STADTAKCAI Film-IN.— Bestandssignatur 572 10 11 * 12 13 14 15 GADE IN GERMANV v4e Gelsenkirchener Volkszeitung Das Edonnement für die Gelsenkirchener Volkszeitung nebst den Pratis=Beilagen:„Der Erzühler" und„Sonntagsfreude" beträgt #rekt ins Haus bestellt pro Monat 60 Pfg., im voraus zahlbar; durch die Post bezogen mit Bestellgeld pro Quartal 2 M. 22 Pfg. Verlag der Märkischen Vereinsdruckerei. Rotationsdruck von F. Z. Knappe. Politisches Tageblatt und Insertionsorgan Geschäftsstelle in Gelsenkirchen: Oriertiondpreib berhet Vh, Miegt Angger a e Seie für Petitzeile; für auswärtige An lamen 50 Pfg. pro Zeile 10, 6sge züber ber etrsgitche Gelsenkirchen und Umgebung. #igen 20 Pfg. pro Zeile Reklamen 50 Pfg. pro Zeile. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen entsprechender Rabatt. Verantwortlicher Redakteur: F. Z. Knappe. Nr. 98. Prenstischer Landtag. Herrenhaus. * Berlin, 30. April.(Telegr.) Nach Erledigung von Rechnungssachen folgt der Bericht über den Gesetzentwurf betr. die Befähigung der böheren Verwaltungsbeamten. Die Kommission beantragt die Annahme der Regiegungsreferendare durch den Minister abzulehnen und die Annahme durch die Regierungspräsidenten zu beschließen. Prof. Schmoller bemerkt, der Hauptschaden des heutigen idiersystems für die Juristen und Staatswissenschaftler daß viele 4 Semester bummelten und die letzten zwei dwerksmäßig beim Einpauken lernten. Die Vorwürfe edbergs im Abgeordnetenhause bezeichneten die Stimmung in den weitesten Volkskreisen, die sich auf die Statistik und allerlei kleine Vorkommnisse stützten, die in die Oefentlichkeit drangen. Tatsächlich besuchten die Korpsburschen die wenigsten Vorlesungen und Seminare. Man dürfe den besitzenden Adel nicht ausschließen von der Verwaltung, aber der Schein, als ob das Beamtentum eine einzelne soziale Klasse repräsentiere, müsse vermieden werden. Minister v. Hammerstein erkennt die Notwendigkeit einer allgemeinen Studienreform an, wodurch die Studenten gezwungen werden, die Kollegien zu besuchen. Entscheidend für die Anstellung der Verwaltungsbeamten sei die persönliche Tüchtigkeit, aber die preußische Verwaltung gewann ihren Ruf dadurch, daß die Beamten Familien angehörten, die seit Jahrhunderten den Grundsatz befolgten: Erst das Vaterland und dann das eigene Interesse. Das Haus nimmt schließlich§ 4 und den Rest des Ge sehes debattelos mit den Resolutionen des Abgeordnetenhauses an. Ohne erhebliche Erörterung erledigt das Haus sodann die Gesetzentwürfe über die Bildung von Gesamtverbänden in der katholischen Kirche, über die Bildung kirchlicher Hülfsfonds für neu zu errichtende katholische Parfarrgemeinden. Nach Erledigung einiger Petitionen vertagt sich das Haus auf morgen vormittag 10 Uhr. Tagesordnung: Antrag Mirbach betr. Kündigung der Handelsverträge. Eisenbahnvorlagen. Schluß 4¾ Uhr. Freitag, 1. Mai(Philip, Jakob). 1903. Deutscher Reichstag. * Berlin, 30. April. Das Haus ist gut besucht. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Krankenkassennovelle. Abg. Trimborn(Zentr.): Zur Geschäftsordnung: Ich habe namens meiner Freunde die Erklärung abzugeben, daß## in dritte: Lesung einen Antrag einbringen werden, der die Erledigung der heutigen Tagesordnung wesentlich erleichtert. Wir werden beantragen, die Worte„grobe Pflichtverletzung" zu ersetzen durch„grobe Verletzung der Amtspflicht in Bezug auf die Kassenführung". Ich habe weiter zu erklären, daß wir für den Fall, daß von irgend einer Seite die Streichung des Abs. 7 der Kommissions= vorlage(Dienstordnung der Krankenkassen) beantragt werden sollte, wir einem solchen Antrage zustimmen würden. Abg. Richter(freis. Volksp.): Ich verkenne nicht die wohlmeinende Absicht des Vorredners, ich möchte mich aber nur in Zukunft davor verwahren, daß mitten in der Abstimnung solche Erklärungen abgegeben werden.(Sehr richtig.) Präsident Graf Ballestrem: Es stellte sich gestern bei der namentlichen Abstimmung über den ganzen Paragraphen die Beschlußunfähigkeit des Reichstages heraus. Wir befinden uns daher im Stadium vor dem Beginn der namentlichen Abstimmung. Abg. Singer(Soz.): Ich ziehe meinen Antrag auf namentliche Abstimmung zurück. Für den Fall aber, daß der von Trimborn angekündigte Antrag nicht angenommen werden sollte, behalten wir uns alles weitere vor. Präsident Graf Ballestrem: Da die namentliche Abstimmung noch nicht begonnen hat, trage ich keine Beinken, die Zurückziehung des Antrages für zulässig zu erklären. Hierauf wird in einfacher Abstimmung§ 42 im ganzen angenommen. Abg. Albrecht(Soz.) bittet, sämtliche noch vorliegenden Anträge der Sozialdemokraten gemeinsam begründen zu dürfen und tut dies, da das Haus damit einverstanden ist. Der Rest des Gesetzes wird ebenfalls unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge debattelos angenommen. Die Kommission empfiehlt folgende Entschließungen zur Annahme: Die Verbündeten Regierungen um Vorlage eines Gesetzentwurfes zu ersuchen, wodurch eine reichsgesetzliche Krankenversicherungspflicht auf die Hausindustrie, alle Handlungsgehülfen, Lehrlinge, landforstwirtschaftliche Urbeiter und auf die Dienstboten ausgedehnt wird, a) dem Reichstage wenn möglich in der nächsten Session einen Gesevzentwurf zwecks einer eingehenden gründlichen Re der Siebte in lich form des Krankenversicherungsgesetzes vorzulegen, d) den Vorständen der Krankenkassen, des Aerzte= und Apothekerstandes Gelegenheit zur Geltenmachung ihrer Anschauungen und Wünsche zu geben, c) insbesondere zu erwägen, ob sich nicht die Bildung von ständigen Kommissionen empfiehlt, denen die Regelung der ärztlichen Behandlung, der Arzneiversorgung und der Tarifhonorierung obliegt. Ferner empfiehlt v. Savignv folgende Entschließung zum Ersatz für den nunmehr gestrichenen seinerzeit auf seinen Antrag von der Kommission eingefügten Absatz 7 beim§ 42 in den unter„“ geforderten Gesetzentwurf zur gründlichen Reform des Krankenversicherungsgesetzes Bestimmungen aufzunehmen, die eine feste Regelung der Anstellungs= und Dienstverhältnisse den Angestellten der Kraukenkassen zur Pflicht machen Die Abstimmung über die Entschließung 1 und die Entschließung Savigny wird bis zur dritten Lesung ausgesetzt und die übrigen Entschließungen angenommen. Damit ist die zweite Beratung der Novelle beendet. Nächste Sitzung heute halb 2 Uhr.— Dritte Beratung der Krankenkassennovelle.— Schluß halb 1 Uhr. * Am Bundesratstische: Graf Posadousky. Der Präsident eröffnet die Sitzung 2,45 Uhr. Das Haus tritt in die dritte Beratung der Kraulenversicherungsnevelle ein. Abg. Trimborn(Z.): Entscheidend für die Stellung des Zentrums zur Novelle sei der bedeutende Fortschritt, den dieselbe auf dem. Gebiete der Kraulenversicherung biete und deren größter die Ausdehnung der Krantenunterstützung auf 26 Wochen sei. Das Zentrum münsche nicht die Auslegung des Ausdrucks„grober Pflichtverletzung" zu polittschen Zwecken. Den Absatz 7 des§ 42 sei das Zentrum angesichts der Geschäftslage preiszugeben bereit. Das Scheitern der Vorlage glaubenwir im Interesse der großen deutschen Arbeiterschaft nicht verantworten zu können. Das Kompromiß ist ein Ausfluß unserer politischen Klugheit und Erfahrung.(Heiterkeit.) Wir unterliegen dem Absentismus und der Diätenlosigkeit.(Beifall im Zentrum.) Abg. Arndt(Rp.) stimmt dem Vorredner zu und erkennt gleichfalls den hohen materiellen Wert der Vorlage für die arbeitenden Klassen an. Ein Sozialdemokrat hat aver gestern, um den§ 42 in der Fassung Savigny zu beseitigen, das ganze Gesetz in Frage gestellt.(Lärm links.) Den Kotau des Zentrums vor der Sozialdemokratie machen wir nicht mit. (Lachen im Zentrum.) Daß die Vorlage zustande kommt, ist wesentlich ein Verdienst der Kommission. Wir könnten sie jetzt noch zu Fall bringen.(Gelächter im Zentrum und links.) Gewiß, wir sind auch nicht beschlußfähig. Fardern Sie nicht eine Probe(Gelächter bei den Sozialdemokrateil) Wir hätten gewünscht, daß das Gesetz durch Sie(zu den Sozialdemokraten) gescheitert wäre, dann hätten die Arbeiter verstanden, daß ihnen die Agitationsinteressen höher stehen, als die Arbeiterinteressen. Das Zentrum hat sie aus der Patsche gezogen. Wir müssen den Kampf gegen die Sozialdemokratie zur Hauptaufgabe unseres inneren politischen Lebens machen.(Ironische Bravos bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung hat durch die Ankündigung der Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes einen Keil in die Parteien getrieben, die im Kampfe gegen die völkerverdervende Sozialdemokratie(Lachen bei den Sozialdemokraten) zusammenstehen sollten. Auf unser Entgegenkommen in der Zolltariffrage antwortet die Regierung nun mit Plänen wegen Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes. Das ist für eine loyale Wählerschaft ein Schlag ins Gesicht. Sie(zu den Sozialdemokraten) wollen eine Arbeiterpartei sein, sind es aber garnicht, sie sind eine Revolutionsvartei, denn sie verleugnen den Schutz der nationalen Arbeit. Wenn wir auch ausdrücklich erklären, den Kotau der Sozialdemokratie nicht mitmachen zu wollen, wollen wir doch auch betonen, daß uns daran liegt, den Arbeitern wenigstens die Vorteile des Gesetzes nicht länger vorzuenthalten. Abg. Roesicke=Dessau(fr. Vpp.) freut es, daß die Bestimmung des§ 42, welche die Zustimmung zu dem Gesetz, wenn auch nicht unmöglich gemacht hat, so doch erschwert gefallen ist. Was die Rede Arendts betreffe, so war sie eine Wahlrede. Sollte aber Arendts Rede auch die Bedeutung haben, daß das Tischtuch zwischender konservativen Partei und der Regierung endgültig zerschnitten ist, so könnte der gesamten Linken der Anbruch einer neuen Aera nur lieb sein. " Staatssekretär Graf Pesadowsky führt aus: Wenn der § 42 jetzt angenommen wird, wird damit lediglich die Regierungsvorlage angenommen; denn die Zusätze, welche heute in der Kommision gemacht sind, sind niemals von der Regierung vertreten worden. Den Zolltarif hätte Arendt hier nicht erwähnen sollen. Die Frage ist viel zu ernst und akut um bei dieser Gelegenheit darüber zu sprechen, das ist jetzt Sache der Erekutive. Wir werden uns Ratschläge von keiner Partei erteilen lassen über das, was wir zu tun haben. oder— ein plötzlicher Besuch. Von Karl Böttcher. (Nachdruck verboten.) Rom, 27. April. * W A##e,###rilg,— ein Aprilscherz Noch sehe ich diese fettgedruckte Artikelüberschrift in einer der ersten Aprilnummern der römischen, der tialienischen Regierung nabestebenden Tribung. Sie wollte damit in einer saftigen Zurückweisung die überraschende Mitteilung eines KonturFachlautes, Köntg Eduacd VII. ven England wurze nach Rom, gründlich lächerlich machen Heute, kaum drei Wochen später, ist die englische Majestät bereits in die ewige Stadt eingezogen. Aber was“ Stehen nicht hier die seit Monaten warmherzia vorbereiteten Empfangsfeierlichteiten für den deutschen Laiser vor der Tür? Und trotzdem— plötzlich, in allerletzter Stunde der Besuch König Eduard VII. dazwischen gedrängt? Der veschränkte Untertanenverstand der mag eine derartige Narambolage nicht gleich zu fassen, zumal, wenn er an sein schlichtes Burgerheim denkt * enwartet man seit langem einen lieden Kreund. Fuüge Vorbereitungen; das ganze Haus gescheuert, fruche Gardinen ausgehannt, eine Guirlande um die Tür arwinden. dos#aitlommenle angebaumelt. Buchen arbelC zupvi#c erfährt davon die alte Lante mit der mein Fall!" denkt sie und meldet zungs an. Abwinken— geht nian gut: die AltLönnte so was wie eine Erbiante sein. Also— in der ren Apfel beißen! Bum— da ist sie schon! Sas tneut— lieche Tanze! Rein, wuie und In den hoben Fegionen des staatlichen Verkedrs herrschen üder ahnliche Vorkommnisse selbserverständlich andere Abg Stötzel(Ztr.) legt nochmals den Standpunkt des Anschauungen. Aber dennoch— diesen neuesten, wenn auch bagatellartigen, aber so charakteristischen Streich Englands gegenüber Deutschland wird man beim besten Willen selbst jenen gewissen deutschenP offiziellen Kreisen nicht gutheißen können, welche stets dem„englischen Kurs" in Deutschland Hosiannah zujubeln und dabei von Enthusiasmus für die Engländerei dampfen. Oder gehört er auch in jenes trübe Kapitel, demzufolge die hochnäsige Schöne England glaubt, dem Liebeswerben ihres geduldigen Courmachers Deutschland alles bieten zu dürfen? Ach, er bezahlt sie teuer, diese englische Liebe!— Es war vor einigen Tagen. Von Malta herauf gondelt König Eduard in den sonst so sonnentrunkenen Soif von Neapel. Der Himmel weint ihm einen wahren Wolkendruch von Regen entgegen. Der Besuv makiert etwas wie einen Ausbruch. Capri hat sich in Nevel gehüllt, als möchte es für diesen Besuch lieber nicht zu Hause sein. Die blaudämmernde Inselgruppe von Jschia und Procida will sich nicht vorstellen, und kein gefälltger Wind, der für Se. Majestät den nonig das tiefhängende(ewölk davonbläst. Warum? umschwebt der Schatten der Buren. Während der nächsten Tage besucht er in Neapel das Tcatro San Carlo, das Nationalmuseum, macht er einen Ausflug nach Schloß Caserta, photographiert er die Königin von Portugal... Er hätte derlei Beschäftigung nur noch wenige Tage fortzusevzen brauchen, bevor er auf die ewige Stadt loszog, und der sorgfältig vorbereitete römische Besuch des deutschen Kaisers wäre vorüber gewesen. Aber nein—„Auf nach Rom!".... Mitten binein in die gerade beendeten Empfangsarangements für Wilhelm II.1 Wac wollt ihr! Frischer Tee ist nets der beste „Partenzal“— Abreise Halt! Noch ein kömgliches Geschenk für die Armen Reapeis! Vernanden!— für die unzähligen Armen Reapels ganze hundert Pfund Sterling— zweitausend Mark! Kommt auf einen neapolitanischen Armen beinahe ein halder Centesimo. Ach. man wird sparsam im Alter! Zentrums dar.(Wir kommen auf seine Ausführungen noch eingehender zurück. Red.) Abg. Stadthagen(Soz.) polemisiert gegen Arendt und legt noch einmal ausführlich d en sozialdemokratischen Standpunkt dar. Nach einigen Bemerkungen des Abg. v. Savignv(Z.) wird die Generaldiskussion geschlossen und nach persönlichen Bemerkungen des Abg. Arendt in der Spezialdiskussion die Novelle in der Fassung der 2. Lesung angenommen, nur werden in§ 42, dem Kompromiß entsprechend die Worte „grobe Pflichtverletzung", umgewandelt in„grobe Verletzung der Amtspflicht" im Bezug auf die Kassenführung. Ferner wird der Absatz betr. die Dienstordnung der Kassen gestrichen. In der Gesamtabstimmung stimmen gegen die Vorlage nur die Sozialdemokraten und einige Mitglieder der Reichspartei. Die Resolutionen, deren Abstimmung erst in der 3. Lesung vorgenommen werden sollte, werden angenommen, auch die Resolution Savigny. Damit ist die ganze Vorlage angenommen.(Reichskanzler Graf Bülow betritt den Saal.) Präsident Graf Ballestrem gibt die übliche Geschäftsübersicht. Abg. v. Normann(k.) spricht dem Präsidenten höchste Anerkennung aus und dankt für die unpartetische und umsichtige Geschäftsleitung.(Lebhafte Bravos.) Präsident Graf Ballestrem dankt dem Vorredner und allen, die seinen Worten zugestimmt haben. Er habe sich stets bemüht, sein Amt so zu verwalten, wie er es bei Antritt desselben versprochen habe. Er habe stets darnach getrachtet, die Würde des Reichstags zu wahren und seine Arbeit zu fördern. Wenn ihm das nicht immer gelungen sein sollte, so liege es an der menschlichen Unvollkommenheit. An gutem Willen habe es ihm nicht gefehlt. Dank gebühre auch den Vize=Präsidenten und Schriftführern. Redner bittet schließlich, ihm ein freundliches Andenken zu wahren. (Lebhaftes Bravo.) Hierauf verliest der Reichskanzler eine Kaiserliche Botschaft, die ihn ermächtigt, den Reichstag zu schließen. Graf Ballestrem fordert die Anwesenden auß(die Sozialdemokraten verlassen sämtlich den Gaal) dem Gefühle der Liebe, Treue und Ergebenheit für das Reichsoberhaupt durch ein dreifaches Hoch auf den Kaiser Ausdruck zu geben, in das die Abgeordneten begeistert einstimmen. Schluß 4,20 Uhr. Politische Nachrichten. Deutsches Reich. ** Berlin, 30. April. Reichskanzler Graf v. Bülow empfing gestern den österreichisch=ungarischen Botschafter v. Szögyeny, sowie die Minister a. D. Wirklichen Geh. Räte Baernreither und v. Hieronymi.— Die diesjährige Konferenz der preußischen Landesdirektoren findet am 30. Juni in Danzig statt.— Der Rechtsanwalt Dr. Alfred Sieveking in Hamburg hat, so schreibt der Reichsanzeiger, als bisheriger Sachwalter der Laiserlichen Regierung die umfangreichen und mühsamen Vorarbeiten für die Geltendmachung der Schadenersatzansprüche, die von Deutschen aus Anlaß des südafrikanischen Krieges erhoben worden sind. beendigt. Seitens des Auswärtigen Amtes ist nunmehr der derzeitige Verweser des Kaiserlichen Konsulates in Johannesburg, Vizekonsul Reimer, zum Kommissar für die weitere Vertretung der deutschen Reklamationen, soweit sie sich auf Transvaal und die Oranjeflußkolonie beziehen, bestellt worden. Die Interesseuten werden daher in Zukunft etwaige, die Schadenersatzan sprüche betreffende Anfragen und Eingaben unmittelbar an den Kaiserlichen Vizekonsul Reimer in Pretoria, Adresse des Kaiserlich deutschen Konsulats, zu richten haben. Diejenigen deutschen Reklamationen, die sich auf die Kapkolonie und Natal beziehen, werden, wie bisher, von dem damit beauftragten Kaiserlichen Generalkonsul in Kapstadt vertreten werden. — Dr. Jastrow, Privatdozent der Berliner Universität und Herausgeber der Arbeitsmarkt=Korrespondenz, ist, wie schon kurz gemeldet, zum volkswirtschaftlichen Setretär des Aeltesten=Kollegiums der Berliner Kaufmannschaft ernannt worden. Dr. Jastrow ist durch eine Reihe sozialpolitischer Schriften und die Herausgabe von Zeitschriften bekannt geworden; er gehört, wie die Nationalzeitung hervorhebt, zu denjenigen bürgerlichen Sozialpolitikern und Volkswirtschaftlern, die in den Zugeständnissen für die Sozialdemokraten bis an die äußerste Grenze gehen. Noch unlängst hieß es in Berliner Universitätskreisen, daß er die Herausgabe einer Zeitschrift in Gemeinschaft mit seinem früheren Kollegen Dr. Leo Arons plane. — 30. April.(Telegr.) Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 28. April betr. Abänderung des Wahlreglements.— Eine besondere Beilage des Reichsanzeigers veröffentlicht den stenographischen Bericht der erhandlungen über die oberschlesische Kohlenkonention und das rheinisch=westfälische Kohlensyndie Vorbereitungen zum Einzug Wileutschen— vention Im Rom— Vgu 2. helms II. beendet. Alles voll von deutschen Flaggen. Ach nein, es ist eine Invasion englischer Fahnen, welche plötzlich die deutschen Flaggen verdrängten. Der ganze„deutsche Empfang“ ist auf einmal ins englische umgemodelt. Auch die deutsche Nationalhymne„Heil, dir im Siegerkranz“ läßt sich gleich als erster Vers„God save the king“ aufspielen. In einer Stunde wird Eduard VII. in der ewigen Stadt ankommen. Heute drum ein Engländertag, wenn diese Briten auch sonst in dies sonnenvolle Italien etwas Erkältendes tragen, als hätten sie einen Eisberg aus der Umgegend des Nordpols hierher bugsiert. Und wie die englischen Reiseherden die Namen gerade der schönsten Punkte Italiens mit ihrer verenglisierten Aussprache verunstalten— kaum zu glauben! Amalfi, das herliche„spoken" diese Barbaren„Emmelfei": Tivoli krempeln sie in„Teiwolei" um: Frascati verhunzen sie zu„Fresketei“. Doch ist es jetzt, als ob sich um die sonst so heißen Hergen der römischen Bevölkerung etwas wie Eis legt, und die glühende südliche Sonne vermag es nicht zu schmelzen. Für die Plätze auf den vielen Tribünen— keine Mieter. Für die auf den Straßen ausgeschrieenen Postkarten mit dem Bild der englischen Majestät— keine Käufer. Nür die überall offerierten englischen Fähnchen— keine Liebhaber Achtung! Da kommt Eduard VII. an der Seite Viktor Emanuels 111. unter der üblichen militärischen Gedeckung dabergefahren. Da sitzt er auf dem Polster der Equipage: wohlbeleibt, gewölbter Rücken, gerötetes Gedikat am 26. und 27. März 1903 im Reichstagsgebäude zu Berlin. — Der Besuch Kaiser Wilhelms beim Vatikan ist auf Sonntag, 3. Mai, festgesetzt. An diesem Tage wird der Kaiser voraussichtlich in stück einzunehmen. Von der Gesandtschaft aus fährt der Monarch nach dem Vatikan zum Besuche des Papstes und kehrt von dort wieder nach der Gesandtschaft zurück. Am Montag soll u. a. der Eipfang des deutschen Künstlervereins und der deutschen Kolonie in der Botschaft stattfinden, während für Dienstag, 5. Mai, der Ausflug nach der Benediktiner=Abtei Monte Cassino vorgesehen ist. An demselben Tage findet abends der feierliche Empfang auf dem Kapitol durch die Stadt Rom statt. Die Abreise des Kaisers von Rom ist auf den 6. Mai festgesetzt. — Der Kaiser ist am Donnerstag nachmittags kurz vor 6 Uhr in Bückeburg eingetroffen. Abends fand im Palais der Fürstin=Mutter Familiendiner, später im Residenzschlosse Hofkonzert statt.— Der Kaiser ernannte den Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen zum General. Der Großherzog ist 27 Jahre alt. — Ein Kabinettstück in seiner Art ist ein Rundschreiben der Gruppe Dresden des Sächsischen Elbgausängerbundes über die Beteiligung an dem Feste, das anläßlich der Rückkehr des Königs Georg veranstaltet werden soll. Das Ding hat nach den Leipziger N. R. folgenden Wortlaut: Dringlich! Liebe Herren Sangesbrüder! Obwohl in der Sitzung der Herren Vereinsvorstände am 15. April durch das Ergebnis der Abstimmung— 22 für, 25 gegen — eine offizielle Beteiligung der Gruppe Dresden unseres Bundes abgelehnt worden ist, glaubt der ergebenst unterzeichnete Bundesausschuß nach erfolgterRückspkache mit wie die Turnerschaft und die Militärvereine, unserer sehe geehrten Sängerschaft dringend ans Herz legen zu müssen. einzig und allein im Interesse unseres Bundes und aus diplomarischer Klugheit sich dennoch gesanglich an der Ovation zu beteiligen und wenigstens die beiden Proben am 27. Apxil u. 1. Mai im Ausstellungpalast zu besuchen.(Bundeshefte! Die anderen Noten werden geliefert.) Vertrauen Sie— wir bitten recht herzlich— der wohlmeinenden Einsicht des Ausschusses und lassen Sie denselben nicht im Stich! 200 Sänger werden sich doch treu zum Bunde finden! Eine Erläuterung der oben erwähnten Aussprache zwischen Herrn Dr. Nowack und dem Bundesvorsitzenden wird später gegeben. Dresden, 25. April 1903. Mit herzlichem Grüß Gott! Der Bundesausschuß. Gebauer. Anscheinend wird in Dresden seit dem Bekanntwerden der Katastrophe im Königshause nichts, aber auch gar nichts versäurgt, was sich an Taktlosigkeiten erdenken läßt. Dieses prachtvolle„diplomatische" Rundschreiben ist ja gewiß eine Kleinigkeit gegenüber den Gemeinheiten, die von anderer Seite, und zwar bis in die„besten" Kreise hinein, gel et worden sind, aber bezeichnend für den Dresdener „Geist“— man verzeihe das Wort!— ist es in hohem Grade, Hoffentlich hat der„diplomatische" Bundesausschuß jetzt, nachdem der Wisch an die Oeffentlichkeit gekominen ist, wenigstens den Rest von Takt und Schamgefühl, daß er den König mit seiner Ovation verschont. Andernfalls wäre es begreiflich, wenn König Georg ihm sagen ließe, er brauche sich nicht zu bemühen. ..gen die Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes hat sich nun auch der Verband der evan Arbeitervereine von Rheinland und W falen auf Antrag des Vorsitzenden Pfr. Weber Gladbach erklärt. — um die Krankenkassenvorlage steht es, wie man uns aus Berlin schreibt nicht so schlimm, wie es nach den Vorgängen in der Reichstagssitzung vom Mittwoch scheinen könnte. Im Gegenteil, es ist mit Sizu rechnen, daß sie am Donner tag in den Hasen einlaufen wird. Nachdem die Abstimmung über den§ 42 an der Beschlußunfähigkeit des Hauses gescheitert war, bemühte sich insbesondere der Abg. Trimborn um eine Verständigung, mit den Sozialdemokraten. Es ist denn auch ...„in Kompromiß zustande gekommen, wodaß oim Harckaudsmita#: karten. Die Bestimmung, daß ein Vorstandsmitglied wegen„grober Pflichtverletzung“ seines Amtes enthoben werden kann, soll kolossalen, aus Myrtenguirlanden zusammengebauten Glo bus an gebracht, auf dem eine mächtige, goldglitzernde zne ruht. O. zum Glück beherrscht England noch nicht die ganze Welt, wie es dieser Justballonartige Globus wohl symbolisch andeuten soll. Aber wenn die Italiener höflich sind, gibt es fette Happen. Nur dürfen diese Happen nicht zu viel kosten und zu nichts verpflichten. Oder ist dieser aus Guirlanden gewölbte, schon morgen von der südlichen Sonne verdorrte Globus ironisch meint? Soll er als„Meue Telel“ den König hier setzt in seiner Seele zuträgt per! Umschwebt ihn der E# Ueber dem Eingang gur in Rom, das lelbt schon die Welt keßerrschte, und un die gewaltigsten Ruinen eine so eindringliche Sprache prebigen, an die Vergänglichleit aler Nacht erinnern?... ##uf schwimmt weicher, südlicher Frütli hauch. Beilchen, Rosen, Levkoyen duften dur Alles lacht, alles ist voll Lebensfreudigkeit. Weiterfahren blickt düster drein. Die ganze Via Nazionale egtlung Vataillone von Neugierigen. Dasselbe landläufige Gusken, dieselbe minderwertige Begeisterung, die dann von der handwerks. maßigen Reporterei zu„ungeheurem Enthusiasmus" umgeaett ese e. c.# nicken— ein Enseuble, has man in sarkk einen Moment ins Weite, als neuen„Erpipo!“ aus. Aich es bleibt in Doch er hat so vie“ Welt, daß ihm dies Alles in allem: der englische König konnte in der Seligkeit eines begeisterten Embrachte es kaum zu ei en der Buren? Nazionale hat man einen pfangs nicht schwelgen. Er Achtungserfeig. Aber das in * durch den Zusatz„in Kassenangelegenheiten“ ergänzt und klargestellt werden. Der ganze von der Kommission eingefügte Zusatz über die Dienstordnung der Kasse soll fallen. WBückeburg, 30. Avril.(Telegr.) Die standesamtliche Vermählung des Großherzogs von Sachsen- Weimar mit der Prinzessin Karoline von Reuß fand heute vormittag zwischen 11 und 12 Uhr im Palais der Fürstin=Mutter zu Schaumburg=Lippe statt. Den Akt vollzog Staatsminister Rothe. Unter den zahlreichen eingetroffenen Hochzeitsgeschenken befindet sich als Geschenk des Kaisers ein kostbares Porzellanservice. Die Königin von Holland schenkte verschiedene Gegenstände aus chinesischem Porzellan. WKrobnitz(Oberlausitz), 30. April.(Telegr.) Anläßlich der 100jährigen Wiederkehr des Geburtsta ges des Grafen Roon sand heute vormittag inder über dessen Ruhestätte erbauten Kapelle eine Gedenkfeier statt, der außer den Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln sowie verschiedenen anderen Verwandten die Geistlichen der Nachbarorte, Kriegerverine u. a. beiwohnten. Die Seminaristen aus Reichenbach führten die lithurgischen Gesänge auf. Die Gedächtnisrede hielt der Schwager des Feldmarschalls, Hosprediger Rogge=Potsdam. Ausland. Italien.—W Rom, 80. April.(Telegr.) Der Ronig von England ist vormittags nach Paris abgereist. König Viktor Emanuel gab ihm das Geleit zum Bahnhof und verabschiedete sich in herzlich: ster Weise. Zum Papstiubiläum. Am Donnerstag wurden vom h.Vater in Privataudienz die Bischöfe der overrheini schen Kirchenprovinz empfangen. Sodann sand im Thronsaal der Empfang des ersten Kölner Zuges der Tertiarier unter der Assistenz der vorerwähnten Bischöfe statt. Alle wurden zum Handkuß zugelassen. Der h. Vater zeigte großes Interesse für den Pilgerzug und segnete alle Teilnehmer Marokko.—W Tanger, 80. April.(Telegr.) Die Beniares bedrohen Arzila. Die Einwohner wurden von einer Panik ergriffen und mieteten einen Dampfer, um nach Tanger zu flüchten. Mehrere Personen, die soeben von Arzila hier ankamen, melden, daß diese Stadt gestern morgen von den Riffkabylen angegrissen wurde, wobei auf beiden Seiten mehrere Personen getötet wurden. Die Stadt habe sich gut verteidigt, doch fehlte ihr Munition und Lebensmittel. Der Pascha von Tanger sandte 200 Mann und 20000 Patronen sowie Lebensmittel nach Arzila. Die Flüchtlinge sind sehr erregt. Daper ist es möglich, daß die Lage nicht so ernst ist, wie berichtet wurde. Asien. Die Times melden aus Peking vom 29. April: Rußland verlange noch, daß die Schiffahrt auf dem Liau, welche gemäß den inländischen Dampfschiffahrts=Verordnungen für Schiffe aller Nationen offen ist, fortan nur auf Schiffe unter russischer und chinesischer Flagge beschränkt ist, daß alle Verbindlichkeiten, die die Provinzialbehörden derMandschurei mit den Russen eingehen, von China anerkannt werden sollen.— Der russische Admiral Aleriew erließ eine Bekanntmachung, worin erklärt wird, daß, soweit Rußland seine Truppen aus der Provinz Mukden am 20. April zurückgezogen hätte, jene Provinz jetzt von Ausländern ohne russische Pässe bereist werden. In einem Interview, welches Alriew dem Vertreter des bedeutendsten japanischen Blattes Plancon gewährte, gab er zu, daß die russischen Forderungen, wie sie telegraphiert seien, im wesentlichen richtig seien. Er erklärte dann weiter, daß nur China und Rußland die Mandschureifrage interessiert. Rußland würde keine Einmischung einer dritten Macht, besonders Englands oder Japans gestatten. dem Moloch Militarismus immer größere Summen opfere, weil das Zentrum sich genau so„militärtoll“ und„bewilligungsluftig" gebärde, wie die hurrapatriotischen liberalen Armee= und Flottenlieferanten. Daß die„Genossen" dabei sonst noch eine Unmenge Lugen anbringen, gehört nun einmal zu ihrer Eigenart.— Jeden denkenden Wähler muß es doch stutzig machen, daß man von der einen Seite auf das Zentrum loshackt, weil es nicht genug tut für den Militarismus und ihm von der andern Seite vorwirft, daß es das Volk„aussauge, um den Militarismus zu stärken. Gerade dadurch wird wieder einmal treffend dargetan, daß das Zentrum auch in militärischen Fragen sich jedem Ertrem fernhält und weder gewillt ist, mit blindem Hurra alle weltpolitischen Pläne zu unterhützen ,noch die unfruchtbare Negationspolitik der Sozialdemokraten mitzumachen. Bochum, 80. April. Das Rhein.=Westf. Tagevl. vehauptet in einer kurzen, gegen unseren Bericht über die Lindener Rede des Herrn Franken gerichteten Polemit, das Jesuitengesetz sei kein„Ausnahmegesetz schlimmster Art", und führt zur Begründung folgendes an:„Kein Geietz in der Welt verbietet den Angehorigen des Jesmitenordens, in Deutschland zu leben. Die einzelnen Jünger Loyolas können wohnen, wo sie wollen. Nur der Zusammenschluß zu einer gemeinsamen Ordenstätigkeit ist verboten. Und zu diesem Verbot muß der Staat unbedingt das Recht haben. Das ware noch schöner, wenn der Staat, ohne dessen Konzession nicht einmal eine Apotheke oder Wirtschaft eröffnet werden darf, nicht die Befugnis haben sollte, die Tätigkeit einer Gesellschaft zu zügeln, deren Ziele ihm gefährlich erscheinen. Die Jesuiten als Orden gedacht, sind Ausnahmegesellschaften; sie verfolgen Ausnahmeziele und arbeiten mit Ausnahmemitteln. Gesetze, die den Staat und das öffentliche Leben gegen solche Ausnahmeerscheinungen zu schützen suchen, kann man nur insofern als Ausnahmegesetze bezeichnen, als sie eben gegen Ausnahmebestrebungen gerichtet sind.“— Aus diesen Auslassungen geht hervor, daß das Tageblatt nicht einmal den Inhalt des Jesuitengesetzes kennt. Sonst müßte es wissen, daß dieses häßliche, aus dem Haß fanatisierter Ignoxanten geborene Gesetz, jedem Jesuiten, sei er nun Deutscher oder Ausländer, jedes öffentliche Auftreten verbietet und daß dieses selbe Gesetz der Behörde das Recht gibt, jeden Jesuiten zwangsweise auf den Schub zu bringen, ihn aus einem Orte zu entfernen und ihn zu zwingen, sich an einem anderen, ihm von der Polizei angewiesenen Orte aufzuhalten. So schlecht behandelt man nicht einmal arbeitsscheue Vagabunden, und trotzdem soll das Je suitengesetz kein Ausnahmegesetz schlimmster Art sein? Was das Tageblatt über die Jesuiten selbst sagt, verrät genau dieselbe Unkenntnis der Tatsachen und bewegt sich auf der selben Linie mit dem Geschrei jener evangelischen Bundeshelden, die selbst die albernsten und abgeschmacktesten Dinge für wahr halten, wenn sie zur Verleumdung der Jesuiten dienen. Schalke, 30. April. Die E Montag, den 4. Mai, abends Bebel verschrieben, der hier will. ozialdemokratie hat sich für 7 Uhr, den Abgcordneten im Wintergarten sprechen Soziales. □ Herabsetzung der Arbeitszeit. Ein Stillstand in der Sozialreform soll, so war wieder einmal berichtet worden, eintreten. Vor allem sei die Regierung entschlossen, von einer Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit für gewerbliche Arbeiterinnen von 11 auf 10 Stunden Abstand zu nehmen. Darauf wird offiziöo versichert, daß diese Nachricht der Gegründung entbehre. Die Berichee der Gewerbeaussichtsbeamten, denen aufgegeben sei. sich über die Frage zu äugern, lägen noch nicht vollzählig vor, schon aus diesem Grunde habe man an den berufenen Stellen noch keine Stellung zu der Sach- nehmen können. Von den Berichten liegen in der Tat erst zwei vor, der bayerische und der baDer bayerische enthält nichts auf die Frage speziell Bezügliches, der badische dagegen bringt einen sehr eingebenden Sonderbericht, der zu folgenden Resultaten mt: Die Einführung des Zehnstundentages würde für eine große Anzahl von Betrieben keine Neuerung bedeuten (da sie ihn schon haben). Eine Verkürzung der täglichen rbeitszeit dürfte im Interesse der Arbeiterinnen zweckmäßig ein 8 würe aber au untersuchen, ab uicht eimn Lobnaut. damit verbunden sein wurde. Kür die größte Intrie des Landes, soweit es sich um Beschäftigung von Arbeiterinnen handelt, der Zigarrenindustrie, sagt der Bericht, „möchte es keinem Zweifel unterliegen, daß die Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit auf zehn Stunden ohne Produktions= und Lohnausfall durchführbar ist."„Sollte durch gesetzliche Regelung von der 11stündigen zur 10stündigen rbeitszeit übergegangen werden, so wurde für die Webereien eine gewisse Uebergangszeit sowie eine Erleichterung hinsichtlich der Gewährung von Ueberarbeit erwünscht sein.“ Im übrigen ist die 10stündige Arbeitezeit sowohl bei den Webereien wie bei den Spinnereien durchführbar. In der Schmuckwarenindustrie wird zumeist nicht länger als 10 Stunden gearbeitet. Die Uhrenindustrie kann den „Zehnstundentag ohne Schwierigkeit einführen“, die Bürgenindustrie„mit einer Uebergangszeit“. für die Nahrungsmittelindustrie„möchte, wenn für Zeiten besonderen Bedarfes leichter als bisher Ueberarbeit gewährt wird, gegen die gesetzliche Festlegung des Zehnstundentages nichts einauwenden sein." Die Bekleidungs= und Reinigungsindustrie der größeren Industrieplätze hat vorwiegend zehnFündige Arbeitszeit. Edenso die Wäschereien, wo nicht, lann sie ohne Schwierigkeit eingeführt werden. Dasselbe gilt für Buchdruckereien, für die Kartonnagenindustrie und für die Papierfabrikation. Roch kommen in Betracht die beiden Industriezentren Karlsrude und Mannheim. In Karlsrube überschreitet in sämtlichen Fabriken mit weiblicher Arbeiterschaft die Arbeitszeit zehn Stunden nicht, in Mannheim ist die zehnstundige Arbeitszeit im weitaus aberwiegenden Maße durchgeführt. Wahlbewegung. * Bochum, 80. April. Es ist recht ergötzlich anzusehen, wie man von rechts und links bemüht ist, das Zentrum totzureden und tot zu schreiben. Bei der nationalliberalen Bekampfung des„Ultramontanismus" spielt die Stellung des Zentrums zu militärischen Pragen eine große Rolle, ebenso bei den Gezialdemokraten. Seltsamer Weise aber warnen die Liberalen davor einen Zentrumsmann zu wählen, weil dieser keine Gewähr für die Erhaltung der Wehrkraft des Reiches viete, weil er nicht „zuverlässig“ sei in Heeres= und Marine=Angelegenheiten; ganz anders bei den„Genossen“! Diese wackeren„Vollsvertreter“, die noch niemals irgend eine praktische Arbeit zuwege gedracht haben, sondern sich stets auf Schimpfen und Ratsonieren beschränkten, beschwören das Volk, nur a keinen Zeutvensmann zu wählen, weil das Zer trum Lüdenscheid, 28. April. Die Zentrumspartei Wahlkreise Altena Iserlohn hat den Vorsitzenden des christlichen Tertilarbeiter Verbandes. Schiffer aus Krefeld, aus Reichstagskandidaten aufgestellt. Dieser ist der fünfte Kandidat, der sich um das Reichstagsmandat Wahlkreise Altena Iserlohn bewirbt. Sächsisches. Ganz naiv fordert in einer offiziellen Betanntmachung im Thumer Tagebl.„Muuer, Bürgermeister",„alle reichstrenen, über 25 Jahre alten Einwohner auf", für den Kandidaten der Ordnungsparteien encke ihre Stimme abzugeben und sich zur Vorbesprechung der Agitation in einem bestimmten Lokal einzufinden Schon durch diese Aufforderung würde die event. Wahl Jeuckes ungiltig werden Die Einsicht in die ganze Wählerliste steht dem Wähler zu. In einer Verwaltungsstreitsache inbezug auf die Gultigkeit der Wahlen zur Gemeindevertretung hat nach dem Verl. Tagebl. der zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts nicht nur den an die Spitze gestellten Rechtssatz aufgestellt, sondern auch den weiteren,„daß ein Wahlverfahren, in welchem die Einsichtnahme in die Wählerliste in unzulässiger Weise eingeschränkt ist, die Ungultigkei 1 der Wahlen zur Folge hat, da es an der eine Voraussetzung für die Gültigkeit der Wahlen bildenden gesetzmäßigen Auflegung der Liste fehlt. In der Begründung der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ist folgendes ausgeführt: Ist den Wählern, welche die Liste einsehen wollten, dies nur bezüglich ihres eigenen Namens gestattet, und ist ihnen jede weitere Einsicht versagt worden, so liegt ein Verfahren vor, welches die mit der Offenlegung der Liste verbundenen Zwecke vereitelt. Auch darf die Ver kummerung der Ofsenlegung der Liste nicht im Hinblick auf die Bestimmungen der Steuergesetze erfolgen; denn das Recht auf Kenntnisnahme von dem Inhalte der Liste der stimmfähigen Bürger hat durch die auf die Geheimhaltung der Verhältnisse der Sienerpflichtigen abzielenden Vorschriften des einkommensteuergesetzes, eine Einschränlung erfahren.—#ns Urtell des Oberverwaltungsgerichts ist erstritten von dem Landwirt Johann Schäfer in Rümmelsheim. Das Urteil bezieht sich auf Gemeindewahlen, hinsichtlich deren das Oberverwaltungsgericht zuständig ist. Fur die Reichstagswahlen ist die Einsichtnahme der ganzen Wählerliste von vornherein selbstverständlich. wie noch vor einigen Tagen der Staatssekretär Graf Posadowsky im Reichstage anerkannt hat Polnsches. * W i t t e n, 3 0. A p r i l. J u m i K a p i t e r„ S o i e n u n d Z e n trum“ liefert die Wittener Volkszeitung folgenden Beitrag: „Daß der bekannte Redakteur des Wiarus Polski. Anton Brejski. für eine Sonder Kandidatur der Polen schwärmt und für die Ausführung dieses Planes mit aller ihm zu Gevote stehenden Kraft arbeitet, dürfte hinlänglich bekannt lein. Seine ihm blindlings folgenden Anhänger, die er durch seine verhetende Schreibweise sanatisiert hat, sind ihm dabei behülflich. Als Brejski kürzlich im hiesigen katholischen Gesellenhause für den polnischen Kandidaten Propaganda gemacht hatte, ließ er sofort nachher von der Versammlung ein Wahlkomitee wählen. B. hatte dabei wenig Glück, denn es bielt ihm sehr schwer, geeignete Leute zu bekommien. Schließlich gelang es mit Ach und Krach fünf„Geünnungsgenossen“, für das Polen=Kandidatur=Wahlkomitee zu gewinnen. Von diesen fünf„Getreuen" sind—. wie uns von einflußreichen Polen mitgeteilt wird— aber schon drei untreu geworden, so daß dem Wahlkomitee zur Zeit nur zwei Personen angehören. Ob diese beiden Säulen lange stehen werden, muß nach Lage der Sache sehr bezweifelt werden. Breiski ist in der Anwendung der Mittel, um zum Ziele zu gelangen, nicht besonders wählerisch. In Nr. 92 des Wiarus Polski stellt er in einem langen Berichte über die hier stattgefundene Versammlung die Behauptung auf, der Leiter der betreffenden Versammlung, Pawlak, habe sich zu Gunsten der Sozialdemonatie ausgesprochen. Diese Behauptung involviert eine grode Unwahrheit. Herr Pawlak hat auch nicht ein Wort gesagt, was dabin gedeutet werden könnte, als wenn er ein Günstling oder gar Anhänger der Sozialdemokratie wäre. Das Gegenteil ist der Fall! S. hat in der Ver(ammlung am 19. April in seiner ca. 1½stündigen Rede ich wiederholt scharf gegen die Sozialdemokratie ausgesprochen. Wa veranlaßte den Redakteur Brejski nun zu dieser verlogenen Behauptung! Der Grund dazu int ganz erklärlich. Pawlak ist unter den hiesigen Polen der ein(lußreichste Mann; auf diesen datte Breisk seine Hoffnung lhn mußte er für sein Wahlkomites gewinnen. E# gelung dieses ader nicht, weil P. und seine sehr zahlreichnhängerschaft für eine Sonderkandidatur nicht eingenomnien war. Orei Tage später gelang es sogar, den Herrn Lowlak und noch drei andere einflußreiche Pelen für das iesige Zentrumswahlkomitoe au geidinnen. Daß Redakteur reiok über diese für seine Pläne so ungünstige Wendung der Dinge sehr erbost ist, kann man leicht begreifen. Daß er in seinem Verger den Herrn Pawiak, weil dieser seinen Plan gewissermahen durchkreugt hat, aber jetzt in wahrheitswidriger Weise als sozialistenfreundlich hinstellt, in lehr bezeichnend für den Charakter des Redakteurs Brejekl. Letzterer darf sich darauf verlassen, daß seine Landsleute — wenigstens die einsichtigen und vernünftigen— ihn längst erkannt haben und wissen, weß Geistes Kind ibe Landsmann Breisk ist. In Witten und seiner nächsten in nicht Umaebung wird es ihm gelingen, die Polen auf übwege zu leiten bezw. irre zu führen. Unsere Polen sind, abgesehen von verschiedenen Ausnahmen, fest entschlossen, wie früher, so auch diesmal wieder, für den Zentrumskandidaten zu stimmen. An diesem Entschlusse wird Brejski nichts ändern. Und wenn B. noch einmal nach Witten kommt, dann dürfte er sein blaues Wunder erleben."— Auch in Witten scheint man die Polenfrage etwas zu opamistisch zu deurteilen. Doch sind auch wir der Meinung, und Herr Brejski wird es vielleicht noch am eigenen Leibe erleben, daß nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht ist. Togar aus radikalpolnischen Kreisen erfährt die Taluik der Wiarusleute die schärfste Verurteilung; so schreibt der radikale Lech: „Der Stern des politischen Verstandes leuchtete über den Köpfen des polnischen Hauptwahlkomitees, als es über die dem Zentrum vorzulegenden Bedingungen beriet, nicht, von denen der Oredownit sogar behauptet, daß sie von einer volligen politischen Unreife sprechen. Aus den Beding ungen geht klar hervor, daß das Hauptwahlkontitee eine Einigung nicht erzielen wollte; wozu also hat man erst das Zentrum betrogen?" Es ist natürlich bitter für den Wiarus, sich so etwas von ihm sonst nahestehender Seite sagen lassen zu müssen. Daß der Lech aber Recht hat, wird durch eine Erklärung in der Trem. aufs neue deutlich dargetan. Wir erwähnten bereits, daß die Trem. behauptete, daß„Hauptwahlkomitee" habe mit Absicht an das Zentrum unerfüllbare Forderungen gestellt. Nun veröffentlichte dieser Tage im Kuryer Poznanski Herr Zywolkewitz aus Dortmund eine Erklärung, die auch der Wiarus Polski abdruckt und kommentiert, in der Absicht, den Herrn Zywolkewitz und den Kurver Poznanski dadurch bloßzustellen. In seinem blinden Eifer merkt aber der Wiarus Polski nicht, daß er dadurch selber seine„Ehrlichkeit“ in grellem Lichte zeigt. Die Erklärung des Herrn Zywolkewitz lautete: „Ich Endesunterzeichneter bin am 29. März bei den Verhandlungen des polnischen Hauptwahlkomitees zugegen gewesen, als das Komitee jene bekannten Forderungen an das Zentrum stellte. Ein Mitglied des Wahlkomitees, welches in den Reben gleich nach Herrn Breiski auftrat und jene Resolution ablas, erklärte mir unter Zeugen, daß das Wahlkomitee absichtlich solche Forderungen stelle, von denen es weiß, daß das Zentrum auf dieselben nicht eingehen kann und daß es(das Wahlkomitee) überhaupt, darauf ausgehe, mit dem Zentrum in keinem Falle Hand in Hand zu gehen. Ich bin bereit, diese meine Erklärung jederzeit durch Zeugen zu erhärten.“ Der Wiarus druckt diese Erklärung ab, fügt aber seinerseits in dem zweiten Satze(nach den Worten„Brejski auftrat") folgende Redaktionsbemerkung, also als Notiz der Redaktion des Wiarus Polski, hinzu: Herr Wilkowski aus Schonnebeck. Red. des Wiarus". Dann bemerkt derselbe Wiarus Polski zu der Erklärung des Herrn Zywolkewitz wörtlich: „Zunächst will ich die Bemerkung des„unterzeichneten Kaufmanns in Dortmund" dahin richtig stellen, daß Herr I. Wilkowski kein Mitglied des polnischen Wahlkomitees ist, und daß er bei den Verhandlungen des Wahlkomitees(22. März) gar nicht zugegen gewesen ist." Also in obiger Randglosse bezeichnet der Wiarus Polski selbst— nicht etwa Herr Zywolkewitz— aus eigenem Antriebe Herrn Wilkowski als jenen Reoner, der nach Herrn Brejski gesprochen habe— und einige Zeilen später leuanet er dessen Anwesenheit!!?— Wenn der Wiarus Polski dann weiter bemerkt:„Dieses schon illustriert die Aussage des Herrn Zywolkewitz zur Genüge",— so mag der ehrliche Leser, besonders jeder ehrliche Pole, daraus entnehmen, wie der Wiarus Polski sich selber lügen straft. Die Leute am Wiarus binden sich selbst die Rute vor und merken es anscheinend gar nicht einmal. Was soll ferner der einsichtigere Pole vom Wiarus Polski halten, wenn dieser schreibt:„Herr Zywolkewitz werde niemals für einen polnischen Abgeordneten stimmen, weil er eine Deutsche zur Frau habe“,— ich frage, was soll der vernünftige Pole von der Ehrlichkeit des Wiarus Polski halten, wenn er weiß, daß Herrn Breiski augenblicklich bester Freund der radikale Polenagitator Herr Kolenda aus Dortmund ist— derselbe Kolenda, welcher auch eine deutsche Frau zu seiner besseren Ehehälfte sich ausertoren hat!! Wird nach Herrn Brejski Aussage vielleicht auch Herr Kolenda nicht für einen Polen stimmen?? meisten Städte beider Provinzen, u. a. Köln, Düsseldorf, Krefeld, M.=Gladbach. Rheydt. Wesel. Oberhausen, Ruhrort, Münster, Bochum, Arnsberg. Iserlohn, Witten. An den Beratungen beteiligten sich auch Landtagsabgeordneter andricht Elberfeld und der Vorsitzende vandwerkskammer Dusseldorf, Hartichs. Die Versammlung wählte eine Kommission, bestehend aus 5 Mitglie dern der Elberfelder und Bariner Innungen und felder und Münsterschen Innung, on same Eingabe an die Regierung=###side reiten soll, in der um Einführung de Sonntagsruhe und Abschaffung des tages gebeten wird. Die Versammung einstimmig für die Schaffung tagsruhe im Bäckergewerbe aus. * M ü l h e i m( R u h r), 2 9. A p r i l. E i n S d der kürzlich geflüchtet war, wurde in Amsterdat men Er soll Wechselsälschungen 20 000 Mark begangen haben. Er hat im Sp verloren. Wermelokirchen, 29. April. Der Bahnhofsassistent Mees brachte dem Handlungsgehilfen Hubert Schiffler in einem Streite mit einem Dolch acht Stiche in den Kopf bei, so daß dieser lebensgefährliche Verletzungen davontrug. Der Täter behauptet, zuerst angegriffen worden zu sein. * D ü r e n, 2 9. A p r i l. D a s E i s e n b a h n r e g i m e n t Nr.#in Berlin ist seitens der Eisenbahnbrigade mit den Vorarbeiten für die von Düren oder Lammersdorf nach Hürtgen zu bauende Feldbahn beauftragt worden. Das zur Trazierung erforderliche Kommando in der Stärke von 1 Hauptmann, 2 Leutnants, 8 Unteroffizieren und 15 Mann trifft am 3. Mai hier ein und bezieht hier Quartier. Die Feldbahn soll ausschließlich zum Transport des für den Wiederaufbau der niedergebrannten Ortschaft Hurtgen erforderlichen Materials dienen. i der Kreie gemeinten vorbegesetzlichen nalarbeitsprach sich ermeiner, ##igenom: dobe von viel Geld Gerichtliches. Provinzielles. * W i t t e n, 3 0. A p r i l. E i n h i e s i g e r M a u r e r e r hielt, so berichtet die hiesige Volksztg., vor einigen Tagen einen Mahnzettel über— 31 Pf. rückständiger Steuer, da er aber verreist war, mußte ihm der Mahnzettel zugeschickt werden. Nach Empfang desselben sand er heraus, daß man sich auf dem Steuerbureau verrechnet hatte und 28 Pf. abgezogen werden mußten, da diese schon bezahlt waren— blieben also 3 Pf. Die Bezahlung dieser 3 Pf. verursachte mithin 20 Pf. Unkesten. 10 für Mahnzettel und 10 Pf. für Porto. Erwähnt sei noch, daß unser Gewährsmann keine Schuld daran trägt, daß er dem Staate noch 3 Pf. Steuer schuldete, denn bei den früheren Quartalszahlungen hatte er den überschießenden Pf. stets zurückerhalten. * D o r t m u n d, 2 9. A p r i l. D i e G e m e i n d e v e r t r e t u n g d e r Nachbargemeinde Cörne beschloß einstimmig, eine Vereinigung mit der Stadt Dortmund anzustreben. * Camen, 28. April. Heute Nachmittag 3 Uhr ereignete sich auf Zeche Monopol hierselbst ein schreckliches Unglück. Der Aufzug, der die Kohlen auf die Kotsöfen befördert, löste sich und zermalmte den unter demselben beschäftigten Arbeiter Stanislaus Olzerski vollständig, sodaß der Tod sofort eintrat. Der Verstorbene war 40 Jahre und hinterläßt eine Witwe mit 5 unmündigen Kindern Münster, 29. April. Die Eröffnung des Provinziallandtags der Provinz Westfalen findet am 8. Mai d. J. nach vorausgehendem Gottesdienst, der im Dom und in der Erlöserkirche je um 9 ein halb Uhr beginnt, um 12 Uhr mittags im Landeshause zu Münster statt. Lüdenscheid, 26. April. Der diesjährige Westfälische Städtetag findet am 8. und 4. Juni in Lüdenscheid statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Vorträge: Schankkonzessionswesen und Abänderungsvorschläge zu den jetzt geltenden das Schankkonzessionswesen regelnden Gesetzen. Einheitliche Regelung der Etataufstellung, der der Finanz= übersichten, sowie die Verteilung der Fehlbeträge auf die verschiedenen Steuerarten, die Wasserstraße des Dortmund-Emskanals und ihr Hinterland. * Ostenfelde, 28. April. Vor 10 Tagen verschwand hier die Ehefrau Kaspar Lackamp. Jetzt sand nan dieselbe in einem Fichtenwalde des Frhrn. von Kagel in einem bejammernswerten Zustande, dem Tode nahe, unter einem Baume auf. Ueber die Ursacbe der Flucht vermochte die bedauernswerte Frau noch keine Auskunft zu geben, da sie die Sprache gänglich verloren hat * Gaderdorn, 30. April. Gestern wurden in der Kaelle des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern 27 kostulantinnen eingekleidet und traten in das Roviziat in während 95 Novizinnen die Gelübde ablegten. Die vter vollzog sich während einer heiligen Messe, die der Pischof Güdelm geledrierte osfen. 80 Udril. Om trauriges Ende nahm eine Rauferei zwischen zwei Lohrlingen der Reparaturwerkstatt der der Rania Krupo. Infolge eines Wortwechsels wurde dei Birstia Wildelm Runkler von seinem Kollegen artt einem Eordder auf den Loof geschlagen. sodaß er von seiim Ungugerufenen Vater nach Hause gebracht werden ußte. Gettern morgen gegen 11 Uhr stard der Verlezte infoige Gehtrnblutung. Die Verletzung destand äußerlich mir aus einer kleinen Schramme. * Giberfeld, 80 April. Zwecks Beratung einer an den Bundesrat zu richtenden Petition in der frage der Einführung der völligen Sonntagsruhe m Bäckergewerde fand in Elderfeld ein von 250 Personen besuchter Delegiertentag der Bäcker=Innungen von Rheinland und Westfalen statt. Vertreten waren außer den Städten des bergischen Landes die 6 Bochum, 30. April.(Schwurgericht.) Das Vergewalttätigen Straßenraubes beschäftigte heute wieder das Schwurgericht. Angeklagt waren die Bergarbeiter Josef Augustiniat, Stephan Noniat aus Langendreer und Thomas Augustiniak von Holsterhausen, in der Nacht zum 2. Febr auf der Uemminger Straße zu Langendreer den Arbeiter Anton Robakowski aus Bochum überfallen und beraubt zu haben. Robakowski hatte sich am 1. Februar zum Besuche eunden nach Uemmingen begeben. Gegen halb uar verließ er nach seiner Angabe die Schlingermannsche Wirtschaft, um durch die Uemminger Straße nach dem Bahnhof zu gehen. Zwischen der Blücher= und Karlstraße wollte er plötzlich von mehreren Personen hinterrücks zu # gttirn, geschlagen und seiner Uhr nebst 9.50 Mark baares Geld, welches er in der Westentasche trug, beraubt sein. Kurze Zeit darauf wurde der Ueberfallene bewußtlos von einem patrouillierenden Gendarm aufgefunden und zum Bahnhof geleitet. Am folgenden Tage mußte Rovakowski in das Elisabethhospital überführt werden. Durch die Fußtritte, welche nach Bekundung des Arzmit großer Kraft ausgeführt sein müssen, erlitt der Ueberfallene einen schweren Rippenbruch und erhebliche Verletzung des Brustselles und der Lunge. Robakowski warf längere Zeit Blut aus. Ein Teil des zerbrochenen Rippenknochens war in die Lunge eingedrungen. Die hierdurch eingetresene Lungenblutung und Luftansammlung in verschiedenen Teilen des Körpers konnten sehr leicht einen tötlichen Ausgang haben. Robakowski empfindet noch heute Schmerzen in der rechten Brustseite, zu schwerer Arbeit ist er gegenwärtig nicht tanglich. Ein Augenzeuge des Vorfalls, der Bergmann Ziel, erkannte heute nur den Ueberfallenen und den Angeklagten Josef Augustiniak wieder, der auch zugab, dem R. die Uhr entrissen zu haben. Am Tage nach dem Vorfall äußerte Josef Augustiniak zu einer großen Person(Nowak ist von großer Siatur), inne Ziel vernommen,„den haben wir mi ordentlich gemaßregelt". Ziel vermag aber nicht zu sagen, ob die große Person mit Nowak, welcher jede Beteiligung bestreitet, identisch ist. Nowak, der sein Alibi nachzuweisen versuchte, war in der Zeit von 9 bis 11 Uhr abends nicht gesehen worden. Nach 11 Uhr abends ist er wieder in Begleitung des Thomas Augusttniak in dem Knippingschen Saale ge sehen worden. Die Staatsanwaltschaft plaidierte auf Schuldig sämtlicher Angeklagten. Die Verteidiger des Nowak und Thomas Augustiniak plaidierten auf Freihung. Den Geschworenen wurden 11 komplizierte ragen und eine große Zahl Unterfragen gestellt. Nach anderthalbstündiger Beratung erkannten die Geschworenen Josef Augustiniak und Stephan Nowat des gewaltsamen Straßenraubes und der körperlichen Mißhandlung unter Versagung mildernder Umstände schuldig, dagegen wurden die Schuldfragen gegen den dritten Angeklagten Thomas Augustiniak verneint. Der Staatsanwalt beantragte gegen Josef Augustiniak und Nowak je acht Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Das Gericht erkannte gegen Thomas Augustiniak auf Grund des Geschworenenspruches auf Freisprechung, dagegen wurden die übtigen Angeklagten zu je acht Jahren Zuchthaus, acht Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht verurteilt. Thomas Augustiniak wurde aus der Haft entlassen. W. Hamm, 80. April. Ein für Handlungsgehülfen interessanter Prozeß wurde gestern vor dem Oberlandesgericht in Hamm verhandelt. Der Handlungsgehülfe Carl söhne zu Gevelsberg bekleidete in dem Geschäft der Firma „Gevelsberger Herd= und Ofenfabrik“ den Posten eines Fakturisten, d. h. er übertrug die einlaufenden Bestellung gen aus den Commissions= in die Fakturenbücher und stelltt Rechnungen und Frachtbriefe aus. B. hat das Dienstverhältnis am 5. April gekündigt, worauf die Firma ihn am selben Tage entließ. B. behauptet nun, er sei zu Unrecht entlassen; das Sachverhältnis sei nämlich folgendes: Nachdem er bereits die gleiche Stellung bei einer anderen Kirma bekleidet habe, sei er von der Herdfabrik ausdrücklich als Katturist angestellt worden. Als ihm nun eine andere Beschäftigung zugewiesen worden sei, habe er erklärt, daß er seinen Posten nicht verlassen werde; er sei hierauf sofort entlassen worden. Auf dem Klagewege verlangt er nun Zahlung seines Gehaltes bis zum 1. Juli, wohingegen die Beklagte behauptet, zu einem Beschäftigungswechsel habe der Kläger selbst Veranlassung gegeben. Begen seiner Weigerung, andere Kontorarbeiten zu verrichten, sei auch die sofortige Entlassung gerechtfertigt gewesen. — Gemäß§ 66 H.=G.=B. kann das Dienstverhältnis zwischen dem Prinzipal und dem Handlungsgehülten, für den Schluß eines Kalenderjahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 6 Wochen gekündigt werden. Nach§ 70 kann das Dienstverhältnis von jedem Teile ohne Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Als ein solcher, der den Prinzipal hierzu berechtigt, in es nach§ 72 natmentlich anzusehen, wenn der Handlungsgehülfe sich beharrlich weigert, seinen Dienstverpflichtungen nach zukommen. Das Landgericht in Hagen bat dem Antrage des Klägers gemäß erkannt und die Firma kosteunflichtig verurteilt. Das Oberlandesgericht bob jedoch dieses Urteil auf und wies den Kläger mit der Klage ab, indem es betonte, daß die Geschaftsinhaber Grund gehabt hätten, den Kläger seines Postens als Fakturisten zu entbeden. Der Kläger hade sich aber offenbar beharrlich geweigert, den ihm aufgetragenen Dienstverpflichtungen nachzukommen. Wäre aber die Beklagte befugt, andere Arbeiten als die bisher von ihm verichteten, aufzutragen, und ihn aus Anlaß seiner Weigerung sofort zu entlassen, so würde es auch nichts verschlagen, wenn ne von diesem Rechte erst nach voraufgegangener Kündigung klägerischerseité Gebrauch gemacht habe Düffeldorf, 80. April. Das Smoffengericht verurteilte deute den früheren Ulanenleutnant Krdr. v. Löw von und zu Steinfurt zu sechs Monaten Gefängnis und den Ingenieur Mar Eck zu einer Geldstrafe von 100 Mark. Beide datten am 1. Februar d. J. in der Gesellschaft Verein den Arzt Dr. Weidenmuller gemeinschaftlich mißhandelt. Es find die beiden Parteien, welche auch in die Skandalgeschichte aus der Charlottenstraße verwickelt sind Gelsenkirchen und Umgebung. Gelsenkirchen, 30. April. Auf dem hiesigen Bahnhofe wu C zeitig auswer zu Boden an schwere inner heute ein italienischer Arbeiter von grenden Zuge, dem er nicht mehr recht sen konnte, bei Seite geschleudert und gen. Der Verunglückte hat anscheinend Verletzungen davongetragen. * Zum Papstjubiläum. An der Jubiläumspilgerfahrt der deutschen Katholiten nach Rom nehmen vom Verbande der katholischen Arbei tervereine der Diö gese Paderborn mehrere Präsides verschigdener Ver eine teil. Als Delegierter des Verbandes wird ein Arbei terveieran mit in die ewige Stadt einziehen, der verdiente zweite Vorsitzenoe des Bochumer St. Josephsarbeitervereins Herr Hammerschmied Hoffknecht vom Bochumer Verein. Der rüstige alte Herr wird im Auftrage des Verbandes dem bl. Vater eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreichen. Die in Seide ausgeführte Adresse ist in den päpstlichen Farben gehalten und zeigt auf dem Einband das kunstvoll gestickte päpstliche Wappen mit dem Namenszuge des greisen Völkerhirten Leo XIII. in Gold. Die Schneider=Innung hielt ihre zweite Quartalsversammlung am Dienstag abend im Innungslokale ab. Dem Lehrling W. Lensing(Lehrmeister M. Künzing) wurde mit einer kurzen Ansprache das Gesellendiplom überreicht. Die Sterbekasse betr. machte der Obermeister bekannt, daß die restierenden Gelder aus der früheren freiwilligen Innung der Sterbefasse überwiesen seien. Die Mitglieder der Innung, welche wahrend des Bestehens der freiwilligen Innung der Sterbekasse nicht angehört haben und Mitglieder der Sterbekasse werden wollen, hätten ein Eintrittsgeld von 3 Mk. zu entrichten. Nach dem Berichte des Kassenrevisors wurden im Laufe des Jahres 1366,14 Mk. eingenommen. Die Aus gaben betrugen 1280,94 Mk. +Beinahe erstickt wäre das 1½jährige Söhnchen des Anstreichers B. Während der kurzen Abwesenheit der Mutter war dasselbe mit dem Kopfe unter die Bettdecke gerutscht. Einer Frau, welche auf dem selben Flur wohnte, fiel das eigentümliche Schreien des Kindes auf. Die schnell herbeigerufene Mutter konnte noch im letzten Augenblick das Kind aus seiner bedrängten Lage befreien. An Scharlach sind in Gelsenkirchen=Schalke seit einigen Tagen mehrere Kinder erkrankt. Die meisten Krankheitsfälle sind an der Friedrichstraße zu verzeichnen. * Polizeiliches. Festgenommen wurden hier zwei Personen, welche vor ca. 2 Monaten in GelsenkirchenBulmke ein fremdes Sparkassenbuch sich aneigneten und dann in drei Raten das Geld in Höhe von 238 Mark erhoben und verjubelt hatten. Da der Bräutigam seine Braut mit Erschießen bedrohte, als der Rest des Geldes geholt werden sollte, was diese ansänglich nicht wollte, und Strafantrag gestellt ist, so dürfte der hoffnungsvolle Bursche wohl seiner ver dienten Strafe nicht entgehen. Beide wurden dem Kgl. Amtsgericht zugeführt.— Einen Menschenauflauf verursachte am Dienstag nachmittag eine Frau in der Neustadt, welche mit blutendem Kopfe umherlief und ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen wollte; sie soll von ihrem Manne die Verletzungen erhalten haben. Die sofortigen Feststellungen ergaben, daß sich das Ehepaar D. in Gelsenkirchen=Ueckendorf ge genseitig mit Schnapsflaschen bearbeitet hatte, denn der Mann saß in seiner Wohnung ebenfalls mit blu tendem Kopfe. * H a t t i n g e n, 2 9. A p r i l. I n g r o ß e r G e f a h r s c h w e b t e g e stern der um 1 Uhr nachmittags von Essen H.=B. abgefahrene Personenzug Nr. 873. In der Nähe von Dahlhausen mit Schienenauswechseln beschäftigte Arbeiter, die gerade eine 10 bis 12 Meter lange Schiene schleppten, bemerkten den durch eine Kurve verdeckten Zug so spät, daß sie, um sich in Sicherheit zu bringen, die Schiene fallen ließen; die selbe legte sich auer über das Geleise, auf welchem der Zug heraubrauste. Glücklicherweise gelang es, den ziemlich stark besetzten zng frühzentig in langsame Fahrt zu bringen, so daß er mit so geringer Wucht an das gefährliche Hemmnis stieß, daß weder Passagiere noch Wagen und Lokomotive an Schaden kamen. So wurde durch die Aufmerksamkeit des Zugführers ein unabsebbares Unglück verhütet. 8. Herne, 29. Apcil. In der Herberge Düppe hierselbst gerieten gestern abend ein Dachdecker aus Baukau und ein anderer Gast, welche vorher scherzweise einen Ringkampf veranstaltet hatten, in Streit. Alsdann ein dritter oen Streit schlichten wollte, wurde dieser von einem Dachdeckergesellen aus Bochum mit einem Messer in den Rücken ge stochen. Der erstgenannte Dachdeckergeselle geiff dann zu seinem Tachdeckerhammer und brachte einem der Beteiligten eine Kopfwunde bei. Die bald erschienene Polizei nahm die beiden Tachdeckergesellen fest.— In der Grube der Zeche Shamrock gerieten ame' Pferdetreider an einander, wobei einer den anderen mit der Grubenlampe an den Kopf schlug. Der Getroffene ist verletzt und vorläuf arbeitsunfähig. Ein arbeitsloser Bergmann mietete sich vorgestern umer der falschen Vorspiegelung, er sei als Aufseher auf dem Lntschacht der Zeche Shamrock hierselbst eingestellt, in der Rosenstraße bei einem Bergmann ein. Hier ließ er sich Essen und Trinken gut schmecken und als er merkte, daß sich die Frau Tags nachher nach der Richtigkeit seiner Angaben erkundigen wollte, verschwand der Schwindler auf Nimmerwiedersehen, nachdem er noch aus einer an der Wand hängenden Joppe Geldbeträge entwendet hatte. Der Gauner wurde heute vormittag auf der Bahnhofstraße festgenommen. — Wattenscheid, 1. Mai. Am nächsten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, findet im Saale der Witwe Rörig eine Versammlung des Volksvereins statt. An alle katholischen Männer und Jünglinge ergeht der Aufruf an dieser Versammlung teilzunehmen. Tüchtige auswärtige Redner haben ihr Erscheinen zugesagt. Wattenscheid, 30. April. Mit Rücksicht auf die am 7. Mai stattfindenden Erezitien für Männer, ist der Anfang der Maiandacht auf 6 Uhr abends festgesetzt. S. Wattenscheid, 30. April. In der heutigen Schöffen gerichtssitzung wurde der Anstreichergeselle Robert Lemsen wegen Diebstahls mit einer Woche Gefängnis bestraft.— Wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes waren angeklagt die Bergleute Vernhard Rosinski aus Hordel, sowie Wladislaus Sezerca, Wermuth Kasperski, Andreas Zang, Johann Szimkowiak, Anton Faßa, Joseph Jenarcyezak, Franz Nowak, Joseph Andrezegewski und Joh. Marezikowsn von Günnigfeld. Sämtliche Angeklagte erhielten 15 M. Geldstrafe.— Die Dienstmag Anna Voß von hier wurde wegen groben Unfugs(es handelte sich um den fingierten Diebstahl, welchen dieselbe im Februar ihrem Dienstherrn, dem Uhrmacher Nottebaum, vorgeschwindelt hatte) mit drei Tagen Gefängnis bestraft.— Die Ehefrau Hermann Ob luda, wurde von der Anklage der Beleidigung freigesprochen.— Der Milchhändler Andreas Hildebrand aus Westenfeld erhielt wegen Beleidigung 100 Mark Geldstrafe. Vermischtes. h. La Rochelle, 30. April.(Telegr.) Verflossene Nacht sind zwei Haubitzen, welche auf den Festungswällen ausgestellt waren, gestohlen worden, ohne daß die Diebe bisher ermittelt sind. h Cannes, 30, April.(Telegr.) Gestern wurden mehrereRevolverschüsse auf einen Expreßzug abgegeben. Einer Dame wurde der Hut durchlöchert. Andere Personen wurden leicht verletzt. Eine Untersuchung ist eingeleitet. W Marseille, 30. April.(Telegr.) Loubet ist heute nachm. 2 Uhr auf der Rhede eingetroffen. m. Rom, 28. April. Vor den Turiner Gerichten beginnt am 1. Mai der Prozeß gegen die Direktoren der dortigen Distontobank. Dieses Institut hat bekanntlich im Vorjahr seine Zahlungen eingestellt, wodurch viele, hauptsächlich kleinere Kapitalisten an den Bettelstab gebracht worden sind. Die Sache besitzt ein weiteres Interesse, weil, wie es heißt, die Freunde des verhafteten Direktors sensationelle Enthüllungen dabei machen wollen, wodurch hervorragende politische Persönlichkeiten aufs ärgste kompromiert werden würden. Dieses betrifft jedoch nicht lediglich Italiener, sondern auch Franzosen und u. a. den früheren französischen Minister Floureus, der eigentlich immer nur dadurch eine Rollc spielte, daß er einen Deutschenhaß zur Schau trug und mit den unglaublichsten und albernsten sogenannten Enthüllungen, bei denen natürlich Deutschland immer sehr schlecht wegtam, paradierte. h. Lemberg, 30. April.(Telegr.) Ein in der Nacht in Putintguce ausgebrochener Brand äscherte 227 Wohnhäuser ein. Die von dem Brande im Schlafe überaschten Einwohner konnten nur das nackte Leben retten. Zwei Kinder kamen in den Flammen um; 13 Personen erlitten schwere Verletzungen. Vulkan=Katastrophe. W Newyork, 30. April.(Telegr.) Gestern früh 4½ Uhr wurde in Frank, einer kleinen bergbautreibenden Stadt in der Nähe der Felsengebirge in Albertaterritorium in Kanada an der Grenze der Ver einigten Staaten ein Erdstoß verspürt. Gleich darauf erfolgte auf dem Tuertleberge, welcher die Stadt überagt, vermutlich ein vulkanischer Ausbruch. Millionen Tonnen von Gestein wurden niedergeschleudert und versperrten die Grubenzugänge. Ein zelne Gebäude wurden 100 Fuß tief begraben. Der Berg wirft noch immer Gestein aus. Nach einer Mel dung aus Mac Leod, 60 Meilen östlich von Frank, sind 83 Familien unter dem Felsen begraben. Das ganze Land rings um den Tuertleberg ist in einem Umkreis von 20 Meilen mit Lava und Schlacke Ledeckt. Der Fluß ist über die Ufer getreten, da das Flußbett mit Lava angefüllt ist. T Vanconver(Britisch Columbia), 30. April. (Telear.) Nach den letzten aus Frank hier einge troffenen Nachrichten wird angenommen, daß die Katastrophe in Frank einem Bergsturz zuzuschreiben ist. Den vermeintlichen Vulkanrauch hält man jetzt für Staubwolken, die durch die stürzenden Massen aufgewirbelt wurden. Zwei von 17 unter den Trümmern begrabenen Bergleuten erstickten, die übrigen wurden gerettet. Die Gesamtzahl der getöteten Personen wird auf 95 geschätzt. Der durch den Ort fließende Fluß ist durch die fast 100 Fuß breiten Felsen einge dämmt. Es sind Arbeiten im Gange. um dem Fluß ein neues Bett zu graben. Die meisten Häuser sind durch die Erschutterung infolge des Niedersturzes des Gesteins unbewohnbar geworden. Die Eisenbahn ist durch Gestein gesperrt, die Telegraphenlinien sind anterbrochen. — Folgendes Attest wurde, so behauptet das Mainz. Journ., in Mainz einem Dienstmädchen ausgestellt:„Inhaberin hat ein Jahr weniger 11 Monate— bei mir gedient und in dieser Zeit sich fleißig— vor den Haustüren, genügsam— in der Arbeit, sorgsam— für sich selbst, geschwind— im Ausreden, freundlich— gegen Mannspersonen treu— ihrem Liebhaber und ehrlich— wenn alles verschlossen war— gezeigt. LAVSSBE N verre ERa Nachrichten. Kohlenfund. T Reckling hausen, 30. April.(Telegr.) Auf dem neuen Schacht der Zeche König Ludwig bei Recklinghausen wurde heute ein Flötz von einer Größe vorgefunden, wie es im ganzeu rheinisch=westfälischen Industriebezirk noch nicht gesehen wurde. Ein Amnestieerlaß in Sachsen=Weimar. Weimar, 30. April.(Telegr.) Eine Sonderausgabe der Zeitung Deutschland veröffentlicht einen landesherrlichen Erlaß des Großherzogs von SachsenlWeimar=Eisenach, wodurch aus Anlaß der Vermäh lung des Großherzogs Amnestie für alle diejeni gen Personen gewährt wird, welche wegen politischer und anderer in dem Erlaß aufgezählter Verbrechen verurteilt worden sind. Der Kampf gegen die Kirche in Frankreich. W St. Laurent, 30. April.(Telegr.) Ein Mit arbeiter des Matin, der in seinem Blatte die Haltung der Karthäuser wiederholt abfällig beurteilte, wurde bei der gestrigen Ausweisung der Mönche von der Menge umringt und durch Stockhiebe schwer verletzt, sodaß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Staatsanwalt leitete eine Untersuchung ein. ! Grenoble, 30. April.(Telegr.) Die ausgewiesenen 23 Karthäuser wurden nach einem Verhör vor dem Untersuchungsrichter freigelassen. Abends begaben sich 2000 Manifestanten, darunter mehrere Dockarbeiter, nach dem Kapuzinerkloster. Die Polizei schritt ein und trieb die Ruhestörer zurück. 15 Personen, darunter mehrere Polizeibeamte, wurden leicht verletzt. W Nancy, 30. April.(Telegr.) Der Bischof Furiney, der in einem benachbarten Orte eine Einsegnungsfeier leitete, wies auf die gegenwärtige Lage hin und erklärte, er sei zu allem bereit. Er hoffe, daß seine Aufopferung die Katholiken zu einer energischen Haltung veranlasse. Die Balkan=Wirren. WEB Konstantinopel, 29. April.(Telegr.) Die Nachrichten über das milittärische Vorgehen der Pforte gegen die aufständischen Albanesen im Vilajet Ueskueb sind sehr widersprechend. Ein Zusammen stoß scheint noch nicht stattgefunden zu haben, man glaubt auch in den Diplomatenkreisen, daß ein solcher unterbleiben wird, da der Befehl ergangen ist, möglichst jedes Blutvergießen zu vermeiden. Die Ge rüchte von großen türkischen Rüstungen werden als stark übertrieben bezeichnet. W Geestemünde, 30. April.(Telegr.) Auf Tecklenborgs Schiffswerft wurde sämmtlichen 1600 Arbeitern zum 14. Mai getündigt, weil der Ar beiterausschuß sich weigerte, die im hiesigen sozialde mokratischen Blatte veröffentlichte Warnung vor Zu zug von Werftarbeitern W Bückeburg, 30. April zurückzunehmen. (Telegr.) Heute nach mittag 3 Uhr fand die kirchliche Trauung des Groß herzogs von Sachsen mit der Prinzessin Karolina von Reuß in der Schloßkirche statt. Darauf begann im Schlosse das Diner. Der Kaiser brachte den Trink spruch auf die Neuvermählten aus. Fürst Georg von Schaumburg dankte dem Kaiser für sein Erscheinen und brachte ein Hurra auf den Kaiser aus. Nach Aufhebung der Tafel, 7 Uhr abends, reisten die Neuvermählten nach Hannover, um sich morgen von dort nach Heinrichau in Schlesien zu begeben, wo sie den Mai verbleiben. Unsere Leser bitten wir, sich bei Einkäufen stets auf unsere Zeitung zu beziehen, damit die Inserenten auf die Wirksamkeit der Anzeigen aufmerksam gemacht werden. Die Geschäftsstelle. 500 nnouume Mpzeigen werden auf Bous nicht veröffentlicht. Wir müenss kontrolliren können, ob die Auftraggeber wirklich Abonnenten unseres Blattes sind, da nur solchen Sie Vergünstigung der Bonanzeigen gewährt wird. Die Geschäftsstelle. Gelsenkirchen(Stadt u. Land) Die gerseinschaftl. Sitzung der 5 Windthorstbunde des kreises findet am Conniag, den 3. Mai im katt. Vereinehaufe zu Borhun statt. gemeinsamen Jahrt versammeln sich die Mitglieder um 2¼ Uhr im Rlesautaut Hermannstraße Um zahlreiche Erscheinen bittet Der Vorstaus. Heute von 8 Uhr ab soll auf dem städtischen Schlachthof das Fleisch ein rperssuchtigen Kuh,: as 4°sd. zu 40 Pfg., verkauft werden ie Sclachtge Verwaltung. Richtere herschaftl. ungen in der Mitte de Stadt von 6 Räumen mis allen Bequemlichketten(Da und wauer sofort oder opater vermieten Näh. Gelsenkirchen Morastraße 7 Driburg. Teutoburger Wald, Stuion Altendeten=Holz nindener Bahn, Caspar=Heinrich=Quelle— mildeo Wildungen— Hauptquelle. Hersterquelle gegen Leiden der Nieren= und Laruoe, anc, Gick. t. Rheumatiemns. 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Ziemlich kühl, windig. 4 Die Wahlbewegung hat auf der ganzen Linie begonnen und nimmt befonders im rhein.=westf. Industriebezirk die scharfe Form des immer heftiger werdenden Kampfes an. Unser Blatt verfolgt als parteipolitisches Organ die Wahlbewegung mit besonderer Aufmerksamkeit und berichtet am raschesten und eingehendsten über alle wichtigeren Vorkommnisse im ganzen Reiche, besonders aber über alle Ereignisse und Zwischenfälle des Kampfes in den Wahlkreisen des Industriebezirks. Hierzu befähigen uns unsere vortrefflichen Verbindungen und zahlreiche Gewährsmänner in Stadt und Land Man überzeuge sich durch einen Versuch! Wer der Sache des Zentrums dienen und sie fördern will, der unterstütze uns in der Gewinnung neuer Leser und Abonnenten. In jede kath. Familie gehört eine kath. Zeitung. Gern liefern wir die Zeitung jedem, der sie kennen lernen will, acht Tage lang gratis. Jeder neu hinzutretende Abonnent erhält das Blatt auf Verlangen bis zum 1. 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Königlich Preußischen Blassenlotterie. 4. Klasse. 5. Ziehungstag 29. April 1903. (Ohne Gewähr. A. St.=A. f. B.)(Nachdruck verboten). In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über 232 Mk. gezogen: 1 Gewinn à 50000 Mt. 1 Gewinn à 90000 Mt 1 Gewinn a 10000 Mf. 2 Gewinne à 5000 Ml 90 Gewinne à 9000 Mi 41004 44121 60279 61618 11 604 120f#2 122398 106283 174584 174777 40 Gewinne 1000 Mi 3852 38 6° 9 373 41224 61019 64/81 64281 71154 99548 107002 112730 172790 17.146 176/89 219176 222321 71 Gewinne à 511 Mt. 7401 9951 10125 2881 29675 10300 91083 35011 35951 52373 52930 53931 5912 5580.: 63. 9 96255 102170 106124 107002 108155 11 121092 122241 128 58 124016 1214 271 140/273 141132 145156 15329 15 100 35 178755 170374 182377 1843101 188 1226 1954399 199951 197406 207350 2 218145 219057 20021 2238 In der Nachmittags=Ziehung nurden Gewinne über 292 Mt 2 Gewinne n 1500 I. 101287 1 3 Gewinne à 5000 Mt 37 Gewinne à 311 Mf. 22120 24901 28177 33482 67200 8519 91149 974 128707 1N81. 1728 212704 220122 221995 44 Gewinne 1000 Ml. 2·022 2917 H62 52997 7 1440 779.4 7805 1121 138789 1789 6 179410 214615 220511 61 Gewinne à 500 Pll. 41307 42215 551.2 79240 2061 8.348 72522 100615 1043. 31954 18·40 15 4½ 171072 1812 W 184577 185739 99 217227 14076 30128 15857 1114 79189 112105 135125 815 19 1324 211270 41731 14114 103108 59306 91915 1614 201178 17095 6770 70200 11 1 197376 8976 19.958 215256 gczogen: Bier! 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