Abounement: pro Monat 40 Bfg. frei ins Haus, durch die von pes Bierteljahr 1,10 Mrk. mit Bestellgeld 1,50 Mrk. Annencen: Gratisbeilagen: Lippische Verantwertlicher„Redakteur: Willy Druder. Druckhund Verlag: Fr. Preus, Buchdruckerei, Redaction und Expedition: Bahnhofstraße Comptoir: Hornschestraße 15. Die„Lippvische Tages=Zeitung“ erscheint jeden Wochenteg Telephon Nr. 54 Postzeitungs=Liste Nr. 4315. Tages=Zeitung für die livvischen Fürstenthümer. Lemag: Kurl Kpobe. Lage: Aug, Vend, Laungstr. Horn: Aug, Kohz, Blowher3:„Auz. Aogrter, 2 85 5:: 85 Vernom Saer., 2.; L heniesle.2 Poieb.g; Kelf Haie. Heides: 8. Shöße Agenturen: S.estsoß., 5of, oil. Bohte. Veiligskirden. Nr. 234. Sozialdemokratischer Parteitag. Hamburg, 7. Oktober. Die heutige Vormittagssitzung des sozialdemokratischen Parteitages wurde durch ein Referat des Abgeordneten Auer eröffnet, welcher über die Frage der Betheiligung der Sozialdemokraten an den preußischen Landtagswahlen sprach. Referent führte aus, daß von jeher die Betheiligung an denjenigen Wahlen, die nicht auf allgemeinem und gleichem Stimmrecht fußen, eine Frage der Taktik und nicht eine Prinzipienfrage gewesen sei. Es hätten darüber in verschiedenen Kreisen auch verschiedene Ansichten geherrscht. Leider hätte man im Jahre 1893 in Köln sich darauf verpflichtet, an den Landtagswahlen nicht Theil zu nehmen. Die letzten Ereignisse im preußischen Landtage hätten jedoch eine Erleuchtung in die Kreise der Sozialdemokratie hineingetragen. Man sei nun zumeist der Ansicht, daß man, wie es in anderen deutschen Bundesstaaten geschehen sei, unter denen sich 12 befänden, in welchen die Sozialdemokratie im Landtage vertreten sei, sich an den preußischen Landtagswahlen betheiligen müsse. Es handle sich darum, den Kampf gegen das Drei=Klassen=Wahlsystem aufzunehmen und den Gegnern der Staatsstreichs=Politik im preußischen Landtage eine sichere Majorität zu verschaffen.— Die 2½stündige Rede erntete reichen Beifall. Das Korreferat des Abgeordneten Liebknecht wurde auf Freitag früh festgesetzt, wo auch voraussichtlich eine lange Debatte stattfinden soll, zu der sich bereits 37 Redner gemeldet haben. Im allgemeinen machte sich heute eine Stimmung für Betheiligung an den Landtagswahlen bemerkbar. Im weiteren Verlaufe der Vormittagssitzung wurden noch einige Anträge erledigt. Die Uebernahme der Delegationskosten für einen Delegirten aus Wahlkreisen, die nicht genügende Mittel besitzen, wurde abgelehnt, dagegen eine Neuordnung der Pressekommission beschlossen, die die Verwaltung des Zentralorgans„Vorwärts“ kontrolliren soll.— Um 2 Uhr Nachmittags fand von der Sanct PauliLandungsbrücke aus eine Hafenrundfahrt nach Blankenese statt. Abends finden zwei öffentliche Kommerse in zwei der größten hiesigen Säle statt, in denen einzelne Abgeordnete sprechen werden. Detmold, Freitag, 8. Oktober 1897. II. Jahrgang. Politische Uebersicht. Deutschland. Berlin, 7. Oktober. — Zur Wahlbewegung in Westfalen wird der„D. T. Z.“ aus Dortmund geschrieben: Der geschäftsführende Ausschuß der nationalliberalen Partei eröffnet in unserer Provinz den Reigen zur Wahlbewegung. Er wendet sich mit einem Aufruf an die Parteifreunde und fordert zur schleunigen Inangriffnahme der Wahlvorbereitungen auf, da es nicht unwahrscheilich sei, daß der Termin für die Neuwahlen zu Reichs= und Landtag unerwartet früh komme. In dem Aufruf werden die unerquicklichen Verhältnisse beklagt; es könne so nicht weitergehen. Als Ursachen solcher Verhältnisse werden zwei angegeben, und zwar als größte„der Mangel an jener kraftvollen, zielbewußten Führung der Regierungsgeschäfte, wie sie unter dem Fürsten Bismarck für alle Zeiten vorbildlich geworden sei“, sodann die Unentschlossenheit des deutschen Bürgerthums in dem Kampfe gegen die vaterlandslose, revolutionäre Partei. Wenn es besser werden soll, so heißt es in dem Aufruf, müsse der materielle Interessenstreit seiner bisherigen scharfen Form entkleidet und eine goldene Mittelstraße zur Ausgleichung der Gegensätze gefunden werden. Die gleichmäßige Förderung der Interessen der Landwirthschaft und Industrie, überhaupt aller produzirenden Stände, für eines der Haupterfordernisse des künftigen Gesetzbuchabschnittes. — Die Zentrumspartei unserer Provinz rüstet sich in einzelnen Wahlkreisen zur Wahl. So hatten in Hagen kürzlich einige Zentrumsführer des Kreiset Hagen=Schwelm, der früheren Hochburg Eugen Richters, eine Versammlung anberaumt, um über die Vorbereitungen zur nächsten Wahl zu berathen. Es bildete sich ein Wahlkomitee mit dem Vorsitz des Landgerichtsraths Tophoff, welches in kurzem große Wählerversammlungen veranstalten will. — Der Bundesrath hat heute seine Sitzungen wieder aufgenommen und einem Ausschlußantrage, betr. Ausnahmen vom Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe die Zustimmung ertheilt. Den zuständigen Ausschüssen überwiesen wurden ein Antrag Badens, betr. Abänderung der Bestimmungen über die Sammlung von Saatenstands= und vorläufigen Erntenachrichten, ein Nachtragsetat Preußens, betr. die Ausführung des Börsengesetzes vom 22. Juli 1896, das Abkommen zur Regelung einiger Fragen des internationalen Privatrechts vom 14. November 1896, der Entwurf einer Verordnung über die Ausführung der am 9. September 1886 zu Bern abgeschlossenen Uebereinkunft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Litteratur und Kunst, der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß=Lothringen wegen Abänderung des Sparkassengesetzes vom 14. Juli 1895 und die allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von ElsaßLothringen für das Etatsjahr 1893/94. Die Reichstagsbeschlüsse zu Petitionen, betr. Anrechnung von Militärdienstzeit auf das Besoldungsdienstalter und zu einer Petition wegen Bekämpfung des Mädchenhandels wurden dem Reichskanzler überwiesen. Von der Uebersicht der Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts für das Jahr 1896 und der Vorlage betr. die Thronfolgefrage im Fürstenthum Lippe wurde Kenntniß genommen. Endlich wurde die Wahl eines stellvertretenden Mitgliedes im Börsenausschusse angenommen und über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt. — An der gestrigen Sitzung des Staatsministeriums, die wieder von 2 bis nach 7 Uhr dauerte, Im Hause des Bankiers. Kriminal=Roman von B. Feldern. 36 Walter lauschte an dem Kammerfenster Hubers, aber er sah und hörte nichts, was ihm verriet, ob der Kutscher anwesend sei oder nicht. Er wendete sich nun zur Heimrehr. In der Nähe seiner Wohnung merkte er, daß man ihm folgte, und entdeckte eine Gestalt, die ihm vorsichtig nachschlich. Um nicht erkannt zu werden, kletterte er über Zäune und Stackete und gelangte endlich nach manchem Umwege in sein Haus. „Ich glaube, unsere Geheimpolizisten haben eine Spur entdeckt," flüsterte Nulte am nächsten Morgen Walter im Redaktionszimmer zu. „Wirklich! Und welche?“ fragte Walter gespannt. „O, darüber schweigen sie so geheimnisvoll wie die Sphinx. Nur eines ist sicher, einen der Schurken haben sie bereits fest im Auge.“ „Ich wünschte, Sie hätten recht, mein verehrter Freund.“ *** Drei Tage lang blieb jede Nachricht von Paul von Holldack aus, und auf die besorgten Fragen der Baronin wußte Walter nur die Vermutung auszusprechen, ihr Sohn sei nach der Residenz abgereist. Die Baronin schrieb an ihren Bruder und an Adolf von Garsen und Agnes, und forderte sie auf, ihr zu telegraphieren, ob sie Paul gesehen hätten. Keine Antwort kam. Statt dessen erschien Adolf von Garsen bei der Baronin. Die Unruhe um den Freund habe ihn heimgetrieben, sagte er. Er fürchte, ein Unglück sei ihm zugestoßen. Mit dem nächsten Zuge traf Agnes in Rohland ein. Sie begab sich unmittelbar vom Bahnhof in Redaktionszimmer Walters, der sie sehr bleich aussehend, aber schoner als je fand. „Ich weiß, Walter,“ sagte sie mit bittendem Blick,„daß Sie mir nichts verschweigen, daß Sie mich nicht täuschen werden. Was ist Paul zugestoßen?“ „Sie haben recht, Agnes, ich könnte Sie nicht täuschen, ohne gegen mich selbst untreu zu sein, aber ich weiß in der That nicht, wo Paul sich aufhält. Ich suchte ihn in seinem Gasthof und hörte vom Wirt, Ihr Bruder mache einen Spaziergang und seit jener Stunde bin ich ohne jede Kunde von ihm.“ „Aber er schien sich unter Ihrer Leitung sowohl zu befinden, daß ich zuversichtlich hoffte, er werde unsere heißen Wünsche erfüllen und ein geläutertes neues Leben beginnen.“ Sie neigte, von Kummer gebeugt, ihren Kopf, und Walter, der Thränen in ihren Augen glänzen sah, trat ihr näher und ergriff ihre nicht widerstrebende Hand. Ohne daß ein Wort der Liebe zwischen ihnen gewechselt wurde, lehnte sich das junge Mädchen an den Freund, der seinen Arm um die zitternde Gestalt schlang. So standen sie da, als die Thüre sich öffnete und der Bankier und Adolf von Garsen unter ihrem Rahmen erschienen. Der Baron, bleich vor Zorn, bewahrte dennoch seine gewöhnliche äußere Ruhe.„Komm' mit mir, Agnes,“ rief er streng.„Wie darfst Du es wagen, diesen Ort zu betreten?“ Agnes folgte dem Vater, ehe Walter ein Wort der Erklärung aussprechen konnte. Adolf blieb zurück, seine Augen blitzten und seine Zähne schlugen grimmig aufeinander.„Dafür sollst Du mir zahlen,“ zischte er. Walter war nicht in der Stimmung, viele Worte zu verlieren. Dieser Bursche hatte ihn mit Verachtung behandelt und erdreistete sich jetzt, ihm in seinem eigenen Zimmer zu drohen. Mit einem schnellen Sprung stand er vor Adolf, und eheer sich dessen versah, traf ein wuchtiger Faustschlag das hübsche Gesicht des Eindringlings, und im nächsten Augenblick hatte Walter ihn am Kragen erfaßt, zum Zimmer hinausgeschleppt und die Treppe hinunter geworfen. „Ich glitt aus und fiel,“ sagte Adolf zu denjenigen, die zu seiner Hilfe herbei eilten. In dem nächnahmen außer sämmtlichen aktiven Staatsministern auch die Staatssekretäre des Schatzamts und der Justiz, Frhr. von Thielmann und Nieberding, der Staatssekretär des Marineamts, Kontreadmiral Tirpitz, und der Vertreter des Auswärtigen Amts, Botschafter von Bülow, Theil. Wie hört, hat die Vorlage des Staatssekretärs Tirpitz die Billigung des Staatsministeriums gefunden und ist bereits, ebenso wie der Entwurf betr. die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, dem Bundesrath zugegangen. Oesterreich=Ungarn. — In der gestrigen Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses brachte der Abg. Ebenhoch eine Interpellation über die Mittel zur Bekämpfung der Konkurrenz des ausländischen, insbesondere des amerikanischen Getreides ein. Der Handels=Minister Freiherr von Glanz legte einen Gesetzentwurf, betreffend den Hausierhandel, vor. Das Haus setzte sodann die Verhandlung über die Nothstandsanträge fort; hierbei griff der sozialdemokratische Abgeordnete Schrammel die christlia=soziale Partei an. Seine Ausführungen wurden durch stürmische Zwischenrufe der Christlich=Sozialen unterbrochen, was heftige Auftritte zwischen Schönerianern und Christlich=Sozialen und gegenseitige Beschimpfungen zur Folge hatte. Da die Herstellung der Ordnung unmöglich war, verließ der Vizepräsident den Saal. Nach einigen Minuten wurde die Sitzung wieder aufgenommen. Der Vizepräsident bat, den Anstand zu wahren; Schrammel setzte seine Rede fort. Frankreich. — Die Nachricht, daß Frankreich Brasilien ein Ultimatum gesandt habe, wird dementirt. — Der Kolonien=Minister wird einen NachtragsKredit von 19 Millionen für Madagaskar fordern. Großbritannien. —„Daily News“ melden, die englische Regierung sei in West=Afrika mit aller Energie gegen die französischen Interessen zu Felde gezogen. Die Regierung beschloß, auf dem oberen Nigerfluß starke Truppenmassen zusammenzuziehen. In diplomatischen und kolonialen Kreisen verfolgt man mit großer Spannung die englische Politik in Afrika. Spanien. — Der Ministerrath beschäftigte sich gestern mit der kubanischen Frage und beschloß, das Reformprogramm durchzuführen, um der Insel die Autonomie zu verleihen. Die Insel wird die Rechte einer Verwaltungsperson erhalten, aber der Ministerrath bekräftigte abermals die Oberrechte Spaniens auf Kuba. sten Barbierladen wusch er sich das Blut aus dem Gesicht, dann wanderte er nach dem Schloß. Walter behielt sein Abenteuer für sich. Seit Jahren war ihm nichts begegnet, das ihn mit so außerordentlicher Genugthuung erfüllte, aber er konnte den Ausdruck in Adolfs Augen nicht vergessen, als der junge Kavalier ihn mit zorniger Bosheit anschaute, es war genau derselbe Blick, auf den er bei dem nächtlichen Ueberfall auf die Bank Feuer gegeben hatte. Auch an diesem Abend ging Walter wie gewöhnlich aus, das alte Schloß zu umspähen. Er sah Dominik mit einem anderen Menschen nach dem Stalle schleichen, aber sie verweilten nicht lange, und er konnte nicht ein einziges Wort ihrer Unterredung verstehen. Es befremdete ihn, daß er auf seinen mitternächtlichen Wanderungen niemals mit den hauptstädtischen Geheimpolizisten zusammenstieß, und daß so wenig Leute sich in den Straßen bewegten. Er war dem Holldackschen Hause ziemlich nahe gekommen, als er den Schrei:„Mörder! Mörder!" und einen dumpfen Fall hörte, dem ein tiefer Seufzer wie aus todeswunder Brust folgte. Walter zog seine Pistole aus der Tasche und rannte vorwärts, worauf zwei Personen, welche sich über eine am Boden liegende Gestalt neigten, die Flucht ergriffen. Schnell wie der Blitz feuerte Walter auf die Fliehenden, bis die Läufe seines Revolvers geleert waren, dann erst kehrte Walter zu dem Verwundeten zurück. Er hob ihn auf. Mit Schrecken erkannte er in ihm den Baron von Holldack.„„„ „Verfolgen Sie meine Mörder,“ bat der Bankier. Walter wollte dem Wunsche des Unglücklichen gehorchen und ließ ihn wieder sanft niedergleiten, um den Verbrechern nachzueilen. Hinter ihm ertönte wüstes Geschrei aus dem Hause, und vor ihm tauchte ein Mann aus dem Dunkel auf, der ihm zurief:„Ergeben Sie sich.“ Walter wollte, diesen Zuruf nicht beachtend, — Die Regierung beschloß, den auf Kuba wiederherzustellen. Man wird jedoch so lange militärische Mittel anwenden, als es auf der Insel bewaffnete Insurgenten giebt. — Die Nachricht, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Handelsflotte in Bereitschaft für einen eventuellen Konflikt mit einer europäischen Macht hält, hatte in Madrid große Bestürzung hervorgerufen. Jetzt hat dagegen wieder eine beruhigtere Stimmung Platz gegriffen. Türkei. — Die Prinzessin Nasli, welche hier wegen ihrer jungtürkischen Propaganda unter strenger Bewachung lebt, wird auf ihre briefliche Bitte morgen vom Sultan in Audienz empfangen. Sie beabsichtigt, den Sultan um die Durchführung der versprochenen Reformen, Amnestirung sämmtlicher Jungtürken, Erlaß liberaler Verfügungen zur Verbesserung des Looses der türkischen Frauen zu bitten. — Im Auftrage der Pforte hat sich Berger von der„Dette Publique“ in politischer Mission nach Sofia begeben. Heer und Flotte. * Ueber die Verhältnisse in der englischen Armee finden wir in dem liberalen Londoner Blatte Speaker eine Darlegung. die zumal als Ergänzung zu den Angaben eines Leitartikels ein Interesse beansprucht.„Mit der Armee“, sagt der Speaker,„ist es etwas Anderes als mit der Marine. Ist es denn so sicher, daß die Militärbehörden uns für die 21000000 Pfund Sterling, welche wir jährlich auf die Armee verwenden, auch genug geben? Warum wird der Eintritt in die Reiterei in vielen Regimentern allen, die nicht reich sind, unmöglich gemacht? Warum werden unsere Bataillone von einem Orte nach dem anderen geschoben, wie es in keiner anderen Armee so häufig geschieht? Beständige Veränderungen vertheuern das Leben des verheiratheten Offiziers unnöthig und verursachen der Nation große Kosten. Es wird schwer halten, den Steuerzahler davon zu überzeugen, daß es ökonomisch ist, so viele Offiziere in der Blüthe der Jahre zu pensioniren, ohne daß man ihnen die Verpflichtung auferlegt, in der Miliz Dienste zu leisten. Der„Nicht=Effektiv“= Bestand der Armee kostet 3000000 Lstrl. jährlich, und immer mehr Zivilisten können es nicht verstehen, warum 75000 Lstrl. auf die Yeomanry(Miliz=Reiterei) verwendet werden, die nur durch ihre sozialen Eigenschaften von anderen Truppenkörpern absticht. Das Publikum hört fortwährend von Mißverwaltung, was die Gebäude und die Intendantur anbetrifft. Die Uniformen der Offiziere und Mannschaften sind weiterstürmen, aber er stolperte, und im nächsten Augenblick schlossen sich die Handschellen der Geheimpolizisten um seine Gelenke. Die Geheimpolizisten waren ebenso täuschend verkleidet wie Walter und er erkannte sie so wenig, wie sie ihn, auch würde das ihr Verfahren in keinem Punkte geändert haben. Sie waren ihm schon seit vielen Nächten nachgeschlichen, und nach jeder Verfolgung fanden sie sich in ihrer Ueberzeugung verstärkt, daß sie es mit einem sehr geheimnisvollen Charakter und einem derjenigen zu thun hatten, welchen Rohland die Beunruhigungen der letzten Zeit verdankte. „Ich bin Walter Lösch und bin im Begriff, die Mörder zu verfolgen,“ rief der Gefangene. „Das schützt Sie nicht, mein Lieber,“ antwortete Menzel, dessen Gefährte in dem Momente wieder verschwunden war, in dem er Walter die Handschellen angelegt hatte.„Und wenn Sie eine ganze Kirche voll der glaubhaftesten Zeugen hätten, die zu Ihren Gunsten aussagten, der Thatbestand spräche gegen Sie. Ich rate Ihnen deshalb, sich hübsch still zu verhalten, und Ihre Sache nicht noch durch Widerstand zu verschlimmern.“ Walter war so überwältigt von diesen Worten, und so gedemütigt von seiner Lage, daß er keine weiteren Einwendungen machte, sondern sich ruhig von Menzel in das Gefängnis im Kellergeschoß des Rathauses bringen ließ. Eine feuchte, modrige Zelle nahm ihn auf. Nachdem Menzel sich entfernt hatte, um den Bürgermeister aufzusuchen, kam der Thürschließer, um sichden Gefangenen durch das Gitter anzusehen. Die Handschellen schlossen Walters Gelenke noch immer ein, eine Vorsicht, die nach Menzels Ueberzeugung bei dem verzweifelten Sinn uno dem Ungestüm des Verhafteten unbedingt notwendig war. Walter erkannte den Gefangenwärter und rief ihm zu: wig, ich bin Walter Lösch. Kommen Sie herein und nehmen Sie mir diese Dinger ab." 52,16 theuer und nutzlos und tragen hauptsächlich die Schuld an der geringen Marschtüchtigkeit.“ Tagesnenigkeiten. Berlin, 7. Okt. Der Kaiser ist gestern in Hubertusstock eingetroffen und gedachte heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militär= kabinets, Generals v. Hahnke, entgegenzunehmen. Berlin, 7. Oktober. Die Geschenke des Kaisers für den Bazar, der in Konstantinopel zum Besten der türkischen Verwundeten veranstaltet werden soll, hat die deutsche Botschaft, an welche die Sendung adressirt war, dem betreffenden Komitee übergeben. Die Sendung, die drei Kisten füllte, bestand, wie s. Zt. mitgetheilt, aus Gegenständen, die der Kaiser in der Königlichen Porzellan=Mannfaktur hatte ankaufen lassen. Die Sachen waren auf Wunsch des Kaiserlichen Spenders so ausgewählt, daß sie nach Preis und praktischem Werth auf einem Bazar wohl auf Käufer rechnen durften. Bisher jedoch ist der Bazar, der in Yildiz Kiosk stattfinden soll, noch nicht eröffnet. Man befürchtet, daß bei der schwierigen finanziellen Lage die Zahl der Käufer ebenso gering wie die der Kauflust sein dürfte und so war der Tog der Eröffnung in Erwartung baldiger Besserung der Zeiten noch hinausgeschoben worden. Berlin, 7. Oktbr. Kaiserin Friedrich— Schützenkönigin von Rixdorf. Beim diesjährigen Königsschießen der Rixdorfer Schützengilde hatte für die Kaiserin Friedrich der Schlächtermeister Hugo Seltmann von dort den Königsschuß abgegeben, der Gilde ist nunmehr vom Grafen Seckendorff, dem Oberhofmeister der Kaiserin Friedrich, eine große silberne Medaille und das nachfolgende Schreiben zugegangen:„Jore Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich haben aus dem Telegramm der Schützengilde zu Rixdorf vom 16. d. Mts. gern entnommen, daß bei dem diesjährigen Königsschießen Allerhöchst Ihrem durch einen nach dem Herkommen angeordneten Vertreter die Königswürde erworben worden. Indem Ihre Majestät für die erzeigte Aufmerksamkeit bestens danken, lassen Allerhöchstdieselben der Gilde als Erinnerungszeichen die beikommende Medaille zugehen." Die Medaille zeigt auf der einen Seite das Bild der Kaiserin Friedrich, auf der andern die Inschrift:„Der Schützengilde zu Rixdorf.“ Berlin, 7. Okt. In Sachen des Berliner Bismarckdenkmals hat die Jury heute einstimmig beschlossen, den Prof. Reinhold Begas mit der Ausführung zu betrauen. Berlin, 7. Okt. Die„Nordd. Allg. Zig.“ meldet aus Wien: Der 19jährige Sohn des früheren Handelsministers, Einjährig=Freiwilliger Graf Heinrich Wurmbrand, hat sich heute Mittag während der Fahrt in einem geschlossenen Fiaker durch einen Revolverschuß aus noch nicht aufgeklärter Ursache getödtet. Berlin, 7. Oktober.„Ueber die natürliche weibliche Gestalt und die Konfektionsbüste“, sprach im Verein zur Verbesserung der Frauenkleidung Fräul. Dr. Anna Gebser. Der von Frau Oberstlieutenant Pochhammer sehr umsichtig geleitete Verein strebt eine Reform der weiblichen Kleidung an, die, auf sanitärer Grundlage beruhend, weit von den schnurrigen Plänen und Vorschlägen entfernt ist, die früher nur die Spottlust herausforderten. Was Fräulein Dr. Gebser gestern in Wort und Bild vorführte, verdient die vollste Sympathie aller Gebildeten und Vernünftigen. Im Großen und Ganzen richtet sich der Kampf gegen das enge Einschnüren des weiblichen Oberkörpers durch das Korset, dessen Schädlichkeit ja längst anerkannt ist. Daran anknüpfend, daß die Frauengestalt von Natur eine gesunde und schöne ist, wie die Statue der Venus von Milo zeigt, wies die Rednerin auf die Frauen der Antike hin, deren Körper noch die sanften Wellenlinien der Schönheit besitzt, während sie gleichzeitig an einem modernen Modenbild demonstrirte, welch nachtheiligen Einfluß die Einschnürung in jeder Beziehung ausübt, indem sie eine vollständige Veränderung zum Unschönen bei dem Frauenkörper erzeugt und außerIm Hause des Bankiers. Kriminal=Roman von B. Feldern. 37 „Nein, Herr,“ erwiderte der Alte kopfschüttelnd, „das wäre gegen meine Pflicht, auch lasse ich mir nicht einreden, daß Sie Walter Lösch sind, obwohl Sie die Stimme des jungen Mannes sehr geschickt nachahmen. Ziehen Sie sich vom Fenster zurück, Mensch, an Ihren Händen klebt Blut!“ Das Licht der Flurlampe schien voll durch das Gitter. Entsetzt von den Worten des Thürhüters blickte Walter auf seine Hände nieder und bemerkte, daß sie mit roten Flecken bedeckt waren. Er hatte sie erhalten, als er den Baron von Holldack vom Boden aufhob. „Aber ich wiederhole Ihnen, daß ich Walter Lösch bin, alter Freund. Stecken Sie Ihre Hände herein, die meinigen sind leider gefesselt, und nehmen Sie mir die Perrücke und den falschen Bart ald: „Nein, Herr, ich möchte Sie nicht für alles Geld der Erde berühren, und...“ Der Thürschließer wurde durch die Ankunft zweier anderer Männer unterbrochen. Der eine war, wie Walter bemerkte, der Kriminalbeamte Wolf, der andere Paul von Holldack, mit zerrissenen Kleidern, Schaum vor dem Munde und einem wilden grimmigen Blick in den blutunterlaufenen Augen. „Oeffnen Sie eine zweite Zelle," befahl Wolf dem Thürschließer. „Großer Gott, das ist ja der junge Baron von Holldack,“ rief Ludwig. „Gleichviel, wer das ist, öffnen Sie sofort die Thür, oder er stürzt sich in einem neuen Anfall auf mich,“ sagte Wolf, dessen zerkratztes Gesicht und blutige Kleider zeigten, daß er soeben einen schweren Kampf überstanden hatte. Die Zelle neben der, welche Walter angewiesen war, flog auf und Paul von Holldack wurde unsanft hineingestoßen. „Laßt mich hinaus!“ schrie Paul, sich mit dem dem gesundheitsgefährdend wirkt. Ganz richtig ben uer e- chte man die herrliche Gestalt der Venus von Milo als den Inbegriff weiblicher Schönheit preise und trotzdem die durch das leidige Korset hervorgerufene unnatürliche Figur des modernen Weibes nicht abscheulich finde— die dünne Taille, die in gar keinem Verhältniß mehr zum Oberkörper stehe, die breitgepreßten Hüften, die ganze veränderte, von der Natur abweichende Haltung 2c. An zwei sehr zutreffenden großen Zeichnungen zeigte Frl. Dr. Gebser den gewaltigen Unterschied zwischen der natürlichen und erkünstelten Frauengestalt, welch letztere nichts als eine totale Verschiebung des mit Recht gerühmten antiken Schönheitsbegriffes sei. Köln, 7. Okt. In dem Kölner SchinkenProzeß, bei welchem es sich bekanntlich um den Verkauf verdorbenen, aus Serbien massenhaft eingeführten Schinken handelte, wurde auf Freisprechung aller Angeklagten erkannt. Nur eine Verkäuferin wurde auf Grund ihres eigenen Geständnisses, daß sie wissentlich verdorbenes Fleisch verkauft habe, mit einer Geldbuße von 100 Mark belegt. Bonn, 7. Okt. Schloß Bensberg hrennt! — so wurde gestern Nachmittag von der rechten Rheinseite hierher gemeldet. In der That hat nach den Nachrichten, welche heute früh eingelaufen sind, ein großer Brand im linken Flügel des Schlosses stattgefunden. Dort hatte die 1. Kompagnie der Kadetten ihre Unterkunft. Wie es scheint, entstand das Feuer im Schlafsaal der Kadetten. Schnell ging der Brand weiter in den Waschsaal und zum Dach hinauf. Die im Schlosse bereit gehaltenen Handspritzen reichten zum Löschen nicht aus. Alsbald erschienen die verschiedenen Feuerwehren der umliegenden Fabriken und die freiwillige Wehr von Bensberg. Auch von Köln erbat der Kommandeur des Kadettenhauses Hülfe und kamen gegen 6 Uhr dort mächtige Spritzen und reichlich Mannschaften. Den vereinten Kräften ist es dann gelungen, das Feuer auf seinen Heerd zu beschränken. Große Mühe hat es gekostet, das Feuer von dem Lazareth und dem seitwärts gelegenen Oekonomiegebäude abzuhalten.— Das Bensberger Schloß wurde 1710 von einem Herzog von Pfalz=Neuburg in toskanischem Stil als Jagdschloß erbaut und ist später als solches vom Kurfürsten Clemens August von Köln häufig benutzt worden. Frankfurt a. M., 7. Okt. Die„Frkf. Ztg.“ schreibt: Gegen den verantwortlichen Redakteur der„Frankf. Ztg.“, Alexander Gießen, war im September ein Untersuchungsverfahren wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet worden. Die Majestätsbeleidigung sollte begangen sein durch einen Leitartikel in Nr. 166 der„Frkf. Ztg.“ vom 17. Juni d. J., welcher die Unsicherheit in der inneren Politik in Folge des starken Hervortretens der unverantwortlichen Stelle und der Herabdrückung des Verantwortlichkeits=Bewußtseins der leitenden Staatsmänner geschildert hatte. Das Verfahren ist nunmehr eingestellt worden. Frankfurt a. M., 7. Oktbr. Aus NewYork wird der„Frkf. Ztg.“ berichtet: Der nach Klondyke gesandte Minen=Erforscher ist von dort nach Takoma zurückgekehrt. Er erklärte, die Berichte über den Goldreichthum seien nicht übertrieben. Es würde Jahre dauern, das Land auszubeuten. Kassel, 7. Okt. Wegen des Verkaufes von sogenanntem Verschnittbier hatte sich ein hiesiger Gastwirth nebst seiner Ehefrau wegen Vergehens gegen den§ 10 des Nahrungsmittelgesetzes vor dem hiesigen Schöffengericht unter dem Vorsitz des Herrn Amtsrichter Westrum zu verantworten. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die Angeklagten in wiederholten Fällen übrig gebliebenes Bier, Faßreste rc. nach stundenlangem Stehen mit frischem Bier verschnitten und den ganzen Gewicht seines Körpers gegen die Gitterstäbe werfend, als die Riegel klirrend hinter ihm ins Schloß geflogen waren.„Laßt mich hinaus, ich muß fort, Raspus und Irene verfolgen mich. Die Furien zerfleischen mein armes Herz! Laßt mich hinaus! Hört Ihr nicht, daß ein Mord begangen ist und daß man den Mörder sucht?“ „Paul, kennst Du mich?“ fragte Walter. „Nein! Oeffnet, öffnet, öffnet," zeterte der Unglückliche. Laute Stimmen und eilige Fußtritte wurden in den Straßen hörbar und ein Flüstern:„Mord! Mord!“ zitterte durch die Lüfte. Halbangekleidete Männer stürzten aus ihren Häusern und geängstigte Frauen spähten durch die Fensterladen. „Was ist los?“ fragte man von allen Seiten. „Der Baron von Holldack ist ermordet!“ Die Glocke des Rathausturmes begann zu läuten und die Feuerwehr rüstete sich, Hilfe zu bringen, ohne zu wissen, wo diese erforderlich war. „Die Mörder sind gefangen und sitzen schon hinter Schloß und Riegel,“ ging es von Mund zu Munde und Scharen von Leuten sammelten sich vor dem Rathaus. Als Bürgermeister Sibler von Menzel begleitet erschien, hatte er Mühe, sich seinen Weg durch die lärmende Menge zu bahnen, welche ihn mit Fragen bestürmte. „Ich weiß noch gar nichts, meine Kinder,“ antwortete er.„Ich bitte Euch, seid ruhig und haltet Frieden.“ Auf seine Anordnung wurden die Gänge des Rathauses von allen Eindringlingen geräumt und die Thore geschlossen. „Und jetzt lassen Sie uns die Gefangenen sehen,“ erklärte Sibler, sich der Zelle nähernd, in welcher Walter saß. Walter Lösch erkannte die Stimme seines Freundes und rief ihm entgegen:„Ich bin irrtümlicher Weise verhaftet worden, Herr Bürgermeister. Bitte, kommen Sie hierher, ich habe Notwendiges mit Ihnen zu sprechen.“ Gästen verkauft hatten. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß eine solche Handlungsweise doch ein großer Betrug des biertrinkenden Publikums sei und erkannte unter Zubilligung mildernder Umstände, die aus der seitherigen Unbescholtenheit der Angeklagten hergeleitet wurde, gegen den Wirth auf eine Geldstrafe von 100 Mark event. 20 Tage Gefängniß und gegen die Ehefrau auf eine Geldstrafe von 40 Mark eventuell 8 Tage Gefängniß. Darmstadt, 7. Okt. Der König von Siam traf heute Vormittag 11½ Uhr auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Er wurde vom Zaren sowie dem Großherzog empfangen, worauf die Fahrt nach dem neuen Palais erfolgte. Um ½3 Uhr reiste der König von Siam wieder ab. Er wurde vom Zaren und vom Großherzog zur Bahn geleitet. München, 7. Oktober. Die erste Katzenausstellung in Deutschland wurde in den Zentralsälen in München eröffnet. Sie zählt über 100 der schönsten Exemplare in= und ausländischer Katzen, von der einfachen Hauskatze bis zur indischen Knotenkatze. Es werden sehr hohe Preise gefordert, u. A. für eine weiße Hauskatze besonders schöner Rasse 1000 Mk. Zu 90 und 100 Mark sind mehrfach Exemplare vorhanden. Marburg, 7. Okt. Der Kreisphysikus Klosy aus Biedenkopf beging gestern Abend in einem Eisenbahnzuge Marburg=Kreuzthal Selbstmord durch Erschießen. Lorch, 7. Okt. In 5 Weinbergen der hiesigen Gemarkung hat man Reblaus Heerde entdeckt. Es rief diese Nachricht lebhafte Besorgnisse hervor. Wien, 7. Okt. Beim Wiener Zivillandesgericht ist derzeit ein interessanter Prozeß zwischen Mutter und Sohn anhängig; die Muttec ist die Fürstin Stephan Rohan, der Sohn der Prinz Raoul Josef Rohan, und die Gattin des Letzteren, Prinzessin Helene Rohan, ist eine gewesene Wiener Schauspielerin. Diese Schauspielerin ist die unschuldige Ursache des Prozesses. Prinz Rohan war nämlich wegen dieser seiner„Mesalliance“ von seiner Familie enterbt worden, und nur eine kleine Apanage ward ihm ausgesetzt. Die Folge war eine große Schuldenlast, die ihre Nachspiele noch immer vor den Zivilgerichten findet. Das Verhältniß zwischen Mutter und Sohn hat sich seither dermaßen zugespitzt, daß die Mutter sich zur Klage gegen den Sohn auf Zahlung von zusammen ca. 80000 Mark entschlossen hat, die sie ihm in früheren Zeiten nach und nach zugewendet hatte. Der Prinz hat eingewendet, daß die Geldbeträge als mütterliche Geschenke nicht eingeklagt werden können. Er lebt in ärmlichen Verhältnissen mit seiner Gattin. Wo? Das scheinen auch die Behörden nicht zu wissen, denn in einem kürzlich im Amtsblatte erschienenen Edikte wurde er als„derzeit unbekannten Aufenthaltes" bezeichnet. Warschau, 7. Okt. Eine seitens des Generalgouverneurs neuerdings erlassene Verordnung schärft den Behörden und Gemeindeämtern nochmals ein, sich im Verkehr mit Parteien und unter einander ausschließlich der russischen Sprache zu bedienen. Paris, 7. Oktbr. Das Geschäft des berühmten Damenschneiders Worth in Paris wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Kapital soll, wie der„Konfektionär“ erfährt, 12½ Millionen Franken betragen, doch fehlen die bestimmten Zahlen. Die Umwandlung geschieht von demselben englischen Konsortium, welches erst vor Kurzem die Modewaarenmagazine von Paquin und Madame Virot in Aktien= gesellschaften umgewandelt hat. Marseille 7. Okt. Eine blutige Schlägerei entstand zwischen belgischen und italienischen Arbeitern. Die letzteren überfielen die Belgier, „Wie, Walter! Sie?“ rief Sibler und eilte an das Gitter. „Ja; gestatten Sie mir, Ihnen alles zu erklären. Zunächst haben Sie die Güte, mich zu betrachten. Sahen Sie mich nicht schon häufig in dieser Verkleidung?“ „Ja,“ stöhnte der Bürgermeister. „Und kennen Sie auch den Grund, weshalb ich Sie anlegte?“ „Ja, Walter, gewiß. Aber sagen Sie mir, ist das nicht Paul von Holldack, welcher in der anderen Zelle so furchtbar lärmt?“ „Ja, das ist er,“ bemerkte Wolf,„wenigstens behauptet er, so zu heißen.“ „Ich habe Paul seit jener Angelegenheit, deren Sie sich erinnern, nicht mehr gesehen," erwiderte Walter.„Machen Sie meine Hände los und ich werde Ihnen alles erzählen, Herr Bürgermeister.“ „Natürlich. Ludwig streifen Sie die Fesseln von den Händen des jungen Herrn. Sie hätten ihn nicht in dieser rohen Weise behandeln dürfen. Herr Lösch ist ein Ehrenmann.“ „Ich habe nicht das Recht, Ihren Befehlen zu widersprechen, Herr Bürgermeister," sagte Menzel mit gekränkter Würde,„aber es handelt sich um einen ungewöhnlichen Fall, und was Sie thun, werden Sie zu verantworten haben.“ „Ohne Zweifel, auch ich versichere Sie, daß wir nichts Gefährliches wagen, wenn wir jene Handschellen entfernen. Herr Lösch ist mein Freund und wird kein Haar auf meinem oder eines andern Haupt krümmen.“ Ludwig nahm die Schlüssel zu den Handschellen von Menzel in Empfang, öffnete die Gefängnisthür und befreite Walter von seinen Fesseln. Im Augenblick flogen Perrücke und falscher Bart zur Seite. Sibler wünschte den jungen Mann mit sich zu nehmen, um mit ihm ungestört sprechen zu können, aber Menzel widersetzte sich diesem Beginnen ganz entschieden. „Dieser junge Mann muß in Haft bleiben,“ rief und blieben zwei Belgier verwundet auf dem Kampfplatze. Von Seiten Belgiens befürchtet man Repressalien. Turin, 7. Okt. Nach einer Meldung der „Gazetta Piemontese“ hat die Prinzessin Elrira von Bourbon, welche mit dem Maler Folchi vor Jahresfrist geflohen ist, gegen ihren Vater Don Carlos durch zwei Mailänder Advokaten einen Prozeß wegen Herausgabe ihres mütterlichen Erbes angestrengt. Don Carlos habe erklärt, der Fruchtgenuß des Erbes stehe ihm bis zu seinem Tode zu. Nach derselben Quelle liegt die Prinzessin Elvira in Sankt Moriz krank darnieder. Galatz, 7. Okt. Auf der hiesigen Post ist ein aus Genf angekommenes Packet beschlagnahmt worden, welches Aufrufe an die Armenier in Rumänien zur Unterstützung der revolutionären armenischen Bewegung gegen die Türkei enthielt. Mehrere Verhastungen wurden in dieser Angelegenheit vorgenommen. Tonger, 7. Okt. Ein portugiesisches Kriegsschiff ist an der Riffküste eingetroffen. Es handelt sich um die Auslösung der Gefangenen. Rio de Janeiro, 7 Okt. Die Regierungstruppen haben die Stadt Kanodos eingenommen. Palermo, 6. Okt. In dem kleinen italienischen Städtchen Partenico bei Palermo spielte sich eine entsetzliche Szene ab. Der Polizeikommissar des Ortes, Signor Mauro Ghergi, erging sich mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Söhnchen auf dem Marktplatze. Auf einmal stürzten aus einem Seitengäßchen zwei Männer mit geschwärzten Gesichtern auf den Beamten und machten ihn durch Revolverschüsse und Beilhiebe nieder. Der schreckliche Vorgang dauerte kaum eine halbe Minute. Die Mörder verschwanden wieder so geheimnißvoll, wie sie aufgetaucht waren. Die Frau des Ermordeten war ohnmächtig neben der Leiche ihres Mannes zu Boden gesunken, der Knabe hatte seinem Vater wacker beigestanden und sich schließlich auf ihn geworfen, um ihn vor den Beilhieben zu schützen. Von den zahlreichen Passanten auf dem Marktplatze hatte keiner gewagt, den Mördern in den Arm zu fallen oder ihnen auch nur zu folgen, so daß das Verbrechen wahrscheinlich ungesühnt bleiben wird. Ans Stadt und Land. Der Nachdruck unserer Original=Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe—„L. Tages=Zeg.“— gestattet. Detmold, 8. Okt. 1897. * Wetterbericht. Voraussichtliche Witterung: Im Norden trockenes Wetter; im Süden zunächst noch trüb und zeitweise Niederschläge; allgemein kühl. * Beethoven Abende. Unserer gestrigen Anzeige zu Folge, beabsichtigen die Herren Evers aus Hannover, Professor Sahla und Kammervirtuos Smith aus Bückeburg im Verein mit Herrn Kammersänger Bruno aus Hannover im Laufe des Oktober und November hier 3 Beethoven=Abende zu veranstalten, in denen die hervorragendsten Kammermusikschöpfungen des Meisters für Klavier, Violine und Violoncello zur Aufführung gelangen sollen. In das gramm sind aufgenommen: Die Trios in D- Bund Es-dur, die Violinsonaten in C- A-moll (Kreutzer=Sonate) und G-dur op. 96. Die Violoncello=Sonaten in F-dur, G-moll und A-dur, sowie eine Auslese der schönsten Lieder des unsterblichen Tonberos. Wir sind überzeugt, daß unser kunstsinniges Publikum dem höchst anerkennenswerthen Unternehmen der vier Künstler das größte Interesse entgegenbringen wird. * Einführung von Rechnenmaschinen bei der Post. Die Versuche mit Rechnenmaschinen im Postanweisungsbetriebe, die von der Postverwaltung seit dem Frühjahr gemacht er erregt.„Seine Hände sind noch mit Blut bedeckt, und ich bin bereit zu schwören, daß ich ihn kaum hundert Schritte von der Stelle, wo der Baron von Holldack überfallen wurde, festnahm, und daß er auf mich feuerte, um mir entrinnen zu können.“ „Aber Stadtrat Nulte brachte Sie nicht zu solchem Zwecke hierher," sagte der Bürgermeister bestürzt. „Das thut nichts zur Sache, mein Herr. haben unseren Amtseid geleistet und müssen immer und überall unsere Pflicht thun. Sie machen nur sich selbst strafbar, wenn Sie einem der beiden Verhafteten die Freiheit wiedergeben.“ „Herr Menzel hat recht," warf Walter dazwischen,„aber er überschreitet seine Befugnis, wenn er versucht, meine oder Ihre Zunge zu fesseln. Es ist von höchster Wichtigkeit, daß die wirklichen Mörder gefunden werden, und wenn man sie ohne Zögern verfolgt, werden sie bald gefangen sein. Einer von ihnen ist, wie ich zuversichtlich glaube, von einem meiner Schüsse schwer verwundet. Das ist meine bestimmte Aussage und wenn die Herren Kriminalbeamten sich weigern, ihre Maßregeln danach einzurichten, wird die Schuld an dem Entrinnen der Verbrecher ihnen zur Last gelegt werden.“ Walter berichtete von seinen Erlebnissen an diesem Abende und erklärte zum Schlusse:„Ichwill gern hier bleiben, aber schicken Sie so viele Leute, als verfügbar sind, nach dem alten Schloß, das umzingelt werden muß, und aus dem außer Widan niemand hinausgelassen werden darf.“ „Er schlug mich,“ sagte Adolf von Garsen mit einer grimmigen Verwünschung,„und hinfort ist die Erde nicht groß genug, uns beide zu tragen.“ Adolf befand sich in Raspus' Zimmer. Die Lampe brannte auf dem Tische, vor welchem der Alte mit seinen Papieren saß. „Du hättest nicht zurückkommen sollen,“ schalt Raspus,„ich habe nicht nach Dir verlangt.“ 52,16 wurden, haben Einführung die fange angeordn es dem bediener anweisungen in Anstrengung in vor Allem die T trüglicher Sich mit der Hand das Resultat wältigung von lich beinahe 5 * Landwi falen. Am 2. Ausschußsitzung zial=Verein für 3 der Tageso Landwirthschaft falen. Referen Korreferent: H mann. Auf Direktors Frh der Vorsitzende Schlesien, Sto Zedlitz=Trützsch nehmen, um Entwicklung di östlichen Provit nach scheint mi Landwirthschaf falen in den wirthschaftliche wollen. * Lippise stand des lip durch, um u den Kriegerver vorstand die leihung der innerungs=Me leitet sind un nächst die nöt Die Verleihu Vereinsvorstät bracht sein, keinem Vereir Aufnahme in * Perso zum Bundesr Lippe Se. E, von Wischkau * Regen wir 19 Gewi Im Sommer 80 trockene 2 gegen 93 tro □ Hank der hiesige H Monatsversa# Der 2. 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Die Lampe em der Alte mit sollen,“ schalt verlangt.“ 52,16 wurden, haben derart befriedigt, daß bereits die Einführung dieser Maschinen in größerem Umfange angeordnet ist. Die Maschine ermöglicht es dem bedienenden Beamten, etwa 1000 Postanweisungen in einer Stunde ohne besondere Anstrengung in die Verzeichnisse einzutragen und vor Allem die Beträge der Anweisungen mit untrüglicher Sicherheit aufzurechnen. Vergleiche mit der Handarbeit geschulter Beamten haben das Resultat geliefert, daß Letztere zur Bewältigung von tausend Anweisungen durchschnittlich beinahe 5 Stunden brauchen. * Landwirthschaftskammer für Westfalen. Am 22. Oktober findet in Münster eine Ausschußsitzung des Landwirthschaftlichen Provinzial=Verein für Westfalen und Lippe statt. Punkt 3 der Tagesordnung lautet: Errichtung einer Landwirthschaftskammer in der Provinz Westfalen. Referent: Herr Landrath Dr. v. Borries, Korreferent: Herr Landes=Oekonomierath Winkelmann. Auf Einladung des Herrn VereinsDirektors Frhrn. v. Landsberg=Steinfurt wird der Vorsitzende der Landwirthschaftskammer von Schlesien, Staatsminister a. D. Exzellenz Graf Zedlitz=Trützschler an der Versammlung theilnehmen, um über die bisherige Thätigkeit und Entwicklung der Landwirthschaftskammern in den östlichen Provinzen Mittheilung zu machen. Darnach scheint man ernstlich mit der Errichtung einer Landwirthschaftskammer in der Provinz Westfalen in den maßgebenden Kreisen des Landwirthschaftlichen Provinzialvereins rechnen zu wollen. * Lippischer Kriegerbund. Der Vorstand des lippischen Kriegerbundes läßt hierdurch, um unnöthigen Anfragen vorzubeugen, den Kriegervereinen mittheilen, daß vom Bundesvorstand die nothwendigen Schritte für Verleihung der Allerhöchsten Orts gestifteten Erinnerungs=Medaille für Kriegs=Veteranen eingeleitet sind und daß den Vereinsvorständen demnächst die nöthigen Anweisungen zugehen werden. Die Verleihung wird durch Vermittlung der Vereinsvorstände erfolgen; es wird daher angebracht sein, daß Kriegs=Veteranen, die noch keinem Vereine des Bundes angehören, sich zur Aufnahme in einen Verein baldigst anmelden. * Personalien. Zum Bevollmächtigten zum Bundesrath wurde für das Fürstenthum Lippe Se. Exc. Staatsminister Dr. Miesitscheck von Wischkau ernannt. * Regenstatistik. Im Jahre 1896 hatten wir 19 Gewitter, dagegen 1897 deren 24.— Im Sommer 1896, von Mai bis Oktober, 80 trockene Tage und 73 Regentage, 1897 dagegen 93 trockene und 60 Regentage. □ Handwerker=Verein. Vorgestern hielt der hiesige Handwerker=Verein seine gewöhnliche Monatsversammlung im„Teutoburger Hof“ ab. Der 2. Vorsitzende, Herr Kaiser, eröffnete die Versammlung um 9 Uhr. Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung las Herr Kaiser einen vom Reichstagsabgeordneten Jakobskötter verfaßten Artikel, betitelt:„Die Aufgaben der Handwerker,“ welcher eine Uebersicht über die zukünftige Stellung der jetzigen Handwerkervereine als Zwanas= oder freie Innungen gab, vor. In der darauf folgenden Debatte, an welcher sich verschiedene Redner betheiligten, wurde darauf hingewiesen, daß nach dem neuen Gesetze die bis jetzt bestehenden„freien Innungen“, nur dadurch eine Veränderung erfahren, daß sie, bezw. ihre Mitglieder berechtigt sind zur Wahl der gesetzlichen Vertretung der Handwerkskammern und daß ihnen von dieser die Ermächtigung zur Abnahme von Lehrlingsprüfungen 2c. ertheilt werden kann und daß ior Gutachten und ihre Meinung über die Dauer der Lehrzeit 2c. eine rechtliche Gültigkeit erhalten wird. Es kann deshalb allen Handwerkern, welche reine Fachinnungen nicht bilden können und deshalb auch keine Aussicht haben jemals zur Zwangsinnung zu gelangen, nur empfohlen werden, ihre bisherigen gemischten Innungen beizubehalten, event. in Innungen verwandter Gewerbe umzuwandeln, jedenfalls aber ihre Statuten dem neuen Gesetz entsprechend zu ändern. Um alle Mitglieder, besonders die jenigen, welche bisher in dieser wichtigen Angelegenheit wenig Interesse gezeigt haben, mit dem neuen Gesetze bekannt zu machen, wurde der Antrag Ehlebracht, jedem Mitgliede auf Kosten der Vereinskasse 1 Exemplar desselben frei in's Haus zu schicken, angenommen; außerdem soll jedem Exemplar ein Begleitschreiben, welches die Bitte enthält, das Gesetz auch lesen zu wollen, beigefügt werden.(Ob das was hilft?) dann wurden die Herren Reineking, Köller, Sölter, Ehlebracht und Grote zur Verstärkung in die Berathungskommission gewählt, da dieselbe bis jetzt nur aus dem Bundes= und Vereinsvorstande bestand. Auf Vorschlag des 2. Vorsitzenden, Herrn Kaiser, wurde beschlossen, einen Schrank zur Aufbewahrung der Vereinsschriftstücke anzuschaffen und die Bestellung desselben dem Antragsteller zu überlassen. Unter„Verschiedenes" theilte der 2. Vorsitzende mit, daß ihm aus sicherer Quelle mitgetheilt wurde, daß der Bau der Fortbildungsschule von hoher Regierung nicht bewilligt worden sei. Diese Mittheilung machte hauptsächlich auf die anwesenden Bauhandwerker begreiflicherweise einen schlechten Eindruck, da gerade in dieser Zeit das Bauhandwerk darniederliegt und eine solche Bestimmung von Seiten der Regierung in die Gewerke einen tiefen Schnitt machen würde. Von Seiten des Herrn Grote wurde der Vorschlag gemacht, die Bestätigung dieser unwahrscheinlichen Nachricht abzuwarten und dann mit einem Gesuche an den wohllöblichen Magistrat resp. an hohe Regierung zu gehen und um Rücknahme dieses Beschlusses zu bitten. Unter dem Eindrucke der vorhergegangenen niederdrückenden Mittheilung wurde dem vorstehenden Vorschlage wenig Beachtung gegeben und deshalb schloß der 2. Vorsitzende die Sitzung um 12 Uhr. * Strafkammer.(Sitzung vom 7. Okt.) 1. Der Bahnarbeiter Ernst S. aus Lemgo war durch Urtheil des Schöffengerichts daselbst vom 12. Aug. 1897 wegen Diebstahls zu einer Gefängnißstrafe von einem Tage verurtheilt, weil er am Abend der Centenarfeier in Belle=Alliance bei Lemgo dem Malermeister Steinmeier aus Brake ein Lampion in rechtswidriger Zueignungsabsicht weggenommen haben sollte. Der Angeklagte hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt und begründete diese damit, daß er in Trunkenheit gehandelt habe, die Wegnahme des Lampions daher lediglich als ein toller Streich anzusehen sei, nicht aber als Diebstahl, da eine diebische Absicht nicht vorgelegen habe. Die Strafkammer verwarf indeß die Berufung. 2. Die Ziegler August K. und Gustav B. aus Blomberg hatten am 9. Februar 1897 an dem Kommunalwege nach Istrup in Gemeinschaft mit dem Ziegler Hermann B. aus Blomberg Steine zerkleinert und forderten Letzteren Abends auf, mit ihnen im Dorfe Istrup Stroh zu betteln, was Hermann B. ablehnte. Als er sich später auch weigerte, das von K. und B. erbettelte Stroh mit ihnen zu ziehen, fielen Letztere über ihn her und traktirten ihn gemeinschaftlich mit Schlägen, K. mittelst eines Gehstockes. Beide Thäter waren dieserhalb vom Schöffengerichte in Blomberg am 6. Juli 1897 zu einer Geldstrafe von je 60 Mk. eventuell 3 Wochen Gesängniß verurtheilt. Gegen dieses Urtheil hatte B. Berufung eingelegt, die ohne Erfolg blieb. 3. Die Dienstmagd Friederike S. aus Hase beck, jetzt in Vogelhorst, hatte sich wegen Urkundenfälschung und Diebstahls zu verantworten Sie war geständig, am 2. Juni 1897 dem Kauf mann Siekmann am Osterthore in Lemgo einen von ihr fälschlich angefertigten, mit„Wwe. Meierjohann in Vogelhorst“ unterzeichneten Brief, vorgezeigt zu haben, um sich auf Grund dieses Briefes 40 M. zu erschwindeln. Siekmann hat ihr jedoch, weil er Verdacht schöpfte, das Geld nicht gegeben. Außerdem hatte die Angeklagte, wie sie ebenfalls einräumte, im Mai 1897 dem bei dem Bäcker Fricke in Lemgo im Dienste stehenden Bäckerlehrling August Klasmeier aus einem unverschlossenen Koffer ein Zweimarkstück entwandt. Die Angeklagte wurde unter Annahme mildernder Umstände in eine Gesammtstrafe von 6 Wochen und 3 Tagen Gefängniß verurtheilt. 4. Der verwittwete Maurer August H. aus Barkhausen trug sich seit längerer Zeit mit der Absicht, sich wieder zu verheirathen, und wandte sich dieserhalb an den Knecht Heinrich G. in Jerxerheide mit der Bitte, ihm zur Wiederverheirathung behülflich zu sein. G. machte ihn auf ein beim Landwirth Lütkehölter in Jerxen bedienstetes Mädchen aufmerksam und sagte später auch dem Mädchen, daß er nächstens mit einem Bräutigam kommen werde. Das Mädchen schenkte ihm aber wenig Gehör. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1897 begaben sich nun und G. zu dem Lütkehölterschen Kolonate, stiegen duach ein offenstehendes Fenster in das Haus und drangen sodann in die Kammer des Mädchens ein. Als Letzteres aus dem Schlafe erwachte und zu schreien begann, verließen die Eindringlinge wieder das Haus. Der Hausherr brachte die Sache zur Anzeige. Nachdem G. dies erfahren hatte, erschien er am 19. Juli 1897 beim Gendarm Möller III und suchte ihn zu bewegen, von der Anzeige Abstand zu nehmen, wobei er ihm als Vergütung ein 10 Markstück unter das Koppelschloß seines Leibriemens steckte. H. und G. hatten sich heute daher wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und G. außerdem wegen Bestechung zu verantworten. H. wurde zu einer Gefängnißstrafe von 2 Wochen, welche durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurde, G. zu einer Gesammtstrafe von zwei Monaten und 2 Wochen Gefängniß verurtheilt. 5. Zum Schluß erschienen auf der Anklagebank die Gebrüder Otto und Albert R. aus Fuchsberg, welche wegen gemeinschaftlichen unbefugten Jagens und Diebstahls angeklagt waren. Die Angeklagten waren geständig, im Herbst 1896 dem Mühlenpächter Becker in Farmbeck ein Vogelbauer mit 2 Tauben gestohlen und im Winter 1896/97 mehrere Male im Fuchsberge und Huppigsberge gewildert zu haben. Sie haben nach ihrem Geständnis sechs Mal in der Nähe ihrer väterlichen Wohnung im Fuchsberge (ihr Vater ist dort Förster) eine größere Schlagfalle, einen sogenannten Schwanenhals, aufge stellt und laußerdem zweimal mit einer Flinte das Revier durchstreift. An Wild haben sie 3 Marder, 1 Ricke, 2 Rehböcke und 1 Schmalthier erlegt.— Die Angeklagten wurden jeder zu einer Gesammtstrafe von 9 Monaten und 1 Woche Gefängniß verurtheilt. 6. Der Ziegeler H. S. aus Horn, welcher wegen Betruges im Rückfalle angeklagt war, hatte sich trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht eingefunden. Es wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. Nachmittags.— Gestern Abend fiel das Pferd des Schuhmachers W., wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalles, kurz vor dem Stalle zur Erde nieder, wo es nach ganz kurzer Zeit verendete. Das Pferd kostete über 100 Thaler. (B. A.) Salzuflen, 7. Okt. Am Sonntag, den 10. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, findet das 3. Jahresfest des Jugendbundes für E.=C. hierselbst statt. * Barntrup, 7. Okt. Am Sonntag, den 10. Oktober, Vormittags 10 soll hier ein Missionsfest gefeiert werden. Festprediger: Pastor Müller=Lage. Zur Theilnahme wird freundlichst eingeladen. * Leopoldshöhe, 7. Otl. um Sonntag, den 10. Oktober, wird hier das diesjährige Missionsfest gefeiert. Anfang Nachmittags 3 Uhr. Festprediger sind die Herren Pastor Corvey=Talle und Pastor Doht=Lage. * Blomberg, 7. Oktober. Am kommenden Sonntag findet auf Grabenmeiers Hofe in Hiddensen ein Erntedankfest statt. Anfang 3 Uhr Schaumburg=Lippe. Bückeburg, 7. Okt. Unsere Durchlauchtigsten Fürstlichen Herrschaften werden, wie verlautet, am 12. Oktober wieder nach hier zurückkehren. Am Geburtstage Sr. Hochs. Durchl. des Fürsten(10. Oktober) werden die Höchsten Herrschaften nicht in Bückeburg anwesend sein. Westfalen. * Herford, 7. Okt. Für das neue Kreishaus waren, wie schon mitgetheilt, 42 Entwürfe eingegangen. Die Preisrichter erkannten gestern den ersten Preis dem Architekten Beck in Darmstadt zu, zweite Preise erhielten die Architekten Brandzky in Köln und Mössinger in Frankfurt a. M.(H. Kr.) * Bielefeld, 8. Oktober. Der verstorbene Buchhändler Klasing hat den evangelischen Gemeinden unserer Stadt 80000 Mark für Errichtung einer freien weiblichen Diakonie, insonderheit für Ausbildung gebildeter Jungfrauen und Frauen für die Krankenpflege vermacht. * Minden, 7. Okt. Das hiesige Inf.=Reg. hat diesmal am(1. d. Mts.) nur 14 EinjährigFreiwillige eingestellt; 30 hatten sich gemeldet. * Bochum, 7. Oktober. Das Schwurgericht beschäftigte sich heute mit dem Wiederaufnahme=Verfahren gegen den Landwirth Heinrich Vieting aus Baukau, der vom Schwurgerichte im Februar 1895 wegen Sittlichkeitsverbrechens zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist. Die Strafe hat V. bis auf sechs Monate verbüßt. Die heutige Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, endete mit der Freisprechung des Angeklagten. Vieting hat also 2½ Jahre unschuldig im Zuchthause gesessen. Telegraphische Korrespondenzender „Lipp. Tages=Zeitung.“ London, 7. Oktober. Nach New=Yorker Drahtmeldungen sind in Ohio und anderen westlichen Städten der Union verheerende Wald= und Prairiebrände ausgebrochen. Chicago und Cleveland sind schwer bedroht. Große Viehheerden sind umgekommen. Zwischen Montreal und Ottawa wurden vier Ortschaften eingeäschert. In dem Dorfe Kasselman ist der Verlust von Menschenleben zu beklagen. 1500 Personen sind obdachlos geworden. Ein Bahnzug fuhr in Ottawa durch die Flammen. Die Reisenden schwebten in großer Gefahr. Athen, 7. Oktober. Der Fürst Maurokordato telegraphirte aus Konstantinopel, daß die Friedensverhandlungen in vollem Gange sind und die türkische Regierung sich äußerst entgegenkommend zeigt. Die griechische Regierung beschloß deshalb die Entlassung der Reserven bis auf 2 Klassen, welche zur Wiederbesetzung Thessaliens nothwendig sind. Wegen des Vorfalles auf dem Lloyddampfer„Maria Theresia“ wurde der Hafenkommandant des Piräus und der dortige Polizeichef zur Disposition gestellt. Confection und Lager von Herren- und Knaben-Garde robe. Schlafröcke. Wasserdichte Regenröcke Mäntel und Joppen etc. Tuch- und Buxkin-Lager Herren- u. Knaben-Hüte. Wäsche, Unterzeuge, Regenschirme. Gamaschen, Shlipse u. Cravatten etc. 2321 Arbeiter-Garderobe in grosser Auswahl. Prämürt: Stassfurt 1896. Gelsenkirchen 1897. Lager in Dortmund, Osnabrück, Hannover, Minden, Bremen u. s. w., u. s. w. 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Mts., Vormittags von 9—12 Uhr auf dem hiesigen Rathhause im Magistratsbüreau zu erfolgen. Wegen Nichtbesuch der Schule oder wegen nicht genügend entschuldigter Versäumniß werden die Schüler, bezw. die Eltern, Vormünder, Arbeitgeber oder Lehrherren mit Geldstrafe bis zu 15 Mk. oder mit verhältnißmäßiger Haft bestraft. 3393 Horn, 7. Oktober 1897. Der Magistrat. Speige. Bekanntmachung. Hierdurch empfehle ich sämmtliche Neuheiten der Herbst= und Wintersaison, Garuirte Hüte in größter Auswahl von den einfachsten bis zu den elegantesten. 3392 Modellhüte stehen zur gefälligen Ansicht. Henny Grüttemeier, Krummestraße 12 und Lemgoerstraße 10. 7 lunge u. als Kräuter-Thee. Russ. Knöterich(Polygonumavic.)ist ein vorzüglichesHausmittel bei allen Erkrankungen der Luftwege. Dieses durch seine wirksamen Eigenschaften bekannte Kraut gedeiht in einzeinen Districten Russlands, wo es eine Höhe bis zu1 Reter erreicht, nicht zu verwechsein mit dem in Deutschland wachsenden Knöterich. 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Durch Allerhöchsten Erlaß ist die Erinnerungsmedaille allen Kriegsveteranen ohne Rücksicht auf ihr Kombattanten oder Nichtkombattanten=Verhältniß verliehen. Das Bezirks=Kommando ersucht die betreffenden Offiziere, Sanitäts-Offiziere, oberen und mittleren Militärbeamten, umgehend die Medaille hier schriftlich zu beantragen. Dem Antrage ist, soweit die Genannten dem BezirksKommando nicht persönlich bekannt sind, das Besitzzeugniß einer der Feldzugs=Medaillen der Jahre 1864, 66 oder 70/71 beizufügen.„ Reg. Im Interesse sämmtlicher in Frage kommenden Offiziere pp. liegt es, den Antrag zu stellen, denn Personalpapiere u. s. w. sind nicht von allen Offizieren pp. vorhanden. Detmold, den 4. Oktober 1897. Königliches Bezirks=Kommando. von Papen Oberstlieutenant z. D. und Kommandeur. Leinen= und Baumwollwaaren. Wischtücher per Stück 7, 12, 25, 35, 40 Pfg. Handtücher in verschiedenen Größen von 35 Pfg. an. Handtuchdrell, Tischtücher, Servietten und Leinen in allen Breiten und Preislagen. 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ABEr" 2* Nur da, wo man für verhältnißmäßig wenig Geld, wirklich solide Waare erhält, kauft man am besten und billigsten und ist selten ein Geschäft in der Lage, seinen Kunden in dieser Hinsicht die Vortheile zu bieten, wie es die Schuhwaaren=Fabrik Carl Steinrück Bielefeld im Stande ist * * * * 2 # Grnhithen it. Gyvchare.. Ss Mein Lager in 3365 Regulir=Cirkulir=Füllösen, Regulir=Cirkulir= Kochöfen, Dauerbrandöfen, amerikanischen und irischen Systems, Kochmaschinen, Sparherden in Guß, Schmiedeeisen und Emaille, Kesselrümpfen, roh und emaillirt, mit und ohne Kocheinrichtung, Eisenkurzwaaren, sämmtlichen und Küchengeräthen, Porzellan, habe ich bedeutend vergrößert und biete darin eine Auswahl, welche sicher den Beifall eines Jeden finden dürfte. Preise billigst. Alles bei mir Gekaufte liefere ich frei ins Haus. H. A. Müls. Die Schuhwaaren=Fabrik von Carl Steinrück zeichnet sich nicht nur durch besondere Billigkeit ihrer Waare aus, sondern dieselbe unterhält auch die größte Auswahl Schuhwaaren aller Art. in 31 Langestraße 31. Allein=Verkauf für Lemgo bei Herrn Fr. Mengedoht, Mittelstr. 18. Elegante Aufertigung nach Maaß. Reparaturen sofort und billig. oulante Bedienung.— Umtausch gestattet. Die Hundesteuer für das Winterhalbjahr 1897/98 ist bie zum 15. d. M. zu zahlen, widrigenfalls dieselbe auf Kosten der Säumigen eingezogen wird. Detmold, 5. October 1897. Der Magistrat. Huebner. Straßensperre Die Elisabethstraße wird wegen Kanalbaues von heute bis auf Weiteres für den durchgehenden Wagenverkehr gänzlich gesperrt. Selbstredend ist ein übriger Wagenverkehr auf der Arbeitsstrecke auch ausgeschlossen. Detmold, 6. October 1897. Der Magistrat. Huebner. Verdingung. Es soll die Anlieferung von 2000 Stück vierjährigen Weißdorn=Pflänzlingen u. 1250 Stck. dazu passenden Liguster=Pslänz= lingen zu einer Hecke um die Fischteiche beim Schlachthause verdungen werden. Hierzu ist Termin auf Montag, den 18. Oktober d. J., Mittags 12 Uhr, im Büreau des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 18 des Rathhauses, angesetzt. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden auf genannter Geschäftsstelle zur Einsicht aus. Angebote sind schriftlich einzureichen und mit er Aufschrift Heckenpflänzlinge" zu versehen Detmold, den 7. Oktober 1897. Der Stadtbaumeister. Nülle. Bekanntmachung. Am Mittwoch, den 20. Okt. cr., Abends 5½ Uhr, Antreten der städtischen Feuerwehr beim Spritzenhause zum Appell. Die Abzeichen pp. sind mitzubringen. Vlotho, den 4. Oktbr. 1897. Der Amtmann. Brüggenschmidt. Gottesdienste in Detmold. Sonntag, 10. Oktober 1897: Reformirte Kirche. Frühkirche 7¾ Uhr: Past. Werdelmann. Vormittags 10 Uhr: Hülfsprediger Theopold. Abends 6 Uhr: Hilfsprediger Tölle aus Heiden. Lutherische Kirche: Vormittags 10 Uhr: Hilfspred Vorberg aus Lemgo. Am Sonntag, den 17. Okt. wird in der reformirten Kirche das Heil. Abendmahl gefeiert. Katholische Kirche. Vormittags 7½ und 10¼ Uhr, Nachm. 9 Uhr: Pfarrer Honcamp. K pro 2 Gratil Agentur Nr. 237 we für das vier briefträgern nur 1 Me 1,50 M.) er Abonnen gegen: In Detr hofstraße un Lemge Lage: Horn: Blom Barnt Sal. Brake Schött Oerlit Nieuh Berlei Leopo Schla Mein eide Heili Bösin Vloth Proben Eagsa Ein gr Telegraph," neuen deut benutzt, um Stapel zu nicht Spur z. B. gesa Deutschlank schaft der Abe wegen.“ „Bol daß ich sehr ärge suchen, d nis gebe „Ja, schrie d gend.„T rade in meiner heimnis fernern „Wen weisung am Ziel mals ge es offen schen D Du es den ich nicht, welche Vermö ihre wird d ihr wi 2 *# * G4 S. 2 8 5 F G 8— * 2 0 2 8— ** * 10 F 80 % K. steuer für das 1897/98 ist bie zahlen, widrigenauf Kosten der zogen wird. October 1897. tagistrat. bniet. nsperre traße wird wegen n heute bis auf sen durchgehenden änzlich gesperrt. ist ein übriger uuf der Arbeite zeschlossen. October 1897. lagistrat. bner. ngung. Inlieferung von erjährigen Weißen u. 1250 Stck. Liguster=Pflänz= igen im die Fischteiche sause verdungen rmin auf 8. Oktober d. J., 12 Uhr, Unterzeichneten, des Rathhauses, ngungsunterlagen der Dienststunden Geschäftsstelle zur schriftlich einzuit der Aufschrift ge“ zu versehen 7. Oktober 1897. tbaumeister. källe. machung. h, den 20. Okt. 2 Uhr, Antreten Feuerwehr beim zum Appell. Die nd mitzubringen. 4. Oktbr. 1897. Amtmann. üggenschmidt. sdienste etmeld. Oktober 1897: rte Kirche. : Past. Werdelmann fr: Hülfsprediger ilfsprediger Tölle aus che Kirche: r: Hilfspred Vorberg en 17. Okt. wird in rche das Heil. Abendsche Kirche. ld 10¼ Uhr, Nachm. Honcamp. Absunement: 9 Nonat 40 Big. frei ins Haus, durch die Bot pro Vierteljahr 1,10 Mrk. mit Bestellgeld 1.50 Mrk. Annoncen: Gratisbeilagen: Tempiste—.—u..—— o. Lippische Berantworkticher„Redafteur: Wills Druder Drucksund Verlog: Fr. Preus, Buchdruckerei, Bebertier und Comptotr: Hornschestraße 15. Die„Lipptsche Tages=Zettung" erscheint jeden Telephon Nr. 54 Postzettungs=Liste Nr. General-Anzeiger für die lippischen Fürstenthümer. W. sstu Lengo: Carl Krabe, Bage: Ang, Wendt, Laungesr. 90 2p ,hig. b. t., el. g8 4. 9 gtagt. Laopolide 555:: B. Orom. Schlaugop, E. Hanses. einberg: Pr.. Helden: J. Schle Nr. 237. II. Jahrgang Erstes Blatt. Noch fortwährend werden Bestellungen auf die Tages-Zeitung“ für das vierte Vierteljahr 1897 von allen Landbriefträgern und Postanstalten zum Preise von nur 1 Mark 10 Pfennig(mit Bestellgeld 1,50 M.) entgegengenommen. Abonnements nehmen außerdem noch entgegen: In Detmold: die Expedition in der Bahnhofstraße und in der Hornschenstr. 17. Lemgo: Carl Knabe. Lage: Aug. Wendt, Langestraße. Horn: Aug. Koch. Blomberg: Aug. Niedermeier. Barntrup: Hermann Werpup. Salzuslen: A. Schröder. Brakelsiek: Heinr. Redeker. Schötmar: Gustav Leuschner. Oerlinghausen: S. Möller. Nienhagen: Wilhelm Beckmann. Berlebeck: H. Strate. Leopoldshöhe: W. Grote. Schlangen: C. Hanselle. Meinberg: Carl Heine. Heiden: H. Schäfer. eidenoldendorf: Wilh. Budde. Heiligenkirchen: H. Brinkmann. Bösingfeld: H. Hennemann. Blotho: Fr. Dreischmeier, Probenummern werden gern abgegeben. England und die kontinentalen Bündnisse. Ein großes englisches Blatt, der„Daily Telegraph,“ hatte die Gelegenheit der Taufe des neuen deutschen Panzerkreuzers„Fürst Bismarck“ benutzt, um einen deutschfreundlichen Artikel vom Stapel zu lassen. Zwar fehlten auch darin nicht Spuren der alten Ueberhebung, so wenn z. B. gesagt war, es könne nur der Fehler Deutschlands sein, wenn die natürliche Freundschaft der stammesverwandten Teutonen und Angelsachsen ins Wanken gerathe. Aber im Ganzen war der Ton doch mehr einschmeichelnd, als man es sonst von drüben zu hören bekommt. Wir haben uns in Deutschland mit Recht nachgerade entwöhnt, auf solche gelegentlichen Gefühlsäußerungen viel zu geben, und wir wissen, daß, wenn uns gut zugeredet wird, unsern politischen Vortheil an der Seite Enalands zu suchen, dabei nicht sowohl die Stammesverwandtschaft, als das englische Interesse in Betracht kommt. Bis wir Thaten sehen, ist auf freundliche Worte nichts zu geben, und wenn die französische Presse aus solchen Artikel folgert, daß sich ein neuer Anschluß Englands an Deutschland und den Dreibund anzubahnen scheine, so handelt es sich dabei nicht um Thatsachen, sondern um französische Winke an die russische Adresse. An sich ist es gewiß nur wünschenswerth, wenn das heitige Zeitungsgepolter gegen Deutschland bei unsern angelsächsischen Vettern nachläßt; aber die französischen Schlußfolgerungen sind darum noch lange nicht gerechtfertigt und nur von dem Wunsche eingegeben, die guten deutsch=russischen Beziehungen zu Kören und vielleicht das Augenmerk von französisch=englischen Verhandlungen zur Schlichtung kolonialer Streitfragen abzulenken. Früher verfingen solche Versuche mehr in der russischen Presse als jetzt. Diese verfolgt mindestens so aufmerksam die französischen Bestrebungen, mit England auf guten Fuß zu kommen oder zu bleiben, wie das Nachlassen der heftigen deutsch=englischen Zeitungsfehden. So spricht sich z. B. die sonst sehr französisch gesinnte „Nowoja Wremja“ mit einer gewissen Unbefangenheit über den sog. Annäherungsartikel des„Daily Telegraph“ aus. Da der Zweibund und der Dreibund dem Frieden zu dienen berufen seien, so könnten beide zusammen bei gutem Einvernehmen die Geschicke der zivilisierten Menschheit bestimmen; lasse sich aber der Dreibund in ein engeres Verhältniß mit England ein, so werde die Möglichkeit von Verständigungen zwischen dem Zwei= und dem Dreibund gestört, und England werde dann alles versuchen, um den Dreibund zu einem Werkzeug britischer Politik zu machen. Das russische Blatt hegt eine solche Befürchtung nicht, England mache wohl auch nur deshalb Annäherungsversuche, weil es fürchte, die egyptische Frage auf das Tapet gebracht zu sehen; in der That sei es nicht unwahrscheinlich, daß unter den Kabinetten des Kontinents über die Frage Besprechungen schweben. Daß die letzte Annahme zutreffe, ist zu bezweifeln. Die Nachricht ist von Paris ausgegangen, und könnte man dort auch am ersten über Schritte in der egyptischen Frage unterrichtet sein, da die Franzosen die Nächsten dazu wären, sie aufzuwerfen, so glauben wir doch, daß die Nachricht nur bezweckt, so zu sagen auf den Busch zu klopfen. Die Dreibundstaaten haben bekanntlich kein eigenes Interesse an Aufrollung der egyptischen Frage, auf die die russische Presse immer wieder hindrängt, während in Frankreich der Eifer, die Engländer aus Egypten zu entfernen, eher zu erlahmen scheint. Da wäre es denn ganz nützlich, wenn man Deutschland und seine Verbündeten vorschieben könnte. Das geht natürlich ebenso wenig, wie auf bloße Worte beschränkte englische Annäherungsversuche Erfolg haben und unser gutes Verhältniß zu Rußland trüben sollen. Zur Frauenfrage. In Stuttgart haben die Förderinnen der Frauenbewegung wieder einmal getagt und sich mit vielen, die Stellung der Frau im öffentlichen und Familienleben betreffenden Angelegenheiten beschäftigt. Soweit sie die Erweiterung des selbständigen Wirkungskreises der Frau im Erwerbsleben, sowie die Hebung des Weibes in geistiger und sittlicher Beziehung betrafen, wird man den Verhandlungen ein gewisses Interesse abgewinnen können. Es ist durchaus lobenswerth, daß die Sittlichkeitsfrage von Frau Bieber nicht nur unter ethischen, sondern auch unter ökonomischen, hygienischen und rechtlichen Gesichtspunkten ins Auge gefaßt wurde. Auch die empfohlene Fürsorge für die weiblichen jugendlichen Gefangenen während und nach ihrer Haft entspricht ebenso dem Beruf des Weibes, wie die Pflege der Kranken und das Einstehen gegen die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskräfte in den gewerblichen Betrieben. Abers weniger Billigung wird schon die Stellung des Frauentages zur gymnasialen Bildung der Mädchen finden. Man schilderte eingehend die Entwicklung der deutschen Mädchengymnasien in Berlin, Leipzig, Karlsruhe, und beschloß, ihrer weitern Verbreitung vorzuarbeiten. Die hierfür wirkenden Frauen übersehen, daß sie damit dem weiblichen Geschlecht nur einen zweifelhaften Dienst leisten. Die natürliche Anlage des Weibes bestimmt es nicht zu einem Kampfe mit geistigen Waffen im großen Getriebe der Welt als Rechtsanwalt, Geistlicher und Gelehrter. Und die Grenzen, in denen den Frauen Raum für die Thätigkeit als Arzt gelassen werden kann, sind auch auf anderm Wege, als auf dem der Aneignung einer humanistischen Weltbildung zu erreichen. Auf unmittelbaren Widerspruch müssen die auch auf dem Stuttgarter Frauentage hervorgetretenen Bestrebungen stoßen, der Frau eine„freie Rechtspersönlichkeit" im öffentlichen und Familienleben zu verschaffen. Die Erreichung dieses Ziels ist der Hauptzweck der ganzen Frauenbewegung. Zu diesem Ende haben die Frauen in Dresden einen Rechtsschutzverein gegründet, welcher die Agitation der „Frauenrechtlerinnen“ mit allen Mitteln und Kräften vorarbeiten soll. Zunächst will derselbe Bresche legen in das von dem bürgerlichen Gesetzbuch begründete Familienrecht, damit die Frauen zur Gütertrennung in der Ehe gelangen und überhaupt der Bevormundung des Mannes möglichst entzogen werden. Soweit die Gütertrennung in Frage kommt, haben sich schon im Reichstage mehrere Abgeordnete zu ihrem Fürsprecher gemacht. Aber der Regierungsvertreter, Professor Sohm, wies schlagend nach, daß das bürgerliche Gesetzbuch in dieser Hinsicht den berechtigten Ansprüchen genügt. So erscheint die Agitation für die freie„Rechtspersönlichkeit“, der Frau nicht einwandsfrei, zumal da sie nach berühmten Mustern und bei der seiner Zeit in Berlin hervorgetretenen„Lebhaftigkeit" des Temperaments der mitwirkenden Damen leicht einen aufreizenden Charakter annehmer könnte, und das ist es, was weder den Frauen noch dem Gemeinwohl nützt. Somit schließt das Facit des Stuttgarter Frauentages nur mit geringen praktischen Erfolgen ab, und es ist zu befürchten, daß das Zuviel der Bestrebungen die ganze Bewegung bald versanden lassen wird. Heer und Flotte. * Die Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts für das Jahr 1896 sind folgende: Die Gesammtzahl der in den alphabetischen und Restantenlisten geführten Militärpflichtigen betrug 1575448, darunter 702288 20 jährige, 460301 21 jährige, 330185 22 jährige und 82674 ältere. Von der Gesammtzahl wurden als unermittelt in den Restantenlisten geführt 51.022, ohne Entschuldigung ausgeblieben sind 111727, anderwärts gestellungspflichtig geworden 383287, zurückgestellt 546759, ausgeschlossen 1267, ausgemustert 38191, dem Landsturm überwiesen 104950, der Ersatzreserve überwiesen 82160, der Marine=Ersatzreserve überwiesen 910, ausgehoben 223669, überzählig geblieben 9823, freiwillig eingetreten in das Heer 20507, in die Marine 726. Von der Gesammtzahl der 223609 Ausgehobenen sind ausgehoben für das Heer zum Dienst mit der Waffe 214541, zum Dienst ohne Waffe 4447; für die Marine 4681, und zwar aus der Landbevölkerung 2096 und aus der seemännischen Bevölkerung 2585. Ferner sind' vor Beginn des militärpflichtigen Alters freiwillig eingetreten in das Heer 20808, in die Marine 915. Wegen unerlaubter Auswanderung sind verurtheilt aus der LandIm Hause des Baukiers. Kriminal=Roman von B. Feldern. 38 „Aber die Baronin schrieb mir ihres Sohnes wegen.“ „Was kümmert das mich? Du konntest wissen, daß ich Paul in meiner Obhut hielt.“ Raspus war sehr ärgerlich und fuhr fort, nach Schriftstücken zu suchen, die er verloren zu haben schien. „Möchten Sie, daß ich der Baronin davon Kenntnis gebe?“ fragte Adolf. „Ja,wenn es Dir beliebt. Verdammte Papiere!“ schrie der alte Mann zornig vom Tisch aufspringend.„Warum in aller Welt belästigst Du mich gerade in dieser Stunde? Warum störst Du mich in meiner Arbeit, Junge „Sie arbeiten schon seit Jahren an Ihrem geheimnisvollen Unternehmen und sind dem Ende jetzt ferner wie je.“ „Wenn auch Du Dich angestrengt und meine Anweisungen genau befolgt hättest, wären wir längst am Ziel." „Ich gehorchte Ihnen, wie ich einem andern niemals gehorcht habe.“ „Wie es Deine Pflicht gebeut. Die Zeit ist da, es offen auszusprechen, daß Du, von allen Menschen Du, mir unweigerlich Gehorsam schuldig bist.“ „Ich vermag nicht einzusehen, weshalb?“ „Weil Du blind bist, wie ein Maulwurs. Warst Du es nicht, für den ich alles ins Werk setzte, für den ich mich von früh bis spät mühte? Bist Du es nicht, für den ich ohne Rücksicht auf die Gefahren, welche mir drohten, alles that, um Dir dieses große Vermögen zu sichern?“ „Und dennoch ist es Ihnen nicht gelungen.“ „Sovie! Dir davon bekannt ist.“ „Aber ich weiß, daß Agnes von Holldack mir ihre Hand entschieden verweigern wird.“ „Sie darf nicht. Wenn sie Dich nicht annimmt, wird der Ruin, welcher über ihrem Hause schwebt, ihr wie ein Fluch bis an das Grab folgen. Doch ich kenne die Frauen! Warte.. warte nur, bis Du Herr hier bist.“ „Durch welches Recht?“ „Durch das Recht der Erbfolge, mein Sohn.“ „Welche Erbfolge? Wie kann ich, der niemals seinen Vater wußte, und der ich nur eine sehr unde liche Erinnerung von meiner Mutter habe, obgleich Ihre jetzige Frau diese Rolle seit vielen Jahren mit lobenswerter Güte spielt, etwas erben?“ „Adolf, Adolf, mein Sohn, das große Vermögen, welches Dich reizt, wird Dir durch Deinen Vater zufallen,“ rief der alte Mann, seine Arme erhebend und wieder sinken lassend. „Durch meinen Vater?“ „Ja, Adolf, Du bist der Sohn Eduard Goswitz' und der Erbe aller dieser Besitzungen.“ „Aber wer kann das beweisen?" „Ich.“ „O. dann geben Sie mir noch einen anderen Beweis, als Ihr bloßes Wort,“ bat Adolf. „Warte. Habe Geduld. Die Zeit ist beinahe reif.“ Hastig verließ der Alte das Zimme-, als fürchtete er einer Schwäche nachzugeben, die ihn übermannte. Ueber dem Interesse an den Enthüllungen Raspus' vergaß Adolf die Beschimpfung, die ihm von Walter widerfahren war. Erregt schritt er auf und nieder, bis Irene eintrat und ihn mit lebhafter Zärtlichkeit begrüßte „Wo ist Paul?“ lautete seine erste Frage „Eingesperrt und zwar hier im Hause. Er bekam soviel Wein und Opium, bis er raste wie ein wildes Tier. Diese Nacht wird Raspus ihn herauslassen und ihn in der Nähe seines Vaterhauses absetzen.“ „Und Du?“ „Ich werde ihn suchen und mir bei der Gelegenheit das Vergnügen machen, mich meinen Schwiegereltern vorzustellen,“ antwortete sie mit einer theatralischen Verbeugung und lautem, herzlosen Lachen „Schickte Rasvus nach Dir?“ □ „Ist Dir etwas von Raspus bekannt?“ „Ha, ha, ha! Das ist eine spaßhafte Frage, Adolf. Wer durchschaute jemals seine Pläne? Ich habe es längst aufgegeben, ihm in die Karten zu sehen und bin zu dem Schluß gekommen, daß ich besser ihne, meine eigenen Ideen auszuführen.“ „Deine Ideen, Irene?“ „Horch! Wer schleicht draußen umher?" Irene lief zur Thür und spähte hinaus.„Widan und sein Hund,“ meldete sie schüttelnd. „Es ist etwas neues, daß er jetzt auch schon hier heraufkommt.“ „Er darf seit kurzem überall hin. Horch! Das ist Paul. In drei Stunden wird Raspus ihn aus dem Hause bringen.“ Raspus kehrte wieder in sein Zimmer zurück, um weiter zu arbeiten. „Lösch und seine Geheimpolizisten schleichen ums Schloß herum,“ meldete Fritz nach einer Weile. „Führe den Burschen jetzt hinunter. Das Gefecht ist eröffnet.“ Kaum war Paul frei, so stürzte er wie ein Wahnsinniger davon. Raspus hatte die Fäden seiner Intriguen so geschickt gesponnen und seine Verbündeten arbeiteten ihm so gut in die Hände, daß der Baron in dem Augenblick herausgelockt und überfallen wurde, als Walter Lösch, von dem unzurechnungsfähigen Paul gefolgt, sich dem Hause des Bankiers näherte. Raspus begab sich in ein Giebelzimmer des Schlosses und schaute durch ein Fernglas in die Finsternis hinab, um zu beobachten, wie seine Leute sich ihres Auftrages entledigten. Ein seiner Regen schlug durch das offene Fenster gegen sein Gesicht, und die schwarzen Arme der Bäume fegten nieder, als ob sie ihn erreichen und ihn ergreifen wollten. Plötzlich sah er im Osten einen Blitz aufflammen, dann hörte er einige rasch nach einander abgefeuerte Schüsse. „Verwünscht!“ rief er.„Ich untersagte ihnen zu schießen. Sie werden doch nicht solche Narren sein, sich mutwillig in Gefahr zu stürzen! Ich muß hinunter, sie werden jetzt hierher eilen.“ Die Behendigkeit des Alten war ebenso erstaunlich, wie seine Kaltblütigkeit. Mit der Leichtigkeit und Sicherheit einer Katze stieg er die dunklen knarrenden Treppen hinab. Als er die Küche betrat, wurde ein schnelles nervöses Pochen an der Thür hörbar. „Wer ist draußen?" „Ich, Dominik, öffnet, schnell, schnell!“ Der Riegel flog zurück, Fritz setzte die Lampe unter den Tisch, um das Licht nicht ins Freie dringen zu lassen, wenn die Thür aufging. Dominik, dessen linker Arm regungslos niederhing, schwankte, mit dem rechten die Gestalt des Kutschers stützend, in die Küche und ließ die blutige Last schwer zu Boden fallen.„— „Was ist geschehen?“ fragte Raspus.„Rede, Dominik.“ Dominik taumelte in einen Stuhl.„Dieser ist zerschmettert," ächzte er auf seinen linken Arm deutend,„und Huber sieht aus, als wenn er ganz fertig wäre.“„Wir wurden nämlich bei der That von Lösch überrascht und angegriffen.“ „Tennoch wurde er samt Paul von den Geheimpolizisten festgenommen, wie ich mit eigenen Augen sah.“ „O, das ist herrlich," jubelte Raspus. „Ich bedaure sehr, daß Ihr verwundet seid, Jungens, aber Ihr werdet bald wieder geheilt sein und dann der ausgestandenen Schmerzen lachen.“ „Wasser! Wasser! Um des Himmels willen Wasser!“ stöhnte Huber. Fritz richtete den Kutscher ein wenig in die Höhe und hielt ihm ein Glas Wasser an die Lippen. Gierig trank der schwer röchelnde Mann das eiskalte Getränk. „Wir müssen einen Arzt haben,“ ächzte Dominik,„ich blute mich zu Tode und Huber sieht aus, als wenn sein letztes Stündlein gekommen wäre. „O, ich habe in meiner Jugend Medizin studiert und werde Euch so geschickt verbinden, wie der berühmteste Wundarzt." 52,16 bevölkerung 24497, aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 435; noch in Unteruchung befinden sich aus der Landbevölkerung 14544, aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 240 Personen. Volitische Uebersicht. Deutschland. Berlin, 8. Oktober. — Der Flottenplan. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht gegen die„Tägl. Rundschau“ eine als offiziös gekennzeichnete Auslassung über den „Kampf um die Flotte“ in der es heißt:„Um so bedauerlicher ist der Ausfall gegen die Marineverwaltung wegen jenes bekannten Artikels der„Köln. Zeitung“, in welchem diese einige Zahlen aufstellt, welche den Plänen der Marineverwaltung angeblich entsprechen sollen. Wir sind demgegenüber in der Lage, bestimmt zu erklären, daß jener Artikel der „Kölnischen Zeitung“ von der Marineverwaltung nicht veranlaßt ist". — Zum Vereinsgesetz. Die„Mil.=Pol. Korr.“ will wissen,„daß dem Reichstag aus der Initiative der verbündeten Regierungen heraus ein Vorschlag, der das Verbot des Verkehrs der politischen Vereine unter einander aufheot. sogleich beim Beginn der Tagung unterbreitet wird.“— Sie findet damit aber bei den Blättern keinen Glauben, was allerdings nicht verwunderlich ist. Oesterreich=Ungarn. — Eine Wendung in der Sprachenfrage. Die Polen und die feudalen Großgrundbesitzer Böhmens haben die Vermittelung zwischen der katholischen Volkspartei und der Jungtschechen übemnommen, wie es heißt, auf Veranlassung des Grafen Badeni. Diese Vermittlung soll Erfolg versprechen. Freilich kann davon nicht die Rede sein, daß Dipauli seinen Antrag zurückzieht. In einem Schreiben, das er veröffentlichen läßt, legt er entschieden dagegen Verwahrung ein, daß sein Sprachenantrag taktischen Erwägungen entsprungen sei; es sei ihm sehr ernst damit, auch habe er seinen Antrag nicht nachträglich geändert, sondern in der ursprünglich beschlossenen Form eingebracht. Dagegen erwartet man ein Nachgeben von tschechischer Seite. Es ist den Parteien ein Vermittelungsvorschlag gemacht worden, der dahin geht, es solle die gesammte Rechte mit Einschluß der katholischen Volkspartei einen gemeinsamen Antrag auf Regelung der Sprachenfrage im Wege der Gesetzgebung einbringen, wodurch das selbständige Vorgehen der katholischen Volkspartei in dieser Angelegenheit wettgemacht wäre. Gehen, wie man erwartet, die Tschechen darauf ein, so stände man vor der überraschenden Thatsache, daß plötzlich alle Parteien mit dem Grundsatz der gesetzlichen Regelung der Sprachenfrage einverstanden wären. Aus der Haltung der offiziösen Blätter, die den Antrag Dipauli als ernst und beachtenswerth bezeichnen, schließt man, daß die Regierung mit ihm einverstanden ist. Türkei. — Die Nachricht von der erfolgten Entsendung des Prinzen Maurokordato nach Konstantinopel bestätigt sich nicht. Die Pforte wurde von Athen aus mystifizirt. Der Sultan giebt bei den Empfängen der Diplomaten fortgesetzt seinem starken Mißmuth über die Lage in Kreta Ausdruck. Es werden Aeußerungen des Sultans gegenüber dem französischen Geschäftsträger Bouliniere bekannt, die auf sehr große Schwierigkeiten, die bevorstehen, schließen lassen. Der Sultan äußerte auch, daß seine Wünsche demnächst in einer ausführlichen Note den Mächten unterbreitet werden. Er drückte seinen entschiedenen Unwillen über die Einsetzung des internationalen Gerichts auf Kreta aus, dessen Aufhebung erfolgen müßte, und er warnte vor der Fällung und Ausführung von Todesurtheilen gegen die Muselmanen. Vereinigte Staaten von Nord=Amerika. — Im Arsenal von New=York herrscht eine rege Thätigkeit. Der Marineminister forderte 1½ Millionen Dollar für Ausbesserung der Kriegsfahrzeuge. Mittel=Amerika. — Dem„Reichsanzeiger“ zu Folge ist in Costarica mit Rücksicht auf die bevorstehende Präsidentenwahl für die Dauer von zwei Monaten der Belagerungszustand verhängt worden. — Die wichtigste Inlandsstadt des Freistaates Guatemala, Quezaltenango, ist den Aufständischen in die Hände gefallen. Nachdem die Empörer der Stadt zwei Tage lang scharf zugesetzt hatten, streckte die Besatzung die Waffen und ging zu dem Feinde über. Sozialdemokratischer Parteitag. Hamburg, 8. Oktober. In der heutigen Vormittagssitzung erstattete Abgeordneter Liebknecht das Korreferat zur Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen. Redner erklärt sich als ein entschiedener Gegner der Betheiligung und hält das Zustandekommen einer radikalen Majorität im preußischen Landtage viel gefährlicher für die Sozialdemokratie als das Vorhandensein einer Junkermajorität, welche durch antiliberale Gesetze indirekt für die Sozialdemokratie agitirt. Man könne nicht prinzipiell bei den Landtagswahlen für die Freisinnigen und bei den Reichstagswahlen gegen dieselben auftreten. Eine Betheiligung an den Landtagswahlen würde den Liberalen Gelegenheit zu einem Einbruch in die sozialdemokratische Partei geben. An das Referat schloß sich eine Diskussion, zu welche sich 60 Redner gemeldet haben. Man will versuchen, diese ganze Rednerliste heute noch zu erschöpfen. Es sprachen Vormittags für die Betheiligung Oertel=Nürnberg, Stolle=Crimmitschau, UlrichOffenbach, Frau Zetkin=Stuttgart, Aaroni=Berlin, Quark=Frankfurt a. M., Hoch=Hanau, Peus=Brandenburg und Emmel=Saargemünd. Dagegen sprachen Zubeil=Berlin, Börner=Berlin, Seidel=Berlin und Singer=Berlin. Schmidt=München will es der Entscheidung der Preußen allein überlassen, Meist=Köln den einzelnen Wahlkreisen, ob sie sich an den Landtagswahlen betheiligen wollen oder nicht. In der heutigen Nachmittagssitzung wurde die Debatte über die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen fortgesetzt. Es sprach u. A. auch Abg. Bebel, der die von ihm eingebrachte Resolution zu Gunsten der Betheiligung vertheidigte und begründete. Er wandte sich scharf gegen den Abg. Liebknecht, dessen Stellungnahme er als inkonsequnnt bezeichnete. Er wies darauf hin, daß gerade de Umstand, daß er der Hauptvertheidiger der Kölner Resolution vom Jahre 1893 gewesen sei, ihn veranlaßt habe, als Ausdruck seiner Sinnesänderung die neue Resolution einzubringen. Es sprach dann noch eine lange Reihe von Delegirten, die zum größten Theil für die Betheiligung an den Landtagswahlen eintraten. Als endlich nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen ein Antrag auf Schluß der Diskussion Annahme fand, konnten in später Stunde die Abgeordneten Auer und Liebknecht ihre Schluß: Referate erstatten, in welchen sie auf ihren zu Anfang eingenommenen Standpunkten verharrten. Die mehrfache Abstimmung über die Frage, welche namentlich stattfinden soll, ist auf morgen früh festgesetzt, da heute Abend eine größere Anzahl Delegirte das Versammlungslokal bereits verlassen hatte. Tagesnenigkeiten. Berlin, 8. Okt. Der Kaiser und die Kaiserin wollen am Sonntag in Liebenthal bei Hubertusstock der Einweihung einer neuen Kirche beiwohnen. Nach der Feier will sich der Kaiser zur Jagd nach Liebenberg als Gast des Botschafters Grafen Eulenburg begeben. Berlin, 8. Okt. Der„Nordd. Allg. Ztg.“ zufolge, wird bei dem Reichskanzler morgen Abend eine Tafel stattfinden, zu welcher neben anderen hochgestellten Personen, insbesondere die neu ernannten Staatssekretäre geladen sind. Berlin, 8. Okt. Der„Reichsanz.“ veröffentlicht die Verleihung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1813/14 und dem Rothen Kreuz an die Kronprinzessin von Griechenland. Berlin, 8. Okt. Wie dem„Lokalanz.“ aus Essen telegraphirt wird, hat die Altendorfer Polizei den Kommis Emil Behrendt, den falschen Erzherzog, auf Requisition des Essener Staatsanwalts in der Wohnung seiner Eltern verhaftet. Darauf wurde er dem Amtsgericht zu Essen vorgeführt, wo bereits die erste Vernehmung stattfand. Es soll Anklage wegen Betruges gegen ihn erhoben werden. Berlin, 8. Okt. Ein ehemaliger mohamedanischer Molla(Priester) weilt jetzt als Christ in Berlin und ist Gegenstand mehrfacher Beachtung in wissenschaftlichen Kreisen. Der Zweck seines Hierseins ist die persönliche Leitung des Drucks einer Gesammtausgabe des Neuen Testaments in arabischen Lettern. Der interessante Gast nennt sich nach seiner Bekehrung Johannes Avetaranian, d. h. ein Mann froher Botschaft, von dem armenischen avetaran,„das Evangelium". Sein Hauptwirkungskreis liegt in der großen mohamedanischen Provinz Kaschgar, die sich unmittelbar an das russische, zentralasiatische Turkestan anschließt und seit 1877 wieder zu China gehört. Dort hat Johannes Avetaranian das Neue Testament vollständig in das Kaschgarische übersetzt, und diese Uebersetzung wird jetzt hier unter seiner Leitung zum ersten Mal gedruckt. Allgemein wird die geistige Bedeutung und gelehrte Bildung dieses getauften mohamedanischen Priesters bewundert, der auch äußerlich in seinem blauseidenen Burnus mit dem großen weißen Turbau allgemeines Aufsehen erregt. Hamburg, 8. Okt. Im neuen Rathhaus zu Hamburg ist auch ein Raum errichtet worden zur Vornahme ehelicher Trauungen. Dieser Theil des Rathhauses erregt erklärlicherweise namentlich bei den Damen, verheiratheten sowohl wie unverheiratheten, größtes Interesse, denn der fragliche Raum hat gleich der zu ihm führenden Pforte eine ganz eigenartige, von Künstlerhand geschaffene Ausstattuag erfahren. In den Nischen des Eingangs stehen die Statuen Adams und Evas als Versinnbildlichung des Beginns des Menschengeschlechts, und der Apfel, den das Weib dem Manne reicht, ist das Symbol dafür, daß ewig bleiben wird, was von allem Anfang war: die gewissen Schwächen des Erdenmenschen. Doch sehen wir weiter: Ueber den Säulen, welche den oberen Theil des mit reicher Renaissance=Verzierung geschmückten Portals tragen, erblickt man zu beiden Seiten die steinernen Kopfbilder von König Blaubart und Xantippe, während zwischen ihnen ein Schild sich befindet, das später einem geeigneten Spruch zum Träger dienen dürfte. Etwas höher ist sinnvoll die Gestalt Hymens mit der Liebesfackel angebracht; vom obersten Plätzchen des Portals aber blicken zwei fröhlich schnäbelnde Tauben herab. Was den Raum nun selbst betrifft, zu dem die Pforte führt, so sei hier nur gesagt, daß er u. A. eine prächtige malerische Darstellung aller wichtigen Momente des menschlichen Lebens von der Wiege bis zum Grabe enthält und auch im Uebrigen eine würdigschöne Ausstattung erfahren hat. Hamburg, 8. Okt. Auf Antrag des Danziger Generalkommandos ist seitens der hiesigen Staatsanwaltschaft gegen den Redakteur des „Hamb. Generalanz.“, Dr. Bruno Wagner, eine Untersuchung eingeleitet worden, und zwar wegen des Abdrucks einer Depesche aus Danzig, in der es für sittlich berechtigt erklärt wurde, wenn Militärposten auf Personen, die wegen geringfügiger Vergehen verhaftet worden sind und die Flucht ergreifen, nicht schießen. Die Strafverfolgung geschieht wegen Aufforderung des Militärs zum Ungehorsam gegen militärische Vorschriften. Der dolus eventualis und der ambulante Gerichtsstand der Presse dürften bei dieser Angelegenheit eine große Rolle spielen. Aus dem Harz wird geschrieben: Im Eichholz zu Ilsenburg feuerte ein arbeitsloser Bäckergeselle Namens Müller aus Thale zwei Revolverschüsse auf ein fürstliches Gefährt ab, in welchem die Fürstin=Wittwe zu StolbergWernigerode sowie die Prinzessin Marie sich befanden. Müller, welcher entfloh und später in Wernigerode verhaftet wurde, trug einen sechsläufigen Revolver sowie ein starkes Dolchmesser bei sich. Er will nur„zum Spaß“ geschossen haben. Vom Brocken, 8. Okt. Acht Zentimeter Schneehöhe und 27 Zentimeter lange Eiskrystalle, das ist die Signatur des heutigen Tages. Bereits im Laufe des 1. Oktober traten Anzeichen für den bevorsteheoden Witterungsumschlag ein, und am Sonnabend Vormittag stand das Thermometer 14 Grad niedriger als 24 Stunden zuvor. Der Sonntagmorgen brachte Reif und Eis, und seit Sonntag Morgen fielen fortwährend Schnee, Regen und Graupeln in bunter Abwechselung. Gestern Mittag erhob sich ein schwerer Nordoststurm, der ein äußerst kräftiges Eis=(Graupel=) und Schneetreiben brachte. Bis in die Nacht dauerte das Unwetter, so daß heute bei einer Temperatur von 3 Grad Kälte der Brocken im vollsten Winterschmuck prangt. Die Telegraphenleitung zerriß während des Unwetters. Wien, 8. Okt. Der Selbstmord des Grafen Wurmbrand erfolgte aus Liebeskummer. Der Graf liebte eine englische Gouvernante, die früher im Hause seines Vaters bedienstet war und beharrlich die Werbung des Grafen abwies. Triest, 8. Okt. Bei Castelnuovo wurden zwei Männer und eine Frau erfroren aufgefunden. Auf dem Monte maggiore und in der Umgebung von Goerz herrscht starker Schneesturm. Madrid, 8. Okt. Der Anarchist Rios ist gestern in Valencia verhaftet worden. Der Anarchist Jover aus Toulouse wurde in Bilbao festgenommen. Petersburg, 8. Okt. In Yalta brannte die Gasanstalt nieder. Die Stadt ist daher ohne jede Beleuchtung. Petersburg, 8. Okt. Im hiesigen Kontor des Kredit Lyonnais wurde ein Fehlbetrag von 40000 Rubeln entdeckt. Aus Stadt und Land. Der Nachdruck unserer Original=Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe—„L. Tulism— gestattet. Detmold, 9. Okt. 1897. Die 1. Romanfortsetzung befindet sich auf Seite 1 des 1. Blattes dieser Nummer, die 2. Fortsetzung auf Seite 1 des 2. Blattes. * Wetterbericht. Voraussichtliche Witterung: Kühles, trockenes Wetter. * Personalien. Dr. Neuhaus vom Inf.= Regt. Nr. 55 als Assistenzarzt 2. Kl. zum 24. Feldart.=Regt. versetzt. Der Postassistent Hölter ist von Köln(Rhein) nach Lemgo versetzt. * Postalisches. Die Annahme von Postgehülfen findet bei der Reichspostverwaltung vorerst nicht mehr statt, da der Bedarf für längere Zeit gedeckt ist. * Die Eröffnung der Bahnstrecke Barntrup=Hameln, welche am 14. d. Mts. stattfinden sollte, ist, wie wir hören, bis auf Weiteres verschoben. Die Weserbrücke kann bis zu diesem Tage nicht fertiggestellt werden, doch hofft man, die Strecke am 1. November dem Betrieb übergeben zu können. * Promenaden=Konzert. Bei günstigem Wetter findet morgen, Sonntag Mittag 12 Uhr Promenaden=Konzert auf dem Schloßplatz statt. 1. Ouverture„Si j'étais roi“(Wenn ich König wär") von Adam. 2. Introduktion, Chor und Canzonetta aus der Oper:„Troubadour“ von Verdi(9. Oktober 1814.) 3.„Herbstweisen", Walzer v. Waldteufel. 4.„Transkription über das Kornblumenlied" v. Thiele. 5. Marsch: „Freiherr von Beck“ v. F. Wagner. * Mit der Kartoffelernte ist man im Allgemeinen zufrieden, trotzdem auch faule Knollen vorkommen. Der Preis beträgt je nach der Sorte 1,50—3 Mark. * Einen Ueberschuß von einer halben Million hat die Hauptkasse der Stadt Hagen i. W. in diesem Jahre. Der Hauptantheil dieses Ueberschusses ergiebt sich aus dem Gewinne des dortigen Wasserwerkes. Es ist dies ein weiterer Beweis für die kürzlich von uns hervorgehobene Rentabilität eines Wasserwerkes, aus dem Detmold doppelten Nutzen ziehen könnte. * Der Beitrag zur Schullehrer=Wittwenund Sterbekasse ist für das Jahr 1898 vom Konsistorium auf 3 M. festgesetzt. * Die Subskription auf die 4prozent. steuerfreien Obligationen der Russischen SüdostEisenbahngesellschaft ist gestern gleich nach Eröffnung geschlossen worden, da die Voranmel= dungen eine vielfache Ueberzeichnung des Anleihebetrages ergeben haben. * Ueber die Zahlung der Zivilpensionen und Wartegelder im Wege des PostanweisungsVerkehrs ohne Monatsquittungen wird im„Reichs anzeiger“, eine Bekanntmachung des Finanzministers veröffentlicht, in der solche Zahlungen für die Fälle zugelassen werden, in denen Empfangs= und Bezugsberechtigte identisch sind, also nicht an Stelle des Pensionärs oder Wartegeldempfängers ein Dritter(Vormund, Bevollmächtigter, Pfleger) die monatlichen Bezüge zu erheben hat. s Die Ausstellung des GartenbauVereins für das Fürstenthum Lippe ist gestern im Saale des„Preußischen Hofes“(Schierholz) eröffnet, und verweisen wir auf das heutige Inserat. Nachdem wir gestern Gelegenheit hatten, dieselbe zu besichtigen, können wir Freunden des Gartenbaues den Besuch nur empfehlen. Man wird erfreut durch die herrlichen zur Schau gestellten Erzeugnisse des Gartens, wie Gemüse aller Art und in den verschiedensten Sorten, sowie Salat, Gurken usw., theilweise in großartigen Exemplaren. Nicht weniger interessant ist die in allen möglichen Arten vertretene Obstausstellung, welche trotz der für dieses Jahr nicht reichen Ernte sehr reichhaltig ist und viele ausgezeichnete Arten und Exemplare aufweist. Auch die Kartoffel ist in mindestens hundert Nummern vertreten und bietet Gelegenheit, das, was in den letzten Jahren auf diesem Gebiete verbessert und angebaut ist, kennen zu lernen. Mit der Ausstellung ist eine Prämtierung verbunden; wir theilen diese zur Zeit mit und kommen bei dieser Gelegenheit noch auf die Einzelheiten zurück. Die Ausstellung dauert nur 3 Tage und ist den ganzen Tag bis 9 Uhr Abend geöffnet. * Das bürgerliche Gesetzbuch macht bereits gegenwärtig sein erst im Jahre 1900 erfolgendes Inkrafttreten bemerkbar. Besonders ist dies der Fall beim abschluß von Miethsverträgen, bei denen von beiden Miethsparteien eine längere Miethsdauer, die über das Jahr 1900 hinausgeht, vereinbart wird, wie das beim Miethen von Geschäfts= und Lagerräumen meistens der Fall ist. Beim Abschluß von Miethsverträgen dieser Art, mehr noch aber beim Abschluß von Miethsverträgen über Wohnungen, wenn die Dauer dieser Verträge über Neujahr 1900 hinausgeht, zeigen sich die Vermiether sehr vorsichtig, indem sie die Unterschrift des Kontrakts von allen Geschäftsbetheiligten und, wenn es sich um Wohnungen handelt, die Unterschrift der Frau des Miethers verlangen. Diese Förmlichkeit hat ihren Grund in einer Aenderung unseres bisherigen Miethsrechts, die mit dem Jahre 1900 eintritt. Während nämlich das Allgemeine Landrecht bestimmt, daß die Mobilien der Ehefrau, welche diese in die Miethsräume einbringt, für die vom Ehemann kontrabirte Mietheschuld dem Zurückbehaltungsrecht des Vermiethers mitunterworfen sind, ändert das bürgerliche Gesetzbuch mit seinem Inkrafttreten diesen Rechtszustand; es haftet künftig nur der Miether mit seinem Mobiliar für die Miethsforderung. Um den sich hieraus ergebenden Gefahren des Miethsverlustes zu entgehen, namentlich in den Fällen, wo die sämmtlichen Wirthschaftssachen der Frau gehören, schließen die Vermiether den Vertrag mit den Eheleuten und lassen denselben auch von beiden Ehegatten unterschreiben. Weitere Aenderungen des Inhalts der bisherigen Miethsverträge, namentlich über die Gewährleistung für die Beschaffenheit der Miethsräume, dürften ebenfalls noch vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs, welches die einschlägigen Bestimmungen des bei uns heute geltenden Rechts ändert, vorgenommen werden. Dagegen bleibt dem Miether künftig der Einwand, daß die Wohnräume gesundheitsschädlich seien, gesichert; auf diesen Einwand ist ein kontraktlicher Verzicht unzulässig nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. * Musikverein Der erste Musik Vereinsabend 1897/98 findet Sonnabend, den 30. Oktober, Abends 7½ Uhr statt. Die beabsichtigten musikalischen Vorträge sind bis zum 28. Oktober Mittags beim Vorstande anzumelden. Alle Damen des Musikvereins, die ordentlichen Mitglieder, sowohl als die außerordentlichen, werden ersucht, zwecks Wiederaufnahme der ChorgesangsUebungen sich gefl. Montag, den 11. Oktober, präzise 3½ Uhr im kleinen Saale der Ressource einzufinden. Anmeldungen zur Aufnahme in den Musikverein werden vom Vorstande gern entgegengenommen. * Offeue Stellen für Militäranwärter im Bezirkes 7. Armeekorps. Strafanstalt Münster: Hülfs=Aufseher(vorläufig 92,50 Mark monatlich; bei Anstellung als etatsmäßiger Aufseher 900 Mark Gehalt und 210 Mark Miethsentschädigung; Gehalt steigt bis 1500 Mark). — Kgl. Amtsgericht Münster: Kanzleigehülfe (voraussichtlich 7 Pfennig für die Seite).— Polizei=Verwaltung des Amtes Castrop: AmtsPolizeisergeant(1200 Mark Gehalt).— Amt Hohenlimburg: Polizeidiener(1100 Mark Gehalt). — Amt Riesenbeck: Nachtwächter(150 Mark Entschädigung).— Amtsgericht Essen: Zwei Kanzleigehülfen für dauernd(5 bis 10 Pfennig für die Seite).— Oberbürgermeisteramt Barmen: Stadtbote(800 Mark Gehalt, steigt bis 1200 Mark; freie Wohnung).— Amtsgericht Mülheim a. d. Ruhr: Kanzleigehülfe für dauernd(5 bis 10 Pfennig für die Seite). * U e b e r d i e V e r s c h u l d u n g d e r l ä n d lichen Besitzungen in unserem Lande, und zwar von drei Hektar an, ist im Sommer dieses Jahres seitens der Amtsgerichte eine Uebersicht aufgestellt worden, auf welche wir schon kurz hingewiesen und aus der jetzt die„W. Z.“ folgende Einzelheiten bringt: Vor 3 Jahren umfaßte die Uebersicht 60097 Hektar, welche mit 27303053 Mark 11 Pfg. belastet waren. Das macht pro Hektar 395 Mark 14 Rfa. In den 3 Jahren ist das Grundbuch in den meisten Gemeinden eingeführt worden, sodaß sich die Enquete auf 73418 Hektar bezieht, auf welchen eine Schuldenlast von 32071 113 Mark 49 Pig. ruht. Das macht pro Hektar eine Belastung von 438,19 Mark. In den 3 Jahren also hat die Verschuldung der ländlichen Besitzungen pro Hektar(rund 6 Scheffelsaat) um 43 Mark 05 Pfg. zugenommen. Die Untersuchung erstreckt sich auf Besitzungen von 3—10 Hektar, von 10—20 Hektar, von 20—40 Hektar und von 40 Hektar bis höher. Vergleicht man die Verschulduugen in den beiden Jahren 1894 und 1897 und zwar hinsichtlich der Größe der Kolonate mit einander, so ergiebt sich, daß die Schulden der