— 1 Tagesausgabe zur Jubiläums=Nummer Herner 52. Jahrgang Zeitung Segugsptes: Monan, 10000. Dit. im perans zahlbar, durch die Von bezogen monatlich 10000.. DlI., ohns Zustellungsge#— Erscheint tagsic, mit Ausnahme b. Sounund Feiertage.— Telegr.=Adr.: Kartendera, perne.— Fernprech=Anschlüsse Nr. 31 und 947.— Postscheckkonto Nr. 6542 umi Dortmund. Im Falle höherer Gewalt, Sperre, Verdot, Betriebestör. hat Bezieh. kein. Anspruch an Lieserung d. Zettung od. auf Rückza lung des Bezugsprette: Amtliches Kreisblatt für den Stadtkreis Herne Unabhängiges Orga. für nationale Politik Bekanntmachungen erlangen laut Verjugung der Regierun vom 15. Nor. 1900 Nra) Veroheutlichung in der„Herner Zeitung" rechtsvervindüiche Kraft Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. ind. Koop; für Lokales: Erwin Gehrts; für den Anzeigenteil: Arnold Hofsmann Dr.#i#nd. Koon; Rotationsdruck u. Verlag on C. Th. Kartenberg.(Inh. C. Holtmann), sämtlich in Herne. 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Mai stellt die Näteregierung als Ergebnis des bisherigen Austausches von Denkschriften fest, daß bezüglich der vier Streitfragen, nämlich des Wlainsteinschen Briefes, der Fischfangfrage der Entschädigung für Revressalien gegen zwei englische Agenten und des Grundsatzes der Nichteinmischung, einer Verständigung zwischen den beiden Regierungen nichts mehr im Wege steht. Hinsichtlich der Provagandafrage, die in der britischen Denkschrift als die wichtigste bezeichnet wird, ist die Räteregierung bereit, den von der britischen Regierung vorgeschlagenen neuen erweiterten Wortlaut der entsprechenden Stelle des englisch=russischen Handelsabkommens als Grundlage für die gegenseitigen Verpflichtungen anzunehmen. Die Räteregierung wünscht, den Charakter dieser Gegenseitigkeit genauer zu fassen, und zwar in dem Sinne, daß in Zukunft die Unterstützuung von monarchistischen, weißgardistischen und überhaugt feindlichen, gegen die Räterepublik und ihre Veren gerichteten Treibereien durch die britische Reoder die Regierungen ihrer Kolonien, Dominien, storate usw. ausgeschlossen wird. Die Räteregierung bedauert ferner, daß trotz ihrer beispiellosen Zugeständnisse die britische Regierung von ihrem Ultimatum nicht nur keinen Abstand genommen hat, sondern ihre früheren Forderungen noch ausdehnt und neue aufstellt und damit die russische öffentliche Meinung zu der Schluf folgerung zwingt, daß Zugeständnisse der einen Seite nur die Ansprüche der anderen steigern. So liegt in der wiederholten Forderung der Abberufung von verantwortlichen Vertretern der Räteregierung eine Einseitigkeit, die dem Prinzip der Gegenseitigkeit völlig widerspricht. Die Räteregievung ist im Besitz von Tatsachen und Dokumenten über die Tätiakeit verantwortlicherenglischer Agenten, die sich an der Organisation von Aufständen in Turkestan und im Kaukasus beteiligt haben. Wenn die britische Regierung diese Tatsachen berücksichtigt hätte, würde sie nicht auf ihren Forderungen bestanden haben. Neu ist die Forderung der Anerkennung der Verpflichtung zur Entschädigung englischer Bürger als Bedingung der Aufrechterhaltung des Handelsabkommens, in das dieser Punkt gar nicht ausgenommen worden ist. Die Räteregierung bestreitet nicht, daß viele englische Bürger infolge der Revolution und des Bürgerkrieges große Verluste erlitten haben. Diese stehen aber in keinem Verhältnis zu den ungeheneren Verlusten, welche die Blockade und die Interventionen der Verbandsmächte Millionen russischer Bürger verursacht haben. Die Räteregierung ist bereit, die britischen Bürger zu entschädigen, aber nur auf der Grundlage voller und wirklicher Gegenseitigkeit. Bezüglich der Abberufnug der russischen Vertreter in Teheran und Kabul glaubt die Räteergierung, daß eine so außerordentliche, wenn auch in der letzten britischen Denkschrift gemilderte, Maßnahme nur nach gemeinsamer und sachlicher Untersuchung der gegenseitigen Beschuldigungen getroffen werde#kann. Zum Schluß erklärt die Räteregierung, daß sie ebenso wie Großbritannien einen Abbruch der Handelsbeziehungen für ein großes Unheil halten würde. Aus diesem Grunde habe sie früher und auch jetzt wichtige Zugeständnisse gemacht. Die Ablehnung der britischen Regierung, mit dem Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten zu einer Konferenz zusammenzutreten, zeigt, daß die Einvernisse für eine Beilegung des Konfliktes nicht auf russischer Seite liegen. Die Räteregierung hofft jedoch, daß die britische Regierung die nötigen Schritte unternehmen wird, um auf Grund der Gleichberechtigung nicht nur die Befestiauna. sondern auch die weitere Entwickelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten zu sichern. Die britische Antwort auf die Rätenote wird, wie aus London gemeldet wird, wahrscheinlich bald übersandt werden. In gut unterrichteten Kreisen Englands nimmt die Ueberzeugung zu, daß die Zusicherungen der Räteregierung sich als befriedierweisen und die gegenwärtigen Gegensätze been##### werden. London. 15. Juni. Lord Curzon hat Krassin die Antwort der englischen Regierung auf die letzte Note der Sowietregierung überreicht. Er stellt darin fest, daß die russische Note fast auf alle englischen Forderungen eingegangen sei und daß der Konflikt als beendet betrachtet werden könne. Lohnforderungen Berliner Eisenbahner. X Berlin, 15. Juni. In den letzten Tagen fanden in Berlin Betriebsversammlungen der Eisenbahnarbeiter statt, worin die sofor##e Auszahlung einer Wirtschaftsbeihilfe Rücktritt des belgischen Kabinekts. Bestürzung in Frankreich. Brüssel, 15. Juni Das belgische Kabinett ist wegen der Flamisierung der Genter Universität zurückgeMan nimmt an, daß jetzt ein g der center........ treten. Man nimmt an, daß jetzt ein Kabinett aus Vlamen und Sozialisten gebildet wird, dessen Tendenz ausgesprochen englandfreundich sein würde. Im Einzelnen wird dazu gemeldet: Man nimmt an, daß Brunet, der Präsident der Kammer, mit der Sorge um die Neubildung des Kabinetts betraut werden wird. Vermutlich werden Theunis und Jaspar dem neuen Ministerium angehören, obgleich der erstere amtsmüde sein soll. Sollte es unmöglich sein, eine Lösung zu erzielen, d. b. eine liberal=klerikale Koalition erneut zusammenzubringen, so werde nichts anderes übrig bleiben. als dus Parlament aufzulösen. Der Präsident der Kammer, Brunet, hat es abgelehnt, die für heute angesetzte Sitzung zu vertagen. Die Kammer wird sich daher programmäßig versammeln, doch ist anzunehmen, daß sie angesichts der Ministerkrise nur ganz kurz tagen wird.— Wie aus London gedrahtet wird, hätte man dort, als man von der Demission des belgischen Kabinetts Kenntnis erhielt, die Befürchtung geäußert, daß der Ausgang der französisch= belgischen Besprechungen dadurch eventuell verzögert werde. Man sei davon überzeugt, daß der Quai d'Orsay von einer definitiven Antwort auf den englischen Fragebogen die Meinung der Brüsseler Regierung einholen werde. Peinliche Aeberraschung in Paris. Paris, 15. Juni. Die Mitteilung von der Demission des belgischen Kabinetts hat in Paris unangenehme Ueberraschung verursacht. Es verlautet dazu: Obwohl in der letzten Zeit durch die hiesige Presse Voransagen in Bezug auf eine Regierungskrise gemacht wurden, konnte sich der Quai d'Orsay eines veinlichen Eindrucks nicht erwehren. In wohlunterrichteten Kreisen hegt man die Befürchtung, daß man aus diesemn Grunde die definitive Antwort auf das englische Memorandum verschieben werde. da Herrn Poincare daran liege, sich mit dem Nachfolger von Theunis zu verständigen und seine Auffassung in der Ruhrpolitik kennen zu lernen. Da die öffentliche Meinung in Belgien überdies mit der scharfen Politik Poincares nicht immer zufrieden war, sei es nicht unmöglich geworden, daß ein entsprechendes belgisches Ministerium eine stärkere Neigung zum Eingehen aufden englischen Standpunkt zeigen werde. Wie weiter berichtet wird, zeigt man sich in den politischen Kreisen, von Paris, die der Regierung nahestehen, im ersten Augenblick über den Rücktritt des belgischen Kabinetts recht bestürzt, zumal man den vorhergehenden Meldungen, die ihn ankündigten, keine besondere Bedeutung beigelegt hatte und er auch bei der letzten Brüsseler Zusammenkunft zwischen Theunis und Poincare als keineswegs wahrscheinlich bezeichnet worden war. Man verhehlt nicht, daß der Rücktritt gerade in diesem Augenblick auf das neutrale Ausland und namentlich auf Deutschland einen für die französische Politik sehr unangenehmen Eindruck machen muß. Andererseits wird mit großer Entschiedenheit betont, daß Poincare gerade jetzt alles daran setzen werde, um seinen Standpunkt namentlich England gegenüber durchzudrücken und jeden Eindruck der Schwäche zu vermeiden. Deutschland, so wird versichert, würde sich schweren Enttäuschungen aussetzen, wenn es etwa hoffen sollte, aus dem Rücktritt Nutzen zu ziehen, denn jede Uneinigkeit der Alliierten könnte ihm nur schaden. Außerdem wird betont, daß, wenn man auch noch nicht wisse, wer Theunis' Nachfolger werde, jedenfalls die neue belgische Regierung unbedingt entschlossen auf Seiten Frankreichs stehen werde, daß also in der Frage der Ruhrbesetzung und der Behandlung des Reparationsproblems sich nicht das Mindeste ändern werde. Der englische Fragebogen. Lord Curzons Erkundigungen in Deutschland. Paris, 15. Juni. Die Pariser Presse fährt fort, sich mit dem engMemorandum, das gestern am Quai lischen d'Orsay den Beratungsgegenstand eines Ministerrates bildete, zu beschäftigen. Verschiedenes sickerte über seinen genauen Inhalt durch: Es enthält nicht nur Anfragen der englischen Regierung betreffs der Ruhrbesetzung, des passiven Widerstandes und der Art, wie die Besetzung sich im Falle der Einstellung des letzteren ausnehmen würde usw., sondern behandelt auch gewisse Seiten des Reparationsproblems überhaupt. Zweimal wünscht die englische Regierun, von Frankreich genaue Aufschlüsse über die Berwendung und Verteilung der Vons A. B und C des Zahlunge##bkommens vom Mai 1921 zu erhalten. Weiter richtet sie an Poincare die Bitte, ihr mitzuteilen, welches die frarzösischen Absichten über den künftigen Aufbau des Zollsystems im Ruhrgebiet seien, ebenso wünscht man Einzelheiten über die Tätigkeit der rheinischen Eisenbahnli= nien zu erhalten. Eine Frage in dem Memoran dum bezieht sich auf das Moratorium, das evtl. Deutschland zugestanden werden müsse. Das englische Kabinett möchte sich vergewissern, ob eine Regelung der Ruhrfrage zunächst von einer endgültigen Lösung des Reparationsvrovlems im allgemeinen begleitet werden könne. Nach einer Depesche aus London verlautet in dortigen unterrichteten Kreisen, daß die englische Regierung weniger in offizieller Form als auf dem Wege des nach Paris gesandten Fragebogens versuchen werde, von der deutschen Regierung einige erganzende Angaben zur deutschen Denkschrift zu eryalten, um festzustellen, welche Konzessionen die deutsche Regierung für die Preisabgabe des passiven Widerstandes, soweit dieser auf amtlichen Maßnahmen beruhe, glaubt fordern zu müssen.„Daily News“ erklärt dazu, wenn in Frankreich die Hoffnung bestände, die englische Regierung könne dazu gebracht werden, Deutschland die bedingungslose Aufgabe des passiven Wioerstandes anzuraten, so würde diese Hoffnung sehr enttauscht werden. In Londoner politischen Kreisen steht man dem auffälligen und plötzlichen Umschwung der französischen Presse vom tiefsten Pessimismus bis zum höchsten Optimismus über die Aussichten einer Verständigung in der Reparationsfrage zwischen Paris und London vorwiegend skeptisch gegenüber. Man überschätze in Paris die englische Nachgiebigkeit. Curzon sei entschlossen, mit großer Geduld sein Ziel fortzusetzen, bis er eine brauchbare Antwort erhalten haben werde. * Paris, 15. Juni. Den Blättern zufolge hat Poincare bereits einen Entwurf für die Antwort auf Curzons Fragebogen fertig gestellt und nach Brüssel gesandt, damit die belgische Regierung ihre Antwort auf den aleichen Linien abfassen könne.„Echo de Paris“ gibt bereits eine ziemlich genaue Inhaltsangabe des Poincareschen Entwurfes. Poincare beginnt die Verhandlungen mit London wieder nach dem System von Ueberforderungen und Maximalforderungen. Gegen die Geschlechtskrankheiten. Das Gesetz zu ihrer Bekämpfung Von Dr. Felix Zernik, Charlottenburg. Der Reichstag beschäftigte sich in den letzten Tagen mit einem Gesetzentwurf, dessen Wichtigkeit nicht gut überschätz: werden kann. Es handelt sich um ein Gesetz,# das bestimmt ist, auf dem Wege der Volkshygiene neue## Bahnen zu beschreiten, und zwar gilt es, die Geschlechtskrankheiten, die als Volksseuche an dem Mark unseres Staates zehren, auf energische Weise zu bekämpfen. Die Geschichte dieses Entwurfes reicht zurück bis zum Februar 1918. Es wurde dem damaligen Reichstag zum ersten Male ein setzentwurf vorgelegt, der aber infolge der politischer eignisse nicht zur Verabschiedung gelangte. In 1, agen des Umsturzes erließ die Regierung eine Vei, ung, welche die wesentlichen Bestimmungen des Entl es übernommen hatte. Diese Verordnung soll nun durch den dem We ch####e vorliegenden Entwurf, dessen Beratung non nicht zu Ende geführt ist, in wesentlichen Punkten ganzt werden. Nach einer Definition der Geschlechtskrankheiten, unter denen Syphilis, Tripper und Schanker verstanden werden, geht das Gesetz dazu über, jeden deutschen Bürger zu verpflichten, falls er mit einer dieser Krankheiten behaftet ist, sich unverzüglich der ärztlichen Behandlung zu unterziehen. Geschieht dies nicht freiwillig, so sieht der Gesetzgeber durchgreifende Zwangsmaßnahmen vor, die soweit gehen, daß der Erkrankte zwangsweise in ein Krankenhaus zur Durchführung eines Heilverfahrens gebracht werden kann. Es ist zur Verwirklichung dieser Maßnahmen die Anwendung nunmittelbaren Zwanges zulässig. Um einen möglichst itgehenden Schutz vor Uebertragung von Geschlechtstra##eiten zu gewähren, stellt ner Gesetzgeber nicht nur, od bisher, die vollzogene Infektion unter Strafe — was 1. sher juristisch als Körperverletzung aufgefaßt wurde—, sandern es wird schon der vollzogene Beian sich uter der Voraussetzung, daß dem Täter von 300000 Mark und Erhöhung der Gehälter und Löhne um mindestens 100 bis 150 Prozent sowie Zurücknahme der Massenentlassungen verlangt wurden. In der Entschließung, die ferner die Festsetzung von wertbeständigen Bezügen verlangt, heißt es, daß nur durch Zahlung der verlangten Wirtschaftsbeihilfe noch diese Woche angesichts der verzweifelten Notlage der Arbeitnehmer ein allgemeiner Streik vermieden werden kann. Die Entschließung wurde der Reichsbahndirektion und dem Reichsverkehrsministerium übermittelt.— Auch die Berliner städtischen Arbeiter drohen mit einem Streik für den Fall, daß ihren Lohnforderungen nicht stattgegeben wird. Täglich mehr als 100 Milliarden Banknoten. Berlin, 15. Juni. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. Juni hat sich die Beanspruchung des Instituts in der ersten Juniwoche in beträchtlichem Umfange fortgesetzt. Das Wechselportefeuille der Bank stieg um 604 auf 4619 Milliarden Mark. Der Bestand an Schatzanweisungen vermehrte sich um 426 auf 8440 Milliarden Mark. Der Goldbestand im In= und Auslande weist leine großen Veränderungen auf. Der Banknotenumlauf stieg weiter um 745 Milliarden auf 9309 Milliarden Mark. Polnische Dienstpflicht für Oberschlesien. Kattowitz. 15. Juni. In der heutigen Sitzung des Kattowitzer Seim wurde vom Vertreter des Konfantyblocks ein Antrag gestellt, daß der oberschlesische Woywode bei der Warchauer Regierung dahin vorstellig werden möge, daß die allgemeine Militärdienstpflicht auch auf Oberschlesien ausgedehnt werde. Der rolnische sozialdemokratische Abgeordnete Bienicz=Kiewicz wandte sich gegen diesen Antrag mit der Beründung, daß gerade während der Abstimmungszeit der Korfantyblock dafür eingetreten sei, daß für Ost=Ober= schlesien eine achtjährige Dienstpflichtenthaltung durchgedrückt werden solle. Trotzdem wurde der Antrag des Korfantyblocks durch diesen und die Nationale Arbeiterpartei angenommen. seine Krankheit'####kannt sein musteptunter Strafe gestellt; ebenso wird derjenige, welcher, obaleich ihm die Tatsache seiner Erkrankung bekannt sein mußte, eine Ehe eingeht, ohne dem anderen Teil von dre Ekkrantung Mitteilung zu machen, mit Gefängnis bestraft. Diese Gesetzesmaßnahmen bedeuten einen au ordentlichen Eingriff in die persönliche Freiheit; Einzelnen. Doch wird sich dies, wenn man überti. durchgreifende Maßnahmen auf diesem Gebiet ins Auge fassen will, kaum umgehen lassen. Eine gewisse Milderung hat man dadurch geschaffen, daß bei Vorkommen des Delikts zwischen Verlobten und Ehegatten die Strafverfolgung nur auf Antrag eintritt. Immerhin haftei auch dieser Maßnahme etwas Bedenkliches an, da es nicht von der Hand zu weisen ist, daß durch das Bestehen einer Strafandrohung der Erpressung Tür und Tor geöffnet werden. Sehr wichtig erscheint § 6 des Gesetzentwurfes, nach dem versucht wird, dem Kurpfuschertum energischer als bisher zu Leibe zu gehen. Nicht ärztlichen Personen soll es streng verboten sein, Geschlechtskrankheiten zu behandeln. Die§§ 8 und 9 besprechen die Anzeigepflicht, die dem einen Geschlechtskranken behandelnden Arzt obliegt. Dieser hat einen jeden ihm durch Behandlung bekannt werdenden Fall von Geschlechtskrankheit, der sich seiner weiteren Behandlung oder Beobachtung eurzieht, einer sogenannten„Beratungsstelle" bekannt zu geben. Die Beratungsstelle hat die weiteren Anweisungen zu erteilen und, falls der Kranke ihnen nicht nachkommt, der Gesundheitsbehörde Anzeige zu erstatten. Die Beamten oder Angestellten aller dieser Behörden werden unter Androhung strenger Strafen in einem weiteren Paragraphen zur unbedingten Geheimhaltung der ihnen dienstlich bekannt gewordenen Tatsachen gezwungen. Die letzten Gesetzesmaßnahmen bilden ein entscheidendes Moment auf dem neuen Wege, der hier beschritten werden soll, da in dieser Hinsicht ein uns bisher vollkommen unbekanntes System von Reglementierungsmaßnahmen eingeführt werden soll. das sich auf sämtliche Staatsbürger ohne Unterschied des Intellekts oder ihrer moralischen und ethischen Qualitäten erstrecken soll. Es ist nicht abzusehen, ob bei der Einführung diees Systems mehr Schaden oder Nutzen gestiftet wird, da es sehr wohl denkbar ist, daß beim Inkrafttreten derartiger Gesetze ein großer Teil der Bevölkerung sich wird abschrecken lassen, einer ordnungsgemäßer.#lichen Behandlung sich anzuvertrauen, um nicht später einem Zwange zu unterliegen, der das ethische und moralische Feingefühl eines halbwegs Empfindlichen unter Umständen aufs schwerste verleten kann. Ee kann so die ungewollte Wirkung hervorgerufen werden daß viele Erkrankte sich entweder überhaupt nicht in Behandlung geben und ihre Heilung dem Zufall überlassen, oder sich Personen anvertrauen, bei denen sie vor der Anzeige sicher sind.— Die folgenden Paragraphen besassen sich mit dem Schutze der stillenden Amme sowie des dieser anvertrauten Kindes gegen Ansteckung. Dieser Schutz soll erreicht werden einerseits durch ordnungsgemäße Untersuchung der Amme vor der Uebernahme des Stillgeschäftes, andererseite durch Anhalten der Eliern oder Pflegeeltern eineKindes, nur gesunde Kinder von der Amme erna## zu lassen Der Münchener Hochverrats=Prozeß. Die Vernehmung der Belastungszeugen. sehr es begrüßenswert ist, daß die staatliche Fürsorge zum Schutze gegen Geschlechtskrankheiten in ausgedehntem Maße in Anwendung gesetzt werden soll, so ist es doch angebracht, sich über die nützliche Auswirkung der in Frage kommenden Gesetzesmaßnahmen nicht zu großen Illusionen hinzugeben. Das Gebiet, mit dem diese Verordnungen sich befassen, ist derart das innerste Seelenleben des Menschen berührend und von seinen Leidenschaften und Trieben erfüllt, daß einem jeden Praktiker Bedenken aufsteigen müssen, ob hier mit Zwangsmaßnahmen ein wesentlicher Fortschritt zu erzielen sein wird. Nach der Erfolglosigkeit der bisher bestehenden Verhütungsmaßnahmen muß man aber auch im Falle einer sleptischen Einstellung zugestehen, daß der Versuch gestattet ist, nunmehr auch mit rigorosen Maßregeln gegen die Allgemeinheit es zu versuchen. Doch werden die Gesetzgeber sich außerridentlich klar zum Bewußtsein führen müssen, daß durch nicht vorhergesehene Wirkungen großer Schaden bei derart unerprobten Maßnahmen sich ergeben kann. Jedenfalls wird der Kern des Problems: sittliche Erstarkung der Jugend. Bildung auf ethischem und geistigem Gebiet und Darreichung eines inneren Haltes. die noch immer der beste Schutz gegen die Verführung und ihre Schäden waren, nicht berührt. Politische Uebersicht. 1. Der Verein deutscher Zeitungsverleger und der Ruhrkampf. Bei der Begrüßung der gestern in Breslau zusammengetretenen Hauptversammlung des Vereins deutscher Zeitungsverleger ging Oberbürgermeister Dr. Wagner auf die Bedeutung Breslaus als Vorvosten Deutschlands im Osten ein und betonte, daß auch dor: bedrohtes Land sei. Es gelte, nicht zu verzweifeln und Amutlos zu werden. Professor Wolff=Dresden knüpfte #an den festen Entschluß der Vertreter aller Parteien und aller Schichten der Ruhrbevölkerung an, im passiven Widerstand zu verharren und gedachte der ernsten Pflichten des Hinterlandes, ebenso fest auszuhalten, wie unsere Brüder Westen. München, 15. Juni. Im Fortgang der Verhandlung des Hochverratsprozesses gegen Fuchs usw. suchte der Verteidiger des Lngeklagten#uchs, Rechtsanwalt Pestalozza, abermels die Glaubwürdigkeit wenigstens von vier Zeugen zu entkräf en, indem er sie nicht nur als Angeber, sondern aue als Anstifter und Mittäter bezeichnete. Die Beweisanträge wurden aber vom Gericht abgelehnt. Es folgt die Vernehmung eines der wichtigsten Belastungszeugen, des 84jährigen Kapitänleutnants a. D. Kautter, der gegenwärtig an der Münsterschen Universit Rechtswissenschaft studiert.„Es herrschte“, sagte KKaut als Machhaus und Ruchs an mich herantraten, eine allgemeine Unrube bei dem Freikorps. Der damalige Polizeipräsident Pöhner wollte aber an die vorgebrachten Verdachtsgründe nicht glauben und meinte, daß höchstens von französischer Seite aus beunruhigende Nachrichten verbreitet würden. Machhaus legte mir dar. nur durch eine nationale Diktatur könne uns geholfen werden. Bayern werde von Frankreich unterstützt werden, wo eine Gruppe unter Briand dem Chauvinismus Poincares ablehnend gegenüberstehe. Ich wurde von Machbaus irrtümlicherweise als der Führer von Resten der Marinebrigade angesehen. Als Machhaus fragte, wie deren Zusammenziehung möglich sei, erwiderte ich, daß dazu aroße Geldmittel, mindestens 86 bis 88 Millionen, erforderlich sein würden. Diese Geldmittel, wandte Machhaus sofort ein, seien reichlich vorhanden. Als ich fragte, wer denn zur militärischen Leitung des Unternehmens ausersehen sei, wurde ich mit Major a. D. Meyer bekannt gemacht, der mir aber alsbald im Vertrauen mitteilte, daß er genau dieselben Ziele wie ich verfolge. Fuchs wagte es, die glatte Unwahrheit zu behaupten, daß Polizeipräsident Pöhner der eigentliche Leiter des Unternehmens sei und alle Einzelheiten kenne. Der in Aussicht genommene Regentschaftsrat sollte einige zugkräftige bayerische Namen, wie zum Beispiel Kahr, Pöhner und Epp umfassen, lauter Leute. die man gewaltsam zur Mitbewegung zwingen wollte. Machhaus erwähnde, daß er bereits eine List derjenigen Persönlichkeiten habe, die zu beseitigen sein würden. Bei allen diesen Punkten hieß es. Frankreich werde dieses oder jenes erlauben oder auch nicht erlauben. Auch war von 50 Tanks und 2 Panzerzügen die Rede, die Frankreich zur Verfügung stellen werde. Nach der Besetzung des Ruhrgebiets wurde des Machhaus Drängen, daß die beabsichtigte Aktion ba stattfinden müsse, immer stärker.— Die wichtigsten: lastungszeugen außer Kautter sind Major a.—. Mayer, Leutnant a. D. Friedman und Regierungsbaumeister a. D. Schäfer. Die eingehende Aus frage des letzteren brachte nichts wesentlich Neues und bestätigte bloß, was von den anderen Zeugen bereits ausgesagt worden war. Im Oktober 1922 wurde Schäfer, der Vorsitzender des damals„Treu Oberland" heißenden Blücherbundes war. durch em Telegramm des Hauptmanns Brendel aus Darmstadt nach München gerufen. weil auf Veranlassung des Machhaus so etwas wie eine Mobilmachung der vaterländischen Verbände, und zwar zu einer Aktion gegen den Bolschewismus, bevorstehe. Auf Grund von Besprechungen mit dem Polizeipräsidenten Pöhner und General v. Epp lam aber schon bald die Anschauung zum Durchbruch, daß die vaterländischen Vereine für Abenteuer nicht da seien. Eingebend wird auf Veranlassung des Verteidigers Pestalosza erörtert, wie Schäfer, Maye usw. anfänglich über ihre gegenseitige Stellung im untlaren waren und allmählich herausfanden, daß sie den gleichen Zweck der Aufdeckung unlauterer Machenschaften verfolgten. Aus der Vernehmung des Kapitänleutnants a. D. Kautter ist noch nachzutragen, daß dieser Zeuge bekundete, er habe sowohl von Machhaus selbst wie auch mittelbar durch Berger und Friedmann etwa 26 Millionen Mark erhalten. Selbstverständlich habe er davon keinen Pfennig für sich selbst verwandt; er habe vielmehr das Geld für nationale Zwecke an einen Treuhänder abgeliefert; es sei dann anders verwandt worden als es beabsichtigt war, nämlich gegen die Franzosen. + Ermäßigungssätze für die Lohnsteuer. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat beantragt, daß die Ermäßigungssätze für die Lohnsteuer ab 1. Juli um das Fünffache erhöht werden. Danach werden für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau je 6000 Mark im Monat, für jedes Kind je 40000 Mark. zur Abgeltung für Werbungskosten 50000 Mark von der Steuer abzuzieben sein + Das Landessteuergesetz verabschiedet. Der Steuerausschuß des Reichstages verabschiedete das Landessteuergesetz. Die Warenumsatzsteuer bleibt in der bisherigen Höhe von 2 Prozent bestehen. Die Beteiligung der Gemeinden wurde von 5 auf 15 Prozent erhöht. Die Länder erhalten 10 Prozent. Die Viehsteuer ist aus dem Entwurf gestrichen. Neue Steuern dürfen auf landwirtschaftliche Betriebsmittel nicht gelegt werden. Die neuen Zuschüsse für die Gehälter der Beamten in Ländern und Gemeinden treten mit Rückwirkung vom 1. Oktober 1922 in Kraft. + Ueber die Aufdeckung des Reichswehrblocks in Magdeburg sind in einem Teil der Presse Veröffentlichungen erfolgt, die große Uebertreibungen darstellen Die bisherigen Untersuchungen hatten, wie aus Berlin# berichtet wird. folgendes Ergebnis: Roßbach ist kurz vor der Verhaftung in Magdeburg gewesen und hat dor: versucht, mit Reichswehrangehörigen in Verbindung zu treten. Er ist dabei mit dem Kraftfahrerr Riehl, einem jungen, unreisen Menschen, in Bet###ehungen getreten und hat i. Ihm zusammen die Staruten eines sogenanntenBie#cheehrblock:„Rossbach“ aufgestellt Riehl ter 811 rben. nnen die n versuch für diesen Weichswehrblock wei Die Ergenisse seincter Bemübungen scheäußerst gering geutten zu sein. Das ergibt daraus, daß die oberste Leitung dieses Reichswehrblocks in den Händen des unerfahrenen Riehl blieb. Auch haben sich bisher keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß die Organisation über Magdeburg hinaus traend welche Anhänger gefunden hat. Jum Streik in Oberschlesien. Gleiwitz, 15. Juni. In verschiedenen Betrieben haben heute Versammlungen stattgefunden, in denen die Mehrzahl der Anwesenden für die Wiederaufnahme der Arbeit stimmten. Der chinesische Präsident gesangen genommen. Tientsin. 15. Juni. General Wang-Chen=Ping ließ den Präsidenten Li=Yuan=Hung in der Zivilkommandantur der Stadt durch seine Truppen umzingeln und ersuchte ihn, die Reichssiegel herzugeben. Der Präsident antwortete, er wisse nicht, wo die Reichssiegel sich befinden. Da diese Antwort nicht befriedigte, wurde der Präsident zum Gefangenen gemacht. In Peking soll trotz der Abwesenheit des Präsidenten und des Ministeriums alles ruhig sein. Einige Minister des alten Kabinetts unter Führung des Ministers des Innern führen die Staatsgeschäfte weiter. Weniseles drohl mit Sonderfrieden. WTB. Lausanne, 16. Juni. Es bestätigt sich, daß die Griechen auf die Alliierten einen Druck zur schnelleren Beendigung der Verhandlungen auszuüben suchen. Veniselos sprach, wie man aus alliierter Quelle erfährt, in einer an die Alliierten gerichteten Note von neuem den Wunsch nach einem schuellen Friedensschluß aus und erklärte, daß Griechenland sich bei einer weiteren Verschleppung der Verhandlungen genötigt sehen würde, direkte Sonderabmachungen mit der Türkei zu treffen, um das Land politisch und militärisch zu sichern. Auf diese verschleierte Ankündigung eines Separatfriedens antworteten die Alliierten, daß sie einen solchen nicht für zweckmäßig halten könnten. Im übrigen seien griechisch= fürkische Sonderabmachungen überflüssig, da eine Vertagung der Konferenz nicht beabsichtigt und ein baldiger Abschluß eines allgemeinen Friedens zu erwarten sei. Sanktionen im Brückenkopfe Kehl. WTB Offenburg. 15. Juni. Nachts wurde ein Schienenstrang im Bahnhof Windschlag von Unbekannten gesprengt. Die Detonation wurde bis Offenburg gehört. Der Bürgermeister Immenschuh von Windschlag wurde von den Franzosen verhattet und nach Kehl abgeführt, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. In eienm von der französischen Besatzungsbebörde bekanntgegebenen Besehl ordnete der Kommandant des Brückenkopfes Kehl aus Anlaß dieser Sprengung folgende Sanktionen an: 1. Die Bürgermeister der Gemeinden Windschlag und Ebersweiler werden verhaftet. 2. Die durch die Sprengung an der Bahn entstandenen Schäden werden auf Kosten der Gemeinde Windschlag durch die Bewohner dieses Ortes selbst ausgebessert. 8. Eine Geldstrafe von 10 Millionen Mark wird der Gemeinde Windschlag und eine Geldstrafe von 5 Millionen der Gemeinde Ebersweiler auferlegt. 4. Bis auf weiteres, mindestens b's zur Bezahlung der Geldstrafen und bis zur Wiedergutmachung des Schadens darf kein Einwohner der Gemeinden Windschlag und Ebersweiler von 7 Uhr abends bis 6 Uhr morgens die Wohnung verlassen, ferner wird während dieser Zeit der Verkehr sämtlicher Beförderungsmittel auf der Strecke Anpenweiler=Offenburg verboten. Erhöhung der Kriegsbeschädigten-Renten. Annahme der Vorlage im Reichstage. * Berlin, 16. Juni. Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung stand die zweite Beratung der Vorlage zur Aenderung des Reichsversorgungsgesetzes, des Altrentnergesetzes, des Kriegs=Personenschädengesetzes. Diese Gesetze sollen der Geldentwertung angepaß: werden. Arbeitsminister Dr. Brauns erklärt: Der Grundgedanke der Vorlage ist, besonders Hilfe zu gewähren den Schwerbeschädigten, den kinderreichen Familien und den Hinterbliebenen. Der Schwerbeschädigten soll eine Frauenzulage neben der Zusatzrente gewährt werden. Die Teuerungszulagen sollen in Zukunft denen der Beamten angepaßt werden. Neben den Beamtengrundgehältern sollen auch die Renten vorwiegend neu geregelt werden. Die Kürzungsvorschriften werden in der Novelle gestrichen, da sie mit der Besoldungsordnung zusammen neu geregelt sind. Danach tritt eine Rentenkürzung nur ein, wenn ein bestimmtes Arbeitseinkommen aus staatlichen Mitteln vorliegt Die Verordnung soll im allgemeinen den Beamtenbezügen angepaßt werden. Vor dem Kriege erhielt ein Kriegsrentner etwa 66 Prozent des untersten Beamtengehaltes, heute 93 Prozent, die Hinterbliebenen 130 und der Anstaltsbedürftige 155 Prozent. Der Jahresauswand wird nach den neuen Sätzen 1400 Milliarden betragen unter Zugrundelegung der Teuerungszulagen, die heute für die Beamten gelten, rund drei Billiarden. In der Aussprache traten alle Redner warm für die Kriegsbeschädigten ein. Verschiedene bedauerten, daß der Sparausschuß eine Grenze nach oben gezogen habe und brachten eine Reihe von Wünschen vor, u. a. die Notlage der im Auslande befindlichen deutschen Kriegsbeschädigten zu lindern. Unter Ablehnung der kommunistischen Anträge wurden die Ausschußbeschlüsse im wesentlichen aufrecht erhalten. Die Abfindungssumme für die 20prozentigen Kriegsbeschädigten wird nach dem Antrage Ziegler(Dem.] von 180000 auf 000000 Mark erhöht. Die Vorlage wird darauf in zweiter und dritter Lesung gegen die Kommunisten angenommen. Angenommen wird auch die Ausschußentschließung, die Notlage der im Auslande lebenden Kriegsbeschädigten zu lindern. Eine Denkschrift über das Hohenzollernvermögen. Aus der gestrigen Landtagssitzung. Der preußische Landtag nahm gestern am Schluß der zweiten Beratung des Haushalts des Finanzministe= riums einen Antrag des Hauptausschusses, auf Verstärkung des Einflusses des preußischen Finanzministers an der Gestaltung der Einnahmen und Ausgaben in der gesamten Staatsverwaltung an. Mit 149 gegen 188 Stimmen wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Vorlegung einer Denkschrift mit genauen Mitetilungen über das Ergebnis der Nachprüfung der Eigentumsverhältnisse am Hohenzollernvermögen wurde angenommen. Auch ein Teil des eIntrums stimmte für den Antrag.— Der Haushalt der Staatsschuldenverwaltung wurde nach kurzer Aussprache angenommen. — Mit der Beratung des Haushalts des Landtages wurde der kommunistische Antrag auf Absetzung des Präsidenten Leinert verbunden. Abg. Pieck(Komm forderte die Absetzung des Präsidenten Leinert. Leinert habe die verfassungsmäßigen Rechte der Kommunisten mißachter und illusorisch gemacht; andererseithabe er es nicht für nötig gehalten, gegen die Urbeber der Schlägerei vom 4. Mai disziplinarisch einzuschreiten. Abg. Breeour(Soz.] trat dem kommunistihen Antrage entgegen. Nach weiterer kurzer Aussprache und unter Ablehnung sämtlicher kommunistischen Anträge, auch derjenigen auf Absetzung des Präsidenten Leinert, wurde der Haushalt des Landtages in zweiter Lesung angenommen. Theuuis mit der Kabineltsbildung beauftragl. Paris, 16. Juni. Wie„Echo de Paris“ aus Brüssel meldet, hat der Monia Theunis beauftragt, die Neubildung des Kabinetts zu übernehmen. Englands Haltung bleibt ungeäinderl. London, 16. Juni. Das Unterhausmitglied Charles Buxton fragte den Premierminister, ob er wisse, daß ein großer Teil der öffentlichen Meinung in England gegen jede Erklärung der englischen Regierung sein würde, die eine Billigung der französisch=belgischen Besetzung des Rubrgebiets bedeulen würde, ob irgendeine derartige Erklärung beabsichtigt sei und wenn ja, ob das Unterhaus Gelegenheit erhalten würde, die Frage zu erörtern, bevor eine solm Erklärung erfolge. Baldwin erwiderte, daß die Ansicht der Regierung bezüglich der französischbelgischen Besetzung des Ruhrgebietes unverandert bleibe. Es sei nicht beabsichtigt, irgendeine Erklärung in dem in dieser Frage angedeuteten Sinne zu gben. Kleine politische Nachrichten. Wie aus München gemeldet wird, ist dort nach kurzer Krankheit der Generalleutnant und langjährige Generaladjutant Wilhelms II., Oskar v. Chelius, im Alter von 64 Jahren gestorebn. * Höllein wurde, einer Pariser Meldung zufolge, auf eine Verordnung des französischen Innenministers aus Frankreich ausgewiesen und ist inzwischen wahrscheinlich schon an die Grenze gebracht worden. In Washingtoner Regierungskreisen herrscht Unbebagen, da nach vertraulichen Informationen eine japanische Aktion in China bevorstehen soll. * Nach Warschauer Nachrichten wurde General Szeptycki zum polnischen Kriegsminister ernannt. Lloyd George wird am nächsten Donnerstag in Orford zu einer Entschließung sprechen, worin der Versailler Vertrag angefochten wird: im Herbst will Lloyd George eine Reise nach den Vereinigten Staaten und Kanada unternehmen und in verschiedenen Städten Reden halten. Unter der Fremdherrschaft. Die Aufklärung über Dortmund. Untersuchung von deutscher Seite. Nach einer Meldung aus Dortmund ergab die Untersuchung von deutscher Seite über die Erschießung der beiden französischen Feldwebel folgendes: Am Sonnabend abend trafen die beiden Franzosen mit dem früheren Oberwachtmeicher Bolduan zusammen. Dieser war schon vorher verschiedentlich mit Franzosen in Konflikt geraten. Der Grund hierfür soll seine Frau sein, eine übel beleumdete Person, mit der er in Scheidung liegt, und die mit einem der beiden Kranzosen in Verkehr gestanden haben soll. Am betreffenden Abend soll Bolduan angerempelt und vom Bürgersteig gestoßen worden sein. Nach heftigem Wortwechsel schoß Bolduan, nachdem die Franzosen die Schußwaffen auf ihn gerichtet hatten, auf beide. Am Montag wurde er von den Franzosen, die ihn verfolgten, auf der Flucht erschossen. Dieser Tatbestand stützt sich auf Aussagen der Frau Bolduans und eines Gastwirts, welchem Bolduan die gleichen Angaben über die Vorgänge in der Sonnabendnacht gemacht hatte. Es steht also fest, daß es sich um die Austragung einer rein persönlichen Angelegenheit und nicht etwaum einen nationalistischen Anschlag handelt. Das sei besonders hervorgehoben. Ueber die näheren Umstände bei der Erschießung des früheren Schupo=Oberwachtmeisters Bolduan erfahren wir: Am Montag abend gegen 7 Uhr wurde die am äußersten Ende der Hohenstraße gelegene Wohnung Bolduans von einem größeren Truppenaufgebot umstellt. Einige Soldaten fragten in der Wohnung nach Bolduan. Es wurde ihnen gesagt, er sei in der nebenan liegenden Wirtschaft„Zur Steinernen Brücke". Als die Soldaten die Wirtschaft betraten, stand der Gesuchte an der Theke, ohne daß ihn die Franzosen erkannten. Er entfernte sich annächst unauffällig über die plötzlich hastig nach links in die En jetzt wurden die Kranzosen auf ihn ten ihm von verschiedenen Richtung Bolduan kam noch bis in die N Brauhauses und brach dann, von troffen, im Felde tot zusammen. Besetzung von„Shamrock 1=2“. Am Donnerstag morgen wurde die Zeche„hamrock 1=2“ in Herne besetzt, nachdem am Mittwoch bereits die Verwaltung die Aufforderung erhalten hatte. die Kohlensteuer zu zahlen. Der Direktor der kasn nischen Abteilung. Mittelmann, der Versandmeister Bohnenkamp und Assessor Morsbach wurden in ihrer Privatwohnung verhaftet. Die Wohnung vom Oberbergrat v. Velsen und des Betriebsdirektors Partsch wurden durchsucht. Direktions- und Verwaltungsgebäude sind besetzt. Die Beamtenschaft trat in einen 24stündigen Proteststreik ein. Verschiedenes. In Lünen ist der Belagerungszunand einschließlich der Verkehrssperre seit gestern avend wieder aufgehoben.— Die in Gelsenkirchen verhafteten Kaufleute Anton und Josef Witkov wurden noch abends aus der französischen Haft in Recklinghausen entlassen, da sich herausstellte, daß die Verhaftung irrtümlich erfolgt war.— Auch eine Reihe der auf dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof beschäftigt gewesenen Eisenbahner hat den Ausweisungsbefehl erhalten.— In Wanne wurden binnen vier Tagen 80 Eisenbahner, in Essen und Mülheim 87 Eisenbahnerfamilienangehörige ausgewiesen. In Bergeborbeck wurde das ganze Stationspersonal bis auf zwei Beamte ausgewieser Die Goldsparmark-Konten Der preußische Minister des Innern hat eine Verfügung erlassen, die einen offenbar unverstandenen Punkt des Erlasses vom 4. 4. d. J. über die Goldsparmark=Konten wie folgt klargestellt: Es ist keinerlei Bestimmung getroffen, daß der Sparer verpflichtet sein sell, das Päpiermark=Konto in der ursprünglich eingezahlten Höhe zu halten; bestimmt ist vielmehr nur, daß bei jeder auf Goldsparmark=Konto erfolgenden Einzahlung ven Papiermark ein dieser Summe mindestens gleichkommender Betraa bereits auf dem Papiermarkkonto des Sparers verbucht sei oder, soweit ein solcher Bestand nicht vorhanden ist, eingezahlt werden muß. Hieraus erhellt, daß eine Einzahlung bezw. Verbuchung auf Goldsparmark=Konto in der Regel in dem Umfange zurückzuweisen ist, als nicht ein mindestens gleich hoher Wertbetrag auf dem Papiermarkkonto des Sparers vorbanden ist. B routet sollte lediglich werden, daß durch Abhebung von Spareinlagen behufs demnächstiger Anlegung aus Goldsparmarkkonto die Liquidität der Sparkassen gefährdet wird, weil ihre in Papiermark angelegten Aktiva durch entsprechende Passiva nicht mehr gedeckt werden. Demselben Zweck dient die in gleicher Richtung sich bewegende Vorschrift, daß die Sparkasse ganz allgenein berechtigi ist, die Annahme von GoldsparmarkEinlagen abzulehnen. Irgendein Eingriff in dieallgemeine Freiheit des Sparkassenverkehrs ist nicht beabsichtigt; auf der anderen Seite durften keinerlei Bestimmungen getroffen werden, die den neu zugelassenen Goldsparmarkverkehr zum Teil abgeschnürt hätten. Dies wäre der Fall, wenn grundsätzleth eine dauernde Aequivalenz von Papiermark= und Goldsvarmarkkonto gefordert würde. Ob und in welchem Grade eine solche Aequivalenz nach den Verhältnissen der einzelnen Sparkasse erforderlich erscheint, ist lediglich in das Ermessen der Sparkassenverwaltung gestellt, Landstraße und bog scherwiesen ab. Pist „ 1* Neues aus aller Welt. tt Ein sächsisches Polizeihistörchen. Aus Dresden wird geschrieben: Ein Tüchtiger schafft sich freie Bahn und stiehlt einen Motor. Er wird erwischt und der Motor in amliche Obhut genommen. Was den Täter anlangt, so wird erklärk:„Mir sein überfüllt, der muß warten, bis er dran kommt.“ Der also Zurückgewiesene machte von seiner Freiheit wirksamen Gebrauch und stabl in der nächsten Nacht den Motor noch einmal, diesmal aus dem amtlichen Gewahrsam, floh über die Grenze und ließ seinerseits die Behört warten Aus bester Quelle berichtet. Dresden, Juni 1923, unter der kommunistischen Herrschaft. tt Hilfsexpedition für Amundsen. Der Kohlene dampfer„Flint“ mit der Unterstützungsexpedition für Amundsens Nordvolflug und das Marineflugzeug„Fram" trafen in Spitzbergen ein. Die Flugzenge liegen jetzt längsseits der„Flint". Es werden die nötigen Vorbereitungen zum Fluge gegen Norden getroffen. Der Dampfer wird die Flugzeuge nötigenfalls nach der Kingsbay bringen und von dort möglicherweise nach der Däneninsel. wo eine Basis eingerichtet werden soll.“ tt Hohe Bestrafung eines Schiebers. Zu einer Geldstrafe von 27 Millionen Mark und 10 Monaten Gefängnis verurteilte die Osnabrücker Strafkammer, den aus Osnabrück gebürtigen, jetz in Holland ansässigen Samenhändler Terfort wegen verbotener Ausfuhr von Wasch= und Nähmaschinen, Fahrradersatzteilen usw. nach Holland, sowie wegen Beamtenbestechung. Der Zollassistent Dittmann erhielt wegen Bestechlichkeit und Beihilfe eine Geldstrafe von einer halben Million Mark und 8 Monate Gefängnis. tt Der Tod im Brunnenschacht. In Pöhl bei Plauen i. V. trug sich ein erschütternder Unglücksfall zu. Um den in einen Ziehbrunnen geratenen Hausbahn herauszuholen, stieg der Landwirt Lautenschläger in den Brunnenschacht und seilte sich zur Vorsicht an. Seine 29jährige, jungverheiratete Tochter hielt das Seil. Durch eine zerbrochene Sprosse der Leiter rutschte Lautenschläger ab und riß seine Tochter in den Schacht, die auf einen Querbalken aufschlug und in die Tiefe stürzte, wo sie ertrank. Der Vater mußte, ohnmächtig an Hilfe, zusehen, wie seine eigene Tochter hilflos ertrank. Er wurde dann von Nachbarn aus seiner fürchterlichen Lage befreit. tt Blinde Passagiere. Auf dem einem amerikanischen Hafen eingetr Santa Theresa sind von neun bli gieren, die sich in den Koblenbunker ten, fünf erntickt. Die übrigen Einwanderungsbehörde übergeben, zwe ernstlich erkrankt. aus Havana in offenen Dampfer nden Palsan verborge aatvier wurden der i von ihnen sind nofe von Philadelvhia ist am Montag morgen durch eine Feuersbrunst zerstört worden. 80 Züge, die Bahnhof befanden, wurden ebenfalls ein aub der Flammen. Menschenopfer sind nicht zu beklagen. Der Schaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. tt Raubzug in einem pommerschen Schloß. Auf Schloß Rauden, Kreis Belgrad(Pommern), Besitzer Frau Elisabeth v. Wolden, fielen Einbrechern fast samtliches Silberzeug, Herren- und Damenmäntel und Waffen in die Hände. Zwei der Täter urden in Neustettin beim Versuch, Münzen und Siler zu. verkaufen, verhaftet. * * Zweites Blatt 6 Nr. 139 Sodinger Zeitung Herner Zeitung Gerther Zeitung Samstag, den 16. Juni 1923 Die heutige Ausaabe umfaßt mit Jubiläums=Ausgabe 100 Seiten. Aus Stadt und Land Herne, den 16. Juni 1923. Unsere Gedenkausgabe , Ein Geleitwort von Dr. Rudolph Koop. Man hat die Zeitung den Sekundenzeiger der Gechichte genannt. Restlos mit dem Schlage der Uhr fortleidend meldet sie die Ereignisse des Tages. Sie lebt der Gegenwart, und was über die unmittelbare Begxündung des Tagesereignisses hinausgeht oder sicht als nächste Folge mit ihm verknüpft ist, das liegt schon außerhalb des Rahmens der Zeitung. Tiefschürsende Erklärung des Geschehnisses, die durch die Jahrhunderte zurückwühlt, die letzte Schlüsse, allgemeingültige Gesetze daraus ableitet, gehört auf das Katheder des Geschichtsprofessors Zwar öffnet die Zeitung auch seinen gelehrten Taregungen gern ihre Spalten, aber sie bleiben doch Beigabe, und auch der wissenschaftlich wertvollste Aussatz fällt etwa eingehenden letzten Telegrammen inbarmherzig zum Opfer. Und weitgehende Folerungen? Dieses Feld überläßt der Jouralist villig den unbelehrbaren Utopisten oder den Helden som Stammtisch. Aber einen Augenblick gibt es doch, wo die Losung:„Vorwärts= und nicht zurückgeschaut!" nicht das zwingende Gesetz der Zeitung ist. Wenn der Stundenschlag der Geschichte dröhnend verkündet, daß der Sekundenzeiger in seinem atemlosen Dahin. hasten eine runde Zahl der Umläufe vollendet hat, da legt der Journalist die Feder auf das Tintenfaß und den Telephonhörer auf die Gabel, um Rückschau zu halten über das Geleistete und Erlebte. Die Gegenwart schweigt und tritt ihr Herrscherrecht über ihren dienstwilligen Herold ab an ihre ernste Schwester, die Vergangenheit. Die Zeitung schreibt ihre Geschichte, die Geschichte ihrer verflossenen 50 Jahrgänge. Auch unsere„Herner Zeitung“ kann heute eine solche Gedenkausgabe in die Hände ihrer treuen Leser legen. Wir freuen uns dessen und hoffen, auch unseren Lesern Freude damit zu bereiten. Zwei W müssen wir aber der Gedenkausgabe mit auf den Weg geben, ein Wort des Dankes für die rege Teilnahme der Unzähligen, die uns seit Monaten mahnen, und ein Wort der Erklärung dafür, daß wir sie so lange über den Zeitpunkt hinaus warten ließen. war die Absicht des Verlages und der Redaktion gewesen, mit dem Ablauf des Gedenkjahres 1922 auch das Gedenkblatt fertig zu stellen. Im Laufe des Dezembers blieben aber einige bestimmt erwartete Papiersendungen aus, und da die Tage vor dem Feste ohnehin einen erheblich höheren Pavierverbrauch ausweisen, so war am Ende des Jahres nicht mehr die für die Auflage erforderliche sehr erhebliche Papiermenge verfügbar, ohne das Forterscheinen der Zeitung im neuen Jahre zu gefährden, wenn die Nachlieferung weiter stocken sollte. Schweren Herzens mußten wir den Zeitpunkt vertagen, bis die Materialbestände aufgefüllt waren. Das war Ende Januar der Fall, fast gleichzeitig mit dem Eintritt der Ruhrbesetzung. Diesem neuen Ereignis gegenüber hieß es natürlich zunächst mit unseren Plänen die nötige Zu rückhaltung zu bewahren, bis die neuen Verhältnisse sich überblicken ließen. Als die Zustände sich einigermaßen geklärt hatten, gingen wir aber ans Werk und nahmen einen Zeitpunkt Ende Februar in Aussicht, an dem die Gedenkausgabe erscheinen sollte. Leider wurde wenige Tage vorher unsere Zeitung auf einige Zeit verboten und der Inhaber der Firma. Herr Carl Holtmann, verhaftet. Ein tragisches Zusammentreffen wollte es, daß er gerade an dem Tage, an dem die Ausgabe erscheinen sollte. in die Untersuchungshaft in Recklinghausen eingeliefert wurde. Sechs Wochen währte die Un tersuchung, und in dieser Zeit konnten wir natürlich an eine Festausgabe nicht denken. Als dann Herr Holtmann auf freien Fuß gesetzt und kurz darauf vom Militärgericht freigesprochen wurde, bedurfte es neuer Arbeiten, um die abgerissenen Fäden wieder anzuknüpsen Mitten in die Arbeit hinein fiel wenige Tage später ein neues einschneidendes Hemnis. Die Gas. versorgung der Stadt Herne kam am 23. April plötzlich zum Stillstand. Damit standen auch unsere sämtlichen Setzmaschinen still, weil ihre Kessel mit Gas geheizt werden. Noch heute ist Herne ohne Gas. Schweren Herzens entschloß sich der Verlag nun, elektrische Beheizung ein zubauen. Wochen per gingen, bis der neue Kessel wenigstens für eine Maschine geliefert werden konnte. Mit dem Einpassen vergingen Tage, und schließlich war der Er folg doch ein negativen weil ein mit der neuen Einrichtung vertrauter Monteur nicht erreichbar war Es mußte also ein Monteur der Gesellschaft aus München herbeigerufen werden. Dazu mußten zahlreiche Formalitäten erfüllt werden. Inzwischen riß die telegraphische und telephonische Verbindung zum unbesetzten Deutschland ab, und was der Schwierigkeiten mehr waren. Wieder vergingen Tage. Endlich vor vier Tagen war die neue Maschine aufmontiert, und so ist es uns gelungen, heute dass Werk zu vollenden. Die Gedenkausgabe ist fertig. Was sie bieten soll, ist ein Ueberblick über die Entwicklung unserer Zeitung in den 50 Jahren ihres Bestehens. Neben den rein tatsächlichen Ereignissen galt es, auch die Umwelt wieder ausstehen zu lassen, aus der und mit der sie gewachsen ist. Wie sich schon in der ersten Nummer getreulich der Geist des Dorfes Herne mit seinen altväterlich gemütlichen und derben Zuständen spiegelt, so ist durch das halbe Jahrhundert bis in unsere Zeit die Herner Zeitung der Spiegel ihrer Umgebung gewesen. Es wurden deshalb auch der Entwicklung der Stadt und ihrer Bewohner entsprechende Aussätze aus sachverständigen Federn gewidmet. Neben den sehr ausführlichen Darlegungen psochologisch=geschichtlicher Art aus ältester Zeit nehmen daher die Aufsätze über die der Arbeitsmappe der Stadtverordücten Der Kampf um die Gewerbesteuer— Die heille Frage der Sitzungsgelder— die Ergänzung des Bauprogramms 1923 mit dem Fehlbetrag von 2 Milliarden Die Gemeindesteuerl. Fortsetzung aus der Etatsberatung. Eine lebhafte Aussprache löste der Sonderetet betreffend die Gemeindesteuern aus. Stadtv. Halstrack erklärt, daß das alte Verhältnis der Ertragsteuer zur Kopfsteuer(1:2) nicht mehr innegehalten sei. Die Belastung der kleinen Erträge sei viel zu stark; so beginne der Steuersatz bei dem Ertrage von 150 000# schon mit 25 vom Hundert; eine solche Belastung bedeute aber ein soziales Unrecht, da manche kleinere Geschäftsleute und Handwerker durch diese Belastung schwer bedrückt würden. Der Finanzdezernent berichtigt die irrigen Ausführungen dahin, daß das Verhältnis von Ertrag= zur Kopfsteuer sich zugunsten der Ertragsteuer verschoben habe(1:3). Es werde der Verwaltung immerhin Schwierigkeiten machen, die 400 Millionen der Ertragssteuer hereinzubekommen. Für die Betriebe bedeute es doch eine Erleichterung, wenn die Steuer von dem entwerteten Gelde des Jahres 1923 gezahlt werde. Die Ertragsteuer sei auch durch das Geldentwertungsgesetz bedroht, da dieses neue Bewertungsvorschriften für Lagerbestände enthalte, die einen Ausfall an Gewerbesteuer zur Folge haben werden. Der Streit über die Zuschüsse vom Reich, der immer wieder zwischen Stadt. verwaltung einerseits und Handel und Gewerbe andererseits ausgefochten werde, sei müßig. Es sei in diesem Jahre schon der 200fache Betrag des Garantie=Einkommens eingesetzt. Es komme nicht auf theoretische Errechnungen an, sondern darauf, die Geldmittel zu errechnen, die wirklich in die Kasse fließen. So sei beispielsweise die Umsatzsteuer im verflossenen Jahre nicht in vollem Umfange hereingekommen, trotzdem die Handelskammer wesentlich höhere Erträge als die Stadt errechnet hat. Stadtv. Schütter bezeichnet die Steuersätze in Anbetracht der Geldentwertung für gering. Stadtv. Bertelt weist ebenfalls auf die Härten für die niedrigen Erträge hin. Stadtv. Ruthenbeck betont, daß im Vorjahre die Prozentsätze sich zwischen 4 und 25 Prozent bewegten, in diesem Jahre aber werde schon der niedrigste Ertrag mit 25 Prozent Steuer herangezogen: er ersucht, die Sätze zu ermäßigen. Stadtv. Halsstrick appeliert nochmals um Herabsetzung der Prozentsätze, damit nicht der Handwerkerstand erwürgt werde. Der Finanzdezernent weist darauf hin, daß immerhin noch die Möglichkeit bestehe, auf Grund des Härteparagraphen die Steuer in einzelnen Fällen auf Antrag herabzusetzen; zu denken gebe auch der Umstand, daß allein 360 Gewerbetreibende bereits unter der Freigrenze liegen. Beigeordneter Schäfers sagt, daß ein ganzer Teil der kleineren Gewerbe nur im Nebenberuf betrieben werde. Stadtv. Weiß meint, die Schwierigkeit der ganzen Steuerfrage liege in der komplizierten Gesetzgebung, in der sich kaum jemand mehr zurecht finde. Die Schwierigkeiten müßten durch eine einfachere Art der Steuerhinterziehung behoben werden. Nach bewegter Devatte wird der Antrag Ruthenbeck auf Herabminderung der Steuerstze mit allen übrigen Stimmen abgelehnt. Der Sonderetat betr. Gemeindesteuern, der mit einem Ueberschuß von 4046 647 325 A abschließt, wird darauf mit Stimmenmehrheit gegen eine Stimme angenommen. Sitzungsbericht vom Freitag Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten erledigte die weiteren Punkte der Tagesordnung. Besonders lebhafte Debatten entspannen sich bei der Frage der Sitzungsgelder für die Stadtverordneten und bei der Ergänzung des Bauprogrammes für 1923. Wir lassen die wichtigsten Punkte, die von allgemeinem Interesse sind, folgen, und kommen auf einzelne Fragen in einer kritischen Nachbetrachtung zurück. Dem Antrag der Sparkasse Dortmund auf Zinsenerhöhung wurde stattgegeben. Die Erhöhung der Besoldung für die Beamten, Angestellten und Lehrkräfte an den höheren Schulen wurde bewilligt; desgleichen die Beschaffung eines Zahltisches für die Stadtkasse(1 358320 M) und einer Additionsmaschine für die Stadtkasse(10,4 Millionen Mark). Ferner wurde bewilligt, die Selbstkosten d. Kanalbenutzungsgebühren zu einem Drittel auf die Stadt zu übernehmen und zwei Drittel auf die Anlieger umzulegen; die Selbstkosten für die Straßenreinigung und Straßenberieselung nach demselben Modus und die für die Müllabfuhr in voller Höhe auf die Anlieger umzulegen. Dem Antrag des Stadtv. Schütz, bei den Gebühren für Straßenreinigung einen Unterschied zwischen bebauten und unbekannten Grundstücken zu machen, konnte nicht entsprochen werden. Die Vergütungen für Teilnahme an Sitzungen. Beigeordneter Hölkeskamp befürwortet die Vorlage des Magistrats, den Teilnehmern an den Sitzungen als Entschädigung die Hälfte der jeweiligen Tagegelder, welche für eine eintägige Dienstreise gezahlt werden, zu bewilligen. Stadto. Weiß: Wenn auch an Vergütungen Beträge bis 18000 Mark gezahlt werden, so sind solche Summen in Anbetracht der Geldentwertung nicht zu hoch. Angesichts der großen Not im Stadtsäckel beantrage ich, nur ein Drittel der jeweiligen Tagegelder zu genehmigen. Vor zwei Tagen haben wir beschlossen, daß für den Fall, wo mehrere Sitzungen ar einem Nachmittage stattfin den, nicht mehr wie bisher für jede Sitzung gezahlt wird, sondern nur ein einmaliger Betrag. Stadtv. Benz spricht gegen den Antrag Weiß. der nach seiner Meinung nur eine schöne Geste nach draußen sei. Stadtv. Weißz erwidert, daß die Sitzungsgelder für ihn persönlich sehr dünn gesät seien: denn seit Januar trage er noch 10 ungelöste Scheine in seiner Tasche; er habe den Vorschlag nur gemacht im Interesse des Allgemeinwohls; er stehe im Gegensatz zu Stadtv. Benz noch mitten unter den Berufskollegen, und 500 Meter unter der Erde rede man eine andere Sprache als über der Erde; auch die Kollegen des Stadtv. Benz hätten schon über die kommenden Sitzungsgelder scharfe Worte geäußert. Stadtv. Kremer betont, daß das Amt eines Stadtverordneten ein Ehrenamt sei und keine Sitzungsgelder gezahlt werden sollten. Derselben Meinung ist auch der Stadtv. Stall. Beigeordneter Hölkeskamp erklärt, daß selbstverständlich das Amt ein Ehrenamt sei: aber wie beim Gericht ein Pauschalbetrag zur Abgeltung der persönlichen Auslagen gezahlt werde, sollten auch die Sitzungsgelder ein Abschlag sein; die Arbeiter könnten ihren Schichtlohn nicht ausfallen lassen. Der Antrag des Magistrats, die Sitzungsgelder auf die Hälfte der jeweiligen Tagesgelder festzusetzen, wird gegen die Stimmen der 7 Zentrumsvertreter angenommen. Künftig nur noch 33 Stadtverordnete. Auf Grund des Gesetzes über die vorläufige Regelung der Gemeindewahlen vom 9. April 1923 sind die Gemeindevertretungen der Städte usw. bis zum 80. November neu zu wählen. Nach Paragraph 4 dieses Gesetzes änderte sich die Zahl der Stadtverordneten; für Herne werden statt 45 künftig nur 33 zu wählen sein. Dem Antrag des Magistrats auf Aenderung des Ortsstatuts bezüglich der Zahl der Stadtverordneten wird zugestimmt. Der Verkauf der Straßenbahn Herne—Höntrop an die Westfälische Straßenbahn für den Verkaufspreis von 1.7 Millionen Mark wird gebilligt. Nach Bewilligung von Mitteln zum Verputzen der Hinterfronten der 1921 errichteten Wohnungsbauten folgt die Beratung des Punktes: Ergunz ung des Zauprogrammes 1923 Außer den bereits beschlossenen 25 Wohnungen sollen weitere 16 Wohnungen gebaut werden. Die Verhandlungen mit dem Vertreter des Verbandspräsidenten hatten zum Ergebnis, daß 6 Wohnungen für Staatsbeamte gebaut werden sollen: der Verbandspräsident sichert die Hälfte des ungedeckten Bauwertes als Zuschuß zu, dafür verpflichtet sich die Stadt, die Wohnungen 50 Jahre für Staatsbeamte zu reservieren; mit der Eisenbahn traf man die Vereinbarung, gegen einen Zuschuß von zwei Drittel der unrentierlichen Baukosten 20 Jahre die Wohnungen zu reservieren. Es bleiben aber immerhin 2 Milliarden ungedeckte Kosten. Man hoffe, 1 Milliarde durch Anleihe hereinzube kommen, und die zweite Milliarde durch Erhöhung der Wohnungsbauabgabe(auf 15000 Prozent für Wohnungen und 45000 Prozent für gewerbliche Räume) zu decken. Ueber diese Deckungsfrage entspann sich eine lange Debatte, auf die wir noch zurückgreifen. Nachdem man allgemein von der Notwendigkeit, neue Wohnungen zu bauen, sich überzeugt hatte, wurde die Ergänzung des Bauprogramms einstimmig angenommen. Ueber die Deckungsfrage wird die nächste Sitzung Klarheit schaffen müssen. Entwicklung des kirchlichen und kulturellen Lebens des Verkehrswesens und dergleichen einen breiten Raum ein. Zeichen der neuesten Entwicklung finden sich vor allem in den Aussätzen über Sport und Turnen, über die moderne Gewerkschaftsbewegung in ihren verschiedenen Zweigen und Abarten, über das Gesundheitswesen und über die Frauenbewe gung. Einige wichtige, aber nicht so unmittelbar mit der Geschichte unseres Blattes sich berührende Punkte, wie die städtebauliche Entwicklung u. das Schulwesen konnten wir fortlassen, weil sie von uns in unserer Festausgabe anläßlich des 25jährigen Bestehens der Stadt Herne am 1. April 1922 aus führlich gebracht worden waren. Wenn trotzdem un sere Leser noch das eine oder andere vermissen sollten, so bitten wir um Nachsicht im Hinblick auf die Schwierigkeiten, unter denen unsere Gedenkausgabe zustande kam. Wir hoffen zuversichtlich, daß dies Gedenkblatt die alten Fäben zwischen der Stadt, ihren Bewohnern und ihrer Zeitung fester und inniger knüpfen möge. So schütteln wir alten und neuen Freunden warm die Hand und wünschen uns allen für kommende, hoffentlich friedlichere und bessere Jahre ein frisches „Glückauf!“ )( Erhöhung des Milchpreises. Bei der allgemeinen Preissteigerung konnte mit einer Erhöhung des Milchpreises gerechnet werden. In der Sitzung des Westfälischen Milchpreisausschusses am Donnerstag in Hamm ist den Landwirten ein Preis von 1250 Mark ab Molkerei zugeblligt worden Zwei Tage vorher hatte in Duisburg der rheinische Milchpreisausschuß getagt und dieser war zu dem Beschluß gekommen, den Milchpreis nach dem Butterpreis zu bemessen dergestalt, daß ein Liter Vollmilch 9 Prozent des jeweilig für eine Zeitspanne von 14 Tagen nach den Notierungen der Butterruktionen in Bremen, Köln und Berlin zu ermittelnden Butterpreeises kosten solle. Dazu soll eine Molkereispanne von 18 Prozent kommen. Nach dem der zeitigen Butterpreis ergab sich für das Rheinland ein Milchpreis von 1300 A. Diesen Modus nahm auch der eWstf. Mischvreisausschuß an mit der Aenderung. daß der Preis ab Molkerei 1250 betragen soll. In Westsalen ist mithin der Milchpreis nur noch um 50 M niedriger als im Rheinland statt bisher 250 m. Der Milchpreis für Bochum ist im Kleinhandel ab morgen auf 1680 A je Liter festgesetzt: Herne dürfte dieser Erhöhung unmittelbar folgen. Richt zueinander— aber auseinander... Wer das Schicksal seines Volkes vor dem Kriege ohne wirtschaftliche und parteipolitische Einstellung prüfte, der wußte, daß Kräste am Werke waren, die Volkseinheit zu zersetzen und zu zerstören. Der Rausch der Augusttage von 1914 täuschte uns Hoff nung vor: aber die lange Dauer des Völkerringens sprengte das lockere Band einer vorübergehenden Einigung, die mehr durch äußeren Druck spontan entstand als organisch aus dem Innern heraus zu werden und zu wachsen. Was nicht aus dem Blute des Volkes zum Willen sich gestaltet, ist vergänglich Hatten wir in jenen Tagen der Nut nicht mehr die Kraft, den gegensetigen Haß durch die Hingabe an das große Ziel und den Dienst für die Allgemeinheit zu überwinden? * Wer unter uns setzte dann später nicht seine Hoffnung auf die große Not? Mit stiller Duldung ertrugen wir, daß die Flut von Jahr zu Jahr wuchs und die Not mit dürren Knochenhänden an unsere Tür tagaus, tagein pochte, und schon zu frühen Morgenstunde die graue Sorge am Bette stand, um auch am Abend uns nicht ruhen zu lassen. ... Not lehrt beten. Not lehrt uns Brüder werden. Not weckt die Milde auch im verstockten Herzen—also war unser Glaube. Aber im Taumel des Genusses und auf der Jagd nach dem Mam mon verkehrten die Sprichwörter ihren Sinn. Und wieder standen die Einfältigen im Geiste mit bebenden Herzen und sahen ihre Hoffnung schwinden * Da schlug noch einmal die Stunde, und als fremde Huse den freien deutschen Boden traten, klang der schrille Ton der Fanfaren des Siegers mahnend an unser Ohr. Und abermals wurde Hoffnung wach, und wir drückten einander die Hände als Brüder in Not und Tod, als Kämpfer im Streit für unser deutsches Recht. Hoch klang wieder der Sang von ehedem: Einigkeit und Recht und Freibett! Man baute einen Damm gegen die Flut der Entwertung. Aber mächtiger als dieses Werk war die Kraft der anstürmenden Wogen, und heute hat die Soringflut den Damm der Markstützung von dannen gespült, auf mehr denn 100000 steht der Dollar, und in dieser Stunde höchster Not. wo die Flut über das Land tost, finden wir nicht den Willen zum einheitlichen Werk der Rettung. Not kennt kein Gebot... so heißt die Parole der Stunde, und alles greift gierig nach versinkenden Werten, anstatt die Hände zum Werk der Rettung zu rühren. Wie kann eine große Tat reisen, wenn am Abend das Volk bis zur Ermattung tanzt, wo beim Morgenrot der Märtyrer fällt von feindlichen Kugeln durchbohrt? Wie kann sich der eine dem andern verbunden fühlen als Kämpfer in einer Front. wenn der Arheitgeber im erbitterten Kampfe den Tagelöhner seine Notgroschen erringen läßt, anstatt zu geben, was ihm gebührt? Wie soll ein einheitlicher Wille von Dauer sein, wenn auf der einen Seite die Millionen gewonnen werden ohne Arbeit und mit den Notgroschen des Tagelöhners der Wucherer seinen Bauch mästet. auf der anderen Seite aber mit dem Maße der Entwertung der Hunger wächst? Ist dort noch ein Volk, wo um Steuergerechtigkeit erbittert gerungen wird, während der Feind mit der Axt die Tür einschlägt?——-Nicht zueinander führte uns die Not; die Wege trennten sich, und die Stoßkraft einheitlichen Willens schwindet.— Der Zeiger der Uhr rückt auf zwölf: schon will die Glocke zum Schlage anheben. Es ist unseres Volkes Schicksalsstunde, deine und meine, eure und unsere. Finden wir nicht mehr zueinander?"—9— Arbeiter als Aussichtsräte bei Berggewerkschaften. Der preußische Landtag hat am 9. Mai das Geser über Aussichtsräte bei Berggewerkschaften verabschiedet. Damit ist eine Forderung der Arbeiterschaft, die ihren Ursprung in dem§ 70 des Betriebsrätegesetzes hat, erfüllt worden. Nach§ 128a des neuen Gesetzes muß nunmehr eine in das Handelsregister eingetragene Gewerkschaft neben dem Repräsentanten oder dem Grubenvorstand einen Auf sichtsrat haben, wenn sie Arbeitgeberin von einem Betriebe ist, in dem nach dem Betriebsrätegesetz es der Bestellung eines Aufsichtsrates nicht, solange die Gewerkschaft einen Grubenvorstand(Verwaltungs rat oder dergl. besitzt, dem die Rechte und Pflichten eines Aussichtsrates gemäß§ 1281 Abs. 1 des neuen Gesetzes gegenüber der Gewerkschaft, insbesondere gegenüber den mit der Geschäftsführung betrauten Personen(Direktoren) Generalbevollmächtigen usw zustehen. Von der Verpflichtung zur Bestellung eines Aufsichtsrats darf eine Gewerkschaft auf ihren Antrag nur auf Zett und nur dann befreit werden. wenn die Befreiung wegen des geringen Umsanges der Geschäfte gerechtfertigt erscheint. Hierüber entscheidet das Oberbergamt nach Anhörung des Betriebsrates durch einen Beschluß(8128c). Das Ober bergamt kontrolliert die Bestellung des Aufsichtsrates. Erwähnenswert ist die Bestimmung des § 128h, wonach der Vorsitzende und sein Stellvertre ter„den von der Gewerkenversammlung gewählten Mitgliedern des Aussichtsrates“ zu entnehmen sind Hierdurch ist es ausgeschlossen, daß ein Betriebs ratsmitglied Vorsitzender oder Stellvertreter des Vorsitzenden wird. Nas kostet Betriebsstoff? Viel Geld! Also benutze„Conticord“, er ist besonders elastlsch und dadurch schnell bei geringem Betriebsstoffverbrauch. Willst Du Geld eparen, dann fahr K7 . Jubiläum. In aller Stille beging der in allen Kreisen unserer Stadt bekannte und geschätzte Rektor Knust sein 40jähriges Dienst= und Ortsjubiläum. Seine Tätigkeit begann der Jubilar an der katholischen Schule 1 Neustraße, an die er nach kurzer Unterbrechung wieder zurückkehrte. Auch an der gewerblichen Berufsschule wirkte er seit Be ginn. Rege Tätigkeit entfaltete Herr Rektor Knust in kirchlichen politischen und bürgerlichen Vereinen und hat durch sein Wissen und Können als Schul mann und als Mensch Anerkennung und Achtung sich erworben. Möge dem Jubliar vergönnt sein, in Frische und Rüsttigkeit noch lange für Schule, Kirche und Volk zu wirken! * Ein kleiner Ventilator=Motor soll vor einigen Monaten in einem hiesigen Case entwendet worden sein. Der Geschädigte wolle sich bei der hiesigen Kriminalpolizei. Zimmer 10, melden. * Betr. Landaufenthalt. Auf dem hiesigen Wohlfahrtsamt(Neues Verwaltungsgebäude) werden noch Anmeldungen von evangel. Kindern(in Sonderheit Mädchen) für einen am 25. ds. Mts. be ginnenden Landaufenthalt in der Mark Brandenburg entgegengenommen. * Gesälschte Guldenscheine im Industriegebiet. In den letzten Tagen wurden bei mehreren Banken im rheinisch=westfälischen Industriegebiet eine bedeu tende Anzahl geschickt gefälschter Guldenscheine, vornehmlich braune Ein=Guldenscheine, festgestellt und angehalten. Die kriminelle Untersuchung hat ergeben, daß es sich um Fälschungn handelt, die von einem Falschmünzernest von Dortmund aus ver trieben wurden. Die gesälschten Gulden wurden meist an einzelne kleine Leute, Beamte, gebracht, die sie dann an Bekannte zu höheren Kursen weiter gaben. Die Angelegenheit zieht weitere Kreise. Als Hauptmitbeteiligte kommen zwei Holländer aus Rotterdamm in Frage. * Volkshochschule. Die Abfahrt für die von Herrn Studtenrat Dr. Dißmann geführte zweite geologische Exkursion nach Linden, Dahlhausen Baak bei Hattingen, Bochum findet am Sonntag, den 17. Juni, morgens 6,48 Uhr von der evangel. Kirche aus statt Herr Zeichenlehrer Imhoff trifft sich zwecks Zei chenunterrichts mit seinen Hörern am kommenden Sonntagmorgen 8 Uhr am Stadtgarten. E Verkehrsveränderungen. Die beiden nur zwischen Renchen und Frankfurt a. M. verkehrenden D Züge 307/308 werden über Frankfurt a. M. hinaus über Gießen—Siegen—Kabel—Hagen—Elberfeld— Ohligs bis und ab Köln durchgeführt. D=Zug 307 verkehrt erstmalig in der Nacht vom 17. zum 18. Juni und zwar bis Frankfurt=Main wie bisher. Frankfurt am 18. Juni an 153 vorm., ab 3,00 Uhr vorm., Gießen 4,17 an, 4,82 ab. Dillenburg 5,19 an, 5.27 ab. Kreuzthal 6.23 an. 6.26 ab, Kabel 8.05 an, 8.10 ab, Hagen 8.40 an, 8.50 ab. Barmen=H. 9,22 an, 9.24 ab. Elberfeld 9,30 an, 9.35 ab, Vohwinkel 9.40 an, 9.50 ab, Köln=Hbf. an 10,46 vorm. D=Zug 308 verkehrt erstmalig Köln=Hbs. ab am 18. Juni, 9.10 nach mittags, Vohwinkel 10,07 an, 10,12 ab, Elberfeld 10,22 an, 10,32 ab, Barmen 10,8 an, 10.40 ab. Hagen 11,10 an. 11 10 an. 11,20 ab, Kabel 11,50 an, 11,53 ab Gießen 3.13 an, 3,23 ab, Frankfurt=Main an am 19 Juri. 4,25, ab 4.42 wie bisher. Außerdem verkehren seit kurzem Vorzug D. 47 und Nachzug D. 48 zwi schen Frankfurt=Main und Köln über Siegen—Altena—Hagen—Elberfeld—Ohligs. Vorzug D. 47 Frankfurt Main ab 7,09 Uhr vorm., Gießen 8,21 an 8.29 ab, Kabel 12,23 an, 12,28 ab, Hagen 12,53 an 1,03 ab, Elberfeld 1,43 an, 1.47 ab, Köln=Obs. an 3.06 nachmittags. Nachzug D. 48 Köln=Hbf. ab 3.52 Uhr nachm., Elberfeld 5,06 an, 5.14 ab. Hagen 5.52 an 6.00 ab, Kabel 6,30 an, 6,89 ab, Gießen 10,07 an, 10,15 ab, Frankfurt=Main an 11,20 Uhr nachmittags. * Neue Volksschulbücher. Der amtliche Preuß Pressedienst teilt, mit daß das Volksschullesebuch der Vorkriegszeit den Anforderungen der Gegenwart nicht mehr entspricht, ist in der Oeffentlichkeit wie im Parlament wiederholt betont worden. Eine weitgehende Umarbeitung der Lesebücher ist darum sowohl aus innerpolitischen als auch aus erziehungswissenschaftlichen Gründen eine unumgängliche Notwendigkeit. In welcher Richtung sich die Umarbeitung bewegen muß, legt ein Erlaß des Ministers für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung vom 24. Mai 1923 ausführlich dar. Anpassung an den Heimatgedanken. Fernhaltung aller Stoffe, die an„Be. kenntnisstreitigkeiten erinnern könnten“. Vermeidung einer Bielkahl von besonderen Ausgaben, die das Buch verteuern würden. Auswahl der Stücke unter dem Gesichtspunkt ihres künstlerischen Wertes, Ausschaltung aller Stücke, die„den gegenwärtigen politischen und wissenschaftlichen Verhältnissen nicht entsprechen", dafür Einführung solcher, die„geeignet erscheinen, die Jugend zu freudiger und verantwortungsbewußter Mitarbeit an den Ausgaben des Staates zu erziehen“— das sind die wesentlich sten Forderungen, die an das neue Lesebuch gestellt verden. Einen wichtigen methodischen Fortschritt, der zugleich auch von wirtschaftlicher Bedeutung ist, bringt der Erlaß sodann noch, indem er dem Lehrkörper der Schule das Recht gibt, für die oberen vier Schuljahre auf ein Lesebuch ganz zu verzichten. und statt dessen geeignete Einzelschriften zu lesen, von denen in den letzten Jahren eine große Anzahl in Gestalt von Reihenbändchen und Sammlungen auf den Markt gekommen sind. Auch in den Schulen, die das Lesebuch beibehalten, sind neben ihm solche Einzelschriften zu verwerten. Die Unterrichts verwaltung hofft, durch diese Bestimmungen— trotz der Not der Zeit— die Schüler auch der Volksschulen mehr als bisher zum Buche, d. b. zum guten Buche zu führen und damit der immer noch stark verbreiteten und ebenso gefährlichen Schundliteratur wirksam entgegenzutreten. Die Einführung der neuen Lesebücher wird, so erwartet der Erlaß, mit dem Beginn des Schuljahres 1924 allgemein erfolgen können. Theater— Konzerte—. Vereine * Vereinigte Stadttheater Wanne=Herne. In der heute Sonnabend den 10. Juni stattfinden Erstaufführung der Operette„Die Dollarprinzessin“ singt die ausgezeichnete l=Sängerin Frl. Else Zesewitz a. G. die Titelpartie. In der Rolle der Doisy wird sich die neuengagierte Tanzsoubrette Frl. Annemarie Ziegelmeier und in die der Wirtschafterin Frl. Emmy Judae(beide von der Komischen Oper in Essen] dem hiesigen Publikum vorstellen. Außerdem wirken in bedeutenden Rollen mit: Frl. Seidel, die Herren Hügel, Wieland, Renee, Riebold und Freudenberg. Spielleitung Herr Wieland. Musikleitung Kapellmeister Haak. Vollständig neue Ausstattung. Sonntag nachmittag 3.30 Uhr findet die Wieberholung der Dollarprinzessin in derselben Besetzung als Fremdenvorstellung statt. Westfalen und Rheinland Köln.(Der Stromdicb.) Durch Diebstahl von elektrischem Strom wurde die Stadt Köln beim A. Schaaffhausenschen Bankverein um rund 40 Millionen Mark geschädigt. Ein bei dem Bankverein angestellter Obermonteur hat seit Oktober 1922 den städtischen Stromleitungen Strom entzogen, der nicht durch die Stromzähler erfaßt wurde. Das Fraktionssekretariat der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion hat die Direktion der Elektrizitätswerke auf den Riesenbetrug aufmerksam gemacht worauf dann die Direktion gegen den schuldigen Obermonteur Strafantrag wegen Betruges gestellt hat. Der Barkverein hat sich bereit erklärt, den chaden, der den städtischen Elektrizitätswerken er wachsen ist, zu ersetzen. Dies und das Der kalte Sommer— Dreckige Zeiten und dreckige Meuschen— Milliardenwahnsinn und Ausnahmen Man„indext“ überall. Bevor ich mich an mein einziges Wochenprodukt „Dies und das“ heranmache, habe ich dies und das zusammengelesen, um mein Zimmer ein we nig zu heizen: alles, was nicht niet= und nagelfest war und zu Brennzwecken geeignet schien, habe ich zusammengerafft— aber es langte nicht, um mir endlich mal wieder eine warme Bude zu ver schaffen. Kohlen kann ich wohl auf der Zeche abholen— aber man warnt mich dringend da ver sehentlich ganze Karren Richtung Wasserschloß ab geführt seien. Holz ist zu teuer; so blieb mir nichts anderes übrig, als aus den Stuhllehnen überzähliges Holzwerk auszubrechen, aus dem Gartenzaun ein paar Latten auszuschlagen, und bei meiner Laterne schreibe ich nun diese Zeilen Nebenbei bemerkt, lieber Leser, brauche ich meine Laterne nicht nur des Abends; bewahre— auch am Tage ist sie dringend zu meiner geinigen Erleuch= tung nötia: es gibt heute so viele Dinge in der Welt, die ich mit meinem schwachen Verstande nicht mehr begreisen kann. Beispielsweise:„Warum ist es so kalt?" Die Wettermacher schreiben sich die Finger wund, um in den Zeitungen mir plausibe! zu machen, warum, wesbalb, von rechts- und linkswegen es so kalt ist. In der Gegend von Island sollen riesige Eisberge schwimmen, die beim lang samen Schmelzen so viel Kälte erzeugen. Ich glaube die Nordvolbewohner haben vergessen, die Erdachse zu schmieren, so daß sie noch immer auf Winter eingestellt ist— oder sollten sie derweilen an Kälte gestorben sein, weil die Ruhrkohle aus geblieben ist? Wie ihm auch sei, ich sinde es nicht schön, daß die Wetterpropheten so was Gräßliches prophezeien konnten. Nach ihrem Berichte gibt es noch im Juli Kälte— fast möchte man ihnen Glauben schenken, wenn man liest,, daß in diesen Tagen in der Gegend von Eisleben ein starkes Schneegestöber niedergegangen ist. Andere munkeln vom heißen Juli. 4 kann man seine„Sommer“serien ja nach Geschmack einrichten. Schneeschuhlaufen und Strandbad genießen, sich die große Zehe erfrieren und einen Hitzschlag sich holen. Diese verrückten Zeiten!— Mit meiner Laterne habe ich vergeblich eine Badegelegenheit in Herne gesucht; einstens konnte ch wenigstens beim Nachbarn baden, aber nun das Gas trotz aller Wünsche völlig verflüchtigt bleibt, kann man mit dem besten Badeofen nichts mehr beginnen. Zuletzt fuhr ich abwechselnd nach Gelsenkirchen oder Bochum mit der Eisenbahn, aber seitdem die Schienen eingerostet sind, muß ich auch darauf verzichten. Hätten wir doch vor dem Kriege die Badeanstalt gebaut, zu der eine Zeche so bereitwilligst ihre Unterstützung zusagte! Aber man war an bewußter Stelle einmal schlauer und dachte sicherlich, was soll das Baden, so man doch wieder dreckig wird. Nun ja, zu diesen„dreckigen“ Zeiten, passen auch wirklich nur„dreckige“ Menschen und dreckige Pavierlappen, deren Zahlen immer astronomischer werden. Wir gewöhnen uns langsam an den Zahlenwahnsinn unserer Tage. Und wenn sich heute noch jemand über seine„hohe“ Miete aufregt, so möge er sich einmal nach Berlin begeben; dort fordert man für ein leeres Zimmer im Durchschnitt S bis 5 Millionen Mark im Jahr, auch wohl 10 Millionen Mark Abstandssumme. Eine Firma, die das Vermieten gewerblicher Räume gewerblich betreibt, tut kund, daß sie moderne Wohnräume mit Einrichtungen zu vermieten habe auf 15 Jahre. Um aber in aller Erscheinungen Flucht einen ruhenden Pol zu haben, legt man die Dollarwährung zu Grunde: die Miete beträgt für die ersten fünf Jahre 9000 Tollar pro Jahr, die zweiten fünf 1000 Dollar pro Jahr und die dritten fünf Jahre 15000 Dollar pro Jahr. Ich nahm meinen Rechenstift und errechnete die 15jährige Miete mit 145 000 Dollar oder in Papiermark ausgedrückt: 14 500000000 Mark. Vielleicht werden im Laufe der 15 Jahre die Nullen sich noch mehren! Aber ich tröste mich mit der Einsteinschen Relativitätslehre: denn relativ kann alles teurer, billig, falsch und richtig sein: so ist doch 1 Mark gleich 1 Mark gleich 0.00 004 Mark— auch das ist relativ alles richtig. Mit all den relativen Nullen hatten sich auch unsere Stadtväter zu beschäftigen bei den Etatsberatungen; wer hätte je geglaubt, daß unser Etat nochmal Milliardenziffern ausweisen wuror— vielleicht erreichen wir auch nochmal die Billionen! Und doch gibt es in dieser Zeit der Dollarsprünge noch Leistungen, die nicht einmal mehr in GoldPfennigen sich ausdrücken lassen. Die Post hat uns ja noch die Freude gelassen, für 100 Mark gleich 0.4 Goldpfennig einen Brief ihr anzuvertrauen Aber daß heute noch 4 Mark gefordert werden, sollte man kaum für möglich halten. Die Kirche von der einmal ein großer Dichter behauptete, daß ihr Magen uneraründlich sei, fordert noch sage und schreibe— ganze 4 Mark für Taufgebühren. Sie dürfte dabei sicherlich nicht auf einen grünen Zweig kommen, zumal die Geburten überall abnehmen. genug: nun ader müssen wir verzichten auf Badeanstalt, Spielplätze für Kinder und Luft= und Sonnenbäder für Erholungsbedürftige. Wir könnten in diesem Jahre von all den Dingen so rechts brauch machen, zumäl wir im Käfig sitzen und on 10 7 hohen Bergen und rauschendem Meer nur noch träumen können. Und selbst wenn die Käsigtür wieder geöffnet, werden wir daheim blei' a müssen; denn wer kann heute noch eine monatlich Kurtaxe von 80000 Mark auf den Tisch legen: auch in den Bädern„indert“ man, und errechnet die Preise unter Zugrundelegung de. Frledenspreue n Goldmark: Pensionspreise von 40000 Mark sind seute nichts Ungewohntes mehr. Ich wäre mit allen Inderen einverstanden, wenn man— auch den Inhalt meines Geldbeutels indert. Aber noch besser wäre es, eine Mark wäre wieder eine Mark und wir hätten unsern Groschen wieder. Und wenn's dann auch knapp wird, so weiß man doch wenigstens, was man hat; und besser einen Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dache Hoffentlich hört bald einmal das„Inderen“ auf! Das wünscht Spectator. Allen jungen Gemüsen, wie Karotten, Zuckererbsen, Bohnen, Spinat usw., welche ja bekanntlich immer etwas weichlich schmecken, geben einige Tropsen der altbewährten Maggi's Würze, kurz vor dem Anrichten beigefügt, Fleischgeschmack. Es muß aber auch wirklich Maggi's Würze sein. Möbelkauf ist Vertrauenssache. Daher besichtigen Sie bitte, bevor Sie komplette Spelsezimmer. Herrenzimmer. Schiatzimmer. sowie jedes Ergänzungsstück als: Bücherschrank, Schreibtisch, Ausziehtisch Herrenzimmertisch, Rauchtisch, Stünlle usw. kaufen, meine Spezial-Eichenmöbel-Ihlellung. Steter Eingang von Neuheiten In gediegener Ausführung. Meine Qualitätsware bürgt für langjährige Garantie. Ueber die Leistungs- bezw. Preiswürdigkeit überzeugen Sie sich persönlich bei mir im 2036 Möbelhaus G. L.iftmann N., Herne Blamarckstrasse 2. Vereinskalender In unserem Stadtparlament brach man wieder eine Lanze für neue Grünplätze. Ganz abgesehen davon, daß man in Herne wenig Verständnis für solche Anlagen trägt, kann der Stadtsäckel solche Ausgaben nicht mehr tragen. Für derlei Dinge zu sorgen, war vor dem Kriege günstige Gelegenheit Mieterschutzverein Herne. Sonntag, den 17. Juni nachmittags 2 Uhr Versammlung bei H##des Wischerstraße. Der Vorstand erscheint eine Si#nde früher. Der Vorstand. Radsportverein„Zugvogel“ Herne. M. d. B. D. R. Sonntag, den 17. Juni, morgens 8 Uhr, Star zum 3. Lauf zur Vereinsmeisterschaft. Start uni Ziel auf der Luisenstraße in Horsthausen an der Wirtschaft Borggräfe. Fahrer und Mitglieder treffen sich morgens 7 Uhr in der Wutschaf Pischt. Nachmittags 4 Uhr gemütliches Beisammensein im Vereinsheim Wirtschaft Biermann, Strünkederstraße. Der Vorstand. FREIE VOLKSBUHNE:: HERNE Geschäftsstelle: Bahnhofstr. 8b(Volksblatt-Buchhandl.) * Mitlwoch, den 20, Juni, abends 48 Uhr Im Stadt-Theater: Die Dollarprinzessin Operette in drei Akten von LEO FALL. Die Lösung der Beitragsmarke Nr. 8, welche zum Besuch der Vorstellung berechtigt, geschicht am besten in unserer Geschäftsstelle, der„. reien Volksbühne“, Herne, Bahnhofstraßee8b(Volksblatt-Buchhandlung) oder bei unsern Vertrauensv ersonen und Einkassiererinnen. Der Beitrag beträgt 3000 Mark für jedes Mitglied. Für Nichtmitglieder beträgt die Aufnahmegebühr 500.— Mk. Im Brennpunkt Kriminal=Romann von Dr. Otto Goldmann. 19(Nachdruck verboten.) „Na, wenn das keene Arbeit war. will ich Hans heißen,“ bekannte er lachend,„hoffentlich ist nischt ausgelausen von der Schrift! Nu. aber heim zum Doktor!" Mit der Uhr in der Hand stand Fink lange vor dem Telephonkiosk in der Nähe seiner Wohnung als Fipps' Keuchen hörbar wurde. „Ich hab's!“ schnob der kleine Kämpfer und wischte sich theatralisch den Schweiß von der Stirn. Sein Auftraggeber bemühte sich im Schein der Laterne, die wirren Züge auf dem Löschblatt zu ent ziffern. Es mußte schon einige Zeit im Gebrauch gewesen sein. Selbst die Lupe ließ nur Bruchstücke des letzten Abdruckes erkennen. Jetzt blickte Fink schärfer hin, pfiff leise durch die Zähne, sagte:„Immerhin, wir können anbeißen!“ und schlüpfte in den Kiosk. Daß er dem dort sitzenden blonden Mädchen in den vollen Oberarm kniff, ihr eine Schachtel Pralinces in den Schoß warf und zurannte:„Sie wissen von nichts, wenn Sie spöter gefragt werden!" darf den Leser nicht allzusehr empören. Solche Nebensächlichkeiten gehörten einmal an den Weg des sonst sehr zurückhaltenden Herrn Fink. Sie warsen auf der oft endlosen Landstraße seines Berufes die bescheidenen, kleinen Stein: zur Seite, welche die 100 Meter andeuteten. Ein dicker, fre cher Kiometerstein kam aber jetzt, als die Uhr der nahen Kirche zum Zehn=Uhr=Schlage ausholte und Fink die Nummer des Staatsanwaltes anrief. Wohlgemerkt die Nummer seiner Privatwohnung. Jcanette Fink hob den Kopf als die Klingel schrillte. Wie ein Schlachtroß, das den Ton der Trompete vernimmt. Das war ihr Mann. Pünktlich auf die Sekunde. Konnte Fipps schon bei ihm sein? Frau Liebmann war zusammengefahren. Sie sab sich unruhig um. „Es wird Ihr mann sein, der Sehnsucht nach Ihnen hat. sagte sie mit blassen Lippen. Doch Schaniderl lachte.„Keine Spur, der über nachtet doch in Berlin, und Ferngespräche führen wir nicht. Sind uns kleinen Doktorsleuten zu teuer, wie ich Ihnen schon heute morgen im Case sagte. Es wird wohl Sie angehen.“ „Meinen Sie?— Minna könnte doch...“ Doch Minna war unaufsindbar. Sie machte wohl ein Schwätzchen mit irgend einem Jemand in der dunklen Einfahrt. So mußte die Hausfrau wohl oder über durch das Arbeitszimmer ihres Mannes an den Apparat gehen, denn ihr Gast blieb auf seinem Stuhle sitzen, als ob er dort angewachsen wäre. Kaum aber war Frau Liebmannn am Telephon, so huschte dieser falsche Gast ihr nach und horchte an der Tür. „Erna?“ heuchte Fink und kniff die Augen zusammen. Die Frau am anderen Ende der Leitung machte eine Bewegung, schwieg aber noch. Die Stimme ihres Mannes war es nicht, die klang härter und lauter. „Erna bist du da?“ wurde Fink kühner. Frau Liebmann erblaßte. Wenn es nicht ihr Mann war. so konnte dies nur der andere sein! „Günther, um Gotteswillen, wie kannst du nur!“ !“ „Hast du meinen Brief bekommen?“ „Ja.“, hauchte sie,„ich bin empört, wie konntest du nur!“ Fink bemühte sich, ein neutrales Lachen von sich zu geben. „Du lachst!“ rief sie empört.„So seid Ihr! Ich habe seit Dienstag keine ruhige Minute mehr, we gen dieser Heimlich=, wegen meiner Schlechtigkeit.“ „Wegen dem Geld...“ zischelte Fink. Sie stöhnte.„Ich hätte es nicht tun dürfen" Mehr hörte Fink nicht, so sehr er auch horchte. Daran war Schaniderl schuld oder vielmehr die Tür. die plötzlich knarrte. Frau Liebmann hing erschreckt den Hörer an:„Ist hier jemand?" Die Lauscherin huschte über die Diele zurück, und der Herr im Telephon liool sagte:„Schluß, man will nicht mehr!" „Sie ist wohl spröde, Ihre Erna?“ lachte das blonde Fräulein, auf das schönste Pralinee beißend. „Verflucht spröde, kleiner Pussel,“ gab Fink zu rück,„verderben Sic sich nicht den Magen, halten Sie hübsch dichte und— Guten Abend!“ Erschlüpfte aus dem Kiosk. Am Markt irrte die Frau des Staatsanwalts durch die Flucht der Zimmer. Ob Minna geborcht hatte? Es war ihr doch, als ob sie auf der Diele Schritte gehört hätte. Auf ihren Gast hatte sie keinen Verdacht. Der saß im Wohnzimmer, ganz versunken in ein Buch. Plötzlich weg ein Verdacht in ihr auf. Sie eilte an das Telephon zurück.„Mit wem eben verbunden gewesen?" fragte sie die Auskunftsstelle. Nach einer Pause kam schnarrend die Antwort: „Mit Nummer 56.“ Wie dieser Teilnehmer heiße? „Oeffentliche Fernsprechstelle im Johannapark Wie? Nein, ich kann Sie nicht mehr verbinden. Ist eben geschlossen worden. Nachtdienst. Schluß!" Höchst beunruhigt hing sie den Hörer wieder an. „Ich muß ihm morgen schreiben, ihn fragen— doch ich wollte ja überhaupt nicht mehr...“ Sie sah sehr blaß und verstört aus, als sie in das Wohnzimmer trat, klagte über Kopfschmerzen und zog sich sofort zurück. Jeanette blickte ihr bestürzt nach. Das Telephongespräch ging ihr im Kopf herum Keine ruhige Minute mehr— Schlechtigkeit— ich hätte es nicht tun dürfen?— Mit zitternder Stimme zu einem Manne gesagt, der nicht der eigene war! Die kleine Frau griff sich an den Kopf. Hatte sie auch recht gehört? Das war doch ein Geständnis! „O weh, und ich hätte auf ihre Tugend und Ehrlichkeit geschworen!“ Bedrückt ging sie zu Bett. Sie mochte nicht länger in dem gemütlichen 5Whnzimmer sitzen, in dem Raum, aus dem die Ruhe und das Glück geflohen waren.— Auch zwischen den beiden Herren in der Villa in der Plagwitzer Straße wollze heute Abend gar keine rechte Stimmung auskommen. Der Staatsanwalt war mürrisch und wortkarg. Sein Wirt starrte meist nachdenklich in den warmen Schein des elektrischen Oeschens u. rauchte eine Zigarette nach der anderen. Bis sein Gast zu hüsteln anfing. „Ja, ja,“ sagte Fink,„sind rauhe SeptemberAbende jetzt. Mittags noch recht warm und schön. Sobald aber die Sonne weg ist, merkt man den Nordwest.“ Der andete wirbelte nervös den Schnurrbart und wollte wissen, wielange die Komödie noch dauern müsse. Wenn er sich wenigstens Akten mitgebracht hätte. Aber so den ganzen Tag im Zimmer über Romanen hocken und in der Dämmerung wie ein steckbrieflich Verfolgter durch den Albertpark rennen, das halte er keine 24 Stunden mehr aus. Fink blinzelte in das Licht.„Es hört schon einmal auf. Ma kann ja auch einen scharfen Schnitt machen...“ “ „Eine Frage, Herr Staatsanwalt, über die ich lange schon gegrübelt habe: weshalb erwähnten Sie Ihrer Frau Gemahlin gegenüber nichts von dem Verschwinden der falschen Scheine? Weshalb fragten Sie sie nicht ganz einfach...?“ Da stand der andere auf, daß sein Stuhl zurücktaumelte. „... ob sie eine Diebin sei?! Mein Herr, könnten Sie das Ihre Frau fragen?" Fink wiegte den Kopf hin und her.„Wephlb nicht? Vielleicht brauchte ich dann nicht für drei Tage in Quarantäne zu fremden Menschen zu gehen.“ Er war absichtlich hart und zynisch. Der andere mußte doch endlich einmals aus sich heraus gehen, bekennen, wie er zu seiner Frau stand! Doch so schnell gelang dieser Plan nicht. Wie ein wildes Tier rannte der Staatasnwalt im Zimmer auf und ab. Blieb drohend vor dem Spötter stehen. Warf im inneren Kampfe die breiten Schultern hin und her und stand dann lange am Fenster, starr in die Nacht hinausblickend. endlich umwandte, hatten sich seine er regten Mienen geglättet. Er war blaß und setzte sich schwer nieder (Fortsetzung folgt.) * . Drittes Blatt Nr. 139 Samstag, den 16. Juni 1923 Sodinger Zeitung Herner Zeitung Gerther Zeitung iSeberm Westfalen und Rheinland 4 Bochum.(Verhaftung der Putschisten.) der Kriminalpolizei ist es gelungen, zwei der Hauptführer gewalttätiger Banden, Karl Förstner, und Theodor Spieker, festzunehmen und zwar in einem Walde bei Siegen, wohin sie geflüchtet waren. In ihrer Begleitung befanden sich noch zwei GeWen. Sie waren mit Pistolen und Dolchen bewaffnet und haben vor ihrer Festnahme von ihren Schießwaffen Gebrauch gemacht. Sie wurden überwaltigt und in das Gerichtsgefängnis in Siegen einacliefert. Förstner und Spieker sind erheblich vor bestrafte Verbrecher. Sie haben eine ganze Reihe uchsdiebstähle auf dem Gewissen. Förstner und Spieker haben während der Unruhen aus einer Zeche in Weitmar. nachdem sie die Sprengkammern gewaltsam erbrochen haben, mehrere Pakete Dynamit mit Patronen entwendet, das der Stadt Bochum , g e h ö r e n d e A u t o m o b i l a n g e h a l t e n, d e n C h a u f f e u r vertrieben und das Auto zu Fahrten nach Watten scheid und Gelsenkirchen usw. benutzt. Sie haben die am Kanalbau an der Kohlenstraße in Weitmar tätigen Erdarbeiter zu Hundertschaften organisiert, bewaffnet und geführt. Nachdem der Ansturm auf d Depot der Feuerwehr blutig abgewiesen und die weiteren Unternehmungen fehlgeschlagen waren. haben Förstner und Spieker das Auto nach Ent wendung des Motors und der anderen Teile verlassen, und es vorgezogen. Bochum den Rücken zu kehren. Bachum.(Erzwungene Stillegung des Bochumer Vereins.) Das Zusuhrgleis von Präsident zum Bochumer Verein wurde von den Franzosen zerstört. Ebenfalls wurde das Stellwerk vom Hauptbahnhof zum Bochumer Verein von den Franzusen besetzt. Hierdurch sind auch die letzten Verbindungen mit dem Bochumer Verein unter brochen. Das bedeutet die vollständige Stillegung des Bochumer Vereins und der Stahlindustrie Durch diese Maßnahmen der Franzosen werden ca. 20 000 Mann arbeitslos. Hordel.(Metalldiebstahl.) Aus dem Ma gazin der Zeche„Hannover 3=4“ entwendeten Diebe Lagerschalen aus Weißmetall im Gewicht von vier Zentnern und im Werte von 4 Millionen Mark. Die Einbrecher wurden ermittelt und ein Teil des Die besgutes wieder herbeigeschafft. Wanne(Verhaftete Eisenbahner.) Eine größere Zahl von Eisenbahnbeamten wurde von den Franzosen verhaftet. Etwa 20 Eisenbahner wurden in einem Auto in der Richtung nach Essen abgeführt Günnigfeld Zum Besuch der freien Schule.) In der letzten Gemeinderatssitzung be schäftigte man sich in erster Frage mit dem Besuch der freien Schule. Günnigfeld, Leithe und Westen ### sollen die Kosten für eine Schulklasse aufbringen. BEi einer Abstimmung, auch die Kosten für die Kinden die eine höhere Schule auswärts besuchen, zu , ü b e r n e h m e n w u r d e d e r l e t z t e A n t r a g a b g e l e h n t, während die erste Vorlage angenommen wurde. Marl.(Der ertappte Schmuggler.) Der Zigarren= und Zigarettengroßhändler Theod. Lücke aus Drewer bei Marl fuhr nach Haltern, um einen Wazgon Kalk zu holen. Den hierzu nötigen Passierschein für eine Fuhre Kalk hatte er vorher von der Besatzungsbehörde eingeholt. Als er bei Haltern über die Lippe=Brücke wollte, befahl der Wachtposten den Waggon„Kalk“ auszuschütten. Hierbei stellte sich heraus, daß nur die obere Schicht Kalk war, und der übrige Teil des Wagens für 20 Millionen Mark Zigaretten enthielt. Der Wachtposten beschlagnahmte alsdann den Wagen, das Pferd und die Zigaretten, so daß der Händler den Weg nach Hause leer antreten mußte. Bottrov.(Verschüttet.) Bei einem Kanalbau in der Bogenstraße gaben plötzlich die Erdwände nach. 5 Arbeiter wurden von den Erdmassen ver schüttet. Obwohl Hilfe alsbald zur Stelle war und die Verschütteten nach kurzer Zeit geborgen werden konnten, waren bereits 3 Arbeiter tot. Köln.(Zurückhaltung der Kartoffeln.) In Köln herrscht zurzeit eine große Kartoffelnot, die die Lebenshaltung empfindlich verschärft. Es wird behauptet, daß Kartoffeln in genügender Menge vorhanden seien, aber zurückgehalten würden. Heute werden Preise von 2500—3000 M gefordert und bezahlt. Die Zentrumsfraktion der Kölner Stadtverordnetenversammlung hat sich dieserhalb an den Oberbürgermeister gewandt und um Untersuchung der Frage gebeten. Rbendt.(Kindersterben.) Unter den hiesi gen Kindern treten die Masern vielfalo mit Lun genentzündung verbunden sehr stark auf und hatten schon mehrere Todesfälle im Gefolge. Mettmann.(Bankraub.] In die Reichsbank stelle drangen nachts drei maskierte Räuber ein und zwangen unter Drohungen den Reichsbankdirektor zur Oeffnung des Tresors Den Räubern fielen 42 Millionen Mark in die Hände. Sie konnten dadurch unbehelligt entkommen, daß seit Monaten jeder Telephonverkehr abgeschnitten und in letzter Zeit infolge des Gasmangels keine Straßenbeleuchtung vorhanden ist, so daß die Verfolgung im Dunkeln vergeblich war Mülheim=Ruhr.(De: Unhold endlich unschädlich gemacht.) Im Speldorf Duisburger Walde trieb seit 1921 ein bewaffneter Mann sein Unwesen, der hauptsächlich Liebespaare überfiel, die jungen Män ner verjagte und die Mädchen vergewaltigte. Als er jetzt wieder eine seiner Untaten ausführen wollte, wurde er von dem Paare, einem Norweger und einer Dame aus Duisburg, nach längerem Kampfe, in dem ihm sein Jagdgewehr abgenommen und er mit einem Sportriemen gefesselt werden konnte, über wältiat. worauf er noch einen Revolver zog und zwei Schüsse abgab, die von der Taschenuhr und seinen Papieren, in der Brusttasche aufgehalten wurden. Schließlich nachdem er schwer verletzt wor den war, konnte der Unbold unschädlich gemacht werden. Es ist der 38jährige Zimmermann Peter Maus aus Mülheim. der. wi eschon feststeht, auch die früheren Ueberfälle ausgeführt, ferner W dieberei getrieben und einsame Spaziergänger über, fallen und ihnen die Uhren abgenommen hat. Wahnungselend in der Höhlenbewohner des 20. Jahrhunderts. Das Schulz=Knandtsche Gelände in Essen ist ein altes, ehemals bebautes Gelände.. Das ganze Ge lände ist vor längerer Zeit von einem Bau unternehmer gepachtet worden. der eine Reihe von Leuten dadurch Erwerb verschafft, daß er die in festen Mauerblöcken liegenden Ziegelsteine aus hauen und vom Mörtelvutz reinigen läßt. Auf diesem Trümmerfeld haben Menschen ihre Heimstätte errichtet. Der Essener Anzeiger erzählt von den Höhlenbewohner folgendes: „Man kletterte ohne Führung über die einzlnen Trümmerhausen, guckte in dieses Loch, dann in jenes und sand endlich vor einer großen ausge schachteten Höhle sitzend, ein Mädchen, das mit einem Maurerhammer Ziegelsteine bearbeitete. Man fragte das Mädchen, ob es, wie die anderen Leute, nur hier arbeite oder ob es gar... hier wohnte. Und da kam es beraus: die ganze Fami lie, das Elternpaar und zwei halbwüchsige Mädchen, arbeitete nicht an dieser Stätte, sondern hauste auch da, und zwar bereits seit drei vollen Tagen. Das Mädchen erzählte eine traurige Geschichte. Die ganze Familie hatte etwa ein halbes Jahr lang bei einem Bergmann in der Taubenstraße als Untermieter gewohnt. Den vier Leute stand ein ganz kümmerlicher Raum zur Verfügung, in dem sich zwei ganze Betten befanden. Der Vater dieser Un termieterfamilie, der erst im Bergbau beschäftigt war, später aber zum Banhandwerk überging, und jetzt arbeitslos ist, hatte für die Unterkunft seiner Familie in dem einen Raum bis vor ganz kurzer Zeit 10000 MAje Woche zu zahlen. Dann kam der Vermieter plötzlich mit einer Mieterhöhung von bisher 10.000 auf 21000 Aje Woche. Der Familie schien diese Summe zu hoch, und es kam daher, wie es in den heutigen schutzlosen Tagen in unserer Stadt leider Gottes nochgerade zu einer unver meidlichen Gewohnheit geworden zu sein scheint, sehr bald zu Zwistigkeiten, die rasch in Tätlichkeiten ausarteten. Der Familie des Untermieters wurde die Hölle so heiß gemacht, daß sie es vorzog, lieber ohne Dach über dem Kopf zu sein und mit Sturm und Regen zusammenzuhausen, als länger unter dem Dach des ungastlichen Gastgebers zu weilen Und so fand man denn das Schulz=Knandtsche Ge lände und wählte eine von den vielen dortigen Höhlen zur Bleibe. Die Familie haust nun seit 3 Tagen da. Der Vater, der das Maurerhandwerk zu verstehen scheint, ist daran gegangen, die vor dem Eingang zur Wohnung gelegene Höhle kunstgerecht auszuschachten. In das Maurerwerk eingehauene Treppen ermöglichten den Auf= und Abstieg. Es wurde uns gestattet, auch„Wohnung“ zu be augenscheinigen. Einen Augenblick schien es, als ob einen mitten im 20. Jahrhundert, im Herzen einer großen Stadt ein Spuk aus längst verklungenen Zeiten äffte, aus Zeiten kümmerlicher geschichtlicher Ueberlieferung, die uns besagt, daß die Menschen in Höhlen hausten. Tierfelle als Ge wandung benutzten, sich mit primtiven Werkzeugen gegen reißende Tiere verteidigten und in ihrer Menschenentwicklung kaum soweit gelangt waren. daß ihnen die aufrechte Haltung und das Gehen auf den Hinterbeinen allein zur Selbstverständlichkeit geworden war. all das und noch viel mehr fiel einem ein, wenn man sich diese unzeitgemäße menschliche Behausung auf dem Trümmerfeld am Schulz=Knandtschen Gelände betrachtete. In einem schmalen, überdeckten Gang, der ursprünglich wahrscheinlich einen Kellergang darstellte und kaum mehr als ∆m Meter breit und etwa 120 Zentimeter boch ist, hatten die vier Menschen ihre Halbselig keiten untergebracht. Da lagen friedlich nebenein ander ein paar dürftige Strobsäcke mit Decken, einige Kleidungsstücke. Lebensmittel, etwas Ge schirr, ein Einkaufskorb. ein Eimer und was der gleichen Gegenstände mehr sind. Die Luft in dem Schlafraum war feucht und schwer: das Licht fiel durch ein Mauerloch in den Gang. in dem tagsüber Halbdunkel herrschte. Es wurde uns erzählt, daß es des Nachts sehr kalt in diesem Raum sei Die Familie, die diese Höhle bewohnt, ist nach ihren eigenen Angaben schon seit einem halben Jahr nahezu Tag für Tag beim Wohnungsamt vor stellig geworden um eine Wohnung zu erhalten. Ohne Erfolg allerdings, denn es hieß am Woh nungsamt, es sei keine Wohnung frei. Und man kam wieder und kam wieder und erhielt immer die gleiche Antwort, auch vor drei Tagen noch, als die Wohnung in der Taubenstraße verlassen wurde. Turnen, Spiel und Sport Vorschau Mit dem Schlußspiel um die Bundesmeisterschaft, das dem Hamburger Sportverein den seit zwei Jahren erstrebten Titel eines deutschen Meisters brachte, hat die Fußballsaison ihren Höhepunkt er reicht. Während früher in der sogenannten Nach saison der Westen förmlich überschwemmt wurde von Vereinen der anderen Landesverbände und auch der Besuch ausländischer Mannschaften an der Tagesordnung war, sieht sich in diesem Jahr in folge der geschaffenen Verhältnisse der Ruhrgau fast völlig isoliert. Der Spielbetrieb ist auf Lokal spiele oder auf den Verkehr mit den Nachbarver einen beschränkt. Dieses Charaktertstikum ist auch dem morgigen Herner Fußballprogramm eigen. Auf dem Germaniaplatz spielt Germania Herne— Germania Bochum. Die Germanen haben hier Gelegenheit, die schwere Schlappe wieder gut zu machen, die sie am Vorsonntag in Bochum gegen die dortigen Ver. Preußen erlitten. Sie werden dies jedoch nur vermögen, wenn die Mannschaft ihre ganze Energie einsetzt. Denn in der Bochumer Namensvetterin steht ihr ein Gegner gegenüber, der zu den besten Mannschaften der Kreisliga gehört. Die Bo chumer Germanen besitzen nicht nur eine Anzahl guter Einzelkräfte, wie Reinl. Brüggemeinn, Sistig usw., die Elf verfügt auch über ein gutes Kombinatsspiel. Die Resultate, die die Elf schon oft gegen gute Gegner der Gauliga errang, sprechen für ihre Spielstärke. Die Herner Ger manen stehen morgen vor keiner leichten Aufgabe. Vormittags 11 Uhr spielt die la=Jugend gegen die erste Jugend des Turnvereins 48 Bochum und um 3 Uhr nachmittags die 1b Jugend gegen die l=Jugend des Sportvereins Wanne„1911. Den Schluß des Programms bildete das Spiel der Liga mannschaften um 4 Uhr. Westsalia— Viktoria Recklinghausen. Die Westfalen fahren nach Recklinghausen, zu einem alten Bekannten, der dortigen Viktoria. Die beiden Vereine haben sich nach dem Kriege schon manches spannende Spiel geliefert u. zwar wai mit wechselvollem Ausgang. Im letzten Spiel blieb Westfalia knapper Sieger. Angesichts der verhältnismäßig schwachen Form, in der sich die heimische Elf heute befindet, glauben wir nicht, daß sie diesen Sieg morgen in Recklinghausen erneuern wird, umsoweniger als daß der westfälische Gau wie die letzten Resultate zeigen, wieder stark im Kommen zu sein scheint. Wir geben ihm ein Plus von ein oder zwei Toren.— Einen Sieg herausholen, sollten hingegen die Alten Herren der Westfalen, die gleichfalls mit nach Recklinghausen fahren. Obgleich auch die alten Semester der Vik toria über gutes Können verfügen, sollte die Form, die die A. H.-Mannschaft der Westfalia auf ihrer Kasseler Pfingstfahrt zeigte, sie zum glatten Siege führen. Der Sportverein Sodingen empfängt Samstag den Spielverein Herne 16 zu einem Abendspiel. Beide Mannschaften, sind in guter Form, so daß ein spannender Kampf zu erwarten ist. * Radsport. Sonntag, den 17. Juni, findet der 3. Lauf zur Vereinsmeisterschaft des Radsportvereins„Jug vogel statt Da von seiten eines Gönners ein Sonderpreis. für den besten Jahrer aus den letzten 4 Läufen. in Form eines wertvollen Anzugsstoffes gestiftet wor den ist, wird ein heißer Kampf um Sieg und Plat entbrennen. Problem„Der Flurwächter“. Geographiekenntnisse. Die Eins wird täglich angewandt, Die Zwei beschirmte einst das Land. Das Ganze liegt in Oesterreich, Als Stadt und Landschaft auch zugleich * Silbenrätsel. aa, a, al. be, chen, dant, di. es. fen, no. pen. vi ra. ren. Aus vorstehenden 14 Silben sind 6 Wörter zu bilden, deren Anfangs= und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, eine seindliche Forde rung benennen. * Auflösungen eus voriger Nummer Bilderrätsel. „Geben ist seliger als nehmen.“ * Magisches Quadrat. * Umstellrätsel. Heiligenschein— scheinheilig. * Wandelbar. Nernst— Ernst— Stern— Ster— Rest Ehe Sie noch nicht entschieden haben, welch Ehe=Vermittlung Sie zwecks Heirat in Anspruch nehmen wollen, so gehen Sie den sichersten Weg nur zur Fortung. Essen, Rottstr. 9. Am Kopstadtplaz. Bei Anfragen Rückporto arkisen, Budentücher, Wagen- und Pferdedecken liefert prompt u ##wert Fr. Spies. Zeis= u. Deckenfabrik Herne i. W. Gartenstraße 24, lel 872(1397 Versekte b2109 emmiehlt sich in An fertigung von Herren und Damenwäsche Spezialität: BerrenOberhemden u. Kragen. Eberleh, ###icherstr. 15 a. Donnerstag abend zwischen 8—49 Uhr auf den Wege Schäserstr., Schulstr. bis zum Steinweg Tula=Armband= Uhr verloren. Wiederbeinger erhält Blohnung. Abzugebenk in der Gesch. d. Zig Hunde- c) Staupe 2 Herdrol Hiitt! In allen Apotheken und Drogerten Hernen. Bohrtafstr. 98 Ferwrut 1112 Die Welt der Frau Frauenwünsche bei der Resorm des Familienrechts. Ueber den so schwer drückenden wirtschaftlichen Gegenwartsfragen, verlieren leider so viele unserer Frauen das Interesse für die Rechte, die ihnen nach der neuen Reichsverfassung bereits zustehen und nach der bevorstehenden Neuschaffung des bürgerlichen Gesetzbuches noch in Aussicht gestellt sind. Die Gleichgültigkeit gegenüber diesen Fragen, die die Familie, die Stellung der Ehegatten zueinander, die Stellung der ehelichen und unehelichen Kinder zum Vater u. a. m. betreffen, ist aber umso bedauerlicher, als dadurch die Gelegenheit versäumt werden könnte, weiteste Frauenkreise mit den Forderungen vertraut zu machen, die sie heute, bei der ihnen vom S 19 der Reichsverfassung garantierten Gleichberechtigung der Geschlechter zu stellen berechtigt sind. War das bisher geltende bürgerliche Gesetz von Männer beraten, von Männern zusammengesetzt und in seiner entgültigen Fassung beschlossen worden, so werden nun auch Frauen als Vertreterinnen ihres Geschlechtes an seiner neuen Gestaltung mit beraten. Um das aber in der für das ganze weibliche Geschlecht erwünschten Form und dem dazu nötigen Nachbruck tun zu können, hat die Gesamtheit der Frauen auch die Pflicht, um ihrer selbst, wie um der Zukunft ihrer Kinder willen, die ein5 elnen neuen Forderungen unter voller Berücksichtigung des Erreichbaren und im Hinblick auf die oft so schwer drückenden Fesseln des bisherigen Gesetzes aufzustellen. In erster Linie wird wohl der Mehrzahl der Frauen eine entgültige Regelung der vermögensrechtlichen Frage dergestalt erwünscht sein, daß ihnen ihre heute so arg beschnittenen Rechte bezüglich des eingebrachten oder in der Ehe erworbenen Vermögens, gegenüber der bisher geltenden Abhängigkeit von des Ehemannes Gnaden, der garantierten Gleichberechtigung mit ihm entsprechend, gesichert werden. Weiter müssen sie das Recht der Selbstbestimmung über ihre Staatsangehörigkeit beim Eingehen einer Ehe mit einem Ausländer erhalten, damit sie nicht mehr, wie es bis jetzt so oft der Fall war, unter Umständen vogelfrei werden können. Weiter müssen die Rechte der Frauen energischer, als es nach dem alten Gesetz bisher geschah, bezüglich einer notwendig werdenden Ehescheidung gesichert werden, nicht minder das Recht der unehelichen Mutter und ihres Kindes auch bezüglich des Erbrechtes an dem Besitz des Vaters. Ebenso muß die alte Anhängigkeit vom Manne beseitigt werden, die von mancher berufstätigen Frau dann so schwer empfunden wurde, wenn sie im Gegensatz zu seinen Wünschen, einen Beruf ergreifen oder beibehalten vollte, zu dem sie besondere Neigung oder Befähigung besaß, in diesem Wollen aber durch das bisherige Gesetz behindert wurde, das allein dem Mann das Verfügungsrecht über die Berufstätigkeit seiner Frau einräumte. Welche unendlichen Hemmnisse und verborgenen Klippen des Anstoßes für die Frau und Mutter bisher auch in der Unter=, wenn nicht gar Geringschätzung ihrer Tätigkeit als solche, gegenüber der Berufstätigkeit des Mannes lagen, ist ja genügsam bekannt, einer Unterschätzung, die nicht selten so weit ging, daß sie um Zahlung der zur Wirtschaftsführung notwendigen Beträge wahre Kämpfe mit dem Ehemann zu bestehen hatte; auch in dieser Hinsicht muß also gründlich Wandel geschaffen werden. Ferner darf auch nicht jene alte Forderung uneingeschränkt bestehen bleiben, daß der Mann allein den Aufenthaltsort seiner Familie bestimmt und sich die Frau ihm ohne Widerstand nach dieser Richtung hin zu fügen hat. Ganz abgesehen von den so schwerwiegenden Erziehungsfragen der Kinder, soweit sie konfessioneller Art sind und was dergleichen Familienrechtsfragen mehr betrifft, die einzeln anzugeben, zu weit führen würde. Schon diese kleine Auslese müßte aber genügen, der Gesamtheit der Frauen eindringlichst klar zu machen, was für sie auf dem Spiele steht, wenn demnächst die neue Fassung des bürgerlichen Gesetzbuches geschaffen werden soll. Mittelalterliche Ansichten über den Einluk von Speisen und Getränken auf Körper und Geist. Ist uns Hausfrauen von heute das Beschaffen von Nahrungsmitteln das Wichtigste, so waren die Hausfrauen des Mittelalters darin glücklicher wie wir und konnten ihr Augenmerk vor allem auf den Einfluß der täglichen Speisen auf Körper und Geist richten, der nach allgemeiner Auffassung bei den einzelnen Nahrungsmitteln grundverschieden ar. Wurde auch keinesfalls eine allgemein als schädlich erkannte Speise abgelehnt, wenn sie sonst gut mundete, so befaßten sich doch namhafte Gelehrte, vor allem Aerzte damit, immer wieder neue Werke zu verfassen, in denen sie zur„Besserung schlechter Gesundheit“, wie der Florentiner Frieß 1539 dber der hochgelehrte Herr Ludowicos de Avila, Kaiserlicher Mayestät Leibarzt, unter dem Titel:„Bankett der Höfe und Edelleute des gesunden Lebensregimentes," von Eigenschaften, Nutzen und Schädlichkeiten dessen, so zu menschlicher Speise, Trank und Gebrauch in Küche, Keller und Apotheken, auch zu mancherlei Lebensgebrechen von Nöten.“ Nach diesem„Leitfaden“ konnte nun die Hausfrau völlig sorglos Gekochtes und uud Gebrautes auf den Tisch bringen, immer wissend, wie sie auf Herz. Gemüt und Körper wirkten. So war also nach altem Glauben das Fleisch zarter Tauven für„Podagristen“ schädlich, dasjenige der Wild= und Turteltauben aber für die Vernunft außerordentlich stärkend Das heute vielbegehrte und für unzählige nicht mehr erschwingliche Gänse= und Entenfleisch, sollte Fieber und Gelbsucht verursachen und dem Haupte schaden. Schlachtfleisch von Weidetieren an hohen Bergen wurde höher geschätzt, als das Fleisch jener Tiere, die im Flachlande. namentlich in der Nähe von„stinkenden“ Wässern weidete, ebenso galt das Fleisch von Stallticren als minderwertig, wurde als „bös“ bezeichnet und sollte deshalb besser vermieden werden. Andernfalls galt Schweinefleisch nach damaligem Glauben trotz seiner Schwerverdausichkeit für nahrhaft und blutbildent, Ziegenfleisch sollten die Melancholischen meiden, da es die Milz verstopse, woraus Wassersucht, Geschwüre nud sogar Aussatz entstehen könnte. Wollte man sich im Sommer nicht des Fleischgenusses völlig enthalten, dann sollte man tagsüber nur gesottenes Fleisch am Abend dagegen Gebratenes essen, da die Kühle und Ruhe der Nacht, die Verdauung stärke. Das nach unseren Erfahrungen leicht verdauliche Gehirn der Schlachttiere galt damals für schwerverdaulich, Gurgeln, Ohren und Nasen derselben seien nur„für Trescher und Holzarbeiter ein geeignet Mahl.“ Weiter wurde den vorderen Teilen der Schlachttiere stets der Vorzug vor den hinteren Teilen, ebenso denen der rechten Seite oor denen der linken Seite gegeben, welche durchweg als minderartig galten. Von den Gemüsen wurde der Salat, namentlich in gekochtem Zustande, als scharfbringender Genuß hoch geschätzt. Petersilie sollten Jähzornige meiden und Kohl schwerblütige, melancholische Menschen, Reis und Erbsen wurden empfohlen, Gerste Bohnen und Linsen aber als schädlich verworfen. ja die letzteren sollten sogar außer dem Magen, auch dem„Geäder“ und dem Haupte schaden. Essig, den wir heute nur mäßig genießen, da wir seine schädliche Wirkung auf die Blutbildung kennen, galt als ungemein störkend. Walnüsse sollten das Stottern begünstigen, während Haselnüsse, ebenso wie Pfirsiche und Aepfel eine Stärkung für Herz und Gehirn bedeuteten. Milch sollte vermieden werden, da sie Kopfweh verursache und Zähne zum Ausfallen und Brüchigwerden bringe,„Seiten und Bauch aufblähe“, während das Brot als der Gesundheit, des Körvers sehr zuträglich bezeichnet wurde, Brotrinde sogar die Sehkraft stärkend beeinflussen solle. Hat sich auch noch einiges von diesem alten Aberglauben bis auf die heutige Zeit erhalten, so lernten wir Hausfrauen doch längst aus eigenen Erfahrungen und belehrt durch die Wissenschaft erkennen, wie die Hausfrauen jener Zeit in manchen Irrtümern befangen waren und Tafelgenüsse darboten oder mieden, von denen wir heute das Gegenteil wissen. Deutsche Frauen, deutsche Treue! Hat der Dichter der Teurfs#m— nicht eine große Pflicht für die dertiche Ttar z#caffen, wenn er von ihr und der Treue in eurem Aren sprich:? Deutsche Frauen, wahr: in die##r cweren, bitter schweren Zeit die deutsche Teere! E#####r sie nicht, dieses köstliche Gut. das uns bei aller Armut niemand rauben kann. Verzei: micht de ihr Frauen, deutsche Frauen seid! Die Frauen sellen den Mann zu edler Tat begeinern Kann min an der Sitt und Art einer Frau nicht ganz zeuan den Kulturstand des ganzen Landes beurteilen? Sült du genau erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an, so sagt unser großer Dichterfürst Schiller. Frage bei edlen Frauen an, denn diese sind es, die Sitte und Ordnung im Lande bestimmen. Eine Frau, die sich ihrer hehren Aufzabe bewußt ist, die Jugend heranzubilden, sie zu ordentlichen, aufrechten Menschen zu erzie##en, dem Manne ein Vorbild zu sein, ist eine Priesterin im Heiligtume des Vaterlandes. Es ist ein köstliches Bewußtsein, daß wir in unserem deutschen Vaterlande Gott sei Dank noch Frauen haben, die diese Aufgabe erfüllen, restlos erfüllen. Nicht mit großem Tamtam weisen sie auf er Werk hin, nein, in der Stille wächst diese lüte, die in ihrer letzten Entfaltung das Glück des ganzen Volkes in sich birgt. Wie der Ton n der Familie ist, so ist er im Volke! Zwar, nicht jede Frau kann hier als Vorbild angeführt verden. Es ist zu traurig, und so mancher Frau unwürdig, wenn man ungewollt Zeuge eines häßichen Auftrittes wird, wo sie sich jeder Würde und jeden Anstandes bar benehmen, sei es auf der Straße, sei es zu Hause! Diese Frauen haben ihr Priestertum am Volke nicht erkannt, sie schänden das Heiligtum des Vaterlandes. Darum Frauen, deutsche Frauen, besinnt euch auf eure Aufgabe die unser Vaterland an euch stellt, in dieser schweren, bitter schweren Zeit an euch stellen muß! Bleibt echte Frauen, denen die Treue ein unantastbares Kleinod ist, das sie trotz aller Armut mit Stolz und tiefer Freude erfüllen muß. Dann wird der deutsche Name seinen guten Klang behalten. Trotz alledem! Johanna Kaufmann. Weiterzahlung der Frauenbeihilfe an Staatsbeamte. Nach eine: Ver ügds Preußischen Staatsministeriums wird von einer Kürzung oder Entziehung der Frauenbeihilfe abgesehen, wenn die Ehefrau des Beamten nur nebenbei als Angestellte tätig ist und für diese Tätigkeit Die neue schlanke Linie. Obgleich die Mode schon verschiedentlich selbst gegen die lange schlanke Linie„Sturm“ zu laufen begann, indem sie seitliche Bauschungen, Hüftverbreiterungen, ja selbst rokokoartige Raffungen und Ueberkleider am Nachmittags= und Abendkleid schuf, scheint diese nun doch wieder die kommende Grundnote der Frauenkleidung zu werden.„Alles fließt“ an den neuesten Erscheinungen unter den Frauengewändern, kaum, daß das Leibchen einmal durch eine scheppenartige Verlängerung etwas Unterbrechung in diesem Fluß der wenigen Falten des engen; langen Gewandes zu bringen versucht. Wo der Rock den letzten Forderungen der Mode streng entspricht, fast gänzlich faltenlos zum Knöchel herabzuwallen, da sind die wenigen Plisseefalten, die rechts und links zur Bequemlichkeit der Trägerin eingefügt sind, ganz fest eingebügelt, sodaß auch sie in keiner Weise das neue Ideal der Modegöttin: die völlige Geradlinigkeit der Frauengestalt, zu beeinträchtigen vermögen Dann schneidet man den sauberen Fettkuchen von der Oberfläche, schabt die untere feuchte Schicht ab und läßt ihn in dem Aufbewahrungsgefäß nochmals einschmelzen. Sehr verseinern kann man das Fett, wenn man es eine Viertelstunde in der gleichen Menge Milch kochen läßt und nach dem Erkalten von derselben abschneidet.— Beim Aus backen in Fett geve man ein paar trockene Erbsen und ein Stückchen trockenen Ingwer dazu, die etwa vorhandene Feuchtig keit aufsaugen und das Sprinverbindern. Für den Haushalt — Praktische Verlängerung zu kurz gewordener oder verwachsener Kinderschlüpfer. Man kann sich die Arbeit des Verlängerns durch Anstricken oder Häleln ersparen, wenn man verwachsene Längen von Kinderstrümpfen oder dünn gewordene Männersocken mit schmaler Naht ansetzt. Der obere Ränd bildet an den Aermeln gleich einen wärmenden Ausschlag, wenn er zurückgelegt wird. Am Halse bringt man einen von links nach rechts umgerollten Streifen von den gleichen Längen an und am unteren Rande jetzt man zwischen diesen Streifen und den zu kurz gewordenen Sweater oder Schlüpfer, je nach der notwendigen Länge, noch einen; andersfarbigen Streifen von verbrauchten Strumpflängen. Namentlich Ringelstrümpfe gestalten ein derartig ausgebessertes Stück zu einem vollständig neuen. Einfaches Auf= und Umfärben verblaßter Ballstrümpfe. Die Mode schreibt wieder farbige Ballstrümpfe vor, und zwar müssen sie zum Kleide selbst oder zur farbigen Garnitur desselben passen. Wo aber noch gut erhaltene Strümpse vorhanden sind, da kann die Ausgabe für passende Strümpfe gespart werden, wenn man sie in gewünschtem Tone auf= und umfärbt. Gut gewaschen und gespült, legt man sie noch feucht in eine lauwarme Lösung von Citoccol, das in Tablettensorm in Drogerien erhältlich ist. Sobald die gewünschte Farbe erreicht wurbe, wobei zu beachten ist, daß sie nach dem Trocknen um die Hälfte heller erscheint, spült man die Strümpfe in reinem Wasser, hängt sie nach links gewendet geane auszuninden zum Abtropfen auf und bügelt sie noch feucht, nach der Form trocken. — Uebelriechende Gußsteine zu desniidieren Man gießt zur Lösung des Fettansates im Knie des Rohrs, der durch Eingießen des Geschirrabwaschwassers nach und nach entsteht, angsam einen Topf kochendes Wasser,(Sodawasser) hinein und läßt nach gründlichem Svülen mit kalem Wasser noch etwa 1 Liter dunkelrote Lösung von übermangansaurem Kali folgen, das möglichst einige Stunden im Knie stehen bleiben muß. Mon ieße also in dieser Zeit nichts anderes hinein. Frauenrundschau Gründung einesalkoholfreten Volksund Mädchenheimes in Davos. Die Sektion des schweizerischen, gemeinnützigen Frauenoereins hat in Daoos=Platz ein alkoholfreies Volks= u. Wä chenheim erö net das vo ih finanzie t urdgleitet, der Stiftung für Gemeindestuben angeschlossen ist und einen billigen Ferienaufenthalt bieten will Frauenwohlfahrtsarbeit in Argentinien. Seit bereits 100 Jahren besteht die von Frauen geleitete größte argentinische Anstalt für „öffentliches Recht“. Sociedad de Benficencia, die, 1823 in der gleichen Form gegründet, allgemein als eine Art„mittelbare“ Staatsbehörde gilt. der alle öffentlichen Wohlfahrtsanstalten, gleichviel welcher Art, angeschlossen sind. In dieser Anstalt arbeiten die Argentinierinnen unter allgemeiner Anerkennung der Behörden und Unterstützung aller Kreise unentwegt zum Wohle des Volksganzen und es ist bezeichnend für ihr erfolgreiches Wirken, vaß sie nur ganz vereinzelt einmal mit ihrer Arbeit gegnerischen Angriffen ausgesetzt waren. Für die Küche — Avfelgemüse.(Mittagsgericht). 1 Pfd. sauerliche Aerfel werden geschält, geviertelt und entkernt Denn kocht man sie mit etwas Zucker weich, ohne daß sie zerfallen, gießt den Saft davon unter inzwischen ebenfalls gargekochte, geschälte Kartosseln, von denen man 1½ Pfund verwendet, stampft sie ganz fein, fügt gelb geröstete Zwiebel und die Aepfel bei, schmeckt das Gericht süß=säuerlich ab und reicht es mit oder ohne Blutwurst. — Pilzkartofieln. ¾ Pfund getrocknete Steinpilze, am Abend zuvor eingeweicht, werden nach dem Garkochen feingewiegt, mit einer Mehlschwitze und 1 Zwiebel dünnsänig verkocht, unter in Scheiben geschnittene Kanosseln. gerührt und das Gericht mit Paprika und feingewiegter Petersilie sowie Salz nach Geschmack gewürzt. — Apselsinenpudding. Die Schale einer Apfelsine, möglichst auch einer Zitrone, reibt man auf etwas Zucker ab und läßt diesen, zu ein Viertel Pfund ergänzt, in ein Halb Liter Wasser auskochen. Hierzu fügt man den Saft beider Früchte und 40 Gr. in Wasser glatt gerührtes Mondamin. Zur Verseinerung kann man dann noch ein Eidotter verrühren und guletzt den steisen Schnee von einem Eiweiß leicht unter die Masse schlagen. Die Speise wird wie üblich in ausgespülte und mit Wasser umspülte Formen(sehr nett in Tassen gebracht und nach dem Erkalten gestürzt. — Aufbewahren von Ausback ett sowie Suppen= und Tunkenfett. Das Fett wird in einem breiten Topf erhitzt und mit ebensoviel kochendem Wasser ausgekocht, indem man es mit dem Schöpflössel nach oben bringt. Nach 20 Min. Erhitzen und einiger Abkühlung gießt man die Masse durch ein Sieb und läßt sie erstarren. Was der Hausarzt sagt Kalte Füße rasch zu erwarmen. Eine der schlimmsten Ursachen vieler Erkältungskrankheiten, kalte Füße, sind auf folgende Weise rasch zu erwärmen. Man zieht die Strumpfe aus und reibt mit dem warmen Oberteil, also der Länge des Strumpfes, unter kräftigem Druck zunächst die Fußsohle, darauf Fußspitzen, Spann und Ferse, bis sich die Haut rötet. Zieht darauf frische Strümpfe oder wo dieses nicht möglich, den Strumpf nach links gewendet wieder an, wippt einigemale mit den Fußspitzen auf und ab und wird schon nach wenigen Minuten das so behagliche Gefühl wiederkehrenden" Blutes in den Füßen und damit neuer Erwärmung derselben verspüren. Bei Verschleimungen der Atmungsorgane leistet eine Abfochung von Salbei vortreifliche Dienste. Drei Fingerspitzen voll davon auf 1 Tasse voll Wasser gerechnet, läßt man aufkochen und 5 Minuten ziehen und genießt bis zur Beseitigung des Leidens jeden Abend vor dem Schlafengehen eine Tasse davon. Für unsere Kleinen Der beste Spielkamerad des Kindes. Wenn so oft von der Schwere der Erziehung eines einzelnen Kindes die Rede ist, dann gelten diese Bedenken in erster Linie dem dadurch bedingten Mangel an einem Beispiel. Wo noch Geschwister vorhanden sind, da schleift ein Kiud am anderen nnmerklich Kanten und Fehler seines Charakters ab, nimmt sie sich, ihm selbst unbewußt, zum Beispiel und ordnet sich wenn es nottut, selbst wenn es ihm schwer werden sollte, ihnen doch immer wieder unter. Wo Geschwister fehlen, da sollten die Eltern ihrem einzigen Kinde als besten Spielkameraden ein fremdes Kind zugesellen. Selbst das größte Verständnis der Mutter, das liebevollste Vertiefen in das kindliche Spiel werden ihm doch nicht das gleichaltrige oder nur wenig ältere oder jüngere Kind als Spielkameraden ersetzen. Es braucht durchaus nicht immer ein Kind der eigenen Lebenssphäre zu sein. Ob es gut geartet ist, nicht lügt, streitsüchtig und rechthaberisch ist, wird die aufmerksame Mutter schon beim ersten Zusammensein der Kinder beobachten können. Sonstige Gegensätzlichkeiten in den Charakteranlagen der beiden Kinder gleichen sich aber im gemeinsamen Spiel zwischen den beiden Spielgenossen immer wieder aus oder dienen eben bei beiden Kindern gleichen als jene unmerklich wirkende Feile am Charakter, ohne die nun einmal jegliche Erziehungsarbeit nur Stückwerk bleiben würde. Von Anfang an mut jedoch die Mutter des„einzigen“ Kindes dafür Sorge tragen, daß dieses dem Spielgefährten das des uneingeschränkte Recht der Benutzung sämtlicher einräumt. Damit schafft sie manche Mißhelligkeit zwischen beide aus dem Wege und leistet gleichzeitig dem eigenen Kinde den besten sie es damit zur Nachgiebigkeit, Opferfreudigkeit und Verträglichkeit erzieht. Ihre eigene Teilnahme bei Anwesenheit des fremden Kindes im, Hause so., 0 nux auf stilles Beobachten und unmerklich#enten derselben bei allugroßem übermut und Lärm erstrecken. Im übrigen soll sie beide sich völlig selbst überlassen. 4—* A#irt vorgenommenen Eichungen ausgeführt rerden. Es werden die mannifaltigsten Arbeiten ausgeführt, besonders Wagen zu chemisch analytischen Gewichtsbestimminge, Prä zisionswagen in Glaskästen, Wagen zu technischphysikalischem Gebrauch für Gold- und Silberwarenfabriken und ähnliche Dinge. Die Arheiten werden zum Teil durch Heimarbeiter gefertigt. und zwar erfahren die Roystoffe zun nachst eine mehr oder weniger umfangreiche Bearbeitung im geschlossenen Betrieb. werden dann vom Heimarbeiter weiler behandet und kehren endlich als fertige Artisel wiecer in die Fabrik zurück, wo die Schlußarbei#en, das Montieren der Wagen, das Justieren der Gewichte und das Polieren vorgenommen werden. Die Zahl der Heimarbeiter in der Feinmechank ist in diesem Bezirk sehr bedeutend, am größten ist sie immer noch in Onstmektingen seibst, wo Verstandnis und Handsertigkeit für dieses Schaffen sich von den Vätern auf die Söhne rererbt hoben. Das Absatzgebiet erstreckt sich nder den ganzen Kontinent, ja, sogar bis nach England und Amerika: namentlich die Wagenfabrikation wiro nirgends in Deutschland in größerem Umfange betrieben. Auf Freiersfüßen befand sich ein junger, reicher Gutsbesitzer, als er zu seinem Freunde sagte: Hier, sieh' diesen Besenstiel, ihn bestimme ich, um mir eine Gattin zu wählen. Er hatte eine zahlreiche Gesellschaft eingeladen. wornnter sich viele junge Mädchen befanden, die er nach der Tafel im Garten spazieren führte. Auf einem der sorglich geebneten und mit Sand bestreuten Wege lag der Besen, über den einige stolverten, andere hinwegschrit ten. Endlet, kam ein Mädchen, das ihn aushob und in eine Edke stellte. Ihre Oronungsliebe impomerte dem heimlichen Heiratskandidaten, er suchte ihre nähere Bekanntschift. lernte eine Fülle anderer anziehender Eisenschaften an ihr schätzen und heiratete sie. Er hatte es nie zu bereuen Ludwig 14. als Tänzer. Es ist bekannt, daß es einmat eine Ballettänzerin zur Kaiserin gebracht hat. nämlich Theodora, die Gemahlin des byzantinischen Kaisers Justinian. Weniger bekannt dürfte es sein, daß umgekehrt ein König von Geburt es einst zu hohem Ruhme als Ballettänzer brachte. Und zwar kein geringerer als Ludwig 14., in dessen Zeitalter man ja einen förmlichen Kultus mit dem damals noch jungen Ballett trieb. Unter Ludwig 14. wurde das Ballett erst eine zünftige Tanzaattung für Berufskunstler. Anfangs war freilich noch der Hof der hauptsächlichste Träger der Tanzkunst. an seiner Spitze der jugendliche König selbst, ein wahres Tanzgenie.. Ludwig trat zuerst, dreizehnjährig, in dem Ballett„Kassandra“ aus und tanzte in der Folgezeit dis 1669 in 27 großen Rollen. Im allgemeinen waren es Götter und Halbgötter, die Seine Majestät in Tanz und Pantomime verkörverte. Sonne, Mond und— Josua. siche Tale still zu Eibeon. und du. Mund. im !“ Lange möge er leben!“ Be Glas und bemerkte lä. Geichter seiner T#uWaion friedigt leerte er sein d#elnd die verdutzten genossen. Aussprüche großer Männer. Zwei Arten höh'rer Guter schuf Natur: die einen: schon zu denten und zu handeln; die andern: voll Empfänglichkeit der Spur des Wahren und des Schönen nachzuwadeln. (Mitza Schaffy.) Wer den Sieg davon will tragen, der muß feststehn und auch wagen.(Sprichwort.) Mehr als das Gesetz wird gescheut.(Lord Buron.) O könnte man im Buch des Schicksals doch lesen! Der froheste Jüngling, schauend seine Bahn, wie hier Gefahr gedroht, dort Leiden nahn, er schlöß das Buch und setzte sich und stürbe.(Shalespeare.) Von allen Tugenden die schwerste und seltenste ist die Gerechtigkeit. Man findel zehn Großmütige gegen einen Gerechten.(Grillvarzer.) Wer Kräfte fühlt, der muß die Kräfte regen.(Theodor Körner.) Der Zweifel hal Verzweiftung oft geboren. denn alles hat, wer Gott verlor. verloren. (Tiedge.) es Ende 1932 in Deutschland genau 34.780. Darunter befanden sich zwei weibliche Fahrradschlosser, vier Schuhmachermeister, Uhrmacher, ! schler, mei##re Maurergesellen und sogar zc. Schoinsteinfeger, noch dam Mutter und Toch ter. Eine in dungege vor. Man io Altersunterschie auf die Eleschergeben, lich 131 erestante„Ehescheite liegt aus der Schweiz e seststellen, inwieweit der der Eheleute einen Einfluß ung ausubt. Dabei hat sich das die wenigsten Scheidungen, nam auf 1“1000 Ehen, stattfanden,, wenn der Mann 2 bis 10 Jahre älter war als die Frau, war der Mann älter als 10 Jahre, so Lächerlichkeit stieg die Zahl gur 180: waren beide Eheleute ungefähr gleich alt, so gab es 191 Scheidungen. die meisten jedoch 226, wenn der Mann 2—10 Jahre jünger war als die Frau. Danach ist es am richtigsten daz der Mann älter ist als die Frau, abe: auc nur höchstens zehn Jahre ältec. Wissenswertes. Manche erotische Vögel bauen besondere. geschmückte„Vergnügrungs Nester“, die niemals zum Brüten sondern nur zu geselligen Zusammenkünften dienen. Es gibt Wasservögel, die bis zu sechs Minuten unter Wasser bleiben können. 62 Prozent der Weltmeere haben eine Tiefe von mehr als 3600 Metern. Die deutsche Actillerie verfeuerte im Kriege 1870=71 insgesamt nur ca. 817000 Schuh Jeder Mensch almet täglich gegen 1000 Gramm Kohlensäure aus., Die Mole von Brügge ist aus Betonblöcken zusammengesetzt. von denen jeder allein 200 000 Zentner wiegt.. Je schlechter man bei Nebelwetter auf dem Meere sieht, desto besser hört man. Nebelhörner hört man bei Regensturm sechzig mal weiter als bei schönem Wetter. An bezzen Tagen gewähren kalte Fuß= und Handbäder eine sehr große Erleichterung. Der außerordentliche Nervenreichtum sowohl in der Haut der Hand als auch der Fußes läßt viere Erscheinung leicht erklärlich finden und legi ertschieden nahe, auch bei Sonnenstich, Ohnmachtsansällen, Beschwerden des Herzeus und älmlichen plötzlichen Anfällen davon Gebrauch zu machen. Die#ernen Fußubel. Hühneraugen, Honsteilen usw., kommen, so oft lie auch ausgerottet werden, immer wieder, so lange man ungeeignetes Schuhwerk trägt, wie es für die meisten wrenschen die käuflichen Schuhwaren sind. Erwachsene haben infolge ungenau passender Schuhe fast alle verdorbene Füße. Alle Eltern sollten nun wenigstens darauf bedacht sein, ihre Kinder vor dem gleichen Schicksai zu bewahren, indem sie ihnen stets nur bequemes Schuhwerk geben.. Trei vornehme Diplomaten, die Abge sandten ihrer Mächte, satzen nach der er sten Teilung Polens(1772) bei einem Bankett. nedeneinander: für Oesterreich Graf Stadion, vasi. für Pieußen der Marchese Lucchesini, für Rußzland Graf Tolgorucki. Das Mahl konnte selbstverständlich nicht gefeiert werden, ohne daß die Gesandten ihre Monarchen hochieben lieden. Tie Kaiserin Maria Theresia hatte den Vortritt. Graf Stadion stellte sie in einer hochfliegenden Tischrede als die Sonne unter den Herrschern Europas hin. Tann trank er auf ihre Gesundheit. Nun erhob sich Graf Tolgorucki und verglich seine Gebieterin, die Kaiserin Katba Der zerbrochene Regenschirm. Ein Junggeselle saß mit einem jungen Ehevaar seiner Bekanntschoft in der Elektrichen. Es war ein regneriicher Morgen. Die junge Frau hatte ihren Schirm so neben sich hingestellt, daß er den Ein und Aussteigenden deinahe den Weg versperrte. Ein kleiner unachtsamer Bursche stolverte beim Verlasten des Wagens darüber und verbrach den Schum. das tut mir sehr leid.“ stammelte er mit einem puterroten Gesicht. „Das macht nichts, mein Junge, ich bin überzeug, daß du es niht absichtlich getan sagte lächelnd die junge Frau, ohne eine pur von Unwilien und Aerger zu zeigen. „Nun, das muß ih sagen.“ rief bewundernd der Junggeselle.„Teine Gattin ist in der Tat ein Engel. Jede andere Frau würde den dum men Jungen wenigstens mit ihren Blicken durch. bohrt haben, wenn sie ihn nicht mit Worten niedergeschmettert hatte.“ Proutische Mille. Reinigung der Kleiderbürsten. Die eben gebrauchte Burkte reide man jedesmal gegen ein reines Pavier, weiches man mit der Hand gegen die scharfe Ecke eines Tisches hält. so lange, bis das vier, welches man beim Reiben immer verschiebt, rein bleibt. Dies ist in wenigen Augenblicken geschehen. Man schont die zu reinigenden Kleidungsstucke auf diese Weie sehr, da die unrenen Bürsten denselben oft mehr Schaden tun als der Gebrauch und der Staub. Gegen das Eierfressen der Hulner macht man einen recht scharfen Ausguß, in dem man recht viel gestoßenen Pfeffer, womöglich mit etwas Paprika tüchtig abkocht Nachdem der Aufguß fertig. nimmt man ein Ei. durchlöchert seldiges und bläst den Inhali aus.— Dann verschmiert man das eine Ende mit Gips. Wenn derselbe hart ist. füllt mar das El mit vorbesagtem Aufguß. verschmiert das andere Ende und legt das o# herstellte Ei auf diejenige Stelle, wo die Hühner gewöhnt sind, solche zu finden. Ein Huhn, welches einmal so mit einem Ei angeführt wurde, geht so leitzt nicht ein zweites Mal daran. „Ja, sie ist ein Engel.“ bestätigte der Gatte. indem er die Stücke des Regenschirms aufhob und seine Frau belustigt anlächelte. „Aber weißt du, sie hat mich schon seit einem glan keine Gevieterin, die Raverin Kaloo„* rina II., mit dem Monde, der als Gestirn der Monat vergeoli um einen neuen Schirm ge Nacht die tiefste Tunkelheit mit seinem lieblaten Lichte erhelle. Der Vertreter des Alten Fritz. der natürlich daraut ausging, die Vorredner zu übertrumpfen, sprach zunächst sein Bedauern darüder aus, das seine Tischgenossen ihm die wirkungsvollen Bilder von Sonne und Mond schon vorweggenommen hätten, fuhr dann aber mit erböbter Stimme fort:„Ich trinke auf das Wobl memnes lorbeergekrönten Königs (Friedricthz Ihn vergleiche ich dem Josug. der bekanntlich das Wort sprechen könnte:„Sonne. quält und jetzt laufen muß.“ eiß sie, daß ich ihr einen Frauenwelt Ein seltsames Ebepaar ist kürzlich bei Niesa vor den Altar getreten. Der Mann zählte 72 Jahre, die Frau nur 23 Jahre. Der„junge Ehemann“ hätte also ihr Großvater sein können.. Weibliche Handwerkerinnen und Meisterinnen, Gesellen und Lehrlinge, gab Allerhand Schuurren. Die Nachtigall.„Gnädige Frau dars ich nachher nicht ein Stündchen in die Anlagen gehen? Die Nachtigall singt jetzt immer so schön!“— Na meinetwegen. Luise. nehmen Sie aber der Nachtigall nicht wieder eine Leberwurst mit!“ Ein Worlwrc#.. Mein Herr! Diese Geringschätzung kann ich mir von Ihnen niche gefallen lassen.“—„Vom Steueramt wär sie Ihnen freilich angenehmer.“ Reit zur Ehe.„Haben Sie denn ihre drei Töchter was Ordentliches lernen lassen, Frau Muller?"„Je nun, meine Aetteste ist Zahnärztin geworden, die Zweite arbeitet bei einem Nechtsanwalt, bloß die Oritte ist zu garnichts zu gebrauchen, die soll deshalb einmal beiraten. —.— Nr. 23.(Beilage zur„Herner Zeitung",„Sodinger“ und„Gerther Zeitung“). 1923 1*„ (Schluß.) Elftes Kapitel. Die Tage ohne ihn vergingen Freda trübseltg geng. Die Erdprinzet sah sie kaum. Wenn sie doch einmal zu einer Ausfahrt oder sonlligen Dienstleistung herangezogen werden te, empfand sie die unfreundliche Kälte, mit der ihre perrin sie behandelte, sehr bitter. Auch die Oberhofmeisterin begegnete ihr nur mit unnahbarer Amtsmiene. In der ganzen Atmosphäre des Schlosses lag etwas wie Cewitterschwüle. Freda fühlte ihr Herz ängstlich klopfen, als die Jungfer ihr sagte, Exzellenz wünsche das gnädige Fräulein sogleich zu sprechen. „Was mag sie nur wieder von mir wol len?“ dachte Freda unruhig.„Etwas Ange nehmes sicher nicht.“ Doch ging sie sofort. „Exzellenz haben mich rusen lassen?“ Frau v. Laroche stand von ihrem Schreibtischstuhl auf. Ein geöffneter Brief lag auf ihrer Mappe. Freda mußte lebhaft an ihre erste Begegnung, hier in demselben Zimmer. vor bald einem Jahre denken. Freundlich hatten sich ihre beiderseitigen Beziehungen seitdem nicht gestaltet. „Ich habe eine Nachricht erhalten, Fräulein von Nordec.“ sagte die Oberhofmeisterin — ihre Augen bohrten sich förmlich in die des jungen Mädchens—.„eine Nachricht, die. wenn sie mir früher zu Ohren gekommen wale, es jedenfalls verhindert hätte, daß Sie dier Hofdame wurden.“ Freda lächelte verächtlich. Vermutlich irgen in Lakaienklatsch, den Erzellenz zu einer Stactsaktion aufbauschte. „Ich werde einige Fragen an Sie richten. Fräulein, v. Nordeck. die Sie wahrheitsgemäß beantwotten wollen.“ „Bitte.“ „Sie waren verlobt?“ „Jawohl, mit Herrn Harry v. Hohendorf. Wegen seiner Schulden nahm er den Abschied und ging nach Amerika. Mein Vater löste des halb unsere Verlobung auf.— Wünschen Er zellem noch weitere Details?“ „Bitte, nicht diesen überhebenden Ton! Ich frage an Stelle der Herzogin.“ „Und ich beantworte eine Sache, die alie Welt weiß. Wozu also diese Fragen?“ „Die zurückgegangene Verlobung mag wohl bekannt sein, aber nicht alle Vorgänge. die sich dabei abspielten. Wie ich höre, verließen Sie heimlich das Haus Ihrer Eltern und reisten Ihrem Bräutigam nach.“ „Das tat ich. Es war Anrecht gegen meine Eliern, sonst wüßte ich nicht, wen das ewas anginge. Im übrigen habe ich Hoheit bereits am ersten Tage meines Hierseins die gunze traurige Geschichte erzählt.“ Die Oberhofmeisterin zuckte die Schultern. Sie wollten vorbeugen. Sehr gewandt das! Aber die Welt ist klein. Ein Fräulein v. Jugendliche Irrungen. Roman von M. v. B.(Nachdruck verboten.) Hartung ist mit Lili Bergen verwandt. Wir erkundigten uns bei ihr. Die Dame stell: die Sache denn doch etwas anders dar, als Sie es tun.“ „Sehr wahrscheinlich. Sie war immer eine bissige alte Jungser.“ „Sie leugnen nicht, nach Hamburg gefahren m zemn, um Ihren Bräutigam dort zu treffen?“ „Warum sollte ich das leugnen? Ich war in Verzweiflung, ich wollte mit ihm nach Amerika geben, seine Armut teilen— ich liedte ihn! Als ich in Hamburg ankam. telegraphierte Hohendorf sofort meinem Vater, der auch nach wenigen Stunden eintraf. Am nächsten Morgen fuhr er mit mir zurück. Das ist alles.“ Cecselaseenennseneuansennnnndam Am Baum der Menschheit drängt sich Blut' an Blüte, Nach eregen Regeln wiegen sie sich drauf: Wenn hier die eine matt und welk verglühte. Springt dort die andre voll und prächtig auf. Ein ewia Kommen und ein ewig Geben, Und nun und nimmer träger Stillestand. Wir sehn sie auf=, wir sehn sie niedergehen— Und ihre Loie ruhn in Gottes Hand. Ferdinand Freiligrath. „So... hm. In Ihrer Heimat erzühlt man sich die Geschichte noch ein biechen au ders. Sie sollen langere Zeit allein mit Ihrem Bräutigam in Hamburg zugebracht haben. Ich mache mir bittere Vorwürfe, mich nicht früher eingehender erkundigt zu haben. Es fällt auf mich zurück, daß eine Dame, an deren Ruf solche Flecke haften, in den Dienst Ihrer Hoheit treten durfte.“ Freda wurde glühendrot, dann totenblaß. „Eine abs heulichere Verleumdung ist wohl noch nie ausgesprochen worden,“ rief sie heftig. „Ich möchte wissen, wer das. außer Anna Hartung, noch zu glauben wagt.“ „Sehr viele. Ist es Ihnen nie ausge sallen, daß die Damen in Ihrer Heimat sich seit Ihrer gelosten Verlobung von Ihnen zurück zogen?“ Freda wollte entrüstet verneinen, als ihr die merkwürdige Tatsache einfiel, wie wenig sich ihre sämtlichen Freundinnen nach dem Tode ihres Vaters um sie bekummert hatten. „Sehen Sie wohl?“ triumphierte die Ober hofmecherin, als Freda verwirrt schwieg. Freda hob den Koof.„Es ii aber nicht wahr!“ Sie sab sich um, wie wenn sie. von Feinden umringt. vergebens nach einem Ausweg jpäbe. Mein Vater— Herr v. Hohendorf könnten die Wahrheit meiner Aussage bestätigen.“ „Stade nur. daß ern Zeuge tot dei andete in Amerika ist.“ meinte die Oberbotmeisterin höhnisch „Ja, mein armer Vater liegt im Grabe. Er kann mich nicht mehr in Schutz nehmen.“ sagte Freda tonlos.„Tellt auch Hohelt Ihrer Clauden. Erzellenz. trotzdem sie längst du## mich weiß, wie sich alles in Wahrheit gutrug?“ „Ich kann Ihnen nur sagen, daß Hobell natutlch sehr ungehalten ist, weil ihr diese kompromittierenden Vorgänge im Leben ihrer Holdame verschwiegen oder falsch dargestellt wurden. Es ist also begreiflich wenn—“ „Wenn gewünscht wird, daß ich meine Steilung aufgebe?" Das schöne junge Geicht erschien wie versteinert vor Schmerz und Empörung.„Nun, die Prinzeß kommt meinem Wunsche zuvor. Ich merkte längst. auf was dies alles hinausläuft. Daß man zu solchen Gewaltmitteln, zu ehrenrührigen Anklagen greifen wurde, glaubte in allerdings nicht. Ich gebe — heute nock— zu meiner Mutter zurück „Erst müssen Sie doch Ihren Abschied eobitten.“ „Tas tne ich hiermit durch Sie. Ertellenz. Wollen See das weitere veranlassen.“ Die Oberhofmeisterin schlug unwillkurlich vor dem zernsprübenden Blick der grohen. empörten Madchenaugen die ihren nieder. Sie woilte ein vaar begütigende Worte sagen. aber ebe sie noch eine Silbe herausbrachte, verlie# Freca schon das Zimmer. Tas war zu viel! Sie wischte sich die sunkelnden Tränen der Empörung aus den Augen. Weinen“ Nein— das waren iie hier nicht wert! Rotenburg hatte nur zu recht gehabt— aucb darm. Sie rief sich seine schläge, seine Warnungen zurück— duchttätan tiaf alles ein, wie er es prophezeit. Ohne Hut und Mantel lief Freda in den Part. Sie wollte eigenlich Anordnungen für ihre Abreise treffen, packen, ihrer Mutter telographieren, ader es wirrie sich alles in ihrem Kops zusammen. Sie konnte keinen klaren Gedanien fassen. Erst mußte sie ruhiger werden. einige Minulen still nachdenken über das Unerhörte das man ihr angetan hatte. Sie setzte sich auf eine Bank. Durch die noch zahlen. Baume konnte sie deutlich das Schloß sehen. Die Morgensonne umwob es mit goldenem Licht. Ueber den jungen Bi#ten hinder erste grünlche Schleier. Die Lusi coch nach feuchter Erde und keimenden Bluten. Alle so hoffnungs- und zukunftsfroh! Freda legte die Hand über die Augen Sonnenglanz und Blutendufte staten ihr wer Wie fest sie sich hier eingewurzelt hatte, das merkte sie erst recht deutlich wo es ans Scheiden ging. Das Rollen emes Wagens erschreckte sie. Eme Equipage fuhr die Nampe vor dem Schlo## hinauf. Ein Herr sorang beraus. Es mußte Rotenburg sein, der wollte ja heute wieder kommen. Apathisch blieb sie auf der Bank sitzen. Die Zeit drängte zwar, aber sie mochte Rotenburg jetzt nicht begegnen. Nach wenigen Minuten sah sie den Kammeiherrn wieder das Schloß verlassen. Er schlug den Weg zum Park ein und steuerte direkt auf ihre Bank zu. Freda sprang auf. Sie wollte entfliehen, aber in ihrer Verwirrung lief sie Rotenburg entgegen. Er vertrat ihr lächelnd den Weg.„Sie kommen ncht an mir vorbei. Ich will mit Ihnen sprechen. Freda. Es muß endlich klar zwischen uns werden.“ Er legie ihren Arm in den seinen und führte sie zur Bank zurück. Dasige Mädchen rang nach Atein. Roienduig###chraf, als er ihre blassen, verstör ten Züge ansah. „Ia fahre noch heute nach Berlin zu meiner Mutter zurück.“ stieß sie mit Anstrenguno hervor.„Am liebsten liefe ich sofort auf den Bahnhof und setzte keinen Fuß mehr m das Schloß!“ „Was ist geschehen?“ „O. nicht viel. Die Oberhofmeisterin hat erfahten, daß ich damals. als Hohendorf nach Amerika ging, ihm nachgereist bin nach Ham burg, um ihm Lebewohl zu sagen. Mein Vater kam nach einigen Stunden nach— das will lie nicht glauben. Sie sagt, sie denkt—“ „Was denn nur?“ Fieda schlug die Hande vor das Gesicht. „Es ist zu schmachvol!! Ich soll tagelang allein mit Hohendorf in Hamburg geblieben sein.“ Rotenburg fuhr auf.„Wagt die Laroche das zu behaupten?“ „Sie hat es durch Fräulein Hartung gehört. Sie glaubt mir nicht, wenn ich es bestreite. Sie sagt. em unparteiischer Zeuge müsse es ihr bestätigen.“ „Wann waren Sie in Hamburg? Wissen Sie noch genau das Tatum?“ „O gewiß. Den Tag vergesse ich nicht! Es war der 7. Juni vor zwei Jahren.“ „Ganz richtig.“ bestätigte Rotenburg. „Nun, der unpartensche Zeuge ist hiermit für die ungläubige Oberhofmeisterin gefunden. Ich selbst war an dem Tage in Hamburg und habe Sie und Ihren Vater dort gesehen. Freda. „Mich?“ „Jarohl, nicht nur gesehen, sogar in den Armen gehalten.. so wie jetzt!" Er legte den Arm um ihre zitternde Gestalt und zog sie sanft an.“ So wie jetzt lag das Könf, chen ann bulter. Nur daß ich damals die süßen u. die fest geschlossen blieben, nicht tüssen konnte, weil der Herr Vater da bei stand. Ich hätte es damals auch schon gern getan.“ Freda war wie im Traum. Sie richtete sich nicht auf. Ein himmlisches Gefühl des Ge borgensein= überkam sie in seinen Armen. „Wo das war: Im Hotel. Ich trat aus meiner Zimmertür und sah ein junges Mädchen halb ohnmächtig auf dem Flur lie gen. Ich half dem alten Herrn, der sich um sie bemuhte, und trug sie auf ihr Bett. Der Vater hellte sich mir vor. Den Namen verstand ich freilich nur halb. Da ich das Zimmer nebenan bewohnt. und das arme Kind die ganze Nacht weinen, den Vater sie trösten hörte, so kann ich als Zeuge für die Wahrheit eintreten. Aber auch ohne den glücklichen Zufall meiner An wesenheit würde ich die Lästerzungen bald zum Schweigen bringen. Gib mir endlich das Recht, für dich einzutreten. Freda! Das heißt ob du nun Ja oder Nein sagst— ich nehme es mir aus alle Fälle!“ Er beugte sich zu ür nieder und küßte ihren weichen Mund. „Meine süße, holde Braut!“ Sie sah ihn geängstigt an.„Eigentlick dabe ich in meinem Leben nur Torheiten be gangen,“ seufzte sie.„Zuerst die Verlobung mit Hohendorf, m der ich meinem guten Vater die Einwilligung abzwang. Dann die Reise nach Hamburg— ich wäre übrigens auch mit nach Amerika gegangen, wenn er mich mitge nommen hätte," versicherte sie aufrichtig.. „Ich zweifle nicht daran, kleiner Tollkopf.“ „Tann hier als Hofdame—“ „Auch nichts wie Tummheiten,“ siel Roteuburg ein.„Ich kann es nicht bestreiten. Aber lauter Dummheiten, für die man nicht weiß, ob man dich schelten oder küssen soll. Ta das erstere dock, nicht mehr hilft, tue ich lieber das zweite... Weißt du übrigens, daß Harry Hohendorf längst verheiratet ist?“ Freda fuhr auf.„Mein Gott. Harry! Den habe ich ja ganz vergessen... ich wollte doch warten—“ Rotenburg lachte. Er zog sich noch fester an sich.„Jetzt ist es zu spät! Sein Vetter Wilhelm auf Wustrau, den ich sehr diplomatisch interpellierte, teilte mir die bereits vor mehreren Monaten erfolgte Vermählung mit einer reichen Amerikanerin Miß Lucy Wilkens mit.“ „Ich hoffe, er ist glücklich— so glücklich, wie ich es bin!“ sagte Freda leise. Rotenburg tüßte sie.„Ich bringe dich nun ins Schloß zurück, Liebchen,“ sagte er bestimmt.„Die Sache muß hier ohne Eklat beigelegt werden. Ich setze die verschrobenen Kövfe sehr bald zurecht, verlaß dich darauf. Die Oberhofmeisterin wird sich bei dir entschul digen wegen des Geschwätzes. Dem Erbprinzen teile ich unsere Verlobung mit. Tann fährst du morgen nach Berlin. Ich folge dir sehr bald nach und hole mir die Einwilligung deiner Mutter.“ "„O Mutti, wie wird sie sich freuen!“ jubelte Freda.„Sie ist so gern auf dem Lande. Ich kann es kaum erwarten, bis sie uns in Rutenburg besucht..“ Ter Kammerherr brachte seine Braut bis vor ihre Zimmertür.„Nun bist du in Sicherheit, mein Herz. In kurzer Zeit wirst du die Entsckhuldigungsvisite der Oberhofmeisterin empfangen müssen.“—— Es dauerte wirklich nicht lange, bis Frau v. Laroche sich bei Freda melden ließ. Das junge Mädchen empfing sie etwas steif. Die verbindliche Gratulation. ebenso wie die höfliche Entschuldigung, die Exzellenz vom Stapel ließ, nahm Freda sehr kühl auf. . Frau v. Laroche versprach selbst, an Fräulein von Hartung zu schreiben und sie über den Irrtum, den sie selbst ja nur in der Erregung des Augenblicks habe glauben können, auszutlären. Fräulein v. Hartung müsse selbstredend alles tun, um die Wahrheit zu vereiten, da ja nur sie die Urheberin der häßen Lüge sein könne. „Mein Bräutigam wird wohl dafür sor „„- Pebunigun Wio Tohl CafurVOn gen, daß niemand in Zukunft mir mit derartigen Anschuldigungen nahezutreten wagt,“ antwortete Freda kalt. Exzellenz verließ sie etwas verlegen. Die halbe Stunde, die sie vorhin mit Graf Ro tenburg verbrachte, gehörte nicht zu den angenehmsten Erinnerungen ihres Lebens. Ter Erborinz freute sich aufrichtig über die Verlobung seines Kammerherrn. Er wünschte ihm aus vollem Herzen Glück. Auck die Erborinzeß machte ein freund liaes Gesicht und schien alles vergessen zu ha ben.„Sie umarmte Freda beinahe so zärt lich, wie in früherer Zeit. Tas junge Mädchen blieb sehr zurück haltend. Die Liebe für ihre Herrin war er loschen; ihr brannte der Boden hier unter den Füher. Sie sah zwar ein, daß Rote: burg recht hatte: es war besser für alle Teile. in gutem Einvernehmen zu scheiden— aber vergetten ließen sich die Kränkungen der letzten Zeit denn doch nicht so rasch. Fräulein v. Bergen blieb sehr still und befangen. Sie wagte nicht nachzuforschen, ob Freda wußte, wie eifrig sie an ihrem Sturz gearbettet hatte. „Eigentlich muß sie mir dankbar sein.“ entschuldigte sie sich innerlich.„Der Brief hat licherlich die Katastrophe der Verlobung herbeigeführt. Wenn mir doch auch jemand zu solcher Partie verhülfe!“ *„* Sie sind also wirklich immer noch so him litürmend glücklich?“ fragte die Erborinzeß. „Und ob. Erst recht jetzt, sollte ich meinen.“ lachte der Erbprinz.„Entweder er oder sie schleppen das kleine, beschleifte, schreiende Bündel, das den Sohn und Majoratserben vorstellt, herum. Der Junge soll natärlich schon bildschön und Gott weiß wemn ähnlich sein. Das merkt aber nur das stolze Eltern poar selber. Du hätten nur mit zur Tause nach Rotenburg kommen sollen, Lia. Arel und die Gräfin würden sich wirklich gefreut haben.“ „Glaubst du? Ich bezweisle es. Kindtaufen sind auch nicht meine Passion.“ „Leider—“ bestätigte der Erbprinz etwas doppelsinnig. Als er aber den Ausdruck auf dem Gesicht seiner Frau bemerkte, fuhr er gutmütig fort:„Es würde dich doch interessiert haben, dort alles zu sehen. Das Schloß ist wundervoll renoviert. Ein herrlicher Belitz! Rotenburg füllt seine Stellung als Großgrundbesitzer vorzüglich aus. Es geht alles wie am Schnürchen. Und die Jagd—“ „Ach. von der Jagd wül ich nichts wisen,“ unterbrach ihn die Erbprinzeß schnell. „Erzähle mir lieber, wie Freda aussah. Ist ie noch ebenso hübsch?“ „Noch weit hübscher. Bei der Tause, mit den Famklienbrillanten der Rotenburgs im Haar, lab sie bildschön aus. Arel schien das auch zu finden. Nein. ist der Mensch verliebt in seine Frau! Und schon ein Jahr verheiratet!“ "„So— nun, vielleicht besuche ich Freda einmal. Sie war eigentlich reizend Die Bergen intriaierte damals gegen sie. Es ärgert mich jetzt, daß ich auf ihr dummes Gewäsch hörte.“ Ter Erbprinz staunte.„Deine geliebte Lilli!“ „Ack. so sehr geliebt habe ich sie eigentlick, nie!“ versicherte die Erbprinzeß.„Firdest du es nicht langweilig, immer ein so häbliches Gesicht ansehen zu müssen?“ „Sehr!“ bestätigte der Erbprinz ironise#. „Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich es aber die längste Zeit gesehen.“ Die Erbprinzeß zuckte die Schultern.„Ich werde Freda schreiben,“ warf sie leicht hin. „Glückliche Menschen sind nicht nachtragend. Ich sehne mich nach Abwechllung. Im Lause des Sommers könnte ich sie einmal in Rotenburg besuchen. Freda als junge Mutter — ic muß das sehen! Es wird reizend sein.“ Die unterbrochene Verbindung Humoreske von M. T. .„Tu kommst dock, nach Hause und holft mich ab?“ fragte Betha. Er kußte sie sanft, während er schon den Hut aufhatte, um auf das Bureau zu gehen. „Es kann nicht sein. Es ist ungeheuer viel Arbeit. Tu kommst. wie wir ausgemacht ha den. Punkt 8 Uhr vorbei und dann gehen wir zusammen zu Goldmanns... Uebrigens, ich mach' mir aus der Einladung bei Goldmanns niht so viel. Es wäre viel netter gewesen, wenn wir heute abend zu Hause wären.“ Bethchen runzelte die Stirne sehr drollig. „Es geht einmal nicht anders. Ich mußte doch zusagen. deinem Vorgesetzten gegenüber.“ „Weiß schon, weiß schon", beruhigte er. „Alko.. Anna soll dich begleiten, wenn du mich abhollt.“ „Aber dann muß lie. allein wieder nach, Hause.“ „Cott!.. Die Anna packt keiner an, sei ruhig, Mausi!“ Hiernach ging Arthur und arbeitete fleibin von drei bis dreiviertel acht Uhr. Tann wurde er vo; einer leichten Unruhe ergriffen. Betha war ja erst auf acht Uhr besteltt. Aber wenn sie kam, kam sie immer eine Viertelstunde zu früh. Warum kam sie also leute noch nicht: Er legte den Akt. den er bearbeitet hatte. zur Seite und trat an das Feuster. Das Wet ler war trübe. Der Regen hatte zwar nachge sai#en, aber das schlechte Pflaster der Straße zeigte häßliche große Pfützen. Nock zehn Miguten. noch fünf Minuten bis acht Uhr.— Keine Betha!— Ta! Das Telo phontälichen kninerte, und sogleich klang die schrilfe Klingel. Arthur griff hastig und mit einer schiimmen Abnung das Hörrohr.„Hier Abestor Krieg. Wer dort?“ : E i n e g ä n z l i c h u n b e k a n n t k. i n a n d e m e r d## n# Stimme.„Ja!“ „Bitte. noch einmal!“ „Jl.“ flaug die 9 — 5— „Aber bitte, sagen Sie doch wer Sie Iind?“ „Ich bin's doch. Herr Assessor!“ Auf einmal kam Arthur die Stimme bekannt vor und er erschrak, ohne recht zu wissen, warum.„Sind Sie's, Anna?“ „La, freilich.“ „Was ist los?“ fragte er hastig.— Die Stimme Annas klang so schwach, wie durch meh. reie Türen. Auch hatte sie doch noch nie telephoniert, es war merkwürdig.„Wo sind Sie denn?“ „Hier, Herr Assessor!.. Es ist ein Unglück passiert. Die gnädige Frau wollte ge rade über die Straße, da kam ein Auto, ganz hart um den Randstein des Trottoirs.“— „Ich muß unterbrechen, es ist Fernleitung verlangt,“ klang plötzlich die helle Stimme des Telephonfräuleins dazwichen. Schrapp! Aus war die Verbindung!— Um Gotteswillen!— Arthur warf das Hötrohr auf den Tisch. Er war leichenblaß geworden. Einen Augenblick fühlte er die An wandlung einer Schwäche.— Doch es ging vorüber. Er riß den Hut vom Ständer und stürrte davon. #igends eine Troschte. Mit großen Sprüngen eilte er nach Hause. Die Vorübergehenden blieben stehen und sahen ihm nach. Kein Mensch zu Hause! Die Wohnung geschlossen! Um Gottes willen!... Aber natürlich. es ist ja unterwegs passiert und Anna ist bei ihr!.. Wenn ich nur wüßte, was pa##iert ist? Und von wo aus Anna telephoniert hat! — Was tun? Auf die Polizeiwache? Tort wird er's schon erfahren! Also rast er auf die Polizeiwache. Der Schweiß läuft ihm von der Stirne, obwohl ihn friert, friert in dem Gedanken des Entsetzlichen! Ganz außer Atem kommt er an. „Was wünschen Sie, Herr Assessor?“ stagte der Polizist höflich. „Was ist geschehen?“ Aber auf der Polizeiwache ist noch gar nichts bekannt geworden. In fliegender Hast erzählt er allo selbst: „Wir waren zu Regierungsrat Goldmanns geladen. Meine Frau wollte mich abholen. Auf einmal telephoniert Anna, unser Mädchen: Es lei ein Unglück passiert.. meine Frau wolite gerode über die Straße, da sei ein Auto ge kommen, gant hart um den Randstein des Tot loirs... und dann wurden wir unter brochen.“ Auchk der Polizeimann erschral.—„Es ist schredlich, die junge, schöne Frau Krieg. Se eben noa voll Leben und Schönheit und jetzt vielleicht schon tot! Es ist zu schrecklich!— Seine Stimme klang unsicher.„Wie gesagt, bei uns ist nech nichts bekannt geworden, Herr Assessor.“ „Gott im Himmel! Was soll ich tun?“ „Wenn ich raten dürfte, einmal schleunigst is Krankenhaus zu fahren. Frau Assessor mußte ja wohl vorbei. Vermutlich wurde von dort aus telephoniert.“ „Klankenhaus?“ Seine blassen Lippen zitterten.„Krankenhaus?.. Könnte man nicht anftagen?“ „Es ist ackt vorbei. Das Telephon it a.= lossen. Nehmen Sie ein Auto. Herr Asse'sor. ich lasse es aufen.“ „Sie sind sehr liebenswürdig.“ Er sagte es mit tonloser Stimme. Er wußle gar nt“ was er zagte. Seine Gedanken schweiften umher, seine Phantasie nicht minder. Wieder wollte ihn die Schwäche über mannen, doch er raffte sich auf. Er erinnerte sich sogar der Eiladung.— Goldmann war Vergesetzter, den konnte man doch nicht so vor den Kopf stoben. Er mußte doch Nachlicht geben, daß sie nicht auf ihn warteten. Aber wie machen, wenn das Telephon geschlessen war.„Wenn ich Ihre Güte nicht mißbrauchte. hätten Sie nicht die große Liebenewürdigkeit. Herrn Regierunasrat Sold zu benachrichtigen, dah mer nut sam„Aber gerne! Ich schicke sofort Mann ab!“ „Meinen herzlichen Tank im vo aus.“ einen! Das kiompliment. Wilhelm.“ sagte Frau Lämnchen, wäh„Wleinen hergrichen Lant i Vorans.„Atheri, fagle Frau T Tann kam das Auto und Arthur Krieg rend sie sich eine Tasse Mokka einschenkte, fuhr in rasender Eile weg. ** Es machte einiges Aufsehen an der Tafel, heute vormittag habe ich ein sehr hübsches Konpliment über dich gehört.“ nuchtr Eunges autichen un er. Eult.. Herr Lämmchen legte die Zeitung hin, als der Gastgeber herausgebeten wurde Als gab seinen beiden Schnurrbartspiten eine fecke der Herr Regierungsrat zurückkehrte, war sein Wendung nach oben und antwortete mit selbstGesicht sehr ernst.„Jetzt ist's aufgeklärt, wa rum Krieg's nicht kommen. Wie mir ein Schutzmann meldet, hat man den Assessor soeben ins Krantenhaus geführt. Es ist ein macht. Unglück passiert!“ zufriedener Miene: „Na. das ist doch nichts so merkwürdiges. Es werden mir fast täglich Komplimente geFrau. Lämmchen rührte mit dem Zuckerlöisel ihrer Kaffee um, während ihr Mann „Um Gotteswillen!.. Wie ist das ge.— daß sie sich näher erflären mürdschehen?.. Aber er lebt noch?.. Ist er schwer„#lele, Sie sawieg jedoch. Schließ ich sagte er unverlent?" geduldig: geduldig: „Warum erzählst du mir denn nicht, was surchtbar, wenn mitten in die frohe Stimmung= wut: Wer hal em Kompliment über mich einer intimen Gesellschaft solche Nachricht geAlle die Gäste waren weiß wie die Waid. Krieg war allen ein lieber Bekannter. Es ist „Ick glaube, das bist du gar nicht imstande zu erraten.“ „Wohl die hübsche junge Frau Döring?“ meinte er. „J. bewahre.“ „Fräulein Klara Wandel vielleicht?“ „Keine Spur.“ „„„Mein Gott, wenn irgendein Geheimn's ihrem Armstuhl am Fenster und war sele, be= dabei ist, dann will ich gar nicht wissen, was kümmert, auch m Sorge um ihren 9ann, es ist und wer es gesaat hat“ „###„Es ist durchaus kein Geheimnis dabei.“ Am Ende war er allein z Holdtsanns 2ab Frau Lämmchen zur Antwort und lächelle gegangen: Tas ware aus; schlecht vor ihm. ihr harmlciestes Lächeln.„Ich traf heute Ta kam die Botin Goldmanns Verein. Herrn Bensberg und der lagte mir, je ö#ter „Eine Empfehlung von Herrn und Freu Re er mir begegne, desto mehr sei er überieugt. gierungsrat Goldmann, und sie lassen an ra, daß du ein Mann von auserlesenen Gechmack bracht wird. Herr Goldmann läutete. Marie muß augenblicklich hin und fragen, wie es H#rrn Krieg geht!“ *„* Als Marie bei Assessor Krieg's klin elte, dunkelte es schon und Frau Betha sa in gen, wie es dem Herrn Assessor ginge.“ richtete sie aus. Frau Beiha fühlte, daß ihr alles Blut zum Herzea, strömte.„Wieso? Wieso denn?“— Um Himmelswillen, ob denn die mnädige Frau noch aar nichts wüßte? Von dem Un. glück? Taß man den Herrn Asse sor ins Krankenhaus geführt hat? Tarauf hörte man einen dum#en Fall. Weil die kleine Frau Betha tat'ächlich ol.nmächtig wurde. Aber durch Maries Geschrei, das von Anna ausgiebig unterstützt wurde. kam sie sogleich wieder zu sich.. wärest.“ Allerlei. Krankenhaus. „Ist mein Mann da?“ „Er ist drüben im Zimmer 6.“ Heimgeschickt. Im achtzehnten Jahrbundert waren die Sitten der Studenten recht rauh und wild. Nächtlicher Radau und Unfug aller Art gehörte zu den unausrottbaren Vorkommnissen in fast allen Universitätsstädten. Zur Nachtzeit warfen die Studenten unbeliebten Professoren und Philistern die Fenster ein. und zwar geschah dies mit Vorliebe im Winter. Einem Göttinger Gelehrten war diese Ueberraschung auch zuteil geworden, doch wußte er sich zu helfen und ließ noch in der gleichen „„ an. m.e. z. Nacht die Scheiben wieder einsetzen.. Wie geUnd nun zeigte sich, daß Frau Betha en wornlich wollten sich die Täter am frühen wadere kleine Frau war. Se fuhr sogleid, Morgen an den zerbrochenen Fenstern ergößen; mit der nächstbesten Antodrochte in das diegmal aber kamen sie um ihre Freude, denn der Protessor stand wohlgeschützt vor der Kälte hinter den ganzen Scheiben. Dafür suchten sich seine Hörer auf andere Weise zu rächen.. Frau Betha flog mehr, als sie ging. Einer der Studenten brachte eine Schelle in den Was man hinter ihr drein rief, hörte sie Hörsaal mit und begann damit zu klingeln.. gar nicht mehr. Sie sah nur noch Zimmer= Kaum hatte der Professor dies gehört, da rief nummera, eine lange Reihe von Nummern.#er laut:„Wahrhaftig ich würde mich wundern, eine Türe um die andere, Nummer acht, sioben. lego Als sie vor der Türe stand, zitterten ihr die Knie und lie atmete schwer. Tann öffnete sie und sah, daß Arthur an einem Schreibtisch saß und hastig Notizen auf einige Zettel schrieb. „Arthur!“ „Betha!“ Tann lagen sie sich in den Armen. Wadl her aber sam dieselbe Frage gleich ####i von ihren Lippen:„Was ist passiert?“ Das mußt doch du wisen, Betha!“ „Nein. du. Arthur!.. Warum hat man dich ins Krankenhaus geführt?“ uenn unter einer so großen Menge von Schasen nicht auch ein Leithammel sein sollte.“ Jeinmechanik in einem kleinen deutschen Dorf. Ein interessantes Dorf. das noch heute kaum 2500 Einwohner zählt und der Mittelpunkt einer blühenden alten Industrie ist, ist, wie die Zeitschrift„Die Landindurie" erzählt. Onstmettingen im württembergischen Schwarzwaldkreis, im Bezirk Balingen. Der Pfarrer Matthäus, der von 1764 bis 1770 in diesem Dorse wirkte, fertigte mit Hilfe eines Uhrmachers namens Schardt eine Reihe von ausgezeichneten Werken der Feinmechanik an. So stellte er u. a. eine große astronomische Pendeluhr her, die Stunden, Minuten, Monate. Sonnenstand und Jahreszahl auf 3000 *„anbte hu Tetelt hier Gung ke. Sonnenstand und Bahreszahl auf 3030 .: Luck.10 Bcch„Fe zngsüchk pas Jahre und den Lauf der Erde mit Mond unhat ven, telephoniet. er#ei em. Ang Du: Planeten anzeigte. Ferner baute er eine Wage, nern! S#, ag doch!.4) bin 1a in.= bei der das Gewicht der aufgelegten Körner . A u n a A.:# a f a l l e s r e i e n h o n i e r t#“ m i t t e l s e i n e r S k a l a a b g e l e s e n w i r d. D u r c h Aber Anna hat dot, alles telephoniert: lasche Arbeiten wurde nun das Interesse zur „Nichts!.. Ein Unglück lei passiert.. Feinmechanik bei den Dortbewohnern rege; Tu habest über die Straße gewollt, da sei sie versuchten sich selbst darin und entwickelten ein Auto um den Randstein des Trottoire ge sich allmählich zu bedeutender Künstlerschaft kommen. Das ist alles! Dann wurde die Von dem Ursprungsort dieser Industrie hat Verbindung aufgehoben. „Und hat mich von oben bis unten mit Strabenco: besprttzt, so daß ich mich in Weg. ners Restautant; flüchten und erst umrleiden mußte, um nur wieder nach Hause zu kom men!. Das# glies!“— sich im Laufe der Zeit das Feinmechanikerge werbe auch in den umliegenden Ortschaften verbreitet. In dem nahen Städtchen Evingen befindet sich z. B. gegenwartig das bedemend. ste Prässsionseicham: des=Landes, in dern 90 bis 99 Preient ate: in Württemberg über Bochumer Rein Malz und Hopfen Ueberall beliebt S S II. Im weiteren Verlauf unseres Programms bringen wir das hochspannende Drama: Nach dem Roman von Anny Wothe 5 entzückend schöne Akte mit herrlichen Szenen der See wechseln mit brillanten Innenaufnahmen. Der Inhalt ist, wie alle Werke von Anny Wothe, zu Herzen gehend und hochspannend. Hervorragende Rollenbesetzung. Prächtige Ausstattungen IIEIET III. 3304 Cowbog Tom's List Original amerikanische Groteske. Ein Sturm der Begeisterung begleitet jede Aufführung des besten aller Filme Der Absturt Die Tragödie einer alternden Frau in 6 Akten. In der Hauptrolle: Asta Nielsen Personen der Handlung: Kaja Falk Asta Nielsen Frank Lorris Albert Bozenhard Graf Lamotte Iwan Bulatoff Peter Karstens Grigory Chmara Seine Mutter....... Adele Sandrock Henrike Thomsen, ihre Nichte. Charlotte Schultz Die Kammerfrau Kajas Ida Wogau Der Besucher Hans Wassmann Der Komponist Dr. Becce Außerdem wirkt das Gesamtpersonal des Metropol-Theaters, Berlin, mit. Unter der Regie Ludwig Woltfs ist hier ein Filmwerk erstanden, das durch die überragende Leistung der Hauptdarstellerin seinesgleichen sucht Dieser Film wird ohne Zweisel als die beste Schöpfung Asta Nielsens angesprochen werden müssen. Sommersprossen!! ein einfachee wunderpar Mittel teile gern jed. konenlos mit. 734 Frau M. Poloni. Err#er-b 325. Schlieblach 166. mumnmemsarmimtmmiinmi ninin emmimmmmam mmm Ver. Stadt-Theater W Wanne Nerne (Direktion u. Inhaber P. Kohlar) HERNE, Bahnhofstrasse 13a. Teleion Herne 1104 und 811. Simmmmmmmmmmm Wochen-Spielplan. Heute, Sonnabend, 16. Juni, abends 7,30 Zum ersten Male: Die Dollarprinzessin * Operette in 3 Akten von Willner und Grünbaum. Musik von Leo Fall. Spielleitung: Hermann Wieland. " M u s i k l e t t u n g: K a p e l l m e i s t e r H a a k. in den Hauptrollen: Damen: Ziegelmeyer. = lucha, Seidel. Herren: IIügel, Renee, Wieland. * Niebold, Weile. Als Cast: Fri. Eise Zesewitz vom Olympia-Theater Dortmund. Vollständig neue Ausstaltung. Sonntag, den 17. Juni. nachmittags 3.30 S Große Framdenvorstellung. Die Dollarprinzessin# Opcrette in 3 Ak“: losik v. Leo Fall Abends 7.3 Uhr: Die Dollarprinzessin# * Operette in 3 Akten. Musik v. Leo Fall. Montag, den 18. Juni, abends 7,30 Uhr Die Dollarprinzessin = Operette in 3 Akten. Musik v. Leo lall Dienstag, den 19. Juni, abends 7,30 Uhr Leizte öllentliche Vorstellung * Die Dollarprinzessin# Operette in 3 Akten. Musik v. Leo Fall = Karten im Vorverkauf zu sämtlichen = Vorstellungen täglich an der Theaterkasse 2 von 11 bis 1 Uhr vorm. u. ab 4 Uhr= = nachm., Sonntags ab 2 Uhr nachmittags. Silmimmmmmmmm Alibianiuigg Bierkenner trinken das gute bekömmlliche 134ige Stauder Pils. Alleiniger Ausschank in Herne. Rest. W. Buschmann direkt am Bahnhof. eeemr. Restaurant „Zum Neumarhl“ Inhaber: August Schwarzlose Schulstrasse— Ecke Wilhelmstr. Mmmmmmm Zum Ausschank gelangt: Münchener Löwen- Bräu In Original ½ Liter-Krügen. 5 Kalte und warme Speisen zu Teder Tageszel = BREMEN AMERIKA OSTASIEN AUSTRALIEN Regeiräßiger Personen- und Frachtverkehr mit eigenen Dampfern. Anerkennt verrügliche Unterbriagung u. Verpflegung f. Helsonde aller Klassen Rolbesenbok-Vorsloberung Nahere Aueten!teuren • BREMEN: in Bochum: Aug. Oörpinghaue, Insert.#0 in Eesen: Norddeutscher Lieyd Generalvertretung, Mandeishof. Urzweilelhalt das beste Programm. HARRY der weltberühmte, tollkühne, verwegene Abenteurer-König in dem mit größter Spannung erwarteten neuen Groß-Roman 7 Akte kolossale Ereignisse! Wir machen unsere werten Besucher darauf aufmerksam, daß dieses gewaltige, neue Werk eine Klasse für sich bildet. Nicht allein die tollkühnen, verwegenen, kaum glaublichen Wagnisse Plels zeitigen diesen Erfolg. Hinzu kommt, daß die Datbietungen außer dem Gefährlichen, Abenteuerlichen, gleichzeitig dramatisch von ungeheuerer Kraft und Wirkung sind.— Für Harry Piel, dem jede Gefahr trotzenden Abenteuerer, gllt es, alles das anzuspannen, womit ihn die Natur begnadet hat. Tollkühnheit, die keine Schranken kennt, körperliche Kraft und Gewandtheit, Geistesgegenwart, Zählgkeit und Schauspleikunst haben in diesem bisher besten Fllmwerk Szenen erstehen lassen, die tatsächlich an die Grenzen des Unmöglichen heranreichen. Jeder, welcher diesen Film geschen hat, wird behaupten müssen, daß diese Sensationen wirklich unübertrefflich sind und nie ein Künstler wie Harry Piel dieselben auführen könnte immm Der Kampf ums Dokument der große amerikanische Sensationstilm hat im heutigen 3. Tell solch spannende, überraschende Sensationen, solch tabelhafte Kühnheiten, daß er last mit dem Harty Plel-Film konkurleren kann. In der Haupttolle Grace Gunard. 6 apannende abenteuerliche Akte. „ER“ auf der Hochzeitsreise Vergnügungspark Fredenbaum Dortmund Täglich Konzert. Sonntag, den 17. Juni: Doppel-Konzerte Weltstadt-Attraktionen u. a: Gebirgsbahn, Wassersport, Rodelbahn, Flieger, Ialfun-Rad, Lachtempel, Photo graphie, Kahlbaum-Alm,„Hansel und Gretel“, Tanagra-Theater, Kunstglasbläserei, Planetenbahn, Marioneltenheater, Bierhalle„Oberbayern“ usw Riesen-Leucht Fontäne Auzeigen-Annahme bis 4 Uhr nachm. Hansa-Café ferne Besitzer P. Kohlar Bahnhofstr. 15a Teleion 1101. Täglich ab 4 Uhr: Erstkl. KünstlerKonzert unter Leitung des Kapellmeisters Gergaut. * Sonntags von 11—1 Uhr: Frühkonzert stesbsr IE SE DRESDNER BANK Herne, Heinrichstr. 8. Fernsprecher 118, 119, 121 und 154. Eriedigung aller bankmäßigen Geschäfte. Handel in Anlagewerten, Aktien und Kuxen. Eigene Vertretung an den Industrie-Börsen zu Düsseldorf und Essen. An- und Verkauf von fremden Geldsorten, Noten und Devisen in besonderer Devisenabteilung. Stahlkammer. EGermania-Sportplatz am Bahnhof HERNE. E Sonntag, den 17. Joni 1923, nachm. 4 Uhr : Sportverein Germania Bochum Liga Germanla diss vormittags 11 Uhr Turnverein 46 Bochum 1. Jugend Germania Ia Jugend. nachmittags 3 Uhr E Sportverein 1911 W. one 1. Jur end Germania a Jugend.1 Bekanntmachung munalabgabengesetzes vom 11. 4. 1922(G. S. S. 8o ist durch Beschluß der Gemeindevertretungen von Börnig, Sodingen und Holthausen bestimmt, daß bis zur endgültigen Veranlagung der Realsteuern die im Vorjahre erhobenen Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuern während des ersten Halbjahres des Rechnungsjahres 1923 vorläufig weiter zu zahlen sind. Die vorläufig gezahlten Steuerbeträge werden auf die endgültig veranlagten Steuern verrechnet. Bleibt die endgültige Veranlagung hinter der Veranlagung des Vorjahres zurück, so werden überzahlte Beträge dem Steuerpflichtigen erstattet. Sodingen, den 14. Juni 1923. Der Amtmann: I. V.: Der Amtsbeigeordnete. B. Wellner Cestron Montag Die Tage der Spannung und Sensationen. 1. ente beginnt der letzte Teil des Kiesen-Episodenfilms: Abends 84 Uhr Commers im Clublokal. Gebrauchter Herd 3285 ## An- und Verkäufe S 1 Theke zu verkaufen. 3244 Sodingen, Mont=Cenisstraße 19. 2 Zimmerlinden zu verlaufen. 52106 Obere Roloniestr. 5. Konstantin. Versenkbare Nähmaschine, Wäschemangel, sowie Ainderwagen zu kausen gesucht. Angebote unter Z 61 an die Gesch. d. I'g. Gut erhaltener Kinderwagen zu verkanten. b2113 Bermannstr. 7, „ Constantin. ochgebaut, für 24 Mill mit zu verlaufen. Wirt W. Spiecker, Eickel 2, Friedrichstr. Besichtig. nur Samstags. Georauchter sowie b2111 Rüchenschrank zu kaufen gesucht. Angebote unter 376 an die Gesch d. Zig Gebr., gut erhaltener Herd zu verkaufen. 3298 Vinckestr. 22 II. Kaufe Möbel, Herde. Oesen Nähmaschinen uiw. Postkarte erbeten an G. Lückhof, Herne, Wilbelmstraße 11 zu verkaufen. Zu erfr. in d. der Herner Ztg. Gesch. Kaufe Möbel, Herde, sowie ganze Einrichtungen. 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Sie- was Sie sich denken- ist nicht Lachen! Lachen! Anstandige 3263 Oerso.n zum Kartoffelschälen gesucht. Evg. Verelnshaus. Leiden Sie? an Flechten, Hautausschlag. Hautjucken, Pickeln, Finnen, Schorf, Krätze usw. dann gebrauchen Sie Dr. Ter-II rahe's Heilseile. Erfolg überraschend. Zu haben in den Apotheken und Drogerten. Krätze entsetzliches Hautsucken. Wo bis jetzt alle Hilfe versagte, wird unter Garantie in 24 Stunden geheilt, ohne Berufsstörung. Kein. Schmier kur. Personenzahl angeben Institut für Beinleiden und alle Hautirankheiten, Wanne, Hindenburgstr. 115 Cheater Herne, Bahnhofstr. 7. Telefon 1184 Hleute bis einschl. Montag, den 18. Juni Das große Sonder-Programm DieWeitin FLANNEN Ein Riesen-Sittengemälde in 2 Teilen u. 12 Akten I. Teil- SAkte Der Kampf um die Frau In den Hauptrollen: Nils Chrisander, Heddy Sven- Karl Geppert- N. Kavser-Heyl u. a. m. Ferner: Carl de Vost und Cläre Lotte Liebeslist und Liebeslust 5 Akte aus dem Decameron des„Boccacio“ 3277 Außerdem: Freddy als Detektiv Ein original-amerikanisches Lustspiel in 2 Akten -E TeEEE * Sonntagsgedanken 9 Ein reines Herz. Ein Vater kann seinem erwachsenen Sohn, eine Mytter ihrer erblübten Tochter kein schöneres Geleizwort ins Leben mitgeben, als die eindringliche ung:„Werde und bleibe rein!“. Schon bei unse Vorfahren war die Herzensreinheit der höchste Ruhm, wie es der Ansang jenes Gedichtes bekundet:„Vol allem eins, mein Kind, sei treu und wahr. laß nie die Lüge deinen Mund entweichen!“ Unser Altweitzer Goethe hat einmal gesagt: Große GeDankensund ein reines Herz, das ist es, was wir von Gott erbitten sollen. Vor allem ermahnt die Bidel, das Buch aller Bücher, zur Reinheit des Herzens. So klinat uns aus dem alten Bunde das ergreisende Bußgebet des königlichen Sünders entgegen:„Schaffe in mir Gott. ein reines Herz!“. An der Schwelle des neuen Bundes begegnete uns die Frühlingsgestalt Jesu mit der liebevollen Mahnung und Verheißung:„Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen".— Das reine Herz gleicht dem fruchtbaren Acker, der rein ist von Felsen und Gestein, von Unkraut und Gestrüpp. In einem reinen Herzen wachsen keine Dornen der Weltlust und Genußsucht. keine Disteln der Ueppigkeit und Wollust. Da finden sich keine Steine der Sorgen und keine Felsen des Reichtums. Dort ist der Boden nicht wie ein festgetretener Weg. sondern weich, slocker und empfänglich für alles Wahre, Schöne, Gute, und Heilige. Ein reines Herz ist nicht wie das Herz der Pharisäer, nicht wie ein übertünchtes Grab, außen weiß, im Innern aber voll Moder, sondern äußerlich wie innerlich gleich hell und llar wie das Licht der Sonne aufrichtig und ehrlich, ohne Trug und Hinterlist. Ein reines Herz ist wie ein Heiligtum Gottes, in dem sich die göttliche a in dem der Weihrauch des Gebetes gen Himmel steigt. ein Herz, darin der Frieden Gottes wohn“. Ein reines Herz ist endlich ein Herz, wie es Jesus, der Reinste aller Reinen besaß. ein Herz, voll Güte und Freundlichkeit, voll Einsalt und Liebe, voll Demut und Sanftmut, weder durch eine Spur von Sünde, noch durch den leisesten Schatten eines Unrechts getrübt. Was bei uns Ziel und Streben, das ist bei ihm Wirklichkeit und Leben! Ist es nicht eine grobe Selbsttäuschung, zu meinen, man wäre von Natur gut und edel? Wer kann von sich sagen, daß er sich selbst in Gedanken von allem Unreinen sern gehalten hat? Wieviel Schmutz und Unrat hat sich im Laufe der Zeit in den Ecken und Winkeln unseres Innenlebens festgesetzt, ohne daß wir uns einer gründlichen und entschiedenen Generalreinigung unterzogen haben. Lassen wir doch Jesu klares und helles Licht tief hineinleuchten in die dunklen Ecken unseres Herzens! Oeffnen wir uns ehrlich und willig seinem heiligenden Einfluß! Wenn wir wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stillehalten, so still und froh seine Strahlen sassen und ihn wirken lassen, dann werden unsere Herzen rein. Und nur dem reinen Herzen ist es vergönnt. Gott zu schauen.„Ein reines Herz, ein unbefleckter Sinn, das ist der Engel Sitz und Eigentum. Heil dem, der rein, nach Menschenweise rein, durchs Leben wandelt bis zum fernen Ziel: Sein ist schon im niedren Erdental des Himmels Los, und jedes Ungemach erhebt ihn höher zu den ewigen Freuden."— Sp— Kirchenzettel. Sonntag, den 8. nach Trinitas, 17. Juni 1923. Herne. Hauptkirche. 8 Uhr: Frühgottesdienst, st. Fiebig; 9.30 Uhr: Hauptgottesdienst. Hilfsprediger Lic. Schmidt: 11,15 Uhr: Kindergottesdienst. Past. Heinrich; 1 Uhr: Mas. Gottesdienst, 3 Uhr: Taufen. Betsaal in Horsthausen. 9.80 Uhr: Gottesdienst, Pastor Deichsel: 11 Uhr: Kindergottesdienst, Past. Deichsel; 2 Uhr: Taufen. Waldschule in der Kolonie Konstantin. 10 Uhr: Gottesdienst, Pastor Fiebig: 11 Uhr: Taufen. Ev. Krankenhaus. 9.30 Uhr: Gottesdienst, Past. Konfirmandenhaus. Abends 7,80 Uhr: Gemeindebibelstunde, Past. Fiebig. Amtswoche: Past. Albers: Vorsitz: Past. Albers. Bezirkobibelstunden. Mittwoch abend 7,80 Uhr: in der Kinderschule Hoheneick und 7,45 Uhr: im Horsthauser Bersaal. Vereine.„Blaukreuzverein": Sonntag 3 Uhr und Donnerstaa 7 Uhr.„Jungfrauenverein Herne“ Gartenstraße: Sonntag 8—7 Uhr.„Männer= und Jünglingsvereine 1. Herne“: Sonntag Wanderung in die Haard(Näheres am schwarzen Brett). 2. Horst hausen: Sonntag 8 Uhr: Jugendabtlg. 5 Uhr: ält. Abteilg.„Frauenhülse“: Mittwoch 1 Uhr: Mitte u. Konstantin u. Altenhöhen.„Gustav=Adolf-Frauen verein“: Dienstag 4 Uhr: auf Hoheneick. Baukau.(Sonntag, 17. Juni.) 10 Uhr: Gottesdienst. Probepredigt Past. Kuhlmann jr. aus Wattenscheid. Nach der Predigt: Katechese: 12,15 Uhr: Taufen. Die Vereine versammeln sich zur gewöhnlichen Stunde. Mittwoch, den 20. Juni. nachm. 6 Uhr: Vorbereitung für den Kindergottesdienst: nachm. 7,15 Uhr: Bibelbesprechstunde im Jünglingsverein(Gemeindehaus). Eickel II=Horsthausen. Sonntag, den 17. Juni: 10 Uhr: Gottesdienst: 11,15: Taufen; 11,80: Kindergottesdienst. Vereine am Sonntag. Jungmänner= und Männerverein: Halbtagsausflug. Jungmädchenverein: 4 Uhr Versammlung. Blaukreuzverein: 3 Uhr: Bibelstunde: Vereine in der Woche in gewohnter Weise. Hiltrov. Sonnabend. 16. Juni. 8 Uhr: Vorbesprechung mit Interessenten. Sonntag, 17. Juni: 980 Uhr: Gottesdienst: 11 Uhr: Kindergottesdienst; 4 Uhr Frauenversammig.:„Frauenschwachheit und Frauenkraft“: 8 Uhr Vortrag:„Die Krise der Gegenwart und ihr Ausgang“. Montag, 18. Juni. 8 Uhr:„Aufstieg oder Verfall?" Dienstag, 19.: 8 Uhr:„Der sechste Sinn“. Mittwoch, 20. 8 Uhr: „Die Macht des Bösen, die Uebermacht Gottes“ Donnerstag. 21. 8 Uhr:„Was ist dir Christus?" Freitag. 22. 8 Uhr:„Unsere Ebe“.(Nur für Erwachsene.) Sonnabend. 23. 8 Uhr:„Unsere Bibel“. Sonntag, 24 9.30 Uhr: Männervortrag: 5 Uhr: Jugendgottesdienst: 8 Uhr: Vortrag:„Unsere Kirche". Montag, 25. 8 Uhr:„Christentum und wir.“ Dienstag, 26. 8 Uhr:„Der neue Mensch im neuen Leben". Mittwoch, 27. 8 Uhr: Schlußversammlung und heiliges Abendmahl. Täglich(anßer Sonntag) 4 Uhr nachm. Bibelstunde.(Philipperbrief). Sprechstunden werden noch bekannt gegeben. Sodingen. Sonntag, 17. Juni. 9.30: Gottesd., Past. Ferke, Text Ephes. 5.16„Kaufet die Zeit aus“ 11 Uhr: Kindergottesd., 12 Uhr: Taufen; Mittwoch 4 Uhr: Tausen: Amtswoche: Past. Ferke. Vereine: K.=Ch. Mittwoch 8 Uhr: Uebungsstd.; Jad.=V.: So. 4 Uhr: Vereinostd.: Di. 8 Uhr: Bibelbesprechung: Sa. 3 Uhr: Pos.=Ch.; Jungfr.=V. So 3 Uhr: Gesangstd.: Frauen=Ch. Sa. 7 Uhr: Uebungsstunde im Kasino: Blaukreuz=V. So. 3 Uhr: Evan gelisation: Ev. luth. Gebetsverein: So. 5 Uhr: Bibelstd.: Kirchl. Gemeinsch.: So. 6 Uhr: Bibel== besprechung: Do.: 7 Uhr: Gem. Ch. Gemeinsch Bibelbesprech= und Gebetsstunde: Mi. 8 Uhr: Gertberstraße 32 Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Taa: Sonntag 2 Uhr im Saale des Herrn Nordsiel, von der Oendtstraße, Sonntagsschule und 3.30 Uhr: Pre digt: Mittwoch 7.30 Uhr Bibelstunde(Neustr. 66.) Neuapostol. Gemeinde, Bezirk Herne. 9—11 Uhr Gottesdienst, 2,30—3,30 Uhr Sonntagsschule und Konfirmandenunterricht. Mittwoch 6—7 Uhr(vol tesdienst. Evgl.luth. Gebetverein, Düngelstraße 31. Sonn tag 10.80 Uhr Sonntagsschule, 2 Uhr Gottesdienst abends 7 Uhr Jugenbundstunde. Baptistengemeinde Manteuffelstraße 13. Sonn tag morgen 9,30 Uhr Predigt. nachmittags 3 Uhr: Predigt, 11 Uhr Kindergottesd. Mittwoch 7 Uhr: Bibelbetrachtung und Gebetstunde. Ev. Gesellschaft, Kirchhofstraße 30. Sonntag 1.30 Uhr Sonntagsschule, 4 Uhr Bibelstunde. 5 Uhr In gendbund E. C. Dienstag 7 Uhr Bibelbesprechstd Mittwoch 1 Uhr Frauenvereinsausflug. 7 Uhr Gemischter Chor. Der gufe Onkel bringt P. 82. Die Ortslöhne im Bezirk des Versicherungsamts Herne sind gemäß§ 151 RVO. vom 1. Juni 1923 ob, wie folgt geändert worden: Für männliche Personen unter 16 Jahren 2400 M. von 16—21 Jahren 5400 K. über 21 Jahre 7200.4; für weibliche Personen unter 16 Jahren 1800 MA. von 16—21 Jahren 4200 M. über 21 Jahre 5400 M. Das Versicherungs imt P. 83. Der Bergmann Johann Pokowski, geb. am 7. 1. 1893 zu Slupp Kr. Straßburg, zuletzt wohn “ h a f t i n H e r n e L ü t z o w s t r 1 8, e n t z i e h t s i c h d e r U n t e r haltspflicht für seinen Sohn Johann. Es wird ersucht, zweckdienliche Angaben über den Aufenthalt des Pokowski zu Akten II P. 373 an die unterzeichnete Stelle zu richten. Herne, den 12. Juni 1923. Städtisches Unterstützungsamt. P. 84. Die städtischen Körverschaften haben unter Zustimmung der Ortspolizeibehörde die Aenderung der Fluchtlinien der verlängerten Königstraße von der Einmündung der Poststraße bis zur ge planten Herzogstraße anderweitig festgesetzt. Der Plan liegt vom 19. Juni bis 17. Juli 1928 einschließl. auf dem städt. Vermessungsamt. Zimmer 86, zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen gegen den Plan sind inne halb dieser Frist beim Magistrat anzubringen. Herne den 14. Juni 1923. Der P. 81. Der Provinzialausschuß hat beschlossen, zur Deckung des durch die neuen Rentenzulagen bedingten Mehrbedarfs der westfälischen landwirt schaftlichen Berufsgenossenschaft sofort eine außerordentliche Beitragsumlage in Höhe von 73 260 v. H. der staatlich veranlagten Grundsteuer auszuschreiben. An Beiträgen sind zu entrichten für einen Be##rieb bei einer Grundsteuer bis 0.50 A einschl. min#tens 600 A: von 0.51 M bis 1.,00 f einschl. mindesten 1000 u: von 1,01 M bis 2.00 A einschl. mindestens 2000 M. von 2,01 M bis 4,00 A einschl. mindestens 3000 m. von 4.01 und mehr einschl. mindestens 4000 M. Die Beiträge sind sofort bei der Gemeindehebestelle einzuzahlen, auch wenn dem Zah lungspflichtigen eine besondere Aufforderung nicht zugehen sollte. Zahlungspflichtig für die Beiträge ist der Grundeigentümer, der berechtigt ist, sich die Beiträge vom Pächter erstatten zu lassen. Die Hebe rolle liegt von morgen ab 2 Wochen lang zur Ein sicht der Beteiligten bei der unterzeichneten Stelle Rathaus, Zimmer 55, aus. Binnen 2 Wochen nach Ablauf der Auslegefrist kann gegen die Bettrags berechnung beim Genossenschaftsvorstande in Münster. Warendorferstraße 25. Widerspruch erhoben zwerden. Der Widerspruch entbindet nicht von der Pflicht zur vorläufigen Zahlung des Genossenschaftsbeitrages Der Zahlzettel ist dem Widerspruche beizufügen. Herne, den 14 Juni 1923. Der Magistrat. : r u r d e n H o c h s o m m e r grosse Auswahl Hübscher Kleider u. Blusen in bester Beschaffenheit und größter Preiswürdigkeit * Magerkeit+ Schöne volle Aö perform durch unsere oriental. KraftUen für Damen bervorragend schöne Buste) pre sgekröntmt gold. Medaillen und Ehrendiplomen, in 6 dis 8 Wochen bis 30 Psd. Garantiert unchadlich.— Aerztlich emp. ohlen. 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W., Wischers#r Tel. 504. Rorle gen ustsiogieri: Veres. Vesten. Jan 3 Setten. Medern inleren##.# Autonzein jeder Art verdes taubeltl sasgefühtt Franz Nickel, Pansanattr 18 Fersr. 1914 900090e Von der Reise zurück. Or Reckendorf, Bodingen, Telefon 1241. 305) Molkerei-Bulter läglich trisch ab Molkerei Kalter. v. d. Heydistr. 28 Fag In Dr. Unblutigs Sprechstund e. 2. (Aufheben!.(Forlsetzung folgt.) So Herr Ober, gestern haben Sie mir Hühner suppe mit Pettaugen serviert und heute bringen S1e miit Hühneraugen mit ohne Suppe. Na. lassen Sie mal sehen. Hühneraugen sind ia bei Kelinern ein Berurskrankheit, wie bei Polncart die Ruhr. St haben da zwei wunderschöne Naturdenkmäler, eine schöne Hornhaut auf der Pussohle und ein Mühner ause an der großen Zehe. Aber regen Sie sich nicht so hinauf, mein Lieber, diese Uinger bezeitigt man nicht mit dem Masser. Da wird auch nicht gesägt oder geätst, sondern ich, Dr. Unblutig, entteine auch die knornesten Hähneraugen und die Alteste Hornhaut nach dem wissenschaltlichen Poinzip# „Hühneraugen klein und gloß, wirst dusch Kuklrol Du or“,(iehen Sie jetzt sleich in die nächste größere Apotheke oder bessere Drogerle, kaufen Sie sich eine Schachtel Kurtrol und wenden Sie es laut Gebrauchsanwelsung an. Sie werden schr bald Linderuns versoüren, im Gegensatz zu anderen Mitteln, welche dle Schmerzen noch größer machen. In 2 bis 9 Tagen werden sie sich schon ohne Hünneraugen beheilen müssen.— Ulerade ihnen und Ihren Kollegen möchte ch abes außeidem noch die regelmäbige Benutsung des Kuktrol-Pußhads empichlen. Das viele(ieben mit weichen Schuhen auf hartem Boden verursacht hethges Hiennen an den Phsen. mitunter auch Wund aufen und allertei andete Pußleiden. Das Kukirol Paßbad halt die Puße trocken, kinftigt Muskein und ehnen und ist eine wahre Wohltat für jeden, der viel geht und stehi.— Die lehrreiche Broschüre„Die richtige Pußpflege“ erhalten sie auf Verlangen gratis und portotrei durch die Kokirol-Fabrik Grod-Salze 397 bel Magdeburg. Lalen si0 Lieh Riemals eiwus anderes ald„auch schr gut“ aufieden. Die ungangbaren Waren mnsen zwar auch verkauft werden, aber doch nicht gerade an Sie. Es gibt nichts besseres wie Kukirol. eelee IS Gasthof„Zur Flora“ am Hafen Sonntag, den 17. Juni: Großes Bockbierfest Ausschank: Bock-. Märzen- u. helles Bier ½ Ltr.-Gläser. Daselbst feiert der Gesellschafts-Club„Edelweiß“ ein geschlossenes Familienfest wozu Freunde und Gönner eingeladen sind. Blasmusik 8 Mann. Es ladet freundl. ein: 3301 Emil Behrend. Ausbildung z. Chaufteur erfolgt für jedermann, aus jedem Berufe, ohne Berutsstörung, in der Bochumer PrivatChauffeur-Schule, Bochum. Hernerstr. 77 u. 80 Von der höh. Verwaltungsbehörde genehmigt. 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