ge 1A kamp. ##mitglieder — Berner Anzeiger Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne or 25 Jahren noch ein Industriedorf, dem am 1. April 1897 die Stadtrechte verliehen wurden, ist heute die Stadt Herne in die Reihe der Städte eingetreten, deren stetige Zunahme an Einwohnern erhoffen läßt, daß sie bald in die Reihe der Großstädte eintritt. Bei der Stadtwerdung Herne's harrten der Verwaltung mannigfache Aufgaben, auf deren Lösung sie zunächst ihr Hauptaugenmerk zu richten hatte. Diese Fragen bewegten sich namentlich auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet, was bei der ausgesprochenen Industriearbeiterstadt ohne Weiteres erklärlich erscheint. Durch allmähliche Überleitung der Verhältnisse vom Dorf zur Stadt ist es der Verwaltung gelungen, teils nach Überwindung nicht geringer Schwierigkeiten dem städtischen Gemeinwesen auch äußerlich ein städtisches Gepräge zu geben. Bei ihrer Betätigung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens hat die Stadtverwaltung unter Ausnutzung aller ihr zur Verfügung stehenden materiellen und ideellen Kräfte stets den Mittelweg eingehalten, und vor allen Dingen danach getrachtet, die Finanzlage der Stadt auf gesunder Grundlage zu erhalten. Die Stadt Herne verfügt heute über ein ausgedehntes Straßenbahnnetz, über ausreichende Licht= und Stromversorgung, über eine vollkommene Kanalisierung, über ein gut angelegtes Straßennetz und ist auch sonst stets bestrebt gewesen, allen neuzeitlichen Errungenschaften entgegenzukommen und sie den Interessen der Stadt und ihrer Bewohner nutzbar zu machen. Auf kulturellem Gebiet hat die Verwaltung sich stets bemüht, mit den Forderungen der Zeit gleichen Schritt zu halten. Eine straff zusammengefaßte Organisation des Bildungswesens, seien es Volksschulen, höhere Lehranstalten, die Volkshochschule, die gewerblichen und kaufmännischen Berufsschulen gewährleistet jedem Einwohner der Stadt Herne, sich am Orte diejenige Schulund Fachbildung anzueignen, die ihn befähigt, als Staatsbürger und Deutscher an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes tatkräftig mit Hand anzulegen. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge hat die Stadt ungeachtet der hohen finanziellen Belastung stets die erforderlichen Geldmittel aufgebracht, um die wirtschaftliche und gesundheitliche Lage jedes Einwohners sicherzustellen. Gerade in der Nachkriegszeit hat die soziale Fürsorge in erster Linie ihr Hauptaugenmerk auf die Förderung der Gesundheit der Bevölkerung durch stetige erfolgreiche Bekämpfung der Volksseuchen richten müssen. Durch Schaffung zweier Kindererholungsheime und von Kinderhorten will die Stadt die gesundheitliche Entwickelung der heranwachsenden Jugend fördern und gegen schädliche Einflüsse bewahren. Alle in der Verwaltung der Stadt Herne tätigen Kräfte haben stets in ernstem Streben versucht, den an sie zu stellenden Anforderungen vollauf zu genügen. Der Verwaltung harren in der Zukunft vielseitige Aufgaben, deren Lösung nur verbürgt ist, wenn alle Kreise der Bevölkerung unter Einsatz aller ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte tarkräftig mitwirken an der Schaffung einer Stadt, die schon heute auf Grund ihrer gesunden Kohlen= und Eisenindustrie und ihres regen Verkehrs= und Geschäftslebens alle Bürgschaften dafür bietet, daß sie in nicht zu ferner Zeit in die Reihe der Großstädte eintreten darf. Glück auf! sporleder. Fmitglieder: dkamp, Oberbürgermeister. 200000000000000000000000000000000000000000000 300005 H. A. Zum Geleit. Am heutigen Tage steht Herne an einem Markstein seiner Entwicklung. Heute jährt sich zum 25. Male der Tag, an dem Herne aus dem Zustande dörflicher Verfassung heraustrat und Stadtrechte erhielt. Was liegt da näher, als daß wir an einem solchen Gedenktage Halt machen und den Blick rückwärts wenden, um den Weg zu überschauen, den die Stadt Herne in den 25 Jahren seit ihrer Stadtwerdung in sprunghafter Entwicklung gegangen ist? Wer wird es verargen, wenn am heutigen Toge das hastige Leben und Weben, das Klopfen und Hämmern, das Eilen und Jagen, das unseren Stadtkörper so lebhaft durchpulst, für wenige Augenblicke stille steht, wenn wir an diesem Meilenstein der Entwicklung rasten wollen, um die Erinnerung an das Vergangene in uns wach zu rufen und dann wieder zum Wanderstabe zu greifen und mit frischem Mut und neuem Gottvertrauen weiter zu wandern, einer hoffentlich besseren Zukunft entgegen? Wenn wir heute unseren Blick rückwärts schweifen lassen, welch abwechslungsreiches Bild breitet sich da vor unserem Auge aus! Da liegt fast schon in nebelblauer Ferne das ruhige Ackerdörschen Herne in einem Kranze von wogenden Kornfeldern und grünenden Wiesen an blitzenden Bächlein, an denen die Herden grasen. Gemächlich geht der westfälische Bauer seinem friedlichen Gewerbe nach. Nichts stört die Ruhe der Landschaft... Doch allmählich ändert sich das Bild. Hier und da wachsen Türme aus dem Boden, Essen beginnen zu rauchen, ein Kornfeld nach dem anderen verschwindet. Fremde erscheinen im Lande. Sie bohren nach Kohlen und finden reiche Schätze. Das Zeitaltter der Kohle und des Eisens hebt an. Das stille Ackerdörschen sieht eine rührige Industrie um sich erstehen, es wird zum volkreichen Industrieort. Schacht auf Schacht wächst aus dem Boden, aus dessen Tiefen der Bergmann die kostbare Gabe holt. Bald trägt das Dampfroß auf blitzendem Bande die kostbare Ladung in die Welt. Ein Verkehr setzt ein, wie ihn vordem ir möglich hielt. Inzwischen dehnt er Kohlenort, sein Rock wird ihm neue Straßen und Häuserblocks Betriebe wachsen aus der Erbe, Herne am ersten Meilenstein auf ur Großstadt: Es scheidet aus den. aus und wird kreisfreie Stadt. Unaufhaltsam, sprunghaft beinahe, geht die Entwicklung weiter; der Kohle folgt das Eisen. Myschinen= und Eisenfabriken mannigfaltiger Art blühen empor, die Einwohnerzahl steigt von Jahr zu Jahr um Tausende. Einen Zielpunk nach dem anderen durchläuft die junge Stadt auf der Rennbahn ihrer Entwicklung: Die Eitzgemeindung von Horsthausen und Baukau, die Ernennung des Stadtoberhauptes zum Oberbürgermeister, der Bau des Rhein=Herne=Kanals, die Einweihung des neuen, stolzen Rathauses usw. Tüchtige Männer kommen und gehen, die im Verein mit den Vertretern der Bürgerschaft die Stadt zu immer höherer Blüte zu bringen suchen. Eine tüchtige, gewerbefleißige Bürgerschaft regt ihre Hände. Da wetteifern die Berufe und Betriebe friedlich miteinander, da ringen auch wohl zur Zeit der Wahlen die Parteien um den Sieg und hart stoßen die Meinungen aufeinander, doch alle einig in dem Gedanken: Alles zum Wohle unserer Heimatstadt! Auch schwere Tage und schlimme Zeiten kommen. Da wehen die Fahnen halbmast, wenn schlagende Wetter im Bergwerk tobten und der Tod reiche Ernte hielt. An den Freuden und Leiden der Nation nimmt Herne seinen Anteil. Mit ganz Deutschland hat es gejubelt, als 1870—71 die Siegesglocken durchs Land klangen, als 1914 heilige Begeisterung die Herzen hob; mit dem ganzen Vaterlande hat es tief getrauert, als die schweren Schicksalsschläge von 1918 das stolze Deutschland, unser Vaterland, in Trümmer warfen. Auch die Erinnerung an die stolzen Siegestage, an die Tage nationaler Erhebung, soll nicht ausgelöscht sein, leben sollen in unseren und unserer Kinder Herzen die Ruhmestaten der deutschen Helden im Kampfe gegen eine Welt von Feinden. Und heute trägt auch unsere Stadt mit dem ganzen Vaterlande schwer an der tiefen Wunde, die der verlorene Krieg uns geschlagen, an den riesigen Lasten, die unbarmherzige Sieger uns aufgeladen. Doch mit echt westfälischer Zähigkeit, mit ungebeugtem Mut, mit entschlossenem Willen zum Neubau unseres Staates will auch Herne weiterschreiten auf der Bahn des Fortschritts, getreu dem Wahlspruch, den unserer früherer Oberbürgermeister Dr. Büren bei der Einweihung des Rathauses uns zurief: „Mit Gott voran Auf Fortschritts Bahn, Stets lei“: Glück Herne's Geschick!“ Trotz der Schwere der Zeit, trotz aller Not und Teuerung hat die Stadtverwaltung der heutigen Gedenktag nicht vorübergehen lassen wollen, ohne ihn schlicht, aber würdig zu begehen. So können auch wir nicht umhin, am heutigen Tage der Silberjubilarin würdig zu gedenken. Eine große Zahl geehrter Gäste weilt heute in unseren Mauern, liebe, alte Bekannte, Würdenträger des Reiches, Veteranen, die im Dienste der Stadt grau geworden. Ihnen allen gilt heute unser Willkommensgruß. Mögen sie mit uns heute für einige Stunden die schwere Not vergessen und mit uns den Jubiläumstag der Stadt festlich begehen. Mögen sie ein günstiges Bild erhalten von der Arbeit, die in Herne in den letzten 25 Jahren geleistet worden ist, und dann der Stadt ihre Wünsche mit auf den Weg geben zu weiterem Gedeihen und Wachsen bis zum nächsten Markstein, dem goldenen Jubiläum. Wir aber wollen uns diesen Wünschen von ganzem Herzen anschließen und unserer Heimatstadt heute ein herzliches und kräftiges Glückauf zurufen. Der Herner Anzeiger, der mit Herne groß geworden ist, hat es für seine Pflicht gehalten, aus Anlaß des heutigen Jubiläums diese Festnummer dem Jubelkinde zu widmen. Sie will in kurzen Strichen ein Bild geben von dem, was Herne war, was es ist und was es werden kann. Während die von der Stadt herausgegebene Festschrift ein erschöpfendes Bild der kommunalpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung unserer Stadt an der Hand reichen statistischen Materials geben soll, will unsere Festnummer ein Erinnerungsblatt sein, aus dessen zwanglos zusammengestelltem Inhalt auch die Vergangenheit zu uns spricht. Sie soll das Gefühl der Heimatliebe nähren und in den Lesern alte Erinnerungen wieder lebendig werden lassen. Daß dabei auch die Gegenwart gebührend berücksichtigt ist, zeigen die in großer Mannigfaltigkeit dargebotenen Beiträge aus fast allen Gebieten des kommunalen Lebens. Bei dieser Gelegenheit ist es uns ein Bedürfnis, allen Freunden und Mitarbeitern unseres Blattes, die durch ihre Beiträge unsere Festnummer bereichert haben, unseren herzlichen Dank auszusprechen Allen unseren Lesern aber sei unsere heutige Festnummer mit dem Wunsche überreicht, daß sie das Band zwischen ihnen und uns, das sich besonders in den schweren Kriegs= und Revolutionsjahren als so fest erwiesen hat, noch fester knüpfe, damit der Herner Anzeiger auch in Zukunft das sein kann, was er immer sein wollte: einechtes Familien= und Heimatblatt im wahren Sinne, das an allem Leid und aller Freud der Stadt Herne und ihrer Bewohner den innigsten Anteil nimmt und in guten wie in schlimmen Tagen in unverbrüchlicher Treue zu unserer Heimatstadt und ihren Bewohnern steht! Glück auf! Aus Hernes Vergangenheit. Von Studienrat Dr. Hoischen An einem Tage, der für die Entwicklung unserer Stadt einen Einschnitt bedeutet, wendet man gern seinen Blick aus dem hellen Licht der Gegenwart zurück in das von vergoldenden Strahlen matt erleuchtete Halbdunkel der Vergangenheit. Wenn es auch keine glanzvolle, buntbewegte Geschichte ist, auf die unser Gemeinwesen zurückblicken kann, so haben wir doch keinen Grund, der bescheidenen Vergangenheit uns zu schämen, wie es ja auch einem Menschen übel ansteht, wenn er, zu Wohlstand und Ansehen gelangt, seiner einfacheren Ahnen nicht mehr gedenkt. Und in unserer Zeit, in der dem Zug des Erwerbslebens zufolge so viele ihre Helmat verließen, in der aber dennoch der altgermanische Heimatgedanke wieder neu belebt zu werden scheint, hört wohl mancher gern von der Vergangenheit des Ortes, in dem er eine neue Heimat sand oder sich suchen will. Natürlich können wir in diesem Nahmen kein vollständiges Bild unserer Heimatgeschichte entwersen, nur die Hauptlinien der Entwicklung aufzuzeichnen, kann unsere Aufgabe sein Aus dem tiefen Dunkel der vorchristlichen Zeit leuchten nur ganz wenige Strahlen zu uns hinüber und geben uns Kunde von der Stätte, die heute Tausende bevölkern. Wir sind auf dem Boden, den zur Römerzeit die alten Sigambrer bewohnten. Die alte Heerstraße, die vom Römerkastell Haltern an der Lippe südwärts zur Ruhr führte, noch heute die Hauptstraße von Herne wird die erste Veranlassung zur Besiedlung der Stelle gewesen sein, wo später das Dorf Herne stand. Germanische Siedler waren es, wie wir aus dem 1906 noch ziemlich erhaltenen, setzt bis auf wenige Spuren verschwundenen, Ringwall in der Nähe von Schloß Strünkede an der alten Weidestraße(jetzt Forellstraße) schließen dürfen. Aber sie standen schon unter römischem Kultureinfluß, was uns eine ebenfalls bei Strünkede gefundene römische Münze mit dem Januskopf deutlich zeigt. Mit dem Christentum kommen dann die ersten helleren Strahlen in das Dunkel der Heimatgeschichte. Von Kloster Werden(gegründet 802) aus sind die ersten christlichen Glaubensboten gekommen, und im ältesten Heberegister von Werden wird um 900 zum ersten Male„Haranni“ urkundlich genannt als eine Bauerschaft(villa), in der das Kloster— ebenso wie später die Abtei Essen— Grundbesitz hotte. Damit bekommen wir zugleich einen Fingerzeig, wie wir uns im frühen Mittelalter die Siedlung zu denken haben. Es ist die für diese Zeit typische Form der Meierhöfe, von denen ein Teil unter Leitung halbfreier Klosterleute in geistlichem Besitz ist, der größere wohl wehrhaften Freien, gehört. Große, von Buchen beschattete Höse müssen wir uns denken(Bochum= Buchenheim), starken Viehbestand, im Bruch nach der Emscher zu große Herden wilder Pferde. Nur der eigentliche Kulturboden ist im Privatbesitz, Weide und Holz („Vöhde" und„Mark“, die Namen sind bis heute lebendig), sind Gemeinbesitz. Im Dorf schaltete der Schulze, Staats= und Rechtsgewalt übt der Gaugraf, der in Bochum seinen Amtssitz hat. Kirchlich untersteht die Siedlung dem Erzstift zu Cöln. Sie hat nachweisbar im 11. Jahrhundert eine dem hl. Dionysius geweihte Pfarrkirche im knorrig=bäuerlichen altromanischen Stil mit vorgebautem Glockenturm(s. Abbildung), die erst 1873—75 durch den Neubau der jetzigen evangelischen Kirche ersetzt worden ist. Auch die Grenze der Dorssiedlung kann man noch mit einiger Sicherheit aus dem jetzigen Straßenzuge erschließen: Gartenstraße, Altenhöfener=, Bahnhosstraße bis zum Eingang der Shamrockstraße, Shamrockstraße bis zum alten Spritzenhause, von dort in nordwestlicher Linie bis über die Kirchhofstraße hinaus, diese zurück zur Bahnhofstraße, Steinweg und Gartenstraße. Das ist das Bild, das wir uns von dem mittelalterlichen Herne noch machen können. Wie man stets im engen Kreise der Heimatgeschichte die wesentlichen Züge der Geschichte des Gesamtvolkes wiederfindet, so auch hier. Wenn in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters die Kulturarbeit der Mönche, so war es in den folgenden das Rittertum, das der Zeit seinen Stempel aufdrückte. So finden wir auch in der Herner Geschichte einen Abdruck davon. Wir sehen das Geschlecht der Ritter von Strünkede, seit 1142 urkundlich bezeugt, als Lehnsleute der Grafen von Cleve emporsteigen. Sie errichten eine feste Wasserburg an der Stelle, wo von der Hauptverkehrslinie der Gegend, der Straße Haltern=Bochum, ein Abzweig nach dem alten Markt Crange führte, später mehr nach Herne hin noch eine Vorburg(suburbium). Wir sehen dann, wie die bäuerliche Siedlung in Wirtschaft, Verwaltung und Rechtspflege von Strünkede abhängig wird, wie sie hineingerissen wird in die Fehden, die das auf seine Freiheit erpichte Adelsgeschlecht mit seinen Lehnsherren, den Grafen von Cleve und von der Mark, ausfocht, oder an denen es als deren Lehnsleute teilnahm. Am schlimmsten erscheint es den Hernern ergangen zu sein in der Fehde, die Graf Engelbert von der Mark mit der freien Stadt Dortmund um 1390 führte. Inzwischen waren mit dem Aufschwung des ritterlichen Geschlechts die freien Bauernstellen mehr und mehr verschwunden; die meisten Höfe und Kotten gehörten den Strünkeder Herren, ihre früheren Besitzer waren hörige Leute geworden. Nur zwei Hofe haben bis in die Neuzeit ihre Freiheit wahren können, die Höfe von Dietrich Overkamp und von Koppenberg. Wenn die Reformation, deren Zeit wir uns in unserer Betrachtung inzwischen genähert haben, erst verhältnismäßig spät eingeführt wurde, so lag dies an der Haltung der Herzöge von Cleve=Mark, die nur zögernd und mit Widerstreben den fordernden Landständen die Einführung des neuen Glaubens gestatteten. Wieder waren es die Strünkeder, die das Schicksal der Bauerngemeinde bestimmten. Als 1570 der Pfarrer Messing, der zuerst 1561 lutherisch zu predigen begonnen hatte, starb und das Cölner Vikariat ihm einen katholischen Nachfolger schickte, berief 1573 der Herr von Strünkede den evangelischen Pfarrer Lonhard Frilinghaus in die Dorspfarre, und in die Kaplanei zu Strünkede einen evangelischen Prediger aus Bladenhorst. Ob dieser Uebergang ohne innere Kämpfe erfolgte, darüber schweigen unsere Quellen. Jodenfalls gab es seitdem keine katholische Familie in Herne. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts finden wir dann neben der lutherischen Gemeinde im Dorfe auch eine reformierte in Strünkede, bis beide 1845 sich vereinigten. Die Geschichte der nun folgenden Jahrhunderte unter Preußens Herrschaft(seit 1609 oder 1614 ist Herne mit der Grafschaft Mark preußisch) bietet dem Auge des Betrachters wenig fesselnde Momente. Zwar fließen die Quellen ebenso reichlich wie früher, aber es sind nur ein zeine Mosaitsteinchen, die sich nicht zu einem lebensvollen Bild zusammenreihen lassen. Wir sino in der Zeit des ubsolutismus, in der ein Elgenieben einer Gemeinde ebenso wenig moglich war, wie ein trotzig, auf sich gestelltes Rittergeschlecht. Wir hören von Plunderungen wahrend des dreißigjahrigen Krieges, einzeine Züge aus dem Voltsleben des 17. und 18. Jahryunderts verdienten Erwähnung, im ganzen schleppt sich die Linie der Entwialung langsam und gleichformig dahin, bis sie zur Zeit der Franzosenyerrschaft wieder heftiger auf und niedergeht. Seit 1808 gehorte die„Munizipalität“ Herne in der„Mairie“ Eickel zum Großherzogtum Berg. Ein fremder Zwingherr schaltet im Lande und druckt die Bewohner mit immer neuen Geld- und Blutopfern. Herner Bauernsöhne kämpfen unter Napoleons Fahnen in Spanien und Italien und finden dort den Tod. Wer kann, entzieht sich den französischen Aushebern durch Flucht oder List. Endlich schlagt die Stunde der Befreiung, und freudig schart man sich zu den preußischen Regimentern und folgt ihnen 1814 und 1815 nach Frankreich und Belgien. Wieder wird es ruhig im Lande und im Dorse, drei Jahrzehnte lang. Da setzt seit etwa 1845 der allgemeine wirtschaftliche Ausschwung ein und bringt neues Leven. Seit 1847 durchschneidet die Koln=Mindener Bahn das Dorfgelande und Herne wird Bahnstation, für den Verkehr einige Jahre sogar bedeutender als Bochum, das noch ohne Bahnverbindung ist. Ein so starter Verkeyr zwischen Herne und Bochum setzt ein, daß die Straßen sast ruiniert werden. Dann wird 1850 als erste die Zeche Shamrock errichtet von englischen Ingenieuren, bald folgen weitere, Julia(1864), von der Heydt (1869), bald auch in der Umgebung und der Herner Mark(Konstantin). Die Zuwanderung setzt von Jahr zu Jahr stärker ein, in immer schnellerem Tempo steigt die Einwohnerzahl. Von der unaufhaltsam sich ausdehnenden Industrie muß die Landwirtschaft Schritt für Schritt zurückweichen. Nicht ohne Kampf gibt sie das Feld frei, die Scholle, auf der seit Jahrhunderten die Bauern saßen. Manch älterer Einwohner wird in seiner Jugend noch Zeuge gewesen sein des zähen Ringens zwischen den am Heimatboden klebenden Ackerbauern und den fremden „Industriekapitänen“. Ein Beispiel erleben wir hier von dem Kampf, der immer wieder sich erneut in der Geschichte, einem Kampf zwischen dem Alten, das sich behaupten und dem Neuen, das sich Bahn brechen will, einen Kampf, dessen Tragik nur der ermessen kann, der selbst einmal in ein Stück Heimatboden die Wurzeln seines Seins eingeschlagen hat. Und doch mußte auch hier das Alte dem Neuen Platz machen; so hartnackig auch der Widerstand sein mochte, stärker waren die neuen Kräfte, die neue Zeit, die hier ihr Recht verlangte. Und wie schnell dieser Umschwung sich vollzog, kann heute jeder selbst an dem Leven der Stadt, seinem Straßen= und Stadtbild, den Zechen und Werken erkennen, wenn er offenen Auges hindurchschreitet. Aus dem Jahrhunderte alten Bauerndorf ist in wenigen Jahrzehnten in unglaublich schneller Entwicklung ein Gemeinwesen geworden, in dem man nur mit Mühe in einigen Straßen und alten Häusern die Runenzeichen der Vergangenheit aufspüren kann. Das alte„Haranni“ ist heute eine noch immer schnell und stetig sich entwickelnde, der Großstandt allmählich sich nähernde Industriestadt geworden, deren Entwicklung auch die trübe Gegenwart nicht allzu sehr aufhalten kann, eine Stadt der Arbeit und des Fortschrittes, ein lebensvoller Körper, dessen Muskeln die Männer der Faust, dessen Hirn die Führer in Wirtschaft und Kommunalleben, dessen Lebenselement aber der schwarze Diamant ist, der tief unter seinen Füßen in der Erde ruht. S Die anhängliche Käseglocke. Von Oberbürgermeister a. D. Schaefer, Der landwirtschaftliche Kulturverein in Bochum feierte alljährlich ein Fest, verbunden mit Verlosung. Auch die Gutsvesitzer von und Umgegend nahmen an diesem Fest gern teil. Auf meinen Antrag war beschlossen worden, die Gewinne für die Verlosung nicht nur in Bochum, sondern auch bei den Geschäftsleuten in Herne zu kaufen. Man übertrug mir die Beschafsung der in Herne zu erwerbenden Sachen. Weil ich von solchen Dingen wenig verstehe, bat ich die Gattin eines Grundbesitzers, Frau X., den Eintauf zu besorgen. Es geschah. Unter den von Frau X. eingekauften Sachen befand sich auch eine Käseglocke. Bei der Verlosung in Bochum wurde Frau X. die Gewinnerin der Glocke. Im folgenden Winter veranstalteten wir in Herne eine Verlosung zu wohltätigen Zwecken. Frau X. schenkte hierzu die bewußte Kaseglocke. Vierzehn Tage später erzielte sie trotz ihrer vielen Lose nur einen Gewinn— die Käseglocke. Im nächsten Sommer stand das landwirtschaftliche Fest wieder bevor. Auch jetzt besorgte Frau X. den Cinkauf eines Teiles der Gewinne und fügte als Geschenk die Käseglocke bei. Als ich sie beim Fest in Bochum scherzhaft frug ob sie die Glocke wiederum zu gewinnen hoffe, verneinte sie dies.„Ich habe absichtlich kein Los genommen. Nun kann ich sie nicht gewinnen.“ Kaum hatte sie ausgeredet, da kam ihr unverhcirateter, bei der Mutter wohnender Sohn und zeigte den auf sein Los gefallenen Gewinn. Es war— die Käseglocke. ∆ Nr. 77 igen für das Amt Samstag. den 1. Hpril 1922 Zweites Blatt H. A. Erstmalig wurden geHölscher, Hövels, Kartenberg, Köster, Rosenkötter, Sacher Schulte-Kortnack, Schmidt=Sodingen, Voß, Vogel, wählt die Heren: Behrens, Baum, Lauten, Olzen, Ranft, Cremer, Dickhoff. Papentin, B. Schlenkhoff, Richter, Bromen, Bösser, Hillsmann, Klüsener, Meimberg, Möller, Nolte, Steinmann, Schäfer, Tölle. Die 30 Stadtverordneten wählten mit 29 Stimmen den Amtmann Schaefer zum Bürgermeister. In den Magistrat wurden gewählt der bisherige Vorsteher Cremer, Papentin, Dickhoff, W. Schlenkhoff und später Meimberg. Oberbürgermeister Schaefer, der 1904 nach 25=jähriger Tätigkeit in Herne von den beiden Körperschaften geehrt worden war, legte im Herbst 1907 nach 28=jährigem Dienst in Herne, wegen Kränklichkeit sein Amt nieder. Ihm wurde in Anerkennung seiner Verdienste am unser Gemeinwesen das Ehrenbürgerrecht der Stadt Herne verliehen. Gleichzeitig erfolgte seine Ernennung zum Oberbürgermeister Als sein Nachfolger wurde Dr. Büren einstimmig zum Ersten Bürgermeister der Stadt Herne gewählt, der bis dahin den Posten des 2. Bürgermeisters bekleidet hatte. Im Jahre 1912 wurde ihm der Titel Oberbürgermeister verliehen. Sein Hauptstreben ging zunächst dahin, die schwebenden Eingemeindungspläne der Stadt Herne zu Ende zu führen Nach glücklicher Verwirklichung dieser Pläne wurde in Herne eine großzügige Kommunal= politik eingeleitet, besonders in Bezug au: die Schaffung guter Verkehrsmöglichkeiten. Die Laufmann Hermann Fahnenstich. Verwaltung und städtische Kollegien.)) Vorsteher Cremer. Herne besaß, als es das zu eng gewordene Gewand, der Landgemeinde=Ordnung am 1. April 1897 abstreifte, zuletzt als Vorsteher Herrn Cremer und 12 Verordnete, nämlich die Herren: Papentin, Rautert, Klüsener, Schmidt=Sodingen, Schröder, Voß, Kartenberg, Mumme, Ranft, Richter, Bromen, W. Schlenkhoff. Als die Städteordnung eingeführt wurde, entschied man sich für das sogen. Zwei KammerSystem, nämlich den Magistrat, einen kollegialen Gemeinde=Vorstand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters, sowie die Stadtverordneten=Versammlung unter Leitung des StadtverordnetenVorstehers. Die Zahl der Stadtverordneten setzte man auf 30 fest. Oberbürgermeister a. D. Schacfer. Straßenbahn Herne=Sodingen=Castrop, die Gründung der Westfälischen Straßenbahn=Gesellschaft, vor allem aber die Hafen=Betriebsgesellschaft Wanne=Herne und Rathausneubau, sind Dr. Bürens hervorragendste Schöpfungen. Daneben wandte er seine ganze Sorge dem Ausbau der städtischen Betriebe, des Straßennetzes, der Schaffung von Grünplätzen und Anlagen usw. zu. An dem damaligen Landrat Gerstein fand er dabei einen verständnisvollen Mitarbeiter und Helfer. Dr. Bürens Tätigkeit an der Spitze der Stadt Herne möchten wir durch folgende Marksteine bezeichnen: Eingemeindung, Straßenbahn Herne=Sodingen=Castrop, Westfälische Straßenbahn, G. m b. H., Hafen=Betriebsgesellschaft Wanne=Herne, Ferngasversorgung, E. W. West falen, Stadtgarten, Bahnhofsumbau, Rathausneubau, Straßen= und Schulbauten usw.=Daneben fand er noch Zeit zur Pflege des Musik=, Stadtverordneten=Vorsteher I. Vogel. Sanitätsrat Dr. Kraus. Die beiden Jubilare. Theater= und Sportwesens. Auch in der inneren Verwaltung stand Dr. Büren voll und ganz seinen Mann. Sein Name wird, wie der seines Vorgängers, immer mit Herne aufs engste verknüpft bleiben. Als Dr. Büren 1913 Herne verließ. um zu der Großindustrie überzugehen, wählte die Stadtverordneten=Versammlung mit 34 von 36 Stimmen den seit 1902 hier bereits als 2. Bürgermeister tätigen Dr. Georg Sporleder, unsern jetz. Oberbürgermeister.— Dr. Sporleder baute erfolgreich weiter an dem Werke, zu dem seine Vorgänger den Grund gelegt hatten, um Herne in jeder Beziehung die Stellung zu sichern, die ihm seiner Größe und Bedeutung nach gebührte. Er stand jedoch kaum ein Jahr an der Spitze unseres rapide anwachsenden Gemeinwesens, als der Weltkrieg ausbrach, der, wie für alle Städte, so auch für Herne, einen empfindlichen Rückschlag brachte. Wir wollen hier nicht auf die besonders auch für die städtische Verwaltung so schwere Kriegszeit näher eingehen, sie lebt ja noch frisch in unser aller Erinnerung fort. Drückender aber noch, wie die Kriegszeit selbst, t.uß die Nachkriegszeit für ein Stadtoberhaupt gewesen sein, die mit der Revolution, Teuerung, Geldentwertung, stets drohenden Putschen, wirt schaftlichen Kämpfen usw. die denkbar größten Anforderungen, besonders hier im politisch so zerklüsteten Industriebezirk, an eine Stadtverallei Zeiten. Möge es ihm trotz mancherlei Anseindungen, die ja keinem erspart bleiben, der auf vorgeschobenem Posten steht, vergönnt sein, das hohe Ziel, das er sich gesteckt: Den Eintritt der Stadt Herne in die Reihe der roßstädte, bald zu erreichen! Jubilare aus den städtischen Kellegien. Nach der Eingemeindung von Baukau und Horsthausen wurde der neue Magistrat der Stadt Herne auf 15 und das Stadtverordneten=Kollegium auf 45 Mitglieder erweitert. Von den damaligen Mitgliedern gehören heute noch den städtischen Kollegien als Magistratsmitglieder bezw. Stadtverordnete an die Herrenk: Justizrat Diekmann, Kaufmann Fahnenstich, Bauunternehmer Finke, Fabrikbesitzer Jos. Halstrick, Justizrat Hölscher, Assessor Kette. Sanitätsrat Dr. Kraus, Kaufmann Lenartowski, Rechnungsführer Möller, Kaufmann Ruthenbeck und Rentner Vogel. Der einzige Stadtverordnete, der dem Kollegium seit der Stadtwerdung bis heute ununterbrochen angehört, ist unser Vorsteher Stadv. Vogel, der am heutigen Tage also mit der Stadt Herne sein Silberjubiläum als Stadtverordneter feiern kann. Als zweiter Jubilar ist Stadtv. Dr. Kraus zu nennen, der am heutigen Tage Justizrat Hölscher. Generaldirektor Dr. Büren, Oberbürgermeister a. D. waltung stellte, und deren Nachwirkungen sich heute noch fortdauernd bemerkbar machen. Da braucht man sich über die zahlreichen Silbersäden im Haar unseres Oberbürgermeisters wahrlich nicht zu wundern. Es ist ein besonderes Verdienst unseres Oberbürgermeisters, daß trotz allem die finanziellen Verhältnisse unserer Jubelstadt, im Gegensatz zu so mancher anderen Stadt, als durchaus gesund bezeichnet werden müssen, Dank natürlich auch der eifrigen Mitarbeit unserer städtischen Kollegien und vor allem auch der großen Opfer, die besonders Gewerbe, Industrie und Hausbesitz in diesen Zeiten haben bringen müssen. Wir möchten die heutige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne auch Herrn Oberbürgerm. Dr. Sporleder einen Ehrenkranz zu reichen für seine verdienstvolle Tätigkeit als Oberhaupt der Stadt Herne, in diesen schwersten Oberbürgermeister Dr. Sporleder. ebenfalls 25 Jahre ehrenamtlich im Kommunal= Dienst tätig ist und zwar von 1897 bis 1908 als Vorsteher der früheren Gemeinde Horsthausen und seit der Eingemeindung zuerst als Magistratsmitglied der Stadt Herne und jetzt als Stadtverordneter. Den beiden Jubilaren zu ihrem heutigen Jubiläum, das mit dem Stadtjubiläum zugleich zu feiern, ihnen vergönnt ist, herzlichen Glückwunsch! Noch dreier Mitglieder der städt Kollegien müssen wir bei dieser Gelegenheit besonders gedenken: des Herrn Justizrat Hölscher, der seit 1897, mit Uterbrechung zweier Jahre, Mitglied der städtischen Kollegien ist und der Herren Kaufmann Fahnenstich und Justizrat Diekmann, die im nächsten Jahre ihr Silberjubiläum als Mitglied der städt. Kollegien feiern können. Zur Zeit besteht der Magistrat aus folgenden Mitgliedern: Oberbürgermeister Dr. Sporleder. Besoldete Magistratsmitglieder: Bürgermeister Dr. Sudkamp, Stadtbaurat Knöll, Beigeordneter Dr. Geyer, Beigeordneter Hölkeskamp. Unbesoldete Magistratsmitglieder: Schäfers, Hilge, Wirt, Fahnenstich Hölscher, Kette, Kraus, Jos. Halstrick, Frl. Weil, Weiß, Stall, Stratestefsen, Berteld. Jos. Kruemer, Ostendorp, W. Schmitz, Von Velsen, Diekmann, Ruthenbeck, Finke, Möller, Gierow, Lenartowskt, Grabitz, Wirt. Ludwiczak, Sobocinski, Frau Kuczak, Wozniak, Rzebczyk, Lenartowski, Lüttich, Hennig, Köhne, Frau Grünnel Stadtverordnete: Vorsteher Vogel. Krzyskowiak, Wawrzniak, Mrowczinski, Thomas, Karl, Ostwinkel, Schütter, Löbenstein, Hilge, Kremer, Benz. Frau Seidel, Vorthmann, Balkow, Wenzer, Brandau, Balke, Böckenhüser, Joyt, Jedamzik, Thomas, Otto, Seltmann, Steinhörster, Konieczuy Möge es ihnen unter tatkräftiger Mitwirkung der Herner Bürgerschaft gelingen, alle Zukunftshoffnungen und Wünsche, die sich am heutigen Jubiläumstage in so reicher Zahl über Herne ergießen, in Erfüllung zu bringen, damit auch für Herne einst Schillers Worte aus dem„Spaziergang“ Geltung haben: „Heilige Steine(der Stadt)! Auch euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit, Fernen Inseln des Meeres sandtet ihr Sitten und Kunst; Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Toren, Helden stürzten zum Kampf für die Pennaten heraus!“ *) Unter teilweiser Benutzung der im Jahre 1912 erschienenen Festschrift zur Einweihung des Rathauses Justizrat Diek mann. 4 * Auszug aus der Geschickte der Familie von Bickern zu Haus Bickern an der Emscher. Von Stadtbaumeister H. Hoose zu Herne i. W. Vorbemerkung(vom Verfasser). Veranlassung zur Aufstellung dieses Auszuges gaben mir die Lücken der geschichtlichen Nachricten über den Landkreis Gelsenkirchen und seiner Gemeinden, sowie die geschichtlichen Einleitungen der Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. it der Ermittelung einzelner Unterlagen ist im Jahre 1908 begonnen und die Beendigung im Winter 1918=19 ersolgt. Da die Ueberlieferungen nebst kirchendischern einige Lücken zeigten, mußte die Ermittelung anderweitig ersolger Bei der Wiedergabe der Urtunden und wichtigen Minllungen ist die seinerzeit übliche alte Schreib= und Ausdrucksweise nach Möglichkeit beibehalten. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war der Grund und Boden in der hiesigen Gegend durchweg im Besitz der Großgrundherrschaft, sodaß die von einem nicht einem grundherrlichen Verdande angegliederten freien bewirtschafteten Höfe nur einen verschwindenden Bruchteil der Bauerngüter bildeten. Die Freigüter, deren es namentlich auf der fruchtbaren Scholle des Flachlandes zwischen Nuhr und Lippe, in der Soester Börde und in Bochum=Heiner Lande eine Reihe gab, waren von allen grundherrlicht Fesseln frei. In dieser Zeit muß auch das Gut Bickern (Bickeren, Byckeren), von dem die früher. 15 meinde Bickern ihren Namen erhalten hat, bereits vorhanden gewesen sein. Gut Bickern ar ein uraltes Gut„von neymand to lasse noch to envangen“, also ein altes Freigut von niemand geliehen noch zu empfangen. Um 1100 erscheint schon ein miles Henricus de Bickeren, welcher im Jahre 1124 als Zeuge und Vermittler bei der Teilung der Güter der Gebrüder Ritter Wilhelm und Ritter Johann von Eickel, Herren zu Eickel, den Vertrag untersiegelte, sowie als Heinrich von Bickern, Here zu Bickern, unterschrieb. Die Familie von Bickern gehörte dem freimärckischen Ritterbürtigen Geschlecht sowie den Meistbeerbten der Grasschaft„Mark“ an. Ferner gehörte sie dem Landtage an. Aus der Geschichte der Familie von Strünkede zu Herne wird berichtet, daß am 30. Juli 1263 bei der Belehnung des Grafen Dietrich Theodor von Cleve mit einem Teil von dem Gut und Herrschaft an den Ritter Gerlach von Strünkede nachstehende Ritter als Lehnszeugen fungierten: Engelbert von und zu Bickern, Heinrich von und zu Bickern und andere. Im Jahre 1364 waren Ritter Heinrich von und zu Bickern, Herr zu Bickern und Hugo von Bickern mit Hannemann von Düngellen und Röttger von Düngellen, Johann von Hugenpot (von Hugenpoth) und anderen als Vermittler bei einer Vermögensteilung derer von Sobbe auf Grimberg tätig Heinrich von und zu Bickern war in erster Ehe mit Hildegund von Strünkede, in zweiter Ehe mit Judith von Schedelich(Schalle) vermählt und hatte vier Söhne und drei Töchter. Von seinen vier Schwestern war Kunigund mit Heinrich von Strünkede, Ailheid mit Sander von Galen, Beatrise mit Bernhard von Düngellen und Blydecke mit Alexander von Lütting= hove verheiratet. Ritter Johann(Johannis) von Bickern zu Haus Bickern war im Jahre 1443 Besitzer des Gutes und unterzeichnete sowie versiegelte 1451 mit drei Schilfstauden oder Palmzweigen ein Schriftstück, die Märkische Ritterschaft betreffend. (Siehe Abbildung.) Das Wappen von Bickern. Derselbe war in erster Ehe mit Elseke von Leithen(von Leythen), in zweiter Ehe mit Blia von Dahlhausen und in dritter Ehe mit Hartelich(Herzlieb) von der Dorneburg vermählt. Zeres(Zerius) von Bickern vermählte sich mit Oltidia von Overdyk und Steynhuß(Steinhaus) und erhielt hierdurch das Gut in Hamme. Dieses Gut hat derselbe erst bewirtschaftet und auch daselbst bewohnt, später gab er dasselbe aber einem Reinhold Schulte in Pacht und nahm mit seiner Gattin bei seinem Bruder Johann auf dem Gute zu Haus Bickern seinen Wohnsitz. Da Zeres von Bickern keine Kinder hatte, vermachte er das Gut in Hamme an seinen Neffen„Gotthardt", Johanns Sohn; Zeres von Bickern und Gemahlin wurden ebenfalls, wie die anderen Familienmitglieder nach dem Tode in der alten Hauskapelle auf dem Gute Bickern beigesetzt. Bertram von Bickern starb vier Jahre nach der Verheiratung kinderlos. Dessen Witwe, geb. Sophie von der Leithen(von Leythen) ging laut Mitteilung des Florenz v. Bickern zu Köln am Rhein vom 13. 12. 1729 unter ihrem früheren Mädchennamen in ein adeliges Kloster und vermachte demselben ihr ganzes Vermögen. Ebenfalls soll später die Nichte Mechtilde von Bickern in ein adeliges Kloster gegangen sein. Jobst von Bickern erhielt durch Heirat mehrere Güter und ein großes Ba.vermögen. Derselbe starb aber bald ohne leibliche Erben zu hinterlassen. Von den drei Schwestern war Aleke mit Bernhard von der Recke, Drude mit Tonnis von und zu Dahlhausen und Hedwig mit Konrad Alef von Munchhausen(Hannover) vermählt. Noch im 14. Jahrhundert war ein großer Teil der Gemeinoe und jetzigen Gemarkung Bickern einschl. der zugehörigen Waldungen im Besitz der Famllie von Bickern Eine Reihe Höse und Kolten war auch noch in späterer Zeit dem Hause Bickern eigentumlich oder zins= und dienstpflichtig. Während der Landadel mit seinen reisigen Kuechten in der Dortmunder Fehde gegen das seste Dortmund auszog, wurde das ossene Land und die Gehöste Bickern usw. am 2. August 1389 dem Dortmunder Söldnerführer Ritter von Naesfeld und seinen 40 Reisigen zu seinen Raubzügen überwiesen. Am 30. September 1389 brandschatzten die Dortmunder Bürger ebenfalls in Bickern und Umgebung Aus der Zeit der Geldbeklemmung des Cleder Hoses wird mitgeteilt: „Das Schatboick in Mark“, welches„settingh ind uphoringh der schattingen off beden“ enthält, welche Johann, Herzog von Cleve und Graf von der Mark. 1486 von der“gemeynen ritterschap der graiffschap von der Mark“ auf dem Landtage zu Wickede zur Wiedereinlösung seiner Aemter und versetzten Renten bewilligt wurde. Es verzeichnet im Oberamte„Bouckhem“(Bochum).... Bickeren(Byckeren) usw (Jan, Thaebe und Henr.) Desgleichen Gaert to Bickeren in Hullen(Gelsenkirchen=Hüllen). Ritter Johann(Johannis) von Bickern, Herr zu Bickern, hatte vier Söhne und sechs Töchter, und zwar: Johann Gotthardt, R... Engelbert, Caspar Heinrich, Tabe Rüttger; Anna, Maria, Catharina, Wessela, Jutte und Mechtilde. Vermählt waren: R.... Engelbert mit Sophie von Loe, Caspar Heinrich mit Mechtilde Berta von der Capelle, Tade Rüttger mit Wolta von Sobbe(Grimberg) Anna mit Johann von Daerl, Maria mit Heinrich von Bockum(Bochum), Catharina mit Tonnie von Dinsing, Wessela mit Ernst von Schashausen, und Jutte mit Hermann Hildebrand von Münster. Im Jahre 1484 erhält Gotthardt(Godert) von Bickern, Herr zu Bickern, für „twintich overlensche Rinsche gulden gud vom golde und recht vom gewichte, juweliken gulden 10 schten vor veyrundeiwynt cn Kolsche wyttepenny, ge“. vom(Gerret) Heinrich Steynhuß, Herr zu Overdyk und Steinhaus, zwei Malter Korn aus seinem Zerresgute in Hamme.(Die Original= Urkunde hierüber befindet sich im Kirchenarchiv zu Wattenscheid. Giesbert Wilh., Sohn des Gotthardt, wurde Erbe des Gies u. vermählte sich mit Wilhelmine v.d.Horst. Dessen Sohn Ludwig Hermann wurde Nachfolger und war verheiratet mit Friederike von Eickel. Als Erbe folgt der Sohn Viktor Theodor Johann Florenz, welcher Christine von Sobbe zur Gattin wählte. Das Gut ging dann an den Sohn Friedrich Heinrich Goswin über, der sich mit Clementine von Hamme vermählte. Im Jahre 1706 folgt als Besitzer des Gutes Wilhelm Hans Engelbert Dietrich Florenz von Bickern. Außer den in der Negel von den Mitgliedern der Famllie verwalteten politischen Ehrenämtern als Gemeindevorsteher usw. fungierte Engelbert in den Jahren 1603—1609 auch als Kirchmeister und Provisor. Desgleichen war Dietrich im Jahre 1633, Engelbert 1672 Kirchmeister und Provisor, sowie letzterer im Jahre 1682 Kirchenrat und Provisor. Auch Wilhelm Hans Engelbert Dietrich orenz hat diese Ehrenämter in den Jahren 1721 bis 1725 bekleidet. Derselbe war vermählt in erster Ehe mit Otta Maria Catharina Wilhelmine Johanna von Westerholt, und in zweiter Ehe mit Erna Anna Friederika Gertrud von Carnap=Hövel. Die getrennte Bewirtschaftung des Wilhelmsund des Hermanne=Hofes muß Ende des 15. Jahrhunderts erfolgt sein; denn im Jahre 1528 sind dieselben bereits zur Kirchensteuer veranlagt. Im Jahre 1684 waren Evert und Hermann to Bickern Besitzer der beiden abgeteilten Höfe und sind zur Steuer veranlagt, während Engelbert den Rest des seiner Zeit etwa 700 Morgen großen Stammgutes besaß. Tapeten Schablonen Steter Eingang von aparten Neuheiten in jeder Preislage. jeder Art. in größter Auswahl Prima Lacke in nur reiner Friedensqualität Durch die Tellung des Rittergutes verlor die Famille die Landtagsfähigkeit; denn vom 17. Jahrhundert wurden eine Reihe ritterliche Ahnen verlangt, um landstagsfähig zu sein. Auch verloren dieselben durch bürgerliche Verheiratung das Landtagsrecht. Im Jahre 1636 schenkte Engelbert zu Bickern zu Gunsten der Kirche 22 Dlr., während das Ehepaar Hans Engelbert zu Bickern im Jahre 1714 Altardecke und zwei Leuchte stiftete. Desgleichen am 2. Dezember 1745 Hans Jürgen von Bickern dem Pfarrfonds 20 Rthr. Aus dem Eheschließungsregister der kathol. Pfarrei zu Wattenscheld(Bd. I, die ältesten Jahrgänge): „Anno 1662 den 1. may Matrimonium inierunt (haben die Ehe einge an#en) Honesti(den ehrenwer en) Herman schulte im Hordelhove mer(mit)(2) et klrabeth von Bickern Ekelensis“(Eickel). Konrad von Strünkede erhielt zu Folge Edikt von Cleve vom 6. März 1690 die Zivilund Kriminal=Jurisdiction über aas Gut der Familie von Bickern sowie vom Rittergut Dorneburg usw Das Gut der Familie von Bickern und die späteren Bickerer Höfe standen nur unter Kriminal=Jurisdiction von Haus Dorneburg, da sie bereits vom Großen Kurfürsten in ZivilJurisdiction an Grimberg abgetreten waren. Ausgenommen von dieser Jurisdiction blieb nur die Ober=Inspektion in Kirchen= und Landesangelegenheiten. Die Befestigung des Gutes(Wälle, Wassergräben usw.) wurden noch teilweise bis zum Jahre 1840 erhalten und erst später dem Verfall anheim gegeben. Durch die Kriege im 16. und 17. Jahrhundert, Krankheiten usw. trat eine allgemeine Verschuldung des Grundbesitzes in der Nähe der früheren Heerstraßen ein. Sie führte dazu, daß ein Teil der Güter verkauft oder unter die Geschwister in„Schulzenhöse“ geteilt wurde. Im siebenjährigen Kriege erneuerten sich unter Stockung von Handel und Verkehr die alten Kriegsleiden. Namentlich von 1757 bis Ende 1762 wiederholten sich jährlich die seindlichen Einfälle der Franzosen. Während die Söhne der Mark Friedrich dem Großen im Osten Heeresfolge leisteten, war das Land im Westen den Kriegsauflagen, Bedrückungen und Erpressungen, besonders der preußenseindlichen Heere ausgesetzt. Der hiesige Bezirk war besonders 1761 und 1762 beschwert und durch den Krieg „in unbeibringliche Schulden versetzt".(6% Zinsen mußten für geliehene Beträge erstattet werden!) Im 16. Jahrhundert sind größere Flächen des Gutes veräußert; auch haben sich mehrere Hof= und Kottenbesitzer losgekauft. Georg Florenz Hans Theodor Viktor von Bickern zu Köln a. Rh. war in erster Ehe ver mählt mit Eleonore Engel von Asbeke und in zweiter Ehe mit Florentine Johanna von Hüllen. Beide Ehen waren kinderlos. Laut Urkunde vom 13. September 1729 ging das Vermögen an den Gutsbesitzer Hans Heinrich von Bickern zu Bickern(Bruderssohn) über. Am 13. Juli 1746 belehnt Heinrich von Bickern den Johann Heinrich Knop mit einem Kotten in der Bickerdörne(Unser Fritz) mit folgender Urkunde: Ich zum Endes Unterschriebener urkunde und bekenne hiermit, daß ich den Ehrenvesten Johann Heinrich Knop meinen Kotten mit Zubehör, Wieschen, Weiden, Garten und Ackerland an der Bickerdörne in Gewinn getan habe, sich und seiner zukünftigen für die Summen ad 20 Thaler ihr beider Lebenslang. Sollte aber einer von dem anderen versterben und der Längstlebende sich wieder heiraten, so muß derselbe Aufkömmling wieder gewinnen. Sollte aber oben gemeldeter Johann Heinrich Knop Erben hinterlassen, so sollen dieselben die nächsten zu den Kotten sein und denselben wieder in Gewinn bekommen können. Er aber mehrgedachter Johann Heinrich Knop verspricht vom Kotten mit Zubehör, wie genau angegeben, alle Jahre 4 Thaler, eine Gans und 12 Dienste zu tun. Damit aber diese sollte geheim gehalten sein, so habe ich diesen Gewinnbrief selbst geschrieben und Unterschrieben und mit meinem angeborenen Siegel unterdrücket. So geschehen Haus Bickern an der Emcher, (L. S.), den 13. Juli 1746. Heinrich von Bickern. Napoleon hob im Jahre 1809 die Lehnherrschaft auf und legte dem Lande hohe Steuern auf. In der Nacht vom 25. auf 26. September 1755 wurde Haus Bickern mit Stallungen und drei Scheunen mit Korn durch Blitzschlag eingeäschert. Die Pferde, das Vieh und die vierte Scheune konnten gerettet werden. Am 18 März 1797 brannten die Gebäude des Gutes Bickern wieder ab. 3 wurde nur das Oberhaus, freilich ohne Dar., gerettet. Leider verbrannten auch viele Mobilien usw. Dieselbe Besitzung ist nochmals 1858 abgebrannt. Hier noch eine interessante Urkunde: „Das mir von meinem Bruder Johann Wilhelm zu Bickern als Gutsbesitzer, die mir gebührende 100 schreibe: Einhundert Reichsthaler sogenannter Brautschatz richtig ausbezahlt sind, bescheinigt und quittiert dieses. An der Emscher, den 16. September 1807. Solches eigenhändig unterschrieben: Johann Hermann Wilm von Bickern. Die Bezeichnung der späteren Gemarkung Bickern besteht noch heute und ist die auf dem früheren Gute der Familie von Bickern und Umgebung durch die Entwicklung der Industrie und des Bergbaues entstandene bezw. e#baute Gemeinde durch Kabinettsordre vom 13. August 1897 mit der früher aus einer Unterbauerschaft (einige Bauernhöse) der Gemeinde Bickern mit Bahnhof in der Wanne(Wande, Mulde) mit der alleinigen Bezeichnung„Wanne“ benannt worden. Der Besitzer des Gutes Johann Engelbert Heinrich von Bickern starb ohne männliche Nachkommen. Die Witwe Sybilla Engel Catharina geb von Oven vermählte sich wieder im Jahre 1760·61 mit ihrem Vetter Johann Diedrich Jürgen Möller, welcher auch verschiedene kleinere Besitzungen mit in die Ehe brachte und mit dem Gute vereinigte. Ein Nachkömmling der Familie Johann Georg von Bickern gent. Lechtape zu Baukau, gestorben 1845, liegt auf dem alten Friedhofe in Herne begraben. Einige noch gut erhaltene Ueberlieferungen sowie Teile des Haus=Archivs, Inventar=Gegenstände mit Inschriften usw. der Familie sind durch Erbschaft in den Besitz der Familie Hoose hierselbst übergegangen. Eine Herner Steuerurkunde aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Von Studienrat Dr. Hoischen. Im Besitz der Familie Schulte=Kortnack befindet sich eine bisher noch nicht veröffentlichte, wertvolle Steuerurkunde aus dem Jahre 1698. Sie ist als Copie auf starkem Papier in der damals üblichen deutschen Kursivschrift von H. Freiherrn von Strünkede, dem damaligen Gerichtsherrn von Herne, dem die Steuerverwaltung unterstand, ausgestellt und lautet in der originalen Fassung folgendermaßen: Weisbrod-Bäcker. Cople. „ Johan Jörger Bent(-Bern„ hard d. v.) hat die Ce-„ „ rechtigket mDort-Here„ „ ohngenindert Weisbrod:u„ „ backen genommmen; ist„ , derowegen bey der den„ „ 26 Martz 1698 gehalenen„ „ neun, enro hirung der„ „ Weisbrodbäcker, gegen„ „ erlegung der Voraccordir-„ „ ten(d. h. vorher verein„ tantene„ barten d. V.) geböhrnüß„ c(2,Impr. „ in das accisen-buch ein„ „ geschrieben worden; wel„ „ ches hirmit bescheiniger„ „ wirdggeschehen in obgd „(obenßedachtem) Dato.„ „ H. F Her(Preiherr)„ „ Von Stry(nkede).„ „ Dass Gertrud Kortnacks„ ,„ er aubet, so lang sie sich„ „ noch nicht bes ändg ge-„ „ set t. gegen jährlicher Be-, er gratia „ zahlu g der accisen, Weis-„ n , brod zu backen, hernach„ „ eber sich gebührend ein„ „'s hreben zu lassen, fa ll„ „ sich albir setzen wird, be„ scheinigt dieses:„ „ Stry(nkede)„ „ den 26 Martz 1698„ „ H. F Her(Freiher:)„ „ Von Sirylnkede)„ Zur Erklärung sei vorausgeschickt, daß in dem Clevisch=Märkischen Teile des brandenburgischen Staates um diese Zeit, namentlich auf dem Lande, die Steuerverwaltung noch nicht den kurfürstlichen Beamten, sondern den alten Standesherren unterstand, im damaligen Dorfe Herne also dem Freiherrn zu Strünkede, in dessen Hand noch die gesamte Verwaltung lag, der letzte Rest der einstigen und unmittelbaren Reichsherrnschaft. Die Steuer, um die es sich in unserer Urkunde handelt, ist die Accise(vom franz. assise= Steuer). Es war dieses ein vom Großen Kurfürsten(1640—88) nach holländischem Muster eingeführtes System von indirekten Steuern verschiedener Art, unter denen die indirekten Abgaben auf fast alle Gegenstände des„täglichen Bedarfes“, wie wir heute sagen Wachstuche Wandschoner Linoleum empfiehlt Firma Wilhelm Gödde Wwe., Inhader: Sämliche Maler- und Austreicher-Bedartsarikel. Herne, Mont-Cenisstr. 85, Tel. 463. * * würden, auf Lebensmittel, Getränke, Kolonial= waren, die Hauptrolle spielten. Diese einträglichste Steuer der Zeit hatte der große Kurfurst in allen Landesteilen durchzuführen sich bemüht, aber der Adel, der bisher ganz steuerfrei war, aber von der neuen Steuer mitbetrosfen werden mußte, wehrte sich dagegen, sodaß der Kurfürst sich 1667 damit begnügen mußte, die Steuer wenigstens in den Städten durchzuführen. Wenn wir sehen, daß trotzdem im Dorse Herne damals Accise erhoben wurde, so ist dies damit zu erklären, daß sie einen Handweiksbetrieb, die Bäckerei, betrifft. Ein Handwerk oder Handelsgeschäft auf dem Lande zu betreiben, war im allgemeinen verboten; wurden aber Ausnahmen gestattet, so unterlagen die Betriebe der eigentlich städtischen Accisenbesteuerung. Die Erlaubnis dazu wurde nur gegen eine bestimmte Gebühr erteilt und war mit Eintragung in das Accisenbuch oder=rolle verbunden. Im ersten Teile unserer Urkunde bescheinigt nun der Freiherr von Strünkede dem Johann Jörgen Bent(Kortnack), daß er sich in dies Steuerbuch hat eintragen lassen und damit das Recht erworben hat, im Dorfe Herne Weißbrot zu backen(und zu verkaufen). Der genannte ist der zweitälteste Inhaber des Kortack'schen Besitztums, der sich aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde in Herne noch nachweisen läßt(geb. 1640, gest. 1718). Es mag auffallen, daß er nur mit seinen Vornamen genannt ist; doch ist zu beachten, daß der Gebrauch der Familiennamen, die bekanntlich erst verhältnismäßig spät entstanden sind, sich auch damals noch nicht fest eingebürgert hatte, namentlich nicht bei hörigen Leuten. Die im zweiten Teile genannte Gerdrut(Gertrud) könnte seine Ehefrau sein, die gleichfalls noch aus dem Kirchenbuch nachweisbar ist. Dann wäre es aber auffallend, daß sie allein bisher das Recht hatte, Weißbrot zu backen und es nun ihrem Manne übertragen ließ. Vielleicht dürfen wir annehmen, daß mit Gertrud die verwitwete Mutter des Johann Jörgen, von der freilich nichts mehr festzustellen ist, gemeint ist. Dann ließe sich der zweite Teil der Urkunde anstandslos dahin erklären, daß sie ihrem Sohn und dessen Frau, den„Kortnacks“, die Erlaubnis erteilen soll; unter ihrem Namen die Bäckerei zu betreiben, solange sie sich noch nicht(zur Ruhe) gesetzt bat. unter der Bedingung, daß diese die fälligen Accisensteuern von ihrem Umsatz bezahlen, die bisher von ihr(Gertrud) bezahlt worden sind; wenn sie später sich(zur Ruhe) setzen wird, kann dann ihr Sohn in eigenem Namen das Geschäft führen und muß sich dann neu eintragen lassen. Wenn diese Erklärung auch nicht im einzelnen zutreffen sollte, jedenfalls gestattet uns die Urkunde einen interessanten Einblick in die Zeit, als das Herner Handwerk erst eigentlich im Entstehen begriffen war. Wir müssen uns den Betrieb der Bäckerei natürlich recht klein vorstellen, da man damals, wie noch lange Zeit Soldenes Jubiläum d. Zeche Mont-Cenis Die Zeche Mont=Cenis liegt zwar nicht im Bezirk unserer Stadt, sondern gehört dem benachbarten Amtsbezirk Sodingen an, doch fordern die engen wirtschaftlichen Teriehungen, die sich aus der benachbarten Lage ergeben und die für Handel, Gewerbe und Industrie unserer Stadt von großer Bedeutung sind. auch ihrer bei einem Rückblick auf die Entwickelung der Stadt, Erwähnung zu tun. Wir tun dies um so lieber, als auch die Zeche in diesem Jahre auf einen wichtigen Abschnitt ihrer Entnickelung, ihr 50 jähriges Bestehen, zurückblicken kann. Die Gründung der Gewerkschaft Mont=Cenis und die ersten Arbeiten auf ihrer Schachtanlage 1 fallen in das Jahr 1871; die Bestätigung des Consolidations= altes und des Gewerkschaftsstatutes durch die Bergbehörde erfolgte am 27. 7. 1872. Gründer waren zwei Franzosen, der Bergingenieur Josef Monin aus Marseille und der Nentner Franz August Viviers aus Lyon, von denen Monin auch der erste technische und kaufmännische Leiter des Unternehmens und der ersie Vorsitzende des Grubenvorstandes gewesen ist. Sie brachten erwa ½ der 1000 Kuxe im Auslande zumeist in Südsrankreich unter, doch sind die Ausländer nach und nach ausgeschieden, als die Ergebnisse des Unternehmens in den ersten Jahren den Erwartungen nicht entsprachen. Die Entwickelung der Zeche zu ihrer jetzigen Bedeutung blieb deutscher Ausdauer, deutschem Geschick und deutschem Kapital vorbehalten. Das junge Unternehmen hatte unter dem Drucke der allgemeinen, beispiellos langen und schweren Krise der 70er und 80er Jahre schwer zu kämpfen, sein Bestand war zeitweise ernsthaft in Frage gestellt. Eine Erleichterung trat erst 1888 ein, als das wirtschaftliche Leben Deutschlands wieder aus seiner Erstarrung zu erwachen begann. Die lebhaftere Nachfrage nach Kohlen bei steigenden Preisen bot die Möglichkeit, die technischen Einrichtungen, die aus Mangel an Mitteln bisher in sehr bescheidenem Maße gehalten waren, zu vervollkommnen und die Grubenbetriebe zu erweitern. Im Jahre 1896 trat ein neuer Leiter an die Spitze des Werkes, dem es gelang, die gebesserte Lage zu kraftvollem Aufstieg zu entwickeln— trotz geleamtlicher Rückschläge im Gesolge allgemeiner wirtschaftlicher Krisen, deren Ein virking auf die Kohlenindustrie übrigens durch das seit 1893 geschlossene Kohlen=Synbikat erheblich abgeschwächt wurde. Als Marksteine im Verlaufe dieser Entwickelung sind zu nennen: Im Jahre 1897 die Inbetriebnahme der neum Schichtinlige II, die dem Unternehmen die breitere, den Erfolg sichernde Grundlage gab, 1905 der Bau einer Kokerei und Nebenproduktengewinnungsanlage, die die wirtschiftliche Verwertung der fallenden Feinkohle ermöglichte, sowie der Bau einer elektrischen Kraftzentrale, 1909 die Inbetriebnahms eines 3. Förderschachtes, der bestimmt war, den den Ansorderungen nicht mehr genügenden Schacht I zu ergänzen. Dem neuen Schacht folgte nach und nach die Erneuerung der veralteten Tagesanlagen der Schachtanlage 1.— Die Kokerei besteht heute nach Erweiterungen in den Jahren 1912 und 1915 aus 180 Oefen, die Nebenproduktengewinnungs= anlage aus Teer=, Benzol= und Ammoniakfabrik sowie Leichtölgewinnungsanlage. Seit 1917 sind die Röchling'schen Eisen= und Stahlwerke, G. m. b. H., Völklingen a. d. Saar an der Zeche beteiligt. Unter ihrer großzügigen Mitwirkung hat ein neuer Abschnitt im technischen Ausbau des Werkes begonnen, mit dem Ziele, die Förderung und Produktion im Interesse der unter der Kohlennot leidenden Volkswirtschaft noch weiter zu steigern. Mit der technischen Vorsorge geht Hand in Hand eine außerordentliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungsbaues für die Arbeiter, die dem gleichen Ziele gilt. Förderung und Produktion der Zeche betrugen: später, das gewöhnliche Roggenbrot aß, daß jeder Haushalt sich selbst backte. Die Urkunde, die ebenso wie die heutigen Bekundungen der Steuerverwaltung natürlich im nüchternen Geschäftsstiel abgesaßt ist, zeigt doch in einer Randbemerkung zum zweiten Teile einen Anflug von Humor oder Gemütlichkeit. Es heißt da kurz und bündig: ex gratia nihil, d. h., umsonst bekommt man nichts. Wir können daraus feststellen, daß die damalige Steuerbehörde in Herne noch Zeit und Sinn für humoristische Randbemerkungen hatte, was wir von der heutigen, vielleicht nur infolge unserer mangelhaften Kenntnis, nicht zu behaupten wagen. Der slädtische Milchvichhof. Der Milchviebhof ist eine Einrichtung aus der Kriegswirtschaft. Vor dem Kriege, als Herne reichlich mit Milch beliefert wurde, und die Milch in gutem, frischem Zustande von auswärts hier eintraf, stieß die Versorgung der Säuglinge mit Milch auf keine Schwierigkeiten. Anders wurde es aber, als die Milch rationiert und infolge der mangelnden Hilfskräfte von den Molkereien nicht immer in gutem Zustande geliesert werden konnte. Um den Säuglingen, die in erster Linie mit einwandfreier Milch versorgt werden mußten, solche trotz der bestehenden Schwierigkeiten bieten zu können, errichtete das Lebensmittelamt in dem von dem Landwirt Trösken, genannt Hesse, gepachteten Wirtschaftsgebäude an der Altenhöfenerstraße einen Milchviehhof. Die bestehenden Stallgebäude, die nicht hinreichend Platz für die nötige Anzahl der Milchtiere boten, wurden durch Umbau erweitert, sodaß jetzt Raum für 30 Milchkühe vorhanden ist. Unter den 30 Milchkühen befindet sich auch eine amerikanische Kuh, die im Jahre 1920 von den DeutschAmerikanern der Stadt zum Geschenk gemacht worden ist. Ein Oberschweizer und ein Schweizer haben die Wartung, Pflege und das Melken der Tiere übernommen. Im Winter werden etwa 260—270 Liter, im Sommer etwa 350 Ltr. Milch gewonnen, die zur weiteren Verarbeitung zur Säuglingsmilch an die hiesige städtische Milchküche abgeliesert werden. Die Fütterung der Tiere erfolgt im Winter durch angekaufte Futtermittel, im Sommer dagegen finden die Tiere ihre Nahrung zum größten Teil auf der zu dem Hofe gehörenden und auf der von dem Gutsbesitzer Wensthoff gepachteten Weide. Seit kurzem ist der Milchviehhof vom Lebensmittelamt auf das Wohlfahrtsamt übergegangen. Obwohl die Milchvreise sehr hoch sind, ist an eine Rentabilität des Milchviebhofes nicht zu denken, vielmehr sind große Geldauswendungen nötig, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Bei der eminent wichtigen Bedeutung, die eine einwandfreie Milch für unsere Säuglinge hat, ist es zu hoffen, daß unsere Stadt auch weiterhin in. der Lage ist, derartige Geldopfer bringen zu können. 0 Bnd ana- Aun, un zaa an a ara. Pank, A uruseuez u u ag eaen un een agn ua M 0 zu billigsten Preisen. 0 Prnheriarrmint un umttin una#unn M RE E, B. LENARTOW'SKI HERNE, BAHNHOFSTRASSE 83 15125 * —— * Gegründet 1897 Haus ersten Ranges für Gegründet 1897 Damen- und MädchenBekleidung Herren- und KnabenBekleidung Teppiche Modewaren Innendekorationen Aussteuern 95 Zigarren Nickel'sI in bekannt guten Qualitäten. Zigaretten, Tabake, Mutzen, Spitzen. agen O Tabakwaren Groß- u. Kleinhandlung, " F e r n s p r e c h e r 9 3 3. # Bahnhofsverplatz. Hernerstrasse 10. OO Tuch-u.Maßgeschäft H ERNE Behrensstraße 10 Telefon Nr. 1018 Anfertigung eleganter Herren- u. Damen-Garderobe Spezial-Abt.: Wenden, Umarbeiten, Modernisieren, Aulbügeln, sowie unsichtbares Stopfen und Weben von Herren- und Damen-Garderoben. Kunststoplerei Grosses Lager in deutschen u. ausländischen Stoffen— Samen, frische gute Ware, zu billig. Tagespreisen, Johannisbeersträucher, Rosen, Rhabarber empfiehlt 11935 Franke, Holthausen=Sodingen Das Haus der guten Qualitäten in 9. iße 9. 194. K u Salonkassiche Billigste Verarbeitung von zugebrachten Stollen Liefere nur reelle Maßschneiderei Keine Fabrikarbeit 15585 Gchrock- und Frackanzüge werden zu jeder Angelegenheit verlehen. Musikhaus G. Herzog, Herne Vinckestraße Fernsorecher 1194 Große Auewahl in orchester-Musikal en. liche Bestandteile für jeder nent haus am Plaßze. 290 u. menke s Prival-Tanz-Lehrinstilut Bahnhofstraße 74. „ Einzelunterricht in allen Tänzen. Empfehle mich auch für sämtliche Fest=Angelegen55800 Manufaktur, Kurz, „„„„„„„ Weiß- u. Wollwaren 16119 ie. eu ürt 1.8 ist bekanntlich nur Kaufhaus Louis Frank SODINGEN am Denkmal ∆ Nr. 77 für das Amt Samstag. den 1. April 1922 Gerther Anzeiger Nleuntes Blatt 000 0 8 □ □ ( * ∆ 5000500000000 10000000 Kirche und Schule. Die katholische Kirche. Die älteren Einwohner von Herne werden sich noch gut zu erinnern wissen, daß bis zur Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrbunderts auf dem alten Marktplatz ein ehrwürdiges Gotteshaus stand mit mächtigem Turm, Langschiff und verhältnismäßig großem Chor. (Vergl. das an anderer Stelle der vorliegenden Festnummer veröffentlichte Bild.) Dies Gotteshaus war ursprünglich eine katholische Kirche, erbaut zu Ehren des heiligen Dionysius. Die Vikarie stand unter dem Schutze der Heiligen Nikolaus, Katharina und Luzia. Zur Zeit der Reformation ging diese alte Kirche dem kathelischen Gottesdienste verloren. Im Jahre 1559 verzichtete der damalige katholische Pfarrer von Herne und Crange, Wilhelm Brabeck, auf die Pfarrei Herne zugunsten von Craft Messing aus Herbede a. d. R. Dieser fiel aber schon im Jahre 1561 zur neuen Lehre ab und zog einen großen Teil der Gemeinde hinter sich her. Im Jahre 1584 wurde zwar noch ein kath. Vikar für Herne und Strüniede ernannt, Theodor Pleßmann, indessen konnten weder er selbst, noch sein Nachfolger Hermann von Ahusen, in der Herner Gemeinde festen Fuß fassen. Das katholische Leben war erstorben Jahre später, 1851, siedelten sich clische Familien in Herne an. Sie Erst 300 J.. wieder katholische Familien in Herne an. Sie zählten 1855 bereits 100 Köpfe und gehörten zur Kirche in Eickel. Am 31. Oktober 1858 fand der erste katholische Gottesdienst in Herne statt, abgehalten in einem gemieteten Raume der früheren Leushackesche Besitzung an der von der Heydtstraße, durch Dechant Schrepping aus Eickel. 1859 wurde Kaplan Schmelzer als Missions= und Schulvikar nach Herne entsendet, als dauernder Vertreter des Eickeler Pfarrers. Im nämlichen Jahr wurde von Vikar Schmelzer mit Regierungsgenehmigung eine katholische Privatschule errichtet, auch die kleine Notkirche eingeweiht. Letztere war hinter dem ehemals Leushackeschen Hause erbaut worden. Am 19. Januar 1862 wurden die Katholiken von Herne mit staatlicher Genehmigung von Eickel abgezweigt und zu einer eigenen Missionspfarrei in Herne vereinigt. Außer Herne wurden Baukau und Hiltrop, letzteres jedoch mit Ausschluß eines Teiles der Hiltroper Landwehr, der neuen Pfarrei zugewiesen. 1862 kam als Nachfolger des versetzten Pfarrers Schmelzer der seitherige Kaplan Schwartz aus Arolsen nach Herne. Er ließ 1865 den ersten katholischen Friedhof— an der Marienstraße— anlegen und sorgte für die Vergrößerung des Betsaales. Auch dieser Raum genügte bald nicht mehr, denn die Kirchengemeinde war inzwischen auf 1000 Seelen, meist Bergarbeiter, angewachsen. Pfarrer Schwartz und sein Freund Pet. Wienert sammelten nun unter schwierigen Verhältnissen in der ganzen Provinz Gelder zum Kirchenbau. 1870 wurde an der Bahnhofstraße ein Bauplatz gekauft und 1871 die dort errichtete kleine Pfarrerwohnung bezogen. Am Himmelfahrtstage 1873 legte man den Grundstein zur Bonisatiuskirche:. Schon ein Jahr nach der Grunksteinlegung war der Kirchenbau so weit gediehen, daß er ohne Turm geweiht und in Benutzung genommen werden konnte. Die Kirchengemeinde zählte damals 2500 Seelen. Als die unter der Bezeichnung„Kulturkampf“ bekannten kirchenpolitischen Kämpfe in den 70er Jahren begannen, wurde 1875 Pfarrer „Strickmann auch aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ausgewiesen. Der Gottesdienst in der Kirche bestand nur noch in der Verlesung von Predigten und des Evangeliums durch den Küster. Es war eine trübe Zeit für die Katholiken von Herne. Zwar wurde dem Kaplan Strickmann 1876 gestattet, wieder in Herne zu wohnen, amtieren durfte er aber erst wieder von 1880 ab, nach fünfjähriger Sperrzeit. 1886 erfolgte die Consekration der Bonisa tiuskirche. 1887 wurde die Missionspfarrei Herne zu einer eigentlichen, auch staatlich unerkannten Pfarrei erhoben und Kaplan Strickmann zum Pfarrer ernannt. Die Seelenzahl der Kirchengemeinde war inzwischen auf 4000 gestiegen. Der notwendig gewordene Erweiterungsbau der Kirche und der Turm konnten 1889 ihrer Bestimmung übergeben werden. Auch wurde ein neuer Friedhof an der Mont=Cenisstraße angelegt. Pastor Strickmann, starb am 17. Juni 1892. Einige Monate verwaltete Kaplan Reinecke das Pfarramt, bis am 22. Dezember 1892 Pfarrer(jetzt Dechant) Schäfer, von Detmold kommend, das Amt übernahm. Ihm dankt neben vielem Anderen die Bonisatiuskirche einen neuen Hochaltar, die neue Orgel, neue Fenster und die innere Ausschmückung und das blühende katholische Vereinsleben in Herne. Weil die Vonisatiuskirche an der Bahnhofstraße die Besucher nicht mehr zu fassen vermochte, wurde im südlichen Teil von Herne an der Altenhösenerstraße ein Grundstück gekauft und dort am 30. September 1904 durch den Herrn Bischof Dr. Schneider aus Paderborn der Grundstein zum Bau der Herz=Jesu=Kirche gelegt. Am 21. Oktober 1906 fand die Einweihung des neuen Gotteshauses statt. Pfarrvikar wurde der seiherige Kaplan in Herne, der hochw. Herr Düwell. Mit staatlicher Genehmigung gelangte 1910 hier eine eigene Pfarrgemeinde zur Gründung, welcher Herr Düwell auch als Psarre jetzt noch vorsteht. Während die blühende und mit vielen hervorragenden kirchlich=sozialen Einrichtungen versehene HerzJesu=Gemeinde gegenwärtig rund 7000 Seelen hat, umfaßt die Bonisatiusgemeinde, die Mutterpfarrei, unter Dechant Schäfer, zur Zeit rund 14000 Selen. Am 19. Januar 1912 feierte die Vonssatiuspfarrei unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung und Behörden ihr 50jähriges Bestehen. Im Jahre 1902 wurde die Filiale Baukau von der katholischen Kirchengemeinde Herne abgetrennt und zu einer selbständigen Kirchengemeinde erhoben. Die Katholische Kirchengemeinde Herne-Horsthausen. *. Im Jahre 1896 konnte, dank einer reichen Spende des Dechanten Keweloh aus Castrop, eine Notkirche an der Roonstraße in Horsthausen erbaut werden. In ihr hielt am 20. September 1896 Kaplan Vogel den ersten katholischen Gottesdienst ab. Damals waren etwa 1300 Katholiken vorhanden. 1900 trennten sich die Katholiken von Castrop und bildeten nun mehr eine eigene Karchengemeinde Größere Spenden und die Opserwilligkeit der Bewohner ermöglichten es, auf einem an der Roonstraße gelegenen Grundstück eine Kirche erstehen zu lassen. Das schöne Gotteshaus wurde am 6. Juni 1909 eingeweiht. Die Katholiken von Horsthausen zählen jetzt rund 5400 Seelen. Groß=Herne zählt jetzt 4 katholische Kirchen, 2 in Alt=Herne und je eine im ehemaligen Baukau bezw. Horsthausen. Es amtieren insgesamt 4 Postöre und 10 Kapläne mit insgesamt rund 35000 Seelen. Die evangelische Kirche. Pfarrer Messing aus Herbede führte 1561 In Herne die Reformation ein. Im Jahre 1670 existiert in ganz Herne keine einzige katholische Familie mehr. 1686 führte die Witwe des Goktfried von Strünkede, geb. von der Recke zu Horst, das reformierte Bekenntnis ein. Von 1836 bis 1871 amtierte Pastor Saatmann in Herne. Ihm folgte Pastor Dransfeld, der am 4. Juni 1872 gleichzeitig mit Pastor v. Martitz eingeführt wurde, sodaß Herne nunmehr zwei gleichberechtigte Geistliche besaß. Dransfeld starb 1896. Im Jahre 1912 konnte Pastor Marlitz, gestorben 1921, auf eine reich gesegnete 40jährige Tätigkeit in Herne zurückblicken. Aus altüberkommenen Verhältnissen heraus erstreckte sich das evangelische Kirchengebiet von Herne über die politischen Gemeinden Herne, Baukau, Hiltrop, Bergen und den östlichen Teil von Holsterhausen. 1876 trat Horsthausen nach Loslösung von der Kirche in Castrop hin zu. Zuerst besuchten die Horsthausener die Kirche in Herne. Dann baute man 1899 auf einem von der Witwe Schulte am Esch geschenkten Grundstück einen Betsaal und später ein Pfarrhaus, in welchem ein Geistlicher der Kirchengemeinde Herne(Pastor Deichsel) Wohnung nahm. Eine zweite Gebietsänderung erfolgte 1896 durch die Abtrennung von Baukau. Eine dritte Gebietsänderung trat 1901 durch die Abtrennung von Holsterhausen, im Landkreis Gelsenkirchen gelegen und jetzt mit der politischen Gemeinde Eickel vereinigt. " Die Muttergemeinde Herne dieses weit aus gedehnten Gebiets besaß seit der Reformation eine Kirche, die auf dem jetzigen Marktplatz stand. Weil sie baufällig und zu klein war, beschloß man 1872 einen Neubau. Der Grundstein wurde 1873 gelegt. Die Einweihung fand 1875 statt. Alsdann brach man die alte Kirche ab. Von Alters her hing das Kirchen= und Schulvermögen eng zusammen. Eine Trennung war nötig. Sie erfolgte 1883. Die Kirche gab das hintere Schulgebäude mit Lehrerwohnung am Markt der Schule heraus: ferner die Grundstücke„Buxenbein“ an der Wischerstraße, den Garten an der Gartenstraße(jetzt Kleinkinder= schule), einen Acker in der Riemker Böde und endlich rund 14000 Mark bar. Die überaus schnelle Bevölkerungszunahme machte die Gründung der 3., 4. und 5. Pfarrstelle in den Jahren 1891, 1901 und 1905 nötig. An Pfarrhäusern sind vorhanden das alte Postorathaus, gelegen zwischen Markt= und Kirchplatz, erbaut 1766; ferner das 2. Pfarrhaus, erbaut 1869 an der Bahnhofstraße, an Stelle des dort 1793 errichteten und 1869 abgebrochenen Bauwerks; dann das 3. an der Mont=Ceniestnaße, erbaut 1903; endlich das 1808=09 errichtete Pfarrhaus in Horsthausen, Luisenstraße Ferner besitzt die Kirchengemeinde am Marktplatz das Konfirmandenhaus, welches 1908 wesentlich umgebaut wurde, und ein evgl Waisenhaus mit Säuglingsheim. Die Kirchengemeinde zählt jetzt rund 26001 Seelen. überhaupt keine Israeliten. Die Zahl wuchs langsam. Sie hielten sich zur Kultusgemeinde Bochum. Etwa um 1879 erwarben sie als Privatleute ein Grundstück in Baukau zum Beerdigungsplatz, der später zu elf Zwölftel Eigentum der Synagogengemeinde wurde. In Herne gab es zu jener Zeit ja noch keinen kommunalen Friedhof. In einem an der Schulstraße hergestellten Neubau, jetzt der Stadt gehörig, befand sich im Erdgeschoß ein Schulzimmer und im Oberstock der Synagogenraum. Dieses bescheidene Heim wurde 1889 eingeweiht. Damals zählte die isrcelitische Gemeinde 79 Seelen. - Am 1. April 1908 wurde die israelitische Schule nelsst Gebäude ebenso wie alle evangelischen und katholischen Volksschulen, von der Stadt übernommen, nachdem auch die erstere bis dahin bereits einen städtischen Zuschuß erhalten hatte. Die neue Synagoge wurde unter erheblichen Opfern an der Ecke der Hohenzollern= und Schaeserstraße errichtet. Bei der feierlichen, durch Rabbiner Dr. David am 16. Juni 1911 vorgenommenen Einweihung nahm Erster Bürgermeister Dr. Büren das Gebäude in den Schutz der Stadt. Gegenwärtig zählt die israelitische Gemeinde 530 Seelen. Streiflichter aus dem Entwicklungsgang der Dolksschule. Von Stadtschulrat Kastner=Herne. Heim hat Herne seinen Jubeltag, und da bin ich ganz besonders stolz auf meinen guten, alten Freund, der den unzweiselhaften Vorzug hat, ein echtes Herner Kind zu sein. Nicht, als ob er an Kohlenstaub und Maschinengerassel, an Schleckenhalden und Teergeruch besondere Freude fände; nein, viel lieber schweift sein Blick zurück in jene Zeit, wo Herne ein Dorf war, umträumt von Wäldern und der Ruhe hingedehnter Felder, wo die alten Höfe schweren und breiten Leibes auf dem braunen Grune ruhten und der Herrensitz Strünkede stolz seine massigen Mauern aus der Ebine hod. Daß es dandols in Herne schöner war als jetzt, wer möchte das bezweifeln! Aber die Industrie kam und schlug ihre Fäuste in den Grund, die Hacken wühlten und die Hämmer sielen. Jeder Tag steckte neue, erstrebenswerte Ziele. In den wilder und inmmer wilder werden Tatt wurden hineingerissen der schwerfällige Bauer, der Handeltreibende, die Gemeindeverwaltung und— wollend oder nicht— die Volksschule. Nur 50 Jahre reicht ihr eigentlicher Entwicklungsgang zurück, wenngleich der Ursprung der evangelischen Schule auf den Anfang des 18. Jahrhundert zurückgeht. Aber was würde der gute Niklas Diderhof sagen, der nach den vorhendenen Chroniken anscheinend als erster Lehrer in Herne gewirkt hat, wenn er heute die angehende Großstadt durchwanderte und— nicht aus Geringschätzung der staatlichen oder städtischen Behörden— sein Hauptinteresse den Schulen zuwenden würde. Als sein hoher Schulpatron, Johann Konrad Freiherr von und zu Strünkede, ihn 1721 nach„Abziehung des gewesenen Organisten und Schulmeisters Piter Engelbronner“ zum ordentlichen Organisten der Schloßkapelle und zum Schulmeister der evangelisch=reformierten Kirche berief. Da war klein sein Wirkungskreis, klein und armselig die Schulstube, ein Gemach neben der Küche des Schlosses Strünkede. Valuta war damals ein wenigstens in Herne noch unbekannter Begriff, und für ein Brot brauchte man auch nicht gerade 20,80 zu zahlen, aber trotzdem konnte er in Bezug auf sein Einkommen, das aus jährlich 40 Reichstalern Gehalt und 2 Reichstalern„zu Behuf des Brandes" bestand, mit Fug und Recht das Sprüchlein vom Leben und Sterben anwenden, das heute in mannigsachen Voriationen im Munde vieler Vollsgenossen geführt wird. Wohl aks eine besondere Gunstbezeigung muß man es ansehen, daß man dem Lehrer gestattete, von jedem Schüler wöchentlich einen Stüber Schulgeld zu erheben. Und wenn er diese dürftige Gabe nur bekommen hätte! Aber die Sitte oder Unsitte des Anschreibens bestand auch damals schon, dieemal zum Leidwesen eines, der nicht auf Rosen gebettet war. Im umgekehrten Verhältnis zum Einkommen stand die vorgeschriebene Arbeitsleistung. Was hatte der gute Diderhof nicht alles zu tun! An allen Sonn= und Feiertagen und auch sonst, so oft nötig, die Orgel spielen, täglich, mit Ausnahme der Feiertage, von—11 Uhr vormittags und von 1—4 Uhr nach mittags die Jugend mit Fleiß unterweisen, sie nach seinem Vermögen in der Gottesfurcht, im Lesen, Rechnen, Singen und Schreiben so anführen, daß darüber keine Klagen einkamen. Auch im Jahre 1826, als die lange betriebene Vereinigung der reformierten und lutherischen Lehre erreicht war, stellte sich das gesamte Lehrereinkommen auf 213 Taler, 14 Silbergroschen, 7 Pfg. Dazu kamen 36 Scheffel Kohlen und 2 Wagen Holz. Dabei hatten die Lehrer damals der Schule Leid schwerer zu tragen als heute. Nicht alkein, daß die Beschaffung der allernotwendigsten Lehr= und Lernmittel mit den größten Schwierigkeiten verbunden war, der Schulbesuch war mehr als unregelmäßig. Von 150 Schülern waren oft nur 50 zugegen. Eine Schulversäumnisliste vom 1 April 1831 bis 1. April 1832 gibt 135 Absenten an, die zusamrmen 15 449 Tage gesehlt hatten, Die israelitische Gemeinschaft. Bis 1870 wohnten in dem damals noch recht keinen Herne nur etwa 10, in den später eingemeindeten Vororten Baukau und Horsthausen *) Eine Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Volksschule der Stadt Herne ist in der aus Anlatz des heutigen Judeltages von der Stadtverwaltung Herne herausgegebenen Festschrift enthalten. sodaß auf jedes Schultind der Klasse durchschnittlich 114½ versäumte Schultage kamen. Schon war die Mitte des vorigen Jahrhunderts überschritten. Den guten Hernern mochte der Kamm nicht wenig geschwollen sein, als sie 1839—1841 eine richtige Landstraße(Chaussee. Bochum—Haltern) erhalten hatten und 1847 sogar die Köln=Mindener Eisenbahn das Dorf berührte. Aber es war und blieb ein bescheidenes Dorf, in das die Wellen des Stromes derg roßen Zeitereignisse nur selten hineindrangen. Bescheiden war auch das Schulhaus, das 400 evangelischen Schülern Unterkunft bot, die von 3 Lehrkräften unterrichtet wurden. Eine 5. tholische Schule gab es damals in Herne überhaupt nicht. Die Resormation hatte das ganze Dorf dem Protestantismus zugeführt, und erst lange Zeit nachther siedelten sich vereinzelt wieder katholische Familien an, aber zur Einrichtung einer Schule reichte ihre Zahl nicht aus Erst als im Jahre 1858 nach 300jähriger Un terbrechung wieder katholischer Gottesdienst in Herne abgehalten wurde, trat man auch der Einrictung einer kotholischen Schule näher. In der jetzigen Wirtschaft„Zum Bürgerkrug" in der v. d. Heydtstraße eröffnete 1859 Vikar Schmelder eine Privatschule, die von 19 Kindern aus Herne und 21 aus den umliegenden Ortschaun besuckt wurde. 1861 wurde die Verwaltung der Schule dem Lehrer Tigges übertragen Das Hineinwachsen des Dorses Herne in die Entwicklungssphäre der zukünftigen Grofstadt und damit das Emporwachsen der Schule aus den bescheidensten Anfängen zu ihrer stolz ausgebauten Organisation hat er durck lelt wie kein anderer. Wohl die meisten Leser erinnern sich in Liebe und Dankbarkeit des gutmütigen, liebenswürdigen Greises, der nach einem arbeitsreichen Leben vor fast fünf Jahren die Augen zum ewigen Schlummer schloß. Nicht mit Unrecht hat man ihn schon bei Lebzeiten als die„lebendige Chronik“ der kath. Volkeschule von Herne bezeichnet. Seiner Einsockleit und Bescheidenheit lag es nicht, in der Unterbeltung das Wort zu führen. Kam jedoch die Rede auf die früheren Zustände und auf die Entwickelung der Gemeinde und der Schule, denn betrat man„Onkel Tigges" ureigenstes Gebiet, dann vereinigte sich mit seiner schlichten, ungekünstelten Ausdrucksweise der Vorzug der eigenen Anschauung und des Miterlebens. Kümmerlich die Schulverhältnisse, armselig das Gehalt. Und ich glaube, es war immer wieder der Gedanke an die 200 Taler, die er in seinen jungen Jahren als Gehalt bezog, der ihn bei der Frage nach seinem Befinden gu der stereotypen Antwort veranlaßte: „Schlecht, Loch im Portemonnaie". Sicherlich haben ihn, den Sohn der sauerländischen Berge, nicht die rosigsten Gefühle durchzogen, als er sah, wie tausende und abertausende von Arbeitern aus dem Poderborner= und Münsterland, aus Schlesien, Polen, West= und Ostpreusten in das friedliche Dorf strömten und unerbittlich so viel Natur, so viel Liebes, Vertrautes, Anheimelndes schwinden mußte. Einer Undankbarkeit würde ich mich schuldig machen, wollte ich bei dieser Gelegenheit nicht der Männer gedenken, denen in jener Zeit die Leitung der Geschicke der Gemeinde anvertraut war. Wie werden sie staunend aufgehorcht haben, als die ersten Hammerschläge des herannehenden Vergbaues lauter und immer eindringlicker sich bemerkbar machten und das rein ländliche Gemeinwesen aus den ruhigen Bahnen jener Zeit aufzuschrecken drohten. Und ich glaube, es war damals wirklich noch behagdlich schön in Herne. Fast fünfundvierzig Jihre sind dobingegangen, als„Vater Schulte“ (der jetzige Rektor i. R. Karl Schulte) zum ersten Mole Herner Boden betrat. Als eifriger Lehrer wollte er noch am Tage seiner Ankunft in Herne den ihm zugedachten Klassenraum in Augensch ein nehmen. Sein Wunsch wurde erfüllt. Die Schultür öffnete sich und— eine brütende Henne flattert ilim entgegen und bringt ihm den ersten und tiefsymbolischen Glückwunsch dar. Und in solche patriarchalische Verhältnisse hinein donnerte der gebieterische Ruf nach Umstellung aller Verheltnisse. Welche Arbeit da geleistet werden mußte, können wir heute nur abnen. Sie ist geleister worden. Ließen sich auch Fehler nicht vermeiden, mug man aus sicherlich begreiflicher Sorge vor einem Fehlschlag der neuen Industrie und im cmnblick auf die bisherigen kleinen Verhältnisse beispiellrene auch im Bau der Schulbäuser nicht immer der unaufhaltsamen Entwicklung Rechnung— gern wollen wir den leitenden Männern jener Zeit gestehen, daß sie die Ge meinde in die neuen Verhältnisse hineingeführt und so den Grund gelegt haben zu der Klanzvollen Entwicklung der nächsten Jahrzehnte hade nur, daß seit jener Zeit— wie in allen Industrieorten so auch hier— die Schule in folge ihrer rapiden Entwicklung und der sic ins Ungeahnte steigernden geldlichen Anforde rungen das Schmerzenskind der Gemeinde geblieben ist. Wenn trotzdem die Stadtverwaltung der weiteren Entwickelung unseres Volksschukwesene ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet, so kut sie es in der Ueberzeugung, daß das dent sche Volk und damit das deutsche Vaterkand steht und sällt mit der deutschen Schule. " Vorüber ist das Völkerringen, das in seinen usnirkungen auch die Schule nicht verschont hat. Aber auch heute noch braust der Dlurm des Schicksals ikber unseren Häupten. Not und Leid legen ihre schwarzen Fittiche auf uns nach das darf uns nicht entmutigen. Stolzer und kraftiger denn je soll der schöne Bergmannsgruß„Glück auf“ auch hineindringen in die Schule. Mag der Sturm toben, das Steue geben wir nicht los. Seien wir alle, besonders akber wir Lehrer, Diener unserer Zeit, zukunfto groß im Wollen und Volldringen! * 9550 U TE* * Das Essener Programm. Don Staatsminister a. D. Stegerwald. Der Vortrag, den ich am 5. März ds. Is. in Bochum auf einer Tagung der Arbeiterzentrumswähler Westdeutschlands gebalten habe, wurde von der Presse als eine Fortsetzung meiner vor 1% Jahren auf dem Essener Kongreh der christlichen Gewerkschaften gehaltenen Rede angesehen und behandelt. Gegenwärtig ist die Diskussion drüben im Gange. Um schiefen Urteilen vorzubengen, will ich versuchen, kurz und zusammenfassend das Wesentliche des Essener Programms zu umschreiben 1. Nach ihm soll die Erkenntnis in Deutschland sich durchsetzen, daß mit Haß und Brutalität, die leit Beginn des Weltkrieges von 1914 in einem Umsange wie noch in keiner früheren Zeitevoche berrschend sind. sich Werke zerstören und Menschen toten lassen, aber keine Weltwirtschaft aufgebaut werden kann; es soll an der Durchsetzung der Auffassung in der Welt gearbeitet werden, daß das deutsche Volk nie zu einer aktiven Zahlung und Handelsbilanz gelangen kann, so lange es Revarationsleistungen tätigen soll, die über seine tatsächliche Kraft gehen. So lange aber die deutsche, die österreichische und die russische Volkswirtschaft nicht gesundet und der gegenwärtig in Frankreich herrschende Geist nicht geändert oder unschädlich gemacht wird, ist an einer Gesundung Europas und der Welt nicht zu denken. Schließlich soll die Erkenntnis in der Welt verbreitet werden, daß das deutsche Volk nicht der allein Schuldige am Kriege ist 2. Im Innern Deutschlands soll eine andere politische Denkweise herbeigeführt werden, wie sie in der Vergangenheit vielfach üblich und vorherrschend war. Ausgangspunkt des politischen Lebens hat abzugeben das Gefühl der deutschen Volksgemeinschaft. In der Vergangenheit war für die breitesten Schichten des deutschen Volkes Ausgangspunkt der politischen Denkweise der Klassenkampf. der Kastengeist, die verschiedene Grundeinstellung zwischen Protestantismus und Katholizismus zum Staate, der hemmungslose Unitarismus auf der einen und der extreme Partikularismus auf der anderen Seite, das völlige Sichnichtverstehen zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands, die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Land, die große Kluft zwischen den Gebildeten und den breiten Volksschichten. Der politische Umdenkungsprozeß im deutschen Volke muß sich durchsetzen und setzt sich durch. Die Frage ist nur, ob das geschieht aus eigener Erkenntnis oder aber durch den Druck der Entente. Nicht Klassenkampf, nicht die französischen, englischen und amerikanischen Arbeiter sind es, die dem deutschen Volke wieder aus seinem gegenwärtigen Elend beraushelfen können. Nur ein deutsches Volk, das in den entscheidenden Fragen einig ist im Innern, kann sich nach den Vorgängen der letzten Jahre wieder Ansehen. Einfluß und eine gefestigte Stellung in der Welt verschaffen. Das Parteiwesen von heute kann nicht bleiben wie es ist, weil die Parteien im Vergleich zu früher vor völlig neuen Aufgaben stehen. Früher waren sie meist Kontrollorgene über die Regierung und Staatsanwälte gegen die Regierung, heute sind die politischen Parteien Gestalter des Staatswillens. Heute gibt es von der Mehrheitssozialdemokratie bis zu den Deutschnationalen viele Politiker und auch breite Massen, die in nationaler, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht ziemlich ein und dasselbe wollen. Sie können nur nicht zu gemeinschaftlicher, positiver Zusammenarbeit zusammengefaßt werden, weil die Parteischranken, im wesentlichen noch ebenso abgesteckt sind, wie vor dem Kriege unter vollständig anderen Verhältnissen. Die Stunde ist heute da. in der die Richtungen Ketteler, Naumann und Stöcker im wesentlichen politisch sich finden können, insbesondere ist für die Verbindung zwischen Naumann und Stöcker schon eine breite Resonanz im deutschen Volke vorbanden. 3. Es gilt zu verhindern, daß in Deutschland die gleiche sormale Demokratie zur Herrschaft gelangt, wie dies in den beiden großen Revubliken Frankreich und Amerka zu beobachten ist. Dort besteht schon seit langer Zeit das gleiche Wahlrecht zu allen ofsentlichen Korverschaften. In Wirtlichkeit regiert dort aber nicht das Volk, sondern die Hochsinanz: die Plutokratie. Ich will, daß in Deutschland die tatsächlich wertschaffende Arbeit, und zwar die Kopf= und Handarbeit in Handwerk und Indust rie, in Handel und Verkebr, in Stadt und Land. zu einer großzügigen Führung des Staates unter gegenseitiger Achtung und Respektierung und unter Anerkennung und Wertung einer wabren christlichen Volksrultur sich zusammenfindet. Daneben ist anzustreben eine organische Verbindung zwischen Staat und Wirtschaft. Die tatsächlich vorhandenen widerstreitenden Interessen in der Wirtschaft sollen nicht bloß in den Fraktionszimmern der einzelnen Parteien, vor den Beratungszimmern der Ausschüsse und in der Wandelhalle des Reichstages, sondern offen vor dem ganzen Volke, und zwar im Reichswirtschaftsrat ausgetragen werden. Andernfalls besteht die Gefahr, daß auch in Deutschland die Hochfinanz die Parteien finanziert und damit trotz des gleichen Wahlrechts auch tatsächlich die Politik dirigiert. 4. Dem deutschen Staat der Zukunft muß ein starkes soziales Gepräge aufgedrückt werden. Dem deutschen Volke fehlt eine Reihe Einigungsmomente, die andere Völker zusammenschweißen. Zunächst ist es in Mitteleurova sehr viel schwieriger, einen festen Staat zu bauen als in den Ländern, die an Europas Peripherie liegen. Dann sind wir nicht in dem gleichen Maße ein einheitliches Volk wie etwa die Franzosen. insbesondere aber die Engländer. Schließlich sind wir in konfessioneller Hinsicht gespalten. Diese erschwerenden und teilweise fehlenden Einigungsmomente müssen in Deutschland ersetzt werden durch eine stark ausgeprägte soziale Gesinnung, zu der das deutsche Volk in seiner Gesamtheit erzogen werden muß. 5. Zur Staatsführung sollen möglichst alle Volksschichten berangczogen werden. Der größte Fehler des preußischen Staates in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege war, daß er die Sozialdemokratie von der maßgebenden Mitwirkung an den Staatsgeschicken im Landtag und in den Kommunen, wo die Kulturarbeit im weitesten Sinne zu leisten war, ausschaltete und damit lediglich erzielte, daß Deutschland sowohl die stärkste wie die radikalste Sozialdemokratie erhielt. Ich will auch deshalb nicht die Ausschaltung der Sozialdemokratie von der Staatsführung, was man mir verschiedentlich unterstellt, weil leider die allerbreitesten Kreise des Bürgertums bis jetzt aus der Revolution noch so gut wie nichts gelernt haben. Die Ausschaltung der sozialistischen Massen von der Staatsführung bedeutete unter solchen Umständen in kurzer Zeit eine neue Revolution, die es mit allen Kräften zu verhindern gilt Was aber an der Sozialdemokratie nach wie vor und verstärkt prinziviell bekämpft werden muß, ist der in ihr lebendige materialistisch mechanistische Geist und die Ueberspannung des internationalen Klassenkampfprinzips. Weiter sind die aus der sozialistischen Denkweise resultierenden überspannten Gleichmachereitendenzen mit allem Nachdruck zu bekämpfen. Der unterschiedslose Achtstundentag verkörpert in sich die großten Ungerechtigkeiten. Wenn leichte Beschäftigung nur ebenso lange dauert und den gleichen Lohn erhält. dann findet sich auf die Dauer niemand mehr für die schwere Berg=, Hochofen= und Bauarbeit, Eine Sechsstundenschicht ist aber in den Betrieben der Schwerindustrie, die keine Unterbrechung erleiden dürfen, bis auf weiteres nicht möglich, so daß in diesen Industriezweigen die Arbeitszeit nicht weiter verkürzt werden kann, wie das im Vergleich zu leichter Beschäftigung in andern Gewerben notwendig wäre. Bei den Beamten hat man nach der Revolution zu viel auf einmal an der früheren Differenzierung beseitigt und die höheren Beamten nicht im gleichen Verhältnis wie die unteren Gruppen ausgebessert, mit dem Ergebnis daß die fähigsten unter ihnen in großer Zahl aus dem Staatsdienst luchteten. Mit bloßen beamteten Durchschnuttstrasten aber läßzt sich auf die Dauer kein großer Staat regieren Gegenwärtig such: die Sozialdemotratte wieder beim Arbeitsnachweisgesetz das Monovol für die öff.ntlich paritätischen Arbeitsnachweise durchzusetzen und damit einen neuen Baustein zu liefern für die Schablonisierung und Mechanisierung des Wiitschaftslebens Schließlich mun eine andere Basis für die Auseinandersetzungen zwischen Kaoital und Wirtschaft herbeigeführt werden, wie sie der marxistische Sozialis mus, weil er die prinzivielle Todseindschaft zwischen Kapital und Wirtschaft zum Ausgangspunkt der Arbei terbewegung gemacht hat. geschaffen und vergiftet hat Was Deutschland in der Gegenwart aus den verschiedensten Gebieten nottut. ist nicht Schablone und Gleich förmigkeit, sondern die Möglichkeit zur Entsaltung tüchtiger Persönlichkeiten in Staat und Wirtschaft. Nicht marxistisch sozialistische Mechanisierung sondern Pflege der Persönlichkeits: der eth schen und der Gemütswerte ist das Gebot der Stunde 6 Die gegenwartige Koalition im Reiche erweist sich für die Gegenwart und Zutunft immer mehr als ein großer staatspolitischer Fehler. Sie schließt eine Reibe vontiver und kenninisreicher Kräfte von der Staatsführung aus und legt dirse brach, wahrend dessen Mitwirkung am deutschen Wirderauibau nicht entbebrt werden kann. Die jetige Koalition im Reiche gefahrdet schließlich die Geschlossenheit und Entfaltungskraft der christlich naiionalen Arbeiterbewegun Diese ist aber, und zwar nicht etwa aus kleinlichen organisations egoistischen Gründen, für den deutschen Wiederaufbau mindestens so notwendig. wie irgend eine politische Partei. Ohne daß ein anderer Geist in das Gros der deutschen Arbeiterschaft hineingebracht wird, ist an einen soliden Wiederaufbau Deutsch= lands in nationaler. wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht, nicht zu denken. Die sozialdemokratische Richtung in der deutschen Arbeiterbewegung allein vermag diesen Geist ahn= eine starke chrestlich=nationale Arbeiterbewegung nicht durchzusctzen Einheitsfront im Tandtag gegen den Tandraub an der Weichsel. Der 124. Sttzung. : Berlin. 31. März 1922.(Telegr.) Gewaltakt an der Weichsel. Auf der Tagesordnung stebt eine große Anfrage der Deutschen Volksvartei: „Die Botschafterkonserent der Entente bat den Landstreisen der den vom Deutichen Reich abgerretenen Gebielen der Provinzen Ost= und Westvreußen Zugang zur Weichsel aibt. Polen zugesprochen. Dieser erneute Gewaltakt trägt meder dem klaren Abstimmungsergebnis noch Ur geouraphischen und wirsschaf lichen Lage der Betrossenen, wie dies doch selbstverständlich gewesen wäre. und auch vertraglich ausbrücklich zugesichert wurde. Rechnuna. Was gedenkt das Staaesministerium zu tun. um die dadurch auf das Empfindlichste getroffenen wirtschaftlichen Lebensnotwendigkeiten der ohnehen schon hart geprüften Bevöl; rung Ou= und Westpreußens zu sichern und dieses schwer leidende al.e deutsche Kulturland gegen offenkundige Willkür, gegen offenes Unrecht und wirtschaftliche Erdrosselung zu schützen Gemeinsam damit kommt zur Beratung folgende Entschlienung der Deutschnutional.u: „Der preußische Landtag erhebt schörfsten Einspruch gegen die von der Interalliierten Grenzfestsetzungskommission am 17 März vorgenommene. dem Friedensvertrag zuwiderlaufende Festsetzung der Weichselgrenze. Er verlangt daß die Reichsregierung die Anerkennung dieser ungerechten Entscheidung ablehnt.“ Aba. Lawin(D. Vo.) begründet die große Anfrage seiner Freunde. Das Abstimmungsergebnis an der Weichsel war eine so überwäl. tigende Mehrheit für Deutschland, daß nur der blind. Haß der Franzosen und die unersättliche Machtaier der Polen die Weichseldörfer für Polen verlangen konntee. Die Interalliierte Grenzfestsetzungskommission hat mit dieser Enisch idung eine neue. unerhörte Ungerechtigkeit eine Verleugnune des Abstimmungsergebnisses und eineen Bruch der Frildensvertrages begangen. Mit schwerer Sorge sieht die treu zum Reich und zu Preußen stehende ost= und westvreußische Bevölkerung in dieser Schaifung eines neuen volnischen Brückentovfes eine weitere Vorbereitung zur gewaltsamen Losung der ostrreubischen Frage durch Polen. Die Ost= und Westpreuten erwarten von der Regierung ein entschlossenes Nein. (Lebhafter Beifall.) Ministervräsid nt Braun: Die preußische Regierung ist mit den Intexpellanten einig in der entschiedenen Ablehnung des neuen Vergewaltigrngsversuches.(Lebhafter Beifall.) Die Entscheidung der Grenzkommission ist weder mit der Vernunft noch mit der Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Der Ministerpräsident geht auf die Vorgeschichte des Falles ein und weist nach das die den Deutschen Ostvreußens im Versailler Vertrag gegebenen Garantien für d n Jugang zur Weichsel durch die Entscheidung der Kommitnon schwer verletzt werden. Diese Entscheidung ist ein slaaranter Bruch des Versailler Vertrages, der nicht bloß in der zunachst betroffenen Bevölkerung berechtigte. Bejürchtungen und Entrüstungen erregt hat.(Lebhafte Zustimmung.) Der Vorsitzende der Kommission. General Lerond. hatte versorochen. vor der endgültigen Entscheidung die beteiligte Bevölterung zu hören. Dieses Versprechen ist nicht gehalten worden.(Hört. hört!) Die Botschaftertonferenz hat die Entscheidung der Grenzkommission vorlautig sulvendiert. Dies ist für uns kein Grund zum Optimismus(Sehr richtigl rechts), aber wir hoffen, daß die alltierten Machte eine so oisensichtliche Verletzung des Versuiller Pertrages nicht zugeben wollen.(Na. nal=Ruse rechts.) Unsere früheren Gegner müssen doch einsehen, das es ein Widersinn ist, das deutsche Volk, das iu Wiederoutmachungen bereit ist, immer weiter zu schwächen. Die Regierung wird auch weiter nichts unversucht lassen. eine den Int ressen der ostvreußischen Bevölterung gerecht werdende Lösung der Grenzfrage herbeizuführen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. v. Kries(D. Natl.) begründet den deutschnationalen Antraa. Wir begrüßen das entschi dene Nein des Ministexpräsidenten. können aber seine Hoffnung nicht teilen, daß Vernunft und Einsicht bei unseren Feinden noch einmal siegen werden. Dan auch das Rein Erfolge zeitigen kann, das hat die Revision des Sevres=Vertrages gezeigt. Die Zeiten können sich einmal ändern. aber wir wollen nicht das Wort auf uns anwenden lassen. das Harodot von den Persern sprach: „Sie sind ein Volk von Stlaven, denn sie konnen nich Rein sagen.“(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Stamer(Soz.): Wir freuen uns daß die Regierung alle Mittel anwenden will. um die von der Entente ang drohte Deangsalierung der ostvreußischen Bevollerung zu verbindern. Wir vertrauen zwar nicht auf die Einsicht der Machthaber der Entente. aber wir appellieren an das Rechts##efühl der Arbeiterschaft aller Völker. die sich gegen solche Gewalttat wenden wird. Abg. Bingel(Zentr.): Wir freuen uns des einmütigen Protestes gegen den Wortbruch, gegen die Behandlung. die meinem Heimatland angetan werden soll. Wir halten an der Hoffnung fest, daß die Botschafterkonserenz an einem klaren Nein der Regierung nicht vorbeigeben kann.(Beifall im Zei### trum.) Abe. Obuch(USP.): Wir beteiligen uns an der einmütigen Abwehr des Gewaltattes der Grenzkommission durch unser ganzes Volk. Wir haben ein Recht zu diesem Protest. nicht die burgerlichen Parteien. die der Sache einen imverialistischen Aufvutz arben wollen. Es ist nicht richtig. daß der Wortlaut des Versailler Vertrages durch die Grenzkommission Pole Poppenschäler. Von Theodor Storm.(1 Ich hatte in meiner Jugend einige Fertigkeit im Drech seln und beschaftigte mich sogar wohl etwas mehr damit, als meinen gelehrten Studien zuträglich war; wenigstens geschah es, daß mich eines Tages der Subrektor bei Rückgave eines nicht eben sehlertosen Exerzitiums seltsamerweise fragte, ob ich vielleicht wieder eine Näbschraube zu meiner Schwester Geburtstag gedrechselt hatte. Solche kleine Nachteile wurden indessen mehr als ausgewogen durch die Bekanntschaft mit einem Manne, die mir infolge jener Beschäftigung zuteil wurde. Dieser Mann war der Kunstdrechiler und Mechanikus Paulsen, auch devu tierter Bürger unserer Stadt. Auf die Bitte meines Vaters, der für alles, was er mich unternehmen sab, eine gewisse Gründlichkeit forderte, verstand er sich dazu, mir die für meine kleinen Arbeiten erforderlichen Handarifse beizubringen. Paulsen besaß mannigfache Kenntnisse und war dabei nicht nur von anerkannter Tüchtigkeit in seinem eigenen Handwerk, sondern er hatte auch eine Einsicht in die künftige Entwicklung der Gewerke überhaupt, so daß bei man chem, was jetzt als neue Wahrheit verkündet wird, mir plötzlich einfällt: das bat dein alter Paulsen ja schon vor vierzig Jahren gesagt.— Es gelang mir bald, seine Zuneigung zu erwerben, und er sah es gern, wenn ich noch außer den festgesetzten Stunden am Feierabend einmal zu ihm kam. Dann sahen wir entweder in der Werkstätte oder sommers— denn unser Verkehr hat jahrelang gedauert— auf der Bank unter der großen Linde seines Gärtchens. In den Gesprächen, die wir dabei führten, oder vielmehr, welche mein älterer Freund da bei mit mir führte, lernte ich Dinge kennen und auf Dinge meine Gedanken richten, von denen, so wichtig sie im Leben sind, ich später selbst in meinen Primanerschulbüchern keine Sput gefunden habe. Paulsen war seiner Abkunft nach ein Friese und der Charakter dieses Volksstammes aufs schönste in seinem Antlitz ausgeprägt; unter dem schlichten blonden Haar die denkende Stirn und die blauen sinnenden Augen: dabei hatte, vom Vater ererbt, seine Stimme noch etwas von dem weichen Gesang seiner Heimatsprache. Die Frau dieses nordischen Mannes war braun und von zartem Gliederbau. ihre Sprache von unverkennbar süddeutschem Klange. Meine Mutter pflegte von ihr zu sagen, ihre schwarzen Augen könnten einen See ausbrennen, in ihrer Jugend aber sei sie von seltener Anmut gewesen.— Trotz der silbernen Fädchen, die schon ihr Haar durchzogen, war auch jetzt die Lieblichteit dieser Züge nicht verschwunden, und das der Jugend angeborene Gefühl für Schönheit veranlaßte mich bald. ihr, wo ich immer konnte, mit kleinen Diensten und Gefälligteiten an die Hand zu gehen. „Da schau mir nur das Buberl,“ sagte sie dann wohl zu ihrem Mann;„wirst doch nit eifersüchtig werden, Paul?“ Dann lächelte Paul und aus ihren Scherzworten und aus seinem Lächeln sprach das Bewußsein innigsten Zusammengehörens. Sie hatten außer einem Sohne, der damals in der Fremde war, keine Kinder, und vielleicht war ich den beiden zum Teil deshalb so willkommen, zumal Frau Paulsen mir wiederholt versicherte, ich habe grad ein so lustiges Naserl wie ihr Joseph. Nicht verschweigen will ich. daß letztere auch eine mir sehr zusagende, in unserer Stadt aber sonst gänzlich unbekannte Mehlspeise zu bereiten verstand und auch nicht unterließ, mich dann und wann darauf zu Gast zu bitten.— So waren denn dort der Anziehungskräfte für mich genug. Von meinem Vater aber wurde mein Verkehr in dem tüchtigen Bürgerhause gern gesehen.„Sorge nur, daß Du nicht lästig fällst!" war das einzige, woran er in dieser Beziehung zuweilen mich erinnerte. Ich glaube indessen nicht, daß ich meinen Freunden je zu oft gekommen bin. Da geschah es eines Tages, daß in meinem elterlichen Hause einem alten Herrn aus unserer Stadt das neueste und wirklich ziemlich gut gelungene Werk meiner Hände vorgezeigt wurde. Als dieser seine Bewunderung zu erkennen gab, be merkte mein Vater dagegen, daß ich ja aber auch schon seit fast einem Jahre bei Meister Paulsen in der Lehre sei. „So. so,“ erwiderte der alte Herr;„bei Pole Poppenspäler!“ Ich hatte nie gehört, daß mein Freund einen solchen Beinamen führe, und fragte, vielleicht ein wenig naseweis, was das bedeuten solle. Aber der alte Herr lächelte nur ganz hinterhaltig und wollte keine weitere Auskunft geben.— Zum kommenden Sonntag war ich von den Paulsenschen Eheleuten auf den Abend eingeladen, um ihnen ihren Hochzeitstag seiern zu helfen. Es war im Spätsommer, und da ich mich frühzeitig auf den Weg gemacht und die Hausfrau noch in der Küche zu wirtschaften hatte. so ging Paulsen mit mir in den Garten, wo wir uns zusammen unter der großen Linde auf die Bank setzten. Mir war das„Pole Poppenspäler“ wieder eingefallen, und es ging mir so im Kopf herum, daß ich kaum auf seine Reden Antwort gab; endlich, da er mich fast ein wenig ernst wegen meiner Zerstreuung zurechtgewiesen hatte, fragte ich ihn gerade, was jener Beiname zu bedeuten habe. Er wurde sehr zornig.„Wer hat Dich das dumme Wort gelehrt?“ rief er, indem er von seinem Sitze aussprang. Aber bevor ich noch zu antworten vermochte, saß er schon wieder neben mir.„Laß, laß!“ sagte er sich besinnend; „es bedeutet ja eigentlich das Beste, was das Leben mir gegeben hat.— Ich will es Dir erzählen; wir haben wohl noch Zeit dazu. * „In diesem Haus und Garten bin ich aufgewachsen, meine braven Eltern wohnten hier, und hoffentlich wird einst mein Sohn hier wohnen!— Daß ich ein Knabe war, ist nun schon lange her; aber gewisse Dinge aus jener Zeit stehen noch, wir mit farbigem Stift gezeichnet, vor meinen Augen. Neben unserer Haustür stand damals eine kleine weiße Bank mit grünen Stäben in den Rück= und Seitenlehnen, von der man nach der einen Seite die lange Straße hinab bis an die Kirche, nach der andern aus der Stadt hinaus bis an die Felder sehen konnte. An Sommerabenden saßen meine Eltern hier, der Ruhe nach der Arbeit pflegend; in den Stunden vorher aber pflegte ich sie in Beschlag zu nehmen und hier in der freien Luft und unter erquickendem Ausblick nach Lost und West meine Schularbeiten anzufertigen. So saß ich auch eines Nachmittags— ich weiß noch gar wohl, es war im September, eben nach unserem Michaelisjahrmarkte— und schrieb für den Rechenmeister meine Algebraexempel auf die Tafel, als ich unten von der Straße ein seltsames Gefährte heraufkommen sah. Es war ein zweirädriger Karren, der von einem kleinen rauben Pferde gezogen wurde. Zwischen zwei ziemlich hohen Kisten, mit denen er beladen war, saß eine große blonde Frau mit steisen hölzernen Gesichtszügen und ein etwa neunjähriges Mädchen, das sein schwarzhaariges Kövschen lebhaft von einer Seite nach der anderen drehte; neben her gina, den Zügel in der Hand, ein kleiner lustig blickender Mann, dem unter seiner grünen Schirmmütze die kurzen schwarzen Haare wie Spieße vom Kopfe abstanden. So. unter dem Gebimmel eines Glöckchens, das unter dem Halse des Pferdes hing, kamen sie heran. Als sie die Straße vor unserem Hause erreicht hatten, machte der Karren halt.„Du Bub,“ rief die Frau zu mir herüber, „wo ist denn die Schneiderherberg?“ Mein Griffel hatte schon lange geruht; nun sprang ich eilfertig auf und trat an den Wagen.„Ihr seid grad davor,“ sagte ich und wies auf das alte Haus mit der viereckig geschorenen Linde, das, wie Du weißt, noch jetzt hier gegenüber liegt. Das keine Dirnchen war zwischen den Kisten aufgestanden, streckte das Kövfchen aus der Kavuze ihres verschossenen Mäntelchens und sah mit ihren großen Augen auf mich herab: der Mann aber, mit einem„Sitz ruhig, Diendl!" und„Schonen Dank, Bub!“ peitschte auf den kleinen Gaul und fuhr vor die Tür des bezeichneten Hauses, aus dem auch schon der dicke Herbergsvater in seiner grünen Schürze kym entgegentrat. Daß die Ankömmlinge nicht zu den zunstberechtigten Gästen des Hauses gehörten, mußte mir freilich klar sein; aber es pflegten dort— was mir jetzt, wenn ich es bedenke, mit der Revutation des wohlehrsamen Handwerks sich keineswegs reimen will— auch andere, mir viel angenehmere Leute einzukehren. Droben im zweiten Stock, wo noch heute statt der Fenster nur einfache Holzluken auf die Straße gehen, war das hergebrachte Quartier aller fahrenden Musikanten. Seiltänzer oder Vierbändiger, welche in unserer Stadt ihre Kunst zum Besten gaben. Und richtig, als ich am andern Morgen oben in meiner Kammer vor dem Fenster stand und meinen Schulsack schnürte, wurde drüben eine der Luken aufgestoßen; der kkeine Mann mit den schwarzen Haarspießen steckte seinen Kovi ins Freie und dehnte sich mit beiden Armen in die Frische Luft hinaus; dann wandte er den Kopf hinter sich nach dem dunklen Raum zurück, und ich hörte ihn „Lisei! Lisei!“ rufen.— Da drängte sich unter seinem Arm ein rosiges Gesichtlein vor, um das wie eine Mähne das schwarze Haar herabtiel. Der Vater wies mit dem Finger nach mir herüber, lachte und zupfte sie ein vaar mal an ihren seidenen Strähnen. Was er zu ihr sorac habe ich nicht verstehen können; aber es mag wohl 1 gefähr gelautet haben:„Schau Dir ihn an. Lisei! Kennst ihn noch. den Buhn von gestern?— Der arme Narr. da muß er nun gleich mit dem Ranzen in die Schule traben! Was Du für ein glückliches Diendl bist. die Du allweg nur mit unserm Braunen landab landauf zu fahren brauchst!“— Wenigstens sah die Kleine ganz mitleidig zu mir herüber, und als ich es wagte, ihr freundlich zuzunicken, nickte sie sehr ernsthaft wieder. (Fortsetzung folgt.) Oriechich an gr. Feamuf Sr. 437. Grotes, dltestes und gröbstes Opesiat-Stablissement am Ilatze### und Ockönkeit=Iflege. ausgestattele seper. Galond 84 Samif Scmstfersscten#fan-S. " Jassameien, Gerfen, 5, etaatschmuck, Camme, Geder waten ete. Oiets Giagang v. Oleuteiten. * O 0 0 □ O 0 □ 0 0 0 0 0 0 0 0 00 0 0 □ 0 □ — □0 für das amt Sodingen& Nr. 77 Samstag. den 1. Hpril 1922 Zehntes Blatt *8 0 □ 0 □ 0 □ 8 0 0 0 □ 0 0 0) 0 0 O Eininteressantes Dokument aus Alt-Herne. In den Jahren 1780 und 1781, z. Zt. der letzten Regierungsjahre Friedrich des Großen, schwebte in der Bauernschaft Herne ein langwieriger Rechtsstreit über die Aufteilung des sogen„Regenkamps“. Es standen sich 2 Grupen gegenüber, die Interessenten der Koppeleide zu Herne gegen Overkamp und Genossen. beteiligt waren bei dem Rechtsstreit folgende Interessenten, deren Namen zum Teil heut# hier noch geläufig sind: Schlenkhoff, Rensinghoff, Pastorat, Woortmann, Bergelmann, Sengenhof, Fleige, Koch, Grüter, Herendrey, Steinwinkel, Balster, Feldmann, Fleigenschmiot, Beilen, Bohnenkamp, Kortnack, Jakob, Engbert, Kord und Kramer, Regenkamp, Kruwe, Rathebruch, Hoheneicken. Die Verhandlungen wurden von dem damaligen„hochgelahrten, weisen Landrichter, auch lieben Getreuen Boelling zu Boch m“ geführt. Die Stadt Herne besitzt aus diesem Rechtsstreit, der schließlich im Jahre 1781 anscheinend zur Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt wurde, ein hochinteressantes Aktenstück. In de selben befindet sich eine von Friedrich dem Großen nach Beendigung des Rechtsstreites eigenhändig unterzeichnete Urkunde an die „Maercische Cammerdeputation“, in der die geschehene Teilung Allerhöchst bestätigt wird. Wir lassen das interessante Schriftstück mit der falsimilierten Unterschrift Friedrich des Großen nachstehend folgen: Von Gottes Gnaden Friedrich, König von Preußen. Unsern gnädigen Gruß zuvor! Werte hochgela, te Räthe, liebe Getreue. Aus Eurem allerunterthänigsten Bericht vom 15. vorigen Monaths und dessen Beylagen vernehmen Wir daß die Intereßenten der im Amte Bochum belegenen zusammen 76. holländische Morgen und 96 Quadrat=Ruthen enthaltenden Gemeinheiten der Regenkamp, Kruwen, Rothebruch und Hohen=Eicken genannt, nach dem der zwischen diesen Interessenten, und ven Weydegenoßen Kraemer und Consorten obge waltete Rechts=Streit, durch Vergleich gehoben, und die Gemeinheits=Gründe und deren Güthe auszumitteln ideatirt zu 757 Thaler, 9 Silbergroschen und 6 Stüber taxiret worden, diese Gemeinheiten gütlich und friedlich unter sich getheilet haben. Wie Wir nun, bey der geschehenen Teilung den benannten Gemeinheiten nichts zu erinnern finden, und daher Unsere nachgesuchte Approbation und Bestätigung darüber hierdurch ertheilen, auch zugleich Uns, zu Beförderung der Cultus den Uns zustehenden novat=Zehenden von dem getheilten Grunde angetragenermaßen aus Gnaden begeben: So besehlen Wir Euch daneben deshalb das nöthige weiter zu verfügen, Auch nach Eurem Versprechen die Liquidation der Gebühren von dem Theilungs Commissario, Land=Richter Boelling, nachzufordern, und den vorhandenen Vorschriften gemäß festzusetzen. Die miteingesandte Acta, worin der Theilungs=Receß und die Charte befindlich erfolgen anbey wieder zurück, und sind Euch mit Gnaden gewogen. Geben, Berlin, den 12ten July 1781. Chrentafel der Stadt Herne. Maercsche Cammer=Deputation. Die geschehene Theilung der im Amte Bochum belegenen Gemeinheiten der Regenkamp, Kruwe, Rothebruch und Hohen=Eicken genannt wird bestätigt. (Unterschriften unleserlich.) Nicht der Pflicht nur zu genügen, Was sie fordert und verlangt, Nicht der Stunde nur zu leben, Was sie nimmt und was sie dankt.— Einem stolzern Wollen gelte Unsres Tages Ziel und Lauf: Ueber Sturm und über Wolken Sonn' entgegen trag's uns auf! Sonn' entgegen aus des Alltags Nebeldumpfem Sorgenspuk, Mit dem Siegtrotz froher Jugend Ueber Not und Last und Druck. Und wenn andere töricht finden, Was sie uns so„träumen“ sehn, Unsere Losung sei und bleibe: Nie im Alltag aufzugehn! Cäsar Flaischlen. Aengstlich zu sinnen, was man hätte tun können, ist das übelste, was man tun kann. Sonst waren die reichsten Länder da, wo die Natur am gütigsten war; jetzt sind es die, wo der Mensch am tätigsten ist. Wer nicht sicher auftritt, für den verwandelt sich auch der festeste Boden in einen Sumpf, in sem er versinkt. * — Der Guten sind nicht so wenig in der Welt, man muß sie finden. Wir halten es für eine Ehrenpflicht, in dieser Jubiläumsnummer vor allem auch den im Weltkriege für ihr Vaterland gefallenen Söhnen der Stadt Herne ein besonderes Gedenkblatt zu widmen. Ihr Andenken soll fortleben und uns und unseren Enkeln stets als leuchtendes Vorbild höchster Pflichterfüllung zur steten Nacheiferung vor Augen schweben. Sie starben für Deutschlands Ruhm und Größe und besiegelten ihre Treue zum Vaterlande mit ihrem Herzblute Aus den Reihen der städtischen Beamten und Angestellten starben den Heldentod: Beigeordneter Dr. Rühl, Vervaltungsanwärter Preuß, Verwaltungsanwärter Hülsmann, Kassenassistent Hochenberg, Friedhof=Aufseher Schmitz, eechniker Firtz Hesse, chniker Wilh. Dräger, waltungsgehilfe Ruppert, #c#nniker Wolters, ehrling Hickfang ergärtner Sassenhoff, Feihrparkarbeiter# alinczak, Verwaltungsgehilfe Harms, Verwaltungsgehilfe Söller. Die Verluste der Herner Lehrerschaft. Höhere Schulen. 1. Föhr, Alfred, Gymnasialdirektor, als Leutnant d. Res. gest. 4. 9. 14 im Feldlazarett Raon l’Etape. 2. Krone, August, Zeichenlehrer, als Unteroffizier d. Res. gef. 16. 10. 14 bei Makowsken(russische Grenze). 3. Greve, Kichard, Oberlehrer, als Offizier" Stellvertreter gef. 9. 2. 15 bei Orwa in den “ Karpathen. . Volksschulen. 1. Hauschke, Gustav, Lehrer, als Gefreiter gef. 3. 9. 14 in Rußland. 2. Bootz, Franz, Lehrer, als Musketier gef. 10. 10. 14 im Westen. 3. Koebel, Josef, Lehrer, als Unteroffizier gef. 13. 10. 14 zu Nadarzin in Rußland. 4. Mallwitz. Gustav, Lehrer, als Gefreiter gefallen 17. 10. 14 im Osten. 5. Weitkamp, Fritz, Lehrer, als Vizefeldwebel gef. 30. 10. 14 bei Draiebank in Belgien. 6. Ortmeyer, Otto, Lehrer, als Musketier gefallen 12. 12. 14 bei Proprostken in Rußland. 7. Lauerrichter, Wilhelm, Lehrer, als Unteroffizier gef. 19 12. 14 im Osten 8. Ilsen,4Hermann, Lehrer, als Unteroffizier gef. 20. 2. 15 im Osten. 9. Hessenkemper. Ludwig, Lehrer, als Musketier gest. 29. 3. 15 im Feldlazarett in Ortelsburg 10. Feasch, Wilhelm, Lehrer, als Ersatz=Reservist 11. Kröger, Heinrich, Lehrer, als Leutnant der Res. gef. 18. 8. 16 in der Sommeschlacht bei Tieppal. 12. Schulte, Friedrich. Lehrer, als Leutnant der Res. gef. 20. 9. 16 bei Szchrow im Osten. 13. Kreter, Paul, Lehrer, als Leutnant d. Res. gef. 25. 1. 17 an der Aa in Rußland. 14. Götte, Franz, Lehrer, als Crenadier gest. 5. 7. 17 im Feldlazarett bei La Bassee. 15. Wallmeyer, Johannes, Lehrer, als Leutnant der Res. gef. 31. 7. 17 bei Ypern. 16. Rückbeil, Hermarn, Lehrer, als Vizefeldwebel gef. 28. 7. 17 bei Valca Jarei. 17. Schelte, Wilhelm, Leb., als Leutnant der Res. seit dem 24. 9. 17 bei einem Angriff im Chaune=Walde, westlich Ornes, vermißt. 18. Erb. Anton, Lehrer, als Unterossizier gef. 19. 10. 17 in der Schlacht an der Aisne. 19. Sasse, Ferdinand, Lehrer, als Unteroffi##er gest. am 10. 11. 17 im Krankenhause zu Werl. 20. Meier, Heinrich, Lehrer, als Leutnant der Reserve gefallen *** Der Gesamt=Anteil der Herner Bevölkerung am Weltkriege. Welchen Anteil die Herner Bevölkerung an diesem gewaltigsten aller Kriege hat, ergeben folgende Zahlen: Von den 67000 Einwohnern, die Herne bei Ausbruch des Krieges zählte, wurden im Lause der vier Kriegsjahre rund 11000 Männer unter die Wassen gerusen, das sind über 16 Prozent. Von diesen 11000 Einberufenen kamen im Laufe des Krieges 3000(Reklamierte) zurück. Die Zahl der auf dem Felde der Ehre gefallenen Herner Krieger beträgt 1 600. Außerdem werden 400 vermißt. Auf ihrem Friedhof an der Wischerstraße hat die Stadt den in Herne gestorbenen Kriegern einen würdigen Ehrenfriedhof errichtet. In langen Reihen dehnen sich hier die Gräber der Friedhofs=Kapelle an der Wischerstraße. für ihr Vaterland gestorbenen Krieger, Freund und Feind schlasen hier ihren letzten Schlaf. Alljährlich am Allerseelen= oder Totensonn= tage versammelt sich die Herner Bürgerschaft mit den Kriegervereinen an der Spitze, auf diesem Ehrenfriedhof, um in Worten und Liedern unserer toten Helden zu gedenken, die in allen Teilen der Welt, für ihr Vaterland geblutet haben. Auch der heutige Jubiläumstag der Stadt Herne soll nicht vorüber gehen, ohne unserer Toten aus dem Weltkriege geziemend gedacht zu haben. Da treten wir im Geiste hin vor die Massengräber und senken unsere Fahnen. Und mag die Not noch so groß sein und die Faust der Feinde noch so schwer auf uns lasten, das Andenken an die hunderttausende unserer Brüder, die hier oder draußen in fremder Erde oder auf dem Grunde des Meer:s als Opfer des Weltkrieges ruhen, soll uns heilig sein und bleiben. Ihr kostbares Blut soll und darf nicht umsonst geflossen sein. Es soll uns mahnen, gerade in diesen schlimmsten Zeiten der Erniedrigung und Not unser schweres Schicksal mit Würde zu ertragen. Es soll uns aber auch mahnen, zu treuester und hingebendster Pflichterftlln und Arbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlendes, domit noch dieser Zeit der Erniedrigung und Schmach. der Freiheit goldne Sonne ein einiges, neues und freies Deutschland bald wieder bestrahlen möge! Turnen und Sport in Herne. Von Studienrat Dr. Eilentrop. „Turnen" und„Sport“ stellen 2 verschiedene Betriebssormen des großen, einheitlichen Gebiets der„Leibesübungen“ dar, die heute in unserem Volksleben eine erhöhte Bedeutung haben und daher auch in einer Festzeitung, die das gesamte Leben der Stadt behandeln will, nicht fehlen dürsen. Beeinflußt durch die allerdings zuweilen markt a#reierische Reklame und die vielen Spiel berichte der Sportvereine(Fußballklubs) in den Tageszeitungen gebrauchen die meisten Menschen heute das erstere Wort, wenn sie von dem Betrieb der lörperlichen Uebungen sprechen. Es ist auch nicht zu verkennen, daß„sportliche“ Gebräuche und Ausdrücke vielfach in Volksleben und Sprache übergegangen sind(z. B. die„Kanonen“ des Tages, usw.) In Turnerkreisen dagegen will man an dem Jahnschen Worte „Turnen“ sesthalten, das auch für den Betrieb in den Schulen gilt. Beides sind Verdeutschungen ursprünglich fremder Wörter.„Sport“ wird zurückgeführt auf engl.„sport“, älter „disport“ vom lat.„disportare= zerstreuen. Andererseits hat man es auch vom altgerm. spaurds=Rennbahn ableiten wollen, das schon in der gotischen Bibelübersetzung des Wulsila (gegen Ende des 4. Jahrh. nach Chr.) zu finden ist.„Turnen“ ist geformt aus„turnier.n“ mhd. „Turnci“, später„Turnier", das auf asrz. „tournorer“—„das Roß wenden“ zurückgehet. Wird sich im Sprachgebrauch nun„Sport“ oder „Turnen" durchsetzen? Oder sollte gar das umfassendere„Leibesübungen“, das auch in der „Vorschrift für Leibekübrngen“ der neuen deutschen Reichswehr gebraucht wird, den Sieg davontragen? In Deutschland sand das griechische Kulturideal der„harmonishen Ausbildung von Körper und Geist“ keine Aufnahme. Leider ging auch die körperliche Kraft und Gewandtheit der jungen Germanen verloren, vor der noch Tacitus einst sorgenvoll erschauerte. Die Zeit, in der König Teutobod über 6 Pferde hinwegsprang und in der das leichte germanische Fußvolk, in den Mähnen der Pserde hängend, den Sturmlauf der Reiterei mitmachte, verschwand. Die Turniere des Mittelalters waren Uebungen eines Standes und hatten nur wenig ausbreitende Wirkung Erst die Not des Vaterlandes unter der Faust Napoleons gebar die neue Zeit der Leibeszucht. Fr. Ludwig Jahn saßte die Pflege aller nur denkbaren Leibesübungen in dem einen Worte„Turnen“ zusammen. Einmal die Systematik, die in das Gebiet getragen wurde, zum andern der Einfluß der Turnverfolgung, engte aber die Entwicklung des Turnens ein; es wurde vorwiegend Hallen= und Geräteübung, und erst seit dem Anfang dieses Jahrhunderts etwa befreite sich das deutsche Turnen in steigendem Maße von der unnatürlichen Fessel.— Als 2. Blüte der Entwicklung erstand etwa 1 Jahrzehnt nich dem deutsch=französischen Kriege ein vom Zeitgeist durchdrungenes Schwesterstück der Turnsache, der deutsche Sport. Die zunehmende Industrialisierung, der wirtschaftliche Ausschwung unseres Volkes seit dem Ende der 70er Jihre mit dem Ziel der Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Englands Konkurrenz sowie die damit gegebene enge Fühlung mit jenem Volke brachten als natürliche Folgeerscheinung die Nachahmung des sportlichen Betriebes, der besonders für den Industriearbeiter und=angestellten so notwendign körperlichen Bewegung in freier Lust Es ware falsch, wollte man den Sport als Loslösung und Vereinzelung aus dem Gebiet des Turnens betrachten. Für einzelne Zweige des Sports würde es vielleicht zutressen, wollte man sie nur auf den Gegenstand hin ansehen. Der aber ist nicht das Wesentliche, sondern der Geist, aus dem die Sportbewegung entstand und der alle Gebiete gleichmäßig erfüllte: Der Geist des Wettkampfes, die Freude an der Stählung des Körpers, an der Verseinerung der Technik, der Steigerung der Leistung, der Stolz des Siegers und vor allem der Drang nach Luft und Licht. Zwischen Turnen und Sport bestand vor dem Kriege ein hestiger Streit infolge de. in ihrem Wesen liegenden Gegensätze. Sportlich üben hieß: Durch Verseinerung der Technik die Leistung des Einzelnen immer mehr zu einer Gipsel=(Rekord=) leistung steigern. Turnerisch üben hieß: Gemeinsames Ueben Mehrerer zur Erzielung einer möglichst guten Durchschnitts * 1 1 8 20000000000000 leistung. Daß heutzutage eine Durchdringung und Vermischung beider Betriebweisen Platz gegriffen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß viele große Sportvereine einen Turnbetrieb eingerichtet haben und viele Turnvereine ihre Uebungen sportlich betreiben, wobei nur an die mehrfach erfolgten„Städtewettkämpfe“ im Turnen erinnert werden mag. Das durch den Sport in den Betrieb der Leibesübungen hineingetragene Moment des Wettkampfes zeigt hier seine Kraft; Gipselleistungen Einzelner sehen wir heute bei Turnern wie Sportsleuten. Im Laufe des Krieges ist eine Annäherung beider Gruppen erfolgt, die zum Abschluß einer Arbeitsgemeinschaft zwischen den Verbänden geführt hat. Im„Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen“ ist die Einigung der Verbände— soweit sie nicht nebenbei parteipolitische Ziele verfolgen— geschehen. Die Ortsgruppen desselben, die Stadtverbände für Leibesübungen, fassen die örtlichen Bestrebungen zusammen. So sind im„Herner Stadtverband für Leibesübungen fast alle Zweige— mit Aus „ nahme des Radfahr= und Wintersports— vertreten. Ihm gehören an die Turnvereine: Herner Turnverein, gegr. 1873; Turnklub Baukau, gegr. 1879; Herner Turnklub, gegr. 1880; Turn= und Sportverein Horsthausen, gegr. 1890; Turnv. Jahn, gegr. 1908; Turnerbund bund Baukau(freie deutsche Turnerschaft); die Turnabteilungen der evangl. Jünglingsvereine von„Herne und von Baukau sowie des kathol. Jünglingsvereins der Bonisatius=Pfarre. Die Rasensportvereine: Westsalia, gegr. 1904; Germania, gegr. 1909; Ballspielverein Herne=Süd, gegr. 1913; Fortuna, gegr. 1919; Spielverein Herne 16 und Ballspielverein Herne=Stamm, gegr, 1919. Dazu kommen noch Kraftsportverein, gegr. 1920; Sauerländischer Gebirgsverein, gegr. 19??; Schwimmverein, gegr. 1921 und Wassersportverein, gegr. 1920. Die Zeiten sind ernst und bitterschwer. Deutschland braucht Jugend und Männer, braucht ein starkes Geschlecht der Zukunft, das auf festen Schultern die Lasten eines surchtbaren Krieges abtragen muß. Körperliche und mo ralische Gesundung ist nötig, und dazu bedarf es neben anderem der körperlichen Uebung. Patriae est dum ludere videmur(Ists auch nur Spiel, dien“'s doch dem Vaterlande) Daher die berechtigte Forderung:„Staat und Gemeinden haben die hohe nationale Pflicht, alle Einrichtungen zu schaffen und zu unterbal ten, daß unsere Jugend wieder in Licht und Luft zu körperlich und sittlich gesunden, arbeitsfähigen und arbeitsfreudigen Menschen heranwachst und die Erwachsenen sich wieder an Körperübungen erfreuen". Bisher war die Sorge dafür den Vereinen leider fast allein überlassen; von der oft versprochenen Förderung war wenig zu bemerken. Allzu konservativ war man selbst im„linken" Lager und konnte sich in die neuen Forderungen einer neuen Zeit nicht so recht hineinfinden. War es dort anfänglich noch die Angst vor dem gefürchteten Militarismus, so hat doch oft auch übertriebener Bürokratismus der Sache sehr geschadet. Unentwegt aber hat der Reichsausschuß, die Gesamtorganisation, an den Aufgaben in dieser Richtung gearbeitet. Seine ureigensten Werke sind die Schaffung des „Stadions“ in Berlin und die Gründung der Hochschule für Leibesübungen. Im Stadion, der mustergültigen Uebungsstätte, die kurz vor dem Kriege eingeweiht wurde, finden im Juni und Juli dieses Jahres zum 1. Male die großen vaterländischen„Deutschen Kampfspiele“ statt, bei denen Wettkämpfer aus allen Gauen deutscher Zunge in allen Arten der Leibesübungen um den Siegespreis kämpfen, wie einst im alten hellenischen Olympia. Voraussichtlich werden auch Wettkämpfer aus unserer Stadt teilnehmen, sofern sie aus den Ausscheidungskämpfen als Sieger hervorgehen. Die„Deutsche Hochschule für Leibesübungen“ ist die mustergültige Forschungs- und Ausbildungsstätte für Turn= und Sportlehrer. Mit nur geringer Unterstützung der Behörden ist sie im Wesentlichen von den Verbänden allein geschaffen. Durch vierzehntägige Kurse will sie auch im Reiche die Ergebnisse ihrer Forschungen verbreiten und an der Ausbildung von Turn- und Sportlehrern helfen, wie das bisher die staatliche Landesturnanstalt in Spandau(jetzt Preußische Hochschule für Leibesübungen genannt) allein tat. Auch hier in Herne findet vom 24. April bis 6. Mai ein solcher Lehrgang zur Fortbildung von Lehrern und Vereinsleitern statt. Daneben vertritt der Reichsausschuß den Behörden gegenüber die aus dem oben Gesagten sich ergebenden Forderungen, von denen als wesentlichste hier angeführt seien: Einbringung eines Spielplatzgesetzes, Vermehrung der Turnstunden in den Schulen, vermehrte Ausbildungsmöglichkeit für Lehrer, größere staatliche und städtische Unterstützung dieser Bestrebungen. Was wird nun durch regelmäßig und zweckmäßig betiebene Leibesübungen erreicht?„Die Steigerung der Arbeitsfähigkeit infolge der Kräftigung der Muskeln, die größere Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse und andere Fährnisse des Lebens infolge der Abhärtung schaffen eine Ueberlegenheit, einen Vorsprung im Kampfe ums Dasein gegenüber dem Ungeübten. Die veredelnde Freude an der Natur nimmt wieder zu, die dumpfe Kneipenluft verliert für die Freunde der Leibesübungen mehr und mehr an Reiz, ein Gewinn sowohl in gesundheitlicher wie in sittlicher Hinsicht. Mit Recht wird auch die erzieherische, charakterbildende Bedeutung der Leibesübungen allgemein gepriesen. Der Zaghafte gewinnt, wenn er die Kräfte seiner Muskeln erprobt hat, Selbswertrauen, Entschlossenheit, Mut. Leibesübungen, die mit einer Gefahr verbunden sind, erzeugen Geistesgegenwart, Selbstbeherschung, Selbstlosigkeit und Opfermut. Die gemeinsam betriebenen Spiele und Uebungen endlich erfordern freiwillige und zielbewußte Unterordnung und Verträglichkeit, sie schaffen Kameradschaftlichkit und Freundschaften".(Zander, Die Leibesübungen und ihre Bedeutung für die Gesundheit, S. 13 ein Buch, das den Anhängern der Bewegung zum Studium der physiologischen Tatsachen wegen seiner Uebersichtlichkeit und Billigkeit wärmstens empfohlen werden kann.) Das hat die deutsche Jugend mehr triebmäßig gefühlt, als verstandesmäßig erkannt und sich um die Fahnen der Turn- und Sportvereine gesammelt Mächtig sind die Mitgliederzahlen der Vereine in die Höhe gegangen.(Die Summe der im Herner Stadtverband zusammengeschlossenen Vereinsmitglieder betrug Anfang 1920—3154 und ist jetzt auf fast 6000 gestiegen.) Das ist ein erfreuliches Zeichen. Aber noch viele, viele mehr müssen sich beteiligen, soll aus diesem Uebungswerk wirklich eine Erneuerung des gesamten Volkes hervorgehen. Vor allem müssen die Zahlen der aktiv Tätigen wachsen. Es muß endlich, wie Dr. Carl Diem sich ausdrückt, dahin, kommen,„daß Leibesübungen allgemeine, gern betriebene Volkssitte werden, die jeder so regelmäßig betreibt wie etwa das tägliche Waschen". Die Vereine haben unterdessen unermüdlich an ihrer Aufgabe gearbeitet und trotz mancherlei Hemmungen Vieles erreicht. Turnhallen und Spielplätze waren vor allem notwendig. Die hier in Herne vorhandenen Turnhallen sind schon heute zur Befriedigung aller Wünsche nicht mehr ausreichend; besonders die Turnhalle der Oberrealschule ist heute geradezu„überbelegt". Man gehe nur einmal des Abends hin und sehe sich den unermüdlichen freudigen Eiser der jungen und alten Turner an! Die würden auch schon dieses Erscheinen als erfreuliche Anteilnahme dankbar anerkennen und in regem Wetteifer sich um immer bessere Leistungen mühen. Leider geschieht ja das Wirken gerade der Turnvereine noch zu viel im Verborgenen und dringt nur bei größeren Veranstaltungen, bei besonderen Schauvorführungen, an die weitere Oeffentlichkeit. Im Frühjahr, Sommer und Herbst aber kann man ihre Tätigkeit auch im Freien, besonders am Sonntag vormittag auf dem Platz am Stadtgarten, beobachten. Welche Leistungen durch rastloses Bemühen erreicht worden sind, hat besonders das im vorigen Jahre hier auf dem Westfalia Plotze abgehaltene Gauturnfest gezeigt, nachdem ein Jahrzehnt vorher das letzte im Stadtgarten geseiert war. Lobend muß aber besonders die reie Tätigkeit der Sportvereine(Fußballklubs) anerkannt werden. Mit großem Aufwand on Arbeit und Geld haben sie alle sich eigene Plätze geschaffen, da der einzige städtische, am Stadtgarten, für ihre Bedürfnisse nicht ausreichte und auch jetzt noch nicht als spielfähig bezeichnet werden kann. Fast mustergültig wären die von Westfalia am Schloß Strünkede und von Germania am Bahnhof zu nennen, wenn hier noch für die sanitären Bedürfnisse Räumlichkeiten vorhanden wären. Fortuna hat seinen Platz am Hasengelände, Herne 16 an der Schweden= und Forellstraße, Herne=Süd an der Flottmannschen Fabrik und Herne=Stamm an der Götbestraße. Allsonntäglich bilden diese Plätze den Treffpunkt vieler Hunderte von sportbegeisterten Anhängern. Und wenn auch dem jetigen Betriebe des leider allzu einseitic geübten Fußbollsviels noch allerhand wenig erfreuliche Erscheinungen anhaften, so ist damit doch etwas für die notwendige körperliche Betätigung und Erholung nach der Arbeit geschehen. Und auch die übrigen Sportvereine zeigen rege Tätigkeit und gehen mit freudigem Unternehmungsgeist an die Erfüllung ihrer Ziele: Allsonntäglich ladet der Sauerländische Gebirgsverein seine Anhänger zu fröhlichen, Lunge, Herz und Nerven stärkenden Wanderungen in eine schönere, gesundere Gegend ein. Der Schwimmverein führt seine Mitglieder zu der ganz besonders förderlich wirkenden Schwimmübung nach Gelsenkirchen, auch im Winter, wenn die nur auf Sommerbetrieb eingerichtete Badeanstalt am Kanal nicht benutzbar ist. Bekanntlich ist dieses, von der Stadt Recklinghausen zuerst begonnene Unternehmen auch schon viel zu klein, sodaß der Verein, wie wir hören, jetzt eine eigene Badeanstalt auf Herner Gelände errichten will, was der Stadt trotz aller rechtzeitigen Anregung nicht möglich war. Als Kuriosum sei übrigens daran erinnert, daß in der zur Rathauseinweihung geschriebenen Festschrift des früheren Oberbürgermeisters Schaefer als einzige Erwähnung von Turnen und Sport der beabsichtigte Bau einer Badeanstalt angeführt ist, für die laut Stadtverordnetenbeschluß die Ueberschüsse der Sparkasse verwendet werden sollten.— Der junge Wassersportverein endlich will seinen Mitgliedern ein eigenez Heim und für seine Boote eine bessere Unterkunft schaffen. Gegenüber dem Leifeldschen Schuppen am Hasen hat er den Bau eines Bootshauses beschlossen, das, wie jeder nach dem beigefügten Bilde sich überzeugen kann, ohne Zweifel eine Zierde der Stadt werden wird. Wenn einer nun glauben sollte, daß nur die oben aufgeführten Uebungen des Ruderns, Schwimmens, Wanderns, Fußballspielens und Geräteturnens betrieben würden, so wäre nichts verkehrter als das. Rein. im Gegenteil! Wie mannigsach sind allein die in den Turnvereinen betriebenen Uebrngen! Die volkstümlichen Uebungen des Lausens, Springens, Wersens, sowie die meisten Ballspiele, haben hier ihre Pflegestätte. Erinnert sei nu an den im vorigen Heron ausgetragenen„Staffellauf quer durch Herne“, bei dem Mitglieder der Turnvereine und der Turnabteilungen der religiösen Vereine ebenso wie die des Schwimmvereins, sich als beachtenswerte Gegner der eigentlichen Sportvereine zeigten. Neben dem Fußball üben diese letzteren— soweit sie nicht einen besonderen Einzelsport treiben— Laufen, Springen, Wersen, ebenso wie die Turnvereine und üben teilweise auch am Gerät. Empfohlen sei ihnen allen die Aufstellung eines Recks auf ihren Plätzen, an dem im Sommer sicherlich viele ihrer Mitglieder sich an einfachen Geräteübungen versuchen würden.— Auch Hockey, für das sich das gute deutsche Wort„Stockball“ noch wenig einburgern will, het viele Anhänger und noch mehr eifrige Zuschauer.— Nur das„Netzball“ spiel(statt des engl. Tennis) hat trotz allen Bemühens seiner Freunde, noch nicht dus ihm geouhrende Recht gefunden. Sollte es daran liegen, daß die beiden im Stadtgarten vorhandenen Plätze von der Stadt noch nicht in Stand gesetzt wurden?— Daß auch die Schwerathletik mit Ringen, Gewichtsheben, Steinstoßen im Kraftsportverein eine Stätte hat, haben wir im vergangenen Sommer und Winter mehrfach beobachten können. Zwar wird der Wintersport hier in Herne nicht sportsmäßig betrieben, weil viel zu seiten Gelegenheit dazu ist, in diesem Jahre aber hat der Winter doch besonders der Jugend die förderlichen Uebungen des Eislaufs(auf den Strünkeder Teichen) und des Rodelns(im Constantin= Waldchen) ermöglicht und sie hat reichlich davon Gebrauch gemacht. Dieses abwechselungsreiche Bild einer Betätigung in den Leibesübungen ließe sich noch vermehren durch die Anführung der„Reichsjugendkämpfe“, die im Jahre 1921 und 1920 hier abgehalten wurden, verschiedener„Schulseste" als Wettkämpfe des körperlichen Könnens, die in diesem Jahre auch für die Volksschulen wieder eingeführt werden sollen und nicht zuletzt durch die Tatsache, daß auch der weibliche Teil der Bevölkerung in immer steigendem Maße sich dabei beteiligt. Zuletzt sei noch hingewiesen auf das„Deutsche Turn= und Sportabzeichen“, das vom Deutschen Reichsausschuß gestiftet worden ist, als eine„Leistungsprüfung auf Herz= und Lungenkraft, auf Spannkraft, auf den Besitz von Körpersertigkeit, Schnelligkeit und Ausdauer“ und Anreiz geben soll,„zur Erreichung der für die Vollkraft notwendigen hochgesteigerten körperlichen Allgemeinausbildung und zur Bewahrung dieses Körperkönnens bis ins reife Mannesalter“. Am Sonntag, den 2. April, vormittags 10—12 Uhr, findet im Stadtgarten die Abnahme der Ausdauerprüfung— 10 Kilo= meter=Lauf in 50 Min.— statt— Ein friedlicher, reger Wetteiser auf auen Gebieten! Arbeit am Volke! Sprechende Zahlen aus der Entwicklung der Stadt Herne von 1897—1921. Die Entwicklung des Finanzwesens der Stadt Herne seit der Stadtwerdung am 1. April 1897 zeigt am besten die Gegenüberstellung der Summen der Haushaltungspläne und der Abschluß der Jahresrechnungen der Stadtkasse in den einzelnen Jahren. Es würde jedoch zu weit führen, die Beträge aus jedem Jahre seit 1897 aufzuführen. Wir haben deshalb die für die Stadt Herne bedeutendsten Jahre in Betracht gezogen, und zwar 1897 als Jahr der Stadtwerdung, 1907 als das Jahr vor der Eingemeindung der Gemeinden Baukau und Horsthausen, 1908 als das Jahr, in dem die Eingemeindung vorgenommen wurde, 1914 als letztes Jahr vor dem Weltkriege und 1920 bezw. 1921 als letztes Abschluß, bezw. Etatsjahr Das Ein= und Ausgabesoll hat betragen: 1897: 413000 M 1907: 1 350000 M 1908: 2180000 Ml 1914: 4473 366 M 1921: 35 364348 M 1922: wahrscheinl. 45000000.A. Das Steuersoll zur Deckung der Fehlbeträge betrug in denselben Zeiträumen insgesamt 1897: 286 558 M 1907:—816238 A 1908: 1 445 117 M 1914: 2019 489 M 1921: 14 515000 M Im Etatsjahre 1920 wurde die Reichseinkommensteuer eingeführt. Die Gemeindeeinkommensteuer kam dadurch in Fortfall. Bei Einführung des Gesetzes über die Reichseinkommensteuer blieb es den Gemeinden überlassen, die der Reichseinkommensteuer nicht unterliegenden Einkommen gemeindlicherseits zu besteuern. Die Stadt hatte hierzu bereits Vorkehrungen getroffen und deshalb auch das voraussichtliche Aufkommen hieraus mit 1600000 M für 1920 und mit 1.800000 M für 1921 in den Haushaltungsplan eingesetzt. Später wurde jedoch den Gemeinden das Recht zur Besteuerung der reichse inkommensteuerfreien Einkommen wieder genommen, jedoch wird das Reich voraussichtlich Ersotz für diesen Fortfall gewähren. Das Soll der indirekten Steuern betrug insgesamt 1897: 16 400 M 1907: 58 500 M 1908: 92000 M 1914: 147000 M 1921: 5120 000M Die Umsatzsteuer(Gemeindesteuer bei dem Erwerbe von Grundstücken) wurde durch Stadtverordnetenbeschluß vom 26. November 1897 eingeführt und von 1898 ab erhoben. Im Jahre 1919 kam diese Steuer in Fortfall, da von diesem Jahre ab eine staatl. Grunderwerbssteuer erhoben wurde. Die Stadt hatte von jetzt ab nur das Recht, zu dieser Steuer einen Prozentsatz zuzuschlagen, der 1 v. H. beträgt. Außerdem erhält die Stadt ½% als Anteil aus dieser Steuer. Nach dieser Berechnung betrug das Soll in 1921: 60000 A. Die Gemeinde=Wertzuwachssteuer wurde im Jahre 1909 eingeführt. 1911 wurde diese Steuer jedoch in eine Reichssteuer umgewandelt. Aus dem Ertrage derselben erhielt das Reich bis 1913 40“ der Staat 10 e und die Gemeinde 40%. 1913 verzichtete das Reich auf seinen Anteil, der dann seit diesem Jahre der Stadt zugute kam. Außerdem erhält die Stadt für die Hebung der Steuer 5 a Hebegebühren. Die Umsatzsteuer(Warenumsetzsteuer) wird als Reichssteuer seit 1. August 1918 erhoben. Die Stadt erhält von dem Aufkommen dieser Steuer 5% Anteil und 4% Verwaltungs= und Erhebungskosten. Vom 1. 12. 21 fallen die 5% Anteil fort, weil von diesem Tage an die Geschäfte vom Finanzamt übernommen worden sind. Die in 1921 eingesetzte Gewinnabaabe von Gas und Strom von 900( mußte zur Deckung des Fehlbetrages durch eine Erhöhung der Gas= und Strompreise aufgebracht werden. Zu demselben Zweck mußte durch Erhöbung des Wassergeldes ein Betrag von 1 250000 M erzielt werden. Bilanz der Stadt Herur. Das gesamte Vermägen der Stadt Herne einschl. Grundstücke, Gebäude, städte Betriebe, Straßenbahnen, Materialien usw. beträgt 116 403234 Mork. Die Schulden belaufen sich auf 48346 371,27 Mark. Das Reinvermögen beträgt also 68 056 762,73 Mark. Bevöllerungsbewegung— Verkehrswesen Naturgemäß ist die Bevölkerungsbewegung in Herne mit der Ausdehnung des Bergvaues und der Industrie auss engste verknüpft. Um 1760 wird Herne als ein fleckenähnliches Dorf. wie es in der Festschrift von Oberburgermeister a. D. Schaefer zur Einweihung des neuen Rathauses heißt, geschildert, mit 116 Häusern und einer schönen Papiermühle. 1809 wurden nur 114 Wohnhäuser gezählt mit 575 Einwohnern, 1830 betrug deren Zahl 1300. Mit dem Einzug der Industrie änderte sich das Bild, die Einwohnerzahl ging sprunghaft in die Höhe. Die erste Kohlenzeche wurde 1856 gegründet. 1804 und 1869 folgten 2 weitere Schächte, 1870 förderte Friedrich der Große die ersten Kohlen. 1861 zählte Herne 2800 Einwohner, darunter 210 Bergleute. Die weitere Zunahme der Bevolkerung zeigen folgende Zahlen: 1871: 6000, 1880: 10000, 1890: 19000, 1900: 40000, 1910: 60000, 1921: 68000, z. Zt. rund 70000. Im Jahre 1847 wurde Herne Bahnhofstation der Köln=Mindener Eisenbahn. Sie erhielt den Namen Herne=Bochum, da Bochum noch keine Eisenbahn besaß. 1873 erfolgte der Bau der Emschertalbahnstrecke: Wanne=HerneCastrop=Dortmund. 1872 wurde die BergischMarkische Strecke über Riemke nach Bochum gebaut, deren Personenbahnhof sich an der v. d. Heydtstraße befand. Er wurde 1887 stillgelegt und abgerissen. Es wurde dann ein Verkehr mit einem sogen. Thomaswagen eingerichtet. Mit der Errichtung der Straßenbahn Herne=Bochum wurde auch dieser Thomaswagen=Verkehr eingestellt. Die Zahl der am Bahnhof Herne verkauften Fahrkarten betrug im Jahre 1890 rund 170000, im Jahre 1921 rund 1 400000 Stück. Die Wageneinläufe stiegen in derselben Zeit von rund 100 006 auf rund 340000, die Wagenausgange von 1 400000 auf 2066000. Noch langen Bemühungen von Stadtverwaltung, Verkehrsverein und Presse wurde im Jahre 1914 mit dem großen Umbau des Bahnhofs Herne begonnen. Die Fertigstellung erfolgte 1917. Die Pläne und Wünsche der Herner Stadtverwaltung inbezug auf Verbindung mit Langendreer, die Städteschnellbahn Köln=Dortmund, die Nord=Südverbindung Recklinghausen=Herne=Bochum, Wuppertal werden tatträftig vertreten; moge der Erfolg diesen Bestrebungen bald reifen. Unermüdlich tritt der Verkehreverein in Wort und Schrift für die Verbesserung der Zugverbindungen und für die Gleichstellung der Köln=Mindener Linie mit der Vergisch=Märkischen Strecke inbezug auf den Schnellzugverkehr ein, wobei er viele Erfolge erzielt hat. Straßenbahnverkehr. Auch dem Ausbau des Straßenbahnnetzes hat die Verwaltung ihre besondere Sorgfalt zugewiesen. 1894 wurde die Linie Herne=Bochum eröffnet, auf welcher Strecke in 1921 fast 8 Millionen Personen befördert wurden. 1898 folgte die Eröfjnung der Straßenbahn Herne=Reckling= hausen. 1906 folgte die Inbetriebnahme der Linie Herne=Sodingen, die seit 1910 bis Castrop weiter geführt ist. Die Linienführung vom Neumarkt bis Zeche Shamrock wurde später wieder aufgegeben. 1908 wurde die Strecke HerneHontrop in Betrieb genommen, ein Jahr vorher war bereits die Linie Herne=Gerthe gebaut worden. Am 24. Mai 1912 erfolgte die Gründung der Westfäl. Straßenbahngesellschaft zur Zusammensassung der verschiedenen Linien. 1913 wurde der Straßenbahnverkehr mit Herne=Horsthausen ausgenommen. In jüngster Zeit erfolgte dann der Bau einer direkten Straßenbahn=Verbindung Bahnhof=Herne— Bahnhof Wanne unter Benutzung der vorhandenne Strecke HerneHöntrop. Schließlich stehen die Verhandlungen über den Bau einer Straßenbahn von Herne nach Hochlarmark und Herten vor dem Abschluß. Eine Tat war der Ende vergangenen Jahres erfolgte großzügige Zusammenschluß der in Herne einmündenden Straßenbahnen zu einer einheitlich geschlossenen Linienführung. Die Entwicklung der Industrie. Entsprechend der großen Entwicklung der Industrie und des Bergbaues, auf die wir hier nicht näher eingehen können, stieg auch die Zahl der Handarbeiter. Diese betrug im Jahre 1861 insgesamt 210. Im Jahre 1871 waren in Herne 1676 Handarbeiter beschäftigt, davon 20 in der Eisenindustrie, die übrigen im Bergbau. 1880 betrug die Zahl der Bergleute 2637, im Jahre 1900 waren 8459 Vergleute in Herne tätig und 800 Arbeiter in der Eisenindustrie. 1910 betrug die Zahl der Bergarbeiter rund 10000 und die der in der Eisenindustrie tätigen Arbeiter rund 3000. Heute beträgt die Zahl der Herner Handarbeiter in der Berg= und Eisenindustrie rund 20.000. Die gesamte Herner Kohlenförderung betrug im Jahrc 1897 rund 2 Millionen Tonnen, vor dem Weltkriege rund 3 Millionen und z. Zt. etwa 2300000 Tonnen. Das größte Werk der Eisenindustrie unserer Stadt ist die Maschinenfabrik Baum A.=G., deren Arbeiterzahl von 300 im Jahre 1897 auf heute gestiegen ist. Ebenbürtig diesem Werke zur Seite steht die Firma Flottmann am Comp., die ursprünglich 35. heute 1345 Arbeiter beschäftigt nud außerdem verschiedene Zweigniederlassungen auswärts besitzt. Auch die 1897 bereits vorhandenen übrigen Fabriken haben eine entsprechende Ausdehnung ihres Betriebes erfahren. So beschäftigten: Maschinenfabrik Beien Kesselfabrik Verninghaus Grubenwagensabkik Halstrick Gewerkschaft Dorn, Schraubenfabrik Herner Herdfabrik Bürgerliches Brauhaus Drahtseilfabrik Geßmann W. Christian, Dachkonstruktionen und Schmiedearbeiten OOCO 150000 Heinrich Heiland WohnungsM MNMP M M M M M M M MH AM MHMA AM MAMN AMPRANAM M Mngnz Ausstellung von 100 Musterzimmern Besichtigung ohne Kaufzwang Lieferung überall fertig aufgestellt 3 Einrichtungen Grösstes und vornehmstes Geschäftam Platze Gegründet 1899. Bahnofstrasse 3 HERNE Telefon 918 „a i A Carl Schauff, Zigarrenhandlung H E R N E. Bahnhofstrasse 72(neben Schauburg- Kino) Bekannt als gutes Einkaufshaus für Spezialltäten wie: Hambu ger-Importen, Sumatra, Vorstenlanden, Felix-Brasil, sowe grosste Auswahl in sämtlichen Zigaretten- und Tabaksorten zu den billigsten Preisen. Die allbekannten Wazeneil bbrikals werden sleis weltergeführt 101. 15 aE Berte und billigrte Bezugrquelle für begere Jchuhwaren 25 Jahre besteht 1922 das Bürderliche Brauhaus Zu Herne. Seine Erzeugnisse werden von Kennern hochge chätzt. Kräftig, bekömmlich und wohlschmeckend, in der Würze von ausgesprochener Eigenart, marsd iert das Herner Bier in der ersten Reihe der in den Nachbarorten Dortmund und Bochum hergestellten Biere. Unsere Brauerei erfreut sich daber seit ihrer Gründung des unverminderten Vertrauens ihrer Abnehmer und eines auch außerhalb der Stadtgrenzen mehr und mehr wachsenden Interessentenkreises. Gegründet wurde das Herner Brauhausunternehmen am 27. Dezember 1897 als Aktien= Gesellschaft, die ihr Kapital, der fortschreitenden Entnicklung gemäß, vergrößerte. In der Anlage von Gebäuden, Kellereien, Maschinen und sonstigen Einrichtungen gelangten stets die besten Erfahrungen im Brauereigewerbe zur Anwendung, sodaß heute eine Bierproduktion von jährlich über 100000 Hektoliter erfolgen kann. Verfügbar sind 3 automatisch befeuerte Großwasserraum=Dampfkessel, 2 Dampfmaschinen, 4 Dynamos und über 40 Elektromotore Außerdem ist die Brauerei zum Betrieb ihrer elektrischen Maschinen an das Verbands=Elektrizitätswerk„Westfalen" angeschlossen. Eine weitere Ausgestaltung erfährt zur Zeit das modern eingerichtete Sudhaus. Auch die der Gärung und Lagerung des Bieres dienenden Tankanlagen stehen vor ihrer Erweiterung. Mustergültig sind die durchweg automatisch arbeitenden Ausstoß= und Abfülleinrichtungen für den Faß= und Flaschenbierversand, desgleichen die täglich etwa 1000 Zentner Eis herstellende Eismaschinen=Anlage, welche die ausgedehnten Vierlagerkeller auch im heißesten Sommer auf einer Temperatur von 0 Grad hält. Schwankhalle, Picherei, Küserei und sonstige Hilfswerkstätten befinden sich ebenfalls in bestem Zustand, ebenso der Fuhrpark und die für 60 Pferde ausreichenden Stallungen. Ferner sind die einzelnen Gebäulichkeiten innerhalb des großen Brauereigeländes so angeordnet, daß die Prauerei sich leicht zu mehrfacher Produktionsfähigkeit entwickeln kann. In ihrer Dividendenpolitik war die Gesellschaft stets vorsichtig und erzielte über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Rücklagen, die ihr die Ueberwindung jeder Krise sichern. Herne. Bahnhofsfr. 7% Prot und Backwaren# kaufen Sie nach wie vor billig und gut bei Wilh.Jungmann, Dampfbäckerti. 68 Mont=Cenisstraße 83, Telefon 546. jede Dame bekommt ein gutsitzendes, starkes Korsett bei der Firma Corselhaus„Juno“ Herne Bahnhofstrasse 71, Teleion 545. Sämtliche Schn SU Gegenüber der Firma Fischerwir Izn der, Nelken, Rosen Maitlumen. Bergitzmeinnicht Beilchen, Schneegloschen, haben, sowi: Topfpflanzen und Kördchen. Blumenhaus E. Willing jr. Banhofstraße 107 Telef. 1164 1613 direkt am Bahnhof. T Sellnnmmmmm Weinbrand □ Reinheif verbürgt! Sin Labsal Iür Ganke u Genesende= —— Weinbrand-Verschniet 1. Fl. 84 Weinbrand* Stern 65 „*r: Stern 70 „** Stern 75 „ Auslese 80 Sillnnimmmmmmmmm Kranken-Weine Eisentinkturen Medizinal-Lebertran Kratt-Emulsion Alle treigegebenen Arzneimittel Iintmimmmmmmm Spedalhaus E22 Feiner Liköreu. Neine —„— = bürgt für allererste Qualllät bei= billigsten Preisen! Allasch... ½/ Fl. 31.- ½ Fl. 55.= Cacao„ 31-, ½„ SS• E = Cherry Brandv ½„ 37- 1." 68-— * Curacao„ 42.-,-„ 75Ablei„ 44.-1 Lir. 98.-S K Nähr- u. Krättigungsmittel Verbandstotte Artikel zur Kinder- u. Krankenptlege Seiten Partümerien 23 isemann, Hel v. d. Heydt trasse 25, Ecke Poststrasse. Fernruf 548. Sehist — Ab2 für Handel, Gewerbe und Piwate werden in meiner Buchdruckerei in bester Ausführung hergestellt. Kostenvoranschläge sowie Entwürse slehen gern zu Diensten. Mäßige Preise. Spezialität: Drucksachen für Vereins-Festlichkeilen. Buchdruckerei— Buchbinderei— Bürobedarf AUG. WIEDENHCEVER, SODINGEN i. Westf. Schulstrasse 21. 15780 : Versäumen Sie nicht Hugust Homborg, dem ersten Spezialhaus für Festgeschenke Bochum Hochstraße 2 16226 einen Besuch zu machen Sie werden überrascht sein über die Fülle der Auswahl, über den feinen Geschmack, über die guten Qualitäten, ganz besonders aber über die Preiswürdigkeit. E Slih •# Tuch- und Maßgeschäft 1. Ranges Terdinand Wegat&am Jlerne CMont-Cenisstraße 22. G April 1902—192—. D 15305 Das muss ich mir aufschreiben, denkt jeder, wenn er liest Bochum, Kortumstrasse Hotel Schlenkhoff Teleton 965" Besitzer Emil Hasse 4 Teleion 965 EP 85 Gebr. del Iistro, Herne i.Westf. Hosaik, Terrazzo, Cementwaren und Kunststein-Fabrikation Mont-Cenisstr. 57 Erstes und ältestes Geschäft am Platze. Teleton Nr. 762. Spezial-Ausführung in freitragenden Treppen mit Wange nach eig. erfingung. Ges. gesch. D. R. G. M. 512954 594999 610 008 Abdecksteine für Balkongitter und dergl. Ges. gesch. D. R. G. M. 600305. 15336 befindet sich das Herren-Garderobenhaus, wo sich jeder,o me grosse Cieldausgaben zu mechen, einen eleg. modernen Anzug in reizkollen Faben und Formen. Covercaat, Culaway und Weste oder r ose billig kauten Fann. Weil ich, wie bekannt, Kleidungsstücke aus fenen Stoffen und erst lassiter Verarbeitung mit tadellos m Ste in den Verkauf bringe, lohnt es sich unbedinet, auch den weitesten Weg ncht zu scheuen, und bei Bedarf mich zu besuchen. Herren-Garderoben-Kaus L. Tepper Bochum, Kortumstr. 1 Wein- und Bierrestaurant- Gute Küche- Der Neuzeit entsprechend eingerichtete Fremdenzimmer. Grosser Saal kleinere Gesellschafts- und Konterenzzimmer. WEINGROSSHANDLUNG 19862 Friedr.Tillmann, Herne nis Ideal-Getrank des Blerkenners 1s1 Bochumer9996. VictoriaGarantiert rein aus Mais uns Honien Pilsener I re Inhaber: Heinr. Schmits Fernsprecher 827. 15615 Bahnhofstr. 61. Uhren, Goldwaren, Optik. Schuhhaus wilbelm Verwen Börnla-Sodingen.(am Amtsbaus) Reparaturen und Maßarbeit. G 15745 Eise Verweu Damen= und Kinderputz Umarbeiten, Umpressen K nähen und pressen von Damen- und KinderSommerhüten auf allerneueste Formen, saub., schnellu. konkurrenzl. R Villig Umpressen von Herrenhüten das ganze Jahr hindurch. Eigene Färberei 15565 Stroh- und Filz- EDADITAET hutiabrik KAPHAEL HERNE, Bahnhofstr. 5 an der evangel. Kirche 9** #4“ m su nn i Ksonsin. 191 solin verletzt worden ist. aber sie hat doch der Bevölkerung feierlich gegebene Versprechungen gebrochen. Aba Dr. Mener(Kom.) schließt sich in der Beurteilung der Rechtslage im allsemeinen dem Aba. Obuch an. Die rattionaren Parteien hätten nur die Absicht, zum Revanchekrieg aufzuputschen. Ministervräsident Braun: Ich habe keine Neigung. in dieser Situation auf die Ausführungen des Aba. Dr. Meyer im einzelnen einzugeh ∆(Laute Pfui=Aufe bei den Kom.) Die Arbeiter wer#### von einer wirtschaftlichen Schädigung Ostvreußens am schwersten betroffen. Darum haben sich auch die der Sache näher stehenden ostvreußischen Kommunisten mit allen übrigen Parteien in dem einmütigen Prolest gegen die Grenzkommission vereiniet. Der Aba. Obuch hat es als Preuße und Deutscher für richtig gehalten willkürlich den Verjailler Vertrag in einem für Polen günstigen Sinn auszulegen. Er hat damit der Grenzkommission das Konzeot gegen uns asliefert.(Lebhafte Zustimmung und Pfui=Rufe gegen den Abg. Obuch.) Der Ministerpräsident widerspricht dann der Auslegung des Abe. Obuch und sucht aus den einzelnen Vertragsbestimmungen die Richtigkeit seiner eigenen Auslegung nachzuweisen Dem Aba. Dr. Mener zugewandt erklärt der Min'sterprähdent: Auch ein Mann der die Weisungen für seine versönliche Haltung aus Roskau bezieht(Minutenlanger Lärm bei den Kom.) sollte doch soviel national's Gefühl. soviel Gemeinsamkeits efühl mit seinem Volk besitzen, daß er nicht die Sache der Feinde seines Volkes vertrete.(Lobhafter Beijall bei der Mehrheit. Lärm bei den Kom.). Ich habe immer Chauvinismus und Militarismus bekämpft. Dr. Mener redet aber dem Chauvinismus unserer Gegner das Wort.(Lärm bei den Kom.) Ich habe die vreußische Polenvolitik energisch bekämpft, als Sie(zu den Kom.) noch die Schulbänke drückten(Sehr gut!). wenn dieselben Polen es jetzt aber schlimmer treiben als die schlimmsten Hakatisten, so muß man schon wie die Kommunisten aus dem nationalen Gefühl ein Zerrbild machen, um ihre Interessen gegen das eigene Volk zu verteidigen.(Lebh. Beifall bei der M hrheit minntenlanges ironisches „Hurra“=Schreien bei den Kommunisten.) Abg. Steifen(D. Vv.) spricht unter dem Lärm der Kommunisten sein tieses Bedauern darüber aus. daß Dr. Meyer als Ostvreuße so wenia Gefühl für die Nat seiner Heimat gezeigt habe. Aba Herrmann(Dem.) ersucht die Recherung. unter keinen Umständen die rechtswidrige Entscheidung der Grenzfestsetzungskommission an zuerkennen. Er versichert die ostvreußischen Brüder der wärmsten Teilnahme und Unterstützung der dreußischen Volksgesamtheit. Von den Unabhängigen ist ein Antrag eingegangen, der den deutschnationalen Antraa in der Weise ändern will. daß anstatt von einr Verletzung des Friedensvertrages von einer Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker gesprochen wird. Weiter wird die Streichung des Schlußsatzes beantragt. Ein Zentrumsantra auf Schluß der Aussprache wird gegen den lauten Widersoruch der äußersten Linken angenommen Die„Unabhängigen=Aenderungsanträge werden abgelehnt. Der Antrag der Deutschnationalen wird gegen die Stimmen der Unabhängigen und der Kommunisten angenommen. * Die Vorlage, die die Gehälter der preußischen Beamten. Lehrer und Mittelchullehrer denen der Reichsbeamten anpaßt wird in 2. und 3. Lesuna angenommen Die 2. Bratung des Landwirtschaftsetats wird fortgesetzt. Die Debatte wird um 5½ Uhr auf Samstag 11 Uhr vertagt. Deutscher Reichstag. 199. Sitzung 6 Berlin, 31. März 1922.(Telegr.) Auz, der gestrigen Sitzung ist nachzutragen, daß der Reich den Nachtragsetat zum Besoldungsgesenz nach den bskannten Vereinbarungen und den Beschlüssen des zuständigen Ausschusses in zweiter und dritter Lesung angenommen hat. Anfragen. Auf eine Anfrage des Abg. Steinkoof(Soz.) wird regierungsseitig erwidert, daß Erwägungen wegen der Ausdehnung des preußischen Ueberalterungsgesetzes auch auf die Reichsbeamten im Gange leien. Auf eine Anfrage des Aba. Budguhn(deutschn.) lätzt die Regierung erwidern. daß seit dem 1. Januar Entlassungen in Neunolen lebender deutscher Volksschullehrer. die für Deutschland ootiert haben. durch Polen nicht stattgefunden haben, daß das Auswärtige Amt sich aber weitere Schritte in der Angelegenheit vorbehalte. Auf eine weitere Anfrage desselben Abgeordneten wegen der Werbetätigkeit in Deutschland für die Fremdenlegion wird erwidert, daß die Regierung gemeersam mit den Ländern Schritte unternommen habe, um die Tätigkeit der Werber zu unterbinden. Abenteurerlust. Arbeitslosigkeit oder Furcht vor Strafe treiben die jungen Leute zur Fremdenlegion. Die Werbung sei teilweise mittels Betäubung durch Alkobol. teilweise durch Arheitszusicherung geschehen. Die Regierung tue alles, um solcher Tätigkeit entgegenzutreten und die jungen Leute zu befreien. Nach Erledigung einer Reihe weiterer Anfragen er folgt die dritte Beratung wegen Erhöhung der Unterstützung von Rentenempfängern der Inoaliden und Angestelltenversicherung, die vorgestern an dem Einspruch der Unabbängigen gescheitert war. Die Unabhängigen haben neue Anträge auf Erhöhung der Sätze eingebracht. Das Gesetz wird jedoch im allgemeinen in der Fassung des Ausschusses endgültig angenommen. Sodann wird die 3. Tesung der Steuervorlage bei der Kohlensteuer fortgesetzt. Gegen den Protest der Unabhängigen. der Kommunisten und der Sozialdemo kraten wiro die Koglensteuer schließlich angenommen. Beim Branntwein=Monovol werd n zur Bekampfung der Truntsucht 20 Millionen. zur Bekämpfung der aus dem Alloholmißbrauch der Volksgesundbeit entstebenden Schäden. insbesondere der Tuberkulose und der Geschlechtstrantheiten. 10 Millionen angesetzt. Darauf wird das Branntweinmonovolgesetz gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten angenommen. Das Geletz triut am 1. Mai in Kra####. Zum Vermögenssteuergesetz hält Aba. Höllein (Komm) wiederum eine mehrstündige Rede gegen das Kapital. Ein Antrag Bernstein(Soz.) der u. a. die Sparkassen von der Vermögenssteuer freilassen will. wird nach längerer Debatte mit 190: 153 Stimmen abgelehnt, ebenso ein Antrag Dert(US.). der die Freilassung der Kirchen streichen wIl. Bei§ 16 über den Ertragswert wird in namentlicher Abstimmung ein Antrag der Linksvarteien. die Re gierungsvorlage wieder derzustellen und den„gemeinen Wert“ anzusetzen. mit 186 gegen 131 Stimmen abgelehnt. und die Fassung der zweiten Lesung angenommen. ebensg der Nest des Gesetzes gegen die Stimmen der Kommun sten, desgleichen werden die Be.mönenszuwachs. steuer, die Körverschaftesteuer und die Ravitalverkehrssteuer mit unwesentlichen redaktionellen Aenderungen in der Fassung der zweiten Lesung angenommen. Witerberatung morgen 11 Uhr. Autonomie der Reichsbank. kleine Vorlagen und Rest der Steuergesetze. Schluß 7½ Ubr wortet. Die türkische Regierung hat beschlossen. wegen der Auumung Thraziens einsthließlich Adrianovels. die se für die Sicherheit Konstantinovels als unerläßlich betrachtet. weitere Schritte zu unternehmen. Genua in Sicht. Jurcht vor Mordanschlägen. Lenin fühlt sich unwohl. V71 London, 31. März. Tschitscherin erklärte sich in einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter des„Manchester Guardian“, in Riga sehr beunruhigt durch die Haltung der italienischen Regierung und sagte. wenn die russische Delegation nicht in Genua. sondern 30 Meilen davon entfernt in Ravallo unter gebracht werde. müsse sie jeden Taa in Automobilen auf der einzigen Verbindungsstraße zwischen Ravallo und Genua, die besonders für Mordanschläge geeignet sei. nach Genua fahren. Angesichts der Drohungen. die bereits durch Savinkow und die russischen Monarchisten gemacht worden seien. werde vielleicht für die Sowieldelegation es unmöglich sein, nach Genua zu geben, wenn sie täglich auf der Straße Rapallo=Genua Spießruten lausen müsse. Auf die Frage. weshalb Lenin nicht mit der Delegation komme, obgleich er auf der offiziellen Liste stehe, erwiderte Tschitscherin. Lenin fühle sich unwohl und könne Rußland jetzt wohl nicht verlassen. Wenn die Anwesenheit Lenins in Genua wesentlich erscheinen sollte. sei es nicht ausgeschlossen, daß er nachkommen werde. * Die Vertreter Englands und Italiens. WTR London. 31. März. Wie gemeldet wird. wurde gestern von offizieller Seite ertlart, daß Premierminister Llovd George. Lord Curzon und Sir Robert Horne am Freitag. den 7. April von London nach Genua abfahren werden. Der Premierminister wird von drei Sekretären begleitet. Sir Edward Grigg. Mister Davies und Mister Sylvester, möglicherweise auch von Sir Maurice Hankey. A Frankfurt a. M., 31. März.(Privattelegr.) Wie die„Frankfurter Zeitung“ meldet, beseht die italienische Abordnung von Genua aus folgenden Ministern: Defacta. Präsidium. Schanzer, Auswärtiges. Bergtone, Finanzen. Rossi. Industrie. Eine Entstellung der Catsachen. Reparationsfrage. WTB London, 31. März. In Erwiderung einer Anfrage erklärte Chamberlain, die über die vor zwei Tagen abgehaltene Geheimsitung des französischen Senats veröffentlichten Berichte enthielten eine Entstellung der Tatsachen. In Wirklichkeit hätten sich die Ereignisse folgenvermaßen abgespielt: Im Jahre 1920 habe der Oberste Rat deutsche Kohlensachverständige nach Spa berufen, die erklärt hätten, der Dauptgrund für die unzureichenden Kohlenlieferungen sei die schlechte Ernährung der deutschen Bergleute Die alliierten Sachverständigen hauten die Berechtigung dieser Erklärung einstimmig anerkannt. Der Oberste Rat habr darauf auf Antrag Llond Georges beschlossen, daß die Alliierten Deutschland für den Antauf von Lebensmitteln für die Vergleute eine Summe vorschießen sollten, die den Unterschied zwischen den tatsächlichen für die deutschen Kohlenlieferungen geleisteten Zahlungen und den in England üblichen Ausfuhrrreis für Kohlen entsprechen sollte.„Dieses Abkommen habe sich auf einen Zeitraum von sechs Monaten erstreckt und seine Ergebnisse seien gewesen daß die Forderungen der Revarationstommission bei nuhe von ständig erzullt wurden und daß die Kohlenkrise in Frankreich eine Erleichterung erfuhr. Das britische Schatzamt habe entgegen den der öffentlichten Behauptungen keinerlei Vorteile erzielt, im Gegenteil habe Großbritannien sich bereit erklart, Deutschland Verschüsse zu gewähren, ohne daß irgendwesche Kohle nach England tranvortiert wurde. Deutsches Reich. Die Autonomie Oberschlesiens. „, Breslau. 31. März. Die„Scensche Volkszeitung“ veröffentlicht eine in Neustadt von Vertrauensmännern der oberschlesischen Zentrumspartei, gesaßte Entschließung. die mit grogem Nachdruck eine Abstimmuna über die untanomie Oberschlesiens, wie sie durch das Reichsgesetz und die Regierungverklärung gewähr leistet wird. verlangt. Die Partei will sich für die Autonomie einzetzen. um die Wiederkehr politischer Fehler zu verhindern. und erstrebt einen möglicht engen Anschluß an das Reich. Es sei mit der Parteidisziolin un vereinbar, daß die Mitglieder in geanerischen Organisationen gegen die Autonomie arbeiten. * Der neue Reichs=Ernährungsminister. 1 Der Reichsoräsident ernannte den Reichstagsabgeordneten Anton Fehr zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Fehr. der dem Bauerischen Bauernbund angebört. ist seit 1919 ordentlicher Professor an der baverischen Hoh schule für Landwirtschaft in Freisina=Weihenstephan, Geberen am 24. Dezember 1881 zu Lindenbera im Allgäu. erhielt er noch praktischer Ausübung der Landwirtschaft seine theoretische Ausbildung auf der landwirtschaftlichen Hochschule Weibenstephan. an der er jetzt Lehrer ist und an der technischen Hochschule in München. Seit Oktober 1915 ist er im Vorstand der Baverischen Landesfettstelle in München. Die Untersuchung gegen Dr. Hermes. * In der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung des Untersuchungsausschusses gegen den Reschaftnanzminister Hermes entschied. wie die Blätter mitteilen. die Mehr heit des Aus chusses gegen die Stimmen der Vertreter der drei soztallstischen Parteien. daß die Anschaffung des ersten und zweiten Automobils für das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft nicht als Versehlungen des Ministers angesehen werden können. Der Ausschuß beschäftigte sich sodann mit dem Fall Augustin. wurde beschlossen. neben der Einforderung einiger Akten aus dem Reichsernährungsminister um Staatssekretär Dr. Ramm. Staatssekretär Dr. Huber. Oekonomierat Mans und Regierungsrat Bittona am 5. April als Zeugen über den Briefwechsel und die Gespräche des Minister Hermes über den Fall Augustin zu vernehmen. Am 5. April soll auch die Erörterung der Wein= und Zuckerangelegenheit beginnen. Ausland. Die ir'sche Friedenskonferenz. A London. 31. März. Die irische Friedenskonferenz. die auf Einladung der britischen Regierung am Mttwoch in London zusammengetreten war. führte zu einem Uebereintommen, wodurch der Frieden zwischen dem irischen Freistaat und Ulster erklärt wird. Bede irischen Regierungen verpflichten sich, in jeder Wese nach Kräften zu ammenwirken, um in den Ge bieten Irlands. wo Unordnung herrscht. friedliche Ver hältnisse zu schaffen. Die Spezialvolizei in Belfast wird in den Stadtteilen, wo die Bevölkerung gemischt ist, zur Hälfte aus Katholiken, und zur anderen Hälfte aus Protestanten bestehen. Alle Durchsuchungen nach Waffen finden durch gemischte Streitkräfte statt. In Belfast wrd en Ausschuß geschaffen, der zu gleichen Teilen aus Pretestanten und Katholiken besteht. um die Klagen be züglich der b.gangenen Verbrechen zu untersuchen. Die politischen Gefangenen werden in Freiheit gesetzt. Bide irischen Regierungen werden an alle Iren einen Aufruf richten. im Interesse des Friedens Mäßigung zu zeigen Friedensfragen. Griechenland will Wassenstillstand machen. A Athen. 31. März.(Privattelear.) Die ariewische Regierung hat die Waffenstillstandsvor schlage der Entente mit kleinen Vorbehalten angenommen. Die Türkei hat noch nicht geantKohlenförderung und Brennstoffnot. Die Verhandlungen im Reichskohlenrat. )( Berlin, 31. März. Heute vormittag trat im Ingenieurhaus zu Berlin die Vollversammlung des Reichstohlenrates zusammen. Der Geschäftsfuhrer des Reichskohlenrates, Bergyauptmann Bennhold, machte längere Ausführungen, worin er u. a sagte: „Die deutsche Steinkohlenförderung hat mit rund 136 Millionen Tonnen, die Produktion von 1920 um etwas übertroffen. Die deutsche Kokserzeugung hat sich 1921 auf rund 27,3 Millionen Tonnen, das ist gegen 1920 um etwa 2,6 Millionen Tonnen oder um rund 11,5 Prozent gehoben. Sowohl bei Kohle wie auch bei Kots entfällt der wesentlichste Teil der Steigerung auf das Ruhrrevier. Die Beleoschaftsvermehrung der einzelnen Steinkohlenreviere nahm 1921 ein ruhgeres Tempo an. Im Ruhrrevier ist die Arbeiterzahl um etwa 25.000 auf rund 557000 Mann angewachsen. in Oberschlesien hielt sich die Belegschaft wie 1920 auf rund 185 000 Mann. Während sich im Ruhrrevier die Belegschaft gegen das Vorjahr nur um etwa 4.7 Prozent vermehrte. ist die Förderung um etwa 6•9 Prozent gewachsen. Der deutsche Arannkohlnberabau zeigt mit einer Jahreserzeugung von rund 123 Millionen Tonnen im Jahre 1921 eine Steigerung von reichlich 12 Millionen Tonnen gegen das Vorjahr. Das ist ein Mehr von rund 11 Prozent. Die allgemeine Brennstoffversorgungslage Deutschlands erfuhr jedoch keine merkliche Enlspannung. Durch den Eisenbahnerstreik wurde sogar eine sehr fühlbare Verschärfung für einzelne WirtschaftsDie Essener WasserbauAusstellung. X Essen. 31. März 1922. Wenn man vom rheinisch=westfälischen Industriegebiet als Herz Deutschlands spricht, so denkt man in erster Linie an den Kohlenbergbau und die damit eng zusammenhängenden Industriezweice in Verbindung mit dem engmaschigen Eisenbahnnetz. Nur wenige dagegen wissen. daß das Industriegebiet auch das Herz des deutIchen Wasserstraßenverteors genannt werden muß: gehen doch mehr als 80 Prozent aller Güter. die den Wasserwea passieren, über die Wasserstraßen des Industriegebiets. Die märkische und bergische Eisenindustrie war ursprünglich einzig auf die Wasserkraft ale motorische Triebkraft angewiesen Zwar durchzogen das Industriegebiet nur Flachlandflüsse, wie Emscher und Livve. die erst allmählich. nach langjährigen Versuchen der Emschergenossenschaft. Anlagen von Taliverren Ranälen usw wasserwirtschaftlich nutzbar gemacht wurden. Dann erhielt das Ruhrgebiet den Anschluß an die Schifffahrt. Und heute liegt der größte Binnenhafen Eurovas. Duisburg. vor den Toren des Industriegebiets. und die geschaffenen Kanäle. Industriebäsen usw. zählen zu den wichtigsten Wasserstraßeneinrichtungen Deutschlands. ist deshalb kein Zufall. daß gerade das Industrie= gebirt sich durch die heute eröffnete Ausstellung für Wasserbau und Binnenschiffahrt zum Schrittmacher der Wasserbauförderung in Deutschland macht. Doch nicht nur der Schiffahrttreibende oder der Wasserbauer sind an den Wasserstraßen interessiert, sondern, wie die Ausstellung in hohem Maße zeigt. auch der Maschinen a e ae e ee. zasserkraftmaschinen. Lösch= und Verladeeinrichtungen. rücken. Webrkonstruktionen. Schleusen. Hebewerken usw. aneben wpielen auch der Beton= und Eisenbetonbau. die lektrotechnik und zahlreiche andere Zweige unserer kirtschaft in Verbindung mit den Wasserstraßen eine bedeutende Rolle. Die große Bedeutung der Ausstellung für die deutsche Binnenschiffahrt kam auch bei der Eröffnung am reitag vormittaa zum Ausdruck. Namens der usstellungsleitung eröffnete Regierungsrat Skalwei: In Gegenwart zahlreicher Gäste und Vertreter von Reichsand Staatsbebörden die Ausstellung, darauf binweisend. ak sie Schiffahrt und Handel neue Bahnen weisen und inen frisches Leben einflößen soll. Staatssekretär Dr Kirschstein wünschte im Auftrage des Reichsverkehrsministers Gröner. der ein herzliches Begrüßungs telegramm gesandt hatte und wegen dringend vo itischer Geschäfte am Erscheinen verhindert war reichen Erfolg. Redner erinnerte an den Uebergang der Wasserstraß#n auf das Reich am 1 April 1921. wodurch der Wasserbeu eine Reichsangelegenheit geworden sei. die mit dem größten Interesse verfolgt werde. Er hoffe, daß die Verbindung zwischen den Ländern und dem Reiche. die durch diese Verreichlichung geschaffen worden sei. mit dazu beitragen werde. das Band der Einheit unter den deu'schen Ländern fester zu knüpfen. Der Obervresident der Rh inorovinz. v. Groote. gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Ausstellung im rheinisch=westsälischen Industriegebiet geschaffen worden sei. das mit den Wesserstraßen aufs innigste verbunden sei. Namens des Landwirtschaftsministeriums sprach Ministersaldirektor Soldau. der von der Ausstellung die besten Erfolge erhoffte. Darauf übernahm Oberbürgermeister Dr. Luther die Ausstellung in die Obhut der Stadt Essen. In laun'gen Worten hob er die Bedeutung der Ausstellung dervor. den Veranstaltern den Dank aussprechend und der Hoffnung Ausdruck gebend. daß die Ausstellung auch dazu beitragen moge, der produktiven Erwerbolosenfürsorge neue Bahnen zu weisen Im Anschluß an den Eröffnungsakt wurde ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten. die in ihren Grundzügen in vier Abtellungen geteilt worden ist: 1. Bestehende und geplante Wasserst aßen: 2. Darstellungen von Einrichtungen des Wasserbaues. z. B. Fluß= und Kanalbauten. Schleusen= und Hebeanlagen. Wasserkraftbauten usw.: 3. Verkehrseinrichtungen bei Wasserstraßen wie Hasen= und Verkehrsanlagen Hebeund Transvorteinrichtungen. Verladungs=, Ausladungs= und Lagerungseinrichtungen und 4. Schiffahrtsbetrieb auf Binnenwasserstraßen Das Reichsverkehrsministerium stellt Pläne und zahlreiche Modelle von den westdeutschen Wasserstraßen aus. Die Ausführungen von Schleusen. Hebewerken usw. finden wir in zahlreichen Moedellen und Planen maßgebender deutscher Baufirmen. Eine große Zahl von Hasenanlagen deutscher Städte, von Königsberg bis nach Karlsruhe. zeigen vorbildliche Anlagen. Der Westdeutsche Hafenverband ist mit Hafenplänen und Modellen vertreten Darstellungen aus dem Flußbau. vom Elbe=, Weser= und Rheinstrom. vom Flußkanalisierungen usw. werden von Bauverwaltungen wie von Baufirmen ausgestellt. Die Hafen des Dortmund=Ems=Kanals werden gezeigt. Der Hansa Kanul Verein ist mit einer großen lusstellung vertreten. Wirtschaftliche und technische Karten erläutern die bedeutenden Pläne einer Verbindung des Ruhrgebiets mit der Nordsee bezw. der Unter=Weser und Unter=Elbe. Sehr bemerkenswert ist auch die holländische Ausstellung mit riesigen Modellen und Plänen des Hasens von Rotterdam und Amsterdam. sowie Blissingen und Dortrecht, auch der holländische Staatswasser au und eine Reibe hollandischer Hasenstädte stellen ihre Plane und Modelle aus. Auch der schweizerische Wasserwirt schaftsverband in Zürich beteiligt sich an der Ausstellung. Eine Verbindung des Wasserdaues mi dem Maschinenbau zeigt sich an verschiedenen Stellen. Diese Verknüpfung wird noch stärker im Baumaschinenwesen, wo vor allem ein riesiger Bagger der Firma Krupv auf dem Ausstellungsgelände zu sehen ist. serner Bagger=Modelle. Krane für den Baubetrieb in er klärter und Modellgröße. Transvorteinrichtungen und dergl., ebenso Aufbereitungsmaschinen für Beton. Sand usw., wie sie von Rheinmetall gezeigt werden. Die Walserkraftanlagen zeigen sich auptsächlich in Plänen und graphischen Darstellungen. Die Preußische Landesanstalt für Gewässerkunde, welche neden dem Reichsverkehrsministerium ausgestellt hat. ist hier als wichtige und zusammenfassende Behörde zu nennen. Die Emschergenossenschaft und der Rudrtal sverren=Verein sind gleichfalle vertreten. Für die Wirtchaftlichkeit der Schiffahrtsanlagen kommen beson ders die Verladeeinrichtungen in Frage. Die großten Industriefirmen. vor allem Demag. Augsburg Nürnberg. sind mit verschiedenen Konstruktionen vertreten. Das Mittel, um die Güter auf den Wasserstraßen und Hafen zu bewegen, das Binnenschift selhst, ist selbstverständlich auf der Ausstellung zu finder. Die Schiffswerften stellen Schiffe in Form von Modellen für die verschiedenen Wassergraßen aus. Die Entwicklung des wrusschifsoques wird ebenfalls sehr eingebend gekennzeichnet. Sehr bemerkenswert sind die Schiffs maschiner aller Art wie Schisfsmotoren. Schiftsproveller. Turbinen Schiffshilfmaschinen. Von allgemeineren Darstellungen waren noch der Rudersvort mit seinen Sportbooten, das Lebensrettungswesen und Darstellungen von bistorischen Schiffsbilder zu erwahnen. Die Ausstellung ist sehr übersichtlich geordnet und gibt ein ausgezeichnetes Bild über den Stand der deutschen Binnenschiffahrt und der allgemeinen Wasserwirtschaft Ein reichhaltiger Führer, den die Ausstellungsleitung herausgegeben hat, leitet den Besucher durch die vielen Abteilungen. die deutschen Fleiß, deutsche Arbeitskraft und deutsches. Können affenbaren Die Ausstellung sleibt bis zum 30. April geöffnet. gebiete derbeigeführt. Auch die Brennstoffanforderungen der Entente haben im Februar 1922 nicht annäbernd erfüllt werden konnen. Es ergab sich ein Rückstand von jast 700000 Tonnen. Ueber die Frage der Nachlieferung werden in diesen Tagen neue Verhandlungen vor der Reparationskommission stattfinden. Diese Verhandlungen werden im Zeichen erhohter Koksforderungen der Entente stehen. Die Entente forderte an Koks im Januar 1922 eiwe das dreifache gegenüber Juni 1921. Zur Vermehrung der heimischen Kohlenerzeugung, die dringend notwendig ist, muß die Arbeiterschaft verständig eingerichtete Ueberarbeit leisten. Der in der letzten Vollversammlung gewählte Preisausschutz ist an die Prüfung der Kohlenpreise berangetreten. Bei den Ruhrzechen sind seit 1914 bis Februar 1922 die Lohnkosten um das 32fache, die Materialkosten um das 35sache, dagegen die Nettokohlenerlose nur um das 30fache gestiegen. Dieses Mißverbaltnis bedarf eines Ausgleiches. Eine weitere Brennstoffverteuerung ist von der am 1. Avril in Kraft tretenden erhöbten Kohlensteuer und der Umsatzsteuererhöhung zu erwarten. Die Gesamtbelastung belauft sich überschläglich auf rund 28½ Milliarden Mark. Die drückende heimische Brennstoffnot in Verbindung mit dem stark gestiegenen Inlandskohlenpreis führte zu einer verstärkten Einfuhr fremder Steinkoble. Der Redner teilte schließlich noch zur Frage der Verlängerung der Syndikatsverträge mit, daß das Reichswirtschaftsministerium heute bereits eine Verordnung über den zwangsweisen Zusammenschluß der Bergwerksbesitzer auf Grund der bisberigen Sondikatsverträge erließ Mudra zu Zuchthaus verurteilt. II Essen. 31. März 1921. Nach siebenwöchiger Dauer wurde heute endlich das Urteil im Mudravroseß gefällt. Mudra wurde im wesentlichen im Sinne der Anklage schuldig erkannt und wigen versuchter Verleitung zum Meineid. begangen geg nüber den Leitern des Berliner Zentralkomitees vom Roten Krenz, die er zu falschen Aussagen in dem Prozen zu veranlasin suchte. zu einem Jadre drei Monate Zuchthaus und wegen Untreue zu drei Jahren Gesängnis verurteilt. Diese Strafen werden zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren neun Monaten Zuchthaus zusamenersogen. Weiter wird wegen Zoll- und Steuerhinterziehung auf 1371 770 Mark Geldstrafe erkannt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Die Mitangeklagten erhielten zum Teil Gesängnisstrafen bis zu neun Monaten. zum Teil Geldstrafen bis zu 70 000 Mark. In einzelnen Fällen erfolgte Freisprechung. Handel und Gewerbe. Der Dollar stark abgeschwächt. Amtliche Devisenkurse. 30. März Holland Belaien Italien England Amerika Frankreich Schweiz Deutsch=Oesterreich Geld Brief 31. März Geld Brief Letzte Nachrichte: Die deutschen Vertreter für Gen: WIR Berlin, 31. März. Dem italienischen Bot In Berlin ist heute über die Zusammensetzun deutschen Delegation zur Genueser Kon mitgeteilt worden: Es werden teilnehmen: Reichokanzler Dr. Wi Reichsminister des Aeußern Dr. Na henau, Reichosina minister Hermeo und Reichowirtschaftominister Schmidt. Soweit der Reichskanzler an der Teilnahme behindert sein sollte, wird die Delegation vom Außenminister Dr. Rathenau geführt werden. Der Delegation werden ferner eine Anzahl beamteter und nicht beamteter Berater angehören, von denen die beamteten von den beteiligten Reichsressorts und den Länderregierungen entsandt und die nicht beamteten vom vorläufigen Reichswirtschaftsrat als Vertreter des Wirtschaftslebens berusen werden. Bayerische Vertreter Ille Genua. A Berlin, 31. März.(Privattelear.) Wie die„Deutsche Allg. Ztg.“ aus München hört, wird von der bayerischen Regierung der Ministerialdirektor im Handelsministerium Staatsrat Dr. von Meinel an der Konserenz in Genua teilnehmen, außerdem wird sich voraussichtlich auch Dr. Heim nach Genua begeben. * Neue Erhöhung der Postgebühren. WIZ Berlin, 31. März.(Telear.) Im Hauot=, ausschut des Reichstages führte der Reichspastminister aus, daß die Postverwaltung von dem jährlichen Mehrbedarf infolge Besoldungs= und Lobnerhöhungen im Rechnungsjahr 1922 je 000 Millionen Mk. durch den Mehrertrag aus den lausenden Gebühren und aus Ersparnissen aufpringen könne. Eo bliebe aber immer noch ein mehrsaches Milllardendesizit. Um dieses auszugleichen, ware die Fernbriefge buhr von 2 auf 3 Mt. zu steigern, dementsorechend waren auch die übrigen, Briefpostgebühren zu erhoben. Der Ortsbriefverkehr und der Paketverkehr in der Nahzone bedürften der Schonung. Bei Telegrammen sei an die Steigerung der Wortgebühr von 1 Mt. auf 1.50 Mt. gedacht. Bei den Fernsorechgebühren sei zu dem jetzigen Gebührenausschlag von 80 Prozent ein nochmaliger Aufschlag von 60 Prozent geplant. Im ganzen ergabe sich hiernach eine jährliche Mebreinnahme von rund 4 Milliarden Mark. Aus den gestrigen Beschlüssen des Hauptausschusses zu der neuen Besoldungsvorlage ergebe sich ein weiterer jahrlicher Mehrbedarf von 1¼ Millarden Mark. der nur durch eine weitere Steigeiung der geplanten Gebübrenervonung zu gewinnen sei. Als Ausgangspunkt für diese Steigerung habe wieder die Fernbriefgebühr zu dienen, und zwar müsse dann diese Gebühr statt auf 3 Mark auf 4 Mark bemessen werden. Bei Telegrammen wäre die Steigerung über den Satz von 1.50 Mark für das Wort zurzeit nicht möglich. * Großer Streik in England. * Pario, 31. März.(Peipattelegr.) 47 Gewerkschaften der englischen Industriearbeiterschaft. die 300 000 Mitglieder zählen, haben dem Arbeiterverband mitgeteilt, daß sie in den Streit treten wurden, wenn man die Aussperrung der Metallarbeiter nicht ausbede. Daraufhin wurde ihnen von den Arbeitgebern mitgeteilt. daß man auch die bei ihnen angeschlossenen Arbeiter aussperren würde, wenn bie dahin keine Einigung erzielt set. Inzwischen sind auch die Arbeiter auf allen englischen Werken in den Ausstand getreten, da sie mit der von dem Reedern vorgeschlagenen Lohnberabietzung nicht einverlanden sind. * Um den wirtschaftlichen Wiederaufbau Eurovas. WII Neugork, 31. März.(Telear.) Ungefähr 100 Vertreter der Zinanz, des Handels und der Wietschaft, darunter Otto Rahn, Paul Wardura und Morge ntbau, bildeten eine natiouale Bereinigune zu dem Zweck:, das Steuer= und Zollwesen zu verbessern 4 11P L—1.• 1 P. 1•1TPPer.P- L. Im Jahre 1900 in Dortmund gegründet, sind in stiller intensiver, Orbeit die Unternehmen in undd Kerne entstanden. Und noch in diesem Jahre wird eine neue Geschäftsgründung in Westfalens jüngster Crosstadt Jatsache werdent. Ohne uns dem Dorwurf der Ruhmredigkeit auszusetzen, können wir sagen, dass der tiefere Grund, unseren Spfolge in unseren GeschäftsgrundSarzen liegt. Streraste Reellität die in festen, billigsten T’reisen ihren dusdruick finder, Derarbeiturig nur bester- Waren Jsedienung durch fachkundiges, geschultes bersonat. Jahnhofstr. 78 * Nr. 77 eiger a für das Amt Samstag. den 1. April 1922 □ Siebentes u. Achtes Blatt Die erste Stadtverordnetenwahl. (Ein kommunakpolitischer Rückblick.) Von Stadtv.=Vorsteher Vogel=Herne. Die Vorbereitungen zu den Wahlen für die Stadtverordneten=Versammlung der jungen Stadt begannen schon im Herbst 1896 und verliefen im Vergleich zu derartigen Wahlen in der heutigen Zeit verhältnismäßig ruhig. Es bestanden eigenklich nur zwei große Parteien: Die liberale Partei, die ihrem Zusammenschluß in dem damals bestehenden Reichsverein hatte, und die Zentrumspartei. Zu der liberalen Partei gehörte mit wenigen Ausnahmen die gesamte Industrie, deren Leiter und Vertreter, sow ie alles, was irgendwie von der Industrie abhängig war. Zur Zentrumspartei, die sich aus einer kleinen Zahl von Beamten und Geschäftsleuten, sowie aus der Mehrzahl der Arbeiter zusammensetzte, gehörten damals auch noch die Polen. Da die 30 zu wählenden Stadtverordneten auf die 3 Wählenklassen verteilt, für jede Abteilung 10 Stadtverordnete ausmeckten, ergab sich ein eigenartiges Bild. Das gesamte Steuerauskommen in Höhe von 298 296,30 A wurde in 3 Teile geteilt. Jedes Drittel(Abteilung) konnte 10 Stadtverordnete wählen. Die 1. Abteilung brachte es auf 100 829,07„ und setzte sich aus der Großindustrie bezw. deren Leitern zusammen; es waren im ganzen 10 Wähler. Die 2. Ableilung, die das zweite Drittel der Steuern(98 751,80 M) aufbrachte, hatte 308 Wähler und setzte sich zusammen aus Beamten, Geschäftsleuten und Grundbesitzern. Die 3. Abteilung umfaßte den Rest der Steuerzahler, die mit dem geringen Steuerbeträgen in großer Zahl, 4215 Wähler, das dritte Drittel der Steuern aufbrachten. Also in der 1. Abteilung wählten 10 Wähler 10 Staktrerordnete. für die zweite Abteilung wählten 308 Wähler 10 Stadtverordnete, und in der 3. Abteilung wählten 4215 Wähler ebensalls 10 Stadtverordnete. Die beiden Parteien schlossen ein Kompromiß und legten für die Bemessung der ihnen zustehenden Stadtv. das Steueraufkommen zu Grunde. Man einigte sich dahin, daß die liberale Partei 22 Sitze und die Zentrumspartei 8 Sitze haben sollte. Die Verteilung der folgende: I. Abteilung: 9 Liberale, 1 Zentrum(Dickhoff), 2. Abteilung: 7 Liberale, 3 Zentrum (Vogel, Hölscher, Hövels), 3. Abteilung: 6 Liberale, 4 Zentrum(Tölle, Nolte, Meimberg. Bromen) Dementsprechend wurden die Kandidaten der Kompromißparteien sämtlich gewählt. Die Wahlbeteiligung war in der 1. Abteilung 100%, in der 2. Abteilung 80%. in der 3. Abteilung 60%. Nachdem die Wahlen getätigt und gegen dieselben in fristgemäßer Zeit Einspruch nicht erhaoben war, wurden die Stadtverordneten am 15. Februar 1897 durch den damaligen Amtmann. wareren 1. Burgermeister Schaefer im Auftrage des Regierungspräsidenten für ihr Amt als Stadtverordnete verpflichtet. Die nächste Aufgabe der neuen Stadtverordneten war nun, sich zu konstituieren. Es handelte sich um die Wahl des Stadtverordneten=Vorstehers, des stellv. Vorstehers, des Schriftführers und des stellv. Schriftführers. Zu einer Besprechung hierüber kamen die Stadtverordneten eines Abends im Saale des Restaurants„Zum Kurfürsten“(Georg Hirdes), an der Bochumerstraße, zusammen. Die Lösung der Terteilungsfrage war für die stärkste Partei anscheinend eine sehr schwierige, denn, um unter sich zu sein, ersuchte die liberale Partei die anwesenden Vertreter der Zentrumspartei, den Saal auf kurze Zeit zu verlassen. Die Verhandlung dauerte jedoch sehr lange, und als die Vertreter des Zentrums wieder in den Saal gerufen wurden. teilte man ihnen folgenden Beschluß über die Zusammensetzung des Vorstandes mit: Die liberale Partei nahm für sich in Anspruch den Stadtverordneten=Vorsteher, den stellv. Stadtverordneten Vorsteder und den Schriftführer. Den stellvertretenden Schriftführer trat man an die Zentrumspartei ab (Hövels). Die Zusammensetzung des Magistrats machte erneute Kopfschmerzen. Der Magistrat sollte aus 5 Köpfen bestehen: einen Bürgermeister (Schäser), zwei Beigeordneten(Cremer und Papentin), zwei Stadträten(Schlenkhoff, Wilhelm, und Dickvoff). Dementsprechend wurde gewählt. Die Zentrumspartei hatte ein Mitglied im Magistrat. So gingen nun die städtischen Kollegien unter Führung des inzwischen gewählten und regierungsseitig bestätigten 1. Bürgermeisters Schaefer mutig an die Arbeit. Ueber das, was geleistet ist, wird die Jetztzeit, mehr aber noch die Zukunft ein endgültiges Urteil abgeben können. Auf Teilzahlung! —* 15775 Recklinghausen, Hernerstr. 8a. 100 Aus dem Stadtkreise Herne. Herne, den—. 1922. " Unsere heutige Festnummer. Die heutige aus Anlaß des Silberjubiläums der Stadt Herne erschienene vorliegende Festnummer des Herner Anzeigers umfaßt 40 Seiten. Wir übergeben sie hiermit der Oeffentlichkeit als Gedenk= und Erinnerungsblatt an den heutigen Tag. Was sie ist und sein will, haben wir in dem Geleitwort, das wir ihr im ersten Blatt mit auf den Weg gegeben haben, niedergelegt Das Titelblatt unserer Festnummer ist entworfen von dem Herner Kunstmaler O. Kneiv. Es stellt in der oberen Abteilung die Silhuette von Herne Mitte dar, unten links befindet sich die Silhuette von Herne=Süd, unten rechts diejenige von HerneNord. Die Zierleisten zu beiden Seiten zeigen Motive vom Kanal. Von demselben Künstler stammen auch die Jederzeichnung der Zeche Friedrich der Große und die Radierung der Friedhofs=Kapelle mit Allee, sowie einige kleine Vignetten. Die Federseicnung von dem geplanten Bau des Herner Votshauses ist von Herrn Kunstmaler ImhoffDie übrigen Abbildungen sind teils nach Photographien der Fa. Hubert Schlüter klischiert, teils wurden uns die dazu benötigten Photographien von besteundeter Seite zur Verfügung gestellt. Die Jubiläumsnummer ist zum Preise von 5 M in unserer Geschäftsstelle erhältlich. ** Infolge des über alles Erwarten starken Stoffandranges trat in der Fertigstellung unseres Blattes eine unliebsame Verzögerung ein, wegen deren wir um Nachsicht bitten müssen. Aus demselben Grunde waren wit leider gezwungen, eine Anzahl weitere interessante Berichte und Bilder zurückzustellen. Wir werden dieselben in Kürze nachträglich zur Veröffentlichung bringen. S * Zentrumspartei und Stadtjubiläum. Am Donnerstag, den 6. April, abends 7½ Uhr findet im oberen Saale des kath. Gesellenhauses eine arteiversammlung statt anläßlich der 25jährigen Feier der Stadtwerdung Hernes. Alle Parteifreunde werden deshalb schon heute auf diese Veranstaltung hingewiesen, mit der Bitte um zahlreiche Teilnahme Besonders aus Herne=Mitte werden die Damen und Herren möglichst vollzählig erwartet. Näheres über die Veranstaltung wird in den nächsten Tagen behaant gegeben. * Volksverein der Herz=Jesu=Pfarrri. Am Sonntag nachmittag 5 Uhr findet in dem oberen Saale des Vereinshauses St. Josef Ledigendeim), Altenhofenerstr. 33a, eine große Volksvereinsversammlung statt. Dr. Berger aus Hagen, ein bekannter Volksredner, ist zu dieser Versammlung als Redner gewonnen. Thema: Woher die Teuerung? An die Vertrauensmänner und Mitglieder, des Volksvereins ergeht darum die dringende Bitte. dem Redner ein volles Haus zu besorgen. Auch alle übrigen Pfarrangehörigen, insbesondere die Jünglinge, sind dringend eingeladen. * Jubilämn der Jünglings=Sodalität der St. Bonisatius= und St. Josephs=Pfarre in Herne. Am Sonntag, den 2. April, nachmittags 5 Uhr findet im Gesellenhause eine gemeinsame Sitzung des Festausschusses und des Vorstandes beider Sodalitäten statt. Frühere Mitglieder willkommen. * Stedttheater Herne. Auf die heute abend stattfindende Benefiz=Vorstellung für das gesamte Bühnenpersonal sei nochmals aufmerksam gemacht. Es kommt zur Aufführung die Operetten=Novität: Das Milliardensouper. Aus dem Amte Sodingen Börnig=Sodingen.(Kath. Knappen= und Arbeiter=Verein.) Am Sonntag, den 2. April, nachmittags 5 Uhr findet im Vereinslokale bei Herrn Nöthe die monatliche Versammlung statt. Auch in dieser Versammlung wird ein interessanter Vortrag über das Thema:„Gibt es ein Jenseits" gehalten werden. Nach diesem Vortrag findet freie Diskussion statt. Außer dem Vortrag stehen noch einige wichtige Punkte zur Tagesordnung. Alle müssen erscheinen. Vereins= und Verlammlungskalender Kath. Knappen= und Arbeiterverein, Börnig=Sodingen. Sonntag, den 2. April, nachmittags 5 Uhr Versammlung mit dem Vortrag:„Gibt es ein Jenseits?“ mit nachfolgender freier Diskussion. Es ist Pflicht jeden Mitgliedes zu erscheinen. Katholiken, die dem Verein noch beitreten wollen, werden ebenfalls um ihr Erscheinen gebeten. 1978a Jubiläum der Jünglings Sodalitäten der St. Bonisatius= und St. Josephs Psarre in Herne. Am Sonntag, den 2. April, nachmittags 5 Uhr findet im Gesellenhause eine gemeinsame Sitzung des Festausschusses und des Vorstandes beider Sodalitäten statt. 1991a St. Josephsverein Herne 1I. Sonntag nachmittag 4 Uhr außerordentliche Generalversammlung mit Vortrag. Da in dieser Versammlung äußerst nichtige Beschlüsse gefaßt worden müssen, die letzten Endes über Sein oder Nichtsein unserer kath. Arbeitervereinsbewegung entscheiden, bitten wir um restloses Erscheinen aller Mitglieder. Auch die Frauen unserer Mitglieder bitten wir um möglichst zahlreiche Beteiligung. Der Vortrag sowohl, als auch die übrigen Verhandlungspunkte werden auch für sie von großem Interesse sein. Die Vorstandsmitglieder und Lertrauensmänner wollen eine halbe Stunde früher, also um 3,30 Uhr erscheinen. 1966a Der Vorstand. Herner Turn=Club, Deutsche Turnerschaft, Vereinsheim: Hotel Sassenhoff. Turnzeiten: Turnhalle der Sberreal= schule[Männerabteilung Dienstags 6—8 Uhr für die Jugend, 8—10 Uhr für Erwachsene einschl. Altersriege, Freitags 8—10 Uhr für Jugend und Erwachsene. Turnhalle des Lnzeums(Turnerinnenabteilung Montags 5—7 Uhr für die Jugend, Donnerstaas Uhr für Erwachsene. Svielplat am Stadtgarten: Sonnabends nachm ab 4 Uhr und Sonntags vorm. ab 9 Uhr für alle Mitglieder. 19876 Der Provinzialverband heimattreuer Ost= und Westpreußen, Ortsgruppe Herne, teilt mit, daß die Ferienzüge nach Ost= und Westpreußen wie folgt fahren: Hinfahrt für den ersten Zug am 16. Mai, Rückfahrt 29. Mai; Hinfahrt für den zweiten Zug 31. Mai, Rückfahrt 14. Juni; Hinfahrt für den dritten Zug 20. Juni, Rückfahrt 3. Juli. Die Ferienzüge passieren Schneidemühl, Marienburg, Allenstein, Königsberg. Einzeichnungen für Reigelustige müssen bis zum 20. April geschehen. Einschreibegebühren für Erwachsene 10 c. Kinder 5 M Rit den Einzeichnungen kann am Sonntag, den 2. April, morgens 10 Uhr im evgl. Vereinshaus, Schulstraße, begonnen werden. 19890 Der Reichsbund heimattreuer Ost= und Westpreußen, Ortsgruppe Herne, tritt am Sonntag, den 2. April 1922, vormittags 10 Uhr im großen Saale des Vereinshauses, Schulstraße, zur 2. Monatsversammlung zusammen Da die Tagesordnung sehr wichtig ist, werden alle Landsleute gebeten, an ihr teilzunehmen. 2008 Turn= und Sportverein Horsthausen 1890 c. V.— Deutsche Turnerschaft. Sonntag, den 2. April cr., nachm. 6 Uhr im Vereinsheim Krollmann, früher Ww. Köhlhoff, Roonstraße 45, außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Der großen Wichtigkeit wegen wird allseitiges Erscheinen der aktiven sowie der passiven Mitglieder erwartet. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein mit Damen.— 19990 NB. Die regelmäßigen Turnstunden finden wieder Mittwochs und Samstags von 7—9 Uhr in der Turnhalle Horsthausen, Friedrichstraße, statt, und wird um rege Beteiligung gebeten. Neuanmeldungen daselbst. Der Turnwart. Bergmanns Verein Herne. Am Sonntag, den 2. April, nachmittags 4 Uhr außergewöhnliche Generalversammlung im Vereinslokal Ed. Nordmann. Da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. 1985a Der Vorstand. B. V. Herne, Stamm. Zu der heute abend 9 Uhr stattfindenden Monatsversammlung werden die Mitglieder hiermit eingeladen. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ist Pflicht. 196 4a Der Vorstand. Theater=Gesellschaft„Germania“ 94 c. V. Sonntag punkt 10 Uhr vormittags Monatsversammlung. Da wichtige Punkte erledigt werden müssen, bittet der Vorstand um vollzähliges Erscheinen. 1996a Der Vorstand. Polizeihund=Verein Herne. Versammlung Montag, den 3. 4 1922, abends 8 Uhr im Restaurant Pitsch. Josefinenstr. Wanderklub„Waldeslust“. Herne hält am Sonntag, den 2. April, eine außerordentliche Versammlung im Vereinslokal Restaurant Piever. Neustraße 47, ab. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend erwünscht. Interessenten sind hiermit eingeladen. Der Vorstand. 1s Oflszanka Lochom. Undierberaftraße 10 Colo00U0SU DOU O00SRDUDOE 6 5 6 Pelzwaren leizt besonders billig. Vereinigte Stadtthoater Bochum=Dulsburg. Samstag, 1. April, 7—10. E. 18.„Die fünf Fransurter“. B. V. B. I 1—200 und II 1—75. Sonntag, 2. April: Morgenseier sällt aus. Sonntag, 2. April, 6½ bis gegen 11. Außer Vormiete:„Das Wintermärchen". Montag, 3. April. 8 Uhr: Reihe A. 16. Symphonickonzert des städt. Orchesters. Zum 25. Todestag von Johannes Brahms. Dienstag, 4. April, 7½—10 K. Geschl. Vorst. Mittwoch. 5. April, 7—11. A. 19.„Die Jüdin“. B. V. B. II 51—125. Donnerstag, 6. April, 7½—10. Zum ersten Male! C. 19.„Kemeraden“, Komödie in 4 Akten von August Strindberg. B. V. B. 1 501—650. Freitag, 7. April, 7—10. B. 20.„vra Diavolo“. B. V. B. I 151—200. Samstag, 8. April, 6½—11. D. 21.„Die Hochzeit des Figaro". Sonntag, 9. April, 7—10. Außer Vormiete: „Zar und Zimmermann“. Der Vorverkauf für Herne befindet sich in der Stückschen Auchhanklung, Bahnhofstraße. 1956a Pelz-Umarbeitungen = bekennt guler Aus auf anfzes er Zeit. —— Bekanntmachung. Mit der Rückzahlung der im Rechnungsjahr 1920 zuviel bezahlten Reichseinkommensteuern wird am Dienstag, den 4. d. Mts., bei der Stadtkasse Herne— Rathaus— in solgender Reihenfolge, fortgefahren: Am 4. April 1922: Bochumerstraße 67 bis Schluß, Breddeund Brunnenstraße, Am 5. April 1922: Constantin=, Damm=, Düngel=, EckCitel Friedrich=, Fabrik=, Friedrich=, Gabelsberger=, Garten= und Goethestraße, Am 6. Avril 1922: Giesenberger=Allee, Graben=, Gräff=, Grenzweg und Haldenstraße, 2 7. April 1922: Heinrichstraße. In der Helle, Hermannund von der Oeydtstraße, Am 8. April 1922: Hiberniastraße. Am Uhlenbruch. Hochund Hoheneickstraße Weitere Bekanntmachung erfolgt am 8. d. Mis. Es ist erforderlich, daß jeder Steuerpflichtige sowohl bei der Einzahlung rückständiger wie bei der Rücksorderung zuviel entrichteter Steuern außer der Veranlagungsbenachrichtigung eine Bescheinigung seines Arbeitgebers vorlegt, aus der zu ersehen ist, welcher Steuerbetrag ihm für die Zeit von Juni 1920 bis Ende März 1921 einbehalten und an welche Kasse der Betrag abgeliefert ist. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß nur diejenigen Steuerpflichtigen an den angegebenen Tagen abgefertigt werden können, welche in einer der oben bezeichneten Straßen wohnen. Die Kasse ist nur vormittags von 8,30 bis 11,30 geöffnet. Herne, den 1. April 1922. Stadtkasse Herne. Echtes Brennesselhaarwasser von Apotheker Schwari, Manchen alkoholfrei, gegen Schuppen und Daacaus all bewihrtestes Naturpräparat, sein dustend, ossen (Flaschen mitbringen). 1/ Liter Mk. 4—.% Liter Mt. 8.— unr bei 906 Tregerie Aut. Stantkowski. Herne 1.—. Neustra Neues aus Altem macht jede kluge Haus rau durch Aufürben 9 to ichener Siar vermitr s Brauns Haushaltlarben. In allen enc lügigen Geschalten erhältlich. ** * — * —.— * Tel. 806 Emil Wahr Bahnhofstr. 98. Seyr. 1900 ZigarrenGrosshandlung en detai en deta!! Spezialhaus für Feinschmecker 9: Kunstgewerbehaus Wilhelm Funke, Herne, Teleion 330.— Bahnhofstrasse 7 a. Gegründet 15. März 1897 25: C 40:15 Gegründet März 1897 Pegr Erstklassiges Spezialhaus für Porzellan-, — Kristall-, Metall- und Luxuswaren.— 1 Bekanntmachung. W. 81.) Polizei=Verordnung über die Beseitigung von Tierkadavern. Auf Grund der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die Allgemeine Landesver waltung vom 30. Juli 1883, der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. Pärz 1850, sowie der§§ 3 und 4 des Reichsge setzes, betressend die Beseitigung von Tierlada #rn, vom 17. Juni 1911(916 Bl. S. 248), der Ausführungsbestimmungen des Bundesrats vom 28. März 1912(RG Bl. S. 230) und der Ausfüh Ppeugsvorscheiten der Minister für Landwirischalt, domanen und Forsten und des Innern zu dem enannten Reichsgesetze vom 1. Mai 1912(abge ruckt im Reichs= und Staatsanzeiger für 1912 wird mit Zustimmung des Magistrats für den Amsang der Stadt Herne folgende Polizeiverordnung erlassen: § 1. Die Kadaver aller gefallenen oder nicht m Schlachtzwecken getöteten Pserde, Esel, Maul= kiere und Maulesel, Tiere des Rindergeschlechts, Schweine, Schafe und Ziegen(ausgenommen Saugserkel, Schaf= und Ziegenlämmer unter 0 Wochen) sind mit allen ihren Teilen einschließli der Haut, Haare, Hörner, Huse, Klauen an die Tiertadaververwertungsanstalt in Langendreer zu überweisen. Als Kadaver im Sinne dieserl Verordnung gelten auch die Tierkörper der vor bezeichneten Tiere, die, abgesehen von den Ausium nahmefällen des§ 2 Ziffer 1 letzter Avsatz der## Bundesratsbestimmungen A zum Reichsfleisch schaugesetze vom 30. Juni 1900, im Verenden ge tet oder nach dem Verenden geschlachtet worden sind. § 2. Der Tierbesitzer oder sein Beauftragter hat der Firma Hees in Langendreer nach Kennt ais von dem Fallen oder Töten eines Tieres E 1) unverzüglich mündlich, telephonisch oder telegraphisch Anzeige zu erstatten. Zugleich ist der unterzeichneten Behörde Kenntnis zu geben. Die selbe Pflicht hat, wer in Vertretung des Besitzers der Wirtschaft vorsteht, wer mit der Aufsicht über Bieh an Stelle des Besitzers beauftragt ist, wer als Hirt, Schäser usw. entweder Vieh von men reren Besitzern oder solches Vieh eines Besitzers das sich seit mehr als 24 Stunden außerhalb der Feldmark des Wirtschaftsbetriebes des Besitzers befindet. in Obhut hat. ferner für die auf dem Transport befindlichen Tiere, deren Begleiter und für die im fremden Gewayrsam befindlichen Tiele der Besitzer der betreffenden Gehöfte, Stallungen Koppeln oder Weideflächen. Die Anzeigepflicht erlischt, wenn die Anzeige rechtzeitig von einem anderen Verpflichteten erstattet worden ist. Einer Anzeige bedars es nicht, wenn Vieh auf poltzeiliche Anordnung getötet worden ist. § 3. Die Kadaver dürfen nur in der genannten Annalt abgehäutet oder zerlegt werden, sosern es sich nicht um eine vom Kreistierarzt ausnahms weise angeordnete, durch besondere Umstände bedingte Zerlegung der Tiere bei Seuchenverdacht bardelt. Die Beförderung der zur Vernichtung bestimmten Kadaver und Kadaverteile nach der Tiertörververwertungsanstalt darf nur mittels der dazu bestimmten Wagen der Anstalt erwolgen und n.uß baldigst nach erstatteter Anmeldung kattfinden. Ausnahmen von der Vorschrift des 1 dieser Polizeiverordnung kann die Ortspolt zeibehörde in einzelnen Fällen zulassen, wenn die Kadaner wegen außergewöhnlich ungünstiger Wegeverhältnisse nicht herangeschafft werden konnen und daher ihre Beseitigung in der Tierkör perverwertungsanstalt unmöglich ist. § 4. Bei der Abholung ist von dem Führer der Name und Wohnort des Tiereigentümers und Tierbesivers. Alter, Zahl und Gattung der Tiere gegebenensalls auch die Krankheit nach Angabe des Tiereigentümers oder Besitzers oder deren Stellvertreter in ein Abholebuch einzutragen und die Eintragung vom Tiereigentümer oder B. üider oder dem Stellvertreter durch Unterschrift zu bescheinigen. Die Tierbesitzer sind verpflichtet. für die erforderliche Hilfeleistung beim Verladen zu sorgen. § 5. Kadaver, die nach§ 1 nicht abgeliefert zu werden brauchen, hat der Besivzer oder sein Stellvertreter durch Verbrennen oder Vergraben unschädlich zu machen. Die Gruben sind an dazu ge eigneten Stellen so tief anzulegen, daß der obere Rand des Kadavers wenigstens einen Meter tie ser als der Grubenrand zu liegen kommt. § 6. Für die Tiereigentümer und die Tier kadaververwertungsanstalten sind die in der folgenden Gebühren= und Vergütungsordnung aufgeführt prozentualen Sätze verbindlich § 7. Zuwiderbandlungen gegen diese Poltzeiverordnung unterliegen, sosern nicht nach anderen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist. einer Geldstrafe bis zu 300 MA. an deren Stelle im Unvermögensfalle eine entsprechende Haststrafe tritt. § 8. Die Vorschriften über die Beseitigung von Tierkadavern, die in den Reichsgesetzen über die Bekämpfung der Rinderpest, und anderer Viehsenchen sowie über die Schlachtoleh= und Fleischbeschan und in den dazu erlassenen Aus führungsbestimmungen enthalten sind, bleiben anberührt. § 9. Diese Pollzeiverordnung tritt mit lhrer Veröffentlichung im Kreisblatt in Kraft. Herne, den 28. März 1922. Die Stadt=Pollzei=Verwaltung. Der Taris zur Durchführung dieser Poltzet verordnung über die von den Abd=ckeretunterne5 mern bezw. von den Tierbesivern zu zahlenen Vergütungen hangt im Rathaus zur Einsicht nahme aus. HERREN. □ HERRENHUTF 1872(50)1922 HUITE Stammhaus-Gründung 1 835 zu Unna I. W. Altrenomiertes Spezialhaus für moderre Kopfbedeckungen, Mützen, Schirme, 583. Herrenartikel und Pelzwaren. Carl Schluckebier, Herne, Bahnhofstr. 42, Fernr. 684 Die trauernden Angehörigen. Herne, d.n 31 3. 1922. 19933 Schuhbesohl-Fabrik„BLITZ“ Herne, Bahnholstrasse 124. Fachmännische Bedenung, la. Kernleder.— Auf Sohlen und Absätze kann gewartet werden. Warteraum.— Leder-Ausschnitt. 86 Schlafzimner echt Eiche und lackiert, in allen Stilarten. Küchen naturlack, u. gestr., in noch nie gesehener Auswahl. Speisezimmer Herrenzimmer in allen Preisen und Ausführungen. Einzelmöbel Polsterwaren. Lichter& Beckmann G. m. b. H. 15275 Herne, Mon=Cenisstraße 88 Teleson 721 und 858 Landeserzeugnisse- Großhandlung- Häckselwerke Schuh=Murgeschäft und Reparaturwerkstatt Schuhmachermeister Herne, Hohenzollernstraße 3 Eck: Breddenstraße 15295 Bahnholstr. 20. Kolonialwaren Spezialität: ff. Margarine, Fleischwaren, Konserven, Käss fr. Landeier, Sübrahmbutter. C. Menning Nachf., Herne Inh.: M. Drilling Schul- und Vinckestr.-Ecke. Teleion Nr. 775. Schulkino berne Sametag 4 Uhr Sonntag 3 une 3 Uhr, Montag 4 Uhr: Große vorstellungen Haafe, der Bärentoter Lustspiel in 8 Akten 2. 19748 Die Seufelsmüble Eine rät elhafte Geschichte in 4 Teilen. Dazu Einlagen. Kinder 2 Mk. Eltern und Geschwister 3.50 Mk. Metallbeiten Stahlmatratzer, Kinderbett nur an Prio„Kotal 7511##rei. Eisenobelfahr. Suhl(Thür.) W. Eckholt Bö.nig-Sodingen Kirchstraße Nr. 85 Schilder-, Reklameund DekorationsMALEREI Esu mgun äntliche 15765 Anstreicher-Arbeiten. Lumpensortieranstalt S4P a. Gebrüder Meyer Herne, v. d. Heydistr., kaufen ständig: Lumpen Papier Felle Knochen Alteisen un Feinkost und bessere Kolonialwaren Ludwig Kersting Telefon 312 HERNE Telefon 312 Wild, Geflügel und Fische Sämtliche Artikel für die feine Küche 16495 Rechtsbüro eI, Herne, Bahnhotstrasse 77 Teleion 300 Sachgemässe Bearbeitung eämticher Stral-, Zivil- v. Erbsch-ftssachen Strafauisenen Gaaden,esuche ete 9189. Piarramtliche Mittellungen. Beginn der österlichen Zeit. St. Bonifatins=Pfarrei. 6 Uhr hl. Messe, 6¾ Uhr Frühmesse mit Predigt, 7¾ Uhr hl. Messe für die Polen mit Predigt, 8¾ Uhr hl. Messe für die höheren Lehranstalten mit Predigt, 9¾ Uhr Schulmesse mit Prediat, 10½ Uhr Levitenhochamt, 11½ Uhr letzte hl. Messe mit Predigt, 2½ Uhr Kreuzwegandacht, 3½ Uhr Fastenandacht für die Polen. Herz=Jein=Pfarrei. 6 ½ Uhr hl. Messe, 8 Uhr Frühmesse und Predigt, 9 Uhr hl. Messe mit poln. Gesang und Predigt, 10¼ Uhr Hochamt und Predigt, 3 Uhr kirchl. Schulentlassungsfeier mit Ansprache und Erneuerung des Taufbundes, 8 Uhr Fastenpredigt und Andacht zum Leiden Christi. Im Konstantinstift um 8½ Uhr hl. Messe und Predigt. St. Marien, Bankau. 6½ Uhr hl. Messe mit gem. hl. Kommunion der Jungfrauen=Kongregation, 8 Uhr hl. Messe mit gemeinsch. hl. Kommunion der schulentlassenen Kinder, 9¼ Uhr hl. Messe für die Polen mit Predigt, 10½ Uhr Hochamt, 3 Uhr Andacht mit Schulentlassungsfeier und Erneuerung des Taufgelübdes und Predigt, 6 Uhr Fastenandacht für die Polen. St. Joseph, Horsthausen. 6¾ Uhr stille hl. Messe, 8 Uhr bl. Messe mit Volksgesang und Predigt, 9½ Uhr hl. Messe mit poln. Gesang und voln. Predigt, 10¼ Uhr Rochamt mit Predigt, 4 Uhr deutsche Fastenpredigt und Andacht. errei Börnig=Sodingen. 6½ Uhr hl. Messe mit Predigt, 7% Uhr he. Messe mit Predigt, 8½ Uhr hl. Messe mit Predigt für die Polen, 9½ Uhr Hochamt mit Prediat, 10¼ Uhr Kindermesse mit Predigt, 4 Uhr Fastenandacht mit Predigt, 5 Uhr Versammlung des Knappen= und Arbeitervereins Pfarrei Holthausen. — 7 Uhr Frühmesse mit Predigt, 8 Uhr hl. Nesse mit voln. Gesang, 9 Uhr Schulmesse mit gem. hl. Kommunion der Kinder der Cäcilien= schule, 10 Uhr Hochamt mit Predigt, 3 Uhr volnische Passionsandacht, 4 Uhr Fastenpredigt und Andacht. * * * Anzeiger zur aas amt Södingen amp Dr. 77 Samstag. den 1. Hpril 1922 Drittes Blatt 1 Herne im Urteil führender Persönlichkeiten. Aus Anlaß des Silberjubiläums der Stadt Herne hat sich der„Herner Anzeiger“ an nachstelende hervorragende Vertreter staatlicher, kirchlicher und städtischer Behörden gewandt mit der Bitte um einen Beitrag für seine heutige Festnummer. Wir lassen nachstehend die uuns in liebenswürdiger Weise zugeeigneten wertvollen Beiträge folgen, die gleichzeitig ein Beweis dafür sind, daß man auch draußen im „Reiche lebhaften Anteil nimmt an dem heutigen Jubeltage unserer Stadt. *** Das Gelcitwort des Reichskanzlers. Als eine der Hauptstätten deutschen Gewerbekleißes, als ein Zentrum deutscher Arbeit, begeht Herne den 25. Jahrestag seiner Stadtwerdung. Gern benutze ich die Gelegenheit, der aufstrebenden Industriestadt und allen ihren Bewohnern, nicht zuletzt auch unseren Parteifreunden im westsälischen Industriebezirk meine Glückwünsche auszusprechen. Die hinter uns liegenden 25 Jahre waren der schaffenden Arbeit gewidmet. In gewaltigem L.isschwung, in rastlosem Schassen wuchs das deutsche Ansehen zu großer Höhe. Heute haben ungeheure Schicksalsschläge unser Vaterland um viele Jahrzehnte zurückgeworfen. Aber sie können uns eins nicht rauben: das feste Vertrauen auf die alles überwindende Macht fleißiger, treuer Arbeit. Nur das Volk ist verloren, das sich selbst aufgibt. So möge der alte Westfalengeist aus der Erinnerung neue Kräfte schöpfen für das große Werk des Wiederaufbaues unseres Vaterlandes. Dr. Wirth, Reichskanzler. Der Bischof von Paderborn an den Herner Anzeiger. Paderborn, den 27. März 1924. An Verlag und Redaktion des„Herner Anzeigers“ in Herne. Ew. Hochwohlgeboren hatten die grobe Güte, mir durch sehr gefl. Schreiben vom 14. d. M. die Mitteilung zu machen, daß die Stadt Herne am 1. April cr. das 25jährige Jubiläum ihres Bestehens feiert. Gern benutze ich diese Gelegenheit, um der Jubilarin meine besten Segenswünsche zu übermitteln. Ich tue dies um so lieber, weil ich fast 22 Jahre in unmittelbarer Nähe von Herne als Seelsorger tätig gewesen bin und die ungemein schnelle Entwicklung dieser Stadt miterlebt habe. Die Entwicklung ist aber nicht bloß eine schnelle, sondern auch dank dem einmütigen Zusammenwirken der verschiedenen Stände eine recht gesunde gewesen. In diesen besonders hervorgehobenen Worten liegt nach meinem Dafürhalten die schönste Ehrenkrone des Jubelfestes und zugleich die Gewähr für ein weiteres gedeihliches Fortschreiten auf der betretenen Bahn. Jeder Stand muß auch in Zukunft wissen, daß er nicht bloß Rechte hat, die er verfolgen kann, sondern auch Pflichten. die er zu erfüllen hat; jeder Stand muß zu der Ueberzeugung kommen, daß er nicht der Mittelpunkt ist, um den sich alles zu drehen hat, sondern nur ein Glied, das mit dem andern notwendig ist zum Bestehen des Ganzen. Ich wünsche lebhaft, daß die 25jährige JuHelfeier als ein herrliches, imposantes Friedensfest dasteht, dessen Signatur eine Eintracht ist, die nicht mühsam zusammengehalten wird durch das lockere Band des Vergnügens oder durch den äußern Comment der Form, sondern sich aufbaut auf gegenseitige Achtung und Hochschätzung und darum einen eisenfesten Bestand hat. Ich hege weiter den innigen Wunsch, daß das Jubiläum ein Weck= und Mahnruf sei an alle Bürger, für die Wohlfahrt der Stadt ihr Bestes und Letztes in echtem Opfersinn einzusetzen. Das Jubiläum fällt in eine sturmund wildbewegte Zeit. Wir befinden uns mitten in einem geistigen Gährungs= und Klärungsprozeß, überall beobachten wir Umbildungen und Neubildungen. Da gilt es zunächst,— und diese Worte möchte ich mit allem Nachdruck an meine geliebten Diözesanen in Herne richten, fest zu halten am hl. Glauben, denn der Glaube ist der unerschütterliche Felsen im Wirrwarr der Zeit, die Leuchte in dunklen, der Stab in schwachen Tagen, die sichere Grundlage aller sittlichen, kommunalen und staatlichen Ordnung.„hllusopyiert so viel ihr wollt,“ sagt selbst Voltaire,„wennihr nur einen Marktflecken zu regieren habt, so muß er Religion haben.“ Mehr als je schmachten heute die Menschen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Mit Recht. Denn diese sind die Grund= und Eckpfeiler, die alles tragen, was man im Leben aufbaut. Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe vermittelt aber nur der Glaube. Mögen deshalb die katholischen Bewohner von Herne nach wie vor das Gesetz Gottes hochhalten und Sorge tragen, daß dasselben über all im öffentlichen Leben, besonders in den wichtigen Fragen der Erziehung und des Unterrichts unserer Jugend zur vollen Geltung kommt. Gar tief ist das Elend unseres Vaterlandes in Stadt und Land, doch„die Uebel der Völker sind nicht unheilbar.“ Die Heilung und Wiedergenesung kann indes inächst nicht von außen kommen, nicht von Staatswegen durch Verordnungen und Gesetze, sie muß vielmehr von innen heraus ihren Anfang nehmen. Jeder einzelne muß sich seiner sittlichen Pflicht bewußt werden und danach handeln. Eine edle Frucht der Jubelfeier soll sein der Vorsatz, die Volkskraft in treuer Arbeit, in steter Pflichterfüllung, in eifriger Pflege des Gemeinschaftsgeistes aufzubauen Voran auch in Zukunft mit!ut, Vertrauen, im Frieden, im Namen Gottes! Mit hechachtungsvoller Begrüßung bin ich Ihr ergebener Caspar. *** Obelpräsident und Regierungspräsident schreiben uns: Münster, den 20. März 1922. An den Verlag und die Redaktion des „Herner Anzeigers“ in Herne. Der Herner Anzeiger wünscht vom Oberpräsidenten von Westfalen ein kurzes Geleitwort für die Fesinummer, die er zum 1. April d. Is. als dem 25ten Jahrestage der Verleihung der Stadtrechte an die Gemeinde Herne herauszugeben beabsichtigt. Diesem Wunsche komme ich gern nach und sende der Stadt Herne und ihren Einwohnern zu diesem denkwürdigen Erinnerungstage meine aufrichtigen Glückwünsche. Möge der Stadt Herne, die sich in so kurzer Zeit aus einer nur wenige tausend Einwohner zählenden Landgemeinde zu einer machtvoll aufblühenden Industriestadt von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung entwickelt hat, trotz der ernsten politischen und wirtschaftlichen Lage, die heute auf uns lastet, eine weitere günstige Entwickelung beschieden sein; möge Herne als ein wichtiges Glied des westsälischen Industriebezirks in treuem verständnisvollen Zu sammenwirken einer weitblickenden, schaffensfrohen Leitung mit einer von echtem Gemeinsinn getragenen, im ernsten Streben für das Gemeinwohl einigen Bevölkerung in wahrhaft sozialem, der Wohlfahrt aller Berufsstände zugewandten Geiste, sowie in freudiger Förderung aller idealen Güter des deutschen Volkslebens seinen vollen Teil zum Wiederaufstieg unseres Vaterlandes zu lichterer Zukunft beitragen. Mit besonderer Befriedigung habe ich begrüßt, daß Sie Ihre Festnummer als Heimarblatt zu gestalten gedenken, in dem die lokalhistorische Vergangenheit der Stadt und unserer westfälischen Mark in Wort und Bild lebendig werden soll. Die Pflege der Liebe und Treue zur engeren Heimat liegt auch mir besonders am Herzen; ist sie doch in unserer sturmbewegten Zeit die beste Grundlage für die Liebe und Treue zum ganzen großen Vaterlande. Oberpräsident der Provinz Westfalen. Dr. Wuermeling, Arnsberg, 27. III. 192. Seit langen Jahren nehme ich regen Anteil an dem Aufblühen der jungen Stadt Herne. Mit allen Hernern hoffe ich, daß die Entwicklung ungestört durch die Nöte der Zeit dank der Tätigkeit und Arbeitssreudigkeit ihrer Bewohner fortschreiten möge zum Segen des deutschen Vaterlandes. Regierungspräsident König. Der kraftvolle Aufschwung der Industrie im Norden unseres Wirtschaftsgebietes ist gerade für die Stadt Essen besonders erfreulich. Findet sie doch hierin das Bild ihres eigenen Werdens wieder. Auf gleicher wirtschaftlicher Grundlage ihren Aufstieg nehmend, streben die Städte des Industriebezirks den gleichen Zielen zu, dem Wohl ihrer Bürgerschaft zu dienen, und es wird ganz besonders die gemeinschaftliche Aufgabe dieser Städte sein, an der Veredelung der ungeheuren Zahl von Menschen zu arbeiten, die gerade in ihren Bezirken auf engem Raum zusammenleben und zusammen arbeiten. Vor allem gilt es, die höheren Lebensgüter, die Werte der Kultur auf die Volksgemeinschaft zu übertragen und das unter der eintönigen Last der Arbeit verkümmernde rein Menschliche zu neuem Leben zu erwecken. Diese notwendige Gemeinschaftsarbeit im Indr striegebiet wird immer mehr dazu beitragen, in unseren Städten das Bewußtsein enger Lebensgemeinschaft wach zu rufen und wach zu halten. Gestärkt in diesem Gefühl und in der gemeinsomen Arbeit, wird es ihnen gelingen, diese Zeit der Not und die dunkle Gegenwart unseres Volkes zu überwinden. Dann sind auch die Voraussetzungen zu einer weiteren gesunden Entwicklung der Stadt Herne gegeben. Möge reicher Segen auch fernerhin auf ihrer Arbeit ruhen. Dr. Luther, Oberbürgermeister der Stadt Essen. Dr. Bürens Gsückwunsch. Der Stadt Herne, die dank dem Fleiß und Wagemut ihrer Bürger und dank der treuen, zielbewußten Arbeit ihrer städtischen Kollegien in den ersten 25 Jahren eine so glänzende Entwicklung genommen hat, gilt heute mein Gruß. Ich verbinde damit meine besten Wünsche für weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen der Stadt! Generaldirektor Dr. Büren, Oberbürgermeister a. D., Berlin. Gelcitwort des Direktors des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk. Die Stadtwerdung Hernes ging unter einem besonders glückverheißenden Sterne vor sich. Neben dem Aufblühen des eigenen Wirtschaftsledens wurde die junge Stadt durch Schaffung neuer Wasserwege an weitere Wirtschaftsgebiete angeschlossen, die ihrerseits im Ausgleich beiderseitiger Vorteile, befruchtend auf die Entwicklung der Gemeinde einwirkten. Fest 20 gahre blieb Herne der westliche Endhafen des Wasserweges nach Osten, bis unter der Patenschaft der Stadt die Verbindung zum Rhein hergestellt war. Dieser im Leben einer Stadt kurze Zeitraum, der durch die Gunst der Verhältnisse ungestörter Entwicklung gewidmet war, wurde von der Verwaltung und den städtischen Körperschaften plonvoll und weitblickend zur Lösung der Aufgaben benntzt, welche die gesteigerte Lebenstätigkeit eines ausstrebenden, industriellen Gemeinwesens mit sich bringt, und Zech Friedrich der Große. Originalzeichnung für den Herner Anzeiger von O. Kueip in Herne Oberbürgermeister Dr. Cuthers Wünsche. Die Stadt Herne hat in den ersten 25 Jahren ihres Bestebens besonders auf dem Gebiete des Bergbaues, der Industrie und des Verkehrs lebhaften Aufschwung genommen dank der Tatund Schaffenskraft, die der Bevölkerung des Industriegebietes eigen ist. der Erfolg hat gezelgt, daß in den verhängnisdrohenden Erschütterungen, die seitdem unser gesamtes Wirtschaftsleben betrossen haben, das ansänglich Geschaffene sich als sichere Grundlage unter den Belastungsproben der letzten Jahre bewährt hat. Es war ein glücklicher Griff, neben dem älteren Siedlungskern einen neuen Verwaitungsmittelpunkt zu schaffen, der in günstiger Lage die össentlichen Gebäude vereinigt, als es noch Zeit war. Das Rathaus mit dem Amtsgericht und dem geplanten Gymnasialgebäude verspricht ein gutes Platzbild, dessen Eindruck durch die Gebäude der Post und des Vergamts noch glücklich ergänzt wird. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre haben verschuldet, daß die Straßenrandbildung vom neuen Stadtmittelpunkte aus sich noch nicht durchgesetzt hat und der bauliche Zusammenhang der Stadt an gegebenen Stellen noch sehlt. Vor allem ist jedenfalls das kühne Wollen, das schon frühzeitig in Voraussicht zunehmenden Geschäftsumfangs den würdigen Rathausbau plante und erstehen ließ, durch die Folge gerechtfertigt und belohnt worden. Bisher hat der Bau den Forderungen der veränderten Zeitverhältnisse im allgemeinen vollauf genügt und die Stadt vor den Enttäuschungen bewahrt, welchen die Mehrzahl der anderen Städte bei Schaffung umfangreicher und kostspieliger Behelfsunterkünfte für Dienststellen ausgesetzt waren, die durch die zahlreichen neuen Ausgaben der Nachkriegszeit erforderlich wurden. Auch hinsichtlich der übrigen öfsentlichen Gebäude und Schulräume steht Herne im Vergleich zu anderen Industriestädten verhältnismäßig günstig da. Eine Notlage, die unter Nichtachtung der Wirtschaftlichkeit unter allen Umständen Abhilfe durch Neubau erheischt, ist nicht vorhanden. Erfreulich ist ferner das Bild, das die Wohnungsbautätigkeit— insbesondere der Nachkriegszeit— bietet. Die Zahl der im Jahre 1921 neugeschaffenen Wohnungen reicht beinahe an die 3 Höchkstzahlen der Vorkriegszeit heran und wird sie im Baujahre 1922 voraussichtlich überschreiten. Ohne die Rührigkeit der Verwaltung und den bewährten Bürgersinn der Einwohnerschaft hätte auch die neue Bahrhofsanlage mit dem stattlichen Empfangsgebäude nicht in der ansprechenden Weise der jetzigen Lösung durchgeführt werden können. Zudem verspricht die Sicherstellung einer Nord=Südverbindung in besonderem Maße befruchtend auf das Verkehrsleben einzuwirken. Es ist natürlich, daß die Wahrnehmung aller Gelegenheiten zum Ausbau des Gemein= wesens auch anregend auf das Wirtschaftsleben einwirken muß. Selbst zu den gewerblichen Großbetrieben, deren Entwicklung aus eigener Kraft sichergestellt scheint, bilden sich auf diesem Wege fördernde Wechselbeziehungen heraus. Wenn das deutsche Wirtschaftsleben in nächster Zukunft vor ernsteren Erschütterungen bewahrt bleibt, wird die Zeit nicht mehr fern sein, wo Herne auf den bewährten Grundlagen des bisber Geschaffenen weiterbauend, als nächste Stadt im Verbandsbezirk, in die Reihe der Großstädte eintritt. Die wohlgemeinten Wünsche des Siedlungsverbandes begleiten es auf diesem Wege. Dr. Schmidt, Direktor des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk, Essen. Ein Glückwunsch aus Düsseldort. Düsseldorf, 29. März 1922. Jede Stadt hat ihr Gesicht und ihre Seele. Herne will nicht die graziöse, geistreiche, leider aber auch verarmte Dame Wien, es kann nicht der Kriegsgewinner Berlin und nicht der reiche Handelsherr Hamburg sein. Herne ist der junge, kraftstrotzende Knappe der Roten Erde. Wer ihm zu seinem 25. Geburtstag die schwielige Faust schüttelt, der fühlt die pulsende Lebenskraft, dem blitzt aus dem Auge Mut und Lebenskraft entgegen und er findet den Arbeitsrock kleidsamer als das Gewand des Müßiggängers. Wir, deren Herz freudig mit dem schnellen Takt Deiner Arbeit geschlagen hat, wir wünschen Dir, Sohn der kernigen Mark, daß Dir Dein klarer Kopf und Dein kräftiger Arm bleibt, und wir wissen: Bei Deinem 50. Geburtstag wirst du uns in Deinem selbsterrungenen Wohlstand empfangen. Herne, Glückauf! Beigeordneter Dr. Odenkirchen. „ Gruß vom Khein. Verlag und Redaktion des„Herner Anzeigesr“ in Ihrer freundlichen Aufforderung, Ihnen zum 25. Jahrestag der Stadtwerdung Hernes einige Zeilen zu senden, komme ich gerne nach. Hängen doch meine Gedanken noch zu oft dort, wo ich 15 Jahre lang lebte und tätig war. Aus eigener Anschauung kenne ich zum größten Teil den Werdegang Hernes seit seiner Erhebung zur Stadt. Durch Tage des Glückes und der Trauer führten die vergangenen 25 Jahre und in tiefernster Stunde begeht Herne seinen Gedenktag. Vom sagen= und jetzt sorgenreichen deutschen Rhein kommt mein Glückwunsch: Möge unser liebes Herne allen Widerwärtigkeiten zum Trotz auch durch diese Leidenszeit unseres Volkes hindurch in deutscher Treue und zäher Westsalenart sich behaupten und unter einem baldigen wahren, inneren und äußeren Frieden seinen stolzen Aufstieg fortsetzen, glücklicheren Tagen entgegen! Das walte Gott! Köln, den 25. März 192.. van Hengel, Landgerichtsdirektor 40 9 3065500533330000000000000000000000000000000000000000000000 Verwaltung und Presse. Von Beigeordneten Dr. Geyer=Herne Das gleiche Bild aufsteigender Entwickelung ist beiden in den letzten Jahrzehnten eigen geweson: der Herner Presse wie der Herner Stadtverwaltung. Die Herner Zeitung und das Herner Tageblatt, das 1909 sein Erscheinen einstellte, konnten die Stadt des Kohlenbaues und der Eisenindustrie schon an ihrem ersten Geburtstage begrüßen. Am 1. April 1905 trat der Herner Anzeiger ins Leben. Eine polnische Zeitung unter dem Titel„Narodowiecz“ wurde 1909 mit dem Sitze in Herne gegründet. Im Jahre 1911 wurde ebenda eine besondere Zweiggeschäftsstelle des in Bochum erscheinenden Volksblattes errichtet Kometartig trat auf und verschwand im Jahre 1910 ein Wochenblatt, Herner Lokalanzeiger genannt, mit stark weltverbessernden Bestrebungen Bedeutsame Tageszeitungen begleiteten somit in Freud und Leid die Geschicke der rastlosen Industrie= und Handelsstadt. Verwaltung und Presse standen sich in Herne durchweg freundlich gegenüber. Freilich gabs mitunter Wünsche hin und Wünsche her. Manchmal bewahrte ein Rippenstoß der Presse die Verwaltung— dieser selbst nicht unerwünscht— freundlichst vor allzu großer Selbstzufriedenheit. Hie und da öffnete eine berichtigende Erklärung „von zuständiger Seite“ der öffentlichen Meinung die Augen über die wahren Pläne und Ziele der Verwaltung. Das gute Verhältnis wurde dadurch nicht ernstlich getrübt. Ortsgesetze und Verwaltungsanordnungen brachte der Magistrat der Bürgerschaft durch die Zeitungen zur Kenntnis. So zwang die „amtliche Bekanntmachung“, jeden Herner in ihren Bann, um ihn je nach Zweck und Beteiligung angenehm oder unangenehm zu berühren. Die Herner Zeitung führt den Titel„Amtliches Kreisblatt“ und der Herner Anzeiger den Titel „Amtl. Publikationsorgan“ am Zeitungskopfe. Die Gegenwart, die gerne mehr den Charakter der Verwaltung als Sachwalter der Allgemeinheit denn den als Behörde betont, schwächte die tatsäckliche Bedeutung derartiger Bezeichnungen allgemein ab. Amtliche Bekanntmachungen erscheinen auch im Volksblatt. Die Vertreter der Herner Presse waren wohl die treuesten Besucher der öffentl. Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung. um als gewissenhafte Chronisten den Bürgern der Stadt Worte und Taten ihrer Vertréter zu berichten. Auch aus den einzelnen Kommissions= und Deputationssitzungen wurden, soweit als tunlich, kurze Berichte gebracht. Ueber die amtlichen Verlautbarungen hinaus legte die Presse stets besonderen Wert darauf, dauernd über den Fortgang der einzelnen Verwaltungszweige, ihre Pläne und Ziele, auf dem Lausenden zu bleiben und die Oeffentlichkeit darüber zu unterrichten. Tagaus, tagein gingen Vertreter der Herner Presse jahrelang in den zahlreichen Amtsstuben der Verwaltung ein und aus. Die einzelnen Dienststellen versahen sie— die eine mehr, die andere weniger— bereitwilligst mit Nachrichten. Besonderen Wert legte die Polizei darauf, die Ergebnisse ihrer fleißigen Arbeit und ihrer Findigkeit der Oefsentlichkeit und den friedlichen Bürgern zur Beruhigung bekannt zu geben. Zeitweilig drohte ihr guter Wille den guten Ruf dieses oder jenes Stadtteils zu gefährden. Es erfolgte in geeigneter Weise die Zurichtung der Berichterstattung auf das richtige Maß. Bis vor Jahresfrist holte sich so die Presse in Herne ihre Informationen aus den einzelnen Dienststellen. Mit der stetig fortschreitenden Entn idlung der Stadt und der weitblickenden Ausspannung ihrer Ziele über die Ortsgrenze hinaus war das bislang geübte Verfahren des Verkehrs zwischen Verwaltung und Presse nicht mehr angängig. Der Entwickelungsstand der Stadtverwaltung verlangte dringend die Behandlung der Pressefragen nach einheitlichen, großen Gesichtspunkten. Am 1. April 1921 wurde daher im Herner Rathause ein besonderes Presseamt eingerichtet. Nicht unbegründetes und gern gerügtes Bestreben, neue Dienststellen zu schaffen, veranlaßte diesen Schritt. Die fachliche Notwendigkeit, im Innern zusammenzufassen, zu vereinfachen, zu vereinheitlichen, tatkräftig zu leiten und auf diese Weise eine stärkere Wirkung nach außen zu erzielen, schuf das städtische Presseamt. Es hat seine ersten Gehversuche im verflossenen Jahre nicht ohne Erfolg gemacht. Kein Wunder, wenn der Neuling noch hin und wieder an Unebenheiten und Hindemisse stößt. Jahrelange, alte Gewohnheiten lassen sich eben auch hier nicht von heute auf morgen abändern. Es ist zu hofsen, daß der neuzeitliche Sproß der Stadtverwaltung bald mit und im Rahmen der Gesamtverwaltung rüstig und rastlos voranschreitet. Ein Presseamt wird nur dann seine Aufgaben in einer die Verwaltung und die Oeffentlichkeit befriedigenden Weise erfüllen können, wenn alle städtischen Dienststellen selbständig und rege mitarbeiten und fortlaufend mündliche und schriftliche Berichte über den allgemeinen Stand der Verwaltungszweige und über besondere Vorgänge und Pläne dem Presseamt zukommen lassen. Häufigen Besuch der Pressevertreter wird das Amt besonders zu schätzen wissen und seine Tore allezeit dafür offen halten, um bald alles für die Allgemeinheit Wissenswerte und für die Verwaltung Dienliche zu geben, bald werwolle Wünsche und Anregungungen der Presse und der öffentlichen Meinung gern entgegenzunehmen zum eigenen Nutz und Frommen oder zur Weitergabe an die beteiligten Dienststellen. Die Durchführung einer planmäßigen Presse= und Ausklärungstätigkeit ist von entscheidender Bedeutung für eine großangelegte, zielbewußte und tatkräftige Kommunalverwaltung. Keine Verwaltung, die Erfolg und Beachtung für sich erwartet, kann auf sie verzichten. Diese Erkenntnis bricht sich in der Gegenwart mehr und mehr Bahn. Das Werden und Wachsen der städtischen Aufgaben soll in geeigneter und verantwortlicher Weise der breiten Oeffentlichkeit bekannt werden. Die gewaltigen Anforderungen neuzeitlicher Verwaltungsarbeit sollen von Rat und Bürgerschaft der Stadt gemeinsam erlebt und unter sicherer Führung der Vernaltung gemeinsam erfüllt werden. Um nur das Wichtigste herauszugreifen: wer vermöchte den Knäuel von Schwierickeiten der städtischen Finanz= und Steuerfragen, der sozialen Aufgaben des Wohnungsproblems und der Wohlfahrtspflege, der Schulverwaltung gedeihlich zu lösen ohne entsprechende Heraneichung der Presse. Und vollends die aus der regamen Entwicklung der Stadt herausgewachsene Notwendigkeit der Erweiterung des Gebietes und der geistigen Einflußsphäre! Will eine zielstrebige Stadt über ihren engeren Kreis hinaus in wichtigen Verwaltungsfragen bei Nechbern, Provinz und Staat die unentbehrlicke Beachtung finden, so wird sie der steundlichen Heranziehung und Mitarbeit der Presse, auch über den Kreis der Tageszeitungen des Ortes hinaus, der Inanspruchnahme gutgeleiteter Korrespondenzbüros, der Aufmerksamkeit der führenden auswärtigen Presse von Zeit zu Zeit nicht entraten können. Die Presse ist der Lebensnerv der össentlichen Meinung. Ihre Kräftigung und Gesundung ist eine öffentliche Angelegenheit. Die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten muß ihr pflichtgemäß Becchtung schenken. Die Herner Tageszeitungen verfolgen mit der Stadtverwaltung dasselbe Ziel: Das Wohl der gesamten Bürgerschaft unserer werktätigen Stadt mit ihren räderschwirrenden Schächten, ranchenden Schloten und lodernden Essen, die uns Märkern ans Herz gewachsen sind. Durch Not und Bedrängnis der Gegenwart Führer zu sein zu Glück und Zufriedenheit einer besseren Zukunst, ist beider Wunsch und Pflicht. Das starke Band der Presse wird Bürger und Verwaltung der Stadt in Tagen schweren Ringens zusammenschließen zu gemeinsamem und erfolgreichem Vorwärts= und Auswärtsstreben. Zeitgenöllische Betrachtungen. Von Bürgermeister Dr. Sudkamp=Herne. Dankbarkeit ist eine seltene Tugend; das ist ein Wahrspruch, der seine Geltung nicht nur im Zusammenleben der Menschen hat, sondern der auch gilt, wenn es sich darum handelt, zeitlich auseinanderliegende Verhältnisse und Zustände gegeneinander zu werten. Im geschäftigen, hastenden Geist zumal der heutigen Zeit schwindet bald der Sinn für Gewesenes, und im Hinblick auf das, was war, wird die Menschheit immer zu dem Uebel neigen, daß sie es doch so herrlich weit gebracht habe. Beschaulichen, verträumten Gemütern und dem Alter bleibt es vorbehalten, von Vergangenem zu träumen und sich nach all dem zu sehnen, was einstens war. Man wird dieser Undankbarkeit, wenn man diese Ersckeinung so nennen will, in etwa recht geben müssen, denn einmal Vergangenes läßt sich nie zurückrusen und selten neu gestalten. In der geistigen Verfassung der Menschheit wie auch in der Welt der äußeren Erscheinungen hat alles seine Zeit. Nur in der inneren Einstellung zu den gegenwärtigen Verhältnissen hat jeder sein Glück und sein Unglück und nur in der Richtung auf das, was kommt und sich gestalten will, hat jeder sein Ziel. Deswegen aber gerade und trotz allem Vorhergesagten haben Vergangenheit und Gegenwart ebensogut wie Gegenwart umd Zukunft eine Verbindung miteinander, wie gehen Kräfte und Wirkungen aus von dem einem zu dem andern. Auch das, was war, hatte in an seiner Unzulänglichkeit seine Notwendigkeit und Bedeutung in der Geschichte der Menschheit Nicht viel anders wie heute haben auch in vergangenen Tagen nur auf ihre Art die Menschen ihr Glück und Unglück gesucht und gefunden. Ob es den heutigen Menschen besser gelingt, das ist deren Sache. Nur eins soll und muß Grundsatz jeder geschichtlichen Betrachtung sein: Pietät gegenüber allem, was war, soweit es mit Ernst und Fleiß und Innigkeit sich vollendete. Wenn solche Gedonken allgemeinster Art anläßlich des Herner Stadtjubiläums angeschnitten werden, so geschieht es, weil gerade an der Herner Entwickelung gemessen in der Wende der Jahre und Jahrzehnte, in denen Herne sich zur Stadt entwickelte, 2 Zeitalter, so kann man wohl sagen, sich von einander schieden, eine Entwickelung, die füir das Gesamtbild der deutschen nirtschaftlichen Verhältnisse als Beispiel gelten kann. Worin besteht nun der genannte Gegensatz der beiden Zeitalter? Die Menschheit rühmt sich gegen früher heute ihrer Freiheit. Sie hat recht, denn Gebundenheit in mehrfacher Hinsicht war das Wesensmerkmal der Zeit, von der hier gesprochen wird, eine Gebundenheit allerdings, die, selbst wenn man gewollt hätte, kaum hätte aufgegeben werden können; es war die Gebundenheit an die Scholle, an den Boden, auf dem jeder gewachsen war. In der Zeit, da Landwirtschift und was damit zusammenhing die Haupternerbsquelle war, da gedieh der Einzelne nur mit dem Boden, auf dem er saß. So viel davon der Einzelne in seinem Machtberrich hatte, darnach wurde er in mehrfacher Beziehung gewertet. Es wird das den modernen Menschen sicherlich eng in der Auffassung erscheinen, und doch ist es im Lichte geschichtlicher Betrachtung durchaus natürlich und notwendig, und wer in der sogenannten Heimatliteratur Bescheid weiß, wird die Bestätigung für die Behauptung in der Allgemeinheit der Erscheinung erblicken. Der Beweis für die Richtigkeit liegt auch darin, daß die Menschheit diesen Zustand ertragen hat, ohne in soziale Konfliktsstimmung zu kommen. Die für alle gleiche Abhängigkeit vom Boden, die Verstricktheit in dieselben wirtschaftlichen Verhältnisse schuf trotz Verschiedenheit der sozialen Lage im einzelnen eine so allseitig empfundene Verbindung der Belange, daß das Gefühl der sozialen Ungleichheit nicht zu einem Problem wurde. Man hatte durchaus die Einstellung, die Not des einzelnen, soweit sie eine auch für die anderen in Frage kommende Ursache hatte, durchaus als gemeinsam zu empfinden. Auf dieser geistigen Grundlage eines natürlichen Solidaritätsgefühls ist die Einrichtung der westsälischen auch in Herne allgemein üblichen„Nach barschaft“ gewachsen. Man hat darunter ein förmlich verabredetes Verhältnis engerer Interessengemeinschaft zwischen meist in örtlicher Nachbarschift belegenen Besitzern zu verstehen, das den Beteiligten für den Fall des Eintrittes bestimmter Ereignisse nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte auferlegte und einräumte. So hatten vor allem bei bestimmten Jomilienereignissen—. Geburt, Hochzeit, Tod — die Nachbarn bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es wird vielen vielleicht doch neu und von Interesse sein, zu hören, daß vor Jahrzehnten vereinbartes Nachbarrecht auch in unseren Tagen sich gelegentlich noch auswirkt, insofern bei Beerdigungen z. B der nächste Nachbar unmittelbar hinter dem Sarge vor den nächssten Angehörigen seinen Platz im Leichengefolge hat. Eigenartig und doch auch wieder natürlich ist, daß das Nachbarverhältnis in vielen Fällen auch dann erhalten blieb, wenn die persönliche Freundschaft in die Brüche gegangen war. Ich entsinne mich allerdings mit besonderer Freude und Genugtuung gerade solcher Beispiele, wo verbunden mit der Nachbarschaft und über diese hinaus auch unter Ueberwindung konfessioneller Gegensätze persönliche Freundschaft in einer Form gehalten wurde, daß im Falle der Not der eine für den andern mit seinem Leben eingestanden wäre. Wie sehr ein alle treffendes Ereignis im Gesamtgesühl der Bevölkerung nachsebte, das beweist die bis in die jüngere Zeit in dem s. Zt. einzigen Gasthaus Pöppinghausens alljährlich abgehaltene Hagelfeier als Erinnerung an ein stattgehabtes großes Unwetter. Es war ehedem gängige Gepflogenheit, im Falle von Brandschaden durch unentgeltliche Arbeitsleistung möglickst aller Gemeindeeingesessenen, insbesondere der Nachbarn, dem Geschädigten zu helfen. Zu erwähnen sind ferner die sogenannten Gebebochzeiten, die mit ihrem Zwange Empfangenes im gleichen Umfange bei Gelegenheit zurückzugeben doch nur dazu dienten, dem jungen Hausstand über die ersten wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Andere Zeiten, andere Sitten: Wenn heute auf anderer Grundlage Interessengemeinschaften— Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Konrimgenossenschaften usw.— entstanden sind, so können sie, an früherem gemessen, nur bedingt den Anspruch auf Originalität erheben. Sie haben gegen das Frühere sogar den Nachteil, daß sie fest alle eine engere geistige Einstellung haben, insosern ihre Solidarität sich auf den Cegensotz zu einer anderen Mächtegruppe stützt; sie entbehren damit der unmittelbaren Wirkungsmöglichkeit im Allgemeinintereise, wie es bei den früheren Einrichtungen der war.— Darin liegt für mich das Schönste und Beglückeneste, was mein Erinnern an frühere Zeiten und Menschen erfüllt, daß mehr Besriedetheit, Zusriedenheit im Zusammenleben der Menschen vorhanden war. Es mag mit heutigen Zuständen verglichen manches an äußeren Cenüssen gesehlt haben, der innere Weg zum Glück war dafür einfacher, unmittelbarer, hemmungsloser. Unbeneideter kleiner Besitz erscheint mir immer noch glckverheißender als umstrittener, vor allem aber beneideter großer Besitz. Darin scheint mir das Unglück und die große Hemmung in unserer Wirtschaft seit Jahren zu liegen, daß wir mit dem technischen Fortschritt, der völligen äußeren Umstellung unserer Wirtschaft nicht auch die richtige geistige Neueinstellung gefunden haben, daß wir trotz aller äußeren zwangläufigen Verbundenheit der Menschen im Wirtschaftsprozeß geistig völlig auf Kampf, Gegeneinanderarbeiten, Mißtrauen eingestellt sind. Einen kulturellen Fortschritt bedeutet das zunächst sicherlich nicht. Wir befinden uns in einer Entwickelungskrise unseres Volkes, wenn nicht gar der Menschheit, und können nur der Hoffnung leben, daß es uns gelingt, eine neue, umfassende Solitarität der Arbeit, Pflicht und Verantwortung aufzubauen, In Herne, wie mehr oder weniger in der ganzen Mark, lagen in der Zeit, von der hier gesprochen wird, insosern die Verhältnisse besonders günstig, als ganz weitgreifende Unterschiede im Besitz nicht vorhanden waren. Es war nur mittlerer und kleinerer landwirtschaftlicher Besitz vorhanden. In den ländlichen Frieden brachten die neu entstehenden Bergwerke den Geist einer neuen Zeit. Der Uebergang hat sich aber nur sehr kangsam vollzogen. Der Geist des Alten war doch lange Zeit stärker als der anders geartete Lebenswille der Neuzeit Ein petriarckalischer Zug ist lange Zeit auch nach Entstehung der Industrie im beruflichen und außerberuflichen Zusammenleben der Menschen erhalten geblieben. Die Industriearbeiter wohnten vielfach in den von den ansässigen Landwirten errichteten Miethäusern, sie hielten fast elle Gertenkand von den Landwirten in Pachtung, kausten von ihnen ihren Winterbedarf an Kartoffeln und sonsuige Lebensbedürfnisse; das landwirtscheftliche Personal rekrutierte sich zum größten Teil aus den Familien= angehörigen der Arbeiter, und im großen Umfange war es üblich, daß die Arbeiter und ihre Ehefrauen auf Bestellung in Zeiten der Arbeitsfülle(Ernte) auf den landwirtschaftlichen Besitzungen aushalsen. So ergab sich eine Fülle wirtschaftlicher und rein menschlicher Beziehungen, die das Gefühl wirtschaftlicher Unzufriedenheit oder Ueberhebung zunächst nicht aufkommen ließen, sondern im starken Maße eine Stimmung der Verbundenheit schufen. Auch auf den industriellen Werken selbst waren die Beziehungen zwischen dem Unternehmer und seinen Vertretern auf der einen, den Arbeitern auf der anderen Seite vielfach noch mehr auf das rein Menschliche und Persönliche abgestellt. Als Nachwirkung jener Zeit sind mir eine ganze Reibe von Fällen bekannt, daß Arbeiter noch heute in derselben Wohnung sitzen. die sie während meiner Kinderjahre bewohnten, ein Zeichen dafür, daß Bobenständigkeit auch bei den Arbeitern zunächst nicht Ungewöhnliches war. Das alles mußte anders werden, als je länger je mehr das Alte von der Industrie überwuchert wurde, als auch in der Arbeiterbevölkerung der einheitliche Charakter durch Aufnahme fremdstämmiger Elemente immer mehr schwand. Nun zeigten sich die Folgen der Loslösung vom Alten, Bodengewachsenen. Es mußte sich notwendig in den Massen der zuziehenden und bei bester Gelegenheit weiterziehenden Arbeiter das Gesühl der Heimatlosigkeit entwickeln. Sie konnten ja keine Beziehung mehr gewinnen zur Scholle, zum Fleckchen Erde, auf dem sie saßen. Für sie war in starkem Maße der jeweilige Aufenthaltsort eine Gelegenheit zum Geldverdienen, nach der Richtung nicht mehr gesucht und gemieden als viele andere gleichgeeignete auch, Ich befürchte, daß diese Entwickelung noch nicht einmal abgeschlossen ist. Der stark mechanisierte moderne Arbeitsprozeß hat diese Entwickelung nur fördern können. Die frühere landwirtschaftliche Produktion hatte den Vorzug, daß auch bei noch so kleinem Besitz jeder den Erfolg seiner Arbeit und seines besonderen Fleißes überblicken konnte, daß jeder in der eigenen Person seines Glückes Schmied sehen durfte. An dieser geistigen Einstellung scheint es mir im modernen Arbeitsprozeß durchaus zu fehlen. Es spielen da auch politische Gesichtspunkte mit hinein, bestimmte volkswirtschaftliche Lehrmeinungen, die geradezu suggestiv die Aufsassung der Arbeitormassen beeinflußt haben. Jenseits aller Politik kann unsere Hoffnung nur sein, auf moderner Grundlage beim Arbeiter das Gefühl organischer Verbundenheit mit der Gesan twirtschaft und dem Drang zu freudiger Hingabe an sein besonderes Arbeitsgebiet heranwachsen zu sehen. Vorläusig ist es leider noch so, daß in allen Dingen und Beziehungen sich das Problematische in den Vordergrund drängt, das uns nicht zur Ruhe kommen läßt und den wirtschaftlichen und geistigen Wiederaufbau auf der Grundlage und mit dem Ziele einer geschlossenen nationalen Kultur einstweilen noch hindert. Was im besonderen die geistigen, um nicht zu sagen künstlerischen Bedürfnisse der vergangenen Zeit angeht, so ist sie durch größte Einfechheit und Bescheidenheit charalterisiert, wofür sie aber gegen die heutige Zeit den Vorzug der Geschlossenheit und des Befreitseins vom Problemotischen hatte. Die Geisteserzeugnisse umerer Dichter und Philosophen hatten, woüber sich Idealisten immer wieder— auch heute noch— täuschen, in der breiten Masse der Bevöllerung keinerlei geistige Gemeinde. Man lebte arch in geistiger Beziehung ein einfaches Zweckn äßigleitsdasein. Wenn man von der Befriedigung geistiger Bedürfnisse reden wollte, so wäre allensells hinzuweisen auf die Erzeugnisse dörflicher Poesie, die unbedeutende örtliche Ereignisse, die Schwächen und Eigenheiten der lieben Mütmenschen zum Gegenstande hatten. Aus dem Rahmen des Alltags trat man dabei keineswegs hinaus. Als Beispiel nach der Richtung wären anzuführen die Dichtungen des in Herner sicher noch nicht vergessenen Castropers Fritz Klein. Ich denke mit besonderer Freude noch an meine mit Freunden zusammen unternomnenen Fahrten nach Pöppinghausen, wo wir in dem Gasthaus Fenke den humoristischen Erzählungen„Aechter de Bank“ eines jetzt noch lebnden Herrn Bommholt lauschten. Den Uebergang ins Moderne, im Grunde aber doch noch gleiches geistiges Wachstum, stellen die Erzählungen und Gedichte aus dem Bergmannsleben von Karl Regelmann dar. Die neue Zeit wird aich über diese Dinge in nicht zu ferner Zeit vollends den Mantel der Vergessenheit decken. Ich möchte nur wünschen, daß sie uns aus dem nur Problematischen heraus auch auf dem Gebiete der Kunst wieder zu Zuständen führt, wo weniestens breiteren Schichten des Volkes ein einfaches gläubiges Hinnehmen und Genießen, ein Miterleben möglich ist. Möge auf diese kommende glücklichere Zeit das GoetheWort passen: Eröffn' ich Räume vielen Millionen, Nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen. Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde Sogleich bebaglich auf der neusten Erde, Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft Den aufgewältt kühn=emsige Völkerschaft. Im Innern hier ein paradiestsch Land, va rase draußen Flut bis auf zum Rand, Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschließen. Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen. Ein Streit. Von Oberbürgermeister a. D. Schaefer. Als ich 25 Jahre lang in Herne amtiert hatte, vereiteten meine Mitbürger mir in gütiger Weise mancherlei Ehrungen, darunter auch einen Fackelzug. Er marschierte an meiner Dienstwohnung in der Mont=Cenisstraße vorbei zum alten Rathaus Dort hielt Herr Kocks eine Ansprache. Ich dankte. Nach dieser Festlichkeit ging ich vom Rathaus zu meiner Wohnung zurück. Hier staute sich die Menschenmasse. Ich konnte die Türe nicht erreichen und stellte mich an das Eisengitter, das den Vorgarten von der Straße trennt. Die Fenster der Wohnung standen offen. In den erleuchteten Zimmern sah man viele Personen, die sich von hier aus den Fackelzug angesehen hatten und meine Rückkehr erwarteten. Zwei Männer, die neben mir am Gitter standen, sprachen darüber, wer von den Personen im Haus der Oberbürgermeister sei. Sie einigt sich dahin: der dort mit dem weißen Haar. oas ist er! Lachend bestritt ich das und sagte schliefflich, als man mir nicht glaubte, ich sei selbst der Jubilar. Da wurden die beiden Männer aber ungemütlich und erwiderten, sie ließen sich nicht verhohnEs war hohe Zeit, daß ich verduftete. Sonst Brügel bekommen ∆ Nr. 77 Geiger für das amt Samstag. den I. April 1922 0800000Se SeeOocccceeccceeeecececccccckeecccccecectececccecececececccelcecccececececececcccce! Von Caspar Lange vor dem Kriege schrieb karl Storck, daß das Leben heute keinen Platz mehr habe für die Kunst, weil es sie allerorten ersticke und erdrossele, weil ihr alle Lebensbedingungen untergraben seien. Vielleicht diktierte allzu großer Pessimismus diese Zeilen, in der Armut unserer Tage bekommen sie einen Sinn, an den der früh verstorbene Kämpfer nicht gedacht hat. „Musikalische Zeitfragen“ hat es immer gegeben von Wagner Liszt über Kretschmar bis zu Paul Bekker, Blessinger, Marsop, aber noch nie wurden sie mit solcher Besorgnis, ja einer gewissen Ratlosigkeit ausgesprochen, wie jetzt. Große Gemeinwesen mit reichen Einkünften sehen sich mit schmerzlichem Bedauern genötigt, ihre in langen Jahren liebevoll geschafsenen und entwickelten Kunstinstitute, Theater, Orchester, Oper, Konzerte einzustellen oder doch wesentlich einzuschränken, was dann in kleineren Pfleg.städten der Kunst geschieht, und ihrer sind im deutschen Vaterlande nicht wenige, kann man sich denken. Schon werden Stimmen laut, die den Tod der Kunst verkünden. Und das gerade jetzt, wo unser Volk sie am nötigsten braucht. Wen man das allabendliche Getriebe unserer modernen Groß= und Industriestädte durchwandert, schrieb kürzlich Th. Dümpelmann, könnte man von einem üppig blühenden Musikleben sprechen, sofern man blühen und wuchern für gleichbedeutend hält. Hier streichelt man die gewinnbringende„melkende Kuh“ der Operette, im Kaffehaus und Kabarett dienen die neuesten Schlager als sinnliches Reizmittel bis zum Erbrechen, aus den Salons übertönt ein Klavierzimbel das andere, und als letztes, beduselte Burschen, die als Ausklang ihrer Bierreise den neuesten Saisonschlager heruntergröhlen. Das ist das sonntagabendliche Allgemeinbild unserer Städte. Die Diagnose des gegenwärtigen Musiktreibens trifft P. Bekker sehr scharf„Gewinnsucht des Unternehmers und des Musikers, gesellschaftliches Herkommen, Lurusbedürfnis, ernster und oberflächlicher Genußtrieb, Sehnsucht nach Belehrung und Erhebung bei einzelnen!!" Tatsächlich steht ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung der großen Kunst und ihrer erzieherischen Macht noch fern. Es ist ein Verhängnis, daß gerade jetzt, wo es gelingen könnte, die Abseitsstehenden zu gewinnen, dieser schwerste aller Kulturkämpfe geführt werden muß, der Kampf der Kultur gegen Armut und Verwahrlosung. Musikkultur und Industriestadt. Unsere Jeit hat an Idealen keinen Ueberfluß, die Musik ar stellt Werte dar, die ihr unersetzlich sind. Bei aller Armut und Beschränkung der Mittel sollte es auch in Zukunft möglich sein, die geistigste aller Künste zu pflegen. Nur unter einer Bedingung allerdings würde diese Pflege einigen Wert haben und schließlich eine Musikkultur schafsen helsen, wenn wir lernen, die genießerische Kunstauffassung in eine tätige, mitwirkende umzubilden. Aus einer Modesache muß die Musik zur Herzenssache werden, sie muß ganz aus dem geistigen und seelischen Leben der Bevölkerung erwachen und ihr unabweisbares Bedürfnis sein. Mit bloßem Konsumententum wird dieses Viel nicht erreicht. Schule und Familie sind na in erster Linie berufen, wichtige Vorarbeit zu leisten, ja sie sind gerade für die Erziehung zur tätigen Anteilnahme am Musikleben entscheidend. Das in der Schule begonnene Werk setzt die Familie fort und ihr steht ein schier unerschöpflicher Schatz zu Gebote in unserm Volkslied. Das sollte allein das„Repertoire“ der Familie sein, weil es als wahre Kunst auch zur großen Kunst erzieht, nicht aber jenes Geleier aus Operettengesang und ähnliche Abfälle aus der Gesindestube der Kunst. Eine wirkliche Musikkultur kann nur da zur Entfaltung kommen, wo das weltliche und geistliche Volkslied sein Lebensrecht wieder geltend macht. Die Singstunde in der Familie ist die wahre Hochschule für Musik unseres Volkes und zugleich auch das schönste und nützlichste Konzert. Von da zum Chorverein ist nur ein Schritt. Es gibt Familien genug, wo gern im Quartett gesungen wird, daß sie nebenbei die eifrigsten Mitglieder der gemischten Chöre und Männergesangvereinigungen stellen, liegt auf der Hand. Man mag sich künstlerisch zu der einseitigen Pflege des Männergesangs stellen wie man will, die Männerchöre waren in unseren jungen Industriestädten die ersten Bannerträger des deutschen Liedes. Sie veranstalteten Konzerte, verpflichten auswärtige Orchester und bedeutende Solisten auf instrumentalem oder gesanglichem Gebiete und erwarben sich große Verdienste um die musikalische Volksbildung. Es ist erstaunlich, mit welcher Zähigkeit sie sich allen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verschiebungen und Umwälzungen zum Trotz erhalten haben. Wie vor hundert Jahren sind sie wieder zu Herolden des vaterländischen Gedankens geworden und hier ist ihnen ein hohes Gut anvertraut. Die Zahl der Männergesangvereine in Deutschland ist Legion, dem gegenüber sind die gemischten Chöre verschwindend gering. Für sie aber haben unsere großen Tonsetzer ihre Meisterwerke geschrieben, sie werden auch überall die eigentlichen Träger des Musiklebens sein. Nur eins wäre zu wünschen, daß die Männerchöre der Arbeit des gemischten Chors mehr als bisher sich zuwenden und bei Oratorien ihr Verfügung stellen möchten. Die Aufführungen unserer großen Instrumental= und Chorwerke müssen Volkssache sein. Der vielgepriesene aber wenig„betätigte Gemeinschaftsgeist würde mit einem Schlage Wunder vollbringen und ein hervorragendes Mittel zur Förderung des Musikverständnisses fruchtbar machen: Das Singen im gemischten Chor. Alles Erklären und Aufklären in musikalischer Hinsicht ist graue Theorie, das Hineinwachsen in die Klang- und Ideenwelt eines Oratoriums im Chor wird stets den Vorrang haben, es ist das idealste tätige Musikgenießen, da nur wenige in der Lage sein werden, nach dem Klavierauszuge oder nach der Partitur sich das Werk in Klang zu überteagen. Das werden alle bestätigen, die einmal ein Oratorium mit aufführen halsen, für viele ist es das musikalische Ereignis ihres Lebens geworden und hat ihnen unschätzbaren Gewinn gebracht. Erhöhte Bedeutung kommt daher dem Stadtische:. Chor zu. Die wechselvollen Schicksale früherer Versuche brauchen uns nicht zu entmutigen. Hat sich doch der vielgerühmte Leipziger Riedel=Verein aus einem nichtöffentlichen Singekränzchen entwickelt und ist erst nach und nach zu dem geworden, was er heute darstellt. Es bedarf einer Schar, die wirklich inneres Bedürfnis und der Wille zu intensiver Kunstpflege zusammen führt und die von einem begeisterungsfähigen Dirigenten geleitet wird, dann wird alles übrige zugegeben werden. Der Dirigent ist gefunden, Willy Mehrmann, den Herne zu seinem sädtischen Musikdirektor machte, het in den vier Johren seiner Amtsführung viel Schönes vermitteln können, was ohne seine Regsamkeit unterblieben wäre. Während anderwärts Schwierigkeiten der Saalfrage und des Orchesters das Musikleben wenn nicht gefährden, so doch in seiner Entwicklung entschieden hintanhalten, hat Herne es einfacher. Hier braucht man nur das Fehlen eines, größeren Ausgaben gewachsenen, guten Orchesters zu beklagen. Und auch dem Mangel helsen die Bochumer Künstler gern ab. So war es in Herne möglich, geredezu hervorragende Werke in eindrucksvollen Wiedergaben auch der Herner Bürgerschaft zugänglich zu machen. Zu einigen wurden Einführungsvorträge gehalten mit Erläuterungen am Klavier, die gewiß viel Verständnis zu wecken geeignet sind. Auch die Presse darf hier Erwähnung finden. Paul Bekker zeichnet ihre Ausgaben so: „Das Faßbarmachen der ästhetischen, der sozialen und der zeitgeschichtlichen Bedingungen der Form bringt begriffliche Klarheit der Anschauung. Aus der Klarheit der Anschauung aber erwächst das Formbewußtsein. Indem die Kritik dieses schafft, wandelt sie sich aus einem Prinzip der betrachtenden in eines der handelnden Erkenntnis. Sie verbindet sich mit den beiden anderen Formelementen: der Gesellschaft und dem Musiker. Sie vereinigt, durchdringt, belebt sie. Sie selbst wirkt in ihnen und durch sie mit am steten Werdeprozeß der Form: sie wird schöpferisch als drittes Element der Form, die durch sie begriffliche Anschauung erlangt.— Gesellschaft, Musiker, Kritik, bedingen einander. Vereint schaffen sie die Form, getrennt, des gemeinsamen Zieles beraubt, verlieren sie mit dem Bewußtsein ihrer Bestimmung und Zusammengehörigkeit auch das Bewußtsein des eigenen höheren Wertes.“ Das gilt nicht nur für die Fachpresse, auch die Tageszeitungen werden aus einer mehr berichtenden zu einer kritischstätigen Kunstauffassung kommen müssen, wenn eine Musikkultur erfolgreich angebahnt werden soll. Es ist doch wohl nicht so, wie der Franzose sagt:„Die Kritik ist leicht und die Kunst ist schwer“. Auch eine gewissenhafte Kritik ist schwer und hinterläßt stets das Bewußtsein, das Gute nie eingebend genua bervorgeboben und gepriesen zu haben, das Schlechte aber nie scharf genug zurückweisen und unmöglich machen zu können. Die Zukunft der Musik in unsern Industriestädten wird keine noch so rührige äußere Betriebsomkeit sichern: kein noch so großer Kostenauswend bewahrt sie vor dem Untergena, wenn sie nicht Ausdruck unseres Seelenlebens wird. Dink sei daher allen Mächten, die dieser Seelenpflege dienen, sie öffnen auch der Kunst weit die Tore. S Die Sonne steiat empor im Osten, Sein Werkzeug nimmt der Mensch zur Hand, Jetzt gilt es— Hammer oder Amboß, Der Kampf ums Dasein ist entbrannt! Denn ewig wird es sich vererben Wi einst es ward uns, das Gebot: Im Schweiße sollst du dir's erwerben, Dann gibt dir Gott dein täglich Brot. SSS Die Entwickelung der Firma I. Filcher. Fast könnte man es als eine selbstverständliche Pflicht erachten, beim Jubelfeste der Stadt Herne auch der Firma J. Fischer in ehrenden Worten zu gedenken. Nicht ollein, daß das Stammgeschäft der Firma in diesem Jahre auf ein Alter von 24 Jahren zurück blicken kann, auch das hiesige Geschäft hat sich in v hältnismäßig kurzer Zeit zum ersten Herren= und Knabenbekleidungsgeschäft am Platze emporgearbeitet. Es war im Jahre 1890, als Kaufmann Joseph Fischer aus Lippstadt um Ostenhellweg in Dortmund den Grund legte zu einem Werke, dessen glanzvolle Entwicklung er damale wohl selbst nicht ahnte. Vertraut mit dem, was die tüchtigsten Kaufleute über ihren Beruf gedacht und gesagt haben, bereit, immer mehr seine Lebensaufgabe zu erkennen und treu zu wirken zum eigenen Wohl und zum Wohl des Ganzen, das war in der Hauptsache das Rüstzeug, das er zur Lösung seiner großer Aufgabe mitbrachte. Vielleicht mag es dem unterneymungslustigen Kaufmann und mit ihm vielen anderen als ein Wagnis erschienen sein, in Dortmund ein solches Geschäft zu eröffnen und damit in Konkurrenz zu treten mit führenden Firmen; aber der große Wurf wurde ausgeführt und — er gelang. Und nicht nur das Kaum waren 10 Jahre vergangen, da sehen wir das Oortmunder Geschäft bereits in Mutterwürde: das Tochumer Geschäft öffnete seine Pforten. Ehe weiter: 7 Jahl= ins Land gingen, konnte das Herner Haus eröffnet werden. Und schon rüstet sich die Firma zur Eröffnung eines neuen modernen Geschäftshauses i.. Buer, Westfalnd süngster Großstadt. Das Unternehmen in Herne bietet sich chon rein äußerlich, als eines de. schönsten i. odernn Beschäftshäuser oar Wieviel Personen nöger tagaus, tagein vor den geschn ackvoll Letorierte.. Fenstern kehen, um die dort ausgestellten neuesten Erzeugnisse per Textilindustrie zu bewundern. Die Verwunderung wächst zum Erstaunen, wenn man den großen Ladenkaum betritt, der in 2 Stockwerken sich über einen Flächenraum von 1300 gm, erstreckt. Der fteundtiche Empfänger geleitet die Eintretenden zu den in kommenden Abteilungen. Und deren sind nicht wenige, wenngleich auch die allenthalben angebrachten riesigen Rellameschilder„Fischer kleidet Herren und Knaben“ auf die Hauptzweige des umsangreichen Betriebes hindeuten. Daneben finden wir große Abteilungen für Berufs. und Arbeitskleidung. Auch dem heute alles beherrschenden Sport ist in einer besonderen Abteilung Rechnung getragen. Im Mittelpunkt des Erdgeschosses befindet sich eine Ausstellung von HerrenModeartikeln, die nach Ausdehnung und Auswahl die Bezeichnung als Spezialgeschäft mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen könnte. In einer besonderen Matzabteilung wird dem verwöhntesten Geschmack Rechnung getragen. Daß die Entwicklung aus kleinen Anfängen zu einem so umsangreichen Unternehmen, außer einem gewissen finanziellen Rückhalt, eine breite, sichere Grundlage haben muß, ist jedem einsichtigen Menschen etwas Selbswerständliches. Sie ist gegeben in günstigen Einkaufsbedingungen, strengster Reellität und aufmerksamster Bedienung. Lassen sich erstere schon durch den gemeinsamen Einkauf mit einer Anzahl der größten Firmen und durch Teilhaberschaft an führenden Kleiderfabriken erklären, so ist die Reellität durch sorgfältigste Kalkulation gewährleistet, die allerdings ein sogenanntes„Handeln“, seitens der Kundschaft nicht zuläßt. Von jeher aber stand die Firma auf dem Standpunkt, daß, wenn auch die Qualität der Ware für die weitere Entwicklung des Unternehmens die größte Rolle spielt, auf Höflichkeit, Umgangssormen, besonnenen Ausdruck und liebenswürdiges Wesen des Personals, besonderes Gewicht zu legen ist. So kann die Firma am Jubeltage der Stadt Herne mit Freude und berechtigtem Stolz auf ihre Ersolge zurückblicken und daraus Kraft und Mut schöpfen zu neuem, rüstigen Schafsen. 1 HERNE Telefon 918 und Nähmaschinenhandlung Bahnhofstrasse 3 Fahrrad Lielerung von nur la deutschen Marken, wie Waschmaschinen++ Wringmaschinen Wassermotore Wanderer Opel Anker Kayser Göricke. Mechanisch.Reparaturwerkstatt.— s Herrliche Stoffmuster a für Frühjahr und Sommer in allerbester Sj Friedensqualität, jedem Geschmack und = der gesuchtesten Mode entsprechend, für St elegaute Herren- und Damengarderobe n s o w i e f ü r j e g l i c h e B e r u f s- S p o r t- u n d B e S, amtenkleidung snd eingetrotten. Jeder der auf seine Person und seine Kleidung etwas hält, hut jetzt nicht nötig, El seine Kleider aus, viel zu teuer bezahlter 2l Hausierer-Schundware bei einem AubenE seiter gegen ein Butterbrot zusammenBI pfuschen zu lassen, er wird bei einem regelrechten Fachmann am besten, vorteilhaft esten, somit am billigsten bedient. Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert. 20 auch mühevolle Schneiderarbeit. 9195 Fritz Krone S seit 35 Jahre weitbekannter ! Schneidermeister S Teleion 754 HERNE Bahnhofstr. 22. 906 Ideal-Getrün des Bierkenners ist 8 Bochumer Viktoria Pilsener Garantiert rein aus Malz und Hopfen. 1631a suhumnn. Atn Nähmaschinen * S Mimmmmmmmmmmmmmm Erleichterte Zahlungsbedingung. Ersatzteile, Radeln, Oel, Garn (9 Reparaturen 62 Singer& Co. Bochum Nähmaschinen Act. Ges. Vertreter für Herne: Kortumstr. 13 Bahnhofstr. 28.9 Geburts-, Verlobungsu. Vermählungsanzeigen sowie alle anderen Familien-Drucksachen lieferi schnell und preiswert Ingn an is& Koethers Buch- und Kunstdruckerei Bahnhofstrasse 71/ Fernruf 961 u. 982 ik-Instrumente jeder Art 8 70 Ludwig Nacht. Bochum, Brückstr. 61. gegenüber Kortländer. pezialll -Werkslalt Streich-Iastrumente Alt-Gold und Silber. wie Ringe, Uhren. Keiten Bestecke, Brillauten kauft zu hohen Preisen Karl Kiopelmeier, Bochumerstr. 32. Rnkauf vorm. 10-12 Thr. 15065 Nachm. 2-4 Uhr M Central-Caté Nachm. u abends -Honterie. P DORTMUND N für Damen und Herren in Filz und Stroh. Tagalnüte werden in bunt gefärbt. Sauber und schnell. Rheinisch-Westfälische Hutfabrik H. HORT Grösste Umpfessanstalt Westfalens! Naturheilkunde. Halt ern rstr.6(Lohtor) Sprechzeit 9—11 u. 2—6 Uhr. Spezial behandlung für Nervenleiden. Seelenbehan Hlung bei Angst u. Zwangszust. Glänzende Erfolge bei Nervenleitten aller Art, wie Schlaflosigkeit, Kopfs hmerzen, Schwermut, Krampfanälle Stottern, nervöse Herz-törungen, Neurasthene. Hysterie, Neuralgle. Befreiung von Leidenschaften. Willenschwäcne und Energielosigkeit. 8709 Suggestion Heilmagnetismus Mandoline, Gitarre, Waldzither, Laute, lehrt gewissenhaft 46974 Ph Krieabaum Fachlehr., Herne Bahnhofstr. 7. Anmeldung und Eintritt zu jeder Zeit Unterricht von 10 Uhr morgens bis 10 kihr abends. W. menhe's Privat-Tanz-Tehrinstilat Bahnhofstraße 74. inzelunterricht in allen Tänzen. Empfehle mich auch für sämtliche Fest=Angelegenheiten. 55804 Federn, Inlett Instrumente auch seihweise. Ankauf von Instrumenten. K. Sohern. mn guterr Jutchten, nach Nat, bei mit eschcke Fäet 801SS üre. MOBERNE LUCHT SODINGEN-AM-DENKMAL Herne, Monl-Cenisstraße 63. Annahmestellen bei Herrn Bartheidel Zuschneider im Hause der Firma Winter“ Herne: Bahnhofstr. 107. Riemke: Konstantinstr. 444. bekannt guten Qualitäten. Qualitäten. W. Plessmann, Sprechmaschinen, Schallplatten Recklinghausen. mr— 6 Jabrräder, nähmaschinen Recklinghausen, Hernerstrasse 10. Metallbeiten Stahlmatratzen, Kinderbett nur an Priv., Kotal. 7511 frei. Eisenöbelfabr. Subl(Thür.) Verkaufe ofas Chaiselonques und Matratzen jeder Art stets zu den billigsten Preisen J. Küppers, Polstermeister, Gabelsbergerstr. 4, part. (6785) und sämtliche Ersatzteile empfiehlt preiswert und gut Reinh. Neumann, Codingen, Mont-Cenisstraße 21, gegenüber dem Markt. 92385 Reparaturen aller Fabrikate werden prompt und sachgemäß ausgeführt. Commerz- und Privat-Bank Aktien-Gesellschaft Zweigstelle Rauxel in Habinghorst, Kronprinzenstrasse 73 Fernsorecher: Amt Castron 245— Postecheck-Cloato Amt Dortmimd 117.20 Annahme von Spargeldern. Fernsprecher: Amt Castrop 245— Post-check-Coato Amt Dortmiad 11720 Ausführung aller bankmässigen Geschäfte. Auszahlung und Umwechslung tremder Ge'dsorten. 9880 M B 1— * 18 Der Trösken'sche Hof in Altes kleines Bauernhaus in Börnig. G K für das Amt ∆ Nr. 77 Samstag. den 1. April 1922 Fünktes Blatt Alte Bauernkäufer in Herne und Umgegend. Von Stadtbaumeister Hoose=Herne. Ueber die älteste Gestalt des Hauses geben die Hausurnen Aufschluß, die in einigen Gegenden Deutschlands gefunden sind; sie gehören der vorgeschichtlichen Zeit an und sind augenscheinlich Nachbildungen der Wohnstätten ihrer Verfertiger. Es waren Grubenwohnungen, wie sie die Naturvölker noch heute bauen, trichterförmig in die Erde eingegraben und mit Reisig, Moos und Schilf usw. geoear. Eine Türöffnung in dem hügelförmigen Dache, deren Klappe durch einen vorgeschobenen Block oder Baum geschlossen werden konnte, vermittelte den Verkehr und führte der Grube Licht und Luft zu. Die Hütten der Lappländer und die Kathen der Jäger und Köhler geben uns eine Vorstellung von diesen urwüchsigen Wohnstätten. Für Feldfrüchte dürften Gruben vorhanden gewesen sein, wie solche als Mieten und Schober noch heute gebräuchlich sind. Zum Schutze gegen wilde Tiere und Witterungseinflüsse wurden auch Aufenthaltsräume auf Bäumen, Pfahlbauten oder Klippen, sowie in Höhlen usw. hergestellt. Einen Fortschritt im Hausbau zeigen andere Hausurnen mit Türen in den Seitenwänden. Sie stellen Häuser über der Erde dar und sind rund mit bienenkorbähnlichem Schilfdach ähnlich den auf der 179 n. Chr. errichteten Antoniensäule abgebildeten Hütten der von den Römern besiegten Quaden oder viereckig mit steilem Strohdach. Diese Hütten bestanden aus einem einzigen Raum, in dessen Mitte das Feuer brannte. Der Herdraum hat sich so als Mittelpunkt des Hauses stellenweise bis ins 18. Jahrhundert erhalten. Der Hauptbaustoff war Holz, bis durch römischen Einfluß das Maurerhandwerk, und zwar zunächst an der Westgrenze Deutschlands, Geltung erlangte. Mit den Baumstämmen wurden Blockbauten oder Fachwerkbauten ausgeführt, bei welch letzteren die Gefache mit Flechtwerk aus gespaltenen Stäben und Ruten, Lehm und Kieselsteinen ausgestakt, an der Wetterseite auch wohl mit Schindeln bekleidet wurden. Das Dach wurde mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Vielen Schmuck besitzt das alte deutsche Bauernhaus im allgemeinen nicht, es beschränkt sich auf die Ausfüllung der Gefache mit Ziegelmustern(Niederdeutschland). oder Kratzmustern(Hessen), auf schlichte Zimmerarbeit. z. B. Giebelsparrenverzierung, bei denen sich, vielleicht als letzte Spur des alt=germanischslavischen Pferdekultes, Nachbildungen von Pferdeköpfen aber stereometrische Motive u. dgl. finden. Gleichwohl erhält das alte Bauernhaus insbesondere seines malerischen Wertes wegen, außerordentlich viel Vorbildliches auch für die Baugestaltungen unserer Zeit Für das deutsche Bauernhaus kommen hauptsächlich 3 Bauweisen in Betracht: die Nieder= deutsche oder sächsische, die mitteldeutsch=fränkische und die oberdeutsch=gebirgsländische. Ertere mit friesischer Abart in Hannover, Westalen, Mecklenburg und Schleswig=Holstein, und, beeinflußt durch die mitteldeutsche, im Ostdeutschen Koloniallande; die fränkische am Rhein, in Hessen, Thüringen, Franken, Königreich Sachsen, Schlesien, Spreewald und im südlichen Poen, sowie in Böhmen und einigen anderen österreichischen Kronländern, die gebirgsländische im Schwarzwald, in Bayern, der Schweiz und den österreichischen Alpenländern. Bei der Niederdeutschen und gebirgsländischen Bauweise finden wir die Wohn= und Wirtschaftsräume eng miteinander verbunden, unter einem Dach vereinigt, während bei der mitteldeutsch=fränkischen eine Trennung dieser Räume sowohl im Hause selbst als auch in verschiedene Baulichkeiten auf geschlossenem Hofe stattfindet. Die gebirgsländische Bauart vereinigt die Haupträume teils in verschiedenen Geschossen, teils nebeneinander, die niederdeutsche fast ganz zu ebener Erde. Uns interessiert in erster Linie das westfälische oder niedersächsische Bauernhaus. Die für Menschen, Viehstand und Vorräte bestimmten, sämtlich unter einem Dach untergebrachten käume gruppierten sich um einen Mittelraum, die Diele(Dähle), deren Mittelpunkt der Herd bildet. Die Wohnräume sind an der hinteren Schmalseite, die Stallungen an den beiden Langseiten so eingebaut, daß die zwischen ihnen gelegene Diele eine T=förmige Gestalt erhält und mit drei Eingängen, zweien an den beiden Langseiten und einem an der vorderen Schmalseite, versehen ist. Der Eingang an der Giebelseite wird durch ein breites Tor gebildet, durch das ein beladener Erntewagen hindurchfahren kann. Das an den Giebelsparren mit Pferdeköpfen oder anderen Verzierungen geschmückte hohe Strohdach ist gelegentlich abgewalmt und springt über dem Einfabristor wohl auch weit vor, eine Vorbille(Vorschuppen) bildend. An der hinteren Schmalseite der Diele steht der Herd; an einer ihrer Langseiten befinden sich die Pferdeund diesen gegenüber die Kuhställe. Ueber den Wohnräumen liegen Kammern und der Boden, von der Diele hier und da durch eine Treppe und Galerie zugänglich. Der Rauch zog früher aus dem Einfahrtstor oder einer Oeffnung im Giebel, der Ulenflucht, ab. Heute ist fast durchweg ein Schornstein, eingebaut. Altes Wohnhaus von Nockendierk(Dietrich Nocke) in Herne. Wie sah es früher auf dem Wohnungsgebiete in Herne aus? Die Aufteilung des hiesigen Bezirks ist im 9. Jahrhundert vorgenommen und die Besiedelung langsam und in der Hauptesache durch Niederländer erfolgt. Außer den Herrensitzen In Form von Westfälischen Wasserburgen, von denen noch einige bis zur Gegenwart(Strünkede, Bladenhorst usw.) erhalten sind, wurden die Wohnstätten in der denkbar einfachsten Weise errichtet. Wie auch die neuen Niederlassungen stets erst aus den kleinsten Anfängen hervorgehen, ist es auch hier geschehen. Die ersten Unterkunftsräume wurden in der Regel in den fruchtbaren Niederungen an den Heerstraßen errichtet. Herne wurde durch die Heerstraße, welche in der Richtung von Henrichenburg über Crange nach Essen führte(Ludwig=, Hafen=, Forell= und Rottstraße) durchquert, ferner von Bochum in der Richtung über Recklinghausen=Haltern. Es wurden aus Mangel an natürlichen Steinen in der Hauptsache Holzfachwerksbauten errichtet, welche sich noch bis in die Gegenwart teilweise erhalten haben. Die zum Fundamentund Sockelmauerwerk erforderlichen Steine mußten durch Fuhrwerke aus den Steinbrüchen an der Ruhr usw. geholt werden. Für die Ausmauerung der Fachwerke wurden Lehmpatzen oder Lehmsteine verwandt, welche nicht gebrannt, sondern nur während der warmen Jahreszeit getrocknet wurden. Zum Schutze gegen Feu. tigkeit und Witterungseinflüsse wurden die Wohnstätten mit Holz usw. verkleidet. Auch wurden die Gefache mit Holzgeflecht versehen und mit Strohlehm beworfen und, wie vorhin erwähnt, von außen geschützt. Als Futzboden in den Räumen wurde in der Regel Lehm boden genommen, erst später kamen Platten und Holzfußboden in Frage. Die Besiedlung ging sehr langsam vor sich und waren in der Emscherniederung lange Zeit Wald und Waldweiden vorhanden. Die für die Bespannung der Fuhrwerke sowie Bestellung des Ackers erforderlichen Pferde wurden aus den Herden der wilden Pferde im Emscherbruch eingefangen und unter Zuhülfenahme der Pferdeprame(Pferdeklemme) in der üblichen Weise gezähmt. Da bei der Verrichtung der landwirtschaftlichen Bestellungsarbeiten wiederholt Belästigungen sowie Beschädigungen der Feldfrüchte vorkamen, ist durch Verfügung des Landrats von Recklinghausen dieser alten Ueberlieferung ein Ende bereitet und der letzte Hengst auf der Jagd im Jahre 1836 erlegt worden. Der Pferdemarkt in CrangeWanne soll durch die dauerhaften Pferde aus dem Emscher=Bruch seine Bedeutung erhalten haben. Durch den Koblenbergbau und die Niederlassung der Industrie trat ein Umschwung in der Bauart des Wohnhauses ein. Wir werden auf die Weiterentwickelung gelegentlich zurückkommen. Nachstehende Abbildungen, die durchweg aus der Gegend von Herne und Umgegend stammen und an Ort und Stelle ausgenommen worden sind, zeigen die Entwicklung des weitfälischen bezw. niedersächtischen Wohnhauses. Die einfachste Art eines solchen Wohnhauses bietet die Abbildung Nr. 1 aus dem benachborten Börnig. Das Haus, das heute zu einer Backstube umgebaut ist, stammt aus dem 16. bis 17. Jahrhundert. Es enthält unten eine Wohnküche und eine Stube, im Obergeschoß und Dachboden zwei Kammern. Es wurde meist vom Großknecht bezogen und ist typisch für die westfäl. größeren Bauernhöfe. Die nächste Abbildung zeigt das alte Wohnhaus vom sogen. Nocken=Dierk(Dietrich Nocke). Es stand bis vor einigen Jahren an der Stelle, wo sich jetzt der Heiland'sche Neubau in AltHerne erhebt. Das Haus ist, im Gegensatz zu ven beiden vorher gezeigten, Großkötterhaus, da es mit einer großen Toreinfahrt versehen war, um den Erntewagen durchzulassen. Wie bei allen gezeigten Bauernhäusern bestanden die Wände aus Lehmstakung mit Kalkmörtel. Der Giebel war verschalt und zur Erzielung einer Schattenwirkung mit Brettern abwechselnd hell und dunkel gestrichen. Für die Herstellung des Holzfachwerks, der Streben usw. wurden Naturhölzer verwandt, wie sie sich im Walde gerade boten. Der Fußboden war ursprünglich in Lehm gestampft. Abbildung 3 zeigt das für Herne historisch interessanteste Bauwerk, das sogen. Bergelmann'sche Haus am neuen Rathause. Dies Haus wurde im Jahre 1792 erbaut. Aus Inschriften, die hier vor kurzem auf alten Herdplatten gesunden wurden, geht hervor, daß an der Stelle des jetzigen Hauses bereits ein älteres gestanden hat, das als Lehnshof zum Besitz Strünkede gehörte. Der Herner Anzeiger brachte Der Bergelmann'sche Hof am Rathaus. in Nr. 87 vom 16. April 1921 eine bedeutsame Studie über den Bergelmann'schen Hof, mit wertvollen Erläuterungen über das Riegelwerk, an dem noch die Heimrechts= und Behmezeichen zu lesen waren. Jetzt wird der Stallanbau des historischen Hauses umgebaut, um städtischen Zwecken zu dienen. Wie eine liebliche Oase aus alter Zeit hebt sich die Besttzung aus den modernen Architekturbauten seiner Umgebung hervor und bietet besonders im Frühling in der Blütenpracht der im Hofe angepflanzten alten Obstbäume einen reizvollen Anblick. Die letzte Abbildung zeigt ein modernes Bauernhaus, den 1853 errichteten Trösken'schen Hof in Herne=Baukau. Die Besitzung befindet sich skoch im Besitze der Familie Trösken und dient auch heute noch wohn= und landwirtschaftlichen Zwecken des Besitzers Fritz Trösken. Bei der Betrachtung dieses Hauses ist zu ersehen, daß man die frühere rohere Verzimmerung und Verwendung von Naturhölzern verlassen hat und zu einer mehr künstlerischen Ausführung der Holzsachwerkbauten geschritten ist. Der frühere Besitzer des Hauses war s. Zt. im sehr jugendlichen Alter zum Gemeindevorsteher von Baukau jewählt worden. Ueber seine Tätigkeit als olcher ist aus dem Alten wenig zu ersehen. Sein Nachfolger im Amte war der Schreinermeister Kortebusch, der sich große Verdienste in seiner mehr als 25=jährigen Tatigkeit als Vorsteher der Gemeinde Baukau erworden hat. Bei der Besitzung Trosken soll lange Jahre hindurch die Feuerspritze der früheren Landgemeinde untergebracht gewesen sein. Außer den genannten hat es noch eine ganze Reihe von Höfen im Stadtgeoiel Teine gegeb.n. Erhalten sind im nördlichen Stadtteil u. a. noch der Heiermanns Hof an der Hafen= und Nordstraße, ferner der Jurgenshof(jetzt im Besitz der Industrie) und Döhmanns= bof an der Josefinenstraße. Meist sind die übrigen Höfe der Industrie zum Onfer gefallen. Ein typisches Beispiel dafür, wie der Bergbau die landwirtschaftlichen Besitzungen in der hiesigen Gegend aufgesogen hat, bietet der alte Hof von Westerworth, der sich jetzt mitten innerhalb der Tagesanlagen der Zeche von der Heydt befindet und als Materialienlager benutzt wird. Im übrigen erinnern an die landwirtschaftliche Vergangenheit der Stadt Herne eine große Zahl von Namen, deren Familien hier noch ansässig sind. Wir nennen nur: Schulte am Esch, Koppenberg, Arndt, Grüter, Hülsmann, Drögenkamp, Schulte=Hiltrop, Schulte=Sodingen, Overkamp u. a. mehr. Durch den Bau des Rhein=Herne=Kanals und die erfolgte Emscherregulierung und der Nebendäche der Emscher sind weitere Höfe verschwunden, so u. a. der große Cremer'sche Hof(Ungewitter), der Hof von Bickern gen. Lechtape (vergl. den Artikel„Aus der Geschichte der Familie v. Bickern gen. Lechtape“ in unserer heutigen Festnummer). In Alt=Herne und Altenhösen sind noch zu nennen der Trösken'sche Hof (jetzt Herner Milchviehhof), der Weusthoff'sche Hof an der Bergstraße u. a. Alt-Herne. Zwischen Lippe und der Ruhr Zieht die Emscher ihre Spur, Dort erwuchs die junge Stadt, Die den Namen Herne hat. Herne war in alter Zeit Nur ein Dorf in schlichtem Kleid, Lag gebettet freundlich=schön An dem Fuße sanfter Höh'n. Aus dem grünen Eichenflor Lugten rote Dächer vor, Die Gehöfte lagen breit In die Landschaft hingestreut. Hell bestrahlt vom Sonnenlicht Lag das Kirchlein, einfach, schlicht, Rings der Friedhof, still und klein. Schloß die müden Pilger ein. Rings umher, gar wohlbestellt, Lag das braune Ackerfeld, Und zwei Bächlein, silberhell, Eilten hin zur Emscher schnell. Weiterhin im grünen Wald Sang und Klang der Vöglein schallt. Und die Sonn' am Himmelszelt Strahlte auf die kleine Welt. In dem Dörflein„an der Haar“ Wohnten Märker, treu und wahr, Einfach, bieder, schlicht und rein, Ohne jeden salschen Schein. Mit der harten Arbeitshand Bauten sie das Ackerland, Liebten ihre Scholle treu, Fühlten sich als Männer frei. Strebten nicht zur Fremde hin, Pflegten treu den Heimatsinn, Waren seßhaft, willensstark: Echte Märker bis ins Mark. Schlichtes Dörflein, sei gegrüßt! Wenn du durch mein Sinnen ziehst. Blüht die alte gute Zeit Auf in ihrer Traulichkeit. Warme Herzen, froher Mut, Reiner Sinn, gesundes Blut, Echte Lieb’ und Gottvertrau'n: So will Dörflein ich dich schaun: Dörflein schlicht, im Traumgefild Lebe fort als Märchenbild! Lebe wohl!— Mit leisem Weh'! Lebe wohl! Ade! Ade! Lehrer Stall. Die Entwickelung des Herner Handwerks. Von Direktor Ostendorp=Herne.= *. Die im Herzen des Industriegebiets llegende Stadtgemeinde Herne ist eine jener Industriegemeinden, die mit dem Ausbruch des Krieges ihren Aufstieg abbrechen sah. Verhältnismäßig weniger Jahre hat unsere Stadtgemeinde bedurft. um zu der Bevölkerungsziffer zu gelangen, die sie heute aufzuweisen im Stande ist. Neue Schachtanlagen, Vervollkommnung der Förderungsmittel, der Ausbau der Transportmöglichkeiten durch ein gutes Bahnnetz, die Anlage des Rhein=HerneKanals und endlich die vielen Erweiterungen der Betriebe durch die Koksproduktion und die Herstellung von unzähligen Nebenprodukten haben besonders in den letzten 15—20 Jahren immer neue Massen von Menschen herangezogen und den Ort zu einer Industrie=, besser typischen Bergarbeitergemeinde gemacht. Selbstverständlich erhielten auch die übrigen Schichten der Bevölkerung, der kaufmännische und gewerbliche Mitteltand, der kommunale Beamtenkörper, die Angetellten der Klein= und Mittelindustrie einen weentlichen Zuwachs; aber sie gaben doch nicht den Ausschlag. Es blieb vielmehr auch ihre Entwicklung bis auf den heutigen Tag vom Bergbau bestimmt. Trotz der riesigen Kohlenmenge, die durch die Belegschaft der Schachtanlagen unserer Stadtgemeinde an den Tag gefördert wird, tritt sie nach außen hin infolge der großen Aehnlichkeit mit den Orten den Nachbarschaft garnicht als Besonderheit in die Erscheinung. Stadt Herne mti den Nachbarorten macht im Verein mit den großen Zentren Duisburg, Essen, Dortmund u. s. w. den Kohlenbezirk zu einer einzigen Riesenstadt, die man allgemein als den Rhein.=Westfäl. Industriebezirk bezeichnet, sodaß sie, da sie nur unter diesem Namen genannt wird, als einzelne vielfach übersehen wird. Umsomehr gewinnt damit aber die Beschreibung einer einzelnen Gemeinde genevelle Bedeutung, denn aus dieser eigenartigen Stellung kann man annehmen, daß die Charakteristik der einen auch mit der der anderen im großen und ganzen übereinstimmt, mit anderen Worten, was hier über Herne gesagt wird, wird naturgemäß mit gewissen Abweschungen auch für die Nachbarorte zutreffen, allevoings nur, soweit sie nicht in den Rahmen der oben erwähnten großen Städte fallen, in denen der Bergbau aufhört, das Prägnante zu sein, oder wo es sich um eine Ortschaft handelt, die aus irgend welchen Gründen schon vor der Entwicklung der Industrie einen bemerkenswerten Platz in der Geschichte eingenommen hat. Ist damit der grundsätzliche Charakter der Stadt Herne und ihre Stellung zu den Nachbargemeinden gegeben, so kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema dieser Betrachtung, nämlich zu der Frage, wie ist das Handwerk in Herne dieser Entwickelung gefolgt? Ursprünglich hatte das Handwerk die Versorgung der Bevölkerung mit den Artikeln des täglichen Bedarfs, natürlich nur, soweit sie überhaupt noch handwerksmäßig hergestellt wurden, vollkommen in der Hand; denn größere Geschäfte zum Vertrieb großindustrieller Erzeugnisse hatten sich am Orte sowohl als auch in den Großstädten der nächsten Umgebung noch nicht etabliert. Als aber ein ganzes Netz von elektrischen Kleinbahnen die Verbindung mit den benachbarten Großstädten inzwischen herstellte, in denen sich große Konfektionshäuser, Schuhwarengeschäfte und Möbelmagazine niedergelassen hatten, begann die Konjunktur der rapiden lufwärtsbewegung. Das bedeutete eine große Gefahr für das selbständige Handwerk, denn wie schnell eine solche Entwicklung den Ruin des kleinen Mannes herbeiführen kann, hat das Beispiel der großen und auch mittleren Städte nur zu oft gezeigt; traten ihre Folgen hier doch mit einer solchen Regelmäßigkeit und Sicherheit ein, daß man den Untergang des Kleingewerbes im Laufe der Zeit als ein notwendiges Ergebnis der modernen Wirtschaftsform anzunehmen geneigt war. Indessen ist in Herne trotz seines Aufschwunges diese Gefahr nicht zur Auswirkung gekommen, wenigstens nicht in dem Maße, daß die Existenz eines Handwerkers in irgend welchem Falle ernstlich gefährdet gewesen wäre. Das erklärt sich aus mehreren Gründen, zunächst kamen die Geschäfte der Nachbargemeinden für den größten eil der Bevölkerung in Herne kaum in Frage, denn was sie zum Leben notwendig hatten, besorgten sie bei ihren geringen Ansprüchen in unmittelbarer Nähe. Anderseits hatten die Handwerker selbst in den späteren Jahren die Gründung solcher Geschäfte, z. B. Schuh= und Möbelgeschäfte, in die Hand genommen, ohne dabei ihre Tätigkeit als Handwerker aufzugeben, und sich auf diesem Wege den Verhältnissen mit Erfolg angepaßt. Und endlich war ja die Gefahr nicht für alle Handwerkszweige gleich stark, behaupten sich Bäcker und Metzger auch heute noch sogar in den Großstädten trotz der Konsumvereine und Brotfabriken ohne größere Schwierigkeiten. Die Verhältnisse zeigen sich also im Kleingewerbe der Stadt Herne weder für die Vergangenheit noch für die Gegenwart in einem ungünstigen Lichte. Es war auch hier nicht jene erbitterte und verzweifelte Konkurrenz zu beobachten, die in den großen Städten so manchen Handwerker zum schnellen Ruin geführt hat, wenn auch damit nicht behauptet wird, daß die Handwerker der Stadt Herne immer in schönster Harmonie gearbeitet hätten. Wie überall, wo Konkurrenten sind, haben auch hier oft Neid und Mißgunst das ild des kleingewerblichen Lebens getrübt, aber sie haben den einzelnen nicht dazu getrieben, das Wohlergehen seines Betriebes dafür zu opfern oder hintanzusetzen. Alles in allem waren die Voraussetzungen für die wirtschaftliche Lage des einzelnen Handwerkers durchaus nicht ungünstig. Im Hinblick darauf hätte man daher eigentlich erwarten können, daß die Handwerkerbewegung die schon das ganze vorige Jahrhundert hindurch die wirtschaftspolitischen Köpfe auf das Intensivste beschäftigt hatte, nicht mit besonderer Begeisterung ausgenommen werden würde; denn es war doch eine Bewegung, die hauptsächlich nach Organisationen zur Unterstützung für schwächere Handwerker hinzielte und also für das Kleingewerbe in Herne, das auch so ganz gut fertig wurde, nur eine Belastung durch Opfer an Zeit und Geld bedeutete. Das ist aber nicht der Fall gewesen; auch hier hat die Bewegung Eingang gefunden und den Gang der Entwicklung wesentich beeinflußt. Es handelte sich dabei um die Organisationsformen der Innungen, der Innungs=Krankenkassen, der Genossenschaften und des Handwerksamtes. Diese Organisationen sollen der Gegenstand unserer Untersuchung sein, soweit was ihre Wirkung und Einflüsse unter Berücksichtigung der sie umgebenden wirtschaftlichen Ereignisse angeht. 1. Die Innungen. Wenn man von den wirtschaftspolitischen Ereignissen der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts absieht, so ist der Ausgangspunkt der neuzeitlichen Innungspolitik, die Reichsgewerbeordnung vom 26. August 1869. Sie war eine Reaktion gegen das Gewerbegesetz vom 17. Januar 1845; denn sie führte für das ganze wirtschaftliche Leben das Prinzip der ungeschränkten Gewerbefreiheit ein. Das war eine Bestimmung, die für den Handwerkerstand deswegen von großer Bedeutung war, weil sie ihm einerseits der wachsenden Macht der großkapitalistischen Produktions= unternehmungen, die ihm schon im Laufe der vorhergehenden Zeit so manchen Gewerbezweig aus der Hand gerissen hatten, plötzlich und unvermittelt gegenüberstellte und ihn anderseits nicht weniger verhängnisvoll durch die Beseitigung des Befähigungsnachweises, der Prüfungspflicht usw. mit dem unlauteren Wettbewerb des Pfuschertums bedrohte. Es war daher kein Wunder, wenn im folgenden Jahrzehnt, 1870 bis 1880, die Gewerbeordnung von den Handwerkern in einer unermüdlichen Agitation angegriffen wurde. Sie hatte die Novelle zur Gewerbeordnung vom 26. Juni 1897 nach längeren parlamentarischen Vorbereitungen zur Folge. Diese Reform war von solcher Bedeutung, daß man die Novelle mit Recht als das„Handwerkergesetz" bezeichnete; die neben den Freien Innungen auch die Zwangs=Innungen einführte, womit die Grundlage für das neuzeitige Innungswesen geschaffen war. Wie aber war die Aufnahme dieser Institution? Das Handwerk der Stadt Herne paßte sich der Entwickelung der Innungen zunächst nur zogernd an, da die einzelnen Handwerkszweige teilweise noch nicht stark genug waren, oder wenn doch, noch kein auzugroßes Bedürfnis für eine Organisation vorhanden war. Die erste Innung, die in sich das Herner Handwerk vereinigte, war eine allgemeine Handwerkerinnung, welche nach den Annalen schon im Jahre 1868 bestand. Von dem Bestehen dieser allgemeinen Handwerkerinnung zeugt heute noch die vorhandene Innungsfahne mit den Emblemen sämtlicher Handwerksberufe, welche noch heute bei Beerdigungen von Innungs-Mitgliedern das letzte Geleit gibt. Obwohl diese erste Innung eine wesentliche Bedeutung für das Herner Handwerk nie gehabt hat, so war sie doch der Boden, auf dem sich die Anfänger der späteren Innungen entwickelten. Die Fortschritte, die in den umliegenden Ortschaften, namentlich in den größeren Städten, sei es in Frei=, sei es in ZwangsInnungen, gemacht wurden, hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Im Januar 1891 leiteten die selbständigen Fleischer hiesiger Stadt die Bildung einer Freien Innung ein. Es folgten hierauf im Jahre 1899 die Vertreter des Maler= und Anstreicherhandwerks, die des Baugewerbes, des Klempner=, Schmiede=, Schlosser=, Installateur=, Schreiner=, Böttcher=, Schuhmacher=, Sattler= und Bäcker=Handwerks. Erst später, und zwar im Jahre 1908, schloß sich das Schneider=, Kürschner= und Kappenmacherhandwerk in einer Innung zusammen. Das Friseur=Handwerk folgte im Jahre 1918 und in den. Jahren 1919 und 1920 sah auch das Damenschneiderinnen=Handwerk, sowie auch das Dachdecker= und UhrmacherHandwerk die Vorteile in einer Zwangs=Innung und schloß sich demgemäß in einer solchen zusammen. Mit Ablauf des Jahres 1910 war, soweit hinreichende Zahl aus den Beteiligten vorhanden war, die Innungs=Organisation grundsätzlich durchgeführt. Das Herner Handwerk ist nunmehr in folgenden Innungen zusammengefaßt: 1. Freie Fleischer=Innung, 2. Zwangs=Innung für Anstreicher, Maler, Lackierer und Glaser, 3. Zwangs=Innung für das Baugewerbe, 4. Zwangs-Innung f. d. Klempner=, Schmiede=, Schlosser=, Installateur=, Kupferschmiede=, Gelbgießer= und Mechaniker=Handwerk, 5. Zwangs=Innung für das Schreiner=, Küfer=, Böttcher= und Bildhauer=Handwerk, 6. Zwangs=Innung für d. Schuhmacher=, Lohgerber= und Sattler=Handwerk, 7. Zwangs Innung für das Bäcker=Handwerk, 8. Zwangs=Innung für das Schneider=, Kürschner= und Kappenmacher=Handwerk, 9. Zwangs=Innung für das Friseurgewerbe, 10. Zwangs=Innung für das Damenschneiderinnen=Handwerk, 11. Zwangs=Innung für das Dachdeckerhandwerk, 12. Zwangs=Innung für das Uhrmacher-, Coldschmiede= und Optiker=Handwerk, 13. Zwangs-Innung für das Konditorhandwerk. Als eine der vornehmsten Aufgaben der Innungen kommt die soziale Tätigkeit in Frage, eine Aufgabe, die neben der standeskulturellen in der heutigen Zeit in den Vordergrund tritt. Die Reichsgewerbeordnung bringt zum Ausdruck, daß die Innung berechtigt ist, zur Unterstützung ihrer Mitglieder und deren Angehörigen Kassen zu errichten. Wir kämen somit zu den Nebeneinrichtungen, und zwar 2. Innungskrankenkassen. Eine Anzahl von hiesigen Innungen ist nach Errichtung der Frage über Bildung von Innungskrankenkassen näher getreten. Diejenigen Innungen, die die Lebensfähigkeit solcher Kassen in ihrem Beruse voraussahen, haben die Gründung durchgesetzt, die auch noch heute bestehen. So bestehen z. B. Innungskrankenkassen für 1. das Maler= und Anstreicher=Handwerk, 2. das Bäcker=Handwerk, 3. das Fleischer=Handwerk, 4. das Klempner=Handwerk, 5. das Schreiner=Handwerk, 6. das Schuhmacher=Handwerk, und 7. das Maurer= pp. Handwerk. Der Ausbau der vorstehenden Innungskrankenkassen hat mit der heutigen Zeit Schritt gehalten, sodaß auch die Leistungsfahigkeit derselben auf derselben Grundlage der Ortskrankenkasse basiert. 3. Die Genossenschaften. Die Selbsthilfe im Handwerk ist ein Gedanke, den bereits Schulze=Delitzsch seinen Genossenschaftsplänen im Jahre 1850 zu Grunde gelegt hat. Er hat in seinen theoretischen Erörterungen seine Gedanken näher ausgeführt und auf Genossenschaften als die geeignetesten Mittel zur Betätigung dieser Selbsthilfe im Handwerk hingewiesen. Wie bekannt, unterschied er dabei je nach dem Zweck Einkaufs=, Verkaufs=, Magazin=, Produktiv= oder Werkgenossenschaften. Leider wurde der Gedanke des Genossenschaftsführers, der die Genossenschaften als eine„Innung der Zukunft" ansah, vom selbständigen Handwerk zu spät aufgenommen. Bis 1915 war die Entwickelung der Handwerker=Genossenschaften noch sehr wenig weitergekommen; der ausgebrochene Weltkrieg war die Ursache der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit in wirtschaftlicher Form. Auch für die Handwerker der Stadt Herne war der ausgebrochene Krieg die Veranlassung, dem Genossenschaftswesen näherzutreten. Man schritt daher im Jahre 1915 der Gründung von HandwerkerGenossenschaften näher, sodaß mit dem Jahre1921 das gesamte Herner Handwerk in Genossenschaften verschiedener Berufsgruppen zusammengefaßt ist. Z. Zt. bestehen in Herne Genossenschaften folgender Berufsgruppen: 1. Bäcker=, 2. Konditoren=, 3. Dachdecker=, 4. Fleischer=, 5. Friseur=, 6. Klempner=, 7. Maler=, 8. Sattler=, 9. Schneider=, 10. Schreiner=, 11. Schuhmacher=, 12. Schmiede=, 13. Damenschneiderinnen=, 14. Baugewerk=Genossenschaften und 15. Westf. Holzindustrie. Die vorstehend aufgeführten Genossenschaften haben hauptsächlich die Aufgabe, den Einkauf von Rohmaterialien für die angeschlossenen Mitglieder zu tätigen und die erworbenen Materialien im Kleinen an die Mitglieder abzugeben. In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage nahmen die Genossenschaften an solcher Bedeutung zu, daß dem Gedanken nähergetreten wurde, auch die Preisbewegung auf genossenschaftlicher Grundlage aufzubauen. Die Devise„Qualitätsarbeit und angemessener Preis“ sollte auch für die organisatorische Tätigkeit ausschlaggebend sein. Es wurde daher der Gedanke der Preisregulierung durch die Gründung einer Bauhütte, welche zugleich eine Zentralisierung der übrigen Baugenossenschaften darsteult, durchgesetzt. Auf dieser Grund lage war es möglich für das erste Geschäftsjahr 1921 ganz erhebliche Aufträge hereinzuholen und an die übrigen Genossenschaften zwecks Unterverteilung an die angeschlossenen Mitglieder weiterzuleiten. Die Gesamtauftragssumme belief sich auf 15 380 233.00 M, die sich auf die einzelnen Berufe wie folgt verteilt: Baugewerk=Genossenschaft Dachdecker=Genossenschaft Klempner=Genossenschaft Maler=Genossenschaft Westf. Holzindustrie 11 609000,— M 1961573.— M 586 300.— M 650 800.— M 560 56.—0 15380233.— M Eine der wichtigsten Genossenschaften, die bei diesem Kapitel nicht übergangen werden darf, ist die Credit=Genossenschaft. Die Credit=Genossenschaft ist das Geldinstitut des gewerblichen Mittelstandes, in welchem das flüssige Betriebskopital der angeschlossenen Geschäfte zusammenfließt und aus welchem sich der Geldstrom über die Beteiligten wieder ergießt. Diese wichtige Aufgabe der Credit=Genossenschaften ist auch in Herne von den handwerklichen Organisationen zeitig anerkannt worden. Im Jahre 1915 trat man diesem Gedanken grundsätzlich näher und am 19. Juni 1915 legte man in Anwesenheit von Vertretern der hiesigen Behörden den Grundstein zur heutigen Herner Gewerbebank. Selbstverständlich hatte das Kriegskind erhebliche Schwierigkeiten zu überstehen im Anfange seinen Geburt, trotzdem hat die Entwickelung der werbebank mit den wirtschaftlichen Verhältnissen Schritt gehalten, wie aus der folgenden Uebersicht hervorgeht: Wenn. wie aus der vorstehenden Staistik zu ersehen ist, das Jahr 1921 ganz erheblich zum Ausbau unseres Geldinstituts beigetragen hat, so hegen wir die zuversichtliche Hoffnung, daß das Jahr 1922 das vorhergehende weit überholen wird. 4. Das Handwerksamt. Nach der bestehenden Reichsgewerbeordnung sind die Innungen einer Aussichtsbehörde berechtigt, sich in einem Innungs=Ausschuß bezw. Handwerksamt zu vereinen, um ihre Aufgaben gemeinschaftlich erfüllen zu können. Diese Korvoration stellt die Zentrale der örtlichen Handwerkerorganisationen dar, die zugleich das Gesamtinteresse des Handwerkerstandes zu vertreten hat. Man hat dieser Institution in den ersten Jahren nach der Novelle zur Reichsgewerbeordnung von 1897 nur wenig Beachtung geschenkt. Es kam wohl im Oktober 1900 zu einer Gründung des Innungs=Ausschusses, aber er erreichte hier in Herne keine praktische Bedeutung, weil ihm derselbe Fehler anhaftete, wie den Innungen selbst, nämlich, der nebenamtliche Charakter der Geschästsführung. Das änderte sich erst in den Jahren um 1910 bis 1914, als eine Bewegung einsetzte, die man als Reorganisation der Innungs=Ausschüsse bezeichnen kann. Jor Hauptfortschritt lag darin, daß ein hauptamtlich angestellter, vorgebildeter Leiter die Führung der Geschäfte übernahm. In Herne trat man diesem Gedanken im Jahre 1913 näher, zwar war man erst nicht im Klaren darüber, ob am hiesigen Platze eine Geschäftsstelle des Innungs=Ausschusses oder eine Nebenstelle der Handwerkskammer Dortmund errichtet werden sollte. Nach vielen Erwägungen und reiflichen Ueberlegungen kim man zu dem Entschluß, daß eine Nebenstelle der Handwerkskammer Dortmund wesentlich die Vorteile eines Innungs Ausschusses überwiegen würde. Unter tatkräftiger Mitwirkung des damaligen und auch heutigen Vorsitzenden Herrn Bauunternehmer August Hamann, gelang es, im Verein mit der Handwerkskammer Dortmund und des hiesigen Innungs=Ausschusses eine Nebenstelle zu schaffen, die die Bezeichnung„Handwerksamt der Handwerkskammer Dortmund, Bezirk Herne“ führt. Vertraglich wurde das Handwerksamt am 1. Juli 1914 ins Leben gerufen, welches alsdann die umfangreiche Tätigkeit übernahm, die Organisation des Handwerks derart aufzubauen, in welchem Umfang es sich heute befindet. Dem Handwerksamt obliegen folgende Aufgaben: 1. die Geschäfts= und Verwaltungsstelle der angeschlossenen Innungen, Genossenschaften und sonstigen Organisationen zu sein, und 2. die all diesen Korporationen obliegenden gemeinsamen Interessen und Aufgaben als selbtändige Körverschaft zu übernehmen. Aus dieser Einteilung, die genau der Gewerbeordnung entspricht, hat sich folgender Geschäftsplan heraus konstruiert, nach dem die ganze Tätigkeit des Handwerksamtes geordnet worden ist: Geschäftseinteilung: 1. Interessenvertretung für den gewerblichen Mittelstand: 1. Lehrlingsstreitigkeiten und Schiedsgerichtssachen, 2. Gesellen. u. Meisterprüfungsangelegenheiten, 3. Erstattung von Berichten und Eingaben an Behörden, 4. Statistische Erhebungen aller Art, 5. Gutachtliche Tätigkeit auf Ersuchen von Behörden, Korporationen und Privatpersonen, 6. Bibliothek und Fachzeitungen, 7. Presseangelegenheiten, 8. Restlose Unterstützung einer gesunden Mittelstandspolitik für Staat und Gemeinde. 2. Innungs=Tätigkeit. Unterstützung der angeschlossenen Innungen in ihren Verwaltungsaufgaben, besonders a) die Vorbereitung des Verhandlungsstoffes der Versammlung, b) die Durchführung der Beschlüsse, c) die Erledigung des Schriftwechsels und der Kassengeschäfte. 3. Genossenschafts=Tätigkeit. 1. Erledigung der kaufmännischen Buchführung der angeschlossenen Genossenschaften und 2. die Bildung neuer wirtschaftlicher Einrichtungen genossenschaftlicher Art. 4. Handwerker=Fortbildung. 1. Abhaltung von Buchführungs= und Fachkursen für Gesellen und Meister, 2. Veranstaltung von Ausstellungen der Lehrlingsarbeiten, 3. Förderung des Fortbildungs= und Fachschulwesens. 5. Rechts= und Steuerberatungsstelle. 1. Erteilung von Rat und Auskunft in allen rechtlichen, geschäftlichen und steuerlichen Angelegenheiten usw. und 2. Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs. 6. Das Einziehungsamt. 1. Zielbewußte Aufklärung über die wirtschaftlichen Nachteile der Prozeßführung, 2. Förderung des Güteverfahrens zur Vermeidung und Einschränkung der Rechtsstreitigkeiten. 3. Beitreibung von Forderungen, 4. Einziehung von Creditauskünften 7. Versicherungs-Abteilung. 1. Führung bezw. Erledigung des Schriftwechsels und der Kassengeschäfte der angeschlossenen Innungs=Krankenkassen, 2. Beratung in Kranken=, Unfall=, Hinterbliebenen= und Angestellten=Versicherungs=Angelegenheiten. (Schluß nächste Seite.) Sechstes Blatt Samstag. den I. April 1922 Entwickelung des HERNE n JAHRE 18112. Herner Stadtkerns # O e r k o f a g Heierman Horsthausen Hurhamn Hs. St Has Alma Fankende Rogencich Allstadt Nulkman Uhlenbruch stemerman Senmnrer amn Re###l MorkA lintge Kindorth Mesma Atenhofe □RS STADT HERNE VOM JAHRE 1922. PLAN STADT HERNE VOM JAHRE 1908 largte mit köstlichem Trunke, gereicht von behenden, munteren Dienern. Und es erhob sich Irmgard mit anderen Damen der Ritter; und sie gingen hinaus auf des Schlosses herrlichen Vorbau, der ragte über dem Wasser. Sie wollten entgehen der heißen Schwüle der Hallen, um draußen im silbernen Mond zu genießen den herrlichen Abend. Doch hier auch wollte verstummen nicht die Ruhmrede aller von Strundecks Glück und Reichtum. Gehobenen Sinns und folgend den Bildern des morgigen Tages, mit dessen Anbruch ja Strundeck erstrahlte im Glanze der Macht und des Goldes, zieht sie vom Finger den funkelnden Ring mit edlen Steinen gezieret; es hebei die Hand nun Frau Irmgard und rufet mit klingender Stimme:„Ich weihe dies Kleinod den Fluten, die werden es unwiederbringlich verschlingen, so wahr dieses herrliche Bauwerk von Strundeck nicht findet ein Ende im Unglück!“ Hinab in die Tiese des Wassers warf Irmgard den Ring ihres Fingers. Allmählich senkte die Nacht sich hernieder über die Burgen und die Stille vertrieb das geräuschvolle Treiben des Abends. Am Morgen erhob sich das goldne Gestirn des Tages im Osten und früh schon begann in den Mauern geschäftiges Leben. Es verlor sich der heitere Tag in den Spielen und Lüsten, im Jubel. Und wieder saßen am prunkhaften Mahle Hirsches, dem Willen des Burgherrn gehorchend. Noch eingehend ward da beredet der Kampf mit dem borstigen Wildschwein, dem Eber, der am Schmedbeck die Knappen verwundet, doch endlich den kräftigen Streichen der jagenden Ritter erlegen. Rutgerus vom Heidveld, des Berent Freund und Gefährte, der schon vor andern mit Alyd und Hennchen dem Grafen eintraf und teilnahm am Fange der Tiere im struppigen Forste lobte den Burgherrn, insonderheit dessen Gemahlin Irmgard, die auch zum Mahle am Abend die schmackhaften Fische der Grüfte gewählet, und pries hoch das glückliche Dasein der Strundecks in Mitten solcher Umgebung, die biete der köstlichen Speise in Hülle und Fülle, die zähle zu den gesegnetsten Landen, die er auf seinen Fahrten als Ritter zeitlebens gesehen. Und Beatrix, an Seiten der Irmgard, flüstert erst leise, dann laut sie es kundgab, wie Irmgard die Burgfrau nach Strundeck gebracht hat, das reiche Erbe der Mutter, davon jetzo trügen die Rosse der Ritter auf Strundeck am Hufe die goldenen Eisen. Wie Glück und Gelingen sämtlicher Taten des Burgherrn den Reichtum hätte vermehret, daß Ritter und Grafen vom Rhein gar und vom fernen Flusse der Weser das Bündnis mit Strundecks zu suchen sich defleißigt— das schilderten rühmend die andern der Gäste im fröhlichen Kreise dem Gastherrn, der trefflich angeheiterter Laune nicht die Reihen der Gäste. Es klangen die Becher und Humpen gestüllt mit dem kostlichsten Saste. Es wurde noch einmal durchlebt die herrliche Freude des Tages und gepriesen der Gastherr und dessen glückliche Burgfrau, während die kostbar gekleideten Diener auf edlen, metallenen Schalen das Gastmahl der schmackhaften Fische nach Weisung der Gräfin bereiten. Nicht fehlte der fahrende Ritter mit Harse und Sang in den Hallen; und als der nun eben geendet, beim Mahle die Strundecks zu preisen, erhob sich Bernd der Burgherr, zu bieten den Rittern und Grafen, den Damen und allen Freunden ein herrliches Nachspiel der Knappen, worinnen im Kamnie der Starke den kleineren Schwachen besieget. Aber Entsetzen ergreiset nun Alle, denn Irmgard. die Burgfrau, erbleichet und lehnet zurück sich im Stuhle, starr blickend zum goldenen Teller, auf dem die zerstückelten Teile des heute gesangenen Fisches das Kleinod lassen erscheinen, das gestern am fröhlichen Abend vom Finger der Burgfrau hinabslog zur Tiefe der Grüfte. Es ahnt ein Jeder von Allen die Kunde des nahenden Schicksals und Freude will nicht mehr erscheinen, weil Strundecks Geschick mit dem Ringe Frau Irmgards verknüpft ist. (Strünkede) spielen. Knarrend hatten die Tore sich geschlossen und das geräuschvolle Aufziehen der Zugbrücke hatte geendet. Vom Wartturm blies der Burgwart das Zeichen der angebrochenen Dunkelheit, und in den Hallen schallte es laut wieder von fröhlichem Gezech. Auf Cledindeck war eben ein lebendiger Tag zu Ende gegangen, um einem noch lebhafteren Abend zu weichen. Der Burgherr Bernd hatte an diesem Tage mit seinen Basallen und Schildknappen reichen Fang gemacht, gute Beute der groben Jagd heim. geführt, die da lag bei Reih und des Röstens am Spieße harrte, um morgen am lustigen Gelag, bereitet den eintrefsenden Rittern, zu entschädigen die Beschwerden des langen Ritts durch unwirtliche Strecken der Wälder. Doch auch jetzt schon stieg die muntere Laune beim dumpfen Klange der Humpen, und gestillt war das Bedürfnis der Sättigung vom geschättig eilenden Jägermeister, durch Spendung der Keulen des erstgepürschten SS Empfang des Prinzen und der Prinzessin von Dreußen in Herne, ansangs Februar 1858. Auf der Rückreise von London, wo dem Prinzen Wilhelm von Preußen, späterem Kaiser Wilhelm I., anfangs Februar 1858 die englische Königstochter angetraut worden war, berührte das jungvermählte hohe Paar auch die Station Herne der Köln=Mindener Bahn. Ueber den umpfang in HerneBochum(Bochum hatte damals noch keinen eigenen Bahnhof) liegen und einige Berichte vor aus der Nr. 12 des Markischen Sprechers vom 10. Februar 1858. Die aus den vergilbten Zeitungen entnommenen Schilderungen sind charakteristisch für die damalige Zeit und dürkten für unsere Leser sicherlich von grotzem Interesse sein. Die Red. Herne=Bochum, 5. Febr. 1858. Die vor einigen Tagen hier eingegangene Nachricht, daß das hohe neu vermählte Paar, Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz Friedrich Wilbelm von Preußen und die Prinzessin Friedrich Wilhelm, in Folge einer Abänderung des Reiseplans auf der Rückkehr nach Berlin auf der Köln=Mindener Eisenbahn=Station HerneBochum, als dem ersten Grenzorte der Grafschaft Mark. 10 Min. anhalten und dort die Begrüßungen der Eingesessenen entgegen zu nehinen geruben würde, durchflog wic ein electrischer Funke den ganzen Kreis und erfüllte alle Gemüter mit der lebhaftesten Freude. In der eine Meile vom Bahnhofe entsernten Kreisstadt Bochum bildete sich sogleich ein Comitee, das sich zur Aufgabe stellte, Einheit in die verschiedenen, sich auf dem Bahnhofe zu Herne=Bochum einfindenden Festzüge zu bringen und durch zweckmäßige Aufstellung der Festzüge den beschränkten Raum auf dem Bahnhofe zu ersetzen. Ungeachtet der schlechten Witterung und der durch den tiefen Schlamm auf der Chaussee erschwerten Passage erblickte man schon früh heute Morgen Wagen auf dem Wege zum Bahnhofe. Durch nichts ließen sich die Markaner, die treuesten der treuen Unterthanen, abhalten, dem geliebten Thronfolger und Höchstdessen Gemahlin ihren ehrfurchtsvollen Jubelgruß darzubringen.— Als gegen 10 Uhr die Festzüge sämmtlich angelangt waren, traf der inzwischen in Begleitung des Herrn RegierungsPräsidenten von Spankeren aus Arnsberg angekommene Ober=Präsident von Westfalen, Se. Excellenz der Herr Minister von Duesburg, unter Mitwirkung des stellvertretenden Landtraths, Kreis=Deputirten von Forell, die näheren Anordnungen. An den beiden Seiten des vom Bahnkörper bis zum Stationshause erbauten verdeckten Eingangs hatten sich die Spitzen der Behörden in Ihrer Galauniform und die verschiedenen Deputationen ausgestellt. Wir bemerkten darunter: den Director des hiesigen Bergamts, Oberbergrath Küper; den Kreisgerichts=Director Adriani in Begleitung einer Deputation des Kreisgerichts zu Bochum; den Präsidenten des Appellationsgerichts zu Hamm, Lent; den Landrath von Reitzenstein aus Recklinghausen; die Ritterschaft der Kreise Bochum und Recklinghausen; den Kreisgerichts=Director von Dorsten mit einer Deputation des Kreisgerichts; den Ober=Post=Director aus Arnsberg; den Repräsentanten der Zechen Shamrock und Hibernia, W. Mulwany, in englischer Staats=Galaunisorm; die Deputationen der Städte Bochum, Hattingen und Witten; die Deputationen der Aeinter Bochum, Herne, Langendreer, Blankenstein und Hattingen; die Deputationen der Städte Recklinghausen und Dorsten; die Deputationen der Landgemeinden des Kreises Recklinghausen: den wohner. Für die Baulücke wird eine Wohndichte von 180 auf 1 Hektar, für das freie Siedlungsgelände eine Besiedlung von 120 Einwohnern auf 1 Hektar angenommen. Es können daher auf Baulücken und freiem Siedlungsgelände innerhalb des Stadtgebietes Herne noch rund 19200 Menschen= 10 200 für 85 Hektar, 9000 für 50 Hektar angesiedelt werden, d. h. die Einwohnerzahl kann, solange sich die Besiedlung in gesunden Bahnen hält auf 89.000 gesteigert werden. Nach den seitherigen Erfahrungen muß mit einem Bevölkerungszuwachs von 3 v. H. in einem Jahre gerechnet werden. Demnach beansprucht die Ansiedlung von rund 19 200 Menschen In Herne einen Zeiraum von 8 Jahren. andern Worten— im Jahre 1929 ist das jetzt noch vorhandene geeignete Baugelände bebaut. Bei weiterem Anwachsen der Bevölkerungszahl steht günstig gelegenes Siedlungsgelände nicht zur Verfügung. Um nicht ungeeignetes oder für die Volksernährung erforderliches Gelände für Siedlungszwecke in Anspruch nehmen zu müssen, muß daher der Stadt Herne außerhalb des jetzigen Stadtgebietes durch Gingemeindung anderes, geeignetes Siedlungsgelände zugewiesen werden. Herne in städtebaulicher Hinsicht. Von Stadtbaurat Knöll=Herne. Die Stadt Herne ist in städtebaulicher Hinsicht ein kennzeichnendes Beispiel einer in rascher Entwicklung begriffenen Industriestadt des rheinisch=westsalischen Steinkohlengebietes. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war an der Stelle des heutigen Stadtgebietes die Gemeinde Herne, ein kleines bescheidenes Dorf mit rein landwirtschaftlichem Einschlag und die damals noch kleineren, im Jahre 1908 eingemeindeten Gemeinden Baukau und Horsthausen, vorhanden. Als im Jahre 1856 der erste Schacht Shamrock 1/2 abgeteuft wurde, hielt der Kohlenbergbau seinen Einzug und damit waren die Wege für eine weitere industrielle Entwicklung geebnet. Der Inbetriebnahme der ersten Steinkohlenzeche, sowie der Abteufung noch weiterer Schachtanlagen In den nächsten Jahrzehnten folgte die übrige Industrie, insbesondere die Eisen= und Maschinen=Industrie, auf dem Fuße. Für die Ansiedlung der Industrie an bestimmten Stellen des Stadtgebietes waren verschiedene wirtschaftliche Gründe, besonders die Lage zu Verkehrsstraßen, Eisenbahnen, Schifffahrtskanälen, für den Kohlenbergbau die Lage innerhalb der Grubenfelder bestimmend. Diese Gründe waren verschiedener Art, weshalb die industrieelle Ansiedlung an verschiedenen Stellen erfolgte und sich über das ganze Stadtgebiet erstreckt. In unmittelbarer Nähe der industriellen Anlagen erfolgte die Ansiedlung der Angehörigen der betreffenden Werke. Es entstanden Kolonien, für die wiederum Geschäftshäuser, Kirchen und Schulbauten erforderlich wurden. Aus diesem Grunde weicht das städtebauliche Bild Hernes von dem einer anderen Stadt in Mittel= oder Süddeutschland mit längerer geschichtlicher Entwicklung erheblich ab. Während dort in früheren Blütezeiten schmucke Patrizierhäuser innerhalb des durch Festungsmauern eng begrenzten Stadtgebietes errichtet wurden, die in ihrer Gesamtheit den Kern oder das Innere dieser Städte heute bilden, ist die Stadt Herne eine Schöpfung der letzten Jahrzehnte des vorigen und der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts. Aus der Zeit vor der industriellen Entwicklung ragt nur als Wahrzeichen aus alter Zeit das im 16. Jahrhundert als Wasserburg wieder aufgebaute Schloß Strünkede hervor. Nachdem die alte im 11. oder 12. Jahrhundert erbaute Dorfkirche in den 70er Jahren abgebrochen worden ist, sind im übrigen von Alt=Herne nur noch einzelne im westfälischen Stil erbaute Bauernhöse vorhanden. Den dicht besiedelsten Teil der Stadt Herne bildet die Bahnhofstraße und oeren unmittelbare Umgebung. Die 22 Meter breite Bahnhofstraße mit ihren zahlreichen, z. T. in neuzeitlichem Stil erbauten Geschäftshäusern, den beiden Kirchen und dem jetzt als Polizeigebäude benutzten alten Amtsgericht, bildet den Hauptanziehungspunkt für die Bevölkerung der Stadt Herne und deren unmittelbaren Umgebung und ist somit nicht allein als Mittelpunkt des Geschäfts= und Verkehrslebens, sondern auch als Stadtkern anzusehen. Die im Dezember 1921 erfolgte Zusammenführung der 6 Straßenbahnlinien, die jetzt sämtlich am Bahnhofsvorplatz vorbei und mit Ausnahme der Straßenbahn Herne=Reckling= hausen durch die Bahnhofstraße in einer Richtung von Norden nach Süden geführt werden, und die nückführung von Süden nach Norden durch die Schulstraße, bedeutet eine wesentliche Verbesserung nicht allein des gesamten Straßenbahnverkehrs in Herne, sondern auch des Stadtteiles um die Bahnhofstraße. Mit der Bahnhofstraße und deren unmittelbarer Umgebung stehen die übrigen Stadtviertel mit überwiegendem Wohncharakter mehr oder weniger im Zusammenhang. Teils sind sie durch induftrielle oder Verkehrsanlagen von einander getrennt Die Wohnungsneubauten sind vor dem Kriege in erster Linie von den privaten Unternehmern erstellt worden. Teilweise haben auch die Werke, insbesondere durch Errichtung von Kolonien, sich an der Lösung der Wohnungsfrage beteiligt. Hervorzuheben sind die Kolonie bei der Schachtanlage Friedrich der Große 3/4 im Nordosten und die Kolonie Constantin der Große an der Wischerstraße im Südosten des Stadtgebietes. In hervorragender Weise haben sich auch verschiedene gemeinnützige Baugesellschaften und Bauvereine an der Erstellung von Wohnungsneubauten vor dem Kriege betätigt. Es sind insbesondere zu nennen der gemeinnützige Bau= und Sparverein und der Beamtenwohnungsverein. Einen großen Teil des 1702 Hektar großen Stadtgebietes nehmen die Verkehrsanlagen, insbesondere die Eisenbahn und die Schiffahrtskanäle Dortmund=Emskanal und Rhein=HerneKanal, in Anspruch. Namentlich sind die Bahnverhältnisse in Herne durch den während des Krieges fertiggestellten Umbau des Bahnhoses und die Unterführung der Bahnhofstraße, ebenso wie durch die Trennung des Güterverkehrs, wesentlich verbessert worden. Die Schiffahrtskanäle haben außer ihrem wirtschaftlichen Zweck noch einen großen städtebaulichen Vorteil, indem sie mit ihrer Wasserfläche das Stadtbild beleben. An Grünanlagen sind vorhanden der im Jahre 1906 angelegte 9 Hektar große Stadtgarten; ebenso dient der Südfriedhof mit seinen Erweiterungen in einer Größe von 10 Hektar als Erholungsstätte. Der Ausbruch des Weltkrieges hat auf die städtebauliche Entwicklung der Stadt Herne insofern ungünstig eingewirkt, als mit einem Schlage jede Bautätigkeit unterbrochen wurde. Während die private Bautätigkeit inzwischen nicht mehr aufkommen konnte, ist die Stadtverwaltung in der Nachkriegszeit bemüht, die mit Hilse von Baukostenzuschüssen erbauten und mit Hilfe von Landesdarlehn noch zu erbauenden Woynhäuser soweit als möglich innerhalb der durch den plötzlichen Abbruch der baulichen Entwicklung entstandenen Baulücken zu errichten und damit das Stadtbild zu verbessern und zu vervollständigen. So hat z. B. die Stadt Herne noch kurz vor dem Weltkrieg westlich der Bahnhofstraße ein größeres Gelände mit gut ausgebauten Straßen erschlossen. Das nach dem Kreis'schen Entwurf im Jahre 1912 errichtete neue Rathaus, das ebenfalls noch vor dem Kriege erbaute Postamt und das im Jahre 1920 fertiggestellte neue Amtsgerichtsgebäude sollten mit anderen zu erbauenden öffentlichen Gebäuden ein neues, der Stadt Herne als Zierde gereichendes Stadtbild schaffen. Der Krieg hat auch hier die Weiterentwicklung unterbrochen. Eine Vervollständigung dieses Stadtteiles ist bereits durch die mit Hilfe von Baukostenzuschüssen an der Behrens= und Kaiser=Wilhelmstraße und ebenfalls an der König= und Kirchhofstraße errichteten Wohnungen begonnen. Außer diesen Bauten der Nachkriegszeit sind noch zu erwähnen die städtischen Neubauten an der Hafen=, Bertha=, Jobst= und Auguststraße, ebenfalls die von der im Jahre 1921 gegründeten Herner Gemeinnützigen Baugesellschaft in Angriff genommenen Neubauten an der Hohenzollern= und Königstraße, ferner die aus Mitteln der Kohlenabgabe von der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten in Essen im Jahre 1920/21 errichteten Wohnhausneubauten für Bergarbeiter an der Shamrockstraße, an der Schloßstraße und an der Kolonie Friedrich der Große Schachtanlage 3/4, weiter die von der Bergmannssiedlung Herne G. m. b. H. als Tochtergesellschaft der vorgenannten Treuhandstelle im Jahre 1921/22 begonnenen Neubauten an der Schloßstraße, der Gräff= und Hiberniastraße, der Wischerstraße, Josefinenstraße, Dietrichstraße und Sedanstraße, sowie auf dem Gelände zwischen Herne und Sodingen nördlich der Mont=Cenisstraße. Die Besiedlung der Stadt Herne hat nunmehr einen derartigen Fortschritt genommen, daß von dem 1 702 Hektar großen Stadtgebiet 480 Hektar als bebaut anzusehen sind, 210 Hektar sind Eisenbahn=, Straßen= und Wasserflächen, 237 Hektar von dem Siedlungsverband als Grünflächen, 40 Hektar als Verbands=Straßen, Verkehrsbänder (Schnellbahnen) festgesetzt, 160 Hektar werden jetzt schon von der Industrie als Industriegelände in Anspruch genommen, 210 Hektar sind, von der Stadt oder der Industrie für industrielle Erweiterungen in Aussicht genommen, 100 Hektar müssen als Feld= und Kleinpachtland von der Bebauung ausgeschlossen werden. Von der verbleibenden Fläche liegen 85 Hektar im Senkungs=, 25 Hektar im Rauchbelästigungsgebiet, 20 Hektar eignen sich wegen ungünstiger Lage weniger zur Besiedlung. Es verbleiben daher von dem gesamten Stadtgebiet für die weitere Besiedlung der Stadt Herne 50 Hektar Baugelände an fertigen Straßen und 85 Hektar Baugelände außerhalb des geschlossenen Stadtgebiets übrig. Die Bevölkerungszahl der Stadt Herne hat im Jahre 1921 68 700 Einwohner betragen. Es wohnen daher auf jedem Hektar rund 00 EinDer Schlachthof der Stadt Herne. Von Stadttierarzt Pillmann=Herne. Es gibt wohl keine Stadt im rheinisch=westfälischen Industriegebiet, die sich so viel mit dem Bau eines Schlachthoses beschäftigt hat und doch keinen Schlachthof hat, wie Herne. Keine Kosten sind gescheut, Reisen sind gemacht nach Städten mit neuen, modernen Schlachthöfen, sogar der Süden, das herrliche Bamberg, ist aufgesucht worden, um das beste und prartischste, was bisher auf dem Gebiete des Schlachthoswesens geleistet worden ist, für den Herner Schlachthof verwerten zu können. Die ersten Beratungen über den Bau eines Schlachthofes haben Ende der 80er Jahre stattgefunden. Damals war ein Platz zwischen der Mont=Cenisstraße und dem Sodinger Weg ausersehen. Die Herner Metzger setzten dem Projekt aber großen Widerstand ontgegen und bemängelten die ungünstige Lage des Platzes wegen der Schwierigkeit der Entwässerung und des Fehlens des Bahnanschlusses. Im Grunde genommen waren die Metzger aber damals prinzipiell gegen den Bau eines Schlachthofes; sie erkannten noch nicht die Vorzüge eines modernen Schlachthofes mit Kühlanlage, Eisfabrikation, Häutelager usw. Das Projekt sank deshalb in den Orkus und wurde Ende der 90er Jahre von dem damaligen Stadtbaumeister Fuchs wieder aufgegriffen. Als Platz war jetzt das Terrain an der Moltkestraße ausersehen. Es erhielt sogar schon die von der Bahnhofstraße zu diesem Platz hinführende Straße den Namen Schlachthausstraße, der dann später in Manteuffelstraße umgeändert worden ist. Ein ausgearbeiteter Plan wurde von Fuchs etwa um 1900 aufgestellt und von den ihm im Amte folgenden Stadtbaumeister Schubert weiter ausgeführt. Nach vielen Beratungen und verschiedenen Aenderungen des Projektes sollte im Jahre 1907 der endgültige Bau im Stadtparlament beschlossen werden. Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu flechten, im Reichstag ging die lex Arenberg durch, die das einmalig tierärztlich untersuchte Fleisch für freizügig erklärte, d. h. solches Fleisch könnte in jede Gemeinde, auch in solche mit Schlachthöfen, eingeführt werden, ohne einer Kontrolle im Schlachthofe unterworfen zu sein. Man vermutete jetzt allgemein, daß infolge dieser lex Arenberg die Rentabilität der Schlochthöfe in Frage gestellt sei. Infolgedessen beschloß man im Stadtparlament, den Bau des Schlochthoses zu vertagen und die Wirkung der lex Arenberg abzuwarten. Es trat daher wieder eine längere Pause ein bis zum Jahre 1912. Man hatte sich jetzt von der geringen Wirkung der ler Arenberg auf die Rentabilität überzeugt und griff daher das Schlachthofprojekt wieder auf. Inzwischen war auch eine Aenderung in der Platzfrage eingetreten. Durch den Bezug von Ferngas wurde das städtische Gaswerk am Grenzweg außer Betrieb gesetzt und zum großen Teil abgerissen. Auf diesem Gelände und den eangrenzenden, hinzugekauften Grundstücken sollte jetzt der Schlachthof errichtet werden. Das ursprüngliche Bauprojekt wurde fallen gelassen und die Ausarbeitung eines neuen Projektes dem Architekten Freese in Bonn, einem Spezialisten im Schlachthofbau, übergeben. Die von diesem ausgearbeiteten Pläne sind von der Schlachthofkommission in mehreren Sitzungen durchberaten und dann nach einigen Aenderungen angenommen worden. Im Jahre 1913 haben Magistrat- und Stadtverordnetenversammlung nach diesen Plänen den Bau beschlossen und die erforderlichen Geldmittel bewilligt. Der Kostenanschlag belief sich insgesamt auf rund 900000 M. Mit der Ausführung des Projektes konnte aber noch nicht begonnen werden, da von der Eisenbahndirektion die Höherlegung der Eisenbahnstrecke Herne—Riemke beabsichtigt war und infolgedessen der bisherige Geleisanschluß nicht beibehalten werden konnte. Es mußten daher mit der Eisenbahndirektion neue Verhandlungen über einen anderen Geleisanschluß gepflogen werden, und zwar von der neu errichteten Güterstrecke Herne—Wanne, die nördlich der Riemker Strecke über den Grenzweg führt. Bevor jedoch die Verhandlungen zu Ende geführt wurden, brach der unglückselige Krieg aus, durch den das ganze Projekt bis auf unabsehbare Zeit zurückgestellt worden ist. Das Fehlen eines Schlachthofes hat sich während des Krieges erst recht bemerkbar gemacht. Bei der Einführung der Zwangswirtschaft in Fleisch wurde den Gemeinden seitens der Provinzialfleischstelle Schlachtvieh zur Schlachtung und Verteilung an ihre Bevölkerung überwiesen. Diese Schlachtungen ließen sich aber nicht in den einzelnen Schlachthäusern der Metzger vornehmen, sondern es mußte der Aufsicht und Kontrolle halber eine gemeinsame Schlachtstätte hierzu benutzt werden. Mangels eines Schlochthofes war die Stadt daher gezwungen, das überwiesene Vieh in einem Schlachthofe einer der Nachbargemeinden schlachten zu lassen. Zunächst wurden die Schlachtungen im Schlachthofe zu Bochum und später im Schlachthofe zu Castrop vorgenommen. Diese Schlachtungen waren mit großen Umständen und Schwierigkeiten verknüpft. Das Ausladen des für die Stadt Herne bestimmten und nach Castrop geschickten Viehes, die Wartung und Schlachtung des Viehes seitens der Herner Metzger, die Verteilung des Fleisches, der Transport desselben und der Innereien für die in Herne vorzunehmende Wurstherstellung verursachte viele Mühen und Kosten. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß alle die Nachteile und vor allem die Kosten so groß waren, daß sie mindestens die Hälfte der Kosten des projektierten Schlachthofes ausmachten. Kein Wunder daher, daß man darnach strebte, die Schlachtungen in Herne selbst ausführen zu lassen und nach einem geeigneten Schlachtraum Umschau hielt. Auf dem für den Schlachthof vorgesehenen Grundstücke am Gaswerk war während des Krieges eine Kartoffeldarre errichtet, die durch Aufhebung der Zwangswirtschaft in Kartoffeln nicht mehr benutzt wurde. Durch Beschluß der Lebensmittelkommission wurde dieses Gebäude in einen provisorischen Schlachthof umgebaut, nachdem noch von der Provinzialfleischstelle hierzu ein nicht unerheblicher Zuschuß in Aussicht gestellt und auch geleistet wurde. Am 1„März 1920 war der Bau beendet, und am 4. März desselben Jahres fanden die ersten Schlachtungen statt. Der provisorische Schlachthof besteht aus einer Schlachthalle, einer Kaldaunenwäsche und einem Büro. Ferner gehören noch dazu ein Häutelager ein Stall für 25 Stück Großvieh und für 80 Schweine bezw. Kleinvieh, und ein weiterer Stall für 30 Stück Großvieh. Letzterer Stall ist für Auslandsvieh bestimmt. In der Schlachthalle sind 6 Winden mit je einer Spreize ausgestellt, so daß 6 Stück Rindvieh zu gleicher Zeit geschlachtet werden können Infolge eines sinnreich andebrachten Schienensystems können die Tiere nach Ausschlachting sofort durch Laufkatzen, von denen 36 Stück vorhanden sind, nach jeder Stelle des Schlochthofes gefahren werden. Außerdem befinden sich in der Halle noch 3 Hakengerüste zum Aufhängen von Fleischvierteln, sowie von Schweinen und Kleinvieh. Ferner enthält die Schlachthalle einen großen Brühbottich zum Brüben der Schweine. Die Kaldannenwäsche dient der Reinigung der Därme Die Schlachthalle ist so eingerichtet, daß an einem Tage 50 Stück Rindvieh geschlochtet werden können, eine Zahl, die auch während der Superintendenten Dr. König in Begleitung der Geistlichen aus dem Synodalkreise Bochum; den Dechanten Ekel in Begleitung der Geistlichen des Dekanats Bochum und des Dekanats Reckling= hausen; die Deputation der Bochumer GußstahlKreises Bochum; die Deputation der Herzoglich Aremberg'schen Domainenkammer zu Reckling= hausen; die Deputation der Bochumer Gußstahlfabrik u. a. m.— In weiterer Verlängerung waren zu beiden Seiten die Festzüge aufgestellt: das große Reichsbanner, zur Seite die Fahnen von England und Preußen, begleitet von einem Ehren=Commando des Schützen=Vereins; das Schützen=Corps zu Bochum mit seinen Fahnen; der Verein der alten Krieger de eises Bochum; die Wiesmann'sche und die zarpenseelsche Lade mit ihren Fahnen und„n GewerksEmblemen; die Schneider= und Schuster=Innung mit ihren Fahnen; das Gymnasium zu Reckling= hausen mit seinen Fahnen; die Gewerbeschule, die Rectoratschulen und Elementarschulen aus Bochum mit Fahnen; die Knappschaft der Zechen Shamrock und Hibernia; das SchützenCorps zu Herne mit seinen Fahnen. Das Amt Bochum hatte ein Reiter=Corps in Nationaltracht aufgestellt. Der Bahnhof Herne mit der nächsten Umgebung war mit Hunderten von Fahnen in englischen und preußischen Farven auf das Geschmackvollste und Schönste geschmückt. Vor allem aber zeichnete sich ein von der hiesigen Gußstahlfabrik ausgebautes Gerüste aus, in welchem 4 große Gußstahlglocken aufgehaugen waren. Dieses Gerüste bot durch schöne Verzierungen, untermischt mit passenden Emblemen, einen inosanten und überraschenden Andlick dar. Als Edrenwache waren dabei 40 Schmelzer mit dier Meistern, welche beim Schmelzen der Glocken thätig gewesen, ausgenem— Als die Zeit der auf 10 Uhr 51 Minuten bestimmten Ankunft JJ. KK. Hoheiten herannahte, trat eine allge meine erwartungsvolle Spannung ein. Da langt plötzlich eine telegraphische Depesche an, nac welcher die Ankunft um etwa ½ Stunde späte zu erwarten stehe. Kaum hatten sich die durc diese kleine Unterbrechung gelockerten Festzüg wieder geordnet, als am fernen Horizonte di Sicherheits=Locomotive sichtbar wurde und i wenigen Minuten anlangte, worauf denn aue bald der fernhaft geschmückte Extrazug folgt Eine lautlose Stille! Von den Tausenden vo Menschen wurde auch nicht ein Wort gesprocher Als der Zug langsam näher kommend da Glocken=Gerüste erreichte, durchbrauste plötzlic ein harmonisches Glockengeläute die Lüfte un stimmte die Gemüther zu einer frommen Andach die beim Anhalten des Zuges durch einen tau sendstimmigen Jubelgruß unterbrochen wurd we. Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Wi helm von Preußen trat an das Fenster des So lonzuges und begrüßte aufs Herzlichste de herantretenden Herrn Ober=Präsidenten vo Quisburg, der dann im Wagen Ihrer Könie lichen Hoheit der Prinzessin vorgestellt wurd Als nun JJ. KK. HH. den Wagen verließer die Behörden und Deputationen vorste len zu lassen, stimmten die beiden an der Spitz #intuge sich befinldenden Musikchöre d Preußische National=Hymne an. Der Superin tendent König hieß mit wenigen kräftigen un herzlichen Worten JJ. KK. HH. in Westfale willkommen, worauf der Prinz erwiderte: „Sie empfangen mich mit einem so seh nen Glockengeläute: ich din Ihnen dankbal Dieses(sich zu Ihrer Königlichen Hohe wendend) ist meine Foau. Ich freue mie daß ich auf dem Boden Westsalens din.“ bi ber#i## miseren, Vorstellung überreichte de bei der biesigen Gußstablfabrik beschäftigte Bonr 500000000 50000000000000000000 5000000000000000000000000000000000 Zwangswirtschaft schon an einem Tage erreicht worden ist. Ein Zwang für die Herner Metzger, in diesem Schlachthofe zu schlachten, besteht nicht. Die vorgesehene Erweiterung durch Anbau einer Verkehrshalle und einer Schweineschlachtballe mußte der hohen Kosten wegen fallen gelassen werden. Wie sehr der Schlachthof auch ohne Schlachtzwang benutzt wird, geht aus dre Jahresschlachtung 1921 hervor. Es wurden in diesem Jahre geschlachtet: 1605 Stück Rindvieh, 1204 Schweine, 317 Stück Kleinvieh und 15 Pferde. Infolge des Bahnanschlusses hat der Schlachthof die Genehmigung zur Einführung von amerikanischem, dänischem und österreichisch=ungarischem Schlachtvieh erhalten, eine Vergünstigung, die mehreren umliegenden Schlachthöfen infolge Fehlens des Bahnanschlusses nicht gewährt worden ist. Bei dem heutigen Tiefstande unserer Mark hat aber die Einführung von amerikanischem und dänischem Schlachtvieh vollständig aufgehört. Von Ungarn dagegen sind vor kurzem die ersten Ochsen hier eingetrofsen. Wenn auch der jetzige provisorische Schlachthof keine ideale, moderne Einrichtung wie in anderen Städten ist, so stellt er doch, in Anbetracht. daß bei den heutigen Baukosten an den Bau eines modernen Schlachthofes nicht gedacht werden kann, eine Einrichtung dar, die uns in den nächsten Jahren bis zu besseren Zeiten zum Notbehelf ausreichen wird. Die Heimkehr der Herner Frontkämpfer. (Zwanglos zusammengestellt nach den Berichten des Herner Anzeigers.) Herner Anzeiger v. 21. Nov. 1918. Fahnen heraus! Mitbürger! Tausende unserer broven Feldgrauen werden in diesen und den kommenden Tagen nach Hause zurückkehren. Herne erwartet noch über 4000 seiner Söhne, die uns über vier Jahre lang mit ihrem Leben und Blut beschützt und beschirmt haben. Sollen unsere Krieger sang= und klanglos in die Heimat zurückkehren? Wo sind die Fahnen, die ihnen unseren Willkommensgruß entgegenrauschen sollen? Auf, Mitbürger, schmückt Eure Häuser mit wehenden Fahnen und ruft unseren heimkehrenden Kriegern ein herzlich Willkommen in der Heimat zu. Fahnen heraus! ** H. A. v. 24. Nov. Im Zeichen der Heimkehr. Zur Zeit steht der Eisenbahnverkehr ganz im Zeichen der heimkehrenden Feldgrauen. Zahlreiche, mit Soldaten geradezu überladene Züge passieren tagtäglich den hiesigen Hauptbahnhof. Jeder erdenkliche Platz nicht nur in, sondern auch an und auf den Wagen ise besetzt, die Dächer dienen ebenso wie die Treppen zum Bremshäuschen und die Trittbretter als Beförderungsgelegenheit, ja selbst die Waggondächer der DZüge sind mit Feldgrauen besetzt. Daß diese Beförderungsart aber nicht ganz ungefährlich ist, beweisen die zahlreichen schweren Unfälle, die sich zuverlässigen Nachrichten zufolge dabei schon ereignet haben. Mehr Ordnung und Mäßigung! muß man daher auch hier sagen, denn es ist doch tiefschmerzlich für die Angehörigen, wenn der Sohn, Bruder oder Gatte, der vielleicht mehrere Jahre an der Front gekämpft hat, nun auf der Heimfahrt noch Leben und Gesundheit einbüßt. *** H. A. v. 27. Nov Die langersehnte Einquartierung ist gestern morgen überraschend eingetroffen. Im anzen sind 1300 Mann und 60 Offiziere von olgenden Truppenteilen nach Herne gekommen: Kinenwerfer=Komp. 2. bayr. Inf.=Res.=Regts., 1. bayrische Res.=Pionier=Komp., 1., 2. und 3. Bataillon des 2. bayr. Res.=Regts., 1 Maschinenewehr=Komp. des 2. Bayr. Res.= Regts., Bayr. kes.=Pionier=Komp 17, Brigade=Stab der 1. bayr. Res.=Brigade, Bayr. Brücken=Train 6, Regiments=Stab des 2. bayr. Res.=Inf.=Regts. Sie wurden in Massenquartieren und Hotels untergebracht. Die Truppen kamen von Wattenscheid und zogen über die Bismarckstraße in die Stadt. Der Empfangsausschuß mit dem Herrn Oberbürgermeister an der Spitze hatte sich eingefunden, doch konnte ein offizieller Empfang in der beabsichtigten Weise leider nicht stattfinden, da die Truppen nach dem ermüdenden Marsch und bei dem schlechten Wetter sofort in die Quartiere abrücken mußten. Die Damen des Vaterländischen Frauenvereins verteilten Zigaretten und Blumen. Abends fanden in verschiedenen Vergnügungslokalen der Stadt freie Vorstellungen für die Krieger statt. In dankenswerter Weise hatten die hiesigen Theaterund Vergnügungsstätten: Steffens Saalbau, Funkes Zirkus=Variete, sowie das Palast= und Hohenzollern=Theater eine große Anzahl Freikarten für unsere Einquartierung zur Verfügung gestellt. Das Zirkus=Variete Funke hatte sogar von 5—7 Uhr nachmittags eine Extra=Freivorstellung für unsere Soldaten angesagt. Hoffent9 N lich werden die heimkehrenden Krieger aus dem herzlichen Empfang, den ihnen die Herner Bürgerschaft bereitet hatte, den Eindruck gewonnen haben, daß sie von der ganzen Stadt freudig und dankbar willkommen geheißen wurden. * H. A. v. 28. Nov. Herne als Garnisonstadt. Seit dem Einzug der Truppen am Dienstag hat sich das Bild unserer Stadt mit einem Schlage verändert. Herne ist Garnison geworden. Die Krieger, die zumteil nach langen, beschwerlichen Märschen hier einquartiert wurden, haben sich schnell heimisch bei uns gefühlt. Ueberall herrscht, wie das selbstverständlich zu erwarten war, zwischen der Bevölkerung und den Soldaten das beste Einvernehmen. Der Regimentsstab und das 1. Batl. des bayrischen Regiments sind inzwischen nach nur eintägigem Aufenthalt gestern nach Bochum abgerückt und von dort mit der Bahn weiter befördert worden. Die übrigen Truppen werden Herne heute wahrscheinlich wieder verlassen. Im Laufe des gestrigen Mittwochs ist dann das Reserve=Lazarett 89 hier eingetrofsen und untergebracht worden, ohne Verwundete, nur das Mannschafts= und Aerztepersonal, sowie die Pferde. Ein lebhaftes militärisches Treiben entwickelte sich gestern mittag auf der Bahnhofstraße. In unübersehrbarer Folge passierten in der Hauptsache Bagagen der 39. Division, die von Steele her kamen, auf dem Wege ins Münsterland unsere Stadt. Wohl ¼ Stunden dauerte der Vorbeimarsch, wobei die Truppen von der allenthalben die Straßen einsäumenden Bevölkerung lebhaft begrüßt wurden. Wagen auf Wagen rollte vorüber, unterbrochen ab und zu von einer Maschinengewehr= und Minenwerser=Abteilung, oder von dampfenden Gulaschkanonen, die alle mehr oder weniger mit schwarz=weißroten Fähnchen, Blumen usw. geschmückt waren. Oben auf den Wagen thronte in strahlender Freude, Fähnchen und Peitschen schwingend, unsere Schuljugend, die Schule und Haus vergaß und sich ganz dem vollen Genuß der köstlichen Fahrt mit den Feldgrauen hingab. Grüße und Kußhände flogen fensterherauf und fensterherunter, und alles war trotz des tküben Nonemberwetters in eitel Sonnenschein getaucht, der sich besonders auf den Gesichtern der alten und jungen heimkehrenden Feldgrauen wiederspiegelte. Gäule jeder Farbe und Rasse, wohlgenährte, schwere Prachttiere, wie heruntergekommene Schindmähren, flotte Ponnys, Esel und Mautiere bildeten den Vorspann der zahllosen Wagen, Kutschen und Karren, die sich sonder Zahl und Art ununterbrochen einander folgten. Besonders lebhaft ging es an der Neustraße zu. Hier standen die Schülerinnen des Lyzeums, all die kleineren und größeren Backfische, die jeden Wagen und jeden Trupp besonders lebhaft bewillkommneten Heimat war die Parole, und Heimatfreude war es die allen entgegenklung. Kurz nach Mittag konzertierte vor dem Hotel Schlenkhoff die Kapelle der Bayern, deren Klänge bald hunderte Zuhörer anlockte, ein für die Industriestadt Herne ganz außergewöhnliches Erlebnis. Im Laufe des Nachmittags kamen dann dauernd bald kleinere, bald größere Trupps und Kolonnen hier durch, bald nach dieser, balt nach jener Richtung die Stadt durchquerene. Eine Sanitätskompagnie, die einen lange Tage o#ch Wind und Wetter währenden Futzmarsch von der Ypernfront nach hier hinter sich hatte, wurde von der zufällig ihren Weg kreuzenden Zimmerschen Kapelle mit Musik zu ihrem Quartier geleitet. So ziehen unsere Feldgrauen nach 4½ Jahren langer, leidensvoller Kriegszeit wieder in die Heimat ein, begrüßt und bejubelt von allen Seiten. Und all das Weh und all die Trauer, die wir über den unglücklichen Ausgang dieses Krieges, in dem unsere Soldaten sich so heldenmütig und siegreich geschlagen, im Herzen tragen, soll in diesen Tagen der Heimkehr verstummen vor der Wiedersehens= und Willkommensfreude. Denn was uns schon vor Jahren immer so sehnsuchtsvoll entgegengeklungen, heute ists endlich wahr geworden: In oer Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn! *** A. v. 29. Nov. Der Durchmarsch der Truppen durch unsere Stadt hält an. Unaufhaltsam passieren bald größere, bald kleinere Verbände, geschlossene Truppenteile mit endlosen Wagenkolonnen, Minenwerfer=Abteilungen usw. die Bahnhofstraße in Richtung Recklinghausen. Mit klingendem Spiel, die Offiziere hoch zu Roß an der Spitze, begleitet vom Winken und Grüßen der Bevolkerung, ist es eine ständige Wiederholung desselben Bildes, das aber doch immer wieder neue Reize bietet. In der Hauptsache gehörten die bis jetzt hier durchmarschierten Truppen der 39. Division der 4. Armee an. Das Inf.= Regimnt derselben Division, das gestern nachmittag ebenfalls mit Musik durch Herne zog, hatte hier gewisses Heimatsrecht, da in diesem Regiment mehrere 100 Herner Jungens Dienst tun. Es befand sich auf dem Marsche nach Dorsten. Für die kommenden Tage ist wieder mit zahlreicher Einquartierung zu rechnen. ** H. A. v. 30. Nov. Weitere Einquartierungen. Im Laufe des gestrigen Tages traf neue Einquartierung für Herne ein; insgesamt 36 Offiziere und über 800 Mann, die sich aus folgenden Truppenteilen zusammensetzten: 1. Stafelstab 20 B., 4 Offiziere, 90 Mann, 95 Pferde(Quartier Pabst, la Rochestraße). 2. Scharfschützen=Abtl. 53, 15 Offiziere, 400 Mann, 130 Pferde(Koop, Düppe und Trösken). 3. Proviantkolonne 36, 3 Offiziere, 60 Mann, Dunschen, Wischerstraße). 4. Bayr. Fuhrparkskolonne 35, 3 Offiziere, 75 Mann, 96 Pferde.(Hirdes, Ostentor). d. Man.=Kolonne 476, 4 Offiziere, 70 Mann, 68 Pferde.(Nordsiek, v. d. Heydtstraße). 6. Mun.=Kolonne 493, 4 Offiziere, 90 Mann, 95 Pferde.(Ww. Köhlhoff). 7. Fuhrparkkolonne 99. 3 Offiziere, 73 Mann, 80 Pferde.(Karl Köhlhoff). Im Stadttil Baukau, wo ein erheblicher Teil der Truppen Quartier bezog, begrüßte sie die Zimmersche Kapelle mit flotten Marsch= und Liederklängen. Die Offiziere wurden meist in Bürgerquartieren untergebracht. Für die nächten Tage wird weitere Einquartierung erwartet. k A. v. 6. Dez. Der Truppendurchmarsch. Bestern in der Frühe bereits zogen wieder rößere Formationen geschlossener Infanterieolonnen mit lautem Gesang teils durch die Schulstraße, teils durch die Bahnhofstraße in der Richtung nach Recklinghausen und Horsthausen, große Züge und Kolonnen der Bagage sogten. Kurz nach Mittag kamen 3 Batterien mit drei Kolonnen Artillerie mit dem gesamten Geschützund Bagagepark von Wattenscheid in Baukau an. Es handelte sich um ein Bataillon des FußArt.=Regts. 19 mit 28 Offizieren, 700 Mann und 520 Pferden, die in Baukau, Horsthausen und Alt=Herne einquartiert wurden. H. A. v. 6. Dez ein schönes Nikolausgeschenk für die Herner Bürgerschaft. Der Nikolaus ist ein lieber Mann und scheint die Herner Bürgerschaft besonders in sein Herz geschlossen zu haben. Hat er ihr doch an seinem Namensfeste 32600 Zentner Zucker geschenkt. Die Sache kam so: Ein großer Schleppkahn mit 16 000 Säcken Zucker zu je 2 Zentnern beladen, wourde auf der Fahrt nach Mannheim zu einer dortigen Sprengstoff=Fabrik vom Waffenstillstand überrascht. Da nun kein Sprengstoff mehr benötigt wurde, Mannheim aber in der Gefahrzone lag, sollte er nach einem anderen Hasen (Duisburg) verbracht werden. Duisburg aber kam ebenfalls in die Gefahrzone zu liegen, sodaß der Schleppkahn nicht wußte wohin. St. Nikolaus bestimmte darauf den Steuermann, sein Schiff in den Herner Kanalhafen zu lenken, woselbst das städt. Lebensmittelamt die süße Last hocherfreut in Empfang nahm. Die Wirkung dieses Geschenkes zeigt sich heute bereits in dem städt. Wochenspeisezettel, nach welchem jeder Einwohner u. a. 1 Pfund Rohzucker erhält. Für die nächsten Wochen stehen uns aus diesem unverhofften Geschenk weitere Zuckermengen bevor. Schön wäre es, wenn sich auch einmal eine Schiffsladung Butter in den hiesigen Hasen verlaufen wollte!(Die Sache hatte nur das unangenehme Nachspiel, daß der erhaltene Mehrzucker an den späteren Rationen zumteil gekürzt wurde. Die Red.) H. A. v. 7. Dez. Weitere Einquartierung. Im Laufe dos gestrigen Tages trasen weitere Teile der 4. Armee hier ein, in der Hauptsache boyrische und sächsische Truppen, die teils mit klingendem Spiel ihren Einzug hielten. Sämtliche Truppenteile trugen zahlreiche Fähnchen in den deutschen und ihren Landessarben und besanden sich in bester Verfassung und Stimmung. Vielfach wurden die Soldaten mit Blumen, Zigaretten, Zigarren usw. beschenkt. Sie gehörten folgenden Truppenteilen an: 1. Regimentsstab Gren.=Regt. 101, 12 Offiziere, 109 Mann, 30 Pferde; 2. 1. M.G.K. Gren.=Reat. 101, 4 Offiz., 140 Mann, 22 Pferde; 3. 3. M.G.K. Gren.=Regt. 101, 8 Offiziere, 140 Mann, 30 Pferde; 4. Trupven=Nachrichten=Komp. 101, 2 Offiziere, 120 Mann, 15 Pserde; 5. Minenwerfer=Komp. 101, 4 Offiziere, 140 Mann, 36 Pferde; 6. Stab Pion.=Batl. 12, 4 Offiziere, 25 Mann, 15 Pferde; 7. Pion.=Batl. 12, 1. und 3. Komp., 12 Offiziere, 362 Mann, 66 Pferde; 8. Sanitäts=Kompagnie 30, 6 Offiziere, 180 Mann, 42 Pferde; 9. FeldLazarett 114, 7 Offiziere, 48 Mann, 36 Pferde; 10. Feld=Lazarett 117, 9 Offiziere, 60 Mann, 40 Pferde; 11. Munitions=Kolonne 376, 5 Ossiziere, 85 Mann, 75 Pferde; 12. Munitions=Kolonne 376, 4 Offiziere, 86 Mann, 82 Pferde; 13. Feldschlachterei 69 und 75, 4 Offiziere, 80 Mann, 27 Pferde; 14. Landst.=Vion.=Batl. 17. A.K., 5 Offiziere, 150 Mann, 30 Pserde; 15. bayr. Din Brücken=Train 2, 2 Offiziere, 80 Mann, 15# Pferde. Die Truppen wurden teils in Massenquartieren, teils in Bürgerquartieren untergebracht; sie werden im Laufe des heutigen Tages Herne wieder verlassen. „* H. A. v. 12. Dez. Der Dank der Soldaten. Wir werden gebeten, folgendes Dankschreiben zu veröffentlichen: Viele Worte zu machen ist nicht unsere Art. Herzlichen und aufrichtigen Dank dem Westfalenlande und insbesondere der Stadt Herne und ihren Einwohnern. Es werden wenige unter uns sein, die nicht ungern von„droben“ geschieden und jeder wird zeitlebens die Heimkehr durchs Rhein= und Westfalenland nach halbhundertmonaten Krieg den so lieben Empfang und der so reich und freudig geübten Gastfreundschaft seiner Bewohner als eine seiner schönsten Erinnerungen zu bewahren wissen. Nicht sehr freudig ist es in unserem armen, schönen Bayernland bestellt; indes in der Hoffnung auf eine bald bessere Zeit im ganzen einigen Deutschland den Einwohnern von Herne ein warmes„Vergelts Gott!“ (Folgen zahlreiche Unterschriften.) „„ Zwei Jahre später hat Herne nochmals größere Mengen Militär, und zwar Reichswehr, in seinen Mauern gesehon. Es war nach dem Kapputsch, als die sononannte Rote Armee nach blutigen Kämpfen bei Essen, Wesel, Dortmund und Recklinghausen sich auflöste und unorganisierte Banden bei dem Zurücksluten auch Herne passierten, wobei es zu einer vorübergehenden Besetzung des Rathauses kam. Die Erinnerung an die Östertage des Jahres 1920, als nach der Säuberung der Stadt von den zurückslutenden Rotgardisten das Freikorps Aulock in Herne einzog, sind noch lebondig in aller Erinnerung, sodaß wir auf die traurigen Tage aus dem Kapputsch und seiner noch traurigeren Auswirkungen hier nicht näher einzugehen brauchen. Möge Herne, das bisher alle Stürme glücklich und ohne Blutvergießen überstanden hat, derartige Tage nicht wiedersehen! goyne(der die Kanonen und größeren Stücke schmiedet) mit eine passenden Anzede in englischer Sprache Ihrei Königlichen Hoheit der Prinzessin ein Albumt welcher den folgenden Empfangsgruß enthielt „Der Gußstahlglocken voller Chor Den nie vernommen Englands Ohr, Er tönt:„Glückauf Victoria!“ Willkommen! ruft Westfalia. Bochum in Westfalen, 5. Februar 1858. Die Meistor des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation für sich und in: Namen sämtlicher Arbeiter“ Die Prinzessin, sichtbar freudig überrascht, erkundigte sich nach einigen Angelegenheiten dieses weltberühmten Etablissements und fragte, ob viele Engländer dabei beschäftigt seien Seiner K. Hoheit dem Prinzen wurde von dem als Obermeister der Schmelzer bei der Guß stählfabrik angestellten Capellen ebenfalls ein Album überreicht, welches den nachstehenden Jubelgruß enthielt: „Westfalen bringt mit Glockenklang Aus Stahlesguß dem Himmel Dank! Den Königssohn und sein Gemahl Beschütze Gott und unser Stahl! Bochum, wie oben“ Die Ehrendamen überreichten folgende Adresse: „Ew. Königliche Hoheit begrüßen unterthänigst die Ehrendamen des Bochumer Schützen=Vereins, im Namen der Frauen und Töchter Westfalens. Wir bringen unserer zukünftigen Königin Westfälische und Markanische Treue und die hohe Achtung und Liebe ehrfurchtsvoll entgegen, mit der die Frauen Westfalens und der Mark das Bild ihrer Königin im Herzen tragen. Möge der allgütige Gott Ew Königlichen Hoheit In der neuen Heimats Glück und Segen und uns Ihre Huld und Gnade verleihen!“ Fräulein Dieckhoff überreichte diese auf weißen Atlas gedruckte Rede Ihrer Königlichen Hoheir, welche auf das Freundlichste dunkend derselben beim Abschiede die Hand reichte. Zu den übrigen jungen Damen bemerkte Seine Königliche Hoheit:„Ei, wie hübsch! Ja in allen Farben.“ Die jungen Damen waren nämlich mit die englischen, preüßischen und die Bochumer SchützenFarben enthaltenden, Schleifen geschmückt. Als sich hierauf JJ. KK. HH. entfernen wollten, überreichte Fräulein C. Schleit Ihrer K. Hoheit einen aus den seltensten lebenden Bluen gewundenen Strauß mit folgenden Worten: „Königliche Hoheit! Auch die Jungfrauen des Amtes Bochum begrüßen und bewillkommnen Ew. Königliche Hoheit beim Eintritte in die Grasschaft Mark und bei der ersten Reise in die neue Heimath an der Seite Ihres Königlichen Gemahls. Königliche Hoheit bitte ich ehrerbietigst, geruhen zu wollen, diesen Blumenstrauß als einen Ausdruck der tiefsten Verehrung und Liebe huldreichst anzunehmen.“ Die Prinzessin, den Blumenstrauß entgegennehmend, antwortete:„Wie schön!“— Nachdem sich Ihre Königlichen Hoheiten noch mit mehreren der sich in dem Empfangszimmer eingefundenen Herren und Deputationen unterhalten hatten, bestiegen Höchstdieselben unter Glockengeläute, unter lautem Jubelrufe der Volksmenge, unter Schwenken sämtlicher Fahnen, und während die beiden Musikchöre die Preußische NationalHymne anstimmten, den Salonwagen. Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin trat an das Fenster, dankte mit freundlich aus den großen scelenvollen Augen strahlenden Blicken nach allen Seiten, welches sie bei jedesmal erneuertem Jubelrufe, die nie enden zu wollen schienen, wiederholte. Die Menschenmassen drängten immer näher und näher, um das hohe Paar vor dem nahen Abschiede nochmals aus der unmittelbaren Nähe zu sehen; da wurde plötzlich das Zeichen zur Abfahrt gegeben und die Locomotive entführte uns schon wieder das erst vor wenigen Minuten angekommene hohe Paar, das durch liebenswürdiges, huldreiches und ungezwungenes Wesen allgemeine Bewunderung erregt hatte. Ueber die elegante Einfachheit, über die ungemeine Güte und Anmuth der Prinzessin herrschte nur eine Stimme.— Wir schließen den Bericht mit der Bemerkung, daß zwei Maler, auf einem hohen Wagen im Hintergrunde sitzend, die ganze Scenerie aufnahmen Ueber den Empfang in Herne=Bochum schrieb die K. Z.:„Eine eigenthümliche Ueberraschung wurde dem jungen Fürstenpaar unbestreitbar auf der einsamen Station HerneBochum. Ein feierliches Glockengeläute tönte nämlich dem langsam ankommenden Zuge entgegen. Man ervlickte einen hohen Triumphbogen, dessen Form an das Brandenburger Thor in Berlin erinnerte, umwunden mit frischem Grün und eben so geschmackvoll als reich geschmückt mit hundert Flaggen. Daran hingen in vier Abteilungen vier mächtige Gußstahl Glocken, die der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation zur Begrüßung des hohen Paares an der Grenze Westfalens eine Meile weit hingeschleppt und hoch aufgepflanzt hatte. Anstatt der Siegesgöttin waren oben zwei Tableaux, an beiden Seiten, theils von den westfälischen Farben, theils von einem Kranze vergoldeter Eichenblätter umrahmt, mit den goldenen Inschriften (s. oben). Darunter zwei kleine GußstahlKanonen, oben darüber zwei englische mächtige Flaggen, hoch überweht von der preußischen. Die Stahlglocken präsentiren sich inmitten der vier Oeffnungen prächtig zwischen dem frischen Grün in ihrem blauen Glanze, und wenn die ganze malerische Gruppe dem Auge ein wohlthuendes Bild darbietet, so i“t der volle harmonische Wohlklang des Geläutes dazu angethan, im Herzen die feierlichsten Gefühle zu erwecken. Die Königlichen Hoheiten lehnten schon beim Kommen, wie auch beim Vorbeifahren(wiederholt rückwärts sehend) aus dem Wagenfenster und waren sichtbar überrascht und erfreut.“ Koln, 6. Febr. Wie bis hierher der Reisezug des neuvermählten fürstlichen Paares überall und von allen Seiten benutzt worden war, Höchstdenselben die Huldigungen der Liebe und Verehrung des Landes entgegen zu bringen und der lieblichen Tochter Albions den Einzug in das neue Heimathland so angenehm zu machen, wie nur immer mäglich, so trat auch im weileren Verfolge der Reise von Deutz aus derselbe lebendige Wetteiser in der Kundgebung der herzlichsten Anhänglichkeit und das eifrigste Bestreben hervor, sich dem für die Aunsche des Landes nur zu rasch vorüber eilenden hohen Paare bemerklich zu machen und wenn auch nur mit einem Blicke die dem geliebten Herrscherhause gewonnene, in weiblicher Anmuth strahlende Tochter zu sehen. Sämtliche Stationen der Bahn waren, soweit es die Umstände und die Jahreszeit erlaubten, auf das glänzendste und sinnreichste mit Fahnen, Laubwerk und Inschriften verziert; überall waren auf denselben inmitten einer unzähligen jubelnden Volksmenge die Behörden, Corporationen und Vereine mit Amtszeichen und Fahnen versammelt; Musik, Glockengeläute und Böllerschüsse wechselten mit dem lautesten Zurufe von Glück= und Segenswünschen. Der erste Aufenthalt wurde in Düsseldorf gemacht, dann in Duisburg, Herne=Bochum, Dortmund, Hamm, Bielefeld und zuletzt in Minden, wo der Zug unter dem Donner der Festungs=Geschütze gegen 3½ Uhr anlangte. Hier waren der geraumige Wartesaal erster Classe und Nebengemächer zur Empsangnahme der hohen Herrschaften und der Aufnahme der zur Bräsentation gelangendon Wei sonen auf das zweckmäßigste und eleganteste ein gerichtet. Conditorei Café und Weinhaus Hans Luttenberger:: Herne Telefon 532. Bahnhofstrasse 89. Behaglich, modern eingerichtete Lokalitäten angenehmer Aufenthalt für Famlien und Fremde, erstkl. Kondttoreiwaren. Getränke, neben dem Palast-Theater Bahnhofstrasse 30— Fernsprecher 552 Liköre u. Weine aus ersten Welthäusern Streng aufmerksame Bedienung. Herner Fahrzeug-Werke Stahlhacke& Trenczek Teleion 1287 Neustraße 18 Schokoladen, Keks, Pralinen, Kakao, Bonbons, Marzipan, Bonbonieren von den einfachsten bis zu den teinsten Qualitäten. Nur a lgemein beliebie erstklassige Qualitätsmarken in reichhaltiger Auswahl. Lielerung von Personen- und Lastautomobilen Autozubehör: Gummi Besteingerichtete Reparaturwerkstätte für Kratfahrzeuge aller Systeme 15825 12or0Lor aM SoaOTOR Peter Stracke Börnig-Sodingen (am Amtshaus) Buch- und Kunsthandlung Papier- u. Schreibwaren 15735 Büro-Bedarf. pezialgeschäft in: n, Zigarellen, Tabaken,## eilen und Mutzen. Herne, Neustr. 32. Aeltestes Geschäft am Platze. 5826 Kulante Bedienung- Mässige Preise- Fachmännische Berechnung Haarnetze säm Toilette-Artikel Ligorren: Lioareten 8 in grober Auswal Verkanfsraum separa'. Buchdruckerei Karl Jöllenbeck Altenhöfenerstr. 40 HERNE Telefon Nr. 1031 nur Qualitätswaren Anfertigung sämilicher Drucksachen für Inaustre, Behörden und Private (Lippe) 92351 Staatskommissare. Spezialschule für Maschinenbau u. Elektrotechnik. 16295 Sutisi Kaufhaus Franz Ueblin SMALS E A KAUFHAUS Beste Einkaufsquelle für gute Qualitäten in Manufaktur-, Kurz-, Weiss und Wollwaren. 15910 8. Bauhütte. Regelung der handwerklichen Preiswirtschaft und des Submissionswesens. Von Bedeutung dürfte es sein, zu bemerken, daß die Zahl der Beamten und Angestellten des Handwerksamtes und der Organisationen nunmehr 27 erreicht hat. Es darf ferner nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Selbsthilfebewegung über lokale Grenzen hinaus fortsetzt, dadurch, daß die einzelnen Innungen im Gegensatz zu der horizontalen Organisation in den Innungs=Ausschüssen und Handwerksämtern sich vertikal in Innungsverbänden genannt, bezw. die Genossenschaften zu Genossenschaftsverbänden zusammenschließen, die wiederum zu einem Reichsfachverbande und Reichsgenossenschaftsverbande vereint sind, denen auf der anderen Seite der Handwerkskammertag entspricht. Alle 3 Lentralorganisationen vereinen sich schließlich zu einer alles überragenden Spitze im Reichsverbande des deutschen Handwerks. Daß der Anschluß an diesen gewaltigen Körper nicht ohne Einfluß auf die Entwickelung des lokalen Organisationswesens in Herne geblieben ist, ist selbswerständlich, da auch das hiesige Handwerk sich einer Organisationsform anschließen mußte, die gleichfalls ein Glied in der Organisationskette des deutschen Handwerks darstellt. Die hygienischen Einrichtungen der Stadt Herne. Von Stadtarzt Dr. Klein=Herne. Nicht nur wirtschaftlich, sondern besonders seelisch und körperlich ist das deutsche Volk durch den Krieg mit allen seinen Begleit= und Folgeerscheinungen schwer gefährdet und der Staat sowohl wie die Gemeinden sehen sich vor die kaum zu bewältigende Aufgabe gestellt, diese immer weiter um sich greifenden Schäden einzudämmen und nach Möglichkeit abzustellen. Namentlich gilt es, die furchtbaren Folgen der Hungerblockade zu beseitigen, damit dem deutschen Volke die völlige körperliche Arbeitskraft zurückgegeben wird, die es zu seinem Wiederaufbau so dringend notwendig braucht. In den dichtbevölkerten Industriebezirken ist die Not am größten; hier heißt es, mit allen Mitteln den Kampf um die Gesundung aufnehmen, und die Stadt Herne steht mit in den ersten Reihen der Kämpfenden. Gleich nach Beendigung des Krieges, zu Beginn des Jahres 1919, wurde das Wohlfahrtsamt geschaffen, in dem zusammen mit dem Jugendamt neben der sozialen z. Z. auch die ärztliche Fürsorge gepflegt wird. Den beiden eben genannten Aemtern sind bis jetzt 6 Fürsorgeschwestern zugeteilt, die in ihren Stadtbezirken die Familien besuchen, um den Aermisten der Armen, den werdenden Müttern, den Säuglingen, den Kranken mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Schwestern betreiben al.. Familienfürsorge; von der Einzelfürsorge war man zweckmäßig abgekommen. Säuglingsfürsorge. Zur Verminderung der immer noch hohen Säuglingssterblichkeit wurde eine amtliche, unentgeltliche Beratungsstelle für Mutter mit ihren Säuglingen ins Liben gerufen. Die ärztliche Leitung war bis zu meinem Dienstantritt Herrn Dr. Herrnscher übertragen. Von Anfang an erfreuen sich diese Beratungsstunden eines regen Zuspruchs und die Zahl der in Fürsorge befindlichen Säuglinge ist ständig im Wachsen begriffen. Wenn es auch bis jetzt noch nicht möglich ist, jedes Neugeborene in Fürsorge zu nehmen, so wird es im weiteren Ausbau der Säuglingsfürsorge sich erreichen lassen, die noch bestehenden Lücken in etwa auszufüllen. Wie notwendig eine Säuglingsfürsorge ist, mögen folgende Zahlen beweisen. Im Jahre 1921 war die Säuglingssterblichkeit(Kinder von 0—1 Jahr) nach den amtlichen Zusammenstellungen ausschließlich der Totgeburten noch immer insgesamt 13,9 v. U., von den ehelich Geborenen starben 12,1 v. H., von den unehelich Geborenen starben 47,7 v. H. Die Gesamtsterblichkeit der Säuglinge ist demnach immer noch höher, als sie durchschnittlich im ganzen Reiche ist, dasselbe gilt in erhöhtem Maße für die unehelich Geborenen. Die Gründe für diese hohen Zahlen liegen auf der Hand. Cinmal ist die Einrichtung einer Fürsorgestelle immer noch nicht der gesamten Bevölkerung bekannt, trotzdem in der Presse an amtlicher Stelle regelmäßig darauf hingewiesen wird und zweitens scheuen sich die Mütter, namentlich bei schlechtem Wetter, sie langen Wege, z. B. von Horsthausen, Baukau, mit ihren Kindern zu machen. Hier kann nur eine weitgehende Dezentralisierung Abhilfe schaffen. Nicht zuletzt muß auf die betrübliche Tatsache hingewiesen werden, daß die Mütter vielfach die ihnen erteilten Ratschläge nicht befolgen, daß sie ihren Kindern neben der natürlichen Nahrung alle möglichen Beigaben verabreichen, ohne sich vorher über die Zweckmäßigkeit ihrer Handlungsweise Rat geholt zu haben, trotzdem in den Sprechstunden immer wieder eindringlich=ernst auf die unbedingte Notwendigkeit des Selbststillens hingewiesen wird. Die Säuglingsfürsorge würde lückenhaft sein, wenn nicht auch einwandfrei zubereitete Säuglingsmilch zur Verfügung stände. Die schon bestehende Säuglingsmilchküche ging am 1. September 1921 in städtische Verwaltung(Jugendamt) über und ihr Betrieb vergrößert sich ständia. So wurden im Jahre 1914 rund 110 000 Flaschen ausgegeben, 1921 aber schon meyr als 400000. Die Milch wird in der Küche in 4 verschiedenen Mischungen gebrauchsfertig in entsprechenden Flaschen hergestellt, sodaß die Mütter lediglich die Milch zu wärmen brauchen, um sie den Kindern zu geben. Die vier verschiedenen Milchsorten sind nach ihrem Fett= und Wassergehalt genauestens zusammengesetzt und zwar in der Weise, daß für jedes Viertel im 1. Lebensjahre eine besondere Mischung hergestellt wird. Um eine ausreichendere Milchversorgung zu gewährleisten ist der Milchküche ein Milchviehhof angegliedert. Die Tiere stehen dort ständig in amtlicher tierärztlicher Ueberwachung. Eine eigene Klinik für kranke Säuglinge gibt es noch nicht, wenn auch die Anfänge dazu da sind in der Säuglingsstation des evangelischen Kinderheims, in der die meist unehelich geborenen und allzufrüh der Mutterbrust entwöhnten Säuglinge von besonders ausgebildeten Säuglingsschwestern musterhaft gepflegt werden. Leider müssen auch hier infolge Fehlens der Muttermilch noch eine Anzahl von Säuglingen trotz aller Pflege frühzeitig sterben. Das Fehlen von Ammen ist ein empfindlicher Mangel, der hoffentlich bald abgestellt wird. Tuberkulosenfürsorge. Neben der Einschränkung der Säuglingssterblichkeit ist eine der Hauptaufgaben des Wohlfahrts= und Jugendamtes der erbitterte Kampf gegen die verheerendste Seuche, die an dem Marke unseres Volkes nagt: Die Tuberkulose. Es wurde zunächst wieder eine amtliche und unentgeltliche Sprechstunde für Tuberkulöse eingerichtet, die unter der Leitung von San.=Rat Dr. Arndt stand, bis ich ihn von seinem Posten ablösen durfte. In diesen Sprechstunden werden die Tuberkulösen eingehend untersucht und beraten, wie sie sich in ihrem und im Allgemeininteresse verhalten müssen, damit ein Weiterumsichgreifen nach Möglichkeit vermieden wird. Auch diese Beratungsstelle zeigt seit ihrem Bestehen zunehmende Besucherzahlen. So war die Zahl der Neuzugänge im Jahre 1921 auf über 500 angestiegen. Die Zahl der in Fürsorge stehenden Tuberkulösen wird sich noch erheblich erhöhen, wenn es gelingt, Zweigstellen, die dringend notwendig sind, an der Peripherie der Stadt einzurichten. Diese Einrichtung erfreut sich der dankenswerten und weitgehenden Unterstützung durch die Aerzte der Stadt. Es werden in den Sprechstunden nicht nur Kranke, sondern auch Gesunde beraten, die durch das enge Zusammenwohnen mit Tuberkulösen gefährdet sind. Heute sind insgesamt gegen 1 600 Personen beiderlei Geschlechtes und jeden Alters in Fürsorge; aber die Zahl ist vermutlich noch verschwindend klein gegen die wirkliche Zahl der Tuberkulösen und es bedarf noch harter Arbeit, um auf diesem Gebiete segensreiches zu schaffen. Bis jetzt ist es erst gelungen die Hälfte— 1920 und 1921 waren es je 52 v. H.— aller standesamtlich gemeldeten Todesfälle an Tuberkulose vorher fürsorgerisch zu erfassen. Wir stehen mit diesem Ergebnis noch weit hinter ai ren Städten zurück. Der weitere Ausbau der Heilanstalten in der Provinz kam auch der Stadt Herne zu Gute. Es wurden 1921 allein 365 Kinder untergebracht, 52 Erwachsene konnten in Lungenheilstätten geschickt werden. Die Zahl der in Heilstätten untergebrachten Personen ware erheblich größer, wenn nicht vielfach die hohen Kosten den Kranken den Besuch der Sanatorien unmöglich machte Hier ist noch ein reiches Arbeitsgebiet der privaten Liebestätigkeit z. B. durch Stiftung von Freibetten usw. Damit soll die bisherige ausopfernde Tätigkeit der konfessionellen Vereine nicht herabgesetzt werden, leider stehen mir genaue Angaben über ihre Erfolge noch nicht zur Verfügung. Man muß sich darüber klar sein, daß es nicht möglich ist, alle Tuberkulösen fürsorgerisch zu erfassen; man muß also sein Hauptaugenmerk auf vorbeugende Maßnahmen richten. Gefährdete müssen aus der Umgebung Tuberkulöser entfernt werden oder unterernährte und zur Tuberkulose neigende Kinder müssen durch Lebensmittelbeihilfen und Entsendung in ErhoKn lungsheime gekräftigt werden. Die Isolierung Kranker konnte vielfach durchgeführt werden durch Verabfolgung von Betten oder in schweren Fallen dank der Mitarbeit des Wohnungsamtes durch Zuweisung von größeren Wohnungen. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle dem großzügigen Hilfswerk der Quäker. Nicht weniger als rund 850000 Portionen konnten insgesamt an Schulkinder, Jugendliche, Kleinkinder und Mütter seit Beginn der Speisung bis zum 31. 12. 1921 nebst den namhaften Beihilsen der Stadt verausgabt werden. Durch diese Zugaben zu der übrigen Nahrung ist der allgemeine Kräftezustand der Kinder besser geworden, wenn er auch noch jetzt besonders bei der männlichen Jugend, zu wünschen übrig läßt. Um die Kinder aus der gefährlichen Umgebung wenigstens für eine Zeit zu entfernen und ihnen zugleich frische Luft, Abbärtung und zweckmäßige Ernährung zuteil werden zu lassen, errichtete die Stadt im Frühjahr 1921 ein eigenes Kinderheim in Hullern. Es ist damit die Möglichkeit geschaffen, ständig 40 Mädchen und 40 Knaben in guter Luft unterzubringen. Durch den Neuankauf eines großen Hauses in Stapellage(Teutoburger Wald), gelingt es, weitere 120 Kinder regelmäßig zur Erholung wegzuschicken. Zur Bekämpfung der Tuberkulose gehört besonders die Wohnungsfürsorge. Es muß mit allen Mitteln die surchtbare Wohnungsnot beseitigt werden, damit durch das enge Zusammenwohnen die Uebertragung der Tuberkulosenkeime möglichst vermieden wird. Im Jahre 1921 wurden 185 Wohnungen in 148 Häusern gebaut. In der Hauptsache sind es Siedlungsbauten, dazu kommen die Häuser der gemeinnützigen Baugenossenschaft Herne im Zusammengehen von Industrie und Stadt. In diesem Jahre hat die Stadt selbst einen namhaften Betrag zum Bau von Wohnungen bereitgestellt. Eine eigene Beratungsstelle für Geschlechtskranke gibt es in Herne nicht; aus schwerwiegenden Gründen mußte auf diese Fürsorgemaßnahme verzichtet werden, trotzdem auch in Herne diese Seuchen einen erschreckenden Umfang angenommen haben Nach Mitteilungen von Herrn Dr. Eickmeyer sind 1921 aus Herne und Umgegend allein bei ihm ungefähr 800 Neuerkrankungen an einer der 3 Krankheiten behandelt worden. Allerdings wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit von allen Beamten die mit dem Publikum in Berührung kommen auf die Gefahren der Geschlechtskrankheiten und die schweren Folgen, wenn sich die Kranken nicht in äretliche Behandlung sondern in die von Kurpfuschern begeben, hingewiesen. In Bochum besteht eine von der Landesversicherung eingerichtete unentgeltliche Geschlechtskrankenfürsorge in der neben der Beratung unentgeltliche Behandlung bis zur Heilung durchgeführt wird, außerdem gewährt die Fürsorge Ersatz für Barauslagen, Lohnausfall usw. 2 private Vereine, ein katholischer und ein evangelischer, bekämpfen den immer meyr um sich greifenden Mißbrauch geistiger Getränke. Auch diese Fürsorgestellen erfreuen sich guten Zuspruches. Geisteskranke befinden sich zur Zeit noch nicht In amtlicher ärztlicher Fürsorge. Zum Teil werden die Geisteskranken von dem Fürsorgeamt überwacht. Damit ist aber noch nicht viel erreicht, es muß vielmehr eine planmäßige Fürsorge und Aufstöberung aller Geisteskranken oder Geistesschwachen unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Besonders gilt es, die Angehörigen über den Verkehr mit diesen Unglücklichen aufzuklären. Zugleich soll nach Möglichkeit dafür gesorgt werden, daß eine Anzahl von ihnen wenigstens in etwa zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft werden. Hoffentlich gelingt es recht bald, eine solche Beratungsstunde, die etwa allmonatlich einmal stattzufinden hätte, einzurichten. Durch das Gesetz vom 1. 5. 1920 ist die Fürsorge für die Krüppel festgelegt worden. Wie notwendig ein solches Gesetz ist, zeigt das Ergebnis einer Rundfrage in den Schulen. Nicht weniger als 300 Krüppel wurden ermittelt, die fast ausnahmslos nicht in ärztlicher Behandlung waren. Zur Zeit findet monatlich einmal eine besondere Sprechstunde für Krüppel statt, die durch Herrn San.=R. Dr. Klostermann abgehalten wird. Bis jetzt sind 138 Krüppel in Fürsorge gekommen, von denen 38 ambulant und 12 in einer Heilanstalt behandelt werden. Auch dieser Zweig der Fürsorge bedarf soweit es die nachgehende Fürsorge und das Auffinden der Krüppel anbelangt, des weiteren Ausbaues. Die moderne Orthopädie ist soweit fortgeschritten, daß sie in der Lage ist, einen großen Teil der Krüppel wieder erwerbsfähig zu machen, mit anderen Worten: Die Kranken werden wieder sozial tätig, verschwinden aus den Heimen und von der Landstraße, und dem Staate und den Gemeinden werden ungeheure Summen erspart. Wenn wir planmäßig mitarbeiten wollen an dem Wiederaufbau des Vaterlandes, so müssen wir uns in besonderem Maße der heranwachsenden Jugend annehmen. Wir müssen bestrebt sein, ein gesundes, starkes Geschlecht heranzuziehen, das dereinst berufen sein soll, das Deutsche Reich in neuer Größe erstehen zu lassen. Diesen Zweck verfolgt u. a. die ärztliche Ueberwachung der Schuljugend. Sie hat die Ausgabe, bestehende oder bereits ausgebrochene Krankheiten schnellstens zu erkennen, damit immer schneller und erfolgversprechender für die Heilung gesorgt werden kann. Nebenher geschieht natürlich die Unterweisung auf allen in Frage kommenden Gebieten der sozialen Hygiene, 1. B. Tuberkulose und Alkoholmißbrauch. Die 6 nebenamtlich angestellten Schulärzte üben schon seit langen Jahren an den Volksschulen ihre segensreiche Tätigkeit in Herne aus und zwar in der Form, daß von jedem Kinde ein Gesundheitsbogen angelegt wird, der das Kind durch die ganze Schulzeit begleitet. In ihm werden alle krankhaften Erscheinungen, seien sie dauernder oder vorübergehender Art, vermerkt, und alle Maßnahmen, die zur Beseitigung der Schäden getrossen worden sind, verzeichnet. Dadurch wird erreicht, daß die Schäden frühzeitig bemerkt und nach Möglichkeit beseitigt werden. Diese Gesundheitsbogen sollen in Zukunft an die Fortbildungsschulen oder evtl. an die Arbeitsstelle weitergeleitet werden, damit spater der Arzt sich jeder Zeit ein Bild von der allgemeinen Körperbeschaffenheit seines Schützlings machen kann. Auch bei der Sportberatung soll dieser Gesundheitsbogen mit herangezogen werden. Aus der Erwägung heraus, daß in Zukunft die ärztliche Ueberwachung an sämtlichen Herner Schulen al: auch an den höheren und Fortbildungsschulen einheitlich gestaltet werden soll, wird von der Stadt ein zweiter für die Stadt im Hauptamte tätiger Arzt angestellt, dem eben besonders der schulärztliche Dienst zugeteilt werden wird. Ueberhaupt macht sich die mangelnde Centralisation im ärztlichen Dienst in den einzelnen Aemtern empfindlich bemerkbar.— Z. Z. ist er auf 5 Aemter verteilt— und es sind bei richtiger Erkenntnis der Lage von den Aemtern selbst aus Bestrebungen im Gange, das ganze Gesundheitswesen straff zusammen zu fassen, damit der Geschäftsverkehr sich vereinfacht, unter sachverständiger Leitung zweckmäßiger gearbeitet werden kann und damit vor allem nicht unerhebliche Kosten gespart werden. Außer der allgemeinen ärztlichen Ueberwachung der Schüler, soll in Zukunft auch die Zahnpflege in den Schulen durchgeführt werden, und wie nötig das ist, wird durch die amtliche Statistik bewiesen, nach der mindestens 94 v. H. aller Schulkinder zahnpflegebedürftig sind! Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Die schulärztliche Tätigkeit erfüllt nicht ihren Zweck, wenn nicht auch nach der Schulentlassung weiter dafür gesorgt wird, daß die Jugend gesund erhalten bleibt. Diese Aufgabe wird zum Teil durch die sportliche Betätigung gelöst. Alle die verschiedenen Sportvereine sind in 2 große Gruppen zusammengefaßt, einmal in den Stadtverband für Leibesübungen und das Arbeitersport-Kartell. Ersterer ist Ortsgruppe des Reichsausschusses für Leibesübungen. In diesen Vereinen wird der Sport nach Kräften gepflegt und gefördert, manchmal allerdings nicht in hygienisch einwandfreier Art, so ist z. B. das zur Zeit so eifrig übertriebene Fußballspiel vielfach äußerst bedenklich. Um diese Schäden abzustellen, hat der Stadtverband für Leibesübungen sehr zweckmäßig in seinen Satzungen die Bestimmung, daß an allen Beratungen ein Arzt teilnehmen soll. Es ließe sich daran denken, wie in anderen Städten so auch in Herne öffentliche Beratungen abzuhalten, in denen jeder junge Mann oder jedes junge Mädchen nach ärztlichem Urteil, der körperlichen Verfassung entsprechend, darauf hingewiesen wird, diesen oder jenen Sport zu betreiben, natürlich unter tunlichster Berücksichtigung der persönlichen Wünsche. Die Beratungen haben den Vorteil, daß sie überhaupt keine Kosten verursachen, weil ein Instrumentraum und Schreibarbeit nicht nötig sind. Die einzelnen Sportvereine werden von seiten der Stadt weitgehend unterstützt, sei es durch Zuweisung von Gelände für Spielplätze, sei es durch Ueberlassung der Turnhallen, sei es durch Gewährung von geldlicher Unterstützung. An den Bau einer Badeanstalt zu Reinigungszwecken ist trotz ihrer dringenden Notwendigkeit wegen der hohen Kosten leider nicht zu denken. Ob sich nicht für diese so wünschenswerte hygienische Einrichtung hochherzige Stifter finden? 23 Aerzte, darunter 6 Fachärzte, Üben in der Stadt die ärztliche Praxis aus, als weiteres Mitglied der Herner Aerzteschaft wird vielleicht in nächster Zeit ein weiterer Facharzt hinzu kommen und wir sind somit gegen die Gefahren der Ausbreitung verheerender Seuchen hinreichend geschützt. Außerdem erfüllt die Sanitätspolizei mit ihren Desinsektoren in der strengen Durchführung der seuchengesetzlichen Vorschriften voll und ganz ihren Zweck. In 2 Krankenhäusern mit je mehr als 200 Betten finden anstaltspflegebedürftige Kranke Unterkunft und Hilfe. Die Krankenhäuser werden von der evangelischen und katholischen Gemeinde unterhalten. Die Leitung liegt in den Händen der Herren, San.=Räte Dr. Arndt(ev.) und Dr. May(kath). Damit sind die Erörterungen über die hyalenischen Einrichtungen der Stadt Herne erschöpft. Viel Arbeit ist geleistet worden, ebensoviel und mehr muß getan werden zum Wohl des Ganzen, damit die Stadt bei ihrem 50 jährigen Jubiläum mit Stolz auf die guten gesundheitlichen Verhältnisse hinweisen kann. III Auch der weniger Pemittelte sollte sein Heim nach künstlerischen Krinzipien einrichten! Seit dem nahezu 20jährigen Bestehen unseres Hauses haben wir es uns zur besonderen Aufgabe gemacht, auch dem Minderbemittelten Möbel guter Qualität in einwandfrei künstlerischen Formen zu jedermann erschwinglichen Preisen zu bieten. Man sollte deshalb keinestalls jene Massenware kaufen, die— nur dem Scheine nach billig— nach wenigen Jahren unansehnlich und wertlos wird. — Wir bitten um zwanglose Besichtigung unserer Ausstellung, die Ihnen unsere Leistungsfähigkeit zeigen mag. GEBRUDER SCHURMANN ESSEN. AM RATHAUS, KÖLN, ZEPPELINHAUS. 15155 Größtes Spezialhaus Deutschlands für Wohnungs-Einrichtungen. .. G 30003030000000000000000000000000002500000000000000000000000000000000000000000000% —— 1 C 95 * Sesece ee ete estese e -K-ihcke le Einst A Mi HoI MnSMm-maag K anmm C-anE C RRMAMMMRMM AM MERRCMSGEEIMAMMMAGSSAMMEAB UMMRM ZMRM A RMAAARZ K MAARAN SANG für Manufaktur-, Kurz, Weiß-, Wollwaren Damen-, Herren- u. Kinder-Konlektion Herrenwäsche, Damenwäsche Spezialität: Betten u. Aussteuer-Artikel, Gardinen. Schuhwaren □ alee LEXIEIT TDE S EIE-TIM FUT Gahnhotstade 61 Harren& Co., G. m. b. H. Herne, Kaiserstr. 34/36. Stahldrahtmatratzen- und Polsterwarenfabrik Pernruf 570 u. 1150. Amt Herne. Postschließf. Nr. 91 f—; liefern in fachmnännischer 1570b J und bester Ausführung Patentmatratzen und Auflagen. Verlangen Sie Offerte. eeec9 Leitergerüst: Bau-Verleinanstalt 1194a0 „„— Frit= Müllar Essen-W. S: PPTEZ NTGTIEI Gemarkenstrasse E's von Husen, Bochumerstr. 69. Fernruf 770 Herne: Herne i. Westf., Telefon 36.5 und 1103 Weiss-, Woll- u. Strumpfwaren-Trikotagen.:: Bleyle's Knaben-Anzüge u. Sweaters. Herne Bahnhofstrasse 31 Familien- liefern schnell und preiswert Drucksachen Ingmanas& Hoethers, Herne. Spezialität: Herren-Mode-Artikel. Bielefelder Oberhemden, Kragen, Manschetten. 15815 Erstklassige Qualitäten. Talentvolle Knaben #vom 12.—14. Lebensjahre, die sich dem Missionsberufe widmen wollen, finden Aufnahme im Missionskonvikt der Kongregation vom Hl. Geist in Winterberg(Westf.) Näheren Aufschluß erteilt auf Wunsch P. Klerlein, MIHMNM AMNA NE EAME N iE Mchschs z. Z. Franziskushaus in Winterberg(Westsalen). —.— NE WU e GW SOUINGEN·ENT-DENKMEIL HEHNE-MCHTCENISSTR. 63" Von zugebrachten Stollen fertige ich ihnen einen erstklassigen Messanzug, auf Rosshaar gearbeitet. für nur Nik. GEU.-, an.— Annahmestellen: Bahnhofstr. 107- Riemke, Konstantinstr. 44.