Lippische Tages-Zeitung General-Hnzeiger für das Fürstentum kippe. : i n D e t m o l d l u. d u r c h d i e V e r t r e t u n g e n: 5 0 P f g. f ü r 1 M o n a t. d u r c h d i e P o s t:“ J a h r 1.50 Mk und 42 Pig Bestellgeld. für 2 Monate 1 Mk. u. 28 Pfa. Bestellg., für 1 Monat 50 Pfg n. 14 Pfg. Bestellgelo. Anzeigen: aus Lippe 12 Pfg. die Petitzeile, amtliche n Familienanzeigen 15 Pfg., auswärtige 18 Pfg. Reklamezeile 00 Pf. Beilagen(umsonst): 1) Lipp Familienfreund 2) Lipp. Ziegelei=Anzeiger, 8) Landwirtsch. Ratgeber, 4) Wandkalender. 5) Sommer=, 6) Winterfahrplan. Retationsbruck Vertretungen in rnsprecher 10 ferner in Verlag: Willo Bruder. Deimol d. Hornschestraße 30. Fernspr Salzuslen Lemgo, Lage, Blomberg, Horn, Barntrup. Schwalenberg; ferner ast allen Ortschaften der Aemter Detmold, Schötmar, Oerlinghausen, Lage, Horn, Braie, hohenhausen, Parenholz, Sternbera= Barntrup, Blomberg, Schieder, Schwalenberg; zusammen iber 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitun,“ erscheint jeden Wochentag. De 110. Verantwort'icher Redakteur: Willy Bruder, Detmold. Detmold, Montag, den uI. Mai 1903. Telegramm=Adr. Lageszeitun. Deti.-Id. 13. Jahrgang Das Recht der deutschen. Der Staatssekretär von Bethmann=Hollweg hat dem Reichstage angekündigt, daß eine Aenderung der bisherigen Bestimmungen über die Erhaltung der Staatsangehörigkeit der Deutschen im Auslande demnächst in die Wege geleitet werde. nachdem die Verhandlungen vorher längere Zeit auf ein totes Gleis gekommen waren. Es wird sich bei dieser Resorm, wie der Staatssekretär bemerkte, darum handeln, daß die Reichszugehörigkeit nicht mehr so leicht, wie nach den bis jetzt geltenden Besuimmungen verloren gehen und leichter wieder erworben werden kann. Bisher ging jeder Auswanderer seiner Reichsangehörigkeit verloren, wenn er sich nicht nach einer Frist von 10 Jahren in eine Konsulatsmatrikel eintragen und die Eintragung alle 10 Jahre wiederholen ließ. Hatte ein Deutscher aus einer derartigen Unterlassung seine frühere Reichsangehörigkeit verloren, so war es für ihn schwer, sie wiederzuerlangen. Außerdem verloren die Reichsangehörigkeit alle die, die vor der Ableistung ihrer militärischen Dienstpflicht auswanderten, ohne weiteres. In dieser Bestimmung liegt zweifellos eine gewisse Härte; denn nicht alle, die vor der Ableistung ihrer Dienstpflicht auswandern.t:: das, um sich ihrer Dienstpflicht zu entziehen. Der weitaus größte Teil wandert in jungen Jahren mit der ganzen Familie aus. Gerade für diese Leute, die oft wirtschaftlich nicht besonders gut gestellt sind, ist es aber in vielen Fällen außerordentlich schwer, ja unmöglich, sich zur Dienstpflicht in Deutschland zu stellen, da sie vielsach nicht abkömmlich sind und auch die Mittel zur Reise in die Heimat nicht besitzen. Bleiben die jetzigen Bestimmungen bestehen, so gehen derartige im Herzen oft gut deutsch gesinnte Männer ohne jeden Nutzen dem Deutschtum verloren und werden oft genug erbittert gegen ihre alte Heimat, weil diese unerfüllbare Ansprüche an sie stellt. Nimmt man ihnen gegenüber jedoch auf die obwaltenden Schwierigkeiten entsprechende Rücksicht, so wird sich ein großer Teil von ihnen auch weiter als Deutsche fühlen, was für unser Ansehen im Auslande nicht zu unterschätzen ist. Eine derartige Aenderung der bisherigen Bestimmungen über die Reichsangehörigkeit der Auslandsdeutschen wird man in den weitesten Kreisen als zeitgemäß be trachten, umsomehr, als jenes Gesetz aus dem Juni des Jahres 1870, also aus einer Zeit vor dem großen Kriege der Deutschlands Einheit geschaffen hat, herrührt und somit einer Zeit entstammt, in der der damalige Norddeutsche Bund sich in erster Linie als Landmacht fühlte und seine Aufgabe darin erblickte, sich eine entsprechende Stellung in Europa zu erringen. Der Ehrg=#z, eine Weltmacht zu werwerden und Kolontalpolttik zu treiben, lag jener Zeit noch völlig sern und mußte ihr sern liegen, weil sie sonst nicht ihren damaligen großen Aufgaben härte gerecht werden können. Da der Norddeutsche Bund nicht in der Lage wir, seine Auslandsdeutschen wirksam zu schützen, mußte er auch die Verpflichtung zu einem solchen Schutz als ein: Last empfinden und demgemaß bestrebt sein, die Zahl der seinem Schutze unterstellten Auslandsdeutschen nicht zu groß anmachsen zu lassen. Seit jenen 35 Jahr:n aber haben sich die Zeiten gewaltig geändert. Das neuentstandene Deutsche Reich hat sich seitdem nicht nur zur ersten Macht auf dem europaischen Festlange aus zewuchsen, sondern ist zugleich einr Kolonial= und Weltmacht geworden, die wirtschaftliche Interessen überall auf unserem Erdball besitzt und zu schutzen bat Kein Wunder, daß wir jetzt in jedem in die Fremde zielinden Deutschen, im Gegensatz zu früher, einen Bahnbrecher erblicken für die Verbreitung deutscher Industrie= erzeugnisse im Auslande und die Verbreitung deutscher Sprache u. deutscher Geistesart. Dazu kommt, daß Deutschland dank seiner zwar nicht großen, aber immerhin angemessenen Flotte auch in der Lage ist, über die deutschen Reichsangehörigen wirklich seine schützende Hand zu halten. Kein Wunder, daß man daher diese alten Bestimmungen, die einer früheren Stuje der Entwickelung entsprochen haben, heute nicht mehr für zeitgemäß hält und ihre Aenderung wünscht. Möge das neue Gesetz, das dem Reichstage voraussichtlich in seiner nächsten Tagung zugehen wird, wirksam dazu beitragen, die Zahl der Reichsdeutschen im Auslande zu vermehren und zu stärken! Rückgang der Volkszahl. Aus Paris schreibt man dem„F. G. A.. Die französische Nation ist an einem verhäugnisvollen Wendepunkt angelangt, an dem Punkt, wo Sittenverfall, politische Unordnung und gesellschaftliche Zerrüttung sich mit dem erschreckenden Resultat einer positiven Bevölkerungsabnahme verbinden. Zum erstenmal, seitdem die Einwohnerzahl des Landes amtlich beobachtet wird, ergeben die statistischen Tafeln für das verflossene Jahr— für das ganz normale, krieg= und epidemielose Jahr 1907 — einen Ueberschuß der Sterbefälle über die Geburten. Der Unterschied zwischen den beiden Ziffern war schon seit Dezennien immer unerheblicher geworden, so zwar, daß das Gleichgewicht oder die kaum erwähnens werte Steigerung der Einwohnerzahl wesentlich der Ein wanderung fremder Elemente, nicht dem natürlichen Nach wuchs der eingeborenen Rasse, zu verdanken war. Diese Zeit der Stagnation scheint nun ebenfalls vorüber zu sein, und mit dem Jahre 1907 tritt das Galliertum in eine Periode des physischen Verfalls, die sich ohne jede Uebertreibung als der Beginn des nationalen Aussterbens bezeichnen läßt. Lassen wir die Zahlen reden: gebucht wurden im vergangenen Jahre 793000 Todesfälle und nur 773000 Geburten, also ein Verlust von 20000 Seelen! In Deutschland beträgt der reine Ueberschuß der Geburten alljährlich mehr als 900000. Unser Volk erfreut sich also eines regelmäßigen Zuwachses, der für sich allein schon die beiden Grundzahlen der französischen Statistik erheblich überschreitet. Welche Rückwirkung dieses Ver hältnis auf die geschichtliche Entwickelung der beiden rivali sierenden Nationen haben muß, bedarf gar keiner Erörte rung. Schon die unmittelbaren Folgen für die Wehrfähig keit hüben und drüben springen sofort ins Auge. Man rechnet gewöhnlich auf je hundert Bewohner eines Landes fünf wafsenfähige Männer für Kriegszeiten. Mithin bedeutet für Deutschland die alljährliche Vermehrung um 900000 Köpfe den Gewinn von 45000 Streitern, während Frankreich mit seiner letzten Unterbilanz von 20000 Ge burten genau 1000 Soldaten verlor. Mit anderen Worten: das deutsche Volk in Wassen verstärkt sich jedes Jahr um ein Armeekorps, und das französische Heer wird in derselben Zeit um ein Bataillon geschwächt. Wohl gemerkt: das positive Minus zeigt sich in der Bevölkerungstatistik für 1907=, zum ersten=, aber gewiß nicht zum letztenmal. Es handelt sich, wie man mit voller Bestimmtheit voraussehen darf, um den Anfang eines Rückschrittes, der mit Natur notwendigkeit immer rascher zu immer traurigeren Ergeb niffen führen muß. Was jetzt in die Erscheinung tritt, war von sranzösischen Patrioten längst als unausbleiblich angekündigt worden. In dem Jahrzehnt von 1886 bis 1896 sank die Jahreszisser der männlichen Geburten allmäh lich um 25000, in dem Jahrzehnt von 1896 bis 1905 sogar um 54000. Vergebens weisen Männer, wie der Senator Pion und der Statistiker Dr. Jacques Bertillon, in rastleser Agitation auf die Pflicht der nationalen Selbsterhaltung hin. Sie reden und schreiben als Prediger in der Wüste, und der einzige Lohn, den sie ernten, sind schlechte Witze in sogenannten humoristischen Blättern und in den Revuc=Possen. Die Franzosen sind eben von ihrem berüchtigten Zweikindersystem längst zurückgekommen, sie begnügen sich, wenn es ihnen sehr gut geht, mit einem einzigen Erben, und diejenigen, die nichts zu vererben haben, verzichten auf Selbstsucht auf jede Nachkommenschaft. Selbstverständlich mußte die progressive Verminderung der Geburten schließlich einmal die Geburtsziffer unter die Sterblichkeitsziffer hinuntertreiben, u. jetzt, da der Gleichheitspunkt nach unten hin überschritten ist, wird nichts das weitere Sinken verhindern können, da dieselben beklagenswerten Ursachen ungehemmt fortwirken. Bereits sah sich der Kriegsminister Picquart in seinem jüngst den Kammern vorgelegten Gesetzentwurf, betreffend die Reorganisation der militärischen Cadres, zu dem beschämenden Bekenntnis gezwungen, daß das alljährlich verfügbare Rekrutenkontingent um 40 000 Maun hinter dem gesetzmaßig vorgesehenen Bedars zuruckbleibt. Der General erklärt in den Motiven, er brauche zur normalen Formation der einmal bestehenden Einheiten auf Friedensfuß 575000 Mann, habe aber nur 534000 Mann zur Verfügung. Auf letztere Zisser also will er die Friedenseffektivstärke gesetzlich reduzieren, und er schmeichelt sich mit der Hoffnung, in der Kontingentsziffer von 534000 eine dauernde Basis für die Zukunft zu besitzen. Offenbar heuchelt er Optimismus. Seiner Aufmerksamkeit können die oben angegebenen Zahlen der militärischen Stammrollen nicht entgangen sein, denn die Fachzeitung„La France militaire“ war es, die kürzlich auf die rapide Abnahme der männlichen Geburten seit 1886 hinwies. Nun sind die 534000 Mann, über die der Minister gegenwärtig verfügen zu können glaubt, gerade die Sprößlinge des Jahres 1886. Die diesjährigen Gestellungspflichtigen sind 1887 geboren, die nächstjährigen stammen aus 1888, und so geht es weiter — abwärts. Die männlichen Neugeborenen von 1896 waren ihrer ganze 25000 weniger als die von 1886, und die von 1905 abermals um 54000 in der Minderzahl gegenüber denen von 1896. Das muß und wird sich von Jahr zu Jahr bei der Rekrutierung immer schlimmer bemerkbar machen, so zwar, daß dem General Picquart, falls er Anno 1817 noch Kriegsminister wäre, mindestens 15000 Mann und Anno 1926 sogar 30000 Mann an seinem Voranschlag fehlen dürften. Es ist eben so, wie ich einleitend sagte: die gallische Rasse beginnt auszusterben. Finis Galliae! Politische Uebersicht. Deutsches Reich. * Detmold, 11. Mai 1908. — Deo Kaisers Anerkennung für Deruburg. Vom Kaiser erhielt Staatssekretär Dernburg aus Anlaß der Annahme der Kolonialbahnen im Reichstage folgendes Telegramm: „Mit besonderer Genugtuung habe ich die Meldung von der im Reichstage erfolgten Annahme der Kolonial= vorlage, die dem Aufschluß unserer Kolonien in Afrika dienen soll, Kenntnis erhalten. Mit meiner besten Gratulation zu diesem verdienten Erfolge verleihe ich Ihnen als Zeichen meiner Anerkennung den Kronenorden 1. Klasse u. wünsche Ihnen zugleich glückliche Reise zu Ihrer Fahrt nach Südwestafrika. Wilhelm I. R.“ — Deruburgs zweite Afrikareise. Staatssekretär Dernburg, der über London die Reise nach Südwestafrika antritt, hat sich vom Reichskanzler und den Beamten des Reichskolonialamtes verabschiedet. Die Leitung des Amtes übernimt bis zur Rückkehr des beurlaubten Unterstaatssekretärs v. Lindequist Ministerialdirektor Conze. Der Aufenthalt des Staatssekretärs in London dient lediglich der privaten Information über einige das südwestafrika nische Schutzgebiet berührende Fragen. Im übrigen reist Herr Dernburg bis zu seinem Eintreffen im Schutzgebiete als Privatmann. — Die Sendlinge Muley Hafid's. Freitag sind die beiden Abgesandten Muley Hafid's in Hamburg gelandet. Aus diesem Anlaß schreibt eine oft gut unterrichtete Korrespondenz: Bekanntlich werden die Gesandten Muley Ha sid's in Berlin zwar nicht als solche, aber als vornehme Marokkaner von einem Beamten des Auswärtigen Amtes — nicht vom Staatssekretär— empfangen und angehört werden. Die Abgesandten Muley Hafid's, die weder Deutsch, Englisch, noch Französisch sprechen, nahmen sich in Berlin als Dolmetscher einen Franzosen, der als Lehrer ahrelang in Nordafrika war. Der Abgesandte Sidi Mo hamed ben Asis erklärte, daß es seiner Meinung nach, falls Hafid's Anerkennung nicht durchgesetzt wird, zum großen Heiligen Krieg kommen werde, deun Hafid gebiete über alle Kabylen von Tafilet, Fez und Marrakesch. Auf die Frage, ob er wisse, daß man in Paris nicht wünsche, daß er in Berlin empfangen werde, meinte er, davor fürchte sich der„Sultan von Berlin" nicht. Außer Berlin gedenken die Abgesandten keine Hauptstadt zu besuchen. Sie wollen bereits am 20. Mai die Rückreise antreten.— Berlin, 9. Mai. Legationsrat Dr. Freiherr von Langwerth=Simmern. früher Legationssekretär in Tanger, wird am Montag die marokkanischen Notabeln als solche inoffiziell anhören. — Württemberg und das Reichsvereinsgesetz. Stuttgart, 9. Mai. Die zweite Kammer beriet über vier von der Deutschen Partei, der Volkspartei, dem Zentrum und den Sozialdemokraten zum Reichsvereinsgesetz gestellte Anträge, die eine möglichst liberale Gestaltung der Vollzugs verfügung zu dem neuen Gesetze bezwecken. Minister des Innern von Pischeck erklärte, er komme nach Abwägung der Vorteile und Nachteile des Reichsvereinsgesetzes zu dem Ergebnis, daß die freiheitlichen Verbesserungen überwögen. Die Regierung habe die Absicht, in der Vollzugsverfügung und in der Praxis die Anwendung des Vereinsgesetzes so zu gestalten, daß das Volk einen erheblichen Unterschied gegen bisher nicht finden werde. — Die Arbeitskammern. Der Regierungsentwurf über die Arbeitskammern befindet sich zurzeit beim Bundesrat. Die beteiligten Bundesratsausschüsse werden jedenfalls noch vor der Sommerpause in die Beratung des Entwurfes eintreten und nach Sichtung und Würdigung des sehr reichlich vorliegenden kritischen Materiales die Grundlagen des Gesetzes soweit ausarbeiten, daß alsdann die endgiltige Feststellung des Entwurfes erfolgen kann. Es ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Gesetzesvorlage dem Reichstage bald nach seinem Wiederzusammen tritt zugehen wird. — Eine Genossin aus„königlichem“ Geblüte. Lily Brann, die bekannte Genossin, hat ein Buch unter dem Titel:„Im Schatten der Tirauen" herausgegeben, in dem sie sich bemuh ihre Abstammung von dem König Jerome von Westsalen nachzuweisen. Das Buch enthält auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen der Gräfin Diana von Pappenheim, der Urgroßmutter der Genossin Braun, und dem ehemaligen Könige von Westfalen zugetragen haben soll:„Diana von Freundstein, im Schloß ihrer Eltern bei Alleviller im Elsaß 1788 geboren, beiralete im Jahre 1806 den um zwanzig Jahre älteren Hel#n von Pappenheim; sie war damals Hosdame bei der jungen E bgroßherzogin von Weimar, Maria Paulowna. Im Jahre 1808 kam das Pappenheim'sche Paar an den Hof König Jeromes nach Kassel, wo die junge Frau mit der herrlichen Gestalt, der schneeweißen Haut, den lachenden blauen Augen und der Anmut des ganzen Wesens schon bei ihrem ersten Auftreten alles bezauberte. Unter ihren Bewunderern war Jerome. Sie wurde Paladame der Königin Katharina, dabei war Praf Pappenbeim einem schweren Nirvenleiden ve:fallen, und so entixann sich ein Liebesbund zwischen der schönen Gräfin und König Jerome, der auf wirklicher Herzensneigung beruhte und bis zur Flucht Jeromes aus Kassel im Jahre 1813 andauerte. Dieser Verbindung entsproßz im Jahre 1811 die Großzmutter Lily Brauns, Jenny, die noch den Namen Pappenbeims führte und später den Gutsbesitzer Werner von Gustedt heiratete.“ Wir können den Stolz Lily Brauns auf ihr: Abstammung durchaus verstehen. Genossin sein und ven einem Könige von der Art Jeromes abzustammen, das kann nicht jeder. — Der bedingte Strasausschub. Dem Reichstage ist eine die Zeit bis Ende 1907 umfassende Zusammenstellung der statistischen Ermittelungen über die Anwendung des bedingten Strafaufschubs seitens des Reichsjustizamtes zugegangen. Die bedingte Begnadigung ist jetzt mit Ausnahme von Mecklenburg=Strelitz und den beiden Neuß überall eingeführt. Die Gesamtzahl der Fälle, in denen bedingter Strafausschub bewilligt worden ist, betrug bis zum 31 Dezember 1907 137676. 1907 allein betrug die Zahl, die von Jahr zu Johr stieg 21 431 Die Steigung beirug von 1899 bis 1907: 16 bis 255 Prozent. Besonders hoch war die Zunahme in Bayern(32.5 Prozent), Preußen(7,3 Prozent), Baden(23.2 Prozent), Sachsen(8,3 Prozent), Hamburg dagegen weist einen großen Rückgang auf Die bedingte Begnadigung wurde meistens Jugendlichen zuteil. Von den 137 676 Fällen des bedingten Strataufschubs waren am 1. Jan. d. J. 49 145 Fälle(36 Prozent) noch nicht erledigt, 88531(64 Prozent) waren endgültig erledigt. Die Zahl der sich jährlich erledigenden Fälle steigt vor Jahr zu Jahr. Die bewilligte Probezeit haben die meisten Verurteilten mit Erfolg bestanden, etwa 80 Prozent, Von den in den Jahren 1894 bis 1902 Verurteilten wurden 13,1 Prozent rückfällig und gingen der Vergünstigung verlustig, 1.6 Prozent bereits im Kalenderjahre der ersten Verurteilung. Es ist nicht erwiesen worden, daß d. bedingte Begnadigung für Verminderung der Rückfälle beitrage, sie beeinflußt aber die Kriminalität nicht ungünstig. Von den Personen, denen Strafausschub bewilligt wurde, waren 77 Prozent Männer, 23 Prozent Frauen, sie waren fast alle nicht vorbestroft. Die staafbare Handlung bezog sich meistens auf Vergehen und Uebertretungen(78 Prozent). In Berlin ist seit der Einführung die Bewilligung 10 533 Personen(1907: 1819 zuteil geworden. es folgen Breslau mit 13 267, Köln mit 12 275 Personen, Weibliche Personen haben die Begnadigung häufiger erlangt als männliche. Endgültig begnadigt wurden 67761 von 137 676 (Berlin 5288 von 10 533). — Der Natzeburger Landtag. Schönbera: Meal., 8. Mai. Der Landtag für das Fürstentum Ratzeburg ist auf Mittwoch, den 13. Mai d. Is., zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme des neuen Verfassungsentwurfs. — Aus Baden. Karlsruhe, 8. Mai. In der heutigen Sitzung der Ersten und Zwoellen Kammer machten die Präsidenten Mitteilung von der Errettung des Großherzogs aus Lebensgefahr in Wien(ossenbar bei dem gemeldeten Wagenunfall). Die Anwesenden erhoben sich, einschließlich der Sozialdemokraten, um ihrer Freude über die Bewahrung des Großberzogs Ausdruck zu geben. Prinz Max und der Prasiden= Febrenbach erhielten die Ermächtigung, von diesem feierlicher Ausdruck der beiden Kammern dem Graßherzog Mitteilung zu machen. Oesterreich=Ungarn. Wien. 8. Mai. Da. Abgeordnetenhaus begann heute die Beihandlung.n über den Dringsichkeitzen##tag betreffend die Erhöhung des Landwehr= und“ek enkontingents. Graf Kolowrat begründete die Dringlichkeit mit den unzulänglichen Beständen der Lundwehr sowie damit, daß mit der Erhöhung des Kontingents die Regierung in die Lage Albumblätter. Wenn zwei geschieden sind von Herz und Munde, Da zieh'n Gedanken über Berg und Klüfte, Wie Tauben säuselnd durch die blauen Lüfte, Und tragen hin und wieder süße Kunde. Eichendorff. 34 Lady Delia. Kriminal=Roman Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen (Nachdruck verboten.) sei „Sagen Sie ihm, er solle morgen wiederkommen krank, ich könne heute niemand sehen.“ Der Dener entfernte sich, kehrte aber gleich wieder zurück. „Mr. Winter erklärt, sein Anliegen sei von größter Wichtig keit," berichtete er.„Sie würden es bereuen, wenn Sie ihn jetzt nicht empfangen wollten.“ „Na, dann lassen Sie ihn ein,“ entschied Brett seufzend „Ist Jane Harding bei Ihnen gewesen?“ waren die ersten Worte, die Winter Teim Eintreten an seinen Kollegen richtete Brett verstand nicht, was er meinte. „Sie müssen sie doch gesehen haben,“ rief der Detektiv, der sich in ungewöhnlicher Erregung besand.„Ich weiß. Sie haben die Wahrheit erfahren, und das kann nur durch Jane Harding geschehen sein.“ „Was soll ich erfahren haben?" fragte Brett ungedusdig „Nun, daß Sir Lyle selbst der Urheber des Verbrechens ist „Wirklich? Wie sind Sie auf diese Lösung gekommen?" Winter richtete sich stolz auf.„O. diesmal habe ich recht," sagte er.„und Sie wissen das. Sir Charles hat seine Frau ermordet— er allein. Wenn Sie aber Jane Harding nicht ge sehen haben, begreife ich nicht; woher Sie es erfahren haben.“ Brett sah ihn verwundert an.„Sie sprechen in Rätseln, lieber Winter. Wollen Sie sich nicht deutlicher erklären?“ „Befände sich Sir Charles nicht außerhalb der Stadt, wäre ocks Rätsel leicht gelöst, denn ich hätte ihn einfach verhaftet.“ —„Winter, Sie bleiben doch immer ihren Gewohnheiten getreu.“ „Ich spreche jetzt in vollem Ernst,“ entgegnete der Detektiv. „Sir Charles ist zweifellos schuldig. Die ganze Geschichte klingt so unglaublich, daß ich kaum meinen eigenen Sinnen zu trauen wage. In meinem Leben war ich noch nicht in solch schwieriger Lage und deshalb komme ich zu Ihnen, um Ihre Hülfe zu erbitten.“ „Inwiefern?“ „Raten Sie mir, was ich tun soll. Ich möchte auf keinen Fall gegen Sir Charles vorgehen, ohne Sie gesprochen zu haben.“ Brett überlegte. Nun der Polizeiinspektor zu derselben Schlußfolgerung gekommen wie er, blieb nichts anderes übrig. als die Situation kaltblütig ins Auge zu fassen und die weite ren Maßnahmen reiflich zu überlegen. Er forderte daher den Detektiv auf, ihm über seine Erlebnisse zu berichten. „Zwei Tage mühte ich mich ab,“ begann dieser,„diesen Obersich Montgomery zu finden, jedoch vergebens. Niemand kännte ihn, niemand hatte ihn gesehen. Auch die Geschichte mit dem Mobiliar wurmte mich. Ich meine die Uebersiedelung von einer Etage in die andere am 7. November. Ich fand die Adresse der Möbelhandlung, die die neue Salongarnitur für Frau Hillmer lieferte," „Auf welche Weise?“ unterbrach ihn Brett. „Durch die Gesellschafterin. Frau Hillmer hat ihr gekündigt, wahrscheinlich, weil sie merkte, daß das Mädchen so viel mit mir verkehrte. Diese ist wütend über ihre Entlassung. denn sie hatte da eine gute Stelle.“ „Weiter!“ „Dutch den Möbelhändler erhielt ich einen kleinen Finger zeig. Es war ein Herr gewesen, der die Garnitur bestellte und die Umstellung des alten Mabilsars aus Nr. 61 nach Nr. 12 anordnete. Das war am Morgen des 7. November und er drängte zu beschleungter Ablieferung; der Kostenpunkt sei Nebensache. Der Werkmeister erinnerte sich, daß er anfangs Mühe hatte. Einlaß zu erhalten, da weder Frau Hillmer noch ihr Bruder von der Bestellung wußten. Aber der Herr kam bald darauf hinzu und erklärte den Sachverhalt. Merkwürdig ist auch, daß Frau Hillmer die Möbel bezahlte, obgleich sie sie weder bestellt hatte, noch zu brauchen schien. Der Werkmeister beschrieb mir den Herrn als etwas Vornehmes, und als ich ihm später ein Vild von Sir Charles Lyse zeigte, erkannte er ihn glich.“ „Woher haben Sie denn die Photographie von ihm?“ fragte Brett erstaunt. „Das kommt später,“ erwiderte der Detektiv, stolz auf die Geschicklichkeit, mit der er zu Werke gegangen war.„Natürlich schloß ich, daß dieser Herr der Oberst Montgomery sein müsse Als ich die Gesellschafterin nochmals über die Vorgänge des 7. November befragte, erinnerte sie sich plötzlich, daß ihr um dieselbe Zeit ein alter Rock und eine Jacke abhanden gekommen war. Das gab mir den Gedanken ein, ihr die Kleider zu zeigen die man an der Leiche in Putney gefunden, und sie bezeichnete sie sofort als ihr Eigentum. War das verwunderlich?“ „Gewiß!“ stimmte Brett bei „Natürlich forschte ich nun eifrig weiter. Es fiel mir ein, daß Jane Harding mir gegenüber zugegeben hatte, die Wäsche der in der Themse Gefundenen sei genau wie die Lady Delias. Daß de Gegenstände kein Wäschezeichen aufwiesen, lag daran, daß die Lyles altes auf ihrem Gute in Yorkshire waschen ließen Ich ahnte, daß Jane Harding mehr wußte, als sie zu sagen beliebte, und so entschloß ich mich, ihr ein wenig die Daumschrauben anzusetzen.“ „Wie denn?“ „Ich jagte sie in Schrecken. Mit Handschellen und einem unechten Haftbefehl ausgerüstet, begab ich mich in ihre Wohnung" „Ein gewagtes Spiel.“ „Allerdings. Wäre es schief abgelaufen und zu Ohren des Chefs gekommen, hätte ich wahrscheinlich meine Entlassung er halten. Doch was bleibt eine min solchen Fällen übrie? Ich wollte nun einmal ein Ende machen. Der Haftbesehl und die Handschellen taten denn auch ihre bei Weibern nie verfehlende Wirkung. Ich fand die Exzose mit ihrer Mutter zusammen. Ohne Umschweife begann ich in strengstem Polizeiton:„Heißen Sie Jane Harding, am Jollitytheater unter dem Namen le Marchant engagiert, früher in Diensten der verstorbenen Lady Delia Lyle?“, Ge wurde sehr blaß. und stammelte ein zitterndes „Ja!“, während ihre Mutter sich erschreckt an sie anklammerte. hat mein Kind verbrochen?" zeterte die Mutter.„Vielleicht wies nun den Haftbefehl und die Handschellen vor. Na— hätten die beiden hören sollen, wie die aufschrien!„Was nichts,“ entgegnete ich,„in den Augen des Gesetzes aber ist sie strafbar, da sie die Schuldigen zu schützen sucht.“—„Ich habe nichts getan.“ stammelte Jane Harding dazwischen. Sie zitterte am ganzen Körper, aber mir war auch behaglich zumute, denn wenn sie sich erboten hätte, mit mir aufe Polizeiamt zu gehen, wäre ich blamierk gewesen. Zun Glück zog mich die Mutter aus der Klemme.„Meine Tochter wird Ihnen sicher nichts verhehlen,“ erklärte sie,„es ist aber eine Schande, so über sie herzufallen, ohne ihr zu sagen, was Sie wissen wollen" Diesen Wink ließ ich mir nicht entgehen.„Ich bin ermächtigt.“ sagte ich so würdevoll wie möglich,„den Haftbefehl nicht zu vollstrecken, wenn meine Fragen wahrheitsgetrer beantwortet „Natürlich wird das geschehen" beteuerte die Mutter und so erzählte mir das erschreckte Mädchen die ganze Geschichte. „Sir Charles hat sie wohl zu allen ihren Handlungen bestimmt?“ warf Brett ein. „Zum grüßten Teil. Zuerst hatte sie wirklich geglaubt, die Leiche aus der Themse, die man ihr zeigte#e# nicht ihre Herrin; später jedoch änderte sie ihre Meinung, nachde# sie die Wäsche als die Lady Delias erkannt hatte Infolge mener wiederholten Unterredungen mit ihr kam s.e bald auf die rechte Spur, indem sie vermutete. Sir Charles wisse mehr von der Sache, als er zugebe. In der Voraussicht daß man sie nun, da ihre Herrin tot war, entlassen werde, faßte sie einen verwegenen Plan. Sie benutzte die erste Gelegenheit, dem Baron zu sagen, sie habe gewisse Dinge erfahren, die es ihr zur Pflicht machten, die Polizei davon in Kenntnis zu setzen. Er stutzte und fragte sie näher aus, worauf sie erwiderte, sie wisse, ihre Herrin sei ermordet worden und sie könne die Polizei vielleicht auf die rechte Spur bringen. Da es ihr aber jedenfalls viele Scherereien verursachen werde, so würde sie vorziehen zu schweigen, wenn sie 500 Pfund erhielte, um nach Amerika zu gehen. Daraushin erklärte er ihr, er wolle lieber diese Summe zahlen, als den Namen seiner Frau in die Oeffentlichkeit gezerrt sehen. Eine Stunde später übergab er ihr fünfzig Zehnpfundnoten.“ „Welch ein verkehrter Schritt!“ murmelte Breit. „Das Mädchen gestand dann weiter," fuhr Winter fort, „daß ihr das den Kopf verdreht habe. Anstatt ruhig und offen das Haus zu verlassen, sei sie heimlich davon gelaufen, aber ihr Versprechen habe sie treulich gehalten. Nachdem Sie sie gefunden hatten, schrieb sie an Sir Charles, um ihm zu versichern, daß sie nichts verraten werde. Er ließ sie zu sich kommen machte ihr Vorwürse, daß sie nicht nach Amerika gegangen war und ließ sich schließlich ihre Adresse geben.“ „Dabei hat er wohl ihre besondere Schreibsertigkeit bemerkt?"— 1 7 11 * 9 erieun Standard Oll Company hab: die Com; im Sack, tlef große vor, so daß die versetzt werde, die langersehnten ollten und andere Wünsche der Bevölkerung durchzufühl Abgeordneter Resel betonte die Erhöhung der Landwebrkon tingente bedeute eine Gärtung des Militarisrius, durch die allein Scon die Stellung der Sozieldemokraten gegenüber der gesorderten Vermehrung des Kontingents gegeben sei. — ∆ Mai.(Attenlale auf Ooltüge.) G. gen den Eisenbahnzug, in dem der König von Sach. en am vergangenen Mittwoch nach Wien reiste, sind zwischen Jolan und Wiese Steine geschleudert worden Ein Stein siel in den Waggon des Königs, der aber gerade nicht im Konpee saß. Ebenso sollen gegen den Zug der Nordwestbahn, in dem sich der Großherzog von Mecklenburg, der Herzog von Aulalt und der Bürgermeister von Hamburg besanden, Stine geschleudert worden sein. Wegen beider Faus wurren beute im Ab. tordnetenhause Interpellationen eingebrac Wien, 10. Mai. Ge hat sich nunmehr herausgestellt, daß die von uns gemeldeten Attentate gegen die Züge der Nordwenvahn, mit denen die Bundesfursten nach Wien fuhren, beide ans Station Wiese wohl vorbereitet walen. E. wurven in beiden Zügen die durch Steinwür'e zer. rümmerten Scheiben und die Steine selbst gesunden. Die Attentate geschahen abends in der Dunkel= 2.n die ammieit und, Irüb am Morgen.— Inzwischen wurde auch auf S.9“., der Rücksahrt eines Fürsten von Wien ein Anschlag auf Furst in Haft den Zug ausgeführt: Tetschen, 9. Mai. Gestern wurde!" wieder aus einen Nordwestbahnschnellzug, den der Fürst von Schaumburg=Lippe und der Hamburger Burgermeister Dr. Burward benutzten, ein Atlegtat in der Nähe der Station Wiese verübt. Durch Steinwürfe wurden die Fensterscheiben des Salonwagens zertrummert. Der Attentäter, ein entlassener Oberbauarbeiter, der auch die beiden anderen im Parlament zur Sprache gebrachten Attentate ausgeführt hat, wurde diesmal bemerkt und von Streckenwächter und von Gen dacmerte verfolgt. Rasorität de: Abgeordneten Portugal. Lissabon Ma'(Kämpfe der Portugiesen in Guinea.) Amtlich wird bekannt gegeben, daß eine portugiesische Expeditionskolonne in Guinea einen heftigen Angriff der Papeis zurückwies, die mit Repetiergewehren bewaffnet waren. Der Kampf dauerte neun Stunden. Die Eingeborenen erlitten große Verluste. Ihr Lager wurde zerstört. Die Portugiesen hatten zwei Tote, darunter einen Offizier und mehrere Verwundete. Eengland. London. 9 Mak.(England und Asghauistan.) Von dem Emir hat man aus Kabul noch immer keine Nachrichten, doch werden von dort aus Gerüchte verbreitet, nach welchen in Kabul Unruhen ausgebrochen sein sollen. London, 9. Mai.(Die Verschwörung in Kalkutta.) Den letzten indischen Nachrichten zufolge sind an der jüngsten von der Polizei aufgedeckten Verschwörung nicht nur die Bengalen, sondern auch die Braminen in den Mahratta=Staaten beteiligt; ja, von diesen Braminen scheint der Gedanke, sich der englischen Oberherrschaft durch eine Verschwörung zu entledigen, ausgegangen zu sein. Sie gehören zwar zu den gebildetsten k'ossen Indien's, sind aber unverbesserliche Fanatiker, die dde Form der Entwickelung Indiens hassen, weil sie das 'nde ihrer Privilegien befürchten. Rußland. Peteroburg, 9. Mai.(Aus der Duma.) Eine kurze, aber sehr bewegte Szene zum Schluß der Dumasitzung erregt großes Aufsehen. Bei Besprechung des Etats der Staatseisenbahnen wurde sowohl vom Berichterstatter der Budgetkommission, wie auch von verschiedenen Rednern der Wunsch nach Schaffung einer Dumakommission zur Beaussichtigung der Eisenbahnwirtschaft ausgesprochen. Finanzminister Kokowzew erklärte aus diesem Anlaß, er würde eine Regierungskommission unter Beteiligung von Abgeordneten vokziehen und fügte hinzu: Wir haben Gott sei Dank kein Parlament.“ Die Linke zischte, die Obristen schwiegen verlegen, und nur auf der äußersten Rechten klatschten ein paar Abgeordnete Beifall. Der Kadettenführer Miljukow entgegnete Kokowzew:„Wir haben Gott sei Dank die Verfassung und folglich auch ein Parlament, denn die Duma ist ein solches." Diesen Entgeg nung wurde nicht nur von der Linken, sondern auch vom Zentrum mit stürmischem Beifall begrüßt. Die Sitzung wurde darauf auf morgen vertagt. Asien. Peking, 8. Mai. China beabsichtigt, betreffend die Lisenbahnlinie von Hsin=min=tun nach Fakumönn an ipan das Ersuchen zu richten, die Entfernung festzusetzen, außerhalb deren andere Eisenbahnlinien in dem von der Südindschurischen Eisenbahn bedienten Bezirke nicht als schädlich für jene Linie angesehen würden. China richtete an Frankreich das Ersuchen, sich an der Unterdrückung der chinestschen Nebellion an der Grenze von Tonking zu beteiligen. Peking, 8. Mai. Der hiesige japanische Gesandte hat dem Auswärtigen Amt die Namen von vier chinesischen Kaufleuten mitgeteilt, die den Boykott des japanischen Handels in ollochina nach Möglichkeit auszudehnen bemüht sind. Der Gesundte verlangte, daß die Kaufleute daran gehindert würden den Unwillen gegen Japan zu schüren. Der englische Gesandte hat auf Abweisung aus London den englischen Generalkonsul in Kanton angewiesen, dem Vizekönig von Kanton den Rat zu erteilen, den Boykott zu unterdrücken. Tokio. 8. Mai.(Das sapanische Denkmal für die Verteidiger Port Arthurs.) Das von der javanischen Regierung für die russischen Krieger, die bei der Belagerung Port Artburs gefallen sind, dort errichtete Denkmal wird am 12. Mai enthüllt. Zu der Feier sind vom Mikado alle Cbefs der russischen Regimenter in Ostasten eingeladen worden. Australien. Melbourne. 8. Mai. In der gestrigen Beratung des Repräsentantenhauses übei den Eingangszoll auf Petroleum warf der Schatzminister Sir William Lyne den Mitgliedern vor daß sie vom Vertreter des amerikanischen Oeltrusts bestocen seien. Die Bemerkung des Schatzministers, die bgeord Entrüstung und eine stürmische Szene her #ug vertagt wurde. Tages=Neuigkeiten. In der Konfrontation des Fürsten Gulendurg mit den Staruberger Zeugen wird Berliner Blättern noch gemeldet Der Zeuge Ernst ist sehr niedergeschlagen weniger vielleicht wegen des Verhaltens des Fürsten, obwohl ihm dieses sehr unerwartet kam, als vor allein deswegen, weil er sich schon im Mittelpunkte des Interesses sieht. Der Fürst fragte:„Jakob Jakob, hast Du denn Geld bekommen, bist Du denn bestochen worden zu solcher Aussage?" Das könne doch kein Mensch glauben, daß er, der nie daran gedacht habe, den Fürsten bloßzustellen, sich habe bestechen lassen und wider Willen und besseres Wissen solche Dingen bekunde werde. Die eindringlichen Reden des Oberlandesgerichtsrats Meyer in München und des hiesi gen Untersuchungsrichters haben ihn überzeugt, daß er das Rechte getan habe, als er die Wahrheit aussagte. Zur Eulenburg=Affäre. Justizrat Wronker, der Vertei diger des verhafteten Fürsten Eulenburg, hat erklärt, daß Entscheidung der Beschlußkammer, wonach zu behalten sei, weitere Beschwerd beim Kammergericht einlegen werde. Gegen Ende der vorvorigen Woche bereits stellte Oberstaatsanwalt Isenbiel beim Untersuchungsrichter den Antrag, den Fürsten zu verhaften. Diesem Antrage wurde zunächst nicht entsprochen, weil der Gesundheitszustand des Fürsten nach Ansicht des Gerichtsarztes seine Ausführung nicht gestattete und wohl auch aus dem Grunde, weil dem Untersuchungsrichter die Gefahr einer Flucht des Fürsten aus den verschiedensten Gründen nicht vorzuliegen schien. Dagegen wurde Fürst Eulenburg sofort unter Bewachung durch Kriminalbeamte gestellt und wie ein Gefangener behandelt. Ueber die Ueberführung des Fürsten nach Berlin wird in Ergänzung des be reits Mitgeteilten noch folgendes gemeldet: Der Kriminalkom missar Nasse war... morgen früh nach Berlin gefahren um ein bequemes Automobil zu besorgen. Um 1 Uhr war er damit in Liebenberg. Gegen 3½ Uhr verließ der Fürst das Schloß im Automobil. Es fuhren mit: die Fürstin, der Ver treter des vor Aufregung erkrankten Hausarztes und ein Leib diener, der den Fürsten in der letzten Zeit gepflegt hat. Kom missar Nasse hatte auf dem Vordersitz Platz genommen. Er äußerte, der Vorgang sei sehr aufregend gewesen. Das lang sam fahrende Automobil habe auf der Fahrt wegen der Schmerzen des Kranken wiederholt anhalten müssen. Der Fürst mußte sich mehrfach von dem Arzt Medikamente geben lassen um sich zu stärken. Daß der Fürst daran denken könnte, sich durch einen freiwilligen Tod dem irdischen Richter zu entziehen glaubt man in Liebenberg nicht; dazu sei er zu religiös, sagt man. Angehörige und Dienerschaft richteten das Automobil so bequem wie möglich für den Kranken her, der mit Havelock und Mütze bekleidet war. Dann bettete man ihn hinein, nach dem ihn Diener an den Wagen herangetragen hatten. Die Verhängung der Untersuchungshaft über den Fürsten hatte sichtlich niederschlagend auf die Leute gewirkt. Auch Fürst Eulenburg selbst war anfangs gebrochen, schließlich schien er wieder etwas gefaßt. Er tröstete die Familienmitglieder und meinte,„Gott wird schon alles zum besten wenden!“ In der Schloßkapelle hatte noch ein Gottesdienst stattgefunden. Nach dem der greise Leibarzt des Fürsten, Dr. Genrich aus Liebenwalde, der wieder zu Wagen nach dem Schlosse Liebenberg geeilt war, erklärt hatte, daß dem Transport nicht im Wege stehe wurde das Automobil schnell mit Decken versehen. Man wollte es dem Fürsten so bequem als möglich machen. In zwischen erreichte die Erregung im Schlosse selbst ihren Höhe punkt. Alles weinte und schluchzte. Auch die Ar beiter auf dem Felde, die sehr an dem Fürsten hängen und in banger Ahnung das Automobil hatten kommen sehen, liefen erschüttert vor dem Portal zusammen. Dann trugen einige Diener den kranken Fürsten aus dem Schloß und betteten ihn im Automobil ein. Kurz vorher hatte der Fürst noch den Kriminalbeamten für ihr taktvolles Auftreten seinen Dank ausgesprochen. Es vergeht eine gute Viertelstunde. Dann besteigt die Fürstin den Wagen. Außerdem nehmen der Leibdiener, der den Fürsten stets gepflegt hat, und der Vertreter des Leibarztes im Inneren des Automobils Platz. Kriminalkommissar Rasse besteigt den Vordersitz, und im nächsten Augenblick verläßt der Wagen den Schloßhof. Die Fahrt ging langsam über Löwenberg, Rassenheide und Oranienburg nach Berlin. Oft mußte die Fahrt unterbrochen werden. Der Fürst litt heftige Schmerzen und mußte wiederholt Beruhigungsmittel erhalten, mit denen sich der Arzt versehen hatte. Um 6½ Uhr traf das Automobil an der Charitee ein, wo alle Vorkehrungen für den Empfang getroffen waren. Die Fürstin nimmt einstweilen in einem Berliner Hotel Wohnung. Nach der Abfahrt des Gutsherrn holte ein Diener die fürstliche Fahne, die..... noch einmal über dem Schlosse geweht hatte, wieder ein. Jetzt liegt Schloß Liebenberg ganz still da. Vereinsamt war es schon lange. Nach den HardenArtikeln hatte der einst so gesellige Verkehr bald nachgelassen und ann ganz aufgehört. Sämtlic Kriminalbeamte, die sich in der Umgegend von Schloß Liebenberg einquartiert hatten, kehrten noch... abend nach Berlin zurück. Gegen 6½ Uhr nachmittags traf der Fürst Eulenburg im Automobil in der Charitee ein. Die Zufahrt geschah von der Schumannstraße aus. Kaum hatte sich das Tor geschlossen, als Diener herbeieilten, um den Kranken in Empfang zu nehmen. Als der Fürst aus dem Wagen gehoben wurde, stöhnte er wierderholt schwer und bat, vorsichtig mit ihm umzugehen und namentlich seinen rechten Fuß zu schonen, da dieser ihm große Schmerzen bereite. Von zwei Dienern gestützt, ging er wenige Schritte bis zum Hauseingang des linken Flügels, wo eine Tragbahre für ihn bereit stand. Auf diese wurde der gefangene Fürst gebettet und dann die Treppe zur Charitee hinaufgetragen, wo er die Untersuchungshaft in drei Zimmern verbringen soll. Die Räume liegen nach der Schumannstraße zu und dienten bisher als Beamtenwohnung. Die Fenster sind mit neuen schneeweißen Gardinen versehen. Das große zweifenstrige Mittelzimmer ist für den Fürsten bestimmt, während das zweite kleinere für die Bedienung und das dritte für Kriminalbeamte die dort Quartier nehmen, eingerichtet ist. Der Fürst schien sehr erschöpft und wurde sofort nach seinem Eintreffen auf ein bett gelegt. In den Räumen der von Geheimrat Krauo, Identisizierung einzelner Opser der Mörderin ermöglicht , geletielen zwelten medizinischen Diese in jetzt 45 Jahre alt. Gie stammt aus Drontheim in k der Charltee ist Fürst Eulenburg untergebracht. Die Norwegen. Ruhebett gelegt dem Klinik der Charltee ist Fürst Eulenburg unteigebracht. Station, die a.ch andere Po enten beherbergt, untersteht den Oberstabear;t Dr. Steyrer, einem der Assistenten des Direktovs Der Fürst und sein Leibdiener Joses haben je ein Zimmer. Ein Vorzimmer, das den Zugang zu diesen beiden bildet, ist ständig. Tag und Nacht, von einem Kriminalbeamten besetzt; diese Beamten, die sich ablösen, werden in der Charitee verpflegt Eine Bewachung dieser Art ist sonst bei Untersuchungs= und Polizeigesangenen nicht üblich. In anderen Fällen begnügt man sich damit, die Krankenwärter darauf aufmerksam zu machen, daß sie einen Gefangenen vor sich haben, der in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt ist und aus diesem Grunde be sondere Aufmerksamkeit erfordert. Im übrigen aber sind die Gefangenen Kranke, die als Kranke behandelt und verpflegt werden. Im Zimmer des Fürsten ist auch ein Bett für seinen Leibdiener Josef aufgestellt worden. Fürst Eulenburg wird wie alle Kranken von den behandelnden Aerzten regelmäßig besucht; auch Geheimrat Kraus besuchte ihn heute und fand, daß das Befinden des Fürsten nicht schlecht sei. Die Fürstin hat Zutritt zu ihm. Sonst muß jeder Besuch besonders zuge lassen werden und wird von dem Kriminalbeamten genau ver zeichnet. Emden, 9. Mai. Das Kabel Emden=Horta ist seit heute vormittag 2 Uhr 10 Minuten durch Erdschluß ge stört. Der Fehler liegt nach vorläufiger Messung 560 Seemeilen von Borkum entfernt. Inzwischen wird der gesamte Telegramm=Verkehr zwischen Deutschland und Amerika ohne Verzögerung über das zweite deutsch=atlantische Kabel geleitet. Bremen, 9. Mai. Der Geschäftsführer Tubbe der deutschen Kohlenhandelsgesellschaft hat in London Selbstmord verübt. Die Höhe der von ihm verubten Unterschlagungen beträgt etwa 1¼ Millionen A# Dortmund, 9. Mai. In der Nähe der Station Scharn horst wurde, der„Magdeburger Zeitung" zufolge, ein Anschlag auf einen Schnellzug entdeckt; an zehn Schienenlängen waren 45 Schrauben gelöst worden.— Die Kriminalvolizei verhaftete hier vier Mitglieder der großen Falschmünzerbande, die seit Monaten das ganze Industriegebiet mit falschen Fünfmarkstücken überschwemmt. Die Verhaftung weiterer Personen steht bevor. Wolfenbüttel, 9. Mai. Aus den hiesigen Strafanstalten ist gestern nachmittag der zu 3½ Jahren Zuchthaus ver urteilte Schlosser Alwin Borchers mit Hilfe des am Tage vorher entlassenen Schlossers Franz Weber entwichen. B. ist ein gefährlicher Einbrecher, der bis jetzt 1½ Jahre seiner Strafe abgebüßt hat. Breslau, 8. Mai. Die zweite Strafkammer Breslau verurteilte den Agenten Wilhelm Weitz wegen versuchter Eepressung und Unterschlagung, verübt an sem Kardinal Kopp, zu vier Jahren Gesängnis und unfjährigem Ehrverlust, den Dekorateur Max Zimmer mann wegen versuchter Nötigung und Beleidigung des Kardinals zu vier Monaten Gefängnis und 300 M Geldstrafe, den Installateur Richard Wolff wegen Beleidigung zu 300 M Geldstrafe. München, 9. Mai. Der Erpresser Imhof, der an dem Kommerzienrat Ludovici Erpressungsversuche verübt hat, und auf dessen Ergreisung eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt war, ist heute vormittag im Hirschgarten bei Nymphenburg verhaftet worden. Imhof ist ge tändig. Görlitz, 9. Mai. Bei einer im Bau befindlichen Muikfesthalle ist nachmittags das ganze Dach ein enurzt. Unter den Trümmern sollen 25 Stukkaeure begraben sein. Bis um 4¾ Uhr sind zwei Tote und fünf Schwerverletzte geborgen. Der verantwortliche Leiter des Baues, Architekt Neumann, ist verhaftet worden. Kiel, 9. Mai. Zwei Magazinbeamte der Kaiserlichen Werft wurden unter dem Verdacht fortgesetzter Entwenung von Materialien, und zwei Lohnschreiber unter dem Verdacht der Beihilfe verhaftet. Das gestohlene Gut wurde meistens in Berlin abgesetzt. Newyork, 9. Mai. Nach einem Telegramm aus Uttca wurde in einem Schlafwagen des Chicago=Newyork=Expreß eine Frau vervaftet, die, wie man glaubt, Mrs Guinneß ist. Sie leugnete dies jedoch. Das Mordhaus von Laporte. Newvork. 8. Mai. Es ist der Polizei noch nicht gelungen, der Mrs. Belle Gunneß, der jetzt wenigstens zwanzig Morde zur Last gelegt werden, habhaft zu werden. Niemand glaubt mehr, daß sie bei dem Brande ihres Landhauses selbst umgekommen sei. Alle Hafenplätze werden besonders sorgfältig überwacht. Man hat Normegen Luzusomnidusse in London. Seit gestern durchqueren Motoromnibusse die Londoner Straßen, die in goldenen Lettern an de: Außenseite die Aufschrift„Pullman“ tragen. Die Fahrzeuge sind innen mit äußerstem Komfort eingerichtet und haben neun Siue. as ist dem Fahrgast Gelegenheit geboten, sich in einen Klübsessel hin und her räkeln zu können. Der Fahrp###i# für die ganze Strecke beträgt unterschiedslos fünszig Pfennige. In dein Wagen sind elektrische Zigarrenanstecker angebracht, es liegt eine Tageszeitung aus, und doppelt: Glastüren sorgen dafür, daß die Fahrgäste durch keinen Luftgug gestort werden. Man nahm zuerst as, daß dies Unternehmen eine verfehlte Spekulation bedeuten würde, am ersten Tage jedoch waren diese„Pullman=Cars" auf der Straße dauernd völlig besetzt. Ein Drama im Gerichtssaale. Vor der Strafkammer zu Halle standen dieser Tage mehrere junge Mädchen, Verlauferinnen, die sich wegen Diebstahls und Hehlerei verantworten sollten, weil sie sich wahrscheinlich aus Putzsucht, in einem Geschäft einige Blusen und dergleichen angeeignet hatten. Aber eine junge Verkäuferin war der Verhandlung sern geb.#eben und hatte dem Gericht einen kurz vor der Verhandlung eingegangenen Brief gesandt, in dem sie mitteilte, daß sie bei dem Beginn des Termins nicht mehr unter den Lebenden weile. Sie erklärte in dem Schreiben, Selbstmord vegehen zu müssen, und bat die Richter, mit den übrigen Angeklagten nicht so strenz zu verfahren. Als der Vorsitzende des Gerichts den Brief verlesen hatte, erhob sich in dem Zuhörerraum weinend eine abgehärmte Frau, anscheinend die Mutter des Mädchens und erklärte, daß man ihr soeben den Hut des Mädchens gebracht habe. Das Gericht vertagte infolgedessen die Sache, um abzuwarten, ob sich die Mitteilungen in dem B. ese bestätigen. Ab lassen. luch die übrigen Angeklagten wurden daher entStadt und Land. Detmold, 1). Mai. sind aus auf ihrem Grundstück bisher dreizehn Leichen gefunden. Gestern * H o f n a c h r i c h t. A m S o n n a b e n d, d e n 9. d. M i s. Ihre Frau Prinzessin Auguste von Hessen, Rotenburg für einige Tage zum Besuch am hiesigen Hofe eingetroffen. * Der katholische Feldpropst der Armee, Bischof Dr. Bolmar, trifft am Donnerstag hier zur Visitation ein. Am Freitag morgen ist Gottesdienst für die Militärgemeinde. Die drei kalten Maitage letzen mit dem heutigen Montage ein. Mamertus, Pankraseus und Tervatius heißen die drei strengen Herren, die alle Welt ieber hinter sich, als vor sich sieht. Die Eisheiligen fosen im nördlichen Deutschland auf den 11., 12. und 1 Mai. Im allgemeinen kann man sagen, daß für Nordeu##opa die Erscheinung der Nachtfröste, durch die sich ja die Eisgeiligen ganz besonders auszeichnen, erst alr Ur baustage dem 25. Mai, als endgiltig beseitigt ungesehen werden kann. Im vergangenen Jahre waren die drei Eistage ehr milde, ja es wurden gerade in den Tagen vom 11. bis 15. Mai vielsach Maxima von über 80 Grad beobachtet. Hoffentlich bereiten auch in diesen Jahre die drei Eisheiligen unseren Landwirten und Gartenbesitzern keinen Kummer. * Am Krummen Hause ist die Sommerwirtschaft eröffnet worden. “ T o u r i s t e n v e r k e h r. F ü r E n d e d i e s e r W o c h e h a t sich auf der Grotenburg ein Verein aus Bremen angemeldet.— Die Turngemeinde Herford beschloß, am Himmelfahrtstage folgende Turnfahrt zu machen: Fahrt von Herford(Abfahrt 6.09 Uhr morgens) nach Leopoldshal, Fußuarsch nach Belmerstot, über den Kamm des Eggegebirges nach der Iburg und von da nach Bad Ortburg; von hier Bahnfahrt zurück. Unterwegs wird auf der Höhe vor Altenbeken als Ersatz für das Mittagissen ein„solides" Picknick abgehalten werden. * D i e u n b e q u e m e n F a h r k a r t e n s c h a l t e r. M i t R ü c k s i c h t d a r auf, daß die Oeffnungen an den Fahrkartenschaltern der Bahnhöfe in der Regel so niedrig angebracht sind, daß ein personliches Benehmen nur in gebeugter Stellung der Sprechenden möglich ist, hat der Eisenbahnminister die sämtlichen Direktionen angewiesen, zu prusen, ob dem Uebelstande nicht in einist auch ein Angestellter der Frau Gunneß namens Nay Lamp= sacher Weise durch Anbringung von Schallöffnungen in Mundhere verhaftet worden, von dem angenommen wird, daß er ihr höhe abgeholfen werden kann. bei den Mordtaten geholfen hat. Ferner wurde eine Miß Bessie Wallace verhaftet, die zwanzigjährige hübsche Tochter eines benachbarten Farmers, die der Frau Gunneß dabei behilflich gewesen sein soll, jüngere Männer unter dem Vorwande der Heiratsvermittelung in ihr Haus zu locken. Nach dem Zustand der aufgefundenen Leichen zu schließen, haben die Mordtaten bereits im Jahre 1906 ihren Ansang genommen. Es ist festgestellt, daß sie Inserate erließ, in denen es hieß: Eine hübsche Witwe, Eigentümerin einer Farm, sucht die Bekanntschaft eines wohlsituierten Herrn, der sein Lebensglück mit dem ihrigen verbinden möchte.“ Sie berücksichtigte nur olche Antworte;, deren Einsender zu persönlicher Vorstellung bereit waren. Da die Gunneß in anderen Städten Mitschuldige hatte, welche ihr Leichen zur Beiseiteschaffung in Kisten zusandten, wird jetzt vermutet, daß das Verschwinden der Verbrecherin auf Erpressungen zurückzuführen ist, denen sie von ihren Mitwissern ausgesetzt war. Die aufgefundenen Leichen ind nicht zu erkennen, doch gilt als feststehend, daß außer den drei eigenen Kindern der Frau Gunneß sich die Pflegetochter, ein sechszehnjähriges Mädchen Jennie Olsen, ein gewisser Ole Budsberg aus Jola in Wisconsin und ein Mann Namens Andrew Helgaline aus Aberdeen unter den Ermordeten befinden. Die Ermordeten waren durchweg Männer in den besten Jahren. Nach den bisherigen Erwartungen ist es wahrscheinlich, daß Frau Gunneß die Männer, während sie sich mit ihnen in zärtliche Gespräche einließ, durch Chloroform beStaatslotterie. Am Sonnabend fielen 30000 Mark auf Nr. 186441, je 10000 Mk. aus Nr. 9217 u. 156849. * D a s g r o ß e L o s d e r p r e u ß i s c h e n K l a s s e n l o t t e r t e ist nach Berlin gefallen. Die vier Gewinner sind ein Lehrer an einer Mittelschul. n Kaufmann, ein Maschinenmeister und ein Eisenbahnbeamter. Ein merkwürdiges Spiel des Zufalls„ill es, saß alle vier Gewinner je ein Viertel des großen Loses gespielt haben entfällt die schöne Summe von 056 winner wurden sofort venachrichtig“. Da Kollekteurs abends bein Eintreffen der bereits geschlossen war, eilten der Kaufmann und die Frau oes Maschinenmeisters vormittags zum Kollekteur, um anzufragen,„ob es auch wirklich wahr" sei. Beide erklärten, aß sie vor Freude und Aufregung die ganze Nocht kein Auge hätten zudrücken können Der dritte Gewinner, der Mittelschullehrer, st bereits sechzig Jahre alt. Ihm ist der freudige Schreck so in die Glieder gefahren, daß er beim Empfange der Nachricht kreidebleich wurde und zuerst keinen Laut von sich geben konnte. Später äußerte er, daß er sich nun pensionieren lassen wolle. Der Eisenbahnbeamte hat sich bisher noch nicht gemeldet. Die AusAuf jeden Tell Mt. Die Gedas Bureau des Freudenbotschaft Die Von Wilhe Schultz. Kein Gau in deutschen Landen ist so reich an großartigen Burgrninen wie der Elsaß. Dieses alte, heiß umstrittene Grenzland mit seinen blutdurchtränkten Boden ist von jeher durch Raubzüge und kriegerische Verwickelungen oft und schwer heimgesucht worden. Wegen seiner Lage an der Hauptvölkerstraße des Mittelalters trachteten die jeweiligen Machthaber Frankrlichs und anhere zu allen Zeiten nach dem Besitz des Landes. Infolgedessen waren die zahlreichen Vogesenpässe von strategischer Bedeutung. Zu ihrer Sperrung luden gebieterisch die steilen und schroffen Berg= und Felshänge zum Bau von Schutz= und Trutzwehren gegen die anstürmenden Feinde ein. Bis in die Zeiten nach dem 30jährigen Kriege hatten die frühmittelalterlichen Burgen ihren strategischen Wert behauptet. Ja, die Feste Lichtenberg mußte noch 1870 einen Tag lang von den Württembergern beschossen werden. Aber all die Burgen und späteren Festungsanlagen konnten nicht verhin dern, daß in den Zeiten tiefster Ohnmächt und größter Zer splitterung Deutschlands der alte Erbfeind mitten im Frieden diese wichtige Grenzmark an sich riß. Erst als nach sast zwei Jahrhunderten derselbe böse Nachbar gegen seinen Willen die deutschen Stämme einte und in Feuer und Blut zusammen. schweißte, wurde sie von der Fremdherrschaft befreit. Unter den vielen elsässischen Paßsperren ist eine der schönsten und größten die Hohkönigsburg. So stolz, wie ihr Rame, so kühn erhebt sie sich auf steilem Berglegel am Ostrande des alten deutschen Wasgenwaldes unweit Schlettstadt. Im Osten breitet sich zu ihren Füßen die oberrheinische Tieftäubte und dann mit einem Beil erschlug. Im Keller wurden zahlung des Geldes an die Gewinner ist noch nicht erfolgt. eine große Anzahl Taschenuhren gefunden, hierdurch wurde die Sie erfolgt erst nach Schluß der Ziehung statt. her *) Quellen: Bode Ebhardt: Denkschrift über die lung der Hohtöalgsburg: der.: Zur, Fauogkzi#te urg: ders.: Vortrag: die Burgen der Führer durch die Hohkönigsburg Wieder= der ders.: ehene aus. Ueber diese hinweg schweift der Blick des Burgbeschauers bis zum Straßburger Münster mit seinem Hinterlande zum Kaiserstuhl mit dem Schwarzwald im Hintergrunde, zum Schweizer Jura und dem Berner Oberlande. Im Westen zieht sich längs der französischen Grenze der mit finsteren Tannenwäldern bedeckte Gebirgsstock hin. Stolz und trotzig schauen die festen Türme und Zinnen der Burg auf die etwa 500 Meter tiefer gelegenen Pässe des Leber= und Weilertales hinab. Von wie hoher Bedeutung diese Feste gewesen ist, ergibt sich aus„dem Umstande, daß Oesterreich seit Sigismunds Zeiten, besonders seit 1520, mit eifersüchtiger Sorge über den Zustand des Baues wachte, über den Hunderte und Hunderte von Schreiben zwischen der Innsbrucker und der vorderösterreichischen Regierung gewechselt wurden, d. immer wieder dartun, daß die Hohkönigsburg allezeit hoch bewertet war, sonderlich, dieweil dieses Haus Hohenkönigsperg nit ein gemein schlecht Haus, sondern ein treffliches Ortschloß, daran Königl. Maj. und den vorderen Erblanden viel gelegen ist(1533). „Noch in einem Gutachten des Statthalters, der Regierung und Kammerräte oberösterreichischer Lande auf der von Sikkingen Anlagen Hohenkunigsperg betreffend vom 14. Januar 1533 heißt es: Obwohl das Schloß Hohenkunigsperg von dem Hause Oesterreich zu Lehen gerührt, ihm das Eigentum daran vorhin zugestanden und solches Schloß ihm nach des Grafen von Tierstein Tode unmittelbar heimgefallen wäre, so hat doch nichts desto weniger Kaiser Maximilian gegen Erlegung einer großen Summe das Lehen noch bei Lebzeiten des Grafen von diesem zurückgekauft, mit Rücksicht auf die Sacherheit der vorderen österreichischen Lande, indem von dem Schlosse Hohenkunigsperg aus, salls es in fremden Händen, die vorderen Erdlande hart bekriegt und belästigt werden könnten. Aus diesem Grunde raten Statthalter, Regierung und Kammerräte dem Kaiser, das Schloß nicht aus der Hand zu lassen; es würde die Begebung einer so starken Befestigung der Erblande die von Lothringen, die Eidgenossen und andere Nachbarn mit Bescemden und Besorgnis erfüllen.“ Das Jahr der Errichtung der Hohkönigsburg und der Name ihres Erbauers ist nicht bekannt. Sie stammt aus der Blütezeit des elsässischen Burgenbaues unter den Hohenstaufen und erhebt sich auf dem schon 774 urkundlich erwähnten und für eine Zufluchts= und Verteidigungsstätte besonders geeigneten „Stophanberge“. 1147 werden die Hohenstausen zum ersten Male als Besitzer der Feste, das castrum Estufin"(Stephans Lager) genannt. Ihnen folgten als Inhaber der Burg im 13. Jahrhundert die Herzöge von Lothringen. Alte Rittergeschlechter wurden mit ihr belehnt, so die von Werd, Rathsamhausen, welche vom Kaiser den Ehrentitel„Könige der Kesselflicker" erhalten hatten, Hohenstein und Oettingen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Hohkönigsburg, infolhe Vernachlässigung ihre Besitzer, ein Schlupswinkel für Wegelagerer und Raubritter geworden. Jur Steuerung der überhand nehmenden Unsicherheit auf den vorüberführenden Straßen und zur Beruhigung des umliegenden Landes zogen die vereinigten Städte und Bischöse von Basel und Straßburg. Erzherzog Siegmund von Oesterreich u. der Burghert von dem benachbarten Nappoltstein gegen sie zu Felde, eroberten und zerstörten sie 1462. Von diesem romantisch=frühgotischen Baue sind uns vor allem in achküngsgebietenden Resten die ältesten Türme erhalten.. Die von den Eidgenossen aus ihren Stammsitzen bei Solothurn und Basel vertriebenen Grafen Oswald und Wilhelm Tierstein baten das ihnen wohlgesinnte Haus Habsburg um Belehnung mit dem„zerprochen Schloß Hohenkunigsperg“ zur Gründung eines neuen Erbsitzes.„In dem großartigen Maßstabe, den die heutigen Reste aus spätgotischer Zeit“ zeigen, bauten sie die Burg 1479—81 wieder auf. Lange konnte sich aber ihr Geschlecht ihrer Sch.pfung nicht erfreuen 1519 starb es aus. Die Hohkönigsburg wurde habsburgischer Hausbesitz. 1533 waren die Söhne des berühmten Franz von Sickingen, Schweighard, Hans und Franz Konrad, als kaiserliche Hauptleute Herren der Burg. Unter ihnen wurden mancherlei Neubauten und Genderungen an ihr ausgeführt 100 Jahre später fiel der„Riesenbau“ in dem unseligen 30jährigen Kriege wiederum der Vernichtung anheim. Nach mann. hafter Verteidigung vertrieben die Schweden den letzten Burgvogt, Philspp von Lichtenau, aus der stolzen Feste, deren Kern Beschießung und Feuer überstand. Die seitdem in Trümmer liegende Burg erwarb 1865 die Stadt Schlettstadt von der Familie Boug von Orschweiler und schenkte die durch Großartigkeit gewaltige Trümmerreste und durch landschaftliche Schonheit imposante Ruine anläßlich des Kaiserbesuches im Mai 1899 unserm Kasser. Huldvoll die Schenkung annehmend„beauftragte Kaise: Wilhelm den Architekten Bodo Ebhardt mit der Wiederher stellung der Burgruine unter Zugrundelegung des Tiersteinschen Baues, der sie in ihrem schönsten Glanze erscheinen läßt. Ende Avril 1900 begannen die Arbeiten Unter Benutzung der uns überkommenen wertvollen Trummerrest= wie vor allem des Hochschlosses mit seinen drei Flügelbauten und der Wölbung, die das Dach getragen hat, des westlichen Mantels mit zwei bis über 30 Meter aufragenden Türmen de öftlichen mit Batterietürmen bewehrten Vorburg und ein: die ganze Anlage umfassenden Zweigmauer ist heute die Burg wiedererstanden als ein Denkmal deutscher Geschichte und als ein Wahrzeichen deutscher Größe und deutschen Glanzes Mag der Erbseind über unrechtmäßige Besitzergleisung der Reichslande schreien die Hohkönigsburg ist ein Markstein und Zeichen dafür, daß diese Lande ursprünglich deutsch gewesen sind und stets bleiben sollen. Wenn jetzt Kaiser Wilhelm seinen feierlichen Einzug in die Burg halten und von ihr Besitz ergreisen wird, so soll die Welt wissen, daß dieses schöne Stück Land, diese Westmark, immer deutsch war und ewig deutsch bleiben wird. Auch für sie gilt: „So lang“ ein Tropfen Blut noch glüht, Noch eine Fauft den Degen zieht, Und noch ein Arm die Büchse spannt. Betritt kein Feind hier deinen Strand“ Kanon mött Sonnabend war der Artillerte in Detder Senne. Am der in sehr deutlich zu vernehme ** Das 8. Batoillon wird morgen gegen Mittag aus der Senne nach Detmold zurückkehren en. Der Handwerterverein hielt Freitag, den s. ds. Mts., abends 9 Uhr im Hotel„Teutoburger Hof“(Gehring] seine 2. Monatsversammlung ab. Die Tagesordnung lautete: Bericht über die Delegiertensitzung in Lemgo. 2. Verteilung Lose. 3. Verteilung der Drucksachen=Abhandlungen über die Geschäftsunkosten, den Seldstkostenpreis und die Abzüge bei der Steuererklärung. 4. Garantiesondszeichnung zur 1900 Jahrseier. 5. Verschiedenes. Zu 1 berichtete Herr Ehlebracht, daß Innungen aus Lemgo, Schötmar und Hörstmar=Lieme ihren Beitritt zum Bunde angemeldet haben. Der Rechnungsabschluß ergab eine Einnahme von 248,53 Mk., eine Ausgabe von 27,18 Mk., sodaß der Kassenbestand 221,35 Mk. beträgt. Die Herren Gronemeyer=Detmold und H. Regel=Salzuflen als Revisoren hatten die Rechnungen für richtig befunden, sodaß dem Kassenführer Herrn Eilmeier=Lemgo Entlastung erteilt werden konnke. Da dieser aber aus wichtigen Gründen seinen Autritt aus dem Vorskande gemeldet hatte, so wurde Herr Chr. Blankenburg an dessen Stelle gewählt. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, im Laufe des Sommers eine allgemeine Handwerkerversammlung einzuberufen, in der auch zu d. Landtagswahlen Stellung genommen werden soll. Dann berichtete der Bundesvorsitzende, daßg Se. Durchlaucht der Fürst Leopold das Protektorat über die Ausstellung in Lemgo übernommen habe und daß über 120 Geschäfte die Ausstellung beschicken werden. Es wurde hervorgehoben, daß es wünschenswert sei, die Dele giertensitzungen in den 7 Städten abwechselnd abzuhalten. Referent berichtete des weiteren, daß ein Atrag, auch außer lippische Aussteller zur Prämiierung zuzulassen, angenommen wurde. Zu Punkt 4 wurde ein Schreiben verlesen, welches die Garantiezeichnung für die Feier der 1900jährigen Wiederkehr der Varusschlacht im Teutoburger Walde betraf. Der Vorstand des Teutoburger Waldvereins hat für die 1900=Jahrfeier K 15000 für Unkosten vorgesehen, welche durch Garantiezeich nung aufgebracht werden sollen. Die Regierung und Stadt haben je„K 5000 gezeichnet und soll der Rest aus der Bürgerschaft gezeichnet werden. Da nun eine solche Feier für die Detmolder Geschäftsleute große Vorteile verspricht, so wurde beschlossen, daß der Verein als solcher sich durch eine Garantie zeichnung beteiligen soll. Von den anwesenden Mitgliedern wurden gleich 400 Mk. in Aussicht gestellt. Da aber ein großer Teil der Mitglieder nicht anwesend war, so wurde beschlossen, eine Liste bei den Mitgliedern zirkulieren zu lassen. Besonders hervorgehoben wurde, daß es als höchst wünschenswert erscheine bie Vorarbeiten zu dem großen Feste recht bald und energisch in die Hand zu nehmen. n. Die allgemeine Ortskrankenkasse für die versicherungsArbeiter des Amts Detmold fand gestern nachmittag im„Neuen Kruge“ statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Abnahme der Jahresrechnung für das Jahr 1907 und Entlastung des Rechnungsführers, 2. Erhöhung der gesamten Beiträge. 3. Verwaltungssachen und Verschiedenes. Dieser Ver sammlung ging eine Vorstandesitzung voraus. Der Vorsitzende, Herr Fabrikant Kleditz teilte mit, daß im Durchschnitt pro Monat 541 männliche und 493 weibliche Personen versichert waren. Im Laufe des Jahres kamen bei männlichen Mitgliedern 189. bei weiblichen Personen 146 Krankheitsfälle mit bei männlichen 3980, bei weiblichen mit 3582 Krankheitstagen vor. Gestorben sind 4 männliche und 2 weibliche Personen. Die Kassenrechnung ergab: Einnahme M 15 561,68; Ausgabe 15 413.90. Reservesonden 13.700. Punkt 2. Als Antwort auf das vom Vorsitzenden an d. Regierung gerichtete Ansuchen, eine Erhöhung der Beiträge für weibliche Personen zu bewilligen, kam von dieser der Bescheid, daß eine ungleiche Erhöhung nach§ 22. Abs. 2 nicht statthaft sei. Demzufolge müsse eine gleichmäßige Erhöhung der Beiträge stattfinden. Der Antrag des Vorsttzenden, vom 1. Juli d. J. eine Erhöhung von 6 Pfennigen eintreten zu lassen, wurde einstimmig nommen. Unter Verschiedenes wurde der vom Ritterguts pächter Herrn Scharnberg gestellte Antrag, den Vorstand zu er mächtigen, sich an das Verwaltungsamt zu wenden, daß dieses die als landarm bezeichnet wird. Der Ehemann ist blind, die Kinder unmündig und die Frau mußte schon verschiedene Male in die Heil= und Pflegeanstalt Lindenhaus gebracht werden Für die Anterbringung der Kranken hat bis jetzt der Landarmenverband Lippe die Kosten bezahlt. Am 29. April 1997 wurde wieder die Aufnahme in die Anstalt verfügt. Für die sen Aufenthalt in der Heilanstalt will nun der Landarmen verbanb die Kosten nicht zahlen. Die Frage, um welche sich gestritten wird, ist die, ob die Frau Haufmann gemingefährlich oder ob die Rücksichtnahme auf die Familie bei der Unter bringung der Erkrankten in die Pflegeanstalt maßgebend ge wesen ist. Der Direktor der Heil= und Pflegeanstalt und Vor steher von Hiddesen wie der Hausbesitzer bezeichnen die Frau als gemeingefährlich. Die Irre hatte die Ehefrau des Hausbesitzers verschieden lich zu Boden geworfen und mißhandelt. Dabei hatte sie geäußert“ daß einer von den Eheleuten sterben müßte. Ein weiteres Attest bezeichnet die Frau als im höchsten Grade gemeingefährlich. Als dann der Ehemann Hausmann die Entlassung seiner Frau sorderte, wurde ihm erwidert, daß dieses nicht angängig sei, da seine Frau noch gemeingefähr lich sei. Diese Gemeingefährlichkeit habe sich auch in der Pflegeanstalt gezeigt. Die Entlassung der Frau würde eine Belästigung der Einwohner von Hiddesen bedeuten. Der Vertreter des Ortsarmenverbandes des Amts Detmold ist der Ansicht, daß bei Ueberführung der Frau in die Irrenanstalt, es nicht lediglich die Gemeingefährlichkeit der Kranken, sondern die Hilfsbedürftigkeit gewesen ist, die Kranke zu internieren. Dies sei auch von der Direktion der Anstalt bestätigt Nicht nur polizeiche sondern auch armenrechtliche Gründe hätten die Unterbringung der Kranken in die Anstalt verarlaßt. Der Vertreter des Landarmen=Verbandes ist der Risicht, daß die Aufnahme der Frau in die Anstalt nur us polizeilichen Gründen erfolgt ist; denn dem Antrage ds Ehemannes, seine Frau zu entlassen, sei nicht statt gegeben, weil die Frau gemeingefährlich ist. Von einer Hilfsbedürftigkeit sei in dem Bescheide nichts be kannt. Er beantragt schließlich, eine Reihe von Zeugen zu vernehmen und zwar darüber, daß die Frau schon mehrere Monate vor der Unterbringung geisteskrank sei. Das Oberverwaltungsgericht verurteilte den beklagten Landsverband zu Zahlung der Pflegekosten für die Zeit vom 30. Aoril 1907 bis 28. August 1907. Der Wert des Streitgegenstandes wurde auf 400—500 Mark festgesetzt. Von dieser Zeit ab hat Kläger die Unterhaltungskosten zu zahlen, da nach dem Gutachten des Direktors der Anstalt nur Polizeigründe für die Internierung der Krunken vorliegen. Kläger hat zwei Drittel und der Beklagte ein Drittel der Kosten des Streit verfahrens zu tragen. Buchhandlungen haben daraufhin den Verkauf derartiger Bromenade aus verdeckerl. Daun war der Park zu sehr den Marstee Verlage von Robert Lutz Stuttgart erschienen Buchefreht sich dem Grundriß der Inselwiese und der schönen „Napoleon-Anekdoten“ erzählt G. Kuntze auch von den Naturumgebung in keiner Wetse an. Wiel beser und ndriß de keiner Verlage von nr. Rapoleon=Anekdoten“ erzählt S. Kuntze auch von den Naturumgebung in verschiedenen Wohnungen Napoleons 1. Die Quartiere, die er# coner würde der von seiner Ankunft in Paris bis zu seinem endgiltigen Sturze im Jahre 1815 innegehadt, lassen an Mannigfaltigkeit nichts zu wünschen übrig Zuerst war es eine Kammer unter dem Dach der Militärschule, dann eine Dachstube auf dem Qaui Conti, die den künftigen Beherrscher Frankreichs beherbergten. Dann bezog er sein bescheidenes Heim in einem Hotelzimmer der Rue de Mail. Diesem folgte ein Zimmer im Hotel des Droit=de=l'homme in der Nue de la Michodiere. Nachdem er auch diese aufgegeben, nahm er ein Zimmer im Hotel Mirabeau um kurz darauf das Hotel de la Colonnade in der Rue Neuve des Capucines zu bewohnen. Aber bald sehen wir den General Bonaparte in seinem eigenen Hause an der Rue de la Victoire das er als Konsul mit dem Luxemburg=Palast vertauschte. Indes auch diese Wohnung war zu klein für den großen Mann: die Tuilerien eröffneten ihm ihre Pforten, in die er wie ein Triumphator einzog, um sich vierzehn Jahre darin zu behaup ten. Seine letzte königliche Wohnung war das Elysee während der Hundert Tage. Die„Lustige Witwe“ vor Gericht. Der Theaterdirektor Adolf Sliwinoki, welcher einen Schadenersatzprozeß in der Höhe von 36 000 Francs gegen die Pariser Scala anstrengte, weil in einer Nevue drei Nummern aus der„Lustigen Witwe“ gesun gen wurden, ist mit der Klage vom Tribunal abgewiesen worden n den Urteilsgründen wurde ausgeführt: Der Kläger sei den Beweis schuldig geblieben, daß„Die lustige Witwe“ ein deutsches Werk sei Und ustker dem Schutz der Berner literarischen Konvention stehe. Das Stück, so führt das Urteil aus, ist in Wien ebsert, nachdem es zuerst an einem Wiener Theater aufgeführt wurde. Komponist und Librettisten sind sämtlich Oesterreicher. Die Operette steht daher nur unter der Herr schaft des am 11. Dezember 1866 zwischen Frankreich und Oesterreich geschlossenen Vertrages über den Schutz des litera rischen und künstlerischen Eigentums, jedoch ist die in Gemäß heit dieses Verkrages erforderliche Registrierung beim franzö sischen Ministerium des Innern nicht rechtzeitig erfolgt, daraus folgert das Urteil die Abweisung der Klage. Direktor Sli winski soll die Absicht haben, den Rechsstreit durch alle In stanzen zu verfolgen. Arbeit. Am Morgen aber ging Herr Lehmann in sein Bureau. Und er riß den Abreißkalender ab und erwischte dabei versehentlich zwei Blätter. Da schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und freute sich, denn er hatte die Arbeit zweier Tage hinter sich. können mit malerisch gelegen— Teichen, welche durch kleine Wasser letztere mit schönen Hotzbrücken ve Wasserläufe dürsten keine künstlerische Einsat wie es beim ttalienischen Garten vorgesehen müßten große Rasenflächen durch schmale Wege unterbrochen werden, aber alles 1n5 verbunden werden Teiche und en haben, tst. Ferner und breite in uunregel mäßigen erläufe verbunde versehen. Die 2 ertsche Einsassung §. Hiddesen, 10. Mai. In der letzten Sitzung des Dorfausschusses wurde beschlossen, die Anzahl der Ausschußmitglieder von 12 auf 18 zu erhöhen. Die Gemeindejago soll am 15. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Hotel Hermannsburg(Günther) auf 9 Jahre verpachte werden. Die Jagd hat durch die Hinzulegung der Schlepperschen Grundstücke eine bedeutende Vergrößerung erfahren. Hinzu kommt noch, daß auf diesen Grundstücken ein großer Rehbestand anzutreffen ist. Nachdem dann noch der Zustand der Chaussee von Detmold nach unserm aufblühenden Orte besprochen war, wurde die Sitzung geschlossen. §. Hiddesen, 10. Mai. Der Ber ehrs=Verein Hiddesen hat ein Reklamebüchlein herauszegeben, welches reich mit Illustrationen aus Hiddesen und Umgegend versehen ist. Heiligenkirchen, 11. Mai. Der hier gegründete Schützenverein hielt am vorletzten Sonntag im Gasthof Schnatmann eine Versammlung ab, in welcher über die der Kommission ausgearbeiteten Statuten e e ee# Gessa#von der Kommission ausgearbeiteten Statuten beraten durch die 3 Polizeidiener die Krankenkontrolle als Nebenamt wurd“: In den Vorstand wurden folgende Herren gegegen eine mäßige Entschädigung übernehmen solle, einstimmig P“Heinr. Preie., Heinr. Dierking, Fritz Bauerkämper, angenommen. * O b e r v e r w a l t u n g s g e r i c h t. D e t m o l d. 9. M a i V o r sitzender: Geh. Oberregierungsrat Pustkuchen. Beisitzer: Land gerichtsräte Dr. Rosen und Valentin, Gutsbesitzer Schemmel und Oekonomierat Krieger. Baron Naba von Kerßenbrock klagte gegen die Stadt Barntruv. weil er in den Wahllisten zur Stadtverordnetenwahl gestrichen ist. Kläger war ansänglich in die Wahlliste eingetragen, später ist er jedoch gestrichen worden. Auf seinen Protest ist vom Magistrat der Stadt Barntrup der Entscheid ergangen, daß er nicht wahlberechtigt sei, da er nicht zur Einkommensteuer herangezogen sei. Der Entscheid stützte sich auf den§ 9 der Städteordnung. Gegen diese Verfügung erhob Kläger bei Fürstl. Regierung Beschwerde mit dem Ersuchen den Magistrat der Stadt Barntrup anzuweisen, seinen Namen wieder in die Wahlliste aufzunehmen, da er Grundvermögen im Bezirk der Stadt Barntrup besitze und ungefähr 38 Mark Kommunalsteuern bezahle. Die Regierung war indeß anderer Ansicht; sie beschied den Beschwerdeführer abschlägig. Der Kläger beschritt nun den Klageweg und beantragte, die Wahl der 1. Klasse der Stadtverordneten für ungültig zu erklären da. n ergehen zu lassen, daß sein Name wieder in die Wahlliste aufgenommen werde. Der beklagte Magistrat beantragt, den Kläger kostenpflichtig abzuweisen. Kläger zur Einkommensteuer herangezogen und es sei in der Städteordnung kein Paragraph vorhanden, wonach die Forensen, wenn sie auch Kommunalsteuern bezahlen, wahlbe rechtigt zur Stadtverordnetenwahl sind. Zu der heutigen Verhandlung war Baron v. Kerhenbrock erschienen; vom Magi strat der Stadt Barntrup war niemand anwesend, da der Ratsherr durch Krankheit verhindert ist. Ersterer führte noch aus, daß die Einschätzung zur Einkommensteuer nie erfolgt ist Er habe Einspruch gegen die Wahl erhoben, weil d. Stimmenverhältnis 9 zu 10 gewesen sei. Die Stadt Barntrup habe das Bestreben, durch Verteilung der Steuerlasten die Forensen von der Stadtverordnetenwahl auszuschließen. Im Stadtbezirk liegen rund 22 Hektar Acker und Wiesen, die Eigentum des Klägers sind. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts lautet dahin, daß die Klage abgewiesen wurde. Wert des Streitgegenstandes wurde auf 150 Mk veranschlagt. Die Kosten des hat Klager zu zahlen. Da der Kläger nicht zu der Einkommensteuer herangezogen worden ist, so war er auch nicht wahlberechtigt. Es war zweifelhaft, ob das Maß der Heranziehung zur Steuer, wie es in Barntrup gehandhabt wird, richtig und gesetzlich begründet ist. 8) Der Ortsarmen=Verband klagt gegen den Ortsarmenverband Horn auf Erstattung von Unterstützungskosten. Der in Belle wohnende Maurer Köhring hatte ein Gesuch an den Gemeinderat des Amts Schieder um Unterstützung in Höhe von 25 Mk. gerichtet. Die Summe ist den Petenten zugebillig Da Köhring noch keine 2 Jahre lang in Belle wohnt, so beanspruchte der Ortsarmenverband von dem unterstützungspflichtigen Amt— in diesem Falle das Amt da Köhring in Meinberg gewohnt hat— einen Ersatz für die Unterstützung. Der Ortsarmenverband Horn weigerte sich aber. Das Verwaltungsamt Blomberg beschritt darauf den Klageweg und bat, den beklagten Ortsarmenver band zu verurteilen und diesem die Kosten aufzuerlegen. Der Verrrese## Verwaltungsamts Detmold bestreitet die Hilfsdes Köhring. Dieser beziehe eine Pension und könne außerdem noch 6 Mk. pro Woche verdienen Fritz Bödeker, Aug. Hofmeister und W. Adam. Der Tag des Festes soll in einer demnächst stattfindenden Versammlung bestimmt werden. age, 11. Mai. Wie die„L. Vz.“ erfahren hat, is das Ablehnungsgesuch des Agenten Th. Wilde gegen den Vorsitzenden des hiesigen Schöffengerichts vom Landgerichte Detmold als vollkommen unbeg ündet verworfen worden. Die Verhandlung gegen Wilde und Ruhoff wegen Bedrohung und Wechselunterschlagung findet heute, Montag, statt. * Heiden, 9. Mai. Sicherem Vernehmen nach verläßt uns zum 1. Juli d. 38 Herr Küster Lütchemeier, um einem Ruse als Gesanglehrrr nach Bremen zu folgen. Das Scheiden dieses pflichtgetreuen und nur seinem Berufe lebenden Beamten wird hier allgemein bedauert.(L. Vz.) Wülfer bei Schötmar, 11. Mai. Die Wülfer'sche Mühle(Pächter Herr Klusmeier) ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Hosemann=Eikermannsmühle bei Waddenhausen über. Als Kaufpreis werden inklusive Iventar 51000 A genannt. b. Bösingfeld, 10. Mai. Der Maurer und Zementformer H. Deppe von hier hat die ihm auserlegte ZuchtDie Vereinigung Norddeutscher Rennfahrer(Hamburg) hielt am Sonntag, den 3. Mai ihr erstes diesjähriges Straßen rennen über 50 Kilometer ab. Neben den namhaftesten Straßenfahrern beteiligten sich die Sieger von„Rund um Berlin" und„Quer durch Holstein“ 1907 und konnten das Rennen auch erfolgreich beenden, indem dieselben den ersten und dritten Platz auf Brennabor belegten. Standesamtliche Nachrichten. Standesamt Detmold.— Monat März. Geburten: Ein Sohn: Dem Prokuristen Hermann Boß, dem Schneidergehilfen August Hollmann, dem Gasarbeiter Robert Eioam, dem Zigurtensortierer Friedrich Rostan, dem Landbriefträger Hermann Deppe, dem Bauunternehmer Fried rich Bunte, dem Tapezierer Karl Wißmann, dem Schneider August Meier, de mTischler Heinrich Horstbrink, dem Rechtsanwalt Wilhelm Schulz, dem Monteur Wilhelm Kampmeier; eine Tochter: dem Gärtner Heinrich Wortmann, dem ZieglerErnst Mahlmann, dem Bierbrauer Karl Hierstetter, dem Kaufmann Ludwig Bauer, dem Militäranwärter Max Fritsche, dem Gastwirt Fritz Tiemann, dem Bureau=Vorsteher Bernhard Schlepper, dem Handelsmann Johann Wimmer, dem Briefträger Heinrich Deppexmeier.— Eheschließungen: Sattler Paul Baumann aus Schwarza und Marie Sander v. hier; Schneidermeister Friedrich Strate aus Lemgo und Marie Liekweg von hier; Tischler Wilhelm Sommer aus Detmold und Emilie Wiesekoppsieker von hier; Agent Gustav Wind von hier und Karoline Albert von hier.— Sterbefälle(außer Landkrankenhaus): Ehefrau Alma Tempel, geb. Lehmann, 24 J.: Ehefrau Minna Focke, geb. Sternberg. 46 J.; Fräulein Charlotte Holtz, 80 J.: Rugust Friedrich, 11 J.; Metzgermeister Friedrich Kasemeer, 86 J.; Kürschnermeister Arnold Hasenclever, 83 J.: Luise Alexander, 1¼ J.: Stiftsdame Anna Eschenburg, 82 J.; Karl Schapper, 9 M.; Sohn des Bauunternehmers Friedrich Bunte, 4 T.; Elisabeth Desean, 17 J.; Ziegelmeister Heinrich Hinder, 64 J.: Clementine Klöpper, 2½ I.: Witwe Wilhelmine Friedertke Köhring, 71 J; Heinr. Multhaupt, 8 J. Formen, Strauchwerk, Blumenaupflanzungen und Grottenbildungen müßten in angemessenen Zwischenräumen verteilt werden. Eine derartige Anlage würde sich ganz vorzüglich der Umgebung anpassen. Die Hauptsache ist aber, daß das Projekt eine greifbare Gestalt annimmt, indem die Unterlagen geschaffen werden für eine Genossenschaft, um die erforderlichen Kapitalien zu schaffen. Se. Durchlaucht der Fürst und die Rentkammer haben im wesentlichen dem Plan mit der Inselwiese zugestimmt und bedarf es nur kleiner technischer und finanzteller Aenderungen, um die Sache in Fluß zu bringen. Wünschenswert wäre, wenn die Angelegenheit beschleunigt würde, es wäre unverzeihlich, wenn nicht alles in Bewegung gesetzt würde, um die Hauptbauten zu dem großen Nationalfest fertig zu stellen. Die 1900jährige Wiederkehr der Barusschlacht im Teutoburger Walde, welche im nächsten Jahre hier festlich begangen werden soll, ist kein lipvisches Fest, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ein deutsches Nationalfest, es führt seinen Ursprung auf eine der ältesten Geschichten in Europa zurück. Zu diesem Nationalfest müßten außer an alle deutschen Bundesfürsten und Vertreter der Freien Städte auch an alle deutschen Konsulate Einladungen ergehen, dazu bedarf es großer Borbereitungen und langer Verhandlungen. Laut Mitteilung des Teutoburger Waldvereins hat die Festspielhalle zu dem Rattenfängerfest in Hameln 5000 A gekostet, laut Voranschlag soll das Festspielhaus auf der Inselwiese 14 400 M kosten und 3000 Personen fassen. Dieses Festspielhaus würde selbstverständlich einen viel besseren Eindruck machen, als eine provisorische Halle und was wesentlich mitspräche, im ersten Jahr eine gute Verzinsung abwerfen. Das Fest dürfte sich aber nicht auf einen Tag beschränken, sondern müßte wenigstens eine Woche dauern. Die Festlichkeiten müßten teils beim Hermannsdenkmal, teils in der Festspielhalle sich abspielen. Die Stadt Detmold kann stolz sein auf eine derartige Veranstaltung. aber die maßgebenden Kreise dürfen sich nicht verhehlen, daß eine außerordentliche Vorarbeit dazu gehört, um das Fest würdig einzuleiten. Vor allen Dingen darf eine längere Verzögerung der Borarbeiten nicht stattfinden, weun ein voller Erfolg nicht in Frage gestellt werden soll. Ein Bericht über das Bundesschießen in Hamburg im Jahre 1909 besagt, daß schon Einladungen nach Amerika usw. ergangen sind, daß ferner die große Festhalle zum Bundesschießzen für 107000 A an eine süddeutsche Firma vergeben ist, obwohl das Bundesschießen auch erst im nächsten Jahr stattfindet. Ferner lese man einen Bericht über eine projektierte Ausstellung in Wiesbaden im Jahre 1909, auch dieser Arbeitsausschuß hat schon Einladungen nach Amerika ergehen lassen und bereits schon eine Zusage von 300 Bäckermeistern aus Newyork erhalten, welche die Ausstellung besuchen, ferner wollen die amerikanischen Bäckermeister Hannover und Mainz besuchen. Aus all diesem verlieren ist, zumal die r=Feier viel umsangreicher ist zu ersehen, daß keine Zeit zu Borbereitungen zu der 1900 sind als zum Beispiel die Vorbereitungen zum Bundes schießen. Für Detmold kann auch eine periodische Wiederholung der Festspiele in Frage kommen, Voraussetzung ist aber, daß die deutschen Künstler ein Werk komponieren, welches allen Ansprüchen an ein nationales Fest gerecht wird. Ein schönes und passendes Vorbild für einz„Hestspielaufführung würde das Mer„wathall, die Götterwelt der Vermanen“ sein; neben dem beschreibenden Text sind charakteristische Bilder in Dreifarbendruck beigefügt. Würden sich ein oder mehrere Künstler finden, welche die „Götterwelt der Germanen" in Verbindung mit der Varusschlacht bühnenfähig bearbetteten, so könnte Detmold ein zweites Bayreuth werden. R. hausstrafe Anschuldig von 13 Monaten wegen Meineid und falscher Weege zu Liemergrund Standesamt Lieme.— Monat April. Geburten: Ein Sohn: dem Malermeister August Kuhlmann in Lieme: eine Tochter: dem Landwirt Heinr nschuldigung angetreten, gerade merkwürdigerweise an dem Tage, als er vor Jahren die Tat begangen: die Tageszeitung hat über den Fall und die Gerichtsverhandlung seinerzeit ausführlich berichtet. Auch das Reichsgericht hatte sich mit dieser Sache beschäftigt. Mehrsache Erhebungen zum Wiederaufnahmeverfahren gingen zu ungunsten des D. aus. Zuletzt reichte er ein Gnadengesuch ein: das abschlägig beschieden wurde. v. Heidelbeck, 9. Mai. Unter den Schweinebeständen des Kolons Hermann Brandt und der Frau Lüdeking Nr. 76 zu Tevenhausen ist die Schweineseuche ausgebrochen. Ueber das Gehöft wurden polizeilicherseits die Sperrmaßregeln verfügt. Lüdenhausen, 9. Mai. Der hiesige Gemeindeaus. chuß beschloß, zur Deckung der für das Rechnungsjahr I. April 1908 bis dahin 1909 entstehenden notwendigen baren Auslagen 4 Simpla Einkommensteuer, 6 Simpla Grundsteuer und 1 Betrag Gebaudesteuer zur Gemeindekasse der Bauerschaft Lüdenhausen zu erheben. Aus der Nachbarschaft. Vlotho, 9. Mai.(Besitzwechsel.) Das hiefige alte Aphekengebäude ging durch Kauf in den Besitz des Rechtsanwalts und Notars Adriaui von hier über. Der Kaufpreis beträgt 15 000 Mk. * Altenbeken, 9. Mai. Den Erstickungstod and hier ein Tagelöhner, dem beim Essen einer Suppe ein darin befindlicher Knochensplitter in die Luströhre geraten war. * Hörde, 9. Mai.(Bestohlene Diebin.) Einem Wirt wurde eine beinabe 3000 Mk. enthaltende Geldkassette, die mit Schrauben in einem Schranke befestigt war, gestohlen. Nach einiger Zeit gelang es, die beiden Dienstmädchen des Bestohlenen zu überführen, den dreisten Diebstahl ausgeführt zu haben. Sie hatten den Geldbehälter in einem Straßendurch lasse verborgen. Dort fand er sich aber nicht mehr; ein Dieb hatte die Diebinnen bestohlen. Jetzt konnte auch der Dieb in der Person eines Arbeiters ermittelt werden. Den größten Heirten: Keine. Gestorden: Ziegelmeister Fritz Dröge in Lieme, 42 J. Handel und Märkte. Blotho, 9. Mai.(Viehmarkt.) Auf dem Viehmarkt waren 42 Stück Rindvieh und 1500 Stück Borstenvieh aufgebracht. Der Handel war recht lebhaft. Gute Milchkühe wurden zu 300—350 u verkauft. Die Preise unter den Schweinen sind wieder andauernd hoch. Sechswochenferkel kosteten 16—18 M, Stangen 30—45 A und alte Schweine und Sauen 60—120 M. Der Markkbesuch war nur mäßig; die Landbewohner waren durch eilige Landarbeiten verhindert. Das Wetter war gut. Minden, 8. Mai. Der gestrige Viehmarkt war gut besucht, der Handel war lebhaft. Es waren zum Verkauf gestellt: 54 Pferde, 181 Stück Rindvieh, 3480 Schweine(darunter 230 Stangenschweine und 3250 Ferkel) und 8 Ziegen. Es kosteten 6—8 Wochen akte Ferkel das Paar 27—33—36 A. Stangenschweine erbrachten das Stück 24—30—40—50 A. Die Preise für Pferde betrugen 150—400 A. für Rindvienh 180—210—270 bis 350 M, für Ziegen 9—12—14 M. Detmo abend ein Sprechsaal. 10. Mai. Im Arminiushotel war am Sonnodell für das Inselwiesenprojekt und ein Modell für ein Banddelden kmal ausgestellt: der Urheber war ein Düsseldorfer Künstler. Das Modell zum Bandeldenkmal fand vielen Anklang, dagegen wurde die Einteilung der Inselwiese vielfach bemängelt. Zunächst war das Hauptgebäude zu nahe an die Promenade gerückt, dieses würde die schöne Aussicht von der Verlobt: Heuny Heidsiek Pr.=Oldendorf mit Ernst Gees Detmold. Techniker Albrecht Nordmann, 21 Jahre, in Salzurlen; Beerdigung: Montag nachmittag 2 Uhr.— Amalie Tölle, geb. Pieper, 85 Jahre, in Schieder; Beii digung: Montag nachmittag 3½ Uhr. Letzte Nachrichten. Berlin, 11. Mai. Bei Köpenick wurde gestern ein 24jähriger Eisenbahnarbeiter Boßberg von einem noch nicht ermittelten Radfahrer nach kurzem Wortwechsel erschossen. Görlitz, 11. Mat. Der Baumeister Sehring wurde gestern nachmittag nach einer gerichtlichen Vernehmung veroaftet. Bei der Vernehmung wurde festgestellt, daß Sehring, der aufsichtsführende Baumeister, schon vor drei Wochen auf leichte Verdiegungen der Dachträger aufmerksam gemacht wurde. Die Aufräumungsarbeiten werden von der Feuerwehr noch fortgesetzt. Frankfurt a. M., 10 Mai. Am heutigen Jahrestage der Unterzeichnung des Frankfurter Friedens fand die feierliche Enthüllung des Bismarckdenkmals an der Promenade gegenüber dem Schauspielhause statt. Zu der Feier war die Gräfin Wilhelm Bismarck mit ihrem Sohne Grasen Nikolaus erschienen. Wilhelmshaven, 11. Mai. Der Fischerkreuzer mnagen“ beschlagnahmte gestern den englischen Fischerdampfer„Genroal“, der der verbotenen Fischerei in der Osterems oblag. Cuxhaven, 10. Mai. Heute früh ist auf der UnterDampfer Pyrgos der Deutschen Levante=Linie mit dem englischen Dampfer Biolet zusammengestoßen und gesunken. 9 Mann der Besatzung und der Elblootse wurden von S. M. S. Deutschland, Flaggschiff des Prinzen Heinrich von Preußen aufgenommen, die übrigen 13 Mann der Besatzung wurden vom Feuerschiff Elbe 3 geborgen. Luchlinitz(Oberschlesien), 11. Mai. Ein armes Mädchen, das mtt noch acht 8 Gefährten die russische Grenze überschreiten wolltee, wurde von russischen Grenzsoldaten utedergeschossen. Die übrigen Mädchen, die in Deutschland Arbeit suchen wollten, entkamen. elbe der Detmold, 11. Mai. Wetterbericht der Wetterdienststelle des meteorologischen Observatoriums zu Nachen. Wolkig, vorübergehend Regenfälle; etwas kühler. London: Schön. Hamburg: Schön. ## Vermischte Nachrichten Gegenseit dargestellt wir Daa Ohernerematn uu von der Schundliteratus und Schulsagend. Das Lesen von Deteb, Achieh, Beweiserhebung mu erbebe 2g verwaltungsgericht de tivrofiänen und ähnlichen minderwertigen Büchern hat unter gino in hilfebebäritiosr Dags Betand und 2) die Thefrou Köh der Schuljugend einen sehr großen Unsang erreicht. Oft werhulfobedürftiger Lage besand und ob der Arbeider Köh den während des Unterrichts Schüler betroffen, welche sich mit der Lektüre derartiger Machwerke befassen. Nachdem aus Pfarrer= und Lehrerkreisen auf das Bedenklichste dieser Tatsache hingewiesen worden ist, ist in einer Reihe von Schulen des Reg.=Bez. Wiesbaden, u. a. verschiedentlich in Frankfurt, 8#pva Schülern das Lesen von Detektiv= und Indianergeschichten bi: adlis penfwann in Hiddesen]usw. und ihnen bessere Lektüre empfohlen worden. Penbargenderdend Siope werden aufregende Getränke ärzt= lich verboten; es gibt für sie nichts Bekömmlicheres als viel Milch und Kathreiners Malzkaffee. Er enthält keine schädlichen Bestandteile, ist wohlschmeckend, billig und wird den Kindern auf die Dauer nicht zuwider, was bei Milch allein oft der Fall ist. Nur echt in den bekannten, durch Siegelmarke verschlossenen Paketen mit dem Bildnis des Pfarrers Kneipp und der Firma Kathreiners Malzkuffee=Fabriken. ENNTEESEE EAE Kegtbchmernen zu befürchten. : amunes brauchen Sie nicht — beimenten, wenn Sie folgende Marken rauchen Prins Hemrich“, leicht u sehr sein, 10 St. 901“ „Meine Hausmarke“, angenchm u. würzig 10, 70 Ernst Hartmann, Cigarrenhaus, Ernst Hartmann, Cigarrennaus, Detmeld, Bruchstrasse 1.— Lage L./Lippe, Langestrasse 80 Filiale: Nern I. Lippe, Mittelstrasse 61. Sh che e ür Der Magistrat Wittje. Calciniertas Eisenvitriol Die Verlobung meiner jüngsten Tochter Anna mit dem Apotheker und gepr. Nahrungsmittel-Chemiker KREEN——„ 4 Herrn Dr. phil. Ernst Unger beehre ich mich ergebenst anzuzeigen Detmold, im Mai 1908.) Frau Emil Hunke Wwr. Marie geb. Vette. —„ Auna Nunke Srust Unger Verlobte Detmeld Schönbaum b. Dauzig Todesanzeige. Gestern morgen um 3 Uhr entschlief nach längeren Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwester, Schwagerin und Tante Bertha Gees geb. Obermann im Alter von 45 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an die trauernden Hinterbliebenen Fritz Gees nebst Kindern. Detmold, des 11. Mai 1908. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. d. Mts., nachmittags 4 Uhr vom Trauerhause, Meierstrasse 4, aus statt. Trauerfeier vorher. Es hat Gott den Allmächtigen gefallen, heute morgen 9 Uhr meine liebe Frau, unere liebe Tochter Schwester und Schwägerin Wilhelmine Diekmann geb. Gladtfeld nach langem schweren Leiden, im 28. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Um stille Teilnahme bittet I Diekmann. Grastrun, den 9. Mai 1908. Die Beerdigung findet am Diensden 12. Mai, nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Todesanzeige. Heute abend 8 Uhr entschlief nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsre gute Mutter und Grossmutter Georgine Wöhrmeier geb. Hasselmeier im 74. Lebensjahre. nachung. , der kleinen Werre und des #chsen Tagen durch den StadtBemersen Karuus—. er Grundstückzbesitzer werden mit dem Seseher erie en dene i at. Bi genig te ir #u gen Ufergrundstücken zusteht. Detmold, den 9. Mai 1908. Magistrat. Mittt der (Streapalver) 167529, pertilgt alles Unkraut giit netadrigen Blättern, wie: Hitering, Vornad, Branneuel usw. Von der Deutschen Samndvartschaftegeseslschaft und landwirtschaftlichen Versuchsstationen empfohlen. S. F. Reuter Detmold. Legelmeicter welche Ziegler suchen, tun gut, wenn sie in der Lipp. Tages=Zta. Anzeigen aufgeben; denn viele Frische Eier Jeuveriat. n—„ Inachmittaas 3 Hhr gibt, bekommt die 4. Aufnahme egelmeister kauft jeden Posten Herm. Bussemeier Lage. 1 umsons. Viele Zieg inserieren bereits Blatte. elmeister unserem Pferd Tugr.(weisches dort hingeschafft Pouerbasüche wird, ** Jagdverpachtu Am Mittwoch, den 20. v. 924 Der Magistrat. Wittje Solider Mann erhält FeuerversicherungsAgentur(Neugründung) Adr n.Dortmundpostl. B16 Postkollt,(5 kg) franko Mr.3.50 die Käserei Albert Schmidt Ortenberg(Hess.) Horn. UEBERALL ZU HABEN „ Wer bargarine gebiaucht, mache enen Versuch mit feinster Süssrahm Margarine, à P’ld. 70 Pig Fr. 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