Herner Anzeiger Druck u. Verlag: Koetbers amp; Röttsches, Herne. Bebelstr. 8. neben der Hauptpost Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 60 Pfa. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907 Verantwortlich für den redaktionellen Cell: Dr. Leo Reiners, für den Anzeigen- und Reklameteil: Carl Bartels, beide in Herne. Kreisanzeiger für den Stadtkreis Herne Sodinger Anzeiger, Gertber Anzeiger Amtlich beglaubigte Abonnentenz abl Jeder Abonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 230.— versichert. wenn durch einen Anfall der Tod oder Ganzinvalidität einteitt. Anzeigenpreise: 1 mm Raumböbe lokal 7 Pfg., auswärts 8 Pfa., Arbeitsund Wohnungsmarkt 6 Pfa. 1 mm Raumböbe, im Reklameteil 30 Pfa. Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß oder Kassaskonto wird de. Konkursen und gerichtlicher Klage binsällig. Fernsprech=Anschluß: Sammel=Nummer 525911 Telegramm=Adresse: Anzeiger Herne — Nr. 206(Erstes Blatt) Dienstag, den 3. Juli 1928 24. Jahrgang. Chamberlain ebenfalls zum Vertragsabschluß mit China bereit. Englisch=französisches Kompromiß in der Abrüstungsfrage. Rellogg=Pakt und Rheinlandräumung. Erklärungen im Unterhaus. ∆ London, 30. Juli.(Telegr.) Staatssekretär des Aeußern Chamberlain befaßte sich im Unterbause in längerer Rede mit den in der Debatte angeschnittenen außenpolitischen Fragen und erklärte u. a. zu der Lage in China: Ich hoffe, die Nanking= Regierung wird mit dem ihr freundlich gesinnten England eine ebenso freundschaftliche Regelung treffen, wie sie es bereits mit der amerikanischen Regierung getan bat. Wenn dies geschehen ist, können wir die Frage der Vertragsrevision in Angriff nehmen. Wir sind zum Beispiel bereit, einen neuen Handelsvertrag zu vereinbaren. Was die Frage der Trupven in China betrifft, so wird wahrscheinlich in absehbarer Zeit eine weitere Verminderung eintreten. In der Mandschurei erblickt Großbritannien nichts weiter als einen Teil Chinas. Wir erkennen an, daß Javan großes Interesse an der Mandschurei besitzt und bezüglich des Schutzes der dortigen Japaner zu einer gewissen Besorgnis be rechtigt ist. Aber Großbritannien hat ein Interesse an einem geeinten China. und an einer einzigen Regierung, die namens Chinas Verpflichtungen eingeben und einhalten kann. Bezüglich Aegyptens betonte Chamberlain, daß jede ägyptische Regierung die britische Erklärung von 1922 mit ihren Vorbehalten in Rechnung stellen müsse. Er glaube nicht, daß die gegenwärtige Zeit für neue Vertragsverhandlungen geeignet sei. Hierauf ging Chamberlain zu dem Hauptgegenstand der Debatte, der Abrüstungsfrage, über und erklärte: Gegenwärtig tagt die Abrüstungskommission nicht, aber es sind Besprechungen zwischen uns selbst und der französischen Regierung im Gange gewesen, die darauf abzielten, die zwischen uns bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu verbindern. Diese Besprechungen sind erfolgreich gewesen, und ich bin im Begriff, den anderen wichtigsten Seemächten das erreichte Kompromiß mitzuteilen in der Hoffnung, daß es auch für sie annehmbar sein und daß auf diese Weise ein großes Hindernis beseitigt und ein Fortschritt in der Frage der Rüstungseinschränkungen erzielt werden moge. Chamberlain antwortete auf eine Anfrage, ihm sei mitgeteilt worden, daß die Unterzeichnung des amerikanisch=chinesischen Zolltarifvertrages der Anerkennung der südchinesischen Regierung durch Amerika gleichkomme. Da aber Amerika bereis gehandelt habe, ohne mit den übrigen Mächten zu beraten, so wäre es diesen Mächten unmöglich, mit Amerika zusammen eine gleichzeitige Anerkennung der südchinesischen Regierung zu verabreden. Auf die weitere Frage, ob er nicht bei dem Wiederaufbau der ostasiatischen Politik die Führung übernehmen wolle, erwiderte Chamberlain, er lege keinen besonderen Wert darauf, anderen zuvorzukommen. England habe seine politischen Richtlinien bekanntgegeben und werde bereit sein, nach der Erledigung der Nanking=Evisode ihnen zu folgen. In Beantwortung einer anderen Frage sagte Chamberlain, er habe mit zwei chinesischen Vertretern namens Huhaumin und Sunsu am 18. bzw. 23. Juli Besprechungen über die Lage in China und die chinesischen Beziehungen gehabt. Er hoffe, die nationalistischen Behörden würden jetzt den Nanking= Zwischenfall regeln. Im weiteren Verlauf seiner Rede im Unterhaus kam Chamberlain auf den Relloggpakt zu sprechen und verteidigte die britische Regierung gegen den Vorwurf einer Politik des Zauderns mit dem Hinweis, daß die Vorschläge Kelloggs in ihrer Wirkung auf die allgemeine Weltlage und besonders auf die bereits eingegangenen Verpflichtungen sorgfältig geprüft werden müßten. Großbritannien habe sich davon überzeugt, daß zwischen dem Kelloggvakt. der Völkerbundssatzung und den Locarnoverträgen keinerlei Widerspruch bestehe. Chamberlain erhob Einpruch gegen die Behauptung, daß ein Gegensatz wischen der britischen und der amerikanischen Auffassung des Begriffs Selbstver teidigung bestehe und erklärte ferner, daß die britische Doktrin, die der amerikanischen Monroedoktrin durchaus vergleichbar sei, keine Doktrin des Angriffs sei, und auf keinem Wunsch nach territorialer Ausdehnung berube, sondern lediglich eine reine Verteidizungsmaßnahme darstelle, die durch die geographischen Verhältnisse des britischen Reiches notwendig zemacht werde. Niemand könne genau sagen, welche Bedeutung der Kelloggvakt für die Zukunft haben werde. Wenn die amerikanische öffentliche Meinung sich hinter den Vertrag stelle, dann werde seine Unterzeichnung eine weitere und sehr wertvolle Sicherung des Friedens sein. Das erhoffe die britische Regierung und in diesem Geiste freue sie sich mit der amerikanischen Regierung zusammenzuarbeiten. Nach Chamberlain ergriff Llond George das Wort und gab seinem Bedaueen Ausdruck, daß die Frage der Selbstverleidigung nicht auch zu den Fragen gehören solle, die vom Völkerbund oder durch Schiedegerichte zu regeln sind. Es sei zu beklagen, daß Rellogg aus seiner ersten Stellung, als er den Krieg vorbehaltlos für geseu wiorig erklarte, verdrängt worden sei. Ein Arbeitervertreter fragte Chamberlain. ob er in Chamberlain eine Einladung durch die Vereinigten Staaten, wenn sie erfolgen sollte, unterstützen werde, erwiderte der Staatssekretär: Nein. Ich würde sie weder unterstützen noch dagegen Einwendungen erheben. Crawford(Liberaler), der die heutige außenpolitische Debatte, in deren Verlauf Chamberlain die obige Rede hielt, mit einer Frage über den Kellogg=Pakt Kampf der Nanking=Regierung gegen ausländisches Rapital. 9 Paris, 30. Juli.(Telegr.) Der Agentur„Indopacifique“ wird aus Peking gemeldet, daß die nationalistische Regierung in einem Erlaß den ausländischen Kapitalisten verbiete, die Petroleumgebiete auszubeuten und hierzu bestimmte Unternehmungen zu leiten. In Zukunft sollen ausländische Fachleute nur als Angestellte beschäftigt werden können. Rücktritt Citulescus. 2 Paris, 30. Juli.(Telegr.) Dem„Matin“ wird aus Bukarest gemeldet, daß Außenminister Titulescu dem g Aer Viet., W Eine. Grugs Ader ven Rertenn. Regentschaftsrat seine Demission definitiv überreicht hat. eingeleitet hatte, kam dabei auch auf die Rheinland. Der Korrespondent des Blattes will berichten können, daß bereits seit langem zwischen Titulescu und den übrigen Kabinettsmitgliedern ernste Meinungsverschiedenbeiten wegen der Anleibepolitik bestanden hätten und hierauf der Rücktritt zurückzuführen sei. Angesichts der innerpolitischen Spannung werde jedoch der Posten nicht neu besetzt, sondern interimistisch zunächst von Bratianu und später von dem Landwirtschaftsminister Argetoiano mit versehen werden. Titulescu selbst habe eingewilligt, nach einem dreimonatigen Erholungsurlaub auf den Londoner Posten als rumänischer Gesandter zurückzukehren. Wie die Agentur Orient Radio in Bestätigung meldet, hat der Minister des Aeußern, Titulescu, aus Gesundheitsrücksichten sein Rücktrittsgesuch überreicht. Der Minister hat sich zur Kur nach Abbazia begeben. Nach dreimonatigem Erholungsurlaub wird er wieder den Posten als rumanischer Gesandter in London übernehmen. besetzung zu sprechen und sagte: Wie wird das Rheinland von dem Kellogg=Pakt berührt? Es würde gut für die Sache des Friedens sein, wenn die Truppen zurückgezogen werden könnten, bevor sie durch Ablauf der 15jährigen Besetzungsfrist dazu gezwungen werden. Dor neuen Kämpfen in * Paris, 30. Juli.(Telegr.) Nach einer Meldung der Agentur Indovacisique aus Peking haben die Javaner, da Marschall Fengiubsiang angekündigt hat. daß er gegen die Truppen Tschangtsungschangs vorgehen will, die Zurückziehung ihrer Truppen eingestellt. Venihishang verläßt die Pekinger Zone und setzt seine ruppen nach der Provinz Schanst in Marsch. Spaltung bei den englischen Konservativen. Die Mehrheit ist für Schutzzölle Hicks gegen Baldwin. 6 London, 30. Juli.(Telegr.) Der britische Innenminister Joynson Hicks erwähnte gestern in einer Rede in Romsey die Rolle, die die Industrieschutzpolitik bei der nächsten britischen Wahl svielen werde. Die Tatsache, daß der Erwerb in geschützten Industrien um 10 Prozent gestiegen sei, müsse bei den nächsten Wahlen den Wählern unterbreitet werden. Großbritannien führe gegenwärig 4½ Millionen Tonnen Stahl ein, die es selbst herstellen könnte. Ein Industrieller hätte ihm erklärt, durch den Schutz der britischen Eisen= und Stablindustrie wurden weitere 100000 Arbeiter Beschäftigung finden. Die Regierung habe sich zwar verpflichtet, während der Dauer des gegenwärtigen Parlaments keine Art eines allgemeinen Schutzzolls einzuführen, doch müsse diese Frage im nächsten Jahre entschieden werden. Wenn die konservative Partei die Arbeitslosen Großbritanniens einschränke und dem Volke Freiheit, Glück und Zufriedenheit bringen will, so werde sie sich ernstlich mit der Ausdehnung des Schutzes der heimischen Industrien beschäftigen müssen. In einem Teil der Presse findet die Rede Joynson Hicks über die Möglichkeit der Ausdehnung der Industrieschutzpolitik starke Beachtung, besonders, weil Baldwin kürzlich eine entgegengesetzte Erklärung abgegeben und Churchill in seiner Rede am Samstag dem Freihandel Lob gesungen hat. „Times“ heben hervor, daß Emery seinen ganzen Glauben an den Sieg im kommenden Wahlkampf auf die Ausdehnung der Industrieschutzzollpolitik zu setzen schien, während zwei Tage säter Baldwin es einer Abordnung vollkommen klar machte, daß das Kabinett nicht die Absicht habe, seinen Beschluß in der Frage des Schutzes der Eisen= und Stahlindustrie abzuändern. „Times“ bemerken, die Rede von Hicks werde im Lande vielleicht nicht sehr ernst genommen, aber es bestehe in der Partei allgemein die Ansicht, daß die Minister ein Gefühl der Kabinettssolidarität zeigen sollten, bevor sie ihren Herbstfeldzug beginnen. Die liberale„Daily News“ spricht von einer großen Spaltung in der konservativen Partei in der Frage der Schutzzollpolitik. In einem Leitartikel bezeichnet„Daily News“ die Rede des Innenministers als den ersten Schuß von seiten der Schutzzollpartei. Das Blatt ist der Ansicht, Hicks wisse, daß er die aktive Unterstützung der Mehrheit der konservativen Parlamentsmitglieder und mindestens von vier anderen Kabinettsmitgliedern haben werde. Der Arbeiterführer Thomas hob gestern in einer Rede hervor, daß Churchill, der sich noch am letzten Dienstag gegen eine fundamentale Aenderung des Fiskalsystems, auf dem das gesamte industrielle und wirtschaftliche System Englands errichtet sei, gewandt habe, in der konservativen Partei keinesfalls willkommen sei. Verständigung in der Auslieferungsfrage. Guter Wille auf beiden Seiten. 6) Berlin, 30. Juli.(Telegr.) Der Bericht des deutschen Botschafters in Paris, Herrn von Hoesch, über seine Unterredung mit Generalsekretär Berthelot ist beim Auswärtigen Amt eingegangen. Die französische Regierung hat auf eine lediglich sormal=juristische Behandlung der Frage verzichtet und sich bereit erklärt, auch die politischen Gesichtspunkte, die deutscherseits vorgebracht werden, zu wurdigen. Sie wird dafür Sorge tragen, daß die von deutscher Seite geäußerten politischen Bedenten Berücksichtigung finden. Unrichtig ist, daß Deutschland sein Einverständnis damit erklärt habe, die Verhandlung gegen die vier Deutschen vor einem deutschen Gericht vornehmen zu lassen. Vielmehr ist über eine derartige Lösung überhaupt nicht gesprochen worden. Das Ergebnie der Besprechung läßt sich dahin zusammenfassen, daß auf beiden Seiten der aufrichtige Wunsch besteht, die Angelegenheit im Wege gütlicher Verständigung zu erledigen. Stresemanns Weg nach Paris ist frei. Berlin, 30. Juli.(Eig. Drahtber.) Von unserer Berliner Vertretung. Ueber die Behandlung der Auslieferungsangelegenheit wurde bekanntlich bei dem Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch im französischen Außenministerium eine Einigung erzielt. Wenn jedoch von einem Berliner Montagmorgenblatt die Meldung verbreitet wurde, das französische Auslieferungsbegehren sei bereits zurückEtwägung ziehen könne, bei der amerikanischen Regierung anzuregen, daß die russische Regierung zur Mitunterzeichnung des Relloggpaktes eingeladen würde. Chamberlain erwiderte, er halte dies nicht für angebracht. Die Absendung der Einladung sei Sache der amerikanischen Regierung, die dabei zweifellos die franzönsche Regierung zu Rate ziehen würde, da die Unterzeichnung in Paris erfolgen solle. Auf die Fragc. ab genommen, so eilt diese Meldung den Tatsachen voraus. Der Konflikt ist vorläufig noch nicht völlig beigelegt, obwohl alle Anzeichen darauf hindeuten, daß eine gütliche Regelung gesunden werden wird. Die in Paris angeknüpften Verhandlungen sind noch im vollen Gange Es versteht sich auch von selbst, daß Generalsekretär Berthelot von sich aus keine endgültige Entscheidung treffen wollte, ohne sich vorher mit der Besatzungsbebörde ins Benehmen gesetzt zu haben. Die Angelegenheit gebt ihren Instanzenwen: ens das gesamte Aktenmaterial in Paris vorliegt, werden wohl noch mehrere Tage vergehen. Wenn jedoch auch der Konflikt noch nicht ganz bereinigt ist, so steht es ohne Zweisel fest, daß die maßgebenden Pariser Kreise ihre Versprechen, entgegenkommen zu wollen, halten Von zuständiger deutscher Seite wird darauf hingewiesen, daß die scharfe Sprache der deutschen Presse nicht unwesentlich zur günstigen Entwicklung des unliebsamen Falles beigetragen hat. Der deutsche Protest hat seine Wirkung in Paris nicht verfehlt. Weit eindrucksvoller hätte jedoch die deutsche öffentliche Meinung noch sein können, wenn nicht durch die Angriffe der Rechtspresse auf die Reichsregierung der häßliche Mißton in die gemeinsame Abwehraktion gebracht worden wäre. Da man annehmen darf, daß in wenigen Tagen der Fall bereinigt sein wird, tritt die Frage der Reise Dr. Stresemanns nach Paris zur Unterzeichnung des Kelloga=Paktes in den Vordergrund. Selbstverständlich kann kein vernünftiger Mensch gegen den Besuch des deutschen Außenministers in der französischen Hauptstadt eine Einwendung machen, wenn Frankreich in der Auslieferungsfrage unter Anerkennung der gesamten politischen Situation den formellen Standvunkt verläßt und den Willen zur Versöhnung bekundet. Man bestätigt in Berlin im Auswärtigen Amt das Eintreffen der offiziellen Einladung der französischen Regierung. Bevor Dr. Stresemann seine endgültige Zusage gibt, wird ein Kabinettsrat stattfinden, an dem voraussichtlich die Reichsminister trotz des Urlaubs vollzählig teilnehmen werden, da sie ohnehin wegen der Feier des Verfassungstaes in Berlin anwesend sind. Das Kabinett wird sich mit den Fragen befassen, die in Paris bei den Zusammenkünften mit den Staatsmännern Frankreichs, Englands und Amerikas besprochen werden. Ob auch die Rheinlandräumung und das Revarationsproblem in die Debatte einbezogen werden, ist fraglich Bezüglich der Rheinlandräumung darf man jedoch erwarten, daß es zu einer Aussprache zwischen den führenden Staatsmännern Deutschlands, Frankreichs und Englands kommen wird. Das Revarationspcodlem dagegen wird voraussichtlich nicht zur Diskussion gestellt werden, da Staatssekretär Kelloga, selbst wenn er sich mehrere Tage in Paris aushalten ollte, nicht die Absicht hat. an einer Besorechung der Kriegsschuldfrage und der Regelung des Revarationspradlems teilzunehmen. Ellerdings wird der Pariser Besuch Kelloggs an sich schon von Bedeutung sein, als dadurch ein wertvoller Schritt in der Richtung auf die Lösung der genannten Probleme getan wird. Friedensreden französischer Minister. O Paris, 30. Juli.(Telegr.) In Lyon fand gestern eine Tagung der Eisenbahner, die Kriegsteilnehmer sind, statt. Unterrichtsminister Herriot wohnte dem Festbankett bei und hielt eine Ansprache, in der er nach dem„Matin“ ausführte: Wenn ich für den Frieden gearbeitet habe, so deshalb, weil dies der leidenschaftliche Gedanke aller Franzosen ist. Und wenn wir wünschen, daß Frankreich zu keinem Augenblick entwaffnet sein darf, so deshalb, weil dies immer eine Versuchung für die Länder wäre, die neben sich eine schwache Nation erblicken. Wenn wir wollen, daß Frankreich stark und würdig bleibt, so deshalb, weil wir wissen, daß es ebenso wenig wie in der Vergangenheit auch in Zukunft provozieren wird. Frankreich tut alles, was es kann, um den Frieden in der Welt zu organisieren. Aber die Organisierung des Friedens muß mit Geduld, Methode und Kaltblütigkeit verfolgt werden. Ich bin der Ansicht, daß Frankreich qualifiziert ist, diese organisatorische Rolle zu svielen, und daß wir, wenn wir mit allen unseren Kräften hierzu beitragen, damit die Gefallenen am besten ehren. Kriegsminister Painleve äußerte sich bei dem Turnfest in Caen über die Aufgabe des französischen Heeres. Er sagte: Keine Kundgebung ist friedfertiger als die heutige, und niemand findet etwas Außergewöhnliches darin, daß ein Kriegsminister hier präsidiert, da das französische Heer eine im Dienste des Friedens organisierte Macht ist. Sie bemüht sich, das Ideal Pascals zu verwirklichen, der, um die Konslikte zwischen der Gerechtigkeit und der Gewalt zu lösen, wünschte, daß die Gerechtigkeit stark und die Gewalt gerecht sei. * Herriot kommt zur„Presso“. ch Paris, 30. Juli.(Telegr.) Die„Volonte" bezeichnet die Tatsache, daß Unterrichtsministee Herriot, begleitet von dem deutschen Botschafter von Hoesch und einem Vertreter der Wilbelmstraße, dem Kölner Oberbürgermeister Adenauer einen Besuch abstatten und auf der„Pressa“ eine große Rede halten will, als ein sumbolisches Ereignis, das man mit dem Besuch Stresemanns in Paris zur Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes in Zusammenhang bringen müsse. Stresemann werde bei, diesem Besuche die Möglichkeit haben, sich mit Briand und Poincare zu unterhalten, wobei das Problem der deutsch=französischen Beziehungen und der Rheinlandbesetzung fruchtbringend erörtert werden könnten. Dabei werde sich zeigen, daß die Rheinlandbesetzung in Deutschland kein Hindernis gegen die französisch=deutsche Freundschaft bilde. Es sei erfreulich, daß man sowohl in Paris, wie in Berlin das Rheinlandproblem als eine durch positive Verhandlungen zu erledigende Angelegenheit betrachtet und nicht als ein Symbol, das geeignet sei, die beiden Völker gegeneinander aufzubringen * Ausweisung des Kriminal= Oberkommissars Bauer. Landau(Pfalz), 30. Juli.(Telear.) Den Kriminaloberkommissar Bauer ist am Freitagabend im französischen Militärgesängnie der Ausweisungsbefehl zugestellt worden. Bauer hat gegen diesen Ausweisungs= besehl bei der Rheinlandkommission Einspruch erhoben. Ministerpräsident Dr. Held wiedergewählt. □ München, 30. Juli.(Telear.) Das Plenum des Bayerischen Landtages stimmte heute in namentlicher Abstimmung mit 69 gegen 52 Stimmen bei einer Enthaltung dem Antrage des Staatshaushaltsausschusses auf Genehmigung der Verordnung über die Neuformation der Staatsministerien zu, durch die das Handelsministerium mit dem Ministerium des Aeußern vereinigt wird und die beiden anderen Ministerien, für Landwirtschaft und Soziales, in das Ministerium für Landwirtschaft und Arbeit zusammengelegt werden. In der anschließenden Wahl des Ministervräsidenten wurden insgesamt 122 Stimmen abgegeben, wovon auf Ministerpräsident Dr. Held 72 Stimmen entsielen. 48 Abgeordnete hatten sich der Stimme enthalten. Damit ist Dr. Held wieder zum Ministervrästdenten gewählt. Die Bestellung der weiteren Kabinettsmitglieder und die Regierungserklärung wurden auf Dienstagnachmittag vertagt. Verfahren gegen Waldow eröffnet. 9 Berlin, 30. Juli.(Telegr.) Gegen den in der Betrugsassäre der Kriegsanleihe=Altbesitzanmeldungen verhafteten früheren Prokuristen des HugoStinnes=Konzerns, von Waldow, ist die gerichtliche Voruntersuchunn erösfnet worden. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben haben, ist von Waldow durch ein Konsortium internationaler Schwindler, und zwar möglicherweise derselben, mit denen Kunert Verbindung hatte, dazu veranlaßt worden, in London für 250 000 Mark Kriegsanleihe im Werte von 30 Millionen Mark zu kausen. Waldow war zu der Zeit, als er in London die Kriegsanleihe kaufte, nicht in der Lage. eine Biertelmillion aus eigener Tasche dazu zu verwenden. Er mußte also Gheld von anderen Personen, gegen die die Untersuchung sich gleichfalls richtet, borgen. Die Beisitzer des Reichsbahn= gerichts. Berlin, 30. Juli.(Telear.) Der Prasident der hat die beiden Beisitzer des Reichobahngerichts, das sich demnachst mit dem Antrage der Deutschen Reichsbahngesellschaft auf eine Tariserhöhung zu befassen haben wird. entsorechend dem Vorschlage der beiden Parteien bestellt. Das Reichsbahngericht wird sich danach zusammensetzen aus dem Senatspräsidenten beim Reichsgericht, Meges, Nes als Vorsitzenden, dem auf Vorschkag der Reichsregle= berelt. Vorschläge welche die Orsanisatlonsverkreier even=s oedltionsmitglieder sich —„—„„„„ rung ernannten Dr. h. c. Silverderg=Köln und dem auf Vorschlag der Deutschen Reichsbayn gesellschaft ernannten Geh. Legationsrat und Di rektor Dr. W. Frisch=Berlin als Beisitzern. (00 Franken Beihilfe für die Saarbergleute. Abwendung der Streikgefahr. Saarbrücken. 30. Juli.(Telegr.) Die Streik gesahr im saarländischen Verabau ist nunmehr abge wendet. Durch die Vermittelung der Regierungstommission schlug die Bergverwaltung vor. vorläufig keine Erhöhung der Lohne eintreten zu lassen, da dies die jetzige Lage des Kohlenmarktes nicht zulasse. Sie ist jedoch auf der anderen Seite ruen zu unterbreiten wünschen und welche keine wesen: liche Erhöhung der Lohnausgaben mit sich bringen wur den, zu prüfen. Die Bergverwaltung erklärte sich bereit wieder mit den Organisationen über die Lohnfrage im Geiste des beiderseitigen Entgegenkommens zu verbau deln, wenn die wirtschaftliche Lage der Beraverwaltung eine tatsächliche Verbesserung aufweisen wird. Die Bergverwaltung brachte weiter zum Ausdruck. sie wünsche ebenso wie im Jahre 1927. die durch Zusammenwirken iller Beteiligten erlangte Leistungserhohung anzuerten nen und werde demzufolge, wenn die jetzige Leintung bie dahin aufrechterhalten bleibt, am Ende des Jahres den Arbeitern dieselbe außerordentliche Zulage wie im letzten Dezember erteilen. Die Regierungs kommission beschloß mit Rücksicht auf den durch die heu tigen Feierschichten entstandenen Lohnausfall. den Bergarbeitern ausnahmsweise eine einmalige Berhilfe von 100 Franken zu zahlen. Die beteiligten Bers arbeiterorganisationen haben nach eingehender Prüfung der Gesamtlage dem Ergebnis der Verhandlungen zugestimmt. brachte zeigten. die Me Als der Zug sich in : Hochruse auf bise — — Behounek verteidigt General Nobile. Heute abend ist Nobile in Rom. Jappi rechtfertigt sich bei Malmgreens Mutter. War die Kritik zu scharf? Bewegung setz: aus, Verschlossene Fenster. Schwerin, 30. Juli.(Telear.) General Nobile und die italienischen Mitglieder seiner Expedition kommen heute mit der D=Zugverbindung Skandinavien— Italien durch Deutschland. Die Italiener fahren mit einem skandinavischen Wagen der Internationalen Schlafwagengesellschaft. Ihr Zug vassierte heute morgen 8,53 Uhr Schwerin. Heute stiegen zwei Berliner Journalisten in den Wagen des Generals. Von den Expeditionsmitgliedern läßt sich außer der Bedienung niemand sehen. Sämtliche Fenster des Wagens sind geschlossen und die Vorhänge herabgczogen. Der Wagen Nobiles wird an die D=Züge angehängt und kommt im Laufe des heutigen Tages durch folgende Städte: Stendal, Magdeburg. Halle, Nürnberg und München. Der Zug erreicht morgen früh Innsbruck und Verona und ist morgen abend 23,00 Uhr in Rom. Der General ist empört. Mißhelligkeiten zuischen Kapitän und Mannschaft? ch Berlin, 30. Juli.(Telegr.) Dem Berichterstatter und Mariano hätten von der Leiche Malmareen: gegessen. Im übrigen legt er Wert auf die Feststellung. daß der Kavitän der„Citta di Milano“ von sich aus Darstellungen in die Welt habe gehen lassen, von denen er, Nobile, keinerlei Kenntnis besaß. Auf die Frage, warum er sich als Erster aus dem Roten Zelt habe retten lassen, erklärte der General, dies sei auf ausdrücklichen Wunsch der ganzen Gruvve geschehen und aus zwingenden Gründen. Er sei jederzeit in der Lage, das unter Beweio zu stellen, indem er sich auf die Aussagen der anderen Ge retteten beruse. Es werde die Zeit kommen, da er sprechen und allessagen werde. Von einem Schweigebesehl des Dure zu sprechen. sei salsch. Mussolini habe lediglich den Wunsch geäußert, er(Nobile) und seine Leute möchten sich nach Möglichkeit jeder überflüssigen Mitteilsamkeit enthalten. Nach den Eindrücken des Berichterstatters sind die Beziehungen zwischen Nobile und seinen Leuten äußerst frostig. So sei z. B. Ceccioni am Abteil Nobiles Prof. Bebounck vor der deutschen Presse. Berlin, 30. Juli.(Telegr.) Der tschecholowakische Professor Behounek, der Robile auf seinem Nordvolflug begleitete, traf heute auf dem Stettiner Bahnhof ein. Unmittelbar nach seiner Ankunft empfing er im Wartesaal eine Reibe von Vertretern der Presse. Zunachst betonte er, daß er sich heute früh auf das herzlichste als bester Freund und in vollkommener Harmonie in Warnemünde von General Robile und den übrigen italienischen Teilnehmern an der Nordvolexpedition getrennt have. Weiter erklarte er, daß es nicht richtig sei, daß er iegendwelche Verpflichtungen in bezug auf seine Aeußerungsfreiheit hätte einzugeben brauchen. Sein Material wolle er sobald wie möglich in einem wissenschaftlichen Werke zusammenfassen. Außerdem habe er die Absicht, eine langere seuilletonistische Schilderung über seine Erlebnisse zu veroifentlichen, was übrigens auch General Nobile selbst plane. Wenn es dabei zu verschiedenartigen Darlegungen kommen sollte. so dürfe dies vor allem darin begründet sein, daß er und General Nobile die ganzen Ereignisse von einem verschiedenen Standpunkt aus erlebt hätten. In bezug auf die Nachrichten, die bisher über ihren Flug in die Oefsentlichkeit gelangt waren, erklarte Professor Bebounek, er habe bis jetzt den Eindruck gewonnen, daß die Ereignisse vielfach vollkommen falsch beurteilt würden und daß dadurch General Nobile und den übrigen Italienern ein Unrecht geschähe. Vor allem sei General Nobile ein vollkommener aeronautischer wachmann. Wahrscheinlich waren die Ungenauigkeiten und Entstellungen der Berichte dadurch entstanden, daß die Verständigung oftmals außerordentlich schwierig gewesen sei. So waren an Bord der„Krassin“ sieben Journalisten gekommen, von denen nur einer sranzösisch und die übrigen gussisch gesprochen hätten. Uebergehend zu dem Verhältnis zwischen General Nobile und Malmareen retten ließ, erklärte Professor Behounek, daß hier ein Vergleich mit einem Kavitän eines Schiffes nicht zutrefsend wäre, bätten doch hier ganz andere Verhältnisse vorgelegen. Es ware überhaupt niemals moglich gewesen, General Nobile als Letzten zu retten, da schon im Interesse der Rettungsaktion der Radiotelegrapbist Biagi,#i#####kt seiner Expedition. soweit sie von anderer Seite ausgingen, beim Roten Zelt hätte bleiben müssen. Im übrigen hätte e grir v.„g Am man hereite 48 Stunden vor der Ankunft Lundborgs ein=icht den Tatsachen entsprochen bätten. Am meisten empörte es ihn, daß man geglaubt habe, Zappi man bereits 48 Stunden vor der Ankunft Lundborgs eine Reibenfolge der Rettung vereinbart, nach der zuerst Ceccioni, dann als Zweiter Pros. Behounek, der damals schneeblind war, als Dritter Trojani, der Fieber hatte, als Vierter General Nobile, als Fünfter Leutnant Vialieri und als Letzter Biaai gerettet werden sollten. Diese Reihenfolge worden, als Lundborg eintraf und den strikten Besebl erhalten hätte, General Nobile als Ersten zu retten, damit das Rettungswerk nach seinen Angaben durchgeführt werden konnte. Hinzu kam noch, daß Robile damals das leichteste Gewicht hatte. Zum Schluß betonte Professor Behounek, daß die Rettung durch den„Krassin" fast im letzten Augenblick gekommen sei; denn die Eisverhältnisse wären immer schlechter geworden. So hätten sie auf ihrer Rückfahrt schon nichts mehr von dem Eisblock gesehen, von dem wenige Zeit vorher Mariano und Zappi gerettet worden waren. des„Acht=Uhr=Abendblattes“ gelang es, während der vorübergehumpelt, ohne dem General auch nur einen Blick zu schenken oder ihm seinen Morgengruß zu entbieten. Es sei auch keiner der übrigen Leute ins Abteil des Generals gekommen, selbst dann nicht, als Nobile laut nach seinem Bruder rief und dieser sich nicht gleich meldete. Offenbar, glaubt der Berichterstatter, müssen schwere Mißhelligkeiten in der Nobilegruppe bestehen. Nobile lehnte es auffallenderweise ab, sich während des Aufenthalts in Stendal gemeinsam mit der Mannschaft in einem Gruppenbild photographieren zu lassen. Fahrt von Stendal nach Berlin in den Wagen, in dem die Geretteten der„Italia“ fahren, zu kommen und mit General Nobile zu sprechen. Nobiles erste Frage war nach der Stimmung in Deutschland. Er bat um schonungslose Uebersetzung der deutschen Zeitungen. Er betonte, daß die meisten der bieherigen Schilderungen Westfalen und Rheinland witteilte daß er Die Klage gegen Badstieber zurück gezogen. * Bochum. 30. Juli. Heute wurde vor dem Arbeitsgericht Bochum in der Sache des von der Firma Knapp wegen seiner unwahren und erfundenen Aussagen im Schachtvorozeß fristlos entlassenen Monteurs Badstieber verhandelt. Der Vertreter der Beklagten. Dr. Stammen vom Arbeitgeberverband, legte nochmals in rurzen Zügen das eigenartige Verhalten des Badstieber sowohl im Schachtyprozeß als auch nach seiner Freilassung dem Quellbetrieb, der Arminius=, Liborius= und der Kurbrunnenquelle gebörende Schutzgebiet in durch neueste Verfügung bedeutend erweitert worden. Innerhalb dieses neuen Schutzgebietes sind Erdarbeiten über 10 Meter Tiefe verboten. * * Paderborn, 30. Juli. Eine sonderbare Laune der Natur sieht man an einem Kirschbaum des Obergerichtsvollziehers Brinkmann an der Cheruskerstraße. Dort steht ein Kirschhaum mit Früchten beladen, was natürlich heute keine Besonderheit ist. Absonderlich aber Es ist hiernach nicht anzunehmen, daß Badstiebex. ist, daß an einem Zweig neben den reifen Kirschen ein W n b..„„ L.*—— 0 11„ 4WT m 1I.„ HL. Ul 991— beteuert sein reines Gewissen ch Stockholm, 30. Juli.(Telegr.) Völlig unbemerkt hatte Zapvi mit dem gleichen Zuge, mit dem die schwedische Hilfsexpedition nach Stockholm zurückkehrte, sich nach Stockholm begeben, um die Mutter Malmgreens zu besuchen. Sein Besuch dauerte mehrere Zappi übergab der Mutter Malmgreens den Kompaß und ein versiegeltes Paket mit Wertlachen, die sich an Bord der„Citta di Milano“ befunden hatten. Mit Tränen in den Augen versicherte Zappi Frau Malmgreen, er empfinde ein tieses Bedauern über das, was man von ihm sage, aber habe vor Gott ein reines Gewissen. Malmgreen habe sich seiner Ansicht nach zuviel zugemutet. Er habe gleich vom ersten Tage ihrer Wanderung an mehr gelitten, als er habe zeigen wollen. Schließlich sei er zusammengebrochen und habe sein Ende nahen gefühlt. Er habe sich in eine etwas geschützte Schneevertiesung gelegt und jede Nahrung von sich gewiesen. Alle Ueberredungs wie man vermutet. Versprechungen über eine künft tige Anstellung in russischen Diensten gemacht sind, nach Deutschland zurückkehrt. Babstieber bat sich im Gegensatz zu den übrigen Freigelassenen nach Abschluß des Prozesses weder bei der Deutschen Botschaft gemeldet, noch ist er mit dem Verteidiger. Rechtsanwalt Munte. in Verbindung getreten. Der Vorsitzende stellte fest, daß die Klage von Frau Badstieber angestrengt ist. die hierzu nicht ohne weiteres berechtigt sei. Der Vertreter der Beklagten erklärte, daß er bisher mit Absicht vermieden habe. auf die Tatsache hinzuweisen, daß Frau Badstieber aus eigenem Recht nicht klagen könne. und daß die Firma Knapp Stunden. den Prozeß insofern begrüße, als ihr jetzt Gelegenheit geboten sei. von einem deutschen Gericht die Wahrheit gegenüber dem russischen Tendenzurteil ermitteln zu lassen. Der Vertreter der Frau Badstieber sah sich schließlich genötigt, die Klage zurückzuziehen. ffr M. versuche seien erfolglos geblieben. Was die Behauptung betonte Professor Behonnek, daß dasselbe von Anfang bie dag russischen FliegersTschuchnowski, der dreiPerzum Ende das denkbar beste gewesen sei. sonen gesehen haben wolle, augebe, so müsse er bemerken, daß es sich wahrscheinlich um ein Paar große Fliegerbosen handele. Sowohl Malmareens Mutter, als auch ihr Schwiegersohn Dr. Faegersten haben später ausgesprochen, daß sie den Eindruck hatten, Zappi habe die Wahrbeit gesagt. * Die„Italia"=Bemannung in Deutschland. Frohe Begeisterung in Kovenhagen. #r Kovenhagen, 30. Juli.(Telegr.) Um ein zu großes Aufsehen zu verhindern, traf General Nobile mit seinen Gefährten bereits um 9,30 Uhr auf dem Hauptbahnhof ein. Auf dem Bahnsteig hatte sich die etwa 100 Mitglieder zählende italienische Kolonie versammelt, die Robile Blumen überreichte und ihn auf faszistische Weise begrüßte. Alles ging in größter Stille vor sich „ur Zeit der Abfahrt waren erwa 1000 Personen auf dem Bahnsteig versammelt. Blumen wurden durchs Abteilfenster gereicht, an dem Nobile und die übrigen Ex1000 Jahre Mengede. Mengede. 30. Juli. Am Samstag und Sonntag beging der Stadtteil Mengede die Feier seines 1000jährigen Besteher. Am Samstag waren Darbietung der Sport in, wesentlichen gegen die teuks,„Parsonalvo und Gesangvereine und ein Fackelzug. Am Sonntagmittag richtete.„Trotz,„Lingehender Verhandlung kam ein zeg na ein grozer oinorischer genzug durch, Diß##hormeitige Rorschläge zu machen. Infolae de Malmgreen sei geradezn der Liebling Nobiles gewesen, woraus sich auch erkläre, daß Robile ihn für seine Expedition ausgewählt habe, obwohl sich eine ganze Reihe italienischer Meteorologen darum beworben hätte. Bei seiner Trennung versprach Malmareen, unbedingt mit der Hilfserpedition zurückzukehren, wenn es ihm gelingen sollte, das Festland zu erreichen. Es sei jedoch nicht richtia, daß Malmareen abkommandiert worden sei. Er habe sich vielmehr selbst dazu entschlossen, den Weg über das Eis zum Festlande zu wagen: dieser Entschluß sei dadurch verstärkt worden, daß Malmareen mit dem Fernglas aus dem Festlande die Lebensmittel entdeckte, die die„Italia“ kurz vor ihrem Absturz abgewersen hatte. General Nobile sei jedenfalle bis zuletzt gegen eine Trennung gewesen. Robile wollte vielmehr beim Roten Zelt bleiben, selbst wenn sich auch die übrigen Teilnehmer, mit Ausnahme von Ceccioni, der das Bein gebrochen hatte, zu einem Marsch nach dem Festlande entschlossen hätten. Auf die Frage, warum sich General Nobile als erster zog sich ein großer........„ Straßen, in dem all das zu sehen war, was in den 1000 Jahren, die an Mengede vorübergegangen sind. sich ereignet bat. Nach Auflösung des Zuges begannen in dem Gemeindesaalbau und im Kaffsackschen Saale die Fest versammlungen, die beide sehr zahlreich besucht waren. Der erste Vorsitzende des Heimatvereins Mengede. Pfarrer Stenger. hielt die Begrüßungsansprache. in der er besonders Prof. Hartleb u. Polizeipräsident Lübbering, die als Vertreter der Stadt Dortmund erschienen waren, begrüßte. Die Festrede hielt Studienrat Dr Lappe=Lünen. in der er die Tausendjahrseier von Mengede in den größeren Kreis der Heimatgeschichte stellte und zur Heimatliebe aufrief. Musikdarbietungen. Gesangvorträge und Vorträge in Plattdeutsch dienten zur Verschönerung der Jubelfeier. dickes Bündel Blüten sitzt. Wann werden diese Kirschen wohl reif werden? Als Absonderlichkeit darf es auch angesehen werden, daß in demselben Haushalt dieser Tage ein Huhn(weiße Italiener) ein Ei legte, das 108 Gramm wiegt. * Der abgelehnte Haushaltsplan. * Wesel. 30. Juli. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten wurde der von dem Vorsitzenden Bürgermeister Poppelbaum im Namen der Verwaltung vorgelegte Haushaltsplan für das Jahr 1928 abgelehnt. Der durch Steuer aufzubringende Fehlbetrag berrägt 713000 Mark. Es war eine Erhohung der Steuerzuschläge von 170 auf 260 v. H. zur Grundvermögenssteuer. von 450 auf 500 v. H. zur Gewerbeertragssteuer, von 1400 auf 2000 v. H. zur Gewerbekapitalsteuer, ferner eine Zweigstellensteuer von 20. v. v. über die beiden letztgenannten Zuschläge und endlich eine kleine Erhöhung des Licht= und Wasserpreises oder Wasser= und Lichtmessermiete vorgeschlagen worden. Es fehlte auch in dieser Sitzung wiederum nicht an heftigen Vorwurfen gegen die Verwaltung. die sich die teure Personalpolitik Komes ab. anderweitige Vorschläge zu machen. Infolge der Ablehnung des Haushalts wird nun der außergewöhnliche Fall eintreten, daß der Haushaltvlan durch diee Regierung zwangsweise festgesetzt werden mun. Eine neue Heilquelle. * Bad Livpspringe. 30. Juli. Vor etwa 2 Jahren ist nördlich von Bad Livyspringe. in der Näbe der Straße nach Schlangen mit einer Bohrung begonnen worden, weil man dort eine neue Heilquelle vermutete. Das Ergebnis dieser Bohrung liegt jetzt vor. Man hat festgestellt, daß die Quelle bis zu 1.5 Kubikmeter Wasser in der Minute liefert bei 25 Grad Celsius Temveratur. In seiner Beschaffenheit ähnelt es dem Arminiusquellwasser. Bei der neuen Heilquelle handelt es sich. so wird bestimmt angenommen, um Schichtwasser des Eggegebirges, das seinen ursprünglichen Sitz im wesentlichen im sogenannten Flammenmergel hat und durch Kreideund Gesteinsschichten hindurchgeführt wird. Das zum 700=Jahrfeier der Stadt Xanten. h Xanten, 30. Juli., Die 700=Jahrfeier der Stadt Xanten nahm einen glansvollen Auftakt. Im Rathaus waren die Stadtverordneten und einige Vertreter der Staatsregierung zu einer Festlitzung zusammengekommen, die Bürgermeister Wegenaex mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnete. Er wies sodann auf die Geschichte und Entwicklung der Stadt Xanten und auf die Bedeutung des Festes hin. Auf einstimmigen Beschluß der Stadtverordneten wurde dem Landrat des Kreises Mörs. Dr. von Endert, der Ehrenbürgerbrief der Stadt Tanten feierlich überreicht. Nach Festgottesdiensten in sämtlichen Kirchen wurde die Jubiläumsausstellung des Tantener Dombauvereins eröffnet. Die Ausstellung habe den Zweck. dem Dombauverein neue Freunde zu gewinnen. In der Tonhalle fand darauf der öffentliche Festakt statt, bei dem Bürgermeister Wegenaer betonte: Wenn Tanten das Erbe der Väter treu verwaltet, wird ihm eine weitere ruhmvolle Zukunft beschieden sein.“ Der rheinische Schriftsteller Ludwig Mathar kam in seiner Festrede auf die wechselvolle Geschichte der Stadt zu sprechen. Der Regierungsvizepräsident überbrachte die Grüße der Staatsregierung. Dechant Benz die des Bischofs Han gon-*onar Roman von Edmund Sabott.(16 (Nachbruck verboten). Es war ein herrlicher Frühlingstag mit hellem, filbrig blauem Himmel, der so gleißte, daß man Sterne vor den Augen aufflimmern sah, wenn man lange hineinschaute. Ganz Genua sah frisch gescheuert aus und brüstete sich mit Millionen blankgevutzter Fensterscheiben. Jan steckte die Hände in die Taschen und schlenderte pfeisend über den Kai. Gehörte ihm nicht die Wel“? Ach. sie ge hörte ihm von Genua bie nach Osaka und noch ein Stück darüber hinaus. Jetzt, da die Abreise so dicht bevorstand war es endlich Zeit, an Erla Rickenbach zu schreiben Frühestens in fünf Tagen konnte ste hier sein, und dann war er längst über alle Berge, außer Seh= und Reichweite. Sie mochte kommen. In einer Verkaufsbude am Kai, wo man alles haben konnte, Getränke, Stiefelwichse. Kaugummi und Kinder tromneten, kaufte er sich ein vaar Bogen Briefpapier, lien sich einen Bleistift aus und setzte sich an einen der kleinen Tische. Der dicke Budenbesitzer brachte ihm ein Gläschen Wein. Es war nicht leicht, mit dem Brief zustande zu kommen, denn er sollte ja nicht nur die Mitteilung enthalten, daß der Schmuck in einem ahlsach der Banca d'Italia liege, sondern Erla Rickenbach sollte auch ahnen, aus welchen Gründen er, der ungenannte Schreiber, auf seine Diebesbeute verzichtete. Zwischen den Zeilen sollte sie lesen, welchen unvergeßbaren Eindruck sie auf ihn gemacht, und wie groß sein Verlangen war, sie noch einmal wiederzusehen. Das alles mit der notwendigsten Zartheit auszudrücken, war schwierig, aber Jan brauchte nur auf sein Herz zu lanschen, was es ihm diktierte. Er hatte grade die erste Seite gesüllt und wollte umwenden, als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte, und eine tiefklingende Stimme fra Sprache:„Sie sind doch Jan Fock““ Jahn fuhr zusammen. Er zog den Korf ein, als erwarte er einen Schlag. Dann riß er sich herum und starrte entsetzt einem großen, schlanken Herrn ins Ge sicht. Die Hand lag noch immer aus eeiner Schulter. Der Fremde lächelte und lüftete ein wenig seine graue Reisemütze Er hatte schneeweiße, sorgfaltig gescheitelte Haare, hellblaue Augen und einen dunnen, blassen Mund. Sein Gesich: war schmal und tror seinem Alter ohne Falten. Er wiederholte lächelnd:„Sie sind Jan Fock, nicht wahr? Ich habe Sie sofort erkannt. Ihre Narbe über dem rechten Auge bat sie verraten. Waren Sie nicht vor kurzem in Berlin?“ Jan konnte nicht antworten. In Berlin! dachte er. Er weiß etwas von meinem Aufenthalt in Berlin, weiß vielleicht etwas von den Platingefätzen. dem Einbruch bei Anthonn Tracy, den falschen Hundertdollarnoten. Er sah sich mit geducktem Kopf um, als dächte er an Flucht. „Ich habe Sie in ganz Deutschland gesucht, Herr Fock," begann der alte Herr von neuem.„In allen Zeitungen erschienen Aufrufe— und Sie sitzen in Genua!“ Jan erhob sich langsam.„Verzeihen Sie!“ stammelte er.„Wer sind Sie?“ „Ich bin Oberst Holligan.“ „Oberst Holligan?“ wiederholte Jan und forschte in seinem Gedächtnis.„Ich kenne Sie nicht.“ „Doch. wir haben uns einmal geseben.“ „Ich habe Sie nie gesehen, Oberst Holligan.“ „Doch: an einem späten Abend, auf dem Dach eines Hauses in Berlin. Das Nebenhaus stand in hellen klammen. Retteten Sie nicht einen alten Mann aus dem brennenden Hermes=Hause?“ „Ja „Wissen Sie nicht, wer der Mann war?“ „Ich habe keine Ahnung.“ „Dieser Mann war Senior Argentuela. Kennen Sie den Namen?“ „Ich habe ihn niemals gehört.“ Er ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen.„Wie geht es dem Herrn? Hat er alles gut überstanden?“ Der Oberst antwortete:„Er hat alles überstanden.“ „Er ist tot?“ fragte Jan erschrocken. „Er starb vier Tage nach dem Brand.“ Ian senkte den Kopf.„Ich hatte viel Mühe mit ihm und dachte, er würde mir unter den Händen sterden. Aber ich konnte ihn nicht rascher aus dem Hause schaffen. Ich war selber elend und schachmatt. Ich tat, was ich konnte. Die Hölle war im Hause los...“ „Senior Argentuela starb nicht, weil Sie ihn nicht schnell genug aus dem Hause schafften; er erlag einem Giederanfall.— Mit seinen letzten Gedanken war er bei Ihnen.“ „Bei mir? Warum bei mir?“ „Er wollte Ihnen danken, wollte Sie belohnen für Ihre Aufopferung. Aber Sie waren verschwunden. Wir suchten Sie überall. Dat ich Ihnen bier begcone Sanke ich einem Zufall.“ Auf Jans Gesicht zeigte sich Bestürzung. Er griff nach dem Briefbogen, der offen auf dem Tisch lag, faltete ihn zusammen und verborg ihn in seiner weiten Hosentasche. „Darf ich fragen, was Sie in Genua zu tun haben, Herr Fodk!“ „Ich habe eine Heuer angenommen auf der„Niobe", die Sie dort drüben liegen sehen. Uebermorgen geh ich in See.“ „Wohin?“ „Nach Osaka.“ „Sie sind Seemann?“ „Ja.“ Holligan zögerte einen Augenblick und dachte nach „Würden Sie mir erlauben, mich zu setzen?— Danke!" Er legte seine Reisemütze auf den Tisch, und während er Jan sehr eindringlich und aufmerksam betrachtete, fragte er:„Können Sie noch auf die Heuer verzichten?“ „Nein, Oberst Holligan. Ich habe zwar noch nicht unterschrieben, aber morgen wird das geschehen. Diese Gelegenheit dart ich nicht versäumen; denn ich habe kein Geld mehr;— zwanzig oder dreißig Lire— das ist alles.“ „Sie sind in Not?“ „Nein, aber ich würde in Not kommen.“ „Sie fahren schon lange zur See?“ Jan lächelte.„Seit meinem vierzehnten Jahr.“ Der Oberst legte seine Hände ineinander, sah darauf nieder und schwieg lange. Dann bob er wieder deu Konf und sah Jan in die Augen.„Es war Senjor Argentuelas letzter Wille, Sie vor aller Not zu bewahren. Er wollte, daß ich mich Ihrer annähme, Morgen abend reise ich mit dem„Re Umberto" nach Para ab. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Herr Fock, wenn Sie mich begleiteten.“ „Das ist ganz unmöglich, Oberst Holligan! Verzeiben Sie!" „Ihrer Heuer wegen?“ „Ja— und weil ich kein Geld habe.“ „An der Geldfrage soll Ihre Einwilligung nicht scheitern.“ Jan zuckte unschlusstg mit den Schultern.„Ich weiß nicht. Oberst Holligan... was soll ich in Para? Ich habe hier meine Heuer, und ich freue mich darauf, wieder in See zu gehen. Ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeiten recht sehr. Ich bin auch glücklich, daß Herr Argentuela sich meiner erinnert hat und mich belohnen wollte. Aber ich bin ja nicht in Not, und ich werde auch nicht in No: kommen. Wäre der alte Herr noch am Leben. so führe ich gern nach Para, um ihm noch einmal die Hand zu schütteln, aber er ist ja nun tot.“ Oberst Holligan saß ganz unbeweglich. Er zog die Stirn in Falten, sah Jan sorgsam prüfend an und sagte sehr langsam:„Wenn Sie von Ihrer Heuer zurücktreten und mich nach Para begleiten, zahle ich Ihnen fünfundzwanzigtausend Dollar.“ Jan Fock erblaßte. Sein Gesicht ward plötzlich welk. Seine rechte Hand griff einmal kurz in die Luft und fiel wieder auf den Tisch zurück. Oberst Holligan fuhr fort:„Senjor Argentuela wollte, daß ich Sie kennen lerne und Ihnen nahe komme... „Fünfundzwanzigtausend Dollar...“ murmelte Jan und schluckte an jeder Silbe. „Ja. Wenn Sie es wünschen, stelle ich Ihnen einen Teil des Geldes schon heute, den Rest morgen zur Verfügung.“ Ich träume! sagte sich Jan Fock. Ich träume einen unsinnigen lächerlichen Traum. Ich werde erwachen und in der Koje der„Niobe“ liegen oder auf der Pritsche im Seemannsheim und hinaufstarren zu der verräucherten Decke mit den vielen Spinnweben... Sein Mund verzog sich zu einem dünnen, grämlichen Lächeln. „Ich warte auf Ihre Antwort, Herr Fock!“ sagte Oberst Holligan sachlich. „Sie treiben keinen Scherz mit mir?“ fragte Jan kläglich.„Fünfundzwanzigtausend Dollar, Herr! Denken Sie, fünfundzwanzigtausend...“ Es hörte sich an, als schluchte er. „Sie müssen sich beruhigen, Herr Fock! Aber ich frage Sie nun noch einmal: Kommen Sie mit mir nach Para?“ „Ja,“ flüsterte Jan heiser und ließ sein Kinn auf die Brust sinken.„Ja.“ Er preßte seine Fäuste gegen die Schläfen.„Erlauben Sie mir noch eine Frage, Oberst Holligan.“ „Bitte!“ „Wir sitzen hier auf dem Quai della Marinetta in Genua, nicht wahr?. Es in bellichter Tag? Und ich träume nicht? Sie wollen mir fünfundzwanziatausend Dollar, amerikanische Dollar geben, wenn ich Sie nich Para begleite?“ Da lachelte Holligan.„Sie haben sich sehr klar ausgedrückt. Herr Fock. Es stimmt alles.— Stehen Sie auf und kommen Sie! Wir haben noch mancherlei Wege, bevor wir an Bord gegen können.“ Jan erbob sich taumelnd wie eln schwer Berauschter, (Fortsetzung folgt.) — — Nummer 206 7 Zweites Blatt Herner Anzeiger Dienstag, den 31. Juli 1928 Entschiedene Masnahmen zur Rauchbekämpfung. Sind die Rauchschäden unvermeidlich?— Die Folgen dieser Schäden müssen beseitigt werden.— Ruß und Ilugasche können vermieden werden. Seitdem im Frühjahr der Bericht des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk über die Tätigkeit des Ausschusses für Rauchbekämpfung erschienen ist, hat man von weiteren Fortschritten auf diesem wichtigen Gebiete nichts mehr vernommen. Wie wir aber erfahren, wird die Angelegenheit entschieden weiter verfolgt und es ist damit zu rechnen, daß schon in nächster Zeit entscheidende Maßnahmen organisatorischer Art, vor allein zur Bekämpfung der Rauchschäden, getrofsen werden. Es handelt sich hier um eine öffentliche Angelegenheit von ähnlicher Bedeutung wie etwa die Wasserversorgung des Ruhrgebiets und die Entwässerung, Aufgaben, für die eigene öffentlich=rechtliche Verbände gegründet worden sind. Bei der Rauchbekämpfung muß man unterscheiden mit einem Worte Beseitigung aller Kohlenösen und Kohlenherde aus den Haushaltungen, wenigstens in den Großstädten. Der Rauchverhütung ist bisher weder von den Gewerbetreibenden noch von den Behörden diejenige Aufmerksamkeit gewidmet, die zu einer wirksamen Bekämpfung der Rauchbelästigung erforderlich gewesen wären. Wenn jetzt begründete Hoffnung besteht, daß dies anders wird und daß öffentliche Einrichtungen geschaffen werden, die den Rauchschäden und der Rauchbelästigung entgegenwirken und die Folgen zu beseitigen verpflichtet sind, so kann man den Bestrebungen, die auf dieses Ziel hinwirken, nur den allerbesten Erfolg wünschen. Es ist nun einmal so im Ruhrgebiet, daß der intensive Wirtschaftsbetrieb und die der Rauchbekämpfung muß man unterse zwischen Rauchschäden und Rauchbelästigungen. Bei Zusammenballung der Menschenmassen die Lebens den Verbrennungsvorgängen in industriellen Anlagen, notwendigkeiten der Bevölkerung gefährdet und daß besonders in Kokereien, zum Schutz dagegen öffentlich=rechtliche Einrichtungen entweicht schweflige Säure. unvermeidlich geworden sind. Sie ist der Stoff, der im Industriegebiet die Tannenwälder verwüstet und den Obstbau fast unmöglich macht. Die Fachwelt behauptet, daß es bis jetzt kein Mittel gibt, diese Säure aus den Verbrennungsgasen auszuscheiden. Der Kampf gegen die Rauchschäden darf aber bei dieser vorläufigen negativen Erkenntnis nicht stehen bleiben. Die Wissenschaft hat schon schwierigere Rätsel gelöst. Aufgabe der Industrie muß es sein, ihre Chemiker und Techniker zu ermuntern, dieser wichtigen Angelegenheit auch weiter wissenschaftliche Aufmerksamkeit zu schenken. Solange aber kein Weg als gangbar erscheint, die schweflige Säure abzufangen oder durch irgendwelche Einwirkungen sie unschädlich zu machen, besteht für die Urheber des Schadens die Verpflichtung, alles zu tun, ihn zu mindern oder ihn wieder gutzumachen, mit anderen Worten, die Wirtschaft muß herangezogen werden zur Wiederaufforstung der vernichteten Wälder mit rauchharten Bäumen. Sie muß ferner dazu herangezogen werden, die Schäden, die dem Gartenbau und der Landwirtschaft erwachsen, erträglicher zu machen. Nach Berechnungen, die angestellt wurden, sendet eine einzige Kokerei, die täglich 2000 To. Kohle verkokt, soviel schweflige Säure in die Luft wie eine Stadt von 120000 Einwohnern mit ihren Heizvorrichtungen. Für die Kokereien des Ruhrbergbaues wurde berechnet, daß täglich 186,55 To. Schwefel verbrannt weer den und die Säure davon in die Luft geht. Die Rauchbelästigungen gehen sowohl von der Industrie wie von den Privathaushaltungen der Städte aus. Belästigende Bestandteile des Rauches sind Ruß oder Flugasche usw. In dieser Hinsicht stehen der Rauchbekämpfung zwei Mittel zur Verfügung: entweder die Verwendung rauchlos oder rauchschwach verbrennender Stoffe oder die Benutzung solcher Feuerungen, welche auch bei der Verwendung anderer Brennstoffe eine rauchschwache Verbrennung ermöglichen. Von der Fach welt wird die Gas= oder Kohlenstaubfeuerung für industrielle Anlagen empfohlen, wie überhaupt auf dem Wege über die Gasverwendung auch in den Haushalten die größten Aussichten im Kampfe gegen die Rauchbelästigung liegen. Besonderer Wert wird auf die richtige Bauausführung der Schornsteine und der Ofenanschlüsse gelegt, sowie auf die Benutzung bestimmter Ofenmodelle für bestimmte Kohlensorten. Unentschieden ist die Frage, ob mit den Wohnungen fest verbundene Oefen den vielfach gebräuchlichen transportablen Oefen vorzuziehen sind oder nicht. Als Ziel wäre ins Auge zu fassen: Für die Heizung der Wohnung Einbau von Zentralheizungen anstatt der Einzelösen, Zusammenfassung ganzer Häusergruppen oder Baublocks zu einer gemeinsamen Sammelheizung, Förderung der Städteheizung, für den Betrieb der Küche Gasherde oder elektrische Kocheinrichtungen, Gegen die Ausgabefreudigkeit der Kommunen. Ein deutschnationaler Antrag zu ihrer Erschwerung. Der preuß. Landtagsabgeordnete Steuer und die übrigen Mitglieder der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei haben im Landtag einen Gesetzentwurf über Erforderlichkeit der Zweidrittel=Mehrheit bei Beschlüssen von Vertretungs=Körperschaften der Selbstverwaltung eingebracht, der aus folgenden zwei Paragraphen besteht: § 1: Beschlüsse der Vertreter=Körperschaften aller Stellen der Selbstverwaltung(Provinzen, Bezir'sverbände, Kreise, Städte, Bürgermeistereien, Aemter, Gemeinden, Stadtbezirke) bedürfen zu ihrer Gültigkeit in folgenden Fällen einer Zweidrittel=Mehrheit: 1. Bei Festsetzung des jährlichen Haushaltsplans, soweit dieser eine Erhöhung von Ausgabenpositionen gegenüber dem vorangegangenen Haushaltsplan bringt oder die bis dahin gültigen Steuersätze heraufsetzt. 2. Bei allen nach Festsetzung des Haushaltsplans späterhin erfolgenden Einzelbeschlüssen, deren Wirkung dem Absatz 1 entspricht. § 2: Uebersteigen die Einnahmen aus einer von einer„Selhswerwaltungs=Körperschaft festgesetzten Steuer die im Haushaltsplan veranschlagte Endsumme, so ist die Verausgabung des Ueberschusses nur dann zulässig, wenn sie durch einen besonderen mit Zweidrittel=Mehrheit gefaßten Beschluß ausdrücklich genehmigt wird. Wenn diese Genehmigung nicht erfolgt, ist der überschüssige Betrag zur Steuersenkung durch Rückwirkung oder durch Anrechnung auf die nächstfällige Steuerzahlung zu verwenden In der Begründung wird auf die schwierige Lage aller derjenigen Wirtschaftskreise hingewiesen, die die Steuerlasten der Selbstverwaltung zu tragen haben. Der Gesetzentwurf suche eine Erschwerung der Ausgabensteigerung nicht etwa durch Erweiterung der Eingriffsrechte der Aufsichtsbehörde zu erreichen, sondern durch eine verstärkte Betonung der Verantwortlichkeit der Selbstverwaltungs=Körperschaften, die genötigt werden sollten, für finanziell weitragende Beschlüsse eine wesentlich verbreitete Mehrheit zu bilden. Damit werde dem altpreußischen Grundsatz der Selbstverwaltung ebenso wie dem bestehenden wirtschaftlichen Zwang zur Sparsamkeit Rechnung getragen. Hat der Bergmanns=Beruf noch eine Zukunft? Der Angestelltennachwuchs im Bergbau. Kürzlich wurde die für den Bergbau bedeutsame, aber auch betrübliche Feststellung gemacht, daß nach einer Berufsstatistik von 44 rheinischen Berussämtern von 38 232 Jugendlichen nur 344 den Wunsch hatten, Bergmann zu werden. Damit dürfte ohne weiteres auch der Beweis erbracht sein, daß die Zahl der Bergarbeitersöhne, die den Beruf des Vaters wieder ergreifen, immer geringer wird. Aber auch der Beruf der Bergbauangestellten ist bei den Bergarbeitersöhnen nicht mehr so beliebt als früher. Die Jahresberichte der Westf. Berggewerkschaftskasse zu Bochum, Unterhalterin der Bochumer und der Hamborner Bergschule, geben darüber einige Auskunft. Danach waren an der Bochumer Beraschule von den Schülern der Oberklasse(Betriebsführerklasse): Von dem Lehrgang 1910/11 41,5 Prozent Söhne von Bergleuten, 21,9 Prozent Söhne von Nichtbergleuten; von dem Lehrgang 1927/28 26,5 Prozent Söhne von Bergleuten, 40,7 Prozent Söhne von Nichtbergleuten. In der Steigerklasse waren von dem Lehrgang 1910/11 62,0 Prozent Söhne von Bergleuten, 26,0 Prozent Söhne von Nichtbergleuten; von dem Lehrgang 1927/28 45,6 Prozent Söhne von Bergleuten, 31,1 Prozent Söhne von Nichtbergleuten. Die Zahlen lassen einen starken Rückgang des reinen bergmännischen Elements unter den Bergschülern erkennen, während die Zahl der Söhne von Nichtbergleuten erheblich gestiegen ist. Etwas anders verhält es sich mit den Söhnen der Grubenbeamten. Hier war das Prozentverhältnis bei den beiden genannten Lehrgängen folgendermaßen: Oberklasse 1910/11: 36,6 Prozent; 1927/28: 26,5 Prozent: Steigerklasse 1910/11: 12,0 Prozent; 1927/28: 23,3 Prozent. Bei der Betriebsführerausbildung ist also ein Nachlassen, bei der Steigerausbildung eine Zunahme des Beamtenelements zu verzeichnen. Das Reifezeugnis für Obersekund hatten von den Schülern der Steigerklasse des Schuljahres 1910/11 6.5 Prozent, des Schuljahres 1927/28 28,9 Prozent. Die Ursachen dieser Erscheinung dürften in der Hauptsache darin liegen, daß durch die politische Umwälzung des Jahres 1918 die Vorrechte weggefallen sind, die bis dahin an das sog. Reifezeugnis(Einjährige) gebunden waren. Zum anderen können sie auch darauf zurückzuführen sein, daß bei dem demokratischen Charakter der Grubenbeamten= ausbildung die jungen Leute mit dem Reifezeugnis glauben, im Bergbau besonders schnell zu hohen Aemtern zu kommen. Das beweist am besten wohl der Umstand, daß die jungen Leute mit dem Reifezeugnis, die bisher als Bergschulanwärter, ohne die Bergvorschule durchlaufen zu haben, auf die Bergschule aufgenommen wurden, nunmehr alle zwei Jahre die Bergvorschule besuchen müssen. Als Grund hierfür wird in dem Bericht der Berggewerkschaftskasse für das Jahr 1927/28 angeführt, daß die Bergschulanwäter trotz ihrer besseren Vorbildung bei den Prüfungen für die Aufnahme auf die Bergschule oft versagten. Die Aussichten der von der Bergschule abgehenden Schüler sollen nach dem Bericht wieder gunniger geworden sein. Von den Ostern 1928 abgegangenen Schülern der Steigerklasse hatten bei ihrem Abgang bereits 55 Prozent im Vorjahre und 33 Prozent vor zwei Jahren. Die Zahl der Abteilungen der Steigerklassen betrug am Ende des Berichtsjahres 18 gegen 16 im Vorjahre, und die Zahl der Schüler bei den Steigerabteilungen in Bochum, Recklinghausen und Hamborn stellte sich auf 513 gegenüber 442 vor einem Jahre. Der Lehrgang auf den Steigerklassen währt seit Herbst 1927 nicht mehr 2 Jahre, sondern 2½ Jahre, ohne daß dadurch die Gesamtstundenzahl erhöht wird. Zweck dieser Aenderung soll sein, den Schülern mehr freie Tage gewähren zu können, da sonst der Schulbesuch neben der praktischen Arbeit zu anstrengend ist. Von den vorhandenen 29 Vorschulen, die von der Berggewerkschaftskasse unterhalten werden, waren im Berichtsjahr nur 26 in Betrieb; an 3 Vorschulen, Sprockhövel, Linden und Aplerbeck, ruhte der Schulbetrieb. Die Jahl der Bergvorschüler am Ende des Schuljahres betrug 457. In den letzten Jahren wurde bei Beendigung eines Lehrganges erst nach einer Pause von einem halben Jahr ein neuer Lehrgang eröffnet. Diese Unterbrechung ist nunmehr wieder fortgefallen. Die Zahl der Schüler an den bergmännischen Berufsschulen des Oberbergamtsbezirks Dortmund ist gegen das Jahr 1927 um 745 zurückgegangen. Von den am Schlusse des Berichtsjahres vorhandenen 13107 Schülern wurden in 142 Unter=, 223 Mittel= und 282 Oberklassen von 447 Berufs= und 208 Fachlehrern unterrichtet. Die Gesamteinnahmen der Berggewerkschaftskasse beliefen sich im Berichtsjahr auf 1771914.20 RM. Beiträge der Zechen waren hiervon 1 605 264.03 RM. Die Ausgaben betrugen 1689 360,65 RM. Für Besoldungen wurden 715 123,46 RM., für die Schulanstalten 538 240,95 RM. ausgegeben. Die Ausgaben für Besoldungen machen von den Gesamtausgaben 42,33 Prozent, die Ausgaben für Besoldungen und Schulanstalten zusammen rund 72 Prozent aus. Die Ruhrgrubenbesitzer lassen sich also die Ausbildung ihres Angestelltennachwuchses etwas kosten, und die Besoldungssumme zeigt, daß sie hinsichtlich der Bezahlung des Lehrkörpers, die wohl den Hauptteil der Besoldungskosten ausmacht, gar nicht knauserig ist. Berücksichtigt werden muß aber hierbei, daß die für die Essener und Mörser Bergschulen aufzubringenden Kosten in obigen Summen noch nicht enthalten sind. Fahrpreisermäßigung für Kinderfahrten. In letzter Zeit wurde durch verschiedene Notizen über die Fahrpreisermäßigung bei Kinderfahrten der Eindruck erweckt, daß die Reichsbahn keine Ermäßigung für Ferienkinder gibt. Hierzu sei bemerkt, daß an den bisher geltenden grundsätzlichen Bestimmungen über Fahrpreisermäßigung für Kinderfahrten in letzter Zeit nichts geändert worden ist. Es gilt folgendes: 1. Kinder bis zu 4 Jahren fahren frei. 2. Kinder zwischen 4 und 10 Jahren zahlen die Hälfte. 3. Kranke Kinder mittelloser Eltern werden zum halben Fahrpreise nach Kinderheilstädten usw. befördert. 4. Hilfsbedürftige Kinder und ihre Begleiter, die durch den Verein„Landaufenthalt für Stadtkinder" verschickt werden, werden zum vierten Teil des Fahrpreises 4. Klasse befördert, wenn sie innerhalb Deutschlands Erholung suchen, und frei befördert, wenn sie ins Ausland verschickt werden. Um Mißbrauch nach Möglichkeit auszuschließen, zu dem die außerordentliche Höhe der Ermäßigung unter Ziffer 4 stark anreizt, und um die Wohltat der Fahrpreisermäßigung auf die Kinder zu beschränken, die ihrer wirklich bedürfen, mußten Sicherungen getroffen werden, die aber in der gleichen Form schon seit Jahren bestehen. Die Gewährung ist namentlich an die Voraussetzung gebunden, daß es sich um einen vorübergehenden, mindestens 4 Wochen währenden Erholungsaufenthalt handelt, daß die Kinder vom Verein„Landaufenthalt für Stadtkinder" oder von einer der ihm angeschlossenen Organisationen verschickt werden und daß sie den vorgesehenen Ausweis des Vereins beibringen. Die Vergünstigung wurde bisher nur solchen Kindern gewährt, die nicht eigentlich krank, sondern unterernährt und erholungsbedürftig waren und deren wirtschaftliche Familienverhältnisse die UnDie Masken des Justus Auverra. Roman von Fred Nelius. Copyright 1927 by Verlag Alfred Bechthold, Braunschweig. 19. Fortsetzung. „Stellen Sie uns ein Souper zusammen, lieber Freund. Eine kleine delikate Sache, die selbst dem Khediven imponieren könnte.“ Der andere sah ihn an und lächelte „Ich werde Sie zufriedenstellen, Herr Baron“— Er goß den Fleur de Sillery in die Gläser. Servierte das Hors d’oeuvre elegant und mit der leicht vertrauten und devoten Ungeziertheit, wie sie Kellner großer Häuser haben. Dann verschwand er wieder. Jener, der die Rolle des Barons von Persing spielte, sagte: „Der Hoteldirektor ist ein Hund. Er hat Verdacht geschöpft. Weiß der Himmel wie? Aber sonderbar, ich hatte eine instinktive Ahnung davon, als ich mit ihm sprach.“ Ihre Wangen waren plötzlich blutleer und gespensterhaft bleich. „Diamine! Was bedeutet diese Platte in der Wand?“ „Ich sagte schon, du hast noch viel zu lernen. Die Zimmer großer Häuser sind oft mit Empfängern ausgerüstet, die Gespräche wie ein Telephon bis zur Zentrale leiten. Am Ende dieser Leitung ist ein Stift, durch den die abgelaufenen Töne über einem rotierenden Zylinder festgehalten werden. Das Gespräch ist noch sehr viel später anzuhören. Der Zylinder ist nicht ständig in Bewegung, sondern nur für jene Zeit, in der man spricht. Die Sperrvorrichtung wisd durch einen Hebel ausgelöst. Der Apparat kann ein und ausgeschaltet werden. Man setzt ihn nur in Sonderfällen in Gebrauch. Um Gäste zu belauschen, die verdächtig sind. Oder auch, um wichtige Gespräche zu fixieren.“ Sie preßte beide Hände gegen ihre Schläfen.„Diese Hunoe....“ sagte sie.„Ach. diese Hunde. Sekundenlange Stille herrschte zwischen beiden. Sie lauschten nach der Tür, hinter der ein schneller Schritt erklana.. verhallte. Der falsche Baron Persing wendete den Kopf zurück „Die Sache muß jetzt unbedingt in irgendeiner Form zum Abschluß kommen. Wir reisen morgen mittag. Mir ist der Boden unter meinen Füßen hier zu heiß geworden. Auf dich ist kein Verlaß....“ Sie wollte etwas sagen. Der Ton erstarb, bevor sie ihn in Worte formen konnte. „Ruhe!“ herrschte er sie an.„Du bist nicht auf dem Posten, wiederhole ich. Alles liegt auf meinen Schultern. Was bildest du dir eigentlich ein? Glaubst du, daß wir unsere Flitterwochen hier verbringen? Anstatt die Augen aufzuhalten.... wie ein sprungbereites Tier zu lauern und zu wachen, schmückst du dich wie eine Odaliske. Inzwischen ist der Kellner hier allein im Zimmer.... er öffnet den Geheimschrank in der Wand.... schaltet den Gesprächsempfänger ein. Du siehst das nicht! Du hörst das nicht! Oh, du unschuldsweißes Schaf!“ Sie machte eine jähe Geste, unter der die Ringe, die man Barbara gestohlen hatte, an den Frauenfingern blitzten. Der Kellner brachte eben jetzt die Bekassinen mit dem römischen Salat. Die Silberschüsseln mit den eingelegten Früchten. Oeffnete die Flasche Pommery. Goß die Gläser voll. Der im Smoking schwieg. Bis der Kellner fort war. „Wo ist der Schmuck der Baronesse,“ fragte er sodann.„Du mußt ihn gleich nachher zusammensuchen und mir übergeben. Er wird verkauft. Sein Erlös wird ein paar tausend Mark betragen. Der Kreditbrief des Barons von Persing brachte fünfzehntausend. Der der Baronesse siebentausend. Das sind zusammen also erwa fünfundewanzigtausend. Ein Pappenstiel. Dazu bin ich nicht hierher gekommen Solche läppische Geschäfte mögen Stümper machen.“ Die Frau im schwarzen Kleide hob den Kopf. Die großen weitgeschnittenen Augen glühten auf. Wie ein kurzer Funke war das, den ein Hauch verlöscht Sie ließ die Lider wieder fallen. Sie lächelte.„Du hießest sonst nicht Justus Auverra.“ „Ich heiße Henner Persing. Es wird Zeit, daß du das lernst. Du wirst Dich sonst recht bald an Mangel von Komfort gewöhnen müssen. Soviel ich mich entsinne, gibt es in den Zuchthauszellen weder fließend Waller noch Frisiertoiletten.“ „Ich weiß es,“ sagte sie. „Aiso.... paß gefälligst auf. Wir sind nicht in der angenehmen Lage, uns in rosenrote Nebel einzuhüllen. Sieh in jedem Menschen deinen Feind. Umlaure und umspüre jeden, der in deine Nähe kommt. Vom Pagen bis zum Kellner. Vom Zimmermädchen bis zur Wäschefrau. Du gibst mir über jeden Menschen Nachricht, der die Schwelle deines Zimmers übertritt. Du hast mich unverzüglich danach anzurufen. Sobald ich mich gemeldet habe, hängst du ab. Keine Silbe und kein Wort ins Telephon. Ich komme auf dem schnellsten Wege zu dir. Hast du das verstanden? Uebrigens— ich überlege eben——“ Plötzlich brach er ab. Er wechselte das Thema. Machte ein paar höfliche, bedeutungslose Phrasen. Lauschte nach dem Gang. Wie ein Panther war er hoch. Der dicke Teppich dämpfte seine Schritte. Ein paar Augenblicke später hatte er die Türe aufgerissen. Er prallte auf den Kellner. Die Pilze in ihren silbernen Geräten fielen krachend auf den Boden. „So, mein Freund.“ Baron von Persing lachte „Man darf nicht mit den Ohren an die Türe schrammen, wenn man lauscht. Und man darf nicht gerade Pilze dagegen halten, wenn die Türe aufgeht. Ich wollte eben meine Zigarettendose aus dem Zimmer holen. Wir danken für die Pilze. Tragen Sie den Nachtisch auf.“ Baron von Persing kam zurück. „Verdammt!— Wir werden überwacht. Ich habe es gefürchtet. Immerhin, es war doch möglich, daß man den Gesprächsabhörer nur zum Schutz der Baronesse eingeschaltet hätte. Ich glaubte, dem Verdacht die Spitze abzubrechen, wenn ich den Direktor bat, auf deine Sicherheit erhöhte Aufmerksamkeit zu richten. Der Fuchs ist schlauer als ich dachte. Aber: Wir sind gewarnt.“ Die Frau im schwarzen Kleide say jetzt von ihm fort. Ihr Mund war aufgerissen und verkrampft. Wie bei einem Menschen, der in äußerster Erregung lauscht Doch war nichts zu hören, als die fernen und gedämpften Töne, die vom Esbekise=Park und von der Straße her herüberschallten. Die verschwommenen Laute des mondänen Großstadtlebens.. der erregten Sinne einer freudegierigen Masse. Niemals.. schien es.... klangen diese Laute so grotesk und spukhaft, wie zu dieser Stunde. Der im Smoking warf den Kopf zurück. Seine grauen Augen waren hart wie Stahl. „Ich überlegte vorhin, ob es nicht am Ende besser wäre, wenn du selbst den Scheck auf hunderttausend Dollar bei der Bank erhebst. Nein. Es ist es nicht. Du bleibst in deinem Zimmer. Man würde dich wahrscheinlich allzu sehr auf deine Echtheit ansehen.— Der Bankdirektor kennt die Baroneß persönlich. Und auf dich ist kein Verlaß. Du versagst in wichtigen Momenten. Alles steht auf einer Karte. Diese Karte will ich lieber selbst in der Hand behalten. Item ich gehe morgen früh zur Bank. Spreche mit dem Chef persönlich. Keinem Zweifel unterliegt es, daß der Scheck nach Bankvorschrift in Ordnung geht. Da du krank bist, werde ich den Chef ersuchen, einen Boten mit dem Gelde mit mir ins Hotel zu senden Du liegst zu Bett. Meinetwegen lasse morgen früh den Doktor holen. Am besten ist er bei dir, wenn der Bankbeamte kommt. Sobald das Geld gezahlt ist, wirfst du dir ein Kleid und einen Mantel über. Wir verlassen das Hotel durch einen Seitenausgang den ich kenne. Dort wird ein Wagen auf uns warten. Hast du das verstanden?" Sie nickte. Eine müde Handbeweguna.... Ja.“ Er griff in seine Tasches Warf ein Scheckbuch auf den Tisch.„Hier....„ Suchte im Portefeuille. Da war ein Brief. Er schlug ihn auf Es war der Brief, den Barbara an jenem Frühlingstag vermißte, als sie von dem Ausgang heimkam. Er war am Mühlenbach gestohlen worden. Der Büttenumschlag trug die Anschrift: Credit Lyonnais in Kairo. Sein Inhalt hieß: „Ich bin am 25. des nächsten Monats dort. Ich werde mich alsbald nach meiner Ankunft in Ihr Haus begeben und als Erbin meines Vaters die im dortigen Tresor befindlichen Valeurs erheben. Mein Ausweis sind die Schlüssel zum Tresor, der Paß, das Kennwort Hochachtungsvoll Freiin Barbara von Freudenheim.“ Jener, der sich jetzt Baron von Persing nannte, sagte: „Ich verlasse dich nachher. Du wirst den Scheck auf hunderttausend Dollar vorbereiten. Du kannst den Brief als Muster hier behalten. Handschriftfälschen ist ja dein Metier. Bitte, gib dir Mühe.“ Er reichte ihr die Zigarretten. Ließ das Feuerzeug erflommen Fortsetzung folgt. terbringung auf dem Lande notwendig ließen. Die Vergünstigung ist nun in diesem Jahre inso= diese Form der Versendung zu besonders weitgehen fern erweitert worden, als nicht nur, wie früher, dem Mißbrauch geführt hat. erscheinen ziehungen zu einem Erholungsaufenthalt eingeladen waren, nicht mehr berücksichtigt werden können, zumal Kinder aus der Stadt, sondern auch solche aus ländlichen Bezirken berücksichtigt werden und neben den nur erholungsbedürftigen auch gesundheitlich gefährdete Kinder, die in Heimen Aufnahme finden müssen, in die Vergünstigung einbezogen wurden. Bei dieser Erweiterung haben allerdings die sogenannten„Verwandtenkinder“, die nicht von Im Jahre 1927 wurden nach diesen Grundsatzen ctwa 320000 Kinder zu den ermäßigten Sätzen, also zu ein Viertel des Fahrpreises 4. Klasse und elwa 22.000 Kinder vollkommen frei ins Ausland von der Reichsbahn befördert. Infolge der vorstehend angeführten Ausdehnung aus Kinder aus ländlichen Bezirken und auf gesundheitlich gefährdete Kinder wird Wohljahrtsvereinigungen untergebracht, sondern auf im lausenden Jahre mit einer Steigerung der ZahlGrund verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Be#llen des Vorjahres gerechnet werden können. und für Herne Erlebnis auf der Straße. die des der früheren Vertretung des Amtes Sodingen herzlichsten Glückwünsche aus zur Vollendung Ein steinaltes Mütterchen humpelt über die Straße. Baues, auf den alle stolz sein könnten. Herr KirchenWie ein tiefgesurchter Acker im Spätyerbst ist ihr meister Valentin gab im Namen des PresbyteriGesicht, die Gestalt zusammengesunken und auf einen ums seiner Freude Ausdruck, dieses Fest heute beStock gestützt. Doch in den Augen liegt noch immer gehen zu können. Er dankte vor allem Herrn Pfarrer das gütige Leuchten, das aus der Jugend herüber: Spetz, dessen rastlosem Streben die Entstehung und gerettet wurde und das dieses Gesicht heute noch ver= rasche Vollendung zu danken sei. klärt. Nur die Not hat einen leichten Schatten unter diese Augen gemalt, und die Not schaut noch aus den abgetragenen Kleidern des Mütterchens heraus. Aber neben ihr läuft ein zierlicher Fox, blank, gepflegt, der ein paar treue Hundeaugen im Kopfe hat, der einige Schritt weit vortrippelt, wieder zurückläuft, das Mütterchen anschaut und dann wieder ein Stück weiterläuft. So kommt es, daß sich des Mütterchens Augen mit denen ihres Hundes wohl mehrere Male begegnen. Diese Liebe und Verbundenheit zwischen Mensch und Tier muß stärker sein, als oftmals die Liebe zwischen Mensch zu Mensch, denke ich mir. Und weiter: dieser Hund wird das einzige Lebewesen sein, das dem Mütterchen verblieb, er wird durch sein Springen, Umhertummeln und Bellen in des Mütterchens ärmlicher Stube die Jugend und das Leben hineintragen. Er wird des Mütterchens letzte Tage durchsonnen. Da geschieht plötzlich dies: Irgend etwas lockt den Hund vom Bürgersteig auf den Fahrdamm. Das Mütterchen sucht seines Hundes Augen und findet sie nicht. Mit hilfloser Gebärde hält es Ausschau nach ihm, ruft seinen Namen über die Straße hinüber, hört dann ein Auto vorbeifahren und mit einemmal ein herzzerreißendes Winseln, das immer schwächer wird, bis es gänzlich erstirbt. Und das Mütterchen erkennt, daß es das Winseln seines Hundes ist, daß das Auto über das Tier hinweggefahren ist und damit die letzte Freude in dem verlöschenden Leben des Mütterchens gerstörte... Dies alles sah ich blitzschnell auf der Straße rorÜbergleiten, sah dann weiter noch, wie das Mütterchen in sich selbst zusammensank, wie ein Arbeiter, der des Weges kam, die alte Frau aufhob und sie behutsam ins nächste Haus trug. Kleine Tragödien des Lebens, die sich unzählige Male am Tage widerholen und die doch alle durchlebt und durchlitten werden müssen... eine Büchse Kakao, ein großer Hinterschinken, ein Stück Rauchfleisch, 11 Stücke Speck, 7 Paar Dachdeckerschuhe und mehrere leere Weinflaschen. Eigentümer werden gebeten, sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei Herne, Mont=Cenisstr. 10, zu melden. „„ Mit einem Feuerwehrfest ist ohne weiteres noch kein Marktverkehr verknüpft. (Nachdruck verboten.) Eine Entscheidung des Kammergerichts. Als vor einiger Zeit in Herne ein Feuerwehr= fest abgehalten wurde, schlugen verschiedene Schausteller mit polizeilicher Genehmigung, u. a. auch der Schausteller B., Buden auf, um Taschenuhren erc. zu verlosen bezw. feilzubieten. Nach§ 56 der Reichsgewerbeordnung sind ausgeschlossen vom Ankauf und Feilbieten im Umherziehen neben Gold- und Silberwaren auch Taschenuhren. Gegenstände, die vom Ankauf und Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossen sind, dürfen nach§ 42a der Gewerbeordnung innerhalb des Gemeindebezirks des Wohnortes oder der gewerblichen Niederlassung von Haus zu Haus oder auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten nicht feilgehalten oder zum Wiederverkauf angekauft werden. Das Amtsgericht sprach B. frei, weil B. die Taschenuhren im Marktverkehr ausgelost bezw. feilgeboten habe. Diese Entscheidung socht die Staatsanwaltschaft durch Revision beim Kammergericht an und betonte, von einem Marktverkehr könne vorliegend nicht die Rede sein, da es sich nicht um einen vom Provinzialrat oder Bezirksausschuß genehmigten Markt im Sinne der§§ 127, 128 des Landesverwaltungsgesetzes handle; nur für die behördlich genehmigten Märkte komme die Marktfreiheit in Betracht. Der 3. Strassenat des Kammergerichs hob auch die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Amtsgericht zurück und führte u. a. aus, vorliegend komme ein Feuerwehrfest in Betracht, welches nicht ohne weiteres einem Markt gleichgestellt werden könne; es sei daher zu prüfen, ob ein behördlich festgesetzter Markt in Betracht komme. Nach§ 127 des Landesverwaltungsgesetzes habe der Provinzialrat über die Zahl, Zeit und Dauer der Kram= und Viehmärkte und der Bezirksausschuß über die Zahl, Zeit und Dauer der Wochenmärkte, über die fernere Gestattung des herkömmlichen Wochenmarktverkehrs mit gewissen Handwerkerwaren von Seiten der einheimischen Verkäufer(§ 64 der Reichsgewerbeordnung) sowie darüber, welche Gegenstände außer den in§ 66 fand ein großes Lager. In der Hauptsache haben die der Reichsgewerbeordnung aufgeführten nach OrtsTäter es auf Lebensmittel, Wein und Stoffe abge gewohnheit und Bedürfnis im Regierungsbezirk übersehen. Eine zweite Spur wies nach Holsterhausen. An######ewisse Oxzen zu den Auch hier hatten die Beamten Glück. Sie griffen ins richtige Nest und nahmen gleich zwei der Haupttäter auf der Bielefelder Straße fest. Auch hier wurde so viel gestohlenes Gut gefunden, daß es mittels Autos fortgeschafft werden mußte." Der gestrige Polizeibericht zählt, ohne nähere Erläuterungen, die gestohlenen Güter folgendermaßen auf: Herr Postmeister Grove sprach im Namen des evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins Sodingen. Im Auftrage des evangel. Kirchenchors überreichte er eine eingerahmte Nachbildung der Urkunde zur Grundsteinlegung als Wandschmuck für das neue Heim. Herr Pfarrer Speth hielt dann, nach einigen Darbietungen des Kirchenchors, die Schlußansprache. Am Nachmittage fand dann im Gemeindehause eine Saalfeier statt.+ „„ Ein Räubernest ausgehoben. 6 Mann verhaftet. Weitere Verhaftungen Wir lesen in der Wanne=Eickeler Ztg.— die Herner Polizei verweigerte uns unverständlicherweise darüber jede Auskunft!— folgendes: „Seit Wochen wurden in Herne und auch in unserm Stadtteil Holsterhausen Einbrüche ausgeführt, ohne daß man die Täter fassen konnte. Am Freitag ist es der Herner und unserer Kriminalpolizei gelungen, den Tätern das Handwerk zu legen. Nach einem Einbruch in Herne verfolgte man die Spur, und konnte zwei Spitzbuben sofort verhaften. Man Unser Wetterbericht. Das Tiefdruckgebiet über Skandinavien und der Ostsee zieht nur langsam ab, während sich das südwestlich Hochdruckgebiet wieder ostwärts über Süddeutschland ausgebreitet hat. Ein neues Tiefdruckgebiet dringt über Irland vor. In Deutschland war es heute fruh trocken, teils wolkig, teils-heiter und kühler. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 12 bis 16 Grad. Wetteraussichten bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung, später wieder Regenfälle in Schauern, Temperaturen wenig verändert. n 31 artikeln gehören.(3. S. 298. 28.) „„ Beitritt der Deutschen Jugendkraft zum Stadtverband beschlossen! Aus der Sitzung der Baudeputation. Der Iluchtlinienplan für die Gegend der Goethestraße. — Der Personenaufzug im Rathause soll wieder in Gang gesetzt werden. In der am letzten Freitag unter dem Vorsitz des Beigeordneten und Stadtbaurat Knöll stattgefundenen Sitzung der Baudeputation wurde das Setzen der Sinkkästen und das Verlegen der Anschlußleitungen in der Flottmannstraße vergeben. Der Fluchtlinienplan für das Gelände zwischen Stamm=, Mont=Cenis=, Goethe= und Schaeferstraße, der schon einmal zur Beratung gestanden hatte, ist von der Verwaltung abgeändert worden. In dieser Sitzung wurde dem Plane zugestimmt. Im Rathause befindet sich ein Personenaufzug, der jedoch seit Jahren außer Betrieb ist. Auf Anregung In der letzten Sitzung der DIK. Herne, auf deren Tagesordnung der Beitritt zum Stadtverband für Leidesübungen stand, wurde nach einer langen DeBei der hiesigen Kriminalpolizei wurden folgende batte beschlossen: Die DIK. Herne tritt geschlossen dem Sachen sichergestellt, die mahrscheinlich ans onenianien Stahtnerhand hei he her Stabinarhach di# A herrühren: 3 Malerpinsel, 4 Knäuel Bindfaden, ein Karton Blät tertabak, 38 Stück Toilettenseife, 2 Turnhosen, 9 Trikot achen sichergestellt, die wahrscheinlich aus Diebstählen Stadtverband bei, da der Stadtverband die Richtlinien errühren: 2 große Blechbüchsen Pfefferminzrollen. der DIK. berücksichtigen will, nämlich alle Veranstalgungen getrennt nach Geschlechtern durchzuführen und den 2. Sonntag von Veranstaltungen des StadtverSporthosen, 3 Stücke bunter Waschstoff, ein Ballen gestreifter Hosenstoff, 4,60 m, 2 bessere Steppdecken, bandes frei zu halten. Dieser Beschluß wird von der Herner Sportgemeinde freudig begrüßt werden, da Rückkehr der Herner Sieger aus Köln. Begeisierter Empfang.— Sie erhalten die bronzene Plakette der Stadt Herne.— Begrüßung durch Oberbürgermeister Täger. Linder Abend. Es ist einige Minuten nach 7 Uhr. Die Bürgersteige vor dem Bahnhof beginnen sich mit Menschen zu füllen. Der Turnklub Baukau rückt geschlossen mit klingendem Spiel heran. Auch von der Stadt nahen die Turner mit Musik. Die Herner eines Mitgliedes der Baudeputation erklärte sich die Stadtfarben werden an den Häusern ausgehängt. Verwaltung bereit, die Frage der Wiederinbetrieb= un den Fuuicen aurpehutn letzung zu prüfen. Einweihung des evgl. Vereinshauses in Sodingen. Die evangelische Kirchengemeinde Sodingen feierte gestern einen Tag, der ihr in steter Erinnerung bleiben dürfte. In schönster Lage, am Volkspark, steht setzt das Gemeindehaus fertig da, eine Zierde Sodingens. Die große Beteiligung der Gemeindemitglieder an der Einweihungsfeier am Sonntag wai ein guter Gradmesser, wie groß die Freude über die Vollendung des Baues bei allen ist. Nach dem Gottesdienst um 9 Uhr zogen die evgl. kirchl. Vereine unter Vorantritt des Posaunenchors zum Gemeindehaus, wo sich auch eine Anzahl geladener Gäste eingefunden hatte. Bauunternehmer Hüls übergab als Erbauer des Hauses Heren Superintendenten Niederstein der Kreissynode Bochum den Hausschlüssel, der ihn mit dem Wunsche, daß in dem Hause stets Kraft, Ehrensungfrauen mit Blumensträußen warten auf dem Bahnsteig. Der Zug braust heran. Schon aus der Ferne schwingen die Sieger aus den Zugfenstern ihre Vereinsbanner. Bildaufnahme vor dem Bahnhofseingang. Menschenmassen um die Sieger herum. Ein Beifall hebi an. Dr. Eilentrov, der Vorsitzende des Stadtverbandes für Leidesüungen, begrüßt die Sieger. Sein Schluß:„Den Siegern und der Siegerin als Dank und Anerkennung ein dreifaches„Gut Heil“! Donnernder Turnergruß erbraust. Es folgt der Abmarsch zum Rathaus. Das Spalier, das die Herner bilden, ist von erstaunlicher Länge und Dichte. Die Polizei hat ihre liebe Not, die Begeisterten vom Rathausportal zurückzuhalten. Rot=weiße Fähn chen und Musik künden das Nahen des Zuges. Ober bürgermeister Täger hält die Begrüßungsansprache " die bronzene Plakette der Stadt Herne übergeben. Heute geht das noch nicht, erst soll dieser Tag darauf verewigt werden. Möge sie ihnen eine freudige, schöne Erinnerung sein.“ Dann brachte Herr Oberbürgermeister Täger ein dreifaches„Gut Heil“ aus, welches ein mächtiges Echo fand. Darauf dankte Dr. Eilentrop dem Redner im Namen der Herner Bürger und Bürgerinnen, Turner und Turnerinnen, Sportler und Sportleinnen und des Stadtvebandes für Leibesübungen für die Anprache. Ein dreifaches Hoch auf unser Vaterland und das Deutschlandlied beschlossen die Feier. Nun umdrängten enthusiastische Freunde die mit dem Lorbeer geschmückten Sieger und beglückwünschten sie. Darauf trat der Zug mit Fackeln und klingendem Spiele die Heimkehr in die Stadt an. Nachstehend die Herner Sieger vom Deutschen Turnfest in Köln. Zwölfkampf der Männer: Herbert Hosberg, Turnklub Herne, 165 Punkte Zaroll, Turnklub Baukau 160 Punkte Jünfkampf der Altersturner: Kendzia, Turnklub Baukau 77 Punkte Vierkampf der Turnerinnen: Erni Schulze, Turnklub Herne 65 Punkte Die übrigen Teilnehmer an den Kölner Wettkämpfen wurden von einem eigenartigen Mißgeschick verfolgt: nur 1 Punkt an der zur Erlangung „Zu Ende ist das herrliche Turnfest in Köln. Die Liebe und Zucht herrschen möge, Herrn Pfarrer Stadt Herne hat es sich zur Ehre angerechnet, VerFerke, als dem Vorsitzenden des Presbyteriums, treter zu entsenden, um zu zeigen, daß auch hier in übergab. Die weiten, schönen Räume taten sich den Hei. Turnen und Sport eine gute Pflege finden. Gästen und Gemeindemitgliedern auf. Die innere Alle, die an dem Turnfest, das nur alle 5 Jahre stattEinrichtung paßt sich dem äußeren prachtvollen, mo- findet, teilnahmen, werden einen tiefen Eindruck mitdernen Formen würdig an. Man kann sich gern mit genommen haben als von einem großen Erhebnis der Gemeinde freuen, die ein solches Haus ihr eigen Denn aus allen deutschen Gauen waren dort Männer nennt. Den Einweihungsakt eröffnete der Posaunen= und Frauen versammelt. Erfüllt von jenem Geist, sschin„„„ chor mit dem Choral„Die Himmel rühmen“. Herr der uns zwingt, mit aller Energie ein eigenes Selbst eines Siegerkrankes erforderlichen Punktzahl fehlte Pfarrer Speth begrüßte hierauf alle Erschienenen zu entfalten. Er erzeugt Charaktere, die wir heute sowohl Kürten und Mannes im volkstümlichen und gab der Freude Ausdruck, daß endlich der so dringend brauchen. Ich möchte denen, die in Köln Fünfkampf der Turner, wie auch Spieckermann Bau vollendet dastehe, nachdem die Inflation die Er= 1für die Stadt Herne gekämpft haben, den Dank der im volkstümlichen Fünfkampf der Aelteren und Frl. richtung schon einmal vereitelt habe. Herr Super= Stadt aussprechen. Alle waren sie Auserwählte, Bonaers im Siebenkampf der Turnerinnen. Auch n d Endkampf um die Meisterschaft der Turnerinnen im Speerwerfen blieb Frl. Schulze nur wenige Zentimeter hinter der 3. Siegerin zurück, erzielte also an 4. Stelle immerhin noch einen guten Achtungserfolg. Mit etwas mehr Energie und Technik sollte sie der Meisterin Frl. Schumann(Essen) scharfe Konkurrenz machen können. Alle waren intendent Niederstein hielt sodann die Weiherede, wenn auch nicht alle Sieger werden konnten. Es gein der er einen Rückblick auf das Werden der Ge=reicht mir zur besonderen Ehre, die Turner zu empmeinde gab und dem Hause wünschte, daß es ein Mit- sangen. Sie haben gezeigt, daß der Siegerwille in telpunkt der Gemeinde werde und ein Ansporn zus ihnen nrat. Tieser Turner= und Sportgeist möge sich weiterem Fortstreben zur Höhe. Für den durch eine auch auf die Bevölkerung ausbreiten zum Wohle undringende Reise verhinderten Oberbürgermeister Tä=sseres Vaterlandes. Auf Grund der Vollmachten, die ger nahm Herr Bürgermeister Wiethoff das Wort. mir die städtischen Körperschaften gegeben haben, darf Er sprach auch im Namen des Oberbürgermeisters und lich den Siegern durch den Beitritt der DIK. die Sportbewegung in Herne um einen großen Schritt weiter gekommen ist und der Stadtverband selbst bedeutend einheitlicher wird arbeiten können. *„* Werbetag des Theatervereins„Loreley“. Sodingen. Bei prachtvollstem Wetter war der Werbetag dem Theaterverein„Loreley“ ein voller Erfolg. Eingeleitet durch den Weckruf des Trommserkorps des Jünglingsverein Baukau nahm der Tag einen schönen, programmäßigen Verlauf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Festzug, in dem das Symbol des Vereins, die„Loreley", auf einen Wagen mitgeführt wurde. Die prachtvolle Aufmachung des Festzuges, an dem mehrere Vereine mit ihren Fahnen teilnahmen, erregte die Aufmerksamkeit aller Zuschauer, die dichtgedrängt in den Straben standen. Im Borgmannschen Saale, wo die Festfeier stattfand, hatte sich eine große Schar Besucher eingefunden. Mit einem flotten Marsch eröffnete die Musik die Darbietungen. Der Vorsitzende, Herr Horlo, begrüßte die Erschienenen und erteilte Herrn Stadtrat Fust das Wo ri zur Festrede. Der Redner schilderte die vorbildliche Tätigkeit des Vereins und ermahnte alle, stets der Tradition treu zu bleiben und von der Bühne alles fern zu halten, was dem Volke, der Sitte und Moral zum Verderben gereichen könne. Die Besucher aber bat er, dem Verein die Treue zu bewahren, damit der Verein in der Lage sei, seine volksbildende Tätigkeit weiterhin zu pflegen. Ein frohes Festtreiben setzte ein. Der Verein wartete auf der Bühne mit zwei Theaterstücken auf, von denen das erste,„Derlachende Tod“, ernsten und das zweite Stück,„Gebirgsluft“, heiteren Inhalts war. Beide Stücke wurden mit vollendeter Wiedergabe gespielt. Der gute Besuch, und der reiche Beifall geben dem Verein Gewähr, daß der Werbetag ein voller Erfolg gewesen ist. „„* Schattenseiten der Ratenzahlung. Sitzung des Erweiterten Schöffengerichts Recklinghausen. Der Bergmann Emil P. aus Herne war der Urkundensälschung in Tateinheit mit Betrug angeklagt. Der Angeklagte hatte sich bei einem Fahrradhändler ein Fahrrad auf Abzahlung gekauft, das ihm, nachdem festgestellt wurde, daß sich P. in Arbeit befand, unter Eigentumsvorbehalt ausgehändigt wurde. Diees Rad hat P. noch vor der völligen Bezahlung anderweitig verkauft. Damit der Käufer aber nicht Verdacht schöpfte, daß das Rad noch nicht bezahlt war, fälschte der Angeklagte seine Ratenzahlungskarten, füllte sämtliche Raten aus, setzte den Stempel„Bezahlt“ auf die Karte und erklärte dann, daß Rad sei völlig bezahlt. In der Gerichtsverhandlung gab der Beschuldigte seine strafbare Handlung zu, erklärte aber, die Tat in angetrunkenem Zustand ausgeführt zu haben. Diese Einlassung konnte das Gericht dem Angeklagten nicht widerlegen. Unter Berücksichtigung, daß P. bereits einschlägig vorbestraft ist, sah sich das Gericht genötigt, gegen P. wegen Unterschlagung in Tateinheit mit Urkundenfälschung eine Gefängniestrafe von 6 Wochen zu verhängen. Um aber dem Angeklagten den Weg für die Zukunft nicht zu verbauen und dem geschädigten Fahrradhändler die Möglichkeit zu geben, daß er sein Geld wiederbekommt, billigte das Gericht dem Angeklagten Strafaussetzung zu wenn er sich drei Jahre gut führt, innerhalb eine: Jahres eine Geldbuße von 20 M. an die Gerichtskasse und dem Geschädigten das Fahrrad in dieser Zeit vol bezahlt. Da der Anklagevertreter sowie der Angeklagte auf Einlegung von Rechtsmitteln verzichteten wurde das Urteil rechtskräftig. 2000 Mark unterschlagen. Der Reisende T. von Bochum wurde beschuldigt. in Recklinghausen, Herne und Sodingen zum Nachteil der Firma Kurzberg in Bochum Unterschla gungen gemacht zu haben, einmal dadurch, daß er die einkassierten Gelder nicht abführte, und weiter, daß er den betr. Personen Zahlkarten gab, die auf eine andere Firma in Bochum lauteten, bei der der Vater des Angeklagten sich einen Anzug auf Abzahlung gekauft hatte. Der Angeklagte gab zu, daß er ein„kleines“ Manko bei den einkassierten Geldern gehabt habe, dieses könne aber nicht die Höhe von 2000 M. erreichen. Er bestritt aber entschieden, daß er anderen Leuten Zahlkarten auf eine andere Firma lautend gegeben habe. Die Beweisaufnahme ergab folgendes Bild. Der Angeklagte war bei der Firma Kurzberg in Bochum, einem Abzahlungsgeschäft für Bekleidung“ und sonstige Artikel, als Kassierer beschäftigt, und zwar für die Bezirke Bochum, Herne, Sodingen und Recklinghausen. In diesen Bezirken hat er für ein Jahr die ausstehenden Raten einkassiert, und zwar quittierte er die erhaltenen Gelder in einem Kontobuch, das die Leute besaßen, trug dann die Gelder auf eine Ratenzahlkarte ein und mußte später dann auf Grund dieser Karte in Bochum mit seinem Chef abrechnen. Der Angeklagte hatte einen Teil der Gelder wohl in den Kontobüchern der Käufer quittiert, sie aber nicht auf seiner Ratenzahlkarte vermerkt. Als man nun verschiedene Personen mahnte, ihre Raten zu zahlen, erklärten diese, daß sie längst bezahlt hätten. Die Ermittelungen ergaben, daß T. innerhalb eines Jahres 2000 M. für sich behalten hatte. Es konnte aber nicht festgestellt werden, daß er den Leuten Zahlkarten gegeben hat mit dem Auftrage, Gelder, die für Kurzberg bestimmt waren, einer anderen Firma zu überweisen. Als der Vorsitzende den AnPfefferminz-Erfrischung durch Chlorodont Der berühmte, soeben aus Asien zuruckgekehrte Tibetforscher Dr. Wilhelm Flichner schreibt uns wie folgt: Von Srinagar aus, dem Endpunkt meiner 2l Jahre währenden innerasiatischen Expedition, dart ich Ihnen mitteilen, daß ich mit dem von Ihnen hergestellten Chlorodont wiederum sehr günstige Erfahrungen machte Meine Zähne sind gesund geblieben und haben immer noch blendend weiße Farbe. Die erfrischende Wirkung dee Chlorodonts wurde von mir besonders in heißen Zonen angenehm empfunden, ich werde das genannte Mittel auch fernerhin in Gebrauch behalten und empfehle es besonders Forschungsreisenden angelegentlich zum Gebrauch. Srinagar, den 16. April 1928. Dr. Wilhelm Filchner.—(Originalbriet bei unserem Notar hinterlegt.)— Ueberzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 PI., große Tube 1 Mk. Chlorodont-Zahnbürste 1.25 Mk., für Kinder 70 Pf. Chlorodont-Mundwasser Flasche 1.25 Mk. Zu haben in allen Chlorodont-Verkaufsstellen, Man verlange nur echt Chlorodont und weise jeden Ersalr dafür zurück. —.— 9.07 8 * # Nummer 206 7 Drittes Blatt Herner Anzeiger Dienstag, den 31. Juli 1928 Aus dem Herner Stadtparlament. Das Riesenprogramm von 7 Anfragen und 33 Punkten wird erledigt.— Der Flaggenstreit um den Oberbürgermeister und den Kavalleristentag.— Aufrichtiger Sparsamkeitswille.— Der Polizeiamtsneubau wird nicht genehmigt. Sitzungsverlauf. Um 4.40 Uhr eröffnet Stadtverordnetenvorsteher Meier die Sitzung. Es fehlen mehrere Stodtverordnete. Die Tribünen sied dicht besetzt. Es liegen mehrere Anfragen vor. Die Kommuniten fragen an, 1. weshalb auf ein Schreiben des Alexander T. an den Herrn Oberbürgermeister noch keine Antwort erfolgt sei und was der Magistrat in diesem Falle unerträglicher Wohnungsverhältnisse zu tun gedenke, 2. inwieweit die Vorbereitung der Anträge gediehen sei, die die kommunistische Fraktion zur Abänderung des Erats gestellt habe. Eine Anfrage der Herner Mittelstandsvereinigung wünscht Auskunft, ob in Verfolg der Bitte des Ordnungsblocks vom 27. 2. der Magistrat Schritte unternommen habe zur Gleichstellung der Wasserpreise in Horsthausen mit den Wasserpreisen im übrigen Herne, und weshalb keine Mittel dafür in den Etat eingesetzt worden seien. Oberbürgermeister Täger erklärt sich bereit, beide Anfragen sogleich zu beantworten. Nunmehr kommt man zur Besprechung der aus der vorigen Sitzung unerledigt gebliebenen Anfragen. Die erste betrifft die Teilnahme des Oberbürgermeisters am Kavalleristen=Tag. Hierzu gibt Oberbürgermeister Täger folgende Erklärung tb: Verfügungen für Kommunalbeamte in dem gleichen Sinne, wie diese für die Reichsund Staatsbeamten erlassen worden sind, liegen nicht vor. Diese für die Reichs= und Staatsbeamten erlassenen Verfügungen sind aber so gehalten, daß die leitenden Kommunalbeamten sie als auf sich anwendbar ansehen mussen. Bei der Veranstaltung der Verbandstagung des Westdeutschen Kavalleriever= bandes hat der Oberbürgermeister teilgenommen an der Delegiertenversammlung, die am 14. Juli d. J. nachmittags im Strickmann'schen Saale stattfand, und hat, hierum personlich geveten, die auswärtigen Gäste im Namen der Stadt begrüßt. Der Charakter der gesamten Veranstaltung des Westdeutschen Kavallerieverbandes ließ nicht eine Demonstration gegen die Reichsflagge erlehen, da sowohl beim Bahnhofsvorplatz wie auch in dem Festzelt die schwarz=rotgoldene Flagge an bevorzugter Stelle gezeigt wurde. Die Veranstaltung im Strickmann'schen Saal war eine geschlossene Delegiertenversammlung, die öffentlichen Charakter nicht trug. Es war allgemein festzustellen, daß in diesem Saal die schwarz=rot=goldene Flagge nicht zu sehen war. Von seiten des Oberbürgermeisters wurden daraufhin dem Vorstand des hiesigen Kavallerie-Vereins Vorhaltungen gemacht und sein Unwillen zum Ausdruck gebracht, daß der Oberbürgermeister zu dieser Veranstaltung als Behördenvertreter eingeladen sei. Auf Bitten des Vorstandes und nachdem dieser darauf hingewiesen hatte, daß sowohl am Bahnhofsvorplatz als auch im Festzelt die Reichsflagge an bevorzugter Stelle gezeigt würde, entschloß sich der Oberbürgermeister, an der Tagung teilzunehmen. Er begrüßte die anwesenden auswärtigen Gäste und verließ bald darauf den Saal. Die von dem Oberbürgermeister gehaltene Ansprache enthielt nicht die geringste Tendenz gegen die gegenwärtige Verfassungsform, ebensowenig enthielt sie eine Sympathie. kundgebung für die frühere Verfassungsform. Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, in Zukunft offizielle Vertreter zu Veranstaltungen, bei denen überhaupt Farben gezeigt werden, nur dann zu entsenden, wenn vorher sichergestellt ist. daß die schwarz=rot goldene Flagge an sichtbarer Stelle bevorzugt gezeigt wird. Stadtv. Kuhn(K.) erklärt, man habe diese diplomatische Form, die nach nirgendwohin Anstoß erregen wolle, erwartet. Nach den Zeitungsberichten müsse man aber in der Oberbürgermeister=Rede eine Verherrlichung der monarchistischen Staatsform erblicken, zumal keine Worte der Anerkennung für den jetzigen „Staat gefunden worden seien Stadtv. Hilge(Soz.): Wir bedauern außerordentlich, daß der Herr Oberbürgermeister an der Veranstaltung teilgenommen hat. Es wird durch das Fehlen der republikanischen Farben der Eindruck ers weckt, als ob die oberen Beamten der Kommunen das guthießen. Wir bedauern auch einen Teil der Ausführungen des Oberbürgermeisters. Auch unsere heutige Jugend begeistert sich für den Staat und man kann nicht sagen, daß das alte Heer des deutschen Volkes Liebstes und Schönstes gewesen sei. Wir vergessen nicht die Unterdrückung der Arbeiterschaft. Stadtv. Nießen(D.) erkennt die Schwierigkeit der Situation für einen Beamten an und erklärt, er habe von Herrn Oberb. Täger nicht den Eindruck, als ob er bewußt die republikanische Fahne brüskieren wollte. Die Erklärung des Oberbürgermeisters habe ihn befriedigt. Stadtv. Vogel(H. M.) weist darauf hin, daß es sich um eine interne Angelegenheit bei der Delegiertentagung gehandelt habe, und er sei Zeuge gewesen, wie Oberb. Täger dem Vorstande Vorhaltungen gemacht habe. Er habe mit ihm darüber verhandelt, ob es nicht im Interense der Stadt besser sei, doch zu bleiben und die Delegierten zu begrüßen. Stadtv. hilge(Soz.) bemängelt es, daß von diesen Organisationen es den öffentlichen Beamten schwer gemacht werde, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Verbunden wird mit dieser Aussprache nunmehr “##unt 55 der Tagesordnung: Antrag der kommn* „Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, die besoldeten Mitglieder des Magistrats zu ersuchen. als Vertreter der Stadtverwaltung keine Veranstaltungen zu besuchen, die unter dem Zeichen von schwarz weiß=roten Johnen stattfinden.“ Die letzte Sitzung vor den Ferien. Zuerst gab es eine Ouvertüre über das Thenia Anfragen von sage und schreibe 1½ Stunden, dann erst trat man in die Tagesordnung ein. Und dabei wurde in demselben Umfange weiter debattiert, so daß bei der Einstellung der Presseberichterstattung um ½8 Uhr erst sieben Punkte erledigt waren Trotzdém gelang es, das Riesenprogramm von 33 Punkten zu erledigen. Das war aber nur möglich, weil man des Redens selber müde geworden war und wohl auch— weil man unter sich war. Ein Dutzend Punkte war zudem durch Uebereinkunft der Fraktionen erledigt wonden, was der Vorsteher zu Beginn der Sitzung mitzuteilen vergessen hatte. So ging man denn um ½9 Uhr selbstzufriedenen Herzens auseinander und in die Ferien. Es berührt diese prompte Arbeit nach ½8 Uhr recht sonderbar, doch muß zugestanden werden daß immerhin die sieben Anfragen und die ersten Punkte der Tagesordnung reichlich zum Reden verlockten. Der Höhepunkt der ganzen Sitzung lag diesmal— allen Anforderungen dramatischer Kunst entgegen— gleich im Beginn der Sitzung. Der Besuch der Delegiertentagung der Kavalleristen durch den Oberbürgermeister, trotzdem keine schwarz=rot=goldene Fahne gezeigt wurde, stand im Mittelpunkt heftigen Verfassungs= und Flaggenstreites. Das Zentrum erklärte sich mit Recht mit der Erklärung des Oberbürgermeisters zufrieden, daß er gegen das Nichtvorhandensein der Reichsflagge Verwahrung eingelegt und das Sichentfernen erwogen habe und ebenso, daß für die Zukunft Garantien geschaffen werden sollen. Sonderbar war das Eintreten der Kommunisten für die Verfassungstreue, zumal sie im gleichen Atemzuge die Verfassungsfeier ablehnten. Ehrlicher waren da doch die Sozialdemokraten, die gegen eine Teilnahme von Magistratspersonen an Veranstaltungen unter schwar#=weiß=roter Fahne nichts einzuwenden hatten, wenn nur der Reichsfahne die gebührende Achtung gezollt werde, weil die Annahme des kommunistischen Antrages logischerweise auch die Teilnahme an Veranstaltungen unter roter Flagge unmöglich gemacht hätte. Eigentümlich berührte es, daß der Oberbürgermeister die Presse als den Prügelknaben hinstellen wollte, die seine Ausführungen nicht richtig wiedergegeben habe. Unser Bericht war nach dem Stenogramm angefertigt. Der Wille zur Sparsamkeit trat in der Debatte über den Polizeiamtsanbau deutlich zutage. Er wurde vertagt, weil man sich von der Notwendigkeit nicht überzeugen konnte und andere Möglichkeiten für vorliegend und prüfenswert hielt. Hier zeigte sich übrigens wieder die Bedeutung der Stellungnahme des Vorstehers, in diesem Falle sogar des 2. Vorstehers, dessen Posten damals die Linke nicht gewollt hatte. Hier war die Stimme gleich eine halbe Million Mark wert. Interessant war wieder die von mehreren Parteien stark unterstrichene Notwendigkeit und Dringlichkeit von Volksschulneubauten. Wenn man dem gegenüberhält, daß Fachleute neue Volksschulräume für nicht unbedingt notwendig halten, so wird man einsehen, wie notwendig unsere Forderung war, diese Frage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Eine Auswirkung ist ja bereits zu verzeichnen, daß nämlich den Fraktionen eine Statistik zugegangen ist, die, wie der Zentrumssprecher sagte, zu intensiver Klärungsarbeit geradezu auffordere. Das Zentrum wird dafür sorgen, daß sie erfolgt. Aus den weiteren Punkten ist bemerkenswert das Straßenhauprogramm, der Ausbau des Fuhrparkes, die Schaffung des Stadtamtes für Leibesübungen und Jugendpflege und die Regelung der Müllabfuhr, Straßenreinigung und Kanalgebühren für Sodingen. Die Tribünen wiesen wieder eine erstaunlich starke Besetzung auf. Es scheint seit den Wahlen doch ein größeres Interesse an kommunalpolitischen Dingen in die Bevölkerung eingezogen zu sein. Hoffentlich bleibt es und verstärkt sich noch. Den Statdvätern aber sei für die Ferien ein otium cum dignitate gewünscht, sie haben in der kurzen Zeit ihres Zusammenseins geleistet, was man von ihnen erhoffte. Stadtv. Nießen(D.) glaubt die Angelegenheit durch den Beschluß des Magistrats erledigt. Stadtv. Koppenberg(B. A.) faßt die Sache so auf, daß jede Veranstaltung unter dem Zeichen schwarz=weiß=rot nicht besucht werden solle. Dagegen erhebt er heftigsten Widerspruch. Seine Gesinnungsfreunde wollten keinen Flaggenstreit. Sie wollten die Reichsflagge zeigen, weil sie sie anerkennten, aber der Antrag der Kommunisten sei für ihn untragbar. Ein halbes Jahrhundert sei die schwarz=weiß=rote Fahne unser Stolz gewesen, und unsere Nation handele unwürdig, wenn sie sie wie einen Schandfleck aus der Erinnerung auswischen wolle, er bitte, daß zum Ausdruck komme, daß man gewillt sei, die alte Flagge nicht zu schänden. Oberb. Täger erinnert daran, daß der Magistrat beschlossen habe, die Richtlinien des Ministeriums an die Staats= und Reichsbeamten zu den seinigen zu machen. Darüber hinauszugehen, sei untunlich. Nachdem Stadtv. Steinhörster(K.) in scharfen Worten über die alte Monarchie geschimpft hat, erklärt Stadtv. Weiß(3.): Nachdem durch die recht scharfe Erklärung des Herrn Koppenberg die Debatte noch weiter ausgedehnt wird, muß auch ich über die Stellung des Zentrums in dieser Angelegenheit einige Worte sagen. Daß die Beteiligung des Herrn Oberbürgermeisters an einer Veranstaltung, wo nur Schwarz=weiß=rot gezeigt wurde, zu einer solchen Interpellation führen mußte, war uns klar, sobald wir davon in der Zeitung lasen. Recht eigenartig berührt aber die Stellung der Kommunisten. Wenn Sie(zu den Kommunisten) noch irgendwie Ansprüche erheben, ernst genommen zu werden, dann bedenken Sie folgendes Doppelspiel: Zwei Ihrer Vertreter leisten hier den Eid auf die Verfassung, in der Finanzkommission lehnen Sie die Mittel für die Verfassungsfeier ab, und jetzt halten Sie große Reden für die deutsche Republik. Die Flaggenfrage ist eine Unglücksfrage für das deutsche Volk. Wir werden sie noch lange Jahre ertragen müssen. Dieser Tatsache sollen wir offen ins Auge sehen. In Frankreich haben wir nach mehr als 50jährigem Bestard der Republik noch Monarchisten. Das können auch wir nicht verhindern. Verhindern können wir aber wohl ein Wiederaufleben überwundener Bestrebungen. Dazu gehört, daß wir mitarbeiten als treue Republikaner, an unserem jetzigen Staatswesen. Stadtv. Hilge(Soz.): Die sozialdemokratische Fraktion erklärt sich mit dem Beschluß des Magistrats einverstanden. Wir bitten, daß der Magistrat auf die andern Beamten in diesem Sinne einwirkt, damit sie entsprechend handeln. Wenn wir nicht für den Antrag der Kommunisten stimmen, so sind wir uns bewußt, daß der Magistrat gezwungen ist, auch an Veranstaltungen großer Parteien teilzunehmen, die eine andere Flagge zeigen. Wenn wir neben der republikanischen bei unseren Veranstaltungen die rote sozialistiiche Fahne zeigen, so muß es dem Magistrat und der Verwaltung möglich sein, auch bei solchen Anässen zugegen zu sein. Der kommunistische Antrag wird daraufhin gegen die Stimmen der Kommunisten von allen Parteien abgeichnt. Die nächste Anfrage betrifft die Rauch- und Staubplage der technischen Anlagen von Monl Cenis. Oberbürgermeister Täger berichtet, daß am 25 d. M. das Oberbergamt in Dortmund erneut um Nachprüfung der Anlagen gebeten worden sei. Von seiten der Stadtverwaltung sei alles getan, um die zuständigen Stellen zum Eingreisen zu veranlassen. Besonders sei auch die Schulverwaltung darauf hingewiesen worden, daß eine Wiedereröffnung der Peter= und Paulschule unmöglich sei. Er selbst habe mit verschiedenen Ministerien verhandelt und endlich die Z#sage erhalten, daß ein Gutachten der Preußischen Landesanstalt iur Lufthygiene eingefordert werden Eine weitere Anfrage betrifft die Heraussetzung von Witwen und Invaliden aus den Werkswohnungen von Mont-Cenis. Beig. Hölkeskamp erklärt dazu: Die Unterbringung von Familien, die in Werkswohnungen wohnen und nicht mehr dort beschäftigt sind, sei eins der heikelsten Kapitel. Hunderte von Familien der Zechen Friedrich der Große, Constantin und MontCenis würden davon betroffen. Im Augenblick lägen aber nur 3 Räumungsurteile von Mont=Cenis, vorwiegend wegen Rückstand der Miete, vor. In einem Falle seien sogar 357,— M. Miete im Rückstand. In all diesen Fällen sei durch Verhandlungen die Möglichkeit des Verbleibens gegeben worden. Es sei natürlich, daß die Zechen darauf drängten, ihre eigenen Werksangehörigen in den Werkswohnungen unterzubringen. Durch die Gesetzgebung müßten auch die Mieter von Werkswohnungen geschützt werden. Die jetzigen Gesetzesbestimmungen lauteten jedoch anders, so daß das Wohnungsamt keine Möglichkeit zum Eingreifen habe. Mont=Cenis betone, daß sie 323 Leute hätte, die sie unterbringen wolle, weil die meisten nur auf einem Zimmer hausten. Es sei daher der Wunsch der Zechenverwaltung, Witwen und Invaliden nach den Werkswohnungen der stillgelegten Zeche in Hamm umzusiedeln. In eingehenden Verhandlungen sei erreicht worden, daß nur diejenigen nach Hamm zu ziehen brauchten, die freiwillig dazu bereit seien, und daß auf keine Familie ein Druck ausgeübt werden solle. Den Wegziehenden habe die Stadt die Zusage gemacht, ihnen eine weitere Zahlung der Unterstützungen zu garantieren. In Herne sei es noch nicht vorgekommen, daß ein Sozialrentner bei 16.50 M. Monatsmiete mit 357,— M. im Mietrückstand war. Das widerlege den in der vorigen Sitzung gemachten Vorwurf, Sodingen habe in der sozialen Fürsorge mehr geleistet als Herne(Zuruf von links: Hat es auch). Die Zechenverwaltung habe erklärt, daß, wenn sich nicht genügend Personen fänden, die die Wohnungen in Hamm beziehen, sie weitere Räumungsklagen anstrengen werde, und zwar nicht gegen Witwen, sondern gegen die Arbeiter, die von dem Werke abgekehrt sind, und gegen die Mietrückständigen Es entspinnt sich nunmehr eine heftige Debatte zwischen dem Stadtv. Schütz(Kr. u. Arb.=Opfer) und Rechtsanwalt Koppenberg. Heftige Reden werden noch über die leidige Wohnungsnot und ihre traurigen Auswirkungen und die Notwendigkeit von Neubauten gehalten. Dann wendet man sich zur nächsten Anfrage, die Auskunft wünscht darüber, was der Magistrat zu tun gedenke, daß die Jusatzrenten, die am 15. zahlvor sind, auch am 15. bei der Sparkasse eingehen. Beig. Hölkeskamp erwidert, daß es nur im Juli vorgekommen sei, daß die Renten nicht rechtzeitig ausgezahlt worden seien. Die Zahlungs=Anweisung sei bereits am 9. herausgegangen, aber sie sei nach einer Reihe von Tagen zurückgekommen, weil durch ein Versehen die Unterschrift gesehlt habe. Die 5. Anfrage betrifft das Schreiben des Alerander T Oberb. Täger erklärt, das Schreiben sei ihm am 14. 7. zugegangen und am 17. 7. beantwortet worden. Das Wohnungsamt habe sich aber schon vorher mit den in dem Schreiben geschilderten Verhältnissen befaßt, und es sei beschlossen, bei passender Gelegenheit den Antragsteller baldigst anderswo unterzubringen. Die Anfrage der kommunistischen Iraktion über das Schicksal ihrer Abänderungsanträge beantwortet Obero., auer dahin, daß die Anträge ordnungsmäßig registriert seien und an die einzelnen Abteilungen zur Bearbeitung weitergeleitet wurden. Vorsteher Meier beiont ausdrücklich, daß er es für eine Pflicht halte, über die weitere Erledigung solcher Antrage zu wachen. Ueber die Wasserpreise in Horsthausen erklärt Oberb. Täger, daß mit der Verwaltung in Gelsenkirchen verhandelt worden sei. Es bestehe aber mit Horsthausen aus der Zeit vor der Eingemeindung ein Vertrag, der bis 1936 lause, wonach in Horsthausen erhöhte Wasserpreise zu zahlen sind. Die Sache werde aber erneut geprüft werden, um das Unrecht, das den Horsthauser Bürgern geschehe, auszugleichen. Anträge zum Etat seien aber nach dieser Richtung nicht gestellt worden. Es seien noch mehrere Gebiete der Stadt, z. B. Riemke, für die eine Aenderung der Wasserverhältnisse angestrebt werde. Um 6,05 Uhr kann man endlich in die Tagesordnung eintreten. Vorsteher Meier bittet um Kenntnisnahme von der Prüfung der Stadtkasse. die am 20. Juli stattgefunden und keinen Anlaß zu Beanstandungen gegeben habe. Es folgt sogleich der 2. Punkt: Kommissionswahlen. Die Vorschläge des Wahlausschusses, über die Stadtv. Möller(B. A.) berichtet, werden unverändert angenommen. In den Sparkassenvorstand werden gewählt: die Stadtv. Plumpe, Mlekus aus Sodingen und Möller, sowie aus der Bürgerschaft: Kaufmann Josef Kraemer und Geschäftsführer Thomas; in den Grundsteuerausschuß: als Hausbesitzer: die Stadtv. Rottmann, Ibing und Becker(Stellvertreter: Schmüling, Möller und Dr. Löbenstein), als Nichthausbesitzer: die Stadtv. Kremer und Holtgreve(Stellvertreter: Hüggenberg und Wagner); in die Stadtschuldeputation: aus der Bürgerschaft: Wilhelm Externest, Kurt Schmidt, August Jantos, Kaufmann Wilhelm Krawinkel, Rektor Beyer und Justizwachtmeister Liedtke; in die Museumskommission: die Stadtv. Michel, Steinhörster, Frl. Weil, Wea u. Ulonska: in das Stadtamt für Leibesübungen und Jugendpflege: die Stadtv. Rottmann, Schiffke, Koethe, Frau Eusterhues, Hüggenberg und Frl. Weil, aus der Bürgerschaft: Studienrat Dr. Eilentrop(Stadtverband für Leibesübungen), Betriebsassistent Richter(Arbeitersport=Kartell), Willi Leis(Arbeiter=Jugendpflege), Jugendsekretär Tripp(Evangelische Jugendpflege) und Pfarrer Reker(Katholische Jugendpflege). Punkt 3: Bewilligung eines Betrages für die Abhaltung der diesjährigen Verfassungsfeier. Die Verfassungsfeier soll in derselben Form abgehalten werden wie im Vorjahre. Beantragt wird dazu ein Betrag von M. 500.—. Stadtv. Radeke(Komm.) lehnt für seine Fraktion die Mittel ab, weil man sich nicht einverstanden erklären könne mit einer Verfassung. die monarchistische Bestrebungen zulasse. Man solle das Geld lieber dem Wohlfahrtsfonds zuführen. Der Betrag für die Verfassungsfeier wird dann von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten bewilligt. Punkt 4: Errichtung eines Anbaues an das Polizeiamt Ecke Bebel- und Freiligrathstraße. Dieser Anbau soll bekanntlich zur Unterbringung rwaltungsstellen des Rathauses dienen und 500000 M. kosten. Wenn das Gebäude später an die Polizei abgegeben werden muß, bekommt die Stadt das aufgewandte Geld zurück. Die Staatsbehörde hat ich bereits einverstanden erklärt. Für die Wahl diestatt eines Rathausflügels sprechen die um 200 000 M. geringeren Kosten und die bessere ästhetische Wirkung eines abgeschlossenen Polizeiamtskomplexes. Stadtv. Koppenberg(B. A.) hat ernste Bedenken gegen die Errichtung des Baues im jetzigen Augenblick. Die Zukunft sei durch die schwebenden Eingemeindungsfragen vollkommen ungewiß. Im neuen Sparkassen=Gebäude könnten die nötigen Büroraume in den oberen Stockwerken gewonnen werden. Sparsamkeit sei notwendig. Die Frage der Volksschulen halte er für dringender, vor allem brauche die evgl. Schule an der Manteuffelstraße einen Nenbau. Stadtv. Nießen(D.) glaubt, man wolle vorwiegend einen Schönheitsfehler berichtigen, wenigstens werde er diesen Eindruck nicht los. Man stehe auch noch unter dem Eindruck der Etatsdebatte, die das Motto: Sparsamkeit trug. Die Verwaltung möge einmal erklären, welche Neubaupläne(Berufsschule. Gymnasium, Volksschulen) sie für die nächsten 1—2 Jahre zu verwirklichen beabsichtige. Stodtv. Ibing(H. A.) halt die Buronot für nicht so graß und gibt zu erwägen, ob die Bauplätze an der Freitigrathstraße nicht für Privatbauten mit Ladenlokalen verkauft werden könnten. Man müsse doch nach der Entlastung der Bahnhofstraße als einzigem Geschaftszentrum trachten. Oberb. Täger: Die Erweiterung des Rathauses ist notwendig geworden nicht nur durch die Eingemeindung von Sodingen, sondern auch durch die unumganglich notwendige Aufgabe der Rathaus=Baracke Die Verteilung der Buros innerhalb der Stadt dar auch nur ein kurzes Provisorium sein. Der Verwal tung ist selbst die Vorlage angesichts der Finanzlage und der Unuversichtlichkeit der Situation nicht angenehm. Aber den Raum, den sie anfordert, brau#ht sie. Gunstig ist, daß das geplante Gebäude ja späler an die Polizei abgetreten werden kann. Da das Ge lände für Erweiterungsbauten der Polizei reserviert bleiben muß, ist eine Verwendung für Private ausgeschlossen. Bei der Frage der Verzinsung und Amortisation ist zu bedenken, daß wir jetzt 20000 M. Miete für die verstreut liegenden Büros aufwenden müssen und daß durch den Neubau fur die Bevölkerung und die Verwaltung eine bedeutende Kraft= und Zeitersparnis eintritt. Stadtv. Weiß(3.): Die hohen Mieten haben da: Zentrum bewogen, dem Antrag der Verwaltung naher zu treten. Ebenso, die Tatsache, daß dadurch eine Reihe von Wohnräumen dem Wohnungsmarkt wieder zugeführt werden. Das von Herrn Nießen gewunschte Bauprogramm ist schwerlich aufzustellen, da noch gar nicht geklärt ist, bei welchem der Bauplang vibee: angefangen werden soll. Die Volksschuf-Stanstik, die den Fraktionen zugegangen ist, fordert zu eingehenden Auseinandersetzungen über die Frage der Volksschulreform auf. Wir sind bereit, Erkenntnisse, die daraus hervorgehen, zu berücksichtigen. Wenn wir aber heute schon Beschluß fassen sollen über die Bewilligung des Rathausbaues, dann müssen wir auch wissen, ob die 500000 M. genügen und hohe Nachforderungen ausgeschlossen sind. Stadtv. Kremer(Soz.) erklärt für die sozialdemokratische Fraktion, daß sie der Vorlage zustimmen, weil das Auseinanderliegen der Büros vorwiegend die ärmeren Schichten der Bevölkerung treffe. Stadtv. Koppenberg(B. A.) weist darauf hin, daß auch Dortmund und Bochum jahrelang sich mit einer dezentralisierten Verwaltung beholfen haben. Das Sparkassengebäude und das alte Amtsgerichtsgebäude würden zur Unterbringung der Büros genügen. Stadtv. Weiß(3.): Wenn wir die Versicherung bekommen, daß das alte Amtsgericht für städtische Bürozwecke zu verwenden ist und auch dazu verwendet wird, so wird dadurch die Situation bedeutend geändert. Allerdings muß dort manches gemacht werden. Eine Zentralheizung ist zum mindesten erforderlich. Aber das Gebäude an der MontCenis=Straße könnte ohne weiteres für Verwaltungszwecke verwendet werden. Wenn wir uns dort behelfen können, dann ist es besser, daß wir die Vorlage vertagen. Beig. Baurai Knöll erwidert auf die Vorwurfe einer Vernachlässigung Horsthausens, es sei alles geschehen, was im Eingemeindungsvertrag niedergelegt worden sei; es sei dort mehr getan worden, als in anderen Stadtteilen. Er weis besonders auf die neugebauten Kanale hin. Die Entwässerungsfrage werde gelöst werden im Zusammenhang mit dem Bau der Verbandsstraße OW ll im Zuge der von Waldthausenstraße. Stadtv. Ulonska(W. V.) fragt an, wann die Verwaltung die dringend notwendige Straße von Sodingen nach dem Herner Kommunalfriedhof bauen wolle. Stadtv. Schmüling(Z.) weist Vorwürfe, die der Stadtv. Schütz gegen die frühere Sodinger Verwaltung erhebt, energisch zurück. Wenn nicht alles geschehen sei, besonders in bezug auf Auflassungen, so müsse man bedenken, daß das Sodinger Bauamt nur 4 Beamte gehabt habe. Das Straßenbauprogramm wird darauf einstimmig angenommen. 127500 Mk. für den Fuhrpark. Punkt 6: Beschaffung neuer Fahrzeuge für den Fuhrpark und Erweiterung der Umkleide- und Aufenthaltsräume für die Arbeiter des Fuhrparks. Durch die Ausdehnung der Straßenreinigung und der Müllabfuhr auf den Stadtteil Sodingen ist die Beschaffung weiterer Fahrzeuge für den Fuhrpark Beig. Baurat Knöll: Das alte Amtsgericht ist erforderlich. Die Anschaffungskosten betragen 12000 völlig verbaut. Wir müssen sehr viel Geld hinein stecken, wenn wir es für städtische Zwecke verwenden wollen. Auch das Gebäude an der Mont=Cenisstraße ist nicht ohne weiteres verwendungsfähig. Nach einigem weiteren Hin und Her wird über den Antrag auf Vertagung abgestimmt. Dafür sind die gesamte Rechte außer Wirt(P.)(22 Stimmen), dagegen die gesamte Linke(22 Stimmen). Den Ausschlag für die Vertagung gibt der zweite Stadtv.= Vorsteher Dr. Hoischen, der in diesem Augenblick den Vorsteher Meier, der Berichterstatter über die Vorlage ist, vertritt. Punkt 5: Straßenbauprogramm 1928, 2. Bauabschnitt. Das Programm sieht vor: Reichsmark. Ferner ist für die Erweiterung und Verbesserung der Umkleide= und Aufenthaltsräume ein 1. Pflasterung der Flottmannstraße von Altenhöfener= bis Flottmannstraße 900004 Pflasterung der Altenhöfener Straße von Düngelstraße bis Bergstraße 68000 M Pflasterung der Siepenstraße 40000 Pflasterung der Gartenstraße von Siepenstraße bis Altenhöfener Straße 18000# 216 000 M Herstellung eines Ortsfahrdammes an der Bochumerstraße mit Rücksicht auf den späteren Ausbau der Verbandsstraße ÖWII 39000 Ausbau der Wischerstraße von Kronenstraße bis Gemeindegrenze mit Kleinschlag 43.000 M Betrag oon 1500 RM. erforderlich. Die Gesamtkosten mit 127 500 RM. müssen aus Anleihen bewilligt werden. Für den Fuhrpark sollen angeschafft werden: 1 Straßenkehrmaschine, 1 Wagen für die Kehrichtabfuhr, 1 Müllwagen mit Verbrennungsmotor, 1 elektrischer Wagen mit Kranaufbau für Senkkästen, 1 Gleichrichter und 1 Personenwagen für Fuhrpark und Bauamt zur Kontrolle der Arbeitsstellen. Der in den Kosten enthaltene Motor=Spreng= wagen ist bereits angeschafft und in Gebrauch. Man hat auch die vollständig staubfreie Müllabfuhr erwogen, was durch das Tonnen=System möglich wäre. Dazu würden jedoch 50000 M. allein für Tonnen erforderlich sein. Auch soll durch die angeforderten Mittel die Wiederholung von so überaus vielen Ueberstunden, wie sie bei der Etatberatung bemängelt wurden, unmöglich gemacht werden. Stadtv. Radeke(K.) bittet, bei der Einführung der Müllabfuhr in Sodingen bezüglich der Beschaffung vorschriftsmäßiger Müllbehälter nicht rigoros vorzugehen. Er hält es für notwendig, daß bald der Frage der Müllverbrennung näher getreten werde. Auch rät er, Wagen anzuschaffen, die eine Umstellung auf staubfreie Müllabfuhr ermöglichen. Stadtv. Kuhn teilt mit, daß dies bereits bei den Neuankäufen geschehe. Die geforderten Mittel werden hierauf bewilligt. Hier stellt die Presse wegen vorgerückter Stunde die Berichterstattung ein. Die Stadtväter tagten jedoch bis ½9 Uhr weiter und erledigten die noch folgenden 26 Punkte im Handumdrehen. Ein Dutzend waren überhaupt durch Uebereinkunft der Fraktionen erledigt worden. Ueber den Rest der Punkte werden wir morgen berichten. Die Generalversammlung des Westfälischen Schachbundes. in einer„Französischen“ klar gegen den Westsalenmeister Dr. Kraemer, der sich damit die dritte Null holte. Dr. Kraemer stand zu Beginn nicht einnal schlecht, ließ sich aber auf einen uiskanter Angrifs ein und versäumte später die Remisfortsetzung. In ziemlich ausgeglichener Stellung wurde die Partie Dr. Seitz—Colle abgebrochen. Spielfrei war Spielmann. P" 41 5 Stand nach der 4. Runde: Sämisch 3. Reti 213, Dr. Seitz 2 u. H., Dr. van Nüß, Johner 2, Colle 1½ u. H., Bogoljubow 1 ¼. Spielmann ½, Dr. Kraemer 0. Heute spielen Sämisch gegen Dr. Seitz, Reti gegen Dr. Kraemer, Bogoljubow gegen Johner, Spielmann gegen Dr. van Nüß. Im Westfälischen Meisterturnier verlor Bundfuß seine zweite Partie gegen Hermann(Bochum) im Königsindisch. Bundfuß versuchte sich im Bauernstehlen auf dem Damenflügel, so daß Hermann Zeit hatte, auf dem Königsflügel einen vernichtenden Angriff einzuleiten. Bundfuß gab kurz vor dem Matt die aussichtslose Partie auf. Kroll als Schwarzer gewan gegen Peppmöller in einer sizilanischen Partie, während sich Skowronek und Sander in einer Neuindischen Partie in ausgeglichener Stellung mit remis trennten. Spielfrei war Klutke. Heute, spielen Hermann gegen Peppmöller, Sander gegen Bundfuß und Klutke gegen Skowronek. Spielfrei ist Kroll. Im Hauptturnier hängen derartig viele Partien, daß es zwecklos ist, darüber zu berichten. Wir werden die Ergebnisse nach Beendigung der Hängepartien nachtragen. zusammen 298000 4 Stadtv. Grossek(K.) bemängelt, daß Horsthausen immer noch vernachlässigt werde. Er wünscht Berücksichtigung vor allem der Ludwig= und Kanal= straße. Stadtv. Kremer(S.) weist darauf hin, daß in dem ursprünglichen Bauprogramm auch die Außenbezirke, vor allem auch Horsthausen, berücksichtigt waren, daß aber der Finanzdezernent sich gezwungen gesehen habe, das Programm auf die vorliegenden Punkte zusammenzustreichen. Stadtv. Mlekus(K.) bedauert, daß Sodingen vollständig außer acht gelassen sei. In Holthausen seien völlig unwürdige Straßenverhältnisse. Besonders setzt er sich für die Straße Am Knie(Koloniestraße). die Bladenhorster Straße, die Verlängerung der Heinrichstraße und die Castroper Straße ein, besonders für das Stück von Wirtschaft Lülf bis Gärtnerei Schüth und die Kurve bei Schüth. Die Polizei müsse das Motorradrennen auf der Castroper Straße, das gestern wieder ein Todesopfer gefordert habe, unterbinden, auch müßten endlich Bürgersteige angelegt werden. Beig. Baurat Knöll teilt mit, daß die Baudeputation eine Besichtigung in Sodingen vorgenommen hat und daß man vorhat, ein Straßenbauprogramm für Sodingen allein aufzustellen, das demnächst den Stadtverordneten vorgelegt werden soll. Auf der Castroper Straße kann ein Bürgersteig noch nicht gelegt werden, weil zuvor ein Kanal gebaut werden mußte und weil ein Teit der Straße nicht Eigentum der Stadt ist. Das Gelände müßte von privater Hand erst erworben werden. Stadtv. Müller(3.) verlangt ebenfalls, daß Horsthausen nicht weiter als Stiefkind behandelt werde. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Eschstraße, die Josefinenstraße und die Notwendigkeit eines Ausbaues der verlängerten Vinckestraße. Schon seit einiger Zeit hatten sich die westlichen Kreise Herne, Bochum, Castrop, Hagen und Buer über mangelnde Berücksichtigung ihrer Eigenart beklagt. Der gesamte Vorstand setzte sich aus Vertretern der östlichen und nördlichen Kreise zusammen. Auf dem diesjährigen Bundeskongreß beabsichtigte man, sich die notwendige Beachtung dadurch zu schaffen, daß man Vertreter in den Vorstand zu entsenden suchte, und zwar hatte man in der Hauptsache daran gedacht, den Vorstand von 7 auf 9 Mitglieder zu erweitern, damit jeder Kreis wenigstens ein Vorstandsmitglied hatte. Leider scheiterte dieser Vorschlag von LubbersHerne an dem Widerstande der alten Vorstandsmitglieder, die den Antrag bis zum nächsten Jahre zurückstellen ließen. Damit ist den westlichen Kreisen wieder für ein Jahr die Möglichkeit genommen, entscheidenden Einfluß auf die Beschlüsse des Vorstandes zu nehmen Diese Tatsache ist um so mehr bedauerlich, als gerade in der Generalversammlung des diesjährigen Konaresses die Beitragszahlungen einer Neuregelung unterworfen wurden. Jeder Verein, der länger als ein Jahr mit den Beiträgen im Rückstande ist, soll ohne weiteres gestrichen werden. Da die westlichen Kreise meistens aus Arbeitern bestehen, zum größten Teil sogar aus Erwerbslosen und Jugendlichen, die finanziell nicht leistungsfähig sind, werden sie durch die scharfe Maßnahme des Vorstandes vor allen anderen benachteiligt, da die Unkosten auch bei verminderter Beitragszahlung stets dieselben bleiben. Die Herner Vertreter Becker und Lubbers wandten sich entschieden gegen eine solche Art, das Schachspiel zu propagieren, erreichten aber unverständlicher Weise nichts anderes, als daß der Vorstand wohlwollende Prüfung in jedem Einzelfalle zusagte. Hoffentlich wird in Zunkunft so verfahren, denn schließlich kommt es nicht so sehr auf einen hohen Kassenbestand an, als darauf, daß es auch den minderbemittelten Schichten möglich gemacht wird, ohne große Unkosten das Schachspiel zu betreiben. Es leuchtet ein, daß unter diesen Umständen der Vorstandswahl mit größerer Spannung entgegengesehen wurde, als das sonst wohl der Fall ist. Die von vielen erwarteten Sensationen blieben aber aus, da die Opposition sich auf den Standpunkt stellte, erst einmal das Ergebnis der Verhandlung über den Antrag Lubbers abzuwarten, ehe man um allen Preis Aenderungen erzwingen wollte. So wurde in geheimer Wahl der 1. Vorsitzende, von Grüter=Detmold, einstimmig wiedergewählt; ebenso durch Zuruf der 2. Vors. Peppmöller, der Geschäftsführer Mohnke und die drei Beisitzer. Um den Kassiererposten entbrannte ein heftiger Kampf, der sich schließlich in geheimer Wahl zugunsten von Schreiber=Hagen mit 58 gegen den bisherigen Kassierer Jahn=Dortmund mit 32 Stimmen entschied. Als Bundesspielleiter wurde Mauve=Rheine einstimmig wiedergewählt. So sind die westlichen Kreise durch Schreiber doch noch im Vorstand vertreten, was von großer Bedeutung sein kann. Aus dem Geschäftsbericht sei erwähnt, daß die Schachbewegung in Westfalen einen riesigen Aufschwung zu verzeichnen hatte. Der Bund besteht jetzt aus rd. 80 Vereinen. Leider mußte eine Anzahl gestrichen werden, da die Beiträge teilweise seit 2 Jahren nicht gezahlt wurden. Eine Bekanntgabe dieser Vereine wurde leider verweigert, womit zunächst eine Anbahnung neuer Beziehungen durch die benachbarten Vereine unmöglich gemacht ist, sicherlich eine bedauerliche Tatsache. Der sehr unklar gehaltene Kassenbericht ergab einen Ueberschuß von etwas über 100 Mark. Die Hauptausgabeposten verteilen sich auf Beiträge zum Deutschen Schachbund und auf Zuschüsse zu den Kongressen in Bochum und Dortmund. Im weiteren Verlauf der Versammlung debattierte man noch angeregt über die Zulassung von starken Spielern zum Meisterturnier. Es wurde beschlossen, in Zukunft nur solche Spieler in das Meisterturnier zu nehmen, die das Hauptturnier durchlaufen haben. Die Frage der Diplome wurde vorläufig zurückgestellt. Der Antrag Tuschen=Hörde, eine Zeitschrift für den Bund herauszugeben, wurde lebhaft begrüßt. Um zunächst einmal die Vorarbeiten zu erledigen, wurde ein Ausschuß gewählt, der drei Mitglieder umfaßt, nämlich Mohnke=Hamm, Tuschen=Hörde und Lubbers=Herne. Als endlich nach über drei Stunden die Generalversammlung geschlossen wurde, hatte man die Ueberzeugung gewonnen, daß der Bund in manchen Dingen einen großen Schritt vorwärts getan hatte, nicht zuletzt durch die eifrige Mitarbeit der jungen Kräfte, die manchen wertvollen Vorschlag zu machen wußten. Der neue Impuls dürfte unter der Führung alter, erprobter Kämpen, wie des unvergleichlichen Geschäftsführers Mohnke, des überaus eifrigen Bundesspielleiters Mauve, sicherlich zu neuem Aufstieg und zu einer wesentlichen Belebung des westfälischen Schachs führen. Im neuen Jahr wird manche der vorgebrachten Anregungen sich zu neuen Plänen verdichten, und wenn nicht alles trügt, wird der nächstjährige Kongreß, der wahrscheinlich in Betzdorf stattfindet, einer der wichtigsten werden, die der Bund je erlebte. Hoffen wir, daß bis dahin im rechten Geiste gearbeitet wird, immer unter dem Gesichtspunkte, daß das Wohl des Schachs und unseres Bundes höher steht als alle persönlichen Wünsche, aber auch als alle Ueberlieferungen. * 6. Kongreß des Westfälischen Schachbundes. Die Turniere wurden gestern fortgeführt. Im Hauptturnier gab es eine Reihe von Hängepartien, die den Stand sehr unübersichtlich machen. Lediglich im Westf. Meisterturnier gab es ein klares Bild. Das Internationale Turnier brachte gestern Sensationen. Mit größtem Interesse folgte die enthusiasmierte Zuschauermenge dem Verlauf der Partie Johner—Reti, in welcher der Anziehende durch prächtige Kombinationen und Figurenopfer siegte. Gleiches Aufsehen erregte die Partie Dr. van Nüß—Bogoljubow, die der Rheinmeister trotz verzweifelter Gegenwehr gewann. Sämisch gewann Gau=Sportfest in Recklinghausen. Herne-Süd holt sich 3 Siege. Wo blieb die D.J.K. Herne? A. Malcherek, Herne-Süd, Gau=Reister im Diskus. Das Gaufest ist vorbei, gute Resultate sind der Erfolg. Es ist bedauerlich, daß die Herner D3K. nur durch Herne=Süd vertreten war, selbst die Falkenhorster konnten nicht teilnehmen, da die Meldefrist nicht eingehalten wurde. Um so erfreulicher ist der große Erfolg des DIKllers A. Malcherek, Herne=Süd, der in den Wurfkonkurrenzen 3 Siege holte. Die Gau=Meisterschaft errang er im Diskus mit 32,90 Meter, den westdeutschen Gaumeister mit 5,90 überbietend. Bravo Malcherek, im Diskus ist er der beste Herner. Im Kugelstoßen holte sich Malcherek mit 9,88 Meter den 2. Platz, doch auch hier holte sich ein DJK. ler der Interessengemeinschaft den 1. Sieg, nämlich Jakubowitz=Bladenhorst, mit 10,27 Meter. Auch er überbot den WSV.=Gaumeister. Am Vorsonntag, im Vereinskampf Falkenhorst—Herne=Süd, warf Mascherek 10,16 Meter. Noch besser kam es im Speerwerfen. Mit 41,70 Meter wurde Malcherek nur Dritter. In Wanne wurde der WSV.=Gaumeister mit 39,90 Meter Erster. Also ist Malcherek, auch hier der beste Herner. Der Glückwunsch der DIK. soll ihm hierdurch gebracht werden. Schade, daß die Falkenhorster Reineke und Pitsch fehlten, 2 weitere Siege wären bestimmt nach Herne gekommen. Dortmunder Schlachtviehmarkt vom 30. Juli. Dem heutigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 787 Stück Großvieh, 360 Kälber, 28 Schafe, 1 Ziege, 3447 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh in guten Tieren mittel, sonst langsam, bei Kälbern gut, bei Schweinen anfangs rege, später wieder stark abflauend. Es wurden gezahlt für 50 Kg. Lebendgewicht: Ochsen: g) 1. 62—64 M., 2. 59—61 M., b) 1. 55—58 M., 2. 50—53 M., c) 45—59 M., d) 40—44 M.: Bullen: a) 57—60 M., b) 52—55 M., c) 45—50 M., d) 39—44 M.: Kühe: a) 54—57 M., b) 48—52 M., c) 40—46 M., d) 28—39 M.: Färsen: a) 60—62 M., b) 53—58 M., c) 43—52 M.; Kälber: b) 83—88 M., c) 65—82 M., d) 50—64 M.; Schweine: a) 68—70 M., b) 68—72 M., c) 71—75 M., d) 70—74 M., e) 65—69 M., f) 62—66 M., g) 57—62 M. In den Preisen sind enthalten die Unkosten an Fracht, Viehhofgebühren, Umsatzsteuer, Händlergewinn. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmet und Hinterbliebenen, Ortsgruppe Herne. Die Be erdigung unserer Kameradin Luise Bergmann findet am Mittwoch, dem 1. August, 15,30 Uhr vom Trauerhause, Bachstraße 7, aus statt. 38120 Der Vorstand. Unsere heutige Ausgabe enthält eine Beilage der Firma Althoff, Recklinghausen worauf wir unsere verehrlichen Leser aufmerksam machen. 38114 Halten Sie ihr Geld fest.. denn am 1. August besinnen wir mit einem verkauf von Herren-, Burschen-, Knaben- und Berufs-Kleidung, Herren-Artikel bis un 1 S 0 *B s0 unier dem Verkaufswerf. 1T Alles andere besagen die Fenster-Auslagen!! Herne 7 Bahnhofstraße 45 4 Edte Neustraße Anzeiger Turnen= Sport= Spiel Der Schlußakt des 14. Deutschen Curnfestes. Schon lange vor Beginn der Uebungen waren die die Jahnwiese begrenzenden Erhöhungen so dicht besetzt daß sich tein Mensch mehr rühren konnte. Außer den Ehrengästen. die heute vormittag den Vorbeimarsch des Festzuges beiwohnten, hatte sich u. a. hier auch Admiral Zenker eingefunden. Volkstänze der Turnerinnen leiteten die Veranstaltungen ein. Kreisstaffel und ein Mannschaftssveerwersen fanden lebhaften Beifall. Bei Sonnenschein begann der über eine Stunde hinziehende Einmarsch der an den Massenfreiübungen teilnehmenden 12000 Turnerinnen und 2.000 Turner lowie der Fahnen. Hinter dem Banner der Deutschen Turnerschaft kamen 120 alte Fahnen. z. T. über 100 Jahre alt. und erwa 6000 weitere Fahnen. Nach einer eindrucksvollen Gefallenen=Ehrung führten zunächst die Turnerinnen ihre Freiübungen vor. Dann ergriff Reichsinnenminister Severing das Wort und führte u. a. aus. er sei gekommen, um zu den Veranstaltungen und den Teilnehmern am Deutschen Turnfest die herzlichen Grüße der Reichsregierung zu übermitteln. Der Aufgabe. Wünsche für ein gutes Gelingen anzufügen, sei er heute enthoben. Er konne nur feststellen, daß das Fest außerordentlich gut gelungen sei. Wer vom Opernhausplatz aus Zeuge des farbenprächtigen Bildes des Festzuges gewesen sei. habe Eindrücke gewonnen, die er in seinem Leben nicht vergessen werde. Dieser Zug und die Vorführungen auf dieser Wiese legten Zeugnis ab. von der Organisationskunst der DT. und der Diszivlin ihrer Mitglieder. Man könne aus verschiedenen Lagern kommen und könne sich doch auf einem Gebiet einigen. Was er heute früh gesehen habe. erinnere ihn an andere Eindrücke und Erlednisse. die er in Köln 1924—25 bei der Jahrtausendausstellung und technischen Ausstellungen gewonnen habe und die in ihm Befürchtungen aufkommen ließen, daß bei der fortschreitenden Technik die Maschinen die Oberhand über den Menschen gewinnen könne. Nicht die Maschine solle herrschen, sondern der Mensch.. Aber wer heute Ihre Menschen gesehen hat. mit gesundem Körver und kräftigen Nerven. der weiß, daß das deutsche Turnen ein Mittel dazu ist, sich nicht von der Technik unterkriegen zu lassen. Die Deutsche Turnerschaft wolle dafür sorgen, daß die deutsche Jugend. die deutschen Männer und Frauen auch in der Zukunft den Anforderungen des Lebens gewachsen seien.. Sie wolle den Menschen, den deutschen Menschen. herausheben aus den Niederungen des Alltags. und in dieser Hinsicht tuen Sie Ihren Dienst am deutschen Volke. Sie wollen den Menschen gesund machen: denn nur ein gesunoer Mensch kann arbeiten. und Sie wollen Deutschland neue Menschen für eine neue Zeit bilden. Für diese Tat danke ich Ihnen: denn sie ist die erste Grundlage für den Staat. Der Minister wies dann auf das deutsche Sängeriest in Wien hin. Deutsche Turner! Auf Euren Schultern liegt Deutschlands Zukunft. In hervorragendem Maße zeigt Ihr Euch dieser Aufgabe würdig. Denkt nicht nur: Wir sind Jünger Jahns. sondern bleibt es: bildet Eure Männer nicht nur zu tüchtigen Turnern und frohen Sängern. sondern auch zu auten Staatsbürgern. und ich füge hinzu: Hier am Rhein zu guten Weltbürgern. Der Aufmarsch der Turner ist der Aufmarsch der Friedensarmee und damit wird Deutschland am besten gedient. Nach der mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Rede führten sodann die Turner ihre Freiübungen vor. die ob ihrer Gleichmäßigkeit helle Begeisterung auslösten. Anschließend daran nahm der stellvertretende Oberturnwart Steding die Siegerehrung vor. Er beglückwünschte die ersten Sieger des Zwölfkampfes. Karl Reuter aus Gießen und Emil Preis aus Chikago und drückte beiden den Siegerkranz aufs Haupt. Er fügte. zu den andern Siegern gewandt noch hinzu. daß sie sich alle durch diese Beiden mit geehrt fühlen möchten. Zum Schluß sprach der erste Vorsitzende der OT.. Professor Dr. Berger. den Turnern. Turnerinnen und den Behörden seinen Dank aus. Schwere Enttäuschungen für Deutschlans in Amsterdam. Während der Pausen zwischen den einzelnen Wettkämpfen erfolgten Sonntag im Amsterdamer Stadion die üblichen Olmvischen Zetemonien zu Ehren der Sieger und Placierten in den einzelnen Wettbewerben. Dabei kam es zu folgender Situation: nach den 100-MeterZwischenläufen erfolgte die Ehrung der Sieger im Gewichtheben der Leichtgewichtsklasse. die Fahnen der betreffenden Länder wurden aufgezogen. Nun hatten bekanntlich in dieser Gewichtsklasse der Deutsche Helbig und der Oesterreicher Haas mit gleicher Leistung jeder die Olmpische Medaille errungen und so wurden die Fahnen beider Länder am Siegesmast aufgezogen. Sie wehten hier in gleicher Höhe, so daß man von der einen Seite die deutschen. von der anderen die österreichischen Farben sehen konnte. So wehten die Flaggen der beiden Länder in engster Gemeinschaft. die Fahnen der Länder. die selbst noch nicht zusammen und gemeinsam leben können. Der rauschende Beifall aus den Reihen der anwesenden Deutschen und Oesterreicher mag denn wohl auch zum erheblichen Teil auf ein stilles Wünschen zurückzuführen sein. Die Ergebnisse des Gewichthebens. Federgewicht: 1. Andrisek=Oesterreich 287.5 Kilo. 2. Gabetti=Italien 285.5 Kilo. 3. Wölvert=Deutschland 285.5 Kilo. Leichtgewicht: 1. Helbig=Deutschland 322.5 Kilo. 2. W. Haas=Oesterreich 3225 Kilo. 3. Arnout=Frankreich 300.5 Kilo. 4. Reinfrank Deutschland 297.5 Kilo. Mittelgewicht: 1. Roger=Frankreich 335 Kilo. 2. Galemberti=Italien 332.5 Kilo. 3. Scheffer=Holland 327.5 Kilo. 4. Zinner=Deutschland 322.5 Kilo. 5. Hoffmann=Deutschland 305 Kilo. bleibt in der Wasserball=Vorrunde spielfrei. Am„Sonntagabend wurde in Amsterdam vom Olymvischen Komitee für das Wasserballturnier die Auslosung vorgenommen. Deutschland und Amerika zogen hier das Freilos und sind in der Vorrunde also wielfrei. Deutsche und amerikanische Enttäuschungen. Deutschlands erfolgreichster Sprinter ist Lammers.— Für die 800=Meter=Entscheidung kommt nur noch Engelhardt in Frage.— Lord Burahlen Olymvia=Sieger über 400= Meter=Hürde.— Im 100=Meter der Damen bleiben nur noch Schmidt und Steinberg im Rennen. Neue Olymvia=Sieger: 100=Meter=Laus: Williams=Kanada in 10.8 Sek. 400=Meter=Hürde: Lord Burghley=England in 93.4 Sek. Hammerwersen: O'Callaghan=Irland mit 51.39 Meter. Der zweite Tag der Olymvia=Entscheidungen brachte zwar trockenes Wetter, aber es war auffallend kühl. Trotzdem die Spielebene des Stadions durch das werte Oval der Zuschauerräumlichkeiten und Tribünen geschiltzt liegt. machte sich dennoch der starke Wind. der die Fahnen an den Masten lebhaft bewegte, bemerkbar. 15000 Zuschauer hatte dieser Tag. der doch infolge seiner Entscheidungen und zu erwartenden spannenden Kämpfe erbeblich mehr Interesse verdiente. auf die Beine gebracht. so daß den Kämpfen im Stadion der großartige Jahmen ganz und gar fehlte. Erfreulicherweise hatten sich aus Deutschland sehr viel Enthusiasten eingesunden, die so auf den ersten Blick an den vielen mitgeführten Fahnen erkennbar waren. Auch Nordamerikaner waren stark vertreten. Sie verleugneten wohl am meisten die bei den „Busineß=ma'n“ gewohnte Kühle und Ruhe und feuerten ihre Landsleute außerordentlich stark an. Bedauerlich ist es, daß auch am Montag trotz des verhältniemäßig schwachen Betriebes die Organisation stark zu wünschen übrig ließ. Auch heute wor die Bekanntaabe der Sieger und Placierten mehr als kümmerlich. Es wurden nur der Sieger und der Erstvlacierte bekannt gegeben. Bei der Presse wurde man sich erst nach langem Rätselraten ; über den Namen des Zweitvlacierten schlüssig. Für Deutschland sowohl wie Amerika bedeutet der Montag fast ein Fiasko. wenn man bedenkt, daß beide Staaten in der Sorinterstrecke doch auf Sieg gesetzt batten. Sowohl die Vereinieten Staaten. die einen Wokoff im Rennen liegen hatten. als auch Deutschland das auf Houben. Lammers und Corts vertrauten wurden enttäuscht. Im Hürdenlaufen war USA, durch den Weltrekordier Taylor vertreten. aber auch hier mußte man mit dem dritten Platz zufrieden sein und wer froh, daß man durch Cuhel den zweiten Plar hei=n#.-: Recht erfolgreich waren die deutschen Teilnehmerinnen zunächst in den Vorläufen über 100 Meter, um dann aber in dem Zwischenlauf um so stärker zu versagen. Fräulein Hordmann und Junkers schieden aus. während Fräulein Schmidt und Fräulein Steinberg den dritten Zwischenlauf unter sich ausmachen konnten. Williams. Kanada. Olympia=Meister über 100 Meter. In den Zwischenläufen über 100 Meter ging es recht scharf zu. Im ersten Vorlauf startete Houben gegen Legg. Mac Alister. Pina. Bracey und Williams. Der Deutsche kam recht gut vom Start fort, ging auch in den ersten Metern sehr gut mit. wurde dann aber zunächst durch Williams eingeholt und mußte bei etwa 50 Meter auch noch Mac Alister passieren lassen. Williams gab nicht alles her und überließ dem Amerikaner Mac Alister den ersten Platz. hielt aber den Südamerikaner Leag alatt nieder. Das Ergebnis des ersten Zwischenlaufes ist: 1. Mac Alister Ver. Staaten Nordamerika. 10.6 Sek. 2. Williams Kanada, 3. Legg. Südamerika. Ausgeschieden sind: Houben. Deutschland: Pina. Argentinien. und Bracey. Vereinigte Staaten Der zweite Vorlauf sah Corts. Lammers. Fitzpatrick. London. Wukoff und Russel im Rennen. Cort## hatte einen guten Start. schon nach den ersten Schritten machte sich aber seine Verletzung bemerkbar. er fiel stark ab Lammees vassierte ihn zunächst, dann folgten London und Wykoff. Im nächsten Augenblick hatte London der stark spurtete. auch den deutschen Turnermeister Lammers erreicht. Zwischen Lammers und Wykoff kam es zu einem spannenden Kampf. den der Deutsche knapp aber sicher für sich entscheiden konnte. Als vierter ging Corts durchs Ziel. Das Ergebnis des zweiten Zwischenlaufes ist dieses: 1. London. England. 2. Lammers. Deutschland 3. Wykoff. Amerika Entscheidung. Nur 10.8(!) Sekunden. Der Endkampf zwischen den sechs Beteiligten gestaltete sich zu einem sensationallen Kampf. Williams übernahm zwar sofort die Spitze und konnte sie auch behaupten. aber kampflos kam er nicht zu seinem Titel! Allein schon das Duell. das sich zwischen Lammers und London um den zweiten Platz entsvann. veranlaßte den Kanadier. aus sich heraus zu gehen. Wenn er sich mit der verhaltnismäßig schlechten Zeit— was sind heute 10.8 Sekunden für den 100=Meterlauf!— zufrieden geben mußte. so zeugt das nur davon, daß trotz einer schlechten, im letzten Augenblick ausvolierten Bahn. ein großes Rennen gelaufen wurde. Lammers und London lieferten sich ein Finish. wie es im Buche steht. Wenn London den zweiten Platz hierbei errang. so war das die Folge seiner günstigen Körrerhaltung! Um Handbreite nur wurde Lammers geichlagen.„ Zu erwähnen ist noch, daß der Endlauf ziemlich viel an Nerven gebrauchte. Zwei Fehlstarts wurden nerursacht. der zweite von dem Routinier Wykoff. der überhaupt recht nervös erschien. Das Ergebnis: 1. und Olymviasieger: Williams, Kanada. 10.8 Sek.(!!!): 2. London. Enaland. ½ Meter zurück: 3. Lammers. Deutschland. Handbreite zurück. Nur noch Engelbarêt in der 800=Meter=Entscheidung. Ueber die 800=Meter=Strecke gab es heute drei Zwischen=Läufe. Auch hier regnete es Enttäuschungen nach allen Seiten. Vor allen Dingen wurde Deutschland stark enttäuscht, denn nach den letzten Läusen eines Dr Peltzer hatte man doch im stillen einige Hoffnungen auf diesen Mann gesetzt, die nun ganz und gar zuschanden wurden. Auch Müller kam nicht gegen die Weltelite. die sich gerade zu seinem Zwischenlauf zusammengesunden hatte. auf und beendete sein Rennen im Felde der „Ferner liefen“. Im 1. Zwischenlauf starteten Dr. Peltzer, Wilson. Keller Fuller Sindler. Löwe und Barsi. Dr. Peltzer lief zunachst verhalten und ließ sich führen. Dann über nahm er in schnellem Vorstoß die Spitze bei etwa 600 Meter. Er hatte sich aber wohl etwas zuviel zugetraut. denn schon bald darauf war es mit seiner Kraft zu Ende. Er wurde von Löwe Fuller und Keller überholt und kurz vor dem Ziel mußte er auch noch den Ungarn Barsi passieren lassen und endete so auf den 5. Platz. In einem Zweikampf entschieden Fuller und Löwe das Rennen unter sich. Der USA Mann war der Glückl chere und ließ im Endspurt den Engländer um zwei Meter zurück Das Ergebnis des 1. Zwischenlauses: 1. Fulle:=Ver Staaten v. Nordamerika 1:55.6 Min. 2. Löw==England 2 Meter zuruck. 3. Keller=Frankreich. Im geschlagenen Zum 2. Zwischenlauf traten folgende Olymviakämpfer an: Bolehn. Little. Engelhardt. Watson. Barathon. Dengra. Starr und Cominotti. Engelbardt lag zuerst ganz und gar hinten. schob sich dann aber auf den zweiten Platz. Hier fühlte er sich sehr sicher, lief verhalten, wurde aber durch den spurtenden Amerikaner Waison überrascht und mußte sich da ein Schlagen Bylehns gar nicht in Frage kam. mit dem dritten Platz begnügen. Auch die vom Sieger in diesem Lauf erreichte Zeit ist, gemessen am Weltrekord Dr. Peltzers— 1:51.6 — als recht bescheiden zu bezeichnen „. Das Ergebnis dieses Zwischenlaufes war: 1. BylehnSchweden 1.55.6 Min. 2. Watson=Amerika. 3. Engelhardt=Deutschland. Es schieden aus: Little=Kanada. Barathon=Frankreich. Dongre=Argentinien. Start=England. Cominotti-Italien. Im 3. Zwischenlauf war Deutschland durch Müller vertreten. Dieser Lauf hatte durch die Teilnahme Lloyd Hans und Sera Martins die beste Beteiligung Außerdem liefen noch mit: Paul Martin. Sittig. Taham Strand und Edwards. Vom Start an führte Edwards in scharfem Tempo. Lloyd Han. der für dieses Rennen allein für den Sieg in Frage kam ließ sich zunächst führen. setzte dann verschiedentlich zu Zwischenspurten an. die aber Edwards geschickt abfangen konnte. Erst eine längere Jagd brachte den Amexikaner nach vorn. Dann gab er die Spitze trotz harten Drängens von Sere Martin und Edwards. die unter sich einen Kampf um den sweiten Platz durchführten nicht mehr ab. Edwards ge lang es knapp. den zweiten Platz für sich in Anspruch zu nehmen. Das Ergebnis: 1. Lloyd Han=Ver. Staaten v. Nordamerika 1:52.6 Min. 2 Edwards=Kanada. 3. Martin Frankreich. Folgende Zwischenlauf=Teilnehmer schieden aus: Maxtin=Schweiz. Müller=Deutschland. Sittig=Nordamerika. Tatham=England und Strand=Norwegen. Lord Burohlen=England gewinnt den 400=Mtr.=Hürdenlauf. Für die Entscheidung zum 400=Meter=Hürdenlauf hatten sich Taylor. Livingstone. Lord Burghley. Facelli. Pettersen und Cuhel qualifiziert. Taylor kam am besten vom Starte ab und übernahm bis zur ersten Hürde die Führung. Dann aber machten sich die Talente des englischen Lords bemerkbar., der sich Zentimeter für Zentimeter an Taylor heranschob. diesem nach verzweifelter Cegenwehr die Spitze entxiß, um sie nicht wieder abzugeben. Groß war der Abstand zwischen Burghley und Cuhel immer noch nicht. Erst in einem zahen Endspurt ließ sich der Dankee von dem Angelsachsen schlagen. Pettersen„spielte nicht die Rolle die man ihn gern hätte spielen sehen. Er verlor schon recht bald den Anschluß und endete mit dem Italiener Facelli und dem Engländer Livingstone im Hintertreffen Der Ergebnis: 1. und Olympiasieger Lord Burghley= Enaland. 53.4 Sek.: 2. Cuhel=Ver. Staaten Nordamerika. 1 Meter zurück: 3. Taylor=Ver. Staaten Nordamerika. Handbreite. G'Callaahan=Trland Sieger im Hammerwerfen. Auch im Hammerwersen fiel im Verlaufe des Montags die Entscheidung. Der Schwede Sköld und der Ire O'Callaghan stellten hier eine Sonderklasse da, die mit ihren Würfen die 51=Meter=Grenze überboten Ganz bemerkenswert ist das gute Abschneiden der Nordamerikaner in dieser Konkurrenz. die den drieten Platz zwar nur be legten. aber im Felde der„Ferner liefen“ an erster Stelle noch gut vert##elen waren Sicher wurde hier mit dem Wurf von 51.39 Meter der Ire O'Callaghan vor dem Schweden Sköld Sieger. Das genaue Ergunis ist folgendes: 1. und Olymviasieger: O Callaghan=Irland. 51.39 Meter: 2. Sköld=Schweden. 51.29 Meter: 3. Black=Ver. Staaten Nordamerika. 49.03 Meter. Frl. Schmidt und Frl. Steinberg behaupten sich im 100=Meter=Lauf der Damen. Der Montag ließ zum erstenmale die Damen bei den Olympischen Spielen zu Worte kommen. Es standen die Vor= und Zwischenläufe über 100 Meter auf der zu erledigenden Tagesordnung. Die Vorläufe nahmen für die beteiligten deutschen Damen einen erfreulichen Anfang. Sowohl Frl. Schmidt als auch Frl. Junker. Frl. Steinberg und Frl. Holdmann beendeten ihre Läufe als Siegerinnen. Die beste Zeit in den Vorläufen erzielte Frl. Junkers=Kassel mit 12 Sekunden. Die Ergebnisse in den Vorläufen: 1. Lau:: Frl. Holdmann=Deutschland. 13 Sek.; 2. Frl. Robinson=Australien, 4 Meter zurück, 2. Laur: 1. Frl. Steinberg=Deutschland. 12.8 Sek.: 2. Frl. Washburn=U. S. A. ½ Meter zurück. 3. Lauf: 1. Hitomi=Javan, 12.8 Sek.; 2. BellCanada. 4. Lauf: 1 Frl., Junkers=Kassel. 12 Sek.: 2. Chartwight=U. S. A., 3 Meter zurück. 5. Lauf: 1. Gagneux=Frankreich, 13 Sek.: 2. Sumdberg=Schweden, 2 Meter zurück. 6. Lauf: 1. Frl. Schmidt=Deutschland. 12.8 Sek.; 2. Clark=,Südafrika. 1½ Meter zurück 7. Lauf: 1. Frl. Rosenfeld=Canada. 12.6 Sek.; 2. Frl. Robinson=U. S. A. 8. Lauf: 1. Cook=Canada 12.8 Ser.: 2 Wilson=Neuseeland. 9. Lauf: 1. Smith=Canada, 16.6 2. Ridiceau=Frankreich. sch Frl. Junker und Frl. Holdmann eiden in der Zwischenrunde aus. felde blieben: Barsi=Ungarn. Dr und Lindle=-Tschen. Pe bland Die Zwischenrunde im 100 Meter=Lauf der Damen brachte den Deutschen arge Enttäuschungen. Fel. Holdmann startete mit Waßburn. Clark, Gaoneux und den Canadierinnen Smith und Rosenfeld im ernen Zwischenlauf. Die Hamburgerin hatte hier Pech und konnte sich nicht vlacieren, obwohl sie an dritter Steile einkam. Das Rennen haute folgendes Ergebnis: 1. Frl. Rosenfeld-Canada 124 Sek. 2. Frl. Smith=Canada. Die Damen Holdmann. Waßburn Clark und Gagneur scheiden aus Im zweiten Zwischenlauf endete Frl. Junker. die in den Vorläufen die beste Zeit herausgeholt hatte. im Felde der„Ferner liefen“. Sie vervaßte schen bald nach dem Start den Anschluß und konnte den Verlust dann nicht mehr aufholen. Das Ergebnis: 1. Fräulein Robinson UISA. 12 4 Sek., 2. Cook=Canada. Es fielen aus: Frl. Junker. Robinson=Australien. Lundberg=Schweden und Itomi=Japan. Den dritten Zwischenlauf machten die beteiligten deutschen Damen fast unter sich aus. Auch hier ist wiederum die schlechte Zeit bezeichnend für die Jualitäten der Amsterdamer Aschenbahn Das Ergehnis dieses Laufs war folgendes: 1. Frl. Schmidt=Deutschland 12.8 Sek. 2. Frl. Steinberg=Deutschland 1½ Meter zurück. Cs kommen nicht in die Entscheidung: Frl. Bell=Cangda, Fil. Chartwiaht USm., grl. Wilson=Neuseeland und Frl. N## diee au=Frankreich. Ergebnisse des Florett=Mannschaftsfechtens. Im Florett=Mannschaftsfechten wurde heute die 4. und 5. Runde durchgeführt. Die Ergebnisse sind folgende: 4. Runde: Frankreic Belaien 9:7. Oesterrein-Schweit 9•7. Argentinien— USA. 8:8(Sieger USA.) Unaarn—Danemark 10:6 Runde: Frinkreich—Oesterreich 12:4. Belaien— Schweiz 12:4. USA.—Holland 12:4. Italien—Danema: 12:1. Die deutschen Schwimmer angelangt. Im Laufe des Montags trafen die deutschen Schwimmer und Schwimmerinnen von Gelsenkirchen kommend wo sie das letzte Olympia=Uebungssoiel im Wasserball ausgetragen hatten. in Amsterdam ein. Die deutschen Ruderer haben in Amsterdam ihr Training ausgenommer Unsere Hochspringerinnen im Stadion. Von links nach rechts: Frl. Notte, Braunmüller, Bonetzmüller. 8. Sportfest des Gaues Mark der DIK. in Recklinghausen. : Im Stadion Hillerheide=Recklinghausen vollzog sick gestern das achte Sportfest des Gaues Mark. In Verbindung damit sand das Bezirksfest des Recklinghäuser Bezirks statt. Um es gleich vorweg zu sagen: Das Gauivortfest konnte hinsichtlich der Beteiligung nicht ganbefriedigen. Ist schon der Ausfall des Turnsestes eine bedauerliche Tatsache, so muß die mangelhafte Beteili gung in der Leichtathletik Befremden hervorrufen. Es ist gewiß der Mühe wert. hier eine gründliche Untersuchung einzuleiten, wenn es nicht geradezu notwendig erscheint! Zu einem Teil ist auch die Ueberfütterung mit leichtathletischen Veranstaltungen schuld daran. Für die Zukunft sollte der Gau mit Konzessionen dieser Art spar samer sein. Diese Schattenseite der Veranstaltung kann jedoch nicht über den guten Verlauf und über die recht guten Ergebnisse hinwegtäuschen. Zwar hatte der Gewitterregen die Bodenverhältnisse ungünstia beeinflußt, eine wesentliche Beeinträchtigung ließ sich jedoch nicht feststellen. Der Bezirk Gelsenkirchen kann mit seinen Erfolgen einigermaßen zufrieden sein. Neben zweiten und dritten Siegen brachte er durch Krämer=Ueckendorf den Weitsorung mit 5.95 Meter sicher nach Hause. Das mit Spannung erwartete Duell Terhalle—Krämer im 100= Meter=Lauf wurde eine Beute für Terhalle mit 11.1 Sek. Krämer. der sich eine Fußverletzung zugezogen hatte. verlor erst kurz vor dem Ziel und belegte mit 11.3 Sek. den sweiten Platz. Tus Altstadt kann vor allen Dingen die 4mal=400=Meter= und Amal=800=Meter=Staffel für sich buchen. Ein bemerkenswertes Ergebnis brachte der Sveerwurf. Kuhn. Tus Altstadt. schaffte es auf 42.55 Meter. mußte aber seinem Rivalen mit 42.90 Meter den Sieg lassen. Die Bestleistung beim Gelsenkirchener Spielfest betrug nur 41.38 Meter. wo Kuhn erheblich unter dieser Grenze blieb. Die Resultate. 100=Meter=Lauf: 1. Terhalle. König Ludwig Recklinabausen 08. 11.1 Sek.: 2. Krämer. Ueckendorf. 11.3 Sek.. 3. Wenker. Tus Altstadt. Handbreite zuruck. 11.3 Sei. 200=Meter=Louf: 1. Terhalle. Könia Ludwig Reckling= hausen 08. 23 Sek.: 2. Buschmann. Tus Altstadt. Handbreit zurück. 23 Sek.; 3. Stumpf. Ruhrthal Witten 25.1 Sek 400=Meter=Lauf: 1. Ravagni. König Ludwia Reckling= hausen 08. 53 Sek.: 2. Geismann. Tus. Altstadt. 51 Sek.; 3. Bonsmann. Markania Bochum. 58 Sek. 800 Meter=Lauf: 1. Stappen. Markania Bochum. 2.16 Min.: 2. Jurzik. Markania Bochum. 2.18.4 Min.: 3. Stawicky. Ruhrtal Witten. 2.20 Min.— 1500=Meter=Lauf: 1. Bruns. Bochum=West. 4.20.4 Min.; 2. Stork. Hordel. 4.25.6 Min.; 3. Born. Markania Bochum. 4.35 Min Diskuowersen: 1. Mallkartek. Herne=Süd. 32.90 Meter: 2. Papenkort. Ruhrthal Witten. 31.75 Meter: 3. Wuske. Ueckendorf 30.15 Meter. Kugelstoßen: 1. Jarczewiki. Bladenhorst. 10.27 Meter: 2. Mallkarrek. Herne=Sud. 9.88 Meter: 3. Kaventort. Ruhrthal Witten. 9.77 Meter. Sycetwersen: 1. Rumveltin. Tus Recklinghausen. 42.00 Meter: 2. Kuhn. Tus Altstadt. 42.55 Meter: 3. Mallkarrek. Herne=Süd. 41.30 Meter Weitsprung: 1. Krämer. Aeckendorf. 5.95 Meter: 2 Geismann. Tus Altstadt. 5.85 Meter: 3. Jarczewsti Bladenhorst. 5.75 Meter Hochivrung: 1. Schmidt. Ueckendorf. 1.60 Meter: 2 Weber. Tus Altstadt. 1.55 Meter: 3. Buschmann. TuAltstadt. 1.55 Meter. 100mal=100=Meter=Staffel: 1. Herten 07 48 Sek.: 2. Uedendorf. 48.2 Sek.; 3. Tus Altstadt 48.4 Sek 4mal=400=Meter=Staffel: 1. Tue Altstadt 3.55.3 Min.: 2. Könia Ludwig Recklinghausen 08 4.06.4 Min. 4mai=300-Meter=Staffei; 1. Tus Altstadt 8.58.2 Min.: 2. Herten 07 9.02 Min.: 3. König Ludwig Recklinghausen U8 9.20 Min. Jugendtraftstaffel: 1. Herten 07 2.07.4 Min.: 2. Ruhrthal Witten 2.10 Min. Imal=1000=Meter=Staffel: 1. Markania Bochum 9.09.3 Min.: 2. König Ludwig Recklinghausen 08 9.22.2 Min.; 3 Ruhrthal Witten 9.25.2 Min. E. Rademacher ein Javori im Brustschwime= undschau zum Herner Anzeiger Der Bildrunsfunkempfänger für jedermann. Allen Nachrichten zum Trotz, die uns schon oftmals sagen wollten, daß das Fernsehen erfunden sei, glauben wir doch kaum, daß das Problem des Fernsebens in absehbarer Zeit in einem solchen Maße gelöst sein wird, daß es jedermann gestattet, mit einem Empfänger, der zu einem erschwinglichen Preise zu kaufen ist, tatsächlich sernzusehen, d. b. durch sein Gerät Vorgänge jedweder Art deutlich zu sehen. Wir wollen nicht einmal dabei vorausseven, daß das derart Geschaute plastisch und farbig wiedergegeben wird, wir wollen auch nicht einmal dabei von einem Sender absehen, es genügt uns, schon an die Möglichkeit der Durchkonstruierung eines Gerätes zum filmbildartigen Sehen, in absehbarer Zeit zu bezweifeln. Wir wollen natürlich dabei die Verdienste. die sich die Forscher schon auf diesem Gebiete errungen haben und ihre teilweise sehr schönen und beachtlichen Erfolge nicht verkleinern, im Gegenteil, wir wollen doch nochmals ganz besonders würdigen, aber wir wollen doch „nicht vergessen, daß alle diese mehr oder minder großen Erfolge nur mit teueren, komplizierten Geräten möglich waren und vorläufig wohl auch bleiben werden. Das Problem des Fernsehens ist tbeorctisch gelöst, nur praktisch und für die Allgemeinheit ist es vorläufig nicht auswertbar. Wir sino uns selbstverständlich der Kühnheit unserer Behauptung bewußt und schränken sie darum auch mit einem Nachsatz ein:„Jedoch bei der Technik soll man nichts zu fest behaupten, denn wenn es immer so Eingerabdruck durch Fultograph ausgenommen. gekommen wäre, wie vorausgesagt worden ist, dann führen wir heute noch mit der Postkutsche und säßen des Abends bei Kerzenlicht". Im Gegensatz zum Fernsehen ist das Problem der Bildübertragung als völlig gelöst, und zwar durchaus zufriedenstellend gelöst, zu betrachten. Wir haben verschiedene Methoden der Bildübertragung, von denen das von Telefunken=Carolus wohl das beste ist. Es muß immerhin fraglich bleiben, ob es sich so ausarbeiten läßt. daß auch der technische Laie ohne jede Schwierigkeiten jederzeit Bildsendungen damit aufnehmen kann. Besonders erschwerend will uns bei diesem System, abgesehen naturlich von der Sonchronisierung. für eine Verbreitung die Notwendigkeit einer photographischen Entwicklund und Firierung des Bildes cerscheinen. Heute, wo ein großer Teil der Photoamateure sich seine Bilder nicht mehr selbst entwielt, nicht mehr selbst koviert, wird aan kaum eine größere Anzahl von Bildfunkempfängern finden können, die sich mit der Bearbeitung des ausgenommenen Bildes beschäftigen will Und das ausgenommene Bild, das man erst Tage später vom Photographen zurückerhält, hat natürlich auch keinen Wert. um so weniger, als man es schon längst in den Tageszeitungen gesehen haben wird. So bleibt es unbedingt bedauerlich, daß gerade ein System, das von deutschen Forschern ausgearbeitet worden ist, und das ist hervorragende Resultate liefert, kaum dazu bestimmt erscheint, in der großen Masse eine dem Hörrundfunkemrfänger gleiche Verbreitung zu finden. Von vielen anderen Systemen, wir denken da besonders an das von Baird und an das von Korn, ist leider auch kaum eine größere Verbretung außerhalb der Sobora torien zu erwarten, obwohl auch sie natürlich auch Vorzüge haben. In den letzten Tagen war der Presse nun Gelegenheit gegeben, in Deutschland ein Bildsendeverfohren aus eigener Anschauung kennen zu lernen, das uns geegnet erscheint, der Bildsunkempfänger für jedermann zu werden. Es handelte sich dabei um den sogenannten „Fultographen“. Seine Einsachheit ist so groß, daß wir ihm eine größere Verbreitungsmöglichkeit nicht absprechen können, daß wir in ihm das Bildempfangsgerät der Zukunft sehen. Natürlich nur solange, bis nicht Besseres gekunden ist, denn selbstverständlich hat das System auch seine Mängel, die allerdings mehr auf der Senderseite liegen. Aber bis etwas Besseres gefunden ist, wird wohl der„Fultograph“ der Bildfunkempfänger des Amateurs bleiben. Kavitän Otho Fulton ist der Konstrukteut dieses Empfangs= und Sendegerätes. Seit fünfzehn Jahren beschaftigte er sich mit der Konstruktion dieses Systems, das nach seiner Ausführung als vollig durchkonstruiert zu betrachten ist. Was noch zu tun bleibt, ist die Schematisierung des Baues und die—— Ausbeutung der Erfindung. Damit ist man augendlicklich beschäftigt und will sich dabei auch den deutschen Markt erobern. Mit fast allen euroväischen Staaten sind Sendeverträge abgeschlossen. Wien sendet schon, wie bekannt sein dürfte, seit langerer Zeit nach dem Fultonschen Prinzip, nur Deutschland ich noch nicht in den Sendekreis eingeschlossen. Leider ließ sich der Erfinder nicht aus, ob dieses Zurückbleiben Deutschlands an unseren Behörden liegt, oder ob der Grund in anderen Hemmungen zu suchen sei. Wenn wir aber auch noch nicht wissen, wann in Deutschland ein Fultonsender zur Auf stellung gelangt, so wissen wir doch, daß wir augenblicklich die Sendungen von Wien, Kovenbagen und Paris mit einem„Fultographen“ aufnehmen können. Es wird also nicht lange dauern, dann werden diese Empfangsgeräte, die ungefähr 300 Mark kosten werden, in vielen Hausern zu finden sein. Um so mehr, als die Aufstellung und die Bedienung des Gerates sehr einfach sind. Der Fultograph erfordert zunächst— im Gegensatz zu den anderen Bildübertragungsverfahren— eine vorpräparierte Sendeplatte. Und zwar handelt es sich dabei um eine Kupferfolie auf die das zu übertragende Bild mit einer nicht leitenden Schicht ausgetragen wird. Die so vorbereitete Kupferfolie wird auf einer Walze derart befestigt, daß sie sich nicht ganz bedeckt, sondern daß vielmehr noch zwischen den beiden Längsrändern ein kleiner Zwischenraum mit einer nicht leitenden Schicht bleibt. Diese nichtleitende Schicht dient der Synchronisierung. Sie wird durch Ausschalten des Stromes durch die nichtleitende Schicht der Walze erreicht. Nach der dadurch entstandenen Pause beginnen Sende= und Empfangswalze genau gleichzeitig eine Umdrehung, um sich nach der vollendeten Umdrehung wieder bei der Pause zu treffen. Nach jeder Umdrehung findet also ein Ausgleich statt. Dadurch ist eine größere Gleichmäßigkeit erzielt. Weil ja immer wieder eine Neueinstellung der Walzen, die beide durch Federwerk betrieben werden und von denen die Empfängerwalze eine Kleinigkeit schneller gedreh: wird, erfolgt. Die Uebertragung erfolgt nun derart, daß ein Stift, geführt von einem Arm, der auf der Walzenachse durch ein Gewinde verschoben wird, das Bild abtastet und je nach Stärke der leitenden Schicht mehr oder weniger Strom in den Verstärker gelangen läßt. Von dort aus wird der modulierte Strom auf den eigentlichen Sender gebracht. Beim Empfänger ist das Verfahren umgekehrt. Der abgestimmte Empfänger nimmt die Stromstöße auf. nach der Verstärkung werden sie dem Wiedergabegerät zugeführt. Das mit einer Jodlösung getränkte Papier färbt sich an den Stellen, die von einem elektrischen Strom getroffen werden, je nach der Intensität des Stromes mehr oder minder braun. Die erzielten Bilder brauchen dann nicht besonders prävariert zu werden. Wenn sie getrocknet sind, ist das Bild fertig und unbegrenzt baltbar. Das ganze Verfahren ist also für den aufnehmenden Rundfunkhörer ziemlich leicht. Er hat nur das Jodpavier aufzulegen, das Uhrwerk aufzudrehen und seinen Emp fänger genau einzustellen. Aehnlich wie bei Hörfunk wird es nun auch Qualitätsunterschiede geben. Dort, wo man einen reinen Hörempfang hat, wird man auch gute Bilder empfangen und umgekehrt, dort wo man schlechten Hörempfang hat, auch nur schlechtere Bilder aufnehmen. Mängel weist dieses Fultonsche System nur in der Sendetechnik auf und auch dort nur, weil es nicht ohne weiteres möglich ist, unprävarierte Bilder zu senden. Aber dieser Nachteil ist ja gering gegenüber den Vorzügen des Systems. Zum Schluß wollen uns mit einem Artikel beschäftigen, den die Reichsrundfunkgesellschaft uns zur Verfügung gestellt hat, und den wir an anderer Stelle zum Abdruck bringen. An und für sich scheinen die Argumente, die die Reichsrundsunkgesellschaft gegen dieses Bildsendesystem anführt, richtig zu sein, obwohl wir natürlich nicht davon überzeugt sind, aber es will uns doch wert mehr scheinen, daß die Rundfunkgesellschaft auch hier, wie auch schon in vielen anderen Fällen, wie unsere deutschen Behörden leider ja so oft, etwas zu sehr überlegt und abwägt. Ebe die vielen Instanzen eine Entscheidung getroffen haben, wird die Praxis gesiegt haben, und Deutschland leider wieder einmal hinterberhinken. Wie bei der Audionempfangserlaubnis seligen Angedenkens, wie bei dem Streit um die Sendefreiheit für kurze Wellen, so wird es uns auch hier gehen. Die Hörer aber, die hören und sehen wollen. werden sich unabhängig von den Entscheidungen der Behörden ein eigenes Urteil bilden und wenn der„Fultograph“ so gut ist, wie wir ihn nach der kurzen Prüfung zu halten geneigt sind, dann wird er sich durchsetzen mit oder gegen die Reichsrundfunkgesellschaft. Wenn„gegen“, dann wird nur zu bedauern sein, daß wir nicht Bilder aus Deutschland. sondern vor allem nur Bilder aus fremden Staaten aufnehmen müssen. schuldigt. Wenn wir mit der Einführung aller technischen Neuheiten, die die Allgemeinheit angehen, so gründlich vorgehen wollen, wie es hier ohne Zweifel der Fall ist, dann würde man in dem Lande Lilienthals kaum ein Flugverkehrswesen kennen, vom UnterhaltungsRundfunk ganz zu schweigen. Man kann bei allen diesen Dingen nicht warten,bis die letzte endgültige Lösung gefunden ist, weil erst die Summe aller Erfahrungen zu dieser endgültigen und zufriedenstellenden Lösung eines technischen Prodlems führt. Die Praxis kann erst ergeben, ob das Fultonsche Sostem brauchbar ist oder nicht, und nicht Erwägungen am grünen Tisch, die unseres Erachtens mehr von dem Gedanken ausgingen, einem deutschen System den freien Boden offen zu lassen. So löblich im nationalen Sinne dieses Vorhaben auch sein mag, wird es bestimmt hinderlich für die Ausbreitung des Bildrundfunks in Deutschland sein. Wir werden, ebenso wie beim Hörrundfunk, behindert durch bedördliche Fesseln, mit dem Bildrundfunk nachhinken und doch nicht um die bösen Erfahrungen, die die anderen Lander dann schon längst vergessen haben, herumkommen. Deutschland könnte gerade infolge seiner zentralen Lage berufen sein, die anliegenden Länder mit Bildfunksendungen zu versehen, um damit von vornherein die Bedeutung zu haben, die ihm später doch zukommen muß. Wir mußten über den teuren Detektorempfänger zum billigen Röhrenempfänger gehen, und es hat der Rundfunkent wicklung in Deutschland nichts geschadet. Warum sollen wir also nicht den Fulton=Bildsender in Deutschland arbeiten lassen. Bewährt sich das System nicht, wird der Amateurempfänger es nicht benutzen, im anderen Falle werden wir in Deutschland, ob mit oder ohne Genchmigung unserer Behörden(ähnlich der Audion=Erlaubnis seligen Angedenkens). Fulton=Bildempjänger haben, die allerdings, wenn man hier keinen Fultonsender hat, eben die Sendungen des Auslandes aufnehmen werden. Ob das jedoch von besonderem Interesse für den deutschen Gedanken ist, mag dabingestellt sein. Wir wünschen also, daß man in Deutschland einen Bildfunksender errichtet; welchen Systems er ist, bleibt dem Amateurempfänger gleich. Die Hauptsache ist, er kann diese Sendungen mit möglichst billigen Mitteln aufnehmen, und billiger wird es auf jeden Fall, wenn der Sender in Deutschland errichtet wird. Das Fulionsche System scheint im Augenblick das beste zu sein, versuchen wir es solange damit, bis man ein besseres gefunden hat, und boffen wir mit den Leuten am„grünen Tisch“, daß es von einem Deutschen erfunden werde. Neben diesem Kampf um den Bildfunk=Sender ist vor allem der Kampf um den Kurzwellen=Sender im Mittelpunkt der Erörterungen der Rundfunk=Amateure. Dier wäre bekanntlich Gelegenheit geboten, dem Wellenmangel, der sich in erschreckendem Maße bemerkbar macht, abzuhelfen, indem man einen Teil der Kurzwellen für den öffentlichen Sendebetrieb verwendet und den anderen den Rundfunk=Amateuren, die selbst senden wollen, überläßt. Die Vorteile der kurzen Welle sind so klar und einleuchtend, daß man sich fast wundern muß, warum auch hier unsere Behörden so viel Schwierigkeiten machen. Während in allen anderen Ländern längst mit kurzen Wellen gearbeitet wird und dadurch für den Amateur sich die Möglichkeit einer Einarbeitung auf den Empfang kurzer Wellen hietet, muß man in Deutschland den Kurswellensender vermissen. Wollen wir Kurzwellenempfang treiben, der bekanntlich besonders gute Erfolge zeitigt. müssen wir uns an das Ausland wenden. Obwohl die Amateur=Empfänger=Vereinigungen sich schon lange für die Freigabe bestimmter Wellen für den Amateursendedienst einsetzten, und Kurzwellensender in Deutschland verlangen, seben die deutschen Behörden fast tatenlos zu, wie der Kurzwellensunk in den Nachbarländern sich der schönsten Blüte entgegen entwickelt. Wir müssen schon als einen besonderen Erfolg verzeichnen, wenn der Königswusterhausener Versuchssender Uebertragungen, besonders wichtiger Art, wie beispielsweise die Ankunft der Amerika=Flieger, übernimmt. Auch hier eine Umständlichkeit der Behörden, die fast gewollte Rückständigkeit genannt werden müßte. Wir wünschen, daß der KurzwellenRundfunk nicht gebunden und gefesselt bleibt, sondern so geregelt wird, daß er für den Amateur im Auslande von Nutzen sein kann, fur das Deutschtum im Auslande werbe und allen Deutschen im Ausland deutsche Darbietungen bringe, was auf der sogenannten Normalwelle kaum oder jedenfalls nicht regelmäßig möglich ist. Was können wir vom deutschen Rundfunk erwarten? Von Maximilian Fernhusen. Die Probleme des Rundfunks drängen so sehr nach Losung und Besprechung, daß wir uns heute schon damit beschäftigen müssen, obwohl es sonst üblich ist. Wünsche und Erwartungen jeglicher An., die man für irgendeinen Gegenstand hegt, erst zur Jahreswende auszusprechen. Wir wollen uns heute damit beschäftigen, was der Rundfunkhörer oder besser gesagt, das Rundfunkvublikum, von der Entwicklung des Rundfunkbetriebes erwarten und wünschen kann. Gerade in den letzten Wochen hat sich auf dem Gebiete des Rundsunks, nicht allein beschränkt auf das Rundfunkhören, soviel ereignet, daß ein Ausblick durchaus am Plave erscheint. Das Fernsehen beschäftigt mindestens ebenso lange wie das Problem des Fernhörens menschliche Phantasie. menschlichen Erfindungsgeist, und man kann es fast als einen Zufall bezeichnen, daß das Fernhören in seiner Entwicklung einen so großen Vorsorung vor dem Fernsehen errungen hat. Es will jedoch scheinen, als ob dieser Vor sorung sich um ein merkliches verringern soll und wird. Aus allen Teilen der Welt kommen wieder und immer wieder Nachrichten, die davon zu berichten wissen, daß das Fernsehen endgültig zu den erledigten Problemen gehöre. Erst in diesen Tagen kam die Nachricht aus Amerika, dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, auch in Hinblick auf übertriebene, aufgebauschte Nachrichten, die von einer drahtlosen Filmübertragung zu berichten weiß. Selbst wenn diese Nachricht sich als wahr herausstellen würde, so ware ja allerdings das eigentliche Fern sehen, also die Wiedergade von Vorgangen in irgend welchen großen Entfernungen auf einer Leinwand oder Martscheibe, noch nicht gelöst, denn es wurde sich ja nur um die schnelle Wiedergabe einzelner schnell wechselnder Bildeindrücke handeln, aber wir waren auch schon mit diesen Bildwiedergabe=Möglichkeiten einen gewaltigen Schritt der Lösung des Fernseh=Problems näher gerückt. Würde es sich doch in diesem Falle nur noch darum handeln, einen Sender zu konstruieren, der entsprechend dem Mikrophon direkte bildmäßige Lichteindrücke weiterleitet. Natürlich würde dieses Fernsehen ebenso wie augenblickliches Fernhören an die Notwendigkeit eines Sender: gebunden sein. Es versteht sich von selbst, daß das augenblickliche Stadium, in dem sich das Fernsehen befindet, noch nicht von der Möglichkeit einer Auswertung durch die Allgemeinheit sorechen läßt. Anders verha: es sich aber schon mit dem von dem Fernsehproblem vollig zu trennenden Problem(das eigentlich schon kein Problem mehr ist), der Bildübertragung. Hier handelt es sich rarum, stehende Bilder von einem Sender auf einen En änger zu übertragen. Es besteht zwar eine Verwandt chaft zwischen dem Fernsehen und der Fernbildübertragung, denn man kann sich sehr wohl vorstellen, daß das Fernsehen eine ungemein beschleunigte Art der Fernbildübertragung ist, aber die Technik hat augenblicklich beide Arten vollständig getrennt, geht zur Er reichung des endgültigen Zieles technisch auch vielsach gänzlich andere Wege. Auch die Fernbildübertragung ist in Deutschland gerade in diesen Tagen von größerem Interesse, weil Kapitän Otbo Fulton in Berlin sein Verfahren einem größeren Interessentenkreis vorgeführt hat, um zu beweisen, daß dieses, sein System, durchaus dazu angetan ist, größte Verbreitung zu finden. Es ist selbstverständlich, daß er dabei auch an die Möglichkeit eines Sendevertrags=Abschlusses mit den Behörden gedacht hat, wie er ihm bereits in anderen Staaten, so vor allem in Oesterreich, auch gelungen ist. Zu diesem Kontrakt= Abschluß ist es nicht gekommen. Das ist im Interesse der Bildsunk=Entwicklnug Deutschlands auf das tiefste zu bedauern und auch nicht mit den Gründen, die die Reichs rundfunkgesellschatt der Oeffentlichleit bekannt aab entEin Sommer reicher Ernte für die deutsche Cechnik. Deutsche Ferngespräche über die ganze Erde für zwanzig Mark.— Internationaler Erfolg der deutschen Bildtelegraphie und der Kurzwellensender.— Unser Wort sliegt um den ganzen Erdball.— Die Kurzwelle marschiert, aber wir vernachlässigen dennoch das Kabel nicht. Scharfe Arbeit der Industrie und der Reichspost. Die deutsche Kurzwellentechnik, auf der die Bildtelegraphie beruht, die aber auch die Grundlage einer neuartigen Telephonie über alle überhtunt möglichen Entfernungen auf der Erde geschaffen hat, steht vor großen internationalen Erfolgen, deren Reise noch in diesem Som mer als sicher angesehen wird. Der Oeffentlichkeit ist bereits im vorigen Jahr bekannt geworden, das Berliner Kurzwellengespräche in Buenos Aires mit einer Klarheit aufgefangen werden konnten, die in Argentinien wie ein ganz grobes technisches Wunder beurteilt wurde, und wahre Leidenschaftsausbrüche für die deutsche Technik bervorgerufen hat. Inzwischen haben wir in Deutschland die Bildtelegraphie nach dem Telefunken Siemens=Kurolus=System im Verkehr mit Wien ausgenommen, bei der Kurzwellensender verwandt werden, und kürzlich wurde in England ein großer Auftrag an die deutsche Industrie für alle namhaften englischen Städte zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber und der Oeffentlichkeit in England abgewickelt. Inzwischen sind aber weiter auch Verhandlungen deutscher Industrie= und Amtestellen mit zahlreichen Staaten für die Errichtung eines interna tionalen Kurzwellen=Fernsprechverkehrs zu den ersten sicheren praktischen Ergebnissen gelangt. In allen drei großen Gebieten Amerikas. in Süd., Mittel= und Nordamerika wird schon jetzt mit der Auf stellung der deutschen Kurzwellenapparaturen gearbeitet. Buenos Aires, Mexiko und Neunork erwarten die Verwirklichung fernmündlicher Unterhaltungen auf Kurzwellensendern. also von Gesprächen in beiden Richtungen über den atlantischen Ozean noch in diesem Somm r. Die jetzt in Gang befindlichen deutschramerikanischen Telephongesprache über England sind zunächst unter mannigfachen Bemühungen der Postverwaltung zur Deutschland nur deshalb verfügbar gemacht worden, um den englischen Vorsorung in der wirt schaftlichen Ausnutzung dieser großzügigen internationalen Fernsorechverbindung über den Ozean auch für die deutsche Wirtschaft zugänglich zu machen. Es stand aber von vornherein fest, daß Deutschland sich mit einer internationalen Gesprächsführung über eine englische Zwischenstation nicht zufrieden geben, sondern eigene Fernsprechmöglichkeiten über die Ozeane hinweg erschließen würde. In Deutschland wußte man auch bereits, daß diese Möglichkeit mit dem Kurzwellensenden, der mit Strahlenwerfereinrichtungen verbunden wird, nabezu gbrauchsfähig gegeben war. Die englische Vermittlungsstation Ruaby verwendet aber nicht Kurzwellen, sondern einen sehr kostsvieligen Langwellenverrehr aus. Die Kostspieligkeit dieses Betriebes hat ja auch schließlich der Deutschen Reichspost für die Beteiligung Deutschlands an dem Amerika=Verkehr über England Gehör verschafft. Der Kurzwellenverkehr, den Deutschland nunmehr einrichtet, beruht wohl auf einem verwickelten technischen System, erfordert aber nur eine verhältnismäßig geringe elektrische Energie trotz überlegener Leistungsfähigkeit und wird deshalb eine wirklich praktische verwertbare Gesprächsmöglichkeit über die Ozeane schaffen. Einem unserer Mitarbeiter wurde von besonderer Seite erklärt, daß der Kurzwellensprech verkehr über jede nur mögliche Entfernung auf der Erde, beisvielsweise auch nach Nord=, Mitteloder Südamerika höchstens den fünften Teil der englischen Gesprächskosten von heute ausmachen würde. Das bedeutet, daß ein Amerita=Gespräch zu einem Tarif von unter 50 Mark geliefert werden kann. Ja. es wurde sogar die Hoffnung ausgesprochen, daß bei einigermaßen starker Benutzung dieses Kurzwellensorechverkehrs, der an der Deutlichkeit der Gesprächsführung nicht scheitern wurde. Weltgespräche zu einem Tarif von etwa 20 Mark noch mit befriedigendem Nutzen für die Post und die beteiligten Gesellschaften geführt werden könnten. Da Kurzwellenapparaturen deutscher Herkunft seit Wochen und Monaten aber auch schon für Javan, Niederländisch=Indien, Britisch Indien, Siam, die Sowjet=Union und für fast sämtliche europäischen Staaten ausgeführt werden oder in Auftrag gegeben sind, und zwar für Gesoräche und Bildtelegrapbie in beiden Richtung n. wird bereits in diesem Sommer üder sämtliche Kontinenten und Weltmeere das Wort von Deutchland über den ganzen Erdball inegen und von jedem Punkte der Erde mit Kurzwellenstrohlenwerfer an Deutschland gegeben werden können. Die deutsche Kurzwellentechnik steht also vor einem Sommer der Ernte ihrer wissenschaftlichen und praktischen Bemühungen. Heute schon wird die altbekannte Station Nauen. deren Name ein großes Stück internationaler technischer Fortschritte bedeutet, für einen Sendeverkehr auf Kurzwellen über die ganze Erde eingerichtet und eine deutsche Kurzwellenempfangsstation für den internationalen Verkehr in Beelitz eingerichtet. Beide Stationen stehen mit dem Haupttelegraphenamt in Berlin in unmittelbarer Verbindung. Ueber dieses Amt wird ein internationaler Sprechverkehr nicht nur von jedem Fernsprechapparat in den Häusern der Berliner Teilnehmer, sonden aus allen Staaten Deutschlands ermöglicht werden können. Dieser internationale Fernsprechverkehr auf Grund deutscher Einrichtungen wird voraussichtlich der größte und bedeutungsvollste Fortschritt des laufenden Jahres sein. Gleichzeitig wendet die Reichspost aber auch noch vermehrte Energie für den Ausbau des Kabelfernsprechnetzes aus. In diesem Sommer wird man Kabelfern gespräche von Deutschland nach Madrid führen können, und vermutlich über Oberschlesien auch den Anschluß nach Warschau über Kabel gewinnen. Außerdem besteht die Wahrscheinlichkeit, daß auch Leningrad nach Bau des Finnisch= schwedischen Seekabels zwischen Aboc und Stockholm über Fernsprechkabel aus Deutschland erreicht werden kann. Die Reichspost vertritt die Auffassung, daß der beste Kurzwellensprechverkehr auch einmal an atmosphärischen Hindernissen scheitern kann und daß die besondere Leistungsfähigkeit der deutschen Kabelindustrie international mit unverminderter Stärke ausgenutzt werden muß, trotz aller Fortschritte der Funktechnik. bff. Technisches Allerlei. Farbiges Licht. Es ist eine bekannte Tatsache, daß Licht und Farbe die Stimmung des Menschen stark beeinflussen. Wenn auch die Wirkung der verschiedenen Farben individuell ist, so werden doch im allgemeinen die warmen Farben, also vornehmlich dunkelgelb, orange, rot und braun den kalten blauen und grunen Farben vorgezogen, wenn Wert auf angenehme, behagliche Stimmung gelegt wird. Deshalp werden Räume, die nicht zur Arbeit, sondern zur Erholung bestimmt sind, von jeher vorzugsweise in warmen Farbentönen ausgestattet. Was aber für die Farbenwahl der Wandflächen, Tevviche, Vorhange und Möbel bestimmend ist, muß folgerichtig auch für die Farbe des Lichtes gelten, das in solchen Räumen herrschen soll. Ein kaltes oder rein weißes Licht wird die Wärme der Raumfarben abschwächen, ein ausgesprochen warmes Licht wird aber sie verstärken. Die Beleuchtungstechnik sieht allerdings als ihre erste Aufgabe an, Lichtquellen zu schaffen, die das natürliche Tageslicht möglichst vollkommen ersetzen, und hat in der heutigen Glühlampe eine Lichtquelle geschaffen, die diesem Ziele sehr nahe kommt. Das gilt auch von der Farbe des Lichtes. denn die erstrebte Wirtschaftlichkeit der Lampe, das heißt die möglichst hohe Ausnutzung der elektrischen Energie zur Erzeugung von Licht, führt zu immer höheren Temperaturen des Leuchtdrahtes. Je höher aber die Temveratur, desto weißer ist das erzeugte Licht, aber auch desto wirtschaftli#s. Deshalb gibt die heutige Glühlampe ein ausgesprochenes Arbeitslicht. Aber gerade darum wünscht man sich für die knavo bemonenen Stunden der Erholung, sei es in beschaulicher Ruhe oder in froher Geselligkeit, ein Licht das schon durch seine Farbe die Stimmung der Erholungsstunden steigert. Wollen wir von per heutigen Glühlampe statt Arbeitslicht das gewünschte farbige Licht erhalten, so müssen wir in den Strahlengang eine Farbe einschalten. Es ist nun gelungen. Glüblampen durch ein besonderes Verfahren lichtecht und h#### beständig zu färben. Die auf den Glaskörper der Lampe aufgebrachte Farbe bewirkt gleichze#ng, daß das fardige Licht auch blendungsfrei und gleichmanig ist. Es er#roylt nich nur in warmer Farbe sondern gibt auch eine weiche Beleuchung ohne scharfe Schatten, wirkt also in jeder Beziehung wohltuend, nervenberubigend und Lugenschonend. Als zweckentsprechendste farben haben sich Mattrosa und Matigelb erwiesen. Die farbmattierten Lamven werden in den Spannungen von 100—260 Volt für 40 Matt hergestellt, weil diese nveraronc die im Heim und in Stätten der Erholung am meisten gebräuchliche ist. Ob man Gelb oder Rosa wahlt, hängt von den jeweriigen Verhältnissen ab. Gelb wirkt intensiver und aufneiternd. Rosa warmer und intim. Man kann auch amven beider Farben gleichzeitig verwenden, um beummmie eigenattige Wirlungen zu etzielen. Dem persönlichen Geschmack ist hier jeder Spielraum gegeben * Straben aus Gummi. In von wurde mit einem Kapital von 150.000 sich mit der Herstellung von Straßenpflaster aus Gummi belanen win. Vor allem sollen Brucken sowie solche Strae in unmittelbarer Nähe wertvoller Gebäulichkeiten liegen, dieses neue Pflaster erhalten, da man sich davon eine außerordentliche Verminderung von Bauschäden verpricht. Eine seit zwei Jahren bestehende Versuchestraße ou recht zutriedenstellende Relultate srachen hahan geklagten fragte, ob er vorbestraft sei, eeklätte er, daß er das nicht wisse. Aus den Akten wurde aber festgestellt, daß T. bereits wegen Hehlerei eine mehrmonatliche Gefängnisstrafe verbüßt hat. Auf Grund dieses Leugnens kam der Vertreter der Anklage zu dem Schluß, daß der Angeklagte wissentlich die Unwahrheit sage auch in bezug auf den Verbleib der Gelder. Da die Unterschlagungen und Betrügereien in der letzten Zeit sich derart häuften, beantragte Staatsanwalt Halbrock gegen T. eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Bei der Strafzumessung hat das Gericht in Betracht gezogen, daß das Gehalt des Angeklagten knapp bemessen und daher die Versuchung für ihn doppelt groß war. * Schließung der Sporthalle auf dem Rummelplatz an der Kirchhofstraße. Der Hypnotiseur dieser Zeltbude setzte aus dem Publikum am Sonntag abend ein junges Mädchen in willenlosen Zustand. Drinnen befahl er ihm vor den Zuschauern, sich auszuziehen. Ein Knabe sah heimlich durch ein Guckloch von draußen dies Tun. Er rief einem anderen zu, daß drinnen was zu sehen sei. Ein glücklicherweise in der Nähe weilender Kriminalbeamter wurde dadurch aufmerksam gemacht und veranlaßte die Schließung dieser sittlichkeitgefährdeten Bude. Für solchen verderblichen Sport bedanken wir uns. * Vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Am letzten Donnerstag stürzte das Kind der Familie H. aus der Jobststraße, ein 5jähriges Mädchen, beim Spielen in der Nähe des Bootshauses am Anlegesteg in den Kanal. Der Hausmeister des Bootshauses, Josef Henkel, Moltkestraße 38, sprang in den Kanal und rettete das Kind vom sicheren Tode des Ertrinkens. Henkel wurde im vergangenen Jahre mit der Rettungsmedaille am Bande ausgezeichnet. * Vom Tanz in den Streit. In der Nacht zum Montag gerieten sich einige junge tanzlustige Damen, die vom Schützenfest kamen, an der Ecke Shamrock= und Bebelstraße gegenseitig in die Haare. Die Ursache bildete die Abschlagung eines Tanzes. Die Streitenden zerrissen sich gegenseitig die Kleider. Einige junge Männer versuchten, den Streit zu schlichten, wurden aber selbst übel mitgenommen. Als ein Wachtposten erschien, gaben die Holden nach. * 8% Jeingoldschuldverschreibungen der westsälischen Landesbank. Diese 8 7 Feingoldschuldverschreibungen und die 8 7 Goldpfandbriefe des Westfälischen Pfandbriefamtes haben sich gerade in der letzten Zeit gut eingeführt. Die Zahl der Abnehmer hat bereits eintausend überschritten, ein Zeichen, daß diese Papiere in Westfalen bodenständig geworden sind. Die Landesbank nimmt diese Papiere unentgeltlich in Verwaltung. * Sonderzüge nach Ostpreußen. Denen, die sich für den Sonderzug am 4. August gemeldet haben, muß bekannt gegeben werden, daß er nicht möglich ist, alle mit den bestellten Fahrkarten zu versehen. Laut Mitteilung der Geschäftsstelle sind für diesen Zug 2600 Fahrkarten angefordert worden. Nach großen Bemühungen ist es der Geschäftsstelle gelungen, noch einen Sonderzug am 10. August nach Insterburg fahren zu lassen. Die bestellten Fahrkarten für den 4. August werden zu einem Teil für den 9. August und einem kleinen Teil für den 10. August gestellt. Außerdem ist bekannt zu geben, daß die BeStadt Wanne=Eickel. Ruinen an der Stadtgrenze. Die alten Fabrikgebäude der Westsälischen Tonwerke, jene an der Herner Grenze gelegene Falzziegelfabrik, machen in der Tat in ihrem jetzigen Zustande einen recht trostlosen Eindruck. Diese Besitzung ist seiner Zeit infolge verschiedener widriger Umstände von dem früheren Amte Eickel erworben worden. Die an diesen Kauf geknüpften Hoffnungen konnten sich nicht erfüllen, aber auch auftauchende Differenzen mit den Vorbesitzern machten diese Kaufangelegenheit zu einem fortgesetzten Streitobjekt. Auch heute ist bei dieser noch vor der Umgemeindung zurückliegenden Grundstücksfrage das absolute Eigentumsrecht noch umstritten. Die Angelegenheit ist noch nicht in Ordnung, sie schwebt immer noch. Das weite Fabrikgebäude selbst kann auch für keinen Zweck verwandt werden, dazu ist es im Laufe der Jahre urg verwüstet worden. Im Bereiche des ganzen Grundstücks sieht es direkt verwildert aus. In einigen mitübernommenen Nebengebäuden sind Wohnungen hergerichtet worden, die natürlich alles weniger als Musterwohnungen sind. Es muß dort, weil man ja zur Zeit auf diese Wohnungen nicht verzichten kann, etwas Durchgreifendes gemacht werden. Auf der anschließenden Grabenstraße hat die Stadt auch noch zwei Häuser, die durch den Erwerb des angrenzenden Gutshofes, der neuerdings an den Landwirt Hülsbusch verpachtet ist, in ihren Besitz gelangt sind. Auch die Wohnungen in diesen Altbauten sind in einem sehr primitiven Zustande. Allerdings sollen hier jetzt die notwendigsten Reparaturen seitens der Stadt gemacht werden. Es darf erwartet werden, daß soviel an diesen Häusern angelegt wird, daß die hier untergebrachten etwa 25 Familien sich einigermaßen wohnlich einrichten können. Im übrigen ist es außerordentlich bedauerlich, daß hier an der Herner Stadtgrenze so ein wüstes Durcheinander herrscht. Aber wie die Verhältnisse liegen, ist schwerlich damit zu rechnen, daß es in absehbarer Zeit möglich sein wird, irgendwelche greifbare Projekte für die Verwertung dieses Grundstücks aufzunehmen. Ein seiner Zett einmal gemachtes Angebot einer auswärtigen Baugenossenschaft hat sich zerschlagen. * Lagebericht des Arbeitsamtes Wanne=Eickel für die Woche vom 16. bis 21. Juli 1928. Nachdem in den letzten Wochen die Arbeitsmarkt= lage eine Verschlechterung erfuhr, zeigt sich in der Berichtsperiode eine langsame Wendung zum Besseren. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist um 66 auf 1304 gesunken, während in der Krisenfürsorge die Zahl mit 60 konstant blieb. An der Aufwärksbewegung der Arbeitsmarktlage nahmen vor allem Landwirtschaft, Bergbau und Baugewerbe teil. Die Zahl der Neuanmeldungen der Arbeitsuchenden betrug 214 männliche und 33 weidliche Personen. Aufgenommen in die Unterstützung wurden 198 Personen. Einem Arbeitsverhältnis zugeführt werden konnten 141 Personen. Außerdem wurden 74 Notstandarbeiter in Arbeit gebracht, und zwar 16 in Wanne=Eickel und 58 auswärts, so in Meschede und in Lippspringe. Umgesiedelt wurde eine Landarbeiterfamilie mit 5 Personen und eine weitere Landarbetterfamilie mit drei Personen nach Ostpreußen. In der Arbeitslosenversicherung wurden betreut: 1304(1370) Personen mit 1929(1951) Angehörigen. In der Krisenfürsorge 60(60) Personen mit 106(106) Angehörigen. Als Notstandsarbeiter werden aus der Arbeitslosenversicherung 179(192) Personen mit 126 Frauen und 194(264) Kindern, aus der Krisenfürsorge 49(48) Personen mit 40(39) Frauen und 43 (47) Kindern beschäftigt. An Unterstützungen wurden gezahlt: Arbeitslosenversicherung: 23 504.46 M.(22192,39 M.), Krisenfürsorge 877,24 M.(822,66 M.). (Die eingeklammerten Zahlen sind die der Vorwoche.) * Gestohlen wurde am Sonntag nachmittag in Gelsenkirchen=Buer aus einer Garage ein Personenkraftwagen(Ford), viersitzige, dunkelblaue Limousine, IX—27544. Der Wagen hat vorn und hinten vernickelte Schutzstangen, die sonst an Fordwagen nicht üblich sind. Weil er nicht rechts fuhr. Am Freitag mittag befuhr die Schneiderin H. mit ihrem Fahrrade die Friedgrasstraße, um in die Hindenburgstraße einzubiegen. Zu gleicher Zeit kam aus entgegengesetzter Richtung ein Fuhrwerk, um in die Friedgrasstraße einzubiegen. Nur durch vorzeitiges Abspringen vom Rade konnte sich die H. vor dem Ueberfahrenwerden retten. Die Schuld trifft den Fuhrmann, weil er nicht vorschriftsmäßig rechts fuhr. Das Fahrrad wurde vollständig zertrümmert. Jagdverpachtung. Die Gemeindejagd in den Jagdbezirken 1(nördlich der Eisenbahnlinie Wanne=Eickel— Dortmund) und 2(südlich der gent. Eisenbahnlinie) im Stadtgebiete Wanne=Eickel soll ab 1. September 1928 öffentlich meistbietend verpachtet werden. Termin hierfür wird auf Mittwoch, den 15. August, 10 Uhr, im Zimmer 23 des Rathauses, Schwerinstraße, anberaumt. Die in Aussicht genommenen Pachtbedingungen liegen gemäß§ 21 der Jagdordnung vom 31. Juli 1928 ab 2 Wochen lang zu jedermanns Einsicht im Zimmer 18 des Rathauses, Schwerinstraße, auf. Jeder Jagdgenosse kann während der Auslegungsfrist gegen die Art der Verpachtung sowie gegen die Pachtbedingungen Einspruch beim Bezirksausschuß in Arnsberg einlegen. Kinderkur. Das städt. Jugendamt Wanne=Eicke! entsendet am Montag, dem 6. August d. J., 50 erholungsbedürftige Kinder für eine 6wöchige Kur in das Kindererholungsheim in Kappenberg. Die Abfahrt erfolgt 8,52 Uhr vom hiesigen Hauptbahnhof. Aus Castrop=Rauxel. Schwerer Verkehrsunfall.— Ein Todesopfer. Am Sonntog ereignete sich wiederum auf der Herner Straße ein Verkehrsunglück. Der Motorradfahrer L. aus Holthausen fuhr dicht hinter der Bahnüberführung„Erin“, den 61 Jahre alten Michael Salobir aus Holthausen an. S. stürzte zu Boden und verlor die Besinnung. In kurzer Zeit war der städtische Krankenwagen zur Stelle und brachte den Schwerverletzten in das St. Rochus=Hospital. S. starb jedoch nach etwa einer Stunde an den Folgen des erlittenen Schädelbruches. Die Schuldfrage ist nicht völlig geklärt. steller von Fahrkarten für den 9. August erst am 10 August fahren können. Diese Mitteilung ist genau zu beachten. Sprechstunden jeden Dienstag nachmittag von 4½ bis 6 Uhr im Lokale des Herrn Strickmann Sommerfest des St. Barbara-Knappenvereins. Ein Beruf wie der Bergmannsstand verdient in erster Linie eine Erholung, und jede andere Arbeitskategorie gönnt sie ihm von ganzem Herzen. Befreiung vom Staub der Grube und der Straße suchte am Sonntag auch der St. Barbara=Knappenverein. In dem großen Saale des Gesellenhauses veranstaltete er ein diesjähriges Sommersest mit Theater und Tanz. Der Soal wies eine gute Besetzung auf. Auch die Jugend erschien sehr zahlreich. Die Jüngsten des Vereins hatten zwei schöne Stücke einstudiert. Besonders gefiel„Die wilde Toni“, ein flottgespieltes Singspiel. Der urwüchsige Humor und die frische Darstellung ernteten reiche Lachsalven und großen Beifall. Recht gut begleitete die Pianistin die Lieder am Flügel. Wahrend die Aelteren sich mehr am Theaterspiel ergötzten, huldigten die Jungen mehr dem Tanz. Der Walzer„An der schönen blauen Donau“ mußte auf Wunsch wiederholt werden. Man sieht daraus, daß die Knappenjugend ihren gesunden Sinn behalten hat. Wir hoffen, die Mitglieder des St. Barbara=Knappen= vereins werden eine fröhliche Erinnerung ihres Sommerfestes mit in die Grube genommen haben, und wünschen ihnen noch recht viele Standesfeste. * D e u t s c h e I r a u e n k l e i d u n g u n d F r a u e n k u l t u r, O r t s gruppe Herne. Die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes Deutsche Frauenkultur fand vom 12. bis 16. Juni in Tutzing bei München statt. Eine stattliche Anzahl Vertreterinnen aus allen deutschen Gauen waren zugegen. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Wohnungsfrage, die durch die beiden Vorträge: Die Stuttgarter Werkbund=Ausstellung„Die Wohnung“(Frau Hoppe, Frankfurt a. d. Oder) und„Natur und Heimat und ihre Beziehungen zu den Wohnungsfragen“(Frau Dethlefsen) geklärt und vertieft wunde. Der zweite Vortrag gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Hausgestaltung von der Hütte bis zum modernen Mietshaus und deckte die Zusammenhänge auf zwischen Heim und Charakterentwicklung, zwischen Familie und Stilbildung. Als Hüterin des Schutzgedankens für Famille und Heimat solle die Frau mitarbeiten, um die Not der Gegenwart zu bannen. Als Ergänzung dieser Besprechung diente am Schluß eine Besichtigung der Ausstellung Heim und Technik, woselbst noch ein Vortrag von Prof. Popp (Technische Hochschule München) entgegengenommen wurde:„Die Frau und das heutige Wohnungsproblem". Vom Notwendigen sei bei der Geldknappheit nur das Notwendigste, das aber in bester Ausführung zu beschaffen. Knapp bemessene und praktische Wohnungseinrichtung vermittele Raumgefühl. Die gebildete Frau müsse mit Rat und Tat vorangehen. Der übrige Teil der Tagung galt den geschäftlichen Edledigungen, Organisationsfragen, Erziehungsfragen und dergleichen. Der Jahresbericht der Vorsitzenden, Frau Gerlach(Nürnberg) zeigte, wie nach allen Seiten hin die Aufgaben des Verbandes wachsen und daß überall mit ihm als Bewahrer deutschen Frauentums gerechnet wird. Aus der Erkenntnis der erweiterten Verbandsziele heraus, wurde dem Antrag mehrerer Gruppen auf Kürzung des Namens in Verband„Deutsche Frauenkultur" stattgegeben. 5 keine bessere BernsteinFußboden-Lackfarbe als Thies Flaggenlack Ueber Nacht trocken, dauerhatt und hochglänzend! Von jedermann leicht zu streichen. Nur erhältlich Im Farbenhaus Thies Herne, Mont-Cenisstraße 17. Ilmenau Sasihsfst: heim, ruhig, sonnig a. Weld gelegen, GrGert. Liegehallen. Gute Verpfiehung. Pen sion Incl. Zimmer 6.00 MK. 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Mechanische Musik. 13.05: Kavelle Clemens Spindler. 16.15: Kinderstunde. Els Vordemberge: Märchen.# 16.55: Klaus Berger: Schicksale von Kunstwerken. o 17.30: Lesestunde Hans Reinhardt. o 18: Rosenzeit. Mitw.:— 5: Schulfunk. Wandervoesie. B 12.10: Kavelle Cle 9 18: Rosenzeit. Mitw.: Herm. Munk(Lieder zur Laute, Kavelle Mario Iseglio. č 19.15: Sonderbericht über die olympischen Spiele. o 19.45: Pros. Dr. Schmid: Geselliges Leben im Tierreich. 6 20.15: Uebertragung aus den Gartenanlagen der Städt. Tonhalle Düsseldorf. Ausf.: Männer=Quartett 1896, Düsseldorf, Concordia Däfseldorf und Eintracht Düsseldorf=Unterrath als Gesamtchor unter Leitung des Musikdir. W. Thönnessen. Musischors des Reiter=Regt. Nr. 15. Paderborn. Leitung: Obermusikm. Gerlach. Lincke: Vater Rhein, Festmarsch aus„Fräulein Loreley".— Lortzing: Ouv.„Der Wildschüz“.— Strauß: Künstlerleben.— Kruesch: Am sonnigen Rhein.— Knappe: Gruß an Deutschland.— Eilenberg: Die Mühle im Schwarzwald.— Netzler: Große Fant.„Der Tromveter von Saktingen“.— Albert: Rirschblüte.— Hansen: Rheintreue: Bleid Deutsch— Meißler: Stolzensels am Rhein.— Großmann: Czardas aus„Der Geist des Wojewoden“.— Schubert: Militärmarsch.— Neumann: Abendtriede am Rhein: An der Heimat halte fest.— Wagner: König Heinrichs Aufruf und Gebet aus„Lohengrin“. — Rhode: Vom Rhein zur Donau.— Krämer: Ein rheinisch Mädchen.— Thönnessen: Der Rhein ist mein.— Fürst: Badonviller 9 Anschl.: Meldungen von Münster und Bürgermeister Dr. Natweg=Dusoburg die des Rheinil. Städtetages. a., Nachmittag bewegte sich ein historischer Festzug durch die Straßen der tadt. Die weiteren Festlichkeiten finden in dieser Woche ti und schließen mit einem großen Schützen= und olksfest ab. * Aus der Anglücksstatistik. h Hagen. 30. Juli. Der Monteur Robert Vortanz. der in dem Umformerwerk der Vorortbahn Hasve=Voerde. Breckerfeld beschäftigt ist, geriet beim Umschalten des Starkstroms mit beiden Händen an die Leitung. Die sofort ausgenommenen Wiederbelebungsversuche blieben leider erfolgles. * N e h e i m. 3 0. J u l i. I n d e m b e n a c h b a r t e n N i e d e r ense hatte sich ein junger Mann eigens zum Schützenfest einen Browning gerauft. Auf dem Rückwege von der Festlichteit zeigte er ibn seinem Bealeiter. Und da ereignete sich mal wieder der bekannte Fall: die Kuael aina los, drang dem Freunde in den Unterseib. und kurz danach starb der Getroffene im hiesigen Krankenhaus. * H e r f o r d. 3 0. J u l i. S a m s t a g m i t t a g w u r d e d i e G e meinde Schweicheln an der Strecke Herford—Löhne— Hannover von einer Windhose heimgesucht, die in Bealeitung eines Gewitters hereinbrach. Hunderte von alten Bäumen wurden entwurzelt. Der schwerste Schaden wurde in der Gemeinde selbst angerichtet, wo über 20 Häuser völlig abgedeckt wurden. In verschiedenen Häusern stürzten infolge des zugleich niedergehenden wolkenbruchartigen Regens die Decken ein. doch wurde niemand verletzt. Auch auf den Feldern wurde groter Schaden angerichtet. Notlandung eines Flugzeuges. 2 Essen. 30. Juli.„Vorgestern nachmittag mußte auf der Strecke Hamburg—Düsseldorf ein Verkehrsflugzeug in der Nähe des Essener Flughafens eine Zwischenlandung vornehmen. Bei der Landung, die auf sehr ungünstigem Gelände vorgenommen werden mußte. wurde das Flugzeug schwer beschädigt. Von den vier Fluggästen trug eine Dame einen Armbruch davon. während die anderen unverletzt blieben und ihre Reise mit der Bahn fortsetzen konnten. Der Pilot erlitt eine leichte Verletzung am Unterkiefer. Eisenbahnunfall. Elberfeld. 30. Juli. Auf dem Bahnhof setzten sich heute früh gegen 9 Uhr zehn beladene Güterwagen. die versiegelt werden sollten, plötzlich in Bewegung. Der auf dem letzten Wagen stehende Bremser konnte die Wagen nicht mehr zum Halten bringen und sprang ab. Der Zug rollte auf der abschüssigen Strecke nach VolmeEhringhausen und entgleiste dann auf dem dortigen Bahnhof. Personen sind nicht verletzt worden. Der Sachschaden ist groß: der Verkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. h Düsseldorf. 30. Juli. Ein Maurer badete mit seiner Frau und seinem 2jährigen Kind im Rhein. Obwohl er nicht schwimmen konnte, wagte er sich mit einem Arbeitskameraden zu weit in den Rhein. Plötzlich versank er in einem Baggexloch und kam nicht wieder zum Vorschein. Der Arbeitskamerad versuchte sofort, den Ertrunkenen zu reiten, was ihm jedoch nicht gelang. Bisher konnte die Leiche noch nicht geborgen werden. Weinend begab sich die Frau mit ihrem Kinde. die auf so tragische Weise ihren Mann verloren hatte. auf den Nachhauseweg. * der “ Bochum. 30. Juli. In der Nacht zum Sonntag er##gnete sich in einer Wirtschaft an der Alleestraße in Bochum ein Zwischenfall. der aller Voraussicht nach zwei Todesopfer fordern dürfte. Nach Beendigung eines Gartenfestes in der Schrebergartenanlage„Engelsburg“ an der Hammerstraße in Bochum=Weitmar besuchten einige der Festteilnehmer die Wirtschaft des Wirtes A. an der Alleestraße. Bei einer sich entwickelnden Rauferei machte der Wirl von der Schuswasse Gebrauch Er gab fünf scharfe Schüsse ab. durch die zwei Arber. Friedrich S.. Normannenstraße wohnhaft. und Wilbelm B. auch Normannenstraße wohnhaft. schwer verletzt wurden. S. erlitt einen Lungenschuß. Wilhelm B. einen Bauch= und Beckenschuß. Beide mußten in das Elisabeth=Hospital eingeliefert werden. wo S. sogleich einer Overation. in deren Verlauf die Kugel entfernt wurde. unterzogen wurde. Sein Befinden ist verhältnismaßig zufriedenstellend. während das des Wilhelm B. zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Der Wirt wurde kriminalvolizeilich vernommen. Da seine Aussage, in Notwehr gehandelt zu haben. nach Ansicht der Polizei glaubhaft ist. wurde er bis auf weiteres auf freiem Fuß gelassen. Die Wasse wurde beschlagnahmt. Bocholt. 30. Juli. In der vergangenen Nacht kam es zu einem gefährlichen Zusammenstoß zwischen 13 Zoll beamten und otwa 8—10 Schmugalern. Man hatte in der Nacht eine Postenkette von 15 Beamten aufgestellt. um die kast jede Nacht die Grenze passierenden Schmuggler fassen zu können. Gegen 2 Uhr kam von Holland ber eine Anzahl dunkler Gestalten. und die Zollbeamten riesen der Gcsellschaft ein„Halt" zu. Die Schmugaler antworteten sofort mit einigen Schüssen und nun begannen die Zollbeamten ebenfalls ein lebhaftes Feuer auf die Schmuggler zu richten. Den Beamten gelang es. nur einen der Schmuggler zu fassen, während alle anderen sich durch die Flucht in Sicherheit brachten. Die Leute haben jedoch mehrere große Warenballen zurückgelassen. Dabei befinden sich allein 2 Zentner Kaffee. Tabak. Kakao und anderes mehr. Diese Sachen sind beschlagnahmt worden. Ein Fünfzehnjähriger unterschlägt 1400 Mark. h Dormagen. 30. Juli. Ein hei dem hiesigen Werk der I. G. Farbenindustrie beschäftigter Lehrling sollte bei der Postanstalt 1400 Mark einzaylen. Der erst 15 Jahre alte Lehrling kehrte jedoch nicht wieder zurück. Als er nach einer Stunde nicht zurückgekehrt war. schönfte man Verdacht und stellte Nachforschungen nach seinem Verbleib an. Er hatte das Dienstrad am Bahnhof abgegeben und war mit dem Zuge fortgefahren. Alle angestellten Ermittelungen waren zunächst erfolglos. Der Flüchtling konnte jetzt in Hindenburg in Oberschlesten festgenommen werden. In seinem Besitz befanden sich noch 1090 Mark. Ueberfall! h Essen, 30. Juli. Am Montagfrüh, gegen überfiel der Arbeiter Friedrich V.. Ecke Frohnhauserund Diergardtstraße, einen Händler aus der Diebiostraße. sowie die beiden Schwestern Kätbe und Elssabetb. B. und brachte ihnen gefährliche Messerstiche bei. Der Händler erhielt zwei Stiche in den Kovf. Käthe B. einen in die Schulter und die Hüfte Elisabetb B.. mit der der Messenheld verlobt war, zwei Stiche in die Brust. Alle drei wurden in schwex verletztem Zustande dem Lazaxett zugeführt. Der Täter konnte bald darauf von der Polizei verhaftet werden * K ö l n, 3 0. J u l i. H o c h o b e n v o m s ü d l i c h e n D o m turm weht wiederum eine große weiße Fahne. Den Schlußtag des Turnfestes benutzte ein verwegener junger Mann dazu, dort seine Kletierkunststücke zu erproben und zu zeigen. Beim Abstieg wurde ihm der übliche volizeiliche. Empfang zuteil: der jugendliche Waghals kam in Haft. Gefährliche Schmuggler. gegen 2 Uhr. Gr langer #fung in ee W Zeit entziehen, indem er sich dem vorführenden Beamten widersetze und diesen erKöln. 30. Juli. Ein gefährlscher Graß: schmugaler namens Swerst wurde schon längexre Zeit wegen Schmuggels gesucht. Einer Verhaftung in Düsseldorf konnte er sich seiner rrüh heblich verletzte uF u e. Seitdem hielt er sich unangemeldet in Köln auf und trieb sein Geschäft ruhig weiter. Erst kürzlich konnte er wieder dreißig Ballen Kaffee über die deutsche Grenze schmuggeln. Jetz: endlich gelang es der hiesigen Kriminalpolizei, den Großschmugaler dingfest zu machen. Die Kriminalvolizei versucht noch zu ermitteln, wo der elegante Zweisitzer des Schmugglers untergestellt ist. Der Kraftwagen ist rotbraun lackiert, ist holländischer Herkunft und trägt das Zeichen M 1501. 1— Eine Höllenmaschine in einem Flugzeug. Ein Tufttorpeso. ch Paris, 30. Juli.(Telear.) Wie der„Paris Soir“ meldet, wurde in einem italienischen Flugzeve, das in Sartrouville eine Zwischenlandung vorgenommen hatte, ein Lusttorvedo entdeckt, das von einem Unbekannten im Flugzeug untergebracht worden war, um eine Katastrophe zu verursachen. Der italienische Militärattache bei der Pariser Botschaft hat die Maschine entfernen lassen und eine Untersuchung eingeleitet. Es handelt sich um ein Flugzeug, das an der Pariser Luftverkehrsausstellung teilgenommen hat und sich auf dem Rückweg nach Italien befand. Die zolindrig geformte Höllenmaschine wurde vom Mechaniker unter dem Pilotensitz entdeckt. An der Bombe war eine zum Teil abgebrannte Zündschnur befestigt. Im Vorderteil des Flugzeuges sand man einen Behälter mit 5 Liter Benzin, der anscheinend nur dazu bestimmt war, nach der Explosion der Höllenmaschine das Verbrennen des Flugzeuges zu erleichtern. Man nimmt an, daß italienische Anarchisten an dem Anschlag beLiligt sind * Landung und Start auf dem Jungfraujoch. # Zürich, 30. Juli.(Telegr.) Wie erst jetzt bekannt wird, ist Hauntmann Wirtb. dem es, wie gemeldet wurde, gelang, auf dem Jungfrau=Firn zu landen, am Mittwoch, den 25. ds. Mts., vormittags, mit seinem Klemm=Daimler=Flugzeug, das mit einem Gleitkufengestell ausgestattet ist, vom Jungfrau=Firn glatt gestartet und wohlbehalten aus dem Flugplatz in Lausanne gelandet. Es ist das erste Mal, daß es einem Flieger gelang, auf einer Landungsstrecke von nur 18 Meter Länge(?) und ohne seine Maschine zu beschädigen zu landen und wieder abzufliegen. * Bootsunglück in Nordfrankreich. Paris. 30. Juli.(Telegr.)„Matin" berichtet aus Brest, daß ein mit 13 Personen besetztes Boot gestern auf einem Fluß bei Forest kenterte. Von den Insassen sind zwei Frauen und zwei Kinder ertrunken. * Explosion in Lodz. ∆ Warschau, 30. Juli.(Telegr.) Bei dem Brande der chemischen Fabrik von Hadrian in Lode sind die Fabrikgebäude vollständig zerstört worden. Der Materialschaden wird auf einige Millionen Zloty geschätzt. Bei der Rettungsaktion, sowie bei der Explosion der in der Fabrik gelagerten Benzinfässer haben insgesamt 44 Personen Brandwunden erlitten, hiervon sind vier schwer verletzt. Todesopfer sind nach den bisherigen Feststellungen nicht zu beklagen. Zusammenstoß auf der Neuporker Hochbahn. Ueber 1000 Passagiere irren 50 Verletzte. E Neuvoork. 30. Juli.(Telegr.) In der Sonntag. nacht fuhr ein Hochbahnzug aus einen anderen Zug auf, der mit vier weiteren Zügen durch einen Kurzschluß zum Halten gekommen war. Durch die Wucht des Anpralls wurde der letzte Wagen des stehenden Zuges vollständig zertrummert. 50 Personen erlitten Verletzungen, mehrere davon lebensgefährliche. Drei blieben tot. Da sämtliche von dem Unfall betroffenen Züge mit kluslüglern dicht besetzt waren, entstand unter den Fahrgästen eine ernste Panik, die noch dadurch vermehrt wurde, daß die Beleuchtung plötzlich versagte und daß infolge des Kurzschlusses die Wagen der Züge in Flammen und Nauch geyullt wurden. Die Fahrgäste, über 1000 Personen, mußten auf den Gleisen entlang zu Fuß bis zur nächsten Station gehen. * Verkehrsunfälle in England. ## London, 30. Juli.(Telegr.) Während des Sonntags ereignete sich eine Anzahl von Verkehrsunfällen. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Ferienzug und einer Lokomotive in Manchester wurde ein Eisenbahnangestellter getotet. 25 Reisende wurden leicht verletzt. In Nord=Dorkshire stürzte ein Personenomnihus um. Alle 40 Insassen wurden mehr oder weniger ernst verletzt. * Acht blinde Passagiere verbrannt. 4 Suernsey(Wyomina), 30. Juli.(Telegr.) Ein Güterzug, der menrere Petroleumbehälter beförderte, erlitt gestern abend einen Unfall. In den zerstörten Wagen brach ein Brand aus, bei dem acht blinde Passagiere umramen. Das brennende Petroleum floß bis zum Plattefluß hinunter, dessen Oberfläche mehrere Meilen weit in Ilammen stand. * 50 Jivilklagen der phosgengeschädigten. ch Hamburg, 30. Juli.(Telear.) Die Phosgengasgeschädigten haben sich zu einer Notgemeinschaft zusammengeschlossen. Bisber haben 50 Geschädigte Zivilklage angestrengt. Der erste Termin steht am 2 Oktober an. Das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren wird wahrscheinlich eingestellt. Deutsche Hilfeleistung zur See. A Hamburg, 30. Juli.(Telegr.) Der Dampfer Antonio Delfino“ von der Hamburg=Südamerikanischen Dampfschiffahrts=Gesellschaft traf am vergangenen Samstag auf hoher See ein vortugiesisches Kriegsschiff, das wegen Kohlenmangels seit drei Tagen in heftigen Pasatwinden hilflos trieb. Die„Antonio Delfino“ nahm das Kriegsschiff ins Schlepptau und brachte es nach Las Palmas. * Dreister Einbruch in ein Gefängnis ch Paris, 80. Juli.(Telear.) In der vergangenen Nacht stiegen Einbrecher mit Hilfe einer Leiter in das Direktionsbureau des Zentralgefängnisses von Melun ein, nachdem sie die Vergitterung eines Fensters im 2. Stockwerk gelöst hatten. Sie ließen einen etwa 3 3tr. schweren Geldschrank, der 113 500 Franken enthielt, zum Fenster auf die Straße hinunter und schafften ihn mit einem Automobil fort. Der Geldschrank wurde heute früh 6 Kilometer von Melun entfernt erbrochen aufgefunden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Sie hinterließen nur auf dem Parkettboden Fußspuren Neues Leck der„Monte Cervantes“ ∆ Moskau, 30. Juli.(Telegr.) Die Taucher des Eisbrech#n„Krassin“, die das Leck an der rechten Bordseite der„Monte Cervantes“ ausgebessert haben, haben auch, an der linken Bordseite eine Lochsteile festge tellt mit deren Ausbesserung sie jetzt beschäftigt sind. * Das überschwemmte Amurgebiet. # Moskau, 30. Juli.(Telear.) Die Ueberschwemmungen im Amurgebiet dauern an. Mehr als 50 Dörfer stehen unter Wasser. Die Eisenbahndämme sind teilweise unterspült und der Verkehr unterbrochen Das Paradies der herrschsüchtigen Frauen. Zwischen Kaschmir und Tibet liegt das nur wenig bekannte und abgeschlossene Reich Ladakh. darin die Frauen seit alter Zeit kampflos alle Vorrechte besitzen, um welche ihre euroväischen Schwestern vergeblich eingen. im Dunkeln über die Gleise. Dieser Staat ist das ideale Vorbild für alle Gestrengen die den Ehemann beherrschen. Die Damen Ladakhs haber ihr eigenes Geld und ihr eigenes Auto, und ihre Meinung entscheidet in allen lebenswichtigen Dingen. Innerhalb ihres Heimes ist die Ladakhi in gleicher Weise unumschränkte Herrscherin wie im öfsentlichen Leben. Keine strenge Abgeschlossenbeit orientalischer Sitten hemmte die freien Entwicklungsmöglichkeiten der Ladathis. Sie bewegen sich mit natürlicher Freiheit auf der Straße und haben ein strenges und gebietendes Auftreten, ohne darum Liebenswürdigkeit und Güte vermissen zu lassen. Die Regierung des Staates liegt in den Händen der Priester und der Frauen, während die Ehegatten, fast wie im Bienenstaat, zwar nicht aufgeiressen, aber als unmaßgebliche Nebensache betrachtet werden. In den einzelnen Dörfern des Landes herrscht eine Kollektivwirtschaft, die selbständig Obstgärten und Landwirtschaft erhält. Wasserzufuhr ergibt das sommerliche Gletscherschmelzen. Die roten schmutzigen Gewänder der LamaPriester mit den hohen gelben Spitzhüten, die ein wenig mittelalterlich wirken, geben dem europäisierten Land das östliche Gepräge. Allen Frauen, die knechtische Unterwürfigkeit des Mannes oder seine absolute Nachgiebigkeit als höchstes Glück ersehnen, sei Ladakh als paradiesische Wirkungsstätte empfohlen. Dieses Reich ist in der Tat ein Kevlaar für unbefriedigte oder unterdrückte Komplexe machtgieriger Frauen... * Eine bunte Sprache. Man weiß ja, daß das Englische eine Mischsvrache ist, die Bestandteile aus allen möglichen Sprachen enthält. Ein wie buntes Gemisch es aber darstellt, st durch neuere Sprachuntersuchungen festgestellt worden, die der bekannte Sprachforscher Skeat gemacht hat. Er hat 20 000 englische Worte auf ihren Ursprung hin untersucht und ist dabei zu folgenden Ergebnissen gelangt: 4000 Worte sind angelsächsisch, d. h. sie sind von den Angeln und Sachsen bei ihrer Einwanderung nach England im Jahre 449 mitgebracht worden, die übrigen 16.000 dagegen sind fremden Ursorungs und erst im Lause der Jahrbunderte in die englische Sprache gelangt. Den Hauptanteil daran hat das Französische mit 5000 Worten, die größtenteils durch die normanische Eroberung im Jahre 1066 nach England gelangt sind. Aus dem Lateinischen stammen 3000 Worte; sie sind teils durch die römischen Soldaten zur Zeit der Eroberung Englands durch die Römer. teils durch die lateinische Gelehrtenund Kirchensprache im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit eingeführt worden. Aus dem Griechischen stammen, teils direkt, teils auf dem Umweg über andere Sprachen, 2500 Worte. Das Skandinavische hat etwa 800 Worte beigetragen; schuld daran ist die Eroberung Englands durch die Dänen im 9. Jahrhundert. Aus dem Hochdeutschen kommen etwa 400 Worte, aus dem Niederdeutschen 200. 300 Worte haben das Spanische, Portugiesische und Italienische geliefert. 200 das Holländische. Die Ureinwohner Englands, die Kelten, die bis auf geringe Reste zugrundegegangen sind, haben nur annd 200 Worte beigesteuert. Gerichtliches. Durch Arbeitolosigkeit zum Betrüger. h Essen, 30. Juli. Nach dem Aufruf betritt ein Mann von etwa 30 Jahren den Gerichtssaal. Er ist gut gekleidet. solide, aber nicht auffällig. Sein Benehmen verrat eine gute Kinderstube. Ueberhaupt, der Mann macht einen sehr sympathischen Eindruck. Man kann es kaum glauben, daß er der Angeklagte ist und daß er wegen Unterschlagung vor Gericht steht. Als der Richter ihn fragt, wie er sich zur Anklage außern wolle. antwortet er:„Ich bin schuldig!“—„Sind Sie vorbestraft?“— Nein.“—„Durch welche Umstände ist es denn soweit mit Ihnen gekommen?"— Der Angeklagte erzahlt: „Ich bin gelernter Kaufmann und datte eine aute Stelung. Vor drei Jahren wurde ich arbeitslos. Von der Irbeitslosenunterstützung allein konnte ich nicht leben. So sah ich mich gezwungen, bei Bekannten Gelder zu leihen. Ich versuchte, als Reisender mein Einkommen zu erhöhen. Umsonst. da ich nur gegen Provision arbeitete, waren die Unkosten höher als der Verdienst. Ich geriet tiefer in Schulden. Da wurde mir die Vertretung einer Wäschefabrik angeboten. Ich nahm an, aver ich verkaufte nichts. Meine Not wurde immer drückender. Meine Gläubiger drängten und wollten ihr Geld zurück haben. In meiner Not verkaufte ich einen Teil der mir von der Firma zur Verfügung gestellten Musterkollektion. und zwar zu einem Schleudervreis. Um den Fehlbestand zu decken, bestellte ich die verkauften Teile und verkaufte sie wieder. So machte ich es mehrere Male. Die mir von der Firma zugestellten Rechnungen konnte ich nur teilweise bealeichen denn für die darin genannten Breise konnte ich die Waren nicht verkaufen. Schließlich sand eine Revision statt. Die Sache wurde ausgeklärt und Anzeige erstattet.“ In Anbetracht dieses Gestandnisses verzichtete das Gericht auf die Zeugenvernehmung und zog sich gleich zur Beratung zurück. Diese dauerte nicht lange. Der Angeklagte wurde für schuldig befunden und verurteilt. In Anbetracht seiner tadellosen Vergangenheit und der besonderen Umstände wurde jedoch eine Bewahrungsfrist zugestanden. Damit hatte der Angeklagte wohl nicht gerechnei, denn es lag eine tiefe Rührung auf seinem Gesicht, als er den Gerichtssaal verließ. Die Menschlichkeit des Richters hat hier zweisellos eine großere Wirkung als ein strenges Urteil. # Dandel k Grwerbr. Industrie Börsenberichte. * B e r l i n e r B ö r s e n b e r i c h t. #5 Berlin. 30. Juli.(Telear.) Der feste, Verlauf der letzten Neuyorker Börsen hatte im Vormittagsverkehr Erwartungen auf eine Besserung auch bei uns ausgelöst. Die Unsicherheit. die aber durch das enttäuschende Bezugsrecht von 5 zu 1 zu 240 bei Polyphon hervorgerufen wurde und schon vorbörslich zu stärkeren Schwankungen an diesem Markte geführt hatte. wurde durch neue Vorstöße der Baissevartei verstärkt. Daher reichten die kleinen Kaufaufträge, die zum Beginn der Börie zur Ausführung kamen, nicht aus, um das Kursniveau einheitlich günstig zu beeinflussen. Auch, war die Geldmarktlage zum Ultimo immer noch nicht ganz geklärt. obwohl der heutige Zahltag ohne größere Schwiezigkeiten vorübergehen dürfte. Es bestanden berechtigte Besürchtungen betr. einer Diskonterhobung Bank von England am Donnerstag. da der niedrige Stand des Pfundkurses verschiedenen euroväischen Devisen(besonders der Mark) gegenüber, bereits zu einem Abzug erheblicher Goldbeträge der Bank von England geführt hat. Trotzdem war der Grundton zu den ersten Kursen nicht unfreundlich. Bei den Nebenwerten waren die Abweichungen gegen die letzten, offiziellen Notierungen am Freitag nur gering. die bekanntexen Svekulationsvaviere wie Berger. Schleusche Rheinische Braunkohle. Salzdetfurtb. Tietz um, konnten Gewinne bis zu Prozent und mehr ausweisen. Für Farbenartien regte die starke Absatzsteigerung beim Ervort für deutsche Farbstoffe im ersten Halbjahr 1928 an. Volyphon setzten mit 465 nach 455 vorbörslich um 15 Prozent niedriger ein. gaben aber im Verlause er##ut nach. Sonst spielen, nur noch Sarotti einem Anfangsverlust von — Kursen neigte die Tendenz eher zur Ema gaben des Hamburger, Platzes. an dem eine Firma schwach geworden sein soll, lagen Deutiche Atlanie zeitweise bis zu 10 Prozent niedtiger. Auch am Kolonialmarkt sollen Exekutionen vorgenommen worden sein. Spater war die Tendenz kleineren Schwan kungen unterworfen: das Geschäft blieb aber mit Anleihen nachgebend. Pfandbriefmarkt bis auf Roagenvfandbriefe, die bis zu 12 Pf. erneut anzogen eher schwächer. Devisen gefragt. Geldmarkt naturgemäß zum Ultimo angespannter. aber nicht in dem Maße. wie heute vormittag erwartet wurde: Geld bis morgen 7¼ bis 9 Prozent. Geld über Ultimo 8 bis 9¾ Prozent: Monatsgeld 8 bis 9 Prozent. Warenwechsel ohne Umsas. Der Kassamarkt war überwiegend schwächer, Rodderarube verloren 18 Prozent. Dürener Metall 10½ Prozent, dagegen lagen Kemerag u. a. 9 Prozent höher Gegen Schluß wurde es unter Bevorzugung von einigen Spezialwerten und auf Käufe einer Privatbank hin lebhafter. Auch regte an. daß der Privatdiskont trotz des nahen Ultimos keine Erböhung erfuhr. Ferner wollte man wissen, daß der Einführungstermin der Farbenaktien in Neuvork bald bekannt werde. Die vorbereitenden Arbeiten seien so gut wie abgeschlossen. Die Börse hat sich von Polyphon freigemacht: hier war die Stimmung weiter schwach. Essener Kuxenbörse, Essen, 30. Juli. Die Kurenbörse eröffnete die neue Börsenwoche in recht ruhiger Haltung. Am Kohlenkurenmarkt waren vereinzelt König Ludwig zu nackgebenden Kursen im Verkedr. Von Koblenaktien lagen Adler wenig verändert. Billiger am Markt sind Dahlbusch. Der Markt für Braunkohlenwerte weist wesentliche Veränderungen nicht auf. Die(etemmung am Kalikurenmarkt ist weiter freundlich. Der Kaliaktienmarkt lag ruhig. Am Industr#eaktienmarkt ist eine wesentliche Veränderung nicht eingetreten. Terminhandel an der Essener Börse. Warenmärkte. Berliner Produktenbericht. 30. Juli.(Telegr.) Vom. #n9. Fest lagen auf aute Käufe Ties und Deutsche Atlanten auf 140 nach 132 Prozeut erholt. Prozent auf. Nach den ersten! h Essen. 30. Juli. Der Terminhandel eröffnete in be— S c h w ä c h e. A u f A b= f e s t i g t e r H a l t u n g. d i e b i s z u m S c h l u ß a n b i e l t. D i e Kurse konnten sich leicht bejestigen. Bei nur minimalem Geschäfte wurden Kali=Industrie umgesetzt. Die Anfangsbzw. Schlußkurse stellten sich wie folgt: Barmer Bankverein 142¼ G., 1423. G. Gelsenkirchener 131 131% G. Goldschmidt 95/ G. Harpener 142¼ G. 144. G. Mannesmann 131 B. 131. G. Rbeinstahl 137 G 1376 G Ver. Srahlwerke 91½ G. 92 G. Kali=Industrie 233¼. 23313 B. Koln=Neuessen 12414 G. 125 Berlin, 30. Juli.(Telegr.) Vom Auslande lagen besondere Anregungen für den Produktenmarkt nicht vor. Die Cisoofferten für Weizen waren unwesentlich verändert. Dagegen Roggen stärker im Preise erhöht. Am hiesigen Platze bildete sich am Lieferungsmarkt für Weizen und Roggen eine festere Stimmung heraus, die alle Sichten ziemlich aleichmäßig betraf. Juliroggen zog um 3 Mark an. was auf lebhafte Nachfrage zurückzuführen ist. Die zu heute angedienten 170 Tonnen Roggen, die zum größten Teil aus Auslandsware bestanden waren kontraftlich. Von den angedienten 60 Tonnen Weizen entsprachen 30 Tonnen nicht den Kontraktbedingungen, Am Markt für Inlandsgetreide ist das Geschäft im allgemeinen still. Die Verkäufer verhalten sich abwartend. angesichts des regnerischen Wetters der letzten Tage. Die Käufer wollen die heute für Neugetreide etwa 2 Mark höher lautenden Forderungen, nicht bewilligen. Mehigeschäft wetter still. Bafer stetig bei kleinerem Angesot. Neue Wintergerste ausreichend offeriert. Geschäft klein. Hamburger Warenmarkt. h Hamburg. 30. Juli.(Telear.) Auf dem Kaffeemarkt lagen Brasilosierten im Preise größtenteils unverändert. Am hiesigen Markt war die Tendenz wenng verändert. Die Umsätze hielten sich in ruhigen Bahnen. Am Terminmarkt konnten sich die Preise bei behaupteter Tendenz leicht befestigen.— Auf dem Reismark: hielten sich die Umsätze in engen Grenzen. Am hiesigen Markt hielten sich die Preise auf letzter Basis.— Bei ruhiger Tendenz war das Geschaft am Hullenfrucht: mark sehr gering. Wesentliche Preisveränderungen sind nicht festzustellen.— Auf dem Gewürzmarkt war die Grundstimmung stetig. Es entwickelte sich reguläres Bedarfsgeschäft. Es notierten: Schwarzer Lamvong=Pfeiser 147. Telli=Cherry=Psefser geraumt. weiner MuntokPseiser 245. Piment,74. Salibarnelken, 114. JapanIngwer 47½. Macisnüsse 133. Kancel 240—340. Kardamon 435—490 lb. boll. Kümmel 32 fl. die 50 Kilogramm loko transtto.— Auf dem Schmalsmarkt war die Tendenz fest. Es wurden nottert. Amerikanisches Steam 31 Dollar. Raffiniertes Schmals verschiedener Marn Tierces 32.00—92.50 Dollar(in Firkins zu 50 1 Lard ken in E###r 32.00—92.50 Dollar Kilogramm 0.5 Dollar. In Eimern zu 12.5 Kilogramm 1.5 Dollar„teurer.„a Tierces). Hamburger Schmalz. in Dritteltonnen. Marke Kreuz. 37.25 Dollar die 100 Kilogramm netto versollt.— Auf dem Getreidemarkt war das Geschäft klein. Die Preise blieben unverändert. Es notierten: Weizen 26.00—26.40, Roagen 27.80—28.00. Haser 21,80—28.00. Sommergerste. 22.30—22.60. ausl. Gerste 20.00— 20.20. Mais Leinsaat 18.50—18.60 fl. 19.50—19.80 Mark. La=Plata= Diehmärkte. Essener Biehmarkt. h Essen. 30. Juli. Zum Essener Schlachtviebmarkt waren aufgetrieben an am Markttage 535 Stück Großvieh, davon 34 Ochsen. 121 Bullen, 276 Kube. 30 Farlen. 74 Fresser ferner 534 Kälder, 60 Schafe und 4114 Schweine. b) seit dem letzten Markttage dem Schlachthof direkt zugeführt 57 Kühe, serner 27 Kälber, 3 Schafe und 932 Schweine. Der Handel war mittelmäßig, zum Schluß abflauend. Es kosteten im Großhandel 100 Pfund Lebendgewicht Ochsen: a)—. b1) 54—57. c) 1.—50 Bullen: a) 54—55. b) 47—50. c) 40—45. Kübe: a) 54—59. b) 47—50. c) 38—44. 9) 26—32. Färsen: a) 56—59. b) 50—54. Farsen: a) 56—59. 5) 50—54. reiter 36—42. Kälber: a) 90—115. b) 75—85. c) 65—73. 0) 50—60. Schafe: a1) 53—57, b) 44—50 c) 36—40, Schmeine: a) 68—70. b). 72—74. c) 74—75. d) 70—73. e) 66—69, 1)— a) 00—70 Mark Es wurden verkauft an Schweinen 2 Stück zu 50 Kiloaramm zu 48. 2 zu 50. 4 zu 95. 1 zu 56. 1 zu 58. 3 zu 59. 33 zu 60, 7 zu 61. 17 zu 62. 15 zu 63. 2 zu 64. 42 zu 65 38 zu 96. 87 zu 67. 127 zu 68. 92 zu 99. 211 zu 70. 323 zu 71. 708 zu 72. 690 zu 73. 792 zu 71. 617 zu 75. 131 zu 76, 19 zu 77. 5 zu 78 Mark, zusammen 3909 Schweine. Die Preise sind Marktoreise für nüchtern gewogene Tiere und schlienen samtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht Markt= und Verkaufskosten. Umsansteuer lowie den naturlichen Gewichtsverlut en mussen üch alle weleutich udes die Stalloreile erbeven c S TATT KARTEN Uns wurde ein Töchterleingeschenkt Karl Schulze und Prau Gertrud geb. Gelßler Herne, den 30. Juli 1928 Luisenstraße 22 z. Zi. Eygl. Krankenhaus 38212 C C Statt Karten. Theo Heiermann Hildegard Heiermann geb. Tombrinck Vermählte Herne-Sodingen, den 31. Juli 1928 Mont-Cente-Str. 76 Statt Karten. Ihre Vermählung geben bekannt Paul Fallböhmer Apotheker Hildegard Fallböhmer geb. Peter: Herne, den 31. Juli 1928 Hagen I. W. STATT KARTEN. cand. med. Lazar Remen, Köln Friede Remen geb. Feuerstein VERMAHLTE Herne Im Juli 1928 Danksagung. Für die beim Heimgang unseres lieben Sohnes Kurt, unseres guten Bruders, Schwagers, Onkels und Vetters in überaus reichem Maße erwiesene Teilnahme und für die Zeichen liebevollen Gedenkens sagen wir allen herzlichen Dank. 3809a Familie Josel Urbaniak Amalie verw. Edert Danksegung. Für die uns anläßlich beim Hinscheiden meiner innigstgeliebten Frau und unserer guten, treusorgenden Mutter erwiesene Tellnahme, sowie für die reichlichen Kranzspenden sprechen wir allen, besonders dem katholischen Frauenverein für ihre zahlreiche Beteiligung unsern tiefgefühlten Dank aus 3816a Karl Bayer nebst Kinder. erne-Sodingen, den 31. Juli 1928. Landesheimatpiele der Provinz Westialen Willen-Ruhr Juni— Oktober 1928. Siegtried lie bbel Nibelungen I und 11) (Aufführungen jeden Mittwochund Sonntag-Nachm. 3.30 Uhr. Eintrittspreis 3.—, 2.— und 1.— RM. Auskunft: Städt. Verkehrsamt Witten-Rathaus, Ruf 3941. schnell u. prdirwer!* HERNER GNZEIGER Kosibers# Baffarte: RnS Knochenbriche, Verrenkungen Verstauchungen 66403 jeden Mittwoch nachm. 6¼—8 jeden Samstag nachm. 2.4 Uh Herne, Hont-Cenisstr. 2 Reinigen täglich nach vor heriger Anmeldung. Bertenbausköstel Harne, Steinuog## Fernrut 50787. Sayn&a Hüls Nerse, Bahnhetstraße 117 Glashandlung SchaufensterVerglasung N WWWWW WWWWWW W W W W M 92 W W W W W W Ab H W W W W W W W W W W W in diesem Hause W Kunden zu werben, veranstalten wir unter dem Motto E Weille Woche Beginn: Mittwoch, den 1. 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