* ladbecker Zeitung. für das Amt Erscheint täglich mit der Sonn= und Feiertage. Sbonnementspreis einschließlich Bringerlohn, pro Monat 80 Pfg.; durch die Post bezogen vierteljährlich 1.82 Mr. Bestellungen werden bei allen Postanstalten und Zeitungsboten sowie in der Geschäftsstelle entgegen genommen. Teleson; Amt Horst=E. 344. Telegr.=Adr.: Zeitung, Gladbeckwestfalen. Wöchentliche Gratis=Beilage: Illustrierte Sonntags=Zeitung. Redaktion, Druck und Verlag: Alfons Theben, Sladbeck i. 28. Geschäftstelle: Gladbeck, Hochstraße 118. Geöffnet von 8—12 Uhr vormittags und 2—7 Uhr nachmittags. Sonn= und Feiertags geschlossen. Inserate: Die einfache Garmondgelle over deren Raum 15 Pf. Reklamen: Jode Zeila 50 Mf. Anzeigen, welche bis 2 Uhr nachmitags etestresfer, Ferden in der Nummer des folgenden Tages Aufnahme, größere Anzeigen bis morgens 9 Uhr erbeten.— Für die Erfüllung von schriften wird keine Gewähr übernommen.— Bei# wrunsnüie becherihee, Heht bien 2e. wird der bewil Nr. 23. Gladbeck, Mittwoch, den 20. Januar 1900. 20. Jahrgang. * Dir bitten unseren Leserkreis angesichts des bevorstehenden Monatsilechsels auch weiterhin für ansere Zeitung das rege Interesse zu bekunden, wie bisher und für unsere Zeitung fleißig werven zu wollen. Die gegenwärtige politische Lage erfordert von jedem denkenden Staatsbürger, daß er sich in einer politischen Zeitung, die durch ihre zahlreichen Beziehungen zu den parlamentarischen Kreisen, durch gute Informationen und schnellste Berichterstattung eine sichere Führerin durch die politischen Wirrnisse ist, orientiert. Allen Bewegungen und Strömungen 4 2 6115 1 W wird in unserer Zeitung besonderes Augenmerk zugewandt: sie wird hierin von keiner anderen Zeitung übertrofsen. Ein großer Stab von Mitarbeitern bietet die Gewähr für schnelle Berichterstattung über alle wichtigen und interessanten Vorkommnisse. Für die Frauenwelt trifft unser Blatt eine sorgfältige Auswahl hervorragender Unterhaltungslektüre, damit es immer heimischer in allen Familien werde In denen christlicher Sinn und Geist gepflegt wird. Die englische Arbeiterpartei. (Von unserem ständigen Londoner Mitarbeiter.) In England hat man sich an die Existenz einer selbständigen politischen Arbeiterpartei noch nicht recht gewöhnt, und ebenso wenig an den Sozialismus. Das große Publikum sieht immer noch den Tradesunions=Kongreß als das eigentliche„Arbeiverparlament“ an, obwohl dieser Kongreß niemals einen nennenswerten Einfluß besessen hat, und jetzt durch die Arbeiterpartei vollends in den Schatten gestellt ist. Nun hat in dieser Woche die Arbeiterpartei(wie bereits kurz behandelt. D. Red.) ihre Generalversammlung gehalten. Aber die Art, wie die liberale und die konservative Presse barüber berichtet, zeugt von überraschender Unkenntnis der Dinge. Wie vor ein paar Jahrzehnten in Deutschland, so beginnt jetzt auch in England eine umsangreiche Literatur über den Sozialismus zu erscheinen, teils dafür, teils dagegen, teils wirtschaftlich und geschichtlich erklärend; man steht eben immer noch vor einem Novum. Die englische Arbeiterpartei ist eine Organisation, die einerseits aus sozialistischen Gesellschaften und inderseits aus Tradesunions und TradesunionsVerbänden besteht. Diese letzten stellen die große Masse der Soldaten; denn während die gesamte Parbei jetzt über eine Million Mitglieder zählt, kommen auf die sozialistischen Gesellschaften nur einige 20 00. In einige Tradesunions ist der Sozialismus eingedrungen, viele andere aber stehen auf dem alten Standpunkt und wollen vom Sozialismus nichts wissen. In der praktischen Politik hat dieser Gegensatz die Arbeiterpartei nicht viel gestört; denn bei der gesetzgeberischen Arbeit im Parlament kommt es für sie schließlich nur darauf an, für die Arbeiter möglichst günstige Bedingungen herauszuschlagen. Aber auf der Generalversammlun; wurde natürlich auch viel theoretisiert; und die überzeugten Sozialisten wollten, daß die Partei vor aller Welt ein sozialistisches Glaubensbekenntnis ablegte. Der Parteileitung war das unbequem, denn sie harte auf die Tradesunionisten der alten Schule Rücksicht zu nehmen. Um so mehr als die liberale Arbeitergruppe des Bergarbeiterverbandes sich in einigen Wochen darüber entscheiden soll, ob sie sich von der liberalen Partei loslösen, und der Arbeiterpartei förmlich beitreten solle. Das wäre für die Arbeiterpartei, die gegenwärtig 29 Abgeordnete zählt, ein so beträchtlicher Zuwachs, daß es schon etwas zweckentsprechendes Vorarbeiten in der Stellungnahme zum Sozialismus wert wäre. Aber die sozialistischen Doktrinäre wollten ihren Willen durchsetzen und brachten ihre Resolutionen zur Abstimmung. Und nun ergab sich das Kuriosum, daß die Partei an dem einen Tage die eine sozialistische Resolution mit einer Stimmenmehrheit von zehn zu eins ablehnte, aber an dem nächsten Tage eine andere mit einer ganz anständigen Mehrheit annahm.„Das läßt tief blicken,“ meinte dazu die bürgerliche Presse; und zumal die kleine Londoner Halspennypresse, die„Daily Mail“ und der„Daily Expreß“ gerieten ganz aus dem Häuschen, prophezeiten eine Spaltung der Partei und dergleichen mehr. Aber solche Selbstwidersprüche stehen nicht einzig in der Welt da. Im deutschen Reichstag wurde im Sommer 1893 über die Einführung von Staffeltarisen auf den Essenbahnen beraten. Es standen zwei Resolutionen auf der Tagesordnung, die eine für die Staffeltarise und die andere dagegen. Das hohe Haus bekundete seine Sachkenntnis und seine Unparteilichkeit dadurch, daß es nicht nur in derselben Sitzung, sondern unmittelbar hintereinander, erst die eine und dann die zweite Resolution annahm! Unkenntnis wird bei den Delegierten der englischen Arbeiterpartei nicht der Grund gewesen sein, daß sie einmal so und das andere Mal so stimmten; konsequent kann man ihr Verhalten freilich auch nicht nennen. Aber man muß berücksichtigen, daß die Partei in den letzten Jahren regelmäßig solche sozialistischen Resolutionen angenommen hat, und daß sogar der Tradesunionskon= greß dasselbe getan hat. Mit einem solchen Bekenntnis zum Sozialismus hat es nicht übermäßig viel auf sich. Die englische Arbeiterpartei ist längst nicht so doktrinär wie die deutsche Sozialdemokratie; sie ist nicht auf den Marxismus eingeschworen, und bekümmert sich fast ausschließlich um praktische sozialpolitische Fragen. Daß sich einige doktrinäre Sozialisten unter ihnen befinden und auch im Parlament sitzen, ist nicht zu leugnen: trotzdem aber nimmt die Arbeiterpartei einen regen Anteil an der sozialpolitischen Gesetzgebung und hat trotz ihrer kleinen Zahl durchgesetzt. daß mehrere Regierungsvorlagen in ihrem Sinne abgeändert wurden. Mit der regierenden liberalen Partei steht die Arbeiterpartei zurzeit in einem leidlich guten Verhältnis; aber sie verfolgt eine unabhängige Wahlpolitik, stellt überall, wo es angeht, eigene Kandidaten aus, und muß im Zweifelsfall von jeder Regierung als Opposition betrachtet werden. Dabei fallen vorläufig ihre 29 Abgeordneten noch nicht sehr schwer ins Gewicht; wenn ihre Zahl sich aber verdoppelt oder verdreifacht, wird sich ihr Einfluß sehr unbequem geltend machen, zumal da schon die 80 irischen Nationalisten das alte Zweiparteiensystem aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Gedenktage. — 914 Karl der Große gestorben. 1726 Der Jugendschriftsteller Christian Felix Neisse geboren. 1807 Der Nordvolfahrer Mac Clure. Entdecker der nordwestlichen Durchfahrt geboren. 1841 Der Afrikaforscher Heuro Morton Staulen geboren. 1841 Der Tonkünstler Viktor Neßler geboren. 1858 Eröffnung der Panama=Eisenbahn. 1867 Der Norddeutsche Bund erwirbt für 9 Millionen Mark das Thurn= und Taxissche Postwelen. 1888 Der Dichter Adalbert Stister gestorben. 1871 Kavitulation von Paris. Tagesspruch. Gah dir das Glück wie das Geld nur dienen und lern' es beherrschen. Acht' es für das, was es ist: Mittel zum schöneren " Zweck. Gouterweck, Vergeltung. Erzählung von Karl Man. 99. Fortsetzung. (Nuchdruck verboten). VI. Am anderen Morgen lief eine Nachricht durch das Dorf, welche selbst die Unbeteiligten in nicht geringe Aufregung versetzte. Der Buschwebel wurde vermißt. Der Leutnant war schon am frühen Morgen in dienstlicher Angelegenheit in Finsternberg gewesen und nach dem Feldhofe gegangen, um seinen Untergebenen aufzusuchen. Dort hatte er in Ersahrung gebracht, daß dieser gestern abend in den ld gegangen und bis jetzt noch nicht zurückgekehrt sel. Eine Befragung der Soldaten hatte ergeben, daß er während der Nacht keinen der ausgestellten Posten inspiziert habe, und es ließ sich also vermuten, daß ihm schon am frühen Abend ein Unglück zugestehen sei. Aus diesem Grunde wurden alle verstgbaren Personen in den Wald beordert, um densel. ber nach dem Vermißten abzusuchen, und gegen Mit. tag schon brachte einer von ihnen die Dienstmütze mebels. Sie hatte an der verschütteten Mündung des Stollens gelegen und trug die deutlichen Spuren eines kraftvollen Hiebes, der auf den Kopf ihres Trägers geführt worden war. Jetzt gab es keinen Zweisel mehr; der Feldwebel war in die Hände des Waldschwarzen geraten und entweder bereits tot, oder er wurde an einem verborgenen Orte in Gefangenschaft gehalten. Der Offizier zog darum auch die in der Umgegend stehende Manuschaft herbei, um nichts unversucht zu lassen, der Person oder der Leiche des Verlorenen wieder habhaft zu werden; das sämtliche Forst= und Grenzpersonal wurde in Alarm versetzt, und selbst eine Menge Zivilisten requiriert, um ja nicht aus Mangel an Kräften eine Spur unentdeckt zu lassen. Die Nachbarn standen vor dem Dorfe auf der Gemeindewiese und teilten sich ihre Vermutungen mit, als ein neues Ereignis ihre Aufmerksamkeit erregte. Die Pforte des Bachhoses öffnete sich, und der Bauer trat heraus. Er trug die Sonntagsjacke und wurde von dem Jungknechte geführt, welcher den Weg nach dem Feld: einschlun „Der Bachbauer geht nach dem Feldhof? Der jüngste Tag ist vor der Tür: schlagt drei Kreuze und werft die Hände über dem Kopf zusammen! meinte einer. „Wart's erst ab, ob er auch wirklich hineingeht; er kann ja auch vorüber wollen!" anwortete ein anderer. „Siehst denn nicht, daß er grad nach dem Tore einbiegt? Jetzt tritt er ein. Was mag er beim Feldbauern wollen?“ „Das wirst schon noch erfahren, denn wenn die beiden zusammenkommen, da schallt's im ganzen Dorfe zurück!“ „Ist wer im Hof?“ fragte, Frieders Vater, als er das Tor hinter sich hatte, seinen Führer. „Ja, ein paar Knechte und Mägde die uns ganz verwundert anschaun. Und dort kommt grad auch die Tochter unter die Tür.“ „Gib ihr den Wink, und führ' mich hin.“ Martha erbleichte vor Schreck, als sie ihn erblickte, doch wartete sie, bis er vor ihr stand. „Grüß Gott, Martha! Ist der Vater daheim?“ fragte er. „Ja, er hält den Mittagsschlaf“, antwortete sie. „So wecke ihn, und führe mich einstweilen in die Eine Regierungskrise in Aus hervorragend christlich=sozialen Kreisen erhält der Wiener Mitarbeiter der„Schles. Volkszeitung“ folgende Mitteilungen: Die Stellung der Christlichsozialen in der Regierung entwickelt sich wenig zu ihrer Befriedigung. Sie haben Verhältnisse vorgefunden, die ihrer Arbeitsfreudigkeit arge Hindernisse in den Weg schieben. Namentlich Minister Dr. Gersmann, dieser Mann der Agilität und des praktischen großzügigen Schafsens, ist bisher noch nicht in den Besitz eines Portefeuilles gelangt, denn das ihm zugesprochene Arbeitsministerium ist noch immer nicht gebildet, obwohl Dezember als letzter Termin für dessen Schaffung von der Regierung selbst bezeichnet worden war. Soviel ersichtlich wird, hat man es nicht einmal heute eilig mit der ernsten Durchführung und Absicht, ein Arbeitsministerium zu schaffen, sodaß sich die christlichsoziale Partei und ihre Vertreter in der Regierung immerfort hingehalten sehen. Es wächt deshalb täglich die Mißstimmung. Man scheint in der Regierung zu verkennen, daß die christ. lichsoziale Partei ganz anders konstruiert ist, als die andern„bürgerlichen Parteien“, in denen jede Schwierigkeit damit aufhört, daß einer ihrer Leute ins Ministerium eintritt und sei es dort auch der nichtssagendste Posten, den er erhält. Die christlich=sozialen Männer, die heute in der Regierung sitzen, folgten nicht persönlichem Ehrgeiz. sondern dem Berufe, den jede große Partei gegenüber einer parlamentarischen Regierung hat, und wenn sie diesen Beruf, ihren Parteieinfluß und ihre Parteigrundsätze praktisch betätigen zu können, aus irgend einem Grunde nicht zu erfüllen vermögen, dann tritt der Gedanke des Austritts aus der Regierung nahe heran. Es ist aber gar keine Frage, daß in diesem Falle die Christlich=sozialen der Mantel wären, dem auch der Herzog nach müßte. Auch Ministerpräsiden: Baron Beck würde dann am Ende seiner Regierungsmacht stehen, denn die Uebersiedelung der chvistlichsozialen Partei in eine Oppositionsstellung macht ihn nach den einfachen Gesetzen der parlamentarischen Zahlenmechanik unmöglich. Zu allem kommt noch daß auch im Ackerbauministerium, das der ausgezeichnete Dr. Ebenhoch gegenwärtig innehat, die Verhältnisse gegenwärtig alles eher als einladend sind Kurz und gut: Die Christlich=sozialen sind auf dem Sprunge, aus der Regierung auszuscheiden, eine Veränderung, die von sehr großen Folgen begleitet sein würde. Deutsches Reich. Die Ostseefrage wird im Auslande noch immer weiter erörtert. Es besteht indessen jetzt kein Zweifel mehr, daß die anfänglich von auswärtiger Seite verbreiteten Nachrichten böswillig ersunden waren. Es handelt sich bei der ganzen Sache lediglich um eine Folgewirkung der Unabhängigkeitserklärung Norwegens. Wie letzteres durch einen internationalen Vertrag aufs neue eine Sicherstellung seines Gebiets erreicht hat, so wünscht auch Schweden durch Abmachungen mit seinen Nachbarn wieder in eine ähnliche sichere Lage zu kommen, wie sie 1856 ihm zusammen mit Norwegen durch den bekannten Vertrag mit Englaus und Frankreich gewährt war. Der Rheinisch=westsälische Gauverbaus der beuischen Mittelstandsvereinigung hielt, wie berichtet, dieser Tage in Elberselb einen Gautag ab, in welchem man sich mit Recht gegen eine gesonderte parlamentarische Interessenvertretung aussprach. Aus den Verhandlungen sei noch besonders hervorgehoben, daß Reserendar StockyDüsseldorf folgende Leitsätze begründete, die von der Versammlung einstimmig gutgeheißen wurden: 1. Die Mittelstandsvereinigung ist eine rein wirk. schaftliche, berufsgenossenschaftliche Organisation zur Förderung der Standesinteressen des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes, eine Organisation zur Durchführung der Selbsthilfe und zur Anregung der Staatshilfe. 2. Parteipolitische und konsessionelle Bestrebungen sind grundsätzlich ausgeschlossen. In der Politik läßt die Vereinigung ihre Interessen durch die freundlich gesinnten bürgerlichen Parteien vertreten. 3. Dies schließt jedoch nicht aus, daß die den verschiedenen Parteien angehörigen Mitglieder der Mittelstandsvereinigung systematisch und ständig auf Stube! Bleib' hier im Hof“, wandte er sich dann an den Knecht,„bis ich Deiner wieder bedarf!“ Sie nahm ihn bei der Hand und leitete ihn in die Stube, wo sich auch die Bäuerin besand, die ebenso erschrak, wie vorher die Tochter. „Ihr wollt zum Bauer?“ fragte sie erstaunt nach gewechseltem Gruße. „Ja, zu ihen. Ein gar seltener Besuch, nicht wahr?“ „So selten, daß ich beinahe Angst bekomme“ „Vor mir oder vor ihm?“ „Vor Euch nicht, Bachbauer. Wer brav und recht handelt, braucht sich nicht vor Euch zu fürchten.“ „Das will ich meinen! Und grad darum werft Eure Angst hinaus, denn niemand hat so wenig Grund dazu wie Ihr. Ich komme in einer Sache, die gar gut und löblich ist, und wenn's so geht, wie ich denke, so bringe ich Frieden und Freundlichkeit.“ Martha war unterdessen gegangen, um den Vater zu wecken. Sie kehrte zurück, um sein Erscheinen anzukündigen, und hatte noch nicht ausgesprochen so stand er bereits hinter ihr. „Oho, wer ist denn das? Der Goliath, der nicht lernen will, rechtschaffenen Leuten aus dem Weg zu geben? Jetzt kommt er gar noch auf den Feldhof und verpestet mir die frische Luft. Mach' Dich von hinnen, sonst gebrauche ich mein Hausrecht und setze Dich hinaus!“ rief er höhnend aus. „Das wirst nicht tun. Ich bin heute eine heilige Person, die selbst der ärgste Feind nicht anzutasten wagt“, antwortete der andere. „So! Bist etwa als heilige Blindekuh in den Kalender gesetzt worden?“ „Den Spott vergeb’ ich Dir. Du denkst, Du hast ihn billig, aber glaube mir, er ist eine teure Ware! Ich komme mit Dir zu reden, mit Dir ganz allein. Hast keine Stube für Dich?“ „Für mich? Der ganze Hof ist mein, also brauchst für die Stube nicht bang zu sein. Doch darfst nicht denken, daß ich mir von Dir die Vorschrift geben lass'. Deine Heiligkeit ist nicht weit her, das weiß ich ganz genau, und was Du mir zu sagen hast, kann jeder andere hören.“ „Es ist nur für Dich allein, und Dein eigenes Interesse will, daß es niemand höre.“ „Mach' keine Fabelei! Entweder sprichst oder gehst, das ist mein Bescheid Ich wüßte nicht, was Du dem Feldbauer für Heimlichkeiten zu sagen bättest.— Bleibt da!“ gebot er den Frauen, welche Miene machten, sich zurückzuziehen.„Nun heraus damit, und so kurz wie möglich! Was bist für eine heilige Personage geworden?“ „Ich bin als Freiersmann auf den Feldhof gekommen.“ „Als Freiersmann? Ein blinder Brautwerber? Das müßte einen schönen Ehestand geben! Willst etwa die Düngermagd für Deinen Studenten daben? Nimm sie hin, und schau, daß ich Dich nun los werde.“ „Halb hast recht geraten; der Frieder ist's, der mich schickt, doch nicht um die Magd, obgleich das keine Schande sein würde, wenn sie brav ist und ihre Sache versteht.“ „So wüßte ich weiter nicht, wen Du begebrst. Ich brenne vor Neugierde: sag' rasch, wem solch ein Glück beschert werden soll.“ Er setzte sich mit einer Miene auf den Stubl. als erwarte er eine vergnügte Unterhaltung. Martha war bleich geworden, und die Bäuerin gitterte beinahe vor Sorge um das Kommende. Der Bachbauer war der einzige, der seinen Gleichmut bewahrte. „Feldbauer, es ist Feindschaft zwischen uns gewesen schon seit langer, langer Zeit: Du weißt wohk. warum. Ich habe sie nicht begonnen und brauch sie also auch nicht zu enden; doch die Unversöhnlichkeit bringt nichts als Unheil, und darum bin ich gekommen, um Dir die Hand zum Frieden zu reichen.“ „So, also das willst? Meinst, ich bin ein Bettelbube, dem man den Pfennig hinwirft, der nichts gilt? Ich brauche Deine Hand und Deinen Frieden nicht: ich habe Hand genug, und den Frieden schaft“ ich mir schon selber, zum Beispiel, wenn Du ihn mir jetzt störst. Der, den Du mir bringst, ist Bachgutfrieden; der patzt nicht aus den Feldhof. Und bezahlen soll ich ihn doch auch, nicht wahr? Was willst Du dafür?“ „Den— den Feldwebel!“ Der Spott seines Gegners hatte die mühsam festgehaltene Ruhe des Bachbauern erschüttert. Seine Antwort enthielt den ersten Pseil, den er versendete. „Deu Feldwebel? Bist verrückt?“ rief der Feldbauer. (Fortsetzung folgt.! die Parteien einwirken, um so letztere zu einer eneratschen Vertretung der Mittelstandsinteressen zu veranlassen. 4. Die Vereinigung steht auf dem Standpunkt, daß ihre nächste Aufgabe darin bestehen muß, sämtliche Kaufleute und Handwerker bis auf den letzten Mann für die Vereinigung zu gewinnen. Nur auf der Grundlage einer lückenlosen Organisation läßt sich etwas Ersprießliches für den Mittelstand erzielen. 5. Die Vereinigung will nicht das Großkapital als solches bekämpfen, sie will durch den Zusammenschluß den Mittelstand dem Großkapital gegenüber konkurrenzfähig erhalten. 6. Zur Durchführung unserer Aufgaben hält die Mittelstandsvereinigung einen engen Zusammenschluß aller auf dem Boden vorstehender Leitsätze stehenden Mittelstandsvereinigungen für unerläßlich Mit den Leitsätzen 1—8 stimmt die Deutsche Mittelstandsvereinigung nicht überein, welche sich das Recht vorbehalten will, unter Umständen bei politischen Wahlen eigene Kandidaten aufzustellen. Es ist dies, so führte Herr Stocky aus, ein ganz verkehrter Standpunkt. Was kann der Mittelstand durch selbständiges Vorgehen bei Wahlen erreichen? Einige Mandätchen vielleicht, mit denen man auch ein Fraktiönchen bilden könnte, womit aber nichts erreicht sein würde. Zum Ziele führen kann nur eine einheitliche, vertrauenerweckende Taktik. Wir wollen keine Politik, die eine versteckte Drohung bedeutet Wir wollen aber auch nicht etwa darauf verzichten. daß unsere Forderungen in den Parlamenten vertreten werden. Zu dem Zwecke suchen wir auf die befreundeten bürgerlichen Parteien, einzuwirken Auch braucht man deshalb nicht auf eine angemessene Vertretung des Mittelstandes in den Parlamenten zu verzichten. Die Einwirkungen in der einen wie in der anderen Hinsicht müssen sich unsere Mitglieder bei der Partei angelegen sein lassen, welcher sie angehören. Das Ziel muß sein, eine große, mittelstandsfreundliche Majorität in den Parlamenten Wir wollen aber nicht, daß die Parteien nach eigenem Guldünken für uns eintreten, sondern„daß dies geschieht auf Grund der Anregung, welche von unserer Organisation ausgeht. Redner warnt vor allem vor dem Radikalismus. Das Beispiel des Bundes der Landwirte darf für uns nicht maßgebend sein. Der Radikalismus führt sicher zur Abwirtschaftung. Das Bedenklichste ist aber, daß er die Selbsthilfe vereitelt Wir wollen auch keine Selbsthilse im Sturm, sondern nur durch ernste, stetige Arbeit. Wir wollen das Großkapital nicht als solches besämpfen, auch dem Warenhause gegenüber keine Erdrosselungspolitik betreiben. Wir wollen am Warenhause nur das bekämpfen, was unlauter an ihm ist. Sodann soll es Hinsichtlich der Steuern und öffentlichen Lasten nicht besser gestellt sein, als der Detaillist. Das Ziel, welches wir dem Warenhause gegenüber verfolgen, muß sein, die kleinen und mittleren Geschäfte konkurrenzfähig zu erhalten. Vor allem müssen zu dem Zwecke ihre Besitzer ausgerüttelt werden. Die schrankenlose Gewerbefreiheit führt zu vielen Auswüchsen im wirtschaftlichen Leben, die ausgeschnitten werden müssen. Nicht aber darf man deshalb zu einer Zwangspolitik übergehen. Eine Ablehnung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter z. B. wäre verfehlt machen wir lieber von diesem Rechte auch selbst den entsprechenden Gebrauch. Wir wollen eine fortschrittliche Mittelstandspolitik, was aber natürlich nicht heißt, sich vom Großkapital auf peisen lassen und auch nicht heißt, den gesetzlichen Schutz, wo er notwendig is, auszuschließen. Nur muß der Kampf ein positiver, er darf kein Kampf der Verneinung sein. Als Mittel zur Erreichung des angezeigten Zieles nennt Redner in erster Linie einen eifrigen Vorkand; von hohem Werte seien auch die DisZutierabende, dann mehr Opferwilligkeit für die all gemeinen Interessen des Mittelstandes. Es gebe im wer noch Geschäftsleute und Handwerker, denen ein geringer Jahresbeitrag zuviel sei, die sich durch ihre eigenen Angestellten beschämen ließen, die für ihre Gewerkschaften das Zehn= und Zwanzigsache gern und freudig opferten. Mit dem Vereinsorgan müsse eine eifrige Agitation für unsere Standesfragen entsaltet werden. Seine Ausführungen sanden die Zustimmung der Zuhörer. * Eine neue Spaltung der Gewerk schaftsbewegung ist das Ergebnis der Frei tags=Sitzung des in Berlin abgehaltenen 8. Kon gresses der Freien Vereinigung deutscher Gewerk. schaften. Die Organisationen der Maurer und Vanhilfsarbeiter, die bereits die Verschmelzung mit den Zentralverbänden beschlossen haben, beantragten die Auflösung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, weil ihr Fortbestehen nach der Einigung keinen Zweck mehr habe. Dieser Antrag wurde nach bebenstündiger zum Teil recht stürmischer Debatte mit 88 gegen 48 Stimmen abgelehnt. Damit ist das Fortbestehen der Freien Vereinigung gesichert. Sie wird sich aber, da die organisierten Sozialdemokraden durch die Parteitagsbeschlüsse zum Austritt aus der Vereinigung gezwungen sind, auf anarchistischsyndikaltstischen Boden stellen und eine große Zahl ihrer Mitglieder verlieren. Die„freien“ Gewerkschaften aber erhalten wieder eine Anzahl ultraradikaler Elemente mehr, was aber ihrer bekannten „Neutralität“ keinen Abbruch tun wird. * Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt v. Glasenapp, hat Graf Lyn ar sich entschlossen, keinerlei Rechismittel gegen den Urteilsspruch zu ergreifen, also keine Berusung einzulegen. Das Urteil wird jetzt dem Kaiser zur Bekätigung vorgelegt, und bis die Entscheidung gefallen ist, verbleibt Graf Lynar im Untersuchungsgesängnis. * Die Schlesische Landwirtschaftskammer hat einstimmig einen Antrag des Vorstandes angenommen auf nachdrückliche Ablehnung aller Bestrebungen, das Koalitionsrecht auf ländliche Arbeiter und Dienst boten auszudehnen, wegen unabsehbarer Schädigung der Landwirtschaft und der gesamten Volkswirtschaft Parlamentarische und Die Mairikularbeiträge für 1908. Nach der dem Reichstage zugegangenen Berechnung der Matrikularbekträge für 1908 sind insgesamt 319 992811 Mark auszubringen, d. h. 29 394 586 Mark mehr als im Vorjahre. Die Ausgaben für die Reichsbeamtengehälter vorlagen fiud hierbet noch nicht berücksichtigt. Es ha ein sportliches VTeIz ersten Ranges bildet die Automobilfahrt New York— Paris. Als einziger deutscher Teilnehmer startet der Wagen der„B. Z. am Mittag“ unter Führung des Herm Oberleutvant Köppen.########. 2 4477.3 2.56 TE(17 Die Autemebilfahrt Nem Zork—Paris: Der Expeditienswagen der„G Z. am Mittag“. * New York—Paris: Das Automobil als Schlaftabinett. ben zu zahlen: Preußen 198035 273 Mark, Bayern 32 876 175, Sachsen 23 935 062, Württemberg 11 877 567 Baden 10 677819, Hessen 6 420 970, Mecklenburgchwerin 3819 118, Sachsen=Weimar 2060 865, Mecklenburg=Strelitz 549346, Oldenburg 2330 416, Braunchweig 2580 538, Sachsen=Meiningen 1 428000, Sachen=Altenburg 1096 600, Sachsen=Koburg=Gotho 1287 364, Anhalt 1741 902, Schwarzburg=Sondershausen 452 175, Schwarzburg=Rudolstadt 514211 Waldeck 713877, Reuß ältere Linie 374910, Reuß jüngere Linie 767771, Schaumburg=Lippe 238917 Lippe 773044, Lübeck 562 122, Bremen 1 398921, Hamburg 4 645 783, Elsaß=Lothringen 9 634 456 Mark. Der Gesundheitszustand Bebels ist nach einer Meldung sehr schlecht, er ist von einem Herzleiden befallen. Die Absicht der Amerikareise hat er aufgegeben. Deklarationspflicht. Die Freikonservativen sind diesem Antrage beigetreten und beantragen seine Ueberweisung zur Berücksichtigung. Sie wollen bei der Besprechung des Antrages auregen, die Deklarationspflicht auf Einkommen unter 3000 Mark, vielleicht bis herab zu Einkommen von 1500 Mark, zu erstrecken. Die Strafbehandlung jugendlicher Personen. Im preußischen Abgeordnetenhause ist zu der zweiten Beratung des Etats der Justizverwaltung der Antrag eingebracht worden, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, 1. im Bundesrat für die schleunige Einbringung eines Gesetzentwurfs über das Strafrecht, das Strafverfahren und den Strafvollzug in Beziehung auf jugendliche Personen einzutreten, 2. bis zum Erlaß eines solchen Gesetzes die bereits angestellten Versuche, auf dem Boden des bestehenden Rechts im Wege der Verwaltung und der Geschäftsverteilung das Strafverfahren gegen jugendliche Personen in einer ihrer Eigenart entsprechenden Weise zu gestalten, nach Möglichkeit zu sördern und zu verallgemeinern. Berlin, den 23 Januar 1908 Schiffer. Der Antrag wird unterstützt von Mitgliedern aller Parteien, mit Ausnahme der konservativen Abänderung zum Einkommensteuergesetz. Das Zentrum hat im Abgeordnetenhause einen Antrag eingebracht, der die Staatsregierung ersucht, in der lausenden Session einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Einkommensteuergesetzes vorzulegen, durch welchen 1. die Bestimmung des§ 19, der die Grundlage für Steuerermäßigung schafft, erheblich weiter ausgebaut werden, insbesondere a. die Grenzeu, innerhalb deren Steuerermäßigungen vorgesehen sind, erweitert werden, b. der für den Kopf der unterhaltsbedürftigen Familienangehörigen abzugsfähige Betrag von 50 Mark den Kosten der Lebenshaltung entsprechend wesentlich erhöht und die Zahl der Familienangehörigen in weiterem Maße berück sichtigt werden sollen: 2 für die durch vorstehende Ab änderung verursachten Ausfälle durch schärsere und weitere Ausgestaltung der Progression(§ 17) ein Ausgleich geschaffen werden soll. I. Provinzielles. = Dortmund. 27. Jan. Die Direktion des Olymvia-Theaters bittet uns vielfacher Anfragen wegen mitzuteilen, daß bei dem am Freitag, den 31. Januar. stattfindenden ersten Maskenball sämtliche Stühle aus dem Parterre des Theaters entfernt werden und daß ein neuer Fußboden gelegt wird, um eine gerade Fläche herzustellen. * D o r t m u n d. 2 7. J a n. D e r 1 5 j ä h r i g e L e h r l i n g Wilhelm Lücker wurde zur Einlösung eines Schecks zur Reichsbank geschickt und flüchtete mit dem erhaltenen Gelde in Höhe von 3000 M. = Scharnhorst b. Dortmund, 27. Jan. Hier erstach nach voraufgegangenem Streite der Bergmann Lasnick seinen Kameraden Trels. Der Täter wurde verhaftet. * Dorstfeld, 27. Jan. In der Nacht zum 25. wurde auf der Zeche„Karlsglück" der Koksarbeiter Johann Makowiak, der sich vor einem Koksofen auf das Gleis der Druckmaschine zum Schlafen niedergelegt hatte, von der Maschine überfahren und sofort getötet. * Siegen, 27. Jan. Am Sonntag morgen scheute ein vor einen Leichenwagen gespanntes Pferd vor der Eisenbahnbarriere zwischen Freudenberg und Niederfischbach, als ein Zug heraubrauste. Kutscher und Pferd blieben tot. Der Sarg ging in Trümmer. Die Leiche wurde nicht beschädigt. * Oberhausen, 27 Jan Die Katastrophe auf Zeche Roland in Dümpten bat nun auch ein zweites Opfer gesordert, denn der im kath. Krankenhause zu Styrum untergebrachte 17jährige unverheiratete Theodor Derksen ist gestern früb seinen Verletzungen erlegen. * Burg a. d. Wupper, 27. Jan. Im engeren Bergischen Lande muß unsere Gemeinde die höchsten Kommunalsteuerzu schläge erheben. Die Stadtverordneten sahen sich genötigt, die Zuschläge zur Einkommen= und zu den Realsteuern für 1908 auf 295 Prozeut festzusetzen. * Cuxhaven, 27. Jan. In der letzten Nacht herrschte ein schwerer Weststurm: Windstärke 9. Auf der Wester Telte ist ein bisher unbekannter Dreimastschuner gestrandet. Nordöstlich vom ersten Feuerschiff liegt ein Viermaster vor Anker. Zwei Schlepper befinden sich bei ihm. Rundschau im Auslande. Frankreich. = Die Ehe des Sozialistenführers Jaures geschieden. Dem Blatte„Opinion“ zufolge hat sich die Gattin Jaures unlängst von diesem in aller Stille scheiden lassen. Bekanntlich hat die Tochter des französischen Sozialistenführers vor längerer Zeit ihre Absicht ausgesprochen, in ein Kloster zu geben Versien. Täbris, 27. Jan. Gestern erschien ein Aufruf der reaktionären Partei, den Parteihader einzustellen und zur Grenze zu ziehen, um gegen den äußeren Feind zu kämpfen, der bereits einen nicht kleinen Teil der Provinz Asserbeidschan in Besitz genommen habe. Der Aufruf blieb wirkungslos. denn nachmittags begann bis zum späten Abend eine dauernde Beschießung des Stadtteils Daratschi, wo der immer größeren Anhang gewinnende Führer der Reaktionären wohnt. N„ B 4.2 * e P #i##er Mervand der Lehrervereine im westsalt. schen Industriebezirk hielt am Samstag im Meinoldushof zu Dortmund eine außerordentliche Gauversammlung ab, die von weit über 1000 Lehrern besucht Eie Versammlung war einberusen worden. um Stellung zu nehmen zu den von der Rektorenversammlung in Bochum am 30. Dezember in der Schulaussichtsfrage erhobenen Beschlüssen, dann auch. weil der Vorstand des Preußischen Lehrervereins beschlossen bat, die Schulaussichtsfrage nicht auf die Tagesordnung des nächsten Preußischen Lehrertages zu setzen. Vertreten waren auch eine Reihe Lehrervereine aus größeren Städten Rheinlands. Der Vorsitzende, Lehrer Meinking=Annen. eröffnet die Versammlung. aab die Gründe für die Einberufung der Versammlung an und stellte fest, daß der Rektorenverein der an ihn ergangenen Einladung keine Folge geleistet hat. Dann sprach Lehrer Tittel=Dortmund in längerem Vortrage über die Schulaussichtsfrage. Seine Ausführungen klangen dahin aus, daß die Lehrerschaft, wenn sie auch eine Aenderung in der Form der Schulaussicht wünsche, doch der jetzigen Form und den jetzigen Instanzen unterstehe und deren Anordnungen zu achten und zu befolgen habe. Nach lebhafter Debatte wurde die folgende Resolution angenommen: 1. Die am 25. Januar in Dortmund tagende, von 1200 Lehrern des westfälischen Industriebezirks und der Nachbargebiete besuchte Gauversammlung weist mit aller Entschiedenheit den von der Versammlung rheinisch= westsälischer Rektoren am 30. Dezember in Bochum erhobenen Vorwurf zurück, daß„der von weiten Kreisen der Lehrerschaft gegen das Rektorat geführte Kampf. der weder in der Einrichtung selbst noch in dem Verhalten der Rektoren zu ihren Lehrern begründet ist an manchen Orten zurzeit bereits eine solche Spannung erreicht hat, daß dadurch sowohl das friedliche Arbeiten in der Schule gestört, als auch das Vertrauen zu der Schulleitung untergraben wird. (Je eher diesem beschämenden und verderblichen Kampfe Einhalt geboten wird, desto besser ist's für Schule und Lehrerstand.)“ Sie erblickt in solchen und ähnlichen Anschuldigungen lediglich das Bestreben, den wahren Tatbestand zu verschleiern, um Regierung und politische Parteien gegen die Wünsche der Lehrer zur Regelung der Schulaussicht von vornherein ungünstig auszunehmen. 2. Sie verurteilt mit gleicher Entschiedenheit die bedauerliche Unlätigkeit des Vorstandes des Preußischen LehrerverDornenwege. Roman von C. Dressel. (Nachdruck verboten.) Eine kleine Weile überließ sie sich still dieser köstlichen Wassenruhe. Allein sie konnte nicht lange währen, denn ihre Zukunft hieß erneuter Kampf. Ihre Kräfte zusammennehmend, richtete sie sich auf, indem sie leise sagte:„Ich danke, lieber Herr Geheimrat, Sie haben mir wohlgetan.“ „Unh daß ich just im rechten Moment zur Stelle war. Da schelte mir noch einer den Zufall,“ lächelte er ihr ermunternd zu.„Kam nämlich gestern aus Karlsbad," erzählte er weiter,„und bin augenblicklich auf meiner ärztlich verordneten Bewegungstour, bei welcher Gelegenheit ich mich zugleich nach meinem kleinen Mündel in ihrer schönen Tiergartenvilla umzusehen gedachte. Da läuft mir Fräulein Marion plötzlich mit der Flüchtigkeit eines jungen Rehes über den Weg. Ich hinter ihr her, aber mit solchem Dauerlauf konnten meine so viel älteren Glieder natürlich nicht Schritt halten. Sie waren mir immer einige Längen voraus, kleiner Durchgänger. Endlich aber hatten Sie genug von der Eskapade. Auch Ihre Kraft war am Ende, und ich erreichte Sie gerade, als Sie ohnmächtig zusammenbrachen. Marion, wenn nun ein anderer Sie in dieser Lage gefunden hätte! So einsam ist selbst dieses entlegenere Stück Tiergarten nicht, daß Sie vor belästigenden, oder auch nur neugierigen Passanten sicher gewesen wären. „Eigentlich müßte ich Ihnen, kraft meiner Bekugnis, einen ordentlichen Vorwurf machen. Ich s bloß nicht fertig, Sie sehen gar zu kläglich aus. Einer Unbesonnenheit kann ich Sie auch kaum fähig halten. Was bedeutet aber Ihr tolles Hierherstürmen? Sie haben ja nicht mal Handschuhe an.“ Da erst bemerkte sie den Verstoß gegen die gute Sitte: Schamrot suchte sie nun eilig den Formfehler zu verbessern, da ein hastiger Griff in die Jackentasche sie die bis dahin nicht Vermißten finden ließ. Damit aber kam ihr auch das schreckvolle Erinnern zurück.„Lieber Herr Geheimrat,“ sagte sie mit zuckenden Lippen,„wenn Sie alles wissen, werden Sie begreifen, daß mir diese kleine Unterlassungssünde gar nicht zum Bewußtsein kam.“ „Gewiß, liebe Marion, ich nehme auch nur ein ungewöhnliches Ereignis an. Nun sprechen Sie sich das Herz frei. Wir kennen einander eine hübsch lange Zeit, und Sie haben Vertrauen zum alten Breitenborn, wie? Kommen Sie, Kind, nehmen Sie meinen Arm. Ich bringe Sie unverzüglich nach Hause. Die Tante dürfte in Sorge um Sie sein. Auf dem Wege erzählen Sie dann.“ „Nicht zu ihr,“ rief Marion schaudernd. Nie wieder betrete ich das Haus. Ach, ich war ja schon lange von ihr fort.“ „Mein Gott, was heißt das? Sie sind nicht mehr bei Fräulein v. Mollentin? Wo soll ich Sie denn hinführen?“ Sie hing den Kopf.„Ich weiß nicht,“ stammelte sie.„Ich habe kein Heim—— keinen Menschen—— ach, Gott—“ Wenige Schritte war sie an seinem Arm gegangen. Nun stockte ihr Fuß. Der Geheimrat ühlte, daß sie sich schwerer auflehnte. Er sah beorgt in ihr todblasses Gesicht. „Mir ist so sehr schwach,“ murmelte sie mit geschlossenen Augen“— vielleicht, weil ich den ganzen Tag nichts gegessen habe——“ Er starrte sie an, als rede sie irre. „Marion,“ rief er außer sich,„wo kommen Sie denn her? Sie müssen doch irgend ein Unterkommen haben.“ „Ich verließ meine Stellung heute früh, hatte eine weite und heiße Fahrt, und dann— kam das Furchtbare— das Entsetzliche.“ Ihr Gesicht verzerrte sich, als sähe sie eine grauenhafte Vision, in tödlicher Angst umklammerte e seinen Arm.—— Aber nichts ergriff ihn momentan so, als die Vorstellung, das junge reizende Mädchen, die zarte Tochter seines langjährigen lieben Freundes werde von einem brutalen Hungergefühl bis zur Ohnmacht gequält. Fassungslos suchte er in allen Taschen herum und fand endlich einige Schokoladetäfelchen, die er ihr eine nach der anderen in den Mund steckte und die sie völlig mechanisch hinunterschluckte. „Ich schleppe nämlich dergleichen für ein paar kleine Leckermäulchen herum,“ sagte er dabei.„Ein Glück, daß sie mir noch nicht alle in den Weg kamen, sonst wäre diese große törichte Marion leer ausgegangen. Wird's ein bißchen besser, Kind?“ Sie schien sich in der Tat etwas zu erholen und vermochte langsam weiterzugehen, bis sie eine Fahrstraße erreichten, wo Breitenborn einen Wagen erlangte. Er half Marion hinein, ließ das Halbverdeck aufschlagen und bedeutete dem Kutscher, einstweilen nach Zeit durch den Tiergarten zu fahren.„So, Kindchen, das ist besser für Sie. Gleich werden wir bei den Zelten sein, va sollen Sie zunächst ein Gläschen starken Wein haben und etwas genießen, wir wollen die treulosen Lebensgeister schon wieder einfangen.“ Sie ließ alles dankbar mit sich geschehen. Und als ihr die Kräfte zurückkehrten, ihre Lippen wieder ein gesundes Rot zeigten, bat er: „Wenn Sie jetzt fähig sind, so lösen Sie mir all diese Rätsel. Sie hätten mir längst schreiben sollen. Wozu ist denn der Vormund da?“ „Ich wußte nicht, wo Sie waren, Herr Geheimrat.“ „Aber Kind, Briefe werden doch nachgeschickt, und meine Berliner Adresse kannten Sie doch.“ „Eigentlich dachte ich nicht daran,“ gestand sie kleinlaut—„wollte mir auch gern selber helfen.“ „Kind!“ schalt er mit einem Aufluge weicher Zärtlichkeit.„Natürlich kamen Sie nicht weit mit Ihrer üblen und unerfahrenen Selbständigkeit.“ „Nein,“ seufzte sie,„ich sing es wohl verkehrt an. Ach, es war alles so schrecklich, es brach zu viel über mir zusammen. Aber nun sinv Sie da, lieber Herr Geheimrat, und Sie sollen hören, was selbst mein armer Eberhard bis zu seinem Tode nicht wußte.“ „Um Gotteswillen, Marion, was reden Sie da?“ rief er erbleichend.„Eberhard sei——“ (Fortsetzung folgt.) eins in Sachen der Schulaufsichtsfrage und erwartet von iom, daß er angesichts der Erklärungen Sr. Ex. des Herrn Kultusministers endlich Schritte unternehme, die Interessen der Lehrerschaft gegenüber den Forderungen des Preußischen Rektorenvereins an zuständiger Stelle zu vertreten. Als unbedingt erforderlich erachtet sie es, daß der Vorstand des Preußischen Lehrervereins trotz seines Beschlusses die Schulaufsichtsfrage auf die Tagesordnung des nächsten Preußischen Lehrertages setzt. 3. Bei prinzivieller Anerkennung der fachmännischen Schulaufsicht steht die Gauversammlung in dem mit Aussichtsbefugnissen ausgestatteten Systemrektorat doch nicht eine das Wohl der Schule und die Interessen der Lehrerschaft fördernde Einrichtung. Sie bittet darum die Königliche Staatsregierung und die politischen Parteien, die Schulaussicht auf einer Grundlage aufzubauen, wie sie in nachstehenden Vorschlägen der Elberfelder Beschlüsse geboten ist: a) An der Spitze eines jeden Lehrerkollegiums steht der von der Behörde ernannte Schulleiter; er führt den Titel Hauptlehrer, ist aber den Mitgliedern des Kollegiums nicht über=, sondern nebengeordnet. Als Vorsitzender des Kollegiums erledigt er die sich aus dem Verkehr zwischen Behörde und Kollegium ergebenden lausenden Geschäfte und leitet die Systemkonserenzen, deren Entscheidungen durch Mehrheitsbeschlüsse berbeigeführt werden. Eine besondere Instruktion regelt die Befugnis des Leiters. In bezug auf Klassenführung hat der Hauptlehrer keinerlei Vorrechte vor seinen Mitarbeitern. Die Anwart= schaft auf die Hauptlehrerstelle gibt allein die Bewährung im Dienste. b) Eine nach Maßgabe der besonderen Verhältnisse größere oder kleinere Anzahl von Schulen bildet einen Inspektionsbezirk, der einem mit Revisionsbefugnissen ausgestatteten Schulinspektor unterstellt wird. Der Schulinspektor ist der erste Vorgesetzte des Lehrers. Die Ernennung zum Schulinspektor ist allein abhängig zu machen von der Bewährung im Beruse. c) Die Besoldung der Lehrer und Hauptlehrer erfolgt nach den nämlichen Grundsätzen. Der Hauptlehrer erhält eine besondere, nach der Größe der Schule zu bemessende Dienstzulage. Die Regelung der Besoldung der Schuliuspektoren geschieht durch einen besonderen Etat.— Mit den üblichen Dankesworten wurde die Versammlung um 7 Uhr geschlossen =„Die Schicksale der westfälischen Truppen in den Kriegen Navolcons.“ Dieses Thema behandelte kürzlich in Münster im Altertumsverein Archivrat Dr. Thcuner. Bekanntlich hal in letzter Zeit übe: diesen Gegenstand die historische Forschung manche Neue zutage gefördert, so daß über diese Epoche in der Geschichte Westfalens reiches literarisches Material zur Verfügung steht. Redner stützte sich bei seinen Ausführungen hauptsächlich auf Aufzeichnungen west fältscher Offiziere und Soldaten. Das Königreid Westsalen war durch die Rheinbundkonvention ver pflichtet, dem Kaiser Napoleon ein militärisches Kon tingent von 25000 Mann zu stellen. Diese Stärk hatte auch das westfälische Korps, das den Feldzug gegen Rußland mitmachte; aber nur 1200 Mann saben die Heimat wieder. Bevor Redner auf den Feldzug näher einging. schilderte er eingehend in fesselnder Weise das damalige Militärwesen im Königreich Westfalen, beleuchtete die militärischen Rangverhältnisse, die Ausbildung der Soldaten, das Offizierkorps, die sehr strengen Militärkonskriptionen. Der Dienst war von großer Straffheit und stellte hohe Anforderungen an die Mannschaften. Dabei war der äußern Erscheinung nach das westsälische Korps eines der schmucksten im ganzen kranzösischen Heere, der Geist war dementsprechend eine in jeder Hinsicht wohl ausgebildete und von wilitärischer Disziplin erfüllte Truppe. Unter den Westfälischen Truppen räumte der Feldzug nach Rußland gewaltig auf. Schon vor der Schlacht bei Smolensk hatte es 7000 Mann Einbuße gehabt, ohne daß bis dahin ein Flintenschuß gefallen war., Leider haben jedoch auch die Westfalen sich sehr bekleckt durch die unmenschliche Behandlung der russischen Gefangenen, mit denen man freilich, da selbst das Notwendigste zum Leben sehlte, nichts anzufangen wußte. In seinen weiteren Ausführungen schilderte Redner die schrecklichen Szenen und furchtbaren Katastrophen des Rückzuges, die schließlich zur vollständigen Auflösung des westsälischen Korps führten. — Die westfälische Provinzialverwaltung im Jahre 1906. Die Provinzialverwaltung veröffentlicht soeben den Bericht über das Jahr 1906. Wir entnehmen daraus folgendes zunächst über die Bauverwaltung: Darnach wurden für die Unterhaltung der Provinzial= und ehemaligen Bezirksstraßen im Berichtsjahre nicht weniger als 2056 441,49 M. flüssig gemacht. Davon entfielen auf die Landesbauinspektion Münster bei einer Unterhaltungslänge von 301,090 Km. 227 706,90 M., Dortmund(223,552 Km.) 208 629,02 M., Hagen(302,817 Km.) 283 603,86 M., Siegen(312,621 Km.) 263815,51 M., Meschede(265,905 Km.) 121 564,18 M., Soest(301,484 Km.) 197 856,49 M., Vaderborn(291,902K m.) 147 143 M., Bielefeld(258,148 Km.) 174 672,54 M. Bochum(219,413 Km.) 325 596,18 Maark verausgabt. Kapitel 17 berichtet über das gesamte Haushalts= Kassen= u. Rechnungswesen. Darnach schließt die Endrechnung mit einer Gesamteinnahme von 21 342 942,60 M. und einer Gesamtausgabe von 20 987 573 M. ab, so daß am Schlusse es Rechnungsjahres ein Bestand von 856 369.,60 M. verbleibt. Die Rechnung über die Provinzialstrahenverwaltung schließt ab in Einnahme mit 2 965 290.40 M., in Ausgabe mit 2 859 436,68 M., also mit einem Bestande von 105 853,81 M. Zur Deckung der einmaligen außerordentlichen Ausgaben ist bei der Landesbank in Münster der Betrag von 2 107 417,99 M. angeliehen worden. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 28 400 956 M. Die Umsätze der Landesbank betrugen in Eingang und Ausgang je 237 247 587,51 M. gegen 216 654 129,13 M im Jahre 1905. An Darlehen wurden neu ausgezahlt 21 685 133,24 M. gegen 25 322 170,30 M. im Vorjahre: die Zahl der Darlehen belief sich auf 269 bezw. 488. Auf früher bewilligte Darlehen wunden 2 210 645.60 M.(5515 114.91 M.) gezahlt. Zur Rückzahlung gelangten 4612 565.47 M. Recht lebhaft war der Verkehr mit den Sparkassen: die Gesamtumsätze stiegen von 94,5 auf 113.6 Millionen M. Die Einlagen waren niedriger als in den Vorjahren, die Vorschüsse dagegen höher. Eingelegt wurden 36 135 953,10 M., an Zinsen aut geschrieben 194 281,87 M., zurückgezahlt 30 199 507,32 M. Die Vorschußsumme betrug Ende 1906 6 133 285.93 M. Der Einlage=Zinsfuß stteg von 3 Prozent auf 3½ Prozent, der VorschußZinsfuß betrug 4 bezw. 4½ Prozent. Die Landesbank stand im Berichtsjahr mit 177 westfälischen Sparkassen in geschäftlichem Verkehr. Die ProriuAtal-euerloaietät verzeichnet an Einnahmen 6011 257,96 M., an Ausgaben 5617427 M. erzielte also eine Mehreinnahme von 393 830,36 M., wodurch der Reservesonds auf 6 630 631,77 M gestiegen ist. Der Rückversicherungsvertrag ist mit dem 1. Januar 1907 aufgelöst worden. Für 1899 Brand=, Blitz= und Explosionsschäden waren insgesamt 3 185 796,74 M. zu vergüten, die Gebäudeentschädigung beirug in 1327 Fällen 2553 725.47 M., die Mobilarentschädigung in 960 Fällen 632071.27 M. . Zux Wauderung des Kohleubergbaues. Eine lebhaffe Industrie scheint sich, wie der„Wests. Merk.“ schreibt, im Verlauf der nächsten Jahre zu beiden Seiten der Köln=Mindener Staatseisenbahn von Hamm bis Neubeckum. speziell südlich der genannten Eisenbahnstrecke auf dem Gebiete zwischen der Livve von Hamm bis Lippborg zu entwickeln, Nachdem in den letzten Jahren das ganze hier erwähnte Gebiet auf Steinkohlen mit positiven Erfolgen abgebohrt ist, steht, wie bestimmt verlautet, zu erwarten, daß diese noch unverritzten Steinkohlenfelder baldigst allmählich der Aufschließung entgegengehen.. Die in diesem Zeitraum abgebohrten Steinkohlenfelder sind von drei Bergwerksgesellschaften erworben worden:„Mansfeld“,„Anncliese“ und„Westfalen“. Ueber das weitaus größte Steinkohlenfeld verfügt die Bergwerksgesellschaft„Westfalen“, deren Steinkohlengerechtsame allein ein Gebiet von 40 preußischen Maximalfeldern umfassen. Während nun die Bergwerksgesellschat„Mausfeld“ zu Eisleben bereits vor drei Jahren in Heessen Grundflächen zu Steinkohlenzechen fest gekauft hat, über deren Anlagen bis zur Stunde aber noch nichts Bestimmtes verlautet, hat die Bergwerksgesellschaft „Westfalen“, kürzlich mit Grundeigentümern südlich der Stadt Ahlen sowie bei Dolberg Verhandlungen zwecks Ankaufs von Grundstücken gepflogen. = Die Gründung eines Zechenschutzverbandes hat in Essen stattgefunden. In dem Satzungsentwurf. der vom Vorstande des Bergbaulichen Vereins ausgearbeitet ist, heißt es, daß der Verein einen engeren Zusammenschluß der im rheinisch=westfälischen Bergbaubezirk belegenen Bergwerke und ihrer Nebenanlagen zur Wahrung gemeinsamer Interessen in Arbeiterfragen und Gewährung einer Entschädigung an solche Mitglieder, die von einem Ausstande betroffen werden, bezweckt. In den Satzungen heißt es ferner: Ist ein Bergwerk von einem Ausstand betroffen, d. h. streiken mehr als ein Drittel der Gesamtbelegschaft, so dürfen von den auf dieser Schachtanlage beschäftigten Leuten während des Ausstandes und drei Monate nach Beendigung des Ausstandes auf anderen Verbandszechen keine anderen eingestellt werden. Verläßt ein Arbeiter unter Kontraktbruch seine Arbeitsstätte, so dürfen die Verbandszechen während sechs Monate diesen Mann nicht mehr beschäftigen. Ist der Bergmann von einem Verbandswerk zur Arbeit zugelassen, und erhält das Werk nachträglich Kenntnis davon, daß der Mann kontraktbrüchig geworden ist. so ist dem Mann sofort zu kündigen, es sei denn, daß er drei Monate auf der Zeche tätig war. Die Zechen zahlen einen Beitrag von 1 Mk. pro Kopf der vorigjährigen Belegschaft und erhalten im Falle eines Streikes pro Kopf der Ausständigen und Tag 1 Mk. vergütet. Diese Vergütung wird jedoch hinfällig, wenn der Streik den Charabter eines Generalausstandes annimmt, d. h. wenn mehr als ein Drittel aller Verbandszechen streiken, oder wenn die Zechen die Forderungen der Arbeiter, die vom Vorstande als unberechtigt erkannt sind, nachträglich bewilligt. Drahtnachrichten. Kaisersgeburtstag. Berlin, 27. Jan. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers legten die öffentlichen und viele private Gebäude Flaggenschmuck an. Die Schaufenster vieler Geschäfte zeigen patriotische Dekorationen. Nach dem großen Wecken, an dem zahlreiche Schaulustige teilnahmen, nahm der Kaiser die Glückwünsche der kaiserlichen Familie und sodann der Damen und Herren des engeren Hofes, das Hauptquartiers und der anwesenden Fürstlichkeiten entgegen. In der Schloßlapelle sand gegen 11 Uhr ein Gottesdienst statt. Um 1½ Uhr begab sich der Kaiser in das Schloß zurück unter Hochrusen des Publikums. Im Schlosse fand Frühstückstafel der engeren Familie statt. Aus allen Teilen des Reiches gehen Meldungen über festliche Veranstaltungen zum Geburtstage des Kaisers ein. In den Schulen fanden heute vormittag Festakte statt, bei denen auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. Es wurden vielfach Paraden abgehalten. Heute abend veranstalten die Behörden, viele Korporationen und Vereine Festessen. München, 27. Jan. Wie alljährlich, fand gestern, am Vorabend des Geburtstages des Kaisers ein F'estmahl der Offiziere des Beurlaubtenstandes statt. Bei dem Festmahl gedachte Prinz Ludwig in einem Trinkspruch auf den Prinzregenten auch des Kaisers und hob hervor, daß der Kaiser es verstanden habe, das Heer auf dem Stande der ruhmreichen Tradition Kaiser Wilhelms I. zu halten und die deutsche Flotte so auszubauen, daß sie der Flotte einer jeden Nation, England ausgenommen, gewachsen sei. Der Kaiser, der ein Friedenskaiser sein wolle, habe das nur getan, um Deutschland verteidigen und die Deutschen im Auslande schützen zu können. Nachdem Prinz Ludwig die Rede mit einem Hoch auf den Prinzregent beendigt hatte, brachte der Bezirkskommandeur Oberst Spindler einen Trinkspruch auf den deutschen Kaiser aus. Prag, 27. Jan. Aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Wilhelms fand gestern eine vom hiesiegen Hilfsverein deutscher Reichsangehöriger veranstaltete Feier statt, wobei der deutsche Konsul, Graf Hardenburg, eine Ansprache hielt. Wien, 27, Jan. Kaiser Franz Josef begab sich heute mittag 1 Uhr in das Palais des deutschen Botschafters von Tschirschky, um aus Anlaß des Geburtstages des deutschen Raisers seine Glückwunsche auszusprechen. Wien, 27. Jan. Aus Anlaß des Geburtstages des deutschen Kaisers veranstalteten die hier weilenden Reichsdeutschen ein Festmavl, an dem der deutsche Botschafter teilnahm. Budapest, 26. Jan. Der Geburtstag des deutschen Kaisers wurde heute durch einen vom Ver. ein der Reichsdeutschen veranstalteten Festkommers gefeiert. Der deutsche Generalkonsul, Prinz Hermann von Schönburg=Waldenburg, brachte auf den König von Ungarn und der Vorsitzende de 3Vereins auf den deutschen Kaiser einen Trinkspruch aus. Rom, 27. Jan. Zur Geburtstagsseier des Kaisers sand gestern abend im Hotel Quirinal ein vom deutschen Künstlerverein veranstaltetes Festessen statt. Kopenhagen, 26. Jan. Heute abend fand zur Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers im Hotel Bristol ein Festessen des Vereins deutscher Reichsangehöriger statt, an dem die Mitglieder der Gesandtschaft und des Generalkonsulats teilnahmen. London, 27. Jan. Botschafter Graf Wolfs=Metter nich begibt sich heute nach Windsor, um an dem Festessen teilzunehmen, das aus Anlaß des Geburtstages des deutschen Kaisers veranstaltet wird Petersburg, 27. Jan. Zur Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers versammelten sich gestern im Deutschen=Klub etwa 100 Damen und Herren der beutschen Kulonie zu einem We#mahi# unter ihnen der deutschee Botschafder.###### Berlin, 27. Jan. Der Kaiser stellte de.n Großherzog von Baden a la sutte des ersten Seebataillons Berlin, 26. Jan. Heute nachmitttag srafen auf dem Potsdamer Bahnhof hier zu offiziellem Antrittsbesuche ein Herzog Albrecht zu Mecklenburg, Regent von Braunschweig und Gemahlin. Berlin, 25. Jan. Heute naihmittag fand auf Besehl des Kaisers im Neuen Königl. Operntheater die 1. Vorstellung für die Berliner Arbetterschaft statt. Gegeben wurde Kleist's„Prinz Friedrich von Homburg". Die Billetts wurden bekanntlich zu einen niedrigen Einheitspreise nur an die arbeitende Bevölkerung abgegeben. Das Haus war ausverkauft, Der Vorstellung wohnten der Kaiser, die Kaiserin and Prinzen bei.„ Newyork, 27. Jan. Der Prästdent der National. bank von Nordamerika gibt bekannt, daß die Direktoren infolge des fortgesetzt auf die Bank unternommenen Sturmes beschlossen haben, den Kontrolleur des Geldumlaufs zu ersuchen, die Verwaltung der Bank zu übernehmen. KN Unglücksfälle. Beuthen, 27. Jan. Durch herabstürzende Kohlenmassen wurden 2 Grubenarbeiter getötet und schwer verletzt. gl Kiel, 27. Jan. Die Dreimasterbark„Carolina aus Berkermölle ist auf dem Wege von England nach der Ostsee verschollen. Die Nachforschungen blieben bisher erfolglos. Brüssel, 27. Jan. In Bruegge brannken in der letzten Nacht die großen Oelfabriken der Copra Oil Company nieder. Der Schaden beträgt aunähernd ½ Million Franks. Berlin, 27. Jan. Die„Nordd. Allg. Btg.“ schreibt: Die den Konsulaten Brüssel, Kopenhagen, London und Paris zuactellten landwirtschaftlichen Sachverständigen sind für die Zeit der Tagung der großen landwirtschaftlichen Körperschaften, Insbesondere des deutschen Landwirtschaftsrates nach Berlin zum 8. 2. und folgenden Tagen berufen, um ihre Erfahrungen und Beobachtungen durch Auskunstserteilungen, geeiqnetenfalls durch Vorträge zur Kenntnis der Interessenten zu bringen und Wünsche wegen Beschaffung von Nachrichten und Auskunft entgegenzunehmen. Interessenten, die sich mit diesen Sachverständigen in Verbindung setzen wollen, können sich schon jetzt an das Auswärtige Amt wenden; dieses wird die bezüglichen Eingaben der Interessen. ten den Sachverständigen, für die sie bestimmt sind, zugehen lassen. Reverete, 27. Jan. Vor dem hiesigen Kreisgericht begann heute die Verhandlung über die bekannten Vorfälle in Person, Calliano und Trient. Unter den 42 Angeklagten befinden sich 6 Studenten, 2 Journalisten, eine große Anzahl von Handelsangestellten usw. Vorgeladen sind 34 Zeugen. Industrie, Handel und Verkehr. Rheinisch=Westfälischer Kurenmarkt (##chrm. 27. Jan. Die Tendenz auf dem Kohlenkuxenmarkt ist still. Von schweren Werten notieren König Ludwig 29.000 Mk. G., 29 500 Mk. B., Königin Elisabeth 20 800 Mk. G., 21300 Mk. B., Lothringen 28 500 Mark G., 29 500 Mk. B., Dorstfeld 13900 M. 14 200 Mk. B., Langenbrahm 10600 Mk. G., 10 900 Mark B. Von Mittel= und leichten Werten bestehl Nachfrage für Trier bei 5850 Mk., Gottessegen bei 4050 Mark, Tremonia bei 3100 Mark, Schürbank bei 1575 Mark und Alte Haase bei 1625 Mark. Von Braunkohlenwerten sind Schallmauer bei 3600 Mark beachtet. Kaliwerte fest. Von syndizierten Werten besteht lebhafte Nachfrage für Burbach bei 10 500 Mark, Wil. helmshall bei 11500 Mark, Großherzog von Sachsen bei 6350 Mark, Günthershall bei 4800 Mark und Siegfried 1 bei 2950 Mark. Von anderen Werten notieren Immenrode 2700 Mark G., 2775 Mark B., Sachsen Weimar 1625 Mark G., 1675 Mark B., Krügershall 72 Prozent G., 73 Prozent B., Adler 38½ Prozent G., 89½ Prozent B., Bismarckshall 43½ Prozent G., 44½ Prozent B. Von Erzkuxen Concordia=Erz zu 1725 Mark gefragt. Aktien ohne Börsenpreis: Bürener Zement 85 G., 87 B., Lengericher Zement ohne Div. Sch. 85 G. 88 B., Armaturen Westsalia 118 G., 121 B., Deutsche Tiefbohr 193 G., 108 B., Ruhrwerke Arnsberg 08 G., 102 B., Union Zement 117 G., 119 B. Lokale Nacbrichten. □ Gladbeck, 28. Jan. Gesundbeter. Das sozialdemokratische Volksblatt aus Bochum vom 25. Januar gibt mit der überlegenen Miene eines aufgeklärten Unkirchlichen eine Bitte des kath. Kirchenbaukomitees von Kiesa a. d. Elbe(Kr. Sachsen) ab. Die für den dortigen K merksam, daß tägl es Komitee wünscht Geldopfer rchenbau und macht darauf aufch für die„besonderen Wünsche und Anliegen der Wohltäter“ der Gemeinde das hl. Meßopfer dargebracht werde. Auch erinnert es daran, daß wohl jeder ein Anliegen Gott zu empfehlen habe, vielleicht Befreiung von Krankheit und Not, Seelenruhe der Verstorbenen u. s. w. Vorausgesetzt, daß wirklich ein Schreiben dieses Wortlautes von Kiesa vertrieben worden ist, billigen wir zunächst nicht die geschmacklose Form der Bitte. Andererseits aber fragen wir erstaunt das Bochumer Volkblatt, welch einen„erfreulichen Aufklärungswert“ dieses Schreiben haben soll? Das sozialdemokratische Organ schreibt weiter:„Wir sind durchaus der Meinung, daß der strenge (ein wunderbares Wort! D beterei prinzipiell nichts einwen etwas formlos, sonst aber durchaus nicht doamenwidrio“— Das kann nur auf zweifache Weise verstanden werden? Entweder will das soziald. Blatt sagen, die Katholiken huldigten dem lächerlichen Aberglauben des Scientismus, der sog. Gesundbeterei. Dann will man uns anhängen, daß wir mit jenen Schwarmgeistern glaubten, durch Gebet oder Meßopfer könne der Priester unfehlbare Heilwirkungen erzielen oder gar alle Krankheiten mit Sicherheit heilen. Auf den Humbug fällt kein vernäuftiger Mensch herein. Man zeige uns auch nur ein einzig kirchlich approbiertes Werk, gleichviel ob wissenschaftlicher oder volkstümlicher Art, in welchem eine derartige Gesundbeterei irgendwie gebilligt wird. Oder aber das Bochumer Volksblatt will es in bekanntem Hasse gegen das Christentum verurteilen, daß man überhaupt um Gesundheit betet. Wir Christen beten auch um irdische Güter, also auch um Gesundheit, wissen aber wohl, daß wir diese zeitlichen Güter nur dann erhoffen dürfen, wenn sie für unser Seelenheil dienlich sind; das aber zu ermessen bleibt eben Gott überlassen. Mit dieser Absicht und nie ohne diesen Vorb.halt geschieht auch die Aufopferung der hl. Messe für Kranke. Auch in dem Kiesaer Bittschreiben ist mit keinem Wörtlein versprochen oder angedeutet, daß die Leute bei Einsendung einer Gabe sicher ihre Gesundheit wiedererhalten sollten.— Können wir Katholiken also gegen die Gesundbet rei prinzipiell etwas einwenden. Soviel, daß von der ganzen konfusen und gehässigen Verdächtigung des Bochumer Volksblattes auch nicht die Spur übrig bleibt. Noch eine Frage zum Schluß: Wäre es für manche nicht besser, sich selbst etwas mehr Klorheit anzueignen, bevor man ans„Aufklären“ geht? 1:] Gladbeck, 29. Jan. Am letzten Sonntag fand im Gesellenhause die Aufführung des Schauspiels„Die hl. Elisabeth von Thüringen" statt, welches schon am 19. Januar, gelegentlich der Generalversammlung des St. Elisabeth=Vereins nur für die Mitglieder desselben gegeben wurde. Schon lange vor Beginn der Vorstellung füllte sich der geräumige Saal bis bis auf den letzten Platz. Die später Kommenden suchten sich auf der Gallerie und der zu dieser führenden Treppe ein Plätzchen zu erobern. Nach der ersten Aufführung hatte sich in Gladbeck schnell die Kunde verbreitet von dem vorzüglichen Spiel der Mitwirkenden, als auch von der Großartigkeit der Kostüme und schönen Ausstattung der Bühne. In der Tat lagen aber auch die einzelnen Rollen in den besten Händen und war die Wahl der Darsteller, hinsichtlich Figur, Organ und Mienenspiel, eine sehr glückliche zu nennen. Die Zuschauer waren denn auch mit Recht begeistert und zollten reichen Beifall. Die erste Szene, in der die vertriebene Kunigunde mit ihren beiden Kindern im Wald umherirrt, war so traurig und rührend, daß viele sich nicht der Tränen enthalten konnten. Als tröstende Helferin naht sich bald die hl. Elisabeth. Die ehrwürdige Gestalt des greisen Einsiedlers, der aus seiner nahen Klause kommt und den vom Burgvogt Bedrängten Obdach gewährt, war von ergreifender Wirkung. Im zweiten Aufzuge lernen wir die Schwiegermutter der hl. Elisabeth, Sophie, kennen. Ihre schroffen Charakterzüge kamen neben der versöhnenden, milden Gesinnung Rosamundens, Elisabeths Freundin, gut zur Geltung. Waren bis jetzt nur Ernst und und Trauer vorherrschend, so bieten rns die urwüchsige Art der Burgwartin Wiborad, welche dem herrschsüchtigen Vogt darb die Wahrheit sagt, sowie das Lied und der Tanz des vor Uebermut ganz tollen Burgvogts reichlich Stoff zum Lachen. Im dritten Aufzug haben wir Gelegenheit das milde Walten und die sonfte Art der hl. Elisabeth inmitten ihrer Armen zu betrachten. Durch gefälschte Papiere wird die Landgräfin von der Wartburg vertrieben. Wir finden sie im Walde vor dem Bilde der schmerzhaften Gottesmutter betend. Ermattet schläft sie ein, während Englein sie segnend umschweben. In den folgenden Akten wird Elisabeth wieder in ihre Rechte eingesetzt. Unter den Klängen eines Festmarsches entwickelt sich ein imposanter Zug vor unsern Augen; der Kaiser besucht die Wartburg. Voran schreiten ein Herold und Edelknaben in farbenprächtigen Gewändern, ihnen folgen der Kaiser und Elisabeth im reichsten Krönungsornate, den Schluß des Zuges bilden Edelfräulein, duftende Blumen tragend. Der Herrscher hält zu. nächst Gericht über Sophie, die er als Reuige findet. Da auch Elisabeth innige Fürsprache für sie einlegt, wird das harte Urteil, das er anfangs zu fällen gedachte, sehr gemildert. Der Kaiser beauftragt die treue Rosamunde, Elisabeth mit Krone und Mantel zu schmücken. Ein Tusch von Trompeten und die Jubelrufe:„Hoch der Kaiser! Es lebe Elisabeth!“ bilden den Schluß der Darstellung. Die schönen lebenden Bilder„Elisabeth verteilt Brot an die Armen“ und„Elisabeth wird vom Kaiser wieder in ihre Rechte eingesetzt" verdienen noch besonderes Lob. Diese Aufführung des St. Elisabeth=Vereins kann also mit Recht als durchaus wohlgelungen bezeichnet werden und ist nur zu wünschen, daß uns von nun an alljährlich ein so anziehendes, rührendes und zu edler Begeisterung hinreißendes Schauspiel geboten wird. Hafermehl Reismehl Grünkernmehl Tapioka-Julienne Suppen-Würstchen Hahn-Maccaroni. Grösste Ergiebigkeit und höchster Wohlgeschmack als Folge sorgfälligster Fabrikation u. Verwendung bester Rohprodukte sind die unbestrittenen Vorzüge der Knorr'schen abrihale(Koches mit„Knorr“. Rirctendlor. für Knaben und M Miuzenz=Verein Gladbeck. Konferenz am 9=—st— 40 Traneränner. e* — Kleiderbürsten Kopfbürsten Hutbürsten Wichsbürsten Taschenbürsten Staub- u. 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