Druck u. Verlag: Koethers& Röttsches, Herne, Bebelstr. 8, neben der Hauptpost Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 60 Pfg. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen- und Reklameteil: Carl Bartels, beide in Herne. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger 7 Gerther Anzeiger Amtlich beglaubigte Abonnentenzahl Jeder Abonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.— versichert. wenn durch einen Unsall der Tod oder Ganzinvalldität einteitt. Anzeigenpreise: 1 mm Raumhöhe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfg., Arbeitsund Wohnungsmarkt 5 Psa. 1 mm Raumhöhe, im Reklameteil 30 Pfa Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage binsällig.; Jernsprech=Anschluß: Sammel=Nummer 52541# Telegramm=Adresse: Anzeiger Herne. Nr. 32(Erstes Blatt) Donnerstag, den 7. Februar 1929 25. Jahrgang. Die Große Koalition gescheitert. Die Verantwortung trägt die Volkspartei.— verweigerung der anerkannten Rechte des Jentrums.— Es zieht seinen einzigen Minister aus dem Reichskabinett zurück.— Endlich Handlungsfreiheit für die Zentrumspartei. Das Ende der Kanzlerarbeit. de Die Geduld des Jentrums zu Ende. Von unserer Berliner Vertretung. = Berlin, 6. Febr.(Eig. Drahtber.) Reichsverkehrsminister von Guerard hat um 18. Uhr dem Reichskanzler Müller sein Entlassungsgesuch eingereicht. In dem Gesuch weist Herr von Guerard darauf hin, daß ein weiteres Verbleiben im Kabinett unmöglich sei angesichts der Weigerung der Deutschen Volksvartei, der Zentrumsfraktion die ihr zustehende und wiederholt zugesagte entsprechend starke Vertretung im Reichskabinett zuzubilligen. Ueber die Verhandlungen, die zum Rücktritt des Zentrumsministers führten, gibt der nachfolgende Bericht Aufschluß: Das Entgegenkommen der Zentrumsfraktion des Reichstages vom Dienstagabend, dem Reichskanzler Müller noch eine letzte Gelegenheit zur Vermittlung in den Differenzen in der Koalitionsfrage zwischen dem Zentrum und der deutschen Volksvartei zu geben, ist leider nicht mit dem guten Willen belohnt worden, den das Entgegenkommen der Zentrumsfraktion verdient hätte. Das Zentrum war bekanntlich schon Dienstagabend nach dem Scheitern der tagelangen Verhandlungen fest entschlossen, aus der Nichtbeachtung seiner berechtigten Wünsche die Konsequenzen zu ziehen, d. h., Zentrumsminister von Guerard aus der Regierung zurückzuziehen. Als die Zentrumsfraktion nach dem Bericht des Herrn von Euerard über seine Besprechung mit dem Reichskanzler von der sofortigen Ausführung ihres bereits gereiften Entschlusses absah, mußte es annehmen, daß der Kanzler mit aller Beschleunigung einen neuen Lösungsversuch machen würde. Die Verhandlung des Vormittags aber, die der Reichskanzler heute mit je einem Minister der in der Regierung vertretenen Parteien, d. b. mit Reichsverkehrsminister von Guerard. dem Reichsjustizminister Dr. Koch, dem Außenminister Dr. Stresemann und dem Postminister Schatzl führte, hatten, nachdem sie sich zeitlich länger als erwartet hinzogen, schließlich zu dem Ergebnis geführt, daß dem Zentrum Vorschläge gemacht wurden, die materiell nichts anderes als die vom Zentrum am Dienstag bereits abgelehnte sogenannte Zwischenlösung enthielten und zwar noch in verschlechterter Auflage. Zudem sind diese Vereinbarungen der Minister unter Vorsitz des Reichskanzlers, denen, wie ausdrücklich bemerkt werden muß, Herr von Guerard nicht zugestimmt hat,(er erklärte sich lediglich bereit, diese Vorschläge seiner Fraktion zur Stellungnahme zu übermitteln), gegen ausdrückliche Abmachungen der Oeffentlichkeit schon am Nachmittag übermittelt wurden, bevor sie der Zentrumsfraktion zugänglich gemacht wurden. Am Nachmittag um 14 Uhr trat dann der schon vor acht Tagen aus andern Gründen einberufene geschäftsführende Reichsparteivorstand des Zentrums zu einer Sitzung zusammen. Man benütze die Gelegenheit, die politische Frage und in diesem Gremium gemeinsam mit der Zentrumfraktion des Reichstages und Vertretern der preußischen Landtagsfraktion zu besprechen. Diese kombinierte Sitzung des Parteivorstandes und der Vorstände der Reichs= und Landtagsfraktion kam einmütig zu dem Ergebnis, die in der Ministerbesprechung beim Reichskanzler heute erneut aufgestellten Vorschläge abzulehnen, weil sie, wie gesagt, eine Verschlechterung der vom Zentrum bereits abgelehnten Vorschläge des Kanzlers bedeuten. Die Vorschläge gingen darauf hinaus; 1. Der Anspruch des Zentrums, im Reich? Minister zu erhalten, wird anerkannt. 2. Das Zentrum soll sofort im Reich den zweiten Minister erhalten, der alsbald zu ernennen wäre. 3. Der Anspruch der Deutschen Volksvartei auf zwei Minister in Preußen wird anerkannt. 4. Die Bereitwilligkeit des Parteiführers des Zentrums, Dr. Kaas. auf die preußische Zentrumsfraktion im Sinne einer Umbildung der preußischen Regierung zu wirken, wird anerkannt und gerne angenommen. 5. Der dritte Zentrumsministersitz im Reich soll sofort nach der Realisierung der Großen Koalition in Preußen zustande kommen. Man ersieht ohne weiteres, daß es sich hier um Vorschläge handelt, die vom Zentrum schon früher abgelehnt worden waren. Das Zentrum hat es abgelehnt, sich zu einer Gleichzeitigkeit der Schaffung zur Großen Koalition im Reich und in Preußen zu verpflichten. Es hat immer Wert darauf gelegt, daß aus sachlichen inner= und außenvolitischen Gründen im Reich sofort eine Regelung geschaffen würde, in der das Zentrum den ihm zustehenden Einfluß hat, um an den großen innen= und außenpolitischen Entscheidungen der nächsten Wochen genügend mitarbeiten zu können. Die Regelung im Reich, das war immer die Auffassung der Zentrumsfraktion des Reichstages, sollte aus diesen sachlichen Gründen erfolgen, ohne daß sie von den Dingen in Preußzen abhängig gemacht würde. Die kombinierte Vorstandssitzung des Zentrums empfahl deshalb der Reichstagsfraktion, die Vorschläge die in der Ministerkonferenz von heute ohne Zustimmung des Herrn von Guerard vereinbart worden waren, abzulehnen. Die Fraktion tritt einmütig dieser Auffassung bei. In der Fraktionssitzung kam das Erstaunen und die Entrustung darüber zum Ausdruck, daß das Entgegenkommen, das die Frattion durch die Hinausschiebung ihrer endgültigen Entscheidung am Dienstagabend, die durch die Bitte des Reichskanzlers, ihm eine letzte Möglichkeit zu geben, veranlaßt war, so schlecht belohnt worden in. Dadurch, daß die Zentrumsfraktion dem Kanzler diese letzte Möglichkeit gab, hat sie ihre taktische Lage insofern verschlechtert, als jetzt, wie aus den erwähnten Vorschlägen der Ministerkonserenz ersichtlich ist, die Verantwortung für das eventuelle Scheitern der Regierungsverhandlungen im Reich Zentrum zugeschoben wurden. Es herrschte in starke Meinung dafür, nun endlich mit dem Hin und Her Schluß zu machen und jetzt den Minister von Guerard sofort aus der Reichsregierung zurückzuziehen. Schließlich aber stimmte die Fraktion doch einmütig dem Vorschlag zu, den die vereinigte Sitzung des Reichsparteivorstandes und der Vorstände der Reichs= und Landtagsfraktion noch in letzter Stunde machen zu sollen glaubten. Dieser Vorschlag enthält folgende Punkte: 1. Die Vorschläge, die in der Besprechung des Reichskanzlers Müller mit den genannten Ministern gemacht wurden, stellen eine Verschlechterung der früheren Bedingungen dar und sind daher für die Zentrumsfraktion unannehmbar. 2. Die Gleichzeitigkeit der Regierungsumbildung im Reich und in Preußen im gegenwärtigen Augenblick wird aus zwingenden sachlichen Gründen avgelehnt. Das Zentrum fordert nach wie vor die sofortige Ernennung von zwei weiteren Ministern in der Reichsregierung. 3. Unter der Voraussetzung, daß diese Forderungen des Zentrums angenommen werden, erklärt sich der Parteivorsitzende Dr. Kaas bereit, auf die Zentrumsfraktion im Preußischen Landtag dahin einzuwirken, daß der Deutschen Volksvartei in Preußen zwei Ministervosten zugebilligt werden. Hierzu ist der Parteiführer Kaas von der kombinierten Vorstandssitzung ermachtigt worden, da die Minister der Preußenfraktion, die an der Sitzung teilnahmen, erklärten, angesichts der noch in Preußen zu erledigenden Aufgaben— es handelt sich hier u. a. darum, die Konkordatsverhandlungen noch vor dem Eintritt der Deutschen Volksvartei zu einem gewissen Abschluß zu bringen— von sich aus der Deutschen Volksvartei eine bindende Zusage nicht machen zu können, daß sie sich aber, wenn der neue Parteiführer dieses Opfer von der Preußenfraktion verlange, dem Rufe des Parteiführers nicht entziehen würde. Sollte auf der Grundlage der mitgeteilten drei Punkte eine Einigung mit dem Kanzler bzw. mit der Deutschen Volksvartei in einer sofort herbeizuführenden Besprechung nicht erzielt werden, so sollte Reichsverkehrsminister von Guerard sein Abschiedsgesuch einreichen. Die Fraktion stimmte nach kurzer Debatte diesem Vorschlage der Partei und Fraktionsvorstände zu und beauftragte die Abgeordneten Kaas und Stegerwald. sofort mit dem Reichskanzler eine Besprechung herbeizuführen. In dieser Besprechung trugen die Zentrumsvertreter die letzten Vorschläge der Zentrumsfraktion vor. Der Reichskanzler gab alsbald seine Auffassung dahin Ausdruck, daß die Deutsche Volksvartei diese Vorschläge wohl nicht annehmen werde. Diese Auffassung des Reichskanzlers Dr. Müller wurde dann auch bestätigt. In einer Besprechung. die der Reichskanzler sofort mit den Vertretern der Deutschen Volksvartei Dr. Scholz und Dr. Stresemann hatte, bezeichneten diese die Vorschläge der Zentrumspartei für ihre Fraktion als unannehmbar. Daraufhin hat dann Herr von Guerard das erwähnte Entlassungsgesuch beim Kanzler eingereicht. Um 19,15 Uhr nahm die Zentrumsfraktion den Bericht des Vorsitzenden Stegerwald über die Besprechung entgegen. Sie billigte einmütig das Vorgehen der Unterhändler und auch den Rücktritt des Herrn von Guerard. Der Fraktionsvorsitzende Stegerwald sprach unter Beifall der ganzen Fraktion Minister von Guerard den Dank der Fraktion für die Tätigkeit aus, die von Guerard als einziger im Kabinett Müller seit Juli v. J. ausgeübt hat. Die Zurückziehung des einzigen Zentrumsministers aus dem Kabinett Müller erfolgte genau 10 Jahre auf den Tag des Zusammentritts der Weimarer Nationalversammlung. In diesen 10 Jahren hat das Zentrum ununterbrochen in vorderster Linie in der Verantwortung gestanden. Das war nicht immer leicht. Die Beteiligung an einer Koalitionsregierung verpflichtet jede Partei zu gewissen Rücksichtnahmen und Opfern. Gerade die Zentrumssraktion, die in den 10 Jahren der deutschen Republik als einzige Partei ununterbrochen in der Verantwortung stand, ist in ihrer Verantwortungsfreudigkeit wiederholt bis an die äußerste Grenze des Erträglichen gegangen. Wenn nun das Zentrum zum ersten Male außerhalb der Regierungsverantwortung steht, so bedeutet das, parteipolitisch gesehen, insosern einen Gewinn, als die Partei zum ersten Male wieder ihre volle Handlungsfreiheit zurückerhalten hat. Daß sie davon niemals hemmungslosen Gebrauch machen wird, wie andere Parteien in den letzten 10 Jahren zur Genüge getan haben, versteht sich für eine staats= und verantwortungsbewußte Partei wie das Zentrum von selbst. Aber die Zentrumfraktion des Reichstages kann und wird nunmehr bei allen politischen Entscheidungen, vor die sie gestellt wird, kritischer und prüsender als bisher ihre Entschlüsse treifen. Was jett werden soll, dafür trägt nicht das Zentrum die Verantwortung, sondern die, die sich den berechtigten Fordedes Zentrums widersetzt haben. Ihre Sorge ist es, aus dem Wirrwarr dieser Tage den Ausweg zu finden und dem Zentrum die seiner Bedeutung entsprechende Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Wir begrüßen es, daß das Zentrum fest geblieben ist Sein Vorgehen wird in der gesamten Wählerschaft volle Billiauna finden. Mögen nun andere Herrschaften einmal zeigen, was sie vermögen. Allzuviel ist da nicht zu hoffen. Reine Regierungskrise. Berlin, 8. Febr.(Telear.) In unterrichteten politischen Kreisen beurteilt man die Lage dahin, daß der Rücktritt des Zentrumsministers aus der Regierung keine Krise des Gesamtkabinetts bervorrufen werde Das Kabinett bleide weiter im Amt Der Reichstag nimmt den Kelloga=Pakt an. 10jähriger Gedenktag der Nationalversammlung. Berlin, 6. Febr.(Telegr.) Gedächtnisstunde. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: „Heute vor zehn Jahren ist in Weimar die Deutsche Nationalversammlung eröffnet worden. Durch ihre Einberufung und Zusammensetzung bat sie dem deutschen Staate eine neue staatliche Gestaltung. die demokratische und republikanische Staatsform gegeben.(Zwischenrufe, rechts und bei den Kommunisten.) Die Frauen und Männer. die damals in Weimar versammelt waren, haben gewußt, daß die Folgen des Krieges. der Niederlage und des Zusammenbruchs die Existenz unseres Volkes aufs tiefste gefährden würden. Trotzdem haben sie sich sofort an die Arbeit gemacht, um die damals stark gefährdete deutsche Einheit zu retten. Sie haben dem Reich die neue freiheitliche Verfassung gegeben und die Ueberwindung der Blockade und vieler anderer Schwierigkeiten ermoglicht und die Aufgabe der Konsolidierung der deutschen Wirtschaft übernommen. Wir setzen, obgleich wir wissen, daß diese schweren Schäden noch nicht überwunden sind. diese schwere Arbeit fort in der Gewißheit und Zuversicht, daß das deutsche Volk politisch reif geworden. gewillt ist, sein Schicksal in der eigenen Hand zu gestalten und unser Land der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit zuzuführen.“ Während der Ansprache hatten sich die meisten Mitglieder der Regierungsvarteien von den Sitzen erhoben. Von der Rechten und von den Kommunisten wurde der Präsident wiederholt durch Zwischenrufe unterbrochen. Am Schluß der Ansprache kamen Beifalls kundgebungen von der Mehrheit. während ein Kommunist rief:„Hier werden wohl Karnevalsreden gehalten!“ Präsident Löbe wandte sich darauf zu den Kommunisten mit den Worten:„Ich weiß, daß in diesem Hause Damen und Herren vorhanden sind. die die Anschauungen der Mehrheit nicht teilen. Ich will hier nicht volemisieren. Aber ich möchte doch auf folgendes hinweisen: Wäre der staatliche Wille der Herren von rechts durchgeführt worden, dann hätte man Sie(zu den Kommunisten) an die Wand gestellt. Wäre Ihr staatlicher Wille durchgeführt worden, dann hätten Sie die Herren von rechts an die Wand gestellt. Die Demokratie hat Ihnen und den anderen erst die staats bürgerlichen Rechte gegeben. Vielleicht kommen wir sogar dazu. Herrn Trotzki das freiheitliche Asyl zu geben.“(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung des Gesetzes zur Reichsgerichts. Der Ausschuß hat die Regierungsvorlage abgelehnt und statt dessen eine kurze Vorlage beantragt, wonach das Revisionsgericht auch ohne Einverständnis der Warteien ohne mündliche Verhandlung entscheiden kann, wenn nach Lage der Sache eine weitere Klärung der für die Entscheidung anstehenden Rechts fragen durch die mündliche Verhandlung nicht zu erwarten steht. Reichsjustizminister Koch bezweifelt, daß die An schußvorlage ausreichen werde. den jetzt beim Reichs gericht bestehenden unerträglichen. Zuständen ein Ende zu machen. Jetzt sei dort die Ueberlastung so groß. daß die Sachen ein Jahr lang anstehen, bis es zur ersten mündlichen Verhandlung, kommt. Da der Ausschußentwurf immerhin eine kleine Besserung bringt. bittet die Regierung um seine Annahme, behalte sich aber vor. in kurzer Zeit mit einer neuen Vorlage an den Reichstag heranzutreten. Die Ausschußvorlage wird ohne weitere Aussprache angenommen. 2. Beratung des Relloga=Paktes zur Aechtung des Krieges. Der Auswärtige Ausschuß empfiehlt die Annahme des Paktes mit einer Entschließung. in der die Reichsregierung ausgefordert wird, das Inkrafttreten des Paktes zum Anlaß zu nehmen, um auf Grund dieser neuen Garantie für die Erhaltung des Friedens bei den Regierungen der Vertragspartner und dem Völkerbund auf Erfüllung der Veroflichtung der allgemeinen Abrüstung um zum Ausbau der Möglichkeiten vorhandene und entstehende Gegensätze der Völkex interessen und offenkundige Ungerechtigkeiten auf friedlichem Wege zu beseitigen, mit allem Nachdruck hinzuwirken. Abg. von Rheinbaben(D. Vo.) führt aus. es komme weniger aus den Wortlaut des Paktes an als auf den Geist. in dem er durchgeführt werde. auf die Weiterentwicklung der Verstandigungspolitik unter den Völkern. auf die Durchführung der internationalen Abrüstung, und die Anwendung friedlicher Mittel zum Ausgleich der zwischen den Völkern, möglichen Differenzen. Das deutsche Volk sei in seiner überwiegenden Mehrheit für die Anwendung friedlicher Mittel Das Mißverhältnis in der Rüstung der verschiedenen Länder sei aber mit dem Heist des Kelloga=Paktes unvereinbar. Entweder die Abrüstung werde auch von den Siegermachten durchgeführt, oder der Pakt bleibe eine leere Geste ohne praktische Bedentung.. Der Anspruch Deutschlands. die im Osten durch die Friedensverträgegegen Deutschland begangenen offenbaren Ungerechtigkeiten mit friedlichen Mitteln zu beseitigen wird von Polen bestritten. Wir stützen uns für diesen Anspruch auf den Relloga=Pakt. Wenn er mehr als ein Blatt Papier sein soll. dann kann es nicht so bleiben, daß Deutschland einseitia entwaffnet ist und fremde Besatzungstruppen im Lande hat. Mit friedlichen Mitteln muß dem deutschen Volke sein Recht und seine Freiheit verschafft werden. Aba. Dr. Breitscheid(Soz.) geht auf die Vorgeschichte des Paktes und die früheren Volkerbundsbeschlüsse ein. (Nach den ersten Sätzen seiner Rede stellen die Kommunisten eine große Granate auf den Tisch des Hauses, und ein Kommunist verliest von einem großen Plakat die Erläuterung:„Illegale Haubitzgrangte., Modell 1929 Fabrikat Bochumer Stahlwerke!“— Präsident Löbe weist darauf hin, daß Gegenstände auf den Tisch des Hauses nur mit Genehmigung des Präsidenten gelegt werden dürfen. Er ordnet die Entfernung der Granate an.) Wir wissen genau, daß wir von der internationalen Abrüstung noch weit entfernt sind. Wir stimmen der Entschließung des Auswärtigen Ausschusses zu. Wir begrüßen den Kellogavakt als ein Instrument, das den Bestrebungen gegen die Aufrüstung und für die Anwendung friedlicher Mittel bei den Disserenzen zwischen den Völkern einen neuen Impuls geben kann. Wenn die Kommunisten von Heuchelei reden, so vorgessen sie. daß die russische Sowjetregierung mit größtem Eiser dafür gewirkt hat, daß Polen aleichzeitig mit Rutland diesen Pakt ratitiziert. Der Redner verließt dann unter lauten Hört=Hört=Rusen der Mehrbeit die Begrütungsansprache des russischen Staatsschefs Kalinin an den neuen deutschen Botschafter in Moskau, in der Kalinin den Kelloggpakt als ein neues Mittel zur Sicherung des Friedens preist. Die russische Regierung, so fährt der Redner fort, scheint doch ein bißchen gescheiter zu sein, als die deutschen Kommunisten.(Sehr gut bei den Soz.) Wir glauben auch nicht, daß die amerikanischen Kapitalisten plönlich Herzenspazifisten geworden sind. aber sie haben erkannt, daß der Krieg heute für niemand mehr ein Geschäft ist. Sie wollen ihr Geld nicht einem Europa geben, das dieses Geld in neuen Kriegen vervulvern will. Abg. Dr. Bredt(Wirtschv.) meint, selbstverständlich müsse jeder Vertrag. der den Willen zum Frieden betont. von Deutschland unterzeichnet werden. Dem Kellogg=Pakt fehle die Macht, die seine Einhaltung sichert. Wir würden es begrüßen, wenn sich Amerika mit seiner Macht hinter diesen Vertrag stellen würde. Dabei denken wir weniger an die amerikanischen Kreuzer als an die amerikanische Börsen= und Finanz= macht. Wenn jeder Staat wüßte, daß er diese Macht bei der Verletzung des Kellogapattes gegen sich hat, dann würde er wohl Frieden halten. Der Kelloggpakt bilde den Anfang einer neuen Rechtsauffassung unter den Völkern. Wir wollen ihm zustimmen ohne Illusionen. aber in der Hoffnung auf eine günstige Entwicklung des Verständigungsgedankens. P###### Abg. Dr. paao(Dem.) begrüßt den Kelloggvakt als einen Fortschritt. Wenn aber daraus keine Folgerungen gezogen werden, so hat seine Unterzeichnung gar keinen Zweck. Zu diesen Folgerungen muß vor allem die schleunige Aufhebung der militarischen Besetzung deutschen Gebiets gehören. Dazu gehört weiter, daß endlich ein ernsthafter Anfang mit der internationalen Abrustung gemacht wird. Schließlich müssen die Kriegsursachen beseitigt werden, die in der Mißhandlung nationaler Minderheiten und in der Aufrechterhaltung unmöglicher Grenzen liegen. Abg. Dr. Obersohren(Dntl.) gibt eine Erklärung ab. wonach die deutschnationale. Fraktion bei aller Symvathie für die Sache des Friedens dem Vertrag nicht zustimmen könne, da das besetzte Gebiet noch nicht geraumt. die Abrüstung bisher verweigert und der Pakt durch die Auslegungen der sogenannten Siegermächte in wesentlichen Punkten ausgehöhlt sei. Der Redner begründet weiter eine Entschließung, wonach zugleich mit der Bekanntgabe der Ratifikation des Kellogapgktes den Signatarmächten mitgeteilt werden soll, daß Deutschland die These von der Kriegsschuld Deutschlands als hinfällig, betrachte. Der Pakt wird in 2. Beratung angenommen. Die Abgeordneten von Rheinbaben(D. Vv.) und Dr. Wirih(Ztr.) erklären, sie könnten der deutschnationalen Entschließung nicht zustimmen. weil im Auswärtigen Ausschuß ausdrücklich beschlossen worden sei. die Kriegsschuldfrage nicht mit diesem Gegenstand zu verquicken. Die Entschließung der Deutschnationalen wird gegen die Antragsteller, die Nationalsozialisten und die Christlich=Nationale Bauernpartei abgelehnt In der nun folgenden 3. Beratung wird der Kellogavakt mit 287 gegen 127 Stimmen angenommen, Die Ausschußentschließung wird mit großer mehrheit angenommen. Preußischer Tandtag. Berlin, 6. Febr. 1929.(Telear.) Im preußischen Landtag fand heute zunächst die zweite Beratung der deutschnationalen Novelle zum Gesetze über die Gemeindewahlen vom 18. Avril 1928 statt. Die Novelle wurde in zweiter und dritter Lesung nach den Ausschuß=Beschlussen ohne Debatte verabschiedet Das Haus fuhr dann in der zweiten Beratung über den Haushalt des Innenministeriums fort. wobei von dem volksparteilichen und demokratischen Redner hervorgehoben wurden, daß die Grenzfrage die wichtigste und brennendste deutsche Frage sei. Abg. Falk(Dem.) begrüßte den Grenzfonds von 1.3 Millionen Mark für den Osten. Westen und den Norden. Redner verlangte Unterstutzung fur die schwer notleidenden rheinischen ader. Wiederberstellung der Verkehrsverbindungen., Errichtung neuer Schulen. Aba. Pohl(Deutsche Fraktion) behandelt eingehend die Frage der Sparkassenaufwertung. An dieser Frage seien alle Kreise der Bevölkerung beteiligt.(Redner bemängelt die Nichtanwesenheit des Ministers und beantragt seine Herbeirufung.— Der Antrag wird angenommen.) Die Sparkassen hatten ungeheure Zinsbeträge einkassiert, die teilweise 41 Prozent für das Jahr betragen hatten, und jetzt wolle man die berechtigten Wunsche auf höhere Aufwertung nicht erfüllen. Man müsse endlich für ein menschenwurdiges Dasein der Rentner sorgen. Abg. Borck(dnat.) erklärt. er habe vor dem Play des Ministers gestanden, der ein Gespräch geführt habe. Der Minister habe ihn darauf angefahren mit den Worten, es sei ungehorig Gesprächen anderer zuzuhören. Er habe sich diese Bemerkung verbeten. eine solche Belehrung set unnötig. Der Minister habe ihm darauf eine scharfe Erwiderung dahin gegeben. bei ihm scheine eine solche Belehrung dringeno notwendig zu sein. Abg. Borck bittet das Haus. von diesem unerhorten Vorfall Kenntnis zu nehnten.„— 4 Innenminister Gezesinsti erklart zu der Geschäftsorde nungsdebatte, es sei ihm zunachst keine oinizielle Mitteilung von dem Beschluß auf seine Herbeizitierung temacht worden. Es n#. ihm schon technisch ganz unmogden Landtaa#verhandlungen zu folgen Abg. Borck(Duat.) ersucht zur Geschäftsordnung den Prasidenten. das Weitere auf Grund seiner vorberigen Bemerkung über den Zwischenfall mit dem Minister Grechinski zu veranlassen. Aba. Stünner(Duat.) hält dem Minister vor. er habe i einem seltenen Man an Genamatert und Unackeit seine Rede angefüllt. Drei Viertel der ganzen Ministerrede hat##e=berhaupt nicht zum Etat gehört, sondern nur der Wezeichnung per sozialdemokratischen Position gedient. Der Minister habe auch die„Liaa für Landesnerrat" verteidigt. Wer dem Minister aber seine Geschichtsausführungen aufgeschrieben habe habe wohl an eine Karnevalsrede gedacht. Mit Entschieden* berg sich landesverräterisch benommen habe Redner bließt mit der Er larnne seine Freunde würden dem n Miterauen gegenüberstehen. Preußen verklagt. Berlin, 6. Febr.(Telegr.) Die deutschnationale Landtagsfraktion hat bei dem Staatsgerichtshof 1 das Verfahren über die Bildung von religionslosen Sammelklassen und Sammelschulen für nichtig erklärt werden soll, de ce mit der Reichsversessung nicht vereinbar sei. Zur Lösung der römischen Die vorverhandlungen abgeschlossen.— vor einer Aussprache in Gegenwart des Papstes.— Vorläufig kein Konzil. Mehr als Gerüchte? * In der„Germania“ lesen wir die nachfolgenden Meldungen ihres römischen Vertreters über den angeblichen Stand der römischen Frage: Rom, 3. Jebr. Objektive Beobachter stellen auch heute fest, daß über den Fortgang der Vorverhandlungen zur Lösung der romischen Frage eine allgemeine zuversichtliche Stimmung Platz greift. Dabei gibt es natürlich Gradunterschiede in der Schätzung, wie nahe oder wie weit man noch von der endgültigen Lösung des Problems entfernt ist. Bewunderungswürdig ist jedenfalls die unverbrüchlich schweigsame Diskretion, mit der hochgestellte geistliche Wurdentrager die ganze Angelegenheit umgeben. Deshalb greift so häufig gerade die Kombination fehl, woraus einzelne Beobachter ihre Schlüsse ziehen. Es ist unvermeidlich, daß auch in Zukunft in der Weltoresse verschiedene mehr oder minder glaubhafte Deutungen in der Entwicklung der römischen Frage auftauchen. Hinzu kommt, daß in Rom und ganz Italien wegen des goldenen Priestertuvilaums des Heiligen Vaters die Hoffnungen neuen Auftrieb bekommen haben. In römischen Gesellschaftskreisen wird es viel bemerkt, daß der pärstliche Thronassistent, Fürst Colonna, am Krönungstage des Papstes einen großen Empfang unter Beteiligung des Divlomatischen Korvs gibt. Das Regierungsblatt„Giornale d'Italia will, wie es in seiner vatikanischen Rubrik mitteilt, aus guter Quelle wissen, daß noch während des gegenwärtigen Jubiläumsjahres die Wiederaufnahme des vatikanischen Konzils stattfinden werde In vatikanischen Kreisen bezeichnet man die angebliche Anberaumuns des allgemeinen Konzils noch für dieses Jahr als durchaus verfrüht. Die langwierigen Vorbereitungen würden vielleicht eine Eröffnung des Konzils in etwa 2 Jahren gestatten. In kirchlichen Kreisen, die nicht durch strenge Schweigenflicht in der Behandlung der römischen Frage gebunden sind. aber über ein zuverlässiges Urteil verfügen. wurde heute darauf aufmerksam gemacht, daß das Stadium der Vorverhandlungen über die römische Frage beendet sei, und man sich bereits mitten in den eigentlichen Verhandlungen definde. Als entscheidend hierfür wird angesehen, daß in den letzten 14 Tagen in Gegenwart des Heiligen Varers und seiner Ratgeber eine Aussorache mit dem Leiter der Rechtsabteilung des italienischen Außenministeriums, Prof. Giannini, stattfand. Die italienische Regierung bat die Wahl dieses Vertreters klug getroffen, denn Giannini erfreut sich mit Recht des Rufes eines ausgezeichneten hochgebildeten Katholiken. Die Plaudereien einiger englischer und französischer Blatter über eine künftige neutralssierte Straße zwischen dem pänstlichen Gebiet und dem Lateran werden bei der römischen Prälatur als ein nicht einmal geistvoller Einfall belächelt. Eingeborenenbischöfe in China. * Rom. 5. Febr. Zwei wichtige Beschlüsse der Propaganda Fide. die die Diözesaneinteilung der chinesischen Revublik heireffen und zur Neuernennung zweier chinesischer Priester zu Bischöfen geführt haben, sind nun vom Papste sanktioniert worden. Es handelt sich nach der „Germ.“ um die Errichtung des avostolischen Vikariates von Tsining, das vom apostolischen Vikariat Swantze losgelöst wurde. Apostolischer Vikar des neuen Sprengels ist Projessor Tschang geworden, der gegenwärtig am Seminar(Collegio„Urhano) der Provaganda Fide tätig ist. Der neue Bischof ist erst 42 Jahre alt und mongolischer Abstammung. Die zweite Aenderung betrifft das avostolische Vikariat Tschentinafu in der Provinz Tschili. von der eine apostolische Präsektur Tschaosien abgetrennt wurde mit Rev. Johannes Tschang als Bischof an der Spitze Königin=Mutter Maria Christina von Spanien*. == Madrid. 6. Febr.(Telegr.) Die Königin=Mutter Maria Christina ist heute morgen um 3,30 Uhr im Eskorial gestorben. Königin=Mutter Maria Christina von Habsburg war am 21. Juli 1858 in Groß=Scelowitz als Tochter des Erzherzogs Karl Ferdinand von Oesterreich und der Erzherzogin Isabella von Este=Modena geboren. Am 29. November 1879 wurde sie die Gemahlin des damals 22= jährigen spanischen Königs Alfons XII., der zuvor in kurzer Ehe mit seiner Kusine, der Insantin Maria Mercedes, Tochter des Herzogs von Montvensier, ver heiratei gewesen war. Nach dem Tode des Königs 1885 übernahm sie als dessen Witwe die Regentschaft, die sie für ihren 1886 geborenen Sohn Alfons XIII. bis zu dessen Großjährigkeitserklärung 1902 führte. In die Zeit der Regentschaft der Königin fiel als Folge der Aufstände auf Kuba der verhängnisvolle Konflikt mit den Vereinigten Staaten von Amerika, der 1898 mit dem Verlust der letzten überseeischen Kolonien Spaniens endete. Die Könign hat ihre Pflichten in der Führung der Regentschaft und der Erziehung des Thronfolgers stets in vorbildlicherweise erfüllt und genießt bei allen Kreisen der Bevölkerung eine ungewöhnliche Beliebtheit und Verehrung. Ihre letzten Lebensjahre hat sie fast ausschließlich Werken der Wohltätigkeit gewidmet. Beileid des Reichspräsidenten. ch Berlin. 6. Febr.(Telegr.) Der Reichsvräsident hat an den Könia von Spanien zum Ableben der Königinmutter nachstehendes Beileidstelegramm gerichtet: Mit tiefer Bewegung habe ich die Nachricht von dem Tode Ihrer Majestät. der Königinmutter. vernommen. Es ist mir ein Bedürfnis. Euere Majestät und die königl. Familie meiner aufrichtigen Tcilnahme zu versichern“. Die Beamtenausschüsse der Schutzpolizei. Ihre Rechte und Pflichten. — Berlin. 6. Jebr. 1929. Die Beamten der preußischen Schutzvolisei haben Beamtenausschüsse zur Vertretung ihrer Interessen, seitdem die Schutzpolizei existiert. Die Grundlage für deren Organisation und Tatigkeit bildete eine Dienstanweisung. die für die frühere Sicherheitsvolizei im Jahre 1920 erlassen worden war. für die ganz andere Organisation der Schutzvolizei aber immer weniger ausreichte, um ein gedeibliches und fruchtbares Arbeiten der Beamtenausschüsse als wichtige Organe der Beamtenschaft zu gewährleisten. Wie der Amtliche Preunische Pressedienst mitteilt, hat der Minister des Innern , n e u e B e s t i m m u n g e n f ü r d i e B e a m t e n a u s s c h ü s s e d e r Schutzpolizei erlassen, die in diesen Tagen veröffentlicht werden. Sie schließen sich, meist wörtlich an die Fassung an. die der Entwurf eines Beamtenvertretungsgesetzes zuletzt im Reichsrat gefunden hat. Um auch den Gruppen mit ausgesprochener Sonderstellung und mit besonderen Beamteninteressen eine ausreichende Vertretung zu gewährleisten, bestehen bei jedem Schutzvolizeikommando zwei nebeneinandergeordnete Beamtenausschüsse. deren einer die Polizeiwachtmeister. Oberwachtmeister und Hauptwachtmeister und Polizeimeister zu vertreten hat. Ist das Kommando so groß, daß diese Beamtenausschüsse beim Bebördenchef die Verbindung mit den von ihnen vertretenen Beamten nur schwer aufrechterhalten können. so werden die Ausschüsse geteilt und bestehen bei den Inspektionen und anderen entsprechenden Abteilungen. Der Behördenchef hat in diesem Falle jedoch nur zur Beratung genereller Fragen besondere Präsidialbeamtenausschülse neben sich, die von den Abteilungsbeamtenausschüssen gewählt werden Die Beamtenausschüsse setzen sich aus 3—9 Beamten zusammen. Gewählt wird nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht nach den Grundsäten der Verhältniswahl. Jeder Beamte der Schutzvolizei ist wahlberechtigt. jeder ist wahlbar. Die Mitglieder der Beamtenausschüsse sind verpflichtet, die ihnen gemachten Mitteilungen vertraulich zu behandeln. Verletzen sie ihre Pflichten. so können sie vom Regierungsprösidenten(bei Polizeischulen vom Oberprasidenten). in Berlin vom Minister des Innern zur Verantwortung gezogen und in schweren Fällen ihres Amtes und sogar des passiven Wahlrechts bis zur Höchstdauer von 3 Jahren entkleidet werden. Die Beamtenausschüsse haben die Aufgabe die Interessen der Beamten wahrzunehmen, dabei aber auch Pflichtbewußtsein und Arbeitsfreudigkeit zu fördern. Sie sind insbesondere berufen. Anregungen und Anträge allgemeinerer Art. persönliche Beschwerden entgegenzunehmen und zu vertreten. Meinungsverschiedenheiten unter den Beamten zu schlichten und an der Bekämpfung von Unfall= und Gesundheitsgefahren mitzuarbeiten. Sie haben mitzuwirken bei der Aufstellung und Aenderung allgemeiner Dienstvorschriften und Dienststundenpläne, bei der grundsätlichen Regelung von Vertretung und Urlaub. bei außerordentlichen Vergütungen und insbesondere bei Schaffung und Verwaltung von Wohlfahrtseinrichtungen. Auf Antrag der beteiligten Beamten sind sie bei Unfalluntersuchungen. Pensionierung. Urlaubsverweigerung und bei Unterstützungen zu beteiligen. Bei Wiedereinstellung Entlassener, bei Schadenersatzforderungen an einen Beamten und endlich falls der Beamte nicht selbst auf die Mitwirkung des Beamtenausschusses verzichtet, bei Entlassungen. Bestrafungen und im förmlichen Disziplinarverfahren müssen die Beamtenausschüsse gutachtlich gehört werden. Durch besondere Bestimmungen ist dafür Sorge getragen, daß die Mitglieder der Beamtenausschüsse wegen ihres Verhaltens nicht benachteiligt. insbesondere nicht entlassen und versetzt werden können. Der elsässische=franzssische Gegensatz. „„„#in taflasne Verhandnis zwischen dem Elsaßz. und Fortsetzung der Rammerdebatte. In der heute vormittaa abgehaltenen Kammersitzung prachen drei Redner zur elsässischen Frage. Der elsässisch: Abgeordnete#ren(Gruppe Maginot) polimisierte gegen die Linksvarteien und besonders die Sozialisten, die durch ihre Provaganda zugunsten der Laiengesetze den Autonomisten Argumente geliefert hätten. Der Redner forderte die Respektierung des religiösen Statutee und die Zweisprachigkeit, lehnte aber die von den Autonomisten geforderte Verwaltungsautonomie ab. Er wünschte auch eine Reform des Steuerwesens. Aba. Mallaeme. Sohn eines Elsässers und Vorsitzender der Kommisiion für elsässische Angelegenheiten, bezeichnete die Eljasser als völlig unzufriedene Leute. bei denen alle Worte nutzlos seien. Wenn man aber einmal lin einen Beschluß gesaßt oder ein Versprechen gegeben habe, müsse man sich daran halten Die deutsche Verwaltung sei nach 1871 den Elsassern besonders durch die Einführung der Sotialgesetzgebung entgegengekommen. Dieser Lage habe man 1918 nicht genügend Rechnung getragen. Mallarme forderte im übrigen eine Verwaltungsreform im Elsaß und die Kenntnis der deutschen Sprache bei den Beamten, ohne daß der französischen Srrache den Vorrang genommen werde. Poincare wies auf die Schwierigkeiten bin. genügend deutschsprochige Bamte zu finden. Er habe bereits den Unterrichtsminister gebeten, das Studium der deutschen Sprache an den französischen Lehranstalten nicht einzuschränken. Um ein besseres Verständnis zwischen dem Elsatz und Freatreich zu schaffen, trat Mallarme für eine grossugige 82288 Ahgeanete Rogota kodene die Fe. kämpfung der Haß=Provaganda, und ein besseres Der ständnis der Elsasser für die Bestrebungen Frankreichs. Die Weiterberatung wurdc auf morgen vertagt Neuer offener Brief Ricklins an Poincare. Paris, 6. Fehr.(Telegr.) Wie Hapas aus Straßbura meldet, wendet sich Dr. Ricklin in einem neuen, an Poincare gerichteten offenen Bries. der von der„Haean“ Presse veröffentlicht wird. gegen die Rede des fran sosischen Ministerpräsidenten vom 1. Fehruar, T.,##. protestiert gegen den Spruch des Kolmarer Gerichtss und gegen die mangelhaften Beweise, die diese Verurteilung rechtfertigen sollen, gegen die Begngoigung. die gegen seinen Willen erfolgt sei, und vor allem gegen die von Poincare erhobene Beschuldigung, daß er. Ricklin. nach seiner Freilassung sich aggressiver Frankreich verhalten habe als vordem. Wir haben stets. so heißt es in dem Brief. eine Unterscheidung zu machen verstanden zwischen den Helfershelfern des Kolmarer Gerichtshofes. Sie mit„Ihrer persönlichen Verantwortung selbst und zwischen Frankreich. Ich lege Wert darauf. Ihnen die Versicherung zu geben, daß ein Regime der Beruhigung in Elsaß=Lothringen nicht wirksam sein kann. wenn es zum Ausgangspunkt ein Ausnahmegesen. die Verletzung der Nationalitat unseres Volkes und die Aufrechterbaltung einer Verurteilung in ihren schlimmsten Folgen haben soll. mit Zigeunern Zigeuner stürmen eine Wirtschaft. Hungrige Bären verteidigen das Haus gegen die Kassel. 6. Febr. Eine bundertkönfige Zigennerbande, die aus Kassel kam und mit einem Trupp von 25 Bären in ganz Kurhessen auf den Dörfern die Bären zur Schau tanzen ließ, war durch die anhaltende Kälte, die ein Uebernachten in den Scheunen unmöglich machte, gezwungen worden, sich mit Gewalt bei den Bauern einzulogieren. Gestern abend erschien die Bande vor einer Waldwirtschaft am Eingange des Ortes Ganbach. Der Wirt verweigerte den Zigennern den Eintritt in seine Räume, was die Wut der Leute aufs äußerste steigerte. Auf Besehl des Häuptlings zogen die Männer Dolche und Revolver und begannen, das Wirtshaus, worin der Wirt und seine Familie sich mittlerweise verbarrikadiert hatten, zu stürmen. Während die Bewohner in verzweiselter Notwehr aus den Luken des ersten Stockwerkes schossen, gelang es der Horde, in das Haus einzudringen, die Insassen gefangen zu nehmen und gesellelt in einen Keller zu stecken. In wahnsinniger Erbitterung schlugen die Sieger alles kurz und klein. Als Bewohner und Gendarmerie zu Hilfe eilen wollten, wurden die völlig ausgehungerten, tobenden Bären der Bande vor den Toren des Hauses angebunden, so daß den Befreiern ein Näherkommen unmöglich gemacht worden war. Erst als aus Marburg das Uebersallkommando der Schuvo alarmiert wurde. konnten nach hartem Kampfe mit den wilden Bestien die Zigenner, die sich in einem Alkoholrausch im Innern des Hauses besanden, festgenommen und in Fesseln abtrausvortiert werden. Die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsämter in westlichen Großstädten. Es können nicht alle befriedigt werden. Infolge der immer mehr wachsenden Zahl der Arbeitsuchenden, besonders in den Großstädten, ist es verständlich, daß die Vermittelungstätigkeit der Arbeitsämter äußerst rege ist. Natürlich stehen dem großen Heer Arbeitsuchender offene Stellen in dem Maße nicht zur Verfügung. Wie sieht es nun in den Großstädten aus? Die Stadt Köln wies Ende des Jahres 51 731 Arbeitsgesuche auf. An offenen Stellen waren 6528 vorhanden, von denen 5489 besetzt werden konnten. In Essen lagen 30 970 Arbeitsgesuche vor, denen nur 2872 offene Stellen gegenüberstanden. Besetzt werden konnten 2816 Stellen. Die Zahl der Arbeitsgesuche in der Stadt Düsseldorf belief sich auf 28 104. An offenen Stellen waren hier 6275 zur Verfügung. von denen 5907 besetzt werden konnten. Für Duisvurg stellte sich die Zahl der Arbeitsgesuche auf 15 402. Von 2381 offenen Stellen konnten 2223 besetzt werden. In Gelsenkirchen=Buer bezifferte sich die Zahl der Arbeitsgesuche auf 15 472. Die Zahl der offenen Stellen war hier äußerst gering mit 592, von denen 568 besetzt wurden. In Bochum waren 11 056 Arbeitsgesuche bei den Arbeitsämtern registriert die Zahl der offenen Stellen betrug dagegen nur 790 und die der besetzten 670. Für Dortmund belief sich die Zahl der Arheitsgesuche auf 20 413. An offenen Stellen waren hier 2214 vorhanden, von denen 1855 besetzt werden konnten. In Mulhcim=Ruhr lagen 6166 Arbeitsgesuche vor, denen 693 offene Stellen gegenüberstanden, von denen wiederum 627 besetzt werden konnten. Die Stadt Hamborn zählte 5869 Arbeitsuchende. Die Zahl der offenen Stellen betrug hier 318 und die der besetzten 283. Für Elberfeld lautet die Zahl der Arbeitsgesuche 7490. Von 1360 offenen Stellen konnten 1320 besetzt werden. In Barmen waren 9437 Arbeitsuchende vorhanden, denen aber nur 1173 offene Stellen zur Verfügung gestellt werden konnten. Besetzt wurden 1048 Stellen. Krefeld wies 5620 Arbeitsgesuche auf. Verfügbar waren 630 offene Stellen, von denen als erledigt 563 gemeldet wurden. Oberhausen hatte 5282 Arbeitsuchende. Von 549 offenen Stellen konnten 521 besetzt werden. Die Zahl der Arbeitsgesuche für M.= Gladbach belief sich auf 7367. Die Zahl der offenen Stellen war hier ebenfalls äußerst gering mit nur 451. Besetzt werden konnten 382 4540 Arbeitsgesuche lagen beim Arbeitsamt Hagen vor, an offenen Stellen aber nur 393. von denen 374 besetzt wurden. Aus dieser zahlenmäßigen Darstellung ist allo ersichte lich, daß bei der geringen Zahl der offenen Stellen die Arbeitsuchenden, die in einer Reibe von Städten das zehn= bis fünfzehnfache der zur Verfügung stehenden offenen Stellen ausmachen, nicht sämtlich befriedigt werden können. Betont werden muß ferner, daß die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden die der weibliche erheblich übersteigt. Erfreulich ist es aber, daß die männlichen offenen Stellen zum allergrößten Teil besetzt werden konnten und in einer Zahl von Städten sogar bis zu 100 Prozent. so in Mülheim=Ruhr, Oberhausen. Hamborn. Hagen, während in den Stadten Gelsenkirchen=Buer. Bochum, Dortmund, Duisburg. Elberfeld. Essen, Köln, Krefeld und M. Gladbach nur ein ganz geringer Bruchteil der offenen Stellen für mannliche Arbeitsuchende übrig bleibt. Bei den offenen Stellen für weibliche Arbeitsuchende ist das Verhältnis zwischen offenen und besetzten Stellen ebenfalls sehr gering, doch ist die Zahl der unbesetzt gebliebenen Stellen größer als bei den männlichen Arbeitsuchenden. Urbeber=Rechtschutz Oskar Meister, durch Verlag Werdau Sa. (Nachdruck verdoten). Was war das? Grete faßt es nicht. „Mich?!“ rief sie. Das war wie ein Schrei Zwei entsetzungsvolle Augen starrte ihn an. Augen voll Schrecken und Angst. Und voll Verzweiflung! „Mich?“ zitterte es von den erdfahlen Livven.„Mich? — Das verlangen Sie von mir? Das können Sie erwarten?— Mich an seiner Seite finden?"— Das war wie ein Hauch, ein Fallen, ein Gleiten in bodenlose Tiefen. Ihn erbarmte ihrer. Ihr Leid griff ihm ans Herz. Er mußte die Zähne zusammenbeißen. Er mußte ja keine Mission hier zu erfüllen suchen. „Ja Dich. Mararet,“ sagte er ernst, drängend, zwingend.„Dich!— Nur Du kannst ihn aufrichten, stützen, halten. Du allein! Er ist immerhin ein Mensch. Und er ist Dein Mann. Neben ihm stehen sein Bruder, seine Schwägerin, seine Neffen und Nichten, ehrliche und strebsame Leute, die alle den gleichen Namen tragen.“ Da stöhnte es aus todwunder Brust: „Ich kann es nicht. Ich— kann es— nicht!"— Und gehetzt jagte es ihm entgegen:„Ich hab' es versucht! Ich hab' es gewollt! Es ging nicht! Es war ein Verrat an meiner Liebe zu Dir. Am Heiligsten, was ich habe.— Und dieser einen Stunde wegen, nein— dieses einen Gedankens wegen, trag' ich die brennendste Scham in Herz und Gewissen schon jahrelang.“ „Und doch, Margret! Doch solltest Du ihm die Hand reichen.“ „Wenn ich doch nicht kann. Sohr!“ schrie sie auf und flehentlich bat sie:„Hab' doch Mitleid mit mir! Hab nur ein wenig Achtung vor meinem Schmerz, vor meinem grenzenlosen Herzeleid.— Du kennst diese Eiseskalte nicht, die aus der Mißachtung erwachst, kennst den Ekel nicht, der einen ersticken kann.— O Gott, ich war so froh, so glücklich die Tage, die Wochen. Und tetzt?!“ Bitterlich weinend vergrub sie das Gesicht in die Hände. Sohr saß erschüttert diesem Leid gegenüber. Sie war ihm eine Schwester. Und er mußte ihr### tun. Mußte! Mußte! Es— La.— so— schwer! Er trat leise zu ihr. Er nahm ihre Hand. Zog sie berab. „Margret!— Liebe Margret," das war so weich gesagt, so tief, so lieb.„Margrei— sieh mich an.“ Sie hob ihr tränenfeuchtes Antlin zu ihm auf. Es war um Jahre gealtert. Und Sohr erschrak. Und doch sagte er: „Ich kann Dich nur auf den verweisen, der dort über der Vitrine hängt. Hebe Deine Augen auf eu dem, von dem die Hilfe kommt.— Du trägst die Dornenkrone nicht allein. Wir alle tragen sie. Ich auch.— Der dort lebte uns ein Gethsemane. Zum Trost der Schwachen.„Herr. laß den Relch an mir vorübergeben,“ bat auch er. Und — trank— ihn— doch! Er trug sein Kreuz nach Golgatha. Um fremder Schuld willen! Wir leungen ihn und alles Göttliche in uns, wenn wir um eigener Schuld am Kreuz vorübergehen.— Zum Mahner bin ich Dir gestellt, Margret. Ich bin die Ursache des Unglücks Deines Mannes. Ob gewollt, ob nicht gewollt, ab direct, ob indirekt, ist gleich. Ich bin es! Ich will mithelfen gutzumachen, ihn aufzurichten. Du aber sollst es auch.“ Schwach und hilflos, wie das letzte Regen eines Widerstandes, sagte Grete: „Ich kann es nicht. Noch nicht! Laß' mir Zeit.“ Da ging ein Leuchten über seine Züge und seine Augen tasteten dankend hinüber zu dem, der der Welt Sünde trägt. „Noch nicht! Heute noch nicht,“ dachte er.„Doch päter.“ Er strich zart über das blonde Haar der leise weinenden Frau, sagte warm:„Ich komme wieder, Margret, wenn Deiner Nacht ein Tag ward,“ und ging hinaus. Dreizehntes Kavitel. Sohr saß in seinem Arbeitszimmer mit aufgestütztem Kopf. Ihm gegenüber saß Heinz Liebetrau. Der hatte etwas auf dem Herzen. Das sah man ihm an. Er getraute sich aber nicht. Er hatte schon„rund um das Parlament“ geredet, wie Sohr zu sagen pflegte, wenn einer das Thema umschrieb und die Tür nicht sand, zu der es heraus und hinein ging. erzählte eben wieder etwas von„veinlicher Verlegenheit" und„Nichtumbinkonnen“, als Sohr die frünende Hand auf den Tisch fallen ließ. Das nahm Heinz als Unwillen auf und kam ganz aus dem Geleise „Nun rücken Sie mal raus mit Ihrem Anliegen, Heinz. Sie stottern nun schon zehn Minuten an einer sehr wenig erfreulichen Vorrede berum. Mich brauchen Sie nicht zu prävarieren, ich bin immer aufnabmefähig. selbst für die übelsten Dinge." Da gab sich Heinz einen Ruck. Sohr hatte recht. Wozn die Unschweise. „Ich muß Klage führen gegen Claus,“ sagte er.„Er beträgt sich nicht so. wie er sollte.“ „Immer dasselbe Lied," dachte Sohr, sagte aber nichts. sondern brannte sich eine Zigarre an. Ich bitte mich nicht falsch einzuschätzen, Herr Sohr.“ motivierte Heinz.„Ich habe Mädchen auch gern und gebe auch sehr gern Geld aus, aber ich weiß, wie wert ich zu gehen habe. Claus ist verlobt. Ich bin es meiner Schwester schuldig, daß ich zu Ihnen komme und Sie unterrichte.“ „Freut mich, daß Sie da sind. Nun beginnen Sie aber endlich mit dem Unterrichten. Was Sie bis ietzt sagten, weiß ich zum größten Teil.— Rauchen Sie, ditte! Hier sind Zigaretten. Und trinken Sie einen Curacao,“— er schenkte zwei Glaschen voll—„vielleicht geht es dann besser. Ich bin nicht für Drumherum, sondern für Geradezu. Wenigstens in wichtigen Dingen.— Pröstchen!“ Sie tranken. „Noch einen?“ fragte Sohr. „Nein, danke! Es geht schon.“— Und nun wurde Heinz deutlich.„Claus arbeitet nicht mehr. Seit vier Wochen war er nicht mehr im Kolleg. Er trinkt. Er spielt. Er macht Schulden. Er bezahlt sie nicht. Er vertröstet. Er liebt volnische Wirtschaft, macht ein Loch mit einem anderen zu. Er schreibt sogar quer.“ Da sprang Sohr auf. Sein fahles Gesicht wurde erdig, sab graugelb aus wie Straßenstaub. Er drückte die Hand aufs Hers, tapote sweimal nach Luft, sagte„Uff“ und setzte sich wieder Heinz war erschroden. „Was ist Ihnen, Herr Sohr,“ fragte er bestürzt. Und Sohr sagte: „Nichts! Ich bin voller Freude, wie Sie sehen. Erzählen Sie weiter.“— Er besann sich.—„Oder besser: reden wir von anderem „Entschuldigen Sie, Herr Sohr, nur das mochte ich noch bemerken, daß Claus außer für Ellis Kunple auch sehr viel für Frau Wetter übrig zu haben scheint.“ „Aennen Sie Frau Wetter?“ fragte Sohr. Die Frage kam so unvermittelt, daß Heins rot werdend verneinte. „Na also!— Ich trage gar keine Bedenken,“ erklarte Sohr.„Sehe nichts Schlimmes dabei. Im Gegenteil, seine Besuche bei Frau Wetter begrüße ich. Er befindet sich dort in anständiger Gesellschaft und außer jeder Gefahr.“ Heinz war erstaunt. Er hatte eine andere Antwort erwartet. „Sie wissen um diese Besuche?“ fragte er sögernd. Sohr bejahte. frau Wetter hat mich unaufgefordert davon unterrichtet. Hat mich auch über die Ursache aufgeklärt.“ Ee. Der unP 1 Vondereer-Besaur. so Wie„Tühr-kit daran“, mit einem Unterton von Grollen in der Stimr Heinz getraute sich kaum zu bitten: „Wenn Sie mich diese Ursache wissen lassen wollte — Zu meiner Beruhigung nur. Herr Sohr,“ setzte schüchtern hinzu. Der sab ihn finster an. stand auf, ging einige Mi im Zimmer auf und ab, blieb vor ihm stehen. „Ich bin— unfreundlich zu Ihnen, Heinz,“ sagte „Ich weiß es. Sie verdienen diese Unfreundlichkeit nie Aber seit einem halben Jahre hore ich nun die Schrecke# ruse: Claus— Claus— Claus! Täglich höre ich Ium Verzweiseln ist das. Und nun kommen auch noch! Sie, der Sie mit ihm zusammen sind, der Sie ein verwandtschaftliches Verhältnis zu ihm treten woll der Sie der Bruder seiner Braut sind. Schockschweren Ich an Ihrer Stelle! Wissen Sie, was ich getan hätt — Jeden Tagi angerempelt batte ich ihn, jeden T coram publico beleidigt. Er hätte mir die Freundee die Bude schicken müssen jeden Tag. Und verbläut hä ich ihn, daß man vor lauter Heftpflaster keinen Kovf sehen hatte.— Und das Frauenzimmer?!"— Er mad seine wegwersende Bewegung.—„Was hätt' ich n dem gemacht? Bestimmt hätt' ich mich zwischen die b den gestellt. Aber Sie? Nichts! Absolut nichts! U sind doch ein Kerl wie ein Baum.— Da muß eine Er kommen. Diese Frau' Grete Wetter! Und muß d versuchen, was Sie hätten tun sollen, aus frei Stücken versuchen, weil sie an seine Braut dachte undi für jenes unmögliche Mädchen zu gut hielt. Dass# die Tatsachen! Nun beruhigt, mein Lieber?" Heinz war es. Er war beschämt. „Sie brauchen den Kopf nicht hängen zu lassen,“ ti siete Sohr.„Ich war genau so lasch in dieser Sache u Sie. Ich habe ihn zu hoch eingeschätzt, glaubte, er wür selbst zur Einsicht kommen. Irrtum! Morgen kommt beim. Heinz stotterte etwas wie„unmöglich" und So lachen uner das zweifelnde Gesicht, das zu in aufblickte. „Einmal müssen wir ganze Arbeit machen. Hei Verlumven soll er nicht. Es wird ihm gut sein, wei er Berlin entzogen ist.“ # var de. Fall Claus abgetan. Das entscht dende Wort war gefallen. Ein Zurück gab es nicht mel ein Lachen über Sohrs Züge gega und ge Stimme steundlicher geworden war, 6###s doch in ihm. Die Gefudle waren in Aufruk Das Herz tat ihm weh. Er mußte allein sein. (Fortsetzung folgt.) Nummer 32, Zweites Blatt Herner Anzeiger Donnerstag, den 7. Februar 1929 Unsere monatliche wetterkundliche Plauderei. Beobachtungsstationen.— Herner Witterungsverhäknisse im Januar. Unser Beobachlungsnetz zur Feststellung der täglichen Witterungsverhältnisse erstreckt sich zur Zeit über einen sehr großen Teil der nördlichen Halbkugel. Die Grenzen nach Norden hin bilden Island und Spitzbergen, während in entgegengesetzter Richtung Marokko, Aegypten und der Sudan südwärts den Abschluß für den Nachrichzendienst bilden. Was den Osten anbelangt, so erhalten wir täglich von der sibirischen Ostküste mittels ihrer Zentvalstation Wladiwostok die Angaben über Luftwärme, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und=stärke, Bewölkung, Form und Höhe der Niederschläge. Wenden wir uns westwärts, so ist uns durch die Westküsten Irlands, Spaniens und Portugals eine festländische Grenze gesetzt. Diese wird überbrückt und erweitert durch die drahtlosen Meldungen einer bestimmten Anzahl von Schiffen, die unter deutscher, norwegischer, englischer, französischer und amerikanischer Flagge segeln. Sogar von den Nordatlantischen Inseln, den Azoren, den Bermuda-Inseln und den Kanarischen Inseln erhalten wir die Angaben der beobachteten Wetterverhättnisse. Die Beobachtungen der Schiffs- und Inselstationen sind uns insofern lieb und wert und von besonderem Interesse, da jene Wetterwerdegänge des Nordatlantichen Ozeans den größten Teil des Jahres über grundlegend für die Gestaltung unserer Wetterlage sind. Wenn wir das Beobachtungsnetz unseres deutschen Binnenlandes Gebietsteile, an sogenannte Wetterbezirke gebunden. Derjenige, der aufmer#sam die täglichen Wettervorhersagen unseres Wetterdienstes Essen, die im „Herner Anzeiger“ zum Abdruck gelangen, erfolgte, wird unumwunden zugeben müssen, daß gerade im verflossenen Monat Januar die Vorhersagen sehr genau eingetroffen sind. Fernerhin wird ein jeder die Ueberzeugung gewonnen haben, daß seit etlichen Jahren kein Wintermonat so ununterbrochen und anhaltend und so ausgleichend und erträglich den Rhythmus von nächt!: cher Kälte und Tagesluftwärme in Erscheinung gebracht hat, wie der Januar. Die Vorhersagen über einen kalten Januar waren sehr berechtigt. Der Monat Dezember 1928 zeitigte nach voraufgegangenem warmen Herbst die durchschnittliche Wärme von 2,1 Grad Celsius, hatte mit seinem Unterschiedsbetrage von 1,4 Grad Celsius zum Normalwert den Ueberschuß der Wärme der verflossenen Monate nicht ausgeglichen und konnte somit nicht soviel Kaltluft entwickeln, um den Mehrbetrag der Wärme im Jahresdurchschnitt in Höhe von 1.2 Grad Celsius zum Austausch zu bringen. So ist es auch zu verstehen, daß die täglichen Luftwärmemessungen einen monatlichen Durchschnitt von 1.4 Grad Celsius Fulre ergeben haben, während der Norwalwerr 2.1 Grad Celsius Wärme beträgt. Vom 1. Jahrestage an bis zum 7. blieb die Quecksilbersäule des Thermometers sowohl nach dem Stande von 8 Uhr morgens wie auch in höchster Tages= und tiefster Nachtstellung unter 0 Grad Celsius. Vorübergehend am 8. und 9. eine Tageswärme von 1 Grad Celsius erreichend. kank die Temperatur in den nächsten Tagen sofort wieder, um am 12. Januar den tiefsten Stand des Monats 12 Grad Celsius Kälte hervorzuzaubern. Der vorletzte Tag der zweiten Dekade brachte mit 7 Gr. C. Wärme den höchsten Tages stand und die letzte Monatsdekade hatte mit 6 Grad Celsius Kälte am 27. und 5 Grad Celsius Wärme ihre Höhepunkte unter und über dem Gefrierpunkte erreicht. Bringen wir die Luftwärmemessungen der Monate Januar 1929 und 1928 in Gegenüberstellung, so brachte der Januar 1928 folgende Resultate: höchste Luftwärme+ 12 Grad Celsius am 21., tiefste Luftwärme— 5 Grad Celsius am 2. und monatliche Durchschnittswärme von+ 5,3 Grad Celsius. Schon aus diesen Ergebnissen ersieht man, wie mild der Januar 1928 und wie kalt der Januar 1929 gewesen ist. Eine Folgeerscheinung der starken Kaltluft war der überaus große Niederschlag von Schnee. An 15 Tagen fielen die geitzernden Schneesterne hernieder und brachten die Gesamtniederschlagsmenge von 20 Millimeter. Nur an 2 Tagen rauschte feiner Sprühregen, teilweise noch mit Schnee vermischt, in der Höhe von 1,5 Millimeter herab. Der Januar 1928 wies gar keinen Schneetag auf, sandte uns aber Das Kanalnetz der Stadt Herne. überschauen, so zählen wir rund 40 Stationen, die dreimal täglich und zwar morgens 8 Uhr, nachmittags 2 Uhr und abends 7 Uhr ihre Beobachtungen weitermelden. Zentralpunkt aller zu erfolgenden Beobachtungen und Meldungen ist die Nachrichtenzentrale, die deutsche Seewarte in Hamburg. Die Mehrzahl der Stationen in Frankreich, England und Polen sind uns etwas überlegen, da sie täglich noch Nachtbeobachtungen um 2 Uhr anstellen. Von umeren deutschen Meldestellen ist die Seewarte die einzige, die auch noch nachts um 2 Uhr eine Beobachtung ausführt. Betrachten wir nur die Weiterleitung der Wettermeldungen als solche, se erfolgt die Uebermittlung derselben teilweise drahtlich. teilweise drahtlos. Fast die Hälfte der deutschen Beobachtungen läuft auf den Telegraphen nach Hamburg, während der übrige Teil auf dem Funkenwege an die Seewarte gelangt. Meldungen des Auslandes werden fast ausschließlich drahtlos weitergereicht. Nicht jede einzelne Station funkt die Beobachtungen, sondern die Großstation des betreffenden Landes schickt einen Sammelbericht in die Welt. Auch Deutschland ist verpflichtet, einen #tichen Sammelbericht seiner Wetterbeobachtungen auf drahtlosem Wege dem Auslande mitzuteilen. Um diese Verpflichtung auf dem schnellsten Wege in die Tat umzusetzen, sendet die Seewarte das Ergebnis aller gesammelten Meldungen an die postalische Hauptfunkstelle in Königswusterhausen bei Berlin, die die Funkung ins Ausland weiterhin vermittelt. Auch die größte Anzahl der übrigen deutschen Wetterdienststellen erhält auf diesem Wege den überwiegenden Teil des Nachrichtenmaterials. So wird auch unsere Wetterdienststelle Essen, zu deren Bezirk Herne gehört, mit den gewünschten Wetterunterlagen versehen, um eine bestimmte Wettervorhersage für die nächsten 24 Stunden aufzustellen. Es ist für unser deutsches Vaterland nicht möglich, von einer Zentrale aus Vorhersagen fur das gesamte Gebiet zu geben. Einmal ist es die Lage Deutschlands im Grenzgebiet zwischen ozeanischem und festländischem Klima und zum anderen die vielseitige Gliederung in Flachland, Mittelgebirge, süddeutschem Berglande und Hochgebirge, die eine einheitliche Vorhersage ausschalten. Mithin ist der Vorzersagedienst notwendiger Weise an genall begrenzte Die bisherigen Kosten 3,5 Millionen.— Gesamtlänge je lsdm. Iront kosten.— Keine Bäume mehr für die Am vergangenen Montag sand unter dem Vorsitz des Beigeordneten Stadtbaurat Knöll eine Sitzung der städtischen Baudeputation statt. Vergeben wurden die Installationsarbeiten für eine Brauseanlage für die Schule an der Dietrichstraße, die Lieferung und Anbringung der Wandspiegel im Versorgungshaus und die Herstellung der Kanalanschlüsse für das Rechnungsjahr 1929. Nach dem Ortsgesetz betr. die Anschlüsse an die städtischen Kanäle und die Erhebung von Kanal= anschluß= und Kanalbenutzungsgebühren vom 20. Dezember 1923 wird für den Anschluß eines bebauten oder unbebauten Grundstücks an die städtische Kanalisationsanlage eine einmalige Kanalanschlußgebühr für jedes lidm. Straßenfrontlänge erhoben. Die Höhe der Gebühr wird durch Gemeindebeschluß für jeweilig näher zu bezeichnende Zeitabschnitte festgesetzt. Die letzte Festsetzung der Gebühr ist im November 1926 erfolgt, und zwar bis zum 31. März 1929. Eine Neufestsetzung ist deshalb erforderlich. Es sind die Gesamtkosten der städtischen Kanalisationsanlage ermittelt worden. Sie betragen 3494 821 M. Von diesen Kosten entfallen auf die Straßenentwässerung 906 000 M. Auf die unterirdische Abführung der Hausabwässer entfällt der Restbetrag mit 2588817 Mark. Die Gesamtlänge der Straßenkanäle in Herne beträgt 99 334,94 Mir. Hiervon entfallen auf Privatkanäle und Kanäle der Emschergenossenschaft 32289,94 Meter, so daß die Länge der rein städtischen Kanäle 67 045 Meler beträgt. Die auf die unterirdische Abführung der Hausabwässer, entfallenden Kosten betragen für einen lsdm. 38.61 M. Bisher wurden die Kosten in der Weise gedrittelt, daß ein Drittel auf die Stadt übernommen wurde und je ein Drittel die beiderseitigen Anlieger zu tragen hatten. Die Baudeputation beschloß, diesen Verteilungsmaßstab auch für die Folge beizubehalten und die Kanalanschlußgebühr auf 13 M. für das lsdm. Front festzusetzen. Zur Regelung von Streitigkeiten mit den Hausbesitzern, die sich aus der Durchführung der staubfreien Müllabfuhr ergeben, setzte die Baudeputation eine kleine Kommission, bestehend aus einem Mitgliede der Verwaltung und den Herren Stadtverordneten Schmülling und Kuhn ein. fast 100 Km.— Die Kanalanschlußgebühr soll 13 Mark Bahnhofstraße?— Telephonanschlüsse für die Schulen Der Verein für Handel und Gewerbe e. V. hat im Auftrage der Anlieger der Bahnhofstraße den Antrag gestellt, bei der Verbreiterung der Bahnhofstraße keine Bäume zu pflanzen, mit der Begründung, daß bei der Kaufmannschaft, insbesondere bei den Anliegern der Bahnhofstraße, die Auffassung vertreten würde, daß bei aller Annehmlichkeit, die ein guter Baumbestand, besonders in den Sommermonaten, mit sich bringe, Geschäftsstraßen doch zweckmäßig von Baumbestand verschont bleiben. Das Charakteristische einer Geschäftsstraße sei nicht die Promenade, sondern, besonders in der neueren Zeit, die moderne Aufmachung der Häuserfronten mit ihren neuzeitlichen Lichtreklamen. Die Baudeputation nahm Kenntnis von diesem Antrage und beschloß, die Entscheidung zurück zustellen, bis die jetzt vorhandenen Bäume beseitigt sind. Alsdann glaubt man, sich ein besseres Bild machen zu können. Es war angeregt worden, sämtliche städtischen Schulen mit Fernsprechanlage zu versehen. Die Bauverwaltung hat die Kosten hierfür mit 17 500 Mark ermittelt. Die Baudeputation ist der Ansicht. daß bei der jetzigen finanziellen Lage der Stadt nicht auf einmal dieser Betrag ausgewandt werden kann. Es soll deshalb zunächst ein Betrag von 5000 M. zur Verfügung gestellt werden. Die Verwaltung soll prüsen, welche Systeme zunächst Fernsprechanschlüsse erhalten. Die Baudeputation wird dann die in Frage kommenden Systeme endgültig festlegen. * Daß die Bahnhofstraße keine Bäume mehr haben soll, ist in der vorletzten Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins ausgiebig zur Sprache gekominen Wlle Versammlungsteilnehmer, nicht zuletzt Geschäftsleute der Bahnhofstraße, sprachen sich ent schieden dafür aus, daß nach der Erbreiterung der Straße wieder Bäume gepflanzt würden. Die Lichtreklame der Bahnhofstraße wird nicht gestört. Im Winter sind die Bäume kahl und im Sommer, wenn eine Beeinträchtigung durch die belaubten Bäume überhaupt in Frage käme, ist es so lange hell, daß eine Lichtreklame fast gar nicht gebraucht wird. dafür an 12 Tagen 82 Millimeter Regen. Welch außergewöhnlicher Gegensatz! So wird uns der diesjährige Januar als echter Wintermonat mit Schnee und Eis, mit Gatteis und Rauhreif unvergeßlich bleiben. Sein Grundcharakter ist mit kalt zu bezeichnen und Winters Macht und Pracht waren die Herrscher allerwegen. Nur an drei Tagen, am 14., 29. und 31. sandte der kommende Fruhling seine ersten Boten ins Land: Schäschenwolken am blauen Himmel! Spazierender Star im Schnee! Erster wärmender Sonnenschein! Schlagender Fink am kahlem Ast!— Ahnender Lenz! Alle wetterkundlichen Beobachtungen zusammenfassend, ergibt sich für das Januarwetter 1929 in Herne folgendes Bild: 1. Luftwärmemessungen: Tagesverlauf: Schatten. Nordseite. Höchste Luftwärme 7 Grad Celsius am 19., tiefste— 12 Grad Celsius am 12., Durchschnitt— 1,4 Grad Celsius. 2. Luftdruckmessungen: Umrechnung auf den Meereespiegel. Stand 8 Uhr morgens. Höchster Lustdruck 783 Millimeter am 9.. tiefster 753 Millimeter am 16., Durschnitt 769,3 Millimeter. 3. Luftfeuchtigkeitsmessungen: Stand 8 Uhr morgens. Schatten. Nordseite. Höchste Luftfeuchtigkeit 100 Prozent an 30 Tagen, tiefste Luftfeuchtigkeit 90 Prozent am 17., Durchschnitt 99,6 Prozent. 4. Beobackzlung der Windrichtung. Stand 8 Uhr morgens. 16 Tage mit westlichen Winden.(Süden üder Westen mi. Norden einschließlich.) 15 Tage mit östlichen Winden.(Nordosten über Osten bis Südsüdosten.) 5. Beobachtung der Windstärke. Windstill an 2, Stärke 1 an 6, zwei an 14, drei an 3, vier an 3 und fünf an 3 Tagen. 6. Beobachtung der Wolken. Stand 8 Uhr morgens. a) Bedeckung des Himmels. Zu einem Viertel bedeckt an 3, zur Hälfte an 2. zu drei Vierteln an 4 und ganz bedeckt an 22 Tagen. b) Wolkenart. Federwolke an 1, hohe Schleierwolke an 1. feine Schäfchen an 2, grobe Schäfchen an 2, niedrige Schichtwolke an 1, Regenwolke an 1 und gehobener Nebel an 23 Tagen. Form der Niederschläge. Reif an 1, Rauhreif an 2, Glatteis an 3. Regen an 2, Schnee an 15 und Nebel an 25 Tagen. s. Höhe der Niederschläge. Höchste Regenhöhe 6 Millimeter am 15. und 27., tiefste 0,5 Millimeter am 26., Gesamtregenhöhe 21,5 Millimeter. R. S. Die Entwicklung der Lebenshaltungskesten 1028. Mit der Feststellung der Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten im Dezember 1928 liegen nunmehr sämtliche Ziffern über das vergangene Jahr vor, so daß ein Ueberblick über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten im Verlauf des letzten Jahres möglich ist. Nach Auffassung des statistischen Reichsamtes umfassen die Lebenshaltungskosten bekanntlich die Kosten für Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstigen Bedarf. Der Monat Dezember hat zunächst gegenüber dem Vormonat eine weitere Erhöhung der Lebenshaltungskosten um 0,3 Prozent gebracht, so daß der Index jetzt auf 152,7 stehl. Die Aufwärtsbewegung ist ausschließlich durch erhöhte Ernährungsausgaben verursacht. Unter den Nahrungsmitteln haben vor allen Dingen Milch= und Milcherzeugnisse, Eier und Nährmittel auch im Dezember ihre Aufwärtsbewegung beibehalten. Kartoffeln und Gemüse zeigten in der zweiten Novemberhälfte noch einen gewissen Preisrückgang. Diese Bewegung ist jedoch im Dezember schnell zum W Grippegefohr beugt vor Roman von M. Nicholson (Nachdruck verboten.) (8. Fortsetzung.) „So hätte es wenigstens sein sollen,“ antwortete der Mann mürrisch,„aber Mr. Glenarm hat sich seine Handwerker mitgebracht. Es waren Italiener, Griechen oder sonstige Ausländer. Er hat sie während des ganzen Baues aus dem Grundstück nicht herausgelassen, und als sie fertig waren, in einen Zug verladen und davongeschickt.“ „Das sieht ihm ähnlich,“ erwiderte John, der die Schwäche seines Großvaters für Geheimnistuerei kannte. „Jawohl, er war ein Sonderling durch und durch", bemerkte der Mann unfreundlich. John erkannte sehr wohl, daß seinem Gefährten nichts daran lag, gutnachbarliche Beziehungen zu dem neuen Herrn Glenarm herzustellen. Der Mann war etwa vierzig Jahre alt, von hagerem Wuchs, hatte einen strohgelben Bart und blaßblaue Augen. Seine Kleidung war nachlässig und schäbig. Inzwischen waren die beiden im Mittelpunkt des Ortes angelangt, wo Johns Gefährte sich unvermittelt abwandte und einen der Läden betrat, während John seinen Weg zum Bahnhof fortsetzte, der zugleich als Postamt diente. Der Stationsvorsteher durchlas Johns Telegramm, während dieser in seinen Taschen nach Kleingeld suchte „Wollen Sie Ihre Depeschen ins Haus zugestellt haben?“ fragte der Beamte und kehrte sich, als John nickte, sofort wieder seinen tickenden Instrumenten zu. John hielt es für vorteilhaft, sich mit dem Postfräulein am Briefschalter auf guten Fuß zu stellen, und machte sich daher mit ihr bekannt. Sie haben ein Postfach hier“, teilte sie ihm mit. „Ein Junge bringt Ihnen die Post ins Haus. Mr. Bate hat es angeordnet.“ Danach begab sich John in einige der Läden und kaufte ein Stück Seife, Rauchtabak sowie sonstige Dinge, deren er zurzeit nicht benötigte, nur um die Stimmung der Bevölkerung ihm gegenüber zu ermitteln. Ueberall stieß er auf dieselbe unverkennbar kühle Zurückhaltung, die ihm schon im Benehmen des Bahnhofsvorstehers und des Postfräuleins aufgefallen war. Es kam ihm fast vor, als ob sich die Bevölkerung von Fairvale auf einen bestimmten Grad von Kälte in ihrem Verhalten gegen ihn geeinigt hätte. Bei seiner Rückkehr fand er Bate in der Küche, einem großen, quadratischen Raum, dessen Wände und Decken von mächtigem Gebälk durchzogen waren. Herd und Schornstein hat#e# riesenhafte Ausmaße. Daneben stand zum alltäglichen Gebrauch ein kleinerer Herd. „Jawohl, Herr," bemerkte Bate auf Johns fragende Blicke,„es ist eine merkwürdige Küche. Mr. Glenarm hat sie nach einem alten Vorbild kopiert. Es sitzt sich sehr angenehm hier des Abends.“ John drückte den Wunsch aus, auch das Untergeschoß zu besichtigen. Geführt von Bate, stieg er die Treppe hinab. Der Keller erstreckte sich über den Hauptteil des Gebäudes und war in große Räume eingeteilt. Einer davon war mit einer schweren Eichentür verschlossen, die oben eine vergitterte Oeffnung hatte. Der Eisenbeschlag der Tür, das massive Hängeschloß und die vergitterten Fenster des Raumes gaben ihm das Ansehen einer Gefängniszelle. Er wurde jedoch, wie John bemerkte, zur Aufbewahrung von Kartofseln benutzt. „Es war eine von den Ideen meines seligen Herrn“, antwortete Bate auf Johns Frage nach der ursprünglichen Bestimmung des Raumes.„Er sagte einmal, daß ein Haus wie dieses auch ein Verließ haben müsse. Er war voller Schnurren.“ In einem anderen Raum befand sich eine Sammlung von Laternen jeglicher Art und daneben ein dritter, gefüllt mit metallenen Kerzenleuchtern der sonderbarsten Formen. Sodann begab sich Bate in die Küche. während John die Besichtigung des Hauses allein fortsetzte. Alsbald zog es ihn jedoch wieder hinaus ins Freie. An einem der Türme vorbei gelangte er zum Bootshaus. Es war ein viel größeres Gebäude, als er in der Nacht zuvor angenommen hatte, und bestand aus zwei Stockwerken. Das Obergeschoß enthielt ein behagliches Wohnzimmer, mu breiten Fenstern zum See hinaus. Die weißgetünchten Wände waren mit Decken und Zierrat behangen, der Fußboden mit vielsardigen Matten belegt. Bequeme Stuhle und eine weichgepolsterte Fensterbank gaben dem Raum ein wohnliches. einlodendes Ausseben. John ging das Seeufer entlang, bis er zu der Mauer gelangte, die an das Schulgrundstück grenzte. Unweit vom Seeufer entdeckte er darin eine kleine eiserne Tür, die mit Kette und Vorhängeschloß gesichert war. Den Fußhalt, den die Tür gewährte, benußzend, kletterte er auf die Mauer. Das anliegende Grundstück erwies sich von demselben Charakter wie sein eigenes, war jedoch besser gehalten. Das Gehölz war sorgfältig gelichtet und vom Unterwuchs befreit. Unweit davon stand eine kleine gotische Kirche. Wah rend John seine Blicke über das Grundstück schweisen ließ, kam aus einem der Schulgebäude eine Schar junger Mädchen in Reihen von zweien und vieren, geführt von einer Schwester in brauner Nonnentracht. Der junge Mann war angenehm überrascht. Es waren nicht die armen Waisenkinder, die er erwartet hatte, überhaupt keine Kinder mehr, sondern gutge kleidete junge Damen im Alter von fünfzehn bis sechzehn Jahren. Unwillkürlich rückte er seine Krawatte zurecht. Seine Aufmerksamkeit wurde jedoch nach kurzer Zeit von einem ungewöhnlichen Geräusch, das aus seinem eigenen Grundstück kam, abgelenkt. Er hörte zornige Ausruse, sodann ein Krachen im Busch, die eiligen Schritte eines Fliehenden und die eines Verfolgers. John kauerte sich auf die Mauer nieder und wartete, was folgen würde. Im nächsten Augenblick sprang ein Mann aus dem Gehölz, stolperte über eine Schlingpflanze und fiel, kaum zehn Schritt von John entfernt, zu Boden. Dieser erkannte in dem Fluchtling zu seiner Ueberraschung Morgan, den er am Morgen bei der Werst von Fairvale getrossen hatte. Der Flüchtling erhob sich fluchend und lief, dicht an der Mauer entlang, dem See zu. Kurz darauf kam auch der Verfolger in Sicht. Es war Bate, anscheinend in höchster Aufregung und mit einer bösen Wunde au; der Stirne. In der Hand hielt er einen schweren Stock Bate blieb einen Augenblick stehen, um zu horchen, in welcher Richtung sich der Flüchtling entfernt hatte, und eilte ihm sodann nach Inzwischen waren dort zwei neue Petionen auf der Bildfläche erschienen. Unweit der Kirche, auf einer kleinen Lichtung, stand ein junges Mädchen im Gespräch mit einem Mann. Sie trug eine leuchtend rote Wollmütze, die grell von den düsteren Farben des Unterholzes abstach, und einen kurzen hellen Paletot, in dessen Taschen sie ihre Hände versenkt hielt. Der Mann zeigte die hochgeschlossene schwarze Weste des Priesters und John nahm daher an, daß es der Kaplan war, den Bate erwähnt hatte. John spielte nur mit Widerwillen den Lauscher, aber die Worte, die das junge Mädchen, anscheinend in ernsten Vorstellungen zu iyrem Gefährten sprach, waren zu deittlich, um sie überhören zu können. „Wenn er hierherkommt, werde ich weggehen, das bitte ich ihm auszurichten. Auf keinen Fall will ich mit ihm zusammentreffen und auch nicht mit ihm nach Florida oder Kalifornien reisen.“ „Sehr wohl, sehr wohl,“ erwiderte der Kaplan, „ich werde es ihm mitteilen. Er bat mich, Ihnen meine Botschaft zu überbringen, da er—“ „Mir und Schwester Therese nicht schreiben wollte", fiel ihm das Mädchen mit einer Gebärde der Verachtung ins Wort.„Wie klug von ihm!“ „Und wie dumm von mir, mich als Boten herzugeben“, antwortete der Kaplan lachend.„Immerhin danke ich Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit gaben, mich meiner Aufgabe zu entledigen.“ Das junge Mädchen gab darauf keine Antwort, sondern wandte sich mit einem freundlichen Kopfnicken ab und ging raschen Schrittes der Schule zu. Der Kaplan sah ihr eine Weile nach und schlug darauf den Weg hinunter zum See ein. Er war noch ein ganz junger Mann, brünett, mit glattrasiertem Gesicht und Schultern, die eher einem Athleten als einem Angehörigen des geistlichen Berufes zuzugehören schienen. Als John sich jedoch von der Mauer wieder zu Boden schwang und auf sein Haus zuschritt, gehörten seine Gedanken nicht dem athletischen Ke John empfand Lust zu folgen, hatte jedoch keine plan, sondern dem jungen Mädchen. Für ihre große Neigung, sich in einen Streit, der ihn nichts anging. Jugend sprach deutlich die unbedenkliche Art, in der sie zu mischen. Darum warf er seine Beine üder die an-sihre Hände in den Taschen hielt, und die kecke Neidere Seite der Mauer, entzündete eine Zigarre ungegung ihrer roten Wollmüte. In bester Laune begab setzte sich bequem zurecht, um weiter zu beobachten, sich John zum zweiten Frühstuck. waz in dew Nachborgrundstück vor sich gino(Fortsetzung folgt.) Ststand gekommen und gegen Ende des Monats eegannen auch diese Preise zu steigen Der Rückblick auf das Jahr 1928 frgibt zunächst die Feststellung, daß die Preise der einzelnen Nahrungsmittel, deren Angebot eyr stark von der Jahreszeit abhängig ist und auch in vergangenen Jahre starken Schwankungen unterworfen waren. Insbesondere machten diese Schwankungen sich für Eier, Gemüse und Kartoffeln bemerkbar. Die Schwankungen haben sich jedoch immer ziemlich ausgeglichen, so daß die Indexziffer für die Ernährung sich nach der Statistik nur in engen Grenzen geändert hat. Ihre größte Abweichung voni Januarstand betrug im August nur 2,4 Prozent. Im Dezember des Jahres 1928 war die Inderhiffer fur die Ernährung um 0.1 Prozent niedriger als im Dezember 1927. Die Wohnungsindexziffer zeigt eine geringe Erhöhung gegenüder dem Vorjahre von 0,4 Prozent Sie ist darauf zurückzuführen, daß in den einzelnen Gemeinden die Zuschlage zur Grundvermögenssteuer und die Umlagen für Straßenreiniguug eryoht und heraufgesetzt worden sind. Bei den übrigen Bedarfsgruppen sind ebenfalls in den einzelnen Monaten große Abweichungen nicht zu verzeichnen. Die Ausgaben für Heizung und Beleuchtung waren in den Monaten April und Mai leicht zurückgegangen. Die Erhöhung in den folgenden Monaten war dann auf den Wiederabbau der Sommerpreise zurückzufuhren. Die Inderzister der Bekleidungsausgaben hat ihre im Juni 1927 begonnene Steigerung mit turzer Unterbrechung in den Sommermonaten 1928 während des ganzen Berichtsjahres fortgesetzt. Dieser Posten im Haushalt zeigt die größte Erhöhung auf. die vom Dezember 1927 bis zum Dezember 1928 nicht weniger als 4.2 Prozent betrug Die Ausgaben fur den sonstigen Bedarf waren während des ganzen Jahres leicht aufwärts gerichtet, so daß die Erhöhung sich auf 2.8 Prozent belief. Es handelt sich hierbei um eine Steigerung der Ausgaben für Bildung und Körperpflege, hauptsächlich jedoch um eine Verteuerung der Verkehrsmirtel, die besonders durch die Veränderung des Personentarifs der Reichsbahn im Oktober verursacht wurde In der Zeitschrift„Wirtschaft und Statistik“ ist ein kurzer Vergleich zwischen den Lebenshallungskosten der Jahre 1924 bis 1928 gezogen. Dieser Vergleich zeigt, daß die Spanne zwischen der höchsten und der niedrigsten Indexziffer der Lebenshaltungskosten im Jahre 1924 11 Prozent, 1925 7 Prozent, 1926 und 1927 je 4 Prozent, 1928 dagegen knapp 2 Prozent detrug. Es zeigt sich also, daß die Schwankungen des Preisniveaus für den Lebensbedarf von Jahr zu Jahr nachgelassen haben. Es ergibt sich eine gewisse Stabilisierung in der Preisbewegung, deren Tendenz allerdings in einer ständigen Steigerung der Lebenshaltungskosten besteht. die Kolonnenmitglieder begonnen, der mit der Schlußprüfung am 3. 6 28 endete. Dieser Prüfung wurde eine Autokatastrophe an der Ecke Freiheit= und Mont Cenisstraße zugrunde gelegt, wobei die Gewerkschaft Mont=Cenis und die Gasverarbeitungs=Gesellschaft m. b. H. die Lastautos stellte.— Ein Probe=Nachtalarm der Kolonne am Bahnhof Börnig verlief zur vollsten Zufriedenheit und bewies, daß die Kolonne auch im Ernstfall rasch auf dem Plan sein wird. Die Freiwillige Sanitäts=Kolonne Herne=Sodingen ist am 1. 10. 25 gegründet worden und kann somit auf ein dreijähriges Bestehen zurückblicken. Am 30. 10. 27 wurde die Kolonne von dem Generalinspekteur, Herrn Sanitätsrat Dr. Gerhardi, Dortmund, geprüft und abgenommen. Am 7. 10. 28 fand aus Anlaß des Roten Kreuz=Tages eine erneute Prüfung durch Herrn Sanitätsrat Dr. Gerhardi statt, die gleichfalls gute Leistungen der Kolonne ergab. Seit ihrem Besteyen hat die Kolonne in 303 Fällen die erste Hilse durch Anlage von Notverbänden geleistet, 236 Krankentransporte ausgeführt und ist 63 mal bei Straßenunfallen in Tätigkeit getreten Das neue Geschäftsjahr 1929 hat der Kolonne einen erneuten Zuwachs gebracht durch Neuanmeldung von 12 Mitgliedern, die zum Teil ausgebildet sind, zum Teil ihren Uebungskursus absolvieren. Es wurde ferner eine Damengruppe gebildet, die zur Zeit 12 Mitglieder hat und regelmäßig Uebungen abhält. Eine Jugendgruppe ist in der Bildung begriffen. Aus und für Herne Wieviel Wohnungsuchende hat Herne? Ein dritter Eintragungstermin. Wie wir bereits dieser Tage mitteilten, haben sich von den 4300 eingetragenen Wohnungslichenden trotz zweimaliger Terminansetzung nur 2500 wieder eingetragen. Da das Wohnungsamt annimmt, daß viele ihre Vormerkung unterlassen haben, ist noch ein dritter Termin angesetzt worden, und zwar in der Zeit vom 1 2. bis 16. Februar. Wer diese Gelegenheit nicht benutzt, um seine Wiedereintragung vorzunehmen, wird aus der Liste der Wohnungsuchenden geitrichen *** Korrekturen von Sauszinssteuerdarlehen. Aus der Sitzung des zuständigen Ausschusses. Am vergangenen Dienstag fand unter dem Vorsitz des Beigeordneten und Stadtbaurats Knöll eine Sitzung des Ausschusses zur Vergebung der Hauszinssteuerdarlehen statt. Zwei freiwerdende städtische Wohnungen wurden neu vergeben. Einer von der Verwaltung ausgesprochenen Kündigung von Hauszinssteuerdarlehen wurde nachträglich zugestimmt. In einer Darlehenssache war die Beleihungsgrenze mit 24 M. für den Kubikmeter umbauten Raum festgesetzt und vom Bauherrn voll ausgenußt worden. Nachher hat der betr. Bauherr beim Katasteramt den Bauwert wesentlich niedriger angegeden. Der Ausschuß zur Vergebung der Hauszinssteuerdarlehen beschloß in diesem Falle, die Löschung der zweitstelligen Hypotheken zu fordern und auch a. das Hauszinssteuerdarlehen so weit zu kürzen, daß we die nach dem tatsächlichen Wert berechnete BeleiAk' hungsgrenze nicht mehr überschritten wird. In einem anderen Falle wurde die Kündigung de des Hauszinssteuerdarlehens wegen Nichtzahlung der „Zinsen beschlossen. Außerdem wurden einige Anträge auf Erhöhung #rtder Beleihungsgrenze und auf Gewährung von Zinsschlzuschüssen erledigt. En B** Geht Musikdirektor Mehrmann? Der städtische Musikdirektor Willy Mehrman. dirigierte am vergangenen Sonntag mit großem Erfolge ein Konzert der Münchener Philharmoniker, deren ständiger Dirigent Geheimrat Prof. Dr. von Nausegger ist. Auf dem Programm stand u. a.: Clemens von Frankenstein:„Festliche Musik für großes Orchester": Pfitzner: Ouvertüre zu„Käthchen von Heildronn"; Liszt:„Mazeppa“, Sinjonische Dichtung: Dvorak:„Karneval=Ouvertüre". Das Konzert, das in der Tonhalle in München stattfand, wurde durch den Rundfunk übertragen und fand reichen Beifall Wie wir hören, dirigierte Herr Mehrmann auf Anstellung. *** Umsiedlung zugewanderter Landarbeiter samslien aus dem Ruhrgebiet nach den landwirtschaftl. Bedarfsgebieten Oftpreußen, Hannover, Brandenburg. Pommern und Nordmark In den letzten 3 Jahren sind aus den Ostprovinzen Ostpreußen, Grenzmark, Pommern und Brandenburg viele Landarbeiterfamilien nach dem Rheinisch=Westfälischen Industriegebiet abgewandert. Einmal ist die in den letzten Jahren scheinbar andauernde Konjunktur und zum andern verwandtschaftliche Beeinflussung die Ursache der Abwanderung. Die erhofften Erwartungen der hier Zugereisten sind in den weitaus wenigsten Fällen erfüllt worden. Die immer noch zunehmende Verschlechterung der Arbeitsmarktlage im westfälischen Industriegebiet hat im allgemeinen eine große Unsicherheit und Unbestimmtheit in der Dauer der Beschäftigungsverhältnisse zur Folge, so daß im besonderen bei den zugewanderten Landarbeitersamilien der Wunsch besteht, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Im Hinblick auf die dauernden Unterbringungsmöglichkeiten in den Ostprovinzen unterstützen die Arbeitsämter in jeder Beziehung die Rückwanderungsabsichten ehemaliger Landarbeitersamilien. Unterbringungsmöglichkeiten bestehen zur Zeit in den Provinzen Ostpreuhen, Pommern, Hannover und Nordmark. Interessenten für eine Umsiedlung wenden sich am besten und schnellstens an das Arbeitsamt Herne, Bahnhofstraße 4c, in Wanne=Eickel, Langekampstr. 19, und in Castrop=Rauxel 2, Kaiserstraße 35. Verteilung der Belegschaft im Nuhrbezirk nach Altersklassen. Starke Verminderung der minderjährigen. Junahme der älteren Arbeiter. Aus industriellen Kreisen wird uns geschrieben: Nach einer auf Grund von Angaben der Ruhrknappschaft(Allgemeiner Knappschaftsverein) veröffentlichten Uebersicht hat die Zahl der minderjährigen Arbeiter auf den Zechen des Ruhrbergbaues gegenüber der Vorkriegszeit eine starke Verminderung erjahren. Dagegen ist die Zahl der älteren Arbeiter nicht unerheblich angewachsen. Im Jahre 1893 waren und 21 Prozent minderjährige Arbeiter beschäftigt Während ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft 1909 noch 17,27 Prozent betrug, ging er im Jahre 1928 auf 9,20 Prozent zurück. Die Anzahl der 15jährigen Arbeiter, für die auch frühere Zahlen vorliegen, läßt die Verminderung der jugendlichen Arbeiter noch deutlicher erkennen. Während im Jahre 1909 3,34 Prozent der beschäftigten Arbeiter im Alter von 15 Jahren standen, ergeben sich für 1928 nur noch 0.43 Prozent. In den Altersklassen vom 40. bis 70. Lebensjahre ist dagegen allgemein eine Zunahme zu verzeichnen. Der Anteil der über 50 Jahre alten Bergarbeiter stieg von 6,63 Prozent im Jahre 1893 auf 10,82 im Jahre 1928. Die Zahl der über 70jährigen Arbeiter betrug 1893 und 1928 0,06 Prozent. Die Steigerung erklärt sich zum Teil aus den maschinellen Verdesserungen der Zechenbetrieve, durch die eine Beschäftigung älterer, nicht mehr voll arbeitsfähiger Leute ermöglicht wird. Dadurch hat auch das Durchschnittsalter der beschäftigten Arbeiter eine Steigerung erfahren. Freiw. Sanitätskolenne vom Roten Kreuz, Herne=Sodingen. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, Herne=Sodingen, kann auf das vergangene Jahr ale auf einen Zeitraum erfreulicher Entwicklung zurückblicken. Die Zahl der Mitglieder ist auf 41 aktive und 1 inaktives Mitglied gestiegen. Die Zahl der passiven Mitglieder betragt 114.— Es wurden insgesamt 289 Unfälle gemeldet. In 366 Fällen wurden Wachen auf Sportplätzen, Festen und sonstigen öffentlichen Veranstaltungen gestellt. 12 Leichentransporte wurden ausgeführt.— Anfang des Jahres wurde mit dem Wiederholungskursus für Neue Bestimmungen über die Beamtenausschüsse der Schutzpolizel. Ihre Rechte und ihre Pflichten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Minister des Innern neue Bestimmungen für die Beamtenausschüsse der Schutzpolizei erlassen, die at. in diesen Tagen veröffentlicht werden. Sie schließen 09 sich, meist wörtlich, an die Fassung an, die der Entwurf eines Beamtenvertretungsgesetzes, zuletzt im Reichsrat gefunden hatte. Um auch den Gruppen mit ausgesprochener Sonderstellung und mit daraus sich ergebenden besonderen Beamteninteressen eine ausreichende Vertretung zu gewährleisten, bestehen bei jedem Schutzpolizeikommando zwei nebeneinandergeordnete Beamtenausschüsse, deren einer die Polizeiwachtmeister. Oberwachtmeister und Hauptwachtmeister, der andere die Polizeioffiziere, Polizeiobermeister und Polizeimeister zu vertreten hat. Die Beamtenausschüsse setzen sich aus 3—9 Beamten zusammen. Gewählt wird nach dem allgemeinen gleichen Wahlrecht nach den Grundsätzen der Verhältniswahl. Jeder Beamte der Schutzpolizei ist wahlberechtigt, jeder ist wählbar. Die Mitglieder der Beamtenausschüsse sind verpflichtet, die ihnen gemachten Mitteilungen vertraulich zu behandeln. Verletzen sie ihre Pflichten, so können sie vom Regierungspräsidenten(bei Polizeischulen vom Oberpräsidenten) zur Verantwortung gezogen und in schweren Fällen ihres Amtes und sogar des passiven Wahlrechts bis zur Höchstdauer von drei Jahren entkleidet werden Die Beamtenausschüsse haben die Aufgabe, die Interessen der Beamten wahrzunehmen, dabei aber auch Pflichtbewußtsein und Arbeitsfreudigkeit zu fördern. Sie sind insbesondere berufen, Anregungen und Anträge allgemeiner Art sowie persönliche Beschwerden entgegenzunehmen und zu vertreten, Meinungsverschiedenheiten unter den Beamten zu schlichten und an der Bekämpfung der Unfall= und Gesundheitsgefahren mitzuarbeiten. Sie haben mitzuwirken bei der Aufstellung und Aenderung allgemeiner Dienstvorschriften und Dienststundenpläne. bei der grundsätzlichen Regelung von Vertretungen und Urlaub, bei außerordentlichen Vergütungen und insbesondere bei Schaffung und Verwaltung von Wohlfahrtseinrichtungen. Auf Antrau der beteiligten Beamten sind sie bei Unfalluntersuchungen, Penstonierung, Urlaubsverweigerung und bei Unterstützuggen zu deteiligen. Bei Wiedereinstellung Entlassener bei Schadensersatzsorderungen an einen Beamten und endlich, falls der Beamte nicht selbst auf die Mit wirkung des Beamtenausschusses verzichtet, lassungen, Bestrafungen und im förmlichen narverfahren müssen die Beamtenausschusse gutach lich gehört werden. Durch besondere Bestimmungen ist dafür Sorge getragen, daß die Mitglieder der Beamtenausschusse wegen ihres Verhaltens nicht benachteiligt, insbesondere nicht entlassen und versetzt werden können. *** Beratungsstellen für Geisteskronke in Weitsalen. In der Provinz Westfalen hat es bioher an einer planmäßigen, in allen Stadt= und Landkreisen eingerichteten offenen Fürsorge fur Geisteskranke und psychisch Abnorme— Psychopathen, Hilfsschüler, Schwachsinnige, Epileptiker, Trinker usw. gefehlt. Bei der starken Zunahme der kostspieligen Anstaltspflege für Geisteskranke hat sich jetzt der Landeshauptmann der Provinz Westfalen veranlaßt gesehen, in einem Schreiben an die Bezirksfürsorgeverbände die Einrichtung offener Beratungestellen und Sprechstunden für Geisteskranke zu empfehlen. Der Landeshauptmann hat sich bereit erklärt, den Bezirksfürsorgeverbänden fachlich vorgebildete Kräfte aus den Provinzialheilanstalten für die Mithilfe bei der Einrichtung der offenen Fürsorge zur Verfügung zu stellen. Die Aufgaben dieser psychatrischen Fürsorge sollen sozialer und vorbeugender Natur sein. Es soll bei der Aufnahme der Kranken in Anstalten eine Beratung der Angehörigen und eine Sicherung des Vermögens der Kranken und nach der Entlassung der Kranken eine Beratung der Angehörigen über ihr Verhalten zu den Entlassenen und die Ordnung der häuslichen Verhältnisse erfolgen. Es soll eine Mitwirkung in der Fürsorge für die übrigen psychisch abnorinen Menschen erfolgen, bei denen Anstaltsbehandlung nicht notwendig erscheint. Ferner gehört zu den Aufgaben die Gewinnung von Vertrauensleuten bei der Ueberwachung und Betreuung aller außerhalb der Anstalt lebenden Geisteskranken und Gefährdeten und die Förderung des Zusammenarbeitens aller in der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege tätigen Stellen. Besonderer Wert soll darauf gelegt werden, daß die Möglichkeit zu regelmäßigen Sprechstunden für Geisteskranke und psychisch abnorme Personen in allen Bezirksfürsorgeverhänden geschaffen wird. Die Beratungsstellen sollen zur Schonung der Kranken und deren Angehörigen und zur Förderung des Vertrauens„Beratungsstellen(Sprechstunden) für Nerven= und Gemütskranke" heißen. Die städtischen Unterbilanzen 1927 und 1928. Sodingens„Defizik“ von 1927 in Höhe von 260 000 Mark muß die Stadt Herne übernehmen.— 240 500 Mark Unterbilanz in Herne 1927.— Nochmals 100000 Mark Nachbewilligungen für Etatsüberschreitungen 1928.— 700 M. für den Volfstrauertag. Die Finanzkommission erledigte unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Täger am 4. Februar d. J. folgende Punkte: Die Jahresrechnungen der Stadtkasse und der Kassen des früheren Amtes Sodingen für das Rechnungsjahr 1927 wurden geprüft und es wurde den städt. Körperschaften vorgeschlagen, Entlastung zu erteilen. Die Jahresrechnung des Amtes Sodingen für 1927 schließt im Endergebnis ab mit einem Vorschuß von 22 543,51 M. Diesem Vorschuß stehen an EinnahmeResten 31 908,17 M. gegenüber, so daß ein kleiner leberschuß vorhanden ist. Tatsächlich mußten von der Stadt Herne jedoch Straßen= und Kanalisationsarbeiten im Betrage von 267000 M., die nach den Beschlüssen der Vertretungen des Amtes Sodingen aus lousender Rechnung bezahlt werden sollten, nachträglich auf Anleihe genommen werden, weil im lausenden Haushaltsplan hierfür keine Gelder mehr vorhanden waren. Die Jahresrechnung 1927 der Stadtkasse Herne im ordentlichen Haushaltsplan schließt ab in Einnahme mit 14 329 366,22 M und in Ausgabe mit 14 776 040,19 M. Der Vorschuß beträgt mithin 446 673,97 M. Unter Berücksichtigung der Einnahme= reste 206 150,05 M verbleibt noch ein Vorschuß von 240 523.92 M. Dieser Vorschuß muß auf das lausende Haushaltsjahr 1928 übernommen werden und erhöht, wie bereits in den letzten Sitzungen der städt. Körperschaften dargelegt ist, den Fehlbetrag des Jahres 1928. Die Finanzkommission genehmigt die Verrechnung ausgenommener Anleihen im Gesamtbetrage von 6617 200 RM. Bei Kassenabschluß vom 31. 12. 1928 hat sich ergeben, daß eine Reihe von Posten des Haushaltoplanes 1928 bereits überschritten sind oder im leßten Vierteljahr noch überschritten werden. Die Ueberschreitungen sind zumeist zwangsläufig und betragen 100 699.68 RM. Der Betrag wird zu den einzelnen Posten des Haushaltsplanes nachbewilligt. Die Jahresrechnungen des Gas= und Elektrizitätswerkes der Stadt Herne. der Gas= und Elektrizltätsversorgungsgesellschaft für das Amt Sodingen. Sitz Herne, und der Straßenbahn herne— Castrop werden genehmigt und den städt. Körperschaften zur Entlastung vorgelegt. Die Jahresabrechnung des Gemeindegasthauses in Horsthausen fur 1927 wird genehmigt und den städt. Körperschaften zur Entlastung vorgelegt. Die Einnahme beträgt 6072,35 M., dazu Bestand aus 1926 einschl. Zinsen 12885.48 M.= 18957/83 M Die Ausgaben betragen 15 427,98 M., bleibt ein Bestand von 3529,85 M. Dieser Betrag ist auf Sparbuch angelegt. Die Kanalbenutzungsgebühren, Straßenreinigu beiträge, Müllabfuhrgebühren sowie der Zinsfuß für die Erhebung von Beiträgen auf Grund des§ 9 KAG.,§ 15 des Fluchtliniengesetzes, die entsprechend den Beschlüssen der Fachkommissionen durch die Presse bereits mitgeteilt worden sind, werden genehmigt. Die städt. Berufsschulen haben einen einmaligen Staatszuschuß von 6000 M. für bestimmte Zwecke des inneren Ausbaues des Unterrichts erhalten. Der Ausgabe dieses Betrages wird zugestimmt. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen wird die Einrichtung von Direktor-Stellvertreter= Stellen und 2 Jachvorsteher-Stellen an der Berufsschule beschlossen. Für 4 Kinder in Sodingen, die die höhere Schule auswärts besuchen, wird der vom Amte Sodingen bislang gezahlte Zuschuß von insgesamt 620 RM. für dieses Jahr bewilligt. Der Zuschuß kommt im näch sten Jahre infolge Umschulung der Kinder nach Herne oder Beendigung der Schulzeit in Fortfall. Für die Gedenkseier anläßlich des Volkstrauerlages am 24. Jebruar d. J. werden 700 RM. bewilligt. Die Vergnügungssteuerordnung der Stadt Herne lauft mit dem 31. Marz d. J. od. Bei Verlängerung der Steuerordnung ist es notwendig, die Sätze für die Volksbelustigungen und für die Raumsteuer zu ermäßigen. Eine entsprechende Aenderung der Steuerordnung wird beschlossen. Eine Mindereinnahme gegenüber den bisherigen Ist=Eingängen der Steuer tritt dadurch nicht ein. Einer Reihe von Grundstücksverkäufen wird nach den entsprechenden Beschlüssen der Fachkommission zugestimmt. * Vortragsreihe für Sozialbeamte und Sozialbeamtinnen. Als Fortsetzung der Vortragsreihe für Sozialbeamte und Sozialbeamtinnen werden am Freitag. dem 8. d. M., 16½ bzw. 17½ Uhr folgende Vorträge gehalten:„Beziehungen des Wohlfahrtsamtes zu dem neuen Arbeitsamt und seinen Aufgaben“, Stadtrat Dr. Guttmann, Hagen;„Der Sozialbeamte und das Arbeitsgerichtswesen". Landgerichtsdirektor Dr. Spillner, Vorsitzender des Landesarbeitsgerichts. Münster. Die Vorträge finden in dem neuen Gebäude der Westfälischen Verwaltungsakademie Bochum, Wittener Str. 61, statt. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben. * Das Steuerrecht in der Buchführung. Die nächste Vorlesung in dem Sonderlehrgang „Das Steuerrecht in der Buchführung“ findet bestimmt am Freitag, dem 8. d. M., 19,45 Uhr, in der Verwaltungsakademie Bochum, Wittener Straße 61, statt. * Dr. Geßler spricht in Bochum über Probleme der deutschen Wehrmacht. Die Westfälische Verwaltungsakademie„Abteilung Industriebezirk", Sitz Bochum, veranstaltet=zusammen mit der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft zu Münster am 15. Februar 1929, abends 8 Uhr, im großen Saale des Parkhauses zu Bochum einen Vortragsabend. Herr Reichswehrminister a. D. Dr. Geßler wird über das Thema„Die Probleme des Wiederaufbaues der deutschen Wehrmacht" sprechen. Der Vortrag ist öffentlich und frei. * Krippenjugend. Die Leser werden sich noch des Aufrufes der Krippenfreunde erinnern, die im Dezember in Herz=Jesu einen Werbeabend veranstaltet haben. Die Werbung ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Elf Schüler der Schule Düngelstraße aus der Klasse la, die Herrn Rektor Decker untersteht, bauten, Feuer und Flamme für diese Anregungen Pater Schmidts, elf zum Teil recht annehmbare Krippen. Diese sind nun seit Sonntag im kleinen Gesellschaftszimmer des Vereinshauses St. Joseph auf Anregung des Herrn Dechanten Düwell ausgestellt. Und die kleinen Künstler lassen stolz gegen Eintritt von 10 Pf. ihre Auffassungen begutachten. Sie wollen die Anfeurer sein für die Großen, und ihre Einnahme erhält der Herr Dechant für einen wohltätigen Zweck. Von den Krippen ist die längliche, aus Racken Sie 05 Ju 1 Fastnachten Spritzkeuchen ech tgrndemtehenbenee Marrbächene tugt man nach und „Backin“ hinzu, ver dem die Masse abgekühlt iet. ##nsen Lier. das Oewurz. den Zucker und das esen nach unten kommen, nimmt das Papier D# wce sen und backt unter ständigem Rüttelvellbraun. Man nimmt die Sprutrkuchen mit u. und Apt sie 2btrepten. Da die Spritzkuchen sehr ####n das Gefaß gelegt werden, daß eie sich gut n sie mit loigender Giasu:: ehleem Wasss, 9#. 9i#r####“ geibre Puderzucker wicd mit unter- acht. Sen wast a##### prei verrührt und mit dem Rum-Arome i. der Lunt uchanen###zauenen einzeitig in dieser Glasur und litt Anmerkung, Beim Rachus v. 2. 4. um eins 15 Stick eruct. nhlte mit Bucktent gicken von dgruttuchen dart das Backgeiuß nur zur hale Rotester us Frlallt sein. Zum Racken versendet min am berten dal ein sturschen Ppeinge.. 9: reit mus s0 heis ten, und uns beit hauss merkilch.....“ bieder oden schrimmt merklich zu rauchen beginnt. wiute ausschneiden da neues Oetker-Rezept! Torten pietet gnnen Ur grum Bugen, von Kleingebicken, Kucher und Eh. endme ven diarten Oeschttien ader, vena verzrüten, Dr. August Oetker, Bielefeid. Ae # Baumrinde und Bast, mit dem Brunnen und den gutgestellten Figuren wohl die bestgetroffene. Schlicht und daher dem Krippengedanken noch nah sind auch die aus knorrigen Aesten gebauten. Sonst nähern sich einige noch zu sehr alten kitschigen Auffassungen. Die Erwachsenen mögen die allerdings recht späte Weihnochtsausstellung besuchen, davon Anregung empfangen und sich vornehmen, noch bessere Krippen für die diesjährigen Weihnachten zu bauen. * Anhörung der Industrie- und Handelskammern vor der Erhebung von Berufsschulbeiträgen. Der Preußische Handelsminister hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, zur Behebung von Zweifeln in einem Erlaß an die Regierungspräsidenten und das Provinzialschulkollegium für die Provinz Brandenburg und Berlin angeordnet, daß auch die Industrie= und Handelskammern vor der Festsetzung der Schulbeitragshöhe für ländliche und gartnerische Fortbildungsschulen„u hören sind ohne Rück sicht darauf, ob die die Schulen besuchenden Jugend lichen in der Landwirtschaft oder in der Industrie tätig sind * R e c h t s e n t s c h e i d e d e s K a m m e r g e r i c h t s i n M i e t e r schutzsachen. Die Erlaubnis des Vermieters zur Untervermietung kann vom Mieteinigungsamt nicht er setzt werden, wenn die Untervermietung gegen die Bestimmungen der Wohnungsordnung für die Stadt Berlin vom 14. August 1928 verstößt.(22. Dezember 1928; 17. Y. 101/28.)— Die Zustimmung des Vermieters zum Tausch einer Wohnung(§ 8 des Wohnungsmangelgesetzes), die zum Teil durch Um oder Einbau neu geschaffen ist, kann das Mieteinigungsamt nicht ersetzen.(22. Dezember 1928; 17. 2) 107/28.) * Identifizierte Frauenleiche. Bei der auf dem Bahndamm Wanne=Eickel=Gelsenkirchen gefundenen Leiche einer Frau handelt es sich um die 59 Jahre alte Witwe Eglauer aus Wanne, Haldenstraße 2a. Sie ist nach Aussage ihres Stiefsohnes in letzter Zeit oft von Schwermut befallen worden. In einem solchen Anfall dürfte sie auf den Gleisen umhergeirrt sein und sich durch einen Fall verletzt haben. Der Tod ist durch Erfrieren eingetreten. Ein Verbrechen liegt nicht vor. * B a l d ü b e r d i e e i g e n e S c h u t z h ü l l e g e f a h r e n wäre am gestrigen Nachmittag ein Wagen der Recklinghäuser Straßenbahn. Er kreuzte gerade die Ecke Schul= und Marienstraße, als die Fahrgäste wegen eines lärmenden Geräusches entsetzt aufsprangen. Die hölzerne Schutzhülle, die die Räder umgibt, hatte sich gelöst und schleifte 20 Meter mit viel Lärm über das Pflaster. Der Wagen konnte rechtzeitig zum Stehen gebracht werden und nach einer kleinen Reparatur die Fahrt fortsetzen. * Pfarr=Cäcilienchor St. Marien. Am Sonntag, dem 10. Februar, nachm. 5 Uhr, begeht der Chor im Lokale des Vereinswirts A. Back, Bismarckstraße, seine diesjährige Fastnachtsfamilien= feier. Die Veranstaltung ist streng geschlossen, so daß nur Ehrenmitglieder nebst Familie und die Mitglieder des Chores und deren Angehörige Zutritt haben. Außer bewahrten Musikern des Orchestervereins wird die Hauskapelle unter Leitung Ferdinands vom Rittereck für die musikalische Unterhaltung Sorge tragen. Ferner sind mehrere kleine Theaterstücke vorgesehen, z. B. gelangt von den Damen des Chores zur Aufführung„Die Lumpenprinzessin", ferner unter Leitung des Vergüngungsdirektors der Schwank Nauke als Landrat a. D. von Pöppinghausen, Glückmännchen und die korpulente Mama. Der Pantoffelheld usw. Der Chor wird mehrere der Feier entsprechende Lieder zum Vortrag bringen, so daß für Unterhaltung reichlich gesorgt ist. * Kath. Männerchor„Germania“ 1898. Sodingen. Der Chor wirkt heute abend bei der Versammlung des Kath. kaufm. Vereins im Saale Heesing mit Die Mitglieder wollen sich möglichst vollzählig im Vereinslokal um 8 Uhr versammeln. * Der Verein der Vogelliebhaber Herne hielt seine Generalversammlung im Vereinsheim Lobeck, Neustraße, ab. Der Jahresbericht gab ein umfassendes Bild über die Tätigkeit des Vereins. Zu erwähnen ist im besonderen der Ausflug am Himmelfahrtstage 1928 zum Schloßpark nach Herten. Unter Führung des gräfl. Försters war es allen Teilnehmern vergönnt, interessante und lohrreiche Beobachtungen zu machen. Der Verein konnte im vergangenen Jahre sein 25jähriges Bestehen feiern. Am 30. Juni und 1. Juli sah dann auch das Vereinsheim eine frohbewegte Schar bei Musik und Tanz Auf eine 25jährige Mitgliedschaft konnten die Herren Balzer und Lobeck zurückblicken. Der Verein selbst hat im vergangenen Jahre keine Ausstellung veranstaltet. Vertreter wurden gesandt zu den Ausstellungen nach Münster, Düsseldorf und Dort mund. Die Vorstandswahl ergab folgende Zusammen setzung: 1. Vorsitzender Brinkmeyer, 2. Vor sitzender Krüger, 1. Schriftführer Guthardt, 2. Schriftführer Rodegro, 1. Kassierer Lobeck, 2. Kassierer Fischer, Beisitzer Lennemann. Zum Ehrenmitglied des Vereins wurde einstimmig Herr Balzer ernannt mit Rücksicht auf das dem Verein bisher als Mitglied und Mitgründer erwiesene Interesse. Vereinsversammlungen finden am dritten Sonntag eines jeden Monats, abends 7 Uhr, im Restaurant Lobeck, Neustr. 67, statt. Liebhaber sind stets willkommen. * Der Verein der Pioniere und Verkehrstruppen zu Herne hielt am Sonntag, dem 3. Februar, im Vereinsheim Ed. Lobeck eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab, die sich gleichzeitig zu einer eindrucksvollen Protestkungebung, gegen die Kriegsschuldlüge gestaltete. Zwei sich zur AufDer Jugverkehr über die Knippbrücke. Besprechung bei der Reichsbahndirektion Essen. Am Dienstag sand im Sitzungssaal der Reichsbahndirektion Essen unter deren Vorsitz eine Besprechung über den Fahrplan für den Personenverkehr über die sogenannte Knippbrücke bei Beeck statt. Vertreten waren die Reichsbahndirektion Köln, der Verkehrsverband Industriebezirk, der Ruhrsiedlungsver band und eine größere Anzahl von Vertretern der beteiligten Gemeinden und Verdände. Auf Grund eines von den Reichsbahndirektionen aufgestellten Vorentwurfs wurde die Führung der Züge auf der rechten Rheinseite eingehend besprochen. Auf Grund dieser Besprechung schlug der Vertreter der Reichebahndirektion Essen vor, die Züge wie folgt zu führen: 3 Zugpaare nach Hamm über OberhausenRecklinghausen, 1 Zugpaar über Oberhausen nach Recklinghausen unter Verwendung vorhandener Züge ab Oberhausen, ferner 2 Eilzugpaare über OberhausenGelsenkirchen nach Dortmund und 2 Zugpaare über Hamborn, Neumühl. Sterkrade, Buschhausen— Bahnhaf Sterkrade— Osterfeld=Süd nach Bahnhof Bottrop die auf ihrem ganzen Laufe Neuleistungen darstellen. Der Vertreter des Ruhrsiedlungsverbandes, der den Vertrag wegen der Beitragsleistung der Gemeinden mit der Reichsbahndirektion Köln abgeschlossen hat. erklärte, daß durch dieses Programm die Zusicherungen der Reichsbahn hinsichtlich der Ausgestaltung des Fahrplans in vollem Umfange erfüllt seien. Darauf trat man in die Einzelbesprechung der Fahrpläne ein. wobei insbesondere bedauert wurde, daß bei einzelnen der zwischen Krefeld und Recklinghausen bzw. Hamm durchgeführten Züge ein längeres Stilliegen in Oberhausen mit Rücksicht auf die Anschlüsse sich nicht vermeiden ließ. Die Reichsbahndirektion Essen stellte in Aussicht, daß im Jahre 1930 diese Verhältnisse durch Einlegen eines neuen Zugpaares zwischen Reckling= hausen und Oberhausen verbessert werden sollten, sosern die wirtschaftliche Lage der Reichsbahn dies irgend möglich mache. Wegen desserer Anpassung einzelner Zuglagen an die Bedürfnisse des Arbeiterberufsverkehrs zwischen dem linken Niederrhein und den Arbeitsstätten aus der rechten Rheinseite, insdesondere bei den über Sterkrade nach Bottrop geführten Zügen, soll nach Beschaffung weiterer Unterlagen von den beteiligten Werken in einigen Tagen nochmals verhandelt werden. nahme meldende Kameraden wurden vom Vorsitzenden als neue Vereinsmitglieder willkommen geheißen. Im Verlauf der Versammlung waren auch, vom Vorsitzenden herzlich begrüßt, der 2. Verbandsvorsitzende, Stadtrat Vogel, mit dem 2. Verbandsschriftführer, Herrn Schumacher erschienen. Mit ehrenden Worten der Anerkennung für seine langjährige Tätigkeit im Kriegervereinswesen überreichte Herr Vogel dem Vereinsschriftführer, Kam. Michel, das diesem vom Landeskriegerverband verliehene Ehrenkreuz 1. Klasse. * Die Generalversammlung des Gardevereins Herne ist kommenden Sonntag nachm. 5 Uhr im Hotel Sassenhoff. * Der Verein ehem. 16er(Hackekäuer) hielt am Sonntag nachm. im Vereinsheim Pitsch eine Monatsversammlung ab, die als Protestversammlung gegen die Kriegsschuldlüge galt. Nach Erledigung interner Punkte wurde das Protestschreiben des Preußischen Landes=Kriegerverbandes„Kyffhäuser“ gegen die Kriegsschuldlüge zur Verlesung gebracht. Die Versammlung schloß sich einstimmig diesem Protestschreiben an, der Vorstand wurde beauftragt, eine Entschließung in diesem Sinne an den Landes=Kriegerverband zu richten. Inzwischen waren die Vertre#.", rverbandes, Kam Vogel und Schun####,Im Auftrage des Preußischen L#e ghte An die Versamm a11L41 L. Eme gemütliche Familienfeier an, ber. nins durch Vortragen von Liedern zur T.M#rgmm.tung sehr beitrug. * Der Kriegerve hielt am Montaglss! von oen vensiVersammlung ab. Es wurden zweiEen#Rrsoenossenstgenommen. Dem neuerwählten Fahnenoffizier Kott wurden die Abzeichen in feierlicher Form überreicht. Allgemeine Freude löste die Nachricht aus, daß man schon kräftig an der Arbeit für einen eigenen Schießstand sei und hoffentlich schon in diesem Sommer die ersten Schüsse das Echo des„Kläffkens“ wecken würden. Nun ergriff der Kamerad Rottmann das Wort zum Kernpunkt des Abends:„Numpf gegen die Kriegsschuldlüge". Er betonte, daß Deutschland nach dem Kriege in ein furchtbares Elend geraten, daß jedermann seufze unter den erdrückenden Lasten, die ihm von der Entente durch den Versailler Vertrag aufgebürdet worden sei. Dieser Vertrag sei aber aufgebaut auf der Lüge, Deutschland sei allein schuld am Weltkriege. Das deutsche Volk habe nicht nur das Recht, sondern auch die heilige Pflicht, gegen diese Vergewaltigung in schärfster Weise Protest zu erheben. Dor Redner ermahnte die Kameraden, viel mehr Nationalstolz an den Tag zu legen und die Kriegeschuldlüge in allen Schichten des Volkes zu zerstören und das vielfach schlummernde Selbstbewußtsein des Deutschen zu wecken. Zum Schluß bat er die Versammlung, als äußeres Zeichen des Protestes gegen die Kriegsschuldlüge sich von den Plätzen zu erheben und einzustimmen in das deutsche Nationallied „Deutschland, Deutschland, über alles". * 125jährige Gründungsseier des ehemaligen Hann. Pionier-Bataillons Nr. 10. Vom 29. Juni bis 1. Juli 1929 findet in der alten Garnisonstadt Minden(Westf.) zur Feier des 125. jährigen Gründungstages ein Pioniertag statt, zu dem alle Angehörigen des Bataillons und der aus ihr hervorgegangenen Formationen eingeladen werden Anmeldungen können schon jetzt möglichst unter Beifügung von Rückporto zur Uebersendung weiterer Einzelheiten an den Pionierverein Minden eingesandt werden. schleudert und traf den 10 Jahre alten Helmut St aus Wanne=Eickel vor das Kinn, so daß er eine kleine Wunde davontrug und außerdem zwei Zahne verlor. Wie leicht hätte hier das Unglück größer werden können! Eltern, belehrt deshalb eure Kinder und macht sie immer wieder auf die Gefahren, die durch das Spiel mit Feuer auf sie lauern, aufmerksam! Ein angegriffener Polizist muß von der Schußwasse Gebrauch machen. Am Montag mußte der Polizeiwachtmeister E. auf der Dorstener Straße in Wanne=Eickel bei einer Schlägerei einschreiten, um die Kampfhähne auseinanderzubringen. Alle Beteiligten ergriffen sofort gegen den Polizeibeamten Partei und griffen ihn zum Teil tätlich an. Er versuchte zunächst, mit dem Gummiknüppel die Angreifer zurückzudräugen, jedoch erwies sich der Gummiknüppel zur Brechung des Widerstandes als ein zu gelindes Mittel. Er war gezwungen, mit der Schußwaffe vorzugehen und verletzte den Schlosser Sch. durch einen Schuß in den Oberschenkel. Sch. wurde dem St.=Anna=Hospital zugeführt: Lebensgefahr besteht nicht. Diebstahl in der Wohnung. Der Ehefrau St. aus der Hindenburgstraße wurden in den letzten 4 Wochen aus ihrer Wohnung ein goldener Trauring, 385 gestempelt und K. St. gezeichnet, sowie eine silberne Damenuhr mit Goldrand und Kette gestohlen. Vor Ankauf der Sachen wird gewarnt. Dortmund: Kreispressewart: Dr. Kopfermann=Hombruch: Schwimmwart: Lodewig=Iserlohn; Mannerturnwart: Fischbach=Lüdenscheid; Volksturnwart: Lück=Minden; Jugendwart: Hockenjos=Bochum: Beisitzerin: Frl. Buddeberg=Bielefeld. Leichtathletik Nurmi will Rekord lausen! Ueber die englische Meile. Paavo Nurmi werd seinen nächsten Start in Newyorker Madison Square Garden absolvieren. Der Finne wird am 9. Februar dort über eine englische Meile starten und hat einen Weltrekordversuch(für Hallenbahn) angemeldet. Nurmi wird als Mitstarter bzw. Schrittmacher die bekannten amerikanischen Mittelstreckler Ray Conger und Goodwin haben. Der Rekord des Finnen über eine englische Meile auf einer freien Bahn ist 4:10,4 Minuten. Boren Schmeling boxt nicht gegen Con O'selly Aus Newyork wird uns gedrahtet, daß Mar Schmeling nicht gegen den Iren Con O'selly voren wird. Der Ire verlor bekanntlich am Freitag in Boston von Jim Maloney geschlagen und scheidet somit aus dem allgemeinen Weltmeisterschaftswettbewerb aus. Schmeling gewinnt dadurch Zeit und wird sich unverzüglich in Newyork nach Deutschland einschiffen.(Wir werden also den Exmeister in kurzer Zeit für seinen Erfolg bejubeln können.) Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt vom 6. Jebruar. Auftrieb: 612 Stück Großvieh, 153 Schweine, 28 Kalber, 1 Ziege. Der Handel war langsam. Es kosteten Kühe 325—680 M., Rinder 250—500 M. Ausgesuchte Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarken versehen, die die Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ und eine Nummer tragen. Es sind die Nummern 4612—5233 ausgegeben worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6—8 Wochen 23—33 M., von 8—10 Wochen 33—40 Mark, von 10—12 Wochen 40—58 M. Der nächste Markt findet am 13. Februar statt. Stadt Wanne=Eickel. Kinder wersen Feuer in einen Karbidbehälter. Am Montag etwa gegen 17,30 Uhr spielten mehrere Kinder auf der Wilhelmstraße an der Unterführung der Hafenbahn an einem Karbidbehälter, den Arbeiter der Ferngasversorgung dort unbeaufsichtigt hatten stehen lassen. Ein Knabe zündete ein Streichholz an und warf es in den Behälter, worauf sich die in dem Behälter angesammelten Gase plötzlich entzündeten. Hierdurch wurde der Deckel ein Stück in die Höhe geTurnen— Spiel— Sport Kreisturntag in Lagen. Nachdem die vorbereitende Sitzung des Kreisausschusses sowie die Tagung des Wahlausschusses des Turnkreises 8a bereits am Samstag abend stattgefunden hatten, brachte der Sonntag die Hauptversammlung des Turnkreises Westfalen=Lippe. Die Beteiligung der Vereine war äußerst rege. Nach den üdlichen Eröffnungsreden, in denen u. a. auch des verstorbenen Turnerführers Max Schwarz gedacht wurde, ging man zur Tagesordnung über. Stadtturnrat Schmale(Bielefeld) machte einige interessante Ausführungen über das Thema„Wie kommen wir zu Uebungsstatten?“, ebenso erregte der Bericht Prof. Dr. Burgaß über die Dortmunder Turnschule der DT. lebhaftes Interesse. Kreisoberturnwart Regener gab den anwesenden Vertretern den Arbeitsplan bekannt, der einstimmig angenommen wurde. Eine längere Aussprache ergad der Antrag, die Kreissteuer um 10 Pfennig zu erhöhen. Kreiskassenwart Bußmann(Dortmund) legte in sachlichen Worten dar, wie sparsam gerade in dem Turnkreise Westfalen=Lippe, der bisher in der DT. die niedrigsten Steuern erhoben hatte, gewirtschaftet wird. Nach lebhaftem Für und Wider wurde der Antrag auf Erhöhung der Steuer schließlich einstimmig angenommen. Interessieren dürfte noch ein Antrag des TV. Eintracht Dortmund: „Von den Mitgliedern der Gauturnräte der einzelnen Gaue haben nur 3, welche die Gaue selbst bestimmen, Sitz und Stimme auf den Kreisturntagen“, der aber abgelehnt wurde. Die unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Nebelung getätigten Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Beisitzer: Generaldirektor Toyka=Dortmund, Fabrikant Wurm=Lüdenscheid; 1. Kreisvertreter: Prof. Dr. Burgaß=Dortmund; 2. Kreisvertreter: Oberschullehrer Meyer z. Köcker=Lippstadt; Kassenwart: F. ButzmannCapttel Pat und Patachon in„Die blnden Passagiere“! —„Kaczmaref!"— Die Direktion schreibt: Pat und Patachon, die unbestrittenen Lieblinge des Publikums, deren letzter Film noch in aller Munde ist, bringen einen neuen Film„Die blinden Passagiere“. In sieben Akten rollt in diesem Film in schärfstem Tempo, wie wir es aus besten Sensations=Filmen gewohnt sind, die aben: teuerliche groteske Geschichte zweier blinder Passagiere ab, die von Pat und Patachon in tollster Komik verkörpert wird. Regie führt Montn Banks. Es ist der beste der bis jetzt erschienenen Pat und ParachonFüme. „#ursmarek“! Der Name Kaczmarek Lingt an und für sich schon so ungemein lustig und selksam, daß man bei seinem Aussprechen nicht ohne Grund auf den Gedanken kommt, daß Hamit eine ganz ultige Angelegenheit verbunden sein muß. Dieser gute Kaczmarek ist der Held eines ausgelassenen Militärschwankes. Besonders als Kamerad„beliebt“ waren wohl bei allen die Typen,— gleichgültig, aus welchem Teil des deutschen Vaterlandes sie stammten—, die wie der Berliner so richtig sagt:„Etwas vom letzten Frost abbekommen hatten.“ Diese(oft von Natur stiefmütterlich bedachten, und was den geistigen Horizont anbelangt) etwas oder auch mehr Zurückgebliebenen, waren zu ihrem Leide und zur Schadenfreude der anderen die Zielscheibe des allgemeinen Spottes. Eine solche Type wird in dem lustigen Film„Kacz= marek“ in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Man hat diesen Film. den Film der Komiker genannt. Wir nennen einige Namen: Paus Heidemann, Ernst Verebes, Jakob Tiedtke. Siegfried Arno, Fritz Schulz, Hanni Weiße, Mary Kid usw. Der dritte Film ist„Wochenend“ gut— alles gut!“ Ein deutsches Lustspiel in 6 Akten. Wer sich Karneval gut und billig amüsieren will, komme zum Capitol. Geschäftliches Aergern Sie sich noch immer mit Lumpen und sonstigem ungeeigneten Putzmaterial herum? Geben Sie doch nicht mehr Geld dafür aus, als notwendig ist. Greifen Sie zu einem guten Maschinenputztuch! Wählen Sie ein„MowaPuztuch“(Hersteller: Mechanische Weverei Altstadt, G. mn b. H., Filiale M.=Gladbach). Das Tuch ist preiswert, haltbar und von der richtigen Saugfähigkeit. Ist es schmutiz, wird es immer wieder gereinigt. Ein überaus vorteilhaftes Ersatz=Snstem sorgt dazu für einen stets gleichbleibenden einwandfreien Tücherbestand. Vereinskalender Kath. Kaufm. Verein, Herne Heute abend 8.30 Uhr im Vereinsheim Hotel Schmitz: Versammlung. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Der Vorstand. Gardeverein herne. Am Sonntag, dem 10. Februar 1929, nachm. 5 Uhr, findet im Vereinslokal Hotel Sassenhoff die Generalversammlung statt. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeden. Wir laden hiermit unsere Mitglieder ein und bitten um zahlreichen Besuch. Nach der Versammlung gemätliches Beisammensein. D. B S. G. B. Herne. Donnerstag, den 7. Februar, abend5 Uhr, Monatsversammlung im Vereinsheim Hotel Meinhardt. 8899 herner Rasensport-Verband. Freitag, den 8. Februar, abends 8 Uhr, im Hotel Sassenhof: Generalversammlung. Die angeschlossenen Vereine werden hiermit eingeladen. 3436 0 □ SpezialBettenhaus Köster a. d.ev. Rirche Nerne Steinwes 9-11 kaufen Sie in meinem. Bettenspezialhaus doch Trüfen Sie unverbindlich meine Gualitäten u. Jreise verlängert bis 12. Enbr. 1920 Kleidersioffe, Manielsioffe, Selden Karnevalsiolfe, Kar nevalartikel u. Strickwaren Kaufhaus Herne Wehling 1 * Mlüh und Arbeit war sein Leben, Ruhe hat ihm Gott gegeben. Nach Gottes heiligem Willen entschlief heute morgen 2 Uhr, nach kurzer, schwerer Krankheit, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, mein unvergeßlicher Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel, der wohlachtbare Steiger a. D. im Alter von 77 Jahren. In tieler Trauer: Frau Ww. Theodor Bredenbröcker, Gertrud geb. Hansen, Frau A. Düchting Maria geb. Bredenbröcker, Anton Düchting, Frau Wilh. Lohmann Emilie geb. Bredenbröcker, Wilhelm Lohmann, Emil Bredenbröcker, Frau Mimmy Bredenbröcker geb. Schloms Ww. Wilh. Bredenbröcker Lins geb. Schramm, nebst 10 Enkelkindern u. 4 Urenkeln. Herne, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Castrop, den 6. Februar 1929. Die Beerdigung findet statt am Samstag nachmittag 3,30 Uhr, vom Sterbehause, Strünkederstraße 124, aus. Das Levitenseelenamt ist Montag morgen 7,40 Uhr in der St. Marien-Kische Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche. Die glückliche Geburt eines GESUNDEN JUNGEN zeigen hocherfreut an Dr. Baumert und Frau Franziska geb. Höchtebrock Sodingen, den 6. Februar 1929. Danksagung. Allen, die am Tode unseres lieben Armin Anteil genommen haben, sagen wir innigen Dank. 176c Familie Willy Albrecht Herne, den 6. Februar 29. zu vermieten, auch für Bürozwecke geeignet.(500a Wilhelmstr. 24. Die Botschaft von Konnersreuth herausgegeben von Bischof dr. Sigismund wait. Diese beim Caritasverlag in Feldkirch erschienene Broschüre erfuhr bereits die 19. Auflage und wurde schon in etwa 200000 Exemplaren versandt. Der Reinertrag dient u. a. zum Bau einer Kliche zu Ehren der heiligen Theresia. Preis 40 Pfg. Vorrätig bei: Koethers& Röttsches Herne, neben dem Postamt. Auch unsere Botinnen nehmen Bestellungen entgegen. C 2000.- Rm. auf günstig gelegene Besitzung. als l. od. II. Hypothek zu vergeben. Naheres durch Dr. Kolb& Co. Herne, Ruf 51778 Bahnhofstr. 30 Ein (1776 guterhalt., u. eine gold. Sprungdeckel. Uhr sohr preiswert zu verkaufen. Zu erfragen im Herner Anzeiger. Krieger u. Landwehrverein Baukau. Die Beerdigung unser. verstorbenen Kameraden findet am Sonnabend, d. 9. d. M., nachm. 3½ Uhr vom Sterbehause, Forellstraße 176 a, aus statt. Antreten um 3,15 Uhr im Vereinsheim. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Piano schwarz poliert, in gut. 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Schachtel 100 gr. 0.50 Krempralinen Pfund 0.65 Kokostlocken Pfund 0.60 Milchkaramellen Pfund 0.75 Makronen Pfund 1.00 Schokoladenplätzchen, bestr., Pfund 1.00 Gebrannte Mandeln. Pfund 1.10 Gem. Bonbon Piund 0.50 Gefüllte Waffeln. Pfund 0.95 Alfhoff Recklinghausen Ungsteiner Rotwein Edenkobener Dürkheimer Feuerberg Roter Bordeaun WVeißer Bordeaux Apfelwein vom Faß Muskat vom Faß Tarragona vom Faß Liköre, sortiert Doppelkorn Weinbrand-Verschnitt Jamaika-Rum-Verschnitt ¼ Flasche ½ Flasche “ Flasche ¼ Flasche “, Flasahe " Liter " Liter " Liter ¼ Flasche Ltr. o. Fl. Ltr. o. Fl. Ltr. o. Fl. 1.00 1.10 1.25 1.60 1.80 0.60 1.00 1.10 2.75 2.95 2.95 3.30 Reiner Kornbrand 38 Althoffs Allenlo.H. 2.55 S * Nummer 32, Drittes Blatt Herner Anzeiger Wo bleibt die Rationalisierung in der Verwaltung der Wirtschaft? Theorie und Praris. wird uns aus dem RuhrAuch die Selbstverwal die ihre gesetzliche Grundlage ung der Wirnschaft, in den Handels scheint der Ansicht zu sein, daß d##e Immer noch reiht sich in unserm Gebiet eine Handels kammer an die andere, immer noch besteht geradezu ein Heer von Syndizi, immer noch wenden Attenstöße auf Aktenstöße gehäuft, imnmer noch werden Reden über Reden gehalten! Diese rietigen Verwaltungsapparate können mit wesentlich weniger Kräften betrieben werden und dieselbe Arbeit könnte mit wehentlich weniger Aufwand geleistet werden, wenn Zu diesem Thema wird uns aus dem Ruhr=skammern hat, gebiet geschrieben: Forderung der Nicht zuletzt war es gerade die Wirtschaft, die in Rationalisicrung und Vereinfachung woh den letzten Jahren mit sturmischer Ungeduld] für den Manni Arbeitskittel, aber nich die Rationalisierung der Verwaltung! für sie selbst gilt in Reich. Staat und Gemeinde forderte. Zum Teil ihren heftigen Vorstößen ist es zu verdau en, daß die öffentliche Verwaltung, besonders an ihren Zentralstellen, immer wieder Ansätze zur Vereinsachung machte, die aber leider immer noch nicht u einem durchgreifenden Ergebnis geführt haben Aber dem Grundsatze nach ist die Rationalisierung der Verwaltung anerkannt, und man darf hoffen, daß allmählich immer mehr Erfolge auf diesem Gebiete erzielt werden. Man sollte nun meinen, daß die Privatwirtschaft es nicht bei den guten Ermahnungen für andere bewenden ließe, sondern daß sie nun auch für ihr eigenes Tätigkeitsgebiet die entsprechenden Konsequenzen zöge. Leider hat man davon bisher sehr wenig gehört. Nehmen wir z. B. den Bergbau. Hier betrug im Jahre 1913 die Zahl der Bergarbeiter 426 033, die Zahl der technischen und kaufmännischen Beamten 19643. Nun vergleiche man damit den Stand vom Jahre 1928, wo nur noch 367 335 Bergarbeiter beschäftigt waren, aber 22952 technische und kaufmännische Beamte tätig waren. Obwohl also die Arbeiterzahl 1928 gegenüber 1913 um etwa 59000 niedriger war, ragte die Beamtenziffer noch weit über den Stand der Vorkriegszeit hinaus, nämlich um 2949. Dabei ist zu beachten, daß der Ruhrbergbau in den letzten Jahren viele Betriebe stillaelegt hat und durch Betriebskonzentration die Verwaltung zusammengelegt hat. Durch die neuen Zentralkokereien wurde auch die Zahl der betriebenen Koksöfen von 17016 im Jahre 1913 auf 10 966 im Jahre 1928 verringert. Trotz aller dieser Maßnahmen ist aber die Beamtenzahl im Verhältnis zum Jahre 1913 nicht nur dieselbe geblieben, sondern hat sich noch um 15 Prozent erhöht. Vor allem ist die Zahl der leitenden Beamten, die ja bekanntlich die höchstbezahlten sind, nicht vermindert worden, obwohl ihr Tätigkeitsgebiet durch Konzernbildung wesentlich beschränkt und damit die Bedeutung ihrer Stellung stark herabgedrückt wurde. Warum hörte die Rationalisierung im Bergbau auf, als jeder Mensch erwartete, daß sie über die Arbeiterkreise hinaus fortgesetzt würde? In den zahlreichen Organisationen, die das Unternehmertum, sich geschaffen hat. liegen die Dinge nicht anders. Die Verwaltungen dieser Organisationen blähten sich immer weiter auf und zahllose Kräfte leisten hier eine Arbeit, deren volkswirtschaftlicher Wert selbst von hervorragenden Angehörigen dieser Organisationen bestritten wird. Viele von diesen Organisationen betätigen sich auf den gleichen Gebieten und bewegen sich in einem Leerlauf, der im Hinblick auf das große Geschrei von der Nationalisierung den objektiven Beobachter zu einem verständnisinnigen Lächeln zwingt. man sich entschießen wollte, zunächst einmal selbst an die Erküllung der Fonderungen zu der#en, die man an Reich, Staat und Gemeinde mit auffallendem Lärm stellt. Man ware kast versucht, an die bekannte Redensart zu denken: Haltet den Dieb! Wie oft ist uns schon der Gedanke gekommen: Schade um die gute Zeit, wenn wir so manchen geschäftigen Führer der Wirtschaft von Ausschuß zu Ausschuß. von Konferenz zu Konferen; eilen sehen, so daß nicht nur Tage, sondern oft Wochen ausgesüllt waren von derlei Beratungen. Wenn man letztlich die Fnzge stellt: Was ist nun praktisch dabei herausgekommen?, dann muß man die Antwort darauf mehr oder weniger schuldig bleiben und sich zu dem Zugeständnis bequemen, daß die Zeit viel besser angewendet gewesen wäre, wenn man einmal ernsthaft darüber nachgedacht hätte, wie das Schlagwort Rationalisierung im Sinne einer vernünftigen Vereinjachung in der Verwaltung der Wirtschaft in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte 1 Die lauernde Schlange der Anfallgefahren. REICHS-UNFALLVERHUTUNGS WOCNE 24.FEBR: 5. uniKL 1929 # VERANLASST VON DEN VERBANDEN DER DEUTSCHEN BERUFSGENOSSENSCHAFTEN Das war geradezu ein komisches Bild, wie um die verflossene Jahreswende ein Führer der Wirtschaft nach dem anderen und ein Organisationsvorsitzender oder Präsident nach dem anderen sich erhob und tießgründige volkswirtschaftliche Betrachungen anstellte, die sich voneinander nicht durch die Neuheit oder Größe der Gedanken, sondern höchstens durch das Temperament des Vortragenden unterschieden. Wo bleibt da die Rationalisierung, die im übrigen nur ein Gebot des guten Geschmackes wäre? Aufruf zur Unsallverhütungswoche. In der Zeit vom 24. Februar bis 3. März d. J. findet die vom Verbande der Deutschen Berufsgenossenschaften ausgehende Reichs-Unfallverhütungs-Woche stakt. Durch sie soll Aufklärung zu unfallsicherem Verhalten der breifesten Oeffentlichkeit vermittelt und in die Betriebe hineingetragen werden. In unserem Vaterlande verlieren 64 Menschen täglich durch Anfall ihr Leben, davon 42 durch Unfälle des täglichen Lebens(Straßenverkehr, ErErinken, Sport unw) und 22 durch Unfälle in den Betrieben der gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Angesichts der Tatsache, daß auch im Bergbau sich noch viele Unfälle ereignen und ihre Bekämpfung als vornehmste Aufgabe betrachtet werden muß, haben unterzeichnete Verbände, Behörden usw. eine Arbeits gemeinschaft gebildet mit dem Zweck, die auf die Unfallbekämpfung im westfälischen Bergbau hinzielenden Bestrebungen in dieser Woche tatkräftig zu fördern. Das gemeinsam beratene und aufgestellte Programm ist den Jechen bereits zugeleitet worden, mit dem Ersuchen, es als Anhalt für zweckdienliche Veranstaltungen in den Kreisen aller im Bergbau Beschäsigten zu benutzen. Das Programm sieht unter anderem vor: Radiovorträge über Unfallschukz im Bergbau, Veröffentlichung von Vorträgen und Abhandlungen in der einschlägigen Presse, kleinere lokale Ausstellungen von Schutzeinrichtungen im Bergbau, Iilmvorführungen, Preisausschreiben für Angestellte und Arbeiter. Es gilt, drohende Gefahren zu erkennen und abzuwenden. Ein großer Teil der Unfälle st vermeiovar, wenn jeder bestrebt ist, sich und andere zu unsallsicherem Verhalten zu erziehen. Jeder Arbeitgeber, Angestellte und Arbes er muß mithelfen, Unfälle zu verhüten! An jeden einzelnen ergeht die Bitte auch über diese Woche hinaus dauernd und freudig im Kampf gegen die Unfallgefohren mitzuarbeiten! Knappschafts-Berufsgenossenschaft, Sektion 2, Bochum; Preußisches Oberbergamt, Dortmund; Verein für bergbauliche Inscressen, Essen; Westfälische Berggewerkschafts-Kasse. Bochum; Arbeitskammer für den Kohlenbergbau des Ruhrgebiets. Essen: Allgemeiner freier Angestelltenbund(Asa Bund) Ableilung Ruhrbergbau; Bund der technischen Angestellten und Beamten Gau Rheinland=Westfalen, Essen; Deutscher Werkmeisterverband, Abteilung Bergbau. Essen; Deutscher Fördermaschinisten-Verband, Essen: Zentralverband der Angestellten, 28 eilung Kuhrbergbau, Essen; Reichsverband deutscher Bergbauangestellter, Jachgruppe Bergbau im Gesamiverband deulscher Angestellten=Gewerkschaften(Gedag): Gewerkschaftsbund der Angestellten(G. d. A.). Bochum: Verband oberer Bergbeamten, Bochum; Verband der Bergbauindustriearbeiter Deutschlands, Bochum; Gewerkverein der der schen Fabrik- und Handarbeiter. Abteilung der Bergarbeiter, WanneEickel; Gewerkverein christl. Bergarbeiter Deutschlands, Essen. Donnerstag, den 7. Februar 1929 Unser Wetterbericht. Wieder Frost. Ueber der Nordsee hat sich vorgestern ein flaches Teiltief zebildet, das nach Nordwesten und Mitteldeutschland fortgeschritten ist, während sich das nord östliche Hochdruckgebiet wieder südlich ausgebreitet hat. Das neue Tiefdruckgebiet ist über Großbritan nien vorgedrungen und hat das südliche Hochdruck gebiet südwärts zurückgedrängt. In Deutschland war es gestern früh nur noch im Nordosten heiter bei 18 bis 27 Grad Frost, sonst meist trübe und nebelig, vielfach mit leichten Schneefällen. Im Westen lagen die Morgentemperaturen in der Nähe des Nullpunktes, während sonst 4—11 Grad Kälte herrschten Vorhersage bis Freitag: Wechselnde Bewölkung und vorwiegend trocken, Frost an Stärke wieder zunehmend. Anordnungsbesugnisse der Bahnpolizeibeamten. Das Abteil für Reisende mit Hunden. Die Reichsbahndirektien Essen teilt uns mit: In letzter Zeit wurden in den Tageszeitungen Meinungsverschiedenheiten zwischen Publikum und Eisenbahnbediensteten über die Besetzung der Abteile, welche für Reisende mit Hunden bestimmt sind, zur Sprache gebracht. Es handelt sich dabei nicht nur um die grundsätzliche Frage der Besetzung dieser Abteile durch Reisende mit oder ohne Hund, sondern auch darum, ob den Anordnungen der Eisenbahnbediensteten, deren Berechtigung man anzweifelt, Folge zu leisten sei. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß das Zugbegleitpersonal Anweisung hat, bei Platzmangel in den übrigen Abteilen der Züge vorübergehend auch Reisende ohne Hund— soweit noch Platz vorhanden ist— in den Abteilen für Reisende mit Hunden unterzubringen Diese Abteile dürfen aber durch Reisende ohne Hund eigenmächtig nicht benutzt werden. Die Eisenbahnverwaltung muß auf der Beachtung dieser Vorschriften bestehen, weil einige Male Reisende von Hunden angefallen worden sind Zur Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb des Bahngebiets und im Bahnverkehr sind Vorschriften erlassen worden(§ 77 der Eisenbahn=Bau= und Betriebsordnung), welche im Reichsgesetzblatt 1928, Teil 2. Seite 541, bekanntgegeben worden sind. Zut Wahrung dieser Ordnung sind Eisenbahnpolizeibeamte bestellt. Befolgt nun ein Reisender die Anordnung eines Bahnpolizeibeamten nicht, so macht er sich genau so strafbar, wie wenn er der Anordnung eines öffentlichen Pollzeibeamten nicht folgte, denn die Zugbegleitpersonale, wie Schaffner, Zugführer, Lokomotivführer gehören zu den Bahnpolizeibeamten, welche die Rechte der öffentlichen Polizeibeamten für den Bereich des Bahngebietes besitzen. Handelt demnach im hier fraglichen Falle ein Reisender den Weisungen eines Schaffners zuwider (eigenmächtige Benutzung. Weigerung des Verlassens eines besonders gekennzeichneten Abteils), so kann er schon wegen dieser Weigerung, der Anordnung des Schaffners nachzukommen, bestraft werden. Auch sind die Bahnpolizeibeamten befugt. unmittelbaren Zwang anzuwenden, wenn die Anordnung ohne diesen Zwang nicht durchgesetzt werden kann.(§ 77 der Bau= und Betriebsordnung.) Die Pflicht zur Befolgung der polizeilichen Anordnungen wird nicht dadurch ausgeschlossen, daß man glaubt, die Anordnung des Polizeibeamten sei zu Unrecht erfolgt. Denn es ist mit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung unvereinbar, dem Einzelnen aus dem Publikum das Recht zu geben, die Anordnung des Polizeibeamten an Ort und Stelle auf ihre Recht= und Zweckmäßigkeit hin zu prüfen. Hält man eine ergangene polizeiliche Anordnung für unberechtigt, so bleibt nur das Recht der Beschweide nehmen Sie vor dem Schlafengehen Bei Verstobfung Herbez=Kernel Von der promo. ten Wirkung der Heibex=Kerne, die Sie in Apotheken erhalten konnen(60 und 30 Gramm, werden Sie sich schnell überzeugt haben. Bestandteile sind auf der Packung angegeben Vom Wirrsal des Lebens. Bilder aus dem Herner Gerichtssaal „Bobby. Bobby! Gib mir noch'nen Groschen!" zurück und suchte. Er fand zwar seinen Hausschlüssel Das war am Sylvester des Jahres 1927. Der unge Herr schwankte die Mont=Cenis=Straße entlang. Ihm kam eine Maid entaggen, die angeblich, mit fünf einzelnen Groschen in der Tasche, von der Mutter beauftragt war. Brot zu heien. Und er sprach sie an. Und sie sprach geneig zurück. Der Anschluß war somit perfekt. Wo ist die nächste Haltestelle? Nicht lange, und beide saßen in einer Wirtschaft, sie trank Wein, er Bier, sie auch Bier und er gab ein Schnittchen für sie aus. Eine andere Maid wäre damit zufrieden gewesen. Sie aver luchste nach seiner Börse. „Boboy, Bobby! Gib mir einen Groschen!" und später setzte sie oft das Wörrchen„noch“ dazu. Als er bezahlen wollte, benutzte sie den Augenblick und verschwand. Am nächsten Tage merkte der benebelt in's neue Jahr Gekommene, daß ihm 2 Mark und ein goldener Damenring fehlten. Die Maid irgendwo zu erwischen, mißlang ihm stets. Die Porizei setzte sie endlich vor kurzer Zeit in Essen fest, wo sie in Untersuchungshaft kam. Sie leugnete ihre Schund. Das Geld, das man bei ihr gesehen, sollen die mutterlichen hir Groschen gewesen sein. Sie betreibe auch keine Gewerbeunzucht, habe vielmehr festen Verkehr mit einem Kellner, der gegenwärtig in Brüssel sei, und sie wohne bei ihren Eltern und sei noch nie vorbestraft worden. Der Geschädigte sagte als Zeuge aus, er müßte selber nicht, wie er zu dieser Bekann schaft gekommen sei. Er habe die Börse seit der Bezahlung nicht mehr aus der Tasche gezogen, und auch im betreitenden Lokale habe man vergeblich nach Geld und Ring gesucht. Das Gericht erkannte gegen die Angeklagte auf eine Geidstrafe von 50 Mark statt einer Haitstrefe von 5 Tagen, die durch die err#tene Untersuchungshaft als verbüßt zu gelien haben. Nach dem Uebersoll. Irgend ein Unbekannter hatte den alten Herrn zw chen zwei Häusern am Steinweg überfallen, zu Boden geworfen und geschlagen. Dann war er geDer alte Mann torkelte nun, mit einem heftigen Zor im Leide, seiner Wohnung zu. Er griff schon in die Tasche, seinen Hausschlüssel herauszubelen. Da entdeckte er. daß er ihn verloren hatte. Vielleicht, daß er noch am Orte des bundsgemeinen Ueberhalls lag. So ging er denn in die Dunkelheit nicht wieder, aber eine Schutzwaffe, eine Seltstladepistole. Solch ein Hallunke, der hätte ihm also beinahe, das Lebenslichtlein, das er noch besaß, ausgeblasen. Fünzig Jahre wohnte er schon in Herne und nun auf seine alten Tage mußte ihen dies passieren. Ha, jetzt müßte ihm der Bösewicht unter die Augen kommen, mit der eigenen Pistole würde er es bekommen. Und so kam er, räsonierend, bis zur Wirtschaft Stork. Schupobcamte begegneten ihm, die einige Sistierte zur Wache brachten. Der alte Herr guckte uerd guckte, ob sein Todseind auch mit darunter sei. Er konnte aber nichts feststellen. Trotzdem— seinem Herzen mußte er Luf machen. Da stand ein Mann an der Ecke.„Von wegen, einen alten Herrn überfallen!“ und er fuchtelte mit der Waffe in der Luft herum. Noch ein zweiter Mann kam hinzu, und dann wurde noch ein Schupo hinter dem alten Herrn hergesandt. der so ofen auf der Straße seine anscheinend bösen Absichten verrie: Er wollte mindestens einen Menschen erschießen, kaskulierten die zwei Männer Der a'te Herr, etmas bembigter, schritt seinem Hause zu, mit dem Vorlatze, am andern Tage der Polizei die Waffe abzuliefern. Er hatte eben die Umfriedung erreicht, als ihn schon der nachkommende Schupo arretierte. Und der alte Herr erhielt eine Polizeitnate von 20 Mark. wen er ohme Waffenschein eine Pistole belaß. Kein Wunder, wenn er Berufung einlegte Eigentlich berührte es sonderbar. daß er nicht damalvon dem Unbekannten erzählte, jedoch, alte Leute sind eben oft eigen. Er ist Invalide, der alte Herr, und er hit das Gericht, ihm, dem noch nie Bestraften, doch die Ehre wirderzugeben. Und das Gericht gab sie ihm. Durch einen Freispruch Bei ihm kann kein Reisender mehr landen klagten. Er machte diesen mit vielem„Schmus"„besoffen". Das Bild kostete 48 Mark, konnte auf Raten abgezahlt wenden und wurde gegen Eigentumsvorbehalt verkauft. Wenn man mit 6 Pensonen nur 24.Mark in der Woche zu verzehren hat, dann läßt man ein Bild nicht mitzehren. Und menn man nicht auskommt damit, bringt man Gegenstände des Haushaltes zum Pfandhaus. Sind aber letztere der Familie näher ans Hexz gemachsen, versetzt man zuerst die fremden Sachen, die einem einmal doch gehören werden. Der Angeklagte versetzte, loste ein, versetzte, löste wieder ein, bis er nicht mehr einlösen konnte. Da er keine Rate ablieferte, verslagte ihn die Bildervertrievefirma, und schnell sandte ihr der Angeklagte 10 Mark, was er nun im Haushalte zu spüren bekam Deshalb war er auch so geladen, als er vor Gericht stand. Er bekam eine milde Strafe von 10 Mark oder 1 Tag Haft. Der Richter ermahnte ihn, bei seinen Verhältnissen keinen Reisenden mehr anzuhören. Und der Schneider erwiderte:„Bei mir kann kein Reisender mehr landen, eher schneide ich ihe den Hals ab!“ aber das letzte sagte er schon im Flur Der fehlende Vor- und Zuname. Ein Herner Kolonialnrencändler besitzt auch ein Zigarreng=schäft im selben Hause. Ein stadtischer Beamer kommt vorbei und sieht kein Nomeneschild en seinen Fenstern. Trotz mehrmaliger Aufforderungen unterlaßt es der Lebensmittelhändler, seinen Namen anzubringen. Am 20. Dezember erhält er eine Strafe von 3 Mark, wagegen er sofort Empruch erhebt. Er will seine zwei Angestellten als Zeugen denennen, die genau beschwören können, daß bereits Mitte November ein Schild an der Lodentür des Kdonialmarensdens angebracht worden ist. Am Zigarrengeschöfseinen Namen anzubringen, dazu fühlt sich der Angeklaate nicht verrssichtet. Er sagt, seine beiden Ge##te hatten von außen zwar emei Eingänge, innen kannten war, sagte er:„Ich gebe keine Runde aus, ich lasse mich nicht ausmnisten!". Bei einem Wirt der unteren Bahnheistnaße trafen sie ihn wieder. Beim Verlassen des Lokals kam es draußen zu einer Auseinandemetzung, bei der der Bekannte durch einen Schlaa besinnungslos zu Boden fiel. Er will dann aufgestanden, geflüchtet, verfolgt worden und mit einer Tare nach Hause gefahren sein. Der Schlagende soll einen Gegenstand gehabt haben. Er hat aver nur ein blaues Auge davongetragen. In der Verhandlung bestritten die beiden Zeugen, Freunde des Angeklagten, daß dieser den Bekannten ver#olgr habe. Der Vertreter des Amtsanwalts. Referendar Niggemeier, hielt die Auslagen der beiden Zeugen für parteiisch. Allerdimas könne der Angeklagte kein gefährliches Werkzeug benutzt haben, da der dritte Zeuge keine größere Wunde erhielt. Es handele sich hier um eine besoffene Angelegenheit. Der Angeklagte möge sich in Zukunft beherr'chen und das Trinken sein lassen. Für ihn halte er wegen der leichten Körperverletzung eine Strafe von 30 Mark oder 3 Tage Hast für angebracht. Das Gericht stellte sich auf den gleichen Standpunkt des Anklagevertreters und bieb bei dieser Strafhöhe. * Wechnachten naht, die„Epa“ ist voll. Auch zwei Schrägerinnen sind mitten mang. Erste Schwägerin legt einen Biner zurecht, die zweite steckt ihn ein Ein junger Mann sagt es der Verkäuferin. Die schleift lie zum Chef mit. Unterwegs läßt eine Schwägerin den Binder heimlich fallen. Ihre Mitschuldige führt ein Kind an der Hand mit, eins sitzt auf ihrem Arm. Man finde; noch eine Bürste und Postkarte; im Täschchen vor. Bons sehlen, angeblich bekamen sie die Kinder zum Spiel. Ob Burste und Karten gestohlen wurden, ergab die Beweisaufnahme nicht. Für den Binder gab es je 10 Mark oder einen Tag Haft. * Wegen eines ervettelten Buterbrotes, eines gestohlenen Handtuches und zwei Damenmaschen sitzt der blutjunge Herner seit dem 20. Dezember im Gefangnis. Er ist ein junger Mensch, der dem Sprichworte: Gelegenheit macht Diede! verfallen scheint Er hat die Weihnachtszeit im Gefängnis vielleicht aat nichtso schlecht gefunden. Er erzählt von Anfallen die ihm nicht ermöglichten, heute auszulagen. Der Eindruck ist, als suche er noch sänger die Zelle zu bewohnen. Die Fomilie wird sich auch kaum nach dem schwarzen Schafe sehnen. Aber der Bruder ist da und verfolgt schweigend die Verhandlung. Der Angeklagte erhält 3 Wochen und 3 Tage Gesangnis, die durch die Untersuchungsha#t als verbüßt gelten. Ilao. E * P und zum Herner Anzeiger. Gabriele Reuter. Jum 70. Geburtstag der Schriftstellerin. Wie Ibsen in seinem„Puppenheim“, so schildert auch Gabriele Reuter in ihrer„Guten Familie" den verzweiselten Kampf einer Frau gegen die sie umgebende Konvention. die ibre besten Werte zu ersticken droht, nur daß Agathe Heidling sich nicht befreien kaein wie Ibsens Nora, sondern zugrunde geht.„Aus guter Familie" ist aus dem grogen Mitleid einer Frau mit ihren unglücklichen Schwestern heraus geschrieben, der Roman hat über seinen literarischen Wert hinaus eine soziale Bedeutung— ähnlich wie später Gabriele Reuters uch„Das Tränenhaus“. In diesem Werk nimmt die Dichterin sich der aus der menschlichen Gesellschaft Ausgestoßenen an, der unehelichen Mütter. Im Sinne des Bibelwortes„Wer da ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“, hat Gabriele Reuter stets gegen die Selbstgefälligkeit und Unduldsamkeit gekämpft. Ueberhaupt ist es immer das Ringen um eine von Grund aus ehrliche Lebensgestaltung der Frau. das die Werke Gabriele Reuters erfüllt, und das unendliche Erbarmen gegenüber denientigen, die zwangsmäßig auf einen ihrer Natur entgegengesetzten Lebensweg gestoßen werden. Wohlgemerkt: es ist kein„Sich=Ausleben“, wie die Jugend es oft erstrebt, was Gabriele Reuter fordert. es ist Leben im Sinne einer intensiven Daseinserfüllung. Ueber ein Menschenalter hat die Dichterin um dieses Ideal gekämpft, durch ihr Beisviel und ihr Werk hat sie vielen ihrer Schwestern über ein schweres und dunkles Schicksal binweggeholfer Kerzenlied. Von E Steidle, Drießen. Wir sind nur Kerzen weckt bei an einen unzäbligen Roman. der Frauenwelt Der Name Gabriele Reuters deutschen Frauen die Erinnerung zur Zeit seines Erscheinens in der deutschen als eine tiefe Erschütterung und zugleich als der Weck und Mahnruf einer tapseren und gütigen Vorkämpferin für ein dohes Menschenideal empfunden wurde.„Aus guter Familie“, die Geschichte eines jungen Mädchens, das eines jener uninteressanten und doch tragischen Alltagsschicksale der Frau erleidet: mibefriedigt, unverstanden, unnütz durch die Welt zu geben, nur weil die Bindung an eine engherzige Familientradition ihr die Auswirkung ihrer natürlichen Begabung und Kraft untersagt— dieses Buch hat zu Ende des vorigen Jahrhunderts vor allem in den Kreisen der Frauenbewegung einschneidend gewirkt. Man hat seine Verfasserin vielfach zu den emanzivierten Frauenrechtlerinnen gezählt. mit Unrecht, denn in Gabriele Reuters Persönlichkeit ist das natürliche Beharrungsvermögen der Frau viel zu tief ausgeprägt, als daß sie aufrührerisch wirken wollte Es ist allein die menschliche Würde des Weibes. um die sie kämpft. Was sie in ihrem Buch fordert. ist die Befreiung des jungen Mädchens vom oberflächlichen und vegetativen Dasein der„höheren Tochter": der reifen Frau von den beengenden Fesseln einer allzu starren Konvention. Nicht um Maßlosigkeit ist es ihr zu tun, sondern um die Erkenntnis und Selbst behauptung der Persönlichkeit Die internationale Wohlfahrtstagung zu Paris. nur in Gottes Hand, an seinem verzen zum Licht entbrannt In seinem Lichte verbrennen wir, daß er uns vernichte und alle Begier. Er löscht die Kerzen Es halte still, wer seinem Herzen sich einen will. (Katholischer Frauenkalender ausgegeben von Ina Neundörfer. Verlag, Mainz.) 1925. berMatthias=Grünewald1. Die ungleiche Verteilung der Lebens= und Wirtschaftsgüter unter den Menschen, Ueberbevölkerung und Ueberproduktion, Kriegsnöte und Kriegsfolgen haben in allen Kulturländern der Erde schwere soziale Schäden herbeigeführt. Diesen entgegenzutreten, den einzelnen und die Massen dem sittlichen und körverlichen Untergang zu entreißen, fanden sich alsbald private Kräfte und öffentliche Mächte im Gedanken karitativer und sozialer Hilfsarbeit. Ueber die Grenzen der Länder hinweg verbanden sich schon vor dem Kriege Persönlichkeiten und Organisationen zu internationaler. Zusammenarbeit im Dienste der Menschenliebe und Menschensorge; ich erinnere an die Association Internationale vour la Protection de l'Enfance, die Liga des Roten Kreuzes, die Union Internationale de Secours aur Enfants. Der Weltkrieg unterband diese Beziehungen. Aber bald nach Friedensschluß knünften die internationalen Wohlfahrtsorganisationen neue Verbindungen an. Wie sich die Wissenschaft und die Werkarbeit, wie sich die Freunde des Friedens, die Jugend aller Länder, die Frauen zu internationalem Austausch wieder zusammenfanden, so regte sich gerade in den sozialen und Von Dr. Maria Offenberg karitativen Organisationen das Bedürfnis, auf einer großen Tagung von der umfassenden Arbeit zu künden, die in der gesamten Welt für die Kranken, die Notleidenden, die Gefährdeten durch private und öffentliche Fürsorge geleistet wird Infolge der starken Beteiligung der führenden Persönlichkeiten aller Kulturländer an den Vorbereitungen entfaltete sich der Kongreß, als dessen Tagungsort Paris gewählt wurde, zu einer gewaltigen Heerschau der Kräfte der Karitas und Volkswohlfahrt. Es war eine Tagung allergrößten Stils, aus vier nebeneinanderlausenden Kongressen bestehend, eine Teilnehmerschaft von fast 6000 Menschen an sich ziehend Als erster tagte vom 2. bis 8. Juli 1928 der„Internationale Wohnungs= und StädtebauKongreß", der eine große Anzahl führender Verwaltungsleute, Architekten und Praktiker der Wohlfahrtspflege aus Eurova und Amerika zusammenführte. Probleme des Kleinwohnungsbaues und der Mietkaserne, Siedlungsfragen standen im Vordergrund des Meinungsaustausches. Eine mit dem Kongreß verbundene Ausstellung an der„Porte de Versailles“ zeigte wertvolle Lösungen der Bauschwierigkeiten in den Städten. TiefWeiße Woch— die Freude der Frauen. Wenn früher die Hausfrauen bei der alljadrlichen „Wei ten Woche“ auch einmal etwas Ueberflüssiges beimbrachten, weil es eben ein guter Gelegenheitskauf war, so ist jetzt für Zahllose diese Institution geradezu die Erlösung aus drängenden Wäschenöten! Weil sie das ist, hat kluges Verständnis der beteiligten Firmen den Umsang dieser Gelegenheitskäufe ganz beträchtlich erweitert— die„Weiße Woche“ ist eine wohlüberlegte Zusammenstellung aller Möglichkeiten geworden. das zu besonders wohlkeilen Preisen zum Kauf zu bieten, was irgendwie mit Wäsche und Waschbarem zu tun hat. Grund genug für die kluge Hausfrau. mit wohlbedachtem Schlachtvlan aus Werk des Eiakausens zu geben. Jetzt darf sie ein nal zuerst an sich selbst denken— auch ihr Bestand an Leibwasche bedarf immer wieder der Ergänzung.„Weiß oder bunt?" das in das erste Problem. das gelöst werden muß. Denn bei der Vorliebe so weiter Kreise für farbige Wäsche erscheint auch diese, unlogisch vielleicht. aber sicher freudig begrüßt, ebenfalls in der„Wei ken“ Woche. Die farbige Wäsche dankt ihren Erfolg wohl vor allem der weiten Verbreitung der Kunstseid; die es ja auch der weniger Bemittelten möglich macht, ein Uaterkleid. die heute unentbehrlichen Schlüpfer. in dem praktischen Material zu besitzen, dessen Gewehe schmieg im. luftdurchlässig und angenehm im Tragen ist Bei diesen Waschestücken liebt man ja von jeher zarte Farbig keit. und darum schuf die Mischeindustrie im Interesse der Harmonie auch jene Dinge farbia, die aus Leinen Batist. seinen Wäschestoffen wie Linon und Opal gear-1milder und beitet werden. Unstreitig ist damm eine Menge hüdrcher/ ßen Woche Möglichkeiten gegeben: zur zartfarbigen Wasche kon trastieren die abstechend getönten Eisekte der gelblichen Valenciennesspitzen(Piauen liefert ne ja neune zu mil lich erschwinglichen Preisen!), die farbigen Seidenbander der Achselträger und schmalen Seidenbandgürtel immer wirkungsvoll Ein Vorwurf wird allerdings— aber in Unrecht— oft der farbigen Wäsche gemacht; sie ver lange besonders umständliche Behandlung heim Waschen. Das war einmal! Heute per fügen wir über so zuverlässig desinfizierende Me mittel, daß auch ohne Kochen— das die farbige Wa nicht verträgt— absolute Sauberkeit gewahrlemet in Man weicht sie über Nacht, gesondert von der übrigen zunehmen oder Wäsche, ein wäscht sie ahne starkes Reihen, mehr durch bluse auszuinc lauwarmem Seisenflockenschaum worauf man sie so lange in lauem Wasser spült. bis dieses klar bleibt, vai die Farbe nach mehreren Wäschen wirklich ein bißchen nachgelassen— nun, dann löst man ein vaar Tropfen Ausziehrusche von entsorechender Farbe im Spülwasser und frischt sie so wieder auf. Also. ein technisches Problem bietet auch die farbige Wäsche nicht. und im übrigen bleibt die Entscheidung vom persönlichen Geschmack abhängig: die Mode ist mit beidem einverstanden. Sie überläßt es ja auch persönlichem Empfinden. ob für die Unterkleidung Hemd und Beinkleid.[Hemdbeinkleid oder gar die idealste Vereinigung. der Hemdbosarock das sogenannten Complet. gewählt werden soll. Letzteres ist besondets praktisch als Unterkleidung für das Gesellschafts kleid. weil es am wenigsten aufträgt. In der Frage der Nachtkleidung gibt die Mode gewisse feste Richtlinien: da sie sich nun wieder ganz entschlossen hat, das weibliche Element zu betonen, bevorzugt sie das per nücftig(also nicht mehr bis zum Boden!) lange Nachthemd— allerdings meist ohne Aermel. trotz winterlicher Kälte. Das Poiama. das auch wieder mit allerlei Aufnutz und vor allem im Schnitt weicher und weiblicher gestaltet wird. bleibt immer mehr Angelegenheit des Schlafwagens und des Hotelzimmers. Dagegen setzt es sich bei den Herren der Schönfung wosentlich mehr durch. teils in rein sachlicher Form nur für das Schlafgemach bestimmt. teils aber auch. besonders in Kunst seide, dem neuen Vivella. Tricoline und Flanell, als Hausanzug verwendbar. Es wird den perrn des Hauses gebefreudiger stimmen, wenn bei der„Weiauch seiner gedacht werden kann— also wird die einkaufende Hausfrau bestimmt auch die Stapel der Nacht= und Taghemden(dezente Streisenmuster in lichter Stellung und der vassende Kragen sind letzter Schick für Herrenhemden) einer genaueren Durchsicht unterziehen. Es ist nur gut. daß die„Weiße Woche" sechs Tage hat„Re“ würde sonst knapp fertig werden. Höschen und Hemdchen. Nachttittelchen und Liliput=Vyja ansehen— schließlich stammt er ja aus Amerika. wo man einst die„Weiße Woche“ zur Freude aller Frauen erfand! Die abgebildeten Modelle. aus farbigem Wäschebatist 1. Nachthemd für Dainen mit leicht getönter Spitze 2. Pyjama für Dawai aus unkeljarbigem Satin oder fun aus Seide mit abstechenden Kragen und Manschetten, so= von Paris wie Schleife und Gürtel. 5. Großer weißer Glasbatisttragen mit dazugehörigen Fechtmarschetten. Der Batist ist doovelt genommen und groß ausgebogt 6. Garnitur bestehend aus Kragen und Manschetten mit seiner Blende eingesaßt und mit leichter Stickerei geschmückt 7. Kragen und Manschetten aus Batist mit reicher Valenciennesspitzenverzierung 8. Herrenjovpe fürs Haus in neuartigem Schnitt aus gemustertem Flausch mit einfarbigem Besatz 9. Pojama für Herren aus breitgestreiftem Stoif mit großen aufgestenpten Taschen sten Eindruck vermittelte das Werk des Abbe Viollet, der in der Umgebung von Paris ein vom Geiste echter Seelsorge und Karitas getragenes, großzügiges Wohnungsbauprogramm durchführt. An die Tagung schloß sich vom 5. bis 7. Juli 1928 der „Internationale Kongreß für öffentliche und private Fürsorge". der schon jahrzehntelang internationale Beziehungen pflegt. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand das Auswandererproblem, die Altersfürsorge, die in Dr. Polligkeit=Frankfurt einen glänzenden Referenten fand, und die von Senator van Overbergb=Brüssel in eindringlichem Vortrag vertretene Forderung der„Vorsorge an Stelle der Fürsorge". Besondere Sektionssitzungen befaßten sich mit Kinder= und Jugendfürsorge, mit der Fürsorge für Blinde, Taube, Schwachsinnige.„ Starke Beteiligung erlebte der vom 8. bis 13. Juli 1928 tagende„Internationale Kongreß für Kinderschutz". Er wurde von einer Reihe von internationalen Verbänden getragen. In fünf verschiedenen Sektionssitzungen wurden Fragen der natürlichen Ernährung und Kindererholung, der Einrichtung von Entbindungs= und Mütterheimen, des sozialen und rechtlichen Kinderschutzes besprochen. Die Referate waren im allgemeinen Zusammenfassungen früherer Vorschläge und Anregungen. Sie wurden durch anschauliche Besichti gungen der Wohlfahrtseinrichtungen von Paris ergänzt. In der Aussprache traten die verschiedenen Grundhaltungen humanitärer und christlicher Weltanschauung sehr charakteristisch hervor. Der bedeutendste der vier Kongresse war die„Internationale Konferenz für Wohlfahrtspflege und Sozialvolitik“, die vom 9. bis 15. Juli 1928 im Saale„Pleyel“, einem der modernsten und umfassendsten Saalbauten von Paris, stattfand. Diese Tagung war, obwohl die erste ihrer Art. glänzend vorbereitet. Das Komitee hatte in monatelanger Arbeit die Hauptprobleme des Kongresses gruppiert; die Nationalgruppen hatten in intensiver Weise in ihren Ländern aufklärend gewirkt. Die Vorarbeiten für Deutschland wurden von Frau Dr. Salomon und Dr. Polligkeit vorzüglich geleistet. Die Hauptreferate waren den Angemeldeten Monate vorher in guten Uebersetzungen zugegangen, so daß eine etwa 90 Abhandlungen umfassende Uebersicht über die Wohlfahrtsbestrebungen in den Häuden der Teilnehmer war. Zur feierlichen Eröffnung nahm der französische Arbeitsminister Loucheur das Wort. Die Leitung de: Tagung lag in den Händen von Frau Masarnk aus Prag. An führender Stelle standen Dr. René Sand=Paris als Generalsekretär und Senator van Overbergh=Brüssel als Vizepräsident. Die Arbeit dieses Kongresses verteilte sich auf die morgendlichen Vollversammlungen und fünf varallellaufende Sektionssitzungen am Nachmittag Im Vordergrund des ersten Tages, dem das Thema „Organisation der Wohlfahrtspflege und Sozialvolitik“ zugrunde lag, standen die Referate von Percy Alden=London und Landeshauptmann Dr. Horion=Düsseldorf über„Stand und Entwicklurg der Wohlfahrtspflege und So zialvolitik“. Sehr sympathisch berührten die Aus führungen von Frau Eglantine Jebb=Genf über„on ternationale Wohlfahrtsarbeit". In der Diskussionssitzungen dieser Sektion überragte der Berich von Dr. Polligkeit=Frau furt über die„Auf gaben und gegenseitigen Beziebunger der öffentlichen und freien Wohlfahrts pflege" durch seinen Materialreichtum und sein Gründlichkeit, die Rede des im internationalen Leber sehr bekannten Abbe Belvaire über die„oren zen der Wohlfahrtspflege in moralische! Hinsicht" durch ihre katholische Tiefe. Die Referate der zweiten Sektion, die sich mit dei „Sozialen Ausbildung" befaßten, waren gut gewählt. Unter der hervorragend sachkundigen und sprach gewandten Leitung von Frau Dr. Salomon entwickelte sich eine sehr anregende Aussprache in den Sektionssitzungen. Es sprachen Frau Macadam=London über „Die verschiedenen Systeme sozialer Ausbildung", Frau Dr. Gertrud Bäumer=Berlin üben „Beziehungen der verschiedenen Wissenschaften zur Wohlfahrtspflege und ihre Bedeutung für den Lehrplan sozialer Ausbildungsstatten". Ueber das Berufsideal des Sozialarbeiters referierte Porter Lee=Neunor#, eine markante Persönlichkeit, und die in der Karitas führende Frau Chaptal, Schwester des Weihbischofs Ueber die„Metboden individualisieren.der Fürsorge“ handelte der dritte Tag. In der Vollversammlung gab Frau J. Glenn=Neunork ein Bild der Entwicklung amerikanischer Fürsorge mit ihrer staren Betonung ortvater Liebestätigeit. Sehr eindrucksvoll war das Referat über die Familienfürsorge des bekannten Abbe Viollet=Paris. Das Problem. der besorgen, mit prüsender mas fur die Kinder zu Sorajalt das Lager der Tisch. Bett= und Hauswäsche zu durchstöbern. Daß sie dabei dier ra#c einmal stehen bleibt. um einen der geuen. aparten„Fechterkragen" mit den zugehörigen Stulven für das neue Kleid für sich mitzum neuen Frühiahrskostüm eine Batist= n. wird Herr Parker Gilbert boffentlich Massenfürsorge behandelte Dr. Reinhaus=Barmen? In den Diskussionssitzungen wurden u. a. die Verreiltungs= und Finanzfragen der individualisierenden Fürsorge und das Auswandererproblem besonders berührt Die vierte Sektion bearbeitete das Thema:. Sozialpolitik, Wohlfahrtspflege und Arbeite 10. Kindervosama aus gestreiftem Flanell mit dunklem l fragen“ und stand unter der hervorragenden Leitung Besatzstoff verziert. 1 von Albert Thomas=Gens. Die Referate besaßten sich 11. Hemdbose aus gemustertem Wäschehatist mit Vor- vor allem mit der„Fabrikwohlfahrtspflege“. der= und rückwärtigem Rockteil. Sehr interessante Probleme beherrschten die Diskussion. 12. Einfaches Nachthemd für große Mädchen mit aus, Die Frage nach dem Existenzuiveau des Arbeiters, der soringenden Biesen. Das Vorderteil ist westenartig durch Freizeit des Arbeiters, der Erwerbslosigkeit gaben ein Hahlsaum markiert. düsteres Bild von der Lage des Arbeiters in der ge13. Garnitur. bestehend aus Hemd und Beinkleid, samten Welt. 4 **"„ Wratuhutene- war der Besprechungsgegen= stand der fünften Sektion des Kongresses. Bemerkenswert war vor allem das Reserat von Dr. Schloßund einfache Punk: Vorderschluß. für kleine Mäd Hin= und Herschlagen und Drücken. in einem Bad aus nig: auch gleich als Beweis übermäßigen Woblstandes letzteres mit Gummizug. Spitze stickerei dienen als Verzierung 14. Hemdbeinkleid für Knaben mit 15. Hemdböschen in Schlüpferform chen mit aufknönfbarem Rückenteil. 16. Garnitur aus Hemd und Beinkleid für kleine Mädchen aus weinem Wäschestoff mit farbiger Blenden garnitur und gesticktem Namen 1. Gestreiftes Obe bemd fur Herren 18. Rachtbemd für Herren mit fardigem Blendenbesatz. mann=Düsseldorf über„Aufklärung der Bevölkerung über Fragen der Volksgesundbeit“. Die Aussprache berührte die soziale Krankenhausfürsorge, Schulgesundheitspflege, Krankenhilfe und Industriehygiene. Mit einer kurzen, aber wirkungsvollen Vollversamme lung fand der Kongreß seinen Abschluß. * 6 2 6 S— S= 5 3 ##s 3—* 8 m. — ∆* "••8 S 2 2 2 9: 8 3•2•2 & S 8 5 10 4— □ S 2 * 25 S 2 # SE □•" 5 *—— ∆— S 8 S 9 E a—* a 83— „S SE2 S S s. 881S2 ** 6 — G m 3 31 R S E 8—— * *-* S S 1 S— E# ——* #S B 5 5 3 352* 8 5"* " 3* R a7* ———.* a 5 S 7 E 2—— E — 2 S a 8r 8•Fe * S=* 9„- E 2 12. T#EE E. S•7— *—— =mame ———„„„—••#" O„„ETATan 0 Fremde wohl sein konne. Doch auf alle Vermutungen und Fragen zuckte er bloß mit deni Achseln oder machte allerband dunkle Andeutungen, die die Neugier der Maochen nur noch mehr austachelten. Endlich be wunderte eine seine vortreffliche Maske. Meister Reinecke nickte geschmeichelt, wandte sich an eines der Madel, das als Geisbub verkleidet war, und sagle Aber deune meun lübes Kind, gefallt mir noch besser—.— wüllst du nücht mit mir tauschen?" „Ja. warum willst' denn dees?" wunderte sich der gortabub! „Ich hab' meune besonderen Gründe—— es gibt sden Fälle im Mönschenlöben, die———“ Reineke Fuchs brach kurz ab und seufzte nur elegisch. Ge lpannt deugten die Model sich vor. „Was könnt'st denn du copa für Grürd' hab'n?" „Ja,— meune lüden Kinder— ich würde sie euch geine anvertrauen— wönn ich nur wüßte, daß ihr menn Gebeumnis treu bewahren würdet!" Daraufbin beieuerten die Madel naturlich eifrigst, daß sie auf leinen Fall etwas verraten würden, was es auch sei —— und nachdem Meister Reineke noch einige Zeit aczaudert und sich hatte bitten lassen, ging er mit idnen in das nebenanliegende Herrenstübel, das gerade ganz leer war. Dort nahm er den vor Neugierde förmlich flebernden Diandeln nochmals in grufeligfeierlicher Weise das Gelöbnis ewigen und unverbrüchlichsten Schweigens ab— und dann trat er dicht an sie heran und raunte gebeimnisvoll „Weußt du, lübes Kind, ich brauche deune Maske. um mich unkenntlich zu machen. Ich wollte heute auch eunmal lustig sein und glaubte mich sicher—— aber ich mörke, man hat mich scheunt's erkannt und verfolgt mich— und da muß ich die Maske wechseln, um unbehölligt flüben zu können. Ich din nämlich“ — dier rückte er den angstschlotternden Diandeln noch naher auf den Leib und flüsterte mit förmlicher Gradesstimme:—— Meister Mauserich Lanafingerich— dörselbige, der wo bei den Leuten hier herum einzubrechen vilegt—“ Wetter kam er nicht. Ein vierstimmiger gellender Schrei beantwortete diese unerwartete Eröffirung— der„Geipbub“ machte vor Entsetzen einen derart kühnen Luftsorung, daß dadurch der Reineke Fuchs beiahe über den Hausen gerannt worden wäre—— und alle vier Mädel stürzten hinaus in den Saal und verkündeten dort schreckensbleich das soeben Gebörte. Doch als nun sofort der Wirt mit einer Schar handfester Burschen in das Herrenstübel eindrang, saß dort Meister Mauserich ganz friedfertig auf einem Intermezzo von Imeia Die Wolke der Ardel: dunkelte über meinem Leben, lleu mir keine Zeit zur Besinnung. Ins Joch gewann wur mein Hirn. Jahre, Jahrzehnte. Ich weiß nicht wie longe Bis eines Tuges— es war um den Karneval— einer dereingeschneit kam in das bobe Zimmer, dessen El#inde von Buchern verdeckt waren und auf dessen langen gelden Tischen weinliches Papiergeriesel Weilen schiun Meine Hand wies ihm einen Studl an, wie jedem, der da kam. Denn es gingen viele ein und aus. Sie arusten, erzählten und veradshiedeten sich wieder. Sie grtörten zur Arbeit. Er sagte nacht: „Man er sich besiunen...“ Meine Augen suchten schon wieder bastend zwischen kraufen Zeilen Er saß und schwieg. Lange. Fast datte ich ihn vergessen. Da sagte er plötzlich:„Wie jung Sie sind!“ Langsam. fast widerwillig losten sich meine Blicke vom Schreidwerk. richteten sich auf diesen seltsamen Gesellen, der nicht zur Arbeit, nicht von der Arbeit redete, der sich erkühnte, zu sagen— was hakte er doch gesagt"... Zwei Augen degegeten den meinen, aus denen es sonnig lächelte:„Sie sollten kanzen.“ Lindera. Die Wolke der Arbeit hellt sich auf, steigt, schwindet bin. Mein Kinderland blübt empor. Weines Flattern, jüßes Tönen, soinnwebsein.. Lachen springt an goldgepreßten blanken Lederrücken strenger Werte der Wissenschaft auf. Lauer Wind segt raunendes Papiergeriesel zu Boden. Was jubelt mir der Tag zu?— Ich sei jung. Ich solle tanzen! Naß und grau ist die Straße. Trivvelnde Fuße swiegeln in dlitzenden Lachen. Rosenfarbene Plakate an allen Säulen: Ball— Tanz— Tanzen—— Eine Akte steht in Blumen. Sie ruft mir zu, bält Orchideen in der Hand. Scheu betasten meine Finger idren Samt. Nun sind meine Hände gefüllt von warmen schlaffen Stielen. Sutzer Duft gebt mir vorau. Ein Feuster prunkt in Geschmeide: diamantalitzernde Stirnreisen, Rudinketten, Ovaltropien Ein Spiegel strahlt seidiges Rot wieder, Spitzengeriesel, Schwanenslaum. Alles winkt mir. Alles meint mich. will für mich da sein. Ja, ich ergebe mich. Lampen stradlen. Wer ist die Königin des Feste:? Ich! Weich rollt der Wagen an und hält. Blaue Schabracken decken breite Schimmelrücken. Blanke Stuchle, halte seine Fuchslarve neben sich auf den Tisch gelegt— und wand und bog sich vor Lachen „Peter— das is ja der Bachlechner=Peter!“ riesen alle sehr erstaunt.„Ja, wo ls dean nacha der Dieb?!“ Peter grinste.„Nirgends is er. der Dieb aber i ban mei Wett'n g'wonnen!“ „Was für a Wett'n?“ „Denkt's no an die Abmachung vo neuli abends im Steinleitner=Hof?“ „Ja, freili,“ meinten einige,„die Diandeln hütten auf Prob' g'stellt werden soll'n, ob“; a E'heimnis h’halten können!“ „Na also— i hab' sie auf d’ Prob' g'stellt—. daß g’ mi verraten werden, dös hab' i mir eb scho denkt—— daß die G'schicht aba a so g'schwind und prompt geht,— dös hab' i denn do net g'moant!“ sa rie der Peter und tanzte vor lauter Vergnügen im Zimmer berum. Alle Leute stimmten in sein Lachen ein, die völlig verwirrten Diandln aber mußten reichlich Spott und Neckereien über sich ergehen lassen——— und die Burschen ließen sich noch am gleichen Abend das vertragsgemäß von ihnen zu berappende Bier vortrefflich schmecken. Munzen klingeln am Zaumzeug. Beseelte Augen stolzer Tiere funkeln ins Abenddämmern. Ich trage das prächtigste Kleid. In goldenen Schuben gleiten meine Füße über läuserbelegte Stufen Da——— Eins.— Zwel.— Drei.——— Die Adr! Die Uhr! Sie ruft, sie weckt! Jur Ardeit! Abgenutzte Stublarme umschließen meinen Körper. Eine kratzende Feder will meine Hand fortreißen! Dumpfen Lauts, staubausstiebend werden Bücher sallen, wird Papter rascheln. Hirndämmer werden schmerzhaft klopsen. Grau lagert eine Wolke vor dem Fenster, die Wolke der Ardeit! — Sechs.— Sieben.— Acht. Ergid dich. „Wie jung Sie sind!“ „Sie sollten kanzen““ Wer hat es gesagt?— O Vermessenbeit! Ich— kann— nicht— tanzen— Ich— din— nicht— jung— Rotseidenes Geivinst sinkt bodenwärts, liegt wie ein Blutnetz um goldbeschudte Füße. Rudinketten klirren ab, ein goldenes Stirnband gleitet aus gelostem Haar. Ovalivangen blassen nebeldaft. Verwehte Geigentöne schweben an mein Ohr—— Duosezstaaten=Witze u. 2 z Vor etwa eineinbald Jadrbunderten ledte ein Rann, der in seinem Leden viel datte reisen müssen und dabei die Schikanea, die das in schier unzäblige Stauten und Staaichen zerrissene Deutschland dem Reisenden bereitete, zur Genüge ausgekostet. Er erzädlte gern in Munchdausenicher Maniet, was er an den Grenzen und Schlagbäumen alles eriedt datte. Einige seiner Munchdauseniaden seien dier wiedergegeben „Komme ich mal in ein Wirtsdaus, bungria, durstin. schläfrig. Ich bestelle sofort etwas zu essen und setze mich an den einzigen Tisch, der noch frei war Er stand in einer ecke und zeichnete sich dadurch aus. das ein toter Strich an seinem Rand entlang gezogen war. Run dätte mir das ja auffallen sollen. Ader ich dachte mir nichts dabei. Der Wirt kam. stellte mir ein: gute gebratene Saus und einen guten Hum vpen dellen Vieres bin und wünschte mir einen geien neten Apoetit. Ich ließ mir das nicht zweimal#agen und died wacker ein. Wer aber beschreibt mein Ent letzen, als ich bald durauf einen Mann in meiner Rade siden sede, der zewissendaft jeven Bissen, den ich nedme, und jeden Schluck, den ich trinke, in sein Rotnbuch schreibt. Ich frage idn denn:„He. lieder Mann, was macht Ihr denn da? Warum notiert Ihr so gewissendaft jeden Bissen und jeden Schluck?" „Ja, lieder Herr,“ erwidert er, Iwischen Euch und Eurem Teller wie auch Eurem Humpen gedt die (Srenze, wie Ihr jedt. Ihr müßt alio jeden Gausbissen und jeden Schluck, den Idr zum Munde fubrt, verzollen.“ Ich brauche wohl nicht zu versichern, das mit der Bissen, an dem ich getade laute, im Halie betendlied. Ich wurde rot und blau im Gesicht, und man kloofte mir ordentlich den Rucken, dis der Bissen wieder zum Munde dinauskam und auf den Teller zurückftel.„Muß ich den nun auch verzollen!" war mein erstes Wort, als ich wieder japven konnte. Ein andermal fuhr ich über eine Brücke. Hätte ich den Namen der Brücke gewußt, so ware ich nicht dinübergefahren, aber ich wunke ion nicht. Als mein Gefähri getade mitten auf der Brücke war, gingen zu meinem Entietzen mit einem Mal zwei Schlaabäume, die biuter Uferdäumen gestanden datten und die ich deshalb nicht bemerkt hatte, vor mir nieder. Und was soll ich sagen“. Sie teilten mein Gefährt in drei Teile: ein Baum lag zwischen dem Wagen und den beiden Pferden, der andere lag quer dazu, so daß das eine Pferd von dem anderen gesondert war. Sogleich sorangen auch drei Zolldeamte derzu, und nun eriubr ich zu meinem Schreck, daß ich über die sogenannte Dreiländerbrucke gefahren war, die sonst von den Reisenden ängstlich gemieden wird, weil auf ihr drei Länder aneinanderstoßen. In meinem Falle aber war nun guter Rat teuer. Ich datte die Brucke haarscharf in idrer Mitte passiert, das eine Pferd stand im Herzogtum D., das andere im Fürstentum E., und die Deichsel war sogar zur Hälfte in D., zur Hätfte in E. Der Wagen dagegen mit meiner Rienigkeit stand immer noch im Gronderzogtum O. Wenn ich nun weiteriudt, war zu sorgen, das die beiden Hälften meines Körpers nach verschiedenen Ländern sich bewegten. Jeder der beiden Jolldeamten aber verlangte das volle Joll= und Brückengeld für je ein Pierd und einen ganzen Menschen, da zwar für ein einzelnes Pferd. nicht aber zur einen balden Menschen eine Gedue festgesept sei. Run werden Sie es mil nicht glauden wollen, aber es ist Tatsache, daß ich volle drei Wochen mit meinem Gefährt unbeweglich auf der Dretländerarenze gestanden habe, bis von böderer Stelle die Entscheidung eintraf: ein dalber Mensch- sei überhaupt kein Mensch, weshalb auch für einen balden Menschen weder ein Zoll= noch ein Brückengeld zu erdeden sei. Man wird sich vorstellen können, mit welchem Treumpd ich über die Dreilanderbrücke fudr. Wieder ein andermal lag ich zur Nacht in einem Gasthaus, das äuperlich durchaus unverfänntich aussad. Ich schlief in einer Kammer, die freilich kein Fenster datte, sonst auch recht eng war. Doch stand eine Bettstatt drin, was ich als angenehm empfand, da ich bei der Ueberfüllung aller Gastdäuser schon mehrfach hatte auf Strob übernachten müssen. Als ich mich ieinlegte und auf die bintere Seite wälzte. entstand plotzlich ein starkes Knarren, worauidin sich die Tür öffnete und ein Mann darin erschien, der an mein Bett trat, mich genau beodachtete und sich dann wieder zurückzog. Da ich todmüde war, legte ich dem iedoch keine Bedeutung dei und schlief bald den Schlaf des(erechten, wobei mich jedoch dünkte, daß ich noch mehrmals in der Nacht das knarrende Gerausch wahrnahm und den Mann an meine Bertstatt treten borte. Als ich des nächsten Morgens erwachte, befragte ich den Wirt um den seltsamen Vorgang, und was mußte ich dören? Ritten durch das Bett der Kammer ging die Sreaze zwischen zwei Königreichen, und ich datte mich in der Nacht, odne es zu wissen, sechsmal von einem Königreich ins andere gewälzt. Natürlich blieb mir die Gebuhr für fechsmaligen Srenzübertritt nicht erlassen! 5.— *** 5 P Nr. 16" Auterhaltungsbeilage zum Herner Anzeiger“ 1929 Rufhs Ehe Der Roman eines Frauenschicksals. Von A. Hruschka.(Nachdruck verboten.) Sie gab dem Kutscher ein Zeichen zu halten. Dreß ler küßte schweigend ihre Hand. Als er den Wagen schon verlassen hatte, sagte er noch:„Mein Urlaub ist in zwei Tagen zu Ende. Ich hoffe, wenn wir uns nicht mnehr seben sollten, Baronin, daß Sie nicht vergessen, wie sehr mein guter Alter sich immer freut, wenn Sie auf ein Plauderstündchen zu ihm nach Rosenbag kommen!" „Nein.“ Ich werde es nicht vergessen— wenn ich in Reuttenstein bleibe! Glückliche Reise, lieber Freund!“ Als Ruth dabeim anlangte, sab sie die Gutsleute in Gruppen flüsternd beisammenstehen, und in einem am Tor des Wirtschaftshofes haltenden Gefährt er kannte Rutd schon von weitem Valentins ländlichen Einspännerschlitten. In der Halte begegnete ihr Frau Martens mit einer Wärmepfanne in der Hand „Unser alter Hardings liegt im Sterden," berichtete sie Rutd leise,„Doktor Egloff meint, er wird die Nacht schwerlich überleben. Wir haben soeben zum Pfarrer geschickt. Die arme Eva!“ „Darf man idn seben?“ „Jetzt nicht, ich benachrichtige Sie später, Frau Baronin, wenn der Geistliche bei ihm gewesen ist.“ „Hat man meinen Mann schon verstäudigt?“ „Nein. Er ist noch nicht zurückgekommen.“ Langsam stieg Ruth die Treppe zu Ihrem Zim mer hinauf. Als sie die Tür offnete, erbod sich vom Fensterplatz eine Frauengestalt, in der Ruty zu ihrer großen Ueberraschung Frau Ealoff erkannte. „Du. Tante, dier?" rief sie.„Ader wober“ „— kommst Du, nicht wahr? Ganz einfach: ich wollte den Jungen überraschen und kam— gerade in dem Augenblick an, als man ihn zu dem Sterbenden bier holte. Da fuhr ich eden mit. Hoffentlich bist Du mir nicht böse, weil ich mie's inzwischen dier bequem gemacht habe?“ „Aber Tantchen, ganz im Gegenteil! Hätte ich eine Abnung gehabt, wäre ich beute überhaupt nicht fortgefahren. Vielleicht wäre es besser gewesen, setzte sie unwillkürlich bitter hinzu.„Du hättest mich wohl besser verstanden. Ader darf ich Dir irgend eine Erfrischung kommen lassen Sie wollte an die Klingel geben, aber Frau Egloff hielt sie zurück. „Rein, Kind, laß das. Wir wollen lieber ungestort plaudern. Also gesehnt bast Du Dich nach mir.“ „Ramenlos, Tanie!“ „So. Weißt Du, Kind, daß ich Dich kaum wiedererknant hätte“ Du bist ja unheimlich schlank geworden — und Dein Gesichtchen guckt mich auch ganz fremd an“ Haben Sie Dich schlecht gefüttert auf Reutten stein?“ „O nein „Also, was ist's? Bekenn! Und vor allem sieb nicht so unrudig din und der. Du bast mir doch sonst immer schnurgerade in die Augen geblickt! Wenn Dich etwas bedrückt, Ruth— Du weißt, ich stebe hier an Deiner Mutter Stelle." „Ja. Tante. Ader von all dem Häßlichen aniu fangen, sältt mir so schwer, ich möchte nicht, daß Du mich mißverstehst und denkst, ich wollte temand an klagen— vielleicht bin ich allein an allem Schuld. Ich war so jung und unerfahren. Hätte ich Welt und Menichen besser gekannt oder nur mit schärferen Augen um mich geschaut, wäre wohl alles anders gekommen!“ „Hm, das kann sein, ich mag darüder nicht urteilen. Aber da es nun einmal so gekommen ist— das wie brauche ich nicht zu wissen, beißt es eben, sich darein schicken. Gelt, Ruto, das weißt Du selbst“.“ „Mau kann sich nicht in alles schicken.“ antworiete Rutd finster.„Ich bab's in gewollt— ehrlich gewollt, Tante“, Und anfangs ging es auch. Aber dann— 1ett— „Nun, warum sprichst Du nicht weiter?“ „Weil es mir so schwer sältt und ich furchte Aius?“ „Daß auch Du mir mit dem Worte Pflicht kommst. O, Tante es ist so bitter, nur immer von kalter Pflichterfüllung hören zu müssen, wenn man verzweifelt nach Verständnis und Teilnahme sucht. Schon einmal habe ich beides umsonst zu finden gehofft. Wenn auch Du nun—“. Die alte Dame zog sie zu sich auf das Sofa nieder und drückte ihren Kovf an ihre Brust. „So, mein liebes, altes Mädel, jetzt rede mal vernünftig. Was willst Du eigentlich? Bist Du nicht glücklich mit Deinem Mann? Denn, daß da was nicht ganz in Ordnung ist, habe ich schon aus Valentins Briefen gemerkt, und damit Du siebst, daß ich ehrlich bin, säge ich Dir offen: Just darum bin ich bergekommen. Der Junge war ja nur ein Vorwand.“ Statt aller Antwort schlang Rutd die Arme um Frau Egloff und brach in krampfdaftes Schluchzen aus. „O, lebte Mama noch! Hätte ich doch noch ein Dabeim!“ Die alte Frau ließ sie ruhig ausweinen. In ihrer abgektärten Lebensweisbeit wußte sie, daß Tränen das beste Ventil für überbitzte Herzen sind. Mochte sie nach Herzenslust weinen, desto klarer kam hoffentlich die Vernunft zur Geltung. „Nimm mich fort von ihm!“ stieß Rutd leidenschaftlich heraus.„Ich kann nicht länger hier bleiden. Er liebt mich nicht und ich ertrage es nicht, nur so neben ihm hinzuleden— geduldet— überseben— mißochtet!“ „Du weißt nicht, was Du sor#chst, Rurh,“ antwortete die alte Frau rubig.„Wenn Deine arme, liebe Mutter nun hier neden Dir säße, weißt Du war die sagen würde?" „Sie wurde Mitleid haben!“ „Ja, das würde sie, denn ihrem edlen Herzen war nichts Menschliches fremd! Aber dann würde sie sagen: Komm zu Dir. mein Kind, besinne Dich dar auf, daß wir nicht hier sind, um eigenes Glück zu genießen, sondern um andern Glück zu bereiten! Ihr eigenes Leben war nur ihren Lieben geweidt. Darum war es auch ein gesegnetes" „Mein Leben hier kann nie ein gesegnetes werden!" flüsterte die junge Frau hofffungslos „Da ierst Du, Ruth. Sied', als ich mit Val derüderfuhr, hatte er mir alles über Dich und Dein Leden berichten müssen, was er selder weiß. Darum kann ich Dir jetzt mit ruhigem Gewissen antworten: Dein Platz ist hier, mein Kind, und nirgends sonst. Kannst Du wirklich dem einen, der Dir am nächsten stedt, kein Glück bereiten, dann denke an all die underen, denen Du es durch Dein Hiersein schon bundertfach bereitet hast. Halte Dieh an diese. Sie nennen Dich die gute Fee von Reuttenstein, Ruth gilt Dir das gar nichte Als Ruth nicht antwortete, erbob sich Frau Egloif und geng im Zimmer auf und nieder. „Wie dübich Du Dir all das arrangiert dast," meinte sie nach einer Weile ablenkend:„schade, dar Muma es nicht mehr seben kann, wie ihre alten Mobel sich hier gemütlich und anbeimelnd ausneomen. Es ist wotl ihr einstiges Zimmer, das Du bewobnst!““ „Ju.“ „Ich dachte es mir! Sie hat es mir so oft beschrieben. Dieses achteckige Turmzimmer, in dem sie einst so viel jüne Träume spann und dann mit sich selbst so grausame Träume durchmachte, ebe sie die Kraft fand den rechten Weg zu geben.“ Die alte Dame seufzte auf.„Lau uns hoffen, Rutd,#an etwas ron diesem starken, reinen Geist unserer lieden Toten hier zurückgeblieden ist!" Sie trat ans Fenster und blickte hinaus auf die Schucelandschaft, über die der aussteigende Rond blasr Silberschieter wob. Unten auf der zum Dorie fuhrenden Landstraße gewahrte sie die ehrwürdige Gestatt des binter dem Riuistranten im weinen Chorhemd heimschreitenden greuen Prrente#s. „Ich glaube, der Geistliche hat sein Amt unten beendet," außerte Frau Egloff.„Willst Du nicht zu dem Sterbenden geben, Ruth?" Ruth, die regungslos vor sich bingestartt hatte, schreckte auf. Hardings! Eva! Sie hatte beide ganz vergessen gehabt. Ach. sie hatte alles, alles vergessen über dem Kampf mit sich selbst, dem eigenen Leid! Jetzt pochte ihr Gewissen mit bartem Finger an die zaghafte Seele:„Rasse Dich aus. Du bast weder Zeit noch Recht. nur an Dich zu denken. Unten stirbt der treueste Diener und Freund der Familie. Sein junges Kind verliert in ihm die letzte, natürlich Stütze, und all das Traurige, das gespenstisch austaucht im Gefolge des Todes. findet niemand als Dich. um es in die richtigen Wege zu leiten. Rate! Hilf! Tröste! Tiesatmend trat Ruty zur mütterlichen Freundin. Ihr Blick war wieder klar und fest.„Ich danke Dir.“ sagte sie leise,„Du hast mich zur rechten Zeit erkennen gelehrt, daß auch die kleinen Dinge des Lebens Macht und Rechte über uns erlangen, wenn wir uns ihnen einmal sreiwillig ergeben daben. Ich will ausharren bei diesen kleinen Dingen, da die großen mir versagt sind.“ Für einen Augenblick rubten die Augea beider Frauen stumm ineinander, dann drückte Frau Egloff einen Kun auf Ruths Livven. „So ist es recht, mein Kind! Tue, wie es vor Dir Deine Mutter getan: Rimm Dein Kreuz auf Dich und wandere weiter; dann sorienen auch auf Deinem Pfade Rosen, wo Du vorher nur Dornen und Disteln sahst!" Sie hatte Hardings die Augen zugedrückt und die fassungslose Eva unter Frau Martens Obhut wodlgeborgen in ihrem Turmzimmer zuruckgelassen. Ringsum berrichte Graberstille, denn die gesamte Diener= schaft hatte sich oben im Sterbezimmer zum Geber versammelt. * Valentin half seiner Mutter in den Schlitten und sog dann pruiend die Luft ein. „Oho, der Wind ist umgeschlagen,“ meinte er,„es riecht nach Frühling. Ich wette, morgen haben wir das schönste Tauwetter! Schicke einen Boten nach dem Vorwerk, Ruth, sie sollen dort acht auf die Dämme haben und die Schleusen am Müditeich aifen halten!" „Glaubst Du, daß der Amschlag in der Witterung wirklich so schnell einient“ „Wenn der Wind so anhalt, ja! Spurn Du es nicht“ Es in der reiuste Fähn. And mit der Sul## die an Eusem Vorwerk vorüberrauscht, ist nicht zu ipaßen, wie ich mir sagen ließ: ne nimmt das Scmncewasser von drei Schluchten mit und kann in einer einzgen Nacht um zwei Meter steigen. Was. Alter“ Ihr mußt dies la auch witsen!" wandte er sich an seinen Kmicher. „Stimmt schon. Derr Doktor,“ bestätigte der Gefragte nickend:„sie kann gani grob werden, die kleine Sulza. Vor zehn Jahren sente ne einmal das ganze Vorland unter Wasser. Wär mußten damals die Leute aus dem Borwerk auf Kadnen retten. Seitdem sind freilich die Damme und auch das Schleufen werk gebaut worden." „Ahio!, Vergiß den Roten nicht, Rucd!" „Rein. Ich sende ihn nachber gleich ab.“ „Um alles andere mach' Dir keine Sorge,“ meinte Valentin noch, während er sich auf den Sitz nebe der Rutter schwang,„ich beforge das Erforderliche beim Pfarramt und dem Bezirksgericht. Gib nur auf die kleine Eva acht! Es bat sie mehr mitgenommen, als ich für möglich hielt. Freilich, die Aermste hat wohl nie im Leben den Tod so greifba nah vor Augen gehabt.“ Ein weicher, mitleidiger Zeug buschte über sein hübsches Männergesicht. „Tröste sie, Ruth! Ja?“ „Ich werde mein Wiglichnes tun. Sei ganz un * E E 5 -□∆ g e ——— —— * E#:#6r8 Er Pgabg. besorgk, Val," Beschwichtigte Ruth,„ich habe die Kleine ja wie eine Schwester lieb!" Er machte sich an seinen Handschuhen zu schaffen. Em— ja— Du bist so gut, Ruth. ich danke Dir! Se bald ich kann, spreche ich übrigens selber wieder vor „Ja, tu das, Val! Es ist immer wie ein Sonnenstradl. wenn du kommst, und...“ sie streckte ihm zum Abschied die Hand entgegen, die er kräftig drückte, .. habe nochmals Dank für alles, was Du für Evg und mich in diesen schweren Tagen getan hast! Ich wugte wirklich nicht, was wir ohne Dich anfangen sollten" „Bah, wäre ich's nicht, ginge Euch Nordhausen an die Hand!“ „Aber, Val. das glaubst Du doch selber nicht Nordhausen ist ja ein musterhafter Inspektor, aber Du stehst uns doch in jeder Beziehung viel näher.“ „Schönen Dank auch! Will mir's für's nächste I merken!" rief er zum Abschied.„Dann nehme ch Dich beim Wort. Ruth! So. Alter, jetzt fahre zu. sonst ersriert uns Muttchen noch! Adien, Ruth!“ Sie stand noch eine Weile, blickte dem Schlitten nach der klingelud in die monddurchwobene Winternacht hineinfuhr. * Der Schnee gliverte nicht mehr wie zwei Stunden zuvor, und von den Bäumen war der Raubreif verschwunden; deren feuchtglänzende, kable Zweige wiegten sich im lauen Wind, in dessen leises Wehen sich acheimnisvoll verworrene Geräusche mengten. Verdorgenes Glucksen da— ein knisterndes Soringen kleiner Eisflächen dort. als rühre eine linde Hand vlorlich erweckend an die schlasende Natur. „Fruhling? Wirklich schon Frühline"" dachte die junge Frau verträumt.„O. dann gibt es Arbeit, viel Arbeit ringsum! Wie gut" Als sie aber sich umwandte, um endlich in das Haus zurückzukehren, blickte sie wieder müde und verzugt darein, wie eine, die unter der ihr aufgebürdeten Last zusammenzubrechen furchtet. Funjundswanzigstes Kavitel. Mißtrauen ist wie ein fressender Parasit: wo es sich einmal eingenistet hat, ereift es unaushaltsam zerstörend weiter um sich. So konnte auch Heinz Wildenmark trotz Irenes scheinderer Unbejangenheit seit Malveidas Tod keine ruhige Minute mehr finden. Schon aus der Heimfahrt, während sie plaudernd neden ihm saß, belauerte er jede Miene, jeden Blick, jeden Tonsall an ihr und kam zu dem Resultat: sie dat trov ihrer Gegenverscherung gewußt, dah jener Mensch hier war Und vielleicht war ihr kaltes, aufreizendes Benehmen, das ihn dann in den Tod tried, nur ein mohlvorbereitctes Schauspiel gewesen, das sie Gildern geben wollte! Auch gegen diesen, dem er bisher bedingungslos vertraute, war sein Mißtrauen rege geworden, seitdem Berger ihm heimlich mitgeteilt, daß er vorhin gehört habe, wie Irene den Reuttensteiner auf den nächsten Nachmittag zu einem Zusammentressen im Raßgraden bestellt datte. Knirschend preßzten sich seine Zähne zusammen. All die Liebe, die ihn in der letzten Zeit für Irene erfüllt hatte. seine Dankbarkeit gegen sie, die alles Gute. Großmütige in ihm wieder wachgerufen, verwandelte sich vlörzlich in maßlosen Haß. Sollte sie wirklich triumohieren? War er denn in der Tat so ohnmächtig? Nein! Er hatte sein wechselvolles, abenteuerreiches Leben nicht umsonst gelebt: an Geist, List und Verstellungskunst war er ihr gewachsen! Wirklich vermochte er es über sich zu gewinnen. bei Tisch seistreich und amusant wie immer zu plaudern und mit zärtlichem Lächeln über die von seiner Frau erwiesenen kleinen Aufmerksamkeiten zu quittieren. Mit keinem Wort geschah der grausigen Szene vor dem Dorswirtshaus Erwähnung und ebensoweig wurde der Name des Selbstmörders erwähnt. In dem schön getäfelten Epzimmer zu Wildenmark schien vielmehr alles das gewohnte trauliche Behagen zu atmen. Große Buchenscheite knisterten in dem roten Porphorkamin, aus verschleierten Lampen strömte freunsliche Helie über die Gestalten des einander am Schachtisch gegenübersitzenden, lo ungleichen Paares, und in seiner gewohnten Ecke hatte sich Dr. Berger anscheinend wie immer in den Leitartikel einer politischen Zeitung vertieft. Aber hinter dieser friedlichen Idolle stand lauernd das Gespenst qualvoller Unrast. Irene sab dreimal in einer Stunde nach der Udr. Wollte es denn noch nicht zehn Uhr und damit Schlasenszeit für ihren Mann werden, der sich pünktlich mit dem Glockenschlag zur Ruhe zu begeben pflegte? Dann endlich konnte sie Rinette den vorhin während des Ankleidens hastio geschriebenen Brief zur Bestellung an den alten Steinklopser geben, der heimliche Botendienste zwischen Wildenmark und Sulzgraben verrichtete. Sie blickte zum viertenmal auf die Uhr. Ihr Partner sah es wohl, aber er tat, als merke er nicht das Geringste. Innerlich dachte er:„Sie hat noch etwas vor heute!. Ich muß Berger einen Wink geben, damit er die Augen oisen halt!“ Und dann versank er In düsteres Sinnen. Dunkle Nacherläne tauchten in ihm auf. Irene war die letzte Frau, die er geliebt. und keine je zuvor hatte er so heiß geliebt! Wenn ihre Hingebung in der letzten Zeit wirklich nur Komödie gewesen, dann— ab. dann sollte sie ihm dafür büßen müssen wie keine vor ihr—— Endlich schlug es zehn Uhr. Und mit dem letzten Glockenschlag erschien Paul, um seinen Herrn zu Bett zu bringen. Herzlich, wie immer seit ihrer Uebersiedtung nach Wildenmark, küßte Irene ihren Mann auf die Stirn. „Schlafe wohl. mein Freund: Ich habe Dich matt gesetzt. aber morgen gibst Du mir Revanche, nicht wahr““ Er zog ihre schmale. weiße Hand an die Livven und antwortete, seltsam lächelnd:„Ja, mein Engel. Morgen gebe ich Dir vielleicht ernsthafte Revanche! Denn ich bin eitel trot meiner körverlichen Gebrechlichkeit, und es würde mich demütigen, von einer Frau— endgültig besiegt zu werden * Am nächsten Morgen setzte Tauwetter ein. Nun hörte man das verborgene Rauschen und Glucksen auftauender Gewässer allerorten ganz deutlich, und das am Vorabend noch sanft wehende laue Lüstchen war zum wilden Föhnsturm angewachsen, der gierig an den Hängen hinfuhr. Die Schneemassen bekamen ein graues, rissiges Aussehen, und da und dort an besonders steilen Berolehnen lösten sich kleine Lawinen ab und sansten volternd talabwärts. „Eine solch vlörliche Schneeschmelze ist schlimmer als Gewitter und Hagelschlag.“ sagte Inspektor Nordhausen zu Frau Martens, als er gegen Mittag erschönft, mit einem Teil der Leute vom Vorwerk zurück nach Schloß Reuttenstein kam.„Aber die Dämme dürften halten und auch das neue Schleusenwerk bewährt sich prachtig. Nur die Wiesen am Ausgang des Naßgrabens, wo die Sulza die scharse Biegung macht scheinen mir gefahrdet. Einstweilen habe ich Wachter hingestellt, wenn diese auch nicht delsen können. Am besten wäre es freilich, wir dätten im Falle eintretender Gefahr einen Fachmann zur Hand. Vielleicht könnte die Frau Baronin den Birkenweiler Ingenieur verständigen lassen, der dort mit einer Abteilung von Sträflingen an der Regulierung des Birkflusses ardeitet? Ich kann das natürlich nicht auf die eigene Kappe nehmen, aber vorstellen will ich ihr's gern. Melden Sie mich bei der Gnädigen.“ Frau Martens, deren gutes, altes Gesicht heute auffallend bekummert schien, schüttelte ablehnend den Konf. Fortsetzung folgt. Deutsche Sprache Der dermetische Verschluß. Wenn man sich bei dem Fremdwort hermetisch überdaupt etwas denn. glaubt man wodl, es mit einer Ableitung von dem Namen des griechischen Sottes Hermes zu tun zu baben: eder wie soll der den Han del deschutzende Gotterbote-„der klug mit dem Beutel schaltet"(Möricke), mit einem lustdicht schließenden Siegel u. dergl. in Verdindung gebracht werden? Er gilt zwar als Erfinder der Leier, aber nicht als der einer technischen Einrichtung. Als Sott des glücklichen Zufalls dat er deutsche Schriftsteller veranlant ihre zufalligen Geanken. Schnitzel, Lesefruchte un.. dem Titel Hermäg zu vereinigen. Der Erf:der des der metischen Verschlusses aber ist ein agnotischer Gott Thotd, den die Griechen im 2. Jahrhundert nach Christus Hermes Trismegistos namten. d. i. der dreimal sroße, soviel wir der allergroßte Hermes. Er war der Cott der Schrift und der Gelebrsamkeit, genauer der Geheimwissenschaften, wie wir deute sagen würden. er lehrte die Geheimnisse der Alchiwie und der Magie und wußte durch magische Siegel angebliche Schate und Gesaße unzuganglich zu machen und vor der Luft zu sichern. Bei Wieland sucht ein Jünger dieses Wei en„die edle dermesische Zunft“ zu empfehlen. d. b die von dem Gotte Hermes geschützten Geheimlehren Aber auch wenn man das wein, ist kaum zu sagen, was Ad. Mann unter hermetisch versteht, wenn er in einem Roman„Der Zauberberg“ 2. 629 eine Geschichte als eine weder kurzweilige noch lange. sondern als eine dermetische bezeichnet— eine geheimnisvolle kommt nach dem Zusammenhang nicht in Betracht, Der blinde Pessagier. Seit dem 16. Jahrbundert haben wir in Deutschland Passagiere, eine Entlehnung aus dem Italie ichen(passogiere von passare zehern), während wir die Passanten dem Französischen verdonken; dieser ist nur ein Durchreisender, jener ein Fahraast Auch das juneste Beforderungseittel der Neuzeit hatte bereits seinen b#inden Passazier, der durch seine„Bundheit" zu unverdienten Ehren kam. Ader der junge Mensch war gar nicht blind, er fuhr mit sehenden Augen, jedoch ohne Zahrschein— ansunglich sah man ihn nicht Blind nennen wir ja auch eine Scheide, durch die man nicht sehen kann, ein blindes Fenster kann auch nur ein vorgetäuschtes sein. In den Verbindungen blindes Metall, em blinder Edetstein hat blind die Bedeutung glanzlos. Der Blinddarm heißt so, weil er nach unten keine Oeffnung dat. Noch weiter geht die uneigentliche Bedeutung des Wortes biind beim blinden Lärm und beim blinden Schußz. Beide geben das Auge überhaupt nichts an, sie werden woll gedört, daß sie aber seben sollten, wird niemand verlangen: blind besagt da. daß das Geharte gegenstandslos. grundlos und zwecklos ist, der Schuß trifft nicht. weil er ohne Geschoß abgegeben wind. Beide Geräusche sind gleichsam leer we eine taube Nuß, eine taube Blüte. tandes Erz: taub gebt nicht auf das seblende Gedör, sondern hat aus der Bedeutung empfindungslos die neu gehaltlos erlangt. Wir Gesicht und Gebor verwechselt werden, zeigt auch der ältere Gebrauch des Wortes Donner für Blitz: noch heute fluchen wir: Da soll doch ein Donnerwetter dreinschlagen: wir meinen damit den Blitzstrahl. und diese unsachliche Ansdrucks weise erklärt sich aus einer ungenauen Beobachtung. die wohl den Donner hörte, den Blitz aber nicht sah oder bei der der Mensch von der Sckallwickung mehr erschüttert wurde als von der des Blitzes. So gebi auch das Beiwort hell eigentlich auf d.n eann Hall. Erst in neuerer Zeit ist es aus lichte Farben übertragen worden: der delle Hause ist im 16. Jahrbundert noch das durch lautes Gerausch demerkbare Heer. Die Panik. Wie oft dricht(nach Zeitungsberichten) eine Panik aus, namontlich an der Börse, bei G. Hauptmann. E. Quint 155. sogar emne jahe Panik! Viele Leser slauben das Wort detonen zu müssen wie Politik. Ponsik. Musik, Kritik u. a. m. Der Ton ist aber auf die erste Silbe zu legen wie im Eigenschaftswort nanisch, das meist in Verbindung mit dem Hauptwort Schrecken auftritt. 4 B. in Briesen Soetdes v. J. 1790 und 1813, in Schillers Räudern 2. 3: ein panischer Schrecken schmeißzt alle zu Boden. Auch ein Pansschrecken kommt vor(dei Eulenberg, Neue Bilder 315. im eigentüchen Sinne: ein Pausschrocken ergriff ihn oft auf dem Land und in der Natur). Manchem kommt dieser vanische Schrecken sanisch vor; aber es ist ein Schrecken, den der dockslüßige und geschwänzte Wald und Weiocaott der Alten. nach Schiller der Flurenbehüter Pan einjagt. Wenn im Altertum dem einsamen Wandeter ein plönlicher Schrei Grauen einflonte oder ein Naturereignis die Besinnung raubte, meinte er als Urdeber Pau ansehen zu müssen. Der Goit wollte weder gckannt noch gestört sein, wenn er in mättäglicher Stille schlief oder auf der von ihm erfundenen Hirienslöte (Syriux) sein einsames Lied dlies. Mit ihm schlief alle Natur und hielt den Atem an, um ohn nicht zu wecken(Goetbe. Noselle). Sein Ermachen brachte Schreck und Aufruhr:„Wenn unerwartet mie Gewalt ann aber seine Stim' erschallt wie Biibesknattern Meergebraus, dann niemand weiß, wo ein noch aue“ (Fanst UI. Nympben im Chor). Deutscher Echat für die Panik ware Schrecktlucht. Jungser und Innker Das diese beiden Worter das Worf rung gemein haben, sicht wohl jeder; aber in den Endsilben erkennen wohl nur wenige die Wörter Frau und Herr wieder, die durch die starke Besonung der ersten zu scheinbar bedeutungslosen Anhängseln herabgedrückt worden sind. Derselbe Vorgang ist aber auch in Dritte. Viertel und zu beobachten, wo das Wort Teil alle Beden tueig verloren zu haben scheint; auch neben Vorteil gibt es in Mundart und Umgangssprache die Form Vortel(auch mit der Bedeutung Kunstgriff, Kniff. besonders in der Redensart: das Vortel weghaben). Die Wimper ist verkürzt aus umtbriue= d. i. Haarbraue(wint= Hoar). Rühsen aus ruobesame(Ruhsamen), die vollsmäßigen Mannsen und Weidsen aus Mannes= und Weidesname— alles, was Mann und Weib beißt. Grumme)t aus Grunmahd. Kieser aus Kienfohre(wie Kienbaum nöch oberdeutsch gebrauchlich), Adler aus adelur d i. Edelaat, Sperber aus sparo (Sperling) und z(er stößt besonders auf Sperlinge). In Weingegenden lagt man Wingert für Weingarten: Baumgarten wunde mundartlich zu Bungert. Der weitverbreitete Schulole) geht bekanntlich auf Schullheiß zurück, mhd schultheize der. der Verpflichtungen oder Leistungen heißt, besichlt Der Schuster ist eigentlich ein schuchsuthere, ein Schuhnäber vom latein zutor Schneider. Mundartlich wird barsuß zu barbe oder harft, man wird sich keiner Dopvelung bewußt, wenn man von barften Fükzen(so Skowronnek) oder handsen Beinen spricht. Wie die niederd. Buche aus Bochhose(Hose aus Bocksleder). so ergab sich der Name Lerse(niederländ. ein weiter, hoder Stiefel, dessen Versertiger Lersner heißt) durch Lederse bindurch aus Lederhose. Die Endsilbe sen führt in Namen wie Benningsen und Mockensen auf hausen zurück, dagegen auf Sohn in Petersen. Jansen. Mommsen(Jans-, d. I. Johannes= und Mommessohn). C. W. Deutscher Soacherein * Das Volk hat's Wort! Sprichwörtliche Redensarten. Die deutsche Sorache ist sehr reich an Sprichwörtern und Redensarten. Die Quelle vieler Gleichnisse der Sprache sind Sitten und Zunftgebräuche früherer Zei (en, Tesalöse und wirtschaftliche Einrichtungen. Auch aus dem Tierleben ist manches Sprichwort entnomenen Ihrem Ursprung nach sind die wenigsten Redensarten dekannt. Man bedient sich ihrer, odne an ihre Quelle z denken. Einige der betan= teren sollen nun in ihrem frühe ren Sinne beschrieben werden Jemand„einen Deukzettel geden“ deißt soviel als ihn in Strafe nehmen Der Denkzcttel wird dereits im Alten Testament (5. Mos. 6 8) erwähnt. Auf den Denkacttel, einem Pergamentstreisen, wurden verschiedene Sorüche ver zeichnet. Denizettel hatten im Rittelalter auch die Abgesandten eines Herrschers den Städten und Landoogten zu uberbringen. Diese Denkzettel enthielten Veron nungen und Gesetze. Deseleichen erhielten an den Schulon der damali#### Zeit Kinder, die sich gegen Sitte und Moral vongan gen hatten. Denkzcttel. auf denen das betressende Vergeben stand und welchen der Schailer eine bestimmte Zeit mit sich tragen mußie. So wurde einmal ein Schütler der ein Messer bestohlen datte und dann einen anderen der Tat bezichtigte, in allen Klassen derumgefuhrt. Auf der Brust mußte er dabei ern Schild mit der Inschrift tragen:„Ich din ein Died, ein Lügner ein Verleunder" „Das geht übers Bohnenlied“. d. d. über alle Begriffe. Diese Redensart war bereits im 15. Jahrdundert sehr bekannt. Bei den damakigen Fastnachtewpielen wurde in Liedern die Ent#troobe gelungen„nun sind wir aus den Bohnen“, aus der fleischlosen Zeit Einem„twasandängen" bedeutet soviel als hinter seinem Rücken Uedles von iim sagen Dies Wort ist einem alten Rechtebrauch enteiom men. Im Mittelalter wurden bestimmten Missetatern zr Strafc Gegenstande angebangt mit denen sic entweder an den Schando##atzl bestellt wurden oder die sie nurch die Straßen der Stadt bis zum Rathaus tragen mußten So hing man den Gotteolästerern einen schaeren Stein um den Hals, den sogenannten Lösterstein. Trunkenbolde mußten eine schwere Tonne, den spanischen Kragen schlenpen. Falschsvielern wurde aus Eisen versertigte Sviekkarten und ebensolche Wursel an den Körver gehängt. Unflätigen###lpte man einen ersernen Schädel, dem eines Schweines nochgebildet Der Juchs en emmm men Im Steinleitner Hose laßen sie beim„Hoamaar!“ zusammen. Mädeln und Burschen in dunter Reihe auf den Osen= oder den langen Wandbänken, die ringan den braungetäselten Wänden der niederen Bouern= stube herumliefen. Die Mädel strickten oder verzierten die unterschiedlichsten, für die künftige Aussteuer be stimmten Waschestücke mit kunstvollen Häkeleien, die Burschen qualmten aus ihren farbigbemalten Tahafsrseisen, und man erzählte abwechselnd allerhand Spinnstubengeschichten und scherzie und neckte sich, wie dies bei den abendlichen geselligen Zusammenkünften des jungen Voikes dort oben im Gedinge nun einma lo üblich ist Pötzlich ging die Türe auf und zwei Nachonole junge Butschen aus einer denachbarten Ortschaft. traten herein. Habts scho a Neuigkeit a'dör!?“ riesen sie, kaum daß sie die Schwelle überschritten datten, und dann. als alles döchst gelvannt ausblickte:„Beim Kramer In Aettenaudorf is scho wieda ei brochg worden!" „Ja was!“—„Scho Wieda!"—„Ne: mog!!!“— „Jetzt wird die G'schicht aba icho hald undnam!!!“— „Was is denn ostohl'n?"—„Erzählt's halt!"— so schwirrten die aufgeregten Rufe wirr durche nander Und die beiden Ankönmlinge berichteten: „Ja. also— heunt in alla Früh', wies no dunke! war muß's ascheh'n sein. Die Kramerin hat's erscht gmerkt, wie sie vo der Frühsness' doamkomma is! Fast alle Stoff' san weg— Tadok und Ziorettl'n— was in da Kass'n war, natürli an— und no bübch was an Lebensmitteln———“ „Jetzt is dös in ganz kurzer Zeit scho da achte Ei'bruch do umeinand in der Gesend— hai ma denn no boa Ahnung, wer's gwesen sein könn!"?“ fragte einer der Anwesenden. „Nag— mö Gendarm hamm no nix derwischt— sie meinen aber, die Soithub'n hätten scheint's a ndar Frauen dabei##bidt, die wo die Auwasser gmacht haben!" „Sell elaub i net,“ zlei der junge BachlechnerPeter dazwischen. Waruen denn nät?“ „Weil's dann net lo lang hätt'n unentdect bleihen können— menn wo Weiverleut dahei san die plau schen do gkei alls aus— dös is do an alte G'schicht!" Ein Sturm der Entristung erhob sich nach diesen Worten unter der im Raume weilenden jungen Weiblichkeit. „Hallo— waar net schlecht!"—„Der moant wohl. a Madel ko kon Gheimnis nei wahr'n!"—„Wär net übe!!“ schrieen die Mädeln und drangen drohend auf den Peter an. Doch der erklärte energisch„Und do is wahr— koan Madel so ma was anvertnau'n — a jede red't alls umeinander!“ Darob natürlich neuerdings döchte Erregung des solcherart beleidigten weiblichen Geschlechtes— aber der Peter blieb unerschütterlich bei seiner Meinung die Mädel hingegen schworen hoch und teuer, daß jedes noch so tiese Geheimnis bei ihnen am sichersten auf gehoben wäre— und nachdem der Streit ein Weilche## gedauert hatte. schlug schließlich ein Soahne#el eine Wetle vor: Ein paar Butschen sollten vieren der anwesenden Diandein, welche sich am enwörtesten gebärdeten, irgend eine Falle stellen, um idre Zuverlässig keit zu erproben— gingen sie ruhmyrdeckt aus der Sache hervor. so bekämen sie beim nächsten Jahrmark! jede ein huntes Seidentüchel und ein grohes Ledkuchenherz zum Lohne— wenn jedoch die Burschen Sieger blieben, müßten ihnen die Madeln beim Wirt etliche Runden Vier mit Weißwürsten besadlen. Der Votschlag sand begeisterte Zustimmunn, mit eroßem Eiser wurden die einzelnen Punkte des Vertrages nochmals genau seitgelegt—— und aufs höchste erheitert und vergnügt, begad man sich endlich zu sedr vorgcrückter Stunde nach Hause. Doch schon nach einigen Tagen war die Aumachung last völlig in Vergessenheit geraten. Ein neuer unaufgektärter Diebstahl und sonstige Dorsereisnisse leusten die allgemeine Aufmerchamkeit auf andere Dinge, und bald dachte niemand mehr an die Watte— bis auf den Bachlechner=Peter, der sein Ziel nicht aus den Augen verlor und sich in heimlicher Erwartung ins Fäusichen lachte. über den Kopf und kängle ein Schild dor De Brihr mit der Bezeichnung:„Strafe weger Unshalerei“. Schlechte Musikanten erdielten die„Schandklote“, ein längliches, verschließtares volseisen in vorm einer Ilote, in welches die Finger eingeschiossen wurden, um den Hals Mit mem„Matthäi am lctzten ist.“ von den ist nicht mehr viel zu erhossen, dessen Krafte sind Ende. Der Ausdruck ist der Kirche##sorache entiehnt. Gemeint ist dar letzte Kavitel des Matttäievangentum und dier die Worte Jesn:„Gehet hin in alle Melt". Erstmalig findet sich das Wort als Scherz in Chroniken des 16. Jahrhunderts. usgehen wie das Hornburger Schse. ben“ sagt man von einer Sache, aus der trotz vielen Redens und Beratens nichts soworden ist. Zu Hornburg in Baden war im Jahre 166: em grobes Schüitzensest angesetzt. Di in den Jahren vorher viel guter Wein gewo#zen war wurden sung Liter für wenige Kreuzer verkauft, und die Schützen sprachen eifrig dem edlen Getrank zu. Dle man mehreie Stunden nach der Scheibe geschossen hatte, ohne elwac zu treisen, war. so vermeldet die Chronik.„dos Züidkraut zu Ende“, so daß ein weiteres Schieben unmöglich war. Das Schieben„ging gal kläulich aus". da niemand von den Schützen, eden weil kein Schuß gesessen hatte, zum Schützenkönig ptoklamiert m## konnte „Schreien, wie ein Jahnbrecher“ wird von einem gesagt, der laut und aufdranglich schreit. Diese Rodensart eeitstammt den Jahimarktsgebräuchen des Mitickalters. Kurpnscher und Jabnunete zogen von Ort zu Ort, auf Jahrmärkten idre Mirluren, Salben. Pilien und idre Kunste laut dem erstaunten Volke anbreisend Die heitere Bezeichnung„Auantöhre“ für den Zvlinderha ist ernsten Urtorunge In emer Dentschrift über die Wiener Oktoder Unruhen im Jahre 1848 wird berichtet„Wahrend nun in der Saalburg(dem Kommando dei Nationalgarde) alles im großten Aufruhr war. lagerte über der Unsversitätestadt dumofe Stille. An deelem Tage sah man die Führer der Studenten mit Zolinderduten, welche von dielem Augenblick an den Namen„Auest= röhre" erhielten. Fastnachtssonnlaa wer's im Gedirg=dorse Buchenschüsse und Knaltrische lernten, und von allen Ecken und Enden tonte das lu#vor Peilichen= ocknall des„Jaschingsschnalzens“. Die jungen Burschen des Ortes hatten sich togsüber ausgiebig am „Faschingsschnalten" beteiligt, waren dann altem Brauche gemäß in den herkömmlichen Vermammungen durchs Dorf gerann: und datten mit der sie bealcitenden Kinderschar und allen Begegnenden idren Schabernack getrieben. Endlich, bei entdrechender Dammerung. stürmten sie in das A#rishaue, wo schon die gleichfalls maskierten Bauernmadchen und die Musilanten versammelt waren. Diese stimmten sofort eine slotte Tanzweise an, und bald slogen die Paare wanter dabin. Eine grohe Meege lustiger Ma#ken shllic den Soal. Viele trugen originelle. von Bäiern und Groppalern ererdie dolzgeschnitzte Larven, andere wieder allerhand groteste Papomarken, die sie um wen##e Pfennige deim Krämer erstanden datten. und die sonstigen Verkleidungen waren aus den primitiosten Materialien bunt und kunstlos zusamme ngett oowel!— gleichwohl aber berischte allgemein ausgelassenfte Faschingsfroblichkeit. Der Bachlechner Peier wer einer der sidellten, er tanzte und neckte die anderen hast ununterbrochen, doch auf einmal verschwand er gane plötzlich, und seine Tänzerinnen guckten sich vergeblich nach iom die Augen aus. Bad aber nahe eine neue Erscheinung das Interesse der Made vollauf in Ansoruch. Es war dies ein stattlicher Maslierter, der eine mächtige Fuchslaive trug und ien übrigen in einem enganliegenden Anzug aus totgefärdtem Zwillich, an dem hinten em unsehruter Fuchsschwanz von gekrauseltem, rotem Kreopavier besestigt war steckte. Der Fuchs wandelte eine Weile unschlussig zwischen den Tanzenden deuum— schließlich ader versügte er sich an seinen Tisch in der Eche des Saales. wo vier gleichsalls vermummte Madel Platz genommen datten, und begann mit diesen ein Gesprach. Er redete ein reichlich mühames Hochdeutsch der den Madeln aber trotzdem sohr vornetnn erschien— und die viere zerbrachen sich die Kände, wer denn der Aus Westfalen Dreifacher Mord und Selbstmordversuch? Die Gashähne geöffnet. * Hamborn, 6. Jehr. In der vergangenen Nacht and hier drei Menschenleben durch Gas getötet worden. Hause Bölkestraße 17 wurden die beiden 4= und 5. jährigen Töchterchen des Beramanns Franz Miny sowie die 55jährige Stiefmutter des Franz Mino in ihren Betten tot aufgesunden. Bei allen drei war der Tod durch Gas eingetreten. Der Vater der beiden Madmen. Franz Mino, wurde ebenfalls bewußtlos aufgekunden, konnte aber wieder ins Leben zurückgerufen werden. Das Unglück wurde dadurch entdeckt, daß der Vater des Minv, der 60jährige Bergmann Hermann Miny, die Haustür verschlossen fand, als er morgens von der Schicht heimkehrte. Er verschaffte sich schließlich gewaltsam Zutritt zu der Wohnung, wo ihm sofort ein starker Gasgeruch entgegenschlug. Er stellte fest, daß in der Rüche sämtliche Gashähne offen standen. Er öffnete sofort sämtliche Feuster und benachrichtigte die Polizei. Wie Franz Miny der Polizei mitteilte, hat er aus Lebensüberdruß die Gasbähne geöffnet, um seinen Tod verbeizuführen. Es besteht jedoch der Verdacht, daß er auch die beiden Kinder sowie die Ehefrau Miny habe töten wollen, so daß vorläufig seine Festnahme verfügt worden ist. Eine dementsprechende Untersuchung ist bereits eingeleitet worden. Es ist nicht anzunehmen, daß as sich lediglich um einen Selbstmordversuch handelt. Castrov=Rauzel, 6. Febr. Ein Kaufmann aus Duisburg hat es verstanden, mit Hilfe gefälschter Hypothekenbriefe und Wechsel die Castrov=Rauxeler Bank um mehrere Beträge in Höhe von rd. 20,000 Mt. zu betrügen. Bei einer jetzt vorgenommenen Nachprüfung kamen die Schwindeleien ans Tageslicht. Die Untersuchung ist noch in vollem Gange und erstreckt sich hauptsächlich auf die Helfershelfer. Der Hypotbekenschwindler aus Duisburg konnte festgenommen werden. h Dortmund. 6. Febr. Wie wir erfahren. ist ein großzügiger Ausbau der städtischen Fernsrrechanlagen für den internen Verkehr zwischen den einzelnen Verwaltungsstellen in Aussicht genommen. Die Kosten hierfür stellen sich auf 520000 Mk. Ferner soll zwischen den städtischen Bureauräumen im Westfalenhaus und dem Stadthaus eine Rohrvostverbindung angelegt werden, die einen Betrag von rd. 31000 Mk. erfordert. * Dortmund. 6. Febr. Der Gastwirt Breddemann, der Pächter des vor ungefähr einem Jahr im Ufa=Palast eröffneten großen Bierrestaurants und Hotels Stadtschenke. der seit einigen Tagen schwer an Lungenentsundung erkrankt war. stürzte sich in einem unbewachten Augenblick aus seiner im 8. Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Reinoldistraße und blieb mit einem schweren Schädelbruch liegen. Er war sofort tot. Wie es heißt, soll er den Todessturz in einem Anfalle von Fieberwahn ausgeführt, haben,, doch, sind Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten des Stadthotels im Umlauf 18 Pakete Dynamit gestohlen. * Hagen. 6. Febr. In der vergangenen Nacht ist es Dieben gelungen. 18 grose Pakete Dynamit und eine große Anzahl Sorengkavseln aus der Baubude Linderhausen bei Schwelm zu entwenden. die wahrscheinlich zu verbrecherischen Zwecken benutzt werden sollen. 27 000 Eier zertrümmert. * Lippstadt, 6. Febr. Zug unn Lastauto„stießen zwischen Metelen und Schäpvingen(Strecke Westfälische Landesbahn) zusammen. Das Lastauto war bepackt mit 27000 Eiern und 10 Pfund Butter. Die Eier sind fast vollzahlig zertrummert. Das Auto wurde schwer beschädigt. Die Lokomotive kam mit geringen Beschädigungen davon. Der Zug erlitt 90 Minuten Verspätung. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.— Ein Bäuerlein an der Unfallstelle bemerkte recht witzig:„Der Chauffeur kann sich freuen, daß Freitag war, sonst hätte die Lokomotive statt der Eier ihn gefressen.“ Der Stier ist los! * Paderborn, 6. Febr. Bei Germete riß sich ein Stier. den zwei Metzger zur Schlachtbank führten. los und rane in das Dorf. Er zerriß sich den Nasenring. und Rheinland. id mit blutigem Maule und schnaubend und brüllend sturmte er durch die Straßen. Die Einwohner fluchteten in die Häuser. Zwei Schüler, die sich nicht nehr rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, hatten die Geistesgegenwart, sich in den Schnee zu werfen. Der Stier rannte an ihnen vorbei und drang schließlich in eine Hofstelle ein. woer in das Haus einzudringen versuchte. Der Hofbesitzer aab von der Trevpe aus mehrere Schüsse auf ihn ab und totete ihn schließlich Güterslob. 6. Febr. Die 80 Jahre alte Kleinrentnerin Luise Wilke kam in ihrer Wohnung dem Ofen zu nahe. Die Kleider singen Feuer. das sich mit großer Schnelligkeit über den ganzen Körver verbreitete. Die Frau verbrannte bei lebendigem Leibe * Blankenstein, 6. Febr. Zwei Arbeiter waren im Hock ofenbetrieb der Henrichshütte mit Revaraturarbeiten in der Oelreinigungsanlage beschäftigt. Dabei wurde einer ohnmachtig. Als der 57jährige Franz Jablonski inm beispringen wollte, wurde auch er ohnmächtig und ertrank in dem 1½ Meter hohen Wasser des Sammelkanals. Sein Kamerad wurde gerettet. Jahlonski hinterläßt fünf Kinder. h Düsseldorf. 6. Fehr. Auf der Vertastraße wurde abends gegen 21 Uhr eine altere Frau. als sie auf dem Heimweg war. plönzlich von einem unbekannten Mann uverfallen. Er begrüßte die Frau mit den Worten„Guten Abend“ und schlug sie dann zu Boden. Mit den Worten„nicht schreien" stach er mir einem Messer blindlings aus die am Boden Liegende ein. Da die Frau jedoch laut um Hilfe schrie. verschwand der Täter alsbald in der Dunkelheit. Die Frau hatte schwere Verletzungen am Kopf. am Arm und im Rücken davongetragen. Man nimmt an, daß es sich bei dem Ueberfall um eine Verwechselung gehandelt hat. Die Frau mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Köln, 6. Febr. Gestern früh bat ein etwa 25jähriger Mann auf der Neußerstraße einen Kraftwagenführer, ihn nach Longerich zu fahren. Auf der Fahrt dorthin ließ er auf der verlängerten Etzelstraße im freien Gelände halten und entfernte sich erwas. Als er sich wieder dem Wagen näherte und der neben dem Wagen stehende Führer ihm die Tür öffnete. verlangte er unter Vorhaltung eines Revolvers die Herausgabe seines Geldes. Der Räuber gab einen Schuß ab. der den Chauffeur an der linken Halsseite schwer verletzte. Er sank sofort besinnungslos zu Boden. Darauf flüchtete der Täter. ohne den Chauffeur zu berauben. Die Schreckensfahrt auf der Eisscholle. “ R h e i n h a u s e n, 6. F e b r. W i e d i e R h e i n h a u s e n e r Polizeiverwaltung heute mitteilt, haben sich die beiden 15 und 17 Jahre alten Oberrealschüler aus Rheinhausen selbst gerettet, indem sie sich an einem Drabrsei! eines in der Nähe vor Anker liegenden Schiffeg ans Ufer zogen. Ungefähr eine Stunde trieben sie auf der Eisscholle umber. Kampf mit den Schmugglern. “ Aachen, 6. Febr. In der Bekämpfung des Schmuggler= unwesens gelang den Zollheamten wieder ein guter Fang Beamte des Bezirkskommissariats Aachen=Süd fahndeten schon längere Zeit nach einem Personenkraft= wagen, mit dem Eilendorfer Schmuggler größere Mengen Schmuggelware über die Grenze zu schaffen versuchten. Im Ort Lichtenbusch wurde nunmehr der Wagen gesichtet und gestellt. Er war mit drei Leuten besetzt. Ihr Führer achtete weder auf die Anrufe noch auf die Haltezeichen der Beamten und versuchte in beschleunigtem. Tempo zu entkommen. Die Beamten folgten dem Wagen und waren gezwungen, von der Schußwafse Gebrauch zu machen. Trotzdem fuhren die Schmuggler weiter. Einer von ihnen sprang in voller Fahrt aus dem Wagen und versuchte über Hecken und durch Wiesengelände zu entkommen. Mehrere Beamte nahmen seine Verfolgung auf und konnten ihn auch festnehmen. Inzwischen war es auch gelungen, den Kraftwagen zum Stehen zu bringen und seine beiden übrigen Insassen ebenfalls festzunehmen. Der Wagen hatte nicht weniger als sechs Zentner Kassee. 13.000 Zigaretten und 1000 Zigarren geladen, die mit dem Kraftwagen beschlagnahmt und dem Hauptzollamt übergeben wurden. Die Insassen des Wagens waren bekannte Schmuggler. “ Trier. 6. Febr. Der nunmehr fertiggestellte Haushaltsplan der Stadt für 1929 30 sieht keine Steuererhonung vor. Zur Ausgleichung des Fehlbetrages werden vielmehr die städtischen Betriebe. vor allem das Elektrizitätswerk. schärfer herangezogen, ohne daß dadurch eine Tariserhöhung notwendig wäre. ck. Koblenz. 6. Fehr. In dem kleinen Orte Angscheid bei Bacharach ereignete sich während der Feier einer goldenen Hochzeit ein tragischer Zwischenfall. Als die dortige Feuerwehrkavelle don alten Leutchen ein Ständchen brachte, erlitt die Jubelbraut aus freudiger rregung einen Herzschlaa und starb auf der Stelle Der„Immertreu“=Prozeß. Berlin, 6. Febr.(Telegr.) Am dritten Verhandlungstage im„Immertreu"=Prozeß wird zunächst der Chauffeur Ermann vernommen, der gesehen haben will, daß bei der Schlägerei ein Zimmermann von tahe gen worden ist. ich seiner Schildeinn hielt sich am t auf ihn ein, so rach HalbtotStraße, bis ihn „ Auf die Frage klagten Steinke mann, dies sei ihm möglich, vielleicht den Täter an der Ansicht, die beiden abführten, müßten Steinke und Höhne Angriff bereiligt Zum Schluß der Sitzung wurde sodann der erste Vorsitzende des Vereins„Immertreu", der Kellner Füllert, als Zeuge vernommen. Er wandte sich gegen die Behauptungen, daß der Verein ein Verbrecherverein sei. Der Zweck des Vereins sei, Sport und Geselligkeit zu pflegen. Von den 65 Mitgliedern hätten etwa 50 Arbeit. Der Zeuge bestritt auch, daß Entlastungszeugen 150 Mark geboten worden seien. Bei den Verhandlungen mit den Altgesellen der Zimmerleute habe ein Zimmermann zugegeben, zuerst mit einem Holzhammer geschlagen zu haben. Das Gericht beschloß, trotz gegenteiliger Anträge der Verteidigung, morgen nur noch vier Zeugen zu vernehmen, und sodann mit den Plädoyers zu beginnen Alle Zeugen, mit Ausnahme des Zimmermanns Schulnies und des Wirtes vom Klosterkeller, Bach, wurden vereidigt. * Verhaftung eines ungetreuen Kassenverwalters. Berlin, 6. Fehr.(Telegr.) Hier wurde der 28. fährige Bureawdorsteher Annder verhaftet, der dei einer Agentur der Feuerversicherungsgesellschaft„Rheinland“ den Posten eines Kassenverwalters bekleidete. Kunder war bei der Gesellschaft vor 9: Jahren als Lehrling eingetreten und datte sich im Laufe der Zeit zu der Vertrauensstellung emvorgearbeitet. Anfang d. Irs blieb Kunder vlötzlich aus dem Bureau weg und entschuldigte sich zunächst mit Erkrankung. Später teilte er seinem Chef brieflich mit, daß er mit ihm nicht ab rechnen könne, worauf Nachsorschungen angestellt wurden. die das Fehlen eines Teils der wichtigsten Bücher und eines Betrages von 40—50000 Mk. ergaben. Kunder, der auf großem Fuße lebte, behauptet, alles Geld für die Gesellschaft und in deren Interesse verwendet zu haben. * Achtet die Reichsfarben! Würzburg, 6. Jebr.(Teleor.) Der Führer des Bundes„Reichsilagge“, Hauptmann a. D. Heiß, aus Nürnberg. wurde von dem Schöffengericht Würzburg wegen Beschimpfung der Reichsfarben zu einer Geldstrafe von 300 Mark, eventuell 1 Monat Gefängnis, verurteilt. Der Anklage lag eine Aeußerung zugrunde, nach der Heiß in einer öffentlichen Versammlung die Farben der Deutschen Revublit als die Farben der Meuterei bezeichnet und erklärt hat. man müsse es aus Reinlichkeitsgründen ablehnen, diese Farben mit den Farben der deutschen Freiheitsbewegung zu verfnürfen. * Die Flucht Lewins. Was soll da vertuscht werden? Es stellt sich tetzt heraus, daß die Falschwechsel des vor kurzem zusammengebrochenen. Bankhauses Loewenberg sich auf mindestens fünf Millionen Mk. belaufen. Davon entfallen etwa 1.5 Millionen auf inländische Banken und der größere Rest auf ausländische. insbesondere holländische und französische Banken Erstaunt fragt man sich, wie es möglich war, daß für eine derartige riesige Summe gefälschte Wechsel in Umlauf gebracht werden konnten. Und noch mehr ist man erstaunt darüber, daß offensichtlich Kräfte am Werke sind. um diese ganze üble Geschichte zu vertuschen. Nun ist in aller Oefsentlichkeit behaurket worden. de# gewisse Banken ein Interesse daran hatten, über die Sache moglicht unauffällig hinwegzukommen. Es war schon eigenartig, daß die Fälscher Lewin, und Rappavort sich vollkommen unbemerkt dem Zugriff der Polizei entziehen konnten. Und auch da ist bebauptet worden, daß beide rechtzeitig gewarnt worden wären und sich dadurch in Sicherheit hatten dringen können. Da mus man sich doch fragen; Was soll denn hier vertuscht werden? Es ware ein ungeheurer, vielleicht nie wieder autzumachender Schlag gegen das Arsehen der deutschen Banken. wenn hier nicht Klarheit geschaifen würde. Die Darstellung, daß führende Berliner Bankkreise in engser persönlicher Beziehung zu den beiden aus Rußland eingewanderten Wechselfälschern gestanden hatten. kann doch nicht hinreichen als Erklärung dafür, dan die betreffenden Banken stillschweigend einen derartigen Millionen=Verlust hinnehmen. Durch diese Beziebungen haben die Betrüger es allerdings vermocht, immer wieder neue Kredite und vor allem gegenüber denjenigen Stellen, bei denen sie neu ins Geschäft" kommen wollten, gute Auskünfte zu erhalten. Wenn nun die Geschadigten jetzt schweigen, so haben sie offenbar ein Interesse daran. in der Oeffentlichkeit nicht in Beziebung zu den Falschern gebracht zu werden. Diese Kreise haben offenbar auch daran ein Interesse, daß Lewin nicht gefaßt wird. Man munkelt sogar, daß man hm erhebliche Betrage noch zugesteckt habe, damit er übers Wasser geben konnte. Und ein besonders guter Kenner der Dinge hat dieser Tage in aller Oessentlichkeit ausgesprochen: Wenn Lewin aus seiner käuflich erworbenen Heimai Nicaragug an die Geschädigten nach Berlin kabeln wurde, sie mochten ihm je 100000 Mark überweisen. andernfalls wurde er nach Berlin zurückkommen. so wür den diese Beträge sicherlich telegraphisch überwiesen. Denn wenn Lewin vor ein deutsches Gericht komme. so wäre die Blamage der beteiligten Bankiers nicht auszudenken! Das läßt wirklich tief blicken! Aber die Frage nicht unterdrückt werden, wie es möglich gewesen ist. 1ror aller peinlichen Prüfungsmethoden Millionen falscher Wechsel bei den Banken in Umlauf zu bringen und wie es möglich ist, daß einem solchen Menschen Millionen für seine frivolen Overationen zur Verfügung gestellt werden. während der kleine solide, unbedingt ehrliche und gemissenhafte Geschaftsmann, der absolut sichere Garantien hieten kann. noch nicht einmal 1000 Mark Kredit zu erhalten vermag. Hier muß wirklich etwas faul sein! blutigen Straßenkämpfe in Bombay. 22 Cote und mehr als 150 Der Bombav, 6. Febr.(Telegr.) Meldungen aus den Unruhegebieten zufolge sind die Kämpfe zwischen Pathaus und Hindu=Spinnereiarbeitern. die gestern abend 10 Uhr begonnen hatten, noch immer im Gange. Polizeitrunven saben sich heute gezwungen, auf eine Gruppe von Mohammedanern zu feuern, die einen Wagen verfolgten, in dem ein verletzter Hindu nach dem Krankenhaus gebracht wurde. Auch bei zwei weiteren Anlässen mußte die Polizei gegen Ansammlungen von Mohammedanern von der Schußwasse Gebrauch machen. Drei Personen wurden getötet und sechs verwundet. Wie man annimmt, sind seit dem Beginn der Unruhen insgesamt 22 Personen getötet und mebr als 150 verletzt worden. Unruhen in Colombo. Colombo, 6. Febr.(Telegr.) Bei den Unruhen wurden gestern hier fünf Personen getötet und 23 Verletzte ins Krankenhaus eingeliefert. * Beileideschreiben des Reichoprasidenten zum Tode von Hünefelds. Berlin, 6. Febr.(Telegr.) Der Reichspräsident hat an die Mutter des verstorbenen Ozeanfliegers von Hünefeld nachstehendes Beileidsschreiben gerichtet:„An dem schweren Verlust. der Sie durch den so unerwarteten Tod Ihres Sohnes betroffen hat, nehme ich aufrichtigen Anteil. Ich bitte Sie und Ihre Familie, den Ausdruck meines herzlichen Beileids und die Versicherung entgegenzunehmen, daß ich dem Verstorbenen, dessen Name in der Geschichte der deutschen Luftfahrt weiterleben wird. ein ehrendes Gedenken bewahren werde.“ Auch Reichsverkehrsminister von Guerard richtete an die Mutter des verstorbenen Ozeanfliegers von Hünefeld ein Beileidstelegramm. * Der Winter. Die Blätter berichten auch heute von der Kälte in Nord=Italien. In Svezia sind drei Personen erfroren. In Rom stieg die Temveratur etwas an. nachdem der eisige Nordwind aufgehört hatte. Die tiesste Temveratur in Rom betrug gestern 7 Grad Kälte. die höchste 4 Grad Kälte. Der Sturm und die Schneefälle in Konstantinovel haben aufgehört. Der Eisenbahnvexkehr konnte jedoch noch nicht aufgenommen werden. Der Stadtteil Eruh liegt unter den Schneemassen begraben. Mehrere Häuser sind eingestürzt. Die Regierung hat 20000 Pfund unter die armere Bevölkerung verteilt. Seit 76 Jahren bat hier niemals ein derartiges Unwetter geherrscht. Einer Blättermeldung zufolge wurden bei Mährisch= Schönberg eine aus 10 Personen bestehende Zigeunersamilie erfroren aufgefunden. Ueber drei Erdteile. Die nächste Fahrt des„Graf Zeppelin". Friedrichshasen. 6 Febr.(Telear.) Beim Luftschiffbau werden bereits alle Vorkehrungen für die nächste größere Fahrt des„Graf Zeppelin“ getrofsen, die noch vor Ablauf dieses Monats stattfinden und über die Küstengebiete von drei Erdteilen führen soll. Man dat versucht, das schwierige Problem der Nachrichtenübermittelung dadurch zu lösen, daß man es dem Luftschiff ermöglicht. Funkmeldungen teils auf langen. teils auf kurzen Wellen zu geben und zu empfangen. In das Luftschiff sind deshalb zwei getrennte Funkapparate eingebaut worden die unabhängig von einander arbeiten. Die Fabrten. die der, 3. 127“ in den nächsten Tagen ausführen wird. sollen hauptsächlich dem Zweck dienen. Kurzund Langwellenfunk gegeneinander auszuvroben. Landfriedensbruchprozeß gegen neun Nationalsozialisten. ##### Kottbus, 6. Febr.(Telegr.) Vor dem Kottbuser Schwurgericht begann der Prozeß gegen neun Nationalsozialisten aus Kausche bei Senftenberg wegen schweren Landfriedensbruches. Sämtliche Angeklagten stehen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Am 31. Oktober waren in einem Gasthaus in Welzow der Maschinenführer des Kauscher=Werkes, Scholz, und noch mehrere der S. P. D. angehörige Mitglieder mit drei ebenfalls in dem Werk tätigen Nationalsozialisten in Streit geraten. Scholz wurde dabei erschossen. * Drei Rinder ermordet. #### Antwerven, 6. Febr.(Telear.) Ein gewisser, 53 Jahre alter Viktor Deceutsche erschoß gestern abend, als seine Frau in Begleitung seiner Tochter in eine Kinovorstellung gegangen war, seinen 25jährigen Sohn Julien, seinen neunjährigen Sohn Joseph und seine 20 Jahre alte Tochter Jeanne. Seine 5jährige Tochter Irene ließ er am Leben. Er benachrichtigte nach der furchtbaren Bluttat telephonisch die Polizei und erklärte bei seiner Vernehmung, er habe die Kinder getötet, weil es nicht die seinigen wären. Die 5jährige Irene aber sei sein Kind. Er habe sie deswegen ant Leben gelassen. Der Morder hatte die Absicht, seine Kinder zu töten, bereits vor längerer Zeit gesaßt und sich einen Revolver gekauft, um die Tat auszuführen. Explosion bei einer Prozession. # R o m. 6. F e h r.( T e l e g r.) W i e„ P o v o l o d i R o m a“ berschtet, ereignete sich gestern in Catania bei einer großen Prozession, die zu Ehren der heiligen Agatbe. der Schutzvakronin der Stadt, abgehalten wurde und bei der. wie gewohnlich. Böllerschüsse abgegeben wurden. ein folgenschweres Unglück. Nach den ersten Böllerschussen vrang ein Funke in eine noch volle Kiste mit Munition und brachte sie zur Explosion. Die ungewohnlich heitige Detonation verursachte eine entsetzliche Panik unter der vieltausendkoptigen Menge. die eiligst auseinanderstoh. Als sich die Leute zerstreut hatten. sand man auf dem Platze 25 Verwundete vor. unter ihnen mehrere lebensgefährlich Verletzte Gewerbe= Industrie Rh. m örsenberichte. 9 e Berliner Börse. cher Abschwächung recht fest. r.(Teleer.) Die Börse eröffnete in Haltung. Auslandsaufträge fehlten: ie Anregungen vor. Die Kurse um 1—2 Prozent ab. Im Verrvolung ein, von der besonders betroffen wurde. Es kam in andskäufen. Die Kurie konnten 1— Prozent erholen. Bis zum ndliche Stimmung an. Auch die recht fest auf angebliche lagen rudig. Anatolier und isen lagen durchweg leichter. #ark befestigt. m Geld#gl. Geld 5—7 Prozent. für Der Diskont für WarenProsent. Der Brivat#t 5% Prosent für beide und Kurenborse. Verkehr an der KurenVon Kohlenaktien ragen zu letzten Preisen übrigen Kohlenwerte " Braunkohlen: Nielleben, die 75 Mi. arki war die Stimder Geschaftsumsang #ren Adler weiter geustriepapieten Liung lustlos. KaliIm Verlauf trat Kali=Industrie egen Schluß war nas: biw Kassa ankverein 140 G. best g 126.4#, 126 G. Goldschmidt 88°; G. 88 G. Harvener 190 G. 130 G. Hoesch 119 G. 119 G. Kali=Industrie 230 ¼, 229½ bo. G., Klöcknermerke 105½ G. 105 G. Köln=Neuessen 119 G. 119 G. Mannesmann 1241 G. 124° G. R. w. E. 235 G. 235 G. Rheinstahl 129|; G. 129“: G. Ver. Stahlwerke 97G. 97½ G. * Warenmärkte. Berliner Produktenbörse. Berlin. 6. Febr. Die Stimmung an der Produktenborse war abgeschwacht. Die Umsätze hielten sich in außerst mäßigen Grenzen. Am Lieferungsmarkt laa Weizen um 1 Mark ermäßigt. Rogaen lag bis um 2.50 Mark billiger. Hafer lag stetig. Mehl wurde nur ganz vereinzelt zu ungefähr letzten Preisen umgesetzt. Gerste lag unverändert still. Es wurden notiert: Weizen, märk. 213 bis 215. Roggen märk. 205—206. Juttergerste 192—202. Hafer, märk. 200—206. Mais 278—239. Weizenmehl 26.35 bis 29.75. Roggenmehl 27.25—29.50, Weizenkleie 15.25, Roggenkleie 14.70. Vittoriaerbsen 40—46. kleine Erbsen 28—34. Futtererdsen 21—23. Peluschken 22—24. Ackerbohnen 21—23. Wicken 26—28. blaue Luvinen 15.80 bie 16.50, gelbe Lupinen 19.00—20.00, Seradella, neue 38 bie 42. Ravskuchen 20.00—20.30. Leinkuchen 25.00 25.20. Trockenschnitzel 13.00—13.40. Tojaschrot 22.60—22.70, Karto#f#elflocen 19.00—19.20 RM. Getreide 1000 Klg., Mehl und Futtermittel 100 Kla Hamburger Warenmärkte. Hambura. 6. Fedr.(Telest.) Auf dem Kaffeemarkt lagen die Brasilosserten im Preise unverandert bis um 1 ib doher. Am bienigen Terminmarkt war das Geschäft ruhia. Die Preise konnten sich gut behauoten Im Plaz= und Inhaltsverkehr kam es nur zu kleinem Geschäft.— Auf dem Reismarkt war die Haltung tetig. Rennenswerte Preisanderungen waren, bei leinem Geschäft nicht feitzustellen.— Auf dem Hülsenfruchtmarkt war die Tendenz für Bohnen weiter jest Erbsen weiter vernachlässigt. Er wurden notiert: Galizische Schmaledohnen 19 Dollar, handverlesen 21 Dollar galizische Langbohnen 18.25 Dollar ben dverleen 29.25 Tollar. Coile Erb#en 16. gruns Cdild=Erdiau 17 tok=Pfesser 252. Piment 167 sh.— Auf dem Schmalsmarkt wurden notiert: Amerikanisches Sieam Larn 29.25 Dollar. Raftiniertes Schmals verschiedener Marken in Tierces 30.25—30.50 Dollar(in Firking zu 30 Kilogramm 0.5 Dollar in Eimern zu 1e 12.0 Kilogramm 1.5 Dollar teuter als in Tierces). Hamburger Schmalz in Prittelionnen. Marke Kreuz. 34.75 Dollar die 100 Ailogramm netto versollt.— Auf dem Getreidemart: verlief das Geschäft in ruhigen Bahnen. Leinsaat natierte 18.60—18#5 fl. Im Terminhandel notierten; Weizen per März 181 K., per Mai 187. K., per Juli 194: R. Tendenz: ruhig.— Roggen per Marz 176 K., per Mai 185:3 K. per Juli 185° be. Tendenz: schwächer. — Gerste per März 179. Verk. per Mai 180): K. per Juli 183½, Verk. Tendenz: ruhig.— Mais per Mar; —. per Mai 187 Verk., per Juli 175 bz. Tendenz: ruhig. Häute= und Fellebörse. Köln. 6. Jedr. Infolge der abwartenden Haltung besch rankte sich das Geschäft auf die notwendigen Dedungskaufe. Die Preise blieben, gegen die Vorwoche unnerandert Koln, 6. Jehr. Das Geschaft bewegt sich vorläufig in manigen Grenzen, jedoch gehen Abtalle jeder Art klot# infolge des günstigen Verhaltnisses zur Weltpreiolage. Die Preise blieben unverandert bis auf Rindbor, farbig. Der Preio hiertur stellte hch auf 1.60—1.70 RM. für ein Quaoratsutz essektives Maschinenmaß Allgemeine Nachrichten. Zahlungseinstellung der Banktirma Reichenbach&am C. Berlin 6. Fehr.(Telear.) Infolge von Ausfallen an Debitoren und Richteingang von Aktionarzahlungen sieht sich die Firma Vh. Reichenvach## Co Bankkommanditgesellschaft auf Aktien in Berlin. gemungen ihre Zahlungen einzustellen. Wigen: Borsenengazemente delteden nach Angabe der Zirma nic. 9 Diese günstige Kaufgelegenheit müssen Sie unbedingt ausnützen. Großartig ist die Auswahl. 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Johanna; Der Dauphin(später Karl der Siebente von Frankreich: Dunois, Bastard von Orleans: Richard von Beauchamp. Graf von Warwick, engl. Feldherr: La Tremouille. Marschall von Frankreich: Hauptmann La Hire: Robert von Baudricourt. Schloßhauptmann; Bertrand von Poulengey; Gilles de Rais, Blaubart: Erzbischof von Reims: Peter Cauchon, Bischoff von Beauvais; Kavlan von Stomgumber: Der Inquisitor: Bruder Martin Ladvenu; D'Estivet, Domherr: Courcelles, Domherr von Paris:„Ein Schloßverwalter: Der Scharfrichter: Ein englischer Soldat: Ein Herr aus dem Jahre 1920; Drei Edelknaben: Höflinge;" Mönche: Soldaten; Henkersknechte. Ort der Handlung:„Frankreich. Zeit: und 1456. Amol Nachtmusik Soibalen; Hemtersinechte. Dil der Handlung: Die Jahre 1429, 1431 und 1456. o Anschl.: Nacht Deutsche Welle 1646. Sender Königswusterhausen und sik und Tanz. Jeesen. Deutsche Welle. Donnerstag, 7. Febr. 12: Geh. Baurat Lerche: Volkswirtschaftliche Plaudereien: Vom Güterberg. 12.30: Mitteilungen des Reichsstadtebundes. O 13.45: Bilofunkversuche. O 14.30: H. v. Bismarck: Reisen und Abenteuer: Meine Erlebnisse:m Chma. o 15: Schulrat Senner: Naturwissenschaft. Schule und praktisches Leben. o 15.30: Wetter und Börse. o 15.40: Dr. Stiemer: Wege zur Ehe. O 16: Schulrat Senner: Naturwissenschaft. Schule und praktisches Leben. o 16.30: Berlin: Lieder von Wladimir Vogel. D Anschl.: Konzertubertr. Kapelle Ilja Livschakoff. S 17.30: Prof. Dr. Mez: Die elsassische Kulturlandschaft. 18: Albert Brodbeck: Soziale Mission der Kunst. e 18.30: Spanisch f. Fortgeschrittene. 18.55: Dr. Wild: Die Verwertung des Getreidepiritus. O 19.30: Sende=Spiele:„König für einen Tag“. Wenn ich König ware. Romantisch=komische Oper in drei Teilen von Adolphe Adam. o 21.40: Rathaus Berlin=Schöneberg: Rede des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius auf dem Empfangsabend des Berliner Verbandes der auswartigen Presse. S 22.30: FunkTanz=Unterricht. 9 Danach: Tanzmusik. Kapelle Marek Weder KI 215. Von den vielen bei uns vorgemerkten Wohnungsuchenden haben sich trotz zweimaliger Aufforderung nur 2500 wieder gemeldet. Wir nehmen aber an, daß noch eine große Anzahl Bewerber vorhanden ist, die aus irgendeinem Grunde die Erneuerung ihrer Vormerkung nicht vorgenommen haben. Um jedoch ein klares Bild und die wirkliche Zahl der Wohnungsuchenden zu bekommen, wird letzmalig der Zeitpunkt der Erneuerung der Vormerkung, und zwar vom 11. bis 16. Februar 1929 festgesetzt. 5980 Diejenigen Wohnungsuchenden, die in der angeführten Zeit die Vormerkung nicht erneuert haben, gelten nicht mehr als Wohnungsuchende und werden in den Listen gestrichen. Herne, den 5. Februar 1929. Der Magistrat. Die Verteilungslisten der Jagdpachtgelder für 1928 liegen vom 7. Februar 1929 ab zwei Wochen lang im Rathause, Zimmer 89, zur Einsicht der Jagdgenossen öffentlich aus. 5976 Die Jagdpachtgelder für Börnig, Sodingen und Holthausen für die Pachtjahre 1924·27, können von den empfangsberechtigten Jagdgenossen bei der Stadtkasse Herne abgehoben werden. Herne, den 5. Februar 1929. Der Jagdvorsteher. Täger, Oberbürgermeister. Dauerwellen System„Meyer- 10935 einzig am Platze, 5 Monate haltber, garantiert unschädlich für das Haar Parfümerie Grabomski Inhaber Fr. Badenhorst Einziges und altestes Spezialgeschäft am Platze Herne, Bahnhofstr. 20 Ruf 52436 S#2..S: #gs# nbedingte Vertrauenssache F leppiche ohne Anrahluns in 12 ionntsraten Läufer, Tisch-, „ Divan- und: Steppdecke 23— Gardinen## 80% Norade. g m 5. Weren#FEK 8 Ges. g.—* m. S. 8 *„ 0—* 5% 12 „" p s 8 3 12 „ 2*"X 2.0g ****** 9 Tri if Bekanntmachung. In unser Genossenschaftsregister ist bei der Nr. 28 eingetragenen Genossenschaft Bauhütte: und Umgegend e. G. m. v. H. in Herne heute eingetragen wurden: Durch Beschluß vom 28. Januar 1929 nossenschaft ausgelöst. Die Liquidation „*— K—.„*—„ * (0 T 9 2 ** 2 2.(D * 2. 5 2 —*„ # 92 — 97 den bisherigen Vorstand. Herne, den 30. Januar 1929. 232 78 I. gkit — 8— 3 ##2s ** 9 Das feter 5 5 0 e P S s Total-Ausverkauf sämtlicher Kleide stolle, Vorlage D E *••* *•—— #. — ** S. a.8 K O S auf alle Wa. 25 #FkK 3 F5* 83 40 0# 8 a n 595 3—* 2X *—*** X5 7553 9 75 85925 + 2* „SRäs S. a a 5 7 3 5 S 2 2. 2 T. " 17. Kurzwaren, Lau 0 ren. Heinrich Schüren Herne, Jahubol- und Bont-Leoisstr. tat KACZMAREK Der Schrecken der Garnison Ein Millfärschwank in 8 Akten Anfangszeiten: wochentags 4 Uhr, Samstags 2½ Uhr. Kassenöffnung ½ Stunde vorher. Dieser Kaczmarek, der alle Register seiner tundlichen Komik und seines bauernschlauen, durchtriebenen Gesichts zieht, ist Fritz Schulz. ein ganz jamoser Kerl, dessen lumorvolles Spiel sich den Beitall im Nu sichert.— Wie sagt doch der Komiker Bendow?„Gott, haben wir gelacht!“— Stimmt! 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