erner Druck u. Verlag: Koetbers& Röttsches. Herne, Beoelstr. 8. neden der Hauptpost Erscheint täglich mit Ausnahme der Gonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 60 Pfa. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907 Verentwortlich für den redaktionellen Ceil: Dr. Leo Reiners. für den Anzeigen- und Reklameteil: Carl Bartels, beibe in Herne. Nr. 88(Erstes Blatt) Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger, Gerther Anzeiger Amtlich beglaubigte Abonnentenz abl Ueber Adonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.— versichert. wenn durch einen Ansall der Cod oder Ganzinvalldität einteitt. Donnerstag, den 11. April 1929 Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe lokal 7 Pg., auswärts 8 Pfa., Ardettsund Wohnungsmarkt 6 Pfa. 1 mm Raumhöbe, im Reklameteil 30 Pfa. Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage hinfällig.# Hernsprech=Anschluß: Sammel=Nummer 52541: Celegramm=Adresse: Anzeiger Hernu 25. Jahrgang. Das Zentrum wieder in der Reichsregierung Die Finanzkompromiß=Fraktionen stellen sich hinter das Reichskabinett— Die Zentrumsabgeordneten v. Guerars, Stegerwald und Dr. Wirth werden Reichsminister— Eine koalktionsähnliche Regierung, der die Große Koalition folgen soll— Auch die sozialdemokratischen Minister stimmen für den Panzerkreuzer— Der erstarkte Parlamentarismus Der Weg für eine reibungslose Zusammenarbeit der Finanz=Kompromißparteien ist frei Der gordische Knoten gelöst Von unserer Berliner Vertretung. Berlin, 10. April.(Eia. Drabtber.) Der Aufregung. die gestern abend nach dem Beschluß der lozialdemokratischen Reichstagsfraktion in parlamentarischen Kreisen herrschte, ist heute eine durchareisende Entsvannung gefolgt. Man kann daher ohne Bedenken sagen, daß auch in der Politik noch Zeichen und Wunder geschehen. Denn wer hätte am Dienstagabend, als das Ende des jetzigen Reichskabinetts nahe zu sein schien, die Hoffnung haben können, daß am Mittwoch eine Lösung gesunden werden würde. die zwar keine bundertprozentige Koalition bedeutet. aber immerhin die Garantie dafür bietet, daß die varlamentarische Arbeit in der nächsten Zeit ohne Zwischenfälle weitergeführt werden kann. Der Entschluß der Reichsregierung, aus die gebegten Rücktrittsabsichten zu verzichten, entsorang in der Hauptsache der Erwägung, daß die gespannte außenvolitische Situation, insbesondere die Revarationsverhandlungen in Pario, keine Rabinettskrise vertragen könne. Ausschlaggedeno war ferner die Tatsache, daß die fünf Parteien, vie für die Bildung der Reichsregierung in Frage kommen, das Sparvrogramm akzevtiert hatten und damit den festen Willen dokumentierten, an der Verabschiedung des Etats in gemeinsamer Arbeit mitzuwirken. Die Lösung der Krise selbst erfolgte Mittwoch nachmittag durch eine Erklärung des Rabinetts, die wir an anderer Stelle gesondert veröffentlichen. Die erakte Ausarbeitung der einzelnen Punkte trug wesentlich zur Beschleunigung des weiteren Ganges der Dinge bei. Als die Kabinettsitzung um 1 Uhr zu Ende war, empfing Reichskanzler Müller die Parteiführer, um idnen die Erklärung zur Kenntnis zu bringen. Die lozialdemokratische Fraktion hatte bereits am Dienstagabend vom Inhalt der Erklärung Mitteilung erhalten, und sic zur Kenntnis genommen. Es war daher nicht notwendig, daß die Fraktion am Mittwoch nochmals Stellung nahm. Die Zentrumsfraktion, die in den ersten Nachmittagsstunden zusammentrat, pflichtete der Erklärung einmütig bei und beschloß den Eintritt in die Reichsregierung. Hierauf trat der Vorstand der Zentrumssraktion zusammen, um zu Vorschlägen in Personalfragen zu kommen. Die Fraktion beschloß in der Sitzung. die um 15 Uhr stattfand, dem Reichskanzler für die zu besetzenden Ministerposten folgende Abgeordneten in Vorschlag zu bringen: für das Reichejustizministerium den Abg. v. Guerard, für das Verkehrsministerium Abg. Stegerwald und für das Ministerium für die besetzten Gebiete den Abg. Dr. Wirtb. Nachdem jetzt die Lage geklärt ist, muß man unwillkürlich die Frage aufwersen, warum eine solche Lösung nicht bereite fruber gefunden der Ehescheidung die vorliegenden Anträge nicht weiter verfolgt und neue Anträge nicht eingebracht werden können. Alles in allem betrachtet, ist jetzt der Weg für eine reibungslose Zusammenarbeit frei. Die Panzerkreuzerfrage dürkte zunächn keine große Rolle vielen. Die Sozialdemokraten haben zwar Handlungsfreiheit behalten und können bei der Einzelabstimmung über diese Position ein ablehnendes Votum abgeben. Es ist jedoch völlig ausgeschlossen, daß sie wegen des Panzerkreuzers in der dritten Lesung den ganzen Etat ablehnen werden. Somit darf man erwarten, daß die Etatsberatungen ohne große Schwierigkeiten vonstatten geben werden, da für die Regierungsparteien kein Anlaß vorliegt, große Reden zu halten. Die von der Opposition eingebrachten Anträge können ohne weiteres niedergestimmt werden. Man kann also mit Befriedigung feststellen, daß der große Koalitions. und Etatswierwar sein Ende erreicht hat. Wem die jetzige Lösung nicht ganz gefallen sollte, muß sich darüber klat werden, daß die Schaffung einer stabilen Regierung schließlich doch weit wichtiger#u. alz die Garantie für den ungestörten Weiterbau eines Panzerschiffes. Wäre wegen dieses Panzerschiffes das ganze politische Porzellan zerschlagen worden, so hätten sicherlich die Wähler hierfür kein Verständnis. Die weitere Entwicklung X Berlin, 10. Avril.(Telegr.) Abends hat sich auch die Deutsche Volksvartei, die unter Teilnahme des Reichsministers Dr. Stresemann über die Regierungsfrage beriet, mit dem Vorschlage des Kabinetts einverstanden erklärt. Damit wird die Keise in politischen Kreisen als beendet betrachtet. Es ist anzunehmen, daß die weitere Entwicklung sich nun so absvielt, daß der Reichzinstizmin ster Koch seine Demission gibt, worauf der Reichskanzler dann, wahrscheinlich auch bereits morgen, dem Reichopräsidenten über die Lage Bericht erstatten wird. Das neue Kabinett hat die Aufgabe, den Eiat varlamentarisch zu verabschieden. In den der Regierung nabestedenden Kreisen rechnet man damit, daß sich nach der Erledigung des Etate dann die koalitionsmaßige Bindung entwickelt. Der Aeltestenrat des Reichstags beschloß, daß die Verhandlungen des Haushaltsausschusses über den Etat erst am Montag beginnen sollen. Als Termin für die nachste Plenarsitzung dat er Montag, den 22. Aveil, festgesetzt. Die Entschließungen der ReichsRegierung werden konnte, nachdem sich die einzelnen Parteien schon 1..— vor längerer Zeit zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden die Erreichung dieser volitischen Ziele zu gewährleisten. wollten. Es ist nicht unsere Absicht, in der Ver= weiterung des Reichokabinette ohne weiteren gangenheit zu wühlen, um dadurch böses Blut zu machen, aber immerhin muß gesagt werden, daß dem politischen Leben mancher Streit ersvart geblieben wäre, wenn schon im Sommer vorigen Jahres eine ähnliche wie die jetzige Regierung zustande gekommen wäre. Die neue Reichsregierung stützt sich nicht auf die Große Koalition. Denn alle Bedingungen, die zur Bildung der Großen Koalition erforderlich wären, sind nicht erfüllt. Bei der ganzen Lösung des Prodlems gibt es weder Sieger, noch Besiegte. Man muß sich dabei nur daran erinnern, daß die Sozialdemokratie sich in der für sie unangenehmen Lage befindet, ihre im Reichskabinett sinenden Minister für die Beschlüsse des Reichstoges dinsichtlich des Panzerkreuzers A eintreten zu lassen. Auf dem Boden der Kinanzvoriciaar— Ein Riegel für weitere Anträge— Streben nach Rabinettserweiterung O Berlin, 10. Avril 1929.(Telegr.) Die Reichsregierung trat heute vormittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einer eingehenden Aussprache über die gegenwärtige politische Lage zusammen. Sie kam einstimmig zu folgenden Entschließungen: „Angesichts der auben= und innenpolitischen Lage und insbesondere im Hinblick auf die augenblicklich in Paris tagende Nevarationskonserenz ist eine aktionssähige Regierung in Deutschland das ünadweisbare Ersordernis. Die Reichsregierung wird daher ihre ganze Kraft daransetzen, daß die Grundlagen der deutschen Staatswirtschaft nicht erscuttert werden, und deshalb insbesondere der Reichebaushaltsplan 1923 alsbald im Reichstage zur Berabschiedung gelangt. Zu diesem Zweck bekräftigt die Reichsregierung ihren bereits am letzten Sonntag nach eingebender Prüfung im Hinblick auf die gesamtvolitischen Rotwendigkeiten gesaßten Beschluß, unter Rückstellung ihrer Bedenken aus den Boden der Vorschläge zu treten, die von den Sachverständigen der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokratischen Partei und der Baverischen Volksvartei gemeinsam vereinbart worden sind. Für die Durchietzung der so zustande gebrachten Vorschläge, einschließlich derjenigen für den Haushalt des Reichswehrministeriums. wird die Reichsregierung sich geschlossen einsetzen. Die Reichoregierung erwartet, daß die genannten Fraktionen des Reichstages sie in dieser Arbeit unterstützen und etwaigen Anträgen auf weitere Streichungen über die genannten Vorschläge hinaus oder auf höhere Ausgabenbewilligungen den erforderlichen Widerstand entgegensetzen werden. Sie erwartet weiter, daß zur Gewährleistung eines reibungslosen Ganges der Reichsgeschäfte Anträge von grundlegender Bedeutung überhaupt uur imgegenseitigen Beuehmen gestellt oder weiter verfolgt werden. Auf dieser Grundlage wird die Reichsregierung mit den genannten Fraktionen des Reichstages in Verbindung treten, um durchsortgesetzte engste Fühlungnahme wird gleichzeitig die von ihr angestrebte Ergeübt wurde, hat ein gutes Ergebnis gehabt. Man siebt, daß bei ernstem Wollen auf diesem Gebiet noch vieles zu erreichen ist, venn die Sparsamkeitsaktion ist nicht etwa abgeschlossen, sie hat sich vielmehr eine breite Bahn geschaffen, auf der vorangeschritten werden muß. Mit alledem ist ein festes Fundament geschaffen, von dem nur zu hoffen ist, daß es in gemeinsamer Arbeit der in Frage kommenden Parteien erhalten und weiter verstärkt wird. * Parlament und Bureaukratie Man schreibt uns aus dem Reichstag: „Die Tatsache, daß ein Ausschuß von Sachverständigen verschiedener Parteien, von der Oeffentlichkeit fast unbemerkt. nach allerdings unendlich mühsamer Kontrollarbeit, der auch nicht eine einzige Position des neuen Reichshaushaltsplanes entgangen ist, zu einer Verständigung von so weittragen dem Ausmaß gekommen ist, hat geradezu alarmierend in den Amtsstuben aller Aemter und Behörden gewirkt. Die Bureaukratie fühlt sich in ihrer bisber freilich fast unumschränkt geführten Macht gestort und ist beunruhigt über die Konsequenzen, die sich daraus ergeben können Es ist in der Tat das erste Mal, daß das Parlament erfolgreich gegen die Bureaukratie auftritt. Wie stark diese Bureaukratie verankert ist, und wie selbst ein sozialdemokratischer Minister, von dessen Amtsführung sich seine Anhänger geradezu eine revolutionierende Umwälzung der Dinge versprachen, diesen Einflüssen unterllegt, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß es einem kleinen Kreis sachverständiger Berater gelungen ist, von dem von diesem Finanzminister noch als unausbleiblich erachteten Defizit von 380 Millionen Mark nicht weniger als 250 Millionen Mark abzustreichen. Dabei stellten sich die ursorünglichen Ressorts=Anforderungen auf 700 bis 800 Millionen Mark! Kein Wunder, daß man nun jetzt alles, was Beine hat, mobil zu machen sucht, um diesen Erfolg des Parlaments zu sabotieren. Massenweise werden Protesteingaben und Protesttelegramme organisiert. Die Bureaukratie sieht sich in ihrer bisher unangetasteten Machtspbäre bedroht. Und das ist natürlich von ihrem Standpunkt aus etwas Fürchterliches!— Um so mehr begrüßt man im Lande den frischen Luftzug, der endlich einmal. und zwar gerade vom Parlament her. in die Amtsstuben hineingeblasen wird Es ist ein prinzipieller Kampf, der jetzt ausgesochten wird. ein Kampf darüber, ob Parlament oder Bureaukratie siegen wird. Wir wünschen unseren Parlamentariern, daß sie es bei dieser ersten Kontrolle und Röntgen=Durchleuchtung des Etats nicht bewendet sein lassen. sondern die jetzt begonnene Sparaktion sostematisch fortsetzen und erweitern. Das kann einer Gesundung nicht allein des Etats, sondern auch des Parlamen= tarismus und der Hebung des Ansehens des Parlamentim Lande nur förrderlich sein.“ * Reichstagsvorlagen :: Berlin. 10 April.(Telegr.) Der Reichsarpeitsminister hat dem Reichstage eine Denkschmft üder die Ergebnisse seiner Au sichtstäligkeit über die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zugeben lassen. Eine wesentliche Ersparnis bedeute vor allem die Verminderung der Zahl der Landesarbeitsämter von 22 auf 13 und der Arbeitsämter von 881 auf 361. Nach dem Bericht der Anstalt entfallen von ihren gesamten Ausgaben etwa 7.2 Prozent auf die Aussaben für den Personal- und Sachbedarf Teil wovon ein großer . und Sachbedarf ihrer Aemter, wovon ein.——. „eil Kosten der Arbeitsvermittlung und Berufsberatung seien. Die Arheitslosenversicherung werde auf die Dauer Sie Verzug in von die Wege leiten.“ Die Deutsche Volksvartei hat insosern nicht alle ihre Wünsche durchsetzen können als die Preußensrage ungelöst blieb und ihre im geheimen gebegten Absichten, die sich auf das Fortbestehen des jetzigen Kabinetts bezogen, nicht verwirklichen konnte. Aber auch das Zentrum kam nicht ganz an a#ao Ziel seiner Wünsche. Denn es wollte unbedengt die Froße Koalition. wayreno es sich jetzt mit einem nur ähnlichen Zustand begnügen muß Immerbin ist die Bindung der Parteien untereinander so stark, daß von einem mindestene M0prosentigen Erfolg des Zentrums gesprochen werden kann. Denn die Regierungserklärung bezieht sich auch darauf, dab binsichtlich Auf festem Grund Von einem parlamentarischen Mitarbeiter. D zuvor: Das in den letzten Wochen dutzende Male to# sagte parlamentarische Sostem hat ein imponierendes Zeugnis seiner Lebenskraft erbracht. Es ast nunmehr erwiesen, daß mie unserem heutigen Staatsiostem sehr wohl gearbeiten und Ersorießliches für das Staatsganze geschaffen werden kann, wenn es nur richtig undewandt wird und wenn diejenigen, die es bandhaben, ihrer vollen Verantwortung bewußt sind. Als zweites: Es ist der Beweis erbracht, daß es gar nicht so schwierig ist, wie es zuweilen scheint, eine Anzahl von Parteien— und mogen sie in ihren Grundauffassungen noch so sehr auseinanderstreben— zu einem gemeinschaftlichen Schaffen zusammenzubringen. Nur müssen sich diese Parteien freimachen von den agitatorischen Einflüssen derjenigen dinter den Kulissen, die gern an dem Zwist der Parteien ihr eigenes Süpochen kochen mochten Die jetzige Verständigung der Parteien hat im Lande geradezu erlosend gewirkt. Man ertrug es nicht mehr, daß bestimmte politische Gruppen in der deutschen Volksvertretung sich hinter die Verantwortlichkeit anderer verschanzten, nur um selber als vooulär zu gelten. Das Volk durchschaut dieses Soiel Es will Persönlichkeiten haben, die einen Verantwortungswillen nicht nur besitzen, sondern auch durch die Tat zur Geltung bringen Woher kommt denn dieses Mißtrauen, das in weiten Kreisen der Bevölkerung gegen das Parlament und gegen die Abgeordneten berrscht". Doch nur davon, daß man keine Führung fühlte, daß man den Eindruck hatte, daß die Taktik die Politik überwiege! Es wäre ein unsagbarer Gewinn für die Beruhigung und Festigung unserer gesamten innervolitischen Verhältnisse, wenn der Wille zur Verautwortung, der jetzt in der Arbeit der Finanzsachverstandigen der verschiedenen Parteien so erfrischend zum Ausdruck kam. sich auf das Zusammenatbeiten der betreffenden Parteien seldst erstrecken würde. Wir ständen dann an einer für die Gesamtentwicklung unsarer Innenpolitik außerordentlich wichtigen Etapve Zum dritten: Das deutsche Volk dankt dem Reichstag, daß er nun endlich einmal den Mut zur Sparsamkeit aufbringt! Was hat man bisher alles erleben müssen an übersteigerten und lediglich auf Agitation abgestellten Antragen verschiedener Parteien. Das hat zu einer Zerfahrenbeit geführt, die schließlich ein ordnungsgemäße: Regieren überbaupt unmöglich machte. Der Zwang. der schließlich von ihnen der auf das Parlament im Sinne der Einstelluno dieler Aoitationspolitik ausdas Risiko der saisonmäßigen Arbeitslosigkeit nicht tragen können. Dao Ministerium sei bemüht, sodald als möglich eine endgültige Lösung vorzubereiten. wobei die oberste Forderung die Aufrechterbaltung der finanziellen Lebenssäbigkeit der Arbeitslosenversicherung sein muß. Die Reichsregierung bat dem Reichstage das internationale Uebereinkommen über Mindestlöhne zur Ratifizierung vorgelegt. Das Uebereinkommen enthält die Verpflichtung Verfahren einzurichten. die es gestatten, Mindestlöhne für die Arbeitnehmer in gewissen Gewerben. insbesondere in der Heimarbeit, festzusetzen. in denen keine wirksamen Einrichtungen zur Festsetzung der Löhne bestehen, und in denen die Löhne außergewöhnlich niedria sind. Aufgehen im Reich oder an Preußen Ein Schritt der medllenburgischen Demokraten. * S c h w e r i n, 1 0. A p r i l( T e l e a r.). Die mecklenburgischen Demokraten haben sich auf ihrem in diesen Tagen in Rostok abgehaltenen Landesparteitag für eine Aufgabe der Selbstindigkeit Becklenburg=Schwering oder für einen Anschluß an Preugen ausgesprochen. Ueber die Einstellung der Demotraten zu dem Fragenkomoler unterrichtet der parteioffisiöse Bericht über den Landesparteitag, in dem u a. ausgeführt wird: „Man war sich klar darüber, daß Mecklenburg auf die Dauer seine Verwaltuigskosten nicht mehr aufdringen könne. Die allgemeine Meinung ging dabin. daß die Mecklenburger Demokraten sowohl aus wirtschaftlichen als auch nationalpolitischen Gründen mit Entschiedenheit an dem Einbeitsstaat festhallen mußten. Sie erstreben mit allen Kräften eine Lösung der deutschen Einheitsfrage und hofsen, daß aus Grund der Sachverständigengutachten der Länderkonferenz diese Lösung wenigstsen tür Forddeunchtand und damit ka auch für Mecklenburg In absehbarer Zeit erfolgt. Falls sich jedoch herausstellen sollte, daß diese Lösung für absehbare Zeit nicht zu erwarten ist, so ging die Meinung verschiedener Diskussionsredner dabin, daß man für diesen Fall den Anschluß an Preuben aus wirtschaftlichen Gründen werde vollziehen müssen, da die mit der Zeit notwendig werdenden Steuerlasten für die Bürgerschaft nicht mehr zu tragen sein wurden. Gegen den Einwand, das durch die Aufgabe der Selbstandigkeit keine Ersparnisse erzielt würden, sprächen. so wurde verschiedentlich betont, die klaren Zahlen. So kostete z. B. die preußische Staatsverwaltung, auf den Koof der Bevölkerung berechnet, 52,76 Mark, wahrend sie in Mecklenburg=Schwerin fast genau noch einmal so viel kostete, nämlich 104.26 Mark Der gefährdete Luftverkehr * Der Arbeitsauoschuß der Deutschen Lufthansa hat in mehrstundiger Sitzung über die Sachlage deraten. die durch die beabsichtigte Streichung im Luftverkehrsetat geschaffen wurde. Der Auschuß war der Ansicht daß die geplanken Abstriche eine Vernichtung der langjährigen mit großen Mitteln geleesteten Pionierarbeit bedeuten und eine katastrophale Auswiekung für das im Luftverkebr tätige werivolle Veronal nach sich zieden wurden. Sie würden nicht nur den deutschen Flugverkedr im Inlande fast gänzlich lahmlegen, sondern auch der deutschen Lufthansa unmöglich machen, ihre Flugverbindungen nach dem Auslande fortzusetzen. Es wurde daher ein Unterausschuß eingesetzt und beauftragt, mit den zuständigen Instanzen alsbald Verhandlungen wegen Aufrechterbaltung des deuischen Luftverkehrs aufzunehmen. Die Krisis in Wien Die Losung auf gutem Wege. Wien, 10. Aoril.(Telegr.) Die heutigen Verhandlungen der Vertreter aller Parteien des Nationalrats über das Arbeitsprogramm haben eine günstige eisendung genommen. Man bekundete allseitig den guten Willen, der Gegenseite nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. In der ausschlaggebenden Mietenfrage hat die Mehrheit einen neuen Vorschlag gemacht, der von der Opvosition nicht arundsätzlich abgelehnt wurde. Mit der Bildung der neuen Regierung wird in der nächsten Woche gerechnet. — Die Debatte über das Wehrproblem Sozialdemokraten und Demokraten haben Programme— Das Jentrum erörtert die Frage vorbereitend— Die Rechte verhält sich passiv— Die Rernpunkte des Problems Wehrprogramme. Ran schreibi uns aus parlameniurischen Kreisen: „Wehrorogramme sind anscheinend augenblicklich die große Mode. Der deutsche Sozialismus erschien als erster auf dem Plan. und nun sind die Demokraten gefolgt und haben ihrerseits ein Programm entworfen, das freilich der Oefientlichkeit noch nicht vorliegt Das Zentrum ist schon seit längerem im Begrifse, auch seinerseits dies Problem sehr ernstlich zu klären; ein entbrechender Ausschuß ist eingesetzt Unterdessen sind die Sozialdemokraten teilweise mit dem Dittmannschen Entwurf schon nicht mehr zufrieden und entwersen bereits ein neues Programm. das schon mehr radikal=klassenkämpferisch genannt werden muß. Kurzum, in dieser Frage ist auf einmal in Deutschland Bewegung da! Man kann das nur begrußen. Der Panzerkreuzer und was mit ihm zusammending hat doch eine Wirtung getan, die weit über die zeitbedingte politische Tatsache hinausgeht. Aus dem Streit um den Panzerkreuzer ist eine grundsätzliche Debatte über das Webrvroblem überhaupt geworden. Aber während die Mitte und die Linre in Bewegung ist und nach Neuem zu suchen scheint verbarrt die Rechte einschließlich der Volksvartei In vollkommener Unbeweglichkeit. Warum? Nun, für sie ist das Problem gelöst, es scheint wenigstens so Vermutlich uvernimmt man das, was im früheren deutschen Reiche darüber gedacht und erstrebt wurde. Trotdem, man mug das bedauern: denn einmal ware es nicht uninteressant, die Rechte über diese Dinge unter den neuen deutschen Verhältnissen zu hören, und dann könnte das doch nur die Anschauungen der anderen Richtungen befruchten. Es steht anscheinend leider zu befürchten. daß die Rechie das Ganze lediglich negativ sieht und deshalb vositiv einzugreifen nicht gedenkt. . Um so ernster werden wir im Zeutrum mit den Dingen ringen müssen. Und doch halten wir bei vernünftiger Behand lung des Problems eine wertgebende Uebereinkimmung bis in die Reihen der Rechten nicht für unwahrscheinlich. Es ist ganz gut, daß das Zentrum länger gewariet und gleichsam den beiden anderen demokratischen Parteien den Vortritt überlassen bai. Es kann die Grundsätze bei beiden benutzen und kann Fehler und Iertümer meiden. Vermutlich wird das Prodlem eigentlich ernaktio und im Mittelpunkt der volitischen Erörterung steben, wenn die deutschen Soztalisten ihren Parteitag in Magdeburg abhalten, auf dem bekanntlich auch das Wehrproblem ganz eingehend besprochen werden soll. Aber es wird sich doch zu zeigen haben, ob man das Wehrprodlem überhaupt iloliert behandeln kann und ob nicht, wie von selbst, auch das ganze Problem des Krieges und des Friedens, wenn auch nicht eingehend, so doch mit einer gewissen arundsätzlichen Einstellung, behandelt werden muß. Man kann das alles schwer von einander trennen, und die Arbeit der Radikalsozialisten, die mit dem Dittmannschen Entwurf nicht einverstanden sind, zeigt ja auch schon, daß eine Umgehung der prinziviellen Fragen nicht möglich ist und auch eine Stellung zum Kriege gleichsam weltanschaulich genommen werden muß. Diese Teile werden dem Zentrum nicht schwer fallen, weil die kathozische Auffassung der Dinge hier durchschlagen mug und es vielleicht auch parteipolitisch für das Zentrum nicht ungünstig sein wird, wenn einmal die Meinung Noms und der Bischöfe herauskristallisiert wird Manche Rechtskreise im Katholizismus werden dann zu ihrem nicht geringen Erstaunen einseben lernen, wie im Grunde„vazisistisch" die Meinung der Rirche ist! Trotzdem: Die Aufgabe ist schwer und verantwortungsvoll für die Partei. Aber sie füllt eine Lücke im Parteiprogramm aus, die trüher noch nicht vorbanden war, weil sie nicht als solche emosunden wurde, und es ist ja bezeich nend, daß wir sie heutc als solche empfinden! Uns will scheinen, als wenn gerade den Windtvorstbunden hier eine große Aufgabe zufällt, klärend zu wirken und die Stimmung abzutasten. Gerade die Jugend kann in diesen Fragen überaus werivoll mitwirken Das Wehrorogramm des Zentrums wird auch vor liebgewordenen Anschauungen und Begriffen nicht Halt machen dürfen. Es muß wahrhaftig sein und nach innen die Ideen weiter Volksklassen wirkungs voll zusammenfassen; nach außen ein Bekenntnis zum Völkerfrieden sein, der aber nur in der Gerechtigkeit gegen alle wirklich gefestigt werden kann.“ werde. damit alle Offisiere und alle Truppen zu ihm übergingen. Es kam anders es zab Widerstände im Heer, und das Offizierkorvs mußte erst gereinigt, mußte ern viljudlkitren gemacht werden, eine Operation, die Zeit in Anspruch genommen hat und erst jüngst ganz beendet worden ist. Nun schwankte lange alles um Pilsudski berum, und während seine Persönlichkeit, umwittert von der Legende koscinskohaften Nationalbeldentums magische Anziebungskraft übte, sammelte sich um ihn eine merkwürdig zusammengesetzte Anbängerschaft, gar niat übereinstimmend in den sachlichen Anschauungen, nur„vilsudftistisch". Pilsudski aber hat keine politische Doktrin. wie Mussolini sie ja gewiß auch nicht immer hatte, aber doch zuletzt ausgestellt hat. So ist es denn möglich. daß sich heute um Pilsudfki sieben Gruppen scharen, die seinen Regierungsblock bilden, sieben Grupven von so verschiedenen politischen Auffassungen, daß es kein Wunder ist, daß diese Regierung, trondem sie bedingungslos über die Armee gebietet, doch nicht schlagiertig ist. Es sehlt even am Operationsvlan. Man konnte marschieren, aber niemand weiß ohe:. Da ist zunachst die Pilsudski am nachsten stebende „Gruooe der Obersten“. Sie umsaßt alle parlamentarisch tätigen Offiziere und empfiehlt den Staatsstreich zur Oktrovierung einer neuen Versassung. Aber einer solchen Politik widersteden die andern Grupren; die liberale Arbeitervereinigung des Ministervrändenten Bartels, die„Krakauer Intellektuellen“, zu denen wohl auch der Staatspräsident Professor Moscicki zu rechnen ist, eine Bauerngruppe, eine Grupve ehemaliger Sozialisten. Es gibt auch Konservative und Monarchisten um Pilsudski. Wie kann unter so merkwürdigen Umständen sich ein einheitlicher Wille bilden? Wie kann er sich auch in dem Führer Pilsudski bilden? Als ein einigendes Element der Regierungstruvren erscheint nur die Abneigung gegen die von der Ovvosition im Seim repräsentierte formale Demokratie. Der Seim, der als Macht gegen Pilsudski und die ihm anhandende Armee nicht austommen kann, macht ausgiebigen Gebrauch von seinen verfassungsmäßigen Budgetrechten. Er rügt die enarmen Ausgabeüberschreikungen, die sich auf 500 bis 600 Millionen Iloto belausen, verlangt Auskunft übe: Verwendung dieser Summen und Belege. Pilsudiki verweigert sie. Wofür sind die Summen ausgegeben. Landesverteidigung? Für Wablzwecke? Richt eine allgemeine Antwort will Pil'udski geben. Er fühlt sich als der„Volkserwahlte" und ruft wie jener Scipio. dem der Senat seine Kriegsrechnung abverlangte, dem Volke zu:„Folgt mir zum Kavitol, wir wollen den Göttern für den Sieg danken!" Der Seim denkt nicht so. kann nicht so denken, besteht auf Rechnungsvorlegung und hat gegen den Finanzminister Czechowicz Anklage vor dem Staatsgerichtshof erhoben, um die Rechnung und die Belege erhalten. Czechowicz hat sich bisher nur mit der Bemerlung gewehrt:„Es gibt Fälle, wo auch Minister varieren müssen.“ Er beruft sich also auf Staatsraison und wird gewiß nichts gegen Pilsudski sagen oder ihn gar verraten. Was wird der Marschall tun, um aus dieser Lage herauszukommen? Wird er das Schwert ziehen, um den Anoten zu zerhauen? Aber das bedeutete Emvörung gegen den Staatspräsidenten. Pilsudski hat den sozusagen eingesetzt und ihm versönlich Treue geschworen. Leicht wird auch ein Pilsudski sich nicht entschließen, diese Treuc zu brechen. Hinter iom murrt und drängt die mee. d. b. das Offizierskorps, denn der Mannschaften kann man nie hundertprozentig sicher sein. So bleibt denn die Lage voll von Ratseln. Von Pilsudski weiß man nur, daß er zur Zeit sehr leidend und sehr schlechter Laune ist, die sich in hemmungslosen Beschimpfungen seiner Gegner entlädt. Es don nert, es blitzt, aber es schlägt nicht ein. Rußland ermittiert Hausbesitzer Neue wohnungspolitische Maßnahme der Sowjetregierung. 4 Moskau, 10. April.(Telegr.) Die Regierung hat beschlossen, am 1. Oktober die ehemaligen Hausbesiver, deren steuerpflichtiges Jahreseinkommen 3000 Rubel übersteigt, aus den kommunalisierten Häusern zu ermittieren. Ausgenommen von dieser Maßnahme bleiben Wissenschaftler, Techniker. Künstler usw. Auch Pächter oder Eigentümer von Industriennternehmungen werden nicht exmittiert. S Um die Zahl und Höhe der deutschen Annuitäten Rätsel um Pilsuösti Warschauer Brief 2. Warschau, 9. Aoril 1939. Piliudski ist heute von mehr Ratseln umwoden als irgend ein Staatsmann Europas. Er ist ein Willensmensch, und dennoch weiß kein Mensch in Polen. was Pilsudski will. und er weiß es vermutlich selbst nicht. Dennoch hat Marschall Pilsudsti zahlreiche unvanger, die mir ihm durch dick und dunn marschieren werden, ohne daß sie wissen, wohin er sie führt— ja, ohne daß er das selbst weiß Als Piljudski im Mai 1926 seinen Staatsstreich machte, aber nicht die Konsequenz einer Militärdiktatur daraus zog, gab es Leute, die ihn wegen dieser Zurückhaltung einen„grohen Bürger“. nannten. Er buldigte formell der Demokratie und der Verfassung. begnügte sich damit. ein neues Staatsoberhaupt wahlen zu lassen und selbst Dienst unter diesem zu nehmen. In Wirklichkeit erhod er Anspruch darauf, daß niemand ihm widersorechen dürfe. Es gibt heute viele unter seinen Freunden, die seine Bescheidenheit von damals, seine Unterordnung unter die formale Demokratie tadeln und der Ansicht sind, er hätte damals, als er es konnte, nach dem Schwert der Diktatur greisen und es schwingen sollen. Aber konnte er das? Pilsudski fand in jenem Mai 1926 doch Widerstand in der Armee. Sein Ratgeber. General Zeligowsti hat sich damals geirrt, indem er ihm die Sache so vorstellte, daß Piljudskis Erscheinen vor Warschaus Toren genügen Der Gläubigerstreit geht weiter. Unmögliche Forderungen □ Paris, 10. Aoril.(Telegr.) Havas berichtet über den Stand der Sachverständigenverbandlungen: Die Delegierten der Gläubigermächte haben während des Tages die Besprechungen über die Frage der Jahl und Höhe der deutschen Annuitäten fortgesetzt. Nach einer gemeinsamen einstündigen Sitzung. der auch der Vorsitzende Owen Young beiwohnte, ist über die Zahlen, die der Diskussion zugrunde gelegt worden waren, um die Annuitätenstaffelung ausfindig zu machen, die am geeignetsten wäre, die Forderungen der Gläubigernationen zu befriedigen und dennoch der Zahlungsfabigkeit Deutschlands Rechnung zu tragen, von den Sekretären der verschiedenen interessierten Gruppen eine veraleichende Aufstellung gemacht worden. Petit Parisien“ sagt zu den zur Debatte gestellten Zitsern: Die Kontroversen beziehen sich auf den Betrag für die Revarationen im eigentlichen Sinne. Wenn man die Gesamtiumme der Entschädigung, die man von Deutschland fordert, auf 1 Milliarde schätzt, dann würde das Reich zu Beginn Annnitäten von 1909 Millionen zu bezahlen haben, die auf 2700 Millionen steigen und nach 37 Jahren, also nach Tilaung der eigentlichen Revarationesumme, auf 1700 Millionen zur Deckung der interalliierten Schulden zurückgehen würden. Da Dr. Schacht sich kategorisch weigert, höhere Zissern als die Normal=Annnität des Dawesplanes von 2.5 Milliarden in Erwägung zu ziehen, bemuhen sich die Gläubiger, eine Verständigung über eine Eutschadiaungseisser von weniger als einer Milliarde zu suchen. Man soricht jetzt von 750 Millionen, was eine Anfangsannuität von 1600 Millionen ergeben würde. Im übrigen berichter„#venir“: Wenn man sich nicht verständigt, wird, wie man versichert, der Vorsitzend. der Konferenz, Owen Doung, ein orovisorisches Abkommen für die Dauer von 15 Jahren auf Grund eines von dem Dawesplan ziemlich verschie denen Zahlungsplanes vorschlagen. Gestern ist sogar das Gerücht im Umlauf gewesen, daß die amerikanische Delegation bereit wäre, eine derartige Lösung vorzuschlagen. aber das Blatt fragt selbst, ob es sich hierbei nicht um einen Versuchsballon handele, da die übrigen Gläubiger=Delegationen sich einem derartigen Kompromiß wenig günstig zeigten. Besonders die französische Delegation werde darauf bestehen, daß nun eine endgultige Regelung des Revarationsvrodlems, gemäß den Beschlüssen von Genf, erfolge. Die mexikanischen Aufständischen verlieren den Boden unter den Füßen 2 Neunork, 10. Aoril.(Telegr.) Vom Hauptquartier der Rebellen in Jimine; wird zugegeben, daß die merie tanischen Bundestruppen die Stadt Chibuahua besetzt haben. &∆ El Pase(Texas), 10. April.(Telear.) Die El Pasa gegenüberliegende mexikanische Grenzstadt Juarez ist heute von mexikanischen Bundestruppen besetzt worden. Wenige Stunden säter hatten die Aufständischen die Stadt geräumt. Ruhe in Hankau Was hat Feug Dub Siang vor? # London, 10. Aoril.(Telear.)„Daily Telegraph“ meldet aus Shanghai: Die Schiffahrt aus dem Jangtse wird wieder ausgenommen. Berichte aus Hankau beKARNERDER DIKTATOR DURCA VERLAG OSKAD MIEISTER WEROAUS 32)(Nachdruck verdoten.) „Das ist kein Wunder. Sir“, sagte Mok.„Denken Sie daran, daß schon viele Tausende dieser Augelelemente in Rußland urbeiten und daß Karner Woche um Woche große Platin= und Goldtransvorte an die Bant von Rußland sendet. Karner macht das Land reich. Die fünf Milliarden Banknoten haben mit seiner Erfindung Deckung. Gebt es so weiter, so wird die Bank von Rußland in einigen Jahren über den größten Gold= und Platinbestand der Welt verfügen. Karners Erfindung rüttelt an der Goldwahrung. Ich halte ihn ja für so klug, duß er im richtigen Moment seine Stoffgewinnungsmaschinen abstellt, um eine Entwertung der eigenen Schätze zu vermeiden, aber sicher ist, daß das Weltreich England in wenigen Jahren zerschlagen ist, wenn es uns nicht gelingt, den Mann und mit dem Mann das Werk zu vernichten. Es muß geschehen.“ Kavitän Mok verzog leine Miene. „Ich weiß", fuhr Sir Ramsay fort,„Sie sind so stolz auf Ihr Vaterland wie ich, und trotzdem stehen Sie der Gewaltmaßnahme. zu der ich gezwungen bin, nicht sympathisch gegenüber“ Mol wiegte den Koof.„Sir Ramsas“. sagte er gedehnt.„Sie kennen meine Meinung. Ich halte die Gefahr für England nicht als eine unmittelbare. Karner ist klug. Er baut erst Rußland auf. und wenn dieser Aufbau in großen Zügen vollendet ist, dann erst wird er weiter greisen. Karner muß unschadlich gemacht werden, aber... bedenken Sie, Sir.. Karner verfügt über eine ungeheure Kraft. Wir wissen nicht. welche Kraft es ist. Aber wir gehen sicher nicht fehl. wenn wir annehmen, daß es die Urkraft ist, die das Universum zusammenhält. Haben Sie sich schon einmal damit befaßt. Sir Ramsan, festzustellen, was sich mit dieser Kraft anstellen lant?— Alles. aber auch alles lätt sich damit anfangen. Wenn die zwölf Bombenflugzeuge über der Karnerstadt am Fuße des Ural kreuzen, um sie durch ihre Gas= und Dunamitbomben zu zerstören, wird Karner sie durch seine Urkraft niederzwingen, ebe sie in der Lage sind. das Werk zu vollenden. Was dann? Alle Welt wird wissen, daß es sich um eine Aktion Englands handelt. Ueberlegen Sie sich den Schaden, der vielleicht nie wieder gut zu machen ist" Ramsay nickte.„Ich versteh: Ihre Bedenken. Sie müssen aber berücksichtigen, daß unsere Flugzeuge wie der Blitz aus heiterem Himmel kommen, und Karner Gegenmaßnahmen nicht schnell genug ergreisen kann. Ich verspreche mir viel davon, alles sogar!“ „Wie aber, wenn Karner über unsere Maznahmen unterrichtet ist?“ „Wie sollte das möglich sein?“ Mok griff in seine Brusttasche und brachte eine Anzahl Papierc vor „Sir, seben Sie sich diese Abschriften von Deveschen an. Sie sind in den leuten Wochen aufgegeben worden und an einen Konsul Stahl in Riga gerichtet. Ich vermute, daß sie einen ganz anderen Sinn haben, als es im ersten Augenblick scheint.“ Ramsav griff erregt nach den Blattern. Habe Geschäftsverbindung angebahnt und Aussicht auf Erfolg. Lommer,“ war der Inhalt der ersten Devesche. Mok bemerkte:„Das heißt übersetzt: Ich habe Fühlung genommen und bin mit den beireifenden Kreisen in Verbindung getreten.“ Die zweite Devesche:„Bin in Firma ausgenonmen worden. Hat anscheinend grogen Schlag vor. Versuche Näheres zu erfahren. Lommer" „Das könnte heißen“, sagte Mok,„daß er in den Bund der Patrioten ausgenommen worden ist und daß er über das beabsichtigte Unternehmen etwas erfahren dat.“ „Das ist mir sicher, Kavitän.“ „Sicher nicht, aber möglich. Man bekommt im Laufe der Jahre einen Blick dafür. Ich habe das Gefühl, daß es mit diesen Deveichen nicht richtig ist.“ „Wer ist eigentlich dieser Lommer?" Mok zuckte die Achseln.„Das weiß ich nicht. Die Deveschen sind auf verschiedenen Aemtern ausgegeden worden. Der Mann scheint vorsichtig zu sein. Jeden= falls, Sir, wäre es wichtig, zu erfahren, wer in letzter Zeit in den Bund der Patrioten ausgenommen worden ist.“ „Das kann ich Ihnen aus dem Gedachtnis sagen, Kavitän Mok. Es ist Sir Shitton „Scheidet aus.“ „.... und der bekannte indische Privatgelehrte TbarNurt.“ Mok überlegte.„Hm! Thar=Nuri kenne ich versönlich Eigentlich scheidet er auch aus, aber ich traue dem Braunen nicht. Ich werde mich mit Thar=Nuri etwas naher bejassen.“ „Dem steht nichts im Wege. Kavitän.“ Mok wandte sich zum Geben In der Tür aber hielt er noch einmal an. „Sir. ist es Tatsache, dak Javan das Bündnis mit England gekündigt hat“ „Es ist Tatsache.“ „Und daß die englische Arbeiterpartei im Unterhaus einen Antrag einbringen wird, der darauf hinzielt, daß sich die Regierung mit Karner in Verbindung setzt und alles versucht, um eine Einigung zu erzielen, selbst wenn dazu große Zugestandnisse nötig sind?“ Ramsan etschral.„Davon ist mir nichts bekannt. Ein solcher Antrag ware in diesem Zeitpunkt der reine Landesverrat.“ . ware gut. Sit, wenn Sie mit dem Premierminister darüber Rücksprache nehmen würden, ebe es zu dem Antrag kommt. Wertvoll ist schon, wenn Sie erreichen, daß dieser Antrag noch zurückgestellt wird.“ Ramsay versprach, dies sofort zu tun, und Mok ging. * Ramsan konnte den Premierminister am gleichen Tage nicht erreichen. Am Abend stand er dem Bund der Patrioten bei einer gobeimen Sitzung als Leiter vor. Der Bund der Patrioten besaß ein Versammlungslokal an der Themse. Ramsaos Mitteilung von dem geolanten Schritt der Arbeitervartei erweckte Riesensensation und stürmische Entrüstung. Sir Birkenhead wurde ersucht, mit dem Vorsitzenden der Arbeitervartei, mit dem er versönlich befreundet war, Rücksprache zu nehmen und ihn zu bestimmen, mit dem Antrag noch zu warten. Sir Ramsav referierte über die letzten Ereignisse in Rußland. Er erwähnte Rostoff und kam zum Schluß auf die„letzte Aktion“ zu sorechen Er trat dafür ein, daß die Aktion erfolge. Die Abstimmung ergab neun Stimmen dafür und eine dagegen Nach Beendigung der Sitzung trafen sich die Vorstandemitglieder in den Klubräumen mit den anderen Mitgliedern. Auch bei ihnen erweckte die Nachricht über den geplanten Schritt der Arbeitervartei die heitigste Entrüstung Der würdige Inder Thar=Nuri, der ein ständiger Gast des Klubs war, schüttelte den Kovf Mit seiner tiefen Stimme, die einen nasalen Beiklang hatte, lagte er:„Graßbritannien würde sich dabei viel verderben. Karner würde dartn eine Schwäche Englands seden und noch weniger zu Kompromissen geneigt sein. Ich wurde einen solchen Antrag für eine Torbeit halten.“ Die ruhigen Worte des alten Inder, der seit vielen Jahren als warmer Freund Englands und überzeugter Anhanger englischer Kultur galt, wirkten sehr stark. Alle stimmten ihm zu. und es entfvann sich eine längere Aussrrache darüber. Ramsay kam zu dem Inder und begrüßte ihn. Er dachte an die Aussorache mit Mok und betrachtere den inder genau Thar=Nuri hielt seinem Blick ruhig stand. Er unterhielt sich mit ihm in abgeklärter Weise, seine Gedanken waren durchdacht. Thar=Nuri hatte eine besondere Art zu fragen. Er fragte überhaupt immer. Scheinbar sprach er lo hin, und doch war jeder Satz eine Frage. Ramsan ging in der Unterhaltung etwas mehr aus sich heraus. Schließlich sagte Thar=Nuri:„Ich begrüße es, daß der Bund der Patrioten etwas aus sich herausgeht und endlich zur Aktivität schreitet.“ Verdutzt sah ihn Ramsan an.„Woraus schließen Sie das. Sir?“ Der Inder lächelte sein und verbeugte sich.„Aus Ihren Worten. Sir Ramsay, und aus Ihrem Wesen Sie brennen darauf. der gefährlichen Mann des britischen Reiches zu vernichten. Das würe ich, der so viek mit den Menschen zusammen war. Die meisten Gelehrten gehen in die Einsamleit, um dort zu studieren und um ihre Gedanken zu fassen. Ich halte das für falsch. Wer den Menschen studieren will, wer die Aktivität, das belebende Element. in seinem Leben haben will, der muß unter die Menschen geben Ich habe es getan und kann Ihnen versichern. Sir Ramsan, daß ich ein interessantes Leben führte" „Ich zweisle nicht daran“, entgegnete Sir Ramsay höflich. Thar=Nuri blieb bis sät in den Abend. * Am nächsten Morgen suchte Sir Ramsan den Premierminister auf. Caine, mit dem Ramsan versönlich befreundet war, empfing Ramsav sehr herzlich „Ausgezeichnet, daß Sie kommen, lieber Ramsas. Ich habe schon bei Ihnen angerufen und erhielt Nachricht, daß Sie auf dem Wege zu mit waren. Ich kann mir schon denken, was Sie bewegt. Die Sache mit dem Antrag der Arbeitervartei. Stimmt es?“ „Allerdings. Lord Caine.“ „Ich kann Sie in dieser Angelegenheit angenehm unterrichten. Ich habe mit Cliff Burton Rücksprache genommen und er hat mir daraufhin versorochen, den Antrag vorläufig nicht einzubringen.“ „Sie habe sicher durch die Regierung erklärt, daß England zu Verhandlungen mit Karner bereit ist?“ „Allerdings!“ „Und ist es die Regierung tatsachlich. Sir?“ „Diese Frage. lieber Ramsay kann ich Ihnen nicht beantworten. Die Regierung ist sich noch nicht schlüssig geworden. Sie nimmt vorläutig eine abwartende Stellung ein und hofft, daß Ereignisse eintreten, die die Lage von selber entspannen“ (Fortsevung folgt * 1 2— * sagen, daß dort wieder normale Verhältnisse zu herrschen „en und daß der Handel allmählich wieder in Gang * ommt. Finanzminister Sung hat sich nach Hanlau be die Finanzen der Stadt in Ordnung## 11 Times“ meldet aus Shanedat: Feeis Duh Siangesenkung der„Imalone“ drei Hauptpunkte auf: 1. habe die die Frage aufgeworfen, ob die Bestimmungen der VerVerfolgung des Schitfes nicht in der von den Vertragen träge den amerikanischen Kustenwachtschiffen gestatten, ein bestimmten Entfernung von der Küste angefangen, die anderes Schiff anzugreifen und in den Grund zu bohren, einer Stunde Fahrt entspricht, 2. sei die Theorie der un= um das Recht der Durchsuchung anzuwenden, und ob ein ausgesetzten Verfolgung nicht annehmbar, falls diese solches Verfahren, das möglicherweise zu Verlusten an echti Streitmacht stebt 30 Meilen nordlich von Hankau und setzt ihren Vormarsch in südlicher Richtung sort. Es herricht trot der veröffentlichten amtlichen Erklärungen einiges Mißtrauen bezüglich seiner Absichten. außerhalb der Dreimeilenzone angefangen habe, 3. wird Menschenleben und an Gütern führen könne, berechtigt sei. Die neue Aera im Ewigen Rom Im Juni verläßt der Papst zum gebungen vor Pius II.— Besserung Zwischen den Feiern Von unserem römischen Mitarbeiter. Dem Chronisten mangelt es heuer nicht am römischen Stoff. Man erlebt in Rom eine solche Fülle von Ereignissen, daß man knapp Zeit hat, sie alle gehörig zu verdauen. Ihr vielseitiger Charakter verhindert, daß man von all den dunten Erlebnissen ermüdet und über sättigt werden könnte. Wohl aber kann man es verstehen, wenn sich in der Heimat der Wunsch geltend macht. nur an den großen Haupt= und Wendepunkten mitzufolgen, da so vieles die deutsche Aufmerksamkeit in Atem hält. So sei denn auch heute nur ein Ueberblick über die gatikanischen Geschebnisse der letzten Tage geboten. Alles drängt jetzt nach den erhebenden Osterfeiern auf den großen enoaultigen Tag des Friedensschlusses zwischen Vatikan und Quirinal bin. So weit es sich heute übersehen läßt, wird der Juni den glauzvollen Höhepunkt der Entwicklung der divlomatischen Verhandlungen bringen. Es scheint heute festzustehen, daß der Papst am 24. Juni zum ersten Male den Vatikan verläßt, um in seiner Pfarrkirche, G. Giovanni in Laterano, zu zelebrieren. Kurz vorher erwartet man nach dem Austausch der Ratisikationen den endgültigen Abschlun des sechzigjährigen Zwistes. Nach wie vor kann man erleben, wie Vatikan und Quirinal sich gegenseitig mit freundlichen Aufmerksamkeiten bedenken. Am 6. April trafen 22000 ebemalige italienische Alvini(Alventrupven), darunter 2000 Offiziere und 2000 Feldkapläne, in Rom ein Alle trugen otvil mit dem grünen Alvinibut. In Sankt Peter murde am Sonntag eine heilige Messe gelesen, und dann segnete der Paost von einem Fenster seiner Räume aus die Reservetruppen, zumeist Kriegsteilnehmer, mit ihren Fabnen auf dem Petersplatz. Bei der nachfolgenden Kundgebung marschierten die Alvini zum Grab des Unbekannten Soldaten und am König vorbei. Schon einmal sah Rom dieser Tage eine solche Massenkndgebung, als ersten Male den Datikan— Kunddes Verhältnisses zu Frankreich 5000 französische Jugendliche und Studenten beim Papst in Audien; waren, der für sie am folgenden Tage auch im Petersdom eine heilige Messe las, und als diese Franzosen dann am Erabe des Undekannten Soldaten in Rom, dem sogenannten Altar des Vaterlandes. einen Kranz niederlegten. Die Papstaudienz sollte zugleich ein feierliches Treugelöbnis der französischen Jugend an den Parst sein, nachdem die Action Francaise so viel Verwirrung gestiftet hatte. Und die dreiviertelstündige Papstansprache bewies. daß der Papst mit großer Genugtuung und Freude diese Kundgebung hinnahm Alles deutet darauf, daß nun auch die vatikanischen Beziehungen zu Frankreich gebessert werden sollen, zumal da nun erst einmal neun Missionskongregationen der Weg nach Frankreich geöffnet worden ist, wenn auch unter engberzigen Bedingungen. Nun wird bekannt, daß der Papst den Kardinal Levicier zu seinem Legaten für die Erinnerungsfeierlichkeiten zu Ehren der heiligen Jungfrau von Orleans, die im Mai in Frankreich veranstaltet werden, ernannt hat. Auch diese Aufmerksamkeit wird ihren Eindruck in Frankreich nicht verfehlen. Zu Ostern waren über 1200 deutsche Pilger in Rom. Sie kamen aus Berlin, München, Düsseldorf, Freiburg und Wien. Der Papst empfing sie und beehrte sie mit einer herzlichen deutschen Ansprache. Ein selten schönes Wetter begünstigte die Pilgerfahrt, die den Teilnehmern sicher unvergeßlich bleiben wird. Das freudige und reiche Leben, das die Kirche gegenwärtig entsaltet, kulminiert in Rom. Und wenn man das emsige Wirken aller vatikanischen und kirchlichen Aemter und Persönlichkeiten hier beobachtet, die fieherhafte Tätigkeit an allen Ecken und Enden der vatikanischen Stadt, dann versteht man, daß Rom sich auf Großes runet. Die nächsten Feiern werden davon zeugen, wie die vergangenen in diesem Zeichen standen. Nuntius Pacelli in Rom. Rom, 10. Aoril.(Telegr.) Runtius Pacelli ist gestern in Nom angekommen und abends vom Paost empfangen worden. Schweres Verkehrsunglück bei Heinsberg Ein Autobus fährt gegen einen Baum— 20 personen zum Leil M schwer verletzt h Heiusberg, 10. Avril. In Unterbruch ereignete sich gestern nachmittag ein schweres Autounglück. Aus unbekannter Ursache fuhr ein mit 30 Personen besetzter Autobus der Glanzstoffwerke Oberbruch gegen einen Baum. Der Wagen wurde stark beschädigt. 20 Personen wurden teils schwer, teils verletzt. Eine Untersuchung über die Entstehung des Unglücks ist im Gange. * Ausforderungen, die ebeliche Gemeinschaft wieder herzustellen, nicht nachgekommen war. Die Frau wurde mit vier Schülsen im Rucken ius St.=Joseph=Hospital geschafft. Ob sie mit dem Leben davonkommen wird, ist zweiselhaft. Der Ehemann flüchtete nach der Tat auf den Boben des Hauses und schoß sich beim Herannahen leicht des Uebersallkommandos eine Rugel in die Schläse. Die Schuzvolizei brachte den mit dem Tode Rringenden in das Stadtische Krankenhaus. Teunksucht und Mißbandlung soll zu dem ebelichen Zerwürsnis geführt haben. Bei einem Jusammenstoß schwer verletzt h Bielesel d. 10. April. In der Gemeinde Gellershagen stieß ein Lieserwagen der Schlächterei des Bieleselder Konsumvereins mit einem Personenauto zusammen. Der Personenwagen wurde von dem Besitzer Meiniger gesteuert, während sich im Wagen selbst drei bei der Firma beschäftigte Werbedamen befanden. Durch den heftigen Zusammenstoß wurden die drei Frauen schwer verletzt. Herr Meininger kam mit leichteren Verletzungen davon Sämtliche vier Verletzten wurden dem Krankenhaus zugeführt. Das Unglück in wonl darauf zurückzuführen, daß ein zwischen den beiden Autos fahrender hoch beladener Strohwagen den Chauffeuren die Sicht nahm und so beide Wagen zusammenstietzen. Jurchtbares &a Elberseld, 19. Avril. Heute nachmittog hat gins=Pistolen. #.0 gi,#grz.; zmm ger Gtmee. bern auch noch Pfandscheine für Stoffe und Ebefran, die so bei ihren Eltern, Ludwigstraße Ju. S;shermaren, die aus Diebstählen stammen. Bisaufhielt, in deren Wohnung mit einem Nevolver her sind etwa 17 Einbruchsdiebstähle, die auf das Konto nievergeschossen. weil sie seinen ausdringlichen der Bande kommen, aufgeklärt worden. Die internationale Räuberbande * Wissen, 10. Avril. Der angestrengten Tätigkeit der Polizei gelang es nunmehr. noch weitere Mitglieder der weit verzweigten Räuberbande festzuneh: men. Der kürzlich verhaftete Italiener hatte bei seiner Vernehmung einen Russen namens Tomanom als den Hauptanführer bezeichnet. Dieser konnte nun mit einem Genossen bei Düren verhaftet werden. Er wurde bei einem Einbruch überrascht und ergab sich erst nach heitigem Kugelwechsel mit der Polizei. nachdem er seine ganze Munition verschossen hatte. Die Feststellungen haben ergeben, daß die Bande sich aus Deutschen. Russen und Italienern zusammensetzte. In gleichem Zusammenhana wurden, wie bereits berichtet, vor kurzem auf dem Bahnhof in Siegburg zwei ebenfalls zu dieser Bande gehörende Motorradfahrer verhaftet. Beide stammen aus Köln und sind der Polizei als schwere Jungen bekannt. Die Diebe führten mehrere Bunde„Automagnetschlüssel und Aktentaschen voll Werkzeuge für Einbrüche mit. Auf dem Boden eines Kofiers fand man ganze Streifen Munition für Browning=Pistolen. Man vermutet, daß die ganze Bande in Köln ihren Schlunfwinkel hat. Man fand bei den RäuPsandscheine für Stoffe Wiederaufnahme sämtlicher Fememorsprozesse? Der„Sekretär der Kaiserin“ verhaftet ihn schwebt. Gegen Hartung wird, wie die Korresvondenz erklärt, noch ein weiteres Verfahren eingeleitet werden, da er einem linksstehenden Berliner Abendblatt eine Anzahl Artikel geliefert hat, in denen Briefe der Hohenzollernschen Vermögensverwaltung gefälscht wiedergegeden worden sind. Der siebenfache Mordverdacht gegen Feldwebel X Berlin, 10. Aoril.(Telegr.) Nach der im Rechtsausschun des Landlages erfolgten Mitteilung, daß sich der ehemalige Feldwedel Gahlbusch auf dem Wege nach Deutschland defindet, nachdem die Vereinigten Staaten seiner Auslieferung wegen siebenfacher Mordbeteiligung stattgegeben haben, glaubt eine Berliner Korresvondenz die Wiederaufnahme aller Femevrozesse voraussagen zu können. Sie erinnert daran, daß Fahlbusch vorgeworfen wird, daß er in den Gemefällen Sand. Wilms. Gädicke. Brauer und Reim die entlgeidende Rolle gespielt hat Fahlbusch ist während der Landsberger Prozesse von Klaporoth und einigen Zeugen auf das schwerste belastet worden. Weiter wird Fabldusch beschuldigt, seinen Mithelfer, den ehemaligen Feldwebel Büschina, ermordet zu haben. Fahlbusch ist, wie feststeht, mit Büsching zusammen von einem italienischen Hasen aus zunächst nach Südamerika geflüchtet. Unterwegs ist Büsching eines Nachts auf dem Schitt verschwunden, ohne daß sich damals feststellen ließ, ob der Vermißte einem Unglücksall oder einem Gewaltakt zum Opfer gefallen ist. Die Ermittlungen der deutschen Behörden werden sich, wie die Korrespondenz meint, auch auf diese rätselhafte Tai ausdehnen, und man wird durch Heranziehung des Logbuches des Dampiers und der italienischen Besanung versuchen, hier Klarheit zu schaffen. Die Verluste der Raiffeisenbank restlos beseitigt 1 Berlin, 10. Aoril.(Telegr.) Zu den durch verschiedene Blätter lausenden Nachrichten von Verlustgeschäften der Deutschen Raiffeisenbank stellt der Vorstand der Deutschen Raifseisenbank erneut fest, daß es sich nicht um neue. sondern um die alten vor etwa vier Jahren entstandenen Verluste handelt, über die in den Jahren 1926 und 1927 in den öffentlichen Generalversammlungen der Deutschen Raifseisenbank in Hamburg, Koln und Königsberg in allen Einzelheiten berichtet worden ist und die durch die im Verein mit der Preußenkasse durchgeführte und in der Generalversammlung vom 13. März 1929 zu Berlin beschlossene Sanierung der Deutschen Raifseisenbank endgültig und restlos beseitigt worden sind. Für die der Deutschen Raifseisenbank angeschlossenen Genossenschaften steht damit fest: 1. daß sie außer den bereits eingezahlten Aktien keinen Pfennig verlieren; 2. daß ihnen die im Jahre 1926 geleisteten Bürgschaften zurückgegeben werden; 3. daß ihre Mitglieder in keiner Weise zur Verlustdeckung herangezogen werden; l. daß ihre Spareinleger nicht im geringsten den Verlust auch nur eines Pfennigs ihrer Spareinlagen zu befürchten brauchen. Die 5 Punkte der kanadischen Note r Washington, 10. April.(Telear.) Wie gemeldet wird, zählt die kangdische Protestnote gegen die VerDas Ende einer„hohen Mission“. Berlin, 10. Aoril.(Telegr.) Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Köln ist, wie eine Korreivondenz meldet, hier vor zwei Tagen ein Schwindler und Hochstapler namens Karl Hartung verdaftet worden, der unter der Vorgabe, ein illegitimer Sohn des früheren Kaisers und der Sekretär der jetzigen Gemahlin Wilhelms u zu sein, zahlreiche Personen um erhebliche Beträge gevrellt hat. vartung hatte sich der Korresvondenz zufolge vor etwa zwei Jahren an die Hausverwaltung des früheren Kaisers gewandl und um eine Unterstützung gebeten, da er angab, kriegsverletzt zu sein. Hartung erhielt längere Zeit hindurch Zuwendungen, und es wurde ihm schließlich eine Stellung bei einer Berliner Speditionsfirma vermittelt, die er jedoch nach kurzer Zeit wieder aufgeben mußte, da er seine Pflichten gröblich vernachlässigt hatte. Hartung wandte sich erneut an das Hausministerium und führte mit diesem einen ausgedehnten Brieswechsel. Als er sab, daß er keine Zuwendungen mehr erbielt, verlegte er sich auf Betrugereien. Mit Hilfe der Schriftstücke, die er von der Hausverwaltung des früheren Kaisers erhalten hatte, bezeichnete er sich in gewissen Kreisen als den Sekretär der„Kaiserin Hermine“ und ließ durchblicken, daß er in Deutschland wichtige volitische Missionen zu erfüllen habe. Einer ganzen Anzahl von Personen gegenüber gab sich der Schwindler als illegitimer Sohn Wilhelms UI und seiner jetzigen Gattin aus und wußte allerlei Geschichten aus Doorn zu erzählen, so daß er das Vertrauen weiter Kreise erwarb. Hartung benutzte die Verbindungen, die er sich so geschaffen hatte, dazu, überall mehr oder weniger große Beträge zu erborgen, mit denen er schließlich verschwand. Besonders in Köln war es ihm gelungen, Beträge von über 15000 Mark zu erbeuten. Hartung, der in letzter Zeit seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hatte, wird nach Köln übergeführt werden. wo das Hauotverfahren gegen Eine Chicaoder Synagoge überfallen Chicago, 10. Avril.(Telear.) Fünf maskierte und mit Revolvern und Schrotflinten bewaifnete Banditen drangen in die hiesige erste rumänische Synagoge ein und beraubten die Anwesenden, etma 80 Männer und Frauen, um Geld und Juwelen im Gesamtwert von 7000 Dollar. Es ist dies der erste Raubüberfall, der in Chicago jemals auf ein Gottesbaus ausgeführt worden ist. Ein Vertreter der rumänischen Regierung, Viktor Philivos, hielt gerade einen Vortrag über die Zehnjahrseier des vereinigten Rumäniens, als die Banditen bereinstürmten und alle Anwesenden zwangen, sich an der Wand aufzustellen. Darauf wurden sie der Reihe nach durchsucht. Die Banditen rissen den Frauen die urmhänder und Ringe von den Armen und Händen. Philipps nahmen sie 60 Dollar ab übersahen jedoch 500, die er in seiner Geheimtasche bei sich trug * Strafantrag gegen den Herausgeber der„Grünen Briese“. # Berlin. 10 Aoril.(Telegr.). Der preußische Handelsminister Dr. Schreiber hat wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt. gegen den Herausgeber der sogeannten„Grünen Briefe". Josef Sonntag. Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung gestellt die in einem Artikel„Zweierlei republikanisches Maß" enthalten ist. Der Artikel besaßt sich mit dem Eingreifen des Handelsministers gegenüber dem früheren Direktor der Staatlichen Vorzellanmanufaktur Moufang. und beschuldigt den Minister. er habe die Sache vertuschen wollen. 10. er sei der Justiz in die Arme gefallen und habe sich der Begünstigung schuldig gemocht. * Bändel! Gewerbe 7 Industrie# Der Reichsbahnverkehr im Monat März im Direktionsbeziek Essen. und Frankreich über Perl=Jgel war auch unter Berücksichtigung der größeren Zahl Arbeitstage wesentlich stärker(35 000 To.) als im Februar. Insbesondere machte sich der Mehrversand an Koks an die de=Wendel=Werke in Diedenhofen bemerkbar. Die Kokstransvorte nach Steiermark(Donawitz und Eisenerz) erfuhren ebenfalls eine Steigerung um 5000 To Die im Monat Februar angelieferten großen Kohlenmengen nach Oesterreich hörten ansangs März auf. Mit dem Nachlassen der großen Kalte und dem Eintrin des Fruhjahres beiebte sich der Reiseverkehr merklich. Der Ausflugsverkehr in das Ruhrtal kam wegen der zu kühlen Witterung noch nicht recht zur Entwicklung. Dagegen nahm der Massenverkehr aus Anlaß Der verstärkte Kohlenverkehr nach Holland hielt von Fußballwettsoielen einen beachtlichen Umsang an. Es auch noch bis Mitte März an. Zur Erleichterung für die sind hierfür im Berichtsmonat im ganzen 22 Sonderzüge volländischen Bahnen wurden im Bezirk Essen Sammelgefahren. Der Osterverkehr war in diesem Jahre ebenso stark wie Ostern 1928. Für die Abwicklung des Betriedes war es diesmal günstig, daß der Ferienanfang in die Mitte der Woche fiel und daber der Verkehr sich auf meh S. rere Tage verteilte. Jezirk Essen züge mit Kohlen für Dmuiden. Amsterdam. Blaardingen zusammengefaßt. Nach den belgischen Umschlagplätzen Gent und Antwerpen wurden im März noch 15 direkte Es sind im Monat März im ganzen 147 Personenlonder züge gejahren, davon für den Osterverkehr 110 Vor= und Nachzüge zu regelmäßig verkehrenden Zügen Der Exvretgutverkehr war gegen den Vormonat nicht unerbedlich stärker. Namentlich machte sich ein lebhafter Eingang von Frühjahrsneuheiten und Bedarfeartikeln für das Osterfest bemerkdar. Der Eilstückgutverkehr hatte ungefähr gleiche Stärke wie im Märs vorigen Jahreo. Im Frachtstücautverkehr war zwar gegen den Vormonat eine beträchtliche Zunahme fektzustellen, die in der gewohnten Frühjahrssteigerung ihre Ursache hatte. er erreichte jedoch nicht den Umsang des Vorjahrsmonat#. Für den Versand von Kohlen. Koks und Briketts wurden insgesamt 884 736 oder arbeitstäglich im Durchschnitt— bei 25 Arbeitstagen— 33 119 Wagen zu je 10 To. gestellt, gegenüber 801373 oder arbeitstäglt bei 24 Arbeitstagen— 31 909 Wagen zu 1e 10 To. im Vormone:. Der Kohlenumschlas in den Quisburg= Ruhrorter Häsen belief sich auf 911 737 To.; er enti#llt fast ausschließlich auf die 2. Monatshälfte, da der Umschlaa=betrieb bis zum 14. März infolge der Vereisung des Rheins ruhte Sammelzüge mit Kohlen ab Ruhrzechen in Gang gesetzt: auch gelangten rund 6 Sonderkohlenzüge nach belgischen Emrfangswerken zur Abfertigung. Im Bezirk Essen wurden im Monat März 2351 186 Zugkilometer und 127137317 Achokilometer gegenüber 2 676 849 Zugkilometer und 104 553 532 Achskilometer im Die anfangs Marz noch anhaltende große Kalte hat en in sonstigen Jahren schon einsetzenden Gemüseverkehr aus dem Kölner Vorgebirge und Holland noch nicht zur Entwicklung kommen lassen. Ale nambafter Verkehr trat der Gemüjeverkehr aus Südfrankreich über Perl in Erscheinung. Immerhin erreichte er aber nicht * G7.L ne- O 0—— 41P Monat Februar gefahren. Warenmärkte. Berliner Produktenhorse Berlin. 10. April.(Telegr) Das Geschaft war ehr still. Das Angebot an Inlandsbrotgetreide war klein. Am Lieserungsmarkt setzte Weisen bis um 1 Mk. Roggen bis um 50 Pfg. niedtiger ein. Trou der ermäßigten Preise kam es zu Umlapen. Auch das Mehlgeschäft ist schlecht. Hafer lag kaum verändert. Gerste still. Es wurden notiert: Weizen, ma k. 221—224. Roggen, mark 204—207, Buttergeiste 192—202. Hafer, märk. 198 bis 204. Malo 213—217. Weis nmebl 24.75—29.40. Roggenmehl 26.50—28.75. Weizenkleie 15.25—15.60 Roggenkleie 14.60—14.85, Viktoriaerbsen 43—49, kleine Speiseerbsen 28—34. Futter=bsen 21—23. Peluschken 23 bis 26.75. Ackerbohnen 22—24. Wicken 28—30, blaue Luvinen 16.50—17.50 gelde Luvinen 22—21.30. Seradella. neue 50—56 Rapskuchen 20.20—20.10, Leinkuchen 24 bis 24.00. Trochenichnitzel 14.20—14.50. Soja'chrot 21—21 40. M Gerreide 1000 Kilo. Mebl Kartaffelslocken 20—21 RM und Juttermitiel 100 Kilo. A Grstheilung, InrmerhinTireäcter Wor. die Stärke des Vorjahres, weil die Kulturen in Süd frankreich anscheinend auch unter den Kältewirkungen gestanden haben. Kölner Häute= und Felldorse. 1: Köln. 10. April. Alle Häuterattungen waren gut 1 haben. gefragt. Es entwickelte sich angenehmer Geschäftsverkehr. Koksverkehr noch Lotbringen. Luxemburg! Die Preise blieben gegen die letzte Notiz unverändert. Hamburger Warenmärkte Hambure, 10. Aoril(Telear.) Auf dem Kaffee= marti lagen die Brasilosierten im Preise unverändert bis um 1 fh. boder. Da von Neunork gleichfalls höbere Preise gemeldet wurden, zogen die Preise am hiesigen erminmarkt gleichfalls an. Die Tendenz blieb ruhig. — Auf dem Reismarkt war das Geschäft klein. die Tendens ruhig. Die Preise hielten letzten Stand.— Auf dem Hülsenfruchtmarkt entwickelte sich nur sehr mäßiges Geschär: Haltung und Preise blieben gegen genern unverandert.— Auf dem Gewürzmarkt hat sich die Lage kaum geändert. Die Tendenz war stetig bis sest. Die Preise hielten letzten Stand.— Auf dem Schmalzmarkt war die Tendenz stetig. Es wurden notiert:„Amerikanisches Steam Lard 29.75 Dollar. raffiniertes Schmalz verschiedener Marken. in Tierces 31—31.50 Dollar.(in Firkins zu 50 Kilo 0.5 Dollar. in Eimern zu je 12.5 Kilo 1.5 Dollar teurer als, in Tierces) Hamburger Schmalz in Dritteltonnen. Marke Kreuz. 35 Dollar die 100 Kilo netto verzollt.— Auf dem Getreidemarkt wurden notiert: Weizen 23.30 bis 23.30. Roggen 22.60—22.80. Hafer 21.90—22.20. Sommergerste 23.40—24 ausl Gerste 17—17.50. Mais 19.20 bis 19.40 RM., La=Plata=Lein aa 18.50—18.60 fl. Im Termindandel wurden notiert: Weizen per Mai 185.50 Verk., per Juli 194.50 Verk. Tendenz: willig.— Roggen per Mai 174 Kaufer, per Juli 183 Verk.— Tendenz: willig — Gerste per Mai 168 Käufer, per Juli 171 Käufer. Tendenz: ruhig.— Mais der Mai 173 Käufer, per Juli 170 Käufer. Tendenz: ruhig. Börsenberichte. Berliner Borse. Eher sreundlich Berlin, 10 Avril.(Telegr.) Die Borse eroiinete in überwiegend abgeschwachter Haltung. Einige Spezialwerte, wie Schultheiß Patzenhofer. Kaliwerte und Polyphon waren auf Auslandskäufe fest und gefragt. Nach den ersten Kursen überwog Lun Angebot. Im Verlauf war die Haltung freundlich. Das Geschäft konzentriette sich auf Polyphon. Kali= und Spezialwerte, die weiter stiegen. Polyphon gewann weitere 10 Prozent. Bis zum Schluß hielt die freuntliche Stimmung an. 3u Beginn der Nachborse bröckelten die Kurse leicht ab. Deutsche Anleiben lagen rudig. Devisen gefragt und durchweg fester. Am Geldmarkt börte man für Tagesgeld 6—8 Provent. für Monatsgeld 7½ bis 8½ Prozent. Der Privatdiskout nle#he unnetar dert 626 Prozent für beide Sichten Düsseldorfer Termin= und Kuxenbörse. Dusseldorf. 10. Aoril.(Telear.) Die„Kurendörse nahm heute im allgemeinen einen ruhigen Verlaus. obwohl es in einigen Pavieren zu recht umfangreichem Besitzwechsel kam. Dies gilt in erster Linie von Dieraardt. die zu letzten Preisen in einer göberen Anzahl von Stücken aus dem Markt genommen wurde: Von Kohlenaktien kam es zu größerem Geschäft in Lothringen. Niederrheinische erzielten einen Gewinn von 2 Prozent und wurden glatt ausgenommen. Am Braunkohlenmarrt gewannen Bruckdorf=Nietleben weitere 100 Mk. Die üdrigen Werte blieben umsatzlos. Am Kalimarkt kam es nur zu kleinem Geschäft in Habiahorst zu etwas anziebenden Kursen. Die übrigen Werte lagen kaum verändert und ohne Umsatz Von Kaliaktien ist die Steigerung der Hallesche Kaliaktie bervorzuheben, die 7 Prozent gewann bei belangreichem Verkehr. Am Terminmarkt hatten Kali=Industrie lebhaftes Geschäft. Dieselben eröffneten ½ Prozent schwächen konnten im Verlauf jedoch 2 Prozent anziehen. und hielten diesen Kurs bis zum Schluß. Kleines Geschäft entwickelte sich sonn noch in Rbeinstahl. Mannesmann und Köln=Neuessen. Allgemeine Nachrichten. Dreodner Bank. In der Hauotversammlung wurde von Angestelltenvertretern der Antrag gestellt. von den Gewinn 1.5 Mill. Ml. für eine Gratifikation an alle Angestellten zu verwenden. Der Antrag wurde gegen 764 Simmmen abgelehnt. Die Verammlung genehmigte den Abschluß und die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent. gegen 764 Stimmen. Neu in den Aufsichtsrat wurden gewähl! die Herren Wolf. Delius(in Firma C. U. Delius u. Sähne in Nielefeld) und Mar Weil(Düsseldorf). Phonix A.=G. für Berabau und Huttenbetrieb in Büsseldors. Der Aufsichtsrat beschloß in seiner heutigen Sitzung. der am 2 Mai stattfindenden Haupt=Versamm lung aus einem Reingewinn von 15 147101 Mk. wieder eine Dividende von 6½ Prozent zur Verteilung vorzuschlagen. Schlegel=Scharvenieel Brauerei A.=G. in Bochum Laut Kundmachung über die Zulassung neuer Anien ist der Absan in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres größer gewesen als in der gleichen Zeit des Vorjabres. Im Februar und Januar 1929 ist der Absan infolge der Junahme der Arbeitelosigkeit, besonders aber wegen der anhaltenden Kälte. gegenüber' dem Vorjahre enas zurückgegangen, wahrend er sich im Marz 1929 ungs fahr am der Hobe des Vorichres hielt. Wir sind bei lolgenden Kassen des Krankenkassenverbandes Herne zugelassen: Allgemeine Ortskrenkenkasse Betr.-Krankenkasse der Masch.-Fabrik Plottmann. Betr.-Krankenkasse der Masch.- Fabrik Schuchtermann& Kiemer— Baum. Vereinigte Innungskrankenkassen. Innungskrankenkasse der Zwangsinnung f. Maurer po Allgemeine Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde Herne. 16712 Dr. Schemm Dr. Grosse Zahnarzt, Neustr. 12 Zahnarzt. Heinrichstr. 19 t Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abtlg. B ist heute unter Nr. 148 eingetragen worden: die Firma„G. J. Dickehage& Sudmöller, Spiriruosen und Farbenhandlung. Gesellschaft mt be schränkter Haftung in Herne. Gegenstand des Unternehmens ist der Ankauf, die Herstellung und der Vertrieb von allen einschlägigen Artikeln, die in einer Drogen=, Spiriruosen- und Fardenhandlung geführt werden. Stammkapital: 20000 Reichsmark Geschäftsführer sind: 1. Kaufmann Julius Dickehage in Dortmund, Friedrichstraße 65. 2. Kaufmann Fritz Sudmöller in Herne=Sodingen, Kirchstraße 14=16. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellchaftsvertrag ist am 3. Januar 1910 abgeschlossen. Jeder Gesellschafter ist zur Vertretung allein berechtigt. Herne, den 5. April 1929. 16844) Das Amtsgericht. Bekanntmachung Den durch Verfügung des Oberversicherungsamtes Dortmund mit Wirkung vom 1. April 1929 unserer Kasse überwiesenen ehemaligen Mitgliedern und Arbeitgebern der Allgemeinen Ortskrankenkasse Castrop= Rauxel wird hierdurch bekannt gemacht, daß Der Beitragsprozen satz nicht wie in Castrop=Raux=l 5¾, sondern 6 beträgt Die Herren Arbeitgeber werden hievaufhin ganz beforders hingewiesen, damit sie sich durch falsche Abzüge nicht selbst schädigen. Interessenten können Tabellen über Beiträge und Leistungen der Kasse in unerer Zweiostelle(Amtshausbaracke) während der Dienststunden in Empfang nehmen. 16830 Herne, den 10. April 1929. Allgemeine Ortskrankenkasse Herne J. A.: Hareg, Verwaltungs=Direktor. Dauerwellen System„Meyer“. 10935 eiunig am Platze. 6 Monste haltbar, garastiert anschätlich für de: Nast Darfümerie Grabowski Inhaber Fr. Badenhorst Einziges und Altestes Spezialgeschäft am Platze Herne, Bahnhofstr 20 Ruf 52436 Gesründet 1012 Recklinchausen steatlanerknnt Breitestraße 55 Zweigenstal Herne, Schölerett. 5 n. d. preuß. Erl. Telolon Nr. 420 Leitung: Mus kdrektor Poul Feike vom 2. Mai 1925 Das Konservatorium bezweckt: 1. die vollständige künstlerische Ausb Idung so cher Schüler, welche die Munk zu ihrem Lebenabe ut erwählt haben: 2. Freunden der Mlusik Gelegerheit zu bieten, ihre rähigkeiten und Konninisse dusch gründliche, kunstgerechte Unterweisung zu erweitern: J. insbesondere der Jugend eine gediegene praktische und theoretische Grundlage zu geben, wie s1e die allgemeine Bildung hautzutage erfordert. Beginn des Unterrichtes: Dienstag, den 16. April Zusemmenspiel, Theorte und Musikdiktat sind kostenlose Nebentächer. Aus wörtige Schiller erhalten zur Benutrung der Vostischen- und Herner Straßenbahnen Schülerfahrkarten. Einiri1t jederzeit. Auskunf und Prospekte kosienlos im Büro der Ansiall. Simsa iS ERLE:1 HASER:: Tanzkursus — für die kath. Vereine im kath. Gesellenhaus. Beginn: Donnerstag, den II. April 8 Uhr K I E TTIUwneingetroten bei: Alleinverkaut für Herne und Umgegend F. 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Weber: Quo. zu„Der Freischütz“.— Strauß: Wo die Zitronen blühen, Walzer.— Delibes: — Czibulka: Walzerserenade„In dich“. c 20.45: Westsälische Judilare. Stierlin: Weihemusik für Harsentrio.— Ilse von Siach liest aus eigenen Werken.— Zwei westfälische Volkslieder— Friedrich Castelle spricht aus eigenen Dichtungen.— Imkamp: Lied: Du alte Stadt im Kranz der Linden.— Julius Harl: Gedichte— Stierlin: Aus der Suite„Aus Westsalen". für Klaoier. Violine und Cello— Karl Wagenfeld soricht eigene Dichtungen— Heitere Lieder von Wesseler und Stierlin.— Sängergruß. Mitp.: I Imkamp(Gesang), V. Haslinde u. W. Mah Rezitat.) Doppelquartett„Liederbocn“ Münster.# Anschl.: Münster: Konzert. Kavelle Hein Weder. ac an schönen Rhein ion geblieben sein Wenn das nur gut geh lere morgen Capitol a# Deutsche Welle 1646. Sender Königswusterhausen und Jecsen. Deutiche Welle. Donnerstag, 11. Nortl. 12.30: Mitteilungen des Reichsstädtebundes o 13.45: Bildtunk m 14.30: Kinderstunde Dr. Knottnerus=Mener: Meine Freunde unter den Raudtieren. 9 15: Proz. Dr Lampe: Aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur e 15.40: Dr Margarete Jacobsohn: Was muß die Frau vom Handelstett einer Zettung wissen?# 16: Marl Sprachentwicklung und Erziehungsschwierigkeiten 16.30: Dr. P Fechter und Dr Michaelis: Richard Dehmel o 17: Berlin: Nachmittagskonzert Mitw.: E. J Bach, Br. Gimpel.# 18: Dr Luesse: Autorecht o 18.00: Spanisch für Fortgesch o 18.55: Prof Dr Jorn: Wirtschaftlichere Methoden des Weidebetriebes. B 20 „Acts und Galatea“. Pastoral von Handel, für Soli. Chor und Orchester—„Der zutriedengestellte Aeoius“, Kantate von Bach. für Soli. Chor und Orchetter. Solisten: Lotte Leonhard Sopran Bötel(Tenor). C. Bronsgeest(Bak).= Danach: Tanzmusik. Kapelle Otto Kermbach. * 7•* Nummer 84, Zweites Blatt Herner Anzeiger Donnerstag, den 11 Aprsl 1929 Dienst am Kunden bei der Reichspost. Der Junggeselle kann sich vom Telephonamt wecken lassen.— Das stumme Amt.— Postamt im Hause. Anpassung an die demokratische Zeit. Es ist ein erfreuliches Zeichen, wie die Reichsunter= tionsbezirken sind die Behinderten heute durch die nehmungen im letzten Jahrzehnt der demokratischen Sammlung mit Rundfunkgerät versorgt. Staatsform in ihrem Verkehr mit den Kunden Rechnung getragen haben. Die Auffassung, daß sich der Staatsbürger, der den Dienst dieser Unternehmungen in Anspruch nimmt, einem Betrieb zu unterwerfen habe, ist längst überwunden. Er wird heute als Kunde eines geschäftlichen Unternehmens behandelt, und alle Dienstanweisungen an die Beamten von Reichspost und Reichsbahn betonen es immer wieder, daß dieses neue Verhältnis des Unternehmens zum Staatsbürger auch im persönlichen Verkehr zum Ausdruck gebracht werden soll. Innerhalb ihrer Einrichtungen betont die Reichspost seit Jahren ganz besonders stark den Willen, dem Kunden zu dienen, etwa in der Form, wie im modernen Geschäftsleben ein„Dienst am Kunden“ aufgefaßt wird. Es handelt sich darum, dem Benutzer der öffentlichen Einrichtungen die Inanspruchnahme nöglichst zu erleichtern und darüber hinaus mögliche Annehmlichkeiten zu schaffen. Darunter fällt z. B. die verhältnismäßig junge Neuerung, daß die Reichspost nun zur Uebermittlung von telegraphischen Glückwünschen ein Schmuckblatt serausgegeben hat, das als Lx=Telegramm sich großer Beliebtheit erfreut. Durchschnittlich werden m Monat 70000 bis 80000 Lx=Telegramme ausgejeben.— Die zahlreichen Erleichterungen, die durch das Telephon gegeben sind, zählen ebenfalls hierzu. So die Einrichtung, daß sich der Junggeselle am Morgen von der Telephonvermittlungsstelle zur bestimmten Minute wecken lassen sann, daß man Telegramme durch das Telephon aufzeben und am Empfangsort durch das Telephon weitergeben lassen kann. Die letztere Einrichtung ist vieleicht noch zu wenig bekannt. Hat der Telegrammempfänger Telephonanschluß, so kann man ein Telezramm mit sogenannter Fernsprechanschrift aufgeben. Es genügt, die Telephonnummer, den Nanen und den Ort anzugeben. Dadurch erspart man nicht nur Wortgebühren, sondern man erreicht auch, daß die Nachricht sogleich nach der Aufnahme dem Empfänger durch das Telephon zugesprochen wird. Das Telegrammformular wird dann als Brief zugeschickt. Zuspruch und Briefsendung geschehen kostenlos. Um dem Kunden, der täglich große Postauflieferungen hat, die Frankierung zuerleichtern, gibt die Reichspost Frankiermaschinen aus, die Postkarten, Briefe, Drucksachen, Warenproben, Zahlkarten und Paleikarten markenlos freistempeln. Die Gebührenverrechnung geschieht an diesen Maschinen selbsttätig und mit sichtbarem Zählerstand. Sicherlich bedeutet diese Einrichtung ungeheure Zeitersparnis für den Postkunden, seine Auflieferungen werden schneller befördert, er braucht keine Portokasse zu führen, hat sozusagen das„Postamt im Hause“. Zahlreiche technische Neuerungen der Post sind in weiteren Kundenkreisen noch zu wenig bekannt. Hier sorgt das Unternehmen von sich aus für eine sachliche Aufklärung des Kunden in öffentlichen Vorträgen. Der Rundfunk, der ebenfalls von der Reichspost betrieben wird, würde eine vornehme Aufgabe verfehlen, wenn er nicht gerade an die Menschen heranreichte, die durch Krankheit, Siechtum, Blindheit oder Lähmung von der Außenwelt fast abgeschlossen leben müssen. Krankenhäuser gehen heute mehr und mehr dazu üner, jedem Kranken die Möglichkeit zum Radiohören zu geben. Die Reichspost selbst hat sich in den Dienst dieser Aufgabe gestellt uno eine Sammlung zur Versorgung von Blinden und Siechen mit Rundsunkempfangsgerät in die Wege geleitet. Bis 1928 ergab diese Sammlung neben umfangreichen Sachspenden eine Summe von 551 000 Mark. In vielen OberpostdirekDer Umstand, daß man heute im Großstadtverkehr fast auf Schritt und Tritt die Einrichtungen der Post, wie Telephon, Wertzeichengeber und Briefkasten benötigt, hat die Post veranlaßt, an belebten Plätzen in größeren Städten, an Ausflugsorten, in öffentlichen Gebäuden mit starkem Verkehr „das stumme Am!“ einzurichten, ein Glashaus, das die gebräuchlichen Apparate enthält.— Wie das Warenhaus etwa bei größerem Einkauf dem Kunden die Pakete durch Kraftwagen ins Haus bringt, so holt die Reichsvost vom Kunden die aufzuliefernden Sendungen ab. Ein telephonischer Anruf an das Postamt, und in kürzester Zeit ist der Kraftwagen der Post zur Stelle, der vom Geschäftshof sogleich zum Bahnhof fährt. In der Stadt ist es der Zustellwagen der Paketpost, der auf Verlangen Pakete auf der Straße in Empfang nimmt. Besonders vorteilhaft ist die Einrichtung auf dem Lande, wo sie dem Postkunden weite Wege zur nächsten Aufgabestelle erspart. Die Extragebühr für ein Paket bis fünf Kilogramm beträgt nur 20 Pf. Aus den norddeutschen Häfen gehen täglich zahlreiche Waggons mit leichtverderblichen Lebensmitteln ab, die in ihrem Innern besondere Kühleinrichtungen haben, um die Waren auf dem Transport vor Verderben zu schützen. Diese Kühlwagen gehören der Reichspost, sie verkehren auf den Strecken Flensburg— Kiel— Leipzig und Husum— Hamburg— Leipzig. Besonders zur Beförderung von Butter, Eiern und Wurstwaren sind diese Wagen von den Aufgebern geschätzt. Ihre mittlere Temperatur beträgt sieben bis zehn Grad Celsius. Jährlich werden etwa 2 ¼ Millionen Pakete mit Schleswig=Holsteiner Markenbutter durch diese Kühlwagen der Reichspost befördert. Auch das ist Dienst am Kunden. Auf dem flachen Lande hatte der Fernsprechverkehr bis noch vor wenigen Jahren eine große Unannehmlichkeit, nämlich, daß man ihn nach fünf oder sechs Uhr, wenn die Vermittlungsstelle geschlossen hatte, nicht mehr benußen konnte. Durch die Einrich= tung von selbsttätigen Fernsprechvermittlungen ist diesem Uebel abgeholfen worden, so daß die Tellnehmer heute Tag und Nacht, unabhängig von den Dienststunden der Postanstalten, sowohl im Orts= als auch im Fernverkehr sprechen können. Bis Ende 1928 gob es in Deutschland rund 450 solcher automatischen Postämter. Geschäftshäusern und Banken, welche mit ihren Filialen in anderen Orten regen telegraphischen Verkehr pflegen, richtet die Reichspost im Bureau den eigenen Telegraphen ein, der unabhängig von den öffentlichen Telegraphen die direkte Nachrichtenübermittlung bei Tag und Nacht gestattet. Diese sogenannten„Springschreiber“ werden durch eine Maschinentasdatur bedient, die jeder Stenotypistin geläufig ist. Für die Einrichtung dieses Haustelegraphen ist eine einmalige Gebühr zu entrichten, daneben für die Beanspruchung der Postkabel eine laufende Vergütung an die Post. Die Vorteile, die der„eigene Draht“ mit sich bringt, liegen auf der Hand, und er wird heute von vielen Großunternehmen als ein unentbehrliches Mittel zur direkten Nachrichtenübermittlung geschätzt. Wo die Reichspost in den letzten Jahren Neubauten errichtet hat, ist der Gedanke des Kundendienstes mehr als früher in den Vordergrund getreten. Moderne Postanstalten haben„. B. nicht mehr die kleinen Schalterfenster, sondern den offenen Schaltertisch, der rein äußerlich schon den Kunden in ein persönlicheres Verhältnis zu dem Beamten setzt. In Bad Oennhausen, wo alljährlich viele Kranke, die in ihrer Bewegung behindert sind, zur Kur weilen, ist der Zugang zum Postamt ohne Stufen angelegt. Hier hat die Reichspost in ihrem Bestreben, dem Kunden zu dienen, das Beispiel der Kuranstatten nachgeahmt und die Stufen durch eine glatte Zufahrt ersetzt, so daß auch die Kurgäste, die im Rolistuhl fahren müssen, ungehinderten Zugang zum Postamt haben.— In Vierten, einer Stadt von 30 000 Einwohnern, in der Nähe von Krefeld, wurde jüngst ein neues Postamt eröffnet, das in einer bequem, schön und modern eingerichteten Schreibstube dem Postkunden gestattet, seine Korrespondenz in der Post selbst zu erledigen. Ein praktischer Gedanke auch war es, daß man Postschließfächer innerhalb dieser Schreibstube anlegte, so daß sie von den Kunden bequem zu erreichen sind Noch zahlreiche Einrichtungen der Reichspost, die fast durchweg in den letzten zehn Jahren getroffen worden sind, ließen sich in diesem Zusammenhang aufführen. So die„Postwurfsendungen“, die dem Geschäftsmann eine billige Möglichken„ür großzügigen Reklame bieten, die Ausgabe von handlichen Markenheftchen, die mit den gebräuchlichsten Marken aus der ewigen Verlegenheit helfen, die beschleunigte Zustellung der Postsendungen auf dem flachen Lande durch Kraftposten, die Durchführung des Personenverkehrs durch Kraftwagen in landschaftlich reizvolle Gegenden usw. Erfreulich sind diese Einrichtungen einerseits durch die tatsächlichen Bequemlichkeiten und Erleichterungen, die sie bieten, andererseits aber mehr noch durch den neuen Geist und das neue Verhältnis vom Beamten zum Privatmann, wofür sie Zeugnis ablegen. Mißsbrauch der Arbeitslosenversicherung Vorschläge zur Reform. In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen, die auf die Mißbräuche in der Arbeitslosenversicherung hinweisen. In der K. V. beschäftigt sich jetzt der aus der Arbeiterschaft hervorgegangene Vorsitzende des Duisburger Arbeitsamtes, Karl Weindrenner, mit diesem Problem und macht beachtliche Reformorschläge. Er schreibt: Das Gesetz vom 16. Juli 1927 hat drei grundlegende Fehler Den arbeitsunwilligen Elementen wird es zu leicht gemacht, die Einrichtung auszunutzen. Der Begriff der Arbeitsfähigkeit ist zu weitherzig gefaßt. Endlich leisten die Arbeitgeber— infolge Fehlens entsprechender Vorschriften— aus Bequemlichkeit der mißbräuchlichen Benutzung Vorschub. Nimmt ein Unterstützungsempfänger die zugewiesene„zumutbare" Arbeit nicht auf, dann erhält er für die nächsten vier Wochen keine Arbeitslosenunterstützung. Das ist alles, was ihm passiert. Arbeitsfällig im Sinne des Gesetzes ist derjenige, der mindestens ein Drittel dessen verdienen kann,„was Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen". Das ist des Güten wirlich etwas zu viel. Statt den wahren Entlassungs- oder Nicht einstellungsgrund anzugeben, der sehr oft zur Verhängung einer längeren Wartezeit führen würde, schreiben die meisten Arbeitgeber oder ihre Beauftragten, um Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen,„Wegen Arbeitsmangel entlassen“ oder„Nicht geeignet“, wenn der Arbeitslose bei der Einstellung Einwendungen gegen die zugewiesene Arbeit erhebt. Ist es verwunderlich, wenn bei dieser Rechtslage Mißbrauch mit der Arbeitslosenversicherung getrieben wird? Bei der Beratung des Gesetzes haben die Sachkenner auf das Unmögliche dieser Regelung hingewiesen. Man hörte nicht auf sie, verabschiedete das Gesetz mit verfassungsändernder Mehrheit und jetzt— wird geschimpft! Welche Wirkung vorstehende Bestimmungen haben, kann jedes Arbeitsamt ziffernmäßig belegen. Hier nur einige Ziffern aus dem Arbeitsamt Duisburg. Das letzte Mitlel zur Prüsung des Arbeitswillens sind die Notstandsarbeiten, wenn die Unternehmer verpflichtet sind, die vom Arbeitsamt überwiesenen Arbeitslosen einzustellen. Zugewiesen wurden vom Arbeitsamt Duisburg n Im ersteren Falle sanden also nach Ueberweisung in Notstandsarbeiten 9 5zw. 13% selber Arbeit(oder hatten es nicht nötig, zu arbeiten) und im zweiten Falle 30 bzw. 18 7. Nicht eingestellt wurden 15 bzw. 12 ¾. weil sie angeblich„nicht geeignet“ waren. Eine sehr bequeme Ausrede. In der Zeit vom 1. Juni 1928 bis 20. März 1929 mußten 2182 Arbeitslose einer ärztlichen Untersuchung unterzogen werden, weil sie angevlich die zugewiesene Arbeit nicht verrichten konnten oder Zwvisel an der Arbeitsfähigkeit bestanden.(Arbeitsfähigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung zum Unterstützungsbezug.) Das Ergebnis der ärztlichen Begutachtung dieser 2182 Personen ist folgendes: 17% 22% 19% 23% 9%5 10% Für jede Arbeit geeignet Für die zugewiesene Arbeit geeignet Für mittelschwere Arbeit geeignet Für leichte Arbeit geeignet Arbeitsunfähig Zur Burteilung war spezialärztliches Gutachten oder Beobachtung im Krankenhause notwendig Diese Ziffern zusammengenommen reden eine erschütternde Sprache. Die Arbeitslosenversicherung soll sein eine Einrichtung, um ehrlichen und fleißigen Arbeitern in Zeiten der Arbeitslosigkeit einen Rechtsanspruch zu geben auf Existenz. Dafür zahlen sie Beiträge. Die Arbeitslosenversicherung soll nicht sein eine Einrichtung für Arbeitsunfähige und Arbeitsunwillige. Für die ersteren muß die Familie oder das Wohlfahrtsamt sorgen, die letzteren mögen sich trollen Es ist himmelschreiend, daß ehrliche und fleißige Arbeiter für diese Parasiten Beiträge zahlen sollen. Anderseits ist es sozial gesehen ein Unrecht und arbeitsmarktpolitisch ein großer Fehler, daß sich so viele kräftige junge Leute in Stellungen befinden, die viel besser mit schwächeren Leuten besetzt würden. Wie kann man diesen unbestrittenen Mißbräuchen beikommen? Durch Gesetzesänderung, Verwaltungsmaßnahmen und verbesserte Kontrolleinrichtungen. Ohne ins einzelne zu gehen, halte ich folgende Gesetzesänderungen für unbedingt erforderlich: 1. Anderweitige Definition des Begriffes Arbeitsfähigkeit(§ 88). Die Arbeitslosenversicherung ist eine Einrichtung für Arbeitsfähige und nicht für Arbeitsunfähige. 2. Fortfall des Absatzes 2§ 110(Ausnahmen für Wartezeit). So gut sie gemeint sind, sind sie vom Standpunkt der Praxis nicht zu rechtfertigen, weil sie den Arbeitsunwilligen Vorschub leisten und die Arbeitswilligen benachteiligen. Außerdem bringen sie die mit der Durchführung der Bestimmungen betrauten Menschen zur Verzweiflung. 3. Die vierwöchige Ausschlußfrist vom Unterstützungsbezug für solche, die eine zumutbare Arbeit ablehnen, ist viel zu kur.,(§ 90). Statt dessen Ausschluß, bis sie eine neue Anwartschaft erGeisten Resenkeit Rtarrch Der Sohn des Hunstreiters. Roman von A. Tuthen. (21. Fortsetzung.) „Das ist selten, daß da mal jemand vorüberfährt!" meinte Dina.„Wer mag das wohl sein?" Und die beiden Frauen blieben stehen und blickten neugierig nach dem Wagen, in dem zwei Herren saßen. „Der eine war ein starker, untersetzter Herr mit einem etwas großen Kopf auf breitem Nacken, dessen kurzaeschnittenes, dunkelblondes Haar borstenartig in die Höhe stand. Das intelligent aussehende Gesicht war glatt rasiert und eine Hornbrille bedeckte die klugen, freundlich blickenden Augen. Er war im eifrigsten Gespräch mit seinem Begleiter von dem die hinter dem Gartengitter stebenden Frauen nur ein blasses Gesicht zu sehen vermochten. Während der Wagen ganz langsam vorüberfuhr, sprach der erstere der Herren: „Das wäe so ein Anwesen für Sie, Herr Baron, wenn das zu haben wäre—“ „Ja, das ist entzückend, das wäre in der Tat das Eldorado meiner Wünsche—“ Er wurde in seiner Rede durch einen lauten Schrei unterbrochen und man sah, wie die eine der Frauen die Gartentür aufriß und auf den Wagen zustürzte. „Haltet an!“ rief sie mit gellender Stimme„Haltet an! Der Mann da, er ist es, er ist es! Trotz seines Alters erkenne ich ihn! Ferdinand— Ferdinand! Um Gottes willen,— haltet an— haltet an! Und sie spnang, die Arme ausbreitend, vor den Wagen um ihn zum Halten zu zwingen. Der Chaufdeur verlor einen Augenblick nur die Geistesgegenwart — tat einen Fehlgriff und der Wagen zog rasch an— im nächsten Augenblick ertönte ein markerschütternder Schrei— zu gleicher Zeit stand der Kraftwagen völlig still. Mit Aufvietung all ihrer Kräfte hatte die alte Dina ihre unglückliche Herrin noch zurückgerissen. Wie eine Tote lag sie jetzt der alten Dienerin in den Armen, welche der Schrecken selber an allen Gliedern erbeben machte „Da braucht wohl jemand meine Hilfe?“ sprach der eine der Insassen, der mit der Brilse, indem er den Wagenschlag öffnete.„Die Dame scheint mir krank zu sein!“ „Ja, lieber Professor,“ antwortete der andere, „die Dame scheint in der Tat geistesgestört zu sein. Die arme Frau! Da tut Ihre Hilfe wohl wirklich not. Ich will mit aussteigen; vielleicht können wir sie gemeinsam ins Haus führen; die Person, die sie unterstützt, scheint sie ja baum mehr halten zu können.“ „Fahren Sie lieber langsam voraus, Herr Baron, zu viele Menschen möchten sie beunruhigen. Vielleicht auch tauscht sie eine Aehnlichkeit, denn Ihr#n schien der Verzweiflungsschrei der Aermsten zu gelten! Oder sollten Sie sich kennen?" Und der Professor forschte ernsten Blickes in dem Antlitz des andern Aber dieser blieb unbewegt und mit seiner Antwor:„Nie im Leben, soviel ich mich erinnere, sah ich sie jemals!“ gab er sich zufrieden, riß den Wagenschlag auf und— da das Zwischengespräch der beiden kürzere Zeit in Anspruch genommen hatte, als es hier wiedergegeben werden kann,— so kam er gerade in dem Augenblick zu Hilfe, als die zitternde Dina ihre Herrin kaum noch festhalten konnte, die sich absolut von ihr zu befreien suchte, um dem nun weiterfahrenden Wagen nachzueilen. „Laßt mich, laßt mich!“ rief sie wie eine Verzweifelte,„er ist's, nach dem ich seit so vielen Jahren suche, der mir mein Liebstes, mein Kind geraubt hat!“ Und mit dem nochmaligen gellenden Ruf:„Ferdinand!“ sank sie bewußtlos in des eben herzueilenden Professors Arme. Der Herr aber, der in schnellerem Tempo der Stadt zugeführt wurde, wandte sich, als der gellende Ruf sein Ohr erreichte, nochmals um. Wer konnte da seinen Namen gerufen haben? Die Frau da mit den eingefallenen Wangen und den grauen Haaren, mit dem seltsam starren Blick einer Wahnsinnigen— die hatte er doch noch niemais gesehen, die mußte ihn mit einem andern verwechseln oder sollte— konnte— Er griff sich an die Stirn. Allmächtiger, das konnte doch nicht Henriette gewesen sein? Sollte seine Rache ihm so— so gelungen sein? Entsetzlich Der Professor aber, der sich der halbverzweifelnden Dina als Arzt vorstellte und seine Hilfe anbot, fragte sie, ab die Dame öfter solchen Anfällen ausgesetzt sei, was die Dienerin verneinen mußte. Nachdem man die Aermste auf ihr Lager gebettet und ihre heiße Stirn mit kalten Umschlägen gekühlt hatte, fühlte der Arzt nach ihrem Puls und ließ sich währenddessen von Dina über ihren Zustand Bericht erstatten. Die zuckenden Nerven der Kranken beruhigten sich nach und nach, während ihre Rechte in der ruhigen, kräftigen des Arztes lag, und ohne vorher zum klaren Bewußtsein gekommen zu sein, verfiel sie in einen tiefen, bleiernen Schlaf. „Das sind die Symptome ihrer Krankheit", flüsterte der Professor leise, indem er sanft seine Hand aus der ihrigen löste,„nach heftigen Erregungen folgt oft diese Lethargie, die stundenlang dauern kann und aus der man sie, wenn sie zum ruhigen Schlaf wird, nicht vorzeitig reißen darf. Ich bleibe bei der Patientin; lassen Sie inzwischen dieses Rezept, das ich soeben aufschrieb, durch einen Boten besorgen. Ist der Gatte der Dame abwesend?" setzte er fragend hinzu. Der Herr Geheimrat begab sich vor kaum einer halben Stunde in die Stadt, um die jungen Damen abzuholen, und muß in spätestens einer Stunde hier wieder eintreffen", erklärte die alte Dienerin.„Soll der Bote ihn nach Hause rusen?" „Ist nicht nötig“, entschied der Professor,„bis dahin hat die Kranke sich vielleicht mehr erholt; fürs erste dürfte sie doch nicht gestört werden. Wenn Sie im Hause etwas zu besorgen haben, dann tun Sie es jetzt, und nachher setzen Sie sich zu mir, um mir ein wenig Bericht zu erstatten. „Nun überlassen Sie die Frau getrost meiner Obhut.“ Nachdem Lucie und Helene ihre Besorgungen in H. gemacht hatten, fanden sie, daß ihnen noch geraume Zeit übrig bied. So machte Lucie denn den Vorschlag, noch den Schloßberg zu besteigen und im Restaurationsgarten der alten, herrlichen Schloßruine eine Erfrischung einzunehmen. Damit war Helene gern einverstanden. Als sie gegen fünf Uhr den Garten erreichten. waren fast alle Tische besetzt. Nur in einer Laube an der Ecke der Terrasse schien noch ein freies Plätzchen zu sein Zu ihrer Enttäuschung mußten sie aber feststellen, daß auch dieser Tisch nicht mehr frei war. Ein einzelner Herr saß da und schaute träumend hinab ins liebliche Tal. Der Herr hatte in Haltung und Anzug etwas durchaus Feines, fast Aristokratisches, und das gab den beiden jungen Damen Mut, etwas zoghaft näherzutreten, um das noch einzige u freie Plätzchen im Garten, falls es noch unbesetzt, einzunehmen. Ihre Schritte hatten den jungen Herrn aus seinen Sinnen aufgeschreckt; er wandte ihnen das Gesicht zu und ein Ausdruck der Ueberraschung und der Freude malte sich auf seinem Antlitz. Rasch sprang er empor, auf die beiden Mädchen zu und rief, Helene die Hände entgegenstreckend: „Sehe ich recht? Fräulein Niederdörfer, Sie hier?“ Und sich gegen Lucie wendend, die mehr zur Seite stand:„Und das, sollte das— ist das—“ „Ja, ich bin's, Lucie Benin“, rief diese freudig erregt,„und hätte Sie kaum wiedererkannt. Herr von Freienwalde, so— so männlich sind Sie geworden!" Und bei diesen Worten legte auch sie, Helenes Beispiel folgend, ihre Hand in die seine. So standen sie einen Augenblick da, die drei Jugendgenossen, Hand in Hand, und blickten sich mit wirklicher, aufrichtiger Freude in die Augen. bis es Lucie zuerst einfiel, daß es hier im Schloßgarten doch ein bißchen auffallen dürfte, und so rief sie:„Wenn wir uns niederließen, vorausgesetzt, daß noch Platz für uns am Tische ist, dann könnten wir ja die Freude des Wiedersehens und unsere Mitteilungen, wie es möglich ist, daß wir uns hier treffen konnten, unauffälliger abmachen!" „Luz hat mal wieder recht!“ rief Helene, worauf alle sich niederließen.„Und nun erzählen Sie, Herr von Freienwalde, wie Sie hierherkommen!" „O, auf ganz einfache Weise! Nach all unseren Irrfahrten in Nord und Süd sind wir nach H. gekommen, um unsern bleibenden Aufenthalt hier zu nehmen, da ich mich als Privatdozent an der Universität niedergelassen habe.“ „Wir? So sind Sie also nicht allein gekommen?" „Rein. Mein Vater ist bei mir. Ich habe ihm vor fünf Jahren, als er so krank war, versprechen müssen, ihn nie mehr allein zu lassen.“ „Also hat sich Ihr Vater wieder ganz erholt?" fragte Helene.„Damals vor zwei Jahren war er doch noch sehr leidend.“ „Vor zwei Jahren?“ fiel Lucie ein.„Habt ihr euch denn damals ge ssen? Davon erzähltest du mir ja noch nichts. HelHelene war bei Lucie's Worten dunkel erglüht: sie bückte sich noch ihrem Taschentuch, das ihr entfallen war, und erwiderte: „Das wollte ich dir heute morgen gerade erzählen, Luz, als wir durch deine Dina unterbrochen wurden.“ Fortletzung folat. worden haben. Die Entscheidung mößte den Spruchinstanzen vorbehalten werden. 4. Einfügung eines neuen Paragraphen, der die Augstoller falicher Bescheinigungen bei Lösung des Arbeitsverhältnisses oder Richteinstellung unter Strafe stellt. Mit den allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches(Beihüfe zum Betrug) ist nicht zum Ziel zu kommen. Weiter müßten die Aussteller der salschen Bescheinigungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung schadensersatzpflichtig sein: das ist zu erreichen durch Einfügung einer entsprechenden Bestimmung in den neuen Paragraphen oder in§ 217. Als Verwaltungsmaßnahme ist erforderlich die umgehende Inkraftsetzung des§ 65 ABAVG.— Meldezwang der offenen Stellen — durch den Reichsarbeitsminister. Für ängstliche Gemüter sei der Paragraph wörtlich wiedergegeben: 1. Der Reichsarbeitsminster kann nach Anhörung des Verwaltungsrates der Reschsanstalt anordnen, daß Arbeitgeber die bei ihnen vorhandenen offenen Arbeitsplätze bei dem zuständigen Arbeitsamt anzumelden haben. Die Anmeldepflicht darf sich nur am Arbeitsplätze für Arbeitnehmer erstrecken, die der Kranken= oder Angestelltenversicherung unterliegen, sie darf sich nicht erstrecken aus Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Hauswirtschaft und in solchen Betrieben, die weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigen. Die Anmeldepflicht kann auf bestimmte Bezirke und Berufe beschränkt werden. 2. Bbsatz 1 findet keine Anwendung auf Arbeitsplätze, die durch Ausstand oder Aussperrung freigeworden sind. Wird das Gesetz in vorstehender Weise geändert und der Meldezwang eingeführt, dann können die Arbeitsämter den Mißbräuchen besser steuern als bisher und den nicht voll Leistungsfähigen helfen Die Kontrolleinrichtungen sind von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gründlich auszubauen, namentlich für solche Berufe, in denen Schwarzarbeit leicht möglich ist. Um unnützen Angriffen aus dem Wege zu gehen, nehme ich von einer Aufzählung Abstand. Jedes Arbeitsamt kennt sie. Es gibt noch eine große Reihe Möglichkeiten, die Kontrolle zu verschären, um Mißbräuche zu verhindern. Sie öffentlich zu diskutieren, erscheint mir nicht opportun. Es ist richtiger, wenn das im engeren Fachkreise geschieht. Nur soviel sei gesagt, daß dazu gut geschultes Personal notwendig ist. Diese Ausgabe ist im wahrsten Sinne produktiv. Personalkosten sparen, bedeutet noch kange keine Verminderung der Ausgaben. Das Gegentell dürfte in der Arbeitslosenversicherung der Fall sein. Auf jeden Fall müssen die Arbeitsämter in die Lage versetzt werden, den Kampf gegen Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung energisch führen zu können. Man lerne da von den Krankenkassen. Was für diese die Aerztekommission und der Vertrauensarzt ist. ist für die Arbeitsämter der Meldezwang der offenen Stellen und in Zeiten schlechter Wirtschaftslage die Notstandsarbeiten. ! Wer nun aber glaudt, daß durch diese Reformen sunfzig bis hundert Millionen Mark gespart werden könnten, befindet sich im Irrtum. Dafür ist die Wirtschaftslage Deutschlands infolge des verlorenen Krieges und all seiner Folgen viel zu ungünstig und dürfte auch vorläufig so bleiben. Welche Wirkung der Kriegsgeburtenausfall auf dem Arbeitsmarkt hoben wird, bleibt abzuwarten. Die kühnen Hoffnungen, die da und dort gehegt werden, scheinen mir reichlich optimistisch. Gowiß sollen durch die Reformen Ersparnisse gemacht werden. Sie sind aber nicht der Hauptgrund. Es kommt darauf an, die Bestimmungen des Gesetzes so zu fassen, daß sie zur Hebung der Arbeitsmoral und des Verantworlungsgefühls beitragen, dann stellen sich die Ersparnisse von selber ein. Bei dieser Gelegenheit ist der Hinweis nicht unangebracht, daß die Wohlfahrtsämter zur Hebung der Arbeitsmoral bei den Wohlfahrtsarbeitslosen manches beitragen könnten. Es ist wirklich kein Kunststück, Unterstützte durch Besorgung einer künstlichen Anwartschaft auf andere Stellen abzuschieben. Dadurch hebi man das Reinlichkeitsgefühl nicht und auch nicht die Gemeindefinanzen, sondern züchtet einen Menschenschlag, der auf Kosten der Allgemeinheit ohne zu arbeiten durchs Leben wandert in folgendem Kreislauf: 1. Anwart= chaft durch Arbeit, 2. Arbeitslosenunterstützung, 3. Wohlfahrtsunterstützung, 4. Wohlfahrtsarbeit, d. wie zu 1 und dann usw. Vorbildlich in dieser Beziehung ist die Regelung der Stadt Hamborn. Dort müssen die jüngeren und diejenigen Wohlfahrtsarbeitslosen, die gern an der Arbeit vorbeigehen, für die Unterstützung arbeiten, ohne sich eine Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung erwerben zu können. Außerdem wird die Unterstützung nicht in bar, sondern in Sachleistungen gewährt. Dadurch zwingt man sie, sich selbst um Arbeit zu bemühen. Das ist ein sittlich durchaus erlaubtes Mittel. Den Arbeitsunwilligen gegenüber gibt es nur ein Mittel:„Hartwerden“. Durch das Fehlen direkter Strafbestimmungen bei Versicherungsbetrug sind die Gerichte bei ihren Entscheidungen auf die Bestimmungen des allgemeinen Strofrechtes angewiesen. Je nach dem fallen die Urteile entsprechend aus. Beim Vorliegen einer solchen Tat— sei es Arbeitnehmer oder Arbeitgeber— hilft kein Vorbeugen, sondern nur Abschreckung und Wiedergutmachung(Schadenersatz). Zur Abschreckung im Kampf gegen Mißbrauch und Schwarzarbeit kann auch die Presse erheblich beitragen. Gewiß liegen Mißstände vor, sie können aber verhältnismäßig leicht beseitigt werden, es gehört nur etwas Mut dazu. Wegen dieser Mißstände die Arbeitslosenversicherung abschaffen wollen, hieße das Kind mit dem Bade ausschütten. und für Herne Verrückte Zeit. weiß nicht mehr, woran ich bin. Ist es noch Winter oder ist es schon Sommer? Und was soll ich antun? Soll ich im Wintermantei ausgehen oder auf Taille? Immerhin ist es ein gewisser Trost, daß es anderen Menschen anscheinend ebenso geht wie mir. Wenn ich auf der Straße die Kleidung der Menschen betrachte. so finde ich ein Sammelsurium aller Jahreszeiten. Eine Dame kommt daher im schweren Pelzmantel, dessen Kragen sie bis an die Ohren hochgeschlagen hat. Die Füße stecken in Pelzstiefeln. Ich kann mir nicht helfen, aber bei diesem Anblick friert mich selbst. muß doch wohl noch Winter sein.— Kaum bin ich einige Schritte weitergegangen, als mir eine andere Dame begegnet, die ein helles Kleid trägt und auf dem Kopf einen leichten Sommerhut. Den Herren ergeht es anscheinend nicht besser. Schwere Winterpaletots mit Pelzbesatz wechseln ab mit leichten Sommermänteln, und viele ziehen es bereits vor, im Anzug zu gehen. Wirklich, da werde ich ganz konfus. Ein Wunder ist es allerdings nicht, daß die Menschen so konfus sind. Das Wetter weiß anscheinend auch nicht, woran es ist. Vorgestern schneite es, gestern regnete es und heute scheint die Sonne. Möglich, daß es morgen wieder schneien wird. Man kann das nicht wissen, sondern muß sich auf alles gefaßt machen. Das Wetter beschert uns eine Paradoxie nach der anderen. Aus Süddeutschland und sogar aus Italien wird Schnee gemeldet, und die Meldungen aus Amerika berichten von einer enormen Hitzewelle. Ich möchte nur wissen, ob die Konjusität der Menschen von der Witterung herührt, oder ob die Witterung von den Menschen beeinflußt wird. Möglich ist beides. In Paris wird beraten, wie man uns so xeverschiedene Milliarden abknöpfen kann, und hier in Deutschland leben Hunderttausende von Menschen, die nichts zu knabbern und zu beißen haben und nicht wissen, wovon sie morgen leben sollen. Aber wir sollen bezahlen. Bezahlen, damit andere Länder, die sowieso schon genug haben, ihren Ueberfluß noch vermehren können. Wir in Deutschland machen es allerdings auch nicht viel besser. Der eine zieht nach rechts, der andere nach links, und es ist nur ein Wunder, daß nicht das ganze Gebilde schon längst auseinandergerissen worden ist. Wirklich, ich weiß nicht mehr, woran ich bin. Und wenn das so weiter geht, werde ich noch konfuser. Nur möchte ich dann doch wissen, wem ich das zu verdanken habe, den Menschen oder der Witterung. Die Angliederung des Burgerl. Brauhauses an die Schlegel=Scharvenseel-Brauerei A. G. Julassung von 1,40 Millionen Mark neuer Aktien an der Berliner Börse. Wie aus Berlin gemeldet wird, wurden die durch Generalversammlungsbeschluß der Schlegel=Scharpenseel-Brauerei A.=G. in Bochum im Januar 1928 neu. zugelassenen Stammaktien in Höhe von 1.40 M. zum Handel an der Berliner Börse zugelassen. Die Kapitalerhöhung erfolgte bekannt. lich zur Angliederung der Bürgerlichen Brauhaus A.=G. in Herne und zu der Verschmelzung mit der Victoria=Brauerei A=G. in Bochum. Von den 1.40 Millionen Mark neuen Kapivals wurden 0.25 Millionen Aktien zur Angliederung der Bürgerlichen Brauhaus A.=G. in Herne benugt. Von den 1,15 Millionen Stammaktien der Herner Brauerei befanden sich bereits 453 700 im Besitz der Schle gel=ScharpenseelBrauerei. Bei einem Umtauschverhättnis von 600 zu 100 Mark Schlegel=Scharpenseel=Aktien würden für d# noch ausstehenden 696 300 zusammen 464 200 begötigt worden sein. Da Schlegel=Scharpenseel also für diesen Umtausch nur 250000 Mark Stammaktien erforderlich. Bei der Bürgerlichen Braubaus A.=G. ergab sich ein Ueberschuß aus der Verschmelzung von 0,22 Millionen Mark und bei der Vicwria=Brauerei ein solcher von 0,58 Millionen Mark, zusammen also von 0,79 Millionen Mark, wovon nur 14 156 M. zu Abschreibungen auf die Herner Anlagen. aber 509 058 M. zu Abschreibungen bei der Victoria verwandt, während die restlichen 0.27 Millionen der Rücklage zugeführt wurden. Bei der Burgerlichen Bvauhaus A.=G. wurden nach der Abschreibung die Aktiva und Passiva mit 1,62 und bei der Victoria=Brauerei mit 3.05 Millionen übernommen. Von der Kapitalerhöhung von Schlegel=Scharpenseel blieben danach noch 0.58 Millionen neue Aktien übrig, von denen 0.37 Millionen zur Rücklieferung von bei der Verschmelzung vorgelegten Aktien verwandt wurden, restliche 0.21 Millionen Mark stehen noch zur Verfügung und sind unter Wertpapieren mit Pari eingesetzt. Das Stammaktienkapital beträgt nunmehr 6 Millionen M., daneben bestehen noch 5000 M. Vorzugsaktien über je 5 Mark, die in den bekannten drei Fällen sechsfaches Stimmrecht genießen. In diesen Fällen stehen den 30 000 Stimmen der 6 Millionen Stammaktien 6000 Stimmen der Vorzugoaktien ge genüber. Aus einer dem Antrag auf Zulassung beigegebenen Bilanzerläuterung ergibt sich, daß die Leistungsfähigkeit der Brauereidetriebe 400 000 Hektoliter beträgt. während der Brauereirechtsiuß sich auf 548 147 Hektoliter stellt. Der Absatz in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist höher als zur gleichen Vorjahrszeit gewesen. Im Januar und Februar 1929 ist er etwas zurückgegangen, im März hielt er sich auf der Höhe des Vorjahres. ** 2 Christliches Gewerkschaftskartell Herne. Der am 6. April begonnene Schulungskursus war gut besucht. Allerdings waren manche Ortsgruppen nicht vertreten, was wohl auf Konto Vorabend für Weißen Sonntag gesetzt werden kann. Die Beteiligung der Jugend wurde anerkennend festgestellt. Ihr jungen Kollegen! Kommt wieder und bringt Freunde mit. Ihr sollt später unsere Arbeit fortführen. Der Vortragende schilderte:„Entstehung des Eigentums, Schutz desselben, Verpflichtung der Besitzes gegenüber dem Volksganzen, die Tendenzen des Barkapitals, sich zu vermehren und anderes Kapital aufzusaugen. Einzelwirtschaft(individuelle) und (kollektive) Gesamtwirtschaft unter den verschiedenen Staatssystemen“. Am 13. April, abends 7 Uhr, folgt im selben Lokal der zweite Vortrag, der sich schon mehr mit aktiven Gegenwartsfragen befaßt:„Die gewerkschaftliche Organisation als wirtschaftspolitischer Machtfaktor“. Möchten die Bemühungen des Vortragenden und des Kortellvorstandes durch noch stärkeren Besuch gelohnt werden. ** Der Lohnstreit im Baugewerbe des Industriegebietes brendet. Dienstag nachmittag wurde nach stundenlanger Beratung ein Schiedsspruch gefällt, der eine Erhöhung des Maurerspitzenlohnes von 1,23 auf 1.30 M. und des Tiefbauarbeiterlohnes von 0,76 auf 0,81 M vorsieht. Die Löhne der anderen Bauarbeiter und diejenigen in den übrigen Lohnklassen ändern sich nach dem jeweiligen Schlüssel des Bezirkstaxifvertrages. Da dieser neue Schiedsspruch mit sieben Stimmen er gangen ist, ist er bindend und tritt ab 12. April in Kraft. Er hat bis zum 31. März 1930 Gültigkeit.— Da im Bangemerbe der staatliche Schlichter anegeSchädliche Einflüsse der Industrie auf die Eisenbahnlinien. Bodensenkungen— Verrostungen der Sch wellen— Verschmutzung der Gleisbettung Weit mehr als in anderen Gegenden bedürfen im Industriegebiet die Gleisantagen der Reichsbahn besonderer Pflege und Erneuerung. Das ist darauf zurück zuführen, daß im Lande der Industrie, wo der Bergbau umgeht, zahllose Schornsteine ihre Abgase geben und die Hochöfen glühen, eine Reihe schädlicher Einflüsse auf die Gleisanlagen sich gebend machen. Daneben darf nicht vergessen werden, daß die Beanspruchung der Gleise durch den Betrieb hierzulande weit stärker ist, als anderwärts. Denn hinsichtlich der Betriebsdichte steht die Reichsbahndirektion Essen, obwohl sie nach den Streckenlängen zu den räumlich kleineren Direktionsbezirken gehört, in der vorwdersten Reihe der deutschen Reichsbahndirektionen. Die schädlichen Einflüsse des Vergbaues auf die Gleise der Reichtbahn treten hauptsächlich in der Form von Bodensenkungen in die Erscheinung. Die Bodensenkungen wirken sowohl in horizontaler wie in vertikaler Richtung auf die Gleise. Es sind hier sowohl Schienen= wie Schwellen= und Laschenbrüche sehr häufig, so daß die Lebensdauer der Gleise teilweise bis zur Hälfte ihrer normalen Liegedauer herabgemindert werden. Sehr stark sind ferner im Industriegebiet die Verrostungen an den Eisenbahnanlagen. Im Bezirk der Reichsbahndirektion Essen werden jährlich ollein rund 8000 To. Material der eisernen Gleis= und Weichenschwellen durch den Rost zerstört. Diese Verrostungserscheinun gen sind hauptsächlich zurückzuführen auf die schwefelund säurehaltigen Tropfwässer der kohlenbeladenen Wagen. die für den Eiserbahnverkehr unseres Gebietes so überaus charakteristisch sind. Die Erfahrungen, die mit dem Rost gemacht wurden, haben dazu geführ:, daß im hiesigen Bezirk fast nur noch hölzerne Balmschwellen verwendet werden. Die eisernen Schwellen dagegen werden mehr in landwirtschaftlichen Gegenden gelegt. Es zeigt sich hier also die seltsame Erscheinung, daß die Eisenschwellen aus dem Lande ihrer Erzeugung in landwirtschaftliche Gegenden geschickt werden müssen, die Holzschwellen aber, die vom Lande stammen, in die Industriegegend gebracht werden müssen. Auch die Hochosenwerke bringen Schäden für die Gleisanlagen mir sich. Sie sondern den sogen. Gichtstaub ab, der stellenweise im Lause weniger Monate den ganzen Bahnkörper und das Schotterbett der Gleise überzieh: Dieser Gichtstaub wird durch Regen, zusammen mi: andderem schmutzigen Staub. in das Schotterbett der Gleise hineingespült und wirkt dort ungefähr wie Jement, weil er betonartig verhärtet. Dadurch verlier: die Gleisbettung ihre Fähigkeit, die Schläge und Stöße der darüber rollenden Fahrzeuge aufzusangen und auf den Bahnkörper zu verteilen. um diesen Schaden zu vermeiden, müssen die Steinschlagbettungen in kurzen Zweschenräumen immer wieder aufgelockert bezw. erneüert werden. schaltet ist, hätte, falls der Schiedsspruch nicht mit sieben Stimmen ergangen wäre, das Haupttarisamt für das Baugewerbe über den Lohnstreit entscheiden müssen. Rückgang des Fleischverbrauches im Zahre 1928. Auswirkungen der Herabsetzung der GefrierfleischEinfuhr. Die vom Reich herbeigeführte Verminderung der Gefrierfleisch=Einfuhr, die als Schutzmaßnahme für die notleidende Landwirtschaft gedacht war, scheint, wenigstens wenn man die Ziffern der Fleischgroßmärkte betrachtet, im Industriegebiet zu einer erhevlichen Verminderung in der Fleischversorgung geführt zu haben. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Minderung mit etwa 10 Prozent annimmt. Aus einer Statistik über den Umsatz auf dem Fleischgroßmarkt in Essen ist zu entnehmen, daß der Gesamtumsatz gegen das Jahr 1927 im Jahre 1928 um 960000 Pfund zurückgegangen ist. Der Gesamtumsatz betrug nämlich im Jahre 1927 10 614000 Pfd., und im Jahre 1928 9 653000 Pfund. Infolge der Herabminderung der Einfuhr an Gefrierfleisch stieg in Essen der Umsatz an Frischfleisch im Jahre 1928 um 3 250 000 Pfund. Da der Umsatz an Gefrierfleisch in der gleichen Zeit um rund 4200000 Pfund abnahm, so ergibt sich ein geringerer Fleischumsatz in der oben genannten Höhe von 960 000 Pfund. d. h. mit anderen Worten: Die Industriebevölkerung in dem Verbrauchergebiet, das durch den Essener Fleischgroßmarkt versorgt wird, hat im Jahre 1928 rd. 1 Million Pfund Fleisch weniger verzehrt als im Jahre 1927. Man kann ohne weiteres annehmen, daß dieser große Fehlbetrag an Fleischnahrung fost ausschließlich auf dem Tisch der ärmeren Bevölkerung sich bemerkbar machte. Dieser Rückgang an Fleischnahrung zeigt, daß die Lebenshaltung breiter Volksschichten immer dürftiger wird. Das mit aller Deutlichkeit festzustellen, ist besonders gegenwärtig, wo in Paris um die Höbe der Reparationssumme gerungen wird, von außerordentlich großer Bedeutung. *** Konzert des Doppel=Quartetts „Schlägel und Eisen". Am kommenden Sonntagabend, 6 Uhr beginnend, wird das bekannte Doppelquartett„Schlägel u. Eisen“ (Dirigent Herr Oberschullehrer Hennecke) im „Franziskaner“ ein Konzert veranstalten. Die Vortragsfolge sieht eine Reihe ansprechender Chöre vor, so„Der junge Rhein“ von Mons, die Schubertschen Volkslieder„Die Nacht" und„Der Lindenbaum“, das„Abendlied“ von Mühlberg u. a. Einen humoristischen Einschlag bieten„Ulanen=Einmaleins" von Elsässer und„Kleine Maus“ von Menzel. Das Konzert erhält erhöhtes Interesse durch die Mitwirkung von zwei jugendlichen Herner Künstlern: Hans Frommina und Alfred Kallenbach. Beide haben ihr großes Können in Konzerten bereits kundgegeden, Frömming als technisch geschulter Geiger, Kallenbach als ausgezeichneter Pianist. Am Sonntag werden sie mit einer„Cavatine“ von Raff, mit Schuberts„Ave Maria“, einer Serenade von Toselli u. a Tonwerken die Hörer entzücken. Alles in allem: das Konzert steht im Zeichen der Kunst. Ein Besuch dürfte sehr lohnend sein. ** Wanderpreissingen und Deutscher Sängerbund. Zu der viel erörterten Frage der Abhaltung eines Wanderpreissingens für große rheinisch=westfälische Gesangvereine und der Pressemeldung, man müsse sich sehr darüber wundern, daß der Kultusminister die Stiftung eines Staatspreises ablehne, obgleich er gar nicht darum angegangen sei, nimmt nunmehr der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Rechtsanwalt List=Berlin, Stellung, indem er erklärt: „Die Leitung des geplanten Wanderpreissingen: scheint zu übersehen, daß sie selbst in die Welt hinausposaunt hat, es handle sich um das Singen um einen Staatspreis und um einen Preis des Reichspräsidenten. Demgegenüber hat der Deutsche Sängerbund die selbstverständliche Pflicht, den vom Deutschen Sängerbund aufgestellten Grundsätzen in der Frage der Gesangwettstreite bei diesen Behörden Geltung zu verschaffen. Ich habe in pflichtgemäßer Ausführung der von den Organen des Deutschen Sängerbundes gefaßten Beschlüsse beim Reichsministerium des Innern, beim preußischen Kultusministerium und beim Reichspräsidenten Vorstellungen erhoben mit der Bitte, Gesuche um Verleihung von Ehrengaben zu Gesangwettstreiten irgendweicher Art abzulehnen und keineswegs ohne unsere vorherige Anhörung der Gewährung einer solchen Bitte näherzutreten.“ * Verbesserung des Sonntagsausflugsverkehrs. Die Reichsbahndirektion Essen wird einem Antrage des Westf. Verkehrsverbandes entsprechend auf folgenden Stationen Sonntagsrücktahrtorten für 2. und 3. Klasse nach Castropoder Nauxel mit Gültigkeit ab 20. April d. J. auflegen: In Dortmund=Hpf., Essen=Höf., Nord=, Süd= und Westbh und Altendorf, Gelsenkirchen=Hbf., Herne, Recklinghausen=Hbf. und Wanne=Eickel. * Die herner Ortskrankenkasse hat höhere Beiträge. Die am 1. April der Ortskrankenkasse Herne überwiesenen Versicherungspflichtigen des Stadtteils Sodingen sowie ihre Arbeitgeber werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Beitragsprozentsatz 6“, (nicht wie in Castrop=Rauxel 5½ 7 beträgt. * Tribünenkarten für das Siodtparlament. Die Herner Mittelstandsvereinigung bittet uns, mitzuteilen, daß ihre Freunde Karten zum Besuch der Stadtverordnetensitzungen am Tage der Sitzung, vormittags zwischen 11 und 12 Uhr, im Büro des Hausund Grundbesitzervereins und des Vereins für Handel und Gewerbe, Schulstraße 26, obholen können * Einrichtung des Bezirksseminars in Bochum. Auf Grund des Ministerialerlasses vom 7. 5. 27— U II 16201— und dank dem besonderen Entgegenkommen der Stadt Bochum(Schreiben der Stadtverwallung vom 22. Februar 1929) wiro zum 1. April 1929 in Bochum das dritte staatliche pädagogische Bezirksseminar der Provinz Westfalen eingerichtet, das diejenigen Studienreferendare(innen), die einen verkürzten Vorbereitungsdienst(nach§ 17 der Ausbildungsordnung) abzuleisten haben, zu gemeinsamer Ausbildung zusammenfassen soll. Die Leitung des Bezirksseminars liegt in den Händen des Oberstudiendirektors Schilling vom staatlichen Gymnasium und Realgymnasium i. E. in Bochum. Das Bezirksseminar wird vorläufig in den Räumen der Westfälischen Verwaltungsakademie untergebracht werden, wo neben dem Amtszimmer des Leiters ein Sitzungszimmer sowie ein Lesezimmer für die Benutzung des Seminars, insbesondere auch für die Unterbringung der Bücherei von der Stadt in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt werden. * Beförderung von Briefbeutein in den Jögen JD 25 26 und JD 225 226. Der Verkehrsverband„Industriebezirk“ hat sich In mehreren Eingaben an die Reichsbahnhauptverwaltung um die Einstellung eines Bahnpostwagens in den FD 25 26 bemüht. Dem Antrage kann nach dem jetzt eingegangenen Bescheid nicht stattgegeben werden, um die planmäßige Durchführung der Züge nicht zu gefährden. Nach Vereinbarung zwischen den beteiligten Reichsbahn= und Oberpostdirektionen it bei den Zugen FD 25.26 und FD 225/226 aber die Beförderung von Briefbeuteln durch das Zugbegleitpersonal in dem Umfange zugelassen worden, als es die ordnungsmäßige Gepäckbeförderung zuläßt, der Aufenthalt der Züge in Hamm für das von der Post auszuführenbe Aus= und Umladen der Säcke ausreicht und gegenüber der bisherigen Briefbeutelbestellung eine Bestellungsbeschleunigung erreicht wird.(Mitteilung der Industrie= und Handelskammer zu Dortmund.) * Schlafwagenplätze schon 4 Wochen vor dem Reisetage erhältlich Die Verkaufsfrist für Bettkarten zu den Schlafwagenläufen der Mitropa ist— wie der„Deutsche Verkehrsdienst" erfährt— jetzt von 2 Wochen(14 Tage) auf 4 Wochen(28 Tage) verlängert worden Die bisherige Verkaufsfrist von 2 Wochen bestand seit 1925; während der Inflation wurde sie wegen des ständigen Wechsels der Bettkartenpreise und nachher wegen Mangels an Schlafwagen zeitweise auf 4 und 7 Tage eingeschränkt. Durch die Verlängerung dieser Frist können sich die Reisenden, die eine längere Reise antreten, schon 4 Wochen vor der Adreise Bettplätze für die Rückjahrt sichern. Dies ist besonders für die ins Ausland fahrenden Reisenden sehr bequem, die auf der Rückjahrt in Deutschland Schlafwagen benußen wollen. * Die Jeppelinpostsendungen für die Mittelmeerund Amerikafahrt. Von heute an nimmt das Postamt Friedrichshafen wieder Postsendungen zur Besörderung mit dem Luftchif:„Graf Zeppelin“ zu den bekannten Bedingungen entgegen. Das Porto ist für die Mittelmeerjahrt wieder auf 2 Mark für den Brief und 1 Mark für die Postkarte, für die Amerikafahrt auf 4 Mark für den Brief und 2 Mark für die Postkarte festgesetzt worden Briefe dürfen nicht mehr als 20 Gramm wiegen und können nicht eingeschrieben werden. Fernsprechverbindung Deutschland—Buenos-Aires. Von der neu geschaffenen drahtlosen Fernsprechverbindung Deutschland—Buenos=Aires wird bisher noch nicht in wünschenowertem Umsange Gebrauch gemacht obwohl die Sprechverständigung durchweg sehr gut und die Gesprächsgebühr bereits zweimal ermäßigt wurde. Der Grund scheint darin zu liegen, daß vielen Interessenten die Möglichkeit noch nicht bekannt ist sich mit Geschäftsfreunden pp. in Buenos Aires auf — DIEUNSUNTERHALTEN George Grahams Glück und Ende. Novelle von Maufred Tiesendach. Als der Oberleutnant George Stewart Graham das Schriftstück in den Händen hielt, durch das ihm eine Versetzung nach Indien mitgeteilt wurde, empsand er den lebhaftesten Wunsch, vor versammelter Mannschoft einen Luftsprung zu machen. Denn Innan, nicht wahr, das bedeutete doch Ferne und Abenteuer und Wunder, das bedeutete etwas Seltsames und Schönes und Unerhörtes, es war ein fabelhaftes Glück— und Graham zweifelte keinen Augenblick daran, daß er dieses Glück lediglich dem Einfluß seiOnkels zu verdanken habe, der alles nur irgend Mögliche vat, um seinem früh verwaisten Neffen einen Bunsch zu erfüllen. Haiereer Brchon thatiote bene Getlle— aunb et. Hause, da nahm er seine kleine blonde Frau dei Schultern und vollführte mit ihr einen Indianertanz, bis Ethel, die vor Erstaunen ganz runde Augen #erommen hatte, bedenklich um Atem zu ringen beeann und sich hinsetzen mußte. Sie war ansangs erea. als sie endlich hörte, was los sei— aber dann, als George ihr die Reise ausmalte und das neue, interessante Leben, tröstete sie sich rasch, sa glaubte nun bereits mit ihm, daß ein freundliches Schicksal sie eines b#sonderen Gunstbeweises für würdig befunden habe. Es ging dann alles viel rascher, als man ansangs #laudte. Es gab so viel vorzubereiten und zu kramen und zu überlegen, daß man kaum recht zur Besinnung kam unn gar nicht Zeit hatte, sich irgendwelchen wehmätigen Abschiedestimmungen hinzugeben. An einem regnerischen und kalten Novembervormittag stand men auf dem Verdeck und winkte nach dem Pier zur#ck, wo Mrs. Flora Akland, Ethels Muttel, stand, hr Tuch flattern ließ und es zwischenein immer wieber unter nervösem Schluchzen an die Augen preßte. Die Reise war herrlich. Ethel wurde kein bißchen ###krank und Graham war richtig stolz auf seine Frau — und dann kam man in Bombay an und hatte einen netten Empfang, sa, da man noch Zeit hatte und mit dem Geld nicht allzu sparsam umzugehen brauchte, machte man noch einen Abstecher nach den Tempelruinen von Ahmadabab, soh viele fabelhafte Dinge, fraute sich der Sonne und tropischen Hitze nach dem cheußlichen Herbst von Mittelengland— und landete schließlich in der Garnison von Nagpur, wo man eine Menge ausgezeichneter und sympathischer Kameraden traf und sich bald vollkommen einzuleben hoffte.„Es wird sehr interessant sein, hier in Indien“, sagte Graham iu den ersten Wochen und sah dabei verträumt in die Ferne, als müsse von dort das Wunder kommen. Er wartete ziemlich lange auf dieses Wunder, ahne sich einschüchtern und enttäuschen zu lassen, und am Abend soß er mit Ethel zusammen, las ihr aus Reisebeschreibungen vor und malte ihr phantastische Zukunftsbilder aus. Sie hörte lächelnd zu und teilte eine Erwantungen, denn sie war bei aller Zierlichkeit eine tapfere, mutige Frau, die sich nach Erlebnissen sehnte wie der Teufel nach einer armen Seele. Als aber mehr als zwei Jahre in ständigem Gleichmaß und ohne geringste Abwechllung dahingegangen waren, mußte auch George Graham erkennen, daß der Dienst in Indien mit seinen ewigen Lumpenparaden von dem im Mutterlande nicht wesentlich verschieden war. Und kurz entschlossen beward er sich un den Posten des Distriktokommissärs in Bardi, am Fuße des Kaimru=Gebirges, der gerade frei geworden war und mit einem Militär beseßzt werden sollte. Sein Oberst schlug die Hände über dem Kopf zusammen vor Verwunderung darüber, daß Graham dort sein Leben vertrauern wollte, schilderte ihm das Dasein in dieser abgeschiedenen Gegend in den düster#en Farden und erschöpfte sich in wahrhaft väterlichen mungen. Denn er hatte den jungen, offenen und immer heiteren, dabei so überaus gewissenhaften Unsehr gern. Endlich, da er sah, daß alles fruchten würde, beschwor er ihn, wenigstens Frau zurückzulassen, da die Bevölkerung in und Umgegend noch sehr unzugänglich sei und der Umgang mit ihr gefährlich und schwierig selbst für iene wäre, die Jahrzehnte hindurch in Indien gen hätten und die Psyche der Einwohner so gut kannten, wie es einem Europäer überhaupt nur mogEch sei. Bei diesen gutgemeinten Worten wurde Graham doch sehr bedenklich, ging nach hause und erzählte Ethel alles, was der Alte gesagt hatte. Seine Frau, die nur das eine verstand, daß sie hier zurückbleiben sollte, fiel sofort in Ohnmacht und erwachte nur zu einem stundenlangen Weinkrampf, so daß Graham wohl erkannte, es gebe hier keine Wahl. Worüber er eigentlich heilfroh war, denn er liebte seine kleine Frau glühend und glaubte auch, daß der Oberst ein bißchen dick aufgetragen hätte, um ihn in seinem Entschluß wankend zu machen. Graham bekam wirklich die Stelle, für die sich kein anderer Bewerber mit Offizierspatent gefunden hatte, trotzdem sie gut dotiert war, und drei Wochen später saßen George und Ethel in ihrem von der Regierung erbauten Diensthause in Bardi— das sich im übrigen ihnen nicht gelingen würde, obgleich sie die einzigen Europäer in dieser Gegend waren und das nächste Militärkommando— das übrigens nur aus einer halben Kompognie bestand— mehr als 40 Meilen entfernt untergebracht war. Denn man hattz nach mancherlei Erfahrungen der vergangenen Jahre es für zweckmäßig gehalten, die militärische Macht Englands gerade hier in Bardi nicht allzu aufdringlich zu demonstrieren. Man fuhr auf diese Art entschieden besser mit der Bevölkerung, die sehr schwierig und mißtrauisch war. Es muß zugegeben werden, daß Graham die nicht leichte Aufgabe, die ihm da zufiel, in einer Art meisterte, um die ihn viele andere beneiden konnten. Gewissenhaft, ohne kleinlich zu sein, übte er seine Macht gegenüber den Eingeborenen mit einer weisen Mäßigung aus, die man bei so jungen Menschen nicht häufig findet. Er hatte reichlich zu tun, und wenn ihm mal seine halb richterliche, halb verwaltende, auf alle Fälle aber— im europäischen Sinne— ungeheuer selbständige Tätigkeit ein bißchen freie Zeit ließ, dann jagte er Tiger und anderes Wild. Seine grenzenlose Verachtung der Gefahr mochte es in der Hauptsache bewirken, daß er sich in Kürze einen gewissen Einfluß bei den Bewohnern zu sichern wußte, der freilich mehr auf Achtung und Furcht als auf Liebe gegründet sein möchte. Für Ethel war es eine schwere Zeit. Gewiß brauchte sie keine anstrengenden Arbeiten zu verrichten, sie hatten Bedienung genug, und den Verkehr mit den anderen englischen Damen aus Nagpur vermißte sie durchaus nicht. Dennoch— da die Tätigkeit von George es mit sich brachte, daß er meist den ern bleiben mußte— fühlte anzen Tag von Hause nsam. Sie g bekam einen leichten Anflu Geie sich oft einsam. Sie wurde blaß und zart, und ihr oft chönes Antlitz veram einen leichten Anflug von Schwermut. George liebte seine Frau zu sehr, um dies nicht zu bemerken, obgleich sie nicht klagte. Und als er deshalb eines Toges in dem Walde, mehr zehn Meilen von Bardi entfernt, ein kleines Mädchen entdeckte— eines von jenen Kindern, die von den Eingeborenen aus gewissen, schwer durchschaubaren Gründen religiöser Art ausgesetzt werden— band er es, sorgfältig eingebündelt, vorn an den Sattel und brachte das junge dunkelhäutige Etwas seiner Frau. Von Stund an wurde alles besser. Ethel fand das Leben nun nicht mehr nutzlos, sie hatte ein Wesen, ein Baby, für das sie sorgen konnte— und wenn es auch nicht ihr eigenes war, so erschloß sich doch ihre ganze Zärtlichkeit diesem braunen Ding, das da mit unbeholfenen Händchen nach ihr tastete und mit seinem Krähen und Jauchzen dem ganzen Hause einen anderen Inhalt, eine gewisse Heimlichkeit und Gemütlichkeit gab Am ersten Morgen nach Einkehr des Findlinge gab es freilich noch eine Ueberroschung. Als Ethel auf die Veranda trat, das Kind im Arme, das in seinen weißen Windeln und Röckchen lustig strampelte und schrie, sah sie am Waldrande gegenüber ein Weib, das scheu und ängstlich, aber unablässig herüberspähte. Es bedurfte nur eines Augenblicks, um Ethel zu überzeugen, daß diese Fremde die Mutter des Kindes sei, uno daß George die ganzen zehn Meilen gefolgt sein müsse, um zu erfahren, was aus ihrem Kinde werden würde. Sicher hatte man sie gezwungen, die Kleine auszusetzen. Ein unbändiges Mitleid überflutete das Herz der Engländerin. Sie hob das Kind der anderen entgegen, in einer nicht mißzuverstehenden Weise, und lächelte beruhigend. Die Fremde rührte sich nicht vom Fleck, aber ihr traurig=verlangendes Gesicht hellte sich auf und sie winkte zurück, indem sie sich tief und demütig verneigte. Dann glitt sie in den Wald zurück, dessen Blattwerk hinter ihr zusammenschlug wie ein Vorhang. Diese Begegnung wiederholte sich nun durch Wochen und Monate— jeden Morgen hob Ethel das Kind von der Veranda der Mutter und der Sonne entgegen, jeden Morgen ruhten die Augen der Inderin mit dankbarem Lächeln auf dem seltsamen Paar, der vornehmen Engländerin und dem Kinde, das ihrem eigenen Schoße entsprungen war. Ethel erzählte ihrem Manne nichts von dieser Begegnung. „Männer empfinden darin doch so ganz anders als Frauen", dachte sie und hütete dieses Erlebnis wie ein hübsches, anmutiges und unschuldiges Geheimnis. Ein anderes, noch schöneres Geheimnis vermochte sie freilich auf die Dauer nicht zu verbergen, und George Graham, der nun bald Vater sein sollte, hielt sich seitdem wenn möglich noch stolzer und aufrechter im Sattel. Er war vollkommen glücklich. Ethel hatte nun alle Hände voll zu tun, dem neuen Erdenbürger einen würdigen Emnfang zu bereiten. Man erwartete dieses Ereignis zu Beginn der Regenperiode— aber man hatte sich offenbar ein wenig verrechnet. Schon drei Wochen vorher bat Ethel ihren Mann, den Dr. Allan Bush zu holen, der seinen Dienstsitz beim Militärkommando hatte. Und Graham, aufgeregt, verwirrt und etwas fassungslos— denn schließlich hatte er solchen Dingen gegenüber wenig Ahnung— jagte die Nacht durch zur Station, fand richtig den Dr. Bush zu Hause, nahm sich kaum Zett, seinem Pferde die nötige Ruhe zu gönnen und war schon achtundvierzig Stunden später mit dem Arzt wieder zur Stelle. Und dennoch zu spät! Fiebernd, röchelnd, blutend lag Ethel auf ihrem Lager, wie eine welke, zertretene Blume. Aus ihren wirren, unzusammenhängenden Reden ließ sich schließlich mit Mühe entnehmen, daß die fremde Frau— erst allmählich konnte George sich das Gewesene mehr gefühlsmäßig zusammenreimen, als daß er vermochte, den Vorgang verstandesmäßig zu erfassen— daß also diese Frau, die Mutter ihres Pfleglings, gestern, als die Wehen ganz plötzlich eingesetzt hatten und sie wimmernd und schreiend im Garten zusammenbrach, während niemand von der Dienerschaft in der Nähe war, ausgetaucht sei, ihr beigestanden und mit dem Neugeborenen verschwunden sei... niemand anders wollte sie gesehen haben. Soviel bekam man heraus und nicht mehr. Graham wurde totenblaß und mußte die Lippen blutig beißen, um nicht umzufallen. Der Doktor machte ein ernstes Gesicht, gab der Kranken eine Morphiumspritze und schüttelte immer wieder den Kopf, während die Frau in einen todähnlichen Schlummer sank. Kindbettsieber in den Tropen, das war so ungefähr das Schlimmste, was es geben mochte, viel gefährlicher als die Blattern und eine beinahe hoffnungslose Sache. Aber er sagte nichts von seinen Befürchtungen, es würde Mühe genug kosten, den Mann am Leben zu erhalten, den Schreck und Verzweiflung zu überwältigen drohten. „Die grauenhafte Tat einer Eifersüchtigen, in der Tier= und Menschenseele noch verschwistert leben", sagte der Doktor.„Kein Zweifel, das Weid hat Ihre Frau sehr geliebt, solange es merkte, daß Mro. Graham so hingebend für das fremde Balg sorgte. Als aber das andere, das eigene Kind, kommen sollte, fürchtete sie, man würde den Pflegling verstoßen, zum mindesten vernachlässigen. Ihre Abwesenheit gab ihr eine willkommene Gelegenheit, heranzuschleichen, zu helfen und sich gleichzeitig des Neugeborenen zu bemächtigen. Es gibt keine andere Erklärung für diesen Vorgang.“ Er verschwieg die Befürchtung, das Kind — Grahams Kind— könnte getötet sein. Das würde man immer noch früh genug erfahren. Graham hatte nur mit halbem Ohre hingehört— das Krähen und Weinen eines Kindes— ach, es wai das fremde und nicht sein eigenes Kind, weckte ihn aus seiner Erstarrung. Er ließ die Dienerschaft kommen, vernahm jeden einzelnen, drohte, fluchte, schlug ihnen mit der Peitsche ins Gesicht. Es war nichts herauszubekommen. Niemand wollte das fremde Weih gesehen haben. Da machte er sich selbst auf die Such — nach seinem Kinde. Er brauchte nicht lange zu suchen— er entdeckte die winzige Leiche in dem hofseitig gelegenen Brunnen, schrecklich verstümmelt durch den Sturz. und er barg den kleinen zarten Körper in einem weißen Tuch und versteckte ihn in einem abgelegenen Zimmer. Ader freilich, er hatte es nicht mehr nötig, seiner Frau den Fund zu verheimlichen. Denn Erhel erwachte nur noch einmal auf ein paar Minuten zu halbem Bewußtsein, lächelte ihn noch einmal an, suß und zärtlich ohne Erinnerung an die Erlebnisse der letzten Tage, und schlief dann für immer ein, während Gorge an ihrem Lager saß und die kleine erkaltende Hand umkrampfte, als müsse er selber sterben Vierundzwanzig Stunden später begruben die beiden Engländer Mutter und Kind am Rande des Gortens, unter lauter bunten, duftenden Blumen. Graham hatte nicht geduldet, daß einer der Eingeborenen ihnen zur Hand ging, er hatte plötzlich gegen diese ganze Rasse einen witden, unbändigen Haß. Selbst wälzte er ein paar schwere Steine auf die Grabstättzum Schutz gegen die wilden Tiere, und als sich der Doktor unruhig und besorgt von ihm verabschiedete, gab er ihm ein Schreiben mit, in dem er seine vorgesetzte Behörde um einen längeren Urlaub bat— zur Erledigung dringender Familienangelegenheiten. wie er sich ausdrückte. Aber er hatte nicht die Absicht. die Antwort auf dieses Gesuch abzuwarten. Kaum war Dr. Bush aus seinem Gesichtskreise entschwunden, als Graham sich auf seinen Gaul warf und in der Richtung auf Marwas davonjagte. Er wußte, wo er das Kind einst im Walde gefunden hatte, und er besaß Anhaltspunkte genug, um die Verfolgung der Mutter mit einiger Aussicht auf Erreichung seines Zieles vornehmen zu können. Trotzdem ihm kaum ein einziger von den Eingeborenen mit einem Wink oder Fingerzeig behilflich war Zehn Tage und ebenso viele Nächte kämpfte er sich durch Sumpf und Urwald und Dschungel, ohne sich mehr als ein paar Stunden Schlaf und Erholung zu gönnen. Am elften Tage gelang es ihm, das flüchtende Weib, das mehr als vier Tage Vorsprung hatte und den Verfolger mit dem Instinkt der Eingebarenen hinter sich witterte, in der Nähe des schmutzigen Dorfes, aus dem man es vor Monaten verstoßen hatte, zu ergreifen. Er fesselte sie wie ein Tier, ohne ein Wort mit ihr zu sprechen und trat den Rückweg an, ohne sich auch nur umzusehen. Einige Leute, die ihm in respektvoller Entfernung folgten und jede seiner Bewegungen beobachteten, sahen mit Grauen, mit welcher Sorgfalt er sich um das körperliche Wohl sei ner Gefangenen bemühte, wie er sie pflegte, während er sich selbst kaum einen Bissen gönnte, wie er, als sie sich einmal an einem Dornenstrauch den Arm aufgerissen hatte, einen sorgfältigen Verband anlegte, um nur ja jede Möglichkeit einer Verunreinigung oder Blutvergiftung auszuschließen. In seinem Hause angekommen, das von der Dienerschaft längst fluchtartig verlossen worden war. schleppte er das zitternde Weib zu dem Grabe seiner Frau, seines Kindes. Er sprach noch immer kein Wort. selbst dann nicht, als sich die Frau zu seinen Füßen niederwarf und mit Tränen um ihr Leben bat. Mit entsetzlicher Ruhe und Sachlichkeit traf er seine Vorbereitungen, band die Frau mit starken Schnuren am Stamme eines dicht hinter dem Grabhügel stehenden Baumes fest und schichtete ringsherum einen Wall von trockenem Reisig auf. Setzte sich auf die Steine, die Ethels Leichnam bedeckten und schützten und wartete bis die Nacht kam. Bei ihrem Anbruch setzte er das Reisig in Brand und während die Flammen blutrot zum Himmel emporschlugen, während aus Rauch und Feuer das entsetzliche, gellende Wehgeschrei der lebendig Verbrennenden herausdrang, faltete er die Hände um die Steine, die von seinen Tränen benetzt wurden, und flüsterte mit einem versteinten Lächeln auf den Lippen immer wieder: „Da bin ich nun, Ethel, liebe, füße Ethel, do bringe ich sie dir. Bist du nun zufrieden?"... Und so. noch immer lächelnd, die Hände wie zum Gebei gefaltet, fand ihn am Morgen das Wachkommando, das der Feuerschein von der Station herbeigelockt hatte. Graham soh ganz zufrieden aus und beinahe— glücklich... Im Tode gesegnet. Erzählung von heinz Corenz. Josepha hatte schwer zu tragen. An ihrem linken Arm hingen, in ein Tuch eingeknotet, drei runde Brotlaibe, an ihrem rechten ein Korb vollgepfropft mit braunen strammen Tüten, auf denen noch ein dicker Brocken Viehsal= soa. Im Winter sparte man sich den Weg von der einsamen Hütte, in der sie mit der Grotzmutter hauste, nach dem Dorf so viel wie möglich und holte die Lebensmittel gleich für einen ganzen Monat ein. Josepcha hatte ein hübsches rundes Gesicht, und der Krämer im Dorf liebte hübsche runde Gesichter. Josepha hatte nicht nötig, viel zu stottern, daß sie kein Ged habe. Der Krämer wußte, daß sie so arm war wie hübsch und sagte gleich:„Im Leben gleicht sich halt alles aus. Kannst war'en mit dem Zahlen bis zum Frühschr.“ Es war ein netter Krämer. Aber er agte noch:„Den Zins. Im, freilich, den Zinz tät ich schon gern jetzt gleich hoben.“ Und spitzte zweimal die Lippen, jedesmal bei dem Wort Zins, so daß Josepha ziemlich rot wurde. Das war ein Kreuz! auf Jospeha drückten Armut und Anmu: oft zugleich! Aber im Augenblick druckten sie noch mehr die schwere Last an den Armen und der Schnee, der so dicht um sie fiel, daß er sich wie eine weißgraue Wolke vor ihr ballte. Mit jedem Schritt sank sie tiefer und tiefer. Sie riet den Weg nur noch. das Dorf war hinter ihr in Schweigen und Sch iee versunken. Ihr Herz klopfte gewaltig, über dem damp. senden Blut prickelte die Haut, und ein schweres Angstgefühl stieg in ihr hoch, als senke sich aller Schnee rings um sie auf ihr Gemut. „Oh Jesu... lolch ein Schnee...!“ murmelte sie ein paarmal. Dann blieb sie erschopft stehen.„Oh Jein... da komm ich nimmer durch Aber sie rarfte sich doch auf und stapfte muhsam weiter. Wasser lief ihr uber das drennende Gesicht Keine Träne, sie hatte noch keine Zeit an Weinen zu danken: es waren die fetten Flocken, die an den glühenden Wangen zerschmolzen wie die Butter in der heihen Pfonns. Aus dem weihen Geriesel tauchten weiße Umrisse ein metiger Wursel mit spitem Hut, ein kleiner T Würfel, Mauer und Tor. Josepha atmete auf. Ah, da war ja noch der Steinvachhof, der einsam zwischen dem Dorf und ihrer Hütte lag. Den Steinbachhof hatte sie ganz vergessen. Ihr Aufatmen wandekte sich indes in einen kläglichen Seufzer. Sie wußte gut, warum sie den Steinbachhof vergessen hatte. Der Eintritt dahinein war ihr verwehrt, hier durfte sie keine Hilfe suchen. Die Großmutter hatte in ihrem verbitterten Sinn dem Steinbachbauern ein für allemal verboten, in die Hütte zu kommen. Als er im vergangenen Sommer vor einem jähen Unwetter dort hatte Schutz suchen wollen, hatte ihn das lahme, an den Stuhl gesesselte Weib mit Blick, Wort und Gebärde geradezu hinausgeworfen. Josepha hatte ihn zu entschuldigen versucht.„Er hat sich doch bloß unterstellen wollen...“ Aber die Alte resonnierte:„Unterstellen wollen...!?“ Soll sich wo anders unterstellen. Mit solchen Augen auf dich stellt man sich nicht unter.— Du bist arm, er reich. Meinst, der heirak' dich?“— Josepha schwieg vor sich hin, aber sie dachte: Nun haben wir gar keinen Nachbarschutz mehr...!“ Die Großmutter und lie, die den Vater durch ein Unglück beim Holzfällen und die Mutter schon bei der Geburt verloren hatte— dos alte Weib und sie dausten in der kleinen Hütte fern vom Dorf wie zwei Ausgestoßene. Indem sie jetzt an all das dachte, füchlte sie, wie eine füße Müdigkeit ihren Körper allgemach durchrann. Die Arme wurden schlaff und die Lasten sanken in den Schnee. Die weiße Wolkenwand färbte sich rofig vor ihrem Blick. So muß es sein, dachte sie, wenn man nach langer quälender Krankheit sanft und friedlich hinüberwandert. Aber zu solcher Wenderung war sie noch viel zu sung Laute schreckten sie wieder auf. Eine Tür schlug. dann kam Hundegebell ind eine schwarze Kugel hopfte über den Schnee auf sie zu, sprang sie bös an. wurde plötzlich geschmeidig, mauzte und gebärdete sich vor Freude wie verrückt. Hinter dem Hund drein kam ein Mann, dis zum Knte im Schnee watend. Gegen ihn hob Josepho die Hände, abwehrend oder bittend. Wer mochte das wissen! Der Mann chien es zu wissen. Er packte die Wanken de um die Hüfte, griff nach don Lasten und brachte alles wohlbehalten ins Haut. Trotz ihrer leisen Worte:„Ich darf nicht...! Ich darf nicht...““ Nun stand sie in der warmen Stube, die Finger ineinander verkrampft mit gesenktem Kopf, und den ganzen Körper so eng wie möglich zusammengezogen. r Bauer nahm ihr wortlos das Umschlagtuch ab, schüttelte im Flur den Schnee ab und hing es über einen Rechen am Ofen. Auch von den Lasten klopfte er den Schnee ab und stellte sie an den Ofen. Der Hund beobachtete kritisch mit gneigtem Kopf teils das un seines Herrn, teils die reglos im Zimmer stehende Gestalt. „Willst warme Schuh'? Und deine Strümpfe werden sicher auch naß sein, Sepha,“ das waren die ersten Worte des Bauern. Sie schwieg, blinzelte ihn scheu an. „Komm halt! Setz dich an den Osen. Bist ja naß wie eine Wasserratte! Solch ein Unwetter, sag ich Solch ein Schnee, Herrschaft nein.. Sepha glühte über das schon genugend breunende Gesicht. Sie mußte an das andere Unwetter im Sommer denken. Sie schämte sich Ueber ihre Backen begann es plötzlich zu rinnen, und das waren keine Schneeflocken. Er zat. als sehe er ihre Tranen nicht. Er nahm sle bei der Hand und führte sie an den Oten. Sie ging mit kleinen Schritten, faßt ließ sie sich ziehen von ihm.„Ich darf doch nicht,“ murmelte sie wieder „Warum nicht? Weil ich nicht verheirat’ bin?— Ja, das ist freilich schlimm. Hätt' ich jetzt eine Frau, schau, dann wär'st besser aufgehoben jetzt bei mir Aber ich werd dir in der Küche was bestellen. Magst einen Schmarr'n? Weißt, einen mit Schwarzveeren. Kannst auch Erdbeeren haben, eingemachte. Allo..?!“ Er lachte sie an Da mußte auch Josephe sachen. In dem befreiendem Gefühl zog sie den Hund, der sich uut den Vorderpfoten auf ihre Knie gestellt hatte an sich und lieb. koste ihn. Der Hund leckte ihr die kalten Hände. „Ihr seid's ja schon gute Freunde.“ sogte er und buckte sich herab, um zusammen mit tor den Hund um die Wette zu tätscheln.„So ein Hundsvieh hat's halt gut, meinte er und sah dadei Josepha an. Urd sie sah ihn an. Und de wußen sie allebeide, was sie eigentlich schon lange wußten. „Du bist so gut,“ sagte sie leisc. „Wegen dem Schmarr'n?" lochte er. „uh, geh!— Wegen dem allen.— Vist nimmer bös?“ „Wegen... Weil du hier bist?“ Wegen der.... wegen der Großmutter damals?“ „Geh, das war auch so ein Schmarr’n. Ist ja so ein altes, liebes Gestell, freilich ein bissel grannig ob und A1.“ „Hüfst mit, sie ausgraben?— Ich denk mir da# Hausel wind ganz im Schnee stecken.“ „Freilich helf ich dir. Aber ich sag dir, zum Dank wird sie mich rauswersen" „Oh. nein, nein. Da sorg jetzt ich, du!" Josepha wurde lebhaft und entschieden.„Das wenn sie rat, dich noch einmal hinauswerfen, also dann...“ Also dann? Was denn also dann?— Was red'st denn nit weiter?“ „Weil... Ich weiß nicht, was ich nachher tät. Da: vonlaufen wahrscheinlich tät ich...“ „Davonlaufen? Wohin aber? Bist ja so ollein, armes Hascherl." Es wird sich schon wos finden. Der Krämer drunten hat schon gesagt, er könnt mir eine Beschaf tigung geben.“ „So so, der Krämer drunten?!" Der Bauer richtete sich auf. Sie fühlte seinen Blick auf ihren Scheitel und senkte den noch mehr. Plötzlich schnellte sie ihm der Kopf zu.„Du...! Du denkst doch nichts Falsches von mir?“ „Hm... na... nein!— Ich denk, daß du nich zum Krämer gehen sollst. Bist doch ein freies Mädel: und wenn dein Häusel noch so klein ist, brauchst du nicht zu dienen. Ein Mädel, das gedient hat, denk ich. tät ich nicht heiraten. Sepha.— Weißt du, wie ich der mein?“ Sie ontwortete nicht. Aber sie wußte, wic er es meinte.— Als bald später der Bauer mit seinen Knechte die Hütte freilegte, stellte sich heraus, daß sie die Groß mutter nur ausgegraben hatten, um sie neu eingraben zu müssen. Sie saß sterr auff ihrem Lehnstuhl. Die verkniffenen dünnen Lippen waren milde geworden. hatten faft den Zug eines seligen Lächelns. So, ols wolle sie zu dem Paar, des vor ihr stand sagen:„Rin der, so schlimm, wie ihr meint, war ich nicht im Leven. Ich din sa in Gottesnamen mit allem einverstanden!“ * Meim und Welt Beilage zum Herner Anzeiger. * 8 Wenn ich meine Tochter wäre Gedanken einer englischen Mutter— Haushaltführung und Rochen würde sie zu einem Vergnügen machen— Nicht knickerig sein, aber überlegen kaufen— Die Mode ist wichtig, aber die Politik darf nicht vergessen werden— Kinder in jungen Jahren— Selbst ist die Mutter! Die Engländerin Frau Stanley Wrench äußert sich in spannender Form zu dem Thema:„Wenn ich meine Tochter ware“. Was diese englische Mutter mit ihrer neuen ihrer zweiten besseren Jugend anfangen würde, ist auch für deutsche Ohren hörenswert und beweist, daß die gleichen fraulichen Fragen, die uns bewegen, auch in England zeitgemäß sind. Wenn Frau Erench also ihre Tochter wäre, dann würde sie zu alleterst von Jugend auf eine Einstellung zu notwendigen Arbeiten zu gewinnen trachten, die diese nicht mehr als Last, sondern als angenehmen Zeitvertreib erscheinen lassen würden. Es gibt ja sicher eine Betrachtungsweise von lästigen und wenig bequemen Arbeiten, die uns ihre Ausführung erleichtern. Zu diesem Conctomus des Haushaltwurde es unter anderem gehören, sich darüber zu freuen, daß die durch den Gebrauch unansehnlich gewordenen Gegenstände beim Aufwaschen ihr freundliches Aussehen wieder gewinnen und nach einer Weile von den Borden so frisch und gefällig herabschauen werden, daß einem das Herz im Leibe lacht. Man muß der Engländerin darin recht geben, daß eine gut aufgeräumte Küche und Stube wirklich einem die Arbeit des Aufräumens lohnenden Anblick hietet. Diese Freude nach getaner Arbeit kann man gewiß schon durch die Vorfreude auf den sicheren Erfolg noch steigern. „Kochen und Haushalten“, sagt Frau Wrench,„würde ich überhaupt schon so früh wie möglich nicht als„Arbeit“, sondern als angenehme Beschäftigung sozusagen zur gen, ganz besonders die äuberlichen Klatschereien über den lieden Nächsten vermeiden. Es würde mir aber ungeheure Freude machen, darüber nachzudenken und mich umzuschauen, wie ich meinen Haushal: noch wohnlicher, noch geschmackvoller einrichten könnte. Das Betrachten von Linien und Farben, von Möbeln und anderen Gegenständen müßte zu einer steten Quelle reiner Freuden für mich werden. Knickerig würde ich niemals sein, wenn es sich um meinen Haushalt handelt, aber ich würde auf keinen Fall eine unnütze Ausgabe machen, mir also nicht Sachen kaufen, die man haben„muß". sondern solche, die mir wirklich gefallen und meine Wohnung tatsächlich schmücken. Alles Unechte, wie lächerliche Givsfiguren. würde ich vermeiden, mir aber auf keinen Fall„antike Stücke" nur wegen ihres Alters oder ihres Wertes zulegen, sondern nur das in mein Haus bringen, was mir wirklich gefällt, und was tatsachlich hineingehört. Nicht lästige und für mich gleichgültige nichtssagende Museums stücke würde ich sammeln, sondern viel lieber neuzeitliche Köbel und Bilder erwerben. Meine Freunde und Freundinnen würde ich nicht nach ihrem Besitz, sondern nach ihrem wirklichen Verdienst als arbeitende Menschen und nach ihrem Wollen und Streben auswahlen. Mein Heimatland würde ich nach allen Richtungen durchwandern und mich nicht nur im Auto auf der Landstraße umhertreiben. Wenn ich andere Länder besuchte, dann würde ich die Kunstschätze in den Museen und Kirchen nicht vergessen, meine Zeit aber vor allem Land und Leuten Ausfüllung meiner Mußestunden betreiben. widmen. Lesen würde ich immer. sobald ich nur Zeit dazu Ich würde nicht die Nützlichkeit dieser Frauenaufgaben betonen, sondern geradezu zu meinem Vergnügen alles so vollkommen wie möglich gestalten. Es würde ein wahres Glücksgefühl für mich sein, alle Arbeiten, die ich anderen auftrage, wie Dienern und Köchinnen, selbst viel besser ausführen zu können. Ich würde vor allem genauer als alle meine Hilfskräfte über den Nährwert der Soeisen Bescheid wissen und mich genau danach richten Ich würde keine Raffeeschwester werden. hätte und ganzentschieden die albernen Backkischgeschichten vermeiden. Es würde mir nichts ausmachen, durch die Bücher, die ich lese, auch einmal zum Selbstdenken gezwungen zu werden. Ich würde beim Lesen überhaupt sehr vorsichtig sein und mich durchaus nicht odne weiteres den Anschauungen fremder Leute anschlieben, auch wenn sie Bücher schreiben können. Zeitungen würde ich bei meiner Lektüre bevorzugen, nicht„modern“, sondern vor allem gut aussehen muß. Dabei würde ich auch die erforderliche Unabhängigkeit von Schneidern und Schneiderinnen gewinnen. Sie kennen mich ja in Wirklichkeit nicht, sehen mich nur ein vaar Augenblicke und können also garnicht genau wissen, wer ich eigentlich din und wie sie mich am vorteilhaftesten anzieben können. Wenn ich Zeitungen lese. würde ich aber auch Parlamentsberichte und andere volitische Vorgänge verfolgen und darüber ebenso auf dem Laufenden sein wollen, wie über die Mode Meine Jugend würde ich bei Tanz und Sport und Spiel zu genießen suchen und wertvollen Männern gewiß nicht ausweichen. Niemals würde ich aber Rücksichtnahme auf mich verlangen oder auch nur zulassen, „weil ich doch ein Mädchen, nur ein Mädchen bin". Wenn ich dann einen Mann kennen lernen würde, der mir mehr als die andern sein will und dem ich mehr als den anderen sein möchte, dann würde ich keine Heimlichkeit vor meinen Eltern daraus machen. Meine Mutter und vor allem mein Vater müßte meinen Erwählten kennen lernen. Mein Vater könnte ja viel besser als ich den Wert des anderen Mannes abschätzen. Da ich inzwischen als ein Mensch mit Selbstzucht und Ueberlegung aufgewachsen bin, würde ich den beißen Schlag meines Herzens zügeln können und ganz bestimmt in einer so wichtigen Sache wie den Bund für das Leben, über die Meinung meiner Eltern zu meiner Wahl gründlich nachdenken und ihnen das Recht geben, wenn sie Recht haben. Kinder möchte ich dann so bald wie möglich haben und in solchen Jahren, daß mein Mann und ich kindlich mit ihnen svielen könnten. Niemals würde ich meine Erziehung der Kinder mit bezahlten Kräften teilen oder sie ihnen gar ganz überlassen und den Kindern das sonnigste und schönste Zimmer des Hauses zuteilen. Meine Wohnung würde ich so wählen, daß sie leicht in einen Garten kommen könnten, um an der frischen Luft svielen zu können. Das sagt eine Mutter. Zu spät für sich lelbst! Aber die beranwachsenden Mädchen, die sie hören, überlegen sich vielleicht, ob sie nicht das tun werden, was diese Mutter tun würde, wenn sie noch einmal die Kostbarkeit einer neuen Jugend erfahren dürfte. weil ich das langweilig finden würde, sondern mein weil sie von dem Leben meiner eigenen Zeit berichten. Gehirn wie der Ingenieur seine Maschine betrachten. Die Modebeiträge würden gewiß meine volle AufmerksamDas heißt also, ich würde meine natürlichen Talente keit finden, weil ich mit der Zeit und ihren Gewohnheiten meinetwegen und nicht etwa zum Vergnügen anderer ja auch Schritt halten will. Aber jede Modelaune würde Leute von früh auf entwickeln und unnütze Unterhaltun= ich doch nicht mitmachen, sondern darauf sehen, daß ich Frühjahr und rheumatische Teiden Von Else Eberbard=Scobacher. Der Temperaturumschwung im Frühling bringt allen jenen, die zu Rheuma und Ischias neigen, meist recht unangenehme Tage und Nächte, die Arbeitsgeist. Ruhe und Erholung zuweilen gänzlich rauben. Wie unangenehm das ist, weiß nur der Eingeweihte. Da ich selbst zu diesen„Bevorzugten“ gehöre, möchte ich meine Erfahrungen auf diesem Gebiete den leidenden Mitschwestern gerne mitteilen. Vorbeugen! Immer wieder machen wir der gleichen Fehler: Sobald die Sonne etwas wärmer scheint zieben wir bei Spaziergängen die Ueberkleider aus, treten dann, ohne Mäntel oder Pelze wieder anzulegen, in schattige Anlagen, Waldwege, Hausgänge, Durchlässe— weil sie uns ja nur kurze„Durchgangsstationen“ scheinen Da ist es doch nicht der Mühe wert, die Ueberkleider anzuzieben! O leichtsinnige Bequemlichkeit! Ein paar Minuten kühler Schatten genügt, um dem winterverwöhnten Körver die grimmioste Ischias anzuhängen! Ich spreche aus eigener Erfahrung. 5 Minuten Bequemlic keit= 14 Tage Bettliegen! Wir sind durch unsere jahre. lang gepflegte falsche Ernährung alle mit Harnsäure überfüllt— durch Krieg und Nachkriegszeit nervos geworden— allo die Vorbedingungen für Rheuma und Ischias sind reichlich vorbanden. Darum: sofort wieder die Ueberkleider anlegen, und wenn es nur ¼ Minute über eine kühlerer Schattenstelle geht! Nasse Fußbekleidung stets sofort wechseln! Bei erbitzenden häuslichen Arbeiten oder Arbeiten im Frühlingsgarten sofort nach Beendigung oder bei eintretendem Frösteln Jacke oder Umhang anlegen! Erkältet ist man schnell, die Heilung dauert Monate, zuweilen Jahre. Schmerzlinderung bringen bei kleinen Anfällen Wärmeflasche und aufgelegte erbitzte Salzsäckchen, wei Wärme den Krampf löst. Mit Einreibungen aller Art habe ich keine Erfolge erzielt. Anderen kann es damit vielleicht besser geben. So habe ich in Alkobol angesetzte Farrenwurzeln schon sehr loden hören. Heilung. Mit allen Kräften müssen wir nach Heilung trachten. Warme Schwitzbäder sind hervorragend. wenn alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind, daß der Patient sich nicht bernach noch ärger erkältet. Viel ungefährlicher und von sichererer Wirkung ist das elettrische Heizkissen. Es bietet bei seiner Sicherheitsschaltung(für Dauergebrauch auf 1 stellen!) eine gleichmäßige, sehr angenehme Wärme. Ich habe mit dem Heisrissen die besten Erfolge erzielt, und zwar mit folgender Kur: Abends eine volle Stunde mit der kranken Stelle auf dem Kilsen liegen(oder Kissen darauflegen) uno morgens vor dem Aufsteben auch eine Stunde daraufliegen, und zwar zwei Monate lang, ohne auszusetzen. Das heilt wundervoll aus und kommt billiger als teure Bäder und Medikamente, da man meist den billigen Nachtstrom benünen kann. Diät. Um Rückfälle mu vermeiden, in narürlich eine entsprechende entsäuernde Diät angebracht: Fleisch bis auf ein Minimum einschränken! Bier, Wein, Likör, alle alkoholhaltigen Getränke meiden! Haselnußmilch trinken, das berubigt den Ischiasnerv. Als Morgengetränk Lindenblütentee mit Zitronensaft. Abende zweimal in der Woche Hagebuttentee, die übrigen Tage Pfefferminztee. Viel Frischkost! Viel Obst Sieben neue Modelle stellen sich vor Fehr einem. wie wenn man in einem gut estaurant vor der Speisekarte sitzt: soviel leckere inge werden da angeboten, von denen man kosten möchte— aber Vernunft und Rücksicht auf die „schlanke Linie" verbieten es einem, sich an all diesen Köstlichkeiten zu delektieren. So und nicht anders empfindet man, wenn man bei den Modeschauen dieses Frübjahrs nach den Kostümen und Mänteln die Kleider und Kleidchen zu sehen bekommt. Was nach Pariser Rezepten für deutschen Geschmack auf diesem Gebiete zu bereitet wurde reizt ungemein und erweckt den Wunsch nach Besitz. den lediglich der leider immer zu knapve Geldheutel hemmend reguliert. Und man braucht nicht mehr zuerst eine Hungerkur durchzumachen, um diese Kleidchen zu tragen. Denn die Mode wird immer weiblicher betont. das heißt: sie bringt wieder Formen. die leicht. graziös, spielerisch. aufgeputzter als früher sind. lus Paris kommt die Kunde, daß man dort bereits hundert Mannequins entlassen mußte, weil sie für die augenblicklichen Modetendenzen in schlank waren! Das spricht so unzweideutig für die wieder weiblich gewordene Mode, daß wir uns jede Beteiligung an der Diskussion:„Was ist eigentlich vollschlank?" ersparen können: eins ist es bestimmt nicht überschlank! Allerdings zeigen die Kleider des Vormittags zwei Erscheinungen, die aus jeden Fall damenhaft und elegant wirken. Man macht ausgiebig Gebrauch vom Gürtel. um die Taille, die sich nun bald der natürlichen Höhe genähert haben wird. zu markieren. Vielfach begnügt man sich damit aber nicht. sondern läßt den Rock oben mit einer Hüftpasse beginnen, die Gelegenheit gibt. den Rock besonders neuartig wirken zu lassen. Plissee rundherum. vielfach im oberen Teil zur Erhaltung der geschlossenen Silhouette festgesteppt. schräg angeletzte Tuniken und Glockenteile. Plisseefalbeln. tütenartige Faltenarrangements und andere Faltengrupvierungen aller Art sind nur einige solcher Köglichkeiten. den Rock zu gestalten. Ihre große Zahl entspringt dem gesteigerten Bestreben, auch die Kleider für den Vormittag durch reicheren Anfvun zu verweiblichen. Natürlich läßt man dabei nicht aus dem Auge. daß die Rumpfpartie nicht belastet werden darf. weil man bei„vollschlank“ vorläufig den Ton noch immer sehr stark auf den zweiten Teil des Begriffs legt. Infolgedessen gestattet man sich hier nur Blenden. Biesen wohl auch dezente Inkrustationen. Man hat ja am Kragen und den Aermeln um so mehr Ersatzmöglichkeiten! Hier also lebt sich die Mode in Effekten aus. stets vornehm wirken die aparten Lingerien. die so avpetitlich aussehen, und gerade, gebogt, gezackt erscheinen: Bässchen und Schleifen, matrosenkragenartig und anachenmäßig um gelegte und festgenähte bunte Tücher. Schifferknoten mit geometrischen Inkrustationen in abweichender Farbe. lendenkrazen jeder Art bieten ihre Dienste als Halsgarnituren. nicht zu vergessen Jabots. die sogar häufig ganz.„altmodisch“ plissiert zu sehen sind. Beim Aermel. r in diesem Jahr dem Vormittagskleid niemals fehlen urf. arbeitet man mit ähnlich reicher Phantasie: man zeigt neben ruhig in mittlerer Weite gerade geschnittenen solche, die nach unten langsam weiter werden. andere wieder, letzen geraden Aermeln Falbeln an. die den Unterarm weitfallend umrahmen. wieder andere treten für den am Unterarm bauschigen Teil ein, den ein Bündchen oberhalb des Handgelenks einfängt. Den bekanntlich sehr verschiedenen„Geschmäckern“ ist allo reichich Fechzuisg getragen. Man darf der Mode das gleiche Figur 1 Stoffe bezügl machen! Für die erste Frühjahrszeit werden Wollgeorgette. Wollkrepp und ihnen verwandte Mischgewebe lm Vordergrund steben. Später. wenn es(hoffentlich!) wirklich frühlingsmäßig warm geworden ist. werden wir daneben natürlich leichtere Stoffarten zu sehen bekommen: Musselin und Organdi. Chifson. Satinkrepp und— Krawattenseide. Dies eigentlich der Herrenwelt vorbehaltene Gewebe hält in dieser Saison seinen ersten Einzug in das eich der Frau und wird vermutlich in der ganzen Fülle seiner aparten Muster wie seiner weichen Schmiegsamkeit und Festigkeit vollen Erfolg haben. Es wird vor allem dazu beitragen, das Bild des Frühlings noch bunter zu machen, obwohl auch ohne diese Neuerscheinung über Mangel an Farben nicht zu klagen sein wird. Zunachst wird man zwar noch sehr für Marineblau und Beige in bräunlichem Ton sein. Aber dann, wenn die Sonne lacht, kommt die Zeit der vielen Pastellfarben, bei denen Grün und Geld. von den zartesten bis zu den kräftigsten Tönen eine Rolle spielen Man wird sich natürlich nicht mit einer Farbe am Kleid begnügen, schon deswegen nicht weil das Jäckchen zum Kleid lo wunderschöne Gelegenheit gibt. harmonische Farbzusammenstellungen zu produzieren. Diese Jäckchen. die man im Winter gelegentlich zum Abendkleid sah. haben sich in stürmischem Temvo die Tagesmode im Frühjahr erodert. Als kleine Boleros trägt man sie zum passenden Rock über der buntgemusterten Bluse, die nun wieder im Rock verschwindet, als gerade, offene Jacke ohne Kragen bilden sie mit einer Bluse. deren Material ihr Futter bildet, aus einfarbigem Oberstoff. vassend zum Rock. entzückende Vormittagskomplets. Sie können aber ebenso gut abstechend. jedoch durch irgendwelche Effekte als zugehörig gekennzeichnet, über den leichten Kleidern des Frühjahrs getragen werden. Auf jeden Fall bilden sie eine bedeutsame Note in der Mode dieses Frühjahrs. die in jeder Beziehung als hübsch. gefällig, vornehm und interessant gekennzeichnet werden darf. avart ist die schräge Teilung an Rock. Bluse und Aermel Hinten kann der Rock den Bogen glatt untergesten werden. Die Vorderbahn ist glockig. a. Der Rock sowie das Jäckchen sind aus einfarbige Marocain. Das Jäckchen ist kragenlos und hat eingeser Aermel. Der Rockhüftenvasse wird die schmale Vorde bahn angeschnitten. (d. Die Bluse dieses Complets. wird im Rock tragen und propagiert die kommende, kurztaillige Lin Sie ist ebenso wie das Futter des Jäckchens aus gemuste tem Creve de Chine. Kragen und kleine Nevero. su aus dem Rockstoff. 5e. Der Rock und das armellose Jäckchen dieses fesch Frühlingskleides sind aus Wollcreve. Die Rockvorderba ist in Falten gelegt, die Falten werden bis unter Hü höhe gesteckt. 50. Der Jumver zu odigem Kleid ist aus Wo musselin. 6. Buntgemustertes Creve de Chine=Kleid. Der N „„„„„ Idat eine interessante Passe, drei eingesetzte Glocken no „ Kleid aus einfachem Seidenmarocain mit modernem und zwei hinten. Der Kragen und das zweiteilige Jab kig geschnittenen Schotz. Der aus bunter over ge= wird aus hellem Georgette zugeschnitten. Das#ak##### titter Seide geschnitten ik. läuft in der hinteren Mitte einen Rand von kleinen schneckenartig gelegten Blende iockentog sowie das Jäckchen sind aus ei# Jäcchen wird nach binten I# Die abgebildeten Modelle. 1. Jumverkleid aus dellem Kasba. Die Rockvorderbahn ist in drei Quetschfalten geordnet, zwischen den einzelnen Quetschsalten läßzt man einen Raum von 2 bis 3 Zentimeter frei. Der lange Schlips ist aus Seide im gleichen Ton wie der Stoff gewählt und mit drei Ecken aus verschiedener Seide. garniert. glocki battikter Se in einer Spitze aus. Die vorderen Enden werden durch einen Ring gezogen. Dem Rock wird in der vorderen Mitte ein Plisseeteil zwischengesetzt. Der enge Aermel zeigt unterhalb des Ellenbogens eine kleine Glocke aufgenäht 3. Kleid aus Wollgewebe oder Seide. Mit abstechendem Kragen in der Farbe des Kleides gevaspelt. Sehr die Bluse tritt binten nicht dervor — 7h., Aus gemusterter Seide ist diese Bluse. KragVanscheren ßie Blende sind einfarbig. An der mittler Rusge böder. dadurch vo **— Unser Wetterbericht Das vorgestrige Teiltief über Norwegen it sudostwarts nach Mitteldeutschland fortgeschritten, während sich das westliche Tiefdruckgediet wieder verstärkt und über Skandinavien ausgebreitet hat. In Deutschland war es gestern früh wolkig oder trübe und vielfach regnerisch bei 1—6 Grad Wärme. Wetteraussichten bis Freitag: Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge bei wenig geänderten Temperaturen. Vom Wirrsal des Lebens. Bilder aus dem herner Gerichtssaal. telephonischem Wege zu verständigen. Die Gebühr beträgt für ein 3=Minuten=Gespräch(„nur“) 126 M., für jede weitere Minute oder einen Bruchteil davon 42 Mark. Die Herstellung der Verbindung erfolgt von 15 bis 18 Uhr, möglichst frühzeitige Anmeldung beim zuständigen Fernsprechamt ist zu empfehlen. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum Dienstag erbrachen unbekannte Tater die Gemüsehalle neben dem Hotel Schlenkhoff in der Bahnhofstraße und stahlen Obst und Südfrüchte im Werte von 30—40 Mark. In letzter Zeit sind Einbrüche in die Gemüsehalle wiederholt verübt worden. Für alle Fälle kommen vermutlich immer dieselben Täter in Frage. Sachdienliche Angaben erbittet das Kriminalkommissariat 10 in Herne, Mont=Cenis Straße 10. * V e r k e h r s u n f a l l. Am Dienstag gegen 15,30 Uhr wurde der Konditor K. aus Wanne=Eickel beim Ueberschreiten der Bahnhofstraße in Herne von einem Straßenbahnvagen der Linie C angefahren und zu Boden geworfen. Er hat innere Verletzungen an der Hüfte davongetragen. * Jahrraddiebftahl. Am 6. April wurde zwischen 13 und 14 Uhr aus dem Keller des Hauses Vinckestraße 9 in Herne ein Damenfahrrad, Marke„Siegfried", Nr. unbekannt, gestohlen. Vor Ankauf oder Inpfandnahme wird gewarnt. Sachdienliche Angaben, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nehmen die KriminalDirektion in Bochum, Hattinger Straße 59=61. Zin mer 44, bzw. die örtlichen Kriminalwachen entgegen. * Nicht auf die fahrende Straßenbahn springen! In den späten Abendstunden des Dienstags wollte ein auswärtiger Händler, nachdem er bei einer Zeche tange ausgehalten hatte, die bereits im Fahren begriffene Straßenbahn auf der Strünkeder Straße besteigen, kam jedoch zu Fall und wurde auf das Straßenpflaster geschleudert. Neben erheblichen Kopf= und Gesichtsverletzungen trug er einen Armbruch davon. Der Verletzte wurde von einem Autofahrer heimgeschafft. * Von der Straßenbahn angefahren und erheblich verletzt wurde am Dienstag abend ein älterer Radfahrer auf der Riemker Straße. Der von der Arbeit Heimkehrende war mit seinem Fahrrad in die Schienen der Straßenbahn geraten, aus der er sich so schnell nicht zu befreien vermochte. Infolgedessen wurde er von der gleich hinter ihm folgenden Straßenbahn erfaßt und zur Seite geschleudert. Mit schweren inneren Verletzungen mußte er zum kath. Krankenhaus nach Bochum geschafft werden. * Beim Besteigen einer Leiter rutschte gestern morgen auf einer hiesigen Baustelle einem Hilfsarbeiter eine Traglast mit Steinen aus. Von einigen Steinen wurde ein nachfolgender Bauarbeiter am Kopfe und Nacken getroffen, so daß er sich blutige Verletzungen zuzog. Er wurde von Arbeitskollegen zum Arzt geschafft * Ein Kellerbrand brach gestern morgen gegen 11 Uhr im Hause Schulstraße 56 aus. In der Heizung sollte Altpapier verbrannt werden. Dieses war aber wahrscheinlich durch aus der Rostklappe fallende glübende Koksreste entzündet worden. Die schnell herbeieilende Feuerwehr konnte das Feuer mit zwei Schlauchleitungen in halbstündiger Arbeit bekämpfen. * Zu einer Verkehrsstörung kam es gestern in den Mittagsstunden auf der v. d. Heydtstraße. An einem Kirmes=Transportkraftzug drach die Steuerung, und die hinter dem Motorwagen folgenden Wagen versperrten die Straße. Ein später herbeieilender Lastkraftwagen schleppte den Lastzug#ab. * In den Arm gesägt. Gestern nachmittag kam auf einer hiesigen Zechenanlage ein Arbeiter dadurch zu Schaden, daß einem Hilfsarbeiter der Holestempel, den er festhielt, entglitt, wodurch sich der infolge einer Geburtstagsfeier leicht angetrunkene Arbeiter in den Unterarm sägte. Von einem Sanitäter wurde der Verletzte notverbunden und dann zum Krankenhaus abtransportiert. * k. R. B. Auf die am heutigen Abend stattfindende Versammlung des Kath. Kaufm. Vereins, in welcher zwei langjährige Mitglieder des Verbandes besonders geehrt werden, wird auch an dieser Stelle hingewiesen. * Herner Männerchor Ausnahmsweise findet die morgige Probe im Franziskauer statt. * Verein ehem. Pioniere und Verkehrstruppen Am Sodingen Der leßzte Monat#appell bein. Kameraden Heinrich Wiegmann hätte wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung etwas stärker besucht sein können. Die Versammlungsleitung lag wegen Erkrankung des 1. und 2. Vorsitze den in den Händen des 1. Schrif führers Kamerad Conrads. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Abschlußbesprechung über die am 4. Mai soattfindende Fahnennagelung. Das Programm des Gesamtvorstandes wurde gutgeheißen. Die geladenen Vereine sollen gebeten werden, mit einer Fahnendeputation zu erscheinen. Edenso sollen die Jungpioniere wieder mitwirken. Nach dem ersten Teil findet ein Preisschießen statt. Am Schluß des 2. Teiler wird ein lustiger Einakter, detitelt„Pionier Sederdag, das Genie" zur Aufführung kommen. Weiter wurde beschlossen: am 23. Juni und 8. Septem. ber ein Preisschießen obzuhalten. Der Kommand=ur, Kamerad Seeger, wurde beauftragt, mit dem Gecha führer des Wilhelm=Tell=Schleßstandes in Holthausen in Verhandlungen zu treten. Ferner ist ein Sommerausflug mit dem Kavalierieverein geplant. #) Kath. Kaufm. Verein Herne. Hente abend 8“ Uhr im Hotel Schmit Versammlung Da in dieser Versommlung 2 Mitalieder ale in, darf wob' auf einen recht Der Vorstand. „Bloß keinen Namen nennen, ich bin zu bekannt in Herne!" Selbst wenn er mich um des Gegenteil gebeten hätte, hätte ich es nicht getan. Auf ein haldes Jahr, sagie er vor der Verhandlung, macht er sich gefaßt Denn, meinte er da, die Bochumer und Recklinghäuser Richter sind nicht so streng wie die Herner. Man merkte sogleich, daß er von Recklinghausen=Süd war. Von der Herner Fil.ale eines Bochumer Fahrradgeschäftes bekam er nach Angade, er sei auf der Zeche Blumenthal beschäftigt, ohne Anzahlung ein Fahrrao heraus, das 175 M. kostete und auf Kredit ging. Er bezahlte nicht, fcierte wegen eines schweren Unalles lange krank, und als bei der Zeche angefragt wurde, hieß es, er habe dort nicht gearbeitet. Der Angeklagte behauptete jedoch fest, er habe dor: gearbeitet, nur vergaß er leider die Papiere mitzubringen. Der Amtsanwalt beantragte 2 Morate, da der Angestagte bereits wegen Betruges mit Fahrrädern vorbestraft ist. Der legte schon vor der Urteilsverkündigung Berufung ein, obwohl er sich auf ein haldes Jahr gefaßt gemacht harte. Und der Amtsrichter erkannte„nur“ auf 2 Wochen Gefängnis. Trotzdem will er, der Angeklagte, der die Milde auch der Herner Richter mitbekam, gegen das Urteil protestieren, da er doch nur seine Papiere mitzubringen vergaß Die Jagd nach der Arbeil. Es gibt einen Fluch des Geldes. Nun bin ich auch einem Fluch der Arbeit auf die Spur gekommen. Wenn man nämlich zuviel Orte des Deutschen Reiches nach Arbeit absucht, kommt man leicht in den Verdacht der Landstreicherei und noch leichter in das Gefängnis. Aus der Untersuchungshaft wird ein alterer Jüngling vorgeführt. In der Millionenstadt Berlin girg ihm die Arbeit aus und er beschloß, sich mol in der Provinz nach ihr umzusehen. Von der Bahnhofsmission bekam er eine Fahrkarte von Berlin bis Oebisfelde. Dann tippelte er zu Fuß vom Donnerstag dis Sonnabend nach Stadthagen. Dort waren zum Wochenende bereits die Büros des Arbeitsamtes geschlossen. Doch der Herr Bürgermeister gab ihm 1,50 M. als Wegzehrung mit. Davon kaufte er sich für 1,20 M. Lebensmittel und für die restlichen 30 Pf. eine Fahrkarte vom Ahlen bis Kirchhorsten. Er fuhr jedoch bis Castrop=Rauxel durch und wurde dann gefaßt. Vierzehn Tage saß er bereits in Untersuchungshaft, eine Woche Strafe bekam er, die auf die Haft angerechnet wurde. Gelandstreichert hat er jedenfalls nicht. Was kann er dafür, wenn es die Arbeit tut. O Landstreicherin Arbeit, warum suchst du uns nicht, weshalb müssen wir dich immer suchen? Und dabei oft noch vergeblich. bewies. Zwei, die Landstreicher werden mochlen. Die zwei jungen Erwerbslosen hatten ihre Unterstützung abgehoben. Gebürtig aus Recklinghausen=Süd, wollten sie der Stadt, die ihnen ihre Unterstützung gab, keinen Pfennig gönnen und fuhren darum aus Aerger über sie, die so wenig zahlte, nach Dortmurd. Bei der Rückkehr waren sie so voll, daß sie eine Fedscheune für ein Himmelbett ansahen. Diese Scheune befindet sich in der Nähe von Strünkede und wird oft von der Schupo durchsucht, da hier nur zu oft landstreichelndes Gefindel herumkampiert. So jand sie auch eines frühen morgens die beiden Erwerbslosen. Sie bestritten vor Gericht, Landstreicherei urd Bertelei betrieben zu haben. Widerrechtlich in fremdes Besitztum eingedrungen zu sein, gaben sie zu. Beide erhielten je eine Woche Gefängnis dafür, wurden sonst freige sprochen. Die schlimmsten Sochen wersen sie sich an die Köpfe. Die Siche wurde vertagt. Ein Werkmeister, zurzeit in Berlin, klagte für seine Frau, die von den zwei angeklagten Frauen Der Abtreibung und eines unsitt lichen Lebenswandels bezichtigt worden war. Die Frau des Klägers hat wiederum den Bruder einer der Angeklagten des Sittlichkeitsverbrechens angeklagt. Passiert ist alles nach Gerichtsterminen. Man sollte an zwei Ausgängen der Gerichte Wagen hin stellen. Die eine Partei müßte zur östlichen Stad: arenze, die andere zur westlichen gebracht werden. Wenn sie dann wieder zusammenkämen, müßten die Nerven einigermaßen abgekühlt sein. Vorläufig blüh noch der Haß und Streit auf den gemeinsamen Aus gängen doppelt so üppig auf. „Chresisann, geh mal runier, die hai mich als Hippe ausgeschimpft!“ Christian war ein Pantoffelheld, weil er hinunter ging. Der Kinderstreit wäre auch auf andere Art und Weise aus der Welt geschafft worden. Aber das sind die jungen Ehefrauen. Duldsamkeit besitzen sie meist für keine 10 Pfennig. Sie wollen gerächt werden für ein Schimpfwort der Nachbarin. Und zwar von dem armen Gatten, der das Geld für das gerichtliche Nachspiel sauer verdienen muß. Die Klägerin konnte auch ihren Mund nicht halten und reizte ihn derart, daß er, der sonst Besonnene, in ihre Wohnung eindrang und sie mißhandelte. Merkt: Wenn einer schimpft, darf der andere noch lange nicht wiederschimpfen. Er darf es wohl, wenn er aber noch dazu gerichtlich vorgehen will, ist er ebensogut Angeklagter. Mit dem „. Und dabei oft noch Munde wird keine Notwehr ausgeübt. Auch diese Ja unter Strafe sogar, wie es dieser Fall Sache wurde vertagt, damit der Angeklagte Zeugen laden kann, die ihn entlasten sollen. Ilgo. Altree Konler Lerne 6# Essener Kunst. Schlusnus. Gast der Essener Konzertdirektion. Das Essener Publikum schwelgte beim SchlusnusKonzert wieder im Geruß dieses wundervollen Organs, sein Tonstrom ist von goldener Fülle und subtilster Klangschönheit. Zidem ist der Sänger fre von allen Starmanieren. Wenn er auch der geistigen Durchdringung des Sioffes manches schuldig blieb. so ist sein Tonstrom doch von so faszinierender Wärme, daß man ganz im Banne dieses berühmten Baritonisten, dem endloser Beifall zuteil wurde, bleibt. Kr. Stadt Wanne=Eickel. Rentieren sich die musikalischen Mitwochen? Ein einträgliches Geschäft scheint das der Orgeldreher zu ein, wenn man bedenkt, daß heutzutage mehr Groschen als Pfennige heruneergeworsen werden. So erisite dieser Tage ein betrunkener olter Mann in einer Wanne=Eickeler Wirtschaft freimütig von dem Verdienst der Orgeldreher. Er hat sich da für ungefähr 200—300 Mark eine Orgel gekauft und verpumpt sie fur 10 Mank täglich on einen anderen. Als er die Orgel kaufte, ging er über Recklinghausen, Herne und Wanne=Eickel nach Hause und nahm an einem Nachmittage 45 Mark ein. Was hai die Stadt mit dem Riesengebäude der stillgelegten Ziegelci an der Herner Grenze vor? Bei einem Umbaue müßten hier eine große Anzahl von Famllien Wohnung finden. Der Vorübergeherde schüttelt über die Nichtbenutzung den Kopf. Die Stadt hat jedoch eingesehen, daß eine Umaneitung hier mehr kosten würde, als ein Neubau. Die städtische Ziegelei bei Löns wird wohl höchstens noch einige Jahre in Betrieb bleiben, dann ist der Lehmberg dort abgebaut. Dafür sollen dann die seit längerer Jeit stillstehende Ziegelei an der Herner Grenze die Stadt weiter mit Ziegel beliefern. Dort ist übrigens der begehrte Klinkerlehm zu finden für die Klinkersteine Bau von 60 bis 70 Wohnungen durch die Stadt. Das Gelände Ecke Reichs= und Hindendurgstraße, weches der Knappschen Fabrik gegenüber liegt, wurde auf dem Tauschwege von der Zeche„Königsgrude“ an die Stadt abgegeben. Diese wird voraussichtlich hier Häuser mit ca. 60 bis 70 Wohnungen erbauen. Ersatzlieferung von Kartoffeln an die Unterstützungsberechtigten. Vielen Umerstützungsempfängern und sonstigen Erwerbolosen sird in diesem strengen Winter die Kartoffeln erfroren. Da der Verlust für sie untragbar war, will die Stadt nun den Betroffenen eine einmalige Ersatzlieferung von 25 Pfund pro Kopf bewilligen. Der goldne Mittelweg. Wegen der Verlegung des Auszahlungslo“ Schmidt war talität und Satire, und man jazzt tüchtig drauf los. Otto Kraatz in der Titelrolle zeigt vorzügliche Qualitäten eines Buffos'. Anny Spery ist ein charmantes, köstliches Soubrettenblut, Tenor Peter Markwort singt mit strahlendem Organ und zeigt rassiges Spiel, nicht minder ist Ida Bauer ein impulsives Talent, Albert Maurer als Archäologe Ochs ist überwältigend komisch, H. H. Wendenhöfer gibt sehr sein komisch den älteren gesetzten Bonvivart. In anderen Rollen durchaus beachtenswert Carl Santori und Anny Bröckelmann: Ada Houbrich ist fehl am Platze Die Ausstattung ist geschmackvoll u. reichhaltig. Direktor Theo Bachenheimers Regie war sehr vorteilhaft auf die leichtgeschürzte Muse eingestellt und zeigte sauberste Szenenführung, sein überbrückte dieser Regisseur das matte Libretto durch schmissige Szenenführung. Dr. Erich Schalcha leitete mit leichtem Gan das ouvert. Null gilt nach Ihrer Rechnung 23, Null musikalische Schiff und verstand es, die Partitur klang; ouvert 46. Außerdem gibt es einen Null ouvert aus lich und rhythmisch bestens zur Geltung zu bringen. der Hand, der in diesem Falle 69 zählen würde. Ein Kr. Null aus der Hand ist uns nicht bekannt Dortmunder Zucht- und Faselriehmarkt vom 10. April. Auftrieb: 561 Stück Großvieh, 194 Schweine, 39 Kälber. Der Handel war mittel. Es kosteten Kühe 300—650 M., Rinder 250—500 M. Ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämitliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarken versehen, die die Bezeichnung „Magerviehhof Dortmund“ und eine Nummer tragen Es sind die Nummern 10348—11029 ausgegeben worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 32—38. M., von 8 bis 10 Wochen 32—45 M., von 10 bis 12 Wochen 45—60 M. Läuferschweine wurden nicht notiert. Der nächste Markt findet am 17. April statt. Brieskasten. Awragen an uuseren Brieskasten müssen mit Anterschritt versaden und edenso mub die levtgültige Quttung deigefugt sein. Wo dieses nicht der Hall il. erfolgt keine Beantwortung. M. B., Horsthausen. In Herne finden Kurse in der Krankenpflege nicht statt, wir empfehlen Ihnen aber, beim Vergmannsheil in Bochum oder in der Frauenklinik, ebenfalls in Bochum, anzufragen, dort werden zeitweise Kurse abgehalten, so daß man später die staatliche Prüfung ablegen kann, was nötig ist, um Aussicht auf Anstellung zu haben Statklub. Es gibt einen Null und einen Null Deutsche Jugendkraft. Die Kreisendiviele im Höhepunkt. Jalke Bulmkes große Aussicht auf den Titel. Im ganzen Rhein=Weser=Kreis dreht sich die Sportgeschichte augenblicklich nur um die Kreisendspiele, die an Interesse und Zugkraft alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Noch in keinem Jahre ist so erbittert um die Titel gekämpft worden, sei es im Fuß oder Handball. Nun liegen schon zwei Sonntage der Endkämpfe hinter uns, allmählich scheidet sich die Spreu vom Weizen, doch ganz klar liegt die Sache immer noch nicht, die Spielstärke der Mannschaften ist zu ausgeglichen. In Gruppe A führen augenblicklich Wanheimerort und Netphen mit 2 Punkten, aller dings hat Netphen auch 2 Minuspunkte. Sollte es siokals von wirschoft. Vozehranzg, dertz Altenessen gelingen, Wanheimerort zu schlagen, wos r eine aeum####.. L#htta## Unser Frit eyr leicht eintreten kann, so hat jede Partei 2 Punkte emitgliccern des Stadtiekls Under Bris und alle drei können nochmal eingreifen. 1 Punk: Knappschaftsmitglickern des Stoottens Unzer Trib und alle drei können nochmal eingreisen. 1 Punkt emtstanden. Runmehr hat man sich geringge, die Aus genügt zwar für Wanheimerort, und sie stellen den zahlstelle zur Wirtschaft Loewen zu verlegen. Die Gr,“„nmeister im Enowiel. In der B=Gruppe liegt (I'stimmung der Ruhrknappschaft wird wohl—.- nie Sache genau so, hier hat Falke Bulmke die nicht versagt werden. Führung mit Oberhausen, das auch 2 Minuspunkte Warnung vor einem Betrüger. Ein angeblicher hat Nun hat aber Falke den heißesten Anwärter, Ernst Bauer aus Dortmund, Steinstraße 62, inserierte Arminia Oderhausen, sicher aus dem Felde geschlaam 8. 3 29 in der Wanne=Eickeler Zeitung, daß er an gen, und das noch in Oberhausen. Auf eigenem Platz jedermann Darlehen zu vergeben hätte. Auf dieses Inserat haben sich eine Anzahl Personen gemeldet und um Darlehen nachgesucht. B. besuchte dann die Antragsteller in ihren Wohnungen und ließ sich gleich Vermittlungsgebühren in Höhe von 10 Prozent des Darlehns geben. Dieses sollte in 8—10 Tagen flüssig sein. Da die Darlehnssucher aber längere Zeit vergeblich warten mußten, wandten sie sich schriftlich an Bauer. Die Briefe kamen jedoch als unbestellbar zurück. Bauer hat zweifellos eine falsche Adresse, moglcerweise auch einen salschen Namen angegeben.— Personen, die durch diesen angeblichen Bauer auf die geschilderte Art geschädigt wurden, werden gebeten, umgehend bei der Kriminal=Direktion in Bochum, Hattinger Straße 59=61. Zimmer 43, bzw. bei den örtlichen Kriminalwachen vorzusprechen. Verbandsjuhilare geehrt zohlrrichen Besuch gerechnee u Bochumer Operettentheater. Priaz Leichtsinn. Im Bochumer Operettentheater gehr allabendlich Viktor Corziliu 9##inz Leichtsinn“ in Szene. Ueber den Inhalt zu berichten, hieße dem Werke zu viel Ehre antun, aber das anspruchslose Werschen mit reißerischen Effekten i pubitkumswirksam.— Ein Prinz beiratet, um seinen heruntergewirtschafteten Finanzen erwas nachzuhelfen. eine reiche Amerikanerin. Daß die Liede bei dieser Geldbeirat zu kurz kommt, dürite nicht schwer zu erraten sein. Musikalisch hat diese Operette den Ton unserer Zeit. Boila: Sarophon, es schwingt entzückend zwischen Seutimenempfangen sie nun Essen=Dellwig, um den noch zu benötigenden einen Punkt zu erobern. Bei ihrer Kampfkraft ist dieses zu erwarten, so daß Falke Bulmke den Gruppensieger B für das Endspiel stellt. das für den 28. 4., dem Tage der Industriestaffel, in Gelsenkirchen vorgesehen ist. Die Lage bei den Handballern ist ungeklärt, denn in der West=Gruppe führt Altendorf mit 3:1 Punkten vor Welper und Millheim=Styrum mit je 2:2 Punkten. Am 21. 4. greift nun auch der Sieger der Tabellen=Zweiten, Mülheim=Saarn, in den Kampf ein. Wir werden es hier erleben, daß der RuhrgauErste und=Zweite die Sache unter sich ausmachen Styrum oder Saarn ist unser Typ— oder die zweite Auflage der Ruhrgaumeisterschaft. Die Ostgruppe wird von Tus 08 Hagen geführt, die als sichere Anwärter geltenden Dortmunder Arminen kommen wohl nicht mehr in Frage. Elmar Hagen als Sieger der Tobellenzweiten greift noch ein, also auch hier der Erste und Zweite eines Gaues, diesmal Sauerland Wir glauben zwar nicht, daß Elmar gefährlich wird Tus 03 wird das Endspiel austragen. sehr gefährlich. Die Niers=Gruppe wird vom Sp u. Sp. Schaag sicher geführt, und dieser wird es auch wohl schaffen. Die West=Gruppe sieht Arminia Eilendorf in günstiger Stellung, auch diese gelten als sichere Gruppenführer, so werden wir wohl in der Meisterrunde: Rheinfranken Düsseldorf, Sp. u. Sp. Schaag und Arminia Eilendorf, sowie den Sieger der Tabellen=Zweiten sehen. In der Runde der Zweiten liegen noch vier Mannschaften im Rennen: Cornelimünster Köln, Arminia Neuß, Gerresheim und Fichtenhain. Den Sieger sehen wir in Cornelimünster oder Gerresheim. Ausgeschieden sind schon acht Vertreter: Hertha Walheim, Jungwacht Beuel, Roland Bürrig, Suchteln, Kevelaer, DIK. Beuel und Niederau. Die Endspiele im Handdall haben am Niederrhein noch nicht begonnen. Der Motor=Sportklub D. K. W. Herne unternimmt an diesem Sonntag(14 4.) eine Klubfahrt zum früheren Hertener Flugplatz, um ihn in Augenschein zu nehmen für die gemischte Staffel. die bekanntlich im Herbst daselbst zum Austrag gelangen soll. Die Klubfahrt beginnt um 10 Uhr vormittags, der Trefspunkt der Motorradfahrer ist das Vereinslokal Christ. Möller.(Von=der=Heydt=Straße). Von dort aus führ: die Fahrt über die la=Rochestraße, Cranger-, Julia=, Cranger=, Rott= und Hertener Str., dann in Richtung Ost=West des Flugplatzes bis zur alten Tribüne Es folgt dann eine Besichtigung des alten Flugplatzes, sowie eine Besprechung über die gemischte Staffel. die währero der Werde=Flugsporweranstaltung der Raab=Kaßenstein Flugzeugwerke ausgetragen werden soll. Die gemischte Staffel soll sich aus Läufern, Reitern. Motorradfahrern und Fliegern zusammensetzen. Es werlden dann einige Motorradfahrer starten, um fest zustellen, welche Fahrwege sich für die Motorradfahrer der gemischten Staffel am besten eignen. In Verbindung hiermit ist ein Lan## geplant der über eine Strecke von erwa 100 bis 200 Meter führt, bis zum Startpunkt der Motorrodfahrer, die nun ihrerseits eine bestimmte Strecke zurücklegen sollen. Am Niederrhein. Wer wird es schaffen? Wird So u. Sp. Schaag abermals Gegner des Rhein=Weser-Meisters? Hier sind die Endspiele in drei Gruppen geteilt, Aulgemeiner Deuticher Turnerbund. Den diesjährigen Waldlaufmeisterschaften des A. D. T. wor der große Erfolg der Vorjahre beschieden. Die Ergebaisse: Senioren, 4800 m: 1. Gotthardt, Mtv. Elderfeld, 13.07 Min. 2. Thomas, Elberfeld. 3. Ringel, Mto. Elverfeld. Mannschaftssieger: Elberfeld. Junioren, 4000 m: 1. Kördeslühr und Schlutermann, beide Iserlohner Turnerschaft, 12,47 Min. 2. 3. Bitter, Mtv. Elber#eld. Mannin der Rhein=Gruppe güt Rheinfranden Düsseldorf Hubener, Herbede als Anwärter, doch ist Rhenania Köln=Mülhetm ihnen schafteneger: Iserlohner Turnerschaft — D S Jugend bis 16 Jahre. 2000 m: 1. Link, KölnHohenberg, 7,07 Min. 2. Aufderheide, Harpen. 3. Freiberg, Iserlohn. Mannschaftssieger: Köln. Jugend 16—18 Jahre, 2500 m: 1. Herold, Bonsfeld=Langenberg. 2. Rosendahl, Harpen. 3. Grünewald, Bürenbruch. Sonntag, den 14. April, morgens 10 Uhr, findet in Lütgendortmund die Vorturnerstunde des 1. Bezirks vom Kreis 3 statt. Nachmittags um 2 Uhr ist im Lokale Specht dortselbst die Delegiertenkonferenz desselben Bezirks. Wieder Fußball=Revolution im Norden? Die Hamburger Vereine schließen Privatspiele ab. Im Norddeutschen Sportverband jagt beinahe eine „Revolution“, die andere und die Zustände scheinen allmählich chronisch zu werden. Für den Sonntag hatte der Verbands=Fußballausschuß die zweite Runde um die Norddeutsche Fußball=Meisterschaft angesetzt, und war sollte im Rahmen dieser Spiele der Hamburger Sportverein gegen Union Altona kämpfen. Die Hamburger sehen in der Spielansetzung das Bestreben, den Hannoverschen Vereinen nach Möglichkeit ein Spiel in den weiteren Runden sicherzustellen. Altona 93 hat sich der Ansicht der Hamburger angeschlossen und steht in gleicher Front gegen den Verbands=Fußball=Obmann Fromme. Was nun aus der ganzen Geschichte werden soll, ist bis jetzt noch nicht zu übersehen. Der VerbandsFußball=Ausschuß steht auf dem Standpunkt, daß er die Spiele der zweiten Runde gerecht angesetzt hat, daß er sich selbstverständlich nicht allein von Hamburger Interessen leiten lassen könne, sondern auch den anderen Vereinen gerecht werden müsse. Mit dieser Er klärung haben sich die Hamburger aber keineswegs zufrieden gegeben, sondern kurzerhand auf die Durchführung der angesetzten Spiele verzichtet und Privatspiele abgeschlossen. Es fragt sich schlielich nur, wer den dickeren Kopf hat und wer den größten Schaden hat, wenn wirklich die wichtigsten Spiele der zweiten Runde um die Norddeutsche Meisterschaft nicht zur Durchführung kommen. Ein wenig viel Temperament scheint sich im Hamburger Sportverein schon breit gemacht zu haben. Vom Turnen befreit. Von Dr. Ruff, Augsburg. Boren Pistulla wird Prosi. Der Bremer Hülsebus ist sein erster Gegner. Ernst Pistulla, der bekannte Berliner Amateur vorer und zweiter Sieger im Halbschwergewicht bei den letzten Olympischen Spielen, hat seinen Uebertritt ins Lager der Berufsboxer erklärt. Pistulla wird sein Debut als Profi wahrscheinlich beim nächsten Leipziger Kampfabend(21. oder 28. April) gegen den Bremer Hülsebus geben. Rudi Wagener nach Amerika. Rudi Wagener, der bekannte Duisburger Schwer gewichtler, hat die Absicht, wieder nach den Vereinigten Staaten zu fahren, da er einige gute Angebote erhalten hat. Vorerst sind drei Kämpfe vorgesehen, an denen er in finanzieller Hinsicht mit 25 Prozent beteiligt sein wird. Kurze Informationen. Das komplette Programm der Rheinlandhalle. Der letzte Großkamnftag der Rheinlandhalle, der am 12. April steigen wird, und in dessen Mittelpunkt das Treisen Hein Müller— Gipsy Daniels gestellt ist, wird folgende Reihenfolge des Programms aufweisen: Franz Dübbers— Hulstaert=Belgien 6 Runden Ernst Gühring— Egon Stief, 8 Runden Hein Domgörgen— Billy Adair, 10 Runden Gipsy Daniels— Hein Müller. 10 Runden Hein Heser— Hülsebuß, 8 Runden Ringrichter ist wieder Gerd Mügge=Köln. Punktrichter sind Kimpel=Elberfeld und Wolter=Köln. „Klassische Spiele“ in Athen. Wie Athener Blätter melden, sind in Griechenland Bestrebungen im Gange, in Athen in bestimmten Abständen„Klassische Spiele" nach dem Vorbild der Olympischen Spiele zu inszenieren. Diese„Klassischen Spiele" sollen erstmalig im Jahre 1930 im Rahmen der Feier der 100jährigen Unabhängigkeit Griechen= lands vonstatten gehen. Die griechische Regierung soll sich bereits bereit erklärt haben, die Spiele— die übrigens auch für Ausländer offen sein sollen— zu finanzieren. Oesterreichische Fußballer in Meriko. Der Wiener Sportklub ist eingeladen worden, im Juni und Juli insgesamt 7 Spiele in Meriko auszutragen. Insgesamt werden 14000 Dollar als festes Honorar geboten. Nach Sicherstellung der Summe sind die Wiener bereit, die Reise auszuführen. Die Untersuchung zum Zwecke der Befreiung vom Turnunterricht ist für jeden Arzt ein unliebsames Kapitel. Selbstverständlich wird es immir und in jeder Schule Kinder geben, die man vom Turnen befreien muß, wegen Unterleibsbrüchen, Lähmungen, Herzstörungen usw Aber es gibt manchen Fall, bei dem nichts anderes dahintersteckt, als der Wunsch, eine Stunde zu schwänzen. Oft mog eine gewisse Aengstlichkeit mitspielen, weniger bei den Kindern als bei den Müttern. die befürchten, Das Kind könnte überanstrengt werden. Was sagt nun der Arzi dazu? Der Turnunterricht hat sich in den letzten Jahren von Grund auf gewandelt. In der Schule und bei den Vereinen gilt heute der Grundsatz: Leibesübungen für alle, nicht bloß für die Sportkanonen. Der moderne Turnunterricht ist auf individuelle Behandlung eingestellt. Mit andern Worten: es soll und muß jeder Einzeine nach seinen Kräften und nach seiner Veranlagung am Turnen teilnehmen. Damit ist nicht gesagt, daß die wirklich begabten Turner ihren Künsten nicht freien Lauf lassen sollen, nur dürfen die Vorturner die Turner mit Durschnittsleistung, die meist in der Ueberzahl sind, nicht vergessen. Die Güte einer Turnerriege zeigt sich im guten Durchschnitt. Deshalb werden heute die meisten Turnlehrer ihre Klassen, wie das bei den Vereinen schon immer üblich ist, beim Geräteturnen in Riegen einteilen und jeder Riege die ihrer Leistungsfähigkeit entsprechenden Uebungen zuweisen. Gelingt dann dem Schwachen in seiner Riege eine seiner Fähigkeit angepaßte, wenn auch allereinfachste Uebung, so ist damit schon Vertnauen und Lust zum Weiterturnen gewonnen. Der pädagogische Taki des Lehrers wird dabei den rechten Ton anzuschlagen wissen. Die Schüler, die vom Geräteturnen befreit sind, werden an den Geh=, Lauf= und Sprungübungen, an den Spielen und an der Gymnastik teilnehmen und während des Geräterurnens mit Bällen und anderen geeigneten Uebungen beschäftigt werden. Im Sommer wird ja überhaupt, meist nur im Freien ohne Geräte geturnt. Wer sollte da nicht mitmachen können ohne triftigen Grund? Gerade für die Swächlichen wird hier Kräftigung auf mannigjache Weise geboten. Das neue Turnen legt mehr als früher Wert auf die gute Körverhaltung. Eine Notwendig keit, von der man sich in jeder Badeanstalt beim An blick unserer Jugend überzeugen kann. Im Allge meinen ist das heutige Turnen auf eine gleichmäßige harmonische Durchbildung des ganzen Körpers eingestellt. Wer wollte behaupten, daß das einem jungen Menschen nicht nützlich ist? Wer wollte seinen Kindern diesen Turngewinn fürs ganze Leben vorenthalten? Oft kommen die Kinder wegen eines leichten Turn fiebers zum Arzt. Das Turnweh oder Turnfieber ist eine rasch vorübergehende Erscheinung. Es kommt daher, daß die Muskeln bei starker Arbeit blut= und wasserreicher werden. Die Muskelfasern quellen an und dehnen die zarten Muskelhäute, wodurch das oft einige Tage anhaltende Schmerzgefühl entsteht Auch Seitenstiche sind oft der Grund, weshalb sich ängstliche Gemüter vom Turnplatz für immer entfernen wollen. Sie entstehen dadurch, daß beim Lauf infolge steigenden Blutdrucks die Milz anschwillt. Gejahr ist nicht vorhanden, wenn auch die Uebung ausgesetzt werden muß Gerade die Schwächlichen und Blutarmen sollen der Turnstunde teilhaftig werden. Das Turnen macht frisch, froh und lebendig, und dieses Behagen hat den günstigen Einfluß auf das Nervensystem. Jugend, die geturnt hat und nach der Schulentlassung noch weiterturnt, wird das Zeitalter der Neurasthenie aus sich selbst überwinden für sich und ihre Nachkommenschaft. We steht die deutsche Jugend? Die starke Anteilnahme der Jugend an fast allen Fragen, die heute ausgeworfen werden, und die Bedeutung, die der Jugendpflege von privaten und öffentlichen Körperschaften zugemessen wird, läßt die Frage nach dem Standort der deutschen Jugend als nicht unwesentlich erscheinen. Anläßlich der Ausstellung„Das junge Deutschland“ wurde von dem Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände der Oeffentlichkeit eine statistische Untersuchung bekanntgegeben, deren Zahlen in einem Aussatz der Zeitschrift„Jugendführung" zusammengefaßt werden. Der Amtliche Preußische Pressedienst entnimmt dem Aussatz von Dr. Zimmermann=Köln folgende Tatsachen: Nach der Zählung vom Jahre 1925 beträgt die Zahl der Jugendlichen von 14 bis 21 Jahren rd. 9,1 Millionen, d. s. 14.5% der deutschen Gesamtbevölkerung. Hinzu kommen rd. 5 Millionen der Jugendlichen im Alter von 21 bis 25 Jahren, d. s. zusammen 14 Millionen Jugendliche oder 22,2% der deutschen Gesamtbevölkerung. Nach der Aufstellung des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände sind von den 9.1 Millionen der Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren 4,1 Millionen organisiert, d. s. rd. 45%. Dabei ist hervorzuheben, daß die männlichen Jugendlichen in weit höherem Maße den Jugendverbänden angehören, als die weiblichen Jugendlichen. Von den 4,6 Millionen männlichen Jugendlichen sind od. 54%, von den 4,5 Millionen weiblichen Jugendlichen sind 26% organisiert. Die Jugend im Alter von 21 bis 25 Jahren hat nicht mehr dasselbe Interesse an den Organisationen wie in den vorhergehenden Levensjahren. Von ihnen sind nur etwa 28% in den Organisationen zusammengefaßt. Die im Alter von 14 bis 25 Jahren stehenden 5.5 Millionen organisierten deutschen Jugendlichen verteilen sich auf folgende Jugendverbände: 16 evangelische Jugendverbände 638 600 11 katholische Jugendverbände 1 418 109 6 jüdische Jugendverbände 5 150 2 sozialistische Jugendverbände 57.600 2 parteipolitische Jugendverbände 50 850 14 freie Bünde der Jugendbewegung 38 150 9 berufsständische Jugendverbände 849 900 5 Jugendverbände für Leidesübungen 1 900691 9 sonstige Jugendverbände 557 150 mit der Absicht, sich in Finnland zu verheiraten und sich für dauernd drüben niederzulassen. Nochmals Meidericher SpB.— Spög. Oberhausen. Da am Samstag die beiden Anwärter auf den Meistertitel im Niederrheinbezirk Meidericher SpV. und Oberhausener SpVg. unentschieden trotz Verlängerung spielten, ist ein neues Spiel für den 14. April ins Duisburger Stadion angesetzt worden. 74 Jugendverbände 5 516 200 Leichtathletik Richard Corts in Finnland. Der deutsche Meistersprinter Richard Corts, der chon im letzten Jahre weniger hervortrat, trägt sich Geister und Gespenster. (Lustige Anekdoten.) Der alte Fritz hörte, als er sich im Siebenjährigen Kriege in Schlesien aufhielt, von einem in der Nähe wohnenden Pfarrer, der Geister herbeirufen und mit ihnen verkehren könne. Der König ließ ihn rufen „Kann Er Geister zitieren?“ fragte er ihn in seiner bekannten fkeptischen Weise Der Pfarrer, der nicht auf den Kopf gefallen war, erwiderte:„Zu Befehl, Majestät, aber sie kommen nicht.“ * In einer Gesellschaft, in der auch Alerander von Humboldt weilte, kam die Rede auf den Spiritismus und besonders auf das Tischrücken. Der berühmte Gelehrte meinte, daß an der Richtigkeit der zum Besten gegebenen Berichte doch stark zu zweifeln sei.„Ich schwöre. Exzellenz“, versicherte einer der Berichterstatter eifrig,„der Tisch hat in meinem Folle bestimmt nachgegeben!“ „Daran zweifle ich nicht,“ erwiderte Humboldt sarkastisch,„denn der Klügere gibt immer nach!“ Der berühmte Geisterseher Swedenborg machte auf einer Fahrt über See einst tiefe Bücklinge vor allen Stühlen, die in der Kajüte standen. Der Kapitän des Schiffes fragte erstaunt, was das denn zu bedeuten habe. „Ja, sehen Sie denn nicht Karl XII. auf jenem Stuhl sitzen und auf diesem hier Peter I. und auf dem Sessel dort die große Katharina?“ fragte Swedenbord. Kurz darauf legte man an und Swedenborg wollte das Schiff verlassen. „Halt!“ sagte der Kapitän und hielt ihn zurück, „erst bezahlen Sie mal das Fahrgeld für die gekrönten Häupter, mit denen Sie hier gereist sind, oder ich halte Sie für einen kompletten Narren!" Man sprach über Okkultismus, Spiritismus und andere Dinge. Eine Dame der Gesellschaft hielt einen unendlich langen Vortrag über Seelenwanderung Wenige Gäste hörten ihr zu. Nur einer schenkte ihr ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie wollte sich ihm erkenntlich zeigen und als sie zur Erleichterung der Gesellschaft zu Ende war, erklärte sie diesem Interessenten geheimnisvoll:„Sie scheinen viel für das Thema übrig zu haben. Und da sie mich so gut verstehen, will ich Ihnen verraten, wer ich im ersten Leven war: eine Geliebte Napoleons.“ Die Spannung aus dem Gesicht des Hörers löste sich. Erfreut sprang er auf: „Jetzt weiß ich, woher ich Sie kenne; denn sehen Sie: ich war Nepoleon!“ * Schmidt:„Ich gratuliere, Herr Müller. Ich höre, Sie haben Drillinge bekommen.“ Müller:„Danke. Es stimmt. Ich begreise es ja selbst nicht. Aber es gibt gespenstische Zusammenhänge. Denn was meinen Sie, wie kommt meine Frau zu den Drillingen?" ————„Weil Sie damals von Dumas die „Drei Musketiere“ gelesen hat, sage ich Ihnen, daher kommt die Bescherung.“ „Um des Himmels willen!“ rief Schmidt entsetzt und rannte davon. Müller:„arum laufen Sie denn weg?“ Schmidt:„Menschenskind, meine Frau ist gerade dabei, Ali Baba und die vierzig Räuber zu lesen.“ * Heut sprach ich zu meinen Möbeln:„Wo mogt ihr gewachsen sein? Wo werdet ihr stehen, wenn ich nicht mehr bin? Welche Lebensharmonien und-disharmonien werden sich um euch abspielen?" Denn das ist sicher, daß Möbel ein zäheres Leben haben als der zäheste Mensch. Sie tragen oft die Geschichte von Generationen in ihren Fächern. Literarisches Selma Lagerlös in der„Bergstadt". Das socden erschie nene Aprilheft der von Paul Keller herausgegebenen illustrierten Monatsschrift„Die Bergstadt“ bringt den Lesern eine sicherlich mit lebhafter Freude begrüßte Ueberraschung: Selma Lagerlöfs jüngster Roman„Anna, das Mädchen aus Dalarne“ beginnt in diesem Heft zu erscheinen.— Daneben enthält das Heft eine Fulle von unterhaltenden und belebrenden Beiträgen, von denen hier als die wichtigsten genannt seien:„Hölty“. Eine Idylle von Ludwig Bäte.—„Warum Fips versetzt wurde.“ Erzählung von Emil Maxis.—„Die beiden Dichter.“ Eine altindische Geschichte von Georg Langer. —„Der von Ilm“ Novelle von Hans Kreitling —„Wetterwarten.“ Von Dr. Carl Hans Pollog(in.).— „Theodor Bohnenberger.“ Lebensbild eines Künstlers von Richard Braungart(ill.).—„Das Lötschental.“ Von Gustav Renker(ill.).—„Die kleine Wohnung“ Eine zeitgemäße Beab Eifler(ill.).—„Volk und Sprache.“ Von Dr. Victor Berg.—„Vom Taubstummen und seiner Schule.“ Von Fritz Schmidt.—„Der deutsche Dackel in Rom" Von Gustav W. Everlein. Dazu u. a. ein= und mehrfarbige Kunstbeilagen— Musikbeilage—. Jugendbeilage. Wer eine illustrierte Fomilienzeitschrift sucht, die er unbedenklich auch den Kindern in die Hände geben kann, dem sei die„Bergstadt“ aufs warmste empfohlen. Monatlich ein Heft zum Preise von 1.50 M. Probehefte durch jede Buchhandlung oder vom Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1. Alle Bücher u. Zeitschriften besorgt schnellstens Buchhandlung Koethers& Röttsches Herne, neben dem Postamt. Sammelnummer 52541 Vereinskalender Das Doppelquariett„Schlägel und Eisen“ veranstaltet am Sonntag, dem 14. April 1929, abends 6 Uhr beginnend. im Franziskaner einen Liederabend unter Mitwirkung des Gymnasiasten' Hans Frömming (Violine) und Alfred Kallenbach(am Flügel). Der Eintrittspreis beträct 60 RPf. 16890 Der Schützenverein Horsthausen E. B., Vereinsheim Wippermann, hält am Sonntag, dem 14. 4. 29. vorm. 10,30 Uhr, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Da für das im Juni stattfindende Schützeniest noch viel Vorarbeit zu leisten ist, werden die Mitglieder gebeten, zahlreich zu erscheinen Es sei hier bereits mitgeteilt, daß wir für unser Schützenfest die Kapelle des Preuß. ArtillerieRegts. Nr. 6, Minden i. W., gewonnen haben. 1678a Der Vorstand. Rottschilds ZigarrenZentrale. Nerne. Bahnhofstr. 50 Qualitäts- Rauchwaren Pleiten, bekannt, guf u. bill' K Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen ½9 Uhr unsern lieben, guten Vater. Schwiegervater, (troßvater. Bruder. Schwager, Onkel und Vetter, den wohlachtbaren Herrn Steiger a. D. nach kurzem, schwerem Krankenlager, wohlvorbereitet durch den otteren Empfang der hl. Sakramente, im Alter von beinabe 70 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzuruten. Wir empfehlen die Seeie des Verstorbenen dem Gebete aller Verwandten und Bekannten. Die trauernden Hinterbliebenen. Herne, Essen, Ahlen, Witten, Kempenich, Crefeld, Düsseldorf, Rellinghausen, Werden, Rüsselsheim, den 9. April 1929 Die Beerdigung findet am Freitag, dem 12. ds Mts., nechmittags 3½ Uhr, vom Sterbehause, Ludwigstr. 55. aus statt. Das teietliche Requiem ist am gleichen Tage, morgens 7,10 Uhr. in der St Josephs-Kliche. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nschricht zuging, diene diese als solche. 16792 Mütterverein St. Marien Zur zahlreichen Beteiligung an der Beerdigung der Frau Stötel Preitsgnachmittag 3“ Uhr. vom Sterbehause, Wiesenstrabe 32 aus, werden die Mitglieder eingeladen. 16764 Frauengruspe des bardevereins Herne. Unser liebes Mitglied Frau Hasenjürgen ist heimgerusen. Die Beerdigung findet statt am Freitag 3.30 Uhr vom Sterbehause Stadt garten 16850 Um recht zahireiche Beteiligung bitter Der Vorstand Unser Mitglied, die Ebetrau Maria Feiertag wird Freitag 4 Uhr vom Sterbehause Mont=Cenie=Dir beerdigt. Das Be erdigungsamt ist Samstag 7,05 Uhr in der Pfarrkiiche. Die Mitglieder verden zur Beteiligung hierdurch einDie Mithiife. Wirte-verein herne. Zur Beerdigung der Gattin unseres Kollegen Perrn Joh. Feiertag in Sodingen, versammeln sich die Mitglieder des WirteVereins um 3.45 Uhr im Restaurant Vorgmann 16800 der Vorstand. Klappzylinder Seidenhüfe In allen Preislagen von billigster bis feinster Qualität empfieh!t Carl Schluckebler Herne, Bahnhofstraße 49 Seit 1872. Haus der Hüte. Pi6“: Kohlen Koks Briketts fuhren- und zentnerweise, werden ins Haus gebrscht. Hubert Hagemann Herne-Sodingen. Teleion 50719.