1 kippische Tages-Zeitung General-Hnzeiger für das Fürstentum Lippe. Bezugspreis: in Detmold u. durch die Vertretungen: 50 Pfg. für 1 Monat, durch die Pon: ¼ Jahr 1.50 Mi und 42 Pfg. Bestellgeld, für 2 Monate 1 Mk. u. 28 Pfg. Bestellg., für 1 Monat 50 Pfg. u. 14 Pfg. Bestellgeld. Anzeigen: aus Lippe 12 Pfg die Petirzeile, amtliche u. Familienanzeigen 15 Pfg., auswärtige 18 Pfg., Reklamezeile 60 Pf. Beilagen(umsonst): 1) Lipp, Familienireund 2) Lipp Ziegelei=Anzeiger, 8) Landwirtsch. Ratgeber, 4) Wandkalender, 5) Sommer=, 6) Winterfahrplan. Rotationbdruc u. Verlag: Willy Vertretungen in: Salzuflen, Lemge fest allen Ortschaften der Aemter Dermold, Schötmar, Derlinghauser, Lage, Horn, Era Hohenhausen, Barenholz, Sternberg: Barntrup, Blomberg, Saieder, nnorrg; zu. über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint jeden Wochenta g. Ne 286. Verantwortlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold. Zum Sonntage. Text: Römer 15, 5: Der Gott aber der Gedulo und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid untereinander nach Jesu Christo. Einerlei Sinn haben ist die rechte Adventvorbereitung Richts ist seltener und schwerer, nichts ist aber auch nötiger, als dies; denn wenn Friede auf Erden sein soll, so muß zuvor Friede in Herz und Haus einkehren, und das kann doch nur geschehen, wenn wir uns herzlich vertragen und einander nicht heimlich und offen Krieg machen. Es fehlt aber die Liebe, es fehlt die Geduld und Sanftmut, es fehlt an der Regel Christi, die unsere Größe in unser Dienen setzt. Der Advent hält uns Jesu Friedensbild, aber auch Jesu Kreuzesbild vor die Seele. Das weist uns den Weg zum Frieden nicht nur mit Gott, ondern auch untereinander. Sah etwa der Herr mit selbstgeältigem Blick auf sich selbst? Suchte er das, was glänzt und cheint und ihn verherrlichte? Die Schmach derer, die Gott chmähen, fiel auf ihn, und er wehrte sie nicht von sich ab, son dern ließ sich auch die Schande wohlgefallen bis zum Kreuz hinab. So handelt er auch an der Gemeinde als der, der die Scwachen zu sich zieht und dienend sich ihrer verschiedenen Lage anpaßt. Als König kam Jesus, dach nicht als ein König zum Herischen, sondern zum Dienen. auch nicht als ein König. um Partei zu machen zu ergreifen. sendern er wollte allen dienen, die Menschenantlit tragen und ein Menschenherz voll Sec###... Verlangen nach Besserem in ihrer Brust haben. Er wurde der Diener Istaels und der Diener der Heiden. Einen größeren Gegensatz hat die Welt nie gekannt als diesen: Juden und Heiden. Kein Mensch her ihn zu überbrücken vermocht, aber die Liebe. die vom Himmel herabstieg, hat es getan. Sie lehrt uns alle Gegen sötz ausgleichen und unser eigenes Herz überwinden. Gott. der seinen Sohn gesandt hat, daß er Frieden stifte auf Erden. ist selber der Gott der Geduld und des Trostes. Wo blieben wit, wenn er je aufhörte, mit uns Geduld zu haben! Die gött liche Geduld wurde nie auf eine Probe gestellt, die ihr zu hart war; so dürfen wir uns ja wohl aus sie verlassen, aber wir müssen auch von Gott lernen Geduld üben, daß sich ja keiner von uns gegen seinen Nächsten erbittern lasse. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk, das wir, einer dem anderen, be scheren und mit dem wir das ganze Jahr fortfahren sollen. Denn auch Gottes Geduld mit uns hat kein Ende. Weihnar tsarbeiten. Von A Etmer. (Nachdruck verboten.) Weihnachten das Freudenfest, naht sich wieder. Geheimnis volle Vorbereitungen werden schon getroffen. Arbeiten, die längere Zeit in Anspruch nehmen, werden angesangen. Schon beginnt von neuem, das Ausfragen und vorsichtige Aushorchen der zu Beschenkenden, das Nachdenken und die sorgfältige Auswahl der als gut und passend befundenen Geschenke! Ueberall ist eine freudige Geschäftigkeit. Die fleißigen Hände rühren sich, die Augen strahlen vor innerer Wonne, der Mund singt schon eins der lieben, herzerquickenden Weihnachtslieder nach dem andern. Die Liebe sinnt, wie und wo sie sich betätigen kann. Ihren süßen Lohn findet sie dann am Geben selbst; ihre größte Freude ist der freudige Aufblick des Empfängers. Sie bedarf nicht der lauten Dankesäußerungen; ihre Güte und Freigebigkeit brauchen nicht gepriesen und ausposaunt zu werden. Die wirkliche, echte Weihnachtsfreude treibt die Liebe zum tätigen, schenkenden Ausdruck der Gefühle. Der Reichtum an Freude ist zu groß: der überfließende Vorn muß zum Segen für andere werden. Sie ist glückselig, wenn sie andere beglücken kann. Dabei hat sie sich auch den kleinsten, nur ganz flüchtig geäußerten Wunsch des Nächsten gemerkt, geht doch ihr eigentliches Streben dahin, ihm das Leben zu erleichtern, es ihm angenehm, ja, erfreulich zu machen. Sie verfährt taktvoll bei der Auswahl der Geschenke; ihr seines Empfinden läßt sie deren richtiges Maß erkennen, und ihr Zartgefühl versetzt sie an die Stelle des Empfängers. Wo dann aber„die Liebe gibt. und Liebe nimmt, harmonisch Herz zum Herzen stimmt.“ Ein hübscher Papierkorb dient auch mit zum Schmuck des Zimmers. Der nachfolgend beschriebene eignet sich besonders zum Geschenk für eine Dame. Er besteht aus weißlackierten Stäben, die das rosaseidene Jutter durchschimmern lassen. Am Rande wie am Fuße zeigt sich eine dichtgesaltete Rüsche aus ausgefranztem, rosa Seidenstoff. Die ganze Außenseite des Papierkorbes ist in schräg lausenden, etwa 7 Zentimeter weiten Detmold, Sonnabend, den s. Dezember 1903. Das Sündenregister der Für den Inseratenteil: August Boberg, Detmold. 13. Jahrgang. ven in 110 Fällen auf Freisprechung und in 870 Fällen auf Verurteil Die Anzahl der verurteilten Personen betrug: 337 Weinbauern g####es-.— und 412 Händler einschl. Kufer ** Am grössten war die Zahl der Verurteilten bei dem — Die Anzahl der verurteil- Dg, Hefangmsstrafen betrugen Geldstasfen Landgericht:. Landau Mainz Kolmar IE. Frankenthal Monate 119 94 85 418 5½ 88 betrud. zs. an □ 40 669 ME sSM 24850 MR Die Verurteilungen erfolgten wegen Verwendung von S S 8 S 5. S8 indem man 140 Gramm Zucker mit einem Eiweiß gut abtreibt und darauf streicht. Auf dem gesetteten Backblech in mäßig warmer Nöhre backen. H. H. Schokoladegebäck. 4 Eiweiß schlägt man zu festem Schnee und rührt 560 Gr. Zucker und 190 Gr. geriebene Schokolade hinein. Ein Backblech wird mit weißem Papier belegt, dieses mit Butter bestrichen, mittels zweier Löfsel Häuschen von der Masse darauf gesetzt und bei mäßiger Hitze gebacken. H. H Mandelgebäck. 3 Klar Schnee mit 280 Gramm Zucker, 280 Gramm getrockneten, geriebenen süßen Mandeln und 150 Gr. geriebenen bitteren Mandeln und Zitronenschale verrührt. Pavier wird auf ein Backdleck gelegt und geschmiert, Häuschen darauf gesetzt, mit Mandeln verziert und bei mäßiger Hitze gebacken Dach besser gelingt das Gebäck, wenn man es auf Oblaten macht, die man mit ungefettetem Papier unterlegt. H. 5 ∆ In dem Entwurf eines Weingesetzes sind statistische An gaben enthalten, die einen Einblick gestatten in das gemeinchädliche Wirken der Weinfälscher. Es handelt sich um den Zeitraum von 1902 bis zum 1. September 1908. Von diesen Urteilen lauten 110 auf Freispruch und 570 auf Verurteilung Verurteilt wurden 749 Personen, und zwar 337 Weinbauer und 412 Händler, einschließlich der bei ihnen beschäftigten Küser. Erkannt wurde auf 172 Monate und 849 Tage Gefängnis sowie 217,302 Mark Geldbuße. Die meisten Wein. sälscher wurden in der Pflaz festgestellt, weil dort die schärfste Vermischte Nachrichten. Im ainesischen Kaiservalast. Aus Peking treffen jetzt genauere Nachrichten ein, die ein lebendiges Bild geben von der Aufregung und den tragischen Szenen, die sich vor und bei dem Tode des Kaisers und der Kaiserin=Witwe im Palaste abgespielt haben. Noch eine Stunde vor seinem Tode hielt der Kaiser eine Rede; er starb dann in höchster Erregung u. unter surchtbaren Schmerzen. Der Leibarzt war kurz vorher entlassen worden, da man das Ende nicht so nahe glaubte. Als der Umschwung zum Schlimmen eintrat, rief man ihn zurück; er gab sofort Besehl, dem Kaiser die traditionellen gelben Staatsgewänder anzulegen, in denen jeder chinesische Kaiser sterben muß und die Wege vom Winterpalast zur verbotenen Stadt wurden mit Lehm bestreut. Zu gleicher Zeit traf man Vorbereitungen, die kranke Kaiserin=Witwe in das Sterbezimmer des Kaisers zu bringen. Die Kaiserin=Witwe war am 1. Nov erkrankt; dem Ausbruch des Leidens war ein bei ihr ungewohnter Ausbruch des Zornes vorausgegangen. Am 12. November unterrichtete man sie von dem hoffnungslosen Zustand des Kaisers; die Nachricht erregte sie aufs höchste, und ein Schlaganfall war die unmittelbare Folge. Am nächsten Tage kehrte Prinz Tsching von dem Mausoleum der verstorbenen Kaiserin=Witwe, der ehemaligen Mitkaiserin Tsu=Hsis, gewisense, Wein= den se glaubte, daß er se falschern vorgenommen werden, um ihre Mitmenschen zu ver= und großer Schwache berief sie am Abend des 14. den großen giften und sich seibst zu bereichern. Der Liebhaber und Kenner Rat zu sich und leitete mit übermenschlicher Anstrengung, in echten deutschen Spruch anschließen: „Wer Biere sälscht und Weine tauft, Ist wert, daß er sie selber sauft! Unterschrift vorzulegen, die die Nachfolgeschaft Pu-Dis unter der Regentschaft des Prinzen Tschun regelte. Mit größter Anstrengung gelang es ihr, die Edikte zu unterschreiben, aber unmittelbar danach sank sie erschöpft zurück.„Ich kann es nicht länger ertragen“, seufzte sie und verlor das Bewußtsein. SoVierecken mit einer ganz schmalen, auf weißem Atlasbande gestickten Rosenborte verziert. Die Stickerei ist mit gespaltener nur einsadiger Filosellseide in den natürlichen Farben, auch mit zartgrünen Ranken, hergestellt, und diese Rosenguirlande nimmt sich wirklich ganz allerliebst aus. Zwei andere Papier körbe erforderten gar keine beso ndere Ausschmückung. als wie sie sich aus der Anordnung des Stofses zur Garnitur ergab Der Stoff war weiß und durchsichtig und einmal mit Rosenbuketts, beim zweiten Papierkorbe mit Kornblumen durchsetzt. Er war sehr duftig von außen derart arrangiert, daß die Blumensträußchen voll zur Geltung kamen. Eine volle Tollsaltonrüsche desselben Stoffes teilte die Fläche in zwei unegale Hälften. Diese Rüsche bildete auch oben und unten den Abschluß der Papierkörbe, die von innen mit einem passenden, leichten Seidensutter, welches straff in Falten gezogen war, versehen waren. So leicht läßt sich ein zierlicher Salontisch selbst herstellen Die drei„überkreuz"=stehenden Beine sind Bambusrohr, welches übergoldet wurde. Sie werden mit starkem Bindfaden zusammengefügt und am Kreuzpunkt mit brei ter Atlasschleise, die in der Farbe zur übrigen Zimmerausstattung paßt. ge schmückt. Auch die Tischplatte besteht aus Bambusrohr. Sie läßt sich abnehmen und die Beine lassen sich etwas zusammen biegen, sodaß das Zierstück beim Reinemachen leicht entfernt werden kann. Die Platte erhält eine ganz genau darauf größerer Glanz verliehen wird. Als Abschluß dient eine wohl der Kaiser wie die Kaiserin=Witwe erwarteten den Tod Zackengarnitur aus waschbaren Häkelformen, bei welcher der in ihren Staatskleidern, umgeben von Hunderten von HofbePhantasie und Geschicklichkeit ein weiter Spielraum gelassenlamten und Würdenträgern. Es war eine barbarische Schauwird. Hierzu ist creme und rotes Garn, nebst Waschgold zu stellung des Todeskampfes, aber sie ist durch die chinesische verwenden. Sitte vorgeschrieben. Als die Regentschaftsedikte erschienen, — war der Kaiser bereits tot und die Kaiserin=Witwe im ereien. Sterben. Dem Bekanntwerden des Todes folgte eine wilde Panik im Palaste. Die Witwe Tung=Tschis versuchte SelbstChristbaumgebäck. 280 Gramm Zucker, 6 Eidotter werden mord zu begehen, als sie hörte, daß sie nicht Kaiserin=Regentin sein abgetrieben, dazu kommen 560 Gramm Mehl, zwei würde. Im Palast spielten sich die wüstesten Szenen ab. In Zehntel Liter Milch, 8 Gramm Ammoniak, sein gehackte 31·wilder Hast flohen die Eunuchen und schleppten alle Werttronenschale und Vauille. Man macht den Teig Tags vorher, gegenstände mit, die sie erlangen konnten. Vi=Hi=Na=La war läßt ihn über Nacht an einem kühlen Ort, walkt ihn aus, sticht die einzige, die Geistesgegenwart bewahrte. Sie ließ sofort kleine Formen aus, bestreicht sie mit Dotter und läßt sie bei die Palasttore bewachen und gab die nötigen Besehle zur guter Hitze backen. Man kann diese Backerei mit gefärbtem Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung. Die groben Zucker bestreuen; der grüne wird mit Spinat, der roteentflohenen Bedienten und Eunuchen kehrten bald zurück, und mit Weinschalen gefärbt, der gelbe mit einem Absud der heute herrscht im Palaste wieder Ruhe und Ordnung. Der Verberitzen Wurzel. v. D. ljunge Kaiser Pu=Pi ist bereits in den Palast überführt, und Christbaumgebäck. 4 Eidotter, der feste Schnee von 41man erzählt, daß er bitterlich weinend nach seiner alten Eiweiß wird gerührt, 560 Gramm Zucker dazu gegeben und Wärterin verlangt..... eine Stunde abgetrieben. Nun fügt man noch 8 Gramm!, Scheiterhausentod einer Seisteskranken. In KalkbergeZimmt, 8 Gramm gestoßene Gewürznelken, sein gehackte 31 Küdersdorf spielte sich eine grauenvolle Szene ab, woüber die tronenschale und 420 Gramm Mehl hinzu, rührt dies gut durch. Berliner Blätter berichten: Die 48 Jahre alte Gattin des drückt den Teig auf verschiedene Holzformen und bäckt sie leicht wohlhabenden Schneidemühlenbesitzers Lange trug aus allen Haselnußgebäck. 140 Gramm gemahlene Haselnüsse, 1401 Zimmern Kleidungsstücke, namentlich die Ausstattungsstücke passende Decke aus gelblichem, schwedischem Leinen, welche eine Gramm Zucker. Gewürz nach Geschmack, 2 Eiweiß und 20zweier kurz vor der Hochzeit stehender Töchter im Schlafzimmer *— nimmt IGramm Mehl verarbeitet man auf dem Brett zu einemherbei, zerschnitt dann die Betten, türmte alles zu einem glatten Teig, walzt ihn messerrückendick aus, sticht ihn mit Scheiterhausen auf und goß zum Schluß fünf Liter Petroleum Blechformen aus, legt die Stücke auf Oblaten und glasiert sie über das ganze. Dann bestieg die Unglückliche den ScheiterMenge kleiner Streublümchenbuketts aufweist. Hierzu nimmt man waschechte Seide in verschiedenen, natürlichen Farben und verwendet auch etwas Waschgold mit, wodurch der Arbeit Albumblätter. Wohl dem, der ohne Schuld und Fehle Bewahrt die kindlich reine Seele. Schiller. Regina. 80 Roman von J. Jobst. (Nachdruck verboten.) Wie in einem beängstigend schönen Traum befangen, blickte sie den geliebten, von Glück strahlenden Mann mit ihren großen, ttaurigen Augen an, und die Linien um den süßen, bebenden Mund erzählten nur zu deutlich von dem bitteren Leid der letzten Wochen, dann legte Regina ihren Kopf an Woli Dietrichs starke, treue Brust und weinte bitterlich. Sie fühlte es, sie hatte ihre Heimat wiedergefunden und mit ihr die Liebe. 15. Kapitel. Was Justizrat Wagner vorgeschlagen hatte, wurde auf Be fehl des Hausaiztes Dr. Gläser ausgeführt. Reginas Nerven waren durch Leid und Seelennot so geschwächt, daß sie bei dein Wiedersehen mit ihren Kindern in schwere Ohnmacht fiel. Sie fühlte selbst am besten, daß sie nur in völliger Einsamkeit gesunden könne, so suchte sie denn den Waldesfrieden vom Bruch hof auf Wolf Dietrich zur Seite, erlebte Regina zum zweiten Mole eine traumhaft schöne Idylle, doch hatte diese in ftiedlich verklärten Glückseligkeit mit der ersten wenig gemein, denn bis die Schwache zu neuem Leben erstarkte, vergingen viele Wochen. ram819.7#g! 8. Oft war Regina ganze Tage allein, denn Ellern rief die Pflicht nach Groß=Ellern, viel öster, als der jungen Frau lieb war. Sie ahnte es nicht, daß Wolf Dietrich damit nur das Ge bot des Arztes erfüllte. Und als sie eines Tages durch den schimmernden Tau der Waldriesen schritt und sich wieder so recht von Herzen der Pracht des köstlichen Junimorgens freuen konnte, trat Karl Meinhardt ihr unvermutet in den Weg. Er glaubte, die Herrin schliese noch, sonst wäre er hier nicht an zutressen gewesen. „Karl Meinhardt!“. Reginas bleiches Gesicht überflog die dunkle Röte einer heftigen Erregung „Entschuldigen Sie, Frau Baronin, daß ich Sie störe, ich wußte nicht, daß Sie so früh aufstehen.“ „Von Störung ist keine Rede, und für Sie steht dieser Weg doch jederzeit offen.“ „Es ist nur, der Herr Baron befahlen“——— „Ach so, ich glaube zu verstehen. Nein, Meinhardt, das wäre entsetzlich seige von mir, wenn ich die Erinnerung nicht ertragen könnte, die bei Ihrem Anblick natürlich wieder le bendig wird.“ Ein schmerzliches Lächeln flog um Reginas Mund. und mit raschem Entschluß streckte sie dem verlegenen Mann die Hand entgegen, zögernd erfaßte er sie und sagte einfach:„Gott hat meine Bitte erhört und Sie vor dem Schlimmsten bewahrt Frau Baronin“ „Und Sie neiden es mir nicht. Meinhardt?“ „Da sei Gott vor. Es darf nicht jede Schuld mit dem selben Maß gemessen werden. Sie taten es ja um seinetwillen“ antwortete der tief ergriffene Mann und deutete nach dem Reiter, der auf den Waldwegen daher kam „Wolf Dietrich!“ jubelte Regina und eilte ihm entgegen Karl Meinhardt aber warf noch einen schmerzlichen Blick auf die beiden Glücklichen und ging dem Hause zu „legina, wie du blühst! Wirst du nun bald wieder die alte sein?“ „Nein, die alte Regina ist in der schweren Leidenszeit ge storben, ihr Stolz ist begraben. Aber ich kann mich wieder des Lebens freuen, Wolf Dietrich, und versuchen, dort zu beglücken wo ich kann und darf. Morgen kehre ich heim. dem Schloß sehlt die Herrin schon so lange und den armen Kindern die Mutter.“ „Nicht so eilig mein geliebtes Weid. Ich habe mich frei gemacht, und über Sonntag bleiben wir noch hier.“ „Wie du willst. Wolf Dietrich. Dann könnten wir vielleicht noch einmal nach der Wasserburg fahren ich habe solche Sehnsucht, sie wiederzusehen.“ „Das ist eine gute Idee, Regina“ „Dort blühen jetzt alle Blumen, und die Vögel kug:.“ „ Ich werde sofort mit dem Fischmeister sprechen.“ „Auch Karl Meinhardt soll mitkommen“ „Der Karl!“ *„Ja, ich bitte darum „Das klingt beinahe so als wie: Ich befehle“, neckte Wolf Dietrich voller Uebermut. Er war so überglücklich, daß Regina wieder einen Wunsch aussprach So fuhren sie denn in der Sonntagsfrühe bei dem herrlich sten Wetter durch die hohen Schilfwände hindurch wo die blaugrünen Libellen flogen und der Nohrsperling sang. wo die wilden Enten mit ihrem kleinen Volk vor dem rasch dahin schießenden Boot eiligst in ihr grünes Versteck entslogen und die gelben Wasserlilien standen wie lauter verzauberte Königskinder im goldenen Hochzeitsstaat. Wie ein holdes Märchen war es, das Regina träumend genoß. Die Männer im Boot waren ebenso schweigsam. es dachte wohl ein jeder an die Fahrt von einst. Und Karl Meinhardt — der hatte seine schweren Gedanken für sich allein, doch wenn er verstohlen auf seine Herrschaft sah. dann regte sich etwas in seiner Brust, das nie wieder aufwachen sollte— es war die Sehnsucht nach dem Glück. nach dem Weibe. Nun schwammen sie auf dem weiten Becken des Sees, die Wasser ruhten. der ganze Himmel spiegelte sich darin. Es schwammen die weißen Wolken in der blauen Tiefe ebenso langsam dohin wie dort in der reinen Höhe. Regina dachte an das Wort: Gottesfrieden! Es paßte so wundersam zu der Natur, die sie umgab. Aber paßte es auch auf die Menschen, die um sie waren? Da saß Karl Meinbardt— hatte er den Frieden, der ihr Herz heute ganz erfüllte? Ihr Blick flog voraus zu dem Landungssteg. Es war. als ob die junge Frau nach etwas ausschaute, und als das Boot landete, flüsterte sie ihrem Mann zu, er möge schon voraus gehen und einen bequemen Platz aussuchen. „Was willst du denn noch?“ „Das ist mein Geheimnis. Wolf Dietrich.“ „Ich habe doch Anton mit dem Wagen vorausgeschickt,“ meinte er.„der hält schon das Frühstück bereit.“ „Nicht neugierig sein“, bat Regina. Da schritt Wolf Diet rich murrend davon. er hörte es nicht mehr, daß die junge Frau Karl Reinhardt bat, ihr den Korb zu tragen, den sie ihm reichte. Es war nur ein Vorwand, da sie mit ihm unter vier Augen zu sprechen wünschte. Nun schritten sie nebenein ander durch das tauige Gras. in dem unzählige Blumen standen, und sie pflückten die schönsten, den Korb damit füllend „Warum blicken Sie so traurig drein. Meinhardt?“ „Ich kann wohl nicht mehr anders. Frau Baronin.“ „Sehen Sie denn nicht, wie schön heute die Welt ist?“ „Ich kann mich an nichts mehr freuen.“ „So müssen Sie es wieder lernen, Meinhardt.“ „Das kann ich nicht.“ „Aber ich kenne jemand, der es Sie lehren könnte.“ „Ich weiß von keinem", erwiderte Meinhardt ablehnend. „Das heißt. Sie wollen von keiner wissen. Die Grete grämt sich noch zu Tode um Sie.“ „Ich darf nicht heiraten, ein Zuchthäusler muß ledig bleiben.“ „Und ich. Meinhardt? Dann hätte ich um meiner großen Schuld willen mich auch von Rechts wegen von Mann und Kindern trennen müssen.“ „Sie waren nicht im Zuchthaus. Frau Baronin. Das ist schlimmer als der Tod. Danken Sie Gott, daß er Ihnen das Elend erspart hat. Es ist die Hölle, und der darinnen war, verlernt für immer das Lachen und die Freude am Leben“ „Ich habe dasselbe auch geglaubt. Meinhardt. Wissen Sie wer mir half dieses trostlose Gespenst der Vergangenheit zu überwinden?" „Der Herr Baron.“ „Richtig, und auch meine armen Kinder. Sollte ich die. denen ich zum Leben ebenso nötig hin wie das tägliche Brot, wie das Licht der Sonne, sollte ich diese Lieben alle in mein Unglück ziehen? Nein, dann hätte ich meiner ersten Schuld eine zweite hinzugefügt.“ „Ich kann es nicht, und bei mir liegt die Sache ganz anders" „Wissen Sie. warum Sie es nicht können, Meinhardt? Sie trotzen mit Ihrem Schicksal, anstatt ehrlich zu bereuen. Wir beide haben dieselbe schwere Schuld auf uns geladen und müssen dafür büßen. Mit der Strafe, die wir erlitten haben, ich sowohl wie Sie— denn die Untersuchungshaft mit der Furcht. vor noch Schlimmerem hatte mich dem Wahnsinn nahe gebracht— ist die böse Tat nicht gesühnt, dazu gehört ein ganzes Leben. Wir müssen gutmachen an denen, die uns lieben, und die treu zu uns gehalten haben, trotz der Schmach und der Schande, die wir auch über sie brachten. Sie sagten mir doch selbst einmal, daß Sie um der Ihrigen willen keinen Selbstmord verüht haben. Sie glauben, damit schon Großes getan zu haben. Meinhardt. Doch ich kann Ihnen nicht helfen, Sie müssen noch mehr tun, um der Liebe willen" „Die Liebe ist in mir lot.“ (Fortsetzung olgt.) * hausen und zündete ihn an. Im Nu züngelten die Flammen empor und ergriffen gierig die Kleider der Frau. Dichter Qualm drang aus den Zimmern durch das ganze Haus und alarmierte die Bewohner, die in das Schlafzimmer stürzten und dort die Frau auf dem brennenden Scheiterhaufen sanden. Es gelang, die Unglückliche aus den Flammen herauszuholen. Frau L., deren Körper über und über mit Brandwunden bedeckt war, lebte unter unsäglichen Schmerzen bis andern Tags, wo der Tod sie von ihren Leiden erlöste. Die Unglückliche muß die grause Tat in einem Anfalle von Geistesstörung verübt haben; sie ist Mutter von fünf Kindern. Zur Landtagswahl. (Städte Detmold, Lage, Horn). Zur bevorstehenden Landtagswahl schlagen wir den Wählern der 3. Klasse der Städte Detmold, Lage und Horn die Wahl des Herr Baumeister Hanke in Lage vor. Nach längeren Verhandlungen mit Wählern aus Detmold, Lage und Horn sind wir zu der Ansicht gelangt, daß Herr Hanke ein geeigneter Kandidat für unsern Wahlkreis ist. Wenn daran noch irgend Zweifel bestanden, so sind sie durch die Angriffe, welche die Landeszeitung gegen Herrn Hanke richtete, beseitigt worden. Gerade diese Angriffe haben uns in unsrer Ansicht, in Herrn Hanke einen würdigen Vertreter zu haben, noch bestärkt. Schon vor 4 Jahren hatte die freisinnige Volks= und Fortschrittspartei Herrn Baumeister Hanke als ihren Kandidaten im 3. Wahlbezirk aufgestellt, und trotzdem diese Kandidatur erst in später Stunde erfolgt war, vereinigte sich eine große Anzahl Stimmen auf Herrn Hanke, und in einer Wählerversammlung erklärten damals die Anhänger der liberalen Volkspartei, wenn sie früher gewußt hätten, daß Herr Hanke aufgestellt wurde, dann hätten sie ihn gewählt. Auch diese Tatsachen sprechen gewiß für unsern Kandidaten. Bisher wurden als Kandidaten für den 1. Wahlkreis in der Regel Detmolder Herren aufgestellt. Wir sind der Ansicht, daß auch die beiden anderen Städte, Lage und Horn, Anspruch auf einen Kandidaten haben und haben für diesmal einen Herrn aus Lage in Vorschlag gebracht, in der sicheren Erwartung, daß die Wählerschaft von Detmold und Horn unsern Vorschlag billigt. Herr Baumeister Hanke wird im Landtag auf der mittleren Linie stehen, sich keiner Partei anschließen, sondern nach eigenem besten Wissen für seine Wähler, die Handwerker, Arbeiter, Beamten und Kleingewerbetreibenden, arbeiten. In Bezug auf das Wahlgesetz wird Herr Hanke dafür eintreten, daß die 3. Wählerklasse eine stärkere Vertretung im Landtage erhält und daß bei der Teilung der Wählerklassen nach dem Steuerverhältnis die Gewerbe= und Gebäudesteuern mit in Anrech nung gebracht werden. Falls ein neues Schulgesetz dem Landtage vorgelegt werden sollte, dann wird Herr Hanke für alle erreichbaren Verbesseruugen eintreten, ohne extreme Jo derungen, diedoch nicht, oder vorläufig nicht erfüllbar sind, zu stellen. Für die Aufhebung des Domanialgesetzes von 1890, durch welches dem Lande ein Zuschuß von 10% zu den Kosten der Gehaltserhöhungen garantiert ist, wird Herr Hanke nicht stimmen, es sei denn, daß dem Volke durch ein neues Gesetz, gleiche, wenn möglich größere Vorteile zugesichert werden. Im übrigen wird Herr Baumeister Hanke gesunde Mittelstandspolitik treiben, darum empfehlen wir seine Wahl aufs dringendste und bitten auch Sie, Ihre Stimme dem Herrn Baumeister Hanke in Lage zu geben. Detmold, Lage, Horn, im Dezember 1908 Der Wahlausschuß für die Kandidatur Hanke Die Wahl findet am Montag, den 7 Dezember, von vormittags 9 Uhr bis 2 Uhr nachmittags statt. Wahllokale: in Detmold für Quartier A und O der Rathaussaal, für Quartier B und C die frühere Aula des alten Gymnasiums in der Leopoldstraße; in Lage der Rathaussaal; in Horn das Rathaussaal Vorzimmer Nochmals die dringende Bitte: Bleiben Sie am Wahltage nicht zu Hause, gehen Sie zur Urne und geben Sie den Stimmzettel mit dem Namen des Herrn Baumeister Hanke in Lage ab. Sie haben dann dem lippischen Staate einen guten Dienst erwiesen! An die Wähler der 3. Kl. im 5. Wahlkreise (Aemter Sternberg=Barntrup, Hohenhausen und Varenholz) besonders an die Ziegler! Kollegen! Wie Ihr wißt, ist in unserm Wahlkreise der Ziegel meister Potthast aus Talle für die 3. Klasse als Kandidat für den Landtag aufgestellt. Es ist damit ein ernster Versuch gemacht, einen Mann aus unserm Stande, der auch wirklich unser Gewerbe kennt, in den Landtag zu bringen. Obwohl wir nicht konservativ sind und auch niemals konservativ werden wollen, halten wir unterzeichneten Ziegelmeister und Ziegler es doch für Ehrensache, für den Mann aus sunserm Stande einzutreten und seine Wahl zu empfehlen. Der Ziegelmeister Potthast ist von Jugend an auf die Ziegelei gegangen. Als Meister genießt er die größte Achtung bei seinen Leuten und sie haben zu ihm alle Vertrauen. Er ist ein großer Verehrer des Pastors Zeiß und würde in allen Fragen, die unsern Stand angehen, sich mit ihm sein eigenes Urteil bilden. Er hat sich das ausdrücklich vorbehalten. Wir trauen ihm aber überhaupt zu, daß er sich seine Ueberzeugung immer unabhängig von der konservativen Partei bilden wird. Bis dahin hat er sich zu keiner Partei gehalten. Wenn er sich jetzt bereit erklärt hat, sich von der konservativen Partei aufstellen zu lassen, so ist der Grund zunächst der, daß er eine tiefe Abneigung gegen die Art hat, wie von dem Liberalismus oft kirchlich=religiöse Fragen behandelt werden. Sodann sieht er in dem Liberalismus wielfach nur eine Vorstufe der Sozialdemokratie, und es läßt sich ja nicht leugnen, daß in den meisten Fällen die liberalen Mandate nur mit Hilfe der Sozialdempkratie erlangt werden, und daß in kirchlichreligiösen Fragen Liberalismus und Sozialdemokratie eng zusammenhalten. Er ist überzeugt, daß er auch innerhalb der konservativen Partei mit aller Macht für die dritte Klasse und besonders für uns Ziegier eintreten kann Sollte sich das aber als unmöglich erweisen, so Deuter and lie Zuckerproduktion der Welt von In Tonnen) 2#o" 2262000 IIIIIEIIII2 4000 □11605400 190¼- 1908 1403 300 1433 900 1012000 1 930600 Osterreich Frankreich 1417 700 1 330600 T 1492500 E:50 707 500 747 700 UIII9 100 Zeigien olland □ 676 800 Schveden 5 65 109 500 155 700 □ 122 400 64 100 852 000 #61000 Andr 67000 Lander 044.900 u 233800 281800 E 800 □ 770800 mn 171200 Sà 779400 □ 205 100 □ 736 600 300000 250000 E 222500 □ 200000 Erklärung 1906/07 E 90S06 1904/05 Die Produktion des Rübenzuckers mn Europa betrug zusammen.—„ IIEEIII 670 Rohrzuckerernte der Weit berrun-# UI 6342 200 6893 300 14590 800 Rübenzuckerproduktion der Vereinigten Staaten ####s 433000 E2 283700 C 209700 T 6731 100 7343500 490 200 Bei der gegenwärtigen Lage des Weltmarktes dürfte eine vergleichende Zusammenstellung der Zuckerproduktion in den bedeutendsten Ländern v. großem Interesse sein. Schätzungsweise produzierte Deutschland 1907=08: 2135 000 To. gegen 2 242000 To. im Vorjahre, in Oesterreich verhalten sich diese Zahlen vie 1 417 100 zu 1 330 600, in Frankreich wie 707 400 zu 747 100. in Rußland wie 1 403 300 zu 1 433 900, in Belgien wie 233 800 zu 281 800, in Holland wie 171 200 zu 179 400. in Schweden wie 109 500 zu 155 700, in Dänemark wie 52.000 zu ist der Ziegelmeister Potthast selbständig genug, um rücksichtslos darans seine Konsequenzen zu ziehen. Unter diesen Umständen halten wir es für Ehrensache, für einen Mann unseres Standes bei der Wahl einzutreten. An dem bisherigen Vertreter unserer Klasse in unserm Wahlkreise haben wir mancherlei auszusetzen, was wir nicht vor der Oeffentlichkeit ausführlich behandeln mögen. Wir fragen nur:„Was hat denn dieser Mann bisher geleistet?“ Im Landtage hat er ja oft Reden gehalten, die allgemeine Heiterkeit hervorriefen, aber würdig fanden wir das nicht immer. Was hat er denn für seinen Wahlkreis getan? Hat er sich wohl einmal vor seinen Wählern sehen lassen? Uns erscheint es vollständig verkehrt zu sein, eine so geeignete und selbständige Persönlichkeit unseres Standes, wie es der Ziegelmeister Potthast ist, fallen zu lassen, bloß weil er sich von konservativer Seite hat aufstellen lassen. und statt dessen eine so ungeeignete unselbständige Persönlichkeit eines andern Standes zu wählen, wie es unser bisheriger Abgeordneter ist, bloß weil er sich liberal uennt. Wir glauben, auf die Persönlichkeit das Hauptgewicht legen zu müssen, und meinen die Parteibezeichnung mehr als Nebensache behandeln zu können. Mit gutem Gewissen können wir darum besonders den Zieglern zurufen: Helft, daß ein geeigneter Mann aus unserm Stande in den Landtag kommt, und laßt euch nicht durch Wort„konservativ“ irre machen. Tretet doch nicht deshalb euren Stand mit Füßen, indem ihr bloß um des Wortes„liberal“ willen einen ungeeigneten Mann eines anderen Standes wählt. Mit ebenso gutem Gewissen wenden wir uns aber auch an alle andern Wähler der dritten Klasse, an die kleineren Landwirte, Gewerbeteibenden usw. Mancher unter euch, der die Wirksamkeit des bis herigen Abgeordneten verfolgt hat, wird den Wunsch gehabt haben:„Wenn doch einmal ein anderer Mann an dessen Stelle stände.“ Wenn mancher vielleicht lieber einen Mann gehabt hätte, der sich lieberal nennt, ihr habt auch in dem Ziegelmeister Potthast einen in jeder Weisé geeigneten Mann, dessen Wahl wir nicht dringend genug empfehlen können. Treten wir ldarum alle am Wahltags an die Urne und w#len wir Ziegelmeister Potthast in Tale. Wilh. Kater, Ziegler, in Talle Nr. 63. August Prüßner, Ziegler, in Talle. Wilhelm Kater, Ziegler, in Talle Nr. 59. Wilhelm Ostmeier, Ziegler, in Talle. Simon Güse, Ziegler, in Talle Nr. 35. Heinr. Kater, Ziegelmeister, in Talle Nr. 28. August Wehmeier, Ziegler, in Talle. Aug. Wehmeier jun., Talle. H. Hoberg, Schuhmachermeister. Talle. S. Potthast, Tischler, in Talle. Aug. Pohl, Ziegelmeister, Talle. Simon Bröter, Ziegler, Talle. Simon Wehmeier, Ziegelmeister, Brinkhof. Fritz Kuhsuß, Ziegler. Simon Sundermann, Landwirt. Ernst Pohl Landwirt. Herm. Kuhsuß, Ziegler. Wilhelm Stock, Brinkhof. Fritz Manhenke, Ziegler, Talle. August Thies, Ziegler, Talle. Königl. Preuss. Staaisme dallle Seidenhaus Michels& Cie. BERLIN SW. 19. Leinziger Strasse 43-4 Deutschlands grösstes Seidengeschäft wedt Sol. Seidenskaffe in seiner Krefelder Fabrik und versendet Proben von diesen und onderen erstklassigen Tabrikaten: " Glatte Meter 1.-bis 8.50 M. TA Gemusterte Meter 1.50 bis sowie Katalon von Seidenen Blusen, Jupons, Morgenröcken —. umgehend und franko. Bettnässen! Befreiunggarantiertsofort! Aerztlich empf., viele Dankschreiben.— Alter und Geschlecht angeben! Broschüre umsonst und frei. Institul „Aesculap“, Lübben 198 Lausitz Wäschemangel, Waschu. 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Rübenzucker hervor gegen 433000 To. im vorhergehenden Jahre. Zusammen betrug 1907.08 die Zuckerproduktion 13 863 800 To. gegen 14 464000 im Jahre yuvor. Tausende Raucher empfehlen meinen garantiert ungeschwefelten deshalb sehr bekömmlichen und gesunden Tabak. 1 Tabaks Pfeise umsonst zu 9 Pfd. meines berühmten Forstertabakfür425 frko. 9 Pfd. Pastorentabar u. Pseise kosten zus. 5 Mk. frko. 9 Pfd. Jagd=Canaster mit Pfeise Mt. 6.50 franko. 9 Pfd. holl. Canaster und Pfeise Mk. 7.50 frko. 9 Pfd. Frankfurter Canoster mit Pfeise kosten ranko 10 Mk., gegen Nachnahme, bitte anzugeben, ob nebenstehende Gesundheitspfeie oder 1 reichgeschn. Holzpfeie oder eine lange Pfeise rwünscht. E. Köller, Bruchal(Baden). Fabrik. Weltruf. 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Knüp.; 20 rm Astreis.; das. 2c 75 starke Buch. Durchf. Haufen, das. 5a, 6a: 12 rm Fichten Scheite, 90 warte Durchf. Haufen. Aus vem Schutzbezirk Pivitsheide: Distr. Weggingh Bruch 59a: 43 Stck. Birken Nutzh. mit 34,08 fm; 3 Sta.. Crie.. Nutzh. mit 1,55 fm, 1 Stck. Fichten Nutzh. mit 0.25 sm, 1 rm Scheite ungekürzt, 18 rm Birken Klob. u Knüp. ungekürzt, 14 Haufen Astreis. Oberförsterei Berlebeck. Nachbenanntes Holz soll öffentlich meistbietend verkauft werden:„„„ Inmn.. 9 915 1. Am Diensta den S. Dezember, nachmittags 1 Uhr in der Kanne'schen Gastwirtschaft in Berlebeck. a. Au dem Schutzbezirk des Försters Flege: 1) Hucksberg 73 b: 12 Buchen=Langholzhaufen Nr. 24—35; 2 Ctiensberg 72b: 10 Buchen=Langholzhausen Nr. 36 b 45; 3) Nansberg 99bc: 1 rm Pappeln=Kloben ungel. Nr. 73, 60 starke Buchen=Durchf.=Hausen Nr. 40 bis 72, 74 bis 106; Ba) Wiggengrund 78ac: 100 starke Buchen=Durchf.=Haufen von Nr. 107 ab. d. Aus dem Schunbezirk des Försters Meier:4) Schnepfenflucht 6a: 2 im Buchen=Kloben Nr. 53ad. 36 starke Buchen=Durchs.=Hausen Nr. 54 bis 89, 5 FichtenDrrchf.-Hausen Nr. 18 bis 22(Bohnenstangen); 5 Sandfleck 11bg; 52starke Buchen=Durchf.=Hausen Nr.! k 52: 6) Sandfleck 111: 10 mittelstarke Fichtennurchs. Hausen Nr. 38 bis 47; 7) Hellberg 16: starke Buchen=Durchs.=Hausen Nr. 90 bis 126, starke Buchen=Langholzhaufen Nr. 127 bis 145; Breitenaht 31u 11 Fichten=Durchf.=Hausen Nr. 1 bis 11: 9) Schnepfenflucht 6 b: 17 mittlere Fichten=Durchf.= Hausen Nr. 1 bis 17; 10) Peterstieg 30c: 5 rm Buchen=Kloben Nr. 1 bis 3, 26 starke Buchen Durchf.=Hausen Nr. 4—29. n Donnerstag. den 10. Dezember, vormittags 11 hr im Forsthaus Krenzkrug.„ 1. Aus dem Schutzgebiet des Försters Möller: 1) Hirschsuhle 7 ha: 7 rm Buchen Kloben Nr. 20—22, 20 starke Buchen=Durchf.=Haufen Nr. 125—144. 2) das. 7f, 7a starke Buchen=Turchs.=Hausen Nr. 1—55. 8) Schmalebastern 29 a: 40 starke Buchen=Durchf.=Hausen Nr. 50—89. 4) Breitebastern 23i: 7 Stck. Buchen Nutzholz mit 3,67 fm Nr. 1—7 40 rm Kloben Nr. 1—15, 5 rin Astknüppel Nr. 16—19,32 starke Buchen=Durchf.=Haufen Nr. 91—122. 5) Breitebastern 28d: 77 Stck. Fichten Nutzholz mit 16,23 fm, 106 Stangen 1. u. 2. Kl. Nr. 1—105; 6) Hermann 1 b: 59 Stck. Fichten Nutzholz mit 15,94 fm. 9 Stangen 1. Kl. Nr. 1—62, 1,5 rm Knüppel Nr. 1. 7) Breitehals 14 b: 11 sehr starke Fichten=Turchs.=Hausen Nr. 41—51. 8) Breitekopf 24h: 17 starke Fichten=Durchf.=Hausen Nr. 20—36, 2 starke Kiesern Langholzhausen Nr. 37—38. 9) Mettelnkopf 22 a: 80 rm Buchen=Kloben Nr. 25—38, 26 starke Buchen=Durchf.=Hausen Nr. 145—170, 9 Fichten=Durchf.=Hausen Nr. 1—9. 10) Schmalebastern 280 ca. 30 fm Fichten=Nutzholz und=Stangen. b. Aus dem Schutzbezirk des Försters Flege: 11) Stiensberg 72 a: 2 rm Buchen=Knüppel Nr. 1, 8 starke Buchen=Durchf. Hausen Nr. 2—9. 12) Hucksberg 73a: 3 rm Buchen Knüppel Nr 10, 13 starke BuchenDurchf.=Hausen Nr. 11—23. 13) daselbst 73d: 17 Stck. Fichten=Nutzholz Nr. 1—17, 8 rm Kiefern=Kloben und Knüppel ungek. Nr. 142 alg. III. Am Freitag den 11. Dezember, vormittags 11 Uhr im Forsthaus Hartröhren. u. Aus dem Schutzbezirk des Försters Koch: 1) Breitenaht 34b; 20 starke Buchen=Langholzhausen Nr. 1/20; 1) Kortewebelshals 34e: 27 starke Buchen=Langholzhausen Nr. 21—47; 3) Elberngrund 35d: 12 starke Buchen=Langholzhausen von Nr. 48 ab; 4) Elberngrund 35b: 140 rm Buchen=Kloben und=Knüppel von kr. 1 ab, 50 rm Astreisig; 5) das. R5a: ca. 50 rm Buchen=Kloben und=Knüppel, 20 rm Astreisig; 6) Langwebelshals 86 d: ca. 50rm Buchen=Kloben u.=Knüppel, 20 rm Astreisig; 7) das. 36c: ca. 20 rm BuchenKloben und=Knüppel, 10 rm Astreisig; 8) Röschensarund 87 c: ca. 40 rm Buchen=Kloben und=Knüppel, 20 rm Astreisig. d. Aus dem Schutzbezirk des Försters Meier: 9) Jungferngrund 49d: 49 starke Buchen=Durchf.=Haufen Nr. 1 is 4"; 10) Rabenshals 50a: 14 Fichten-Durchs.= Hausen Nr. 1—14; 11) Rabenshals 50f: 28 rm Buchen=Kloben, 51 rm Beichen=Knüppel Nr. 1—47, 11 Astreisig=Hausen Nr. 2—12, 1 starker HainbuchenLangholzhausen Nr. 1. Der Gaswin Heinrich Vehmeier Nr. 56 u Linderhofe beabsichtigt, das auf der Parzelle 270/172 usw. Kartenblatt 10 stehende Kolonatsgebäude mit Wagenremise und die Parzellen 169, 170 230/172 usw Kartenblatt 10 und 114, 211/91 und 229/117 Kartenblatt 12 zu 7, 77, 02 ha im ganzen und versuchsweise im einzelnen öffentlich meistbietend freiwillig versteigern zu lassen. Termin hierzu wird angesetzt auf Sonnabend, 19. Dezember 1908 nachmittags 3 Uhr in i Vehmeier'schen Gastwirtschaft in Linderhofe 2. Bedingungen werden im Termine bekannt gemacht Alverdissen, 28. November 1908. Fürstliches Amtsgericht Die Fürstliche Regierung zu Detmold hat beantragt, die folgenden in der Gemarkung Bega belegenen Eisenbahn ennstücke 249 1) Parzelle— Kartenblatt 7 zu 2,96 ar —„ 7" 1.92 0„ 7" 3.26 im Ganzen und versuchsweise im Einzelnen öffentlich meist bietend zu versteigern. Termin hierzu wird bestimmt auf 15. Dezember 19 morgens 10 Uhr, an der Gerichtsstelle in Alverdissen. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht Alverdissen, 28. November 1908. Fürstliches Amtsgericht. Besser und ausgiebiger als alle zum Verbessern von lonriesenen Prüparute ist Würze. g. Bruchtr. 4. Bestens empfohlen von Lemgoerstr. 3 Detmold Teleton 157 Günstigste Gelegenheitzum Einkauf von WeihnachtsGeschenken. Die Wähler der zweiten Klasse der Stadt Detmold, namentlich die Herren Gewerbetreibenden werden gebeten zu einer Besprechung über die Kandi aturen am— Sonnabend, 5. Dezember ds. Is. abends 8½ Uhr, im Saale des„Lippischen Hofes“ möglichst zahlreich zu erscheinen. Herr Neitzel hat sein Ercheinen zugesagt. Detmold, den 3. Dezember 1908. Wilh. Priester, im Auftrage. Von Senntag, 6. er. bis zum Sennabend. 12. er. habe ich folgende Posten enorm billig zum Verkauf ausgelegt: Ein grosser Posten wollene Kleiderstofte, doppelt breit Serie X. per Meter 45 Pfg. Serie XX. per Meter 75 Pfg. Serie XII. per Meter 90 Pfg. regulärer Wert bedeutend höher. 120 cm breit, reine 475 * Mk. Ein grober Posten eleganter Fantasie-DToue Wolle, per Meter regulärer Preis per Meter 2.50 bis 3.50 Mk. Ein Posten Kostümstoffe 130 cm breit, per Meter Aik. regulärer Preis 4 Mk. Ein großer Posten Xa. 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Indem wir herzlichst danken für alle bisheri en Gaben, erlauben wir uns, auch in diesem Jahre freundlich im Weihnachtsgaben für unsere lieben Pfleglinge und unsere Anstalt überhaupt zu bitten. Denn wenn alle freiwilligen Gaben bisher noch nicht ausreichten zur Deckung der Selbstkosten für die aus öffentlichen Kassen geschickten Pfleglnge, so liegt es auf der Hand, daß wir unseren 155 Geistesschwachen und Fallsüchtigen ohne die nachhaltige Hilfe unserer lieben Landsleute keine äußere Weihnachtsfreude bereiten und auch sonst nach verschiedenen Seiten hin nicht zu ihrem vollen Rechte verhelfen könnten. Wer deshalb im Lichtglanze des Weihnachtsfestes Gott fröhlich danken kann nicht bloß für seine größte Gabe, sondern auch für unzählige Vorzüge, die er mit den Seinigen vor unseren lieben Pflegebefohlenen voraus hat, der wird herzlich gebeten, dafür zu sorgen, daß ein Strahl seiner Weihnachtsfreude falle auch in die Herzen unserer„Aermsten unter den Armen“. Er darf ihres wie unsers wärmsten Dankes gewiß sein. Anstalt Eben=Ezer bei Lemgo P. Wulfhorst. Empfehle a. Knöllkäse a. Nieheimerkäse a. Harzkäse a. Kräuterkäse a. Holländerkäse a. Bébé Camembert Fr. Preuß Alexanderplatz. Speisekartoffeln Magnum bonum per Zentner 3.20 Mk. empfiehlt Gärtner Wortmann Auf Futterkartoffeln erbitte Bestellungen. BIELEFF1 D. Bahnhofstr. 46 Anslunft und Poschüre Festentte## Garten Einfriedigungspjähle aus Eisenbeton unverwüstlich. WegeeinfassungsPlatten liefert Leonhardt Heidenoldendorf. Am Sonnabend, 5. Dez. abends 8½ Uhr im Preußischen Hofe. Eintritt für Jedermann frei Weihnachtsbitte der Anstalt G.änan. Schon kehrt in allen Häusern die Weihnachtsstimmung ein. In unserm Haus nicht minder freut sich schon groß und klein; Ihr treuen Freunde im weiten Land, Füllet auch diesmal uns wieder die Hand, daß Eure Lieb' und der Weihlachtsschein, Helf“ unsrer Kinder Herzen erneu'n! Gaben erbittet freundlichst: Anstalt Grüngn bei Tchötmar. 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Verlag: Willyg Bender, Detm Vertretungen in: Salzuflen, Lemgo, Lage, Blomberg. Horn, fest allen Ortschaften der Aemter Dermold, Schötmar, sen allen Ortschaften der Gemter Termoss, Schoemme, Oaegoo-Ey me Hohenhausen, Varenholz, Sternberg= Barntrup, Blomberg, Schieder, Schwalenberg; zusammen über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint jeden Wochentag. Ne 286. Verantwortlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold Deimold, Sonnabend, den s. Dezember 1903. Für den Inseratenteil: August Boberg, Detmold. 13. Jahrgang. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. * Detmold, 5. Dez. 1908. — Der Kaiser machte gestern vormittag in Potsdam seinen Ausritt. — Gärung in der Bergarbeiterschaft. Seit einigen Tagen macht sich bei den oberschlesischen Bergleuten eine Gärung bemerkbar, die von bergmännischen Agttatoren aus den Grubenbezirken des Westens angestiftet sein soll. In Zahrze und in Königshütte fanden geheime Bersammlungen statt, die angeblich den Zweck verfolgen, einen Generalstreik aller deutschen Bergleute herbeizuführen, falls es nicht zu einem Reichsberggesetz kommt, das den bereits im Landund Reichstag ausgesprochenen Forderungen der Bergarbeiter genügt. Der Hauptnachdruck wird auf eine gesetzliche Vorschrift gelegt, daß aus sämtlichen Flözen einer Grube eine Notstrecke bis zu Tag gebaut wird und sämtliche von Bergarbeitern auszuführenden Wahlen geheim stattzufinden haben. — Konsessionelle Spaltung unter den Eingeborenen von Ponape. Die„N. A. Z.“ meldet: Die Lage auf Ponape ist nach einem von S. M. S.„Jaguar“ eingetroffenen Telegramm zurzeit ruhig. Die Eingeborenen sind inein evangelisches undein katbolisches Lager gespalten.(!) Beide Parteien besehden sich aller dings noch und intrigieren nebeneinander; allein die Feindseligkeiten sind nicht erheblich. Die Regierung verfügt über hinreichende Machtmittel, um sich von den ein geborenen Parteien unabhängig zu halten und die Auf rechterhaltung der Ruhe und Sicherheit auf Ponape zu gewährleisten. An farbigen, melanesischen Polizeisoldaten befinden sich zurzeit 100 Mann aus Ponape. Eine Verstärkung wird nachgesandt werden. Die Zahl der waffensähigen Eingeborenen wird auf insgesamt etwa 800 Mann angegeben. Dieselben sind teilweise mit Gewehren bewaffnet. Die Anwesenheit eines Kriegsschisses vor Ponape wird noch für einige Monate nötig sein. — Unterstaatosekretär im Auswärtigen Amte, Dr. Stemrich, hatte mit Rücksicht darauf, daß er zurzeit der bekannten Vorgänge mit der Leitung des Auswärtigen Amtes betraut war, sein Abschiedsgesuch eingereicht. Da jenen Vorgängen— so liest man im„L. A.“— kein Anlaß zu dem von Dr. Stemrich getanen Schritt zu entnehmen war, ist seinem Gesuche keine weitere Folge gegeben worden. Frankreich. Paris, 4. Dez. Marineminister Picquart empfing heute vormittag den Befehlshaber des Mittelmeergeschwaders, Admiral Germinet, der darauf eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Clemenceau hatte. Clemen ceau verhehlte Germinet bei einer Anerkennung seiner seemänischen Befähigung nicht, daß er einen schweren Berstoßz gegen die Disgiplin begangen habe, als er sich interviewen ließ. Ein morgen im Elysee stattfindender Ministerrat wird sich zu der Angelegenheit äußern Wie verlautet, werden Clemenceau und Picquart eine schwere Strafe für den Admiral beantragen. Rom, 3. Dezember. Die Kammer setzte in ihrer heu tigen Sitzung die Besprechung des Antrages Fusinato fort. Santini führte aus, Italien hätte sich der Annexion Lustige Wochenchronik. (Nachdruck verboten.) Lang ist es her, es war zur Abendstund'— Im lieben Vaterhaus, im Kinderstübchen,— Da hingen lauschend an der Mutter Mund— Wir kleines Volk: ein Mädel und drei Bübchen.— Die Mutter nahm die Jüngsten auf die Knie, Dann hub sie an, wie eifrig da wir lauschten,—„Es war ein mal“, ach, so begannen sie— Die Märchen, die wie Zauberbronnen rauschten. Doch schöner war's noch in der sel'gen Zeit— Vor Weidnacht in den dunklen Winterwochen,— Drauß lag des Dörfleins stille Welt verschneit— Und nur vom lieben Feste ward gesprochen.— Die süßen Weihnachtslieder klangen froh,— Bald glänzt der Baum mit seinen goldnen Lichtern— Und wochenlang vorher schon lag uns so— Der Weihnacht Freundenglanz auf den Gesichtern. Es war einmal— ach, wie ein Märchen klingt's,—„Was mein einst war“, und doch, in Herzenstiefen— In diesen Tagen wie vor Zeiten singt's.— Die Lieder wachen auf, die drinnen schliefen.— Ach, wär' ich noch ein Kind, dann glaubt ich's noch,— Das Engelswort vom Frieden auf der Erden.— Doch ach, die Jahre nahmen fort den Duft,— Die Märchenträume holder Jugend schwanden.— Und graue Nebel liegen in der Luft,— Wo Kinderaugen nur die Sonne sanden.— Statt Frieden herrscht die Zwietracht und der Neid,— Die Machtgier und die Eisersucht auf Erden— Wo ist der Engel mit dem lichten Kleid— Und kündet uns, es solle besser werden? Ist das ein Frieden dort im Orient,— Wo kampfeslustig sich die Völker rühren,— Wo heißen Hasses Feuer lodernd brennt,— Das Eitelkeit und Mißgunst kräftig schüren?-— Dem kleinen Serben wär' es recht gesund.— Es brächte krä tig zu Verstand ihn einer.— Gäb' ihm was Tücht'ges auf den srechen Mund,— Doch leider fand bisher dazu sich keiner. ** Noch schlimmer als der Serbe treib's in Prag— Der unverschämte Tschech'— welch ein Krakehler!— Welch' pöbelhaftes Treiben Tag für Tag.— Den sanft zu packen, wär' ein arger Fehler.:—„Wie schaff“ ich Frieden meinem bunten Reich?“— Viel Sorge macht Franz Josef diese Frage,— Der Arme ist an derlei Sorgen reich,— Aus Jubeltagen werden Trubeltage. Bei uns auch sehlt der klare Sonnenschein,— Noch liegt wie Nebel zwischen Thron und Volke.— O möchte doch der Himmel gnädig sein.— Verscheuchen vollends jede Unmutswolke.— Um die Verfassung kämpfen die Partei'n,— Dem Kanzler gehn sie arg dabei zu Leibe.— Er mag in lieblicher Versassung sein— Und selber zweiseln, ob er lang noch bleibe. Ja, die Versassung! Auch in Persien hat— Man solch ein Ding. schlecht dient's nur seinem Zwecke,— Indes der Schah hat sie schon lange satt— Und schmeißt sie nun wortbrüchig in die Ecke.— So sieht man Kampf und Streit rings in der Welt,— Nur Onkel Sam hat fromm ans Herz geissen— Den gelben Japs, ob lang der Leim wohl hält?— Wir wollen's cosien, doch man kann's nicht wissen Bosniens nicht widersetzen können. Redner vertrat den Standpunkt, daß durch die Aufgabe des Sandschaks durch Oesterreich=Ungarn die Gefahr eventueller Verwickelungen fortfalle und verteidigte die Politik Tittonis. Foris erklärte, er könne die auswärtige Politik der italien! chen Regierung, aber nicht die Balkaupolitik Oesterreich Ungarns billigen. Redner bestritt die Rechtmäßigkeit der Annexion Bosniens, die eine tatsächliche Verletzung des Berliner Vertrages bilde. Die Kompensationen bezüglich des Sandschaks, die die Möglichkeit eines Marsches der Oesterreicher gegen Saloniki keineswegs ausschlössen, seien nicht genügend. Im weiteren Verlaufe seiner Rede betonte Fortis, die große politische Bedeutung der Annexion Bosniens, der sich Italien indessen nicht unmittelbar habe widersetzen können. Es müsse vielmehr zusammen mit den europäischen Mächten abwarten, um die Gefahr einer Isolierung zu vermeiden. In dieser abwartenden Haltung aber könnte es keine Kompensationsforderung stellen. An einer europäischen Konserenz könne Italien timmungsfreiheit teilnehmen, denn diese sei durch die Rede in Carate nicht beeinträchtigt. Wenn die Konserenz nicht zusammentreten sollte, so müsse nach seiner Ansicht Italien Im Einvernehmen mit den anderen Mächten vorgeben. Er halte den Berliner Vertrag und den Dreibundsvertrag für zwei internationale Uebereinkommen, die nicht unvereinbar miteinander seien. Daher wolle er der Sache des Dreibundes treu bleiben, obgleich diese Treue angesichts der Maßnahmen Oesterreich=Ungarns sich für Italien täglich schwieriger gestalte. Er hosse, die Regie rung werde der gefährlichen Lage Herr zu werden wissen. Die Kammern des Landes seien darin einig, daß die Deensivkraft Italiens zur Wahrung des Friedens vervoll tändig werden müsse. Amerika. Newyork, 4. Dez. Aus Port=au=Prince wird über die Flucht des Präsidenten von Haiti, Nord=Alexis noch gemeldet, daß der alte Herr eigensinnig darauf be tand, nicht zu fliehen, sondern im Palast zu bleiben. Nur das dringende Zureden des französischen Gesandten konnte ihn bestimmen, sich an Bord des französischen Schulschifses „Duguay Trouin“ zu begeben. Um fünf Uhr verkündete gestern ein Salut von 21 Schüssen, daß der Präsident den Palast verließ. Gesohle und Geschrei brach los, als er in einen Wagen stieg: der französische Gesandte nahm neben ihm Platz und warf die Falten der Trikolore über seine Schulter, um ihn zu schützen. Auf dem ganzen Wege verfolgten ihn die Berwünschungen des Volkes, und bei der Ankunst an der Landungsstelle beschimofte der Mob den Präsidenten in der gemeinsten Weise. Nord=Alexis versuchte ruhig zu bleiben. ötzlich stürzte sich die Volksmenge auf ihn. Zwischen den zu sei em Schutze kommandierten Soldaten und dem Pöbel entstand ein Haudgemenge. Schon schien der Präsident verloren, als die Soldaten seuerten u.“ die Menge sich verzog. In die Trikolore gehüllt, konnte der Präsident endlich mit seinen Begleitern an Bord gehen. Die haltischen, französischen u. amerikanischen Kriegs isse feuerten Salut. Beim Besteigen des Bootes, das ihn an Bo: brachte, gelang es einer schwarzen Megöre, sich Nord Alexis zu nähern und einen Dolchstoß nach ihnt zu führen, der jedoch sehlging. Es konnte nicht verhindert werden, daß ihn ein Faustschlag ins(enich tra und ihm ein Kosser mit hunderttausend Mark zum Teil in Bargeld geraubt wurde. Von seinen Ministern und den von ihm bestallten Würdenträgeen verlassen, wäre er ohne die Vermittelung des französischen Gesandten Cartcron wahr scheinlich ermordet worden. Nach der Flucht des per haßten Präsidentzu hielt sich die Menge schadlos, indem sie seine Wohnung, sowie die Häuser seiner Freund. plünderte. Das zum Schutze entbotene Militär gab Jeuer. Etwa zehn Personen wurden erschossen. General Poiderin weurd. zum Militärgonnernene von Port=an=Prinic er 18788 Aus dem Reichstage. Sitzung vom 4. Dezember 1908. Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann=Hollweg. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Min. Tagesordnung: Große Gewerbenovelle, Regelung der gewerblichen Frauenarbeit. Die zweite Beratung des Abschnittes der großen Ge werbenovelle, der sich mit der gewerblichen Frauenarbeit beschäftigt, wird beim§ 139 fortgesetzt. Staatssekretär v. Bethmann=Vollweg wieder. holt seine in der Kommission abgegebene Versicherung, daß er den geäußerten Wünschen bei der Revision des Kranken versicherungsgesetzes Rechnung tragen wolle. Damit ist die zweite Lesung des Teiles der Gewerbenovelle, der den Schutz der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter betrifst, beeudet. Morgen 11 Uhr: Erste Lesung des Etats. Schluß 5 Uhr. der Stelle, wo die alte Hornburg stand, einen Fritz ReuterBrunnen errichten lassen. Zur Landtagswahl. Die freisinnige Volkspartei erließ vor 4 Jahren folgenden Aufruf für Herrn Baumeister und Ziegler=Agenten Hanke Lage:„ „Um auch dem Zieglergewerbe eine würdige Verretung im hiesigen Landtage zu sichern, hat sich der Vor tand der Freisinnigen Volkspartei bemüht, einen solchen Kan didaten für die 3. Klasse im Wahlkreis Anc Lage und ein Tei von Amt Detmold ausfindig zu machen und präsentiert der Wählern einen solchen in der Person des Ziegler=Agenten#Ad Hanke in Lage. Nachdem sich Herr Hanke zur Uebernahme eines Landtagsmandats für die 3. Klasse im 3. Wahlkreis hat bereit finden lassen, so glaubt der freisinnige Parteivorstank denselben den Parteifreunden mit gutem Gewissen empfehlen zu können. Herr Hanke, dessen Tätigkeit unter den Zieglern im ganzen Lande bekannt, und der stets zur freisinnigen Fahngehalten, dessen Wirkungskreis größtenteils die Ziegler ge wesen, kann am besten beurteilen wo eventuell Hilfe not tut Auch unsere Parteifteunde, welche nicht Ziegler sind, werder gewiß den Zieglern dies kleine Opfer bringen und gern mi ür Herrn Hanke eintreten in dem Bewußtsein, einem rech liberalen freisinnigen Mann ihre Stimme zu geben und der auch sonst in der Lage ist, seine Ansichten öffentlich verteidiger zu können. Darum alle liberalen, freisinnigen Wähler im 3. Wahlkreise, vereinigt in der dritten Klasse eure Stimmen auf den Ziegler Agenten Ad. Hanke in Lage.“— So die frei sinnige Volkspartei vor 4 Jahre.. Und heute? „* München, 4. Dez. Am 13. November ist auf der Strecke Nürnberg=München ein Postbeutel mit Briesen und Postanweisungen auf unausgeklärte Weise abhanden gekommen, der trotz eingehender Nachforschungen bis jetzt noch nicht wiedergefunden werden konnte. Wie jetzt durch die ingwischen eingelaufenen Reklamationen sestgestellt worden ist, enthielt der Bentel 3000 Poststücke. Entgleist. Aus Essen=Ruhr, 3. Dezember, geht uns folgende amtliche Meldung zu: Gestern, am 2. Dezember, abends 10 Uhr 42 Minuten, entgleiste auf der Strecke von Mülheim=Ruhr—Styrum nach Duisburg in der Nähe des ersteren Bahnhoses von dem Berlin—Kölner Schnellzug D 22 die zweite Lokomotive und der Packwagen aus bisher unbekannter Ursache. Die übrigen Fahrzeuge blieben auf dem Gleise. Personen sind nicht verletzt worden. Die Personen= und der Speisewagen wurden nach Bahnhof Styrum zurückgeholt, und da beide Gleise gesperrt waren, über Oberhausen nach Dutsburg geleitet. London, 4. Dez. Ein höchst gebeimnisvoller Mord erregt in ganz England erhebliches Aufsehen. In einem Eisenbahnabteil wurde in der Nähe von Bradford ein gewisser William Brett mit durchschnittener Kehle aufgesunden. Er besaß noch Kraft genug, auszusagen, er sei von London ausgeschickt worden, um wichtige gebeime Dokumente und Briese nach Norden zu bringen. Seiner Instruktion gemäß habe er mehrsache Umwege gemacht, um etwaige Spioni von der Spur abzuletten. In der Station Watford stieg ein ihm bekannter deutscher Arzt eln. Eine Viertelstunde später packte der Deutsche ihn am Kinn und durchschnitt ihm die Kehle, nahm hm die geheimen Dokumente und alles Geld ab und entsernte sich unbemerkt auf der nächsten Station. Der Ueberfallene weigerte sich, seine Austraggeber zu nennen und Angaben über den Inhalt der geraubten Papiere zu machen. Kleine Notizen. Sudermann hat für seinen neuen Roman„Das hohe Lied“ ein Honorar von 00000 MA bekommen.— Die Festungsstadt Glogau, wo bekanntlich Fritz Reuter 1887 sechs Wochen Festungshaft verbüßte, wird an An die gesamte Beamtenschaft der 3. Wählerklasse Durch die neue Städteordnung ist den alten Beamten die Pensionsberechtigung und Witwen= und Waisenversorgung ge währt. Der verstorbene Rektor Klein in Horn war gegen ein jährliches Gehalt von 2000.Afast 30 Jahre im Dienst der Stadt Horn tätig gewesen. Ihm wurde die Stelle ge kündigt und er war, um nicht im hohen Alter von 70 Jahren auf die Straße gesetzt zu sein, gezwungen, einen ungünstigen Vertrag zu unterschreiben. Das ist unter wesentlicher Mitwirkung des Stadtverord neten Brakemeier geschehen. In derselben Weise ist mit den Unterbeamten verfahren Die Witwen und Waisen dieser Beamten werden, wenn ein Unglück über ihren Ernährer hereinbricht, unter Umständen gezwungen sein, betteln zu gehen. Der Rektor Klein ist vor Gram und Kummer ins Grab gegangen. Die gesamte Beamtenschaft Lippes hat die Pflicht, sich in solchen Fällen mit den geschädigten Beamten solidarisch zu er klären und solchen Kandidaten, die sich unwürdig gezeigt haben die Beamtenschaft zu vertreten, die gebührende Antwort geben. Die Gelegenheit ist jetzt gekommen. Jeder Beamte, der einen solchen Mann wählt, versündigt sich an der gesamten Beamtenschaft und deren Witwen und Waisen. Was zu er warten ist, ist klar gegeben. Jede Parteidisziplin jede sonstige Regung hat hier Halt zu machen, nur das Zu sammengehörigkeitsgefühl und die Standesehre der Beamten ist hier entscheidend und auf das nachdrücklichste zu wahren Einen gerechten Vorwurf würde jeden Beamten treffen, der sich dazu hergäbe, einen ausgesprochenen Beamtenfeind wählen. Es ergeht an alle Reichs=, preußische und lippische Staatsbeamten die dringende Aufforderung: wählt niemals Brakemeier=Horn! „* Aus Horn wird uns geschrieben: In unserer kleinen Stadt sieht man diesmal dem Ausgange der Landtagswahlen mit ge mischten Gefühlen entgegen; trotzdem diesmal durch die Ver einigung der Neumänner und Freisinnigen der Stadt Horn ein Kandidat gegeben ist, wollen die Hornenser, darunter auch viele Freinnnige, nicht alle anbeißen. Man könnte viel gegen die Kandidatur Brakemeier anführen. Hier nur ein Beispiel, wie Herr Brakemeier gegen di Forderungen der Arbeitre i st. Als im Januar 1907 wegen des vielen Schnces die Holzhauer nicht viel schaffen konnten, reichten sie ein Gesuch um Lohnerhöhung von 80 Pfg. pro Meter auf 1 A ein; die Forstverwaltung hatte nur 90 Pfg. bewilligt. Von verschiedenen Stadtverordneten wurde das Gesuch der Holzhauer befürwortet und auch ange nommen; da war es Herr Brakemeier, der für den Beschluß der Forstverwaltung war und nicht für das Gesuch der Ar beiter und heute sagt Herr Brakemeier, damals wäre noch kein Stadtverordneter gewesen. „ Die Stimmung im 4. Wahlkreise. Ein Ziegelmeister schreibt uns: Mit Staunen lese ich in Nr. 282 der Lippischen Landeszeitung, daß noch ein Kandidat der vereinigten Libe ralen gegen Herrn Zeiß aufgestellt wird. Dies sollen lokale Organisationen tun. Sollte wirklich im 4. Wahlkreise die Macht der Lehrer so stark sein, um, wie es heißt, in den lokalen Organisationen Stimmung zu finden, daß sie glauben, einen Kollegen in der Person des Herrn Pankoke=Schieder in den Landtag zu bekommen? Mit mir werden dies wohl die meisten mit Lächeln beantworten. Der liberale Wahlausschuß sollte sich was schämen, daß er keine bestimmtere Stellung für Herrn Zeiß einnehmen kann. Ich denke. Herr Zeiß hat mehr Vertrauen und Rücksicht verdient. Oder ärgern sich die Herren noch über des(Gott sei Dank) nicht zustande gekommene Schulgesetz? Ist Herr Zeiß nicht hierbei schon zu weit ent gegengekommen? Sollte er vielleicht noch weiter gehen und auch den Religionsunterricht, die einzig gute Zucht der Kinder aus der Schule mit verbannen helfen? Ich bin nicht konser vativ. aber diesen Herren muß man die Ehre lassen: in der Schulgesetz Verhandlung haben sie sich die Sympathie der ganzen Bevölkerung erworden; sie hielten wenigstens einen liberalen Standpunkt ein. Es ist tief zu bedauern, daß die vereinigten liberalen Abgeordneten die Stimmung ihrer Wähler so schlecht kennen. Uns Zieglern wird immer riel Gutes versprochen. Ich erinnere an die Doppelbesteuerung, welche immer beseitigt werden soll. Würden die vereinigten liberalen Abgeordneten im Landtage für uns Ziegler so intensio arbeiten, wie für die Lehrer, so be kümen sie mit leichter Mühe ihre Mandate. Die Führer des Literalismus sind im Irrtum, wenn sie glauben, die Lehrer könnten in den lokalen Organisationen die Partei stärken. Leider bin auch ich verhindert, durch den frühen Wahltermin meln Stimmrecht auszuüben. Den Wählern der dritten Klasse im 4. Wahlkreise wird es nicht schwer fallen, von den vielen Kandidaten den rechten zu finden. Herr Zeiß als wirklich liberaler Mann ist für Landwirte, Handwerker und Ziegler zu gebrauchen und nur dem gebt eure Stimme Ein Ziegelmeister (Der Originalbrief dieses Ziegelmeistere aus dem Amte Schwalenberg kann in der Redaktion eingesehen werden.) In Nr. 282 der Lippischen Landeszeitung schreibt man: Die Wähler der 2. Klasse des 8. Wahlkreises befinden sich in großer Unruhe, weil die konservative Parteileitung den stremsten Heißsporn der Partei, den Herrn nein als Landtagskandidat empfohlen hätte. Die Wähler sind der konservativen Parteileitung jedenfalls zum allergrößten Teil sehr dankbar für den Vorschlag, gerade diesen Herrn als Kandidat aufzustellen. Wir setzen in Herrn FrevertNiedermein das größte Vertrauen, und er wird auch unsere Interessen zu vertreten wissen. Wenn aber dennoch von Beunluhigungen die Rede ist, so glauben wir dieselbe anderswo uchen zu müssen. Wähler der 2. Klasse des 6. Wahlkreises. „„ Es ist tief zu bellagen, daß in den Kreisen unserippischen Lehrer, vernehmlich wohl nur unter den ungen Herren, sich eine Abneigung gegen die weltliche Autoritäten eingeschlichen hat. Dies hat man aus dem Ver alten eines Herrn in einer Röhlerversammlung in Miiberg und dann wieder in einer solchen in Wörderfeld in Lefahrung gebracht. Aus anderen Gegenden des Landes über ahnliche Erfahrungen leegen kier noch keine genaueren Nach richten vor.— Wenn nun auch den Herren Lehrern d. Beteiligung und Betategung an und in öffentl'chen Wählerversammlungen nicht verübelt werden ses— das Recht dazu hat jeder Staatsburcer—. so möchten wit doch um des An, hens unseres Lehrerstindes willen zecht eindringsich warnen, über das Phaß der allgemein Crlaubten hinauszugehen. Es se.#=t roch dem Anseben deo Letrers sehr, wenn der Leiter eine: ssentlichen Versommlung oder sonst jemind sich vern#l##### ehen muß den beer Leter rei der ganzen Versammlung die reizug: weise ens Lu#emeczessenen und Mitbürge der rehrer: bestehen wird. in gilünre#der Weise zur Ordnucg zu usen, wie das in Meinberg und Wörderfeld der Fall gewesen st. Es wurden in einem Berichte aus Wörderfeld in der Lipp. Tageszeitung als eine„Flegelei" bezeichnet, daß dort ein jugendlicher Lehrer bei Ausbringung des Kaiser= und Fürstensochs sich nicht erhob, wie dies alle Versammelten als gute, unverdorbene Patrioten taten, alle ohne Ausnahme, es mochten Liberale, Konservative oder Sozialdemokriten sein. Das war aber mehr als eine Flegelei, das grenzte an Majestätsbeleidigung. Der jugendliche Herr mag sich freuen, daß er an Ort und Stelle noch mit heiler Haut davongekommen ist. Anderwärts würde er wohl windelweich geschlagen sein, zumal er nach seiner Unterlassung auf besonderen Vorhalt durch den Versammlungsleiter sich dahin geäußert haben soll, daß er das doch machen könne, wie er wolle. Protest zur Landtagskandidatur im 4. Wahlkreise. Ausweislich der Lipp. Tages= wie auch Landeszeitung ist es dem Einflusse einzelner Männer der Lipp. liberalen Volkspartei doch noch gelungen, unserem allverehrten u. allezeit für unsere Interessen tätig gewesenen Pastor Zeiß einen Kandidaten der Lipp. liberalen Volkspartei entgegenzustellen.— Zur Annahme dieser Kandidatur hat sich der Lehrer Pankoke zu Schieder bereit erklärt. Es wird also im 4. Wahlkreise ein tiberaler Pastor von einem liberalen Volksschullehrer bekämpft.— Wir wollen an dieser Stelle nicht prüfen, wer hier. für verantwortlich ist.— Die Tatsache an sich, daß man in liberalen Kreisen versucht, Pastor Zeiß zu beseitigen, hat uns schmerzlic berührt; und mit Bedauern werden wir genötigt, nunmehr entschieden für Pastor Zeiß gegen Lehrer Pankoke offen Stellung zu nehmen.— Die Gefühle der Dankbarkeit und die Pflicht, welche die Wahrnehmung unseret Interessen gebietet, zwingen uns, daß wir gegen dieses durch nichts gerechtfertigte Vorgehen der liberalen Kreise.(gleichviel ob Zentralleitung oder Wahlkreiskonferenz) energisch protestieren. Indem wir jede Verantwortung für unser Verhalten gegenüber der liberalen Volkspartei ablehnen, bemerken wir ausdrücklich, daß in der Schlußsitzung der Einigungskommission der Vorsitzende der freisinnigen Partei, Herr HeynemannLemgo, nach Ab= und Zustimmung seiner politischen Freunde, die Wiederkandidatur des Pastor Zeiß genehmigt, bezw. empfohlen hatte, mit der Erklärung. daß Pastor Zeiß sich allezeit alsein liberaler Mann erwiesen habe. Wir Unterzeichneten fordern unsere Kollegen und Freunde, denen das Gefühl für Treue und Dankbarkeit noch nicht erstorben ist, auf, mit allen gegebenen Mitteln gegen Lehrer Pankoke und für Pastor Zeiß einzutreten. H. Müller, H. Eikermann, W. Bohne, E. Bunte, H. Homuth sen., H. Homuth zun., D. Homuth. Fr. Rissik, K. Eikermann, H Durgeloh. A. Möller, Fr. Steinmeier, A. Römer, A. Homuth, K. Tille. Fr. Tölle jun., Fr. Tölle sen., H. Hosemeier, H. Hoffmeister, Fr. Krciemeier, Fr. Tölle Nr. 124, Fr. Tölle jun. Nr. 124, K. Tippenhauer sen., H. Hoffmeister, Joh. Mahlmann. A. Tippenhauer sen., A. Tippenhauer jun., Fr. Köhring. Fr. Wortmann, K. Tölle Nr. 1, Heinr. Kopp sen., Ch. Niemann, C. Beckmann jun., C. Beckmann sen., Frdr. Pieper, H. Berkemeier, Fr. Fritzemeier, H. Bonisacius, H. Kreiling, S. Kuhlmeier, H. Schmidt, A. Kruel, F. Rethmeier, Fr. Brand, Friedrich Wieneke. Fr. Tiemann=Oberschönhagen, Heinr. Wieneke, Fritz Möller, Ad. Tölle, H. Althoff. Heinr. Blome, Wilh. Kampmeier, Simon Blome, Rud. Mehrke, Aug. Möller, H. Beermann, Fr. Resel, H. Berkemeier, H. Begemann, Fr. Möller. Aug. Kusemeter, Wilh. Möller, Fr. Brockmann, E. Liese. C. Brockmann, Fritz Möller, H. Westphal, Fr. Westphal, Fr. Heuer, H. Jösting. C. Wendt jun., Ph. Limberg. Ernst Hütte. August Brunsmeier. R. Schlingheider, Christian Köller D Wedegärtner sen., Fr. Holthöfer, Gust. Holthöfer, Gustav Voß. Herm. Oberhaus, A. Pannecke, H. Sprick, H. Schröder, W. Kruse. Simon Kreiling, Aug. Meyer=Sülterheide, 1. Vor sitzender des Gewerkvereins der Ziegler. „ Billinghausen, 3. Dez. Zettel, mit großen Lettern bedruckt, brachten uns gestern die Nachricht, daß„die vereinigten l'beralen Parteien in Lipxe“ in der Freitagschen Wirtschaft eine allgemeine Wählerversammlung abhielten. Sie sollte um Uhr beginnen, um 7 Uhr waren 10 Mann beisammer, darunter 2 unbekannte Leun, die eine gewaltige Rolle Druxsachen bei sich führten, welchr verteilt wurden. Dann eröffnetder eine der fremden Herren die„Versammlung der per einigten liberalen Patteien“ u. erteilte dem anderen Fremdes, den er Herrn Kreiling rannte, dos Wort. Nun ging es in bekannte: Weise los: Neumann sei der beste, alles übrige tauge nichte rsw. Dann kam Heii Becker=Lemgo an die Reihe, der meinte. Herr Neumann wille wohl Ministei werden. N.in hatte der erste Unbekannte, dei sich inzwischen als Herr Kettmann aus Detmield entpuppt hatte, aber genug. er ging seiner Wege samt dem zweiten Heiren aus der Fiemde. Sie waren in die unrichtige Gegend gekommen. Bism Schluß der Versammlung waren zu zählen. 10 Konservative, 9 Sozialdem2= kraten und 5„vereinigte Liberale“(von jeder der beiden liberalen Sorten 2½ Menn), zusammen also 24 Personen * Bösingfeld, 4. Dez. Im Gasthof Linnemann sand ge . stern eine Wählerversammlung statt. Einen recht ehrwür“ digen Einoruck machte Herr Potthast: in beredten Worten schilderte er seinen Lebenslauf, wie er als Ziegler von der Ppike auf gedient, alle Leiden und Beschwerden des Berufes mitgemacht habe. Wenn er durch das Vertrauen der Wähler in den Landtag geschickt würde, dann werde er nach bestem Wissen für die dritte Klasse eintreten. „„ Am Dienstag, den 8. d. M. haben die Wähler der zweiten Klasse der Städte Detmold, Lage und Horn darüber zu entscheiden, welchen der beiden Kandidaten— Oberpostassistent Schelp u. Inspektor Neitzel— sie für die nächste Session in den Landtag schicken wollen. Beide Kandidaten sind im Wahl bezirke bekannt und beide sind für das Amt eines Landtagsabgeordneten durchaus geeignet. Die Entscheidung kann also lediglich nach sachlichen Erwägungen sich vollziehen. Her: Sche'p ist Mitglied der Lippischen liberalen Volkspartei, auf deren Programm verpflichtet und nach der straffen Partei diszizlin völlig außer Stande, eine andere Ansicht zu vertreten als diejenige der Lipp. liberalen Volkspartei.—(Pastor Zeiß ist bekanntlich abgesägt und ihm ein Kandidat der Lipp. liberalen Volkspartei gegenübergestellt, weil er sich auf das Parteiprogramm nicht verpflichten wollte). Der Kandidat der Lipp. liberalen Volkspartei kann nach seinem Parteiprogramm aber niemals ein Vert eter des Mittelstandes sein. Die Einführung des gleichen direkten und geheimen Wahlrechts ist eine Gefahr für den Mittelstand. Die in abso luter Mehrheit befindliche heutige dritte Wählerklasse würde darn im Stande sein, dem Mittelstande Lasten aufzubürden, die er nicht mehr tragen kann, sie kann das umsomehr, als die dritte Wählerklasse nach dem liberalen Parteiprogramm in Au unteren Stufen von der Einkommensteuer befreit werden soll. Die Befreiung der unteren Stusen von der Einkommensteuer ist ebenfalls eine Gesahr für den Mittelstand, da der Steuerausfall in Rücksicht darauf, daß wir reiche Steuerzahler in Lippe nur wenige haben, vom Mittelstande aufgebracht werden muß. Derjenige Wähler des Mittelstandes, welcher einen Kandidaten der Lipp. liberalen Volkspartei wählt, schneidet sich also in das eigene Fleisch. Wir empfehlen daher dem Mittelstande die Wahl des Inspektors Reitzel in Detmold. Her: Reitzel kennt die Verhältnisse in Lippe aus dem ständigen Ver kehr mit den Wählern. Herr Reitzel steht völlig frei und unabhängig da und hängt nicht an den Schößen irgendwelcher Partei. Er wird gegen das allgemeine direkte und gleiche Wahlrecht stimmen, aber eintreten für die Anrechnung der Gebäudesteuer und der Gewerbesteuer bei der Einteilung der drei Wahlklassen. Herr Reitzel ist nicht für die Befreiung gesunder und kräftiger Personen von der Einkommensteuer, wohl aber im Sinne für Entlastung kranker, erwerdsunfähiger und alter Leute oder Angehöriger der unteren Klassen mit starker Familie. Herr Reitzel ist für eine gerechtere Verteilung der sich als Doppelbesteuerung darstellenden Gewerbesteuer Das Domanialgesetz vom Jahre 1899 wird er nicht preisgeben. Jeder Wähler der zweiten Klasse kann also unbedenklich seine Stimme dem Inspektor Reitzel geben. Die Wähler dürsen auch namentlich nicht vergessen, daß jeder Wähler der Lipp. liberalen Volkspartei unweigerlich ein Wahlrecht ausübt. Die Wahl des Inspektors Reitze! kann daher nur als gesichert betrachtet werden, wenn jeder Mittelstandswähler ebenfalls an der Wahlurne erscheint. In dieser ernsten Zeit sollte jeder Wähler es als eine Pflicht dem Staate gegenüber erachten, das Wahlrecht auszuüben! „„ Berichtigung. In dem Wahlartikel aus Wüsten werden mir die Worte in den Mund gelegt:„Wählt, wen ihr wollt, nur keinen Konservativen.“ Diese Worte habe ich nicht gesprochen. Es tut mir leid, daß der Herr Konservative solche Kampfmittel wählt, ich folge ihm aber auf dieses Ge biet nicht.. Bruns=Wülfer. Obgleich es sich eigentlich wohl erübrigt, wollen wir doch darauf hinweisen, daß von den an dieser Stelle erwähnten Kandidaturen Nullmeter und Niewald die erstere nur ein un angebrachter Scherz ist, während von der 2. an maßgebender Stelle, wie wir erfahren, überhaupt nichts bekannt ist. Die Bedeutung beider Kandidaturen ist also= 0. Die einzig in Betracht kommenden Kandidaten sind für den 3. Wahlkreis (westlicher Teil des Amtes Detmold und Amt Lage) der Guts pächter Nobert Scharenberg in Braunenbruch und für den 6. Wahlkreis(östlicher Teil des Amtes Detmold und der Aemter Brake und Blomberg) der Landwirt Heinrich Frevert in Niedermein. „„* Zur Kandidatur Neitzel. In Detmold wird geflissentlich verbreitet, daß Herr Reitzel konservativ sei. Wir stellen hier mit fest, daß diese Behauptung unrichtig ist.: Herr Neitzel ist nationalliberal. ist aber in diesem Falle in der Hauptsache von Mitgliedern der alten freisinnigen Partei auf gestellt, denen die Verbrüderung Neumann=Heynemann nicht paßte. Der Beschluß der konservativen Partei, Herrn Neitzel: Wahl zu unterstützen, ist lediglich von dem Standpunkte er folgt, daß Wahlenthaltung die Unterstützung des Kandidaten der liberalen Volkspartei bedeute. „„** Es wird vielfach darüber geklagt und es wird schmerzlich empfunden, daß dem Fürstentum Lippe keinerlei Ein nahmen durch seine Eisenbahnen erwachsen. Ge wiß. dieser Ausfall ist recht empfindlich. Wer hat es denn verschuldet, daß wir von der Eisenbahn keine pekuniären Vorteile haben? Einzig und allein die freisinnige Partei. Als im Reichstage darüber beraten wurde, ob die Eisenbahn Reichseisenbahn werden sollte, war es die da mals sehr stark vertretene freisinnige Partei, welche die Vor lage zu Fall brachte. Somit verdanken wir und auch andere Kleinstaaten der Kurzsichtigkeit des Freisinns diesen Ausfall an einer Einnahme, die, wenn wir sie früher erhalten hätten. das große Defizit in der Reichshauptkasse bedeutend abgeschwächt hätte. Schlangen, 3. Dez. In einer von Herrn Pastor Zeiß anbe raumten von zirka 100 Wählern besuchten Wahlversammlung wurde folgender aus der Versammlung heraus gestellte Antrag mit überwiegender Stimmenmehrheit angenommen:„Im Interesse der liberalen Sache, der durch ev. Zersplitterung der Stimmen erhebliche Schädigung entstehen könnte, sowie aus dem dankbaren Gefühl heraus gegen unsern bisherigen Vertrete: Herrn Pastor Zeiß, der bis jetzt unsere Interessen zu unserer Zufriedenheit vertreten hat, ersuchen wir Herrn Lehrer Ponkoke=Schieder, zu dem wir ebenfalls das volle Vertrauen haben, daß er die liberale Sache gut und geschickt vertreten würde, seine Kandidatur zugunsten des Herrn Pastor ZeißSchwalenberg zurückzuziehen.“ „* Oeffentliche Wählerversammlungen finden statt: heute, Sonnabend. in Lage, abends 8 Uhr in der Reichskrone morgen, Sonntag, in Detmold. abends 8 Uhr im Gast hof„Stadt Detmold“.(Kanne). In beiden Versammlungen sprechen: Reichstagsabgeordneter Bäckermeister Nieseberg und Landlagskandidat Baumeister Hanke aus Lage. „„* Landtegt wadl und Schweineseuche. In der Landeszig. wird bemängelt, daß auf dem Lande das Wahllokal sich viel ach auf einem Bauernhofe befindet, ja in einem Falle soll es cga; auf einem Hofe sein, wo die Schweineseuche herrscht. Nun wir glauben versichern zu können, daß auch in diesem Falle die Wähler weder mit dem Schweinestalle noch mit dem Schweine11oo in Berührung kommen werden. Sie können also die Wobl ausüben, ohne an ihrer Gesundheit oder politischen Ueberzeugung Schaden zu nehmen. „.„„* In Oerlinshausen hat ein Herr Limberg dem Herrn Di Neumann=Hoser schwer zu schaffen gemacht, ebenso auch in Lopoldshöhe, wo der Herr Limberg dann vom Herrn Neu mann=Hofer seisette genommen und unter vier Augen ohne Zeugen„belehrt“ worden ist. Der Herr Limberg läßt uns nun durch einen Boten der Landeszig folgende Erklärung zugehen: ist unwahr, daß ich auf der Versammlung zu Oerlinghersen emn Men“ 2 den 30. Novemher gesegt habe: Wenn die Oeffentlichkeit über Herrn Dr. Neumann=Hofer genau Bescheid wüßte, dann wäre sein Reichstagsmandat gefährdet. Meine Disserenzen mit Dr. Neumann=Hofer sind rein sachlicher Art.“ Die Landesztg. meint zu derselben Sache noch, wir hätten mit dem Bericht über die Oerlinghauser Versammlung einen „persönlichen“ Feldzug gegen Herrn N.=p. eröffnet. Richts ist falscher als diese Behauptung. Wir haben nur einen kurzen Bericht veröffentlicht, von dem unser Gewährsmann behauptet er enthalte lediglich Tatsachen. Die Erklärung des Herrn Limberg, von der wir noch nicht genau wissen, wie sie zustande kam, ändert daran gar nichts. Der Landesztg. wollen wir noch bemerken, daß uns Material zur persönlichen Bekämpfung ihres Herrn und Meisters teils angeboten, teils zugegangen ist. Wir haben keinen Gebrauch davon gemacht. „„* Sonneborn, 4. Dez. Auch hier hat sich der Kandidat der Klasse Ziegelmeister Potthast aus Talle den Wählern vorgestellt, in dem Leutheschen Saale, und hat einen vorzüglichen Eindruck hinterlassen. „„* Weshalb wir keinen ausführlichen Bericht über die frei sinnig=liberale Versammlung in Lage brachten, fragt die Lendesztg. Die Antwort ist sehr einjach: wir verließen unauf einen Berichterstatter und dieser wiederum verließ sich auf einen andern Berichterstatter. Auf diese Weise bekamen wir gar keinen Bericht und mußten uns mit dem kurzen Artikel der freisinnigen Lipp. Volkszeitung begnügen. Also böse Ab sichten leiteten uns durchaus nicht. Wir haben es selbst sehr bedauert, daß wir ohne eigenen Bericht blieben. „„ Weitere Wahl=Artikel befinden sich in dem anderen Hauptblatte der heutigen Nummer. Stadt und Land. Detmold, 5. Dez. 1908. * Das Hofmarschallamt macht bekannt: Es wird noch einmal in Erinnerung gebracht, daß diejenigen Damen un perren, welche den Wuusch hegen, in diesem Winter be Hofe zu erscheinen, sich in die Einschreibebücher einzuzeich nen haben. * Anerkennungsurkunden. Der Fürst hat dem Wer!meister Ernst Hagedorn und dem Sägemüller Karl Middele in Siekholz aus. Anlaß langjähriger treuer Dienstleistun gen bei der Fa. Bohm& Romberg daselbst Anerkennungs urkunden erteilt, ebenso dem Arbeiter Wilhelm Kelle in Blomberg aus Anlaß sangjähriger treuer Dienstleistungen in der Gerberei von August Recker daselbst. * Z u r V e r g r ö ß e r u n g d e s S e n n e l a g e r s w e r d e n i m Reichshaushaltsetat 60000 M gesordert. * Konzerte. Im Hotel„Lippischer Hof“ ist mor gen abend Streichkonzert.— Im„Neuen Kruge“ findet morgen nachmittag Konzert mit Tanz statt. * 21. Orgelvortrag in der reformierten Stadtkirche an Sonntag, den 6. Dezember, abends 8 Uhr. Bach: Präln dium und Fuge a=moll; Bach: Pastorale F=dur: Händel: Andante G=dur aus dem Konzert g=moll: Merkel: Sonat# (Satz 1) g=moll und für Sopran: Goltermann„Wo wohn“ der liebe Gott?“ und Hildach„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen.“— Eintritt frei für jedermann. * H a c s l e r s h ö h e r e H a n d e l s s c h u l e. H e r r D i r e k t. H a c ler hat die Leitung seines hiesigen Unterrichtsinstituts wie der persönlich übernommen und zugleich seine Paderdorne Zweiganstalt nach hier verlegt. Dem Genannten, desset Leistungsfähigkeit und Erfolge von früher her bekannt sein dürften, ist infolge seiner wissenschaftlichen Arbeiten an dem Gebiete der Handelsschulpädagogik durch Erlaß de Königlichen Regierung in Minden die staatliche Anerken nung zu teil geworden. * W e i h n a c h t s k o n s e k t. A l s F r i t z c h e n h e u t e m i t t a g a u s d e Schule kam, zog er schon im Hausgang die Nase hoch, wie ei Hühnerhund. Es war ihm ein Duft in die Nase gestiegen, de in seiner Seele mit einem Schlage die Erinnerung an selig Stunden hervorzauberte. Er sah den Weihnachtsbaum, de it Kuchentellern besetzten Gabentisch und sah sich selber a ersten Feiertagmorgen so recht faul bis in den hellen Tag hin ein im Bett liegen, den Teller mit dem Konsekt in unmitte! barer Greifnähe davor— es war ihm die Witterung vo Uutters Weibnachtsbäckerei in die Nase gezogen. Un diese Witterung trog ihn nicht.. Als er den Ranzen abgeleg hatte, riskierte er einen Blick durch die Küchentüre, die al alsbald vor seiner Nase energisch zugeschlagen wurde mit Drohung„Untersteh Dich nur nicht!“ Da wußte er genug. An beim Mittagessen, da brachte er's denn heraus. Die Pfesser kuchen waren schon sertig, das Buttergebackene kam jetzt dara Es sollte jetzt schon gemacht werden, damit es, in luftsichere Blechdose verpackt, bis zum Feste die nötige Mürbe und Re erlange. Nach einigem Parlamentieren erhielt er sogar Erlaubnis, zusammen mit der Liese dabei zu„helfen“. Teig lag schon ausgewirkt auf dem Kuchenbrett, goldig gesah er aus und duftete verlockend, die Mutter hatte danebe die zahlreichen Formen aufgestapelt. die sie abwechselnd be nutzte, um Sterne und Tiere und Kreuze und Ringe ausz stechen.„Ach Mutter. mach doch noch ein paar Fische. Fiscl sind am schönsten, gelt Liese. Gar keine Fische hast Du noch g macht".—„Warum denn lauter Fische?" fragt die Mutte Und allmählich bekennt der Schlaumeier:„Die sind al größten, an denen ist am meisten dran". Fritz und Liese trage abwechselned die ausgestochenen Gebilde zur Seite, um sie al dem Backblech zu sammeln.„Gelt, Mutter, roh kann man de Teig nicht essen?“—„Gott bewahre Fritz, da bekämst T chönes Leibschneiden. Ja nicht". Aber es dauert nicht lang da meldet die Liese:„Mutter der Fritz hat eben wieder eine Stern aufgegessen“.—„Petzliese, gar nicht wahr!"—„Doc wahr"—„Erst recht nicht".„Ei Kinder, wollt Ihr won Ruhe halten. Fritz. schämst Du Dich denn gar nicht! Wie Di wieder eiwas stiehlst, mußt Du sofort aus dem Zimmer." Die Mahnung fruchtet, aber sie trägt der Liese einen empfindlichen Puff in die kurzen Rippen ein.„Mutter, er hat mich geknufft — rritz, Fritz!“. Fritz nimmt sich jetzt kolossal in acht. Abees dauert nicht lange, da hört die Mutter auf einmal mit den Ausstechen auf und ehe Fritz noch eine Defensivbewegung aus ühren kann, hat er sie schon weg, die Backpfeise, die von de außerst geschickten, wenn auch etwas mehligen Hand d. Mutte versendet, mit tadelloser Exaktheit„saß“. In solchen Fällen hatte die Mutter, sonst die Güte selbst, eine etwas lockere Hand; wenn ihr die Keckheit zu weit ging, dann gab's was „Sofort machst Du, daß Du hinauskommst. Du ganz unver chämter Bengel, Du. Reißt mir der Junge die Ecken vom Teig ab. Meinst Du, ich merke so was nicht? Marsch mit Dir!" Fritz schleicht betrübt aus dem Paradies, nicht ohne der triumphierenden Liese von der Tür her noch einmal die Zunge gezeigt zu haben. Vergebens suchte er auszuspionieren wo das fertig gebackene Konsekt verstaut worden war. Um den großen Wäscheschrank schlich er ein paarmal herum und hielt prüfend die Nase vor die Ritzen. Wenn man bloß einmal den Schlüssel haben könnte. Die Liese, die Gans, die könnte ja dazu, aber mit der war nichts anzufangen. Frauenzimmer sind zu keinem ordentlichen Streich zu gebrauchen. So muß Fritzchen wohl oder übel warten, bis der heilige Abend kommt Inzwischen umwehen noch mancherlei liebliche Düfte von Gebackenem das Haus. Spritzengebackenes wir fabriziert, jenes heuchlerische Gebäck, bei dem Du meinst. Du hättest einen gan sen Berg voll und dabei ist es lauter Schaum. und Du hast nichts im Munde. wenn Du es verzehrst.„Verwirrte Ge danken“ werden ebenfalls gebacken, die kann man sich gebacken schon gefallen lassen. Zimmetsterne sind für den, der sie mag ebenfalls nicht zu verachten. Nußsterne erst recht nicht. Pfefsernüsse und Brenten zählen gleichfalls zu den erlesenen Genüssen. Jede Hausmutter hat so ihre Spezialitäten, die von der Familie hochgehalten werden und deren Rezepte durch Generationen vererbt werden. Seltener geschieht eine Ergänzung durch Tausch von Konsektrezepten. Denn. sonderbar, nur selten schmeckt Meiers das Konfekt wie Frau Schulze es backt und Frau Schulze rümpft die Nase über die Bäckerei von Frau Müller. Frau Müller wiederum versteht nicht, wie Lehmanns das Zeug essen können. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Gottseidank! * K a u a r i e n= A u s s t e l l u n g. D i e i n d e n R ä u m e n de: Gasthofs„Zurs Rose“, W. Schmidt, Detmold, Langestr. oranstaltet: Kanarien Ausstellung erfreute sich eines recht zahlreichen Besuches; die Ausstellung ist tadelos, der Besuch lann aufs wärwste empfohlen werden. Es erbtener, 1. Breise: Holzgriw;, Klaus, Zurhelbe, Arends und Br. 2. Preise erhielten: Lehbrink und Kehne. Klöpper, Detmold, für Sämereien und Heckutensilien 1. Preis. * S t a a t s l o t t e r i e. G e s t e r n f i e l e n 3 0 0 0 0 M k. a n Nr. 17336; je 15000 Mk. auf 62373. 147192 und 286896; je 10000 Mk. auf Nr. 20831, 47630, 132686 und 255190. &am Salzuslen, 5. Dez.(Verschiedenes.) Bei einer Untersuchung der Schulkinder stellte sich heraus, daß ein Schüler mit einem Revolver verseven war, zu dem er sich um Tage zuvor 100 Patronen gelauft hatte.— Von den Kindern des Tischiers Brune starb vorgestern das zweite am Scharlach; vor vierzehn Tagen verlor Brune seinen 12jährigen Sohn durch dieselbe Krankheit.— Die Arbeit am angejangenen Neubau des Mädchenheims mußte vorläufig eingestellt werden, weil eine Straße dort angelegt werden soll. Leider wir die Anstalt dadurch erheblich geschädigt.— Einem Beschluß des Schulvorstandes zufolge soll künftig die Bade=Einrichtung in der neuen Schule auch dem Publikum zugänglich gemacht werden.(W. Z.) el. Salzuslen, 5. Dezember.(Gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Behörden und Stadtnsitzung vom 4. Dezember.) Anwesend vom Magistrat: Bürgermeister Klappert und die Rats verren Kopsieler, Warrentrup und Hartmann. Von der Stadtverordnetenversammlung waren sämtliche Mitglieder erschienen. Einziger Punkt: Verfügung der Fürstlichen Regierung, bdetr. Kleinbahnübergang im Zuge der Moltkestraße. Dieser Punkt beschäftigt die städt. Behörden schon seit einigen Jahren. Nachdem sich im sog. Wellenfelde ein ganzes Villenviertel gebildet hat, ist es unbedingt notwendig, daß eine öffentliche, ordnungsmäßige Straße zu den Villen führt. Die Stadt beabsichtigt, di. Rolttestraße aufzulegen und eventuell auszubauen, kann iber von der Gesellschaft der Herforder Kleinbahnen nicht die Erlaubnis zu dem Bahnübergange bekommen. Fürstiche Regierung ist bereit, auf Grund der Konzession durkunde der Kleinbahn aufzugeben, den Bahnübergang freizugeben, wenn die Interessenten des jetzt bestehenden nicht issentlichen Weges auf den Bahnübergang verzichten. Da in Teil der Interessenten es ablehnt, die Verzichtleistung einzugehen, will die Regierung keine weitere Schritte unternehmen, sodaß der jevige Zustand bestehen bleibt. Allg: mein ist jedoch die Ansicht vertreten, daß, wenn der Bahn ibergang nicht geschaffen wird, das ganze Viertel von de: Stadt abgeschnitten bleibt. Es wird nach Schluß der län geren Debatte einstimmig beschlossen, die letzte Verfügung der Regierung im Wege der Verwaltungsklage zur Gelung zu bringen, zugleich aber auch zwei Gutachten von Sachverständigen einzufordern, die die Anlage für erforderlich halten und vor allem, die von den Kleinbahnen hervorgehobenen Einwendungen wegen der Gefährdung des Verkehrs als nicht stichhaltig anerkennen.— Dann wurde in die Beratung der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung eingetreten. 1) Ankauf der Werler Mühle zwecks Errichtung eines Ekektrizitätswerkes. In der letzten Stadtverordnetensitzung war beschlossen, die Mühle zu dem gesorderten Preise anzukaufen, wenn Herr Ernsting die auf Kosten der Stadt auf sein Grundstück zu verlegende Pumpenanlage, die die Berieselung seiner Wiesen bewirkt, auf seine Kosten interhalte und bediene. Nachdem mit Herrn Ernsting die erhalb nochmals verhandelt ist, teilt er mit, daß er die Bedingung, daß die Stadt die Berieselung vorzunehmen sabe, nicht fallen lassen könne. Die Versammlung kanr ich aber nicht entschließen, eine derartige Bedingung in den Kaufvertrag aufzunehmen und lehnt den Ankauf mit 4 gegen 4 Stimmen ab. Im Anschluß hierau wurde danr beschlossen, seitens der Kommission. die durch die Herrer Höbel und Barkhausen erweitert wird, sofort die Ver sandlungen wegen Erbauung einer Zentrale in der Stod inzuleiten, was ja insosern nicht so schwierig sei, als di bisher gehörten Sachverständigen bereits Kostenanschläg vierfür ausgearbeitet hätten.— 2) Der Magistrat hat be hlossen, die Stadtbaumeisterstelle zum 1. Aori k. Is. mit einem Gehalt von 3300—5100 A auszuschreiber ind wegen des Bildungsgrades in der Ausschreibung kein sesondere Anforderungen zu stellen. Die Versammlun s hiermit einnerstanden.— 3) Forstetat. Wird vertagt Schluß in nächster Nummer.) * Schötmar, 5. Dezember. Die Ehefrau Pauli: Büschenfeld in Knetterheide ist als Hülfshebeamme si e Fauerschaft Werl=Aspe angestellt und verpflick rorden. * Schötmar, 5 Dezdr.(Kirchliche Nachrichten enntag, den 6. Dezember: Frühkirche 8½ Uer: ke. Hauptkirche 10 Uhr: Pastar Sor.l# * Lemgo, 1. Dez. Herr Rentner Wülker hiees:on erkaufte seinen zwischen dem Oster= und Regenstore bei enen Garten an den Zigarrenfabrikanten Herrn Kon nerzienrat Schmidt hierselbst. Kauspreis 15000 M.(L.1 p. Lemgo, 4. Dez. Der hiesige Quartettverein, der vielinserer Mitbürger noch seit seinem letzten Wintervergnüge i Erinnerung sein wird, beschloß in seiner letzten Singstund in diesjähriges Vereinsfest, verbunden mit der Feier 0jährigen Stiftungsfestes erst im Februar de kommenden Jahres zu feiern. Blomberg, 4. Dez. Eine Versammlung d:: -aarnerordneten findet am Montag. den 7. De; bends 8 Uhr, statt. Die Tagesordnung ist folgendWeiterlegung der Gehbahn vom Obenhaus'schen bi erth schen Hause vor dem Heutore. 2) Vorschlag des Ba:. camen Hilker, Aenderung der Heizungsanlage em Rat muse betressend. 31 Liquidatior der Taratoren über di lbschätzung der städtischen Grundstücke. 4) Verkauf der in littergutsbezirk Borthausen und bei der Haltestelle Nolte of liegenden Restgrundstücke. 5; Eingabe des Bezirke eldwebels Mengert, betresiend Erhöhung des Wohnungs zeldzuschusses. 6) Verfügung Fürstliche: Regierung, beti ie Enteignung von Grundstücken des Schneidermeinter selser und Genossen. 7) Desgleichen, betressend die Ent eignung eines Grundstückes des Tischlermeisters Bedekin n Wöbbel. 81 Bewerbungsgesuche um die erste Lehrer stelle an der Rektorschule. 9) Ankauf des Gehölzes de Bwe. Schröder und der Geschwister Höcker am Steinberg * Heiden, 5. Dez. Dem Odstbaum=Revisor Heima Stötting hiers. ist bis auf weiteres die Revesion der Obst aume zur Vertilgung der Blutlaus in der Bauersch#. eßlob übertragen =b= Heipke, 3. Dez. Wie wir hören, bleibt die Post verbindung Leopoldshöhe=Schötmar vom 1 Januar ab wieder fortbestehen. 2o## Brake, 4. Dez. Den vielen berechtigten Wünschen unserer Einwohner, bei dem Bahnübergange in Belle Alliance eine Bahnschranke zu erhalten, scheint ma jetzt nachkommen zu wollen. Es scheint, daß Königliche Eisen bahn=Betriebsinspektion sich nunmehr von der Notwendigkei: der Schranke an der gefährlichen Stelle überzeugt hat, denn es werden jetzt schon Steine zu der zu errichtenden Bahnwärter bude angefahren. eg= Hohenhausen, 4. Dez.(Verschiedenes.) An das hiesige Fernsprechnetz ist neu angeschlossen: Gastwirt Bünte=Ludennanirn.— Der Besitzer der früher Hankemekerschen Ziegelet, Herr Wiebesiek, will nächsten Sommer größere Maschinenanlagen machen: die Dampf maschine soll so stark werden, daß auch noch nebenbei elektrisches Licht abgegeben werden kann.— Die Schroder= sche Dampf= und Ringofenziegelei wird ihren Betrieb nächstes Jahr auch etwas vergrößern.— Da die Baulust hier eine sehr rege ist, können die beiden Ziegeleien ihren Betrieb ruhig vergrößern; jetzt werden von auswärts noch manche Ziegeleifabrikate eingeführt. Für nächstes Jahr sind hier schon über 10 Neubauten fest in Aussicht ge nommen.— Wie wir hören, will hier eine auswärtige Firma eine Zementwarenfabrik anlegen; wir be grüßen dieses Unternehmen mit Frende.— Am kommen den Sonntag ist die Eröffnung des Jahnbazars, wei cher reich mit allen Sachen beschickt ist. Die Hohenhauser Damen, welche als Verkäuferinnen sungieren, haben keine Mühe gescheut, um alles in Ordnung zu bringen. In Var sind für das Jahndenkmal schon 779.A durch frei willige Gaben aufgebracht.— Unsere Landesstraße durch das Dorf befindet sich leider in einem schlechten Zustande und bedarf dringend der Besserung. . Bösingfeld, 4. Dez.(Krankenhausbau.) Zu der Nachricht vom 30. November kann ergänzend nach solgendes mitgeteilt werden: Wie schon berichtet wurde, bai die Versammlung der Altbürger am 29. November, in der weit über die Hälfte der 138 Altbürger anwesend war, für das geplante Krankenhaus einen 4 Schefselsaat großen Bauplatz, dessen Wert auf 6000 A geschätzt ist, zur Ber sügung gestellt. Da nach einer früheren schriftlichen Er klärung sämtlicher Altbürger dieser Platz verkauft werden sollte, so muß die Ueberweisung vor Gericht durch Berkauf geschehen. Es wurde hierfür ein Preis von 10 A für das ganze Grundstück festgesetzt, da der Kaufpreis dem Krankenhauskomitee geschenkt werden soll. Der Bauplatz ist in unmittelbarer Nähe des Fleckens, frei und ruhig gelegen, sodaß ein geeigneterer Platz für unser Krankenhaus wohl niemals hätte gesunden werden können. In dieser Erkenntnis und in dem Willen, sogleich etwas außerordentliches für den Krankenhausbau zu tun, wurde aus der Versammlung heraus die Sache angeregt und aufs lebhafteste befürwortet, sodann auf einstimmigen Beschluß sogleich zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen. Die Bösingfelder Altbürger können wegen dieser opferfreudigen und edlen Tat des herzlichsten Dankes aller versichert sein, die an der baldigen Vollendung des für die ganze hiesige Gegend so notwendigen und viel Segen verheißenden Krankenhauses ein Interesse haben. Aus der Nachbarschaft. * Münster, 4. Dez.(Beschwindelt. Der„M. A.“ meldet: Ein elegant gekleideter und sicher auftretender Herr kam am Dienstag morgen zu einem Uhrmacher auf der Rothenburg und bat um Anfertigung eines Armbandes von 10 Mark=Stücken mit dem Bilde Kaiser Wilhelms I. Dasselbe sollte ein Geburtstagsgeschenk für seine Mutter sein und müsse bis Mittag fertiggestellt werden. Da das nicht so schnel! möglich war, wollte er wenigstens seiner Mutter die Münzen schon vorlegen und sie dann zur Verarbeitung zurückbringen. Nachdem sich der noble Herr noch eine Uhr ausgesucht hatte, versprach er dem Geschäftsmann noch, ihn seiner Verbindung. die im Restgurant gegenüber tagen, sollte, empfehlen zu wollen. Die Sachen erbat der Herr Bergeleve von Schmeter, wie er sich nannte, mit quittierter Rechnung, Heerdestraße 17. Der Urmacher machte sich schleunigst daran, eine Anzahl der bezeichneten Münzen zu sammeln, was ihm auch glücklich gelang. Dann ging er zu seinem Kunden, dessen hochtönenden Namen er schon unten an der Haustür wie auch oben an der Zimmertür fand. Der Herr saß emsig beschäft. am Schreibtisch und freute sich über die Pünktlichkeit. Dann nahm er dem Uhrmacher die Münzen ab, zog seine Schlüssel und ging ins Nebenzimmer, um, wie er versicherte, das Geld zu holen. Der Uhrmacher ahnte nichts Böses: erst als der Kunde ziemlich lange auf sich warten ließ und er dann beim Nachsuchen das Nebenzimmer leer fand. ging ihm ein Licht auf. Der noble herr war aus seiner Wohnung, die er erst am Morgen des Tages gemietet und bezogen hatte— seine Sachen sollten am Nachmittag gebracht werden— spurlos verschwunden.— Wie wir in der„Barmer Ztg.“ lesen, wurde dort am Montag der gleiche Schwindel ausgeführt. Offenbar handelt es sich um den gleichen Schwindler. * Hann. Münden, 4. Dez. Während fast überall über den Rückgang des Köhlereigewerbes wegen schlechter Absatz möglich keit der Erzeugnisse geklagt wird, scheint es an der oberen Weser im Reinhardswald und im Bramwald umgekehrt zu ein. Auf beiden Seiten des Wesertales auf der Strecke von Münden bis Bursfelde sind in diesem Jahre andauernd die weißen Dampfwölkchen über den Bäumen, die das Vorhanden ein eines brennenden Kohlenmeilers anzeigen, aufgestiegen. am meisten in der Nähe des hessischen Fleckens Vellerhagen und des hanoverschen Dorfes Hemeln, wo mehrere Köhlermeister ansässig sind. Die Köhlermeister haben sogar, um der Nach frage rechtzeitig genügen zu können. meh: Arbeiter als sonst einstellen müssen, und die kaum sertiggestellten Holzkohlen werden meistens sofort zur Bahn verladen oder dlrekt dem Verbraucher zugefahren. Der Hauptabnehmer der Holzkohlen hiesiger Gegend ist die Lokomotivenfabrik von Henschel u. Sohn in Kassel. Unabsichtliche Ironie.„Was macht ihr denn?" Kleine: „Wir spielen Mann und Frau!“—„Schön! Aber zankt euch iicht!“ Egoistisch. Schwester:„Wenn ich nur wüßte, was ich neinem Manne zu Weihnachten schenken soll?" Bruder:„Ein sichen gute Zigarren, Fanni; ich komme Weilnnachten euch uchen!“ Unverfroren. Herr:„Ich sehe Sie zwar häusig rauchen. ohann, aber niemals, daß Sie sich Zigarren kaufen?" Diener ber guä' Herr. das sähe ja gerade aus, als ob mir Ihre Zi irren nicht gut genug wären! Zeistreut. Professor Müller läßt sich im Restauran: das #e#schwerdebuch geben und tragt als Beschwerde ein, daß die Furst so schlecht war.—„Ja.“ meint der Geschäftsleiter zu Im.„Herr Professor, es kann sich aber niemand entsinnen. Ihnen bei uns überhaupt Wurst serviert worden wäre?" „Richtig", stammelt Müller,„ich hatte mir ja die Wurst elbst mitgebracht.“ Zu spät. Schwiegerrater(beim Abschied vor der Hochzeits eise):„Mein Schwiegersohn strahlt ja förmlich vor Glück.... Fapperlot, ich glaube, der wär' mit der Hälfte der Mitgift auch zufrieden gewesen!“ Nücksichtsvoll.„Ich hätte gern ein paar ganz frische Eier zehabt. Bäuerin.. aber die Hühner schlasen wohl jetzt schon?“ Vorsichtig.„Du, der Maler beim„Untren Wirt“ hat g'sagt.!“ hätt' an' Charakterkopf!“—„So! Was is denn dös? —„Dös woas i' aa' net— aber zur Vorsicht hab' i' eaym a Watsch'n geb’n!“ Aus dem Examen. Professor:„Schade, Herr Kandidat aß Ihr ganzes Wissen aus einer geschlossenen Kette von größeren und kleineren Lücken besteht!"(„Flieg. Bl.“) Belehrung.(Szene spielt südlich vom Main.) Hiasl: Veta. haißt dös Promethe—us oder Prometheus?“„Vater: „Sepp! Sagste Saupre—us oder sagste Saupreus?“ Galgenhumor. Ein Lehrer nimmt einen nichtsnutzigen urschen übers Knie und klopft ihm wacker die Hosen. Der in chten Wolken aufsteigende Staub reizt ihn zum Niesen. Schület(weinerlich):„Gesundheit, Herr Lehrer!" Vor Gericht. Richter(zu einem Unverbesserlichen):„Nun. nas führt Sie denn wieder her?“— Angeklagter:„Zwei Polizisten.“— R.:„Wahrscheinlich wieder zu viel getrunken?" — A.:„Ja, alle beide.“ Letzte Nachrichten. Detmold, 5. Dezember 1908. — Ansprache des Königs von Sachsen an die Reirnten. Bei der Rekrutenvereidigung, die vorgestern in Dresden stattfand, hielt König Friedrich August folgende Ausprache: Retruten! Wie alljährlich, habe ich es auch dieses Jahr mir nicht versagen können, an dem so wichtigen Akte Ihrer Bereidigung teilzunehmen. Durch denselben werden Sie erst vollständig Soldaten meiner Armee, sind Sie erst verpflichtet, mit Hintansetzung aller sonstigen Interessen nur dem einen Ziele nachzustreben, brave, tüchtige Soldaten zu werden im Krieg wie im Frieden, in guten wie in bösen Tagen. Es wird, es muß viel von Ihnen verlangt werden, damit Sie das Ihrige dazu beitragen, den alten Ruhm und die alte Ehre meiner Armee hochzuhalten. Der sächsische Name hai stets einen guten Klang im großen deutschen Heere gehabt. Gebe Gott, daß es immer so bleibe. Dann werde ich steis mit stolzer Freude auf Sie alle blicken. Vergessen Sie es aber auch nicht, daß meine liebe Armee nur einen Teil des großen deutschen Heeres bildet. Gedenken Sie, daß an der Spitze desselben sich ein wahrer Freund aller Soldaten befindet, ein hochherziger Fürst, mit dem mich enge Bande der Freundschaft und Bundesgenossenschaft verbinden. In diesem feierlichen Augenblicke sordere ich Sie auf zur Bekundung aller der Gefühle, die jeden braven Soldaten erfullen, mit mir in den Ruf einzunimmen: Seine Majestät der Kaiser burra, hurra, burra! — Ein Vorstoß gegen den Abgeordneten von Liebert. Dem fruheren Gonverneur von Deutsch-Ostafrika, Generalteuinan: von Liebert, dem jetzigen Reichotagsabgeordneten, wird der Vorwurf gemacht, daß er als Gonverneur im Jahre 1900 für Bauten im Schutzgebiete 000 000 M ausgegeben habe, obgleich der Reichstag nur 202000 M bewilligt und eine geforderte Erhöhung abgelehnt hatte. Abgeordneter von Liebert hat bekanntlich im Reichstage erlärt, im Plenum auf die Angelegenheit nicht eingehen zu onnen: er sei übrigens nur für zwei Monate des betzei enden Ctatsjahres verantwortlich gemen. Jentrum ünd Sozlaidewokratte wollen die Angelegenheit angeblich weiter verfolgen und dabei auch die Frage aufwersen, ob der Gonverneur und jetzige Abgeordnete für die anviel alsgegebeuen Summen zivilrechtlich regreßpflichtte gemacht werden könne. Man beavsichtigt, einen entsprechenden Antrag im Reichstage einzubringen, nachdem die Rechnungskommission die Angelegenheit geprüft hat. — Das Sedaubild im Reichotage. Durch die Presse geht die Mitteilung, daß man deabsichtige, oder wenigstens augeregt habe, das bekannte Sedanbild aus dem Sitzungszaale des Reichstages zuentiernen. Das ist nicht richtig. Von einem solchen Plane ist an zuständigen Stellen nichts bekannt. Insbesondere ist der Ausschmückungskommission, die zunächst darüber befinden müßte, kein Antrag zugegangen. Bekanntlich stellt das Bild im Vordergrunde einen bayerischen Musfetier dar, der eine französisch: Fayne erovert hat und sie vor dem Kaiser so sentt, daß das Fahnentuch den Boden berührt. Dadurch sollen sich franzosische Journalisten unangenehm berührt gefühlt haben. Das ware ja recht bedauerlich, würde uns aber weaig stören. Es wäre doch eine bodenlose Unverfroxenheit, wenn jemand ernstlich verlangen könnte, ein Schlachtenbild aus dem Reichstage zu entfernen, das etwaigen französischen Besuchern nicht behagt. Wenn aber gesagt wird, daß das Bild künstlerisch nicht befriedige, so möchten wir uns darüber des Urteils enthalten; ein Grund, es zu entfernen, würde auch niht vorliegen, es müßte denn sein, aß diese künstlerischen Bedenken sehr stark wären und alleitig gehegt würden. Wenn man alle Bilder aus dem eichstage entfernen wollte, die bei einzelnen Reichstagsmitgliedern Bedenken erregen, so würde wohl das Reichstagsgebäude ohne jeden künstlerischen Schmuck bleiben müssen. — Die Nachlaßsteuer im oldenburgischen Landtag. In der Plenarsitzung des oldenburgischen Landtages gelangte die Interpellation des Abg. von Levetzow über die Erbschafts= und Nachlaßsteuer zur Besprechung. Nachdem der Abg. von Levetzow seine Interpellation begründet hatte, beantwortete Minister Ruhstrat l sie wie folgt:„Ueber die internen Verhandlungen des Bundesrats sich auszusprechen, verbietet sich selbstverständlich für die Staatsregierung da diese Verhandlungen nicht öffentlich sind. Dagegen nimmt die Staatsregierung keinen Anstand, ihre GesamtStellungnahme inbetreff der Reichssteuerreform in folgendem kurz darzulegen. Es kann für sie keinem Zweisel unterliegen, daß eine gründliche Besserung der Reichsfinanzen sowohl im Interesse des Reiches wie der Einzelstaaten durchaus geboten, und daß eine solche nur möglich ist, wenn alle Opfer bringen, sowohl die Staaten wie die einzelnen. Die Staatsregierung kann sich daher nur auf den Standpunkt stellen, daß es ihre Pflicht ist, die bezüglichen Bestrebungen des Herrn Reichskanzlers im ganzen zu unterstützen, ohne Rücksicht darauf, ob im einzelnen ihr vielleicht eine andere Art der Beordnung angenehmer wäre sie kann nicht die Ansicht vertreten, daß es Sache eines Staates wie Oldenburg ist, bei einem großen Wert, wie das vorliegende, eine aussichtslose und daher unfruchtbare Opposition zu machen. Sie muß das Gesamtinteresse über dasjenige der einzelnen Interessengruppen stellen. Ins besondere muß aber die Staatsregierung betonen, daß gerade die Heranziehung der Nachlässe in hohem Grade geeignet ist, auf indirektem Wege die Matrikularbeiträge zu veredeln, indem sie dazu beiträgt, die Leistungen an das Reich zugunsten der weniger reichen Staaten in höherem Maße als bisher nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Bundesstaaten zu verteilen.“ Willemstad. 4. Dez. Gestern sind drei holländische Kriegs schisse die Küste von Puerto Cabello und La Guaira entlang gefahren, um gegen Venezuela zu demonstrieren. Wien, 4. Dez. Aus vertrauenswürdiger Quelle wird ge meldet, daß gestern zehn weitere Regimenter Infanterie an die serbische Grenze abgegangen sind. Auch die Wiener Garnison hat ein Regiment abgegeben, das gestern morgen die Hauptstadt bereits per Sonderzug verlassen hat. Die bei den Fahnen behaltenen Reservisten werden nachgeschickt werden, um die Truppen in Bosnien zu verstärken Gestein wurde ein Kriegsrat gehalten, dem der Kaiser präsidierte, und an dem der Generalstabschef, der General inspektor und die höhere Generalität teilnahm. In militä rischen Kreisen ist man fest davon überzeugt, daß der Krieg vor der Tür steht. 60000 Resewisten älterer Jahrgänge sollen in den nächsten Tagen zu den Waffen gerufen werden. Belgrad, 4. Dez. Hier eingetroffene Nachrichten melden die Mobiliserung der österreichischen Truppen im ganzen Süden. Wien, 5. Dez. Das über einen Ueberfall auf eine Patrouille verbreitete Gerücht ist nach amtlicher Mitteilung unwahr. Der angeblich getötete Oberleutnant hat Selbstmord begangen Tabris, 5. Dez. Gestern wurde hier ein Meeting abgehalten, an dem über 3000 Personen teilnahmen. Die musel mannischen Redner forderten dazu auf, auf der Absetzung des Schahs zu bestehen. Ein Armenier betonte in einer längeren Rede, daß sich beide Nationen im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind vereinigen müssen. Konstantinone!, 5 Dez. Das Protokoll über die tü rkisch=montenegiinischen Verhandlungen wurde gestern unterzeichnet. Die strittigen Grenzpunkte wurden mit Ausnahme eines einzigen zu Gunsten Montenegros erledigt. Prag, 5. Dez. Die Aushebung des Standrechts wird in den nächsten Tagen erwartet. Wien, 3. Dez. Im Abzeordnetenhause kam es bei dem Versuch des tschechisch=radikalen Abgeordneten Choc, durch Verlangen nach wörtlicher Verlesung eines Einlaufes Obstruktion zu machen, gleich zu Beginn der Sitzung zu erregten Szenen. Ehe der Präsident auf wiederholtes Verlangen Chocs die Verlesung für den Schluß der Sitzung zusagte, fragte er den Abgeordneten, ob er die fluchbeladene Verantwortung für die Verzögerung der Beratung der Sozialversicherung vor dem hungernden Volke auf sich nehmen wolle. Diese Frage rief stürmischen Beisall beim ganzen Hause und Lärm bei den Tschechisch=Radikalen hervor. Auch nachdem der Redner der Sozialdemokraten, Dr. Adler zum Budgetprovisorium das Wort ergriffen hatte, lärmten die Tschechen weiter. Lisy zeigte ein blutgetränktes Taschentuch. Beim Erscheinen der Regierungsvertreter erneuerte sich der Lärm. Erst nach längerer Zeit trat im Verlaufe der Rede Adlers Rube ein. Abg. Adler erklärte unter lebhaftem Beisall, daß vor allem gegen die in Prag verhängte Maßregel protestiert werden müsse. Das Standrecht sei der vollständige Bankerott der alten österreichischen Regierungsmethode und der Beweis für die vollkommene Unfähigkeit der heute herrschenden Parteien, zu herrschen. Die Sozialdemokraten verurteilen die Exzesse in Prag. Der Redner bestritt die Fähigkeit des Ministerpräsidenten, die Vereinigung der staatserhaltenden Parteien herbeizus d#en wofür die Aussicht auf Erfolg niemals geringer gewesen sei als jetzt. Er wendete sich gegen die Trohung mit der Auflösung des Parlaments. Die Soziald. mokraten werden alles daran setzen, um die Verabschiedung des Bud is auf ordentlichem Wege durchzusetzen. Weiter bemerk: Dr Adler, es sei unzweiselhaft, daß die bosnisch=herzegowinisch Angliederung für Oesteereich die größte Gefahr gebracht habe, da Oesterreich vor eine: schweren Bedrohung des Friedens sehe. Unabweislich sei die Erkenninis, daß Oesterreich von Grund aus umgestaltet werden müsse, und daß dem deutschen Volke die volle Selbstres=ung unt dann zuteil werden kann, wenn sie alle Völker besitzen. London. 3. Dez.(Unterhaus.) Die Spezialdebatte über die neue Unterrichtsvorlage ist in dieser ganzen Woche fortgeschritten, jedoch haben sich bezüglich der Finanzfrage Schwierigkeiten ergeben. Die Anglikaner und Katholiken verlangten in Anträgen eine Vergrößerung des Staats zuschusses für diejenigen konsessionellen Schulen, welche, um unter privater Leitung verbleiben zu können, keine Unterstützung aus Gemeindesteuern beziehen wollen. Der Präsident des Unterrichtsamtes, Runcimau, erklärte, daß die Vorschläge der Regierung liberal seien, wahrend die Nonkonformisten sagten, sie würden, wenn der Zuschuß für die konsessionellen Schulen erhöht würde, die Vorlage bekämpfen. So scheinen die Dinge auf einen toten Punkt gelangt zu sein. Es verlautet, jedoch, daß die Verhandlungen zwischen den Parteien eifrigen Fortgang nehmen. In der heutigen Sitzung beantragte Premierminister Asquith die Vertagung der Debatte bis auf morgen mit der Begründung, es werer dennoch vollauf Zeit sein, die Vorlage zu erörtern, bis eine Einigung emzielt sei. Er hofse aber, daß ein Einvernehmen erreicht werde. Trüssel, 3. D.=. In der Kammer erklärten in sortgesetzter Tebatte udrr a- Militärfrage der Radikale Lorand und Beernaert(Rathollk), daß sie Anhänger der verFörlicen Dienstpflicht seien, aber Verkürzung der Dienstzeit w monen. Die Liberalen Janson und Neujean beantragten schließlich eine Tegesordnung, die die Erklärnngen des Kriegsministers billigt und einen Gesetzentwurf verlangt, der die allgemeine Wehrpflicht als einziges Mittel anerkennt, die Unabhängigkeit Belgiens auf die Dauer a####.#. Dez. Die durch den Abbruch ziehungen mit Benezuela geschaffene Lage beginnt in Holland zu beunruhigen. Da jeder Verkehr zwischen Penezuela und Curaoao stockt, so erleiden die holländischen Industriefirmen in Venezuela großen Schaden und Curacav, das fast ganz von Benezuela abhängt, befindet sich in äußerst trauriger Lage. Die regelmäßige westindische Dampfschiffahrtslinie legt nie mehr in Venezuela an. Die Zustimmung der Wassenausfuhr aus Curacao zur Ermutigung der venezolanischen Revolutionäre hat bis jetzt nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Mit Spannung verfolgt man daher in Holland die Reise Castros nach Europa, da man glaubt, daß inzwischen die Stimmung gegen Castro in Venezuela Fortschritte machen werde. Das Amsterdamer Handelsblatt macht auf die großen Kosten aufmerksam, die die Unterhaltung der untätig vor Venezuela lagernden Flotte verursacht und die binnen kurzem wohl die Ueberbringung eines Trockendocks nötig machen werde. Gottesdienste in Detmold. Sonntag, 6. Dezember 1908. Fürstliche Schloßkapelle. Vorm. 10½ Uhr Generalluperintendent Weßel. Evangelische Gemeinschaft. Sonntag vormittag 10 Uhr. Gottesdienst. Sonntag abend 7 Uhr. Jugendverein. 8¼ Uhr Gottesd. Mittwoch abend 8¼ Uhr. Uebungen im Gesangverein. Donnerstag abend 8¼ Uhr. Bibelstunde. Eine rote Nase, die ständige Zielscheibe hämischen Spottes, schafft viel Verdruß, zumal wenn man zu ihrer Beseitigung schon mancherlei erfolglos unternommen hat. Wer bisher vergeblich hoffte, mache einen Versuch mit der bekannten„Zucker's Patent=Medizinal=Seife“, einer bituminösen Kalkseife von ganz pervorragender Wirkung. Von vielen Aerzten empfohlen und 1000jach bewährt, nicht nur bei Gesichts= und Nasenröte, roten Händen und Armen, Fettglanz der Haut, sondern auch bei Hautunreinheiten und Schönheitsfehlern jeder Art, wie Pickeln, Mitessern, Furunkeln, Hautjucken etc.; Preis pro Stück 50 Pfg.(15% ig) und Mk. 1.50(33%ig, stärkste Form). Bei rauher, spröder Haut, aufgesprungenen Händen empfiehlt sich nebenbei der Gebrauch von Zuckooh=Creme(nicht fettend), wohl einer der besten Hautcremes, die es gibt. In Tuben a 75 Pfg. und Mk. 2,—, in allen Apotheken, Drogerien, Parfümerien etc. erhältlich. Literatur gratis und franko von L. Zucker& Co., Berlin W. 57. Gessentliche Wähler=Versammlung am Sonntag den 6. Dezember abends 8 Uhr im großen Saale des Gasthauses„Stadt Detmold“(Kanne) in Detmold I. Vortag des heren Reichstags-Abgeordneten Vächkermeister Rieseberg=Gueblübng. 2. Vorkelung des Landtags- Kaudidaten Heren Baumeiser 3. Dichulsion. Freunde und Gesinnungsgenossen sind freundlichst eingeladen. Der Wahlausschuß. Bildungsverein. Genorden: Wwe. Johanne Dickwann, geb. Hüfer, 65 Jahre, in Leese; Beerdigung: Sonntag nachmittag 2½ Uhr. Donnerstag, den 10. Dez.: 8½ Abends Detmold, 5. Dezember.(Wetterbericht der Wetter dienststelle des meteorologischen Observatoriums zu Nachen.) Keine wesentliche Aenderung, Höhen heiter, Täler vielfach nebelig. London: Bedeckt. Hamburg: Milde. Neueste Nachrichten! Im großen Caale des Evangel. Vereinshauses, Detmold. Nur einen Tag. Nur 2; Gast-Vorstellungen = Robert Melichs weltberühmter Edison Kinematograph. Lebende, plastische Riesen Photographien. 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Das Ausschachten der Rohrgräben und das Verlegen der Rohre zu dem Bau einer Wasserleitung oll vergeben werden Zeiehnungen und Bedingungen liegen bei dem Bürgermeister Steinberg hierselbst an den Wochen tagen von 12 bis 2 Uhr nachmittags zur Ensichtnahme aus und können Angebotsjormu#are daselbst in Empfang genommen werder. Angebote sind im verschlossenen Kuvert und mit entsprechender Bezeichnung veriehen, spätestens bis zum Oeff= ungstermine am Sonnabend den 12. d. Wits., mittags 12 Uhr in der Wohnung des Bürgermeisters Sternberg abzugeben, woselbst in Gepenwart der eina erschienenen Bewerber die Oeffnung der Angebote stattfindet. Alverdissen, den 4. Dezember 1900. Der - Weihnachtsausverkauf! Von heute bis Weihnachten gebe auf alle Gold-, Silber- und Alfenidewaren 10 bis 20% Rabatt bei Varzahlung. Unter den Lagerbeständen befinden sich sehr schöne Antiksachen, welche zum Einkaufspreis abgebe. Th. Wirsing, Juwelier — Detmold, Langestraße 36.— Bösingfeld. Am Mittwoch, den 9. d. Mts., nachmittags 3 Uhr soll die Küsterschule u. Nebenschule öffentlich meistbietend verkauft werden. Schulvorstand. 95 Ich mache hiermit meiner werten Kundschaft die ergebene Mitteilung, daß ich mit dem heutigen Tage in meinem neuerbauten Hause neben meinem Maßgeschäft noch ein Ladengeschäft eröffnet habe. Ich empfehle zum Weihnachtsfest zu billigsten Preisen Herren= und Kuabenanzüge. Paletots, Joppen, Unterzeuge und sonstige Bedarfpartikel. Krummestr. 30. in Begleitung Erwachsener zur zwanglosen Besichtigung unserer Spielwaren-Ausstellung!! Beim Einkauf erhält jedes Kind eine Gratis-Zugabe. Praktische Geschenke für Mädchen. Fertige Kinderkleider 0L Längen 45—60 cm. aus ekour, 4.50——— pf. Fertige Kinderkleider 250 Längen 45—60 cm, Wollstosse, 950—— Fertige Kinderkleider 275 Längen 60—100 cm, Mk. 18— Mädchen-Zaketto 2 50 aus mel. Stoffen u. blau Cheviot,9,50— Mädchen-Viyake 41 75 blau Cheviot, m. Kieler Abzeichen, 12—— Bacsisch-Paletots aus modernen, melierten Stoffen. 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Wenn der Bürgermeister Grundelmann auch die Stadt regierte, in seinem Hause regierte er nicht! " Und Grete denkt und denkt und ihres Nachdenkens Resul tat entreißt ein paar Stunden später dem Herrn Bürgermeister erst ein ungläubiges Starren und dann ein lautes Gelächter. „Mädel, Mädel, was hast Du mit Dir angestellt!“ Sein Lachen lockt aus der Nebenstube die Gattin herbei. Auch sie steht einen Augenblick verblüfft, dann ruft sie: „Bist Du verrückt geworden, Grete? Wie siehst Du aus?“ „Ja. wie sah die Siebzehnjährige aus! Im ausgewasch: nen Schulkleidchen, dessen Nock viel zur kurz und dessen Taille für die jungfräulich knospende Gestalt zu eng war, das weiche, trause Blondhaar gezerrt, pomadisiert und straff am Hinter kopf wie ein Schneckenhaus zu einem festen Kuauel ingedreht. Und das Gesicht mit wollenem Lappen abgeschrubbert, bis sich die zarte Haut in ein leuchtendes Kteborot gewandelt hatte. Nur an den Augen hatte sie nichts wandeln können, die lachten groß und himmelblau die Mutter an. „Nicht wahr, jetztt darf ich doch mitkommen? Jetzt bin ich doch ganz gewiß nicht mehr hübsch— nicht wahr, Mamahen, so durf ich doch mitkommen!" „Jetzt bleibst Du bei mir erst recht zu Haus! Meinst Du. ich laß mich von dir zum Narten haben? Urd Du. Ferdinand, mach, daß Du fertig wirst. Es ist in fünf Minuten drei Uhr und punkt 3 Uhr fahren die Kremser vom schwarzen Adler ab Was, ich soll sie doch mitlassen? Hab' ich's Dir denn nicht ge sagt, daß ich meine guten Gründe dafür hab', daß sie zu Haus bleibt?“ Jawohl, das hatte sie und er hatte sich ihrer Auseinander setzung nicht verschließen können, als die in dem Argument gipfelte: „Wenn einer zweierlei Brot im Laden hat, so wird er doch allemal erst darauf sehen, daß er das altbackene los wird, ehe er das frische anbietet. Hab' ich recht, oder nicht?“ Er zog den Kopf ein und wan dte den Blick zur Seite, damit er das verzweifelte Gesicht seiner Jüngsten nicht sah. als er der Gattin und seiner Aeltesten nachfolgend das Haus verließ. Erst bleibt Grete in einem Winkel und hält sich die Ohren zu, damit sie's nicht hört, wie draußen die Kremser vorüberrollen, in denen die lustige Gesellschaft hinauf zur Burg fährt. Dann wankt sie gesenkten Hauptes in den Garten hinaus, setzt sich in die Laube, legt die Arme auf die Tischplatte, drückt d# Gesicht hinein und weint, weint herzbrechend. Der draußen raschen Schrittes vorüber will, hört das Schluchzen, bleibt stehen, späht hinein in die Laube und ruft überrascht: „Aber Fräulein Grete— was ist Ihnen denn?“ Sie fährt zusammen, hebt den Kopf und starrt mit vom Veinen ganz verschwollenen Gesicht den Draußenstehenden an —„Ach— Sie sind's—“ Ja, er ist's, der junge Doktor, der sich vor kurzem im Städtchen niedergelassen hat, die stille Hoffnung aller töchter gesegneten Mütter und heiratsfähigen Töchter— er. um der Greie nicht mit auf die Burg gedurft und an den sie jetzt ge dacht hat mit dem inbrünstigen Wunsch: O möcht', er sich doch heut' auf der Eckernburg mit der Schwester Ella verloben, damit die endlich einen Mann kriegt. und sie. Grete, nicht mehr zu Haus bleiben mußte Sie schluckt noch ein paarmal, während sie sich den Blicken des Dottors darbietet in all' der Pracht und Herrlichkeit ihres au.sgewachsenen Backsischkleidchens und der unglaublichen Fii sur, und dem roten Gesicht. Im ersten Moment weiß er kaum. in sie's, oder ist sie's nicht, dann hat ihn das Komische des An blicks so überwältigt, daß er in schallendes Lachen ausbricht „Aber Fräulein Grundelmann, was haben Sie mit sich angestellt?“ Sie nickt voll grimmiger Genugtnung.„Ja. nicht wahr, einsach scheußlich. Und dennoch hab' ich nicht mitgedurft.“ „Nicht mitgedurft?" ruft er.„Ja, warum denn nicht? Darf ich auf einen Augenblick nähertreten und hören, was Ihnen fehlt?“ Und schon öffnet der im bürgermeisterlichen Hause nur zu gern Gesehene die Gartentür und eilt zur Laube hin. :„ A l s o F r ä u l e i n G r e t e l c h e n, w o s e h l t' s?“ „Das kann ich auch Ihnen gerade sagen!“ fährt sie ihn an Doch gleich darauf kommt ihr eine Idee: wenn sie ihm einen moralischen Schubbs gäbe, daß er sich um Ella bewerben möchte, damit diese endlich einen Mann kriegte. Da faßt der Doktor ihre kleine weiche Patschhand und sragt eindringlich: „Können Sie mir's wirklich nicht sagen, Fräulein Greie wo wir uns immer so gut verstanden haben? Denn das haben wir doch nicht wahr?" „Ach ja!“ will sie rufen, doch besinnt sie sich und seuszt: „Ach Gott— ich, so ein dummes Ding, was ist da groß zu versteh'n— das lohnt sich ja gar nicht. Ja— wenn ich wie meine Schwester Ella wäre!“ „Hm—“ macht der Doktor.„möchten Sie das wirklich“ „Ach so wie Ella werd' ich ja im ganzen Leben nicht. Sie haben ja gar keine Ahnung, wie die ist. So gescheit und so gebildet— englisch kann sie und französisch— und Klavier spielen— und so feine Handarbeiten machen— und Brandmalerei und das ist noch lange nicht alles!“ Ein tiefes Atemholen Gretens benutzt der Doktor zu de Frage: „Sollten wir uns nicht erst ein bischen niederlassen?“ Sie sitzt schon auf der Gartenbank und fährt wie vor B. wunderung aufstöhnend fort: „Und kochen kann sie! Der ihr Mann kann sich gratulieren. denn das ist doch die Hauptsache bei einer glücklichen Ehe, daß eine Frau das Kochen auf dem ff versteht, nicht wahr?" Zuttaulich biegt sie sich gegen den Doktor vor und sielt mit dem Eiser in ihren Mienen und der straffgezerrten Suo seeinsulanerfrisur so komisch aus, daß er nur mit Mrr; ernst bleibt. Dabei wird's ihm immer klarer, warum sie ihm die Schwester so über die Hutschnur anlobt. Nur wissen hätte er erst mögen, was dahinter steckt, daß sie ihm Fräulein Ella auf halsen will. Grete Grundelmann wird auf einmal rot bis in die Ohr zipfel hinein. Wie der Doktor sie ansieht— so mokant durchschaut er sie— ist sie zu deutlich gewesen.— Sie weiß nicht mehr, wohin sie mit den Augen sell. Ihr schamhaft sich senkender Blick streift an seinem heller. Ueberzieher hin und her, bleibt an einem winzigen Fleckchen haften und stottert: „Ach. Ihr schöner neuer Paletot— da haben Sie sich einen Fleck gemacht— Flecken rausmachen, das— das kann Ella famos—“ Ein prustender Laut kommt von des Doktors Lippen. „Das kann sie also auch! Fräulein Gretelchen, Sie haben ja ein wahres Juwel von Schwester!" Und wie ers ruft, kriegt er dieses urdiollig verhäßlichte kleine Mädel plötzlich bei den Ohren und tüßt sie ganz herz haft auf das rote süße Plappermäuschen. „Aber. Herr Doktor. was fällt Ihnen denn nur ein?“ Ganz fassungslos starrt sie ihn an und er sie. Dann sagt er:„Das war Freude. Fräulein Grete, rein objektive Freude darüber, daß Sie so eine unübertreifliche Schwester haben.“ Statt der Röte beginnt leichte Blasse Gretes Gesicht zu überziehen. Sie drückt die Hände ineinander und stammelt: „Rein objektiv— ja, ich versteh's, was Sie meinen und— darum— ist ja wohl auch weiter nichts dabei, daß Sie mir— und nun machen Sie nur ganz schnell, daß sie hinaus auf die Burg kommen und es Ella selber sagen. Sie brauchen keine Angst zu haben, daß sie Ihnen einen Korb gibt— ach, nein. riesig freuen wird sie sich und ich— freue mich auch— galz riesig— und Sie tun mir einen großen Gefallen damit, daß Sie Ella wirklich heiraten—“ „Heiraten— Ihr Fräulein Schwester—.“ Endlich ge lingt's ihm, seiner Stimme Geltung zu verschaffen.„Aber Fräulein Grete, daran hab ich ja noch keinen Augenblick ge dacht.“ Ihr abgewandter Kopf fährt jählings wieder heium. „Was.— Woran haben Sie noch keinen Augenblick ge dacht?“ „Ihr Fräulein Schwester in aller Hochschätzung— sie ist die Vollkommenheit selbst, aber meine verwegenen Wünsche bis zu ihr zu erheben—“ Ein Schrei klingt auf.„Sie wollen Ella nicht heiraten? Und wie— wie kommen Sie denn dazu, mich zu küssen?" Pfauchend, wie eine gereizte Wildkatze, steht Giete vor dem Daktor. „Rein objektiv! Dafür suchen Sie sich aus, wen Sie wollen, aber mich nicht. Dafür bin ich mir denn doch zu schade. Und wenn Sie meinen, ich ließ' mir das stillschweigend gefallen von Ihnen Zornestränen blinken in ihren Augen und der Doktor üstert ganz zerknirscht: „Sie sind ja in Ihrem vollen Recht Fräulein Grete, sind üir'e Objektive viel zu schade und— seien Sie großmütig. Ftculein Grete— ich möchte Ihnen ja alles zu Gefallen tun. aber— Ihr Fräulein Schwester heiraten— ach nein! „Fräulein Greteichen. Fräulein Gretelchen, da wär ich ja ausendmal eher bereit, die kleine Gefälligkeit Ihnen selber zu erweisen.“ Sie springt von ihm zurück „Das ist zu stark! Und das laß ich mir nicht gefallen!“ Er kommt ihr nach, hält mit sanfter Gewalt die Hand fest, die sie aus der seinen zu reißen sucht „Ließen Sie sichs wirklich nicht gefallen. Fräulein Grete“ Und brächten Sie's wirklich nicht über's Herz. die kleine Ge fälligkeit— mir zu erweisen und— meine kleine Frau zu werden? Gretelchen—“ „Lassen Sie mich! Sie— sind ja unverschämt!“ Er nickt. Vielleicht bin ich's. Ich hab' eben immer un verschämtes Glück gehabt. Und darum— Gretelchen. sehen Sie mich doch nur mal an— war's wirklich so schrecklich, vorhin der Kuß— der gar nicht so objektiv gemeint war— und wenn ich nun noch mal— unverschämt würde—“ Sie hat sich losgerissen, reckt sich vor ihm auf. breitet die Arme, um ihm von allen Seiten den Ueberblick über ihre Per son freizugeben. „Da— sehen Sie mich mal an. Haben Sie schon mal so was Scheußliches gesehen? Nein, nicht wahr? Und nun wieder holen Sie's noch mal im vollen Ernst, was Sie vorhin gesagt haben.“ Und er wiederholts mit einem Spitzbubenblinkern in den Augen. doch ersten, eindringlichen Tones: „Liedes Gretelchen, ich bitte Dich recht sehr darum, daß Du mir den grogen Gefallen tust, meine kleine Frau zu werden.“ „Du—“ nennt er sie und sieht sie an mit einem Blick— und in seiner Stimme ist ein Klang— und seine Hand, die ganz leise die ihre saßt, die ist wie eine Schlinge, die sich um ein armes Vögelchen legt, dem's nichts hilft, daß es davon flattern will, das mit seinem Flattern und sich Wehren nur immer tiefer in die Schlinge hineingerät. „Aber nein, das ist doch geradezu— und Sie denken, ich wär' dumm und glaubte Ihren das— wo ich noch nie zu vor was daven gemerkt hab'—“ „Ich auch nicht. Gretelchen. Aber so ist's ja gerade das rechte, wenn zwei erst gar keine Ahnung haben und auf einmal steh'n sie lichterloh im Feuer drinnen— Es kommt keine Antwort. Seine Lippen erdrücken auf den ihten, was sie noch etwa einwenden könnte. Erst als er das Siegel wieder von ihrem Munde löst. seufzt sie tief auf. „Ja, das wär' nun alles ganz gut und schön. aber wa: weiter werden wird— Ella— und Mama, was die angibt. wenn sie's erfährt, daß ich nun doch zuerst— ich glaub', die führt der Schlag.“— Es sieht wirklich so aus, als verspüre die Frau Bürger meisterin Lust, gleich auf der Stelle tot umzufallen, als sie am Abend mit Mann und Tochter von dem Ausflug heimkehrt und aus der Rosenlaube ihre Jüngste am Arm des heut“ so schmerzlich von ihr vermißten Doktors hervortritt.— „Grete— Du— der Dottor bei Dir: Bist Du denn krank?“ „Jawohl". ruft der Doktor und zieht die von seinem Arm Umschlungene dichter vor die fassungslose Mutter hin—„wir sind beide krank und bitten, verehrte Frau, daß Sie das Heil mittel gutheißen wollen, das wir uns schon selbst verschrieben indem wir uns entschlossen haben. Mann und Frau zu werden. Ein Schrei klingt von den mütterlichen Lippen— „Mann und Frau! Du Grete— eine Frau! So ein Kiek in die Welt, das noch nicht mal hinter den Ohren trocken—“ „O das macht nichts, liebe Schwiegermama. Ich hab' ein Dutzend vorzüglicher Rubberhandtücher in meinem Besitz.“ „Hahahaha!“ lacht der Bürgermeister und der Doktor lacht mit ihm und am lautesten lacht das Kiek in die Welt. Der Frau Bürgermeisterin Blick sucht betrübt ihre Aelte ste, die auf dem Gartenweg steht, die Lippen eingekniffen und spöttisch verzogen. Der Bürgermeister aber hat seine Jüngste bei den Ohren gesaßt und schüttelt sie hin und her.—„Nun sag' mir bloß Mädel, wie das eigentlich zugegangen ist?“ Sie zieht die Augenbrauen hoch „Gott. Papa— wie das eben so zugeht.— Wenn einer einen um eine kleine Gefälligkeit bittet und man mag nicht geradezu Nein sagen.“ Der Kaiser ein Förderer der deutschen Einzelwohnhauskultur. Wie aus einer Unterredung unseres Kaisers mit dem Münchener Oberbürgermeister bekannt geworden ist, interessierte sich der Kaiser während seiner letzten Englandreise ganz besonders für die englischen Einzelwohnhäuser, die er noch mehr als bisher in Deutschland eingeführt und für deutsche Verhältnisse übertragen wissen möchte. Der Kaiser hatte zu diesen Zwecke eine größere Anzahl Entwürfe der ihm besonders zusagenden englischen Einzelwohnhäuser von hervorragenden Architekten für seine Privatsammlung ankaufen lassen, die jetzt auf Veranlassung Sr. Majestät des Kaisers durch die in Wiesbaden erscheinende illustrierte Zeitschrift für Einzelwohnhauskultur„Landhaus und Villa“, veröffentlicht werden, um diesen guten Vorbildern in den Kreisen der deutschen Bauherrn und Baufachleuten eine zweckdienliche Verbreitung zu schaffen.— Landhaus und Villa. Illustrierte Zeitschrift für Einzelwohnhauskultur mit den Beilagen„Das eigene Heim“ und„Die Gartenstadt". Jährlich 24 Hefte a 50 Pfg. Westdeutsche Verlagsgesellschaft m. b. H., Wiesbaden 35. Von praktischem Werte für jedermann, der ein eigenes Haus mit Garten besitzt, bauen oder kaufen will, ist diese Zeitschrift, die in Wort und Bild über alles berichtet, was für den Bewohner eines„Eigenheimes“ von Interesse ist. Probehefte bei Bezugnahme auf diese Besprechung portofrei. Jeder Abonnent erhält den soeben erscheinenden„Ratgeber für Bau, Kauf und Eineichtung eines Eigenhauses mit Garten, unter besonderer Berücksichtigung der Verhättnisse des Mittelstandes". Zirka 100 Seiten stark mit über 100 Abbildungen, ganzseitigen Taseln eic. als Prämie kostenfrei geliefert, im Buchhandel gebunden nur für Mk. 6.— erhältlich. Großfürst Kyrill am Jarenhose. Der Vetter des Zaren der zweiunddreißigjährige Großfürst Kyrill, der seit drei Jah ten vom Zarenhofe ferngehalten wurde, ist wieder in Gnaden ausgenommen worden. Wie erinnerlich sein dürfte, hat Großfürst Kyrill im Jahre 1905 den Unwillen seines kaiserlichen Vetters dadurch erregt, daß er die geschiedene Großherzogin Vittoria von Hessen heiratete. Die Hochzeit verscherzte dem einst sehr beliebten Großfürsten die Sympathien des Hofes. Er mußte seine militärischen Aemter aufgeben und übersiedelte nach Paris, wo sich schon viele russische Großfürsten niedergelassen hatten. Jetzt, da der Großfürst Alexis gestorben ist, wurde Zar Nikolaus versönlicher gestimmt. Großfürst Kyrill befindet sich schon auf der Reise nach Rußland und hat gestern abend den Anhalter Bahnhof in Berlin passiert. Er ist übrigens der einzige, der am 12. April 1904 bei dem Untergang des Kriegsschiffes„Petropawlowok“ vor Port Arthur mit dem Leben davonkam. Damals fand auch der bekannte Schlachten maler Wereschtschagin den Tod in den Wellen. Großfürst Kyrill wird wieder in den aktiven Dienst der russischen Armee eintreten und die Stellung eines kaiserlichen Generaladjutanten erhalten. Handel und Märkte. Kurzer Getreide=Wossenbericht der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 24.—30. November 1908. Ebenso ungünstig wie der preußische Bericht beurteilt der das ganze Reich umfassende Bericht des Kaiserlichen Statistischen Amtes den Herbstanbau. Die Wirkung der ungünstigen amtlichen Ausführungen wurde aber wesentlich durch den Umstand abgeschwächt, daß die milde und regnerische Witterung auch während der ganzen Berichtswoche angehalten hat. Vielfach wurde die Herbstbestellung wieder ausgenommen und man hofft, daß noch ein Teil der sehr rückständigen Weizenaussgat eingeholt werden dürste. Die ausländischen Berichte boten dem Getreidehandel keine besondere Auregung. In Amerika haben sich die Preise trotz einer weiteren starken Bestandzunahme gut behauptet, da die Saaten dort immer noch zu Besorgnissen Anlaß geben. Argentinien offerierte zeitweise etwas entgegenkommender, ohne jedoch Interesse zu erwecken, weil man zuverlässigere Berichte über die Ernte abwarten will. In Deutschland hat Weizen seinen Preisstand seit der letzten Woche nicht wesentlich geändert. Das Angebot vom Inlande ist nicht groß, der Preisunterschied zwischen inund ausländischer Ware immer noch sehr bedeutend. Infolgedessen machte sich im Verlause Deckungsbedürfnis geltend, dessen Befriedigung schließlich zu einer leichten Befestigung führte. Demgegenüber lag Roggen durchweg matt, da das immer noch reichliche Angebot im Inlande nur schwacher Kauflust begegnet. Auf dem Lieferungsmarkte rief die Furcht vor umsangreichen Andienungen Begleichungsangebot hervor, welches einen Preisdruck von 2 Mark 75 Pf. zur Folge hatte. Exportabschlüsse nach Skandinavien, Nord=Rußzland, sowie nach Böhmen vermochten die Tendenz nur vorübergebend zu stützen. In Haser hat sich das Angebot zuletzt etwas gemehrt, während der Konsum nur zögernd eingreift und sich meist nur auf die Deklung des unmittelbaren Bedarfs beschränkt. Lieferungen vermochten sich dem Einfluß des schleppenden Warenabsatzes nicht zu entzehen. Die Nachfrage für Braugerste hat sehr nachgelassen. Mäßige Umsätze in Mittelqualitäten erfolgten zu abgeschwächten Preisen; nur seine Waren ist knapp und preishaltend. Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage: Weizen: Berlin Dezember 208.50(+—.25), Mai 213.— (+—.75s, Budapest April 223.00(+ 1.20), Paris November 183.80(——.5, Liverpool März 175.—(+—.30), Chicago Dezember 160.—(——.1ns: Roggen: Berlin Dezember 109.—(— 3.75), Mai 179.50(— 2.—.: Haser: Berlin Dezember 163.—(— 2.25), Mai 106.75(.—.50)„„ Landtagswahl. Der Termin zur Neuwahl der Landtagsabgeordneten ist 1. für die 3. Abteilung der Wahlberechtigten auf Montag, den 7. Dezember de. Jo. 2. für die 2. Abteilung der Wahlberechtigten auf Dienstag, den S. Dezember 50. Jo. 3. für die 1. Abteilung der Wahlberechtigten auf Mittwoch, den 9. Tezember 59. Jo. angesetzt. Die Wahlhandlung beginnt um 9 Uhr vormittags und wird um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Wahllokale sind: für die 8. Abteilung(Wahlbezirk Quartier A und D) der Rathaussaal. für die 3. Abteilung(Wahlbezirk Quartier B und C) ie Aula des früheren Gymnasiums an der Leopoldstraße, für die 2. und 1. Abteilung(Wahlbezirk das ganze Stadtgebiet der Rathaussaal. Zu Wahlvorstehern bezw. Stellvertretern sind ernannt: für die 3. Abteilung, Quartier A und D, Wahlvorsteher: Herr Handelskammersekretär Wilh. Adams, Stellvertreter: Herr Versicherungsinspektor Dierr. Vogt, für die 3. Abteilung, Quartier B und C, Wahlvorsteher: Herr Stadtrentmeister a. D. Heinr. Remming, Stellvertreter: Herr Rentner Emil Geißler, für die 2. Abteilung. Wahlvorsteher: Herr Stadtrentmeister a. D. Heinr. Remming, Stellvertreter: Herr Rentner Emil Geißler, für die 1. Abteilung, Wahlvorsteher: Herr Geh. Justizrat Eberhardt. Detmold, den 23. November 1908. Der Magistrat. Wittje. Anthracit,(Langenbrahm) Braunkohlen und Eierbriketts letztere bester Ersatz für Anthracit, empfiehlt preiswert Amtenbrink& Co., G. m. b. H Koutor und Lager Wotaustr. Fernsprecher 70. Bekanntmachung. Im laufenden Vierteljahr befindet sich der Bezirksfeldwebel des diesseitigen Meldeamts an nachstehend aufgeführten Tagen zur Entgegennahme von Meldungen pp. der Mannschaften des Beurlaubtenstandes In Hohenhausen (Wirtschaft Rottmann) Mittwoch, den 25. Novemb. Mittwoch, den 9. Dezemb. Mittwoch, den 23. Dezemb Die Meldestunden sind nachm. von 2—6 Uhr. Lemgo, den 20. Okt. Königl. Meldeamt. Detmolder Malerschule Jüngste, Auszeichnung 1900 an Staatsmedallie Ininn-1. Nov. Prospekt her Theatermalerei H. 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