Lippische Tageszeitung General=Anzeiger erscheint täglich außer Montags mit den Beilagen: Das Landwirtschaftliche Zeitung(amtl. Organ der Landwirtschaftskammer), Nachrichtenblat: des Landbundes(amtl. Mitteilungsblatt des Lippischen Landbundes). Für unsere Frauen (Sonntagsbetlage für die deutsche Hausfrau.— Geschäftostelle: Detmold, Exterstraße 11. Fernruf 3145 und 3146. Postversand: Herford. Postscheckkonto: Hannover 9839. Drahtanschrift: Tageszeitung. für das Land Lippe Monatl. bei Abholen vom Postamt RM. 2.— einsch! tg. Postgebühr u. 36 Pfg. Bestellgeld. Anzeigenpreise: Die 1sp. mm=Zei # Pfg., Familienanzeigen, 10 Pfg., kl. Anz priv. Art 7 Pfg. d. Wort, d. um=Zeite—..— 50 Pfg. Beilagenged. u. Tarif.— Bei höh. Gew., Streiks od. Betriebssthr. dest. f. d Verl. keine Verpflicht. z. Rückz. d. Bezugspr. Gerichtsbarkeit s. beide Teile Detmold. Zahlungspfl. innerh. 8 Tagen. Nummer 59 Detmold, Freitag, den 10. März 1933 38. Fahrgang Ritter v. Epp Reichskommissar in Bayern „Proteste“ Helds— Schaumburg=lippischer Landtag aufgelöst München, 9. März. Wie bekannt wird, gab sich heute vormittag der nationalsoziatische Gauleiter Wagner mit dem Leiter der SA. und SS. Röhm zum Ministerpräsidenten Dr. Held und stellten ihm ein Ultimatum wegen der Neubildung der Regierung in Bayern. Ministerpräsident Dr. Held berief hierauf gegen Mittag den Ministerrat zusammen. In den Straßen Münchens bemerkte man in den ersten Nachmittagsstunden zahlreiche SA.=Leute. Auf dem Karlstor wurde die Hakenkreuzfahne gehißt sowie eine schwarz= weißrote Fahne. Hitler und Papen bei Hindenburg. General von Epp Polizeikommissar von Reichswegen in Bayern. Berlin, 9. März. Reichspräsident von Hindenburg empfing Donnerstag nachmittag Reichskanzler Hitler und Vizekanzler von Papen zum Vortrag. Es ist beschlossen worden, den General von Epp als Polizeikommissar von Reichswegen in Bayern einzusetzen. Die amtliche Mitteilung über die Einsetzung von Epps. Berlin. 9. März. Mit Rücksicht auf die Bennruhigung in der bayerischen Bevölkerung und da die weitere Erhaltung von Ruhe und Ordnung nicht gewährleistet ist, hat die Reichsregierung vom§ 2 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 Gebrauch gemacht und die Befugnisse der obersten Landesbehörde, soweit sie die Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung betreffen, übernommen und sie dem Generalleutnant Ritte von Epp übertragen. Damit ist für Bayern dieselbe Negelung getroffen worden, wie sie auch für Württem. berg. Baden, Sachsen und andere Länder besteht. Riesiges Polizei=Aufgebot München. 9. März. Der Reichsinnenminister hat, wie um 21.30 Uhr bekannt wurde, folgendes Telegramm an General lutnant von Epp gerichtet: „Wegen Gefährdung öffentlicher Sicherheit und Ordnung im Lande Bayern habe ich auf Grund des§ 2 der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat Befugnisse oberster Landesbehörde Bayerns, soweit zur Erhaltung öffentlicher Sicherheit und Ordnung notwendig, übernommen und beauftrage Sie bis auf weiteres für Reichsregierung diese Befugnisse wahrzunehmen. Ministerpräsident Dr. Held ist telegraphisch ersucht, Ihnen die Aemter zu übergeben. Erwarte umgehend Drahtanzeige von Uebernahme. Reichsinnenminister Dr. Frick.“ Die Polizeidirektion ist mit einem starken Kordon von Landespolizei abgesperrt. ebenso der Bayerische Landtag und die Ministerien. Die Nationalsozialisten sammeln sich in der Stadt in der Nähe der Feldherrnhalle, wo eine Kundgebung stattfinden soll. Im Laufe des Tonnerstagabend besetzten SA.=Leute die Redaktionsräume des„Geraden Weges" und warfen zahlreiche Zeitungsexemplare auf die Straße. Der SS.=Reichsführer Himmler wurde zum Polizeipräsidenten von München ernannt, der Gauleiter Wagner zum kommissarischen Vertreter des bayerischen Innenministers SA.=Abteilungen besetzten Nathaus, Polizei präsidium, Landtag und Ministerien sowie das Gewerkschaftshaus. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Franz Ritter von Epp Der Generalstaatskommissar für Bayern, Franz Ritter von Epp, wurde am 16. Oktober 1868 in München geboren. Er schlug die militärische Laufbahn ein, gehörte 1900 der ostasiatischen Expedition an, übernahm 1904 bei der Schutztruppe in Deutsch=Südwestafrika eine Kompagnie und machte den Herero=Hottentotten=Aufstand mit. Während des Krieges war er Kommandeur des Bayerischen Infanterie=Leibregiments und erhielt als solcher den militärischen MaxJosef=Orden mit dem damit verbundenen persönlichen Adel. 1919 befreite er mit den von ihm aufgestellten freiwilligen Truppen München von der Näteherrschaft. Später wurde er in die Reichswehr als Infanterieührer VII übernommen und 1923 wegen Erreichung der Altersgrenze verabschiedet. Ursprünglich Mitglied der Bayerischen Volkspartei ließ sich Epp bei den Reichstagswahlen 1928 für die NSDAP. aufstellen und zog am 20. Mai 1928 in den Reichstag ein Held„protestiert München. 9. März. Ministerpräsident Dr Held hat sofort nach Bekanntwerden des Einsetzens des Polizeikommissars an den Reichskanzler Adolf Hitler heute(Donnerstag) abend folgendes Telegramm gerichtet: „Der Reichsinnenminister hat nach bisher unwidersprochenen Nachrichten auf Grund des Paragraphen 2 der Verordnung vom 28. Februar 1933 die polizeilichen Befugnisse der obersten Landesbehörde in Bayern Herrn General v. Epp übertragen. In Bayern fehlen die Voraussetzungen zur Anwendung dieser Verordnung vollkommen, weil die Ruhe und Ordnung und die Bekämpfung kommunistischer Ausschreitungen mit den staatlichen Machtmitteln zweisellos gesichert war. Namens des Gesamtministeriums erhebe ich gegen die Anordnung des Herrn Reichsinnenministers den schärfsten Einspruch.“ Neuwahlen in Schaumburg=Lippe Bückeburg. 9. März. Der Kommissar für Schaumburg=Lippe, der bisherige Beigeordnete Matthäi aus Marl bei Recklinghausen, der am Donnerstag die Geschäfte übernommen hat, hat auf dem Verordnungswege den Schaumburg=Lippischen Landtag mit sofortiger Wirkung ausgelöst. In aleicher Weise wurden mit sofortiger Wirkung die beiden Kreistage, Körperschaften der Städte sowie die Gemeinderäte aufgelöst. Der Tag der Landtagswahl ist der 30. April 1933. Flaggenhissung auf öffentlichen Gebäuden Münchens. München. 9. März. In den Abendstunden sammelten sich zahlreiche Nationalsozialisten in der Nähe des Verkehrsministeriums und zogen zum Bahnhofsplatz, wo sie auf dem Telegraphenamt die Hakenkreuzfahne und die schwarzweißrote Fahne hißten. Ebenso wurde auf dem Hauptbahnhof selbst eine Hakenkreuzfahne gehißt. Die Menge zog hierauf zum Justizpalast wo gleichfalls eine Hakenkreuzfahne gehißt wurde. Weitere Fahnenhissungen erfolgten auf dem Hauptpostamt, auf dem Rundfunkhaus und auf der Polizeidirektion. Aufruf an die SA. Dresden. 9. März. Der Reichskommissar für die sächsische Polizei, v. Killinger, erläßt einen Aufruf. in dem es heißt: „Ich habe das Amt übernommen und werde mir allen vom Staate mir zu Gebote stehenden Mitteln jede Störung der Ruhe, des Verkehrs und der friedlichen Arbeit der Bevölkerung zu verhindern wissen. Soweit die SA. und SS. von sich aus es für notwendig gehalten hat, in Verwaltung, Polizei und Verkehr einzugreisen, danke ich ihr für die von ihr getroffenen vorbeugenden Maßnahmen. Sie sind nunmehr jedoch durch den mir gewordenen Auftrag hinfällig geworden. In Zukunft muß es mir überlassen sein, alle notwendigen Maßnahmen und Eingrisse anzuordnen und durchzuführen. Es sind deshalb alle von der SA. getroffenen Amtshandlungen und Eingriffe unverzüglich aufzuheben, soweit ich oder die mir unterstellten Behörden und die Gruppenführer Sachseus nicht für gut befinden, sie aufrecht zu erhalten. Die Hakenkreuzfahnen und die alten Reichsflaggen bleiben gehißt. Die Bevölkerung des Landes ermahne ich, ruhig wie bisher ihrer Arbeit nachzugehen und Ansammlungen zu vermeiden, um nicht Gefahr zu laufen, an Leib und Leben Schaden zu leiden. Ich werde nicht zurückschrecken, alle Personen, die die Ruhe und Ordnung stören oder zur Arbeitseinstellung auffordern, der härtesten Strafe zuzuführen.“ Zwischenfall vor der Berliner Börse Berlin. 9. März. Heute mittag marschierte eine Abteilung SA. vor dem Gebäude der Burgstraße auf, während sich einige Nationalsozialisten in das Haus Se gaben und den Rücktritt des derzeitigen Börsenvorstandes forderten. Der Vorsitzende des Börsenvorstandes, Dr. Mosler, weigerte sich, dieser Aufforderung nachzukommen. Zurzeit wird hierüber noch verhandelt. Die SA.=Abteilung steht weiterhin vor dem Gebäude, um der nationalsozialistischen Forderung Nachdruck zu verleihen. Der Zwischenfall vor der Berliner Börse beendet. Kurz nach 14 Uhr marschierte die SA.= Abteilung, die vor dem Gebäude der Berliner Börse gestanden hatte, wieder ab. Die Börsenbesucher hatten das Gebäude mittlerweile ohne Zwischenfall verlassen. Kurz darauf erschien auch ein mit Polizeiofftzieren besetztes Ueberfallkommanoo. Der Börsenvorstand verbreitet über den Zwischenfall eine Mitteilung, die den geforderten Rücktritt des Börsenvorstandes nicht erwahnt. Die Mitteilung lautet: „Am heutigen Tage 13 Uhr marschierte ein SA.=Trupp auf der Burgstraße vor dem Börsengebäude auf. Der Vorsitzende des Börsenvorstandes empfing den Führer der Truppe auf dessen Bitte zusammen mit einigen Börsenbesuchern zu einer Unterredung Kurz nach 14 Uhr marschierte die SA.= Truppe wieder ab. Der Vorsitzende des Börsenvorstandes ließ alle noch erreichbaren Vorstandsmitglieder zu einer Sitzung um 14 Uhr zusammenrufen und erstattete über den Vorfall Bericht. Der Börsenvorstand nahm diesen Bericht zur Kenntnis, ohne Beschlüsse zu fassen.“ Das Reich Von Dr. Wilhelm Stapel. Wir entnehmen die folgenden Ausführungen, die einen sehr klärenden Beitrag zu dem Thema„Mainlinie“ darstellen. dem 1. Märzheft der bekannten, von dem Verfasser herausgegebenen Halbmonatsschrift„Deutsches Volkstum“ (Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg). „Das Reich“ wird in unsern Tagen wieder in den Herzen der Deutschen lebendig, denn die Zeit des Erwachens naht. Aber es gibt Deutsche, die mit dem Reichsgedanken ein ruchloses Geschäft machen wollen. Die einen wollen damit dynastische Sonderbestrebungen anheizen, die andern wollen damit Sonderrechte begründen. Am ruchlosesten aber handeln die, welche aus politischen oder konessionellen Interellen den Reichsgedanken benutzen, sich ein gutes Gewissen für die Preisgabe des deutschen Nordens zu machen. Nie dient der dem Reiche. der nicht dem ganzen deutschen Volke dient. Ich bin als Preuße nicht gesonnen, von Schriftstellern und Diskussionsrednern dem Bismarckstaate die noch immer vorhandene Hegemonie aberkennen zu lassen. Es ist töricht und auch giftig, die Schlagworte„kleindeutsch“ und„großdeutsch“ aus dem historischen Museum hervorzuholen und damit den Volksgeist zu zersetzen. Das Deutsche Reich von heute ist weder „großdeutsch“ noch„kleindeutsch“, sondern es ist die Wirklichkeit, von der aus allein „das Reich“ geschaffen werden kann. Jene Schriftsteller und Diskussionsredner sagen: es soll aber beileibe nicht von den bofer Preußen geschaffen werden, es kann, es darf nicht sein, sondern— und nun kommt irgendein idealistischer Nebel. Wie denkt man sich das? Soll man den klugen Schriftstellern anbieten: Hier habt ihr die Machtmittel, nun schafft das„großdeutsche"(oder wie man es sonst nennen will) Reich? Wer das Reich baut, der bestimmt die Struktur des Reiches. Ich erkläre als Preuße, daß ich jedem Deutschen zu folgen bereit bin, der die Wirklichkeit zwingt und das Reich verwirklicht, welchen Stammes er auch sei. Dollfuß oder Held oder Bolz mögen ihre Kräfte versuchen. Wir sind durchaus nicht gesonnen, die Auswirkungen dieser politischen Genies zu verhindern. Wir warten auf ihre Reichsführung. Reichsführung bedeutet, im Blick auf das Gesamtvolk und auf das Reich zu handeln. Mit der Wahrung von Reservatrechten und mit Anzeigen beim Staatsgerichtshof allein wird freilich kein Reich geschaffen. Wohlan, meine Herren Nichtpreußen, schaffen Sie, was man nach ihrer Meinung(die vielleicht richtig ist) in Berlin nicht zu schaffen vermag. Ich bin nicht bereit, mich den Argumenten der Reichsschriftsteller zu ergeben; aber ich bin bereit. Taten, die Wirklichkeit schaffen, anzuerkennen. Das ist unsere bismarck=preußische Eigentümlichkeit. Fichte, der ein sächsischer Preuße war, hat diese Eigentümlichkeit philosophisch gerechtfertigt(falls jemand eine philosophische Rechtfertigung benötigen sollte). Sind wir, die wir das Reich predigen, nicht Phantasten, die im Stande der tiefsten Ohnmacht den„Wunschtraum“ der Welteroberung träumen? Erheben wir nicht „Forderungen“, die angesichts der Wirklich. keit schlechthin lächerlich sind? Wer das meint, der hat den Sinn des Wortes„Reich“ nicht begriffen. Reich ist nicht politische und wirtschaftliche Welteroberung, Reich ist eine Verantwortung und geistige Haltung. Reichsvolk sein heißt, bei jeder politischen Handlung nicht nur an das eigene politische Interesse, sondern an den Gesamtzustand der Welt denken, sich für die Ordnung des Ganzen der geschichtlichen Welt verantwortlich fühlen. Das Reich ist nicht eine patriotische Phrase, sondern eine weltpolitische Verantwortung. Reichsvolk sein heißt, einen Horizont über die eigene Nation hinaus haben, die andern nicht vernichten, sondern die eigene Macht benutzen„den andern ihr Recht zu geben. Eben darum sind die Franzosen kein Reichsvolk, weil sie sich so schwach fühlen, daß sie nur an die Befestigung ihrer eigenen Existenz denken. Sie haben nicht das Vermögen, „gerecht" zu sein, weil sie in ihrer klein herzigen Aengstlichkeit nur ihr eigene, Interesse achten. Wer jene Verantwortung und geistige Haltung hat, der ist ein Mensch„des Reiches". Er hat den Nana, den das Reich fordert. Das Reich beginnt nicht so, daß die anderen Völker anerkennen: wir glauben an die besondere geschichtliche Senung der Deutschen; sondern so, daß das deutsche Volk aus der geistigen Reichshaltung heraus politisch handelt. Erst der politischen Tat folgt die Anerkennung. Der Rang des deutschen Volkes wird von den andern Völkern erst anerkannt, wenn es „das Reich“ geschaffen hat. Warttemberg rust Staatsgerichtshof an Stuttgart. 9. März. Das Staatsministerium hat folgendes Fernschreiben an den Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich gerichtet: „Reichsinnenminister hat unter Berufung auf§ 2 der Verordnung des Reichspräsideuten vom 28. Februar 1933 die polizeilichen Befugnisse der obersten Landesbehörde in Württemberg übernommen. Da die Voraus. setzungen für Anwendung dieser Verordnung völlig fehlen, erhebt württembergische Regie. rung Klage bei dem Staatsgerichtshof in dem Sinne der Aufhebung dieser Verfügung des Reichsinnenministers. Begründung folgt Einberufung des württembergischen Landtages durch das Staatsministerium. Stuttgart, 9. März. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Auf das Schreiben des Staatsministeriums an den Herrn Landtagspräsidenten vom 8. 3.1933, in dem dieser um schleunigste Einberufung des Landtages mit der Tagesordnung„Wahl des Staatspräsidenten“ ersucht werde, hat der Herr Landtagspräsident folgendes geantwortet: „Die Einberufung des Landtages kann erfolgen, wenn die Voraussetzungen für einen positiven Ausgang der Wahl eines neuen Staatspräsidenten geschaffen sind. Es rächt sich jetzt die Aenderung der Geschäftsordnung des Landtages, durch welche die Stichwahlmöglichkeit bei der Wahl des Staatspräsidenten ausgeschaltet wurde. Es liegt an den in Frage kommenden Fraktionen und Gruppen, bindende Verpflichtungen abzugeben, durch welche die Wahl eines neuen Staatspräsidenten sichergestellt ist. Die Neubildung der Regierung hat selbstverständlich auf der Grundlage-der Reichstagswahlergebnisse vom 5. 3. 33 zu erfolgen.“ Hierauf hat das Staatsministerium dem Landtagspräsidenten erwidert: „Mit der Aenderung der Geschäftsordnung des Landtages, auf die sie sich als ein die Bestellung des Staatspräsidenten hinderndes Moment berufen, hat das Staatsministerium ebensowenig etwas zu tun wie mit der Frage, auf welcher Grundlage die Regierung neu zu bilden ist. Nach den Informationen des Staatsministeriums ist die Wahl eines neuen Staatspräsidenten sofort möglich. Eine weitere Verzögerung ist deshalb für das Staatsministerium nicht erträglich. Auf Grund des Artikels 15 Abl. 3 der Landesverfassung beruft deshalb das Staatsministerium den Landtag auf DiensZwischenfälle im Reich Der Bautzener Oberbürgermeister wurde von SA. aus seinem Amt entfernt.— Die öffentlichen Gebäude von Chemnitz wurden von SA. besetzt und zahlreiche hohe Richter abgesetzt.— Die nationalsozialistische Parteileitung in Dresden hat die Umbesetzung der Leitung der Staatsoper verfügt.— Bei der Besetzung des Wurzener Gewerkschaftshauses kam es zu Schießereien, bei denen auch mit Handgranaten geworsen wurde.— Der sozialdemokratische Chefredakteur Sollmann (Köln) wurde in der Nacht in seiner Wohnung tätlich angegriffen und darauf in Schutzhaft genommen.— Der Regierungspräsident a. D. Paulick(Dessan), der der SPD. angehört, wurde am Mittwochabend überfallen und schwer verletzt. Er mußte dem Krankenhause zugeführt werden, da ihm das rechte Auge schwer beschädigt und der Unterkiefer zertrümmert worden war.— Bei der Besetzung des Braunschweiger Gewerk. schaftshauses durch Sel. wehrten sich die marxistischen Inhaber und schossen. Es gab einen Toten und zwei Verletzte.— In Zweibrücken wurde das Ebert=Erzberger=Rathenau=Denkmal von unbekannten Tätern in der Nacht niedergerissen.— In Berlin kam es vor Warenhäusern zu Kundgebungen. In der Epa wurde ein Schreckschuß abgegeben, der eine Panik hervorrief. Frauen und Kinder wurden im Gedränge niedergetreten. Verschiedene Käufer und Angestellte wurden mißhandelt.— Der Verlagsinhaber der Chemnitzer Volksstimme, der Sozialdemokrat Landgraf, wurde bei dem Versuch, eindrin. gender SA. den Eintritt zu verwehren, erschossen. tag, den 14. März, nachmittags 4 Uhr, ein mit der Tagesordnung: Wahl des Staatspräsidenten.“ Badische Protest=Telegramme gegen Ernennung eines Reichskommissars für ug eines Veilge! wesen. Karlsruhe, 9. März. Die badische Regierung hat an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler folgende gleichlautende Telegramme gerichtet: „Gegen die Ernennung eines Reichskom. missars für Polizeiwesen im Lande Baden legen wir feierliche Rechtsverwahrung ein. Nach unserer Auffassung sind die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen des Paragraphen 2 der Notverordnung des Herrn Reichopräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 für das Land Baden nicht gegeben. Badisches Staats. ministerium. Dr. Schmitt.“ Das Staatsministerium hat gleichzeitig beschlossen, Klage beim Staatsgerichtshof zu erheben. Nur schwarz=weiß=rot auf den Reichsdienstgebäuden. Berlin, 9. März, Amtlich wird mitgeteilt. Im Einverständnis mit dem Herrn Reichspräsidenten hat der Reichsminister des Innern den obersten Reichobehörden mitgeteilt, daß die Flaggenfrage binnen kurzem einer Neuregelung unterzogen werde. Da die im Weltkriege Gefallenen, deren Andenken der kommende Sonntag geweiht ist, ihr Leben unter den früheren Reichsfarben schwarzweibrot hingegeben haben, setzen die Behörden am 12. März auf den Reichsdienstgebäuden nur die Farben schwarz= weißrot. Auch Schwarzweißrot und Schwarzweiß auf dem Preußischen Landtag. Berlin, 9. März. Im Laufe des Donnerstagnachmittag hat Präsident Kerrl entsprechend der Bitte des deutschnationalen Fraktionsvorsitzenden, Dr. von Winterfeld. angeordnet, daß auf den Landtagsgebäuden neben der Hakenkreuzfahne auch die preußischen Landesfarben schwarz= weiß und die alte Reichsfahne schwarz= weißrot gezeigt werden. des Preußen=Landtags Berlin, 9. März. Präsident Kerrl hat, wie der preußische Pressedienst der NSOAP mitteilt, dem stellvertretenden Parteivorvsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. v. Winterfeld, auf dessen Schreiben wegen der Beflaggung des preußischen Landtagsgebäudes geantwortet:„Es sei für ihn eine selbstverständliche Pflicht der Loyalität gegenüber der starksten Partei Deutschlands, die auf alleinige Machtausübung in Preußen einen gerechtfertigten Anspruch habe, gewesen, einige Stunden nur die Hakenkreuzfahne zu zeigen. Es sei aber auch von vornherein beabsichtigt gewesen, neben der Flagge der jungen deutschen Revolution einige Stunden später auch die Flagge der Erinnerung schwarzweißrot sowie die preußische Staatsflagge schwarzweißrot zu hissen.“ Die Vorgänge in Wien Sozialdemokraten kümmern sich nicht um Versammlungsverbot. Wien, 9. März. In den inneren Bezirken sind starke Kolonnen des sozialdemo. kratischen Selbstschutzes in voller Uniform zu sehen. Die Sozialdemokratische Partei hatte für heute 75 Versammlungen über alle Bezirke einberusen, um die politische Lage zu besprechen. Die Einberufung der Versammlungen stellt eine Umgehung des Versammlungsverbotes dar. Die Bundespolizeidirektion hat alle Maßnahmen getroffen, um die Abhaltung dieser Versammlungen zu unterbinden. Die Polizei befindet sich in Bereitschaftszustand. Dollfuß will Bundeswehr Heimwehr als Hilfspolizei. Wien, 9. März. Der„kalte Putsch“, der von den Christlich=Sozialen (österreichisches Zentrum. D. Red.) und der ihrer Partei nahestehenden zum Teil legitimistischen Heimwehr unternommen wurde, und der sich in erster Linie gegen die „braune Gefahr“. in zweiter Linie gegen die Sozialdemokraten richtet, hat die Lage auf das äußerste verschärft. Inzwischen liegen bei allen Bahnkassen schon militärische Einberufungsscheine für Freifahrten vor. Das zeigt, daß die Mobilisierung der Reservistenjahrgänge des Bundesheeres bis auf die letzten Einzelheiten vorbereitet ist. Die der Regierung nahestehenden Heimwehren sind als Hilfspolizei bestimmt. Jeder Heimwehrmann in Wien besitzt die Zuweisung für einen bestimmten Polizeibezirk. Die Ausrüstungsgegenstände für die Hilfspolizei liegen bereit. Dagegen wird gegen den oppositionellen nationalen Flügel der Heimwehren mit aller Schärfe vorgegangen. Führende Persönlichkeiten der steierischen Heimwehr, die zu einer Besprechung in Wien eintrafen, wurden von der Polizei festgenommen. Die freien Gewerkschaften haben für den Nachmittag eine Sitzung einberufen. In der Linkspresse werden„schwerwiegende Beschlüsse“ angekündigt, die wohl in nichts anderem bestehen können als in der Ausrufung eines Generalstreiks. Nach den Stimmen aus dem Regierungs. lager plant die Regierung eine Reihe von Verfassungsänderungen, die ihre Machtvollkommenheit erhohen sollen. Vor allem soll die in der jetzigen Verfassung bereits angekündigte Umwandlung des Bundesrates in einen Ständerat durchgeführt werden, wobei offen zugegeben wird, daß damit das unbequeme Vorhandensein von Nationalsozialisten in dieser Länderkammer beseitigt würde. Hitler nimmt das Mandat in Oberbayern Schwaben an. Berlin. 9. März. Wie die„RSK.“ meldet, nimmt Reichskanzler Hitler, der an der Spitze aller nationalsozialistischen Kreiswahlvorschläge kandidiert, das Mandat für München für den Kreis Oberbayern=Schwa= ben an. Macdonald und Simon nach Geuf abgereist. London, 9. März. Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Sir John Simon sind am Donnerstagmorgen über Paris nach Genf abgereist. Die beiden englischen Minister wollen versuchen, angesichts der völlig verfahrenen Lage auf der Abrüstungskonferenz durch ihr persönliches Eingreifen eine Wendung herbeizuführen, damit die Konferenz sobald wie möglich zu handgreiflichen Beschlüssen komme. Magda Janssen „Die Heldentochter“ Eine Geschichte aus den Freiheitskriegen. Man ruft nach Zimmermeister Lühring: der Herr Senator sei wieder da. Unwillig stellt der Alte in der Werkstatt die Säge hin, nimmt die Arbeitsschürze ab. wäscht sich im Waschtrog die Hände und schlürft über den Gang in die Wohnstube, wo ein feingekleideter Herr auf dem steiflehnigen Sofa sitzt und ihm die Hand entgegenstreckt. „Nun, Meister?“ fragt er.„Hat Er sich's mit der Anna überlegt?“ „Allen Respekt, Herr Senator— Anna kommt mir nicht ins Haus.“ Wie?" ruft Senator Horn unmutig. „Noch immer lenkt Er nicht ein? Und hat da eine Heldentochter, auf die jeder andere Vater stolz wäre!“ „Mit Verlaub, Herr Senator, die hat sich doch fünf Monate mit Soldaten rumgetrieben, das geht eben bei mir nich.“ „Schäm Er sich, Vater Lühring. Wie kann Er nur so reden? Ihr Stubenkamerad Wiebe hat auf Eid erklärt, er habe erst beim Abschied erfahren, daß sie eine Frau sei. Ueber das Verhalten seiner Tochter gibt es doch nur eine Stimme. Da steht es wieder in der Spenerschen Zeitung, ich habe Ihm eine mitgebracht— daß Anna Lühring, die Tochter eines Bremer Baumeisters, die als der freiwillige Jäger Eduard Kruse beim Lützowschen Korps gedient hat, bis zu ihrer Entlassung dem ganzen Korps ihr Geschlecht verborgen und ungeachtet ihrer stebzehn Jahre sich während des Feldzuges durch sittsames Betragen, treue Erfüllung ihrer Dienstpflichten und Mut vor dem Feind den Beifall ihrer Vorgesetzten erworben habe.“ „Papier ist geduldig, Herr Senator“, entgegnete der Alte pfiffig,„zumal in Berlin, wo die größten Zeitungsenten immer am meisten gelesen werden.“ „Aber die höchste Berliner Gesellschaft hat doch Seine Tochter gefeiert! Bei der Prinzessin Marianne und der Fürstin Radziwill wird sie eingeladen, ja, sogar dem alten Blücher wurde sie vorgestellt. Was sagt er da?“ „Je nu“— Lühring reibt sich halb verlegen, halb verschmitzt hinterm Ohr.„Gerade die großen und berühmten Herren lassen sich von solchen Rackers leicht was vormachen. Und in Berlin— na, lassen Sie mal gut sein, Herr Senator— da ist nu erst recht ein Pflaster für solide Mädchens. Da hat man's mit den Amours nie genau genommen.— In Bremen, da kann ich Ihnen sagen, wird sie sich nicht sehn lassen können.“ „Nein, was Er da sagt“, ruft Horn mit lachender Entrüstung,„weiß Er denn nicht, daß ein Schreiben von General Tauenzien an den Bürgermeister und Senat von Bremen eingetroffen ist, in dem ersucht wird, Seiner Tochter alle Ehren zu erweisen, die ihre patriotische Tat verdient? Glaubt Er, Bremen ließe sich das zweimal sagen?“ Lührings Augen weiten sich ungläubig. „Der Bremer Senat?“ sagt er gedehnt. „Wenn ich dem erzähle, wie meine Deern. die ich als meinen Augapfel hütete, von mir weggegangen ist, wie ein Dieb in der Nacht, dann hat sie ausgespielt, das werden Sie sehn! Ich stoße noch im Hof auf sie und achte gar nicht auf ihre Männerkleidung. Gott! sie ist ja auch bei mir immer in Arbeitshose herumgelaufen. Ich habe ihr von jeher eben zu viel Freiheit gelassen, das können Mädchens nich vertragen. Vater, sagt sie, ich komme gleich wieder! Und hat mich dabei glatt angelogen.“ „Notlüge für höheren Zweck“, wirft Horn beschwichtigend ein. „Not war da nicht vorhanden. Lüge bleibt Lüge. Die ganze Courage kann mir gestohlen bleiben, wenn die zur Wahrheit bei ihr fehlt. Hat sie im Kanonendonner ausgehalten, war das ihre verdammte Schuldigkeit. Wenn sie sich als Mannsbild ausgab, mußte sie sich auch als Mann aufführen, sonst wär's ja eine Schande gewesen. Vor einer Geburt hätte sie dem Tod auch ins Auge sehen müssen, sonst war sie als Weib nichts wert. Als Mann hätte sie ja Ehre eingelegt, wenn sie gefallen wäre, als Weib hätte sie das Vaterland um Kinder betrogen. Und ein wahres Weib tut so was nich.“ „Schon recht, Vater Lühring, bei normalen Zeiten. Aber wenn ein Weib lieber fürs Vaterland sterben will, als dem Unterdrücker ihres Volks Knechte gebären, verdient sie Hochachtung. Zum letztenmal, aiso: gibt Er den wiederholten Bitten Seiner Tochter endlich nach, die sich zu Ihm zurücksehnt?“ „Briefe über Briefe habe ich aus Regiment geschrieben, als sie mich in Not und Arbeit stecken ließ. Und sie kam nich zurück“, sagt der Alte finster.„Da wird die Bürgerschaft von Bremen sich jetzt auch für sie bedanken, Herr Senator.“ „Und wenn der Bremer Bürger Fritz Kuhlenkamp sie öffentlich durch Bremen fährt, wird Er sich dann noch weigern?" fragt Horn lachend. Jetzt lacht auch Lühring überlaut.„Fritz Kuhlenkamp— der und die Anna! Nicht mit Handschuhen, Sie werden sehen, Herr Senator!“ „Nun zieh Er mal den Rock an und komm Er mit in meinem Wagen“, sagt Horn lächelnd. Verdutzt über die große Ehre, macht sich Lühring fertig und steigt beim Herrn Senator ein. Auf der Straße ungewöhnlich festliches Gewimmel. Flaggen aus allen Fenstern. „Was ist los?“ fragt Lühring.„Wird Er gleich sehn", antwortet Horn und schließt sich der Reihe Wagen an, die sich langsam den Weg zum Rathaus bahnen. Hier staut sich das Gedränge. Ganz Bremen auf den einen. Auf einer mit Teppichen und Blumengewinden behangenen Tribüne nehmen Horn und Lühring Platz. Unter klingendem Spiel von einer Ehrenkompagnie Lützowscher Jäger begleitet, fährt jetzt ein Wagen vor. Drin sitzt eine hübsche junze Dame neben dem Lützowschen Jäger Fritz Kuhlenkamp aus Bremen. Dröhnendes Hurra. Tücher schwenken. Die Dame weint vor Glück. „Anna!“ stößt der alte Lühring entgeistert aus. Ist's möglich? Der Senat, die Bremer Bürgerschaft, die Stadt in Flaggen, alles um sie! Der Boden wankt unter seinen Füßen. Vergessen ist der Groll. „Min Deern!“ schluchzt er und breitet die Arme aus. Man trägt ihn triumphierend an den Wagen, und Anna liegt an seiner Brust. Eine von Lucas Cranach ausgemalte Lutherbibel. Im Rathaus von Zerbst ist eine der seltensten und kostbarsten Lutherbibeln, die im Jahre 1541 in Auftrag der anhaltischen Fürsten auf Pergament gedruckt und mit zahlreichen Holzschnitten geschmückt wurden, aufbewahrt. Sie ist von Lucas Cranach farbig ausgemalt und reich vergoldet. Im Zerbster Staatsarchiv befindet sich auch der größte Teil der eigenhändigen Uebersetzung Lutbers vom Alten Ehina einst und heute Was Kaiser Ehienlung an Georg III. schrieb Berlin, 8. März. Die Provinz Dgedol. die der japanische Imperialismus China entreihen will. hat ihren Namen von der alten Residenz Dschehol der Mandschu=Kaiser. Sven Hedin hat diese Kaiserstadt vor kurzem bereist, um sie in Wort und Bild für die Nachwelt festzuhalten. Sven Hedins Buch hierüber ist unter dem Titel„Dschehol. die Kaiserstadt" bei der F. A. Brockhaus. Leipzig, erschienen.— Wir entnehmen dem Buch mit Erlaubnis des Verlags einen Abschnitt, der den Leser in die großen Zeiten Dschehols zurückversetzt. Kaiser Chienlung schreibt an GeorgIII. von England— und was schreibt er? Dieser Briefwechsel ist von großem Interesse. Der krasse Unterschied zwischen der einstigen Machtfülle Chinas und seiner jetzigen Ohnmacht wird daraus ersichtlich.„Wir, vom Himmel mit der Verantwortung für das Reich betraut, so heißt es in dem Bericht, tun dem Landeskönig von England kund und zu wissen: Du. Landeskönig. der Du fern hinter entlegenen Meeren wohnst, hast die Ueberlegenheit unserer Kultur anerkannt, indem Du besondere Gesandte mit einer untertänigst abgesatzten Bittschrift zu uns schicktest. Die Gesandten sind über das Meer gesegelt und kamen an unsern Hof. um uns mit Kotau zu unserm Geburtstag zu beglückwünschen und uns gleichzeitig Erzeugnisse Deines Landes zu überbringen, damit wir die Aufrichtigkeit Deiner Gesinnung erkennen möchten. Wir haben das in ehrlichen und demütigen Worten abgefaßte Gesuch gelesen, haben daraus. o Landeskönig. die Echtheit Deiner Gefühle höflicher Ergebenheit ersehen und in Gnaden davon Kenntnis genommen. In Anbetracht dessen, daß der erste und zweite Gesandte. die Dein Gesuch und den Tribut überbrachten, gemäß ihrem Auftrag die weite Reise gemacht haben, wollten wir ihnen einen Beweis unserer Gnade und unseres Wohlwollens geben und befahlen unserm Minister, sie zum Empfang zu führen. Wir geruhten ein Bonkett für sie anzuordnen und haben sie um ein Vielfaches reicher belohnt, als es üblich ist. Was nun. o Landeskönig. die Wünsche angeht. die Du in Deiner Bittschrift aussprichst. nämlich daß Du einen Mann aus Eurem Land hierherschicken willst, damit er am himmlischen Hofe wohne und die Handelsinteressen Deines Landes wahrnehme, so kann dies unter keinen Umständen geschehen, denn es lätzt sich nicht mit dem Zeremoniell und der Verfassung unseres Hoses in Einklang bringen. Gewiß haben wir bisher Fremdlingen von den westlichen Meeren auf Wunsch gestattet, an den himmlischen Hof zu kommen und Aemter auszuüben, aber nur dann. wenn sie sich geborsam der Kleidertracht und den Farben des himmlischen Hoses unterwarsen, sich in besonderen Häusern niederließen und für immer auf die Heimkehr verzichteten. Auch Du, o Landeskönig. mußt wissen, daß dies eine unabänderliche Regel des himmlischen Hofes ist. Wie sollten wir denn, nur Deiner Bitte wegen. die viele Jahrhunderte alten Regeln und Gesetze des himmlischen Hofes auf den Konf stellen? Man sagt mir. daß Du, o Landeskönig, zur Förderung des Handels einen Gesandten schicken willst. Ich muß bemerken, daß die Menschen Deines Landes nicht erst seit gestern in Makao Handel treiben und daß sie immer gnädig von uns geduldet wurden. Auch früher, als Portugal und Italien mehrmals Gesandte an unseren Hof schickten und um Schutz für ihren Handel haten, ließ der himmlische Hof sie mit Rücksicht auf die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ihrer Gesuche durch besondere Gnadenbeweise auszeichnen und widmete ihren Handelsangelegenbeiten größte Aufmerksamkeit. Als der Kaufmann Wu Chaoving zu Kanton wegen der Bezahlung eines fremden Schifses in Schulden geriet, befahlen wir dem Generalstatthalter der Provinz. das Geld aus den Steuern der Provinz auszulegen, der säumige Schuldner aber wurde streng bestraft. Dieser Fall wird wohl auch in Deinem Lande bekannt sein. Wie kommen die Ausländer dazu. ein so beispielloses Ansinnen an uns zu richten, sie wollten einen Mann nach Pekina schicken? Dort wäre er doch 10 000 Li vom Handelsplatz Makao entfernt! Wie soll er also die Handelsinteressen wahrnehmen? Der himmlische Hof herrscht innerhalb der vier Meere. Er läßt es seine größte Sorge ein, das Land in Ordnung zu halten und seine Verwaltung zu beaussichtigen. Seltenheiten und Kostbarkeiten haben für ihn keinen Wert. In Anbetracht dessen aber, daß Du uns in ehrlichster Absicht diese Gegenstände aus der Ferne andtest, haben wir die zuständige Behörde angewiesen, sie entgegenzunehmen. Der Einfluß des himmlischen Hofs reicht weit, und die Fürsten von zehntausend Ländern finden sich zum Empfang hier ein, alle erdenklichen Kostbarkeiten überschreiten die Berge und durchsegeln die Meere, und alles, was überhaupt denkbar ist. versammelt sich vollzählig hier. Das haben auch Dein erster und zweiter Gesandter gesehen. Seltene und kostbare Gegenstände sind hier niemals hoch eingeschätzt worden. und wir bedürfen keineswegs der Erzeugnisse Deines Landes, o Landeskönig. Da Dein Wunsch. einen Mann zu entsenden. der ständig in Peking wohnen soll. den Regeln und Vorschriften des himmlischen Hofes widerspricht und auch für Dein Land kaum Vorteil bringen kann. schicke ich Deine Tribut=Gesandten mit diesen genauen Anweisungen unter sicherem Geleit wieder nach Hause. Du. o Landeskönig. solltest unsere Absichten richtig verstehen und Dich bemühen. treu und aufrictig zu sein. Du solltest ewige Ergebenheit und Geborsam schwören zu Schutz und Frommen Deines eigenen Landes und auf daß Du gemeinsam mit uns Dich des Friedens freust. Indem wir dem ersten und zweiten Gesandten und ihrem Gefolge. ihren Dolmetschern und So'daten außer den gewöhnlichen Belohnungen noch besondere Geschenke überreichen, die in einem besonderen Verzeichnis aufgeführt sind, benutzen wir die Gelegenheit der Rückkehr der Gesandten Deines Landes. unseren Allerhöchsten Willen kundzutun. Auch schenken wir Dir. n Landeskönig, in Gnaden außer den üblichen Seltenheiten und Kostbarkeiten Proben aller Arten gemusterter und gestickter Seide und kostbares Schreibmaterial, wie es in einer besonderen Liste verzeichnet ist. Nimm diese Geschenke damit entgegen und gedenke unseres kaiserlichen Willens. Dies ist unser Allerhöchste Botschaft." An diesem Brief ist nicht nur der Inhalt. sondern auch verschiedene Mendungen kennzeichnend. So. wenn Georg III. Landeskönig genannt wird. eine Bezeichnung, wie sie nur für tributpflichtige Vasallen angewandt wurde, oder wenn man den Engländern etwas„kund tut“, was etwa einem Besehl oder Machtspruch gleichkommt. Die Zeiten haben sich in der Tat gründlich geändert. 6 Opfer eines Großfeuers Bochum, 9. März. Am Donnerstagmorgen entstand in einem Wohnhaus in der Ottostraße im Stadtteil Lindendahlhausen aus bisher noch unbekannter Ursache ein Großseuer. Drei Mitglieder einer milie sind an den erlittenen Brandwunden oder durch Nauchvergiftung bereits gestorben. Das vierte Mitglied dieser milie, ein Kind, liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Ein Mann und eine Frau Wie Auslandsdeutsche am 5. März wählten. Der Andrang der Wahlberechtigten an Bord des Dampfers „Halle“. An der Reichstagswahl am 5. März haben sich viele Tausend Auslandsdeutsche beteiligt. In Barcelgna z. B. nahm der Lloyddampfer„Halle“ etwa 3000 wahlberechtigte Auslandsdeutsche an Bord und begab sich mit ihnen auf hohe See; der Wahlakt ging dann außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer vor sich. stürzten sich aus den Fenstern. Wöhrend der Mann schwer verletzt wurde, kam die Frau mit leichteren Verletzungen davon. Sprengstoffdiebstahl aufgeklärt Mainz, 9. März. Aus der de: Kalkbrüche bei Budenheim wurden in der vergangenen Woche etwa drei Zeutner Sprengstoff, darunter zwei Zentner Donarit und 4000 Sprengkapseln, gestohlen. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft Mainz führten am Mittwoch zur Auffindung des Diebesgutes und zur Feststellung der Personalien der Täter. Wie man von Anfang an annahm, handelt essich bei den Tätern um zwei Kommunisten, und zwar um den Arbeiter Karl Steiger und den Schmied Lukas aus Consenheim. Das Sprengmaterial wurde von Polizeiwachtmeistern in einem mit einem Kanaldecke! verschlossenen vier Meter tiefen Schacht in der Nähe des früheren Schlosses Waldhau;: aufgefunden. Die beiden Täter sind verschwunden. Sie werden steckbrieflich verfolgt. Man nimmt an, daß sie sich nach Berlin gewandt haben. Schiffsuntergang 50 Tote. Hongkona, 9. März. Der chinesischer Dampfer„Antung" ist auf der Höhe der Mosu=Spitze bei Hongkong gescheitert. 50 Menschen sind ertrunken. Die übrigen 460 konnten gerettet werden. Ein praktisches Jätgerät. In diesem Frühling kommt ein neuartiges, praktisches Jätgerät in den Handel, das aus zwei Reihen spitz zulaufender Zähne besteht. die so angeordnet sind, daß die obere Zahnreihe die Lücken der unteren deckt. Mit Hilfe dieses neuen Gerätes kann man auch das kleinste Unkrautpflänzchen oder Grasbüschelchen erfassen, ohne eine verhältnismäßig große Menge Erde lockern zu müssen. Beiterbericht für den 10. März 1933. Für das mittlere Deutschland: Morgens vielfach Nebelbildung. im Lause des Tages zeitweise aufheiternd. am Tage milder. leichte füdliche bis südwestliche Winde. Für das übrige Deutschland: Allgemein ruhiger, im Osten vielfach nebeliges Wetter, im Nordosten Milderung. sonst Temperaturen wenig verändert. Nirgends nennenswerte Niederschläge. Handel und Wirtschaft Berlin, 9. März. Die Börse eröffnete in fester Haltung. Der bald einsetzende Stimmungsumschwung führte zu Kursabbröckelungen. Tagesgeld 4¾—5¾ Prozent. Die Börse verkehrte zum Schluß bei ruhigen Umsätzen und kaum veränderten Kursen. Kassakurse der Berliner Ess.Börse Ohne Gewähr für Hörfehler. Sachwert=Anleide (Notierung in Mark) Seldn! r. Centr.Bb.=Geldy r. Centr.=Bd.=Goldptanddriefe r. Central=Boden=Gold=Koumm.= Schuldverschreidung u. 1927... 41/% Vr. Centr.=d.= Ligu.=Seldpfd. Briefe, Liqu.=Anteilscheine Pr. Central=Boden=Gold=Komm.= kr. Central=Boden=Gold=Komm.= Vr. Mpfdr.=Gaß. SS Vfdr. Pr. Oopfdr.=Auß. Gst. Pfor. Pr. Lopfdr.=Anst. 624. Kom. Odl. . Berl. Roggenw. 1923 für 1 Ztr. Roggenanleihebriese 1—11.... Kougen-Rentenbriese 1—3 Wests. Provinzkohle 1923 für 1 Tonne *** *** und Privatbank=A.=G. und Rational=Bens. —.— Bank u. Dieconte=Gesellsch. Dresbner Bank Reichsbank Devisenkurse(in Hamdurg=Amerika=Paketfahrt Korodenischer Lloyd 85 63.50 78 4.40 5 53½ 70% 151 Mark) 8. 3. 86. 63 63½ 70 69% 70 6,92 17¾ 18⅛ 63½ 70% 81= 100 Amsterdau Osle pelstugters Kopenhagen alten Newyork Wien Barte Schmets Spanten Seid Brief 10.85 749 6.44 60,19 21.46 14,65 3. 1.45 15.2) 51 62 7.7 34 50 66.2 0.239 170.44 73.08 18. 4,164 48.-5 10.4 61 78 118 15115 49.11 0.241 Geld Brief 160.93 95.33 21.40 14.68 4.146 4. 10.00 91.52 11 34 06 1936 1.20 4.425 65 47 21.50 14.72 154 485 0.64 81.63 77.58 36.04 1 0,241 Berlin, 9. März. Die Tendenz an der Produktenbörse war schwächer. Roggen nicht dringlich angeboten. Weizen= und Roggenmehle haben kleines Konsumgeschäft bei unveränderten Preisen. In Hafer stärkere Offerte. Gerste ruhig und stetig. Berlin, don 9. März.(Preise in Mk. p. to) eizen, märk. 199—201; Mais(lok. Bin.) = Weizenmehl„ Roggenmedl loggen, märk. sommergerste Vintergerste 156—157 168—171 2.15—27.23 9.90— 2. 6.15— 9.00 Bremen, 9. März. Weizen: Manitoba 1 5,10. Gerste: La Plata, verzollt, 9,20, deutsche Gerste 9.20. Hafer: deutscher, pommerscher Weißhafer, 52—53 Kilogr. 7,55, Mais: La Plata, verkehrsfrei, 10,15, DonauGalfox, verkehrsfrei, 10,00. Tendenz: ruhig Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen A.=S., Dortmund. Das am 31. Dezember abgelaufene Geschäftsjahr 1932 stand noch unter dem Zeichen der wirtschaftlichen Depression. Die Stromabgabe war um 7,75 Prozent geringer als im Vorjahre. In den Monaten Januar und Februar 1933 lag der Stromabsatz insgesamt um etwa 3 Prozent höher als im Jahre 1932. Biehmärtie Dortmund, 8. März. Zum Zucht= und Faselviehmarkt wurden aufgetrieben: 508 Stück Großvieh, 182 Schweine, 64 Kälber. Handel mittel. Es kosteten: hochtragende und frischmelke Kühe: 200—350 R.K. Rinder 150—250 K. K. Am Schweinemarkt war der Handel mittel. Es würden gezahlt für Ferkel 14—33 R.n.— Nächster Markt am 5. März. Herskrank? Nervös? Ist das verwunderlich? Wer hat keine Sorgen? Geht's einem selbst noch leidlich- wer hat dann nicht Angehörige oder Vervrandte, die Sorgen bereiten! Wer Arbeit hat— reibt sie ihn nicht doppelt auf? kast täglich umstellen! Immer gibts Neues- meist nichts Gutes! Alles geht in klast! Alles geht über die Nerven her! Und das Llerz! Es kommt nicht zur Ruhe und hat Ruhe so nötig. Es ist deshalb ein Gebot der Stunde, vlerr und Nerven au schonen. Aber wielrinken Sie Kaffee klag! Er hat sich schon in ruhigsten keiten,vor 25 Jahren, bewährt. Trinken Sie Uhn heute erst recht. lun die es aber bitte auch. Es ist wirklich Ihr Vorteil. ent e be Nach längerer proktischer Täligkeit lanse ich mich am 14. März 1933 in Bad Salzutlen als Zahnarzt nieder. Dr. Max Breibelz, Zahnarzt Lange Straße 22 (Im Hause der Drogerie Heikaus) Sprechzeit 9—1. 3—7 Uhr. Fernruf 3126 In sümtl. Krankenkassen zugelassen Dr. med. Herbert Krop Fachartt, für Hals=, Nasen= und Ohrenkrankheiten. Lemgo, Breite Str. 33 Sprechstunden: 9½—12 Uhr und 15—17 Uhr Außer Mittwoch und Sonnabend nachmittag Zwangsversteigerung. Vor dem Amtsgericht I— Zimmer Nr. 3— berden zwangsweise versteigert: 1. Am Montag, dem 20. März 1933, vormittags 10 Uhr, der Anteil zu 1/ des Forstreferendars a. D. Max Steneberg in Blomberg an dem im Grundbuche von Detmold Bd. 2 Bl. 99 eingetragenen Grundbesitze, Paulinenstraße, in Größe von insgesamt 7 a 75 gm nebst dem Wohnhause; 2. am Dienstag, dem 21. März 1933, vormittags 9½ Uhr, der im Grundbuche von Heidenoldendorf Bd. 1 Bl. 39 aus den Namen des Zementwarenfebrikanten Wilhelm Hüttemann jun. in Heidenoldendorf Nr. 73 eingetragene Grundbesitz in Größe von 1 ha 18 a 94 qm nebst dem Wohnhause, dem Schuppen und dem Backhause. Das Amtsbericht I. Bekonntmachung. Die Besitzer von Tauben werden darauf hingewiesen, daß nach der Verordnung vom, 7. März 929 über das Einsperren von Tauben während der Saatzeit die Tauben in der Zeit vom 15. März bis 15. April jeden Jahres nicht frei umherst dürsen Zuwiderhandlungen werden bestraft. Laae in Lippe, den 8. März 1933. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde gen Bekanntmachung. Betrifft: Volkstrauertag. Anläßlich des am Sonntag, dem 12. März 1933, stattfindenden Volkstrauertages zum Gedenken an die im Weltkriege Gefallenen ist die Veranstaltung von össentlichen Tanzlustbarkeiten verboten. Darbietungen von geistlicher Musik sind von dem Verbot ausgenommen. Laae in Lippe, den 8. März 1933. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde. Bekanntmachung. Die diesjährigen Impftermine sind wie folgt festgesetzt: a) Für die Wiederimpflinge am Freitag, dem 1 März, nachmittags von 2 bis 3½ Uhr, für Knaben und Mädchen,„ b) für die Erstimpflinge am Freitag, dem 17. März, nachmittags von 4 bis 5½ Uhr, für Knaben und Mädchen. Die Nachschau findet am Freitag, dem 24. März 1933 statt. Die nähere Zeit wird im ersten Impftermine bekannt gegeben. Impflokal im Rathause, Stadtverordnetensitzungs saal. Für diejenigen Impflinge, die auf Grund gesetz bestimmungen vorläufig oder ganz von der Impfung befreit sind, ist dem Impfarzt in den Terminen das erforderliche ärztliche Zeugnis vorzulegen. Impflinge, die bereits zweimal auf Grund ärztlicher Zeugnisse von der Impfung befreit sind, können nur durch den zuständigen Impfarzt eide weitere Befreiung erlangen; sie haben deshalb im Impftermine zu erscheinen. Diejenigen Eltern, die ihre Kinder von einem Privatarzt impfen lassen wollen, haben dies schriftlich anzuzeigen. Ist die Impfung bereits erfolgt, so ist über das Ergebnis derselben ein vorschriftsmäßiger Impsschein vorzulegen. Die Bescheinigun gen können im Rathause, Zimmer Nr. 11, vorher abgegeben werden. Aus einer Familie, in welcher ansteckende Krankheiten(Keuchhusten pp.) herrschen, dürsen Impflinge zu den Impfterminen nicht erscheinen. Aerztliches Attest hierüber ist vorzulegen. Die Eltern werden darauf aufmerksam gemacht daß die Kinder rein gewaschen und in sauberer Wäsche und Kleidung erscheinen müssen. Zuwiderhandlungen können gemäß§ 14 des Reichsimpfgesetzes mit Geldstrasen oder entsprechender Haft bestraft werden. Lage in Lippe, den 8. März 1933. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde. Stuhlbeschwerden beseitigt des Naturprodukt Neda-Früchtewürfel Altersbeschwerden Uindern Knoblauchtabletten „Nedalin“ In Apotheken. Drogerien und Reiormhäusern zu haben. Wo man Ihnen Ersatz anbietet.— bittet um Mittellunig Neda-Werk München. LICHTSPIELE Ab heute, täglich 4, 6 und 8,15 Uhr Montag nur 6 und 8.15 Uhr Eln Film von der deutschen Helde Gtüin dot F. dlie Hleide Camilla Spira= das blonde Mädchen aus der Heide. Peter Doß der junge Förster, Theodor Loos- der heimliche Wilderer, dessen Seele von den Kämpfen dunkler Triebe zerrissen ist— als Hauptdarsteller einer dramatischen Handlung vor dem bezaubernden Hintergrund der deutschen Heide. Die Löns-Weisen des Films klingen aus jedem Bild des Filme, der au allen deutachen Herzen sprichf. Im Kreise Wiedenbrück ist eine kleine Dampfziegelei mit Wohnung und Stallung sowie mit allem Zubehör sofort zu verpachten. Ein gutes Absatzgebiet, wo heute noch die Steine gut bezahlt werden. Hermann Boßhenrich, Auktionator, Sende b. Verl, Bez. Minden, Telephon=Ruf Verl 93. Ohne Fett braten! Diese neue Methode—braten ohne Fett— bringt dem Haushalt unendlich viele Ersparnisse. Und trotzdem kann nichts anbrennen. Wie das mög lich ist, wird Ihnen von Do bis Sounabend, dem 11. o.“ 15 Nkr. jeden Nachmitlog.9d 4 N8I., I7.v Verkaufsraum gezeigt. Es wird Ihnen durch praktische Vorführungen erklärt. Kommen Sie rechtzeitig. Die praktichen Vorträge sind interessant. Es wird wieder sehr voll werden Donuerstag. dem 9. ö. M. . M., jeden Vormittag ab ab 4 Udr. in meinem iedr. Meier, beräte, Lage Haus= und Küchenhotel Waldbeim Hiddesen. Heute abend ab 8 Uhr Rinderwurst. Essen musikalische Unterhaltung Jedem, der an Rheumatismus, Ischias oder Gicht leidet, teile ich gern kosten-ef mit, was meine au schnell u. billig rierte. 12 Pfennig Rückporto erbeten. Müller, Obersekretär a. D. Dresden 287 Walpurgisstr. 9, IV tei 5 Landestheater. Freitag. 19.50 Uhr Schwank= Erstaufführung blaue Heinrich Sonntog. 19.50 Uhr Leutnant Katte Gewinnauszug 5. Klasse 40. Preuß.=Süddeutsche (266. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Musikverein S. Vereinsabend Dienstag, den 21. März 20 Uhr, Gesellschaftshaus. Anmeldungen von Vorträgen an Studienrat Jording. on Kopf bis Fus kleiden wir Ihren ungen ein zur Konfirmation e nach Stollqualilät für MN. 21, 30, 39, 40. init Vonf.-Aazus 1 Biligel Oberhemd 1 für Krren"„ Krawatte f RA. Taschentuch Unterbese 1 Z7.Secken Maßanzüge 10% Aufschlag AVA Hosenzentrale Detmold gegenüber d. Landgericht Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar so einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II 24. Ziehungstag 7. März 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 3 172998 10000 a. 82856 iane zu 5000 G. 8863 122870 306568 18 Gemtnne zu 3000 G. 33710 87657 46391 125704 272948 326712 335087 349011 356884 56 Oewinne mu 2000 al. 666 6170 6547 14201 22326 86687 48565 111402 123726 123825 145091 168377 172101 172360 213104 227746 238156 248159 262920 281248 282869 803092 316921 344850 361827 883877 889462 393786 110 Oeptane zu 1000 G. 8677 4313 7271 10987 26762 29016 82633 33961 50681 67777 74768 89612 92706 106126 126025 126096 131661 134390 138514 148344 148561 153386 166743 188636 191125 195516 201669 217279 221717 227226 229060 232119 232945 243036 252331 267426 274672 286439 293589 300486 302888 303665 304086 820977 823713 832870 349511 355406 358814 869312 867834 872425 873414 388984 390401 200 Gewinne mu 600 dK. 467 6323 10104 11032 14166 21893 23072 24090 26412 28675 30454 31026 40097 60681 51125 55194 62475 70639 68950 91626 93670 94023 103747 107883 111910 112962 113061 17652 119760 121317 126634 131799 196386 38151 138654 147334 148528 151645 154016 154075 168283 158669 159250 161122 162844 166079 175048 187419 191189 194686 200846 203104 209926 211385 213449 214125 219547 223609 228892 234304 236727 241995 246317 246406 259809 265129 268811 272892 278629 279836 291745 296825 299891 801287 304836 309018 821442 828311 339538 841465 353678 355937 356031 362464 364953 868059 871200 373631 873946 874946 880197 380693 388989 389890 390664 395380 895590 397692 398076 399327 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 25000 0. 150767 2 Oetoinne zu 10000 G. 190650 6 Cewinne zu 5000 aN. 26910 44339 323507 22 Gewinne zu 3000 CR. 86110 96931 109111 136312 200218 222042 224192 261938 286806 369423 378910 48 Gepinne m 2000 ar. 21109 32932 33106 40316 74588 103875 111669 115944 116619 127471 156916 157478 171247 196142 216469 227972 269467 286451 294838 296807 309926 335282 362756 866598 116 Gepinne zu 1000 S. 6560 13266 80477 33502 87353 39125 56930 59345 68782 69817 70997 72323 77133 81362 82906 116252 126099 127198 13290 133811 135129 144208 146149 167343 167763 177247 183741 186133 193015 193241 197672 212882 216744 216712 229182 239863 240120 240885 243318 247116 248896 272175 272213 276813 284064 290384 293361 307391 309560 311964 314354 324777 832192 837614 363406 378600 384144 388097 158 Gewinne zu 500 GR. 3287 6428 6549 10221 0354 14695 15525 19628 24686 26966 36617 46598 47742 49076 60365 52902 57641 60941 33712 64273 65499 68591 76106 76161 79950 31232 90331 90608 91860 95438 99402 106062 08353 111658 126290 127848 128687 141029 47447 165236 155564 170217 179089 173659 85361 196433 198597 218947 225663 230673 233844 246632 268491 272086 272917 272630 275817 275942 294892 299427 299510 309387 312991 312993 316207 817632 322200 323211 328159 333406 834463 354356 354517 365762 366612 384863 386552 397747 3986533 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000. 2 Gewinne zu je 100000. 6 zu je 25000, 88 zu je 10000, 98 zu je 5000, 148 zu je 3000, 470 zu je 2000, 954 zu je 1000, 1568 zu je 500, 4660 zu je 400, u. 100 Schlußprämien zu se 3000 M. 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J. hat der Reichspräsident durch eine besondere„Verordnung gegen Verrat am Deutschen Volke" und hochverräterische Umtriebe die Bestimmungen über Hoch= und Landesverrat ganz besonders verschärft. Besonders beachtlich an dieser Verordnung ist auch der neue Tatbestand über die Verbreitung hochverräterischer Flugblätter. Die Verteiler derartiger Flugblätter pflegten sich bisher mit Erfolg damit herauszureden, daß sie angaben, sie hätten den Inhalt des Flugblattes nicht gekannt. Diese Ausrede verfängt heute nicht mehr. Zur Bestrafung genügt es, wenn die betreffende Person die Möglichkeit hatte, den strafbaren Inhalt zu erkennen. Es macht sich deshalb auch schon der strafbar, der hochverräterische Flugblätter verteilt, ohne den Inhalt gelesen zu haben. Voraussetzung ist nur, daß er in der Lage war, die Prüfung der Schrift vornehmen zu können. Es macht sich neben dem Verteiler auch der strafbar, der derartige Flugblätter zum Zweck der Verteilung bereit hält. Dem Amtsrichter lagen gestern zwei derartige Fälle vor Der Arbeiter Wilhelm St. aus Detmold wurde am Sonnabend voriger Woche von SA.=Leuten angehalten, als er eine Zeitschrift mit der Ueberschrift„Rotes Volksblatt" und„Flugblätter der kommunistischen Partei“ verteilte bezw. verteilen wollte. Beide Schriften hatten durch Aufreizung zum Massen= und Generalstreik einen hochverräterischen Inhalt. Der Angelkagte erklärte, daß er zwar gehört hätte, daß in Preußen ein Verbot über Verteilung derartiger Flugblätter erlassen sei. Von der Verordnung des Reichspräsidenten habe er keine Ahnung gehabt. Er selbst gehöre nicht der kommunistischen Partei an. Die Flugblätter seien ihm in die Wohnung gebracht. Er habe sie nicht weiter durchgelesen und geglaubt, daß er sie, ebenso wie andere Parteien Flugblätter verteilen, zur Verteilung bringen dürfte. Er wollte nur ein Flugblatt an den Mann gebracht haben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu der in der Verordnung vorgesehenen Mindeststrafe von 1 Monat Gefängnis. Der andere Angeklagte, der Uhrmacher S. G. aus Detmold, sollte am Spätabend des 3. März in der Woldemarstraße eine Menge Flugblätter der Kommunisten zur Verteilung gebrach) haben. Der Angeklagte bestreitet das ganz entschieden. An dem fraglichen Abend war der SA. bekannt geworden, daß die Kommunisten eifrig Flugblätter verteilten. Während ein SA.=Mann die Polizei herbeiholte, beobachtete der Zeuge T., daß der Angeklagte unter der Tür eines Hauses etwas hindurch steckte. Im Lichte der Laterne erkannte er den Angeklagten. Außerdem vergewisserte er sich durch Befragung einer anderen Person, die gerade hinzu kam, daß es der Angeklagte war. Der Zeuge T. konnte dann feststellen, daß unter der Tür des hier in Frage kommenden Hauses ein hochverräterisches Flugblatt der Kommunisten hindurchgesteckt war. Das Gericht war der Ansicht, da nur der Angeklagte der Verteiler des Flugblattes gewesen sein konnte. Auch hier gab es die Mindestgefängnisstrafe von 1 Monat Gefängnis. Ueber 22.000 Mark unterschlagen Wir berichteten Mitte Februar über Veruntreuungen in der Gemeinde Asmissen, wobei der Gemeindevorsteher Ridder und dessen Sohn bei der ersten Vernehmung zugaben, etwa 11 500 RM. unterschlagen zu haben. Nachdem zur Sicherheit für die betroffene Gemeinde eine Hypothek hinterlegt war, haben die weiteren Ermittelungen in dieser Angelegenheit ergeben, daß der unterschlagene Betrag weit höher ist als zunächst angenommen wurde. Oberstaatsanwalt Dr. Tornau, der gestern im Lippischen Norden weilte, hat in enger Zusammenarbeit mit dem dort stationierten Gendarmeriebeamten aus Bösingfeld festgestellt, daß insgesamt von Ridder bezw. dessen Sohn 22100 RM. unterschlagen sind. Es handelt sich allein um einen Posten von 8000 RM. für verkaufte Invalidenmarken. Außerdem sind Beträge der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Höhe von über 3000 RM., Pachtgelder, Landwirtschaftskammerbeiträge und Jagdpachtgelder sowie Beiträge zu einer privaten Elektrizitäts=Genossenschaft unterschlagen. Als Haupttäter ist der Sohn des Gemeindevorstehers anzusehen, da dieser in erster Linie die Geschäfte des 70 Jahre alten Vaters besorgte. Ridder jun. hat angegeben, daß er aus wirtschaftlicher Not zu diesen Unterschlagungen getrieben sei, die sich übrigens auf eine Zeitdauer von drei Jahren erstrecken. Ridder jun. wurde gestern verdaftet und dem Untersuchungsgefängnis in Detmold zugeführt. Fahnenverbrennung auch in Bad Salzuflen Nach Lemgo und Lage hat auch Bad Salzuflen den Akt einer Verbrennung einer schwarz=rot=goldenen Fahne erlebt. Donnerstag Vormittag wurde vor dem Rathause in Bad Salzuflen eine auf einer Mistgabel aufgespießte schwarz=rot=goldene Fahne mit Petroleum übergossen und verbrannt. Augenzeuge dieses Verbrennungsaktes waren, während von Salzuflen her Böllerschüsse dröhnten, außer den SA= und SS=Leuten viele Einwohner der Stadt. Aus unserm Lipperland Die kleinen Ursachen Wenn irgendwo etwas Unangenehmes geschieht, so sind es meist sehr kleine Ursachen, die dazu führen. Irgend ein unbedachtes Wort reißt Abgründe auf, die Menschen einander entfremden, die lange Zeit miteinander gegangen sind und aneinander Lebenserfüllung erblickten. Ein kleines Wort kann Brände der Leidenschaft entfesseln, eine Hand erhebt sich zum Schlag, und war sie auch nicht niedergefallen, war es auch nur eine Drohung, so entwickelt sich doch eine Auseinandersetzung, die viel Unheil anrichten kann, deren Ausmaß zum Anfang nicht zu übersehen ist und deren Ausmaß man am Schluß mit Schrecken und Bedauern überblickt. Indessen— kleine Ursachen bewirken auch Gutes, nicht nur Schlimmes. Kleine Ursachen können Krummes gerade biegen, können einen Menschen, der bereits auf schiefer Bahn ist, zurückreißen auf guten Weg. Ein kleines Wort kann eine Leidenschaft, die auflodern will, besänftigen. Eine kleine Freundlichkeit kann einen tiefen Riß in der Freundschaft heilen. Unzählig sind die kleinen Ursachen, die es bewirkt haben, daß Menschen aus bitterer Not zu günstigen Lebensbedingungen gelangten. Allerdings auch umgekehrt. Ein fehlender Punkt in einem Bewerbungsschreiben kann einem anderen Bewerber den Posten geben, der für ein Unternehmen viel weniger geeignet ist, und dieser i=Punkt kann Schuld daran tragen, daß der abgewiesene Bewerber mutlos wird und sich zu einem Schritt entschließt, den er selbst nicht mehr bedauern kann, obwohl er tief bedauerlich ist. Noch viel Möglichkeiten gibt es, unzählige, die alle die große Bedeutung der kleinen Urachen zu beweisen vermöchten. Und es gibt keine gefährlichere Angewohnheit als die des geringschätzigen Achselzuckens, das sagt: Ach, auf diese Kleinigkeit kommt es wirklich nicht an. Eben auf diese Kleinigkeit kann es ankommen, diese kleine Ursache kann sehr große Wirkungen haben. Nichts hat man gering zu achten, denn alles hat an seinem Ort und zu seiner Zeit Bedeutung. Und sehr oft sind die kleinen Ursachen von größerer Bedeutung als das, was man als ungeheuer wichtig ansprechen möchte. Der Stand der Maul= und Klauenseuche Der an sich bereits sehr geringe Umfang der Maul= und Klauenseuche, wie er nach der letzten Uebersicht von Mitte Februar d. J. festgestellt werden konnte, hat bis zum Märzbeginn noch eine weitere Abnahme erfahren. Bei 28 neu aufgctretenen Fällen gegenüber 51 in der ersten Februarhälfte sind jetzt im Reich nur noch 85 mit Maul= und Klauenseuche befallene Gehöfte vorhanden. Mitte Februar belief sich die Zahl der befallenen Gehöfte auf 128 und am 1. März vergangenen Jahres auf 2610. Neben dem Freistaat Braunschweig und Lippe, die bisher schon seuchenfrei waren, ist jetzt auch in SchaumburgLippe die Maul= und Klauenseuche erloschen; im Freistaat Bremen gibt es noch ein verseuchtes Gehöft. Komische Opern in Bielefeld „Die Gärtnerin aus Liebe“ und„Don Ranudo". Das Stadttheater Bielefeld brachte in einer außerordentlich begrüßenswerten Aufführung die 1775 in München uraufgeführte italienische Oper des damals erst 19jährigen Wunderknaben Wolfgang Amandus Mozart heraus, und zwar in der Neubearbeitung von Oscar Bie.„Die Gärtnerin aus Liebe" gehört zur Kategorie der Mozart'schen Buffoopern, die einem Bündnisse von italienischer und deutscher Kunst entsprangen, wenn auch die italienischen Eindrücke überwiegenden Einfluß ausübten. Wir mögen diese Opern, von denen uns leider nur sehr wenige überliefert sind, vor allem wegen ihres köstlichen musikalischen Gehalts, der in für einen Jüngling geradezu erstaunlich reifer Instrumentation zutage tritt. Da bei Mozart die Musik das Primäre ist, kann eine Personalunion zwischen Regie und musikalischer Leitung, wie sie in Bielefeld in der Persönlichkeit Max Cahnbley's zu Nutz und Frominen der Oper besteht, wahre Wunder wirken. Die amüsante Angelegenheit um die Liebe der als Gärtnerin Sandrina verkleideten Marchesa Violante Questi zum Grafen Belfiore mit all' dem einfallsreichen Drum und Dran wurde denn auch von Cahnbley zu einem rauschenden Erfolge geführt, an dem vor allem die Marchesa Senta Wagemann, der wackere Podesta von Lagonero (Ger: Buchheim) und die in Darstellung wie Gesang gleich reizende Erica Mott (Zue Serpetta) Anteil hatten, von denen die letztere auch den geistvollen Vorspruch mit Grazie und Stimme vortrug. Das Orchester hielt die musikalische Linie mit wohltuender Leichtigkeit, sodaß sich die Ausgrabung dieser Oper in jeder Hinsicht als lohnend erwies. Die Dankesbezeugungen des gut besetzten Hauses bestanden in Beifall und Blumen. * Neben die Mozart=Oper hatte man einen uns zeitlich sehr nahestehenden Komponisten gestellt, Othmar Schoeck, dessen zweiaktige komische Oper„Don Ranudo“ wie ein netter, allerdings etwas verspätet herausgebrachter Fastnachtsscherz anmutet. Die Handlung, die nach einem 1752 erschienenen gleichnamigen Lustspiel von Holberg eine handfeste Glossierung eines von Adelsstolz aufgeblähten Menschen, der kaum noch ein Hemd sein eigen nennt, namens Don Ranudo de Colibrados— man beachte: Ranudo ist das Anagramm von O du Nar(r)— darstellt, spielt zwar auch zur Mozartzeit, die Musik ist aber durchaus impressionistisch, Blech und Schlagzeug spielen eine große Rolle und künden die raffinierte Instrumentierung auf Kosten der Melodik; nur das Finale erhebt sich zu gefälliger, farbenreicher Harmonie. Die Oper des Schweizers Schoeck(geb. 1866) ist also in ihrer„modernen“ musikalischen Ausdeutung Mozart völlig entgegenarbeitend. Insofern stört sie den Gesamteindruck dieses Abends. Die Inszenierung von Alfred Nicolai läßt bei den hübschen Bühnenbildern Fritz Kigler's keine Wünsche offen. Der große Ulk geht mit großem Aufwand in Szene, ein ganzer schwarzer Mohrenstamm mit seinem schwarzen Fürsten— in Wirklichkeit ist der Mann allerdings ein einfacher Gemüsehändler — zieht auf, in der Musik dröhnt das Blech und rasselt das Schlagzeug. Mehr für das Auge als für das Ohr. Willy Buhlmann in der Titelrolle erfreute ebenso durch seine unnachahmliche Mimik wie durch sein solid fundiertes Organ, Hilde Wild=Geer(Maria) wurde in ihrer kleinen Partie überstrahlt von Margot Stahl, deren Donna Olympia dem ganzen Spiel den komischen Stempel aufdrückte. Paul Belac mimte mit viel Geschick einen Gerichtsvollzieher, der dem hohen Adelsträger die ganze Wohnung ausräumt, wahrend Erica Mott wieder in einer allerdings kleineren Zofenrolle sehr sympathisch berührte, dabei unterstützt von Leo Falk(Diener Petro). Ernst Weil's Graf Gonzola war ziemlich blaß. Das Publikum zeigte sich für diese Kostprobe der neueren komischen Oper sehr dankbar und überschüttete Intendanten. Regisseur und Darsteller mit Beifall. Dr. R. Gefallenen=Ehrung im Landestheater In einer Zeit, wo politische Vorgänge ganz anders als je zuvor alle Gemüter bewegen, muß das Theater natürlich auch seine Darbietungen aus Gebieten wählen, die die Gemeinschaft interessiert, an die es sich wendet. Das muß nicht„politisches", d. h. Tendenztheater sein. Es muß sich eingliedern in den starken Kreis völkischen Geschehens und Wirkens, der unser Volksleben jetzt überall durchblutet, und aus dem eine Klärung, eine Gesundung auch für das deutsche Theater kommen soll. Aus diesen Erwägungen heraus und zahlreichen Wünschen entsprechend, hat sich die Theaterleitung entschlossen, am kommenden Sonntag nicht Sudermanns „Hasenfellhändler“, sondern das historische Schauspiel„Katte“ zur Aufführung zu bringen. Wir begrüßen den Entschluß der Theaterleitung und nehmen gleichzeitig Anlaß, alle national denkenden Kreise aufzufordern, die Aufführung am Sonntag zahlreich zu besuchen. Die bisherigen Aufführungen im Landestheater haben bewiesen, daß dasselbe auch literarisch wertvolle Werke aufzuführen in der Lage ist, zumal die einzelnen Rollen ausgezeichnet besetzt sind. Haushaltsplan=Feststellung verzögert Weiterbewirtschaftung nach Art. 47 der Verfassung. Aus dem Büro der Landesregierung wird uns geschrieben: Die Vorarbeiten für den Staatshaus. haltsplan 1933 haben mit Rücksicht auf die Dienst- und Geschäftslage der Landesregierung in den vergangenen Wochen noch nicht zum Abschluß gebracht werden können, ihre Erledigung ist im Augenblick aber auch untunlich, weil u. a. die Gestaltung einiger Reichsbestimungen abgewartet werden muß, von denen Maßnahmen auf dem Gebiete der Landessteuern(Realsteuern, Jilialsteuer usw.) abhängig sind oder die in sonstiger Beziehung die Einnahmeseite des Staatshaushaltsplanes berühren können. Wann die in Betracht kommenden Entscheidungen im Reichskabinett fallen und veröffentlicht werden, kann noch nicht gesagt werden. Keinesfalls ist aber— auch mit Rücksicht auf die schwierige und zeitraubende Drucklegung— damit zu rechnen, daß in diesem Jahre die in der Verfassung und in der Haushaltsordnung vorgesehenen Termine zur Vorlegung und Verabschiedung des Staatshaushaltsplanes innegehalten werden können. Die Landesregierung hofft, spätestens Ende April d. J. den Staatshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1933 dem Landtage vorlegen zu können. Bis dahin wird die Bewirtschaftung der Landeseinnahmen und-ausgaben nach Ark. 47 der Landesverfassung weitergeführt. Etwa erforderlich werdende Uebergangsbestimmungen werden zum 1. April d. J. im Wege der Notverordnung erlassen. Hauptausschußz tritt zusammen Auf Mittwoch, dem 15. März, 10 Uhr vormittags ist eine Sitzung des Hauptausschusses des lippischen Landtages einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Wahl von drei Mitgliedern für das Finanzgericht in Münster, die auf Grund einer Neueinrichtung durch die Finanzgerichtsordnung vom 16. Dezember 1932 notwendig geworden ist, und die Besprechung der Geschäftslage des Landtags. Endlich offizieller Volkstrauertag Schwarz=weiß-rot auf Halbmast und Schulfeiern. Die Landesregierung hat beschlossen, am Volkstrauertage die öffentlichen Gebäude in den Landesfarben halbmast zu beflaggen. Zu Ehren der Toten des Weltkrieges, die ihr Leben unter der Flagge schwarz=weiß=rot dahingegeben haben, ist neben der Landesfahne schwarz=weiß=rot zu setzen, soweit eine solche bei den Behörden vorhanden ist oder ohne besondere Kosten beschafft werden kann. Am Vortage des Volkstrauertages, also am Sonnabend, dem 11. März, ist in allen Schulen des Landes des Tages feierlichzugedenken. Richard Zoozmann 70 Jahre alt Gibt es einen Gebildeten, der Zoozmann nicht kennt? Sein„Zitatenschatz der Weltliteratur“ ist in jedem Bücherschrank zu finden. Als Dantenachdichter hat er alle bisherigen Uebersetzer unwidersprochen übertroffen. Die Dantebücher sind in über 150000 Exemplaren verbreitet. Seine letzte große Glanzleistung ist„Laudate Dominum“, 400 altchristliche Kirchenlieder(v. 300 bis 1900). Nach Maximilian Bern war Zoozmann der Herausgeber der„Zehnten Muse“. Bekannt geworden sind auch seine Galderonbearbeitungen, die Anthologien und vor allem die vielen Kinderbücher. Seine„Musenkinder“ erschienen in 80 000. Ihnen folgten die„Unartigen Musenkinder". Geboren ist der Dichter in Berlin. Sein Vater war Obertribunalsbeamter, in Rathenow. Ursprünglich Privatbankbeamter, ging er seinen Neigungen nach und wurde einer der bekanntesten deutschen Dichter. Daß er neben seinen eigenen Werken die unzähligen Anthologien— Dantenachdichtungen, Galderonbearbeitungen und sein „Laudate Dominum“— herausgab, wird ihm das deutsche Volk zu danken wissen. Und wenn wir ihm heute, an seinem 70. Geburtstage, statt der Preußischen Staatsmedaille, wie sie seinem Rollegen Hauptmann verlichen worden ist, einen herzlichen deutschen Dank für all seine Arbeit. sein Mühen übermitteln, dann wird Richard Zoozmann beglückter sein, als sein Kollege mit der Staatsmedaille. Am 13. März wollen wir des Dichters gedenken, um den nicht viel des Aufhebens gemacht wird, der dem deutschen Volke aber mehr aufgehoben hat, als mancher, um den viel des Aufhebens gemacht wurde! Wir wollen dem Dichter. der heute in seinem geliebten Schwarzwald, in Herrenalb, wohnt. die Treue beweisen, wie er sie seinen Verehren hält, mit den Worten, die er mir geschrieben hat: „Und meinen Verehrern gelobe ich, Daß ich ihnen Treue bewahre Und Tankbarkeit auch fernerhin Für die nächsten siebzig Jahre!" Fischer=Friesenhausen. Aus der Landeshauptstadt Detmold, 10. März 1933. Früblingtahnen Run sind wir wieder einmal so weit und dürfen ohne Uebertreibung sagen:„Die Welt wird schöner mit jedem Taa...! Die Macht des Winters ist endgültig gebrochen. Milde Temperaturen locken nun die Menschen aus den engen vier Wänden, hinaus in die erwachende Natur. In der Allee, im Palaisgarten und auf den schönen Wegen am Büchenberge sind die ersten Kinder190 lich noch wenigen Bänken Platz genommen, während milder Sonnenschein die zarten Knospen an den Sträuchern vorwärtstreibt. Die Vogelwelt fubiliert zur Mittagszeit mit wachsender Begeisterung. In den Gärten läuten Schneeglöckchen den Frühling ein. Seidenweiche Kätzchen erfreuen am Wegrand das Auge, während zierliche Gräser eine merklich frische Farbe bekommen, selbstverständlich die Modefarbe grün! Schon in zehn Tagen wird der Frühling offizlell zu uns kommen. Dann werden vielleicht schon die bunten Anemonen leuchten und Veilchen wieder duften. Frühlingsahnen erfüllt unser Herz.. Ko * Neue Wohnungen am Doktorweg Nachdem vor einem Jahre seitens der Stadt Detmold am Doktorweg zwei Reihenhäuser errichtet und in erster Linie von Kleinrentnern bezogen waren, gehen setzt weitere Reihenbäuser, in eigener Regie von Maurermeister Merk ausgeführt, ihrer Vollendung entgegen. Bereits am 1. April werden hier acht neue Wohnungen mit brei und vier Zimmern, sämtlich mit Badeeinrichtung versehen, bezogen. Die neuen Wohnungen passen sich dem verringerten Einkommen weiter Kreise an und sind zu verhältnismäßig niedrigen Mieten bereits sämtlich in festen ZAnden. * Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zu der am Sonnabend, 11. März, 20 30 Uhr, im Ev. Vereinshause stattfindenden Toten= gedenkfeler wird hiermit nochmals jedermann freundlichst eingeladen. Eintritt frei! * Eine Familienseler des BDA. Der Vorstand der Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande lädt seine Mitglieder auf nächsten Donnerstag, dem 16. März. nachmittags 4 Uhr, wieder einmal zu einer samiliären Feler in das Gesellschaftsbaus ein. Im Mittelpunkt der Dardietungen wird ein Lichtbildervortrag des weitbekannten Vorkämpfers des Deutschtums in Süd=Tirol, des Grafen Bossi=Zedrigotti stehen. Für freundliche Ueberraschungen anderer Art wird der Frauenausschußz des BDA. sorgen. Zugleich soll damit eine Feier des zehnjährigen Bestebens der Schulgruppe an unserem Oberlozeum verbunden werden. Selbstverständlich sind auch andere Freunde der Sache, die nicht Mitglieder des BDA. sind, willkommen. Reichszuschüsse für Wohnungsinstandsetzungen Der Herr Reichsarbeitsminister hat an die Länderregierungen folgendes Rundschreiben = IV 7803/32 Wo— versandt: „Aus Mitteilungen, die mir zugehen, entnehme ich, daß in einer Reihe von Fällen Zuschüsse für Arbeiten beantragt sind, die nicht sofort, sondern erst nach längerer Zeit, zum Teil erst gegen Ende des Winterhalbjahrs, begonnen werden sollen. Die Auswirkung auf den Arbeitsmarkt würde in diesen Fällen erst nach einem gewissen Zeitraum eintreten. Die Lage des Arbeitsmarkts erfordert es jedoch, daß möglichst sofort Arbeitsgelegenheit geschaffen wird. Dieses Ziel darf auch bei der Vergebung der Reichszuschüsse für Instandsetzungs= und Umbauarbeiten nicht außer acht gelassen werden. Ich bestimme daher folgendes: Bei der Vergebung der Mittel sind in Zukunft in erster Linie solche Anträge zu berücksichtigen. bei denen sofort oder innerhalb kurzer Zeit mit den Arbeiten begonnen werden soll. In dem Vorbescheid ist die Zusage des Zuschusses davon abhängig zu machen, daß diese Bedingung erfüllt wird. Der rechtzeitige Beginn der Arbeiten Ist nachzuprüfen und eine sofortige anderweitige Verteilung der Mittel vorzunehmen, falls sich bei der Prüfung ergibt, daß die Arbeit in der vorgesehenen Frist nicht begonnen ist. Unter den danach in Betracht kommenden Anträgen sind solche Anträge in erster Linie zu berücksichtigen, bei denen die Arbeiten voraussichtlich noch im Winterhalbjahr, spätestens am 1. Mai 1933. beendet sein werden. Ich bitte ergebenst, die mit der Vergebung der Mittel beauftragten Stellen entsprechend anzuweisen. Nach den Bestimmungen vom 17. September 1932 beträgt der Reichszuschuß für Instandsetzungsarbeiten 20 v. H. der Kosten, für Umbauarbeiten grundsätzlich 50 v. H. der Kosten. Nach einer Mitteilung des Zentralverbandes deutscher Haus= und Grundbesitzervereine e. V. beabsichtigen einzelne Gemeinden, in denen die überwiesenen Mittel nicht ausreichen, die Mittel anteilmäßig auf alle Anträge zu verteilen. Die Folge hiervon wäre, daß der einzelne Hausbesitzer nicht den nach den Richtlinien vorgesehenen Zuschuß, sondern einen geringeren Betrag erhalten würde; nach Mitteilung des Zentralverbandes ergibt sich z. B. in einer Gemeinde nur ein Zuschußbetrag von 8 v. H. anstatt 20 v. H. Eine solche Regelung widerspricht einmal den Reichsbestimmungen, sie dürfte aber auch in der Praxis die Durchführung der Arbeiten erschweren. Für ein den einzelnen Hausbesitzer ist es oftmals nur unter Schwierigkeiten möglich, sich den Teil der Kosten zu beschaffen, den er selbst aufzubringen hat; erhält er nur einen geringeren Reichszuschuß, als er bei der Finanzierung in Rechnung gestellt hat, so wird er die Arbeit oft nicht mehr ausführen können. Zumindest kann der Beginn der Arbeit verzögert werden. Diese Folgen müssen jedoch im Interesse rascher Arbeitsbeschaffung vermieden werden. Ich bitte daher, die mit der Verteilung der Mittel beauftragten Stellen darauf hinzuweisen, daß eine Kürzung des Zuschusses im Einzelfall nicht zulässig ist. Besonderen Wert lege ich darauf, daß die Auszahlung eines endgültig festgestellten Zuschußbetrages mit größter Beschleunigung erfolgt. Ich stelle daher anheim, die endaültig bewilligten und zur Auszahlung fälligen Rittel jeweils zum 1. und 15. jedes Monats bei mir anzufordern.“ * Warnung! Seit einiger Zeit erscheint in hiesigen Haushaltungen eine angeblich aus Polen ausgewiesene Frau, die gebrochen deutsch spricht und Wurst zum Kauf anbietet. Es muß angenommen werden, daß diese Frau zu einer Diedesbande gehört und sich der Hehlerei schuldig macht. Falls die Frau irgendwo auftauchen sollte, wird um sofortige Verständigung der Kriminalpolizei in der alten Schule am Markt ersucht. Vor Ankauf von Wurstwaren wird gewarnt. * G#r An Ssenechun Deutsch=Svang. Frauenbund Uns wird geschrieben: Am Sonntag. den 19. März, veranstaltet der Kinderhort nachmittags 5 Uhr im Anbau des Evangel. Vereinshauses eine kleine Frühlingsfeier. Die Kinder führen Kreisspiele auf. singen Lieder, die Größeren sagen Frühlingsgedichte von Hermann Löns und Ludwig Holty. den Mittelpunkt der Vorführungen bildet das Märchenspiel von der Frau Holle. Zweck dieser Veranstaltung ist. den Eltern der Kinder und Freunden unserer Arbeit zu zeigen was der Kinderhort will und was er leistet Gleichzeitig möchten wir dadurch einen kleinen Teil der Unkosten decken, die uns während des Winters durch diese Arbeit erwachsen sind. Von einer größeren Veranstaltung haben wir diesmal zur Vermeidung von Kosten leider absehen müssen. Wir bitten unsere Mitglieder aber herzlich. ihr Interesse an unserer Arbeit durch ihr Erscheinen zu bekunden oder im Behinderungsfalle unser Liebeswerk an den Kindern durch eine kleine Geldspende zu unterstützen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 50 Pfennig. für Kinder 20 Pfg. Für unsere seit drei Wintern mit so gutem Erfolge arbeitende Nähstube für erwerbslose junge Mädchen ist es uns erfreulicherweise gelungen, die Anerkennung als Kursus für berufliche Fortbildung zu erwerben. Dem Nähkursus sind jetzt noch wöchentlich zwei Gymnastikstunden angegliedert worden, wo die jungen Mädchen ale Ausgleich zur sitzenden Lebensweise des Nähens mit ganz besonderer Freude den körperlichen Uebungen obliegen. * * Landestbeater. Die Intendanz schreibt: Heute, Freitag, 19 50 Uhr. findet die Erstaufführung des urkomischen, Lachstürme auslösenden Schwankes„Der blaue Heinrich“ statt. Ueber eine vor kurzem in Trier stattgefundene Aufführung ist zu lesen:„Man nimmt alles von der heiteren Seite, lacht sich gesund über die Komik der Handlung. über die frischen Wortwitze und die geradezu überraschend aufgezogene Situationskomik". auch in Leipzig wurde festgestellt:„Das Publikum lacht in allen Tonarten und spendet stürmischen Beifall“. Es ist deshalb gut, sich von der komischen Wirkung des Schwankes selbst zu überzeugen und selbst einen Abend lang vergnügt zu lachen. *„ L e u t n a n t K a t t e“ z u m G e s a l l e n e n= G e d e n k toa. Zum Gefallenen=Gedenktag. Sonntag. 12. März, wird 19,50 Uhr das historische Schauspiel„Leutnant Katte“ aus der Jugendzeit des gröbten Preußenkönigs zum letzten Male im Landestheater aufgeführt. “ Theater=Abonnemenk. Es wird nochmals um umgebende Einzahlung aller restlichen Abonnementsraten gebeten. Kauft Deutsche Waren! Lippischer Kriegerbund Sonntag— Reminiscere. Das geschäftsführende Bundespräsidium hat Veranlassung, die Vereine auch seinerseits darauf aufmerksam zu machen, daß der nächste Sonntag Reminiscere dem dankbaren Gedenken unserer auf dem Felde der Ehre gefallenen oder infolge des Weltkrieges heimsegangenen Kameraden gewidmet sein soll Insere Reichsregierung hat dazu auch beondere Anordnungen gegeben. Es wird tieem Herzensbedürfnis unserer Kameraden und Kameradinnen entsprechen, die örtlichen Feiern mitzumachen, sowie auch die Gottesdienste zu besuchen, in denen wohl bestimmt entsprechende Gedenkpredigten zu erwarten ein werden. Schon am letzten Abgeordnetentage haben wir unter näheren Erläuterungen eine derartige Teilnahme an den Gedenkfeiern des Volkstrauertages einzeln oder in geschlossenen Vereinen auch für den Fall warm empfohlen, daß schon am vorhergehenden Totensonntage besondere Feiern zu Ehren unserer Helden stattgefunden haben. In Detmold veranstaltet außerdem die Ortsgruppe Detmold des Volksbundes Deutsche Kriegsgröberfürsorge am Vorabend Sonnabend, dem 11. März, 8.30 Uhr abends im Evangelischen Vereinshause eine schlichte Gedenkfeier für die im Weltkriege gefallenen Brüder und hat dazu unsere Kameraden und Kameradinnen herzlich eingeladen. Die Teilnahme auch an dieser Feier wird ebenfalls warm empfehlen. 1000 Geistliche Musikaufführung des Kirchenchors der Reformierten Gemeinde anläßlich des Volkstrauertages. Als allgemeiner Trauertag für die deutschen Brüder, welche im Weltkriege ihr Leden dem Vaterlande zum Opfer brachten ist der nächste Sanntag bestimmt worden. In solchen Stunden ist man empfänglich für ein tröstendes Wort, es wird uns geboten im Gottesdienst der Kirche und sonstigen Veranstaltungen, welche auf die Bedeutung des Tages eingestellt sind. Zu diesen drüsen wir auch die geistliche Musikaufführung des Kirchenchors zählen, welche am Sonntag abend in der Kirche stattfindet. Die Vorträge sind in Ton und Dichtung auf den Tag abgestimmt, sie wecken Wehmut in uns, aber sie stärken uns auch im Glauben. Wir möchten daher wünschen, daß recht viele der freundlichen Einladung des Kirchenchors folgen würden. * * Der Kirmestrubel hatte die Straßen unerwartet stark beledt. Besonders waren wiederum viele Leute vom Lande zu diesem Tage in die Stadt gekommen. Man sieht daraus, daß die alten Bräuche doch gepflegt werden sollten, können sie doch sehr oft eine Quelle zur Belebung des Wirtschaftsledens sein. Wenn der Verkehr auf dem Marktplatz auch zweifellos durch solch einen Betrieb gestört wird, so empfinden die Geschäftsleute aber den erhöhten Brkehr in der zentralen Lage doch sehr angenehm. ANNE KARINE CORVIN GAGEA VON RING ACNDRUCR Einzige berechtigte Obersetz dem Nerwegischen von ClAre GrCverUS MIOen 6. Fortsetzung. Kemenate“, sagte Anne Karine. „Cor—bi——nia? Weißt du nicht, daß ich deine Tante din?“ Frau Corvinia plusterte sich auf und wurde noch röter. „O doch, aber Vater und Onkel sagen auch Corvinia", antwortete Anne Karine unbeirrt, „eigentlich sollte es dir doch mehr Spaß machen, bloß Corvinia zu heißen. Tante klingt doch so alt, nicht?“ „Willst du augenblicklich Tante sagen“, sagte Frau Corvinia. „Tante“, sagte Anne Karine und lachte. „Du lachst?“ Lachst du über mich?“ „Ja. Zu Haus darf ich lachen, soviel ich vill. Ich bin mordshungrig,„Tante' Coreinta“, sagte Anne Karine und stopfte eine halbe Semmel in den Mund. Sie saß da und sah ihre Tante an, die ihrerseits tat, als ob Anne Karine Luft wäre. „Tante Corvinia, du bist hübsch. Du stehst aus wie Urgroßvater auf dem Bild zu Haus“, lagte Anne Karine. Hätte Anne Karine tagelang studiert, sie Atte kein besseres Mittel finden können, Frau rvinia zu besänftigen. Die Aehnlichkeit mit Irem Grozvater war Frau Corvinias ganzer 913. Sie lächelte freundlich. „Es freut mich, daß man das noch sehen lann, trotzdem ich älter geworden bin“, sagte. le.„Uebeigens bist du selbst eine echte Torvin. Aber du mußt versuchen, dir eine bessere Sprache anzugewöhnen. Blödsinnig eine Kemenate' klingt nicht gerade hübsch.“ „Nicht?“ sagte Anne Karine. „Na ja, du wirst's mit der Zeit schon noch lernen“, sagte Frau Corvinia liebenswürdig. IIch habe dich übrigens in einer Fortbildungsschule für junge Mädchen angemeldet, die einer der Adjunkte an unserer Schule soeben errichtet hat.“ „In die Schule brauch' ich nicht mehr. Onkel Mandt hat gesagt, ich kann alles, was man braucht", protestierte Anne Karine.„Ich bin doch konfirmiert.“ Frau Corvinia nahm Anne Karine mit in die Stadt zum Einkaufen für die Gesellschaft, die morgen, am Geburtstag des Oberstleutnants, stattfinden sollte. Und Frau Corvinias Ansichten über Anne Karine desserten sich bedeutend. Sie verstand ja was vom Gemüse, das Kind. Sie war empört über die Fleischpreise. Und sie fand, daß die Frau Amtmann, der sie begegneten, aussähe wie„ein runzliger, essigsaurer Apfel". Die Frau Amtmann war Frau Corvinias Antipode. Die ganze Stadt wußte, daß Frau Corvinia ihre Nichte erwartete. Und aller Augen sahen nne Karine nach, wie sie, die Hände in den Manteltaschen, das Näschen in der Luft und die Mütze schief auf dem Jungensköpschen dahertrabte. Auf dem Heimweg begegneten sie dem feierlichen Konsul Neyler, mit hängender Nase und hängendem Schnurrbart, und seiner hübschen sungen Frau. Sie blieben stehen, und Anne Karine wurde vorgestellt. Sie starrte die schöne junge Frau in offenbarer Bewunderung an. „Nun, wie gefällt Ihnen unsere gute Stadt, liedes Fräulein?“ fragte Frau Neyler. „Es ist die zweithübscheste, die ich gesehen habe, aber ich habe freilich nur zwei gesehen“, agte Anne Karine.„Heiliger Bimbam, glotzen die einen hier an.“ Frau Reyler schüttelte sich vor Lachen, am meisten über die Gesichter von Frau Corvinia und ihrem Mann. „Aber Kind, wo hast du nur diesen entsetzlichen Ausdruck her“, sagte Frau Corvinia, da sie endlich ihre Sprache wieder gewann. „Von der Schule vermutlich. Mein Lehrer pflegte ihn zu brauchen.“ denn „Den sollten wir uns eigentlich mal langen“, sagte Frau Reyler,„er würde hier sicher Glück machen.“ „Er sagt auch„Tod und Schmalzlerche'.“ sagte Anne Karine.: „Ich gebe dich auf. Anne Karine“, sagte Frau Corvinia vernichtend. „Kommen Sie zu mir, Fräulein Corvin. Wir werden sicher gut Freund werden“, sagte Frau Neyler.„Sie müssen mich besuchen und sich meinen süßen kleinen Bengel ansehen.“ „Haben Sie kein Pferd? Wann soll ich kommen?" fragte Anne Karine. „Je eher, je lieber", lachte Frau Neyler. „Heut muß ich erst mein Geburtstagsgeschenk für Dietrich zurechtmachen und morgen kommen Sie ja zu uns. Aber übermorgen komme ich", sagte Anne Karine. Den Rest des Tages halfen die Rothaarige und Anne Karine Frau Corvinia bei den Angelegenheiten des Hauses. Und Anne Karine bekam den Löwenanteil an Schelte. Die Rote fand, sie habe seit langem keinen so guten Tag gehabt. Frau Corvinia gab nur widerstrebend Anne Karine die Erlaubnis, morgen mit auszureiten. Aber sie gab sie doch. * Der General hielt vor der Treppe, und der Bursche kam mit dem Pferd des Oberstleutnants. Anne Karine hatte sich ausgebeten, die„Jungfrau“ selber satteln zu dürfen. Und ehe noch der Oberstleutnant im Sattel war, schritt aus der Stalltür die„Jungfrau“— mit dem alten Herrensattel des Oberstleutnants— und obendrauf Anne Karine in blauen Jungenshosen. Der Oberstleutnant machte ein recht dummes Gesicht.„Aber Kind, du hast mir doch gesagt, du hättest dein Reitkleid mit?" stotterte er. „Na ja, das hier ist doch mein Reitkleid. Sie haben mir freilich zur Reise so'n ekelhaftes Ding geschneidert— mit ellenlangem Rock. Aber welcher vernünftige Mensch hängt sich denn in'nem Schlepprock der Quere nach auf das Pferd“, antwortete Anne Karine weise.„Da hab ich sie halt angeführt und mein olles liebes Reitkostüm mitgenommen. Das andre Dings liegt unter der Matratze auf dem Näshyhof.— Guten Morgen. General“, sagte sie und griff an die Mütze, alt der Oberstleutnant sie vorstellte,— während er unablässig zu den Fenstern hinaufschielte. „Du brauchst keine Bange zu haben, Dietrich. Sie hat Kopfweh; die Rote reibt ihr die Schläfen und kratzt ihr den Kopf. Na, denn man los.“ Anne Karine galoppierte davon. leb nichts Und den zwei Herren blieb nichts übrig, als hinterer zu galoppieren. Anne Karine und der General wurden Busenfreunde. Besonders begeistert war Anne Karine, daß der General keine Frau hatte.„Die Ehe ist nämlich die Wurzel alles Uebels“, erklärte sie.„Ich wette, daß Dietrich keinen höheren daß er-——.— Ich Gunsch hat, als er keine Angst vor Corvinia zu haben brauchte.“ Der Oberstleutnant machte ein verzweifeltes Gesicht. Aber der General war einfach weg und sagte, Anne Karine sei ein Unikum. „Ist das was Hübsches“, fragte Anne Karine. „Was sehr Hübsches“, lachte der General. „Dann ist Frau Neyler eins. Sie bekäme auf der Tierschau totsicher die goldene Medaille“, sagte Anne Karine. Der Oberstleutnant und Anne Karine gelangten glücklich ins Haus, ohne daß Frau Corvinia das Kostüm ihrer Nichte entdeckte. Aber der Oberstleutnant riet ihr aufs inständigste, doch nach Haus zu schreiben nach dem andern Reitkostüm. Frau Corvinia war mit den Vorbereitungen für den Abend beschäftigt, und sie und der Oberstleutnant hatten ihre gewohnten Meinungsverschiedenheiten über die Tischordnung. Die Lichter im Kronleuchter brannten. Der Oberstleutnant musterte sich vor dem Spiegel im Saal, und Frau Corvinia warf einen letzten Blick auf die Tafel. Da endlich kam Anne Karine angesaust in einem weißen Kleid, offen im Rücken— und mit dem unverkennbarsten Stallparfüm über ihrer Person. „Dietrich, bitte, hilf mir zuknöpfen. Schnell“, kommandierte sie. „Bist du im Stall gewesen, im Gesellschaftskleid? Du brauchst es übrigens nicht erst zu erzählen.“ Der Cberstleutnant mühte sich noch mit dem Zuhaken ab, als der General schon eintrat, Der General kam immer zu früh. (Kortsetzung folat) Schlhmar Tolengedenkseter Am 12. d. M.(Volkstrauertag), nachmittags 5.30 Uhr, findet im Gemeindehause eine Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges statt, zu der hiermit herzlichst eingeladen wird. Der Vorsitzende des Landesverbandes Lippe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge— Oberregierungsrat Dr. Petri— wird u. a. über die Aufgaben des Volksbundes sprechen. Außerdem wird eine Lichtbildserie vorgeführt werden. Der Cintritt ist frei. Bad Salzuflen Einen Unfall erlitt der 21jährige Elektrotech= niker R. Meyer, Sohn des Werkmeisters MeierSophienstraße. M. war an einer Kreissage mit dem Schneiden von Brennholz beschäftigt, als plä zlich das Holzstück infolge einer schlechten Stelle ausglitt und M. mit der linken Hand der Kreissäge zu nahe kam. Ihm wurden hierbei drei Finger glatt abgeschnitten, außerdem erlitt er an dieser Hand noch eine weitere Schnittwunde. Er mußte sofort dem Hoffmannstift zugeführt werden. Der Fluchtlinienplan der projektierten Verbindungsstraße von der Wüstener Straße zur Stauteichstraße liegt augenblicklich im Stadtdauamt öffentlich aus. Einwendungen gegen diesen Plan sind dort in der Zeit vom 13. März bis 8. April anzubringen. Schlußsingen der Singwoche. Das Schlußsingen der Singwoche unter Leitung von Herrn Kantor Stier findet am Freitag abend 8 Uhr im Rahmen des Passionsgottesdienstes der luth. Gemeinde statt, worauf wir besonders aufmerksam machen. Die Salzufler Straßenbahn G.m.b.H. hielt im Montag nachmittag die diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, in der insgesamt 16 650 RM. Gesellschaftsanteile stimmberechtigt vertreten waren. Aus dem vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Herrn Salinendirektor Horstmann bekannt gegebenen Geschäftsbericht eentnehmen wir, daß leider infolge der trostlosen Wirtschaftslage auch das vergangene Jahr nicht mit einem Gewinn abschließen konnte. Den Einnahmen von 22 605,99 RM. standen Ausgaben in Höhe von 23215,11 RM. gegenüber, so daß ein Verlust von 609,12 RM. verblied. Zuzüglich des aus den früheren Jahren (durch Abschreibung des Geleisunterdaues) übernommenen Verlustes von 15 418,18 RM. ergibt sich jetzt ein bilanzmäßig verzeichneter Verlust von insgesamt 16027.29 RM. Da im Vorjahre bereits eine erhebliche Herabsetzung des Stammkapitals beschlossen ist, die jedoch erst zum 30. September 1933 in Kraft tritt, wird sich alsdann duchmäßig dieser Verlust wieder ausgleichen. Aus einer mitgeteilten Aufstellung war zu ersehen, daß allein für Steuern und Haftpflichtversicherung 3282 RM. und für Bankzinsen 3289 RM. aufzubringen waren. Dem Geschäftsbericht wurde alsdann zugestimmt und dem Geschäftsführer Herrn Neuotto, Entlastung erteilt. Das satzungsgemäß ausscheidende Mitglied des Aufsichtsrats, Herr Maurermeister Fr. Horstmann, wurde wiedergewählt, und zum Schluß noch verschiedene interne Verwaltungsangelegenheiten bekannt gegeden. Erfolgreiche Berufung Die Ehefrau Elisabeth St. in Hamm war vom großen Schöffengericht in Detmold wegen Urundenfälschung und Betruges zu einer Geängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt. Die som Schöffengericht weiter erkannten Gefängnistrafen sind dadurch, daß das Verfahren auf Grund der Amnestie eingestellt ist, erledigt. Die Angeklagte erklärte in der Berufungsverhandlung, daß sie die Tat aus wirtschaftlicher Not begangen habe. Die Amnestie umfasse die Anklage auch insoweit. Die Strafkammer stellte nach längerer Beratung auch in diesem Falle auf Grund des Reichsgesetzes über Straffreiheit das Verfahren gegen die Angeklagte ein. Erhöhte Strafe. Am 9. Juli 1932 fand bei dem Gastwirt H. in Leopoldshöhe eine Tanzlustbarkeit statt. Der zutändige Gendarmeriewachtmeister übte von ungeähr 11 Uhr ab die Aufsicht aus. Bereits im Saale herrschte eine schwüle Stimmung, die beonders dadurch hervorgerufen wurde, daß sich einige auswärtige Burschen recht flegelhaft benahmen. Wie nicht anders„zu erwarten, kam es bald im Flur der Gaststätte zu einer Schlägerei. in dem diese Burschen ohne Grund über einen Festteilnehmer herfielen und ihn mißhandelten. Der Wachtmeister, der die Ruhe wieder herstellen wollte, wurde von diesen Burschen ebenfalls attackiert. Aber hiermit nicht genug, fielen die Burschen später nochmals über den Wachtmeister her, schlugen ihn hinterrücks mit der Faust an den Kopf, warfen ihn zur Erde und mißhandelten ihn, da der Wachtmeister sich der Uebermacht nicht erwehren konnte. Das Schöffengericht in Oerlinghausen verurteilte den Knecht Heinrich H. in Bechterdissen zu einer Geldstrafe von insgesamt 150 R. K. den Melter Weinrich W. in Greste wegen Widerstandes und Beleidigung zu 8 Wochen Gefängnis. den Knecht Wilhelm K. in Dortmund wegen schwerer Körperverletzung zu einem Monat Gefängnis und den Kuecht Karl H. in Bechterdissen Für die ehemaligen Schüler des Lemgoer Gymnasiums findet am kommenden Sonnabend im Saale des Hotel Losch(Stöckel) die erste größere Zusammenkunft statt, in der über die 350=Jahrfeier des Lemgoer Gym nasiums beraten werden soll. Für diese Zu sammenkunft hat sich bereits eine ganze An zahl von ehemaligen Schülern des Lemgoer Gymnastums, die auswärts wohnen, angesogt. Sie zeigen ein großes Interesse für die Jahrhundertfeier, an deren Vorbereitung sie gerne teilnehmen wollen. Die ehemaligen Schüler des Gymnastums, die in Lemgo und seiner näheren Umgebung wohnen, dürfen hier nicht nachstehen und müssen sich mit noch größerem Interesse an den Vorbereitungen für die Feier beteiligen, die in ihrer Stadt im August abgehalten wird und ihr helmatliches Gymnasium betrifft. Es ist deshalb eine selbstverständliche Ehrenpflicht eines jeden ehemaligen Schülers des Gymnasiums, der in Lemgo und Umegbung wohnt, an der Versammlung am Sonnabend im Hotel Losch, die um 8,15 Uhr beginnt, teilzunehmen und so zu beweisen, wie die ehemaligen Lemgoer Schüler des Gymnasiums an ihrer Schule hängen und wie insbesondere sie dafür sorgen wollen, daß die 350=Jahrfeier des Gymnasiums würdig begangen werden kann Jugelassen. Wie aus dem Anzeigenteil der heutigen Ausgabe hervorgeht, ist Herr Dr. nied. Herbert Krop, Breite Straße 33, zu sämtlichen Krankenkassen zugelassen worden. Horn Aus der Vogelwelt. =a= Seltene Gäste vom hohen Nordland wur den in den letzten Tagen in der Umgebung von Horn beobachtet. Ein Schwarm der seltenen Seidenschwänze, ca. 40 Stück, hielt sich auf den Obstbäumen bei der Obermühle auf. Die starengroßen Vögel, mit ihrer hohen Haube und dem burten Gefieder saßen einträchtig bei einander. Ad und zu flog einer ab und per suchte nach Ar! der Fliegenschnäpper eine Mücke zu erhaschen. Diese Vögel, deren eigentliche Heimat Grönland und Lappland ist, verlassen Dies und Das vor dem Richter wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 R.c.— Die Staatsanwaltschaft hat, da ihr die Strafen zu niedrig erscheinen, Berufung eingelegt. Die Strafkammer kommt bei dem Angeklagten W. und K. zu einer erhehlichen Erhöhung der Strafen. W. wird wegen Widerstandes und wegen Beleidigung zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 3½ Monaten und K. wegen schwerer Körververletzung zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Im übrigen wird die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen. * Vor dem Amtsgericht Alverdissen Diebstahl von elektrischem Strom Bei einer Revision der Zähler und Schalttafeln durch Wesertal stellte man in einem Hause in Barntrup vor einiger Zeit fest, daß mittels einer Schwarzanlage dem Stromkreis Strom entnommen wurde, der nicht durch den Zähler lief. Für die Tat kam der Elektromonteur Pf. aus Barntrup in Frage. Das Gericht hielt den Angeklagten für überführt und verurteilte ihn zu 25 Tagen Gefängnis. Getreide= und Benzindiebstähle. Angeklagt waren der Milchfahrer Paul W. und Walter W. aus Göstrup und die Arbeiter Fritz R. und Heinrich D. aus Eimke. Die Angeklagten haben zum Teil gemeinschaftlich, zum Teil einzeln u. a. bei dem Landwirt Vogt in Göstrup 4—5 Zentner Getreide gestohlen. Dem Landwirt Korf in Humfeld entwendeten sie ein Faß Benzol und dem Landwirt Heinrich Brunemeier in Linderbruch ebenfalls ein Faß Benzol. Die Angeklagten waren bei ihrer Verhaftung im Herbst vorigen Jahres geständig. Dem Milchfahrer P. W. war außerdem ein Einbruchsdiebstahl vorgeworfen. Die Gebrüder W. wurden von Rechtsanwalt Sonntag, Detmold. verteidigt. Paul W. wurde zu 3 Monaten 3 Tagen, Walter W. zu 10 Tagen. Kritz R. zu 4 Wochen und Heinr. Dr. zu 1 Woche Gefängnis verurteilt. diese nördliche Gegend nur, wenn dort außerjewöhnlich strenge Kälte herrscht„sie kommen sann auch, wenn auch selten, nach Deutschland. Die Vögel haben ein braunes Gesieder, dunkle Stirn, schwarzen Kehlfleck, eine weiße Zeichnung und rote Hornplättchen auf den Schwingen. Das Schwanzende ist goldgeld. Ihre Nahrung sind Beeren. vor allem kann man sie auf Ebereschen antreffen im Vorwinter. Am Mittwoch war noch ein großer Schwarm dieser eltenen Vögel am Holzhauser Berge. Der trenge Winter im Nordland hat noch manchen eltenen Gast in unsere Breiten verschlagen. so vurde kurz vor Weibnachten der weiße Islandkalke an der Großen Egge beobachtet. Auch einzelne Wanderfalken, die in dieser Gegend brüten, waren den ganzen Winter über hier. Jeder neue Tag wird uns jetzt fremde Durchflügler dringen und für den Naturfreund st es eine Freude, diese seltenen Gäste wieder zu sehen. Es wird eben wieder Frühling! Derlinghausen Gesperrt! Die Kreisstraße Oerlinghausen— Lämersbagen ist mit sofortiger Wirkung für eden Fudrverkehr gesperrt. Für die Anwohner der Bielefelder Straße bleidt die Benutzung für den eigenen Verkehr im oderen Teile gestattet. Der neue Kurs. Vor dem hiesigen Rathaus wurde gestern morgen durch die Mitglieder der RSDAP. die schwarz=rot=goldene Fahne verdrannt, nachdem sie vorder mit Petroleum überaossen worden war. Darauf wurden am diesigen Rathaus die Hakenkreuzfadne, die lipvische Landesfahne und die schwarz=weiß-rote Flagge aufgezogen. Hohes Alter. Heute kann Frau Witwe Friederike Bode, Detmolder Straße 33, ihren 84. Gedurtstag feiern. Wir gratulieren der alten Dame herzlich und wünschen ihr einen weiteren gesegneten Lebensabend! Barntrup In der letzten Stadtverordnelensitzung wurde zunächst der Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Mit 6 Stimmen wurde Lehrer Meier gewählt, während 5 Stimmen auf den bisherigen Vorsteher Pälicke von der NSDAP. entfallen waren. Lehrer Meier die Wahl ablehnte, wurde mit dem Ergebnis wiederholt, daß auf Herrn Pälicke 5 und auf Herrn Meier 3 Stimmen entfielen: vier Zettel waren unbeschrieben. Zum stellvertr. Vorsteher wurde Herr Meier gewählt. Zum 1. Schriftführer wurde der bisheige Stadtsekretär Wendiggensen wiedergewählt.— Das Kollegium hatte sich dann mit der Ermächtigung zur Leistung zwangsläufiger Ausgaben im Rahmen des Haushaltsplanes 1933 zu befassen. Der Bürgermeister erklärte dazu, daß die Regierung den Termin bei der Aufsichtsbehörde, dem Kreisausschuß, bis zum 15. Mai verlängert habe. Die Ermächtigung wird dem Stadtrat gegen eine Stimme erteilt.— Ueber den Erweiterungsbau der Wasserleitung lagen zwei Gutachten vor, von denen sich das eine für den Hochbehälterbau am Triftweg, das andere für den Bau im Bültenholz aussprach. Ueber beide Projekte sollen Kostenanschläge eingeholt werden. dächtnis= und Passionsstunde gehalten werden. Der Abend ist mit Vorträgen des Posaunen= und des Gemeindechors ausgefüllt. Den 88. Geburtstag konnte kürzlich Wwe. Schröder, Petersilienstraße, begehen. Der alten Dame nachträglich unsere besten Wünsche für weitere Gesundheit. Aus der Nachbarschaft Der Umschwung in Schaumburg=Lippe Bückeburg, 9. März. Zum Rücktritt der Schaumburg=Lippischen Landesregierung wird berichtet, daß die Landesregierung in ihrer Sitzung einstimmig beschlossen habe, den veränderten politischen Verhältnissen Rechnung zu tragen und sofort zurückzutreten. Die Regierung ist damit freiwillig ausgeschieden, bat sich also nicht in die Gefahr begeben, abgesetzt zu werden, was ihr aller Voraussicht nach beschert gewesen wäre. Jodenfalls war es das klügste, was sie tun konnte nach den veränderten Verhältnissen in Schaumburg=Lippe, die infolge des Wahlausfalles eingetreten sind. Die Begeister ig darüber in der Bürgerschaft war großartig. Das Regierungsgebäude wurde besetzt von SA.= und SS=Mannschaften und die Hakenkreuz= fahne dörk gehißt. Zahlreiches Publikum begab sich nach dem Regierungsgebäude, und abends 8 Uhr fand ein Fackelzug durch die Stadt zum Regierungsgebäude vom Ostbahnhof aus statt, der vom Stahlhelm und den Mitgliedern der ss. und SA. sowie zahlreichen Teilnehmern aus der gesamten Bürgerschaft ausgeführt wurde und einen gewaltigen Eindruck machte. Es war der Ausdruck einer spontanen Kundgebung, die ihren Höhepunkt vor dem Regierungsgebäude fand, vor dem die geballten Massen standen unter Fackelbeleuchtung und die flammende Rede des nationalsozialistischen Abgeordneten Manns anhörten. Dann marschierte der grohe Zug zum Landratsamt und darauf zum Rathaus, wo auch die Hakenkreuzfahne gehißt wurde. Standesamtliche Nachrichten Heiden.(Standesamtliche Nachrichten.) Monat Februar. Geburten: 7, und zwar 2 männliche und weibliche. Eheschließungen: Keine. Sterdefälle: Landwirt Friedrich Aruel, 80 Jahre. Ventrup: Ziegler Friedrich Wilhelm Morig. 61 Jahre. Pivitsheide V. H.: Kind Irene Möller, 2½ Monate. Pivitsheide Büchertiich Internationaler Hotelführer 1933, herausgegeben vom Internationalen Hotelbesider=Verein, Köln, ist sochen erschienen und enthält die führenden Hotel und Gaststättenbetricbe mit Preisen und Komfort angahen in 41 Ländern der Welt. Der Führer ist zum Preise von RM. 2.— bei der Geschäftestelle des Vereins in Köln zu erhalten, außerdem kostenlos durch alle größeren Reisebüros. Blomberg Volkstrauertag. Da am Volkstrauertag im Hauptgottesdienst die Konfirmation der Kinder aus dem 2. Pfarrbezirk stattfindet, soll 8 Uhr abends in der Kirche eine TotengeNeue Beitragsmarken in der Angestelltenversicherung Vom 1. April 1933 an werden in der Angestelltenversicherung neue Beitragsmarken ausgegeben, die dasselbe Markenbild wie bisher zeigen, sich aver durch die Farben und einen orangefarbenen Schutzdruck von den bisberigen Marken unterscheiden. Die bisherigen Marken werden von der Pon nur noch bis zum 31. März 1933 verkauft. Wer später noch Beiträge für die Zeit vor dem 1. April 1933 zu entrichten bat. erhält nur noch die neuen Marken. Es ist ratsam. etwaige Beitragsrückstände noch vor dem 1. Ars 1933 zu beseitigen. Die bisberigen Marken verlieren mit dem 30. April 1933 ihre Gültigkeit: sie dürfen also nach dem 30. April 1933 nicht mehr verwendet werden. Unbeschädigte Stücke der bisherigen Marken können bei der Post bis zum 31. Juli 1933 gegen neue Veitragsmarken der Angestelltenversicherung umgetauscht werden. Bärgertum und Bildung Professor Dr. G. Küntzel=Frankfurt a. M. im Detmolder Bildungsverein. Die vorletzte Veranstaltung der dieswinterlichen Vortragsreihe im Detmolder Bildungsverein, die gestern abend im Evangelischen Vereinshause stattfand, gehört ohne Zweifel zu den wertvollsten Darbietungen, die wir während der letzten Monate in diesem Raume erlebten. Am Vortragstisch stand ein überaus feinsinniger und ungemein fesselnder Redner, der ein sehr schwieriges Prodlem meisterhaft behandelte und der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft in verständlicher Art— selbstverständlich höchste Aufmerksamkeit voraussetzend— den Bildungswillen des deutschen Bürgertums und den Kampf um die Befriedigung der innersten Sehnsucht des Herzens näherbrachte. In sesselnden Sätzen schilderte er zunächst den Bildungsdrang zur Zeit der italienischen Renaissance und dann das heiße Bemühen des deutschen Bürgertums oder besser gesagt der deutschen Qualitätsmenschen, sich dieser drängenden Epoche der Weiterbildung anzupassen. In der zweiten Hälfte, so erläuterte der Vortragende, begann auch in Deutschland das Denken der bürgerlichen Schichten. Wir hörten von dem deutschen Reformator, dessen tiefes Denken im deutschen Bürgertum grenzenlosen Zubel auslöste. Vernahmen die heiße Sehnsucht diees Bürgertums. alle Rätsel jener Zeit zu lösen. Das Wirken eines Leibniz wurde lebendig, wir hörten von der Weckung des Interesses an den Höfen der deutschen Fürsten und vernahmen die Wandlung, die Friedrich der Große, der Philosoph von Sanssouci, verkörpert. Imanuel Kant, Fichte, Humboldt und Herder und nicht zuletzt die Großen von Weimar, Goetle und Schiller wurden nicht vergessen. Es ist einfach unmöglich, im Rahmen dieser kurzen Besprechung das Thema zu würdigen. Professor Küntzel vermied es, auch bei gebankenreichen Sätzen von Kant seine Zuhörer zu ermüden. Im Gegenteil, er gab sich ersichtlich Mühe, auch den erfreulicherweise zahlreich anwesenden Schülern das Thema näher zu bringen. Die ansehnliche Zuhörerschaft nahm diesen Vortrag mit sichtlichem Interesse auf. Der Dank war herzlich!=Ko.= Der Hilfsbund für die Elsaß-Lothringer im Reich sammelt erneut seine Scharen zu gemeinsamer Arbeit! Wer in Elsaß=Lothringen seine Heimat hatte, wer dort auch nur vorübergehend ansässig war, wer in Elsaß=Lothringen in Garnison lag oder als Beamter tätig war, wer das schöne deutsche Land liebt, wer die Erinnerung an Elsaß=Lothringen pflegen und seinen Kindern erhalten will, wer elsaßlothringische Geselligkeit liebt, wer Entschädigungen erhalten hat oder noch zu erwarten hat, kurz, jeder Deutsche, der ein Interesse an Elsaß=Lothringen hat, gehört in den Hilfebund für die Elsaß=Lothringer im Reich! Die Erörterung parteipolitischer und religiöser Fragen ist ausgeschlossen; der Hilfsbund hat Raum für Alle, die guten Willens sind. Da im Lipper Lande zahlreiche alte Elsaß. Lothringer ansässig sind, soll die Gründung einer Gruppe„Freistaat Lippe im Hilfsbund für die Elsaß=Lothringer im Reich“ in die Wege geleitet werden. Gefällige Zuschriften, die unverbindlich sind, erbittet J. Riesenfeld, Sylbach in Lippe. Vereinskalender Nationalverband Deutscher Offiziere. Teilnahme an den Totengedenkfeiern sehr erwünscht, diese finden statt am Sonnabend, 11. Mär; abends 8.30 Uhr. im Evangel. Vereinshause und am Sonntag, 12. März. vorm. 11.30 Uhr auf dem Ehrenfriedhof. Lutderische Frauenhülfe. Freitag 4 Uhr Gemeinschaftestunde und 8 Uhr Singabend. Gardeverein Lippe. Connabend. 11. März. 20 30 Uhr. Monatsversammlung im Kaiserhof. Kameradschaftlicher Verein Detmold. Die Kameraden und Angehörigen werden ersucht, an der Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, am Sonnabend, den 11. März, abends 8.30 Uhr, im Evangelischen Vereinshaus teilzunehmen. Eintritt frei. Desgleichen bittet der Kriegerverein um Tei.nahme an einem Lichtbildervortrag über„Alt Dctmold“, der am Montag, 13. März, abends 8.15 Uhr. im„Odcon“ stattfindet. Der Kavallerie- und Artillerie=Verein Detmold ladet seine Mitglieder nebst Angehörigen ein um Lichtbilder=Vortrag des Kriegervereins Detmold am Montag(13. 3.) im Odcon. 20.15 Uhr. Jahlreiche Beteiligung erwünscht. Die Coffeinwirkung einer Taffe Kassee läßt das Herz bei vielen Meuschen fast eine Sir####e. lang um etwa 17 Prozent rascher schlagen. Wieviele Menschen trinken aber am Tage 3—4 Tassen Kaffee und bürden damit ihrem Herzen eine tägliche Mehrarbeit von 2—3000 Schlägen auf? Der conemnfreie Kaffee Hag übt keine Reizwirkung auf das Herz oder die Nerven aus. Im Geschmack und Aroma dagegen ist er von anderem sehr seinen Bohnenkaffee nicht zu unterscheiden TURNENUND SPORT Der Kampf um die Punkte Am Sonntog finden wieder einige Spiele statt, die für die Abstiegskandidaten von ausschlaggebender Bedeutung sein werden. Die Tips sind nickt schwer. Die erste Bezirksklasse wird fünf Spiele erledigen. SpBag. Gütersloh— BV. Oepnhausen Die Gütersloher werden selber wissen, daß sie den Gegner nicht unterschätzen dürfen. Somit dürfte ihnen auch der Sieg nicht zu nehmen sein. Osnabrück 16— SuS. Gütersloh Hier wird es etwas härter zugehen, aber der Platzvorteil sollte ausschlaggebend sein, um den Osnabrückern beide Punkte zu lassen. BIB. Oerlinghausen— BV. Heidenoldendorf Gewiß, es ist in Oerlinghausen nicht immer leicht gewesen, beide Punkte zu erringen. Aber die Bergstädter sind so außer Kurs, daß sie auch den Heidenoldendorfern den erforderlichen Widerstand nicht werden entgegensetzen können, um zu Punkten zu kommen. Osnabrück os erwartet Enger und wird sich von dem Tabellenletzten den Weg zur Meisterschaft nicht verlegen lassen. SpVag. Minden— Westfalia Brackwede Die Brackweder, die erst am letzten Sonntag eine gefährliche Klippe zur Meisterschaft umschifft haben, werden auch auch Sonntag aufpassen. Die zweite Bezirksklasse sieht programmäßig in der Gruppe 2a ein Spiel vor und zwar spielen Schlangen— Heiden. Da in dieser Gruppe ein völliges Durcheinander herrscht und die Vereine kaum selber wissen, gegen wen sie am nächsten Sonntag spielen, müssen wir uns auf die Wiedergabe des einen Spieles beschränken. Der Gau Lippe gt eine Reihe von Spielen aus. Die erste Gauhat folgendes Programm: Arminia esen— Eintracht Jerxen=Orble, RSV. Wahmbeck— RSB. Diestelbruch=Bahlhausen, SC. Horn— RSV. Klüt, RSB. Hörste— RKV. Sommersell, Sportlust Kachtenhausen— RSV. Waddenhausen, RSV. Voßheide— Union Entrup, RSC. Cappel— Grün=Weiß Wendlinghausen, FC. Winterberg— Schwarz=Weiß Hohenhausen, RSV. Westom— SC. Goldbeck und TuS. Almena— BfB. Bentorf. Zu diesen Spielen kommen dann noch die Kämpfe der unteren Mannschaften. * Detmolder Sportverein(DSV.) Am kommenden Sonntag, den 12. März, fährt unsere 1. aktive Mannschaft und 1. Jugendmannschaft nach Wöbbel, mit Auto. Abfahrt vom Vereinslokal(Hotel zur Post) um 13 Uhr. Schlachtenbummler zeitig erscheinen. Das ganze Deutschland soll es sein Ein Lichtblick in unserer heutigen von schweren Wirtschaftssorgen heimgesuchten Zeit ist das größte Best des Jahres 1933 das Deutsche Turnfest in Stuttgart. Nach der Eigenart der Deutschen Turnerschaft, die in dem Bekenntnis:„Alles für Volk und Vaterland" wurzelt, kann man mit Recht von einem deutschen Volksfest sprechen. Ebenso wie bei allen vorangegangenen Deutschen Turnfesten werden wir es auch hier wieder erleben, daß die Deutsche Turnerschaft eine gewaltige vaterländische Arbeit im Dienste unserer deutschen Nation leistet, und daß wiederum Tausende und Abertausende von deutschen Schwestern und Brüdern Zeugnis ablegen, von der unermeßlichen Kraft die wir entfalten können, wenn wir einig sind. Auch wir in unserem Lipperland wollen und dürfen nicht zurückstehen in der Beteiligung an dieser großen nationalen Veranstaltung. Wir müssen alles aufbieten, um auch hierbei würdig vertreten zu sein. Aus diesem Grunde begrüßen wir es, daß die beiden Detmolder Turnvereine der D. T. die Gelegenheit wahrgenommen haben und eine Werbefilmvorführung durchführen, die allen denen, die noch fern stehen, die Bedeutung dieses Festes aber auch die Bedeutung der D. T. überhaupt vor Augen führen wird. Folgende Filme werden gezeigt: 1. Turner heraus, 2. Jungdeutschland, 3. Pflicht= und Freiübungen für Stuttgart. Neben den Bildern, die das Deutsche Turnen verkörpern, werden auch herrliche Bilder von unserem deutschen Vaterlande gezeigt. Darum muß jeder deutsch Gesinnte den Abend frei halten und die Veranstaltung besuchen. Der Eintrittspreis(Erwachsene 20 Pfa. Erwerbslose und Jugendliche 10 Pfg.) ist so niedrig gehalten, daß es jedem möglich sein wird, denselben zu erschwingen. Die Filmvorführung findet in der Turnhalle der Knabenbürgerschule an der Petristraße, statt. Beginn: 20 Uhr. T. Generalversammlung des Schwimm=Vereins Hohenhausen Die am Dienstag stattgefundene Generalversammlung des Schwimm=Vereins Hohenhausen im Vereinslokal Böke war leider sehr schwach besucht. Der 1. Vorsitzende Jäschke, gab einen kurzen Ueberblick über die Werbetätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre, sowie einen Bericht über die Badesaison 1932. Im Anschluß hieran gab der Kassierer den Rechnungsbericht ab. Auch hier ist eine Wendung zum Guten eingetreten. Die Kasse zeigte bereits einen geringen Kassenbestand! Nachdem man dem Kassierer die Entlastung ausgesprochen hatte, schritt man zur des Gesamt=Vorstandes. Folgende Aemter konnten besetzt werden: 1. Vorsitzender: Georg Jäschke, 1. Kassierer: Erich Göke, 1. Schwimmwart: Heinz Hofmann. Die Wahl des Schriftführers wurde für die nächste Versammlung neu angesetzt. Unter Punkt Verschiedenes wurde beschlossen, die Badeanstalt durch verschiedene Umbauten zu verschönern. An die deutsche Jugend Wieder verlassen Millionen von Jungen und Mädchen mit dem Erwachen des Lenzes die Schule und treten in das praktische Leben ein, um sich auf einen Beruf vorzubereiten und die Grundlage für ihr künftiges Dasein zu gewinnen. Sie alle sind Kinder einer schweren Zeit, und es wird größter Anspannung des einzelnen bedürfen, um sich durchzusetzen und jene Kraft zu erwerben, die heute im Daseinskampf zur Behauptung nötig ist! Schlimmer denn je ist die Not, größer und stärker sind die Anforderungen, die an den einzelnen gestellt werden, der sich seinen Platz in der menschlichen Gesellschaft erobern will! Daher muß jeder, der sich im Leben eine Stellung erwerben und sich sein Brot sichern will, auch die geistigen und körperlichen Voraussetzungen aufweisen, auf Grund deren er erst in der Lage ist, sich im Kampf um das tägliche Brot durchzuwazu aber genügt nicht die tägliche Einspannung, in die Vorbereitung auf das Berufsleben. sondern der junge Mensch, dessen Körper noch nicht voll ausgebildet ist, dessen Seele und Geist no“ aufnahmefähig für alle möglichen Eindrücke sind, muß sich auch einer gesunden Leibesübung zuwenden, weil er nur dann jene Voraussetzun gen erwerben und sich sichern kann, die heute jeder, der im Berufsleben steht, haben muß. Gesund und leistungsfähig, körperlich und seelisch frisch zu sein, das ist eine Aufgabe, die jedem zufällt, der im Erwerbsleben in der einen oder anderen Form steht. Wer in ihm zu etwas kommen will, der wird sich die Grundlagen für die Leistungsfähigkeit aber kaum im Berufsleben holen. sondern er muß sie sich in tüchtiger Arbeit an sich selbst zu erwerben suchen. Im Turnverein bietet sich ihm seiner Neigung und seinem Können entsprechend eine Fülle von Betätigungsmöglichkeiten! Gerätturnen bildet den Körper systematisch durch, die Uebungen des Laufs, Sprungs und Wurfs in freier Luft betrieben, stärken den gesamten Organismus, das Turn= und Sportspiel in seinen mannigfachen Abarten weckt Begeisterung und dient gleichzeitig zu körperlicher und scelischer Vervollkommnung des Spielenden. Das Schwiumen und das Rudern, der Wintersport. das Fechten, kurz, fast alle Leibesübungen, haben ihre Pflegstätte im Turnverein, und hier kann der Jugendliche in Abteilungen und Riegen, die seiner Leistungsfähigkeit angepaßt sind, sich die Grundlagen erwerben, die ihm für seine Berufs. tätigkeit und sein Vorwärtskommen im Leben nötig sind! Alles, was an moderner Leibesübung vorhanden ist, bietet der neuzeitlich geleitete Turnverein. Aber nicht nur die körperliche Ertüchtigung ist Ziel und Aufgabe der Deutschen Turnerschaft, sondern auch die seelisch=geistige Erziehung ihrer Mitglieder und vornehmlich der Jugend. Hier bietet sich im Kreise Gleichgesinnter in der Jugendabteilungen oder Jugendriege die Möglichkeit zu guter Freundschaft und treuer Kameradschaft, die oft ein ganzes Menschenleben andauert. Hier wird dem Herzen und dem Gemüt stärkste Anregung entgegengebracht, hier aber kann man sich auch selbst tummeln in der lieb gewordenen Gedankenwelt und in jugendtümlichen Formen, wie sie in der Turnerjugend leute vorherrschen. Die Tie=Abende im Turnverein sind ein Quell wertvollster Anregungen für die Teilnehmer, sie führen zu Volk und Vaterland und lassen nachdenken über zahlreiche Fragen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Das Wandern im Kreis der Freunde macht bekannt mit Heimat, Feld und Flur und den Schönheiten der Natur. Tausendfach sind die Möglichkeiten der Belebung und Belehrung, die hier dem jugendlichen Gemüt geschenkt werden! Gerade in den Jahren nach der Schulentlassung wird oft genug dem Menschen der Weg für sein ganzes künftiges Leben festgelegt. Gerät er in gute Gesellschaft, wird dieser Lebensweg ein guter sein, gerät er in schlechte Gesellschaft, so kann daraus eine völlig verfehlte und verpfuschte Lebensbahn erwachsen. Wer sich aber gleichgesinnten Kameraden im Turnverein anschließt, der wird zweifelsohne auf den guten Weg geführt werden, er wird über die Enge des Berufslebens hinaus Anteil behalten am Pulsschlag der Zei:. er wird fröhlich sein können unter den Fröhlichen und sich damit sein Jugendland mit sonnigem Glanz verklären. Willst du, deutscher Jüngling, willst du, deutsches Mädchen, wenn du beraustrittst aus der Schulgemeinschaft, nicht diese Turngemeinschaft suchen und dich ihr anschließen und in ihr die Grundlage für das Leben und viele sonnige Stunden erwerben? Ueberlege dir. wie du dich für die Zukunft einzurichten gedenkst! Geh einmal hinein in die Turngemeinschaft, schau dir an, was dort getrieben wird und bemühe dich. in ihr heimisch zu werden, mit ihr mitzuleben und dich in ihr zu begeistern an hohen Aufgaben und Idealen. Alles Leben ist kalt und traurig und akum des Gelebtwerdens wert, wenn es ohne den Sonnenstrahl der Begeisterung und Freude bleibt! Sichere dir diese Sonne! Sie wird dir deine ganze Zukunft verklären, laß dich von ihren Strahlen erwärmen, du wirst dann als ganz anderer sicherer und freierer Mensch durch dein Zukunftsland schreiten: Tritt ein in die Jugendabteilungen der Vereine der Deutschen Turnerschaft, such dir hier deinen Freundschaftskreis und damit den Richtweg für dein ganzes künftiges Leben! Straßenkletdung Oelche schlanke, schmalhüftige Frau würde heute auf ein Kostüm verzichten D wollen, dessen jugendliche Form die Vorzüge der Figur so vorteilhaft betont!— Von den Rostümröcken ist nichts besonderes zu berichten. Wenn der Rock mit einigen einzelnen Falten oder einer Faltengruppe an der Vorderbabn dem persönlichen Geschmack nicht entspricht, kann der Zwei= oder der Sechsbahnenrock gewählt werden, bei dem die erforderliche Weite aus dem geschweiften Schnitt sich ergibt. Das Interessante an den Kostümen ist die Verarbeitung der Zacken, die durchweg kurz, höchstens hüftlang sind, und die meistens mit schmalem Kragen und breiten Nevers verarbeitet werden. Das was den Jacken— und auch den Mänteln— den großen Schick verleiht, sind die Teilungen, die in gerader, diagonaler oder geschweifter Linie angebracht sind. Während die lose sitzenden Zäckchen, die als eine reizende, sehr jugendliche Ergänzung der verschiedenartigsten Kleider getragen werden, vielfach asymmetrisch geschnitten sind, wird die Kostümjacke stets gleichmäßig, symmetrisch und korrekt sowohl im Schnitt als auch in der Verarbeitung sein.— Von den Wollstoffen gibt es viele verschiedene Arten, die gerade für die Kostüme sich prachtvoll eignen; unter anderen sind Tuch, Diagonal= und Rippengewebe und außerdem die vielen verschiedenartigen Phantasiestoffe zu nennen.— Von den Farden werden Schwarz, Braun, Orau und Marineblau sowie weiß= und graumelierte und=genoppte Wollstoffe bevorzugt.— Ju den abgebildeten Modellen sind Svon=Schnitte erhältlich. A. K. S 5465 Smokingkostämans Diagonalwollstoff. Den seitlichen Teilungen sind Taschen eingesehzt. Kleidsamerstragen. Der Rock ist mit einer vorderen Falte versehen. LyonSchnitt, Größe 44 erhältlich.(Droßer Schnin). 93446 Flotter Mantel aus englischem Diagonalwollstoff. Der Rücken ist mit Passenteilung versehen. Armel mit aufliegenden Garniturteilen. Breiter Gürtel mit Schnalle. Lyon=Schnitt. Größe 44,(Droßer Schnitt). S O 3463 Sportkostüm aus grodem, viagonal gestreiftem Wollstoff mit Gürteljocke. Taschon und Armel sind mit Rnöpfen garniert. Rock mit einer einzelnen Faltengruppe. Bvon=Schnitt. Größe 44,(Orober Schuin). O 3462 Elegantes Rostüm aus modefarbenem Shetland mit leicht taillierter Jocke, die eine herrenmäßige Verarbeitung zeigt. Der Rücken ist längsgeteilt. SvonSchnit:, Größe 44 erhältlich.(Großer Schnitt). 03467 Complet aus braunem Bouelé und gestreifter Kunstseide. Betziere ergibt die mit kurzen Armeln vexarbeitete Taille und den lose eingeschlungenen Schal. Lyon=Schnitt, Größe 42 erhältlich.(Großer Schnitt). Zum praktischen Lyon=Schnitt die schönen Frühjahrs=Stoffe von weil sie gut und besonders preiswert sind. Muster postfrei. Niedernstraßte 5-0 Bellape Nr. 39 Aus den Amtern Der einzige Kommunist fiel um Am Wahltag scheint des öfteren bei den Wählern die Linke nicht haben wissen dürfen, was die Rechte tat. In Bellenberg z. B. verteilte am Tage vor der Wahl ein Kommunist— der einzige Kommunist am Orte— kommunistische Flugblätter. Am 15. Januar war seine kommunistische Stimme als einzige für die KPD. abgegeben worden. Am 5. März ergab sich, daß— keine Stimme mehr für die KPD, vorhanden war. Wie war das möglich? Doch nur dadurch, daß der einzige Bellenberger Kommunist noch zwischen Abend und Morgen anderen Sinnes geworden sein muß und darauf verzichtet zu haben scheint, der Partei, für die er ward, logischer Weise auch seine Stimme zu geben. Der Zettelverteiler hatte am Sonnabend abend die Rede des Reichskanzlers aus Königsberg im Rundfunk gehört. Ihm scheint im wahrsten Sinne des Wortes„in zwölfter Stunde" noch ein Licht aufgegangen zu sein! * Der schulfreie Donnerstag Der Donnerstag war aus Anlaß des Wahlsieges der Regierung in allen öffentlichen Schulen des Landes Lippe schulfrei. Auf den meisten Schulgebäuden wehten die schwarz=weiß=roten, auf vielen auch die Hakenkreuzfahnen. Verschiedene Volksschulen zeigten nur die Landesfarben. * * Hiddesen. Fette Beute. In der vorletzten Nacht drang ein noch nicht ermittelter Täter in die Wohnung des Arbeitsanstaltsleiters Dr. Barabeer und entwendete 24 lange Mettwürste, darunter 4 Flomenhäute, sowie eine Seite Schinkenspeck. Der Schaden beträgt etwa 100 RM. Sachdienliche Mitteilungen sind an die hiesige Gendarmerie station zu richten. ef. Hiddesen. Hohes Alter. Gestern feierte der hier in unserem Orte schon über 15 Jahre im Ruhestande lebende Rektor i. R. Friedrich Diederich seinen 78. Geburtstag. Dem geschätzten Mitbürger, der ein treuer Leser der„Lippischen Tageszeitung“ ist, gelten zu seinem Ehrentage nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. * Allerlei aus Heidenoldendorf Nunmehr ist auch in Heidenoldendorf eine Ortsgruppe des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge gebildet worden. In der Gründungsversammlung wurde Herr K. Sieksobst als Vorsitzender gewählt. Weiter gehören dem Vorstande die Gemeindebürger Schlütsmeier, August Wolf, Dirks und Meerkötter an. Am Volkstrauertag versammelt sich der Kriegerverein im Vereinslokal zur Monatsversammlung, wobei dem Ernst des Tages gedacht werden soll. Ein allgemein geschätzter Mitbürger, Ferdinand Lindrow, weit und breit nur bekannt unter dem Namen„Ferdinand“, konnte vor einigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiern. Wir gratulieren! Als neueste Errungenschaft sind nunmehr auch hier einige Waschbären in den Süinkelschen Stallungen untergebracht. Herr Gildemeister aus Hiddesen will hier einen Züchtereibetrieb aufziehen, wozu wir ihm alles Gute wünschen! Schließlich interessiert noch die Meldung, daß nunmehr auch hier ein Zahndentist eine Praxis eröffnet hat. Nach längerer Ruhepause tritt am kommenden Montag abend die Gemeindevertretung um 8 Uhr bei Gastwirt Hesse zu einer Sitzung mit einer umfangreichen Tagesordnung zusammen. * eh= Haustenbeck. Von einem schweren Schicksalsschlage wurde die Familie des Tischlers W. Sander betroffen. Nachdem erst vor wenigen Wochen der Familie das jüngste Kind genommen war, wurde nun auch der Vater, der Ernährer, den Angehörigen entrissen. Neben einer noch jungen Mutter stehen ein taubstummer Bruder und vier unmündige Kinder und be klagen den Tod ihres Versorgers. Da der Verstorbene als ein ehrbarer und fleißiger Mann bekannt war, begleitete ihn am Mittwoch eine große Zahl der Teilnehmer auf sei nem letzten Wege. Sämtliche Vereine, denen der Entschlafene als Mitglied angehörte, er wiesen ihrem Kameraden die letzte Ehre. * Augustdorf. Filmvorführung. Der Turnverein ladet alle Freunde und Gönner r deutschen Turnsache zu dem am Dienstag * k. 14. März 1933, abends 7,30 Uhr, statt.. a l t h a u p t e i n. Bürgerverein Schötmar verlangt: tmar muß am 1. April selbständig werden“. Eine Versammlung des Bürgervereins Schöt mar am Mittwoch abend war von über 100 Personen besucht. Der Vorsitzende des Vereins, Rudolf Küster, gab offiziell bekannt, daß der Vorstand erneut eine Eingabe an die Landesregierung gerichtet habe, die von einer Kommission persönlich überreicht worden sei. In dieser Unterredung mit der Landesregierung sei der Kommission versprochen worden, daß in dieser Sache der Wille der Schötmaraner der Regierung Veranlassung geben würde, Schötmar die Selbständigkeit zurückzugeben. Wenn auch noch kein Beschluß der Landesregierung vorgelegen hätte, so sei die Kommission doch mit der Beruhigung von Detmold abgefahren, daß die Verfügung der Regierung bald erlassen werden würde. Man habe geglaubt, es sei nun alles in bester Ordnung. Da auf einmal habe man von einer Gegenliste gehört. Es solle gesagt worden sein, der Vorstand des Bürgervereins habe nicht das Recht gehabt, in dieser Form bei der Landesregierung vorstellig zu werden. Herr Küster verwies auf die verschiedensten Beschlüsse des Bürgervereins, in denen immer wieder die Forderung erhoben worden sei: Los von Salzuflen. Und in diesem Sinne dabe der Vorstand gearbeitet. Vorstandsmitglied, Schulleiter Wolff. führte dann u. a. aus, gewisse Erscheinungen hätten die Arbeit des Vorstandes getrübt. Einmal würde gesagt, der Vorstand habe seine Befugnisse überschritten und zum andern, der Vorstand kämpfe für Bürgermeister Beckmann oder den einen oder anderen Beamten. Ob der Vorstand des Bürgervereins die Befugnisse überschritten habe, darüber entscheide wohl die Versammlung. Wenn der Vorstand nicht mehr das Vertrauen des Vereins habe, dann sollte man ihm ruhig das Mißtrauen aussprechen. Zu 2 habe er zu erklären, daß er, und das dürfe er auch wohl für den gesamten Vorstand sagen, nicht für Personen kämpfe, sondern für das Wohl Schötmars. Vor über einem Jahre habe er sich für den Zusammenschluß der beiden Städte ausgesprochen. Er habe dann aber bald erkennen müssen, daß der Zusammenschluß ein Fehler gewesen sei. Einsparungen seien gar keine gemacht worden. Wenn die kleinen Orte in große Städte eingemeindet würden, dann verlören diese Orte jedes Eigenleben. In Schötmar dürfe es nicht dahin kommen; es dürfe nicht jedes Geistesleben verloren gehen. Schötmar habe durch den Zusammenschluß viel verloren und deshalb setze er sich heute dafür ein, daß Schötmar seine Selbständigkeit zurückerhalte.— Herr Kordes verlas dann die Eingabe der Gegenseite, die mit dem Vorgehen des Bürgervereinsvorstandes nicht einverstanden ist. Herr Weweler führte aus, daß die Bürgerschaft Schötmars seit eineinhalb Jahren für die Selbständigkeit Schötmars eingetreten sei. Und jetzt auf einmal käme eine andere Eingabe. Es würde argumentiert, im Kreise stände Schötmar sich schlechter, aber keiner sage, wie Schötmar sich in Salzuflen stehe. Mit einem müßte Schötmar sich selbstverständlich abfinden: mit der restlichen Zurückgewinnung seiner Selbständigkeit, für die wohl alle Schötmaraner kämpften, sei zur Zeit nicht zu rechnen. Und wenn nun immer gesagt würde, wenn wir bei Salzuflen blieben, dann wären wir kreisfrei, so stimme das gar nicht. Es müßten z. B. die hohen Summen an den Fürsorgeverband gezahlt werden, die sich für Salzuflen augenblicklich auf rund 430000 R.4 beliefen. Selbstverständlich gäbe es dafür auch Gegenleistungen. Durch die Zusammenlegung der beiden Städte sei nichts gespart worden. Im Augenblick stehe wohl noch die Frage im Vordergrund: Will Schötmar wieder selbständig werden oder nicht, und das wollten die Schötmaraner. Er lasse sich davon gar nicht abbringen, wenn auch einige Personen etwas anderes sagten. Jetzt würde auf Blomberg verwiesen, das den Antrag gestellt habe, wieder kreisfrei zu werden Darüber brauche man sich doch nicht zu wundern Wenn man es fertig bringe, die letzte Fessel ab zustreifen, dann sei der Versuch doch von Erfolg gewesen. Blomberg habe aber die Antwort der Landesregierung schon wieder in Händen: ob Blomberg die Kreisfreiheit zurückerhalten könne, könne erst im Zuge einer neuen Verwaltungsreform geprüft werden. * Bahlhausen. Im Gottesdienst am Sonntag, 12. März, an dem zum Gedächtnis der im Weltkrieg gefallenen Krieger die Vereine teilzunehmen beschlossen haben, wird der Männergesangverein„Concordia“ aus Diestelbruch etliche Lieder vortragen. Die Gemeinde möge für den gemeinsamen Gesang das Liederblatt„Zum Volkstrauertag“ mitbringen, welches im vergangenen Jahre zur Verteilung kam. Die Sammlung des Tages kommt der Kriegsgräberfürsorge zu gute. * Helpup. Flaggenwechsel. Dienstag abend wurde von Nationalsozialisten die chwarz=rot=goldene Fahne aus dem Schulgebäude entfernt und auf dem Marktplatz verbrannt. Am Schulgebäude wurde die Hakenkreuzfahne gehißt. Gestern abend wurde auch die schwarz=weiß=rote Fahne am Schulgebäude gezeigt.— Für den Volkstrauertag wird auf dem Marktplatz eine Fahnenstange errichtet, an der die schwarzweiß=rote Fahne auf Halbmast gesetzt wird. 25 jähr. Dienstjubiläum em= Rischenau. Eine allbekannte Persönlichkeit des äußersten südöstlichen Lippezipfels ist der hier wohnhafte Kaufmann Bernhard Golücke. Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich frühzeitig dem öffentlichen Leben. Bereits 1904 trat er in den Aufsichtsrat der Spar- und Darlehnskasse Rischenau ein. Am 10. März 1908 übernahm Herr Golücke die Rendantengeschäfte anstelle des erkrankten ersten Rendanten der Kasse und kann in diesen Tagen sein 25jähriges Dienstjubiläum begehen. Herr Golücke ist ferner seit 25 Jahren Schriftführer des Landwirtschaftlichen Vereins Rischenau und Umgegend und Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Verlosung. Auch die beiden letzten Aemter hat Golücke in der 25jährigen Tätigkeit in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit versehen und in erheblichem Maße dazu beigetragen, daß der Landwirtschaftliche Verein sich gut entwickelte und die Verlosung in Verbindung mit dem Herbstmarkte zu einem unentbehrlichen Jahresereignis wurde. Wir bringen dem Jubilar unsere besten Glückwünsche dar und hoffen, daß er noch recht lange seine ihm liebgewordenen Tätigkeiten ausüben möge! * * Leese. Gedenkfeier. Am 12. ds Mts.(Volkstrauertag), abends 8 Uhr, findet im Saale der Gastwirtschaft Brand auf Anregung des Landesverbandes Lippe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges statt, zu der hiermit herzlichst eingeladen wird. Es werden u. a. Lichtbilder von den Kriegerfriedhöfen gezeigt. Der Eintritt ist frei. ho.= Westorf. Ein Autounglück, wel ches leicht größere Folgen haben konnte, er eignete sich am Montag nachmittag auf der Staatsstraße Wentorf=Westorf. Der Lieferwagen der Oldendorfer Margarine=Werke kam infolge der stark aufgeweichten Straße in der Linkskurve am Eingang des Ortes ins Schleudern. Außer ziemlichen„Kratzern" an der Karosserie sowie eingedrückten Kotflügeln und den in Scherben gegangenen Windschutzscheiben wurde ein größerer Scha den verhütet. eh. Billerbeck. Gefallenenehrung. Am kommenden Sonntag findet nachmittags am Gefallenendenkmal eine Gedenkfeier statt, an der Kriegerverein geschlossen teilnimmt. Der Männergesangverein, sowie der Posaunenchor werden die Feier durch Lieder= und Gesangsvorträge verschönern. Die Gedenkrede hält Lehrer Büscher. eh. Faulensiek. Einseltenes Schlacht tier! Der Landwirt Brand schlachtete ein über sechs Zentner schweres Schwein. Aus dem Parteileben Kampfbund des Gewerblichen Mittelstandes Die Landesleitung des Kampfbundes hatte gestern abend zwecks Gründung einer Ortsgruppe in das Westfälische Haus, Lange Straße, eingeladen. Herr Aretz begrüßte die zahlreich aus allen Berufen erschienenen Geschäftsleute Detnolds, worauf dann zur Wahl des Ortsgruppenvorstandes geschritten wurde. Von dem anwesenden Landesleiter, Herrn Kleim, wurde Kaufnann Karl Uhle, hier, Krumme Straße. bestimmt. Die weitere Leitung setzte sich darauf folgendermaßen zusammen: Karl Forst, Schriftführer; Karl Löhrke, Propagandaleiter und Albert Camen Kassierer. Eine große Anzahl der Erschienenen trat im Laufe des Abends dem Kampfbund bei. Es ist beabsichtigt, in aller Kürze eine große öffentliche Kundgebung aller Detmolder Geschäftsleute im Arminius=Hotel zu veranstalten, auf die wir noch näher zurückkommen werden. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende. Herr Karl Uhle, Krumme Straße, bereitwilligst. Detmolder Lichtspiele „Grün ist die Heide". Dieser Film von der deutschen Heide läuft nun ab heute auch in Detmold, in den Detmolder Lichtsvieren.— Inmitten der blühenden Heide, deren unsterblicher Sänger Hermann Löns war, erfüllt sich das ergreifende Schicksal dieser Menschen. Die verschlossenen Menschen der deutschen Heide, der harte Schlag der Nieder= sachsen, geben dem Film den Charakter. Die Heidelieder Hermann Löns, die schon zu Volksliedern geworden sind, erklingen in diesem ersten wirklichen Heimatfilm. Dieser Film hat die Herzen des Publikums im Sturm erobert, denn er bringt die Liebe zur Heimat und zur deutschen Landschaft in uns zum Erklingen. Dem märchenhaften Reiz der schönen Bilder, dem Zauber der schlichten Weisen von Löns wird sich niemand entziehen können. Ein Zeichen des großen Erfolges dieses Films ist die Tatsache, daß er in den größeren deutschen Städten ausnahmslos O D T E N„ G e n h a. □ s s e r d 7 1 Detmold, Freitag, 10. Mürz 1933 Kirchliche Nachrichten Sonntag, 12. März 1933. Gettesdienste Reformierte Stadtkirche. 10 Uhr: Vormittags: gottesdienst. Pastor van Senden; 11.15 Uhr: Kindergottesdienst; 6 Uhr: Abendgottesdienst, Pastor Brüns. Alte reform. Kirche am Markt. 10 Uhr: Vormittagsgottesdienst. Pastor Kramer; 11.16 Uhr: Kindergottesdienst. Lutherische Kirche. 10 Uhr: Hauptgottesdienst (Pastor Jahr); Kollekte für die Kriegsgräberfürsorge; 11.30 Uhr: Kindergottesdienst; Mittwoch 8 Uhr: Passions=Andacht mit anschl. Feier des heil. Abendmahles(Kons.=Rat Scheumann); Sonnabend 5.30 Uhr: Wochenschluß=Andacht. Landkrankenhaus. 9 Uhr: Pastor Stursberg. Immanuelkirche der Ev. Gemeinschaft Detmold Sonntag vorm. 9 Uhr: Gebetsversammlung; 10 Uhr: Festgottesdienst anläßlich des 40jährigen Bestehens des Jugendvereins, Festredner: Prediger Reinhold=Dortmund; 11.30 Uhr: Sonntagschule; 1.30 Uhr: Sonntagschule Pinneichen. Gottesdienste der Neuapostolischen Gemeinde e. V. Detmold: Sonntag vorm. 9.30 Uhr, nachm. 4 Uhr. Mittwoch abend 8 Uhr; Lemgo: Sonntag vorm. 9.30 Uhr, Mittwoch abend 8 Uhr: Lage: Sonntag vorm. 9.30 Uhr. Mittwoch abend 8 Uhr: Bad Salzuflen=Schötmar: Sonn: tag vorm. 9.30 Uhr, Mitttoch avend 8 Uhr: Blomberg: Sonntag vorm. 9.30 Uhr, Mitttoch abend 8 Uhr: Holzhausen: Sonntag vorm. 9.30 Uhr, abends 8 Uhr. Mittwoch abend 8 Uhr: Haustenbeck: Sonntag nachm. 4 Uhr; Heßloh: Sonntag nachm. 4 Uhr; Cappel: Sonntag nachm. 4 Uhr: Schwelentrup: Sonntag nachm. 4 Uhr: Sylbach: Sonntag nachm. 3.45 Uhr. Donnerstag abend 8 Uhr. Bahlhausen. 9.30 Uhr: Volkstrauertag(Sammlung für Kriegergräberfürsorge); Mittwoch 3 Uhr: Bibelstunde in Diestelbruch(Beermann); Donnerstag 3 Uhr: Nähen des Frauenvereins; Freitag 7.30 Uhr: Passions. gottesdienst.„ Hiddesen. Mittwoch 8 Uhr: Bibelstunde; Donnerstag 8.15 Uhr: Kirchenchor. Remmighausen. Dienstag 8 Uhr: Christl. Verein junger Mädchen. Evang. Gemeinschaft Pivitsheide(Reiorken=Hei) Sonntag nachm. 1.30 Uhr: Sonntagschule; abends 6.15 Uhr: Gottesdienst. Lutherische Gemeinde. Lage. 10 Uhr: Hauptgottesdienst(Kons.=Rat Scheumann); Koll. f. d. Kriegsgräberfürsorge); 11.15 Uhr: Kindergottesdienst; Mittwoch 8 Uhr: Kirchenchor. Reformierte Gemeinde Lage. 8 Uhr: Frühkirche. Pastor Müller(Prüfung); 10 Uhr: Hauptkirche, Pastor v. Szalatney; 1.30 Uhr: Kindergottesdienst; 20 Uhr: Kirchenchor, Gedächtnisfeier.„ Vereinshaus im Gerstkamp. 8 Uhr: Bibelstunde. Hagen. 9 Uhr: Pastor Pollem. Jagenbausen. 10.15 Uhr: Pastor Pollem. Schötmar. 8 Uhr: Pfarrer Lohmeyer; 10 Uhr: Pfarrer Dassel; 9.15 Uhr: Vorbereitung: 11.15 Uhr: Feier des heil. Abendmahles; 1.30 Uhr: Kindergottesdienst.— Versammlungen. Montag 8 Uhr: Blaukreuzverein; Dienstag 3.30 Uhr: Frauenstunde: Dienstag 8 Uhr: Kirchenchor; Mittwoch 5 Uhr: Jungschar, Mädchen; 8 Uhr: Jugendbund; 8 Uhr: Jungvolk; Donnerstag 8 Uhr: Jungmädchenverein: Freitag 8 Uhr: Bibelstunde; Sonnabend 4.30 Uhr: Jungschar, Knaben. Evang. Gemeinschaft Blomberg(Gasthof zur Burg). Sonntag abend 8.15 Uhr: Evangelisationsvortrag. Prediger Reinhold aus Dortmund. Versammlungen Reformierte Stadtgemeinde. Sonntag 3.30 Uhr: Blaukreuzverein, Paulinenanstalt; Sonntag 8 Uhr: Elternabend, Evang. Vereinshaus; Sonntag 8 Uhr: Jungmädchenverein Frohe Jugend, Stadtküche; Dienstag 8 Uhr: Mütterabend, Gemeindehaus; Dienstag 8.30 Uhr: Vibelstunde der landeskirchlichen Gemeinschaft. Gemeindehaus; Mittwoch 8.15 Uhr: Kirchenchor, Gemeindehaus; Donnerstag 8 Uhr: Jungmädchenverein Vorwärts, Paulinenanstalt; Donnerstag 8.30 Uhr: Jungmädchenverein Frohe Jugend, Stadtküche; Freitag 8.30 Uhr: Gemeinde=Bibelbesprechstunde. Gemeindehaus. utberischer Konfirmandensaal. Sonntag 8 Uhr: Jungmädchenverein: Montag 8 Uhr: Kirchenchor; Dienstag 8 Uhr: Jungmütter=Abend der Frauenhülfe; Freitag 4 Uhr: Gemeinschaftsstunde und 8 Uhr: Singabend der FrauenChristl Verein junger Männer Detmold. Sonntag 8.30 Uhr: Heimabend, Leitung: E. Wiesekopsieker; Montag: Mundharmonika=Orchester; Dienstag 8.30 Uhr: Bibelstunde, Pastor van Senden; Mittwoch 5.30 Uhr: Jungschar; 8 Uhr: Turnen des Jungvolks; 8 Uhr: Posaunenchor; 8 Uhr: Frauengruppe; Donnerstag 5.30 Uhr: Jungscharturnen; 8 Uhr: Trommlerchor; Freitag: Jungvolkstunde, Vortrag:„Ein Gift der Jugend“, R. Hartkopf; Sonnabend: Jungmännerabteilung, Vortrag: „Der Vertrag von Versailles und unsere Knechtung. Immanuelkirche der Ev. Gemeinschaft Detmold. Sonntag abend 7 Uhr: Jugendverein; Montag abend 8.15 Uhr: Männerchor; Dienstag abend 8 Uhr: Jungmännergruppe; Mittwoch abend 8.15 Uhr: Gemischter Chor; Donnerstag abend 8.15 Uhr: Passionsandacht; Freitag nachm. 4.30 Uhr: Jungschar. . n und Geschäftsnotizen: Hauo Dimmek, san mold, Druck und Verlag: Wests.=Livo Be größeren mehrere Wochen lief, so in Dresden 6 und in eingesandte Mannstripte Abernima.: die Schriftlettung Hannover 7 Wochen.1 keine Verautwortung Berantwor„ für Reichs= und Landespolttik, Kunst= und Wissenschaft. Dr. Hans=Ulrim Reinicke, für den lokalen Teil. Unterheitung und Sp#####. Augus Roch. für Anzeigen Dimmek, sämtlich in Detereinsdruckeret. Schriftlettung: Behre Ruchl Hehre Nacht voll stiller Sterne, Ewig friedensreich und mild, Schließ mir auf die goldene Ferne, Draus dem Herzen Trost entquillt! Nach des Werkeltags Getriebe Müde sinkt der Leib zur Rast. Ach, daß Frist der Seele bliebe, Aufzuatmen nach der Hast! Einmal aufzuschaun nach oben In den Glanz der Ewigkeit, In des Lebenskampfes Toben Blieb dem Ringer keine Zeit. Und doch fließt nur dort die Quelle, Die des Geistes Kraft verjüngt Und mit immer frischer Welle Sinkenden Erlabung bringt. Stille Nacht, mit deinen Sternen, Heute flüchte ich zu dir, Send' aus deinen goldnen Fernen Strahlen neuen Hoffens mir! Lehre mich das stumme Mahnen Deiner Sternenwelt verstehn: Auch, wie sie, auf dunklen Bahnen Friedvoll, still und leuchtend gehn! k. Rolf. Ein Vorträtist geht auf die Straße In London macht ein bekannter Porträtmaler von sich reden. Er war es früher gewohm, hohe Preise zu erzielen, als aber die Wirtschaftskrise einsetzte, fand er, daß niemand mehr tausend oder zweitausend Mark für eine Sitzung bezahlen konnte. Deshalb entschloß er sich, das eine Bild, das er früher monatlich malte, durch Hunderte von billigen Porträts wöchentlich zu ersetzen. Er verließ allo sein Atelier und richtete sich auf einen Pier ein. Hier erlangte er bald einen grohen Ruf, dank seinem ungewöhnlichen Talent. Er hatte den ganzen Tag zu tun, während eine große Menschenmenge umherstand und ihm bei der Arbeit zusah. Seine Kunden bewegen sich zwischen Arbeitern und Aristokraten. Sogar eine Schildkröte hat ihm gesessen. Jedenfalls ernährt er sich ganz gut, trotz der schlechten Zeiten, da er es verKanden hat, sich anzupassen. A Allertel Wissenowbertes Aristoteles glaubte, daß Menschen mit großen Köpfen und engen Adern viel schlafen, weil die Feuchtigkeit des Körpers durch die engen Adern nicht rasch genug emvorsteigen könne und weil der große Kopf zu viel Feuchtigkeit verdampfe. Unter andern Irrlehren, die er verbreitete und die auf sehr mangelhafter Beobachtung beruhten, sei die folgende hervorgehoben: alle männlichen Wesen sollten mehr Zähnc haben als die weiblichen, sowohl bei den Menschen, als auch bei den Schafen, Ziegen und Schweinen. * Eine Durchschnittsnummer der„Times“ umfaßt an Drucbuchstaben ungefähr so viel wie ein Band von Goethes Werken in der Cottaschen Ausgabe. Als der Besitzer der Times seine Tochter verheiratete, schenkte er ihr als Mitgift das Erträgnis einer einzigen Inseratenspalte seiner Zeitung. Es wurde festgestellt, daß diese Mitgift reicher war, als sie eine Prinzessin des englischen Königshauses je bekommen hatte. Interessantes aus aller Welt Arbeitslose arbetten in einer Kirche Eine Kirche praktisch auszuwerten ist in der Stadt Chelsea in England gelungen. Man hat dort Kellerräume für Arbeitslose zur Verfügung gestellt, damit diese dort ihre Werkstätten einrichten können. Denn bekannt lich ist oft Raummangel die größte Not der Handwerker, die sich noch nicht selbständig gemacht hatten und aus ihrer Gesellenstellung entlassen wurden. Hätten sie eine Möglichkeit, ihre Hobelbank, ihren Schneidertisch, ihre Schuhmacherutensilien aufzustellen, so würden sie häufig auch Arbeit finden. Diesem Mangel ist in Chelsea auf praktische und vernünftige Weise abgeholfen worden. Man sieht hier den Schuhmacher neben dem Tisch ler und Schneider friedlich arbeiten, und das Erfreuliche ist, daß sehr oft einer dem andern hilft und ihm beispringt. Die Geräte und Werkzeuge sind zum Teil von wohlhabenden Leuten gestiftet worden; es ist also mit geringen Aufwendungen den Handwerkern die Möglichkeit geboten worden, sich selbständig zu machen. An Arbeit ist eigentlich kein Mangel, und wenn die Handwerker nichts zu tun haben, so arbeiten sie gegenseitig für sich, flicken ihre Schuhe, nähen Anzüge, machen Möbelstücke. Es ist wie eine kleine Familie, die untereinander für das Wohl jedes Mitgliedes bemüht und besorgt ist. Ertuangnugen znct Namantengrübert Sechzig Jahre lang hat William P. Taylor in der Nähe der Gold= und Diamantengruben in Afrika gelebt; jetzt erzählt er von seinen mannigfatligen Erlebnissen. Er war noch fast ein Knabe, als er mitten in die erste Erregung über die Diamantenfunde bei Pniel hineinplatzte. Die meisten, die an dieser ersten Diamantensuche teilnahmen, kannten überhaupt keine Diamanten, wenn sie welche fanden. Bisweilen wurden Kristalle für Diamanten gehalten und umgekehrt. Im allgemeinen sah man in der Härte das untrüglichste Zeichen für einen Brillanten, und mancher echte, wertvolle Stein wurde von einem mächtigen Hammer zertrümmert, weil die Männer glaubten, daß ein Diamant nicht zerschlagen werden könne. Dann kam die Entdeckung der weltberühmten De Beers= und KimbrleyMinen, mit denen dann die Diamantensuche in einen regelrechten Bergwerksbetrieb umgewandelt wurde. In diesem Augenblick kamen auch die Schleichhändler, die heimlich Steine von den eingeborenen Arbeitern kauften, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, Diamanten während der Arbeit an sich zu nehmen und unter der Hand loszuschlagen, auch weil sie hierin eine Entschädi gung für ihre niedrigen Löhne sahen. Darauf hin wurden Detektive in großer Zahl einge stellt, und ihnen gelang es, alle möglichen Schleichhändler abzufassen, die dann mit schweren Strafen— oft mehrjähriger Zwangsarbeit— bestraft wurden. Die Ar beiter versuchten alles mögliche, die Diaman ten aus den Gruben hinauszuschmuggeln. Zum Teil verschluckten sie sie oder versteckten sie in Wunden, die sie sich zugefügt hatten. Auch warf man Fleisch, in das man Diamanten gesteckt hatte, den Hunden vor, die, nachdem sie die Wachen passiert hatten, getötet wurden, worauf man die Steine wieder an sich nahm. Dann wurden die Steine von Reitern über die Grenze gebracht. Auch reisten elegant angezogene Frauen nach Eu rova, um hier die gestohlenen Diamanten ab zusetzen. Erst in jüngster Zeit hat der Schat ten der Ueberproduktion sich auch in den Dia mantengruben bemerkbar gemacht, und die Förderung wird streng kontrolliert, wie ja überhaupt die ganzen Verhältnisse wesentlich geordneter sind als zu Beginn der Diaman tensuche, als alles mit dem Schleier aben teuerlicher Romantik umwoben war. Flucht aus dem In Moabit häufen sich die Fülle— Steis Füse von Außenstehenden Soitaterfgisan Von vielen Zaubertränken wissen uns Sage, Märchen und Heldenlied zu erzählen. Da ist der Trank des Vergessens, den Siegfried trank, da ist der Liebestrank, der Tristan und Isolde so schlecht bekommt, da gibt es Flüssigkeiten, nach deren Genuß einem Eselsohren und ähnliche Lieblichkeiten wachsen, da ist im„Faust" das Hexengesöff, von dem Mephisto verkündet:„Du siehst mit diesem Trank im Leibe— bald Helena in jedem Weibe“— oh, die Hokuspokusapotheke weiß die mannigfachsten Tränklein zu mischen, sogar ein moderner Barmixer muß da beschämt die Segel streichen. Ob ihr's glaubt oder nicht, auch heute noch gibt's Zaubertränke. Da ist z. B. ein Trank, der mich nach jeder Kostprobe wütend macht, das ist der Kaffee meiner Hauswirtin. Er ist nach dem Nezept„Nicht die Bohne!" zubereitet. Ein Zaubertrank hingegen, der mich liebenswürdig macht, ist das Kirschwasser; wer's nicht glaubt, biete mir einen an! Der herrlichste aller Zaubertränke aber ist und bleibt der Salvator. Woher seine Zauberwirkung kommt? Ihr meint, vom Hopfen und Malz? I wo! Sondern der wackere Bruder Barnabas, der Kellermeister der Paulanermönche, sott bei der Erfindung des Saivators ein gar heilsam Wunderkräutlein hinein, das Kräutlein„Spring=drüber=weg“! Und immer wieder beobachte ich dieses Kräutleins Zauderkraft, in guten wie in schlechten Zeiten. „Prost, Leni!“ hob ich auf dem SalvatorLeller die schäumende Maß, und„Prost, Karichen!“ scholl es zurück.„Prost“ ist eines Die Fälle von gelungenen Fluchtversuchen aus dem riesigen Berliner Untersuchungsgefängnis in Moabit häufen sich. Vor einigen Tagen gelang es wieder einem Untersuchungsgefangenen, den eine gehörige Reihe von Zuchthaus=Jahren erwartete, aus dem Untersuchungsgefängnis zu entweichen. Er führte die Flucht von einem im Keller des Untersuchungsgefängnisses gelegenen Arbeitsraum aus. Seine Arbeitskleidung wurde nach der Flucht in einem Sitzungssaal des alten Kriminalgerichts gefunden. Der Arbeitsraum und der Sitzungssaal sind die gleichen Räume, die vor einigen Monaten auch ein anderer Untersuchungsgefangener als Fluchtweg benutzt hatte. Nach Ansicht der Anstaltsverwaltung kann in beiden Fällen die Flucht nur dadurch ausgeführt worden sein, daß mindestens vier verschiedene Schlösser, von denen eines ungewöhnlich kompliziert war, mit Nachschlüsseln geöffnet worden sind. Es besteht nun der dringende Verdacht, daß der wenigen Worte, bei denen mir meine Leni noch nie widersprochen hat. Sie weiß eben, mein Maßkrug ist die einzige fremde Angelegenheit, in die man ungerügt die Nase stecken darf. Und nach jedem Nasensteckerl stieg der Leni ihre Stimmung, ihr Lachen klang von Zug zu Zug eine Oktave höher, sie flüsterte.„och möcht dir so gern ein Busser! geben, aber es schickt sich doch nicht vor allen Leuten",— und dann auf einmal fing das Kräutlein„Spring=drüber=weg" zu wirken an, sie sprang weg über die Bedenken, und schwups, hatte ich einen Kuß, daß ich begeistert lallte:„Leni, du gehörtest auf einem internationalen Schönheitswettbewerb zur „Miß Busseerl“ ernannt!“ Und die Umsitzenden nahmen gar keinen Anstoß an dem Busserl, sondern sie freuten sich, daß zwei Menschen sich lieb hatten. Aber nicht nur in Lenis leuchtende Augen guck ich, wenn ich beim Salvator bin, ich halt auch unter den anderen Gästen Umschau, denn ich möcht doch wissen, wie bei ihnen das Kräutlein„Spring=drüber=weg“ wirkt. Ei, wen seh ich da? Den Herrn Hochgrantler neben dem Herrn Schreihube?! Ja, wie haben wir's denn? Ich hab gemeint, die zwei sind sich spinnefeind, seit sie bei der letzten Wahl verschiedene Wahlzettel abgegeben haben? Hat nicht neulich erst der Hochgrantler behauptet,„die von eurer Partei sind überhaupt lauter Lumpen", und hat nicht der Schreihuber gebrüllt:„Und ihr seids überhaupts alle bestochene Hallunken"? Oh, das war ein peinliches Gefühl, wie der Hochgrantler gesehen hat, daß justament nur noch neben dem Schreihuber ein Sitzplatzerl frei war. Gar net geschmeckt hat ihm der erste dem entwichenen Untersuchungsgesangenen Nachschküssel von einem Außenstehenden ingestes! worden sind. Solche Fälle sind den Behörden verständlicherweise besonders peinlich. Die Behörde versucht dann auch stets den Nachweis zu führen, daß keine Vorsichtsmaßregel versäumt worden ist und in den allermeisten Fällen stimmt das auch unbedingt. Irgend eine Nachlässigkeit aufsichtsführender Organe liegt nur selten vor und kommt meist sehr rasch an den Tag. Wie liegen die Fälle also, wenn ein Versäumnis der Aufsichtsorgane nur selten vorliegt? Ist es wirklich immer nur die Geschicklichkeit und Findigkeit der entweichenden Sträflinge, die aller Schwierigkeiten Herr zu werden weiß? Oder sind vielmehr die Einrichtungen mangelhaft und veraltet? Beides trifft gewöhnlich zusammen, um die Häufung von gelungenen Fluchtversuchen zu erklären, wie man sie in der letzten Zeit wieder aus deutschen Gefängnissen erleben Schluck, aber dann fing das Kräutlein „Spring=drüber=weg" zu wirken an, und er hat nicht anders gekonnt; er hat halt dem Schreihuber zugetrunken und hat gemeint: „Lassn ma heut die damische Parteipolitik beiseit, spring ma drüver weg,— stoßn ma an miteinand, alter Bazi!“. Und wie sie so miteinander angestoßen haben, da ist's ihnen dunkel zum Bewußtsein gekommen, daß sie ja schließlich doch als Deutsche auf Gedeih und Verderb verbunden sind, daß sie alle zwei ihr Packl zu tragen haben und daß, wo immer zwei Deutsche sich zur Freude des Auslands bekämpfen, sie viel klüger das Gemeinsame suchen würden und sich wegen des Trennenden zurufen sollten:„Spring drüber weg!“ O Salvator, herrlicher Versöhnungstrank, weshalb wendet man dich nicht öfters an? Weshalb steht nicht in den Parlamenten, in den Stadtratssitzungen, auf jedem Pult eine Maß Salvator? Dann würde es einen viel tieferen Eindruck machen, wenn der Präsident sagt:„Ich schließe den Abgeordneten X von der Sitzung aus!“ Und wenn die Zwischenrufe gar zu wüst würden, dann klingelte er nicht mehr mit der Glocke, sondern er höbe den Maßkrug:„Prost, meine Herren", und im Nu würde es stille und man hörte nur ein allgemeines Glucksen! Und auf das Landtagsgebäude käme draußen die Inschrift: „Ein Prosit der Gemütlichkeit!“ Das war ein so herrlicher Gedanke, daß ich unbedingt den Maßkrug ansetzen mußte. Prost, Leni!“—„Prost, Karlchen!“ Und die ewigen Beleidigungsklagen! Grad seine Not hat so ein geplagter Amtsrichter, da die Parteien vor seinem Thron nicht tätkann. Es gibt nicht allzuwviele in des Wortes vollster Bedeutung„moderne“ Gefängnisse in Deutschland, auch bei den sogenannten modernen handelt es sich meist um modernisierte und das ist nicht ganz dasselbe. Hilfe.von Außenstehenden? Die ist bei fast jedem gelungenen Fluchtversuch aus einem Gefängnis nötig. Ohne diese Hilfe gibt es praktisch keine Fluchtmöglichkeit, geschweige denn die vielen Lücken der Ueberwachung und Schließung, die sich ja nie vermeiden lassen. Wie läßt sich nun diese entscheidende Hilfe von außen unterbinden? Ganz wohl nie. Es sei denn, daß man die Gefängnisse künftig in abgelegenen und menschenleeren Gegenden aufstellt, wie sie ja in Deutschland gar nicht vorhanden sind. In erster Linie handelt es sich um die Einschmuggelung von Kassibern. „Kassiber“ ist bekanntlich eine Mitteilung, die man einem Häftling oder Sträfling heimlich zukommen läßt. Das kann auf tausend verschiedene Arten geschehen und kann nur dadurch bekämpft werden, daß man keinerlei Gegenstände von außen ins Gefängnis hereinläßt; die Häftlinge dürften also keine Geschenke, Pakete Lebensmittel etc. von außen bekommen. Das ist auch nicht immer möglich. Die zweite Möglichkeit wäre die Einzelhaft und Einzelzelle, damit jeder Verkehr zwischen den Sträflingen unterbunden wird. Auch das ist in unserer Zeit nicht mehr möglich. Es bleibt also nur die Modernisierung der Abschließungs= und Kontrollmethoden übrig, und hier ist, wie die Strafvollzugsbehörden selbst zugeben, noch allerhand zu machen. Lothar Faerber. Wenige Holzarten sind so haltbar wie das Mahagoniholz, allerdings ist es auch sehr teuer, was daher kommt, daß die Mahagonibäume ungewöhnlich langsam wachsen. Ein Mahagonibaum braucht etwa zweihundert Jahre, um ausgewachsen zu sein, dann hat er aber in der Regel auch eine Höhe von dreißig Metern erreicht. Uebrigens ist der Mahagonibaum so etwas wie ein Einsiedler, denn er wächst nicht gern in Gruppen, sondern kommt meist einzeln vor. Vexierbild. Wo ist die zweite Beerensammlerin? lich werden, und oft weiß er nicht, sind die Parteien schlimmer oder die Zeugen? Wie erbaulicher verliefen diese unerquicklichen Verhandlungen, stände neben dem Portokollanten ein Fläschen Salvator, könnte der Richter sprechen:„Also, meine Herrschaften, trinken wir erst mal eine Maß zusammen! Singen wir erst mal gemeinsam das schöne Lied:„Mir san net von Pasing, mir san net von Loam, mir san in dem lustinga Menzing dahoam!“ Wetten, daß von 100 Beleidigungsklagen 99 mit einem Vergleich enden würden? Man sollte dem Bruder Barnabas, dem Erfinder des Salvators, ein Denkmal setzen, mit der Sockel=Inschrift:„Spring=drüber= weg!“ Es ist ein gar so heilsam Wunderkräutlein, und ich z. B. verdanke diesem Wahlspruch eine verbundene Nase. Nämlich, wie wir vom Salvatorkeller heimgingen („Gingen“ ist ein bißchen übertrieben), da kamen wir an eine aufgerissene Straße und da deutete die Leni auf den Graben und sagte:„Spring drüber weg!" Ich nahm einen Anlauf, und seitdem habe ich eine verbundene Nase. Aber auf der Sanitätswache ham s' gesagt, bis zum Maibock heilt's wieder! K. E. Rätselecke Auflösungn des Kreuzworträtsels: a) 1 Haarlem, 7 Magen, 9 Amor, 11 Eger 13 Lese, 14 Reis, 15 Rebe, 18 Ele, 20 Maas. 21 Sela, 22 Herta, 23 Arlberg;— b) 2 Amos 3 Aaare, 4 Leer, 5 Enge, 6 Palermo, 8 Arsenal, 10 Medea, 12 Eifel, 16 Bahr, 17 Esel, 18 Este, 19 Lear.