kippische Tages-Zeitung General-Hnzeiger für das Fürftentum kippe. Bezugspreis: in Detmoldu. durch die Vertretungen: 50 Pfg. für 1 Monar.—. gne#0#ie 8#l Mk und 42 Pfa. Bestellgeld, für 2 Monate 1 Mk. u. 28 Vfg. Bestellg., für 1 Monat 50 Vig. u i4 Vsa, Bestelgeld. Anzeigen: ans Lipve 12 Bsg, die Vetizelle, amticghe Famegentegeg 15 Pfg., auswärtige 18 Pfg., Reklamezeile 60 Pf. Beilagen(umsonst) 2) Lipp Ziezele.=Anzeiger, 3) Landwirtsch. Ratgeber. 4) Wandkalender, 5) Sommer=, 6) Winterfahrplan. Rotationsdruck u. Verlag: Willo Bender, Detmold, Vertretungen m: Salzusten, Lemgo, Lage, Ptomgt, Harr, Arziuggr fast allen Ortschaften der Aemter Dermold, Schötmar, Oerlinghausen, Lage, Harn, Hobenhausen. Barenbolz, Sternderg= Barntrup, Blomberg, Schieder, Schwalenberg; über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint jeden Wochentag. Ne 293. Verantwor# ner Redakteur: Willy Bi###er, Detmold. Detmold, Sonnabend, den 19. Dezember 1903. Für den Inseratenteil: August Boberg, Det nold. 13. Jabrgang. immer mehr an Salzgehalt Tiere genießbar ist Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten verioren, sodaß es wenigsens für Tiere vrrizg ge, Ss5P Weure S Das bis dahin ganz wertlose Gelände deim Bahnkilometer 15 hat natürlich jetzt einen unbezahlbaren Wert erLandtagsstichwahl vom II. Wahlkreis. Stadt Lemgo Stadt Salzuflen Stadt Blomberg Stadt Barntrup E 8 S halten. Für ein Schurffeld, für das gezahlt wurden, werden jetzt 10000 M S 944 995—— Gewählt: Schmuck. Bei der Hauptwahl erhielten: Schmuck(soz.) 867 Stimmen, Eikmeier(lib.) 600, Kuhlmann(kons.) 340. ursprünglich 63 tt 10000 M geboten; aber kein Inhaber gibt das seinige her. Selbswerständlich ist jetzt, da das ganze Diamantenfeld belegt und abgesteckt ist, auch das Lüderitzbuchter Diamantfieber erloschen. Lüderitzbucht hat sein gewöhnliches Alltagsaussehen wiedergewonnen; auch die glücklichen Inhaber von Schürsscheinen gehen ruhig, als wäre ihnen kein Glückslos in den Schoß gefallen, ihrer gewohnten täglichen Beschäftigung nach. Nur 0 amtlichen roten Warnungsplakate an den Straßenecken, di den Ankauf von unrechtmäßig erworbenen Diamanten auf — Grund des Hehlereiparagraphen des Strafgesetzbuches mit Strafen bis zu fünf Jahren Gesängnis bedrohen, darauf hin, welches ungeheure Wunder sich in der Nüye der Stadt ereignet hat. VII. Wahlkreis. Amt Schötmar. Schötmar mit Rittergut Schötmar und Domäne Heerse Ehrsen=Breden Grastrup=Hölsen, Retzen=Papenhausen und Rutergut Papenhausen... Holzhausen und Rittergut Sylbach Wülfer=Bexten und Domäne Bexten Bexteihagen und Nienhagen Lockhausen, Binnen, Ueboentrup und Domäne Uebbentrup Werl=Aspe Unterwüsten Oberwüsten Amt Oerlinghausen. Asemissen und Rittelgut Niederbark hausen.. Bechterdissen Greste und Domäne Dahlhausen Hovedissen mit den Rittergüter Hoveoissen und Eckendorf. Mackendruch Oerlinghausen Senne Währentrup Wellentrup 2) Bild Großherzog von Baden. 3) Waffenbrüderschaft zwider deutsche Reichstag seinen aufrichtigen Sympathien für Depeschen verlesen, Bankdirektors Weber aus Permolo auf die Vertreter des ottomanischen Volkes und zugleich der Ebart unter besonderer Hervorhebung seiner hoch sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Arbeiten des Par= nenden Verdienste zur Wahrung der alten Regiments=Kolaments von reichem Segen begleitet sein werden."—. meradschaft u. Amtsrat Eggeling auf Lyles gesprochen hatten. — Dementi. Die„Nondd. Allg. Zig.“ VOrotpt:, Lon Anßer den Genannten nahmen an dem Feste teil die Herren: sind ermächtigt, an erklären, daß die in der ausländtschen Leutnant Bremer. Oberleutnant v. d. Knesebeck, Leutnaut Presse verbreiteten Gerüchte über emne bevorstehende S e“=]21.1.,(Matux und Sohn), Leutnaut Radse, Fabricdirektor lobung der Prinzessin Viktoria Luise mit!### Landschaftedirettor Peyer, O#rlautnant Wichter dem König Manuel von Portugal auf freier ErsinDie Angliederung Kreias an Griechenland. Wie vom Trompeterkorpo des 2. Garde=Dragoner=Regiments der„Nat.=Ztg.“ aus Rom gemeldet wird, herrscht zwischen trefflicher Weise ausgeführt. 8 1 den Schutzmächten eine vollkommene Uebereinstimmung über die Frage der Angliederung Kretas an Griechenland. Die Reise des Königs Georg war in jeder Hinsicht erfolg reich. Nachdem zunächst zwischen Frankreich eine Verständigung stattgefunden hatte, traten beide Staaten mit ihren Vorschlägen an England und Rußland heran Lirchturmspolit; sich lebhaft betätigen und von größeren staaten einzuschlagenden Schritten gegeben haben Gesichtspunkten ist vielsach wenig zu spüren. Indessen verdienen die soeben zu Ende gegangenen Neuwahlen zum Landtage doch etwas mehr Beachtung, als in manchen anderen Kleinstaaten. 1 aen 92 Zwei Momente traten diesmal scharf in den Vordergrund. Ersteus der Kampfder Sozialdemokratie um ihren Besitzstand gegenüber den bürgerlichen Parteien in der dritten Klasse.(In Lippe werden an drei Klassen nach dem SteuerAI je sieben Abgeordnete gewählt. Die Zahl der Wahlkreise. für die einzelnen Klassen verschieden.) Die SozialdemoNaten besaßen bisher je Mandat im ersten, zweiten Und dritten Wahlkreise Der Wiener Mord ausgeklärt. Der in Berlin verhaftete Handlungsgehilfe Richard Henkel ist der Täter; er hat ein Geständnis abgelegt. Henkel war augenscheinlich dadurch unsicher gemacht worden, daß man in den letzten Tagen viel von der Verfolgung des Magdeburger Raubmörders Knitelius als des die sich mit dem modus procedendt einverstanden erklärt mutmaßlichen Mörders las. Er verserte desbalb, erst. einhaben. Oesterreich=Ungarn und Deutlt,lan zelne Schmucksachen und versuchte es dann mit sent vunger Er einer Die Lippischen Landtagswahlen Aus dem Fürstentum Lippe wird der„Kölnischen die no m. tn N2. un. Prelieled ericme eummmmme unn errun m 2. Bolk9sefgzugemein“ verschlägt es wenig, wie in unserem haben, obwohl nicht in erster Linte an den Verhandlungen zugleich. Das wurde ihm verhängnisvoll. Sein kleinen Fürstentum die Landtagswahlen ausfallen, bei den beteiligt, ihrerseits diese Lösung der kretischen Frage ge=1 beweis klang von Ansang an wenig menig umsangreichen Wahlkreisen kann die lfördert, indem sie ihre Zustimmung zu den von den Schutz= sagte, daß er am 30. v. M. nach Wien gefahren sei.— Braut habe er vorgeredet, daß er nach Gera reisen woll ein der Oesterreich=Ungarn. Wien, 18. Dez. In einer Sonderausgabe des montenegrinischen Amtsblattes„Glas Czernogorca“ in Cettinje erklärt der Fürst von Montenegro, daß Montenegro keine kriegerischen Absichten habe, und daß der Fürst ein Freund des Kaisers Franz Josef sei. Orient. Konstantinopel, 18. Dez.(Der Eid des Sultaus.] Nach türkischen Mitteilungen hat es sich beim Eide des Sultans um folgendes gehandelt: Der Sultan ver 1494 911 Gepählt: Bruns. Bei der Hauptwahl erhielten: Bruns(lib.) 1085 Stimmen, Kronshage(soz.) 823, Brink(parteilos) 608. dritten Klasse. Nunmehr ist ihnen der erne und orit#e enb=twergerie den vormertenens, on er ion oft ge gültig verloren gegangen, und zwar die hier als eine Art nach liks gerichteter Mittelpartei zu betrachten sind, zu deren Fuhrer sich im letzten Jahrzehnt der Besitzer der Lippischen Landeszeitung, Dr. Neumann= Hofer, seit 1907 auch Reichstagsabgeordneter für Lippe, ein gebürtiger Ostpreuße, emporgeschwungen hat. Im zweiten Bahlkreise kommen die Sozialdemokraten mit den Liberalen in die Stichwahl: die Konservativen, die man hier wohl als die landwirtschaftliche Partei bezeichnen kann, geben den Ausschlag, sie müßten aber schon fast vollzählig antreten, um den Liberalen das Mandat zu erobern, und dazu werden sie sich schwerlich verbeilassen. Eine Stichwahl haben die Sozialdemokraten errungen im siebten Wahlkreise, dort liegen die Verhältnisse umgekehrt: die Konservativen müßten mindestens zur Hälfte für den Sozialdemokraten eintreten, wenn die Liberalen geschlagen werden sollten. So werden also voraussichtlich die Sozialdemokraten statt ihrer bisherigen drei Abgeordnete einen behalten, und dieser Ausgang muß für sie Bitsrer- ALein, 91, PP.-Szee-Magferee aen#er KonstantiNunmehr ist ihnen der erste und dritte end=sweigerte den sormellen Eid, da er und zwar an die„Liberalen“, uug geleistet habe, weshalb man vereinbarte, daß er in seiner Ansprache nach der Thronrede seiner Eide auf die Versassung Erwähnung tue, was er aver unterließ Wie die Einzelheiten auch sind, jedenfalls besteht der Ein druck, daß der Sultan gegenwärtig viel mehr Macht in sich fühlen muß, als je seit Berkündung der Versassung, da er sonst nicht den Mut dieser Haltung gehabt hätte. In politischen nicht türkischen Kreisen findet man, daß die Stellen der Thronrede über Oesterreich=Ungarn und Bulgarien ungewöhnlich und unnötig scharf sind, besonders da die Türkei mit beiden Staaten über die schwebenden Fragen noch verhandelt. Tages=Neuigkeiten. sührer elldlock auf. Herbel, wurden swölf Verzonen flüce gus dem Piene 3 Becker(Lemgo) im dritten Wahlkreise auf der Strecke ge blieben in. I m. In der zweiten und dritten Klasse spielte sich der WahlIm 7. Wahlkreise ist also, wie vorauszusehen war, der kampf fast ausschließlich unter der Devise„Aararier oder ehrer Bruns gewählt. Trotz aller Anstrengungen haben Antiagrarier?“ ab und unterschied sich insos rn nia „ wesentlich von den Kämpfen bei den letzten drei Wahlen, sturd die Sozialdemokraten nur knapp 100 Stimmen mehr als bei der Hauptwahl, zu erobern vermocht; Bruns erhielt etwa 400 wohl zumeist konservative Stimmen, mehr.— Im 2. Wahl kreise ist es nicht gelungen, den sozialdemokratischen Kandi daten zu überflügeln, trotzdem d. Konservativ. fest geschlossen für den Kandidaten der liberalen Volkspartei eingetreten sind wie die Zahl der Stimmen beweist; statt 940 Stimmen, die bei der Hauptwahl für den bürgerlichen Kandidaten abgegeben wurden, erhielt Eikmeier bei der Stichwahl 944 Stimmen Insonderheit in Blomberg war die Wahlbeteiligung diesma! sehr erfreulich.— Möge es nun dem also vervollständigte Landtage gelingen, zu Nutz und Frommen unseres engeren Vaterlandes zu wirken. Die Diamantenfelder in Deutsch=Südwestafrika. Als seinerzeit die Kunde zu uns kam, daß bei Lüde ritzbucht in unserer südwestafrikanischen Kolonic Diaman ten gefunden worden seien, tauchten zunächst mehrsac Zweisel an der Richtigkeit dieser Nachricht auf, oder mai war auch wohl der Meinung, daß es sich nur um vereinzelt vorgekommene Diamanten von geringem Werte handl Als dann weitere Funde gemacht wurden, schwächten sie die erhobenen Zweifel schon erheblich ab, und nach de neuesten Meldungen scheinen die Diamantensunde bei Lu deritzbucht doch von nicht zu unterschätender Wichtigkeit zu sein. So hat kürzlich ein Windhuker Bürger die Diaman tenfelder besucht und das dort Gesehene als„unglaublick großartig“ bezeichnet. Ueber die gewonnenen Eindruck hat er den„Windhuker Nachrichten“ berichtet, und sein Mitteilungen sind so interessant, daß wir einiges darau mitteilen. Insgesemt arbeiten jetzt vier Syndikate auf den de Kolonialgesellschaft für Südwestafrika gehörenden Schürf gebicten. Auf dem Schürffelde Charlottental ist ein Weßer mit sechs Ovambos tätig; auf dieser Seite werden täg ch bei gutem Wetter durchschnittlich 70 Karat Diamanter gewonnen; es sind aber auch bereits 84 Karat an einen Tage gewonnen worden. Dabei ist die Methode der Ge winnung sehr primitiv. Sie besteht darin, daß der auKies und Sand bestehende Grund der Oberfläche mi. Schauseln gegen ein schräg stehendes Sandsieb geworsen wird. Der grobe Stoff wird dann in einem runden Siebe in einer Wasserwanne durchgeschüttelt und durchgewaschen; dadurch gelangen die nur kleinen Diamanten auf den Boden des Siebes. Dann wird der Inhalt umgestülpt und die Diamanten, die nun obenauf liegen, ausgelesen. Wie viele Diamanten auf diese Weise dem Sucher entgehen, zeigt der Umstand, daß auf der Schürfstelle des Bahnmeisters Stauch, wo bereits mit einer Handwaschmaschine gearbeitet wird, die tägliche Ausbeute mehr als das Doppelte, nämlich 150 bis 200 Karat beträgt. Die Größe der Diamanten ist zwar gering, höchstens sieben achtel Karat Gewicht das Stück, doch werden auch Steine von einem halben Karat in genügender Menge gesunden. Die Qualität ist erstklassig, die Farbe ein klares, ungetrübtes Weiß, oft mit leicht gelblichem Anbauch. Ein lapischer Händler Herz, der in Lüderitzbucht wohnt, ist der Käufer; en zahlt 21 A für das Karat. In einem Monat wurden im ganzen 2687 Karat zum Preise von 56 427.A verkanst. Wie aus der Art der Gewinnung hervorgeht, sind ihre Kosten im Verhältnis zum Gewinn ganz geringe. Schwierigkeiten bildete ausangs die Beschaffung des Wassers zum Waschen der Steine und auch zum Trinken für Mensch und Tier; Bohrversuche auf dem Diamantselde haben aber ein ganz erstannlich günseiges Ergebnis gehabt und Wasser in genügender Menge zu Tage gefördert. Allerdings war das Wasser ansangs falzhaltig, hat aber, je Meuterei im Stambuler Gefängnis. nopel, 18. Dez. Gestern meuterten im Gefängnis von Stambul 100 zu langjähriger Kerkerhaft oder zu Todes strafe verurteilte Verbrecher. Sie überschütteten ein Holz gittertor mit Petroleum und zündeten es an. Es entstand eine große Panik. Militär und Feuerwehr grif sen ein. Auf beiden Seiten wurde geschossen. Zwei Verwundete und ein Toter blieben aus dem Platze. 50 Aufrührer wurden gefesselt. Obstruktion im Rixdorfer Stadtparlament. In der Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung kam es vor gestern zu wüsten Szenen. Den Anlaß gab ein Antrag des. heiß= Stadtverordneten Rahnig von den bürgerlichen Parteien, zeichnete, noch einige Ringe, die Henkel ihr die Bildung der Wählerabteilung für die Stadtverord= zur Verfügung der Kriminalpolizei. 2 nctenwahlen so zu ändern, daß als Abschluß für die dritte hielt zwölf, die Rechte nenn Sitze. Die liberale Herrschaft! Abteilung nicht mehr der einfache, sondern der anderthalbsam aber nicht; die Regierung wurde vorsichtigerweise in fache Durchschnitts=Steuersatz maßgebend sein soll. Dazemäßigt konservativem Sinne geführt, sodaß weder Neu=l durch wurde die Zahl der Wähler in der dritten Abteilung nann=Hofer seinen parlamentarischen Einfluß geltend ma- lzugunsten der 2. und 1. sehr vermehrt werden. Die So den konnte, noch die drei Sozialdemokraten in der Lagel zealdemokraten hatten nun ihrerseits einen Antrag den Magistrat zu ersuchen, in Rirdorf das all als dieses Mal die Thro:frage vollständig ausschied. Im Jahre 1905 war allerdings der Schiedsspruch schon gefällt, aber die Gemüter waren noch größtenteils so erregt, daß Biesterfelder und Schaumburger sich noch nicht recht zu sammenfinden konnten. Dr. Neumann=Hofer hatte die Partei der Biesterselder mit prononzierter Schärse vertreten, und als die Linie Biesterfeld nun endgültig auf den Thron gelangte, ging seine Hoffnung dahin, daß eine liberale Aera nach seinem Rezepte anbreche und er die rsehnte Rolle des Majordomus spielen werde. Die Wah en schienen seine Erwartung zu unterstützen: die Linke er11 waren, das Zünglein an der Wage zu bilden. Bei den setzigen Wahlen wollte Herr Neumann sich dafür rächen, r predigte die„Einheit der Liberalon" zum„Wegsegen der Regierung“ und erreichte es auch, daß der Führer der Frei innigen Volkspartei im Fürstentum, Gutsbesitzer Meierhobst. dem er noch vor kurzem das Reichstagsmandat aus en Händen genommen hatte, sich mit ihm verbündete. Das Wablergebnis der dritten Klasse schien für ihn auch einen erfolg zu bedeuten, er stimmte bereits Jubelhymnen über en„alänzeiden Sieg“ an, dafür aber brachten die sol senden Tage um so schwerere Enttäuschungen. In der weiten Klasse blieb ziemlich alles beim alten, aber Meier sobst unterlag trotz Neumanns kräftiger Hilfe einem Kon ervativen. In der ersten Klasse wurde ein Gemäßigt=Libe aler— der bekannte Starkefabrikant Hoffmann(Salz= iflen)— wiedergewählt, sonst aber lauter Konservative, elbst die Hauptstadt Detmold, die Neumann=Hofer als ichere Domäne seiner Partei betrachtete, wählte statt des Neumannianers Apotheker Lindrum den gemäßigt konser dativen Amtsgerichtsrat Böckers. Neumann selbst ist freilich in der dritten Klasse glat: vieder durchs Ziel gegangen, aber das kann ihn wenig rösten angesichts der Tatsache, daß die bisherige Nehrheit der Linken dahin ist, der neue Landtag jählt 11 Stimmen der Rechten, während die Linke es ein chließlich der Stichwahlen nur auf 10 Stimmen bringen ann. Die Rechte ist dabei insofern im Vorteil, als sie ziemlich homogen ist, während die Linke aus vier Neumau nianern, zwei Freisinnigen, einem Gemäßigt= Liberalen u. einem„Christlich=Sozialen“ besteht, wozu noch aus den Stichwahlen zwei Abacordnete kommen, die sozialdemokra tisch oder neumannisch sein können. Die Regierung verfügt somit fortan über eine stärkere Stütze im neuen Landtage, als im bisherigen. Mit kirchen oder schulpolitischen Fragen wird sich der nächste Landtag schwerlich zu befassen haben; die Hauptbedeutung der neuen Mehrheit liegt darin, daß eine Aenderung des bisherigen, auf die agrartschen Bevölterungsteile zugeschnittenen Drei klassenwahlrechts, an dem die direkte und geheime Stimm abgabe immerhin noch als ein Vorzug gegenüber dem preußischen Abgcordnetenwahlrecht haftet, nicht zu denken ist. Die Neumannichen Treibhauobäume, die der Führer selbst schon in den Himmel wachsen sab, sind nunmehr erheblich gestutzt worden——“ Ländchen ist, können wir eingebracht, den Magistra.„ gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aller über 20 Jahre alten männlichen Personen bei den Stadtverordnetenwahten einzuführen, und wollten den Antrag der bürgerlichen Parteien durch Obstruktion vereiteln. Sie hatten auch die Parole ausgegeben, eine große Straßendemonstra tion zu veranstalten. Infolgedessen hatten sich abende Tausende von Menschen eingefunden, die das Rathaus belagerten. Alles drängte ungestüm nach den Galerien des Sitzungssaales, die wegen Ueberfüllung bereits um 5 Uhr geschlossen werden mußten. Einem großen Trupp von 600 Mann gelang es plötzlich, die Magistratsdiener beisette zu schieben und auf die Tribünen zu gelangen. In kurzer Zeit waren alle Gänge und Treppen dicht von Menschen besetzt. Um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, wurde nun die Polizei gevolt, die nach großer Mühr das Rathaus säuberte. Der erste Redner der So ialdemokraten, ein Händler namens Pagels., sprach 2½ Stundon. Dann wurde Schluß beantragt, und als de: Vorsitzende über diesen Antrag abstimmen lassen wollte, begannen die Sozialdemokraten ein wüstes Trampeln und riesen unisono„Zur Geschäftsordnung, zur Geschäftsord nung!“ Während dessen riefen ihre politischen Freunde auf der Tribünc ein lautes Pfut in den Saal hinunter „Wir lassen uns nichts gefallen!“„Wir haben alles Vertranen zum Vorsteber verloren. Die Bürgerlichen sollen uns unser Recht nicht nehmen!" Alle Stadtverordneten hatten sich von ihren Plätzen erhoben u. schrien auseinander los. Endlich, nach halbstündigem Tohuwabohn wurde es ruhig im Saal, und der zweite sozialdemokratische Redner Wutzki begann seine Dauerrede. Um 1 Uhr nachts trat je doch allgemeine Ermüdung ein, und der Antrag der Bür gerlichen wurde mit 40 gegen 18 Stimmen angenommen. Die Sitzung wurde gegen 2 Uhr nachts geschlossen. Die Demonstranten gingen ruhig auseinander. Die Wiederkehr des Tages des Gesechtes von Longeau, 1d. Dezember 1870. führte vorgestern das ehemalige Offizier lorps des 2. Reserve Dragoner=Regiments zu seinem Regimentsfeste im Hotel Kaiserhof in Berlin wieder zusammen. Das Fest wurde diesmal im engsten Kreise gefeiert. Das Kaiserhoch brachte der Regimentsälteste, Rittmeister von Neu mann=Hanseberg aus. Dann hieß Rittmeister Ebart, der lang um seinen Vater zu bewegen, zur Verlobungsseier na Berlin zu kommen. Am 1. Dezember sei er um 9½ Uhr abends in Wien aus dem Nordwestbahnhof angekommen. Uebernachtet habe er in der Taborstraße. Das Kaiserjubiläum habe ihn veranlaßt, bis zum 3. in Wien zu bleiben. Dann sei er nach Belgrad gefahren, um als Freiwilliger einzutreten. Diese Angabe klang schon deshalb unwahrscheinlich, weil Henkel ein unscheinbarer Mensch, für den Militardienst gar nicht tauglich ist, nicht einmal im Frieden, geschweige denn im Kriege. In der Verhaftete weiter, hätten ihm die Verhältnisse doch nicht gefallen. Er habe sich daher auch nicht erst eine Wohnung genommen, sondern die Zeit in Begleitung eines cheus verbracht. Dieses habe ihn am 5. nach der Bahn gebracht, und er sei nun über Pest nach Gäusendorf gefahren und habe dort am 7. den Berliner Schnellzug bestiegen In Tetschen sei zu ihm in ein Abteil druter Klasse noch ein Fahrgast eingestiegen. Dieser habe in Dresden den Zug verlassen und im Wagen eine schwarztederne Tasche mit den###ucksachen liegen lassen. Ohne Bedenken habe er sich den Jund angeeignet und von seinem Verlierer habe er nichts mehr gebört. In Berlin habe er nach und nac vier Ringe, ein Paar Ohrringe und eine Uhr versetzt. Außer den fünf Ringen, deren Veräußerung mißlang, besitze er nichts meyr. Henkel behauptete also, die Schmucksachen im Eisenbahnzug schon am 7. Dezember gefunden zu haben, während der Juwelier Frankfurter erst am 8. Dezember ermordet und beraubt wurde. Ein Fund in seinem Hotel, zimmer widerlegte aver auch seine Behauptung, daß er en mehr besitze. In seinem Zimmer Kriminalbeamten noch 17 Schmuckstücke aus dem Wiener Raub. Außerdem aber eine Browningpistole und eine Eintrittskarte zum Karltheater in Wien am 8. Dezember. Die Browningpistole hatte Henkel, wie bald weiter ermittelt wurde, früher wiederholt Bekannten gezeigt. Sie enthielt damals sechs Patronen, jetzt nur noch vier. Mehr Munition hatte Henkel früher nicht beseffen, wo er die beiden Schüfse abgegeben hatte, konnte er nicht sagen. Der Cpef der Kriminalpolizei, Ober=Regierungsrat Hoppe, ließ sich nach dieser Feststellung mit dem Chef der Wiener Sicherheitspolizei verbinden und berichtete ihm über den Stand der Untersuchung. Dann wurde beschlossen, daß Kriminalkommissar Nasse nach Wien fahren solle, um dort das Aktenmaterial zu studieren. Unterdessen stellte auch das Mädchen, das Henkel als seine Braut be*** ef ihr geschenkt hatte, . Dem Verhafteten wurde nun auf einmal das ganze Belastungsmaterial, der ganze Schmuck, bis auf die Uhr, den Theaterzettel und die Browningpistole vorgelegt. Dabei stellte man ihm vor, daß Frankfurter mit einer Browningpistole gleichen Kalibers und mit denselben Kugeln, wie er sie besitze, erschossen worden ist. Unter der Last dieses Materials brach er endlich zusammen und legte ein umfassendes Geständnis ab. Das Geständnis des Raubmörders. Wie schon mitgeteilt wurde, behauptese Henkel, er habdie Absicht gehabt, sich demnächst mit einem Berliner Mädchen zu verloben. Es ist das ein Fräulein R. das Henkel schon seit drei Jahren kennt. Die Eltern dieses jetzt 18 Jahre alten Mädchens wohnen in der Krautstraße. Dort verkehrte Henkel früher und auch jetzt wieder. Die Absicht einer Verlobung bestreiten die Leute, dem Mädchen war Henkel zu unscheinbar. Er aber behauptete jetzt, er habe den Raubmord nur verübt, um seigze Geliebte beiraten zu können. In Berlin hatte er sich nämlich für einen reichen Mann ausgegeben Von seinen Strafen wußte niemand. Als er nach seiner Entlassung aus dem Gesängnis am 1. Oktober wieder nach Berlin kam, erklärte er seine 2½ jähr. Abwesenheit damit, daß er große Auslandsreisen gemach: habe. Auf den Vorhalt, daß das Motiv unwahrscheinlich klinge, sagte er, er habe Berlin verlassen aus Furcht, daß seine Braut hinter seine schweren Strafen kommen werde. Dann erzählte er die Vorgänge, wie folgt: Um aus Berlin wegzukommen und irgend etwas zu unternehmen, reiste Henkel am 30. November zunächst ab, in der Absicht, in Serbien Militärdienst zu nehmen. Dabei bleibt er. Im Nordwest=Hotel zu Wien wurde es ihm bald zu teuer. Weil er nur noch 30 Kronen besaß, so siedelte er nach dem billigeren Bayerischen Hof über, unter daß das ein Schaden für das jährig erpro te Leiter der Feste. die Kameraden herzlich will nicht gerade behaupten. kommen und gedachte des treuesten Gastes, des kürzlich ver storbenen Rittmeisters Oppenheim sowie aller heimgegangenen Kameraden und Freunde des Regiments. Geheimrat Uhles zühmte dann das Regiment u. die treue Kameradschaft, machte Ritteilung von einem diese kameradschaftliche Gesinnung an erkennenden Schreiben Sr. Erzellenz des Generaladjutanten von Plessen und widmete den Teilnehmern Heft 32 seiner Erinnerungsblätter. indem er namentlich aufmerksam machte auf die neuen Tafeln: 1) Nachruf Großherzog Friedrich von Baden Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Detmold, 19. Der. — Der Deutsche Reichstag und das türkische Parlament. Reichstagspräsident Graf Stolberg sandte an das siedelte er nach dem binigeren Bäherischen Hof über, unte. dem Namen eines„Kaufmanns Hans Krüger aus Basel“. Nachdem er auch die letzte Krone ausgegeben hatte, vr#kaufte er seine silberne Taschenuhr für drei Kronen. Auch diese waren bald ausgegeben und er konnte jetzt im Bay rischen Hof nicht mehr essen. Deshalb sann er auf Mittel und Wege, sich Geld zu verschaffen. Seine Browningpistole hatte er von Berlin mitgenommen. Sie zu gebrauche, daran dachte er zunächst nicht. Dann kam er, in Wien umherirvend, auf Selbstmordgedanken, ließ sie aber 51° wieder fallen. Jetzt besuchte er eine Bank, in der Hoffnung, dort etwas rauben zu können. Die Gelegenheit bot sich aber nicht, und Henkel irrte nun weiter umher. Am 7. d. M. kam er abends zum ersten Mal an den etwas einsam gelegenen Juwelenladen von Frankfurter vorvet. Er sah, daß drinnen ein junges Mädchen mit einem Mann sprach. Diesen hielt er für einen Reisenden und glaubte, daß das Mädchen allein den Laden zu versehen hätte. Dansah er zwar, daß beide zusammen wegaingen und zusammengehörten, kam aber zu der Ueberzeugung, daß hier doch etwas zu machen sei. Deshalb ging er abends noch einmal nach dem Laden. Jetzt wurde aber gerade das Geschäft geschlossen und die Jalousie heruntergelassen. Henkel ging nun wieder nach dem Bayerischen Hof mit der Absicht, am nächsten Tage etwas zu unternehmen. Weil ihm der Pförtner sagte, daß der 8. Dezember ein Feiertag sei, so machte er sich schon früh auf den Weg, um vor Geschäfts schluß anzukommer. Ru:; vor Mittagsschluß ging er dann In. deu Luben hinein und traf einen alten Herrn, der ganz allett war. Es war der Geschostoinhaber, der 61 Jahre alte Juwelier Julius Franksurter. Heul et verlangte ein: goldene Uhr, dieselbe, die ihm die Krimmnalpolizei setzt ab genommen hat und kaufte sie, obwohl er tein Geld besaß. Weil er also nicht bezahlen konnte, so ließ er sich auch noch eine Kette vorlegen. Als der alte Mann#- umwandte, um diese zu dolen, zog er seine Brownugpistale aus der Tasche und schoß ihn nieder. Schon nach dem ersten Schuß stel Frankjurter zu Boden. Ob er noch um Hilfe gerufen oder keinen Laut mehr von sich gegeben hat, weiß Hentel nicht mehr. Nach dem zweiten Schaß rafste der Morder alles zusammen, was er greisen konnte, das Portemonnat# aus der Tasche des Ermordeten, das 70 Kronen enthielt, eine Stahlkassette mit der Aufschrift Depositenbank Joberstraße aus einem offenen Spinde, und Schmucksachen aus dem Schaufenster. Als er dann mit der Beute den Laden verlassen wollte, stand ein Mann im Julinder davor, der sich die noch zurückgeblierenen Auslagen ansah. Heusel mußte etwa acht Minuten warten, bis der Mann wegging, und entfernte sich dann ebenfalls. Weil er auch nicht einen einzigen Blutleck abbekommen datte, so ging er, den Raub unter dem nantel und in den Taschen, gleich nach dem Hotel zurück. ch. hatte er bares Geid, konnte zu Mittag essen und iur ganze Rechnung begleichen. Dann ging er nach dem #rater. Auf dem Wege dorthin warf er das Portemonnaie des Ermordeten in der Praterstraße auf einen Hausflur. Abends besuchte er das Karltheater. Am nächsten Morgen verließ Henkel in größter Ruhe den Bayerischen Hof und fuhr gleich von Wien nach Berlin. Hier gab er am ersten Tage kein Geld aus. Schon ging er mit der Stahlkassette, die er in der Nähe des Tietzschen Warenhauses am Alexanderplatz aus seiner Handtasche nahm, zu einem Schlosser in der Gegend und ließ sie Offnen. Sie enthielt nur 40 Kronen. Nachdem er diese berausgenommen hatte, ließ er die Kassette durch den Schlosser wieder verschließen. Dann nahm er sie mit zu Aschinger am Alexanderpla unter einen Tisch und ließ stellte sie dort, während er aß. e stehen, als er fortging. Jetzt 4# sie stehen, als er fortging. I lebte der Mörder in Saus und Braus und gab täglich 20 bis 25# aus. Deshalb waren auch die geraubten Mittel bald wieder erschöpft. Nun mußte er die Schmucksachen verkaufen, und wenn er dabei nicht fünf Ringe auf einmal angeboten hätte, so wäre er heute noch auf freiem Fuße. Seine Spur hätte so leicht niemand gesunden. Wo die Kassette geblieben ist, weiß man noch nicht. Vielleicht hat sie bei Aschinger jemand gestohlen in dem Glauben, daß sie Schätze berge. Nachsorschungen nach dem Verbleib anderer Schmucksachen dauern noch fort. Trotz des Geständwisses des Verhafteten ist Kriminalkommissar Nasse nach Wien abgereist, um dort im Verein mit der Wiener Behörde das Material zu prüfen und weitere Feststellungen zu machen. Stadt und Land. Detmold, 19. Dez. 1908. * Se. Durchlaucht Fürst Georg zu Schaumburg=Lippe verlieh anläßlich seiner Anwesenheit in Detmold folgende Aus zeichnungen: Ob=:forstmeister Baldenecker erhielt das Ehrenkrenz 2. Klasse des Schaumburg=Lippischen Hausordens, Forstmeister Rötteren= Heidenthal und Oberförster Näker in Berledeck erhielten das Ehrenkrenz 3. Klasse desselben Irdens, Leibjäger und Schloßverwalter Schulz das silberne Verdienstkreuz Hoflakai Klenke, Leibjäger Dreimann, Portier Siewele und der Kalesaktor Plöger die silberne Verdienstnedaille. Ueber die Lehrerversammlung am Mittwoch berichtet die„Lipp. Post“ noch folgendes: Die allgemeine lippische Lehrerversammlung, die am letzten Mittwoch im Evangeischen Vereinshause zu Detmold stattsand, war aus allen Teilen des Landes äußerst zahlreich besucht. Nach gemeinsamem Choralgesang begrüßte zunächst Herr Schulral Devve die Erschienenen mit warmen, beherzigenswerten Worten. Er führte in längerer Ansprache aus, daß der Grundton aller Schularbeit stets lauten müsse: Den Kindern das Beste, und daß insonderheit das Vorbild für alle erzieherischen Maßnahmen Christus, der Lehrer ohnegleichen, sein müsse.— Sodann legte Herr Seminaroberlehrer Burre sehr ausführlich dar, nach welchen Grundsätzen er eine Umarbeitung des zweiten Rechenhestes vorzunehmen gedenke. Die Versammlung zollte den lichtvollen, höchst auschaulichen Ausführungen verdienten Beifall. Es steht somit zu erwarten, daß das neue Rechenheft, das leider erst zu Ostern 1910 erscheinen kann, einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Gebiete des Rechenunterrichts bringen wird.— Auch das gegenwärtige Sprachbuch in unseren Volksschulen soll einer Neubearbeitung unterzogen werden. Ueber Art und Umsang dieser Umgestaltung erstattete Herr Lehrer Weber aus Silixen Bericht. Da aber die Wünsche der Versamm lung hinsichtlich der Form und des Inhalts eines Sprachbuches noch ziemlich weit auseinandetliegen, so wurde eine endgültige Beschlußsassung darüber bis zur nächsten Frühjahrsversammlung ausgesetzt.— Die übrigen auf der Tagesordnung vorgemerkten Arbeiten konnten der vorgerückten Zeit halber nicht mehr zum Vortrag kommen. Nach cinem Schlußwort des Hern Schulrats und abermaligem gemeinsamem Gesang wurde die Versammlung geschlossen * In das Handelsregister ist zu der unter Nr. 42 eingetragenen Firma„Emil Mehring, Detmold“ eingetragen: Die Firma ist erloschen. * Resormierte Stadtgemeinde. Bei der diesjährigen planmäßigen Ziehung wurden von den Anleibescheinen der reformierten Stadtgemeinde Detmold Buchst. A Nr. 33 zu 1000 und Buchst. B Nr. 164 zu 500 A ausgelost. Die Rückzahlung erfolgt am 2. Januar 1909 bei der Dresdner Bank in Detmold. * Gerichtsafsessor Dr, fur. Sievert scheidet mit dem 1. Januar 1909 zwecks Uebertritts zur Rechtsanwaltschaft aus der Zahl der Fürstkich Lippischen Gerichtsassessoren aus. (Nachdruck verboten.) Nun lacht uns bald der Weihnachtsmorgen— Und bald des Lichterbaumes Glanz.— Und lauter liebevolle Sorgen— Erfüllen unsre Seele ganz.—„Wie mach ich fröhlich Weib u. Kind.— Und alle die, die lieb mir sind?“— Das sind die lautsten Herzensfragen— In diesen dunklen Wintertagen. Wehl dunkel sind sie, aber innen.— Dem Herzen bleibt das Dunler fern:— Wir lenken unser ganzes Sinnen— Schon auf den lichten Weihnachtsstern.— Wie fröhlich wogt's straß ab. straßauf:— Die bunten Fenster rusen:„Kauf!"— Was gibt es doch für prächt'ge Sachen!— Was läßt sich da für Frende machen! Wie schön ist's, daß es noch auf Erden— Solch eine Zeit der Liebe gibt.— Da unser Herz ganz Herz darf werden Zur Freude derer, die es liebt.— Christkindlein herrscht und Weihnachtsmann— In uns, und alles andre kann— In sorchem frohen Weitznachtstreiben— Gefälligst uns gestohlen bleiben. Was kümmern uns in diesen Tagen— Die Dinge hoher Politik?— Wie haben wir die Türkenfragen.— Zum Beispiel doch so gründlich did!— Oestreich zankt sich mit der Türkei— Vertragt Euch, daß es Ruhe sei.— Dieweil wir unste Weih nachtsstollen— Friedlich und froh verzehren wollen. Was kümmern uns die Unmanieren— Des Tschechenvolks zur Weihnacht hier?— Wenn sie uns schnöde boykottieren.— C. beykottieren wir ihr Bier.— Ich sag's zwar ehrlich: es sc. meckt sein.— Indes ein Esel würd' ich sein,— Bekämpft' ich jetzt des Durstes Kräfte— Nicht durch der Heimat Gersten W Was kümmert uns der kleine Nacker,— Der Castro, der uns jetzt beehrt.— Ob er auch futtert viel und wacker— Und sich den Magen arg beschwert?— Ob er, der Meister des Krakehls.— Jetzt sucht die Hilfe Israels.— Ob er in Kognak und Likörer— Und Wein auch schwelgt, uns soll's nicht stören. Was soll es uns denn arg bekümmern.— Was er mit seinem Gelde macht?— Und ob sie hinter ihm zertrümmern — In Venezuela seine Macht.— Auch ihn, wahrscheinlich, läßt er kitl— Und ihn beherrscht ein Wohlgefühl: Mit so viel nett.n Riltionen— Läßt sich's auch in Europa wohnen. So lassen wir uns nicht verdrießen— Durch allerlei volitschen Kram.— Das hat der Reichstag auch bewiesen.— Als er, verschnausend, Ferien nahm— nun seid vergni'gt, die Weihnacht kommt.— Run wünscht euch alles, was euch frommt:— Wünscht euch recht viele schöne Sachen,— Und kriegt ihr sie, dann könnt ihr lochen.. * Der Reichoverband deutschen Ziegenzuchtvereinigungen in Rostock i. M. sordert die Ziegenzuchtverbände und Ziegenzüchter des Fürstentums zum Anschlusse auf. Die Satzungen des fraglichen Reichsverdandes tiegen auf der Gerichtsregistratur zur Einsichtnahme aus. * Anträge auf Genehmigung von Verlosungen fü: das Jahr 1900 sind bis zum 1. Februar 1900 bei der Re gierung anzubringen. Später eingehende Gesuche können nur ausnahmsweise Berücksichtigung finden. en Der Geflügelzuchtverein für Dermold und Um: gegend hielt am Dienstag im Hotel zum Hermann seine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete um 9 Uhr die sehr gut besuchtrsammlung. Rach Verlesung der Protokolle der letzten Versammlung und derjenigen der vielen Aussellungsausschußsitzungen, wurde Bericht über die Geflügelausstellung erstattet und die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß über 1200 Eintrittskarten verkauft worden sind und der Vereinskasse ein schöner Ueberschuß überwiesen werden kann. Auch die Preisberech nung für die Ausstellung ist vollendet und es könnten da her die Aussteller den Betrag für die erhaltenen Preise und vertauftes Geflügel bei perrn Ernsting in Empfang nchmen. Auch meldeten sich einige Mitglieder um Ausstellung von Diplomen für zuerkonnte Preise. Nach Er ledigung der Tagesordnung eröffnete der Vorsitzende die Aussprache über die Ausstellung und forderte die Mitglie der auf, hiervon ausgiebig Gebrauch zu machen. Es wurde manche Frage gestellt und vom Vorsitzenden bezw. vom Ausschuß beantwortet. Herr Wortmann dankte dem Ausstellungsausschuß für seine Tätigkeit, für die geordnete Einteilung und torrekte Handhabung, wie er es besser noch auf keiner Lokalausstellung gesunden habe. Vorsitzender Fischer dankte im Namen des Ausschusses für die anerkennenden Worte und schloß die Versammlung mit dem Wunsche, daß auch fernerhin die Mitglieder mit solchem Interesse und solcher Sächlichkeit der Verhandlung folgen mogen, wie an diesem Abend. Die nächste Versammlung ist die Generalversammlung, die im Vereinslokal am 19. Januar stattfindet. Anträge dazu sind 8 Tage vorher einzuziehen. In der Kapelle des Landkrankenhauses wird am Dienstag. den 22. d. M., nachmittags 4½ Uhr eine Weihnachtsfeier abgehalten, wozu Ihre Hoheit die Fürstin erscheinen wird und wozu jedermann aus Stadt und Land erscheinen kann. * Das Karolinenstift in Beutschen. Am Dienstag dieser Woche sand in Bentschen(Posen) die feierliche Eröffnung des Karolinen=Stiftes“, statt, eines Krankenhauses, welches ursprünglich von der verstordenen Gräfin=Regentin Karoline zur Lippe errichtet und jetzt neu ausgebaut und erweitert worden in. Fürst Leopold zur Lippe ließ sich bei der Feier durch den Kammerherrn von Roell vertreten, der bei dieser Gelegenheit dem Medizinalrat Professor Dr. Borchardt=Posen im Auftrage des Fürsten das Ehrenkreuz 4. Klasse des Fürstlich Lippischen Hausordens überreichte. Nach der Einweihung fand in Schitteks Hotel ein Diner statt. ee. Der Schützenverein Meieroseld=Rödlinghausen hält morgen nachmittag um 4 Uhr im Vereinslokal„Schöne Aussicht" seine Generalversammlung ab. Die Tagesordnung ist sehr wichtig und das Erscheinen aller Schützen notwendig. * Auf dem hiesigen Wocheumarkte wurden folgende Preise ge ahlt: Butter 1 Pid. 1.15—1.20 Ml., Cier 1 Pfund 80—90 Pig., Blumenkodl 1 Koof 30 bis 40 Pig., Zwiebeln 1 Pfund 10—12 P'g., Wirsing 1 Kopf 20— 25 Pig., Wurzeln, 1 Pund 4—5 P g., Ka#gffeln, 1 Pid. 4 Pfg., 1 Ztr. 3 80—3.90 Mk, Aepil, 1 Pfo. 8—10 Pfg, Wallnüsse 1 Pfd. 30 35 Pfo., Rosenkohl 1 Pfund 25—30 Pig., Braunkohl 1 Schock 50 Pig., fette Gänse, 1 Pfr. 70 bis 75 Pig. Feldsalat eine Portion 10 Pfg. * W e i h n a c h t s f e i e r n w u r d e n g e s t e r n i n d e r A u l a d e r Gymnasiums und der höheren Töchterschule veranstaltet. An beiden Stellen strahlte der leuchtende Tannenbaum auf fröh liche Gesichter hernieder. Weihnachtslieder, Deklamationen und Ansprachen bildeten den Inhalt der Feiern. Auch St. Nikolaus war zur Feier im Gymnasium in höchsteigener Person erschienen, während er in die Töchterschule seine Frau ent sandt hatte, die dort Rüsse und Aepfel austeilte. Heute beginnen die Weihnachtsferien. * F ü r s t l i c h e s T h e a t e r. M o r g e n: E r ö f f n u n g s v o r s t e l l u n g: Fidelio“.— Dienstag:„Der Biblrothekar". Lus: piel von Moser. * I m P r e u ß i s c h e n H o f e h i e r s e l b s t f i n d e t m o r g e n a b e n d Konzert und Ball statt. * Militärisches. Leutnant Freiherr von dem Buswe=Lobe im Insanterieregiment 55 wurde zum Oberleutnant befördert.— Major z. D. von Bodelschwinah Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Detmold wurde der Abschied bewilligt mit Pension und mit der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst, sowie der Erlaubnis zum Tra gen der Uniform des Königs=Insanterie=Regiments 145.— Hauptmann Käbler, Mitglied des Bekleidungsamts des 9. Armeckorps, ist mit der gesetzlichen Pension zur Dispo sition gestellt und zum Bezirksoffizier beim Landwehrbe zirk Detmold ernannt. 2a= Heidenoldendors. 18. Dez. Der hiesige Cesangverein Thusnelda übt augenblicklich eine große Weihnachtshymne für gemischten Chor ein, welche anläßlich des liturgischen Gottcs dienstes am heiligen Abend in der hiesigen Kapelle zu Gehöt gebracht werden soll. Es beteiligen sich hieran ca. 25 junge Damen Heidenoldendorfs und ca. 35 Mitglieder des Gesang vereins Thusneldu, sodaß eine gute Wiedergabe der Hymne zu erwarten steht, zuma! die Leitung in bewährten Händen liegt. 2a. Heidenoldendors, 19. Dez. Mit dem morgigen Tage eiert der hiesige Turnverein sein diesjähriges Stiftungs est, bestehend in turnerischen Vorführungen und Ball.— Der Vorstand hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, das Fest wirk lich gediegen zu gestalten, was um so anerkennenswerter ist als in keinem Verein der aktive Mitgliederbestand mehr dem Wechsel unterworfen ist, wie gerade in den ländlichen Ver einen und somtt deren Leitung bedeutend erschwert wird.— Die Anzahl der Mitglieder, die vom Frühjahr bis zum Spätherdst ihrem Berufe in der Fremde nachgehen müssen, ist eben zu groß Aber trotz dieses Umstandes hat der Verein wieder einen guten Schritt vorwärts getan, und somit die Worte verwirklicht:„Vorwäits immer, rückwärts nimmer.“ Und was ist die Ursache eines solchen Fortschritts? Allein die Einig keit, in der die Mitglieder fest zu einander gehalten haben. Mit Freuden ist zu begrüßen, daß in diesem Jahre die Zahl der Turnschüler eine Höhe erreicht hat, wie nie zuvor und ist somit ein guter Nachwuchs dem Verein sicher.— Wir richten unsere schon so oft ausgesprochene Bitte auch an dieser Stelle an die Eltern. Vormünder. Lehrherren und Erzieher, dafür mit zu sorgen, daß die krutsche Jugend eine turnende Jugend wird, ihr selbst und dem Vaterlande zum Segen. Gut Heil! 2a. Heilenoldendorf, 19. Dez. Der Gesangverein „Eynonelda“ läßt augenblicklich folgendes Zirkular bei den Einwohnern Heidenoldendorfs umgehen: Aufruf an alle Sänger und Gesangsfreunde Heidenoldendorfs! Es besteht bei vielen älteren Sängern, welche größtenteils dem Gesangverein in früheren Jahren schon mal angehört ha ben, der Wunsch, dem Verein wieder beizutreten, wenn sich mehrere ältere Sänger hierzu entschließen würden. Da der Gesangverein„Thusnelda“ im nächsten Jahre sein 50jähriges Jubiläum seiern kann, auch jedenfalls an der 1900 Jahrfeier der Herrmannsschlacht teilnehmen wird, wäre eine aktive Beteiligung aller Sänger Heidenolden= dorfs sehr erwünscht, da mann das ganze Jahr hindurch gesungen werden könnte. Auch kann ein großer Cbor etwas ganz anderes leisten, wie ein kleiner. Um nun den Einwohnern Heidenoldendorfs den Wiedereintritt zu erleichtern, ist denjenigen, welche einem der Gesangvereine „Thusnelda“ oder„Liederkranz“ schon einmal angehört haben, das Eintrittsgeld erlassen. Wir bitten nun alle Sänger und Gesangsfreunde Heidonoldendorfs, dem Verein beizutreten. Um nun eine ungefähre Uebersicht zu erhalten, richten wir an alle, welchen es eben möglich ist, dem Verein beizutreten, die höfliche Bitte, ihren Namen in die untenstehende Liste einzutragen. Der Ansang der Gesangsstunden, mit welchen gleich nach dem Weibnachtsfeste angesangen werden soll, wird den Unterzeichneten besonders mitgeteilt werden. Der Vorstand des Gesangvereins „Thusnelda“=Heidenoldendorf.— Wir können den Ein tritt in den Verein nur empfehlen und wünschen dem Verein guten Erfolg! J. Heiligenkirchen, 19. Dez. Eine Wählerversammlung zwecks Ausstellung von Kandidaten für den Dorsausschuß findet morgen, Sonntag, abends 6 Uhr bei Gastwirt Schnatmann statt, wozu sämtliche Wähler eingeladen sind. e. Heiligenkirchen, 19. Dez. Das Ehepaar Julius Fischer feiert am morgigen Sonntag silberne Hochzeit Salzuslen, 20. Dez. Eine zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich gestern um 5 Uhr in der schönen Aula der Real schute zu Salzufien zur diesjährigen Weihnachtsfeier zu sammengefunden. Der gemeinsam gesungene Choral:„Vom Himmel hoch“ bildete den stimmungsvollen Eingang zu der Feier, die sich vor allem durch die einheitliche Wahrung des religiosen harakters wirtungsvoll von anberen Weihnuchtsfeiern unterschied. Nach einer kurzen gehaltrollen Ansprache des Religionslehirs der Anstalt, Herrn Pastor Menges, in der auf die Jedeutung von Bethlehem im Autschluß an Luk. 2, 15 hingewiesen wurde, folgten Kinderchöre, gemischte Chöre und Gedichte in reizvoller Adwechtelung. Die Leistungen der Schüler boten pesanglich und deklamatorisch Ausgezeichnetes Es war ein Freude, den frischen Knabenstimmen zu lauschen, die mit solcher Hingabe ihre schönen Weihnachtslieder sangen und mit vielem Verständnis die oft so langen aber gut ausge wählten Gedichte vortrugen. Daß bei der großen Doxologie die Stimmen ein wenig sanken, fällt in Anbetracht der Schwie rigleiten der Komposition nicht schwer ins Gewicht. Car lieblich mutete es an, als auch zwei allerliebste kleine Bertreterinnen der Vorschule mit niedlichen Gedichten sich in den Reigen der routragenden Knaben mischten. Zwei mit Verständnis vorgctragene Baritonsoli erfreuten durch echt weihnachtlichen Tezt und zu Herzen gehende Melodie. Daß es der schönen Feier gelungen war, trotz des Frühlingswetters da draußen frohe Weihnachtsstimmung bei Vortragenden und Jnhörern zu erwecken, davon zeugte das zuletzt gemeinsam und begeistert gesungene Lied: O du fröhliche, o dn selige, gnadeneringende Weihnachtszeit. * S a l z u f l e n, 1 9. D e z. U n t e r A b ä n d e r u n g d e r B e kannimachung vom 20. Juni 1901(Amtsblatt für 1901 Nr. 52) werden für den Bezirk der Stadt Salzufleu die ortsüblichen Tagelohnsätze 1. erwachsener männliche: Arbeiter von 1,90 M auf 2,50 A. 2. erwachsener weiblicher Arbeiter von 1.20 K auf 1.00 K. 3. jugendlicher männlicher Arbeiter von 1.20 M auf 1.90 M. 4. jugendlicher weiblicher Arbeiter von 0,90 M auf 1.30# erhöht. Diese Erhöhungen treten gemäß§ 8 des Krankenversicherungsgesetzes am 28. Juni 1909 in Kraft. et Schotmar, 13. Dez. Wie schon erwähnt, finden am Mittwoch den 23. und Donnerstag. den 24. die Wahlen zum Gemeindeausschuß statt. Die dritte Klasse hält zu diesem Zwecke am Sonntag, den 20. d. M., nachmittags 4 Uhr im„Odeon“ (H. Bicker) eine öffentliche Wählerversammlung ab, ebenso hält die 2. Wählerklasse am Montag, den 21. d. M., abends 8 Uhr eine gleiche Versammlung im Hotel Korf(Brügge mann) ab. Jeder Bürger ist zu dieser Versammlung einge laden. et. Schötmar, 19. Dez. Der Turnerbund hält am Sonnabend abend 8½. Uhr eine Versammlung im Odeon ab. Da dringende Sachen zu besprechen sind, ist dringendes Erscheinen erwünscht. =b= Lemgo, 18. Dez. Heute nachmittag fand im Vereinshause im Rampendahl die Kinderbescherung der Kleinkinder schule statt. An der Feier nahmen u. a. auch I. D. Prinzessin Carola zur Lippe in Begleitung der Hojdame Freiin von Thüngen teil. b. Lemgo, 16. Dez. Oberbürgermeister Dr. Höland und Stadtbaumeister Müller weilten gestern in Bieleseld zur Be sichtigung der städtischen Feuermelde=Anlage etc. est= Horn, 19. Dez. Von der hiesigen höheren Privat= Mädchenschule wird auch in diesem Jahre wieder eine Weih nachtsseier veranstaltet. Die Feier findet am Montag. 21. ds Mts., abends 7½ Uhr im Saale des Teutoburgerhof(Vialon) statt. Die Einnahme ist für die bedauernswerten der Blödenanstalt Eben=Ezer bei Lemgo bestimmt und dahe wird ein Eintrittsgeld, ohne für den guten Zweck Schranken zu setzen, pro Person 30 Pfg. erhoben. Mögen wohlgesinnte Menschen gern ihr Scherflein beitragen. v. Barntrup, 18. Dez.(Verschiedenes.) Der Ma gistrat hat mit der Ausschreibung betr. der Drainierung der Eichelbache begonnen und die Frist ist bis Sonnabend abend abgelausen. Bewerder mögen sich melden.— Die hiesigen Ziegler beabsichtigen eine Hilfskranken kasse zu gründen. Ungefähr 100 Personen haben sich unterzeichnet.— Der Gesangverein„—kion“ seiert am 2. Weihnachtstage sein diesjähriges Fest. Es ist ein sehr ge fälliges Programm aufgestellt und können wir den Besuch em pfehlen.— Die städt. Spar= und Leibekasse kann in dieser Zeit auf ein 2jähriges Bestehen zurückblicken. Unsere Stadt ist sehr gut Janst gefahren, sind doch jährlich Ueberschüsse von ca. 4000 M zu verzeichnen. Wir können den Herren die sie gegründet, nur danken eb. Brake, 18. Dez. Der Männergesangverein wird seine Weihnuchtsseier in gewohnter schöner Weise am 2. Festtage im Vereinslokale Bahnhofs=Restaurant) abhalten. d. Bellenberg, 18. Dez. Bei der gestern hier stattge fundenen Gemeindeausschußzwahl wurden folgende Herren ge wählt: 1. Klasse Landwirt Friedr. Lohrmann=Vahlhausen. 2. Klasse Landwirt Ernst Deppe=Bellenberg, 3. Klasse Ziegelmeister Wilhelm Alber:=Bellenberg. . Wülfer, 18. Dez. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Jahre der Eltern Abend mit Weihnachtsseier der beiden hiesigen Schulen statt und zwar am nächsten Sonntag im Saale von H. Wilhelmi. Der Abend verspricht ein schöner zu werden, denn es kommen von Seiten der Schulkinder verschiedene Vorträge sowie ein Theaterstück(das Christkind in der Köhlerhütte) zur Aufführung. g= Beldrom, 18. Dez. Heute nacht gegen 12 Uhr wurden unsere Dorfbewohner durch Feuerrufe aus dem Schlase geweckt Es brannte das Wohn= und Gasthaus des Wirts Ad. Schierenberg Nr. 17 hiers. Da das Feuer schnell um sich griff, konnte nicht viel gerettet werden. Das Haus ist bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. In Tätigkeit war nur die Veldromer Feuerwehr. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt. Der Wirt Schierenberg soll vor ca. 8 Jahren schon einmal auf dieselbe Weise um sein Haus gekommen sein und hatte ebenfalls nicht versichert. Dem Wirt Schierenberg, der nicht versichert hatte, wird hierdurch ein großer Schaden entstenden sein. * Falkenhagen, 19. Dez. Zum ersten Stellvertreter des Standesbeamten im Bezirke des Standesamts„Amt Schwalenberg II“ ist der Forstausseher Gölemeier in Falkenhagen bestellt worden. c Alverdissen, 18. Dez. Am heutigen Tage fand hier in unserm Orte eine Hochzeit statt; bei dieser Gelegenheit wurde auch geschossen. Durch diese schlechte Sitte wäre beinahe ein Kind ums Leben gekommen. Ein junger Bursche nämlich hat in ein Fenster eines Bewohners an der Mittelstraße geschossen. An diesem Fenster stand ein Kind auf einem Stuhle. Die Kugel ist über dem Kopfe des Kindes durchs Fenster ge schlagen. Aus der Nachbarschaft. * Hess. Oldendors. 16. Dez. Bürgermeister Brennecke ist gestern an den Joigen eines Lungenschlages gestorben. Der Verstorbene hat 16 Johre lang die Geschäfte der Stadt geleitet. * Celle, 16. Dez. Wahrend einer kirchlichen Trauung in einem benachbarten Terje siel ein als Trauzeuge sungierender junger Marn plötzlich in eine tiefe Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, gab er an, zwei Tage nichts gegessen zu haben, um — beim Hochzeitt schmause ordentlich etwas leisten zu können. Standesamtliche Nachrichten. Standecamt 24tr old.— 4. bis 19. Dezemder Ausgebote: Harry Dameran=Detmold mit Anna HerreTetmold.— Hugo Metzler=Lippstadt mit Anna Grete=Detmold. — Friedrich August Blome=Hillegossen mit Henriette Markmann=Hillegossen. Handel und Märkte. Snndikat deutscher Zuckerrasfinerien. Die gestrige Generalversammlung hat den vom Vorstande vorgelegten neuen Vertrag durchberaten und einstimmig eingenommen. Die wesentlichen Punkte dieses Vertrages sind Kontingentierung und prozentuale Freigabe des Verkaufs. Wesermühlen=Aktiengesellschaft in Hameln. Die gestrige ordentliche Generalversammlung, in welcher sämtliche Aktien bis auf 29 vertreten waren, genehmigte den Abschluß per 30. Juni 1908, erteilte dem Vorstande und Aufsichtsrat Entlastung und nahm in allen Punkten den vorgelegten Sanierungsplan der Verwaltung einstimmig an. Die neuen Aktien in Höhe von KK 1 250000 sind ebenso wie die K 2000 000 Partialobli= eeldan paeie geribes. Letzte Nachrichten. Haag, 18. Dez. Bis heute mittag hat das Rinisterium des Auswärtigen weder eine Bestätigung über die Wegnahme eines dritten venezolanischen Schisses durch die hollundische Marine, noch bezüglich einer Kriegserklärung Beuezuelas an die Niederlande erhalten. Im Ministerium wird erklärt, daß man sich auch keine genaue Vorstellung machen könne, wie eine Kriegserklärung an Holland hätte gesandt werden können, es sei denn, daß man für diesen Zweck als genügend angesehen hätte, in Venezuela durch eine Proklamierung den Kriegszustand zu erklären und mit Findseligkeiten zu beginnen. Indessen habe noch nichts ein kriegerisches Vorgehen auf seiten Venezuelas bewiesen. Die nieverländische Flottille, die sich augenblicklich in den karaibischen Gewan= aushält, wird im Verein mit einem vierten Panzerschiffe, das sich augenblicklich auf dem Wege nach Benczuela befindet, vorderhand als ausreichend angesehen, um allen Möglichkeiten die Spitze zu bieten. Haag, 19. Dez.(Reutermeldung.) Im Ministerlum des Aeußern ist man der festen Ueberzeugung, daß durch die übereilt verbreitete Nachricht von der Verbängung des Belagerungszustandes in Benezuela, Anlaß zu dem Miß verständnis gegeben hat, Benezuela habe Holland den Krieg erklärt. Dortmund, 18. Dez. Auf den von Lütgendortmund einlaufenden Personenzug wurde bei Dorstfeld ein Schuß abgegeben. Die Frau eines Pfarrers, die sich in dem Zuge besand, wurde getrofsen. Sie erhielt einen Streifschuß am linken Ohr. Petersburg, 18. Dez. Der Reichsrat nahm einstimmig die aus der Duma eingegangene Gesetzesvorlage an, welche den Finanzminister ermächtigt, eine Anleibe von 450 Mill. Rubel abzuschließen. 24 Washington, 18. Dez. Die Vertreter der Ansichtskarten=Insnurie verlangten von der Tariskommission eine erhebliche Zollerhöhung. um der deutschen Konkurrenz zu begegnen. Berlin, 19. Dez. Die Verhandlungen gegen den mutmaßlichen Raubmörder Henkel sind solange eingestellt, bis der mit der Ermittelung betraute Kriminalkommissar aus Wien zurück ist. Stettin, 19. Dez. Etwa 1000 Arbeitslose veranstalteten gestern vor dem Arbeitsnachweis und vor. dem Rathause eine Demonstration. Die Arbeitslosigkeit bei den Hasenarbeitern wird auf 50 Prozent geschätzt. Lissabon, 19. Dez. Der Staatsrat sprach sich gestern mit 6 gegen 5 Stimmen gegen die Beibehaltung des Kabinetts aus. Rom, 19. Dez. Aus dem Hauptkrater des Actua stelgen seit einigen Tagen große Feuersäulen auf, auch wird fortwährend starkes unterirdisches Getöse gehört. Wien, 19. Dez Der neue englische Botschafter sagte bei seinem Antrittsbesuch zu Baron von Achrenthal, daß er von seiner Regierung beauftragt sei, zu erklären. England sei vollständig einverstanden und begrüße es, wenn Oesterreich=Ungarn direkt mit der Türkei betresss Annektion Bosniens verhandle. Familien=Nachrichten. Gestorben: Nobert Siek in Lage; Beerdigung: Sennalund N. 1 Uhr.— Minna Soormann, geb. Schäfer, in Waddenhausen; Beerdigung: Sonntag N. 4 Uhr. # voren: Ein Mädchen: Herrn Wilhelm Grese, Spork Leimold. Wetter=Nat wichten. Detmold, 19. Dez Wetterbericht der Wetterdienststelle des meteorologischen Observatoriums zu Aachen. Veländerliche Bewölkung. vereinzelt Regenfälle, westliche Winde. Lonvon: Unbeständig. Hamburg: Schön. Gottesdienste in Ortmold. Sonntag, 20. Dezember 190S. Reformierte, Stadtkirche Vormittags 9¾ Uhr. Pastor Werdelmann. Vormittags 11¼ Uhr. Kindergottesdienst. Nachmittags 5 Uhr. Pastor Lohmeyer. Alte reformierte Kirche. Frühtirche 8¼. Uhr. Pastor Brüns. Vormittags 10 Uhr. Pastor Theopold. Lutherische Kirche. Vormittags 10 Uhr. Hilfsprediger Hegel. Nachmittags 2 Uhr. Hilfspred. Hegel(Kindergottesdienst). Landkrankenhaus Vormittags 9 Uhr. Pastor Mever. Herberge zur Heimat. Nachmittags 3½ Uhr. Verein Blaues Kreuz. Versammt Abends 81. Uhr. Bibelbesprechung. Evangelisches Bereinshaus. Mittwoch abend 8½ Uhr. Bibelstunde. Katholische Kirche. Vormittags 8 Uhr und 10½ Uhr. Nachmittags 2 Uhr, Kleinkinderschule in Hiddesen Dienstag. den 22. Dezember, abends 5 Uhr: Weihnachtsseier: Pastor Theopold. Evangelische Gemeinschaft. Mühlenstraße 16 Sonntag vormittag 10 Uhr: Gottesdienst. Abends 7 Uhr: Ingendverein. Abends 3¼ Uhr: Gottesdienst. Mittwoch abend 8¼ Uhr: Gesangsstunde. Große Futterersparnis! Da kein Körnlein mehr in den Schmutz getreten wird oder von Sperlingen entwendet werden kann. Prospekt gratis u. franko. iederverkäufer gesucht. Fr Gehring, Detmold Mech. Tischlerei. An empfehle zu billigen Preisen: Sofa Sesel Chaiselongue Flurgarderoben Serviertische Ripptische Tischdecken Chaiselongnedecken Rückenkissen Fußlissen Hofmöbelfabrik Kochfran empfiehlt sich den geehrten Herrschaften Frau A. Rettelstroth — Lageschestr. 57.— 2 Füllösen u. 1 Amerikaner gebraucht, stehen billig zum verkauf. L. Hornschestraße. Ed. Begemann Hornschestraße 20. Preunholz aus Tischlerei und Sägewerksabfällen, klein geschnitten, per Meter vors Haus 7.50 Mk. e burtsfahre 1889 sowie alle Diejenigen Militärpflichtigen früherer Jahrgänge,# noch nicht endgültig entschieden ist, werden hierdurch aufgesordert, zur Eintragung in die Rekrutierungsstammrolle sich bei Meidung der gesetzlichen Strafen in der Zeit vom 4. bis 8. Januar 1900, vormittegs von 9 bis 1 Uhr auf Zim Nr. 9 des Rathauses anzumelden. Die nicht in Detmold gederenen Militärpflichtigen haben einen Auszug aus dem Geburtsregister, welcher vom Standesamt des Geburtsortes kostenfrei erteilt wird und frühzeitig zu beschaffen ist, vorzulegen. Die Militärpflichtigen aus den Geburtsjahren 1887 und 1888 oder früherer Jahrgänge haben ihren Losungsschein mit zubringen. Sind Militärpflichtige vorübergehend von hier abwesend (auf Reisen befindliche Handlungsgehülfen usw.). so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr oder Brotherren die Verpflichtung, sie innerhalb des oben angegebenen Zeit rolle anzumelden. Die Aufnahme von Reklamationen findet an denselben Tagen, nachmittags von 3—5 Uhr statt. Detmold, 17. Dezember 1908. Der Magistrat. Verlebeck, Gasthof Ed. Kanne 2. Weihnachtstag, nachmittags von 3 Uhr ab: Turnen, Theater u. kom. Vorträge mit nachfolgendem Tanzkränzchen Familienglück ist es, wenn Mutter's„Reese Kuchen“, die immer so schön geraten, auf dem Tische igen. 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Für den Inseratenteil: August Boberg, Detmold. 13. Jahrgang. Zum Sonntage. Text: Psalm 24, 7: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe! Ist die obige Mahnung wirklich noch nötig? Nicht erst in diesen letzten Tagen, sondern schon wochenlang rüstet und bereitet man sich zum Weihnachtsfeste. Die Schauläden in den großen und kleinen Städten entfalten in diesen Wochen ihren herrlichsten Glanz und laden zum Kauf; die Plätze u. Straßen haben sich in Tannenhaine verwandelt; Hunderte, ja Tausende von Menschen bewegen sich durch die Straßen. Ist es nicht. als ob ein König seinen Einzug halten wollte? Ist da das Wort wirklich noch am Platze: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe? Leider ist des äußeren Gepränges und festlichen Rüstens viel zu viel, und darüber vergißt man gänzlich die eigentliche Bedeutung des Weihnachtssestes. Man beschenkt und läßt sich beschenken, man seiert in den Familien u. in Vereinen Freudenfeste, aber Jesu Christo, dem Könige der Ehren, tut man die Türen nicht auf. So viele, die Weihnachten feiern, haben sich um den Herrn des Weihnachtsfestes jahrelang eigentlich gar nicht ge kümmert, oder wenn sie wirklich noch etwas von ihm wissen wollen, so ist ihr Jesus nicht der des Neuen Testaments. Und dann sind andere, die Menschen der Armut, die ihr Elend be sonders in diesen Wochen fühlen. Sie sehen, wie die Reichen den Ihrigen teure Geschenke kaufen, und sie selber wissen nicht einmal, wo sie das Geld hernehmen sollen, um ihren frierenden Kindern ein warmes Kleidungsstück zu schaffen. Solche Armen schließen gerade zur Weihnachtszeit ihre Herzen fester zu vor dem Könige der Ehren. Sie murren und sprechen: Weihnachten ist ein Fest für die Reichen; für uns Arme ist kein Heiland geboren. So ergeht das Psalmwort an die Reichen Vergesset über allen Zurüstungen zum Weihnachtsfeste das Weihnachtsevangelium selber nicht! Versäumet nicht über dem äußeren Schmuck eures Hauses den Schnluck eures Herzens mit dem christlichen Weihnachtsglauben! Man sagt, ein Weih nachtsfest ohne Lichterbaum ist kein Weihnachten. Noch schlim mer ist ein Weihnachten ohne Weihnachtsglauben. Und an Armen ergeht dasselbe Wort: Schließet in curer Verbitterung euer Herz nicht vor dem Lichtglanze des Weihnachtsevan geliums zu! Weihnachten besteht nicht darin, daß man mög lichst viel schenkt und sich schenken läßt. Seht, der liebe Herr Jesus ist gerade ein Heiland der Armen und Elenden. Dazu ist er als Kind armer Leute in Bethlehem geboren, darum ist er arm, verkannt und verfolgt durch dieses Leben gegangen daß er euch in curer Mühseligkeit verstehe und sich euer er barme. So tut ihm eure Häuser und eure Herzen auf. daß er bei euch einkehre! Und wenn er bei euch ist, dann ist auch Weihnachtsfreude! Hütten-Eröffnungen in den Tiroler Alpen3 1. Der Anbau der Langkofelhütte 2. Die neue Tübinger. Hütte 3. Die neue Hellerjoch-. Hüffe mit Blick auf das Karwendelgebirge Die Novellette von Anna Gade. (Nachdruck verboten.) Ein wundervoller Wintermorgen im tief verschneiten Walde. Die ehrwürdigen alten Tannen, die zu beiden Seiten den Kirchsteig eng umstehen, der von dem kleinen Walddorf Woltersbeck quer durch den Forst zum nahen Pfarrdorf Rodenbostel führt, vermögen kaum Frau Holles dicke weiße Dannenkissen auf ihren Zweigen zu tragen, so gründlich hat dort oben die alte Dame an ihren Betten gerüttelt und geschüttelt; und wenn nicht der Herr Ober förster angeordnet hätte, daß mit dem Schneeflug die brei ten Hauptwege des Waldes so viel wie möglich gesäuber: wären, so würde man sich schwerlich mehr haben durchwaten können, denn beinahe knietief sank man ein in diesen blen dend weißen Flockenteppich. Und das acht Tage vor Weihnacht, zu einer Zeit, in der man schon seit vielen Jahren solch Winterwetter nicht mehr erlebt hatte. Da tönte in die lautlos feierliche Stille plötzlich der schrille Warnungsruf eines schmucken Eichelhähers, der sei nen Waldkumpanen von seinem hohen Auslug meldete: „Achtung, soeben der Herr Oberförster in Sicht!“— und was vom zwei= und vierbeinigen Gesindel kein sanderes Gewissen hatte, brachte schleunigst sich in Sicherheit. Und richtig, der vielgestrenge Herr, der junge Oberförster Ramberg, kam denn auch wenige Augenblicke später schon um die Wegbiegung herum, um seinen Wald zu in spizteren, der heute, vom goldigen Sonnenschein überflutet, in seinem blendend weißen Kleide und seinem hehren Schweigen wie ein verwunschenes Märchenreich erschien. Eine hohe, kraftvolle Erscheinung war es, mit ek##m Die Tübinger Hütte, die kürzlich unter Festlichkeiten eingeweiht wurde, liegt 2265 Meter hoch im Garneratal(Vorarl= berg). Sie bietet in fünf Zimmern mit neun Betten und einigen Matratzenlagern zwanzig Personen Nachtquartier und eignet sich vorzüglich als Ausgangspunkt für Touren im nordwestlichen Teile der Silvrettagruppe. In Alpinistenkreisen nimmt man an, daß die Eröffnung der Tübinger Hütte eine Hebung der Frequenz des oberen Montavon zur Folge haben werde. Vielleicht ergeht es ihr noch einmal so wie gegen wärtig der Langkofelhütte, die letzthin einen Anbau erhalten hat, da ihre Räumlichkeiten der Nachfrage von Touristen nicht mehr genügten. Die Eröffnung dieses Erweiterungsbaues fie! mit dem 20. Stiftungsfest der Akademischen Sektion Wien des deutschen und österrischen Alpenvereins zusammen.— Die von der Sektion Schweiz dieses Vereins am Kreuzjöchl errichtete 2237 Meter hoch gelegene Kellerjöchhütte hat gleich am Tage ihrer Einweihung eine harte Wetterprobe bestanden. Heftiges Schneegestöber und rasender Sturmwind umtobten an diesem Tage das gastlich erwärmte Haus, das etwa 25 Personen Nachtquartier zu bieten vermag. Uebrigens ist diese Hütte in erstaunlich kurzer Zeit emporgewachsen, denn erst im Juni wurde mit ihrem Bau durch Baumeister Loos begonnen. Albumblätter. Die Rechte streckt' ich schmerzlich oft in Harmesnächten, Und fühlt' gedrückt sie unverhofft von einer Rechten.— Was Gott ist, wird in Ewigkeit kein Mensch ergründen, Doch will er treu sich allezeit mit uns verbünden. K. F. Meyer. Bauernblut. Roman von Paul Bliß. (Nachdruck verboten.) Einen Augenblick lang sah er sie sprachlos an, denn auf dieses Anerbieten war er nicht gefaßt. Endlich fragte er:„Und wenn ich nun auch dir einen ablehnenden Bescheid geben würde, Mutter?" Ruhig und fest antwortete sie:„Dann müßte ich eben, so schwer es mir wird, zu einem fremden Menschen gehen, denn das Geld muß ich unbedingt noch heute haben, und im Geschäft soll man nichts davon erfahren!“ Und mit einem sanften Lächeln fügte sie dann hinzu:„Aber ich hoffe bestimmt, daß du mir keinen ablehnenden Bescheid gibst, Bruno! Als deine Mutter bitte ich dich darum!“ 1! Wie ein Stich traf ihn dieses Wort, aber er bezwang sich und verbarg sein bitteres Lächeln. * Dann fragte er mit leisem Vorwurf:„Und du gibst das, wa sdir ein sorgenloses Alter garantiert, so ohne weiteres für einen dummen Streich deines Lieblisgs hin, Mutter?“ „Bruno, es handelte sich hier um das Glück und die Ruhe nleines Kindes!“ „And wer garantiert dir, daß er nicht morgen schon einen noch tolleren Streich macht?“ „Er hat mir geschworen, sich zu ändern!" *„And das glaubst du ihm?“ „Ja, Bruno, das glaube ich ihm! Er hat mich zu lieb, um mir zum zweiten Male so etwas anzutun!“ " Da schwieg er. Bis ins Herz traf ihn der Ton dieser Worte.... Ach welch ein Glück, welch ein unsagbar großes Glück, so von einer Mutter geliebt zu werden! Ihr alles gab sie hin, um ihren Liebling zu retten!... Nie, nie im Leben sah sein liebeleeres Dasein ihn so grauenvoll an wie in diesem wetterfesten, energischen Gesicht, das Urbild eines Forstmannes in seiner kleidsamen Balduriform, die Flinte über der Schulter, und Hektor, den brannen Hühnerbund, zur Seite. Heute aber, oder eigentlich seit Wochen, lag auf diesem sympathischen und offenen Gesicht ein Zug, der ihm sonst völlig fremd war, etwas Gequältes. Grüblerisches Die scharfen, blauen Augen, die sonst so zielbewußt, so klug und kritisch in die Welt sahen und denen nichts im Walde entging, sie blickten heute nicht nach außen, sie forschten träumerisch in seinem Innern. Denn dort war etwas nicht in Ordnung, wars nicht, wie es sein sollte. Die unerschütterlich saeinende Ruhe, das Klace. Feste seines Wesens war dahin, sett jener gleißende fremde Voacl in seinen Bald geflogen kem, seit Fdith Bardenhagen, die schöne Schwestei des Besitzers von dem in Rodenbostel gelegenen Rittergut, die schon seit Wochen dort zum Besuch weilte, in seinen Gesichtslreis gerreten war. Die hatte seinen Herzeusfri:den gestört, hatte eine Unruhe in iym geweckt. Und manchmit schien es ihm, ais oo auch er ihr nicht vollig gleichgültig soi. Die blitzenden, dunklen Angen leuchteten bisweilen so eigen auf, wenn sie, wie es in letzter Zeit häusig geschah, auf ihren einsamen Spaziergängen in Wald und Feld ihm begegnete. Sie konnten so tief erglänzen, Augenblick. Und alle Kraft mußte er zusammennehmen, um eine weiche, wehmütige Stimmung nicht zu verraten. „Nun, mein Sohn,“ sogte sie mit ruhigem Lächeln der Zuversicht,„du wirst uns diesmal helfen, nicht wahr?" Und langsam, wie stöhnend antwortete er:„Ja, ich werde dir das Geld anweisen.“ Lächelnd, liebvoll, dankbar nickte sie, reichte ihm das Pa vier und dann beide Hände hin und sagte:„Ich danke dir, Bruno.“— Und als er so nahe bei ihr stand, da wollte sie ihn um fassen und küssen. Da aber wich er zurück und sagte mit schmerzvollem Ton: „Nein, Mutter, laß nur die Zärtlichkeit, ich bin daran nicht gewöhnt.“ „Ich möchte dir danken für deine gute Tat, Bruno.“ „Eine gute Tat belohnt sich von selbst, Mutter. Und wer Gutes tut, soll nicht auf Dank rechnen.“ „Aber ich möchte dir dennoch danken, Bruno, denn du hast mir einen großen Dienst erwiesen.“ Stumm, fragend sah er sie an... Weil er ihren Liebling vom Verderben gerettet hatte, deshalb konnte sie heute sogar den„Bauern“ in ihm vergessen, und ihm ein Teilchen Mutter liebe anbieten!?— Nein, er konnte jetzt keine Komödie spielen! Denn er konnte nicht glauben, daß ihr diese Liebe von Herzen kam! Nein! Nein!— Und leise, bebend entzog er sich wieder ihren Armen. „Laß gut sein, Mutter, wir verstehen uns ja auch so!“ sagte er ruhig. „Wie du willst, mein Sohn,“ antwortete sie jetzt still und trat zurück,— sie verstand, was in seinem Innern vorging! Mit leisen Grüßen und einigen freundlichen Worten verabschiedete man sich. Und dann fuhr sie zurück in die Stadt Lange, sinnend sah er dem Wagen nach... Noch immer bebte sein Herz, noch immer blutete die alte Wunde in seiner Brust, noch immer nagte das alte, verhaltene Leid an seiner Seele— einsam, ungeliebt, verschmäht ging er durchs Leben, Nur wenn man ihn brauchte, konnte man ihn finden!— Bitterweh stieg ihm der Groll auf, daß ihm Tränen des Zorns in die Augen kamen. Dann aber machte er sich fest und drängte alles zurück, was weich war,— und in der nächsten Stunde wies er bei seiner Bank das Geld an. „„ „„ so lockend schimmern, so siegessicher triumphieren. Und eben darum lehnte sich auch etwas in ihm auf gegen die Macht, die dies verführerische Weltkind fast spielend au ihn ausübte. Mit aller Krafte versuchte er, sich von dem Baune zu befreien, rief seine nüchterne Vernunft zu Hilfe Die anspruchsvolle, lebensgierige Edith als simple För stersfrau in seinem schlichten Hause, wo Pflicht und Arbei die Devise waren? er konnte sich's nicht vorstellen. Un unterlag doch immer von neuem, sobald er die vollende schöne, graziöse Mädchengestalt, das seine, pilnte Gesich: mit den prachtvollen Augen vor sich sah. Und sie allein war denn auch schuld daran, daße anders geworden zwischen ihm und Cleista, der Tochte des alten Dorfarztes, ein Mißton in ihre stille, warm Freundschaft gekommen war. Freundschaft? Vielleich wäre binnen kurzem noch etwas anderes, viel schönere daraus geworden, wenn deises blendende Weltkind nich störend eingegriffen, mit ihrer verwirrenden Schönhelt: ihrem rasfinierten Spiel ihm Herz und Sinne betört hätte Nun war er schon seit Wochen nicht mehr bei Doktors ge wesen, und je länger er sich ferngehalten von jenen trau lichen Planderstündchen, in der gemütlichen Wohnstube de eseuumsponnenen Hauses, je länger er Christas blonde Scheitel nicht mehr beim Lampenschein über die Arbeit gebeugt gesehen, ihren fleißigen Händen scheuer mied er, gleichwie in stillem Schuldbewußtsein, das uind nun war Weihnacht vor der Tür! Weihnacht, wo er sonst selbstverständlich sich dort zu Gast gebeten, von dem er ost in stillen Stunden auf seinen einsamen Waldgängen sich etwas Holdes erträumt hatte, wie er unterm strablenden Lichterbaum ihr heimlich hatte sagen wollen, wie lieb er sie schon lange habe, und ob sie die Seine werden wolle. Und Christa— sie hatte vielleicht einen ähnlichen schönen Traum geträumt, und hatte nun wohl gelernt, daß Träume Schäume sind, die selten sich er Denn konnte er mit dieser Unruhe und diesen Zweifeln im Herzen ihr von seiner Liebe sprechen? Wenn auch keine Lüge war, so hatte sie doch etwas Besseres, ein Er blickte daher mit einem finstern gequälten vor sich hin. Er hätte diese Edith hassen mögen, daß sie so sinnverwirrend schön war, so spielend in seinen Herzensfrieden eingegrissen hatte. Was wußte er überhaupt von ihr, wer war sie? Eine leichtfertige Kokette, ein raffinieres Weltkind, das sich mit Männerfang die Zeit vertrieb? der— so fragte er sich auch wieder— war sie doch tieferen pfindens fähig und log ihr dunkles Auge nicht? Er viel darum gegeben, wenn er Gelegenheit gehabt ihren Wert oder Unwert zu ergründen, dem Unnissen, den qualvollen Zweifeln ein Ende hätte machen Da zuckte er plötzlich zusammen. Das Blut stieg ihm jüh ins Gesicht. Aus einem der Seitenwege kam sie wieer daher, an die er eben noch so intensiv gedacht. Bezaubernd wie immer in ihrer wundervollen Jugendfrische, in ihrer raffiniert einfachen Eleganz. Den tannenschlanken Körper umschloß ein enges, dunkelblaues er aus einem ersten Abelier stammte, und auf dem feinen alen Kopf saß keck ein wertvolles Zobelmützchen, unter ervor sich die dunklen Haarwellen bauschten und das ovale, reizende Gesicht mit seinem zarten Kolorit höchst wirD des de alles, kah das in Zummer Omal, und wie in finsterer Abwehr zog er die Stirn zusammen, indes er sich sehr förmlich von ihr verbeugte. Sie sah ihn schelmisch an und lächelte bezaubernd:„An diesem wundervollen Morgen solch strenge Amtsmiene, Herr Oberförster— ich sündiges Geschöpf wandle doch nicht etwa hier auf verbote“ v e i n; e r w i d e r t e e r s t e i f u n d h ä t t e b e i n a h e h i n z u gesetzt:„Wohl aber ich!“ Weil er doch wußte, daß sie seit einiger Zeit fast jeden Morgen hier spazieren ging, sodaß er mehr als einmal den festen Vorsatz gesaßt hatte, um diese Zeit nicht wieder hier zu gehen und eine Begegnung zu vermeiden. „Nun, dann hat man Ihnen sicher Holz oder bäume gestohlen, daß Sie so grimmig dreinschauen?! „Auch das nicht, gnädiges Fräulein! So leicht lasse ich mich nicht bestehlen— und möcht's auch keinem raten! setzte er mit eigener, beinahe drohender Betonung hinzu. „Ach, wissen Sie,“ meinte sie plötzlich, indem sie an seiner Seite weiterging und ohne den Unterion zu beachten, „mich lönnte es eigentlich reizen, mich mal auf das Metier zu legen— nur, um Sie zu übertrumpfen und mich im Leist an Ihrem köstlich grimmigen Gesicht zu weiden! Er lachte jetzt schließlich doch belustigt und ging auf ihren launigen Ton mit ein:„Nun, anädiges Fräulein, wenn es Ihnen Spaß macht, versuchen Sie's doch mal! Uebrigens Scherz beiseite,“ setzte er nach einem Weilchen hinzu,„ich gebe Ihnon lieber in aller Form hiermit meine gnädige Erlaubnis, oder, was ich noch lieber täte— ich biete Ihnen ein auserlesen schönes Exemplar ergebenst als Geschenk an!“ Sie sah ihn an und lachte, daß alle ihre weißen Zähne blitzten:„Herr Oberförster, ich hätte kaum geglaubt, daß Sie so ritterlich und galant sein könnten! Ich danke Ihnen untertänigst für Ihre liebenswürdige Absicht, aber so din ch nun eben mal— mir etwas schenken lassen oder mit mnädiger Erlaubnis mir etwas nehmen dürsen, das ist je eides so schrecklich langweilig, so wenig aufregend! Wenn ## mir dagegen gelingen würde, Ihnen— sagen wir z. B. ine von diesen Prachtexemplaren hier am Wegrand— ohne ihre gütige Erlaubnis und Ihr Wissen auszuspannen. is würde mir die reizvollste Weihnachtsfreude sein!" Er lächelte wider Willen noch immer ob ihres übernütig lustigen Tones und wußte doch nicht recht, war's rnn. war's Spaß. Nun, fraglos doch das letztere. Aber us jeden Fall— er hatte so ein unbestimmtes Gefühl, daß ür mit ihren tollen Einfällen nicht recht zu trauen war— ürde er verschärfte Vorsichtsmaßregeln tressen, den Wald n diesen Tagen doppelt bewachen lassen.——— 2. Kapitel. Hans hat Wort gehalten, er ist ein anderer geworden. Zwar ist er noch immer Mitglied in allen vornehmen Klubs und nach m vor besucht er alle Gesellschaften, spielt aller orten den Arrangeur, und ist der Mittelpunkt, um den sich das ganze gesellschaftliche Leben der Stadt und der Umgebung sammelt— aber die vornehmen Allüren hat er sich abgewöhnt. mit dem Gelde geht er sparsam um, und sobald man sich zum Jeu setzt, erhebt er sich und verläßt die Gesellschaft. Dagegen widmet er sich jetzt ernsthaft seinen geschäftlichen Pflichten, ist jeden Morgen pünktlich an seinem Pult und erledigt, mit dem alten Busch zusammen, alle wichtigen Eingänge. Frau Konsul Felsing ist überglücklich, daß alles wieder in seiner glatten Bahn ist, und daß ihr Liebling nun ein so tüchtiger Mensch zu werden sich bestrebt. Von den unangenehmen Zwischenfällen, die sie ehedem so—., u.=—,.. krank und so nervös gemacht hatten, ist nichts in die Oeffent= er nicht. Sonderbar, das verstand sie nicht. Aber nie hatte lichkeit gedrungen, und niemand ahnt, was einst das solide sie gesehen, daß er sich für ein Mädchen besonders interessiert Haus zu erschüttern drohte. erst die Rechte finden. Aber so sucht und sucht er nun, und wie es scheint, hat er noch immer nicht die Rechte gesunden.“ „Nun, meine Gnädigste, dann lassen Sie ihn nur noch ein wenig suchen," tröstete der Alte sie mit seinem Lächeln,„in solche Sachen läßt er sich vielleicht nicht gern in die Karten sehen, und eines Tages kommt er dann mit der fröhlichen Nachricht, daß er endlich doch die Rechte gefunden hat." Lächelnd verahschiedete er sich. „Ach, wäre es nur erst soweit.“ seufzte sie. „Ja. das war jetzt ihre einzige Sorge, daß ihr Liebling eine Frau ins Haus brächte... einen Enkel wollte sie haben, einen Stammhalter. O. wie sie sich darauf freute, diesen rosigen, kleinen Kerl, auf dem dann des Hauses Hoffnung ruhte, in den Armen halten zu können. Plötzlich, ganz unvermittelt, mußte sie an ihren ältesten Sohn. an Bruno, denken. Weshalb eigentlich heiratete auch „Nun, lieber Herr Busch.“ fragte sie den alten Prokuristen eines alges gut gelaunt,„wie sind Sie denn jetzt mit meinem Hans zufrieden? Jetzt gibt er doch gewiß keinen Grund mehr zur Klage, nicht wahr?" Und mit zufriedenem Kopfnicken erwiderte der ilte Herr: „Gnädige Frau, er ist wie umgewandelt, wirklich wie umge wandelt. Ich wundere mich oft im stillen, was dies Wunder herbeigeführt haben mag.“ „Das will ich Ihnen verraten, lieber Freund; die Liebe zu mir hat dies zustande gebracht. Weil er sah, wie ich unter seinem Leichtsinn litt, darum hat er sich Besserung geschworen O, er hat ein goldiges Gemüt, der gute Junge.“ Und Tränen der Rührung traten ihr in die Augen. Nach einem Weilchen sagte dann der Alte:„Wissen Sie. gnädige Frau, wenn Sie nun wirklich solch großen Einfluß auf den jungen Herrn ausüben, dann müßten Sie ihn jetzt auch dazu bewegen, daß er uns ein junges Frauchen ins Haus führt.“ Mit leisem Seufzer nickte sie.„Ja. lieber Freund, das ist ja auch meine stille Sorge. Darum hab' ich ihn ja wohl schon hundertmal und öfter gebeten. Er verspricht es mir ja auch immer wieder, nur um Geduld bittet er noch; er müsse doch hätte. Doch ja, da fiel ihr ein, daß er vor Jahren einmal der schönen Else Bartels den Hof gemacht hatte: sie aber war ihm einfach davongelaufen, hatte den plumpen, unbeholfenen Bauern in ihm verlacht, und war dann Frau Doktor Brenner geworden. Richtig, das fiel ihr nun wieder ein. Und plötzlich empfand sie Mitleid mit Bruno... Der arme Mensch, dachte sie... er hat das Mädel damals wohl ernsthaft geliebt, so daß er nun keine andere mehr haben mag!— Wirklich, er tat ihr jetzt ernsthaft leid.— Wie still und einsam er da draußen lebte— arbeiten, immer nur arbeiten— keine Vergnügen, keine Erholung, keine Gesellschaft— ach, er war doch recht sehr zu bedauern!— Und wie gut er doch war, trotz seiner äußeren Rauheit... Wie bereitwillig er ihr damals gleich geholfen hatte, als sie bittend zu ihm gekommen war— das würde sie ihm nie vergessen! Niemals! Und nun nahm sie sich vor, daß sie ihm, obgleich er sie schon zu verschiedenen Malen abgewiesen hatte, von jetzt an jedesmal einladen wollte und ihn wieder dauernd in ihren Verkehr und in ihre Kreise hineinziehen wollte, damit auch er noch eine Frau fände, die ihm das Leben angenehmer machte. Ja, das nahm sie sich nun ganz fest vor— sie wollte nun wieder gut zu machen versuchen, was sie einst an ihm gefehlt hatte. *„„(Fortsetzung folgt.) Uebrigens, selbst wenn es ihr Ernst sein sollte, denn sähig war sie zu allem, es würde ihr nicht gelingen, es war gunz ausgeschlossen. Sie selber konnte doch den Plan nicht ansführen, und jemand Fremdes daau dingen...... Doch gleich verwarf er auch schon wieder den Gedanken. Ach, Unsinn, es war ja nur ein Scherz von ihr; und diese Ueberzeugung gewann er immer mehr, als an den folgenden Tagen und Nächten durchaus keine derartige Attacke auf seine Edeltonnen gemacht wurde; sie standen vollzählig wie immer dort am Wegrand. Nun sah er ein, wie lächerlich es gewesen war, nur einen Augenblick zu denken, daß es ihr Ernst sein könnte. Er hatte inzwischen auch nichts wieder von ihr gesehen noch gehört, die fraglos ja den tollen Einfall längst wieder vergessen hatte. Es war am Nachmittag des Christtages. Die frühe Winterdämmerung senkte leise schon ihre grauen Fittiche auf die weiße Schneedecke herab, und hier und da schien aus den Dorfhäusern schon rötliches Lampenlicht. Da klangen über den Wald verlorene Glockenklänge herüber und luden zur Weihnachtsandacht ein. Auch Oberförster Ramberg war es daheim zu eng geworden, er ging mit seinem Hunde auf der verschneiten Dorfstraße gedankenverloren dahin, nicht wie die anderen zur Kirche, sein Gotteshaus war der Wald. Eben wollte er dort hineinbiegen, da soh er wenige Schritte vor sich eine dunkle Mädchengestalt. Unter dem schwarzen Kopfschal schimmerte lichtblondes Haar hervor— sie. Christa, war’s! Sie trug ein großes Paket im Arm und ging damit auf eine der hier am Waldrand liegenden Katen der Holzarbeiter zu. Da siel ihm ein, beim alten Kuhnt lag ja die Frau so schlecht, und bei dem Vorarbeiter Kruse war das Sechste angekommen; da sorgte sie nun wie immer in Gemeinschaft mit dem Vater für die Kranken und Hilfsbedürfeigen des Dorfes. Gleich einer segenspendenden, lieblichen Fee ging sie dort in die Hütten der Armut. Warum nur zeigte ihm eine Fügung sie aufs neue in ihrer schönen, warmen Nächstenliebe— um ihn noch mehr zu quälen? Damit er einsehen sollte, was er verscherzt an ihr? Er lächelte bitter. Die Einsicht hatte er schon lange! Und ließ sich dennoch von einem fremden, eitlen Weltkino blenden. Er spähte, hinter einem Baum verborgen, scharf nach der Tür der Kate hinüber, in der sie eden verschwunden war. Da trat sie wieder heraus, und als sie, nur wenige Schritte von ihm, arglos an ihm vorüberging, sah er an ihrem Gesangbuch, daß sie auch zur Christondacht wollte. Er blickte ihr nach, etwas Müdes lag in ihrer Haltung, das früher ihr nicht eigen gewesen. Als trüge sie heim liches Leid. Ob er ihr nachging und sie einholte? Es zog ihn mit unwiderstehlicher Macht, und dennoch zögerte sein Fuß. Was wollte er denn von ihr— hatte er ihr etwar zu sagen? Das einzige, was Wert gehabt, er konnte er ihr trotz allem, was er an dieser Zuneigung für sie emp. sand, ja doch nicht mehr als Weihnachtsgabe bieten. Zwei schimmernde, lockende Augen verfolgten ihn im Wachen und Schlaf und ließon es nicht zu, daß er der anderen von seiner Liebe sprach. Da stand plötzlich der Hund wie angewurzelt und lauschte in den Wald. Er horchte gleichsalls— mein Gott, was war das?! Da in der Richtung nach den Wiesen, dem nahen Flußufer zu. Jetzt wieder— rief da nicht jemand um Hilfe?. Im Laufschritt eilte er auf jene Stelle zu, und hatte in der Erregung kaum beachtet, daß weiter von ihm auch die dunkle Mädchengestalt in fliegender Hast dorthin eilte. “ I n w e n i g e n A u g e n b l i c k e n h a t t e e r d a s F l u ß u s e r e r reicht. Da sah er im hellen Mondlicht, daß auf der noch durchaus nicht sicheren Eisdecke des kleinen Flusses ein Mensch verunglückt war, ein höchster Gefahr schwebte. Nur mit dem Oberkörper ragte er noch aus dem Wasser dervor, hielt sich, vielleicht nur noch Sekunden, an der gedorstenen Eisdecke fest. In schneller Geistesgegenwart wußte er auch gen, was hier zu tun war, aber noch ebe er so weit kam, e sie, Christa, schon denselben Gedanken gehabt, von dem am Waldrand ausgesetzten Stangenholz einen kräftig n Stamm ergrissen, ihm zugereicht, wortlos, wie selbstverständlich. Jetzt legte er sich der Länge nach aufs Eis, schob dem Berunglückten die Stange zu, der, von Todesangst gepackt, doch noch die Kraft hatte, sie zu ersassen, und tangsam, selbstlos sein Leben daransetzend, gelang es ihm, wäh rend er sich immer näher an den Berunglückten heranschob, ihn zu erfassen und glücklich aufs Trockene zu bringen. Verweil dis schlanke Mädchengestalt mit totenblassem Antlitz reglos am Ufer stand, in stummer Angst inbrünstig ihren Gott auflehend, daß er das Rettungswerk gelingen lassen, daß er doch den beschützen möge, den sie mehr liebte, als ihr Leben. Und unn, da ihr Gebet erhört und beide glücklich am User waren, erkannten sie ihn auch. Der halbwüchsige, kleine Kuhjunge vom Rodenbosteler Gutshof. der Sohi einer der Waldarbeiter war's. Aber wie kam der in dieser Sturde zu der gefahrvollen Eispromenade? Da— gerade, als der Oberförster und Christa er Laiverstarrten zum nahe gelegenen Elternhaus geleiten vollten, durchfuhr ihn blitzähnlich ein häßlicher Verdacht. Ticht neben der Stelle, wo der Knabe cingebrochen war, ag, was er erst jetzt bemerkte, ein kleines Beil, sowie ein Tannenbaum. „Sag', Junge, wie kamst Du dazu,“— er sprach alt r Eeregung fast heiserer Stimme und doch so freundlich no so nachsichtig—„was wolltest Du mit dem Raum— : Euch daheim hat doch der Vater längst mit meiner Eraubnis sich einen in der Forst geschlagen?! Sag'— ich verspreche Dir, es gibt ganz sicher keine Strafe— für wen i.et Du die Fichte holen?“ Da kau es schluchzend heraus:„Für das Fräulein L####enhagen.“ Drei Mark hatte sie ihm versprochen— solch eine Summe Geldes für diesen einen kleinen Auftrag!— Die Stimme des Oberförsters klang plötzlich so ruhig und unl ewegt wie immer:„Und da hat sie Dir gesagt, ausdrücklich gesagt, Du möchtest Dich über das Eis schleichen — besinne Dich, Junge. Du hast es sicher nicht recht vers## den!“ Der kleine Bursche nickt aber immer noch unter beftigem Schluchzen:„Ja, sie hat gesagt, es wäre ja man ein Spaß, ich dürfte mich aber doch nicht fassen lassen! Und wenn es nich: anders ginge, weil nahebei doch der Heer Sberförster wohnt, sollt' ich man einsach über die Aue chleichen, das Eis würde mich wohl tragen!“—-Und liegt der Junge wohlverwahrt daheim in einem mächtigen Federbett, und der alte Doktor Wendloss. der fürsorglich um ihn bemüht wor, glaubt prophezeien zu dürsen, daß bei der derben, kernigen Natur des Knaben das kalte Bad keine ernsten Folgen haben wird. Was dem keinen Burschen aber nach dem ausgestandenen Schrecken am alblerunsaßlichsten erscheint, das ist das blanke Goldstück, das der gefürchtete und vielgestrenge Herr Oberförster vor seinen Augen der Mutter ausgehändigt hat und das für ihn zu Weihnacht gelten soll. Durch den schweigenden Winterwald gehen wenig indter zwei Menschen Seite an Seite dahin. Was sie sich ein ander zu sagen haben, spricht sich am besten in der beren Einsamkeit der stillen Waldwege aus. Denn er, der Oberförster, hat Christa viel zu beichten von seinem analvollen Irren, von seiner jähen Heilung und seiner sieghasten innigen Liebe zu ihr. Und daß er plötzlich stehen bleibt und sie, die letse vor sich hinweint, in seine Arme zieht und ihr die Tränen vom Gesicht küßt, das sehen nur die schweigsamen Tannen in ihrem weißen Festgewand v. droben die blipzenden Sterne und die verrotes nichts Leutnant Reuter* von der Schutztruppe in Kamerun. Die Schutztruppe in Kamernn hat durch den Tod des Leurnants Reuter einen tatkräftigen und zu den besten Hoffnungen berechtigenden jungen Offizier vexloren. Leutnaut Reuter hatte zulettz durch die Dumestation(Ostkamerun) an der Mündung des Dume in den Kadei errichteten Posten befehligt. war von dem deutschfreundlichen Oberhäuptling zu Baturi gegen Auswanderungsbestrebungen nach französischer Seite zu Hilse gerufen und war durch die Treulosigkeit anderer Häuptlinge in ein Gefecht verwickelt, in welchem er schwer verwundet wurde. Auf dem Transport zur Küste erlag er seiner Verpundung. Er war Offizier seit dem 27. Januar 1902; am 6. Juli 1907 wurde er in die Schutztruppe für Kamerun versetzt und traf Ende 1907 im Schutzgebiet ein. Vermischte Nachrichten „Kleinbahnidyll“. Auf einer Eisenbahnstation bei Bonn spielte sich ein heiterer Zwischenfall ab, der den Fahrgästen nicht geringes Vergnügen bereitete. Als der Zug zur Abfahrt bereit stand, rief ein als Vertreter des Stationsvorstehers tätiger Beamter dem Zugführer das vorschriftsmäßige„Fertig“ zu. Dieser weigerte sich jedoch abzufahren. weil der Herr Stellvertreter entgegen der Vorschrift eine ge wöhnliche blaue Dienstmütze statt einer roten auf hatte. Alle Einwendungen, daß er ja nur in Stellvertretung da sei, hal sen dem Beamten nichts und so mußte er sich denn wohl oder übel auf die Suche nach der roten Mütze begeben. Zur Belustigung der Zuginfassen verschwand der Beamte im Stationsgebäude und kam nach verhältnismäßig kurzer Zeit mit der roten Mütze auf dem Kopfe wieder zum Vorschein. Jetzt chmetterte er nochmals sein„Fertig" über den Bahnköper und weg war das Zügele. Der Hervorruf aus offener Bühne. Aus Paris wird gechrieben: Die Verwaltung der Pariser Großen Oper hat nun den Entschluß gesaßt, das Verbeugen der Künstler bei offener Szeue zu verbieten, und hat die Sänger aufgefordert, künftighin auf den Applaus während des Spieles nicht mehr zu reagieren und sich mit den Beifallskundgebungen am Schlusse des Aktes zu begnügen. Die für das Pariser Theaterpublikum neue Bestimmung hat ihre Ursache in einem Vorfall, der sich kürzlich in der großen Oper bei einer Lohengrin=Aufführung ereignete. Als Lohengrin sein Lied an den Schwan gesungen hatte, brach das Publikum in Beifall aus,— worauf Lohengrin vom Hintergrund der Bühne bis an die Nampe ging, sich höflich nach vorn und nach den Seiten verbeugte, um dann mit großen Schritten wieder an seinen Platz zurückzukehren und träumerisch sinnend seinen lieben Schwan nachzublicken, der inzwischen hinter den Kulissen entschwunden war. Musikalische Kalauer. Von dem„alten Hellmesberger", dem verdienten Direktor des Wiener Konservatoriums, Quar= tettspieler und Schubertkenner, der sich auch samos auf witzige Apercus verstand, gibt das Wiener„N. Thl.“ eine Anzahl olcher Scherzworte zum Besten. aus denen wir die folgenden hervorheben: Einem Sänger, der einmal in d. Hofoper d. Heldenqualen des Raoul unter Verzichtleistung auf jegliches Honorar gesungen, aber nicht gefallen hatte, sagte unser Reistergeiger nach:„Einen geschenkten Raoul, schaut man nicht ins Maul.“ Dagegen wird der lustige Einfall:„Einer geschenkten Orgel, sieht man nicht in die Gorgel“ einem andern(Rich. Wagner) zugeschrieben. Vier junge Konservatoristen hatten einmal das a=moll=Quartett von Schubert gespielt, und zwar so schülermäßig, daß sie mit ihrem Vortrage Hellmesberger wahre Folterqualen bereiteten.„Sie haben also heute" begann er seinen Sermon, ein Lartett in a=moll gespielt, aber in einer Art und Weise, daß ich nur sagen kann:„Amol und nicht wieder". Hellmesberger war ein passionierter Muiler, aber als die Matthäus=Passion von Johann Sebastian Bach einmal unverkürzt aufgeführt wurde und man volle fünf Stunden dazu brauchte, da sagte er, indem er die Damen und Herren des Chors musterte, nicht zuvergessen die Musiker des Orchesters, die alle ganz erschöpft waren:„Ja, das mag dem heiligen Matthäus seine Passion sein, aber die meinige ist es nicht.“ Aus dem Römerlager in Oberaden an der Lippe. In diesem Jahre ist mit Unterstützung des Staates und der Stadt Dortmund von Pros. Kropatschek und Direktor Baum das Römerlager weiter durchsorscht worden. Hierbei hat sich ergeben, daß das Lager viel großer ist, als anfangs angenommen wurde; man schätzt es jetzt auf über 300 Morgen. Bei den diesjährigen Grabungen wurden reiche Münzfunde und Funde der Keramik gemacht; auch an Waffen war die Grabung sehr reich.. Die Münzen gehören der Zeit von 80 bis 12 vor Chr. an; es befinden sich darunter seltene Münzen und solche mit dem Bildnis des Augustus. Auch in der Keramik wurden wunderschöne Sachen mit Fabrikstempeln zutage gefördert. Die sämtlichen Fundstücke wurden dem städtischen Museum zu Dortmund einverleibt. Man glaubt auch das Prätorium in der Mitte des Lagers gefunden zu haben; auch hofft man, im nachsten Jahre die letzte Ecke, das Südtor, auflegen zu können. Zur weiteren Erforschung des großen Römerlagers, das wahrscheinlich aus der ersten Zeit des Drusus stammt, werden der Staat und die Stadt Dortmund wiederum weitere Mittel zur Verfügung stellen. Im nächsten Jahre wird ein größeres Werk über das Römerlager in Oberaden erscheinen, in dem Prof. Löschke-Bonn die Keramik, Prof. Dr. Dragendorff das Histo rische, Museumsdirektor Baum=Dortmund d. Bau des Römer lagers und Direktor Dr. Regling=Berlin die Münzen bearbeiten werden. Architektenscherze in der Mädchenschule. Einen Architekten scherz hat sich der Baumeister der neuen höheren Mädchenschule der Kolonie im Grunewald erlaubt. In den kleinen Nischen zu beiden Seiten des Aulasensters sind zwei weibliche Gestalten zu erkennen, von denen die eine den Typ des modernen Weibes veranschaulicht durch Automobilkappe mit Staubschleier, sußfrei geraffte Rock und Siouxtasche, und die andere das moderne„Vollweib“ in hygienischer Reformgewandung. die den Segen d. Korsettlosigkeit zeigt, zur Darstellung bringt. Dieses Mädchen trägt als Zeichen der Häuslichkeit in der linken Hand ein Kochbuch. Ein eigenartiges Symbol ist ein Relief., auf dem drei Gänschen getreulich einhermarschieren Dieses Relief soll von dem Direktor der Schule beanstandet worden sein. Das Anlausen der Schausenster. Unter den Unbilden und Nachteilen, die der Geschäftsmann durch das Winterwetter erleidet, ist das Anlaufen der Schausenster äußerst wesentlich. Das Schwitzen der Scheiben und das Feuchtwerden der ausgestellten Sachen bideutet einen dierekten Verlust. Es sind daher mannigjaltige Schutzmaßregeln vorgeschlagen und versucht worden. Zur Vermeidung des Beschlagens mit Kodenswasser hat man doran gedacht, die Oberflache des Glases mit einer dunnen, durchsichtigen Schicht zu überziehen, die infolge ihrer Oberflächenbeschaffenheit das Ansetzen der Feuchtigkeit aus. schließt. Am nächstliegenden würde eine dünne Fettschicht erscheinen. Dabei zugt sich jedoch der Nachteil, daß die Scheiden schmutzig und streifig werden. Als Ersatz wird vielfach ein Ge miie von Salzlösung oder Cluzerin mit Weingeist verwendet, das mittels eines an einer Stange befindlichen Rodiederpolters unter kräftigem Druck auf die innere Fläche der Schau senster worgens, mittags und abends aufgetragen wird. Eine andere häufig angewendete Metvove besteht darin, das schlagen dedurch zu verhüten, daß die Schaufenster hinreichend warm und trocken gehalten werden. Es wird dies dadurch er reicht, daß eine Reihe kleiner Gasflämmchen(zehn bis zwanzig auf jedes Meter Fensterbreite), die am unteren Ende der Scheibe angebracht sind, ständig einen heißen Luftstrom empor ##nden. Die Schattenseiten dieses Mittels sind zunächst die Kel ieligkeit der Einrichtung und des Betriebes der Anlage, die zeuergefährlichkett, die Möglichkeit eines Springens des Glases u. die Schädigung der Waren durch die Verdrennungs produkte, wobei überdies ein Anlaufen der letzteren nur zum geringen Teile verhütet wird. Als einzig durchgreifende Abhilfe empfiehl die„Zentral=Zeitung für Optik und Mechanik“ den möglichsten Abschluß des Schaufensters gegen... Innen luft des Verkaufsraumes und seine starke Durchlüftung mit kalter Außenluft. Um dies zu erzielen, ist es notwendig, ober halb und unterhalb der Schaufensterscheiben breite Klappen anzubringen, die sich über die ganze Ausdehnung des Schaufen sters erstrecken. Der Eintritt der kalten Luft erfolgt unten Sie bestreicht die ganze Fläche des Glases und tritt oben wieder aus. Die dadurch erzeugte Kühlung reicht selbst dann aus. wenn das Schaufenster nicht ganz dicht gegen die Innenluft abschließt. Schutz gegen Staub und Negen ist durch entsprechendes Eindecken der Klappen leicht zu erzielen. In der war men Jahreszeit werden die Klappen verschlossen Luthers Wappen— so schreibt in Nr. 8 des Daheim das Sammlerdaheim— ist zum Symbol der evangelischen Kirche geworden. In Kirchen und Schulen hat man es vilfach ange bracht. Enangelische Zeitschriften verwenden es auf ihrem Titel. Leider findet es sich aber oft falsch, in der Farbengebung falsch an berühmten, jährl. von Tausend. besuchten Lutherstät ten. Und doch hat Luther sein Wappen selbst deutlich genug beschrieben. Als er im Jahre 1530 auf Koburg weilte, ließ der sächsische Kurprinz Johann Friedrich für ihn in Nürnberg einen Siegelring mit seinem Wappen anfertigen. Vermut“'ch hat Lazarus Spengler, der bekannte Nürnberger Stadtschreider den Künstler herausgesucht und das Werk überwacht T##n er erkundigte sich bei Luiher ob das„Petschaft recht getroffen e7.“ In dem Antwortbrief teilt Luther dem Fieunde seine 6 danken“ mit die er auf seinem Petschaft als ein„Merkzeiche seiner Theologie“, dargestellt wissen wollte. Danach soll das Wappen enthalten ein sitwarzes Kreuz in einem Herzen de. „seine natürliche Farbe hat“(„der Glaube an den Gekreuzig ten mach uns selig“, das Kreuz tut wohl wehe, aber es tötc: nicht. sondern macht irbendig— darum das Herz in natürlicher Jarbe!). das Herz steht„mitten in einer weißen Rose“(der Glaube gibt Freude, Trost und Friede, aber nicht wie die Welt — darum weiß. die Farbe der Geister und Engel); die weiße Rcse in lin.welfarbnem Felde(jene Freude ist der Anfang der Himmellsfreude); in diesem Felde ein goldener Ring(diese Fieute ist ewig). Dieses Wappen hat Luther schon frühzeitig vermendet. Wir besitzen Briese von ihm bereits vor den 95 Thesen, die er mit einem Petschaft gesiegelt hat, das deutlich Rose Herz und Kreuz. von einem Ring umschlossen und darun ter die Buchstaben A L zeigt. Auch auf vielen Drucken Luther scher Schriften finden wir dieses Wappen. Es ist Luthers eigene Schöpfung. Aus dem Wappen seiner Familie nahm er nur die Rose herüber. jelgendes Zirtoler, bei dem wir nur den Namen des Theatere und des Stücss weugelassen haben. Hoher Adel, Hocheleganter Publikum Waren Sie schon im X=Thoater? Noch nicht? Dann waren Sie überhaupt noch nirgends und wissen nicht, 12 Dieses Lach=Institut, in welchem Lach=Krämpse an der Tagesordnung sind, nicht besuchen? Lächerlich? Wir enthalten uns jeder besonderen Anpreisung unserer Stücke, sondern sagen nur bescheiden, daß wir die besten und schönsten unter ihnen, die effektvollsten, spannendsten, unterhaltendsten, beliebtesten, niedagewesensten zur Darstellung bringen, die je ein deutsches Dichterhirn zutage förderte. Das X Theater zählt zu den größten und elegantesten Theatern der Residenz und ist reichlich mit Logen und gesperrten Sitzen versehen. Es beginnen seine Elite=, Sonderund Extrazug=Vorstellungen an Wochentagen ½9 Uhr, Sonntag natürlich um 8 Uhr.— Die Sonntag=Nachmittags=Vorstellungen um 3½ Uhr. Dichter wie Darsteller machen keinen Anspruch auf Unsterblichkeit— im Gegenteil— aber sie ersuchen dringend um ein gut gesinntes und feierlich gestimmtes Publikum, und jeder Einzelne wird speziell gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Aber sollen Sie und Ihre nächsten Nächsten nur allein lachen? Sollen nicht auch Angehörige und Angehörige dieser Angehörigen— na, aber selbstverständlich! Um sie vorerst mit unserem Unternehmen bekannt zu machen, senden wir Ihnen mehrere Billets zur gütigen jedoch durchgehenden Benutzung. Ja, noch mehr! Sollten Sie noch mehr brauchen, so genügt eine diesbezügliche Postkarte und alles ist in bester Ordnung Mit freundlicher Empfehlung grüßt wie immer Die Direktion des X=Theaters“. Das„hochelegante Publikum“ freut sich, gratis wirkliche Billets zu bekommen und eilt, in dieses„Lach=Institut". Dort muß es aber die betrübende Erfahrung machen, daß eine ganz kleingedruckte Zeile„Billetsteuer an der Abendkasse" übersehen ist. Um nun hineinzukommen, muß diese Steuer, die gewöhnlich 1—1,50 M beträgt, gezahlt werden, und das geschieht fast immer, denn die Fahrtkosten sind einmal gemacht, und was soll man schließlich mit dem„angebrochenen Abend“ anfangen? Der Herr Direktor aber macht durch seine großmütig zu vielen Tausenden versandten„Freibillets“ ein sehr gutes Geschäft. Unseres Wissens arbeiten auch noch zwei größere Bühnen in derselben Weise.“ Humoristische Ecke. Erklärt. Ehefrau(in einer Zeitschrift lesend):„Die Statistik ergibt, daß der bei weitem größte Prozentsatz der Gesängnisinsassen aus Junggesellen besteht.“— Onkel(Junggeselle):„In der Welt gleicht sich eben alles aus.“— Ehefrau: Wie meinst Du das?“— Onkel:„Nun, die Ehemänner sind doch so schon vorbestraft genug!“ Verplappert. Versicherungsagent:.„.. Die Hagelversicherung ist ebenso wichtig wie die Feuerversicherung!"— Bauer:„Dös is net wahr! Brenna kann's leicht amal— aber Hageln kann ma's net lassen!"(„Flieg. Bl.“) „Des Christen Herz auf Rosen geht, Wenn's mitten unterm Kreuze steht.“ Veilchen in der seinen Rüche. Eine englische Zeitschrif hat ihren Lesern eine neuartige Verwendung von Veilchen für die Küche und für verwöhnte Mägen anempfohlen. Man läß die vom Stengel entfernten Veilchen mit dem Relch längere Zeit in kochender Butter, gibt sie dann in einen cremeartige: Teig und zuckert das ganze recht stark. Die Veilchen schmecker dann wie die besten Früchte und die Speise weist außerden ein vortreffliches Aroma auf. Bis jetzt wurden die Veilche von Parfümeuren verwendet und von Poeten besungen. Wenn sich nun auch noch die Köchinnen ihrer annehmen werden, so wird das schöne Veilchen bald zum gewöhnlichen Gemüse en: würdigt werden, und Liebhaber werden sich nach einer minder schmackhaften Pflanze, die noch stiller und verborgener blüh: umsehen müssen. Lutherisch oder lutheerisch? Zur Aussprache des Wortes lutherisch schreibt Oberlehrer Dr. A. Westerich, Bückeburg, im Montagslatt der Wissensch. Wochenbeilage der„Magd. Ztg.“ Folgendes: Auch ich bin mit Dr. Söhns der Meinung, daß die richtige Aussprache des Wortes„lutherisch" diejenige ist die den Ton auf die erste Silbe legt, eine Aussprache, die heute noch in Südbayern und Schwaben im Volksmunde die allein gebräuchliche ist. Auch in Ostfriesland spricht man von der „luthersen Karke“. Wenn indessen Dr. Söhns der Ansicht ist. daß die falsche Betonung„lutherisch"„in Anlehnung an Worte wie katholisch, evangelisch, calvinisch“ entstanden sei. so möchte ich demgegenüber es eher für wahrscheinlich halten, daß ischen entstammt. Zu Nr. 1 des Jahrgangs 1901 der„Christl. Welt“ erschien als Beilage ein Kunstblatt mit der Nachbildung eines Kupferstichs und einer Denkmürde aus dem Jahre 1521, die beide offenbar, wie Schubring in dem Begleittext ausführt, nach einer gemeinsamen Vorlage. den Reformator als Augustinermönch darstellen. Als Unterschrift trägt der Stich ein Distichon: Lucae opus effigies haec est moritura Lutheri, Aethernam mentis exprimit ipse suge. Und die Unterschrift der Münze lautet ebenfalls in Form eines Distschons: Heresibus si dignus erit Lutherus in ullis, Et Christus dignus criminis huius erit. Handel und Märkte. Kurzer Getreide=Wosenbericht der Preisberichtstelle der Deutschen Landwirtschaftsrats vom 8. bis 14. Dezember 1906. Der Umstand, daß die Angaben des Washingtoner Ackerdaubureaus über Anbaufläche und Saatenstand weniger ungünstig lauteten, als allgemein erwartet worden war, ha: an den amerikanischen Märkten scharfe Preisrückgänge veranlaßt. Verstimmend wirkten außerdem günstige Wetterberichte aus Argentinien und entgegenkommende Angebote, die unter den obwaltenden Verhältnissen auf europäisch. Seite nur schwachem. Interesse begegneten. Trotz mäßigen Angedots vom Inlande und der Tatsache, daß die Preise hier immer noch wesentlich unter der Parität des Weltmarktes stehen, vermochten sich die deutschen Märkte den verflauenden Einflüssen des Auslandes keineswegs zu entziehen. Wohl wurde auch in der Berichtswoche Ware zum Export gesucht, doch handelte es sich dabei um die Erledigung früherer Abschlüsse. Von neuen Geschäften nach dem Auslande war in den letzten Tagen nicht viel zu hören, und das veranlaßte auch die Käufer im Anlande zu größerer Vorsicht. Stärker als für Ware waren die Rückgänge auf dem Lieserungsmarkte, auf welchem Weizen zum Schluß ca. 6—7 Mk., Roggen ca. 5—6 Mk. niedriger als vor acht Tagen notiert wurden. Auch in Haser war das Angebot vom Inlande keineswegs umsangreich, namentlich feine Qualitäten waren nur spärlich anzutreffen; nichtsdestoweniger mußten auch die Preise für diesen Artikel in Anbetracht des unbefriedigenden Konsumgeschäftes, das die Händler von neuen Erwerbungen zurückhält, stellenweise stärker nachgeben. Einen nur geringen Umsang erreichten auch diesmal die Umsätze in Braugerste, wobei es sich aber ausschließlich um die spärlich angebotenen seinen Qualitäten handelte, während mittlere und abjallende Sorten selbst bei entgegenkommenden Preisen kaum unterzubringen waren. Russische Futtergerste war aus den letzten Ankünften billiger erhältlich und auch auf Abladung nachgiediger offeriert. Wesentlich ermäßigt haben die Amerikaner ihre Forderungen für Mixed Mais ,ohne dadurch die Kauffust sonderlich anzuregen. trotzdem die Preise der übrigen Meissorten nicht in gleichem Maße zurückgegangen sind. Es stellten sich die Preise am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogramm je nach Qualität wie folgt: Weizen Roggen Hafer Endlich gibt an der gleichen Stelle Schubring noch ein drittes Distichon von einem Holzschnitt aus dem Jahre 1520: Aetherna ipse suge mentis simulachra Lutherus Exprimit, at vultus cera Lucae occiduos Demnach möchte ich also eher vermuten, daß die lateinische Gelehrtensprache der deutschen Schriftsprache, nicht der Volkssprache die Veranlassung zu der undeutschen Betonung gegeben hat. Daß Schiller die richtige Betonung gebraucht hat, wäre aus seiner schwäbischen Abstammung leicht zu erklären; interessant aber wäre die Frage, ob u. wann zuerst in der deutschen Dichtung sich überhaupt die falsche Aussprache nachweisen ließe Die Zinnpest. So bezeichnet man, wie wir in der Antiquitäten=Rundschau lesen, den merkwürdigen Zerfall von Gegenstönden aus reinem Zinn, z. B. der Orgelpseisen in der Schlozkirche zu Zeitz(1851) oder zinnerne Münzen, Kannen usw. in Muscen oder ganzer Zinnblöcke in einem Petersburger Lagerhaus. Die Gegenstände beginnen sich mit warzenartigen Aufblähungen zu bedecken, die bei Berührung in Pulverform zerfallen. Schließlich zurfällt der ganze Gegenstand zu einem dunkelgrauen Pulver. Durch die Untersuchungen von Ernst Kohen(verössentlicht in Nr 86 der Köthener Chemikerzeitung) ist jetzt die Ursache dieser eigentümlichen Erscheinung aufgedeckt worden Tac entstehende graue Pulver ist eine sogenannte enantiotrope Umnandlung des Zinns, in welche alle Gegen stände aus Zinn zersallen, sobald sie längere Zeit einer Tem peratur von unter+ 18 Grad C ausgesetzt sind. Durch Erhitzen verwandelt sich denn das graue Pulver wieder in Iinn von gewöhnlichem Aussehen und Eigenschaften zurück. Mit der Entdeckung der Ursache ist auch das Mittel zur Abhülfe gege ben: man hat nur dasür zu sorgen, daß Gegenstände aus Zinn. die nicht durch Gebrauch von Zeit zu Zeit wenigstens einer höheren Temperatur unterworfen werden, sondern als Schau stüle liegen bleiben, nicht längere Zeit einer Temperatur von unter+ 18 Grad C ausgesetzt werden. Im Winter läßt sich dies durch Heizung der Aufbewahrungsräume leicht erreichen. Für Museen und olle Besitzer wertvoller Gegenstände aus Zinn wird dieser Hinweis beachtenswert sein. Ein findiger Theater=Direktor. Wir lesen in der Nat.= Ztg.:„Zur Füllung des Theaters versendet die Direktion einer Berliner Bühne, die natürlich durchaus nicht ersten Ranges ist, Königsberg Tanzig Stettin Posen P##esleu Berlin Magdeburg Halle Leipzig Braunschweig Rostock Hamburg Kiel Hannover Düsseldorf Köln rankfurt a. M Mannheim Straßburg Stuttgart München 210(—) 212(— 3) 204 203 203 200 203 202 199 201 199 205 198 205 208 205 1) — 2) — 1) — 5) — 2) (— (— 1) 2) 3) 2) —) — 2) —) 206½1— 217½-2½ 215— 222½— 219(— 2) 150(— 2) 160(— 1) 160(—) 157(. 1) 160(— c 172—) 168(+ 1) 177(4- 2) 158(—) 12(— 165(— 175(+ 1) 166"— 1725—) 17250— 1726— 185"— 175(—) 108(— □ Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Dez. 206.75(—6.25) Mai 209.75(—6.75) Budapest April 216.30(—3.65) Paris Dez. 181.10(—3.40) Liverpool März 172.85(—3.60) Chleago Dez. 155.65(—7.15) Roggen: Berlin Dez, 168.25(—6.25) Mai 177.25(—6.00) Hafer: Berlin Dez. 162.50(—1.25) Mai 165.50(2.00) Mk. de jede Hausfrau gern auf sich nimmt, ist die Festkuchen-Bäckerei. Die Weihnachtsn geraten besonders sein, wenn statt der teuren n Natur-Butter die Marken „Rheinperle“ und„Solo in Carton“ genommen werden. Die Ersparnis ist dabei bedeutend! HKZNEZTETE Ueberall erhältlich. Holländische Margarine-Werke Jurgens& Prinzen, Goch(Rheinland). Ausverkauf wegen Umbau. 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Mit Bezugnahme auf die Bestimmungen mn 8 141 des Invaliden=Versicherungs=Gesetzes machen wir die Arbeitgeber und Versicherten darauf aufmerksam, daß ohne Rücksicht auf 1 MLeitheitei zi die Beibringung der erforderlichen Marken bei jeder Lohn= Seeceeherre?e zahlung in allen Fällen die auf die Dauer des Arbeits= oder Dienstverhältnisses entfallenden Marken spätesten in der letzten Woche des Kalenderjahres eingeklebt werden müssen, auch wenn das Dienstverhältnis über den 1. Januar hinausgeht. Es muß alles, was an Beitragsmarken auf das abgelaufene Kalenderjahr entfällt, in der letzten Woche des Kalenderjahres zeklebt sein. Detmold, den 7. Dezember 1908. Der Magistrat. Witlie. Total-Ausverkauf! Wegen Aufgabe des Geschäfts sollen sämtliche vorrätigen Winterwaren, als: Garnierte Damen- u. 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Indem wir herzlichst danken für alle bisherigen Gaben, erlauben wir uns, auch in diesem Jahre freundlich um Weih: nachtsgaben für unsere lieben Pfleglinge und unsere Anstalt überhaupt zu bitten. Denn u reichten zur wir unseren 155 Gesteschwachen und Fallsüchtigen ohne die nachhaltige Hilfe unserer lieben Landsleute keine außere Weihnachtsfreude bereiten und auch sonst nach verschiedenen Seiten hin nicht zu ihrem vollen Rechte verhelfen könnten. Wer deshalb im Lichtglanze des Weihnachtsfestes Gott fröhlich danken kann nicht bloß für seine größte Gabe, sondern auch für unzählige Vorzüge, die er mit den Seinigen vor unseren lieben ba auch * Austalt Eben=Ezer bei Lemgo g. Walfhorst. Soeben erschien in meinem Verlage und empfehle als passendes Weihnachtsgeschenk „Leuchtkäferchen“ Märchen u. Erzählungen v. Berta Oesterhaus Preis 2.25 Mk. Turch alle Buchhandlungen zu beziehen. Paul Metzentin, Hoflieferant Detmold. Baumschmuck. Glaskugeln, Eiszapfen, neuer, uat. 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