pische Tages-Zeitung Ceneral-Hnzeiger für das Fürstentum Lippe. Bezugspreis: in Detmold u. durch die Vertretungen: 50 Pfg für 1 Monat. durch die Post: ¼ Jahr 1.50 Mk und 42 Pfg. Bestellgeld. für 2 Monate 1 Mk. u 28 Psg. Bestellg., für 1 Monai 50 Pfg u. 14 Pfg. Bestellgeld. Anzeigen: aus Lippe 12 Pfg. die Petitzeile, amtliche u Familienanzeigen 15 Pfg., auswärtige 18 Vfg. Reklamezeile 60 Pf. Beilagen(umsonst): 1) Lipp Familienfreund 2) Lipp Ziegelei=Anzeiger, 8) Landwirtsch Ratgeber, 4) Wandkalender. 5) Sommer=, 6) Winterfahrplan. Rotationsdruck u. Verlag: Willy Bruder, Detmold. Hornschestraße Vertretungen in: Salzuslen Len go, Lage. Blomberg, Horn, Barntrup, fest allen Ortschaften der Aernter Detmold, Schötmar, Oerlinghause Hohenhausen, Varenholz, Sternberg; Barntrup, Blomberg, Schieder, Schw über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint jeden straße 30, Fernsprecher 10 Schwalenberg; ferner in usen, Lage, Horn, Brate, hwalenberg usammen entag. Verantwortlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold. Detmold, Sonnabend, den 19. September 1908. Telegramm=Adresse: Tageszeitung, Detmold. 13. Jabrgang. Abonnements=Einladung. Die kommenden Wintermonate werden ein gesteigertes Lesebedürsnis zeitigen: in unserem Lande stehen die Laudtagswahlen vor der Türc, im Reiche die Debatten über neue Steuern. Die„Lippische Tages=Zta.“ wird bei der Verfolgung dieser wichtigen Angelegenheiten ein guter, zuverlässiger und wirklich unparteiischer Führer sein. Wir sehen davon ab, den Leistungen unseres Blattes Eigenlob zu spenden, sondern wir fordern alle, die unser Blatt noch nicht kennen, zu einem Probe=Abonnement auf: jeder wird dann selbst sehen, daß wir mehr bieten, als wir versprechen. Die Lippische Tages=Zeitung ist ein unabhängiges, auf nationaler Grundlage stehendes, vorzüglich unterrichtetes Blatt, sie ist das größte unparteiische Tageblatt des Landes Die Lippische Tages=Zeitung bringt die neuesten telegraphischen und telephonischen Nachrichten aus aller Welt, ne berichtet schnell und zuverlässig über alle Vorkommnisse in Detmold und im ganzen lippischen Lande; in allen Be(irken des Landes hat sie eigene Berichterstatter. Der Nachrichtendienst der Lipp. Tages=Zitg. ist derart seregelt, daß die Lipp. Tages=Ztg. alle Ereignisse im Deutschen Reiche und in allen anderen Ländern ihren Lesern sofort melden kann, wie sie auch in der Lage ist, ausführliche Landtags= und Reichstagsberichte so schnell wie ergend ein anderes Blatt zu bringen. Die Lippische Tageszeitung bringt naturgetreue Abbildungen der neuesten Weltereignisse nach photographiichen Aufnahmen; sie bietet spannende Romane und Erzählungen. Die Lippische Tages=Zeitung liefert ihren Abonnenten die folgenden sechs Gratisbeilagen: Landwirtschaftlicher Ratgeber, Lippischer Ziegeleianzeiger, Lippischer Familien Freund(illustriert), Wandkalender, Winter= und Sommer fahrplan. Die Lippische Tages=Zeitung ist als Inseratenblatt für von hervorragender Bedeutung, denn sie wird spcziell von dem besser situierten, kaufkrästigen Publitum Detmolds und des ganzen lippischen Landes in erster Linie gelesen und bevorzugt. Die nachweislich außerordentlich große Zunahme der Anzeigen beweist, daß die Tageszeitung die verdiente Würdigung als wirksames und dabei äußerst billiges Insertionsorgan in vollem Maße findet. Die Lippische Tages=Zeitung kostet mit allen Beilagen nur 50 Pfg. monatlich, vierteljährlich 1,30 Mk., frei ins Haus geliefert. Unsere sämtlichen Agenturen im Lande sowie alle Postanstatten und Landbriefträger nehmen Be stellungen entgegen. Alle neu hinzutretenden Abonuenten erhalten die Zeitung bis 1. Oktober gratis. Von Karl Eugen Schmidt=Paris. (Eigener Bericht der„Lipp. Tages=Ztg.“) Vor drei Wochen war ich in Metz, gerade acht Tage zu früh, um den deutschen Kaiser zu sehen. Dahingege habe ich den neuen Bahnhof gesehen, und als ich ihn sah sagte ich zu meinem Begleiter:„Der erste französische Jour nalist, der hierberkommt, wird diesen Bahnhof, der schöne größer und zweckmäßiger eingerichtet ist als irgend ein Bahnhof in Frankreich, häßlich, plump und geschmacklos nennen.“ Selbstverständlich habe ich Recht behalten. Sonst würde ich mich ja hüten, Ihnen die Geschichte zu erzählen. Das haben die Franzosen nun einmal so an sich: sie allein haben guten Geschmack, und alles, was die Deutschen machen, ist plump und häßlich. Ueberhaupt kommen sie um die Plumpheit und Schwerfälligkeit der Deutschen nicht herum, und mitunter ist das recht komisch. Da hat der ausgetretenen Weg zu verlassen und neue Pfade zu bahnen Und das ist ganz gewiß der Fall mit den französischen Baumeistern, die dafür von ihren Landsleuten als die Priester und Bewahrer des allein guten Geschmackes gepriesen und bewundert werden. Metz hat sich in den zehn Jahren, die ich die Stadt nicht besucht habe, recht sehr geändert. Erstens hat man am Dome das im siebzehnten oder achtzehnten Jahrhundert an den alten gotischen Bau angeklebte klassische Tor weggenommen und durch ein gotisches Tor ersetzt, und so verehlt die meisten dieser Flickereien zu sein pflegen, muß man in diesem Falle zugeben, daß das alte Tor schlechter aussah, als das neue. Nur der Kaiser Wilhelm als Prophet will mir nicht recht einleuchten. Hoffentlich mache ich mich keiner Majestätsbeleidigung schuldig, wenn ich finde, daß der kaiserliche Schnurrbart durchaus nichts Prophetenmäßiges an sich hat. Ein Prophet muß einen langen Bart tragen oder ganz bartlos sein: alle Leute, die jemals einen Propheten gesehen haben, werden mir das bestätigen. Ein Prophet mit einem noch so erreichten Schnurrbart ist ein Viel besser hätte man dazu den Marschall Oäseler neh men können, der jetzt als Roland am Bahnhof steht. Und der kaiserliche Schnurrbart würde ganz gut für einen Roland gepaßt haben. Dieser Roland war kein sehr langer und dürrer, sondern ein junger, fröhlicher und starter Mensch. Bismarck, ja, der mag so einen Recken abgeben, Häseler sieht wie Moltke, nicht wie ein gewappneter Recke, sondern wie ein Denker und Gelehrter aus, und das war Roland gewiß nicht, wie mir wieder alle Leute bezeugen werden, welche die zwölf Paladine Karls des Großen ge kannt haben.„ Dieser Häseler ärgerte seinerzeit die Offiziere der Garnison Metz in grausamster Weise. Wenn er einem Offiziersburschen begegnete, der für seine„Herrschaft“ Wurst Eier, Brot usw. gekauft hatte, oder der gar als Kinder mädchen das Wägelchen drückte, nahm Häseler dem Manne ein Paket oder sein Wägelchen ab und sagte ihm:„Mein Sohn, gehe zur Frau Hauptmann, deren Besorgungen Du machst, und sage ihr, der Marschall Häseler sei der Ansicht, ein Soldat sei kein Dienstmädchen. Sage ihr auch, daß ich hier auf sie warte, bis sie oder ihr Dienstmädchen das Paket oder das Kind abholt.“ Und dann blieb er wahrhaftig mit dem Palet oder dem Kinderwägelchen stehen, bis die Frau Hauptmann herbeieilte und ihr Eigentum in Emp sang nahm. Unter General Andre wurde auch in Frantreich ver sucht, mit dem Unfug, der aus einem starten Bruchteile der Landesverteidiger private Dienstboten macht, auszuräumen aber Andre leistete sich doch niemals den Spaß, selber als Dienstmädchen anzutreten, um seine Offiziere zu beschämen Und in Frantreich haben diese Bemühungen noch weniger genützt, als in Metz. Noch während der Amtozeit Andres lehrte alles wieder ins alte Geleise zurück, während in Metz gewartet wurde, bis der alte Häseler in den Ruhestand trat. Jetzt kann man in Metz so gut wie in anderen Garnisonen Offiziersburschen sehen, die allen möglichen, nur leinen militärischen Beschäftigungen nachgehen. Wie mir scheint, ist nicht nur die Stadt durch die neuen öffentlichen Gebäude, und durch die Niederlegung der Befestigungswälle größer, schöner und deutscher geworden, sondern auch die Einwohnerschaft ist etwas weniger französisch als vor zehn Jahren. Entweder hat seither die deutsche Einwanderung das einheimische französische Element etwas mehr verdrängt, oder aber die Einheimischen selbst haben sich unmerklich germanisiert. Sicher ist, daß man jetzt auf den Straßen von Metz mehr deutsch und weniger französisch sprechen hört, als vor zehn Jahren, und was mir besonders auffiel, war die deutschsprechende Ju gend. Uebrigens gaben einige französische Berichterstatter diesen Umschwung zu, und der Major Driant, der Schwiegersohn des einst so berühmten Generals Voulanger, alaubte sogar, bei den ehemals gut französisch gesinnten Einheimischen jetzt Spuren von Enthusiasmus für Kaiser Wilhelm, für die deutschen Soldaten und für Deutschland schlechthin wahrzunehmen. Allerdings darf man diesen Beaufgeführt— dann ist es begreiflich, daß sie ein gleiches reichten Vorteile der badischen und bayerischen Genossen auch im Auslande erwarten und suchen. Und doppelt be=seine erbärmliche Abzahlung und erinnerte dabei an Lasgreiflich ist es, wenn sie diese von oben gemachte Begeiste=ssalles Wort vor der verdammten Bedürfnislosigkeit der rung gerade in den ehemals französischen Landesteilen zu Massen. Die Politik der Süddeutschen sei dasselbe, was im inden glauben. Uebrigens machen sie damit ihren ehe=Reiche die Blockpolitik sei.(Lebhafter Beifall.)— Ei maligen Landsleuten ein sehr schlechtes Kompliment, wenn Delegierter fragt, warum diese Genossin doppelte Redezeit macht, darauf können die Franzosen ruhig Gift nehmen. werden sein, um die Schäden der bürgerlichen Gesellschaft Hätte man ihnen den Enthusiasmus befohlen, so wären sie zu beleuchten.(Lebhafter Beifall.) Das Wirken der baveganz sicher in ihren Häusern geblieben, nachdem sie vorhers#ischen Landtagsabgcordneten auf sozialpolitischem Gebieie ihre Türen und Fensterläden sorgfältig verrammelt hätten.]sollte den preußischen sozialdemokratischen LandtagsabgeSo haben sie es zwanzig Jahre lang gemacht, und so wür=surdneten als Vorbild dienen.(Beifall bei den Süddeutden sie es noch heute machen, wenn sich ihre Ansichten nichtlschen!— Reichstagsabgeordneter Bock=Gotha verteidigte acändert hätten. ldas Verhalten der gothaischen Landtagsabgeordueten.— David=Mainz wunderte sich, daß Bock nicht auch das hoii Verhalten der guthaischen Abgeordneten in der Resolntlon Momentonder vom mißbilligen lasse. Parlamentarischer Kretinismus wäre inzialn unfratischen Asarreiiamteo, wenn die Landtagsabgeordneten von vornherein sich sozlalbeindtratisihen Phrk===Bsauf eine Form der Theorie festlegen wollten. Wenn die (Von unserem Korrespondenten.)Landtagsfraktionen vor der Abstimmung erst einen ParNachdr. verb.) Gr. Nürnberg. U. Sevl. steitag um Erlaubnis fragen sollten, so wäre das ein BeDie Diokussion über die Budgetbewilligung.. Igehren, das man keinem vernünftigen Menschen zumuten Ein Vermittelungsvorschlag.— Aner, der tote I2sa-Ikönne. Das, was hier gefordert werde, sei keine Disziplin Die Melodie des revisionistischen Leierkastens.— Disgip!!“ mehr, sondern Kadavergehorsam. Der Friede kann nicht oder Kadavergehorsam. hergestellt werden durch die Annahme der ParteivorstandsDer heutige vierte Verhandlungstag brachte die#18=Resolution. Durch eine Vergewaltigung werde die Frage lussion über die Budgetbewilligungsfrage. Als erster Re?= nicht gelöst, lehnen Sie deshalb die Resolution ab.— In ner begründete der greise Reichstagsabgeordnete Frohmelder Vormittagssitzung nahmen serner das Wort: Zubeil, folgende vermittelnde Resolution: IEugler=Freiburg und Weiß=Markt=Redwitz.— Eine Der Parteitag bestätigt von neuem die Reseluttonmeihe persönlicher Bemerkungen schloß die Vormittagsdes Lübecker Parteitages. Er beschließt, um Streitigkeiten ntzung über eine eventuell aus zwingenden Gründen notwendig!„„„ erscheinende Zustimmung zu einem Budget zu vermeiden.! Nachmittagssitzung. daß sich die Fraktionen in den Einzellandtagen darüber z1= Ein stürmischer Anfang.— Ausflug und Rausflug.— Der nächst mit ihren Landesvorständen und dem Parteivorstand! Parteipapst Kautoky.— Ein stürmischer Schluß zu verständigen haben.„ 1 In der Nachmittagssitzung wurde in der Diskussion Frohme begründete diese Resol on eingehend. Ein über die Budgetbewilligung fortgefahren. Schon bei den großer Teil Parteigenossen sei der zeugung, daß es Ausführungen des ersten Redners, Landtagsabgeordneten zunimmen Segitz=Fürth, kam es zu stürmischen Unterbrechungen. in und Der Redner bemerkte, daß gestern die Verhandlungen des * Parteivorstandes mit den Süddeutschen in dem Augenblick abgebrochen worden seien, als er, Redner, den Versuch Ule einer Verständigung machen wollte.(Hört! Hört!) Der sen. Redner fährt fort: Ich hatte auf den Ernst der Lage hin* er: gewiesen, vor allem, daß es sich nicht um ein Dutzend Ab5 den geordnete, sondern um 95 Prozent aller süddeutschen GeAlrich“ Tnossen handelte. Da machte Singer seine Mappe zu und ßherzog sagte:„Nun habe ich aber genug!“(Stürmische Unterhren, 21 brechung und Hört! Hört!) Weiter habe ich in Erfahrung gemachl, gebacht, daß der Reichstagsabgeordnete Eichhorn gerien wer-]äußert haben soll, daß die ganzen Verhandlungen darauf t werden.sangelegt sind, einige fliegen zu lassen.(Hort! Hört! Gr. wozu man Unruhe und Lärm. Pfuirufe.) Der Redner fährt fort: eine Frage] Venn geflogen werden soll, dann fliegen nicht nur einige, zwingende Gründe nicht gewesen, aber es bestehe auch kein Zweise“ rechtschaffensten Absicht gescheh der und die Zunge rühren werde ich diese unnüten. sionen bekämpfen und Beifall.)— Der sonst füllte Adolf Geckr Budgetbewilligern 9 der es hin und w von Baden zu bezu er der Partei angeho.. daß zu gewissen Zeiten Prin. den, die dann mit großer He Wenn es dann vorbei ist, wundersich die Kopfe abgerissen. Die ganze Sache unsterbliche Akademiker u. Direktor des Theatre francais sobachtungen natinnalistischer u. klerikaler Franzosen nicht „„ W MIIA FP GEI TE. AN. E nlpetel Idlanhen Scheufen ahre Th.f. Jules Clarctie eine Geschichte des deutsch-französisch Krieges geschrieben, worin er ein über das andere Mai ausruft:„Aber wie können diese schwerfälligen deutschen Plumpsäcke das nur fertig bringen, daß sie viel schneller zur Stelle sind als unsere leichtfüßigen und rustigen französischen Soldaten?" Die Idee, daß die Deutschen am Ende garnicht so schwerfällig seien, kommt inm keinen Augenblick. Nein, die Deutschen sind schwerfällig, langsam und plump, und wenn sie trotzdem schneller marschieren als die Franzosen, so ist das eines der Welträtsel, die Häckel in seinem Buche vergessen hat. Aber daß die Franzosen den Bahnhof in Metz abschenlich finden, hat noch andere Gründe: Das läßt sich schon aus Patriotismus erklären. Der patriotische Franzose hat die Pflicht, in Metz und Straßburg alles geschmackdoll und schön zu finden, was vor 1870 geschaffen wurde, und alles häßlich und geschmacklos, was seither entstanden ist. In Wahrheit waren Straßburg und meyr noch Metz vor der Annerion genau so verschlafene und rückständige Provinz nester wie alle anderen französischen Provinzstädte, und jetzt gibt es überhaupt keine französische Provinzstadt, die sich, was öffentliche Bauten und Einrichtungen anlangte, mit diesen ehe zals französischen, jetztt deutschen Stadten messen könnte. Franzosen, die nicht für die Zeitungen schreiben und die sich deshalb nicht verpflichtet fühlen, den Pariotismus der Wahrheit vorzuziehen, geben das auch un umwunden zu. Wenn ich übrigens gewußt hätte, wie sehr sich die Franzosen für den Kaiserbesuch und die Truppenschau in Metz und Straßburg interessieren, dann wäre ich wirtlich acht Tage in Metz geblieben, um die Sache mit anzusehen. Alle französischen Blätter hatten ihre Berichterstatter dort, und aus den Grenzländern strömten die Zuschauer zu Tausenden herzu, um den deutschen Kaiser zu sehen. Bei dieser Gelegenheit merkte man wieder einmal, daß trot glledem„Ie taiser“ für den Franzosen derjenige, welcher ist, und daß er sich für König Eduard und Kaiser Rifolaus weit weniger interessiert, von den Nönigen von Spanien und ähnlichen kleineren Potentaten, die man in Paris alle Jahre zu sehen bekommt, ganz zu schweigen. Mit dem Geschmacke in der franzüsischen Architettur und dem Ungeschmacke in der deutschen, der von den Fran zosen immerfort unterstrichen wird, in das eine ganz e= ne Sache. Die Franzosen haben nämlich bis zu einem ge wissen Punkte Recht, man sicht viel mehr geschmackluse an ten in Deutschland als in Frankreich. Aber wober lommt das? Ganz einfach daher, daß die französischen Architetten seit hundert Jahren weiter nichts tun, als die einmal für gut und schön erkannten Formen nachahmen. Alles. was in dieser Zeit in Frankreich gebaut worden ist, war Lonis seize oder emvire oder Lonis quinze oder sonst ein an erkannter Stil. Niemals sucht sich ein französischer Van meister von den alten Formen loszumachen und für neue Bedürfnisse einen neuen Stil zu finden. In andern Län dern und ganz besonders in Deutschland aber sucht man wirtlich nach Bauformen, welche den modernen Bediugun gen entsprechen, und daß man auf dieser Suche nicht immer das Richtige findet, ist weiter keine Schande. Viel erbürm licher ist es schon, wenn man es garnicht wagt, den alten allzuviel Glauben schenken. Ihre These geht dahin, daß die Elfässer und Lothringer deutschfreundlicher geworden sind, seit man in Frankreich die„Kirche verfolgt“, wie der Kunstansdruck lautet. Die gut katholischen und klerikalen Elsässer und Lothringer hätten lieber mit dem kirchenfrommen deutschen Reiche als mit dem gottlosen Frankreich zu inn, das ist der Satz der französischen Nationalisten, den sie bei jedem Besuche des Reichslandes neu auspnten. Auch andere französische Berichterstatter erwähnen den Enthusiasmus der Bevölkerung heim Empfange des Kaisers, setzen aber dazu, das sei alles von oben befohlen und gemacht, und wo von wirklicher Begeisterung etwas zu swüren sei, komme es auf Rechnung der eingewanderten Altdeutschen. Es ist wahrscheinlich genug, daß diese Rech nung ungefähr stimmt, aber vermutlich ist Es damit in Straßburg und Metz heute nicht anders, ald es vor hunderesmittelnn enz und in Nauen gewesen ist.! Der der Zweckmäßigkeit und ist der Aufregung nicht wert.(Sehr dann gibt es einen großen Ausflug!(Großer Lärm; die richtig bei den Süddeutschen.)— Westermayer=Stutt= Süddeutschen spenden lebhaften Beifall.) Bebel hat heute gart erklärte unter dem Beisall der Norddeutschen, daß die mit Genossen Ebert eine Unterredung gehabt. Ich habe Parteigenossen über die Parlamentarier zu wachen hätten, lgehört, daß dem Genossen Bebel die schwersten Vorwürse die Parlamentarier ständen nicht über den Parteigenossen. a##macht wurden wegen seiner gestrigen versöhnlichen Worte Er wolle den Antrag stellen:„Der Parteitag biäigt aus=[Es hieß, er habe alles verdorben!(Stürmische Unterbredrücklich die Budgetbewilligung der badischen und baverl=schung. Hört! Hört! Pfuirufe!) Der Schlußeffekt ist der, schen Landtagsfraktion“ und hitte diesen Antrag dann ein=ldaß das Schlußwort zu dieser Frage nicht der Genosse stimmig abzulehnen.(Großer Beisall bei den Nord=]Bebel, sondern der Scharfmacher Ebert sprechen wird.(Bei deutschen.)— Der Präsident Singer bat dann im In=lden letzten Worten erhebt sich ein minutenlanger Lärm. teresse der noch folgenden 95 Redner Zwischenruse zu Die meisten Delegierten sind aufgesprungen. Man hört vermeiden.— Dann ging es weiter, auf einen Befürworter Ruse: Unerhört! Pfui! Singer handhabt mit aller Enerder Budactbewilligung folgte immer ein Gegner.— Frausgie die Glocke. Der gefüllte Saal und die Zuschauertribüne Zetkin protestierte dagegen, daß der Parteivorstand ein applaudiert unaufhörlich.)— Singer: Wenn Ihr Euch Opfer von unverantwortlichen Zwischenträgern geworden.]nicht bemeistern könnt, so ist eine geordnete Verhandlung Wenn es solche unverantwortliche Zwischenträger gebe, I##nicht möglich.(Zuruf: Die Zuhörer!) Die Zuhörer ermöge man sie nennen. Heraus mit Eurem Federwisch!suche ich, sich nicht an den Verhandlungen zu beteiligen.— Das Bestreben gewisser Leute, fortwährend an dem Pro=JSegitz(fährt fort): Ich bin 35 Jahre in der Partei und stimmung zum Budact werde die parlamentarische Arbeitl der uns bis zur Sidehitze entflammt hat, wegen einer Baentwertet. Die Rednerin schloß: Entschieden muß,ich da=gatelle, die über die Gebühr hinaus ausgebauscht worden zum und dem Parteitage gewissermaßen die Pistole auf die Brus Schluß darauf hin, daß den Berliner Stadtverordneten es setzen und verlangen, so zu beschließen, wie sie wollen. Ichsfreigelassen worden ist, für den Etat der Stadt Berlin zu protestiere dagegen, daß von Revisionisten sogar Auer=)stimmen.(Zuruf: Das ist niemals geschehen!) Jawohl, der totc Ziethen, aus dem Grabe hervorgeholt wird,#es ist geschehen(Lärm), und dabei enthält der Etat sieben um auf den dürren Klepper ihrer Araumente gesetzt zu Mitlionen für die Polizei.(Zuruf: Das ist Gesetz!) Diewerden. Auer hat sich immer der Mehrheit gefügt und selbe Polizei, die unsere Berliner Parteigenossen bei den Jahren wiederum in Me Eine nationalistische Zeitung, die für die herrlich: Kaiser zeit begeistern will, gibt jeden Taa einen Auszug aus den vor hundert Jahren geschehenen Ereignissen. Da teilt sie ein am 3. September 1808 von dem Kaiser Napoleon an den Minister des Innern Cretet gesandtes Dekret mit, dawirtlich ganz sellsam gut hierbernaßt. Darin heißt es: „Geben Sie Befehl, daß die Siadt Mon die durch ziehenden Truppen feiert. Da die Stadt nicht reich geung dazu wäre, werde ich drei Franken pro Mann bewilligen, aber alles muß im Namen der Stadt gemacht werden. Der Stadtrat wird die Truppen bearüßen und bewirten, den Osfizieren muß ein Bankett gegeben werden, Triumph hügen mit Inschriften müssen an den von den Truppen durchzogenen Toren errichtet werden. Geben Sie den glei chen P##fehl für die Stadt Nauen, wo die mittlere Kolonne einziehen wird. Die Kolonne der Rechten kommt durch Reims. Weiten Sie die Präsekten der von den Truppen berührten Tepartements an, sehr zuvorkommend gegen die Soldaten zu sein und alles zu tun, um ihr: aute Lanne und ihre Ruhmesliebe aufrecht zu erhalten. Ansprachen. Gedichts, Gratisvorstellungen, Festessen, dieses erwarte ich von den Bürgern für die siegreich zurücktehrenden So## daten.“ Dieser Befehl ist doch sehr merkwürdig. Er beweist sehr Ilar, daß der angebliche Enthusigemus des französt schen Volkes für den kaiserlichen Kriegeruhm gar nicht eri stierte, daß er ufsiziell und amtlich gemacht wurde, daß da bei aber der Kaiser sich im Hintergrunde hielt, um die Fransosen selbst und das Ausland und das Ausland über die öfsentliche Reinung zu täuschen. Diese Truppen kehr len damals siegreich aus Deutschland zurück, und trondem war es notwendig, daß der Kaiser versünlich den erwünsch ten Enthusigemus stimulierte und bezadlte. Mögen die deutschen Behürden in Elsaß=Lothringen immerhin die Be geisterung angezenert und eingeheißt haben, das glaube ich denn doch nicht, daß man der Stadt Metz für jeden der viertiatausend Mann, die daselbst Paradeschritt gemacht ha ben, drei Franken aus der kaiserlichen Schatülle bewilligt hat. Aber wenn die Franzosen unter dem ersten u. dritten Napoleon an solche Theatervorstellungen des öffentlichen Entunsiasmus gewöhnt worden sind— auch unter Felix Jaure wurden solche Empfänge sorgfältig einstudiert und niemals gedroht, daß er nicht mehr mitspiele; er hat stets die Einheit und Disziplin der Partei hochgehalten.(Stür mischer, langanhaltender Beifall.)— Dr. Quark=Frankfur a. M. empfiehlt die Annahme der Frohmeschen Verugsresolution. Prasident Singer teilt mit, daß der Antrag Westermahe Groß: Un ingegangen sei.(Zuruf: Fauler Witz! ult! : Der Antrag findet trondem die erforderliche Unterstützung, obwohl er eigentlich nur eine Verhöh nung der Süddenticzen darstellt.)— Dr. Leutsch=Leipzia, Redakteur der„Leinziger Volkszeitung“: Die Debatte ist schon lange üuer das hinausgegangen, was Gegenstand der Verhandlungen war. Wir unterhalten uns schon über die wichtigsten Geundfragen der Partei. Und da sei auch die Melodie deo revisionistischen Leierkastens wieder erklun gen:„Wenn man das Lied nicht mehr weiter kann, sängl man auf die„Leinziger Volkszeitung“ zu schimpfen an.“ Aus den entlegensen Orten von Baden und Bauern seien Entrüstungsresolutionen gegen den„Vorwärts“ und die „Leipziger Volkszeitung“ gekommen, ohwohl zu bezweiseln sei, daß man dort jemals den Kopf einer der beiden Blätter gesehen. Im übrigen danke er, auch im Namen des Verlages, für die Retlame, die für das Alatt gemacht werde. (Große Heiterkett. Lärm.)— Der Präsident teilt mit, daßt der Antrag Westermaner zurückaczogen sei.— Dr. Danid Frankfurt a. M.(zur Geschästsordnung): Er würde es für leine Verletzung der demokratischen Grundsätze halten, wenn der Präsident Anträge, die auf eine Verhöhnung des Parteitages hinausliesen, nicht zur Diskussinn stelle. Singer lehnt dieses ab, der Präsident habe alle Anträge dem Parteitage zu unterbreiten.— Rauch=Hildesheim: Hinter den süddeutschen Genussen stehen die norddeutschen. Es genügt nicht, schöne Reden im Parlament zu halten, sendern wir wollen auch prattische Erfolge haben. Es ist außerordentlich leicht, eine von Raditalismus triesende Rede zu halten; ich kann es auch(Heiterkeit), aber es ist nicht jeder gewissenlos geung dazu.(Stürmische Unter brechung. Singer fragt, ob sich dies auf eine hier aehalten. Rede beziehe. Juruf: Rein! Nein!) Der Redner fährt fort: Aus der bieherigen Dehatte ist mir der Verdacht getommen, das es sich nicht mehr um die Frage der Budgetbewilligung handelt, sundern darum, mehreren mißliebigen Parteigenossen den Stuhl vor die Tür zu setzen.(Lärm.) Er schließe mit den Worten Bebels: Die Dinge marschieren nicht nach unseren Wünschen! Und eine angenommene Resolution werde die Entwicklung nicht aufhalten.(Bei fall bei den Revisionisten.)— Als Gegnerin sprach sodann die radikale Rosa Luxemburg. Sie nannte die erWahlrechtsdemonstrationen mit blutigen Köpfen heimgeschickt hat.(Stürmische Unterbrechung. Große Unruhe. Der Präsident kann nur mit Mühe Ruhe schaffen.) Segitz schließt: Und das sind unsere Ankläger.— Hoch=Hanau: Die Einigkeit kann nur aufrecht erhalten werden, wenn sich die Minorität fügt.(Gelächter bei den Süddeutschen.) Wenn es zu einer Spaltung kommen soll, mag sie kommen. Raus mit den Leuten, die nicht zu uns gehören.(Großer Lärm.] Es ist hier viel persönlicher Klatsch ins Feld geführt worden. Man will es zum Acußersten treiben. Mag kommen, was will, und selbst bei einer Verwirrung in der ersten Zeit werden die Arbeiter wieder zur großen Partei zurückkehren.(Lebhafter Beifall.)— Stolten=Hamburg tritt für die Resolntion Frohme ein.— Kautsky, der wissenschaftliche Theoretiker, auch Parteipapst genannt, erhält darauf das Wert. Er führt aus: Den Berlinern ihre Haltung im Stadtparlament vorzuwersen, sei salsch. Gemeinde und Staat lassen sich nicht vergleichen, es sind das iwei ganz verschiedene Körperschaften. Die Budgetbewilligung ist durchaus keine Kleinigkeit, sondern eine hochwichtige Sache, eine Angelegenheit der Massen. Wir in Norddeutschland haben darunter zu leiden, wenn in Süddeutschland ein salscher Weg eingeschlagen wird. Man kann kein guter Parteigenosse sein, wenn man sich nicht dem Parteitag fügt.(Sehr richtig!) Wenn jeder tut, was er will, so ist das Anarchismus. Ein Einzelner ist machtlos. Wenn wir das tun, was die Süddeutschen wollen, so führen wir die Partei der Auflösung entgegen.(Beifall bei den Norddeutschen.)— Reichstagsabgcordneter Fischer(vom Parteivorstand): Wenn man gestern Bebel gehürt habe, so hätte sich jeder sagen müssen, daß es zu einer Verständigung kommen kann. Nun habe heute Genosse Segitz gesprochen und das rufe den Verdacht wach, das es nicht aus eine Verständigung, sondern auf den Bruch abgesehen sei. Wenn Bebel nicht das Schlußzwort spricht, so geschehe es aus dem Grunde, weil der Parteivorstand es bei dem Gesundheitszustand Bebels nicht verantworten konnte, diesem die Aufregungen zuzumnten.(Es sei hier bemerkt, daß das Befinden Bebels ein sehr schlechtes ist. Er konnte heute nur kurze Zeit den Verhandlungen beiwohnen und machte dabei den Eindruck eines schwerkranken Mannes.) Um der Resolution jede Schärfe zu nehmen, so fährt Fischer fort, beantrage er, den Passus der Vorstandsresolution:„Die Bewilligung des Budaets in den Landtagen von Württemberg, Baden und Bayern ist unvereinbar mit den Resolutionen von Lübeck und Dresden“, zu streichen. An dem sachlichen Inhalt der Resolution werde dadurch nichts geändert.— Es sprechen serner v. Elm=Hamburg, Pfannkuch Berlin, Heymann-Stuttgart und Sindermann=Dresden.— Stadtverordneter Wurm=Berlin gab im Namen von 13 Borliner Stadtverordneten die Erklärung ab, daß sie nieals für den Etat gestimmt hätten.— Maier=Heidelverg: Man müsse Rücksicht nehmen auf die Massen. In Jessen sei trotz des allgemeinen, gleichen Wahlrechts die Fraktion noch sehr klein. Wir müssen noch die kleinbäuerliche Bevölktrung gewinnen. Dabei hilft uns nicht die Logik Kautskys. Es besteht auf einer gewissen Seite die Absicht, uns hinaus#uwersen. Wersen Sie uns hinaus, bann wersen Sie alle Badenser hinaus, denn die Baden ser gehen mit ihren Abgeordneten hinaus.(Beifall bei den Süddeutschen.) Wir haben im nächsten Jahre die Wahlkämpfe zu führen und mit dem Odium dieser De vatte, behandelt wie Schulbuben, schicken Sie uns hinaus. (Große Unruhe. Zuruse: Unerhört. Großer Beifall bei den Süddeutschen.) Nürnberg. 1d. Sept. Der heutige Tag brachte die Ab im muug über die Budgetbewilligungsfrage. Für die gemäßigte Resolution Frohme traten auch die Sudden schen ein, sie wurde aber mit 217 gegen 160 Stimmen ab gelehnt. Dan schritt man zur namentlichen Abstimmung über die Resolution des Parteivor standes. Unter lautloser Stille wird das Resultat ver kündet: Die Resolution des Parteivorstandes ist mit 258 gegen 119 Stimmen angenommen. Segitz verlas hierauf folgende Ertlärung: Im Auftrage von 00 Telegierten aus Bayern, Baden, Württemberg und Hessen habe ich folgende von jedem einzelnen Delegierten unterzeichnete Erklärung abzugeben: Wir erkennen dem Deutschen Parteitag als der legitimen Vertretung der Gesamtpartei die oberste Ent scheidung zu in allen prinziptellen und in den tattischen Angelegenheiten die das ganze Reich berühren. Wir sind aber auch der Ansicht, daß in allen speziellen Angelegenheiten der Landespolitik die Landesorganisation die geeignete und zuständige Instanz ist, die aus dem Bo den des gemeinsamen Programms den Gang ihrer Landes politik nach den besonderen Verhältnissen selbständig zu be stimmen hat, und daß die jeweilige Entscheidung über die Budgctabstimmung dem pflichtgemäßen Ermessen der ihren Landesorganisationen verantworten Landtagsfraktionen vorbehalten bleiben muß. Am Nachmittag stand das Thema ozialpolitik und der neue Kurs“ zur Verhandlung. Abg. Molkenbuhr begründete als Referent die Resolution des Parteivorstandes, die eine schleunige und umfassende Fortführung der Sozialpolitik verlangte. Er führte aus: Kennzeichnend für die Lage ist, daß das soziale Königstum kapitulieren mußte vor dem Zentralverband deutscher Industrieller. Es besteht eine geschlossene Kapitalistenverschwörung gegen die Arbeiter. Alle Parteien sind arbeiterseindlich. Wir stehen allein. Die Diskussion brachte nichts Neues. Es wurden dann verschiedene Einzelanträge zur Organisationsfrage beraten. Zum Schluß wurde als Ort des nächsten Parteitages Leipzig gewählt und die Verhandlungen auf Sonnabend vertagt. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. * Detmold, 19. Sept. 1908. — Der Kaiser an die interparlamentarische Kouferenz. Der Kaiser hat an den Präsidenten der 15. Konferenz der interparlamentarischen Union, Prinzen zu Schönaich=Caro lath, folgendes Telegramm aus Jagdschloß Hubertusstock gelangen lassen:„Den in Berlin versammelten Parlamen= tariern aller Kulturstaaten spreche ich für den mir durch Ew. Durchlaucht übersandten Gruß meinen herzlichsten Dank aus. Ich hosse, daß die von so vielen bedeutenden Männern des Erdenrunds besuchte Versammlung sich in meiner Residenzstadt wohlfühlen und an ihrcen Teile wirken möge für die Erhaltung der mir so ganz besonders am perzen liegenden Segnungen des Weltfriedens. Wil helm I. R.“ — Falsche Attentatsgerüchte. Straßburg, 18. Sept. Die sensationelle Meldung des Pariser„Journal“ von einem gegen den Kaiser bei seinem Besuch auf der Schlucht geplanten anarchistischen Komplott wird vom hiesigen„Journal d'Alsace Lorrain“ auf Grund einer Insormation seitens des Kolmarer Bürgermeisters Blumenthal für erfunden erklärt. — Erhöhung der Offiziersgehälter. Dem Vernehmen nach wird das Reichsbeamtengesetz, das schon seit Februar dieses Jahres sertig ist, nochmals den Ressorichefs zur Prü sung der Gehaltssätze zugehen. Gleichzeitig ist eine Vorlage über eine Neuregelung der Gehälter der Offiziere ausgearbeitet, bei der namentlich eine Besserstellung der subalternen Offtziere in Aussicht genommen ist. Die Gehälter sollen bei den Leutnants nach Allersstufe geregelt werden, einerlei, ob der betressende Offizier den Rang eines Leutnants oder eines Oberleutnants inne hat. Nach den seitherigen Bestimmungen bezog der Leutnant ein Mindestgehalt von 1290 A und der Oberleutnant ein Höchstgehalt von 1890 M. In Zukunft beginnt das Gehalt mit 1500 a und steigt innerhalb eines Fristlaufes von zweimal je vier Jahren bis zu 2100 M. sodaß also das Höchstgehalt im nennten Jahre erreicht wird. Das Grundgehalt der Hauptmannsklasse soll 4000 M betragen und sich in zweimaligen Fristläufen um je 600. auf 5200 Mark erhöhen. — Aus Deutsch=Südwestafrika. Nach der„Kolonialpol. Korrespondenz“ wird Ende dieses Monats Gouverneur von Schuckmann aus Südwestafrika mit Urlaub abreisen und seine Vertretung im Schutzgebiet nicht, wie sonst, seinem ersten Referenten Dr. Hintrager, sondern dem(Bückeburger) Bürgermeister Dr. Külz zufallen, der bekanntlich als Kommissar des Kolonialamts für die Einrichtung der kommunalen Selbstverwaltung im Schutzgebiete tätig ist. — Die Reichssinanzreform. Der Bundesrat trai gestern mittag zum ersten Male nach den Ferien unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, an welcher die leitenden Minister und Finanzminister der Bundesstaaten teilnahmen. Als erster Gegenstand stand die Reichssinanzreform auf der Tagesordnung. Der Reichskanzler eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er auf die große innerpolitische und nationale Bedeutung der Verhandlungen hinwies und an die anwesenden Vertreter der verbündeten Regierungen die Aufforderung richtete, angesichts der unbedingten Notwendigkeit einer Neuordnung des deutschen Finanzwescus die Arbeiten mit allem Nachdruck zu fördern. Der baye rische Vorsitzende im Ministerrat, Staatsminister Freiherr von Podewils, erklärte namens der von ihm vertretenen Regierung eine vollkommene Uebereinstimmung mit den Darstellungen des Reichs kanzlers, wobei er gleichzeitig die Einmütigkeit betonte mit der die verbündeten Regierungen an die Lösung der bevorstehenden Aufgabe heranzutreten gewillt seien. Sei nen Ausführungen schlussen sich die leitenden Minister von Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, sowie die Ver treter der weiteren Bundesstaaten mit entsprechenden und eingehenden Erklärungen an. Hierauf wurden die zur Reichsfinanzreform eingebrachten Gesetzentwürse den zu ständigen Ausschüssen überwiesen. — Ein Märchen. Gegenüber der Meldung des„Jonnal“, der Kaiser habe bei seinem Ausflug nach der Schlucht die französische Grenze wegen eines auf franzö schem Boden geplanten Attentats zweier Mülhauser Anar chisten nicht überschritten, wird die„Straßburger Post“ zu der Erklärung ermächtigt, daß der Kaiser nie die Ab sicht hatte, die Grenze zu überschreiten. Die französische Regierung sei nur benachrichtigt worden, daß der Kaiser in die Nähe der Grenze kommen werde. Oesterreich. Wien, 17. Sept.(Die Vorgänge in Plevlie.) Entgegen den Meldungen, der Kummandant der tärk! schen Garnison in Plevlse, Suleiman Pascha, sei von seinen eigenen Truppen überfallen worden, und Fahe den Kommandanten der dortigen österreichisch=ungarischen Garnison um Schutz gebeten und diesen auch erhalten, erfährt, die„N. Fr. Pr.“, daß Suleiman Pascha zum Senats= mitglied ernannt worden sei und infolgedessen Plevlje verlassen habe. Anläßlich des Scheidene von seinem Posten sei ihm von den österreichisch-ungarischen Besatzungstruppen eine besondere Ehrung erwiesen worden, indem eine Ehrenkomvagnie ausrückte. Die Behauptung, das in Belova liegende 16. Insanterieregiment habe Besehl erhalten, sich bereit zu halten, um nach Plevlic einzurücken, sei aus der Luft gegrissen. Das gesamte 13. Korps, einschließlich des 16. Infanterieregiments, befindet sich bei den Kaisermanövern in Ungarn. und Land. Detmold, 19. Sept. * S e i n e D u r c h l n u c h t d e r F ü r s t h a b e n d e m K ö n i g l i c h Bayerischen Generalleutnant z. D. Ludwig Winneberger (München) in Anerkennung seiner Verdienste als 1. stellverletender Vorsitzender des Kyffhäuserbundes der Deutschen Landeskriegerverbände das Fürstlich Lippische Krieger vereinstreuz zu verleihen geruht. * S e i n e n 8 7. G e b u r t s t a g b e g i n g a m M i t t w o c h d i e s e r Woche der General der Infanterie Exzellenz Otto von Strubberg, einer der ältesten Geneiale des deutschen Heeres. Er wurde zu Lübbecke als Sohn des Hauptmanns und Bürgermeisters J. Strubberg geboren und ist der Vater des früheren Kommandeurs der 55er, damaligen Oberst, jetzt General von Strubberg. * Der Geflügelzuchtverein Detmold und Umgegend hielt am Dienslag abend im Gasthof zur Eiche seine Monatsber sammlung ab. Vorsitzender Fischer erwähnte den schweren Verlust, den der Verein durch den Tod des Ehrenvorsitzenden Hern Fr. Preuß erlitten habe und wurde das Interesse, das der Verstorbene dem Verein entgegengebracht habe, hervorgehoben. Zur Ehrung des lieben Entschlafenen erhoben sich sämtliche Mitglieder von ihren Sitzen. Als neues Mitglied wurde Herr Beins ausgenommen. 12 Stück Geflügelkalendet wurden bestellt. Lose zu der Verbandsgeflügelausstellung, welche Anfang November in Lemgo stattfindet, soll von mehreren Mitgliedern beschickt und besucht werden. Nächste Versammlung findet am 20. Oktober im Hotel zum Hermann statt. * Konzert bei den Externsteinen. Morgen nachmittag ist im Hotel Kaiserhof(Briest) Konzert und Tanz. * Ein bedauerlicher Manöverunsall ereignete sich vorgestern morgen gegen 8 Uhr in der Nähe von Asemissen bei Oerlinghausen. Das Pserd des Husaren Peter der 1. Eskadron des 8. Husarenregiments Paderborn rutschte aus wobei sich der Husar einen Schenkelbruch zuzog. Der Verletzte wurde mittelst Wagen in das hiesige Garnisonlazarett g: bracht. * D u r c h S t u r z a u s e i n e m F e n s t e r z o g s i c h e i n 5 9 J a h r e alter Mann aus Blomberg so schwere Verletzungen zu, daß er zwei Stunden später daran starb. Ob Selbstmord oder Un glücksfall vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. * H a n d w e r k e r= K r a n k e n k a s s e f ü r L i p p e. l o n Kaiserlichen Aufsichtsamt für Privatversicherung in jurt Entscheidung vom 28. August 1908 der auf Grund des§ 3 Abs. 1 a. a. O. der Reichkaussicht unterstellten KrankenUnterstützungskasse(a. G.) der selbständign Handwerismeister im Bezirk der Handwerkskammer für das Fürstentum Lippe in Detmold unter Anerkennung als kleinerer Verein die Erlaubnis zum Geschäftsbetried erteilt verden. * D a s D i v i s i o n s k o m m a n d o ü b e r d i e 1 3. D i v i s i o n, d e r auch unser 55. Regiment angehört, hat der Generalleutnant Sixt von Armin wieder übernommen. Bekanntlich mußte dieser vor einigen Wochen das Kommando wegen eines Sturzes mit dem Pferde auf kurze Zeit an Generalleutnant Frhr. v. Starkloff abtreten. * D a s D e t m o l d e r B ü h n e n= E n s e m b l e w i r d v o m 2 7. S e p t. ab im Herforder Stadttheater 8 Gastvorstellungen geben. Von neuen bedeutenden Opern sind u. a. d'Alberts„Tiefland“ und Kienzl's„Evangelimann“ in Aussicht genommen, und um den Spielplan recht abwechselungsreich zu gestalten, sollen auch einige Neuh sen auf dem Gebiete des Schauspiels— z. B. das neue T.“spiel„Manöverregen" zur Aufführung gelangen. * D e r d e i t t e T a g d e s D i v i s i o n s m a n ö v e r e b r a c h t e e i n e völlige Veränderung der durch die bisherigen Operationen ge schaffenen Lage. Die blaue Brigade(15er und 5ber) hat über Nacht von ihrer Hauptarmee namhafte Verstärkungen er halten.(Jäger und die Kavallerie=Brigade, die bisher auf roter Scite sochten, u. in der vergangenen Nachl in Langen holzhausen und Kalldorf lagen, scheinen jetzt auf die blaue Seite getreten zu sein.) Blau war daher in der Lage. offensiv gegen den bisher überlegenen Gegner vorzugehen und die rote Brigade zum Rückzug zu zwingen. Ein Bataillon der 158er sicherte, wie aus Salzuslen gemeldet wird, die rechte Flanke der roten Partei und besetzte den Obernbera. um das Vorgehen blauer Kavallerie, die sich im Lippischen Walde gezeigt hat, zu beobachten.— Der heutigen Uebung wohnte Se. Exzellenz der kommandierende General der 7. Armeekorps, Herr von Bernhardi, bei. Ferner wurde ein Offizier der biasilianischen Armce bemerkt, der dem Manöver als Gast beiwohnte. * Diebstähle. Am 17. d. Mis. sind dem Errst Heidemann in Trophagen mittels Einsteigene 2.50 Mt. in bar und 3 Schlüssel an einem Messingring gestohlen worden.— An demselben Tage sind dem Ziegler Adolf Kaiser in Bentruv mittels Einbruchs 5 Mt. in bar und 5 Schlüssel entwendet norden. Ferner sind an dem gleichen Tage dem Ziegler Aug. Kaiser das. 5 Schlüssel von denen 5 an einem eesernen Ruge befestigt waren, mittels Einbruchs gestoblen wor den. * Hauskollekten. D.m Vorstande der Arbeiteikolonl: Wilhelmsdorf b.i Beleseid ist vom Fürstlichen Staatsm nisterium die Genehmigung ertcilt worder, in den Jahren 1909, 1010, 1911 je eine Hauskollekte im biesig Lande zu1 veranstalten.— Dem Vorstande der Anstal Bethel bei Bielefeld ist vom Fürstlichen Stea sministerium die Genehmigung eitellt worden, im Jahre 1909 eine Haissoll ke im hiesigen Lande zu veranstatten. * Handwerkakammer. D.r§ 3 der Wehlordnung für die Handwerkskammer für das Fürst.ntum Lppe zi Oetmold vem 3. Jar. 1900 erhielt folgende verändert Fassung:§ 3. Von den 14 Mitgliedern der Hand weisekammer(§ 2 ds Statuts der Handweikskammer wu ei dreizehn durch die Handwerker Jnnungen und einee durch die Gewerbevereine usw. gewählt. Für jedes## glied wird ein E satzmann gewählt. Diese Bestimmung trit# zurst bei der nächst n Watl in Kraft. Salzuslen, 19. Sept.(Münzenfund.) Bei den Aueschachtungsarbeiten zum Neubau des Friseurs Heubeck an der Langenstraße wurde ein Topf mit aus dem 16. und 17 Jahrhundert stammenden Herforder Silbermünzen. 20 an der Zahl gesunden.(Allg. Anz.) &am Salzusten, 19. Sept. Der 4. Bezirk des Niedersach sischen Stenographenbundes, System Stolze=Schrey hält am morgigen Sonntag. den 20. d. M. in hiesiger Stadt ein diesjähriges Bezirksfest ab. Um 3 Uhr nachmittags em pfängt der hiesige Stenographenverein„Arminius“, die Vertieter der auswärtigen Vereine am Bahnhof. Nach Besichti gung der Stadt, des Vades usw. findet dann im Hotel Kaiser hof ein gemütliches Beisammensein statt, zu dem einige Ein ladungen an befreundete Damen und Herren ergangen sind. Wir wünschen allen Teilnehmern recht vergnügte Siunden und rufen ihnen ein kräftiges Schrift Heil in unserer schönen Salzestadt zu a Lemgo, 19. Sept. Die seietliche Grundsteinlegung zur neuen Schule in Laubke findet Sonntag nachmittag um 4 Uhr statt. * Brake 18. Sept. Eine Sitzung des Braker Amts gemeinderats fand gestern nachmittag statt. Der Kolon Sauermann Nr. 25 zu Bentrup hat zum Bau des Kommunal weges Hörstmar=Laubke eine Fläche von 1.08 Al #icten und ersucht um Zahlung der Grundentschädigung Ter Amtsgemeinderat bewilligte den auf die Amtsgemeinde Biake entfallenden Betrag der Grundentschädigung zu 37.10 Mark.— Der Rittergutsbesitzer v. Reden zu Wendlinghausen erhebt gegen einen früheren Beschluß des Amtegemeinderats. wonach es ihm überlassen bleiben mun. Mittel und Wege zu finden, den in seinem Verlage übernommenen Verpflichtungen zur Lieserung von Wegesteinen zu genügen. Einspruch. Es handelt sich in dieser Angelegenheit um Besserung des Ab fuhrweges von den Blomensteiner Steinbrüchen. Der Amtsgemeinderat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, mit dem Kaufmann und Steinbruchbesitzer Haase in Bega in Verhandlung zu treten, um eine Einigung etwa da hin zu erzielen, daß Haase gestatte, daß die von v. Reden für das lausende Jahr aus dem Noltingschen Bruche noch anzufahrende Wegsteine für den Fall zu übertragen, daß Haase sich bereit erkläte, seinerseits einen Steinbruch am Endpunkte des v. Redenschen Abfuhrweges anzulegen oder einen Verbin dungsweg von dem Endpunkte des v. Redenschen Abfuhrweges bis an seinen Steinbruch anzulegen. Als Entschädigung würden dem tSeinbruchbesitzer Haase die bisherige Grundent schädigung zu gewähren sein.— Die Amtsgemeindekasse=Rech nung über Polizei= und Armenpflege wurde bekannt gemacht. Einnahme: 31 126,81 MA, Ausgabe 27 755,13 J4, Bestand von 3371,68 JA. Die Rechnung wurde genehmigt, ebenso die Amtsgemeindekasse=Rechnung über den Kommunalwegbau. Diese Rechnung hat eine Einnahme von 28 828,86 M. eine Ausgabe von 29 619,85 JK. und schließt mit einem Vorschuß von 790,99 Mark ab. Als Mitglied des Komitees für das Eisenbahn=Projekt von Lemgo nach Rinteln wurde der Gutsbesitzer Noltensmeier in Luhe gewählt.— Die Zuchtstierkürungstasse=Rechnung des Amts Brake für 1907=08 wurde bekannt gegeben. Der Kommunalweg von Eiterntrug nach dem Bahnhose Vogelhorst ist von schweren Fuhrwerken stark zerfahren. Es kommen in erster Linie die Fuhrwerke in Betracht, die aus den Sandgruben der Landwirte Meierjohann zu Vogelhorst und Meier zu Friedrichshof Sand abfahren. Es wurde der Beschluß gesaßt, mit den beiden Grubenbesitzern wegen Zuschußleistung zu den Besserungs= und Unterhaltungskosten zu verhandeln.— Die Bauerrichter haben sich in einer gemeinsamen Eingabe an den Amtsgemeinderat mit der Bitte gewandt, ihnen für die Aufstellung der Reichs= und Landtagswählerlisten eine angemessene Vergütung zu bewilligen, da den Bauerrichtern in anderen Verwaltungsämtern ebenfalls für diese Arbeit Vergütungen be zahlt würden. In anbetracht der großen Arbeitslast, die die Bauerrichter durch die Aufstellung der srogl. Listen haben, bewilligte man den Bittstellern für jeden eingetragenen Wähler eine Vergütung von 2 Pfg. Für diese Vergütung sind die Listen jedoch in doprelter Ausfertigung aufzustellen.— Einer Veisicherung der Flurkarten für Feldgeschworene gegen Feuer schaden wurde vorläufig nicht näher getreten.— Die Amtsat= und Leihekasse zu Brake ist im August d. J. von dem vereidigten Bücherrevisor Carl Ernst in Bielefeld einer unangesagten Revision unterzogen. Es ist alles in bester Ordnung vorgefunden.— Dic aus Kosten der Amtsgemeinde Brake in r Anstalt Eben=Ezer untergebrachte L. aus Selbecl hat in die Anstalt Lindenhaus untergebracht werden müssen. Der Amtsgemeinderat bewilligte die Kosten für die Verpflegung in Lindenhaus.— Einer Frau= Kluckhof wurden als Zuschuß zu den Kosten einer Badekur 50.A aus der Amtsgemeindekasse bewilligt.— An Kosten für Behandlung eines Waisenknaben aus Wendlinghausen im Lemgoer Krankenhause wurden 51 K bewilligt.— Der Amtsgemeinderat erteilte zur Berichtigung der Bezirksgrenze zwischen der Stadt Lemgo und dem Ritter: gute Wendlinghausen seine Zustimmung. Schließlich beschloß der Amtsgemeinderat noch auf Antrag, daß die Gemeinde= und Gutsvorsteher sich mit den Blutlauskontrollbeamten in Verbindung setzen sollten, behufs weiterer Erledigung der Ver fügung Fürstl. Regierung. Bekämpfung des Stachelveermehl taus betr. d. Barntrup, 19. Septbr. Der hiesige Magistrat macht bekannt, daß bis Montag oder Dienstag nächste Woche das Pachtgeld für die herrschaftlichen Ländereien auf dem niesigen Magistratszimmer entrichtet werden muß.— Gestein wurde das Land auf dem Bellenbruch öffentlich virpachtet. Viele Pächter erhielten ihr Land zum alten Preise wieder, während cinege 1—2 Mark mehr bezahlen mußten. Die Sch ffelsaat wurde bisher mit 15 Mk. bezahlt. Der Magistrat gat die Sch-ffellaat um 2 Mk. höher eingesetzt und kostet mithin 17 Mt. Die Grundstücke welche frei waren, also nicht von dem bisherigen Pächter wieder gepachtet, wurd n muigeboten bis zu 2450 Mk. Es sind 60—70 Schiffelf., also für die Stadtfasse ein ziemlicher Mehrerlös. * Helpup, 19. September. Die verstorbene Dienstmagd Johanne Amalie Hey Nr. 5 in Wellentrup hat den Armen der Kirchengemeinde Helpup 50 Mk. vermacht. * Linderhofe, 19. September. Der Nebenlehrer A. Brinkmann in Blomberg ist als Lehrer an die Schule in Linderbofe berufen worden. a. Alverdissen, 18. Sept. Die diesjährigen Herbstkonfirmanden werden Sonntag, den 20., vormittags 10 Uhr geprüft und am folgenden Sonntag konfirmiert. Die Zahl verselben beträgt 15, nämlich 7 Mädchen, 8 Knaben. u.. Falkenhagen, 19. Septemker. Heute morgen gegen 5 Uhr brach in der zur hiesigen Meierei gehörigen seg. großen Scheune Feuer aus; sie wurde völlig eingeäschert und die darin untergebrachte Ernte ein Raub der Flammen. Die Entstehungsursache ist z. Zi. noch unbe1787= Tages=Neuigkeiten. Friedrichshafen, 17. September. Die Summe der bisher für die Zeppilinspende eingegangenen Beträge beläuft sich auf 4540 662 Mk. beispiellose Renommee meiner Firma liegt im Verkauf wirklich guter, reeller deren unübertrefflicher Preiswürdigkeit in anerkannt guter, sauberer Ausführung u. billigen Preisen Vom 21. bis 26. Septbr. Morgen nachmittag Auskegeln und Ausschießen vol Hähuchen u. Kaninchen Es ladet hierzu ein Riesemeier Restaur. Aktienberg. — DamenGesundheitsbinden, Spülapparate, aufklärende Schriften.(Prospekte gratis und franko.) Tamen= Bed enung! Reformgeschäft z. Gesundheil Berlin. September. Der Wirkl. 9). Alt. oss ist zum Donherrn von Merseburg ernannt Stuttgart, 17. September. Der verstorbzne, Prioa.. Schönlein vermachte der Stadt Stuttgart nicht„, sondern 3 Millionen Mark, die unter dem Namen„AnnaSt flung" zum Andinken an seine Frau der Stadtverwaltung unterstehen. Der Absturz Oville Wrights. Washington, 18. Sept. Orville Wriaht wird von zi Folgen senes Unsalls wahrscheinlich erst in 6 Wochen wieder hergestellt sein.(Nicht er ist gestorben, sondern sein Bealeiter). Nach Angaben der nächsten Augenzeugen traf der abgebrochene Teil der Schraube die Stützer des Steuers. Der Aeroplan überschlug sich nicht, sondern neigte sich auf die linke Seite. Wright versuchte, das Gleichgewicht wieder herzustellen, aber im nächsten Moment sauste der upparar nieder und stieß mit sehr großer Gewalt auf di. Erde auf. Wright glaubt, daß er sicher gelandet ware falls er sich 50 Fuß hö er befunden hätte. Dem verunglückten Leutnant Selfridge wird an der Unfallstelle ein Dentstein gesichzt werde. Sport. Die endgültige Feststellung der Resultate bei der Stern fahrt vom Bundestage des D. R.=B. in Bremen hat wiederum den Beweis erbracht, daß die kleinen Brennabor=Kraftwagen von allen Fahrzeugen den Vorzug verdienen. Denselben wurde der erste Ehrenpreis, zwei silberne Medaillen und der dritte Preis zuerkannt. Brennabor fügte somit seinen bisherigen Erfolgen einen neuen Triumph hinzu, und gewann die Sternfahrt in großartigem Stile gegen die gesamte Kon kurrenz mit stärkeren, bis zu 12 l's. leistenden Motoren. Brandenburg a. H. Die Marke Brennabor seierte auf ihrer einheimischen Bahn am letzten Sonntag große Triumphe. Sämtliche zum Austrag gebrachten Dauer= und das Flieger rennen wurden von diesem Fabrikat gewonnen. In ersterem war der Lokalmatador Gustav Schadebrodt siegreich, während in dem„Brandenburgia=Preis“ der bekannte Treptower Flieger Willi Voigt den ersten Platz belegte. Beide Fahrer benutzten die sieggewohnte Marke Brennabor. Standesamtliche Nachrichten. Aufgebote vom 14.—19. Apotheker Charles Walter May, Detmold, mit Marie Wiesmann, Detmold. Hil sdreher Wwer. Willelm Fr Christian Heinrich Marx, Detmold, mit Caroline Wilhelmine Alwine Friederike Schmiedeskamp, Detmold. Lehrer Heinr. Friedrich Johannes Neitmann, Anhagen, mit Lina Oberschmidt, Detmold. Schreiner Johann Wolf, Düsselderf, mit Louise Meier Detmold. Letzte Nachrichten. Konstantinopel, 18. Sept. Da die Direktion der Orientbahnen die Forderungen ihrer Angestellten als zu weitgehend abgelehnt hat, begann heute früh der allgemeine Ausstand. Der gestrige Abendzug ging nur bis Adrianopel. Berlin, 19. Sept. Fürst Eulenburg wird voraus sichtlich am 19. September die Charitee verlassen und in einem Privat=Sanatorium Unterkunft nehmen. Magdeburg. 19. Sept. Der Einjährige Grabe vom hiesigen Pionier=Bataillon Nr. 4 hat eine Flugmaschine ersunden. Es sollen in nächster Zeit auf dem Pionier=Exerzierplatz Versuche stattfinden. Paris, 19. Sept. Als Wright, der Bruder des Verun glückten von dem Unfall seines Bruders hörte, verzichtete er auf einen neuen Aufstieg mit seinem Aeroplan. Montreal. 19. Sept. Die weitverbreiteten Waldbrände richteten in der Provinz Quebeck großen Schaden an. Viele Dörfer sind gefährdet. Die Schiffahrt auf dem Leorenzo strom ist infolge des dichten Rauches unterbrochen. Gotha. Die Ziehung der 50. Gothaer Geld=Lotterie ist mit behördlicher Erlaubnis um einen Monat, auf den 15. und 16. Oktober d. J., verlegt worden. Alle bisher verausgabten Lose haben hierzu Gültigkeit. Wetter=Nachrichten. Detmold, 19. Sept. Wetterbericht der Wetterdienststelle des meteorologischen Odservatoriums zu Nachen. Vorwiegend trocken, wechselnde Bewölkung, mäßig warm. London: Schön warm. Hamburg: Schön. Gottesdienste in Detmold. Evangelische Gemeinschaft. Exterstraße 8(früher Synagoge.) Sonntag vormittag 10 Uhr. Gottesdienst. Sonntag nachmittag: Erntedankfest in Hasselbeck, Festprediger Teymann. Zu dem am Sonntag den 22. September, im Gasthof Schmidt in Berlebeck stattfindenden Gesellenkränzchen ladet freundlichst ein Der Vorstand — Anfang 4 Uhr— Zum bevorstehenden Umzuge bieten meine Abteilungen für: —. Zum bevorstenenden Umzuge bieten meine es—— Gardinen, Teppiche, Tischdecken, Zouleauxstoffe u. Kanten etc. vorzügliche Einkaufs-Gelegenheit nur erstklassiger, bewährter Qualitäten zubesonders vorteilhaften Pre Weinberg Neue Damenkonfektion Jackenkleider Schwarze Frauenpaletots Englische Paletots Sammet-Jacken Kimonos Schwarze Capes Kostümröcke Blusen 5.— 22.— 30,— bis 100.— bis 65,— 3.50 6.75 18.— 24, 10.— 15, 19.75 22.50 28.— 1.75 16.— 23.— 6.50 9.75 12.— 2.— 3.50 5.— .— 1.50 3.— bis 48.bis 75, bis 50, bis 30, bis 50, bis 40, 11•° Knaben-Garderobe: Besonders preiswert: Ein Posten Manchester-Anzüge hübsches Blusentasson, sein gerippte Ware. 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Dazu sind Mk. 22100 verfügbar. Zu berücksichtigen sind Mk. 1890.13 bevorrechtigte und Mk. 134569.56 nicht bevorrechtigte Forderungen. Das Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen liegt auf der Gerichtsschreiberei Fürstlichen Amtsgerichts II hierselbst zur Einsicht aus. Detmold, den 18. September 1908. Brockmann Konkursverwalter. Mein Bureau befindet sich von heute an Kermannstrasse 3 in der Nähe meines früheren Bureaus. Detmold, 19. September 1908. Rechtsanwalt Schulz Lemgoerst. 3 S. Weinberg, Abteilung für Betten Gegründet 1863— Beste und billigste Bezugsquelle für :: wirklich gute, dauerhafte Betten:: Die Füllung sämtlicher Betten geschieht unter eigener Aufsicht mit garantiert staubfreien, deppelt gereinigten:: = a. Federn und Daunen = Bett-Inlets= in absolut soliden, seit Jahren bewährten Hotel Kaiserhof, Externstein Sonntag, den 20. September K Konzert nadfolgenden Kränzchen## — Anfang 4 Uhr Es ladet ergebenst ein Frau Briest. Ständige Reklame führt zum Erfolg. 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Die Gesundgewordenen mußten sich doch aus der Hölle in den Himmel versetzt vorkommen, die Wohltat, die ihnen erwiesen, das Glück, das sie empfangen, mußle sie doch so überwältigen, daß sie allesamt zu ihrem Wohltätter gingen und ihm dafür Hände und Füße küßten. Doch nein, von den zehn wird sich nur einer dieser sühen Dankespflicht bewußt. Er kehrt um, preist Gott mit lauter Stimme für das Wunder, das er durch seinen Sohn an ihm getan, und legt auch zu seines Wohltäters Füßen das Opfer seines Dankes nieder. Und der eine gehörte etwa nicht dem auf seine Erwählung und seine Verheißung stolzen Volke der Juden an, sondern dem von jenem verachteten Mischvolke der Samariter. Auch die Frau am Jakobsbrunnen, die, gläubig geworden, ihre Dorfgenossen zum Herrn Jesu ruft, war eine Samariterin, und der hilfreiche Nächste in des Herrn Erzählung vom vergangenen Sonntage war ebenfalls ein Sama riter. Ist's noch heute so? Wir alle leben von den Wohl taten des Herrn, täglich nehmen wir aus seiner Hand seine Gaben und Gnaden. Daß wir heute noch in seiner Gottesnatur atmen, in seinem Sonnenlichte wandeln dürten, ist sein Geschenk; aber unter zeyn, nein unter hundert ist es kaum einer, der solche Wohltat erkennt und seine Hände zu einem Dankgebete vor Gott faltet.„In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet", aus wie viel Krank heiten hat er uns errettet, aber wer kehrt um und gibt Got: die Ehre? Lieder Leser. was hältst du von einem undankbaren Menschen? Und erziehst du nicht deine eigenen Kinder dazu, daß sie dir und jedem, der ihnen eine Wohltat erweist, danken lernen? Sag ferner: unterscheidet sich nicht auch dadurch der Mensch vom Tiere, daß er den Geber aller guten Gaben er kennt und„mit Danksagung empfängt“ sein tägliches Brot? Warum vergißt du, deinem Gott und deinem Heilande zu danken, die so unendlichen Dank um dich verdient haben, deren Güte du dein irdisches Leben mit all seinen Gütern und die Gewißheit des ewigen Lebens zu danken hast? Solltest du einem verachteten Samariter oder einem Neger nachstehen! So opfre Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Geblübde! Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich! Wenn der Mond uns sein vollbeleuchtetes Antlitz zukehrt oder diesem Zustande in zu= oder abnehmender Phase nahe ist, wenn dann Flur und Hain von seinem milden goldenen Lichte erfüllt ist, dann richten sich gern in lauen Sommernächten die Blicke auf ihn, so lange, bis sie, von dem hellen Glanze geblendet, sich abwenden müssen. Unwillkürlich sucht dann das Auge in den hellen und dunklen Flecken, die es dort oben gewahrt, eine Beziehung zu irdischen Lebewesen. Am bekann testen ist„der Mann im Monde". Mit einiger Phantasie kann man einen gebückten Menschen, der ein Bündel trägt, zu erkennen glauben. und der Volksmund berichtet, daß ein Bauer, der den Sonntag mit Holzsammeln entheiligt habe, von Gott zur Strafe in den Mond versetzt sei. Die Japaner wollen im Monde einen Mänichen machenden Hasen mit lang abstehenden Ohren erblicken, am reizvollsten ist der„Kuß im Monde“, auf den zuerst der italienische Astronom Rinzoni aufmerksam machte. Die rechte Hälfte der Scheibe nimmt der Kopf eines Mannes, eines schwarzgelockten Italieners, ein. Scharf ist die Nase gezeichnet, die nach links schaut, und unter seinem gewölbten Kinn zeichnet sich auf der breiten Brust eine Diamant=Agrasse ab, deren Lichtstrahlen nach allen Seiten auslaufen. Die linke Mondseite enthält den Mädchenkopf, der verschämt halb hinter dem des Mannes verborgen ist. Wundervolles dichtes Rabenhaar schließt ihn nach dem linken Mondrande zu ab. Ich habe, seit es mir gelungen ist, auch das eben Geschilderte zu sehen, gerade diese Vorstellung nie wieder los werden können, wenn die Vollmondscheibe am Himmel stand und stets aufs deutlichste alles Beschriebene wieder erkannt Es ist aber für die Topographie des Mondes sogar sehr gur, in dieser Weise die Vorstellungen zu fixieren, weil man dann leicht einem Reuling erklären kann, was er im Monde sieht Ein Blick ins Fernrohr zerstört sofort die Phantasie; selbst die kleinste Vergrößerung bringt soviel Einzelheiten zutage, daß man sogleich die Wirklichkeit zu fühlen beginnt. Es wird klar, daß die dunklen Stellen des Mondes tieser liegen als die helleren. Dieses sind Bergmassive, deren abgeschrägte Flächen das Sonnenlicht stärker zurückwerfen. Das Haar des Italieners, das von der Mondmitte nach rechts flutet, setzt sich, wie ein Opernglas genauer lehrt, aus vier großen Tiesebenen zusammen, sogenannten Mondmeeren, die von rechts nach links die Namen Mare Foecunditctis, Mare Nectaris, Mare Tranquillitatis. Mare Serenitatis tragen(Meer der Fruchtbarkeit, des Nectars, der Ruhe, der Heiterkeit). Das Antlitz des Mannes wird gebildet durch sanft ansteigende Berge, die von der Mondmitte nach dem Südpol zu gehen. Die Krawattennadel ist der berühmte Krater Tycho, von dem aus man zur Vollmondzeit im Fernrohr lange, glänzende Streifen weit über den Mond hinüberlaufen sieht. Das Frauenhaar aber besteht im wesentlichen aus dem großen Mondmeere, das sich oben links hinzieht, dem Mare Imbrium und dem Oceanus procellarum, der am linken Mondrande von oben nach unten verläuft(Meer der Platzregen, Ozean der Stürme). Den hellen Glanz verleihen dem Frauenantlitz vor allem der Krater Copernicus und der Krater Kepler, die im Telestop als früher vulkanische Gebilde sich darstellen, mit sehr heller Umgebung, die von den französischen Mondforschern Loewy und Puyscux für Asche erklärt wird. die noch liegen geblieben ist und immer liegen leiben wird, da keine Winde mehr auf dem Monde wehen, die sie zerstreuen könnten. Wie anders aber sieht es auf dem Monde aus, als es die freundlichen Gestalten in seiner Scheibe uns vermuten lassen könnten! Nie wird dort ein Liebespaar so wandeln können. wie es im Scheine des Mondes auf Erden geschieht. Unsere Kenntnisse in der Beschaffenheit des Mondbodens sind in letzter Zeit durch die Himmelsphotographie besonders bereichert worden. Sie gestattet das. was sonst nur der Astronom am Fernrohr sah oder zu sehen glaubte, einer ganzen Schar von unabhängig Nachprüfenden ebenso zu unterbreiten. Denn die Vergrößerung und Vervielfältigung der Mondphotogramme erlaubt nun jedem, den Mond ebenso zu betrachten. als ob er in einer Höhe v. einigen Zehnern von Kilometern in einem Raumschiffe über ihm dahinführe. So dringt der Blick, undehindert durch Wolken, die auf dem Monde ja sehlen in d. Schluchten seiner Gebirge, u, unzweifelhaft sieht es daß kein Bächlein in ihnen dahinrauscht wie auf Erden. Steil fallen die Wände, die die gewaltigen Krater einschließen, zu Tal. aber kein Pflänzchen begrünt die Abhänge. Wie sollte da ein Mensch den Boden bewohnen, der durch keine Luft gegen die strahlende Hitze der Sonne bei Tage und gegen die eindringende Kälte des Weltraumes bei Nacht geschützt ist! Aber zum Ueberfluß können wir die Lebensmöglichkeit auch direkt widerlegen. Wenn Mondbewohner die uns so nahen Gefilde des Erdtrabanten besiedelten, so würden sie, wenn sie nicht gar auf dem niedrigen Standpunkte der Höhlenbewohner stehen geblieben wären, Bauwerke errichtet haben. Die größeren von diesen müßten starkvergrößernde Mondphotographien zeiger. denn eine leichte Rechnung ergibt, daß Gebilde von 75 Meter Länge als solche erkannt werden könnten, wenn sie auf dem Monde unter guter Beleuchtung stehen. Eine solche Größe aber haben z. B. unsere Kasernen und Nathäuser. Noch leichter würde man etwaige Städte erkennen, zu denen sich die Mondbewohner zusammengefunden hätten. Ebenso würden die regelmäßig verlaufenden Feld= und Waldraine die Spuren des Ackerbaues. wenn er dort getrieben würde, uns anzeigen Da aber nichts derartiges weder direkt mit dem Fernrohr noch durch die Himmelsphotographie offenbart wird, so ist unzweifelhaft, daß der Mond unbewohnt ist. Sein freundlich lächelndes Antlitz täuscht. Er, der dem Leben der Erde stets in gleicher Ruhe zusieht, trägt selbst kein Leben auf sich. Und unverändert wird er auch noch hinüberschauen, wenn auch von der Erde der letzte Mensch verschwunden ist, weil auch hier Luft und Wasser nach unvorstellbar langen Zeiten die Erde verlassen haben. N. Gedenksteine im Walde. Im Teutoburger ,uchiger Lippischen Walde an der den Weg von Detmold nach Paderborn abkürzenden Straße über das Gebirge, befindet sich in der Nähe der „Herlebecker Quellen ein aus zwei behauenen Steinen bestehendes, sehr interessantes Denkmal früherer Jagden. Es wird der„.schsprung“ genannt und steht unter diesem Namen u. a. auch in der Generalstabskarte verzeichnet. Nacy den eingehauenen Initialen hat wahrscheinlich Graf Simon im 16. Jahrhundert nach einer Hetzjagd diese Steine zum ewigen Angedenken setzen lassen. Sie stehen im Hochwald an sehr schräger Fläche: um die Richtung der Flucht anzudeuten. ist der obere nach dem unteren gewendet. Die Inschrift an dem oberen Stein ist vollständig leserlich außer Datum und Jahreszahl:„Anno... Den.. Hat Ein Herz En Sprunck Gethan“. Am unteren Stein ist die Schrift ganz verwittert und nicht mehr zu entziffern; das ist sehr schade, denn jeden falls hat sie die Historia des Hirschsprunges enthalten. Der Zwischenraum zwischen den Steinen, also die Länge des Sprunges, beträgt 48 Fuß; ein sehr respektabler Sprung Sicher war es ein braver Hirsch mit vielendigem Geweih, dem dieser Gedenkstein gesetzt wurde. Anwillkürlich denkt man angesichts des eigenartigen Denksteins an vergangene Zeiten, an Hirsche mit mächtigem Geweih, stärker denn heute, wo es ehr selten vorkommt, daß sie es bis zu 18 Enden bringen. Mit dem an sich schon so merkwürdigen Riesensprung hatte man aber noch nicht genug; im Lippischen Lande geht die Sage, daß der Hirsch, von der Meute verfolgt, über einen beladenen Heuwagen, der gerade in dem kritischen Moment auf dem früher hierher führenden Wege fuhr, hinweggesetzt, dann gefallen und von den Hunden gestellt sei, worauf ihm der ürstliche Jäger den Fang gegeben. Das erinnert an den Vers eines hundertjährigen Kalenders, dessen Verfasser jedenalls ein sehr ehrlicher Mann war; er hatte zum Schluß auf die letzte Seite drucken lassen:„Wer alles glaubet, was er lieft— Und alles, was er höret— Wird oft in seinem Ruhestand— — Getäuschet und gestöret.“ Noch heute befindet sich im Berlebecker Nevier, dank der Hege der weidgerechten lippischen Landesfürsten, ein sehr guter Notwildstand. Oft sieht man gerade am„Hirschsprung" Rudel Wild oder starke Hirsche. So zog auch, als ich zum letzten Male dort im Schatten der alten Bäume an einem heißen Hochsommertage Rast hielt, in Gedanken versunken an die vergangenen Zeiten der keit, ein stattlicher Zwölfender an den oberen Stein heran, ihn sehr genau beäugend, als ob er die moosbewachsene Inchrift studieren wolle. Ob auch er wohl an die Zeit seines Ahnen dachte, der diesen Verzweiflungssprung gewagt und der doch von der vielköpfigen Meute hier gestellt wurde? Nachdenklich zeg der edle Geweihte auf dem gewohnten Wechsel weiter. Gehetzt wird hier zwar nicht mehr, aber ein guter Weidmann jagt jetzt hier im Wald, und das sichere Blei des fürstlichen Jagdherrn wird auch diesen Hirsch erreichen, wie der Ahnherr des jetzigen Fürsten vor einem halben dem gehetzten Hirsch mit sicherer Hand den Fang gab.—„So viel Haar hat er auf der Haut, so viel Schritte mußt Du gehen.“ Wie wahr dieses alte Sprichwort ist, hat gewiß schon jeder Jäger erfahren, wenn es beim Pirschgang einem alten Feisthirsch galt, so einem alten, schlauen, heimlichen Burschen, nach dem schon mancher Tritt getan. Bei diesem vielen Herumpirschen kommt der Jäger mehr als andere Menschenkinder an die einsamsten Stellen des Waldes, u. ist es gar nichts Seltenes, daß man hier oder da, manchmal in ganz verwachsener Dickung oder im alten Hochwald, einen bemoosten, vielleicht halbversunkenen Denkstein findet. Vielleicht bezeichnet er die letzte Ruhestätte eines Forstmannes oder Jägers. der sich in seinem schönen Walde zur ewigen Ruhe bestatten ließ. Wieder andere Steine, so bei Lauterberg im Harz und im Solling, in nächster Nähe des Steinkruges, an der Landstraße von Holzminden nach Fürstenberg, geben davon Kunde, daß an dieser Stelle ein pflichtgetreuer Hüter des Waldes und Wildes von Mörderhand fiel. Oder auch es wurde hier einstmals ein großes Jagen abgehalten oder ein besonders starker Hirsch gefällt, wie z. B. der vom König Friedrich Wilhelm I. von Preußen bei Königswusterhausen erlegte Vierundvierzigender, dessen Geweih der König gegen eine ganze Kompagnie Grenadiere an August den Starken in Tausch gab. Solcher Stein steht auch auf dem Deister:„Jum Andenken an das von Sr. Majestät dem König Ernst August am 22. und 23. September 1811 allhier abgehaltene Hauptjagen, gewidmet vom Nevierförster A. Friedrick.“ Die Sitte der Jagdgedenksteine hat sich bis heute erhalten. Bei dem Forsthause Baum im Schaumburger Walde bezeichnet ein Denkstein die Stelle, wo unser jetziger Kaiser im Spätherbst 1888 seinen ersten Bücke. burger Hirsch, den„Ungarischen Peter“, d. seinerzeit zur Blutauffrischung aus Ungarn eingeführt wurde, nachdem er seine Dienste als Zuchthirsch getan, im sogenannten eingestellten Jagen zur Strecke brachte.(Hann. Kurier.) Die Bergung des Jarseval=Vallons nach dem Niedergang im Grunswald. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Detmold, 19. Sept. — Aerztliche Arbeit auf dem Gebicte der Mission. Der Rheinische Verein für ärztliche Mission hat in den zwei Jahren seines Bestehens seine anfängliche Mitgliederzahl auf das Fünfsache vermehrt. Ihm gehören eine ganze Reihe Aerzte, viele Geistliche, Kaufleute und Angehörige anterer Bernse, auch eine Anzahl Damen an. Bisher hat die ärztliche Arbeit der Rheinischen Missionsgesellschaft viel zu sehr im Verborgenen geblüht. Schon vor 20 Jahren wurden die beiden ersten Rheinischen Missionsärzte, der eine nach China, der andere nach Neu=Guinea, gesandt. Letzterer Posten ist leider seit meyreren Jahren verwaist. Dafür ist das Werk in China erfreulich gewachsen. Auf Albumblätter. Drücke nicht so. Mann, Tief ins Gesicht den Hut. Laß deinen Schmerz In Worten aus; denn Kummer, der nicht spricht, Der schreit nach innen, bis das Herz zerbricht. Shakespeare. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) Sie wartete wieder; doch Eva hatte auch jetzt keine Antwort. Mit einer ungeduldigen Bewegung der Schultern legte Frau Jutta ihre Hand auf den Drücker. „Leben Sie wohl, mein Fräulein! Ich überlasse Lilli fortan ganz Ihrer freundlichen Fürsorge. Das Gesetz, das mich aller Rechte über mein Kind beraubt hat, enthebt mich wohl auch aller Verpflichtungen. Ich empfinde das jetzt als eine Wohltat, denn nach den Erfahrungen dieser wenigen Monate traue ich mir nicht die Kraft zu, Lilli glücklich durch die Fährlichkeiten des Lebens zu leiten.“ Sie ging, und das Rauschen ihrer seidenen Röcke erschien Eva wie ein höhnisches Kichern. Mit einem Wehelaut barg sie das Gesicht in den Händen, und Minuten lang verharrte sie dann regungslos in dieser Stellung. Da wurde draußen die Glocke gezogen und sie meinte Erich Gernots sonore Stimme zu hören, wie er vor der Entrectür mit dem Professor sprach. Wie ein ausgescheuchtes Wild rannte sie aus dem Zimmer und in das Stübchen hinüber, das die Pastorin ihr gestern abend bereitwillig eingeräumt hatte. Hastig drehte sie hinter sich den Schlüssel und lauschte dann mit hochklopsendem Herzen, wie das Mädchen den Einlaßbegehren den öffnete, wie sie sich nach dem Befinden der Patientin er kundigten und wie sie dann gemeinsam das Krankenzimmer betralen. Sie wußte genau, was nun weiter erfolgen würde und sie rang mit aller ihr noch zu Gebote stehenden Kraft nach dem Entschlusse; den schon die nächste Minute von ihr fordern konnte. Aber wenn sie auch vielleicht stark genug war, ihn zu fassen, so war sie doch nicht stark genug. ihn auf der Stelle zur Ausführung zu bringen. Sie fühlte, daß all' ihr heroischer Mut dahin sein würde, sobald sie ihrem Verlobten Auge in Auge gegenüber stand, und darum durfte sie ihn jetzt nicht mehr sehen— darum mußte sie Zeit gewinnen, ihre Nerven zu tählen oder einen anderen Ausweg zu finden, der ihr wenig tens die letzte und schwerste Prüfung ersparte. Es geschah, wie sie erwartet hatte. Frau Bertling, die sie im Empfangszimmer vergebens gesucht, klopfte an die Tür, um zu fragen, ob sie denn nicht zu den beiden Herren hinüber kommen wolle, die sich natürlich sogleich nach ihr erkundigt hatten. Eva aber öffnete nicht, sondern erwiderte durch die geschlossene Tür. sie#üsse um Entschuldigung bitten, da sie sich zu abgespannt fühle und ein paar Stunden ruhen wolle. Sie hörte, wie die Pastorin sich wieder entfernte, und sie verharrte unbeweglich auf ihrem Lauscherposten, bis auch die beiden Aerzte gegangen waren. Sie vernahm die herzlichen Grüße. die Erich Gernot der Frau Fertling für sie auftrug, und der frische, heitere Klang seiner Stimme war ihr ein Beweis da für, daß er mit dem Befinden Lillis zufrieden gewesen sein müsse. Nun erst legte sie sich in den Kleidern auf das Bett, da sie sich in der Tat zu schwach fühlte, länger auf den Veinen zu bleiben. Den Ruhe und Vergessen bringenden Schlummer freilich, den sie so heiß herbeisehnte, fand sie nicht. Und als die große Standuhr im Empfangssalon zum dritten Mal den Ablauf einer Viertelstunde verkündet hatte, raffte sie sich wieder auf. Jetzt war ihr Entschluß unwiderruflich, und jetzt glaubte sie auch don rechten Weg gefunden, ihn zur Tat zu machen. Den kleinen Handkoffer, den sie bei ihrer eiligen Abreise mitgenom men, hatte sie gestern abend nur zum Teil ausgepackt, und die Vorbereikungen für ihre Rückkehr in das Elternhaus ließen sich also innerhalb weniger Minuten erledigen. Rasch warf sie einige Zeilen auf ein Briefblatt und legte dasselbe zugleich mit dem von der Operettensängerin zurückgelassenen Schreiben des Theaterdirektors in einen Umschlag, den sie mit dem Namen ihres Verlobten versah. Sie war schon in Hut und Mantel, als sie die Pastorin aus dem Zimmer Lillis abrufen ließ, und einer Frage der Erstaunten rasch zuvorkommend, er klärte sie: „Ich bin leider durch triftige Gründe genötigt, sogleich abzureisen. Wenn Fräulein Georgi nach der Meinung des Professoro noch weiter einer ständigen Wartung bedarf. so wird eine berufsmäßige Pflegerin besorgt werden müssen.“ Frau Vertling erwiderte, daß dies wohl kaum nötig sei. da die beiden Heiren mit der Besserung im Befinden der Patientin überaus zufrieden gewesen seien und die Meinung geüußert hätten, sie würde schon in zwei oder drei Tagen wieder aufstehen Ennen. Dann aber konnte sie sich doch nicht enthal zu fragen: „Wonen Sie aber, denn nicht einmal die Rückkehr Ihres Herrn Bräutigams abwarten, ehr Sie uns verlassen, liedes Fräulein? Der Herr Doktor sagte, daß er um die Mittagszeit wieder vorsprechen wurde und Sie dann bestimmt zu sehen hoffe.“ „Ich würde den Zug versäumen, wenn ich es läte.“ er widerte Era der Wahrheit gemäß.„Und ich lasse hier einen Brief für Herrn Doktor Gernot zurück, der ihn über die Gründe meiner Abreise unterrichtet. Sie werden die Freundlichkeit haben, ihm das#eihen zu übergeben, nicht wahr?“ „Gewiß!— Von Ihrer Freundin aber werden Sie sich ohn: Zweifel verabschieden wollen?— Oder ist es Ihre Ab sicht, noch einmal hierher zurückzukehren?" Eva hätte dem für sie so lästigen Befremden der Dame ja leicht ein Ende machen können, indem sie die letzte Frage be jahte. Aber sie verschmähte es, zu lügen und sagte: „Nein, das ist meine Absicht nicht. Doch ich möchte trotz dem auf eine Verabschiedung von Fräulein Georgi verzichten. Es würde dabei vielleicht nicht ohne Aufregung abgehen, die ihr schaden könnte. Wir überlassen es wohl am besten Herrn Doktor Gernot, sie nach seinem Ermessen von meiner Abreise und von den Beweggründen derselben zu unterrichten.“ Auch bei sehr geringem Scharssinn hätte die Pastorin aus Allem erraten müssen, daß da irgend etwas nicht in Ordnung sei. Aber wie herzliche Sympathieen sie auch der sanften, lie benewürdigen Eva entgegen bringen mochte, und wie lebhaft ihr gutes Herz sie dazu drängte, hier die Vermittlerin zu spielen— am Ende war ihre Bekanntschaft mit diesem Braut paare doch viel zu jung. und es fehlte ihr zu sehr an jeglicher Kenntnis der obwaltenden Verhältnisse, als daß sie ihre teundschaftlichen Dienste hätte aufdrängen oder ein Vertrauen sordern dürsen, das man ihr nicht aus freien Stücken entgegenbrachte. Sie machte also keinen Versuch, die Eilige aufzuhalten. Aber als Eva dann fort war und als sie Mühe hatte. Lillis immer wiederholtes Verlangen nach der Freundin durch aller lei Vorwände und kleine Notlügen zu beschwichtigen, da bereute sie doch, daß sie sich nicht über alle Bedenklichkeiten hinweggesetzt und selbst auf die Gefahr einer kränkenden Abweisung hin die junge Braut gebeten hatte, sich ihr zu offenbaren. Ihre Jahre und der Ausdruck tiefen Kummers den sie so deutlich auf Evas blassem Gesichtchen gelesen, hätt.s ihr wohl ein Recht dazu gegeben. Nun aber war es zu spät. 16. Kapitel. „Abgereist— sagen Sie?— Schon vor mehreren Stunden?— Und ohne Abschied von Fräulein Georgi?“ Erich Gernot fragte es mit jenem Ausdruck zweiselnden Erstaunens, den man für etwas Unsaßbares, etwas für unmöglich Gehaltenes hat. Er hielt Evas Brief schon in der Hand. aber er drehte ihn zwischen den Fingern, ohne ihn zu erbrechen. „Sie hätten mir diesen Brief sogleich ins Hotel schicken sollen,“ sagte er vorwurfsvoll.„Oder hatte sie Ihnen vielleicht verboten. es zu tun?" „Das nicht. Herr Heir Doktor! Aber, da sie mir aufgetragen hatte. Ihnen das Schreiben bei Ihrer Wiederkehr einzuhändigen, hatte ich weder einen Anlaß noch ein Recht, anders damit zu verfahren.“ „Und sie hat Ihnen nichts über die Beweggründe dieses plötzlichen Entschlusses gesagt? Sie hat Ihnen nicht einmal eine Andeutung darüber gemacht?“ „Nichts dergleichen! Es schien mir, daß das Fräulein sehr bekümmert sei, aber ich mag mich darin auch getäuscht haben, denn nach einer durchwachten Nacht konnte sie natürlich nicht anders als angegrifsen aissehen.“ „So haben Sie vielleicht etwas von einem Streit oder einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen ihr und Fräulein Georgi wahrgenommen?" Die Matrone schüttelte verneinend den Kopf. „Etwas Derartiges kann wohl kaum vorgekommen sein. Seildem Fräulein Feldmann die Patientin heute früh verließ, um die fremde. Dame zu empfangen, ist sie überhaupt nicht mehr in das Krankenzimmer zurügkgekehrt.“ (Fortsetzung solat). Inseln zwei Inseln nade der Stadt Tungkun liegen die Anstalten, ter die Krankenhäuser, dort das Aussatzigenheim. beide für je etwa 100 Kranke berechnet. An den„Heiltagen“ wurden 1907 18 458 Beratungen gezählt. Besonders statt lich ist das neue, voriges Jahr ers bezogile Männerheim, dessen Erbauer, Dr. Olvo, kürzlich mit dem Roten Adler= orden vierter Klasse ausgezeichnet wurde. Die Anstalten wirken nicht nur im einzelnen segensreich, sondern haben durch ihre menschenfreundliche Tätigkeit die Bevölkerung der früher äußerst fremdenfeindlichen Stadt so für Europäer und Mission günstig zu stimmen vermocht, daß während des Boxeraufstandes im Jahre 1900 sogar das mitten in der Stadt gelegene alte Krankenhaus von den Chinesen selbst geschützt wurde. Aehnlich hat sich die vor etwa zehn Jahren in Sumatra begonnene ärztliche Arbeit entwickelt. Dort finden wir neben den Häusern für Männer und für Frauen ein Aussätzigenheim und ein: Anstalt für mutterlose Säuglinge, die ohne die ihnen vort gewährte Pflege rettungslos ihren Müttern ins Grab nachfolgen würden Ein erfreulicher Teil kann so vor dem sonst sicheren Tode bewahrt werden und wird später den Angehörigen zurückgegeben. Um das Uebel an der Wurzel anzufassen haben die dort tätigen beiden Aerzte sechs Hebammen ausgebildet und über das Gebiet verteilt. Wie für Neu=Guinea, so sehlen der Rheinischen Missionsgesellschaft leider noch Aerzte für die anderen Arbeitsfelder. Insbesondere wäre jetzt in Deutsch=Südwestafrika ärztlicke Hilfe durch d.= Mission dringend nötig. So erfreulich es ist, daß jetzt eine finnische Missionsärztin enf dem Wege ins Ovamboland ist, und daß eine ganze Reite von euglischen und amerikanischen Missionsärzten in den anderen deutschen Kolonien arbeiten, so beschämend ist es doch für uns Deutsche, daß wir uns in diesem Werk der Liebe und Barmherzigkeit so sehr von den Ausländern übertressen lassen, sogar in unseren eigenen Kolonien. — Dernburg und das Reichstagswahlrecht. Staatssekretär Deruburg ist während seines Aufenthaltes in Windhuk auch auf das allgemeine Wahlrecht zu sprechen gekommen und hat sich dabei, in Anknüpfung an das Wahlrecht zum sitdafrikanischen Landesrate, folgendermaßen geäußert:„Er sei entschieden gegen ein direktes Wahlrecht, auch wenn es sein allgemeines sein sollte. Dernburg wies auf die Zustände hin, welche das Reichs tagswahlrecht gezeitigt hat, namentlich auf den Umstand, daß Städte wie Berlin, Hamburg mit ihrer hohen Bedeutung für das Reich sowohl als auch für die ganze Kulturwelt durch Sozialdemokraten vertreten seien. Wenn für die Gegenwart auch nicht zu befürchten sei, daß aus einem direkten Wahlrecht ähnliche Zustände in Südwestaafrika sich bilden würden, so könnten aber solche in Zukunst entstehen. Zwar sollen in Südwest nur die Weißen Wahlrecht erhalten, aber wenn, was man doch hoffe, sich eine große Industrie(Bergbau) entwickeln sollte, r it Tausenden von Arbeitern, so könnte man hierzulande ähnliche Erfahrungen machen, wie im Deutschen Reiche, wo der Schwerpunkt des politischen Einflusses in die besitz losen begehrlichen Klassen verschoben worden ist. Abhängigmachung des Wahlrechtes vom Besitztum und dergleichen versehle leicht den Zweck, das habe man jetzt bei den preußischen Landtagswahlen gesehen, wo die Sozialdemokratie die bestehenden einschränkenden Bestimmungen mit Geschick umgangen hätte und damit erfolgreich gewesen sei. Aus diesen Gründen habe die Regierung sich für die vom Gonvernementsrat angenommene Form des Wahlrechtes zum Landesrat entschieden. Diese sei die einzige, welche allein der Intelligenz und Tüchtigkeit den maßgebenden Einfluß verbürge.“ Theaterpublikum, wie grausam hast Du Dich an jenem Premierabend blamiert Apropos: da hat's vor ein paar Wochen im X=Theater zum erstenmal seit langer Zeit wieder einen Bombenerfolg gegeben. Eine Affenschande, daß man das neue Ding noch nicht gesehen hat. Das Haus ist Abend für Abend ausver kauft. Man wird dem Händler wieder ein schönes Aufgeld zahlen müssen. Märchenhafte Ziffern werden genannt. Aber alle Welt spricht von nichts anderem mehr als von dem neuen Zugstück... Es ist die Sensation des Winters... Vermischte Nachrichten Daz Zugstück!— Amüsant plaudert Oskar Höcker im Sepiemberhest(Heft I des XXXIII. Jahrgangs) von Velhagen & Klasings Monatshesten über dieses Thema: Man kann's kaum erwaiten hinzukommen. Das Haus ist auf Wochen hin ausverkauft. Rein Wunder: nach dem Jubel bei der Premiere nach den Faufaren in der Tagespresse! Die Theaterbillets sind nur mit hohem Aufschlag bei den Händlern zu haben. Es ist die Sensation des Winters. In jedem Gespräch wird das Stück genannt. Zumeist voll ehrlicher Bewunderung. Und hernach gibt's im ganzen Rest der Spielzeit kaum eine einzige zünftige Literatenkritik, die nicht einen boshaften Seitenhieb darauf brächte. Also: ein echtes, rechtes Stück für die große Menge. Ein Stück, das man gesehen haben muß. Ein Zugstück. Einige sehen sich's sogar zweimal an. Das zweitemal sind sie aber enttäuscht. Und am Schluß der Spielzeit gehört's in den großstädtischen Gesellschaften schon gar nicht mehr zum guten Ton, davon zu sprechen. Es ist etwas Selbstverständliches geworden— wie etwa die Influenza. And beginnt erst der neue Winter, so ist man erstaunt, daß„das alte Ding noch immer zieht.“ Aber nun zeigt sich's gerade, ob das Stück nur der Schlager einer Saison war, oder ob es das Zugstück eines Lustrums wird, das Zugstück, das man in die fremdesten Sprachen übersetzt und in das auch der bühnenfremdeste Spießbürger hinein geht. Das Zugstück, das noch drei Jahre nach der denkwürdigen Uraufführung dem verkrachtesten Theaterdirektor der östlichen Provinz aus dem großen Schlamassel heraushilft. Das Zugstück, das man sich aus Verzweiflung sogar noch im vierten Winter, wenn einen das Schicksal nach Schmienekneichen verschlagen sollte— was der Himmel verhüten möge!— im Theasersaal des alten Gasthofs am Markte von einer Truppe fünften Ranges ansieht. Dann erkennt man's freilich gar nicht mehr. Und man saßt sich an den Kopf und kann's und will's nicht glauben, daß man diesem elenden Schmarren einmals naiven Herzens mit zugejubelt hat! Ja, war denn damals alle Welt so kritiklos, so lächerlich anspruchslos? Das soll Humor sein? Ich hab' nicht lachen kännen, meiner Seel' nicht. O Du liebes, liebes, dummes Kleines Feuilleton. Ein Untersuchungsgefangener als Tanzgeiger. Im Schweizer Dorf und Bezirkshauptorte Dissentis(Graubündner Verderrheintal) sollte, wie man der„Voss. Itg.“ schreibt, letzt hin im Gasthaus zum Rathaus der Saisonschluß mit einem fröhlichen Tänzchen geseiert werden, an dem Kellner und Zimmermädchen teilnehmen durften. Allein es fehlte der Spielmann. Da erinnerte man sich, daß eben dieser Tage ein fahrender Musikant mit der Geige auf dem Rücken in das kleine Untersuchungsgefängnis des Ortes eingebracht worden war. Man eilte zum Dorfältesten und erhielt ohne allzu große Schwierigkeiten die Erlaubnis, den Geiger auf den Tanzplatz zu holen, wo er denn auch an der Seite eines Landjägers den Tanzlustigen getreulich aufspielte, bis seine Frist verstrichen war und er wieder in seine Zelle zurückkehren mußte. Auf eine etwas boshafte Einsendung in einer Graubündner Zeitung erklärt, nun der Wirt vom Rathaus, Herr Berther, öffentlich, die Sache habe ihre Richtigkeit, es sei jedoch alles„mit Zustimmung der zuständigen Behörden“ geschehen. 1879 geladen, 1908 losgegangen. Die Explosion einer Flasche bei dem Reinigen eines großen Wasserbeckens bei Cleres im französischen Departement Seine= Inserieure rief in der Umgegend des Oertchens in den letzten Tagen eine nach haltige Erregung hervor. Die Flasche, die mit Wachs ver stopft und halb in dem Schlamme eingesunken war, wurde mit einem Eimer herausbefördert, entglitt dabei den Händen der Arbeiter und fiel auf den Boden, wobei die Explosion erfolgte, die zwei Arbeiter schwer verwundete. Das Interessante an der Sache ist, daß diese Flasche, die mit Gras=Patronen ange füllt war, höchst wahrscheinlich im Jahre 1870 gegen die Preußen zu einer Bombe umgewandelt worden war, die nun mehr einigen Franzosen selbst nach 38 Jahren verhängnisvoll geworden ist. Gegen den Voigtrummel nehmen die Gastwirte, an die sich der Hauptmann von Köpenick jetzt gewendet hat, nachdem ihm seine anderen Pläne mißglückt sind, energisch Stellung. Voigt hat am Sonntag in Hamburg ein Gastspiel in einem Restaurationsgarten gegeben. Um das Einschreiten der Poli zei unmöglich zu machen, hatte der betreifende Wirt bekannt lich Voigt zu einem„Besuche“ eingeladen und dies neben Ein geräuschloses Gewehr. Aus New York wird berichtet: In Springsield sind soeben in Gegenwart einer Anzahl Offi ziere die ersten praktischen Versuche mit dem geräuschlosen Militärgewehr veranstaltet worden, das Hiram Maxim er funden hat. Die bekanntgewordenen Berichte lassen erkennen, daß die Proben einen sehr günstigen Erfolg gehabt haben; jedoch werden noch weitere Versuche stattfinden. Bei einer Entfernung von etwa 1400 Metern hört man den Schuß als leichtes Ticken und die feuernden Truppen erklärten, daß sie beim Abfeuern des Gewehres kaum ein Geräusch gehört hätten. Bei 1800 Metern konnten Schallwahrnehmungen in der Tat nicht gemacht werden. Wie groß der Einfluß der neuen Vorrichtungen auf die Flugbahn der Geschosse und auf die Geschwindigkeit ist, wird bei den nächstjährigen Versuchen festgestellt werden. Maxim schätzt die Rasanzverluste auf nicht mehr als 6 Prozent. Die Gastwirte gegen die Heilsarmee. Der Vorstand des Deutschen Gastwirtsverbandes erläßt soeben eine öffentliche Aufforderung an seine Mitgliedschaften, die Anhänger der Heilsarmee wegen ihrer gastwirtsfeindlichen Agitation in den Lokalen fernerhin nicht mehr zu dulden. Das Dulden der Heilsarmeesoldaten in den Lokalen stehe im Widerspruch mit der sonst geübten Praxis, wonach das Betteln in den Wirtschaften überhaupt verboten ist. Es sei nicht zu verkennen, daß durch die Heilsarmee in manchen Ländern Gutes geschaffen sei. aber für Deutschland mit seiner staatlichen Armen=Gesetzgebung und der sie ergänzenden Privatwohltätigkeit seien die Bestrebungen dieser englisch=amerikanischen Institution überflüssig. Zusammenstoß mit einem Walsisch. Aus Newyork wird be richtet: Von einem seltsamen Zwischenfall wissen die Passa giere des englischen White Star=Dampfers„Teutonic“ zu er zählen. Auf der Fahrt von Queenstown nach Newyork stieß der Dampfer mit einem gewaltigen Walfisch zusammen.„Wir sahen ihn schon eine Meile entfernt,“ so berichtet der Ka pitän;„er lag genau auf unserem Kurse und ich wollte nach Steuerbord ausweichen, um an dem Tier vorüberzukommen Allein der Wal, der wohl eine Länge von 50 Fuß hatte, schwamm nur um so schneller und blieb immer in unserer Kurslinie. Wir trafen ihn quer in den Leib; das Blut spritzte hoch am Schisse empor, und bis auf Deck fielen die Tropfen.“ Eine zeitlang wurden die Maschinen stillgelegt, denn es war zu befürchten, das Knochenteile sich in die Schrauben verfangen und so eine Havarie verursachen könnten. Der Kapitän erzählt, daß er niemals einem Walfisch begegnet sei. der so hartnäckige Selbstmordgelüste an den Tag gelegt hätte. denn alle Versuche, dem Riesen auszuweichen, mißlangen, weil das Tier immer wieder von neuem sich quer über die Fahrtrichtung des Schiffes legte. Das Hunde=Hotel. Das amerikanische Hotelwesen hat eine neue Bereicherung erfahren. Emma Calve, die berühmte Sängerin, war die indirekte Ursache. Auf ihrer letzten Tournee suchte sie, die eine leidenschaftliche Hundefreundin ist, mit ihren sechs Hunden Unterkunft in einem berühmten Hotel. Allein man bedeutete ihr, daß sie sich dann von ihren vier beinigen Lieblingen trennen müßte, und so entschied sich die Sängerin schließlich für ein anderes kleineres Hotel. Das Er eignis ward viel besprochen und bald fanden sich unternehmende Leute, die die Lehre aus dem Exempel zogen. Nun sind in den größten Städten der Union eine Reihe regelrechter Hundehotels entstanden, in denen die vierbeinigen Freunde der keisenden Millionäre standesgemäße Unterkunft finden können. Die eigenartigen Etablissements bieten den reisenden Hunden allen Komfort d. Neuzeit, von luxuriös ausgestatteten Baderäumen bis zu einem Restaurant, einem Turnraum, einem Barbiersaal und die Hunde, deren Gesundheit durch die Anstrengungen der Reise angegriffen ist, finden auch ihre Krankenzimmer und ihren eigenen Tierarzt. Ein in der Hundepflege besonders geschultes Dienstpersonal sorgt für die Bequemlichkeit der Gäste und vor allem dafür, daß sie ihre heimischen Gewohnheiten inbezug auf die Nahrung, die Bäder usw. nicht zu ändern brauchen. In dem Saale des Hundebarbiers aber findet man eine reichhaltige Sammlung kostbarer Essenen und Seifen, mit denen den Hunden ihre Toi lette gemacht wird. Eisersüchtige Feuerwehrleute. In einer der südlichen Grafschaften Englands kam es bei Gelegenheit des Brandes einer Farm zu einem Auftritt, der recht gut in eine komische Oper passen würde. Zwei freiwillige Feuerwehren, die gegenseitig auf ihre Leistungen sehr eisersüchtig sind, hatten sich an der Brandstelle eingefunden und es erhob sich sofort der Streit wem die Anordnungen für die Bekämpfung des Brandes zustehen sollten. Die Feuerwehr, die zuerst zur Stelle war, berief sich darauf, daß sie bereits mit der Bekämpfung des Brandes begonnen habe, während der Hauptmann der anderen Feuer wehr der Ansicht war, daß ihm der Oberbefehl gebühre, weil seine Wehr über eine Dampfspritze verfüge. Der Disput wurde so lebhaft, daß die Rivalen schließlich, statt das Feuer zu bekämpfen, die Wasserstrahlen ihrer Spritzen auf den Geg ner richteten. In diesem Wassergesecht blieb die Wehr mit der Dampfspritze Siegerin, aber die geschlagene Wehr griff darauf, von einer Dorfbevölkerung unterstützt, mit den Fäusten an und es dauerte geraume Zeit, bevor es der Polizei gelang Konzert, Feuerwerk und Ball alo besonderes Zugmittel ange kündigt. Die Gastwirtszeitungen verurteilen dies Verhalten auf das entschiedenste. Die„Deutsche Gastwirte=Zeitung“ in Berlin sagt in ihrer neuesten Nummer, daß man in dem ver rückten Hauptmannstaumel gang vergißt, daß Voigt trotz seines gelungenen Geniestreiches nichts anderes, als ein im Zuchthaus alt gewordener Verbrecher ist. Die Gastwirtsorganisationen sind veranlaßt worden, das Auftreten Voigts in Restaurationen nicht zu dulden. Der schlaue Prorcssoe. Jedermann kennt die gute Anekdote von dem Herrn Barchfeld, der sich den Besuch bei einem berühmten Arzt verbilligen wollte. Dem Barchfeld hatte man nämlich gesagt, der erste Besuch kostet zwanzig Mark, jeder folgende aber nur 10 Mark. Infolgedessen hatte der Patient sich schon beim ersten Besuch wie ein alter Bekannter eingeführt, nämlich mit den Worten: Herr Professor, da bin ich wieder! Diese Geschichte hatte aber eine Fortsetzung, die bis heute nicht bekannt geworden ist. Sie sei deshalb nach den „Lustigen Blättern“ verraten: Der Herr Professor untersuchte den Patienten aufs genaueste, ließ sich alle Symptome seines Leidens beschreiben, befühlte den Puls, besah die Zunge, behorchte den Brustkasten und gab alsdann sein medizinales Gut achten ab:„Also, mein Herr. nehmen Sie nur ruhig dieselbe Arznei weiter, die ich Ihnen bei Ihrem ersten Besuch verschrieben habe!“ Siebzig Jahre Dienstmädchen. Aus London wird ge schrieben: Jetzt, wo die Dienstbotenfrage noch immer die Ver zweiflung jeder Hausfrau bildet, klingt die Nachricht von einem Dienstboten, der siebzig Jahre ununterbrochen im Dienste ein und derselben Familie stand, fast wie eine Kunde aus dem Märchenland. Und doch ist dieser seltsame Rekord am vergangenen Sonntag zur Tatsache geworden. An diesem Tage konnte Miß Marianne Stammers das seltene Jubiläum ihres siebzigjährigen Dienstes in der Familie des verstorbenen Londoner Bankiers Henry Hoare seiern. Marianne Stammers trat am 6. September 1838, 16 Jahre alt, als Kindermädchen in die Dienste dieser Familie. Das Jubiläum der jetzt 86 Jahre alten Dienerin feierten die weitverzweigte Familie und die Nachkommen des Hoares einträglich beisammen. Der kluge Droschkenkutscher. Alo er an der Droschke vorüberkam, die auf dem Halteplatz stand, bemerkte der junge Mann plötzlich, daß auf dem Rücksitze eine Geldbörse lag. Schnell sprang er in den Wagen, nahm die Börse unbeachtet die Kämpfenden zu trennen und sie zu bewegen, ihre Anstrengungen auf die Bekämpfung des Feuers zu richten, welches während des Kampfes der Wehren vorzügliche Fortschritte gemacht hatte. Schimmels Ende. Zum ersten Male wohl in der Geschichte der Kaiserparaden sind die berittenen Truppenteile am 27. August in Metz und am 29. August in Straßburg i. Els. ohne einen Schimmel unter den Dienstpferden in der Front ausgerückt. Nur einzelne Offiziere sind auf Schimmeln beritten gewesen, und zwei Paukenpferde— der 13. Husaren und 9. Dragoner waren Schecken mit beabsichtigt auffälliger Zeich nung. Wenn in Ost= und Westpreußen und in Posen immer noch vereinzelt schnittige, leichte Schimmel von den Remonte Kommissionen angekauft werden, so sind sie meist für die ersten Leibhusaren oder die wenigen Trompeterkorps bestimmt, die aus Ueberlieferung Schimmel reiten. Im 15. und 16. Korps. an der stets kriegsbereiten Grenze, hat aber der Schimmel keine Statt mehr. Auch in Frankreich sucht man die weiße und graue Pferdefarbe im Heere nach Möglichkeit verschwinden zu lassen. So ist im Großen Zuchtpreis von Frankreich, der taatlicherseits mit K 40,000 ausgestattet ist, und dessen Sieger von der Gestütsverwaltung gewöhnlich als Landbeschäler angekauft wird, die Nennung von Schimmeln neuerdings aus geschlossen. Aehnlich geht Italien vor. Die Remonte=Abteilung des Heeres schließt jetzt vom Ankauf alle Schimmel und Falben aus. Die bisher in der Kavallerie vertretenen hellfarbigen Pferde sind durch eine besondere Anordnung des Kriegsministeriums sämtlich dem Train überwiesen worden. Eine Götzensabrik. Es ist oft behauptet worden, daß der ferne Osten von Birmingham aus mit Götzenbildern versehen werde, und mancher Sammler, der Götzenbilder mit in die Heimat zurückbrachte, erfuhr dort, daß er diese in Birmingham hätte kaufen können. Diese Behauptung wurde oft als unzutreffend bezeichnet, aber ein Gerichtsfall in Birmingham hat nunmehr bestätigt, daß tatsächlich Götzen für das Ausland fabriziert werden. Ein Mann wurde bestraft, weil er hundert für Japan bestimmte Götzen, die in Birmingham fabriziert wurden, stahl. Diese Götzen, die aus einem elfenbeinähnlichen Material hergestellt wurden, wurden an die Japaner für den billigen Preis von zehn Schillingen für das Dutzend verkauft. Eine Millionenerbschaft mit Hindernissen. Aus Kur hessen wird geschrieben: In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts diente beim kurhessischen Leibgrenadierregiment ein aus Bischhausen(Kreis Witzenhausen) stammender Kor poral Konrad Schäser, der später Leibjäger eines Mitgliedes des englischen Königshauses wurde, dann in die Dienste des damaligen kaiserlich brasilianischen Gesandten in London trat und mit diesem nach Rio de Janeiro übersiedelte. Dort heiratete er später die Tochter eines reichen Farmers in Los Puntos. Vor etwa acht Jahren starb Schäfer im Alter von achtzig Jahren kinderlos. Die brasilianische Gesandtschaft in Berlin machte nach jahrelangen Recherchen die hiesigen Erben ausfindig und teilte ihnen mit, daß Schäfer sie als Erben für seine großen Besitzungen bestellt habe, die einen Wert von etwa 15 bis 20 Millionen repräsentieren. Auf eingezogene Erkundigungen hin wurde den Erben jedoch der Bescheid, daß die Besitzung allerdings sehr groß sei, vorwiegend werde Kaffee Reis und Baumwolle angebaut, doch sei es schwer, die erforder lichen Arbeitskräfte zu erhalten, da in der sumpfigen Niede rung die Malaria herrsche; auch seien 200,000 Mark bares Kapital zur Instandsetzung erforderlich. Ein Rechtsbeistand in Rio de Jeneiro wurde deshalb, da die Erben unter diesen Umständen die Besitzungen nicht selbst bewirtschaften wollen, beauftragt, sie so rasch wie möglich zu jedem annehmbaren Preise zu verkaufen. Billiger Einkauf ist heute die Losung. Billig aber kauft die kluge Hausfrau nur, wenn sie das Beste kauft. Sie wird sich deshalb auch nicht durch einen anscheinend niedrigeren Preis bewegen lassen, statt der seit 20 Jahren bewährten Maggi=Würze andere, meist mit hochtönenden Empfehlungen angepriesene Würzmittel in der Küche zu verwenden. Maggi's Würze ist— das weiß jeder Feinschmecker— eben unerreicht in Feinheit des Aromas, Ausgiebigkeit und daher Billigkeit. Nervös. Bäuerin(in der Sommerfrische):„Das ist'mal a nervöse Dame, die wir jetzt bei uns wohnen haben; die ärgert sich über jede Wanze, die an der Wand kriecht!“ Aus moderner Kinderstube.„So, Kinder, ihr spielt also Gerichtshof?" Kleiner:„Jawohl. Mein Hampelmann hat Gretchens Puppe umgebracht, und dafür wird er von uns für verrückt erklärt.“„Megg. Bl.“ Bestätigt.„Fräulein Melanie sagte, Du hättest ihr gestern in der Konditorei fortwährend bewundernde Blicke zugeworfen"„Stimmt! Sie hat nähmlich zehn Windbeutel und fünf Schaumrollen verzehrt!“ Kindermund. Erich sitzt mit Mama und Tante am Teetisch. Die beiden Damen plaudern so lebhaft zusammen, daß ie den kleinen Mann total vergessen. Da endlich ruft der Junge mit weinerlicher Stimme:„Wozu hat man mir eigentlich eine Serviette umgebunden? Verkehrte Welt. Madame(zum Dienstmädchen, welches eben einen Hustenanfall hatte):„Wenn mein Mann fragt, wer da so furchtbar gehustet hat, so sagen Sie, ich sei es gewesen. hören Sie, Anna!“— Dienstmädchen(zornig):„Meinetwegen, so geht's ja in der Welt; ich muß husten und Sie reisen nachher ins Bad!"„Meggend. Blätter.“ Häusliche Szene.„Mama, weshalb schreibt denn Papa immer?"„Das muß er, Kind. Papa ist doch Schriftsteller, und wenn er nicht schreiben würde, hätten wir nichts zu essen.“ (Am nächsten Vormittag):„Ach. Papa, schreib doch heute mal Backobst mit Klößen!“ Beweis. Dame:„Glauben Sie auch daran, Herr Professor, daß das Küssen gefährlich ist?“— Professor:„Gewiß, ich habe mir dadurch eine Heirat zugezogen!“ Aus den„Lustigen Blättern“. Literaten.„Haben Sie gehört, Kollege, der Redakteur, dem Sic Ihren neuen Roman zusandten, ist vor vierzehn Tagen gestorben.“—„Das hab ich nicht gewollt!“ Strand=Beschwerde.„Kein Auge hab ich heute nacht wieder zumachen können, so stört mich das Rauschen. Glauben Sie daß es Zweck hat, wenn ich mich an den Antilärmverein wende?“ Aus der Beiliner Lustigen Gesellschaft. Schöne Ausrede. Dame(der ein Herr eben einen Kuß geraubt hat):„Aber. Herr Assessor, Sie vergessen sich!“ Assessor:„Ist das ein Wunder, wie kann ich in Ihrer Cegenwart noch an mich denken?" Anzüglich.„Wenn ich Sie sehe, Herr Meyer, werde ich immer an einen bedeutenden Gelehrten erinnert."—„Sehr schmeichelhaft für mich, und wer ist dieser Gelehrte, Herr Professor?“—„Darwin!“ Musikalische Entgleisung. Dame:„Das heutige Konzert war doch wirklich ein Kunstgenuß!— Herr:„Ach ja! Wie schön z. B. wurde die Filiale aus„Lohengrin“ gespielt— herrlich!“ Aus den Meggendorser Blättern. Begreiflich.„Als der Einbrecher in Ihr Zimmer kam, sind Sie sofort unter das Bett gekrochen und haben ihm von da aus zugeschaut. Sie müssen also den Dieb beschreiben können!“— Pr Eessor Angstmeier:„Ich hatte leider vergessen, meine Brille mit hinunterzunehmen.“ Gegenwehr. Direktor(starker Pantosselheld):„Herr Kollege, ich habe von verschiedenen Seiten sagen hören, daß Sie trinken?“— Prosessor:„Herr Direktor, ich meine, man muß nicht alles glauben, was die Leute sagen. So z. B. sagen sie auch, die Frau Direktor gäbe Ihnen, wenn Sie am Dienstag in den Verein gehen, immer dreißig Pfennige Biergeld mit,— das habe ich auch nie geglaubt!“ Rassiniert. Mutter:„Du kannst also bestimmt behaupten, daß der Hauslehrer das Fräulein geküßt hat?“— Söhnchen: „Jawohl ich habs in meinem Taschenspiegel gesehen, als ich mich in die Ecke stellen mußte!“ Stolz. Dorfbader(zum Fremden, der sich ven ihm einen Zahn ziehen ließ): Gelt, ich hab'n rauskriegt?!“ Sogar zwei auf einmal!" Humoristische Aus den Fliegenden Blättern. Ein Pessimist.„Ich kann die freundlichen Menschen nicht leiden!"„Ja warum denn nicht?“„Die pumpen einen gewöhnlich an!“ Nobel. Der Kommerzienrat Muntschelberger erhielt den Adel. Seine schon seit einiger Zeit an den Barbier Stein verheiratete Tochter möchte gern den Adelstand ihres Vaters auf ihren Visitenkarten zur Geltung bringen.„geb. von Muntschelberger“, kann sie nicht schreiben, da zur Zeit ihrer Verheiratung ihr Vater noch nicht adelig war. Lange sinnt sie nach. Endlich hat sie den erlösenden Ausweg gesunden und läßt sich folgende Visitenkarten drucken: Selma Stein, nachträglich geb. von Muntschelberger. Aus der Münchener Jugend. Eingegangen.„Ehe ich Ihnen mein Jawort g e, be antworten Sie mir aufrichtig die Frage: Sind Sie musikalisch?“ Ach ja! Riesig!“„Dann ist's schon nichts.“ Aus der Jugend. Auf der Seefahrt von Buenos=Aires nach Hamburg macht ein Reisender die Bekanntschaft eines jungen Mädchens.„Sie sind Argentinierin?“ fragte er.— „Nein, ich bin eine Engländerin; meine Eltern stammen aus London.“—„Aber Sie sind, in Argentinien geboren?“— „Ja, mein Herr.“—„Nun, dann sind Sie doch keine Engländerin, sonder eine Argentinierin!"— Die junge Dame schaut ihn groß an:„Mein Herr, wenn ich zufallig in einem Stall zur Welt kam, bin ich doch deshalb noch keine Kuh.“ an sich und rief den Kutscher zu, ihn so schnell als möglich nach einer Straße in der Nähe zu fahren. Als er die Droschke be tieg, zeigten seine Züge größte Aufregung, als er aber sein Fahrgeld bezahlte und forteilte, stand deutlicher Aerger auf seinem Gesicht geschrieben. Der Kutscher blickte ihm grinsend nach, stieg dann in den Wagen und kam mit derselben Börse wieder heraus, die der junge Mann wieder liegen gelassen hatte.„Da!“ murmelte er, indem er liebvolle Blicke darauf warf.„Das ist die siebente Fuhre, die dies alte Portemonnaie mir gebracht hat, seit ich es heute morgen gefunden und auf den Sitz gelegt habe.“ Das gedüngte Automobil. Letzte Woche hatte auf Schweizer Boden eine Automobilgesellschaft, die mit Windeseile die Strecke Zug=Arth durchfuhr, ein„duftiges" Abenteuer. Bei Eiola war ein Landwirt damit beschäftigt, ein wohlgefülltes Faß Jauche auf seine Wiesen zu führen. Das dahersausende Auto wollte das ländliche Vehikel überholen, rannte aber an, kem zum Stillstand und riß im gleichen Moment den Zapfen aus dem Jauchewagen, so daß sich„das edle Naß“ in weitem Bogen ins Auto ergoß! Gerade liebenswürdig waren die nassen, nur an Pariser Parfüm gewöhnten Insassen nicht ge stimmt, als tätige Hände damit beschäftigt waren, das Auto auszuschöpfen. Von dem Geruch der Explosionsgase war an dem Kraftwagen dann eigentlich kaum mehr viel zu spüren; er war in ganz„volkstümlichen“ Geruch gekommen. Strafe für Roheiten. Wie der Taunusklub mitteilt, wurden kürzlich in dev Oberreisenberger Gemarkung zwei dem Taunusklub gehörige Ruhebänke von drei rohen Burschen total zerstört. Es gelang, diese ihrer gerechten Bestrafung zuzuführen und wurden dieselben vom Schöffengericht zu König. stein i. T. zu je acht Tagen Gesängnis verurteilt. Der Taunus klub hat nicht ermangelt, die für die Eruierung solcher Misse täter bestimmte Prämie den Ermittlern zuzuweisen. Es ist erfreulich, daß solche rohe Burschen ganz exemplarisch bestraft werden und dürfte das vorliegende Beispiel gewiß geeignet sein, ähnlichen Vorkommnissen künftighin vorzubeugen. Ein Mitzverständnis. Ein Herr hatte das Unglück, sich ein Bein zu brechen. Er depeschierte sofort an einen Spezialisten. Dieser empföngt die Nachricht; da sie jedoch nur lautet:„Bitte kommen Sie sofort, ich habe mir das Bein gebrochen,“ so telegraphiert er zurück:„Bitte, genaue Beschreibung, wo ist das Bein gebrochen?“ Einige Stunden später erhielt der Arzt die erbetene Antwort:„Hinter dem Kuhstall.“.“*** und Märkte. Kurzer Getreide=Wochenbericht der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 8. bis 14. September 1908. Abgesehen von dem Umstande, daß die überfeeischen Exportleistungen, deren Umsang in der Vorwoche nicht ohne Einfluß auf die Stimmung des Weltmarktes geblieben war, während der letzten acht Tage wieder eine merkliche Abnahme aufzuweisen hatten, boten die ausländischen Berichte keine sonderliche Anregung. Wenn sich die Stimmung auf den inländischen Märkten trotzdem wieder befestigt hat, und die Preise für sämtliche Getreidearten eine neuerliche Besserung erfahren konnten, so war der Anlaß dazu auch diesmal weniger in den Bedarfsverhältnissen des Inlandes, als in der anhaltenden Nachfrage nach deutschem Getreide zu Ausfuhrzwecken zu erblicken. Den größten Anteil am Export hatten wieder Weizen und Roggen, wovon ziemlich bedeutende Posten über die deutschen Häsen, teilweise auch auf dem Landwege nach dem Auslande abgelenkt wurden. Auch für Braugerste zeigt sich im Westen sortgesetzt günstige Verwendung, während Mangel an entsprechendem Angebot dem Export bisher noch wenig Gelegenheit gab, sich mit Hafer zu. beschäftigen, für welchen Artikel gleichfalls Nachfrage vom Auslande vorlag. Die weniger rege Kauflust im Inlande vermochte angesichts der infolge eifrig betriebener Feldarbeiten eingeschränkten Angebots keinen ungünstigen Einfluß auf die Lage auszuüben, zumal ein großer Teil der inländischen Zufuhren vorerst zur Erledigung von Exportverkäufen in Anspruch genommen werden dürste, andererseits die demnächst beginnende Hackfruchternte eine weitere Abnahme der inländtO weh, o weh! Eine peinliche Geschichte teilt die„Wiener Allg. Ztg.“ mit: Vor einigen Jahren wurden in Delphi, wo französische Gelehrte Ausgrabungen leiten, etliche altgriechische Musikstücke gesunden und nach Paris gebracht. Mit ungeheurer Mühe gelang es den Gelehrten, die griechische Musikschrift zu entziffern und eine Uebertragung der Hymnen in moderner Notenschrift herzustellen. Als das gelungen war. nahm sich Herr Theodor Reinach der Sache an, begeisterte sich an der klassischen Musik und wollte auch sein liebes Paris an seiner Begeisterung teilnehmen lassen. Er veranstaltete also mit großem Pomp und vieler Weihe altgriechische Konzerte, bei denen er die delphischen Hymnen aufführen ließ. Es war ein Riesenerfolg. Die Pariser waren einfach begeistert, hingerissen von der ungeahnten Schönheit dieser Musik, die Kritiker schrieben ellenlange Feuilletons, Musikschriftsteller von Ruf veröffentlichten grundgelehrte Abhandlungen über die Eigenart der griechischen Musik, kurz, Paris schwamm in Wonne. Bis in jüngster Zeit ein Gelehrter kam und den unumstößlichen Beweis lieferte, daß bei der Entzifferung ein furchtbarer Bock geschossen sei: Man hatte die Musikschrift von hinten gelesen statt von vorne! Und auch so aufgeführt! Und sich trotzdem daran begeistert! Aus Berlin. Berliner Autographensammler: Dieses hier ist das kostbarste Stück meiner Sammlung: Eine Postkarte mit eigenhändiger Unterschrift des Hauptmanns von Köpenick. Dieses hier ist bloß ein Brief von Goethe. Furchtbare Drohung.„Du bist ja ein ganz gemeiner Kerl, bist Du ja!“„Wenn Dir mal Dein altes, hochversichertes Haus abbrennen will, so kannst Du Dich darauf verlassen, dann komme ich her und lösche.“ Bestätigt.„Fräulein Melanie sagte, Du hättest ihr gestern in der Konditorei fortwährend bewundernde Blicke zugeworsen!“—„Stimmt, Sie hat nämlich zehn Windbeutel und fünf Schaumrollen verzehrt!“ Münchnerisch. Müller:„Von was sind Sie denn krank geworden, Herr Huber?“— Huber:„Vom kalten Bier!"— Müller:„Na, und was hat Ihnen geholsen?“— Huber:„“ schen Leistungen erwarten läßt, sodaß sich zur Ersg, auug Hater bieibe acbt, da alse Varz me, Ard. P4c2. Pnalr Pire. Srgnaesfe erzielt in seinen Qualitäten fortgesetzt, aute Preise; fur mittlere und gcringere Sorten waren Abgeber dagegen zu kleinen Preiszugeständnissen gezwungen, da das Angevot darin reichlich und die Kauflust gering war. Futtergerste ariy teic uen Preisen slott gekauft, während ½ der Konsum in Mais angeugts der hoben immer mehr einschränkt. Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage: Weizen Roggen Königsberg Danzig Slettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Brannschweig Rostock Hamburg Hannover Düffeldorf Köln Frankfurta Mannkeim Stuttgart München D 218 205 197 203 25 118 5 194 136 196 204 205 212 212 2 225 ..1) 218 (— * 2 2 —) 21 — + 1) 1 + + + — — + + + — — "— +1! — 2 2 1 2 1 171 170 170 168 173 17•1 171 173 178 168 172 172 173 179 8 182 187 183 180 — 1) + 1) — + 1) 1 1 — 1) —) —) — + 11 — 1 — 1) — 178 1— —) — —) Hafer 160(— 163(— 1) 160(+ 2) 154 0— 153(+ 1) 177(— 160(+ 6) 155(— 166(+ 1) 164 1—) 150 0— 175 7—) 160 7— 170 7—) 172½0— 170(—7½ 174 4+ 2) 168 7— 171(— Wenn man heimkehrt. Plauderei von C. J. Feldern. Nachdruck verboten) Die Familie Bachmann hat in diesem Jahre ihre Ferienzeit in Oberitalien verlebt. Man hat zwar ein wenig viel von der Hitze gelitten, aber— schön war's doch. All die neuen Man fühlt sein ganzes Bildungsniveau gehoben“, sagt Frau Bachmann, mit Verachtung an Thüringen und den Harz denkend, wohin sie in früheren Jahren zur Sommerszeit ihre Schritte gelenkt hatte. „Ja. der Aufenthalt im Auslande erweitert den Gesichtskreis wesentlich— veramente!“ stimmt Elschen, das zwanzig jährige Töchterlein der Bachmanns träumerisch hinzu. Vor ihres Eeistes Augen steht ein junger Italiener, der sie in der Pension am Lago Maggiore immer so schmachtend angesehen Früher war das Ideal ihrer Mädchenttäume ein schneidiger blonder Reservelentnant, jetzt dagegen hat sie erkannt, daß auch schwarze Haare und eine olivenfarbene Haut ihren Charme haben können— das ist's wohl, worin sich ihr Ge sichtskreis erweitert hat.##.#ms Fritz, der einundzwanzigjährige Sohn des Hauses aber dreht die Anfänge seines von Bartwuchs starrenden Schnurr bartes energisch nach unten. Es ist das nicht ganz leicht, denn durch unablässiges Bemühen daheim„hatte er es erreicht", daß die Spitzen sich fragezeichenartig nach oben hin rundeten, aber was tut man in seinen Jahren nicht einem Schnurrbart zu Liebe? Auch seine Idcale hatte der italienische Aufenthalt Und nun war man wieder zu Hause und selbstverständlich bestrebt, den lieben Freunden gegenüber das gehobene Bildungsniveau und den erweilerten Gesichtskreis zur Geltung zu bringen. Am wenigsten tat es der pater samiligs— aber auf den kam es im Grund wenig an, da er, wie seine Gartin immer kehauptele, das Haus nicht würdig zu repräsentieren verstand— aber Frau Bachmann und Elschen würzten ihre Rede beständig mit halb verstandenen, salsch angebrachten italienischen Brocken. sprachen von dem Zauber der südlichen Natur mit ihren glutvollen Tinten, von den Kunstschätzen im Lange der Welschen und taten vor allem hochmütig gegen die alten Bekannten Und Fritz— je nun, der erwies sich, weil er seine Zeit zum Verarbeiten der empfangenen Eindrücke und zur Pflege seines Schnurrbartes brauchte, noch lässiger als sonst im väterlichen Geschäft. „Die Bachmanns sind rein übergeschnappt“, sagten die Freunde achselzuckend und mitleidig. Das gibt sich wieder“, fügte die Frau Direktor Stahl, eine Dame, auf deren Umgang Frau Bachmann früher immer sehr stolz gewesen war, wohlwollend hinzu.„Wir wollen sie vorläufig etwas links liegen lassen, dann werden sie schon zu sich kommen.“ —„* Weißt Du—“ sagt Frau Rentier Kiesewetter zu ihrem rundlichen Gemahl—„daß ich mich diesmal in viel behag licherer Stimmung der Heimat nähere, als sonst? Der Ge danke. daß wir die Wohnung vor der Reise einfach zugeschlossen und den Schlüssel eingesteckt haben, wirkt wunderbar beruhigend auf mich. Früher mußte ich immer denken, was wohl die Guste während unserer Abwesenheit alles angestellt haben könnte, jetzt dagegen weiß ich sie daheim bei den Ihrigen, außerstande, Dummheiten zu machen— kurz, ich bin mit diesem Arrangement sehr zufrieden.“...„ „Hm, ja— brummt Herr Kiesewetter—„bloß—“ er vollendet nicht, sondern starrt mit einem düsteren Blick vor sich hin. der etwas Prophetisches, Visionäres hat. „Was meinst Du?“ fragt die Gattin ein wenig scharf. „Ach nichts, nur— abwarten. Man war inzwischen auf dem heimischen Perron ange langt, welcher das Endriel der Kiesewetterschen Sommerreise bildete. Ein Tarameter wird genommen, der rasch das Ehepaar seinen Penaten entgegenführt. Frau Kiesewetter steckt den Schlüssel in's Schloß der Entreetür, öffnet und tritt wohlgemut ein, indes d. immer etwas sinster und sorgenvoll d'reincheuende Gemahl ihr folgt. Auf der Schwelle der Salontür stutzt die Dame „Na nu?“ entringt sich's ihrer Brust. Sie wendet sich zu dem Gefährten ihres Lebens um und schaut ihn fragend an. Was— was ist— das?“ Er erwidert nichts. Seine prophetischen Augen starren weitgeöffnet in die gähnende Lecte, die sich vor ihm aus Dann geheu sie beide mit schwankenden Schritten in's Beiliner Zimmer, non da aus ins Schlafgemach und so durch die ganze Wohnung. Ritgends ein Stück von dem schoncn Mobiliar zu sehen! Bloß ein Sofakissen mit kohlkopfartigen Rosen in Kreuzstickerei, das Kiescwetters einmal bei einer Wohliätigleitslotterie gewonnen haben, liegt als Rest ein stiger Herrlichkeit einsam am Boden. Als ich wiederkam, als ich wiederkam—“ rezitiert Herr Kiesewetter—„war alles— alles leer!“ „Das hast Du nun von Deiner brillanten Idee, die Won nung einfach zuzuschließen u. den Schlüssel einzustecken, meint er endlich phlegmatisch. Ich habe mir immer gedacht, daß es so kommen würde.“ „Wenn Du cs dachtest, warum hast Du es denn nicht gesagt?“ fragt die Gattin entrüstet. „Hörst Du denn jemals auf mich? Ich liebe meinen Frieden.“ Und dann zanken sie sich— am ersten Abend im lieben Heim, das sie wiedergesunden haben, als ausgeplünderte, öd S.ätte * Vor der Tür seiner Wohru ngsteht ein Mann, den Rucksack auf dem Rücken, den Filzhut mit dem Gemsbart auf dem dunklen Kopf. Er hat weite, gefahrvolle Hochtouren unter nommen, die Alpenrose am Bergesgrat gepflückt, mit der Axt sich seinen Weg über Gletscher gebahnt und auf Bergesspitzen, die bislang noch keines Menschen Fuß beticten, die Sonne aufgehen sehen. Seine Wanderung. sollten ihm die Seele befreien. und vorübergehend hai er auch wirklich Vergessenheit gesunden, aber als er sich dann wieder seiner Heimat näherte, da senkte sich der Druck ihm von neuem auf die Brust. Nun wird er wieder einsam sein, er, der früher keine Einsamkeit gekannt hat! Wie anders, wenn er sonst von der Reise zurückkam! Da stand eine liebe Gestalt auf der Schwelle, zwei strahlende Augen lachten ihm glückselig zu und weiche Arme schlangen sich um seinen Hals. „Nun bist Du wieder do. mein Liebster. n flüsterte eine zärtliche Stimme.„Wie hab' ich mich nach Dir gesehnt!“ „Und ich mich nach Dir, mein Herzensschatz!“ Und dann gingen sie Arm in Arm in die Wohnung. die zu seinem Empfang so hübsch und zierlich hergerichtet war. wie nur sie es versteht, und der Junge wird geholt und geküßt und bewundert. Lizzy erzählt, wie er während des Papas Ab wesenheit nach ihm gefragt hat, und er freut sich, wie fabelhaft er sich in der kurzen Zeit enmickelt hat, wie groß er geworden ist und wie klug. Ja, das waren girckliche Zeiten! So greifbar und deutlich sind sie vor des Mannes Seele. das. er einen Augenblick des Gesühl hat, als ob sie wiedergekehrt sein müßten. Wenn er jetzt die Für öffnet. und sie stände al. der Schwelle, und ihre weichen Arme umschlängen seinen Hal„Liebster. Einzigster!“ O. wenn das wahr würd:! Knarrend dreht sich der Schlüssel im Schloß die Tür geht auf, eine Luft, wie sie in schlecht gelüsteten Räumen herrscht, weht ihm entgegen, aus der Küche kommt der Geruch von brenzligem Fett— aber sceer, leer ist die Wohnung. Wahr scheinlich ist seine Wirtschafterin, die den Herrn nicht er wartete, während sie ihr Abendessen auf dem Feuer stehen ha ein wenig zum Plaudern mit der Köchin im ersten Stock, sor: gegangen. Müde, niedergeschlagen wirft sich der Heimgekehrte in einen Sessel und sinnt— sinnt. Warum haben er und Lizzy sich denn getrennt? Hat einer von ihnen denn eine Schuld begangen, über die hinweg keine Brücke zum andern führt? Ach. nein, nichts steht zwischen ihnen, als böse, unbedachte Worte, die ihre beiderseitige Empfindlichkeit beigeshoch ausg bauscht, bis in einer dunklen Stunde Lizzy ihm ihren Entschluß ankündigte, ihn mit ihrem Kind zu verlassen. Und er, gekränkt und erbittert— ließ sie gehen. Und sie hatten sich doch so lieb gehadt! Gehabt? Ach. er liebte sie noch immer, wie je zuvor und auch sie— das stand plötzlich, wie mit Flammenschrift vor seiner Erkenntnis— liebte ihn noch. Und was sie trennte, waren nichts als Worte, die Liebe leicht vergessen kann.—.—..— 4— Plötzlich springt der Mann auf und hastet, immer Rucksack auf dem Rücken u. den Hut auf dem Kopse, aus seiner Wohnung, dem Bahnhof zu. Wenn er sich recht eilt, kommt er noch mit dem nächsten Zug mit nach N., wo Lizzy mit dem Jungen bei ihren Eltern weilt. Dann wird sie wieder ihre weichen Arme um seinen Hals schlingen und ihn„Liebster, Einzigster“ neunen, und gemeinsam werden ne heimreise Das wird eine glückselige Heimkehr sein! Königl. Preuss. Staat Seidenhaus Michels& Cie. BERLIN SW. 19. Leinziger Strasse 43-44 Deutschlands grösstes Seidengeschäft 2. Seidenskaffe In seiner Krefelder Fabrik und versendet Proben von diesen und anderen erstklassigen Fabrikaten: Glatte Meter 1.-bis 8.50M. 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Das deutsche Bild ist während der Kaisermanöver in Elsaß=Lothringen ausge nommen und zeigt die deutsche Artillerie während eines Ge sechts. In einer Höhe von ca. 6 Metern ist ein Beobachtungsgerüst errichtet worden, vosl dem aus der Blick des ausspähenden Ossiziers weit ins Land hinausschweift; hinüber zu den feindlichen Stellungen.— Im französischen Heere erfreut sich die Verwendung von Radfahrern zu taktischen Zwecken sonderer Beliebheit. So existiert beim 18. Regiment eine große Nadbahrerabteilung. Unser Bild zeigt einen solchen Pyllisten mit voller Vepockung. Die großen französischen Zen tralmanöver sangen in diesem Jahre unter der Leitung des Generals de Lacroix in der Gegend von Orleano statt; Valencay, Montresor und Loches bilbeten nacheinander die Stand punkte der Manöverleitung.— Die Herbstmanöver der schweizerischen Armee. an denen diesmal das 3. eidgenössische Armeekorps den Hauptanteil nahm, sind auch zur vollsten Zufrieden heit des Armeekorpskommandanten Wille ausgefallen. Sie spielten sich in der Nähe von Brugg ab, wo sich ein befestigtes Lager besand. Unser Bild zeigt eins der modernen schweize rischen Schnellfeuergeschütze beim Feuern. Möbel Da unsere Gesellschaft in Liquidation getreten ist, so die noch vorhandenen Vorräte, als: Schlakzimmer- u. Kücheneinrichtungen, Zettstellen, Kleider- u. Rüchenschränke etc. zu jedem annehmbaren Preise abgegeben werden, und laden wir Kauflustige zur Besichtigung derselben ein. Detmolder Möbel-Werke G. m. b. A in Liqnidation. Wotaustr. 2(Mühlenwiese). 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