) Herner EE W C Druck u. Verlag: Koetbers& Röttsches. Herne. Bedelstr. 8. neden der Hauptpost Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 60 Pfa. frei ins Haus gebracht. 7 Pottscheckkonto: Dortmund 1907 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen- und Reklameteil: Carl Bartels, beibe in Herne. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger7 Gerther Anzeiger Amtlich beglaubigte Abonnentenz ahl Jeder Abonnent nebst Ebefrau ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.— versichert, wenn durch einen Ansall der Tod oder Ganzinvalldität eintritt. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfa., Arbeitsund Wohnungsmarkt 5 Pfa. 1 mm Raumhöhe, im Reklameteil 30 Pfa. Der auf die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage binfällig. Fernsprech=Anschluß: Sammel=Nummer 52591 Telegramm=Adresse: Anzeiger Herne. Nr. 129(Erstes Blatt) Donnerstag, den 6. Juni 1929 25. Jahrgang. Der Papst antwortet auf die Reden Mussolinis Ein Schreiben voll apostolischen Freimuts und apostolischer Autorität— Eine machtvolle Abwehr Mussolinischer Irrtümer— Die göttlichen Rechte der Kirche unantastbar Pius XI. spricht #b Rom, 5. Juni.(Telegr.) „stervarore Romano“ veröffentlicht beute abend einen langen Brief des Paostes an den Kardinalstaatssekretär Gasparri. In diesem Brief gibt der Papst seine Eindrucke wieder, die die bekannten von uns veröffentlichten und glossierten beiden Reden Mussolinis in der Kammer und im Senat sowie die sich daran anschließende Erörterung auf ihn gemacht haben. Der Papst erklärt, daß es seine Pflicht sei, zu reden. Zunächst gibt der Papst in dem Brief seinem Bedauern über die harten Ausdrucke Mussolinis Ausdruck. Es sei für ihn ferner eine bittere Enttäuschung gewesen, über das Wesen des Christentums und dessen göttlichen Ursorungs Auffassungen bhoren zu müssen, die bäretisch und noch mehr als bäretisch seien. Diese Aufsassungen seien in der zweiten Rede Mussolinis nicht vollkommen zurückgenommen worden. Der Papst wendet sich sodann gegen diese Anschauung, die er auf modernistische Aussprüche zurückfuhrt. Der Papst bemängelt serner in den genannten Reden den Hinweis aus die geringen wissenschaftlichen Arbeitsergebnisse der italienischen Geistlichkeit und erklärt, daß die Aufzählung und Schilderung der Kämpfe gegen die weltliche Herrschaft der Pärste nicht gerave rücklichtsvoll gewesen sei. Besonders aber erklärt es der Papst als eine falsche Auffassung, daß der Staat in Italien die Souveranität über die katholische Kirche habe. Mit großer Energie betont Pins XI., daß der Paust allein über die Rirche ouverün sei und eklein die großen Entschlüsse zu fassen habe. Der Papst bedauert auch die wiederholten Ausdrücke, daß der Staat aus seine Hoheit nicht verzichtet habe und daß der Staat sich eine Kontrolle vorbehalten habe, gleichsam, als ob die Kirche bestrebt sei, den Staat zu schädigen. Ferner wendet sich der Papst gegen die Ausführungen über die katholischen Kulte, und mit großer Entschiedenheit erklärt er sich gegen die gewährte Erörterungsfreiheit. Der Papst nimmt weiter gegen die gewährte Gewissensfreibeit Stellung und vertritt die Meinung, in einem katholischen Staat müsse sich die Gewissensfreiheit nach den Grundsätzen der katholischen Kirche richten. Das Recht der Rirche bei der Erziehung wird besonders betont und gesagt, daß die Erziehung der Kirche nicht aus den Religionsunterricht beschränkt und nicht vom Staat gehindert werden dürse. Der Staat brauche die katholische Wissenschaft nicht zu fürchten. Der Papst nimmt weiter Stellung dagegen, daß Mussolini gesagt hätte, niemand werde die Katholiken zwingen, die kirchliche Eheschließung einzugehen. Der Papst erklärt demgegenüber, daß die Kirche diesen Zwang ausüben werde. Er exkommuniziere mit losortiger Wirkung jeden Natholiken, der sich mit der zivilen Ehe begnügen werde. Der Papst gibt seinem Mißfallen darüber Ausdruck, daß die Geistlichen, die die Kirche verlassen haben und sich in staatlichen Stellungen befinden, nicht aus diesen Stellungen entfernt werden sollen. Mit großem Nachdruck erklärt er, daß der Aussöhnungsvertrag und das Koukordat ein unteilbares Ganzes bilden und daß mit dem einen auch das andere fallen würde. Der Reichswirtschaftsminister wendet sich gegen rechts und links Die vier entscheidenden Fragen Deutscher Reichstag Berlin. 5. Juni 1929. Die zweite Beratung über den des Reichswirtschaftsministeriums wird fortgesetzt. Abg. Benthien(D. V.) dankt dem Minister für die Stellungnahme zu den Nöten des Mittelstandes. Die aus der Pariser Konferenz etwa zu erwartende Lastenerleichterung müsse nicht zuletzt dem Mit elstand zugute kommen. Die steuerliche Bevorzugung der öffentlichen Betriebe sei unerträglich. Abg. Drewitz(W. P) führt aus. der Mittelstand stehe den Ankündigungen der Regierung skeotisch gegenüber nach den Erfahrungen, die er mit früheren Versprechungen gemacht habe. Die so oft angekündigte Senkung der Realsteuern ist noch immer nicht gekommen. Wenn das Ergebnis der Pariser Verhandlungen uns Zahlungserleichterungen verschafft. dann müssen diese in erster Linie zur Senkung der die Wirtschaft belastenden Steuern benutzt werden. Wir sind keine Gegner der Arbeitslosenversicherung. aber wir wollen dem Mißbrauch dieser sozialen Einrichtung ein Ende machen. Am Freitag wird unterzeichnet Im Juli Reparationskonferenz in London Das letzte Hindernis überwunden Die belgische Marknotenfrage geregelt G Paris, 5. Juni.(Telegr.) Die Frage der velgischen Markbanknoten ist gestern geregelt worden, und zwar aus der Grundlage der Vorschläge, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht am 3. Juni in dem bereito veröffentlichten Brief an den Vorsitzenden der Revarationssachverständigenkonferen; Owen Doung gemacht hat. Die deutsche Delegation hat gestern im Namen der Reichsregierung die Erklärung abgegeben, daß der Bevollmächtigte fur diese Angelegenheit, Ministerialdirektor Dr. Ritter, bereit ist, die Verhandlungen mit einem beglaubigten Vertreter der belgischen Regierung aufzunehmen und daß diese Verhandlungen entweder in Paris oder Brüssel pattfinden sollen. Es handelt sich um rein inanzielle Verbandlungen in deren Verlauf selbstverständlich territoriale Fragen nicht ausgeworsen werden können. Ferner ist bestimmt worden, daß die deutsch=belgischen Verhandlungen vor der Inkraftsetzung des Uoung: Planes zum Abschluß gebracht werden sollen und daß die Regelung auch dahingeben könne, die Entschadigungszahlungen in Annuitäten in Anlehnung an das Zahlungsschema des Boung=Planes festzusetzen. Durch diese gestern nachmittag erfolgte Einigung ist das letzte Hindernis aus dem Wege geräumt, so daß der Unterzeichnung des Berichtes der Sachverständigen nunmehr nichts mehr im Wege steht; auch Belgien wird unterzeichnen. Am Ziel vor der Unterschriftleistung Paris, 5. Juni.(Telegr.) Das Gutachten der Pariser Sachverständigen wird voraussichtlich am Freitag um 12 Uhr mittags unterzeichnet werden. Da die Verhandlungen der Sachverständigen sich bisher in zwangloser Form abgespielt haben, darf man annehmen, daß sich auch der Akt der Unterzeichnung ohne besondere Formalitäten absvielen wird Ueber die Veröffentlichung des Berichtes ist zur Stunde noch nichts bestimmt, doch wird er in Paris veröffentlicht werden. Endkenferenz in London? X Paris, 5. Juni.(Telear.) Das„Echo de Parie“ nimmt an, daß nunmehr— nach der Pariser Vereinbarung— eine Regierungskonserenz in der Art, wie sie im August 1924 bei dem Inkraftsetzen des Dawesplanes stattgefunden hat, zusammentreten wird, und meint, dah das gegen Ende Juli in London gescheben wird Rückblick und Wertung &ar London, 5. Juni.(Telegr.) Zur Pariser Vereinbarung sagt„imes“ in einem Leitartikel: Wie umständlich auch der Weg war, das Ziel ist erreicht, und das ist letzten Endes das einzige, worauf es ankommt. Gegenwärtig läßt sich noch nicht voraussehen, wie das Abkommen sich im einzelnen bewähren wird, aber es ist bereits genug über seine Hauptzüge bekannt, um den Beweis führen zu können, daß die Sachverständigen ihre schwierige Aufgabe erfolgreich gelöst haben. Für dieses glückliche Ergebnis schuldet der Ausschuß viel der dauernden Geduld und dem unermüdlichen Takt des Vorsitzenden Owen Doung. „Mornina Post“ sagt in einem Leitartikel: Die Sachverständigenkonferenz dat solange gearbeitet und ist durch so viele Krisen gegangen, daß die ganze Welt über die Nachricht von der glatten Beendigung ihrer Aufgabe ausaimet. Der deutsche Delegierte ist sicher unglücklich darüber, daß er sich bereit erklärt hat, soviel zu bezahlen, und die Gläubiger sind zweifellos unglücklich, weil sie nicht mehr erhalten können. Aber letzten Endes ist es befriedigend, daß feste und regelmäßige Zahlungen gesichert sind. Was die Vereinigten Staaten betrifft, so könenn sie es sich leisten, zufrieden zu sein, da die Gläubiger Deutschlands ihre Schuldner sind, und die deutschen Zahlungen regelmäßig an die Vereinigten Staaten weitergehen würden. Eoilog des„Matin“. □ Paris, 5. Juni.(Telegr.) Der Außenoolitiker des„Matin“ veröffentlicht bereits heute eine Art Evilog zu den Arbeiten des Sachverständigenausschusses. Er schreibt, die Sachverständigen hätten unter ungeheueren Schwierigkeiten ihre Pflicht getan. Jetzt müßten die Regierungen und Parlamente auch ihre Pflicht tun. Sie würden daran denken müssen, daß das, was gescheben sei, unter zwei Gesichtspunkten betrachtet werden müsse Wenn man auf die Vergangenheit zurückblicke, dann bandele es sich um die direkte Fortsetzung der geschichtlichen Unterredungen von Thoiry. Damals hätten sich Briand und Stresemann über Gesamtleistungen verständigt und eine Teilmobilisierung des Dawesplans ins Auge gesaßt. Zwei notwendig gewesen, damit der Markt und die öffentliche Meinung in Amerika sich zu dieser Operation herbeiließen, aber dank dieser Frist habe die Overation größere Ausmaße angenommen, denn man mobilisiere die gesamte eigentliche Revarationsschuld abzüglich der Komvensationszahlungen für die interalliierten Schulden. Wenn man in die Zukunft blicke, könne man sagen, daß man, vorbehaltlich der Zustimmung der Regierungen und der Parlamente, den ersten Akt der Genfer Entschließung der Regierungen vom . September durchgeführt habe. Das Revarationsproblem habe seine endgültige Lösung erfahren. Verbandlungen über die Rbeinlandeäumung könnten und mühten jetzt in vollem, gutem Glauben zwischen den interesherten Landern eingeleitet werden Abg. Mever(Dem.) erklärt, der Abg. Leieune=Jung. der jetzt schon die Ablehnung der Pariser Vereinbarungen fordert. gehörte doch zu den 50 Prozent der Deutschnationalen Fraktion, die dem Dawesvakt zur Annahme verhalsen. Die Demokraten würden auch nur einem Verhandlungsergebnis zustimmen. das nach nationalen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten für Deutschland tragbar ist. Trotz der Weltwirtschaftskonferenz sehen wir in allen Ländern ein Wachsen der Schutzzölle. Wir haben nicht nötig. dem hochschutzzöllnerischen Beispiel anderer Staaten zu folgen. Wir verlangen eine grundsätzliche Jouiarisreform. Die Kartellvolitik ist zu einer wirklichen Monovolkontrolle auszubauen. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius erklart zu den gestrigen Ausführungen des Abg. LeieuneJung: Ich habe der Wirtschaft gedient mit der Vorbereitung der Pariser Konferenz zur Revision des Dawesabkommens. Ich werde ihr weiter dienen, wenn ich mein Votum zu dem Pariser Gutachten abzugeben habe vor allem bei der Notwendigkeit der Durchführung eines eventuellen neuen Planes. Die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners nötigen mich zu der Frage. welches Bedürfnis bei der Koglitionspolitik vorliegt. den Kampf gegen das orivatkavitalistische Prinziv zu predigen und die Botschaft des Sozialismus zu verkünden. Das Mittel dauernder Lohnerhöhungen kann in der gegenwärtigen Wirtschaftsveriode auch zu Lähmungen führen. Wir haben uns in der Koalition nicht gegenseitig aus Weltanschauungen gebunden. Ich frage mich nur, ob es richt z ist. in diesem Augenblick das Trennende voranzustellen, ob es nicht besser wäre. das Einigende zu suchen. Abg. Wels hat auf dem Magdeburger Parteitag der Sozialdemokratie ausgeführ., daß die bürgerlichen Parteien einen Erfolg dieser Regierung gar nicht wünschten, weil die Regierung von der Sozialdemokratie geführt wird. Ich protestiere für mich und meine Freunde aufs entschiedenste gegen eine derartige Auffassung. Wir dürfen nicht nur negativ eingestellt, sondern müssen gemeinschaftlich positiv eingestellt sein. Ich glaube auch für die sozialdemokratischen Mitglieder des Kabinetts feststellen zu sollen: Wir haben bis heute ohne irgendwelche Parteiprestigevolitik nur versucht, eine positive Wirtschaftspolitik zu treiben. Wie haben deshalb im vorigen Jahre ein Reformprogramm vorgelegt. und werden nach dem Bericht der Pariser Konferenz ein neues Programm vorzulegen haben. Die vier entscheidenden Fragen sind: 1. Revision des Dawesplanes und Räumung unseren Westgebiete, 2. Reichsreform, 3. Durchgreifende Agrarreform und 4. Erleichterung der Wirtschaft auf allen Gebieten. Wir sind gemeinschaftlich ein gutes Stück vorwärts gekommen, und ich sehe keinen Grund, daß die Verantwortungsgemeinschaft nicht fortgeführt werden kann. Die Arbeitslosenversicherung ist ein großer sozialer und wirtschaftlicher Fortschritt. Aber es besteht kein Zweifel, daß wir die finanziellen Leistungen überspannt haben. und daß hwere Schäden der Arbeitsmoral eingetreten sind. 1 ir müssen eine grundlegende Reform der Arbeitslosenversicherung durchführen. und es kann dabei auch nicht der bisher gesteckte Kreis der Versicherungspflichtigen unangetastet bleiben.(Hört. hört links.) Noch weniger können wir diese Reform mit Beitragserhöhungen beginnen.(Hört, hört links.) Die zweite Frage ist die Zollfrage. Wenn andere Staaten die Torheit begeben. die Schutzzollmauern immer weiter zu erhöhen, so brauchen wir nicht die gleiche Torheit zu begeben.(Unruhe rechts.) Man muß die Selbstkosten herabdrücken auf dem Gebiete der Zinsen und Steuern. Den Vorschlägen des deutschnationalen Redners kann ich ncht folgen. Ebenso deutlich muß ich aber dem sozialdemokratischen Redner sagen: Die Krise der Landwirtschaft kann unmöglich mit grundsätzlicher Verneinung jeder Zollerhöbung gelöst werden. Meine Stellung zu dieser Frage deckt sich mit der des Reichsernährungsministers. Ich lehne aber die von den Deutschnationalen geforderte Herausnahme der Landwirtschaft aus den Handelsverträgen ab. Abs. Loibl(Bayer. Vrt.): Eine Reform der Arbeitslosenversicherung ist notwendig. Aber eine Beitragserhöhung lehnen wir ab. Es ist uns unverständlich, wie der Minister sagen konnte wenn andere Staaten die Zölle erhöhen. brauchten wir diese Torheit nicht mitzumachen. Wir können doch nicht ohne Schutz den anderen gegenüber bleiben. Die Erklärungen des Ministers zu den Mittelstandsforderungen waren wenig positiv gehalten. Aba. Toraler(Komm.) erklärt. die Rede des Reichswirtschaftsministers habe einen unerhört provokatorischen Charakter gegen die Arbeiterschaft gehabt. So wichtige Ausführungen konnten nur mit Zustimmung des Reichskabinetts gemacht worden sein. Die Kommunisten beantragten deshalb die Herbeirufung des Reichskanzlers. damit er die Stellung des Kabinetts darlege Der kommunistische Antrag wird gegen die Antragsteller. die Deutschnationalen und Nationalsozialisten abgelehnt. In einer Geschäftordnungsdebatte beantragt Abg. Graf von Westarv(Dntl.), als ersten Gegenstand der morgigen Tagesordnung die deutschnationale Revarationsintervellation zu bestimmen. Wenn der Außenminister es für richtig halte, zur Madrider Völkerbundstagung zu fahren. würden die Deutschnationalen beantragen, daß der Reichskanzler eine Erklärung über Paris abgebe. Gegen Deutschnationale. Nationalsozialisten und Kommunisten wird der Antrag Westarv abgelehnt. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag. Macsonald übernimmt die Regierungsbildung Der Auftrag E London. 5. Juni.(Telear.) Die formale Betrauung Macdonalds mit der Bildung des neuen Kabinetts durch den König ist erwartungsgemäß heute mittag erfolgt. Bei seiner Ankunft im Schloß Windsor wurde er von dem Hofmarschall des Königs empfangen und um 11,30 Uhr nach dem Krankenzimmer geleitet, das er wenige Minuten nach 12 Uhr wieder verließ. Macdonald hat den Auftrag zur Regierungsbildung übernommen. vollzugsrat der Arbeiterpartei London, 5. Juni.(Telegr.) Der nationale Vollzugsrat der Arbeitervartei beschloß heute vormittag, einen besonderen Wahlliegessonds zu schaffen, dessen Erträge dazu bestimmt sind, einen Teil des nächsten Wahlfeldzuges zu finanzieren und die Parteiorganisation weiter auszubauen. Am Nachmittag fand eine gemeinsame Sitzung des Vollzugrates der Gesamtpartei und des Vollzugsrates der Unterhausfraktion der Arbeitervartei statt, in der Macdonald Bericht erstattete. Die Kabinettsliste wird kaum vor Ende der Woche fertiggestellt sein können; die weniger wichtigen Posten werden möglicherweise erst Mitte der nächsten Woche besetzt werden. Der Auszug der alten Minister nimmt inzwischen seinen Fortgang. Chamberlain hat das Außenministerium bereits an den ständigen Unterstaatssekretär Sir Ronald Lindsey übergeben. Baldwin selbst bereitet sich auf seinen Auszug aus der Downingstreet vor und ist gegenwärtig auf der Suche nach einer neuen Londoner Wohnung. Das neue Parlament Zusammenteitt am 25. Juni. X London, 5. Juni.(Telegr.) Das neue Parlament tritt am 25. Juni zusammen, doch wird die erste Woche lediglich mit der Erledigung von Formalitäts ausgefüll: sein. Erst in der darauf folgenden Woche wird das Parlament mit einer Thronrede. die das Programm der neuen Regierung bekannt gibt, formell eröffnet werden. Das Parlament wird sich voraussichtlich Ende Juli vertagen und erst zu Beginn des Herbstes seine Arbeiten wieder aufnehmen. Macdonald über seine Politik c Paris, 5. Juni.(Telegr.) Macdonald hat einer Mitarbeiterin des„Petit Parisien“ ein Interview gewährt, das Ausblicke auf die künftige englische Poiltik 700 Personen ertrunken? Schiffsbrand an der Rüste von Kamtschatka co London, 5. Juni.(Telegr.) Nach einer Meldung aus Tokio soll der japanische Dampfer„Ugemarn“, der sich auf der Fahrt von Wladiwostok nach Kamtschatka befand, an der Küste von Kamtschatka in Brand geraten und untergegangen sein. An Bord des Schilses besanden sich 790 Personen, meist Javaner und Russen, die wohl alle ertrunken sein dürsten. Die zu Hilfe eilenden Dampfer konnten die Unglücksstelle nicht medr rechtzeitig erreichen. Es liegen bisher nähere Einzelheiten über die Ursache und den Umfang der Katastropbe nicht vor. London, 5. Juni.(Telear.) Nach einer anderen Meldung aus Tokio ist der Dampfer„Ugemarn“ nicht gesunken, sondern treibt drenneno auf dem Wasser. Da sich an Bord eine große Menge Navhta befindet, gilt das Schiff als verloren. Ueber das Schicksal der 700 Passagiere, von denen die Hälfte Frauen sind, ist noch nichte bekannt. — unter der Regierung der Ardeikerpartei gibt. Macdonald betonte, daß die Arbeitervartei eine praktische Abrüstungs= und Friedensvolitik nachdrücklich verfolgen werde. Hinsichtlich des Zusammenarbeitens der Nationen erklärte er:„Die Arbeiterpartei will eine ganz neue Aera europaischer Zusammenarbeit einleiten. Eo soll keine Rivalitäten, keine Geheimdiplomatie mehr geben, keine Vertrage zugunsten eines Landes oder gegen ein Land. Das alles muß verschwinden. Das Ist es, wao man im Verhältnio der Voiter zueinander braucht: Luft, Licht und guten Willen.“ Auf die Frage:„Glauben Sie, das die Vereinbarung, die in Paris bevorsteht, die Frage der Revarationen und der interalliierten Schulden endgültig regeln wird?" antwortete Macdonald, man dürfe nicht zwei verschiedene Prodleme verwechseln. Die Nevarationen und die Schulden seien nicht dasselbe. Bei der Prufung der letzten Frage würden die Vereinigten Staaten viel zu sagen haben. Die Diskussion müsse auf neuen Grundlagen wieder ausgenommen werden. In der Frage der Schulden, wie in der Frage der Abrüstung beabsichtige die Arbeitervartei sich unverzüglich mit boo per in Verbindung zu setzen und in enger Fuhlungnahme mit diesem zusammenzuarbeiten. auch den Kardinal Hlonb. An der Audienz nahmen Kardinalstaatssekretär Gasparrt. Kardinal Vidal und über 30 Erzbischöfe und Bischöfe der Salesianer teil. Im Namen der Anwesenden hielt Rinaldi eine Ansprache, in der er dem Papst die besten 5lückwünsche zum Priestersubiläum übermittelte. Der Lapst antwortete in einer langen Rede. in der er die Tugenden Don Boscos bervorhob. und erteilte den Anwesenden den avostolischen Segen. Campitello und Pagano eingeäschert Der Weg der Lava Die Eidgenossenschaft der deutschen Presse Eine Rundgebung auf der Tagung der Zeitungsverleger— Gruß an die besetzten Gebiete— Eine Ehrung Görres'— Die Mission der deutschen Presse der Presse ruht die nationale Ehre Festbankett in Heidelberg in Heidelberg, 5. Juni 1929. Gestern abend hat in der Stadthalle zur Tagung der deutschen Zeitungsverleger unter Beteiligung von Vertretern der Reichs= und badischen Staatsregierung. der Stadt Heidelberg. der Universität. des Deutschen Buchdruckervereins und der deutschen Arbeitgeberverbände ein Genbankett stattgefunden, das von etwa 600 Perlonen besucht war. Kommerzienrat Dr. Krumbbaar hielt die Festansprache Er brachte zunächst zum Ausdruck, daß der Verein Deutscher Zeitungsverleger mit besonderer Freude nach Heidelberg gekommen sei. um hier auf altem Pfalzer Boden die Haupttagung abzuhalten. Die Tagung sei neben ihren anderen vielseitigen Zwecken zugleich eine nationalvolitische Kundgebung in der Westmark und für die besetzte baverische Pfalz. In erster Linie sei heute der Brüder jenseits des großen deutschen Stromes zu gedenken, die auf noch nicht befreitem Boden leben müssen. Den Verlegern wie Redakteuren. die nun schon ein Jahrzehnt lang den schweren fremden Druck aufrecht und mannhaft ertragen haben und noch er tragen, sei das Gedenken und der Dank des rechtsrheinischen Deutschlands sicher. Redner beschäftigte sich dann sehr eingebend mit Heidelberg als Zentrum des deutschen Geisteslebens und leitete über aus Görres, den er als den Schöpfer der modernen deutschen Zeitung feierte. Dr. Krumbhaar sagte:„Getragen von hober idealer Auffassung des Berufes der Presse war sein Leitsatz, daß Redaktion. Herausgeber und Mitarbeiter der Zeitung von Wahrhaftigkeit und Redlichkeit erfüllt sein sollen. Als Vertreter der Reichoregierung sprach Geh. Legationsrat Dr. von Kaufmann, der betonte, daß das Verantwortungsbewußtsein der Verleger auch von der Reichsregierung gewürdigt werde. Keine noch so tief schürfende Rede eines Staatsmannes. kein noch so eindringliches Wort eines Wirtschaftlers sei in der Lage durchzudringen. wenn ihnen in diesen Unternehmungen nicht der Resonanzboden der Presse zur Verfügung stände. Die Bedeutung und Wichtigkeit der Presse habe sich am sinnfälligsten in der letzten Zeit gezeigt, da Entscheidungen getroffen wurden. die für uns schicksalsbestimmend sein werden. Oberbürgermeister Dr. Rainhausen seierte mit beredten Worten die Arbeit, die die gesamte deutsche Presse für das deutsche Volk in diesem Jahr geleistet hat. Der Rektor der Universität. Geheimrat Professor Dr. einz Heimer, betonte die Verbundenheit der deutschen resse mit der Universität Heidelberg. Das Zeitungsinstitut habe an der Universität Heidelberg eine Heimstätte gesunden, die die Aufgabe habe, den Boden für Leben und Wirken der freien deutschen Presse zu bereiten Er halte es für richtig. die Presse nicht mehr als die siebente Großmacht zu bezeichnen. sondern er ziehe es vor die Presse als die sechste Fakultät zu nennen. Professor Juliuo Wolfs=Dresden, der erste stellvertretende Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ging als letzter Redner des Abends bumorvoller Weise auf die einzelnen Ausführungen seiner Vorredner ein und stattete den Dank des Vereins Deutscher Zeitungsverleger für die Anteilnahme und die dargebrachten guten Wünsche ab. Er verlas ein Telegramm des amerikanischen Senatoro Borab: „Ich entsende der deutschen Presse derzliche Gluckwünsche. Die Aufgabe der deutschen Presse war in den letzten Jahren keine leichte, aber sie war durch Zähigkeit und Mut gekennzeichnet. Ich bewundere das deutsche Volk sehr und wünsche, daß ihm Erfolg beschieden sein möge.“ Am Mittwoch besuchten die Zeitungsverleger den Schwetzinger Schloßpark. Abends begaben sie sich nach Heidelberg zurück, wo eine große Schloßbeleuchtung stattfand. wie eine Eidgenossenschaft zusammenbalten, das Ziel vor Augen: Die Staatomanner zu beraten, den Gemeingeist zu heben, die offentliche Meinung zu scharfen.“ Das sei die Sprache des seiner Verantwortung bewußten Zeitungsherausgeders. Man müsse heute sagen: In den Händen der Verleger und Redakteure ruht die nationale Wurde. Die Lage. in der unser Vaterland sich heute defindet, gibt uns keinen Grund zum Jubilieren. aber um lo mehr Anlaß. unserer Fübrerpflicht und unserer Verantwortung eingedenk zu sein. Im Bewußtsein untrennbarer Verbundenheit rufen wir:„Unser liedes deutsches Vaterland und das deutsche Volkstum Hoch!" Die Wertung der Presse Nach ihm ergriff der badische Minister für Kultur und Unterricht. Leers, das Wort, um im Namen der badischen Regierung dem Verein Deuticher Zeitungsverleger die herzlichsten Grüße zu überbringen. Der Minister kam mit einigen Worten auf die bedrängte Pfalz zu sorechen. Trov aller Bedrängnisse und Unbilden seien wir entschlossen. auszuharren und nichts preiszugeben. wirtschaftlich nicht und auch nicht geistig. Wir wollen nicht verzweifeln, aber wir freuen uns, wenn diese besondere Lage Verstandnis findet in allen deutschen Gauen und wenn sich dies darin ausdrückt, daß wir ein einiges deutsches Volk sind. In seinen weiteren Ausführungen würdigte der Minister die bohen Aufgaben der deutschen Presse und die von ihr bisher gerade in den letzten Jahren geleistete Arbeit Arbeiter= und Gewerkschaftsfragen Wissel hat das Wort Ergebnislose Verhandlungen über die Verbindlichkeit der Schiedesprucho für den Reichsbahnbetrieb. Berlin, 5. Juni.(Telear.) Heute fanden im Reichsarbeitsministerium unter dem Vorsinz des Ministerialdirigenten Dr. Meves Verhandlungen über die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches fur den Reichsbahnbetrieb statt, die ergebnislos verliefen. Die Vertreter der Gewerkschaften erklärten, daß sie zu einer Verständigung bereit seien: doch gelang es nicht, die Reichsbahn zur Annahme des Schiedssoruchs zu bringen. Die Entscheidung liegt nunmehr bei dem Minister. Kirchliche Nachrichten Empfang der Salesianer im Vatikan. Pr Rom. 4. Juni. Der Papst empfing in Audienz den Rektor der Salesianer. Rinaldi. mit den Mitgliedern des Obersten Rates der Salesianer, die dem Papst die Exinnerungsmedaille zur Seligsprechung Don Boscos überreichten. Hierauf empfing der Papst alle Salesianer. 10 000 an der Zabl. die zur Seligsorechung ihres Gründers Don Bosco nach Rom gekommen waren, darunter Rom, 5. Juni.(Telegr.) Der amtliche Bericht über die mitternächtliche Eruption des Vesuv bestatigt, daß der Ausbruch rund eine Stunde, von Mitternacht bis 1 Uhr morgens, gedauert bat, eine ungewöhnlich lange Zeit. Die Feuersäule, die der Vulkan aussvie, erreichte eine Höhe von 500 Meter, während die Rauchwolken eine solche von 2 bis 3 Kilometer erreichten. Der Krater ist immer noch ein Feuersee, aus dem die Lava mit großem Getose in das Höllental abfließt. Die Erschütterungen im Observatorium am Vesur waren so stark, daß die Nadeln der Erdbebeninstrumente dis zu 5 Zentimeter ausschlugen. Von Neavel aus ist der Versun, der sonst deutlich zu sehen ist, nicht mehr zu erblicken, da ihn ungeheure schwarze Wolken voller Lavaasche verhüllen. Auch die Stadt liegt im Schatten dieser Wolken Die Stimmung in Terziano ist verzweifelt. Die Bewohner räumen die Stadt und versuchen, ihre Habe in Sicherheit zu bringen. Von den Einwohnern der dedrohten Ortschaften werden grobe Prozessionen veranstaltet, denen die Heiligenbilder vorangetragen werden, die den Ausbruch des Vesuns von 1906 überdauert datten. Die Stadt ist ohne Wasser, da das Wasserreservoir zerstört worden ist. Die von der Regierung entsandten Trupven haben die Stadt besetzt, um Plünderungen zu verbindern. Der Bahnverkehr nach Terzigno ist unterbrochen worden, die Züge fahren nur bis Boscotrecase. Die bisher ausgeflossene Lavamenge wird auf 8 Millionen Kubikmeter geschätzt, d. i. etwa die Hälfte der Menge, die bei dem großen Vesuvausbruch im Jahre 1906 ausgeworsen wurde. Aus einigen in nächster Näbe des Vulkans gelegenen Dörsern wird berichtet, daß die ausgeworfenen Lavilli(Gesteine) Gewichte bis zu einem Dopvelzentner und mehr erreicht haben sollen. Innerhalb 24 Stunden waren drei Ausbrüche zu verzeichnen. Die Bevolkerung der Ortschaft Terzigno hat an den Parst folgendes Telegramm gerichtet:„Die von glübender Lawa eingeschlossene Berölterung erfleht Segen und bede! Um Mitternacht wurde die Terzigno vorgelagerte Ansiedlung Campitello vom Feuerstrom eingeaschert. Der Bischof von Nola ist in Terzigno eingetrossen und sucht die äußerst beunruhigte Bevölkerung zu beschwichtigen. Terzigno, 5. Juni.(Telegr.) Wie der Sonderberichterstatter der T. U. meldet, rückt der nördliche Lavaarm des Vesuvs nach wie vor in etwa 250 Meter Breite in einer Geschwindigkeit von 15 Meter in der Stunde in Richtung aus Prinzivessa Margeritha vor. Wenn keine neuen Ausbrüche erfolgen sollten, ist zu boffen, daß Terzigno im wesentlichen verschont bleibt. Die Lava ist nördlich von Terzigno erwa 650 Meter von der Bahnlinie entfernt. Die Lava hat vom Kegel aus bereits 6 Kilometer zurückgelegt und fruchtbare Gärten verstört. Glücklicherweise handelt es sich um eine tovische Hivfeleruption. die gewöhnlich schwächer ist als ein Seitenausbruch. Der Leiter des Vesuvobservatoriums äußerte sich ootimistisch Rom, 5. Juni.(Telegr.) Der Lavastrom des Veiuns hat die Ortschaft Pagano erreicht, die in kurzer Zeit zerstört wurde. Im Lause der Nacht gelangte die Lava bis vor Terzigno, wo sich die zwei Lavaströme zu einem einzigen großen Strom vereinigten. In Terzigno, einer Ortschaft mit 7000 Einwohnern, herrscht vollkommene Rube, da die Behörden alle Maßnahmen für ihre Sicherheit getroffen haben Das Ausbruchgebiet gleicht einem Zeltlager. Die Zugange sind durch Carabiniere, Militär und Miliz abgesperrt. #r Nom. 5. Juni.(Telegr.) Die Ausbruche. tätigkeit des Besuns bat am Nachmittag wieder zugenommen. Die Ortschaft Terziano ist vom Lapastrom erreicht. Ueber Ottariano ging ein Ascheuregen nieder. Ein Appell an die christliche Nächstenliebe Die Hungersnot in China Die Hungersnot, von der Ost=Kansu. das chinesische Missionsfeld der rbein.=westf. Kovuziner= missionate augenblicklich beimgesucht wird. nimmt immer bedenklichere Formen an. Durch den Mohammedaneraufstand und die zunehmende Räubervlage der letzten Monate ist das Hungerelend und die Not der schwergeprüften Bevolkerung aufs böchste gestiegen. Ein Kavuzinermissionar berichtet unterm 1. Avril d. Is. aus der Hauptstation Tsinchow: „Das Unbeil, das wir nach der Mitzernte im Herbste voraussahen, ist nun mit all seinen schrecklichen Folgen über unser Missionsgebiet hereingebrochen Schon im Dezember nagten weite Kreise der armen Bevölkerung am Hungertuch. Mitte Januar war der Vorrat in unseren Getreidewveichern bereits erschönft. Zwar konnten wir für teueres Geld die Vorräte noch einmal auffullen und so der schlimmsten Not vorbeugen, aber auf die Dauer gelingt es uns nicht mehr, das Hungergespenst auch nur einigermaßen zu bannen. Die Zukunft siebt sehr düster und hoffnungslos aus. Vor unserer Missionsstation, aus allen Straten und Plätzen, brechen viele der ausgebungerten Menschen duchstäblich zusammen und sterben. Taa für Tas werden an der Stationspforte rund 2000 Hungernde gespeist. Aber was ist das bei den 89 000 Einwohnern, welche die Stadt Tsinchow zählt? Viele schleppen sich mit dem Aufgebot ihrer letzten Krafte herum, um etwas Nahrung zu erhalten und dann vor Erschöpfung zu sterben. Unsere Natechisten können noch manche der Anglücklichen tausen, eve sie ein Opfer des Hungertodes werden. Die Missionsschwestern taufen täglich die Sterbenden in den beidnischen Pagoden, wo viel der Hungernden in dumpfer Verzweiflung des erlösenden Todes barren. Bei den zahlreichen Todesfallen bestebt die größte Gefahr, daß zu dem Hungerelend auch noch Toohus und andere Evidemien sich hinzugesellen. Die Mission hat auf Anraten des katholischen Missionsarztes Dr. Drexler eine Anzahl von Männern angestellt, welche die täglich auf den Straßen liegenden Toten sammeln und beerdigen sollen. Das Herz des Missionar# mochte bluten beim Anblick des grausigen Elendes, wo er so gerne helfen wurde und es wegen unzureichender Mittel doch nicht vermag Am schlimmiten sind die armen Frauen und Kinder daran. dungernde Vater und Mutter steben jeden Tag in Scharen mit ihren vom Hunger erschopften und ausgemergelten Kindern vor unserm Waisenbause und bitten flebentlich um Aufnahme für sie. Das Haus ist übersullt und bie auf den letzten Plau belegt. Wir können nur soviel Kinder neu aufnehmen, als täglich sterben. Weit über bundert dieser beklagenowerten Geschopfe haben wir in leuzter Zeit schon aus den Friedhof tragen müssen.— Dabei stehen uns die schlimmsten Monate, Juni und Juli. noch bevor. Das junge Grün auf den Feldern, das eben aussprießt, wird von der bungernden Bevölkerung begierig verzehrt. Die meisten haben aber auch das nicht einmal. Für die größte Mehrzabl besteht die ganze Nahrung aus gemahlener Baumrinde. Glücklich wer noch etwas Getreide unter die Baumrinde mengen kann. Man wundert sich, mit welcher Geduld und Rube die Unglücklichen ihr Hungerelend ertragen, obschon sie gut wissen, daß die Reichen noch keinen Mangel leiden. Mit stoischem Gleichmut und stummer Ergebung tragen KerbertCodebrechts An Von Geora Julius Petersen Genaung Rachm erdeten) (34. Fortsetzung) Er hatte es eigentlich nicht schwer, das mübsam konstruierte Gebaude des Staatsanwalts umzublasen. Aber bevor er dazu schritt, spielte er noch ein wenig mit dem Feuek. Mit dem Schichal Herbert Godedrechts war sein eigenes recht eng verknüpft. Gelang es ihm, einen vollständigen Frcispruch zu erzielen, so war er ebenso sehr zu beglückwünschen wie sein Mandant, gelang es ihm unter schwierig scheinenden Umständen, war er es dovoelt. So ganz mühelos durfte dieser Sieg nicht sein. Der Name des jungen Rechtsanwaltes war durch diesen Prozeß in aller Leute Mund gekommen; durch ein geschicktes Plädoyer konnte und würde er sich noch tiefer einprägen Aber dieser Ehrgeiz, der im Augenblick vielleicht ohne— begreiflichen— Egoismus war, wurde gemildert durch das rein menschliche Gefühl für Thea Roberts. deren großen, ängstlichen Augen er mitunter begegaet war, und die jedesmal ein eigentümliches Stechen in seiner Herzgegend erzeugt hatten. Wie eine stumme Anklage hatte dies kindlich=verängstigte Geschoof ihn jedesmal angesehen. Zu denken, daß sie. ohne Herberts Eingreifen, auf die Bahn des Verbrechens getrieben worden wäre— auf eine Bahn, die nach den ersten Gehversuchen so leicht beibehalten wird, weil selten einer da ist, der gütig zur Umkehr rät—, zu denken, daß sie unter dem Druck des Vaters die Frau dieses Soerber geworden wäre und ein Leden voll Jammer auf sich geladen hätte— nein, es war nicht auszudenken: es ware abe= sehr wadrscheinlich so gekommen. Zu dieser Gewißheit gesellte sich eine Art Scham darüber, daß er, der Rechtsanwalt, und seine Geschwister eine reiche und glückliche Kindheit gehabt hatten, wärend seine leidliche Kusine zum Dahinleben im Schatten verurteilt gewesen iese Erwagungen, die zusammenliefen zu einem n. der getrieben wurde von dem Ehrgeis, erzeugten ion selbst das geschliffene Wort. Zunächst zernflückte serteidiger die Anklagerede des Staatsanwalts, sachjuristisch, und doch nicht ohne Ironie; danach zing m Angriff über. In atemlosem Schweigen folgten lnwesenden dieser glanzenden Rede: sie packte die worenen da, wo sie menschlich angreifbat waren Verteidiger wußte die Vorgange, die zu der ErmorRoberts und dem unde des Me zt datten, wis Aettenglieder aneinanderzureihen. gens. die„Mordgedanker“! denen der Derr StaatsIt eine so große Wichtigkeit beigelegt habe. Won en ner... wos legte idr ruckdaltloses Eingesteden so offen zutage..... Richts konne den Angeklagten mehr entlasten als gerade dieser Umstand. nichts den innersten Nern seines Wesens scharfer treifen, als gerade dies.— Als Doktor Scheel=Brandow sich nach Beendigung seiner einstündigen Rede setzte, blieb es sekundenlang totenstill. Der Vorsitzende wandte sich freundlich an Herbert: Haben Sie selbst noch etwas dazu zu äußern?" „Nichts." * Die Geschworenen zogen sich zuruck. Scheel=Brandom war zu Herbert getreten, auf den er halblaut einsorach dabei sing er wiederum einen strablenden Blick seines Vaters auf, begegnete er den tiefernsten Gesichtern der Bindewalds. Als die Geschworenen wieder den Saal betraten, nahm er seinen Platz unterhalb der Anklagebank wieder ein und kreuzte die Arme: nun kam der Wahrsoruch, der auch seiner Zukunft galt. Und es war eine Verneinung der Schuld und damit ein Freisoruch Toktor Scheel=Brondow sorang auf und gab damit das Signal zu svontanen Kundgebungen, die der Vorsitzende rügte, um der Form zu genügen Herbert Gobebrecht verließ die Anklagebank, mit einem Scherzwort half ihm Scheel-Brandow über seine tieie Bewegung hinwen. Der junge Rechtsanwalt wurde von allen Seiten beglückwünscht, dem Gerichtshof, der sich zurückzog, machte er eine tiefe Verbeugung, zwischen ihm und dem Staatsanwalt wurde ein Blick getauscht, der zu sagen schien: Darum keine Feindschaft. Dann schuttelte er Thea. Schumann und Rumpnagel die Hand am liebsten hätte er aller Welt die Hand geschüttelt. Vor dem Verdandlungszimmer trafen sie mit Bindewalds zusammen. Ruth und Herbert konnten kein Wort hervorbringen „Kommt, Kinder", lagte Bindewald bastig, indem er sich schneuzte:„kommt. denn dies it ein undeimlicher Ort.“ Eingekeilt in einen Menschenschwarm, wurden sie durch den Engang geschoben „Ich hole ein Auto.“ äußerte der Kavellmetster, „bleibt nur so lange dier.“— #un, Pavo?“ wandte sich Doktor Scheel=Brandow an seinen Vater, den er untergehalt und etwas abseits gezogen hatte,„bist Du zufrieden mit mir?" „Gut gemacht, mein Junge“, entgegnete der Kaufmann.„Vortrefflich“ „Hällt Du es noch für nötig, daß ich in eine Anwaltsfirma eintrete?" „Nein, ganz gewiß nicht.— Auf Wiederseben, Artur. Ich muß noch einmal ins Geschäft.“ „Und telephoniere bitte sofort an Mama!“ „Das ist das nächste. Junge; sie wird in tausend Aengiten schweben" Dabei suchte er mit den Augen Thea. von derem eigenartigen Schickal er erst vor acht Togen erfahren datte: er begriff deute noch nicht, wesdalb seine Frau ihm damals nichts von dem Verbleib des Kindes der unglücklichen jungen Schwagerin erzählt hatte Nun reichte er dem bescheidenen jungen Mädchen steundlich die Hand.„Auf Wiedersehen, liebes Fräulein!“ dann war der Cbef der Firma Scheel und Brandow draußen.— Als Bindewalds und Herbert, umringt von Menschen, das Auto bestiegen, eilte ein Mann von ungepflegtem Aeußeren quer über die Straße und verschwand in einer Stebbierhalle: es war Onkel Franz Achtsehntes Kaoite! Herbert Godebrecht öffnete die Augen und richtete sich bastig auf, als er gewahrte, daß er in seinem eigenen Bett lag, lehnte er sich wieder zurück, aber das unruhige, angstvolle Gefühl, das ihn gequält hatte, wich nur allmählich Er hatte im Banne eines schweren, gudlenden Traumes gestanden. Der Einzelheiten entsann er sich genau und mit Schaudern. Sverber hatte ein langes. blitzendes Resser nach ihm gezückt, und er. Herbert, hatte sich nicht zur Wehr setzen können. weil Onkel Franz ihm einen endlosen Strick um Hals und Leid und Arme geschlungen datte. Eben vor dem Zustoben durch Sverber war der Staatsanwalt aufgelaucht und hatte ihn, den Gefesselten. fortgeschleift, bis zu einem Richtblock, auf dem ein mit Blut besudelter Mann stand, mit einem Schwert in der Rechten. Es war dann zu einem Handgemenge zwischen dem Staatsanwalt und Sverber gekommen, jeder hatte das Opfer für sich beansprucht. Inzwischen hatte Onkel Franz den Strick immer fester angezogen; ihm. Herbert, war die Luft immer knavver geworden, bis eine wahnsinnige Angst— die Todesangst— ihm die Kraft verlieben hatte, seine Fesseln zu sorengen. Darüber war er erwacht Er schaltete das Licht der Nachttischlampe ein; mit einem Schlage verschwanden dustere Erscheinungen und Erinnerungen. Das Leben meldete sich. Denn die Verbindungstür zum Wohnzimmer wurde vorsichtig geöffnet, und im Spalt zeigte sich ein männlicher Kopf. „Sie sind es. Herr Schumann!“ sagte Herbert lebhaft. „Darf ich näberkommen, Herr Godebrecht“ „Bitte. Und machen Sie die Tür ganz weit auf: je mehr Licht, desto besser. So....“ Und nehmen Sie Platz. Wie sät ist es?... Oder besser: Welche Tageszeit haben wir?" „Es geht auf sieben Uhr abends. Sie haben annabernd zweiundzwanzig Stunden geschlafen. Eine hübsche Leistung, was?“ „O ja...“ Und nun wollten Sie wohl nach mir sehen. nicht wahr?" „Wenn ich es denn sagen muß: ich habe mich gestern abend bei Ihnen einquartiert, und das kam so. Ich sagte zu meiner Frau:„Frau“, sagte ich.„Herr Godebrecht wird keine ganz ruhige Nacht haben: ich len das wei ich im Kriege Sanitäter gewesen bin und vielleicht mehr von Krankbeiten verstehe, als mancher, der darauf studiert hat; glauben Sie das, Herr Gorebrecht?“ „Gewiß. Herr Schumann.“ ais ich aber in Ihr Schlafzimmer trat. schliefen Sie chon den Schlaf des Gerechten. Ich selbst las noch die Zeitung mit dem Prozeßbericht und streckte mich dann auf Ihrem Divan aus.“ Und Sie haben gar nicht notig gehabt, nach mir zu sehen?" „Nicht ein einziges Mal. Ich hab' nämlich auch einen sehr gesunden Schlaf.— Aber ich muß Ihnen doch die Blumen zeigen, die für Sie gebracht worden sind. Und die Briese?... Soll ich Sie Ihnen vorlesen?" „Danke vielmals. Herr Schumann, die lese ich nachber im Wohnzimmer: ich will nämlich aufstehen.“— Schumann zog sich zurück; nach einer halben Stunde erschien Herbert. Eine sonderbare Schwäche hielt ihn gefangen, er kam sich wie ein von langer Krankheit Genesener vor. Die Blumen, die Freunde und ganz Unbekannte für ihn abgegeben hatten, betrachtete er schweigend. Und dann las er, während Schumann ihn abwartend beobachtete, die eingegangenen Briefe; Teilnahme und Freude von ganz fremden Personen wehten ihn wie sommerliche Winde an; er versank in ein Nachdenken. „Besuch ist auch schon hier gewesen“, äußerte da Schumann „Wer denn?" „Herr Doktor Scheel=Brandow. Und dann natürlich Fräulein Bindewald mit ihrer Frau Mama.“ „Rutb!...“ „Ich will meine Braut besuchen", sagte Gerbert erregt. „Tun Sie das lieber nicht. Herr Godebrecht", warnte Schumann.„Legen Sie noch eine Nachtrube dazwischen, es ist besser. Wenn Sie es wünschen, gebe ich bin und sage, daß Sie morgen früh kämen.“ „Ich glaube beinabe. Sie haben recht, Herr Schumann.“ Aber er blieb dennoch nicht mit Schumann allein: Frau Landgerichtsrat Brügge kam, um nach ihm zu sehen, und nach dem Abendbrot, das Schumann mit ihm teilte, wurde das Ebevaar Glöckner gemeldet, das sich eine Stunde bei ihm aufhielt: danach suchte er wieder sein Bett aus und versank gleich darauf in einen tiefen. traumlosen Schlaf.— * Sein erster Gang am nachsten Morgen galt Ruth. Er gewahrte ihre stumme Bewegung. als sie ihm an den Hals flog: ein maßloses Glücksgefuhl erfullte ihn. „Ich ware schon gestern gekommen“, sagte er,„aber Schumann riel mir ab.“ „Er war hier und erstattete uns Bericht; Papa bat lange mit ihm geplaudert.“ Frau Bindewald erschien„Nun, Herbert, Du siebst la schon wieder ganz munter aus“. meinte sie. „Es geht. Mama.“ Von einer Munterkeit verspurte er nun allerdings noch sehr wenig (Fortierung folgt) Nummer 129„ Zweites Blatt Herner Anzeiger Donnerstag, den 6. Juni 1929 Das Bauamt verteidigt seinen Sommerbadbau. Allerhand interessante Einzelheiten.— Widersprechende Auffassungen.— Wie aus 400000 Mk. Bausumme 860000 Mk. wurden.— „Babeverwaltung, sieh du zu!“ Das Stadtbaumt hat dem Magistrat, den Stadtverordneten und der Presse eine„Richtigstellung" zu dem im„Herner Anzeiger“ vom 23. Mai erschienenen Artikel„Skandal um das Sommerbad" zugesandt, der über acht eng beschriebene Schreibmaschinenseiten um faßt, von Herrn Stadtbaurat Knöll unterzeichnet ist und den wir mit einigen unwesentlichen Kürzungen hier folgen lassen. Die Erwiderung lautet: Die Verwaltung hat zum ersten Male in der Sit zung der Baudeputation vom 22. März 1927 den Bau des Sommerbades in Vorschlag gebracht. Die Baudeputation wählte sofort einen, aus je einem Mit gliede sämtlicher Fraktionen bestehenden Unterausschuß. der andere bereits ausgeführte Freibadeanstalten be sichtigte und einstimmig die Ausführung der Som merbadeanstalt an der Bergstraße vorschlug. Auf Vorschlag des Herrn Beigeordneten Hölkeskamp nahm an diesen Besichtigungen als Vertreter des Stadtausschusses für Leibesübungen und sämtlicher Herner Schwimmvereine Herr Seidl vom Schwimmverein „Wiking" teil. Eine weitere Hinzuziehung von Mitgliedern des Magistrats zu den Beratungen und Besichtigungen des Unterausschusses ist von keiner Seite gewünscht worden. Nach verschiedenen Verhandlungen in den zuständigen Körperschaften wurde der Bau vom Magistrat und dann von der Stadtverordnetenversammlung unter Bewilligung der Gesamtkosten von 400000 Mark endgültig beschlossen. Die den städtischen Körperschaften hierbei vorgelegten Pläne sohen zwar eine Anlage von größeren Ausmessungen, aber einfacherer Ausgestaltung vor. Als Zuschauertribüne sollte eine aus dem gewonnenen Boden aufgeworfene Böschung dienen, während die Verwaltungs= sowie Aus= und Ankleideräume mit Brausen in einem besonders zu errichtenden Bau untergebracht werden sollten. Erfrischungsraum, sowie Fahrradhalle und andere Nebenanlagen waren hiervei nicht vorgesehen. Eine später vorgenommene Besichtigung der ern karz vorher fertiggestellten Badeanstalt in Bielefeld ließ es jedoch zweckmäßig erscheinen, dem Beispiel von Bielefeld folgend, anstelle der als Erdböschung vorgesehenen Zuschauertribüne und eines besonderen Baues für die Verwaltungs= und Umkleideräume einen einheitlichen Hallenbau zu errichten, in dem diese Räume untergebracht werden sollten, während das pultartig und treppenförmig ausgebildete Dach als Zuschauertribüne gedacht war Baudeputation und Magistrat haben sich noch in vielen Sitzungen mit dem Bau der Sommerbadeenstalt beschäftigt. Den Herner Schwimmvereinen, u. zwar dem Schwimmverein Neptun, dem Schwimmverein Wiking und der freien Sportvereinigung, ebenso dem Deutschen Schwimmverein in Berlin, sowie dem Vorsitzenden des Gauverbandes in Oberhausen wurde hierbei(wobei? D. Red.) Gelegenheit gegeben, sich zu der Anlage zu äußern. Mit Schreiven vom 7. Oktober 1927 wurden diese schriftlich gebeten, zu einer Anregung, die Trennwand zwischen Sprung= und Schwimmerbecken wegzulassen, Stellung zu nehmen. Am 14. November 1927 and eine Besprechung statt, bei der die Vertreter ämtlicher Herner Schwimmvereine anwesend waren, während die ebenfalls eingeladenen Vorsitzenden des Deutschen Schwimmvereins in Berlin und des Gauverbandes in Oberhausen sich wegen Behinderung entschuldigten. Hierbei wurde die ganze Anlage in der zur Ausführung gekommenen Form durchbesprochen. Die Vertreter der Schwimmvereine erklärten sich mit der gesamten Anlage einverstanden und hatten keine wesentlichen Vorschläge für Verbesserungen zu machen. Am meisten kam es den Schwimmvereinen darauf an, die Badeanstalt möglichst umsonst oder wenigstens nur gegen geringe Vergütung für ihre Uebungsstunden zur Verfügung zu haben. Inzwischen waren die Entwässerungsarbeiten und die Ausschachtungsarbeiten begonnen worden. Die Ausschachtungsarbeiten für den Hallenbau wurden am 9. Dezember in Angriff genommen. Als auf Grund der Vorberatungen in der Baudeputation und den Besprechungen mit den Schwimmvereinen festgestellt werden konnte, daß die auf 400000 Mark veranschlagten Gesamtkosten nicht ausreichten. wurde von der Verwaltung unter Uebersendung einer 20 Seiten langen Denkschrift den städtischen Körperschaften Vorlage gemacht. In dieser Denkschrift ist die gesamte Anlage, auch der Hallenbau, eingehend beschrieben. Die Gesamtkosten wurden nach drei verschie denen Ausbaumöglichkeiten mit 412000 M., 447000 M. und 633000 M. ermittelt. Die städtischen Körperschaften beschlossen alsdann die Bewilligung von 150000 M. Mehrkosten, also unter Erhöhung der Gesamtkosten von 400 000 Mark auf 550000 M. Am 22. Mai 1928 bewilligte der Magistrat alsdann noch einen Betrag von 22 000 Mark. Während der Bauzeit im Jahre 1928 wurde eine Bestimmung, In welchem Dezernat die Badeanstalt nach Fertigstellung verwaltet werden sollte, nicht getroffen. Deshalb wurden die erforderlichen Auskünfte aus den Betrieben anderer Badeanstalten, insbesondere über Badeordnung, Badezeiten, Eintrittsgelder usw., vom Bauamte eingezogen. Erst nach Inangriffnahme der Arbeiten für den Hallenbau wurde in einer Dezernentenbesprechung vom 9. März 1928 von Herrn Beigeordneten Hölkeskamp(unter Vorlage eines von ihm auf Grund der Unterlagen des Bauamtes aufgestellten Probehaushaltsplanes für das Sommerbad) der Antrag gestellt, daß die Verwaltung des Sommerbades seinem Dezernat unterstellt werden sollte. Dem Antrage wurde durch Rundverfügung vom 12. März 1929 entsprochen. Darin wurde bestimmt, daß die Bearbeitung des Sommerbades Herrn Beigeordneten Hölkeskamp im Rahmen des Sportdezernats, nicht des Jugendamtes, übertragen sei. Von diesem Zeitpunkt an wurden alle Vorbereitungen für die Einweihung und Inbetriebnahme des Sommerbades verwaltungsmäßig im Dezernat des Herrn Beigeordneten Hölkeskamp getroffen, während das Bauamt sich nur noch auf die Fertigstellung der Bauarbeiten beschränkte. Hierbei wurde sowohl vorher als auch nachher, weder von Herrn Beigeordneten Hölkeskamp, noch von einem anderen Mitgliede des Magistrats oder der Stadtverordnetenversommlung oder der Schwimmvereine in irgendeiner Weise die Errichtung des Hallenbaues und die Unterbringung der Tribüne auf dessen Dach bemängelt oder beanstandet. Der Einbau des Erfrischungs-Raumes war aber bereits vor Uebertragung des Dezernats veranlaßt, weil sonst wegen Fortschritt der Eisenbetonarbeiten eine Abänderung gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Das Vorwärmebecken wurde von Anfang an mit der Absicht gebaut, das kalte Quellwasser durch die Tagestemperatur der Luft vor Eintritt in die Beckenanlage anzuwärmen. Durch äußere Einflüsse haben sich jedoch nachträglich Undichtigkeiten gezeigt. Deshalb mußte das Vormärmebecken an der Abschlußzmauer aufgegraben und eine Dichtung durch Verstärkung der Betonmauer vorgenommen werden. Außerdem mußte die zwischen Vorwärmebecken und Hauptbecken befindlichen Rohrleitungen, die in dem aufgefüllten Boden versaar waren, gehoben und in die richtige Lage gebracht werden. Deshalb ist das Vorwärmebecken im Jahre 1928 kaum richtig seinem Zweck entsprechend benutzt worden. Dies äußerte sich darin, daß der Wasserspiegel im größten Teile der Badezeit die Oberkante des Abflußwehres in der Sperrmauer nicht erreicht hat. Das in das Vorwärmebecken eingetretene Quellwasser hat daher keinen richtigen Abfluß gehabt und nur auf diese Weise konnten sich stellenweise Insekten entwickeln, die aber wegen mangelnden Abflusses, nicht in die Hauptbeckenanlage gelangt sind. (Woher kamen denn die Tierchen in den Schwimmbecken? D. Red.) Die restlose Freihaltung des Wassers des Wärmebeckens von Insekten usw. läßt sich am besten durch Einsetzen von Fischen und Enten erreichen, denen erstere als beste Nahrung dienen. Alle übrigen Nachteile und Mängel wurden inzwischen abgestellt. Besonders wertvoll war hierbei der Einbau von Schiebern in den zwei Sammelschächten am Zusammenfluß der Sickerleitungen der Quellenfassung. Durch Schließung dieser Schieber wurde der Grundwasserspiegel des Quellengebietes um 2,45 Meter angestaut, so daß während der Winter= und Frühjahrsmonate das Quellwasser in der Höhe des angestauten Grundwasserspiegels durch Ueberläufe der beiden Sammelschächte abgeführt wurde. Im Sommer, insbesondere bei Eintritt der heißen Tage, sollten dann die Schieber hoch gezogen werden, sodaß der angestaute Grundwasserspiegel sich allmählich absenken konnte. Dies bedeutete gleichzeitig eine vermehrte Frischwasserzuführung während der Hauptbadezeit. Außerdem sollte auf diese Weise die von der Badeverwaltung angeregte Anlage einer Wasserleitung von der Wischerstraße nach dem Sommerbad unterbleiben und die Kosten hierfür gespart werden. Bedauerlicher Weise hat aber das Personal des Sommerbades schon vor längerer Zeit die beiden genannten Schieber in der Quellenfassungsleitung geöffnet und drotz Warnung der zuständigen Stelle des Bauamtes nicht geschlossen. In der Zwischenzeit ist das in den Bodenschichten des Quellgebiets zwischen angestautem und abgesenktem Wasserspiegel befirdliche Grundwasser nutzlos abgeflossen. Wenn im Sommer 1929 an heißen Tagen größere Wassermengen aus der Wasserleitung, insbesondere auch mehr Warmwasser von der Zeche Constantin 4/5 entnommen werden müssen, so ist dies in erster Linie hierauf zurückzuführen. Das Vorwärmebecken als solches aver ganz auszuschalten und das darin befindliche Wasser nur für Kahnfahrten zu benutzen, dürfte sich bald als undurchführvar herausstellen, weil zur Ermöglichung von Kahnfahrten das Vorwärmebecken bis zu einer gewissen Höhe immer mit Wasser gefüllt sein muß. Das durch Versickerung und Verdunstung verlorengehende Wasser muß aber immer wieder ersetzt werden durch frisch zugeführtes Wasser. Trotzdem wird das auf andere Weise nicht abfließende Wasser mit der Zeit faulig werden und gesundheitliche Gefahren für die Badegäste herbeiführen. Es ist daher dringend notwendig, daß das Vorwärmebecken wieder ganz gefullt und seinem von Anfang an gedachten Zwecke entsprechend benutzt wird. Auch die Benutzung des in Betrieb befindlichen Vorwärmedeckens zu Kahnfahrten ist dann immer noch moglich und von Anfang an beabsichtigt gewesen. Die an beiden Enden der Sperrmauern vorgesehenen Anlegestellen haben nie einen anderen Zweck verfolgt. Das Sommerbad an der Bergstraße ist bei Eröffnung am 3. Juni 1928 und auch in der folgenden Zeit, besonders an heißen Tagen, von der badebedürftigen Bevölkerung derartig in Anspruch genommen worden, wie nicht vorausgesehen werden konnte. Deshalb hat der Magistrat in seiner Sitzung vom 6. Juli 1928 das Stadtbauamt beauftragt, sämtliche Arbeiten, die zur Vervollständigung und Fertigstellung, insbesondere zur Bewältigung des Massenbetriebes erforderlich sind, auszuführen und wegen etwaiger Nachbewilligung später nächträglich Vorlage zu machen. Die Nachbewilligung ist dann im Einvernehmen mit der Finanzverwaltung bis zur Aufstellung des Haushaltsplanes 1929 zurückgestellt worden, um gleichzeitig auf Grund der inzwischen fertiggestellten Abrechnung die genauen Kosten angeben zu können. Auf diese Weise haben dann auch, wie die Aussprache in der Stadtverordnetenversammtung beweist, die städtischen Körperschaften Kenntnis erhalten und die Bewilligung der Gesamtkosten beschlossen. Unter den auf Grund des vorgenannten Magistratsbeschlusses ausgeführten Ergänzungs-Arbeiten eien insbefondere genannt die weitere Ausgestaltung des Erfrischungsraumes, der Ausbau des Obergeschosses des Hallenbaues als Massengarderoberäume, der Bau der Fahrradhalle, Wasserrutschbahn(war doch schon bei der Einweihung vorhanden! D. Red.) Verbesserung der Zugangswege, Uhren=, Signal=, Brause=, Abortanlagen, die vorgenannten Wiederherstellungsund Instandsetzungsarbeiten, die Aufstellung von Aufhängevorrichtungen um die Beckenanlage, die Ergänzung des Plattenbelages usw. Es muß auch berücksichtigt werden, daß in den Gesamtkosten von rund 860000 Mark rund 67000 M. Bauzinsen und Kursverlust, sowie rund 21000 M. Bauleitungsgebühren(?? D. Red.), ferner rund 15000 M. Anschaffungen des Jugendamtes(?? D. Red.) enthalten sind. Dr. Oetker's Bachmeilber Gackin geht seit 30 Jahren zwischen den deutschen Hausfrauen und der altbewährten Firma Dr Oetker hin und her. Voll Vertrauen legt dit Firma ihre Erzeugnisse in die geschickten Hände der Hausfrauen, voll Freude und Vertrauen gehen diese ans Werie denn sie wissen, daß sie nach Oetker-Rezepten inst voller Sicherheit des Gelingens backen. Natürlich— nur mit Dr. Oetkers Backpulver Eine Fülle von praktischen Back-Rezepten bieten„Dr. Oetker-Rezepte“. AusgabeF (Preis 15 Pfg.) und,Dr. Oetker Schulkochbuch“(Preis 30 Pfg.) Zu haben in den Lebensmittelgeschäften oder, wenn vergriffen, gegen Einsendung in Marken von Dr. August Oetker, Bielefeld Flammen aus der Tiefe. Roman von Hans Land. 4)(Nachdruck verboten.) Dieses Büd wuchs und wuchs in ihm bis zur zwingenden Vision. Es bezauberte den Menschen. Er sah es bei Tag und bei Nacht in hinreißenden, beglückenden Gesichen. Er fieberte dem Erleben dieses höchsten Augenblicks entgegen. Seine Rache sollte das Glück des Hauses Willers und seinr Erben vernichten, seine Macht in Flammen und Rauch aufgehen lassen. Seine Hochzeitsfackel, die größte Hochzeitsfackel der Welt, würde leuchten weit über das Land. Karl Brodes Augen bekamen Glanz Lächelnd ging er umher wie ein Begkückter. Hoch trug er den Kopf wie ein Mensch, dem sein Entschluß Kraft gegeben hat. In diesen Tagen der Entscheidung schlich Brode wiederholt in den Dämmerstunden hin zu der brausenden Oelquelle, die als ein„Springer" zehn Meier hoch rauschend in die Luft sich schnellte und in schwerem Fall in das Betonbecken hinabsiel, von wo aus sie zu den Kläranlagen durch ein Röhrensystem abgeleitet wurde. Ringsum war der Boden durch verwehte Oelteilchen glitschig und fett. Die Luf:, von dem scharfen Petroleumgeruch durchsetzt, war schwer und atembeAemmend. Gleich Schanzen waren Erdwälle ringsum aufgeworfen, in denen der Brodem des Oels als eine dicke Atmosphäre stand, die die Brust beengte. So halte diese Quelle jetzt bald drei Jahrzehnte lang Tag und Nach; strömend gesprudelt, ein Füllhorn des Segens ausleerend, das das Herrenhaus drüben mit Gold füllte. Brode starrte auf diese rauschende Quelle und er wußte jetzt, er würde diesem Brunnen eine andere Melodie beibringen, ihn ein anderes Lied singen lassen. Sein Plan stand fest. Der Tag der Hochzeit war gekommen. Der Fackelzug war von der Polizei mit Rücksicht auf die ringsum massenhaft lagernden leicht drennbaren Stoffe verboten worden. Bei der Trauung war die Kirche von dichter Menge stark umlagert und bis auf den ietzten Platz gefüllt. Die Abfahrt der Hochzeitsgesellschaft von der Kirche und die Anfahrt vor dem Herrenhaus glich beinah einem höfischen Feste. In Herrn Willers Bankettsaal an der Hufeisentafel speisten Brautvater, Brautpaar und Gäste, in strahlendem Licht erglänzte der Raum und der Geistliche sprach eben bei Tisch feierliche Worte, denen alle andächtig und gerührt lauschten— als plötzlich jemand die Tür aufriß, keuchend hereinstürmte u. den Schrekkensruf ausstieß:„Die Quelle brennt!" Mit einem Ruck sprangen die Gäste auf. Entsetzen malte sich auf allen Gesichtern Herr Sophus Willers stand einen Augenblick wie vor den Kopf geschlagen da. Dann stürzte er aus dem Saal. Ein alter Diener warf ihm noch eilig den Pelz um, sonst wäre Herr Sophus in seinem Frack in die Winterkälte hinausgestürmt. Als er jetzt vor dem Portol des Hauses stand, sah er bereits dicke schwarze Rauchwolken von der Quelle her sich herüberwälzen, rot, drohend rot. durchstrahlt von der Flamme, die drüben nun gierig verschlang, was dieses Haus in Jahrzehnten groß und mächtig gemacht hatte, den kostbaren Stoff der E-de das Oel. Sechstez Kapitel. An der ersten Umwallung der Oelquene war Sophus Willer ohnmächtig umgesunken. Kräftige Fäuste rissen ihn zurück. In der kalten Winterluft kam er wieder zur Besinnung. Er sah die Feuerwehr mit Spaten und Erdaufschüttungen gegen den Brandherd vorgehen und wußte, daß sie hier nichts ausrichten würden. Langsam kehrte er in sein Haus zur verstörten Hochzeitsgesellschaft zurück. Edith, von Tränen überströmt, weigerte sich, die geplante Hochzeitsreise an diesem Abend anzutreten, und auch ihr Gatte blickte düster vor sich hin. Herr Willers jedoch, der seine gewohnte Energie zurückgewonnen hatte, ordnete an, daß sein Programm genau innegehalten werde und daß das junge Paar seine Fahr: zum Wintersport nach der Schweiz antreten solle. Das Unglück sei nicht allzu groß. so erklärte er, und er hoste. des Brandes binnen kurzem Herr zu werden. So reisten denn Gert und Edith, ziemlich gefaßt, ab. Im Laufe des Abends und am nächsten Morgen nahmen die Gäste Abschied. Herr Sophus atmete auf. Endlich war er allein. Seiner Enkelin und deren Gatten hatte er bewußt eine unrichtige Auskunft gegeben. Es ware ihm zu schmerzlich gewesen, an diesem Festtag mit der ganzen unbarmherzigen Wahrheit herauszurücken. Auch schien es ihm ratsamer zu sein, wenn der junge Mann nicht sogleich den furchtbaren Ernst der Sachlage und die drohenden Folgen zu wissen bekäme. Sophus Willers war Fachmann genug, um vom ersten Augenblick an zu übersehen, daß dieser Brand, wenn überhaupt, nur nach unsäglichen Mühen gelöscht werden konnte und daß die hierzu erforderlichen Arbeiten voraussichtlich größere Mittel erforderten, als ihm nach der zweifellos bevorstehenden Kündigung alle Kredite, die er bisher genossen hatte, zur Ver fügung blieben. Der Hand, die diesen Brand entzündet hatte, war es wahrhaft gelungen, dem ganzen Oelheimer Werk den Todesstoß zu versetzen. Daß ein Verbrechen vorlag, stand außer Zweifel. Die Feuerwehrleute hatten am Rande der Quellfassung den fast völlig verkohlten Holzstumpf gefunden, der fraglos der Griff der Zündlunte gewesen war, deren der Täter sich bedient hatte Der Quellwächter war in einem tiefen Rausch schlaferd angetroffen worden und war noch tagelang nicht vernehmungsfähig. Herr Willers brauchte nicht lange zu grübeln, um herauszufinden, wer der Täter gewesen war. Er dachte sogleich an Karl Brode und sein Argwohn wurde durch die Tatsache bestärkt, daß Brode seit der Stunde des Brandausbruchs spurlos verschwunden war. Willers entsann sich genau des Augenblicks, in dem er durch das Fenster Brode unten stehend gesehen, wie er die Faust drohend emporgereckt hatte. Damals war Willers entschlossen gewesen, sich mit Brode wieder zu versöhnen, ihm einige gute Worte zu geben— allein wegen der Fesworbereitungen und im Trubel der nächsten Wochen hatte er das vergessen. Seine Unterlassungssünde dam ihn jetzt teuer zu stehen! In dieser Nacht, die die helle Brandslamme mit schrecklich flackerndem Feuerschein erhellte, ging Willers rüchelos in seinem Schlafzimmer auf und ab und überdachte sein Schicksal. Er sank auf einen Seuhl und fühlte namenlose Müdigkeit über sich kommen, den Wunsch, nicht mehr zu sein, um diesen jetzt bevorstehenden, fast aussichtslosen Kampf gegen das Wüten der Elemente nicht führen zu können. Allein, von Jugend auf war er ein Mensch der Pflicht gewesen, und auch diesmal, in diesen schrecklichen Stunden, siegte sein Pflichtbewußtsein. Er schüttelte Lebensunlust und Kampfesmüdigkeit gewaltsam ab, sprang auf, griff nach Mantel und Hut und stürmte wieder dorthin, wo die wütende Flamme ppasselle... Die Aussagen des ernüchterten Quellenwärters waren ziemlich ergebnislos gewesen und hatten fur Brodes Schuld keinerlei greifbare Anhaltspunkte geliefert. Die Staatsanwaltschaft stellte zwar Nachforschungen an, aber auch diese blieben resultatlos. Und was Willers selbst anbetraf, so erkannte er, daß sein Argwohn gegen Brode nicht genügte, um die Behörden zu einem Einschreiten zu veranlassen. Die Zeitungen hatten tange Berichte über die Katastrophe veröffentlicht. Die Folge davon war, daß die Gläubiger des Werkes bereits drei Tage danach eine Versammlung bei Willers abhielten, in dem nämlichen Saal, wo erst vor kurzem das festliche Hochzeitsbankeit stattgefunden hatte. In dieser Besprechung hatten die herbeigerufenen Sachverständigen die Erklärung abgegeben, daß an eine boldige Löschung des Brandes nicht zu denken sei und daß eine Rettung der Oelquelle unübersehbare Opfer an Zeit und Geld erfordern würde. Daraufhin machten die Gläudiger von ihren Rechten Gebrauch und kündigten ihre Kredite. Willers hatte diese Wendung kommen sehen. Gefaßt erklärte er den Versammelten, daß er in der Lage sei, alle Forderungen unverzüglich zu befriedigen— freilich bliebe ihm dann nur ein Restbetrag, der in keiner Weise dazu hinreichte, die Rettungsarbeiten durchzuführen. Die Herren atmeten auf und versicherten Herrn Willers ihrer vollsten Teilnahme. Die Auszahlung erfolgte Zug um Zug, die Gläubiger zogen ab und zurück blieb Sophus Willers als ruinierter Mann. Das erste, was er nun kat, daß er an Gert von Wolkonski ein Schreiben richtete, in welchem er ihn über den Stand der Dinge aufklärte. Er fügte hinzu, daß er leider vorläufig völlig außerstande sein würde. die vertraglich ausgesetzte Jahressumme zu zahlen und daß sich die Notwendigkeit für Gert ergäbe, seine Frau selbst zu ernähren.(Fortsetzung folgt.) * 1 Die Behauptung, daß die Anlage der Zuschauertribüne rund 220 000 Mark Meyrtosten verursacht hatte. ist derartig abwegig, daß eine Widerlegung gar nicht erforderlich erscheint.(Es ist von einem Stadtverordneten behauptet worden, daß ohne die Berücksichtigung der Sportvereine, die den Hallentribünenbau gewünscht hätten, 220000 M. hätten gesport werden können. Diese Angabe, die wir für authentisch hielten, haben wir nur wiederholt. D. Red.) Die Gesamtkosten des Hallenbaues einschl. Zauleitungsgebühren und Bauzinsen betragen rund 340 000 Mark. Dafür sind aber 6730 Ausbewahrungsmöglichkeiten geschafen worden, so daß die Badeanstalt ohne Ueberlastung gleichzeitig von dieser Zahl Badegästen benutzt werden kann. Der Hallenbau mußte ein Dach sowieso haben. Die Ausbildung dieses Daches mit Treppenstufen, Gelander und allein 730 Sitzmöglichkeiten haben nicht mehr gekostei als eine weit schlechtere Ausführung in Erddamm. Bei dieser Gelegenheit sei auch noch auf einen in Nr. 67 des„Herner Anzeigers“ vom 20. März 1929 veröffentlichten Bericht über eine am 18. März 1929 stattgehabte Sitzung des Stadtausschusses für Leidesübungen hingewiesen, der im großen und ganzen die gleichen Vorwürfe gegen das Sommerbad enthält mit der Abänderung, daß die angeblichen Mehrkosten der Tribüne sogar mit 220000 M. angegeben sind.(Wir sehen keinen Unterschied gegen oben, wenn wir die obige Anmerkung zur Klarmachung dessen, was wir sagen wollten, heranziehen. D. Red.) Die damalige Erklärung eines Vertreters der Sportvereine, daß diese bei Gestaltung des Projektes nichts besonderes hätten tun können, sie hätten nur noch verhindern können, daß es nicht noch schlechter geworden ware, bedarf nach dem Vorausgesagten keiner weiteren Widerlegung mehr. Jedoch muß die Behauptung, daß ein Herr vom Danamt. als sie wegen der Tridüne etwas gesagt hätten, sie beschworen habe, doch ja nichts zu sagen, sonst verdürbe man ihnen das ganze schöne Konzept, an dieser Stelle als unwahr zurückgewiesen werden (Derjenige, der das behauptet hat und uns auf Anfrage wieder bestätigte, ist das Mitglied des Stadtausschusses vom Schwimmverein Neptun! D. Red.) Eine Umfrage bei dem gesamten in Frage kommenden Personal des Bauamtes hat ergeben, daß von keiner Seite eine derartige Aeußerung gemacht worden ist. Die Haushaltspläne für das Sommerbad sowohl für 1928 als auch 1929, sind von dem Jugendamt aufgestellt worden. Dieses glaubte bei Aufstellung des ersteren Haushaltsplanes damit rechnen zu können, daß die Gesamtausgaben durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden. Im Haushaltsplan 1929 wurde mit einem städtischen Zuschur von rund 30000 M gerechnet. Ganz abgesehen davon, daß ein Zuschuß in dieser Höhe den gesundheitlichen Vorteil des Sommerbades für die Allgemeinbevölkerung vollständig aufwiegt, so liegt es nunmehr an der Badeverwaltung, durch entsprechende Ausnutzung der Gesamtanlage und Anpassung an die Tage des Massenbetriebes die Wirtschaftlichkeit zu erreichen.(Das ist ein sehr schwächliches Abschieben der weiteren Verantwortung auf die Badeverwaltung. Sie kann gar keine befriedigende Wirtschaftlichkeit erreichen, wenn die Zinslast so hoch ist und ihr Arbeizen ganz und gar vom Wetter abhängt. D. Red.) Die Anlage eines nur für die Schwimmvereine bestimmten und zu gewissen Tageszeiten auch als reine Frauenbadeanstalt zu benutzenden besonderen neuen Schwimmbeckens sind unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht durchführbar. Es müßte auch möglich sein, die Beckenanlage an bestimmten Tagen und zu gewissen Stunden, während deren im allgemeinen kein Massenbetrieb zu erwarten ist, in der Weise zu benutzen, daß den Schwimmvereinen für diese Stunden Sprung= und Schwimmdecken zur alleinigen Benutzung bleiben, wahrend Nichtschwimmerbecken, Kinderplantschbecken und Liegeplätze von den übrigen Badegästen benutzt werden können. An eine andere Art der Benutzung ist auch früher nicht gedacht worden. Jedenfalls haben auch die Vertreter der Schwimmvereine in den Besprechungen während der Bauzeit derart weitgehende Forderungen nicht gestellt. Von der Absicht, ein weiteres Schwimmbecken zu bauen, habe ich erst im Sommer v. J., als das Sommerbad schon längst in Betrieb genommen war, gelegentlich eines Besuches der Badeanstalt Kenntnis erhalten. Es wurde mir damals mitgeteilt, daß Herr Beigeordneter Hölkeskamp ein solches Schwimmbecken südwestlich der Hauptbeckenanlage plane. In der Erwartung, daß die hierzu erforderlichen Gelder zur Verfügung gestellt werden können, habe ich den Gedanken weiter verfolgt, bin aber zu dem Ergebnis gekommen, daß die von Herrn Beigeordneten Hölkeskamp gewählte Stelle ungeeignet war, weil sie am Ende der Männerseite des Hallenbades lag und die Errichtung besonderer Umkleideräume erforderlich gemacht hätte. Ich habe daher dem mir vom Kanalbauamt gemachten Vorschlag, das weitere Schwimmbecken in Verlängerung des Hallenbeckens, anschließend an das Vorwärmebecken zu errichten, zugestimmt. Da das zur Verfügung stehende Gelände hierzu jedoch nicht ausreichte, habe ich auch Verhandlungen wegen Erwerb eines weiteren Geländes von den Eigentümern Klüsener und Weusthoff fuhren lassen. Ebenfalls habe ich die Angelegenheit in der Grundstücksdeputation vorgetragen, in der jedoch das Angebot Weusthoff wegen der Höhe der Forderung abgelehnt wurde. Weiter habe ich wegen Zurverfügungstellung von Zuschüssen und verbilligten Darlehen aus der werteschaffenden Erwerslosenfürsorge mit dem zuständigen Dezernenten bei der Regierung in Arnsberg. Herrn Regierungsrat Dr. Muller, verhandelt und dessen grundsätzliche Zustimmung erwirkt. Gegen die Größe der damals zu erwerdenden Flächen sind mir Einwendungen von Herrn Beigeordneten Hölkeskamp nicht zur Kenntnis gelangt. Wenn aber, wie in der Abhandlung in Nr. 118 des„Herner Anzeigers“ demerkt, das weitere Schwimmbecken so groß sein soll, daß auf den Terrassen 10 000 Zuschauer latz haben sollen, so reicht der bisher in Aussicht genommene Grunderwerb nicht aus. Das Grundstück des Sommerbades müßte anschließend an das Vorwärmedecken erheblich mehr nach Südwesten erweitert werden Die Herner Kinos schließen aus Protest. Der Kampf der Iilmindustrie gegen die Lustbarkeitssteuer.— Kündigung sämkl. Angestellten zum 1. Juli. Unser Wetterbericht. Es bleibt undeständig. Schon seit Johren kämpft die deutsche Lichtspielindustrie einen Kampf gegen die Lustbarkeitssteuer der Kommunen. Um einen großen Schlog zu führen und die Oeffentlichkeit am diesen Kampf aufmerksam zu machen, hat das Vergnügungsgewerbe in Berlin, Frankfurt a. Main, Leipzig, Halle und Köln beschlossen, sämtliche Bergnügungsstähnen wie Barietes, Kavaretts. Privat= und Lichtspieltheater am 1. Juli zu schließen. Eine Kündigung sämtlicher Angestellter dieser Betriebe soll erfolgt sein In Berlin allein würden über 100000 Angestellte davon betroffen. Auch die Herner Lichespieltheater haben sich diesem Vorgehen angeschlossen. Sie beantragten beim Magistrat Herabsetzung der Lustbarkeitssteuersätze auf eine Ltragdare Höhe". Der Magistrat hat eine Aenderung der jetzigen Regelung abgelehnt. Deshalb sind die Vereinigten Herner Lichtspieltheater zu dem Entschluß gekommen, die Betriebe zu schließen, und haben ihren gesamten Angestellten bereits gekündigt. Die Lustbarkeitssteuer ist in der Tat eine vielumstrittene Angelegenheit. Die Belange der Kabaretts und Varietes brauchen uns hier nicht so sehr zu bekümmern, man kann über ihre Notwendigkeit und Schutzbedürftigkeit sehr geteilter Meinung sein. Anders ist es mit den Kinos. Die Filmindustrie behauptet, daß die Lustbarkeitssteuer sie erdrossele, daß sie eine der ungerechresten Steuern sei, welche je von den Behörden beschlossen worden sei, die Kommunen, so sagen sie, machten sich durch Erhebung dieser Steuer zum stillen Teilhader der Betriebe ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Geschäfte. Die Unternehmen müßten Aufwendungen und Kapital in die Betriebe hineinstecken, während die Kommune direkt vom ersten Besucher ihre festgesetzte Steuer erhebe. Die Besteuerung in der jetzigen Form sei unmoralisch und widerspreche den Gru dsätzen der Gewerbefreiheit. Nur durch ein Fallen dieser Lustbarkeitssteuer könnten die Betriebe wieder gesunden. Dayer greife sie zur Notwehr. Was ist dazu zu lagen? Der Satz, den die Städte an Lustbarkeitssteuer erheden können, beträgt 20 Prozent der Eintritesgelder. Für Kulturfilme. Lehrfilme usw. werden Abstriche gemacht, so daß sich der Satz je nach dem Programm mehr oder weniger ermäßigt. In Herne ist nun die Regelung so getrosfen, daß für alle Programme 12 ½ Prozent erhoben werden. Das ist zweifellos eine schwere Last für die Kinos, zumal wenn man bedenkt, daß auch noch die sonstigen Steuern zu zahlen sind. Nun ergibt sich aber der Nonsens, daß die Umsatzsteuer von der Bruttoeinnahme gezahlt werden muß, d. h sie muß auch von der Lustbarkeitssteuer selbst gezahlt werden. Dadurch wird ano eine Steuer versteuerk. Auf der anderen Seite bedürfen die Kommunen mehr denn je der Geldquellen. Daß sie doher die Kinos so stark heranziehen, ist nur eine Ausnutzung rechtlich gegebener Moglichkeiten. Dabei ist der Satz von 12½ Prozent in Herne immer noch als entgegenkommend anzusehen. Daß Herne an den Lustbarkeitssteuern der Kinos großes Interesse hat, geh: daraus hervor, daß die Herner Kinos insgesamt jährlich, wie uns mitgeteilt wird, 50—60000 Mark Lustbarkeitssteuer zahlen. Auf der anderen Seite wird man fragen: Haben die Kinos Grund. von einer Erdrosselung zu sprechen? Im Winter jedenfalls kommen sie gut rund, anders aber im Sommer. Da müssen sie, wie sie mittellen, 20.000 Mark „zubuttern“, denn sie haben täglich 1800 Mark Unkosten, die durch Einnahmen natürlich nicht gedeckt werden. Die erste Frage, die man stellen wird, ist die: Warum spart man dann nicht an den Unkosten? Es ist doch ein Nonsens, vier Kinos in Herne einschließlich Sodingen zu unterhaiten, Wenn die Besucher an schönen Tagen ein einziges kaum füllen würden. Gewiß ist das Palast=Theater im Sommer geschlossen, und auch das Alhambra-Theater wird nur tageweise geöffnet, aber warum die beiden anderen, Capitol und Schauburg o##enhalten, wenn es nur mit schwerer Zubuße geschehen kann? Wie wir hören, trägt man sich auch bei den Vereinigten Herner Lichtspiel-Theatern mit dem Gedonken, die Rationalisierungsmaßnahme, im Sommer auch Capitol oder Schauburg zu schließen, zu ergreisen, zumal man bei pötzlichem schlechten Wetter ja doch immer noch das zweite Kino öffnen kann, entweder mit denselben Filmen oder mit anderen, die auf Lager liegen. Auch auf andere Weise wäre den hohen Unkosten beizukommen. Ein Heidengeld muß namlich für das Leihen der Filme gezahlt werden, weil sie mit Millionenauswendungen gedreht wurden. Kann man nicht die Filme billiger herstellen, ohne ihr künstlerisches Nweau zu senken? Muß denn damit geprunkt werden, daß dieser und jener Film soundsovie Millionen gekostet hat? Die Fitmindustrie selber, d. h. die Produktionsfirmen sind es, die die Belastung der Theaterbesitzer so schwer werden lassen. Dennoch hat die ganze Angelegenheit eine grundsätzliche Seite, die sich nicht so sehr auf den Teil der Lichtspieltheaterbesitzer gründet, die ihr Unternehmen nur als Geschöft betrachten, als auf die Tatsache, daß das Kino das Theater der breiten Masse ist und daß es teilweise ist und eigentlich allgemein sein soll ein Träger des Kulturlebens und der Kunst. Wenn aber die Städte ihren eigenen Theakern(Opern= und Schauspielhäuern) Zuschüsse von jährlich 500000—2 Millionen M. zahlen so hat das Kinotheater zum mindesten das Recht, nicht durch hohe Lustbarkeitssteuer bedrückt und zu rein kassenmäßiger Einstellung gezwungen zu werden. Denn ein Kino, das hohe Lasten zu tragen hat, wird immer eher zu Filmen greifen, die ideell, sittlich und künftlerisch bedenklich, aber Kassenreißer sind, als ein anderes, das sich freier fühlen kann und die Kulturmission des Massentheaters zu erfüllen sucht. Deshalb hat die Protestaktion der Lichtspieltheater ihre diefere Berechtigung, so bedenklich eine solche Maßnahme als Präzedenzfall auch sein mag. Sie wird dem deutschen Volke wie auch den Kommunen zu denken geben müssen. Denn es kann nicht die Aufgobe des Staotez und der Städte sein, durch rigorose Anziehung der Steuerschraube für sich möglichst viel herauszuholen, dabei aber die Geschöfte selber, hier die Theater der breiten Masse(nicht nur des kleinen Mannes!) zu erdrosseln. Die Protestbewegung ist eingeleitet. Wie ein Filmblatt mitteilt, bat der Stadterag eine Sitzung für nächste Woche eiligst einberufen, um sich mit der Lage zu beschäftigen. Von der Direknon der hiesigen Lichtpieltheater wird uns mitgeteilt, daß die Stadtverwaltung in Essen eine Herabsetzung der Steuersätze mit rückwirkender Kraft ab 1. April bereits ohne besonderen Anmag der Theater beschlossen hat. Es ist also augenblicklich die Frage die: Soll ein einheitliches Vorgehen der Städte stattfinden, was wohl in Anbetracht der örtlich verschiedenen Sätze unmöglich ist, oder sollen die einzelnen Kommunen von sich aus Entscheidungen treifen? Jedenfalls handelt es sich hier um eine das ganze deutsche Volk interessierende Angelegenheit, auf deren weitere Entwickelung man gespannt sein darf. k. Die Schwierigkeiten des Grunderwerbs und der Geldaufbringung zwingen heute, den Gedanken der Anlage eines weiteren Schwimmbeckens auf absehbare Zeit fallen zu lassen. Das Sommerbad an der Bergstraße ist von Anfang an als Familienbad gedacht gewesen. Wäre es damals so gebaut worden, daß den nachtraglich gestellten Wünschen der Schwimmvereine und dem Wunsche getrennten Badens der Geschlechter(daß dieser Wunsch von vornherein bestand, mußte doch jedem klar sein. D. Red.) entsprochen werden konnte, so hätte die Anloge erheblich größer gebaut werden müssen und hätte auch erhedlich gedacht worden. Die Vertreter der Schwimmvereine hätten auch, da sie selbst nicht genügend Bäderfachleute gewesen seien, gebeten, sich der Bäderbaufachkommisnon des Schwimmsportverbandes zu bedienen. Das tet worden ist Vergleiche mit anderen Badeanstalten kann das Herner Sommerbad jederzeit aushalten. Irrig ist die Behauptung in dem Zeitungsartikel, daß in anderen Städten in herrlicher Form für 350 bis 400000 Mark das geschaffen worden sei, was in Herne 860000 Mark gekostet hobe. Man vergleiche nur die im Jahre 1927 ferriggestellte Badeanstalt an der Kampfbahn„Rote Erde" in Dortmund, die damals nahezu 1 Million Mark gekostet hat, ohne die Abmessungen und Ausmaße des Herner Sommerbades und dessen Aufnahmefähigkeit zu besitzen. * Diese„Richtigstellung" ist sehr lang. Aber troß ihrer Länge vermag sie an der Tatsache nichts zu ändern, daß aus der zuerst von den Stadtverordneten genehmigten Anloge von 400 000 Mark eine solche von 860000 Mark geworden ist. Wenn die Dortmunder Anlage nahezu 1 Million gekostet hat, so geht daraus hervor, wie sehr man in dem viel kleineren Herne über seine Verhältnisse hinausgegangen ist. Die Gladbecker Anlage soll 400000 Mark gekoftet haben und wird uns von Kennern als vorbildlich geschildert. Die Ausführungen Baurat Knölls bergen immerhin eine Reihe interessanter Einzelheiten. Was zunächst die Schwimmvereine anbelangt, so haben diese noch vor wenigen Tagen die Presse zu einer Besprechung gebeten, in der Herr Seidl erklärt hat, er habe zwar an den Besichtigungen auswärtiger Anlagen teilgenommen, doch habe man den Unterausschuß nach den Besichtigungen nicht mehr eingeladen, um sich darüber zu besprechen, in welcher Form das Herner Bad nun gebaut werden solle. Vielmehr habe das Bauamt selbst die Pläne ausgearbeitet und sie nachher fertig den Sportvereinen vorgelegt, da sei ober an eine grunbiegende Umgestaltung nicht mehr geregelt sei, zufrieden seien. Ihre Wünsche gingen nur noch dahin, daß die Preise für die Schwimmvereinsmitglieder so ermäßigt wurden, daß ein Anreiz bestehe, den Schwimmvereinen beizutreten, denn die Vermehrung der Menschen, die schwimmen und sogar retten können, musse oberstes Ziel der Schwimmvereine sein. Von Interesse in den Ausführungen Baurat Knölls ist auch, was er über das Vorwärmedecken, den Kahnteich, das neugeplante Schwimmdecken, den Geländekauf und die Wasserleitung sagt. Hier stehen sich die Auffassungen zweier Dezernenten diametral gegenüber. Die Finanzlage gibt die Gewißheit, daß von einzelner Verwaltungsseite in die Wege geleitete weitere Verteuerungen des kostspieligen Sommerbades unterbleiben. Der springende Punkt bleidt indes der, daß eine für 400000 Mark genehmigte Anlage durch spätere Umwälzung des Planes und Verbesserungen auf 860000 Mark zu stehen gekommen ist. Die Differenz von(550 000+ 22 000=) 572 000 und 860000 Mark, also 268 000 Mark, d. i. über ¼ Million, ist— zwar auf Autorisierung durch den Magistrat hin, aber doch sicher mehr als dieser erwartet hatte— so ganz unter der Oberfläche der Oeffentlichkeit zustandegekommen. Das ist die große Ueberraschung, die uns mit Anlaß, und wohl berechtigten Anlaß, zu unserm Artikel gegeben hat. Wir haben uns mit dem betrüblichen Endergebnis von 860000 Mark und der daraus resultierenden hohen Verzinsung abzufinden. Die Frage, wodurch der Bau so teuer geworden ist, ist in dem Artikel des Bauamtes mehr oder weniger beantwortet, ob darin auch die Frage beantwortet ist, wer die Schuld an einer Baugestaltung trägt, die über Hernes Wohlstandsverhältnisse weit hinaus geht, überlassen wir dem Urteil der Leser. Jedenfalls will jetzt jeder nur im Auftrag oder mit Rückendeckung gearbeitet haben. Es genügt nicht, jetzt der„Badeverwaltung" zu sagen, sieh zu, wie du die Anlage wirtschaftlich gestaltest. Der Abschluß der diesjährigen Badesaison wird ja zeigen, ob mit dem angesetzten Zuschuß von 30000 Mark auszukommen ist. Wir rechnen mit mindestens 30000 Mark. Ob man nicht doch den Zweck eines Massenfreibades in giter Ausführung mit einer Summe von 400 000 Mark hätte erreichen können, das zu beurteilen sei besseren Fachkennern vorbehalten. Das Tiefdruckgebiet über Südschweden in nordostwärts abgezogen. Ein neues Tiefdruckgeviet ziehr nordwestlich von Großbritannien heran. Die Witterung wird daher weiterhin unbeständig bleiden. Ir Deutschland war es gestern früh größtenteils wolkig und überall kühler. Nur im Süden fiel vereinzelt Regen. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 7 bis 12 Grad. Wettervorhersage bis Freitag: Fort gesetzt veränderlich, zeitweise Regen und ziemlich kühl Jedenfalls legt die Tatsache, daß der unsprünglich vor gelegte und genehmigte Plan 400000 Mark vorsah den Gedanken nahe, daß bei einfacherer Ausführung (Erdterrassen usw.) doch mit dieser Summe ein gutes Sommerbad hätte errichtet werden können. In beiner Hand liegt Hernes Sauberkeit. An alle Schulen! Der„Verband der Leiter städtischer Fuhrparks. und Straßenreinigungsbetriebe Deutschlands" will Deutschland in einigen Jahren zum saubersten Lande der Welt machen. Er wendet sich mit seinem Plakat „In deiner Hano... an alle Bevölkerungskreise, nicht zuletzt an die Jugend. Dazu erbittet er die Hicfe aller Schulen. Wir wissen zwar, daß die Schule mit Forderungen, die von außen an sie herantreten, überlastet ist. Und dennoch wagen wir, Sie um ihre Hilfe zu bitten. Des dreifachen Zieles willen: 1. Der Erziehung der Jugend zur Sauberkeit. 2. Der Ersparnis von Millionen, die heute noch nutzlos für Straßenreinigung in Deutschland ausgegeben werden müssen und für Kulturaufgaben freigemacht werden könnten. 3. Der Werbewirkung wegen, die ein sauberes Deutschland auf die uns besuchenden Auständer machen muß und die sich in vermehrten Einnahmen aus dem Auslande auswirkt. Das Plakat„In deiner Hano...“ ist werbe=psychologisch gestaltet in Zusammenarbeit des Werbewissenschaftlers Dr. Albrecht und des Werbegraphikers Prof. Aufseeser, beide an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Um eine klare, deutliche Anschauung zu vermitteln, die eine leichte reproduzierte Vorstellung ermöglicht von dem, was gewollt ist, wurden Hand, Kasten, Papierfetzen auf die einfachste Form gebracht und organisch mit der Schrift verbunden. Die innere Verbundenheit wurde dadurch erzielt, daß mer das Plakat nicht zeichnete oder malte, sondern aut dem Setzkasten setzte. Dadurch wurde die große Ein fachheit erzielt, die er jedem Kinde ermöglicht, de: Plakat nach einiger Betrachtung unter Leitung de: Lehrers nachzubilden Der Text„In deiner Hand...“ ist niche nur de: Biddes wegen gewählt, sondern vor allem, um da: Gefühl der Selbstverantwortung und des Mitbestim mens bei der Jugend wie bei den Erwachienen zu wecken. Das dürfte auch das Fundament sein, von den aus eine Besprechung des Platats erfolgen könnte Einzetheiten darüber zu geben, könnte das Ergebn# nur schädigen. Das Plakat hat die Billigung der obersten Schul behörden gesunden. Es würde uns freuen, wenn er auch Ihren Beifall fände und wir daraufhin hotten dürften, Sie jetzt und in Zukunft als Mitstreiter er unserer Seite zu sehen. Dann werden wir gemeinsam sicher das Ziel erreichen, das uns allen am Herzen liegt: Deutschland das sauberste Land de: Welt! 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Vorteilhafteste Größe: Dlombierte Flasche Nr. 6 zu RM 6.50 V nummer 129 7 Drittes Blatt Herner Anzeiger Donnerstag, den 6. Juni 1929 Die Presse besichtigt die beiden Stickstoffwerke der„Gaveg Sind sie die Quellen des Gestankes?— Die Auswirkung der neuen Maßnahmen. Schon seit Beginn der Proieste aus der Bevölkeeung gegen die üblen Gerüche, die sich über Herne ausbreiteten, war erwartet worden, daß die Leitung der beiden Stickstoffwerke der Gaveg in Börnig und Holsterhausen sich einmal ausführlich dazu äußern wurde. Das einzige, was geschah, waren Erklärungen des Oberburgermeisters in der Stadtverordnetensitzung über stattgesundene Verhandlungen mit der Gaveg. Allerdings hat am 3. Oktober 1928 eine Besprechung Oberbürgermeister Tägers mit Ingenieur Ude, dem Erbauer der Werke, stottgefunden, in der dieser versprach, vorbehaltlich der Genehmigung Generaldirektor Battigs einen aufklärenden Artikel an die Presse zu geben und die Pressevertreter selber zu einer Besichtigung der Anlagen einzuladen. Die Genehmigung scheint nicht erteilt worden zu sein. Erst nachdem man sich auch in großen Blättern Westdeutsch lands mit den Angriffen auf die Gaveg beschäftigte, ist es Herrn Battig ungemütlich geworden, und so hatte er denn gestern die Pressevertreter der Umgegend zu einer Besichtigung eingeladen, die um 9 Uhr in Holsterhausen begann und um ½12 Uhr in Börnig endete. Zunächst entwickelte Generaldirektor Battig den Anwesenden den chemischen Prozeß der Stickstoffdüngergewinnung. Das erstrebte Produkt ist zunachst Ammoniak, das auf synthetischem Wege hergestellt wird. Es besteht aus Wasserstoff und Stickstoff. Der Stickstor wird durch Verflüssigung der Luft gewonnen, die Trennung von Stickstoff und Sauerstoff ist leicht, weil beide verschiedene Siedepunkte haben. Der Wasserstoff ist schwerer zu gewinnen. Man benutzt nicht Elektrolyse oder Wassergas(aus Koks) zur Freimachung des Wassertoffs, sandern Koksgas, ein Abfallprodukt der Kokerei(Shamrock bzw. Mont=Cenis). Das Koksgas ist von Teer, Ammoniak, Benzol usw. befreit und gelangt als Ferngas zunächst in eine Entschwefelungsanlage, die luftdicht abgeschlossen ist. Dann wird es durch Kalte zerlegt, der gewonnene Wasserstoff wird dann mit dem(wie oben angegeben gewonnenen) Stickstoff gemischt und mit Hilfe eines Katalysators, der das Geheimnis von Mont=Cenis ist und weniger als 100 Atmosphären Druck und weniger als 530 Grad Hitze braucht, zu Ammoniak verbunden. Die Druckgrenze war von der I. G. Farben gesperrt worden, der geringe Hitzegrad war notwendig, um mit Stahlretorten auskommen zu können, während sonst viel teureres Material hätte verwandt werden mussen. Der Ammoniak wird dann in Schwefelsäure geleitet, wo er zu Ammonsulfarsalz wird, in Börnig wird noch mit Hilfe von Salpetersäure Ammonnitrat hergestellt, das mit Ammonsulfat zu Leunasalpeter, der stickstoffreicher ist, gemischt wird. Das vom Wasserstoff befreite Koksgas geht zur Kokerei zurück und dient dort zur Beheizung von Oefen. Wo ist denn nun die Gestankquelle? Die Wolken, die einzelnen Betriebspunkten entweichen, sind Wasserdampf. Sonst geht alles in geschlossenen Rohren vor sich. Nur an zwei Stellen entweicht Gas. Das ist in Börnig in der Nitratanlage, wo Salpetersaurereste abgelassen werden, und in beiden Anlagen an den Gradierwerken. Die Gradierwerke haben nämlich den Zweck, das mit hohem Atmosphärendruck geladene Wasser, in dem sich noch Spuren von Kohlensäure und organischen und anorganischen Schwefelverbindungen befinden, die bei der Entschwefelung des Koksgases nicht völlig herausgeholt werden können, zu entspannen und abzukühlen. Dieses Wasser rieselt in den Gradierwerken herab, und die übelriechenden Schwefelverbindungen werden frei. Sie gingen früher in die Luft und verursachten den schrecklichen Gestank. Besonders handelt es sich dabei um Merkaptane, das sind Alkohole, deren Hydrorylgruppe(Oh) durch den SH=Rest ersetzt ist. Diese Merkapiane riechen surchtbar, in der Verdunnung von 1/10000 Prozent sind sie noch wahrzunehmen. Jetzt aber sind die Gradierwerke verschalt— in Börnig ist die Verschalung erst seit wenigen Tagen fertig— und ein hoher Schornstein führt die Gase jetzt ov. Dieser Schornstein ist in Börnig seit noch nicht'8 Tagen in Betried. Ein Exhaustor mischt stündlich 160 000 Kubitmeter Luft mit 5 bis 6 Kubikmeter Merkaptanen. (So wurde von der Leitung erklärt!) Dann wird das Gemisch in 70 Meter Höhe hinausgetrieben(In Holsterhausen 50 Meter) und in die Luft abgelassen. Man glaubt dadurch jede Geruchsbelästigung vermieden zu Man muß gestehen, daß die neue Maßnahme wirksam ist. In so gewaltiger Verdünnung kann die Gaslästigung nicht mehr so stark sein wie früher, wo das Gas einfach vom offenen Gradierwerk in die Luft entwich. Ueber die bisherigen Gasbelästigungen führte Herr Battig aus: „Es ist zu Beginn hier und da eine Undichtigkeit in den Anlagen gewesen, aus denen das wertvolle Ammoniakgas entwich. Dadurch sind in Börnig Schäden entstanden. Ich habe mir sämtliche Geschädigten zusammengeholt und die gesamten Schaden in Höhe von 3000 Mark vollständig avgegolten. Aber der Appetit kommt scheinbar mit dem Essen. Es kamen zu den Schadensanspruchen Imponderabilien wie erwünschter Osteranstrich, Hochzeit der Tochter usw. hinzu, ich weiß das aus Bergschadenprozessen(!!). Ich lege allen Wert darauf, auch die Rauchschadenprozesse wertlos zu machen. Durch die Schwefelverbindungen, die in unglaublicher Berdunnung Geruchsbelästigungen sehr starker Art verursocht haben, sind in keiner Weise Vergiftungserscheinungen hervorgerusen worden. Die Anklagen solcher Art gegen uns sind falsch. Man hat mit Recht über den Gestank geschimoft, denn er war sehr unangenehm. Aber ich weise darauf hin, daß sich neben dem Holsterhauser Werk ein bewohntes Haus befindet und daß in Börnig die Büros neben dem Gradierwerk liegen, daß ober noch niemand von den dortigen Insassen sich über Gesundheitsschadigungen beklagt hat. Man hat in der Presse auf das Abreißen der Verschalung an den Gradierwerken hingewiesen. Das lag daran, daß wegen des Frostes und der später verlangten größeren Höhe der Schornstein noch nicht fertig war. Jetzt ist die Verschalung(die übrigens aus Holzplanken ist) fertig und ebenso der Schornstein Also zusammengefaßt: Die entweichende Kohlen sdure ist unwichtig, jeder Dampfkessel von 70 gm Fläche läßt mehr Kohlensaure entweichen als wir. Staub machen wir auch nicht. Ammoniak verlieren wir nicht, Schwefel und Wasserstoff sind nicht unangenehm. es bleiben nur die Schwefelverbindungen. die Merkaplane, die aber bis auf das menschenmögliche Maß verdünnt werden.“ Nach dieser theoretischen Besprechung begann ein Rundgang durch die riesigen Anlagen, von deren Größe und imposanten Wucht sich kein Außenstehender ein Bild macht. Nur wenige Arbeiter bedienen die Maschinen. Besonders starke unangenehme Gerüche waren außerhalb der Hallen kaum wahrzunehmen. Selbst an den verschatten Gradierwerken war es durchaus auszuhalten. Man war erstannt, eine so relatio aute Atmosphäre überall(mit Ausnahme von den Ammoniak gewinnungsstellen urd den Schwefelsäure bottichen) anzutreffen. Die Führung durch Herrn Generaldirektor Battig war nicht so, wie die Presse es erwarten konnte. So viel Zynismus— wir haben oben nur ein kleines Beispiel gegeben— hatte niemand bei einem Manne erwartet, der solche Verantwortung zu tragen hat. Man hatte den unangenehmen Eindruck von einem ausgesprochenen Industrieherrenmenschen. Die übrigen Herren waren durchaus freundlich und entgegenkommend. Und nun das Gesamtergebnis? Abgesehen davon, daß immerhin die Möglichkeit besteht, daß bei der Pressebesichtigung besondere Vorsicht in Betrieb geübt wurde,— man klagt ja auch darüber, daß besonders ausgesprochen nachts starke Gerüche wahrzunehmen sind— ist zu erwarten, daß die neuen Maßnahmen wirklich eine große Erleichterung bringen werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Maßnahmen in nächster Zeit auswirken. Woher aber, wenn die beiden Gaveg-Anlagen keine nennenswerten Gase mehr entweichen lassen, die Geruchsbelästigungen und die Pflanzen= und Sachschäden? Kommt der Wind von Sodingen, hei man üblen Geruch über Herne, kommt er von Holsterhausen ebenfalls. Nun liegt aber in derselben Linie die Kokerei von Mont-Cenis bezw. die Ay'erei von Sham rock. Nach dem gestern Gesehenen ist es klar, daß diese bedeutend mehr Gase, auch stinkende und gefährliche Gase, besonders Schwefelgase, in die freie Luft enweichen lassen, als die Gaveg=Anlagen. Vielleicht wäre auch in der Nachvarschaft beider Anlagen anzugeben, ob solche Geruchsbelästigungen schon vorhanden waren, bevor die Stickstoffwerke in Betried genommen wurden. Dann hätte sich das Augenmerk viel stärker auf diese Kokereien zu richten, die ja wohl auch in Sodingen(Kohlenstaubfeuerung) die meiste Schuld an den trautigen Sach= und Vegetationsschäden tragen. Die gestrige Besichtigung und Aussprache hat zwar noch keine volle Befriedigung gebracht, dennoch ist das Ergebnis das, daß besonders durch die neuen Maßnahmen die Goveg freundlicher beurteilt, die Kokereien aber kritischer betrachtet und beobachtet werden mussen. Nach wie vor bleibt die Frage bestehen:„Wer trägt die Schuld an dem Gestank und an den Sachund Begetationsschäden?". r. Aus und für Herne Die Polizeldienststellen ziehen heute um. Das staatliche Polizeiams Herne teilt mit: Die disher im alten Amtogerichtsgebäude, Bahnhofstraße 7 c, und im Hause MontCenis=Straße 10 untergebrachten Dienststellen des staatlichen Potizeiamts(Verwaltungsinnendienst, Schutzpolizei und Kriminalpolizei) verlegen am 6. und 7. Juni 1929 ihre Diensträume in das neue Polizeiemtsgebäude Marktplatz 3—5; auch die bisher im Rathause untergebrachten Diensträume des staatlichen Polizeireviers 16 werden vom 6. Juni 1929 ob in das neue Polizeiamtsgebäude verlegt. Der Dienst wird behelfsmäßig am 6. ds. Mts. noch in den alten Diensträumen wahrgenommen, vom 7. d. Mts. ob im neuen Polizeiamtsgebäude. Das Polizeirevier 17 verbleibt, wie bisher, in dem Hause Breddestraße 1. Der Fernruf für das staatliche Polizeiamt und seine Dienststellen ist, wie bisber: 50641 bis 50 644. *** Schülerorchester der Herner Volksschulen. Anmeldungen erbeten. Das Schulerorchester der Herner Volksschulen soll neu zusammengesetzt und ergänzt werden. Der desselben besteht in der Uebung des Zusammenspiels, sowie der Vermittlung der Kenntnis guter Musik. Teilnehmen können die Schüler aller Herner Volksschulen, die musikalischen Unterricht erhalten. Das Orchester besteht seit mehreren Jahren und hat sich in dieser Zeit hervorragend entwickett. Davon legte sein Auftreien im Rahmen der Schulerkonzerte ein sprechendes Zeugnis ob. Hier wurden seine Leistungen von allen Seiten rühmend anerkannt. Die Eltern der Kinder, die Musikunterricht nehmen, werden es gewiß treudig begrüßen, daß ihren Kindern hier Gelegenheit geboten wird, sich im Zusammenspiel auszubilden. Der Unterricht ist vollständig kostenlos, da auch die Noten gestellt werden. Es bedarf nur der Anmeldung bei dem Leiter, der dieselbe jeden Samstag von 2½ bis 4 Uhr nachmittags in der Schule an der Bismarckstraße entgegennimmt In Betracht kommen folgende Instrumente: Geige, Bratsche, Cello, Konzertflöte und Klavier. * 22 2 Die Verteuerung der Arzneimittel. Einspruch der Krankenhäuser und der Apotheker. Vom 1. Juni ob haben auf Grund der letzten Aenderung des Gesetzes über das Branntweinmonopol die Alkoholvreise eine erhebliche Steigerung erfahren. Diese Preissteigerung bewirkt, weil Alkohol für die Herstellung der Medikamente in starkem Umfange gebraucht wird, eine Verteuerung der Argneimitvel. Da diese Verteuerung für die Krankenhauser und die Gesamtheit der Bevolkerung von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung ist, so hat die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenvervande für das Gesundheitswesen in Gemeinschaft mit dem Reichsverband der privaten und gemeinnützigen Kranken= und Pflegeanstalten Deutschlands an den Reichsminister der Finanzen eine Eingabe gerichtet, in der auf die durch die Alkoholverteuerung anwachsenden Ausgaben der Krankenanstalten hingewiesen und gebeten wird, die Iftentlichen und freien gemeinnützigen Krankenanstalten von der Verteuerung des Alkohols auszunehmen. Auch der Vorstand des Deutschen Apotherervereins hat in der Erwartung eines Nachtrages zur Arzneitaxe die entsprechenden Schritte eingeleitet. * Hauskollekte. Der Herr Oberpräsident von Westfalen hat durch Erlaß vom 30. 11 1928 eine Hauskollekte für das Jahr 1929 bei den katholischen Bewohnern des westfälischen Anteils der Diözese Paderborn genehmigt zugunsten des Erweiterungsbaues der kath. Kirche in Stukendrock(St. Achatius). Mit der Abhaltung dieser Kollekte in den Dekanaten Bochum, Herne, Witten ist der Sammler Johann Stucke aus BockumRadbod deauftragt. Die Sammlung hat bereits begonnen, es darf wohl erwartet werden, daß auch die Herner Katholiken nach besten Kräften ihr Scherflein beisteuern werden. * H u n d e s t e u e r= u n d G e b ü h r e n v e r a n l a g u n g. Die Steuerliste über die Veranlagung zur Hundesteuer und über die Veranlagung zu den Straßenreinigungs= und Müllabfuhrgebühren liegt auf dem Rataus zur Einsicht offen.(Näheres siehe Bekanntmachung.) * Einen freundlichen Eindruck machen seit gestern die neugepflanzten frischen Bumen in den Kasten der Rathaussenster. Auch die Blumenbeete am Rathausplaß wie am Bahnhofsvorplatz sind mit neuen blühenden Pflanzen versehen worden. * T ö d l i c h e r V e r k e h r s u n f o l l. In den Vormittagsstunden des Dienstages scheuten auf der Dorstener Straße zwei Pferde eines Mühlenfuhrwerks vor einem Lastauto. Dabei wurde das eima 4jährige Söhnchen Karl der Eheleute H., das dort wohnte, und aus einer Kleinkinderschule kam, von den Pferden kurz vor dem Betreten des Bürgersteiges erfaßt und überfahren. Die schweren Räder des Lastfuhrwerkes gingen dem Kleinen über Brust und Kopf, wobei es zur Unkenntlichkeit zerstückelr wurde. Der junge Fahrer des Wagens wurde kopflos und erlitt einen Nervenanfall. Ein des Weges vorbeifahrendes Perionenauto nahm sich des sterbenden Kindes an und schaffte es zum kath. Krankenhaus Eickel, dort erlog es den schweren Verletzungen Die Frauenoberschule ein erfreulicher Fortschritt. Eine Zuschrift aus Frauenkreisen für die Einrichtung in Herne Aus der Frauenwelt wird uns geschrieben: Seit der Ostertagung 1928 im Zentral=Institut zu Berlin, auf der über neue Wege der Frauenbildung beraten wurde, erwartete man in dieser Sache mit Spannung die Entscheidung des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Wie schon durch die Herner Zeitungen ging, ist diese Entscheidung endlich gefallen, und die Bahn ist frei zur Vorbereitung für eine Anzahl von Frauenberufen, die der weiblichen Eigenart besonders angepaßt sind. Der Herr Minister hat eine neue eSchulform für Mädchen— die dreijährige Frauenschule(auch Frauenoberschule genannt)— mit einer Reihe von Berechtigungen ausgestattet, die von den Eltern, besonders den Muttern, sehr begrüßt werden, weil dadurch große Unsicherheiten, die sich Ostern bei einer Berufswahl für Mädchen geltend machten, verschwinden werden. Man weiß jetzt, daß die 3jährige Frauenschule auf die Gewerdelehrerin, die technische Lehrerin (mit verkürzter Ausbildungszeit), das künstlerische Lehramt, die Werklehrerin und die Haushaltpflegerin vorbereitet. Die 3jährige Frauenschule setzt auf die Untersekunda des Oberlyzeums auf und führt zu einer Abschlußprüfung. die den Eingang zu den obengenannten Berufen bildet. Es ware nun von sehr grotzem moralischen und auch materiellen Nutzen, wenn in Herne eine solche Schule in Verbindung mit dem Overlyzeum eingerichtet werde könnte. Heute müssen wir für unsere Tochter, die wir einem der neuen Frauenverufe zuführen wollen, in anderen Städten um Gastfreundschaft nachsuchen. Jede Stadt sorgt aber zunächst für ihre eigenen Kinder; wir werden abgewiesen, vertröstet auf einen freien Platz, der sich vielleicht nach der Aufnahme nach Ostern noch finde, um dann zu erfahren, daß man unsre Kinder deim besten Willen nicht berücksichtigen konnte. Dazu ist der Besuch auswärtiger Schulen mit großen, für uns heute immer unerschwinglicher werdenden Geldausgaben verbunden. Entweder müssen wir teuere Bahnfehrten bezahlen, oder gar unsere Kinder in auswärtige Pensionen geden: gar nicht zu gedenken der vielen groden sittlichen Gefahren, denen wir unsre Tochter auf Bahnhöten und in Zugen dann oft tagtäglich aussetzen müssen. Man darf deshalb erwarten, daß die Herner Stadtverwaltung, die sich in Erziehungsfragen immer sehr rührig und weitblickend erwiesen hat, diese neue Bildungsfroge bald in den Kreis ihrer Erorterungen ziehen wird. * Glück im Anglück hatte gestern nachmittag ein Mann auf der Bochumer St. uße. Er wollte Kellervorräte nach oben schassen, glitt auf der Kellertreppe mit der brennenden Lampe aus und stand alsbald in hellen Flammen. Glücklicher Weise urug er nur leichte Verstauchungen und Brandwunden davon. * Todlich verunglückt. In der Nachtschicht zum Dienstag geriet der etwa 22jährige Lehrhauer Arthur Kl., welcher auf einer auswärtigen Schachantlage arbeitete, derart schwer unter herabsturzende Kohlenmassen, daß er neven einem Schadelbruch einen Wirbelsäulenbruch davortrug, an deren Folgen Kl. auf dem Transport zum Bergmanneheil verschied. Der noch ledige Bergmann wurde auf einer hiesigen Zeche vor kurzem abgebaut. fand aber durch seine Verwandtschaft in Bochum auf einer dortigen Zeche Arbeit * Auf der Montage verunglückt. Der in der Wilhelmstraße wohnende Montageführer Otto N., war Montag nachmintag mit einer Nietkolonne in einem Stahlwerksbetriebe in Bochum mit der Nietung und Einbrennung eines Mannloches auf einem großen Behälter beschäftigt. Als am Dienstag morgen die Arbeiten sortgesetzt werden sollten, entstand in dem Behälter eine Explosion, wobei N. am Kopf und Oberkörper durch Brandwunden schwer verletzt wurde. Ein Hilfsarbeiter, welcher zu Hilfe eiten wollte, wurde leicht verletzt. Beide fanden Aufnahme im ev. Krankenhaus Bochum. * Der Begriff des„gemeinnützigen“ Vereins". In letzter Zeit sind dem Preußischen Wohlfahrtsminister wiederholt Eingaben von Vereinen und Anstalten auf Anerkennung als„gemeinnützig“ vorgelegt worden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, macht der Minister die nachgeordneten Behörden darauf aufmerksam, daß es nach geltendem Recht eine allgemein wirkende Anerkennung der Gemeinnützigkeit eines Vereins oder einer Anstalt nicht gibt. Die Voraussetzungen einer Steuerbefreiung sind für jede Steuer= und Abgabenart besonders geregelt. Der Minister ersucht daher, in jedem Falle zu prüfen, ob dem Antragsteller daran liegt, von Stempel= und Verwaltungsgebühren oder von Gerichtsgebühren befreit zu werden. In diesen Fällen kann nur ein Antrag an den Preußischen Finanzminister in Frage kommen. Um Befreiungen oder Vergünstigungen hinsichtlich anderer Steuern(wie Reichserbschafts=, Grunderwerbs=, Umsatz=, Vergnügungssteuer usw.) zu erlangen, haben Vereine und Anstalten sich nicht an den Wohlfahrtsminister, sondern an die in den entsprechenden Gesetzen und sonstigen Bestimmungen vorgesehenen Behörden zu wenden. * Befriffete Krankenhausbehandlung. Die Frage, ob die Krankenkassen befug sind, ihre Aufnahmescheine für Krankenhausbehandlung auf bestimmte Zeiten zu befristen, hat das Reichsversicherungsamt letzthin dahin entschieden, daß ein Versicherter so lange Anspruch an die Kranken kasse auf Fortsetzung der Krankenhauspflege hat, als sie notwendig ist. Die Krankenkasse kann jedoch bei Gewährung von Krankenhauspflege dem Krankenhaus zunachst einen befristeten Gutsageschein unter dem Vorbehalt der Verlängerung ausstellen. Der Krankenkasse steht das Recht zu, die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krankenhausaufenthalts selbst zu prüfen. Lehnt sie weitere Behandlungen ab, so kann der Versicherte gegen sie auf weitere Leistung beim Versicherungsamt klagen und gegebenenfalls auf eigene Kosten als Privatpatient im Krankhause bleiben, falls das Krankenhaus damit einerstanden ist. * hausgehilfen und Ersatzkasse. Hausgehilfen haben, auch wenn sie einer Ersatzkasse angehören, laut Entscheidung des Reichsversicherungsamts kein Recht auf Befrejung von der Mitgliedschaft bei ihrer Pflichtkasle, und zwar auch dann nicht, wenn sie an dem nach§ 305 RVO. maßgebenden Stichtag(1. April 1909) zu dem durch die Satzung der Ersatzkasse bestimmten Kreis ihrer versicherungspflichtigen Mitglieder gehört haben. Das Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei ihrer Pflichtkasse bestehr für Housgehüfen nicht. = Tagung der deutschen Büroangestellten. Der Berufsverband der deutschen Büroangestellten, der Reichsverband der Büroangestellten und Beamten(Sitz Berlin) hält am 27., 28. und 29. Juli d. I. seinen Verbandstag ab. Diese christlich=nationale Berufsorganisation setzt sich aus der Auffassung heraus, daß die Behörden als Durchführer der Gesetze verpflichtet sind, auch die gesetzlichen Schutzbestimmungen für die Arbeitnehmer in erster Linie selbst zu beachten, dafür ein, daß erstens alle ungünstigen Ausnahmebestimmungen für die nicht fest angestellten Arbeitnehmer der öffentlich=rechtlichen Verwaltungen und Betriebe beseitigt werden und die Verwaltungen veranlaßt werden, ihre Personaldezernate mit Personen zu besetzen, die die sozialpolitischen Gesetze nicht nur dem Namen nach, sondern eingehend kennen, und, was die Hauptsache ist, auch beachten. Ein wesentlicher Teil des Verbandstages wird gerade diesen Fragen gewidmet sein. Am Sonntag, dem 28. Juli, tritt die Berufsorganisation mit einer großen Kundgebung an die Oeffentlichkeit. Zahlreiche Vertreter der Behörden und Parlamentarier haben ihr Erscheinen bereits zugesagt. a Stenographisches. Die am vergangenen Sonntag in Gelsenkirchen vom Bochumer Kreis des Rhein=Westf. Stenographenbundes Stotze=Schrey abgehaltene Kreisversammlung nahm einen überaus guten Verlauf. Die Vertretersitzung in den Vormittagsstunden, zu der 14 Vereine ihre Vertreter entsandt hatten, beschaftigte sich in der Hauptsache mit den augenblicklichen Gegenwartsfragen der Stenographie. Die Wettschreibeordnung wurde dahin abgeandert, daß in Zukunft, ähnlich wie beim Bundes= und Verbandswettschreiben, die Stenogramme nach bestimmten Zeiten übertragen werden müssen. Um 14 Uhr begann das Wettschreiben und Wettlesen. Da die Kaufmannschaft der Stadt Gelsenkirchen Geschenke als Ehrenpreise zur Verfügung gestellt hatte, wurden die Arbeiten von 240 bis 160 Silben abwärts sofort gewertet, während die anderen Abteilungen wegen der Fülle der Arbeit zurückgestellt werden mußten. In der um 18 Uhr stattfindenden Kreisversammlung hielt der Bundesvorsitzende Herr R. Neumeister(Essen) eine Ansprache. Er führte u. a. aus, daß innerhalb der Organisationen eine großere Einigkeit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl mehr denn je herrsche, troßz der mit Staatsgewalt eingeführten Reichskurzschrift. Nach der Verteilung der Preise des letzten Wettschreibens ging man zur Jubelseier des Stenographenvereins Gelsenkirchen über und verblicb noch recht gemütliche Stunden zusammen.— Vom Herner Stenographenoerein StolzeSchrey errangen am vergangenen Sonntag folgende Damen und Herren Preise: In der Abteilung 180 Silben: Frl. Margarete Ohl und Frl. Martha Spie *— kermann je einen 1. Ehrenpreis und 1. Preis; im Wettlesen je einen 3. Preis. In der Abteilung 240 Silben: Friedr. Hecht einen 1. Ehrenpreis und einen 1. Preis, im Wettlesen einen 3. Preis. Die Ergebnisse der andern Abteilungen werden später an dieser Stelle bekantgegeben. * Der D. h. B., Ortsgruppe Herne. hielt am Dienstag avend un Hotel Schmitz seine Monatsversammlung ab, die der 1. Vorsitzende, Herr Buschmann, mit einigen einleitenden Worten eröffnete. U. a. wurde beschlossen, in der nächsten Monatsversammlung zur Unterhaltung einen Lichtbilderabend zu veranstalten. Näheres hierüber soll rechtzeitig in dieser Zeitung bekanntgegeben werden. Am Sonntag, dem 30. Juni, soll ein Ausflug nach der GloerTalsperre gemacht werden. Zum Schluß wurde noch besprochen, eine Untergruppe für reisende Kaufleute der Gruppe anzuschließen. Die in Frage kommenden Kollegen werden gebeten, sich bei dem Vorsitzenden zu melden. * Der Turnverein Börnig-Sodingen 1890 D. T. hält am Sonntag, dem 9. Juni, nachm. 3 Uhr eine Monatsversammlung ab. Der Wichtigkeit wegen ist unbedingtes Erscheinen der Mitglieder erforderlich. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeden. Eine Stunde vorher Vorstandssitzung. Näheres siche Samstag im Vereinskalender. Dortmunder Zucht- und Faselviehmarkt vom 5. Juni. Auftrieb: 580 Stück Großvieh, 273 Schweine, 24 Kälber. Der Handel war mittel. Es kosteten Kühe 350 bis 700 M., Rinder 250 bis 525 M. Einzelne ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarken versehen, die die Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ und eine Nummer tragen. Es sind die Nummern 15 324—15 917 ausgegeben worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6—8 Wochen 33—40 M., von 8—10 Wochen 40—48 M., von 10—12 Wochen 48—70 M. Der nächne Markt findet am 12. Juni statt. Bochumer Stadttheater „Margareihe". Noch immer behauptet sich Gounods wertvolle Oper auf dem Reperwire, kein Wunder bei der Popu larität dieses an einschmeichelnder Musik und seiner Melodik reichen Werkes. Man mag über die Nutzbar machung des Goethe'schen Faust für diese Operndichtungen sein eigenes Urteil haben, man wird sich den schwungvollen Melodien der Gounod'schen Oper nicht entziehen können. Die Auffüyrung selbst hielt sich in achtbaren Bahnen. Die Hauptrollen waren wieder ein mal glänzend besetzt Alexander Gillmann spielte die zwiespaltige Partie des Faust; als alter Faust weniger gut, wußte der Darsteller als junger Faust jedoch zu fesseln. Für die Lyrik der einzelnen Szenen besaß er einen seinen Stimmengbanz. Der gut singende Bassist Wilhelm Trieloff spielte diesmal weniger den konventionellen dämonisch finsteren Teufel als einen ergötzlich schalkhaften Gesellen. Getrud Stehmann als Margarethe spielte recht innig und liebevoll die naive Unschuld. Anny Kindlings Marthe Schwertlein betonte fein dezent die leichte komische Note ihrer Rolle. In anderen Rollen erwiesen sich erfolgreich Hans Schröck(Valentin), Anni Kamphausen und Konr. Becker(Brandes). Das Orchester unter G. E. Leisings Leitung musizierte sicher und klangschön, und die Spielleitung sorgte für vorzügliche Postierung und Beweglichkeit der Massen. Kr. ,25 Jahre Sport-Club Westfalia“. 3 Mitglieder des Zubelvereins erhalten die Ehrennadel des Verbandes. Anläßlich der am kom nenden Sonntag stattfinden den Einweihung des Verbandsjugendheimes in Duis burg an der Wedau verteilt der W. S. B. an beson ders verdienstvolle Verbandsmitglieder Ehrennadeln. Auch 3 Mitglieder des Jubelvereinz Westfalia sind mit dieser Auszeichnung bedacht worden. Es sind die Herren: Ehrenvorsitzender Eisenbahnoverinspektor a. D. hen seler. 1. Vorsitzender Studienrat Kracht Fußballobmann Eisenbahnsekretär Thcodor Ueter. Der Staffellaus„Quer durch Herne In der Seniorenklasse gewinnt Westfalia mit 1 Meter Vorsprung vor dem Turnklub, in der Jugendklasse bleibt der Turnklub mit 50 Meter überlegener Sieger. Nun gehört auch der 8. Staffellauf„Quer durch Herne“ der Vergangenheit an. Leider öffnete der Wettergott um 7 Uhr leicht seine Schleusen, so daß das Pflaster sehr glatt wurde und die einzelnen Läufer mit ziemlicher Vorsicht zu Werke gehen mußten, um Stürze zu verhindern. Trotzdem glitt der Malmann der Westfalen kurz nach dem Start aus, wodurch er 20 Meter einbüßte, die erst restlos vom zweitletzten Läufer aufgeholt werden konnten. Ueber die ganze Strecke führte der Turnklub, der einmal gewonnene Vorsprung wurde zäh verteidigt, noch beim zweitletzten Wechsel soll der Vorsprung, den man sich gesichert hatte, 15 Meter betragen haben. Wohl selten ist in einem der vorherigen Läuse mit solcher Erbitterung gekämpft worden, sehr spannend war der Schlußkampf auf dem Westfalia=Sportplatz. Die besseren Nerven der beiden Schlußläufer der Westfalia gaben den Ausschlag, mit einem Meter Rückstand mußte sich der Turnklub nach einem hervorragendem Rennen mit dem ehrenvollen 2. Platz begnugen. Bedauerlich war die Tatsache, daß die reinen Fußballvereine mal wieder durch Abwesenheit glänzten. Da loben wir uns doch die Polizei, den Schwimmverein Wiking, die Herner D. J. K. und Eichenkreuzverband, die bestimmt durch ihre Teilnahme mehr Sportsgeist zeigten. Zuerst wurden die Jugendlichen auf Reisen geschickt. Hier gewann die 1. Jugend des Turnkluds nach Belieden. Nachitehend die Ref#ltete: Jugend 1. Klasse. 1. Turnklub Herne I 8,6 Minuten 2. SC. Westsalig 50 Meter zurück 3./Turnklub Herne II 4. Eichenkreuzverband Jugend, 2. Klasse. 1. Deutsche Jugendkraft Herne 6.30 Min. 2. Turnverein Börnig. Senioren, 1. Klasse. 1. Westfalia 6,30 Minuten 2. Turnklub Herne I 6,31 Minuten 3. Polizei Herne 6,41 Minuten 4. Turnkiub Herne II Klasse 11. 1. Schwimmverein Wiking 7,15 Min. Klasse 1II. 1. Turnverein Börnig 6.50 Minuten 2. Deutsche Jugendkraft 6,53 Minuten Anschließend fand im Hotel Sassenhoff die Siegerverkündigung und Ueberreichung der Diplome statt Westfalia erhielt den Wanderpreis der Stadt Herne für Senioren und der Herner Turnklub den für die Jugendklasse Herr Lehrer Bäcker als Geschäftsführer des Stadtverbandes für Leivezübungen begrüßte die Erschienenen und bat die Anwesenden, doch noch mehr als bisher den Leidesübungen das Interesse entgegenzubringen, das diesen unbedingt zustehe. Ebenso dankte er der Westfalia und sämtlichen Mitwirkenden für ihre tatkräftige Mitarbeit. Herr Koppe verteilte hierauf die Auszeichnungen. Westialia Herne- Castrov 02 0:3. Während des Staffellaufs sand dann noch auf dem Westfaliaplatz dieses Treffen statt, in dem die Gastgeber sich eine weitere Niederlage gefallen lassen mußten Es schien den Westfalen noch das sonntägige Spiel in den Knochen zu stecken. Die zweite Hälfte des Spiels wurde bei trübem Wetter und schlechter Sicht durchgeführt, so daß das Ende bestimmt eine Erlösung für sämtliche Anwesenden war. Die Jubiläums=Schulerwettkämpfe beim C6. C. Westsalia 04. In der Gesamtwertung siegt die Oberreatschule mit 173 Punkten. Unter bewährter Leitung gingen zum zweiten Male diese Kämpfe von statten. Nahezu 150 Schüler hatten sich eingefunden, wovon die Schiller der höheren Schulen den Hauptanteil hatten. Gute Leistungen waren nicht selten. Besonderen Reiz boten die Staffeln, namentlich die 20X¼=Runden=Staffel. Die Kleinen vom Gymnasium siegten hier wider Erwarten gegen die Oberrealschüler. Die vorbildliche Stababgabe brachte diesen Schülern den verdienten Sieg. Die 10X½-RundeStaffel war eine reine Angelegenheit der Oberrealschule vor dem Gymnasium. Von den Volksschulen beteiligte man sich nur on der 20XX=Runde=Staffel, die Schule Wilhelmstraße wurde 3. Sieger. Nach den Kämpfen dankre E. Hülsmann allen Schülern für ihr Erscheinen und die Lehrerschaft für ihre tatkräftige Hiffe. 1. Jahrgang 15 und jünger. Schlagbalt. 1. Röder, O.=R., 20 Punkte; 2. Haupt, O.=R., 20 Punkte; 3. Schaper O.=R., 18 Punkte; 4. Voß, O.=R., 18 Punkte; 5. Albert, O.-R., 16 Punkte, 6. Voigt. La=Roche, 16 Punkte, 7. Dostol, O.=R., 16 Punkte! 8. Populo, O.-R., 16 Punkte; 9. Fuhrmann, O.=R., 16 Punkte; 10. Nüsse, Gym., 15 Punkte; 10. Klein, O.=R., 15 Punkte. 2. 100-Meter-Lauf. 1. Röder, O.=R., 17 Punkte; 2. Heiland, O.-R., 16 Punkte; 3. Schaper, O.=R., 15 Punkte: 4. Dustat, O.=R., 15 Punkte: 5. Rust, O.=R., 15 Punkte; 6. Offermann, O.-R., 14 Punkte; 7. Clemmt, Gym., 14 Pkt.; 8. Beermann, O.=R., 14 Punkte: 9. Nowaki, Forellsch., 13. Punkte: 10. Sluyter, Gym., 13 Punkte, 10. Beusch, O.-R., 13 Punkte; 10. Klein, O.=R., 13 Punkte; 10. Haupt, O.-R., 13 Punkte; 10. Populo, O.=R., 13 Pkt.; 10. Adamzak, Forellsch., 13 Punkte. 3. Sprung. 1. Rust, O.=R., 23 Punkte; 2. Schaper, O.=R., 22 Punkte: 3. Röder, O.=R., 22 Punkre; 4. Heiland, O.=R., 22 Punkte; 5. Kleinhubbert, O.-R., 21 Punkte, 6. Dostol. O.=R., 20 Punkte; 7. Fuhrmann, O.=R., 19 Pkt.; 6. Düppe, La=Rochesch., 19 Punkte; 7. Joyt, La=Rocheschule 19 Punkte; 8. Pott, Gym., 19 Punkre. Staffellauf. 20 mal ¼ Runde. 1. Gymnasium 3.29 Minuten, 2. Oberrealschule 3.32 Minuten, 3. Wilhelmstraße 3.49 Minuken, 4. Forellstraße 3.56 Minuten. 10 mal: Runde. I. Oberrealschule 3.9 Minuten, 2. Gymnasium 4.7 Minuten. 6. Gesamtwertung I. Oberrealschule 173 Punkte, 2. Gymnasium 139 Punkte, 3. La=Rocheschule 135 Punkte, 4. Forellschule 129 Punkte, 5. Grüner Weg=Schule 117 Punkte. Abendsportsest in Sodingen. Man teilt uns hierzu mit: Den 800=Meter=Lauf der Schüler gewann nicht Kittel vom Turnklub Herne, sondern Konitzer, Turnverein Börnig Das Ergebnis: 1. Konitzer, To. Börnig; 2. Kittel, Turnklub Herne. Zeit: 2.35.1 bzw. 2.36.1 Min. Automobilclub von Deutschland. Ergebnisse der Westdeutschen Zuverlässigkeitsfahrt 1929 veranstaltet am 31. Mai, 1. und 2. Juni 1929. Zuverlässigkeitsfahrt über 1008,6 Kilometer, verbunden mit einer Geschmeidigkeitsprüfung auf dem neutralisierten Nürburg=Ring. Kategorie 1: Sportwagen. Wertungsgruppe 3(über 1100 bis 1500 ccm) 1. Preis: Martin Stümpfl, Köln, Vorgebirgstraße 9, im Alleingang. auf Bugatti, mit 220 Gutpunkten. Kategorie 2: Tourenwagen. Wertungsgruppe 1(über 3150 bis 8400 cem) 1. Preis: Heinz Ibald, Düsseldorf. Graf Reckestr 72, auf Mercedes=Benz, mit 247 Gutpunkten. 2. Preis: Gustav Kocks, Mülheim=Ruhr, auf Mercedes=Benz, mit 245 Gutpunkten. 3. Preis: I. F. Wessels, Bremen, am Wall 126, auf Mercedes-Benz, mit 240 Gutpunkten. 4. Preis: Bernhard Beining, Bielefeld, Hermannstraße 50, aus Mercedes=Benz, mit 239 Gutpunkten. Wertungsgruppe 2(über 1575 bis 3150 ccm) 1. Preis: P. H. Müller, Düsseldorf, Ackerstraße 126, auf Fian, mit 243 Gutpunkten. 2. Preis: Dr. G. Gail, Köln, Brüsseler Straße 85, auf Mercedes=Benz, mit 229 Gutpunkten. 3. Preis: Hans Coenen, Rheydt, auf Adler, mit 227 Gutponkten. Wertungsgruppe 4:(über 370 bis 1155 ccm) 1. Preis: Walter Brick, Neuß, Schorlemerstr. 60, auf Dixi, mir 250 Gutpunkten. 2. Preis: Frau Hilde Diemer, Mainz, RichardWagnerstraße 17, am Opel, mit 221 Gutpunkten Der Sieger der Wertungsgruppe 4, Herr Walter Brick, Neuß, auf Dixi, beendigte als einziger die Fahrt strafpunktfrei. Der Sieger der Wertungsgruppe 1, Herr Heinz Ibald, Düsseldorf, auf Mercedes=Benz, erzielte bei der Geschmeidigkeitsprüfung auf dem Nürburg=Ring die beste Zeit aller Gruppen. Frau Paula Friedhofen, Koblenz, erzielte die beste Leistung aller Fahrerinnen. Kurze Informationen. Dritter Sieg der Schotten. Holland mit 0:2 geschlagen. Die Schotten absolvierten auf der Europareise ihr viertes Länderspiel gegen Holland und konnten diesmal wieder einen Sieg erringen. Deutschland war also bisher die einzige Mannschaft, die den Schotten ein Unentschieden abtrotzen konnte. Neuer Hellas Sieg in Barcelona Der deutsche Wasserballmeister Hellas Magdeburg vermochte auch das Rückspiel gegen den SC. Barcelona wieder siegreich zu gestalten, wenn auch diesmal der Ausgang etwas knapper war. Die Hellenen sieglen mit 4:2 Toren. Außerdem gewann Hellas noch eine 3X200=Meter=Freistil=Staffel, ein 100 MeterRückenschwimmen und ein 50=Meter-Freistilschwimmen. Vierkötter geschlagen! George Zoung siegt. Auf dem Humber=Fluß in Kanada bei Toronto ging der bekannte deutsche Schwimmer Ernst Vierkötter nach längerer Pause wieder an den Start. Das Rennen führte über eine Meile. George Young, der alte Rivale des Kölners. siegte in 21:55 knapp vor Vierkötter, der in 22.05 Minuten einkam. Düllberg siegt in Philadelphia Bei einem Steherrennen über 50 Meilen, an welchem sich auch Düllberg=Dortmund beteiligte, konnte der Deutsche knapp Zweiter hinter dem Amerikaner Chapman werden. Hinter dem Deutschen kamen Lomb und Dedaets und der bekannte Georgetti durchs Ziel. Den Abend krönten ein paar Spukgeschichten, die, melsterhaft vorgetragen, bei allen große Freude auslösten. Der folgende Tag sah ungefähr das gleiche Programm vor. Nach der hl. Messe hielt der Gaukaplan Herr Vikar Lohoff ein Referat über das Thema: Kirche—Kraft. quelle. Nachdem er zunächst allgemein von der Kirche, ihren Kämpfen und Siegen gesprochen hatte, kam er auf die große Kulturkraft zu sprechen, die sie auch noch heute besitzt, wenn es auch von vielen geleugnet wird, und insbesondere auf die Kraft, die in den Geboten und Sakramenten ruht. Eine Ermahnung knüpfte er daran: Man müsse gerade in den letzteren das Frohe und Optimistische sehen, das uns bei der Gotteskindschaft mitgegeben wird. Aussprachkreise vertieften das Gehörte und zeigten praktische Anwendungen. Das Frohe und Optimistische wurde dann weiter gesponnen in dem Referat des Nachmittags:„Was wir geworden sind“. Der Referent, ein Studiosus und Großneudeutscher, hob die großen Werte hervor, die durch die Jugendbewegung geschaffen worden sind und wies darauf hin, daß wir ein Recht haben, stolz zu sein, daß wir aber weiterarbeiten müssen, wenn kein Stillstand oder gar ein Rückgang eintreten soll. Ein Feezabend brachte die nötige Abwechslung. Mit dem neudeutschen Reichstag wurde schnell für Stimmung gesorgt. Die Reden des Wanderpredigers in dem schäbigen Rock und mit der Brille auf der Nasenspitze riefen gewaltige Lachsalven hervor. Ein witziges Gesicht eines kleinen Wanners beleuchtete die Ereignisse der Tage im Lichte des Humors. Herz= und nierenerweichend waren die Vorträge der„Liedertafel Elkeringhausen“ und die tragikomische Oper„Salami und Makkaroni“. Der Sonntag brachte noch einen lieben Besuch: der Markkaplan P. Grauvogel S. J. hatte es sich nicht nehnten lassen, den Gautag zu besuchen. In einem einstündigen Reserat sprach er von der neudeutschen yrommiareir, von der einfachen, wahren Tatfrömmigkeit. Die praktische Auslegung brachte das Schlußreferat: Zucht und Schneid. Den Höhepunkt der Tagung bildete der letzte Abend. Den ganzen Nachmittag waren emsige Hände beschäftigt gewesen, einen großen Holzstoß aufzuschichten, galt es doch, heute 46 neuen Jungen das Abzeichen zu verleihen. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Marienabend der Castroper. Dann — wie auf einen Glockenschlag— entzündeten sich die Fackeln, einen blutigroten Weg sich durch die tiefschwarze Nacht bahnend. Geleitet von ihren Führern treten die neuen Knappen heran, und fest und wuchtig klingt das Treuegelöbnis durch das Schweigen der Nacht. Die Wimpel senken sich, und die Hand auf der Stange haltend, empfangen sie das Abzeichen. Ein fester Händedruck— und sie sind ausgenommen in den neudeutschen Bund. Und dann lodert plötzlich das Feuer empor, eine gewaltige Flamme schlägt gen Himmel. Balken krachen, Funken sprühen, taghell ist die Gegend. und im Scheine des Flammenmeeres erscheinen die Menschen winzig klein.— Flamme empor!— Wie ein Orkan schwillt der Gesang an. Eine dunkle Gestalt tritt vor. Silhouettenhaft hebt sie sich vom Feuer ab. Mit starker Stimme spricht sie den Flammenspruch: Flamme erlisch, Flamme erlisch Glaube— erlisch nie. Niemand findet am heutigen Abend sofort Ruhe. Zu gewaltig steht dieses Erlebnis vor der Seele.— Am andern Morgen ist noch einmal hl. Meise, um dem Heiland Dank zu sagen für die vielen Wohltaten der letzten Tage, und um ihn zu bitten, im Alltag die Ideale zu bewahren. Noch einen letzten Blick auf den ruhenden See und die Berge, und mit Singsang und Klingklang gehts heimwärts, mit neuem Mut und frischer, innerer Begeisterung. H. W. Neudeutsche Jugend am Möhnesee. 2. Gautag des neudeutschen Engelbertgaues. Wie mögen die alten, ehrwürdigen Turme der schönen Stadt Soest in Verwunderung geraten sein, als in strahlender Sonne ein bunter Zug durch die Straßen zog. Neudeutsche im fardigen Kittel und mit flatternden Wimpeln. Ueber 200 Jungen waren es, die mit ihren geistlichen Führern aus allen Teilen des Engelbertgaues, aus Bochum, Castrop, Gerthe, Herne, Langendreer, Wanne und Wattenscheid am Möhnesee zusammengekommen waren, um dort Tage innigster Gemeinschaft zu verleben. Es sollte eine große Kundgebung des katholischen Gedankens werden, darum war der Tagung der Leitgedanke„Sentire cum Ecclesia“ gestellt. Nachdem für Unterkunft und Verpflegung gesorgt worden war, sand die Einführung statt. Nach der üblichen Begrüßung sprach der Gauleiter von der hohen Aufgabe, die sie zu leisten hätten Vor 2000 Jahren sei in einem sernen Lande ein Licht erschienen, das Licht der Kirche. Dieses Licht hätten die Apostel hinaus in die Lande getragen und zur hellen Flamme werden lassen. Es waren derbe, wetterfeste Gestalten, nicht frei von menschlichen Fehlern und Schwächen, aber sie trugen das Feuer der Begeisterung in sich. Diese Gestalten sind auch heute noch unser Vorbild. In der Zeit allgemeiner Dekadenz brauchen wir Menschen, die zielbewußt durchs Leben gehen, und für das große Ziel: Ausbreitung des Gottesstaates auf Erden kämpfen. Doch alle Arbeit ist leere Organisation, wenn ihr der nährende Geist sehlt. Daher unsere Aufgabe:„Mitfühlen mit der Kirche, uns hineinarbeiten in ihren Geist, in ihr Wesen.“ Nach der Einführung sand ein deutscher Abend statt, vorbereitet von der Bochumer Gruppe. Er zeigte die Eigenart der deutschen Heimat und des deutschen Volkes und ließ die Herzen der Teilnehmer höher schwellen in dem Gedanken, auch ein Deutscher zu sein. Mit einem gut gelungenen Sprechchor fand der Abend seinen Abschluß. Ein gemeinsames Abendgebet noch— und man suchte das wohlverdiente Lager auf. Amandern Morgen ging es im geschlossenen Zuge zur hl. Messe nach Kördecke, um Kraft und Segen für die Arbeit des kommenden Tages zu holen. Nach dem Morgenkaffee machten die Kleineren Spiele. Für die Aelteren hielt Herr Studienrat Jäger aus Herne eine Referat über den religiösen Menschen im 20. Jahrhundert. Er zeigte, daß der religiöse Mensch des 20. Jahrhunderts im Gegensatz stehe zu dem des 19. Jahrhunderts und daß sich durch den gewaltigen Aufschwung der Technik und Wirtschaft nicht nur die geistige Gesamthaltung des Menschen, sondern auch die religiösen Formen geändert hätten, wenn auch das Wesentliche der Religiosität immer dasselbe bleide. Am Nachmittag fand ein großes Geländesviel statt. Trotz des zeitweilig starken Regens war die Stimmung ausgezeichnet. Der Wald widerhallte von dem Geschrei und dem Getümmel der Kämpfenden; aber wie sehr sich auch die Angreifer bemühten, das gutgesicherte Lager einzunehmen, es gelang ihnen nicht. Nach 3½ Stunden wurde der Kampf abgebrochen, und Freund und Feind zog im zackigen Marsch nach Hause, um den Lohn in Gestalt eines guten Abendessens entgegenzunehmen. Der Adend trug den Charakter der Unterhaltung und der Entspannung. Die Bochumer Musikschar spielte einige Weisen von Handn, denen einige Lieder mit Klampsen=, Fiedeln= und Flötenbegleitung folgten. Der neue Kneebusch. Der ideale Führer durchs Sauerland. Waldeck und Bergische.(Sauerland-Verlag. Iserlohn). Jeder Sauerlandwanderer kennt ihn. Selbst die Eingeweihten werden finden, daß der neue Kneebusch viel besser ist als leine früheren Auflagen, ausführlicher, genauer, reicher ausgestattet, in Text und Kartenmaterial erstaunlich erweitert. Möglich wurde das dadurch, daß mit dem„alten Kneebusch“ das vormalige Kracht'sche„Sauertändische Wanderduch“ auf des glücklichste vereinigt wurde. Hauptlehrer Kracht selbst hat den Text genau durchgeprüft und auf den neuezug— nirgendwo bleibt der Blick nur aufs Sauerland beschränkt: wo nur möglich wird er auf das große Deutschland verwiesen. Was dem neuen Kneebusch weiterhin besonderen Wert gibt, das sind die einführenden Aufsätze über das Sauerland, seine Bewohner, im Licht der Geschichte und des Handels, seine Geologie, die Berg= und Flußnamen, die Tier= und Pflanzenwelt. Dazu kommen besondere Ratschläge für Wandern und den Wintersport, ferner Ausführungen über die Zugangsmöglichkeiten ins Sauerland, eine Fülle von Vorschlägen für lohnende Wanderungen, Hinweise für den Kraftwagen= verkehr mit Vorschlägen zu den schönsten Fahrten, eine besondere Aufstellung über die hervorragendsten Berge mit Höhenzahlen, Angaben über sämtliche Talsperren und endlich eine Liste des wichtigsten Schrifttums über das Sauerland Neueinbezogen wurde in all diese Dorstellungen auch das gesamte untere Ruhrgebiet, also die Gegend von Dortmund bis Essen einschließlich, ferner das Soester= und Padervorner Land. Alle diese restlos erschöpfenden Kapitel werden anschaulich gemacht durch eine große, das gesamte Gebier umfassende Uebersichtskarte, ferner durch 4 Sonderkarten. 9 Stadtpläne mit Straßenverzeichnissen usw., 5 Rundschaupläne von den markanten Bergen des Sauerlandes, weiter durch 6 Aufrisse(Profile) von Hauptwanderstrecken. 1 Verkehrskarte, 1 Ardeywegeübersicht, 1 Zusommenstellung samtlicher Post= und Telegraphenanstalten des Gebietes einschließlich der Kraftwagenlinzen. Gediegen wie der Inhalt ist erfreulicherweise auch das Aeußere dieses„amtlichen Führers des S. G. V.“ Das ganz in grün Leinen gebundene Buch ist, wie die besondere Kartentasche, in Celophan(Glashautpapier) eingeschlagen und mit Siegelmarken versehen Das Buch in solch vorzüglicher, ja, vorbüdlicher Art herausgebracht zu haben, ist das Verdienst des„Sauerlandverlages“ in Iserlohn. Wie bei all seinen Verlagswerken beweist er auch mit dieser Neuerscheinung wieder die anerkennenswerte Gemeinnützigkeit seines Unternehmens. Der Preis für dies reichhaltige Buch das man als eine musterhafte Landeskunde Südwestfalens und der angrenzenden Geviete rühmen muß. .#2. 2##— prieht, lo niedrig alse, baß namentlich auch der minderbemittelte Jungwanderer es sich anschaffen kann. Der neue Kneevusch ist erhaltsich in der Buchhandlung Koethers& Rottsches. Herne, Bebelstraße 8(neben dem Postamt) * F u r U n t e r h a l t u n g Beilage zum Heener Anzeiger Kreuz und quer durch die Welt Der Mann. der eine Stadt besaß Vom Gouverneur des Kaukasus und Besitzer einer ganzen Stadt bis zum Komponisten führt ein weiter Weg. Der 19 Jahre alte Boris Papandopulo. der sich heute mit Mühe durchs Leben schlägt, hat diesen weiten Weg zurückgelegt. Seine und seiner Familie Geschichte ähnelt einem romantischen Film. der bis auf das hapo####end alle Erfordernisse des Publikumerfolges in sich trägt. Nur im Rußland der Zaren konnte eine solche unwahrscheinlich klingende und doch wahre Geschichte geschehen. Ort der Handlung ist die uralte Festung Stavrovol im Kaukasus, Zeit der Handlung: das vorige Jahrhundert. Die Stadt Stavropol hatte 50 000 Einwohner. Die Bewohner stan. den in ständigem Aufruhr gegen die Zarenherrschaft. Jar Alexander II. ließ, als eines Tages wieder die Nachricht kam. daß in Stavrovol blutige Unruhen ausgebrochen seien, General Pandovulo zu sich kommen und fragte ihn, wen er am geeignetsten hält, um mit den Rebellen aufzuräumen.„Majestät.“ antwortete der General,„für diese Aufgabe halte ich nur einen einzigen Menschen geeignet und zwar mich selber.“ Der Zar war einverstanden damit, daß sein General nach dem Kaukasus gehe und versprach ihm, wenn er die Aufständigen besiege, ihn zum erblichen Gouvernuer des Kaukasus zu ernennen und ihm die Stadt Stavrovol zu schenken. Eine Woche später marschierte Papandopulo mit drei Regimentern gegen die Rebellen. Er hatte große Erfolge. Aber die uneinnehmbare Festung Stavrovol konnte er dennoch nicht besiegen. Nun wandte er List an. In der Stadt wurde eben Jahrmarkt abgehalten. Der General hatte mit 200 Soldaten die Bauern, die zu diesem Jahrmarkt gingen, in den unwegsamen Schluchten abgesangen. ihre Kleider ausziehen lassen und diese den Soldaten anzuziehen befohlen. So kamen Papandopulo und seine Saldaten ungehindert in die Stadt. In der Stadt angelangt, war es aber für die maskierten Soldaten nicht schwer auch in die Festung einzudringen. Stavrovol fiel und Alexander UI. löste sein Versorechen ein. Jahre vergingen. Der General starb, sein Sohn Konstantin trat sein Erbe an. Vor 19 Jahren wurde dann Boris geboren. Bei seiner Geburt starb Konstantin. Nun war der Neugeborene der Gouverneur und die verschiedenen Stammesbäuptlinge erschienen an der Wiege des Säuglings und schworen diesem ewige Treue. Dann kam der Krieg, die Revolution. Der 7 Jahre alte Boris und seine Mutter mußten flüchten. 12 Jahre hörte man von dem jungen Mann, der als Kind eine ganze Stadt besessen. nichts. bis jetzt die Nachricht kommt, daß er mit einem Oratostum vor das Wiener Publikum treten werde. Artisten=Karrieren Von Paul Diner=Denes. Der Roman der Pacificbahn Ein Abenteurer, ein genialer war es. dem es zu danken ist, daß die kanadische Pacificbahn erbaut worden ist. Die Geschichte der Schaffung dieser Bahn mutet wie ein buntbewegter Abenteurerroman an. Denn zu jener Zeit. in den 70iger Jahren des vorigen Jahrbunderts waren technische Leistungen solchen Ausmaßes, wie die Verbindung zweier Ozeane mit einer Bahnlinie noch etwas Unerbörtes. Und der Kanadier Georg Stephan, der diese Großtat vollbrachte, verstand vom Eisenbahnbau nichts, rein gar nichts. Stephan begann als Pelzjäger. Im hoben Norden arbeitete er mit viel Glück und Geschick. Als 50jähriger kehrte er nach Kanada zurück. Jetzt hätte er sich zur Rube setzen und von den Zinsen seines Vermögens leben können. Dieses ruhige Leben behagte aber dem Pelzjäger nicht. Er wollte in seiner Heimat unerhörte Leistungen vollbringen, die seinen Namen dann berühmt machen würden. Er erkannte als erster die Notwendigkeit der Schaffung einer Pacificbahn und ging mit zäher Energie daran, diesen seinen Plan zu verwirklichen. Er gründete mit dem Einsatze seines ganzen Vermögens eine Gesellschaft, die „Canadian Pacific=Railway Company“ und die Arbeit begann. Seine Freunde lächelten mitleidig. als sie von seinem Vorbaben erfuhren. Stephan wird sein ganzes Geld verlieren und als armer Mann enden, war die allgemeine Meinung. Aber es kam anders. 17000 Arbeiter standen ihm bald zur Verfügung. Die Maschinen und die verschiedenen Werkzeuge ließ er mit Pferdegespannen auf den Bauplatz transvortieren. Ganze Berge hatte er abtragen. sumpfige Gebiete austrocknen und Täler auffüllen lassen. Es war eine gigantische Arbeit zu vollbringen. Zwei Jahre dauerte schon der Bau. als das Kapital ausging. Stephan versuchte jetzt. Kredit zu bekommen. All sei Suchen war aber vergeb lich. Der Bau mußte eingestellt werden. Da kam dem Abenteurer ein Zufall zu Hilfe. Es brach ein Indianeraufstand aus. Einige Indianer= stämme versuchten, unter Führung ihres Stammesbäuptlings das schwache englische Militär aus dem Gebiet zu vertreiben. Ein kleiner Teil der Eisendahnlinie war zu dieser Zeit schon fertig. Und so war es möglich, im Verlauf von zehn Tagen genügend starke Truppen gegen die Indianer einzusetzen. Nun wurde man in London auf Geora Stephan aufmerksam. Ein englisches Konsortium wurde jetzt zur weiteren Finanzierung der Pacisicbahn gegründet. Und am 7. Oktober des Jahres 1885 konnte die ganze Bahn dem Verkehr übergeben werden. Georg Stephans Lebenswerk war vollbracht. Schwäne mit Bankkonto Die skandinavische Bevolkerung zeichnet sich durch ihre Tierfreundlichkeit aus. Hunde und Ratzen werden in Schweden und Dänemark mit größter Liede gepflegt und es gibt kaum einen Haushalt, der nicht seinen Haustorann in der Gestalt eines Hündchens oder eines Kätchens hätte. Wahrend des starken Frostes wurden überall auf dem Lande Asule für frierende Tiere errichtet Zu diesem Zweck wurden Geldsammlungen, die ganz hübsche Summen einbrachten, unter der Land= und Stadtbevolkerung veranstaltet. Besonders Vögel. die dem Frost scharenweise zum Opfer sielen, taten den Tierfreunden leid. Hunderte von Schwänen aus dem Norden flüchteten nach dem Hasen von Landskrona. wo man ihnen Futter gab und für eine warme Unterkunft sorgte. Die zu diesem Zweck vom Landskronaer Tierschutzverein veranstaltete Geldsammlung brachte den Betrag von 4000 Kronen. Von dieser Summe blieben nach Abzug der Unkosten für den Unterhalt der Schwäne noch 1600 Kronen zurück. Der Tierschutzverein zahlte diese Summe in einer Bank ein und ließ ein Bankkonto, das auf den Namen der„Schwäne von Landskrona" lautet, einrichten. Die Schwäne sind jetzt im Besitze eines kleinen Kavitals. das sie vor allen Eventualitäten eines strengen Winters schützt. Sollte der nächste Winter wieder eine grausame Kälte mit sich bringen, so werden die Schwäne genügend Geld für Futter und warmen Aufenthalt haben * Der Engländer sehnt sich nach mehr Energie In einem Artikel, der in London großes Aufsehen erregt hat, gab der englische Großindustrielle Sir Alfred Mond ein phantastisches Bild über die ungeheure AusWie der„dumme August“ geboren wurde.— Garantiert 20 Minuten Lachen.— Berühmt geworden, weil sie nicht eitel gewesen.— Rastelli jongliert und rasiert sich zugleich. Drei Clowns Ritter der Ehrenlegion. Auch noch heute ist das Artistendasein von einem Schimmer der Romantik umgeben. Die Artisten, diese modernen Wandervögel, die von Stadt zu Stadt, von Land zu Land ziehen, und überall nur kurze Gastrollen geben, werden von vielen Menschen beneidet. Dies darf nicht weiter Wunder nehmen. Sie erscheinen ja immer im Glanz, im Licht. Der Ruhm ihres Namens eilt ihnen zumeist voraus. Die berühmtesten unter ihnen bekommen märchenhafte Gagen, und sie alle sind die verhätschelten Lieblinge des Publikums. Doch die Fassade trügt nur zu oft. Selbst die Stars sind nicht immer auf Rosen gebettet, von den übrigen, von den vielen Tausenden Namenlosen, die fast immer nur für kurze Zeit unterkommen, gar nicht zu sprechen. Aber auch die Prominenten haben es nicht leicht. Die ewige Hetzjagd nach neuen, bisher noch nie dagewesenen Sensationen, die ewige Unruhe ihres Lebens, machen sie vor der Zeit altern. Und wenn der Artist alt wird und sich nicht so viel ersparen konnte, um ein sorgloses Leben führen zu können, dann öffnet sich vor ihm der tiefe Abgrund, denn niemand sorgt für ihn, niemand kümmert sich um sein Leid, um sein Weh. Märchenhaft rasche Aufstiege, jähe Abstürze, bald himmelhoch jauchzend, bald zu Tode betrübt, so verläuft das Leben der Artisten. Neben Talent, Ausdauer, Geschicklichkeit und Ideenreichtum waltet auch der Zufall, und diesem Zufall sind sehr viele glänzende Karrieren zu verdanken. Allerdings, es gibt auch wahre Artistendonastien, wo schon der Ururgroßvater Artist gewesen war und wo es nur selbstverständlich ist, daß auch der Sohn, der Enkel und alle weiteren Nachkommen Artisten werden. Dies sind aber die Ausnahmen. Viele der heute berühmtesten Zirkus= und Varieteenummern sind auf eine recht kuriose Art und Weise entstanden. Und nun ein kleiner Abstecher. Der„dumme August“ hat uns in unserer Jugend viele vergnügte Stunden verschafft. Auch noch heute gehört er unzertrennlich zur Manege. Diese köstliche Figur dankt einem grotesken Zufall ihr Dasein. Tom Belling war im Jahre 1869 im Berliner Zirkus Renz ganz unbewußt zum Stammvater der„dummen Auguste" geworden. Eines Abends spielte einer seiner Kollegen mit einer alten Perücke Fangball. Belling kam hinzu und kaufte dem Spielenden die Perücke ab. Er setzte die Perücke verkehrt auf den Kopf und bot in seinem Stallmeisterkostüm mit seinem schiefgeknönften Rock eine unsagbar komische Figur. Nun begann ihn der andere Artist zu hänseln. „Ich zahle dir 10 Mark, wenn du dich in diesem Aufzug unter die anderen wagst.“ Und Belling wagte es. Bald aber bekam er einen riesengroßen Schrecken. Er begegnete ganz zufällig seinem Direktor, wollte schon in einer Garderobe undemerkt verschwinden, als dieser ihn anrief: „Famos! Die Maske ist köstlich! Jetzt beraus in die Manege!“ Belling wußte nicht, ob der Direktor scherze oder Ernst mache. Er zogerte einen Augenblick Da packte ihn der Zirkusmann und schleuderte ihn in die Manege. Belling stolverte, rollte ganz bestürzt in den Sand, und das Publikum raste vor Lachen.„August“ schrie ein vergnügter Berliner, und der„dumme August“ war geboren. Varietee zu Varietee. Seine Nummer verdankt ihr Dasein dem Umstande, daß Jean in seinen Jugendjahren gezwungen war, mit allerlei Haustieren in engster Gemeinschaft zusammenzuleben. Daher seine Liebe zu diesen Tieren. An der Wiege Clermonts hatte man es sich auch nicht träumen lassen, daß der kleine Jean 50 Jahre hindurch jedem Direktor„20 Minuten Lachen“ wird garantieren können. Er war der Sohn eines Lokomotiv= führers, ging durch, traf eine Seiltänzertruppe, schlief in dem Zigeunerwagen mit den Ziegen zusammen, lernte ionglieren, reiten, die Haustiere schätzen, und die Haustierdressurnummer war fertig. Oft kommt den Artisten eben das zugute, was gewöhnlichen Sterblichen zum Unglück gereichen würde. Der klassische Beweis hierfür ist die Geschichte der berühmten Bettlermusikanten Dunio und Gegner, die noch vor kaum 3 Jahren arme, verkrachte, verhungerte Existenzen gewesen waren und heute Riesengagen erhalten. Sie hatten eine unglückliche Eigenschaft. Das Wort Eitelkeit stand nicht in ihrem Worterbuch. Ihr Aeußeres war nicht eben einladend. Sie gingen ständig mit zerschlissenen Kleidern und mit einem mächtigen Stopvelbart herum. Sie waren zwar tüchtige Musikanten, doch niemand wollte ihnen dies glauben. Da fiel ihnen eines Tages ein, daß sie ja die geborenen Bettelmusikanten seien. Und seither dürfen sie, ja müssen sie verwahrlost herumlaufen. Und daß sie dies auch außerhalb der Manege tun, das macht sie eben noch interessanter. Das Jonglieren ist so alt wie die Artistik selber. Und Rastelli ist ihr ungekrönter König. Doch Rastelli wäre nie ohne russische Revolution ein Meister des Jonglierens je geworden. Dies klingt kurios, ist aber wahr. 1912 ging er nach Rußland. Krieg und Revolution verbrachte er dort. Während dieser Zeit zog er kreuz und quer durch das Land und arbeitete unaufhörlich. Da er aber wenig zu tun hatte, probierte er immer neue und neue Nummern, und sein fabelhaftes Können entwickelte sich sehr schnell. Ja, selbst der internationale Artistenmarkt hatte von diesem Können Kenntnis erhalten. Doch Rastelli war nicht zu bewegen, einen Kontrakt in Amerika anzunehmen. Erst im Jahre 1922, als er schon auf der Svitze seines Könnens stand, erschien er in Amerika und eilte dort von Triumph zu Triumph. Mit welcher Sicherheit Rastelli arbeitet, beweist folgende kleine Geschichte: Eine Rasiermesserfabrik in Boston hatte einen ausgezeichneten Reklameeinfall. Rastelli sollte sich während des Jonglierens einseifen und zugleich auch rasieren. Rastelli tat dies und tags darauf erschien folgende Annonce in den Zeitungen:„Unsere Klingen sind die besten der Welt. Sie können sich mit ihnen rasieren, während sie jonglieren, Rastelli hat es bewiesen.“ Die Geburtsstunde des„dummen August“. Jean Clermont hatte mit seiner„komischen Dressurnummer prima Qualität“ Weltruhm geerntet. Noch als 66jähriger zog er mit seinem berühmten Pudel. mit seinen dressierten Gänsen und Schweinen von Zur Nachahmung empfohlen! Und nun die Karriere einer Varieteeberühmtheit, der Königin dei Diseusen. Vor 10 Jahren war die Spanierin Raquel Meiler noch eine kleine Blumenverkäuferin in Paris. Da lernte sie einen Schriftsteller kennen. Dieser entdeckte ihr riesengroßes Talent. Im Jahre 1921 begann ihr Aufstieg. Und voriges Jahr, als sie in Berlin gastierte, bekam sie nicht weniger als 54000 Mk. Monatsgage. Solche Karrieren gibt es auch. Ja, drei Clowns, die Brüder Fratellini, sind sogar Ritter der Ehrenlegion. Von diesen wenigen Glücklichen spricht die ganze Welt, während die übrigen..... Das ist es eben, Glanz und Elend sind im Artistenberuf ewig eng miteinander verbunden. dehnungsmöglichkeit der Stickstoffindustrie Englands. Noch viel weiter in der Phantasie geht aber jetzt ein englischer Pressemann, der in ausführlichen Glossen zu diesem Bericht die bestimmte Aussicht stellt, daß die Energie und Tüchtigkeit der englischen Rasse in den nächsten Jahrbunderten sich ins Ungeahnte steigere und zwar aus folgender„einfacher“. Erwägung: Durch den riesigen Bedarf an Stickstoff werde mit den Jahrbunderten der Gehalt der Luft immer dünner und als Folge hiervon werde eine bedeutende Verdichtung des Sauerstoffgehaltes in Erscheinung treten. Dieser beträchtlich stärkere Sauerstoffgehalt aber werde in einer ganz außerordentlichen Energiesteigerung des englischen Volkes zum Ausdruck kommen. Wenn die Folgerungen, die der englische Zeitungsmann zieht, ohne weiteres richtig wären, so bat seine Rechnung trotz alledem ein sehr großes Loch. Die Wissenschaft hat nämlich den Beweis erbracht, daß der Stickstoffvorrat der Luft geradezu ins Unermeßliche geht und einen Umfang ausweist, daß diese Ziffern jedes menschliche Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigen. Selbst in Jahrbunderten wird also das nicht eintreten können, was man in London mit„Bestimmtheit" erwartet. Die Engländer müssen sich deshalb schon nach anderen Hilfsmitteln umsehen. In San Marino weiß man sich zu helfen Vor einiger Zeit datte die Zwergrepublik San Marino eine neue Briefmarkensorte berausgebracht, von der man sich, wie schon so oft, große Umsätze in Sammlerkreisen versprach. Diesmal jedoch ließ der Erfelg mehr als zu wünschen übrig und man blied bei erheblichen Markenbeständen sitzen. In San Marino aber hat man die Weisheit mit dem großen Lötsel gegessen und so wurde denn kürzlich folgende Idee verwirklicht. um den lässigen Sammlern auf den Sorung zu belfen Man verkauft die Marken an den Schaltern nunmehr auch gegen Anleibestucke. In Italien werden jedoch die Anleibestücke der Zwergrepublik beinabe ein Viertel unter dem Nennwert gehandelt, so daß es dem Erwerber von größeren Briefmarkenmengen nunmehr möglich ist, jetzt sogar Briefmarken mit 25 v. H. Rabatt zu ersteben. San Marino hat damit etwas ganz Neues auf die Welt der Briefmarkenfreunde geschaffen, und wer die Schwächen der Briefmarkensammler kennt, dürfte sich kaum darüber im Zweisel sein, daß die kleine Republik in der Raffinesse recht groß war. Sie erzielt jetzt endlich die erhofften großen Umsätze, braucht sich bei der Spitzfindigkeit der Idee aber trotzalledem keinen Vorwurf machen zu lassen, daß sie Anreißerzwecke wegen etwa den Kurswert der Marken berabgesetzt hätte. Der Kurswert ist unangetastet geblieben und dennoch geht der Briefmarkenhandel wie geölt... Die Dame mit den grünen Haaren Eine junge und dübiche Kontoristin in Neuvork hat es verstanden, auf eine recht eigenartige Weise zu einer gewissen Beruhmtheit zu gelangen. Und das kam so: Sie war seit einiger Zeit als Stenotvoistin in einem Geschäft angestellt, dessen Bureauräume sich im Erdgeschoß eines Fabrikhauses befinden. Ueber dem Zimmer, in dem sich das junge Mädchen angelegentlich mit der Niederschrifi von Diktaten und der sonnigen Lageskorrespondenz zu beschäftigen pflegte, befindet sich ein Ladoratorium, wo viel Salzsäure verbraucht wird, deren Ueberreste durch ein Abflußrohr hinausgelangen. Eines schönen Lages platte nun dieses Rohr tust in dem unter dem Laboratorium gelegenen Bureauraum und ergoß seinen ätzenden Inhali über das im Zimmer anwesende Personal. Die unmittelbaren Wirkungen dieser plötzlichen Ueberschwemmung erwiesen sich als recht unliebsam. Dem Leiter 945 Bureaus wurde sein frisch gebügelter heller Sommeranzug von der Salzsäuredusche derart beschädigt, daß seion die gewissenhafteste chemische Reinigung dieses Kleidungsstückes erfolglos blieb. Zwei Kontoristinnen erlitten erbebliche Brandverletzungen an Kopf und Händen und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Stühle, Tische, Akten, kurz, das ganze Bureauinventar wurde mehr oder weniger von den Salzsäurefluten beschädigt Es war ein Jammer. Wie durch ein Wunder schien die Heldin dieser Geschichte von alledem verschont geblieben Behutsam griff ne zu Puder und Lippenstift und warf einen flüchtigen Blick in ihren Handtaschenwiegel. Etwas dleich, das Gesicht— nun ja, die Aufregung! Aber was war da? Ihr Haar zeigte kurz über der Stirn einige auffallige grune Flecken. Also doch Salzsaure! Etliche Trovsen hatten genügt, um diese Wirkung zu erzielen. Nach einigen Stunden trug sie einen navezu völlig grünen Bubenkopf. In ihrer Ratlosigkeit lief sie zum ersten Friseur. Der brachte dann auf seine Art das Haar„in Ordnung", indem er es mit einer grasgrünen Tinktur so lange bearbeitete, bis es„garantiert“ seine frühlingshafte Farbe behielt. Gleichzeitig ließ er eine farbige Photographie seiner„hyvermodernen Kundin“ mit Genehmigung des jungen Mädchens herstellen und brachte sie in seinem Paradeschaufenster zum Aushang. Der Erfolg dieser Reklame war geradezu verblüffend. Es dauerte nicht lange, so war der Friseurladen angefüllt mit neugieriger Kundschaft, die vor allem Näheres über die fabelhafte grüne Frisur besagter Dame zu erfahren wünschte. Kaum war ihre Adresse bekannt, so stürzten Revorter, Photographen, Manager und alle möglichen Werbefachleute zur Wohnung der„Entdeckten" und eröffneten auf das holdselig lächelnde Wesen ein Trommel= feuer von Fragen. Angeboten und Artigkeiten. Einige Leiter namhafter Modefirmen sprachen versönlich bei der jungen Dame vor und fanden ihr grünes Haar äußerst kleidsam. Bei einer Soiree, die irgend ein Börsenkönig der Fisth Avenue kurz darauf veranstaltete, trugen bereits einige extravagante Damen der Neuyorker Gesellschaft grüne Haare. Tags darauf prangte ein koloriertes Bild der „Dame mit den grünen Haaren“ in einer großen illustrierten Zeitschrift der Metrovole. Die hübsche Trägerin dieser Haare hat inzwischen eine hochbezahlte Stellung als Mannequinstar in einem führenden Neuvorker Modesalon angenommen und fühlt sich in ihrer Rolle als kleines vielbestauntes Weltwunder recht wohl. Eine Uegerkur gegen Rheumatismus In Neuyork klagte ein rheumatismuskranker Neger gegen einen„Doktor“ mit der Bezeichnung„Schwarzer Hermann“, der ihm ein zu hobes Honorar für eine kostspielige und ergebnislose Kur gegen Rheuma abgenommen habe. Der Richter wollte wissen, worin denn diese Heilungsvorschriften bestanden hätten. Nun packte der Neger aus:„Ich mußte eine Leinenbinde von einem Meter Länge in ein Gemisch aus mehreren Pfund weißem Käse, viereinhalb Liter Essig. einigen Kartoffeln und etwas Salz tauchen und dann mit dem Leinen mein krankes Bein umwickeln. In diesem Zustande hatte ich eine volle Nacht in meinem Schlafzimmer außerhalb meines Bettes in der östlichen Ecke meines Zimmers zu verbringen. Bei Sonnenaufgang war mir vorgeschrieben, auf den Hof zu laufen und so rasch wie möglich ein Loch auszuwerfen. Dabinein mußte ich das Bein stecken, völlig mit Erde bedecken und in dieser Lage eineinhalb Stunden aushalten. Ich habe das alles getan. Die Krankheit ist aber nicht verschwunden, sondern hat sich im Gegenteil noch verschärft. Der Doktor soll mir mein Geld wiedergeben.“ Die treuherzig vorgetragene Erzählung des Negers wurde mit stürmischer Heiterkeit ausgenommen. Auch der Richter konnte sich das Lachen nicht verbeißen, fällte aber dennoch ein Urteil von besonderer Strenge. Er ließ das zu Unrecht erhaltene Honorar an den Neger zurückgeben, mit der Mahnung, es vernünftiger anzulegen und steckte den„schwarzen Hermann" sechzis Tage ins Gefängnis Ein pferd springt über ein Motorras Ein durchgebranntes Pferd war bei Brevon nahe London so geistesgegenwärtig, über ein Motorrad hinwegzuspringen und dadurch einem unvermeidlich erscheinenden Zusammenstoß zu begegnen. Herr Pritchard, der Führer des Motorrades, der mit seiner Tochter auf dem Soziussitz einen Ausflug gemacht hatte, sah den ausgerissenen Vierbeiner in vollem Galoop von einer Seitenstraße her auf die Hauptstraße zu sprengen. Mit Blitzesschnelle wurde ihm klar, daß er und seine Tochter verloren seien. Es war unmöglich das Motorrad noch anzuhalten. Der Zusammenstoß mußte an der Straßenmündung erfolgen. Ausweichen nach der entgegengesetzten Seite kam nicht in Frage, weil ein Graben und tiefer Ackerboden völlig ungeeignetes Fahrgelände für Motorräder in Höchstgeschwindigkeit sind. Schneller als Pritchard später diese Ueberlegungen, die sein Gehirn durchrasten, überhaupt aussprechen konnte, war der Bruchteil der Sekunde einer tödlichen Gefahr berangerückt. Das Pferd wußte noch einen Ausweg, wo der Mensch versagen mußte. Es sprang boch über den Motorfahrer hinweg. überwand auch den Graben und landete unbeschädigt auf dem Acker. Anscheinend gehen solche Vorfälle aber selbst den Pferden auf die Nerven. Das Tier blieb mit zitternde# Ilanken stehen und ließ sich widerstandslos einfangen. Die verpackten Lichtsignale Der Präsident der französischen Abgeordnetenkammer ist wohl der würdigste unter allen seinen Kollegen. Er muß der Etikette entsprechend auch in unserem demokratischen Zeitalter sein Amt im Frack versehen. Daß es ihm dabei nicht angenehm ist, von seinem Thron aus dem oft etwas widerspenstigen Redner zuzuschreien:„Herr Abgeordneter, ihre Redezeit ist abgelaufen," dürfte nicht weiter verwunderlich sein. Denn leider richten sich recht viele Volksvertreter nicht nach ihm oder überhören den Ruf. und der Präsident muß sich ärgern. Das wollte ihm die Verwaltung des Abgeordnetenbauses ersparen. Nach einigem Ueberlegen ließ sie auf der Platte der Rednertridune zwei farbige Glasscheiben anbeingen. die von innen ber durch Glühbirnen erleuchtet werden konnten. In der nächsten Kammersitzung wurde die neue Signalanlage zum ersten Male erprobt. Nurz vor Ablauf der Redezeit blitzte auf einen Druck des präsidentlichen Zeigefingers bin die eine Glasplatte rot auf und dabinter stand in weißen Buchstaben:„Noch fünf Minuten". Die Mahnung verfehlte ihre Wirkung nicht. Als das zweite Licht aufblitzte:„Redezeit beendet,“ klappte der Redner seine Mappe zu und verschwand. Der Präsident strablte vor Würde und Genuatuung. Doch in der nächsten Sitzung mußte er sich wieder ärgern. Er hatte schon ein halbes Dutzend Mal auf den Knopf „Redezeit beendet" gedrückt, und doch verschwand der Abgeordnete nicht. Schließlich sab sich der Präsident genötigt, den Redner mit erheblichem Stimmenaufwand zum Verlassen der Bühne aufzufordern. Der Fall wiederholte sich, und endlich entdeckte der Präsident den Grund für die Hartnäckigkeit der Abgcordneten. Jeder der Redner hatte sich heimtückischerweise mit einem Bündel Akten bewaffnet und diese derartig rechts und links neben sich ausgebreitet, daß er mit ruhigem Gewissen schwören konnte, die Signale nicht gesehen zu haben. *** Heim und Welt Die Arbeit der Tehrerin an der sittlichen Erneuerung der Jugend im katholischen Geist Ein Einblick für Däter und Mütter Autorität und Freiheit, sexuelle Belehrung und sittliche Erziehung, Bewahrung der Jugend vor Schmutz und Schund in Wort und Bild, Körverkultur im Dienste der Sittlichkeit— das waren die Fragen, welche die diesjahrige Tagung des Katholischen Deutschen Lehrerinnenvereins beschaftigten. In vorbildlicher Weise wurde die ganze Tagung in Arbeitskreise aufgedaut, die es sich zur Aufgabe gesetzt hatten, nicht über zweifellos seststehende Tatsachen zu verhandeln, sondern Streitfragen zu klären, damit die Tagung einen vositiven Gewinn für alle brächte. In der Arbeitsgemeinschaft Autorität und Freiheit suchte man zuerst eine Klärung dieser Begriffe herbeizuführen. Die Religion wurde als Grundlage für beide erkannt und an einer geschichtlichen Uebersicht herausgestellt, daß die christliche Kirche, und nur sie allein. eine wahre Syuthese für beide geschaffen hat. An praktischen Beispielen zeigte die Arbeitsgemeinschaft dann, wie die Kinder zur Anerkennung der Autorität Gottes, der Kirche, des Staates, des Erziehers und der Schule geführt werden können. Eingehend beschäftigte man sich mit Lohn und Strafe, Disziolin und Arbeitsschule. Die Aussprache ging lebhaft auf die Schwierigkeiten ein. die sich den Erziehenden entgegenstellen, wenn sie Schuler aus glaubenslosen oder glaubensfeindlichen Familien zu betreuen haben. Die Arbeitsgemeinschaft Sexuelle Beledrung und sittliche Erziebung befaßte sich mit Fragen aus Erziehung und Unterricht aus diesem Problemkreis. Sie war sich klar darüber, daß die sexuelle Erziehung in den Rahmen der Gesamterziehung eingebaut und religiös begründet werden müsse. Erziehung zur Schamhaftigkeit. Beherrschung des Trieblebens. Einführung in die rechte Wertwelt wurden als Voraussetzungen für sie hingestellt. Die Arbeitsgemeinschaft sah für die heutige Zeit die Notwendigkeit einer frühen seruellen Belehrung in den modernen Lebensverhältnissen und Lebensströmungen begründet, die eine Frühreife des Kindes zur Folge haben. Die Teilnehmerinnen waren der Ansicht, daß es Sache der Mutter ist, ihren Kindern die jeweils für ihr Alter notige Aufklärung zu geben. Sie beschaftigte sich besonders mit der Frage, wieweit die Schule dabei Hilfe zu leisten habe. und wandte ihr Augenmerk vor allem den sexuellen Belehrungen vorbereitender Art zu, an die die Mutter anknüpfen kann oder aus denen sich durch Schlußfolgerungen das Wissendwerden über das menschliche Geschlechtsleben allmählich ergibt. Außerdem behandelte sie alles, was zur Richtigstellung, Klarung und religiösen Verklärung des bereits Gewußten der Jugend in der Schule gesagt werden soll. Um eine gute Uebereinstimmung in diesen Dingen mit dem Elternhaus zu erzielen, empfahl die Arbeitsgemeinschaft Hausbesuche und Mütterabende, die den Müttern die nötigen Hilfen für ihr Erziehungsarbeit geben sollen. Die Arbeitsgemeinschaft arbeitete ein Flugblatt aus. in dem sie die katholischen Frauen und Mutter zur Mitarbeit an der sittlichen Erneuerung der Jugend aufruft, und das demnächst der Oeffentlichkeit übergeben wird Auf ihre Anregung wurde eine Eingabe an das Reichsverkehrsmininterium um Bereitstellung besonderer Wagen für Fabrschüler und Fahrschülerinnen und um vermehrte Einstellung von Frauenwagen und genügende Wagenbeleuchtung gemacht. In einer Eingabe an das Reichsjustizministerium wurde verlangt, daß Verhöre von jugendlichen Zeugen und Angeklagten eingeschränkt und nur von psochologisch geschulten Personen, bei Mädchen von Frauen vorgenom. men werden sollen. Es wird darin weiter gefordert, daß sie getrennt von Erwachsenen verhört werden, daß besondere Warteräume für Kinder und Jugendliche bereitgestellt und die Zahl der weiblichen Jugendrichter und weiblichen Polizeibeamten vermehrt werde Die Arbeitsgemeinschaft Bewabrung der Ingend vor Schmus und Schund in Wort und Bild ging von dem Standpunkt aus, daß Buch, Kino. Theater, Radio als Kultursaktoren anzuerkennen sind. Sie zeigte Wege, wie der Einfluß dieser Kräfte positiv gestaltet und wie Schädigungen verbütet werden können. Breiten Raum nahm eine Besprechung über Geschmacksbildung ein Es wurden Wege gewiesen, wie die Lehrerinnen selbst ihr eigenes Urteil über Wertvolles und Wertloses, immer weiter schulen mussen und wie dann Schul=, Klassen= und Vereinsbüchereien in diesem Sinne umgestaltet werden können, damit sie zur wahren literarischen und religiösethischen Bildung der Leser und Leserinnen beitragen. Lebhafte Erorterungen fand das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schmutz= und Schundschriften und das Reichslichtnielgesetz. Die Arbeitsgemeinschaft sab in diesen Gesetzen eine wertvolle Schutzmaßnahme, die weder Freiheit noch geistiges Schaffen einengt. Sie wünschte eine Ausgestaltung dieser Gesetze und forderte die baldige Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten Die Arbeitsgemeinschaft, die einer Auseinanderetzung mit modernen Strömungen auf dem Gebiete der Sittlichkeit galt, mußte wegen der großen Teilnehmerinnenzahl geteilt werden. Während nun die eine Gruppe sich damit befaßte, die philosophiichen, piochologischen, biologischen, soziologischen und weltanschaulichen Irrtümer dieser Strömungen aufzudecken und zu zeigen, wie diese über wunden werden können, ging die andere von den bestehenden sittlichen Zuständen aus und wies darin die einzelnen modernen Strömungen nach In beiden Arbeitsgemeinschaften beschäftigte man sich mit den Gedankenkreisen von Lindsev, Hodann, Stern, Hoffmann, Freud und Adler. Das Interesse war lo groß, daß die Fortietzung der Arbeit beschlossen und ein rsochologiicher Kursus nach Jahresfrist geplant wurde. Die Arbeitsgemeinschaft Körverkultur im Dienste der Sittlichkeit bebandelte die Fragen der Körverpflege. Ernährungslehre, Kleid und Heimkultur. der Leibesubungen, des Wanderns und Jugendherbergswesens. Die Arbeit der Lehrerin an sich selbst und in Schule und Jugendpflege fand dabei Berücksichtigung Erfreulich war die durchaus positive Art, in der zu allen Problemen Stellung genommen wurde, und in der so recht katholische Weite zum Ausdruck kam. Man war sich klar, daß der Katholizismus gerade in seiner Lebre vom beseelten Körper die geeignete Grundlage zu einer Aussprache über alle Fragen der Körverkultur bietet. Eine freimütige Bejadung alles Guten schließt notwendig die Kritik an Auswüchsen ein. Und so wurden auch die bestehenden Mängel und Auswuchse aller in Frage stehenden Gebiete aufgezeigt. Immer aber wurde ein Weg gezeigt, sie aus vositivem Geiste heraus zu bessern. Am letzten. Tage fand vormittags eine Zusammenfassung der Ergebnisse aller Arbeitsgemeinschaften statt, am Nachmittag eine Gientliche Versammlung, zu der geistliche und weltliche Behörden, sowie die Elternschaft geladen war. Se. Exzellenz, der bochwürdigste Herr Erzbischot von Bamberg. richtete warme Worte an die Versammelten und erteilte ihnen den bischöflichen Segen Ein Vertreter des baverischen Kultusministeriums und der Oberbürgermeister der Stadt sprachen Worte der Begrüßung. Nachdem der Jahresbericht mit seinem interessanten Einblick in die vielgestaltige Tätigkeit des Vereins Ratholischer Deutscher Lehrerinnen gegeben war, folgte der Hauptvortrag, den Studienrätin Dr. Maria Muller. Köln, über die Kräfte des Katbolizismus im Kampfe um die sittliche Erneuerung der Jugend hielt. Nachdem in einleitenden Strichen die gegenwärtige unbeilvolle sittliche Krisenlage unseres Volkes gezeichnet wurde, verweilte die Rednerin bei den Kreisen der Jugendlichen, die ein hobes Streben in sich tragen, die lebendige Glieder des Reiches Gottes sind, und stellte sie jenen gegenüber, die der Kirche fernstehen. Die Lebenshaltung der Gläubigen wurde mit der der Ungläubigen verglichen. Der gläubige Christ der Gegenwart hat mit dem modernen Menschen den Zug in die Weite, ins Universale, ins Weltganze gemeinsam; aber gleich dem mittelalterlichen Menschen umspannt der Katholik bewußter als in den Jahrhunderten der Aufklärung mit seinem Glauben drei Lebensspbären: die jenseitige Gotteowelt, das sakrale Leben und die natürliche Wirklichkeit. Diese bestimmen die Stellung des Katholiken zu den christlichen Lebensordnungen: Ehe und Jungfraulichkeit, die beide die Reinbeit. o. b. den gottgewollten Zusammenklang des Geistigen und Sinnlichen zur Voraussetzung haben. Darauf wurden die beiden Lebensordnungen, für die jeder Katholik Bejabung und Verständnis einsetzen mutz, in Beziehung zu Jugend und Erziehung und ihrem natürlichen und übernatürlichen Wertcharakter beleuchtet Die Fragen der Körverkultur zeigte die Rednerin in übernatürlichem Lichte. Der Glaube an die Erbschuld und die Idee der geistigen Wiedergeburt wurden in ihrer Bedeutung für das Leben des einzelnen wie des ganzen Volkes klar. Die Erzieder müssen neben einem unerschütterlichen Glauben an die Jugend auch ein tiefes Wissen über ihre Kämpfe und Nöte haben. Nur die Erziebung wird durchgreisend zur sittlichen Erneuerung beitragen, die bei klarer, illusionsfreier Einsicht in den sittlichen Tiefstand unserer Zeit aus dem Glauben an die Ewigkeit des Reiches Gottes, an den endgültigen Sieg Christi die Jugend aufruft zur Ganzheit des christlichen Menschentums, zur „vita nuova“. Mit dem gemeinsam gesungenen Ambrosianischen Lobgesang schlotz die bedeutungsvolle Tagung. durchaus„Mutter“ ist und sein will. wird sich vom Tovischen der sensitiven Kunstlerin unterscheiden, ebenso iber auch wieder von der Frau des öffentlichen, z. B. politischen Lebens Der Charakterkovf wirkt stets als ganzes. Nase. Mund und Augenpartie, eben der Zusammenklang aller Teile gibt den Typus. Auch die Frisur spielt dabei eine gewisse Rolle, paßt sich dem übrigen Gesichtsausdruck an und arbeitet ihn erst heraus. Glatt anliegendes Haar erhoht besonders den Ausdruck der Schlichtheit im Gegensatz zum lockeren, fliegenden Haar. Das soll kein Vorwurf sein— aber die leichtere Einstellung des Menschen zum Leben, das häufig hervortretende Leichtnehmen aller Geschehnisse gibt auch im außeren Wesen— also ebenfalls in Kleidung. Gang und Gebarden, einen anderen Ausdruck. Die schaffende Frau ist ein ganz besonderes Kavilel. Ihre Persönlichkeit geht aus in ibrer Kunst. Dem sinnenden Ausdruck, dem beobachtenden, sorschenden Auge, das zu gestalten weiß, paßt sich ihr ganzes Wesen an. Die ältere berufstätige Frau trägt die Spuren eines arbeitsreichen Lebens in ihren Zügen. Ernst prüfen, suchen, neue praktische Wege bahnen, das sind die Grundlagen ihres Charakters Natürlich geben die einzelnen Partien, Stien, Rase und Mund, auch die Kinnpartie interessante Vergleiche ab. Doch gehort zum Charakterkopf nicht nur das ganze Gesicht, sondern überbaupt die gesamte Schadelform. Es gibt also den Charakterkopf der Frau— den Kovf. der bedeutend ist anstatt nur„schön" zu sein. Kannte man vor vielen Jahrzehnten vorwiegend den ernsten Kopf der Mutter, das Gesicht des sühen, jungen Mädelchens, so gibt es heute im Jahrhundert der Frau neue Begriffe für ihren Schönheitswert, die in erster Linie nach dem Wert messen, den ein reiches Innenleben und ein harmonisches Zusammenklingen von Verstand und Gemüt in ihre Gesichtszüge prögen. Dom Charakterkopf der Frau Von Dr. Mar von Kreusch. Beilin. Vielsoch ist die Meinung verbreitet, nur der Mann hatte einen Charakterkopf. Weidliche Charakterköpfe fehlen häufig in der bildenden Kunst, woraus dann der nabeliegende Schluß abgeleitet wird:„daß junge Madchen und Frauen offenbar jeden Charakters ermangeln.“ Wer die geistige Entwicklungsgeschichte einer Frau betrochtet, wer ihre Aufzeichnungen liest, wer die verschiedenen Zeitverioden im Frauenleben an seinem geistigen Auge vorüberzieden läßzt, der erkennt auch in dieser Richtung die Notwendigkeit, sich mit dem charakteristischen Ausseben der Frau zu beschäftigen. Besonders wichtig ist aber gerade die Bildung des Schädels. Der Charakter des Menschen bestehr etwa zu drei Vierteln aus angeborenen Anlogen und zu einem Vierte! aus dem Einflutz der Umwelt. Es ist wichtig, daß also auch der Cdarakterkopf der Frau vorwiegend das Gepräge der vererbten Anlagen tragt. Bis zu einem gewissen Grade kommen auch Einflüsse der Umwelt und Ersiedung hinzu. Eine Frau, die Die Frau bei der Reform des Wohnungswesens Die Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau und Wohnungswesen hat auf ihrer Mitglieder= versammlung Frau Ministerialrat Weder als Mitglied des Verwaltungsrates der Reichsforschungsgesellschaft vorgeschlagen, worauf sie der Reichsarbeitsminister als solches bestellt hat. Es ist ungemein zu begrußen, daß eine Frau mit dem großen Einblick in die verschiedensten Kreise, vor allem auch in die Arbeiterkreise des Industriegebietes, in diesen Verwaltungsausschuß berufen wurde Mit großer Freude konnte auch festgestellt werden, daß Frau Fuchs. Hamburg. Mitglied des Wohnungsausschusses des Reichstages geworden. Doktorin oder Geschirrwäscherei.. Meinen Sie. Geschirrwaschen ist eine simole Angelegenheit für Hausfrauen?... In Amerika hat Mit Nellis Beeder. Studentin an der Chicagoer Universitat auf Grund einer Dissertation über„Ratisnalisierung beim Geschierwaschen“ den Doktorhut erworden. Sie hat nämlich ausgerechnet, daß eine wissenschaftlich getatigte Geschirrwasche bei einer aus vier Personen bestehenden Familie in genau 22 Minuten. 30 Sekunden unter Anwendung von ganz genau 1015 verschiedenen Bewegungen ausgefuhrt werden könnte. Blusen und Röcke wieder modern! Das alte deutsche Sprichwort, das besagt, daß alte Liede niemals roste, trifft in bezug auf die Damenbluse voll und ganz zu. Die Bluse, die jahrelang im Hintergrunde stand, wurde wegen ihrer praktischen und zweckmazigen Beschaffenheit von den Modeschöptern wieder in Rang und Wurden eingesetzt und dies geschab mit Recht, denn ein nettes Rockchen mit Bluse und Schal, welche Zusammenstellung man augenblicklich trägt, bilden einen Anzug, der prakkisch und nett zugleich ist Die moderne Bluse ist der taillenlosen Zeit entsprechend lose und bedeckt fast die ganzen Hüften. Es gibt 2 Arten derselben die svortliche. sog. englische Hemdchenbluse und die mehr elegant wirkende Nachmittagsbluse aus Creve de Chine. Eine englische Svortbluse sollte jede Frau besiten. Sie kann auf der Reise, beim Ausflug zu Besorgungen, kurzum für jede erdenkliche Gelegenbeit praktische Verwendung finden. sie trägt sich angenehm, sie ist leicht und waschbar und wirkt angezogen und damenhaft Das beliebteste Material ist neben der Bastseide und dem sogenannten Honau= oder Shantungstoff vor allem der Zevhirbemdenstoft der Herren und die Herrendemdleide. Man arbeitet sie zeitlos=einfach, nämlich mit Satte! oder eingeserter Weste, die Aermel sind blusenartig weit. nur die Manschette bält sie zusammen Zu diesen Blusen traat man den Schlivs, der jugendlich und schick ausfiebt, ferner ein in der Farbe gehaltenes Gurtelchen, und wo eine kleine Tasche aufgeserzt ist, soll aus derselben ein in der Farbe des Schlivses und Gürtelchens gehaltenes Seidentuchlein dervorlugen. Wer über etwas Zeit und Geschicklichkeit verfügt, stickt sich entweder in den untern Teil der Weste oder aber links oben noch in der gleichen Farbe der Blusenzutaten ein Monogramm ein, das von einem Kreis. einem Viereck oder einer sonstigen geometrischen Figur begrenzt ist Die anspruchsvollere Nachmittagsbluse besteht aus weihem. gelbem, mandelgrunem, rosa oder beige Creve de Chine. Wi: zeigen in unserer Abbildung zwei wirkungsvolle Modelle: die hochgeschlossene mit eingestickten Zacken verzierte Bluse wirkt sehr angezogen sehr vornehm und elegant, die andere viereckig ausgeschnittene hat jenes wasserfallartige Jabot das der Trägerin eine moderne weibliche Note verleibt. Eine derartige Bluse ersetzt vollkommen ein elegantes Kleid und bat überdies den Vorteil, niemals aus der Mode zu kommen. Die diesjährigen Blusenröcke sind besonders praktisch. Man bevorzugt Sattelrocke, weil sie um die Hüften eng anliegen und die Trägerin schlank erscheinen lassen. Unterhalb der Hüften werden entweder Glockenteile oder aber Hohlfalten in den Rock eingesent. Die Stoffe können sowobl einfardig, in diesem Falle am besten dunkelblau. beige oder, wenn es sich um ein Sommerröckchen dandelt. das man im Winter nicht zu tragen gedenkt, weiß sein. oder aber man wählt einen jener gestreiften oder karierten leichten Wollstoffe, die sich so leicht reinigen und platten lassen. Um diesen zweckmaßigen und praktischen Anzug. wie idn Rock und Bluse darstellen, zu vervollständigen, kann Figue 3 Figur 4 Fieur 5 Fiaur 9 Fraur 10 Fiaur 1 Fieur Fiaur 6 Fient 7 Fiaur 8 Fiaur 11 Figur 12 man einen Schal oder eines jener modernen Seidentucher umlegen, die sich aus vorhandenen Seidenresten so leicht berstellen lassen. Setzt man einem solchen Schal oder Halstuch überdies noch aus einem anders gefärbten Seidenreitchen ein paar Zacken. Dreiecke oder Streisen auf— unsere Abbildung gibt bier gute Anregungen— lo fertigt man sich ohne die geringsten Rosten eine elegante Ergänzung für die Bluse an * Die abgebildeten Modelle. 1. Wollstoffrock mit einer Grupve tief eingelegter Falten an der linken Hufte. Die Falten werden 15 bis Zentimeter tief festgesteppt. diese Stepolinie läuft um die Hüften als schmale Biese 2. Blusenrock aus weitzem Wollrivs. Dieser Rock zeigt eine Hüftendasse, der in der vorderern Mitte eine schmalverlausende Bahn angeschnitten wird. Die Basse wird den glockig geschnittenen Seitenbahnen ausgestepot In der hinteren Mitte stoßen die Bahnen mittels gegenseitiger Falten aneinander. 3. Jumverbluse aus weißzer oder chamvagnerfarbener Waschseide. Vorderteil ist mit 2 Gruppenbiesen garniert, Umlegekragen und lange Krawatte 4. Jumverbluse aus weißer Seide mit Handhohlsaum garniert. 5. Blusenrock mit Huftenvasse und angeschnittener Vorderbahn und Hinterdahn. Die Seitenbahnen werden mittels gegenseitiger Falte mit den mittleren Bahnen verbunden. 5. Jumverbluse mit seitlichem Verschluß, die dem Kragen angeschnittenen Enden werden zu einer Schleife geknotet. „ 7. Elegante Jumverbluse aus weißer Seide. Den Aermeln werden Passenteile angeschnitten. Die an der Schulter gezogenen Vorderteite werden der Passe unteraefzeppt Unter Taillenschluß ist das Vorderteil. von der Seitennaht nach innen. ungefahr 10 Zentimeter eingeschlitzt. der obere Teil wird gereibt. dem unteren untergesteppt. wodurch ein blusiger Effekt erzielt wird .5. Sportbluse aus gesteriftem Zevdir. Dieselbe knonft in der vorderen Mitte durch und ist offen und geschlossen zu tragen.„ 9.„Bluse aus deller Waschseide. Das Vorderteil zeigt zwei Biesengruppen. Die Vordervasse läuft an der Schulter in je eine Zacke aus. Dazu bunte Seidenkrawatte Die Biesen reichen dis zur Auernadt an der Summizug versehen 11 " 11. An diesen Rock wird der Hüftenpasse dem in Quetschsalten geordneten Teil aufgestepot. „. Die Hüftenpasse an diesem Ros lauft am unteren und zwar in schrager Richtung aus. Die Besterbade ue gan, in Durschfalten Gordnet“ Di Die deutichen kaufmännischen Genossen. schaften im Ruhrgebiet. 41. Verbandstog der Edeka.— Auch des Ausland ist erschienen In Essen wurde Dienstag im Städtischen Saalbau der 21. Edeka=Verbandstag des Verdandes Deutscher kaufmännischer Genossenschaften e. V. eröffnet. Zu der Tagung waren die Delegierten des Verbandes aus dem gesamten Deutschen Reich erschienen. Auch das Ausland hatte seine Vertreter entsandt. Der Vorsitzende konnte in seiner Begrüßungsansprache eine große Zahl Ehrengäste begrüßen, u. a. den Präsidenren des franzosischen kaufmännischen Berufsverbandes sowie den Vorsitzenden der Einkaufsgenossenschaft von Bnbamett. Mit Recht konnte der Vorsitzende auf die Aufwärtsentwicklung hinweisen, die der Verband krotz eller Schwierigkeiten auch im verflossenen Geschäftsjahr zu verzeichnen hatte Das besonders günstige Geschäftsergebnis des Berichtsjahres 1928 ist in erster Lmie der scharferen Zentralisation des Warengeschäftes zuzuschreiben und der Betriebsratio nalisierung. Auch die Totsache, daß der Verdand seine riefigen Einkäufe für die Mitglieder stets mit barem Gelde vornehmen kann. tragt wesentlich zu den günstigen Kaufabschküssen bei. Dieser Umstand läßt aber auch andererseits die durchaus gefestigte Grundlage des Edeba=Verbandes erkennen. Der Gesemtumsatz der Edeka=Zentrale im Jahre 1928 betrug über 100 Millionen Mark gegenüber 85 Millionen Mark im Berichtsjahre 1927. Von diesem achtunggedietenden Umsatz entfallen rd. 45 Millionen Mark auf Waren, die von bestimmten Markenartikelfabrikanten einfachheithalber den verschiedenen Mitgliedsgenossenschaften unmittelbar in Rechnung gestellt werden. In dem umfangreichen Geschäftsbericht wird betont, daß im laufenden Geschäftsahr noch mehr Wert gelegt werden soll auf Gründung und Ausbau von genossenschaftlich orgonisierten Groß. einkaufsverbänden sowie auf den Ausbau von Verkanfsorganisationen, die nach den modernsten Gesichtspunkten auszubauen sind. Nur solche Maßnahmen ergeben das starke Rückgrat, das erforderlich ist, um in dem schwierigen Wirtschaftskampf der Jetztzeit zu bestehen Bei der Vielseitigkeit der von der Edeka zu bearbeisenden Aufgabengebiete und der Bedeutung, die die Edeka=Organisation erlangt hat, ist es ein Gebot der Zweckmäßigkeit, mit anderen Verbänden zusammenzuarbeiten bezw. bei solchen Verbänden die Mitgliedast zu erwerben, durch deren Zusammenarbeit Vorteile fur die Edeka erwachsen. Aus diesem Anlaß ist der Edeka=Verband Mitglied des Vereins für Kreditreform, des Deutschen Genossenschaftsverbandes, des Hansa=Bundes, des Reichskartells des selbständigen Mittelstandes und einer Anzohl weiterer Verbände. Auch der Internationalen Vereinigung des Lebensmittel=Einzelhandels ist die Edeka angeschlossen. Die Vorteile dieser Verbindungen haben sich im Verlaufe des letzten Geschäftsjahres deutlich gezeigt Um den Miegliedern auf allen Gedieten Beistand leisten zu können, sind bei der Zentvale eine Reihe besonderer Jachabieilungen errichtet worden, so die Stellenvermittlung, die Steuerabteilung, die Rechtsabteilung und die Volkswirtschaftliche Abteilung. Erfreulicherweise werden diese Einrichtungen von den Mitgliedern recht eifrig ausgenutzt. Die statistische Abteilung bei der Verwaltung sowie das Archiv und die Bücherei ermöglichen jederzeit eine genaue Uebersicht über die Bedeutung der Edeka in der deutschen Volkswirtschaft Um eine wirkungsoolle Propogande zu ermöglichen, ist eine besondere Edeta=Verlagsgeseilscharr m. b. H. gegründet worden. Auch diese kann im Geschäftsjahr 1928 mit einem vollen Erfolg aufwarten, und die„Edeka=Rundschau“, die in diesem Verlag erscheint, gitt heute nach dem Urteil des Auslandes als das bedeutendste Fachblan der Kolonialwaren=Branche auf dem ganzen europäischen Kontinent. Ausverkaufs-Angebot! Baumwoll-Flanell einfarbig. für Knaben-Anzüge, Hemden usw., ganz erstklassige, gute Ware Aleter S•SS Schürzensiamosen Aoo bleu, einfarbig, für Kleider........ Meter C.00 Zephir für Kleider Meter Schürzensiamosen einlarbig und gestreift, la Ware. ca. 120 cm breit. I Meter O. J O 0.38 Mützen M 0E reine Wolle Stück Gisc Basken-Mützen AEN Is Qualnst stück C.30 Selbstbinder 1 15 reine Seide, gute Dessins Stück J.TE Selbstbinder ganz schwere Ware Stück Herren-Stecken 1. Qualist, gemustert. das Schönste voir Schönen Paar 1.00 1.00 Damen-Strümpfe K.-Seide, la„ Damen-Strümpfe echt agyptisch Mako Paar Paar 0.58 0.75 Wollmusselin 1 05 mit ganz modernen Dessins. 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Der Magistrat. — Monatursten Mont-LeaisStrabe 11. * Pianos elgener Fabrikation Marke: Roth& Junius mit Klangsteg.(Steatsmedaille). Ankaut und Besichtigung nar in unserer Stammtabrik und in unsern Pilielen. Roth& unius Figkfark Hagen I.I. Fabria-Fillsim: Lus##. Horssenalies 81 und Berl s an Jes In Sonderabteilung: Bahnbet: strabe 29 Volkswohl-Lotterie Los 1 Mark für soziale und kulturelle Zwecke. Ziehung vom 12.— 15. Juni 1929 Doppellos 2 Mark Gewinne im Gesamtwerte von 430000 Rm. Stimmungen. Reparaturen, Polleren. Modernisieren schmannisch und preiswert. Gebr. Schmehl Kavierbauer Bahnhofstr. 121 Ecke Manteulleist# Tel. 30237. Hochstgewinn auf ein Doppellos i. W. v. 150 000 RM. Höchstgewinn auf ein Einzellos i. W. v. 75 000 RM. 2 Hauptgewinne: je ein vollständig eingerichtetes Landhaus i. W. o 50 000 RM.= 100 000 RM. 2 Prämien: je ein Landhaus i. W. von 25 000 RM.= 50 000 RM. 2 Hauptgewinne: je ein Landhaus i. W. o. 20 000 RM.= 40 000 RM. ? Hauptgewinne: je eine Reise um die Welt i. 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Noch immer ist das Einschreibebuch beliebt, und es wird darin alles Mögliche notiert: das Wirtschaftsgeld und die Adresse der Schneider, die Namenstage von Onkel Anton und Tante Billa, der Wäschezettel und Küchenrezepte usw. Im Bedarfsfalle will es aber die Tücke, daß man das Buch gerade nicht findet und meistens stellt es sich erst dann ein, wenn die Namenstage bereits vorbei sind. Ist das Buch aber trotzdem zur Hand, so blättert man verzweife#t darin herum und überschlägt ausgerechnet immer gerade die Seite, die das Gesuchte enthält. Um sich nun all diesen Aerger zu ersparen, ist die Einrichtung einer Kartei sehr zu empfehlen. Zwar gibt es solche in schöner Aufmachung in polierten Eichenkästchen zu kaufen, aber für den Haushalt genügt eine aus einer Zigarrenkiste hergestellte. Dazu läßt man sich vom Buchbinder einige Bogen farbigen Karton schneiden. daß sie bequem in die Zigarrenkiste passen, etwa in der Größe 12X14 Zentimeter. Der Uebersichtlichkeit halber legt man sich zwei Kistchen an, eins für„Hauswirtschaftliches“ und eins für „Küche und Kochrezepte“. Für die„Küche“ sind praktisch mehrfarbige Karten zu verwenden, und zwar rot für Fleischspeisen, grün für Gemüse, blau für Fische, gelb für Eler= und Mehlspeisen, weiß für Suppen und Tunken, braun für Kuchen und Torten und grau für sonstige, die Küche betreffenden Notizen. Eine derartige Kartei ergibt dann mit der Zeit ein ganz individuelles Kochbuch, das gerade für die Besitzerin und ihre Verhältnisse paßt. Auf die einzelnen Karten wird alles das notiert oder, falls es Zeitungsnotizen sind, aufgeklebt, was für den Haushalt wirklich praktisch verwendbar ist. Die Kartei wird nach und nach immer umsang. reicher und bildet mit der Zeit ein wertvolles Nachschlagematerial und für die heranwachsende weibliche Jugend eine Schatzkammer praktisch erprobter mütterlicher Ratschläge. Dabei ist aber als wichtig zu beachten: Karten und Notizen, die sich nicht bewährt haben, werden ausgeschieden, so daß nur das wirklich Nützliche übrig bleibt. Hierin liegt ja eben der Wert dieses Kartensystems. Auch für die„hauswirtschaftliche“ Kiste kann man farbige Karten verwenden, und zwar nach Belieben wählt man je eine Farbe für Festtage im Verwandten= und Bekanntenkreise, fur Adressen von Handwerkern und Lieferanten, für hauswirtschaftliche Notizen, wie praktische Ratschläge für Gesundheitspflege, Hausputz, Waschezettel und sonstige Liebhabereien, die man sich merken möchte, um gelegentlich davon Bebrauch zu machen. Die Kartei schützt vor Vergeßlichkeit, denn die Zigarrenkiste, die ihren bestimmten Platz erhält, läßt sich nicht so leicht verlegen wie ein Notizbuch. Und um an bestimmte Dinge gemahnt zu werden, versieht man die betreffende Karte mit einem sogenannten Reiter, einer kleinen Karton= oder Blechklammer, die mahnend sich aus der Reihe erhebt. Die verschiedenen Farben der einzelnen Karten erleichtern den Gebrauch, und mit einem Griff hat man das Gesuchte Die Kartei in der Zigarrenkiste ist leicht und ohne große Kosten hergestellt, erspart manchen Verdruß und stiftet sehr viel Nutzen. Sie:7 hübsch, macht der Hausfrau selbst viele Freude und ist vor allem— sehr modern, alles Gründe, die jede Hausfrau zur Herstellung einer solchen Kartei veranlassen sollten. Die armen Ehemänner. Von Krawatten, Crepe de chine-Kleidern und anderem. Wie die meisten Dinge, schreibt Lady Kitty Vincent, eine englische Aristokratin, haben auch die Ehemänner ihr Gutes.(Hört, hört!) Der Ehemann, der diese ersten Zeilen rückt sich die Krawatte zurecht und schaut siegessicher seine Frau an:„Siehst du wohl!“ Aber seine Frau nimmt ihm das Blatt aus der Hand und lieft triumphierend weiter: „Oft weiß ich allerdings nicht, was ich mit ihm anfangen soll, aber dann wieder erkenne ich seine guten und nützlichen Seiten. Haben Sie z. B. schon einmal bemerkt, was für schöne seidene Schlipse und Taschentücher Ihr Mann besitzt? Solche Dinge sind sehr kostspielig, und wir Frauen, die wir so viel für unsere Toilette ausgeben müssen, können uns oft nicht die beste Seide leisten. Der Mann aber kauft sich immer die beste Qualität, und wenn man ihm doher eine seidene Krawatte oder ein seidenes Tuch fortnimmt, hat man den besten Stoff zur Garnierung oder zum Schmuck und— er merkt es nicht einmal!"—(Der Ehemann: O, es ist empörend!)— Dann hört er, das Gesicht in zornige Falten gelegt, den Bericht weiter an, wobei sich seine Züge langsam aufhellen: „Bei seinem Mann wird man immer ein aufrichtiges Urteil über seine Kleidung finden. Für mich ist er das letzte Orakel. Wenn mir die Schneiderin versichert hat, daß ich in dem neuen Crepe de chine=Kleid wie eine Achtzehnjährige aussehen würde, dann frage ich immer meinen Mann, und er sagt mit schöner Offenheit: Um Gottes willen! Du wirst doch nicht so etwas tragen, was Dich so alt macht!" Dann weiß ich, was ich zu tun habe. Er allein sagt mir die Wahrheit, und es ist besser, diese zu erfahren, bevor ich das Kleid kaufe. Und schließlich— wenn man alle seine Freundinnen mit der Erzählung seiner Leiden gelangweilt hat und keine einem mehr zuhören will, dann bleibt einem immer noch der Mann, an dessen Busen man sich flüchtet und dessen schöne Pflicht es ist, alle Leiden mit einem gemeinsam zu tragen. Es lohnt sich also wirklich, die Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, die solch ein Ehemann mit sich bringt. Er hat auch sein Gutes, und das Leben ohne ihn kann einem auf die Dauer langweilig werden." Darauf sehen sich die Gatten an, die Frau lächelt, der Mann lächelt, und sie fallen sich in die Arme. S Besucht das Sommerbad Herne auch in kleinsten Beträgen nimmt entgegen die Sparkasse der Stadt Herne (Nathaus) Telefon 514 41, 515 51 Zweigstelle 1(Godingen), Telefon 52010 Ausgabe vou Heimsvarbüchsen NEUI NEU DamenFrisier-Salon Herne, Bahnhofstraße 15, I. Etage. Eingang Capitol. Herner Großgarage Moderne Einzelboxen, Kalt- und Warmwasseranlage. Autobeirien— Tag und Nacht. Tenkstelle. Tel. 51964 Fabrikstraße Tel. 51964 Bei Sterbefälle empfiehlt sich das altbekannte Sarglager lkemann, Herne Haldenstraße 16, Teleion 50332. Kunfgewerbe-Haus CREMERSHOF /HERNE ·BAHNHOPSTR 9 Hans Liedtke Herne, Mont-Cenis-Str. 28 Spezialwerkstätte für Sotes, Mstratzen, Chalselongues Volkswohl-Lotterie Nächse Woche Ziehun 1 Villa— für 1 Mark. Wert 50000 Mark Molmhgen Staatliche Lotterte-Einnahme& Cremers 1o Meimberd Herne# Bahnholstraße 7•° Teleion 50064 Heinrich Rings jr. Marmorschleiterei mit elektr. Betneb, Stan- u. Büdheuere und Plettierungsgeschäht Herne. Wischerstr. 30. 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Die katholische Mission hilft zwar nach besten Kräften, wird aber wegen Mangel an Mitteln in absehbarer Zeit an die Grenzen ihrer Hilfeleistung gelangen müssen.. Jede, auch die kleinste Gabe zugunsten der Hungernden in China, wird an der Pforte des Kavuziner: klosters Sterkrade Rold.) mit berzlichem Dank angenommen oder durch das Postscheckamt Essen auf die Nr. 19 100„Missionsmetbund der Kapuziner in Sterkrade“ vermittelt. Wilhelm Nogens belastet seine Brüder Vernehmung der wichtigsten Zeugen im Prozeß Jakubowski—Nogens Aus Westfalen und Rheinland Nächtlicher Brand in Holsterhausen angehören, werden gebeten, an der Tagung teilzunehmen — Auskunft erteilt Fritz Brockdaus, Quakenbruck Holsterbausen. Mitten in der Nacht flackerten plötzlich die Flammen en der Bieleselder Straße aus. Der Flammenberd war die Drogerie Eneist. Mächtige Feuergarben schossen vom Laden auf die Straße hinaus. Vermutlich ist ein Kursschluß entstanden und hat die leicht entzündbaren Chemikalien in Brand gesetzt. Die Menschen schreien aus den oberen Stockwerken um Hilfe. Mütter rusen bänderingend:„Rettet unsere Kinder!“ Die dumpfe. schaurige Posaune der Feuerwehr zerreißt die Stille der Nacht. Das Trevpenhaus der Drogerie ist ein einziges Flammenmeer. Die Holsterhausener freiwillige Feuerwehr is zuerst zur Stelle. Ueber die Trevpe in das Haus hineinzugelangen ist unmöglich. Sie legt von außen Leitern an und rettet einen nach dem anderen durch die Fenster. während sie das brennende paus mit Wasserstrahlen bedeckt. Das Feuer ist nach vieler Mühe erstickt worden. Ob Menschen beim Brande zu Schaden gekommen sind, ließ sich bis zur Stunde nicht seltstellen. Wieder ein Gasrohrbruch in Duisburg * Quisburg. 5. Juni. In der vergangenen Nacht bemerkte man in dem Hause Charlottenstraße 18 einen Karken intensiven Gasgeruch. Man stellte fest, daß ein Nohr des städtischen Gaswerkes unter dem Bürgersteig an mehreren Stellen unvicht geworden war und daß das Gas trotz der Ummauerung in das Haus eindrang. Vier Personen wurden leichter durch das Gas vergiftet, während eine 72 Jahre alte Frau wegen schwerer Vergiftung sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Es wird angenommen, daß infolge eines durchgeschmorten Kabels die Gasleitung undicht wurde und das Gas durch die Ummauerung in das alte Haus eindrang. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Der neue Generalmusikdirektor von Duisburg. * D u i s b u r g, 5. J u n i. A m 3. M a i w u r d e b e r i c h t e t, daß der Kieler Kavellmeister Eugen Jochum zum Generalmusikdirektor der Stadt Duisburg gewählt sei. Die Stadtverwaltung dementierte diese Meldung mit dem Bemerken, daß wohl Verhandlungen schwebten, ein Abschluß aber noch langst nicht vorliege. Im übrigen wurde die nachste Musiksaison ausschließlich Gastdirigenten hier sehen. Nun teilte die Stadtverwaltung mit, daß doch Eugen Jochum zum Generalmusikdirektor von Duisburg gewählt worden ist. Der Musikausschuß und der Verfassungsausschutz haben einstimmie Kavellmeister Jochum(Kiel) zum Generalmusikdirektor der Stadt Duisburg ab 1. September 1930 auf die Dauer von 3 Jahren berufen und die Wahl vollzogen. Das erste Jahr soll als Probejahr gelten. Eine früdere Uebertragung war nicht möglich, da Herr Jochum für den nachsten Konzertwinter bereits für Mannheim verpflichtet ist. Eine Ehefrau von ihrem Manne erschossen. Elberseld. 5. Juni. In der Nacht zum 3. ds. Mis. ereignete sich in Modeck eine blutige Eisersuchtstragödie, bei der leider eine Frau ihr Leben lassen mußte. Als die Ehefrau eines hier wohnenden Krankenkontrolleurs nach Witternacht nach Hause kam, entstand zwischen dem Ebepaar ein heftiger Streit. Im Verlause gab der Ehemann auf seine Frau einen Schuß ab, wodurch die Frau schwer verletzt wurde. Trotzdem sie sofort dem Krankenbaus zugeführt wurde, ist sie dort gestern genorden. Ein Kostgänger wurde durch einen Schuß in das Bein leicht verletzt. In dem nun folgenden Handgemenge zwischen Ebemann und Kostgänger wollte sich der Ebemann einen Koofschut beibringen, was ihm jedoch nicht gelang. Er trug nur leichtere Verletzungen davon. Der Täter wurde in Haft genommen und dem Richter vorgeführt. = Quakenbrück, 5. Juni. Der Verein ebemaliger Quakenbrücker Schüler begeht sein 25. Stiftungsfest, verbunden mit der Feier des 575jährigen Bestehens der Schule am 31. August, 1. und 2. Seotember. Viele ebemalige Schüler alter und junger Jahrgänge haben jetzt chon ihr Erscheinen zu den Festlichkeiten zugesagt: aber auch diejenigen, die noch nicht dem Freundschaftsbunde Jungsernfahrt des Rbeindampfers„Mainz“. □ Köln, 5. Juni. Am Dienstag unternahm der neue Schnelldampfer„Mainz“ der Köln=Düsseldorfer Dampsschiffahrtsgesellschaft, der auf der Schiffswerst Ruthof in Mainz erbaut wurde, seine Jungfernfahrt, die von Mainz nach Köln führte. Der Dampfer, der dazu bestimmt ist, zwischen Mainz und Köln Eroret= und Schnellfahrten auszuführen, fällt schon rein äußerlich durch seine äußerst schnittige Form auf und ist mit allem modernen Komfort, der selbst den verwöhntesten Ansprüchen des reisenden Publikums Rechnung tragt, ausgestattet. Die Köln=Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft hat damit ihre stattliche Rheinflotte um ein wertvolles Schiff vermehrt und zugleich Zeugnis abgelegt von der Tatkraft des Unternehmens, das trotz allgemeiner wirtschaftlicher Hemmnisse dem Zuge der Zeit gefolgt ist. Unter den Festgästen, die zur Jungfernfahrt geladen waren, sah man außer zahlreichen Pressevertretern u. a. den Oberbürgermeister der Stadt Mainz, den Taufvaten Dampfers, Vortreter der Handelskammer zu Mainz, der Reichsbahndirektion ulw. Auf der Fahrt wurde der Dampfer an allen Rbeinstädten und=dörfern durch Böllerchüsse begrüßt. Die Anwohner des Rheinstroms umsäumten dicht die Ufer, um dem neuen Dampfer den Willkommensgruß darzubringen. 36 Bienenvölker verbrannt. “ A a c h e n. 5. J u n i. I n e i n e r G r o ß b a c k e r e i i n V o r weiden bei Aachen brach gegen Mitternacht Feuer aus, das das hinter dem Autopark und dem Benzintank gelegene Bienenhaus mit 36 Völkern vollständig einäscherte. Statistik über den Schmuggel im Westen. eh Nachen, 4. Juni. Dem Vierteljadresbericht des Hauptzollamtes Aachen entnehmen wir über den Schmuggel im Westen und seiner Bekämpfung im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März folgende Angaben: Beschlagnahmt wurden 2600 Kilogramm Kaffee(im gleichen Zeitraum des Vorjahres 2000 Kilogramm), 30 Kilogramm Schokolade(300). 320 Kilogramm Kakao(150), 160 Kilogramm Tabak(80). 160 Mille Zigaretten(123), 2830 Stück Zigarillos(3600). Im gleichen Zeitraum wurden 709 Strafsachen anhängig gemacht gegen 1032 im Vorjahre. Fünf Schmuggler wurden verwundet, im gleichen Zeitraume des Vorjahres nur einer. Tödlich verletzt wurde ein Schmugaler Mord Limburs(Lahn), 4. Juni. Heute abend um 8 Uhr wurde hier ein gräßlicher Mord verübt. Der 28jährige Tischler Rudolf Reither aus Kaiserslautern lockte die 20jährige Helene Schneider aus Kaiserslautern, die hier bei den Eltern ihres Bräutigams zu Besuch weilte, unter einem Vorwand aus dem Hause und ging mit ihr zu der unbelebten alten Domtrevve. Hier zog er plötzlich ein Messer aus der Tasche und brachte dem Mädchen eine Anzahl Stiche in Leib, Herz und Koof bei. Dann schnitt er ihr an beiden Armen die Pulsadern durch. Das Mädchen brach blutüberström: zusammen. Reither hatte früher mit dem Mädchen ein Verhältnis anbahnen wollen, war aber von ihm abgewieser worden. Er hatte desbalb früher schon mehrmals das Mädchen mißhandelt und war deshalb bestraft worden. Nach der Tat ergriff der Mörder die Flucht; er konnte aber in kurzer Zeit von der Polizei festgenommen werden... Ein Naturschunpark zum Andenken an Loeno. Morshausen(Hunsrück), 3. Juni. Ueber tausend Naturfreunde weilten am Samstag und Sonntag im Hunsrückdorf Morshausen, um Zeugen der Einweihungsfeierlichkeiten des Naturschunvarkes zum Gedenken an den Heidedichter Hermann Loens zu sein. Die Feierlichkeiten wurden am Samstagabend mit Vorträgen, Reigen. Spielen und dem Laiensviel„Wilhelm Tell" durch die Jugend eingeleitet. Der Haustfesttag versammelte die Teilnehmer m Gottesdiensten in der katholischen Kirche und zu einem Feldgottesdienst der Evangelischen. Nachmittags folgte die von Musikvorträgen und Loens=Gedichten umrahmte Einweibungsfeier des Naturschutzparkes unter gleichzeitiger Grundsteinlegung eines Loens=Steines. Regierungssekretär HeschkeKoblenz überbrachte die Grüße der Staatsbehörden. Der Geschäftsführer Haack nahm die Weihe des Parkes vor und entwickelte in seiner Ansprache ein Bild vom Wirken und Leben des beidedichters. Verschiedene Organisationen überbrachten die Glückwünsche zum Gelingen des Werkes. □ Neustrelitz, 5. Juni.(Telegr.) Im Nogens=Prozetz wurde heute der Bruder der beiden Angeklagten Fritz und August Nogens. der Viehzuchtmeister Wilhelm Rogene. vernommen. Sein Vater. der entweder durch Selbstmord oder durch Unglücksfall ums Leben gekommen ist, habe oft über die Unsauberkeit im Hause und über die sittlichen Abwege der Mutter. der Angeklagten Frau Käbler. gelagt. Wilhelm Nogens. der sich verbeiraten wollte, ist von Jakubowski seinerzeit gefragt worden. ob er bereit sei. ihm eines der Kinder abzunehmen. Als Entschädigung sollte er einen blauen Anzug und ein Fabrrad erhalten. Wilhelm Nogens war. das Einverständnis einer Braut vorausgesetzt, dazu bereit. Seine Mutter hat ihm aber abgeraten. Bei einem Besuche bei Wilhelm ogens hat wäter Frau Kähler erklärt, daß August ogens gesagt habe. er. August. solle eines der Kinder Diese Bebauptung wurde heute von Frau Kähler bestätigt. Wilhelm Nogens bekundet, das Fritz ihm in Lübeck seine Beteiligung an dem Morde anvertraut und ihm geagt habe, daß Jakubowski ihm 175 Mark in bar. einen Anzug. ein Fahrrad. sowie verschiedene Möbelstücke fur das Verstecken der Leiche des kleinen Ewald gegeben habe, Fritz habe erzählt, daß Jakubowski ihm vor der Lat das Kaninchenloch, in dem die Leiche versteckt werden sollte, gezeigt habe. Als er. Frin. den Ewald in Empsang genommen habe, lei dieser schon halbtot gewesen. Er habe nur noch etwas gestramvelt. „Vorsitzender: Früber haben Sie angegeben, daß Fritz erklärt habe. Jakubowski habe ihm die Leiche übergeben. heute sagen Sie immer„Derjenige“. " Zzuge Wilhelm Nogens: Ich habe angenommen. Jakubowski sei es gewesen. Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor, daß er früber angegeben habe. Jakubowski habe zu Fritz Nogens beim Uebergeben der Leiche gesagt: Halte den Finger man noch etwas auf den Hals. Ewald ist noch nicht ganz tot. Zeuge: Ja, das hat Fritz mir erzählt. Fritz Rogens bestätigt, daß ein solches Gespräch stattgefunden habe: er habe aber, so behauptet er heute, etwas aufgeschnitten. Der Vorsitzende fragt dann den Zeugen Wilhelm Nogens. ob er wisse, ob seine Mutter darüber im Bilde gewesen sei, dan Fritz an dem Beiseiteschaffen der Leiche Ewalds beteiligt war. Der Zeuge erwidert, daß er seine Mutter danach gefragt habe. Sie habe mit einem Achselzucken geantwortet Vorsitzender zum Zeugen Wilhelm Nogens: Wissen Sie nicht. ob Kreuzfeld zwischen der Mordgeschichte gesteckt hat? Zeuge: Das kann ich nicht mehr genau sagen. .. Die Vernehmung des Zeugen Wilhelm Rogens nahm fast den größten Teil der Vormittagssitzung in Anspruch Bemerkenswert waren seine Bekundungen über einige. angeblich von ihm belauschte Gespräche zwischen Jakubowski und Fritz Nogens. Vorsitzender: Sie haben früher angegeben, daß Jakubowski zu Fritz gesagt habe: Wenn du den Mund hältst kriegst du 600 Mark. Zeuge: Das kann wohl stimmen. Auf weiteres Be fragen erklärte der Zeuge, er entsinne sich mit Sicherbei! dieses Gesprächs. Die Angeklagte. Frau Kähler, bekundete darauf, daß Wilhelm Nogens ihr von einem Gespräch zwischen Jakubowski und Fritz erzählt habe. Beide hätten geflüstert und sich Stillschweigen gelobt. Vorsitzender zu Wilhelm Nogens: Sie haben gesagt Sie hätten. als Sie von Fritzens Mordbeteiligung erfabren haben. Ihre Familie links liegen lassen. Zeuge Wilhelm Nogens: Das stimmt, ich habe mich geschämt. Als zweiter Zeuge wurde der Kriminalvsychologe Dr tur. Hans von Heutig vernommen. Nachdem der Zeuge beschrieben hat, wie es zu dem Geständnis des August Nogens. daß Jakubowski unschuldig hingerichtet worden sei gekommen ist, erklärt der Nebenkläger. Rechtsanwalt Dr. Brand: Oberstaatsanwalt Möller hat unter Eid behauptet. daß die von Herrn Regierungsrat Steuding und von Ihnen gebrachten Geständnisse der Angeklagten erpreßt seien. Dr. von Hentig: Ich erkläre unter Eid, daß diese Bebauptung ohne weiteres unwahr ist. Die Beamten. die bei den Vernehmungen beteiligt waren werden das auch bezeugen können. In der Nachmittagsverhandlung bekundet die Zeugin Ida Kreutzseld. die Ehefrau des Arbeiters Paul Kreutzfeld, zur Frage der Glaubwürdigkeit des idiotischen Hannes, daß Hannes oft Erlebnisse richtig wiedererzählt Der Vorsitende hält der Zeugin vor. daß sie früher gesagt habe. Fritz oder August Nogens hätten ihr erzählt. Jakubowski wolle eines von den Kindern los sein Die Zeugin antwortet: Wenn sie es damals gesagt habe, werde das wohl auch stimmen. Der Vater des Paul Kreutzfeld. der Budner Christian Kreutzfeld, gibt an. seine Tochter Luise habe ihm einmal erzählt, daß ihr der Angeklagte Blöcker gesagt habe. es könne sein, daß der kleine Ewald in einem Kaninchenloch stecke. Gefängnisdirektor Buschmann bezeichnet Wilhelm Nogens als zuverlässig und meint, daß er auch glaubwürdig sei. Kriminalvolizeiaspirant Dittmar sagt. August Nogens habe nach seiner Angabe sein Geständnis deswegen widerrufen. weil der Oberstaatsanwalt Möller ihm erlärt habe, daß er mit einem Todesurteil rechnen müßte Bisher habe August es auf sich genommen, weil man ihm bedeutet habe. er bekäme nur zwei bis drei Jahre Gefängnis. Nebenkläger Rechtsanwalt Brandt beantragt den Landtagspräsidenten und Landrat Dr. Fotb als Zeugen zu laden. Dr. Foth habe der Hinrichtung Jakubowskis beigewohnt und gehört, wie Oberstaatsanwalt Möller, als der Delinquent geistlichen Beistand erbat, sagte Darauf kann ich nicht warten. Oberstaatsanwalt Möller habe bekanntlich unter seinem Eid bestritten, eine solche Aeußerung getan zu haben. Als einer der wichtigsten Zeugen des Prozesses wird sodann Regierungsrat Steuding vernommen, der von der Mecklenburg=Strelitzer Regierung mit der Untersuchung gegen Nogens und Genossen beauftragt war. Steuding ist vom Minister seines Amtsgeheimnisses entbunden worden. Er wendet sich gegen die Angriffe des Ministers a. D. Hustaedt und führt aus: Ich erkläre unter meinem Eide. daß die Ausführungen Dr. Hustaedts unrichtig sind. Ich werde die weiteren Schritte gegen Dr. Hustaedt einleiten. Ueber seine Ermittlungen in Palingen sagte der Zeuge, daß sich berechtigte Zweifel ergeben hätten, ob die Verurteilung Jakubowskis zu Recht erfolgt sei. Ueberhaust waren wir. so führte Steuding weiter aus. der Ansicht, daß die Indizien zu einer Verurteilung Jakubowstis nicht ausreichten. Wir haben uns deswegen bemüht, neue Indizien zu finden. Auf Befragen erklärt Steuding, daß er erfahren habe, daß Oberstaatsanwalt Dr. Möller ein Strafverfahren wegen Freiheitsberaubung gegen ihn beantragt habe. Sie darf nicht beiraten — Berlin. 5. Juni.(Telegr.) Wegen schweren Straßen. taubs wurde heute die 22jährige Verkäuferin Gertrud Bembenic unter Zubilligung mildernder Umstände zu der Mindeststrase von einem Jahr Gesängnis verurteilt. Sie hat in einer Märznacht als Mann verkleidet ihre frubere Arbeitgeberin, die eine Anzahl Limonadenverkaufsstellen betrieb, und deren 18jährige Gebilfin auf der Straße überfallen. ihnen Pfesser in die Augen geworsen und ihnen die Geldtaschen geraubt, wurde aber sofort von Passanten eingeholt und festgehalten. Der Angeklagten. die verlobt tst und fleißig gearbeitet hat, bis sie durch Krankheit in Not geriet, wurde unter der eigenartigen Bedingung Bewährungsfrist bewilligt daß sie während der Zeit von drei Jahren nicht heiratet und sich als Hausangestellte in eine geschlossene Anstalt begibt. Diese Anstalt darf sie nicht verlassen, ebe die Anstalt sie für gebessert erklärt. Dieser Gerichtsbeschluß erregte großes Aufsehen. Derselbe Richter hat in einem früheren Falle eine Bewährungsfrist mit der Bedingung bewilligt, daß der Angeklagte ein Mädchen, das er aus Eisersucht durch ein Salzsäureattentat entstellr hatte. nunmehr beiraten müsse. Die Klage Dr. Stoltzenbergs abgewiesen □ Hamburg, 5. Juni.(Telegr.) Die Entschädigungsklage. die der Chemiker Dr. Stoltzenberg wegen der nach der Wilhelmsburger Giftgaskatastrophe erfolgten Vernichtung der ihm gebörenden Phosgenbestände gegen den hamburgischen Staat angestrengt hatte, wurde von der Zivilkammer IV zurückgewiesen, weil eine Enteignung nach§ 153 der Reichsverjassung nicht vorliege. Der Mörder der ägyptischen Prinzessin ### Wien. 5. Juni.(Telear.) Am zweiten Verhandlungstag im Prozeß Gartner ist der Andrang im Gerichtssaal womöglich noch größer als gestern. Die ersten Zeugen, zum großen Teil Besucher und Bedienstete des Konzerthauses, bekunden, daß der Angeklugte, nachdem die vier Schüsse gefallen waren, fluchtartig die Trevve des Konzertbauses hinunterstürzte mit dem Ruf:„Aufhalten, aushalten!" Einer der Verteidiger gab bekannt, daß man im Haar Diidiis zwei Zettelgefunden habe. Auf dem einen standen die Worte:„Man hat mir einen Schwut gegeben" Auf dem zweiten Zettel soll von Selbstmordabsichten Diidiis die Rede sein. Der Angeklagte erklärt auf eine Frage des Verteidigers, von diesen Zetteln wisse er nichts. Der Vater der Getöteten. Mouheb Pascha. ist bereit. die Zettel dem Gericht vorzulegen. Gartner erklärt, daß er sich an die Geschehnisse des Abends nicht erinnern könne. Er habe nur den einen Gedanken gehabt, von dem entsetzlichen Geschehen weg zu kommen. Nach weiteren Zeugenvernehmungen wurde in der Nachmittagsverhandlung der Vater der Ermordeten. der frühere ägyptische Minister Mouheb Pascha. vernommen. Er erklärte, er habe den Eindruck gehabt, daß Gartner in sein Haus eingedrungen sei. Einmal habe Diidiis ihn gebeten, ihr den Mann vom Halse zu schaffen. damit er sie nicht mehr belästige. Er. Mouheb. habe darauf auch mit dem Konsul gesprochen, der ihm zugesagt habe, die Sache ordnen zu wollen James Kleins Theatergesellschaft verurteilt □ Berlin, 5. Juni.(Telegr.) Wahrend des ganzen gestrigen Tages haben vor dem Arbeitsgericht Berlin Verhandlungen gegen den„Revue=Dichter". James Klein stattgefunden, da er und seine Gesellschaft. die„Euroväische Reisetheatergesellschaft", von zahlreichen Geschädigten aus dem bekannten Magdeburger Skandal der aus Zahlung der Gebälter verklagt worden war. James Klein wurde wegen Nichterscheinens vor Gericht in eine Ordnungsstrafe von 100 Mark genommen. Dann wurde seine Gesellschaft zur Zahlung aller Forderungen verurkeilt. James Klein selber konnte für die Schulden seiner Gesellschaft versönlich nicht haftbar gemacht werden. Das Gericht stellte fest, daß James Klein bei seinen gesamten Affären in unverantwortlicher Weise gehandelt habe Neue Erdstöße in Argentinien □ Neunork, 5. Juni.(Telegr.) Nach einer Meldung der„Associated Preß“ aus Buenos Aires haben sich in der Provinz Mendoza neue Erdstöbe ereignet. Im Gebiet von El Nevado sollen zahlreiche Personen getoret oder verletzt worden sein. a Handel Gewerbe: Industrie Geldmarkt und Börse Von unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter. # Die gegenwärtige Aufwartsbewegung an n E f f e k t e n m ä r k t e n h a t t e e i n e r e i n v s y c h o gische Grundlage. Es ist wahrhaftig kein Grund rhanden, angesichts einer Menschenalter=Verschuldung deutschen Wirtschaft, wie sie jetzt in Paris festgeleg rden soll. in Optimismus zu machen. Die Börse aber t ihre eigenen wesene, und schon oft haben wir ed., daß eine wirtschaftlich und voli isch twicklung von der Börse mit eine: zleitet wurde. Für die Vorgange, an der Börse dürfte siglich die Erwögung eine Rolle spielen, daß man nun dlich aus dem Stadium der Unsicherbeit rauskommt. und lieder nimmt man eine ungünstige er sichere Entscheidung in Kauf, als eine fortdauernde gewißheit, die keinerlei festen Dispositionen gestattet. Dazu kommt weiter, daß 19 Interesse des Auslandes an den deutschen Effekten letzter Zeit merklich wieder gewachsen i#t und die nsätze der letzten Tage sind in der sländische Orders zurückzuführen. Das Inland beteist sich raum an den Transaktionen ist wegen Kapitalingel auch fast gar nicht dazu in Interessant ist auch zu vernehmen, daß unmittelbar die Kunde von der Pariser Einigung von rschiedensten ausländischen Seiten Geldangebete nach Deutschland lichtet worden sind. Die gegenwärtige Zinsspanne t allerdings dem Auslande eine starke Chance.„ Die Entsvannung ist also im Juge. Die it= und Kreditpolitik der Reichsbank dat zu nunschten Ergebnis geführt. nämlich die Mark zu stützen. Devisenanforderungen haben nachgelgisen Die tuation am Devisenmarkt ist der vor einigen Wochen Ukommen entgegengesetzt. In der letten Zeit dat die richsbank über 150 Millionen dettungsfahlge Devisen u sich beschaffen können, und damit it aug die eckungsquote für den Notenumlauf wieir gedellert worden. Nach dem gegenwärtigen sand sind die hauptsachlichsten Schmieriakeiten auf dem ab Disdem die , die Anspannung aus dem Geldmarkt hält noch an. Niemals war die Situation in dieser Beziebung unklater als jetzt, und darum kann man es auch verstehen, daß die Reichsbank, die nun vor der entscheidenden Frage steht, ob sie die Kreditrestriktionen vollkommen wieder aufgeben, dafür aber für ein Uebergangsstadium den Diskont erhöhen soll. zunächst noch etwas abwarten will Diese abwartende Haltung wird man unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchaus billigen müssen, zumal nicht nur Rücksicht genommen werden muß auf die psochologischen und tatsächlichen Auswirkungen der Pariser Einigung auf dem internationalen Geldmarkt, sondern auch darauf, wie sich diese Wirkungen auf das Zeichnungvergebnis der Neuerfreien Reichsanleibe demerkbar machen werden. Dieses Ergebnis ist bisher nicht so günstig gewesen, wie man angenommen hatte. Merkwürdigerweise, sind die ganz großen Zeichner, die Inhaber großer Vermögen also. trotz der gebotenen Steuererleichterungen nicht so sehr an den Zeichnungen beteiligt, wie man offenbar in den maßgebenden Kreisen geglaubt hatte. Das mag zum großen Teil auch daher kommen, daß gerade diese grogen Kantalien heute ziemlich festliegen, sozusagen„eingcfroren“ sind und daß sich in vielen Fällen die Freimachung nur mit großen Verlusten hätte erkaufen lassen, denen gegenüber die Vorteile des Erwerbs dieser Anleibe nicht ausschlaggebend ins Gewicht gefallen wären. * örsenbericht: Berliner Börse. 5 Berlin, 5. Juni.(Telegr.) Die Berliner Börse eröffnete in defestigter Haltung. Trotzdem die Svekulation Gewinne mitnahm, konnten sich die Kurse zu Beginn allgemein bis um 1 dis 3 Prozent erhoven Nach den ersten Kursen trat ein leichter Ruckgang ein. der auch im Verlauf andielt. Auf Roalisationen der Spekulation gaben die Kurse die anfangs erzielten wieder ab. Polyrdon lagen 5 Prozent schwacher. für Kunstseidenwerte hielt die feste Grundan, wovon Glauzitoff 10 Prozent gewannen. ber Hasle mas bie Baltnes eher schwächer. Im Nachdorsenverkehr rrat eine leichte Erholung ein, besonders für Elektrowerte. Deutsche Anleiben lagen sehr fest. Auslander leicht anziehend. Devisen uneinheitlich. Am Geldmarkt hörte man für Tagesgeld 7—92. Prozent. für Monatsgeld 10—11 Prozent. Der Privatdiskont bleibt unverandert 7½ Prozent für beide Sichten. Büsseldorfer Termin= und Kurenbörse Fest. Düsseldorf, 5. Juni. Die Kuxenbörse verkehrte auf allen Marktgebieten in recht fester Haltung. Von Kohlenkuren wurden Carolus Magnus und Diergardt zu ungefähr letzten Preisen aus dem Markt genommen. Sehr lebhaftes Geschäft entwickelte sich wieder in Graf Schwerin, die im Verlauf 300 Mk. anzuzieben vermochten. Von Kohlenaktien lagen Lothringen knavn behauptet. wogegen Niederrheinische und Dahlbusch unverändert notierten. Am Markt für Braunkohlenwerte lagen Bruckdorf=Nietleben bei mehrseitiger Nachfrage zu ungefähr letzten Vreisen im Handel. Am Kalimarkt kam es zu lebhaften Umsätzen, besonders in Burbach. die 200 Mk. gewannen. Von Aktien waren Adler und Hannoversche vlus 2 bis 3 Prozent stärker gefragt. Burbach lagen unverändert Der Terminmarkt eröffnete in fester und lebhafter Haltung. insbesondere für Kali=Industrie. die 3 Prozent döber eröffneten, im Verlauf weitere 6 Pro zent gewannen und zu döchsten Kursen schließen. Stärker gefragt waren auch RWE die 5 Prozent höher einsetzten. Montanwerte notierten dagegen eber etwas abgeschwächt. * Warenmärkte Berliner Produktenborse h Berlin, 5. Juni.(Telege.) Die Notierungen an der Produktendorfe erfuhren eine wesentliche Steigerung. Das Angebot von Inlandsbrotgetreide war sehr klein. Weizen lag um bis zu 4.50. Roggen sogar dis um 9.30 Mk. hoher. Auch die Meblpreise haben eine Erhöhung um etwa 50 Vig. erfahren. Das Geschäft dat sich etwas belebt Hafer lag glechfalls sehr fest: auch Gerste gebessert Gr wurden notiert. Weizen, mark. 218 bis 214 Rannan mark. 156—115 Julieraltse 175 bis Gewinne Lediglich ummung #is Aun 182. Hafer, märk. 180—190. Weizenmebl 24—28.50 Roggen, märk. 25.50—27.50. Weizenkleie 11.7 Roggen, mark. 25.50—27.50. Weizentiee 11.75—12.00 Roggenkleie 11.75—12,00. Vikroriaerbsen 41—48, kleine Sveiseerbsen 28—34. Futtererdsen 21—23. Peluschken 25 bis 26. Ackerbohnen 22—24. Wicken 27—30. blaue Lupinen 17.50—18.50. gelbe Luvinen 24—25. neue Seradella 60 bis 64. Ravskuchen 18.50. Leinkuchen 21 20—21.60. Trocken, schnitzel 11.60. Sojaschrot 18.20—19. Kartoffelflocken 15.40 * RM. Getreide—-—— bis 15.80 mittel 100 Kilo. Getreide 1000 Kilo. Mehl und FutterHamburger Warenmärkte. Hamburg, 5. Juni.(Telegr.) Auf dem Kaffeemarkt lagen die Brasilofferten im Preise unverändert. bis um 1 sh. niedriger. Da auch von Neuvork schwächere Meldungen eintrafen. lagen die Preise am hiesigen Terminmarkt bis um 5 Pfg. schwächer Das Platz= und Inlandsgeschäft verlief sehr ruhig.— Auf dem Reismarkt war die Tendenz ruhig. Es wurden am Exportwie am Inlandsmarkt nur mäßige Umsatze zu letzten Preisen erzielt.— Auf dem Hulsenfruchtmarkt war eine nennenswerte Aenderung in Haltung und Breisen nicht festzustellen.— Auf dem Gewürsmarkt war die Tendenz für Pfeffer weiter fest. Auch Piment hatte feste Tendenz. während Kaneel ruhig lag. Sonst hielten die Preise letzten Stand. Es wurden notiert: Schwarzer Lamvong=Pfeffer 151. Telli=Cherry=Pfeffer 149. weißer Muntok=Pfeffer 257. Piment 124 sb. die 50 Kilo loko transtto.— Auf dem Schmalsmarkt war die Tendenz stetig. Es wurden notiert: Amerikanisches Sieam Lard 28.87½ Dollar, raffiniertes Schmalz verschiedener Marken in Tierces 30.25—30.75 Dollar.(in Firkins zu 30 Kilo 0.5 Dollar. in Eimern zu je 12.5 Kilo 1.5 Dollar teuter als in Tierces). Hamburger Schmalz in Dritteltonnen, Marke Kreuz. 34 Dollar die 100 Kilo netto versollt.— Auf dem Getreidemarkt wurden notiert: Weizen 22.20—22.40, Roggen 20.20—20.40 Haser 19.80—20. inl. Sommergerste 18—20. ausl Gerste 15.80—16. Mais 16 bis 16.10 RM La=Plata=Leinsaat 18.20 fl. Im Terminhandel wurden notiert: Weizen, per Juli 174. bs. und Käufer, per Sepiember 174 bz. Tendenz: stramm.— Roggen, per Juli 153 Verk., per September 135.50 be Tendenz: stramm— Gerste, per Juli 154 be., per Septemder 156 ba. Tendenz: stramm.— Mais per Juli 154 bz und Kaufer, per Seotember 157 ba Tendenz stramm TTEEE TINEEEN Waschstoffe Zeitr uni und gestreitt, für praktische Kleider Mtr. 0.58 Wasch-Mousseline reizende Muster. In großer Auswam... 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Thoeren: Der Geselle in seinem persönlichen und rechtlichen Verdältnis zum Meister. O 17.45: Konzert.(Schallplatten.) 18.30: Pros. Dr. Sperber: Gutes Deutsch. o 19.15: Spanisch. m 19.40: Weltwirtschaftliche Tagesfragen. O 20: Orchesterkonzert. Werke Siegfried Wagners. Zum 60. Geburtstag des Komponisten. Funkorch Bärenhäuter=Ouv. — Wittichs Sonnengesang aus„Banadietrich“.— Walzer aus „„Herzog Wildfang“.— Nachtgesang aus„Schwarischwangnreich“.— Vorspiel zu„Schwarzschwanenreich“.—„Sonnenflammer“., Vorspiel. *— Fridolins Abschied aus„Sonnenflammen“.— Glaube, Zwischen= spiel aus„Der Heidenkönig".— Gesang der Iris aus„Sonnenflammen“.— Vorspiel zu„Die heilige Linde". 5 Anschl.: Nachtmusit und Tanz. Deutsche Welle 1646. Sender Königswusterhausen und Jeesen. ag. 6. Juni. 12: Ob.=Stud.=Rat Dr. sche Land über seine älteste Besiedlung für die Landwirtschaft. S 12.30: Mit12.55: No : N a u e n e r Z e i t. č 1 4. 3 0: Begebenheiten im Reiche er gemeinschaftliches SchafBrunner: Was das deutsch erzählt. v 12.25: Wetter für die Landwirtschaft. teilungen des Reichsstädtebundes D 12.55: Kinderstunde: Jos. Delmont: Seltsame erotischer Tiere. o 15: W. Kittmann: Unser„ fen im Schulgarten. m 15.30: Wetter. Börse. O 15.40: Dr. Marta Bode: Warum braucht die Hauskrau Warenkunde: Lebensmittel. o 16: Erziehungsberatung: Frau Dr. Simion und Jugendleiterin Fürth: Arbeit des Kleinkindes. S 16.30: H. Teßmer: Siegfried Wagner zum 60. Geburtstag. o 17: Berlin: Blindenkonzert. Mitw.: Margarethe von Winterfeldt(Sopran), H. Spohn(Tenor) 5. Jahn=Schulze(Klavier, Gem. Chor der Staatl. Blindenanstalt Stegalitz. 0 18: Dr. Geißler: Die Bedeutung der Muttersprache in der Pädagogik. Der Frevel an der Kindesseele durch den Sprachenzwang. O 18.30: Spanisch für Fortgeschr# 18.55: H Födisch: Was muß der Landwirt vor. während und nach der Ausführung von Dratnagen beachten? c 19.20: J. Mollatd M. d K.: Die Bedeutung des deutschen Raufmanns im Auslande O 20: Berliner Festspiele.(Uebertr. aus der Philharmonie):„Der Deutsche Männerchor". Chorkonzert des Berliner Lehrergesangvereins und der Berliner Liedertafel. Disid.: Pros. Hugo Rüdel. Musikdir Mar Wiedemann. D Danach: Tanzmusik. Fred Bird=Tanz=Orch. Gesangseinlagen: Srtbur Ristenmacher(Tenor).— Dause: Bildfunk. unlist der S. Wohlfahrts-GeldLotterie zugunsten verschiedener Wohlfahrtszwecke ist für 10 Pfg. zu heben bei Koethers& Röttsches Herne, neben dem Postamt. Socce oe mont en bur bensem berottn Mereodes lorch a. Die fürs Leben so wichtigen Fächer: Deutsch, Rechnen, Schönschreiden und Buchführung. Stenographieren und Maschinen= chreiden gründlich, schnell und billig im Einzelunterricht. Sämtliche Fächer u. Fächer nach Wahl Kaufmänn. Privatunterricht 5. J. 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