Lippische Tageszeitung General=Anzeiger Die Liovlsche Taaeozettunn erscheint tüglich auner Montar; mit den Betlagen: Dae Etopet! Landwirtschaftliosan Tomt!###rgan der ranewirtichaftskommer! Mactictenblat: Gaaesundee lamt! Mitteilungsblatt beo Lipvischen Landbundes! Ter pauswetiemeike: (amt! Mitteilungsblatt dee Pondwerterbundee! Nur uniese Areuen Sonntagsbetlene 119 Ste deutiche Hausirau.— Geichattonelle: Leimold Externrane 11 Ferurui 3145 3147 Loltversand: Her###ro Bokicheckkonte: Haunover 9839 Pradtanichrit. Togeszeitung für das Land Lippe Bezugsvreise: Monatl NM bei Abholer am Pokemt 30 Vig Postgedühr und: zeigen 20 Pfg. Reklameze Betriebskörung desteht für darket: tur beide siei houe Ro 2.36 einschl 36 Lig Bestellgeld Anzeigenpreise: Die einio Millim=Zeile 12 Pfa, amtl Ana#: 50 vitg Betlogengehühr nach Tarif— Gei böd Gewalten. Streike oder .,. Pici ir.„Ruckzadlung deo Gezugopreises Gerichts. Teile Detmold Zahlungspflicht innerbald 8 Tagen Rummer 13 Tetmold, Sonntag, den 15. Januar 1933 38. Jahrgang Feste Worte Von D. Koch=Oeynhausen, M. d. Pr. L. Wir gedenken der Zeit vor 10 Jahren, als die Franzosen in das Rheinland einrückten. Eine lächerlich geringe Minderleistung an deutscher Materiallieferung wurde zum Anlaß genommen. Damit hob ein Abschnitt der jüngsten deutschen Geschichte an. dessen Bedeu tung wir heute besser ermessen Lönnen als da mals. Der Plan der Franzosen war, auf diese Weise in ihren Besitz zu bringen, was sie im Kriege und beim Friedensschluß nicht erreicht hatten: das Rheinland. Der Plan ist wesentlich durch den Widerstand der Bevölkerung zuschan den geworden, die in jenen schweren Monaten durch ihre Haltung mehr als eine Schlacht für Deutschland gewann. Vor allem aber gebührt Dank den Männern des aktiven Widerstandes, die unter Einsetzung ihres Lebens den deutschen Abwehrwillen betätigten. Sie haben ihr Leben nicht bloß eingesetzt, manche von ihnen haben es auch hingeben müssen. Es ist eine ganze Schar. Ihr Führer ist Albert Leo Schlageter, der auf der Golzbeimer Heide bei Düsseldorf unter den Kugeln der Franzosen seine Seele aushauchte. Man hat sich nicht geschämt, ihr Tun zu bekritteln, ja, ihren Tod zu schmäben. Aber wenn von allen ihren Nörglern keiner mehr da ist, wird ihr Name unvergessen sein. Die künftige nationale Jugend wird zu ihnen aufsehen, wie sie aufgesehen hat zu den Män nern der Befreiungskriege. Das wird sicher eintreten, dahin zu kommen bedarf keiner besonderen Mühe, wenn nur der nationale Gedanke in der Erztehung zu seinem Recht kommt. An diesem Punkt darf die verantwortliche Staatsführung nicht nachgeben. Alle Schulen haben zum nationalen Gedanken zu erzie ben. Das ist bei den anderen Völkern selbstverständlich, nur nicht bei uns. Darum muß bei uns besonders darauf gesehen werden. Das bedeutet nicht Abkavselung unseres Volkes. Vielmehr kommt es erst dadurch zu seinem Wert unter den übrigen Völkern der Erde. Die Besonderheit, die das deutsche Volk nach seiner Geschichte, nach seiner Lage in Eurova und nach seinen Anlagen darstellt, muß herausgearbeitet und hingestellt werden. Das ist wertvoller für alle, als wenn wir unter Verzicht auf eigenen Wert den anderen nachlausen. Wie hier müssen wir auch sonst wieder zu sesten Werten gelangen. Die geistige Haltung des Relativismus ist nichts für ein kämpfendes und ringendes Volk. Im Kampf um den Sieg muß die Seele unverzagt sein, sonst geht es nicht. Der Relativismus. das ist die Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? Es ist die müde Haltung: wer kann denn wissen, was wahr ist, was gut ist, was gefordert werden kann, was verworfen werden muß? Es ist der Zweifel: sollte es wohl ewige Worte geben, hat nicht jede Zeit ihre besondere Erkenntnis, kommen wir je zu einem sicheren Ergebnis? Nachdem der Stolz auf die gesicherten Resultate der Wissenschaft nicht mehr aufkommen will. nachdem das Pochen darauf, wie herrlich weit wir es gebracht haben, uns vergangen ist, stellt sich die entgegengesetzte Regung ein, daß alles eitel und nichts sicher ist. Jener Stolz war verkehrt, mit dem wir damals weithin sagen hörten, Gott sei abgesetzt, den gebe es nicht. Der müde Versicht ist auch verkehrt, daß alles keinen Zweck habe. Aus solcher seelischen Haltung kommen Mißglauben. Verzweiflung und andere große Schande und Laster, von denen der Katechismus spricht. Wir müssen wieder lernen, uns vor dem Ueberweltlichen und Ewigen zu bergen und als Volk nach Cottes Willen zu fragen. Darum muß christlicher Geist in den Schulen sein. Diese Dinge darf der Staat nicht laufen lassen, sie entscheiden mit über die Zukunft des Volkes. Das starke Sehnen nach straffer Staatsführung ist ein Beweis, wie man heute weithin nach festen Werten verlangt. Gewiß sind die Fragen der Wirtschalt von hervorragender Bedeutung. Allein entscheidend sind sie nicht. Für die scelische Haltung eines Volkes, das durch Kampf und Rirgen hindurch muß. ist entscheidend, ob es feste Warte und Maßstäbe hat. Hugenberg beim Reichspräsidenten Schnelle Entwicklung der Regierungsumbildung?— Roch keine Ernennung Strassers zustandegekommenen Ver eruhe. I Berlin, 14. Januar. Am Sonnabend- längerer Zeit mittag empfing der Reichspräsident Dr. avredung beruhe. Infolge der Mittei Hugenberg zu einer Besprechung. Die Unter= lung Hugenbergs, daß er in Berlin anredung, über deren Inhalt von beiden wesend sei, sei die Unterredung dann zuSeiten nichts bekanntgegeben wird, dürfte stande gekommen. eine Fortsetzung der in den letzten Wochen mehrfach gepflogenen Unterhaltungen zwi schen den beiden Herren sein. Unterredung Schleicher— Kaas wahrscheinlich am Montag. Berlin, 14. Jan. Zentrumsführer Kaas wird am Sonntag in Berlin eintre'sen. Die angekündigte Unterredung mit Reichskanzler von Schleicher dürste voraussichtlich Montag stattfinden. keine Entscheidung über Gregor Strassers Eintritt in die Regierung. Berlin, 14. Jan. Zu den Pressemel dungen, daß die Ernennung Gregor Strassers zum Bizekanzler und Reichskommissar für Preußen unmittelbar bevorstehe, wird## zuständiger Stelle erklärt, daß die Eventualitäten noch offen und keinerlei Entscheidung gefaßt worden sei. Gegenüber Pressemeldungen, die behaupten, daß die Besprechung des Reichspräsidenten mit Gregor Strasser mehrere Stunden gedauert habe, wird von zuständiger Stelle richtiggestellt, daß die Unterredung 35 Minuten währte. Die Unterredung Schleicher=Hugenberg war seit längerer Zeit verabredet. Berlin, 14. Jan. In der Presse ist behauptet worden, daß die Unterredung des Reichskanzlers v. Schleicher mit dem Führer der DRVP., Hugenberg, am Freitag auf eine Bitte Hugenbergs zurückzuführen sei. Von zuständiger Stelle wird dazu erklärt. daß die Unterredung auf einer schon vor Die Verhandlungen zwischen NSDA und Bayrischer Volkspartei, die sich auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung für Bayern bezogen, sind nach einigen Unterbrechungen kurz vor dem Abschluß von der Bayrischen Volkspartei abgebrochen worden. Den Anlaß hierzu gaben die angeblichen Krisenerscheinungen innerhalb der NSDAP. in Franken(Angelegenheit Stegmann. d. N.) Danach soll die Bayrische Volkspartei erklärt haben. sie könne mit einer in so starker Keise stehenden Beweaung ernstliche Verhandlungen jetzt nicht führen. Stegmann erklärt. Berlin, 14. Jan. Wie die Reichspressestelle der NSDAP. mitteilt, bat der frühere SA.= Gruppenführer von Mittelfranken, PG. Wilhelm Stegmann, heute folgende Erklärung schriftlich abgegeben: „Ich war heute bei meinem Führer. Da ich einsehe, daß mein Verhalten von ihm mil Recht getadelt wurde, habe ich aus eigenem mein Reichstagsmandat zu seiner Verfügung gestellt und ihm versprochen, als Parteigenosse in Treue und Gehorsam meine Pflicht zu tun. gez. Wilhelm Stegmann.“ Der Reichskanzler warnt Warum dann erst Milderung? Berlin, 14. Jan. Im Dezember hatte der Reichskanzler bekanntlich im Rundfunk angekündigt, daß er dem Reichspräsidenten die Aufhebung einiger die Freiheiten der Staatsbüreger und der Presse einschränkenden Verordnungen vorschlagen werde. ZuArbeit auf lange Sicht Bedingung für eine Regierungstellnahme Hugenbergs: Ungestörte Durchführung eines Fahresplanes Berlin, 14. Januar. In der Unterredung wischen Reichskanzler v. Schleicher und dem Vorsitzenden der DRBP., Dr. Hugenberg, hat nach Auffassung der Börsenzeitung" die Frage eine Rolle gespielt, was werden soll„wenn es wider Erwarten Ende Januar zu einem größeren Konflikt zwischen der Regierung und dem Reichstag kommen ollte. Die„Börsenzeitung" hält es für denkbar unwahrscheinlich, daß Dr. Hugenberg als Wirtschaftsminister in ein Kabinett eintreten werde, das auch die Exponenten der Zentrumspartei umfasse, wie von einigen Blättern vermutet wurde. Die„Kreuzzeitung! hält es für selbstverständlich, daß sich die beiden Politiker grundsätzlich über die weitere Regierungspolitik ausgesprochen hatten. In deutschnationalen Kreisen habe man ich in letzter Zeit recht kritisch über die Entschlußlosigkeit des Kabinetts geäußert, sedoch dem Reichskanzler selbst jederzeit den besten Willen zugebilligt. Sehr stark gefordert hätte man insbesondere die Beseitigung der Gegensätze zwischen Reichsernährungs= und Reichswirtschaftsministerium durch Vereinigung beider Ressorts in der Hand eines Krisen. ministers. Dabei sei in erster Linie an die Persönlichkeit Hugenbergs selbst gedacht gewesen. Es sei nicht bekannt geworden, ob es in der Besprechung bereits zu einem Angebot an den Führer der DNVV. in diesem Sinne gekommen sei. Für diesen Fall war, wie die„Kreuzzeitung" zu wissen glaubt, Geheimrat Hugenberg entschlossen, die Bedingung zu stellen, daß ihm die Möglichkeit gegeben werde, sein Programm auch auf längere Sicht durchzuführen und nicht von Parlamentsmehrheiten abhängig zu machen. Wenn die deutsche Wirtschaft grundlegend neu gestaltet und zur Gesundung geführt werden solle, so müsse nach seiner Ansicht ein Ein= oder Mehrjahresplan aufgestellt und von einer Versönlichkeit von Anfang bis Ende durchgeführt werden. In deutschnationalen Kreisen wünsche man, daß der Reichskanzler sich entschließe, die Einberufung des Reichstages mit deutschnationalen und Zentrumsstimmen zu erzwingen, mit einem umgebildeten nationalen Konzentrationskabinett vor den Reichstag zu treten und neue Arbeitsmöglichkeit für mindestens ein halbes Jahr zu verlangen oder aufzulösen. In diesem Sinne, so meint die „Kreuzzeitung", dürfe sich auch Hugenberg geäußert haben. Der„ag“ hebt hervor, daß alle Meldungen über den angeblichen Zweck der Besprechung Kombinationen seien, die schon seit längerer Zeit in politischen Kreisen verbreitet würden. Der„Börsenkurier“ behauptet. Hitler habe dem Reichskanzler wissen lassen, daß er von Montag an jederzeit zu seiner Verfügung stehe. gleich hatte er aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß er für den Fall, daß mit dieser Freiheit Mißbrauch getrieben werde, mit äußerst scharfen Maßnahmen vorgehen werde. Er werde diese sehr ungern ergreisen und nicht ohne die Oeffentlichkeit zu warnen. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, spricht der Reichskanzler nunmehr diese Warnung aus. In den letzten Tagen seien sowohl in der Presse als auch in Aufrusen von Organisationen Tatsachen zu verzeichnen, die die Ruhe und Ordnung in erheblichem Maße zu stören geeignet seien. Es werde sogar offen zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgefordert. Von zuständiger Stelle weist man besonders auf die Erklärung des Pommerschen Landbundes hin, in der die Bauern aufgefordert werden, ihre Scholle bis zum Letzten zu verteidigen.(Soll das etwa ein„Verbrechen" sein? D. Ned.) Der Reichskanzler warne daher die Oeffentlichkeit, die Freiheiten nicht auszunutzen, im anderen Falle werde er mit Maßnahmen vorgehen, die u. a. Zeitungen für längere Zeit empfindlich treffen könnten. Was den Aufruf des Pommerschen Landbundes betreffe, so werde geprüft, welche juristischen Maßnahmen gegen die Verbreiter des Aufrufes ergriffen werden könnten(!!). In Ergänzung der Warnung des Reichs kanzlers kann mitgeteilt werden, daß sich die eventuell vorgesehenen scharfen Maßnahmen der Reichsregierung zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht nur gegen Ausschreitungen der Presse richten werden, sondern selbstverständlich auch gegen die Terrorakte, die in letzter Zeit überhand genommen haben. Der Kampf des Stahlhelms— Kampf der Nation Eine Erklärung der Bundesführer des Stahlhelms. Berlin, 14. Jan. Aus Anlaß der am 14. und 15. Januar stattfindenden Landesührertagung erlassen die Bundesführer des Stahlhelm folgende Erklärung, in der es u. a. heißt: „Im Jahre 1933 tritt der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, im gleichen Geiste, mit dem gleichen Ziel. unter der gleichen Führung in sein 15. Kanpfjahr. Der Stahlhelm wurde aus innerster Ueberzeugung keine Partei. Er verzichtete aus Ueberzeugung auf Mandate, Diäten, Immunität und politische Anerkennung. von der Erkenntnis durchdrungen, daß Deutschland niemals durch eine Parteiherrschaft, sondern nur durch eine verantwortungsvolle. autoritäre Regierung der inneren und äußeren Freiheit zugeführt werden kann. Der Stahlhelm wird sorgsam darüber wachen, daß die Staatsführung nicht wieder in unheilvolle Partei= und Interessenherrschaft zurückfällt. Der Kampf des Stahlhelms für innere und äußere Befreiung, für Gleichberechtigung und Wehrhoheit ist Kaupf des Staates und der deutschen Nation geworden. Mit Genugtnung stellen wir heute fest, daß der gefesselte deutsche Staat aus der Not heraus die Jugendertüchtigung durch Wehrsport nunmehr auch in die Hände nimmt. Als ältester Träger des Freiwilligen Arbeitsdienstes warne: wir vor einer überspannten Bürokratisierung dieses aus dem Geiste freiwilliger Vaterlandsliebe geschafsenen Werkes. Der Stahlhelm tritt in sein 15. Kampfjahr festgeschlossen, politisch und finanziell unabhängig, mit dem gleichen zähen Willen wie vor 14 Jahren, Deutschlands Freihett zu erringen. Der Stahlhelm wird im September 1933 seinen 14. Reichsfrontsoldatentag in Hannover durchführen in ehrfurchtsvollem und dankbarem Gedenken an den niedersächsischen Bauernsohn Scharnhorst, der uns einst eine neue Wehrmacht schuf. Ehina will fechten! China kündigt dem Völkerbund weitgehende militärische Abwehrmaßnahmen an. Genf, 14. Jan. Die chinesische Regierung übermittelte dem Generalsekretär des Völkerbundes den Inhalt der Note, die sie, wie schon gemeldet, an die Signatarstaaten des Protokolls von 1901 gerichtet hat. In dieser Note hatte die chinesische Regierung erklärt, daß die japanischen Truppen in widerrechtlicher Ausnutzung eines in dem Protokoll von 1901 Japan gewährten Sonderprivilegs die Stadt Schanhaikwan angegriffen und besetzt hätten. Tausende von friedlichen chinesischen Bürgern seien hierbei getötet und außerordentlicher Sachschaden verursacht worden. Ferner seien gegenwärtig neue japanische Truppenzusammenziehungen an der Eisenbahnlinie Peking— Mukden festzustellen. Unter diesen Unständen sehe sich die chinesische Regierung verpflichtet, zu erklären, daß sie keinerlei Verantwortung für die weitere Lage übernehmen könne, und daß die chinesischen Truppen nunmehr gezwungen seien, von dem Recht der legalen Verteidigung gegen die Angriffe der japanischen Truppen Gebrauch zu machen. Die chinesische Regierung ersucht den Generalsekretär des Völkerbundes, sämtliche Mitglieder der Völkerbundsversammlung unverzuglich von dem Inhalt dieser Note in Kenntnis zu setzen. In unterrichteten Kreisen sieht man darin die amtliche Ankündigung, daß die chinesische Regierung nunmehr zu weitgehenden militärischen Abwehrmaßnahmen gegen die japanischen Angriffe schreitet. Am 15. Januar sind zehn Jahre verflossen, eit das deutsche Memelland von litauischen sanden überfallen und dem litauischen Staate einverleibt wurde. Wie bei der Abtrennung vom deutschen Mutterlande durch das Versailler Diktat, so wurde auch damals die Bevölkerung nicht gefragt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Memelländer wollten, wenn es schon keine Rückkehr zum Reich geben sollte, Freistaat werden. Nicht weniger als 90 vH. der Bevölkerung hatten sich dafür ausgesprochen. Auch die Pariser Botschafterkonferenz schien damit einverstanden. Da griffen die Litauer— die die Früchte ihrer Wühlereien in Paris, die zur Abtrennung des Gebietes vom Reich geführt hatten, bereits schwinden sahen— ein und setzten enen emporenden Raubzug in Szene. Dabei kam ihnen der gleichzeitige Einmarsch der Franzosen in dus Ruhrgebiet sehr zustatten, denn, so spekulierte man in Kowno, in der allgemeinen Erregung über dieses Ereignis würde der handstreich auf Memel überhaupt nicht aufallen. Die Litauer hatten sich nicht getäuscht. Die Franzosen, die damals da: Land besetzt hielten, hißten die weiße Fahne 10 Jahre Knechtschaft Gekenklag des Memelraubes durch die Litauer und zogen ab, als die litauischen Banden — in Zivilkleider gesteckte litauische Soldaten— vor Memel erschienen und die ersten Schüsse abgaben. Auch von seiten des Reiches, das damals völlig unter dem Eindruck des Ruhreinbruchs stand, geschah nichts. So verhallten die Proteste der memelländischen Bevölkerung ungehört, und schon vier Wochen später wurde der Kownoer Regierung, die zunächst eine Beteiligung an dem Raubzug abgeleugnet hatte, ie Souveränität über das Memelgebiet zuzerkannt. Eine schlimme Leidenszeit begann jetzt für das Land. Obwohl dem Gebiet Autonomie gewährt wurde. schalteten und walteten die Litauer doch, wie sie wollten. Alles, was deutsch war, wurde unterdrückt und verboten. Massenverhaftungen und Ausweisungen waren an der Tagesordnung. Selbst die deutschen Denkmäler in Memel(Kaiser Wilhelm I. und die Borussia) fielen der Zerstörungswut der Litauer zum Opfer. Nahem drei Jahre wurden die Wahlen zum ersten Memelländischen Landtag hinausgezögert. Obwohl von 29 Abgeordneten 27 Deutsche ind nur 2 Litauer gewählt wurden, wurde das Land auch weiter von den Litauern dafür geliefert, wie Litauen mit der Selbstverwaltung des Gebietes umsprang. Eine Schandtat. die überdies auch noch, was bezeichnend für die Einstellung des Völkerbundes zum Minderheitenproblem ist, in Genf und später auch vom Haager Gerichtshof gebilligt wurde. Die Litauer werden am 15. Januar rauschende„Befreiungsfeste" feiern. Und auch das Märchen vom„litauischen Memelland“ dürfte wieder aufgewärmt werden. Wie es in Wirklichkeit damit steht, hat die letzte Landtagswahl im Mai.1932 schlagend bewiesen. Die memelländische Bevölkerung hat hier, trotz allerschärfsten litauischen Terrors, ein überwältigendes Bekenntnis zum Deutschtum abgegeben. Eine Tatsache, die auch dem Reich die Pflicht auferlegt, mehr als bisher sich für das Memelland einzusetzen und seine Wiederkehr zum Reich, die die Memelländer sehnlichst herbeiwünschen. gegenüher der litauischen Gewaltpolitik energisch zu betreiben. Memelkundgebung in Berlin Berlin, 14. Jan. Der Memellandbund veranstaltete Sonnabend abend in Berlin zur Erinnerung an den am 15. Januar 1923 erfolgten Einmarsch der Litauer in das Memel. gebiet eine eindrucksvolle Kundgebung. Das Thema der Veranstaltung lautete:„Zehn Jahre Gewaltherrschaft der Litauer im Memelland— Wie lange noch?“ Der Bundesvorsitzende Professor Boersch mann, begrüßte Vertreter der Regierung der Stadt Berlin, der Parlamente, der Hoch schulen, der Verbände der alten Armee, der Wehrverbände usw. Nach Ansprachen der Vertreter der Erenzlandvereinigungen fand eine Entschließung Annahme, in der es heißt: „Wir werden die staatliche Zugehörigkeit des Memelgebietes zu Litauen niemals als zu Recht bestehend anerkennen. Hundert Jahre Aurecht machen nicht eine Stunde Theodor Engelmann Ein glücklich Heim Eine Geschichte aus Mexiko. Sie hieß Manuela. Auch Manuelita nannten sie manche. Zuweilen sogar, aber das waren nur Männer, Manuelicita— die kleine, liebe Manuela. Dabei war sie weder klein noch lieb. Im Gegenteil, groß und ein böser Nacker. Freilich ein bildhübscher, so eine„beaute de diable“. Wenn sie abende auf dem Korso des kleinen mexikanischen Grenzstädtchens flanierte, eine blutrote Blume im schwarzen Haar, die kokette Mantilla über den Schultern und im Madonnengesicht eine Zigarette— dann ärgerten sich die Frauen und freuten sich die Männer. Wenigstens die paar Auserwählten, über die Manuelas freche Feueraugen nicht hochmütig hinwegfunkelten. Er hieß Ignacio. Ihn aber nannten sie nicht Ignacito, geschweige denn Ignacitio. Im Gegenteil, für viele war er Don Ignacio, und man sprach respektvoll von ihm, wie von einem, den man achtet oder fürchtet Zumeist gefürchtet war er, bei Männern wie bei Frauen, in seinen Liebeshändeln, wo dem Verwegenen Faust und Dolch gefährlich locker saßen. Nur eine fürchtete ihn nicht, nannte ihn auch nicht Don Ignacio, sondern einfach Nacio, zuweilen sogar Nacito. Das war Manuela. Und längst wären die zwei ein legitimes Paar geworden, wären sie nicht beide so bettelarm gewesen Und wäre da nicht ein Dritter hinzugekommen. Der hieß Jonny. Und war es auch Ein biederer Bursche von jenseits der amerikanischen Grenze. Fleißig und solide, hatte Zehn Jahre litanischee Friedensbruch in Memel. Litauische Truppen vor dem Stadttheater in Memel im Januar 1923. Vor 10 Jahren— am 1. Januar 1923— drangen litauische irreguläre Truppen in das Memelgebiet ein. besetzten in wenigen Tagen das ganze Land und verkündeten dessen Angliederung an Litauen. Deutschland stand diesem Gewaltakt an seiner Ostgrenze machtlos gegenüber. Recht. Wir werden unermüdlich die Welt aufklären und überzeugen, daß das Memelvolk nach Herkunst und Willen restlos dem deutschen Kulturkreis angehört. Wir fordern die Wiedergutmachung des schreienden Unrechts, das durch den Versailler Vertrag, durch die litauische Vergewaltigung und durch er sich in dem aufblühenden Städtchen ein kleines Geschäft zusammengespart, dem nur noch eine Frau zur Betreuung fehlte. So recht eine tüchtige und ordentliche, die ihm ein freundliches„Home“ und einen Hausen Kinder schaffen sollte. Da lief dem guten Jonny eines Tages Manuela über den Weg, guckte ihn mit ihren gefährlichen Kulleraugen an— und schon wars um ihn und um seine schönen Grundsätze geschehen. Die, nur die mußte erhaben, koste es, was es wolle; koste es sogar einen Kampf mit ihrem Günstling. Don Ignacio. Darauf war das ganze Städtchen fiebrig gespannt, als nun zum ersten Male Jonny am Arme seiner bräutlichen Manuela auf dem Korso erschien.„Er wird ihn töten“, tuschelten angenehm erregt die Frauen „Geschieht ihm recht, dem Americano", meinten, mehr patriotisch, die Männer. Aber es geschieht nichts, wie jetzt Ignacio stolz und kühn wie stets. einherkommt. Mit einem verächtlichen Blicke mißt er den Nebenbuhler und murmelt, Manuela leicht streifend:„Da va ver. el sonzo“(Er wird's schon merken, der Esel). Mich persönlich interessierte dieses ungleiche Paar und seine Heirat, weil sich jungen Leute in meiner Nachbarschaft niederließen. Vom Schreibtisch aus konnte ich das bescheidene Häuschen beobachten, das sie sich da draußen vor der Stadt hingestellt hatten, eine häßliche Wellblechhütte ohne Garten und Grünes, mitten drin in der schattenlosen, sonnengrellen Sandwüste. So blieb mir denn wenig verborgen von dem. was das Heim des jungen Ehepaares betraf.— Am Morgen nach dem bewußten Zusammentreffen der beiden mit Don Ignacio auf dem Korso sehe ich Jonny. den glücklichen deren völkerrechtliche Duldung dem Memelland und dem gesamten Deutschtum zugefügt wurde. Das Memelland ist deutsch und muß wieder heim ins Reich.“ Chorgesänge umrahmten die feierliche Kundgebung, die mit dem Deutschlandlied schloß. Hitler in Bad Salzuflen „Der Kampf geht unentwegt weiter“ Bad Salzuflen, 14. In einer aus weiter auch außerlippischen Umgebung stark besuchten Versammlung schloß Hitler den Wahlkampf der RSDAP für Lippe ab. Im Kurhaus sprach vorher noch Reichstagspräsident Göring, der erklärte, er könne nicht glauben, daß Gregor Strasser setzt Vizekanzler würde, denn er wisse, daß keiner so von Schleicher hasse wie gerade Strasser. Noch vor wenigen Monaten habe Strasser erklärt, daß er Hitler erst von seiner ersten Meinung über Schleicher abgebracht und ihm klar gemacht habe, daß Schleicher nur ein Ziel kenne, die Zerstörung NSDAP. Strasser habe Schleicher als den unfähigsten Mann bezeichnet, der je für Deutschlands Wiederaufbau in Frage komme. Hitler erklärte in einer fast zweistündigen Rede, daß er unentwegt weiterkämpfen werde und den Griff nach dem Volke tun werde, durch den man von selbst den Schlüsse! zur Wilhelmstraße erlange. Nicht die Wirtschaft rette den Staat, sondern erst, wenn ein Staat wieder wirkliche Politik treiben könne, sei ein Wirtschaftsaufstieg möglich. Erst als das alte Reich begründet war, sei er Aufstieg auch der Wirtschaft erfolgt. Man nicht die Absicht, das Faule in unserem Volke zu stützen, denn das nütze nichts. Man werde neue gesunde Triebe pflanzen, die werden wachsen, und durch diese werde dann plötzlich das Alte verdrängt und das Neue, das organisch gewachsen sei, an seine Stelle gesetzt werden. Rückschläge gebe es in jeder Sache, aber ein Tropf sei, wer deshalb sein Werk aufgeben wolle. Ehemann, wie jeden Tag zärtlich von seiner Manuela Abschied nehmen, um zur Arbeit zu gehen. Noch lange winkt er ihr Handküsse zu, so lange, bis er hinter den ersten Häusern des Ortes verschwindet. Jetzt tritt Manuela in das Haus zurück, und nun wird sich— das ist meine tägliche Erfahrung— dort herum nichts mehr regen, bis Jonny zu Mittag wieder heimkehrt. Doch nein. da taucht von der anderen Seite her eine hohe Gestalt auf, geht erst etwas zögernd und dann rasch entschlossen auf die Hütte zu „Nacito“, höre ich die Frau ihren alten Freund freudig begrüßen, dann schließt sich die Haustür hinter den beiden Liebenden Erst kurz vor Mittag regt es sich drüben wieder, und während ich Jonacios schlanke Figur auf dem gleichen Wege, den er gekommen, landeinwärts sich verlieren sehe, kommt vom Städtchen her der gute, dickliche Jonny durch den Sand heimgestapft. Seinen stolpernden. kurzen Beinen merkt man es an. er kann es kaum erwarten, seine Manuela wiederzuhaben, und mit vollen Backen pfeift er vergnügt die alte amerikanische Heimatweise„Home, sweet home“... So geht es jetzt Tag für Tag. und alle Beteiligten sind dabei recht zu frieden. Nur ich nicht, die Sache wird mir auf die Dauer zu langweilig, und sie entbehrt des mit Svannung erwarteten südlichen Knall effektes, den man in diesem heißblütigen Meriko füglich beanspruchen durfte.— Da, eines Morgens erscheint Ignacio anstatt zu Fuß hoch zu Roß. Amigo, denke ich, du wirst übermütig, wenn das mal gut geht! Und wirklich, als am Mittag Jonny vergnügt wie gewöhnlich heimkehrt, stutzt er, wie ihm die ungewohnten Pferdespuren in die Augen fallen. und folgt dann, einem schnupvernden Hunde ähnlich, den fremden Fährten in dem Sande, die da irgendwie die stille Einsamkeit seines Heimes stören wollen. Gleich darauf sehe ich die beiden um das Häuschen herumgehen und das Phanomen eifrig beraten. wobei die helle flinre Stimme Manuelas sein mühlameg, Paukcc: Spanisch ständig übertönt. Schließlich bleibt er breitbeinig stehen, lacht pfiffig vor sich hin, schaut nochmals den Pferdespuren im Sande nach und verschwindet mit der Frau in der Hütte. Andern Tags wird's drüben etwas früher lebendig. Ganz gegen seine pünktliche Gewohnheit tritt Jonny vor der Zeit aus dem Hause. Nicht aber mit der üblichen Aktenmappe, sondern mit einem stangenähnlichen Ding in der Hand. Jetzt sehe ich's genauer: es ist ein riesiger Reiserbesen. Damit stellt er sich' in Positur und beginnt mit liebevoller Sorgfalt den ganzen sandigen Umkreis des Häuschens hübsch glatt und sauber zu segen. Ein rührend ordentlicher Hausherr, denke ich, so etwas tut man auch in den Flitterwochen! Manuela denkt sichtlich anders: denn als der Gatte nach getaner Arbeit sich zum Fortgehen anschickt, versagt sie ihm zum ersten Male den obligaten Abschiedskuß. Aha, folgere ich mit neuerwachter Spannung, da ist doch etwas passiert!— Noch ist Jonny nicht außer Sicht, da taucht schon Ignacios Reitergestalt aus der entgegengesetzten Richtung auf— so sicher ist er nachgerade geworden. In elegantem Galopp sprengt er dem Hause zu. Doch kurz vorher pariert er, denn Manuela winkt ihm vom Fenster aus, nicht näher zu kommen. Dann sehe und höre ich, wie sie von ferne wild gestikulierend auseinander einsprechen. Darauf beiderseitiges Verstummen. Schließlich richtet sich Ignacio hoch im Sattel auf, schwenkt seinen mächtigen Mexikanerhut, gibt dem Gaul die Sporen und— 10 Tage Spielball des Orkans Die Sturmfahrt der„Witram“— Kameradschaft bolländischer Seeleute Durch die von der Berg tique" h 14. Jannar. her bekannten holländischen Schlepper „Witte Zee“ und„Lauwerszee“ wurde am Mittwoch nach der Wiltonwerft in Rotterdam der Frachtdampfer„Witram“ des Norddeutschen Lloyd eingeschleppt, der nach Verlust seines Ruders zehn Tage lang in schwerem Orkan hilflos auf dem Atlantik umhertrieb. Nach Ankunft des Dampfers gab dessen Kapitän H. Siebje eine ausführiche Schilderung der Sturmfahrt, die sein Schiff hinter sich hat. Die„Witram“ hatte am 15. Dezember Bremen mit Neuyork als Bestimmungshafen verlassen. Von Anfang der Reise an hatte das Schiff mit schwerem Wetter zu kämpfen, das später zum Orkan wurde. Als das Schiff sich auf hoher See etwa 700 Meilen von Kap Lizzard entfernt befand, wurden von hohen Wellen zwei Rettungsboote zerschlagen. Am frühen Morgen des 21. Dezember verlor die„Witram“ plötzlich Ruder und Rudersteven. was aber weniger auf die hohe See als vielmehr darauf zurückzuführen gewesen sein dürfte, daß das Ruder gegen irgendeinen Gegenstand gestoßen ist. Wie dem auch sei, von da ab wurde das Schiff hilfloser Spielball der Wellen, die es hin und her warfen. Auf einen Funkruf des Kapitäns an seine Reederei erhielten die Schiffe„No. land" und„Erlang“ des Norddeutschen Lloyd Auftrag, der„Witram“ zu Hilfe kommen. Zehn Tage lang dauerte es, bis die„Roland“ am 30. Dezember die Witram“ erreichte, die inzwischen 375 Meilen nach Nordosten abgetrieben worden war. Während dieser zehn Tage tobte ein Orkan, wie ihn Kapitän und Offiziere des Dampfers früher kaum mitgemacht zu haben glaubten. Nur selten gelang es in diesen lagen dem Koch„ein warmes Essen zu bereiten. Die Besatzung ließ sich jedoch nicht unterkriegen, sie verzichtete auch nicht auf den Weihnachtsbaum, der allerdings an der Decke des Mannschaftsraumes festgemacht werden mußte. Und während das Bäumchen hin und her schwang und draußen der Sturm heulte, saß die Besatzung im Kreis und sang„Stille Nacht, heilige Nacht“. Bald nach ihrem Eintreffen gelang es dei „Roland". die„Witram“ in Schlepp zu nehmen, infolge der schweren See riß die Trosse aber noch am gleichen Tage. Die Anbringung einer neuen Trosse war un. möglich, so daß die„Witram“ wiederum Wind und Wellen überlassen war. Am Abefnd des 31. Dezember traf det Schlepper„Zwarte Zee“ von L. Smits amp; Co.s internationalem Schlepodienst in Rotterdam ein. und am Neujahrstage gelang es dem Schlepper, Verbindung mit de: „Witram“ zu bekommen. Bis zum 3. Januar ging ull gut, durch einen neuen Orkan wur jedoch die Trosse zerrissen. jagt zurück. W.. mag jetzt kommen, überlege ich mir. neugierig von meinem Proszeniumsplatze aus die Vorgänge auf dieser Naturbühne verfolgend. Die Theaterpause ist kurz, da kehrt schon der Reitersmann in scharfem Galopp zurück. Hoch im Arme schwingt er eine speergleiche Wafse, mohl eine altmexikanische Lanze aus den Zeiten der Conquistadores! Wie er jetzt pariert und vom bäumenden Pferde springt. erkenne ich's genauer, das mörderische Instrument. Ein mächtiger Besen ist's! Ein auf langer Stange befestigter Riesenbesen. noch größer als der, damit Jonny so fleißig gefegt. Mit geschulterter Waffe folgt jetzt Ignacio der Einladung Manuelas ins Haus.„Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar“, geht es mir durch den Kopf, und derweil zerstört der draußen angebundene Gaul, im Sande vergeblich nach etwas Freßbarem suchend, das schöne Fegewerk von Jonnys fleißigem Besen.— Erst gegen Mittag öffnet sich rieder die Tür, und heraustritt Ignacio, ir: Arm die besenbewehrte Stange. GemächIch steigt er in den Sattel und bringt von * er aus mit weitausgreisenden Besenichen den sandigen Umkreis des Häuschens in eine vorherige Glätte und Ordnung zu* c k. H o c h b e f r i e d i g t s e i n W e r k ü b e r s c h a u e n d, läßt er vann den gehorsamen Gaul Schritt vor Schritt weitergehen, wobei der geschickt gehandhabte Besen die Spuren hinter dem Pferde fleißig segend verwischt... So findet der heimkehrende Hausherr die Stätte seines Glückes unversehrt vor, und ich höre, wie er vergnüglich psei't:„Home, sweet home, there is no place like home...—— Das Wetter war so schwer, daß man von der„Witram“ aus von der„Zwarten Zee“, wenn diese in ein Wellental geriet, nur mehr die Mastspitzen sehen konnte. Den Bemühungen der holländischen Seeleute, denen Kapitän Siebje uneingeschränktes Lob zollte, gelang es aber noch am gleichen Tage, ie„Witram“ wieder in Schlepptau zu nehmen. Erst wurde mit einer Leuchtrakete eine Leine über das Schiff geschossen, darauf ein Tau, ferner ein Stahlkabel und schließlich die Schlepptrosse. Der Orkan hielt an, und die See ging so hoch, daß man für das Schicksal der„Witram“ fürchtete. Am 7. Januar wurde jedoch Falmouth erreicht. Bei der Insel Wight wurde die „Witram“ dann von den Schleppern„Witte Zee" und„Lauwerszee“ übernommen, während die„Zwarte Zee“ nach Queenstown ging. Der Besatzung der„Lauwerszee“ gehören bekanntlich die drei Seeleute an, denen es gelang. an Bord der breunenden„Atlantique“ zu kommen und dort lange Zeit auszuhalten. Die drei Tapferen stammen aus Maaßluis, wo am Donnerstagnachmittag eine Huldigung stattfand, die nicht nur den drei, sondern der ganzen Besatzung der beiden Schlepper galt. Beim Pferdetausch erschossen Heilsberg, 14. Jan. In Eronau im Kreise Heilsberg wurde der Landwirt Albert Schindowsti von dem Besitzer Bruno Poschmann durch einen Schrotschuß getötet. Der Getötete war mit Poschmann und mehreren anderen in Wormditt auf dem Pferdemarkt gewesen. Auf dem Gehöft von Poschmann handelten sie dann über einen Pferdetausch. Poschmann wollte von Behlau ein Pferd eintauschen. Als Tauschobjekt galt ein Bulle und ein Schwein. Als sich der Handel zerschlug. holte Poschmann aus seiner Wohnung ein Jagdgewehr und legte es mit den Worten:„Ich werde Euch zeigen“ auf Schindowski an und schoß ihn aus kurzer Entfernung mit einer Schrotsadung nieder. Schindowski war sofort tot. Der Täter wurde festgenommen. Lebt Ivar Kreuger? Stockholm, 14. Jan. Die Stockholmer Zeitung„Allehanda" beschäftigte sich am Donnerstagabend unter aufsehenerregenden Ueberschriften mit der Frage, ob Jvar Kreuger wirklichtot ist. In einem Neuyorker Telegramm teilt die schwedische Zeitung mit, daß im Bankaueschuß des amerikanischen Senats der Ausschußvorsitzende einen der Inhaber des Bankhauses Lee Higginson beim Verhör über den Kreugerfrach gefragt hat, ob er wirklich glaube, daß Ivar Kreuger tot sei. Bankdirektor Durant antwortete, daß er zu der Zeit. als Kreuger sich erschok. in Paris war und allen Das neue Gebäude des Wehrkreiskommandos VI, das am 12. Januar in Münster i. W. in Anwesenheit von Vertretern der Reichswehr und der Staatsbehörden feierlich eingeweiht wurde. Grund zu der Annahme habe, daß Kreuger wirklich tot sei. Die Leiche habe er jedoch nicht gesehen. Senator Norbeck bemerkte, daß die Gerüchte nicht verstummten, wonach Jvar Kreuger am Leben sei. Es sei auffallend, daß man die Nachricht von Ivar Kreugers Tod niat augenblicklich veröffentlicht habe, weshalb in der Zwischenzeit große Verkäufe von Kreugerpapieren stattfinden konnten. Innerhalb der wenigen Stunden wurden nicht weniger als 165 000 Kreugerpapiere an der Neuyorker Börse umgesetzt. davon der Hauptteil auf telegraphische Order von Paris. Fünf Kinder gerettet Prag, 14. Jan. Im festgefrorenen Fluß Slatina bei Altsohl in der Slowakei brachen sechs kleine Kinder, die dort Schlittschuh liefen, ein. Ihre verzweifelten Rufe hörte der gerade vorbeifahrende Kraftwagenbesitzer Josef Hrca, der zu Hilfe eilte. Das Eis gab unter ihm nach, er geriet bis zur Brust ins Wasser, ungeachtet dessen vollbrachte er das Rettungswerk und zog fünf Kinder heraus. Das sechste war verschwunden. Hrca ruhte jedoch nicht, bis er nach langem Suchen auch dieses Kind fand. das allerdings schon tot war. Der Retter fuhr dann davon, noch ehe man ihm danken konnte. Todesurteil gegen eine Frau Budapest, 14. Jan. Am Freitagmittag wurde in Szeged ein Todesurteil gegen eine seltsame Frau ausgesprochen. Es handelt sich um eine gewisse Frau Rieger. die jahrelang in Männerkleidung von schwerer körperlicher Arbeit lebte. Sie hatte unter den Landarbeitern und Wirtschaftsangestellten den Spitznamen Pfeifenstephan und war als eine ganz besonders kräftige und rohe Person bekannt. Im Prozeß war sie angeklagt, zwei Bauern im Auftrage von Verwandten kurzerhand überfallen unv erdrosselt zu haben. Nun wurde sie zum Tode durch den Strang verurteilt, während die Auftraggeber zu 15 Jahren bzw. lebenslänglichem Zuchthaus und mehrer andere Mitbeteiligte ebenfalls zu schweren Zucht. hausstrafen verurteilt wurden. Piccard in Neuyork. Neuyork, 13. Jan. Professor Piccard ist in Neuyork eingetroffen, um hier das Studium der kosmischen Strahlen fortzusetzen Die Einreise Piccards erfolgte trotz des Protestes des amerikanischen Tierschutzvereins, der die Behauptung aufgestellt hatte, daß Professor Piccard seinem Hund sämtliche Zähne auszezogen habe, damit er die Kinder nicht eiße. Piccard hat diesen Vorwurf scharf abgelehnt. Handel und Wirtschaft Wirtschaftliche Rundschau Wieder einmal hat in den vergangenen acht Tagen die politische Entwicklung der Wirtschaft den Stempel aufgedrückt. Und wieder einmal muß die bedauerliche Feststellung gemacht werden, daß die Unsicherheit darüber, was die nächsten Tage bringen werden. die wirtschaftliche Kalkulation schädigt und daher dem gesamten Wirtschaftsleben Abbruch tut. Wenn auch nicht unerwartet, so ist doch sehr plötzlich ein neuer Konfliktstoff in die wirtschaftspolitische Atmosobäre gekommen. Zwischen Reichsregierung und Reichslandbund ist ein neuer Kampf entstanden. Die Gründe hierzu sind, soweit sich das bisher übersehen läßt, mehr formeller Natur. Wir haben in diesen Tagen von RegierungsDie Viehmärkte der Woche Auftriebszahlen und Preise in Pfennig je Pfund Lebendgewicht an den deutschen Viehmärkten seite in einigen Ausschüssen des Reichstages u. a. auch vernommen, daß man sich darüber klar ist, daß lediglich über die Wirtschaft der Haushalt des Reiches in Ordnung gebracht werden kann. Eine Wirtschaft, die kraftlos ist, muß immer neue Erwerbslose ausstohen, wird immer weniger Steuern zu zahlen imstande sein. Darum ist die Sicherung der gesamtwirtschaftlichen Rentabilität wichtiger als alle andere Maßnahmen. Dabei bleibt noch als großer Kompler, ja als erstes Erfordernis gewissermaßen, eine planvolle Fortführung der deutschen Handelspolitik. Was das allein für die Landwirtschaft bedeutet, braucht hier wohl nicht erst des näheren dargelegt zu werden. Im übrigen sind die Nachrichten aus der Industrie in den letzten Tagen nicht ungünstig gewesen. So weist der Stahlverein günstigere Ziffern für das letzte Quartal 1932 auf, zum ersten Mal seit langer Zeit zeigen die Umsatzund Produktionsziffern aussteigende Tendenz. und gegenüber dem vorbergebenden Quarto! Juli—September 1932 hat sich der Inlandsabsan auf 51 02(4635) Millionen RM. erhöht. Prozentual besonders stark war die Steigerung der Rohstablerzeugung auf 0.67 Millionen Tonnen gegen 0.44 Millionen Tonnen im vorhergchenden Quartal und 063 Millionen Tonnen ein Jahr zuvor. Der Verein für Jellstoff=Industrie zeigt in seiner jüngsten Bilanz, in der auch die Kavitalzusammenlegung sowie die beabsichtigte Neuemission bereits berücksichtigt sind. ebenfalls einen weitgebend konsolidierten Status. Ziemlich ungünstig lieden dagegen die Dinge bei der Zeche Sachsen und seiner Beleoschaft sowie bei einer der Rhein=Preußen=Schächte. Nicht überrascht hat die starke Reichsbankentlastung, bei der trotz erbeblicher Zinsfälligkeiten eine ausgeglichene Devisenbilanz festzustellen ist. Sind doch in der ersten Januarwoche nicht allein die Ultimo=Kredite abgedeckt worden. sondern darüber hinaus wurden noch 50 Millionen RM. weitere Kredite zurückgezahlt. Diese Cntwicksung des Reichsbankstatus zwingt in steigendem Maße zu einer schnellen Ingangsetzung der Diskantfrage. von deren Lösung zwar niemals ein Allheilmittel erwartet werden kann, die aber doch der Wirtschaft Erleichterungen bringen kann, die heute weniger denn je zu entbehren sind. Wetterbericht Für das mittlere Deutschland: Fortdauer der trockenen heiteren und kalten Wetters, mäßige südwestliche Winde. Für das übrige Deutschland: Im Osten starker, im Westen mäßiger Frost. sonst keine Aenderung des berrschenden Wetters. Ge" dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere treusorgende, gute Mutter. Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Hedwig Vüllers geb. Everken heute früh 7 Uhr, verschen mit den Hellsmittein unserer hl. kath. Kirche. zu sich zu nehmen. In tieler Trauer: Friedrich Vüllere, Major u. Batls.-Kmdr. Im 16. Inf-Regt. Hetty Vüllers, geb. Perlig Lothar Freiherr von Perfall, Maior a. D. Reaa Freifrau von Perfall, geb von Zwehl Elisabeth Heising, geh. Everken und 10 Enkelkinder. Detmold, Osnabrück, Berlin, Poderborn den 14. Januar 1933. Die Beerdigung findet stalt Dienstag. den 17. lanvar. nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause. Das Seelenamt ist am gleichen Tage um 7.30 Uhr in der kath. Pfarrkirche in Detmold. Familien-Nachrichten. Karoline Bruns, geb. Wiencke. Hornoldendorl. 78 I. Anna Sundermann, Kachtenhausen, 24). Katharina Lerch. Bad Salzullen, 70 l. Wilh. Stickdorn, Bad Salzulen, 75]. Fritz Stohlmann, Blomberg. 25. Der von Herrn Dr. Volk persönlich abgehallene Redner-Kursus beginnt am Mittwech. dem 18. Januar. abends 8 Uhr. im großen Lehrsaale der Schule.— Armeldungen werden noch entgegengenommen. Verlangen Sie schriltlich oder unter der Rulnummer 2222 Prospekte vom Falalsstraus C. Am Montag, dem 16. d. Mis., eröllne ich in Oetmold, BerthaBtraße 12, einen -V. Tuschneidekursus für Weiß- und Buntnähen. lunge Mädchen die sich für den Hausbedarf im Zuschneiden und Nähen ausbilden wollen, linden Aufnahme. Evtl. Abendkurse. Frau Juna Karaus, geb. Baumeister Landwirte— Geflügelhalter! Liefern Sie Ihre Eier an die Lippische Zentral=Eier= und Geflügelverwertungsgenossenschaft Lemgo Mittelstr. 106. Tel. 645 oder deren Sammel stellen. Dort werden außer Maisvergünstigung die höchsten Tagespreise gezahlt. 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Schriftliche Anmeldungen nur auf Vordrucken. die beim Hausmeister der Schule erhdltlich und genau auszufüllen sind. Detmold, den 15. Januar 1933. Dr. Bonwetsch. Slaztl. Gymuasinn und Oberrealschule. Die zu Ostern 1933 neu aulzunehmerden Schüler müssen bis zum 31. lanuar bei dem unterzeichneten Direktor schriltlich oder münd lich(morgens zwischen 11 und 12 Uhr im Anstaltsgebäude) angemeldet werden. Bei der Anmeldung ist anzugeben: 1. die Klasse. für welche die Aufnahme beantragt Sird. 2. die Anstalf, ob Gymnasium oder Oberreg'schule Anmeldescheine sind in der Anstalt beim Amtsobergehillen erhältlich. Spdtere Anmeldungen können nicht auf Berücksichtigung rechnen. Der Termin für die Aulnahmeprüfung(Anlang Aprill wird den zu prülenden Schülern demnächst mitgeteilt. Detmold, den 14. Jonuar 1933. — Di. Altfeld. Landwirtschaftliche Schule Lage Bei genügender Teilnahme findet in der Zeit vom 1. Februar bis 1. März 1933, nachm 2 bis 5 Uhr an der landwirtschaltlichen Schule zu Lage ein Mädchen-Kursus statt.— Anmeldung und Auskunft: Landwirtschaft Schu'e, Love, Teleion 455 Zwangsversteigerung. Am Freitag, 27. Januar, 1933, vorm. 10½ Uhr, erfogt im Zimmer Nr. 3 die zwangsweise Versteigerung des im Grundbuche von Detmold Bd. 14. Bl. 695 auf den Namen des Sattlers Hermann Schuh in Detmold einge ragenen Grundbesitzes„Krumme Straße“ in Größe von 1 a 70 gm nebst dem Wohnhause mit Hinterhaus. Das Amtsgericht 1 Detmold. Obertörsterei Bruke. Nutz- und Brennho'z-Verkauf. Am Mittwoch, den 18. Januar 1933: I. vorm 10 Uhr bei Gastwirt Rehm,„Landwehr“: Diestelbreite: Nr. 751/57, 808/834 845/849— 7 Bu mit 3.59 Im: 62 rm Kl. u. Knol. II. nachm. 2 Uhr bei Gastwirt Bertho d-Dörentrup: Krummestück: Nr. 1485/1541— Ei: 7.11 m Pähle. 4 Nutzh.- 2.07 im: Nettling: Nr. 576, 587/591— 5 Esch.-Hin., 15 Wagendeichse: Schneise: Nr. 628 632— 5 E— 291 Im.: Sporkholz: Nr. 176/178 179/293— H. 2 Nutzt = 103 Im. 125 rm Pjähle. 183 rm Kl. u. Krp Landestheater Mittwoch 19.30 Uhr Schlller Schauspiel Die Var sschüler Bildeugsveren De meid. 80. Konzer Donnerstag, 19. Jonuar 8¼ Uhr abends im Gesellschaftsaus Lubka Kolessa Ausgabe der Eintrittskarten gegen Rückgabe des Abschoiltes 3. der Abonnementskorte 1n der Bibliothek an Wall Montag von 4-6 Uhr Mittwoch von 10—1 Uhr. Nichtabonnenten zahlen 2.50 Mk. Der Dorsland Musikverein. * 3. Vereinsabend Dienstag, 28. Jonuar, 20 Uhr Gesellschalts haus. Anmeldung von Vorträgen an Studienrat Jording. Frische Quelle Hiddesen. Sonntag nachmittag 3½ Uhr Konzert ab 7 Uhr mit Tanzeinlagen. 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Wir entnehmen der ausführlichen Darstellung folgende Einzelheiten: Die im verflossenen Jahre immer wieder an uns gerichtete Frage nach dem Stande der Bautätigkeit und nach baulichen Sachen überhaupt. haben gezeigt, daß auch in der Bevölkerung für diese Dinge ein nicht unerhebliches Interesse vorhanden ist. gezeigt aber auch, welche Bedeutung man dem Bauwesen, als einen Gradmesser der Arbeitsmöglichkeit, beimißt. Dies Interesse veranlaßt uns, wie in den Vorjahren, den letzten Vierteljahrsbericht wiederum zu einer Gesamtübersicht zu gestalten. Wir hoffen, daß die angegebenen Zahlen, insbesondere aber auch die zu den Zahlen und sonstigen Tatsachen ausgeführten Bemerkungen und Schlußfolgerungen, dazu dienen mögen, für das kommende Jahr belebend und fördernd auf den Arbeitsmarkt zu wirken, was mehr wie zuvor notwendig ist. Wir wenden uns dem Hochbauwesen zu und lassen, wie immer, zunächst einige Zahlen sprechen. Zahl der gesamten Baugenehmigungen: 1930: 99. 1931: 57. 1932: 75. Tarunter sind: 1930 1931 1932 Wohn= und Geschäfte. 35 12 19 Wohnhauserweiterungen 5 1 12 Oeffentl und sonstige Bauwerke— 1 Größere und kleinere gewerbliche Anlagen 13 4 14 Garagen pp. 9— 4 Kleine Anlagen, Einfriedigungen 30 36 25 Das in den Bauanlagen festgelegte Baukapital betrug 1930 rund 1000000 RM. 1931 rund 380000 RM. 1932 rund 430000 RM. An Wohnungen wurden geschaffen: in Neubauten 32. durch Umbauten 13. Aus den Zahlen ergibt sich ganz eindeutig, daß die Bautätigkeit in Lage durchaus nicht schlecht war. Im Gegenteil, wenn das Baukapital berücksichtigt und die gegen das Vorjahr erheblich gesunkenen Baupreise, insbesondere aber die Bauarbeiteröhne in Vergleich gebracht werden, so ist das verflossene Baujahr als durchaus gut zu bezeichnen. Trotzdem wird auch seitens des Lageschen Baubandwerks geklagt und mit Recht. Woran liegt das? Daß infolge der hohen gemeindlichen Soziallasten in erster Linie an den Bauunterhaltungen und Bauverbesserungen testrichen und gespart wird, ist naturnotwendig. Was ein solches Verfahren aber für das beteiligte Handwerk bedeutet, ist nur zu ersichtlich, wenn nan bedenkt, daß z. B. auch in Lage die betr. Eiatposition von früher 11000 RM. auf 1700 RM. herabgesetzt werden mußte. und nur das allernotwendigste zur Durchführung kommen konnte. Hier wieder Wandel zu schaffen, ist die Aufzabe der Zeit. Im Wege der städtischen Randsiedlung wollen 49 Interessenten sich ein Kleineigenheim schaffen. Die nötigen Schritte, auch für Lage Mittel zu bekommen, sind bereits seit September in die Wege geleitet. Auf dem Gebiete des Tiefbauwesene venden wir uns zunächst dem Straßenbau zu. Finanzkrise bedeutet auch zugleich Straßenbaukrise. Man kann leider nur schmerzliches berichten. Straßenbau ist nun einmal ein teures saritel. Trotzdem ist getan, was getan werden kennte. Wenn auch keine großen Fortschritte gemacht wurden, so läßt sich doch mit Genugtuung registrieren: Gehbahnanlage an der Bruchstraße in Verbindung mit der Straßenpflasterung durch den Kreis Hier ist ein Notsand behoben. Hoffentlich bringt uns das neue Jahr die Fortsetzung. Fahrbahnbefestigung in der Werrestraße. Auch hoffen wir nächstes Jahr die Fortsetzung zu ermöglichen. Gehbahnanlage an der Marienstraße und teilweise Schillerstraße mit Fahrbahnbefestigung in der Marienstraße. Fußweg Eichenallee mit nächstjähriger Beendigung. Weg zum Freibad mit hoffeutlicher nächstjähriger Fortsetzung. Regulierungsarbeiten Stresemannstraße. Offenlegung des neuen Ziegeleiweges (als Schuttplatz freigegeben) und viele Kleinarbeiten usw. Leider war eine Reparatur des Straßenpflasters nur in bescheidenem Umfange möglich. Es muß aber noch gelingen, hierfür einige Mittel zu beschaffen, da viele Straßen. z. B. Im Ort, Schulstraße, Friedrichstraße ganz erheblich gelitten haben. Aufschiebung von Schadensbekämpfung bedeutet bekanntlich Verteuerung. Erwähnen wollen wir die Uebernahme verschiedener Straßen durch den Kreis, hoffentlich gelingt es hierdurch, an den übrigen Straßen der Stadt demnächst mehr anzuwenden. Dies trifft namentlich auch auf die Anlage von Gehbahnen und sonstige ungepflasterte Straßen zu. Hierher gehören vor allem die Woldemarund Luisenstraße. Auf dem Gebiete der Kanalisation sind auch in diesem Jahre Fortschritte zu verzeichnen. Wir erwähnen: den Kanal an der Oberen Straße, die Kanäle Freiligrath= und Hardisser Straße, ferner die Kanalanlage Bruchstraße, mit dem durch die Anliger des Baublocks Werre= und Technikumstraße geschlossenen Sammelkanal für diesen Baublock und zum Schluß den durch Fleischermeister Hammerschlag geschaffenen Kanal in der Ohrser Straße. Alle Kanalanlagen beseitigen erhebliche Uebelstände auf dem Gebiete der Stadtentwässerung. Es mögen Zweifel entstehen, ob es richtig ist, diese Kleinkanäle zu bauen. Vergegenwärtigt man sich jedoch das Fehlen der Wasserleitung mit etwa 360000 RM. Baukosten, die zu bauen als erste Arbeit zwingend notwendig ist, ferner die Schwierigkeiten, das Gesamtkanalisationsprojekt mit etwa 600000 RM. in absehbarer Zeit durchzuführen, so darf man behaupten, daß mit ruhigem Gewissen jede Beseitigung von Uebelständen und der Bau von solcben Kleinkanälen wohl verantwortet werden kann. Der mit dem Bau der Schlachterei Wiemann in Verbindung gebrachte Kanal in der Friedrich= straße wird weitere Uebelstände. namentlich an der Schulstraße beseitigen helfen. Die Zahl der Kanalanschlußgenehmigungen nimmt ständig zu. Es sind genehmigt: 1930: 30 Anschlüsse, 1931; 7 Anschlüsse, 1932: 26 Anschlüsse. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm des Reiches hat die Stadtverwaltung veranlaßt, folgende Projekte für Lage vorzuschlagen: 1. Wasserleitung 360000 RM. 13000 Tagewerke 2. Straßenbauten 50000 RM. 1300 Tagewerke 3. Kanalisation 600 000 RM. 15000 Tagewerke 4. Werreregulierung 5. Höherlegung des Bahnhofs Lage bzw. Beseitigung des Bahnüberganges Lemgoer Straße u. a. m. Ob es möglich ist, das eine oder andere Projekt in Lage zur Ausführung zu bringen, steht dahin. Zu den tiefbautechnischen Maßnahmen gehören auch die Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes. Längere Ausführungen können wir uns ersparen Wir erwähnen aber gern. daß die Arbeitsfreiwilligen bisher in Lage zufriedenstellende Arbeiten geleistet haben, wofür ihnen Anerkennung gebührt. Ueber die öffentlichen Anlagen noch ein Wort zu sagen, sei erlaubt. Die Unterhaltung geschah in der üblichen Form. Immer wieder in dem Gedanken. das hervorragende Werbemittel gebührend herauszustellen. Wir sind damit ganz unwillkürlich in das Gebiet der Verkehrswerbung gekommen. Auf Wunsch des Verkehrsvereins wurde bekanntlich ein Verkehrsamt eingerichtet. Das Stadtbauamt übernahm diese neue Aufgabe in der Erkenntnis, daß mit einer solchen Naßnahme die Wirtschaft gefördert werden kann. Natürlich kann es sich nur um ein„Nebenbei" handeln. Persönliche Opfer an Zeit und Geld sind daher unerläßlich sie wurden gern gebracht. Die Verbindung mit den Verkehrsorganisationen sind besonders aut. Man darf behaupten, daß die Stadtgemeinde, der Verkehrsverein und nicht zuletzt auch die Verkehrsgemeinschaft„Dörenschlucht" bestens zusammenarbeiten um für die Stadt und für die übrigen angeschlossenen Vereine und Orte alles berauszuholen, was ohne große Mittel möglich ist. Dem Ortsmuseum wurden zum Teil recht gute Gegenstände auch im verflossenen Jahre gestiftet. Leider fehlt immer noch der geeignete Raum zur Aufbewahrung. Das Freibad Werreanger, diese vorzügliche Werbeanlage, steht mit seinen 60000 Besuchern einzig da. Im vergangenen Jahre wurde mit etwa 1200 RM. Kosten eine wesentliche Verbesserung durchgeführt.(Zellenbau, Fuß= und Planschrinne, Brause usw.). Weitere Verbesserungen sind notwendig, hierzu gehört vor allem eine Wasserrutschbahn. Zusammenfassend kann gesagt werden, trotz Notzeit brachte das verflossene Jahr der Stadt doch Fortschritte. Diese Fortschritte auch im kommenden Jahre aufrecht zu erhalten, zum Besten der Stadt und ihrer Bewohner, das sei eine Aufgabe aller beteiligten Kreise. Wenn die Ausführungen etwas lang wurden, so möge dies die Tatsache entschuldigen, daß sie dem Besten der Stadt dienen sollen. Dem Uninteressierten sind bekanntlich auch die kürzesten Ausführungen noch zu lang. Den Interessier= ten, und das sind hoffentlich recht viele, kann nie genug gesagt werden. Ein„Votwarts“ auch für 1333: Wer Zmak kauft, Spant nock mieln gesd! Glauben Sie denn, mit einem einzigen Bezuch unseres riezigen Inventur-Verkaufs all die KaufVortelle gesehen und erkannt zu haben, die wir Ihnen bieten! Unsere Sensations-Angebete sind nicht in ein paar Tagen erschöpft. Kaum ist ein Warenposten geräurnt, rücken neue vorteilhafte Angebete nach. Kommen Sie lieber dreimal, als zweimal. Oetmold, Sonntag, 15. Januar 1933 Sparkassen eine Herabsetzung der Hypothekenzinsen auf 5½ Prozent und ½ Prozent Verwaltungskosten. sowie die Senkung des Abtrages aus der Postanleihe von 10 auf 5 rozent verfügt. Herr Kisse erläuterte die erreichten Vergünstigungen. Man war allgemein der Ansicht, daß die Anträge gemeinsam gestellt werden sollen. Der Vorsitzende des Landesverbandes wird vorher noch einmal gemeinsame Besprechungen mit Vertretern der Ortsgruppen ansetzen, um über die zweckmäßigste Art der Antragstellung Klarheit zu erhalten. Wählt Deutschnational Liste Rotgemeinschaft Lippischer Ziegler Im Versammiungsraum der Turnhalle fand Freitag in Lemgo eine Zusammenkunft der Ortsgruppen der Notgemeinschaft der Lippischen Siedler aus dem Begatale statt, die von etwa 100 Personen besucht war. Herr Kisse=Detmold, der Vorsitzende der Notgemeinschaft. erstattete Bericht über die Verhandlungen. die mit der Lippischen Landesregierung im Hinblick auf eine Senkung der Lasten der Siedler gepflogen sind. An diesen Verhandlungen beteiligten sich 7 Vertreter der Notgemeinschaft und di: Landesregierung. die Domänenabteilung, Vertreter der Städte, der Landräte und der Wohnungsbaukreditanstalt. Von den Behörden ist den Siedlern zugestanden: I. Herabsetzung der Zinsen für die Hauszinssteuerhypotheken von 4 auf 1 Prozent auf Atrag: 2. Aussetzung des Abtrages der Hauszinssteuerhypotheken auf Antrag: 3. Senkung der Zinsen für die Grundstückskaufhypotheken auf Antrag auf 2 Prozent; 4. Befreiung von der Grundwertsteuer über 5 Jahre hinaus auf Antrag. Allgemein ist ab 1. Januar bei den lippischen 90 Jahre „landwirtschaftliche Zeitung“ Ein seltenes Jubiläum. Mit der ersten Nummer des neuen Jahres begann die„Landwirtschaftliche Zeitung für Westfalen und Lixpe“, das Amtsblatt der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen, ihren 90. Jahrgang. Diesem bemerkenswerten Anlaß widmet das Blatt einige Betrachtungen, von denen wir folgende Sätze wiedergeben möchten: Mit diesem Heft beginnt unsere Zeitschrift ihren 90. Jahrgang und steht damit volle drei Lebensalter im Dienste der westfälischen Landwirtschaft. Sie begeht also eine Art sichts der vielen ungeklärten Fragen der Gegenwart, in einem kurzen Rückblick auf die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der westfälischen Landwirtschaft und ihrer heimatlichen Fachzeitschrift einzugehen. Bis vor rund 100 Jahren kannte man noch keine Fachzeitschriften im Lrutigen Sinne. Die damals in Verbindung mit den Anfängen des landwirtschaftlichen Vereinswesens in den einzelnen Landesbezirken geschaffenen Vereinsblätter, zu denen auch unsere Zeitschrift gehört, sind als die ersten Fachzeitschriften Deutschlands bzw. der Welt anzusprechen. Diese Tatsache ist nur sehr wenig bekannt und verdient besonders deshalb hervorgehoben zu werden, weil sich heute manche Kreise gern darin gefallen, der Landwirtschaft eine geisse Rückständigkeit und ein Hinterherhinken hinter der Zeitentwicklung verzuwerfen. Wenn wir daher heute allein in Deutschland einige tausend Fachzeitschriften aufweisen, so ist es immerhin nicht unwesentlich, betonen zu können, daß die Landwirtschaft hier wegweisend vorangegangen ist und auf diesem Gebiete ein unbestreitbares Verdienst für sich in Anspruch nehmen kann. Ziel ist nicht irgendein Gewinn, sondern lediglich die Förderung des Berufsstandes. Was sich 90 Jahre in dieser Weise bewährt hat, wird auch in Zukunft ein geeignetes Instrument sein, um die heimische Landwirtschaft in jeder Beziehung weiter fördern zu helfen und ihr im Kampfe um ihre Wiedergesundung treu zur Seite zu tehen.“ ein Schöpfwerk leistet Die größte Schöpswerkpumpe der Welt. Deutschland hat die größte Schöpf: werkvumpe der Welt in Betrieb, sie arbeitet in dem 1929 am Elbdeich bei Otterndorf erbauten Schöpfwerk, das das Hadelner Siet= und Oberland zu entwässern hat. Das Werk ist in diesen Tagen drei Jahre in Betrieb und hat in dieser Zeit etwa 200 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Lande Hadeln in die Elbe geschöpft. Das Land Hadeln liegt zum Teil 50—80 Zentimeter unter dem Elbwasserspiegel und litt daher seit Menschengedenken an Ueberflutungen seiner Kulturländereien, die jede Geld= und Arbeitsaufwendung illusorisch machten. Nach einer Uebersicht aus der Tätigkeit des Schöpfwerkes ist zu entnehmen, daß das Werk in jedem Jahr 900 bis 9.0 Stunden in Betrieb war; das sind im Durchschnitt täglich 2 bis 3 Stunden. Die Höchstleistung des Schöpfwerkes sind 24 Kubikmeter in der Sekunde. Bei einer Durchschnittsleistung von 18 Kubikmeter in der Sekunde schöpfte der Werk also im Jahre 65 Millionen Kubikmeter aus dem Lande heraus und über den Elbdeich hinweg in die Elbe. Im letzten Sommer lag das Schöpfwer während der Trockenheitsperiode mehrere Wochen vollkommen still, dafür brachte aber der Monat Oktober mit seinem langanhalte iden Regenfällen einen Ausgleich. Im Oktober 1932 war das Schöpfwetk 300 Stunden in Betrieb und hat während dieser Zeit 20 Millionen Kubikmeter Wasser fortgeschöpft. Mit Leichtigkeit ist das Werk in der Lage, täglich 5 bis 6 Stunden zu schöpfen und so jährlich 130 Millionen Kubikmeter Wasser zu schöpfen. eine Menge, die an Niederschlägen kaum jemals auf dem in Frage kommenden Niederschlagsgebiet hätten fallen können KU Schule. An der Li wirtschaftlichen Sckole zu Lage findet, genügender Teilnahme, in der Zeit vom Mittwoch, den 1. Februar bis Mittwoch, den 1. März 1133. ein Mädchenkur'us für Landwirtstöchter statt Der Unterrichtsstoff sucht dem Aufgubenkreie der Landwirtsfrau im Hausmilt im Hof und Garten und als Glied der Volkwirtschaft gerecht zu werden. Den breitesten Raum nimmt das hauswirtschaftliche Gebiet ein, das die Haushaltskunde, die Nahrungsmittelkunde, die Handarbeitskunde und die Gesundheits=, Kranken= und Ki. verpflege umfaßt. Dem Interesse für Hof und Garten wird durch die Lehrfächer: Jungtieraufzucht, Geflügelhaltung, Milchwirrschaft, Obstbau, Gemüsebau und Buchführung entsprochen. Der Stellung der Frau in der Volkswirtschaft sind ausgewählte Vortröge aus den Gebieten der Bürgerkunde, Heimat= und Jugendpflege gewidmet. Die Unterrichtszeit. nachm. von 2 bis 5 Uhr, ist den bestehenden Zugverbindungen auf allen Bahnstrecken angeraßt. Nöhere Auskunft erteilt die Landwirtschaftliche Schule zu Lage.(Siehe Anzeige.) Das Jugendnotwerk in Livpe Eine Besprechung aller interessierten Organisationen Schähmar Sein 70. Lebensjahr vollendet am Mon tag Tischlermeister Heinrich Bartels meier. Aechternstraße. Vor kurzer Zei: konnte Herr Bartelsmeier sein 45jähriges Meisterjubiläum begehen. Zu dem Jubiläum sowohl wie zu seinem Geburtstage gratulieren wir recht herzlich und wünschen ihm nuch für die Zukunft das Beste. Die Generalversammlung der Spar= und Darlehnskasse Schötmar findet am 21. Jan., nachm. im Hotel Korf statt. Die Jahresrechnung. Gewinn= und Verlustrechnung und Belanz liegt ab 14. Januar 1933 in dem Geschäftslokal der Genossenschaft, also zur Zeit in dem Dienstzimmer des jetzigen Rendanten. Herrn Pethia. Leiter der Amtesparkasse Schötmar, zur Einsichtnahme der Genossen aus. Vortrag im Bürgerverein. Es wird schon heute darauf hingewiesen, daß der nächste Vortrag am 26. Januar im Saale des Hotel Korf stattfindet. Herr Direktor Lutz Heck aus Berlin hält einen Lichtbildervortrag über„Auf Tierfang in Afrika“. Diesen ausgezeichneten Vortrag sollte keiner verpassen. Bad Salzuslen 10193 Wahlberechtigte. Die Zahl der Wahlberechtigten beträgt für die Landtagswadl im Stadtbezirk Bad Salzuflen 6481, im Stadtbezirk Schötmar 3712, also zusammen 10 193. Ihr 70. Lebensjahr konnte gestern Frau Wwe. Pauline Stuckmann, Noonstr. 11, in körperlicher und geistiger Frische vollenden. Der Jubilarin auch unsererseits die herzlichsten Glückwünsche. Am Donnerstag fand in Detmold. Hotel„Arminius“, eine Besprechung über das Jugendnotwerk statt. Zu der Besprechung hatte das Arbeitsamt alle die Stellen und Organisationen geladen, die an der Hilfe für die arbeitslose Jugend mitwirken. Vertreten waren die. Gemeinden durch die Jugend= und Wohlfahrtsämter und die Berufsschulen, die freie Wohlfahrts= und Jugendpflege und Winterhilfe, die Geistlichkeit und Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art, die Berufsverbände der Arbeitnehmer und die Arbeitgebervereinigungen. Der Vorsitzende des Arbeitsamtes, Oberregierungsrat Dr. Barabeer, eröffnete die Besprechung und erläuterte den Sinn, die Aufgaben und die Durchführung des Jugendnotwerks. Nach dem Aufruf des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung vom 24. Dezember 1932 soll das Notwerk der arbeitslosen Jugend Gelegenheit zu ernsthafter beruflicher Bildungsarbeit bieten und ihr sonstige sinnvolle geistige und körperliche Betätigung ermöglichen. Es soll ihr in Verbindung damit täglich eine gemeinsame warme Mahlzeit sichern. Der Vortragende führte aus, daß die Arbeitsämter aus ihrem Aufgabenkreis heraus auf die besondere Not der arbeitslosen Jugendlichen seit langem gestoßen sind und Maßnahmen zur Milderung der Not der Jugendlichen in großem Umfange durchgeführt haben. Um die besonderen geistigen und seelischen Schäden abzuwenden, hat die Reichsanstalt Kur'e zur beruflichen Fortbildung für jugendliche Arbeitslose eingerichtet. Im Bezirk des Landesarbeitsamtes Westfalen nahmen im vergangenen Jahre 35000 Jugendliche an diesen Kursen teil. Es wurden insgesamt 282 Kurse mit einem Kostenaufwand von 154000.— RM. durchgeführt. In Lippe haben die Berufsschulen die beruflichen Fortbildungskurse für jugendliche Arbeitslose abgehalten. Die Frauenverbände haben sich der weiblichen Arbeitslosen angenommen. Die zweite große Maßnahme zur Betreuung der jugendlichen Arbeitslosen bildet der freiwillige Arbeitsdienst, der sich in Lippe dank der unermüdlichen Mitwir kung zahlreicher Persönlichkeiten kräftig entfalten konnte. Der freiwillige Arbeitsdienst bewies daß die Jugend heraus will aus dem sinnlosen Nichtstun der Arbeitslosigkeit. Auf den Erfahrungen des freiwilligen Arbeitsdienstes und auf den Fortbildur Bkursen baut sich organisch das Jugendwerk auf und entwickelt sie weiter. Der Reichsarbeitsminister hat die Reichsanstalt mit der Durchführung des Jugendnotwerks beauftragt. Die Teilnehmer des Jugendnotwerks sollen durchschnittlich mindestens 2 Stunden täglich mit beruflicher Bildungsarbeit beschäftigt werden, mindestens weitere zwei Stunden täglich sind auf Leibesübungen oder auf gemeinsame geistige Beschäftigung— Freizeitgestaltung— zu verwenden. Dazu sollen die Jugendlichen eine warme Mahlzeit erhalten. Bei der Beschaffung und Zubereitung der gemeinsamen Verpflegung haben sie zu helfen oder auch Helferdienste bei Einrichtungen der öffentlichen und freien Fürsorge zu leisten. Die Reichsregierung hat zur Durchführung des Notwerks einen Betrag von 9 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt. Daraus kann eine Beihilfe zu den Kosten des Jugendnotwerks geleistet werden, die für den Jugendlichen und den Tax 17 bis 20 J beträgt. Die Beihilfen werden jedoch nur dann gezahlt, wenn sich auch andere Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und an den sonstigen Aufaaben des Notwerks beteiligen. Der Vortragende rief alle an der Arbeit für die Jugend interessierten Stellen und Einrichtungen zur Mitwirkung auf. In der Aussprache, an der sich alle Stellen und Vereinigungen rege beteiligten, wurde von allen Seiten die Bereitschaft, mitzuwirken, betont. Es wurde bedauert, daß der Aufruf der Reichsregierung erst am Ende des Jahres berausgekommen ist. Es muß deshalb die Durchführung des Jugendnotwerkes beschleunigt werden. Persönlickkeiten, die aus den vergangenen Jahren bereits Erfahrungen auf diesem Arbeitsgebiet besitzen, stehen zur Verfügung.„ Zu der Arbeitsgemeinschaft für das Jugendnotwerk sollen folgende Gruppen je zwei Vertreter entsenden: Oeffentlich= rechtliche Körperschaften. Lehrerschaft und Berufsschulen. Jugendund Sporterbände, Jugend= und Wohlfahrtspflege und Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Lemgo Die Beratungsstunde für Sänglinge findet am Dienstag, den 17. d. M., nachm. 2.30 Uhr, im Vereinshaus, Rampendahl, statt. Hausfrauenbund. Am Dienstag, 17. d. Mts., findet in Bielefeld auf dem Johannisberg ein Provinzial=Landfrauentag statt, zu dem die städtischen Hausfrauen eingeladen sind. Die Vorsitzende des Reichsverbandes deutscher Hausfrauenvereine, Frau JeckerAachen, spricht dort über„Stadt und Land“. für viele städti'che Hausfrauen ist dies eine Gelegenheit, diese hervorragende Persönlichkeit einmal kennen zu lernen. Am Dienstag soll um 1 Uhr ein Auto nach Bielefeld fahren. Anmeldungen sind umgehend in der Buchhandlung Weege erbeten. Die Politik des„Systems Drake“ hat auch hier verheerende Auswirkungen gebracht. Heule ist Wahltag! Wenn es besser werden soll, dann jede Stimme der Liste 3: Deutschustionale Volkspartei! * eg= Internationaler Besuch! Gestern mittag erregten hier über 30 schwere ausländische Kraftwagen besonderes Aufsehen. Wie bekannt wird, handelt es sich um eine Zielfahrt nach Monte Carlo, an der Fahrer aus Finnland. Norwegen. Dänemark, Schweiz und der Ukraine teilnehmen. Eine Sonderausgabe unserer Zeitung brinot am Montag. früh die Wahlergebnisse aus sämtlichen Städten und Dörfern, dazu die Mandatsverteilung im neuen Landtag und Berichte über den Verlauf des Wahlsonntags. Diese Sonderausgabe wird unsern Lesern durch die Agenturen zugestellt. sorn Jeichen der Je. Nen ntericht sn relt“ für den Monat 54.#— weniger als 9 Jwanosperkei1“, rungen bekannt. Hierunter befinden sich 4 Landwirte, 3 Handwerker, 1 Gastwirt und den Fahrradwerke. In den meihandelt es sich um Zinsrückum fällige Steuerbeträge. Oerlinghausen Den ärztlichen Sonntagsdienst versieht Herr Sanitätsrat Dr. Meyer, Reuterstraße, Fernruf 19. Ihren 79. Geburtstag feiert heute Ww. Marie Noolf, Hermannstraße 12. Wir gratulieren herzlich! Generalversammlung des Kriegervereins. Im Rathaussaal findet heute abend um 8 Uhr die diesjährige Generalversammlung des Kriegervereins statt. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum Freitag wurde bei dem Kalkwerk Foerth eingebrochen. Die Diebe drangen in den Aufenthaltsraum ein und entwendeten ein Paar Lederhandschuhe. Vor einem entfernten sie den Dynamo und den Scheinwerfer und nahmen die Sachen mit. Außerdem machten die Eindringlinge das Telefon unbrauchbar. Irgendwelche Wahrnehmungen die zur Ergreifung der Täter führen können. wolle man der hiesigen Gendarmeriestation mitteilen. Ein neuer Feuerteich. Als eine der nächsten Arbeiten für den freiwilligen Arbeitsdienst ist auch in Aussicht genommen, den Barkhauser Teil als brauchbaren Feuerteich herzurichten. Es wird damit gerechnet, daß eine etwa 1 Meter dicke Schlammschicht entfernt werden muß. Ferner soll auch ein Weg zum Feuerteich gebaut werden, der vom Barkhauser Wege abzweigt und quer durch die Weiden führt. Die Feuerspritze kann dann bis dicht an den Teil herangebracht werden. Ein fester Weg zum Segelflugplatz. Die Arbeiten am neuen Wege zum Segelflugplatz schreiten rüstig voran. Man geht jetz: daran. eine 5 Meter breite Packlage zu setzen. Das Steinmaterial wird aus dem benachbarten Kalksteinbruch des Herrn Foerth gewonnen. Ueber die Packlage kommt dann eine feine Schotterschicht, so daß demnächst mit einem festen Mege gerechnet werden darf. Blomberg Vom Bürgerschützen=Bataillon c. B. ist in das Vereinsregister eingetragen: Anstelle des Landwirts Heinrich Bunte ist der Bäckermeier Heinrich Stöteknuel und für den Fabrikarbeiter Wilh. Weber der Schlachtermeister Friedrich Reese in den engeren Vorstand bestimmt. Marine=Krastwagenunglück vor dem Bielefelder Gericht Der Angeklagte Obermaschinistenmaat treigesprochen. Bieleseld, 11. Januar. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Bieleseld hatte sich heute der 28 Jahre alte Obermaschinistenmaat Karl Müller aus Kiel zu verantworten, den die Kluge Fahrlässigkeit in der Führung eines Transvortes vorwirft, wodurch vier Menschen ume Leben kamen. Der Klage liegt folgender Tatbestand zugrunde: Im Juni v. J. steuerte der Angeklagte einen Lastwagen der Reichsmarine durch die G.gend von Schlüsselburg a. d. Weser. Neben ihm im Führerhaus saß ein Stabsarzt, während auf dem Wagen selbst Angehörige der 1. Marineartillerie=Abteilung aus Kiel Platz genommen hatten. Der Wagen kam aus dem Munsterlager, wo die Abteilung in jener Zeit zur infanteristischen Ausbildung untergebracht war. Der Kraftwagen war dem Marineaber= zahlmeister Becker, als dem Leiter der Lagerverwaltung zur Erledigung von Einkäufen zur Verfügung g.stellt worden. Am den übrigen Platz auszunutzen und dem Verwaltungsversonal Gelegenheit zu geben. nach langen Wochen ungestrengter Arbeit einen freien Tag mit einer Autofahrt durch das Weserland zu verbinden, hatte der Kommandant der Marineartillerieabteilung. Korvettenkapitän Schenk. die Erlaubnis zur Mitnahme der Verwaltungsver„ouen und einiger Angehöriger seiner Abteilung zegeben. Kurz vor Schlüsselburg steuerte der Angeklagte Mauer den Wagen in eine Kurve. Dabei streitte ein Vetschlug##a#en des Wagenausbaues einen Zaum, blieb darin stecken und riß die rechte Wano des Wagens völlig herunter. Der Wagen tam ins Schleudern und streifte einen zweiten Baum. Während dieser Vorgänge stürzten bis auf die beiden Personen im Führerhaus alle Insassen auf die Straße, wo sie mit zum Teil schweren Verletzungen liegen blielen. Der Angestellte Tümmler war sofort tot Oberzahlmeister Becker, Verwaltungsfeldwebe! Kurbitz und der Obermatrose Götze Ktarben nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus Stolzenau. Außerdem wurden noch 17 Personen verletzt. Die Verhandlung begann mit der Vernebmung des Angeklagten; der sich nicht erklären kann, wodurch der Unfall entstanden ist. Seine anwesenden Vorgesetzten stellten ihm das Zeugnis eines sehr gewissendaften und ruhigen Fabrers aus, der nie zu Klagen Anlaß gegeben habe. Die als Zeugen geladenen Offiziere betonten, daß Müller mit einer Geschwindigkeit von böchstens 4# Stundenkilometern gefahren sei. Zur Klärung der Sachlage veranlaßte das Gericht in den Nachmittagsstunden einen Lokaltermin. In der weiteren Beweisaufnahme berichtiaten Zeugen ihre frühere Aussage, wonach das Auto in sehr schnellem Temvo gefahren sei. dahin, daß die Geschwindigkeit 43 Stundenkilometer kaum überschritten habe. Während ein Sachverständiger aus Minden der Auffassung war. daß der Fahrer im rechten Augenblick nicht gebremst und daher fahrlällia gehandelt habe, bekundete ein Autosachverständiger der Reichsmarine, daß Fahrlässigkeit nicht vorliege. Der Staatsanwalt und mit ihm das Gericht chlossen sich dieser Aussassung an. In der Begründung des freisorechenden Urteils brechte das Gericht zum Ausdruck, daß eer Wahrscheinlichkeit nach böbere Gewalt ils die Ursache des bedauerlichen Unfalles anzeseben werden müsse. Unterschlagene Polizeistrafgelder Drei Monate Gefäugnis. Vor dem Schöffengericht Bielefeld hatte sich der 33 Jahre alte Oberstadtsekretär Heinrich J. aus Herford wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung. sowie Fälschung und Beseitigung von Akten zu verantworten. J. ist seit 1919 in städtischen Diensten tätig. Die Verfehlungen erstrecken sich sämtlich auf die Jahre 1929 bis 1932 und machen einen Gesamtbetrag von 345Mari aus. J. hatte die Gelder für die Polizeistrafen entgegenzunehmen, auch die Polizeibeamten. die diese Strafen in der Stadt kassierten, lieferten die Gelder an J. ab. J. hat nun Beträge in der angeführten Höhe eingenommen, aber für sich behalten, auch nicht ordnungsgemäß verbucht. Die Aktenbeseitigung konnte ihm nicht nachgeMorgen vormittag 8.30 Uhr Fortsetzung unseres INVENTUR-VERKAUFS Unsere Aufschen erregenden billigen Preise nur jetzt Säumen Sie nicht! Kommen Sie gleich! wiesen werden, da es möglich ist. daß die betrefsenden Wveon als alte Akten aus den Boden gekommen sind. Die Versehlungen kamen dadurch ans Tages. licht, daß I. bei der Rückkehr seines Vorgesetzten non seinem Urlaub im Sommer 1932 sich plotzlich krank meldete. Das erregte Mißtrauen. eire Kontrelle setzte ein und man entdeckte die Verfehlungen. Im sbrigen wurde dem Argeklagten von seinem Vorgesetzten ein gutes Zengnis ausgestellt. Der Angeklagte machte geltend, daß er in Rotlage gehandelt habe. Er habe 1094 eine kranke Frau geheiratet und niel Pretfecten gehabt, die er bei keinem G=helt non 290 Mark schwer apfhringen kannte. Unter Zud'“gung mildernde: Umstände ka. tregte der Vertre'er der Staatsanmaltschaft vier Monate Gefänanis und nung der Fähigkeit zur Be#sesdung F'fentlicher Aemter auf die Dauer non drei Jahren. Das Gerscht verurteilte J. wegen einfacher Rutguntersch'-gung au drei Monaten#e. nanie. Non dee Aherkennung der FählgFest zur. Bekseidung öffentlicher Vemter wurde Abstand genammen. Nas Narllegen non Frsschungen hef des Gericht nicht für erwiesen erachtet und daher nne einsgcbe Umtaunter. schlagung andenommen Eine Natlage habe mahl hekanden, aber nscht in dem Mak. deß das Ampaltisaslen name 90 Dezemher 1932 hätte“-. wendweg finden können.(46) Verschärfung der Finanzkrise Bielefelds vergeblicher Ruf nach Staatshilfe. Bieleseld, 13. Januar. Unsere Stadt bemüht sich seit Wochen um eine Staatsbeihilfe. Obwohl ein dahingehender Antrag auch die Unterstützung des Regierungspräsidenten fand, hat doch das Staatsministerium einen abschlägigen Bescheiderteilt. Die Stadtverwaltung hat daraufhin erneut den Antrag auf Gewährung einer Beihilfe gestellt, da sie im andern Falle nicht in der Lage sei, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Wünsche der Stadt lauten auf eine Beihilfe in Höhe von 195 000 RM. Der Regierungspräsident in Minden hatte sich für eine Beihilfe von 140000 RM. eingesetzt. Aber auch dem erneuten dringlichen Verlangen der Stadtverwaltung scheint das Staatsministerium Erfüllung nicht gewähren zu wollen. Aus einer Berliner Information der„Westfälischen Zeitung“ geht nämlich hervor, daß das Preußische Staatoministerium der Erfüllung des Bielefelder Verlangens ablehnend gegenübersteht, weil die Steuerrückstände noch außerordentlich hoch seien. Das Staatsministerium meint, daß diese Rückstände, die 1,4 Millionen RM. aus. machen sollen, in keinem Verhältnis zu den Steuerrückständen anderer Städte stünden. Da es sich bei einem erheblichen Teil der rückständigen Steuern um sogenannte„gesunde Rückstände“ handle, müsse von der Stadt zunächst der Versuch gemacht werden, diese hereinzubekommen, ehe eine Staatsbeihilfe gewährt werden könne. Da die Stadt schon Ende Dezember verkünden ließ, daß sie nicht in der Lage sei. aus ihren Einnahmen die Zahlungsverpflichtungen selbst an Lohnund Gehalts= sowie Unterstützungsempfänger zu erfüllen und daher die anderen Gläubiger um Nachsicht bat, bedeutet die erneute Versagung der Staatshilfe eine Verschärfung der städtischen Finanzkrise Aus den Amtern ife Hiddesen. Kommunistische Wahlsropaganda. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend haben die Kommunisten in unserem Orte ihr Unwesen getrieben und haben mit weider Farbe an Mauern Wahlparolen angeschmiert. “ R e m m g b a u s e n. B i b e l s t u n d e n. V o n heute, Sonntag, bis einschließlich Dienstag dieser Woche finden abends um 8 Uhr in der Schule Bibelabende für Frauen und junge Mädchen statt, die Fräulein Dallmer aus Berlin halten wird. Die Frauen und jungen Mädchen von Remmighausen und Umgebung sind herzlich eingeladen. * Orbke. Silberne Hochzeit feierte vor einigen Tagen das allgemein geschätzte Vor den Ueber 8 Jahre Gefängnis für Serieneinbrecher Sühne für 51 Diebstähle in Lippe. * Das Schöffengericht setzte die Verhandlung in dem großen Diebstahlsprozeß gestern morgen fort. Nach Eröffnung der Verhandlung ergriff der die Anklage vertretende Staatsanwaltschaftsrat Schlingmann das Wort. Er führte u. a. aus, daß nicht zu verkennen sei, daß die Angeklagten, die sämtlich in einer schlechten Wirtschaftslage sich befanden, mehr oder weniger aus Not heraus zu den Straftaten gekommen seien. Aus diesen Erwägungen heraus beantragt die Staatsanwaltschaft, bei vier Angeklagten, den Cheleuten B., St. und Frau H. die Amnestie anzuwenden und das Verfahren einzustellen. Diese Angeklagten sind noch nicht über 3 Monate bestraft und ihre Beteiligung ist auch nicht so erheblich, daß sie über 6 Monate Gefängnis zu erwarten bätten. Die Haupttäter sind bei ihren Diebstählen außerordentlich vorsichtig zu Werke gegangen. Sie haben fast ausschließlich die Nacht benutzt. In den meisten Fällen kommt deshalb Einschleichdiebstahl in Frage. Bei den aus dem Leopoldshöher Bezirk stammenden Angeklagten sei deutlich zu erkennen, daß diese sich zu gemeinsamer Ausführung der Diebstähle zusammengeschlossen hätten. Man müsse deshalb hier Bandendiebstahl annehmen. Von der Staatsanwaltschaft wurden im gansen 14 Jahre Gefänguis und außerdem gegen den Kraftfahrer Wienbröker eine Gesamtstrafe von 1 Jahre 10 Monaten 14 Tagen Zuchthaus in Antrag gebracht. Gegen die Haupttäter Harms, Ruthe, Schieweg werden je 1 Jahr 10 Monate Gefängnis in Antrag gebracht. Bei Xaver Sander sogar 2 Jahre 3 Monate Gefängnis. Gegen seinen Bruder Franz 1 Jahr Gefängnis. Die Verteidiger der Angeklagten. Rechtsanwalt Ehepaar Wilhelm Gärtner Nr. 8. Dem Silberpaar nachträglich beste Glückwünsche! * N a c h t e n h a u s e n. H a f t b e f e h l? G e g e n den Führer des Autos, der am Donnerstag abend das Brautpaar überfuhr, und dabei die Braut tötete, ist der Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls gestellt worden. Dem Antrage dürfte entsprochen werden. * Lieme. Zwangsverkäufe. Aus unserer Gemeinde standen zwei Bürgerstätten vor dem Amtsgericht Lemgo zur Versteigerung. Der Grundbesitz des Zlegelmeiers Fr. Wiemann Nr. 116 erzielte ein Meistgebot von 6950 RM. durch den Gastwirt Wilhelm Hartmann in Lage. Der Zuschlag bleibt 4 Wochen vorbehalten. Für den Grundbesitz des Schafmeisters Hermann Platzmann in Rhiene gab die Wohnungskreditanstalt Detmold mit 5300 RM. das höchste Gebot ab. Beide Gebote lagen weit unter dem tatsächlichen Werte. esch= Belle. 85. Geburtstag. Der frühere Landtagsabgeordnete, Gutsbesitzer Köllermeier=Niederbelle, kann heute auf ein Lebensalter von 85 Jahren zurückblicken. Gern nehmen wir Veranlassung, dem außerordentlicher körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische sich erfreuenden Jubilae die besten Wünsche für ferneres Wohlergehen zum Ausdruck zu bringen. w.: Kohlstädt. Silberhochzeit. Das Fest der Silberhochzeit feierten dieser Tage die Eheleute August Meier. Dem Jubelpaare nachträglich herzlichen Glückwunsch. * Linderhose. Zum Besten der Winterhilfe. Sämtliche Linderhofer Vereine und zwar der Kriegerverein. Zieg'erveein, Gesangverein und Theaterverein haben einstimmig beschlossen, gemeinsam am 12 Februar ein großes Fest mit Konzert und Tanz zu veranstalten. Der Reinertrag wird restlos der Winterhilfe überwiesen. Dieser Beschluß ist ein Zeichen guten Einvernehmens nicht nur der beteiligten Vereine, sondern der gesamten Gemeinde. * Billinghausen. Vom Kriegerverein. Am vergangenen Sonntag fand die 41. Generalversammlung des Kriegervereins statt, zu der eine stattliche Zahl Kameraden erschienen waren. Schranken des Dr. Steller und Dr. Böhle, die zugleich in diesem Prozeß zum ersten Male als Verteidiger ihre Tätigkeit ausüben, setzen sich sehr warm für die Angeklagten ein. Sie heben nachdrücklich hervor, daß die Angeklagten aus Not die Strafhandlungen begangen haben und verlangten, daß das Amnestiegesetz auch noch bei anderen Angeklagten angewandt wird. Der Verteidiger von Wienbröker bestreitet, daß W. gewerbsmäßiger Hehler sei. Das Schöffengericht verkündete nach sehr eingehender Beratung gegen 5 Uhr nachmittags das Urteil. Nach diesem werden die Angeklagten Hillebrenner, Pott und Wodtke aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Hauptangeklagten erhalten 1 Jahr 3 Monate bezw. 1 Jahr 2 Monate Gefängnis. Im ganzen hat das Schöffengericht auf 8 Jahre und 9 Monate Gefängnis zusammen gegen alle Angeklagten erkannt. Der Angeklagte Ruthe ist zum Teil unter Zugrundelegung des Jugendgerichtsgesetzes zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahre verurteilt. Vier Monate sind zu verbüßen. Wegen des Restes ist die Strafvollstreckung ausgesetzt. Außerdem wird er unter Zwangserziehung gestellt. Das Gericht erklärt zu diesem Falle, daß Ruthe sich auf dem gefährlichen Wege zum Berufsverbrecher befinde, das Gericht hofft aber, daß Ruthe sich noch bessern wird. Im übrigen hat das Gericht bei der Urteilsfindung im weitgehendsten Maße berücksichtigt, daß die Angeklagten sich in einer sehr bedrängten wirtschaftlichen Lage befanden. Diese Notlage könne aber nicht dazu führen, daß man den Angeklagten einen Freibrief ausstelle. Die Angeklagten nehmen in ihrer größeren Mehrzahl die Strafen sofort an.“ Bis auf Harms, Ruthe, Gebrüder Sander und Schieweg werden die Angeklagten aus der Haft entlassen. Nachdem der Vorsitzende Obermeier der Toten des vergangenen Jahres gedacht hatte, wurde ein Mitglied neu ausgenommen. Hierauf wurde das Rundschreiben vom Bunde. sowie der Geschäftsbericht der Sterbeunterstützungskasse verlesen. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Eine längere Aussprache ent'pann sich über eine evenzuell abzuhaltende Festlichkeit in dieser Notzeit. Man kam schließlich überein, ein Kränzchen in ganz bescheidenem Rahmen zu feiern und zwar am 21. Januar. * Redner=Kurse. Es dürfte allgemein begrüßt werden, daß Herr Dr. Volk ab Mittwoch, 18. Januar. abends 8 Uhr. im großen Lehrsaale seiter Anstalt persönlich einen Redner=Kursus abhält, der bei mäßiger Gebühr eine Abend=Doppelstunden pro Woche in Anspruch nimmt. Wie wir hören, bezweckt dieser Kursus, den Teilnehmer zur redegewandten, unerschrockenen und selbstbewußzten Persönlichkeit heranzubilden. Taß gerade heute, in den Zeiten beruflicher und politischer Hochspannung, hierdurch einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung getragen wird, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Wie wir in Erfahrung brachten, ist daher auch das Interesse für diese Veranstaltung außerordentlich groß. Wir verweisen auf das in dieser Auflage erschienene Inserat. WamirP-aafas Vereinsrasender Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft. Montag. 16. Januar. 4 Uhr: Unterbaltungsnachmittag im Gesellschaftshaus. Rege Beteiligung— auch von Nichtmitgliedern— sehr erwünscht. Stahlhelm, Ortsgruppe Detmold. Montag. den 16. Januar, abends 8.30 Uhr: Pflichtversammlung im Hotel„Kaiserhof". Lratorienverein Detmold. Dienstag. 17. Jan., 20.15 Uhr: Uebungsstunde im Hotel„Stadt Frankfurt". Bund Kkniain Luise, Crtsgruppe EvenhausenLeovoldshöhe. Pflichtversammlung am Dienstag, 17. Januar. nachmittags 4 Uhr. im Evenhauser Kruge. M.G.V.„Teutonia“, Hiddesen. Generalversammlung am Dienstag, 17. Januar. 9.30 Uhr. im Waldheim. Jungdeutscher Orden, Schwesternschaft Detmold. Nächster Schwesternabend findet am DiensSchurligericht Blomterg Am Freitaa hatten sich vor dem Schnellgericht in Blomberg zwei Kommunisten zu verantworten. die sich hier am letzten Montag an einem verbotenen Umzuge beteiligt hatten und der Aufforderung der Polizei, auseinanderzugehen, nicht nachgekommen waren. Die beiden Angeklagten erhielten eine Haftstrafe von je 5 Tagen. Durch Fahrlässigkeit in den Tod 1 Monat Gesängnis für einen Motorradfahrer. Schöffengericht Horn. Am 6. Cktober 1932 wurde der 85 Jahre alte Invalide Wilhelm Mannetter in Bad Meinbera von einem Personenkraftwagen angefahren und dabei derart verletzt, daß er am folgenden Tage verstarb. Dem Kraftwagenführer W. E. in Hermannsburg(Kreis Celle) wurde fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Er hatte sich nunmehr vor dem Schöffengericht in Horn zu verantworten. An dem fraglichen Morgen herrschte starker Nebel, so daß die meisten Fahrzeuge mit Licht fuhren. Der Angeklagte hatte aver keine Beleuchtung und fuhr dazu noch ein Tempo von 50 bis 60 Kilometer. Er gibt an, daß er trotz des Nebels noch ca. 100 Meter im voraus habe sehen können. Er habe auch Mannetter etwa 34 Neter vorher gesehen als dieser im Begriff gewesen wäre, huer über die Straße zu gehen. Er habe dann Hupen=Signale gegeben, worauf Mannetter zunächst gestutzt habe und auch stehen gebliebe sei. Es habe daher gar kein Gefahrenmoment mehr bestanden. Im letzten Augenblick sei Mannetter dann aber doch noch über die Straße gelaufen. Nach einem Lokaltermin kam das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte den Tod des Mannetter durch Fahrlässigkeit verschuldet hat und daher auch zu bestrafen ist. tag, 17. Januar, abends 8.30 Uhr, bei Schwener Reuter, Klüter Straße 19, statt. Schubertbund r. V. Detmold. Chorprobe am Donnerstag, 20. Januar. abends 8.10 Uhr, im Hotel„Stadt Frankfurt".— Frauenchor am Freitag, 21. Januar, abends 8.10 Uhr. im Luzeum. Bund Königin Luise, Detmold. Montag, 16. Januar. abends 8.15 Uhr pünktlich: Jungmädchenabend bei Frau Oberstleutnant Schroeder, Fürstengartenstraße. An unserer Leser und Freunde richten wir die Bitte, in der Zeit von 6 bis 8 Uhr abends von telefonischen Anfragen über den Ausgang der Wahl Abstand zu nehmen, da die Schriftleitung während dieser Zeit außerordentlich stark beschäftigt ist. Später wird jederzeit gern Auskunft erteilt. Deutschnationale Wähler in Deimod die infolge körperlicher Behinderung nicht in der Lage sind, zum Wahl lokal zu gehen, werden gern mit Autos befördert. Anmeldungen werden im Parteibüro, Paulinenstr. 49, Tel. 2779 angenommen. Rach der Landtagswahl treffen sich die Mitglieder und Freunde der Deutschnationalen Volkspartei zur Entgegennahme der Wahlresultate heute abend im Hotel Teuloburger Hof(Zimmer links). Berantwert11n für Reicho= und Landesvolttik. Kuns= und Wissenschaft: Dr. Haus=Altte Reinige fur den lokalen Zeil. Unteheieuns und Spazi Augun Roch ti: Anzeigen und Geschäftenotizen: Haue Dimmek, sämtlich in Deimold Drud und Versan: Mleii=Lipo Vereinedruckeret. S m. 9.6. Deimold— Sprechttunden der Schrittlettung: 11 12 Uhr vormittage 6—7 Uhr abende Nur unverlaugt eingesandte Manuskripte ubernimmt die Schriftlettung keine Verantwortung. Es geht um Lippe! Wahlrecht ist Wahlpflicht! Wählt Liste 3(Deutschnational) Militär zum Schutz der Ordnung in Spanien. Starke milttärische Wache vor einem öffentlichen Gebäude Madrid während dor jüngsten Unruhen. Bombenattentate spanischer Anarchisten. Der Unruheherd bei dem jüngsten Aufruhr in Spanien war die Stadt Barcelona, wo die Aufständischen mit Bomben gegen den Bahnhof und die Polizeiwache vorgingen. Unser Bild zeigt den Schauplatz der Bombenexplosion vor der Polizeihauptwache, wo drei Polizisten getötet wurden. Zum 109. Todestag des Erfinders der Schnellvresse. Am 17. Januar jährt sich zum 100. Male der Todestag Friedrich Königs. der 1810 in England eine Maschine für Flachdruck und 1812 die erste Schnellvresse mit zolindrischem Druck baute, die eine Umwälzung im Buchdruckgewerbe bedeutete. 1818 gründete er zusammen mit Andreas Friedrich Bauer in Oberzell die erste Schnellvressenfabrik. Um die deutschen Kunstlaufmeisterschaften. Im Sonnabend und Sonntag finden in Ovveln die deutschen Meisterschaften im Eiskunstlaufen statt. Als Favoriten gelten: im Paarausen Fräulein Hemvel=Weiß(links), bei den Damen Edith Michaelis(Mitte) und bei den Herren Ernst Baier(rechts). in Die erste Segelflug=Postkarte der Welt. der bekannte österreichische Segelflieger Nobert Kronfeld wird im Januar den rsten Post=Segelflug zwischen Wien und dem Semmering durchführen. Dabei sollen um ersten Male die neuen Segelflug=Postkarten der österreichischen Post Verwendung finden. Ein Salto beim Sprung von der Schauze. Waghalsige Ski=Akrobatik, gzeigt von dem Skiläufer Paul Dampke aus Bad Warmbrunn im Riesengebirge auf der Guhalm bei Garmisch=Partenkirchen. Reichstagseröffnung in Schweden. Uebersichtsbild von der Feier. die neue Session des Schwedischen Reichstags wurde durch König Gustaf V. in Gegensart der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der ersten Würdentrager des Landes mit einer Thronrede feierlich eröffnet. Humak Instruktion. Der Unteroffizier instruiert die Mannschaften über den Wachdienst am Munitionslager. „Was tun Sie. Strachotnik. wenn ein Zivilist mit'ner brennenden Zigarre sich nähert?“ „Sag' ich, Kerl, nimm Stummel aus Schnauze!“ „Psui, wer wird sich so ungebildet ausdrücken! Dann sagt man richtig hochdeutsch: Bitte, nehmen Sie den Zigarren aus dem Maul!“ —„Hygiene" „Nanu. was machen Sie mit meiner Zahnbürste?“ „Ihre Zahnbürste? Ich dachte, die gehört zum Abteil!“ WELTGESCHEHEN INT BILDE 0 Fur Urdere Fräten Satgch bei einer Heimarbeiterin „Sie müssen entschuldigen“ bat die sechsundvierzigjährige Frau Müller als ich bei ihr eintrat.„Sie müssen entschuldigen, ich habe nämlich noch drei Damenhemden fertigzunähen, für das Hemd bekomme ich 10 Pfennig.“ Und sie ratterte auf ihrer Maschine weiter. Ihr Mann war vor zwei Jahren gestorben und seitdem schlug sie sich rlich dumit allerlei Näharbeiten kümmerlich durchs Leben.„Ich habe jetzt einen großen Auftrag bekommen", erzählte sie, während die schwachen Beinchen der kränklichen Frau emsig die Maschine traten,„nun habe ich wieder für einige Zeit zu tun: eine zwei werden und in einem Monat muß sie fertig sein; gestern habe ich den Auftrag übernommen, und heute nacht angefangen. Es liegt drüben auf dem Bett, wollen Sie es sich ansehen? SCHUHE in der bekannt guten Quolität Daneben habe ich aber doch auch meine alte Arbeit, die den Tag ausfüllt. Gott, die paar Mark reichen nicht hin und nicht her. Die zehn Mark da muß ich mir nachts ver dienen; das kostet dann allerdings wieder Licht, na. mehr als zwei Mark kann das ja wohl nicht ausmachen, nicht wahr? Jetzt arbeite ich auch wieder Hohlsaumtaschentücher. Es ist eine sehr langwierige Arbeit, aber man ist ja immer noch froh, wenn man nur überhaupt Arbeit hat.“— „Wieviel bekommen Sie denn dafür?"— „Für einen Meter zehn Pfennig: na. in Patist geht es ja verhältnismäßig schnell. aber mit Crep de Chine läßt es sich schlecht arbeiten. Das ist manchmal zum Verzweifeln. Immer will man sich beeilen. damit man viel schafft, wenn man aber sieht. wie lanssam einem alles unter der Hand weggebt— denn schließlich braucht ja alles seine Zeit— dann können einem manchmal die Tränen kommen. Na, ich will mich nicht beklagen; aber sehen Sie, ich frage mich oft: wozu das alles? Da näht man und näht. bloß um die vaar Mark zu verdienen, von denen man Miete. das bißchen Essen und Licht bezahlt, damit man weiternähen kann. Und so geht das von Tag zu Tag.“ Bei Gicht, Rheumaliamus. Nervösitdt usw bringe meine elektro theraneutische Stanserbäfer in empfehlende Erinnerung Hermannsbad „Bloßum die Hüften etwas zustark! Neunzig Prozent aller Frauen, die überhaupt zur Korpulenz neigen, leiden daran. Immer wieder hört man die Klage: Mein Oberkörper ist ganz schlank, bloß die Hüften. oder die Oberschenkel... oder die Beine... Wenn man weiß, daß es bei beiden Geschlechtern Partien gibt, an denen sich überschüssiges Fett besonders gern ablagert, und daß diese Partien bei Frauen eben der Unterkörper, besonders die Hüften sind, so wird man sich darüber nicht wundern, und auch das erste Heilmittel verstehen: daß man also ruhig eine allgemeine Entfettungsdiät nehmen kann und damit rechnen, daß dabei auch zuerst die spezifischen Fettreservoire der Hüften aufgebraucht werden. Zur Unterstützung dieser Fettresorption ist Hände um die Unterschenkel. In dieser Haltung richtet man sich halb auf. aber so, daß die Füße nicht auf den Boden kommen, dann läßt man sich wieder hinuntergleiten und wiederholt das, bis man in eine gleichsam selbsttätige Schaukelbewegung kommt. Dabei wirkt der Boden als natürliche Massage auf die Hüften. Endlich sei noch das„Rollen“ dringend empfohlen: Man legt sich etwa auf die rechte Seite, gestreckt, mit über dem Kopf gestreckten Armen und rollt nun über die Vorderlage auf die linke Seite, und weiter über die Rückenlage auf die rechte Seite. Und so durch das ganze Zimmer. Gegen Fettansatz an den Fußknöcheln sei außer Fußkreisen und Massage noch als beLippische Frauen! Denkt an die Zukunft eurer Kinder Rettet Kirche und Schule! Wählt Liste 3 Deutschnational! es daher wichtig. spezielle gymnastische Uebungen vorzunehmen, die direkt auf die überfetteten Körperpartien einwirken. Alle Beinübungen wirken, wenn richtig ausgeführt, auch auf Bauch und Hüften. Also im Stehen erst das rechte, dann das linke Bein stark hoch nach vorn schwingen, das Knie möglichst gestreckt, wobei man sich mit der Hand ruhig an einem verläßlichen Möbelstück anhalten kann. Im Liegen: flach auf dem Rücken liegend erst mit einem Bein, dann mit beiden Beinen gleichzeitig große Kreisbewegungen ausführen. Dann beide Knie anziehen und mit den Beinen„Radfahrbewegungen“ ausführen, also eines nach dem andern hochziehen, hochgestreckten, gestreckt bis nahe an den Boden senken, aber ohne den Boden zu berühren wieder anziehen. Immer darauf achten, daß man bei allen diesen Uebungen das Atmen nicht vergißt. Man setzt sich auf den Boden, streckt die Beine nach beiden Seiten so weit ausenander als es nur geht, versucht dabei die Muskeln möglichst zu entspannen. Aus der aufrechten Haltung neigt man den Oberkörper mit auf den Boden schleifenden Armen so weit vor als es geht, richtet sich wieder auf und wiederholt die Uebung: das Ziel ist, den Kopf ohne Schwierigkeit auf den Boden legen zu können. Eine ausgezeichnete Uebung ist das Schaukeln. Man legt sich flach auf den Rücken, zieht die Knie an und schließt die sondere Uebung die folgende empfohlen: Man steht mit geschlossenen Füßen aufrecht, neigt nun den Körper etwas nach vorn. aber so, daß man ihn weder im Kreuz noch in den Knien abbiegt, sondern ausschließlich im Fußgelenk. Wenn man es richtig ausführt, kommt nur eine ganz kleine Bewegung zustande. Dann neigt man sich ebenso nach rückwärts und wieder nach vorn. Die Fußsohlen bleiben auf dem Boden ruhen und man fängt sich im Fußgelenk wieder auf. sodaß man die leichte Schaukelbewegtng immer wieder vollständig beherrscht. Selbstverständlich sind auch Lauf= und Springübungen gut, wippen auf Zehenspitzen und wieder zurück. Als Gelegenheit zur Uebung der Fußgelenke sei auch empfohlen, kleine Gegenstände. wie Bälle, Wollknäuel, Schnüre mit den Füßen aufzuheben. Natürlich helfen alle diese Uebungen nur, wenn sie mit gleichbleibender Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle durchgeführt werden. Warum fragt ihr keine Schürzen? Wer zählt die Flecken, nennt die Chemikalien. mit welchen wir unsere teuren, besonders in dieser schweren Zeit wertvollen Kleider verderben? Da wird getuschelt und heimlich still und leise Erkundigungen eingezogen——„wissen Sie es ganz bestimmt. Obstflecke mit Milch? Tatsächlich? und Benzin mit heißem Wasser gemischt gibt keinen Rand? für alle Fettflecke— ganz bestimmt?“—„Sie meinen, Herr Drogist... tol... min... or... bal!" und wie die chemisch hochgelehrt klingenden Namen der Fleckenentferner alle heißen, die vor allem schon an sich eine unnötige Ausgabe bedeuten, und des öfteren, zumal, wenn man falsch beraten wurde, noch weit größere Kosten an sich ziehen. All diesen Aerger. Aufregungen und auch das schwer verdiente Geld könnte man sparen, zögen unsere Frauen zu Hause immer eine Schürze an. Es muß nicht unbedingt zu Tisch sein, da soll dann die Serviette schützen, und wenn Besuch kommt. legt man auch die Schürze ab. bevor man ihn im Empfangszimmer begrüßt. Ein Gast jedoch, der mit ins Wohnzimmer kommt oder in die Stube, in der wir uns mit unserer Familie täglich aufhalten, mag uns ruhig in einer hübschen Schürze überraschen. Unter einer„hübschen Schürze" aber wollen wir nicht auf jenes Tändelschürzchen zurückgreifen, das. nachdem es immer kleiner und koketter getragen wurde, sich zuletzt als Schutz tatsächlich erübrigte, sondern sie suchen nach einer zwocmäßig dienenden, dem Kleide Schutz gebenden Schürze, die sowohl in Form wie Material Nützlichkeit und Kleidsamkeit geschmackvoll vereint. Für die Hausarbeit wird die Hausfrau selber weniger zwischen der farbigen und weißen Schürze wechseln, wie sie dies von ihrer Hausangestellten unbedingt verlangt; so kann sie ruhig auch mal in ihrer geschmackvollen hellfarbigen Schürze die Türe öffnen, wenn es schellt, einen Tisch decken, eine Speise auftragen oder ein Bett machen, was sic dem Mädchen lediglich in einer weißen Schürze gestattet. Verchromte mit nichtrostenden Klingen. Moderne Muster Friedrich Holting, Blomberg Haattermen! Frisuren? Die verwöhnte Dame Der ansprochsvolle Herr Seire Mojesidt Das Kind bevorzugt die Frisler- u. Haarpflegeräume Höcker gegenüber der Post Viele Hausfrauen haben sich in letzter Zeit mit den weißen Mantelschürzen befreundet, die sehr hübsch, kleidsam, praktisch und rasch zu waschen sind. Für sehr schmutzige Arbeit kann man eine der bunten Schürzen tragen, die man in freundlichen, doch praktischen Farben sehr hübsch zu machen weiß. Die Kleidschürze oder das Sthürzenkleid kann an einer jungen Hausfrau sehr reizend sein und ist sie unter dem weißen Mantel angezogen, so wird ihr Kleid unvergleichlich geschont. und sie kann jederzeit aus der Schürze schlüpfen, wenn sie will. Sie kann— sie braucht nicht, denn die weißen Mäntel sind sehr kleidsam! Die kleine Soa Roman von C. Fraser=Simson. Verlag Georg Müller=München. Printed in Germany 2 Eva riß eine Handvoll Papiere aus dem Umschlag, die vernutlich eine längere Beschreibung der Vorzüge des einen Wahlkandidaten enthielten, warf sie ins Feuer und schob Peter den Umschlag bin. Dann eilte sie aus dem Zimmer. um sich fertig zu machen. Als sie die Tür schloß, hörte sie ihn noch sagen, „Danke schön, Eva, alles geht samos hinein.“ Zehn Minuten später wanderten sie nebeneinander, einen Hühnerhund zur Seite, über die Felder. Eva in Hosen hohen Gummistiefeln, einem Wettermantel, einen kleinen Filzhut auf dem Kopf, die einzig mögliche Ausrüstung auf diesem Boden. Ein heftiger Wind kam ihnen entgegen und wirdelte die Enden des apfelgrünen Halstuchs um ihren Kopf „Gibt's was Schöneres als Wind!“ rief sie und lief voraus, als wäre derselbe Geist, der den Sturm trieb, auch in ihr. Bald verließen sie den Weg, kletterten über einen Zaun, and dann ging's über einen grasigen Hügel am Waldrand entsang und über ein Stoppelseld, auf dem sie gleich ein Volk dort Nahrung suchender Hühner aufstöberten. Peter war ein guter Schütze und kam mit beiden Schüssen gut ab. Sam, der Hühnerhund zeigte sein Vergnügen an solcher Jagd durch eifriges Wedeln. Er sprang durch die Stoppeln und brachte stolz ein Huhn nach dem andern zurück. Schön, wenn man zu seinem Herrn Vertrauen haben konnte. Aber einfach schrecklich, wenn die Vögel unbeschädigt davonflogen. Geschah das einmal, dann konnte er seinen Herrn mit einem Blick betrachten, als wollte er sagen: nein, da hört sich aber schon alles auf! Wenigstens wurde dieser Blick von Eva so ausgelegt. Sie befanden sich nun auf sumpfigem Boden, und bei jedem Schritt schoß das Wasser neben ihnen auf. Und dann sauste ihnen der Schneesturm um die Ohren, dessen Kommen schon den ganzen Tag in der Luft gelegen hatte. „Das hat keinen Sinn mehr“, meinte Peter.„Am besten wir kehren um. Die Vögel werden so schon ganz naß werden" So ging's nun zurück gegen Schnee und Sturm, bis sie endlich wieder, atemlos und mit schmerzenden Gesichtern, in der Halle standen. Auf dem Tisch lag der orangenfardene Umschlag eines Telegramms 2. Kapitel. Wenn jemand sich gedrungen fühlt, über einen seiner Mitmenschen etwas auszusagen, das er selbst nicht für richtig hält, unterläßt er es selten, die Klausel beizufügen:„So sagt man.“ Noch niemals ist es gelungen, herauszubringen, wer dieser „man“ eigentlich ist. Zweifellos ein höchst unerfreulicher Geselle, klatschsüchtig und für eine Renge toller Gerüchte verantwortlich. Als Peter Martin Eva Denvers heiratete, schüttelten viele Leute mit den Köpfen, wie sie es bei jeder bevorstebenden Hochzeit zu tun lieben. Und der Weizen für„man" blühte.„Die passen aber schon gar nicht zusammen“, sagte„man“.„Er solch ein gescheiter Mensch und in verantwortlicher Stellung noch dazu, und sie für nichts Sinn als tanzen..“ Wenigstens sagt „man“ so. In diesem aber, wie so oft in ähnlichen Fällen, hatte„man“ Unrecht. Mochte die„Gesellschaft“ auch noch so viele Gründe anführen, warum Peter und Eva nicht zusammenpassen sollten — zu leugnen war doch nicht, daß sie äußerst glücklich miteinander waren. Mit den„Gegensätzen, die sich anziehen“ war das auch nicht restlos zu erklären. Wenn zwei Leute gut miteinander auskommen, muß wohl irgend etwas Gemeinsames vorhanden sein. Peter ein glänzender, vielbeschäftigter Beamter im Ministerium des Innern, von dem noch große Dinge erwartet wurden— seine Frau, ein richtiger Schmetterling, der Tanz, Geselligkeit und jede Art von Vergnügen liebte, aber doch nicht darin aufging. Während andere ihrer Art bald genug ihren Farbenschimmer verloren oder genötigt waren, ihn durch allerlei künstliche Mittel aufzufrischen, blieb der ihre unversehrt. Und das war vielleicht ihr größter Reiz: für die andern war Tanz und Geselligkeit ein Lebensbedürfnis, für sie niemals mehr als Nedensache. Mit ihr zusammen zu sein hatte dieselbe Wirkung, als wenn die frische Luft durch ein plötzlich geöffnetes Fenster strömt. Ihr Wesen glich weniger dem süßen Duft eines Blumengartens als dem kühlen Hauch des Windes, der über die Heide streicht. Mit ihrer schmächtigen, knabenhaften Gestalt, ihrem kurzen, honigfardenen Haar, das sich wie bei einem kleinen Jungen um ihren schöngeformten Kopf lockte, schien sie den Inbegriff alles dessen darzustellen, was den Reiz der heutigen Jugend ausmacht. Eine leichte Ueberarbeitung Peters und ein Anflug dei Grippe hatten sie auf ihr Gut im Norden Schottlands geführt. um dort ein paar Wochen in veränderten Verhältnissen und völliger Ruhe zu verleden. Vielleicht wäre zur Erholung von einer Krankheit ein anderer Platz vorzuziehen gewesen als dieses winterliche Hochland, aber gerade die Abgelegenheit des Ortes und das dadurch bedingte Herausgerissenwerden aus allen Gewohnheiten des täglichen Ledens batte sie zu ihrer Wahl bestimmt. Hier gab es keinerlei gesellige Verpflichtungen. Freunde saben sie überhaupt nicht bei sich; höchstens, daß von Zeit zu Zeit eine kleine Jagdpartie zusammengetrommelt wurde. Die Jagd war gut, jedoch ein wenig mühselig in einem Gelände, wo an Stelle der abgeholzten Wälder sich bald genug Sümpse bildeten. * Peter riß den Amschlag auf und las das Telegramm. „Hol's der Teufel!“ rief er.„Eva. ich muß mit dem Nachtzug fort. Ob ich noch zurechtkommen kann?" Er warf einen Blick auf die Uhr.„Halb drei Uhr. Wenn ich um vier Uhr von hier fortkomme, kann's noch gehen.“ Aus Evas Stimme klang Ueberraschung und Enttäuschung. „Heute noch willst du fort?“ fragte sie. Muß wohl. Zamesen hat telegraphiert. Da. lies:„Sefortige Rückkehr. Wichtig.“ „Zu ärgerlich! Und er weiß doch, wie nötig du Ruhe gebrauchst.“ „Gerade daraus sehe ich, daß die Sache wirklich wichtig ist.“ Der Eintritt des Dieners, der auf einer Platte einen Haufen von Briefen und Zeitungen brachte, unterbrach das Gespräch „Hören Sie, Nobson ich muß mit dem Nachtexpreß abreisen. Wollen Sie so gut sein, meinen Koffer zu packen und King zu sagen, daß er Punkt vier Uhr mit dem Auto an der Tür sein soll.“ Nobson nickte gleichmütig. wohl, gnädiger Herr“, sagte er. Noch niemals war es jemand gelungen, aus ihm ein Zeichen der Ueberraschung hervorzulocken. Oder vielleicht war sein Leden so voll von Ueberraschungen gewesen, daß sie nun keinen Eindruck mehr auf ihn machten. Fortsetzung folgt. * * — I * Geheimrat Prof. Dr. Rubner über Kaffee Am 27. April 1912 starb in Verli der Restor der drutschen Ernährungs=Wissenschaitler, GeLeimrat Professor Dr. Rubner. Angesichts der Bedeutung, die der Persönlichkeit Professor Reiners als Begründer der modernen Hogiene und als Weltautorität auf dem Gebiete der Lebens= und Genußmittelwissenschaft im In= und Auslande zukommt. verdient eine kurze vor seinem Tode in einer bedeutenden medizinischen Fachzeitschrift erschienene Arbeit über unser bekanntestes Volksgetränk, den Kaffee, besondere Beachtung. Geheimrat Rubner gebt bei seinen Ausführun. gen davon aus, daß durch das stetige Wachsen des Kaffeekonsums der Verbrauch an alkobolischen Getränken abgenommen hat, ein Umstand, der im Interesse der Volkshogiene als Vorteil anzusehen sei. Daneben habe der Kaffee aber in der Diät selbst größere Umwälzungen hervorgerufen, als man sich gewöhnlich klarmacht; man denke nur an die Umgestaltung des Frühstücks, das noch vor etwa 100 Jahren zumeist aus Suppen verschiedener Art bestand. Dem Kakao schrieb man von Anfang an gewissen Nährwert zu, aber auch Kaffee und Tee seien nicht als einfache Abkochungen ansusehen. sondern durch den Zusatz von Zucker und Milch zu Getränken mit Nährwert geworden. Als Kaffee in gewöhnlichem Sinne würde der Wasserauszug aus der gerösteten Bohne angesehen und nur die hierin enthaltenen schmeckenden und riechenden Bestandteile bedingen den Wert, den wir dem Kaffee zumessen. Mit dem Coffeingehalt habe diese Wertmessung nichts zu tun, da gerade die schlechtesten Sorten, z. B. ge„Gott sei Dank, Peterchen schläst!“ So empfing mich abends meine Freundin an der Haustür. Gleich darauf erschien auch der Ehemann in noch etwas derangierterer Toilette, sich helle Schweißtropfen von der Stirn tupfend. „Ist es denn ein solches Kustnstück, Peter m Schlafen zu bringen?“ fragte ich naiv. b dachte, dazu wird er gewaschen, ins Bettchen gepackt, dann faltet man die dicken ändchen, läßt ihn beten, ein Kuß, und das Licht wird ausgemocht.“—„Ja, so denken sich das kinderlose Leute,“ seuft meine Freundin. Und nach und nach werde ich dann aufgeklärt, was alles zu Peters Schlafengehen gehört. Zunächst wird er nach Kräften müde gemacht, dann bekommt er sein Abendbrot, was er auch möglichst lange hinzuziehen sucht, und dann soll er ins Bett gehen. Jeden Tag wird ein neues Mittel versucht. Heute ert Mutti eine Geschichte, morgen verspricht ter, mit ihm Tintenwischer zu spielen, wenn er ganz schnell zu Bett geht. Oder es wird mit ihm geturnt, Bett ist ein Auto, die Puffbahn usw. Beide Eltern atmen auf, Frauen=Allersei Auch Lippenstifte sind ein Wirtschaftsproblem In einer Frauenversammlung wies neulich eine Rednerin darauf hin, daß in jedem Jahr zehn Millionen Lippenstifte in Deutschland eingeführt werden. Das bedeutet ebensoviele Millionen Mark oder mehr deutschen Geldes, Doch was kann schließlich das Kind für die unvernünftige Erziehung? Das Durchschlafen muß bereits dem Säugling anerzogen werden. Schon das Kleinkind muß lernen, daß nach dem letzten Besorgen am Abend sich, vitter L.,nen,##rstan, die ins Ausland gehen. Und gerade diese den mehr semand mit ihm beschäftigt, un Artikel könnten wohl ebenso gut in deutschen wenn es noch so schreit. Höchsten= ann der Wagen zur Schonung der elterlichen Nerven in ein entfernteres Zimmer geschoben werden Das Leben so eines kleinen Organismus sei nach der Uhr geregelt. Erscheint es uns dadurch auch fast langweilig, so wird das gesundeste Nervensystem unserer Kinder es uns einst danken. Bei etwas größeren Kindern(von 1½ Jahren aufwärts) ist die Abendmahlzeit vorzuverlegen, so daß dem Kinde hinterher noch Zeit zum Spielen und Herumlaufen bleibt. Wir alle wissen, daß wir mit vollem Magen schlecht schlafen. Warum muten wir das unseren Kleinen zu? Handelt es sich um nervöse, geistig sehr regsame Kinder, so ist eine Tasse leichter Baldriantee zum Abendbrot Marken gewählt werden. Auch unsere deutchen Seifen stehen an Güte den französischen seute nicht mehr nach. Wenn der einzelnen rau es auch vorkommen mag, als könnten Der gut gekleidete Herr gibt seine Stürkewüsche in die „Undine“-Wischerei Schlüler Meler- u. Friedrichestr. Ecke- Am Wegrthpict„Rut 2°39 übergibt. Denkbar echonendste Behandl. Freie Abholung. wenn sich endlich die Blauaugen auf ein paar(ehr empfehlenswert. Etwas gesüßt wird er Stunden schließen. Denn durchschlafen tut van den Kindern gern genommen. Dann wisse afrikanische Kaffees, besonders hohen off Cofseingebalt besiven. Der augenehme Geschmack und Geruch und das Wohlbebagen, das ein guter Kaffee erzeugt, hätte zu seiner Verbreitung als Volksgetränk beigetragen. Doch schon früh hätte man aber auch erkannt, daß ihm reichlichem Genuß recht unangenehme Eigenschaften innewohnen. Als wirksames Prinzip erkannte man das Coffein mit seinen Wirkungen auf die Pulsbeschleunigung, Blutverteilung. Erböhung des Blutdrucks und Erregung vor allem des Großhirns. Dazu kamen die vielfachen Beobachtungen über Schlafstörungen, Hersklovsen und Schädigung der Herzleistung. über Muskelzittern. Harndrans usw. Nach un S Kaufen auch Sie den gufen lecker-Kaffee Hochgewüchs 5001 ¼ PId. 80 PM. Sochfein, aromalißs, ergiebig: weltere Pu en 60 5O Pb. 1 Pfd. Kaffeeröherei Hermann Sfecker Detmold, Gange Str. 70, Tel. 2165 gegenüber dem Cichlplelßas 11y. Die kluge Hausfrau kauft ihren Kasfe nur in dem altbekannten Geschäft J. Kaul Stunden schließen.——„ der Zweijährige natürlich auch nicht, sondern weckt seine Eltern alle paar Stunden mit einem anderen Wunsch. Wenn er es ganz schlimm macht, wird er auch whol herumgetragen oder in Mutters Bett genommen. Ich war starr vor Staunen. Nun konnte ich mir auch erklären, woher meine Freundin immer so angegriffen aussah. Aber dem kleinen frischen Bengel, der die Tante so strahlend anlachen konnte, hätte ich das nicht zugetraut. von den Kindern gern genommen. gewöhne man die Kinder an Regelmäßigkeit. Stets zur gleichen Stunde die Mahlzeiten und das Schlafengehen. Je nach der Natur der Kleinen lauwarme Abreibung oder auch kalte Waschung, kein Herumtollen und Erzählen von aufregenden Geschichten. Ueberhaupt sollten wir unsere Kinder möglichst von der Hast unseres Lebens, von Kino und Theater, seien es auch Kindervorstellungen, zurück halten. tersuchungen, in denen man die Zeit bestimmte, wie lange das Coffein im Körper blieb, mußte man das Coffein als pharmakologisch stark wirlenden Stoff betrachten. Das Coffein sei in der Bohne an Kalium und Chlorogensäure gebunden, einem Gerbstoft, —= unschädlich sei an Coirt. der völlig unschädlich sei. Von Schaden sei demnach der Kaffeegenuß von vornherein allen Individuen, die an Reizbarkeit und schlechtem Schlaf litten. Bei gesunden Menschen hingen die störenden Wirkungen des Kafsees, abgesehen von den individuellen Unterschieden. in erster Linie vom Coffeingehalt ab. von der Häufigkeit des Genusses, von der Menge and Konzentration des Kaffees, von der Aufnahme in leeren oder vollen Magen und schließ. lich von gleichzeitigem Genuß von Alkohol und Schlafmitteln. Viele Menschen litten an großer Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit und leisem Schlaf mit nachfolgendem Ermüdungsgefühl, ohne zu wissen. daß nur der Mißbrauch von Kaffee und Tee die Ursache der Störungen sein kann. Unter diesen ungünstigen Bedingungen bewirke der Kaffee nicht Leistungshebung. sonder. Uebermüdung und Arbeitsschwäche. Man habe wegen dieser zahlreichen Beschwerden, die alle auf das Coffein als wirksame Substanz hindeuten, vielfach ärztlicherseits den Kaffeegenuß überhaupt verboten. Zweisellos medizinische Bedeutung hätten daher die Bemühungen. dem Kaffee das Coffein zu entziehen. was der Technik einwandfrei gesungen sei. Sie liefere einen Kaffee, dem das Coffein bis auf Heißes und kaltes Wasser aus jeder Wasserleitung Eine bemerkenswerte Neuerung für das Haus: „Der Gas=Kleinwarmwasserbereiter“, soll am 19. Januar in einem lustigen Vortrage von einem durchaus qualifizierten Redner in den Sälen des Hotel Vereinshaus den Gasabnehmern von Herford praktisch vorgeführt und erklärt werden. Es ist auch oft in Fachkreisen noch viel zu wenig bekannt. ein wie großer Wärmeaufwand ur Warmwasserversorgung eines Haushalts twendig ist. Die Tee= und Kaffeebereitung. pas Anseven vieler Speisen, das Aufwaschen und Spülen, das Waschen kleiner Wäschestücke, das Rasieren usw., all diese an sich kleinen Warmwassermengen ergeben zusammen einen Wärmebedarf, der rund 45 Prozent des Kochverbrauchs eines Haushalts ausmacht. Deshalb ist es gerade in unserer Zeit notwendig, daß man der Wirtschaftlichkeit dieser Warmwasserhereitung im Haushalt erhöhte Autmerksamkeit schenkt. Der neue Klein=Warmwasserbereiter ist je nach Fabrikat etwas verschieden durchgebildet und bietet bei zeitweiser Wasserentnahme keinerlei bygienische Bedenken.— Oeffnet man bei diesen kleinen Geräten den Wasserhahn, so betätigt der Wasserdruck je nach Konstruktion ein kleines Kolben= oder Membranventil. Das Gas kann frei das Gasventil durchströmen und entzündet sich an der am Brenner befindlichen Zündflamme. Schließt man den Wasserbahn, so schließt eine Feder das Gasventil und bewirkt das Verlöschen der Flamme. Durch zweckentsprechende Konstruktion haben die Avparate eine Wärmeausnutzung von ca. 80—85 Prozent. d. b. die aufgewandte Gasmenge wird fast vollständig ohne Verluste ausgenutzt. Die kleinen Warmwasserbereiter sind fast alle mit einer Wassermangelsicherung ausgestattet. d. h. bei ungünstiger oder unterbrochener Wasserzufuhr sperrt sich die Gaszufuhr automatisch ab. Manche Avparate sind auch mit einer sogenannten Gassicherung versehen, die in einem Thermostaten besteht, der bei nicht brennender Zündflamme den Gasaustritt sperrt. Die Avvarate werden auf Wunsch mit einer Geschirrspülbrause zum Reinigen des Geschirrs, mit einer Shamvonierbrause zur Kovfwäsche oder mit einer Ringbrause ausgerüstet. Erwähnt sei auch, daß der Anschaffungspreis dieser Geräte im Verhältnis zu der Ersparnis und zu dem Vorteil. den sie bieten, den heutigen Zeiten angenaßt sind. Wer fortschrittlich denkt, besuche unbedingt den Vortrag am Donnerstag. Musikalische Unterbaltung. Gratisverlosung. Hanntgewinn ein Heißwasserbereiter im Werte von RM. 55.—. beringe Spuren entzogen ist und, was besonders wichtig, der bei dem Verfahren keine Einbuße in Geschmacks= und Geruchswerten erleide. Es sei ohne jeden Zweisel, daß durch die Beseitigung des Coffeins der Kaffee. in üblicher Weise genossen, keinerlei nachteilige Wirkung wie Herzklopfen oder Schlafstdrungen ausübe. Auch die Gehirnleistung werde durch die Beseitigung des Cofseins aus dem Kaffee nicht beeinkrächtigr. Gne Geheimrat Rubner schließt seine Ausführunden folgendermaßen: „Die Frage des Kaffees ist also praktisch vollkommen gelöst, da man mit der Entfernung des Coffeins, der vielfach störenden Substanz, jede ernstere Belästigung ausschließt.“ Schenmorte Handarbellen bei Winns Lligge Vermannstr. 38. Anl 3192 Zur Körperflege Kleider machen Leute. Das schon. Doch ein Kapitel vor größter Wichtigkeit ist die Körperpflege, ohne die auch die schönsten, elegantesten Kleider niemals wirken kön nen. Eine ungepflegte Frau kann tragen was sie will, es nützt sie nichts, denn Körverpflege ist zum Gutaussehen wichtiger, als was man anhat. Es ist nur ein großer Irrtum, wenn man glaubt, Könperpflege sei eine Geldangelegenheit. Lächerlich! die Frauen, die sichs leisten konnten, jedes neue Schönheitsmittel auszuprobieren und es mit ungezählten Fläschchen und Mixturen versucht haben, sind längst dahin gekommen, daß nur eine ganz einfache Methode das einzig richtige ist. Und zwar ists hier, wie bei den Kleidern: Es muß ein jeder das herausfinden, was ihm zuträglich und nötig ist. Gepflegtes Haar, gepflegte Hände. gepflegte Haut und durch Gymnastik straff erhaltene Glieder, das muß sein, doch dazu braucht man nicht die teuersten Schönheitspräparate. Wenn etwas Energie, Vernunft und Ueberlegung walten, gelingt es wohl ohne allzu große Kosten, sehr gepflegt zu sein. weib'. Jugend Livves läßt, wie uns geschrieben wird, in diesen Wochen in verschiedenen Orten Lippes Bibelstunden für Frauen und junge Mädchen von Fräulein Dallner, aus der Reichszentrale, Berlin=Tahlem, Burckhardthaus, halten: l. in Remmiahausen, in der Schule vom 15. bis 17. Januar; 2. in Orbke. in der Schule, vom 18. bis 20. Januar; 3. in Barntrup, in der alten Post, vom 22. bis 24. Januar; l. in Lemgo, im Bibelsaal der Mariengemeinde, vom 25. bis 27. Januar; 5. in Oerlinghausen, im Kindergarten, vom 29. bis 31. Jänuar. In allen Orten täglich abends 8 Uhr. Der übrige Plan für Lage, Heiligenkirchen, Klüt und Schlangen, wird noch bekannt gemacht. Wir möchten auch hierdurch alle Frauen und junge Mädchen herzlich einladen. Es wurden chon seit diesem Dienstag, täglich in der Kinderchule, diese Bibelstunden gehalten und mit grozer Freude und reicher Beteiligung aufgenomnen. Fräulein Dallmer führt klar und gründlich in die Bibel ein und stellt sie in Beziehung zu den Fragen und Nöten des heutigen Lebens. Was die Mode bringt. Jugendliches Tanzkleid aus einem neuen karierten Kunstseidenkrepp in einer schlichten Form mit langem, glockig geschnitttenem Rock und neuartiger Falbel=Gartnitur— ganz wie einst zu Urgroßmutters die verhältnismäßig kleinen Beträge nicht viel bedeuten, so muß sie doch bedenken, daß die Masse es sacht. Und das, was wir nicht unbedingt einführen müssen, sollten wir auch nicht kaufen. Solange durch das Publikum der Eindruck hervoregrufen wird, als wären die ausländischen Sachen begehrenswerter, ann man es keinem Kaufmann verdenken, wenn er versucht, dieser Nachfrage des Publiums zu genügen. Also beim Publikum allein liegt es! * Die Aerztn ist unentbehrlich. Infolge eines Aufrufs des Verbandes deutscher Medizinerschaften in Heft 11 der „Deutschen Aerzteblätter“, in dem gefordert wurde, daß künftig von den 1500 jährlich zuzulassenden Vollmedizinstudenten höchstens 5 Prozent Studentinnen sein dürften, hat etzt eine Versammlung der Medizinerinnen tattgefunden, in der über diese Bedrohung der akademischen Freiheit der Frau beraten wurde. An dieser Versammlung nahmen eden Donnerstag wird jederierf Federieren heißt: nicht nur Waschen u. Eotstauben wie bisher. sondern ferner Desinlizieren. Entmotten, Auffärben Einz ger Apparat in Blomberg und welter Umgegend. E. Rodewald, Blomberg Wäsche und Betten. auch zahlreiche Aerzte teil. Es wurde zunächst festgestellt, daß ein Bedürfnis nach der Aerztin besteht; besonders als Frauen= und Kinderärztin kann mae sie heute als fast unentbehrlich bezeichnen, Professor Dr. Unger vom Virchowkrankenhaus trat warm für das Recht der Frau, Medizin zu studieren, ein. Er betonte bersonders, daß er Ehen zwischen Aerzten und Aerztinnen für günstig halte, die Erfahrung lehre, daß solche Ehen sich immer glücklich gestalten. Ein in der Versammlung anwesendes ärztliches Ehepaar bestätigte die Worte Professor Ungers und wies darauf hin, wie wertvoll eine solche Zusammenarbeit sein könne. Natürlich wurde von allen Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß die Frau gerade des medizinische Studium nicht ergreifen dürfe, wenn nicht e.n ganz starkes Interesse vorliege, denn die Anforderungen, die der ärztliche Beruf an die Frau stellt, sind weit größerer als die anderer Berufe. Für die Küche Eine reizende kleine Sellerie=Vorspeise, wenn man nicht gerade großen Hunger hat, auch ein kleines Abendgericht ist roher Sellerie in Mayonnaise. Der Selleriekopf wird, nachdem man ihn gewaschen und geschält, in streichholzförmige Streifen geschnitten, die man zunächst in lauem Essigwasser mit etwas Salz übergießt und etwa eine halbe Stunde darin stehen läßt. Darauf werden die Selleriestreifen mit einer Mayonnaise übergoten und tüchtig daringedreht. Dies in einer hübschen Glasschüssel angerichtet, kann gleich mit geschmierten Weißbrötchen gereicht werden. Zeitschriften für Frauen Asymmekrie— die neue Moderichtung. Ein Streben nach Ungleichheit in der Mode zeigt sich schon lange in der Form der Hüte, Schals und modischer Kleinigkeiten. Jetzt werden auch Kleider und Jacken vielfach asymmetrisch zugeschnitten. Welch reizvolle Wirkung hierdurch erreicht wird, zeigt das neue Heft von„Sport im Bild“. Ueberall für RM. 1,50. Modetips für Herren. Praktische Winke, wie man durch zweckmäßigen Wechsel in modischen Kleinigkeiten den Eindruck eines Anzuges mehrfach völlig verändern kann, gibt das neue Heft von „Sport im Bild“. Ueberall für 1,50 Mark. Ihre Porträts, Industrie-, Reklameund Lendsdattspholographen lie'ert Ihnen in bes'er Auslührung Paul Beckmann. Deimold Rosenthal 8. Fernspr 2860 44 Von westfälischen Hofschulzen Wie der kernhafte Lyv des alten Bauernrichters entstand Wir alle kennen den Hofschulzen, diese prächtige Gestalt eines kernhaften westfältschen Bauern, die uns Immermann in seinem Oberhof“ gezeichnet hat. Der Familenname „Schulze“(Schulte) kommt nirgendwo mehr vor als in Westfalen. Im allgemeinen können wir annehmen, daß fast alle diese Namensträg r von derartigen Hofschulzen abstammen. Ueber eine Gemeinschaft, wie eine Bauerschaft sie bildete, war als Beam'er der Schulze gesetzt, meist der Inhaber des Haupthofes. Aber auch der Schulze war zunächst keineswegs unbeschränkter Herr des Hofes; er hatte ihn nur als Lehr, von dem er seine Abgaben zu entrichten hatte, und bei ungenügender Führung seine. Amtes konnten ihm Hof und Rechte entzogen werden Es mag hier eingefügt werden, daß die Bezeichnung„Burscap“ sich zuerst in einer Urkunde vo Jahre 1“ findet, seitdem aber auf dem Lande allgemein üblich ist. In Münsker gibt es von alters her Laibschasten; legio ist in Urkunden die lateinische Bezeichnung für Baverschaft. Das berühmte ältere Heberegister des Klosters Freckenhorst, im 10. Jahrhundert in eutscher Sprac: abgefaßt, kennt keine Burscap; es führt für alle Bauernschaften nur den Namen „thorra“— Turba. ein T ort(vom lateinischen Turba abgeleitet), welches noch im jetzigen„Dorf“ und in den Anhängesilben „trup“,„drup“ bei de: Namen vieler Bauernschaften, aber aus bei Einzelhöfen sich besonders im Münsterlande erhalten hat, wie z. B. Ochtrup, Hiltrup Huttrop, Sandrup, Dendrup, Altendorf, Westendorf, Ostendorf. Middendorf. Welches waren nun die wichti##ten Pflichten des Hofschulzen? Der Inhaber des Oberhofes, der Schulze, war der Verwalter des Hofgerichtes, also der niedrigsten Instanz. Im Sachsenspiegel, der alten sächsischen Gesetzessammlung, wird Schulze als Bauernrichter bezeichnet. Er hatte darüber zu wachen, daß die Besitzer der Unterhöfe eine ordentliche Wirtschaft führten, daß sie ke': Grundstücke an andere veräußerten und besanders kein Holz ohne Genehmigung fällten. Das Holz, welches den einzelnen Bauern zum Bauen und Brennen nötig war, wurde ihm zu gegeberer Zeit angewiclen; die einzelnen Stämme, beson ders Eichen, die als Bauholz bestimmt waren, wurden meist mit einem Eisen gezeichnet, welches der Schulze in Ver wahr halten mußte. Die Inhaber der Unterhöfe konnten nach Anhörung des Hofgerichtes unter Ku ratel gestellt und bei andauernder Untüchtigkeit vom Hofe verwiesen werden. Bei den Behandigungen(Belehnung•:) und bei erschiedenen Leistungen auf dem Oberhofe wurde meist nach altsächsischer Sitte ein flot tes Gelage in Bier veranstaltet. Eine solche Zeche war auch mit der Ablieferung der Pacht oder der sonstigen Gefälle verbunden. Diese Ablieferung geschah in der Regel zu Martini(4. November). Wer aber bis zu diesem Termin seinen Verpflihtungen nicht nachkommen konnte, erhielt wohl Aufschub bis Lichtmeß(2. Februar). Ein solcher kam aber bald als„Lichtmeß“ in Verruf d. h. als ein Unsicherer, der aus Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit nicht rechtzeitig seinen Verpflichtungen na kommt. Neubehandigte pflegten bei ihrem ersten Dienst einen Trinkspruch auszubringen, wobei ihn die übrigen Dienstpflichtige. imstanden. Ein solcher Spruch lautete: „Up Huoves Gerechtigkeit, up Herrn und Frauen Gesundheit un up de mine!“ In dem Hofesgericht, der niedrigsten Instanz, führte der Schulze also den Vorsitz Dem Hofrichter waren aber sechs bis zwöl Geschworene beigegeben. Das Gericht fand auf einem freien Platze statt, der„Ding“ oder„Malstätte“ hieß. Jeder freie Bauer hatte Zutritt; sie mußten außerhalb des„Ge heges“ bleiben und bildeten den„Umstand“ Ein solches Gericht fand ungeboten. d. h. pflichtmäßig wenigstens einmal im Jahre regelmäßig sogar zweis bis dreimal statt. Es hieß das„Hofding“ oder die„HofsprachGeschriebene Normen hatte man erst in spö terer Zeit; man sand das Urteil nach alten Recht und Herkommen. Verhandelt wurde über Vergehen gegen Hab und Gut, kleinere Streitigkeiten wurden beigelegt. Als Sühne wurden auch Geldstrafen auferlegt. Es konnte in dem Hofesgericht aber nicht über Leben und Tod des Nächsten entschieden werden. Solche schweren Fälle blieben dem höheren Gericht, dem Gauericht. vorbehalten. Am Stuhle zur Sandwell(dem höchten Gericht im Fürstbistum Münster) wurde m Jahre 1510 als Herkommen für das Hofgericht festgestellt: Ein Bauer=richter richte nach Bauerr: und Koer, und ein Holzrichter sollte richten nach der Marken= oder Erbexenkoer.(NB. Erberen ist abzuleiten von Erbe und Ekiso = Eigen; egan= eigen, also Erbeigner.) Sie richten nicht höher als zu drei Zeiten; jederzeit zu fünf Schilling. Der Gog ewe Gaugraf), unter dem sis gesessen sind, sei hr Oberrichter; Bauer=richter und Holzrichter(Markenrichter) seien des Gogrewen Schulteten(Schulzen). Sie richten nicht ürder als nach Bauerrecht und der Marke; aben sie darüber ein ebrechen, so sollen sie ich berufen an das Gogericht, und wenn sie zier ein Gebrechen haben, weiter an den Stuhl zur Sandwell, als oberstes Gogericht des Stifts von Winster.“ Die Bauerrichter(Schulzen) erscheinen hier als die Vertreter der Bauerschaften. Sie waren aber auch verpflichtet, den Gau grafen in den weiten Gerichtsbezirken zu auch die„Schulteten des Gogrewen“ genannt. Wenn die Zeit des Agemeinen„Ge inge“ (Gerichtstag) naho war, entsandt: der Ba rrichter seinen„Brotheuer", den Bauernboten, welcher in der„Burskap“ von Haus zu Haus eilte, durch die Tür hineinrief:„Wiäge biättern, Rühens(Hunde) knüpeln, un de Dingbänk kummen!“ und eilenden Fußes sich weitermachte. Der Bauernrichter führte sodann seine„Buern“ zur Dingstatt. Wurde aber das gemeine Land zur Abwehr von Feinden, zur Verfolgung von Räubern und Verbrechen, zur Abwehr von Wölfen aufgerufen, so berief der Bauernrichter die waffenfähige Mannschaft seiner„Buern" und führte sie zum Kampfe heran. Die Hofesschulzen oder Bauernrichter hatten auch die Nevision der Maße und Gewichte vorzunehmen bzw. zu überwachen.„Weil bishero eine merkliche Versäumniß und mangell bei inspection der maaß und gewichte(so von unserm Hof Eickenscheidt dependiret) gespüret worden, Sollen vorgemelte Bürgermeister(der Stadt Steele), so oft es nötig, den Schulten zu Eickenscheidt solche inspection verrichten zu helfen requirieren, und im Fall Er uff solche requisition derselben alsdann nicht beiwohnen wollen und können, solche inspection vor ihr Haupt zu verrichten berechtigt sein.“(Privilegium der Fürstin Maria Clara von Essen vom Jahre 1626.) Bei Streitigkeiten in der Erbfolge, bei Abfindung der Geschwister, bei Grenzstreitigkeiten und ähnlichen Vorfällen wurde das Hofgericht angerufen. Die sämtlichen Hofesunterstützen:=wegen werden sie vorhin geschworenen mußten an den Gerichtstagen Wieder Brand auf einem französischen Dampfer. Der französische Ozeandampfer„France“ Holländisches Mysterienspiel in Berlin. Tausend junge Holländerinnen aus allen Gauen der Niederlande, die der katholischen Mädchen=Organisation„De Graal“ angehören, führten am Sonntag im Berliner Sportpalast ein Mysterienspiel auf. Das Bild links zeigt einen Ausschnitt aus der religiösen Vorführung; rechts: der Umzug der Graal=Mädchen mit ihren Fahnen durch die Straßen von Berlin. Worte bedeutender Männer Biktor Blüthgen, geb. 4. Jan. 1844. Wer sich im Kleinen ganz verliert, Wird Großes nie genießen. Und wer sich nur das Große kürt, Wird beides sich verschließen. Kannst du nicht wie der Adler fliegen. Klettre nur Schritt für Schritt bergan; Wer mit Mühe den Gipfel gewann, Hat auch die Welt zu Füßen liegen. * Emil Frommel, geb. 5. Jan. 1828. Manchen ängstlichen Seelen ist ihr Christentum nur wie ein Käfig. Selige Kinder Gottes sind freie Waldvöglein, die voll Lust und Leben ihre Lieder in den blauen Himmel hineinsingen oder des Nachts in rührender Klage sich ausströmen in den Schoß der Er barmung. persönlich anwesend sein. Wenn einer ohne triftigen Grund fehlte, wurde ihm eine Geldbuße auferlegt. Trat ein Neugewählter als Geschworener ein, so hatte er dem Hofrichter den Eid der Treue zu leisten. Der Hofrichter(Bauernrichter) wird auch oft als Holz= oder Markenrichter bezeichnet. Eine Bauerschaft war nämlich nie ganz als Ackerland und Weide aufgeteilt. Jede Bauerschaft hatte sich ein größeres oder kleineres Stück Land vorbehalten, welches gemeinsames Eigentum war und„Mark“ genannt wurde. Die sämtlichen freien Eingesessenen waren daran nach der Größe ihres Hofes mit einem bestimmten Anteil(Waaren oder Schar) berechtigt; sie bildeten die Märk. genossenschaft. Für jeden einzelnen Markgenossen war es genau festgelegt, wieviel Vieh(Pferde, Rinder) in der Mark weiden durfte, wieviele Schweine er zur Eichelmast treiben, wieviel Holz er darin hauen, eine wie große Fläche Plaggen oder Streuh er darin mähen durfte, wieviele Pflanzen er an abgeholzter Fläche neu zu setzen hatte, und wie der Nutzungen und Pflichten noch mehr hießen. Die Aussicht in der Mark führten die Malmänner und der Bockhirte. Zur Regelung der Verhältnisse und zur Schlichtung von Streitigkeiten war der Markenrichter eingesetzt, mit dem Hof= oder Bauernrichter oft dieselbe Person. Das Markengericht wurde auf freiem Felde meist unter einer mächtigen Linde abgehalten. Es hieß „Holting“ oder„Hölting“. Huungk Entschuldigt. Lehrer:„Anton, das ist schon das vierte Mal, daß ich dich in deines Nachbars Heft schielen sehe. Anton:„Ja, er schreibt aber auch so undeutlich.“ * „Herr Bürovorsteher, unsere Registratur wird täglich umfangreicher! Ich glaube, wir könnten die Briefe. die älter als zwanzig Jahre sind. jetzt vernichten!“ „Gut, ich bin einverstanden— aber lassen Sie von allen Abschriften machen!" Der Erfolg. „Na. hast du meinen Rat befolgt. nachts bei fffenem Fenster zu schlafen?“ „Sicher!" „Und bist du deine Kovfschmerzen losgevorden?"— Nein aber die Uhr und die Brieftasche!" * Dann allerdings. „Viel zu heiß ist das Badewasser. Fünfunddreißig Grad habe ich bestellt und das Thermometer zeigt achtunddreißig.“ „Natürlich, wenn Sie das Thermometer so lange reinhalten.“ Mariechen deckt den Kaffeetisch. Sie läßt erbei eine Tasse fallen, von welcher der Henkel dbricht. Besucher:„O weh. jetzt wird Mutter aber helten!“ Mariechen:„O nein. das schadet nichts. der * Werner und Karlchen haben immer Hunger und guten Apvetit. besonders wenn es etwas Gutes gibt. Neulich gibt's Erbsen. Die mögen sie beide nicht gern, und da sagt Karlchen zu Werner:„Wollen wir mal lieber beide satt sein!“ „arberk“ Man kann auch bei einer Absprache pünktlich sein. Kur scheinen das viele Frauen nicht zu wissen. Jedenfalls, die blonde Kitty wußte es nicht. Oder wenn sie es wußte, machte sie keinen Gebrauch davon. Wozu auch? Wenn man noch so jung und hübsch ist, kann schon mal einer eine Weile auf einen warken.... Will wartete geduldig. Etwa wie ein Karo oder Tyras gewartet hätte. Doch man soll auch der Geduld des lieben Mitmenschen nicht zuviel zumuten. Denn Geduld gleicht einem Gummiband: das läßt sich auch viel gefallen, aber einmal reißt es doch! Will sah nach der Uhr. Das hatte er mindestens schon ein halbes Dutzend Mal getan, ohne daß dadurch die Zeit schneller perging. Es war aber auch zu blödsinnig, ihn nachmittags just in ein Parkrondell zu bestellen! Wo es nur so von Kindermädchen wimmelt! Die haben natürlich nichts anderes zu tun, als den einsam promenierenden Herrn genau zu beobachten. Es dauerte eine halbe, eine ganze, ja fast anderthalb Stunde! Endlich sank Will erschöpft auf einer Bank nieder. Gerade neben einem alten Herrn, der ihn schon eine ganze Weile lächelnd beobachtet hatte. „Ja, ja“, meinte er dann,„man war ja auch einmal jung— und hat gewartet! Und damals haben es einem die Weiberchen schon genau so gemacht! Aber ich hab mal eine kuriert...“ kicherte der alte Herr,„und das gründlich!“ Dann steckten die beiden die Köpfe zusammen, aber sie sprachen so leise, daß es keiner hören konnte. Kurz darnach ging Will fort, nachdem er der neuen Bekanntschaft noch vorher verständnisinnig zugenickt hatte. Der blieb ruhig sitzen. Zehn Minuten mochte Will weg sein, als eine junge Dame, in einem Wunder von zartgrünem Crepe de Chine mit malerischem Hut, atemlos im Parkrondell erschien. Ein Blick nach allen Seiten— nein, aber sowas! Wo steckte denn nur Will! Man brauchte nur mal fünf Minuten später kommen, gleich sind die Männer weg! Es ist wirklich kein Verlaß mehr auf die Herren der Schöpfung! Aufseufzend ließ sich die blonde Kitty neben den alten Herrn auf die Bank fallen. „Sie erwarten wohl jemand?“ erkundigte der sich mit dem Freimut, den sich sehr alte Herren gegen sehr junge Damen erlauben dürfen.„Vielleicht einen jungen Herrn?“ und dann gab der alte Schlauberger eine haarscharfe Beschreibung des eben verdufteten Will! :„Ganz recht, das stimmt, das ist er, wie er leibt und lebt! Ja, aber wo steckt er denn?“ „Der hat fast zwei Stunden neben mir gesessen und gewartet. Und als Sie nicht gekommen sind, ist er eben mit einer anderen jungen Dame....“ Mehr wartete Kitty nicht ab. Die„junge Dame“ hatte gewirkt! Sie stürmte in den Park. So ein Verräter, so ein Schurke! Eine junge Dame! Verabredet sich mit einem, um dann mit einer anderen fortzulaufen! Ganz atemlos ist Kitty. Es flimmert ihr nur so vor den Augen. Fast hätte sie Will übersehen, der auf einer Bank saß, mit einem allerliebsten Mädelchen auf dem Schoß. So etwas Entzückendes zwischen drei und fünf Jahren! „Wo ist sie, ich will wissen, wo sie ist?“ keucht Kitty. „Wer?“ verwundert sich Will. „Die junge Dame, mit der Du fortgegangen bist! „Hier!“ präsentiert Will das Baby, das er auf seinen Knien reiten läßt.„ „Aber der alte Herr sagte doch....“ langsam beginnts in Kittys Blondkopf zu dämmern. Hat nicht der Alte so verdächtig geschmunzelt? Natürlich, ein abgekartetes Spiel! Doch wenn das Spiel nun Ernst gewesen wäre? Wenn Will nun wirklich die Geduld gerissen, und ür sich mir einer anderen getröstet hätte? Nitty mag er nicht ausdenken. Denn plötzlich weiß sie, daß sie den geduldigen Will liebt, wie sonst nichts auf der ganzen Welt. Und dann lächelt Kitty Will an, wie nur eine Frau zu lächeln versteht, die wirklich liebt. Plötzlich bekommt die„fremde junge Dame“ auf Wills Schoß von jeder Seite einen so dicken Kuß, daß sie schreiend nach ihrem Kindermädchen verlangt. Denn Küsse, die nicht für einen bestimmt sind, schmecken einem auch nicht..... Smada. Wir sind... Von Michel Becker. Wir sind so jung, daß alles was wir tun, geschieht, als wäre Gott bei uns zuhaus, gleich ob wir wirken oder heimlich ruhn, die lichten Wunder gehn uns nicht mehr aus. Wir sind so reich wie unser Apfelbaum, der jeden Tag der Früchte Last verschenkt, wir wissen nicht, ob Wirklichkeit, ob Traum sich lächelnd in die vollen Tage senkt. Wir sind so still, wie nur die Reife schweigt, den Fragen, die wir oft und bang gestellt, hat sich von selbst das große Ziel gezeigt, uns überkam der letzte Sinn der Welt. Vom guten Humor In der Schule einer kleinen schwäbischen Stadt war Schulvisitation. Der Lehrer war dabei, das ängstliche Suchen der Mutter Maria nach dem verschwundenen 12jährigen Jesusknaben zu erklären. „Was hat denn jetzt die Mutter gesagt, wie das arme Kind weggewesen ist?“ fragte der Schulinspektor dazwischen. „Suche is' sie's gange!“ antwortete ein kleiner Knirps. „Gewiß! Aber sie wird doch auch was gesagt haben, sie wird doch nicht gerade wortlos umhergelaufen sein!“ meinte nun der Lehrer. Keine Antwort, verdutzte Gesichter überall. Dem Klassenlehrer wurde es ganz warm, denn um die Lippen des gefürchteten Inspektors spielte bereits jenes gewisse feine Lächeln. „Nun, Kinder, sie muß doch etwas gesagt haben, denkt doch einmal ein bißchen nach!“ drang der Lehrer weiter in die Buben.— Endlich hebt sich ein kleiner Finger, erleichtert ruft der Lehrer den Buben auf, und der agt furchtlos, frisch und frei: „Ei, da hat's g'sagt: Jesses, Jesses, wo is doch jetzt der Bub!“ Der Herr Inspektor stellte das Fragen ein und verschwand sehr schnell. Der Wunderdoktor Skizze von Heinrich Hartmann Chatharina Behmann saß am Fenster in ihrem Lehnstuhl und strickte für ihren Mann, den Wunderdoktor Behmann, selbstgesponnene Strümpfe. Oftmals sah sie von der Arbeit auf, blickte über den Hofplatz, auf dem ein paar Eschen die kahlen Aeste in den Himmel reckten. Vater Behmann, ein alter, hagerer Mann, aus dessen Gesicht dunkle verschmitzte Augen schauten, saß am großen, weißgescheuerten Tisch und hatte allerlei trockene Blätter, Kräuter, Beeren und Wurzeln vor sich liegen, die er behutsam in verschiedene Tüten tat. Die große Wanduhr in der Ecke mit dem bunten Ziffernblatt klapperte dazu durch die Stille der Stube. Für einen Augenblick hatte die Frau Strickzeug und Hände in den Schoß gelegt und sah gedankenvoll auf den vollbepackten Tisch mit Kräutern, als um die Hofecke eine alte Frau bog und eben auf das Haus zusteuerte.„Hinrich, en Patschent kümmt“, sagte Chatharina zu ihrem Mann, der sich auch sofort erhob und in einem Nebenzimmer verschwand. Die Frau trat ein und mußte sich auf einen Stuhl setzen, der neben der Tür stand, durch die der Wunderdoktor aus der Stube gegangen war. Aus ihren Worten war zu entnehmen, daß sie aus dem übernächsten Nachbardorf gekommen war, um hier Heilung für ihre Krankheit zu finden.„Ja bi düße slechten und natten Jahrestid sind alle Menschen krank un nicht so recht up'n Damme“, meinte die Kranke. „Ja, dat is ok sau“, erwiderte Chatharina Behmann und versuchte die Krankheit zu erforschen. Die dünne und schwächliche Stimme der alten Frau klang heiser durch die Stube, so das Chatharina doch darum bat, sie möge etwas lauter sprechen, denn seit längerer Zeit sei sie als Frau des Wunderdoktors auf beiden Ohren schwerhörig. Das Gespräch wurde etwas lebhafter, und beide Frauen unterhielten sich so rege und laut, wie man es allgemein bei Frauen gewöhnt ist. Dabei stellte sich heraus, daß die Kranke aus dem Nachbarort sich vor einem Vierteljahr den Arm gebrochen habe. Haarklein wurde alles besprochen. Das gehörte mit zu Chatharinas Amt. „Se möt nun noch en Ogenblick töwen, mie Mann is eben mal in de Nahwerschaft gahn, he mutt aber glick wedder kumen“, meinte sie, und während sie anfing, an ihrem Strickstrumpf weiter zu arbeiten, kam Hinrich Behmann über den Hof geschlichen. Die Haustür knarrte, und im nächsten Augenblick stand der Wunderdoktor in der Stube und trat vor die Kranke, der er stark in die Augen schaute. Dabei zog er aus seiner Tasche einige Magnetringe, besteckte nacheinander seine hageren Finger damit und fing an, der Kranken über Stirn und Gesicht zu streichen Seine dunklen, stechenden Augen hatten sich tief in die seiner Patientin gebohrt, die aus Angst kaum wagte, frei und unbezwungen dreinzuschauen. „Ja, dat will ea Se seggen, Fru Nahwerin, Se hebben vor korter Tid sek mal den Arm broken, ungefähr vor'm vertel Joahr, und peer Kinner hebben Se to'r Welt bröcht.“„ Erstaunt, als könne sie dies nicht begreifen, sah die Frau dem Wunderdoktor ins Gesicht, nickte mit dem Kopf und sagte:„Ja, Herr Doktor, dat schall woll sien, Se hebben mi de Wohrheit up'm Kopp seggt.“ Chatharina Behmann aber arbeitete fleißig an ihrem Strumpf und blickte nicht von ihrer Arbeit auf. „An dann, leiwe Fru“, entgegnete Hinrich Behmann, der zum zweiten Male anfing, die Frau mit den Magnetringen zu bestreichen,„will eck Se man vertellen, Se hebb’n ogenblicklich stark an Magensmerzen to lien.“ Und dann arbeiteten die Magnetringe so fieberhaft und aufgeregt. daß bei der Kranien der Schweiß durchbrach. Ermattet und schwach mußte sie im Lehnstuhl neben dem warmen Ofen sich niedersetzen. Der Wunderdoktor hatte vor seiner Wurzel- und Blätterapotheke Platz genommen. Noch sprühten Funken aus Augen und Magnetringen.— Die Dämmerung schlich sich schon durch die Fensterscheiben, als die Frau aus ihrem kurzen Schlaf erwachte. Sie verspürte einen großen Hunger. Das Schwitzen hatte doch geholfen. Dann legte sie einen Taler auf den Tisch. „Hier hebb'n Se dat ehrlich verdeente Geld“, sagte die Frau und machte sich auf den Weg. Zuvor aber drückte ihr Hinrich Behmann noch eine Wundertüte mit Kräutern in die Hand. Als die beiden Alten wieder allein in der Stube waren, schmunzelten sie sich gegenseitig an, freuten sich und dann— teilten sich beide in dem Taler. Chatharina Behmann erhielt die Hälfte dafür, daß sie sich wegen des Aushorchens der„Patschenten“ so gut auf das Geschäft ihres Mannes verstand. Und Hinrich Behmann bekam die andere Hälfte für „angestrengtes Horchen“ hinter der Tür.— Von Alt-niederdeutschen Mätzenschachteln Volkskundliche Plauderei. Sie werden allmählich selten im Lande, diese lustigen alten Mützenschachteln, nicht zum Mindesten deshalb, weil weil vor einigen Jahren große Mengen von ihnen nach Amerika abgewandert sind. In diesen großen, ovalen Spanschachteln pflegten die Frauen einstmals ihre Hauben(Mützen) aufzubewahren. Nicht schlicht holzfarben wie die Hutschachteln von heutzutage waren die Mützenschachteln, sondern— wie es der im Volke lebende starke Schmuckwille forderte — bunt bemalt: die eigentliche Schachtel mit Blumenranken, die Oberseite des Deckels jedoch mit figürlicher Darstellung. Obgleich einige Motive häufig wiederkehren, so findet sich insgesamt doch eine große Mannigfaltigkeit der Bilder. Den bildlichen Darstellungen ist fast jedesmal ein Vers beigegeben. Bild und Vers nun in einer Form und Fassung, die ein absonderliches Gemisch von Pathos. Naivität, Sentimentalität, Lehrhaftigkeit und Humor darstellen, sind es vor allem, die die Mützenschachteln zu so außerordentlich lustigen Erzeugnissen der Volkskunst Da die Schachteln häufig zur Hochzeit geschenkt wurden. so finden wir überwiegend Liebesszenen gemalt. entweder Mann und Frau oder aber noch eine 2 Frau, die als Verführerin zur Untreue auftritt. Die gut gemeinten Verse sind nicht sehr anmutig geformt, sie erzielen aber dafür oft eine höchst komische Wirkung. „Tag und Nacht gedenk ich Dein, wie ich will Dein Diener sein.“ (Kiel, Thaulow=Museum.) „Ich sag es frei und ohne Scheu, Ich liebe dich und bleib dir treu.“ „Ich liebe dich mit Lust.“ „Allen Jungfern in der Welt wünsch ich Männer und viel Geld. „An Mädchens Hand verschleicht die Zeit recht froh und leicht.“ „Hans, wie du wilt, so mach nur bald, Ich bin schon 30 Jahre alt.“ (Hannover, Vaterländ. Museum.) „Jungfer, Lieb und Rosenblätter vergehen wie Aprillenwetter.“ Kiel, Taulow=Museum.) „Ich liebe ja aus Herzensgrund des Tages eine Viertelstund.“ (Altona, Museum.) Außer den Liebesszenen finden sich jedoch auch andere Bilder, beispielsweise ein Fuhrmann mit einem zweirädrigen Karren, dazu der Vers: „Caffee und Zucker fahr ich bey, damit ein jeder sich erfreu.“ (Kiel, Thaulow=Museum.) Oder eine Schäferin die ein Lamm weidet. Der zugehörige Reim lautet: „Bin ich müd, setz ich mich nieder und sing frohe Schäferlieder.“ (Hannover, Vaterländ. Museum.) Selbst weltgeschichtliche Ereignisse haben in Bild und Aufschrift der Schachteln ihren Niederschlag gefunden: das Vaterländische Museum in Hannover besitzt eine aus Vierlanden stammende Schachtel, deren Bemalung einen reitenden Boten zeigt, der einen Brief bringt. Dessen Inhalt, die Siegesnachricht von Waterloo, wird durch die Umschrift angedeutet: „Den Würger hat der Spieß getroffen. Nun können wir den Frieden hoffen. Interessant ist eine Schachtel in hamburgischem Privatbesitz, deren alte Malerei auf dem Deckel entweder durch die Zeit vernichtet oder infolge des veränderten Geschmacks absichtlich entfernt und durch eine Griseillemalerei in Biedermeierart ersetzt wurde. Alle volkskundlichen Muscen haben die Mützenschachteln gesammelt. So wie sie aber dort den übrigen Erzeugnissen unserer norddeutschen Volkskunst zugesellt sind, erweckt es leicht den Anschein, als handele es sich bei ihnen auch um einheimische Arbeit, zumal da ein schriftlicher Hinweis auf die Herkunft stets fehlt. Sie sind ein Erzeugnis des holzreichen Thüringer Landes und wurden bis vor etwa 100 Jahren durch herumziehende Händler nach Norddeutschland gebracht. Daher scheinen auch besondere, auf ein bestimmtes Landschaftsgebiet beschränkte Ausführungen der Schachteln nicht zu bestehen mit Ausnahme derjenigen aus dem Wendland. Auf diesen finden sich Verse, die die Namen der großen Märkte des Wendlandes enthalten. „Auf dem Markt zu Satemin Danz ick mit mien Cathrin.“ „Auf dem Crivitzer Johannismarkt Ich in dich verliebet ward.“ Eine Anfertigung dieser Schachteln im Wendlande selbst wird man nicht annehmen brauchen. Auch die Bemalung allein wird dort nicht erfolgt sein; finden sich doch niemals niederdeutsche Umschriften! Hier wird eben ein. thüringischer Händler sein festes Absatzgebiet gehabt und von vornherein auf den Geschmack seiner Kunden hin gearbeitet haben. Bei der großen Zahl erhaltener Schachteln ist bisher eine Ordnung und Sichtung des Bestandes nicht vorgenommen worden. Die meisten entstammen dem 18. und 19. Jahrhundert und machen somit den Wandel vom Rokolo zum Klassizismus mit, der sich in den Bildern deutlich an der Kleidertracht zeigt. Die frühere Zeit scheint Großfizu er zu bevorzugen, die spätere dagegen kleinere Figuren in Landschaft. Ist auch die Figurenmalerei roh und unbeholfen, so überraschen die Schachteln doch vielfach durch eine geschickte Behandlung der Farbe, die einen Gesamtton in blau, grün, rot und gelb usw. erstehen läßt und somit eine regellose Buntheit glücklich vermeidet. A. M. B. Bellage Nr. 13 Lippische Tageszeitung Detmold, Sonntag. 15. Januar 1933 Lipverland Sonntagsgebanken Auf der Brücke. Nun stehen wir schon wieder mit festen Schritten im neuen Jahr. Schon einige Vorhänge, die auf der Schwelle vom alten ins neue Jahr noch dunkel vor der Zukunft hingen, haben sich gehoben. Viele haben schon wieder vergessen, daß sie in einem neuen Jahr stehen; ist doch bei ihnen und in ihnen so wenig anders geworden. Sie haben leider nur zu schnell die Gefühle beiseite gelegt, die den Menschen bei jedem wachen Uebertritt von einem Jahr ins andere unwiderstehlich bewegen: wir leben im Uebergang. Oft hat man diese Worte in Silvester= und Neujahrsans, rachen hörer können: wir leben im Uebergang. Und je öfter man einen Jahreswechsel durchzuleben hat, desto klarer drängt sich die Erkenntnis auf: unser ganzes Leben ist ein solcher Uebergang. Auf einer arabischen Inschrift an dem Tor einer zerstörten Brücke mitten in den undurchdringlichen Wüsteneien des nördlichen Indien steht ein Wort, das Jesus zugeschrieben wird: „Eine Brücke ist diese Welt; geh darüber und bau dir kein Haus!" Dies Wort berührt sich nahe mit dem bekannten Apostelwort:„Wir haben hier keine bleibende Stadt. sondern die zukünftige suchen wir.“ Unser Leben ist ein Uebergang, eine Brücke— aus einer solchen Lebenserkenntnis heraus müßte sich freilich eine wesentlich andere Einstellung zum Leben und dessen Gütern ergeben, als sie gewöhnlich besteht. Verdammt dieses Wort aber nicht zu einer ganz unerlaubten Untätigkeit und Geringchätzung dieses Lebens? Nehmen wir damit die Gegenwart noch ernst genug? Neulich erst habe ich gelesen, wie ein bedeutender Schriftsteller unserer Zeit darüber klagt, daß die meisten Menschen zu wenig in der Gegenwart leben. Sie leben und denken entweder nur in den Begriffen der Vergangenheit oder träumen sich in eine unbestimmte Zukunft hinein. Gott behüte uns vor so nutzloser Träumerei. Auf einer Brücke träumt man nicht; dazu ist der Weg zu eng, der Abgrund zu tief; dazu liegt Ansang und Ende der Brücke zu deutlich vor uns. Auf einer Brücke weiß man, woher man kommt und wohin man geht. Aber man baut auf einer Brücke keine Häuser. Das ist bildlich zu verstehen und meint: wir sollen nicht so tun, als ob das Leben in dieser Welt und ihre Güter, ihre Sätze und Programme ewigen Bestand hätten. Wir sollen nie vergessen, daß unser Heute Wahltag- heute Gerichtstag in Lippe! Das Volk stimmt ab- Herum das Steuer!- Ganz Deutschland wartet auf Lippe Mehr als nur die Zukunft Lippes hängt davon ab, wie am 15. Januar die Landtagswahlen in Lippe ausfallen. Das ist der Tenor, der in den letzten Tagen mehr und mehr aus dem ganzen deutschen Blätterwald entgegenschallte und mit dem zugleich die schicksalsschwere Bedeutung des lippischen Wahlakts am heutigen Sonntag umrissen ist. Seit durch die Verkettung der politischen Ereignisse im Reich die Wahl in Lippe zum Stimmungsbarometer, ja vielleicht zum entscheidenden Faktor über die große Schick salsfrage für unser ganzes Vaterland ge worden ist, haben manche vielleicht allzusehr die naheliegende Frage übersehen, die da lautet: Was wird für Lippe heute am 15. Januar entschieden? Heute ist Gerichtstag für Drake, der in langen Jahren mit Hilfe bürgerlicher Splitterparteien sozialistische regierte, 10 Millionen Schulden in 8 Jahren machte, die Finanzen der Gemeinden ruinierte, Lippe im Reichsratsozialistischvertrat und der sich jetzt hinstellt und behauptet, er hätte ausgezeichnet gewirtschaftet und sein„System“ sei voll Segen für das Land Lippe und seine Bevölkerung gewesen. Dabei haben wir schon sowohl wirtschafts= als auch kulturpolitisch auf die gefährlichen Linien der Drakeschen Politik hingewiesen und aufgezeigt, daß der Staat in diesen Jahren— und der Staat sind die Staatsbürger— auf das Schwerste geschädigt worden ist! Deshalb gehen wir, so große Unterschiede auch in den großen Fragen zwischen den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen bestehen in mögen, rung mit den Nationalsozialisten der Forde durchaus einig, daß das System Drake heute durch den Stimmzettel beseitigt werden und durch eine nationale Regierung ersetzt werden muß! Die Regierung Drake— auf Drake kommt es an, nicht auf die Mitläufer— hat zielbewußt einen Staat aufgebaut, der nach sozialistischen Gesichtspunkten ausgestaltet sein sollte, nicht nach sozialen, denn den lippischen Arbeitern, Handwerkern, Bauern und Gewerbetreibenden ginge es weniger miserabel, wenn nicht bewußt sozialistisch regiert worden wäre. Herr Drake hat seit 1919 die absolute Macht in den Händen und muß deshalb auch voll verantwortlich gemacht werden für alle Mißgriffe, die unter seinem Regime erfolgt sind, sei es für die Schulpolitik mit einem Dissidenten als Oberschulrat und der Einführung des„Lebenskunde=Unterrichts", sei es für die Beamtenpolitik mit dem teuren Herrn Präsidialrat Heise oder für die wirtschaftlichen Verluste des Staates bei Dörentrup und den anderen Investionen, um bloß wenige der bekannten Beispiele zu nennen. Die Gemeinden sind durch Drakes Weisheit, daß der Staat die Mutter der Gemeinden sei und daß den Kindern geholfen werden könne, wenn die Mutter sich erhalte, an den Rand des Abgrunds gebracht worden. Sie können sich mit den ungeheuren Bürgersteuersätzen von 900—1000 Prozent nicht mehr erhalten, zumal die ausgesogene Einwohnerschaft auch diese Summen nicht mehr aufbringen kann. Wenn eine Rechtsregierung kommt, tritt sie eine böse Erbschaft an. das ist sicher. Aber wenn die Regierung der Linken etwa durch Hilfestellung der bürgerlichen Splittergruppen bleiben sollte, wird sie bald ganz am Ende sein, und die Selbständigkeit Lippes war einmal! Das muß sich jeder noch einmal klar machen, ehe er heute zur Wahlurne geht. Uns ist das Hemd näher als der Rock, und deshalb denken wir zuerst an das Interesse Lippes an einer Rechtsregierung und dann erst an das des Reiches, dem freilich mit einer Rechtsregierung in Lippe schon deswegen gedient wäre, weil dann wieder eine rote Stimme weniger im Reichsrat sitzen würde. Das möge auch der Wahlmüde bedenken, daß er durch Fernbleiben von der Wahlurne indirekt der Sozialdemokratie hilft! Bei der Besonderheit der Lage und des lippischen Wahlgesetzes können u. U. wenige Stimmen das Schicksal Lippes und damit auch die Einstellung des Reichstags zur Reichsregierung entscheiden. Mag das an sich politisch ein Kuriosum sein, so ist es doch so, und deshalb ist die außerordentliche Spannung erklärlich, mit der im Reich wie in Lippe dem Ergebnis dieser Wahl entgegengesehen wird. Deshalb ist es aber auch sittliche Pflicht eines jeden wahlberechtigten Lippers, sein Wahlrecht heute auch gewissenhaft auszuüben, denn nur so wird es möglich sein. ein zuverlässiges Bild von der Stimmung des lippischen Volkes zu erhalten! Eltern, Erzieher und Freunde der Jugend! Kulturelle Leisungen des Systems Drake Die Schule als Domäne der Demokraten- Kirchenfeindlichkeit im christlichen Staat Soll es mit der Religionslosigkeit so weiter gehen? Wir haben als Kultusminister in Lippe keinen„Adolf Hofmann“ gehabt. Es ist eine erfreuliche Feststellung, daß dieser Kelch an unserer Kirche und Schule vorübergegangen ist. Aber wer da glaubt, daß das„System Drake“ nicht in der Praxis dieselben Wege gewandelt wäre, der irrt gewültig. Das„System Drake“ hat wirklich für unsere Landeskirche nichts übrig gehabt. Die Kirche hat immer und immer wieder um einen gerechten Zuschuß kämpfen müssen Nirgends findet man in den letzten 14 Jah in den Landtagsprotokollen ren in den Landtagsprotokollen eine Aner„-..——„ kennung der hohen kulturellen. sittlichen und Leben nicht das Land ist, zu dem wir, auf sozialen Leistungen unserer Kirche für Volk das Ewige gesehen, berufen sind, sondern und Vaterland. Für das„System Drake“ das Ewige gesehen, Brücke, an deren Anfang und Ende und über welcher Gott der Vater steht, dem niemand entrinnt. Es gibt kein Rückwärts, kein Ausbrechen und kein Stillestehen, es gibt nur ein Hinüber. Hinüber in Gottes Namen und Kraft mit wachen Augen! der Landwirtschaftskammer Auf Veranlassung des Deutschen Landwirt schaftsrates geben wir nachstehend über den Cha rakter der Berliner Eiernotierung folgende Auf klärung. nachdem sich herausgestellt hat, daß da rüber in den Kreisen der Landwirtschaft Unklarheiten bestehen: Die Berliner Eiernotierung ist eine Großhandelsnotierung. Bei ihr werden die Eierpreise festgestellt, zu denen die Eier ab Waggon oder Lager Berlin an den Berliner Groß handel in Großhandelsmengen abgegeben werden. Die von der Berliner Eiernotierungskommission festgestellten Eierpreise können daher für die von der Landwirtschaft zu erzielenden Erlöse nur einen Anhaltspunkt geben, wenn man von ihnen die Kosten für Fracht und für die Marktherrichtung der Eier(Sortierung. Durchleuchtung und Stempelung bei Handelsklasseneiern) in Abeug bringl. Es handelt sich bei den Berliner Eierpreisnotierungen also nicht um Erzeugerpreise, die ohne weiteres ein Bild von den Erlösen der Landwirtschaft geben könnten. Wählt vormittags! war unsere Landeskirche mit all ihren Dienern, Gläubigen und Einrichtungen ein Verein, dem man nur widerwillig das gab. was die Kirche sich in Prozessen gegen den Staat erkämpfen mußte. Man war nicht Helfer und Förderer der Kirche und ihrer Einrichtungen, sondern legte ihr auf Schritt und Tritt Steine in den Weg. Man verweigerte zum Beispiel dem Konsistorium an gemessene Räumlichkeiten. Auch hierzu mußte der Staat durch Gerichtsurteil angehalten werden. Diese ablehnende Haltung gehört nun ein mal zum Wesenszug marxistischer Welt anschauung und braucht uns deshalb nicht besonders wundern. Das„System Drake“ war auch hier durch aus konsequent, wenn man es auch geschickt verstand. diese Haltung zu verbergen. Daß das„Volksblatt“ in seiner Einstellung gegen die Kirche nicht hinter dem Berge hielt, ist zu verstehen, da man von dem Schriftleiter des Volksblattes. Fechenbach. nicht verlangen kann, daß er sich für christliche Belange eingesetzt. Dagegen versuchte er durch sein Blatt und den angeblichen„Pfarrer“ Schwarze mit der Gründung„Landeskirche religiöser Sozialisten“ unsere Landeskirche zu schädigen. Auch dieser Herr Schwarze ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden Das lippische Volk in seiner echten christlichen Denkungsart hat diesen falschen Propheten die Tür gewiesen. Zu unserm Bedauern müssen wir aber feststellen, daß eine größere Anzahl Lehrer die Machenschaften des Schwarze materiell und geistig unterstützt haben. Wenn es dem„System Drake“ nicht gelang, unsere Landeskirche zu unterhöhlen, so versuchte man mit doppeltem Eiser, die Schule zu erobern und in seinen Besitz zu nehmen. Die Marxisten fanden hier in den Demokraten willige Helfershelfer. Ueberhaupt betrachteten die Demokraten die Schule als ihre Domäne. Wo man hinsieht, sind die maßgebenden Posten der Schulverwaltung von echten Demokraten besetzt. Andersdenkende Lehrer konnten naturgemäß nichts werden. Wer einmal wagte. gegen die mächtige Front wieder den Stachel zu löcken, wurde in Acht und Bann getan. Wer einmal aufgeschrieben war, hatte nichts Gutes mehr zu erwarten. Immer wieder hat man versucht, ein neues Schulgesetz zu schaffen. Natürlich im Sinne der Umgestaltung unseres Volksschul. wesens in das System der weltlichen Schulen. Die christliche Bevölkerung war aber immer auf der Hut. Zuerst versuchte man es auf kaltem Wege. Man ernannte den Rabbiner zum Volksschullehrer an der Volksschule in Detmold. Es sollte durch diese Ernennung zum Ausdruck gebracht werden, daß unsere Volksschule keine erangelische Bekenntnisschule sei. Die christlichen Volkskräfte waren aber stark genra. diesen Angriff abzuschlagen. Rabbiner Rülf wurde an die Berufsschule versetzt. Den Faß den Boden schlug aber die Ernennung des Dissidenten Dr. Walter zum Oberschulrat aus. Es ist noch bekannt, wie groß die Empörung in der ganzen lippischen Bevölkerung war. Das„System Drake“ hatte geglaubt, daß nunmehr der Zeitpunkt günstig sei, durch diese Ernennung das Schulwesen von einem Gesinnungstreuen fest in die Hand zu bekommen. Noch einmal flammte der Volkszorn auf. Ein Volksbegehren wurde eingeleitet, um die Regierung Drake zu beseitigen. Mitten im Kampf zog plötzlich das „System Drake“ den Dissidenten zurück. Man berief einen neuen Oberschulrat. Auch dieser hat wiederholt durch seine Maßnahmen bewiesen, daß er kein Freund unserer evangelischen Bekenntnisschule ist. Der Schulgemeinde Salzuflen wurde bekanntlich verboten, auf ihren Briefbogen die Bezeichnung„Evangel. Volksschule" zu setzen. In Brake wurde, ohne daß der Schulvorstand gefragt wurde, für ca. 15 Schüler der „Lebenskunde=Unterricht“ eingeführt. Es ist noch nicht vergessen, daß das „System Drake“ der lutherischen Schule in Bergkirchen nicht einmal das Gehalt für den Lehrer geben wollte. Ganze 450 R#4 hat man jetzt bewilligt, trotzdem die Steuern hierfür von seiten des Landes gehoben wurden. Das„System Drake“ ist kirchenfeindlich und gegen den Charakter unserer evangelischen Volksschule gewesen. Wer das System weiter stützt, will, daß Religionslosigkeit im Volk und in der Schule sich breit macht. Wer aber anders denkt und einen christlichnationalen Staat will, schließt sich der Forderung aller christlich Gesinnten an: Fort mit dem„System Drake“! Lipper, gehst du heut zur Wahl, dann schenke dein Vertrauen der Liste 3(Deutschnational), denn darauf kannst du bauen! Von wem kann der Mittelstand Hilfe erwarten? Eine Wahlbetrachtung von Buchbindermeister E. Schön, Wuppertal=Elberfeld In der„Landeszeitung" Nr. 6, schrieb der Kandidat der Volkspartei, Zimmermeister Rottmann=Lemgo, einen Artikel unter dem Stichwort„Das Gebot der Zeit“. In Nr. 10 derselben Zeitung findet sich ein weiterer, aber anonymer Artikel, der den Eindruck erwecken soll, als stamme er von amtlicher Handwerkerseite, unter dem Titel:„Das Handwerk zur Landtagswahl“. Betrachtet man den Rottmannschen Artikel genauer, so stellt er eine Empfehlung seiner eigenen Kandidatur dar. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Herr Rottmann jammert über die furchtbare Wirtschaftsdepression und das sich hieraus ergebende Elend! Ho—. Handel, Gewerbe und Landwirthaft seien in einer schwierigen Lage. Er fragt, wie das gekommen sei. Herr Rottmann gibt auch die Antwort hierauf! Er schiebt die Schuld dem„zustarken“ Eindringen sozialistischen(marxistischen) Denkens und Handelns zu! Ganz richtig! Aber hierbei kommt schon wieder der Pferdefuß des„liberalen“ Menschen hervor. Der Verfasser hat also nichts dagegen einzuwenden, daß sozialistisches Denken und Handeln eindringt, es darf nur nicht zu stark sein! Und wie war das Eindringen des marristischen Denkens und Handelns möglich? Weil in der hervorragendsten Weise auch die Volkspartei im Reich mit den Marxisten in der Regierung saß und fast alles mitgemacht hat. Hat nicht die Volkspartei immer wieder ihre Zustimmung gegeben, wenn es galt Knechtung der Wirtschaft in Deutschland zu schaffen? War es nicht der volksparteiliche Justizminister Dr. Heinze, der verkündete, daß es keine Aufwertung gäbe? War es nicht derselbe Minister, der das Mieterschutzgesetz im Reichstag einbrachte? Hat nicht die Volkspartei und ihre Vorgängerin, die nationalliberale Partei, immer alles bekämpft, was an wirksamen Maßnahmen zum Schutz des Mittelstandes gefordert wurde? Wurde nicht unter hervorragender Mitwirkung der Volkspartei das Schandwerk des Young= Planes unter Führung von Stresemann und Curtius dem deutschen Volk auferlegt? Waren es nicht die Führer der Volkspartei in Politik und Wirtschaft, die dem deutschen Volk begreiflich machten, daß uns nur das Geldpumpen helfen könne? Die Volkspartei gebört zu den Haupt schuldigen des Grundsatzes, daß Borgen reich mache. Hat nicht Herr Stresemann verkündet, daß der Silberstreifen der neuen deutschen Zukunft aufsteige aus Anlaß der Dawesanleihe? Dawesanleihe und Young=Plan sollten dem deutschen Volk den Wiederaufstieg der Wirtschaft bringen. Statt dessen brachte uns das alles Vernichtung unzählier Existenzen und das Millionenheer der rbeitslosen. Schier endlos ist das Schuldregister des falschen wirtschaftlichen Denkens gerade in den Kreisen, die der Volkspartei angehören oder nahestehen. In den eihen der früher so denkenden Wirtschaftsführer kehrt langsam die Vernunft zurück! sie kehren der Volkspartei den Rücken. Und der Mittelständler soll der Volkspartei seine Stimme geben, der Partei, die im Bunde mit den anderen uns wirtschaftlich so falsch führte? Herr Rottmann fordert Erhaltung der berufsständigen Einrichtungen. Wir Deutschnationalen fordern nicht nur Erhaltung, sondern Ausbau. Warum? Weil die heute bestehende Handwerksgesetzgebung ein stumpfes Instrument ist. Dieses stumpfe Instrument ware nie entstanden— selbst in seiner Unzulänglichkeit—. wenn es nach dem Willen der liberalen Parteien gegangen wäre, denen selbst dieser Torso ein Greuel war. Verhöhnt und belacht wurden wir alten Kämpfer für die Belange des Handwerks von diesem überheblichen iberalismus, der uns mit rückständigen Zünftlern verächtlich zu machen suchte. Es ist bedauerlich, daß Mittelständler in Unwissenheit hinter dem Phantom des Liberalismus herlaufen. Hinter dem Liberalismus, dem wir die Entstehung des Marxismus zu verdanken haben. Auch im lippischen Landtag hat der Liberalismus den Marxismus in der Mocht gehalten. Herr Drake rühmt in seinen Reden die Hilfestellung der Liberalen. Und als Feinde kennt Herr Drake nur drei, darunter die Deutschnationalen, aber die Volkspartei u. a. nennt er nicht. Fürwahr ein Zeichen dafür, daß dem Marxismus von liberaler Seite keine Gefahr droht. Liberale Entwicklung bedeutet Wachstum des MarxisDeutschland in einem Artikel vom April 1930, dessen Voraussagen in genauem Gegensatz zu der eingetretenen Entwicklung stehen, folgendermaßen: „Denn schon der soziologische Aufbau unseres Volkes, die Natur des sogenannten neuen Mittelstandes, aus Millionen von Angestellten und Beamten bestehend, erfordern es, daß diese Mittelschicht zwischen konservativen Staatsidealen und den sozialistischen Tendenzen auf der anderen Seite ihre starke politische Bedeutung in das Spiel der Kräfte einordnen kann.“ Handwerker, Handel und GGewerbetreibende, Hausbesitzer, Bauern, folgt nicht den Sirenenklängen des Liberalismus, der vor der Wahl um eure Stimmen buhlt und uns nachher im Stich läßt! Vergleicht gegenüber der Dingeldeyschen Auffassung, Denkeus und der Religion onder on. Nicht derinteressen und Sonderparteien beingen uns weiter, sondern die zusammengefaßte und rücksichtslos ausgespielte eigene Kraft des gesamten Mittelstandes in Stadt und Land, mit der sich dann auch weiteste Kreise der Beamten, Angestellten und Arbeiter verbünden werden, ämtlich erfüllt von zwei Gedanken; einmal: so geht es nicht weitert und zweitens: wir wollen zusammen den Weg gehen, der uns zu einem neuen, besseren Staats führt.“ Bezüglich der Kandidatur Rottmann ist zu sagen, daß Herr Rottmann auf Grund der letzten Reichstagswahl an aussichtsloser Stelle steht. Es hat also gar keinen Sinn, die Stimme der Volkspartei zu geben. Beim Evang. Volksdienst ist die Watt meunste Süim, Drake will blüiben? Sco spit dä int, heu kümmt her'ut! Eüim pass' upp, heu kriegt'n Schubb Dür iuse Wahl: Duitsknational! was der Führer der Deutschnationalen Volkspartei sagt: „Mittelstand gibt es nicht nur in den Städten. Zum Mittelstand gehören auch die bäuerlichen Betriebsinhaber auf dem Lande. Ich hebe dieses hervor, weil dieser Teil des Mittelstandes infolge neu=deutscher Wirtschaftspolitik bereits am Boden liegt. Diesem Schicksal wird der städtische Mittelstand folgen, wenn nicht die Lasten und Gefahren beseitigt werden, die ihn drücken und ihm droben. Der heutige Staat, wie er wirkt und sich gibt, ist mittelstandsseindlich. Es gehört das zu seinem System— trotz des Artikels 164 der Verfassung:„Der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel ist in Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Ueberlastung und Aussaugung zu schützen.“ Wir müssen sehr viel mehr politischen Willen haben und betätigen, als ihn der Mittelstand aller deutschen Berufe bisber bewiesen hat. Ein breiter, starker Mittelstand aller Schattierungen und Berufe bildete den Angelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung, den Quell gewaltiger Ströme des Wohlstandes und der Kapitalbildung. Er bildete auch den Hort der Vaterlandsliebe, des nationalen Sache mindestens fraglich. Inder Reichspolitik liebäugelt der Volks dienst mit der atheistischen Sozialdemokratie und dem Zentrum. Die Kandidatur des bisherigen Land tagsabgeordneten Kuhlmann aus Lemgo ist an 4. Stelle sicherer als die des Herrn Rottmann an 2. Stelle. Tut der gesamte Mittelstand seine Pflicht, dann ist die Wahl des Herrn Kuhlmann unter allen Umständen sicher. Der Artikel.„Das Handwerk zur Landtagswahl“, verfolgt absichtlich die Ten denz, die Stimmen von der sicheren Kan didatur abzulenken und sie der unsicheren Kandidatur Rottmann zuzuführen. Der gesunde Sinn des lippischen Mittelstandes wird wissen, was das Richtige ist. Die Zeit der verschwommenen Listen, sogenannte Einheitslisten, ist endgültig vorüber. Die Entscheidung heißt: hier liberal=marxistisch, hier staatserhaltende konservative Auffassung! Was dazwischen ist, geht dem Untergang entgegen! Darum auf, Handwerker, Handel und Gewerbetreibende. Hausbesitzer, Landwirte, Arbeiter, Angestellte und Beamte, gebt der Partei eure Stimme, die berufen ist, Eure Interessen obne Hintergedanken wahrzu nehmen. Wählt die Liste Nr. 3, Deutschnational! Durchsichtige Wahlmanöver Hugenberg und der„Fall Rinne“. mus. Marxismus und Liberalismus bedeuten in ihrem Endergebnis Vernichtung des gesamten Mittelstandes. Und zwar materiell, kulturell und religiös. Der heutige Führer der Deutschen Volkspartei, Herr Dingeldey, hat die Lipper auch mit einer Rede beehrt. Er beurteilt die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Wenn man einem politischen Gegner sachlich nichts anhaben kann, versucht man es mit persönlichen Stäntereien. So auch Herr Rinne aus Rohbraken und die sozialistische und neuerdings auch nationalsozialistische Presse. Da wurde erzählt, es sei bekannt, daß ein armer Mann namens Rinne in Rohbraken von Dr. Hugenberg um seinen Wald betrogen worden sei, und im Anschluß daran wurde in Mitleid gemacht mit dem„kleinen Mann“, der durch einen „Großen" über das Ohr gehauen worden sei. In Wirklichkeit sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Uns steht ein Brief des Herrn Rügge aus Ußmannsdorf vom 8. 9. 32 zur Verfügung, in dem es u. a. heißt: Rinne 1913 eine Schmiede gebaut hat, ist richtig. Diesen Entschluß faßte er aber erst, als ich ihm zusagte, sein Kunde zu werden. Nach dem Kriege suchte er noch einen Nebenverdienst und entschloß sich, einen Kaufmannsladen und Flaschenbierverkauf einzurichten. Da nun sein altes Haus sich nicht dazu eignete, errichtete er einen Vorbau, um die nötigen Räumlichkeiten zu haben. Rinne frug mich um Rat, wieviel das wohl kosten würde, und ich glaube, daß ich iom gesagt habe. 2000—3000 k. Da nun Rinne kein Geld hatte und anderwärtig keins bekam, aber gerne bauen wollte und mußte wegen Baufälligkeit des alten Hauses und um seine Existenzmöglichkeit zu sichern, bat er mich um Unterstützung bei der Geldbeschaffung. Da habe ich Rinne den Vorschlag gemacht, sein Holzteil an Rohbraken zu verkaufen. Hierauf hat die Holzabtretung stattgefunden. Wie der Vertrag nun lautete, kann ich mich nicht mehr genau entsinnen. Das schnelle Abholzen geschah dadurch, daß Rinne verlauten ließ, daß er selbst durchforsten wolle, da er die damalige Abmachung der Abtretung der Nutznießung nicht anerkennen volle.(Ich glaube, daß ein Termin gesetzt war, ois wann das Holz abgeholzt sein mußte.) Daß Rinne zum Abholzen dazu kam, stimmt. Habe mich aber nicht daran hindern lassen und habe ihn zu Ihnen gesandt. Daß er Sie Spitzbube genannt hat, habe ich nicht gehört. Auch habe ich nicht zu den Leuten gesagt, wer Rinne Mitteilung davon macht, fliegt raus. Die Briefzusendung, die Rinne geschildert hat, stimmt, worin Sie die Klarstellung erläutert hatten. Auch durch den Rechtsanwalt ist die Richtigkeit ihm nochmals bestätigt worden. Hierauf hatte sich Rinne zufrieden gegeben. Die angegebene Holz lieferung hat er bekommen, für späterhin sollte er auf Wunsch welches haben zur eweiligen Taxe. Muß noch hierzu bemerken, daß die Unterstützungen durch Rohbraken Rinnes neugegründete Nebeneristenz so in Verdienst setzten, daß er keine Neigung mehr zur Schmiedearbeit zeigte und mir sein sämtliches Schmiedehandwerkszeug zum Kauf anbot Daß Rinne seine Existenzmöglichkeit nur durch Rohbrakens Unterstützung vergrößern konnte, war allgemeines Dorfgespräch.“ Daraus geht hervor, daß sich Rinne also mit dem Gelde, das er von Rohbraken erhielt, gesund gemacht hat, so gesund, daß er seinen alten Beruf an den Nagel hängte und einen anderen ergriff. der bequemer ist. Das Geld, das Dr. Hugenberg geliehen hatte, war gegen Sicherstellung eines dem R. gehörigen Gehölzes ausgegeben. Jetzt behauptet R. öffentlich, der Wald sei nicht die damals angenommene Summe, sondern etwa 7000 Mk. mehr wert gewesen. Das ist unwahr. Rinne verdankte zunächst seine Existenz als Schmied Dr. Hugenberg, dann verdankt er ihm seine bessere Existenz als Händler. Wenn der Wald wirklich mehr wert gewesen ware, als die ihm gegebene Summe betrug. dann hätte R. eben nur einen Teil seines Waldes sicherstellen lassen müssen. Es ist zu offensichtlich, daß diese Geschichte vor der Wahl dazu herhalten soll, den politischen Gegner in Miß kredit zu bringen. „Das System Drake“. In Nr. 11, 2. Bl. der L. Tagesztg.“ sind von deutschnationaler Seite 20 Fragen aufgestellt und beantwortet. Herr Drake hat in dem Artikel„Das System Drake“ sich gemüßigt gesehen, die Frage 8 herauszugreifen und sie in seinem Sinne zu kritisieren, worauf ihm die Antwort nicht ausgeblieben ist. Die übrigen 19 Fragen bedeuteten eine mindestens ebenso scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik der Machthaber des Reiches und unseres engeren Vaterlandes nach dem Kriege, wie die 8. Frage. Da die 19 anderen Frasen übergangen sind, darf man annehmen, daß selbst Herr Drake an der Wucht ihrer Wahrheit nichts auszusetzen hatte. Ich möchte noch einige Fragen hinzu: fügen: Sind Herrn Drake denn alle die Kämpfe aus dem Gedächtnis entfallen, die die Rechte in Bezug auf Wirtschaftspolitik vergeblich gegen ihn geführt hat? Weiß er nichts mehr von den Warnungen Johannings=Meyers und Kösters? Hat er die Kämpfe um die Erhöhung der Grundwertsteuer und Hauszinssteuer vergessen? Ist er für Senkung der Ausgaben eingetreten, als es schon jedem Einsichtigen klar war und dies in den Landtagsverhandlungen betont wurde, daß die Einnahmen der Werte schaffenden Berufe fortlaufend heruntergingen und diese elbst z. T. dem Untergange entgegen gingen? Ist es ihm als Landespräsident unbekannt jeblieben, daß Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe gegen die Vorkriegszeit in ihren Einnahmen um 60 Prozent und mehr gekürzt wurden, sodaß sie nicht soviel Betriebskapital besaßen, um ihre Betriebe ordnungsmäßig aufrecht zu erhalten, in einer Zeit, wo Beamtengehälter und Löhne gegen Vorkriegszeit um ca. 100 Prozent gestiegen waren? Ist Herrn Drake bekannt, daß infolgedessen, besonders in der Landwirtschaft zuerst, viele Arbeit unterbleiben mußte, die nst fruchtbringend für die Wirtschaft gewesen wäre? Ist es Herrn Drake bekannt, daß erst der Arbeitgeber da sein und kapitalkräftig genug sein muß, ehe er Arbeiter einstellen kann? Ist es auch heute noch Herrn Drake ein Buch mit sieben Siegeln, daß nur über den Weg der Hebung der Wirtschaft, in erster Linie über die Hebung der Landwirtschaft, dem Arbeiter Arbeit verschafft werden kann? War nicht Herrn Drake durch seine bevorzugte Stellung die beste Gelegenheit gegeben, das ganze lippische Wirtschaftsleben in hervorragendem Maße zu übersehen und ist er trotzdem nicht der geistige Urheber aller gesetzlichen Maßnahmen gewesen, die jetzt von Vielen bedauert werden? Solcher Fragen könnten noch viele gestellt werden, vorläufig sei es hiermit genug. Zu den verschiedenen Artikeln der Landvolkpartei sind einige Bemerkungen erforderlich. Wir Landwirte, soweit wir uns der DNVP. angeschlossen haben, fühlen unsere Belange voll und ganz in ihre vertreten, zumal sich unser Führer Hugenberg sowohl in ideeller als auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht von unserm Standpunkte als ein ganz Großer erwiesen hat; wir sehen in seiner Zielrichtung die Bismarcklinie verkörpert. Bismarck vertrat nicht allein die Interessen des Landvolkes, sondern des ganzen deutschen Volkes. Wir fühlen als Deutschnationale unsere Berufsinteressen im Landbunde gewahrt. Diejenigen, die sich als Berufspartei in die Parteien des Reiches und Landes eingliedern wollen, haben nicht das Recht, auch anderen Berufen ein gleiches Vorgehen abzusprechen. Gewähltwird von 9=18 Uhr Achtung! Achtung! Wir geben heute abend ab 6,15 Uhr das Ergebnis der Landtagswahl vor unserer Geschäftsstelle Externstraße 11 laufend durch einen Großlautsprecher der Elektrofirma Karl Tiemann bekannt. In den Pausen findet eine Konzertübertragung statt. Wir geben die Ergebnisse außerdem in den Landestheater=Lichtspielen und im Detmolder Lichtspielhaus auf der Leinwand bekannt. Wahlvorsteher und Berichterstatter werden nochmals darauf hingewiesen, daß uns bei dieser Wahl die Ergebnisse in den einzelnen Ortschaften nicht gemeldet werden brauchen, de eine anderweitige Regelung getroffen ist. . 99. 1 Aus der Landeshauptstadt Detmold, 15. Januar. Am Abend vor der Wahl Nach zwei überaus bewegten Wochen, die ganz im Zeichen der heute stattfindenden Neuwahl des Lippischen Landtages standen, verlief der Vorabend der Wahl in der Landeshauptstadt in auffallender Ruhe. Wahrscheinlich hat der Witterungsumschlag die politisch erhitzten Gemüter abgekühlt. Nur ganz vereinzelt marschierten Plakatträger durch die Straßen, während die Begleiter die letzten Reste der Flugblätter verteilten. unseren Beobachtungen ist bei dieser Wahl die Werbung in den Häusern sehr stark betrieben. Heute hat der Wähler das letzte Wort! Fest der Schützen und Feuerwehr Während im ganzen Lipperlande am Abend vor der Neuwahk des Lippischen Landtags die Säle den Rednern der politischen Parteien zur Verfügung stehen, machte die Landeshauptstadt gestern eine rühmliche Ausnahme Kommt er, oder kommt er nicht? Es ist doch so: Alle haben wir schon manches liebe Mal hin und her überlegt, wenn wir auf irgend etwas warten, wenn es gilt, einen Entschluß zu fassen— sei es, daß es uns an einer Straßenbahnhaltestelle einfallen sollte, daß, wenn es noch lange dauerte bis schließlich der nächste Wagen käme, wir fast ebenso schnell zu Fuß zu unserem Ziel gekommen wären,— oder daß man schwankt, ob man nicht doch den Kaffee auf tragen und die anderen Gäste nicht länger warten lassen soll, weil ausgerechnet Leh manns so lange ausbleiben. Kommt er, oder kommt er nicht? Das ist auch in diesem unwinterlichen Winter die große Preisfrage, die jedermann an jedermann immer wieder richtet, wiewohl er ganz genau weiß, das der andere ihm das natürlich auch nicht sagen kann. Kommt er noch? Kommt er nicht mehr, der Winter und mit ihm Schnee. Ja, da ist's schwer, das Richtige zu treffen— aber besser ist es schon, wenn man sich, so man kann, darauf einrichtet, daß er doch noch kommt— wer weiß, vielleicht steht er schon vor der Tür. Wir wollen uns nichts vormachen. Gestern lag in Detmold Schnee in der Luft.... Durch Leichtsinn schwer verletzt Gestern früh ereignete sich gegen 7.30 Uhr auf der Klüter Straße ein Unglück, daß leicht ein Todesopfer gefordert hätte. Die 10 Jahre alte Tochter des Arbeiters Jocke befand sich auf dem Wege zur Schule. Unterwegs wollte das Mädchen auf einen vorbeifahrenden Milchwagen springen. Das Kind kam dabei zu Fall, wobei ein Rad über den Korper hinweg ging. Mit schweren inneren Verletzungen wurde das Mädchen zum Landeskrankenhaus gebracht. * * Ueber die Anmarschstraße Karls der Großen bei seinem Kampfe gegen die Sachsen wird am nächsten Mittwoch, 18. Januar, 8 Uhr abends. im Odeon auf Veranlassung des Naturwissenschaftlichen Vereins Herr Dr. Herbert Krüger aus Göttingen sprechen. Gerade bei uns dürften die Ausführungen das größte Interesse beanspruchen, fand doch im Jahre 783 bei Detmold der Kampf gegen die Sachen statt, weilte doch Weihnachten der Frankenkönig in Lügde. Ist doch Alt=Schieder eine fränkische curtis, und um Im sehr gut besetzten Saale des„Neuen Kruges", feierte die Detmolder Schützengesellschaft ihr Winterfest. Nach konzertlichen Vorträgen wurde gegen 9 Uhr abends das Königspaar, Brauereidirektor Peters und Frau Rechtsanwalt Sievert unter den Klängen des Friedericus=Nex=Marsches mit lautem Beifall willkommen geheißen. Nachdem Fräulein Wagener einen Prolog gesprochen hatte, tanzte das Königspaar den ersten Walzer des Abends, an dem sich anschließend die Schützen mit ihren Damen beteiligten. In alter Frische entbot Schützenoberst preyer den Kameraden im grünen Nock, besonders aber dem Königspaar und Hofstaat herzlichste Willkommensgrüße und wünschte der Veranstaltung den schönsten Verlauf. Nach der Erledigung der„offiziellen Angelegenheiten“ begann um 10 Uhr abends der Festball, der in prächtigster Stimmung weit über Mitternacht hinaus die große Festgemeinde in wirklich allerbester Stimmung zusammenhielt. * „Fast zur selben Stunde begann im großen Saale des Hotels„Odeon“ das 67. Stif tungsfest der Detmolder Feuerwehr. Nachdem die Feuerwehrkapelle aus Hiddesen die Feier mit konzertlichen Darbietungen stimmungsvoll eingeleitet hatte, sprach Feuerwehrmann Raddau einen vom Brandmeister Hahne verfaßten Prolog. der mit grozem Beifall ausgenommen wurde. Unmittelbar anschließend hielt Brandmeister Hahne die Begrüßungsansprache und hieß die Vertreter der Stadt, Oberbürgermeister Dr. Peters, Stadtrat Flaßkamp sowie Landesbrand direktor Günther herzlich willkommen. Nach weiteren Vorträgen der Musikkapelle prach Herr Landesbranddirektor Günther iber die Aufgaben der Feuerwehr. Anchließend überreichte Oberbürgermeister Dr. Peters den verdienten Feuerwehrleuten. Klempnermeister Sandmann, Böttchermeister Brand und Malermeister Blome ur treue Dienste während der letzten drei Jahrzehnte ein Ehrendiplom. Humoristische Vorträge bildeten den Uebergang zum Tanz der die Feuerwehrleute mit Angehörigen und Freunden in wirklich schönster Harmonie viele Stunden in prächtiger Stimmung zusammenhielt.=Ko 1—1,10 Mark, Molkereibutter 1.20 bis 1.25 Mark. * Literarische Abendfeier. Der Schauspieler Paul Bornstedt(früheres Mitglied des Lippischen Landestheaters) gibt am kommenden Dienstagabend, 17. Januar im Saalanbau des Ev. Vereinshauses seine 2. Literarische Abendfeier. Der Künstler spricht das Mirakelspiel„Das Herzwunder“ von Wilhelm von Scholz frei aus dem Gedächtnis. Es ist zu hoffen, daß die Freunde des Künstlers dem Veranstalter des Abends wie bisher die Treue halten. * L a n d e s t h e a t e r. D a s T h e a t e r b ü r o schreibt:„Die Karlsschüler". Schauspiel um den jungen Schiller von Laube, das am Freitag eine außerordentlich beifällige Aufnahme seitens des Hauses fand, wird Mittwoch 19,50 Uhr zum letzten Mal wiederholt. Steinheim herum fränkisches Königsgut nachweisbar. Daß Karl in Paderborn weilte, ist selbstverständlich. Es ist daher zu erwarten, daß nicht nur dem Forscher, sondern allen Heimatfreunden eine Beleuchtung dieses frühgeschichtlichen Problems willkommen sein wird. * Eine kirchliche Statistik. Der kirchsichen tistik der reformierten und lutherischen stadtgemeinde und des Landkrankenhauses und Diakonissenhauses entnehmen wir für Jahr 1932 folgende Zahlen: Getaufte: 254; Konfirmierte: 174; Getraute Paare: 107; Bestattete: 149. Das Heilige Abend mahl empfingen 3502 Personen. * Staakl. Gymnasium und Oberrealschule. Wir weisen auf die in der heutigen Nummer enthaltene Anzeige über die Aufnahme neuer Schüler zu Ostern 1933 hin. Für den Fall, daß bezüglich der Wahl der Anstalt oder der Klasse bei den Eltern neu aufzunehmender Schüler Zweifel bestehen, wird der Besuch der Sprechstunde des Anstaltsleiters(täglich von 11—12 Uhr) dringend empfohlen. * Städtisches Oberlyzeum. Wie aus dem Anzeigenteil dieser Ausgabe ersichtlich, müssen sämtliche Schülerinnen, die zu Ostern 1933 in die Sexta aufgenommen werden sollen, bis zum— Januar schriftlich oder mündlich der Anstaltsleitung(werktätglich zwischen 12 und 1 Uhr im Oberlyzeum, Wall 5) angemeldet werden. Wir machen auf die näheren Einzheiten in der heutigen Anzeige besonders aufmerksam. * Nächsten Donnerstag StadtverordnetenS#####m nächsten Donnerstag, abends 6 Uhr, soll wieder eine Sitzung der Stadtverordneten stattfinden, die sich mit den notwendig gewordenen Etatüberschreitungen zu beschäftigen haben werden. Außerdem soll das kommunale Arbeitsbeschaffungsprogramm besprochen werden. Von der Straße. Gestern nachmittag wurde auf der Hermannstraße beim Kaffee Burre die dort stehende Laterne von einem Kraftwagen umgefahren. Wo der Kraftwagenführer wohl die Augen gehabt haben mag? “ Desorzelgesellschift. Uns wird geschrieben: Wir sind vom Fravenbund zum Unterhaltungsnachmittag im Gesellschoftsbaus am Montag 16 Uhr, eingeladen und empfehlen unsern Mitgliedern, besonders deren Töchtern von 15 Jahren an, den Besuch wärmstens. * Lubka Kolessa wieder in Detmold. Die berühmte Pianistin bestreitet das nächste Konzert unseres Bildungsrereins, das am nächsten Tonnerstag. im Gesellschaftshause (also nicht im Landestheater) stattfindet. ubka Kolessa hat sich, wie in ganz Europa. so auch in Detmold durch ihre früheren Konzerte einen so großen. von freudigster Zustimmung erfüllten Freundeskreis geschaffen, daß der Vorstand des Bildungsvereins diesem Umstande dadurch glaubte Rechnung tragen zu müssen, sie wiederum zu einem Konzerte einzuladen. * Quer über den Wochenmarkt. Auf dem Markte war schwacher Betrieb und selbst die menigen Stände fanden wenig Kundschaft. Blumen fehlten. des Frostes wegen, gänzlich. Gemüseperise brachten: Blumenkohl Endivien Stück 5—20 Pfg., Feldsalat Pfd. 40—60 Pfa., Te'tower Rübchen 25 Pfg., Möhren 8—10 Pfg., Weiskohl 6 Pfg., Rotkohl, Wirsing. Grünkobl, 8 Pfg., Steckrüben 8 Pfg., Rosenkohl 25 Pfa., Schwarzmurzeln 30—35 Pfa., Tomaten 40 bis 50 Pfg., Bananen 30—35 Pfa., Aevfel P Pfund 15—40 Pfg., Avfelsinen Stück 5—10 Pfennig, ein Dutzend billiger. Zitronen Stück 5 Pfg., Wal= und Haselnüsse 30—40 Pfg., frische Eier Stück 9—10 Pfg., Landbutter Die lippischen Gewässer und die Fischreiher Die lippischen Flüsse und Bäche hatten vor Jahren einen Reichtum an Fischen und Krebsen, an welchem jeder Freund der edlen Eischwaid seine helle Freude haben konnte. Es wurden Fänge gemacht, deren Umfang an das Unglaubliche, Märchenhafte grenzen. Wer das Glück hatte, in der Bega, der Werre, der Exter. der Passade, der Ilse, dem Luher, dem Lüerdisser Bache, der Ost= und Westkalle fischen zu dürfen. wird sich mit Freude und Dankbarkeit jener Zeit erinnern. Das war einmal und mit Wehmut und Schrecken wird er erfüllt, wenn er heute jene Stellen wieder aufsucht, an denen er früher so manche fischwaidfrohe Stunde erlebt hat. Die Gewässer sind fischarm, zum Teil von Fischen völlig entvölkert worden, und nicht selten ist ein Fehlfang das Ende stundenlanger Bemühungen. Hieran tragen industrielle Anlagen. Kanalisationen mit dem Fischbestand schädigenden Abwässern und ähnliche, in die Fischwässer geleitete Anlagen einen Teil der Schuld. Dahin gehören auch die nach dem Kriege und in der letzten Zeit überhand nehmenden Fischdiebstähle. Zu den Schädlingen der Fischerei sind aber auch die Fischreiher zu zählen. Sie erfreuen sich des staatlichen Schutzes und sind mit der Jagd das ganze Jahr zu verschonen. Wenn dieser Schutz den drohenden Untergang des schönen Vogels verhindern wollte, so ist dieses Bestreben sicherlich anzuerkennen und hat die Billigung jeden Naturfreundes gefunden. Indessen hat auch dieser Zweck seine Grenzen. Die völlige Schonung hat zu einer Vermehrung der Fischreiher geführt, die eine ernstliche Gefahr für die Fischerei bedeutet. Es ist festgestellt, daß sechs bis acht Fischreiher in einem Walde waren, welche die Fischereien in der Nähe gründlich ausplünderten. Viele Fischereiberechtigte haben ahnliche Beobachtungen an anderen Stellen gemacht und den Wunsch nach Abhilfe geäußert. Für sie ist es schmerzlich, still zusehen zu müssen, wenn die argen Fischräuber die mit vieler Mühe und nicht unerheblichen Kosten zur Hebung der Fischerei ausgesetzten Jungfische nach und nach aus dem Bache holer. Hier ist Abhilfe dringend erforderlich. Es würde von den Fischereiberechtigten freudig begrüßt werden, wenn die zuständige Stelle möglichst bald sich der begründeten Klagen annehmen würde. Wählt Deutschnational Liste Lippisches Landestheater Schiller-Schauspiel„Die Karlsschüler" Heinrich Laube, der Verfasser dieses Schauspiels, mag ein guter Theaterdirektor gewesen sein, der sich um das Burgtheater in Wien unvergängliche Verdienste erworben hat. Dramatiker war er aber nicht. Be ihm ist alles und um jeden Preis Theater. aus dieser Perspektive heraus hat er auch den jungen Schiller in den„Karlsschülerr" behandelt. Wenn Dichter auf die Bühne zitiert werden, wird— das ist heute wie es einst war— meist nichts Gescheites daraus. Aus Laubes Schiller ist bestimmt nichts geworden. Er zerstört alle Ideale, die man sich auch von dem jungen Schiller gemacht hat, der mit den damals unerhört kühnen„Räubern", mit seinem Karl Moor und seinen freiheitlichen Träumen bei dem absolutistischen Herzog von Württemberg als Revolutionär galt und aus dem Lande fliehen mußte, während Iffland in Mannheim die„Räuber" zum Erfolge führte. Das Schauspiel Laubes ist 1847 entstanden und atmet den Geist der Zeit zwischen der französischen Julirevolution und der deutschen Revolution von 1848. Das Pathos, mit dem darin jede freiheitliche Aeußerung in den Raum geschmettert wird, ist daher aus politischen Gründen absichtlich in das Werk hineingelegt und entspricht außerdem dem Wesen des Theaterfachmannes Laube, der auf Effekte theatralischer Art eingeschworen ist. Uns liegt heute dieser rhetorische Kraftaufwand ebenso wenig wie der übermäßige Verbrauch an Rührseligkeit für den Helden des Stücks. Trotzdem war die Aufführung von beachtlicher Wirkung. Die Darsteller, nicht die Dichtung errangen mit den„Karlsschülern“ einen Erfolg. Hugo Klafft's Regie arbeitete die bühnenmäßigen Effekte in den Abgängen besonders heraus. Ihm stand eine mit einheitlichen Grundsätzen arbeitende und das Beste zu geben bereite Spielerschar für die saubere und gründliche Neueinstudierung zur Verfügung. Hans Rewendt hafte, den jungen, Schiller zu vertreten und entledigte sich dieser nicht sehr angenehmen Aufgabe mit großem Geschick. Er färbte nach der angenehmen Seite und war auch in den ärgsten Momenten Schiller’scher Schwermut zu ertragen. Charlotte Henning als Laura beglückte wieder mit all' der Wärme und natürlichen Weichheit des lieben den Weibes, die von ihrer blonden Mädchen haftigkeit ausgehen. Ihrer„Pflegemutter", der Generalin Rieger, lieh Marie Ziebe die gutmütigen und fürsorglichen Züge, die der Dichter dieser Frau im Gegensatz zu der düsteren Ueberheblichkeit ihres Generals Rieger gegeben, den Hugo Klafft trefflich verrorperte. Else Hähnel sah man Gräfin Franziska, die ihrer„poetischen Grille den Mann ihres Lebens zu opfern“ bereite Frau, die sich gegen die Tyrannei des Gatten aufbäumt— eine interessattte und gelungene Leistung. Mal was Anderes! Richt einverstanden waren wir mit der Getaltung des Herzogs Karl durch Erich lopsch, dessen weiches Organ in seltamem Gegensatz zu der Härte seines Handelns stand. Eine vorzügliche Charakterstudie bot Hermes Hoffmann mit dem devoten und intriganten Kammerherrn Silberkolb, der so viel zur Verwicklung der Liebesangelegenheit zwischen Schiller und Laura beiträgt; Georg Born und Arthur Ziegler nicht zu vergessen, die als Vertreter des heiteren Fachs, der eine als Spiegelberg, der andere als Sergeant Bleitift, die Aufführung bereicherten, die den ungeteilten Beifall des einigermaßen besetzten Hauses fand." Dr. R. Wochenspielplan des Landestheakers. Sonntag, 15. Jan. kein Theater, nir Film.— Mittwoch, 18. Jan., 19.50 Uhr, 15. Mittwochabonnement zum letzten Mal„Die Karlsschüler“, Schausviel von Laube. Freitag, 20. Jan., 19.50 Uhr. 15. Freitag Abonnement, Neueinstudierung„Wilhelm Tel!, Schauspiel von Schiller. Sonntag, 22. Jan., 19.50 Uhr:„Wilhelm Tell“, von Schiller. „Ich bei Tag und Du bei Nachl“ Es scheint zunächst etwas anderes als glücklicher Weise ist bei diesem Ufa=Tonfilm, der ein netter Unterhaltungsflm mit einem kräftigen Schuß Realistik ist. Denn im Mittelpunkt steht ein— Bett. Nun ja. ein Bett. nämlich eins in einem der vielen Mietskasernen der Reichshauptadt, das eigentlich überhaupt nicht kalt wird, denn es ist an zwei Leute vermietet, von denen die Grete am Tage Dienst im Manikürsalon hat und der Hans des Nachts in der Casanova=Diele. Trotz dieses etwas merkwürdigen Vorwurfs st ein brauchbares Drehbuch vorhanden. oder vielleicht gerade wegen dieses Milieus! Jedenalls ergeben sich originelle Szenen, indem sie beiden jungen Arbeitstiere sich nicht ennen und erst zufällig kennenlernen und dann sich gegenseitig verwechseln und einer den anderen für eine reiche Partie hält, und ilmtechnisch ergeben sich in der Buntheit der Szenen gut getroffene Momente bei der Führung durch das Schloß von Sanssouci, wo die Liebenden eingeschlassen werden, und im Friseurladen und auf dem Hof der Mietskaserne. Endlich einmal ein Film, der nicht nur splelt. sich zwei Menschen finden und durch ihr Finden noch zwei andere ihr Glück machen lassen! Neben Käthe von Nagy, die durch ihr kultiriertes Spiel gefällt, und dem beweglichen Williy Fritsch verdient Amanda Lindner als einstige Tragödin aus dem 19. Jahrhundert besondere Erwähnung Die Musik von Werner Heymann ist flüssig und bringt verschiedene Schlager, die in ein„Kino im Kino“ verbannt sind. Im Beiprogramm u. a. ein interessanter Kulturfilm, der die technischen Fortschritte des Rundfunks im Tonfilm veranschaulicht Detwolder Lichtspiele n„hohen“ Häusern spielt, sondern mitten im Alltagsleben der großen Stadt, in der „Dienst ist Dienst" Die Albö=Filmgeselleschaft läßt hier dem Schrecken der Garnison“ ein österreichisches Militärlustspiel folgen, das im Publikumserfolg wohl noch etwas stärker sein wird als Bressarts zweite Militärleistung. Fritz Schulz als Rekrut Kaczmarek muß hier mit seltener Dummbeit brillieren, damit all die ergötzlichen Situationen entstehen, die auch Melancholiker zu Lachtränen zwingen können. Der Film. betont das Militärische weniger als die Bressartfilme, aber was Carl Boese an Situationskomik entstehen ließ, hat Hand und Fuß und hilft über jede Flachheit hinweg, die im Manuskript enthalten ist. Schulz gibt feinem Rekruten einen ganz anderen Typ als Bressart, zeigt nichts von Pfiffigkeit, wennig von Treuherzigkeit und betont nur das Hoffnungslos=Dumme, in jeder Beziehung Schwerfällige seines Marsjüngers, aber dieses Herausheben al. träger Punkt, der sich nur auf Befehl langsam verschiebt, ist gerade das Wirkungsvolle dieser Rolle. Ralph Artur Roberts in brenzlichen Situationen. Lucie Englisch als Soldatenbraut. Ernst Behmer als Zivilrivale sind die besten Mitwirkenden. Berliner Allerlei Sechs Tags Ostpreußen— Lans Grimm— Fünf Fahre ohne Schnee „Racht=Jugend“— Frauenstaat— Wenn man an Papter spart— Stlarek. — Angestaubte Wintermäntel— Was ist eine Dame? Jahr hat der Reichshauptstadt fast eine halbe Million Mark gekostet, da nach einem Schneefall 5320 Mann und 20 Schneepflüge für die Säuberung der Straßen aufgeboten werden. * 2# gitter des Instituts für Erziehung und Unterricht. hängen Plakate: Ostpreußen, was es leidet und was es leistet. Die Provinz Ostvreußen und der Reichsverband heimattreuer Ost= und Westpreuben haben diese Ausstellung zustandegebracht. Schmerz und Stolz klingt in ihrem Titel mit und diese Empfindungen teilen sich jedem Besucher mit, der die in drei Abteilungen gegliederte Schau besichtigt. Die nationalvolitische Bedeutung einer solchen Ausstellung wie die Ostpreußens trifft heute, trotz der eigenen Sorgen um Arbeit und Brot, auch in Berlin viel aufgeschlossenere Herzen, erfaßt und ermahnt viel breitere Volksschichten, als es in weniger notvollen Jahren der Fall gewesen wäre. Weil auch hier in Berlin immer mehr Stände, Kreise und Schichten von dem Gedanken und dem Wissen durchdrungen werden, daß die Not des Einzelnen. des Standes und der Schichten aus der national politischen Not der Gesam' o#t erwächst, mit ihr unlösbar verbunden ist. Ein Beweis für dieses Erwachen, das Wachsen dieses Wissens sind die überfüllten Säle, wenn Redner, die etwas zu sagen haben, mit den„Schicksalsproblemen Deutschlands ringen. So war denn auch die Veranstaltung der„Gesellschaft für Deutsches Schrifttum“, die über das Thema „Reich und Kreuz" den revolutionären Nationalisten Hielscher, den Protestanten Prof. Dehn und den Jesuitenvater Przywara sich auseinandersetzen ließ. überfüllt. ** Hab es hier die Unruhe des Suchens, so gab es bei Haus Grimm, der im„Groß=Berliner Vortragsbund“ aus eigenen Werken las, die Rube jener seelischen Haltung, die um ihren sicheren Standort weiß, um den dieser deutsche Dichter sein Leben lang gekämpft hat. Seine Werke anklagend und zielweisend zugleich. gehören zum kostbarsten seelischen Besitz unserer Zekt und über sie hinaus. Mit der Novelle „Der Händler“ gab Erimm das ergreisende Lebensbild eines Kolonialdeutschen, der in sei nem Pionierschicksal einen schlichten und doch so beldenhaften Tod auf der jungen deutsch-ost afrikanischen Erde erleidet— ein namenloser Held des Alltags. Dann las er die autobio grapbische Skizze:„Heimat und Ahnen— meine Heimat und meine Ahnen“, mit der er in feiner Deutung das Zusammenklingen der verschiedenen stammbedingten Blut= und Geisteseinflüsse in seinem Werden darlegte und das wundersame unbewußte Einmünden seines leiblichen und geistigen Schicksals in die Landschaft seines alten Geschlechts: Livvoldsberg an der Oberweser. Die Ruhe, die der Mensch und der Dichter Hans Grimm auf seine Zuhörer überströmt, hat nichts von stiller Beschaulichkeit— ganz im Gegenteil. sie ist das Ergebnis eines sucherischen und kämpferischen Temperaments. einer höchst aktiven Lebensleistung, eines heißen Ringens um das Bewußtwerden seiner menschlichen, dichterischen und volkhaften Aufgabe. Es ist die Ruhe eines starken deutschen Menschen und Dich ters. der in seinem Volk sich selbst gefunden hat und dieses Volk in sich. ** Das Kalenderblatt zeigt Januar, den Winter. monat, an und da wird es mit unserer Neujahrs=Budenmesse doch seine Richtigkeit haben — Emaillegeschirre, Wäschezuber, alte Bücher Schallvlatten, echt antik, alles ist zu haben und überdies noch Pfefferkuchenherzen mit Zucker schrift darauf und weisen Worten aus dem Erkenntnisschatz des Volkes:„Mensch sei belle, bleib Junggeselle" oder„Ich bleib dir 3, 4+4“ oder gar„O kurble noch ein Weilchen!" „Was dem einen sin Uhl, Ist dem andern sin Nachtigall.“ Verweil die Berliner Wintersportler und auch die anders gesinnten Naturfreunde. die„unzeit gemäße“. Witterung mit Ingrimm beklagen reiben sich die Stadtväter ob dieses Geschenks des Himmels schmunzelnd die Hände und be rechnen die tägliche Ersparnis an ihrem Straßenreinigungsetat. Wenn auch der Ausspruch eines Sachverständigen:„Fünf Jahr ohne Schnee und der Stadtsäckel de Reichsbauotstadt ist sanlert“ nur als Witz zu verstehen ist, so kennzeichnet er doch den groben finanziellen Aufwand, der für die Schnee beseitigung in einer Millionenstadt wie Berlin notwendig ist. Ein nicht einmal schneereiches Wenn das rauhe Klima der Jahreszeit in Berlin auch noch nicht Einzug gehalten hat, so hat der Winter doch schon seinen Schatten der Not verbreitet, der Not, die es mit sich bringt, daß Verbrechen an Leben und Eigentum sich erschreckend häufen. Diese Not war aber bestimmt nicht bei denen zu Hause, die jetzt unter dem Namen„Berliner Gentleman=Räuber“ eine traurige Berühmtheit erlangt haben. Junge Menschen, die mit 16 oder gar 20 Jahren das Leben erst beginnen sollten. Kinder angeehener vermögender Familien, schlagen einen Mann nieder und hätten vielleicht sogar einen Mord gewagt, nur um sich in den Besitz von „Amüsiergeld" zu setzen. Den Tiv zu dieser Gemeinheit gab ein Mädchen, dessen Name sogar den Adel trägt. Will man den Hintergrund dieses unsinnigen Verbrechens erforschen, ent hüllt sich das Bild einer kranken Jugend die in der Nacht bei Tanz und Alkobol in erotischer Atmospbäre den Sinn des Lebens sieht und hierbei verkommt. Wer diesen Kindern einen solchen Lebensstil erlaubt, der trägt auch die Verantwortung an ihrem Schicksal. Irgend jemand nannte diese Jugend. von der man in den Barlokalen der Großstadt allzu viel siebt „Fuwis Jugend“. Die„Gentleman=Räuber“ haben ihre Eltern und sich selbst unglücklich gemacht und werden jetzt vor den Richter treten. Die Oeffentlichkeit erwartet ein strenges Urteil. ** In diesen Tagen des großen Ausverkaufs ist der Frauenstaat aufgerichtet in Berlin. Der Mann kommt überhaupt nur als Ravonchef in Betracht und sonst gar nicht. Der Herr der Schöpfung will er sein? Dieser ganzen wunderbaren Schüpfung aus Parfümflacons und Kunstseide, aus Creve Georgette und Lipventouge! Lächerlich, was die Männer sich alles einbilden! Man kann sie nicht einmal gebrauchen, um die Rechnungen zu bezahlen, was immerhin ein Daseinszweck wäre; in den Tagen der Inventur gibt es ja keine Rechnungen. die ins Haus geschickt werden. Man muß alles bar bezahlen. Wirklich, verrückte Tage das! * 2 Gespart muß werden. auch an Pavier. Dieser Notwendigkeit konnte sich auch die Gemeinde Ottersing in Bayern nicht verschlienen und darum hat sie. wic die„Münchn. N. N.“ berichten, ihren Bürgern an Stelle von Wahlkarten handgeschriebene Zettel ins Haus geschickt, die aus veralteten amtlichen Formularen ge schnitten waren. Da hat sich mancher gewundert wenn er etwa einen Ausschnitt aus einer.. Körliste bekam. auf dem stand: Nummer oder Name des Bullen (Ebers. Ziegenbockes): 243 Altbuber Nevomnk Die allo ins Tierreich Versetzten meinen. bei aller löblichen Sparsamkeit wäre die Gemeinde rielleicht doch in der Lage gemesen. weiße Zettel zu verwenden, und man wird ihnen nur zustimmen können im Reichsrat. * 2 Es ist still geworden um die Sklareks— und das mit Recht. Das Brüdervaar, das so lange die Oeffentlichkeit beschäftigt hat. absol viert augenblicklich die Strafen, die ihm zudiktiert worden sind. Leo Sklarek ist im Zuchthaus in Luckeu untergebracht, und zwar wurde er dort als Lehrling der Lederwaren=Abteilung zugewiesen. Er soll dort, die Anfertigung Die Mönche von St. Bernhard gehen nach Tibet. Die nach Tibet gehenden Brüde: verabschieden sich von dem Probst Bourgeois von St. Bernhard. Im Jahre 962 wurde von dem Hl. Bernhard auf dem Paßübergang zwischen Italien der Schweiz ein Kloster gegründet. ein Hospi: zur Rettung der im Umkreis des Passes Verirrten und Verunglückten. Die moderne Technik überwand die Gefahren des Paßüberganges, so daß den hochherzigen Brüdern die Grundlage für ihr Rettungswerk entzogen wurde. Um treu ihrem Gelübde weiter zu leben, haben sich die Mönche von St. Bernhard nunmehr einen neuen Wirkungskreis in den unwirtlichen tibetanischen Hochpässen gesucht. Ein Teil der frommen Brüder ist dieser Tage nach Tibet abgereist. Ein Meisterwerk Nembrandts zerstört. Das bekannte Rembrandt=Gemälde„Die Staalmesters“, im Rijks=Museum in Amsterdam wurde durch eine mißglückte Restauration verdorben. Nach dem Urteil der Sachverständigen sind ganze Partien der Untermalung zerstört. Der Goldglanz, der über dem Bilde lag, ist für immer dahin. von Portmonnates erlernen. Eine würdige Aufgabe für den Mann, der früher„das große Portemonnaie“, gehabt und es ausgezeichnet verstanden hat. dieses große Portemonnaie immer wieder mit öffentlichen Mitteln aus den Portcmonnaies der Steuerzahler auszufüllen. Leider kann nun Herr Leo Sklarek nur Portemonnaies verfertigen, nicht aber den Millionen=Inhalt des ganz großen Portemonnaies, den er verschwendet hat, wieder herbeischaffen. Dem armen, gequälten Steuerzahler ist mit einem neuen Sklarek=Portemonnaie ohne Inhalt wenig gedient. * 2# Die Welt dreht lich um leichtangestaubte Winter=Mäntel zu sechs Mark fünfundneunzig. um Seidenstrümpfe mit kleinen Webfehlern, das Paar zu fünfundsechzig Pfennig. um fast verschenkte Schlangenhautschuhe. rotwollene Strickjacken, Ledertaschchen. Seidenreste. Das Vornehmtun hat Berlin endgültig satt, nachdem die halbe Stadt hungert. Hochstavlerischer Snobbismus hat sich in sein Gegenteil verwandelt: in die Tiefstapelei, die manchmal beinahe ebenso. snobbistisch wirkt. Wie? fragen einander Damen der großen Welt. Sie haben wirklich neun Mark für ein Paar Abendschuhe ausgegeben? Aber, meine Liebe. in der Leipziger Straße bekommen Sie den gleichen Zauber zumindest um fünfzig Pfennig billiger! Fahren Sie doch mal hin. Ihr Chauffeur wird den Laden schon finden..... * 2 Sie meinen, daß ein Berliner Chauffeur nicht auf der Höhe ist? Da sind Sie im Irrtum! Ein Autodroschken=Chauffeur war wegen Beleidigung angeklagt worden. Er hatte zu einer Dame gesagt, sie sei keine Dame. „Was stellen Sie sich eigentlich unter einer Dame vor?“ fragte ihn der Richter. „Da kann ick Ihnen ein jlänzendes Beispiel an den Tisch des Hauses leien". erwiderte der Chaufseur.„Neulich, da fuhr ick mal cene alte Dame vons Theater, der hatte ick siebzii Fenn#e rauszuieben, da sachte die zu mir: Mensch, behalt die paar Kröten und sauf dir einen dafür an. Sehen Sie, Herr Amtsrichte?— det war ’ne Dame!“ E in deutscher Zweimaster im Wieringer Meer. Im Wieringer Meer. dem nach der Trockenlegung übriggebliebenen Teil der Zuidersee in Holland. langte jetzt als erste Seeschiff der Königsberger Zweimaster„Charlotte Grappendorf“ mit einer Ladung Holz an. An! „Ich hätte gern einen Bleistift!“ tritt er einen Laden. „Hart oder weich?“ „Hart! Ich will Mahnungen schreiben!“ 11 Lippische Tageszeitung General=Anzeiger für das Land Lipve Sonderausgabe Detmold, Montag, den 10. Januar 1933 38. Jahrgang Weg für ein nationoles Lippe frei! Eine Rechtsmehrheit in Lippe— Herr Drake muß abtreten— Nationalsozialisten, Deutschnationale und Volkspartei oder Evangelischer Volksdienst können eine Regierung bilden Sturmzeichen für das Reich Das Ergebnis der Landtagswahl läßt keinen Zweifel darüber offen, daß es mit der Regierung Drake endgültig vorbei ist. Alle persönliche Sympathie, die Herr Drake bei seinen Anhängern besitzt und alle Versuche der persönlichen Be einflussung sowie die Wahlreise Drakes durch das Land haben es nicht verhindern können, daß die Nationalsozialisten die sozialdemokratische Partei bei weitem überflügelt haben Gemessen an der etwas schwächeren Wahl beteiligung, welche gestern 81 Prozent be trug gegenüber 91 Prozent am 31. Juli 1932 haben beide Parteien ihre Verluste am 6. November wieder aufgeholt. Den Sozialdemokraten haben sich viele kommu nistische Stimmen zugewendet, wieder ein Zeichen dafür, daß Länderwahlen unter anderen Voraussetzungen erfolgen, als Wahlen zum Deutschen Reichstog. Ueberraschend ist die Einbuße der Deutschnationalen, die bei der Wahl am 6. November 9750 Stimmen, gestern aber nur 5923 Stimmen erhielten. Im Interesse einer Beseitigung des Sostems Orake hatte die Deutschnationale Volks partei ihre ganze Kamrfkraft vereint mit den Nationalsozialisten gegen die Sozial demokratie gerichtet und, da dieses oberste Ziel allen anderen untergeordnet wurde, für diese Wahl einen Burgfrieden mit den Nationalsozialisten abgeschlossen. Es ist bekannt, daß die Nationalsozialisten sich mit Angrifsen gegen die Deutschnationalen nicht immer die Zurückhaltung auferlegt haben, die man eigentlich hätte von ihnen erwarten müssen. Allerdings waren es immer auswärtige Redner, die sich irgendwelche Entgleisungen in ihren Reden gegn die Deutsch nationalen zuschulden kommen ließen. Diese Angriffe, die jedoch auf verhältnismäßig wenige Fälle beschränkt blieben, sind kaum der Anlaß dazu gewesen, daß die Einbuße der Deutschnationalen so erheblich wurde. Hier kann und muß nur der Einfluß der„großen Politik“ eine weentliche Nolle gespielt haben. Gerade der in den letzten Tagen akut gewor dene Konflikt zwischen dem Land bund und dem Reichskanzler von auch seitens vieler Landwirte auf die RSDAP. gesetzt hat, nicht gar zu sehr enttäuscht werden. Wenn wir eingangs sagten, daß das System Drake endgültig beseitigt sei, so tun wir das in der selbstverständlichen Annahme, daß einer reinen Rechtsregierung nicht dadurch Schwierigleiten gemacht werden, daß etwa die Deutsche Volkspartei sich sträubt, mit den Nationalsozialisten in eine Regier zu gehen. Da die Kommunisten ebenfalls stark verloren haben und nur gegenüber dem Jahre 1929 ihre Stimmenzahl vergrö kert haben. kommt eine Gefahr von links für diese Regierung garnicht in Frage, zumal auch das Reich an dieser Wendung der Dinge auf keinen Fall achtlos vorübergehen kann. Sollten sich die Sozialdemokraten und Kommunisten finden und sich gegen den neuen Kurs sperren, so wird es Möglichkeiten geben, sie kurzerhand zur Raison zu bringen. Andererseits mögen die Nationalsozialisten bedenken, daß sie nicht die absolute Mehrheit im Lipperlande errungen haben und infolgedessen wohl oder übel die Deutschnationalen und eine der beiden anderen Gruppen in die Regierung werden aufnehmen müssen. Wir freuen uns, daß das große Ziel, dem der Kampf der Deutschnationalen seit 13 Jahren galt. nemlich den marxistischen Einfluß auf die Gestaltung der lippischen Dinge zu brechen, endlich erreicht ist. Wenn die Deutschnationale Volkspartei dabei Opfer hat bringen müssen, so verbittert sie das nicht. Ihr Führer Dr. Hugenberg hat in der „grozen Politik“ im Interesse der großen Sache größere Ovfer gebracht, ohne deswegen politisch bankrott gemacht zu haben, denn letzten Endes ist eben doch nicht die Zahl, sondern die Persönlichkeit maßgebend für den Einfluß, den eine politische Bewegung ausüben kann, zumal wenn sie so gut fundiert ist, wie die Deutschnationale Volkspartei. Erfreulich ist, daß der von allen guten Geistern verlassene frühere Abg. Kuhlemeier, der sich mit dem Zentrum verbündete, mit seiner Bemübung, durch einen Zentrumsabaeordneten Herrn Drake Ordonnanzoffizier des Artilleriekommandeurs Nr. 232.— E. K. 1. Kl.— BeschäftiPolitik schon als Student in einem völkischen Verbande, wegen Eintretens für das Volksbegehren gegen den Youngplan 1929) von sozialdemokratischer Presse öffentlich denunziert, in der NSDAP in der Abteilung Wirtschaft tätig. Heinrich Sauer jun.. Gastwirt in Detmold. Geboren am 21. April 1905 auf der Grotenburg bei Detmold. Besuchte die Oberrealschule bis Obersekundareise. Trat dann in die Lehre bei der Discontogesellschaft in Detmold. Nach Beendigung im Geschäft des Vaters tätig. In Bacharach am Rhein die Weinbranche erlernt. 1927 Lentrunsubdebroneten Herrn Llälesen Schein die Weinbrunche erternt. Hilfsstellung zu leisten, ein klägliches Fiasko Uebernahme der Geschäftsführung des Hoerlitten hat. Der neue Landtag wird ein tels„Kaiserhof“. Politische Betätigung beganz anderes Gesicht zeigen als der alte, und unter den verschiedenen Gesichtern, die man nicht mehr sehen wird. wird sich auch der frühere Abgeordnete Kuhlemeier befinden. Wenn dann die Wahl in Lippe, so klein unser Land ist, wirklich eine Kursänderung im Reiche entgegen den Schleicher'chen Plänen herbeiführen solle, so wäre ie nicht zwecklos gewesen. Nach den aufregenden Wochen, die unsere sonst so ruhige Berölkerung bis ins Innerste aufwühlten, nach dem gigantischen Wahlkampf und den vielen Worten müssen nan Daten kommen, die sachlicher Arbeit entspringen! amtliche Ergebnis sehr rich Lage der ausgewirkt. Wie der Landbund tig in Berlin betont hat. ist die Taue der Landwirtschaft so verzweifelt geworden, daß für die nächste Zukunft die ärgsten Besorg nisse gehegt werden müssen. Die Landwirtschaft Lixpes hat diese Vorgänge mit größtem Interesse verfolgt. Zahlreiche Zuschriften, die wr in diesen Tagen erhielten. beweisen, daß die Frage der Rettung un Landwirtschaft auch die lippische Land## schaft beschäftigt. In dieser Verzweiflungs stimmung ist es nur zu natürlich, daß Wenschen, die vor der Vernichtung ihrer Existenz stehen, nach jedem rettenden Strohhalm greisen, wenn sie nur glauben, Hilfe zu bekommen. Die Nationalsozialisten hatten dieses Stimmungsmoment sehr geschickt ausgenützt und noch am Sonnabend in ihren Lokalen ein angebliches Telegramm aus Berlin reröffentlicht. das die Aufsehen erregende Mitteilung enthielt. daß rei einem Ansteigen der nationallozialistischen Stimmen in Lirpe eine Kursänderung in dem Sinne im Reiche erfolgen solle. daß der bieherige Regierungskurs zugunsten der Schwerindustrie und der Banker nicht länger aufrecht erhalten werden könne Man sei sich darüber klar. so wurde behauptet, daß man bei einem Siene der Nationalsozialisten in Lipne dem Reichspräsidenten eine stärkere Perüf. sichtigung der Be'ange der Fauern. Arbeiter und Mittel“änd'er werde rorsch'egen müssen. Wir hoffen. im Interesse der Land. wirt'chaft, daß sich der nationalla#iglistische Sieg in Lixpe talsächlich o in L'ype eus wirken möge, daß die Hoffnungen. die man neuen Abgeordneten des Landtages Adolf in Lage. Detmold. Nationalsozialisten Wedderwille, Malermeister Mitglied des Kreisausschusses in Leinrich Helms, Landwirt in Graben bei Barntrup. 1929 als Abgeordneter der Landrolkrartei in den Landtag gewöhlt. Später Uebertritt zu der RSTAP.. Vorsitzender der Landwirtschaftskammer und Mitglied des Kreisausschusses. Heinrich Klöpper, Vorarbeiter, Hid desen. Krappe, Ernst, rat. Vorsteher des lange in Minden in Garnison, beide Großväter Landwirte, besuchte die Mittelschule und das Gymnasium in Minden bis Ostern 1910. sludierte in Lausanne, München und Berlin Rechts= und Staatswissenschaft. sowie Volkswirtschaft. Anfang 1914: Referendareramen am Kammergericht in Berlin, 1920: Promotion an der Universität scher das Notrerordnungsrecht, Juli 1921 Assessoreremen nach Tätigkeit bei der Staatsanwaltschaft in Paderborn und beim Amtegericht und Rechtsanmälten in Minden. Von Oktober 1921 bis November 1931 in der Reichsfinanzrerwaltung TIN*—" 0 gann mit dem Eintritt in den Völk. Schutzund Trutzbund. dann im Nothung(Wehrorganksation). Im Jahre 1923 der NSTAC, beigetreten. Wilhelm Siegmund, Verwalter in Remmighausen. Geboren am 11. November 1904 als Sohn des Holzhändlers und Steinbruchbesitzers Siegmund in Witten an der Ruhr. Nach dem Besuch der Bürger= und Realschule von 1919 ab als Praktikant auf Gut Bockum der Besitzung des Grafen Spee bei Duisburg. Nach dreijähriger Tätigkeit ein Jahr Verwalter in Nordkirchen bei Lüdinghausen. Nach der Inflation zwei Jahre Vertreter einer Motorhandlung. dann ein Jahr Verkäufer der Mühle in Mengede bei Dortmund. Im Jahre 1927 nach Lippe gekommen. Zunächst ein Jahr Verwalter in Brakelsiek. Dann 1½ Jahre als Arbeiter auf der Lippischen Eisenindustrie in Remmigbausen beschäftigt und von Ende 1920 ab als Verwalter und Verkäufer in der Abteilung Gartenhau bei Gutsbesitzer A. Schönlau in Remmiohausen tätig. Seit über vier Jahren SA=Mann. Seit 1929 rednerisch für die NSTAP. eingetreten. Anfangs besonders gegen die Annahme des Youngplanes in Lippe öffentlich aufgetreten. ##eim Wedderwille, Kreissekreät„mid, geboren 27. November 1893 in Waddenhausen, besuchte die Volksschule in Igaenhausen, trat am 1. Januar 1909 beim dem Amtsgericht Lage in den lirpichen Justizdienst: 1923 Uebertritt in den lippischen Verwaltungsdienst unter Veretztung zum Verwaltungsamt. jetigen Landratsamt Detwold. Machte den Feldzug ais Kriegsfreiwillicer an der West= und Ostfront mit. Politisch bisher nicht betätigt. de„Spitzenkandidaten der Malermeister Adolf Wedsichen Hersasa. keinem verwandtschaftA.lter Herrich, Ziegelei=IngeLage. Im Felde kriegsverletz:. Seit Jahren Belange der Kriegsopfer vertreten. Prüßner, Bad Salzuflen. Gernter Kaufmann. Seit einiger Zeit Schriftleiter am Lippischen Kurier“. der NSDAP. in Bad Salzuflen. Sozialdemokraten: Heinrich Drake, bisher Vorsitzender des a.. residiums. Geboren am 20. Tezem1°81 in Lemao. Widmete sich zunächst m Journolistenberuf. Bei Auskrrch der aution sihrer im Volks= und Soldaten= ra:. Mitglied des verfassunggehende: Landtogs, und seit Konstituierung des Landespreuriums dessen geschäftsführendes Mitglied. Stadtrat ber Finanzamts Lemgo, Vorsteher des Finanzamts Lemgo.— Von Peiei, guge h T. Coe). Sren nppui 1914 Zte Tmember 191“ Frlegeteil. F 95 in B. erangelich, Vater: Artillerteofialer, Randt kriegefteiwiliger Feldartillerist, zulet als dienst. Präf Friedrich Winter, Ziealer und Gein Silixen. Lebenslauf steht nicht zur Verfügung. Mellies. Lehrer in Lage. Geboren am 5. Sertember 1899. VolksschulPivitsheide. Später Seminarbebiens## Seit 1921 im Volks chuldienst. Präsident des Landtages seit 1925. 2 1 1 Ergust Zinne, rbeite: achbelte verdandes Seit 1005 Mlitglich den Landtages. Heinrich Diestelmeier, Bürobeamter in Rad Salzuflen. Geboren am 10. 1886 in Bad Salzuflen. Volksschulbesuch. Erlernte das Tischlerhandwerk. Seit 1917 Angestellter der Lippischen Vadeverwaltung in Bad Salzusten. Mitglied des Landtages seit 1921. Emil Feldmann, Parteisetreta., Detmold. Sohn des Inpalidenrentnere Jo#. Als Maschinenarbeiter in der tätig. 4 Jahre Kriegsdienst im Felde. Bis 1924 im strühgren Beruf täitig, dann ditionsleiter beim„Volksblatt". Seit 1929 Parteisekretär. Seit 20 Jahren als tionär in der freien Arbeiterbewegung tätig. 1924 als Stadtverordneter in Bad Salzuflen gewirkt. Wilhelm Schröder. Metallarbeiter, Oerling"— in der hausen. Asemiss Ziegeleiarbeiter, von lefelder Metallindustrie. Beim Millm: eingetreten 1913 in die 9. Kompanie des * K. 55 in Detmold, Kriegsteilnehmer, von zreis Detmold Anfang bis Ende an der Westfront. Entlassung vom Kriegedienst Arbeit, itzog, AmtsteIl Bloz berg ausgenommen, in der Bieleselder Meitall= 45 Cappck, Sosenindustrie, Poltisch hervorgetreten, das erste Lerg=Wöhren. Mal bei der Kommunalwahl im Jahre 46 Donop, Altendon. 1932. Lamals als Stadtverordneter in Oerlinghausen gewählt. Von der Stadtverordnetenversammlung dann zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Kommunistische Partei: Adolf Scholz. Bildhauer in Lemgo. Mitglied des alten Landtages. Wilhelm Vehmeier, Schlosser hagen. Mitglied des Kreistages Detmold. Deutschnationale Volkspartei: Ernst Schlinkmeier. Landwirt, Wendlinghausen. Entstammt einem alten lippischen Bauerngeschlecht, das schon dekte von Jahren die ererbte Scholte bearbeitet. 1911 begann, erst 30 Jahre al., die Tätigkeit im öffentlichen Leben zwar als Gemeinderorsteher in der gemeinde; diese Tätigkeit wurde durch den Krieg unterbrochen, den er beim InfanterieRegiment 17 mitmachte. Am 16. Fedruar 1915 wurde das 1. Vataillon dieses Reginents. dem auch er angehörte, im Walde von Augustowo fast vernichtet; er geriet mit dem Rost in russische Gefangenschaft, aus der er erst im Herbst 1920 Seit 1924 ist er ununterbrochen im kommu nalpolitischen Leben tätig als Gemeindevorsteber. Mitglied des Amtsausschusses und nurteit nach als Mitglied des Kreistages in Kreise Lemgo. Im Februar 1930 trat er als Ersatzmann für den verstorbenen Abag: ordneten Johanning in den lippischen Land tag. Deutsche Volkspartei: *ening. Heinrich, Lehrer, Pivitsheide. Geboren am 16. Dezember 1899 in Pivitsbeide V.H., wo die Vorfahren seit Generationen als Kleinbauern und Ziegler lebten. Besuchte die Volksschule des Heimatortes und die Präparandenschule und das Lehrerseminar in Detmold. Ab Juni 1917 Soldat beim Feldartillerie=Regiment Nr. 58. Vom 13. Oktober 1919 bis 31. Oktober 1922 Lehrer in Augustdorf; vom November 1332 ab Lehrer in Pivitsheide VH. Seit 1925 Mitglied der dortigen Gemeindevertretung. seit 1929 Vorsitzender des Lipp. Landgemeindeverbandes. Ab Januar 1931 sitzender des Landesverbandes der und seit dem 1. April 1932 Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses de: Kreises Detmold. Erangellicher Voikedlen! 47 Eschenbruch 48 Siekholz. Glash. 49 Großenmarpe 50 Istrup 51 Kleinenm. Dalb 52 Maspe, Borkh. 53 Belle 54 Billerbeck 55 Herrentrup. Reelk 56 Höntrup, Wellent. 57 Schieder 58 Tintrup 59 Wöbbel 60 Brakelsiek 61 Glbrinxen 62 Falkenhagen 63 Hummersen 64 Lothe, Ruensiek 65 Riese. Köterberg 66 Rischenau 67 Sabbenhausen 68 Wörderfeld Amtsteil Detmold 69 Brokhausen, Bark. 70/71 Berledeck, Schling 72 Fromhausen 73 Hakedahl.... 74 Haustendeck... 75/76 Heidenoldendorf 77 Heiligenkirchen 78 Hornoldendorf 79/80 Hiddesen..... 81 Leistrup=Meiensf. 82 Moseben.. 83 Niederschönhagen 84 Oberschönhagen 85 Remmighausen d6 Schönemark 87 Schmedissen 88 Sporr 89 Bahlh. b. Detmold 90 Bellenberg.. 91 Brüntrup 92 Grevenhagen. 93 Heesten... 94 Holzh 95 Kohlstädt 96 Leopoldstal 97 Bad Meinberg 98 Oesterholz 99•100 Schlangen.... 101 Bahlh. b. Horn 102 GBeldrom 103 Wehren. 104 Cappel mit Stift 105 Lipperode 106/107 Augustdorf 108 Bentrun 109 Billingbausen 110 Dehlentrup=Klüt Epangelischer Vollsirns. 410— Heinrich Willer: Stzuhgachergeister, 111/13 Letmald. Geboren am 16.„Pai, 18. i Rotekuhle bei Barntrup. Volksschulbesuch n Bega, Blomberg und Selbeck. usbildung in Bega. Selbständig seit 1906 Detmold. 1914—1918 Kriegsdienst. Mit; lied im Stadtrat der Stadt Detmold seit 1932. 113 Hagen 114 Hardissen 115/116 Heiden... 117 Heßloh... 118 Hörste 119 Hörstmar 120 Jerren=Orbke 121 Müssen Noch billiger 110 unmage 1 9 7— 101— 041— 16— 11— 1— 1— 1151— 811— 11 1 1 11 11— 1— 11— 31 1.— 21 2— am 15. Januar 1933 in Livve Wahlbezirk 122 Gienhagen.. 123 Oettern=Bremke 124 Ohrsen 125/126 Bwvitsheide G. L 127 Pivitsheide B. H. 128 Pottenhausen 129 Trophagen.. 130 Waddenhausen 131 Wissentrup Kreis Lemgo Amtsteil Brake 132 Almena 133 Alverdissen.. 134 Asendorf 135/136 Asmissen 137 Gavenhausen. 138 Gega 139 Bentorf 140 Bösingfeld 141 Grate 142 Gremke 143 Brosen 144 Brüntorf 145 Entrup 146 Erder 147 Göstrup Landtagswahl am 15. Januar 1933 Reichstagswahl am 6. Rovember 1932 108 Kükenbruch... Langenholshauser Laßbruch Leese Lieme 162 Lüerdissen.. 163 Matorf 164 Meierberg.. 165 Ralhof 166 Osterhagen.. 167 Rott..... 168 Selbeck 169 Silipen 17. Sommersell 171 Sonneborn 172 Schönhagen 173 Schwelentrup 174 Farmbeck 175 Stemmen 176 Talle 177 Barenholz 178 Boßheide 179 Wahmbeck. 180 Welstorf 181 Wendlinghausen 182 Weston 183 Wiembeck Amtsteil Schötmar 184 Asemissen... 185 Bechterdissen.. 166 Berterbagen.. 187 Biemsen=Ahmsen 188 Ehrsen=Breden 189 Grastrup=Hölsen 190 Greste 191 Evenh.=Dahlhaus. 192 Holzhausen.. 193 Krentrup 194 Leopoldsböhe 195 Lipverreihe.. 196 Lockhausen.. 197 Mockenbruch. Währentrup 198 Oberwüsten 199 Papenhausen. 200 Reten. 201 Schuckenbaum 202 Unterwüsten 2 3 Wellentrup 204/205 Werl=Aspe Knetterheide 206 Wülfer=Bexten 8 E 5 1 6 —.—.—1 15—• 2 28 —1 49— 5 12 7 211— 111 Landtagswahl am 6. Januar 1929 S8 2 13 10 11 10 11— 137• 10 —1 27 5 23]— 21 271 7 311 551 7 56 31 111 10.—" 11— 22128 461 83 621128 711 42 799/101 170 41 61 Inventur-Verkauf Unruhiger Wahlsonntag In der Landeshauptstadt ist der Wahlsonntag gestern bei zeitweise 8 Grad Kälte In außerordentlicher Rube verlaufen. Während der ersten Vormittagsstunden herrschte auf den Straßen und vor den Wahllokalen gähnende Leere. In verschiedenen Abstimmungslokalen hatten gegen 11 Uhr höchstens 10 Prozent aller Wähler ihre Stimme abgegeben. Erst nach Mittag steigerte sich der Andrang mehr und mehr und erreichte zwischen 5 und 6 Uhr ganz große Formen. Verschiedentlich mußten die Wähler Schlange stehen. Aus dem Lande hören wir, daß neben mehreren kleinen Zusammenstößen einerster Zwischensall in Brake frühen Conntagvormittag eingetreten ist. Auf der Straße kam es zwischen Nationalsozialisten, Reichsbannerleuten und Kommunisten zu Streitigkeiten. Bei diesem Handgemenge wurden mehrere scharfe Schüsse abgegeben! Dabei wurden drei Reichshannerleute und ein Nationalsozialist durch Streifschüsse leicht verletzt. Eine Person mußte zum Krankenhaus gebracht werden. Die stundenlange Vernehmung der Beteiligten zur Klärung der Schuldursache hat noch zu keinem Ergebnis geführt, da sich die Aussagen stark widersprechen. Es wurden uns mehrere Lesarten berichtet. Auch die Polizei konnte bis zum Abend die Schuldigen noch nicht ermitteln. Reichsbanner schießt! 71 51——] Wie wir erfahren, ist es gestern abend nach Beendigung der Wahl beim Eintreffen der ersten Wahlergebnisse in Leopoldshöhe zu einem ernsten Zwischenfall gekommen. Angehörige des Reichsbauners hatten aus der Amgebung, angeblich auch aus Bielefeld, etwa 80 Parteiangehörige zur Verstärkung nach Leopoldshöhe geholt, um — wie es heißt— die auswärtigen Nationalsozialisten aus dem Dorfe zu treiben. Als die Nationalsozialisten hiervon hörten, zogen auch sie Leute zusammen und orientierten sich über das Vorhaben des polktischen Gegners. Als eine nationalsozialistische Kolonne am Konsumvereinsgebäude vorbeikam, gaben Reichsbauneraugehsrige etwa 5 bis6 Schüfseab, wodurch ehrere Rationalsozialisten getroffen wurden und zu Boden sanken! Als die Schüsse gefallen waren erschien sofort ein Ueberfallkommando und konnte in letzter Minute eine schwere Schlägerei unter drücken. Nach bisherigen Feststellungen hat ein Nationalsozialist einen Kopfstreifschuß erhalten, während ein weiterer Nationalsozllist einen Bauchschuß erhiell. Die Abrigen Verletzungen sind nur leichter Art. Durch örtliche Pollzei und den Sonderdienst der Kriminalpollzei, is sofort eine strenge Untersuchung eingeleitet. Bei Redaktiousschluß wird uns mitgeteilt, daß einwandfrei erwiesen ist, daß die Reichsbannerleute vom Konsum her geschossen haben. Daß in der ersten Erregung die Naonalsozialisten die Schaufensterscheibe des Leniumvereinegebänbes eimmaten. Feilen pur zur Vervollständigung dieser Berichten Mehrere Schlägereien in Schötmar erforderten wiederholt den Einsatz der Volizei. Vor den Wahllokalen und auf der Stie###m es wiederholt zu Streitigkeiten und Schlägereien, die fast ausschließlich von Kommunisten angezettelt waren. Es sind — dabei auch mehrere Schüsse abgegeben. Ein Kommunist soll sich dabei selbst in den Zgumen geschossen haben. Die Polizei führte etwa 30 Kommunisten zur Vernehmung auf die Wache. Nach der Wahlschlacht! „Mit größter Spannung wurde die Besnntge, der Wahlergegnine erwartet. In Detmold gab vor unserer Geschäftsstelle ein Grozlautsprecher der Elektrofirma Kar! T emann bereits kurz nach 6 Uhr die ##nen aus ländlichen Ortschaften beDie Wahlschlacht ist geschlaen=Ko.11 R im ASE 1 Es läuft die Zeit-benutzen Sie die gewaltigen Vorteile unseres Inventur-Verkaufs. Gehen auch Sie den Weg. den Tausende vor Ihnen gegangen sind. Welle Seide feilts-übe, pian wion Wiele ung in mod. Farbsortiment Wenelalee, u. 9e. 1.0 hervorragende Galltät Flamenga, gute Qualität, Reine Welle 4an mit K. Seide. cn. 100 cm breit...... 1.90 Marecaine Kunstselde 1 25 hervorragende Qualitdt, cn. 100 a breit... Alnhaldlab zu vinstleie bermrmand a nn Qualität in vielen Farben, cn. 130 cm breit Cste 6 und Hammerschlag der noderne Wollstoft aus bestem Material# BE cu. 100 an breit Schotien und Streifen a 5a Mueler 6.50, entzückende Muster Schetten und Streifen a. reine Wolle, beste Qualität 0.98 BObliüe Pdna winmellener Blaldamtel gan t. d. warme Wol kleid, 100 cm br. 1.88, Manteistofte, Reine Wolle cr. 145 cm bren 4. 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