General=Anzeiger Die Lippische Tegeozeitung erscheint täglich außer Montags mit den Beilagen: Das Lipperland Landwirtschaftliche Zeitung(amtl. Organ der Landwirtschaftskammer), Nachrichtondlatt des Landbundes(amtl. Mittellungsblatt des Lippischen Landbundes), Für unsere Frauen (Sonntagsbeilage für die deutsche Hausfrau.— Geschäftostelle: Detmold, Exterstraße 11, Fernruf 3145 und 3146. Postversand: Herford. Postscheckkonto: Hannover 9839. Drahtanschrift: Tageszeitung. für das Land Lippe 5hel. elen vom Postamt RM. 2.— einschl. 30 bzw. 40 Pfg. Zustellgeld. Postdezugspreife: Monatl. kamt RM. 2.— einschl. 30 Pfg. Postgebühr, bei Lieferung frei Haus RM. 2,36 einsch u. 36 Pfg. Bestellgeld. Anzeigenpreise: Die 1sp. mm=Zeile 12 Pfg., amtl. Anzeigen 30 Pig. Postgedühr u. 36 Pfg. Bestellgeld. Anzeigenpreise: Die 1sp. mm=Zeile 12 Pfg., 20 Pfg., Familienanzeigen 10 Pfg., kl. Anz. priv. Art 7 Pfg. d. Wort. d. mm=Zeile 50 Pfg. Beilagengeb. u. Tarif.— Bei höh. Gew., Streiks od. Betriebssthr. best. f. pflicht. z. Rückz. d. Bezugspr. Gerichtsbarkeit s. beide Teile Detmold. #igen im Reklameteil d. Verl. keine VerZahlungspfl. innerh. 8 Tagen. Nummer 37 Detmold, Sonntag, den 12. Februar 1933 38. Jahrgang Pioniere für Deutschlands Wiederaufbau Hugenberg, von Papen und Seldte in der Kundgebung des Kampfblocks Schwarzweißrot Ruf zur Einigkeit— Fort mu dem Parlamentarismus— Nicht reden, sondern arbeiten Berlin, 11. Februar. Die große Versammlung im Berliner Sportpalast, mit der die Deutschnationale Volksvartei am Sonnabendabend den Wahlkampf eröffnete, gestaltete sich zu einer erhebenden eindrucksvollen Kundaebung der gestern geschaffenen Kampffront Schwarzweißrot. Der Veranstaltung wohnten der gesamte zurzeit in Berlin anwesende Parteivorstand, zahlreiche Politiker, Führer des Stahlhelms und viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei U.a. sah man die Staatssekretäre Bang und v. Bismarck. Vom Hohenzollernhause waren Prinz und Prinzessin Oskar von Preußen erschienen. Die deutschnationalen Kampfringleute waren in grünen Hemden, die nationalen Arbeiterbünde in blauen, die Bismarckjugend in weißen Blusen aufmarschiert. Unter den rund 15 000 Menschen, die den Sportplatz bis auf den letzten Platz füllten, sah man auch verschiedene SA.= und SS.=Leute in ihren Uniformen. Unter anhaltenden Heilrufen, Händeklatschen und dem Winken von Tausenden kleiner schwarz= weiß=roter Fähnchen erfolgte der Einmarsch der Fahnen, an dem sich auch der Stahlhelm beteiligte. Die Kundgebung wurde auf alle deutschen Sender übertragen. Zubelnde Begrüßung Den drei Führern der Kampffront Schwarz= weißrot. Reichsminister Dr. Hugenberg, Vizekanzler v. Papen und Reichsarbeitsminister Seldte, wurden bei ihrem gemeinsamen Erscheinen minutenlange Kundgebungen bereitet. In seinen Begrüßungsworten wies der Pressechef der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. Brosius, der besonders den Menschen Hugenberg zeichnete, u. a. darauf hin, daß das Gerücht kursiere, Reichsminister Dr. Hugenberg beziehe sechs Ministergehälter, da er sechs Ministerien verwalte. Er könne demgegenüber aber klar und eindeutig feststellen, daß Dr. Hugenberg nur ein Ministergehalt beziehe und daß er dieses Gehalt restlos der nationalen Bewegung zur Verfügung gestellt habe! Der stellvertretende Parteiführer Dr. von Winterfeld gedachte, während die Versammlung sich von ihren Plätzen erhob, der Katastrophe in Neunkirchen. Die Deutschnationale Volkspartei, erklärte er, hat immer mit besonderer Liebe das Schicksal des unter fremder Herrschaft stehenden Saargebiets verfolgt, von dem wir wissen, daß die Bevölkerung die vollige Rückkehr zum Vaterland ersehnt und erreichen wird. So teilen wir heute auch die Trauer des Saarlandes, in dem durch ein furchtbares Unglück Hunderte getötet und verletzt worden sind. Unter lebhaftem Beifall fuhr Dr. v. Winterfeld fort: Die heutige Tagung steht im Zeichen der nationalen Einigung. Wir danken unserem Führer Hugenberg, daß er in schwerer Zeit die Leitung des Wirtschaftsministeriums übernommen hat. Mit Hugenberg begrüßen wir den Vizekanzler v. Papen und den Reichsarbeitsminister Seldte. Diese Namen sind eisern in die Herzen eingeschrieben, und wir erhoffen von der Zusammenarbeit dieser drei Männer Wertvollstes für unser Vaterland. Unter neuem Jubel der Versammlung nahm dann Reichsminister Dr. Hugenberg das Wort. „Es war einmal ein großes, reiches und edles Volk. Ueber dies Volk war ein Unglück gekommen. Seine Nachbarn hatten es mit Krieg überzogen. In Einigkeit hielt es seine vielen Feinde von den Grenzen fern. Aber dann lam Hunger über das Volk. Es bildeten sich Parteien und innere Feindschaften. Einer kämpfte gegen den anderen, arm gegen reich, reich gegen arm. Sozialer Haß flammte auf. Das Volk wurde besiegt, verstümmelt und georandschatzt. Es vergaß sich selbst und seine Größe. Lange Jahre des Siechtums, der Würdelosigkeit und der Ohnmacht folgten. Allmählich aber regten sich wieder die guten alten Kräfte des Volkes und strebten nach neuer Gestaltung. Nur waren sie geteilt in verschiedene Gruppen und konnten sich nicht zusammenfinden. Da stand ein alter Patriarch unter ihnen auf, der sie im Kriege geführt hatte. Er rief sie zusammen und machte einen Bund unter ihnen. der Macht und Aufgaben verteilte. Es wurde vereinbart, daß dies ein fester Bund auf Treu und Glauben sein sollte. Und da begann das Wer! der Rettung. An diesem Punkte befindet sich heute Deutschland. Es hängt alles davon ab, daß die rettenden Kräfte die Macht behalten— wie sie es auf alle Gefahr hin wollen. Es hängt aber auch alles davon ab, daß sieuntereinander einig und in Zur Zeitgeschichte Das je länger je mehr unerträgliche Nebeneinander der beiden Regierungen in Preußen ist durch den Reichspräsidenten beendet worden. Er stellte fest, daß die Ausführung des Leipziger Urteils zu einer Verwirrung der staatlichen Verhältnisse in Preuben führe und deshalb nicht mehr geduldet werden könne. Es hatte in der Tat nicht bloß etwas Groteskes. sondern sogar Verhängnisvolles, daß es in Preußen zu gleicher Zeit eine Regierung der Exekutive durch die Kommissare und eine Regierung der Repräsentation durch die früheren Minister gab. In allen Ministerien gab es zwei Zuständigkeiten. Das war ebensowenig gut, wie wenn anderswo zwei zu gleicher Zeit die Befehlsgewalt ausüben wollen. Nun soll zwar Leipzig noch sprechen. aber es ist nicht denkbar, daß die Verordnung des Reichsträsidenten, die sehr geschickt Gedanken des ersten Leipziger Urteils verwertet. aufgehoben wird. Es muß aus Gründen der Staatsräson bei der Gleichschaltung in Reich und Preußen bleiben. ** Abgesehen von der Ernennung Dr. Hugenbergs zum Minister für das große Gebiet der Wirtschaft, worüber wir voriges Mal das Nötige gesagt haben, erfüllt uns eine Ernennung mit Genugtuung: die des Generals von Blomverg zum Reichswehrminister. Mit ihm tritt ein Mann an diesen verantwortungsvollen Posten, der seine Aufgabe kennt und ihr gerecht werden will, das ist die Aufgabe, die Reichswehr aus der Politik herauszuhalten und als Truppe auf der Höhe zu halten. Es war ein unerfreulicher Zustand. daß der verantwortliche Mann in der Reichswehr, Herr von Schleicher, seit Jahren hinter und in allen politischen Geschehnissen in Berlin vermutet wurde und wohl auch zu suchen war. Die Bendlerstraße, wo sich der Sitz des Reichswehrministeriums befindet, war eine bekannte Quelle für politische Gerüchte und Treibereien. Wenn es einmal ganz ans Tageslicht kommt. wie es damals bei der Absolitterung Lambach dem Vertrage bleiben, den sie miteinander geschlossen haben. Wer etwa davon reden wollte, daß das nur ein Uebergangszustand sei, der bald einer anderen Machtverteilung weichen werde, der versündigt sich am deutschen Volk, der ruft die bisher waltenden zerstörenden Kräfte wieder auf den Plan. Er wäre der Vater des Chaos und des deutschen Bolschewismus, der, wenn auch noch so national, Deutschland zerstören würde. Denn Deutschland ist nicht Rußland. Gegen Parlamentsherrschaft Ich sage es offen: Ich muß es sagen, weil mir aus den eigenen Reihen heraus Bedenken entgegengetreten sind— ich wollte keine Neuwahl. Seit 1919, seit Weimar sitze ich im deutschen Parlament und bin nie Parlamentarier geworden. Al die Jahre hindurch haben wir Deutschnationalen gegen den Parlaments= und Parteistaat gekämpft. Das neue Kabinett ist keine Neuauflage einer der zahlreichen parlamentarischen Regierungen, die wir gehabt haben. Sonst wäre ich nicht darin. Was wir Deutschnationalen schon in der Zeit des Kampfes gegen den Youngplan, in der Zeit von Harzburg wollten— was wir zäh festgehalten haben, bald gegen diesen, bald gegen jenen— was wir mit Kraft und Leidenschaft aus der Stellung der Minderheit zurechtzurücken suchten— ein Werkzeug im Kampf um eine lichtere deutsche Zukunft: das ist diese neue Hindenburgregierung der nationalen Sammlung. * Von D. Koch=Deynhausen —Treviranus zugegangen ist, dann wird man die Bendlerstraße auch wohl nennen hören. Es ist gut, daß dieser Zustand nun aufhört und die ganze Arbeit der obersten Reichswehrstellen nun wieder auf die Reichswehr selbst verwandt wird. Welcher Geist ist in der Reichswehr, welcher Geist muß angesichts der deutschen Lage in ihr sein, was für Geister suchen Einfluß auf sie eu erlangen: mit diesen Fragen hat die Leitung der Reichswehr genug Arbeit. ** Sie darf sich dabei nicht verhalten, wie der Kommandant jenes holländischen Kriegsschiffs in Indien, der, obgleich gewarnt, doch mit seinen Offizieren zum Urlaub an Land ging. Als er ruhig mit seinen Herren irgendwo saß, bemächtigten sich Meuterer seines Schiffs und fuhren davon. Es ist begreiflich. daß diese Sache in Holland und Holl.=Indien wie eine Bombe einschlug. Sie ist der Beweis dafür, wie neben und unter uns, wenn wir an nichts denken, die Kräfte der Zerstörung. die Menschen der Zersetzung am Werke sind. Wie wenn plötzlich am dunklen Himmel ein greller Blitz auszuckt und verderbenbringend einschlägt. so ist es den Holländern ergangen. einem Lande mit den vielen Gulden. den goldwerten Gulden, den reichen Kolonien. Darum haben in unserem so unendlich verschuldeten, verarmten und für geistige Verführung und Vergiftung anfälligen Volk und Land die Maßgebenden große Verantwortung, daß das Wenige an Ordnung und Sicherheit, das wir noch haben, nicht in einem grausigen Zusammenbruch endet ** Der Sinn des Wahlkamofs ist klare Scheidung und Entscheidung zwischen Rechts und Links. Wir werden es erleben, daß Links mit maßloser Erbitterung kämpft. Darum muß die Rechte auf den Plan sein und sich dem Entscheidungskampf stellen. Das muß das Ergebnis werden: Stolz weht die Flagge Schwart=weißerot. Ich konnte und durfte den Zusammenschluß nicht an dem einen Punkt scheitern lassen, über den wir uns nimt verständigen konnten, an der Frage, ob noch einmal gewählt werden sollte. Ich konnte er schon deshalb nicht, weil ich die Wahl nicht fürchte. Wir wählen also am 5. März noch einmal. Und Deutschland möge bezeugen, daß es das Wählen gründlich satt hat, indem es die Kampffront Schwarz= weißrot wahlt.(Stürmische Zustimmung.) Unter diesem Kennwort zieht die DRBP in die Wahl. Wie ich es seit langem als unsere Absicht verkündet habe, soll damit deutlich unser Wille gekennzeichnet werden, unsere Arme weit aufzumachen für alle, die dem Gedanken der nationalen Sammlung huldigen. Für alle, die wissen, daß es bei dieser Wahl auf zweierlei ankommt: Ja zu sagen zu der Frage des Feldmarschalls: Wollt ihr mein nationales Kabinett stützen? und zum zweiten zu bekunden, daß wir christlich=konservativ im besten Sinne des Wortes, daß wir sozial sein wollen, aber nicht marxistisch und wirtschaftsfeindlich. (Stürmischer Beifall.) Es reden heute außer mir zwei Männer zu ihnen, die bei dieser Wahl nichts weiter wollen, als Antwort auf diese beiden Fragen geben, die mit uns unter unserer alten Flagge schwarzweißror kämpfen wollen, die aber— wie wir es ja eigentlich alle tun— Wert darauf legen, nicht als die Vertreter eines Parteigedankens und des Gedankens des Parteistaates zu erscheinen: der im Laufe des letzten Jahres so vielen deutschen Herzen nahegerückte Vizekanzler v. Papen und der in diesen Hallen als erster Bundesführer des Stahlhelms schon oft gehörte Reichsminister Franz Seldte. Darum fasse ich mich kurz. Ein schweres Erbe Das Erbe der Nachrevolutionszeit ist furchtbar. Erfüllungswahn verschleuderte Milliarden ererbten deutschen Eigentums. Bis zu einer unerhörten Höhe wurden Staat und Wirtschaft verschuldet. Neben dem arbeitslos gewordenen Industrie= arbeiter steht der von der Scholle vertriebene Bauer, neben dem seiner Notgroschen beraubten Reutner der in seiner Existenz bedrohte Handwerker. Unser einst blühender Ueberseehandel liegt brach. Wer heute noch arbeitet, tut es unter der dauernden Sorge, ob er am nächsten Tage noch arbeiten wird und darf. Die Kassen des Reiches sind leer. Die großen Träger der Sozialversicherung stehen vor der Unmöglichkeit der Erfüllung ihrer Verpflichtungen. Milliardenunternehmungen leben von der Garantie des Reiches. Das Schlimmste aber ist: Das ganze Wirtschaftsleben ist organisatorisch so durcheinander geraten, die einzelnen Berufsstände sind so sehr gegeneinander verkrampft, daß von einer einheitlichen Wirtschaftspolitik nicht mehr die Rede sein konnte. Auch die Reichsregierungen konnten schließlich dem Ausland und den widerstreitenden inländischen Interessen gegenüber keinen einheitlichen Willen mehr cufbringen. Die Leidtragenden waren der deutsche Bauer, der deutsche wirtschaftliche Mensch, der deutsche Arbeiter und Angestellte. So wurde Einheitlichkeit der wirtschaftspolitischen Willensrichtung die erste Voraussetzung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues. Ich habe diese Forderung seit langem vertreten und jetzt zur Voraussetzung meiner Mitwirkung im neuen Kabinett gemacht. Ich konnte und durfte die Verantwortung für die Niesenaufgabe des 8 Sasen. u 15 ie Wiederaufbaues von Wirtschaft und Arbeit nur Uhernehmen, wenn ich die Gewähr hatte, daß die sich durchkrenzenden wirtschaftspolitischen Interessen nicht jede sachliche Arbeit unmöglich machten.(Beifall und Zustimmung.) Arbeiten- und nicht reden! Ueber das, was ich politisch und wirtschaftspolitisch will und erstrebe, habe ich in der vergangenen Zeit des Redens so viel gesagt, daß Freund und Feind es willen. Jetzt ist die Zeit der Taten gekommen. Der Gesamtwirtschaft zu helfen, ist meine Aufgabe. Wir sind in den Ministerien mit aller Kraft an die Arbeit gegangen. Einige kleine Maßnahmen konnten schon getroffen werden. Die Vorbereitung größerer ist im Gange. Bitte, verstehen Sie es in diesem Sinne, wenn ich in den kommenden Tagen— auch in dem bevorstehenden Wahlkampf— dem Grundsatz huldige, daß es für mich jetzt besser ist, zu arbeiten als zu reden und zu werben. (Stürmisches Händeklatschen.) Aber Sie andern alle, Sie müssen je einspringen. Sie müssen jetzt ihre volle Kraft einsetzen, damit unser deutsch= nationales Gedankenaut in den Seelen der deutschen Menschen diejenige Machtgrundlage behält und immer mehr gewinnt, die Voraussetzung des Gelingens ür einen jeden von denen ist, die heute die letzte Verantwortung tragen. Helfen Sie uns den schwarzweihroten Block stärken, der im künftigen Deutschland Hort der Nation und ihrer höchsten und heiligsten Güter sein muß! Ich rufe dem deutschen Arbeiter, ich rufe dem deutschen Bauern und dem deutschen Mittelständler zu: Wäge in deinem Seiste richtig alle Möglichkeiten der Zukunft gegeneinander ab— und du wirst die sicherste Gewähr eines ruhigen Wiederaufstieges bei uus finden. Es hat sich in diesen Wochon eine Wendung vollzogen. Ungeheure Spannungen waren vorhanden. Ihre Bedeutung und Tiefe wird erst eine spätere Generation begreifen. Die Mitwirkenden waren sich bewußt, höhere Verantworturg zu tragen, als es gemeinhin der Es war ihnen zumute wie den Pienieren, die, getrieben von der preuhisch=deutschen Pflicht, hinter sich alle Brücken abbrechen und in ein neues Land ziehen— in ein unbekanntes, aber verarmtes Land— in das innerlich geeinte, glücklichere und bessere Deutschland. Wir Deutschnationalen dienen diesem kommenden neuen Deutschland. Wir dienen ihm als Partei solange man uns zwingt, auf parlamen. tarischem Boden zu kämpfen. Aber noch viel lieber dienen wir einem von Knechtschaft und Parlamentarismus bereiten Vaterland— und darin werden mir besonders die Jugend und die kampfgewohnten Grün= und Blauhemden zustimmen— noch viel lieber dienen wir dem Vaterland als starke Heerskule der nationalen Kampfsront. Wo aber wir auch stehen, unser Kampfruf heißt: Heil Deutschland!“ An die Ausführungen Hugenbergs, dem immer wieder endloser Beifall gezollt wurde, schloß sich der gemeinsame Gesang des Flaggenliedes an. Es sprach dann : B i z e k a n z l e r v. P a p e n, Richt Quantität, sondern Qualität! v. Papens Rede „Der 30. Januar wird ein Wendepunkt in der Geschichte des Nachkriegsdeutschlands sein. Gleichwie sich die Männer der Reichsregierung zusammengetan haben, um Seite an Seite in aufrechtem gegenseitigem Vertrauen den Kampf für die Wiedergeburt Deutschlands zu führen, so müssen sich auch die vielgestaltigen Kräfte des. deutschen Volkes über alle Parteigrenzen und Parteidoktrinen zum gemeinamen Werk die Hände reichen. Die Deutschnationale Volkspartei unter ihren verdienten Führern hat als erste erkannt, wie notwendig für die Wiedergeburt Deutschlands der Kampf für die konservativen Prinzipien ist. Aber mit ihnen allen glauben wir, daß die Zeitenwende von uns heute mehr denn je den Impuls zu einer großen, umfassenden nationalen Bewegung christlio=konservativer Prägung fordert, einer Bewegung, in der alle Kreise des deutschen Volkes vertreten sein müssen, die ein neues soziales, von Gerechtigkeit und Autorität geführtes Deutschland wollen. An einer solchen Neuformung unserer politischen Willensbildung muß neben den Evangelischen auch der katholische Volksteil seinen selbstverständlichen Anteil haben.(Stürmischer Beifall.) Mit der Bildung der Kampffront Schwarz= weißrot haben wir den Anfang gemacht und den Grundstein für die Neuordnung der politischen Willensbildung gelegt. Die Wahltrupven der Regierung ziehen zwar mit einheitlicher Parole, aber nicht unter einheitlichem Oberbefehl in den Wahlkampf. Ich sehe in dem Umstand, daß das gegenwärtige Reichskabinett gemeinsam von verschiedenen Gruppen der nationalen Bewegung, von freien Politikern und Fachleuten gebildet ist, keinen Nachteil, sondern einen Vorteil. Jede Partei ist irgendwie ein Staat im Staate, der dazu neigt, andere vom Staate auszuschließen. Diese begreifliche Neigung gilt es um des Ganzen willen, das in dieser Notstunde erfaßt werden soll, zu unterdrücken. Die Unterdrückung ist am mühelosesten, wenn sie in freiwilliger Rücksicht auf den Koalitionspartner geschieht. Gerade in dieser Blickrichtung weiß ich das Ovfer zu würdigen, welches der Führer der größten deutschen Partei und Bewegung, der jetzige Chef der Regierung, der nationalen Sache gebracht hat. Die von ihm geformte Volksbewegung sichert unserer Regierungsarbeit stärksten Widerhall und eine solide Grundlage. Andererseits ermöglicht die heutige Regierungskoalition die Einschaltung verschiedener Führerschichten in den Staat: Gerade die traditionserfüllten Kräfte der Deutschnationalen Volkspartei und des Stahlh=lms können wir dabei nicht entbehren. Aber es wäre falsch, die nationale Bewegung als die Koalition großer Parteien unseres Volkes führen, denn wir wollen Qualit#t und nicht Quantität. Wir wollen Volk gegen Masse und Führerschaft gegen Interessenhausen stellen. Wer das will, gehört zu uns! Go wie jetzt die Führer zusammenstehen, so muß heute die Front der nationalen Einigung auch im Volk erstehen. In brüderlicher Einigkeit wollen wir diesen Kampf gegen die vom 9. November führen im Glauben anden Eien, den uns niemand entreißen kann! Frei die Menschen und die Arbeit und Bünde zu betrachten. Sie ist mehr: sie ist ein geistiger Vorgang. in welchem seit Jahr und Tag zahlreiche mutige und geistvolle Männer in den verschiedensten Formen gearbeitet haben. Als Treuhänder dieser gewaltigen Armee konervativer Menschen, die keine Heimstatt in den engen Fesseln der Vorkriegsparteien finden können, betrachte ich mich in erster Linie. Ihnen zu Liebe habe ich mich bereit erklärt, die nationale Sammelliste zu führen. Es ist die historische Schuld des 19. Jahrhunderts, daß in ihm die Grundlage der abendländischen Kultur, die Persönlichkeit. immer stärker durch eine Massenindividualisierung ersetzt wurde. Weder die Wege einer rein staatlichen Sozialpolitik, die in der vergangenen Aera begangen wurden, noch die utopische Hoffnung auf eine klassenlose Gesellschaft konnten das deutsche Volk in eine geordnete Zukunft führen, eine Zukunft, die der Familie ihre Bestimmung als Urzelle der staatlichen Gemeinschaft zurückwies. Mit kollektivistischen Ideen ist das deutsche Leben nicht mehr fruchtbar zu gestalten. Ich sehe die entscheidende Aufgabe des 20. Jahrhunderts in der Entproletarisierung des deutschen Volkes. Wir stehen heute vor einer gewaltigen Neuordnung unseres sozialen Lebens. Ein Aufstand des Volkes und des Geistes gegen die Herrschaft der Materie hat eingesetzt. Nicht klassenkämpferisch und kollektivistisch müssen die dem deutschen Volke angemessenen Lösungen gestaltet sein. Stärkung der Persönlichkeit Wir müssen uns zu der revolutionkren These bekennen, daß der Wieder: einbau weiter Kreise unserer Volksgenossen in die Volksgemeinschaft nicht durch die Verwandlung Deutschlands in einen Rentenstaat, sondern einzig und allein durch die Stürkung der Persönlichkeit und des Verantwortungsgefühls des einzelnen Deutschen erreicht werden kann. Konservativ sein heißt nicht, wie uns immer unterschoben wird, an Überlebten Formen festhalten, sondern heißt die ewigen Ge setze der Weltordnung und des Menschentums zu beachten. Vizekanzler v. Papen schloß seine immer von Beifallsstürmen und zum Schluß mit minutenlangem Beifall aufgenommene Rede mit dem Gelöbnis, daß man den Kampf unter der Fahne des neuen christlichen Reiches deutscher Nation führen wolle. Wir lehnen es ab, etwa reaktionäre Ziele zu vertreten, wir wollen in Achtung von der schöpserischen Einzelpersönlich: keit den Kampf gegen die Proletarisierung Zum Schluß erklärte Reichsarbeitsminister Seldte sich wie folgt zum nationalen Programm: Eine spätere Zeit wird vielleicht auch den 11. Februar als einen Markstein ansehen, als einen Tag, an dem in großzügiger Weise Männer und Gruppen unter Zurückstellung vieler eigenen Ideen und Wünsche sich zur Kampffront Schwarzweißrot zusammenfanden. Ehe ich jedoch vor Ihnen Grund und Ziel des Wahlkampfes darlege, möchte ich Herrn v. Papen und Geheimrat Hugenberg an dieser Stelle den herzlichsten Dank sagen und als Wunsch hinzufügen, daß in diese Kampffront Schwarzweißrot sich auch noch andere Männer, Verbände und Parteien einreihen mögen. Unsere zähe und unablässige Arbeit beginnt jetzt Früchte zu tragen. Gerade in solcher Stunde bedarf es eines besonders großen Einsetzens der Kräfte, einer bewußten Vereinigung des Willens und des Glaubens, eines Einsetzens der starken Herzen und der klaren Köpfe. Das brauchen wir für unsere Stahlhelmarbeit, das brauchen wir für die zukünftige Arbeit in Deutschland. Das braucht aber besonders die Regierung mit ihren Männern, die sich in einem festen Kampfeing zur Arbeit für Deutschlands Zukunft zusammengefunden haben. Das war und das ist nicht leicht, aber der gute Wille aller wird zum Erfolge und zum Durchsetzen des Siegeowillens führen. Besteht das Deutsche Reich aus verschieden gearteten Stämmen, so besteht das Kabinett analog aus verschieden gearteten Menschen und Männern. Aber der Freiheitsgedanke und der Kampf um das gemeinsame Ziel hält die Männer und die Menschen im Kabinett so verbunden, wie sich die Stämme und Länder untrennbar im Bismarckschen Einigungsgedanken vereinigt hatten. Aus den Gedanken des Stahlehlmführers und=gründers und aus dem bewußt sozialen Denken des Arbeitsministers heraus erkläre ich, daß die gedachte Arbeit aber keine Fronarbeit sein wird, weder für innere noch für äußere Machthaber. In Deutschland gibt es keine Fronarbeit der Unfreien, sondern es gibt nur die Leistungsarbeit der Freien! Deshalb verträgt weder der Mensch, noch das Land, noch die Arbeit, noch die Wirtschaft starre Fesseln. Wahrhaft frei müssen die Menschen, das Land und die Arbeit sein. Zu dieser Erkenntnis ruse ich in heutiger Stunde auf! Und mit warmherzigem Appell wendet sich der Teil der Männer des Kabinetts, wie ste im Kampfblock Schwarzweißrot zusammenstehen, an allo Deutschen, am 5. März für dieses Kabinett ihre Stimme abzugeben. Die letzte Stimme in Stadt und Land ist nötig und wird gebraucht. Wir brauchen dieses Zusammenklingen von Wille und Glauben, damit wir zur deutschen Freiheit kommen, damit wir zur deutschen Leistung kommen und damit es uns uns unseren Kindern dereinst einmal wieder gut gehen soll im deutschen Lande. Den Schluß der Kundgebung bildete der Gesang des Deutschlandliedes. Mackensen an der Spitze Berlin, 11. Febr. Wie dem„Tag“ zufolge verlautet, soll die Reichsliste der Kampffront Schwarzweißrot von General= feldmarschall v. Mackensen geführt werden. Es folgen Reichskanzler v. Papen und Reichsminister Seldte, der erste Bundesführer des Stahlhelms. Papen Spitzenkandidat in Westfalen Berlin, 11. Febe. Wie schon gemeldet, wird Dr. Hugenberg mit Ausnahme einiger weniger Wahlkreise die Spitze sämtlicher Wahlkreislisten der Kampffront Schwarz= weißrot übernehmen. Wie die„DA3.“ ergänzend meldet, wird in Magdeburg der Stahlhelmführer Geldte und in Westfalen Vizekanzler v. Papen an erster Stelle kandidieren. Mit Generalfeldmarschall v. Mackensen wird die Kampffront Schwarzweißrot voraussichtlich den Alterspräsidenten des neuen Reichstages stellen. Vorstandssitzung der Deutschnationalen Volkspartei. Berlin, 11. Febr. Als Anftakt des deutschnationalen Parteitages sand Sonnabend nachmittag unter Leitung von Dr. Hugenberg die Vorstandssitzung der Partei statt. Dr. Hugenberg gab eine Darstellung der Vorgänge, die zur Regierungs. bildung und den Wahlen führten. Anschließend behandelte der Vorstand die Ausstellung der Listen für Reichstag und Landtag. * Hilfsprogramm für die Automobil=Industrie Berlin, 11. Febr. Bei der am Sonnabendvormittag stattfindenden Eröffnung der Deutschen Automobilausstellung durch den Reichskanzler Adolf Hitler in der alten Automobilhalle am Kaiserdamm gab Adolf Hitler als sein Hilfsprogramm für die deutsche Automobilindustrie die nachstehende vier Punkte enthaltende Erklärung ab: 1. Herausnahme der staatlichen Interessenvertretung des Kraftwagenverkehrs aus dem Nahmen des bisherigen Verkehrs. Der Kraftwagen gehört seinem Wesen nach mehr zum Flugzeug als zur Eisenbahn. Große Wagen und Flugzeuge besitzen eine gemeinsame Wurzel in der Moiorenndusteie. Ohne die Entwicklung zum Beispiel des Dieselmotors für den Kraftverkehr sei kaum seine Verwendung im Flugzeug zu schaffen gewesen. 2. Allmähliche steuerliche Entlastung. 3. Inangriffnahme und Durchführung eines großzügigen Stratenbauplaues. 4. Förderung der sportlichen Verarstaltungen. Hitler in Kassel Kassel, 11. Febr. Die Gautagung der RSDAP. des Gaues Hessen=Nassau wurde am Sonnabend mit zahlreichen Sondertagungen eröffnet. Im Mittelpunkt stand eine große öffentliche Kundgebung auf dem Friedrichsplatz in Kassel, verbunden mit einem Aufmarsch sämtlicher Formationen der NSDAP. vor dem Roten Palais, von dessen Balkon Reichskanzler Adolf Hitler sprach. 11000 SA.= und SS.=Männer sowie einige Formationen des Stahlhelms mit ihren Standarten und Fahnen hatten Aufstellung genommen. Sodann nahm Hitler das Wort zu einer etwa einstündigen Rede. Er hielt sie in ähnl'chen Rahmen wie die Sportpalast=Rede. Mit einem Vorbeimarsch, Fackelzug und Zapfenstreich schloß die Kundgebung ab. Letzte Funkmeldungen Der Reichspräsident hat ein Beileidstelegramm an den Bürgermeister von Neunkirchen geschickt und eine Spende von 100000 RM. für die Opfer überwiesen. In Bensheim(Bergstraße) wurde bei einer Schießerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten ein Unbeteiligter getötet. * Die Gebrüder Barmat, die nach dem Verlassen Deutschlands im westlichen Europa ein neues Betätigungsfeld gefunden hatten, sind von der belgischen Regierung ausgewiesen worden. * Der Militärbefehlshaber von Bukarest (Rumänien) hat die dortige kommunistische Partei aufgelöst und sämtliche ihr angeschlossenen Organisationen verboten. Zuwiderhandelnde werden vor das Kriegsgericht gestellt. Barntrup: 13.30 Uhr in der Schule: 20. 1., 17. 2., 17. 8., 21. 4., 19. 5., 16. 6., 21. 7., 18. 8., 15. 9. 20. 10., 17. 11., 15. 12. Almena: 14 Uhr in der Gastwirtschaft Korf: 3. 2., 3. 8., 7. 4., 5. 5., 2. 6., 7. 7., 4. 8., 1. 9. 6. 10., 3. 11., 1. 12. Alverdissen: 16 Uhr in der Schule: 24. 2., 28. 4., 23. 6., 25. 8., 27. 10 Sonnebern: 16 Uhr in der Schule: 17. 2., 21. 4., 16. 6., 18. 8., 20. 10., 15. 12. Bösingfeld: 14 Uhr in der Schule: 27. 1., 24. 2., 24. 3., 28. 4., 26. 5., 23. 6., 28. 7., 25. 8., 22. 9., 27. 10., 24. 11. Humfeld: 14 Uhr in der Schule: 14. 3., 9. 5., 11. 7., 12. 9., 14. 11. 0: Uhr in der Schule: 14. 7., 9. 5., 11. 7., 12. 9., 14. 11. Elbein.: 15 Uhr in der Schule: 8. 3., 10. 5., 12. 7., 13. 9., 8. 11. Rischenau: 14 Uhr in der Schule: 8. 3., 10. 5., 12. 7., 13. 9., 8. 11. Schieder: 14 Uhr in der Schule: 7. 3., 2. 5., 4. 7., 5. 9., 7. 11. Brakelsiek: 15 Uhr in der Schule: 7. 8., 2. 5., 4. 7., 5. 9., 7. 11. Lothe: 16 Uhr in der Schule: 7. 3., 2. 5., 4. 7., 5. 9., 7. 11. Velle: 14 Uhr in der Schule: 22. 2., 26. 4., 28. 6., 23. 8., 25. 10., 6. 12. Neelkirchen: 15.30 Uhr in der Schule: 22. 2., 26. 4., 28. 6., 23. 8., 25. 10., 6. 12. 14 Uhr in der Schule: 15. 2., 19. 4., 21. 6., 16. 8, 18. 10., 13. 12. Blomberg: 16 Uhr in der Schule Mütterberatung: 18 Uhr im Rathaus für Lungenkranke: 16. 1., 20. 2., 20. 3. 24. 4., 15. 5., 19. 6., 17. 7., 21. 8., 18. 9., 16. 10., 20. 11., 18. 12. Zuchtviehauktion Große Frühjahrszuchtviehversteigerung in Paberborn. Am Donnerstag, dem 23. Februar 1933, halten die Paderborner Herdbuchgesellschaft und der Schweinezuchtverein Paderborn in der Versteigerungshalle in Paderborn ihre bekannte Frühjahrszuchtviehversteigerung ab. Zum Verkauf gelangen 59 ausgesuchte, erstklassige schwarz= und rotbunte Zuchtbullen des Tieflandschlages, sowie 60 über 4 Monate alte Eber und Sauen des veredelten westfälischen Landschweines. Die Versteigerung der Zuchtschweine findet um 10 Uhr vormittags vor der Bullenversteigerung statt. Die Paderborner Schweinezüchter bieten formenschönes, bestes Zuchtmaterial an, das sich durch seine Gesundheit. Widerstandsfähigkeit und gute Mastfähigkeit größter Beliebtheit erfreut. Die Bullenauktion findet um 12 Uhr mittags statt. Die sorgfältig ausgesuchten Tiere stammen aus den besten und milchreichsten Ställen des Paderborner Landes. Die Paderborner Versteigerung bietet eine günstige Ankaufsgelegenheit besten bodenständigen Zuchtmaterials. Für Fruchtbarkeit und Deckfähigkeit der Bullen und Eber wird Garantie geleistet. Es sind nur solche Bullen zugelassen, deren Mütter einen Mindestmilchfettgehalt von 3 Prozent und als Erstlinge jährlich mindestens 80 Kilogramm Milchfett und sonst mindestens 100 Kilogramm Milchfett aufweisen. Eine Ausnahme ist bestimmungsgemäß nur da zulässig, wo die Mutter des Bullen zwar weniger als 3 Prozent Milchfett, aber mindestens eine Jahresmilchfettleistung von 150 Kilogramm hat. Zum Besuch der Versteigerung gibt die Reichsbahn am 23. Februar auf allen Bahnhöfen im Amkreis von 73 Kilometer um Paderborn Sonntagsrückfahrkarten mit einer Geltungsdauer von 9 bis 24 Uhr(Antritt der Rückfahrt) aus. Alle Anktionstiere erhalten 29 Prozent Bahnfrachtermäßigung. Das Eintrittsgeld ist auf 1 RM. ermäßigt worden. Die und AntaufsbetulungB. f—"— loge mit Stammtafeln und Leistungsnachweis sind kostenlos durch die Geschäftsstelle der Paderborner Züchterverbände, Paderborn, LuiseHenselstraße 1. Fernruf 2054, zu beziehen. igt worden. Zuchtleitung steht zur Auskunftserteilung nkaufsberatung gern zur Verfügung. Katamit Stammtafeln und Leistungsnachweis Welches ist das stärkste Werbemittel Die Leiter des Psychologischen Instituts an der Technischen Hochschule Berlin, Prof. Dr. Mode, hat im Auftrage einer großen Schuhfirma eine Untersuchung über den Erfolg der verschiedenen Werbemittel angestellt. Das Ergebnis ergibt folgende Einzelheiten. Am Erfolg waren beteiligt die Presse mit. 44 Proz. Schaufensterreklame mit 34 Proz. Lichtreklame mit 24 Proz. Plakatreklame mit 19 Proz. Straßenbahn= und Omnibusreklame mit 10 Proz. Persönliche Reklame mit 4 Proz. Geschenkreklame mit 4 Proz. Lieferwagenreklame mit 2 Proz. Wieder einmal zeigt eine Untersuchung, daß die Anzeigenreklame weitaus in erster Linie steht. Aus der Nachbarschaft Bad Lippspringe sordert dringend staatliche Hilfe Bad Lippspringe, 8. Februar. Die Not der Bürgerschaft der schönen Badestadt Lippspringe ist durch den steten Rückgang der Besucherzahl aufs höchste gestiegen. Die Bürger haben ihre letzte Kraft ausgeboten, um das Bad zu erhalten. Aber wegen der anhaltenden allgemeinen Not reicht die Kraft der Bürger nicht aus, um die Krise zu überwinden. Es ist deswegen staatliche Hilfe erforderlich. Um nun finanzielle Hilfe zur Erhaltung des Bades und seiner Bürgerschaft vom Staate zu erreichen, haben sich der Verkehrs= und Pensionsinhaber=Verein, der Innungsausschuß, der Wirteverein, der Landwirtschaftliche Ortsverein, der Verein für Handel und Gewerbe und der Arbeiterverein zu eine Notgemeinschaft vereinigt, die vor kurzem zu einer Bürgerversammlung eingeladen hatte, die im Bürgervereinssaale stattfand. Von der Versammlung wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, die allen zuständigen Regierungsstellen zugeleitet werden soll. Die Entschließung schildert kurz und treffend die Not und enthält folgende Mindestforderungen: 1. Starke Belebung des Bades durch Zuweisung aller geeigneten Fälle in Privatpensionen, g. F. Schließung der Heilstätten, 2: Streichung der Schulden, die Reich und Staat der Stadt gegeben haben, 3. Mittel zur Abtragung der Schulden bei der Landesbank und Kreissparkasse, 4. Sanierung der Lippspringer VerantwertIIc für Reicho= und Landespolitik, Kunst= und„Wissenschaft: Dr. Hans=Ulrich Reinicke, für den lokalen Teil. Unterheltung und Sport: Augun Roch. für und Geschäftsnotizen: Haus Dimmek, sämtlich in Detmold Druck und Verlag: Westf.=Lipp G. m d. H., Detmold— Sprechktunden der Schriftleitung: 11—13 Uhr vormittags. 6—7 Uhr abende. Für unveklangt eingesandte Manuskripte übernima.“ die Schriftleitung keine Verautwortung. Wie wir hören, hat die Firma Kaiser's Kaffeegeschäft G.m.b.H., zu Viersen(Rheinland), wiederum eine Anzahl Waggons Lebensmittel für die Zwecke der Winterhilfe in den Städten ihrer Niederlassung gespendet. Ein gutes Vorbild! Heute nacht um 2 Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden im 82. Jahre seines reichgesegneten Lebens unser geliebter Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater, mein guter Schwager, der Geheime Oberjustizrat Otto Preuß Lippischer Landgerichtspräsident a. D. In tiefer Trauer: Ellsabeit Liuce. geb. Preuß hedwig von Rosenberg. geb. Preuß Luln von Donoy, geb. Preuß Büheim Lincke. Oberstleutnant a. D. Ulrich von Rosenberg. Oberstleutnant a Tönnies von Douep-Böbbel Rudoll von L’Estock. Generalleutnant a. D. 8 Entel und 2 Urentel Detmold, Berleburg, Berlin, Rittergut Wöbbel, Göttingen, den 11. Februar 1933. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 14. Februar, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Paulinenstraße 9 aus statt. Trauerfeier 3½2 Uhr. Statt besonderer Anzeige. Mein getreuer Kamerad, unsere gütige Mutter, unsere liebe Tochter, Schwester und Schwägerin Frau Dora Lasius geb. Jording wurde uns heute nach schwerer Krankheit entrissen. Familie Richard Lasius Familien Jording u. List Duisburg, den 9. Februar 1933. Akazienhof 11 Statt Karten. Für die Beweise licher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben, teuren Entschlafenen danken herzlichst Frau Emilie Friedrich geb. Fischer und Kivder. Hüntrup, 11. Fedr. 1935. Obermeistertagung und öffent'iche Kundgebung des lippischen Handwerks. I. Obermeistertagung der HandwerksZu der am Sonntag, 19. Februar 1933, nachmittags 1 Uhr, im Restaurant Friedenseiche(Huneke) in Lage stattfindenden Obermeistertagung werden hierdurch die Innungsvorstände und Mitglieder freundlichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung (Vorsitzender Krüger). 2. Tätigkeitsbericht (Geschäftsführer Solle). 3. Die Zusammenarbeit der Handwerksorganisationen. (Geschäftsführer Klasing). 4. Aussprache und Wünsche. II. Die össentliche Rundgebung des gesamten lippischen Handwerks veranstaltet von der Handwerkskammer Detmold und dem Lipp. Handwerkerbunde findet anschließend um 3½2 Uhr, ebenfalls in Lage, Friedenseiche(im gleichen Saal) statt. Hierzu laden wir das gesamte lippische Handwerk, sowie die Landesund Kommmnalbehörden und die lippische Presse freundlichst ein Tagesordnung: 1. Eröffnurg und Begrüßung. (Vorsitzender Krüger) 2. Was erwartet das Handwerk von der Landesgesetzgebung und Verwaltung? Bundesvorsitzender A. Stöppler 3. Die Not des Handwerks. (Syndikus Dr. Holzapfel=Bielefeld). Die Handwerkskammer. Krüger, Vorsitzender. Solle, Geschäftsführer. Der Lip pische Handwerkerbund. Stöppler. Vorsitzender. Klasing. Geschäftsführer. Gewinnauszug 5. Klasse 40. Preuß.=Süddeutsche (266. Preuß.) Staats=Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar so einer auf die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen I und II 3. Ziehungstag 10. Februar 1933 E. Hammann. Hofl., Kunsthandlung Detmold, Bruchstr. 40. Fernsprecher 3384. Ständige Kunstausstellung. Besichtigung ohne Kaufzwang.— Spezialgeschäft für moderne Bildereinrahmungen. Büro für Entwurf und Banzeichnung, Bauleitung Architekt Albert Hesse Detmold, Friedrichstraße 13 Fernruf 2838 Kofter, Handtaschen, Aktenund Schülertaschen kaufen Sie preiswert bei Lindau, Nrumme Straße 6 C Statt Karten Grete Vehmeyer Walter Kuhn Verlobte Dahnold, Lemgoer Str. 26 Wien, Keiserstreße 85 im Februar 1932 Getlögelzüchter echt die wen d#ch dre fUnre e euht die wertvollen Ratschläge die 11 Sechdiefünrendef schandung gebt erhalten Sie eine PrObRUmmer de: Gollägoi--olt In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 10 Geptune mn 10000 G. 30407 43301 96172 209196 337276 4 Gebinne zu 6000 S. 295279 346680 10 Geptnne zu 3000 G. 47647 166329 193509 381463 391176 54 Oepinne mn 2000 0. 942 10943 19729 26849 42969 62842 95982 99945 104197 111834 114067 161936 181441 184846 216464 225082 248795 249566 269621 294695 305663 308428 308828 310526 328236 360036 384687 106 Cepinne zu 1000 C. 4581 8272 16693 18408 27648 81935 87137 38201 47279 47713 54460 70905 84413 92742 108417 112685 116210 119865 125084 136926 141330 145482 148633 167025 168248 176966 176298 185444 188138 201521 206507 210892 221628 290289 232173 236141 238329 272046 275440 304033 304261 306503 313105 313482 313837 315363 331906 332932 348545 354288 361511 873117 377119 188 Cepinne au 500 SR. 10085 16659 24666 26504 33508 34549 46418 51557 65576 66732 5994061431 61815 68603 72902 74295 77767 82684 84270 85391 85603 87095 89578 97835 98254 103446 106891 120966 122617 124936 128790 138938 141997 143281 146191 146917 151376 153650 154097 154923 156256 156655 165910 165961 1726 179918 187263 188612 188657 195120 195403 196142 210679 210721 213483 216770 226112 237346 244081 260558 236943 260269 262510 263786 264747 265207 263339 268337 270260 273800 277697 283306 287676 288128 288702 293290 296642 311062 312444 317949 322144 326030 337687 337785 362949 364929 357622 367826 358369 369516 371303 373642 386870 396477 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Geptans zu 25000 0R. 318106 2 Gestane zu 10000 GR. 31151 6 Geminne zu 5000 G. 22897 117201 140229 12 Seminne mu 3000 GR. 2756 14068 138677 164584 296670 301069——— 42 Gedinne iu 2000 dx. 14978 40732 64926 79930 122766 167677 196706 197073 206824 213959 254078 271760 275543 276762 285348 313432 318207 336422 343400 363194 399071 102 Gepinne iu 1000 all. 1309 6006 12056 16347 16189 30907 41441 61335 56163 64437 7671082709 98409 99582 110734 136761 141822 162708 153909 167364 179962 182420 183699 189076 191779 196628 197040 220764 221935 240567 247431 251473 259142 275304 200643 286210 294367 296027 296090 304594 308147 321596 331839 834401 338714 340042 846719 360677 330948 398003 898121 182 Gewinne zu 500 S. 323 16623 21931 23636 24970 25179 30884 44410 47669 56991 61759 67811 68945 69420 76990 79906 81442 8331783322 90613 97348 101206 105433 107170 108762 108816 118383 121799 122236 187715 18719 138996 156504 158995 160992 169697 172094 181974 185692 187022 187365 188030 112743 116088 116182 131939 132031 136374 146676 174297 194217 211941 218168 219718 222104 225072 229626 239763 243232 247962 248509 249362 253475 273612 275970 279778 279877 288925 290488 291102 292535 298439 303768 314025 814602 817501 318837 319959 321296 326531 835649 837224 340006 340260 344075 348897 361281 361906 379275 386887 388757 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 200000, 4 zu je 100000, 6 zu je 75000, 12 zu je 50000, 26 zu je 25000, 172 zu je 100 0, 458 zu je 5000, 904 zu je 3000, 2676 zu je 210, 5346 zu je 1000, 8920 zu se 500, 26586 zu je 400, und 100 Schlußprämien zu je 3000 M. Lotterie=Einnahme A. Neuter. Willi Harke, Detmold Ilavier-Techalker Elisabethstr. 38. Rut 2264 (bisber Stimmer des Musikhauses Siebdraht) stimmt u. reparlert Flügel— Planas— Mai Kinder=Nährzwieback Fritz Burre, Hermannstraße. 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Jebruar 1933 50 ausgesuchte Bullen des schwarz=u.rotbunten Tieflandschlages 60 Eber und Sauen des veredelten westfälisch. Landschweines Prämlierung 8 Ahr Auktiousbeginn 10 Uhr Zum Besuch der Versteigerung gibt die Reichsbahn am 23. Februar auf allen Bahnhöfen im Umkreis von 75 km um Paderborn Conntagsrückfahrkarten mit einer Geltungsdauer von 0 bis 24 Uhr(Antritt der Rückfahrt) aus. Alle Auktionstiere erhalt. 20% Bahnfrachtermäßigung. Ratalog mit Stammtafeln und Leistungsnachweis kostenlos durch die Geschäftsstelle der Paderborner Züchterverbände, Paderbocn, LuiseHenelstr. 1, Telefon 2054. Möbelhaus Dehace Detmold, Rosental 13 Ständige Auswahl von: Speisezimmern] Herrenzimmern Schlafzimmern] Küchen usw. Lieferung kompletter Aussteuern Suche zum 1. April gebildetes junges Mädchen zur gründlichen Erlernung d. Haushaltes Schlicht um schlicht, Famlienanschluß. Fran A. M her Haus Elchhalz, Post. Remmighausen b. Dermold. 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Drücken Dich Sorgen— Berlier nicht den Mut— Die=Kleine= macht morgen Alles schnell gut. Die„Kleine Anzeiae“ in der „Lippischen Tageszeitung“ ist von großer Wirkung! Bellage Nr. 37 Livvische Tageszeitung Delmold, Sonnnag, 12. Febraur 193. Lipverland Ja. damals... Man sagt wohl so leichthin: Das war doch eine andere Zeit!, wenn man an die uns schöner und besser dünkende Vergangenheit denkt. Man fächelt sich damit, wenn es auch einen andern Anschein erwecken soll, Trost zu in der Unzufriedenheit, die man nährt, und schafft sich damit zugleich eine Möglichkeit, sich selbst ein wenig zu bemitleiden. Denn selbstverständlich war diese vergangene, schönere Zeit zu kurz, man hatte gar nicht die richtige Gelegenheit, ihre Vorzüge wahrzunehmen, und nun steht man in einer Zeit, die sich so unfreundlich und stachelig anläßt, daß es kaum zu übertreffen sein dürfte. Es wäre töricht zu behaupten, daß unsere Zeit sehr angenehm und leicht sei. Denn wie ehr die Not und Zerwürfnis über uns und schließlich über alle Welt gebracht hat, kann einem ja jedes Kind sagen. Und da Not und alle ihre Begleiterscheinungen nicht besonders wohlwollend willkommen geheißen werden, würde man mit einer Aeußerung der obigen Art auf sehr lebhaften Widerspruch stoßen. Bleibt also für grübelnde Betrachtung nur die Frage, ob der Unterschied von einst und heute so groß ist, daß die andere Zeit mit allen Anzeichen des Bedauerns als ganz andere Zeit betrachtet wird. Worin bestand denn der Unterschied? Daß die Menschen von einigen besonderen Ausnahmen abgesehen, auch damals mit ihrer Zeit sehr unzufrieden waren, wissen wir aus mancherlei Zeugnissen seiner Zeit. Und sie hatten wohl auch allen Grund dazu. Denn es hat noch niemals jene Vollkommenheit gegeben, die alle Wünsche erfüllt hätte. Denken wir selbst ein wenig zurück an unsere eigene Vergangenheit, so wird sich wohl manches darstellen, als ob es ungemein schön und von clim Sorgen gelöst gewesen sei, aber das auch nur deshalb, weil wir die kleinen und großen Mißhelligkeiten, die uns zu schaffen machten, nicht in unserer Erinnerung zurückholen. Was aber wirklich schöner war, das war schließlich durch unsere eigene Fähigkeit begründet, die kleinen Lebenswerte besser zu nutzen, als wir es heute tun, da wir nörglicher geworden sind. Es ist also nichts Rechtes damit, der andern Zeit alle Vorzüge anzuerkennen, aber unserer Zeit nur alle Nachteile, die das Dasein bieten kann, in die Schuhe zu schieben. Denn schließlich wird die Zeit ja von den Menschen geformt, und wenn sie sie schlecht gestalten, was kann die Zeit dafür? Wenn aber alle früheren Zeiten nicht vollkommen waren, obwohl sich die früheren Menschen doch auch darum bmühten, sie einigermaßen gut zu formen, so wird es wohl auch uns und allen Kommenden nicht leicht möglich sein, ihr alle Stacheln zu nehmen. Außer— wir selbst werden vollkommene Menschen. Denn vollkommene Menschen werden sich eine vollkommene Welt bereiten. Bis das erreicht ist, werden aber wohl noch einige Jahrhunderte vergehen. Mitteilungen der Landwirtschaftskammer Nachdem die Meldungen für die 3. Landesbullen= und Eberschau abgeschlossen sind, darf festgestellt werden, daß die Gesamtzahl der Bullen und Eber sowohl aus Herdbuch= wie Nichtyerdbuchkreisen gegenüber 1930 und 1931 ein wenig zurückgegangen ist, daß jedoch die Klasse der jungen in Lippe gezogenen Bullen stärker als sonst beschickt werden wird. Es ist daher seitens der Züchtervereine im Anschluß an die Schau eine Versteigerung von ca. 12 Jährlingsbullen, sowie mehreren Jung=Ebern in Aussicht genommen. Wie bereits in unserer Bekanntmachung vom 22. v. M. angegeben ist, werden seitens der Landwirtschaftskammer bei Bullen 25 Prozent des Kaufpreises an Bullenhaltungsgenossenschaften und 10 Prozent an Privatbullenhalter, bei Ebern 25 Prozent des Kaufpreises unter den üblichen Verpflichtungsbedingungen als Beihilfe gewährt. Zur Versteigerung werden nur Bullen zugelassen, die von der amtlichen Kürkommission begutachtet worden sind, also kürfähige. Wichtig für Landwirte Am Donnerstag, dem 23. Februar findet in Paderborn eine große Zuchtviehauktion statt. An diesem Tage gibt die Reichsbahn verbilligte Sonntagsfahrkarten nach Padervorn aus, die bis 24 Uhr für die Rückfahrt Geltung haben. Die Fahrkarten müssen vor Antritt der Rückreise im Büro der Ausstellungsleitung der Paderborner Herbbuchge,4schaft auf der Rückseite abgestempelt werder Landgerichtspräsident a. D. Preuß* Im gesegneten Alter von 82 Jahren ist gestern unser hochgeschätzter Mitbürger, Landgerichtspräsident Geh. Oberjustizrat a. D. Otto Preuß gestorben. Bis in das hohe Alter hinein hat der in weitesten Kreisen der lippischen Bevölkerung verehrte Mann als höchster Richter des Landes in vorbildlicher Treue sein verantwortungsvolles Amt verwaltet. Als Sohn des Lipperlandes ist Preuß seiner Heimat allezeit treu geblieben. Er wurde am 3. November 1851 als Sohn des Geh. Justizrats Preuß, des Präsidenten der Justizkanzlei, unseres damaligen höchsten Gerichtshofes in Detmold geboren. Nach Absolvierung des hiesigen Gymnasiums, das er Ostern 1870 mit dem Reifezeugnis verließ, studierte er an den Universitäten Leipzig, München, Berlin und Göttingen die Rechte und Geschichte. Am 9. April 1873 machte er seine erste juristische Staatsprüfung, war danach als Auditor bei dem früheren Amte Detmold und der Justizkanzlei tätig und bestand am 11. August 1877 die große Staatsprüfung, auf Grund der er zum Assessor eram 11. August 1877 die große Staatsprüfung, auf Grund derer er zum Assessor erals Rechtsanwalt bei dem neu eingerichteten Landgericht Detmold. 25 Jahre lang hat Preuß sodann als gesuchter Rechtsanwalt eine umfangreiche Anwalspraxis ausgeübt, bis er zum 1. Juli 1901 von dem Grafregenten Ernst als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Landgerichtspräsidenten Hunnaeus an die Spitze des Landgerichts in Detmold gestellt wurde. Am 30. Mai 1916 wurde ihm der Titel „Geh. Oberjustizrat“ verliehen. Als 71jähriger trat er am 31. Dezember 1922 in den wohlverdienten Ruhestand. Dem politischen Leben hat Preuß stets ein reges Interesse entgegengebracht. Im Jahre 1897 trat er als Abgeordneter in den Lippischen Landtag ein. Er war Mitglied der Nationalliberalen Partei, auf deren rechtem Flügel er mit seinen Anschauungen stand. Nach der Revolution schloß er sich der Deutsch= nationalen Partei an, deren Landesverband ihn zu seinem Vorsitzenden wählte. Während der Wahlzeit 1918—21 gehörte er als Abgeordneter und Vizepräsident dem Landtage an. Nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst zog er sich schließlich auch aus dem politischen Leben zurück. Nun hat der Tod eine der markantesten Gestalten unseres Lipperlandes, einen hervorragenden Juristen und wahrhaft deutschen Mann zu sich genommen. Der Segen treuester Pflichterfüllung ruht auf seinem Werk für Volk und Heimat. Wir neigen uns in tiefer Trauer an der Bahre dieses unvergeßlichen Mannes, dessen Andenken für alle Zeiten in hohen Ehren gehalten wird. Die Ernennung des 1. Oberregierungsrates Aus deutschnationalen Kreisen wird uns geschrieben: Die erste Maßnahme der neuen Landesregierung auf dem Gebiete der Beamtenpolitik war, daß sie den Landesbankrat Dr. Spelge zum 1. Oberregierungsrat ernannt hat. Herr Dr. Spelge ist damit der oberste Beamte der Regierung geworden und rangiert damit vor allen übrigen Regierungsräten, u. a. den Oberregierungsräten Dr. Petri und Kirchhof und den technischen Mitgliedern in der I. gierung(Oberschulrat, Landesforstmeister usw.). Die Landesregierung hat damit— im Gegensatz zu der Auffassung der„Landeszeitung“— keine neue Stelle geschaffen. Es wurde lediglich ein Posten, der seit dem Disziplinarverfahren gegen Heise verwaist war, der aber im Haushaltsplan des Landes etatsmäßig geführt wird, neu besetzt. Eine Zustimmung des Landtages wäre an sich nicht erforderlich. Dennoch hat die Ernennung überall im Lande außerhalb der nationalsozialistischen Partei, und insbesondere auch bei den Deutschnationalen, lebhaftes Befremden ausgelöst. Widerspricht sie doch der immer wieder von der deutschnationalen Partei betonten Auffassung vom Berufsbeamtentum, nämlich, daß nur Personen mit der notwendigen Vorbildung in Beamtenstellen berufen werden dürfen. Herr Dr. Spelge ermangelt dieser Vorbildung. Vor dem Kriege setzte die Ernennung zum Oberregierungsrat voraus, daß der betreffende Beamte die beiden Staatsprüfungen(Referendar= und Assessorenprüfung) bestanden hatte. Das Assessorexamen konnte aber in Lippe nur jemand bestehen, der als Referendar auch im Verwaltungsdienst ausgebildet war. Selbst wenn man unter den besonderen Verhältnissen der Nachkriegszeit ausnahmweise auf das Assessorenexamen verzichtete, so war für eine Ernennung zum Regierungsrat doch die selbstverständliche Voraussetzung, daß der betreffende Anwärter eine längere Zeit in allen Zweigen der Staatsverwaltung beschäftigt gewesen war. Herr Dr. Spelge hat weder die Referendarnoch die Assessorenprüfung bestanden. Ein längeres juristisches Studium, das sich schon vor dem Kriege über mehrere Semester ertreckte, führte zu keinem Abschluß. Nach dem kriege hat er lediglich das Doktorexamen betanden. Irgend eine fachliche Ausbildung in der Verwaltung fehlt ihm vollständig. Er wurde Volontär bei der Landesbank, später dort Amtmann— also ein mittlerer Beamter in gehobener Stellung— und zuletzt Landesbankrat. Herr Dr. Spelge weist für sein neues Amt keine andere Berufsvorbildung auf, als sie ein Politiker auch aufweisen würde, der auf Grund seines Parteibuches irgendwo zum Oberregierungsrat oder Untertaatssekretär ernannt wird. Wir wollen der neuen nationalsozialistischen Landesregierung zweierlei zugegestehen. Einmal, daß es notwendig erschien, daß nach einer so grundlegenden Aenderung des Kurses in Lippe, wie sie mit dem 15. Januar eingetreten ist, in der einen oder anderen leitenden Stelle eine Umbesetzung erforderlich war. Zum anderen bedeuten diese Ausführungen keine Kritik daran, ob es unter dem Gesichtspunkt der oft betonten Sparsamkeit zweckmäßig war, die 1. Oberregierungsratsestelle, die zwar etatmäßig vorgesehen ist und die auch unter dem System Drake bis zuletzt noch besetzt gewesen wäre, wenn man nicht ebenso Pech mit Herrn Heise gehabt hätte, diese Stelle wieder zu besetzen. Wir müssen aber im Interesse einer möglichst reibungslosen und zweckentsprechenden Staatsführung verlangen, daß dann diese Stelle mit einem Beamten besetzt wird, der nicht nur die notwendige Vorbildung besitzt, sondern auch die möglichst beste Ausbildung für einen solchen Posten aufzuweisen hat. Die nationalsozialistische Landesregierung verdankt ihre Wahl den Stimmen der Deutschnationalen, der Volkspartei und des Christlichen Volksdienstes. Es sollte infolgedessen selbstverständlich sein, daß sie bei ihren Amtehandlungen nicht in direktem Widerspruch stehen zu den Grundsätzen dieser Parteien. Bei wichtigen politischen Aktionen— und die Besetzung der 1. Oberregierungsratsstelle ist eine solche— muß die Landesregierung vorher mit den Parteien Fühlung nehmen, deren Zustimmung sie ihre Existenz verdankt. Die Tatsache, daß die Landesregierung die Ernennung des Herrn Dr. Spelge vollzogen hat, ohne sich vorher mit der Deutschnationalen Partei ins Benehmen zu setzen, kann von dieser Seite nur als Brüskierung aufgefaßt werden, zumal diese Ernennung, wie den Nationalsozialisten bekannt sein muß, im schroffen Gegensatz zu den Grundauffassungen steht, die die Deutschnationale Partei vom Sinne und von der Bedeutung, aber auch von der Notwendigkeit des Berufsbeamtentums hat. Unbedingtes Vertrauen zu hugenberg In Bielefeld fand eine aus allen Kreisen überaus zahlreich besuchte Tagung des Deutschnationalen Landesverbandes Westfalen=Ost und Schaumburg=Lippe statt, die von Fabrikant Erwin Delius=Bielefeld leitet wurde. Nach Erledigung organisatorischer Fragen rief Reihstagsabgeordneter Dr. Borchmeyer=Recklinghausen in einem von christlich=konservativem Geiste beseeltem Referat zum Einsatz aller Kräfte für den Führer Hugenberg auf. An das Referat, das mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde, schloß sich eine rege Aussprache an, in der das unbedingte Vertrauen zu Hugenberg, der mit der Uebernahme der 6 Ministerien im Reich und Preußen die für das Schicksal der Regierung ausschlaggebende Arbeit übernommen habe. zum Ausdruck kam. Aus der Landespolitik Bor schwierigen Aufgaben Am Ende dieser bedeutsamen Woche, in der Lippe eine neue Landesregierung erhielt, die leider nicht den Charakter einer nationalsozialistisch=bürgerlichen Koalition trägt, steht eine wichtige Aufgabe. Der neue Landespräsident, der nebst neuen Kollegen natürlich täglich mit einer Flut von Entschließungen, Wünschen und Bitten der verschiedensten Berufs= und Interessengruppen bombardiert wird, hat sich Mitte der Woche gleich nach Berlin begeben, um— wie man annimmt— von dort eine Summe Geldes zu holen, damit das Regierungsprogramm, auf dessen Verkündung der Landtag wartet, finanziert werden kann. Ob er genug mitgebracht hat, wissen wir nicht. Wenn die Reise in dieser Hinsicht von Erfolg begleitet gewesen wäre, könnte das der Regierung und dem Lande Lippe nur förderlich sein. Hoffnungsvoll blicken weite Kreise unserer Bevölkerung auf die neuen Männer, von deren Wirken sie eine Besserung ihrer Lage erhoffen; viele rückständige, weil bisher nicht erfüllte Forderungen werden jetzt wiederholt, um bei der Landesregierung das Gewicht der hinter diesen Forderungen stehenden Massen in die Wagschale zu werfen. Vor ungeheuer schwierigen Aufgaben stehen sie, und ihre Stellung wird dadurch noch komplizierter, daß sie mit dem stärksten Mißtrauen und einer unverkennbaren Schadenfreude der früheren Machthaber zu kämpfen haben. Die Bürgerlichen, deren Unterstützung die Landesregierung bedarf, wenn sie verfassungsgemäß regieren will, haben ihre loyale Unterstützung zugesagt, sich aber im Uebrigen völlig freie Hand gelassen und ihr keinen Blankowechsel für die Zukunft ausgestellt. Deshalb, sollte man annehmen, müßten die neuen Machthaber in jeder vernunftgemäßen Weise ihr schwieriges Werk beginnen, um sicher zu sein, nicht alleingelassen zu werden. Nun haben sie aber sehr übereilt einen 1. Oberregierungsrat ernannt, und diese Ernennung hat, wie aus den parteioffiziösen Auslassungen der Deutschnationalen hervorgeht, viel böses Blut erregt. Auch die beiden anderen bürgerlichen Partner scheinen von dieser ersten Regierungsmaßnahme nicht entzückt zu sein, vor allem deshalb, weil sie mit den grundsätzlichen Anschauungen dieser Gruppen über das Berufsbeamtentum in Widerspruch steht. Außerdem ist aber wirklich nicht ersichtlich, wie die neue Regierung gerade diese Ernennung mit den eben erst verkündeten Grundsätzen der Sparsamkeit in Einklang bringen will. Deshalb hätten auch wir es lieber gesehen, wenn der neue Landespräsident sich nach der ersten vorteilhaften Einführung durch positive Arbeit weiteres Vertrauen zu verschaffen verstanden hätte, anstatt sich durch diese im Augenblick nicht notwendige und in der Form nicht übliche Ernennung unnötige Schwierigkeiten zu schaffen. Diese Ernennung soll selbst in nationalsozialistischen Kreisen gemischte Gefühle hervorgerufen haben. Wieweit sich Auswirkungen dieser Verstimmung zeigen werden, werden wir ja erleben. Ob es lohnte oder nötig war, sie hereinzuwerfen, diese Frage zu beantworten überlassen wir den Regierenden selbst. * Das Amzugsverbot für die 889. Die Landesregierung hat ein Demonstrationsverbot für Umzüge der Kommunisten und ihrer Nebenorganisationen erlassen. Es handelt sich aber nicht um ein generelles Verbot aller Umzüge dieser„deuthen“ Partei— die Sozialdemokraten wehrten sich im Landtag sehr gegen die Bezeichnung„eine undeutsche Partei“ für die Kommunisten—, sondern nur um eine„Kann". Vorschrift, die die Ortspolizeibehörden ermächtigt, ein Verbot für ihren Bezirk zu erlassen, wenn durch Umzüge oder das sonstige Gebaren der Moskaujünger die öffentliche Ordnung gefährdet erscheint. Man muß diese Verordnung als sehr maßvoll bezeichnen. Eine kommunistische Regierung würde umgekehrt gegen die Nationalsozialisten bestimmt keine„Kann"=Vorschriften erlassen. Wenigstens ist uns aus Rußland bisher nichts darüber bekannt geworden, daß die Sowjetregierung gegen Andersgesinnte und etwa gar gegen ihre ärgsten Feinde mit „Kann"=Vorschriften vorginge. Von der Verordnung hat— soweit bis heute bekannt— nur die Ortspolizeibehörde von Lemgo Gebrauch gemacht, und Lemgo ist ein heißes Pflaster. Wir wissen, daß der aus der Bielefelder Festung entlassene berüchtigte Kommunist Kollwitz sich dort aufhält und icher während seiner Festungshaft nicht riedliebender geworden ist. Wir machen aber die KPD. darauf aufmerksam, daß sie wirklich keinen Anlaß hat, sich über rigorose Maßnahmen der nationalsozialistichen Regierung von Lippe zu beschweren. Wenn sie sich danach benim.:t, mag dies noch angehen. Im anderen Fall werz sie nun, was ihr blüht! 4 — ud unue nmeübsns#r. Menn. zen. ul: Jugendnotwerk in Lemgo Auf Einladung des Arbeitsamtes besichtigten gestern zahlreiche Vertreter der Berusschulen, Lehrerschaft. Kreise und Gemeinden die beruflichen Fortbildungskurse für Arbeitslose und die Maßnahmen des Jugendnotwverkes in Lemgo. Es sollten an einem praktischen Beispiel die Durchführbarkeit und die Möglichkeiten des Jugendnotwerkes gezeigt werden. Die beiden Leiter, Berufsschullehrer Althöfer und Diplom=Handelslehrer Dr. Tiemann, erläuterten die Einrichtung und die Durchführung der beruflichen Fortbildungsmaßnahmen. In der Nebenstelle Lemgo des Arbeitsamtes Detmold sind zwei Kameradschaften untergebracht. In der ersten wird Holzbearbeitung getrieben, vom Entwerfen bis zum fertigen Polieren. In Arbeit waren hölzerne Tischlampen= füße, eingelegte Schachbretter, Radiogehäuse usw., die bei der Besichtigung unter Anleitung eines Poliermeisters gerade poliert wurden. In diesen Kursen darf, um eine Schädigung des Handwerks zu vermeiden, nichts hergestellt werden, was für den freihändigen Verkauf bestimmt ist. Es dürfen nur sogenannte zusätzliche Arbeiten gemacht werden. Die hergestellten Gegenstände können den Kursusteilnehmern unter bestimmten Bedingungen überlassen werden. In der kaufmännischen Kameradschaft wird alles getrieben, was für den Angestellten beruflich wichtig ist, angefangen von Stenographie und Schreibmaschine bis zur Durchschreibebuchführung, zur Warenkunde und zum Handelsteil der Zeitungen. Kursusteilnehmer erläuterten Sinn und Zweck der Kameradschaft. Aus ihren Worten klang es deutlich heraus, daß die jungen Leute sich freuen, durch die beruflichen Bildungsmaßnahmen und das Jugendnotwerk wieder eine sinnvolle und für ihre Berufsarbeit nützliche Beschäftigung gefunden zu haben. Für Schlosser ist ein Kursus im Autogenschweißen und=Schneiden eingerichtet. Ferner läuft in Lemgo noch ein Kursus für Eisenbetonbau. Nach der Besichtigung der Kurse nahmen die geladenen Vertreter an dem zum Jugendnotwerk gehörenden schmackhaften warmen Mittagessen teil. Der Vaterländische Frauenverein Lemgo hat die Zubereitung des Mittagessens übernommen. Das Jugendnotwerk und die beruflichen Fortbildungsmaßnahmen für Arbeitslose sind nur durchzuführen, wenn alle Kreise tatkräftig mitarbeiten und helfen. Für die Kurse haben Lemgoer Firmen und Geschäfte bereitwilligst Material und Ausrüstungsgegenstände, angefangen vom Holz bis zum Eßgeschirr für die Mahlzeit, gestiftet. Das gesamte Papier für die kaufmännische Kameradschaft haben Lemgoer Geschäfte kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Gemeinden und Kreise helfen mit. Hinzu kommen die Förderungsbeträge des Reiches und der Reichsanstalt. Es ist der Nachweis erbracht, daß die Durchführung des Jugendnotwerks gesichert ist, wenn energische Männer und Frauen die Sache in die Hand nehmen. Außer in Lemgo werden berufliche Fortbildungskurse und Jugendnotwerk in Detmold, Lage, Bad Salzuflen durchgeführt. In den übrigen Städten und in den Kreisen sind die Vorbereitungen getroffen. Die Besichtigung in Lemgo bewies, daß es noch viele Möglichkeiten gibt, zu helfen, auch ohne großen Kostenaufwand. Die Möglichkeiten müssen bloß erkannt und angepackt werden. Weitere Besichtigungen zur Förderung des Gedankens des Jugendnotwerkes sind vorgesehen. Aus der Landeshauptstadt Detmold, den 12. Februar. Mein Mann hat die Srippe möchte lieber einen Jagdhund baden und ihn zum Trocknen in die Betten legen, und möchte lieber Möbelwagen laden, als einen grippekranken Mann zu pflegen. Jetzt will er schlafen. Er benennt es dösen. Ich seh ihn in die Kissen sich vergraben. Jetzt will er plötzlich Kreuzworträtsel lösen und eine bessre Nachttischlampe haben. Sein sogenanntes Fieber,— 38.— veranlaßt ihn schon fast zum Phantasieren. Er mißt sich stündlich, unentwegt und fleißig. Jetzt ist’s ihm heiß, und jetzt glaubt er zu frieren. Die Dame, die im ersten Stock Klavier spielt, die soll man, so verlangt er es, erschlagen. Das Mädchen, das in diesem Fall Kurier spielt soll einen Brief zum Hausbesitzer tragen. Jetzt hat er Hunger.— Aufrecht will er sitzen. Er hat sichs überlegt: Er will nichts essen, und statt des Essens will er lieber schwitzen. Doch vorher muß er sich noch einmal messen. Er schluckt Mixturen, Pillen und Tabletten. Den Wickel reißt er fort nach fünf Minuten. Zu hart sind ihm die viel zu kalten Betten. Er sagt, er wälze sich in Fiebergluten. Dabei hat er nur 37,7. Er schimpft und sagt mit vielen Vorbehalten, was ihm der Arzt da wieder mal verschrieben, sei nur dafür, ihn lange krank zu halten. Es zieht.— Ich muß jetzt alle Türen schließen. Es schmerzt der Hals ihn beim geringsten Husten. Er sagt, er müsse sich vom vielen Niesen die Seele völlig aus dem Leibe prusten. Ach, tät ers doch!— Ich. weiß, es ist nicht christlich wenn wir im Herzen solche Wünsche hegen. Doch Nerven muß man haben unverwüstlich. um einen grippekranken Mann zu pflegen! Puck. * Fahnen auf Halbmast Anläßlich der fnochtbaren Explosionskatastrophe im Saargebiet werden heute auf allen öfsentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Das für heute mittag angesetzte Konzert der Reichswehrkapelle auf dem Schloßplatz fällt aus. * * Vortrag im Naturwissenschaftlichen Verein. Nachdem sich der Naturwissenschaftliche Verein in seinen letzten Versammlungen größeren und allgemeineren Fragen gewidmet hat, bringt er in seiner am Mittwoch, 15. d. M., abends 8 Uhr, im Odeon stattfindenden Februar=Versammlung wieder einen Vortrag aus der lippischen Geschichte. ·Elektr. Waschmaschinen in allen Preislagen vorrätig Landwehr& Schultz. Detmold Hornsche Str. 1a. neben dem Lipp. Hof. Altestes und größtes Fochgeschäft in Lippe. Direktor Krawinkel spricht über:„Geistliche und weltliche Grundherrschaften in Lippe“. Die Grundherrschaft und ihre Kehrseite, die Leibeigenschaft, waren von einer solchen Bedeutung für den Bauernstand und für die allgemeine Staats= und Wirtschaftsgeschichte die größte Beachtung verdient. Der Vortrag beschäftigt sich nicht mit der rechtlichen Seite der Leibeigenschaft, sondern verfolgt den Besitzstand der geistlichen und weltlichen Herren durch den Wandel der Jahrhunderte. * Evangelisationsvorträge. Montag, Dienstag und Mittwoch, abends 8 Uhr, im Anschluß an die Glaubenswoche hält Herr Prediger Handt in der Kirche der Evang. Gemeinschaft, Mühlenstr., Vorträge über solgende Themen: Die Katastrophen der Neuzeit und ihre Deutung. Vor der größten Entscheidung. Ewig geborgen.— Um das, was uns die Zukunft bringt, geht das große Raten in der Gegenwart. In den Vorträgen wird darauf geantwortet und gezeigt werden, was heute notwendig sei zu tun. Jeder= mann ist eingeladen. Eintritt frei. * Zu den lustigen Veranstaltungen. In der Stadt läuft das Gerücht, daß die Karten zu den lustigen Veranstaltungen am 18. und 19. Februar im„Neuen Krug" bereits ausverkauft sind. Wir machen darauf aufmerksam, daß noch Karten in beschränkter Anzahl zu haben sind. * Paoli Schwarz in Detmold. Am kommenden Mittwoch wird der letzte deutsche Kriegsgefangene im hiesigen Vereinshaus von seinen Erlebnissen erzählen. Gerade dieser Vortrag findet in den weitesten Kreisen Interesse. Danksagung Anläßlich meines Geburtstages sind mir so zahlreiche Blumengrüße und Bekundungen freundlichsten Gedenkens zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, meine Freude darüber jedem einzelnen zum Ausdruck zu bringen. So bitte ich auf diesem Wege meinen allerherzlichsten Dank entgegennehmen zu wollen. Detmold. den 11s Februar 1933. Anna Fürstin zur Lippe * * Quer über den Wochenmarkt. Der leuchtende Sonnenschein brachte gestern etwas mehr Leben auf den Marktplatz und lockte auch die Käuferinnen zahlreicher als sonst heraus. Die Blumenstände zeigten Frühlingsblüher in Töpfen, Priemeln, Tulpen, Hyazinthen und in Schnittblumen, Alpenveilchen und Blau=Veilchen und Vergißmeinnicht. Die Preise waren: Blumenkohl Köpfe von 20 bis 60 Pfg., Endivien Köpfe 10—35 Pfg., Merrettich Stück 25—30 Pfg., Kohlrabi Stück 10 Pfg., kleine 5 Pfg., Rotkohl, Grünkohl, Wirsing, Steckrüben 8—10 Pfg., Roten Beeten 8 Vor Eintritt meine Entschuldunge-, Zweck- oder Bausparkaase wendet sich der Lipper an seine Lippische Landes-Bausparbasse in Detmold, im Gebäude der Lipp: Landesbank, Staatliche Kreditanstalt. Kostenl. Vermittlung u. Beratung durch deren Nebenstellen und alle ötientl. lipp. Sparkassen. bis 10 Pfg., Weißkohl 8 Pfg., Zwiebel 10 Pfennig, Möhren 10 Pfg., Teltow=Rübchen 25—30 Pfg., Rosenkohl 25—30, Pfg., Schwarzwurzeln 30 Pfg., Aepfel 20—40 Pfg, alles je Pfund, Apfelsinen Stück 3—10 Pfg., Zitronen 4 und 5 Pfg. je Stück, Spinat 35 Pfennig je Pfund, Eier wieder billiger, Stück 9 und 10 Pfg., Landbutter 1 Mark, Molkereibutter 1,20 Mark. Umsatz schwach. * Jungmännerfreizeit. Der Gau MindenRavensberg und Lippe des Westdeutschen Jungmännerbundes veranstaltet vom 13. bis 19. Februar in Detmold, Evang. Vereinshaus, eine Jungmännerfreizeit. Diese Freizeit soll jungen Menschen, die dem Bunde angeschlossen sind, eine Rüstung geben für den Kampf der Zeit. Die Veranstaltung steht unter der Leitung des Gauwartes Selberg aus Bad Salzuflen. Der Bundeswart des Westbundes, Pastor Juhl aus Barmen, hält ab Dienstagmorgen einen Bibelkursus(9 bis 10,30 Uhr.) Auf besondere Wünsche hin können an diesem Kursus auch Freunde und Gäste des C. V. I. M. teilnehmen. Von 11 bis 12,30 Uhr findet für die Freizeitteilnehmer in der Turnhalle des Turnvereins von 1860 eine Fortbildung in Leibesübungen statt. Ein C. V. I. M.=Turnwart aus Barmen leitet diese Ausbildung. Nachmittags 4.30 Uhr versammeln sich die Jungmänner unter dem Thema: Unser Lied. Pastor Wittenberg leitet diese Einführung in„Der helle Ton“. Abends 8 Uhr spricht Bundeswart Pastor Juhl in öffentlichen Evangelisationsabenden in der lutherischen Kirche. * Landestheater. Die Intendanz schreibt: Der größte Lacherfolg der diesjährigen Spielzeit ist der urkomische Schwank„Das Opferlamm". der heute mit Gearg Born in der Hauptrolle zum letzten Male aufgeführt wird. Zwei Stunden lang kommt das Haus nicht aus dem Lachen heraus, eine Szene überbietet die andere an Humor und Komik. Wer einmal von Herzen lachen will, darf den heutigen Theaterabend auf keinen Fall versäumen.— Mittwoch, 15. Februar wird der Ludwig Thoma=Abend mit dem Volksstück„Magdalena“ und dem Lustspiel „Lottchens Geburtstag“ zum letzten Male wiederholt. * Wagner=Feier im Landeskonservatorium. Zur heutigen Wagner=Feier, die um ½12 und um ½6 Uhr stattfindet, ist folgendes Programm vorgesehen: Tannhäuser:„Blick ich umher", Lohengrin:„Elsas Traum“, Meistersinger von Nürnberg:„Verachtet mir die Meister nicht", und aus Fliegenden Holländer:„Die Frist ist um“ sowie die Spinnstuben=Szene mit Ballade, ausgeführt von Alwine Behling=Ridderbusch und ihrem Chor. Für die Bariton=Arien wurde Herr Friedrich Läuter vom Bielefelder Stadttheater verpflichtet. Schätmar Veranstaltung der Stadt zum Besten der Winterhilfe! Am kommenden Mittwoch, den 15. Februar, abends um 8 Uhr, findet in den„Odeon=Lichtspielen“ eine künstlerische Veranstaltung statt, deren Reinertrag der städt. Nothilfe zugeführt wird. Herr Schneider hat liebenswürdigerweise sein Kino für diesen Abend kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Fa. Pröter liefert die nötigen Bohlen für ein zu errichtendes Podium, wie überhaupt viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt mithelfen wollen, dieser guten Die kleine Soa Roman von C. Fraser=Simson. Verlag Georg Müller=München. Printed in Germany. — „So früh schon unten!“ sagte er. „Meine Uhr geht anscheinend vor. Ich glaubte, ich wäre zu pät dran und eilte mich, nur um zu finden, daß noch zehn Miguten an der Frühstückszeit fehlen.“ „Haben Sie diese zehn Minuten wenigstens gut angewandt?“ Sie lachte. „So gut als irgendwelche in meinem Leben und vielleicht noch besser als die meisten.“ Da nichts aus ihr herauszubringen war, begann er über gleichgültige Dinge zu reden. Seine drohende Art der letzten Nacht hatte sich in ein Zurschautragen liebenswürdiger Unbefangenheit verwandelt. Eva wäre seine frühere Haltung weit lieber gewesen. Die paßte wenigstens zu seiner Natur, während hinter seiner angenommenen Freundlichkeit alles mögliche sich verbergen mochte. Sie fühlte, daß er die Papiere bei ihr vermutete. War das o, so hielt er wahrscheinlich seine Aufgabe für erfüllt, wenn er es ihr unmöglich machte, den Nachtexpreß zu erreichen. Damit war ihr dann jede Hoffnung genommen, die Papiere noch vor der Sitzung nach London zu bringen. Vielleicht erschien ihm das, was ihm noch zu tun blieb, sehr leicht und einfach, und daher seine Heiterkeit. Evas Herz sank. Würde es ihr wirklich gelingen, diesen Menschen zu überlisten? Ihr Plan war so verwickelt und von so vielen Zufällen abhängig. Wie sie zur gegebenen Zeit von ihm wegkommen sollte, schwebte noch ganz in der Luft. Im voraus ließ sich darüber nichts bestimmen. Sie mußte mit den augenblicklichen Amständen rechnen und konnte nur hoffen, daß ihr in der letzten Sekunde das Richtige einsiel. Aber während sie das überlegte, wurde die Angst immer stärker in ihr. Irgendwie ging das Frühstück vorüber und, nachdem sie ihre Hausfrauenpflichten erledigt hatte, setzte sie sich an den Schreidisch und tat, als ob sie Briefe schriebe. Dann brachte Robson die Post. Keine Nachricht von Peter, sie hatte doch so gehofft auf ein paar beruhigende Zeilen das deutlichere Anweisungen! Und auf einmal entdeckte sie unter den Briefen den, den sie selbst vor drei Tagen an ihn geschrieben hatte. Er war nach dem Portlandsplatz gegangen und von dem Hausmeister zurückadressiert worden. So war also Peter nicht in London und war auch nicht dort gewesen. Das machte sein Nachttelegramm noch geheimnisvoller. Sollte es eine Fälschung gewesen sein? Aber nein, niemand hätte Worte wie„Nibs“ und„Porters“ gebrauchen können außer Peter. Ob wohl Creason die Wahrheit gesprochen hatte, als er erzählte, daß Peter mit einem geheimen Auftrag weggeschickt worden sei? Das hätte seine Abwesenheit von London und sein Schweigen erklärt, denn bei solchen Gelegenheiten schrieb er niemals. Aus diesem Gedanken weckte sie Nobsons Stimme, der nach Befehlen für King fragte. In einem Augenblick hatte sie sich wieder in der Hand. Wenn sie auch unterlag, jedenfalls wollte sie alles, was in ihren Fähigkeiten lag, für den Sieg getan aben! Ihre Antwort an Nobson kam ihr wie ein Signal vor, daß die Schlacht begonnen hatte. „Ich möchte, daß King heut Vormittag das Bier bei Craig abholt“, sagte sie.„Und da ich ihn am Nachmittag nicht brauche, könnte er nach Ballinlarig hineinfahren und einmal das Ventil richten lassen. Sie lächelte innerlich bei dem Gedanken, was King zu diesem Auftrag wohl sagen würde. Es war ihr plötzlich eingefallen, daß sie ihn zum Schein für den Nachmittag beschäftigen müsse und so hatte sie hervorgesprudelt, was ihr zuerst durch den Kopf gegangen war. Aber was für ein Auftrag für King, der eher seinen Wagen in einen Abgrund gefahren haben würde, als ihn einem andern Mechaniker zu überantworten. Nach seiner Meinung wäre wahrscheinlich das Letztere das größere Uebel für den Wagen gewesen. Mit Befriedigung nahm sie wahr, daß Creason, der in einer Zeitung zu lesen schien, aufmerksam zuhorchte, während sie mit Nobson sprach. Nachdem der Diener gegangen war, setzte sie sich wieder zu ihrer angeblichen Korrespondenz. In Wirklichkeit dachte sie nach, und dabei kam ihr die Idee, es möchte vielleicht für alle Fälle ganz gut sein, Creason ein wenig in Atem zu halten. So stand sie auf, sagte, sie wolle einen Spaziergang machen und fragte ihn, ob er Lust dade, sie zubegleiten. Er war gleich dazu bereit, und nach fünf Minuten traf sie, ihren Stock in der Hand, auf der Dielt wieder mit ihm zusammen. Von ein Viertei noch es Uhr bis hald wei Uhr war sie und icienste ihn Mdose#l bäoslen aunf den mit ihm unterwegs schlechtesten Wegen umher, die ihr erinnerlich waren. Ungewohnt der scharfen Luft und des steinigen Bodens hatte er offenbar mehr als genug, als sie endlich wieder zu Hause waren. Wie ein schlimmer Traum war ihr dieser ganze Vormittag Sie sprach unaufhörlich über das oberflächlichste Zeug und konnte sich nachher auch nicht ein Wort ins Gedächtnis zurückrufen. Während des Mittagessens kam, wie ausgemacht, die Meldung von Andrew, daß die Fische bis zur grünen Gumpe heraufgestiegen wären und daß nur noch fünf Tage bis zur Schonzeit blieben. King hatte seine Sache gut gemacht. Eva wandte sich an Creason. „Ich habe ganz vergessen, daß es mit dem Fischen so bald zu Ende sein wird“, sagte sie.„Nun möchte ich aber doch noch gern einmal mein Glück versuchen. Andrew würde mir's nie verzeihen, wenn ich mir die Gelegenheit entgehen ließe. Was sagen Sie dazu, Herr Creason? Wollen Sie mit mir kommen oder lieber einen gemütlichen Nachmittag am Kamin zubringen?“ Eine leise Hoffnung, daß er ablehnen könnte. Aber die war hald zu nichte. „Leider bin ich kein Fischer“, antwortete er,„aber es würde mir ein großes Vergnügen machen, Ihnen zuzuschauen.“ Das tust du ja die ganze Zeit, dachte Eva. Fauler Kerl! Er glaubt wohl, jetzt wird's Ruhe für ihn geben nach dem angreifenden Vormittag, aber darin soll er sich gründlich getäuscht haben. Ehe wir uns trennen, soll er mich noch kennenlernen. Laut sagte sie: „Das ist ja herrlich. Dann wollen wir doch sofort nach dem Mittagessen losziehen.“ Was auch in ihnen beiden vorgehen mochte, die Fiktion der liebenswürdigen Hausfrau und des höflichen Gastes war gewahrt. 14. Kapitel. War der Vormittag für Eva wie ein böser Traum gewesen so war der Nachmittag für Creason sicherlich eine noch die dösere Wirklichkeit. Fortsetzung folgt Sache ein volles Gelingen zu gewährleisten, Ghrenpflicht eines jeden Bürgers ist en, sich durch den Kauf einer Eintrittskarte aktiv an dem Mithelfen zu beteiligen. Die Preise sind mit 50 Pfg., 75 Pfg. und 1 Mk. niedrigst gehalten. 1000 Aerztlicher Sonntagsdienst: Herr Dr Buchholz, Teleson 852. Bad Salzuflen Vom Luzeum. Die Anmeldung der r ereignete sich vor der Zusammenstoß zwischen lcher leicht schlimmere önnen. Ein von der Schülerinnen, die zu Ostern 1933 in das Lyzeum eintreten wollen, kann täglich bis zum 20. d. Mts. von 11—12 Uhr mündlich und schriftlich jederzeit erfolgen. Wieder ein Zusammenstoß. Am Freitag nachmittag gegen 5 Uhr ereignete sich vor der Deutschen Bank ein Zusan zwei Kraftwagen, welcher Folgen hätte haben können Steege kommender schwer beladener Lastkraftwagen der Radewiger Mühle fuhr hier auf einen kleinen Lieserwagen der Bäckerei Schlüer=Heiden auf und beschädigte diesen erheblich. Lediglich der Tatsache, daß der Führer des Lastkraftwagens seinen Wagen voll und ganz in der Gewalt hatte, ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück gechah. Die Schuldfrage muß noch geklärt werden. Die Bautätigkeit in der Stadt Lemgo euhte im ersten Monat des neuen Jahres fast ganz. Infolge der ungünstigen Witterung konnten die begonnenen Bauten nicht weiter ausgeführt werden. In diesem Jahre ist zunächst nur ein Neubau zur Ausführung angemeldet. Die Bauten der vorstädtischen Kleinsiedlung werden in nächster Zeit bei frostfreiem Wetter begonnen werden können. Mit den Ausschachtungsarbeiten sind die Siedler bereits ständig beschäftigt. Auch der Wegebau zum Siedlungsgelände wird eifrig betrieben; es arbeiten hier eine Anzahl Siedler gemeinsam mit Angehörigen des Freiw. Arbeitsdienstes. Die Notstandsarbeiten beginnen wieder. Die infolge der ungünstigen Witterung eingestellten Notstandsarbeiten können wieder durchgeführt werden, da die Witterung Außenarbeiten gestattet. Fast sämtliche dort beschäftigten Notstandsarbeiter konnten wieder eingestellt werden. Da die Wegeverbesseirbeiten des Landes zum großen Tei! erisggestellt sind, werden demnächst andere te in Angriffe genommen werden. Die Beratungsstunde für Schulkinder findet am Dienstag, den 14. d. Mts., nachmittags 3.30 Uhr, im Vereinshaus, Rampendahl, statt. Vaterländischer Frauen= Verein Lemgo. Am Dienstag, den 14. Februar, nachmittags 3 Uhr, findet im Hotel Wülker wieder Nähen statt, worauf wir besonders hinweisen. Der Frühjahre=Verbandstag des Lippischen Geflügelzüchter=Verbandes findet am Sonntag, den 12. Februar, in Lemgo im Hotel Köster statt. Henn Berechtigte Wünsche wurden mehrfach in den letzten Tagen wegen einer besseren Instandsetzung des Hauptfriedhofsweges geäußert. Bei den mehrfachen Beerdigungen in der letzten Zeit war es auf dem Friedhofe den Trauergästen nicht mehr möglich, dem Trauerzuge zu folgen, weil der Weg sehr stark ausgeweicht war. Wünschenswert wäre es, wenn die Stadtverwaltung bei den in Kürze beginnenden Beratungen des Voranschlages einen entsprechenden Betrag zur Verfügung stellen könnte, mit dem die Kosten für eine Kleinpflasterung des Haupteinganges des Friedhofes bestritten werden könnten. Blomberg Der Jungmädchenverein veranstaltet heute abend 8 Uhr im Kaiserhof wieder einen seiner beliebten Festabende. Kinder werden nur zur Generalprobe, die nachmittags um 3 Uhr stattfindet, zugelassen. Zur Darstellung gelangt u. a. ein Stück aus der Geschichte unserer lippischen Heimat: es spielt in der Zeit um das Jahr 1217, als schon die Burg Blomberg existierte. Lippischer Landwirtschaftlicher Hauptverein Die Hauptversammlung in Lemgo- Gegen die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge Wichtige Fachvorträge- Erfahrungen auf dem Gebiet der Biehzucht Der Landwi Deaupt verein hielt Sonnabend Nachmittag im Hotel „Losch“ in Lemgo seine diesjährige Hauptversammlung ab, die verhältnismäßig stark besucht war. Der Vorsitzende, Gutobesitzer Paulsen= Nassengrund, eröffnet die Sitzung um 4,15 Uhr mit einem freundlichen Willkommen und begrüßte den Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Helms=Graben, sowie die Vortragenden des Tages. Dann gedachte er des Masors a. D. v. Bogelseng in Hovedissen, der am Sonnabend den 70. Geburtstag beging und als Pionier der Landwirtschaft gefeiert wurde, dessen Ruf sich über Deutschlands Grenzen hinaus erstrecke. Auch der Landwirtschaftliche Houptverein wisse seine Persönlichkeit zu schätzen, denn er sei noch vor nicht allzu langen Jahren im Vorstand gewesen und habe es verstanden, im Kriege an der Spitze des Kriegswirtschaftsverbandes Bedeutendes zu leisten und manchem lippischen Landwirt ein treuer Berater zu sein. Ebenfalls gedachte er des Herrn Windmener= Nienhagen, der vor einigen Monaten das 70. Lebensjahr vollendet und stets eifrig im lippischen Hauptverein mitgearbeitet hat. Auch Herrn MeierEichholz, der seinen 70. Geburtstag beging, sprach er die besten Wünsche für die Zukunft aus. Zu Punkt 1 der Tagesordunng„Geschäftliches" behandelte der Vorsitzende die Frage der Allgemeinverbindlichkeit des Torifvertrages Der Arbeitgeberverband hatte bei der Regierung den Antrag gestellt, den Lohntarif für allgemein verbindlich zu erklären: Von den wenigen landwirtschaftlichen Vereinen, die sich auf Veranlassung der Landwirtschaftskammer dazu geäußert hatten, waren Ablehnungen ergangen. Inzwischen sei von Reichs wegen schon die Verbindlichkeitserklärung erfolgt, die der Arbeitgeberverband bei dem Reichsarbeitsminister erbeten habe. Der stellv. Vorsitzende, SültemeierSültehof ergänzte die Ausführungen über die Verbindlichkeitserklärung. Aus einer Rundfrage der Landwirtschaftskammer habe sich ergeben, daß die Jahl der im Arbeitgeververband organisierten Betriebe nur sehr klein sei und infolgedessen keine Notwendigkeit vorgelgen habe, den Tarif für allgemeinverch zu rklären. Auf ganz Lippe berechnet, müßten etwa 20000 Mark infolge der Verbindlichkeitserklärung nachgezahlt werden für die schon ausgeführten Notstandsarbeiten, ie nicht auf Grund des Landarbeitertarifs ausgeführt worden seien. Im Vergleich zu den Tarifen der Landwirtschaft würde das Einkommen eines Tiefbauarbeiters trotz höherer Stundenlöhne hinter dem der landwirtschaftlichen Arbeiter zurückbleiben. Er plädierte für Bezahlung nach Leistung und nicht nach Tarif. Nach kurzer Aussprache sprach sich die Versammlung in einem Antrag an die Landwirtschaftskammer gegen die Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tarifs aus. Dann hielt Gutsbesitzer Thießen=Hardesby einen sehr aufschlußreichen Vortrag über „Jächterische Maßnahmen für Verbesserung der Rindviehzucht.“ Er berichtete nach einem kurzen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Pflege der Viehzucht seit etwa 1840 bis zur Bildung des Herdbuchs 1884 und der Gründung des ersten Kontrollvereins in Schleswig=Holsiein 1902(jetzt sind ca. 70 Prozent aller Tiere in Schleswig=Holstein unter Kontrolle) über die weiteren Maßnahmen zur Förderung der Rindviehzucht. Durch die 1922 verfügte obligatorische Teilnahme am Herdbuchverband könne genau verfolgt werden, wie sich die Zucht entwickelt hat. Auch die seit einigen Jahren vorgeführten Körpermessungen und die Punktierung seien für die Hebung der ganzen Zucht von sehr großer Bedeutung, besonders für das Bullenmaterial. Man sei ben für die Auswahl der Bullen Bedeutung. Außerdem habe man sich der Blutlinienarbeit sehr stark angenommen, nicht nur bei Bullen, sondern auch bei den weiblichen Tieren. Sehr interessant seien die in Bezug auf die Paarung der einzelnen Blutlinien gemachten Erfahrungen. Die Inzucht sei restlos schlecht gewesen; im Lande Schleswig=Holstein sei dringend vor Inzucht gewarnt. Jetzt sei man auch dabei, in Bezug auf die Blutlinien die Zusammenwirkung der Fütterung zu verfolgen. Was die Körungen anbelange, so müsse man dabei mindestens 2 Generationen berücksichtigen. Die Genossenschaftsbullen hätten sich als die besseren Vererber erwiesen. Herdbuchtiere hätten höheren Milchertrag und Fettgehalt als die Nichtherdbuchtiere. Die in Dänemark gemachten guten Erfahrungen müßten ein Ansporn sein, durch Hebung Woi. Zachten zu rentabler zu kommen. Nach längerer Besprechung dieses beifällig aufgenommenen Vortrags, in der allerlei lippische Erfahrungen ausgetauscht wurden und von Gutsbesitzer Block sehr vor einer übertriebenen Kuchenfütterung gewarnt wurde, während sich Landwirt Sültemeier=Rohbraken gegen die Inzucht aussprach, hielt Landwirtschaftsrat Dr. Schmehl=Herford einen von zahlreichen Lichtbildern bereicherten Vortrag über „Die Bedeutung der Herdbuchzucht für die Landenzucht! Der durch die Lichtbilder besonders fesselnde Vortrag fand allgemeinen Beifall..— den Amtern „Jul sall denn doch de Duibel halen". Den Weltrekord im Hochsprung hat vor einigen Tagen in Wellentruv ein junger Mann in eigenartiger Weise gebrochen, denn er sprang etwa 4 Meter tief aus einer im zweiten Stockwerk gelegenen Mädchenkammer, in die er sich eingeschlichen hatte. Durch das allzu laute Geflüster der beiden jungen Leute wurden die Hausbewohner geweckt, die Hausfrau, nichts Gutes ahnend, eilte auch sofort auf die Mädchenkammer, und o Schreck,„ui soll doch de Duibel halen", sprang der verliebte Jüngling, ohne Abschied zu nehmen, mit einem kühnen Satze aus dem Fenster. Die zurückgelassenen Sachen wurden mit ebenso elegantem Schwung hinterherbefördert. * * Diestelbruch. Konzert. Heute verantaltet die Quartettvereinigung ein Konzert, ustigen Abend. Der festgebende Verein wird einen Besuchern etwas besonderes bieten. Die Eintrittspreise sind so niedrig gehalten, daß sich ein jeder einmal einige vergnügte Stunden erlauben kann. Die Veranstaltung beginnt nachmittags 5 Uhr im Gasthof Beermann. Pivitsheide. Die Beratungsstunde findet am Dienstag. 14. Februar, nachm. 3 Uhr, im Gemeindehause statt. Retzen. Deostadl. Vor einigen Nächten wurde dem Geflügelstall eines hieen Landwirts ein Besuch abgestattet. ehrere Enten wurden gleich an Ort und elle geschlochtet und mi ätern fehlt Sie den T nommen. pur. Von noch jede * R o t t. A u s d e r H a f t e n t l a s s e n. Der vor einigen Togen unter dem dringenden Verdacht des Meineides verhaftete Bäcker P. von hier ist wieder aus der Haft entlassen worden, da keine Verdunkelungsgefahr mehr vorliegt und der Verdacht in dem zuerst angenommenen Umfange sich nicht zu bestätigen eint. Der Haftbefehl wurde deshalb aufnommenen U nt. geheien. " L i e m e. Z u s c h l a g s e r t e i l u n g. D e r Gastwirt Wilhelm Hartmann in Lage, der in der Zwangsversteigerung des Grundbesitzes Wiemann Nr. 116 hierselbst mit einem Gebot von 6950 RM. Metstbietender war, hat seine Rechte an den Produktenhändler Gustav Stock in Grastrup abgetreten. Diesem ist der Zuschlag erteilt. finden mit Landwirten und Sieblern arbeitende Herren bei führendem Fachzeitschriften=Verlag. Meldungen: Postlagerkarte Nr. 19, Berlin N 4. Aus der Gemeinde Schling Alte Leute— Das Wild hat den Winter gut überstanden.— Verbachtung der Groteschen Besitzung— Schlechte Wegeverhältnisse Ein gesundes und zähes Geschlecht wohnt hier in den Bergen. Es ist dies ein Zeichen, daß bei schwerer Arbeit und solidem Lebenswandel die Bewohner in der gesunden Bergluft ein hohes Alter erreichen. Die älteste Einwohnerin, Frau Wwe. Albert, zählt 92. Lenze, ihre Nachbarin, Frau Wwe. Lükermann, 84, und der alte biedere Holzschuhmacher Brinkmann, 83 Jahre. Der ehem.„höchste“ lippische Beamte, der Ringwärter des Hermannsdenkmals, Herm. Oberhaus, geht dem 80. Lebensjahre entgegen, seine Frau, mit der er vor einigen ahren das Fest der goldenen Hochzeit feiern konnte, ist um einige Jahre jünger. Frau Wwe. Mahlmann vollendet Anfang März ihr 79. Lebensjahr und Frau Witwe Möller ist mit ihren 75 Jahren auch noch rüstig und gesund. Das Ehepaar Simon Albert, das im vorigen Jahre das Fest der goldenen Hochzeit feiern konnte, zählt 75 ahre. Weitere Personen, die das biblische Alter längst überschritten, sind: Wilh. Frese 75, Bernbard Aldert 74, Adolf Decker 74, Konrad Klöpping 74, Frau Wwe. Schöndage 74 und der alte Becker 72 Jahre. Furchen und Falten gräbt das Leben den Menschen ins Gesicht, macht die Hände schwielig und hart, kaum, daß es einmal träumen lößt von schönen Tagen. Ein gelinder Winter, über den man leicht viel schimpft, weil mit dem Wintersport dann nichts rechtes wird, hat doch auch was Gutes an sich. Unter vielem anderen ist ihm zu danken, wenn der Wildbestand nicht zu sehr leidet. Ein strenger Winter lichtet immer stark den Wildbestand, trotz aller Pflege und Fütterung. Dieses Mal aber hat das Wild kaum gelitten. Es ist„gut durch den Winter gekommen". So hat ein gelinder oder„verdorbener“ Winter, wie man ihn hier bezeichnet, doch sein Gutes, zur Freude aller, die Freunde und Heger des edlen Wildes sein wollen. Die unter Zwangsverkauf stehende Grotesche Besitzung ist an einen Herrn Mellies in Pivitsheide verpachtet worden. Die für den 13. Februar angesetzte Zwangsversteigerung wird nicht stattfinden, da die Gläubiger zufriedengestellt sind und das Anwesen Eigentum der bisherigen Besitzer bleibt. In einem schlechten Zustand sind einige Straßen infolge des anhaltenden Regenwetters versetzt worden. Der Weg nach Dirkshof ist besonders schlecht. Es haben sich Senken gebildet, die in der Dunkelheit eine große Gefahr bedeuten. Hier muß unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Der Weg zum Sprenger**"„„ ist immer noch nicht fertiggestellt und nem jetzigen Zustand unpassierbar. Der Fußgänger bahnt sich seinen Weg über die Felder, um nicht im Lehm zu versacken. Unser PreisausschreiDEII1 100 wertvolle ARINI bei von jeinem reichen Oulel 180 000.— Mart geerbt. bech eine unerwartele WOiat fingung tnöpfte sich en biese Erbschaft: MinL der Junggesedle bleiben wellte. muß innerbelb von 6 Monelen eine der oler jungen Demen, die der Onfel in seinem Teslament genennt hat. betreten und eine einjäbrige Hechzeitereise um Die Welt nach festgelegter Reute entreten. WDilll hat sich hierzu bereit erklärt. Ader die Wahl zwischen den vier jungen Damen fült ihm schwer und er bittet jeden Beser, ihm dabei behilflich zu sein. daran tellnehmen Preise sind ausgesetzt Die Preisfrage laute!: Wen soll Willl heiraten? WIEIES 25 Jahre, schriftstelle= 22 Jahre, elegant, 30 Jahre eisch veranlagt. tüchtig sportliebend. sprach= übernimmt im Haushalt. gewandt u. reiselustig. Die Fabrik des un. 19 Jahra mit beite- 24 Jahre, Jebenslustig ron rom Semüt und an= und fesch, vermögend, schmiegsamem Wesen, aber anspruchspon. 1— 290 nur wenige Menschen Wer möchte nicht eine jeiche Weitretse mitmachen?— Doch nur ganz baden Zeit und Geid, um die ganze schöne Welt mit eigenen Augen kennenzulernen. Deder wurde die iUustr. Zeitschrift„Durch alle Welt“ gegrünbet und biese bringt nun in Dert und Dilb. was unsere bekenntehen Weitretienben in der Welt eriebten. Die 56 Seiten sterte Mochmschrift wird in fardigem Kupfertiefdruck dergestellt und der dochinteressante Text mit 30 Originaleufnahmen belebt. Damit jeder Leser sich an bieler einzig dastebenden Weitreise beteiligen dann, wurbe der Preis auf nur 30 Dj. pre Weche feftgelett. Ueber 276000 Mitreisende haben sich schon angemeldet Zur allgemeinen Orientierung über die Länder, Städte, Gebirge, Seen, Sträme, die desucht werden, erhält jeder Abonnent in Bieferungen gegen Erstattung der Bersendspesen außerdem einen großen Handatlas Jeder fülle nedenstehenden Anmeldeschein aus und die eriedniereiche Reise wird sofort angetreten. Stimmzettel Lefer s: Liovischen Tageszeitung in Briefumschlag stecken, frankleren und einsenden an Beter 3. Oefleraaate Peslan. Berlis-Soueberg Von den 4 jungen Damen halte ich als die geeignetste Grau für Willi.(Falls nicht gewünscht durchstreichen! Ich bestelle hiermit„Durch alle Welt“. ein Heft zu 30 Pf. frei Haus auf ein Lolle Abbestellung 5 Wochen vor Bezi hluß von mir nicht erfolgt, wünsche weiter zu bezieden. Erfüllungsort B## Name Ort Straße u. Nr. n Biertelsahr. Bezugsquartelsich die Zeitschrit erlin=Schön ettschriß Alter: Rieh haus Bärisch 00 Zaher u Der bekannte österreichische Dichter Rudolf Hans Bartsch, dessen lyrisch bewegte Romane wie„Zwölf aus der Steiermark",„Hanner!“ und der Schubert=Roman Schwammer!" eine treue Gemeinde haben, vollendet am 11. Februar sein 60. Lebensjahr. Am Gennahend smmsui. Aie Gerliner Am Somdens wurde dir Dernner Uebersichtsbild aus einer der Ausstellungshallen. Shrapee Wonger Die Chikagoer Polizei, die einen besonders schweren Kampf mit Verbrechern zu führen hat prüft gegenwärtig einen kugelsicheren Panzer aus. Er soll gegen die modernsten Gewehre. Pistolen und Maschinengewehre mit großer Durchschlagskraft Schutz bieten. Der Schutzschild dietet völlige Deckung und ist mit Schießscharten verseben, damit der angegrissene Polizist das Feuer erwidern kann. Wie verlautet, soll zum Staatssekretär im Reichswirtschafts=Ministerium der deutschnationale Abegeordnete Dr. Bana(links) und zum Staatssekretär im Reichsernährungsministerium der frühere Landtagsabgeordnete v. Nohr=Demmin(rechts) ernannt werden. Elfjähriger Organist Der erst 11jährige Terence Board ist Organist der Christ Church im Londoner Stadtteil South Hacknev. Er ist sogar schon mit eigenen Komvositionen vor die Oeffentlichkeit getreten. Der neue Adler„Favorit“ mit Tiefbettkastenrahmen und vorderen Schwingachsen. Der norwegische Olympia=Sieger Birge: Rund ist seit einiger Zeit in einer Schreinerei in Johann=Georgenstadt im Erzgebirge tätig, wo er sich als Volontär weiterbilden und nebenbei die deutsche Sprache erlernen will. In seiner freien Zeit vollführt er auf der Hans=Heinz=Schanze Rekordsprünge von über 70 Meter. Eine Anzahl Beamter der Berliner Verkehrsvolizei ist zunächst versuchsweise mit kleinen handlichen Photoapparaten ausgerüstet worden, um bei Anfällen un. sogleich bildliche Beweisstücke schaffen zu können. Die groben internationalen Ski=Wettbewerbe in Innsbruck wurden, wie unser Bild zeigt. mit den Klängen einer Original=Tiroler=Bauernkapelle eröffnet. Fräulein Lie=Norwegen gewann bei den internationalen Eislaufwettkämpfen in Oslo den 1500=Meter=Lauf in der neuen Weltrekordzeit von 2:58,7. ueaneleemgnden WELTGESCHEHEN TNT BILDE Beilage Nr. 37 Livvische Tageszeitung Detmold, Sonntag, 12. Februar 1933 Rochmals: Eine schöne Menschenseele Wir haben vor einigen Tagen auf den Widerspruch aufmerksam gemacht, der zwischen den Ausführungen des weiland Landespräsidenten Drake als Oppositionsredner und seinen Worten als Landespräsident in der Frage der Herabsetzung der höheren Beamtengehälter auf höchstens 7000 Mark liegt. Wir konnten uns denken, daß Herr Drake das irgendwie berichtigen würde und haben uns darin nicht getäuscht. Es verlohnt sich aber, diese Richtigstellung einmal genauer zu betrachten. Wir wiederholen die Vorgänge! Das neuc Landespräsidium kündigte als Notstandsmaßnahme an, daß es sich sofort damit beschäftigen würde, die Spitzengehälter herabzusetzen. Herr Drake gab der Hoffnung Ausdruck, daß es nicht nur bei dieser Ankündigung bliebe. Dabei erinnerte er daran, daß der Abg. Helms im alten Landtag die Streichung aller Gehälter über 7000 Mark hinaus beantragt habe. Darauf fiel ein Zwischenruf des Abg. Steinecke:" Warum haben Sie das nicht durchgeführt?" Herr Drake fuhr fort:(nach dem Wortlaut des„Volksblattes"): „Ich habe in der Landesregierung eine Kürzung für die höheren Gehälter beantragt, aber ich bin von den beiden übrigen Mitgliedern der Regierung überstimmt worden.“ Jeder, der das liest, aber noch mehr jeder, der in der Landtagssitzung am Dienstag anwesend war. muß den Ausführungen des Herrn Drake entnehmen, daß er damit unzweideutig gesagt hat, er sei für die Festsetzung eines Höchstgehaltes von 7000 Mark eingetreten, dabei aber von den beiden andern Mitgliedern der Regierung überstimmt worden. Wir machten darauf aufmerksam, daß der frühere Landespräsident Drake sich jedoch in der Sitzung vom 13. September, in der dieser erwähnte Antrag des Abg. Helms angenommen wurde, ganz anders verhalten habe. Er habe nämlich selbst sofort auf die rechtlichen Bedenken dieses Antrages hingewiesen, dem er gegebenenfalls seine Ausührung versagen würde. Diese Feststellung war Herrn Drake unangenehm und er übersandte uns eine Richtigstellung, die u. a. folgendes enthält: „Ihre Mitteilungen über meine Ausführungen in der Landtagssitzung vom 7. d. M. sind unrichtig, soweit sie die Frage der Lerabsetzung der höheren Gehälter betreffen. Ich habe erklärt, daß die nationalsozialistischen Anträge auf Streichung aller Gehaltsteile über 7000 c nunmehr von der Landesregierung auf ihre Durchführbarkeit nachgeprüft werden könnten. In meinen weiteren Ausführungen habe ich auf meine eigene Stellungnahme verwiesen, über die ich früher bereits im Landtage und Hauptausschuß berichtet habe: Ich bin für den Antrag auf gestaffelte Kürzung— mit verstärkter Wirkung nach oben — eingetreten, dabei aber in der Landesregierung überstimmt worden. Dieser Antrag versprach nach den amtlichen Feststellungen die stärkste Wirkung. Ueber die rechtliche Undurchführbarkeit des andern Antrags habe ich meinerseits nie einen Zweifel gehabt, möchte aber einer neuen Prüfung in keiner Weise vorgreifen.“ Diese Einwendung kennzeichnet sich selbst. Das, was Herr Drake im Landtag gesagt hat, was im Bericht des„Volksblattes“ entist Herr Drake! halten ist und was wir selbst gehört haben, das tut er mit„unrichtig“ ab. Dafür bringt er Ausführungen, die er früher einmal im Hauptausschuß des Landtages gemacht hat und zwar in einer Form, als ob er sie jetzt auch in der Landtagssitzung gemacht habe. und jetzt— nicht etwa in der öffentlichen Sitzung des Landtages— gesteht er ein, daß er über die rechtliche Undurchführbarkeit des Antrages Helms auf eine Festsetzung des Höchstgehaltes auf 7000 Mark nie einen Zweifel gehabt habe. Hätte Herr Drake das alles in der Sitzung des Landtages gesagt, so hätten wir ihn nicht auf einen Widerspruch aufmerksam machen können. Denn diese seine Auffassung kannten wir. Er hat das aber nicht gesagt, sondern sich bei den zahlreich anwesenden Erwerbslosen einen billigen Lorbeer zu verschaffen gesucht, indem er im Zusammenhang mit der Frage eines Höchstgehalts von 7000 Mark erklärte:„Ich bin überstimmt worden". So ist Herr Drake! Das wissen wir schon lange. Wir werden aber nicht müde werden, immer wieder darauf hinzuweisen, damit auch immer neue Kreise erkennen, wie er ist! Dieses noch nicht einmal ganz richtige Ausplaudern von Vorgängen innerhalb der Landesregierung durch Herrn Drake ist übrigens noch nach einer anderen Seite hin sehr lehrreich. Solange Herr Drake Vorsitzender der Landesregierung oder nachher Landespräsident von eigenen Gnaden war (diese Amtsbezeichnung ist von ihm für ihn durch Notverordnung eingeführt worden), solange hat er streng darauf gehalten, daß aus dem Schoße dieses Kollegiums nichts an das Tageslicht kam. Vesgeblich wurde gefragt: Wie stehen denn die einzelnen Mitglieder des Kollegiums zu diesen Fragen?“ Wie lautete dann die Antwort? Die Landesregierung ist Kollegialbehörde! Es gibt dort keine zelmeinung! Es gibt nur eine Meinung der Landesregierung! Wie sie zustande kommt, das geht niemand etwas an! Die Geschäftsordnung der Landesregierung verbietet über diese Einzelheiten Auskunft zu geben! So und ähnlich lauteten die Antworten auf indiskrete Fragen sowohl während der Zeit des Landespräsidiums als auch während der Zeit der Landesregierung. Und wehe, wenn inzwischen ausgebootete Mitglieder dieses Kollegiums sich dagegen wehrten, als Kronzeugen zu dienen, wenn Herr Drake erklärte, in der Zeit, als Herr Sowieso Mitglied des Landespräsidiums Die Presse zum„Fall Spelge“ Die Ernennung Dr. Spelges zum 1. Oberregierungsrat beschäftigt die lippische Presse in hervorragender Weise.„Landeszeitung“ und„Volksblatt“ erklären, die Ernennung habe in der Bevölkerung eine große Erregung ausgelöst. Die„Landeszeitung“ kritisiert besonders die persönliche Qualifikation des Ernannten für sein neues Amt und die Tatsache, daß Dr. Krappe, der neue Landespräsident, seinen neuen Mitarbeiter ohne jede Rücksprache mit seinen Mitarbeitern, also den bürgerlichen Oberregierungs= und Regierungsräten, zu sich gerufen hat. Ohne daß er diese dienstlich und persönlich kannte, so erklärt das Blatt, bestellte er sich „auf Kosten, der Landkasse einen Parteigenossen, beförderte ihn gleich in den höchstbezahltesten Posten der gesamten Landesverwaltung. Daß diesem Parteigenossen obendrein jegliche fachliche Vorbildung und Eignung für diesen hohen Verwaltungsposten fehlt, macht die Maßnahme noch bedenklicher. Hier setzt unser Bedenken, unsere entschiedene Ablehnung ein. Wir werden jeden Versuch der neuen Landesregierung, verdiente Beamte aus politischen Gründen in den Ruhestand zu versetzen oder sogar neue Beamtenposten zu schaffen, scharf bekämpfen. Daß der Landtag solche Maßnahmen je gutheißen könnte, halten wir außerdem für völlig ausgeschlossen.“ Der nationalsozialistische„Lippische Kurier" spricht den bürgerlichen Blättern jede Berechtigung ab, ein Werturteil über die Fähigkeiten des neu ernannten Oberregierungsrats abzugeben. Er sagt außerdem: „Es ist selbstverständlich, daß der nach der Geschäftsordnung als Vertreter des Landespräsidenten fungierende Beamte nur ein Beamter sein kann, mit dem der Landespräsident politisch übereinstimmt und dem er sein volles Vertrauen schenken kann. Der Landtag hat das Recht, später, wenn sich die Personalpolitik der Landesregierung als verkehrt und unsparsam erweisen würde. Kritik daran zu üben. Daß auch für die wiederbesetzte Stelle nur ein abgebeutes Gehalt in Frage kommt, bedarf keiner besonderen Erwähnung.“ Die„Lippischen Nachrichten“ in Schötmar wundern sich ebenfalls über die so schnell erfolgte Beförderung und schreiben: „Wir müssen allerdings sagen, daß uns diese Entscheidung der Regierung etwas überrascht hat, denn sie paßt nicht zu unserer Anschauung über Sparsamkeit. Es dürfte angebracht sein, daß die Landesregierung eine Erklärung abgibt. aus welchem Grunde sie Herrn Landesbankrat Dr. Spelge zum Ersten Oberregierungsrat ernannt hat. Es ist wohl damit zu rechnen, daß diese Erklärung in der nächsten öffentlichen Sitzung des Lippischen Landtages abgegeben wird.“ Auch die„Lippische Post“ in Lemgo erwartet, daß diese Frage in der nächsten Landtagssitzung angeschnitten werden wird. Im Uebrigen beschäftigt sich das Blatt mit folgenden Erwägungen: „Nach der Geschäftsordnung der alten Regierung ist der 1. Oberregierungsrat auch der Stellvertreter des Landespräsidenten. Die Besetzung der Stelle ist nur unter der Voraussetzung geschaffen, daß der 1. Oberregierungsrat gleichzeitig Leiter einer Abteilung ist. Wie diese Frage künftig geregelt werden soll, muß man abwarten. Wir können uns nicht denken, daß künftig der 1. Oberregierungsrat nur als Stellvertreter des Landespräsidenten fungieren soll und nicht gleichzeitig als Leiter einer Abteilung. Hier entstehen die Schwierigkeiten, auf die die„Landeszeitung" hinweist." Alles in allem kann man sagen, daß die Stellung der neuen Regierung durch diesen Schritt nicht gerade angenehm geworden ist. war, habe das Präsidium diese oder jene Frage so oder so entschieden. Wir erinnern uns eines Zusammenstoßes mit dem früheren Mitgliede des Landespräsidiums, dem späteren Abg. Staercke, als dieser sich einmal zur Wehr setzte gegen solche Unterstellungen. Drohend kam es vom Regierungstisch: Darüber, wer dafür und wer dagegen war, darf nach der Geschäftsordnung nicht gesprochen werden! Jetzt ist Herr Drake selbst ausgebootet. Aber bereits in der ersten Sitzung vergißt er den von ihm immer so stark betonten Grundsatz von der Geheimhaltung über die Abstimmung in der Landesregierung. Was bedeutet ihm ein Fußtritt an seine beiden Mitarbeiter der letzten Jahre, wenn man damit agitatorische Früchte glaubt ernten zu können? Und noch etwas fällt auf: Es gibt in der Geschäftsordnung der Landesregierung eine Bestimmung, die dahin geht, wenn sich die Landesregierung nicht einigen kann in einer Frage, die die Interessen eines oder mehrerer seiner Mitglieder berühren, dann soll der Hauptausschuß des Landtages entscheiden, wie zu verfahren ist. Ob diese Bestimmung richtig oder falsch ist, ob es nämlich richtig ist, den Hauptausschuß in einer Verwaltungssache vorab entscheiden zu lassen, das sei dahingestellt. Die Bestimmung besteht jedenfalls. Und es ist von ihr Gebrauch gemacht. Das letzte Mal, soviel wir wissen, in der Frage der Reisekostenentschädigung der Beamten, bei der es innerhalb der Landesregierung zu Meinungsverschiedenheiten kam und wo Herr Drake es durchsetzte, daß die Entscheidung des Hauptausschusses eingeholt würde. Und dieser entschied im Sinne des Herrn Drake. Bei dieser viel wichtigeren Entscheidung aber ließ sich Herr Drake überstimmen, ohne wie bei dem obenerwähnten Fall die Entscheidung durch den Hauptausschuß zu beantragen. Und dabei wurden doch nicht nur die Interessen zweier Mitglieder, sondern aller drei Mitglieder der Landesregierung berührt, wenn es nämlich um die Frage ging, ob einfach oder gestaffelt gekürzt werden sollte. Der Hauptausschuß des Landtages hat sich zwar mit dieser Frage befaßt, aber nicht auf Anrufen der Landesregierung und um deren Entscheidung zu ersetzen. Im Geenteil, die Entscheidung des Hauptaushusses fiel anders aus als die Entscheidung der Landesregierung, auf die Drake jetzt anspielt. Wir müssen nach allem, was nun durch die Ausführungen des Herrn Drake in der Dienstagssitzung des Landtages und durch seine uns„freundlichst" zugesandte Berichtigung bekannt geworden ist, nun annehmen, daß es damals Herrn Drake garnicht so sehr darauf ankam seine Meinung durchzusetzen — daß er sich gerne überstimmen ließ! Jetzt aber kam es ihm sehr darauf an. sich vor den Erwerbslosen mit einer Entscheidung der Landesregierung, die ihm weder damals noch heute ungelegen war— aber aus verschiedenen Gründen— gebührend herauszustellen. Geippe, Erkältungskrankheiten! Gegen Grippeund Erkältungskrankheiten sind Togal=Tabletten ein hervorragend bewährtes Mittel. Togal ist stark harnsäurelösend und in hohem Maße bakterientötend! Im Anfangsstadium genommen verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehrals 6000 Arzte=Gutachten! Ein Versuch überzeugt. In allen Apoth. M. 1.25. 12.6 Lith., 0.46 Chin., 74.3 Acld. acet. sallc. Lippisches Landestheater Ludwig Thoma=Abend Was die Intendanz veranlaßt haben mag, für diesen Ludwig Thoma=Abend gerade die„Magdalena“ mit„Lottchens Geburtstag“ zusammenzuwerfen, ist uns nicht recht ersichtlich. Der bayerische Dichter kann in seinem gesamten Schaffen doch durch diese beiden Stücke ohnehin nicht erfaßt werden; wir nehmen aber an, daß der ernste und der heitere Thoma hier ad oculos demonstriert werden sollten. Das Unterfangen bleibt ein untauglicher Versuch an Objekten, die an sich tauglich sind. Dieses Konglomerat taugt nicht. Ein Entweder— Oder wäre besser gewesen, und für das Oder hätte das bewährte Dreigestirn in„Lottchens Geburtstag“,„Erster Klasse“ und„Die kleinen Verwandten" bestimmt seinen alten Glanz von neuem ausgestrahlt. Das ist nun aber nicht zu ändern. Unser Ensemble, dem der oberbayerische Dialekt allein schon Leibschmerzen verursacht, mußte sich auch noch mit dem tragischen Geschick der Thomaschen„Fugvalena“, abquälen. Uno da kann man sagen: Alle Achtung vor den Erfolg dieser Quälerei! Hugo kafft hatte den von Natur schwerfälligen Ablauf der Geschehnisse soweit aufgelockert, daß trotz des alle Darsteller mehr oder weniger behindernden Dialekts eine für westdeutsche Bühnen angehende Aufführung herauskam, deren Hauptstützen Otto WillRaling, der Gutsbesitzer Thomas Mayr, genannt Paulimann, und Klafft. der Bürgermeister Jakob Moosrainer, waren. Will=Rasing gestaltet von innen heraus und läßt vergessen, daß er dabei äußerlich in dieser Rolle unbayerisch wirkt. Sein Kampf um seine mißratene Leni hat erschütternde Momente von stärkster Eindruckskraft. Klafft bringt die hinterhältige Bauernschläue recht gut heraus; er legt Stolz in seine Züge, kneift die Augen verschmitzt zusammen und zieht im Aerger die Brauen bedeutsam hoch. An der mißratenen Leni versuchte sich Charlotte Henning. Obwohl in der Breite der Sprache am taktfestesten, fehlen ihr für dieses eigensinnige, mit sich und der Welt zerfallene Mädchen die notwendigen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Rolle liegt ihr absolut nicht, ihr. die sonst als Sentimentale nur in lichten Höhen reiner Menschlichkeit zu wandern gewohnt ist und hier nur in den Schmutz herabsteigen soll. Am besten gesehen war noch die Tagelöhnerin der Maria Ziebe; der Aushilfsknecht Lorenz kam sehr sauber und manierlich heraus(Hans Newendt). Der Marianne der Else Hähnel fehlte nichts an schwergeprüftem Muttergefühl, und Walter Gelmar kam— siehe da— als bayerischer Gendarm in blauer preußischer Schupouniform daher. Mit der„MainLinie“ ist's also endgültig vorbei. * Zur Erholung dann die lustige Geschichte von dem 20jährigen Professorentöchterchen Lottchen, das seit Jahrzehnten mit stets gleich großem Erfolg= über alle Bühnen geht.„Lottchens Geburtstag“ atmet das ganze Gemüt, die ganze satirische und spießbürgerliche Atmosphäre der„guten alten Zeit". Die von Arthur Ziegler besorgte Aufführung stand unter denkbar günstigem Stern. Hier fielen die lästigen Fesseln des Dialekts fort und nach Herzenslust konnte unser Ensemble loslegen. An dem Problem der Aufklärung seines Töchterchens versuchte sich Geheimrat Professor Dr. Giselius(Arthur Ziegler) mit all' der unfreiwilligen Komik, die der Dichter dieser Gestalt mit auf den Weg gegeben hat. Ziegler erschien in einer großartigen Maske und bot ein Musterbeispiel von gütiger Zerstreutheit. Das unglückliche Opfer seines Belehrungsdranges war Georg Born, dessen junger Privatdozent Dr. Traugott Appel mit sämtlichen Vorzügen unseres begabten Komikers ausgestattet auf der Bildfläche erschien und erhebliche Heiterkeit erregte. Um ihn bemühten sich mit Erfolg Else Hähnel(Frau Professor) und Marie Ziebe(Schwester Cölestine). Ellen Mahlke, das blühende Professorentöchterchen, um das sich alles dreht, sah entzückend aus und holte aus ihrer recht kleinen Rolle das Möglichste heraus, während Ingeborg Fuhrmann in der Dienstmädchenrolle nur auf einen Augenblick zeigen konnte, daß sie für ihre Charge einzutreten weiß * Nach dem dreiaktigen Volksstück saß das Publikum stark beeindruckt still; den Einakter nahm es mit herzlichem Beifall und froher Laune entgegen. Dr. R. Wochenspielplan des Landestheaters Sonntag, 12. Februar, 19.50 Uhr, zum letzten Mal,„Das Opferlamm“, Schwank von Walther und Stein. Mittwoch, 15. Febr., 19.50 Uhr, 19. Mittwoch=Abonnement, zum letzten Mal, Ludwig Thoma=Abend,„Magdalena", Volksstück; hierauf:„Lottchens Geburtstag“, Lustspiel. Freitag. 17. Febr., 19.50 Uhr, 19. Freitag=Abonnem., Neueinstudierung,„Leutnant Katte“, Schauspiel von Burte. Sonntag, 19. Februar, kein Theater, nur Film. Stadttheater Bielefeld Sonntag, 12. Februar, 19,30—22,15 Uhr. Wagner=Festaufführung„Der fliegende Holländer".— Montag, 13. Febr., 19—23,15 Uhr:„Siegfried", von Wagner.— Dienstag, 14. Februar, 20—222,30 Uhr:„Kabale und Liebe", Trauerspiel von Schiller.— Mittwoch, 15. Febr., 20—23 Uhr:„Gasparone“. Operette von Millöcker.— Donnerstag, 16. Februar, 20—22,30 Uhr: Erstaufführung: „Der blaue Heinrich“, Schwank von Schwartz u Lengbach.— Freitag, 17. Febr., 20—22,30 Uhr:„Schuster Anton Hitt“, Schauspiel von Herm. Heinz Ortner.— Sonnabend, 18. Februar, 20—23 Uhr: Kleine Preise!„Der Vogelhändler“.— Sonntag, 19. Februar, 18.30—22,45 Uhr: 5Siegfried“, Oper von R Wagner.— Monag, 20. Februar:„Da: Dremäderlhaus“, Singspiel von Schubert.— Briefe an die Schriftleitung Ohne andere als die preßgesetzliche Verantwortung der Schriftleitung. Appell an die Hausfrauen In einer Zeit, wo die deutsche Wirtschaft, de sonders das Kleingewerbe, vollkommen am Boden liegt, betreiben ausländische Verkaufsgesellschaften eine ungeheure Propaganda in unserem Vaterlande. Leider gelingt es ihnen immer wieder, in bedauerlich großer Anzahl ihre Ware bezw. Apparate an den Mann zu bringen. Dieser Warenverkauf erfolgt nicht selten zu den eigentümlichsten Verkaufsbedingungen, sowie Reklame=Methoden. Daß dieser ausländischen Konkurrenz durch heimische Organisationen, ganz besonders Hausfrauenbünde und dergleichen noch immer der Boden bereitet wird, ist tief zu beklagen. Dieses geschah auch in allerjüngster Zeit. es wurde einer auslandischen Staubsaugerfirma, mit Unterstützung des Hausfrauenbundes. das„Geschäft" wesentlich erleichtert. Diese Firma bietet einen normalen Stabsauger mit einigen separaten Zubehörteilen zu horrenden Preisen an, und stellt die Behauptung auf, daß durch diese wenigen Zubehörteile eine„Universal=Haushaltsmaschine“ gegeben sei. Diese Behauptung wird von Fachkreisen entschieden bestritten und muß auch bei einiger Betrachtung den Laien zu der Ueberzeugung bringen, daß die Glichend Spiel hätt gepriesenen Verwendungszwecken nur zwei heraus„Ofen entrußen und Haar trock= nen“. Wie kann man es nur wagen, einem Menschen mit fünf gesunden Sinnen so etwas einzureden. Denn durch die Schläuche und Rohre, durch welche ich einmal Ofenruß sauge, kann ich doch im nächsten Moment keine Luft herauspressen, um durch diese ein Haartrocknen vorzunehmen. Sicherlich ist und wird den Hausfrauen diese Kombination in der Praxis nicht vorgesonst wäre es erforderlich gewesen, anind eine Kopfwäsche vorzunehmen und das hätte von neuem beginnen können. Da nun vor Hausfrauenbünden und gleichen Organisationen Vorträge gehalten sind, sind selbstverständlich Vertreter unterwegs und preisen auf Grund ihrer guten Bezeichnungen den zelnen Hausfrauen dieses Wunde einmal an. Wir glauben den Hausfrauen einen guten Dienst erwiesen zu haben, wenn wir unsere einrwerk noch artige Aufträge dem ansässigen Handwerr zu geben. Wie sehr es die anpreisende Firma notwendig hat, sich vor der Fachwelt zu verbergen, das sagt sie dem Kunden ja selbst, indem auf ihren Plakaten in Fettdruck steht„in Geschäften nicht erhältlich." Dieses hätte schon den Organisationen, mit denen diese Firma zuerst die Verbindungen aufgenommen hat, zu denken geben müssen. Für das ansässige Elektro=Handwerk. K. T. Um die Meinberger Schnimmtaheanitalt Der Bau einer Schwimmbadeanstalt hat in den letzten Jahren wiederholt das öffentliche Interesse in Bad Meinberg beschäftigt. Daß die Badeanstalt in moderner Zeit als Werbemittel unentbehrlich ist, hat auch die jetzige Badeverwaltung erkannt, während früher von dieser Seite ein derartiges Unternehmen als Konkurrenz betrachtet wurde. Neben diesem wichtigen Punkte oer Erkenntnis der Notwendigkeit ist nun auch durch das Gereke=Programm der Finanzierungssuchte ein Privatunternehmer in der Gegend der Meinberger Schweiz eine Badeanstalt auszubauen, andererseits hatte die Gemeindevertretung ihr Augenmerk auf das in der Nähe der Schule am Steinbach gelegene Gelände konzentriert. Sic hat mit erheblichen Kosten Wassersachverständige zu Rate gezogen, genaue Berechnungen vornehmen lassen, so daß alle erdenklichen Vorarbeiten fur den Ausbau getroffen waren. Trotzdem man derzeit auf das Privatunternehmen Rücksicht nehmen. Schon bald mußte man aber einsehen, daß die hier gegebenen Wasser= und Wegeverhältnisse mit dem Steinbach=Projekt nicht konkurrieren konnten. Der Privatunternehmer mußte sogar erleben, daß die von anderer Seite vorgebrachten Befürchtungen Tatsache wurden und eine weiteren Ausbau des Beckens nicht ratsam erscheinen ließen. Obwohl u. a. auch damals schon hexporgehoben wurde, daß die Entfernung von der Schule reichlich weit sei und kein Lehrer die Verantwortung für Herzschlagfälle, die eintreten können, wenn Kinder vom Marsch erhitzt ins Wasser kommen, übernehmen würde, befaßt sich neuerdings die Badeverwaltung und einige Vorstandsmitglieder des seiner Zeit gebildeten Schwimmvereins wieder mit dem Plane, die Badeanstalt in jener Gegend, ja sogar noch weiter vom Dorfe ab, nämlich unten in dem sogenannten Stinkebrink, wo das Moor gegraben wird, auszubauen. Da der Herr Kurdirektor in der letzten Sitzung des Kur= und Verkehrsvereins auf Anfrage erLärte, daß## für dieses Objekt noch nicht definitiv festgelegt habe und sich auch der größte al der Meinberger, Bewohner für das Steinbach=Projekt, da direkt am Zentrum gelegen, erwärmen dürfte und man sich weiter vom gesunden kaufmännischen Standpunkte der Rentabilität leiten lassen muß, ist bei der Wahl des Platzes äußerste Vorsicht geboten. Eine Badeanstalt, für die sich nicht die große Menge begeistert, ist unrentabel. Der Schulausschuß hat sich bereits deutlich gegen das Stinkebrink=Projekt ausgesprochen. Durch den erforderlich gewordenen Aushau der Umgehungsstraße ist dem Dorfe mancher Verkehr entzogen. Wir) die Vadeanstalt am Steinbach ausgebaut, wird wieder viel Verkehr ins Dorf gezogen und bringt den Geschäftsleuten Verdienstmöglichkeit. Der durch die Umgehungsstraße entstandene Schaden könnte also etwas ausgeglichen werden. Was würde übrigens aus der Stinkebrink=Badeanstalt werden, wenn, wie es heißt, das günstiger gelegene Steinbach=Projekt doch vor und nach ausgeführt werden soll? Wenn das Quellwasser im Stinkebrink auch schwefelhaltig ist und im Winter 8—10 Grad Wärme hat, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß dies Wasser im Sommer nicht wesentlich wärmer ist. Es bleibt eben Quellwasser und ob der Schwefelgehalt für sogenanntes Dauerschwimmen nützlich ist, soll hier nicht erörtert werden. Auch die sich bald auf dem in der Nähe befindlichen gebrauchten Badeschlamm, bald am Schwimmbassin niederlassenden Fliegen und Mücken dürften keinen besonderen Reiz auf das Stinkebrinkunternehmen ausüben. Zu Bedenken gibt auch Veranlassung, daß zwischen vielen vernünftigen Menschen auch immer frevelhafte Elemente zu finden sind, die da unten in der großen Stille in ihrem jugendlichen Uebermut an den verschiedenen Anlagen allerlei Schaden anrichten könnten. Anstatt hier einen schlecht kontrollierbaren Tummelplatz zu schaffen, sollte man in dieser unter Quellenschutz stehenden„geheimnisreichen“ Gegend in Ehrfurcht sinnreiches Pietätsgefühl wirken lassen. Die am Sommermorgen im Tal über den Quellen aufsteigenden Nebel könnten gz. B. in der Phantasie eine wirkungsvolle Reklame geben, Warum also diese Gegend aufwühlen, wo am Steinbach nach sachverständigem Gutachten sämtliche Bedingungen für einen modernen Badebetrieb günstig liegen? 0 Gewerblicher Mittelstand Neben anderen Verbänden hat auch der Zweckverband zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs eine Eingabe zur Einführung einer Filial= und Warenhaussteuer für das Land Lippe an die Landesrezierung und den Landtag gerichtet. Da in den bisherigen Eingaben nicht gemacht waren und somit die steht, daß die reichsgesetzlichen Bestimmungen hier in Lippe zur Durchführung kommen, hat der Zweckverband vo sich aus Vorschläge unterbreitet, wie eine wirksame Filialsteuer gehoben werden müßte. Bemerkt soll noch werden, daf weder die reichsgesetzlichen Bestimmungen noc die von Ländern wie Braunschweig und Anhalt eingeführten Filialsteuergesetze fühlbare Erleichterungen für den Mittelstand nicht gebracht haben. Es wäre also ein Schlag ins Wasser, wenn die Landesregierung ähnlich verfahren würde. Der Zweckverband hat folgende Vorschläge gemacht und ist gern bereit, mit der Landesregierung gemeinsam die nähere Begründung durchzusprechen: Die Filial= und Warenhaussteuer wird in eine Niederlassungs=, also sogenannte Konzessionsgebühr, und eine laufende Abgabe eingeteilt. Die Niederlassungsgebühr regelt sich nach der Einwohnerzahl und beginnt mit dem Mindestsatz von 500 für die erste Verkaufsstelle, der Höchstsatz beträgt 10 000 K, für jede weitere Verkaufsstelle ist ein Zuschlag von 50 Prozent zu zahlen. Als laufende Abgabe kann nur ein Meßsatz vom Umsatz in Betracht gezogen werden und es wird deshalb vorgeschlagen, 5 Prozent vom Umsatz als Filial= oder Warenhaussteuer zu heben. Irgend welche anderen Meßsätze vom Gewerbeertrag oder von der Gewerbesteuer haben sich als vollkommen unwirksam erwiesen. Dem gewerblichen Mittelstand ist nur zu helfen, wenn sinngemäß die vom Zweckverband gemachter Vorschläge verwirklicht werden, alle anderen Maßnahmen sind mehr oder weniger wirkungslos. Der gewerbliche Mittelstand ist sich vollkommen klar darüber, daß diese Maßnahmen zu seiner Gesundung nicht ausreichend sind, vielmehr ist die Frage der Zinssenkung und die Schaffung von Arbeit eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine Gesundung. Filialsteuer, Arbeitsbeschaffung, Zinsverbilligung und sparsamste Wirtschaft der öffentlichen Hand sind dem gewerblichen Mittelstand, wie auch dem ganzen Volke Vorbedingung zum Wiederaufstieg. Darum: Der Worte sind genug gesprochen; nun laßt uns endlich Taten sehen! Deutsche Turnerschaft Gau Lippe Mitteilungen der Lippischen Gaupressestelle. Das 15. Deutsche Turnfest rückt immer näher. In allen Vereinsversammlungen wird das Thema: Wer fährt mit? schon eifrig besprochen, so daß es an der Zeit ist, allen Turnern einmal die Kosten und sonftigen Pläne, die mit dem Turnfest verbunden sind, mitzuteilen: Der Festbeitrag ist auf 6.50 festgesetzt. Falls eine Bezahlung bis zum 1. April erfolgt, wird der Beitrag auf 5 e ermäßigt. Für die Jugendlichen beträgt der Festheitrag 4.50 M. bei Bezahlung bis zum 1. April 3.50 K. Die Eisenbahnfahrt kostet von Lippe aus mit dem Sonderzug rund 20 c hin und zurück. Der Betrag kann sich um einige Groschen verändern. Also Hin= und Rückfahrt für 20 K. Unterkunft und Verpflegung Die Vorbereitungen der Leitung sind jetzt soweit gediehen, daß man nach der bis jetzt durchgeführten Wohnungswerbung schon mitteilen kann, daß 150000 bis 200000 Turner und Turnerinnen unterkommen können. Die Festleitung bittet, von allen Sonderabmachungen abzusehen, da sie alles daransetzen wird, die Vereine. Beirke. Gaue und Kreise in ein und demselben Ziertel unterzubringen. Eine große Anzahl Freignartiere steht ebenfalls zur Verfügung, so daß jeder Verein entsprechend seiner Teilnehmerzahl eine Anzahl Freiquartiere in den Familien zur Verfügung gestellt werden kann. Unterkunft. Folgende Preise sind vorgesehen: Massenunterkunft 5 c. Bodenlager 6.50 M. Liegestatt 8 cc. Bett 10 A. Die Preise verstehen sich für sechs Nächte ohne Frühstück. Die Preise gelten bei Bestellungen bis zum 20. Juni, bei späteren Bestellungen tritt eine Erhöhung von 1.K je Art der Unterkunft ein. Verpflegung auf dem Festplatz. Die Leitung des Turnfestes trögt sich mit dem Gedanken, 10 Bier=, Wein= und Kaffeezelte aufzustellen, so daß jeder von den 18 Turnkreisen ein ganz bestimmtes Zelt zur Verfügung gestellt bekommt. Die Zelte erhalten besondere Farben, die mit den Farben der Eßkarten, die täglich oder auch im voraus bezogen werden können, übereinstimmen. Nur dadurch ist eine geregelte und rasch sich abwickelnde Verpflegung möglich, insbesondere für die 40000 Festteilnehmer, die am Sonntag als geschlossener Festzugteil auf den Festplatz kommen. Conderzüge und Verkehrsfragen. Da diese Frage jeden einzelnen nicht so sehr interessiert, sei auf die Wiedergabe von Einzelheiten verzichtet. Es ist selbstverständlich, daß der Lippische Turngau vielleicht in Verbindung mit einem Nachbargau einen Sonderzug bestellen wird, für den 50 Prozent Fahrpreisermäßigung in Frage kommen. Es ist auch damit zu rechnen, daß die Teilnehmer, die mit Sonderzügen nach Stuttgart kommen, innerhalb 8 Wochen für den Rückweg jeden beliebigen Personenzug benutzen kann. Ebenso wird umgekehrt verfahren. Wer allein nach Stuttgart fährt, gebenen Freifahrtkarten werden die Vorstände auf die Kreismitteilungen verwiesen. Die Einzelheiten über die Verkehrseinrichtungen werden in der nächsten Nummer der Kreiszeitung bekanntgegeben. Turnfahrten. Die Turnfestleitung ist augenblicklich mit der Zusammenstellung eines Turnfahrtenbuches beschäftigt, das in einer Auflage von 25000 Stück, 200 Seiten stark, mit vielen Bildern und einer Uebersichtskarte erscheinen wird. Das Hefichen wird 50 Z kosten. In dem Heft werden auch Anmeldezettel enthalten sein. Verkehr in der Feststadt. Die Festleitung steht noch in Verhandlung mit der Straßenbahndirektion wegen der Schaffung einer Straßenbahndauerkarte, die zehn Tage Gültigkeit haben soll und vielleicht 1 bis 2 4 losten wird. Die längste Fahrzeit von den außerhalb liegenden Unterbringungsorten bis zum Festplatz beträgt allerhöchstens 20 Minuten mit der Reichsbahn und 15 bis allerhöchstens 40 Minuten mit der Straßenbahn. Ostbezirk. Amtliche Mitteilungen. Am Sonntag, 19. Februar. nachmittags 1.30 Uhr, findet in der Turnhalle des Blomberger Vereins eine Vorturnerinnenlehrstunde des Ostbezirkes unter Leitung des Turnbruders W. Pankoke, Gaufrauenturnwart, statt. Stoff: Uebungen für das Bezirksfest, Festfreiübungen und Chorfesttanz. Sportklub Horn. Die erste Mannschaft spielt am heutig in Nachheütigen R mittage um 1.30 Uhr gegen die gleiche der Sp. V. Diestelbruch=Vahlhausen. Abfahrt um 12.30 Uhr vom Vereinslokal Röwe. Auf hiesigem Platze spielt die zweite Mannschaft gegen zweite Mannschaft Kohlstädt=Oesterholz. Anstoß 2 Uhr. Die erste Jugend fährt nach Kohlstädt=Oesterholz, um dort gegen die gleiche zu spielen. Anstoß 2.30 Uhr. Abfahrt per Rad um 1 Uhr ab Vereinslokal. Die erste Schülermannschaft spielt gegen die zweite Schülermannschaft der Sv.V. Schlangen. Anstoß 3 Uhr. Abfahrt 1.30 Uhr ebenfalls vom Vereinslokal. Nach Rückkehr treffen sich die Mannschaften nicht nicht im Rathaussaale, sondern um 5.30 Uhr im Saale der Gastwirtschaft Koch, um dort die nötigen Aufstellungen für den Theaterabend zu Die für den Theaterabend fertiggestellten Programme können schon jetzt beim zweiten Vorsitzenden in Empfang genommen werden. Pferdesport. Ausgezeichnietes Anwelde-Ergebnis für das Dortmunder Reitturnier vom 2 bis 5. März(nicht vom 3. bis 6. März). Es liegen insgesamt 800 Anmeldungen vor, sodaß die vier Tage, die— wie ausdrücklich bemerkt sei,— nicht in die Zeit vom 3. bis 6. März, sondern vom 1. bis 5. März fallen, auf der ganzen Linie vorzüglichen Sport bieten werden.— Als wichtigstes Schaubild wird zur Darstellung gelangen: „Die Kavallerie des Reichsheeres", dargestellt von dem berittenen Trompeterkorps einer ganzen Eskadron und dem Maschinengewehrzug des Reiter=Regiments 15. * Das Provinzial=Reiterturnier Noch keine Entscheidung über den Tagungsort Am Donnerstag fand in Münster eine Besprechung über die Abhaltung des ProvinzialReiterturniers der ländlichen Reitervereine statt. Man beschloß, das Turnier diesmal nicht nach Hamm zu legen, eine Entscheidung über den Tagungsort ist aber noch nicht gefallen, insbesondere steht noch nicht fest, ob das Turnier nach Bielefeld kommen wird, da die Stadt bisher keine Zusage über eine Beteiligung an den Kosten gemacht hat. Genehmigte Lotterie Der Leitung des Deutschen Hygiene=Museums in Dresden ist die Erlaubnis erteilt, von der settens des Sächsischen Ministeriums des Innern zu Gunsten des Deutschen Hygiene=Museums genehmigten 4. Geldlotterie 500 Lose mit den Nummern 125001 bis 125 500, 36 501 bis 37000, 243001 bis 243 500 zum Preise von je 1 RM. in Lippe zu vertreiben. Die Ziehung findet am 9. und 10. Juni 1933 statt. Landestheater-Lichtiviele Ein Mann ohne Herz In valbeichten Theater gesaltete sch an gestrigen Abend die Aufführung des neueten Tonfilmschlagers„Ein Mann ohne Herz“ oder wie es auch heißt:„Schön ist ein Feiertag— Mädel mit Dir“ zu einem glänzenden Erfolg. Als nach dem Vorprogramm der vielumschwärmte Held junger Mädchenherzen: Gustav Fröhlich. als Hauptdarsteller vor der Leinwand erschien, den lieben Detmoldern herzliche Grüße entbot und schließlich auch von Gitta Alvar erzählte, da wurden die Detmolder lebendig und spendeten Beifall, den man bisher in dem Raum noch nicht gehört hat. Auf das wirklich unterhaltsame Lustspiel des Abends kommen wir noch zurück. Da das überaus zahlreich anwesende Publikum stürmisch geklatscht hat, wird dieser Film für die nächsten Tage Detmolder Tagesgespräch sein!=Ko.= Standesamtliche Nachrichten Monat Januar. Lemgo. Im Monat Januar wurden in hiesiger Stadt 21 Kinder geboren, und zwar 12 Knoben und 9 Mädchen. Eheschließungen: 4. Sterbefälle: Witwe Marie Theopold, geb. Rodewald, 91 Jahre alt; Doris Pothmann, 92 Jahre alt: Ehefrau Henriette Helming, geb. Dreimann, 42 Jahre alt; Kind Ilse Solle, Krügerkamp, 10 Monate alt; Witwe Luise Hommel, geb. Kleinsorge, 80 Jahre alt: Witwe Luise Semlow, geb Meyer, 72 Jahre alt: Ziegelmeister Simon Huxoll, 59 Jahre alt; Pflegling Henriette Nunne in EbenEzer, 59 Jahre alt: Oberbahnassistent Heinr. Eike, 43 Jahre alt; Steuerasststent Heinrich Avemann, 46 Jahre alt; Kind Friedrich Pieper aus Schwelentrup, 4 Wochen alt: Kind Josef Runksmeier, 1 Stunde alt; Zigarrenfabrikant Wilhelm Weber, 90 Jahre alt; Zimmermann Karl Hoffmann, 59 Jahre alt: Ehefrau Karoline Rehmsen, geb. Gronemeier, 39 Jahre alt: Ehefrau Christine Bürger, geb. Münter, in Sonneobrn, 56 Jahre alt; Witwe Johanne Pauk. geb. Buschmeier, 80 Jahre alt; Zugführer i. R. Otto Fricke, 70 Jahre alt: Werkmeister Ernst Richter, 77 Jahre alt; Maler Heinrich Fasse, 54 Jahre alt: Schrankenwärter Gust. Rehme, 48 Jahre alt; Witwe Karoline Bickmeier, geb. Delius. 67 Jahre alt; Schuhmachermeister Heinrich Kuhlmann, 80 Jahre alt: Kind Lilli Amelung aus Hörstmar, 5 Jahre alt: Ehefrau Amalie Kracht, geb. Dreier, 79 Jahre alt: Pflegling Henriette Dritte, Eben=Ezer, 60 Jahre alt: Thea Gattermann aus HannoverKleefeld, 20 Jahre alt. SbT Vereinsralender V. D. A.=Ortsgruppe: Hauptversammlung Mttwoch, 15. Februar, 20,15 Uhr im Lipp, Hof. Stahlhelm, Ortsgruppe Detmold. Pflichtversammlung am Montag, dem 13. Februar, abends 8.30 Uhr im Kaiserhof. Nationalverband Deutscher Offiziere. Wegen Erkrankungen wird die Mitgliederversammlung am Dienstag, dem 14. Februar abgesagt. Neuer Termin wird später bekanntgegeben. Oratorienverein. Dienstag, 14. Febr., 20,15 Uhr: Uebungsstunde im Hotel Stadt Frankfurt. Bund Königin Luise. Montag, 13. Februar, 8.15 Uhr: Jungmädchendabend bei Frau Schroeder, Fürstengartenstr. 18. Schubertbund e. B., Detmold. Chorvrove am Donnerstag, 16. Februar, abends 8.10 Uhr im Gesellschaftshause.— Frauenchor am Freitag, 17. d. M., abends 8,10 Uhr im Lyzeum, und am Dienstag, 14. 2., Stimmbildung im Lyzeum. Jungdeutscher Orden. Ballei Lippe, Sonntag, dem 12. Februar, Teilnahme an der Tagung in Bielefeld. Treffpunk 10,15 Uhr, Zimmerstraße, Bahnhofstraße.— Cappel: Bruderabend am 14. Februar.— Blomberg: Bruderabend am 15. Febr.— Lemgo: Bruderabend am 15. Februar.— Ballei Lippe: Die Einheiten werden auf den Vortrag des letzten Kriegsgefangenen Schwartz in Detmold, am 15. Februar, Vereinshaus, aufmerksam gemacht.— Bad Salzuflen: Bruderabend am 16. Febr.— Lage: Bruderabend am 16. Februar.— Voßheide: Bruderabend am 18. Februar. Kauft Deutsche Waren Bisher 62 Tote geborgen Immer nach weitere Ervlostensasfahr in Reunkirchen Reunkirchen, 11. Febr. Die Zahl der geborgenen Toten in Neunkirchen hat sich am Sonnabendabend auf 62 erhöht. Unter ihnen befinden sich etwa 15 Tote, die bisher noch nicht identifiziert werden konnten. Man rechnet damit, daß die Belegschaft von 20 Mann, die in unmittelbarer Nühe des Gase. meters beschäftigt war, unter den riesigen Schuttmassen begraben liegt. Die Zahl der Toten dürfte damit sicher auf min. destens 82 steigen. Die Aufräumungsarbeiten schreiten trotz fieberhafter Arbeit nur langsam vorwärts. Die Teerreinigungsanlagen brennen immer noch. Riesige Rauchschwaden steigen unaus. gesetzt in die Höhe. Trotz aller Vorkehrungsmaßnahmen befürchtet man auch noch eine Explosion der unterirdischen Benzolbehälter Die Gefahr, daß weitere Explosionen ernoch nicht ganz beseitigt, da unter il der Benzolanlage noch efüll folgen, ist u. dem brennenden Tei einige mit Benzol gefüllte Tanks lagern, die natürlich noch jeden Moment in die Luft fliegen können. Nur der Geistesgegenwart eines Arbeiters war es zu verdanken, daß die Gasleitung sofort abgelverrt wurde. Dieser Teil der Anlage hätte noch achtzehn Stunden automatisch Gas geliefert. Die Ausmaße der Explosion waren dann noch viel größer gewesen. Ueber die Ursache sind naturgemäß nur sehr vage Feststellungen zu machen. Man vermutet, daß die Explosion des 120 000 Kubikmeter großen Gasbehälters, der allerdings nur 12.000 Kubikmeter zur Stunde der Explosion enthielt, durch die in der Benzolfabrik entstandene kleine Explosion etwa fünf Minuten vor sechs Uhr veranlaßt wurde. Nach einer anderen Lesart dürfte die Explosion dadurch entstanden sein, daß der Auspuff eines Motors einen Brand verursacht hat, der sich auf die Benzolanlage ausdehnte und diese zur Explosion brachte und in weiterer Folge den merer in die plosse großen und den kleineren Gasome Luft sprengte. Kultusminister a. D. Becker gellarhen Berlin, 11. Febe. Der frühere preuzische Unterrichtsminister Pros. Dr. Karl Heinrich Becker ist am Freitag einer schweren Lungenentzündung erlegen, die er sich als Folge einer verschleppten Srippe zugezogen hatte. Der verstorbene preußische Kultusminister Dr. Karl Heinrich Becker wurde am 12. April 1876 in Amsterdam als Sohn des Konsuls Becker, Inhaber der dortigen Bankfirma Becker& Fuld, geboren. Von 1903 bis 1912 war er ordentlicher Professor und Direktor des Seminars für Geschichte und Kultur des Ortents an dem inzwischen zur Universität umgewandelten Kolonialinstitu: in Hamburg. Nach dem Umsturz wurde er unter dem Kultusminister Hänisch Staatssekretär. Im April 1921 übernahm er als Fachminister im Kabinett Stegerwald das Kultusministerium. Dem kurzlebigen preußischen Kabinett Marx vom 19. Februar 1925 gehörte er wieder als Kultusminister bis zu dessen Rücktritt am 21. Februar 1925 an, ging dann aber in gleicher Eigenschaft in das nach langer Krisis am 6. April des. selben Jahres gebildete Kabinett Braun über, dem er bis 30. Januar 1930 angehörte. Darauf übernahm Dr. Becker den Lehrstuh! für Islam=Wissenschaften an der Universität Berlin. Ist vollkommen zerstört. Das Dorf steht fast *— a h n e r s d völlig unter Wasser. ben noch immer in Die Bewohner größter Gefahr. schmgEin Teil der Insel Sandy Point von der Flut weggerissen. Neufundland, 11. Febr. Die Flutwelle, die die Insel Sandy Point(St. Johns) heimsuchte, hat ein großes Stück Land weggerissen. Die Verbindung mit dem Festland Die Affäre Gotzmann Der Diebstahl des Göttinger Königsmantels pielt hinein. Göttingen, 11. Febr. In der Strafsache des Universitätsoberinspektors Goßmann ist man auf neue Ueberraschungen vorbereitet. Er wurde durch den hiesigen Gerichtsarzt Professor Dr. Lochte daraufhin untersucht, ob er wieder in Haft gebracht werden könne oder nicht, es ist aber noch nicht bekannt, wie die Untersuchung aus. gefallen ist. Wenn die Staatsanwaltschaft daran denkt, ihn wieder in Haft zu setzen, so hat das seinen Grund darin, daß die Angelegenheit des Diebstahls des Königsmantels von Hawat, der, wie man sich erinnert, am 3. März v. J. im Ethnographischen Institut der Universität verübt wurde, bisher aber nicht aufgeklärt werden konnte, in der Affäre Goßmann eine Rolle zu spielen scheint. Es ist inzwischen bekannt geworden, daß der Student Pfleghaar, er bald nach dem Diebstahl in Dresden verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, bei Goßmann ein und aus gegangen ist, und die Tatsache, daß Goßmann fast ausschließlich an Ausländer vermietete, läßt die Vermutung berechtigt erscheinen, daß irgendwelche Zusammenhänge bestehen. Noch eine dritte Person dürfte hier in Frage kommen, für die sich Goßmann seinerzeit sehr ins Zeug legte, obwohl sie sich schwerer dienstlicher Verfehlungen schuldig gemacht hatte. Diese Person hatte leichten Zutritt zu den Sammlungen im Ethnographischen Institut gehabt. Faßt man dies alles zusammen, so scheint das Vorgehen der Staatsarwaltschaft, die seinerzeit die Verhaftung des Studenten Pfleghaar betrieb, nicht ganz ungerechtfertigt gewesen zu sein. Wenn nicht alles täuscht, wird die Angelegenheit Goßmann noch allerlei Ueberraschungen bringen. „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“ Reunork, 11. Febr. In der Nähe von Sullivan überfuhr ein Sütereilzug einen Schulomnibus, dessen Führer durch Einsatz seines Lebens die 22 ihm anvertrauten Kinder rettete. Als der Führer den Zug herannahen sah und bremsen wollte, bemerkte er, daß die Bremsen vereist waren und nicht funktionierten. Er stellte den Motor ab und wies die Kinder an, sofort aus der Tür zu springen, während er selbst den Autobns weitersteuerte. Auf diese Weise wurde außer ihm selbst nur ein Schüler leicht verletzt. Seineigenes Begräbnis bestellt Budavest. Die Tragik eines alten Ehepaares erweckt hier allgemeine Teilnahme. Matthias Steinhilber, der einer der bekanntesten Fleischer von Budapest war, zog sich vor einem Jahrzehnt. nachdem er ein Vermögen erworben hatte. ins Privatleben zurück. Im Vorjahr starb sein Sohn, dies ging der Mutter so nahe, daß sie herzkrank wurde und am Freitag starb. Steilhilber bestellte nun beim Leichenbestattungsverein ein zweifaches Begräbnis. Er ging nach Hause und begins Selbstmord durch Einatmen von Gas. Als die Vertreter des Bestattungsvereins eintrafen, stellten sie den tragischen Vorfall fest und das Begräbnis ging bestellungsgemäß vor sich. Wetterbericht für den 12. Februar 1933. Für das mittlere Deutschland: Meist heiter, nachts Frost, Tagestemperaturen über Null steigend, mäßige nördliche bis nordöstliche Winde Für das übrige Deutschland: Im äußersten Süden noch bedeckt mit Regen= und Schneefällen, sonst allgemein wolkig bis heiter, nachts verbreitete Fröste, nirgends Niederschläge von Bedeutung. ordwesideutsche Wochen=Marktübersicht„ Woche vom 5. bis 11. Febr. 1933 (Nachahmung sowie Nachdruck— auch auszugsweise— verbeten!) Tendenzbericht. Schlachtoleh. Die Montagmärkte verliefen im allgemeinen etwas angeregter durch teilweise geringere Zufuhren und etwas erhöhte Kauflust. Am Monatsbeginn konnten sich die Preise auf alter Höhe halten. Die Rindermärkte waren mit wenigen Ausnahmen etwas fester. Kälder waren trotz stärkerem Angedot im allgemeinen zu alten Preisen abzusetzen, konnten teilweise sogar einige Mark mehr erzielen. Auf den Schweinemärkten hatte das Angebot etwas nachgelassen, auch hier waren 1—2 Mark mehr zu erzielen. Das Hammelfleischgeschäft ließ infolge zu großer Restbestände an Fleisch zu wünschen übrig. Bei Lämmern konnten infolge geringeren Angebotes die Preise etwas anziehen. Es aar schwer, mit dem Bestand zu räumen.— Der Handel mit Zucht= und Nutzvieh verlief etwas freundlicher bei ziemlich gleichbleibenden Preisen. Getreide. Während anfangs der Woche der Brotgetreidemarkt noch ziemlich fest lag, verstätkte sich das Angebot um die Wochenmitte. Da gleichzeitig die Nachfrage stark nachließ. wurden die Preise wieder rückläufig. Die noch vorhandenen großen Getreidevortäte werden auch in der nächsten Zeit den Markt beeinflussen, so daß eher mit einer Abschwächung als mit einer neuen Festigung zu rechnen ist. Der Markt in Futtergetreide leidet ebenfalls unter getinger Nachfrage. Die vorübergehende Besserung im Hafergeschäft ist infolge stärkeren Angebote nell vorübergegangen. Kartoffeln. Sehr ruhiges Geschäft bei schwacher Nachfrage. Auf dem Saatkartoffelmarkt ist es edenfalls noch sehr ruhig. Raubjutter. Die Marktlage ist sehr flau. Eler. Die warme Witterung läßt für nächste Woche eher eine weitere Abschwächung als eine Festigung erwarten. Zum mindesten ist die Marktlage sehr unsicher. Butter. Das wärmere Wetter und die dadurch bedingte Erhöhung der heimischen Produktion haben in Verbindung mit schlechter Nachfrage abermals einen Rückgang der Butterpreise gebracht. Hannoversche Markenbutter erzielte nach den letzten Berichten im Großhandel tonnenweise 92—106, ausgepfundet 101—120. Deutsche Frischeier(G. 1.) Sonderklasse Klasse A Klasse B Xlasse C Klasse U Berlin 9. Fedr. Hamburg 8½ 8¼ 6 10¼-10% 9½—9% 8½—8% 63—6% Hannover 9. Fedr. 9½ 7¼ 6 zwischen I. 0.90: Butter und Milch. Berlin notierte am 7. Februar im Hande! Erzeuger und Großhandel für Butter 0.90: II. 0.83: geringe 0.76 ohne Faß. Hamburger Anktionspreise am 8. Fedruar Höchnnotierung): Butter ohne Schutzmarke 5300—88.00; Markenbutter 84,0—93.00: Durchschnittspreis für Markendutter 91 44. für Butter ohne Schutzmarke, 1. Sorte. 86.86 ab Molkereihlation ohne Faß urd 5 Prozent Auktionsgeld. Milchpreise in Haunover. Kleinhandelsreise: Kannenmilch 24 frei Haus. 22 ab Laden; laschenmilch 28 Pf. Mehl. Berlin notierte am 6. Februar: Weizenmehl mit 22.65-25.90: Roggenmehl mit 20.00-21.90, am 9. Februar mit 22.50—25.75 bzw. 19.50—21.50. Hamburg notierte am 6. Februar: Weizenmehl(deutsches, 70 Proz.) 25.50—28.00; Auszugsmehl, inl., 31.50—34.10: amer. Weizenmehl 3¼ bis 4 Dollar. Am 9. Fedruar 25.50—28.00 bzw. 31.50—34.00 bzw. 3¼—4 Dollar. Heu, Stroh und Futtermittel. drahtgepr. Roggenstroh. Welzenstroh. Haferstroh. Gerstenstroh. Roggenlangstroh. ged. 5—125 je Stange; Möhren 2.5—3.5; Petersilie 25—60; Petersilienwurzeln 5—15; Porree 3—10 1e Pfund; Radieschen 7—12 je Bund: Rettich je Stück 2.5—12: rote Beete 2—3: Steckrüben 1.2—2: Schwarzwurzeln 17.5—28; Sellerie je Stück 3—15; Zwiedeln, sackweise, 5.5—6.5, ausgewogen 7. Hannover. Kleinhandels=Durchschnittsvreise für gute Mittelware je Kilogramm: Rotkohl 10): Weißkohl 7: Wirsing 11: Grünkohl 7; Blumenkohl 55: Rosenkohl 37: rote Beete 10: Steckrüben 8; Wurzeln 14: Zwiebeln 18: Sellerie 32; Kartoffeln 6. 5 Kilogramm 30; Eßäpfel, inl. 54. Oonabrück. Wochenmarktpreise in Pfennig je Pfund: Weißkohl 8—10: Rotkohl 8—10; Wirsing 8—10; Zwiebeln 10: Aepfel, inl. 15—35; rote Beete 8—10; Steckrüden 5—7; Rettich 15—20; Rosenkohl 25—.30; Grünkohl 5—10; Feldsalat 60—80; Schwarzwurzeln 25— 35; Wurzeln 8—10: ferner je Stück Blumenkohl 20—50: Porree 3—5; Sellerie 5—40; Endivien 10—20. Berlin. Kartosfelnotierung im Großhandel waggonweise ab Verladestation: weiße 1.15—1.25. rote 1.25—1.35, geldfleischige 1.45—1.55. Schlachtviehmärkte. "— Lagstroh. g Roggenstroh. binds.=gepr. Weizenstroh. däcksel en, gute Qualität en leehen Berlin: Heu, drahtgepreßt, 60 Pf. mehr, Hamburg 50 Pf. mehr. Berliner Futtermittelnotierung, Weizenkleie 8.00—8.40: Roggenkleie 8.70—9.00; Futtererbsen 12.00—14.00: Peluschken 12.00—13.50: Ackerbohnen 12.50—15.11): Wicken 13.50—15.50: Leinkuchen 10.40: Trockenschnitzel 8.60. Soia= schrot 8.70; Lupinen, blau 8— 111, geld 11.50 bis 12.75; Kartoffelflocken 13.00—13.20. Hamburger Futtermittelnotierung. Kokookuchen 5.45: Rapskuchen 3.60 Leinkuchen 5.25: Palmkuchen 4.65. Hülsenfrüchte. Notierungen am 9. Februar. Berlin: Viktortaerbsen 20.00—23.00: L. Speiseerbsen 19.50—21.00. Hamburg: Schmalzbohnen 23.50: Langdohnen 20.00: Mitteldohnen 17.00 grüne Erdsen 18.00; Viktoriaerdsen 14.00: gechälte Erbsen, grün, 20.50, geld 15.50: Splitterdsen grün 17.50 geld 13.50. Wild und Geflügel. Hannover.(Durchschnitts- und Kleinhandels preise: Rot= und Schwarzwild 0.90—1.20. Gänse 0.90, Enten 1.03, Hühner 0.87. Hähnchen 1.00 bis 1.05 je Pfund: Tauben 0.80 RM. je Stück. Oonabrück. Hühner, lebend, 0.50—0.60, gerupft 0.60—0.90, so Pfund: Tauben 0.40—0.50 e Stück. Obst, Gemüse und Kartoffeln. Hamburg. Großhandelspreise in Pfennig e Pfund am Zentralfrucht= und Gemüsemarkt: Eßäpfel 15—18: Kochäpfel 10— 17: Eßbirnen 25—30, Kochbirnen 11—12: Rarotten 4—6: Kartoffeln, gelbe lange 2.7—3. gelde runde 1.8—2: Wirsing 4.5—5; Weißkohl 1—1.5; Rotkohl 2.5—4; Rosenkobl 22—.60; Grünkobl 2—3, Meerrettich Marktort Berlin Hannover Hamburg Bremen Braunschweig.. Kassel Dortmund Essen Düsseldorf Köln Frankfurt. Mannheim Magdeburg... Chemnt Eldersel Leipzig Ochten 17—31 20—28 12—31 20—28 15—28 20—27 22—30 26—30 21—32 18—32 19—28 22—30 22—251 17—28 22—32 23—32 Küße 12—24 12—25 8—24 11—24 10—27 10—26 15—29 13—27 12—26 12—28 12—23 10—24 10—26 14—27 17—28 12—21* Färsen 18—29 20—30 12—31 18—28 16—28 18—30 22—31 26—31 20—29 23—31 20—29 28—31 20— 20 22—30 24—31 24—30 Kälber Schafe 18—37“ 18—38“ 14—38* 14—40* 15—4* 20—30 1— 21—40 18—39* 22—41* 22—36* 24—31“ 16—36* 20—37* 20—38* 26—36“ 18—33 17—28 8—32 24—32* 28—30 27—29 16—28 17—25 15—23* 10—27* 15—29* 18—28 Schweine o. Sauen Bemerkungen 30—36 27—36 24—36 18—34° 28—39 28—38 32—38* 33—38 91—39“ 33—41 34—38“ 34—39* 27—37 31—38 33—39 32—37 ·s nicht notiert. f nur 3 notiert. Bei zweimal wöchentl. Markt ist die letzte Rotierung angegeden. Rutzviehmärkte. Getreide. Weizen...... Roggen Gerste 1 Futtergerste Ausländ. Gerste(unverzollt Haser 6. Feozuar 7. Fedruar 9. Februar Berlin Hamburg] Berlin Hamburg Hannover! Berlin Hamburg 188—191 154—156 165—175 158—164 116—118 196—197 155—156 166—170 67—63 124—128 188—190 154—156 165—175 158—164 115—118 197—19• 156—157 66—170 67 124—130 191 147 160—164 129—133 187—189 153—155 165—175 158—164 114—117 196—197 155—156 166—170 67—68 124—130 Bremen: Manitoba I. 4.70, Donaugerste, verz., 8.65, La=Plata=Gerste 8.65, deutsche Gerste 8.65. vomm. Hafer 6.90 holst. Hafer 7.00, La=Plata=Mais 9.85, Donaumais 9.13. ruhr gesellt, Tage waren auf dem kleinen Segelschiff, einer Brigg, zwischen wilden Wassern verbracht worden, bis endlich im Sandvigen=Fjord ein Nothafen angelaufen wurde. Ein Sonnenuntergang ließ den Himmel in wunderbarem Farbenspiel erglühen, die Matrosen arbeiteten singend an Deck„die ernste Felsenlandschaft ringsumher gab die schönste Szenerie: die Gemeinsamkeit huf wiederum das Kunstwerk, diesmal eines, welches das erste seiner großen Werke zu werden bestimmt war. Eine dramatische Wendung kündigte das Ende der Pariser Zeit an: die Dresdner Intendanz teilte ihm die Annahme des „Rienzi“ mit. Allerdings wurden die Proben noch ein paar Monate hinausgeschoben, so daß Wagner noch länger in Paris bleiben mußte. Inzwischen war der „Vokkunder“ fertig geworden, wurde bereits an deutsche Bühnen verschickt und kam prompt mit den merkwürdigsten Begründungen zurück, z. B. aus München und Leipzig mit dem Bemerk„Für Deutschland nicht geeignet". Es ist schwer, die Satire nicht zu schreiben. Wenn wir uns aber daran erinnern, daß der Holländer bereits den Anfang des musikdramatischen Gesamtkunstwerks bedeutet, so hatten vielleicht die Leipziger und Münchener Dramaturgen gar nicht Cosima und Richard Wagner im ersten Jahr ihrer Ehe. so unrecht, obgleich sie es nicht mußten: das einheitliche Werk im zerrissenen Lande... Wagner vermochte allerdings solche Erwägungen nicht anzustellen; aber die Freude, nach Deutschland zurückkehren zu önnen und vor allem endlich eines seiner Werke in einem der besten Theater Europas aufgeführt zu sehen, überwog alles andre. Doch nachdem er in Dresden die Proben und die endlos lange Aufführung erlebt hatte und, vom Beifall des Publikums umjubelt, berühmt geworden war:da war die Freude vorbei. Eigentlich war sie bereits während der ersten Vorstellung verflogen. Denn in dem Augenblick, als ihm, nicht zum mindesten gerade durch den Publikumserfolg, der Charakter seines Werkes als alte Oper mit dem ganzen hergebrachten Brimborium klar wurde: in diesem Augenblick verstand er selbst erst den„Holländer“ und sah den Schritt, den er unbewußt mit seinem großen Werk getan hatte. Er erkannte, daß ihn der Erfolg vom Publikum schied, er sah den Weg, den er zu gehen hatte, er blickte zum erstenmal mit klarer Zuversicht auf die Einheit des Kunstwerkes und erkannte die Wichtigkeit der Synthese gerade für den Deutschen, dessen altes Leiden Analyse heißt. Von diesem Augenblick an war der Künstler Wagner auf lange Jahre hindurch einsam— mit Ausnahme der kurzen Episode, die Mahilde Wesendonck, Isoldens romantisch=liebliches Vorbild, in seinem Leben bildete, blieb er einsam, bis er in Cosima, Hans v. Bülows, des Freundes, Frau, den Menschen fand, der ihn ganz zu verstehen imstande war.— * Vorstehende Abhandlung entnehmen wir gekürzt der Februarnummer von Westermanns Monatsheften. Die Zeitschrift ist in jeder Buchhandlung zum Preise von 1,85 RM.(im Dauerbezug 1,70 RM.) zu haben. RICHARD WAGNER 1883 Zum fünfzigjährigen Todestag des Meisters am 13. Februar 1933 Richard Wagners Sturmjahre Von Dr. Anton Mayer. Am 13. Februar jährt sich Richard Wagners Todestag zum fünfzigsten Male; aber immer noch steht sein Bild weder in der Geschichte noch im Andenken der Menschen fest: wenn auch seine musikalische Bedeutung wohl kaum noch, auch nicht von grundsätzlichen Gegnern, bestritten wird, so hat es doch selten eine Persönlichkeit gegeben, von der mit mehr Berechtigung das Schillerzitat vom „schwankenden Charakterbild“ gebraucht werden könnte. Die Trennung zwischen Künstlerschaft und Menschlichkeit ist wohl in keinem andern großen Künstler so scharf. Während Wagner der Künstler vom„Rienzi“ ab eine ununterbrochen ansteigende Entwicklung nimmt, während jedes seiner Werke eine neu erreichte Stufe der Laufbahn bezeichnet, bleibt Wagner der Mensch auf dem Punkt seiner Entwicklung stehen, den er bereits im frühen Mannesalter erreicht hatte. Der Künstler überschattet und übertrifft den Menschen in der sonderbarsten Weise; ja, es scheint manchmal fast, als mache sich der Mensch durch seine Handlungen über den Künstler mit seinen Idealen lustig, als empfände er eine fast dämonische Freude an der Verspottung seines andern, höheren Selbst; schließlich aber ist das merkwürdigste, daß diese WesensspalJohanna Rosina Wagner, die Mutter Richard Wagners, an der er mit großer Liebe hing. tung völlig in Wagners Unterbewußtsein lag und er wahrscheinlich in aller Unschuld sein„Menschliches“ für ebenso hochstehend wie sein„Künstlerisches“ hielt. Es ist nicht sonderbar, daß der Knabe Richard zwischen Dichtung, Lusik und Malerei hin und her pendelte: das Gesamtkunstwerk zeigt sich in den ersten Anfängen, die zwar noch vollkommen dilettantischen Charakter haben. Mozart= Beethoven, Bach: nie hätten sie irgend etwas anderes sein können als Musiker— infolgedessen war von Kindheit an ihre Laufbahn künstlerisch eindeutig festgelegt. Dagegen entschloß sich Wagner erst im Jünglingsalter, die Musik zu seinem Hauptberuf zu machen, nachdem er höchst mangelhaft Klavierspielen gelernt hatte. Nun machten ihm Kontrapunkt und Harmonielehre auch nicht viel Spaß, lieber ließ er sich erst als Schüler, dann als ohne Abiturium nicht immatrikulierter, sondern nur inskribierter Student von den als Nachwehen der Pariser Nevolution von 1830 in Leipzig aufflackernden Unruhen in alle möglichen tumultarischen Situationen bringen, suchte Ehrenhändel, hatte eine Zeit wilder Spielleidenschaft: kurz, er tobte und wütete gegen sich und andre wie ein ungebärdiges kleines Gleichnis der Tage, die ihn mit sich fortrissen. Immerhin: nach allen möglichen Fährlichkeiten und Abenteuern raffte er sich dann doch zusammen, um wenigstens das Studium der Musiktheorie zum Abschluß zu bringen. Er selbst hat in seiner mit einiger Vorsicht aufzunehmenden Selbstbiographie, die vierzig Jahre später diktiert wurde, erzählt, sein Lehrer, der Kantor Weinlig an der Thomaskirche, habe erklärt, er könne seinem Schüler nichts mehr beibringen; außerdem aber ist überliefert, daß der gewissenhafte Kantor gesagt habe,„er werde ja vermutlich doch in seinem Leben keine Fuge schreiben“— eine artige Ironie des Schicksals, daß er zwar recht behielt, aber Wagner in der„Prügelszene“ der„Meistersinger“ ein im kontraHaus Wahnfried in Bapreutb, Wagners Wohnsitz von 1872 bis zum Tode Vorträt Richard Wagners auf der punktischen Aufbau so gewaltiges Stück geschrieben hat, daß es weit über alle Fugen hinausgeht, die sich der Kantor Weinlig in seinem braven Gemüte vorzustellen vermochte. Von Anfang an war für Richard Wagner eines klar und bestimmt: für ihn kam als Ausdruck nur das Orchester und nur die Bühne, also die Oper, in Frage. Es war selbstverständlich, daß die Texte in demselben Kopf entstehen mußten, der die Musik schuf, weil ja die Konzeption nie für eines allein kam, sondern, wie etwa an einem sonnigen Tage bei Teplitz, der bildhafte Eindruck der Natur die dichterisch=musikalische Idee des „Liebesverbotes“ zeitigte. So war es schicksalsmäßig ganz logisch, daß die erste Stelle, die Richard bekam, ein Kapellmeisterposten in Lauchstaedt war; aber sehr merkwürdig ist doch das Spiel eben der schicksalwebenden Mächte, daß sie Wagner bei seinem ersten Auftauchen in seinem eigentlichen Kunstbereich sogleich die Gegenspielerin zuführten, die gerade seiner Menschlichkeit das schlimmste Hemmnis werden sollte, ohne die geringste Ahnung von ihrer Wirkung auf Richard zu haben. Es ist in der Tat wie im Leben der Staaten zu jener Zeit: wird ein Anlauf genommen, der ins Hohe, Ideale, höhe seines Schaffens in Bayreuth Erstrebte führen soll, so tritt dem irgendeine Stofflichkeit entgegen, ein niederziehendes Gewicht hängt sich an die sich nach der Höhe Sehnenden und hemmt ihren Flug, so daß aus vielem Erträumten nur trüber Wirbel wird. Minna Planer, Schauspielerin, erst Geliebte, dann, nach vielen Zerwürfnissen, Betrügereien, Fluchten mit anderen Männern, trotz allem Gattin Richards, war vermutlich der Mensch, den er unbedingt hätte vermeiden mussen; aber natürlich fiel er mit seinem jugendlichen Ungestüm auf ihre körverlichen Vorzüge herein, glaubte wohl, einen seinem inneren Feuer in gleicher Stärke entgegenlohenden Brand zu finden— und war an eine zwar hübsche, aber gänzlich temperamentlose Frau gekommen, die so etwas wie eine bürgerliche Kokette gewesen zu sein scheint: sie wollte weiter nichts als eine gesicherte Existenz— wer sie ihr bot, mit welchen Mitteln sie dieses ihr Ziel erreichte, war ihr höchst gleichgültig. So gingen die Jahre in Magdeburg und Riga dahin, bis äußere Umstände jene abenteuerliche Flucht von Riga nach Paris veranlaßten, auf der der„Fliegende Holländer“ im Geiste geboren wurde. Der Nordseesturm hatte sich dem inneren Auf Schaukenlter kür die Frau N Diagonalstofte Sie bilden keine Sensation für uns, diese Stoffe, deren sich die Mode wieder lebhaft annimmt. Aber sie sehen und vornehm aus. Die schönsten Gewebe:„Hammerschlag" oder Afghalaine oder Craquelé oder wie sie alle heißen, mögen, sieht man sich einmal über. Und da bilden die Diagonalstoffe den ruhenden Pol. Wir alle hatten schon einmal ein Diagonalkostüm oder einen Mantel. Und doch tragen wir es wieder gern; denn wir sehen doch wieder ganz anders darin aus als in der früheren Diagonal=Bekleidung. Die neuen Stoffe sind viel weicher und schmiegsamer und ziemlich breitspurig. Man sieht davon ab, sie allzu streng zu verarbeiten, doch man gibt ihnen entweder einen kleinen sportlichen Charakter oder führt sie in sog. Schneidermaßarbeit aus. Für Kostüm, Mantel oder Mantelkleid gilt: die Röcke oder Rockteile haben keine gelegten Falten, sondern verlaufen alle in einer kleinen bescheidenen Glocke, um die Hüften dagegen sind sie streng auliegend. Das Kostüm, das ganz sportlich aus. sieht, hat breite durchgeknöpfte Nevers, ist ohne Kragen gearbeitet und hat einen festen Ledergürtel in natürlicher Taillenhöhe. Der Nock hat apart geschnittene Längstaschen, mit einem Knopf geschlossen. Die Einsteckbluse mit den kleinen Ballonärmeln gibt eine etwas luftige Note. Sie hat, wie die Jacke, keinen Kragen, dafür aber ebenfalls breite Nevers. Jabot und Aermel dieser lichten Bluse sind mit sontache. artigen Bändchen in der Farbe des Kostüms garniert. Was soll unsere Tochter werden? Von Dorette Frank In kurzer Zeit ist es wieder so weit, daß hunderte von jungen Mädchen den bedeutsamen Schritt von der Schulbank ins Leben tun, und seit geraumer Zeit schon finden Beratungen im Familienkreise über die Zukunft der Töchter statt. Vor zwanzig, dreißig Jahren hielten die Eltern oftmals eine besondere Berufsausbildung der Mädchen für unnötig, denn es geschah ja meistens, daß die Tochter sich verheiratete, wenn sie vielleicht gerade ihren Doktor oder ein abschließendes Examen gemacht hatte, und sie demnach gar nicht dazu kam, das in dem Studium erworbene Wissen auf einem entsprechenden Posten anzuwenden. Auch jetzt zögern die Eltern wieder, Geld in die Ausbildung ihrer Töchter zu stecken, nur hat sich der Grund geändert. Jetzt heißt es:„Wenn das Mädel ausgelernt hat, dann findet es doch keine Anstellung.“ Ueber die Not der Studierenden ist schon so viel geschrieben worden, aber auch wie viele Lehrlinge werden nach der dreijährigen Lehrzeit entlassen und liegen dann auf der Straße und auf dem Geldbeutel des Vaters! Nun, es ist auf alle Der elegant geschnittene Mantel ist aus beigefarbigem wollenem Diagonale, mit dunklem Pelz sparsam besetzt. Er hat einen einseitigen Nevers, raglanartig angeschnittene Aermel, die in Ellbogenhöhe— nicht unmotiviert— die 9 sehr in Mode gekommenen Knöpfe aufweisen. Der Rücken hat eine Passe in Zackenform, die sich oberhalb des Gürtels, der fest anliegt, wiederholt. Das Mantelkleid ist ein kleines Kunstwerk und bedingt außerordentlich guten Sitz. Es ist kapriziös geschnitten, betont sehr stark die Taille. Die einseitige Garnierung mit maronenfarbigem Caracul gibt dem naturfarbenem Mantelkleid einen eleganten Ton. Der Kragen ist drapiert und seine beiden Enden sind lose geschlungen. Auch hier will man auf Knöpfe nicht verzichten. Sie diene aher dem Zweck, das Kleid ganz eng um die Hüften zu schließen. Mannes einspringen, und viel Frauen, die den Mann verloren haben, erinnern sich dankbar daran, daß ihre Eltern sie einmal etwas lernen ließen, das sie jetzt praktisch verwerten können. Frage, welcher Beruf heute am wenigsten überfüllt ist, steht zwar bei der Berufswahl vorne an. Man sollte aber trotzdem die Eignung und besondere Reigung des Mädchens möglichst weitgehend berücksichtigen. Denn gerade Frauen sind mit ihrer ganzen Seele an der Arbeit beteiligt, und sie leiden darunter, wenn die Arbeit ihrer Eigenart entgegengesetzt ist. Auch die körperliche Befähigung spielt gerade bei der Frau eine ausschlaggebende Bedeutung. Nicht jedes Mädchen hält acht Stunden hinter der Schreibmaschine aus, und andere wieder sind nicht zu der schweren landwirtschaftlichen Arbeit fähig. Der Verlag Thienemann(Stuttgart) hat„Merkblätter für weibliche Berufsberatung“ herausgegeben, die sich mit 25 Frauenberufen beschäftigen, die keines akademischen Studiums bedürfen. Da die nichtakademischen Berufe in den meisten Fällen eine kürzere Ausbildungszeit aufweisen, und dementsprechend die Lehrjahre weniger kostspielig sind, werden viele Eltern ihre Tochter einem solchen Beruf zuführen wollen. Für das junge Mädchen, das sich für das Gebiet der Hauswirtschaft interessiert, kommt vielleicht in erster Linie der Beruf der städtischen Haushaltspflegerin in Frage. Er erfordert zwar eine fünfjährige Ausbildungszeit, bietet aber ein ungewöhnlich reichhaltiges Tätigkeitsfeld. In Familienhaushaltungen, in Krankenhäusern, Kinder= und Erholungsheimen, Erziehungsanstalten, Schulen, Sanatorien und Hotelbetrieben wird die Haushaltspflegerin gebraucht. Außerdem hat diese Ausbildung den Vorzug, auch für den Fall einer Heirat von Nutzen zu sein. Wer für das Ländliche schwärmt, kann Geflügelzüchterin, Gärtnerin oder Lehrerin der ländlichen Haushaltskunde werden. Ebenso kann der Beruf der Haushaltspflegerin den länd. lichen Verhältnissen entsprechend abgewandelt werden. Gute Aufstiegsmöglichkeiten dietet der Beruf der Kinderpflegerin. Das junge Mädchen, das als Kindergärtnerin angefangen hat, kann sich zur Kinderhortnerin, zur Jugendleiterin und zur Wohlfahrtspflegerin emporarbeiten. Die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin muß das junge Mädchen auch vorweisen, wenn es Polizeibeamtin werden will. Die Berufe der technischen Assistentin und der Chemotechnikerin erfordern eine wesentlich kürzere Ausbildung, nämlich 2½ bzw. 2 Jahre. Bei diesen beiden Berufen wie auch bei dem der Metallographin, der noch verhältnismäßig jung und daher ausbaufähig ist, werden gute Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik verlangt. Die Metallographin(Materialprüferin) kann bei hervorragenden Leistungen die Besoldung einer Akademikerin erlangen. Mädchen mit künstlerischer Begabung wenden sich gerne dem Beruf der Modezeichnerin, Photographin, Dekoratenrin, Gebrauchsgraphikerin zu. Diese Berufe bieten gerade tungen Mädchen die einen Namen zu ma mögen und eine geschickte Hand befähigt auch zum Beruf der Damenschneiderin und Damenfriseurin. Diese beiden Berufe verdienen es gar nicht, daß man sie, wie so oft, über die Achsel ansieht. Wenn nun auch in fast allen Berufen von Ueberfülmöglichkeiten bedeutend besser sind. Also ist den jungen Mädchen immer wieder zu raten, sich nicht an die Stadt zu klammern. Jungen im Haushalt Von Rose Wiegel Als ich noch klein war, hatte ich einen Spielkameraden, der von seiner Mutter sehr häufig vom Spielen weggeholt und zu kleinen Hilfeleistungen in der Küche und im Haushalt angestellt wurde. Das war für uns andere immer ein Anlaß zu endlosen Neckereien: Zwar ist der Fritz ein Junge, pflegten wir zu sagen, aber die zu Haus halten ihn für ein Mädchen— er muß ja Muttern sogar in der Küche helfen! Und ich entsinne mich dunkel, daß es auch Erwachsene gab, die dieses dauernde Anstellen des Jungen im Haushalt nicht richtig fanden. Wieweit das für damals das Richtige war, mag dahin. gestellt bleiben. Aber so viel steht fest: für heute ist es nicht mehr das Richtige! Viele Frauen sind heute direkt darauf angewiesen, daß ihnen— in Ermangelung des früher vorhandenen Personals— die Kinder, Jungen wie Mädel, im Haushalt helfen. Andere wieder, die im Beruf stehen, müssen sich sogar gänzlich auf Arbeitsteilung mit den männlichen Familienmitgliedern einlassen, und selbst da. wo jetzt noch genügend Mittel zur Anstellung von Personal zur Verfügung sind, weiß man nie, wie es in Zukunft in dieser Hinsicht sein wird. Daraus ist uns allen, arm wie reich, allmählich die Erkenntnis gekommen, daß heute ein Mensch um so besser mit dem Leben fertig wird, je vielseitiger er angelernt und orientiert ist. Und genau wie man die Mädchen niemals mehr einseitig zur Hausfrau erzieht, genau so wenig sollte man den Jungen zum„Nur=Berufsmenschen" und Geldverdiener der Familie erziehen. Und abgesehen davon: Warum soll ein Junge seiner vielgeplagten und arbeitsüberbürdeten Mutter nicht getrost ein bißchen im Haushalt helfen, da er doch Zeit dazu hat und da es doch seine Schwestern(die beide genau wie er aufs Gymnasium gehen) auch müssen? Aber natürlich muß das Helfen seitens des Jungen seine vernünftigen Grenzen haben. Man wird ihn nicht gerade zum Strümpfestopfen oder zum Wäschewaschen anstellen. Man wird ihm auch nicht, wenn's nicht unbedingt nötig ist, im ernsthaften Sinne die Kocherei überantworten. Sondern man wird ihn da anstellen, wo er mit seinen naturgegebenen Fähigkeiten nicht gar zu arg in Konflikt kommt: also beim Tischdecken und Abräumen, beim Einholen, beim Aufräumen, beim Staubsaugen, beim Teppichklopfen, beim Geschirrabwaschen und=abtrocknen und vor allem bei den vielen kleinen handwerklichen Dingen, die den meisten Jungen sogar Freude machen. Soll er doch getrost einmal versuchen, einen kaputten Kontakt in Ordnung zu bringen, ein schlecht funktionierendes Schloß zu reparieren, einen wackligen Schrank stabil zu machen, eine neue Schnur am elektrischen Bügeleisen anzubringen. Viele werden nun sagen: das alles sei ganz gut und schön, aber es bleibe für den Jungen eine Quälerei, weil er diese Arbeiten als unmännlich ansähe und weil gerade der Halbwüchsige auf die Wahrung seiner Männerwürde so bedacht sei. Das stimmt. Aber ist es nicht nur eine Frage der mütterlichen Diplomatie, der pädagogischen Taktik. den Jungen so auf diese Arbeiten hinzulenken, daß er darin ritterliche Dienste gegenüber der Mutter sieht? Ich finde immer: wie ein Mann bei der Verrichtung solcher angeblich weiblichen Hausarbeiten wirkt, hängt gar nicht von der Arbeit, sondern vom Manne selbst ab. Von seiner inneren Einstellung dazu, von seiner inneren Ueberlegenheit und von den Motiven, die ihn zum Verrichten einer solchen Arbeit veranlaßt haben. DIE PRAKTISCHE HAUSFRAU Erprobtes für den Alltag Mäuselöcher. Wenn man ein Mauseloch entdeckt hat, so füllt man kleine Glassplitter, die man aber ganz vorsichtig in einem Tuch zerklopft hat, hinein. Obenauf füllt man das Loch mit einem dicken Brei aus Gips. * Gummischuhe ausbessern. Etwas Kolophonium in Spiritus lösen und damit die schadhaften Stellen bestreichen. Man kann auch die durchlöcherten Stellen mit Terpentinöl bestreichen, ein Stückchen Kautschuk ebenfalls mit dem gleichen Oel bestreichen und auf die durchlöcherten Stellen legen. Dann muß man den Gegenstand 24 Stunden unberührt stehen lassen. Winke für die Küche Gewürze sollte man nie in pulverisierter Form kaufen, da häufig nicht nur die minderwertigen Sorten dazu verwendet werden, sondern auch allerhand verfälschte. Außerdem verlieren Gewürze in Pulverform ihren feinen oder auch scharfen Geschmack. * Erfrorene Kartoffeln nicht wegwerfen. Man bringt erfrorene Kartoffeln drei bis vier Tage vor Gebrauch in einen warmen Raum. Bei Gebrauch wässert man sie zunächst kalt. Man läßt sie dann ohne Wasser dämpfen. Aufzubewahrende Eier sind öfter umzustellen. Dadurch wird verhindert, daß das Gelbei an die Seite läuft und dadurch des Weißeies, das konservierend wirkt, entbehrt. Aerztliche Natschläge Nasenbluten. Der davon Befallene soll sich nicht legen, sondern aufrecht hinsetzen und einen oder beide Arme hochhalten, je nachdem das Blut fließt, d. h. den rechten, wenn das Blut aus dem rechten Nasenloch kommt, den linken, wenn die linke Seite ist, oder beide Arme, wenn es aus beiden Seiten Kaltes Wasser, mit Essig vermischt(einen halben Teelöffel auf ein Wasserglas) hochziehen, reine Verbandwatte in die Nasenlöcher stopfen, kalte Umschläge in den Nacken sowie auf Kopf und Herz legen. Rechtliche Fragen . Voll geschaftsfähig ist jede Person, die volljährig ist. Personen unter 21 Jahren können nur dann geschäftsfähig sein, wenn sie mündig erklärt wurden. Eine Heirat macht nicht mündig. Beschränkt geschäftsfähig sind Minderjährige, Entmündigte oder unter vorläufige Vormundschaft Gestellte. Geschäftsunfähig sind Kinder unter 7 Jahren und Geisteskranke. Ebenfalls geschäftsunfähig sind für die Dauer der Trunkenheit sinnlos betrunkene Personen. eshond unsurh anf ücher u. ulr ehurgte iu saneren Eltern und Kinder Entweder fürchten die Eltern ihre Kinder oder die Kinder fürchten ihre Eltern. Da nun der Machtwille der Jugend oft die Lebe überwiegt, lebenserfahrene Eltern aber wohl nur in ganz seltenen Fällen ihre Kinder tyrannisieren, schon aus Furcht, sie zu verlieren, ist es zweifellos besser, wenn die Eltern sich in Respekt zu setzen wissen. Das verbietet aber den Verkehr auf gleicher Basis. Die Mütter, die aus Eitelkeit durch womöglich noch kürzere Röcke, noch grellere Lippenbemalung für die Schwestern ihrer Töchter gehalten werden wollen, werden diese Verwischung der Generation zu büßen haben. Bei Gicht, Rheumatismus, Nervösltdt usw. bringe meine elektro-therapeutische Stanserbäder in empfehlende Erinnerung Hermannsbad Kann es auch keinem Zweifel unterliegen, daß wir nicht früh genug an Verzicht und Enttäuschungen gewöhnt werden müssen, so ist es doch ganz salsch, wenn Eltern ihre Versprechen nicht halten. Auf sie müssen die Kinder bauen können wie auf Feisen. Sonst ist mit der Einbuße an Vertrauen weit mehr verloren, als durch den erzieherischen Wert des Versagens gewonnen. handarbeitskursus Von jetzt ab ertelle ich wieder jeden Dienstag- u. Freitagnechmittag Hand arbeitsunterricht. M. Kllage, Hermannstraße 35. Etwa mit dem zwanzigsten Lebensjahre bezw. im unmittelbaren Anschluß an das Gymnastum drängt jeder junge Mann vom Elternhause fort. Er sieht nur noch dessen wirkliche oder vermeintliche Schattenseiten und ist überzeugt, alles auf eigene Faust beser machen zu können. Denn unsere Kinder ind unsere strengsten Richter. Man wird etzt gut daran tun, die Zügel schleifen und eine Kinder möglichst bald üdle Erfahrungen ammeln zu lassen. Verfehlt wären Gängeungsversuche und das Bestreben, ihnen tüchtige Beulen zu ersparen. Dann werden sie aus freien Stücken wieder Anlehnung an die Eltern suchen, da sie nunmehr aus eigener Erfahrung wissen, daß sie dort einen finden, der ihnen in der Welt fehlt. Sünde Ich strecke die Hände aus, und sie sind da, die Menschen, die ich brauche. Sie sind immer da. Für jeden sind sie da. Aber man muß die Hände hinhalten und warten. Als ich klein war, hatte ich Angst im Dunkeln. Ich häte meine Hände ausstrecken sollen nach meiner Mutter. Aber ich schämte mich. Darum machte ich abends die Tür meines Zimmers ein klein wenig auf— und wartete. Und jeden Abend, nach ganz kurzer Zeit, hörte ich ein kleines winziges Trippeln auf der Treppe. Das war mein Hund. Ob der meine Angst und mein Warten spürte? Mit seinem kleinen zottigen Kopf schob er sich durch den Türspalt und, wie verabredet, damit es keiner merkte, lehnte er die Tür mit der Pfote wieder an. Und schlüpfte leise unter mein Bett. Die kluge Hausfrau kauft ihren nur in dem altbekannten Geschdft J. Kaul Immer, wenn ich die Hände ausstreckte, waren sie da: Eltern, Geschwister, Freunde. Und dann eines Tages spürte ich eine Hand, die sich ausstreckte, eine Hand, die mich suchte Seitdem hat man hinhorchen gelernt auf Hände, die leer sind— offen, bittend, aber stumm. Wenn man doch Zeit hätte! Und immer die Liebe, die der andere erwartet. Ich weiß, daß am Ende meines Lebens unendlich viele Hände auf mach deuten werden, weil ich sie nicht ergriffen habe, als sie nach mir tasteten. Aber ein paar starke, liebe treue Hände sind da, die ich immer gestreichelt habe. Hände, die mich gehalten, wenn ich schwankte, gute, starke treue Freundeshände. Kleine, liebe Kinderhände— feste, unbeholfene Knabenhände. Frauenhände und Hände starker Manneskraft. Hände, die beredte Sprache sprechen von zartester Empfindung, Männerhände, die Liebe hauchen. Ich strecke meine Hände aus, und sie sind da...“ wenn ich die andere Hand spüre, kann ich nie einsam sein. Kind und Geld Kinder sollen Taschengeld haben— Kontrolle der Ausgaben durch die Eltern— Das VerAetvoriassnu Dito gewedl. Die Frage des Taschengeldes für Kinder ist immer viekunstritten worden. Die meisten Eltern stehen aber wohl auf dem Standpunkt, daß es ganz gut ist, die Kinder beizeiten daran zu gewöhnen, daß sie selber über etwas Geld verfügen können. Dem wichtigen Vorteil gegenüber, daß sie auf diese Weise früh mit Geld umgehen lernen, fällt der Umstand An"*— Mein Taschengeld, und die Kinder setzten auseinander, wie sie ihr Taschengeld anwandten. Eine Dreizehnjährige erging sich außerdem in Betrachtungen über den Wert des Sparens und kam zu der Schlußfolgerung, daß es sehr günstig sei, etwas zu sparen, daß die meisten Menschen dazu bei diesen schlechten Zeiten aber nicht die Möglichkeit hätten.„Wir Kinder, die drei Mark Taschengeld monatlich haben, versuchen bisweilen etwas zu sparen, und zwar sparen wir meistens für die WeihDas geht im Sommer eiaber im Winter ist es viel öchte man Schlittschuh lausen und das kostet Geld, oder man ist zu einer Freundin eingeladen und muß mit der Straßenbahn fahren, und das kostet auch Geld. Deshalb ist es sehr schwer, zu sparen, wenn man eine Sparbüchse hat, aus der man das Geld so leicht herausnehmen kann wie aus meiner. Es wäre ganz gut, wenn man eine Sparbüchse hätte, aus der man das Geld nitch herausnehmen kann und eine andere, aus der man es herausnehmen kann.“ Kindern sehr reichlich Taschengeld zu geben, ist natürlich falsch, aber zwei, drei Mark monatlich sind vom erzieherischen Standpunkt aus durchaus zu verteidigen. Vor allem müssen die Eltern sich darum kümmern, wofür das Kind das Geld ausgibt. Die kleine Dreizehnjährige het schon recht mit ihrem Stoßseufzer: man sollte ihnen wirklich eine Spardüchse geben, die zertrümmert werden muß, wenn man etwas herausnehmen will. Dann kann eine wirkliche Einteilung geschafsen werdene; in die Sparbüchse kommt das Geld, das das Kind von seinem Taschengeld für besondere Zwecke sparen möchte, während es die Summen zurückbehält, die es für seine kleinen Bedürfnisse und Vergtungen ausgeben will. Die Kinder müssen sich ein paar ste, Federn, Löschblätter, Gummi, Bleistifte und anderen kleinen Schulbedarf kaufen können, auch die kleinen Geburtstagsgeschenke für die Freunde und Freundinnen sollen bestritten werden. Aber das Kind muß unbedingt dazu angeholten werden, Buch zu führen über die kleinen Ausgaben, so daß die Eltern sie jederzeit nachprüfen können. Mogelei bei dieser Buchführung, die natürlich vorkommt, muß bestraft werden, denn sie kann den Grund zu schlimmen Dingen legen. Man kann beobachten, daß diese Buchführung, die ja zunächst fast wie ein Spiel ist, dem Kind selher Spaß macht, wie auch die Freude am Ersparten zu den angeborenen Eigenschaften fast aller Kinder gehört. Dies alles soll man unterstützen, denn damit unterstützt man ja nicht den materiellen Hang des Kindes, sondern man macht es einfach nur lebenstauglich. Das Leben verlangt von uns, daß wir jeden Groschen zweimal herumdrehen und uns genau überlegen, wofür wir ihn verwenden. Auch das Kind muß sich überlegen, ob das, wofür es das Geld weggeben will, wirklich wichtig und wnschenswert ist. Kinder, die alles Geld nur für Näschereien und Kinobesuch ausgeben, sind in keinem guten Fahrwasser, und die Eltern sollten beizeiten eingreifen. An sich gibt es jedem Kind eine Art Verantwortungsgefühl, wenn der Vater ihm Geld anvertraut. Es fühlt sich gewissermaßen in die Reihe der Erwachsenen gerückt, und bald stellt sich der Wunsch des Kindes ein, selber etwas hinzu zu verdienen. Das tut es, indem es zum Beispiel keinen Zucker mehr m Kaffee nimmt und sich für die Enthaltmkeit von der Mutter ein paar Pfennige nken läßt; gute Zenfuren dringen ja auch meistens einen Extragroschen in die Sparbüchse, und manche Eltern haben schon die Arbeitslust ihrer Kinder sehr angeregt, indem Für den Abend. Statt des Jäckchens oder Capes trägt man jetzt meistens Fichukragen aus steifem Seidenorgandy mit Volantschmuck; auch die Blume am kleinen Jäckchen des schlichten Ballkleides ist aus diesem Material. Die neuen Farben sind zitronengelb mit burgunderrot, eine„alte“ Farbenzusammenstellung der Empirezeit. Werkhalbjahr für Abiturienten Ziel, Rdee. Organtsation und Durchfübrungsverfahren Verchromte mit nichtrostenden Klingen. Moderne Muster Friedrich Holting, Blomberg Der Gedanke des freiwilligen Werkhalbjahres für Abiturienten, der seit längerer Zeit die zuständigen Regierungsstellen beschäftigt hat, ist nun zum erstenmal für das Jahr 1933 zur Wirklichkeit geworden. In einem am 29. Januar 1933 vom Reichsminister des Innern und vom Reichskommissar für den freiwilligen Arbeitsdienst hera##sgegebenen Merkblatt sind Ziel, Idee, Organisation und Verfahren für die Durchführung des erstmaligen Versuchs dieser Einrichtung niedergelegt worden. Die Teilnahme am Werthalbjahr steht allen Abiturienten offen, die Ostern 1933 zur Entlassung kommen. Es soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, vor Uebertritt in die Hochschule oder vor Eintritt in den Beruf für die Tauer eines halben Jahres am Arbeitsdienst und Geländesoort teilzunehmen. Die Meldung zum Werkhalbjahr ist freiwillig, doch verpflichtet sich der Abiturient mit dem Diensteintritt, bis zur ordentlichen Entlassung am Werkhalbjahr teilzunehmen. Die Meldungen zum Werkhalbjahr sind von den Teilnehmern möglichst bis zum 11. März, spätestens bis zum 1. April 1933 an die Arbeitsämter oder an die bei den einzelnen Hochschulen gebildeten Bünde für den freiwilligen Arbeitsdienst und Akademikerhilfe zu richten. Der Dienst für das freiwillige Werkhalbjahr beginnt am Mittwoch, 19. April, und endet am Sonnabend, 30. September. In den ersten vier Monaten werden die Abrturienten in den freiwilligen Arbeitsdienst eingegliedert. Sie treten ohne besondere Vorbereitungsmaßnahmen in den Arbeitsdienst ein, denn das freiwillige Werkhalbdes freiwilligen Arbeits; sechsstündige körper en jahr will den Abiturienten bewußt machen daß in der eigenen Lebensgestaltung der freiwillige uneigennützige Dienst am Volk und an der Gemeinschaft an erster Stelle stehen soll. Die Teilnahme am freiwilligen Arbeits dienst soll den Abiturienten den Sinn praktischer Arbeiten, den Zusammenklang körperlicher und geistiger Tätigkeit, die Verbunden; heit mit Boden, Heimat und Nation bewußt machen. Im Mittelpunkt des dienstes steht die liche Außenarbeit mit Hacke u Schaufel. Die Teilnahme am Geländespor soll den Abiturienten in den Wehrgedanke einführen, und jede praktische Uebung soll ihn zum wehrhaften Mann erziehen. Nodungen, Entwässerungen, Bodenverbesserungen, Bau von Verbindungswegen und Mithilfe bei Ansiedlungen von Bauern sind die Haupttätigkeitsgebiete für die körperliche Außenarbeit. Die Teilnehmer sind in Arbeitslagern zusammengefaßt. Die Unterbringung ist einfach; es stehen hierfür Baracken, Forst= oder Gutshäuser, Jugendherbergen und leerstehende Gebäude zur Verfügung. Die Verpflegung wird im Lager zubereitet. Die Kosten für die Durchführung des freiwilligen Werkhalbjahres(einschl. Bekleidung, Verpflegung und Versicherung) werden vom Reich übernommen, nur die Reisekosten sind vom Teilnehmer selbst zu tragen. Auch den Abiturientinnen ist während der Dauer des Werkhalbjahres Gelegenheit geboten, gemeinnützig im freiwilligen Arbeitsdiens tätig zu sein. sie ihnen für jede Eins oder Zwei einen kleinen Geldbetrag versprachen. Dann ist die Freude doppelt, nicht nur über die gute Nummer, sondern auch über den klingenden Lohn. Man soll nicht sagen, daß diese Art des Ansporns falsch sei— es gibt viele Kinder, denen as Lernen an sich nicht viel Spaß macht,— winkt ihnen aber eine Belohnung, so geben sie sich deswegen viel Mühe und haben den doppelten Vorteil: einerseits bekommen sie etwas Geld, das sie nach ihrem Wunsch und Willen anlegen können, anderseits vermehren sie ihr Wissen und werden mit der Zeit wirklich gute Schiller. S Kaufen auch Sie den guten fecker-Kaffee Dellere Kaffee-Mitbungen Kaffeerodan:. d 60 50 Pb. Hermann Sfecker Defmold, Lange Str. 70. Tel. 2108 gegenüber dem Eichtfpleldaus Die Frage: Taschengeld oder nicht, sollte also immer, wenn man überhaupt in der Lage ist, Taschengeld zu geben, in bejahendem Sinne entschieden werden. Es macht den Kindern nicht nur viel Freude, sondern kräftigt ihr Verantwortlichkeitsgefühl und ihre Selbständigkeit. Mit Rat und Tat Das hilfreiche Bienenwachs. Wir alle wissen den Geruch der Wachskerzen zu schätzen, machen un saber sonst das Bienenwachs nicht zu nutze, und doch kann es sich in mancher Hinsicht hilfreich erweisen. Haben wir zum Beispiel Schubladen, die sich schwer öffnen lassen, so braucht man nur die Ränder der Schublade mit Bienenwachs einzureiben, und der Schaden ist behoben. Das gleiche Mittel wendet man an, wenn Fenster oder Türen sich klemmen. Wenn man beim Nähen den Faden etwas wachst, wird er sich niemals verschlingen oder verknoten. Besonders vorteilhaft ist es auch, beim Aufziehen von Perlen gewachsten Faden zu verwenden, da dieser viel besser hält. E. Rodemald das Blemberger Bettenhaus bekannt als gut und billig, emplichlt seine langjährig bewährten Qualitdten in Inletts, Bettiedern und Daunen Bettenkauf ist Vertrauenssuche! Ist die Suppe versalzen? Da die meisten Frauen beim Kochen die Zutaten nach Gutdünken nehmen, kann es auch der erfahrensten passieren, daß sie zuviel Salz an ein Gericht tut, so daß es dadurch fast ungenießbar ist. Denn abgesehen davon, daß ein übermäßig geslazenes Gericht nicht schmeckt, ist es auch dem Organismus nicht zuträglich. Man kann bei versalzenen Suppen aber dem Schaden leicht abhelfen, indem man eine große Kartoffel durchschneidet und die Stücke in der Suppe 15 Minuten kochen läßt. Man nimmt dann die Kartoffel heraus, die das Salz aufgesogen hat, und die Suppe wird schmackhaft und genießbar sein. Iöre Frisur ob Kurz- oder Langhaar, ist der Rahmen des geistigen Ausdrucks. Individuelle Behandlung in den Haaretiegeräumen Höcker gegenüber der Post. Fernrut 8235. Wie behandelt man Schnittblumen? In den Wintermonaten, wenn Schnittblumen sehr teuer sind, haben wir deshalb doppelt den Wunsch, sie möglichst lange frisch zu erhalten. Zuweilen sehen die Blumen— Flieder und Rosen— schon gar nicht mehr frisch aus, wenn wir sie bekommen, dann können wir sie durch ein einfaches Verfahren schon wieder lebendig machen. Man schneit die Stiele unten ein Stück ab und taucht sie dann in heißes(nicht kochendes) Wasser. Alle Blätter, die unterhalb der Oberfläche des Wassers sind, muß man entfernen, weil sie nur das Fauligwerden des Wassers besleunigen. Das Wasser in den Vasen ist täglich zu erneuern, ebenso ist jeden Tag ein kleines Stück vom Stengel abzuschneiden. In der Nacht soll man die Blumen immer in einen möglichst kühlen Raum stellen. Noch besser ist es, wenn man die Blumen aus den Vasen nimmt und in ganz tiefe Gefäße mit Wasser stellt, so daß nur die Blumen selbst an der Oberfläche sind. Dieses Bad wirkt meist sehr erfrischend. Die Blütenblätter selbst muß man aber vor Feuchtigkeit schützen, darf sie also auch nicht mit Wasser besprengen, während die Blätter für ein Bespritzen mit lauwarmem Wasser sehr empfänglich sind. Legt man ein Stück Holzkohle in die Vasen, so begünstigt das das Frischbleiden des Wassers. Will man Knospen zum Aufblühen bringen, so hat eine Beimengung von Kochsalz schon oft gute Dienste getan. Für schlapp gewordene wertvolle Blumen kann eine Tablette Aspirin oder Pyramidon sich günstig erweisen. 1 Unterbaltung Enttäuschungen in Sowjetrußland Schwierige Lage deutscher Bergleute in Sibirien In den sibirischen Kohlengruben herrscht großer Mangel an Arbeitskräften, insbesondere an guten Häuern. Das veranlaßte den Trust„Kushassugol“(Kusbaß=Kusnetzk Bassin, ugol Kohle) in Nowosibirst zu stärkeren Anwerbungen im Ausland, vor allem in Deutschland. Im Rhein=Ruhr= revier und in Oberschlesien traten bislang unbekannte Werber auf. die in Versamm r. schilberten. Ihn den Löhne von 300—350 Rubel monatlich „nachgewiesen“. Der Rubel habe auch in der Sowjetunion einen Goldwert von 2,1 RM. ein Steiger verdiene dort 450 Rubel monat lich, die ebensoviel wert seien wie in Deutschland rund 900 RM. usw. usw. Derart günstige Erwerbsaussichten, an die unsere durch lange Arbeitslosigkeit und andere Ursachei verbitterten Vergleute blindlinge glaubten, bewogen sie, je nach den vorhandenen Mitteln, mit der Bahn, auf Fahrrädern oder zu Fuß nach Berlin zur Sowjethandelsvertretung zu eilen, um ja nicht zu spät zu kommen, ihre Dienste anzubieten. Nur die Klügeren folgten dem Rat der Werber, die Familie gleich mitzunehmen, nicht. Keiner hat eine Auswandererberatungsstelle oder ein Arbeitsamt befragt, damit ihr Vorhaben nicht ruchbar werde und sie niemand hindere, nach der„Heimat der Werktätigen“ zu gelangen. Erst die mehr oder minder schweren Enttäuschungen an der Arbeitsstelle öffneten ihnen den Mund als es längst zu spät war. Solchermaßen haben sich allein in den Monaten Oktober und November v. J. in langsam anschnellendem Zuge über 600 deutsche Vergleute verleiten lassen, nach Sibirien auszureisen, etwa zur Hälfte mit Frau und Kindern, deren Kopfzahl ungefähr ebenso hoch ist. Nach der Ankunft in Nowosidirst wurden sie vom Trust„Kusbassugol“ auf dessen verschiedene Zechen im Kusnetzk=Gebiet weitergeschoben. Auf der Arbeitsstelle setzte die unvermeidliche Ernüchterung ein. Bei manchen war die Enttäuschung von vornberein so groß, daß sie die Arbeitsstelle nach kurzer Zeit verließen, um nach Deutschland zurückzukehren. Das ist aber bioher nur wenigen gelungen, die übrigen sind aus verschiedenen Gründen gezwungen, einstweilen auszuharren und ihr hartes Los zu tragen. Nach übereinstimmenden Angaben der Bergleute seien ihnen auch im SpezialistenBüro der Berliner Hondelsvertretung die Verhältnisse in rosigem Lichte geschildert worden. Vorsichtig geäußerte Zweifel hätte man zu beschwichtigen gewußt. Daraufhin hätten sie ihre Unterschrift unter einen angeblich nur russisch gedruckten„Kollektiv= Vertrag“ gesetzt, von dessen Inhalt alle nur wußten, daß sie die Fahrtkosten ab Sowjetgrenze nicht mehr zu bezahlen brauchten, in der Sowjetunion zu denselben Bedingungen wie die russtschen Genossen arbeiten würden, aber einen Mindestschichtlohn von 5.75 Rbl. haben sollten. Solche verhältnismäßig noch günstigen Verträge wurden aber nur eine Zeitlang abgeschlossen. Die übrigen Bergleute wurden veranlaßt. ohne Vertrag euszureisen. Was das zu bedeuten hat, wird weiter unten ins rechte Licht gerückt. Die Hauptbeschwerden ser deutschen Bergleute in Sidirien richten ich weniger gegen die Unterkunft als gegen die schlechte und teure Verpflegung und die sich daraus ergebende unzureichende Entlohnung. Vom billigsten Essen in der Werksantine kostet ein Frühstück(Butter für 2 Schnitten Brot 50 Kopeken, Käse für 2 Schnitten 50 Kop., Tee 5 Kop., Brot underechnet) 1.05. ein Mittagessen(Teller Suppe 30 Kep., Fleischgericht 40—60 Kop., Nachneise— Buchweizengrütze— 20 Kop., Tasse Kassee 15 Kop.) 1,05—1,25 Nbl., ein gleiches Übendessen dasselbe. Die drei täglichen Nahlzeiten kosten also mindestens 3,15 Nbl. Las Essen sei oft widerwärtig schlecht und werde gegen Eßmarke— je Esser eine Marke— in Portionen verabreicht, die für körperliche Schwerarbeiter meist zu klein seien. Wer sich hintenherum eine zweite Eßmarke besorgen könne, müsse einen höheren vollen) Preis zahlen. Nun verdient ein deutscher Bergmann mit Kollektivvertrag bei einem Schichtlohn von 5.75 Abl. X 25 Arheitstage 143.75 Rhl. monatlich. Nach Abzug des billigsten Essens mit 3.15 Rbl. X 30 Toge= 94 50 Rbl. bleiden nur 49 25 Rbl. für zusätzliche Nahrung und die Befriedigung aller anderen Bevürfnisse übrig. ein Betrag, mit dem bei den hohen Preisen für alles recht wenig anzusangen ist. Des er„Ihnle Einkommen reicht mit größter Müh: für eine Person, geschweige denn für eine Kamlis=. Die Bergleute ohne Vertrag. die den russischen Genossen rollends gleichgestellt sind. verdienen aber bei harter Arbeit nur 1 bis 3 Rbl., mitunter gar nur 80 bis 90 Kopeken je Schicht jje nachdem wie der Steiger die Arbeit bewertet. Jede einzelne Areit, wie das Hauen eines Loches, Setzen von Holz usw. wird besonders berechnet. Sie müssen als Schwerarbeiter oft oder meistens auf den regelmäßigen Genuß warmer Speisen verzichten und wie ihre russischen Genossen, von trocken Brot und Tee leben. Da dieses kärgliche Einkommen nicht einmal für eine Person ausreicht, kann man sich die Notlage der Familien lebhaft vorstellen. Selbst unentbehrliche Bekleidungsgegenstände mußten veräußert werden, um das nackte Leben zu fristen. Und das angesichts des rauhen sibirischen Winters. wo wochenlang Kältegrade von 30—50 Grad Celsius herrschen! Die erforderlichen Schafspelze wurden nicht geliefert; sie sind auch für solche Einkünfte unerschwinglich. Die nach Sibirien ausgewanderten Bergleute hungern und frieren. Sie haben sich allgemein davon überzeugen müssen, daß eine Bergmannsfamilie mit 50 RM. monatlich Erwerbslosenunterstützung immer noch besser leben kann als in der Sowjetunion mit vollem Arbeitseinkommen. Das sollten sich alle arbeitslosen Bergleute in Deutschland, die ihre Blicke sehnsuchtsvoll nach der „Heimat der Werktätigen“ richten, ernstlich vor Augen halten, damit sie nicht dem gleichen Schicksal anheimfallen! Hochzeitszeit im Tierreich Antipathie und Sympathie— Glückliche Brautpaare— Anzarte Anknüpfung es 1 10 Fast nie sind die Tiere interessanter zu beobachten, als wenn sie zu ihrer Vermählung schreiten. Man kann selbst in den Zoologischen Gärten sohr hübsche Beobachtungen machen. Es gibt nämlich unter den Tieren genau so gut Antipathie und Sympathie wie bei den Menschen, und diese Gefühle äußern sich oft nicht weniger stürmisch, ja können sogar weit verhängnisvollere Folgen haben. Im Zoo weiß man ganz genau, daß nicht genügt, zwei ausgewachsene Tiere sammenzubringen, um ein glückliches El paar aus ihnen zu machen. Die Schwierig keit ist aber, vorher die Gefühle des„Braut paares“ zueinander festzustellen. Die Liebe auf den ersten Blick ist ja nichts Ungewöhnliches, ebenso oft kommt aber auch Haß auf den ersten Blick vor, und dieser artet meist in Tätlichkeiten aus, die häufig den Tod des einen Partners zur Folge haben. Da das aber nicht der Endzweck des Unternehmens ist, muß man sehr vorsichtig zu Werk gehen und die Parteien erst langsam miteinander bekannt machen. Deshalb werden die beiden Tiere zunächst in angrenzenden Käsigen untergebracht und können sich einige Tage lange durch das Gitter miteinander anfreunden. Wenn diese Unterbringung nicht möglich ist, wird das eine der Tiere in einen transErdbeben sind in Deutschland selten Die Arfache des Süddeutschen Bebens— Naturerscheinungen beim Erdbeben von 1914— Wir haben die meissen Seismographen Nach langer Pause hat es in Deutschland wieder ein größeres Erddeben gegeben. Allerhand Zerstörungen sind angerichtet worden. Die Bevölkerung wurde in den besonders betroffenen Ortschaften von einer wahren Panik erfaßt. Schornsteine stürzten ein, an den Häusern bildeten sich breite Risse und viele Schaufenster zersplitterten mit lautem Getöse. Das erste Beben dauerte zwei Minuten und konnte nicht nur von sämtlichen deutschen, sondern auch von den meisten ausländischen Erdbebenwarten registriert werden. Der Karlsruher Seismograph ging infolge der heftigen Erschütterung in Trümmer. Mit anderen größeren Erdbeben, etwa mit dem von Calkidike verglichen, ist das süddeutsche Beben verhältnismäßig harmlos und unbedeutend Trotzdem ist es aber ungewöhnlich interessant und dies zwar wegen seiner großen Seuenheit in Deutschland und wegen seiner Ursache. Die Ursache des füddeutschen Bebens ist nämlich keineswegs vulkanischer, sondern einwandfrei tektonischer Natur. Es ist in erster Linie auf die abnormen Witterungsverhältnisse zurückzuführen, wie sie in den letzten Wochen nicht nur in Süddeutschland, sondern auch im ganzen Reich herrschten. Die starke, tiefgehende Durchfeuchtung der Erdschicht nach monatelanger anormaler Trockenheit ist viel zu plötzlich vor sich gegangen, um nicht gewisse Erschütterungen und Verlagerungen auszulösen. Der Vergleich mit dem letzten, größeren Erdbeben in derselben Gegend Deutschlands liegt nahe. Das war im Jahre 1911 und zwar im Spätherdst, am 16. November. Das damalige Erdbeben war freilich bedeutend stärker als das jetzige, sein Radius war auch viel größer, er reichte bis Wien, wo in der kaiserlichen Hofburg ein paar Bilder von den Wänden fielen. Ganz Bayern spürte es aufs heftigste, es gab eine Panik ohnegleichen denn das Beben ereignete sich mitten in der Nacht. Besonders interessant waren damals einige Naturerscheinungen, die das Nahen des Bebens anzukünden schienen. So wurde übereinstimmend berichtet, daß in der Erdbebennacht der Bodensee so regungslos und spiegelglatt dalag, wie man ihn seit Menschengedenken nicht gesehen hatte. Kaum eine Welle bewegte sich auf ihm. Kein Hauch herrschte in der Natur, es herrschte eine fast absolute Stille. Viele Tiere bewiesen, daß sie über empfindlichere Sinne verfügten, als die Menschen. Besonders unruhig waren überall die Hunde, aber auch das Vieh in den Ställen benahm sich höchst Die Zerstörungen nahmen im Jahre 1911 bedeutend größeren Umfang an als diesmal, wenngleich sich auch keine größere Einsturzkatastrophen und dergleichen ereigneten. Erdbeben sind, wie schon erwähnt, ziemlich selten in Deutschland. Es ist eigentlich nur das badische und südbayerische Land, das bisweilen von kleineren tektonischen Beben, meist recht harmloser Natur heimgesucht wird. Deutschland ist in dieser Beziehung ziemlich beneidenswert dran, denn Frankreich zum Beispiel erlebt fast jedes Jahr einige kleinere und mittlere Erdbeben, von Italien, einem der klassischen Erdbebenländer, ganz zu schweigen. Es ist übrigens interessant, das Deutschland im Durschnitt die meisten Seismographen hat, mehr, als Frankreich und Italten zusammen. Man will ihn nicht verhaften In einer französischen Polizeiwache spielte sich dieser Tage eine merkwürdige Szene ab. Ein Landstreicher hatte sich, wie viele seiner Berufskollegen das tun, ausgedacht, daß es für den Winter kein besseres und sicherers Interkommen gäbe als das Gefängnis. Denn der vorige Winter, den er in einem Armenhaus verbrachte, hatte sich als unerfreulich erwiesen; er hatte nämlich schließlich mit seinem Stubengenossen Streit bekommen und war deshalb von dannen gezogen, lange ehe die Landstraße ein auch nur halbwegs angenehmer Aufenthalt war. In diesem Jahr gedachte er es praktischer anzufangen. Er remvelte einen Schutzmann an und beschimpfte ihn gröblich, aber der Schutzmann tat ihm nicht den Gefallen, ihn zu verhaften, sondern beachtete ihn gar nicht und ging ruhig seines Wegs weiter, als wäre nichts geschehen. Nachdem dieser erste Versuch mißlungen war, ging der Landstreicher auf das nächste Polizeibüro führte hier allerlei freche Reden und fiel den Beamten schließlich so lästig, daß sie ihn kurzerhand hinauswarfen, aber verhaftet hatten auch sie ihn nicht. Da nahm er einen Stein u. zertrümmerte damit eine Straßenlaterne, ging zu zu einem Schutzmann und gab an, daß er die Laterne zertrümmert habe. Der Schutzmann nahm ihn zur Feststellung seiner Personalien mit zur Wache, und der Landstreicher freute sich, aber zu früh, denn kaum hatte er sich von der Laterne entfernt, als ein Auto dagegen fuhr und den ganzen Pfosten umbrach. Gleichzeitig mit ihm wurde also auch der Automodilist zur Wache gebracht und erklärte sich sofort bereit, den entstandenen Schaden zu ersetzen; er wollte nichts davon hören, daß man den Landstreicher wegen des zertrümmerten Glases bestrafte, und um eine Hoffnung ärmer mußte dieser auch diesmal wieder von dannen ziehen. Die Gefängnisse scheinen ihn unter keinen Umständen haben zu wollen. Der Here Professor Der Herr Professor fährt mit seinem Wa gen bei der Garage vor, schließt auf und findet den Platz leer. Hals über Kopf stürzt er wieder in sein Auto zurück und rast zum Polizeipräsidium. „Mein Wagen ist mir gestohlen worden!“ ruft er aufgeregt. Nach zwei Minuten kehren die Beamten zurück.„Ihr Wagen steht vor der Tor“, me! den sie. „Großartig haben Sie das gemacht", sagt der Herr Professor.„Und wo ist der Dieb?“ portablen Käfig gesetzt und auf diese Weise in den Käfig des andern Tieres gestellt. Solche Vorsichtsmaßregeln sind natürlich bei den gutartigen Tieren nicht nötig, denn von ihnen kann man nicht annehmen, daß das eine dem andern an die Kehle fährt, selbst wenn es nicht entzückt von seinem Partner sein sollte. Bei allen Katzenarten ist aber große Vorsicht geboten. Am allergefährlichsten ist die Paarung wohl bei dem Jagdleopard, der nicht nur faucht und brüllt, sondern wenn er den Partner nicht mag, so ernsthaft zum Kampf übergeht, daß nur sofortige Scheidung den einen der beiden Gegner vor dem Tod bewahrt. Auch Rinder sind in manchen Fällen sehr kampflustig, sie beginnen bisweilen ihre Ehe mit einem heftigen Kampf, und es kommt vor, daß auch schnell herzueilende Wärter, die mit Stöcken die Tiere zu bändigen versuchen, nichts mehr ausrichten. In einem Fall lag die„Braut“ schon nach wenigen Minuten am Boden; die Hörner ihres Gemahls hatten ihr den Leib zerrissen. Auch bei den Hirschen ist die Ehe kein Wandeln auf Rosen, denn die männlichen Tiere stoßen die weiblichen ganz tüchtig und traktieren sie alles andere als sanft. Manche Ehe läßt sich zunächst ganz gut an, aber sehr bald gehen die Tiere dazu über, i9h zu beißen und zu stoßen, und es bleibt in hem Falle nichts weiter übrig, als sie beizeiten zu trennen, ehe ihre Abneigung allzu krasse Formen angenommen hat. Bisweilen ist die Entwicklung natürlich auch umgekehrt. Auch hier liegt der Vergleich mit den menschlichen Ehen nahe. So war es bei einem Nilpferdpaar. Den Bräutigam sehen und wie eine Wilde auf ihn losstürzen war für die„Braut“ eins. Sie stieß ihn zunächst in den Teich und jagte ihn dann so lange herum, bis er erschöpft zusammenbrach. Schließlich aber gewöhnte sie sich an seinen Anblick und wurde eine gefügige Gattin. Unter den Pavianen sind die Weibchen knapp, deshalb sind die Ehegatten von großer Eifersucht erfüllt und oft wird ein„Hüter“ bestellt, der auf das Weibchen aufzuvassen hat. Man kann beobachten, wie das Weibchen hinter ihrem gestrengen Eheherrn hertrottet, während ihr auf den Fersen die Leibwache folgt. Es gibt aber auch im Tierreich eingefleischte Junggesellen und Junggesellinnen. Man weiß von einer Tigerin, die für gewöhnlich ein ganz gefügiges und sanftes Tier war, daß sie vollkommen die Herrschaft über sich verlor, wenn man versuchte, ihr einen Bräutigam nahe zu bringen. Bei einer Aeffin ging die Abneigung gegen das männliche Geschlecht und die Ehe so weit, daß sie, sobald Miene gemacht wurde, sie zu verheiraten, einen regelrechten Hungerstreik antrat. Sie nahm erst wieder Nahrung zu sich, wenn der gefährliche Partner außer Sicht war. Kreuzworträtfet □ S 20 Bedeutung der einzelnen Wörter. a) von links nach rechts: 1. deutsches Gebirge, 6 Schelle, 10 englischer Adelstitel, 12 Wild, 13 Ostseebad, 14 Stadt auf Java, 15 Papstname, 16 Antilopenart, 19 Hindernis, 20 Stadt an der Oder; b) von oben nach unten: 2 norddeutsche: Höhenzug, 8 Schießöffnung, 4 Teil eines Bühnenwerkes, 5 ruhiger Landsitz, 7 Schleife, 8 Figur aus der Jungfrau von Orleans, 9 Stadt in Arabien, 11 Held eines antiken Liebeodramas, 17 französischer Schriftsteller, 18 Gedichtart. Auflösung des Kreuzworträtsels: a) Beduine, 7 Laune, 9 Reim, 11 Gift, 11 Muse, 14 Oder, 15 Tete, 18 Ziel, 20 Uran 21 Eera, 22 Rache, 23 Makrele:— b) 2 Glis. 3 Dame, 4 Ingo, 5 Neid, 6 Urmatur, 8 Stralau. 10 Euler, 12 Feder, 16 Tara, 17 Enak, 18 Zehe, 19 Isel. Auflösung des Bilderrätsels: Maskenball. Donnerstags von vier bis sieben Roman von Siegbert Kleemann Nachdruck verboten „Das ist eine längere Geschichte. Ich erzähle sie Ihnen ein anderes Mal, wenn Ihre Zeit weniger knapp bemessen ist.“ Doktor Wulff war eine Größe in Verabreichung kleiner Seitenhiebe. Doch derartige Anwandlungen waren nicht, wie man vermuten könnte, der Ausdruck eines kleinlichen Rachegelüstes. Wie allen Worten und Handlungen dieses Mannes lag auch dieser Außerung ein Sinn von tieferer Bedeutung zugrunde. Wieder im Auto, lachte der Doktorkommissar leise in sich hinein: Finanzgewaltige vom Schlage Ittmanns werden für gewöhnlich als hartgesottene Sünder hingestellt; nach ihrer Beschreibung erweckten sie in mir von seher die Vorstellung leibhaftiger Menschenfresser. Und was sah ich? Einen Gentleman, vom wärmsten Mitgefühl für eine unbekannte Frau erfüllt, trotzdem sie im Verdacht steht, seinen besten Freund ermordet zu haben. Da kenne sich einer aus! Welche Empfindungen mögen sich wohl in ihm regen, wenn ich ihm die versprochene Geschichte zum besten gebe? In berechtigter Spannung freute sich der Doktorkommissar auf diesen Moment. Doch das Schicksal machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Seine Neugier sollte nie befriedigt werden. Achtzehntes Kapitel. Am Sonnabend, den 20. Dezember rückte die Presse, nachdem sie Wochen hindurch darüber geschwiegen, die Mordaffäre Dießen erneut in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Die Voruntersuchung war abgeschlossen, und die Staatsanwaltschaft hatte Anklage auf Mord erhoben. Die Hauptverhandlung war auf Mittwoch, den 21. Januar festgesetzt. Die Geschehnisse wurden noch einmal kurz zusammengefaßt und je nach Einstellung der betreffenden Zeitung ein Kommentar daran geflochten. Am Montag, den 22. Dezember wurde bekanntgegeben, daß neben dem bereits vom Gericht ernannten Offizialverteidiger, Rechtsanwalt Emil Block II, Rechtsanwalt Doktor Karl Grebsla die Verteidigung der Angeklagten unentgeltlich übernehmen wird. Diese Tatsache versprach, den an und für sich aufsehenerregenden Prozeß zu einer Sensation zu gestalten. Doktor Grebsla, ein noch junger Mann, galt als der berühmteste deutsche Strafrechtsverteidiger. Seine Rechtskenntnisse, vor allem aber seine hinreißenden Plädoyers, wurden in spaltenlangen Artikeln verherrlicht. Über den Umfang, den seine Praxis und— dementsprechend seine Einkünfte— im Laufe weniger Jahre angenommen hatte, flüsterte man sich astronomische Zahlen ins Ohr. Nach Abzug aller Unwahrscheinlichkeiten blieb, das mußten selbst Skeptiker anerkennen, noch genug übrig. Eine herrliche Villa in Dahlem und ein wundervolles Auto zeugten dafür. Nach jedem Monstreprozeß erstrahlte Grebslas Ruhm heller, weit über die Grenzen des Deutschen Reiches, und sein lächelndes Antlitz über die Titelseiten einiger Dutzend illustrierter Zeitschriften des In= und Auslandes. Von nun an verging kein Tag, an dem nicht eine Nachricht über die bevorstehende Verhandlung veröffentlicht wurde. Eine Armee von Reportern stürzte sich auf alle Beteiligten, und niemand, der mit den Begebenheiten auch nur im losen Zusammenhang stand, entging ihren Fragen, die wie Maschinengewehrfeuer prasselten. Portier Busse und Frau waren über Nacht gewichtige Persönlichkeiten geworden, deren Meinung der Welt etwas galt. Sie fanden ihre Namen häufig in der Zeitung abgedruckt, was ihr Selbstbewußtsein bedeutend stärkte. Lieboldt blieb auch den Reportern gegenüber der diskrete und gutgeschulte Diener, korrekt bis in die Fingerspitzen. Georg, dem Gatten, bereiteten die Besuche der Berichterstatter anfänglich nichts als Aufregung und Qualen. Er hatte nicht übel Lust, die Herren am Kragen zu nehmen und die Treppe hinunterzuwerfen. Aber er besann sich rechtzeitig eines Besseren. Aus der Beantwortung der thm vorgelegten Fragen konnten ihm, oder richtiger ausgedrückt: Inge, ungeahnte Vorteile erwachsen. Die Reporter boten ihm die Möglichkeit, seine Anschauungen einem unbeschränkten Kreis von Personen mitzuteilen und vielen von ihnen— das hoffte er— seine Überzeugung von Inges Schuldlosigkeit zu suggerieren. Er war so glücklich darüber, daß er sich über die Tragweite der von der Staatsanwaltschaft erhobenen Anklage keine weiteren Gedanken machte.„Man kann sie einfach nicht verurteilen“, eklärte er nicht nur jedem, der nach seiner Ansicht fragte, er wiederholte es sich selbst unzählige Male und war so fest davon durchdrungen, wie Galilei von der Bewegung r Erde um die Sonne. Julius Baumann dagegen hegte weniger Zuversicht. Er war nach wie vor von Inges Unsehlbarkeit, nicht aber Gerichts überzeugt. Herraott, wie viele Jusiizirriamer waren schon veranntgeworben, und wie groß mochte wohl die Zahl derer sein, die nie entdeckt wurden. Ihm schwindelte, wenn er daran dachte. Er nahm sich vor, noch einmal eingehendst mit Dr. Wulff darüber zu sprechen. Am 1. Feiertag wollten sie ihn ohnehin bitten, ihr Gast zu sein. Er rief den Kommissar an, aber Wulff bedauerte, nicht kommen zu können. „Auch dann nicht, wenn meine Frau Sie herzlich bitten läßt?“ „Bedauere, ich trete bereits am 24. einen kurzen Erholungsurlaub an und fahre nach Krummhübel. Drücken Sie beide Daumen, daß auf dem Kamm Schnee liegt.“ Julius fand zum erstenmal in seinem Leben keine passende Antwort. Viel später kam ihm der Gedanke, daß sich hinter Wulffs Worten ein tieferes Wissen über die einzelnen Begebenheiten des Mordes an Dießen und eine bestimmte Absicht verbargen. Und diese Vermutung erfüllte ihn mit neuer Hoffnung. Neunzehntes Kapitel. Für die Untersuchungsgefangenen war eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet worden. Der Anstaltsgeistliche sprach einige Worte über die Bedeutung des Festes, er sprach über die Nächstenliebe, über die Sünder, die aufrichtige Neue, über Gottes Barmherzigkeit, über Gerechtigkeit, über himmlische und irdische Dinge, wie sie bei jedem Fest gesagt werden. Kein Zweifel, er meinte es gut und ehrlich; es war ihm deutlich anzumerken, daß er vom besten Willen beseelt war, die Gemüter aufzurichten. Aber Inge konnte, soviel Mübe sie sich auch gab, keinen Trost aus seiner Rede schöpfen, sie steigerte vielmehr ihre Wehmut zu einem aufwühlerischen Schmerz. Gesenkten Hauptes saß sie nach beendetem Gottesdienst auf ihrem Schemel. Das Glockengeläute der benachbarten Kirchen drang in ihre Zelle, und mit den verklingenden Tönen schwand der letzte Rest ihres Lebensmutes und ihrer Zuversicht. Ihre brennenden, tränenlosen Augen, deren Blicke in leichtem Fieber flackerten, irrten über die kahlen Wände des engen Raumes. Ihr Hirn war müde und stumpf von vielem Grübeln, und ihre Gedanken waren in keine Form zu bringen, zogen hindurch ohne jede Ordnung, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, willkürlich durcheinandergewürfelt, rollten ab wie auf einer Filmleinwand, nur dann und wann wie der Film durch Texte von einem Denkprozeß unterbrochen. Inge sah sich als Kind unter dem lichtprangenden Weihnachtsbaum, der mit bunten Kugeln, Wattebäuschen und Marzipankringeln geschmückt war und auf dessen Spitze ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln schwebte, von Lamettaschleiern umwallt, welche die grüne Tanne umsponnen. Der Engel flößte ihr Schauer, Ehrfurcht und gleichzeitig ein gläubiges Vertrauen ein. Sie betrachtete ihn als ihren Schutzgeist, der sie nie im Leben verlassen würde. Und jetzt? Inges Glauben an ihren Schutzgeist war durch das Erleben der Gegenwart erschüttert. Und doch wanderten ihre Gedanken heute wieder zurück ins Kinderland. Sie sah sich als Zwölfjährige im neuen Kleid, glühend vor Aufregung. Der Weihnachtsengel hatte bereits von seinem Reiz und seiner geheimnisvollen Herrlichkeit für sie verloren. Ihre Phantasie beschäftigte sich viel mehr mit der vom Vater geschenkten Puppe, deren Augen auf= und zuklappten und die, wenn man an einer Schnur zog, Papa und Mama quäkte. Diese Puppe! Inge hatte— war es eine Schande, es einzugestehen?— bis zur Konfirmation mit ihr gespielt, hatte ihr Kleider genäht, vom kargen Taschengeld Schuhe und Strümpfe gekauft. Sie hatte sie gehegt und gepflegt wie ein Kind. Inge horchte in sich hinein. Wie lange noch, und sie würde ein Kind bekommen, kein Spielzeug! Ein richtiges Kind, ein lebendes Wesen. Nicht größer als die Puppe würde es im Anfang sein und geraume Zeit hindurch genau so abhängig von ihr wie diese. Wenn man sie verurteilte, was geschah dann mit dem Kind? Würde man es ihr gleich nach der Geburt oder Monate später fortnehmen, in Pflege geben— oder Georg überantworten? Was sollte Georg, der gute, liebe Tolpatsch, mit dem hilflosen Menschlein beginnen? Er, der ohne sie selber hilflos, auf andere Leute angewiesen war. Er schneidet windschiefe Brotscheiben, dachte Inge, und mußte trotz ihres Kummers lachen. Er hantiert lärmend herum und kann noch nicht einmal Tee kochen, ohne sich die Finger zu verbrühen. Mitleid und Zärtlichkeit erfüllte sie. Georg! Sie gedachte der Weihnachtsfeste, die sie gemeinsam gefeiert, als Verlobte und Ehepaar. Stets hatte er eine besondere Überraschung für sie, wenn auch nur dem Geldbeutel angemessen eine Kleinigkeit, so war es doch immer ein besonderes Geschenk, das seine Fürsorge, seine Liebe und Ergebenheit verriet. Eine verzehrende Sehnsucht bemächtigte sich ihrer nach Georg, seinen Umarmungen, seinen Liebkosungen, ein so mächtiges Verlangen, daß ihr Körper glühte und ihre Lippen spröde wurden. Plötzlich verwischte sich Georgs Bild, und Dießen trat an seine Stelle. Sie blickte in sein zur Fratze verzerrtes Antlitz und hörte seine geflüsterten Worte:„Seien Sie lieb und gut.“ Inge glaubte, seinen heißen Atem zu verspüren, und Ekel und Entsetzen schüttelten sie. Sie bemühte sich, das Bild aus ihrem Gedächtnis zu löschen und Georgs Erscheinung herbeizuzaubern; jedoch der Versuch mißlang. Inge konstruierte des Gatten Gesicht Zug um Zug— sein Kinn, seine Lippen, seine Augen, seine Stirn, aber wenn sie es im ganzen betrachten wollte, zerrann das Gesicht, und Dießens verhaßte Physiognomie starrte sie an. Erschöpft und verwirrt grub sie den Kopf in die Hände, verharrte geraume Zeit bewegungslos, an allen Gliedern gelähmt. In tiefster Herzensnot fand sie endlich die erlösenden Tränen, welche die marternden Vorstellungen hinwegschwemmten. Eine rätselhafte Ideenverbindung zauberte gleich zeitig Wulff, den Kriminalkommissar, vor ihr geistiges luge. Den vierkantigen Schädel ein wenig vornüber geneigt, vörte sie ihn flüstern:„Meine Frau stard im ersten Jahr unserer Ehe.“ Was sie damals nur dunkel geahnt, bis eben nur unbewußt mit dem einer Frau eigentümlichen Feingefühl empfunden, erkannte sie in diesem Moment mit zwingender Klarheit. Die Erinnerung an seine Gattin hatte ihr Wulffs Sympathie und Mitleid, sein besonderes Interesse eingetragen. Wie sehr mußte der Mann seine Frau geliebt haben. Inge bedauerte lebhaft, in späteren Gesprächen nie wieder auf seine Ebe zurückgekommen zu sein. Sie nahm sich fest vor, das Versäumte bei nächster Gelegenheit nachzuholen. Da fiel ihr ein, daß der Kommissar sich heute vormittag für unbestimmte Zeit von ihr verabschiedet hatte.„Ich trete meinen Winterurlaub an“, hatte er in heiterster Laune verkündet und ihr„alles Gute“ gewünscht. Sein unbefangener Frohmut hatte sie, ohne daß sie einen triftigen Grund dafür angeben konnte, verstimmt— genau so gegen ihn eingenommen, wie seine seit kurzem na. Wulffs Sorg= sigkeit verletzte sie deshalb so tief, weil er, der sie durch Zusammentragen der Indizien in diese furchtbare Situation gebracht hatte, frei von Gewissensbissen zum Wintersort fuhr und sie ihrer Pein überließ— er, auf dessen eistand sie so große Hoffnung gesetzt hatte. aller anwalt Tages Einzelheiten besprochen hatte, prophezeite einen günstigen Ausgang. Günstig— ein kleines Wort von relativem Wert— günstig bedeutete für einen Juristen in verzweifelten Fällen die Anerkennung mildernder Umstände— oder nicht?! Wie? Inge sprang erregt vom Schemel und durchmaß hastigen Schrittes die kleine Zelle. Wenn ich tatsächlich verurteilt werde— noch Jahre in der Abgeschlossenheit eines Gefängnisses oder Zuchthauses verbringen muß?! Was geschieht dann? Noch niemals hatte Inge logisch, frei von falschen Sentiments, die Konsequenzen aus einer solchen Möglichkeit gezogen. Ihre Ehe mußte, falls kein Freispruch erfolgte, zerbrechen. Konnte, ja durfte sie von Georg erhoffen oder gar verlangen, daß er Jahre hindurch wie ein Mönch in Klausur lebte? Er mochte ihr wohl ein treues Gedenken bewahren, aber in jeder Beziehung treu bleiben?— Ausgeschlossen! Welcher Mann brächte das fertig?! Sie elbst würde nach verbüßter Strafe seelisch und körperlich zusammengebrochen nur noch ein Wrack sein, eine Fessel für ihn, die zu lösen sein Wunsch wäre. Ihre Phantasie gaukelte ihr Georg vor, wie er eine andere Frau umarmte. Dem Wahnsinn nahe, warf sich Inge auf das schmale Bett. Ihr Körper bebte in konvulsivischen Zuckungen. So verlebte Inge Overberg das Weihnachtsfest. George nahm es bedachtsam aus dem Etui, wandte es nach allen Seiten... Zwanzigstes Kapitel. Georg verbrachte den Heiligen Abend bei seinen Eltern. Dem Vater schenkte er die übliche Kiste Zigarren. der Mutter eine Handtasche. Für ihn selbst lag unter dem Weihnachtsbaum eine Krawatte, eine Hundertpackung Zigaretten und ein silbernes Feuerzeug— Inges Geschenk, welches sie bereits vor ihrer Verhaftung gekauft hatte. Georg nahm es bedachtsam aus dem Etui, wendete es nach allen Seiten und streichelte verstohlen, mit zitternden Fingern, über die gerippten Flächen. Inge hatte das Feuerzeug in der Hand gehalten, und er vermeinte bei der Berührung einen körperlichen Kontakt mit ihr herzustellen. Nur mit Anspannung aller seiner Energien drängte er die aufsteigenden Tränen zurück. Um Gottes willen, bloß keine Schwäche zeigen! Vor keinem Menschen— auch nicht vor den Eltern die geheimsten Regungen der Seele verraten, welche sie— trotz aller Liebe und Fürsorge— unmöglich in ihrer ganzen Tragweite nachempfinden konnten. Zwischen ihm und seinen Eltern türmte sich als unüberwindliche Schranke: Inge, die Schwiegertochter. Nicht als das störende und unliebsame Element— im landläufigen Sinne des Wortes—, dem man mit Kälte und Mißtrauen begegnet— nein, bewahre! Aber doch als die Frau, die mit dem einzigen Sohn in engster Verbundenheit lebt, in intimster Gemeinschaft. Diese bilden die Ursache, beziehungsweise sind die Voraussetzung einer unvermeidlichen, wenn auch kaum merkbaren Entfremdung und schließen die kindliche Vertraulichkeit aus, auf welche die Eltern— insbesondere die Mütter— so großen Wert legen. Der Mütter Begriffsvermögen kommt für gewöhnlich über die einfache Tatsache, daß der erwachsene Sohn ein selbständiges Wesen mit eigenen Gedanken und Gefühlen ist, nicht hinweg. In ihrer Einbildung bleibt der Sohn das Kind— der einzige— der Junge. der er vor Dezennien einmal gewesen war. (Fortsetzung folgt.)