* rher D Rotationsdruck und Verlag: Jugmanns& Koethers, Herne, Bahnhofstr. 71. Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne. Nebenausgaben:„Anzeiger für das Amt Sodingen“(Amtsblatt) und„Gerther Anzeiger“. 11. Jahrgang. Telegramme: Anzeiger Herne. Fernsprecher 461. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis 75 Pfg. monatlich frei ins Haus gebracht durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 2,50. Erscheint täglich morgens 7 Uhr. Mit den Beilagen:„Das christliche Haus“,„Jugendborn", „Illustriertes Sonntagsblatt",„Nach der Schicht". Der auf die Anzeigen eingeräumte Nachlaß kommt bei Konkursen und gerichtlicher Klage in Wegfall. Verautwortlich: Für den redaktionellen Teil: Heinr. Jugmanns, für den Anzeigenteil: Jos. Röttsches. Anzeigen werden die 1 spalti auswärts mit 20 Pfg., Reklamen die Datum= und Platzvorschriften Petitzeile mit 15 Pfg., für Zeile mit 50 Pfg. berechnet. ohne Verbindlichkeit. R 151.(Erstes Blatt.) Montag, den 5. Juli 1915. Fortschritte in Südpolen und Oftgalizien. Papst Benedikt XV. über Weltkrieg u. Römische Frage bb Im Anschluß an die bekannte Unterredung des Papstes mit einem Mitarbeiter der Pariser„Liberté“, die zum großen Teil eine ungenaue Wiedergabe darstellte, zum Teil auch glatt erfundene Aeußerungen des Papstes mitteilte, schreibt Dr. Julius Bachem im „Tag“(Nr. 153) u. a.: Die Unterredung, soweit man die Angaben darüber als authentisch betrachten darf, bestätigt zunächst, daß der Papst bei Beurteilung der vom Weltkrieg aufgeworfenen Streitfragen der strengsten Neutralität sich befleißigt. Der Papst erinnerte an seine verschiedenartigen Bemühungen zugunsten des Friedens bezw. einer Beschleunigung der Beendigung des Krieges. Er mißbilligt jede Ungerechtigkeit, wo immer sie begangen werde, aber er will nicht, daß die Autorität des Papstes in den Streit der Kriegsparteien gezogen werde. Wiederholt betont der Papst, daß die Stunde noch nicht gekommen sei, um die Wahrheit aus allen widersprechenden Behauptungen herauszuschälen. Bezüglich der durch den Eintritt Italiens in den Weltkrieg erneut in dringlicher Weise aufgeworfenen römischen Frage erklärte Benedikt XV.: er habe alles getan. um Italien vom Eingreifen zurück #uhalten und habe dabei allerdings auch an die Interessen * d e s H e i l i g e n S t u h l e s g e d a c h t. U n t e r A n e r k e n n u n g d e s bisher von der italienischen Regierung gezeigten guten Willens bezeichnete der Papst die Lage des Vatikans als unsicher; sie sei nicht„normal“, und der Papst müsse sie nicht als endgültig annehmen. Besonders schwer sei der Uebelstand, daß er nicht mehr unmittelbar mit allen Gläubigen korresvondieren könne. Die italienische Regierung habe zwar das Chiffregeheimnis für den Heiligen Stuhl angeboten, aber der Vatikan habe dieses Anerbieten nicht angenommen, weil es zu gefährlich gewesen wäre, da man ihn der Indiskretion in militärischen Dingen hätte beschuldigen können. Diese Aeußerungen des Papstes lassen erkennen, daß alles, was neuerdings in der katholischen Presse und auch in manchen nichtkatholischen Blättern über die Schwierig keit bezw. Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Lage des Parstes gesagt worden ist, zutrifft. Der Papst selbst bezeichnet seine Lage als unnormal. In welchem Maße sie es ist, zeigt recht deutlich die Aufnahme, welche die Mitteilung über die Unterredung Latavics in der Presse des Vierverbandes. insbesondere in der französischen und italienischen Presse gesunden hat. Die meisten Pariser Blätter schweigen das Interview ## b e r h a u p t t o t, a n d e r e g e b e n d a r a u s n u r w i e d e r, w a s Eihnen paßt. Die katholische Presse nimmt kaum Natiz davon. In der„Euerre Sociale“ gibt der Herausgeber Hervé sein Erstaunen darüber Ausdruck, wie ein katho lisches Blatt(die„Liberté“) so unbesonnen habe sein können, ein derartiges Interview zu veröffentlichen. Weiter geht die italienische Presse. In manchen Kreisen herrscht Bestürzung. Die Zensur verbot den römischen Blättern sogar, einen Auszug aus dem Interview zu veröffentlichen. Der Mailänder„Secolo“ erklärt: der allgemeine Eindruck sei lebhaftes Verblüfft sein. Der„Corriere della Sera“, das verbreiteste einflußreichste Blatt, erwartete zunächst eine prompte Widerlegung, und als diese ausblieb, richtete es heftige Angriffe gegen den Papst. Der Papst habe dadurch, daß er allen dem Vatikan nabestehenden Zeitungen Instruktio nen in neutralistischem Sinne gab, Uneinigkeit und Un ruhe in das italienische Volk zu tragen versucht und ge zeigt, daß keinerlei Interesse für Italien in dem neu tralen Gedankenkreis des Hauptes der Katholiken bestehe. Der Vatikan, so schreibt der„Corriere della Sera“ wört lich, betrug sich wie eine fremde Macht, in gewissem Sinne wie eine feindliche. Es ist klar, was diese Presse vom Panst verlangt: er soll seinen weittragenden moralischen Einfluß für das kriegführende Italien und den ganzen Vierver band einsetzen. Für die dem Oberhaupte der katholischen Weltkirche als solchem gebotene Zurückhaltung und Neu tralität fehlt alles und jedes Verständnis. Der „Corriere della Sera“ war in der ganzen Krise, welche mit dem Bündnisbruch Italiens und seinem Eintritt in den Weltkrieg geendet hat, in der italienischen Presse ton angebend. Man kann danach beurteilen, welches die Stimmung in den nationalistischen Kreisen Italiens gegenüber dem Papste ist, und welche Gefahren sich daraus für die Stellung des Vatikans ergeben. Die„Massoneria", welche an der Svitze der Kriegshetze gestanden und an derseits aus ihrer Feindschaft gegen das Papsttum nie mals ein Hehl gemacht hat, braucht nur auf der ganzen Linie zum Sturm gegen den Panst als Feind Italiens zu blasen, um alsbald den Verbleib des Heiligen Stuhles in Nom aufs außerste zu gefähr den. wenn nicht unmoglich zu machen. Sollte der Panst in Rom nicht bleiben können, so wird er voraussichtlich nach Spanien über siedeln. Es ist bekannt geworden, daß eine große Anzahl von spanischen Bischösen. an der Spitze die spanischen Kardinäle, den Heiligen Vater eingeladen haben, im Falle der Not auf den Boden Spauiens Zuflucht und Schutz zu suchen. Allerdings wird das sicher auch nur im Falle der Not geschehen; der Papst dürfte in Rom so lange aus barren, als es mit seiner Sicherheit und Würde und dem Interesse der Gesamtkirche irgendwie vereinbar ist. Der Papst, welcher den bisher betätigten guten Willen der italienischen Regierung ausdrücklich anerkennt, wird auch zweifellos seinerseits keinen Konflikt hervorrufen und ebensowenig, wenn auf dem künftigen Friedenskongreß eine Verständigung über die Gestaltung der Lage des Pansttums gesucht wird, übertriebene oder unerfüllbare An sprüche erbeben. Die Offensive in den Argonnen. Stattliche Kriegsbeute in den Argonnen.— Gescheiterte französische Angriffe bei Les Eparges.— Eine französische Stellung bei Reignieville erobert.— Luftangriffe auf ein Fort bei Harwich, auf Nancy und andere Orte. Die Verfolgung der Russen an der Zlota=Liva; 3063 Russen gefangen.— Zurückweichen der Russen bei Narajow=Miasto.— Fortschreitender Angriff der Armee von Mackensens. WI1 Großes Hauptquartier, den 4. Juli. Westlicher Kriegsschauplatz. In den Argonnen haben unsere Truppen die Offensive fortgesetzt. Die Beute hat sich erheblich erhöht. Sie beträgt für die beiden ersten Julitage: 2556 Gefangene, darunter 37 Offiziere, 25 Maschinengewehre, 72 Minenwerfer, 1 Revolverkanone. Auf den Maashöhen wiederholte der Feind trotz aller Mißerfolge viermal seine Versuche zur Wiedereroberung seiner verlorenen Stellungen bei Les Evarges. Wir wiesen seine Angriffe glatt ab. Nordwestlich von Reignieville eroberten wir französische Stellungen in 600 Meter Breite und entrissen nördlich von Fenzen=Hane dem Feinde ein Waldstück. (Amtlich.) Ein englisches Flugzeug stürzte nördlich Gent an der holländischen Grenze brennend ab. Ein deutsches Kampfflugzeug zwang einen französischen Flieger bei Schlucht zur Landung. Der Feind bewarf Brügge, ohne militärischen Schaden anzurichten. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Die Fliegertätlukeit war gestern Prsemystany. sehr lebhaft. Deutsche Flugzeuge bewarfen das Landguart-Fort bei Harwich, sowie eine englische ZerstörerflottIIIe und griffen das befestigte Nancy, die Bahnanlagen von Dombasle und das Sperrfort von Remlremont an. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals von Linsingen ist in voller Verfolgung gegen die Zlota=Liva. 3000 Russen fielen in unsere Hand. Unter ihrem Druck weicht der Feind aus seinen Stellungen bei Narajow=Miasto bie nördlich Von Kamionka bis Kryslow am Bug ist die Lage unverändert. Die Armeen des Generalobersten von Mackensen befinden sich in fortschreitendem Angriff. Zwischen der Weichsel und der Pilica hat sich nichts Weseutliches ereignet. Oberste Heeresleitung. Heftige Kämpfe in Südpolen. Die Russen an der Zlota=Liva zurückgeworsen; 3009 Gefangene.— Heftige Kämpfe in Russisch=Polen.— Fünf russische Sturmangrisse zurückgeschlagen.— Eine russische Hauptstellung genommen; 1000 Gefangene.— Die Höhen von Krasnik erobert.— Heftige Nahkämpfe mit den Italienern.— Verlustreiches Scheitern aller italienischen Vorstöße.— Ein italienisches U=Boot vernichtet. gemacht und drei Maschinengewehre und drei Geschütze erbeutet. Die Höhen norolonit wurden in schwerem Kampfe genommen. Stalienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener erneuerten auch gestern wieder ihre Anden von den verbündeten Truppen angegrisfen und nach strengungen, am Rande des Plateaus von Diberdo stundenlangem Kampfe auf der ganzen Front gegen die Fuß zu fassen. Nach einer den ganzen Tag andauernden Zlota=Liva zurückgeworsen. 3000 Gesangene und Beschießzung des Abschnittes von Redivuglia mit schweren WTI Wien. 4. Juli. Amtlich wird verlautbart vom 4. Juli mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen, die gestern in Ostgalizien zwischen Narajowka und Zlota=Liva, sowie nördlich anschließend mit starken Kräften Widerstand leisteten, wurmehrere Maschinengewehre wurden erbeutet. Auch in der Gegend von Przemyslany und Elinisny ist der Feind im Rückzuge gegen Ost. Am Bug hat sich die Lage nicht verändert. In Kussisch=Polen kam es an mehreren Frontabschnitten zu heftigen Kämpfen, da die Russen unter Einsatz von Verstärkungen zu Gegenangriffen übergingen. Alle diese Versuche, verlorenes Terrain zurückzuerobern, scheiterten vollständig. Eins unserer Korvs wies allein fünf Sturmangrifse des Feindes blutig ab. Am Por=Bache und an der Wuznica dauern die Kämpfe fort. Beiderseits Strudzianki drangen unsere Truppen in einer Frontausdehnung von mehreren Kilometern in die Hauptstellung des Feindes ein und warsen ihn unter schweren Verlusten zurück. Hierbei wurden über 1000 Gefangene Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: Geschützen setzte hier nachmittags ein Angriff von mindesteus vier Insanterieregimentern ein, der zu heftigen Nahkämpfen führte. Ein Gegenangriff der tapferen Verteidiger warf schließlich den Feind von den Höhen hinunter. Versuche des Feindes, sich unserer Stellungen bei Woltschach(westlich Tolmein) und im Gebiete südlich des Krn zu nähern, wurden schon im Keime erstickt. Alrini, die in dieser Gegend einen Vorstoß gegen einen unserer Stützpunkte unternahmen, wurden nach erbittertem Handgemenge zurückgeworsen. Die Verluste des Feindes sind überall wieder sehr schwer. Das ikalienische Torvedoboot„17 0i“ ist am 2. Juli abends in der Nordadria vernichtet worden. Auf diesem fanden nur vereinzelt Grenzgeplänkel statt. 1. Höfer, Feldmarschallentnant. + Die Angriffskämpfe der Armee des deutschen Kron prinzen in den Argonnen nehmen ihren planmäßigen Fortgang. Daß sie erfolgreich für die deutschen Wassen verlaufen, zeigt die Zunahme der Kriegsbeute an den beiden ersten Tagen des Juli. Wer sich der oft geschilderten Schwierigkeiten erinnert, welche gerade das Ge lände der Argonnen den Kämpfen bereitet, und die Stärke der feindlichen Feldbefestigungen dort sich ver gegenwärtigt, muß uns zustimmen, wenn wir die Gesangennahme von 2556 Feinden und die Erbeutung von 72 Minenwerfern und 25 Maschinengewehren innerhalb zweier Tage als einen besonderen Gradmesser des Er folges bezeichnen. Kein Wunder, daß der französische amt liche Bericht, der sonst jede Kleinigkeit aufbauscht, in den letzten Tagen recht kleinlaut geworden ist. Auf den Maashöhen sind neue Fortschritte von unsern Truppen nicht gemacht worden. Sie halten aber ihre in schwerem Ringen errungenen Stellungen bei Les Evarges, worüber wir dieser Tage eingehend berichteten, den immer wieder einsetzenden Wiedereroberungsversuchen des Gegners gegenüber nach nie vor fest in Händen. Am Samstag machte er vier neue Vorstöße, sie wurden aber wieder blutig abgewiesen. Die Mitteilungen vom Luftkrieg im Westen sind ersteulicher Natur. Besondere Genugtuung weckt die Kunde von der Belegung eines englischen Forts bei Harwich mit Bomben durch unsere wackern und wage mutigen Fliegertrupven und von dem Luftangriff auf eine offenbar im Kanal kreuzende Zerstörerflottille der Briten. Leider erfährt man über den Erfolg dieser Angriffe aus luftiger Höhe nichts, auch nichts von dem der Beschießung von Nancy, der Bahnanlagen von Dombasle und des Sverrforts von Remiremont, alles schon wieder holt genannte befestigte Kampforte. Möge er recht erklecklich gewesen sein! Vom Kriegsschauplatz in Russisch=Polen meldet der deutsche Bericht unveränderte Lage, der öster reichisch=ungarisches dagegen, daß es dort in den Gebieten, wo unsere Verbündeten auf ihrem Vormarsch von Süden her fechten, an mehreren Frontabschnitten zu heftigen Kämpfen gekommen ist, in denen die Russen frische Kräfte einsetzten, um den Vormarsch zum Stehen zu bringen. Die feindlichen Sturmangriffe scheiterten aber blutig, die Oesterreicher ihrerseits aber drangen bei Strudzianki in einer Breite von mehreren Kilometer in die dortige russische Hauptstellung ein, aus der der Feind sich unter schweren Verlusten zurückziehen und über 1000 Gesangene in den Händen der Angreifer lassen mußte. Auch die Höhen nördlich Krasnik wurden im Sturm Besitz genommen. Auf den galizischen Schlachtgenfilden schreitet Vordringen der Verbündeten weiter fort. Sowohl Armee Linsingen, wie die Armee von Mackensen unaushaltsam im erfolgreichen Angriff, so daß der Feind unter Zurücklassung von Gefangenen und entsprechender Zahl von Toten sich weiter nach Osten zurückziehen muß Ob es ihm gelingen wird. sich noch einmal zu energischem Widerstand festzusetzen, steht vorderband dahin. Jeden falls hat die von den verbünd— io den letzten lands eine beträchtliche Vergrößerung erfahren; sie führen jetzt den Krieg vornehmlich auf russischem Gebiet. Je weiter sie zwischen Bug und Weichsel vorwärts kommen, desto günstiger wird ihre Lage. Die Nachrichten vom italienischen Kriegsschauplatze sind nicht minder zuversichtlich. Zwar versuchten die Italiener an mehreren Stellen Angriffe, die zum Teil mit starken Kräften angesetzt waren. Die Versuche aber scheiterten, brachen stellenweise sogar schon zusammen, ehe sie sich entwickeln konnten. Ueberall, so berichtet v. Höfer, erlitten die Italiener schwere Verluste, auch zur See, wo wieder eins ihrer Unterseeboote vernichtet wurde. enn e Rast an rrasngs Semose* 7 in das die ist Tagen an beiden Ulene Ruß Karte zu den Kämpfen in Südvolen. Weltkriea u. Katholizismus. Zu dem so betitelten Artikel in Nr. 150 unserer Zeitung vom 3. Juli wird uns von Redakteur Nürup (Essen) geschrieben: In dem genannten Artikel wird auf die schon mehr wie eigenartige französche Beweisführung in der Streitschrift„La Querre Allemande et le Catholicisme“ hingewiesen, die mit Photographien von zerstörten Kirchen und Heiligenbildern die Kirchenfeindlichkeit Deutschlands zu beweisen sucht. Es wird mit Recht die Frage ausgeworfen, wenn die durch harte Kriegsnotwendigkeit erzwungenen Maßnahmen eine Kirchenfeindlichkeit bekunden sollen, wie dann die Angriffe auf Kirchen und Klöster, die in Friedenszeiten in Frankreich aus vurem Religionshaß von der eigenen Regierung unter Zustimmung des französischen Parlaments erfolgten, bezeichnet werden müßten. In diesem Zusammenhange wird dann auch auf die sogenannte Inventuraufnahme vor einigen Jahren hingewiesen, wodurch der französische Staat sämtliche Kirchen und Kirchengeräte bis auf die kleinsten, beschlagnahmt hat, wozu seinerzeit sogar Truppen aufgeboten wurden, um diese Beraubung der Kirchen gegen die Gläubigen durchzuführen. Anläßlich der furchtbaren Grubenkatastrophe in Courrières(Nordfrankreich), wobei fast 1500 Bergleute ihren Tod fanden, weilte ich 1906 in dem nordfranzösischen Kohlenbecken, um mich an Ort und Stelle über die Ursachen des entsetzlichsten Unglückes, das jemals in der Geschichte des Bergbaues aller Länder zu verzeichnen war, zu informieren. Ich hatte damals auf der Grube selbst und auch in den von dem Unglück be troffenen Ortschaften Gelegenheit, zu sehen, in welch enthusiastischer Weise die todesmutigen deutschen Rettungsmannschaften aus dem Ruhrkohlengebiet, unter Führung der Herren Direktor Meyer und Inspektor Koch, von den französischen Bergleuten und auch von der französischen Bevölkerung gefeiert und als die„braves Allemands“ gepriesen wurden. Des ferneren war mir aber auch in den Tagen Gelegenheit geboten, die Folgen der Inventuraufnahmen in einigen kleinen Beramannsdörfern zu besichtigen. so in Billy=Montiany, Sallaumines, Hericourt. Die Be wohner dieser Dörfchen hatten ihre Kirchlein verbarrikadiert, um so der vom Staate vorgeschriebenen Inventuraufnahme Widerstand entgegenzusetzen. Die Abgesandten der Regierung hatten sich jedoch an diesen Widerstand wenig gestört, sondern mit roher Waffengewalt die Türen der Kirchen, Sakristeien, Schränke usw. erbrochen. Man konnte damals nicht allein aus theologischen. sondern aus allen Bevölkerungskreisen sehr erregte Aeußerungen über ein solch brutales. aus fanatischem Kirchenhaß geborenes Vorgehen vernehmen. Diese Vorgänge werden aber von Herrn Msar. Baudrillart, dem Verfasser der Schrift„I. Cuerre Allemande ei le Catholicisme“ leider nicht erwähnt. Statt dessen wird mit Vorkommnissen overiert, die aus der unabweisbaren Not der Kriegsbedürfnisse entstanden sind. Damit soll dann die Kirchenfeindlichkeit Deutschlands bewiesen werden. Wirklich eine verblüffend einfache Beweisführung. Von den Kriegsschauplätzen. Eine päpstliche Mission in der Schweiz. * Aus der Schweiz, 4. Juli. Der römische Korresvondent des„Corriere della Sera“ teilt mit, binnen kurzem würde ein Vertreter des Vatikano in einer außerordentlichen Mission sich während der Dauer des Krieges in der Schweiz niederlassen. Der Heilige Stuhl empfinde das Bedürfnio, leichter und sicherer mit den Nunziaturen und dem Eviskovat der kriegführenden Mächte zu korrespondieren. Daher solle eine besondere Kauzlei in der benachbarten Republik eingerichtet werden. Zu ihrer ordnungsmähigen Tätiakeit gehöre natürlich die Anerkennung der betressenden Mission durch die schweizerische Regierung und die anderen in Betracht kommenden Staaten. Die Mission werde auch Bedacht nehmen auf die rasche und praktische Ausführung des vom Papste angeregten Austausches invalider Gesangener ee— * Der deutsch-englische SchwerverwundetenAustausch. WTZ Berlin, 4. Juli. Der Schwerverwundetenaustausch zwischen Deutschland und England bat vom 28. bis 30. Juni 1915 stattgesunden. Aus englischer Gesangenschaft sind als schwerverwundet 3 Offiziere, 1 Deckoffizier, 1 Fähnrich, 1 Unteroffizier und 30 Mann, außerdem 8 Sanitätsunteroffiziere und 142 Mann Sani tätsversonal zurückgekehrt und zunächst im Reserve lazarett Aachen untergebracht worden. Aus deut scher Gefangenschaft sind nach England als schwer per wundet 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 47 Mann, außer dem 48 Sanitätsunteroffiziere und 294 Mann Sanitäts personal zurückgesandt worden. Der Seekrieg. Der Gipfel der Verleumdung. bb In den„Financial News“ vom 19. Juni findet sich der folgende in wörtlicher Uebersetzung wieder zegebene Artikel: Gewimmer über Karlsruhe. Nach der„Frankfurter Zeitung“ hat der Großherzog von Baden folgendes Telegramm von der Front an den Bürgermeister von Karlsruhe gesandt: „Der Kaiser telegraphiert mir seine tiese Entrüstung über den gemeinen Angriff auf mein geliebtes Karls rube. Die armen unschuldigen Opfer unter der Zivilbevölkerung haben ihn tief betrübt.“ Es lohnt sich, daß wir uns daran erinnern, daß 1. der Kaiser den deutschen Fliegern den Befehl gab. man müsse sich besonders bemühen. die Kinder des Königs Albert zu töten: 2. daß er befohlen hat. denjenigen Unterseebootsmannschaften. durch die Frauen und Kinder untergingen. eine dopvelte Belohnung auszuzahlen: 3. daß er persönlich die Marterung von dreijährigen Kindern befohlen und genau angegeben hat. welche Marter angewandt werden sollen. Ein Kommentar dürfte überflüssig sein. Solch ein Aussätziger beschmutzt sogar die Telegraphendrähte, durch die seine Votschaften an den Großherzog von Baden gehen. Diese Schmähung richtet sich selbst. Jrdes Wort würde ihren Eindruck abschwächen. Bulgarisches Urteil über die Kriegslage. * Berlin, 4. Juli. Die jetzige Kriegslage läßt sich nach der Sosioter„Kambana“ vom 26. Juni sehr einsach zusammenfassen: 1. die englisch=französische Armee ist schwächer als die österreichische: 2. die deutsche Armee ist stürker als die russische; 3. die deutsche und österreichische Landwehr kann die österreichische Grenze gegen jede entscheidende Overation aus Rußland schützen; 4. die italienischen Trurpen haben bisher nichts geleistet; 5. der Zweibund hat heute stärkere organisierte Kräfte als seine Gegner; 6. in den politischen Pläuen der Vierverbandsmächte herrscht keine Einheit. Amtlicher französischer Bericht. V78 Paris, 4. Juli. Amtlicher Bericht von gestern nachmittag: In den Argonnen dauerte der Kampf die ganze Nacht mit derselben Hartnäckigkeit an. Wir behaupteten unsere Stellungen und fügten dem Feinde sehr starke Verluste zu. Im Gebiet von Metzeral wiesen wir zwei neue Angriffe gegen unsere Stellungen auf den Kämmen zurück, welche östlich des Dorfes liegen. Auf allen anderen Stellen der Front sehr lebhafte Ka nonade mit Geschützen aller Kaliber. Die Geschosse, welche auf Arras geschleudert wurden, verursachten einige Brände. die wir eindämmen konnten. Unsere Klugzeuge bombardierten mit Erfolg die Bahnböse von Challerange. Zarren und Langemarck, ebenso die deutschen Batterien von Vimy und Beaurains Amtlicher Bericht von gestern arend: Der Tag war durch Zunahme der Tätigkeit der seindlichen Artillerie, besonders in Belgien im Gebiete von Neuville=Ecurie= Noclincourt und auf der Front von der Somme bis Aisne gekennzeichnet. Wir entgegneten durch Feuer auf die feindlichen Schützengräben und Batterien Auf dem rechten Ufer der Aisne, im Gebiete von Souvir und Trovon und in der Champagne(Front Pertbes— Veon Seiour) Minenkämpfe. In den Argonnen war die Nacht ruhig. Nach Mißlingen(??) seiner letzten Angriffsversuche unternahm der Feind keine Infanterieongriffe mehr. In den Vogesen einige Artillerielämpfe in Fontenelles und am Hartmannsweilerkopf. Der Krlegsruin Frankreichs. bh Brüssel, 4. Juli. Im Kammerausschusse des Palais Vourbon wurde mitgeteilt, daß. falls der Weltkrieg bis 1. Januar 1916 dauern sollte, bis dahin bereits der vierte Teil des gesamten französischen Nationalvermögens zerstört sein würde. Da das letztere auf 300 Rilliarden geschätzt wird. so würde die Zerstörung die ungeheure Summe von 75 Milliarden bedeuten. Darin sind die Kriegskosten inbegriffen, die bis Neujahr annähernd 40 Milliarden erreichen dürften. Die Mitteilung, die vertraulich war und vom Finanzminister Ribot gemacht wurde, ließ einen tiefen Eindruck zurück. Zum Untergang von S. M. S.„Albatros“. “ S t o c k h o l m, 4. J u l i.„ S t o c k b o l m s D a g b l a d“ s c h r e i b t über das„Bravourstück" der russischen Flotte: Gestern ist der Streit auf schwedischem Seeterritorium geführt wor den, und die schwedische Neutralität ist dadurch einer Kräntung bedauerlicher Art ausgesetzt worden. Die Verantwortung dieses Bruchs gegen das Völkerrecht trifft in diesem Falle den Chef des russischen Geschwaders, da er nicht die Verfolgung des deut schen Minenfahrzeugs in unmittelbarer Nähe der schwe dischen Küste eingestellt bat. Ueber das Seegefecht bei Gothland teilen die schwedischen Blätter verschiedene Einzelheiten mit. Die letzten Schüsse wurden gerade über Orstergarns Insel abgefeuert, so daß die Granaten dem Leuchtturmpersonal an den Ohren vorübersansten. Die provisorischen Feldlazarette ergaben einen schauerlichen Anblick. Viele der an Land Geführten hatten schwere Wunden über den ganzen Körver: besonders schienen Arme und Beine getroffen worden zu sein. Die Bevölkerung half nach Kräften den Verwundeten, die Plagen zu lindern; be sonders hatte diese gern, daß man ihnen Hände und Ge sicht wusch und die Fliegen von ihren Wunden wegiagte. Alte Fischergreise leisteten Dienste als Krankenschwester, bis ausgebildete Krankenpflegerinnen aus Wisby an langten. Rührend war es zu sehen, sagt der Korresvon dent, wie liebevoll die alten Fischer mit ihren groben Händen die Arme und Beine den Verwundeten ausschüssen in nahe Berührung stehen, sind augenblicklich in sehr erregter Stimmung. Wir können über die Gründe nichts näderes mitteilen. Obwohl es sich um persönliche Eisersüchteleien handelt, ist genügend zu Der Fall„Verdandi“.. erseben, daß ein sehr ernster Ministerwechsel darum entWII Stockholm, 4. Juli. Beim Ministerium für aus steben kann, sowie der Rücktritt einer hohen wärtige Angelegenheiten gins eine ausführliche deutschekeit, deren Klugheit, Tatkraft und Entschlossenheit sehr Rote über die Angelegenheit des versenkten Schiffes gepriesen wird. Es ist wünschenswert, daß ein derartiger „Verdandi“ ein, in der erklärt wird, wie der Miß=Amschaufa“ griff gescheben ist, worauf nach neuerlichen Entschuld gungen Ersatz des Schadens angeboten wird. „Nya Daglight Allahanda" bemerkt hierzu: Damit dürste die Angelegenheit für das Ministerium des Auswärtigen vollständig erledigt sein. Der U=Boot=Krieg. V73 Bertin, 3. Juli. Im„Journal de Geneve“, Nr. 177 vom 29. Juni 1915, findet sich ein Artikel über „die Verluste der britischen Handels marine“, in dem der Verfasser ausführt, daß an Schiffen mit mehr als 300 Tonnengehalt in der Zeit vom 4. Aug. 1911 bis 16. Juni 1915 145 Schifse mit insgesamt 524000 Tonnen vernichtet seien, darunter in der Zeit vom 19. Februar(Beginn des U Boot Krieges) bis 16. Juni Diese Zahlen stimmen, wie wir von zuständiger Sei## ständigen guten Willen erfordere. Rüttle ahren nicht Ea sind zu der Tat von Beginn des stareinen nr. n“. erfahren, nicht. Es sind in der Tat von Beginn des I=Bootkrieges vom 18. Februar bis 24. Juni durch U=Boote vernichtet: 194 britische Schiffe, darunter 124 von mehr als 300 Tonnengehalt; diese letzteren ergeben sesthielten, während der Arzt Verbände anlegte. Kinderim ganzen### 900 verse ien aus der Gegend waren bei der Proviantierung behilflich Vier Aerzte legten den ersten Verband an, worauf die Verwundeten nach Roma ins Krankenhaus geführt wur den. Laut Bericht eines Matrosen tat„Albatros“ Dienst als Minenfahrzeug und kam von Norden her. Er er zählte weiter, daß die Deutschen während des Morgenkampfes einen russischen Kreuzer versenkt hätten. Die Deutschen betrachteten ihr Abenteuer als ein Glück im Unglück. Die Treffsicherheit der Russen schätzen die deutschen Matrosen nicht hoch, und als Beispiel wurde angeführt, daß eine Granate in der Schiffsseite stecken blieb. Sie war nämlich nicht explodiert. bb Kovenhagen, 4. Juli. Der auf Strand gesetzte Weiter ist im„Journal de Geneve“ ausgeführt: Unter Zugrundelegungen„der Anzahl der angekommenen und abgegangenen Schiffe(über 300 Tonnen) aus britischen Häsen in der Zeit vom 18. Februar bis 24. Juni mit 25911 ergebe sich über die Wirkung des U=Bootkrieges folgendes Bild: 18. Februar bis 24. Juni(126 Tage): sahl der versenkten Schiffe 78, pro Woche also 4,3, pro Tag 0.62: Ankunfts= und Abfahrtsfälle 25911; ausge nutzte Gelegenheit 78: 25 911= 0,0031. Diese Zahlen geben kein richtiges Bild von der Wirkung des U=Bootkrieges, da in ihnen eine große Zahl von Schifsen, besonders von Küstenfahrern, mehrfach gczählt ist. Ein zutreffendes Bild für die Wirkung des U-Bootfrieges gibt der Veroleich der Tonnenzahl der vernichteten Zwischenfall vermieden wird. Die Stunde ist nicht für Zwistigkeiten geeignet, noch weniger in hohen Kreisen, als in den niederen Schichten. Im Zusammenhang mit dieser Meldung sind die Ausfübrungen einiger Pariser Blätter zu betrachten.„Guerre Sociale“ schreibt, daß in Senatorenkreisen eine lebhafte Bewegung gegen Millerand im Gange sei, dem gewisse Fehler, besonders bei der Mobilmachung und in der nationalen Industrie zugeschrieben werden.„Euerre Sociale" warnt vor einem Wechsel im Kriegsministerium. Irren sei menschlich. Ein neuer Kriegsminister werde neue Fehler beaehen. Hoffentlich könne die noch nicht ausgebrochene Krise beigelegt werden.—„Figaro“ glaubt, daß die Krise durch die Errichtung der beiden Unterstaatssekretariate im Kriegsministerium bereits beigelegt worden sei. Dies sei um der Einigkeit willen sehr wünschens*½. und ein n F r a n k ParteiParteien Afordere. Auttle man erst an dem heiklen Gebäude der Einigkeit, dann falle das ganze Gebäude zusammen. „Albatros“ hatte sich infolge dichten Nebels von dem übrigen Geschwader entfernt und wurde darauf Schisse mit dem Gesamttonnengehalt der britischen Han von vier russischen Kreuzern verfolgt und zwischen delsslotte. Hierzu ist festzustellen, daß vernichtet sind: Oestergarn und Faro angegriffen. Nachdem diese die Beschießung des„Albatros“ eingestellt hatten, wurden sie von den zu Hilfe geeilten übrigen Schiffen des deutschen Geschwaders wieder in einen heftigen Kampf verwickelt. Die kämpfenden Schiffe entfernten sich langsam von Gothland. Zuletzt wurde noch bemerkt, daß die russischen Schiffe die Flucht ergriffen und von den deutschen verfolgt wurden Es handelte sich wahrscheinlich um dieselben deutschen Kriegsschiffe, die am Montag den Angriff auf Windau unternommen hatten. Die Anzahl der Schifffe, die aus beiden Seiten am Kampfe teilnahmen, ist nicht genau bekannt. Doch scheinen auf russischer Seite mindestens fünf große Schiffe und eine Anzahl Torpedoboote, auf deutscher Seite vier Kreuzer und sechs Torpedoboote in den Kampf eingegriffen zu haben. Torvediert. WTB London. 4. Juli. Der englische Dampfer„Rich mond“ ist im Kanal torvediert worden. Die Besatzung wurde in Plymouth gelandet. 1. durch I-Bootkrieg in der Zeit vom 18. Februar bis 24. Juni: u Schiffe(mit mehr als 300 Tonnengehalt): 124 mit 400 900 Tonnen, b) Fischerfahrzeuge(mit weniger als 300 Tonnengehalt): 79 mit 18090 Tonnen; durch Krenzerkrieg nem 4 Augnst 1914 ab: Schiffe: 57 mit 250 009 Tonnen; 3. Farver vernichtete Schiffe unnerannten Namens und Tonnengehaltes: 10 mit etwa 25 000 Tonnen. In Summa 261 Schisse mit rund 700 000 Tonnen. Der Gesamttonnengehalt der britischen Handelsflatte vor dem Kriege ist zu 20 Willionen Tonnen angegeben Hiervon sind verloren 07 Millionen Tonnen; der bisberige Verlust beträgt also 3,5 Prezent des Gesamttonnen= Außer den britischen Schiffen sind bisher und rustische Schisse mit zusammen 40 000 Tonnengehalt vernichtet worden. Englische Verlustliste. WTB London, 4. Juli. Die neue Verlustliste weist 42 Offiziere und 1104 Mann auf. Zu den schwedisch-englischen Unterhandlungen. bb Stockholm, 4. Juli. Anläßlich der jetzigen schwedisch=englischen Unterhandlungen, in Stockholm schreibt„Aftonbladet": Man darf annehmen, daß die Angebote, die England jetzt wohl Schweden machen wird, eine Erleichterung für unsere Seefahrt, unseren Handel, unseren Telegramm= und Postverkehr in Aussicht stellen werden. Auf die Bedingung, daß die Durchfuhr von englischem und amerikanischem Kriegsmaterial nach Rußland freigegeben werde, kann sich Schweden unmöglich einlassen. Daran ist nicht zu denken. Wir überlassen es Amerika, an dem einen Tage seine Friedensgesinnung zu bekunden und an den anderen Tagen den Krieg durch Massenerzeugung von Munition zu verlängern. an einem Tage in der Woche in den Kirchen für den Frieden zu beten und die übrigen sechs Tage Granaten für England und Nußland zu fabrizieren. Schweden kann das nicht billigen. Was es bisher getan hat, ist schon zuviel. Eine Wiederholung und eine Fortsetzung ist ausgeschlossen. Wir verlangen keinen besonderen Vorzug; daher kann auch keine Gegenleistung in Frage gestellt werden. Wir haben weder England noch Rußland irgend einen Grund zur Unzufriedenheit gegeben; wir haben im Gegenteil ein allzu großes Entgegenkommen gezeigt. Das hat uns nichts genützt. Was wir jetzt sordern, ist einfach unser Recht. Unzufriedenheit mit England allerwärts * Unter diesem Titel schreiben die„Neuen Zürcher Nachrichten“: Wenn es noch einige Wochen so weiter gebt, ist nicht mehr das vom Vierverband auf unerbörte Weise verleumdete und verlästerte Deutsche Reich die un vooulärste Macht auf dem Erdball. sondern England, jenes durch die Macht der Lüge, dieses durch seine Taten. Bei den Neutralen macht sich ein zusehends stärkerer Stimmungsumschwung geltend. Holland und Norwegen seufzen über den englischen Hoch druck. In Schweden und Dänemark steigert die rief:„Geht an die Front; dort ist Euer Platz.“ . g e i n e r r d i e U n d w i e b e i d e n N e u t r a l e n u n d A l l i i e r t e n, s o s t e b t e s Entrüstung sich von Tag zu Tag. In Spanien ist man nach und nach in den englischen Kolonien. In empört über die englische Umtriebe in Portugal. Selbst Indien und Aegynten gärt es schon lange. Nach in den Vereinigten Staaten fallen Binden von dem ersteren mußten über Kopf und Hals Truppen diriden Augen, und man fängt an zu erkennen, wo der eigent= giert werden, um einen allgemeinen Aufruhr zu verhüten. liche Schuldige an dem ist, was für die amerikanische Nun kommen aber auch aus Australien Meldungen. Landwirtschaft und den dortigen Handel so schwer zu er= swelche darauf schließen lassen, daß dort eine Untertragen ist. Von der Schweiz wollen wir nicht reden; strömung an Einsluß gewinnt. die sich gegen die Lonhier besorgt Sir Francis Oppenheimer die Povularität doner Politik wendet. Umsonst hat der Lordmayor von der derzeitigen Politik seines Landes in nicht zu über= Melbourne seine geliebten Mitglieder vorgestern nicht Der amtliche russische Bericht. WTB Petersbura. 4. Juli.(Telegr.) Der Gegeral= stab des Generalissimus gibt bekannt: Am 2. Juli batte eine Abteilung russischer Kreuzer ein Gesecht mit fünf deutschen Kreuzern, darunter mit dem Panzerkreuzer „oon“, in der Nähe von Gotland. Das Ergebnis des Kampfes bestand in einer schweren Havarie eines deutschen Kreuzers(gemeint ist das Spezialschiff„Albatros“). der gezwungen wurde, auf die Küste auszufahren, und der schnellen Flucht der anderen Kreuzer. Die Verfolgung des Feindes dauerte aber eine Stunde. In der Nacht und am Tage des 2. Juli unternahm der Feind zahlreiche Teilangriffe westlich des mittleren gehen, unl Wnderholr mit eigenen Niemen. an der ganzen Front der Szeszupa, gegen Ohren gehört zu haben, wie man solchen öffentlich zu= den Bobr. bei Ossowice, am rechten Ufer der Weichder letzten Zeit von Westen kam, wußte zu erzählen, daß man in Paris bald mehr über die Engländer räsonieren höre als über die Deutschen. Ein kürzlich aus der französischen Hauptstadt zuruckgekehrter Schweizer Kaufmann berichtete uns vom Unmut der Pariser darüber, daß sie so viele englische Offiziere sich in den Pariser Cafés gütlich tun sehen, und wiederholt mit eigenen Drohende Ministerkrisis in Frankreich. WTB Lyon, 4. Juli.„Nouvelliste" veröffentlicht die folgende Pariser Nachricht: Parlamentarische Kreise, insbesondere Mitglieder des Senates, die mit den Heerestreffender Weise mit Plänen, die der Teufel holen soll. Nicht viel besser als bei den Neutralen ist die Stimmung bei den Verbündeten selber. Rußland ist verärgert wegen der Dardanellenpolitik der Engländer und wegen ihrer immer schärfer einsetzenden Kritik an den russischen Kriegsleistungen. Italien ist enttäuscht, weil die englischen Goldadern sich für dasselbe bei weitem nicht im bitternotwendigen Maße öffnen. In Japan ist man böse, weil angeblich England die Javaner um die erhoffte Vollernte in China brachte. Belgien. das arme, so grenzenlos irregeführte Belgien, ist englandmüde, und in Frankreich ist man englandsatt, satt davon bis an Hals und Mund. Wer von Schweizern in sel, bei Starosteby, südlich der Pilica, in der Gegend von Nadom, sowie bei Pakoseaw und Stenno. Alle diese Angriffe wurden ersolgreich abgewiesen. Es gelang dem Feinde nur, Schützengräben der ersten Linie in geringer Ausdehnung in der Gegend von Kalwarja zu nehmen. Am 2. Juli nahmen die hartnäckigen Kämpfe am Por und nördlich von Zamostie ihren Fortgana. Sonst hat sich nichts verändert. Am Schwarzen Meer zerstörte eins unserer Unterseeboote in dem Kohlenrevier drei Dampfer, einen großen Segler und verschiedene Schoner und Schlevver. Unsere Torpedoboote beschossen mit Erfolg Zunyuldak. beschworen. einig zu bleiben. In England wird man noch immer nicht müde, die Welt mit Gratisbroschüren aller Art zu überschwemmen. welche die Verworfenheit der Zentralmächte beweisen sollen und die wahre Liberalität der englischen Politik. Man verkennt jenseit des Kanals, daß diese Welt in elf furchtbaren Monaten überreich Gelegenheit hatte. das eine wie das andere an Hand der Ereignisse zu kontrollieren. Das Bilanzergebnis ist, daß England im Begriff steht, Gegenstand einer mondiolen Unvovularität zu werden. wobei Deutschlands große Mis= ist, ganz energisch von ihren Rechten Gebrauch zu machen sion immer mehr gewürdigt wird, den Erdball von der Ja, sie scheint sogar immer mehr die eigentliche Regierung vnerträglichen Vogtschaft zu befreien, die die jetzigen an sich zu reißen. Sie hat nicht nur den Rücktritt dieser Machthaber in London für England usurvieren. Minister als Vorbedingung der Verhütung einer ReDie Duma gegen die russische Krone. bb Berlin, 4. Juli. Die„Vossische Zeitung“ bringt an der Spitze ihres Blattes aus anscheinend sehr gut unterrichteter Quelle ein langes Petersburger Telegramm, aus dem deutlich dervorgeht, daß die Duma fest entschlossen In Der„Temps“ veröffentlicht eine lebendige Schilderung aus der dicht binter der französischen Front liegenden, vom deutschen Feuer schwer getroffenen Stadt Arras. „Eine schmerzliche Veranlassung hat mich gestattet, die Stadt wiederzusehen, in die man jetzt nur hineinkommt, wenn man einen Geleitbrief besitzt, den man auf Verlangen jederzeit vorzeigen mun. Die Militärbebörden zeigen sich in dieser Hinsicht unerbittlich und haben zweifelsohne nicht Unrecht. Der Morgen ist prachtvoll, die Luft rein und durchsichtig, aber es wird heiß werden. Beim Verlassen des Bahnhoses von St. Pol, wo die letzten Formalitäten erledigt worden sind, entrollt sich ver meinen Augen ein bewegliches Bild, das durch die Anwesenheit zahlreicher Soldaten von allen Waffen gettungen, womit der wie in friedlichen Zeiten überaus lebhafte Markt zusammenfällt, doppelt bewegt erscheint. Zahlreiche Zivil= und Militärfahrzeuge behindern das Vorwärtskommen. Endlich haben wir aber doch die Verkebrszone durchquert und können nun einem fesselnden Schauspiele beiwohnen. In der Luft wird gekampft: deutsche Tauben verfolgen ein von weißen Schrapnellwöllchen umgebenes französisches Flugzeug. Währenddessen fahren ein paar Landarbeiterinnen in Seelenruhe fort, Zuckerrüben auszugraben. In einiger Entfernung erblickt man die Türme von Mont St. Eloi; sie haben ihre Spitzen verloren und weisen breite Risse auf, stehen aber noch. Darüber liegt La Targette, dem Erdboden gleich gemacht, von nun unnütz gewordenen Schützengräben umgeben, die wie weiße Bänder den grünen Tevpich des Getreides durch schneiden. Vernehmlich dringt Kanonendonner und Ge wehrfeuer herüber. Dunkle Rauchwolken steigen über Neuville. St. Vaast, Ecurie, Thelus und Chante=Clair auf, wo Brände wüten. Angriff und Verteidigung sind in diesem seit 8 Monaten wütenden, doch niemals so furchtbar gewesenen Artillerieduell von gleicher Heftigkeit Ein letzter Auruf der Schildwache und wir schreiten durch die Porte Randon nach Arras hinein, beklommen im Gedanken an die Verwüstungen, die sich uns dort darbieten werden, haben sie sich doch in folge des unaufhörlichen Bombardements von Tag zu Tag gesteigert. Die Behörden arbeiten mit beschränktem Personal weiter: die Präfektur, das Bürgermeisteramt, das Wohltätigkeitsamt, die Polizei bebelfen sich mit den nicht ausgehobenen Agenten und der Zivilgarde: die Feuerwehr ist reorganisiert; an einem Orte. der so viel Sicherheit, wie eben möglich bietet, ist die Schule wieder eröffnet worden. Da svielen und schreien und soringen die Kinder, ohne die sie umgebene Gefahr zu ahnen, in ungetrübter Ausgelassenheit unter den Angen steherin herum, die auf jedes verdächtige Geräusch lauscht und ihre Schützlinge mit mütterlicher Sorgfalt überwacht. Das Stadthaus, das mit seinem alten, einzigartigen Belfried ein Wahrzeichen von Arras bildete, ist um zwei Drittel verkürzt und hält sich nur noch dank seiner gediegenen Sandsteinmasse aufrecht, die allen Granaten vom kleinsten bis zum größten Kaliber trotzt; er ragt inmitten der Trümmer eines ganzen Stadtviertels auf, das Hunderte von Häusern verloren hat. Grünes Moos beginnt bereits die Schuttmassen zu umkleiden. Ein kleiner Pavillon, der in Friedenszeiten in einem Hof stehend als Küche diente und heute von einem Greise bewohnt wird, erinnert noch an die oft prächtigen alten Häuser, die sich dort erhoben; er allein erinnert noch daran, welches Leben einst in dieser betriebsamsten Stadtgegend herrschte. Ueberhaupt ist die ganze Stadt mit Ausnahme einiger besonders bevorzugter Viertel schwer mitgenommen. Die ausgebrannten Häuser, die eingeschlagenen Dächer, die durchbrochenen Häuserfionten, die durchlöcherten oder zertrümmerten Mauern sind nicht zu zählen, garnicht zu reden von den Verwüstungen im Innern, die durch die Unbilden des Wetters besonders empfindlich werden. Die öffentlichen Baudenkmäler haben besonders gelitten. Präfektur, Hochschulen, Bildungsanstalten. Katbedrale, Kirchen, Bahnhof und Kasernen: sie alle bieten ein Bild der Verwüstung. Die öffentlichen Promenaden mit ihren alten Bäumen sind für die Bedürfnisse der National verteidigung herangezogen worden. Immerhin bieten sie noch heute ihr altes, originelles Bild.“ Ich steige aus. taste mich den Straßenhana hinauf. erfühle einen Baum. sehne mich mit der Schulter daran. Die dunkle Masse unten bewegt sich weiter. Aber ich böre jetzt das Rollen von Rädern. den gleichmäßigen dumpfen Schlag von Pferdehufen, dazwischen ab und zu ein eisernes Geklirr. Aber kein Wiebern, keinen menschlichen Ruf. Plötzlich. ohne daß ich ihn habe entstehen sehen. ist in der Ferne vor mir ein milchweißer Streifen am Himmel da. Neben mir ist es so schwarz wie zuvor, daß ich den Stamm des Baumes. an dem ich stehe, nicht erkenne. Aber in dem milchweißen Streifen werden Pferdekönfe. werden die zugespitzten Helme von Soldaten sichtbar. Alles scheint in einer nickenden Bewegung an der Stelle zu bleiben. während ich doch aus dem Geräusch der Räder und Hufe entnehme, daß immer neue Pferdeköpfe und Helme in dem Streifen erscheinen. Geschützdonner bebi an Ferne feurige Bogen durch schneiden die dunkle Höhe des Himmels. Ungewisse Licht scheine zucken auf wie ununterbrochenes Wetterleuchten Ich erkenne Bäume, die Straße. Aber die Straße ist jetzt an seine von brillentragenden Studenten. Und immer dieser Schritt. der wie im Strom alle fortreißt. Die Führer. zu Pferd. in den grauen Kragen. vor sich schauend. nicht singend. Ihnen fehlt der Schritt. Sie scheinen von weitem traurig. Aber sind sie nahe, sieht man die hellen Gesichter. Sie drehen sich von Zeit zu Zeit um oder keiten an die Seite. lassen einen Teil der Soldaten an sich vorbeischreiten. sehen in die Gesichter, zeigen ihr eigenes Gesicht, um zu sehen und zu sagen: Wir alle sind bereit. So viele Gesichter vorbeiziehen: in allen wie zwei entzundete Lampen die tief leuchtenden Augen. deren Schein ich nie vergessen werde. Ueber dem endlosen Zug der blaue Rauch der Pfeisen, Zigarren. Zigaretten, der unwirklich in der Luft stehen bleibt wie der seine Rauch von Ovserflammen in den Herzen. Und immer dieser Schritt und immer dieses Singen. Dazu der Geruch der abgeschnittenen Tannenzweige Einer hat die Brust mit gelben Blumen geschmückt die er wer weiß woher hat. Einer fühlt, während ich ihn kommen sehe. von außen r. als ob alles vorher eine Täuschung gewesen wäre Ich lege das Ohr an die Erde. Da höre ich Räder. Hufe. Tritte noch. Darunter ein Rollen, gewaltig. in senkrechter Soldaten, die in die Schlacht gehen. bb Der Kriegsberichterstatter Wilhelm Schmidtbonn sandte dem„Berl. Tageblatt“ vom westlichen Kriegsschauslatz nachstebende fesselnde Schilderung: Noch Nacht. Unser Auto fährt ohne Lichter Es ist so dunkel, daß man nicht sieht ob Häuser oder Bäume neben der Straße stehen. Der Fahrer tastet nicht mit den Augen. sondern mit dem Gefühl oder besser gesagt, mit einem sechsten Sinn. der sich bei ihm entwiekelt haben muß. Es ist kein Windzug um mein Gesicht, also müssen wir sehr langsam fahren, kaum schneller, als ein Fuß gänger geht. Rechts neben uns steht unverändert eine dunkle Masse. nur ein wenig heller, als das Schwarz der Nacht. Als das Auto hält, erkenne ich, daß die Masse sich bewegt. Ich höre den Schritt unzähliger Füße. Hin und wieder weiß liche Flecke: Gesichter, die vielleicht zu mir aufgeboben sind. Kein Singen. kein Sorechen— die Schreitenden scheinen zu schlafen. Das Ganze scheint eine endlos lang gezogene Maschine, die sich vorwärts schiebt. Tiefe, nicht seitlich entfernt. Das. was allein in dieser Zeit der Erregung noch fest scheint— die Erde zittert Ich höre in ihr Herz hinein Sie scheint ein Wesen riesenhaft, unheimlich das sich zu regen anfängt und Nahrung begehrt: Menschen. Mit einem Male ist aus den Lichtscheinen Dämmerung geworden. Ein Frösteln durchzittert mich— von außen? von innen? Jetzt— wie ein Trost des Himmels: unvermuteter Gesang. Erst hell, wie von Schellen, oder als ob ein Zug überirdischer Frauen oder ein Zug seliger Kinder herankomme. Dann laut. tief. schallend. irdisch. Soldaten. In fonteristen, kommen über den Scheitel der Straße berauf. Ueber den Helmen der Wald der Gewehre, wie dichtgedrängte Maste eines Hafens, die durch einen Wind durch einander beweat werden. Um die Helme Tannenzweige. In jedem Gesicht, schon von weitem sichtbar. der geäffnete singende Mund Jetzt ist das sieghafte, gewaltige Schreiten unter mir. Ich ziehe die Mütze vom Kopf zum Gruß. aber es wird ein schweigender Gruß der Ehrfurcht Ich sehe in all diese Gesichter hinein die Gesichter von Soldaten zu sein. Manöver zieben. Aber bald wie in einer Ferne unter dem singenden Ausdruck, erspäht man den Ernst. den heiligen Willen Hier: ein Gezeichneter sieht mich an: während seine Livven sich wie die Livven der anderen öfinen und suner schließen, stehen die Augen darüber groß und seltsam leer: gleich Brusttasche: er mag das Bild von Frau und Kindern dort wenigstens anfühlen weil er sich scheut. es noch einmal berauszuziehen und vor allen anzuseben. Einer sieht starr auf den Tornister seines Vordermannes. r schwankt, scheint stehen bleiben zu wollen. Ob er denkt: hier bleiben, bei den friedlich stehenden Bäumen. leben bleiben? Schritt und Singen nehmen ihn weiter. Einer singt hell, daß es aus allen Stimmen herausklingt: er mun ein geschulter Sänger sein. Er reißt die um ihn Narschierenden nicht etwa mit. sondern sie schweigen und hören ihm zu Neue Scharen kommen Und immer dieser Schritt und immer dieses Singen. Bäume wron die Erde selbst. die Wolken scheinen mir mitzuschreiten. Ich sehe den geisterhaften Zug der Mütter Frauen. Bräute Kinder mitstreiten. Alle singen mit. Das Firmament klingt Der Taa kommt. Ohne Sonne. Aber voll eines heimichen Strahlens. Oder ist das in mir? Das Rätsel„Mensch sein“ hat seine Qual in mir verloren. Die Gewißheit. tron aller Wissenschaft. mehr als die letzten hängenden Blätter vom Herbst mehr als die emsig zu meinen Füßen kriechenden Ameisen zu sein die ich zertreten könnte. wie der Krieg diese Menschen, bricht in mir auf. Nur Menschen sich wissend zu orfern ihr Strahlen ist schon hinausgeschickt in irgendeine Ferne Einer geht, singend und bisweilen an die Kameraden anstoßend. aber gleichwohl sicher wie ein Nachtwandler. als habe er ein Bild in sich zu bewahren. Einer macht einen kleinen Schritt abseits um irgendeinen Käser am Boden nicht zu zertreten. Viele haben einen Daumen unter den Tornisterriemen gelegt um den Druck zu min dern. Jünglinge, fast Knaben schreiten neben bärtigen Männern. Breitgesunde Gesichter von Bauern, hager energische von großstädtischen Arbeitern, seine und bleiche # i— vermögen sich winn die mit Sans ins. Das Auto tragt uns feldein. Richt in Richtung die mit Sang ins der Marschierenden, ich muß sie verlassen Aber unter der Baumreihe der nächsten Straße. die wir schneiden: wicder dieser Schritt dieses Singen diese Unzähligen. Auf der dritten Straße: Schreiten Singen. Unzählige. Bis Wagen, wie vom Vorwärtsdrang mitgezogen. die Richtung annimmt und dem kurzrollenden Donner fährt der Geschütze entacge Heitece Ecke. Das Linienschiff„Teiumph“. Die Engländer brauc künftig nicht mehr mit Aerger und Neld aus die Ersunserer Unterseeboote zu blicken denn können ebenfalle von einem Triumob unt zassen richten— * volution aufgestellt, sondern gebt noch einen Schritt weiter. Der Seniorenkonvent dat nämlich die Schaffung eines Landesverteidigungskomiteee beschlossen, das die ständige oberste Instanz für Landesverteidigung sein soll. Das Komitee soll aus den sechs Ministern, einem Vertreter des Generalissimus und je neun Abgeordneten be stehen. Es würde die völlige Entwindung der Regierungsgewalt aus den Händen der Krone und der Regierung bedeuten. Das Komitee soll das Recht haben, durch seinen Vertreter direkten Vortrag beim Zaren zu halten und Bevollmächtigte zwecks Revision zum Hauptquartier zu entsenden. Die Einbringung dieses Gesetz entwurfes ist von Führern aller Parteien beschlossen wor den, so daß der Krone nichts anderes übrig bleiben dürfte, als den Entwurf zum Gesetz zu erheben. Der bekannte Oktobristenführer Gutschow, der gegenwärtig im Hauptquartier weilt, hatte dem Generalissimus von dem geplanten Landesverteidigungskomitee erzahlt. worauf der Großfürst Nikolaus wörtlich ausrief: „Eine Revolution dünkt Euch also ungenügend. Ihr wollt gleich eine Republik schaffen!" Der Kadettenführer Miljukow wurde dieser Tage gefragt:„Wie, wenn die Krone diesen sie zweifellos entrechtenden Gesetzentwurf ablehnt?" worauf er antwortete:„Dann werden wir ihn eben ohne die Krone durchführen." Der Zar hat nach langem Zögern schließlich eingewilligt, dem Gesetzentwurf nicht entgegenzutreten. Von der russischen Kaukasusarmee. WTI Petersburg, 4. Juli. Bericht des Generalstabes der Kaukasusarmee vom 1. Juli: In der Küstengegend Artilleriekämpfe. Eines unserer Torpedoboote wechselte Schüsse mit den türkischen Batterien. In der Gegend von Olty wurde die feindliche Offensive, die im Süden von Kartka eingesetzt hatte, zurückgedrängt. In der Gegend von Kara Derbent bemächtigten sich unsere Truppen der Höhen im Westen des Dorfes Aidarkow. Im Süden von Avbazak wurden die Türken gegen die Bergkette von Schariandag zurückgeworfen. In der Gegend von Zewan Artilleriegefechte. Auf der übrigen Front keine Veränderung. Der diplomatische Balkankrieg. bb Genf, 4. Juli. Zur politischen Lage bemerken die französischen Blätter nach der„Voss. Ztg.“, daß gegen wärtig die Balkanfrage im Vordergrund aller Interessen stebe, und daß der divlomatische Kampf, der zwischen den Zentralmächten und dem Vierverband um die neutralen Balkanstaaten geführt wird, heftiger sei als je. Die Zentralmächte würden vor keinem Opfer zurückschrecken, um die Balkanstaaten für ihre eigene Sache zu gewinnen.(Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an Rußland, England und Italien, ihrer seits zum gleichen Zweck Opfer zu bringen.) Der „Gaulois" warnt, man dürfe die Bemühungen der Zentralmächte nicht unterschätzen. Ihre Vorschläge hätten den großen Vorteil vor denen des Vierverbandes voraus, daß sie den Neutralen nichts als die Aufrechterhaltung der Neutralität zumuteten, während der Vier verband Intervention fordert. Die Völker aber zögen instinktiv eine friedliche Verwirklichung ihrer Wünsche opfervollen Eroberungen vor. den Turm. Nach einigen Tagen fand man das Mädchen in höchster Entkräftigung Der Italiener herbste Enttäuschung. WTI Wien, 4. Juli.(Telear.) Die„Reichspost“ meldet aus Welschtirol: Ein gefangener italienischer Reserveoffizier äußert sich über die Haltungdes Tren tino, die er nicht wieder erkennt.„Ist man in diesem Kriege denn überall so falsch unterrichtet?" fragte er. „Wir haben geglaubt, daß uns Südtirol entgegen kommen werde, indes zeigt es uns ein feindliches Gesicht. Das ist unsere herbste Enttäuschung. Um die Dardanellen. Die Kämpfe auf Gallipoli. lob Rotterdam, 4. Juli. Ueber die letzten Kämpse auf der Halbinsel Gallivoli schreibt, nach der„Deutschen Tagesztg.“, die„Tuily Mail“: So heldenmütig auch ge fochten wurde, so zeitigten diese Kämpfe doch keinen Erfolg. Achi Baba ist noch immer nicht genommen, und solange diese Stellung nicht von uns erobert wird und unser fester Besitz bleibt, sind unsere Stellungen auf dem bisher eroberten Gebiete schwierig. Aber selbst wenn wir Achi Baba genommen haben, so ist uns damit erst ein Schritt zur Besetzung der ganzen Halbinsel ge lungen. Kleine Meldungen. Apachen in der französischen Armee. bb Stockholm, 4. Juli. Der Pariser Korrespondent der„National Tidende" berichtet von einer franzosischen Apachenlegion. die aus Soldaten gebildet worden ist, die in ihrer Jugend auf Abwege geraten sind und ihre Strafe bei der Straflegion in Algier ab büßten. Diese Soldaten seien dafür bekannt, daß sie sich stets in der vordersten Linie befinden, weil sie genau wüßten, daß sie nichts mehr zu verlieren, aber alles zu gewinnen hätten. Entweder fielen sie auf dem Felde der Ehre, oder sie erkämpften sich die Tavferkeitsmedaille und hiermit auch ihre verlorene Ehre wieder.(Es ist jedenfalls bezeichnend und für die französische Armee nicht ehrenvoll, daß— wohl notgedrungen— Verbrecher zur Verteidigung Frankreichs herangezogen werden.) Ein französischer General verwundet. W7B Paris, 4. Juli.(Meldung der Agence Havas.) Der Befehlshaber des Orientkorvs, General Gouraud, wurde von einem Granatsplitter getroffen, welcher in der Nähe der Ambulanz einschlug, wo Gouraud die Verwundeten besuchte. Das Leben des Generals ist nicht gefährdet. Er wird nach Frankreich gebracht. General Bailloud übernahm vorläufig den Befehl. Italien protestiert. — VTZ Bern, 4. Juli. In einem Artikel des römischen ##rrespondenten der Turiner„Stampa“ heißt es: Die Rachricht, daß griechische Banden die Dörfer an der Straße von Berat besetzt haben, habe für Italien eine große Bedeutung. Die italienische Regierung protestiere gegen die Besetzung Skutaris; der Vierverband schloß sich diesem Proteste an. Eine Vereinbarung zwischen den mit Italien verbündeten Mächten erklärte die Besetzung Skutaris durch montenegrinische Truppen für null und nichtig. Zu gleicher Zeit machte Italien Vorbehalte geltend wegen der Besetzung von Elbasan durch die serbischen Truppen. Es bestehe zwar ein italienisch serbisches Abkommen, welches Serbien einen Zugang zum Adriatischen Meere gewähre, wahrscheinlich nach Durazzo. Aber die Bewilligung des Hasens könne erst nach dem Kriege erfolgen. Am schwersten liege die Frage von Berat. weil es sich hier um ein Gebiet handelt, welches an Valona grenze und außerdem das Hinterland des von Italien besetzten Gebiets einbegriffe. Italien könne daher die Besetzung dieser Stadt nicht zulassen. Italien warte auf bestimmte Nachrichten. Im Falle einer Bestätigung würde Italien von Griechenland Erklärungen fordern, da es sich hier um eine Verletzung der Entscheidungen der Londoner Konferenz handle. Eine energische Haltung würde auch gegenüber der Türkei eingenommen werden, mit welcher Italien gegenwärtig in heiklen Beziehungen stehe. Italien wünscht sich Garantie gn der Prage der Bechandlung der Stalener in der #kei, wie auch wegen der Intervention türkischer emente in Libyen. Elne serbische Lüge. WTB Wien, 4. Juli. Das Fremdenblatt bringt folgende Mitteilung: In dem serbischen Blatte„Samnuprawa“ vom 9./22. Juni wurde anscheinend offiziös behauptet, daß das stolze, übermütige Oesterreich=Ungarn dem kleinen schwachen Serbien bereits zweimal einen Separatfrieden angeboten hätte. Wir sind von komvetenter Seite ermächtigt, zu erklären, daß diese Behauptung erfunden ist. Oesterreich=Ungarn hat während der ganzen Dauer des Krieges niemals und niemanden, also auch nicht Serbien Friedensangebote gemacht. Japans Uninteressiertheit In Europa. bb Stockholm. 4. Juli. Die neuen Versuche der Ententestaaten, Javan zu einer Expedition nach Eurova zu veranlassen, sind auch diesmal wieder auf unfruchtbaren Boden gefallen. Die japanische Regierung hat nach Petersburger Meldungen die Aufforderung zur Teilnahme an einer bewaffneten Aktion außerhalb Asieno endgültig avgelehnt. Der in der Frage der asiatischen Politik maßgebende japanische Botschafter in Petersburg, Montono, hat offen erklärt, daß Japan keinerlei politische Interessen in Eurova habe. Kriegmit Italien. WTB Rom, 4. Juli. Amtlicher Kriegsbericht: Längs der ganzen Grenze ist die Lage unverändert. Die Artillerieaktion, welche in großer Stärke gegen die Verteidigungswerke von Malborghet und Predil fortgesetzt wurde, richtete am letzteren sichtlich sehr beträchtlichen Schaden an und verursachte ebenfalls große Explosionen. Der Feind unternahm gestern nachmittag einen heftigen Gegenangriff gegen unsere Stellungen auf dem Hoch Plateau Corsico. Er wurde zurückgeworfen und ließ etwa 200 Gefangene in unseren Händen. gez. Cardorna. Beim Brückenbau gefangen. bb Budapest, 4. Juli.„As Est“ meldet: 41 halb nackte italienische Gesangene wurden in den letzten Tagen auf einer Gefangenensammelstelle ein geliefert. Sie gevorten zur Pionierabteilung des 25. Italienischen Infanterie=Regiments und bekamen den Auftrag, zur Nachtzeit eine Brücke bei Görz über den Isonzo zu schlagen. Um möglichst bequem arbeiten zu können, entkleideten sie sich bis auf Hemd und Hose und wurden plötzlich von österreichischen Patrouillen überrascht und gefangen genommen. Der Brückenschlag war mißlungen Italienische Schwierigkeiten und Greuel. * Innsbruck, 4. Juli. Nach dem amtlichen Blatt „Risveallo“ in Trient bat im Suganer Tale eine Abteilung Italiener ein welsches Bauernmädchen gezwungen, an einem Erkundigungsgange teilzunehmen Die Soldaten drangen in einen Kirchturm ein, verge waltigten das Mädchen, zogen ihm die Kleider aus und warfen sie vom Kirchturm hinab. Sie verschlossen dann Ein Anschlag auf John Morgan. WT3 London, 3. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Neuyork: Ein Mann verübte einen Anschlag auf das Leben des Bankierss John P. Morgan. Er gab zwei Schüsse ab, die Morgan trafen. Eine Kugel ging durch den Arm und durchbohrte die Brust, eine zweite ging durch den Schenkel. Der Täter wurde ver haftet. Die Behörden erklären, der Mann habe sich gestern abend im Hause Morgans verborgen. Das Reutersche Bureau meldet weiter: Der Anschlag auf Morgan wurde in dessen Sommerwohnung in Glen cove auf Longisland um 9 Uhr morgens ausgeführt. Nach Aussage der Beamten, die den Urheber des Anschlages verhafteten, erklärte dieser, er sei deutscher Abkunft und bereit, sein Leben zu opfern, um das Ende des Krieges herbeizuführen. Beim Verhör erklärte er, daß er persönlich nichts gegen Morgan habe und nichts wünsche, als Morgan zu sprechen. Wie berichtet wird, gab er auch mehrere Schüsse ab, die Morgan verfehlten. Nach späteren Meldungen begab sich der Urheber des An schlages am 3. Juli mit der Bahn nach Glencove, mietete sich ein Automobil und fuhr nach Morgans Hause. Dort schellte er. Als der Pförtner öffnete, fragte er ihn, ob Morgan zu sprechen sei. Er gab vor. ein alter Freund Morgans zu sein. Als ihm der Zugang verwehrt wurde, bedrohte er den Pförtner mit einem Nevolver, drang in die Besitzung ein und schoß auf Morgan, der durch die Halle kam. Dicht bei Morgans Garten wurde eine Tasche mit Dynamit gefunden, die der Mann mitgebracht hatte. Beim Verhör erklärte der Urheber des Anschlages, die „Inspiration zur Tat von oben“ erhalten zu haben. Alle möglichen Explosivstoffe und mehrere Revolver wurden bei ihm gefunden. Der Mann erklärte einem Presse vertreter, er heiße Frank Holt und sei deutscher Professor des Deutschen an der Cornell=Universität.(Das Ganze ist eine„Reuter“=Meldung.) WTB Neuyork, 4. Juli. Das Reutersche Bureau meldet: Es bestätigt sich, daß der Herr. der den Anschlag auf Morgan verübte, Frank Holt heißt und Professor des Deutschen an der Cornell=Universität ist. Der Zustand Morgans ist günstig. WTB Paris. 5. Juli.(Telegr., 1 Uhr nachts.)„Matin“, meldet aus Neunork: Eine Kugel, die Morgan traf, drang in den Unterleib. Die Verletzung ist schwer, aber nicht tödlich. Der Angreifer hatte zwei Revolver, zwei Dynamitvatronen und ein mit Mitroglyzerin gefülltes Gläschen bei sich. Er erklärte, von Gott beauftragt zu sein, Morgan zu töten. ... ein herrliches Amt, Feldgeistlicher zu sein! P. Heribert aus dem Dortmunder Franziskanerkloster z. 3t. Feldgeistlicher in Frankreich, schreibt: Im Hauptquartier des 4ten Armeekorvs. .... Jedes Wort, jeder Gruß, den man von lieben Menschen aus dem Vaterlande bekommt. tut so wohl im Felde, ruft manche liebe Erinnerung wach, die man gerne fest hält, um wenigstens für Augenblicke die raube Wirklichkeit zu vergessen: Geschütze. Geschosse und ihre Wirkungen. Wunden und Blut: zunges, heißes Blut. das in echter Vaterlandsliebe, wie in einem goldenen Kelche für unsere gerechte Sache ausgeovfert wird. Ja. man siebt als Feldgeistlicher viel Elend. viel. viel Opfer blut fließen in den Sanitätswachen dicht hinter den Schützengräben und in den etwas weiter zurückliegen den Feldlazaretten. Es krompft sich oft das Priester herz zusammen, wenn wir die Helden des Vaterlandes mit klaffenden. tödlichen Wunden da liegen sehen und wenn wir dann wahrnehmen, wie sie, die so beldenhaft alles getragen, doch vor dem Letzten, dem Tode selbst, er schrecken und erzittern. Da ist's dem Seelenarzte, als ob in jedem bald erlöschenden Auge noch die Bitte. die schon manche lebende Livve gesprochen, zu lesen stand: Hilf mir doch! Bluten. Schmerzen aushalten will ich gerne noch mehr, wenn es sein muß. Aber noch nicht sterben. Ich bin ja noch so jung, habe gerade erst ins Leben hinein geschaut. bin vor ein vaar Wochen erst herausgekommen, bin erst zwei, dreimal in Feuer stellung gewesen.— Ist solche Todesangst etwas unnatürliches O nein! Auch der starke Held von Gol gatha hat ja gezittert und gebebt, als er seinen Tod in so greifbarer Nähe vor sich stehen sah: Vater. hilf mir doch.„Nimm den bitteren Kelch von mir".— Es ist wahr. der Heiland hat nur einen Augenblick gezittert und gebangt, dann kommt die freudige Ergebung: Herr. dein Wille geschehe". Heer. dein Wille geschehe. so beten aber nach Christi Beisviel auch unsere dem Tode geweihten Helden in den Lazaretten und geben ihr ganzes Leben in voller Ergebung hin. Alle. alle kathol. Soldaten. die ich hier sterben sab. haben dann auch das andere Christuswort noch gesprochen:„Vater. in Deine Hände empfehle ich meinen Geist". Diese Frömmigkeit und Gottergebenheit erfreut dann wieder den Feldgeistlichen. Der Gedanke. sie geweckt und ge fördert zu haben durch ein mildes Trostwort, durch das bsolvo le. durch die letzte Oelung und wo möglich auch durch die hl. Kommunion. die ihm Lohn, der reichlich lohnet, der viel viel schwerer wiegt, als die etwaigen Mühen und arbeiten in Feindesland Und wie wächst nicht noch die Freude. wenn man einem schwerverwundeten Feinde Priesterdienst und Priesterbilfe bieten kann! Wie berrliche Momente erlebt man da inmitten des Elends von Blut und Wunden! Als ich neulich eines unserer Lazarette besuchte, sand ich in einer Ecke desselben einen sehr schwer verletzten Franzosen inmitten der deutschen Verwundeten. einen jungen Mann mit intelligentem Gesicht, dunklen Glut augen. Ich erkundigte, mich bei den Sanitätssoldaten nach der Art seiner Vernundung:„Er wird höchstens noch einen Tag zu leben haben, er hat einen Rückenschuß bekommen, das Rückenmark ist glatt durchschossen". Ich trete an ihn heran:„Ich bin kath. Priester, ich möchte Ihnen gerne meine Dienste anbieten".—„Ein katbol. Priester. o mein Vater. wie danke ich meinem Gotte! Ich bin der einzige Sohn einer frommen Mutter. Sie hat mich gut erzogen; bis zum Ausbruch des Krieges bin ich alle 8 Tage zur hl. Beichte gegangen. Als Sol dat habe ich nun schon lange nicht mehr Gelegenheit dazu gehabt“.„ Reuig bekennt er seine Schuld. Ich erteile ihm die Sterbesakramente. Wie verklärt sich da sein, schmerz durchzucktes Antlitz! Wie innig dankt er mir! Wie fromm küßt er das dargereichte Sterbekreuz! Wie an dächtig richtet er sein schmarzes Glutauge gen Himmel! Nun sterbe ich gern. In Deine Hände. o mein Gott, emp sehle ich meinen Geist." Tief gerührt hat mich die Frömmigkeit dieses Frankensohnes. tief gerührt waren ob solcher Frömmigkeit auch zwei gerade anwesende evangelische Sanitätsoffiziere Mit schwacher Stimme verlangt er nach Pavier. Doch die Hand versagt den Dienst. Da hat er mir den Brief diktiert Er ist so schön und erbauend, daß ich ihn in wörtlicher Ueber setzung hier mitteile: Meine liebe Mama! Wenn Du diese Zeilen erhalten wirst, werde ich nicht mehr sein. Vor Blairville wurde ich auf einem Patroillengang schwer verwundet. In diesem Augenblicke liege ich gut versorgt in einem deutschen Lazarett. Ich habe das Glück. einen kathol. Priester an meinem Schmerzenslager zu haben.- Durch ihn lasse ich Dir diese Zeilen schreiben, durch ihn habe ich die bl. Sterbesakramente empfangen. Beichke, letzte Oelung und soeben auch die bl. Kommunion. Weine also nicht liebe Mutter. Wir sehen uns ja wieder! Adieu. Ein letztes Lebewohl. Dein Dich herzinnig liebender Sohn Maurice. P. S. Ein kurzes Wort an meinen Beichtvater:„Va ter. bete für mich!"..... 9 Den nächsten Tag starb dieser christliche Held. Unter militärischen Ehren haben wir ihn auf dem französischen Friedhof in B zur letzten Ruhe gebettet, inmitten der gefallenen deutschen Helden. Seiner Mutter habe ich davon Kenntnis gegeben, als ich ihr den letzten Brief des Sohnes schickte. Gewiß wird sie nach Friedensschluß ihres Einzigen Grab auf suchen, gewiß wird sie den übersandten Brief als heiliges Vermächtnis bewahren. Gute Mutter. möchte ich dieser frommen Frau. wie auch so mancher deutschen Soldatenmutter zurufen. habe Dank für die gute. Er ziehung, die du deinem Kinde gabst. Seine Frömmigkeit hat mich erbaut. seine Gottergebenheit hat mich gerührt. Sein letzter Brief ist auch mir ein teures Andenken. Ich habe ihn in seiner schlichten Frömmigkeit schon oft ge lesen. und es war mir jedesmal. als atme er Segen und Gnade. Ist es da trotz Wunden und Blut. trotz Not und Elend nicht ein herrliches Amt. Feldgeistlicher zu sein? Für mich wird diese Zeit, in der ich unsern Helden im Felde als Priester dienen kann. gewiß die schönste Zeit meines Lebens sein und bleibhen. Es ist ja Ostern. Freilich haben wir in den meisten Formationen, ganzen Bataillonen und einzelnen Komvagnien Beichtgelegenheit gegeben. Und fast ausnahmslos sind die Feldarauen auch gekommen. Doch heißt es noch täglich: Auf Ritt! Und dann kommt. wenn man nach getaner Arbeit sich gerade den Morgenkaffee(um 1. 2 Uhr nachmittags) schmecken lassen will. unverhofft ein Fernsnruch: Sofort zur Feldsanitätswache— 10 resv. 15 Kilometer weit. um einem eben Eingelieferten die Sterbesakramente zu spenden.— Für den Feldgeistlichen muß viel gebetet werden. er hat viel Hilfe. viel Kraft von oben not wendig. Nun Gott befohlen! P. Heribert. Ein Tob des deutschen Tazarettwesens. Ein neutraler Berichterstatter, der die Lazarette in Deutschland besucht hat, gibt in den„Times“ eine Schilderung seiner Beobachtungen, die zu einem hohen Loblied auf deutsche verztekunnt, deutsche Güte und deutsches Organisationswesen wird. Deutschland sah sich nach Ausdruch des Krieges vor die außerordentlich schwierige Aufgabe gestellt. Unterkunft und Pflege für eine sehr große Anzahl von Ver wundeten zu schaffen; es ist dies in der kurzesten Zeit und in vortrefflicher Weise gelungen. Nach den Anga ben des Neutralen sollen bereits zwischen 600 000 und 700000 Verwundete in den Lazaretten des Reiches behandelt worden sein. ein Beweis für die Größe der Aufgabe, die gelöst werden mußte.„Fast jedes brauchbare Gebäude ist in ein Lazarett verwandelt worden. Konigliche Schlösser. Schulen, Räume von Universitäten und Vergnügungslokalen. In einem der Lazarette, das ich besuchte, waren die eisernen Bettstellen ganz nabe an die großen Spiegel eines Ballsaales in einer königlichen Residenz geschoben, und der schwere Glanz der prunkenden Goldrahmen und der venezianischen Kronleuchter stand in einem eigentümlichen Gegensatz zu den Kranken, die darunterlagen. Das nächste Lazarett, das ich in derselben Stadt sah. war ein früheres Tanzlokal, das notdürftig für 800 Betten eingerichtet war. Bei der Auffindung der deutschen Verwundeten auf dem Schlachtfeld bewähren sich besonders Hunde, die deutschen Wolfshunde, die in großer Anzahl verwendet werden. Wie mir erzählt wurde, sind Verwundete. die an irgendeiner gedeckten Stelle liegen. wegen der Schutz farbe ihrer Uniform sehr leicht von den Krankentriigern zu übersehen, und da leisten die Wolfshunde unschätzbare Dienste, die Verwundeten aufzufinden.“ Der Berichterstatter spricht dann von der bequemen Einrichtung der deutschen Lazarettzüge. von dem vorzüglich geschulten Personal, das sie begleitet. und von den vorbildlichen Verhältnissen, die im Trans vort der Verwundeten bis zu den Lazaretten herrschen. Die gute Behandlung der Kranken in den Lazaretten wird dann des Näheren geschildert und besonders die Psychologie des Krankensaales“ hervorgehoben. der die Deutschen ein eigenes Studium gewidmet hätten Eine Stimmung der Freundlichkeit, der Güte und Hilfs bereitschaft, etwas Sonniges liege trotz aller Krankheit und aller Schmerzen über diese weiten Räume gebreitet. „Die Krankenpflegerinnen sind ausnahmslos freundlich und liebevoll: der größte Teil von ihnen sind hübsch aussehende schmucke Mädchen, deren nette Kleider ihnen einen Zug echt weiblicher Anmut verleihen, der auf die Stimmung der Patienten günstig wirkt. In den Laia retten, die ich besuchte, waren die Krankenschwestern zum größten Teil freiwillige, und die ganze Verantwort lichkeit der Pflege ruht auf ihren Schultern. Die Aerzte und ihre Assistenten sind Männer, und für jeden Saal sind auch männliche Pfleger vorhanden. In einem gro pen Lazarett von 1000 Betten hörte ich, daß der oberste Bakteriologe eine Frau wor. und in vielen anderen liegt die ganze Verwaltung in den Händen von Frauen Die Pflege der Verwundeten in allen den von mir besuchten Lazaretten war ausgezeichnet. Lüftung. Beleuchtung Heizung und Badegelegenheiten, ließen zwar in manchen Fallen zu wünschen übrig. aber die Operations= und Verbandzimmer waren überall reich mit den modernsten Einrichtungen ausgestattet. Die Behandlung der Wunden ist in erster Linie konservativ. und Amputationen werden so viel als möglich vermieden. Wie vortrefflich diese Methode wirkt, beweist die Tatsache, daß in keinem der Lazarette, die ich besuchte, die Zisser der Todesfälle 2 Prozent der Gesamtzahl der behandelten Verwundeten erreichte. Der größte Teil der Leute, mei stens 80 Prozent, sind außer Bett und können sich gut er holen, während ihre Wunden heilen Dem deutschen Soldaten wird eine genügende Zeit gegeben, um seine völlige Genesung abzuwarten: erst wenn er ganz hergestellt ist, darf er zu seinem Regi ment zurückkehren. Ich erfuhr, daß 60 Prozent der Ver wundeten aus den ersten Kriegsmonaten zu ihrer Truppe zurückgekehrt sind. Von den Geschossen gelten die russi schen Gewehrkugeln für die ungefährlichsten: Brand oder andere Insektionen sind bei Wunden des russischen Ge wehrfeuers so gut wie unbekannt. Von anderer Seite horte ich, daß die in Amerika hergestellten — mraynells, die aus französischen Kanonen gefeuert werden, die schlimmsten Wunden mit sehr gefährlichen Zerreißungen hervorrufen.“ Der Neutrale hat auch Gefangenenlazarette besucht, und fand auch hier die Verpflegung gut, wenn auch freilich die freundliche, liebevolle Atmosphäre der anderen Soldatenlazarette sehlt.„So weit ich feststellen konnte, war das Verhältnis der Todesfälle in diesen Ge fangenenlazaretten nicht groter als in den anderen, wäh rend die Heilung allerdings etwas langsamer vor sich gebt. Wenn ein Mann in einem deutschen Gefangenen lazarett stirbt. so wird er nach Feststellung des Todes und der Todesursache und einem Bericht aller Einzelheiten an die Behörde mit militärischen Ehren begraben. Ich hatte Gelegenheit. der Beerdigung eines englischen Soldaten. der in einer deutschen Stadt seinen Wunden er legen war. beizuwohnen. Die Zeremonie war einfach.. doch würdig: der sichtene Sarg wurde von sechs deutschen Soldaten zu Grabe getragen und von einem Kaplan be gleitet. Auf dem Sarg lag ein Kranz mit einer breiten Schleise und der Inschrift:„Dem tapseren Krieger die Stadt X.“ Nach einem kurzen Gottesdienst wurde der Sarg in die Erde gesenkt und der Kranz auf das Grab gelegt, das ein hölzernes Kreuz ziert. Dann feuerten die Soldaten ihre Gewehre zur letzten Ehre ab. Danach wurde ein deutscher Soldat begraben in genau derselben Weise mit einem gleichen Kranz mit gleicher Inschrift: „Dem tapferen Krieger.“ Letzte Nachrichten Englische Achtung vor den griechischen Gewässern. WI3 Athen, 4. Juli.(Telegr.) Das„Foreion Office“ hat dem griechischen Gesandten in London mündlich mitgeteilt, daß griechische Schiffe künftig nicht mehr in griechischen Gewässern angehalten werden sollen. * Jetzt kann's nicht sehlgehen! WTI London, 4. Juli.(Telegr.) Das Reutersche Bureau meldet amtlich: 60000 gelernte Metallarbeiter sind jetzt bereit, überall hinzugeben, wo sie gebraucht werden, um zur Verfügung des Munitionsministeriums zu stehen. * Der Zeppelinangriff auf London. WTR Amsterdam, 4. Juli.(Telegr.) Nachrichten amerikanischer Blätter zufolge sind die Zeppeline am 31. Mai bie über das Zentrum von London gelangt. wo sie eine Meile von der Bank von England entfernt, Bomben abgeworfen haben. 4 Personen wurden davei getötet, 70 verletzt. Namentlich Eastend ist dabei schlecht fortgekommen. * Die Kämpfe an der Kärntner Front. bb Berlin, 4. Juli.(Privattelegr.) Der„Deutschen Kriegszeitung“ wird gemeldet: Nach längerer Pause hat heute Nacht im Krugebiet ein Angriff der Italiener stattgefunden, der aber wie alle früheren gleich abgewiesen wurde. Im übrigen hat sich die Kriegstätigkeit auf der Kärntner Front immer mehr auf zwei Stellen zusammengezogen, bei dem Abschnitt des Plöckenvasses und Malborgeth, wo die Italiener vergeblich versuchen, gegen das Kanaltal vorzudringen. Sie beschrän ken sich im allgemeinen auf unschädliches Artilleriefeuer. Kürzlich hat eine Alviniabteilung dort längere Zeit den Versuch gemacht, sich an Seilen über eine fast senkrechte Felsenwand herabzulassen, um die unten lagernden öster reichisch=ungarischen Abteilungen zu überraschen. Sie wurde aber am Ziel prompt in Empfang genommen und, da ihr der Rückweg abgeschnitten war. ganzlich vernichtet over gefangen gesetzt. Wie am Plocken. so arbeitet die italienische schwere Artillerie auch in der Gegend von Malborgeth mit geradezu unsinniger Muni tionsverschwendung, aber ohne greisbares Resultat. Das Fort Hensel bei Malborgeth wird unentwegt von 28=Zentimeter=Geschossen weiter bombardiert, ohne daß der Schaden in irgend einem Verhältnis zu der ausgewendeten Munitionsverschwendung stände. Die Beschädigungen werden stets während der Nacht ausgebessert, ohne daß das ununterbrochen fortgesetzte Vombardement die Besatzung daran hindern könnte. Die mühsam auf einen Kamm ge schlevoten schweren italienischen Geschütze gegenüber Mal borgeth wurden übrigens kürzlich von einer auf flankieren der Höhenstellung untergebrachten Batterie unter Feuer genommen, wobei ein italienischer Beobachter die Fehl schüsse auf einen Schützenstand durch höhnisches Schwenken mit einer Schaufel verkündete. Der Meisterschuß eines Kärntner Schützen machte seinem Leben in dem gleichen Augenblick ein Ende, als der erste Volltreffer in der feindlichen Batterie saß. * Wie die Engländer die Neutralität achten. WTZ Konstantinovel, 5. Juli.(Telegr., 1 Uhr nachts.) Das in Smyrna erscheinende Blatt„Kenyle“ meldet ge rüchtweise, daß die Engländer in Mytilene, der Haupt stadt der Insel, Truppen und Kanonen ausschiffen. als ob die Insel ihnen gehöre. WIY Wien, 5. Juli.(Telege., 1 Uhr nachts.) Aus Saloniki wird gemeldet, daß ein englisches Kriegsschiff im Hafen von Dodeagatsch einen neutralen Dampfer angehalten habe und ihn unter dem Verdacht, daß er Banngut führe, untersuchte. * Neuerliche Beschiehung von Ilidsche. W1 B Konstantinovel, 5. Juli.(Telegr., 2 Uhr nachts.) Privatnachrichten melden ein neuerliches Bombardement der Wachstubenfabriken in Ilidsche am Goli von Edremid(Westtüste de ägäischen Mecres) durch zwei feindliche Kriegsschifse, die 157 Geschosse wirtungslos abfeuerten. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Verzögerung in englischen Munitionslieferungen. W1·B Rotterdam, 5. Juli.(Telegr., 3 Uhr nachts.) „Daily Chronicle“ erwähnt in einem Leitartikel zwei Fälle, in denen die Ablieferung von Munition betrachtlich verzögert wurde. Ein Industrieller hatte einen Auftrag aus eine Million Granaten erhalten, an dem bestimmten Tage lieferte er aber nur 10000 ab, ein anderer lieferte 50000 statt 45000 0. Die Wirkung der deutschen schweren Geschütze. V1B Gens. 5. Juli.(Telegr., 4 Uhr nachto.) Privat= meldungen aus Nordfrankreich und London bestätigen die hervorragende Wirkung der deutschen schweren Geschütze in Arras sowie an den wichtigen Stellungen der Verbündeten zwischen Somme und Aione; ebenso hatte die deutsche Artillerie sehr gute Ergebnisse an mehreren Punkten der Maashohen, namentlich bei Colonne und la Haye.— Die diesen deutschen Angrissen gewidmete Bemerkung der Joffreschen Note ist sehr kleinlaut. * Zur Seeschlacht bei Gotland. WIB Stockholm, 5. Juli.(Telege., 4 Uhr nachts.) Die Seeschlacht bei Gotland, die der schwedischen Bevölkerung zum ersten Mal die Schrecken des Krieges vor Augen geführt hat, steht noch immer im Mittelpunkt des Interesses. Die Blatter bringen svaltenlange Be richte über Einzelheiten des Kampfes. So berichtet ein Augenzeuge nach einem Bericht von„Stocholm Tid ningen“ aus Etelben, daß beim Zusammentretfen zwischen vier russischen und zwei deutschen Kriegoschissen am Frei tag außerbalb Loerje Farven sast das ganze Hinterschiff eines russischen Schisses fortgeschossen worden ist. Er erzahlt von der allge meinen Teilnahme der Bevolkerung und von dem tiefen Eindruck der Trauerseier, wobei die Landungstruppen Spalier bildeten und eine Ehrenkompagnie dem Zuge folgte sowie der Dankbarkeit der Deutschen für die freundschaftliche Fürsorge der Fischer und Sommergäste. Dem genannten Blatt wird auf eine Anfrage von Offi zieren bestätigt, daß die schwersten Schaden dem Schiff von den Russen zugefügt worden seien, als es bereits auf Grund satz. Das Personal des Leuchtturms von Oestergarnbolmen bestätigt, daß Granaten über den Turmflogen, so daß Frauen und Kinder herausgeführt und hinter den Bergen in Sicherheit gebracht werden mußten. Nach Aussage von den Ueberlebenden sind 1500 Geschosse auf den „Albatros“ abgefeuert worden, von denen nur etwa 25 trafen.—„Swenska Daabladet“ erklärt, daß die Behauptung des amtlichen russischen Berichts,„Albatros“ hätte vor der Strandung die deutsche Flagge nievergeholt, durch Augenzeugen als falsch bezeichnet werde. Erst nach der Strandung und der Entlassung der Besatzung habe man die Flagge niedergeholt. — — Wrer— Billige Ruuonen-Schürzen Länge 45 bis 70 cm ohne Unterschied Ca. 240 Satin- und Siamosen-Knaben-Schür Länge 45 bis 65 cm ohne Unterschied Ganz besonders billige Angebote auf Extra-Tischen ausgelegt: 1000 Meter la. Kleiderdruck Mtr. 48 f. 180 Meter la. Schürzen-Lüstre, schwarz Nitr. 95 P. 1000 Meter Mousselin-Reste, baumw. Nitr. 38 Alle Waren werden teuer und knapp. Für die Dauer der Einberufung der Schiedsmänner Simme und Peter sind von dem Herrn Land gerichtspräsidenten mit deren Vertretung beauftragt worden: a. Der Schiedsmann Erwe, Kaiserstraße Nr. 6, Stellvertreter des Schiedsmann Simme, d. Der Schiedsmann Schmidt, Augustastraße Nr. 22, Stellvertreter des Schiedsmann Peter. Herne, den 1. Juli 1915. Der Magistrat: Dr. Sporleder. — 9 Traner. Hüle Zur Beachtung! 1. Wie früher, findet auf meinem! Hofe die Drescherei wieder statt. IGleichzeitig empfehle ich mich den Landwirten zur Benutzung 1 Bernh. Schollbrock, Schloß Strünkede, 2433 Telefon 509. Wohnung n 2 Zimmern mit Stall zum Oktober Schillerstr. 10. 8 engehlen in elen Preislagen„TGrasSeschto. Cosmann#1Isi IIS Herne, Rahnhnfst: 80 PAEIN Gras-Verkauf 3 Zimmer, parterre, Keller und Stall am Stadtgarten Nr. 8 zum 1. Oktober zu vermieten. 2534 Friedrich Bolte. Etage von 5 Zimmern und eine Me nsarden-Komnung ernruf 735. den 6. Juli, Uhr werde ich in den Hülsmannschen Wiesen in Pöppinghausen den die jährigen Graswuchs verkaufen. Zusammenkunft am Einfahrts=— ##tor der Zeche Friedrich der Angen Große II& 1VBörug. Wohllungen Wilh. Sacher sen, vvon 2 oder 3 Zimmern von 2 Zimmern zum 1. Okt. zu vermieten. 2486 Hohenzollernstr. 21. Schöne, hochherrschaftliche 2. Etage, 7 Räume nebst Zubehör, Behrensstraße 5, per 1. August oder später zu ver mieten. 2504 Ferner Ladenlokal nebst 2 Zimmern, Behrensstr. 5 per 1. Oktober zu vermieten. Zu erfragen Heinrichstr. 15. parterre. Zum Abschluß von: F-, Aofallotlicht811 0 niedrigsten empfiehlt sich Vogel, Bochumerstr. 43, Fernruf Nr. 393 Prämiensätzen 5561 berlehrer sucht mögl. z. 1. August in der Mittelstadt Vinzenz-Verein Herne. Josefs=Konferenz. Montag abend ½9 Uhr Sitzung im kath. Gesellenhause.— Um freundl. Besuch u. Beitritt wird herzlich gebeten. Wos ihr dem geringsten meiner Brüder getannabt, das habt ihr mir getan. Herz-Jesu-Konferenz Jeden Montag abend 8 Uhr: Versammlung i. Vereinslok. St. Josephshaus Baukau. St. Autonins= Konferenz des Vinzenz=Vereins Heute Montag, abends 8½ Uhr bei Herrn Krawinkel, Hafenstraße. Ueber 8°/ige, direkt u. rein von der Quelle gewonnene Sole Geöffnet Sonn- u. Werktags von 7-12 u. 2-8 Uhr# öhne Inserste heis Umsatt. Sportwagen, Klappwagen, Kinderwagen, Fahrräder, Nähmaschinen, Waschmaschinen, Wringmaschinen, Mangeln, Oefen und Herde, Emaillewaren, Haushaltgegenstände, Fahrradzubehör, Pncumatiks, El. Taschenlampen, Batterien, Militärlampen, Carbid Hauslampen Carbid verkaufen wir während des Krieges zu sehr billigen Preisen. 679 G. m. b. H. Herne, an der Evang. Kirche. Geschäftsmann sucht Betätigung evtl. bei Be hörden, Post, Werk oder dergl. Gefl. Osserten unter H. H 2526 an die Geschäftsst. des Herner Anzeigers. sofert oder später zu vermieten Neustr. 49, 1. Etg. r. Mehrere schöne Goldene Wohnaug Damenuhr 3 Zimmer, davon 1 möbliert) und Pension.]von der evangl. Kirche bis Offerten unter R. Z. 2540. an die Geschäftsst. d. H. Anz. „Kleine Anzeigen“. haben den besten Erfolg 2523sim„Herner Anzeiger! mit Gas zum 1. Oktoder vermieten. Näheres Haldeustr Laufbursche gesucht. 2531 Bahnhofstr. 117. um Bahnhof verleren. Wiederbringer erhält Belohnung. Näh. in der Geschäftsst, des Herner Anz. T 16. 2 Wohnungen von je 3 Zimmeri zum 1. Oktober Gesucht zu sofort ein älteres 2482 Shamrockstr Mädchen, welches die Hausfrau vollständig vertreten kann. Nur solche wollen sich melden bei 2458 Frau Th. Santura, Magnetopath. Eickel II, Friedrichstr. 21 Eine schöne Wohnung von 3 großen, durchgehenden Zimmern nebst Stall und Keller per 1. Oktober zu ermieten. Grenzweg Nr. 35. ungen is 857—9 rn sofort und m zu vermieten. IS m P rockstr. 63. 8 2 IIA inna s 1 4 Corset Graciella ist das bevorzugste Korsett für starke Figuren. Es ist vorn mit verstellbarem Gummigurt versehen, mit sterken Doppelfedern und fester Schliesse gearbeitet und ist unverwüstlich. Preis 7.50, 10.— Mk. Alleinverkauf 1630 Corsethaus Imperial Herne, Bahnhofstrasse 18a. Suche für sofort ein gutes Mäüchen für den Haushalt. 2519 Lübbert, Glück. Auf=Apotheke, Eickel II, bei Wanne. Mehrere 2530 für 1. Oktober zu vermieten. Peter Olivier, Herne II, Bismarckstr. 99. 3 Zimmer der 3. Etage an ruhige kleine Familie zum 1. Oktober zu vermieten. 248 928 Vinckestr. 17, 1. Et. Möbl. Zimmer von 3 Zimmern(parterre und Mansarde) zum 1. Oktober zu vermieten. 2528 Ig. Gatzemeier, Mittelstr. 8, part. Bahnhofstraße 28. Schah-Besohl-Husiol, gsolnttng TnIEm.7 Zimmern, Küche und Vor — sratszimmer, Badezimmer sowie Herne, Hohenzollernstr Ecke Breddestraße. Sei-, Fichtennadel-, Neblensäure-„Seuerstoll- u. Jösswasserbäder. □ Ohse Umeatr keia Sowian 4452 Gas und elektrisches Licht, per *89 sofort oder später ganz oder geSchneüste Bedienung. steilt zu vermieten Cauberste Ausfüdrung.] Näheres Bahnhofstr. 28 Eingang Marienstr. billig zu vermieten. 242 Bahnhofstr. 68 II. r. kauft, spart Geld. Ich verkaufe während des Krieges 867 Möbl. Zimmer Pension sofort n G mit oder ohne zu vermieten. Horsthauserstr. 23 parl. Schlalzimmer, Küchen, Speisezimimer, Herrenzimmer, Wohnzimmer, Schön möbl. Zimmer Sophas, Teppiche, Läuferstoffe, eiserne Bettstellen, Betten, Tische etc., sowie sämtliche Rinzelmöbel zu aussergewöhn„e. er lichen billigen Preisen. in der Nähe der Bahn zu ver Ked Gekaufte Möbel werden auf Wunsch mieten. 252 7/83 nach dem Kriege kostenlos aufbewahrt. Bahnhofstr. 132, 1. Etg. r bis Freundliches möbl. Zimmer evtl. Wohn= und Schlafzimmer zum 15. d. Mts. preisw. zu vermieten. 2496 Heinrichstr. 19, Ecke Neumarkt, 2. Etg. rechts. Heinrich Heiland, Herne Bahnhofstrasse 30, Telephen 913. Grösstes und vornehmstes Möbel-SpezialGeschäft der ganzen Umgegend. 4 Herner Anzeiger- Anzeiger für das amt Sodingen- Gerther Anzeiger Zweites Blatt Montag, den 5. Juli 1915. Rummer 151 Aus dem Stadtkreile Herne. Herne, den 5. Juli 1915. Besuch von deutschen Seebädern. 1. In der Nordsee ist der Badeverkehr auf sämtlichen Inseln und an der ganzen Küste verboten. 2. In der Ostsee ist der Badeverkehr verboten in der Flensburger Föhrde, der Eckernförder Bucht, auf der Insel Fehmarn, in Osternothafen bei Swinemünde, in der ganzen Danziger Bucht und in Pillau.— In der Kieler Föhrde ist der Badeverkehr gestattet, jedoch unterliegt er besonderen Anordnungen des Gouverneurs des Reichskriegshasengebiets An der übrigen Ostseeküste ist der Badeverkehr gestattet. 3. Badegästen und Besuchern, die reichsdeutsch sind oder verbündeten Staaten angehören, wird der Aufenthalt widerruflich gestattet, wenn sie im Besitze eines von der Polizeibehörde des Wohn= oder Aufenthaltsortes ausgestellten Ausweises sind, der mit einer Personalbeschreibung, eigenhändiger Unterschrift und einer Photographie des Inhabers aus neuester Zeit sowie mit einer amtlichen Bescheinigung darüber versehen sein muß, daß der Inhaber tatsächlich die durch die Photographie dargestellte Person ist und die Unterschrift eigenhändig vollzogen hat. Für Familien genügt ein Familienausweis, der die Personalbeschreibung und Photographie der über 10 Jahre alten Personen aufweist. Hauspersonal und nicht zur Familie gehörige Kinder können in den Ausweis der Familie, mit der sie zusammenreisen, mit ausgenommen werden. An Stelle des Ausweises genügt ein deutscher Paß, wenn er nach den Vorschriften des§ 3 Abs. 1 der Kaiserlichen Verordnung vom 16. Dezember 1914(R. G. Bl. S. 52) ausgestellt ist. Der Ausweis unterliegt nicht der Stempelsteuer. Anträge auf Ausstellung von Ausweisen sind bei der Königlichen Polizeidirektion in Bochum, Hattingerstraße Nr. 59/61, Zimmer Nr. 35 zu stellen. * * Ertrag der Goldsammlung in Westfalen. X Wie überall, so hat auch auf westsälischem Boden die Goldsammlung der Jugend einen besonders hohen Ertrag erzielt. Allein die Schüler der höheren, dem Provinzialschulkollegium in Müpster unterstehenden Schulen haben bis zum 1. April ds. Js. 3700000 Mark zusammengebracht. Seitdem sind noch erhebliche Summen weitergesammelt worden. Es sollen in Deutschland noch ca. 00 Mill. an Goldmünzen im Umlauf und in den Spartöpfen sein, und es wird vermutet, daß das Gold hauptsächlich auf dem Lande festgehalten, also der Reichsbank vorenthalten wird. In den nächsten Tagen reisen nun viele Familien zu ihren Verwandten aufs Land. Da würde es eine schöne Aufgabe sein, in geeigneter Weise das Goldsuchen zu betreiben. Es wird nur darauf ankommen, den allzu vorsichtigen Gemütern gegenüber das rechte Wort zu finden, um sie zum Einwechseln der Goldsüchse zu veranlassen. Die Sache ist gewiß der Rede wert. Die Lehrer im Felde. In den letzten 14 Tagen sind 38 Philologen als gefallen gemeldet, so daß die Zahl der Angehörigen des hoheren Lehrerstandes, die den Heldentot gestorden sind, 1051 beträgt. In derselben Zeit erhielten 6 Philologen das Eiserne Kreuz 1. Klasse, 72 das Eiserne Kreuz 2. Klasse Es sind danach mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet 1977 Angehörige des höheren Lehrerstandes, daneben 36 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Die Prädagogische Zentralbibliothek in Leipzig führt eine Statistik über die auf dem Felde der Ehre gefallenen Volksschullehrer. Bis Ende Februar hatte die Bibliothek 3343 gesallene Volksschullehrer, einschließlich Mittelschullehrer, Direktoren, Taubstummenlehrer und Semmnaristen nachgewiesen. Ende Juni hatte sich die Zahl auf 4806 erhöht. Auf die einzelnen deutschen Staaten verteilen sich die für das Vaterland gefallenen Volksschullehrer wie folgt: Preußen 2688, davon Berlin 82, Braudenburg 144, Hannover 300, HessenNassau 241, Ostpreußen 106, Westpreußen 82, Pommern 86, Posen 101, Provinz Sachsen 299, Rheinpcovinz 375, Schlesien 419, Schleszwig=Holstein 118, Westfalen 335; serner Königreich Sachsen 533, Bayern 358, Würtemberg 260, Baden 272, Hessen 96, Elsaß=Lothringen 89, Bremen 23, Hamburg 102, Oldenburg 41, Braunschweig 68, Anhalt 33, Sachsen=Meiningen, Weimar, Koburg=Gotha und Altenburg 146, die beiden Reuß 30, die beiden Schwarz= burg 26, die beiden Mecklenburg 40, Waldeck 8, Lixpe 5; von deutschen Auslandsschulen, sind 9 Lehrer gefallen und als Unbestimmt werden 79 aufgeführt. Mietsverluste der Hausbesitzer während des Krieges. Der Verband der Haus= und Grundbesitzer=Vereine für das theinisch=west fälische Kohlenrevier hatte bekanntlich beschlossen, die Mietsverluste der Hausbesitzer während des Krieges und zwar zunächst für die Zeit vom 1. August 1914 bis zum 1. Apiil 1915 festzustellen. In der Geschäftestelle des hiesigen Haus= und Grundbesitzer=Vereins hatten bisher nur 92 Hausbesitzer mit 159 Häusern die gewünschten Angaben gemacht. Für diese Häuser hat während der 8 Kriegsmonate bei einer vereinbarten Miete von 151 903 Mk. der Mietsverlust 24 992 Mk., also durchschaittlich 16 1/% betragen. An die aus Rußland ausgewiesenen Reichsdeutschen! * I m I n t e r e s s e d e r a u s R u ß l a n d a u s g e w i e s e n e n Reichsdeutschen und der Angehörigen der in Rußland verbliebenen Zivilgefangenen hat sich unter Förderung und Gutheißung des Auswärtigen Amts Berlin ein„Geschäftsführender Ausschuß der aus Rußland ausgewiesenen Reichsdeutschen“, Berlin SW 11, Halleschestraße 11, gebildet. Dieser Ausschuß bezweckt, den Ausgewiesenen und den Angehörigen von Zivilgesangenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. In Anbetracht der großen Arbeit des Zintralausschusses in Berlin ist beschlossen worden, verschiedene Unterausschüsse zu bilden. Für die Provinz Wesisalen hat dieses Amt Herr H. Brüggemann aus Riga, zurzeit Hamm(Wests.), Große Weststraße 27, übernommen. Interessenten werden hierauf aufmerksam gemacht und gebeten, ihre genauen Adressen dem genannten Herrn mitzuteilen, da geplant wird, eine Versammlung in Hamm (Westf.) einzuberufen. e Oberbahnhofsvorsteher a. D. Schlüter. Im schönen Alter von 86 Jahren stard am 1. d. Mis der Oberbahnhofsvorsteher a. D. Hermann Schlüter Von 1882 bis 1896 war er Vorsteher der hiesigen Sto tion, die gerade in dieser Zeit wegen der wachsenden Industrie eine ganz gewaltige Entwickelung durchmachte. Die s. Zt. mit ihm beschäftigten Beamten erinnern sich noch aern seines biederen Wesens. Im Musikleben war er Organisator und Leiter des Olchestervereins, der als erster mit besseren Instrumentalkonzerten vor die Oeffentlichkeit tras. Der starke Besuch dieser Konzerte war ein Beweis ihrer Beliebtheit. Nach der Pensionierung war die Musik eine Erholung und Freude für ihn. Möge er nach langem arbeitsreichem Leben sanft von den Muhsalen dieser Welt ausruhen. Unter einem großen Trauergeleite wurden am Samstag nachmittag die sterblichen Ueberreste des verstordenen Oberbahnhofsvorstehers a. D. Ludwig Schlüter zu Grabe getragen. Sechs Eisenbahner trugen den Sarg zum Leichenwagen und auf dem Friedhof zu Grabe. Unter dem Trauergefolge waren die Station und die Eüierabfertigung Herne durch zahlreiche Beamte vertreten, die ihrem alten Kollegen das letzte Geleit gaben. Prächtige Blumen= und Kranzspenden, darunter auch solche der Eisenbahnbeamten, legten Zeugnis ab von der Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich der Verblichene zu Lebzeiten erfreut hatte. Die Beisetzung, der eine Trauerfeier im Hause voranging, erfolgte auf dem neuen städtischen Friedhofe. Leichenfund. Eine undekannte männliche Leiche ist Samstag früh im Hafen Herne des Rhein=Herne=Kanals gelandet. Alter ca. 35 Jahre, kräftige, große Figur, blonder Schnurkart, volles Gesicht; besonderes Kennzeichen: rechter Zeigesinger verbunden. Der Anzug bestand aus schwarz=grau=gestreiftem Rock, Weste und Hose, schwarzen Strümpfen, schwarzen Schuhen, weißgestreiftem Hemd, weißer Unterhose und weißem Vorhemd. Wer etwas über den Toten anzugeben weiß, möge sich bei der Kriminalabteilung, Schulstraße, melden. Gewerkschaft Friedrich der Große. #s Die Verwaltung der Gewerkschaft Friedrich der Große hat am vergangenen Sonnabend das an der Augustastraße errichtete neue Verwaltungsgebäude bezogen, welches nach den Entwürsen des Architekten O. Schwer, Essen und unter der künstlerischen Leitung des Plaulegers ausgeführt worden ist. Die örtliche Bauleitung lag in den Händen des Gewerkschaftsbauführers Schmidt. Der Bauköiper erscheint in einfacher und klarer Form aus dem Grundriß entwickelt, mit allseitig gutwirkender Silhouette. Die Fassade ist unter Betonung der Vertikale höchst wirkungsvoll und charakteristisch gegliedert. In der Anwendung von Zierformen ist besondere Zurückhaltung geübt worden. Ein für das Hauptportal vorgesehener plastischer Schmuck mußte wegen Einberusung des mit der Ausführung betrauten Künstlers einer späteren Zeit vorbehalten bleiden. Das Innere des Gebäudes ist seiner Bestimmung angemessen in gefälliger Weise durchgebildet. Die Geschäftstäume verteilen sich auf das Erd= und erste Obergeschoß. Das Kellergeschoß enthält die Wohnung für den Hausmeister, die Zentrolheizung und im Uebrigen Lagerräume. Mit der Ausführung des Baues wurde am 22. Mai 1914 begonnen. Der Fortschritt der Bauarbeiten hat sehr unter der Einwirkung des Krieges leiden müssen, wodurch eine Veiögerung in der Fertigstellung des Gebäudes eintrat. An den Arbeiten und Lieserungen sind folgende Handwerksmeister und Firmen beteiligt gewesen: Erd= und Maurerarbeiten: Leop. Hoppe, Herne. Beionarbeiten: L. Moddemeyer, Herne. Zimmerarbeiten: J. Langensiepen, Herne. Dachdeckerarbeiten: Ernst Bönning, Herne. Klempner= und Installationsarbeiten: Oskar Fühmann, Herne. Heizungsanlage: F. Küppersbusch& Söhne, GelsenkirchenSchalke. Putz= und Stuckarbeiten: Joh. Schnittker, Herne. Kunstschwiedearbeiten: Otto Schmitz, Rotthausen. Plattierungsarbeiten und Lieferung der Kunstsandsteinstufen: Heinr. Rings sen., Herne. Schreinerarbeiten und Inneneinrichtung: Heinr. F. W. Beuhoff, Herne. Linoleumarbeiten: Schröder&. Baum, Essen=Ruhr. Licht= und Telephonanlage: Funke& Huster G. m. b. H., Herne. Glaser= und Anstreicher= arbeiten: Sichtermann& Cdelmann, Düsseldorf. Glasmalerei: L. Katz, Dortmund. Lieserung der Beleuchtungskörper: Böker& Krüger, Essen. Mobilarlieferung: Gebr. Schürmann, Essen. Aus Gerthe und Umgebung. Amt Harpen, 5. Juli.(Gemeinderatssitzung.) Die insolge Senkung der Dorsstraße vor der Wirtschaft Fleitmann notwendig gewordenen Arbeiten sind dem Unternehmer Hombach übertragen worden. Auch soll dieserhalb ein gerichtlicher Feststellungsbeschluß herbeigeführt werden über die Ursache dieser Genkungen.— Zur Errichtung einer Tiinkhalle wurde dem Bergmann Kopka die Genehmigung auf Widerruf erteilt.— Es wurde serner beschlossen, daß die im Winter an die Kriegersamilien gezahlten Zuschüsse auch im Sommer bestehen bleiben sollen. Ferner soll den Urlaubern, welche seit Kriegsbeginn eingezogen sind, d. i. seit einem halben Jahre oder infolge Verwundung oder Krankheit Erholungsurlaub haben für die Dauer des Urlaubes und zwar für höchstens 14 Tage täglich eine Mark Zuschuß gezahlt werden. Dieses gilt auch für Verheiratete und Bedürftige.(Brovo, zur Nachahmung empfohlen.) Auch wurden etwa entstehende Desinsektionskosten in Kriegersamilien auf die Gemeindekasse übernommen.— Die Krankenhauskosten für ansteckende Krankheiten werden nur dann übernommen, wenn nach ärztlichem Rate unbedingt Krankenhauspflege im Interesse einer Isolierung notwendig ist.— Der neu eingemeindete Bezirk soll so lange beim Jagdbezirk Harpen bleiben bie der Vertrag abgelausen ist.— Eine Anzohl unbeibringlicher Steuern wurden niedergeschlagen.— Dem Kaninchenzuchtverein wurde zunächst bis 1. April 1916 freie Gemeindegrundstücke unentgeltlich überwiesen.— Für die Gesellschafterversammlung der Westsälischen Straßenbahn am 2. Juli wurde der Gemeindevorsteher Meininghaus zim Stimmführer gewählt.— Zu Mitgliedern der Steuervoreinschätzungskommission wurden gewählt an Stelle Meininghaus Rechnungsführer Mörchen, an Stelle Zimmermann Beramann Kannenberg. Harpen=Gerthe, 3 Juli.(Brotkartenausgabe.) Zwecks Ausgabe der neuen Brotkarten ist die Gemeinde Gerthe in Bezirke eingeteilt, in denen die Karten ausgegeben Unserer heutigen Ausgage liegt eine Beilage der Firma Voorgang bei, worauf wir unsere verehrlichen Leser aufmerksam machen. 9162 Zauber des Südens. Roman von Hans Dominik. 13 „O, wie hübsch“, rief Gertrud,„herzlichen Dank. Nun bab ich auch ein wunderschönes Andenken an unseren Ausflug nach hier. Sieh' nur, Margot, wie herrlich die Perlen glänzen und schillern.“ „Sie sind aus den Erzen unserer Berge gewonnen“, sagte die Wirtin.„Der heilige Vater hat sie einst ge weibt, als mein Onkel Batista in Rom war.“ „Und solch wertvolles Stück wollt Ihr verschenken, Frau Pirani?“ „Es ist nicht zu wertvoll für das, was ich von Euch erbielt. Fräulein“, entgegnete die Frau einfach.„Es wird Euch Segen bringen, glaubt es mir!“ Mit freundlichem Kovfnicken schritt sie mit dem Kinde davon, während die jungen Mädchen ihre Sachen zusammenlegten und sich auf den Rückweg machten. * In der Mittagssonne schritten die beiden Freundinnen wieder Luvico zu, beide in Gedanken versunken. bis Mar got den Kopf hob. plötzlich still stand und ihre Gefährtin ebenfalls zum verweilen veranlaßte. „Du. Trudi“, meinte sie,„sind wir nicht wie zwei durchgebrannte Schulkinder, wie wir jetzt artig und pünkt lich nach Hause lausen, die Schritte beschleunigen, um nicht zu sehr ausgesankt zu werden?“ Trude blickte sie einen Augenblick unsicher an, dann entgegnete sie lachend: „Na, ganz so schlimm ist es doch nicht. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Studienausflug, aber Du trägst ja nichts davon heim. Ich habe die Reise tatsächlich dem Studium zuliebe unternommen. Da kann mir nie mand Vorwürfe machen, Fritz am allerwenigsten. Und was wir den Herren heute von unserer angenehmen Gesellschaft entzogen haben können wir ihnen ja morgen dopvelt zukommen lassen. Das beschwert meine Gedanken weiter absolut nicht.“ „Das also nicht“, meinte Margot Reichard.„Aber findest Du nicht, daß einem die rechte Rube fehlt, ohne die gewohnte Gesellschaft?“ „Als wir unter den Kastanien saßen und uns erfrischten, gedachte ich etwas reuevoll unserer treulos ver lassenen Kavaliere. Jetzt wäre es doch ganz nett, wenn wir sie bei uns hätten. Weder Du noch ich brauchten jetzt unter Gevöck zu laufen und der lustige Wortkrieg mit ihnen ist am Ende auch nicht zu verachten.“ Sie seufzte ein bißchen, dehnte die Arme. „Ach, ist das warm!—— und dabei noch ein hübsches Ende zu geben!“ „O. Du Faulvelz", neckte Gertrud.„unser Professor hat doch recht, wenn er Deine Malwut, wie er sagt, für Laune erklärt, uns wie die Arbeitsbienen behandelt und Dich für einen verflogenen bunten Sommervogel ansieht, von dem man nichts erwartet, als das holde Gaukelsviel in der Sonne.“ Margot seufzte etwas tiefer: „Ja, es ist nicht zu leugnen, Trudi,— zu viel mehr reicht's bei mir wirklich nicht.—— Ich möchte alles, versuche vieles, suche eine befriedigende Tätigkeit und habe sie noch immer nicht gefunden. Alles neue reizt mich, mir ist so erwartungsvoll,—— als sollte ich wirklich dem großen Glück begegnen.— Fühlst Du auch so, kannst Du mich verstehen, Trudi?“ Diese nickte der Freundin ernsthaft zu „Gewiß, Margot, ich verstehe Dich ganz. Es mag wohl sein, daß der Mensch ein Dopvelwesen ist, und die eine Hälfte sucht rastlos, bis die andere Hälfte gefunden ist.“ Margot seufzte jetzt wirklich kläglich. „Ach, Trudi, das sind ja schreckliche Aussichten, denke mal, wenn nun meine andere Hälfte in Hinterindien oder bei den Botokuden— Gott weiß wo, steckte sie lachte jetzt hell auf.——„Nein. Teuerste. wenn's nicht bequemer und näher sein kann, danke ich für diese Theorie!" „Hauptsache, daß man nicht blind an seinem Glück vorüber geht, Margot,“ entgegnete Gertrud.„Es heißt doch, daß ein jeder einmal dem Glück begegnet, aber er weiß es erst, wenn er längst daran vorüber ist, wenn's zu spät ist— das eben ist die Tragik im Leben.“ „Tue mir die einzige Liebe, Gerti, und laß mich mit aller Tragik in Ruh, leben will ich, freuen will ich mich, den leuchtenden Taa trinken, solange ich noch im Lichte wandeln darf, ebe das Dunkel kommt. Aber schau, da philosovhieren wir etwas zusammen, und wenn mich die grelle Sonne nicht blendet, kommen uns unsere Kavaliere schon entgegen“ Gertrud kniff die Augen leicht zusammen. „Ich glaube. Du siehst, was Du sehen möchtest, Margot. Ich sehe nur einen Umriß daberkommen und der scheint mir eher der eines Eingeborenen des Landes zu sein!“ „Deine idealisierenden, kurzsichtigen Maleraugen können mit meinen Luxlichtern eben nicht wetteifern", erwiderte Margot „Sie sind es beide— den Doktor erkenne ich am Gange und der Länge, deinen Bruder am Strobhut. Also nun sotsch ihnen entgegen, als ob wir sie noch gar nicht entdeckt und ihr Dasein beinahe vergessen hätten.“ „Und die andere Hälfte, Margot?“ neckte Gertrud lächelnd. „Scherz beiseite“, rief diese hastig und errötete bis unter die lockigen dunklen Haare Arm in Arm, mit vor der Sonne niedergeschlagenen Augen, wollten die jungen Mädchen an den Herren vorüber. aber Fritz Overhoff rief schon von weitem: „Halloh“ Da sind ja die Ausreißer.—— Strafe muß sein für solch treuloses Versetzen.—— Was tun wir nun mit den eingesangenen Vögelchen?“ Und übermütig lief er auf seine Schwester zu, und weil die Freundinnen sich nicht losließen, schloß er die Arme um beide, die sich lachend wehrten. Wie es zuging, daß sich Gertrud freimachte und plötzlich nur Margot sich in einem Arm befand, wußte später keines von beiden zu agen. Ueber den jungen Mann kam es wie ein Rausch, als er im goldenen Mittagslicht das junge Mädchen sich so nahe fühlte.— Als er die dunklen Sammetaugen halb zürnend, halb bittend vor sich sah.— Abwehrend streckte sie ihm die Hand mit den dunklen Rosen entgegen. „Hier, mein Lösegeld, Herr Overhoff“ Der blonde Männerlovf neigte sich, die blauen leuchtenden Augen suchten die braunen des jungen Mädchens. „Margot———. Süße, sollen es denn nur die Rosen sein?“ kam es wie ein Seufzer über seine Livven. „Darf ich die kleine Hand nicht auch behalten?" Ueber Margot kam es wie eine Art Ohnmacht. Bis zur Stunde hatte ihr Mädchentrotz mit Stolz jede Annäherung des Mannes abgewehrt, nun fühlte sie plötzlich. daß sie diesen hier liebte.—— Daß seine Werbung sie mit Stolz ersüllte. Sie wünschte sich weit fort von ihm und dieser Entscheidung und wußte doch zugleich, daß ein Dasein ohne ihn ihr unerträglich sein würde.— Ihre kecke Sicherheit schwand hin und fast schüchtern entgegnete sie: „O, bitte nicht, Herr Overhoff, wir waren doch so gute Kameraden, lassen Sie es noch ein wenig dabei. Wenigstens bis meine Eltern hier sein werden" „So will ich mich denn bescheiden“, entgegnete er. Dann zog er ihren Arm durch den seinen. Sie wendeten sich Levico zu. Weit vor ihnen schritten Gertrud und der Doktor, wie es schien, in sehr eifrigem Geschräch. Er trug Trudis Rucksack und Malschemel. Hetten die beiden nun über den eigenen Interessen die leiden anderen vergessen?—— Oder war es Diskretion, die sie so ohne Umschauen dahin schreiten ließ Jedenfalls empfanden Fritz Overhoff und Margot diese Rüßsicht sehr angenehm. * Man hatte sich getrennt, um vor dem Diner Toilette zu machen.— Während Gertrud das Gesicht mit kühlem Wasser wusch, hatte sich Margot auf die Chaiselonque gebettet und starrte zur Zimmerdecke emvor. „Was hast Du denn Margot"" fragte Gertrud be sorgt und trat zu ihr:„Dein Kopf glüht—— und wahrhastig. Deine Hände sind eiskalt. Was gibt es denn?" Sie setzte sich auf den Rand des Rubebettes und streichelte die Hände der Freundin, aus deren Augen langsam zwei große Tränen rannen, während sie leise abwehrend den Kovf schüttelte „Nun, Liebes, wenn Du es mir, icht sagen maast will ich Dir auch nicht qualen.; ist ja doch immer besier man erleichtert# besser, man erleichtert Nachrichten von st Du unangenehme Margot umschlang Gertrud mit beiden Armen und drückte ihr heißes Gesicht gegen die Schulter der Freundin. „Ach Gott. Trudi“, flüsterte sie, denk doch nur—— ich hab meine andere Hälfte gefunden, oder vielmehr meine andere Hälfte sand mich—— und——“ „Aber das ist doch gar nicht zum Weinen“, lachte Gertrud.„Ich hab's längst erwartet, und mich nur gewundert, daß der Fritz so sanftmütig zauderte—— das war seine Art sonst nicht. Du, das macht mich ordentlich glücklich. Ich finde, Ihr beide paßt herrlich zusammen. Der Fitz ist eine starke Persönlichkeit, ein bißchen geradeaus, der braucht solch ein verzwicktes Persönchen, das ihm etwas zu raten aufgibt. Im übrigen ist er wirklich ein Prachtmensch, der das Leben bewältigt und stets nach dem Höchsten strebt. Ihr dürft beide miteinander zufrieden sein— nun heul' mir nicht, Kleines, sondern alb Deiner Schwägerin einen herzhaften Kuß.“ Aber Margot schluchzte und stammelte: „Ach, Trudi, Du hast gut reden. Du kannst tun und lassen, was Du willst, aber ich hab doch—— mein Vater hat ziemlich strenge Ansichten über die persönliche Freiheit seiner Einzigen, ohne seine Einwilligung darf ich mich gar nicht verloben.—— Ich weiß ja selbst nicht, wie es so schnell geschehen konnte.— Er hat mich überrumpelt, wirklich, Trude, es ist so! Lach mich nicht aus.—— Nun bin ich in tausend Aengsten.—— Vater könnte am Ende „nein“ sagen— und uas dann?— Ich hab ihn doch wirklich lieb.“ Gertrud hatte sich aufgerichtet und machte ein ernstes Gesicht: „Wenn das Dein ganzer Kummer ist, Margot, so tröste Dich“, entgegnete sie sehr entschieden.„Mein Bruder wird Deinem Vater schon gefallen, denn er ist temand in der Welt, in der Dein Vater Ansehen genießt. Sobald Dein Vater hier ist, sprichst Du mit ihm und Fritz steht seinen Mann auch Bis dahin müßt Ihr Euch natürlich zusammennehmen“ „Ich schon“, entgegnete Margot.„Aoer... „Das muß er doch einsehen, das wäre ja noch schöner. Halte ihn beizeiten kurz, den sogenannten Herren der Schöpfung ist das wirklich sehr dienlich. Ich stehe schon ein Weilchen auf eigenen Füßen und habe meine Erfahrungen gemacht. Und Fritz keine Kopfhängeret, Margot. Mach Dich sehr schön.— Sieh. ich tue es auch und dann:„Auf in den Kampf. Torero!“ sagte sie mit heller Sitmme, zog Margat vom Sosa boch und umarmte sie stürmisch.„Was ist doch das Leben schön—— wenn man jung, gesund, geliebt ist—— wenn man so recht fühlt daß man etwas ist!— Wirklich, Margot, ich habe das Gefühl, daß wir eben jetzt dem Glücke begegnen, wir wollen nicht daran vorbei gehen,—— laß es uns festhalten!“ (Fortsetzung folgt.) # 8 Kriegsallerlei. Ein dienstfädiger Hauptmann mit künstlichem Bein. Wir lesen täglich von den Fortschritten und Erfolgen der Medizin und ganz besonders der Cdirurate. Wir gebe keine Kruppel mahr, wir freuen uns dessen. gewisser Rest von Unscheint, daß beute doch miu man dort, dab ei## abgenommen n. es gede keine Krüppel mehr doch will uns dier hets ein zen deschleichen. Ader es sch. nglaubliche wahr wird. denn: uptmann, dem ein Bein Orthopadie Krankengeschichte. Im Hie— dorg i. Pr. wurbe im November ein Hauptmann aufgenommen, der im Septemher bei Vitro le Francotz rch einen Granatschuß im Kniegelenk verwundet vorden war. Im Oktober war das Bein in der ds linken Oberschenkels amputiert worden. Es w niten Oberschenkels amputiert worden eine künstliche Gliedmaße bergestellt, mit der am 1914 d am kage darauf begannen urde 30. Nov. Berei die ersten Gehversuche gemacht wurden. Bereits 9. Dezember konnte der Hauptmann Reitversuche au Reitapparat im Zanderinstitut vornehmen. und drei en die Reitü itübungen auf einem die Anstalt verlassen und meldete sich am 28. Dezembe sum Dienst. Mit Absicht wurden alle Zeitgngohen zenau gemacht, um nicht beim Leser den Anschein## Märchen #lauf begannen vie—.— igen Pferde. Der Hauptmann konnte am 23. Des. stalt verlassen und meldete sich am 28. Oszem n. es würden Märchen erzählt. Es kommt. Professor Hoeftmann aus. darauf an. daß man Ersatzglieder den Kranken damin können, als sie Reist können die Leute unmittelbar nach Angen dor Ersatzbeine Treppen steigen. Hier allt es. nen kleinen Kunstariff anzuwenden. es müssen die lauf und nicht hinah Stufen zuerst hinauf und nicht hinabgestiegen werden. denn sonst erfaßt den Gebschüler leicht ein Schwindelzefühl. und er ist nur schwer zur Wiederbolung zu bevegen. Ist das Trevvensteigen aber von vornberein mt gegangen, so gibt das den Kranken großen moraischen Mut. der sie veranlaßt, auch schwierigere Uebunzen anstandslos zu versuchen. ##saheras 2— * 9ol kome LPEFTFIII Kaar Tehete Warschau und Umgebung. Auf dieser und deu beiden nächsten Die gebrochene russische Front in Galizien. Unser Berliner militärischer Mitarbeiter schreibt: Die glücklich verlaufenen Overationen der Verbündeten auf dem galizischen Kriegsschauplatze haben der obersten Heeresführung die volle Overationsfreibeit verschafft und darin ist eine der wichtigsten und bedeutendsten Folgen der siegreichen Kämpfe zu erblicken. Bevor der große Durchbruch am Dunajec= und BialaAbschnitt begann, hatten sich die beiden Gegner in befestigten Feldstellungen gegenüber gelegen, nur durch kurze Entfernungen von einander getrennt. Sie waren dadurch in ihren Entschlüssen und Bewegungen außerordentlich eingeschränkt. So konnten sie nur Truppenverschiebungen hinter der Front vornehmen und sich die Stelle aussuchen, wo sie mit stärkeren Kräften zum Angriffe vorgehen wollten. Im übrigen war ihnen die eigentliche Front und der Ort, wo gekämpft werden sollte, durch die eigenes und die feindlichen Stellungen vorgeschrieben. Die Kämpfe mußten auch überall frontal geführt werden, da sich die Flügel der Heere infolge der weiten räumlichen Ausdehnung überall an ungangbares Gelände anlebnten, mochte es nun durch das Meer, oder durch neutrale Länder dargestellt werden. Es war also nicht möglich, die feindlichen Stellungen umfassend anzugreifen und durch ausholende Bewegungen die rückwärtigen Verbindungen zu bedrohen. Mit dem Durchbrechen der feindlichen Front im Dunajec= und Biala=Abschnitt und der Zurückwerfung der Russen in östlicher Richtung haben sich diese Verbältnisse aber von Grund auf zugunsten der Verbündeten geandert. Der Gegner ist nach verschiedenen Richtungen auseinander gesprengt und an Stelle des monatelangen Stellungskampfes ist der Bewegungskrieg getreten. Zwar versuchten die Russen immer wieder von neuem, sich hinter natürlichen Abschnitten festzusetzen, indem sie sich sofort eingruben oder meist in Stellungen gingen, die seit langer Zeit vorbereitet waren. Ihr Widerstand ist aber immer nur von kurzer Dauer gewesen und konnte bald niedergerungen werden. Nur wenige Tage wurde dadurch der Vormarsch der Verbündeten aufgehalten. Die feindlichen Stellungen entbehrten nicht nur der großen passiven Stärke, die die früberen aufgewiesen hatten, sondern waren auch nicht so zugänglich angelegt, daß dem Gegner Angriffe möglich waren. Das Zurückgehen nach verschiedenen Richtungen und die Teilung der einzelnen Gruppen brachte es auch mit sich, dab ein Druck auf die rückwärtigen Verbindungen ausgeübt werden konnte. Die Verbündeten haben also ihre volle Overarionsfreibeit wieder gewonnen. Es ist der Führertätigkeit, namentlich in den obersten Stellen, wieder ein viel welterer Spielraum gegeben. Dafür ist von großer Bedeutung, daß die neue vom Feinde eingenommene Front nicht mehr eine olanmäßige gerade Linie zeigt, sondern vielfach gebrochen ist. Sie verläuft von der Weichsel bei Warschau zunächst in südlicher Richtung bis an den Kamienna=Fluß und gewinnt dort Anschluß an die Weichsel=Gegend bei Jozesow. tritt hier auf das rechte Ufer über und wendet sich in einem scharfen Winkel nach Osten bis in die Gegend stlich von Zamosze. Dort biegt sie wieder scharf ach Südosten um, bis sie östlich von Halicz en Dujestr erreicht, wo sie wiederum eine östliche Richng bis zur vodolischen Grenze einschlägt. Die Front stellt also das Bild von zwei Treppenstufen er, bei denen die Ortschaften Jozesow, Zamosze und licz die Brechpunkte bezeichnen. Die Verbündeten sind der Lage. gegen die innerbalb der Winkel befindlichen ussen immer gleichzeitig, aus zwei Richtungen her vorgehen, so daß der Feind stets von der einen Gruppe der Front, von der anderen in der Flanke angegriffen rden kann. Augenblicklich tritt dies am deutlichsten n d e r W e i c h s e l z u t a g e, w o d i e A r m e e d e s G e n e r a l eldmarschalls von Mackensen nach Ueberchreitung der nordgalizischen Grenze zwischen Bug und Weichsel nach Norden vordringt, während gleichzeitig die Verbündeten auf dem Westufer dieses Flusses in östlicher Richtung vorgeben. Da die Russen bei diesen Bewegungen auch noch die breite Weichsel zu überschreiten haben, muß sich ihr Rückzug außerordentlich schwierig gestalten. Bisber ist das ganze Gebiet von Südvolen bis zum Kamienna=Flusse bereits vom Feinde gesäubert und nörd lich davon drängt jetzt die Armeeabteilung des Generalobersten von Woyrsch ebenfalls sieg reich vor. Sie hat den Gegner aus der Gegend von Sienno und Ilza unter glücklichen Gefechten zurück geworfen und steht nur noch 20 Kilometer von dem Flusse entfernt. Rechts der Weichsel sind die Armeen des Generalseldmarschalls von Mackensen bis zur Linie Zamosze=Jozesow vorgedrungen und steben in siegreichem Gefechte mit den Russen am Por= und Labunka=Ab, schnitte und haben die Wyznica bereits überschritten Bei weiterem Vorgehen bedroben sie die Flanke und rückwärtigen Verbindungen derjenigen russischen Truppen die noch im Kampfe mit der Heeresabteilung Woursch stehen. Wollen diese ihren Rückzug über die Weichsel ungebindert ausführen, so müssen sie schleunigst ihren Widerstand aufgeben und die Strombarriere zu überschreiten suchen. Der zuletzt von den Verbündeten er oberte Ort Jozesow liegt nur noch 50 Kilometer südlich von Jwangorod. An der zweiten Stelle, wo sich ähnliche günstige VerHältnisse vorfinden, hat sich die gegenseitige flankierende Seiten werden die in der gestrigen Morgen=Ausgabe erschienenen Telegramme veröffentlicht. Wirkung der rechtwinkelig zueinander stehenden Heeresteile der Verbündeten noch nicht so bemerkbar gemacht, weil der eine Flügel bisher durch überlegene russische Kräfte am Vorgehen aufgehalten wurde. Es ist dies die Gegend am mittleren Duiestr, wo die Armee Pflanzer=Baltin mit der Front nach Norden in heftigem Kampfe mit den Russen steht, ohne bisher in bemerkenswerter Weise Gelände nach Norden gewonnen zu haben. Dagegen schreitet die Armee Linsingen vom Westen ber siegreich vor. Mit ihrem rechten Flügel Dorwärts zwischen am Dniestr entlang vordringend, hat sie die ganze feindliche Stellung hinter der Gnila=Liva erobert. Die Verbündeten sind in der Lage, ihre Hauptkräfte nach ihrem Ermessen nach verschiedenen Richtungen gegen die gebrochene russische Front anzusetzen und können sie nach freiem Gutdünken zu umfassenden Bewegungen und ent scheidenden Flankenangriffen verwenden. Gerade die vielfach gebrochene russische Front gibt der höheren Führung Gelegenheit, die vorhandene Overationsfreiheit in zweckmäßiger Weise auszunutzen. Bug und Weichsel. Ein französischer Angriff bei Souchez abgewiesen.— Ein feindlicher Angriff bei Les Eparges mißlungen.— Eroberte Werke am Hilsensirst verloren.— Vordringen am Dujestr.— Flettes Vorschreiten zwischen Bug und Weichsel.— Fortschritte an der Wysnika.— Ein russischer Vorstoß bei Radom abgewiesen. WTB Großes Hauptquartier, den 3. Juli 1915.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen griffen in der Nacht unsere Stellungen nordwestlich von Souchez an. Der Angriff wurde abgewiesen. Bei Les Esvarges mißlang ein durch Handgranatenfeuer und Stinkbomben vorbereiteter französischer Angriff. Die vorgestern auf dem Hilsenfirst eroberten Werke gingen gestern wieder an den Feind verloren. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Bedeutung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Dujestr dringen unsere Truppen unter Verfolgungskämpfen über die Linie Marjampo!— Kurainm-Miasto, gegen den Ilora—LivaAbschnitt vor. Sie haben den Bug abwärts von Kamionka—Strumilowa bis unterhalb Krylow an vielen Stellen erreicht und sind auch in nördlicher Richtung zwischen Bug und Weichsel in flottem Vorschreiten. Die Niederungen der Lubanka und des Por sind, trotzdem der Gegner an einzelnen Stellen noch hartnäckigen Widerstand zu leisten versuchte, nunmehr in unserer Hand. Auch am Wyznika=Abschnitt zwischen Krasnik und der Mündung fahten deutsche Truppen auf dem Nordufer Fuh. Zwischen dem linken Weichselufer und der Pilica die Lage im allgemeinen unverändert, Ein russischer Gegenstoß südwestlich von Radom wurde abgewiesen. Oberste Heeresleitung. Neue Niederlage der Italiener. Vordringen der Verbündeten in Ostgalizien.— Angriff auf die Höhen bei Janczyn.— Heftiges Vordringen der Verbündeten zwischen Weichsel und Bug.— Zamosz erstürmt, Sudzianki genommen, Wysnica gestürmt.— Die Russen am Por und an der Wysnica zurückgeworfen.— 4800 Russen gefangen.— Verlustreiche Angriffe der Italiener bei Sagrado—Polazzo.— Feindliche Angriffe bei Görz blutig abgewiesen.— Erfolgreiche Kämpfe in Kärnten. WTB Wien, 3. Juli. Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. In Ostgalizien dringen die verbündeten Truppen in der Verfolgung vor. Oestlich Halicz und über Narajowka sind sie nördlich anschließend in erfolgreichem Angriff auf die Höhen östlich Janczyn. Am Bug ist die Lage unverändert. Zwischen Weichsel und Bug dringen die verbündeten Truppen unter heftigen Kämpfen stetig vor. Zamosz ist erstürmt. Westlich hiervon wurden die Russen überall über die Por=Bachniederung, die in unserem Besitze ist, zurückgeworfen. Der Uebergang über den Bach wurde an mehreren Stellen erkämpft. Oestlich Krasnik, um das noch gekämpft wird, wurde Studzianki genommen. Ebenso wurde westlich Krasnik der Ort Wysnica gestürmt. Auch hier wurde der Feind vom Südufer der Wysnica überall zurückgeschlagen. Nördlich des Baches ist er schon aus einigen Stellungen geworsen. Am Porbache und Krasnik wurden gestern Der Stellvertreter des Chess 4800 Gefangene und 3 Maschinengewehre eingebracht. Westlich der Weichsel Geschützkampf. Italienischer Kriegsschauplatz. Der gestrige Tag brachte den Italienern an der küstenländischen Front eine neue Niederlage. Nach vergeblichen Vorstößen bei Sagrado—Polazzo begann gegen Abend wieder ein von mindestens zwei Infanteriedivisionen geführter Angriff gegen den Abschnitt des Doberdo=Plateaus von Polazzo bis zu Monte Cosich. Unsere kampfbegeisterten Truppen schlugen den Feind wie immer und überall zurück. Seine Verluste waren auch gestern schwer. Gegen den Görzer Brückenkopf südwestlich Monte Sabotino angesetzte seindliche Angrifse wurden gleichfalls blutig abgewiesen. An der Kärntner Grenze wurde in den letzten Tagen um den Großen Pal, östlich des Plöckenpasses, gekämpft. Der Berg blieb schließlich in unserem Besitz. Im Tiroler Grenzgebiete stellenweise Geschützkampf. des Generalstabes: v. Höser, Feldmarschalleutnant. Massenflucht aus Rußland aus Angst vor Revolution. bb Berlin, 3. Juli.(Privattelegr.) Aus Bukarest wird der„Deutschen Tageozeitung“ gemeldet: In den letzten Wochen haben sehr viele begüterte Familien Rußland verlassen, um sich über Rumänien ins Ausland zu begeben. Alle Bukarester Hotels sind voll von diesen Gästen, die sich meist nur einen oder zwei Tage hier aufhalten und dann über Nisch nach Saloniki weiterfahren. Aus ihren Berichten spricht die tiefste Verzagtheit über das Schicksal ihres Vaterlandes. Sie halten Ruhland nicht nur für vollstandig geschlagen, sondern sie sind auch überzeugt, daß die Nevolution nicht mehr auszuhalten ist. In Odessa kam es in den letzten Tagen zu blutigen Barrikadenkämvfen und Plünderungen, bei denen große Werte vernichtet wurden. Die Jungmannschaft, die man nach überhafteter Ausbildung zu Offizieren beförderte und die großenteile von Studenten gebildet wird. fraternisiert überall mit den Anhängern der Revolution, die insofern einen anderen Charakter als die von 1904 hat, als sie sich direkt gegen die Dynastie richtet, während jeue unter Respektierung des Zaren gegen den Autokratismus vorging. Aus Furcht vor neuen Meutereien und aus Besorgnis vor revolutionären Sabotageakten wird die gesamte SchwarzeMeer=Flotte seit vierzehn Tagen sast ständig auf offener See gebalten. In Niew, dem Herde der ukrainischen Bewegung. demonstrierten die Utrainer nach einer grohen Versammlung gegen den Jaren und den Grobsürsten Nisolai Rikolajewitich. Nach einem Zusammenstob mit dem Militär plünderten und verwüsteten sie in Gemeinschaft mit den Truppen einen ganzen Stadtteil. Nach Berichten zweier hier eingetroffener Holzhändler aus Perm greift die revolutionäre Bewegung auch auf Westsibirien über. Im Gouvernement Tambow rotteten sich Heeresteile mit Bauern und Frauen zusammen, um mehrere größere Gutshöse abzubrennen Trotz der schärfsten Bewachung der Eisenbahnen gefährden Sabotageakte die Transvorte. In Petersburg herrscht grenzenlose Wut auf die Franzosen. Die Zensur lätzt die allerschärfsten Ausfälle auf die Verbündeten passieren, unterdrückt aber alle Berichte aus Galizien. Viele Blätter haben mehr weiße als gedruckte Spalten. Auch die Anzeigenzensur wird rigoros gehandhabt, seitdem entdeckt wurde, daß die Revolutionäre sich durch verabredete Worte in den Anzeigenteilen der Blätter verständigten. In Mosrau tauchen viele neue Agitatoren auf, die seit 13 Jahren verschwunden waren, sich aber jetzt ungeniert auf den Straßen zeigen. An manchen Orten vaktieren die Beamten mit den Nevolutionaren. Insolge der ungeheuren Tranoportschwierigkeiten ist die Lebensmirtelversorgung ganzer Distrikte ins Stocken geraten, was die Bevölkerung zur Verzweiflung treibt. Die Städte der russischen Schwarze=Meer=Flotte werden zum Teil von der russischen Donaumündung der verproviantiert, da sie von dem Hinterlande abgeschnitten sird. Eine boch angesehene russische Persönlichkeit, die hier einactrossen ist, erklärte: alles habe sich vereinigt, um das zarische Rußland zu verteidigen, und nun sind Schmach und Demütigung, Hunger, Verzweiflung und Tod das Los aller. hh Bukarest, 3. Juni.(Privattelegr.) Hiesige Blatter melden indirekt aus Peteroburg, daß tron aller offiziösen Ableugnungen die Unrubebewe: gungen sich in Ruhland überraschend chnell ausbreiten. In Kiew sollen bei den letzten Haussuchungen Pläne einer über das ganze Reich verbreiteten Organisation ausgesunden worden sein. Zahlreiche Attentate gegen die führenden Persönlichkeiten Rußlands habe man dadurch verhindert. Der erfolgreiche Dorstoß in Nordpolen. bb Berlin. 3. Juli.(Privattelegr.) Ueber den erfolgreichen Vorstoß in Nordvolen berichtet der Kriegsberichterstatter der„B. 3.“ aus Tilsit: Vor einer Woche unternahmen unsere Truppen nördlich der Szeszuppe bei Kalwarja einen Vorstoß gegen die Höhe 164, da von dieser Höhe der Munitionsschub auf der Straße von Mariamvol andauernd gestört und Kalwarja selbst beschossen wurde. Man wollte zunächst sehen, wie stark der dominierende Punkt von den Russen befestigt war. Bei dem Vorstoß gelang es einer Kompagnie, zwischen der Höhe von Kalwarja durchzukommen und die russische Stellung durch Handstreich von der Rückseite zu nehmen. Wenn es nun noch gelang, die Höhe 138 in unseren Besitz zu bringen, so war sowohl Kalwarja, wie auch die wichtige Zufahrtsstraße in unseren unangesochtenen Besitz, und unsere Position an dieser Stelle der Front wesentlich verbessert. Nach sorgfältiger Vorbereitung wurde in der vergangenen Nacht der Angriff ausgeführt und die Höhe gegen Norden im Sturm genommen. Der Berichterstatter hatte das Glück, gerade an dieser Stelle der Front anwesend zu sein derch teeundliches Entgegenkommen der Armeeführer das grandiose Schauspiel die Nacht über in der Nähe beobachten zu dürfen. Um 11 Uhr fiel der erste Kanonenschußz. Bald zuckte das Feuer aus sämtlichen Rohren und die Minenwerfer traten in Tätigkeit, bis auch das Maschinen= gewehrfeuer und die Infanterie einfiel und das Feuer sich am ganzen Horizont hinzog. Eine Stunde währte das kombinierte Feuer. Um 12 Uhr meldete das Jägerbataillon, daß es zum Sturme angetreten sei. Zugleich wurde das Arilleriesener hinter die Höhe verlegt und um ½1 Uhr lief die Meldung ein, daß die Höhe 138 gestürmt und sicher in unseren Händen sei. Als wir morgens 3 Uhr unseren Beobachtungsposten verliehen, war noch ein kleines Grabenstück vom Feinde besetzt, der wegen des zurückverlegten Feuers in seinem Rücken und der Besetzung der seitlichen Gräben durch unsere Insanterie weder ver noch zurück konnte und übrigens in dem dicken Staub und Qualm der heftigen Beschießzung wie in einem dichten Nebel satz. Dieser Graben wurde in der Frühe genommen. Mehr als 600 Gesangene, darunter 3 Offiziere, 50 Verwundete, viele Tote, die von der schrecklichen Wirkung der Minen zeugten, sielen in unsere Hände. Dagegen waren unsere Verluste dank der vorzüglichen Artillerievorbereitung ganz gering. Da das Höhengelände südlich der Szeazuppa von Hügel 138 glacisartig nach dem Kisznatal abfällt, wird sich der Feind diesseits des Tales auf die Dauer kaum noch halten können. Der Seekrieg. Lähmung des griechischen Handels durch England. WTB Athen, 3. Juli. Meldung der„Agence d'Athenes“. Nach einer amtlichen Quelle verfehlte sowohl die frübere und jetzige Regierung nicht, alle notwendigen Maßregeln gegen alles zu ergreifen, was als Kriegskonterbande angesehen werden könnte. Zu diesem Zwecke sei sogar ein Gesetz beschlossen worden. Verschiedene Ministerialordnungen verbieten streng jede Ausfuhr von Artikeln gemäß den von den Mächten der Entente, namentlich von England vorgelegten Listen. Die letzte englische Liste umfaßt so zahlreiche Artikel, daß sie den griechischen Handel lähmt. Die griechische Regierung richtete selbst in allen Häfen des Königreichs einen besonderen Dienst für die strenge Durchführung aller Maßnahmen ein, die notwendig sind, um eine Verletzung ihrer Verbote zu verhindern. Die von der englischen Gesandtschaft gemachten Mitteilungen brachten niemals bestimmte Tatsachen zur Anzeige. Einige derartige Behauptungen wurden als vollkommen arundlos erkannt. Die Dampfer„Jonia=Vassilets",„Konstantin", „Athenai“, sowie die Dampfer der griechischen TransAtlantischen Gesellschaft, die von Schiffen der Verbündeten angehalten wurden, erwiesen sich bei der Anhaltung als vollkommen frei von Bannware. Die Gesandten der Ententemächte waren die ersten, die dies anerkannten. Die Mitteilung fügt hinzu, daß der griechische Gesandte in London den Auftrag erbielt, die notwendigen Schritte zu unternehmen. Ein russischer Torpedobootozerstörer schwer beschädigt. UTZ Konstantinovel, 3. Juli. Nach zuverlässigen Privatnachrichten ist vorgestern ein russischer Torvedobootszerstörer mit vier Schornsteinen, der sich im Schwarzen Meer bei Atina(östlich Trapezunt) nahe der Grenze der Küste auf 1200 Metern näherte, von einem Geschoß der türkischen Küstenartillerie getrosefn und im Maschinenraum schwer beschädigt. Auf dem Deck wurden mehrere Matrosen getötet. Der Torpedoboots= zerstörer entfernte sich schleunigst in der Richtung auf Batum. Er dürfte auf längere Zeit außer Dienst gesetzt sein. Zum Untergang der„Lusitania“. I·TB London, 3. Juli. Die Untersuchung über den Untergang der„Lusitania“ ist gestern von dem Handelsamt wieder eröffnet worden, um die neuen Zeugen zu vernehmen. Der franzosische Sprachlehrer Mariachel sagte aus, die Explosion, die beim Sinken des Schis es erfolgte, habe dem Knattern eines Maschinengewodres geglichen. Er habe angenommen, daß die Explosion des Torpedos das geheime Vorbandensein von Erplosivstoffen an Bord des Schiffes beweise. Er habe als früherer fran###icher Offizter Erfabrung mit Erplosivstoffen. Der Jeuge sagte kerner aus. der Kavitan und die Maurscheiten der„L###itania“ bätten ver befunden, habe Rut einen Mast, aber ke WTZ London, 3. meldet aus London der Petroleum=Dam Port=Arthur untert Unterseeboot torp gleich sank, dachte ausgenommen work als das Unterseeb „Caucasian“, sonde nichtete. Die Zimmerholz nach E Zwei Mann der D An WrI Amsterdau logger„Kw 147“ und gesunken. Die Der Sampfe UTI Berlin, 3 wurde, ist am Mon „Armenian“. Küste von Cornwal besagen, daß sich ul 11, vielleicht sogar denen mehrere umg folgedessen zu m Washingtons Erre zutreffen, so sei d bis jetzt zu übersel regung vorliegt. stellt nämlich ine der Versenkung 4 Schiffskapitä Der Dampfer is Bug gefeuerte Kar worden. Dieser A Das U-Boot hat de auch getrossen. T Es war eine wilk nicht ohne We Dampfer eine Stu erst angehalten. na tot auf Deck lager Ist dieser Beric demgegenüber de ausschusses der konserenz anzu Ein kriegführen an und fordert e zum Halten auf. und versucht, sich entziehen. Der## es zum Halten zu schiff hat, wenn bohrt wird. kein es einer ihm nach zuwider gehandelt Das U=Boot h d#tenden Reg 158 c. ameri komien sein, so t den englische Regierung. die sprechendes Verhal Besatzungen solche Fall des Dampfer * Von der holle erstatter der engli sich mit der Auf Versenkung des T einigten St „Times“ versuch wie die Versenkun Berichterstatter au Dampfer„Armenihabe. Eine Meldi wonach der amer Page, dem Staats daß nach einer M Dampfer„Armeni klärt die Sache Amerikaner Kapitän des Sch „Armenian“ siche sch#gegenkomn F###eit gewäh sogak“ einige Mai des Kapitäns dre waren und zunäe Als die Englände Tauchboot zwei 1 Minuten nach acht der ganzen Nacht Morgen von ein gegriffen wurde. WVTZ Haag, 3 über die Versenki Das Schiff schen Bureaus zu damit nach d gung. angehalter Bericht des Kap klingt mehr wie? Kriegsschiffen als fahrzeuges. We Matrosen in ame rufen wird. sollte Kapitän des Dar entschloß. * Von der schw Blättern wird au habe sich gewelger des Dampfers Kreise schienen a legenheit geraten gemeldet, der B erklärt, daß das chartert worden s Fall des Dampfer digkeit, mit D zu gelangen. bb Berlin, 3. verbandes über d Tardanellen als Lohn den B Sa bb Lugano, 3. Anwesenheit an von Friole. Er darauf vorzubere vor allzu großer voll auf den Au lange dauern kör Ein WTZ Turin, „Stampa“ aus A einberufen werk örtern. Sal getroffen ist, wi König und über Bericht erstatten Ministerrat eine Dao * Von der Beunruhigung ü — tania“ hätten versagt. Das Boot, in dem er sich befunden, habe Ruder, aber keine Ruderkrampen gehabt, einen Mast, aber kein Segel. Auch sei es leck gewesen. Drei Schisse versenkt. WrZ London, 3. Juli. Der„Notterdamsche Courant“ meldet aus London: Der Dampfer„Caucasian“, der der Petroleum=Dampfschiffahrtgesellschaft gehörte und nach Port-Arthur unterwegs war, wurde von einem deutschen Unterseeboot torvediert. Da der Dampfer nicht so gleich sank, dachte die Mannschaft, die von„Inglemoor“ aufgenommen worden war, schon daran, zurückzukehren, als das Unterseeboot zurückkam und nicht nur den „Caucasian“, sondern auch die„Inglemoor" ver nichtete. Die italienische Bark„Sardomens“, mit Zimmerholz nach England unterwegs, wurde versenkt. Zwei Mann der Besatzung kamen um. Auf eine Mine gestoßen. WrI Amsterdam, 3. Juli. Der Katwiiker Fischer logger„Kw 147“ ist gestern auf eine Mine gestoßen und gesunken. Die Versenkung des PostSampfers„Armenian VTI Berlin, 3. Juli. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, ist am Montag der englische Postdampfer „Armenian“, von einem deutschen U-Boot an der Küste von Cornwall versenkt worden. Weitere Meldungen besagen, daß sich unter der Besatzung von 50 Mann auch II, vielleicht sogar 16 Amerikaner befunden hätten, von denen mehrere umgekommen sein sollen. Reuter weiß infolgedessen zu melden, daß in amtlichen Kreisen Washingtons Erregung herrsche. Sollte diese Nachricht zutreffen, so sei demgegenüber festgestellt, daß, so viel bis jetzt zu übersehen ist, keinerlei Grund zu solcher Er regung vorliegt. Die„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ stellt nämlich in einer Londoner Meldung den Hergang der Versenkung auf Grund eines Berichts des Schiffskavitans wie folgt dar: Der Dampfer ist von dem U=Boot durch zwei vor den Bug gefeuerte Kanonenschüsse zum Stopven aufgefordert worden. Dieser Aufforderung ist er nicht nachgekommen. Das U-Boot hat dann auf den Dampfer gefeuert und ihn auch getrossen. Trotzdem hat dieser noch nicht gestoppt. Es war eine wilde Jagd. aber wir wollten uns nicht ohne Wehr ergeben. Im ganzen hat der Dampfer eine Stunde lang der Beschießung getront und erst angehalten. nachdem 12 bis 13 Mann der Besatzung tot auf Deck lagen. Ist dieser Bericht des Kapitäns richtig, so genügt es, demgegenüber den Generalbericht des Redaktionsausschusses der Londoner Seekriegsrechtskonserenz anzuführen: Ein kriegführender Kreuzer trifft ein Kauffahrteischiff an und fordert es zwecks Vornahme der Durchsuchung zum Halten auf. Das aufgeforderte Schiff hält nicht an und versucht, sich der Durchsuchung durch die Flucht zu entziehen. Der Kreuzer kann Gewalt anwenden, um es zum Halten zu bringen. und das Kauffahrteischiff hat, wenn es beschädigt oder in den Grund gebohrt wird. keinen Anlaß zur Beschwerde: da es einer ihm nach Völkerrecht obliegenden Verpflichtung zuwider gehandelt hat Das U=Boot hat hiernach in Uebereinstimmung mit dtenden Regeln des Völkerrechts gehandelt. Sollten 1n ch amerikanische Bürger ums Leben gekommen sein, so trifft die Schuld hier allein den englischen Kavitän und die englische Regierung, die ein derartiges, dem Völkerrecht widersprechendes Verhalten nicht nur gut heißt, sondern die Besatzungen solcher Schiffe obendrein belohnt, wie der Fall des Dampfers„Laertes“ gezeigt hat. * Von der holländischen Grenze, 3. Juli. Die Bericht erstatter der englischen Blätter in Amerika beschäftigen sich mit der Aufnahme der Nachricht von der Versenkung des Dampfers„Armenian“ in den Ver einigten Staaten. Der Berichterstatter der „Times“ versucht, den Fall auf ein und dieselbe Linie wie die Versenkung der„Lusitania“ zu stellen. Einzelne Berichterstatter aus Amerika verzeichnen sogar, daß der Dampfer„Aemenian“ Geschosse an Bord gebabt habe. Eine Meldung der Erchange Telegraph Company, wonach der amerikanische Botschafter in London, Dr. Page, dem Staatssekretariat in Washington berichtet habe, daß nach einer Mitteilung der britischen Admiralität der Dampfer„Armenian“ von ihr einen Auftrag gehabt habe, klärt die Sache auf. Die 20 umgekommenen Amerikaner sind meist Farbige. Der Kapitän des Schiffes berichtete, sobald der Dampfer „Armenian“ sich ergeben habe, hätten die Deutschen sich sehr. tgegenkommend verhalten und der Bemannung eit gewährt, das Schiff zu verlassen, sie hätten sogak“ einige Mannschaften gerettet, nach den Angaben des Kapitäns drei Leute, die aus den Boten gefallen waren und zunächst in Schwimmgürteln umbertrieben Als die Engländer mit den Booten abstießen, feuerte das Tauchboot zwei Torvedos ab. Das Schiff sank sieben Minuten nach acht Uhr. Die Bemannung trieb während der ganzen Nacht in den Booten umher, bis sie am Morgen von einem belgischen Fischereidampfer auf gegriffen wurde. WTB Haag, 3. Juli. Die„Nieuwe Courant“ schreibt über die Versenkung des Dampfers„Armenian“: Das Schiff trachtete nach dem Bericht des Reuter schen Bureaus zu entkommen und verscherzte sich damit nach dem Völkerrecht die Berechti gung. angehalten und untersucht zu werden. Der Bericht des Kavitäns bestätigt das. Seine Erzählung klingt mehr wie der Bericht über ein Gefecht zwischen Kriegsschiffen als über die Einbringung eines Handels fahrzeuges. Wenn das Umkommen amerikanischer Matrosen in amerikanischen Kreisen Entrüstung hervorrufen wird. sollte diese sich in erster Reihe gegen den Kapitän des Dampfers richten. der sich zum Widerstand entschloß. * Von der schweizerischen Grenze, 3. Juli. Den Pariser Blättern wird aus Washington gemeldet, Wilson habe sich gewelgert, eine Meinung über die Torpedierung des Dampfers„Armenian“ zu äußern. Die amtlichen Kreise schienen angesichts dieses neuen Falls in Ver legenheit geraten zu sein. Dem„Matin“ wird aus London gemeldet, der Besitzer der„Armenian", Joffries, habe erklärt, daß das Schiff niemals von Großbritannien ge chartert worden sei. Die„Neuyork Tribune“ erklärt, der Fall des Dampfers„Armenian“ verstärke die Notwendigkeit, mit Deutschland zu einem Abkommen zu gelangen. Kämpfe auf dem österreichischen Kriegsschauplatz greift im italienischen Volk um sich. Heute fordert die „Stamva“ energisch, die Regierung solle entweder nach deutschem und englischem Vorbild Verlustlisten berausgeben oder aber die Verluste zahlenmäßig angeben. Das italienische Volk sei stark genug, derartige Nach richten zu ertragen Die Garibaldiner scheinen im Felde nicht besonders geschätzt zu werden. Peppino Garibaldi, dem die Franzosen freigebig den Rang eines Obersten per liehen, mußte in Rom erst das Offiziereramen ablegen Der Major Longo, der in den Argonnen kämpfte, darf als Leutnant mitkämpfen. Griechisch=italienische Gegensätze in Albanien. * Von der schweizerischen Grenze, 3. Juli.(Havas.) Der„Tribuna“ wird aus Antivari gemeldet: Zwei bedeutende griechische Banden rückten gegen Berat nordöstlich von Wallona vor, indem sie alle auf ihrem Wege liegenden Ortschaften besetzten. Mailänder volitische Kreise sind überzeugt, daß der Rücktritt des griechischen Ministers des Acußern Zographos das Vordringen großer griechischer Freischaren in Albanien bedeute. Es sei längst bekannt, daß der Minister Italien auch Wallona nicht gönne. Italien und die Türkei. hb Rotterdam, 3. Juli. Nach Meldungen der„Sera“ bestätigt es sich, daß die Beziehungen zwischen Italien und der Türkei sich in den letzten Tagen schlechter gestaltet haben, angeblich weil die türkische Regierung sich nicht an den Vertrag von Lausanne halte. In Rom spricht man von der bevorstenenden Abtei#e manischen Botschafters beim Quirinal. Cadorna melve. WTZ Rom, 3. Juli. Amtlicher Kriegsbericht. Der Artilleriekampf verstärkt sich längs der ganzen Grenze immer mehr, besonders in Karnten, wo das Feuer gegen die Befestigungswerke am Predil eröffnet wurde Nach einigen Schüssen waren die erzielten Resultate sehr wirksam. Wir beschossen ein feindliches Lager von etwa 300 Zelten in der Ortschaft Eder im Plöckentale und vertrieben durch unser Feuer den Feind aus den im Bau begriffenen Schützengräben in Strenioa und am Prasniksattel. Am gestrigen Tage griff eine unserer Alvini=Abteilungen an und bemächtigte sich eines feindlichen Schützengrabenstückes auf dem Nordhang des großen Gal, von dem ein gefährliches Feuer für unsere Be satzung des Freikofels ausging. Nachts und heute morgen bei Tagesanbruch versuchte der Feind durch zwei beftige Gegenangriffe unsere Truppen aus den von uns besetzten Schützengräben zu vertreiben, wurden aber beide Male unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Wir zählten 150 Tote. und machten einige Gefangene und erbeuteten über hundert Gewehre. Am Isonzo nimmt die Aktion ihren Fortgang. Unsere Artillerie äscherte durch ihr Feuer das Dorf Koritrica östlich Plezzo ein, wo bedeutende Lager von Material, Proviant und Munition gemeldet waren. In der letzten Nacht unternahm der Feind zwei Gegenangriffe gegen die von uns eroberten Stellungen auf dem Hochplateau von Carsico, aber er wurde zurückgeworfen. gez. Cadorna. unsere Stellungen am Hilsenfirkt. von denen die beiden ersten zurückgeworfen wurden. Ein dritter Angriff konnte in unserem Werke Fuß fassen. Ein Gegenangriff erlaubte uns heute früb, alle unsere Stellungen zurückzuerobern. Der Feind fährt fort, sie mit Erbitteung zu beschießen. Der beigische Bericht. VV'71 Le Havre, 3. Juli. Das belgische Communique besagt: Am 30. Juni beschoß die seindliche Artillerie mit Unterbrechungen die Umgebungen von Wulven, Ramaskapelle, Pervyse, Schewege, Caerkerke, das Gelände südlich von Dirmuiden und ebenso den südlichen Teil von St. Jacqueskapelle, die Umgebung von Knokeforts Renighe bis Fährmannshausen. Die belgische Artillerie erwiderte den feindlichen Vatterien lebhaft und zerstreute Gruppen feindlicher Arbeiter. Der am Zusammenfluß der Vser und Overle gelegene Ort Knocke ist keineswegs stark befestigt, wie man glauben machen möchte. Die englischen Verluste. WTI London, 3. Juli. Die letzte Verlustliste enthält die Namen von 37 Ossizieren und 629 Mann. S. M. S.„Albatros“ im Kampf gegen russische Uebermacht gesunken. UT3 Berlin, 3. Juli.(Telegr.) Amtlich. Auf der Rückkehr von einer Vorpostenstellung traf am 2. Juli gegen 6 Uhr morgens ein Teil unserer leichten Ostseestreitträfte, die ihrer Aufgabe gemäß in aufgelöster Ordnung fuhren, zwischen Gotland und Windau bei strichweise unsichtigem Wetter auf russische Panzerkreuzer. Es entspannen sich Einzelgesechte, in denen unsere schwächeren Streitkräfte versuchten, den Gegner in den Bereich der Unterstützungen zu ernsterem Kumpfe zu ziehen. Im Verlause dieser Einzelgefechte vermochte S. M. S.„Albatros“ nicht, den Anschluß an die eigenen Streitkräfte wieder zu gewinnen. Nach zweistündigem schwerem Kampfe gegen vier Panzerkreuzer, die mit der Beschießung auch innerhalb der schwedischen Hoheitsgewässer fortfuhren, mußte das Schiff infolge zahlreicher Treffer in sinkendem Zustand bei Oestergarn auf Gotland auf Strand gesetzt werden. Es hatte 21 Tote und 27 Verwundete, deren sich die schmedischen Behörden und Einwohner in menschenfreundlicher Weise annahmen. Der stellvertretende Chef des Admiralstabs: gez.: Behnke. * ** Der Verlust des„Albatros“ ist gewiß beklagens wert, sein Ende aver ehrenvoll. Hat er es doch im Kampfe gegen einen vierfach überlegenen Feind gefunden, dessen Uebermacht noch größer war, als seine Schiffe große Panzerkreuzer waren, während „Albatros“ nur ein Minenschiff war. Zwei Stunden hindurch konnte er im feindlichen Feuer sich halten, wobei er jedenfalls auch dem Gegner schweren Schaden zugefügt hat. Dann mußte er sich infolge zahl reicher Treffer zurucziehen und auf Strand laufen, um die Mannschaft, die sich wacker und tapfer gehalten, zu retten. 21 Heldenmatrosen haben bei dem Seegefecht den Tod fürs Vaterland gefunden, 27 andere sind ver wundet worden, der Rest, etwa 150 Mann, konnte dem entsprechend gerettet werden. Ehre dem Andenken der Gefallenen! Beachtenswert ist noch, daß die russischen Kriegsschiffe, die schwedischen Hoheitsrechte verletzt haben, indem sie innerhalb der schwedischen Hoheitsgewässer die Beschießung fortsetzten. Die schwe dischen Behörden und Einwohner verdienen ob ihrer menschenfreundlichen Haltung unsere Anerkennungen und unsern Dank. * S. M. S.„ouiros war ein Minenschiff. Es war am 13. Oktober 1907 vom Stapel gelaufen, hatte 2200 Tonnen Wasserverdrängung, eine Schnelligkeit von 10 Seemeilen, eine Bestückung von 8,8=Zentimeter=Schnell ladekanonen. eine Länge von 96. eine Breite von 11.5 und einen Tiefgang von 4,5 Meter, und eine Besatzung von 199 Mann. Gotland ist die südlichste Landschaft Schmedens, liegt zwischen dem eigentlichen Schweden, der Ostsee und dem Kattegat und bildet den fruchtbarsten Teil des Königs reichs. WTZ Stockbolm, 3. Juli. Nach allen hier einge troffenen Meldungen über die Seeschlacht an der Küste von Gotland kämpfte der„Albatros“ gegen die arone Uebermacht heldenmütig an. Schwer beschädigt, suchte das Schiff mit forcierter Fahrt unter lebhaftem Feuerwechsel mit den Verfolgern sich unter der Küste von Gotland in Sicherheit zu bringen, aber die Russen setzten, unbekümmert um das schwedische Seegebiet. die Beschietzung fort und fügten dem Schiffe nach Aussage deutscher Matrosen gerade auf dem neu tralen Seegebiete die schwersten Schäden zu. Die Granaten schlugen auf den Strand. so daß die schwedische Bedienungsmannschaft der Oestergarnfeuer hinter einem Berge Deckung suchen mußte. 100 Meter vom Strande lief das Schiff auf; es liegt dort mit starker Schlagseite, die deutsche Flagge im Tov auf Hintermast, während der Vordermast fortgeschossen war. Als das Schiff auflief, spielte die Musikkapelle an Bord die deutsche Nationalhymne. Die Besatzung brachte Hurrarufe aus, froh, der russischen Gefangenschaft entronnen zu sein. Das Schiff bot einen schaurigen Anblick mit seinen Toten und Verwundeten. Eine Granate war im Operationsraum des Schiffes geplatzt, wobei zehn Verwundete getötet wurden. Der Schiffsarzt wurde tödlich verletzt. Von allen Seiten strömte die Bevölkerung herbei, um nach Möglichkeit zu helfen. Es war rührend, zu sehen, wie die alten Fischerfrauen die ungewohnten Krankendienste zu leisten versuchten. Dann kamen Aerzte und Pflegerinnen, in Kraftwagen. Trotz der furchtbaren Verletzungen hörte man keinen Schmerzenslaut. Still und ruhig, mit Zigarren oder Zigaretten im Munde, so warteten die Verwundeten, bis die Reihe an sie kam. In Roma, wohin die Verwundeten geführt wurden, fanden sie sorgfältige Pflege. Am Mittag wurde an Bord des„Albatros“ eine kurze Totenfeier abgehalten, dann entließ der Kommandant die Besatzung. Hurras erklangen auf Deutschland und den Deutschen Kaiser, worauf die deutsche Flagge gestrichen wurde. In Fischerbooten wurden die Toten, in deutsche Kriegsflaggen gehüllt, an Land gebracht und am Abend unter militärischen Ehren auf dem Friedhofe bei gesetzt. Der Kommandant ersuchte die Behörden. Schiff und Besatzung zu internieren, worauf sofort in Roma ein Internierungslager eingerichtet wurde. Dort hin sind heute die 190 Ueberlebenden von der Besatzung übergeführt worden. Sieben Offiziere sind bei Familien des Ortes einquartiert. WII Stockholm, 3. Juli. Aus Anlaß der Tatsache, daß ein deutsches Kriegsschiff von russischen innerhalb der schwedischen Zone bei Oestergarn auf Gotland beschossen worden, ist der schwedische Gesandte in Peters burg beauftragt worden, gegen diese Verletzung des schwedischen Territoriums und dadurch auch der schwedischen Neutralität zu protestieren. Der Militärkommandant von Gotland und der Obernräsident berichten, daß Maßnahmen zur Internierung des besagten Fahrzeuges, das bei Kuppen gestrandet ist, getroffen worden seien. Eine Division Torpedoboots zerstörer erhielt den Befehl, nach diesem Orte abzugehen. * Russischer Bericht zur Seeschlacht bei Gotland. IV'IB Petersburg, 3. Juli. Meldung der Petersburger Telegraphen=Agentur. Heute früh trafen auf der Höhe des Leuchtturms Oestergarn auf dem östlichen Ufer der Insel Gotland unsere Kreuzer im Nebel zwei feindliche kleine Kreuzer nebst Torpedobooten und eröffneten ein Gefecht. Um 9 Uhr vormittags strich der eine der deutschen Kreuzer, der beschädigt war, seine Flagge(Das ist selbstverständlich erlogen. D. Red.) und wandte sich zur Küste. Die feindlichen Kreuzer entfernten sich mit den Torpedobooten. Um 10 Uhr traf unser Geschwader auf den Kreuzer„Noon“, einen leichten Kreuzer und ein Torvedoboot. und der Kampf begann von neuem. Um 10“ Uhr begann der Feind sich in südlicher Richtung zu entfernen. Während seines Rückzuges wurde der Feind, dem sich noch ein kleiner Kreuzer angeschlossen hatte, von unserm Kreuzer „Nuri!“ angegriffen und flüchtete. Um 11½ Uhr stellte „Rurik“, die Verfolgung ein. Nach dem Kampf wurde unser Geschwader durch Unterseeboote erfolglos an gegriffen. Die Beschädigungen unserer Kreuzer sind absolut unbedeutend. Die englische Munitionsbill angenommen. WTR London, 3. Juli. Das Oberhaus nahm die Munitionsbill in allen Lesungen an.— Lord Curzon teilte mit, daß sich in der letzten Woche 46000 Mann für die neue Munitionsarmee meldeten. Die Stimmung gegen die Engländer. bb Berlin, 3. Juli. Aus Kairo ist, wie die„Voss. Zeitung“ meldet, auf Umwegen an eine hohe Persönlichkeit in Konstantinovel ein Bericht gelangt, wonach die Engländer allen Grund hätten, wegen der Stimmung der Bevölkerung besorgt zu sein. Meuterei von Truppen in Indien. bb Konstantinovel, 3. Juli. Nach neuen Meldungen aus Indien wächst dort die Bewegung gegen England. In Lahore haben neuerdings indische Truppen sich der Ueberführung nach Europa widersetzt. Sie haben ihre Offiziere ermordet, sind aus den Kasernen ausgebrochen und in die Provinz entkommen, wo zahlreiche Regierungsbeamte getötet wurden. Die englische Negierung ist vergeblich bemüht, die Militärkrawalle zu unterdrücken und das Volk an englische Siege glauben zu machen, indem sie die deutschen Siege als Lügenberichte deutscher Svione hinstellt. W73 London, 3. Juli. Das Reutersche Bureau meldet: Die indische Regierung teilt mit, daß zwei indische Soldaten Amok liefen, drei Offiziere und einen Unteroffizier töteten und einen Offizier und einen Unteroffizier verwundeten. Sie wurden von Leuten des eigenen Regiments unter Führung zweier englischer Offiziere niedergeschossen. Beide Amokläufer waren krankhaft veranlagt, Amtlicher türkischer Bericht. IVTB Konstantinovel. 3. Juli. Das Große Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Ari Burnu ereignete sich im Laufe des 30. Juni bis 1. Juli nichts von Belang. Drei große Schiffe des Feindes näherten sich diesem Gebiete und schifften beständig mit Hilse von Schaluppen und Barkassen Verwundete ein. Obwohl diese Fahrzeuge keinerlei Abzeichen als Hospitalschiffe trugen, feuerten wir nicht auf sie. Im Süden bei Seddul Bahr sind die nach großen Vorbereitungen seit drei Tagen unternommenen seindlichen Angriffe dank des tapferen Widerstandes unserer Truppen vollständig zusammengebrochen. Der Feind wurde unter erneuten beträchtlichen Verlusten in seine alten Stellungen zurückgeworfen. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli und am 1. Juli dauerten aus dem linken Flügel dieses Gebietes die Grabenkämpfe ohne Bedeutung an. Am 1. Juli abends eröffneten unsere bis an die Meerenge vorgeschobenen Batterien ein überraschendes Feuer auf das feindliche Lager, erzielten einen großen Erfolg und brachten die feindliche Batterie zum Schweigen, außerdem zerstörte ein guter Treffer eine seindliche Haubitze und tötete eine große Zahl Soldaten und Tiere, die sich in der Umgebung der Haubitze besanden. Auf den anderen Fronten nichts von Bedeutung. Kriegmit Italien. Italien sträubt sich. bb Berlin, 3. Juli. Die Verhandlungen des Vier verbandes über die Teilnahme Italiens an der Tardaneilenaktion stockt angeblich, weil Italien als Lohn den Besitz von ganz Albanien fordert. Salandra mahnt zur Geduld. bb Lugano, 3. Juli. Salandra empfing bei seiner Anwesenheit an der Front eine politische Abordnung von Friole. Er ermahnte sie, die öffentliche Meinung darauf vorzubereiten, daß viel Geduld notig sei, vor allzu großer Neugierde zu warnen und vertrauens voll auf den Ausgang des Krieges zu hoffen, der zwar lange dauern könne, aber siegreich enden werde. Einberusung des Ministerrats. WTI Turin, 3. Juli. Nach einer Meldung der „Stampa“ aus Rom wird der Ministerrat demnächst einberufen werden und wichtige Fragen er örtern. Salandra. der gestern früh in Rom ein getroffen ist, wird über seine Besprechungen mit dem König und über seinen Besuch an der Front eingehend Bericht erstatten. Der Minister des Aeußern wird im Ministerrat eine sehr wichtige Erklärung abgeben. Das Verlangen nach Verlustlisten. * Von der italienischen Grenze, 3. Juli. Die Beunruhigung über die großen Verluste der letzten Von den Kriegsschauplätzen. Latapics Unterredlung mit dem Papst. * Aus der Schweiz, 3. Juli. Der„Osservatore Nomano“ antwortet auf die Entgegnung der„Liberté“ betr. die Unterredung Latavics mit dem Papste: Die Angaben Latavics seien vom Staatssekretär erschöpfend widerlegt. Die„Liberté“ erkläre, sie sei erfreut über das erzielte Ergebnis ihres Mitarbeiters, der die Unter redung völlig korrett wiedergegeben habe. Tatsächlich können wir nichts Korrektes darin finden, Gedanken des Heiligen Vaters völlig zu erfinden und zu entstellen, wie dies Latavic tat, obwohl er dem Staatssekretär versprochen habe, nichts zu veröffentlichen ohne vorberige Ermächtigung. Es sei die Meinung geäußert worden, die„Liberté“ habe einen inhaltlich falschen Bericht dazu verwandt. um die divlomatische Verbindung zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl wiederherzustellen. Es sei aber eine verwerfliche Manier, mittelst guter Intentionen einen ruchlosen Endzweck zu verschleiern, nämlich Unfrieden zwischen den französischen Katholiken und dem Heiligen Stuhl zu säen. Eine positive Tat sache bleibt bestehen, nämlich der Mißbrauch Latavics mit einer Unterredung mit dem Papst, die nur bewilligt worden sei auf Grund des vorerwähnten Versorechens Der König von Bayern, Generalfeldmarschall der preußischen Armee. * München, 3. Juli. Die„Bayerische Staatszeitung“ schreibt in einer Mitteilung über die Rückkebr König Ludwigs von der Ostfront: „Sodann besuchte der König den Deutschen Kaiser. welcher ihn auf das herzlichste empfing und unter warmen Worten über die trefflichen Leistungen der bayerischen Truppen und ihrer Führer zum Ausdrucke brachte, wie es ihm eine besondere Freude bereiten wurde, wenn der Konig den Rang eines Generalfeldmarschalls der preußischen Armee annehmen wollte. Seine Majestät der König entsorach diesem Wunsche hocherfreut über die Ebrung, die vierdurch seiner Persoy und den Truppen zuteil wurde.“ Dixmuiden von neuem beschossen. bh Genf, 3. Juli. Alle wichtigen seindlichen Stellungen der weiteren Umgebung von Dirmniden sind vorgestern einer mehrstündigen Beschießung durch die Deutschen ausgesetzt gewesen, deren starke Wirkung sich gestern in umfassenden Rückwärtskonzentrierungen der Engländer und Belgier kundgab. Besonders gute Treffer wurden südlich der Jacqueskavelle und in der nächsten Umgebung der seinerzeit viel genannten Stützpunkte Maison des Pasteurs erzielt. Der amtliche französische Bericht. WIR Paris. 3. Juli. Amtlicher Bericht von gestern nachmittag. Während der ganzen Nacht an vielen Stellen der Front lebhafte Kanonade, besonders im Gebiet von Woesten nordwestlich Anern. Souchez und Verneuil nördlich der Aisne. Nach heftigem fortgesetzten Bombardement fand gegen zwei Uhr ein Angriff seindlicher Grenadiere gegen unsere Stellzingen auf dem Wege Ablain= Angres norolim der Straße Bethune statt Dieser Angriff scheiterte vollständig. In der Nähe von Boiselle zerstörte eine unserer Minen die vorge schobenen Arbeiten der feindlichen Organisation. In den Argonnen dauerte der Kampf sehr heftig fort. Der Angriff wurde mittels großer Minenwerser, welche Ernickungsgeschosse schleuderten, unternommen. Dieser An griff wurde gleichfalls zurückgewiesen. Ebenso lief die Meldung von einem feindlichen Versuch am Quart=en Neferve(Priesterwald) ein, dem eine heftige Artillerie vorbereitung vorausgegangen war. Der Versuch wurde durch unser Insanteriefeuer zurückgewiesen. Amtlicher Bericht von gestern abend: Auf der ganzen ront von der Vser bis zu den Argonnen meldet man nur Artilleriekampf. Besonders im Gebiete von Quennevieres bis zu den Argonnen unternahm der Feind nach sehr heftigem Bombardement heute früb einen allgemeinen Angriff zwischen der Straße Binarville Blanteuil. Nach besonders erbittertem Kampfe. der an verschie denen Stellen bis zum Handgemenge ging. wurden alle uusere Stellungen behauptet. Gestern abend unternahmen die Deutschen nach einer äußerst heitigen Artillerievorbereitung eine Reihe von Angrissen gegen Die Schwelz wahrt streng Ihre Neutralltät. * Von der schweizerischen Grenze. 3. Juli. Nach einem Privattelegramm der„Basler Nachrichten“ aus Bern ist die seit Monatsfrist schwebende Angelegenheit neuer bundesratlicher Vorschriften zur Wahrung der Neutralität in der Freitägssitzung vom Bundesrat erledigt worden. Der Bundesrat hat eine Verordnung über die Beschimpfung fremder Völker, Staatsoberhäupter oder Regierungen genehmigt. Sie besagt im wesentlichen: Artikel 1. Wer öffentlich in Wort oder Schrift oder Darstellung ein fremdes Volk. dessen Staatsoberhaupt oder dessen Regierung in der öffentlichen Meinung herabwürdigt oder dem Haß oder der Mißachtung preisgibt. wer eine nicht öffentliche Aeußerung dieses Inhalts in beleidigender Absicht öffentlich macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 5000 Franken bestraft. Beide Strafen können verbunden werden. Artikel 2. Wer Drucksachen. Bilder oder andere Darstellungen, die solche Beschimpfungen gegenüber einem fremden Volke. dessen Staatsoberhaupt oder dessen Re zierung enthalten, herstellt. in Verkehr bringt oder feilhält, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder Geldstrafe bis zu 3000 Franken bestraft. Beide Strafen können verbunden werden. Ein weiterer Artikel 4 der Verordnung besagt: Die Strafverfolgung findet nur auf Beschluß des Bundesrats statt. Die Aburteilung erfolgt durch das Bundesstrafgericht. Bisher war nach Bundesstrafrecht ein Strafantrag der verletzten ausländischen Instanzen notwendig. In Zukunft wird dagegen das einschlägige Vergehen im Interesse der Schweiz selbst als Offizial=Delikt verfolgt, und zwar nur auf Antrag des Bundesrats. Die ganze Lösung zeigt das Bestreben des Bundesrats, für die Pretzdelikte den normalen Prozeßweg wieder herzustellen. Der Bundesrat erwartet, daß die von ihm getroffene Lösung der Angelegenheit von der Presse aller Landesteile in Anerkennung der Motive als logische Konsequenz der Lage des Landes mit Verständnis aufgenommen wird. Die dänische Neutralltät. Berlin, 3. Juli. Wie„Politiken“ vom 29. Juni meldet, sagte der Minister Hassing Jörgensen in einer Festrede gelegentlich der Versammlung der radikalen Linken: Die dänische Neutralität ist keine abwartende Neutralitar: um ganz deutlich zu sprechen: Wir sind keine Balkanstaaten. Unser unwandelbarer Wille ist es, neutral zu bleiben, nicht nur während des jetzigen Zeitpunktes, sondern unabhängig davon, zu wessen Gunsten der Krieg sich wendet. Die Ueberseepolitik Dänemarks ist von großer Bedeutung und diejenigen Parteileute, welche sie stets verdächtinen, sind Vaterlandsverräter. Das nüchtern abwägende Bulgarten. bi. Rotterdam. 3. Juli. Nach Zeitungsberichten antwortete, laut„Lokalanz.“, der bulgarische Minister Radoslawow auf die Angebote der Ententemachte mit einer Note, die ein divlomatisches Meisterstück ist. Er gab zu erkennen, daß die Entente über ein Gebiet ver füge, welches andern gebört. Wenn Bulgarien jenes Gebiet erst erobern müßte, so könne es dies, ohne sich dritten gegenüber zu verpflichten, auf eigene Jaust tun. Bulgarien lege auf eine Gebietsvergronerung in öftlicher wichtung nur geringen Wert und wolle sich dadurch keines falle mit den Türken entzweien, weil Bulgarten meint, es könne eine derartige Grenzregelung durch Verdand chen en lungen mit der Türkei auch auf friedlichem Wege erhalten Saloniki wolle Bulgarten gern aus den Händen der Entente zurückerhalten, aber es bestebe auf dem Besitz Monastirs, welches zu dem bulgarischen Mazedonien geböre. Der besonnene und nüchterne Teil der Bevölkerung heiße die Regierungspolitik des Abwartens gut. * Von der schweizerischen Grenze, 3. Juli. Nach schweizerischen Blättern bezeichnet die gesamte bulgarische Presse das Eindringen Serbiens in Albanien als eine Verletzung des Statusquo nach dem Bukarester Vertrag, der somit binfällig werde. Auch die Krlegspartel In Rumänlen für Neutralltät. bb Bukarest, 3. Juli. Der rumanische Kammerpräsident Ferikyde erklärt in dem Blatte „Akciunea“. Numäniens Eingreifen in den Krieg sei ausgeschlossen. Er hoffe, Bratianu könne neutral bleiben. Ferykide war bisher Mitglied der Kriegspartei. Antijapanische Strömungen In China. * Jürich, 3. Juli. Petersburger Berichten zufolge nimmt in China die Bewegung gegen Javan größere Ausdehnung an. An der Grenze von Korea seien Unruhen ausgebrochen, die antijapanischen Charakter trügen. Telegraphenleitungen wurden zerstört. An den Unruhen nähmen auch Korcaner teil. Gewisse Beunruhigung schafften Japan die militärischen Vorbereitungen Chinas. Neue japanische Truppen würden für Korea bereitgestellt. In der Mandschurei sei der Bestand an japanischen Truppen verstärkt worden. Das chinesische Marineministerium habe ein Programm für die Schaffung einer Kriegsflotte und von Kriegshäfen ausgearbeitet, das unverzüglich ausgeführt werden solle. Juanschikai habe die Pläne gutgeheißen. füllung der darin gegebenen Versprechen zu verbindern Der Großfürst aber wird dafür sorgen, daß sein Wort eingelöst wird. Er liebt die Polen und weiß, was sie geleistet haben. Schade, daß er keine Kinder hat— seinem Sohne die Krone Polens anzubieten, wäre die beste Lösung der polnischen Frage gewesen. Hat man doch bei seinem Besuch in Warschau manchmal gerufen: „Es lebe der König!“ Ein Liberaler meinte, der Großfürst sei nicht gerade liberal gesinnt, aber ein ehrlicher Mensch mit offenem Blick. Er würde im Innern mit eisernem Besen aussegen, um uns von der Bureaukratie zu befreien. Ich zweifle, daß er sich nach dem Kriege mit Politik beschäftigen wird, aber er ist„der Mann in Rußland", auf dessen Stern ein jeder vertraut. Die Offiziere sind sehr optimistisch. Rußland hat noch nicht den fünften Teil seiner Leute ins Feld geschickt. Die Mehrzahl der dienstfähigen Männer ist noch zu Hause, Millionen von Soldaten sind noch da. Freilich muß man sie noch ausbilden und ausrüsten. Das braucht Zeit. aber die Russen haben es nicht so eilig. Die Offiziere sagen:„In zehn Monaten werden die deutschen Reserven erschöpft sein und wir werden dann erst richtig anfangen! Unser Menschenmaterial ist uner schöpflich und wir können den Krieg noch zwei oder drei Jahre weiterführen, ohne irgendwie in Verlegenheit zu geraten, während Deutschland in seinen Mitteln beschränkt ist.“ erreichte über Görlitz—Dresden—Leipzia fliegend das Gewißheit sagen, daß unsere Kriegstransvorte durchweg Gut seines Vaters gegen 7 Uhr abends. Am nächsten mit gestoblenem Gute beladen waren. Ich bin vollkommen Morgen bestiegen die beiden Flieger ihre Maschine wieder überzeugt, daß eine derartige Kriegsorganiund flogen nach Johannisthal weiter, wo sie in=slation keine tüchtige sein kann. Der Sieg der folge günstigen Rückenwindes schon nach einer Stunde deutschen Waffen über die Russen ist bestimmt vorausDie Montenegriner in Albanien. W'TB Rom, 3. Juli.„Giornale d'Italia“ meldet aus Skutari: Das montenegrinische Militärgouvernemen: von Skutari entwaffnete die Einwohnerschaft. Die österreichisch=ungarischen Untertanen wurden in ein Sonderregister eingetragen. Die öffentlichen Bureaus sind bereits in Tätigkeit. Der österreichisch=ungarische Konsul und Vizekonsul reisten gestern ab. Drei Tage fanden Feiern in den Kirchen und Moscheen statt. Die Notabeln, der Klerus und die Beamten richteten eine Huldigungsadresse an das Herrscherhaus. Es wird gemeldet, daß die Serben den Vormarsch gegen Mittelalbanien in Richtung Alessio wieder ausgenommen haben, wo die Grenze der serbisch=montenegrinischen Provinzen in Albanien sein sollen. 11 vom Die Zwangsmaßnahmen gegen Russen in Frankreich. WTB Paris, 3. Juli. Wie der„Temps“ meldet, hat die Liga für Menschenrechte gegen die Zwangsmaßnahmen gegenüber den russischen„Flüchtlingen in Frankreich bei der französischen Regierung Einspruch erhoben. Sie hofft, daß diejenigen, die sich bereit erklärt haben, in der französischen Armee Dienst zu tun, nicht der Fremden legion, sondern der regulären Armee zugeteilt werden. Die„Humanite“, die sich ebenfalls mit der Frage der russischen Flüchtlinge beschäftigt, spielt in diesem Zusammenhange auf gewisse traurige Zwischenfälle an, die infolge der schlechten Behandlung der russischen Freiwilligen in der Fremdenlegion vorgekommen sind. Deutsches Vandervelde gegen den sozialdemokratischen Parteivorstand in Deutschland. Der belgische Sozialistenführer und Staatsminister Vandervelde wendet sich in der Pariser„Humanité“ gegen einen Artikel des Reichstagsabgeordneten Scheidemann. der ihm, wie er schreibt, noch nicht im Original, sondern aus einem Auszug der„Vossischen Zeitung" bekannt geworden ist. Hier sei aus der Erwiderung Vanderveldes nur die Versicherung erwähnt: „So lange sich noch ein deutscher Soldat auf dem Boden des vergewaltigten Belaiens und des besetzten Frankreichs befindet, werden wir uns die Ohren verstopfen, wenn man uns von einer gemeinsamen Friedensaktion sprechen will. Das ist die Antwort auf den„Friedensaufruf" des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie, der mit dem Ausdruck der Erwartung schließt, daß die Sozialdemokraten in den anderen kriegführenden Ländern gleich falls im Sinne des Friedens auf ihre Regierungen einwirken werden. Kleine Meldungen. Künstlerische Darbietungen für unsere Feldgrauen. bh Berlin, 3. Juli. Die hervorragendsten Mitglieder der Königlichen Hoftheater zu Berlin, Dresden, München und Stuttgart werden laut„Lokalanzeiger“ mit Erlaubnis ihrer Generalintendanten eine Gastspielreise durch die deutsch=belgischen Lande unternehmen, um unseren Helden draußen Stunden der Freude und Erbauung durch die Kunst zu bereiten. Verschickung von Deutschen und Oesterreichern Rußland. * Berlin, 3. Juli. In der„Nowoie Wremio“ 17. Juni wird in einer„Unter den Deutschen" betitelten Korrespondenz aus Kologriw berichtet, daß etwa 100 000 deutsche und österreichische friedliche Untertanen in die nordöstlichen Gouvernements geschafft worden seien. Nach Kologriw und den benachbarten, etwa 60—90 Werst entfernten Städten, seien besonders deutsche und österreichische Untertanen aus den baltischen Provinzen verschickt worden. Nach Kologriw sind etwa 350—400 Personen verbannt, darunter viele Direktoren und Mechaniker aus den Fabriken Rigas und Libaus, z. B. fast das ganze Personal der Firma Prowodnik. In Kologriw sind infolgedessen die Mieten und die Lebensmittelvreise um das Vielfache gestiegen. Die Deutschen hätten die besten Quartiere in der Stadt und gute Bedienung, lebten in großem Komfort, erhielten aus Riga deutsche Zeitungen und eine Menge Briefe, unterhielten sich auf der Straße in deutscher Sprache und gäben ihrer Ueberzeugung, daß Deutschland siegen müsse, offenen Ausdruck. Nach dem Frieden müßten alle diese Leute in ihr Vaterland befördert werden. Plünderung des erzbischöflichen Palais in Lemberg durch die Russen. bb Berlin, 3. Juli. Aus Lemberg wird der„Deutschen Tageszeitung“ berichtet, daß die Russen vor ihrem Abmarsch das erzbischöfliche Residenzgebäude ausplünderten und verwüsteten, alles Wertvolle schlevpten sie fort und auch das Ukrainer Nationalmuseum mit seiner wertvollen Bücherei wurde weggebracht. Den Museums direktor und die anderen Beamten verhafteten sie und führten sie nach Rußland Auf 20 Belgier und Franzosen nur ein Engländer. bb Berlin, 3. Juni.(Privattelegr.) Nach „Deutschen Tageszeitung" stellt das in Amsterdam er scheinende. von Havre aus inspirierte„Echo Belge“ fest, daß gegenwärtig, 11 Monate nach dem Kriegsausbruch, auf 20 im Felde stehende Belgier und Franzosen bloß ein einziger Engländer kommt. Noch ein verurteilter Bur. WTZ Blömsontein, 3. Juli. Das Reutersche Bureau meldet: Der Bur van Rendsburg ist wegen Hoch verrates zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre uno zu 500 Pfund Geldstrafe verurteilt worden. und fünf Minuten anlangten. Leutnant v. Trotha hat also für die ganze 1050 Kilometer lange Strecke nur eine reine Flugzeit von 9 Stunden 50 Minuten benötigt. Von Johannisthal aus wollen die beiden Offiziere wieder in direktem Fluge nach Lemberg zurückkehren. Feuersbrust äscherte 30 Wohnbäuser mit * Königsberg, 3. Juli. Durch einen Blitzschlag geriet ein Tank der Ostelbischen Spritwerk= in Brand. Rund eine Million Liter Spiritus sind ausgebrant. * Löbau, 3. Juli. Eine in Rosenthal(Kreis Löbau) Ställen und Scheunen ein X Kassel, 5. Juli. Mit Vorbehalt der staatlichen Genehmigung ist hier eine Stiftung errichtet worden, die den Namen„Heilstätte Lindenbera, KrüppelHeil= und Lehranstalt zu Kassel“ führen wird. Sie verfolgt den gemeinnützigen Zweck, Krüppel, und zwar in erster Linie Kriegsbeschädigte, zu heilen, zu pflegen, sie auch für ihren früheren oder einen ver wandten oder gänzlich neuen Beruf auszubilden. * München, 3. Juli. Der in München studierende 24jährige Mediziner Kumbst, Sohn eines Lehrers in Magdeburg, ist beim Besteigen der Riffelsvitze 200 Meter tief avgestürzt. Seine Leiche konnte nach den Angaben eines Freundes, der ihn begleitete, geborgen werden. * Metz, 3. Juli. Vor anderthalb Jahren verschwand das„Kindermädchen“ eines reichen Mühlenbesitzers in Men mit dessen dreijährigem Sohn unter Mitnahme von Wertsachen im Werte von 50000 Mark. Der kleine Knabe wurde bald wieder in einer Konditorei von Mainz aufgefunden, das Kindermädchen blieb ver schwunden. Aus verschiedenen Anzeichen konnte geschlossen werden, daß das angebliche„Kinderfräulein" diese Maske nur gewählt hatte, um seinen wohlüberlegten Raubzug auszuführen. Jetzt wurde aus einem englischen Konzentrationslager eine junge Dame abgeschoben, die von der holländischen Polizei bald als das steckbrieflich verfolgte Kinderfräulein aus Metz erkannt wurde. Sie war nach jenem Diebstahl nach England gefloben und hatte sich dort bis jetzt verborgen gehalten. Die Ueberreste ihrer Beute batten ihr die Engländer abge nommen. Ein Fremdenlegionär mit dem Eisernen Kreuz. * Breslau, 3. Juli. Im Reservelazarett des Friedenhorts in Miechowitz, Oberschlesien, stellte der leitende Arzt Dr. Pick bei einem Verwundeten eines Kasseler Regiments am ganzen Oberkörper zahlreiche französische Tätowierungen fest. Nach ihrem Ursprung befragt, wollte der Soldat zunächst nicht mit der Sprache heraus, dann erzählte er aber, daß er fünf Jahre in der franzosischen Fremdenlegion gedient habe. Als junger Schlossergeselle war er auf der Wanderschaft auch nach Nancy gekommen, wo er sich von Werbern der Legion überreden ließ und bald darauf nach Algier abdampfte. Dort ist er aber bitter enttäuscht worden. Seine wiederholten Fluchtversuche sind jedesmal ver eitelt worden und haben schwere Bestrafungen zur Folge gehabt. Nachdem der fünfjährige Vertrag abgelaufen war, hat er sich sofort, nach der Heimat zurückgekehrt, zur Ableistung seiner Heerespflicht in das Infanterieregiment v. Wittich in Kassel einstellen lassen und ist mit diesem in den Krieg gezogen. Schon nach den ersten Ge fechten in Belgien ist er im August v. J. mit dem Eiser nen Kreuz ausgezeichnet worden. In der letzten Zeit der hat er auf dem östlichen Kriegsschauplatz gekämpft und ist dabei verwundet worden. Revolveranschlag auf Morgan. I1·71 London, 4. Juli.(Telegr., 1 Uhr nachts.) Das Reutersche Bureau meldet aus Neuyork: Ein Mann ver zusehen. Ich führe sogar einige Namen von Leuten an, die durch Teilnahme an der Plünderung und den Gewalttätigkeiten ihr Gewissen befleckt haben. Der Kommandant der Stadt Suwalki, Rittmeister Galubek(Halubeck), beförderte die geplünderten Gegenstände ins Innere Rußlands. General von Paulin=Rosenschild, General Omolianowitsch und der Chef der 2. Brigade der 57. Division, sowie die Kommandeure des 225. und des 226. Infanterieregiments befahlen, die bewohnten Dörfer zu verbrennen, mitunter auch, keine Gefangenen zu machen. Ich habe nichts dagegen, wenn das Obenerwähnte der deutschen Behörde zur Kenntnis gelangt, denn abgesehen von den Schrecken des Krieges, ist die Zerstörung von Wohnungen und des Vermögens von friedlichen Bewohnern ein großes Verbrechen. Ich bitte den Herrn Kommandanten, das Schreiben den russischen gefangenen Offizieren vorläufig nicht zur Kenntnis zu bringen. Leutnant S. J. * Zur Torpedierung der englischen Schiffe„Scotish Monarch",„Caucasian“ und„Inglemoor“. WTB London, 3. Juli.(Telegr.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein Fischdampfer aus Crimsby landete bei St. Ires die Leichen des ersten Offiziers des „Scotisb Monarch“, eines Norwegers sowie einen russischen Zimmermann des Schiffes. Dieser erklärte, daß er mit 15 Mann Besatzung den Dampfer in einem Boot verließ und mit einem sehr rauhen Wetter zu kämpfen hatte. 14 Kameraden wurden über Bord gespült und ertranken. Der Norweger war den erhaltenen Verwundungen erlegen. Eine Erzählung des ersten Offiziers des„Caucasian“ meldet, daß der Dampfer versuchte, als das U=Boot auftauchte, zu entkommen, konnte nicht schnellen Dampf bekommen. Das U=Boot gab drei Schüsse ab und segte das Gangsvill weg. Der Kapitän, der ins Wasser gesprungen war, wurde von dem U=Boot ausgenommen. Dann kam der Dampfer „Inglemoor“ in Sicht und wollte den„Caucasian“ wegschleppen. Aber plötzlich erschien wieder ein U=Boot und versenkte die„Inglemoor". Dann verschwand es. * Ein französisches Kriegsgefangenenlager auf Corsica aufgelöst. WTB Genf, 3. Juli.(Telegr.) Die schweizerische De veschen=Agentur meldet: Das Kriegsgefangenenlager in Casabianda auf Corsica ist am 26. Juni aufgehoben. Die Gefangenen wurden nach Cervione auf Corsica gebracht. Briefe sind direkt nach Cervione, Pakete nach Gare Prunete Cervione zu adressieren. St. Vaast und La Hogue sind nur für Zivilgefangene bestimmt. Ein belgischer Dampfer versenkt. WTB London, 3. Juli.(Telegr., 1 Uhr nachts.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der belgische Dampfer „Bodnagnac“ ist bei den Scilly=Inseln versenk worden. 18 Mann der Besatzung wurden in Falmout gelandet.— * Der amtliche russische Bericht. WTB Petersburg, 4. Juli.(Telegr., 1 Uhr nachts.) Der Große Generalstab teilt mit: Im Laufe des 30. Juni wiesen wir nördlich von Krawnik und in der folgenden Nacht in der Gegend von Szawle und Ruzinsh örtliche Angriffe der Deutschen ab. Auf dem linken Ufer der Weichsel unternahm der Feind im Laufe des 1. Juli fruchtlose Angriffe auf der Front Sienno=Jozesow. In der Gegend von Lubin fanden sich die Feinde in Fühlung mit uns. Entlang den Flüssen bis zur Wisnica und zum Por zwischen dem Wievrz und dem Bug machte der Feind weitere Fortschritte in der Richtung nach Norden und Nordosten. Am 1. Juli fanden hartSoziales. übte einen Anschlag auf das Leben des Bankiers John näckige Nachhutgefechte nördlich von Zamoso statt. Ein T. Morgan. Er gab zwei Schüsse ab, die Morgan preußisches Garderegiment, das sich des Dorfes Aus der englischen Arbeiterbewegung. WTB London, 3. Juli. Die„Morningpost“ meldet aus Cardiff: Die Nachricht von der Entscheidung in der Kohlenindustrie ist so spät eingetroffen, daß etwa 50 Prozent der Arbeiter nicht zur Arbeit gerommen sind. Die Tatsache, daß nur eine Mehrheit von 123 zu 112 die Vorschläge der Regierung, und zwar Heute nur als Basis für weitere Verhandlungen angenommen hat, ist an sich bereits ein Beweis für den Ernst der Lage. Wenn die Arbeiterführer den Delegierten empfohlen hätten, diese Vorschläge als endgültige Vereinbarung für die Dauer des Krieges anzunehmen, so wären sie über timmt worden. Die Vorschläge der Regierung befriedigen weder die Arbeiter noch die Arbeitgeber. Provinzielles. = Bochum, 3. Avril. Hinter den Wagen eines Bäckers, der Brot in der Alsenstraße abgeliefert hatte, hing sich, diesem unbemerkt der vierjährige Sohn des Schreiners S. Wolfram an. Er stürzte dabei ab und war sofort tot. Der Kriegszustand auf dem Gemüsemarkt * Münster, 3. Juli. Eine recht drastische Lehre gab die Stadtverwatung in Münster den Markt= verkäufern und Gemüsehändlern, indem sie gestern einen Verkauf von Gemüsen wie Mohrrüben, Blumenkohl, dicke Bohnen, Salat usw. zu angemessenen Preisen veran staltete. Weder Wehrufe des„Volkes" noch Protestnoten in den Zeitungen, die die Jahre hindurch wieder und wieder erhoben werden, haben vermocht, die Herzen der Obst= und Gemüseverkäufer in Münster zu rühren, und sie eine andere Nutzenberechnung als mit 99 Prozent Aufschlag zu lehren. Gestern kosteten die großen Bohnen auf dem Markte 14 bis 15 Pfg. das Pfund konnte man sie an der städtischen Verkaufsstelle trafen. Eine Kugel ging durch den Arm und durch hohrte die Brust, die zweite ging durch den Schenkel. Der Täter wurde verhaftet. Die Behörden erklären, der Mann habe sich abends vorher im Hause Morgans verborgen. Heitere Ecke. Boshaft.„... Sagen Sie einmal, was ist eigentlich schlimmer: Granate oder Schrapnell?"—„Ach, Gnä digste, schlimm sind beide, gefährlicher an sich von Natur die Granate— ist sie doch weiblichen Geschlechts!“ Inkow bemächtigt hatte, wurde durch einen Gegenangriff vernichtet. An der Front Sokas=Halicz unternahm der Feind am 30. Juni und am Vormittag des 1. Juli zahlreiche Angriffe, von denen wir den größten Teil abwiesen, indem wir dem Feinde schwere Verluste zufügten. Im Laufe unserer Gegenangriffe machten wir über 2000 Gefangene und nahmen mehrere Maschinengewehre. Indes gelang es südlich von Rohayn trächtlichen feindlichen Streitkräften, gegen Abend de### 1 Juli, sich auf dem linken Ufer des Gnila=Liva zu halten. Am Duiestr hat sich nichts ereignet. Der Großfürst Uikolaus und seine Offiziere. Die„Indévendance Roumaine“ vom 25. Juni bringt die folgende, zuerst dem„Journal de Geneve“ aus vorübergehenden Warschau zugegangene Schilderung der Persönlichkeit des russischen Generalissimus: Der Großfürst Nikolaus genießt in Rußland eine ungeheure Sympathie. Das russische Volk spricht mit einer gewissen Genugtuung davon, wie er die hohen Würdenträger ohrfeigt und malt sich aus, wie diese in gebückter Haltung und mit geschwollenen Backen, die schmerzenden Körverteile mit der Hand bedeckend, das Zelt des Großfürsten verlassen. Jedermann ist von seiner Ehrlichkeit und Hingabe über zeugt, deswegen werden seine Derbheiten mit in den Kauf genommen. Sein Haß gegen die Russen deutscher Herkunft ist eine Manie, und er ist der geistige Urheber des Presse krieges, welchen die„Nowoje Wremja“ gegen diese Russen führt. Deswegen hat er auch in Hoskreisen er bitterte Feinde, darunter die Kaiserin. Es geht die Sage, der Großfürst habe zu seinem kaiserlichen Neffen unlängst gesagt:„Mir meinen Deutschen werde ich schon fertig werden; wenn nur Du bei Hofe mit den Deinigen auch fertig werden könntest!" In der Armee ist der Großfürst gleichzeitig beliebt und gefürchtet. Er verlangt viel von seinen Offizieren und arbeitet selbst unermüdlich. Er besitzt große stra tegische Talente und leitet den ganzen Krieg völlig selbst ständig; drei Generale— für jeden Kriegsschauplatz einer— haben seine Befehle auszuführen. für genau die Hälfte, zu 7 Pfg. erstehen. Der Ueberfall auf die Händler geschah kriegsmäßig plötzlich. Ohne jedwede vorherige Andeutung brachten die hiesigen Morgenblätter die Anzeige der Stadtverwaltung, daß von 10 Uhr al ein Gemüseverkauf auf dem Platze hinter dem Nathause stattfinden würde.„Die Stadt habe sich zu dieser Maßnahme veranlaßt gesehen, weil die Preise für ausländische Gemüse hier in Münster im Vergleich zu anderen Städten, auf dem Markte sehr boch seien“. Schon vor der Zeit drängte es sich mit Markttaschen und=Körben, daß um 10 Uhr kein Durchkommen mehr war. Auf dem Markte machte man natürlich lange Ge sichter, ballte die Faust in der Tasche und belehrte die Hausfrauen, daß das von der Stadt verkaufte Gemüse minderwertig und halb verdorben sei. Aber im Gegenteil. die Ware war tadellos und muntergültig für den Marktverkauf. Daß sich die Abgabe an die unzähligen Käufer nur langsam vollziehen konnte, darf nicht betrü en; es wird sich auch hierin Besserung schaffen lassen. Aus dem Kreise der Wartenden wurde bereits der Vorschlag gemacht, die Frauen, die jetzt von der Stadt Kriegsunterstützung erhalten, zur Hülfe bei dem Verkauf heranzuziehen, und wir sind überzeugt, daß sich viele unter diesen finden, die freudig zum Wohle ihrer Mitschwestern und des Ganzen ein solches Ehren amt übernehmen werden. Die Explosion der Munitionsfabrik in Marseille. NIB Paris, 4. Juli.(Telegr., 2 Uhr nachts.)„Agence Havas“ meldet aus Marseille: Die Zahl der Toten bei der Explosion der pyrotechnischen Wertstatt in Marseille betrug bisher 37. Mehrere Verletzte befinden sich in Lebensgefahr.— Hierzu erfahrt„Nouvelliste de Lyon“, daß die Explosion um 4½ Uhr morgens stattfand. Elwa 20 kleine Gebäude der Fabrik stunden sofort in des italienischen Segelschiffes„San Domene“ durch hellen Flammen, und verursachten mehrere Brände im ein deutsches Unterseeboot melden die römischen Blätter[Stadtviertel. Mehrere Nachbarhäuser wurden einfolgende Einzelheiten: Das Schiff, das 2000 Tonnen geäschert. Im ganzen Umkreis sind die Fenster zerWasserverdrängung hatte, war mit einer Holzladung von(sprungen. Mehrere hundert Meter von der Explosion Australien nach Gareton bei Livervool unterwegs. Die entfernt, fand man Stücke menschlicher Körver, ungeheure Das erste italienische Opfer deutscher Unterseeboote. WTR Lugano, 3. Juli.(Telegr.) Zur Versenkung Toryedicrung erfolgte in den irischen Gewässern. Der Kavitän und 6 Mann sind untergegangen. Neun Mann wurden gerettet.„San Domene“ ist das erste italienische Schiff, das deutschen Unterseebooten zum Opfer gefallen ist Blocks und Eisensplitter. In den benachbarten Gärten brannten Bäume an. Vor der Explosion war eine Menge von Leuchtraketen an die Militärverwaltung abgeliefert worden. Ohne diesen glücklichen Umstand hätte die Explosion unabsehbare Folgen gehabt. Die Aufregung in Marseille ist ungeheuer. Die Fabrik liegt mitten in der Stadt. Von der Tuftfahrt. Lemberg—Berlin in 9 Stunden 50 Minuten. * Halle a. d. S., 3. Juli. Die ausgezeichnete Flugleistung des Leutnants v. Trotha. die wir bereits kurz meldeten, ist folgendermaßen zustande gekommen: Leut nant v. Trotha, der bei einer Fliegerabteilung bei Nawa Ruska stand, hatte Urlaub erhalten, der jedoch nicht allzu ausgedehnt war. Da nun für die Bahnfahrt durch Galizien und durch Deutschland der größte Teil des Urlaubs draufgegangen wäre, bat Leutnant v. Trotha für die Reise sein Flugzeug benutzen zu dürfen, zumal ihn Die glänzende deutsche Waffentat bei Four de Paris. bb Berlin. 3. Juli.(Privattelegr.) Dem„Verl. Lokalanzeiger“ wird aus Genf gemeldet: Die wertvollste französische Verbindungsstraße des westlichen Argonnenwaldes, die Straße Binarville=Blauleuil, ist nunmehr deutschem Feuer ausgesetzt. Diesen glänzenden Ersolg deutscher Waffentat bei Four de Paris kann Joffres Bericht nicht anfechten. Man gibt sich vielmehr im französischen Hauptquartier, wie aus den Aeußerungen der Fachkritik hervorgeht, über die Schwere dieser Einbuße und anderer bisheriger Geländeverluste in den für die Verteidigung Verduns wich= Das Große Hauptquartier teilt mit: tigsten Teilen des Argonner Waldes vollkommen Rechen=seignete sich bei Ari Burnu nichts von Bedeutung. Kohlenmangel in Charkow. WT'B Charkow, 4. Juli.(Telegr., 2 Uhr nachts.) Infolge des großen Kohlenmangels hat vorgestern die Gasanstalt ioren Betriel vollkommen eingestellt Einige Straßen und Zeitungsredaktionen blieben gänzlich ohne Beleuchtung. Der amtliche türkische Bericht. II13 Konstantinovel, 4. Juli.(Telegr., 3 Uhr nachts.) Das Große Hauptquartier teilt mit: Am 2. Juli schaft. Die gleiche Besorgnis herrscht wegen der deutschen Fortschritte im Priesterwalde. * Russischer Protest, gegen Rußlands barbarische Kriegführung. #TZ Berlin, 3. Juli.(Telegr.) Unter der Ueber schrift„Russische Geständnisse“ veröffentlicht die„Nord deutsche Allgemeine Zeitung“ folgenden Brief, den vor kurzen ein russischer Kriegsgefangener Leutnant I.„ freiwillig an den deutschen Kommandonten seines Eraben geworsen. erBei Sedd ul Bahr verschwendeten die Feinde eine große Menge von Munition, um unsere Vorbereitungen zu den beabsichtigten Angriffen auf seinen linken Flügel zu stören, erzielte aber keine Ergebnisse. Unsere Truppen kamen trotz dieses Feuers bis an die feindlichen Schützengräben heran und bedrängen den Feind aus kurze Entfernung kräftig. Im Zentrum herrscht verhältnismäßig Ruhe. Am linken Flügel Artillerie= und Infanteriefeuer mit Unterbrechung. Auch werden Bomben von Graben zu Wer den Zustand der Wege in Polen im Frühjahr auch ein dienstlicher Auftrag in die Heimat zurückführte. gekannt hat, würde erstaunt sein, sie jetzt zu sehen. Hier Er erhielt die Erlaubnis und verließ am Dienstagmorgen hat der Großfürst mit Hilfe seiner Pioniere Unglaub liches geleistet. Das ganze Land ist mit einem ausge dehnten Eisenbahnnetz bedeckt, breitspurig und schmal spurig. Die Munitionsberstellung ist im ganzen Lande vergrößert worden und nimmt täglich zu. Ein Pole saate: Zweifellos ist die Bureaukratie in Rußland mit dem Aufruf des Großfürsten an Polen nicht einverstanden. Sie wird alles tun. um die Er um 8 Uhr mit seinem Begleiter, Leutnant v. Kade, das Fliegerlager in Galizien. Hart an der Kampffront entlang fliegend, passierten die beiden Offiziere Krakau. Gesangenenlagers gerichtet hat. Dem Schreiben seien die folgenden charakteristischen Stellen entnommen: Ich halte es für meine Pflicht, gegen das barbarische Verfahren der Kriegführung unserer Heerführer zu vrotestieren, das während der Zeit unseres Einfalles in Ostvreußen angewandt worden ist. Ich kann nicht ohne Entsetzen an die wilden und grausamen Jefehle einiger unserer unfähigen Generale denken, die befahlen, die bewohnten Orte zu verbrennen. Mit Entsetzen erinnere ich mich der Ereignisse, als die fast irrsinnig gewordenen Bewohner der verbrannten Orte, die fast nur aus Greisen, Frauen und Kindern bestanden, flebten, ihnen wenigstens ihre Wohnung zu lassen, da das übrige Vermögen fast alles durch die russischen Soldatenmarodeure ausgevlündert worden sei. Ich und eder andere wissen viele Fälle, wo unsere Offiziere, sogar solche in höheren Kommandostellen, aus nahmen dann direkte Richtung nach Breslau und langten dort auf dem Militärflugplatz um 2 Uhr mittags an. nachdem sie die fast 600 Kilometer lange Strecke! Ostvreußen, geplünderte Gegenstände, wie in Stunden zurückgelegt hatten. Nach Einnahme von Klaviere, bäusliche Geräte und andere wertvolle Sachen, Venzin flog Leutuan: v. Trotha um= Uhr weiter und nach Rußland hinausfuhren. Man kann mit Unsere anatolischen Batterien eröffneten ein heftiges Feuer gegen die Schiffe, aus denen der Feind Verstärkungen bei Sedd ul Bahr landen wollte und zwangen ihn, sich zu entfernen und die Schisfe zurückzuziehen. Diese Batterien beschossen auch wirksam feindliche Lager bei Sedd ul Bahr und Taku Burnu sowie Truppen und eine Haubitzenbatterie des Feindes. Feindliche Flieger warsen erfolglos Bomben auf Jeni Schehmur. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. * Massenverschickung von Deutschen und Oesterreichern. WTB Moskau, 4. Juli.(Telegr., 4 Uhr nachts.) „Ruskoje Slowo“ meldet aus Wologda vom 20. Juni: Vom Minister des Innern ist eine telegraphische Anweisung eingegangen betressend die Verschickung ämtlicher Deutschen und Oesterreicher aus Wologda, Grasowet, Kadnikow und diesen Kreisen innerhalb nur dreier Tage Frist nach Schadrinsk und Kamyschlow im Gouvernement Perm. Es handelt sich um etwa 5000 Personen. I