erner Telegramm=Adresse: Anzeiger Herne. Fernruf 461. Anzeiger Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne. Mit den Beilagen:„Das christliche Haus“, 16 seitig, gratis;„Illustriertes Sonntagsblatt“, 8 seitig, monatlich nur 5 Pfg. Uebenausgaben:„Anzeiger für das Amt Sodingen“ u.„Gerther Rotationsdruck und Verlag: Jugmanns& Koethers. Herne. — Die für den„Derner Anzeiger“ ausgegebenen Inserate gelangen im„Einzeiger für das Amt Sodingen“ und im „Gerther Anzeiger“ graris zur Aufnahme.— Der auf die Inserate eingeräumte Rabatt gilt als Skonto für Barregulierung, wird also bei verspäteter Zahlung, Konkursen, Liquidationen und gerichtlicher Klage gestrichen. eT auswärts mit 20 Pfg., Datum= und Plat men die Zeile mit 50 Pfg. berechnet. rschriften ohne Verbindlichkeit. Jeder Abonnent des„Herner Anzeiger“ ist mit 300 Mt., Mann und Frau zusammen mit 600 Mk., gegen tödlichen Unfall gemäß den bekannt gegebenen Bestimmungen versichert. Ré 193.(Erstes Blatt.) Mittwoch, den 21. August 1912. 8. Jahrgang. Intervention der Mächte? Die Interventiton des Grafen Berchtold, des österreichischen Ministers des Auswärtigen, steht naturgemäß im Mittelpunkte des internationalen politischen Interesses. Der Umstand, daß Deutschland nicht gezögert hat, sogleich seine Zustimmung zu erklären, darf nicht auffallen, denn es ist ja selbstverständlich, daß Deutschland seinem besten Sekundanten, wie Kaiser Wilhelm einmal gesagt hat, in jeder Beziehung beizustehen bereit ist. Der Vorschlag des Grafen Berchtold aber ist zweifellos aus den vitalsten Interessen der österreichisch=ungarischen Monarchie geboren, die es mit allen Mitteln zu verhindern suchen muß, daß nicht etwa über ihren Kopf hinweg von anderen Großzmächten, wobei man besonders an Rußland denken muß, über die Zukunft der Türkei und der Balkanstaaten entschieden wird. Neuerdings wird gemeldet, daß die Unterredung, sie in Wilhelmshöhe zwischen dem Kaiser, dem österreichisch=ungarischen Botschafter Szögheni=Marisch und dem Staatssekretär v. Kiderlen=Wächter stattfand, das Ergebnis hatte, daß der Kaiser seine rückhaltlose Zustimmung zu dem Vorschlage des Grafen Berchtold über eine internationale Balkanaussprache erteilte und die Zustimmung, die Staatssekretär v. Kiderlen=Wächter im Namen der Regierung dem Botschafter bereits am Freitag gegeben hatte, vollinhaltlich bestätigte, Die Geburtstagsfeier für den greisen Kaiser Franz Dosef scheint dem Kaiser als eine besonders günstige WVeranlassung erschienen zu sein, um der Bundestreue Deutschlands gegenüber Oesterreich=Ungarns einen nachdrücklichen, fast weihevollen Ausdruck zu geben. Dieses klingt denn auch aus dem Toaste hervor, welchen Kaiser Wilhelm dem österreichischen Monarchen wid mete, und der von ausgeprägter, auffallender Herzlichkeit war. Ueberblickt man die Verhältnisse auf dem Balkan, wie sie sich uns gegenwärtig darstellen, so muß man die straffe zentralistische Politik des jungtürkischen Regimes berücksichtigen, welche auf eine völlige Unterwerfung der im osmanischen Reiche vereinigten Völker und Stämme hinzielte. Der Aufstand der Albanesen war die Folge dieser Politik, welche zum Sturz des jungtürkischen Regimes geführt hat. Die jetzige Regierung verfolgt einen entgegengesetzten, dezentralisierenden Kurs, und sie hat dementsprechend den Albanesen bereits so viele Zugeständnisse gemacht, daß ihr zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Es ist freilich die Frage, ob die Albanesen hiermit zufrieden sein werden, denn ihr ganzes leidenschaftliches Streben ist auf Unabhängigkeit gerichtet, und sie denken sich ihre Zukunft in bezug auf das türkische Reich als eine Art von Förderalismus. Aber diese entgegenkommende Haltung der türkischen Regierung ist es gerade, welche bei den anderen Balkanvölkern die Furcht vor Benachteiligung ihrer Interessen ausgelöst hat., Daher die schlimmen Grenzschwierigkeitesl, welche eine Aufrollung der mazedonischen Frage in sorgenvolle Nähe rücken. Hier nun ist der Moment gegeben, wonach die Intentionen des Grafen Berchtold einsetzen und in Wirksamkeit treten sollen, und die Frage ist nur: soll durch sie eine Intervention der Mächte eingeleitet werdhn oden nicht? Man denkt hierbei unwillkürlich an das verlorene Mürzsteger Programm, durch welches Oesterreich und Rußland beauftragt wurden, die von den Mächten für notwendig gehaltenen Reformen in Mazedonien durch zuführen. Heute kann keine Rede mehr davon sein, die Türkei in jeder Weise zu bevormunden, und die Situation dürfte durch die Wiener„Neue Freie Presse“ zutressend beurteilt sein, welche unter anderem schreibt: „Die Großmächte wollen nur durch die moralischen Einflüsse bewirken, daß einerseits die Türkei, gegenüber den nichtmohammedanischen Völkerschaften eine Politik des Wohlwollens einschlägt und festhält. Sie wollen jedoch auch der Türkei die Sicherheit geben, daß die Balkanvölker, die ihrem Reiche angehören, und die Balkanvölker, die ihrem Reiche nicht angehören, keine übereilten Schritte unternehmen, welche die Ausgleichung und Versöhnung der Gegensätze erschweren oder gar verhindern könnten. Diese Gedanken kommen aus der Politik des bestehenden Zustandes. Neue Ein richtungen werden durch sie nicht geschaffen. Aber die Krisen, die fortwährend in der Türkei ausbrechen, sollen durch eine gemeinsame Politik und durch eine aufrichtige Verständigung der europäischen Mächte so eingedämmt werden, daß sich nicht Gefahren daraus entwickeln, deren Folgen weit über die Türkei hinausreichen würden.“ Wie man sieht, kann die von dem Grafen Berchtold angeregte Konferenz nur dazu da sein, den Interessen des Friedens zu dienen. Da aber die Dinge so weit gediehen sind, wie es nunmehr der Fall ist, so können diese Interessen nur dadurch gefördert erden, daß die Türkei in umfangreichstem Maße eine Politik der Nachgtebigkeit übt. Diese darf sie nicht allein auf Albanten erstrecken, sondern auch auf die anderen in Betracht kommenden Balkanstämme, und im Anschluß hieran darf man wohl auch an eine Einigung mit Italien über Tripolis denken. Wird die gegenwärtige türkische Regierung entschlos sen sein, diese Wege zu gehen? Wenn nicht, dann dürfte die Gefahr neuer schwerer Explosionen sich immer mehr vergrößern, und die Mächte, in dem Bestreben, einen allgemeinen Balkankrieg hintanzu halten, würden sich doch am Ende zu der ultima ratio der Intervention entschließen müssen. Die Krönung der Reichsfinanzreform. So nennt der Abg. v. Dewitz sein hochinteressan tes Buch über die Erbzuwachssteuer, welche er als die vom Reichstag geforderte„allgemeine Besitzsteuer“ empfiehlt. Aber der Verfasser geht noch einige Schritte wetter und strebt neben der materiellen Reichsfinanz reform auch eine formelle an; der Zeitpunkt hier für scheint, wie Abg. Erzberger in der„Schles. Volks zeitung“ ausführt, sehr geeignet; denn je weniger dringend infolge guter Finanzen die Schaffung neuer Steuern ist, um so ruhiger kann die formale Seite der Reichsfinanzgebarung besprochen werden. Abschaffung der Matrikularbeiträge heißt die Forderung, die an ihre ursprüngliche Ge staltung anknüpft. Denn nach der ursprünglichen Ge staltung der Reichsverfassung hatten sie nur einen subsidiären Charakter, der selbst heute noch für die ungedeckten Matrikularbeiträge vorhanden ist, sofern ihn nicht die einzelnen Etatsgesetze wieder beseitigen, wie es 1909 üblich ist. Aber seitt 1904 sind die Matri kularbeiträge zu den regelmäßig erstklassigen Ein nahmen des Reiches geworden; doch mit Beschränkungen wieder. Denn von 1906 wurden die Betträge, die über 40 Pfg. hinausgingen, gestundet und 1900 auf das Reich übernommen; seit 1909 hält man tatsächlich an 80 Pfg. pro Kopf fest, und man wird nicht leugnen können, daß dieses stillschweigende Uebereinkommen in den letzten vier Etatsjahren gut gewirkt hat. Wenn nun die Matrikularbeiträge fallen sollen — prinzipiell wird niemand dagegen sein—, so sind nur zwei Voraussetzungen zu erfüllen: 1. Schaffung eines ausreichenden Ersatzes durch eine Besitzsteuer, die sich leicht beweglich gestalten läßt und das Budgetrecht des Reichstags sichert; 2. Anlegung eines genügend hohen Ausgleichssonds. Herr v. Dewitz schlägt hierfür 500 Millionen Mark vor, und der Abg. Erzverger stimmt diesem Vor schlage zu. Wenn der Ausgleichsfonds vorhanden ist oder angelegt wird, ist man in der Wahl der Besitzbesteuerung viel freier, da nicht jede Besitzsteuer sich quotisieren läßt, ohne daß große Härten entstehen. Die Bildung eines Ausgleichsfonds von recht be trächtlicher Höhe wurde schon im Vorjahre von dem Abg. Erzberger angeregt; der Etat 1912 trägt dem darin Rechnung, daß er die Ueberschüsse von 1911 und 1912 in der Reichskasse beläßt und nicht zur Schuldentilgung verwendet. Für das finanzpolitische und internationale Ansehen des Reiches ist es gleich gültig, ob es 4300 oder 4800 Millionen Mark Schulden hat; wenn es aber 500 Millionen Mark„tägliches Geld“ in der Reichshauptkasse liegen hat, so bedeutet dies eine gewaltige Erhöhung der Gesamtstärke unseres Vaterlandes und das erste und beste Stück der finanziellen Kriegsbereitschaft, zumal zu dieser Summe der eiserne Bestand der Reichshauptkasse mit über 130 Millionen Mark tritt, und der Ausgleichs fonds Preußens und die anderer Staaten auch vor handen sind. Der Juliusturm hat dann ganz andere Reserven. Würde man diese 500 Millionen Mark zur Schuldentilgung verwenden, hät; die Aktion bei weitem nicht solche Wirkungen. Die Kontrolle des Ausgleichsfonds wäre der Reichsschuldenkommission zu überweisen. Die Gelder für diesen aber sind aus den Ueberschüssen der einzelnen Jahre zu nehmen, selbst wenn es ein Jahrzehnt dauert, bis der Höchststand erreicht ist. Jahre mit Fehlbeträgen finden hier ihren=Ausgleich; daher der Name. Gerade die Reichssinanzen, die so schwankender Art sind, bedürfen eines solchen Spar topfes; bisher waren es die Matrikularbetträge, die einzuspringen hatten; fallen diese weg, ist dieser Fonds unentbehrlich geworden. Eine solche Finanz gebarung ist viel besser, als wenn man in den fetten Jahren die Schuldentilgung verstärkt, damit man in mageren Jahren auch zu einer Zuschußanleihe greifen kann; nur zu schnell gewöhnt man sich dann an dieses ebenso bequeme wie verderbliche Ausbilfsmittel des Pumpens. Unsere gesetzliche Schuldentilgung ist aus reichend nach jeder Richtung. Es ist gar nicht nötig darüber hinauszugehen, ebensowenig darf man hinter ihr zurückbleiben. Wenn die Bundesstaaten unter solchen Voraus setzungen den Wegfall der Matrikularbetträge er reichen können, so werden sie sicher auch zu manchem Entgegenkommen auf der anderen Seite bereit sein; dieses kann nur seine Grenze in der Aufrechterhal tung der Selbständigkeit der Einzelstaaten finden. Was aber bis dahin der Sache hindernd auf dem Wege liegt, kann ruhig weggeschafft werden. Die Unterstützung jener Parteien, welche die matertelle Reichsfinanzreform schusen und bereit sind, sie zu vollenden, ist dem Bundesrat dabei sicher, so daß die sozialdemokratischen Stimmen entbehrlich werden, was im allgemein=polttischen Interesse nur als wünschenswert bezeichnet werden kann. Deutsches Reich. Ein neues Kaiserbildnis auf den preußischen Münzen. :: Wie die„Tägl. Rundschau“ erfährt, besteht die Absicht, vom 25jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers ab, das im nächsten Jahre stattfindet, ein neues Kaiserbildnis auf sämtlichen Gold- und Silbermünzen, die von diesem Zeitpunkt ab in den Verkehr gelangen, zu prägen. Das Kaiserbildnis auf den jetzt im Verkehr befindlichen Münzen stammt aus dem Beginn der Regierungszeit unseres Kaisers und svellt dementsprechend den Kaiser in jugendlichem Alter dar. Es soll nun ein neues Porträt des. Kaisers aufgenommen werden, das sich von dem Bildnis auf den jetzt im Verkehr befindlichen Münzen nicht nur durch das Alter, sondern auch dadurch unterscheidet, daß Hals= und Bruststück bekleidet sind, und zwar voraussichtlich mit der Uniform der Garde=Kürassiere. Mit der Ausführung des neuen Kaiserbildnisses, mit der der bekannte Medailleur Professor Sturm betrant ist, dürfte bald begonnen werden. Der Kaiser und die Schweizer Sozialdemokraten. ** Der Kaiser wird, nach Blättermeldungen, wie beim ersten Betreten des Schweizer Bodens in Basel, so auch im Kanton St. Gallen von einem Sozialdemokraten begrüßt werden. Hier ist es der Landmann Heinrich Scherrer, der gleichfalls der sozialistischen Partei angehört. Das Hauptorgau der Schweizer Sozialdemokraten, das„Juricher Volksrecht“, bemerkt dazu:„Es müsse eine wunderlich locker in den Bändern häugende sozialdemokratische Gesinnung sein, die sich aus misiverstandener Grundsätzlichkeit fürchte, einem Gegner, im Ausland guten Tag und guten Weg zu wünschen. Es sei zu hofsen, daß die fortschreitende Demokrati= sierung in Deutschland die dortigen Genossen dazu bringe, die Mertmale wahrer Gesinnungstuchtigteit weniger in klotzigem und tattlosem Verhalten politischen Gegnern gegenüber zu suchen. * Simultauer Feldgottesdienst. ** Ueber einen bevorstehenden Feldgottesdienst auf dem Tempelhofer Felde berichtet die„Nordd. Allg. Zeitung:„Am Sonntag, den 1. September, 12 Uhr mittags, wird in Gegenwart des Kal sers auf dem Tempelhofer Felde in der Nähe der Paradepappel ein Feldgottesdienst abgehallen werden. Amtieren wird der evangelische Feld propst der Armee Dr. Wölfing. Außerdem wird die evangelische und die katholische Militar geistlichkeit des Standortes Berlin sowie des 3. Armeekorps zugegen sein. An dem Feldaottes dienst werden teilnehmen: der Prinz Leopold von Bayern, der Erbprinz von Sachsen=Meiningen, Her zog zu Sachsen, das Allerhöchste Hauptquartier, der Gouverneur von Berlin, der Kriegsminister, der Chef des Generalstades der Armee, die kommandierenden Generale des Gardekorps und des 3. Armeekorps, die Generalttät sowie die Regiments= und selbständtgen Bataillonskommandeure deo Garde- und 3. Ar meekorps, die übrige Generalität des Standorts Berlin, die Leibgendarmerie sowie Abordnungen evangelische und katholische Mann Hafenstürme. Roma: von W. W. Jacobs. 46 (Nachdruck verboten.) Fünfundzwanzigstes Kapitel. Am Tage nachdem Herr Lampe so plötzlich und unerwartet seine ehelichen Rechte geltend gemacht hatte, stand Herr Löbel in der Tür seines Ladens und ließ sich von der Sonne durchwärmen. Die Straße befand sich im Zustand nachmittäglicher Ruhe, und es war nicht wahrscheinlich, daß ein Kunde seine vertrauliche Unterhaltung mit Herrn Nathan Schmidt unterbrach, der mit einer Miene großer Strenge seinen Auseinandersetzungen lauschte. „Es hätte nicht geschehen dürfen,“ erklärte er scharf. „Edu hat die Schuld,“ bemerkte Herr Löbel demütig. Herr Schmidt zuckte die Schultern.„Es wäre nicht geschehen, wenn ich hier gewesen wäre,“ meinte er anmaßend „Ich sehe nicht ein, wie——,“ begann Herr Löbel. „Nein, natürlich nicht,“ erwiderte sein Freund. „Na, es nützt nichts, jetzt viel Aufhebens davon zu machen. Die Sache ist geschehen. Immerhin glaube ich nicht, daß es irgendwelche Schwie——“ „Schwierigkeiten,“ riet Herr Löbel, nachdem er gepartet hatte, daß er zu Ende sprechen würde. „Schwierigkeiten,“ sprach Schmidt mit unverkennbarer Anstrengung. Der zornige Ausdruck in seinem Gesicht war verschwunden und hatte einer sanften Miene Platz gemacht, die beinahe schafsmäßig wirkte. Herr Löbel, der mit einiger Verwunderung auf ihn blickte, glaubte sogar einen schwachen Schatten von aufsteigendem Rot zu entdecken. „Wir sind alle nicht so schlau, wie Du bist, Nat,“ sagte er etwas erschrocken vor dieser Naturerscheinung, „das wäre ja auch nicht gut.“ Herr Schmidt ließ ein seltsames Gekrächze in seiner Kehle hören und wandte sich ihm scharf zu. Herr Löbel, den dieses ungewohnte Benehmen noch immer in Erstaunen setzte, zog sich ein wenig zurück, und dann öffnete sich sein Mund, und seine Augen wurden kreisrund, als er die Ursache des Verhaltens seines Freundes entdeckte. Ein ältlicher Herr mit hübsch geschnittenem weitzem Bart und einer gelben Rose im Knopfloch ging gerade auf der andern Seite der Straße vorbei. Sein Schritt war elastisch, seine Gestalt aufrecht, wie die eines Jünglings, und er schwang einen leichten Rohrstock beim Gehen in der Hand. Als Herr Löbel hinüber sah. nickte er dem überraschten Herrn Schmidt fröhlich zu und ging augenscheinlich mit der Absicht über die Straße, mit ihm zu reden. „Wie geht's, Schmidt?“ fragte er mit liebenswürdi ger Stimme. Der Schlafbas lehnte sich gegen das Ladensenster und sah ihn betäubt an. Ein gewisses Blinzeln im Auge des Schiffsmaklers reizte ihn sast über seine Kraft, und in der Tür stand Herr Löbel, dessen Gesicht von der Stärke seiner Empfindungen beinahe scheckig war, als unwillkommener und rasender Zeuge seiner Scham. „Ste fühlen sich nicht wohl, Schmidt,“ meinte Herr Köppen mit einer freundlichen Kopfbewegung.„Sie sehen aus, als ob Sie kürzlich geistig zu viel gearbei tet hätten.„Ich weiß, Sie haben wieder mal jemand reingelegt.“ Herr Schmidt sperrte den Mund auf, sah ihn böse an und machte starke Anstrengungen, seine Fassung wieder zu erlangen. „Mir ist ganz gut, Herr Köppen,“ sagte er mit schwacher Stimme.„Es freut mich, daß Sie selbst etwas besser aussehen.“ „O, ich bin jetzt wieder ganz in Ordnung,“ er widerte der andere mit einem freundlichen Lächeln nach dem erregten Herrn Löbel.„Ich bin so gesund, wie ich nie gewesen bin. Krankheit ist eine ernstliche Sache, Schmidt, aber doch auch nicht ohne ihr kleines Vergnügen.“ Herr Schmidt, der sein-glattrasiertes Kinn kratzte und ins Leere starrte, sagte, daß er sich freue, das zu hören. „Die Geschichte hat lange gedauert,“ fuhr der Schiffsmakler fort,„länger, als ich erwartet hatte. Uebrigens, Sie haben doch selbstverständlich mit niemandem über unsere Angelegenheit gesprochen?" „Natürlich nicht, Herr Köppen,“ erwiderte der Schlafbas und knirschte mit den Zähnen. „Man hat so seine Lannen, wenn man krank ist,“ bemerkte Herr Köppen mit leiser Stimme, wobei sein Auge mit Vergnügen auf dem gespannten Gesicht des Herrn Löbel ruhte.„Ichvverbrannte das Doku ment fünf Minuten, nachdem Sie gegangen waren.“ „So, wirklich?“ sprach Herr Schmidt mechanisch. „Ich freue mich, daß nur der Doktor und Sie meine Torheit gesehen haben,“ fuhr der andere fort, immer noch mit leiser Stimme.„Andere Leute hätten plaudern können, aber von Ihnen wußte ich, daß Sie ein verläßlicher Mann seten, Schmidt— und ich bin auch ganz sicher, daß Sie auch später nicht davon reden werden. Guten Abend!“ Herr Schmidt sagte„Guter Abend“ und beobachtete die verschwindende Gestalt, als ob sie zu einer Menschenrasse gehöre, die ihm bisher unbekannt ge wesen war. Dann wandte er sich, einem leidenschaftlichen Ruck an seinem Rockärmel Folge gebend, zu Herrn Löbel. „Was hast Du zu Deiner Verteidigung zu sagen?“ fragte diese gekränkte Persönlichteit im Tone unter drückter Leidenschaft.„Was soll das ganze heißen? Du hast einen schönen Dreck mit Deiner Geschichte angerichtet!“ „Wundervoller, alter Herr, nicht wahr?“ sagte der besiegte Herr Schmidt.„Denk doch nur mal, daß der mich übertölpeln sollte! Denk nur mal, daß ich rein gelegt bin! Ich habe das alles so unschuldig aufgenommen wie nur möglich.“ „Ach. Du bist ein kluger Kerl. wahrhaftig,“ schalt Herr Löbel bitter.„Amelia hat den jungen Schümann und seine zehntausend Mark durch Dich verloren. Es ist ein abgekartetes Spiel zwischen dem alten Köppen und der Schümann=Bande, ganz sicher.“ „Sieht so aus.“ pflichtete Herr Schmidt bei,„aber daß er sich gerade mich für einen kleinen Scherz aussuchte, das kränkt mich!“ „Und wie ist's mit all dem Geld, das ich für die Lizenz bezahlt habe?“ fragte Herr Löbel in drohendem Ton.„Was gedenkst du hierin zu iun?“ „Du sollst es wieder haben,“ erklärte der Schlafvas mit plötzlicher Freundlichkett,„und Melia soll ihre zehntausend auch haben!“ „Wie?“ fragte der andere verblüfft. „Das ist so leicht wie nur möglich,“ sagte Herr Schmidt, den das Benehmen seines Freundes schwer geärgert hatte,„ich werde es Euch in meinem Testament hinterlassen. Das ist der billigste Weg, Geld zu verschenken, den ich kenne. Und da wir gerade dabei sind, will ich Dir auch ein anständiges Paar Hosen hinterlassen und ein Hemd mit Deinem eigenen Namen darauf.“ Während eine alte Freundschaft auf diese Weise in die Brüche ging, war Herr Adolf Köppen aus dem Wege nach seinem Kontor. Er konnte sich nicht erinnern, jemals eine so angenehme Lust vom Wasser her gefühlt oder solche lebhafte Freude beim Anblick der arbeitsamen Welt empfunden zu haben. Mit Entzücken blickte er auf die Menge der verschiedenen Schisse im Hasen und der geschäftigen Gestalten am Kai und blieb nur gelegentlich stehen, um besorgte, seine Gesundheit betressende Fragen von In teerbetleckten Kleidern steckenden Scelenten zu beantworten, die ihm schon von weitem mit großer Mühe ausgelauert hatten. Schließlich gelangte er in sein Kontor und begab sich, nachdem er die respektvolle Begrüßung des Herrn Lampe erwidert hatte, nach seinem Privatzimmer, und feierte dort seine Rückkehr zur Arbeit damit, daß er sofort mit seinem Teilhaber eine beträchtliche Salär erhöhung für dieses nützliche Individuum vereinbarte. „Mein Gewissen quält mich,“ meinte er, als er seinen Hut aushing und sich mit großer Freude im Zimmer umblickte. „Lampe ist glücklich genug“, sagte Thießen.„Es ist das Beste, was ihm geschehen konnte.“ „Ich möchte heute jedermanns Salär erhöhen.“ erklärte Herr Köppen wohlwollend und setzte sich an sein Pult.„Mir ist alles wie ein Feiertag, nach dem ich in diesem Schlaszimmer eingesperrt gewesen bin. Aber die Ruhe soll mir sehr gut getan haben— sagt wenigstens Meiberg. Und nun, was hat sich mit Ihnen ereignet?“ Thießen schüttelte den Kopf. „Schmieden Sie das Eisen, solange es warm ist, riet ihm der Schissomatler.„Gehen Sie hin und besuchen Sie Kapttan Schümann, bevor er sich an die Situation gewöhnt hat. Und Sie können ihm, wenn Sie wollen, zu verstehen geben— nur seten Sie vorsichtig, wie Sie es tun—, daß ich etwas in ssicht habe, was für seinen Sohn passen könnte. Wenn Sie nach alledem, was ich für Sie getan habe, In dieser Sache einen Mißerfolg haben, dann werde ich selber als Bewerber in die Schranken treten."= Der Rat war gut, aber unnötig; denn Herr Thießen hatte bereits diesen Abend als passende Gelegenheit dafür bestimmt, dem Kapttän die Natur der Bemühungen zu erschließen, die er zu seinem Besten gemacht hatte. Der Erfolg, den er zu verzeichnen hatte, versetzte ihn in eine hochgemute und opttmistische Stimmung, und er begab sich mit dem vertrauensvollen Gefühl nach der Villa, daß er, um das mindeste zu sagen, dort festeren Fuß gesaßt gesaßt habe. Kapttän Schümann, der von seiner Gartenarbett abgerufen wurde, bearünte seinen Besucher in der gewöhnlichen kurzen Art und Weise, als er in das Zimmer trat.„Wenn Sie gekommen sind, um mir von dieser Oetrat zu erzählen, so kann ich Ihnen nur sagen, daß ich schon davon gehört habe," empfing er ihn barsch.„Seemte hat es mir heute nachmittag erzählt.“ „Aber ich glaube nicht, daß er Ihnen erzählt hat, wie sie zustande gekommen ist?" fragte Thießen. (Schluß folgt.) * ** — schaften gemischt— der Truppentelle des Garde und 3. Armeekorps. Außerdem werden Abordnungen der Kriegervereine und Sanitätskolonnen aus dem Territorialbezirk des 3. Armeekorps in Starke von etwa 30000 Mann teilnehmen. Die Fahnen und Standarten wird die 1. Kompagnie des 2. Garderegiments zu Fuß vormittags aus dem Königlichen Schloß ubholen. Nach dem Gottesdienst wird ein Vorbeimarsch der Truppenabordnungen in Zugkolonne erfolgen.“ Wir glauben einstweilen annehmen zu sollen, daß die Nachricht in dieser Form keine Bestätigung erhalten wird, denn wenn sie wahr wäre, so würde das darauf hinauslaufen, daß Angehörige der katholischen Konfession gezwungen würden, an einem evangelischen Gottesdienste teilzu nehmen. * Der Reichsverein liberaler Arbeiter. Die 102 fortschrittlichen Arbeiter, welche zur zeit die so glorreich ins Leben gerufene„liberale Arbeiterbewegung" verkörpern, geben der „Süddeutschen Nationalliberalen Korrespondenz“ Anlaß zu folgenden Betrachtungen, welche für die Stimmung auf nationalliberaler Seite charakteristisch sind:„Die mit so großem Tamtam angekündigte „Reichskonserenz liberaler Arbeiter“ hat ein ziemlich bescheidenes Ergebnis gehabt. Wenn man Massen aktionen mit ganzen 102 Mann veranstaltet, die sich bei der Abstimmung sogar auf 81 verringerten, dann ist wirklich kein Grund zu großer Hoffnungsfreudigkeit. Erfreulich an der Gründung ist aber das eine, daß sich bei diesem Anlaß wieder einmal gezeigt hat, wie viel denn noch an Trennendem vorhanden ist zwischen Nationalliberalen und Fortschrittlern, wie wenig sich aber auch der Fortschritt Mühe gibt, das etwa zu verbergen. Wo es sich um seinen eigenen Vorteil handelt, da sorgt er dafür, daß er, ungestört vom liberalen Bruder, hübsch unter sich ist und für sich allein rafft. Da ist die liberale Gemeinschaftsidee zu Ende. In Nord=und Mitteldeutschland weiß man das schon länger; hoffentlich lernen nun auch die süddeutschen Nationalliberalen etwas daraus. Dann kann der fortschrittliche Arbeiterfang ausgehen, wie immer, er hat doch ein Gutes gehabt.“ * Das liberale Wahlabkommen in Württemberg. Es ist bereits früher darauf hingewiesen worden, daß der Hauptzweck des Abkommens zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen in Württemberg darin liegt, die rechtsstehenden Parteien und das Zentrum zu bekämpfen. Das gesteht nun auch in der„Voss. Ztg.“(Nr. 421„eine mit den württembergischen Parteiverhältnissen genau vertraute Seite“ zu, indem sie schreibt:„Eine andere Frage ist die, ob durch das Abkommen große Parteiverschiebungen im künftigen Landtage möglich sind. Diese Frage muß verneint werden.... Daß es darauf ankommen wird, im zweiten Wahlgange möglichst eine schwarz=blaue Mehrheit zu verhindern, eine Gefahr, die schon bei Verschiebung von 5 bis 6 Mandaten droht, ist im Hinblick auf die dem neuen Landtage vorzulegenden Gesetzesvorlagen (Gemeindesteuerreform, finanzielle Trennung von Staat und Kirche) auch von sozialdemokratischer Seite des öfteren als eine Notwendigkeit anerkannt worden. Bis dahin aber ist es noch weit; fürs erste kommt es für den Liberalismus darauf an, schon bei der Hauptwahl recht gut abzuschneiden, damit er sein Votum bei der endgültigen Entscheidung der Dinge recht machtvoll in die Schale werfen kann.“— Und bei der endgültigen Entscheidung der Dinge wird der gesamte Liberalismus in vollkommener Harmonie mit der Sozialdemokratie gegen rechts marschieren. Schon im Hinblick auf die von den Liberalen und Sozialdemokraten geplante Trennung von Staat und Kirche sollten die Parteien, die Gegner dieser Trennung sind und gegen die sich der liberalsozialdemokratische Ansturm richtet, zu kraftvoller gemeinsamer Abwehr sich rüsten. * Imperialismus und Sozialdemokratie. Während die sozialdemokratische Parteipresse den Imperialismus, d. h. das Streben Deutschlands, auch außerhalb seiner Landesgrenzen wirtschaftliche Macht zu erlangen, sowie die Kolonialpolitik als für die Arbeiterklasse schädlich hinzustellen sucht, kann die Gewerkschaftspresse auch anders. So ist zu lesen im„Grundstein“(Nr. 31), dem Organ des sozialdemokratischen Bauarbeiterverbandes in einem Artikel: Entwicklungstendenzen der Weltwirtschaft: „Es ist darum nichts weniger als ein Zufall oder gar eine Laune der vom Kapttalismus beherrschten Regierungen, wenn wir gerade in unserer Zeit sehen, wie sich die Regierungen der Industriestaaten auf die kapitalistisch noch unerschlossenen Gebiete der Erde werfen, um sie für sich zu okkupieren. Das, was wir Imperialismus nennen, hat in dieser Entwicklung seine Triebkräfte. Die Weltwirtschaft hat das rourfnis nach den Produkten jener noch unoder erst halberschlossenen Länder. Ihre Versorgung mit diesen Produkten bietet lukrative Geschäfte— und was ist für den Kapitalismus weiter notwendig, um ihn zu bewegen, sich mit aller Energie dieser Produktionsländer zu bemächtigen? So wenig das Proletartat diese weltwirtschaftlichen Notwendigkeiten verkennt, so energisch muß es sich gegen die kapitalistischen Methoden wenden, mit denen die herrschenden Klassen diesen Notwendigkeiten genügen wollen. Je mehr die Erschließung neuer agrarischer Produktionsgebiete wirtschaftlich notwendig wird, um so machtvoller muß das Proletartat um einen größern Einfluß auf die Leitung des öffentlichen Wesens kämpfen. Es kann nicht seine Aufgabe sein, die Befriedigung realer Bedürfnisse des Wirtschaftlebens zu perhindern; denn darunter würde gerade die Arbeiterschaft am schwersten leiden; aber es muß dafür kämpfen, daß nicht kapitaltstische, sondern wirtschaftliche, kulturelle und humanttäre Interessen die Formen und Methoden bestimmen, unter oenen sich die notwendige Erweiterung der weltwirtschaftlichen Grundlagen vollzieht.“— Die in Vorstehendem enthaltenen Seitenhiebe auf den Kapitaltsmus sollen nur dazu dienen, den„Genossen" das in den Augen der Radikalen ketzerische Geständnts schmackhafter zu machen, daß heute Deutschland der Kolonialpolttik nicht entbehren kann, gerade auch, wie der„Grundstein“ hervorhebt, im Interesse seiner Arbeiterklasse. * Bedrohung des Freiherrn v. Cramer=Klett. Eine Bedrohung des Freiherrn v. Cramer= Klett, die anscheinend auf konfessionellem Haß beruht, wird dem„Berl. Lok.=Anz.“ aus München gemeldet. Danach hat Frhr. v. Cramer=Klett, der zurzeit auf seinem Waldschloß Hohenaschau im Chiem= gau wohnt, aus Oesterreich einen mit dem unbekannten Namen Fohenburg unterzeichneten Drohbrief erhalten des Inhalts, man könne ihm, nachdem er sich als Protestant derart benehme, daß er überall den Katholiken herauskehre und sich füb die Jesuiten ins Zeug gelegt habe, seine Kinder nicht mehr lassen. Man werde sie demnächst entfuhren und in Ungarn im Sinne ihres Großvaters, d. h. evangelisch, erziehen lassen. Frhr. v. Cramer=Klett hat sich den Haß gewisser Kreise dadurch zugezogen, daß er sich besonders als Gönner des Benediktinerordens erwiesen hat. Er selbst ist protestantisch, jedoch mit einer Tochter des katholischen Fryrn. v. Würtburg verheiratet. Aus der Ehe stammt ein Töchterchen und ein Söhnchen, mit deren Entführung gedroht wurde. Die Münchener Polizei hat alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die Entführung zu verhindern. Der Bericht des„Berl. Lok.=Anz.“ fügt hinzu, es sei den Briefschreibern„vielleicht auch nur darum zu tun ge wesen, den sehr ängstlichen Freiherrn durch die Drohung zu qualen“. Auch wenn das der Fall wäre, würde es sich um einen niederträchtigen Bubenstreich handeln. Ausland. Neue Friedensverhandlungen zwischen Italien und der Türkei? wb Konstantinopel, 20. August. Der Wali des Archivels, Subhi Ben, der in italienischer Gesangenschaft gewesen war, ist hier eingetrossen und wird, wie es heißt, mit einer Mission nach Italien zurückkebren. Von der transpersischen Bahn. wb Paris, 20. August. Der Botschafter Louis in Paris hat dem Vertreter eines Pariser Bureaus folgende Erklärung abgegeben: Die Frage der transpersischen Eisenbahn ist eine der schwierigsten und zugleich wichtigsten. Allerdings sind“ Rußland und England seit längerer Zeit mit dem Bau der Bahn einverstanden, aber sie könnten nicht alle notinen Kubitalten, die sehr beträchtlich sind, dazu liefern. Es müßten auch genügende Garantien vorhanden sein. Die Frage ist, ob Persien den nötigen finanziellen Beitrag liefern kann. Jeden falls hat die Frage durch die Besprechungen zwischen Poincaré und den russischen Staatsmännern einen großen Schritt vorwärts gemacht. Wahrscheinlich wird das Projekt nächstens zur Ausführung kommen. Man wird mit dem vorläufigen Studium zum Bau der einzelnen Strecken schreiten. * Von der Panamabill. wh Washington, 20. August. Präsident Taft hat eine spezielle Botschaft an den Kongreß ge sandt, worin er dringend ein Amendement zur Kanalbill empfiehlt, nämlich die Annahme einer gleichzeitigen Resolution, die es den fremden Nationen ermöglicht, die Rechtsgültigkeit der Bestimmung der Gebührenfreiheit anzuerkennen. Der Präsident gibt seinem Wunsche Ausdruck, die Bill zu unterzeichnen, erklärt aber, es sei von größter Wichtigkeit, daß der gute Glaube der Vereinigten Staaten von den fremden Regierungen anerkannt werde. Die Prü sung der Rechtsgültigkeit der Bestimmung über die Gebührenfreiheit soll durch einen Appell an die amerikanischen Gerichte stattfinden. Der Präsident hatte deshalb heute abend eine mehrstündige Beratung mit dem Kabinett. Die Botschaft des Präsidenten wurde heute im Kongreß verlesen und kommt morgen vor die Kommissionen der beiden Häuser, die sich be mühen werden, eine Entscheidung im Sinne Tafts herbeizuführen. Die Resolution, die der Präsident vorschlägt, beginnt mit der Erklärung, daß nichts an der Kanalbill so aufgefaßt werden dürse, als ob sie eine Bestimmung des Han Pauncesotevertrages auf hebe oder die juristische Auslegung des Vertrages berühre, oder Rechte und Privilegien beeinträchtige, die fremde Nationen durch Verträge mit den Vereinigten Staaten mit Bezug auf die Gebühren oder andere Abgaben für die Durchfahrt durch den Panamakanal erworben haben oder erwerben werden. Die Eingabe des bayerischen Episkopats an den Bundesrat. Der bayerische Gesamtepiskopat hat, wie bereits kurz mitgeteilt wurde, an den Bundesrat eine Ein gabe gerichtet, in der er die Aufhebung des Jesunen gesetzes erbittet und diese Stellungsnahme ausführlich begründet. Die Eingabe lautet: Hoher Bundesrat! Seit mehreren Monaten liegt dem Bundesrat ein Antrag der Kgl. bayerischen Staatsregierung vor, den Begriff der gemäß der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 5. Juli 1872 den Angehörigen der Gesellschaft Jesu verbotenen Ordenstätigkeit authentisch zu interpretieren. Die verbündeten Regierungen stehen somit vor dem Erlaß einer Entscheidung, die sehr bedeutsam in das innere Leben der katholischen Kirche eingreift und deren Ausfall die nach Lage der Verhältnisse zunächst beteiligten Katholiken Bayerns mit Sorge und Spannung entgegensehen. Men Die unterzeichneten Erzbischöfe und Bischöse des Königreichs Bayern würden ihre oberhirtliche Pflicht versäumen, wollten sie es unterlassen, in einer solchen ernsten Lage ihre Stimme für die Forderungen des Rechtes und der Gerechtigkeit zu er heben. Sie fühlen sich gedrängt, der schweren Besorgnis Ausdruck zu geben, mit der sie und ihre Diözesanen eine Regelung des Vollzugs des Jesnitengesetzes erfüllen müßte, die auf Anschauungen zurückgreifen würde, wie sie zur Zeit der Entstehung des Gesetzes maßgebend waren. Das Reichsgesetz vom 4. Juli 1872, den Orden der Gesellschaft Jesu betreffend, ist das einzige zurzeit im Deutschen Reiche bestehende Ausnahmegesetz. Es ist von den deutschen Katholiken von jeher als eine Ungerechtigkeit und unverdiente Bedrückung empfunden worden. Daß die Klagen der deutschen Katholiken über den Bestand des Gesetzes sachlich wohl begründet sind, zeigt der Hinweis auf die wiederholten Beschlüsse des Reichstags, in denen eine aus den verschiedenartigen Parteien zusammengesetzte Mehrheit sich für die Aufhebung des Jesuitengesetzes aus gesprochen hat. Zum tiefen Bedauern der deutschen Katholiken haben die verbündeten Regierungen sich bisher nicht entschließen können, die durch die wiederholten Mehrheitsbeschlüsse der Vertreter des deutschen Volkes unterstützten Klagen abzustellen. Es besteht wohl kein Zweifel, daß der Deutsche Reichstag bei einer erneuten Antragstellung sich auch neuerdings mit großer Mehrheit für die Beseitigung dieses Ausnahmegesetzes, beschlutzmäßig aussprechen wird. Sollten nichtsdestoweniger die verbündeten Regierungen das Gesetz aufrecht erhalten und den Jesuiten jede Ordensheimat auf deutschem Boden versagen wollen, so bietet der Appell Bayerns an den Bundesrat genügend Anlaß. nach einzelnen Richtungen hin, wenigstens die Schranken zu beseitigen, in die der Bestand des Jesuitengesetzes die freie Ent faltung unseres katholischen innerkirchlichen Lebens eindämmt. Die verbündeten Regierungen sind nun in der Lage. auf dem Wege der authentischen Interpretation des Begriffs der Ordenstätigkeit der Jesuiten für den künftigen Vollzug alles auszuschalten, was die Katholiken als kleinlich, gehässig und ungerecht empfinden müssen. Wie sehr verbitternd die auf den Geist des Kulturkampfes zurückgreifende Vollzugsauslegung des Jesuttengesetzes auf das katholische Empfinden wirken mußte, ergibt sich im Hinblick auf die uneingeschränkte Freiheit, deren sich die Ver fechter des Unglaubens und des Umsturzes, deren sich die geschworenen Feinde von Altar, Thron und Glauben bei der Verbreitung ihrer Ideen in Deutsch land erfreuen dürfen. Es mußte auf katholische Kreise tief kränkend und verletzend wirken, wenn man sehen mußte, daß die ausgezeichneten und bewährten Hilfs kräfte, die der katholischen Kirche für den Kampf der Weltanschauungen aus den Reihen der Jefuiten zur Verfügung stehen, durch die Rechtsanwendung des Reiches von der priesterlichen Betätigung aus geschlossen sind, während jeder Feind des Christen tums und der Monarchte seine Gefühle des Hasses gegen die göttliche und menschliche Autorität unge stört in die Massen tragen kann. Weil wir aber genau wissen, was an Wünschen und Befürchtungen die Herzen des Klerus und der Dibzesanen„bewegt, richten wir an den hohen Bundesrat die ehrerbietige und eindringliche Bitte, bei der zu erlassenden und authentischen Interpretation des Begriffes Ordens tätigkeit und der damtt bedingten Regelung des Vollzugs des Jesuttengesetzes auch dem katholtschen Empfinden Rechnung zu tragen und alles auszuscheiden, was an den Geist der Enthetzungszeit des Gesetzes gemahnt, und in den deutchen Kalholiten das Gesutzt ungerechter Bedrückung und Einengung der religissen Betätigung erwecken müßte. Wir gestatten uns, hierbei zu bemerken, daß die von der Kgl. Bayerischen Regierung in dem Erlaß vom 11. März 1912 gegebene Interpretation des Begriffs Ordenstätigkeit in der Hauptsache der katholischen Aussassung nahekommt, daß insbesonders als Ordenstätigkeit nur jene Handlungen gelten können, die ein Orden als solcher durch seine Mitglieder traft eigenen Rechts und unter Ausschaltung jeder direkten Anordnungsbefugnis der Speengelpfarrer und der Diözesanbischöfe vornehmen läßt, daß aber nach Aufhebung des§ 2 des Jesuitengesetzes eine Aus dehnung des Begriffes Ordenstätigkeit auf all gemein priesterliche Funktionen, die aushilfsweise nach Anordnungen der Ortspfarrer und in voller Abhängigkeit von denselben vorgenommen werden, keine Interpretation wäre, sondern als neue Maßnahme angesehen werden müßte, die auch über den Sinn und Wortlaut des noch zu Recht bestehenden Teils des Gesetzes hinausginge. Da nach der bayerischen Interpretation nur das als erlaubt zu gelten hätte, was tatsächlich seit vielen Jahren vielerorts unbeachtet vor den Augen der Behörden geschehen ist, so muß eine verschärfte Aen derung der fraglichen Interpretation sich zugleich gegen die vieljährige mildere Praxis wenden und darum in ihrer Ausführung vom katholischen Volk als eine neue Kulturkampfsaktion empfunden werden und aufregende Kämpfe zur Folge haben. Als Bischöse des katholischen Bayerns halten wir uns für verpflichtet, die ehrerbietige und eindringliche Bitte an den hohen Bundesrat zu richten, die in einer Bundesratsbekanntmachung eigens verbotene Abhaltung von Missionen seitens der Mitglieder der Gesellschaft Jesu künftig gestatten zu wollen. Die Missionen sind nichts anderes, als zusammenhängende Unterweisungen über wichtige Wahrheiten des Heils und der religiösen Pflichten des Glaubens nach den Vorschriften des christlichen Glaubens und der christ lichen Sitte, nebst Anleitung zum würdigen Empfang der Sakramente und zur wahren Besserung des Lebens Die Abhaltung von Missionen ist eine rein seelsorgliche und tann nicht als Ordenstätigkeit bezeichne werden. Die Jesuiten hängen bei dieser Tätigkeit nicht von ihren Obern. sondern vom Ortspfarrer bzw. vom Diözesanbischof ab. Von letzterem empfangen sie die Sendung zur Verkündigung des göttlichen Wortes und die Vollmacht zur Absolvierung der Beichtenden im Beichtstubl. Der Einfluß der Missionen schärft das Gewissen und den Glauben, und kommt damit, wie bekannt ist, auch der sozialen Ordnung zugute, weil durch die Missionen die Sitt lichkeit geweckt, gehoben und gesördert, und das Pflichtbewußtsein gegen jede von Gott gesetzte Autorität gehoben und gestärkt wird. Soziales. 2 Görlitz, 20. August. Zwischen den Arbeitern der Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eisenbahn= materialien und der Direktion sind neue Differenzen ausgebrochen. Die Arbeiter, die erst vor kurzem die Arbeit wieder ausgenommen haben, verlangen die Entlassung der Arbeiter, die während des Streiks gearbeitet haben. Die Direktion hat diese Forderung abgelehnt und ist zum Aeußersten entschlossen. = London, 20. August. Bei der Beilegung des Streiks im Londoner Hafen ist es in den Docks von Tilbury wiederholt zu Schlägereten zwischen organisierten und unorganisierten Arbeitern gekommen. Während gestern eine solche Schlägerei im Gauge war, bei der auch vol: Revolvern Gebrauch gemacht wurde, brach auf bisher unaufgeklärte Weise in einem Jute=Lagerraum Feuer aus, das großen Schaden verursachte. Gestern wurden auf Ersuchen der Behörden der Grafschaft Essex eine starke Abteilung Londoner Poltzei nach Tilburn gesandt und eine wettere Abteilung hat Befehl erhalten, sich bereit zu halten, um im Notfalle nach Tilbury zu gehen. Malaga, 20. August. Die hiesigen Dockarbeiter, die in der Mehrzahl ausständig sind, beschlossen. die Arbeit bis zur Proklamierung des Generalstreiks wieder aufzunehmen, um zu vermeiden, daß die Interessen des Hafens geschädigt werden. Santos, 20. August. Unter den hiesigen Dockarbettern brach der Gener alstreit aus. Dreißig im Hafen liegende Schiffe sind in Mitleidenschaft gezogen. Man befürchtet Unruhen. Die Frenden des roten„Zukunftsstaates". ** Wer mal wieder einen Blick in den„Zukunftsstaat“ werfen will, der möge sich vom„Reichsarbeitsblatt“, in die sozialdemokratischen Konsumvereine führen lassen. Die im„Reichsarbeitsblati" wiedergegebenen Erhebungen des Verbandes der in den Konsumvereinen beschäftigten Lagerhalter und Halterinnen gelten für das Jahre 1910 und erstrecken sich über 513 Konsumvereine mit 2710 männlichen und weiblichen Lagerhaltern. Die wöchentliche Arbeitszeit ist sehr verschieben. 40,8 v. H. arbeiten 60 bis 70 Stunden in der Woche oder 10,8 Stunden im Tagesdurchschnitt, 16,2 v. H. 70 bis 80 Stunden oder 12,5 Stunden täglich, 6.6 v. H. 80 bis 90 Stunden oder 14 Stunden im Tag, und der Rest(0,73 v. H.) arbeiten 91 und mehr Stunden oder 15,8 Stunden täglich. Als normalen Arbeitstag betrachtet die Sozialdemokratie acht Stunden. Von Sonntagsarbett waren nur 57.5 v. H. befreit. Die Sonntagsarbeit schwankte zwischen 1 bis 6 Stunden. Di. Monatsgehälter variierten von unter 80(7,01 v. H.) bis über 150 (34 v. H.) Mark. Der Lagerhalterverband erläutert diese Zahlen dahin,„daß noch so geringe Monatsgehälter gezahlt werden, wie solche, in Wochenlohn umgerechnet, kaum im Handwerk zu finden sind. Dabei ist zu berücksichtigen, daß, um diese Gehälter zu verdienen, nicht unbedeutende Bürgschaften gestellt werden müssen, und damit dann die ganze Verantwortung für das meist recht umsangreiche Geschäft und für die nötigen Hilfskräfte übernommen werden muß". Es kommt vor, daß die Höhe der Bürgschaften in leinem Verhältnis zu dem Einkommen steht.„Freie“ Wohnung haben 268 und Wohnungsentschädigung 112 Angestellte. Die„freie“ Wohnung wird in den meisten Fällen ausgeglichen durch die Mithilfe der Frau, die dann— nicht bezahlt wird. In 259 Vereinen hat von 2002 Personen über ein Viertel keinen Ferienurlaub. Werden die Jahresgehälter der Geschäftsführer in Wochenlohn umgerechnet und mit den Löhnen besser gestellter Arbeiter verglichen, so ergibt sich, daß auch die Geschäftsführer eine verhältnismäßig sehr niedrige Bezahlung erhalten. Zur Belenchtung der Arbeitsund Gehaltsverhältnisse und der durch sie bedingten Lebenshaltung der Verkäuferinnen genügen Angaben über den Mindest= und Höchstbetrag des Endgehaltes. Zwei Verkäuferinnen bezogen ein Endachalt bis 30, nur eine Verkäuferin bezog ein solches über 100 Mf pro Monat.— Wer nun noch, bemerkt dazu die„Post“, keinen Appetit nach den Fleischtöpfen des Zukunfts staates bekommt, dem kann nicht geholfen werden. Kirchliche Nachrichten. Der Nachfolger des Kardinals Fischer. Die liberale Presse wird nicht müde, für den Kardinal gischer nach einem Nachfolger zu suchen, wiewohl das sie eigentlich gar nicht interessieren sollte. Neuerdings berichtet die„Köln. Zig.“ aus Mailand: Der vatikanische Korrespondent des„Corriere della Sera“ will wissen, daß der päpstliche Stuhl der Kandidatur des gegenwärtigen Weihbischofs Muller für die Nachfolge des Kardinals Fischer nicht günstig sei, weil dieser in dem Rufe stehe, dieselben reformistischen An schauungen zu vertreten. In vatikanischen Kreisen werde die Ernennung des Monsignore Heiner als bothefte auch unabhängig von etwa zu den Ausschreibungsunterlagen gehörigen Zeichnungen abge geben werden dürsen. Dadurch wird dem einzelnen ermöglicht, sich ohne die Kosten für die Zeichnungen die Ausschreibungsmaterialien zu verschaffen. Brilon. 1v. August. Im nahen Scharsen berg kam der 18jähr ge Neffe eines Gutsbesitzers unter die Räder eines schwerbeladenen Holzfuhrwertes und wurde augenblicklich getötet. Mütheim(Ruhr', 20. August. Angesichts der außergewöhnlich hohen Preise für frisches Ferisch hat der Stadtverordnete Allekotle an den Oberbürgermeister folgende Anfragen mir der Bilte gerichtet, diese auf der nächsten Stadtverordneten sitzung zur Verhandlung gelangen zu lassen: 1. Mit welchen besonderen Maßnahmen gedenkt die Stadtverwaltung der außergewöhnlichen und immer noch höher gehenden Steigerung der Fleischpreise zu begegnen? 2. Sind der Stadtverwaltung die Ab sichten der Königlichen Staatsregierung zur Linderung der Fleischnot bekannt? 3. Hat die im Jahre 1910 erzielte Verbindung der Verwaltungen der Städte des rheintsch=westfälischen Industriebezirks zum gemeinsamen Vorgehen in dieser Frage Erfolge gehabt und welch:? 4. Wie steht es mit dem Verkauf ftischer Seefisch: an den beiden Wochenmarkttagen durch die Stadtverwaltung und wann soll damit begonnen werden? Was gebenkt die Stadtverwaltung zu tun, um den Verkaufsprets für Vollmisch auch für unsern Stadtbezirk auf den normalen Satz von 20 Pfg. für das Liter herunterzubeingen? Düsseldorf, 20. August. In Oberbilk wurde heute vormittag von einem Lastfuhrwerk ein Schüler überfahren und sofort getötet. Solingen, 20. August. Die große eiserne Brücke im Zuge der Schützenstraße geriet gestern gegen 2 Uhr in Brand. Das Feuer, dessen Ursache man sich zunächst nicht erklären konnte, war in dem Kanalschacht entstanden, in welchem die Gas= und Wasserleitung, unter der Brücke häugend, den Eisen bahneinschnitt krenzen. Die Leitungen liegen zum Schutze gegen Frost in einem Holzkasten, der mit Torf ausgesüllt ist. Funken einer Lokomotive hatten den Holzkasten in Brand gesetzt, so daß die Lettungen bereits glübend waren, als das Feuer bemerkt wurde. Die Feuerwehr löschte den Brand, der beinahe den ganzen südlichen Stadtteil vom Gaswerk abgeschnitten hätte. * Wald, 21. August. In den Lagerräumen der Firma Schmachtenberg und Türk, die sich mit der Fabrikation von Haushaltungsmaschinen und=Waren befaßt, brach letzten Montag Feuer aus. Die Lagerräume, in denen Waren im Werte von 100000 Mark aufgestapelt waren, brannten vollständig aus. * Gräfrath bei Solingen, 20. August. Ein Fabrik arbeiter war mit dem Ausbessern der schadhaften Tapeten beschäftigt. Er kam zu Fall, stürzte durch das Feuster des zweiten Stockwerkes in den Hofraum und starb nach wenigen Minuten. = Krefeld, 20. August. Die Passanten auf dem Bahnübergang am Gefängnis in Anrath waren gestern Zeugen eines entsetzlichen Vorfalls. Auf dem Geleise befand sich ein spielendes Kind, als gerade der Schnellzug um 4.15 Uhr die Strecke passierte. Der Zug überfuhr zum Entsetzen aller das zweijährige Kind. Doch wer beschreibt ihr Er staunen und ihre Freude, als das Kind ganz veransigt von den Schienen aufstand, als der Zug es schon längst überfahren hatte. Dem Kind war nichts passiert Zweihundert Meter von der Unfallstelle entfernt wurde der Zug zum Stehen gebracht; der Führer setzte seinen Zug aber gleich wieder in Bewegung, als er sah, daß das Kind völlig unversehrt war. Das Kleid des Kindes war nur zerrissen worden und vomn Oel der Waggonräder beschmiert. — Kempen. 20. August. In Müthausen fiel in einem Schlafzimmer das Nachtlicht auf ein Bett, in welchem zwei Kinder schliefen. Die Kleinen wurden durch das ausbrechende Feuer schwer verbrannt. Ein Kind starb schon nach wenigen Stunden. * Saarbrücken, 19. August. Auf der elektrischen Straßenbahn, die von Kneuttingen nach Algringen fährt, wurde ein Schaffner von einem jungen Burschen mit einem dolchartigen Messer niedergestochen, als ersterer den Burschen und seine Kollegen, die in dem geschlossenen Wagenabteil rauchten, wiederholt auf das Rauchverbot aufmerksam machte. Der Schaffner starb nach einer Stunde. Der Täter wurde verhaftet. Schlagwetter-Sxplosion. wh Neumühl b. Duisburg, 20. August. Heute nachmittag ereignete sich auf Zeche„Neumühl“ I und 11 eine kleine Schlagwetterexplosion. Drei Bergleute wurden getotet und zwei schwer verletzt. Für die übrigen Bergleute besteht keine Gefahr. a Nenmühl, 20. August. Die amtliche Meldung, die alsbald nach dem Unfalle Aufklärung brachte, lautet wie folgt: Heute nachmittag kurz nach 1 Uhr fand auf der Zeche„Neumühl“, Schacht 1 und II. ein Schlagwettererplosion statt, bei der drei Bergleute ge tötet und zwei verletzt wurden. Weitere Arbeiter sind nicht gefährdet.— Die Verletzten wurden, wie man uns mittellte, ins Krankenhaus Neumühl gebracht. Die Verletzungen waren weniger schwer, so daß die Verletzten, nachdem sie verbunden worden, ihre Wohnungen aufsuchen konnten. Sofort. nachdem das Unglück bekannt wurde, drang der Steiger Sünen mit einer Rettungsmannschaft ein, um, wenn es noch möglich war. Hilfe zu bringen. Leider wurde er bei seinem mutigen Vorgehen von einem Unfall betrossen. Durch die in der Grube noch vorbandenen Gase wurde er betäubt und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Den ärztlichen Bemühungen gelang es, ihn nach einiger Zeit wieder ins Leben zurückzurufen. Sein Zustand ist ernst, jedoch ist direkte Lebensgefahr nicht vorhanden. Gerichtliches. Witten. 20. August. Gestern sanden zwei nuch macherprozesse am hiesigen Schössengericht statt. In dem ersten Prozeß richtete sich die Anklage gegen den Agenten G. und den früheren. Eisenbahnbeamten St. von hier, wegen Vermittlung von Rennwetten und gegen den Wirt Kr. hier, wegen Beihilfe. Sie wurden des Vergehens gegen die diesbezüglichen 2 stimmungen des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1905 über führt erachtet. Agent H. erhielt 200 Mk. Geld strafe, St. 150 Mk. Geldstrafe und der Wirt Kr 100 Mk. Geldstrafe. In dem zweiten Prozesse nahm der wegen desselben Vergebens bereits mit 300 Mk. vorbestrafte und als Buchmacher bekannt Agent Pl. aus Dortmund. Der Angeklagte wurd. weil es sich um ein Vergehen im Wiederholungsfalle handelte, zu 600 Mk. Geldstrafe bzw. für je 5 Mk. einen Tag Gefäugnis verurteilt. Köln, 20. August. Im Juni dieses Jahres befand sich das Insalterie=Regiment Nr. 53 auf dem Truppenübungsplatz in Friedrichsfeld bei Wesel. Vier Musketiere der 6. Kompagnie beschlossen, in dieser Zeit einen Musketter nachts im Bett zu überfallen und ihn zu mißhandeln. Sie führten ihren Entschluß auch aus. Der im Schlaf übersallene Soldat wurde mit Stöcken schwer mißhandelt. In der Not wehr griff der Ueberfallene zum Messer und brachte einem der Angreiser mehrere Stiche bei. Das Kriegs gericht in Düsseldorf verurteilte den überfallenen Musketier zu einer Woche Gesängnis, da es annahm, daß er die Notwehr überschritten hatte. Die vier rohen Patrone, die den Soldaten im Schlafe über fallen hatten, erhielten je 45 Tage Gesängnis. Dieser Vorsall zeigt, wie sehr sich manchmal das Verhältnis zwischen den sogenannten„alten Leuten“, und dem jüngeren Jahrgange zuspitzt. der Tuftfahrt. = Berlin, 20. August. Das Militärluftschiff „P. III“ stieg gestern früh um 7¼ Uhr zum ersten Male voni der Siemens=Schuckerl=Luftschiffhalle in Biesdorf auf. Die Führung auf dieser Uebungsfahrt hatten Hauptmann v. Woböser und Ingenleur Mayr. Das Luftschiff flog in großer Höhe über Berlin und Charlottenburg bis zu den Siemens=Schuckert=Werken in Spandau. Um ½9 Uhr erfolgte eine glatte Landung vor ider Luftschiffhalle. = Johannisthal, 20. August. Gestern morgen 5 Uhr 52 Minuten stieg Thelen mit Oberleutnant Hildebrandt in Johannisthal auf, um nach Döberitz zu fliegen. Dann stieg Rupp mit Leutnant von Linsing um 6 Uhr 45 Minuten ebenfalls in Johannisthal auf und landete um 7 Uhr 32 Minuten in Döberitz. Beide Flieger benutzten Albatros=Doppeldecker, die von der Heeresverwaltung angekauft sind. Hudemare Plug Darie-Berlin. Die Ankunft in Johannisthal. In Johannisthal herrschte schon seit den Mittagsstunden ein außerordentlich reger Betrieb. Bald nach der Landung Audemars in Hannover hatten sich Stiploscheck und Fokker entschlossen, dem Schweizer eine Strecke entgegenzufliegen und machten ihle Maschinen startbereit. Fokker hatte jedoch das Pech, aus einer Höhe von 10 Meter abzustürzen und die Maschine schwer zu beschädigen. Stiploscheck flog mit Regsrungsbaumeister Hackstädter bis nach Halensee, machte dort jedoch kehrt, weil er selbst auf große Entfernungen von der Blériotmaschine nichts gewahren konnte, und kehrte dann auf den Platz zurück. In Johannisthal hatten sich auf das Gerücht von dem nahe bevorstehenden Eintreffen Audemars einige tausend Personen eingesunden. Auf den Steh plätzen herschte dichtes Gedränge, und der Startplatz zeigte einen Besuch, wie man ihn sonst nur in den Flugwochen zu sehen bekommt. Stunde auf Stunde verrann jedoch, ohne daß eine sichere Nachricht von dem Verbleib des Fliegers eintraf. Die wildesten Nachrichten kursierten. Einige wollten wissen, daß der Schweizer bei Gardelegen schwer abgestürzt sei, andere ließen ihn sogar nach Paris zurücksliegen. Endlich gegen 6 Uhr 30 Min. lief die Meldung ein, der Blértotpilot sei von Rathenow aus nach Döberitz geflogen und dort gelandet. Sofort machte sich Stiploscheck auf die Reise und flog mit seinem L. V. G.= Eindecker nach dem Truppenübungsplatz. Weitere 20 Minuten vergingen, da erschienen am Horizont zwei Punkte. die sich zusehends vergrößerten, und bald erkannte man die charakteristischen Umrisse des Nieuport= und des Blértot=Eindeckers. In ungefähr 700 Meter Höhe zogen beide heran, und mitten auf dem Platz angelangt, begann Audemars einen Gleitflug zu machen, wie ihn selbst die Johannisthaler Flieger noch nicht gesehen hatten. In einem Winkel von 50 Grad schoß der zierliche halbgedeckte Monoplan nieder und beschrieb dabei so enge Kurven, daß man mehr als einmal an einen Sturzflug glaubte. Etwa 15 Meter über dem Boden angelangt, brachte der Flieger die Maschine wieder in die Vertikallage und winkte den zahlreichen Zuschauern lebhaft zu. Er landete auf dem alten Startplatz, und bald war die Maschine von Hunderten von Zuschauern und Fliegern umringt, die den kühnen Flieger aus seinem engen Sitz heraushoben und im Triumph über das Feld trugen. Die Maschine wurde in einem Schuppen von Melly Beese untergebracht, während Audemars, nachdem er einige Dutzend Male geknipst worden war, mit seinem Freunde und ehemaligen Partner bei den Motorrennen, dem Föhnpiloten Colombo, das Feld verließ. Was der Flieger erzählt. Audemars, der erfolgreiche Blértotpilot, war von dem Fluge außerordentlich erschöpft und verlangte dringend nach Ruhe. Der Flieger, dessen zähe Energie bewundernswert ist, sieht wahrhaftig nicht nach einem Rekordmann aus. Er besitzt kaum Mittelgröße und sieht so schmächtig aus, daß man ihm eine derärtige Anstrengung nicht zutraut. Ueber seinen Flug äußerte er sich lt.„Köln. Ztg.“ wie folgt: Die beiden Flugtage, die ich hinter mir habe, gehören zu den chwersten meiner ganzen Laufbahn als Flieger. Schon hinter Parts hatte ich mit so starkem Nebel zu kämpfen, daß ich mehr als einmal niedergehen und den Flug aufgeben wollte. Später wurde es klarer, doch nahm, je mehr ich mich der Grenze näherte, der Wind an Heftigkeit zu, und mein kleiner Blériot wurde oft so heftig von den Böen gepackt und geschüttelt, das meine Höhenlage ständig um 100 bis 150 Meter schwankte. Die Orientierung wurde hinter der Grenze für mich sehr schwierig. Ich hatte mir zwei Karten in Rollenform zurechtgeschnitten, von denen die erste bis Essen, die zweite bis nach Berlin reichte. Infolge der hohen Schnelligkeit meines Eindeckers, mit dem ich 120 bis 130 Kilometer Geschwindigkeit erzielte, konnte ich mich nicht genügend ortentieren, und so mußte ich große Strecken nur nach dem Kompaß fliegen. Besonderes Lob verdient jedoch mein Motor, der während der ganzen Fahrt nicht ein einziges Mal versagt hat. Ueber die Aufnahme in Deutschland war Audemars außerordentlich befriedigt. In Hannover, erzählte er, tat man ebenso wie in Wanne alles mögliche, um mir zu helfen und meinen Weiterflug zu ermöglichen. Ich habe in beiden Orten das liebenswürdigste Entgegenkommen gefunden, was mich als einen aus Frankreich kommenden Flieger besonders angenehm berührt hat. Auch in Döberitz, wo ich auf dem Militärflugplatz niederging. zeigten sich mir die Herren Offiziere von der liebenswürdigsten Seite. Ich hatte die Richtung ver loren, so daß ich den Flugplatz für das Johannisthaler Feld hielt. Nach meiner Landung erteilten mir die Herren genau Auskunft und zeichneten mir in seine Karte auch den Weg ein, den ich bis Johanniskhal noch zurückzulegen hatte. Auf halbem Wege kam mir jedoch Stiploscheck, mit dem ich seit Jahren befreundet bin, entgegen und zeigte mir in der Luft den Weg. Ueber seine geringen Aussichten auf den Pommern=Preis, sprach sich Andemars nur wenig betrübt aus. Vor allen Dingen freue es ihn, Deutsch land und namentlich Berlin, wo er längere Zeit geweilt habe, auf dem Luftwege erreicht und seine alten Freunde wiedergesehen zu haben * Edmond Audemars wurde am 3. Dezember 1882 zu Genf geboren. Er war zuerst Rennfahrer und wandte sich dann dem Motorradsport zu. Er gewann große Rennen, wie das Bergrennen um die Conpe Monod, das Rennen im Forstenr der Park bei München, auf den Kesselberg bei Garmisch und trug auch den ersten Preis im neunten Semmeringrennen davon. Im Jahre 1909 wandte sich Audemars der Aviatik zu und machte seine ersten Versuche auf der „Demolselle“ von Santos Dumont. Auf der Flugwoche zu Ronen erreichte er mit seiner kleinen Maschine die größte, Schnelligkeit und trug den zweiten Preis bei dem Meeting davon. Weniger glücklich war er bei dem Mailänder Meeting im September=Oktober 191, da er infolge eines Sturzes aus der Zahl der Konkurrenten ausscheiden mußte. Im Dezember 1910 ging er nach Amerika, wo er für den„Flugzirkus“ von Moisant verpflichtet war. Nach dem Todessturz dieses Fliegers kehrte er in die Helmat zurück und brachte zusammen mit Garros einen veränderten Demoiselle=Typ heraus. Der Eindecker führte sich jedoch nicht ein, obwohl er Geschwindigkeiten bis zu 130 Kilometer erreichte. Seit etwa einem Jahre gehört Andemars den Vlértot Werken an und hat als deren Chefpilot an zahl reichen großen Flügen teilgenommen. Die„Hansa“ auf der Fahrt nach Rügen. wb Hamburg, 20. August. Das Luftschiff„Hansa“ ist heute früh 6 Uhr 35 Minuten zu einer Fernfahrt nach Rügen aufgestiegen wh Rostock, 20 August. Um 8,35 Uhr erschien das Luftschiff„Hansa“ über der Stadt. E. beschrieb zwei Schleifen und jetzte gegen 9 Uhr seine Fahrt in der Richtung auf Rügen fort. ub Lübeck. 20. August. Das Luftschiff ist kurz vor 12½ Uhr über Schlulup gesichlet worden. wb Hamburg, 20. August. Das Luftschiff„Hansa“ ist um 2 Uhr wieder über der Luftschifshalle einge troffen und war um 2½ Uhr geborgen. Vermischtes. wb Berlin, 20. August. Der im Zusammenhange mit dem Ueberfall im Nauener Vorortzug gesuchte geisteskranke Bauarbeiter Harnau stellte sich heute vormittag der Polizei. Er kommt als Täer mit größter Wahrscheinlichkeit nicht in Betracht. — Berlin, 20. August. Der Geschäftsführer einer Eisenwaren=Engrosfirma ist gestern früh unter dem Verdacht, 50000 Mark veruntreut zu haben, verhaftet worden. = Brannschweig, 20. August. Das Opfer einer Verwechselung wurde ein 68 Jahre alter In valide. Er war aus dem Krankenhause entlassen wor den und wollte sich den lange entbehrten Genuß des Schnapses verschaffen. Dabei verwechselte er das Flaschchen mit einem andern, das Salmiakgeist enthielt. Er nahm daraus einen Schluck und er krankte bald darauf unter heftigen Krämpfen. Am Sonntagabend starb er an den Folgen des Salmiat genufses unter den gräßlichsten Schmerzen. = Hamburg, 19. August. In einem Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs wurde auf Ersuchen der russischen Behörde ein russischer Deserteur festgenommen, in dessen Besitz eine große An zahl geschlissener loser Edelsteine gefunden wurde. Weiter hatte der Russe in seinem Besitze werlvollen Schmuck, der offenbar ihm nicht gehörte. Seine sümt lichen Gepäckstücke wurden beschlagnahmt. = Bernburg, 20. August. Bei Peissen ist ein Automobil aus Zeitz in Sachsen verunglückt. Sechs Insassen wurden verletzt, darunter drei sehr schwer. Sie wurden in das Krankenhaus nach Vern burg gebracht. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Chauffeur. Der Zeitzer Bürgermeister Kelp ist leicht verletzt. Seine Frau erlitt einen Nervenchok. Schwer verletzt wurde der Fabrikant Nacter und dessen Frau aus Zeitz. Der Gdhauffeur ist in der vergangenen Nacht gestorben. Das Un glück geschah durch Anfahren all einen Erntewagen. = Magdeburg, 20. August. In der Nacht zum Sonntag ist die Rolandmühle in Burg bis auf die Umfassungsmanern niedergebrannt. Die Ge treidelager wurden gerettet. Das Feuer ist durch Kurzschluß entstanden. Der Schaden beziffert sich auf etwa 300 000 Mark = Seligenstadt(Hessen), 19. August. Als ein Arbeiter abends von einer Festlichkeit mit dem Rad heimfuhr, fiel er auf der Straße zu Boden und schlief, scheinbar angetrunken, ein. Ein später die Straße passierendes Fuhrwerk einer hiesigen Brauerei über fuhr und tötete den Schlafenden. ∆# Heidelberg, 20. August. Der achtjährige einzige Sohn des bekannten Schriftstellers Frhru. Alexander von Bernus wurde gestern abend im Glockenturm des Stiftes Neuburg bei Heidelberg an einer Türklinke erhängt aufgefunden. Man vermutet, daß ein Unglücksfall vorliegt. Der Knabe hatte am Nachmittag „Gefarpener und Gendarm“ gespielt und sich dabei an die Türklinke gefesselt. Dabei ging vermutlich die Tür auf und der Knabe schwebte in der Luft, da er auf der Wendeltreppe den Boden unter den Füßen verloren hatte. = Würzburg, 20. August. In Eltmann in Unterfranken erschoß sich gestern der Rechtsanwalt Frankenberger. Man vermutet, daß er sich Unregelmäßigkeiten bei Konkursverwaltungen hat zuschulden kommen lassen. — München, 20. August. In dem Wallfahrts ort Maria=Eich, der sein 200jähriges Jubiläum feiert, verursachten Taschendiebe eine furchtbare Panik, indem sie an verschiedenen Stellen riefen: Auto! Auto! In dem furchtbaren Gedränge, welches nun entstand, erlitten fünf Personen einen Nervenchok, 40 wurden bewußtlos vom Platze getragen. Die Diebe erveuteten eine Menge Uhrenz Ketten und Geldbörsen. Eine Frau wurde durch den Schreck vom Wahnsinn befallen, sie ellte auf den Bahnhof und wollte sich vom Zuge überfahren lassen. Es ge lang, sie rechtzeitig an ihrem Vorhaben zu hindern. * Nürnberg, 20. August. Bei einem Vergnügungs= ausflug, den sechs junge Leute heute früh gegen 3 Uhr im Automobil unternahmen, überließ der Chauffeur einem Fahrgast die Steuerung, obwohl dieser vom Fahren nichts verstand. Das Automobil rannte gegen eine Telegraphenstange und stürzte um. Sämtliche sechs Insassen wurden herausgeschlendert und verletzt, zwei davon sehr schwer. = Innsbruck, 19. August. Bergsteiger fanden gestern in den Felsschluchten des Haselekars die Leiche eines Touristen, der, nach der vorgeschrittenen Ver wesung zu schließen, bereits im verflossenen Herbst durch Absturz verunglückt sein muß. Der Tote ist nach den vorgefundenen Briesen mit einem gewissen Hermann Schnetzer aus Zürich identisch. = Lemberg, 20. August. Der Großindustrielle und Bankdirektor Spindel ist nach Hinterlassung von Passiven in Höhe von 1200000 Kronen geflüchtet. Ueber sein Vermögen war der Konkurs eröffnet worden, doch entnahm er der Bank, welcher er als Präsident vorstand. Spareinlagen in Höhe von 100000 Kronen. Durch seine Manipulationen sind mehrere Lemberger Finanzinstitute geschädigt worden. Zürich, 20. August. Gestern nachmittag ereignere sich auf der neu eroffneten Säntisbahn ein schnverer Unglücksfall. Auf der Endstation Wasserauen kam ein auf dem. Gleise stehender unge bremster Wagen ins Rollen und fuhr in rasendem Tempo durch alle Stationen der Linie bis Appenzell. Dort fuhr er auf zwei im Gleise stehende Wagen, die eben von einer Schule besetzt worden waren. 12 Personen erlitten schwere Verletzungen. ub Paris, 20. August. Aus Porthcawl wird gemeldet: Heute abend fanden zwei Knaben an der Küste eine Flasche, die gedruckte französische Papiere enthielt, die sich auf den französischen Dampfer „Stokesley" beziehen, der den Hasen von St. Servant am 10. August mit 13 Mann Besatzung verlassen hat. Man nimmt an, daß der Dampfer untergegangen ist. Paris, 19. August. Nachts drangen Diebe in die Kirche der kleinen 600 Einwohner zählenden Gemeinde La Loubière im Departemen! Aveyron. um die Opserstöcke auszupkündern und die Altar gesäße zu rauben. Sie setzten dabei aber eine per steckt angebrachte Alarmglocke in Bewegugg, die zu der Wohnung des Abte Bremond führte. Dieser be gab sich, mit einem geladenen Revolver bewalfne., durch eine Hintertür in die Kirche, wo er ach hinter dem Altar verbarg. Plotzlich gav er auf die ahnn losen Diebe mehrere Schüsse ab, woranf diese ele Flucht ergriffen. Trotzdem einer von ihnen von einer Augel getrossen wurde, sind sie doch beide enttommen. = En, 19. August. Ein ehemaliger Kammerdiener des Prinzen Louis von Orleans=Braganza braw in dessen Schloß ein und stahl dort zweigo dene kronen, darunter die kaiserlich brasilianische Krone, die dem Grafen vo En gehören. Infolge des Anschlagens des Wachhundes gelang es dem Prinzen von Orleans=Braganza, den Einbrecher festzunehmen und in das Gesängnis von Dieppe einzuliesern, wo seine Personalten festgestellt werden konnten. Er hatte bereits dreimal einen Einbruch in das Schloß verüb. und bereits drei Sterne aus der Krone und mehrere u###ere Schmucksachen gestoblen, die man bei ihm noch vorfand. London, 20. August. Die Irrfahri des Silver Crercent, der Jacht der 5 englischen Spione hat in Terschelling an der holländischen Küste vorläufig ein Ende gesunden. Das Fahrzeug war vom Wetter sehr mitgenommen, als es sich der In cl näherte. Ein Schlepper erbot sich, es bis in den Hafen ins Tau zu nehmen. Die vier noch auf der Jacht befindlichen Engländer nahmen den Vorschlag an. Ber ihrer Ankunft ien Hafen wurde ihnen eine Rechnung von 3000 Mark präsentier, die sie nicht bezahlen konnten. Sie erklärten, sie hätten geglaubt. es könne sich höchstens um ein Bergegeld von 200 Mt handeln. Die Bergegesellschaft, der der Schlepp dampfer gehört, ließ daraufhin die Jacht mit Beschlag belegen. Das stürmische Wetter hat den„Spionen“ arg zugesetzt. Sie kamen tagelang aus den Gummi mänteln nicht heraus und konnten kaum hin und wieder eine Stunde schlafen. Die hochgebende See machte das Kochen fast unmöglich, und schließlich ernährten sie sich nur noch von Schiffszwieback. Vier oder fünf Meilen von dem Leuchtturme bei Ter schelling entfernt lief die Jacht auf eine Sandbank auf. und nun gaben die entsetzten Engländer, die versuchtehatten, den Hafen ohne Lotsen zu erreichen. die Weiterfahrt auf und warfen Anker. Hier fand sie der Schleppdampfer. Dr. Stone hat das Geld der vier Engländer a n sich genommen und kehr: damit nach London zurück. Seine Freunde befinden sich noch auf der Jacht, die die Holländer nicht abfahren lassen wollen, bevor die 3000 Mart bezahlt sind London, 19.August. Das regnerischewetter mit Kälteschauern hat wieder eingesetzt. Besonde: betrosfen ist Südengland, das in der Mitte einer Unwetterzone gelegen ist. Nördlich von dieser, in orddanemark, und südlich von ihr, an den Küstenstrichen des Meerbusens von Biscana, hat Ddagegen sehr kräftiger Sonnenschein eingesetzt. Der Hauptschaden durch den Regen ist in Nordlandshire verursacht worden. Dort haben die bisherigen 17 Tage des August mit drei Auenahmen Regen ge bracht. Der gesamte bisherige Regenfall im Jahre 1912 ist schon so groß wie voriges Jahr bis Ende No vember. Die auhaltenden Regengüsse haben in allen Teilen des britischen Königreiches Erdrutschun gen zur Folge gehabt. In Glyncorrwig in Schottland wurde ein großer Felsblock durch die schweren Regenmassen unterwaschen und stürzte auf die vorüberführende Eisenbahnstrecke, so daß der Be trieb eine Zeitlang unterbrochen werden mußte. In der Nähe von Port Talbot eniging ein Zug nur mit knapper Not der Zertrümmerung durch herabstürzende Steinmassen. Dem Lokomotivführer gelang es noch im letzten Augenblick, den Zug zum Stehen zu bringen. wh London, 20. August. Im Zusammenhang mit dem Diebstahl des Toilettenkofsers der Prinzessin Karl von Hessen ist gestern ein Mann verhaftet worden, der heute vor den Polizeirichter geführt wer den wird.— Vor dem Polizeigericht erschien ein Mann namens Thomas Pritchard, der Veranstalter von Voxkämpfen ist und gestern unter der Beschuldi gung, als Hehler den Reisesack der Prinzessen Friedrich Karl in Besitz gehabt zu haben, verhaftet worden war. Die Polizei stellte fest, daß der Kosser verbrannt wurde, und befürchtet, daß auch der Inhalt des Koffers beiseite gebracht worde, ist. Pritchard wurde in Haft behalten. = London, 20. August. Eine junge elegant ge kleidete Dame stürzte in der Untergrundbahn auf die Schienen, wobei ihr Fuß zwischen eine Weiche eingeklemmt wurde. Der einfahrende Zug erfaßte sie. Die Dame, angeblich eine Deutsche, erlitt so schwere Verletzungen, daß sie bald darauf starb — Neapel, 20. August. In der Nähe von Neapel ereignete sich ein schwerer Straßenbahnunfall, bei dem 4 Personen getotet und 29 schwer per letzt wurden. Der Unfall geschah infolge des Bruches einer Bremse. = Petersburg, 20. August. In der Nähe von Czenstochau erfolgte ein Kampf zwischen Po Itzei, die durch Militär verstärkt war, und sechs in einem Hause verschanzten Banditen. Von diesen wurden zwei erschossen; einer, der verwundet war, endete durch Selbstmord, drei flohen. Ein Polizist wurde verwundet. Im Hause sand man 1000 Rubel, zwei Gewehre, elf Brownings, Munition, Bomben und Dynamit. — Usa, 20. August. Das Mitglied der Reichsduma, Advokat Aliaskar Syrtaanow, ein angesehener muselmanischer Abgeordueter, ist heute früh von einem Verwandten eines russischen Generals, in dessen Wohnung aus unbekannter Ursache ermordet worden. Konstantinopel, 20. August. Das deutsche Stationsschiff„Lorelen“ ist heute nach der Stätte des Erdbebens gefahren, um Lebensmittel und Kleidungsstücke, zu deren Beschaffung eine Spende des Deutschen Kaisers diente, unter die von dem Unglück Betroffenen zu verteilen und ihnen den Schiffsarzt zur Hilfeleistung zur Verfügung zu stellen. Hongkong, 20. August. Vierzig bewaffnete Räuber bemächtigten sich einer Dampfbarkasse und fuhren zur Insel Tschungtschau bei Hongkong. Dort griffen sie die Polizeistation an. tötcten einen indischen Unteroffizier und zwei Polizeibeamte. Sie erbrachen einen Geldschrank und erbeuteten 1000 Dol lars, eine Anzahl Gewehre und Basonette. Ein chinesischer Bankier wird vermißt, es wird angenom men, daß er von den Räubern fortgeschleppt wurde. Die Räuber kehrten an Bord der Barkasse zurück und entkamen. Eine neue radiotelegraphisch: Uebertragung von Schrift und Wort hat ein junger Italiener. M. F. R. de Bernocht in Turin, erfunden. Mit seinem System ist es möglich, Schriften und Bilder sehr getreu bis zu 150 Kilometer Entfernung radiotelegraphisch zu übertragen. Was seiner Erfindung höchstwahrscheinlich große Verbrei tung sichern wird, ist, daß sie an jeder radiotelegraphischen Station ohne besondere Schwierigkeiten angelegt werden kann. Der Erzeuger der elektrischen Wellen wird nämlich als Sender und der Aufnehmer der Wellen als Empfänger benutzt. Wie das nun de schieht, ist das Geheimnks des Erfinders. Obgleich bei den zwischen den radiotelegraphischen Stationen von Turin und Mailand stattgesundenen Versuchen Störungen durch elektrische Entladungen Luft und durch von anderen Stationen ausgesandte Wellen stattfanden, wurde dadurch vie Genanigkeit der Schriften und Bilder kaum beetinrächtigt. die Zustände auf dem Balkan. wo. Saloniki. 20. August. Im Laufe des gestrigen Tages sind weiter Truppentransporie von hier nach gvepruclue abgegangen, wo Vorbereitungen fur etwaige Umgehungsmandver der Arnanten getrossen worden sind. Said Pascha, der Kommandant des Salonikier Korps, ist mit der Leitung der Truppenbewegung der in Kvepruelne konzentrierten Truppen betrant worden. Der Markt in Avepruelne ist infolge der dort herrschenden Aufregungen gesperrt.— Die Monteneariner seven die Feindseligkeiten gegen Berane fort, das wieder holt dringend Verstärtungen verlangt. Ibrahim Pascha veranlaßte von Ueslüb aus die Einbernfung der Rediss von Ipet und Djakova. Falls diese dem Ruse Folge leisten, sollen sie nach Berane geschickt werden.— Die Führer des jungtürkischen Komttees aben 27 Provinzkomitees für den am Ramasan in Konstantinopel staltfindenden jung türkischen Kongreß einbernfen wb Konstantinopel, 20. August. Der Ministe“ rat, der bis 1 Uhr nachts dauerte, beschli Cetinjeenergische Schritte zu unternehn. um die Aufmerksamkeit der Machte auf das Vor#n Rontenegros zu lenken, das eine kriegerisch= Holing ringenommen, Uebergriffe auf tü kisches Gesbegangen und unter die Ehristen in Verane# verteilt habe. Der Ministerrat beschloß serner, de Wall in Stutart als Grenzkommandenen weisen, sich jeder Invasion zu midersetzen Die Meldungen der„Zeitungen über die Lage in Verane lanten übrigens vollständig widersprechend Lährend„Jent Gazetta“ meldet, die Angelegenheit werde bald geregelt sein, und die Nachricht demenliert, wonach die Montenegrine: Berane eingeschloff hälten, berichten andere Blätter, daß die Montene iner bereits in Berane eingezogen seien Ministerrat beriet außerdem über die Froge des Waffentragens der Albanesen.—„Jent Gazette“ chreibt, des die Albanesen die Gerüchte, wonach sie die Wiedereinsetzung Abdul Hami verlangen, zurückweisen.— Halbamtlich mi zemeldet, daß zwischen Ibrahim Pascha und den Albanesenchefs ein Einvernehmen er. worden sei und daß sich die Albanesen zerstrenten * Die Aufnahme des Vorschlags Berchtolds. wh Konstantinovel. 20. August. Der„Levante ##erald“ sieht die Anregnna des Grafen Berchtold als eine wahre Wohltat für die Türkei an. Das Blatt meint, der Vorschlag des Ministers sei nur ge macht worden, um jeden Versuch einer Inter nentlon zu verhindern. Er sei das gerade enteil einer Intervention. Europa müsse den orschlag wegen des Wohles der Türkei und seiner eigenen Ruhe anneymen. Das Blatt glaubt, daß die nrennun auch die albanesisch: Frage lösen würde =chritte Eurovas in diesem Sinne wären dem all emeinen rieden und der Wiederbelebung der Türkei getrachte Oufer wb. Petersburg, 20. August. Die„Nowose remsa“ meldet, daß die russische Regierung dem östereschischen Botschafter ihre sumpathische Aufnahme das Vorschlages Berchtolds mittellte, serner daß der Vertreter des Außenministerinms Neratow dem bulgarischen Gesandten gegenüber die Hoffnung aussprach, daß die Friedens bestrebungen des Königs und der Regierung von Bulgarien von Erfolg gekrönt sein möchten. Dem sorbischen Gesandten riet Heratow, daß Serbien in der negenwärtigen Krists jegliche Verwicklung vermelden möge. Telegramme. Keine Ueberfüllung des tierärztlichen Berufes. Berlin, 20. August.(Privattelegr.) In Fachzeitschriften ist wiederholt vor dem Ergreisen des tierarztlichen werufes wegen ausgesproche ner Ueberfüllung gewarnt worden. Die Regierung stand den Warnungen ablehnend gegenüber weil sie bei einer sachgemäßen Verteilung der tierürztlichen Praris auf die verschiedenen Provinzen das Vorhandensein einer zu hohen Zahl von Tier ärzten nicht anerkannte. Nun hat kürzlich der lellende Direktor der tierärztlichen Hochschule in Hanover, Geheimrat Dammann, auf Grund eines unwiderleglichen Zahlenmaterials den Nachwels erbracht, daß tatsächlich von einer Ueberfüllung des tierärztlichen Berufes keine Rede sein kann. Er hat aber angeregt, daß die übrigen Staaten des Reiches nach dem Vorgange Preußens eine ordnungsmäßige Statistik über die Zahl und Bewegung der Angehörlgen des tierärztlichen Standes. über deren Verteilung auf die einzelnen Bezirke und die Art ihrer beruflichen Tätigkeit aufstellen und alljährlich fortführen, damit eine klare Einsicht in die Sachlage gewonnen wird. * Vom Gegensultan in Marokko W Fez, 20. August.(Telegr.) Wie aus Marakesch gemeldet wird, wurde dort El Hiba zum Sultan proklamiert. Von der chinesischen Nationalversammlung. W Peking. 20. August.(Telegr.) Die Nationalversammlung erörterte die Erklärung der Regierung über das Beweismaterial, auf Grund dessen zwei Generale summarisch hingerichtet worden sind. Die Versammlung sah die Erklärung als un genugeno an uerd verlangte in einer dringenden Depesche für morgen das Erscheinen des Premter und des Kriegsministers. * „ Dr. Sunsatsen lebt. 2 Peking, 20. August.(Telegr.) Die Nachricht von der Ermordung Dr. Sunsatsens wird auf Grund mehrerer durchaus verläßlicher Meldun gen dementiert. Richtig ist, daß Dr. Sunjaisen wdährend der letzten Tage Todesdrohungen und Warnungen vor Attentaten erhielt. Auch seine nächsten Verwandten wurden durch zahlreiche Zuschriften geängstigt, die, wie man annimmt, von Anhängern der jüngst hingerichteten beiden Generale ausgingen. * Truppenverstärkung Japans in Norca. W Tokio, 20. August.(Telegr.) Die Milital behörde beschloß, die Truppen in Korca um zwei Divisionen zu vermehren. Die Vermehrung soll in den Jahren 1913 bis 1918 ersolgen und wird 20 Millionen Yen kosten. Der neue Berliner Oberbürgermeister Berlin, 20. August.(Privattelegr.) Erzellenz Wermuth erschien heute vormittag im Rathause, um vor seinem Amtsantritt im September die haupt sächlichsten technischen Bureaus und Einrichtungen kennen zu lernen. Ein Empfanig sand heute nicht statt. Die Amtseinführung des neuen Stadtoberhauptes wird in der Stadtverordnetenversammlung am 5. September durch den Oberpräsidenten erfolgen. * Atteutat aus einen russischen Bataillonachef. W Warschau, 20. August.(Telegr.) In der Vor stadt Poronekt überftel ein Pionier, der In das Strafbataillon versetzt worden war, den Baialllous. chef. Fürst Tumanow, in seiner Wohnung und verwundete ihn, seine Frau und den Burschen schwer. Der Tater wurde von einem Posten erschossen. Gebrüder Kaufmann, Herne bitten höflichst, das morgen an dieser Stelle erscheinende Inserat besonders beachten zu wollen. Schloss Strünkede. Donnerstag, den 22. August, nachm. 4 Uhr: Kinder- Fest im Reiche der Märchenfee arrangiert und in Szene gesetzt von dem berühmten Jugendspielleiter Direktor Heinrich Schellhase aus Berlin. Pompöser Einzug der Märchenfee und ihrer getreuen Untertanen aus ihrem Feenreiche am ihrem Prunkwagen, gezogen vom 8 Genien. Der Festzug stellt folgende Märchengruppen dar: Rotkäppchen und der Wolf. Schncewittchen, der Prinz und die sieben Zwerge, Hänsel und Gretel, Robinson und der Neger Freitag, Rübezahl, der Berggeist. Die Trabanten der Jee: Zwerge, A###n, Elfen, Engel, viel Volk. Entree: 80 Pfg., Kinder 20 Prn, wofür jedes Kind eine Kopfbedeckung gratis erhält. 3077 Harmoniums sehr grosse Auswahl, für alle Zwecke geeignet. Bosch II, Bahnhofstrasse 17(oeb. Reichshallen). Luunaunnbnnnnnan □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ Frau Tony Koch Bahnhofstrasse 18 a, I. Etage. Namom. Fieleren, Badolieren, Dallent-Shampodieren, Manieure in und ausser dem Hause. 2967 Kopfwäsche mit Prisur 1 Mk. GULLEEHHUHEHEEEH Qualitäts=Zigarren von den ersten Bremer und Bünder Fabriken. Nur über seeische Tabake. Mäßige Preise. In Packungen zu 25, 50 und 100 Stück. Größtes Cigarren- und Cigarettenlager am Platze Peter Stracke, Börnig=Sodingen. * Engl. Damen- und Herren-Schneiderei Aug. Nerm. Baals, Bochum Priedrichstrasse 22, I. Etage Perneprecher 1446. Spezialität: Jackenkleider etc. nach Mlass. 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Geschäftsstellen des „Herner Anzeiger“,„Anzeiger für das Amt Sodingen“ und„Gerther Anzeiger“. Strumpfgarne, beste Berugsguelle. Voorgang. Zweites Blatt. für das Amt Mittwoch, den 21. August 1912. ummer 193. r Zum Attentat auf den Wiener Weihbischof Dr. Pfluger. " Von einem Geisteskranken, der die Absicht hatte, hen Wiener Erzbischof Nagel zu töten, wurde, wie bexeits gemeldet, der Weihbischof von Wien, Dr. Pfluger, durch einen Messerstich schwer verletzt. Der er konnte verhaftet werden. Weihbischof Generalmilken#####er, der 1911 Nachfolger des verstorbenen Weihbischofs Dr. Marschall wurde, ist 1857 in Raab in Oberösterreich geboren. Im Jahre 1881 wurde er zum Friester geweiht, 1883 zum Doktor des kanonischen Rechtes promoviert. Im gleichen Jahre wurde er als Studienpräfekt in das Wiener Priesterseminar berufen und versah bereits als solcher die Geschäfte eines Diözesangerichtssekretärs. Später zum fürsterzbtschöflichen Zeremonlar, dann zum Ordinariatssekretär ernannt, promovierte er auch zum Doktor der Theologie an der Untversität in Wien. Seit 1890 ist er Mitglied des Wiener Domkapitels und seit mehreren Jahren auch Direktor des Allgemeinen Wiener Kirchenbauvereins. E. der 19. Deutscher Ortskrankenkassentag. + Köln, 19. August 1912. Der Hauptverband der Deutschen Ortskrankenkassen B.), dem gegenwärtig über 4¼ Millionen Mitglieangehören, trat heute unter dem Vorsitz des Landagsabgeordneten Julius Fräßdorf=Dresden im ststortschen„Gürzenich" zu Köln zu seiner 19. Jahresersammlung zusammen. Der Vorsitzende des Kölner sokalkomitees Titz hieß die etwa 900 Teilnehmer des ongresses im Namen der Kölner Krankenkassen willmmen. Die Delegierten vertreten etwa 350 Unterverbände und Einzelkassen des Hauptverbandes deutscher Ortskrankenkassen. Hierauf nahm der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Fräßzdorf das Wort zu seiner Begrüßungsansprache. Er dankte den Ehrengästen und vor allem der Stadt Köln für ihr freundliches Entgegenkonmen und den herzlichen Empfang. Der Kongreß trat dann n die Tagesordnung ein. An erster Stelle erstattete r Verbandsdirektor Hesse=Dresden den Geäftsbericht. Nach seinen Ausführungen waren Jahre 1911 im Deutschen Reiche insgesamt 13 illionen Personen in 23.000 Krankenkassen gegen rankheit versichert. Gegen das Vorjahr hat sich die Zahl der versicherten Personen um 4,4 Millionen gehoben. Die Zahl der mit Erwerbsunfähigkeit verbundenen Krankenfälle belief sich auf über 5 Millionen, die über 104 Millionen Unterstützungstage verursachten. An Krankenkassenbeiträgen wurden in runder Summe 897 Millionen Mark erhoben. Der Redner weist an der Hand statistischen Materials nach, daß das Honorar der Krankenkassenärzte gegenüber dem letzten Berichtsjahr um 5 Millionen Mark sich erhöht habe. Dr. med. Hanauer=Frankfurt a. M. sprach über das Themai„Gewerbehygiene und Reichsversicherungs=Ordnung". Der Redner schildert eingehend die ungeheuren Schäden, welche der Volksgesundheit und dem Volkswohlstand aus den Ge werbekrankheiten erwachsen. Namentlich die Krankenkassen sind in erheblicher Weise finanziell an ihrer Bekämpfung interessiert. Während aber das bisherige Krankenkassengesetz keine Handhabe hierzu geboten hat, ibt der§ 363 der Reichsversicherungsordnung, welcher en Kassen die Verwendung von Kassenmitteln für die wecke der Krankheitsverhütung gestattet, die esetzliche Grundlage, auch nun von Kassenseite aus en Gewerbe= und Berufskrankheiten energisch auf den Leib zu rücken. Als Grundlage hierzu ist aber eine genaue Statistik der Krankheiten nötig, mit benderer Berücksichtigung der Berufskrankheiten. Sie st das Hauptbeweismittel, um hygienische Forderunen in ungesunden Betrieben durchzusetzen. Die Führung einer genauen Krankenstatistik ist auch deswegen nötig, weil die Kassen nach§ 363 der Reichsversicherungsordnung gehalten sind, den Gewerbeaufsichtsbeamten Auskunft über Zahl und Art der Erkrankungen zu geben, endlich weil der Bundesrat ermächtigt ist, die Entscheidung der Betriebsunfälle auch auf die Gewerbekrankheiten auszudehnen.— Um allen diesen neuen wichtigen Aufgaben zu genügen, schlägt der Referent bei großen Kassen die Einrichtung eines Bureaus für medizintsche Statistik, Gewerbeind soziale Hygiene mit einem Arzt an der Spitze vor. Diesem soll die Bearbeitung der medizinischen Statistik, gewerbehvgienische Untersuchungen und orschungen obliegen, sowie endlich das gesamte Gebiet der Krankheitsverhütung und sozialen Hygiene übertragen werden, also vor allem die Mitwirkung an der Bekämpfung der Volkskrankheiten: Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten, Alkoholismus, Krebs und Säuglingskrankheiten, der Mutterschutz usw.; er soll Vorträge halten und aufklärende Schriften herausgeben. Der Vorteil dieser Organisation wäre der, haß das gesamte Gebiet der Krankheitsverhütung nunmehr einheitlich in die Hände eines Sachverständigen elegt wäre, während es sonst der Neigung und dem erständnis der einzelnen Vorstandsmitglieder überassen bleibt, wieweit die Kassen sich auf diesem Gebiet 1 beratigen wollen. Die hierfur verwendeten uusgaven würden sich reichlich durch Abnahme der Krankheiten und Krankheitskosten bezahlt machen, da die gewerblichen Schädigungen, welche den Arbetter treffen, in den meisten Fällen vermeidbar sind. Die Verhütung der Krankheiten muß die wichtigste Aufgabe der Träger der Versicherungen werden. Der Vorsitzende der Berliner Ortskrankenkassen, Albert Kohn=Berlin, dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen. Der Vortrag werde auf fruchtbaren Boden fallen und die Delegierten würden neue dankenswerte Anregungen mit nach Hause tragen. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde der Vortrag des Geschäftsführers BrachelKöln über das Verhältnis der Krankenkassen zu den Aerzten. Der Redner betonte, daß die Arztfrage durch die neueren Beschlüsse der Aerzteorganisation eine bedeutende Verschärfung erfahren habe. Von den einzelnen Aerzten sei zu nächst eine Erklärung eingefordert worden, wonach diese die Mitwirkung versagen, wenn die Reichsversicherungsordnung den Wünschen des Leiziger Aerzteverbandes nicht entspricht. Kein Arzt dürfe mehr Verträge mit Krankenkassen usw. abschließen; die Vertragsabschlüsse behalte sich die Aerzteorganisation vor Alle Verträge unterlägen der Genehmigung durch eine Zentralstelle des Leipziger Verbandes. Dadurch gerate der einzelne Arzt in unwürdige Abhängigkeit von der Koalition. Das Sächsische Ministerium habe sich schon mit einem Erlaß hiergegen gewendet. Der neuerliche Beschluß des Leipziger Verbandes, wonach die Aerzteorganisation zur erfolgreichen Durchführung ihrer Forderungen„gleichzeitig, geschlossen, gleichmäßig und einheitlich“ vorgehen solle, könne nur als die Androhung des Generalstreiks gedeutet werden. Bei den Kassen herrsche unerschütterliche Uebereinstimmung dahin, daß die Entscheidung über die Frage des Arztsystems allein den Kassen zusteht. Alle Krankenkassenverbände, Arbeiter, Angestellte und Versicherte aller Parteien seien darin einig, daß sie die ihnen anvertrauten wichtigen öffentlichen Interessen wahren und den ihnen aufgedrungenen Kampf annehmen müssen, der mut Hilfe der Ermächtigung der Kunen zur Gewährung einer Geldleistung an Stelle der ärztlichen Behandlung für die Kassen siegreich enden müsse. Einzig und allein das Bestreben, die deutsche Krankenversicherung ihrem eigentlichen Zweck zu erhalten, zwinge die Kassen zur Gegenwehr. Apotheker Skaller=Charlottenburg sprach über das Verhältnis der Krankenkassen zu den Apotheken. Der Redner bedauerte, daß an einer vertraulichen Besprechung der Apotheker der betreffende Dezernent im Ministerium des Innern teilgenommen habe. Die Arzneiversorgung erleide durch die Reichsversicherungsordnung viele Nachteile Sie enthalte viel Unklarheiten, die geklärt werden müßten. Der vom Gesetz vorgeschlagene Zwangsrezeptur=Rabatt müsse auf eine angemessene Höhe gebracht werden. Auch beim Handverkauf müßten die Apotheker Konzessionen machen. Zwecks Festsetzung der Handverkaufspreise seitens der Behörde hat der Verband Material gesammelt und es dem Regierungspräsidenten übersandt. Mit den Drogisten sind Abmachungen getroffen worden. Redner kritisiert die vom Apothekerverein herausgegebene Handverkaufsliste. Die Reichsversicherungsordnung bringe auch den Apothekern eine große Vermehrung des Umsatzes und damit große Vorteile. Daher müssen die Apotheker gezwungen werden, einen hohen Rabat zu gewähren und günstigere Handverkaufspreise als bisher. Zum Schluß weist der Redner darauf hin, daß es erforderlich sei, daß die Kassen die ärztlichen Anordnungen revidieren lassen. 4. Verbandstag deutscher Doft- und Telegrapben-Arbeiter und-Dandwerker. 2 Erfurt, 20. August 1912. Der Verband deutscher Post= und Telegraphenarbetter und=Handwerker(Sitz Bochum, Mitglied des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands) hatte zu seiner vierten Verbandstagung nach Erfurt eingeladen. Aus allen Teilen des Deutschen Reiches, namentlich aber aus dem Rheinland waren Vertreter erschienen. Am Freitagabend sand eine Vorstandssitzung statt. Am Samstagvormittag wurde der Verbandstag unter Vorsitz von Gustar Roller(Essen) eröffnet. Im Auftrage des Gesamt verbandes der christlichen Geworkschaften und des Zentralverbandes der Eisenbahner(Sitz Elberfeld) begrüßte der Gewerkschaftssekretär Butscher (Erfurt) die Erschienenen. Nach dem Geschäftsbericht vom 2. August 1910 bis 31. Juli 1912 ist die Mitgliederzahl um über 500 gestiegen, so daß der Verband jetzt etwa 4000 Mitglieder zählt. Das Unterstützungswesen erforderte in der Berichtszeit größere Summen. So wurden an Krankengeldern 38794 Mk., an Sterbegeldern 3450 Mk. gezahlt. Der Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 101 115.0 Mk. ab Am Sonntagvonmittag wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Als wichtigster Punkt stand hier die Verschmelzungsfrage im Vordergrund. War die Verschmelzung des Verbandes mit dem Bund der Telegraphenarbeiter,=Vorarbeiter und=Gunowerker, Sitz Berkin, auf dem letzten Kölner Verbandstag 1910 noch nicht spruchreif, so wurde setzt enogültig die Vereinigung gegen eine kleine Minderheit abgelehnt. Somit steht der Verband jetzt, wie auch Abg. Behrens einleitend in der großen Nachmittagsversammlung betonte, auf christlich=nationaler Grundlage Am Nachmittag fand eine Versammlung statt, zu der als Vertreter der Regierung, Postrat Schmidt erschienen war. Außerdem waren u. a. 11 Vertreter der Sozialen Studentenvereinigung in M.=Gladbach zugegen. Nach einlettenden Begrüßungsworten erhielt Reichstagsabgeordneter Franz Behrens das Wort zu seinem Vortrag:„Stand und Forderungen der Telegraphenarbeiter und=Handwerker“. Er führte aus, daß er kein Neuling sei, gewissermaßen an der Wiege des Verbandes gestanden habe, gern Hilfe und Rat beim Postetat gebe, und daß er den wirtschaftlichen und sozialen Fragen des Verbandes jederzeit sein Interesse im Reichstag entgegenbringe. Der Telegraph und das Telephon seien Kinder der modernen Zeit; ob die drahtlose Telegraphie spater vollständig das jetzige System ersetzen werde, ruhe noch in der Zukunft Schoß, darum heißt es, sich der Gegenwartsfragen der Telegraphenarbeiter zuzuwenden. Die Stellung der Staatsarbeiter sei im Deutschen Reich keineswegs einheitlich. Das Vereinigungsrecht, aber nicht auch das Streikrecht sei stets von allen bürgerlichen Parteien den Staatsarbettern zugestanden worden. Ein Streikrecht für die ca. 10000 Telegraphenarbeiter im Deutschen Reiche hätte gar keinen Sinn, sie würden absolut keine Vorteile erringen können. Schon im Jahre 1906 habe Abg. Gröber im Reichstag die Forderung um Anrechnung der Arbeiterjahre auf das Besoldungsdienst. alter vertreten. Der Bundesrat hat sich dagegen ausgesprochen. In diesem Jahre soll die Forderung wiederum ausgestellt werden. Das Jahr 1908 habe einige Fortschritte gebracht. 1909 war wegen der Steuerkämpfe nicht viel zu erreichen. 1911 wurde bei der Beratung des Postetats die Resolution angenommen, nach der die Arbeiter nach spätestens zehn An beiterjahren in das Unterbeamtenverhältnis einrücken sollen. Er schloß seine sehr interessanten Ausführungen mit einem:„Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ Hierauf wurde folgende Resolution verlesen und einstimmig angenommen:„Die Generalversammlung fordert 1. Organisationsfreiheit: 2 die in den letzten sechs Jahren geleistete erfolgreiche Standesarbeit ist ein Erfolg des Verbandes und der christlichen Gewerkschaft. In richtiger Erkenntnis dieser Tatsache hält der Verbandstag nach wie vor an der Zugehörigkeit zu der christlichnaionalen Gewerkschaft fest und beauftragt den Verbandsvorstand, die Standesarbeit unermüdlich fortzusetzen, insbesondere ferner zu wirken I. an dem Ausbau und Sicherung des Arbeitsverhältnisses; II. für eine Pensionszuschußkasse; III. für zeitgemäße Erhöhung der Löhne: IV. für angemessene Regelung des Zulagewesens: V. für bessere Regelung der Arbeitszeit und des Ueberstundenwesens; VI. für Besserung der Verhältnisse der Vorarbeiter, Amtsarbeiter, Handarbeiter und Leitungsaufseher: VII. für Anrechnung der Arbeitsjahre auf das Besoldungsdienst= alter: VIII. für Uebernahme der ärztlichen Untersuchung auf die Kasse der Verwaltung; IX. für Beseitigung der Mißstände bei den Streckenarbeitern; X. für den Ausbau des Arbeiterausschußzwesens. Dem Herrn Staatssekretär und Reichstag dankt der Verbandevorstand für das bisher erwiesene Entgegenkommen und bittet den Herrn Staatssekretär, die ferneren Wünsche der Telegraphenarbetter wohlwollend zu prüsen und tunlichst zu erfüllen Am Sonntagabend wurden interne Angelegenheiten beraten, ebenso am Montag, dem Schlußtag der Tagung. Zum Fernflug Paris—Berlin. Der französische Flieger Audemars. Aus dem Stadtkreile Herne. Geeignete Nachrichten— in allen wichtigen Fällen auf telenhonischem Wege— ind uns steis erwünsegzt und werden evtl. nach ersoleter Aufnahme honoriert.— Nachdruck unserer Original=Nachrichten nur mit Ovellenangabe gestattet. Herne, den 21 August 1912. Die kommenden Stadtverordnetenwahlen. X Wie wir bereits mitteilten, finden die kommenden Stadtverordneten=Wahlen in der zweiten Novemberwoche unmittelbar nach der Rathaus=Einweihung, statt und zwar soll, wie wir hören, als Wahllokal für die 3 Abteilung die Turnhalle der Oberrealschule benutzt werden, ein Sal also, in dem die Stadt diesmal selbst„Herr im Hause“ ist. Durch Aufstellung von vier Wahltischen hofft man de Wahlen der 3. Abteilung an einem Tage zu erledigen. Die 2. und 1. Abteilung werden voraussichtlich im Gewerbegerichts=Sitzungssaale des neuen Rathauses wähler. Es sind 12 Ergänzungs= und 2 Ersatzwahlen zu tätigen Es scheiden aus: 3. Abteilung, Baukau Stadtverordneter Laukamp 3. Abteilung, Herne Stadtverordneter Westerholt, „ Möller, „ Bücker. 2. Abteilung, Baukau Stadtverordneter Koop Abte Heine Stadtverordneter Hoppe, „ Röhrken, „ Vogel. 1. Abteilung, Baukau Stadtverordneter E. Sassenhoff. 1. Abteilung, Herne Stadtverordneter Berckemeyer, „ Rehseuter, „ Striebeck Ersatzwahlen sind zu tätigen für Stadtverordneten Schlingermann, (3. Abteilung, Baukau), Reydt(1. Abteilung, Heine) Mittelst des in Herne neu eingeführten Karteniystems werden wir in Zukunft über eine ständige, stets in Ordnung befindliche Wählerliste verfügen. Verwendet werden weine Karten für die preußischen Staatsangehörigen und gelbe Karten für andere Reichsdeutsche(für Reichstagswahlen). Die Wählerregistratur wird nach Straßen angelegt und fortlaufend nach den Meldekarten berichtigt. Diejenigen Preußen, welche nach den genauen Ermittelungen noch nicht selbständig im Sinne der StädteOrdnung sind, erhalten zur Kennzeichnung einen roten Strich unter ihrem Namen Auf diese Weise werden wir also über eine permanente Wählerliste verfügen, über deren Vorzüge gegenüber dem früheren umständlichen Verfahren kein Wort zu verlieren sein dürfte. Die direkten Steuern werden auf jede Karte eingetragen Nach den Erfahrungen wird die Abschrift einer fix und fertigen Wählerliste nach diesem System etw 325—350 Arbeitsstunden erfordern(40—60 Zettel pre Stunde bei 13000 Wählern). ** * Wie das„Volksblatt“ schwindelt. X Die Redaktion des„G####lolatts“ scheint ihre Leser samt und sonders als Idioten einzuschätzen. Unsere aktenmäßige Darlegung des Pharifäertums und der derufsmäßigen Heuchelei der sozialdemokratischen Presse im Falle des Grubenunglücks auf Zeche„Lothringen“ hat aber der Volksblattredaktion selbst völlig den Vorstand geraubt. Etwas anderes kann man nicht annehmen, wenn man in einer Polemik gegen den„Herner Anzeiger“ in Nr. 192 des„Volksblattes“, 1. Blatt vom 20. d M folgendes liest: „..... Da nun das„Volksblatt fatalerweise in Wirklichkeit sehr wenig Angriffsfläche dietet, wird zu dem ebenso einfachen, dem„H. A.“ aber besonders geläufigen Mittel der Fälschung gegriffen. Und so hat dieser Mistkäfer die Frechheit, ein Zitat zu bringen, von dem er behauptet, daß es im„Bolksblatt“ gestanden habe. Mit der Festnagelung dieser neuesten unverschämten Fälschung des Blattes, das nur noch von Fälschungen lebt und leben kann, sei die ekelhafte Beschäftigung mit ihm beendet". Ueber den Ton wollen wir mit dem„Volksblatt“sicht rechten. Wer sich nur im Mist behaglich fühlt, wie das der sozialdemokratischen Presse eigen ist, wrd auch in seiner Sprache nicht reinlich sein können. Aber daß das„Volksblatt" die eiserne Stirn het, unseiner Fälschung zu bezichtigen, ist doch der Gipsel der Moral der Vel###lenredaktion. Was ist das für ein gesälschtes Zital# Heraus mit der Sprache! Gemeint ist natürlich das von uns in unserer letzten Samstag=Nummer gebrachte Zitat aus der in Körn er scheinenden, sozialdemokratischen„Rheinischen Zeitung", die unsern Kaiser wegen des Unglücks auf „Lothringen“ in der gemeinsten Weise anrempelte Wir hatten das Zitat zum Beweise der von der so#####ldemo kratischen Presse inszenierten Hetze gebracht und daran folgende Bemerkung geknüpft: „Solche Hetzereien brachte das Blatt.“ Und das „Volksblatt“ druckte sie ab und verteidigte sie! Und da erkühnt sich das„Volksblatt" diese Tatsachen abzustreiten. Wir geben der Redaktion des„Volksblattes“ anheim, einmal die Nr. 185 vom 2. August 1912, 1 Blatt, 2. Seite, 2. Spalte. 22. Zeile des in Bochum erscheinenden„Volksblattes“, ihres eigenen„geistigen“ Produkies, nachzuschlagen, da wird sie das von uns angeführte Zitat finden, dem die überschlaue Redaktion noch das Prädikat:„sehr treffend" erteilte. Nach dieser aktenmäßigen Darstellung können wir eigentlich das bedauernswerte, nur in der Unwahrheit große und auf Schritt und Tritt auf Unwahrheiten ertappte Sozenblättchen sich selbst überlassen Nur eine Frage gestatte uns das arme Ding noch:„Warum ist wohl im„Volksblatt“ kein Bericht über das rauschende sozialdemokratische Sängerfest in Herne erschienen, wo doch sein Redakteur Paul Wolf ein Stern erster Größe am roten Säuferhimmel in? Hat man sich nicht doch der Heuchelei geschämt, die man verübte, daß man sozusagen neben den offenen Gräbern der Toten von „Lothringen“ ein ausgelassenes ranschendes Fest feierte? Nur heraus mit der Sprache, edles, in der schlimmsten Klemme sitzendes„Volksblättchen". Wetteraussichten für mehrere Tage im voraus. = 22 August: Wolkig mit Sonnenschein, wärmer. 23. August: Meist heiter bei Wolkenzug, mäßig warm 24. August: Schön, heiter, wärmer. Später bewölkt. * Einen Aussichtsturm will der Sauerländische Gebirgsverein zum Gedächtnis sen es vor 100 Jahren verstorbenen Vorkämpfers Robert Kolb auf der Nordhelle errichten. Durch Sammlungen sind dafür 14000 Mark aufgebracht. Außerdem wird der Kgl. Forsfiskus eine Beihilfe in Höhe von 1500 Mk. gewähren, wenn der Turm als Feuerwachestation für die umiegenden siskalischen Wälder mit benutzt werden kann. Nich vortegenden Plänen soll sich nun die Bautumme bei Ars führung in Bruchsteinen auf 29000 Mark, in Eisenbeton auf 24000 Mark stellen. Da indes der Hauptvorstand die Mehrkosten nicht glaubt übernehmen zu können, wurde der Turmausschuß beauftragt, ein neues Turmprojekt mit einem Kostenauswand bis zu 15000 Mark auszustellen. Die Ausführung soll dann so gefördert werden, daß der Turm im nächsten Jahre seiner Bestimmung übergeben werden kann. * Ueber gelbe Anmaßungen liest man in Nr. 189 der Essener Volkszeitung: Auf dem Umwege über Gelsenkirchen versuchten nunmehr die Hintermänner der Essener Gelben, auch den nationalliberalen Parteisekretären Vorschriften über deren Tun und Lassen zu machen Der nationalliberale Generalsekretär des Wahlkreises Bochum=Gelsenkirchen, Schack, erkannte in einer liberalen Versammlung am Sonntag, den 4 August, an, daß bei der letzten Reichstagsstichwahl in Gelsenkirchen die christlichen Arbeiter vollauf ihre Pflicht getan hätten. Er führte diesbezüglich aus, daß die christlich organisierte Arbeiterschaft sich vorzüglich gehalten habe; sie sei durch die Gewerkschaftsarbeit zur praktischen Arbeit erzogen Nur ihr allein sei das Mandat für Bochum zu danken Unbedingt erforderlich sei es, daß sich evangelische und katholische Arbeiter in den christlichen Gewerkschaften zusammenschlössen. Daß die christlichen Gewerkschaftler, soweit sie sich zum Zentrum zählen, wesentlich zu dem im Wahlkreis Bochum=Gelsenkirchen erzielten Stimmenergebnis beigetragen haben, läßt sich eben nicht bestreiten. Sozusagen restlos hat der liberale Kandidat in Bochum=Gelsenkirchen die Stimmen des Zentrums erhalten. Man bedenke nur, daß bei 37·609 in der Hauptwahl abgegebenen Zentrumsstimmen die Liberalen in der Stichwahl um 35577 Stimmen zunahmen. Wie ganz anders sah demgegenüber das Bild in Essen aus, wo nachgewiesenermaßen eine große Anzahl gelbe Werkvereinler im Gegensatz zu den anderen liberalen Wählern den Sozialdemokraten gewählt haben. Die christlichen Gewerkschaftler haben sich eben in entscheidenden Fällen als viel fester geseit gegen die Sozialdemokratie gezeigt, wie es bei den Gelben jemale der Fall sein wird, da die Arbeiter nur aus rein egoistischen Motiven dort ihren Anschluß suchen. Dieser Anerkennung der Haltung der christlichorganisierten Arbeiterschaft in Gelsenkirchen durch den nationalliberalen Parteisekretär können nun die„Gelben“ keinen Geschmack abgewinnen. Sie lassen in Nr. 957 der Rhein.=Westf. Zig eine„Sprechsaal"=Notiz los, in der die oben wiedergegebenen Aeußerungen des liberalen Parteisekretärs Schack als„nationalliberale Unbegreiflichkeiten" bezeichnet werden, und demselben so verblümt gedroht wird, daß ihm eventuell der Brotkorb höher gehängt werden könnte Wörtlich wird folgende Drohung ausgesprochen: Es dürfte sich aber als Parteisekretär einer von der Industrie lebenden Parteiorganisation doch fragen, wie sich die Industrie zu seiner Empfehlung der Christlichen gegenüber den Wirtschaftsfriedlichen stellt! Das ist jedenfalls ein sehr starkes Stück. Damit wird von den Gelben klipp und klar gesagt, daß die nationalliberalen Parteisekretäre die Pflicht haben, sich im Interesse der Industrie für die Gelben zu entscheiden, wenn sie noch weiter als„Parteisekretäre einer von der Industrie lebenden Parteiorganisation“ fungieren wollen. Die Anmaßung, die sich die Gelben innerhalb der liberalen Parteiorganisation erlauben, ist ja auch schon außerhalb Gelsen kirchens unangenehm empfunden worden, so deutlich wie In der Sprechsaalnotiz der Rheinisch=Westf. Zig. ist sie aber noch nicht hervorgetreten. Diese gelbe Auslassung darf aber auch als ein weiterer Beleg dafür gelten, daß sich die„Wirtschaftsfriedlichen" als echte nationalliberale Parteiganger betrachten. Markenheftchen. * Die von der deutschen Reichspostverwaltung herausgegebenen Markenheftchen enthalten jetzt Belehrungen für das Publikum über den Portotarif, Einlieferungsangelegenheiten für Pakete, Postlager= und Postausweiskarten, Adressierung von Postsendungen usw. Da in postalischen ragen noch vielfach Unklarheit herrscht, kann man diese Leuerung als höchst zweckmäßig nur begrüßen. Kinderfest. X In den schönen Anlagen des Schlosses Strünkede wird der bekannte Onkel Sepp am kommenden Donnerstag wieder ein großes Kinderfest veranstalten, auf das auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht sei.(Siehe auch Inserat.) * Die Ferienstrafkammer Bochum verurteilte den Arbeiter Gustav Lik. aus Herne wegen eines schweren Diebstahls und vier einsacher Diebstähle zu acht Monaten Gesängnis.— Die Eheleute Althändler Jakob D. aus Heine wurden unter Aushebung eines per urteilenden Erkenntnisses des Schöfsengerichts von der Anschuldigung der Hehlerei freigesprochen. Unfall in der Grube. ∆. Dem katholischen Krankenhause überwiesen wurde der auf der Zeche Shamrock in Arbeit stehende Bergmann Emanuel Kerbel. Derselbe wollte einen Wagen vom Förderkorb ziehen als ein anderer Wagen herautollte und auf den von Kerbel gezogenen Wagen stieß, wobei die rechte Hand zwischen beide Wagen geriet und ganz erheblich verletzt wurde Zusammenstoß. * Auf der Chaussee Wanne—Herten stieß am Montag abend gegen 11 Uhr der Radfahrer Stellmacher Valentin Stellmaschyk von Herten mit einem fahrenden Straßenbahnwagen zusammen. Er erlitt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er im Hertener Krankenhause gestorben ist * Der 3. deutsche Kongreß für Säuglingsfürsorge, veranstaltet von der Deutschen Vereinigung für Säuglings= schutz, findet am 20. bis 22. September in Darmstadt statt. Für die Tagesordnung sind folgende Referati vor gesehen: Einheitliche Organisation der Ausbildung von Säuglingspflegerinnen, Säuglingspflege als Lehrgegenstand in den Unterrichtsanstalten für die weibliche Jugend, Berufsvormundschaft, Pflegekinderaussicht und Mutterberatungsstelle, gesetzliche Regelung des Krippenwesens in Deutschland. Dringliches Expreszgut. * Der Eisenbahnverwaltung ist vom Deutschen Handels tag ein Antrag zugegangen, neben der jetzigen Expreßgut besörderung noch eine Beförderungsklasse„Dringliches Expreßgut" zu schaffen. Gegen eine bestimmte höhere Frachtgebühr sollen sämtliche Schnellzüge und Eilzüge, soweit sie Gepäckwagen mitführen, ohne Unterschied freigegeben werden. Luxuszüge würden von der Besörderung vo Expreßgut auszuschließen sein Die Geschäftswelt will das Opfer einer höheren Gebühr gern bringen, wenn die dringend gebrauchte Sendung so schnell als möglich an den Ort ihrer Bestellung gelangt. Die Eisenbahnverwaltung hat dem Antrage im Prinzip bereits zugestimmt und ist in eine Prüfung der Einzelheiten eingetreten. Aus Sodingen und Umgebung. ∆ Sodingen, 20 August.(Amtsversammlung.) In der heute untei dem Vorsitze des Herrn Amtmanns Wiethoff stattgefundenen Amtsversammlung wurde folgendes beschlossen: Die Gewerkschaft Mont Cenis beabsichtigt, in der Nähe des Schachtes II einen Wasserturm zu errichten. Sie ist erbötig, denselben als Aussichtsturm im Volkspark aufstellen zu lassen, wenn das Amt für die architektonische Ausgestaltung des Turmes einen Beitrag leistet. Der Turm soll 21 Meter hoch werden, sodaß man von ihm auf der einen Seite bis nach Dortmund, auf der anderen bis Bochum und dann auch weit ins Münsterland schauen könnte, eine Aussicht, wie sie jedensalls im ganzen Industriebezirk einzig dastehen würde. In richtiger Erkenntris, daß der Turm jedenfalls nachher ein besonderer Anziehungspunkt für unseren so schönen Volkspark und damit für den ganzen Bezirk werden wird, beschloß die Amtsversammlung einmütig, den geforderten Beitrag zu leisten und die Ausarbeitung des Projektes dem Regierungsbaumeister a. D. und Leiter der Kunstgewerbeschule in Essen, Herrn Fischer, zu übertragen. Wir sind überzeugt, daß dieser Künstler dem Amte Sodingen ein erstklassiges Werk schaffen wird und glauben, daß das Projekt von der Bürgerschaft unseres Amtes auf das lebhafteste begrüßt werden wird * S o d i n g e n, 2 0. A u g u s t.( V e r u r t e i l u n g) Wegen gesährlicher Körperverletzung hatte sich vor dei Strafkammer zu Doutmund zu verantworten der Bergmann Jakob Wieczorek aus Sodingen. Der Angeklagte hat mit dem Bergmann Josef Kalla ein und dasselbe Logie Am 25 Mai ds Is. besuchten beide die Wiesmannsch= Wir. haft, in der sie schon nach kurzer Zeit in Stie gerieten. Kalla begab sich nach Hause und legte sich zu Bett. Als Wieczorek gleichfalls heim kam, schlug er seine Schlafkollegen mehrere Male ins Gesicht, was sich dusr natürlich nicht so ohne weiteres gefallen ließ. Der Ange klagte zog hierauf sein Messer und stach Kalla in die recht Brustseite, so daß der Verletzte längere Zeit erwerbsunfähig war Wicczorek erhielt 5 Monate Gefängnis zudiktiert. ∆ Börnig=Sodingen, 20 August(Sport) Am vergangenen Sonntag wurde auf dem Sportplatze in Ranxel zwischen„Allemania Rarxel“ und der Sporta! teilung der Jünglingssodalität Boinig=Sodingen ein Wett spiel ausgetragen. Es begann um 4 Uhr. Zur Halbze## and das Spel 7:0 für Sodingen. In der zuei#er Halbzeit gelang es„Allewaria“, 2 Tore zu trete Sodingen jedoch errang noch 6 weitere Tore, sodaß das Spiel mit 13:2 Toren zugunsten Sodingens endete Boll Heil! &a Castrop, 20 August.(Castroper Rennen Großes Emschertaler Jagdrennen. Preise 6000 Mar Handicap. Distanz 4200 Meter. Pferden haben 14 die Gewichte folgende Pferde: Von den 20 genannten angenommen und zwai * Castrop, 20. August. Die E.thüllungsseier dee Marktbrunnens am nächsten Sonntag, 25 d. Mis, wird sich recht großartig gestalten, wie das vom Festaus'chuß aufgestellte Progiamm erkennen läßt. Um 11 1 Uhr erscheinen auf dem Markplatze die Vorstände des hiesiger Verschönerungsvereins und des Castreper Rennvereins, die Mitzlieder des Preisgerichts, die Stadtschöffen, die Stadt verordneten und noch andere geladene Ehrengäste sowie die Vertreter der Presse. Der Kgl. Musikdirigent Huber aus Dortmund cröffnet sodann mit seiner ganzen Kep l den Festakt durch den Krönungsmarsch vor Myeideer Anschließend tragen darauf die beiden Männer= Gesangvereine „Lederhalle" und„Harmonie“, die sich bereitwilligst in den Dienst der guten Sach; gestellt haben, das altnieder ländische Dankgebet von Kremser mit Begleitung des Orchesters vor. Nunmehr folgen die Festrede und die Enthüllung des Monumentaldrunnens Weitere Musikstücke und en vaterländischer Festchor der beiden Gesangvereine vervoll ständigen die Feier. Zwischendurch wird durch die Auf führung zweier großer Rinen nach dem Klange der Musik, welche durch den Tanzlehrer Sulanke aus Dortmund eingeübt sind, eine ganz besendere Ueberraschung geboten Nachmittags um 6 Uhr bildet ein großes Vokal= und Instrumental=Konzert Fortsetzung und Schluß der Brunnen feier. * Rauxel, 20. August. Die Gewerkschaft Viktor hat der hiesigen katholischen Pfarrkirche zum Ausbau eines Kirchturms 10000 Mark gespendet. Briefkasten. W. F. 63. Ueber portofreie Besörderungen der Meldungen der Personen des Beurlaubtenstandes sagt die Deutsche Wehrordnung in§ 114 Abs. 3 folgendes: „Gehen die Meldungen durch die Post, so werden sie innerhalb des Deutschen Reiches portofrei be sördert, insosern die Schreiben mit der Ausschrift „Militaria" versehen und effen oder unter dim Siegel der Ortspolizeibehörde versendet werden." Haben Sie vielleicht gegen eine deser Bestimmungen verstoßen? Anders ist die Verwigerung der Annahme Ihres Briefes durch das Hauptmeldeamt des Bezirkskommandos II in Bochum nicht zu verst hen Amtlich feltgeltellte Preise des Wochenmarktes Herne am 20. August 1912. Verantwortlich: Für den redaktionellen Teil: Hch. Jugmanns für den Inseratenteil: Jos. Röttsches, Rotationsdruck u. Verlag: Ingmanns& Kocthers, in Perne. Bei akuten und chronischen Durchfällen der Kinder und Erwachsenen hat sich„Ausere“, als leicht verdaulich:, die Ernährung regelnde Kost seit Jahrzehnten glänzend bewährt, denn es führt dem Körper die nötigen Nährstoffe zu, ohnMagen und Darm von neuem zu reizen Ein verblüffendes Experiment ist für die meissen Hausfrauen der erstmalige Gebrauch des selbsttätigen Waschmittels„Persil“! Was früher nur durh Reiden, Büsten und Verwendung ätzender Stoffe wie Cslor etc, wodurch die Wäsche sehr mitgenommen wurde, zu erzielen war, erreicht man jtzt durch einmaliges ca. ¼—½ fündiges Kochen in Persillauge. Wieviel Zei., Arbeit und Aerger, die regelmäßigen Begleiterscheinungen der alten Wasch methode, ware den Hausfrauen erspart geblieben, winn sie sich schon früher zu einem Versuch mit diesem einzig dastehenden Waschmittel entschlossen hätten. Peisil wirkt nicht allein absolut selbsträtig, sondern es wacht die Wäsche viel weißer und reiner, wie je zuvor, ohne sie auch rur im geringsten anzugreifen. Dabei ist es höchst enfachnd billig im Gebrauch und garantiert unschädlich. Pesil wird deshalb überall als das idealste selbsttätige Wissmittel bezeichnet, das schon nach einmaligem Versich richt mehr entbehrt werden kann. 2931 Naturreinen, hellen Apfelwein versendet in allen Gebinden per Liter Mk. 0.80 unter Nachnahme. Apfelweinkelterei Joseph Lautensack, Bingen am Rhein. 1766 Ig. Anfänger versendet jeden Dienstag und Freitag prima Weizenkorn=Brot ind Hessisch Zei Abnahm franko jeder Nachnahme, hue 50 Pfg. nach Paderborner und Hessischer rt zu 1 Mk. 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