eines Diktats:„Wünsche werden gern berücksichtigt.. Der Akrobat liest seine Morgen zeitung in der Straßenbahn. („Söndagsnisse“.) getreue Regenschirm Humoreske von Friedrich Huber. Das Unglück sing lo an: Ich wollte am Westbahnhof in Wien für die lange Fahrt noch schnell etwas zu lesen kausen. Aber. statt des Zeitungsboys gewahrte ich meine Tante Aurora, wie sie. meinen alten schäbigen Schirm aufgeregt schwingend. auf meinen Wagen losstürzte.„Ach. Fritz du bast deinen Schirm vergessen, und in London soll es so viel Nebel geben.“ Zu fragen, wie ich mit dem Schirm den Nebel bekämpfen sollte, ware unzart gewesen. Man soll sich mit Tanten nicht mit Disvutationen der Logik verstricken. Ich beuchelte also Dankbarkeit und hätte noch gern etwas gesagt, hätte gern gewinkt: aber der Zug hatte sich mit einem Ruck in Bewegung gesetzt, welches Ereignis in meinem Abteil Nebenerscheinungen gebabt haben mußte. Ein Stimmengewirr ließ mich den Kovf einziehen. Die Bescherung: Mein Schirm, den ich nur provisorisch verstaut hatte, war herabgefallen, leider aber nicht sogleich zu Boden. sondern über den Kopf eines neurasthenischen Mitreisenden, dessen Zwicker er zur Tiese mitnahm. Scherben sollen Glück bedeuten. Ich habe es in der nun folgenden langen und verzweifelten Auseinandersetzung. in deren Verlauf mich der entzwickerte Herr einmal erwürgen wollte, wobei er aber infolge Kurzsichtigkeit den Oberarm meiner Nachbarin erwischte.(Diese bätte die Notbremse gezogen, wenn sie nicht gerade kaput gewesen wäre.) Ich habe also vom Glück nichts verspürt. Nach St. Pölten bekam mein Widersacher einen Weinkrampf. In Amstetten wurde der Stationsvorstand zugezogen, das gab Verspätung. In Linz fand der Streit ein Ende. mein Gegner hatte sein Ziel erreicht. In veinvollen Stunden reifte in mir der Entschluß, mich dieses Schirms des Anstoßes zu entledigen. Zwischen Passau und Frankfurt dachte ich über das Wie nach. In Köln mußte ich umsteigen. Meine Idee: ich werde den Schirm einfach liegen lassen. Der Wagen leerte sich. Ich machte mir länger an meinem Geväck zu schaffen, warf dem Paravluie noch einen haßerfüllten Blick zu und entfernte mich. Gottlob, da saß ich endlich in einem belgischen Wagen und wollte nun den satalen Anfang meiner Reise vergessen. Ich starrte auf den wimmelnden Bahnsteig. Da kreischte jemand auf. Die Reinigungsfrau wollte etwas. Drohend schwang sie in der Hand— meinen Schirm. Ich schloß die Augen, ich wollte den Spuck vorübergehen lassen. Den Schirm hätte jemand im Wiener Zug vergessen. Grinste da nicht von meinem Koffer mein Name und meine Adresse berab.„Das sind wohl Sie“, jemand zunfte mich am Arm. Ich versuchte zu leugnen. Ein dicker Fahrgast meckerte und sagte:„Ist nischt wert das Zeug." Ich leugnete weiter. Da öffnete die behäbige Kölnerin den Schirm. Was war das? Im Inneren hatte meine besorgte Tante meine Karte befestigt. Als rechtmäßiger entlarvt, mußte ich das Scheusal wieder an mich nehmen. Mutlos trug mich der Zug der belgischen Grenze zu. Ihn zum Fenster hinauswersen? Ihn in einem Winkel des Klosetts stehen lassen? Aller Mut war dahin und ich ergriff geduldig das verhängnisvolle Instrument. Bei der Zollrevision in Ostende entfiel der Schirm meinen Händen, ein alter Holländer mit Krücken wäre beinahe darüber gestürzt. Auf der Schiffsbrücke verfing er sich irgendwie aus teuflische Art. mein Koffer wollte ins Meer fallen. Es gab eine Stockung. Die Leute fingen zu murren an. Ein blauer Abendhimmel. eine herrliche ruhige See. Möven. Ich hätte mich freuen können, aber da hielt ich in meinen Händen den Schirm. und ich wußte, daß er mich noch zu Grunde richten würde. Eine Idee: wirf ihn in die nächtliche Tiefe: entledige dich des Friedensstörers. der dir das Leben vergiftet. Mit der Miene eines zermürbten Defraudanten suchte ich einen einsamen Platz auf. Noch überlegte ich eine Weile, dann schritt ich schnell zur Tat. Mit kühnem Schwung flog dieses antiquarische Meisterstück Wiener Schirmbaukunst über Bord. Es flatterte noch ein wenig. dann war es verschwunden. Ich atmete auf. frei und stolz. Doch. was war da los? Dem Schiffe gab es einen Stoß. der schwere Leib zitterte. Das Brausen der Turbinen änderte den Ton. Stopo? Halt aus offener See? Aufgeregte Matrosen. nervöse Stewards. Pfisse. Fragezeichen. Irgendwer zerrte mich in eine Kabine. Nach dem Verhör war mir so viel klar. Ein Matrose hatte etwas Schwarzes in das Wasser fallen sehen. Er hatte es für das Opfer eines Mörders gehalten... Etwas verstümmelt. noch triefend. aber im Original drückte man mir mein Eigentum wieder in die Hand! Es folgten zwei Stunden zwischen Dover und London. die ich avathisch verdämmerte. Die Mitreisenden hatten mich mitleidig betrachtet. Man behandelte mich mit dem Respekt. den man einem Irrsinnigen entgegenbringt. Ich hatte alle Hoffnung aufgegeben, meinen Schirm los zu werden. So trug ich ihn dann überall mit. Es gab sehr beiße Tage. Ich rückte mit dem Schirm aus. Das war wie eine fixe Idee. Aber einmal hatte ich einen hellen Augenblick. Das war bei einem Ausflug nach Cambridgc. Ich bummelte erst um 12 Uhr nach Hause. Mein Weg führte über eine steinerne Brücke. Es war ganz still. Da vollbrachte ich es. Ich nahm den Schirm fest in die Hände und begann ein höllisches Dreschen. Es stob nur so. Der Mond allein hat es gesehen, wie Fetzen und Drabtgerivve mit einem Patsch als trauriges Wrack im Wasser verschwanden.— „Und der Schirm wird dir doch sehr zustatten gekommen sein. nicht?" sagte die Tante nach meiner Rückkehr.„Gewiß". antwortete ich resigniert.„aber es hat verhältnismäßig wenig geregnet.“ Schiffskatzen r bummeln in einer Hasenstadt am Kai entlang. ampfer will gerade ausfahren, die Leinen werden acht, der Laufsteg wird eingeholt. langsam beginnt hraube zu schlagen, schon legt das Schiff vom Ufer a soringt plötzlich eine Kave mit mächtigem Satz #rd, niemand hat sie kommen sehen, sie war auf da. aus irgend einem Winkel der Kaianlagen ist getaucht, und nun hat sie im letzten Moment ihren platz eingenommen und wird wahrscheinlich rund e Welt fahren. Diese Katze ist die tovische Vern jener Art. welche die Engländer und Amerikaner umvers“ nennen. Sie ist eine Schiffskatze, wie sie iche stedt.— 2— allgemeinen ist man geneigt anzunehmen, daß kaven zahme Geschöpfe sind, die. von tierliebenden sen verbätschelt, zum ständigen Inventar dieses oder Dampfers gedoren. Dem liegt aber ein Mißzveris zugrunde. Die Kate ist ihrer Natur nach ein rotter, sie haßt nichts so sehr wie den Zwang, die zung in sozulagen burgerliche Verhältnisse, und die ele. die sicherlich viele Kavenfreundinnen dagegen en werden, besagen nichte. Die„Haus“=Kave ist nomalie. Zu eingebender Beweisführung sehlt hier aum. aber vielleicht darf darauf dingewiesen weraß schon im alten Rom die Katze als Sombol der it und Ungebundenheit galt, Tieren im Leibe und die echte weas ein zahmes Wesen, das sich gern in den Sthoß k. sondern ein wilder Abenteurer. mit Narben bedeckt, mit einem Ohr oder ohne na treidt sie sich in den Ho#en der gansen Welt: immt ein Schiff, das idr zulogt, und fährt los. Sie hat einen unerklärlichen Instinkt dafür. wann die Lodung eingenommen oder gelöscht ist, wann ein Dampfer sich seefertig macht. Im letzten Augenblick„iumpt“ sie an Bord. Es wird ja keinem Seemann einfallen, eine Katze zu töten; das wissen die Tiere genau. Mitunter bleibt eine solche vierbeinige Zigeunerin jahrelang auf demselben Schiff, dann aber ist sie mit einem Male verschwunden, hat sich einen anderen Aufenthaltsort gesucht In einigen Fällen kann man nachweisen, daß dieselbe Kate nach mehreren Jahren zu dem ersten Schiff zurückgekehrt ist. Sie hat es vielleicht in Honkong verlassen und findet es in Hamburg wieder. So strolchen diese Tiere durch die Welt. Geschichten von Schiffekavzen gibt es wie Sand am Meere. Da sind zunächst die schwarzen Kanen. Die Seeleute mögen sie im allgemeinen nicht leiden, denn schwarze Katzen bringen angeblich Unglück. Aber nicht immer! So schwört beiwvielsweise die Besatzung des amerikanischen Dampfers„San Pablo“ von der United Furit Company darauf, daß ihr Schiff nur deshalb dem furchtbaren Hurrican, der Miami verwustete, standgehalten hat. weil sich nicht weniger als vier schwarze Kauen an Bord besanden. Eine andere Geschichte svielt aus dem Fischerfahrzeug„Cliston". Auch hier hatte sich eine schwarz# Kaue eingeschmuggelt und war der Liebling des Kavitans geworden. Die Matrosen jedoch mochten das Vieh nicht sehen. sie witterten Undeil und forderten vom Kavitän, daß er die Naue uder Bord werfe. Dieses Ansinnen wurde entrüstet abgelehnt. Der Schiffsführer sperrte seinen Liebling in die Kajüte, aber, wie lo Katzen sind— eines Tages war das Tier entwischt und kletterte in der Takelage berum. Der Kavitan. der keinen der Matrosen auffordern wollte, den Ausreißer herunterzuholen, machte sich selbst auf den Weg und stieg Webeleine um Webeleine empor. Gewohnheitsmäßig ließ er seinen Blick in die Runde geben. Und da entdeckte er in gar nicht großer Ertfernung eine riesige Makrelenberde. Die Boote wurden sofort ausgesetzt und nach drei Stunden kehrten sie mit einem Fang zurück, der 7000 Dollar brachte. Jetzt war die Mannschaft anderer Meinung über die schwarze Kavitänskatze. Natürlich hatte sie das Gluck herangelockt. Die Matrosen sammelte unter sich und stifteten der Katze ein seidenes Kissen. Wenn gesagt wurde, daß die Katzen mit Vorliebe den Dampfer wechseln, so kommt immerhin auch das Gegenteil vor. Minnie war eine schwarz=weiße Kätzin, die nicht weniger als fünfzehnmal von dem Dampfer„Fort St. George“, der zwischen Neuvork und den Vermuda=Inseln verkehrt, zwangsweise abgesetzt wurde. aber fünfzehnmal auch wiederkam. Man wollte sie nicht mehr an Bord haben, weil sie gar zu oft Nachkommen in die Welt setzte. Als gar kein Mittel gegen die Anhänglichkeit Minnies hals, schleppte man sie tief nach Neuvork hinein und sperrte sie dort irgendwo in ein Haus. Minnie blieb verschwunden. Doch kaum batte der Dampfer Hamilton Harbur auf den Vermuda=Inseln angelaufen, da kam sie quietsch=vergnugt an Deck. Sie hatte sich wahrend der ganzen Fahrt auf dem Schiff versteckt gehalten Von Londoner Katzen, die in der Welt umberstreisen, sagt man, daß ste im Nebel von wildem Heimweh befallen werden. Da ist die Geschichte jenes Katers. der Tinker dieß. Tinker fuhr mit Vorliebe auf Segelschiffen. Jedesmal, wenn Nebel aufkam. kroch er auf die Fockraa und stimmte ein ohrenzerreißendes Gezammer an. Diese Gewohnheit wurde ihm zum Verhängnis. Das Segelschiff, auf dem sich Tinker befand, war im Kanal in dichten Nebel geraten und das Focksegel wurde aufgegeit und sollte festgemacht werden. Tinker satz auf der Raa, war nicht zu vertreiben und stürzte bei dem Manöver in die See. Alles bemuhte sich, seiner wieder habhaft zu werden, aber in dem Nebel waren alle Anstrengunge# vergeblich. Tinker mußte seine Sehnsucht nach dem Londoner Nebel mit dem Leben bezahlen. Manche Schiffskatzen sind unter den Seeleuten sogar berühmt geworden. Es gab da eine Minnie. die aus Montreal stammte und die ganze Welt durchwanderte aber immer wieder nach einer gewissen Zeit in Montreal landete. Dann gidi es eine einohrige Katze mit dem bezeichnenden Namen Dempsey; sie ist ein großer Fechter und in vielen Häfen wohlbekannt. Auch der Kater Mike erfreute sich einmal einer besonderen Beliebtheit. und zwar deshalb, weil er es vorzüglich verstand, fliegende Fische zu fangen. Fliegende gische fallen oft bei bewegter See auf Deck, können ohne weiteres gegriffen werden und geben ein schmackhaftes Gericht. Mite hatte sich auf einem Dampfer eingeschifft, der von San Francisko nach chinesischen Häfen ging. Der Koch hatte während dieser Reise niemals Mangel an fliegenden Fischen gehabt, doch jen waren merkwurdigerweise keine zu sehen. Die Sache kam ihm bedachtig vor. er beobachtete Mike, und es stellte sich heraus, daß der Kater das Fleisch der fliegenden Fischbesonders liebte und alle. die auf Deck gefallen maren verzehrt hatte. Der Koch zog hieraus die Nutanwendung er richtete Mike zum Fischsang ab. Es wurde ein großer eiserner Topf an Deck festgebunden. Mite. der gelebrie war, holte die Fische und tat sie in den Topf. Es hat ihm gewiß Ueberwindung gekostet, aber er wußte auch, daß er seinen Teil abkriegte. Seit dieser Zeit war Mite auf den Schiffen als Fischfanger sehr beliebt. Wo er geblieben ist“ Kein Mensch weiß es. Schiffskatzenlos. Sie wandern und strolchen, und dann schnanpt sie der Ozeon. Gie lieden die Freiheit und ovfern ihr gern das Leben. ** Der Aufbau zum Heener Anzeiger Was will der Volksverein? Von Generaldirektor van der Delden, werden auch nicht mehr mit denlelben Wassen kämpfen können, wie sie einst gegen Liberalismus und Sozialismus gebraucht wurden. Aber viel stärker und tlarer werden wir die vositiven Güter unseres Glaubens, unsere Kulturgüter, herausholen, in der Sprache der Gegenwart verkünden und in die Gestaltung des Lebens hineintragen müssen. Darum hat der Volksverein seine apologetische Arbeit verstärkt und zielbewußt den Kampf gegen das moderne Freidenkertum, das in die proletarischen Massen hineindringt, ausgenommen(Vergl. Dr. Algermissen Freidenkertum, Arbeiterschaft und Seelsorge. M.Gladbach 1929). In einem solchen kulturpolitischen Kampfe um die beiligsten Güter liegt auch ein Stück positiver Kultur arbeit: denn die gesamte deutsche Kultur hat ihre ersten und tiefsten Wurzeln im Christentum. Wir werden in dieser Arbeit nicht nur eine, ich möchte sagen menschliche Sprache reden können. d. b. als Ethiker. als Soziologen als Wirtschaftspolitiker, als Parteivolitiker; denn alle Not wird ja heute sehr stark weltanschaulich gesehen und als religiöse Not empfunden. Ich meine gerade aus unserem Glauben Die Gegenwartslage des deutschen Katholizismus zeigt nicht gerade ein erfreuliches Bild. Die erhoffte Neubelebung der religiösen Kräfte hat nicht einmal im Kriege durchgehalten. Die ernstliche Sehnsucht ver Jugeno nach einem lebendigeren, wesentlichen Christentum endete in einer Tragik. Die neue In gend ist schon wieder eine ganz andere als die. welche Jugendbewegung schuf. Wir stehen in einer Zeit der Entfremdung weiter Massen, wenigstens von der kirchlichen Frömmigkeit. Die zentrale Einflußmacht des Glaubens weicht mehr und mehr einem Säkularismus des gesamten Lebens. Noch halten gewiß weite Kreise fest an ihrer Kirche. aber manchmal hat man den Eindruck, daß die Religion in die Ferne eines Nur=Kultus ruckt und ein allzu scharfer Schnitt zwischen Religion und Leben gemacht wird. Die statistischen Ziffern derer, die ihren Austritt aus der Kirche erklärt haben, reichen bei weitem noch nicht heran an die Zahl derer, die innerlich und in ihrer Lebensführung vom lebendigen katholischen Glauben abgewandert sind. Weite Kreise verstehen die Sprache der Rirche und ihrer Glaubenslehren nicht mehr. Die Kirche steht auch in unserem Vaterlande vor der gewaltigsten und schwierigsten Missionsausgabe: denn viel schwerer ist die Rückeroberung der Verlorenen, die Gewinnung der Neubeiden, als die Bekehrung von Völkern, die noch im alten Heidentum leben. Verbeerend wirkt in dieser Notzeit, daß die Katholiken unter sich zerrissen und gespalten sind. Selbst die Treuen sind am Sonntag nur äußerlich im Raum der Kirche vereint, die Pfarrgemeinde ist kaum noch die religiöse Familie, die alle eint. Es ist allzusehr zu begreifen, daß mancher Seelsorger diesen Ver haltnissen mit schwerer Sorge, hoffentlich nicht mit müder Resignation, gegenübersteht. Auch die Or ganilationen vermögen nicht der immer stärker werdenden Individualisierung zu trotzen; sie erfassen weite Massen nicht eher und ihre Mitglieder sind nicht immer die agilsten Kräfte. Ja, vielleicht hat eine gewisse Ueberorganisation nicht immer einigend gewirkt und nicht immer das Wesentliche erstrebt. nämlich die eine in Christus geeinte Schar der Gläubigen. die Pfarrfamilie. Mit formaler Vereinigung der Organi sationen ist daher die Einheit der Katholiken nicht zu schaffen, wohl wird ein einheitlicheres Zusammengeden von Bedeutung sein. Politisch ist die Einheitsfront der Katholiken ebenfalls geschwächt. Ma terialistische Gesinnung hat zudem manche in reine Zweck solitterungen hineingeführt, wobei die Rücksicht auf religiös=kulturelle Belange leider allzusehr zurücktritt— eine tragische Schwächung für den deutschen Katholizismus in schwerer Stunde! In dieser Zeit ruft der Hl. Vater die Katholiken der Welt, also auch uns, zur Katholischen Aktion auf. Der Priester steht ohnmächtig da. wenn er diese Arbeit allein bewältigen sollte. Darum soll der Laie mit ihm und in Einordnung unter die Hierarchie der Kirche das gewaltige Werk der Erneuerung aus dem Glauben schaffen. Die Katholische Aktion wird deshalb definiert als die„Einordnung der Laien in das hierarchische Avostolat der Kirche". Allerdings wird nicht jetzt auf der ganzen Linie sofort ein verantwortungsvolles, gläubiges Laientum in großen Scha ren an die Seite der Priester treten; denn einerseits ist der Geist der Zeit allzu tief in die Seelen gedrungen. andererseits hat man allzulange geglaubt, dem Geistlichen allein Arbeit und Führung überlassen zu müssen. Man kann leider auch mit einer gewissen nervösen Aengstlichkeit eine verantwortungslose Mittelmatzigkeit am Werke sehen, die auf all ihren Betrieb die Etikette„Katholische Aktion“ kleben möchte. Lassen wir die Katbolische Aktion zum Schlagwort werden, dann haben wir sie damit schon vernichtet. Die Katholische Aktion kann nur wachsen aus der stillen ernsten Führerbildung. Der Führer kann nicht fabriziert werden trotz bester Fließbandtechnik; er kann nur in stiller, ausdauernder Bildungsarbeit heranreisen Das hat der Volksverein erfahren, der schon seit langen Jahren zielbewußt daran schafft, das gläubige Laientum zur verantwortungsbewußten Mitarbeit zu erziehen. Wenn sich der Volksverein der Katholischen Aktion eingliedert, dann will er insbesondere an der Führerbildung Anteil nehmen. Hier sind aber gewaltige Vorarbeiten zu leisten, die der Seelsorger nicht alleine schaffen kann, die auch der Pfarrausschuß nicht ohne### weiteres bewerkstelligen wird. Hier müssen alle Kräfte Der 5. Reichsbundtag der einheitlich dem großen Ziele dienen. Auch die katholischen Organisationen müssen von einem gewissem Betrieb, von einem Minimismus, der sich im Vergnügen, Nur=Sport und oberflächlicher Vereinsarbeit ergeht, meilenweit abrücken. Sie haben es, Gott sei Dank. zum großen Teile bereits energisch. wenigstens in ihren leitenden Stellen getan. Wir müssen auch allen Egoismus von uns tun, allen Vereinsegoismus auch: denn das muß unser Ziel sein, nicht Komvetenzen und Grenzpfähle als das Wichtigste anzusehen, sondern aus der gemeinsamen Not heraus, gemeinsam am Wiederaufbau des deutschen Katholizismus zu schaffen. Der Volksverein will hier zusammen mit den Organisationen, die teilweise seine Kinder sind, energisch diese Arbeit weiter tun. Die Erwachsenenbildung. die er zuerst begonnen, wird er als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachten. Aus der Schule des Volksvereins sind viele wackere Männer hervorgegangen. Jahrzehntelang hat der Volksverein in vielen Kursen im Lande. an der Zentralstelle in M.Gladbach und zuletzt auch in seinem Volksbildungsheim im Franz=Hitze=Haus in Paderborn geschafft. In den letzten Jahren hat er besonders auch dem Bauernstande seine Aufmerksamkeit zugewandt(Jungland=Kurse, Bauernbochschule Paderborn). Dabei will er nicht einen neuen Verein schafsen. Fuhrer will er hier wecken und bilden, die katholische Männer, fortschrittliche Landwirte und echte Bauern sind. Neben dieser stillen Führerbildung ist aber notwendig auch die Wiedererweckung der breiten Volksmassen. Gewiß kann die Masse nicht die Trägerin der Bildungsarbeit sein. Das wäre eine Verkennung aller echten Bildungsarbeit, ein Verkennen dessen, daß alles wirkliche Leben nur organisch wachsen kann. Aber in einer Zeit, wo gewaltige Massenfronten gegen den deutsche KathoIsRemus einmarschieren und ihn mehr und mehr in die Verteidigungsstellung drängen wollen, droht ihm. menschlich gesprochen, der Untergana. wenn er sich nur in die Ratakombe zuruckziebt. Darum will der Volksverein die Katholiken an die Front rusen und einen Kreuzzug versuchen, der den letzten Schlafer aus der Burg seines Spießertume herausbolt in den schweren kulurpolitischen Kampf. Wir werden dabei nicht mehr ein so großes Heer zusammendringen wie in der Zeit eines Windthorst. Wir die heraus haben wir gewaltige Kraft. die auch die Gabe der Sprache geben könnte, mit daran schaffen, daß der Glaube nicht nur in der Kirche gelehrt sondern eben so gut im Hause und aus dem Forum gelebt und bekannt wird, dann leisten wir damit eine wirklich zeitgemäße Arbeit. Diese Aufgabe liegt ganz im Sinne dessen, was Pius XI. als Ketholische Aktion bezeichnet. Der Volksverein will darum mutig die Kreuzesfahne entrollen und die Volksmassen zum heiligen Kreuzzug aufrufen. Es wird seine Aufgabe sein, außerhalb des Kirchenraumes, in die menschliche Gesellschaft hin einzutreten und hier die heiligen Kulturgüter des Glaubens fruchtbar zu machen. Er wird d. B. modernen Ebe anschauungen und Ebegesetzenreformbestrebungen gegenüber die christliche Ebeauffassung ins Licht stellen, wird dafür auch die Massen in Wort und Schrift du begeistern suchen. Er wird, wenns nottut, auch das scharfe Schwert des Kampfes schwingen müssen. Da liegt noch ein Sinn des Volksvereins. Der Volksverein darf und wird keinen zurückweisen, der innerlich Verantwortung für den deutschen Katholizismus fühlt. Er wird nicht, so schmerzlich ihm die volitische Zerrissenheit und die weitgehende Interessenlosigkeit für das politische Schaffen ist, varteipolitischer Zugebörigkeit fragen: denn er gliedert sich der Katholischen Aktion ein. Er wird aber andererseits jeden, der nur varteivolitisches Sorengpulver hineinwersen will. welcher Partei er auch angehören mag, zurückdrängen. Sein Ziel ist, aus katholischem Glauben beraus eine höhere Einheit zu gestalten. Er wird aber nach wie vor den Menschen zu politischer Verantwortung und zum guten Staatsbürger erziehen. Seiner großen Tradition entsprechend wird er auch in Zukunft. außer den Beziehungen von Kirche und Volk, Kultur und Volk bebandeln. Er wird an diese Fragen herantreten aus katholischem Glauben heraus. Die Männer und Frauen. die in vorderster Reihe im parteivolitischen Kampfe stehen und das Mögliche in den jeweiligen Gegebenheiten und Schwierigkeiten varteivolitischer Konstellation zu erreichen suchen, werden ihm für diese Haltung dankbar sein, denn es geht darum, die Gewissen wieder aufzurütteln. Auch die Politik dat ein Gewissen, ich möchte fast sagen, eine Seelsorge nötig. Auch aus der Politik können die klaren Grundsätze unseres Glaubens= und Sittengesetzes nicht verdrängt werden Bei solchem Geltendmachen der katholischen Kulturguter in der Gesellschaft braucht die Liebe zu Volk und Nation nicht zu verblassen, das verbietet schon ein wirklich lebendiges Christentum. Wir Katholiken haben unseren Brüdern und Schwestern im eigenen Volk, wir daben unserer deutschen Nation. wir haben unserem deutschen Staate noch vieles zu geben, unser Gewissen drängt uns. Diese christliche und deutsche Kulturarbeit in der Verteidigung der christlichen Kulturgüter ist eine Arbeit, die der Volksverein für die ganze christliche Kultur Deutsch= lands und für alle Deutsche leistet. Die Katholiken dürfen mit Stolz darauf hinweisen, daß sie aufs beste die christliche Volkskultur, Volkstum, Sitten, Gebräuche usw. bewahrt haben. In den Grenzgebieten sind sie mehr und mehr Hüter der deutschen Kultur und der deutschen Sprache geworden und gerade in diesen Gebieten. z. B. an der Saar. hat der Volksverein die besondere Aufgabe. die Gesellschafts= und volkserhaltenden Kräfte des Katholizismus einzusetzen. Beim Aufruf der Masse— das sei nochmals gesagt— will der Volksverein nicht stehen bleiben. Er will in die Lebensgemeinschaften hineinwirken. er möchte der Erneuerung der Familie seine besondere Sorge und Hilfe weiterhin schenken; er möchte in dem Aufbau der Pfarrgemeinde Helfer sein, er möchte der Pfarrverein werden, der in gemeinsamer Arbeit mit den Standes= und Berufsorganisationen an der Einheit und Lebendigkeit des deutschen katholischen Volkes schafft, er mochte lebendige Christen mit der Verantwortung für Gemeinde und Staat heranbilden helsen. Keiner, der gerecht urteilt, wird bei aller Kritik der Vergangenheit leugnen können, daß der Volksverein hier Gewaltiges geleistet hat und einst die umfassende Riesenorganisation des deutschen katholischen Volkes war. Er könnte es wieder werden, wenn nicht immer wieder nur negative Kritik rückwärts schaute. Wir Katholiken sollten uns besinnen auf unsere Sendung im deutschen Vaterland und im Reiche Christi. Einheit fordert die Stunde, der Volksverein will helfen, sie zu schaffen. Zusammenfassend konnen wir sagen: Der Volksverein will die kraftvolle Einheits= und Erneuerungsbewegung der deutschen Katholiken im öffentlichen Leben zur Verwirklichung der christlichen Ordnung in Kultur. Gesellschaft, Wirtschaft und Staat. Oder mit anderen Worten: Zwei große Aufgabengebiete sind es, die der Volksverein in der gegenwärtigen Not des katholischen Deutschland zu erfüllen hat: 1. Der Volksverein will die große Einheitsfront des so zersplitterten deutschen Katholiziemus wieder schaffen und so den immer mehr anwachsenden und sich in Riesenorganisationen zusammenschließenden Gegnern der Kirche eine ebenso starke, geschlossene, alle Stände= und Standesgruppen umfassende katholische Einheit entgegenstellen. In den einelnen Pfarrgemeinden will der Volksverein durch Ueberbrückung und Ueberwachung der Stände und Standesgruppen die heute vielfach start zerrissene Pfarrgemeinde wieder zu einer Pfarrsamilie gestalten. 2. Der Volksverein will gegenüber dem immer stärker anwachsenden Neuheidentum und der immer mehr sortschreitenden Entcheistlichung der gesamten Kultur den Massen des katholischen Volkes ein geistiges Rüstzeug zur Abwehr in die Hand geben und durch Wort und Schrift Führer und Massen schulen, daß sie aus ihrem katholischen Glauben heraus das Leben des Werktags gestalten. Religion und Leben wieder eng miteinander verbinden und im Geiste der Ratholischen Aktion christlich erneuernd in Familie, Berufsstätte. Gesellschaft und Staat wirken. Mit dieser Zielletzung will der Volksverein an die Arbeit geben. Er tut dies um so zuversichtlicher, als auch seine wirtschaftliche Lage und die des Volksvereins=Ver lags eine Klärung gefunden hat. Letzterer war bekantlich im vergangenen Jahre einer schweren finanziellen Krisis ausgesetzt, mit deren Behebung. dank dem Entgegenkommen der Banken und sonstiger Großaläubiger des Verlags. nunmnhr zuversichtlich gerechnet werden kann. Die Bilanz des Verlags ist in Ordnung. Die mit der Gläubigerschaft getroffenen Abkommen schließen eine Gefahr neuer Verwicklungen aus falls der Volksverein und seine Freunde und Förderer durch Sammlungen und Wiederbelehung des Valksvereing das ihrige tun. Deutsche Katholiken vergeßt uren Volksverein nicht. seine kinderreichen Familien zu sch wichtiger Punkt sei das Einkommenvroblem. Redner besaßte sich mit all den Einrichtungen, die zum Schutz der kinderreichen Familien bereits ausgebaut wurden oder noch ausgebaut werden müßten. wie z. B. Nutterfürsorgestellen. Kindergärten, Woblfahrtspflege. Lernmittelfreibeit. Stivendien usw., und schloß mit den Worten, daß man die Aufgabe habe. die Familie als solche, als Säule unseres sittlichen und geistigen Lebens zu erhalten. Nach der nun folgenden Aussprache, bei der samtliche Redner und Rednerinnen. besonders aber die Vertreter der Regierung und des Parlaments. dem Bund Unterstützung seiner Bestrebungen zusagten, fand Familien zu schaffen. Ein weiterer die nachfolgende Entschlietzung einstimmige Annahme „Die Ebe ist die Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation(Art. 119 der deutschen Reichsversassung). In der körverlichen. geistigen und sittlichen Kraft der Familie liegen die Wurzeln der.politischen und wirtschaftlichen Wiedererhehung unseres Volkes. Daher bedarf die Ebe und damit die Familie des starken Schutzes der Volksgemeinschaft. Wer den Sinn und die Erfüllung der Ebe in der Familie sieht, muß als Ideal die Ein= und Dauerehe mit allen Mitteln zu schützen und zu erhalten suchen. Die Exhaltung unseres deutschen Volkes aus der deutschen Familie setzt voraus, daß im Durchschnitt auf jede Familie mehr als drei Kinder kommen. Diese kinderreichen Familien sind heute besonders gefahrdet: ihre Zahl beträgt im Durchschnitt nur noch ein Zehntel bis ein Achtel aller Familien. Hand in Hand mit der Abnahme volkstüchtiger Familien gebt der quantitative und qualitative Zerfall des Volkes. er sich auch in dem erschreckenden Geburtenrückgang. der Sitten und Zunahme der Minderwertigen der wie— Verfall Stände. Der Reichsbund der Schute der Familie: K iangere den Deutschlands zum unumgangliche staatspolitische Notwendigkeit.“ Kommunalwirtschaft und Privatwirtschaft Schutz der Jamilie als staatspolitische Notwendigkeit Kinderreichen eich in Nürnbergs Mauern verrtsgruppe Gelsenkirchen=Buer hatte der vom 7. bis 9. Juni in Nürnberg stattfand, sab zahl reiche Vertreter und Vertreterinnen des Bundes aus dem ganzen Deutschen Rei sammelt. Auch die O 2 Vertreter entsandt In der am Samstagnachmittag einberufenen Vertreterversammlung wurde unter stürmischem Beifall der Reichsbundoräsident einstimmie wiedergewählt. Dr. Brüggemannannover sprach sodann über die künftige Entwickung des deutschen Volkes. Gegenüber den noch geteilten Meinungen über die Bedeutung und Wirkung des Geburtenrückganges wies er auf die Burgdörferschen len hin. in denen dieser zeigt, daß schon heute die len der Geburten nicht mehr ausreichen würden. die Sterblichkeit auszugleichen, wenn nicht ein durch die Kriegsfolgen völlig anormaler Altersaufbau unseres Volkes die Wahrheit über unsere geminderte Lebenskraft noch verschleiern würde. Das deutsche Volk habe seinen Konkurs durch den Mangel an Nachwuchs schon angemeldet. Es gelte zu resignieren oder den Kampf gegen den Geburtenrückgang aufzunehmen. Das Heer, das diesen Kampf aufnehme, sei das der kinderreichen Familien, auf denen alle Hoffnung ruhe. Hierauf sprach Benter=Breslau über Heimstätten für Kinderreiche. Redner schilderte die Entwicklung des Heimstättengedankens, wies darauf bin, wie man besonders in seiner Vaterstadt die vielen Schwierigkeiten überwunden habe. und zeigte den Anwesenden in zahlreichen wohlgelungenen Lichtbildern die Wunder des kleinen, bescheidenen Eigenheims im Gegensatz zu dem unsagbaren Elend der Keller= und Dachwohnungen. Seine Rede klang in dem Glauben aus, daß trotz vieler Hindernisse fester Wille das Ziel erreiche. Die Versammlung zollte den Ausführungen der Redner reichen Beifall. Den Höhepunkt der Tagung bildete die am Sonntagvormittag einberufene Kundgebung kinderreicher Familien in der alten. ebrwürdigen Katbarinenkirche, die dis auf den letzten Platz besetzt war. Der Reichs=Bundesvorsitzende. Oberlehrer Konrad=Düsseldorf. entbot berzlichste Willkomengrütze. Sein besonderer Gruß galt den Vertretern der Reichsregierung. der bauerischen Staatsregierung, zahlreichen Ueichstaas= und Landt####bgeord= neten. den Vertretern der Stadt Nürnberg. den geistlichen und weltlichen Behörden sowie den beireundeten Verbänden und Vereinigungen. Führertagung der Bsentlicher für Zentralverbannes de. Arbeiinehmer Betriebe und Verwaltungen. die breite Oeffentlichkeit interessierendes „Kommunalwirtschaft und Privatwirtschaft — Führertagung des Zentralverbandes der Verwal Ein Thema wurde auf der„zuorertagung Arbeitehmer öffentlicher Betriebe und Verwaltungen Chriniche Gewerkschaften) behandelt. Als Reserent war der bekannte Kommunalvolitiker Dr. HeinenKöln von der Kommunalpolitischen„Vereinigung gewonnen worden. der in seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen hervorhod, daß Kommunalwirtschaft und Privatwirtschaft keinen Gegensatz zu bilden brauchten. sondern sich gegenseitig zweckmäßig zu ergänzen hätten. Spekulative Internehmen und Wagen i-— Internehmen und Wagen sprechen nicht den ei wohl dagegen dürfnisse, die in den in wirtschaftlichen Dingen enten eigentlichen Aufgaben der Kommunen: die Befriedigung lebensnotwendiger Be, die in den Betrieben für Wasser=, Gas= und Stromversorgung. Straßenhabnen. Straßenunterhaltung. Häsen. Krankenanstalten usw. erfolge. Der zweckmäßigen Betätigung aber widerspreche es. wenn der Gemeinde alle die sogenannten Zuschußbetriebe, deren Kosten nach der die Einnahmen übersteigen zugeschoben, In einem unter großem Beifall verlesenen Handschreiben zollte der Reichsinnenminister Severing den Bestrebungen des Bundes volle Anerkennung und versprach tatkräftige Unterstützung. Professor Münker=Passau sprach sodann über Sittliche Grundlage der Familie. Daß das deutsche Volk ein sterbendes Volk sei, werde allmählich immer klarer. Die Schäden in der heutigen Gesellschaft. im völkischen und nationalen Leben rühren zum größten Teil von der Zersetzung der Familie her. Wesen und Sinn der Ebe und darüber hinaus der Familie wurzele im Reich des Sittlichen. Nur eine egoistische, individualistische Einstellung könne den Sinn und den Nutzen der Ein= und Dauerebe für die Gesamtheit übersehen Die künstliche Ausschaltung des Kindes bedeute einen Verstoß gegen die unabänderlichen Gesetze der Natur und eine Auflehnung gegen Gottes heiligen Willen. Wenn das sexuelle Leben jeder Verantwortung gegenüber der Gesamtheit entzogen werde. dann brauche man sich auch nicht über seine Verwilderung zu wundern. Die Gemeinschaft habe ein Wort mitzureden. und es dürfe nicht der Entscheidung des einzelnen überlassen werden ob der gezeugte Mensch sein solle oder nicht. Ihre tiefste Begründung erfahre die Einehe durch das Kind. Nur die Familte sei die Erziehungsgemeinschaft, in der das Kind deranreisen könne. So fordere auch das Kind die Dauer der Ehe. Daraus ergebe sich ganz von selbst die Ablebnung aller Ersatzformen wie Prabe=Eben. Zeitehen und Kameradschaftsehen. Redner streifte zum Schluß noch die traurigen Kavitel des Geburtenrückganges und der Abtreibung, deren schreckliche Folgen er an Hand erschütternder Zahlenbeisoiele nachwies. Verantwortlichteit gegen sich selbst, der Frau. dem Kind und dem Volk. das seien die Stützen des ebelichen Ledens. Die sittliche Grundlage der Familie sei die Grundlage des ganzen Volkes. sei die Grundlage der Menschheit überhaupt. Möge sich die Urzelle der menschlichen Gemeinschaft. die Familie. möge sich das Volk stets bewußt sein der Verantwortung, die sie tragen vor dem. von dem alles Leben seinen Ausgang genommen habe und zu dem alles Leben wieder zurückströmen werde vor Gott. Anschließend sprach Oberbürgermeister Dr. Luope über die wirtschaftlichen Grundlagen der Familie. Für uns handle es sich darum, daß denjenigen, die den Willen hätten. eine Familie zu gründen. die Möglichkeiten hierzu gegeben würden. Der Kinderreiche brauche mehr Naum als der Kinderarme: er könne aber unter keinen Umständen mehr bezahlen. An die Lösung dieses Problems werde heute durch die gemeinnützigen Baugesellschaften sustematisch berangegangen. und man babe schon ausgezeichnete Fortschritte zu verzeichnen Das Einsamiliendaus mit Garten lei das Ideal für die kinderreiche Familie. Nürnbero habe erst der Ardei kutzlich beschlossen lolche Einsamilienbauler=Kolonien für maltungen die sogenannten Natur der Sache die Einnaumen überstel die werbenden Betriebe dagegen von der Privatwirtschaft beansprucht werden. Bei der jetzigen Finanzlage der Gemeinden können diese auf die Ueberschüsse dieser Betriebe zum Ausgleich des Etats nicht verzichten. Beim Regiebetrieb oder gemischtwirtschaftlichen Betriebe mit übermiegender kommunaler Beteiligung würden auch bei der Monovolstellung die Interessen der Benutzer und Verbraucher besser gewahrt wie in einem reinen Privat= betrieb. Bei der Kartellierung und zunehmender Vertrustung der privaten Wirtschaft könne auf das Gegengewicht der wirtschaftlichen Betätigung der öffentlichen Hand nicht verzichtet werden. Andererseits sei eine Betriebsführung der behördlichen Unternehmen unbedingt erforderlich. Ueberlebte bureaukratische Verwaltungsmethoden seien zu beseitigen erprobte technische und organisatorische Methoden restlich in Anwendung zu! gen. Ein gesunder kaufmännischer Geist müsse sich mit und Gewissenhaftigkeit des Beamtentums in Verwaltung vaaren. Nur dann würentlichen Betriebe in der Lage sein. dem Gesamtwohl durch gute Leistungen und Lieserungen zu preiswurdigen Preisen zu dienen. die Steuerzahler zu entlasten und trotzdem in sozialer Beziehung den desch““. rbeitnehmern gegenüber„vorbildliche Verbältchaffen. Wenn auch ein Ideal niemals restlos erreicht werden könne. so müsse doch wenigstens der ernste Wille erkenntlich sein, ihm näher zu kommen. Dazu sei die ehrliche Zusammenarbeit von Arbeitnehmern und Arbeitaebern nicht zu entbebren. In einer einstimmig angenommenen Treue und Leitung und die öffentlichen Entschließung vertritt die Führertagung des Zentralverbandes der Arheitnehmer öffentlicher Betriebe und Verwaltungen den Standvunkt, daß die wirtschaftliche Betätigung der Kommunen au#, efflesung lebenenoiendiger Bedürfnisle eine nicht zuentbehrende Ergänzung der privaten Wirtschaft bedeutet. Eine Herausnahme der gemeinnützigen Betriebe und Unternehmungen aus der privat=kavitalistischen Wirtschaft sei unbedingt notwendig und eine allgemeine Besteuerung dieser Betriebe liege nicht im Interesse des Gemeinwobls. Von den Kommunalverwaltungen und Leitungen der gemeinnützigen Unternebmungen müsse verlangt werden. daß sie die technischen und organisatorischen Kortschritte restlos benutzen, um die größte Wirtschaftlichkeit der Regiebetriebe zu erreichen. Nur unter diesen Voraussetzungen werden sie in der Lage sein, sowohl hinsichtlich der angemessenen Preisgestaltung für Leistungen und Lieferungen wie der vorbildlichen Gestaltung der Arbeits= und Dienstverhältnisse ihrer Arbeitnehmer, den ihn gestellten Aufgaben gerecht zu werden. Die Arbeitnehmerschaft sei bereit, an der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten. Sonst beschäftigt sich die Führertagung noch mit verschiedenen allgemeinen sozialen Fragen, die die Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe betreffen. Der Verkand hat sich nach dem Bericht des Zentralvorsitzenden Dedenbach=Koln gunstig entwickelt. Gegenwärtig umfaßt der Verband 34.800 Mitglieder. Der neue Vorsitzende des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften. Otte=Berlin. bebandelte in einem längeren Referat„Die deutsche soziale Politik und ihre Geaner“. Der Verlauf der Tagung. die in Koblenz stattsand. ließ die rührige Tätigkeit dieses Verbandes im Interesse der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe erkennen. und Vern und Junnume der Minberwertigen zeigt. Der Anerkennung der durch sittliche Tat gestalteten kinderreichen Familie muß der wirksame wirtschaftliche Schutz auf gesetzlicher Grundlage solgen. Wir fordern daher als unerläßliche Stützen der Familien Wohnung und Arbeit. Ohne Lösung der Wohnungsfrage für unsere Familien wird aller soziale Dienst am Volke erfolglos bleiben und die Fürsorge für die aus der Vernachlässigung der Wohnungsfrage entstebenden körverlichen, geistigen und sittlichen Schäden dem Volke unerträglich werden. Erstrebenswertes Ziel für die Familie ist das Eigenbeim mit Garten. Als Träger und Erhalter des Volkes muß der kinderreichen Familie eine Bevorrechtung auf allen Gebieten des Erwerbslebens zugestanden werden. Nur wenn die wirtschaftlichen Vorteile des Ledigseins und der Kinderlosigkeit zum Teil genommen und den kinderreichen Familien die Nachteile der Belastung durch die Kindererziehung gemildert verden, bleibt die Zukunft unseres deutschen Volkes gesichert. Wir erstreben daber den Ausgleich der Familienlasten durch staatliche Ersienungsbeidilsen an die kinderreichen Familien aller Ständ