kippische Tages-Zeitung General-Anzeiger für das Fürstentum Lippe. 2) 9.“ Ziegelei=Anzeiger, 9) Landwirtsch Ratgeber, 4) Wandkalender, 5) Sommer, 6) Winterfahrplan. Rotationsdruck u. Verlag: Willg Bruder. Detmold, Vertretungen in: Salzuflen Lemgo, Lage. Blomberg, Horn. fast allen Ortschaften der Aemter Detmold, Schotmar, Verunghaufe Hohenhausen. Barenholz, Sternberg; Barntrup, Blomberg, Schieder. S über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint nold. Hornschestraße 30, Fernsprecher 10 Horn, Barntrup, Schwalenberg; ferner in mar, Oerlinghausen, Lage, Horn, Brate, 1• walenberg den zusammen chent Ne 217. Verantwortlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold. Detmeld, Dienstag, den is. September 1903. Telegramm=Adresse: Tageszeitung, Detmold. 13. Jahrgang. Die französisch=spanische Note. nicht geborenen Embryo abfällig beurteilte. lejenin Stimmung, die ich in den Kreisen des Juristentages tunen gelernt habe, und die ich als Niederschlag um rer Verhandlungen über den neuen Entwurf bezeichnen mochte, ist, daß der Entwurf herzlich schlecht wäre, wenn er uns alle voll befriedigte. Denn jeder von uns hat zu den formfragen schon selbständig Stellung genommen. Daße aber in vielen Punkten einen Fortschritt bedeut#, müssen wir gerechtetweise anerkennen, und daß er von einheitigen Gesichtspunkten gearbeitet ist.(Sehr wahr!) Er berugsichtigt Literatur und Praxis in weitgehender Weise, beruht auf gründlicher Sachkenntnis und läßt jedenfalls die Hoffnung zu, daß das gesamte Reformwerk auf diese Basis gestellt werden kann. Als gerechte Leute müssen wir das erkennen, weil wir dadurch um so freiere Bahn für eine gerechte Kritik bekommen. Gleichzeitig aber müssen wir eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllen. Ich halte es kur, ein Ehrensache der kriminalistischen Abteilung des Juristentages als der ersten Fachabteilung, der der entwurf vorgelegt wurde, dem Reichsjustizamt, dem hochverehrten en#efrechen(Lebhafter Bei„ur areittafetten has Gollegialnrinzin werden müssen, daß nicht nur der Weiße, sondern auch der Eingeborene Vertrauen zur Regierung hat. So Baithafs und nachl sollen in Uebereinstimmung mit der Farmerbevölkerung Berlin, 14. Sept. Der französische Botschafter und nach Eingeborenenkomissare ernannt werden.. Die ihm der spanische Geschäftsträger überreichten heute mittag vr Eingeborenenkommissare haben die Aufgabe, gesetzliche Auswärtigen Amte dem stellvertretenden Staatssekretär eine andere legitime Anforderungen der Schwarzen wahrzuncyidentische Note über die Frage der Anerkennung Mulehmen. Heute noch gibt es Banden, welche das Land durch Hafide. lziehen und Beunruhigung hervorrufen. Die Eingevore: geoihtleiset werden selle, nach denen ein Einver tönnen. Giumal wirs auf Die Ari den, Beizen Arbeis. nehmen der Mächte in der marokkanischen Frage gebildet und aufrecht erhalten werden soll. und Spanien haben in Betracht gezogen, daß 19r# nate für Eingeborene geschaffen rrn sonderen Interessen in Marokko sie dazu bestimmen, den aber selbstverständlich nicht von einem System absolut ins anderen Regierungen Vorschläge zu machen. Bei Formu= andere überspringen dürfen. Das an und für sich nicht licrung dieser Vorschläge haben sie sich zur Richtschnur gee sehr feste wirtschaftliche Gebäude der Weißen darf nicht ernommen, daß die Anerkennung des neuen Mas.): schüttert werden, indem ihnen plötzlich oie eingevorenen zens einzig und abhängig gemacht werden musse, die gememnsam sür nus gau verpflungen, em grerw.z. ihnes Wirtschaftliall.) as ononnster Aue nen ne ungen eun ee eceesceis chehese eaesche li, Vietlsinsias ier Seiste Sei, Seshtäie seche Senätigung der Atte von Klaseiras mdlhch auf,p eug maserelen und ebsischen Gründen gestelli trauen zum Ausdruck gebracht zu haben, den Dank fur den gesh, hatehgedere. der Pette. de, Paeriric, ud. Srarnten. Vr te. else der a.“ en der Siebig SPn... v..., lis. Die derelshoe. eine halbse Wison Heitor. Lanz lurzgz. Hiene Aserauis tstene in Krsies eit cher Verlichungen des Roadern= ergeniter den hrenden BeoielIx, Apomaz=hohland(in der Döde des Riah) und 100dl„Iizeshzen weicht-Tiugunten der Aufrechterhaltung rungen, dem Bivlomatischen Korps und gegenüber Prtoat, Hektar bei Owikokorero erworben. Sie bat die Verpslich= arunolav lignse, g. zigorigzis die Frage der Resorm personen... gen uu.#. Sa######tung, dort Biebzucht zu betreiben. Sobald die Preise nor!9.. sichen Verfahrens. Berichte 3) Uebernahme der Verantwortlichteit für die Schuldenzmal sind, wird die Geselschaft die Konservenfabrikation au. gaß' zu diesem Hunkte erstattet Amtsgerichtsrat Jastrowdes Raghen, während die Schuldforderungen der Privat=lPlatze selbst beginnen. Eine Konkurrenz für die anrttix 1merlin und mechtsanwalt Dr. Dittenbeiger=Halle. ResePerionen bäter geprüst werden sollen. Isarmer ist diese Geselschaft ,Leingzregße, im„Ietigent zi, tent in Oberamisrichter Dr. Levis=Psorzbeim. Er legte Behatigung der Volmacht der Enschädtgungskommision ibnen is die Möglichkeit geboten, ibre Bieber= huk Kuj, pise folgenbe Thesen vor: 1. Die umgestaltung des amtsgericht. — Casablanca, sowie Uebernahme der Verantwortlichkeit fürl ja von den 8000 Weißen gar nicht, imn., Dizhgrzkatzion#., pexs lichen Verfahrens ohne gleichzeitige Reform der ganzen die Bezahlung der Entschädigungen durch den neuen Sultan. konsumiert werden kann, zur Konservenige#### utzen Zivilprozetzordnung ist unangemessen. 2. Eine Prozek=gesetz und zur Zivilprozeßordnung nicht empfehlenswert. 5) Amtlicher und ausdrücklicher Widerruf des hei lwenden, die dann einen guteng#s# Di#e Zucht vonireform beim Amtsgericht hat sich an die eigenartigen Ver:) Hex ersten Abteilung, die sich, wie mehrsach erwähnt aurc einen scherifischen Brief an dielgereichenden Ausfuhrartikel bildet. Die Jüun####ältnißße des amtsgerichtlichen Verfahrens anzuschließen u., Inl oer einen abiettaee.##, Tem Schafen sol nicht auf das Fleisch den Hauptwert Lagz, follte etwa folgende Ziele versolgen: a) die Beitreibungs=]mit d das zur Konserve unbrauchbar int, sondern auf seine v, Laglsachen sind möglichst an die Amtsgerichte zu leiten, deshalb wie denn überbaupt Nachdruck gelegt wixhen, muß auf das!!:. ,. das Mahnverfahren umzugestalten, insbesondere burch Hervorbringen bochwertiger Ervortartikel und niot aus“injühr, ig des Wechselmabnverfabrens, und dadurch, daß bilige und massenbafte Artikel, für, derer, Herstellung bei Hhas ührige Verjahren beschleunigt und unbegründeten der verbältmiemäßig geringen Zahl der Weißen der Ro., izex pr inen möglichst vorgebeugt wird, 2. jede landge lonie absolut keine Veranlassung besteht. ligen Krieges durch einen scherifischen Brief an die Städte und Stämme. 6) Sofortige Inangriffnahme notwendiger Maßregeln zur Wiederhestellung der Sicherheit in der Umgebung der Häfen und auf den in das Innere führenden Heerstraßen. Ider verhältnismaßig geringen Hahl der Weidene:=idersprüchen möglichst vorgebeugt Sels bioke Soranten ergeben knd, Löunte Mulestlonie absolut keine Veranlasung besecht. 2.—rschlsiche alage kann beim Amisgericht eingereicht werden Hafid als Sultan amtlich anerkannt werden,I Staatssekretär Dernburg erklärte einem Mitarbeiter und in nur an das Landgericht abzugeben, wenn die Sache wobei die Mächte sich das Recht vorbehalten, unmittelbar von der„T. R.“, er bringe keine Forderungen für Deutsch=greitig wird, 3. auf die Benutzung des Mahnverfahrens dem neuen Sultan die Regelung derjenigen Fragen zu fordern, Südmest von dort mit, auch keine für den Neubau eine#und amtsgerichtlichen Beitreibungsverfahrens ist durch gedie ihre eigenen Interessen berühren, im besonderen, was Landungsanlage in Swakopmund. Er überlasse diesegnete Kostenvorschriften hinzuwirken. b) Auf bedürftige Frankreich und Spanien betrifft, Wiedererstattung ihrer mili= Neubau den Interessenten. Er werde nur den bestehenden Leute int größere Rücksicht zu nehmen, insbesondere durch tärischen Ausgaben und Bezahlung von Entschädigungen für Holzvier verstärken lassen, der dann lange Zeit geungen Hexanziehung einer Rechtskraft zur Unterstützung der Pardie Ermordung Angehöriger ihrer Nation. Ferner heißt es in werde. Die neuen, Eisenbahnen seien noch unrentahsl, be##teien in= und außerhalb der mündlichen der Note, daß es angemessen sein würde, wenn der neue Sultan sonders die von Windbuk nach Foc#;n.#,########pun; Ueberdies ist das Rechtskonsulententum mehr als bisher für den standesgemäßen Unterhalt Abdul Asis' Sorge trägt. bofrage solle vorsichtig behandelt, es sollten#gtg#,###pan zu beschränken hauptsächlich dadurch, daß außer der ZurückSchließlich empfiehlt sie die Beamten Abdul Ab' dem Billig=[hingeschlct werden. Kaufleute, die vingingen, sollten nur weisung allein von der mündlichen Verhandlung die volle keitsgefühl Mulev Hafids. gegen hobe Kaution Zutritt ervalten. Ausschließung von der Vertretung angeordnet werden elcgein Sutz Sut th tang. e) Das Versahren ist zu beschleunigen und zwar insbesondere durch Ermöglichung einer freien Entsaltung der richterlichen Anordnung vor der Verhandlung. Korreserent Professor Stein=Leipzig erklärte sich im streitigkeiten das Kollegialprinzip zugunsten des Ein zelrichtertums einzuschränken?" Pros. Dr. WalkerInnsbruck führt aus, in Deutschland seien bisher sieben Achtel der Prozesse, nämlich die Amtsgerichtsprozesse, Einzelrichter entschieden worden. Nach der neuen Novelle ollten fünszehn Sechzehntel der Prozesse dieses Schicksal haben. Eine solche Ausdehnung sei vollkommen unbedenklich, wenn auf der anderen Seite als Vorteile billigeres und rascheres Prozessieren und Ersparnisse am Richterpersonale stehen. Pros. Walker stimmt daher der Einschräukung des Kollegialprinzips für bürgerliche Rechtsstreitigkreiten, wie sie die im Regierungsentwurf vorgeschlagene Erhöhung der amtsgerichtlichen Zuständigkeit mit sich bringt, durchaus zu und empfiehlt, die Zahl der Mitglieder der Senate der Oberlandesgerichte u. des Reichsgerichts auf drei herabzusetzen. Um so entschiedener verneint die Frage des Themas auf Grund einer langjährigen Tätigkeit als Einzelrichter und Kollegialrichter und akademischer Lehrer der zweite Gutachter Professor Heinsheimer=Heidelberg. Der erste Reserent, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Vierhaus=Breslau bekämpfte den Regierungsentwurf zum Amtsgerichtsprozeß mit aller Entschiedenheit, nahm aber im übrigen eine reformfreundliche Stellung ein und wollte nicht von vornherein die Anregungen auf Erhöhung der amtsgerichtlichen Zuständigkeit zurückweisen.— Der Korreferent Instizrat Wildhagen=Leipzig erklärte sich dagegen in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Mannheimer Anwaltstages und den Ausführungen des dortigen Referenten Hachenburg mit aller Entschiedenheit gegen jede rein schematische Erweiterung der Amtsgerichtskompetenz. Die Versammlung beschloß schließlich mit ungeheurer Mehrheit— gegen 6 Stimmen— die Thesen des Reserenten Vierhaus abzulehnen und einen Antrag Wildhagenenberg anzunehmen, der lautet:„In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten ist das für Deutschland gegenwärtig geltende Kollegialitätsprinzip zugunsten des Einzelrichtertums nicht einzuschränken. Deshalb ist die Ausdehnung der amtsgerichtlichen Zuständigkeit nach Maßgabe des dem Reichstage vorliegenden Entwurfs z. Gerichtsverfassungsgesetz und zur Zivilprozeßordnung nicht empfehlenswert. In der ersten Abteilung, die sich, wie mehrsach erwähnt mit der Frage der Tarifverträge beschäftigte, wurden endlich die bereits mitgeteilten Leitsätze der Reserenten, abgesehen von einer geringen redaktionellen Aenderung, unverändert angenommen. über Südwestafrika! Vom deutschen Juristentag. Karlsruhe, 14. Sept. 1908.„re Ge erbat sch anderdalb der Tagesorbnung V.eipeien: Iur Ziser F folgende Hassung vor:„Das amiegerschtliche Peiteluog Gr sabzrte aus„Anseren Versansungen, Kläi zis ale erwischler Lornen Keschenstleis sser der Stempel aufgedrückt worden durch den Umstand, dab in h.letigen. Die Mündlichkeit ist den jeweiligen Fäbig Staatssekretär Dernburg gewährte in Antwerpen einem Korrespondenten der„Frankfurter Zeitung“ eine Unterredung, in der er sich über die Eingeborenenpolitik äußerte. Unsere Eingeborenenpolitik, die wir in Südwestafrika betreiben werden, stellt den Uebergang vonider Stember aufmebraat worden Juig. Msune,„ einer Wirtschaftsform in eine andere dar. Der Krieg hat der Entwurf der neuen Strasprozeßordnun;###?#.14 glastische Vorschriften anzupassen die wirtschaftliche Selbständigkeit der Eingeborenen zer uns vorgelegt worden ist. Das Erscheinen dieses Entwur:]keiterz in wschter anzuweisen, die Parteien innerhalb und schlagen, bat ihnen allen Besitz genommen, und der Herero, ses war für das deutsche Rechtsleben sia Ecerzuis, undfund der Bichtex unzischene##xhamblung zn besehren und welcher ohne Bieb und Land ist, sand seinen Unterbalt im zwar ein erfreuliches. Die Genugtuung dacüßer wirk HxIaukgsezten, sopest Pechtsunkunde und Mangel an geeig Dienke der Weißen. Die Verfügungen, welche die Ver=Ireiner Weise berübrt durch die Stellung, die jeder vnn uns Jurz., Wartretung es erforderlich machen. Insbesondere hältnisse der Eingeborenen regelten, mußten naturgemäß zu den Einzelheiten des Entwurss einnimm:. Aber diel neter Veriretung,ee##7# z, Tolgen zhrer Unterlaslung dem Zustande des Landes antsprechen, welcher keineswegs lange geforderte Reform des deutschen Strafwesens in jetzt] Mune...1, kkorm und Frichen von Rechtsmitteln bingeals beruhigt gelten konnte. Diese Verfügungen fanden in in die Kanäle der Gesetzgebung geleitet und das Ende der!“n2, u“ pers,#e“. Dax Beserent führte in einem sehr beiDeutschland lebhafte Kritik, ebenso aber auch in der Ko=Aktion in absehbare Nähe gerückt. Für das Schicksal aber swiesen werden.“ Der Reserent führte in einem sehr bei lonie. Man glaubte dort, daß die Zeit gekommen sei, die= das diesen Entwurf durch alle Brandungen und Klippensfällig ausgenommenen Berichte aus, jenigen Bestimmungen auszumerzen, welche diesen Kriegs= bi. l.niülhran fall:n 22 charakter trugen. So solle zukünftig der Weiße nicht mehr das Recht haben, jeden Schwarzen anzuhalten und ihn nach seinem Paß zu fragen. Zukünftig soll der Weiße nur für die Schwarzen seines Grund und Bodens verantwortlich Ferner war bis jetzt den Eingeborenen das Halten er Novelle sein.„„„ von eigenem Vieh erschwert. Wirtschaftlich ergab sich schon Grundlage einer möglichen politischen Verständigung rund jetzt das Unzweckmäßige dieser Maßregel. Der Einge=zweg ablehnt. Die Hauptäußerungen, die ich bishe: über borene wird zukünftig Vieh frei erwerben dürfen. Idiesen Entwurf gelesen habe, waren ia ganzen frendig be Einige weitere Grundsätze von Bedeutung sollen dasgrüßend. Auch andere Stimmen haben nicht gefehlt, wie Reformwerk ergänzen. Vor allem wird daran gearbeitetwohl mir nur eine zu Ohren gekommen in, die den nuch des Reserenten mit größter Entschiedenheit gegen den Re gierungsentwurf aus. Die vierte Abteilung(zivilprozessuale Abteilung) be schäftigte sich mit der Frage:„Ist in bürgerlichen Rechts Momentbilder vom sozialdemokratischen Parteitag (Von unserem Berichterstatter.) Die Eröffnung des Parteitages. Gr. Nürnberg, 13. Sept. 1908. In der großen städtischen Festhalle, die etwa 10000 12000 Personen saßt, wurde heute abend der sozialdemokratische Parteitag eröffnet. Der Zudrang zu dem Festlokal war ein ganz ungeheurer und schon lange vor Beginn der Eröffnungssitzung war die gewaltige Halle bis auf den letzten Platz gedrückt voll. Die räumliche Ausdehnung der Halle und die Unruhe der großen Menschenmasse machten es ganz unmöglich, sowohl von den musikalischen und gesanglichen Vorträgen, als von den etwas zu verstehen. Nach dem Gesange von Herwegs„Bei und arbeit" begrüßte Landtagsabgeordneter Dorn=Nürnberg den Parteitag. Er erinnerte an die früheren sozialdemokratischen Veranstaltungen in Nürnberg und wie gute Frucht sie gebracht, was man an den Resultaten der Reichstags= und Landtagswahlen ersehen könne. War dieser Redner noch teilweise verständlich, so konnten von der nun folgenden Eröffnungsrede des Reichstags. abgeordneten Singer selbst die in nächster Nähe sitzenden Pressevertreter nur unverständliche und unzusammenhängende Worte erhaschen. Die ganze Veranstaltung erwies sich als total verfehlt.„Das, sah auch das Parteibureau ein und vertagte die geschäftlichen Verhandlungen, wie Festsetzung der Tagesordnung usw., auf morgen, da es bei dem Durcheinander von Delegierten u. Zuhörern ganz unmöglich erschien, eine Abstimmung herbeizuführen. Es wurden deshalb nur die beiden Präsidenten, Landtagsabgeordneter Dorn=Nürnberg u. Reichstagsabgcordneter Singer=Berlin gewählt. Darauf begrüßte der Nürnberger Senior der Partei. Löwenstein, den Parteitag; blieb aber ebenso unverständlich wie sein Vorredner. Obwohl noch eine Reihe musikalischer und gesanglicher Darbietungen auf dem Programm standen, verließ ein großer Teil der Besucher enttäuscht schon vorher Albumblätter. Fliehe die Sinnenlust, denn sie gebiert Trauer Solon. Theaterblut. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) 80.„ Als er durch das Zimmermädchen anfragen ließ, ob Lin schon darauf vorbereitet sei, ihn zu empfangen, kam sie, statt ihm einen Bescheid zu senden, selbst in das Lesezimmer herab Sie war so bleich und unter ihren Augen lagen so tiefe bläu liche Schatten, daß ihr Anblick ihn in Bestürzung versetzte. Auf die Frage nach ihrem Befinden aber suchte sie ihn mit gezwungenem Lächeln durch die Versicherung zu beruhigen, daß sie sich ganz wohl fühle bis auf etwas Müdigkeit nach einer schlecht verbrachten Nacht. Und dann lenkte sie das Gespräch ab, indem sie hastig fragte: *„Haben Sie die heutigen Morgenblätter schon gelesen?“ Erich Gernot verneinte. *„So lesen Sie sie jetzt. Die Herren von der Kritik be handeln mich ja sehr wohlwollend. Einmütig erkennen sie an, daß ich recht gut ausgesehen hätte und es sind sogar einige unter ihnen, die mir nicht einmal alles Talent absprechen wollen. Aber was sie daneben an mir auszusetzen haben, ist gerade genug, um mich hier in Berlin für immer unmöglich zu machen.“ „Nun, und was tut das? Ich denke doch, daß Sie nach Ihren gestrigen Erlebnissen den Gedanken an eine Fortsetzung Ihrer Bühnenlaufbahn endgültig ausgegeben haben werden.“ Sie hörte den Klang unmutigen Befremdens in seinen Worten und schlug die Augen nieder. —„Gewiß!“ sagte sie. Aber sie sagte es sehr leise und mi verdächtig zuckenden Lippen.„Und was— was haben Sie nun weiter über mich beschlossen?“ Er teilte ihr mit, daß er ein Zimmer für sie gemietet habe. aber von Evas bevorstehender Ankunft sprach er vorläufig noch nicht. Mit großer Bereitwilligkeit nahm sie seinen Vorschlag an, sich von ihm sogleich in das Pensionat führen zu lassen. Aber als sie dann neben ihm in der Droschke saß, still und mit tief gesenktem Kopf. sah er, wie Träne auf Träne über ihre Wangen rollte. Er sprach tröstend auf sie ein, denn er glaubte, daß noch immer die Niederlage des gestrigen Abends die Ur ache ihrer Betrübnis sei; aber sie wies diese Vermutung durch eine verneinende Geberde zurück. „Es ist nicht das— glauben Sie es mir. Herr Doktor! Und ich weiß selbst nicht, was es eigentlich ist. Ich weiß nur, daß ich sterben möchte, ach. so gerne— so gerne sterben möchte“ Nun weinte sie unaufhaltsam, und die Predigerwitwe machte ein sehr erstauntes Gesicht, als sie ihrer neuen Pensio närin ansichtig wurde. Vielleicht hätte sie das Abkommen am liebsten sogleich rückgängig gemacht, zumal, als sie erfuhr, daß die Effekten der jungen Mieterin erst später gebracht werden würden. Ihr plötzlich ganz verändertes Benehmen und ihre mißtrauischen Blicke konnten Erich Gernot nicht entgehen. Aufs neue empfand er das Peinliche der zweidentigen Situation. in die Lillis Unbedachtsamkeit ihn und sie selbst gebracht hatte, und noch sehnlicher als zuvor wünschte er, ihr durch Evas An kunft ein Ende gemacht zu sehen. Als Frau Bertling. die Inhaberin des Pensionats sie z3 gernd in dem für Lilli bestimmten freundlichen Zimmer allein gelassen, sagte Erich Gernot: „Natürlich muß nun vor allem Ihre Mutter über Ihren Verbleib beruhigt werden. Nach den Umständen, unter denen die gestrige Trennung erfolgte, könnte sie sich ja leicht den schlimmsten Befürchtungen hingegeben haben.“ Lilli, die an das Fenster getreten war, und— die Stirn fest gegen die Scheiben gepreßt— unverwandt auf die Straße hinabstarrte, antwortete auf diese letzte Vermutung nur durch ein kurzes, bitteres Auflachen. Nach einem kleinen Schweigen aber sagte sie: „Ja, sie muß wohl benachrichtigt werden, wenn auch aus einem anderen Grunde. Wollen Sie sich selbst dieser undank baren Aufgabe unterziehen. Herr Doktor?“ „Ich halte das für den einfachsten Weg. sofort volle Klar heit zu erzielen und Sie zugleich möglichst schnell in den Besitz derjenigen Sachen zu bringen, deren Sie bedürsen, um sich hier einzurichten, wäre es auch nur auf ein paar Tage.“ „Ja. Denn wie eine Betteldirne bin ich gestern zu Ihnen gelaufen. Und wie eine Landstreicherin hätte ich heute mit ihnen über die Straße gehen müssen, wenn mir nicht das Dienstmädchen im Hotel mit diesem und jenem ausgeholfen hätte. Mein Gott, was müssen Sie nur von mir denken— was müssen Sie nur von mir denken!" „Nichts Schlechtes— dessen habe ich Sie schon gestern ver sichert, Fräulein Lilli! Und ich bitte Sie von Herzen, sich nicht länger mit solchen Grübeleien zu quälen. Haben Sie mir noch irgend einen bestimmten Auftrag für Ihre Mutter zu erteilen?“ „Nein!— Denn daß ich sie verabscheue, würden Sie ihr ja doch nicht sagen.“ Es fiel ihm eigentlich erst jetzt auf. wie ganz verändert gegen gestern, wie rauh und stellenweise geradezu mißtönig ihre Stimme klang. Noch einmal erkundigte er sich voll zärt licher Besorgnis, ob sie in Bezug auf ihr körperliches Befinden über irgend etwas zu klagen habe. Aber sie verneinte mit beinahe unsteundlicher Entschiedenheit. Und da er aus ihrem Benehmen zu schließen glaubte, daß sie vorerst am liebsten allein sei, sagte er ihr Adien, um sich auf den eben nicht seh angenehmen Weg zu der Operettensängerin zu machen. Aber er war die drei Treppen noch nicht ganz hinab gestiegen, als er oben eine Tür aufreißen und eine erschrockene Frauenstimme rusen hörte: „Um des Himmels willen, mein Herr, kommen Sie schnell wieder herauf— ein Unglück——“ Mehr vernahm Erich Gernot nicht. Das Entsetzen hinderte ihn, zu hören, was die Frau ihm etwa sonst noch zu rufen mochte. Vor seinen Ohren war ein Rauschen und Brausen, als brächen plötzlich ungeheure Wassermassen über ihn herein. und er wußte kaum, wie er die Treppen wieder hinauf gekommen war. Erst als er in der offenen Tür von Lillie Zimmer stand und ihre lang auf den Boden hingestreckte Gestalt mit dem auswärts gerichteten, marmorweißen Gesicht und den geschlossenen Augen vor sich sah, waren ihm plötzlich Fassung und Selbstbeherrschung vollständig zurückgekehrt. Die Erinnerung, daß Lilli bei seiner Verabschiedung am Fenster gestanden, hatte bei den angstvollen Zurufen der Pensionsin haberin in seiner Fantasie die Vorstellung ausgelöst, daß sie sich durch dieses Fenster auf die Straße hinausgestürzt habe, und er fühlte sich von einer zermalmenden Last befreit, da er sie hier oben unverletzt erblickte. In dem Moment, wo er neben ihr niederkniete, um sich Aufklärung über ihren Zustand zu verschaffen, war er nur noch der Arzt, den das Bewußtsein seiner ungeheuren Verantwort lichkeit in strenger Selbstzucht gelehrt hat, jede persönliche Ne gung niederzuzwingen, sobald sie ihn in der Ausübung seiner Pflichten verwirren und hindern könnte. „Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß die Dame leidend sei. Ich würde Ihnen dann natürlich sofort erklärt haben, daß ich sie nicht ausssehmen könne. Schon auf den ersten Blick kam es mir mit ihr nicht ganz richtig vor. Und als ich nun, sobald Sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, den Aufschrei und den schweren Fall im Zimmer hörte, wußte ich natürlich vollends, woran ich war. Auf unklare Geschichten aber kann ich mich durchaus nicht einlassen!“ So war es in anklagender Beredsamkeit gleich einem rieselnden Strome über die Lippen der aufgeregten Witwe gekommen, während Erich Gernot die Pulsfrequenz und den Herzschlag der Bewußtlosen untersuchte. Er hatte natürlich sofort gesehen, daß Lilli nur ohnmächtig war; aber diese Ohnmacht erschien ihm immerhin bedenklich genug. Es handelte sich hier ohne allen Zweifel nicht bloß um eine vorübergehende Schwäche, sondern um den Anfang einer ernstlichen Erkrankung, die sogleich eine sorgfältige und aufmerksame Wartung nötig machen würde. Es war gewiß keine angenehme Aufgabe, die aufgeregte Dame darauf vorzubereiten, aber Erich Gernot hielt es für geboten, ganz aufrichtig gegen sie zu sein. Nachdem er die leichte Gestalt der Bewußtlosen vom Boden aufgehoben und sanft in die Kissen des Bettes gelegt hatte, teilte er der Witwe über Lillis augenblickliche Situation und über die Umstände, welche sie in diese Lage versetzt hatten, in wenig Worten alles mit, was er verraten durfte, ohne sie selbst oder ihre Mutter zu kompromittieren. Und die Hoffnnugen, die er auf das mitleidige Herz der Matrone gesetzt hatten ihn glücklicherweise nicht betrogen. Namentlich die Aufklärungen, die er ihr über seine Beziehungen zu Lilli zuteil werden ließ. und die Mitteilung von dem bevorstehenden Eintreffen seiner Braut schienen auch ihre letzten Bedenklichkeiten zu verscheuchen. Und da sie augenscheinlich im Grunde eine sehr gutmütige und weichherzige Frau war, ging der Umschlag in ihrer Stimmung und die Art, in der er sich äußerte, sogar noch weit über Erich Gernots Erwatungen hinaus. (Fortsetzung folgt). 2 * 15 7 zas Festiokal. Die morgigen Verhandlungen beginnen 9 Uhr im Herkules=Belodrom. Ueber den Eröffnungsabend wird noch berichtet: Der Reichstagsabgeordnete Singer, der übrigens sehr letdend aussieht, und über die Blätze der Pressevertreter hinweg überhaupt nicht zu hören war, dankte den Nürnberger Genossen über die Vorbereitungen zum Parteitage und für die Hoffnungen, die sie durch den Mund des Genossen Dorn haben aussprechen lassen. Wir sind alle der Meinung, daß dieser Parteitag dazu berusen ist, die Meinungs verschiedenheiten, die über eine Reihe von Fragen innerhalb unserer Parteigenossen aufgetaucht sind, zu klären. Ich spreche aber schon jetzt von dieser Stelle die Ueberzeugung aus, daß der Spruch des Parteitages für jeden Parteigenossen ein Heiligtum und Evangelium sein wird. Wir sind in Nürnberg auf klassischem Parteiboden. Schon 18418 tagie in Nürnbergs Meuern ein Arbeitesparlament und zwar ebenfalls auf städtischem Grund und Boden: im „Nürnberger Rathans“. Die beiden Vorsitzenden der damaligen Tagung weilen heute noch unter uns. Es sind die Genossen Bebel und Löwenstein, die heute noch rüstig, eifrig und fleißig den Interessen der Partei dienen.(Lebhafter Beifall.) Der Lärm nimmt immer mehr zu, der Redner kann schließlich seinen Worten nicht mehr Geltung verschaffen, und es muß wiederholt durch Glockenzeichen und Rufe Ruhe geboten werden. Dies bleibt jedoch fast ohne Wirlung. Reichstagsabgeordneter von Vollmar wird, wie es heißt, sernbleiben, da er sich in einer Heilanstalt in Konstanz befindet. Er war sehr schwer krank, soll sich aber wieder auf dem Wege der Besserung befinden. Auch der Führer der bayerischen Landtagsfraktion, Freiherr Haller von Hallerstein wird sernbleiben, da er an Gicht erkrankt ist. Reichstagsabgeordneter Bebel, der heute hier eintressen sollte, und in der Regel namens des Parteivorstan des den Parteitag eröffnete, war noch in letzter Stunde durch eine Erkrankung in der Familie seines Schwiegersohnes zurückgehalten worden. Wie er jedoch mitteilte, hofft er morgen oder übermorgen eintreffen zu können. (Nachdruck verboten.) Gr. Nürnbera, 13. Sept. Der Prolog zum Parteitag.— Die Frauenkonferenz.— Die Frage der Budgetbewilligung eine Frage der Taktik.— Rosa Luxemburg, der einzige Mann in der Partei.— Ede Bernstein, der Mandatlose. — Die Schönheit des Nilpferdes. I In der städtischen Festhalle im Luitpoldhain, der früheren Maschinenhalle der vor zwei Jahreu hier stattgesundenen Bayerischen Kunst= und Gewerbeausstellung, wird heute abend der diesjährige sozialdemokratische Parteitag eröffnet. Als Prolog voran ging dem Parteitag die fünfte Konferenz sozialistischer Frauen. Die Frauenkonferenz ist ein Parlament für sich, in dem manches kräftige Wörtlein gegen die Herren Genossen gesprochen wird, die von der Gleichheit in punkto Politik nichts wissen wollen. Diesmal ging es sehr ruhig zu. Besonders interessant war es nur, oaß die„Zentralvertraueusperson“ Ottilie Baader=Berlin rückhaltlos unter dem Beifall der Delegierten zugab, daß der Terrorismus bei den letzten andtagswahlen rücksichtslos ausgeübt worden sei. Alle kleinen Geschäftsleute, Milchhändler, Holzhändler usw., die von der Arbeiterschaft leben, hätten entweder für den Sozialdemokraten gestimmt oder nicht gewählt. Das nächste Mal würde es noch ganz anders gemacht werden. Diese rückhaltlose Auerkennung des Terrorismus fand nicht den Beifall des bekannten Gewerkschaftsführers v. Elm=Hamburg, der daran erinnerte, daß die Sozialdemokratie den Terrorismus grundsätzlich verwirft, und daß sie es ablehnt, durch wirtschaftliche Machtmittel jemand zu zwingen, gegen seine Ueberzeugung zu wählen. Aber diese Stimme verhallte ungehört. Die Sozialdemokratie verwirft den Terrorismus, aber die Frauen üben ihn rückhaltlos aus. Das Hauptinteresse des diesjährigen Parteitages wird die Frage der süddeutschen Budgetbewilligung in Anspruch nehmen. Frau Rosa Lübeck, geb. Luxemburg, die nach dem witzigen Ausspruch eines Parteikardinals der „einzige Mann in der Partei“ ist, hat in dem hiesigen sozialdemokratischen Parteiorgan soeben ihre Stellung zu ieser strittigen Frage dargetan. Die Dame, die als die Wortführerin des radikalsten Flügels gilt, genießt in der Partei Ansehen und ihr Wort hat Geltung. Da die zehn linuten Redezeit auf dem Parteitag ihr nicht gestatten, ihre Ansichten darzulegen, so hat sie es vornweg in der Presse getan. Sie kommt zu dem Schluß: Die sozialdemokratische Taktik ist durch das Vorgehen der Parteiparlamentarter in Bayern, Baden, Württemberg und durch ihre Argumente zugunsten dieses Vorgehens in Frage gestellt. Man treibt uns zur bürgerlichen Reformpolitik und als unvermeidliches Gegenstück dazu würde uns aus dem unzufriedenen Proletariat totsicher das nunmehr vermorschte Gespenst des Anarchismus wiederaufstehen, wenn — wenn wir nicht in Nürnberg Kraft, Klarheit, Geschlossenheit genug haben, diesem Gespenst, sowie den anderen ein„Entferne dich!“ zuzurufen. In der gleichen Nummer erhält auch der bekannte Revisionist Eduard Bernstein das Wort. Bernstein hat diesmal kein Mandat erhalten und so muß er mit seinen Ansichten in die Zeitung flüchten. Er betrachtet die Budgetbewilligung von zwei Punkten aus und sagt: 1. Die Bewilligung eines Budgets ist immer eine Bewilligung von Mitteln an das gegebene Gemeinwesen— Reich, Staat, Kommune— zur Führung seiner Geschäfte. 2. Die Bewilligung ist oft, aber nicht immer, ein Vertrauensvotum für die Leitung dieser Gemeinwesen. Bernstein zählt dann eine Reihe von Fällen auf, in denen die Sozialdemokratte bereit gewesen ist, der Regierung die Mittel zu den verschiedensten Ausgaben zu bewilligen. Zum Schlusse macht er sich darüber lustig, daß das Stimmen gegen das Gesamtbudget eine Demonstration darstelle. Diese Abstimmung sei keine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung.„Man muß nur einmal, so fährt er wörtlich fort,„der Schlußsitzung der Budgetberatungen im deutschen Reichstage beigewohnt haben, um von diesem Wahn kuriert zu werden. In endloser Mozotonie rust der Präsident stundenlang Posttionen über Positionen auf, die bewilligt sind, wenn kein Widerspruch erhoben wird. Nie mand erhebt Widerspruch, es werden Millionen auf Mil lionen bewilligt, während die Abgeordneten teils lesen, teils schreiben, teils schwatzen oder aber gähnend zur Galerie hinaufschauen. Dann endlich schreitet der Präsident zur Gesamtabstimmung. Gelangweilt erhebt sich die Mehrheit, die Sozialdemokraten aber bekunden ihre umstürzlerischen Tendenzen dadurch, daß sie auf ihren Plätzen verharren u in der Beschäftigung fortfahren, die sie gerade vorhaben. Das ist der große Momen:, wo über das Milliar deubudget abgestimmt wird. Wenn die Schönheit des Nilvferdes verhandelt würde, könnte die Inter essenlosigkeit nicht größer sein......“. Bernstein wider spricht dann dem Bestreben, aus der Sache mit aller Gewalt eine Hauptaktion zu machen. Das ist die Angelegen heit aber zweifellos bereits und die erbittertsten Kämpfe stehen auf dem Parteitage bevor. Nachdruck verboten.(r. Nürnberg, 14. Septbr. Die Unkosten deo Parteitages. Festsetzung der Tagesordnung.— Die Budgetbewilligungs= frage.— Die abgelehnte Vertuschungskommission.— Eine englische Begrüßung deo Parteitages.— Gegen die„freien Gewerlschaften“. Die gestrige Eröffnungssitzung des Parteitages war für die Nürnberger Parteigenossen ein glänzendes Geschäft. Da ca. 12000 Personen ihre halbe Mark opfern mußten, so dürften die Unkosten des Parteitages gedeckt sein. Daß die meisten Besucher nichts gesehen und gehört haben, wird den Veranstaltern wenig Kopfschmerzen machen. Infolge dieser verunglückten Eröffnungsfeier war der Andrang der Gäste zu der ersten geschäftlichen Sitzung im Herkules=Velodrom nur gering. Die Reichs= und Landtagsabgeordneten sowie der Parteivorstand sind fast vollzählig erschienen. Delegierte mögen ungefähr 400 anwesend sein. Der Parteitag ist also stärker besucht Is je zuvor. Die Verhandlungen eröffnete Singer und wurde zu nächst die Tagesordnung festgestellt. Hierzu lag ein Antrag Kassel vor, im Anschluß an den parlamentarischen Bericht die Frage der Budgetbewilligung in den bundes staatlichen Landtagen erneut zu erörtern. Walther=Augsburg und 4 andere Genossen beantragten eine Kommission von 15 Mitgliedern zu bilden, der die Vorberatung dieser Angelegenheit übertragen werden solle. Diese solle dann Bericht erstatten und eine Resolution vorlegen. Eine solche die Gegensätze verkleisternde Resolution ist nämlich eine groß: Sache, wie der Berliner zu sagen pflegt. Sie sagt dem einen Teil die Wahrheit und tut der anderen Seite nicht wehe. Der Parteitag wollte aber von dieser Methode dieses Mal nichts wissen und lehnte den Antrag ab. Der Vorsitzende Singer schlug dagegen vor, die Budgetbewilligungsfrage als besonderen Punkt im Anschluß an den parlamentarischen Bericht zu behandeln. Die Erledigung solle so geschehen, daß Bebel das Referat übernehme und eine Resolution des Parteivorstandes vorlege. Im An schluß an dieses Referat soll einem badischen und bayerischen Delegierten das Wort mit unbeschränkter Redezeit gegeben werden, um den süddeutschen Genossen Gelegenheit zu geben, die Gründe ausführlich dazulegen. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Der Berliner Antrag, das Genossenschaftswesen und seine Bedeutung für die Sozialdemokratie auf die Tages ordnung zu setzen, wurde zurückgezogen. Der Antrag Magdeburg, auf die Tagesordnung das Thema zu setzen„Die auswärtige Politik und die Sozialdemokratie“, sand nicht genügende Unterstützung. Der Vorsitzende begrüßte sodann die erschienenen ausländischen Gäste. Hierunter befindet sich auch der englische Genosse Quelch aus London, der im vorigen Jahr in Stuttgart einen Konflikt mit der Polizei hatte. Quelch hatte auf dem internationalen sozialistischen Kongreß in Bezug auf den Haager Friedenskongreß die Aeußerung getan, es sei eine „Abendgesellschaft von Dieben". Dafür traf ihn der Aus reisungsbefehl.— Quelch begrüßte den Parteitag in eng lischer Sprache. Er wies auf die Kriegshetze in der letzten Zeit hin und versicherte, daß die englischen Parteigenossen ebenso wie die Deutschen mit aller Energie für die Aufrechterhaltung des Friedens eintreten und alles aufbieten, um internationale Konflikte zu unterdrücken. Wir haben gegen den Burenkrieg protestiert und erst später hat die englische Bevölkerung eingesehen, daß das Sprichwort wahr ist:„Vorher gewarnt ist vorher geschützt!“ Wir haben prote tiert gegen die Flottendemonstration vor Kronstadt, weil sich diese gegen Deutschland richtete. Wir haben protestiert gegen die Reise des Kö nigs nach Reval, wir haben protestiert, weil der König sich soweit erniedrigt, die Hand des Zaren zu drücken, die vom Blute seiner Untertanen trieft!— Es folgen weitere Begrüßungsreden von Sanders=London. Wienarski=Wien. einem Vertreter der belgischen und russischen Sozialdemokratie und darauf wurde in die Tages ordnung eingetreten. Müller=Berlin erstattete den allge meinen Vorstandsbericht und besprach in länger als eintündiger Rede die Stellung der Partei zu den politischen Tagesfragen, zur Frauenfrage, zur Jugendorganisation usw Im Anschluß hieran berichtete Parteisekretär Ebert=Berlin über die mit den lokalistischen Gewerkschaften ge pflogenen Einigungsverhandlungen. Es seien etwa 5000 Lo kalisten dem Zentralverbande zugeführt worden. Die Loka listen bekämpfen nach wie vor die Partei und die Gewerkchaften und es müsse deshalb diesem Treiben endlich ein Ende gemacht werden. Der Redner empfahl dann die Annahme der vom Parteivorstande vorgelegten Resolution. in der es u. a. heißt: „Die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften hat sich in offenen Gegensatz zur Partei gestellt, indem sie unt er Anlehnung an die anarcho=syndikalistischen Bestrebungen die Sozialdemokratie geflissentlich bekämpft und schwächt. Der Parteitag erklärt daher: Jede Mitarbeit von Parteigenossen in den mit der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften verbundenen Vereinen sowie in dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverband ist unvereinbar mit den Grundsätzen und Interessen der Sozialdemokratie.“ Weiter berichtete Schulz=Berlin über den auf dem vorigen Parteitag eingesetzten Bildungsausschuß. Eine große Arbeit habe die Zusammenstellung der Werke für einen Bibliotheks=Musterkatalog verursacht. Von einem Reserentenverzeichnis habe man Abstand genommen, ebenso von einer Herausgabe der Klassiker, da hierdurch ein Massenangebot von Schriften entstehen würde, und manche andere Schrift, die unentbehrlich sei, nicht gekauft werden würde. Gegen die Scherlsche Emvorleserei wolle man ein Flugblatt abassen, um die nötige Aufklärung in Arbeiterkreisen zu verbreiten.— Darauf trat die Mittagspause ein. „„ Konferenz der sozialistischen Frauen Deutschlands. Nürnvera, 12. Sept. 1908. Die stark besuchte fünfte Konferenz der sozialistischen Frauen Deutschlands beschäftigte sich zunächst mit dem Tätigkeitsbericht der Zentralvertrauensperson Ottilie Baader aus Berlin, der einen mäßigen Fortschritt der Bewegung konstatiert. Diese ausgedehnte Dislussion brachte außer weiten Abschweifungen auf örtliche Angelegenheiten, vielen Ratschlägen für organisatorische und agitatorische Kleinarbeit und Ausfällen gegen die katholische und gegen die protestantische Kirche einige allgemein beachtenswerte Momente. Frl. Ottilie Baader nahm den Mund besonders voll. Sie schlug auch, um sich vopulär zu machen, scherzhafte Töne an, mit denen sie sich aber in der Tat eher lächerlich machte: Wir sind jetzt unter dem Reichsvereinsgesetz gleichgestellt mit den Männern. Ichhabe leider keinen Mann.(Heiterkeit.) Wenn es mir immer schon leid getan hat, so ganz besonders jetzt, denn ich wäre gar zu gern mit ihm Arm in Arm in die Versammlungen gegangen.(Stürmische Heiterkeit. Zuruf: Kann ja noch geschehen! Vom Vorstandstisch aus wird dem Zurufenden erwidert: Vortreten! Anhaltende stürmische Heiterkeit.) Die eifrige und zielbewußte Genossin konstatierte dann, daß die Dienstbotenbewegung sich besonders entwickelt habe. Während noch im Jahre 1907 in ganz Deutschland nur 5000 organisierte Dienstboten waren, betrüge ihre Zahl in Hamburg allein bereits 4000. Auch die Kassenverhältnisse haben sich verbessert;„wir haben jetzt 5400 i auf der Deutschen Bank“. Es folgte ein über einstündiges Referat der Frau Zietz aus Hamburg über die Vorschläge, welche die Führerinnen der proletarischen deutschen Frauenbewegung in Geweinschaft mit dem sozialdemokratischen Parteivorstand über Neuorganisation der Genossinnen dem Nürnberger Parteitag unterbreiten. Sowohl aus der Rede der Reserentin, als auch aus den folgenden längeren Diskussionsreden ging eine nicht gelinde Mißstimmung über die männlichen Sozialdemokraten hervor, welche von sogenannten Sonderrechten der weiblichen Sozialdemokraten, wie z. B. auch hinsichtlich des Abhaltens von besondenen Zusammenkünsten, Gründungen von Leseklubs, und besonders dem weiblichen Agitationstreiben nichts wissen wollen. Genossin Baader aus Berlin forderte, daß die jetzt versammelte Konferenz nicht nur die Wahl einer, sondern zweier Vertreterinnen in den sozialdemokratischen Parteivorstand sordern solle. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. * Detmold, 15. Sept. 1908. — Der Kaiser hat aus Anlaß der beendeten großen Herbstübungen an den Prinzregenten von Bayern folgendes Handschreiben gerichtet: „Durchlauchtigster Fürst! Freundlich lieber Vetter und Bruder! Es ist mir ein tiesempfundenes Bedürfnis, Euerer Königlichen Hoheit für das bereitwillige Entgegenkommen, durch welches die Mitwirkung eines Teils des Königlich Bayerischen Heeres an den heute boendeten Herbstübungen ermöglicht wurde, aufrichtigen Dank auszusprechen. Es gereicht mir aber auch zur herzlichen Freude, meiner bereits wiederholt kundgegebenen lebhaften Befriodigung und vollsten Anerkennung über die Führung und den ausgezeichneten Zustand dieser Truppen gegen Euere Königliche Hoheit nochmals beredten Ausdruck zu geben. Jch habe sowohl bei der Parade des 16. Armeekorps am 27. August in Metz, wie auch im Verlaufe der behrreichen Manöver mehrsach Gelegenheit gehabt, mich von der inneren Ordnung und kriegsmäßigen Ausbildung aller Wassen und ihrem zielbewußten Zusammenwirken im Gesecht zu überzeugen, und ich kann Euere Königliche Hoheit zu solchen Truppen nur beglückwünschen. Eine besondere Genugtuung war es mir, bei der Parade bei Metz die zahlreichen Mitglieder der Pfälzischen Kampsgenossenschaft begrüßen zu können, welche aus allen Teilen der bayerischen Pfalz herbeigeeilt waren, um ihrer patriotischen Gesinnung Ausdruck zu verleihen. Ich verbleibe mit der Versicherung der vorzüglichen Hochachtung und freundschaftlichen Gesinnung Euer Königlichen Hoheit freundlicher Vetter und Bruder.“ Der Prinzregent richtete hierauf nachstehendes Handschreiben an den Kaifer: „Durchlauchtigster Fürst! Freundlich lieber Vetter und Bruder! Euere Kaiserliche und Königliche Majestät haben die große Güte gehabt, bei dem Abschlusse der Herbstübungen in den Reichslanden die schon telegraphisch ausgesprochene hohe Anerkennung für die Leistungen der bayerischen Truppenteile nochmals in beredten Worten zum Ausdruck zu bringen. Ich bitte Euere Majestät hierfür meinen und der Truppen warm empfundenen Dank entgegenzunehmen. Ich darf dabei neuerdings versichern, wie gerne ich auch heuer wieder bayerischen Regimentern Gelegenheit gegeben habe, vor Euerer Majestät im Zusammenwirken mit anderen Truppenteilen des deutschen Heeres eine Probe ihrer Disziplin und ihrer kriegsmäßigen Ausbildung zu geben. Daß sie diese Probe in der Parade und bei den Gesechtsübungen gut bestanden, gereicht nicht nur mir zur wahren Geuugtuung, die lobenden Worte Euerer Majestät erfüllen auch die ganze bayerische Armee mit Stolz und freudigem Bewußtsein. Sie werden Führern und Mannschaften ein neuer Ansporn sein zu rastloser Weiterarbeit in dem Streben, an Manneszucht und Kriegstüchtigkeit den übrigen Kontingenten des deutschen Heeres ebenbürtig zur Seite zu steben. Lebhafte Befriedigung bereitet mir auch die Mitteilung, daß meine lieben Pfälzer nicht gesäumt haben, Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät durch die Mitglieder der Pfälzischen Kampfgenossenschaft ihre Huldigung darzubringen. Ich danke Euerer Majestät von Herzen für die der Pfälz. Kampfgenossenschaft mit der Widmung eines Fahnenbandes erwiesene hohe Ehre. Mit Vergnügen erneuere ich in diesen Zeilen die Versicherung der vorzüglichen Hochachtung und Freundschaft, womit ich verbleibe Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät freundlicher Vetter und Bruder.“ — Der Kaiser hat aus Anlaß der abgeschlossenen Kaisermanöver auch an den König von Sachsen ein Handschreiben gerichtet, in dem er seine lebhafte Befriedigung über die treffliche Haltung und kriegsmäßige Ausbildung der dem 15. Armeekorps zugeteilten Truppen der sächsischen Armee ausspricht. — Fürst Bülow über das Tabaksmonopol. Wie der „Neuen Freien Presse“ mitgeteilt wird, hat Fürst Bülow in Norderney in einem Gespräch mit dem rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza es lebhaft bedauert, daß es seinerzeit dem Fürsten Bismarck nicht gelungen, das Tabaksmonopol durchzusetzen:„Sicher wäre in Deutschland dem Staate daraus eine Einnahme von vier= bis fünshundert Mill. erwachsen. Wie viele gute Sachen hätten sich mit diesem Gelde für Deutschland machen lassen. Eine solche Summe scheint mir nicht zu hoch gegriffen. In Frankreich bringt das Tabatmonopol wohl dreihundert Millionen. Aber Frankreich hat keine so starke Bevölkerung, dazu raucht der Franzose nicht so viel wie der Deutsche; dann ist er ja, was ihm übrigens zum höchsten Lobe gereicht, sparsamer als der Deutsche.“ Wenn Fürst Bismarck damals nicht mit dem Tabakmonopol gescheitert wäre, brauchte man sich heute nicht den Kopf zu zerbrechen, auf welchem Wege neue Steuern für Deutschland zu beschaffen wären.„Aber“, fügte er hinzu, „gegen Torheit kämpft sogar ein Bismarck vergebens.... Ich glaube in der Tat, daß es selten die Schlechtigkeit, sondern fast immer die Torheit der Menschen ist, die das Gute verhindert.“ den Gehaltsverhältnisse in Aussicht genommen; diese bereits mit dem nächsten Etatsentwurse für das Jahr 1909 und 1910 zu verbinden, ist nicht müglich, daß dieser Etat ohnedies mit einem Fehlbetrage abschließt und es besonderer Vorkehrungen bedürsen wird, um ihn ins Gleichgewicht zu bringen. Die Gehaltsrevision soll aber, sobald als möglich, zur Durchführung gebracht werden. Mit Rücksicht auf die hierauf bevorstehende durchgreifende Gehaltsneuordnung muß davon abgesehen werden, in dem nächsten Etatsentwurse die Gehaltsaufbesserung für einzelne Beamtenkategorten einzustellen. Die Vorarbeit für die Gehaltsrevision wird demnächst eingeleitet werden. Rußland. Petersburg, 14. Sept. Im Laufe des gestrigen Tages erkrankten 118 Personen an Cholera. 34 Personen sind gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten beträgt 250. Orient. Konstantinopel, 14. Sept. In seierlichster Weise vollzog sich heute die Wiederverleihung des Marschallranges an den zum gemeinen Soldaten degradiert gewesenen Fuad Pascha. Tages=Neuigkeiten. Orville Wriaht. Zu seinen neuesten Erfolgen. Auf dem Tuppenübungsplatz bei Fort Meyer in Virginia hat der amerikanische Flugtechniker Orville Wright einen vollen, unbestrittenen Erfolg errungen. Mit der von ihm konstruierten Flugmaschine gelang es ihm, einen Flug von 2½ Minuten auszuführen, wobei er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36—38 englischen Meilen in der Stunde erreichte. Die Maschine stieg mit völliger Leichtigkeit auf und log unter vollkommenster Kontrolle 60 Mal um das Parade eld herum. Dem bei vorzüglichen Witterungsverhältnissen ausgeführten Fluge toohnte außer 25 Zivilpersonen eine große Anzahl von Offizieren und Signalkorps der Unionsarmee bei. Bei dieser Lage der Dinge scheint es keineswegs ausgechlossen, daß Wright den von der Regierung der Vereinigten Staaten ihm gestellten Bedingungen, einschließlich des Fluges von 125 englischen Meilen, mit xeiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Meilen in der Stunde, wird entsprechen können. Washington, 14. Sept. Orville Wright überbot heute von neuem den von ihm aufgestellten Rekord, indem er einen 74 Minuten 24 Sekunden dauernden Flug ausführte, wobei er eine Höhe von 250 Fuß erreichte. Einen zweiten Flug unternahm er mit einem Teilnehmer und blieb dabei 9 Minuten 6 Sekunden in der Luft. — Die Cholera. Geh. Ober=Medizinalrat Kirchner hatte mit einem Mitarbeiter eines Blattes eine Unterredung über die russische Choleragefahr, in d. er sagte: Ob eine Choleragefahr für Deutschland besteht, läßt sich zurzeit nicht sagen. Wir sind keine Propheten. Soviel kann man aber jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, daß wir scharf auf dem Posten sind, so daß sich die Bevölterung absolut nicht zu beunruhigen braucht. Der russische Auswandererverkehr, der über Deutschland nach den Hasenstädten geht, wird scharf kontrolliert. An der Grenze sind besondere Kontrollstationen errichtet, wo die russischen Auswanderer ärztlich untersucht werden. Diejenigen, die nicht choleraverdächtig befunden wurden, werden dann in geschlossenen Eisenbahnwagen nach Bremen bezw Hamburg gebracht. Außerdem ist von großer Beruhigung die Bekanntmachung, die, wie gemeldet, der Reichskanzler erlassen hat. Wie gut unsere Einrichtungen funktioniert haben, zeigt insbesondere der Umstand, daß bei der im Jahre 1905 mit so furchtbarer Wirkung in Rußland aufgetretenen Choleraepidemie nur 218 Fälle im ganzen Deutschen Reiche konstatiert worden sind. — Zeppelinstiftung und Luftschiffbaugesellschaft. Ueber die soeben errichtete Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin, G. m. b. H., erfährt die„Frankfurter Zeitung“, daß der ganze Betrag der deutschen Nationalspende der Zeppelinstiftung zufließt, deren Vorstand Graf Zeppelin ist. Im Falle seines Todes folgen ihm Freiherr Max von Gemmingen und Konrad von Bassus. Das Kapital der Gesellschaft beträgt drei Millionen, wovon 2698 000 A die Zeppelinstiftung bei steuert. Graf Zeppelin beteiligt sich aus eigenen Mitteln mit 300000 M und die Herren von Gemmingen und von Bassus je mit einem formellen Anteil von 10000 M. Der Ertrag des auf den Anteil der Stiftung entfallenden Ka pitals fließt zu einem Teile bei Lebzeiten des Grafen und dessen Tochter diesen zu, der andere Teil und später der ganze Ertrag fällt an die Stiftung. Wenn der Stiftungszweck aus irgend einem Grunde unmöglich und deshalb die Stiftung aufgelöst werden sollte, fällt das Stiftungsvermö gen der Stadt Friedrichshasen zu. — Aus Kolmar i. Els. wird der„Frankfurter Zeitung“ schrieben: Die ganze Inszenierung dieses ersten Kaisersuchs in Kolmar, besonders die Tatsache, daß der Kaiser h nach dem Stadthaus begab, hat hier ungemein sympaisch gewirkt. Die Folgen dieser geschickten Politik werden ohl nicht ausbleiben. — Verbandstag Deutscher Feuerbestattungsvereine. Hagen, 14. Sept. Der 13. Verbandstag Deutscher Feuerbestattungsvereine wurde durch den Vorsitzenden HolscherBremen eröffnet. Der Verband zählt gegenwärtig 71 Vereine mit über 26000 Mitgliedern, erschienen sind 51 Vereine, von denen etwa 80 Delegierte 171 Stimmen vertreten. Reichstagsabgeordneter Oberbürgermeister Cuno= Hagen begrüßte den Verbandstag namens der Stadt Hagen. Es wurde folgende Cutschließung angenommen:„Der 13. Ver bandstag Deutscher Feuerbestattungsvereine bedauert aufs tiesste, daß auf Grund der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts die Benutzung von Krematorien in Preußen immer noch nicht möglich ist. Die auf Grund der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ersorderliche Ergänzung der Gesetzeolage muß unverzüglich in die Wege geleitet werden, wenn nicht das Rechtsbewußt sein weiter Volkskreise aufs schwerste gekränkt bleiben soll Der Verbandotag fordert daher, daß sämtliche Vereine auf die praktische Durchführung ihres Zieles, auch durch Erbauung von Krematorien mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln nachdrücklich hinwirken.“ — Gehaltsaufbesserung. Stuttgart, 14. Se#t. Im „Staatsanz.“ kündigt die Regierung eine allgemeine Beamtenausbesserung an. Es heißt dort: Die Besoldungsaufbesserungen, die in unseren Nachbarstaaten Bayern und Baden sowie anderen Bundesstaaten jungst erfolgt und im Reich und in Preußen in Aussicht genom men sind, haben der Staatsregierung die erneute Prüfung der Besoldungsverhältnisse der öffentlichen Diener nahegelegt. Die Staatsregierung ist zu der Ueberzeugunn gekommen, daß auch in Württemberg ein Bedürfnis in dieser Richtung vorliegt und hat daher die Durchsicht der bestehenBonn, 14. Sept. Auf der Strecke Köln=Remagen, KölnAachen, Köln,Niederlahnstein usw. sollen elektrische Triebwagen eingestellt werden. Jeder Wagen kann 100 Personen fassen. Im ganzen sind für die preußischen Staatsbahnen 57 Alkumulator=Doppelwagen bestellt worden, die noc in diesem Jahre abgeliefert werden müssen. Die Wagen sind von den Felten= und Guilleaume=Lahmeyer=Werken hergestellt worden. Ein Drittel der Wagen wird an die Eisenbahndirektionsbezirke Köln. Frankfurt, Saarbrücken und Erfurt verteilt werden. Außerdem erhält die Eisenbahndirektion Köln noch einen Triebwagen mit Benzolmotor. Die Wagen haben Anlaß= und Bremsvorrichtungen, sodaß man sie nicht zu wenden braucht. Allenstein, 12. Sept. Der Obertertianer Lesser von der städtischen Oberrealschule unternahm, wie die„Allenst. Ztg.“ meldet, mit dem Untersekundaner des hiesigen Gymnasiums Spirgatis gestern abend einen Spaziergang nach dem Walde, wobei Lesser mit einem von seinem verstorbenen Vater herrührenden Nevolver spielte. Dabei entlud sich die Waffe, so daß durch einen Streifschuß Spirgatis im Gesicht verletzt wurde und bewußtlos zu Boden sank. Aus Verzweiflung über seine Tat richtete Lesser die Wasse gegen sich selbst und verletzte sich durch einen Schuß am Kopfe. Nach einiger Zeit erwachte Spirgatis aus seiner Ohnmacht und holte aus der Stadt Hilfe herbei. Heute früh wurde der schwerverletzte Tertianer in die Wohnung seiner Mutter gebracht. Lehe, 14. Sept.(Obst und Bier.) Ein hier wohnhafter Kaufmann trank bald nach dem Genusse von Pflaumen Bier. Er ist nach einem Tage im blühenden Mannesalter eines qualvollen Todes gestorben. Kiel, 13. Sept. Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert von Preußen ist zum Kapitänleutnant befördert worden. Aus diesem Anlaf erschien er heute vormittag beim Prinzen Heinrich zur Meldung Kiel, 14. Sept. Prinz Adalbert von Preußen ist, außer zum Kapitänlentnant, in der Armee zum Hauptmann befördert worden. Schwerin i. M., 14. Sept. In Hannover ließ jemand 7 kleine zusammengekoppelte Luftballons, welche mit einer Postkarte versehen waren, aussteigen. Die Ballons wurden bei Malchow gefunden und die Postkarte dem Wunsche des Absenders gemäß nach Hannover zurückgeschickt. Trauung am Krankenbett. Auf dem Krankenbett wurde in Berlin der Geschäftsreisende Otto W. aus der Romintener= straße mit seiner geschiedenen Frau wieder getraut. W. liegt seit drei Wochen an einem schweren Magenleiden in einer Baracke der Charitee. Die Scheidung hielt seine Frau, die Mutter eines Kindes ist, nicht ab, in den Tagen des Leides ihm zur Seite zu stehen und ihn wiederholt zu besuchen. Nachdem sich W. über seine Krankheit klar geworden war und mit dem ärztlichen Leiter der Baracke gesprochen hatte, lud er vorgestern seine geschiedene Frau brieflich zu einem Besuch ein und das Ergebnis der Aussprache war, daß gestern nachmittag ein Standesbeamter vom Standesamt in Altmoabit erschien und das Paar wieder vereinigte, nachdem die Frau alle erforderlichen Papiere besorgt hatte. Neue Eisenbahnwagen und Lokomotiven. Das Königliche Eisenbahn Zentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Uebernahme der Herstellung von 1135 Personenwagen sowie 309 Gepäck und Postwagen verschiedener Gattungen für die bestehenden Bahnen mit den Wagenbauanstalten, die zurzeit für die preußisch hessische Staatseisenbahnverwaltung beschäftigt sind, in Verhandlung zu treten. Die Anlieferung dieser Wagen soll bis zum 1. Oktober 1909 erfolgt sein. Ferner sind 570 Lokomotiven bestellt worden. Stadt und Detwold, 15. Personalien der Stsenbahn. Fersetzt purde; Weichenstiller erster Klasse Bröcker von Otelefeitt=H. noch Lage.— Ernannt zum Zugführer Packmeister Hüsing in Hameln und Dreyer in Minden. — Städtische höhere Mädchenschule. In — Leitung dieser Schule wird voraussichtlich demnächst wieder eine Aenderung eintreten. Herrn Direktor wird eine Königl. preuß. Kreisschulinspektion in Blumental (bei Bremen) übertragen werden(nicht in Hagn i. wo., wie ein ander Blatt meldet). Es schweben vorläufig noch Verhandlungen, aber man wird mit der abermaligen Neubesetzung dieser Stelle leider rechnen müssen. * Die hiesige Strafanstalt erhält am 1. Oktbr. d. Is. eini neuen Leiter in der Person des Herrn Major a. D. von der Laucken. Genannter Herr war 14 Jahre lang als Bezirls=Offizier in Essen tätig und erhielt von Sr. Majestät dem Kaiser, in Anerkennung seiner Verdienste, den Kgl. Kronenorden 3. Klasse. Herr v. d. Lancken ist zur Einarbeitung bereits hier eingetroffen. Gewerbeausstellung in Lemgo. Die fur gestern anberaumte Prämiierung ist auf heute verschobin worden, da man noch die Stiftung weiterer Staatsaillin erwartet.„„ Seinen 82. Geburtstag feiert heute Herr Dr. Theodor Piderit hierselbst. P. war lange Jahre in Balparaiso(Chile) als Arzt tätig und ist auch als Schriftsteller b.kannt geworden. Seit längeren Jahren lebt er wieder in iner Vaterstadt Detmold und wir wünschen ihm auch nerhin einen heiteren Lebensabend. “ K i r c h e n c h o r. U n t e r H i n w e i s a u f d i e f ü r h e u t e u. 8 Uhr im Arminiushotel angesetzte Probe ist noch darauf aufmerksam zu machen, daß die in den Händen der Mitglieder etwa noch vorhandenen Notenbücher wieder mit ur Stelle gebracht, resp. zurückgegeben werden müssen. * 13. Orgelvortrag in der reformierten Stadtkirche um Mittwoch, den 16. Sept. nachm. 5—6 Uhr: Bach: Fantasie c-aur: Strungk(1601—1664): Orgelchoral „Laß mich dein sein und bleiben"; Pustkuchen(Kantor in Detmold gest. 1830, gab 1810 ein Choralbuch für dar Gesangbuch der reformierten Gemeinden in Lippe bei Hahn In Hannover herans): Zwei Adagios; Pachelbel(1653 1706); Toccata f-dur; Riuck: Flötenkonzert und Arte aus Josua„Soll ich auf Mamres Fruchtgefild“ von Händel, gesungen von Herrn von Hunyady. Am nächsten Mittwoch findet seine letzte Mitwirkung statt und zwar wird das „Nachtlied“ von Loewe zum Vortrag kommen, sowie ein cerstliches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert zur Laute. Eine nahere Erklärung und Erläuterung nebst Textangabe erscheint in den nächsten Tagen. * D e r E v a u g e l. M ä n n e r= u n d J ü n g l i n g s= verein wird dem Vernehmen nach seine diesjährige General versammlung am Donnerstag. den 17. Sept. 8 Uhr abends im Vereinshause abhalten. Zwei wichtige Punkte stehen auf der Tagevordnung: 1. Vereinssatzungen, 2. Neuwahl des Vorstandes. Wegen der wichtigen Beratung wäre die eiligung von sämtlichen stimmb:rechtigten Mitgliedern sehl erwünscht. Das Turnen der Jugendabteilung fällt an dieiem Abend aus.„— * Aus dem Sennelager. Das im Sennelager für die Dauer der diesjährigen Truppenübungen eingerichtete Postamt mit Telegraphenbetrieb ist am Abend des 10. Septbr. aufgehoben worden. #le Schötmar, 15. Sept. Am näbsten Sonntag 20. Sept. wird auf dem Hofe des Collekteurs Hüttemann in Hölsen-Sunden ein Ernte=Dankfest gefeiert werden. * Lemgo, 14. Sept. Bei der Langenbrücker Mühle sprang heute morgen der Reisende H. von hier ins Waser. Den Bemühungen des Müllers Starke ist es gelungen, ihn rechtzeitig wieder heraus zu holen. Die Tat war, wie sich herausgestellt hat, in einem Anfalle von Geistesstörung geschehen.(L. P.) * Lage, 14. Sept. Ein hier verbreitetes Gerücht, zwei hiesige Geschäftsleute beabsichtigten eine größere Zigarrenfabrik zu erbauen, bestätigt sich nicht, in maßgebenden Kreien ist von einer solchen Anlage nichts bekannt. * Bad Meinberg, 15. Sept.(Meinberger Verlosung.) Bei der gestrigen Ziehung fielen lebende GeRiuder auf Nr. 36., 772, 1050, 110., 192., 2512, 3085. 320. 30-, 720, 75., 805, 101., 1409, 1891, 2051, 211—, 2500, 2880, 3140, 3305, hierbei, dad er schen uor 9..———.——.x. jubtläumsfest seines treuen Dieners zu seiern veranlaßt habe, aber das greise Paar sei durch seine Ansprucholosigkeit und Zurückgezogenheit daran gehindert worden, und er begrüße es mit Freuden, dem Jubelpaar das heutige Fest bereitet zu haben. Er dankte dem Jubilar für seine langjährig geleisteten treuen Dienste und wies darauf hin, daß auf dem Gutshofe wohl kein Nagel vorhanden sei, welchen der Jubilar nicht selbst eingeschlagen habe. Als weiteres Zeichen seiner Anerkennung wurde dem Jubilpaare seitens der Gutsherrschaft eine wertvolle Wanduhr überreicht mit dem Wunsche, daß diese ihnen noch manche glückliche Stunde schlagen möge. Der älteste Sohn des Jubelpaares dankte für die seitens der herrschaft seinen Eltern zutell gewordene große Ehre, wobei er erwähnte, daß es jedem Teilnehmer ein bleibendes Andenken sein möge, an einem so schönen Feste, wie es seiert, teilgenommen zu haben. Möge der Familie v. Reden noch manche solcher Diener erstehen und mancher Diener eine solche Herrschaft finden. * H e r r e n t r u p, 1 5. S e p t.( S t a n d e s a m t l i c h e N a c h richten). Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei mitgeteilt, daß das in der letzten standesamtlichen Veröffentlichung an letzter Stelle erwähnte uneheliche Mädchen nicht dem an vorletzter Stelle erwähnten Müller M. geboren wurde. u. Laßzbruch, 14. Sept. Sedanfeier. Am letzten Sonntag wurde auf dem sogenannten Büntenberg das Sedanfest, an welchem sich der Krieger= und Gesangverein beteiligten, in altgewohnter Weise gefeiert. Nachmittags marschierten die Vereine und Herr Lehrer Linke mit unserer Schuljugend zum Festpletz, wo eine Ansprache gehalten, Lieder gesungen und allerlei Spiele betrieben wurden. eb. Bösingfeld, 14. Sept. Im Gasthof„Extertal“, J. Kottmann, hatten sich heute eine Anzahl Herren versammelt, zur Gründung eines Geflügelzuchtvereins für Bösingfeld und Umgegend. Herr Schärff=Salzuflen referierte in einem 2½stündigen Vortrage über den Wert und Nutzen einer ordentlichen Geflügelzucht, wie sie sein soll und muß. Redner erwies sich als ein guter Kenner auf diesem Gebiete. Nach dem Vortrage, dem aus der Versammlung lauter Beifall gespendet wurde, wurde der Veren konstituiert. Wie uns heute mitgeteilt wird, wurde in der am 6. September in Magdeburg unter Kontrolle des Gau 18 des Deutschen Radfahrer=Bundes ausgefahrenen Sternfahrt über 150 km der erste Preis gewonnen. den Fran Lotse! Setmold, Schülerstraße 18, Fernsp. 242, sucht u. empfl „Mädchen geg. hohen für Detmold u. Aust Handel und Märkte. Die Kaliaktien stehen noch immer schlecht. Von der Kaligewerkschaft Hannover wird berichtet: Auf der Tagesordnung einer auf den 28. Sept. auberaumten Gewerkenversammlung steht: Einziehung einer Zubuße von 100000 Mark. Blotho, 14. Sept. Der Viehmarkt war mit 12 Stück Rind vieh und etwa 2000 Stück Borstenvieh beschickt. Der Handel war im aklgemeinen flau, und es blieb daher ein ansehnlicher Teil des angetriebenen Viehes unverkauft. Die Preise unter dem Rindvieh sind andauernd hoch. Gute Milchkühe kosteten noch 300 Mark und darüber. Die Preise unter den Schweinen Usind etwas gesunken. Sechowochenserkel kosteten das Stück 10 Mark, Stangen 30—50 Mk. und alte Schweine 60 bis 110 Mk. Ein tüchliges Mädchen findet statt Donnerstag, den 17. Sept., 3½ Uhr im Verfür gen Haus= und Küchenarbeit I. Oktober gesucht. einshaus. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Frau J. Zverb Minden i. W. Marienwallstraße 1. ein: Für Graf Zeppelin. Bei der Redaktion der Lipp. Tages Zig. gingen weiter seitige Vergütung. (Landwirtstochter) sucht per 1. Oktober oder später Stelle zur Erlernung des Haushalts unter persönlicher Anleitung der Hausfrau, auf größerem Hofe oder Gut, ohne gegen eitige Verreist bis Aufang öktober Dr. Stemann. Schriftliche Angebote unter L. K. A. an die Geschäftsstelle dieses Blattes. Sammlung des Schießvereins StecklenbruchFalkenhagen...... M. 13.— Zusammen bis jetzt: M. 606.73. Da die Sammlung bald geschlossen werden wird, ist später ein junges umgehende Zusendung noch ausstehender Gaben erwünscht. Tomaten ohne tierischen Dünger gezogen Tomaten-Nusstleisch Suche zum 1. Oktober oder später ein junges Nußfleisch ist fertig zum Gebrauch, ausgezeichneter Brotbelag, warm als Beilage zu Gemüsen. Letzte Nachrichten. Schweine auf Nr 1144, 1275, 1428, 2269, 2113, 2460, 3437, 3444, 3463. Schafe auf Nr. 1597, 1643, 1664, 3126, 3225, 3366 Enten auf Nr. 1061. 2163, 3410, 67, 359. 881, 855, 1126, 1776, 1951, 2197, 2252, 3417. 1028, 3426. 1451, 2940, Aus der Nachbarschaft. * Bückeburg, 14. Sept. Eine große schaumburg=lippische Bauernhochzeit fand in Lüdersfeld, unweit Stadthagen statt. Der Meier=Bauer Kasting feierte seine Hochzeit mit der Tochtver des Gastwirts Langhorst in Helsinghausen. Der Hochzeitszug zeigte den nationalen Charakter des Landes Die Brautjungfern und deren männliche Begleiter waren sämtlich in der bunten Nationaltracht erschienen, ebenso die Vorreiter und die Ehrenreiter, die den Brautwagen begleiteten. Die Feier, zu der annähernd 700 Hochzeitsgäste erschienen waren, dauerte 3 Tage und mehrere Rinder, Kälber, Schweine und der Bestand eines großen Hühnerhofes mußten ihr Leben lassen, um zur Speisung der Hochzeitsgäste zu dienen. * Bückeburg, 14. Sept. Die städtischen Kollegien b:: schlossen in ihrer letzten gemeinschaftlichen Sitzung umfang reiche Straßen=Neubauten. Sämtliche Straßen im soger Lülings=Terrain(dem Villenviertel von Bückeburg) soll.n noch in diesem Herbst oder im nächsten Frühjahr fertig aus gebaut und die Nordstraße soll teilweise reguliert werden. Der vom Magistrat ferner vorgeschlagene Ausbau der Mitte! Scharnhorst= und Querstraße wurde vom Bürgervorsteherkolleg abgelehnt. Die Kosten für die beschlossenen Straßenbauten belausen sich fast auf 100000 Mf. * Hameln, 12. Sept. Der 5jährige Soyn des Ziegelarbeiters Bock in Kirchohsen beging hier gestern eine entsetzliche Tat. Er drang in die Wohnung des Arbeiters Bruckmann ein, zog das dort schlafende ¾ Jahre alte Pflegekind aus dem Bette, schleppte es auf den Hof und ertrunkte es in der Regentonne. Der Knabe hat die Tat bereits eingestanden. * Hersord, 14. Sept. Am 10. d. M. ging die„Herforder Brauerei August Wefing" durch Kauf in den Besitz der Herren F. Meyer und Schwabedissen zu Herford über. Der Betrieb wird in erweitertem Unfange und unter neuer Firma fortge setzt werden. * B i e l e s e l d, 1 4. S e p t. G e n e r a l= S u p e r i n t e n d e n t D Braun in Berlin gedenkt demnächst in den Ruhestand zu treten und seinen Wohnsitz nach Bielefeld=Bethel zu verlegen. Im Jahre 1857 war General=Superintendent Braun Gefängnis= Geistlicher auf dem Sparenberge, er ist also kein Fremdling in unserer Stadt * Cassel, 14. Sept. Auf sonderbare Weise zu einem Kinde gekommen ist ein auf der Reise nach Thüringen hier eingetroffenes kinderloses Ebevaar aus Elberfeld. Die Eheleute hatten unterwegs die Bekanntschaft einer Frau gemacht, die ein zweijähriges Mädchen bei sich hatte, das sich sehr zutraulich zu dem Paare zeigte Ale der Jzua in Warburg hielt, erklärte die Unbekannt: plötzlich, daß sie hier ein Telegramm aufgeben müsse, ließ das Kind auf dem Schosse der Frau aus Elberfeld zurück und verließ das Abteil, um nicht wieder zurückzukehren. Das Ehepaa: hat beschlossen, die Kleine, falls sich die Mutter nicht meldet, an Kindesstatt zu behalten. Irkutsk(Sibirien), 14. Sept. Dem gestern aus Anlaß der Enthüllung eines Denkmals für Kaiser Alexander III. von der Stadtverwaltung gegebenen Festmahl wohnten die Offiziere des aus Ostasien heimkehrenden deutschen Detachements bei. Generaladjutant Pantelejew brachte einen Trinkspruch auf Kaiser Wilhelm aus. Der Führer des Detachements erwiderte mit einem Toast auf den Kaiser von Rußland. Beide Tr##7sprüche wurden mit lang anhaltenden Hurrarusen aufgenommen. Madrid, 14. Sept. Im Ministerium des Aeußern wird bestätig., daß der König und die Königin inde September von San Sebastian abreisen werden, un sich nach München, Dresden und Budapest zu begeben. Für den Aufenthalt in Oesterreich=Ungarn seien zwei Wochen in Aussicht genommen, und die Dauer der Reise würde insgesamt einen Monat in Anspruch nehmen. Der Minister des Aeußern werde an der Reise teilnehmen, aber nach Erledigung der offiziellen Besuche sogleich nach Spanien zurückkehren. Konstantinopel, 14. Sept. In einem Interview mit einem Korrespondenten der Petersburger Telegraphen= Agentur erklärte der Minister des Aeußern Tewfik Pascha, die neue Türkei werde gegen sämtliche Mächte eine friedliche und freundschaftliche Politik betreiben, jedoch ihre nationalen Interessen wahren und sich nicht in internationale Zwistigkeiten einmischen. Falls die Türkei Kulturkräfte nötig haben sollte, würde sie diese, dem Beispiel anderer Länder folgend, aus dem Auslande berusen und zwar aus eigenem Antriebe. Ein systematisches kulturelles Eindringen anderer Mächte in das türkische Gebiet werde auf die Dauer unmöglich, da die Türkei selber ein Kulturstaat geworden sei. Auf Mazedonien übergebend erklärt: der Minister, die Türkei werde jetzt in Mazedonien Reformen in gleicher Weise wie im ganzen Reiche einführen. Zu allererst stehe eine Justizreform bevor. Das mazedonische Budget werde bedeutend erleichtert werden, da keine Notwendigkeit vorliege, daselbst wie bisher zahlreiche Truppen zu halten. Die dreiprozentigen Zuschlagszölle würden vorläufig nach wie vor für die Bedürfnisse des mazedonischen Budaets verwandt werden, doch beabsichtige an, über diese Frage ein neues Einvernehmen detbeignführen, wenn er mit den Mächten über Handelsvertrüge verhandeln würde. Die Reformen müßten den Wohlst and der mazedonischen Bevölkerung heben, was natürlich auf das mazedonische Budget günstig wirken würde. Zum Schluß betonte der Minister noch einmal, daß die Türs.: besonders mit Rußland friedliche und freundschaftliche Beziehungen unterhalten wollc. zur Erlernung Haushalts ohne gegenseitige Vergütung bei Familienanschluß. Frau M. Sprick Biemsen b. Schötmar. Melonen frisch eingetroffen. Reformgeschäft z. Gesundheit Markt 3.— Fernspr. 336. Durch das Stellenvermittelungs Zurean von Frau Mathilde Inghard erhält tüchtiges Dienstpersonal aller Branche zum 1. Oktober gute Stellung nach Detmold und auswärts gegen hohen Lohn. Letten Speck 4½ Pfund für 3 Mk. Fritz Schling. 2gute Arbeitspferte Kuechte Burschen Viehfütterer in Jahreslohn besorgt stets sofort August Ruthe Berlin N., Schlegelstr. 12. (Stellenverm.) Keinerlei Vorausbezahlung. Prosp. gratis stehen preiswert zu verkaufen. Auskunft erteilt die Geschst. u. Nr. 6000. d. Bl. u. auch nach an besorgt Ein Tischlergeselle prompt und billig F. Sievert sen. 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Der hiesige Gemeindeaueschuß hielt am letztvergangenen Sonnabend eine Sitzung ab, in welcher über den Brückenbau und über den Ankauf eines Streifens Gartenland am Bahnhofe verhandelt wurde. Vor der Sitzung sand eine örtliche Besichtigung statt, damit sich die Ausschuß Mitglieder von der Notwendigkeit des Au kaufs eines Streifens vom Seelemeyer'schen Restaurations= garten vorher überzeugen sollten. In der nachfolgenden Sitzung waren sämtliche Mitglieder der Ansicht, daß die Notwendigkeit zum Ankauf von ca. 30 gin von dem genannten Garten vorliege, wenn man einen breiten Weg zu der neuen Brücke haben wolle. Dem Gastwirt Seelemeyer wurde für die abzutretende Fläche die Summe von 170 M. jedoch unter der Bedingung bewilligt, daß er die bestandene Gartenumzäunung in den früheren Zustand wieder herst. llt. Ferner wurde beschlossen, den Zufuhrweg zu der neuen Brücke zu chaussteren und die Brücke mit Steinen 2 Qualität zu pflastern. § Wendlinghausen, 14. Sept. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit seierte, wie schon erwähnt, gestern das Ehepaar Stellmacher Christian Thoren oder Kochsmeier in Stumpenhagen. Die Familie von Rheden in Wendlinghausen, bei welcher der Jubilar 53 Jahre lang im Dienst gestanden, hatte alles aufgeboten, dieser Feier einen würdigen Verlauf zu geben. Nachdem zuvor an die nächsten Anverwandten Ein ladungen ergangen, wurde am gestrigen Tage das Inbelpaar mit Wagen zum Schlosse des Gutsherrn geholt. Hier wurde das Paar nebst Angehörigen durch die Familie von Reden de grüßt und sodann in den Festsaal geführt, wo die Feier ihren Anfang nahm. Herr Pastor Franzmeier aus Bega hielt eine wohldurchdachte Rede, welcher er die Widmungsworte Hebr. 13 Bers 15 zu Grunde legte Hierbei überreichte er eine von Ihrer Hoheit der Fürstin Berta dem Jubelpaar geschenkte und von Höchstderselben mit eigenhändig vollzogener Widmung versehene Prachtbibel, welche die Worte der oben ange führten Themas enthielt. Danach wurde zu der mit reichlich Blumen geschmückten Tafel geschritten. Herr von Lieden führte die Jubilarin und Frau von Reden den Jubilar zur Tafel. Nachdem alle Festteilnehmer ihre Plätze eingenommen, toastete zunächst Here von Reden auf das Jubelvaar. Er bemerkte Des großen Hermanns Wunsch erfüllt! Hermann:„Was,— hinter meinen Rücken,“ Spricht Hermann voller Groll, „Kann ich ihn nicht erblicken, Der mich so würdevoll, Hier einst so hoch hinsetzte, In bauger, schwerer Zeit, Damit kein Feind verletzte, Der Deutschen Einigkeit! Treu hab' ich Wacht gehalten, Bei Sonn= und Mondenschein, Daß feindliche Gewalten, Nicht brachen frech herein, Wie einst in deutsche Gauen, Zu fordern Gut und Bin. Und nun soll ich nicht schauen Den Mann mit stolzem Mut?“ So grollt es hoch von oben, Ein donnerähnlich Wort: „Soll ich dn Meister loben, Dann weiht ihm einen Ort, Wo ich ihn immer sehen Und würdig ehren kann: Denn was durch ihn geschihen, Steht man mir selbst ja an!“ Und hoch zum Himmel reckte Der große Held sein Schwert: „Es ist das langversteckte, Das Bandel mir verehrt. Er hat es ausgegraden Und gab's mir in die Hand. Solang wir dieses haben, Hält Deutschland allem Stand“ Berlin, 15. Sept. Die Resorm der Arbeiter=Versicherung ist im Entwurf fertig gestellt und soll dem Reichs tage sofort vorgelegt werden. Sie soll zusammen mit der Witwen= und Waisen=Versicherung am 1. Oktbr. 1910 in Kraft treten. Hamburg, 15. Sept. In der Billa des Generaldirektor Ballin wurde in letzter Nacht ein Einbruch verübt. Die Einbrecher brachen von 9 Orden die goldenen Kronen ab. stahlen noch sonstige Sachen und ließen ein paar zerrissene Stiefel zurück. München, 15. Sept. Auf der Reise nach Kissingen wurden einem Engländer für 200000 Mark Juwelen aus seinem Koffer gestohlen. Haag, 14. Sept. Das Befinden der Königin Wilhelmina ist, wie die niederländische Zeitung Vaderland mitteilt, ernster als vom Hof zugegeben wird. Die Königin sei äußerst schwach. Das„Vaderland“ tadelt scharf die Regierung, die dem Volke die Wahrheit vorenthalte. Newyork, 15. Sept. In Koppland im Staate Maine sand gestern die Gouverneurwahl statt. Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen eine starke Zunahme der demokratischen Stimmen auf, dies ist mit Rücksicht auf die bevorstehende Präidentenwahl von großer Bedeutung, da Maine bei den bisherigen Wahlen eine starke republikanische Majorität hatte. Seine Frau totgetreten! Nathenow, 14. Sept. In Nennhausen, Kreis Westhavelland, hat gestern abend der Tagelöhner Paul Steinbock seine Ehefrau nach voraufgegangenem Streite durch Fußtritte getötet. Der Mörder wurde verhaftet.„ Schneestürme in Steiermark. In den Alpen hält schon der Winter seinen Einzug. Aus Greaz meldet ein Telegramm: Gestern gingen im Raxgebiet, in Steiermark und Kärnten Schneestürme nieder. Die Schutzhäuser sind vereist. Arbeiter Ländereien, Wiesen und Holz mit aufstehenden Gebäuden, günstige Lage, an der Chaussee -bschaftshalber S##r im ganzer unter günstigen Bedingungen verkauft werden. Nähere Auskunft bei Pottharst in per sofort gesucht. Lage i. L. Kleiner Hof * Für sofort wird junger in Lippe, ca. 60 Scheffelsaat toß, unter der Hand wegen odesfall zu verkaufen. tliche Angebote wolle man unter Nr. 543 an die Geschäftsstelle d. Bl. senden. in Büllinghauser Mühle bei Lieme. Wohnungen: Suche zu gleich oder bis zum 1. Oktober einen tüchtigen älteren Bäckergesellen. Bauplätze, Billen, Häuser, möbl. und unmöbl. Zimmer weist jederzeit unentgeltlich nach Grundbesitzer= und Verkehrs. Verein Detmold Geschäftsstelle: Paulinenstr. 37 A. Kleine, Herford. 10 Privatreisende u. Wiederverkäufer abgeschl. 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