kippische Tages-Zeitung Ceneral-Anzeiger für das Fürstentum kippe. Bezugspreis: in Detmold=u. durch die Vertretungen: 50 Pfg 1,50 Mk und 42 Pfg. Bestellgeld, für 2 Monate 1 Ml. u. 28 u. 14 Pfg. Bestellgeld. Anzeigen: aus Lippe 12 Pfg, die Petitzeile, amtliche u Familienanzeigen 15 Pfg., auswärtige 18 Pfg. Reklamezeile 60 Pf. Beilagen(umsonst): 1) Lipp Familienfreund 2) Lipp Ziegelei=Anzeiger, 8) Landwirtsch. Ratgeber, 4) Wandkalender, 5) Sommer=, 6) Winterfahrplan. 1. für 1 Monat, durch die Post: ½ Jahr 28 Pfg. Bestellg., für 1 Monat 50 Pfg Jetitzeile, amtliche u Familienanzeigen * Rotationsdruck u. Verlag: Willg Bruder. Detmold. Horn uslen. Lemgo, Lage, Blomberg, Horn. d. Hornschestraße 30, Fern Vertretungen in: Salzuflen. Lemgo, Lage, Blomberg, Horn, Barntrup, Schwalenberg; fast allen Ortschaften der Aemter Detmold, Schötmar, Oerlinghausen, Lage. Hor Hohenhausen. Varenholz, Sternberg; Barntrup, Blomberg, Schieder, Schwalenberg; zusammen über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint jeden Wochentag. recher 10 ferner in rn, Brate, N 71. Verantwortlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold. Detmold, Dienstag, den 31. Mlärz 1903. Telegramm=Adresse: Tageszeitung, Detmold. 13. Jahrgang den russischen Vorschlägen über Mazedonien. Die englischen Resormvorschläge für Mazedonien gingen sehr weit: es sollte ein Generalgouverneur eingesetzt, es sollten die Gendarmen vermehrt und die türkischen Truppen vermindert werden. Sie hatten den Beifall der Bulgaren, mit gutem Grund, namentlich die Verminderung der türkischen Truppen würde die großbulgarischen Pläne außerordentlich fördern. Das Fürstentum besitzt eine gute, schlagsertige Armee, deren Aussichten für einen Kriegssall mit der Türkei sich sehr günstig gestalten würden wenn der Sultan genötigt wäre, seine europäischen Truppen erst durch einen langwierigen Transport kleinasiatischer Regimenter auf die notwendige Kriegsstärke bringen. Der hierin liegende Anreiz für die Bulgaren wäre ungefähn das Gegenteil von einer Beunruhigung Maze doniens. Bergleicht man die englischen Vorschläge mit den jetzt bekannt gewordenen russischen, so erscheinen jene als Schrittmacher dieser; die russischen sind viel gemäßigter als die englischen. Einerseits kommen sie einem türkischen Wunsche entgegen, insosern als die fremden Resormbeamten, Zivilagenten u. Finanzkommissare in türkische Dienste treten sollen. Anderseits enthalten sie einen bulgarenfreundlichen Einschlag, der darin besteht, daß Landwachen durch Bewaffnung von Dorsbewohnern eingeführt und damit die Streifzüge des türkischen Militärs gegen die Banden eingeschränkt werden sollen. In einem wichtigen Punkte aber begegnen sich die Vorschläge Englands und Rußlands, nämlich darin, daß das Projekt der Justizreform wieder ausgenommen wird, und zwar soll die Finanzkommission die Kontrolle der Justiz übernehmen. Nach den Grundsätzen des Rechtsstaates ist eine solche Einmischung der Verwaltung in die Rechtspflege unleidlich Dazu kommt, daß erst noch die europäischen Verwaltungsbeamten gesunden werden müßten, welche die sehr schwierige Materie des türkischen Rechts, das auf dem Koran beruht, und in erneblichem Umsange von geistlichen Gerichten neben den bürgerlichen ausgeübt wird, einigermaßen kennen und verstehen. An solche Dinge, die aufs engste mit der Religion zusammenhängen, und das ganze innere Leben jedes Mohammedaners erfassen, läßt der geduldige Ortentale ohne fanatische Gegenwehr nicht rühren. Wie sich Oesterreich=Ungarn, dem die russischen Vorschläge zunächst unterbreitet worden waren, dazu gestellt hat, ist noch nicht bekannt. Jedensalls werden noch manche diplomatischen Verhandlungen nötig sein, ehe eine Einigung aller Mächte zustande kommt. Der leitende Gedanke bei diesen Verhandlungen sollte sein, was Fürst Bülow am 24. März im Reichstage über Mazedonien sagte. Die Offenheit des Reichskanzlers hat einige eng lische Blätter verdrossen, die das Uebel mehr in der tür kischen Herrschaft über Mazedonien als in den unchrist lichen Metzeleien christlicher Völkerschaften untereinander sehen wollen: Noch unerträglicher als diese der Humanität Europas hohnsprechenden Zustände ist der Gedanke, daß wegen der Bandenkämpfe unruhiger Völkerschaften am Balkan die großen Kulturmächte untereinander sich verseinden sollten jetzt mehr vollbeschäftigte Lehrkräfte auf eine Schule(11,70 im Jahre 1906 gegenüber 10,91 im Jahre 1901), andererseits hat jetzt eine solche Lehrkraft im Durchschnitt nur 22,53 Schulkinder gegenüber 23,02 vor künf Jahren zu unterrichten. An dieser Zunahme der vollbeschäftigten Lehrkräfte sind die Lehrerinnen ungleich stärker beteiligt als die Lehrer. Auch die Zahl der Hilfslehrkräfte hat sich seit 1901 um fast ein Drittel vermehrt. Dem Religionsbekenntnisse nach wurden die öffentlichen höheren Mädchenschulen von 56 832(41 965) evangelischen. 7415(4720) katholischen und 7080(6494) jüdischen Schülerinnen besucht. Die Lehrbefähigung der an den öffentlichen höheren Mädchenschulen angestellten Lehrer und Lehrerinnen, die hier nach der höchsten Lehramtsbefähigung des einzelnen zusammengesaßt ist, ist folgende: Von 217 Anstaltsleitern hatten 139 die Prüfung für das höhere Lebramt, darunter 12 gleichzeitig die für das geistliche Amt, 23 die Prüfung allein für das geistliche Amt und 55 die Rektoratsprüfung bestanden. Von den 50 Leiterinnen hatten zwei die Oberlehrerinnen= und Salvorsteherinnen=Prüfung, 40 allein die Prüfung als Schulvorsteherin und 8 die Prüfung für den Unterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen abgelegt. Unter den vollbeschäftigten Lehrern befanden sich 370 akademisch gebildete Oberlehrer(d. h. solche, die entweder die Prüfung pro fac. doc. oder beide tbeologische Prüfungen bestanden hatten); 69 Oberlehrer waren nur seminarisch vorgebildet, 172 hatten die Prüfung als Rektor abgelegt; die übrigen 285 besaßen nur seminarische Bildung: an sonstigen vollbeschäftigten Mittelschullehrern zählte man 15 und an andern nicht vollbefähigten, aber noch vollbeschäftigten Lehrern 60. Unter den vollbeschäftigten Lehrerinnen besanden sich 17 mit dem Oberlehrerinnen= und Schulvorsteherinnen=Zeugnis 180 hatten allein das Oberlehrerinnenzeugnis und 61 das der Schulvorsteherin erworben, 1327 besaßen das Befähigungszeugnis zum Unterricht an mittleren und höheren Mädchenschulen, 37 nur das Befähigungszeugnis für den Unterricht an Volksschulen und 9 das Sprachlehrerinnenzeugnis. zufolge das Befinden des Großherzogs von Luxemburg sich be orgniserregend verschlechtert haben sollte. Den Nachrichten olgte das übliche Dementi— und folgt jetzt die Bestätigung durch die Tatsachen. Ein Telegramm meldet: Luxemburg, 26. März. In der Kammer teilte heute Staatsminister Eyschen mit, daß wegen Kräfteverfalls des Großherzogs die Ernennung der Großherzogin zur Statthalterin nicht mehr zu umgehen sei. Die Ernennung ist, wie wir gestern meldeten, inzwischen erfolgt. Morgen bestimmt die Kafffmer über Form der Eidesleistung der Statthalterin. Die preußischen höheren Mädchenschulen. Nach der letzten schulstatistischen Erhebung vom 20. Juni 1906 gab es in Preußen 270 öffentliche höhere Mädchenschulen mit 71 156 Schulkindern. An Stellen für vollbeschäftigte Lehrkräfte einschließlich der für festangestellte technische zählte man 3158, und zwar 1238 für Lehrer und 1920 für Lehrerinnen, außerdem noch 602 nicht vollbeschäftigte Hilfslehrkräfte, darunter 876 Hilfslehrer und 226 Hilfslehrerinnen. Die Zahl der öffentlichen höheren Mädchenschulen hat sich in den fünf Jahren von 1901 bis 1906 um über ein Viertel und die der Schulkinder sogar um ungefähr ein Drittel vermehrt: die Zahl der Schülerinnen, die in einer Schule unterrichtet wurden, stieg in diesem Zeitraume von 251 auf 264. Trotz dieser außerordentlichen Zunahme der Schulkinder bleibt der Besuch der öffentlichen höheren Mädchenschulen noch immer hinter dem der 675 Privatanstalten gleicher Art zurück, die im Jahre 1906 einen Bestand von 85 797 Schülerinnen aufwiesen. Ein noch etwas stärkeres Wachstum als bei den Schul kindern zeigt sich bei den vollbeschäftigten Lehrkraften, deren Zahl in dem hier berücksichtigten Jahrfünft um 835 oder 35.94 v. J. zugenommen hat. Infolgedessen entfallen Albumblätter. Dse Wahrheit hat von jeher nur den Schurken wehe betan. „ Platen. Aus dem Reichstage. Stimmungsbild. (Von unserem Korrespondenten.) X Berlin, 30. März 1908. Von den Bundesratssitzen ber blinkt das Goldgeflecht der Generalsachselstücke u. der hochrote Doppelstreisen am Offiziersbeinkleid: ein Fingerzeigt, daß die dritte Lesung des Reichshaushaltsetats bis zum Militäretat gediehen ist. Der Vertreter des Kriegsministers Generalleutnant Sixt von Armin, wird aus eine harte Geduldsprobe gestellt: die Volksvertreter haben gar vieles auf dem Herzen. Herr Erzberger wünschte die Bekanntgabe des Resultates der Untersuchung gegen den Masor a. D. Gra sen Lynar, dessen Pensionierung selbst Offizierskreise be fremdlich fänden. Der gleichen Ansicht in dem letzten Punkt war Abg. Dr. Paasche(natl.), der die Geregenheit benutzte um seinen früheren Vorwurf gegen den Kriegsminister zurückzunehmen, als ob dieser seinerzeit in dem Falle Hohenau=Lynar ungenügend orientiert gewesen sei. Gene rallentnant Sixt von Armin beharrte bei seiner früher ge kennzeichneten Stellung im Falle Lynar. Große Unruhe entstand auf der äußersten Linken, als Generalleutnaut Sixt von Armin den Vorwurf, als ob Mitglieder der Artillerieprüsungskommission der Beeinflussung zugänglich wären, als unbewiesene und unbeweisbare Anschuldigung und Verleumdung zurückwies. Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Wirtsch. Bag.) beantragte, den in der zweiten Lesung gestrichenen Posten eines aktiven Stabsoffiziers in der Stellung eines vortragenden Rates im Etat für die Expedition nach Ostafien wieder herzustellen und sicherte sich damit den Dank des Vertreter des Kriegsministers. Kleine Wünsche wurden in Fülle vorgebracht. Ihnen sagte der Vertreter des Kriegsministers wohlwollende Prüfung zu. Dann wurde über den Antrag Liebermann von Sot nenberg abgestimmt. Das Bureau blieb zweiselhaft: Ham melsprung! 94 Stimmen für, 103 gegen. Kast wäre das Haus beschlußfähig gewesen: nur zwei Stimmen fehlten Doch was hals's. Die Beratungen mußten um 3½ Uhr abgebrochen werden. Nach Ablauf einer Viertelstunde be gann die nächste Sitzung. Präsident Graf Stolberg schlug Vertagung der Abstimmung über den mehrerwähnten An trag vor. 116 für, 132 gegen— der Antrag war abgelehnt Die Weiterberatung wurde bis abends 8 Uhr vertagt. Einsetzung der Regentschaft in Luxemburg. Unlängst liefen wieder Nachrichten durch die Blätter denen Großherzo; in Maria Anna von Luxemburg. Großherzogin Maria=Anna, Infantin von Portugal, ist am 13. Juli 1861 als Tochter des Infanten Miguel, Herzogs von Braganza, geboren. Sie vermählte sich mit dem damaligen Erbgroßherzog Wilhelm am 21. Juni 1893. Der Ehe sind sechs Töchter entsprossen. Die Ernennung der Großherzogin Maria Anna zur Regentin oder Statthalterin bei Regierungsunfähigkeit des Großherzogs ist die Folge des Gesetzes vom 10. Juli 1907, wel ches in Form eines von der Kammer genehmigten Familien statuts des Großherzogs die Thronfolge dahin regelte, daß dem Großherzog in Ermangelung eines männlichen Erben seine erstgeborene Tochter Prinzessin Marie Eidelheid und nächst ihr ihr Mannesstamm nachfolgen und während ihrer Minderjährigkeit ihre Mutter Re Regentschaft und Vormundschaft führen soll. Diese nun beginnende Regentschaft wird, da die Erbgroßherzogin noch nicht ganze 14 Jahre zählt und an die Wiederkehr der Regierungsfähigkeit des bekanntlich durch Schlagfluß gelähmten Großherzogs Wilhelm kaum zu denken ist, mehrere Jahre dauern. Schwierigkeiten werden der allgemeinen Anerkennung der Regentschaft und der Thronfolge schwerlich erwachsen, nachdem im vorigen Jahre der Protest des einzigen männlichen, noch lebenden Agnaten des Hauses Nassau, des Grafen Nikolaus von Merenberg, wegen der Un ebenbürtigkeit der Ehe seines Vaters von der luxemburgischen Regierung und Kammer durch die Annahme des erwähnten Thronfolgegesetzes erledigt worden ist. Luxemburg, 27. März. Die Kammer erklärte sich heute mit der Einsetzung der Großherzogin als Statthalterin einverstanden. Eine Abordnung reist am Dienstag nach Santa Margherita zur Entgegennahme der Eidesleistung. Au die Behauptung des Sozialisten Welter, der Großherzog sei nicht mehr regierungsfähig, und es müsse eine Regentschaft nicht Statthalterschaft eingesetzt werden, erklärte Staatsminister v. Evschen, der Zustand des Großherzogs sei nicht derart, daß er die Einsetzung einer Regentschaft bedinge. Erbgroßherzogin Marie von Luxemburg ist im Haag einge troffen, wo sie für einige Tage bei der Königin Mutter Woh nung genommen hat. Sie ist mit Königin Emma väterlicher Seite verwandt. Der Besuch wird als ein Zeichen dafür aufgefaßt, daß seitens des holländischen Hofes der Neuregegelung der luxemburgischen Thronfolge auf Grund des im Juli 1907 von der luxemburgischen Kammer genehmigten neuen Familien= statuts vom 16. April 1907 keinerlei Schwierigkeiten bereitet werden. Erbgroßherzogin Mar'e Adelheid ist die älteste Tochter Erbgroßherzogin Marie von Luxemburg. des Großherzogs und ist am 14. Junia 1894 auf Schloß Bergeboren. Politische Uebersicht. WO 25 Lady Delia. Kriminal=Roman. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen (Nachdruck verboten.) 7 „Das geht nur mich an,“ lautete die kurze Antwort. Während sie dann nach dem Theater fuhren, überdachte der Advokat das eigenartige Wesen seiner Begleiterin. Obgleich sie sorglos und unabhängig zu leben schien, bemerkte Brett doch zuweilen einen Ausdruck von Melancholie in ihren Zügen, den er mit ihrem übrigen Wesen nicht zu vereinen vermochte. Es tat ihm fast leid, daß seine Aufgabe ihn zwang, sie zu hintergehen. Das konnte er nicht ändern, wohl aber wollte er nach Kräften dafür sorgen, sie, falls ihr leichtsinniger Bruder mit der Ermordung Lady Delas in Verbindung stand, vor Schande und Entehrung zu bewahren. Er hatte in der Tat eine so gute Meinung von ihr gewonnen, daß er beschloß, seine weiteren Ermittelungen möglichst ohne ihren Beistand einzu ziehen, um ihr jede Belästigung zu ersparen. Trotzdem erhielt er im Verlaufe des Abends ohne sein Zutun eine Auskunft von Frau Hillmer, die ihn lebhaft inter essierte. Sie verriet nämlich eine so genaue Bühnenkenntnis, daß Brett sie verwundert fragte, ob sie selbst an einem Theater mitgewirkt habe. Sie bejahte, indem sie hinzufügte:„Ich bin vor sechs Jahren wiederholt aufgetreten. Es strengte mich aber se an, daß ich krank wurde. Nachher verheiratete ich mich. „Besuchen Sie öfter die Theater?“ „Nein, sehr selten. Es ist zu langweilig, allein hinzugehen und die meisten Stücke taugen nichts. Das einzige, was mich dabei unterhält, ist die Schauspieler zu kritisieren. Richt daß sch besser spielen würde wie sie, es hilft aber die Zeit vertreiben. Wieder überflog ein melancholischer Ausdruck ihre Züge. Brett stellte keine weiteren Fragen, sondern richtete sein Opernglas auf die Bühne. Während sein Blick zerstreut über die hübschen Gesichter der Choristinnen glitt, arbeiteten seine Gedanken, das, was er von Frau Hillmer erfahren hatte, zulam men zu bringen.„ Das seltsame Uebereinstimmen der Daten betreffs Lady Delias Ermordung und der hastigen Abreise Sidney Pynes nach der Rivierea würden letzteren nötigen, zu gegebener Zeit eine angenehme Erklärung anzubringen. Allerdings— Brett liebte es nicht, vorschnell zu urteilen— die Reise des jungen Mannes konnte immerhin einen ganz plausiblen Grund haben, zumal er seine Ardesse bei der Post zurückgelassen hatte. Ueberdies, welche Ursache hätte Lady Delia haben können, ihn heimlich in seiner Wohnung im Raleighhaus aufzusuchen? Diese ehrbare Frau würde sich doch schwerlich mit einem leichtsinnigen Abenteurer eingelassen haben. Dies alles sagte sich Brett im stillen, während er achtlos den Vorgängen auf der Bühne folgte. Plötzlich stutzte er. Sein Bliß hatte eine der Choristinnen gestreift, deren Aengstlichkeit und Unbeholfenheit deutlich erkennen ließ, daß sie noch ein Neuling auf der Bühne war. Nun besaß Brett im hohen Maße die Hauptbedingung für einen guten Detektiv: ein ausgezeichnetes Gedächtnis inbezug auf die Gesichter seiner Nebenmenschen. Auch jetzt äußerte sich diese Eigenschaft bei ihm, denn er erkannte ohne Mühe in der Choristin die Zose Lady Delias. Jane Harding. Im ersten Augenblick traute er kaum seinen Augen, doch je länger er sie betrachtete, desto mehr schwand jeder Zweifel. Weder Schminke noch Perücke waren imstande gewesen, ihr hübsches Gesicht zu verändern. Sö überrascht war Brett von seiner merkwürdigen Entdeckung, daß er eine Weile alles andere vergan und seine ganze Aufmerksamkeit auf die kleine Choristin richtete. Frau Hillmer blieb dies nicht verborgen, denn sobald der Vorhang fiel, wandte sie sich in schmollendem Ton zu ihm:„O. Mr. Brett, Sie interessteress sich doch gar zu lebhaft für eine der Schönen da vorn. Welche von ihnen hat Ihr besonderes Gefallen erweckt?“ „Keink einzige,“ versicherte Brett.„Ich überlegte, wie c9 ein junges Mädchen anfängt, zum erstenmal ein Engagement zu finden.“ Frau Hillmer lächelte.„Darüber kann ich Ihnen Bescheid geben,“ sagte sie.„Protektion macht viel aus— Talent hilft zuweilen ebenfalls. Schließlich kann auch noch ein Theateragent ein hübsches Mädchen, daß bei ihm tanzen oder singen gelernt hat, unterbringen.“ „Silr dies auc, wenn die Betreffende vorher Dienstmäd den wen!“ 2 Das hängt von deren Bekanntenkreis ab. Im allgemeinen wird es da nicht so leicht sein. Ein Theater wie dieses hier beansprucht auch schon einen höheren Grad von Intelligenz.“ Während des Tetzten Aktes widmete sich Brett wieder ausschließlich seiner Dame, die er nach beendigtem Theater an ihren Wagen brachte, wobei er ihr für das Vergnügen dankte, daß sie ihm durch ihre Gesellschaft bereitet habe. „O. das Vergnügen war ganz auf meiner Seite,“ versicherte sie lebhaft.„Besuchen Sie mich recht bald wieder.“ Breit verbeugte sich und der Wagen rollte davon Seiner Gewohnheit folgend, musterte der Advokat die dem Theater entströmende Menge. Sein scharfes Auge entdeckte dabei den Inspektor Winter, der, bestrebt, sich den Blicken seines Rivalen zu entziehen, hastig in einem benachbarten Restaurant verschwand. Er ka maber schon nach wenigen Minuten wieder heraus, bestieg einen Omnibus und fuhr davon. „So.“ murmelte Brett, sich eine Zigarette anzündend.„der brave Winter hat mich und das Raleighhaus bewacht. Sollte mich gar nicht wundern, wenn er mich schließlich für den Mörder Lady Destas helte! Gut, daß ich ihn jetzt bemerkt habe; würde mir schlecht passen, wenn sich der dickköpfige Mensch in den nächsten Stunden in meine Angelegenheiten mischen wollte Er wartete einige Minuten, knöpfte seinen Rock zu, drückte den Filzhut tief in die Stirne und schlenderte dann gemächlich dem Bühneneingange des Jollitytheaters zu. Nach einiger Zeit und nachdem sich der größte Teil der Musiker und Theaterbediensteten, entfernt hatten, tauchte auch die Exzose in Begleitung zweier älterer Kolleginnen auf. Sie trug ein grellfarbiges Kostüm und unterhielt sich in überlauter Weise mit ihren Freundinnen, denen sie vorschlug, einen Wagen zu nehmen und bei Scott zu soupieren Sie stand eben im Begriff, einem Kutscher zu winken, als ein gutallssehender Jüngling auf sie zugestüczt kam.„Holla, Millie, wie geht es Dir?" begrüßte er eine der Choristinnen. „Habe ein paar Kameraden mitgebracht, die heute auch frei sind. Wollen wir nicht alle zusammen im Dukes Klub speisen?“ Dies war ein Lokal, das meist nur von der höheren Klesse der Künstler besucht wurde. Die Mädchen stimmten dem Vorschlag hei und so fuhren sie in drei Wagen nach dem Klub Brett gehörte nicht zu den Mitgliedern deeselben, obgleich er oft dort gewesen war. Gr kannte aber einen Mann, der mit allem In Verbindung stand, was das Theater betraf. Billy Sadler, so hieß er, konnte sich rühmen, eine populäre Persön Deutsches Reich. * Detmold, 31. März 1908. — Die Kaiserreise. Beneoia, 30. März. Die Abfahrt der„vohenzollern“, die bei herrlichem Frühlingswetter erfolgte, bot ein prächtiges Schauspiel, das die kaiserliche Familie von der Kommandobrücke aus betrachtete. Vom User, von den Balkons der Hotels und Palä von Gondeln, Motorbooten und Dampfern aus begrü eine große Menschenmenge das Kaiserpaar auf dem— fangsam dahingleitenden Schiff. Als die kaiserliche Jachs den Giardino Publiko erreichte, brachen die Mannschaften der italienischen Kriegsschifse in laute Hurrahruse aus, und die Musik des Kreuzers„Barese“ spielte die deutsche Hymne. Der„Hohenzollern“ folgte der deutsche Kreuzer Hamburg“ und die italienischen Torpedobootszerstörer „Ostro“,„Dardo“,„Freccia“ und„Strale“, die das Ehrengeleit gaben, während das Begleitschiff für die italienischen Gewässer, der Panzerkreuzer„Francesco Ferruccio“ die Spitze bildete. — Der Kronprinz hat an Stelle des Frhrn. v. Trotha, der, wie gemeldet, von seinem Amte zurücktritt, den Grasen von Bismarc=Bohlen zu seinem Hofe marschall ernannt. Graf von Bismarck=Bohlen kleidete bisher den Rang eines Kammerberrn der Kronprinzessin. Für diesen Dienst hat der Kronprinz seinen bisherigen zweiten Adjutanten, Hauptmann von Stülpnagel ausersehen, der bereits Ende April d. J. aus derr Militärdienst ausscheiden wird. — Fürst Bülow in Wien. Wien, 30. März. Der Reichskanzler äußerte sich in einer Unterredung zu einem Mitarbeiter der„Neuen Freien Presse“: Es ist kein besonderer politischer Grund, der mich zur Reise nach Wien veranlaßt hat. Ich beabsichtige bloß, Frhrn. v. Aehrenthal einen Gegenbesuch abzustatten. Selbstverständlich wird bei einer Unterredung zweier Staatsmänner so eng befreundeter Mächte über alle schwebenden politischen Fragen gesprochen. Ich darf mit Freude konstatieren, daß sich eine vollständige Uebereinstimmung in allen Hauptfragen ergeben hat. Die Politik der beiden Mächte betrachtet es als einer ihrer vornehmsten Ziele, die Erhaltung des Friedens und als sicherstes Mittel zur Erreichung dieses Zieles die Aufrechterhaltung des Einvernehmens mit den europäischen Mächten. — Der Fall Hill. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: „Die Kaiserliche Botschaft in Washington ist am Sonntag ermächtigt, dem Präsidenten Roosevelt folgende Erklärung abzugeben:„Die bisberigen Darstellungen des Falles Hill in der ausländischen Presse gehen von der irrigen Auffassung aus, daß in Berlin beabsichtigt sei, das bereits im vorigen Herbst erteilte Agrement für Mr. Hill zu widerrufen. Hieran ist nielichkeit zu sein. Er war der lebendige Neuigkeitsbericht über alles, was vor und hinter den Kulissen geschah, und auch jetzt fand ihn Brett nach einigem Suchen in einem Restaurant mit einem Freunde Whisky trinken. Meiner Treu, Brett, alter Junger, habe Sie ja eine Ewigkeit nicht gesehen!“ rief er dem eintretenden Advokaten entgegen.„Wo haben Sie gesteckt?“ Sind Sie wieder auf dem Kriegspfad?“ Billy Sadler kannte Bretts Passion, geheimnisvollen Kriminalfällen nachzuspüren zur Genüge, war er ihm doch dabei manchmal behilflich gewesen. „Sind Ste beschäftigt?“ stellte Brett die Gegenfrage. „Nichk im geringsten.“ Er verabschiedete sich rasch von seinem bisherigen Gefährten und wandte sich dann wieder zu Brett.„Nun, was ist los?“ „Möchte Sie bitten, mich nach dem Dukes Klub zu begleiten. Es befindet sich dort eine junge Dame, für die ich mich interessiere.“ „Was?“ Sadler zog vor Verwunderung die Augenbrauen hoch.„Sie sind Auter einem Mädchen her?“ „O, es ist nichts Ernsthaftes. Ich werde Ihnen alles erzählen, wenn sich die Geschichte ein wenig geklärt hat. Dies hier ist nur ein Punkt in einer wirklich sensationellen Sache.“ An der nächsten Straßenecke bestiegen sie einen Wagen und fuhren nach dem Klub. Sie betraten die hellerleuchteten Räume und saßen schon nach wenigen Minuten gemütlich in einen Winkel des prächtigen Salons. in dem sich das lustige Künstler völkchen nach vollbrachter Arbeit gütlich tat. Brett erspähte bald den Vogle, den er suchte. Jane Har ding saß inmitten ihrer Freunde und aß, trank und schwatztzu gleicher Zeit.“ „Wer ist bas, Billy?“ fragte Brett leise, indem er auf die Exzofe deutete. Sadlersetz te sein Pincenez auf. betrachtete das Mädchen und erwiderte achselzuckend:„Der Himmel weiß es. Jeden falls ein Neuling und nicht eben von der besten Sorte. HabeSie erfahren, wo sie engagiert ist? „Ai Jollytheater.“ „O, dann werden wir es gleich wissen denn da kommt der rechte Mann.“ Er wies auf einen Herrn, der eben an ihren Tisch vorüberschritt.„Heda, Rosenheimer,“ hielt Sadler ihr auf.„können Sie mir nicht sagen, wer der neue Stern dor drüben ist?“ MEID gedacht worden. Nachtrügl#ch Zweifel darüber entstanden, ob sich Mr. liner Posten wohlfühl worde liner Posten wohlf u. sodaß der Botschaftspof würde, der Entsendung des aftsposten durchaus steht, und er nach wie vor ebenso einwandsfreie Vertreter, den der waren allerdings Hill auf dem Berdiese sind jedoch behoben 9 Nr. Hill auf den Bernichts in Wege nso gut wie jeder andere Präsident Roosevelt empeinwandsfreie Vertreter, den der Präsident Roosevelt empfohlen hätte, in Berlin willkommen is. Es kann nur bestätigt werden, daß der Botschafter Mr. Tower in dieser Angelegenheit in keinem Augenblick von der Linie streng loyalen und korrekten Verhaltens gegenüber seiner und der Kaiserlichen Regierung abgewichen ist.“ — Der Einigungstaris des deutschen Baugswerdes ist von der Redaktionskommission jetzt festgelegt worden. Er enthält folgende grundlegende Bestimmungen. 1. Hinsichtlich der Arbeitszeit haben sich die Parteien dahin geeinigt, daß in allen Orten, wo die Arbeitszeit bis zehn Stunden täglich beträgt, zurzeit keine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten soll. 2. Für Gehilfen, die infolge Alters oder Invalidität in ihrer Leistungsfähigkeit beschrautt sind, für jugendliche Arbeiter, sowie für Junggesellen im ersten und zweiten Jahre nach beendigter Lehrzeit und Legandener Gesellenprüfung kann ein geringerer Loyn durch freie Vereinbarung festgesetzt werden. 8. Akkorvarbeit ist zulässia: die Akkordpreise nuterliegen besonderer Vereinbarung. 4. Für diejenige Zeit, in weicher die Arbeit ruhen muß infolge Material= mangels, Witterungsverhältnisse, polizeilicher Anordnung, Sistierung des Baues durch den Bauherrn, Betriebsstörung der Materialförderungs= Anlagen oder partieller Streiks der auf den Arbeitsstätten beschäftigten Mitarbeiter kann der Arbeitnehmer ebenfalls keinen Lohn bean spruchen. 5. Das Zusammenarbeiten mit anders oder nichtorgantsierten Arbeitnehmern auf ein und derselben Arbeitsstelle darf nicht beaustandet werden. Die Cinstellung und Entlassung von Arbettern steht im freien Ermessen des Arbeitgebers. Jegliche Agitation wäh rend der Arbeitszeit ist verboten. Die Pausen gelten nicht als Arbeitszei, Anders oder nichtorganisierte Arbeiter dürfen in Pausen; sowie vor und nach der Arbeitszeit nicht belästigt werden Der Zutritt zu den Arbeitsstellen ist anderen als den dort beschäftigten Personen ohne Erlaubnis des Arbeitsgebers nicht gestattet. Die Zugehörigkeit zur Organisation darf kein Grund zur Entlassung sein: ebenso wenig darf der Austritt aus einer Organisation vom Arbeitgeber verlangt werden. Arbeitsordnungen dürsen den Vertragsbestimmungen nicht zuwiderlaufen.— Die Separatverträge werden Anfang nächsten Monats beraten. In Berlin treten die beiderseitigen Kommissionen zu diesem Zweck am Donnerstag, den 9. April, zusammen. — Bebel. Vor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Blätter, der Abg. August Bebel sei herzkrank. Es fiel während-- n abend auf, daß lugust Bebel sei herzkrank. reud der Reichstagsverhandlungen am Sonner halb sitzend sprach: auch stellte man ihm dicke Etatsbände und ein Ki erhöhte Lage hätten. Nach Mitteil— Nur Mitteilungen igen sich den„Leipziger N. N.“ zufolge enwerser, der surchtbare Verletzunlizisten verwundet wurden. en niedergetreten und gedamit die Beine eine lungen seiner Freunde btige Anschwellungen.0 bet Rußland. Petersburg, 30. März. Im Ministerium des Innern sind wichtige chiffrierte Depeschen aus Sewastovol ein getrossen. Sie berichteten, daß die Geheimpolizei der Aufdeckung einer neuen, sorgfältig vorbereiteten Revolte der Schwarzmeerslotte auf die Spur gekommen ist. Ein Teil der Rädelsführer ist bereits veraftet; die Verhaftungen dauern noch an. Der Plan der Verschwörer war der, daß die Matrosen eines Panzerschifses nach dem Auslaufen auf hoher Gee die Offiziere und n Kommandeur über Bord werfen, alsdann zurückkehren und die Stadt beschießen wollten, wo die Flottenreserven eine Erhebung unter den Matrosen und den Landtruppen vorbereiten und die Häuser in Brand stecken sollten, um die Verwirrung allgemein zu machen. Wäh rend der Panik sollten dann die hohen Administrativbeam= ten und die militärischen Vorgesetzten teils gesangen, teils ermordet werden, um die Stadt in Besitz der Revolutionäre zu bringen.— In Wladiwostok sollen gleich: Vorbereitungen im Gange sein. Die Revolutionäre sollen dort sogar den teuflischen Plan gesaßt haben, die japanische Flotte unter dem Vorwande des Schutzes der japanischen Staatsangehörigen nach Wladiwostok kommen und die Landung eines starken Truppen kontingents vornehmen zu lassen. Der Sewastopoler Anschlag ist als gescheiter: zu betrachten: in Wladiwostok dauert die Agttation noch fort. Amerika. Newyork, 30. März.(Das Bombenattentat in Newyort.) Ueber Einzelheiten bei dem Anarchisten= attentat in Newyork meldet noch die„Kölnische Zeitung". daß außer dem Bombenwer" gen erlitt, vier Po Viele Personen wurden schlagen. Obgleich surchtbar verstümmelt, sagte Silber ein, der ein Jude ist, er habe die Bombe der Polizei zu gedacht, die ihn neulich angegriffen habe. Eine surchtbare sanik folgte der Explosion. Rasend jagte die berittene Polizei über Platz und Straßen, zerstreute die Hausen, überritt die Arbeitslosen und schlug grausam mit ihren Knüppeln drein. Man glaubte es zunächst mit einem wohlvorbereiteten, anarchisti schen Anschlag zu tun zu haben, da zwei Männer, die der haftet wurden, auch Bomben bei sich hatten. Wenn die Bombe etwas früher geworsen wäre, als noch die Tausen den in Massen den Platz füllten, so wäre ein gräßliches Un glück geschehen: aber der Polizei war es schon geglückt, die größere Masse der Arbeitslosen zu zerstreuen, als Silberstein plötzlich in seinem Laufe innehielt, als eine Abteilung von 20 Polizisten herannahte. Als er den Arm erhob, platzte die Bombe mit fürchterlicher Wirkung. Silberstein st aus dem Transport ins Krankenhaus gestorben. Newyork, 20. März. Bei dem Versuch, in einer der Union Pacific=Bahn gehörigen Kohlenmine von Hanna in Wyoming zwei durch eine Explosion verunglückte Arbeiter zu retten, ereignete sich eine zweite Explosion, durch die die Rettungsmannschaften verschüttet wurden. Man befürchtet, daß alle, etwa siebzig Mann, getötet worden fin. Tages=Neuigkeiten. Magdeburg, 30. März. Amtlich. Heute vormittag wurde von dem von Oebisselde kommenden Personenzug 235 auf dem Uebergange der Rogatzerstraße und Stendaler Bahn bei Bude 3 ein Kohlenfuhrwerk überfahren. Der Geschirrführer wurde sofort getötet und von der Maschine noch 90 Meter weit mitgeschleift. Die Pferde erlitten so starke Verletzungen, daß sie getötet werden mußten. Der Hilfsweichen steller öffnete kurz vor der Durchfahrt des Zuges die Schranken noch einmal, worauf das überfahrene und noch ein zweites Gefährt über das Gleis weiterfuhren. Das zweite Gefährt kam noch glücklich über das Gleis. Der schuldige Weichensteller wurde sofort von seinem Posten abgelöst. Ein Regierungsrat in der Falle. Ein origineller Fall von Freiheitsberaubung beschäftigte in Berlin die vierte Strafkammer des Landgerichts II. Der Anklage lag ein Vorfall zu grunde, bei dem ein Regierungsrat a. D. aus Charlottenburg auf einige Zeit unfreiwillig die Rolle eine Möbelkutschers spielen mußte. Der Kutscher Viktor Spannagel ist in einem bekannten großen Speditionsgeschäft angestellt. Am 9. Januar d. J. hatte er in Gemeinschaft mit einem Möbelträger Pocha und einem Arbetter Dietz von Charlottenburg aus einen Um zug auszuführen. Da an jenem Tage starker Schneefall herrschte, kam der Möbelwagen nur sehr schwer vorwärts. An der Ecke der Bamberger= und Regensburgerstraße war es mit der Kraft der beiden Pferde zu Ende, und sie konn ten, obgleich Spannagel die Peitsche anwendete, nicht weiter. Hierb. soll S., wie der Regierungsrat D. von seinem Genster aus beobachtet haben will, in unmenschlicher Weise auf die Pserde eingeschlagen haben. D. eilte auf die Straße, um sich den Namen des betreffenden Fuhrherrn zu nottezen. Die drei Möbeltransporteure beobachteten dies und umringten den Regierungsrat. Als dieser den Leuten rwürse machle, wurde ihm geantwortet, er solle es besser machen, wenn er es könne. Im nächsten Augenblict fühlte Herr D. in die Luft gehoben und im Handumdrehe. ß der Regierungsrat aus dem Kutscherbock achdem Spannagel ihm die Peitsche und die Zügel in die id gedrückt und ihm eine Mutze auf den Kopf gestülpt tte, wurden die Pferde angetrieben, die auch mit einem *—" gung b aus dieser unfreiwilligen Rolle als Möbelkutscher zu befreien. Während die drei Möbeltrausporteure davonfuhren, fuhr Herr D. in einer Droschke in Begleitung eines Schutzmannes den drei Leuten nach. An der Schöneberg= Wilmersdorfer Grenze erklärte ihm der Schutzmann, daß er aussteigen musse, da er in Wilmersdorf keine Machtbefugnis mehr habe. Dem Regierungsrat blieb nichts weiter übrig, als den Möbelwagen allein weiter zu verfolgen. Die Staatsanwaltschaft erhob nicht nur geden Spannagel, sondern auch gegen Pocha und Dietz eine Anklage wegen Freiheitsberaubung. Gegen Dietz, der nicht ermittelt werden konnte, mußte das Verfahren eingestellt werden, gegen Pocha, der schwer krank ist, wurde die Sache vertagt. Das Gericht erkannte gegen Spannagel mit Rücksicht darauf, daß es sich um eine schwere Ausschreitung handele, auf drei Monate Gefängnis. Reicher Gegen. Der Klapperstorch meinte es mit der Familie des Fabrikarbeiters Münnich in Osterfeld bei Recklinghausen zweifellos sehr gut(?), denn jetzt brachte er ihr zum dritten Male ein Zwillingspaar von Jungen. In den letzten Jahren war er einmal mit einfachem und zweimal schon mit doppeltem Gepäck dort eingekehrt und hatte jedesmal Knaben gebracht. Da der glückliche Vater jetzt sieben hat, so will er bei einem der letzten Zwillinge den Kaiser bitten, Taufpate zu werden. Auch das„Lichtenhainer“ soll teurer werden. Das „Nationalgetränk“ der Jenenser Studios und Bierphilister, das in Lichtenhain, Ziegenhain und anderen Bierdörfern der Umgebung gebrauchte Lichtenhainer Bier, das auch weithin nach Thüringen und Sachsen versendet wird, und je nach der Qualität der Lokale zum Preise von 12 bis 15 J verkauft wurde, soll jetzt im Preise erhöht und nicht unter 15 4 das Liter abgegeben werden. Pessimisten fürchten einen furchtbaren Bierkrieg. Der 290 Millionen=Krach in Paris. Man schreibt aus Paris unterm 24. d. Madame Therese Humbert ist über troffen. Sie schwindelte nur 100 Millionen zusammen. Henri Raoul Rochette, 29 Jahre alt, früher Groom im Bahnhofs restaurant zu Melun, dann Kellner, heute Generaldirektor von zwanzig Banken, Minengesellschaften usw., brachte es auf 20 Millionen. Er sitzt zur Stunde hinter Schloß und Riegel, sein. 400 Angestellten auf der Straße, wo die Gläubiger und Aktio näre Ach und Weh schreien. Vor ein paar Tagen erhielt Ihr Korrespondent, wie wohl noch hunderttausend andere in Paris lebende Menschen, die Wohnungssteuer zahlen, ein elegantes Briefchen, in dem er höflich daran erinnert wurde, acht Wochen vorher ein ähnliches Briefchen erhalten zu haben. Aktien der Hella=Glühstrümpfe zu kaufen; damals hätten diese Aktien 100 Franks gekostet, heute stünden sie auf der Börse im hohen Kurs von 400 Franks und in ein paar Wochen würden sie 500 Frank erreichen. Wie dumm! Wieder einmal eine Gelegenheit ver saumt, aus einem Hundertfranksbillet vier zu machen, ohne sich den Kopf zu zerbrechen.... Wer ist der freundliche Mann, der so glänzende Ratschläge erteilt?„Credit Minienr Industrie!". steht auf dem Briefbogen gedruckt. Was hat eine Bergwerks gesellschaft mit Glühstrümfpfen zu tun? Deren Administratoren sind in Paris schon oft auf anderen Socken davon ge lausen, wenn der Boden zu glühend heiß wurde... Das Briefchen empfiehlt neuerdings Aktien ein. Societe du Buisse#n Hella. Ueberschlasen wir lieber einmal die Sache, bevor wir mit dem unterzeichnenden Monsieur Nochette das bare Geld in die Hände schütten. Erwacht liest man in der Morgenzeitung. daß Monsieur Nochette arretiert wurde u. daß der Credit Mi nier Industriel geschlossen wurde. Man freut sich seiner be onderen Klugheit, nicht auf den Leim gegangen zu sein und hat ein überlegenes, mitleidiges Achselzucken für die Dummen, die nicht alle werden.... Der Held dieses Finanzromans wurde, wie gesagt, aus Melun bezogen; dort kam er am 21. April 1878 zur Welt und verdiente seine ersten Groschen ehrlich als Laufjunge d. Bahn hofsrestauranto. Zum Kellner avanciert, machte er eine kleine Erbschaft, die in ihm den Plan aufkommen ließ, Paris zu erobern. Da er seine paar tausend Francs in die Bank eines Herrn B. steckte, erhielt er dort eine kleine Anstellung und zeigte sich bald so anstellig, daß er ihr höchster Beamter war. als Herr B. wegen betrügerischen Bankerotts die Flucht ergriff Rochette war der einzige, der bei diesem für ihn ungemein lehrreichen Zusammenbruch nichts verloren zu haben scheint; im Gegenteil, es gelang ihm, mit Hilfe einiger der Gläubiger eine der„Gründungen" des flüchtigen Bankiers fortzusetzen. die spanischen Kupfergruben„Rio Tonido“. Obschon dieser „Nio Tonibo“ eine recht fabulöse Sache war, gelang es Rochette, mit ihm eine Gesellschaft„Mines de Nerva“ zu bilden die ein Aktienkapital von 20 Millionen Franks hatte! Das war der Anfang. Innerhalb drei Jahren„lancierte“ er dann die folgenden Gesellschaften: Credit Minier Industriel. An angskapital 550 000 Franks, seitdem auf 3 Millionen Franks erhöht; Charbonnages de Lavirana. Kapital 2 Millionen: Charbonnages de Carbava 500000 Franks. Mines de Liat 2 Millionen, Mines du Val=d'Aran 2 Millionen. Syndicat Minier 2¼ Millionen, im Juni 1907 unter Aufsaugung der Mines du Liat und u Val=d'Aran auf 10 Millionen erhöht Banque Franco=Espagnole 20 Millionen. Union Franco=Belge 2½ Millionen; Mines de la Nerva 20 Millionen: Pecherie: d Jolande et du Marce(Fischereigesellschaft) 1 Million; die tägliche Zeitung„De Financier“ 2 Millionen; Societe du Manchon Hella 4¾/ Millionen: Societe du Buisson Hella 13 Millionen!!! Insgesamt wurden also 80 Millionen für diese Gesellschaften eingezahlt. Aber auf der Börse stiegen die Aktien wie durch Wunder. Die Hella Glühstrümpfe stiegen vorgester bis auf 500 Francs die„engrisch“, herausgegebene Buisse: Halle zu zehn Shillings stand schon auf 58 Francs, die Aktie des Syndicat Minier war von 100 auf 200 Franks gestiege: usw., so daß alle Aktien, die Rochette lanciert, vorgestern eine Wert von über 200 Millionen haben sollten— bis die Regie rung der Justiz den Befehl gab, die„Bude“ zu machen. D. gab es einen fürchterlichen Sturz aller Rochette Papiere; die Glühstrümpfe Hella fielen auf 80 Franks, die Buisson=Hella auf 8 Franks, das Syndicat Minier auf 60 Francs, die Banque Franco-Espagnole von ihren stolzen 324 auf 50 Franks, die Mines Nerva von 25 auf 3 Franks, die Charbonnages de La vinia von 109 auf 20 Frank....! An der Pariser Börse rief die Verhaftung des kühnen Finanziers immerhin eine gewisse Erregung hervor, da die meisten von Rochette geschaffenen Pa piere auf dem Kassamarkt der Kulisse gehandelt werden. Diese waren vorübergehend ganz unverkäuflich u. schlossen nomine!! mit sehr ansehnlichen Einbußen. So fielen die Aktien deSyndikat Minier von 200 auf 40 Franks, die der Banau Franco=Espagnole von 324 auf 60, die der Nerva von 25 an 3. die der Manchon Hella von 541 auf 80 und die der Buisso: Hella von 50 auf 8 Francs usw. Eine gewisse Anzahl von Ku lissenhäusern, mit denen Rochette in regem Geschäftsverkeh sand, ist durch diesen Krach in Mitleidenschaft gezogen worden — Wenn die Untersuchung gegen Rochette nicht neue Bewe# für die Schuld des verhafteten Finanzmannes bringt, wird de Prozeß auf ziemlich unsicherer Grundlage ruhen. Die gester erfolgte Aufnahme der Bestände hat einen baren Geld vo rrat von zwanzig Millionen Francs er geben, wozu noch die angeblich nicht geringen Beträge d. Pro vinzkassen hinzukommen. Von Büchersälschungen oder Ver schleierungen wissen die Zeitungen nichts zu berichten, woh aber erheben sich immer mehr Stimmen, die von einer vor eiligen Verhaftung sprechen. wele anzogen und den Wagen in Bewegung brachten. Mit eler Mübe gelang es dem Regierungsrat schließlich, sich Stadt und Land. Detmold, 31. März. * Die Post im Sommerhalbjahr. Ab 1. April während des Sommerhalbjahrs werden die Postschalter bereits um sieben Uhr geöffnet. * Personalien. Reserendar Dr. Ebert in Detmold ist an das Oberlandesgericht in Celle versetzt worden.— Der Ober= und Geh. Regierungsrat Lehmann, Mitglied der Kal. Eisenbahndirektion zu Hannover, wurde zum Präsidenten der Agls Eisenbahndirektion in Essen a. R. ernannt. * Militärisches. Die Herbstmanöver des VII. Armeekorps werden dem Vernehmen nach in der Gegend Hersord=Detmold=Bielefeld stattfinden.— Das in diesm: Sommer beim VII. Armeekorps zusammenistellen Meserve=Insanterie=Regiment übt om 14.s 27. Mal d. J. auf dem Truppenübungsplatz Teiine. * Von der Leilanstalt Lindenhaus. Der Hauptvoranschlag nun staatlichen Heil= und Pflegeanstalt Lindenhaus schließt für 1908-09 wie folgt ab: Zentrale: Einnahme 223 366 M, Ausgabe 223 150 JA. bleibt Bestand 216 J. Die Einnahmen aus Verpflegungsbetträgen sind darin mit 181 700 M angegeben An Gehalten und Pensionen werden 19 260 A ausgegeben, für de Beköstigung 95.000 cA. Der„Nebenvoranschlag für das Koloniegut Entrup“ enthält an EinzAhmen 47170 A(darunter 14000 M aus der Milchwirtschaft, xr. 280 Liter jeden Tag à 14 4. 10 300 M. Ertrag von 90 Schffs. Roggen, 6 Schfis. Weizen und 50 Schfff. Kartoffeln). Die Ausgaben sind mit 43390“ veranschlagt, sobaß ein Gewinn von 1780 A herauskommen wurde.(L. P.) Die Ideale des deutsch=evangelischen Bundes in der Frauenbewegung war das Thema, das die Vorsitzende dieses Bundes, Frl. Paula Müller aus Hannover ihrem Vortrag zu Grunde gelegt hatte. Seit dem Jahre 1865 finden wir die Spuren der Frauenbewegung, welche auf humanem, nicht konfessionellem Grunde sich aufbauten. Die rechtliche und soziale Lage der Frau zu heben und zu verbessern war das Ziel dieser Bewegung. Leider wurde dieselbe allmählich von radikalen und jüdischen Einflüssen überflutet und es zeigte sich die Notwendigkeit der Gründung eines positiv evangelischen Frauenbundes, der als 2. Paragraphen ihrer Skatuten d. Evangelium aus dem Worte Gottes als Richtschnur und Fundament seines Strebens und seiner Ideale legt. Im Jahre 1899 wurde der evangelische Frauenbund gegründet; u. aus den ersten kleinen Anfängen jener ersten Konferenz in Kassel ist,— wir dürfen uns dessen dankbar freuen,— ein Verein mit 87 Zweigvereinen entstanden. Einige Jahre später,— 1903, wurde ein deutscher kthölischer Frauenbund gegründet, der Hand in Hand mit dem evangelischen arbeitet. Unsere Ideale sind, die wirtschaftliche, rechtliche und soziale Stellung der Frau zu heben, wie sie für unsere hastende, flutende Zeit mit der Notwendigkeit des Erwerbslebens der Frauen mit sich bringt. Wohl nichts hat den Wert der einzelnen Persönlichkeit so sehr betont und in den Vordergrund gerückt, wie das Evangelium. So fordert schon dieses von uns viele Pflichten und Arbeit im täglichen Leben zum Besten des Einzelnen. Aber sollen wir neben der Mosaikarbeit immer wiederkehrender, kleiner, sorgender Pflichten im Verborgenen für den Einzelnen getan, nicht auch versuchen, im weitherzigen, großzügigen Geist des Evangeliums die Gesamtlage und die sozialen Verhältnisse günstiger zu gestalten? Es liegt uns völlig fern, für irgend eine Nichtung oder Konfession der evangelischen Karche parteipolitische Arbeit zu tun; wir lassen uns aber bestimmen und auch begrenzen gegenüber den Forderungen der radikalen Frauenbewegungen durch das Evangelium. Wir können für die Frau nicht Rechte haben wollen, die der Gesamtbevölkerung unseres deutschen Vaterlandes schadeten:— Wir haben viele ernste Gegner, von der Linken, von der wir prinzipiell durch ihre Forderung des Frauenstimmrechts und des Mutterschutzes geschieden sind. Was würde aus unserem Staatsleben werden, wenn wir politisch unreifen Frauen mit an die Wahlurne treten! Würde nicht das Zentrum und die Sozialdemokratie dank ihrer Organisation vornehmlich an Stimmen zunehmen? Es ist vielleicht einer späteren Zeit vorbehalten, das Frauenstimmrecht als ernste Forderung auch auf das Programm des evangelischen Frauenundes zu st##en. Laßt uns erst arbeiten an den uns jetzt gestellten Aufgaben, daß wir reifer werden für die Aufgaben anderer Zeiten. Auch die Forderung des Mutterschutzes ist von der Linken stellt. Soll uns das Mitleid mit einzelnen unglücklichen Kindern zu einer Verschiebung unserer sittlichen Grundbegriffe führen, die das Familienleben untergraben und uns die ohnehin schon so große Zahl jener unglück lichen Kinder vervielfachen? Rein. in der Bibel sind uns die Grundforderungen sittlichen Lebens und Denkens gegeben. Laßt uns sie ganz zu unserm Eigentum machen, dafür eintreten durch unser eigenes Leben und in der Oeffentlichkeit. Es gilt hier das Wort:„Mitleid gegen den Täter aber Strenge gegen die Tat.“ Unsere Gegner von der Rechten aus ernsten christlichen Kreisen können wir etwa in 3 Gruppen zu sammenfassen. Wir haben zu kämpfen gegen die Gleichgültig keit derer, die in ruhigem Familienleben aus sich selbst und ihrem satten Glück leben, ohne sich zu kümmern um das Wohl und Wehe d. Nächsten.„Soll ich meines Bruders Hüter sein?" ist oft die Devise solcher Egoiestn, die je und dann durch die Not der eigenen erwachsenen Töchter, Richten oder sonstiger Verwandtne aus der Ruhe aufgeschreckt werden und dann die Berechtigung, ja die Notwendigkeit der Frauenbewegung erkennen und ihren Segen genießen.— Andere machen uns den Bodwurf, daß wir uns auf soziales Gebiet begeben, wo doch Jesus, unser Meister, kein soziales Programm aufgestellt hat Nun. Jesus hat in seiner Zeit der Not gewehrt und die Elenden befreit von ihrer Last; sollen wir in unserer Zeit sicht dasselbe tun?— Und drittens sind viele ernste Menschen abgestoßen durch die Unweiblichkeit einiger unreifen und taktlosen Trägerinnen unserer Sache. Sollen wir darum die Sache senlbst verwersen? Sollten wir nicht vielmehr streben, daß in sich selbst gefestigte, abgeklärte Persönlichkeiten jene unreisen Elemente zur Seite schieben? Laßt uns ein wachsames Auge auf uns selbst haben, daß wir fest stehen in den Idealen, die uns das Evangelium vor die Augen stellt, daß wir festge gründete christliche Persönlichkeiten seien! Wohl ist es be quemer, zu Hause zu bleiben, als kämpfend und für andere soraend in der Offentlichkeit zu stehen. Aber sollen wir darum zagend zurückstehen? Wir fordern für die Frauenwelt eine lefere, grundlichenre Geistesbildung, die sie befähigt, das, was n ihrer Seele lebt, zu verstehen und die Dinge um sie her mit klarem Geist zu erfassen. Wir fordern die Bildung. die zu hrem Erwerbsleuben nötig ist.„Erkenntnis und Wissenschaft st nicht an ein Geschlecht gebunden“ sagt Helene Lange. Es rennt uns mit Freude, daß an maßgebender Stelle diese rorberung unverändert anerkannt wird, daß bei der Beratung der deutschen Mädchenreformschulen neben den 22 Männern uch 22 Frauen Sitz und Stimme hatten. Wir fordern in der Gesetzgebung Berücksichtigung der weiblichen Tätigkeit, wie sie in den letzten Jahren auf so vielen Erwerbsgebieten der Frau neu erschlossen ist. Es gibt in Deutschland 1 Million Frauen mehr als Männer und die Statistik zählt 6 Millionen Frauen und Mädchen, die selbständig im Erwerbsleben stehen. Wir begrüßen es mit Freude und Anerkennung, daß da, wo es sich um das Wohl der Frauen und Kinder handelt, immer mehr Frauen im öffentlichen Leben sich beteiligen und beratende Stimme haben und es ist unsere Pflicht, dies Gefühl der Ver ntwortlichkeit in uns und in immer weiteren Kreisen zu tärken, der Verantwortlichkeit, die jeder einzelne für die Ge samtheit trägt. * Der Lippische Tierschutzverein(Detmold) hielt am Sonnabend abend seine diesjährige Versammlung im Arminiushotel ab. Der Verein hat auch im vorigen Jahre wieder eine reiche Tätigkeit entsaltet, so hat er wieder durch Wort und Schrift im Interesse des Tierschutzes gesorgt. Es sind im verjangenen Jahre 18 Anzeigen wegen Tierquälerei mit Erfolg zur Anzeige gebracht, dafür wird der Verein Prämien mit ins gesamt 45 Mk. zahlen. Es wird beschlossen, in diesem Jahre den Kutschern Heinrich Lücke(Hauderei Rosemeier) und Funke bei Hof=Maurermeister Baumann ein Geschenk zu machen in Anerkennung der musterhaften Behandlung, die sie in den langen Jahren ihren Pferden haben zuteil werden lassen. Für den nächsten Winter sollen versuchsweise 6 automatische Futterkasten für 13.50 A zur Aufstellung gebracht werden. Von einer Hebung der Beiträge ist im vergangenen Jahre abgesehen, da noch Mittel genügend vorhanden waren. In diesem Jahre soll die Hebung im Oktober erfolgen. Der augenblickliche Ver mögensbestans ist auf der Sparkasse angelegt. Statutengemäß wurden zwei Vorstandsmitglieder und zwar die Herren Burg sard und Quentin zum Ausscheiden ausgelost und durch Zuruf wiedergewählt. Er wurde in Anregung gebracht, im Lause des Jahres häufiger gemütliche Versammlungen der Freunde des Tierschutzes zu veranstalten Der Vorstand verspricht, dem Wunsche nachzukommen. 1 Der ostafrikanische Löwen= und Tigerzirkus war am Sonntag(3 Vorstellungen) sehr gut besucht. Die Vorführungen der dressierten Löwen und Tiger wurden vom Publikum mit großer Spannung verfolgt. Besonders die Abendvorstellungen in der die Fütterung stattfand, war sehr interessant. Wir machen auf die noch stattfindenden Vorstellungen aufmerksam * J u n g f r a u e n v e r e i n. V o n s t i l l e r, t r e u e r A r b e i t z e u g t e das Jahresfest, das der Jungfrauenverein am Sonntag in der Paulinenanstalt feierte. Die Leiterin desselben, Fräulein Adrant, die nun schon über 20 Jahre in unermüdlicher Treue jeden Sonntag nachmittag die jungen Mädchen um sich versammelt, hat auch in diesem Winter viele hübsch: Istimmige Lieder mit ihnen eingeübt, zum Teil eigener Komposition, durch Vorlesen guter Erzöhlungen und Lebensbilder und wissen##werter Artikel Herz und Gemüt erfreut und durch innige biblische Besprechungen den Heiland bekannt zu machen gesucht. In seiner Ansprache am Jahresfest lub Herr Pastor Werdelmann 3 Punkte hervor, 1. daß der Heiland jeden Menschen kennt in seinem innersten Denken und Trachten, Msünschen und Hoffen, Fragen und Zweifeln, Wollen und Ringen. 2. daß der Herr sich den Seinen, die auf seine Stimme hören, bekannt geben will, ihnen selbst zum Heil und 3. daß wir durch unser Wort und noch mehr durch unseren Wandel in stiller Pflichttreue, Zufriedenheit, Willigkeit und Dienstbereitschaft erkennen sassen sollen, daß das Evangelium eine Kraft Gottes ist, unsere Herzen ganz neu zu machen. In tätiger Liebe hat sich der Jungfrauenverein bewiesen durch die Stistung eines Fensters für die neue Kirche und durch kleinere Sammlungen unlei den und durch die 61 Mitgliedern. Möchte der Jungfrauenverein noch vielen Mädchen zum Segen und ihnen eingeistige Heimat sein * Lippischer Motorfahrerverein. Die Generalversammlung findet am Sonntag, den 5. April nachmittags 3 Uhr im Hotel Reichskrone in Lage statt. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Bericht über die Gauversammlung in Dortmund betr. Benzin, Organisation. 3. Gemeinsamer Bezug von Benzin. 4. Einrichtung von Benzinstationen. 5. Sportliche Veranstaltungen für das laufende Jahr. 8. Hebung der Jahresbeiträge(a 8 Mk.) 7. Aufnahme neuer Mitglieder. 8. Verschiedenes. * F ü r s t l i c h e s T h e a t e r. D e r a m M i t t w o c h a l s „ohengrin“, gastierende Hosopernsänger Herr Otlo Lähnemann vom Königl. Hoftheater in Kassel hat seine Ausbildung bei der bedeutenden Konzert= und Opernsängerin Frau Marie Herßer=Deppe genossen. Frau H. D. stammt aus der Detmolder Familie Deppe, deren künstlerischer und musikalischer Ruhm zu bekannt ist, um Worte darüber zu sagen.— Herr Lähnemann bringt also dieselbe Schulung mit wie beispielsweise der Heldentenor Ernst Kraus der Berliner Hosoper. Ferner können wir berichten, daß Herr L. nach Ablauf seineVortrages mit dem Kgl. Theater in Cassel von Exzellenz von Hülsen persönlich auf 5 Jahre an das Königl. Opernhaus in Berlin verpflichtet wurde. Unlängst gastierte Herr Lähnemann als„Lohengrin“ am Hoftheater in Hannover, und man schrieb dort u. a.: Hosopernsänger Lähnemann überraschte durch eine geradezu ideale Verkörperung der Figur des Schwanenritters. Die Auffassung des Künstlers, einen auf fallend jugendlichen Lohengrin auf die Bühne zu stellen, erwies sich höchst vorteilhaft. Allerdings war dieser Lohengrin Jüngling bei all seiner strahlenden Jugend, seiner fast heiteren Frische von edelster Würde; ein jeder Zoll der gertenschlanken Gestalt verriet die vornehme Abstammung. Lähnemanns Stimme ist ebenso jugendfrisch wie seine Erscheinung, ebenso sieghaft in ihrer Wirkung. Sie hat eine prachtvolle Höhe, ist in der Kantilene von einer entzückenden Weichheit, vermag aber auch überall da, wo es notwendig ist, machtvolle drama tische Akzente zu geben.— Für die Lohengrin=Chöre hat die Direktion einige Chorkräfte vom Hoftheater in Cassel herangezogen und für das erkrankte Frl. Geßner wird Ersatz von auswärts gesucht.— Freitag gelangt die Lustspielneuheit N... n bewegung zur Aufführung. * Ceneralversammlung des„Detmolder Männerchors“ findet morgen(Mittwoch, den 1. April) abends 8½ Uhr. im Vereinslokale statt. A. a. soll ein definitiver Vorstand ge wählt werden, und machen wir die Mitglieder des„Männer= chors“ an dieser Stelle auf die im Inseratenteil enthaltenen Tagesordnung aufmerksam. * Z i e g e n= A u s s t e l l u n g. D i e g e s t e i g e V e r s a m m l u n g d e s Lageschen Ziegenzucht=Vereins beschäftigte sich insbesondere mit der am Sonntag, 31. Mai in Lage stattfindenden Ziegenzucht=Ausstellung. Zu dieser Ausstellung kann jedes Mitglied eines Ziegenzucht=Vereins eins seiner Tiere schicken. Die Ziegen werden in verschiedene Gattungen geteilt und werden davon die besten Tiere mit Preisen und Anerkennungen bedacht, jedoch müssen die Ziegen 4 Monate lang im Besitz des Ausstellers sein. Als Preisrichter sind die Herren Tierzuchtinspektor Topp in Münster, sowie Tierarzt Dr. Bierihen und Direktor v. Thun in Lage auserseehn. * D e u t s c h e K o l o n i a l g e s e l l s c h a f t, A b t e i l u n g L i p p e. Auf die heute abend 7½ Uhr stattfindende Generalversammlung und den um 8½ Uhr beginnenden öffentlichen Vortrag mit Lichtbildern des Hauptmanns Füßlein über„Wirtschaftliches aus Südafrika", im Saale des Lippischen Hofes machen wir unsere Leser hierdurch nochmals aufmerksam. m= Hiddesen, 31. März. Die vom„Hiddeser Dorfverein“ einberufene öffentliche Dorrversammlung war wieder gut besucht. Der Vorsitzende verlas die von der Regierung eingelaufene Antwort auf die Eingabe wegen Schaffung einer Gehbahn von Hiddesen nach Detmold. Es wurde eine Kommission aus 3 Herren ernannt, die beauftragt ist, genaue Kostenanschläge auszuarbeiten, mit den Grundbesitzern Vekhandlungen einzuleiten um erneut Eingaben mit dem gesamten Material an Fürstlche Regierung und an den Landtag zu richten. Es wurde von allen Seiten betont, daß es ein wesentliches Landesinteresse sei, eine Gehbahn von Detmold über Hiddesen bis an den Wald zu schaffen, da ein großer Teil des Touristenverkehrs diesen Weg nehme. Die Unterstützung des Vereins im Landtag durch den Abgeordneten Rautenberg wurde mit Dank quittiert.— In der später stattfindenden Sitzung des Hidbeser Dorfvereins wurden eine Reihe wesentlicher Beschlüsse gefaßt, wie überhaupt die ganze Sitzung äußerst anregend und harmonisch verlief. Es wurde beschlossen, mit der Drucklegung des Prospektes zu beginnen und die Mittel hierfür sowie für Anzeigen des Luftkurorts Hiddesen in holländischen und deutschen Zeitungen bewilligt. Ferner wurde ein Wohnungsnachweis für die Saison ge gründet, der die Fremden rasch über Wohnungen und Preise unterrichten soll. Der Teutoburger Wald=Verein soll gebeten werden, am Maiwege und sonst in der Nähe von Hiddesen mehr Bänke aufzustellen. Endlich machte der Verein auch auf dem Gebiete der ländlichen Wohlfahrtspflege einen schönen Schritt voran, indem er beschloß, eine Volksbücherei zu begründen, die jedermann gute deutsche Litteratur gegen geringe Leihgebühr zur Verfügung stellen soll. et. Schötmar, 31. März. Am Sonntag nachmittag fand im Hotel Korf eine außerordentliche Generalversammlung des Ortskrankenkasse statt. Die Wahl von 8 Vertretern für Arbeitgeber und von 16 Vertretern für Arbeitnehmer ergab folgendes Resultat: Arbeitgeber: Fabrikant A. LinnemannSchötmar, Fabrikant Fraas=Schötmar, Bäckermeister A. Haarmann=Schötmar, Zimmermeister Fr. Kramer=Schötmar, Zimmermeister S. Frodermann Schötmar, Zimmermstr. LöhrLockhausen, Friseur C. Hebrok=Schötmar, Maurermeister Kortfunke=Wülfer und Müller Schnelle=Hündersen; als Arbeit nehmer: Fr. Löhr, Polizeidiener Gronemeier, A Wilmbusse, Bredehorn, Edler, sämtlich in Schötmar; H. Brand= Knetterheide. E. Wagner=Heerserheide, Steinkamp=Ehrsen, HageEhrsen, H. Koch=Ahmsen, H. Spilker=Nienhagen, W. Schmidtpott=Werl, W. Reker=Lockhausen, Fr. Ortmann=Schötmar, Polizeidiener Limberg=Wüsten und Fr. Linke=Breden. Alsdann sand ie Generalversammlung der gewählten Vertreter statt. Punkt 1 Rechnungsablage. Es ist ein geringer Ueberschuß zu verzeichnen. Die stets wachsenden Ausgaben für Aerzte und Apotheker und die stets wachsenden Entschädigungen an Wöchnerinnen veranlassen die Kasse in Zukunft die Beiträge zu erhöhen. Punkt 2. Die Kosten für Plombieren der Zähne wird die Kasse in Zukunft nicht tragen. Es soll mit den Zahntechnikern Rücksprache betr. Zahnziehen genommen werden, zwecks eines neuen Vertrages; jedoch muß der Extraendgelt für schmerzloses Ziehen selbst bezahlt werden. Sodann wurde bekannt gegeben, daß der Prozeß gegen Unkenbold zugunsten der Kasse ausgesallen sei. * Schölmar, 31. Mäiz. Der Bürgerverein hält seine Hauptversammlung am Freitag, den 3. April 1908, abende 8½ Uhr im Odeon ab. Tagesordnung: 1. Verlosung. 2. Versicherung gegen Hagel. 3. Bewilligungen. 4. Rechnungsablage. 5. Vorstandowahl. 6. Verschiedenes. * Schötmar, 31. März. Am Mittwoch, den 1. April. soll wie alljährlich beim Bismarckturme auf dem Vierenberge eine Bismarck=Gedenkfeter stattfinden. An alle patriotisch gesinnten Männer ergeht die Aufsorderung, an der Feier teilzunehmen. Sammelpunkt Gastwirtschaft Hollenstein gegen 7 Uhr abends. * m Lemge, 30. März. Die Eheleute Fritz Führing im Pahnsiek feierten gestern das Fest der silbernen Hochzeit. Ebenso heute die Eheleute Friedrich Brethauer auf der Knopheide. Wir gratulieren bestens. * Lage, 30. März.(Konfirmation). In dem ersten Pfarrbezirk wurden gestern 9 Mädchen und 14 Knaben, im zweiten Pfarrbezirk 23 Mädchen und 20 Knaben konfirmiert. * Oerlinghausen, 30. März. Hier fand in Hotel Kiffe eine Versammlung lippischer Stenographen statt, die aus allen Teilen Lippes sowie auch Westfalen zahlreich besucht war. Herr Mittelschullehrer Mohrmann=Biele seld hielt einen Vortrag über„den Nutzen der Stenographie“. Er streifte in großen Zügen den Wert und Nutzen der Stenographie in jedem Gewerbe. Großer Beifall wurde dem Redner ür seine interessanten Ausführungen zuteil. Nachdem noch andere Redner gesprochen hatten, fand die Gründung des Gabelsberger Stenographen=Vereins Oerlinghausen statt. Herr Diekmann=Bethel bei Bielefeld hatte einen Kursus geleitet, und 15 Personen daran teilnahmen. Die Auszeichnung im Schön= und Korrektschreiben hatten folgendes Ergebnis: 1 Preise: Fräul. Anna Rose: Frl. Anna Diekmann; Herr Aug. Korte; Herr Alb. Schütte. 2. Preise: Frl. Anna Wegescheid; Herr Gust. Witte und Herr Aug. Sepp. Lobende Anerkennung erhielten: Frl. Hilker und Martha Mußmann. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusammen: 1. Vorsitzender Herr Schütte; Kassierer: Gustav Witte; Schriftführer und Bibliothekar: Herr Korte. Aus der Nachbarschaft. Petersbung am N. J. M. Arest nach Triest gereis * Bückeburg. 30. März. Der neue kommandierende Gens= und von dort nach Moutenegro. Der Kaiser begrüßte ral des 7. Armeekorps von Bernbardi wird am Donners= den Fürsten herzlich und blieb 20 Minuten mu ihm allein. das Tägerhataillon zu besichtigen. Die Hierauf wuroe er erst der Familie vorgestellt. Der verlietz die Jacht„Hohenzollerr“ ers grger, 11,, wieder tag hier eintreffen, um das Jägerbataillon zu besichtigen. Die diesjährigen Kompagnievorstellungen werden am Freitag Sonnabend im Beisein des Kommandierenden inden. Nachdem der Berliner Willy Techmer am 22. d. M. in Forst das Hauptfahren, Handicap und Prämienfahren überlegen gewinnen konnte, fügte er diesen Siegen am 29. er. in Steglitz einen weiteren hinzu. Er siegte im Prämienfahren wiederum auf seiner leichtlaufenden Brennavor=Maschine. Letzte Nachrichten. Berlin, 31. März. Wie die„Bossische Zeitung" hört, findet die Nevision des Moltke=Harden=Prozesses vor dem Reichsgericht am 3. Mai statt. Petersburg, 31. März. In der vergangenen Nacht wurden in fast allen Stadtteilen Haussucungen vorgenommen, wobei zahlreiche Personen verhaftet wurden Man hat eine neue revolutionäre Organisation entdeckt. Unter den Verhafteten befinden sich viele Nach der geschäftlichen Abteilung fand dann Frauen. ein gemütliches Beisammensein der Stenographen aus Lippe statt. Herr Diekmann will in nächster Zeit den zweiten Unterrichtskursus eröffnen und nimmt jedes Vereinsmitglied An meldungen hierzu entgegen. Wir wünschen dem stattlichen „Gabelsberger Stenographenverein Oerlinghausen“ ein weite res Wachsen, Blühen und Gedeihen.„Gut Schnell!“ (L. Vz.) eu. Wüsten, 31. März. Der hier seit einigen Jahren angestellte Landbriefträger Fritz Prüßner ist zum 1. April als Postschaffner befördert worden und zugleich nach Detmold ver setzt. Die Stelle des Landbriefträgers Prüßner ist dem jetzt angestellten Landbriefträger Buschmeier von Bielefeld über tragen worden ef. Wiembeck, 30. März. Die Handwerkerinnung mfür Kluckhof und Umgegend hielt gestern nachmittag 4 Uhr hier in der Gastwirtschaft des Herrn Schmitz eine Versammlung ab. Als 1. Punkt der Tagesordnung wurde die Wahl eines neuen Obermeisters vorgenommen. Der bisherige Ober meister H. Schafmeister aus Wiembeckerberg, hatte Fortzugs halber sein Amt niedergelegt. Als neuer Obermeister wurde Herr Schmiedemeister Fr. Biermann aus Kluckhof gewählt, der aber die Wahl ablehnte. Hierauf wurde Herr Zimmermann F. Brinkmann aus Kluckhof gewählt. Nachdem dann noch der stellvertretende Obermeister Biermann und der Rechnungsführer Henjes aus Bergkrug durch Akklamation wiedergewählt waren, wurde zu einer Besprechung über Meisterprüfungen übergegangen. Hier sei besonders hervorzuheben daß die Ge bühren von 30 Mark für eine Meisterprüfung für unsere ländlichen Verhältnisse als allgemein zu hoch erachtet wurden, be sonders bei den Hausschlachtern, die doch nur im Winter eine kurze Zeit in ihrem Gewerbe tätig sind. Für diese sei der Betrag von 30 Mark sehr drückend. Es wurde darauf der Beschluß gefaßt, an die Handwerkskammer einen Antrag auf Ermäßi gung zu stellen. Sodann wurde Rechnung abgelegt und Bei träge entrichtet. Hierauf wurde zum letzten Punkte der Tages ordnung„Verschiedenes" übergegangen. Es wurde von einem Mitgliede Klage geführt wie einem Bäckergesellen, welcher vorschriftsmäßig seine Gesellenprüfung vor einem Prüfungs ausschusse der Handwerkskammer abgelegt und mit„Gut" besanden hatte, von verschiedenen Bäckermeistern in Detmold und Lemgo Arbeit verweigert wurde unter der Begründung. daß seine Prüfung ungültig sei. Er wurde sogar aufgefordert bei einem Meister nochmals eine Zeitlang nachzulernen. Die Prüfung war jedoch gesetzmäßig u. von der Handwerkskammer bestätigt. Als nächster Versammlungsort wurde Wahmbeckerheide(Storkskrug) vorgeschlagen. Zum Schluß wurde auch noch dem bisherigen Obermeister von der Versammlung der Dank für seine Tätigkeit ausgesprochen. eg. Alverdissen, 30. März. Angetrieben bezw. angefahren waren auf dem heute hier abgehaltenen Viehmarkte 500 Stück Borstenvieh, 8 Stück Rindvieh. Die Preise für 6—8 Wochen alte Ferkel schwankten zwischen 14 und 18 Mark, 8—10 Wochen alte 16—20 Mark, vierteljährige Stangen wurden mit 22—25 Mark bezahlt; größenre Schweine waren wenig zum Verkauf gestellt, hierfür werden 30—40 Mark gefordert und wurden hohe Preise gefordert; Berlin, 31. März. Dem„Lokalanzeiger“ zufolge ist gestern ein großes Anwesen in Heiligenhaus eingeäschert worden. Das ganze Vieh ist verbrannt; die Hausbewohner konnten sich nur mit knapper Not retten. Izn den umliegenden Ortschaften werden Drohbriefe ver schickt. Venedig, 31. März. Gestern gegen 10 Uhr vormittags erschien plötzlich und unerwartet Fürst Nikolaus von gericht verInsauterieregider Fa nzoller“ erst Düsseldorf, 81. März. Das Kriegs urteilte gestern den Musketier Paga vom ment Nr. 16 aus Mülheim=Rhein wegen Diebsahl, Fahnensluct und Totschlag, begangen an einem äckermeister au 10½ Jahren Buchthaus und Ausstoßzung aus dem Heere. Gestorden: Wwe. Minna Köhring, ged. Huncke, 72 Jahre, in Detmold: Beerdigung: Mittwoch N. 4 Uhr. — Landwirt Simon Tötemeier, 89 Jahre, in Heiligenkirchen: Beerdigung: Mittwoch N. 8 Uhr.— Wwe. Laumann, 64 Jahre, in Herrentrup; Beerdigung: Dienstag N. 2 Uhr.— Amalie Meyer, W Jahre, in Brake: Beerdigung: Mittwoch N. 4 Uhr. Hausmacherwuri Aütfiches Gheiter. Mittwoch: Im— it 50 per Pfd. 65 Pfg. Mittwoch: Im Karbonade pr. Pfo. 68 Pfe gem. Rinderwurst per Pfd. 60 Pfg. Auf Dutzendkarten für Parkett Fritz Schling. u. II. Rana 50 Pfg., für Pao erdr. terre 30 Pfg. Zuschlag im„. Einmaliges Gastspiel der Kohlen und ders Eu. Lihatenaln ven Lohengrin. gut und billigst. Pve S. De. Sczrese# Grohgung:! weimole. von R Wetter=Nachrichten. Detmold, 31. März. Wetterbericht der Wetterdienststelle des meteorologischen Observatoriums zu Nachen Fortgesetzt veränderlich, vielfach Regenfälle; ziemlich starfe Westwinde; Temperatur nicht erheblich geändert. London: Schön, warm. Hamburg: Regen. Allerseinste Thees sind unbestritten die beiden Sorten Fst. Souchong m. Bl. und Kaiserthee, welche die bekannte Theeimportfirma Ed. Meßmer, Frankfurt a. M in den Handel bringt, 100 Gr. Pakete (sog. Probepakete) M. 1.— bezw. 1.25. Erdberrpfanzen pikiert, reine Sorten, abzugeben. Bautenberg, Wantrup. Flechten Es ist Intelligenz, wenn eine moderne Hausfrau nicht nur nach Ueberlieferungen ihres Amtes waltet, sondern selbständig urteilt und mit heutigen Verhältnissen rechnet. Das gilt auch beim Einkauf der heut zutage so vervollkommneten Van den Bergh'schen Margariae=Marke„Vitello". Uebrigens, wäre zu Großmutters Zeit die Butter so unerschwinglich teuer und die Margarine schon so hochsein gewesen, wie jetzt, dann hätte Großmutter auch schon Ban den Bergh's unübertroffene SpezialMarken gebraucht. Dieselben sind in allen besseren Lebensmittelgeschäften steis erhältlich Bruteier beiße Rammelsloher, Vereins uchtstation, Dutz. 1.80 Mk. be Hofmann, Eichholz. 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Auf größeren Hof in Lippe werden 4000 Ak gegen Schuldschein zu gesucht. Angebote un 2222 an die Geschäfts Ziegler-Koffer Zeisekörbe, Sportwagen auch bezahlt. Für Rindvieh wurden hohe Preise gesordert; sind in größter Auswahl eingetroff.: und verkause seiche hierin war der Handel flau. I zu. Almena, 30. März.(Verschiedenes.) In einer wegen Ueberfüllung der Läger zu bedeutend ermäßigten Preisen. in vergangener Woche stattgefundenen Ausschußsitzung wurde ieee eererernuug ers acct: au. esn p wurde der hier schon seit langen Jahren angestellte Nachtwächter W. Schröder auf ein Jahr wiedergewählt.— Am vergangenen Sonntag fand in hiesiger festlich geschmückter Kirche die Kon sirmation der Kinder skatt. Es wurden konfirmiert 7 Knaben und 9 Mädchen.— Die hiesigen GemeindeFlachsraten sind durch Kauf in den Besitz des Zieglers Hilker Nr. 53 übergegangen. Der Kaurspreis beträgt 300 A — Die hier zum 1. April freiwetbende Stelle des Landbriefträgers Erdsiek ist dem Postboten Jasmeier von Oeynhausen übertragen worden. eg= Stemmen, 30. März. Am vorgestrigen Nachmittage wurden zwei hiesige Familien durch schwere Unfälle plötzlich in Schrecken und Betrübnis versetzt, die Familie des Hofbe sitzers Depping und die Familie des Einliegers und Zieglers Prüßner. Den herrlichen Frühlingstag auszunützen, zog der Hofbesitzer Depping nebst Knecht mit Gespann und Ackenrgerät fröhlich und frisch hinaus auf den Acker, die Frühjahrsbe stellung zu besorgen. Es sollte Sommerweizen gedrillt werden. In der Arbeit begriffen, scheuten durch irgend einen Umstand die jungen Pferde vor der Säemaschine und wurden flüchtig Infolgedessen kam der Besitzer, an dem Steuer sich befindend, zu Falle und bekam von der Maschine einen so heftigen Stoß. daß dadurch das linke Bein schwer verletzt, er sich nicht aufzurichten und auf das Bein zu treten imstande war, und so mußte der Mann, welcher vör einigen Stunden das Haus gesund verlassen, jetzt hülflos und unter großen Schmerzen in seine Wohnung getragen werden. Der hinzugerufene Arzt, Herr Sanitätsrat Hovedissen, war bald zur Stelle und untersuchte sorgfältig das verletzte Bein; weil jedoch starke Anschwellung eingetreten, konnte der Arzt die Verletzung im einzelnen noch nicht bestimmt konstatieren; hofft jedoch, daß es nicht gar zu schlimm sein möge. Es wurde sogleich der erste Verband angelegt.— Der zweite, schlimmere Unfall. traf die Familie des Prühner. Die Frau P. war beim Strohabwersen vom Haus boden infolge des Verschiebens eines Brettes im Beschuß mit dem schweren Brett herabgestürzt bis auf die Tenne. Ein schwerer Beinbruch war die Folge des Falles, beide Knochen der Unterschenkel dicht oberhalb des Fußgelenkes waren ge brochen und gesplittert; der Fuß wackelte förmlich. Es wird lange Zeit zur Heilung dazu erforderlich sein; doch hätte der Fall den Tod zur Folge haben können. Es ist ein um so traurigerer Vorfall, als der Mann, der Ziegler ist, hätte bald ab reisen müssen 20# Varenholz, 30. März. Gestern wurden in unserer Rirche die Konfirmanden unserer Gemeinde aus den Schulen Varenholz, Stemmen und Erder, welche Sonntag, den 22. d. M. geprüft, in feierlicher Weise geprüft und zum ersten Male zum heiligen Abendmahle zugelassen. Es waren im Ganzen 32 Kinder, 16 Knaben und 16 Mädchen; eine Konsirmandin aus Parenholz konnte leider krankheitshalber nicht mikonfirmiert werden. eg: Von der lippisch=hessischen Grenze, 30 März. Wenn man von Süden her in d. Stadtgebiet von Rinteln kommt, so erblickt man links vor der Stadt ein neues stattliches Ge säude. Es ist Die neue Königliche Präparanden anstalt. ein vorzüglich eingerichtetee Gebäude auf einem großen freien Platze, sehr gesund gelegen. Ausgezeichnete Lehrmittel sind vorhanden. Augenblicklich sind 2 Klassen von e 30 jungen Leuten da; von Ostern dieses Jahres wird aber noch eine dritte Klasse gebildet. Eo kommen viele Meldungen dazu. Es sind auch schon einige Lipper in der Anstalt. Es ist, wie man liest und in Rinteln als bestimmt angenommen wird wohl sicher, daß Rinteln auch ein neues Seminar kommt, trotzdem auch in dem nicht weit entfernten Hameln gleichfalls ein Seminar in Auesicht steht; doch sei letzteres nur für Hannover; das Rintelner Seminar jedoch für die Graf schaft Schaumburg und weitere Provinz Hessen. Kaufhaus Lemgoerstr. 6 S. Rosenbaum gegenüber dem Preuß. Hof Neben der Firma Karl Bruns Blattes leihen unter Nr. Geschäftsstelle d. 2 mobl. 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Binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen kann von den Zahlungspflichtigen, unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung gegen die Beitragsberechuung bei dem Genossenschaftsvorstande Widerspruch erhoben werden. Die Beiträge sind bis zum 13. April d. Js., im Magistratsbureau auf dem hiesigen Rathause zu emrichten. Es wird noch bemerkt, daß die Beiträge wieder von den Eigenpflichtigen den Beitrag zu erstatten(§ 58 Horn, den 27. März 1908. bsatz 2 des Gesetzes). Der Magistrat. Spelge. Qualität legt, versuche meine auf dem neuesten Schnellröster„Probat“ geröstete Kaffee's im Preise von 90 Pfe bis 1,60 Mk. pro Pfund. Aug. Meyer. Erste Deimol Dampf=Kaffei Röst= 71 für Großbetrieb. oder Umzug.—Teppiche, Läufer, Portièren, Gardinen, Felle, Decken, Möbelbezüge = Stickereien, Deckchen usw. reinigt schnell, billig und sauber Stein's chem. Waschanstalt. Filiale: Detmold, Langestr. 26. Salzuflen, Osterstr. 4. 9 Heute morgen gegen 2 Uhr entschlief sanft nach kurzem Kranksein unsere liebe Mutter und Grossmutter, Frau Ww. Emilie Schirneker geb. Lohbrink im 75. Lebensjahre. Karl Schirneker u. Frau Ida geb. Nagel. Retzen, den 30. März 1908. Beerdigung Donnerstag, den 2. April; Andacht im Trauerhause in Retzen nachmittags 4 Uhr. Geschäftsübernahme! Den geehrten Damen von Detmold und Umgegend zur gefl. Kenntnisnahme, dass ich mein 4· Putzgeschäft.9 mit dem heutigen Tage meiner langjährigen Mitarbeiterin Fräul. Lina Windmeyer übertragen habe. Ich bitte höfl. das mir geschenkte Vertrauen auch auf meine Nachfolgerin zu übertragen. Hochachtungsvoll Frau Aug. Hellmund Bezugnehmend auf nebenstehende Anzeige erlaube ich mir die Eröffnung meiner Modellhut-Ausstellung sowie den Empfang sämtlicher Neuheiten anzuzeigen. Es wird mein grösstes Bestreben sein, durch prompte und reelle Bedienung, mir das bertrauen der Damen zu erwerben. Hochachtungsvoll Lina Windmeyer Bruchstrasse 35. 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