89. Jahrgang. Lemgo, Donnerstag, 29. August 1935. Nummer 202. Mussolini erklärt: Italien will seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen England hat von der zukünftigen Politik Italieus nichts zu befürchten. Rom.(Eigene Funkmeldung der L. P.) Der Ministerrat, der Mittwoch in Bozen unter dem Vorsitz Mussolinis abgehalten wurde, nahm zunächst eine ausführliche Darlegung der internationalen Lage durch den Regierungschef entgegen. Mussolini keilte mit, daß Italien an der Völkerbundsratssitzung am 4. September teilnehmen werde. Die Ralienische Regierung werde ihren Standpunkt zur abessinischen Frage darlegen, damit nicht nur der Völkerbundsrat, sondern die ganze Welt ihn gründlich kennen lerne. Sie werde fernerhin eine ausführliche Denkschrift vorlegen, in der die italienisch-abessinischen Beziehungen und die Beziehungen Italiens zu den an Abessinien grenzenden Staaten in den letzten 50 Jahren dargelegt werden. Aus dieser Denkschrift werde hervorgehen, daß seit dem Vertrag von Uccialll Iialien siets ein„koloniales Prioritätsrecht über Abessinien“ zugestanden worden sei. Der Denkschrift werde eine kleine Auswahl der neuesten ausländischen Literatur beigegeben, die die Zivilisation Abessiniens beleuchteten. Italien wolle seine Auffassung und seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen und jedes Völkerbundsmitglied müsse die Verantwortung für die mögliche Entwicklung der nächsten Inkunft übernehmen. Der Regierungschef beionte dabel, daß Großbeikannien von der zukünftigen Politik Raliens in Abessinien nichts zu befürchten habe. Im Hinblick auf„Sanktionen“, die der Völkerbundsrat möglicherweise beschließen könne, sei der italienische Standpunkt der, daß Sanktionen so viel bedeuteten wie eine schiefe Ebene zu betreten, auf der man in die schwierigsten Verwicklungen geraten könne. Die faschistische Regierung glaube, daß sich im Völkerbundsrat verantwortungsbewußte Männer befänden, die jeden gefährlichen Sanktionsvorschlag gegen Italien zurückweisen würden. Die faschistische Regierung erfülle jedoch ihre Pflicht, wenn sie dem italienischen Volk mitteile, daß die Frage der Sanktionen von den höchsten militärischen Stellen unter allen Gesichtspunkten geprüft worden sei. Alle Maßnahmen seien getroffen, um Sanktionen entgegentreten zu können. Die„Times“ über Englands Standpunkt. London.(Eigene Funkmeldung der L. P.). Die amtliche Erklärung der italienischen Regierung über den Ministerrat in Bozen und die Ansprache des Papstes vor katholischen Krankenschwestern werden von der Morgenpresse zusammen mit Meldungen über den französischen Ministerrat als die wichtigsten politischen Kundgebungen des Mittwoch zur brennendsten Frage des Augenblicks, den italienisch=abessinischen Streit an hervorragender Stelle veröffentlicht. Beachtung finden naturgemäß die an die englische Adresse gerichteten beruhigenden Zusicherungen Mussolinis. Da die italienische Verlautbarung spät eintraf, nimmt nur die„Times“ ausführlicher zu ihr Stellung. In ihrem Leitaufsatz sagt die„Times“, die italienische Behauptung, Italien habe jedes mögliche Mittel für eine friedliche Lösung des Streites mit Abessinien versucht, sei erstaunlich. In Wirklichkeit habe Italien vor 2 Wochen die Möglichkeit gehabt, eine friedliche Regelung zu erreichen. Es habe sie aber beinahe geringschätzig abgelehnt. Mussolini habe in den letzten Monaten bewiesen, daß er kriegerische Methoden friedlichen vorzieht. England wolle selbstverständlich den italienisch-abeffinischen Streitfall nach wie vor nach den Regeln des Völkerbundes behandeln. Die letzte Folge davon könnte im Falle eines erwiesenen Angriffes logischerweise die kollektive Anwendung von Sanktionen sein. In Frankreich scheine man tatsächlich erstaant über den beinahe im ganzen britischen Volk herrschenden Wunsch nach Unterstützung der Völkerbundssatzung und des Kollektivsystems zu sein, zumal man dort glaube, daß England bei früheren Gelegenheiten, besonders im Falle der deutschen Aufrüstung, weniger Rücksicht auf die Heiligkeit der Verträge gezeigt habe. Diese Ueberraschung sei begreiflich. Aber man dürfe nicht vergessen, daß Deutschland in der Frage der Aufrüstung sehr geduldig 10 Jahre lang gewartet habe. Das Recht auf Gleichheit sei ihm außerdem bereits vor lauger Zeit grundsätzlich zuerkannt worden. Erst nachdem nach vielen Jahren eine praktische Bewilligung ausgeblieben sei, habe Deutschland die Sache in seine eigenen Hände genommen. England und Frankreich seien bereit gewesen, Abessinien zu den wesentlichsten Zugeständnissen an Italien zu bewegen. So gut wie sicher sei es auch, daß der Völkerbund in seiner Gesamtheit diese Zugeständnisse gut heißen werde. England und Frankreich hätten sich mehr als bereit gezeigt, Mussolini zu einem Arbeitskameraden bei der Kolonisierung Afrikas zu machen, aber er habe die Vorschläge nicht nur verworfen, sondern er habe sich sogar geweigert, sie ernstlich zu erwägen. Offenbar sei er entschlossen, Abessinien seinen Willen mit Gewalt aufzuzwingen, wobei er die ihm unbequemen Verträge beiseite schiebe. Man erwarte, daß Mussolini in Genf Abessinien beschuldigen werde, völlig ungeeignet für Mitgliedschaft im Völkerbund zu sein. Vielleicht werde er sogar Abessiniens Ausstoßung fordern. Dies wäre aber um so sonderbarer, als Italien zusammen mit Frankreich am eifrigsten die Zulassung Abessiniens befürwortet habe. Man müsse sich auf eine lange Liste von Anschuldigungen gefaßt machen. Möglich sei, daß Mussolinis Anklage im Hinblick auf die Rückständigkeit Abessiniens und den die dortige Sklaverei einen gewissen Endruck machen werde. Befriedigend sei immerhin, daß Mussolini seinen Standpunkt ausführlich dargelegt habe. Seine Erklärungen würden auch sorgfältig erwogen werden. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat, um dem von ihm aufgestellten Grundsatz, Preiserhöhungen für Lebensmittel nicht zuzulassen, auf den einzelnen Gebieten erneut Nachdruck zu verleihen, folgende Anordnungen erlassen bezw. den Reichsnährstand mit dem Erlaß beauftragt. Die Bekanntgabe dieser Anordnungen erfolgte in einer Besprechung mit den Länderregierungen, den Oberpräsidenten und den Vertretern der Preisüberwachungstellen. 1. Fleisch- und Schmalzpreise. Durch eine Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden die Preise für Schweinefleisch, inländisches Schweineschmalz, Rindfleisch und Ring grundsätzlich auf den Stand vom 31. März 1935 zuruckgeführt. Ausgenommen von dieser Regelung sind einige wenige Fleischsorten, die erfahrungsgemäß für den Verbrauch der breiten Schichten des Volkes eine Rolle spielen, z. B. Filet. Für Kalbfleisch sind die obersten Landesbehörden und die Oberpräsidenten ermächtigt worden, im Bedarfsfalle eine entsprechende Regelung zu treffen. T. Karioffelpreise. Durch eine Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft werden ab 1. September 1935 die Kiel.(Eigene Meldung der L. P.) Die großen Tage der Kriegsmarine, die Tage, an denen der Führer an Bord deutscher Kriegsschiffe weille, sind vorüber. In der Nacht zum Donnerstag lief der Aviso„Grille“ mit dem Führer und seinem Stabe sowie den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, kurz darauf auch die übrigen Schiffe der Kriegsmarine, in die Kieler Jährde ein und ging vor Anker. Donnerstag früh stand ganz Kiel, in dem seit 3 Tagen aus Anlaß des Führerbesuches die Flaggen flatterten, im Zeichen der Abfahrt des Führers. Viele Tausend Menschen hatten sich angesammelt. Morgens 7 Uhr trafen auf den Kriegsschiffen die Besatzungen in Paradeaufstellung an. Als dann der Führer die„Grille" verließ, dröhnten 21 Schuß Salut über das Wasser. Unter dem Jubel der begeisterten Volksgenossen fuhr der Führer, ganz besonders herzlich begrüßt von den Arbeitern der Werften, die in stürmische SiegHeil=Rufe ausbrachen, zur Bahnhofsbrücke. Der Führer verließ dort mit seinem Stabe, Obergruppenführer Brückner, Brigadeführer Schaub, Obertruppenführer Dietrich und, in Vertretung des Reichspressechefs, SS.= Im Leitaufsatz der„Morning Post“ heißt es, Mussolinis Erbitterung, daß er weder mittelbar noch unmittelbar Absichten gegen das britische Reich habe, sei im Hinblick auf unvorsichtige Aeußerungen einiger seiner Publizisten begrüßenswert. Andererseits bedeute ein Eroberungskrieg in Abessinien an und für sich schon einen Angriff in britische Rechte und Belange. Großbritannien sei nicht bereit, einer Methode der Einschüchterung nachzugeben. Andererseits sehe man besonders in Großbritannien ein, daß die Friedensregelung in vielerlei Beziehungen nicht endgültig sein könne. Ein starres Festhalten am status quo würde früher oder später zu einer Katastrophe führen. In diesem Zusammenhang schlage man eine Neuverteilung der Völkerbundsmandate vor. Aber man würde den Eindruck vermeiden, daß ein solcher Schritt unter dem Einfluß der Furcht erfolge. Bevor Großbritannien eine solche Initiative ergreife, müsse es nach seiner Wehrmacht schauen. Es müsse aufrüsten, wenn es großmütig sein wolle. Das Arbeiterblatt„Daily Herald“ erklärt, Deutschlando Verstoß gegen die Abrüftungsbestimmungen von Versailles gehöre in eine ganz andere Gruppe als der Einbruch in das Gebiet eines Völkerbundsmitgliedes und die Vernich. tung seiner politischen Unabhängigkeit. Frankreich müsse lernen, diese britische Auffassung zu verstehen. Erzeugerpreise für Speisekartoffeln in der diesjährigen Ernte se nach Sorte und Herkunft bis zu 50 Pfennigen je Zentner niedriger festgesetzt als im Vorjahr. Gleichzeitig hat der Reichsminister die Preisüberwachungsstellen angewiesen, auf Grund dieser Erzeugerpreise Verbraucherhöchstpreise festzusetzen, um zu erreichen, daß die Senkung der Erzeugerpreise den Verbrauchern ungemindert zugute kommt. 3. Speiseölpreise. Um den Preisüberwachungsstellen eine feste Grundlage für die Ueberwachung des Speiseölpreises zu geben, hat der Reichsminister die Reichsstelle für Oele und Fette veranlaßt, ab 1. September 1935 Erzeugerhöchstpreise für Pflanzenöle festzusetzen, bei deren Ueberschreitung das Inverkehrbringen ausgeschlossen ist. Nachdem bereits für Butter und Margarine seit langer Zeit durch entsprechende Anordnungen Preissteigerungen ausgeschlossen sind, sind damit die Preise bei allen wesentlichen Speisefetten stabilisiert. 4. Käsepreise. Durch eine Anordnung des Reichsnährstandes werden mit sofortiger Wirkung Erzeugerhöchstpreise für Emmentaler Käse festgesetzt, wodurch die bisherigen Verbraucherpreise eine Senkung und Festlegung erfahren. Obersturmbannführer Berndt, das Schnellboot. An der Bahnhofsbrücke wurde dem Führer ein jubelnder Empfang zuteil. Die Kriegsmarine hatte eine Ehrenkompagnie gestellt. Als der Führer die Brücke betrat, erklang der Präsentiermarsch. Der Führer schritt nach der Begrüßung der zahlreichen anwesenden Männer der Partei, der Wehrmacht und des Staates die Front der bei präsentiertem Gewehr stehenden Ehrenkompagnie ab. Das Deutschlandlied ertönte. Ein kleines Mädchen überreichte dem Führer mit strahlenden Augen ein schönes Blumengebinde, das der Führer, die Wangen des Kindes streichelnd, lächelnd entgegennahm. In diesem Augenblick durchbrach ein Hitlerjunge und einige begeisterte Mädel des BdM. die Absperrung, um gleichfalls dem Führer Blumengrüße auf den Weg zu geben. Durch ein Spalier von SS. und SA. verließ der Führer in Begleitung von Reichsminister Darre und des Oberpräsidenten Gauleiter Lohse die Stadt Kiel, von nicht endenwollendem Jubel und stürmischen Sieg=Heil=Rufen umbrandet. Das ungünstige Wetter hatte keinen Einfluß auf die Menge, auf deren Antlitz lachende Sonne lag. Keine Preiserhöhung für Lebensmittel Der Führer in Kiel. Laval führt die fra die Danach wurde er die außenpolttist ser Dreierkonferenz faßt über die für die dus Bölkerbundersten. Durpivertester sind Alinistkrprasident er Scch boder Pererager und Abgendacter Daul Bastd. Ueber die Verhaltungsvorschriften, die der Ministerrat Bölkerbunossbordnung ausssarbeitet Soneloslerevvichuug Subpehldenel ung des Friedens abge. Standpunkt, nur durch Achtung aller Verpflichtungen der Völkerbundsen kouns der Krieg vermieden werden. Französischerdenselben Wunsch, die Völkerbunds„, aber man empfinde doch gewisse ### seitdem Mussolini beteuert habe, daß man in Rom Sühnemaßnahmen gegen Italien als eine ##### Auliene hie Salnfich einen Gauflitt undh Ach. seilosenige Hauslung, die foiglich einen Komsit nach sich würde, ansehen müsse. Der Ministerrat in Paris soll vorschriften der französischen Völkerbundsnicht starr festgelegt, sondern Ministerpräsident Betätigungsmöglichkeiten gelassen haben, die sich Um in Geuf bieten könnten. Die Pariser Regierung werde Mallsandund veridumen, um wenn noch möglich, eine und um auf alle Zälle die folges einer solchen Anstreuränken. Die französische Regierung lasse sich weiter von dem Willen leiten, im Interesse des Friedens in gleicher Weise ihre Zusammenarbeit und ihre Freundschaft mit England und mit Italien aufrechtzuerhalten und dabei dem Völkerbund eins schwere Krise zu ersparen, die unfehlbar den aliens aus dem Völkerbund zur Folge E Lm HRfsaan für ei Franzosische Voiterbunose ant beien. Gaglians flache auf dem man zwar Sesondets se Ste Sece! ziehen würde die Verhaltn Austritt Italt haben Gegen Sanktionen und Sühnemaßnahmen. Paris.(Eigene Funkmeldung der L. P.). Im Mittelpunkt der Betrachtungen der Morgenpresse steht der gestrige französische Ministerrat. Verstärkung der englischen Flotte. London.(Eigene Junkmeldung der L. P.) Der Maeinemitarbeiter des„Daily Telegraph“ glaubt zu wissen, es sei beschlossen worden, die Gleitklausel des Londoner Flotbenvertrages in Kraft zu setzen, die eine Verstärkung der beiaischen Flotte über die Vertragsgrenzen hinaus ermögliche. Als Grund werde das schmelle Wachsen der fremnden Ariegsflotten in den lehten 6 Jahren angegeben. Aus der Meldung nuchr hervor, o0 es sich um einen Beschluß der Aomira#t#t#der um die andgültige Entscheldung der Regierung Baldwin verkürzt seine Ferien. London.(Eigene Funkmeldung der L. P.). Ministerpeösident Baldwin wird bereits am 4. September seinen Aufenshalt in Aix=le=Bains beenden. Ursprünglich wollte er bis zum 18. September dort bleiben. Krieg muß verhindert werden Papst Paus XI. huar anläßslich des Empfanges von in“ nationalen Kongresses katholischer Krankenpflegerinne zwei böchst bedentsame Ansprachen gehalten, deren ein schorfe Kampfansage gegen Mo wihrend dentum bedeutet, nne n gehalten, deren eine laterialismus und HeiFachlen die zweite in ungewöhnlich deutlicher und klarer Form zum abessinischen Konflikt Stellung nimmt. Der Papst erinnerte an die Greuel des letzten Krieges und betonte, man müsse mit allen Mitteln den Frieden en. Im Kernpunkt seiner Rede sagte der Papst soman im Ausland von einem Eroberungs„„„——„"„—„ nn man Verteidtgung und Grenzsicherung spreche, der zur Expansion und Sicherung der materiellen Bedürfnisse notwendig sei, setze er, der Paxst, dem die bringende Hoffnung entbestehenden nur mit g e, der Papit gegen, das man d## Sitteln lösen dürse, die nicht Krieg bedeuten. Wenn dies nicht leicht sei, so dürfte es doch nicht unmöglich sein. Bei aller Auertennung der Expansionsnotwendigkeiten Italiens müsse das Recht der Verteidigung in Grenzen gebalten werden und gemäßigt sein, damit sich nicht die Verteidigung selbst schuldig macht. Militärische Ausbildung der Avanigardisten. Rom.(Egene Funkmeldung der L. P.). Der Präsident der Balilla hat im Einvernehmene mit den zuständigen Stellen eine Anweisung über die militärische Verwendung und Ausbildung der bisber noch nicht zur Militärpflicht herangezogenen Jugendlichen im Alter von 17—20 Jahren herausgeben. In letzter Zeit hatten sich die Meldungen Freiwilliger nach Ostafrika gemehrt, ohne daß man wußte, wie man diese Jugendlichen eingliedern sollte. Von 100 000 17jährigen Avantgardisten werden nunmehr 25000 mit Gewehren ausgerüstet und in Europa eingehend militärisch ausgebildet, so daß sie in der Heimat verwendet und je nach Bedatf auch zum Dienst in Ostafrika herangezogen werden Ennen. Diese Maßnahmen bedeutet praktisch, daß für einen beträchtlichen Teil der italienischen Jugend, die an sich eigentlich mit 20 Jahren beginnende obligatorische Militärdienstpflicht um 3 Jahre vorverlegt wird. Die den Avantgardisten zugedachte militärische Verwendung und Ausbildung entspricht vollständig den Aufgaben, die bisher den 20jährigen während ihrer 18monatigen Militärdienstzeit übertragen wurden. zösische Delegation. Der französische Ministerpräsident, so schreibt man, habs eindentig erklärt, daß Frankreich sich unter keinen Umständen legendwelchen Sühuemaßnohmen gegen Itallen anschfichen werde. Da mon aber nicht vor die Wahl zwischen London und Rom gestellt werden wolle, werde man alles versuchen, um eine Annöherung zwischen Italien und England zuslandezudringen. In Gent werde Laval den Engländern klarzumachen versuchen, daß der Völkerbund gegründet worden sei, um den Krieg zu verhindern. Wenn man aber den Pakt ganz streng anwende und Sühnemaßnahmen gegen Italien fordere, so werde man einen gefährlichen Streit heraufbeschwören, der möglicherweise ein Vorläufer des Krieges werden könne. Man handele damit also dem Geist des Völkerbundspaktes zuwider. Deshalb dürfe man einen Weg, der so gefährlich ist, nicht beschreiten. Besser sei, nicht einzugreifen, sondern Italien seine Klagen gegen Abessinien vorbringen zu lassen. Dieser Standpunkt sei von Laval im Ministerrat vertreten worden und habe einstimmige Billigung gefunden. Die von Italien abgelehnten Vorschläge werden dem Völkerbund vorgelegt. London.(Eigene Junkmeldung der L. P.). In einer anscheinend inspirierten Meldung der„Preß Association“ heißt es: Die Vorschläge der britischen und der französischen Regierung zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streites, die auf der Dreimächte-Besprechung in Paris von der Ualienischen Regierung verworfen wurden, sollen in der Völkerbundsratssitzung am 4. September vorgelegt werden. Die französische wie die britische Regierung glauben noch immer, daß diese Vorschläge eine bessere Behandlung verdienten als ihnen bisher zuteil geworden ist, und es ist deutlich, daß das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen worden ist. Keine deutsche Beteiligung an der Medizinischen Woche in Montreux Der Reic Die 8 ichsärzteführer gibt u. a. bekannt: In Montreuz oll vom 9. bis 14. September eine Internationale Mediziusche Woche stattfinden, deren Sekretariat sich in Basel bei der Schriftleitung der„Schweizerischen Medizinischen Wohenschrift" befindet. In dieser Wochenschrift befindet sich in der Ausgabe vom 13. Juli 1935 eine viereinhalb E füllende Abhandlung des Wiener nichtarischen Pro Dr. Julius Bauer unter dem Titel:„Gefährliche S. worte auf dem Gebiete der Erbbiologie“. Dieser ganze Artikel ist eine scharfe Polemik gegen die Maßnahmen des schen Staates zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. genische Sterilisation“,„Rasse“,„Rassenseinheit“,„Rassenmischung",„Nordische Rasse“ sind für Bauer unklare Vorstellungen, die mit Wissenschaft nichts u tun haben. Hierzu ist festzustellen, daß dieser Leitartikel wre jeden mbattionallen Sommentor von dem# Professor Dr. Alfred Gigon, Basel,# vurde. Danach ist es jedem deutschen Arzte, d Würde seines Landes bewußt ist, selbstverständlich unmög ich. an der Montreux=Woche teilzunehmen. der iommen sich der Der Prozeß gegen die Redemptoristen. Am Mittwoch nahm die Verhandlung gegen die Redemptoristenpatres ihren Fortgang mit der Aufklärung der Vorfälle in den Klöstern Bochum und Bonn. Der Prokurator Wilhelm Mandel gab zu, daß er auf Anordnung des flüchtigen Mitangeklagten Josef Kreutz 10000 R.K habe über die renze bringen lassen. Er sei sich bewußt gewesen, daß diese Handlung mit den Gesetzen nicht im Einklang stand. Auf Grund des Gehorsamkeitsgelübdes habe er aber die Anordnung seines Vorgesetzten Kreutz erfüllen müssen. In einem Falle habe er selbst auch ein Bündel mit Hundertmarkscheinen über die Grenze geschmuggelt. Dann wurde als erster Zeuge ein Zollinspertor von der Zollfahndungsstelle Dortmund vernommen, der ausführlich berichtet, wie er den Verfehlungen, die dem Angeklagten Brinkmann zur Last gelegt werden, auf die Spur kam. Der Zeuge schildert sodann seine Wahrnehmungen im Bonner Kloster. Er habe sofort den Eindruck gehabt, daß der Pater Kreutz, der Leiter des Klosters, den er zunächst vernehmen wollte, geflohen sei. Der Fluchtverdacht habe sich weiter verstärkt, als sich herausstellte, daß auch der Mitangeklagte Pater Josef Ohrem nachts aufgebrochen und nicht mehr erreichbar war. Im Zimmer von Kreutz fand sich eine Reihe von Schriftstücken, nichts aber von dem, was die Beamten gesucht hatten. Die Beamten wandten sich nun der Vernehmung des Prokurators Wilhelm Mandel zu. Daraus ergab sich, sich sich im Kloster noch Erlöse aus Wertpapierverkäufen und Aktien der Universum=Bank Berlin befinden mußten. Die Wertpapiere waren allerdings vergraben worden. Unter der Gartenmauer fand man in einer Büchse Wertpapiere im Nennwert von rund 20000 RA. In der Nähe eines Schuvpens wurde sodann eine weitere Büchse gefunden, in der sich Aktien des Klosters und Provinzialrats Bonn befanden. Kleine Nachrichten. Keine Auflösung der Universität Gießen. Amtlich wird von der Pressestelle der Universität Gießen mitgeteilt: „Die umlaufenden Gerüchte über eine bevorstehende Auflösung der Universität Gießen sind vollkommen unrichtig. Der Vorlesungsbetrieb wird im kommenden Wintersemester in vollem Umfange aufrechterhalten. Auch französischer in Moskau? Paris.(Eigene Funkmeldung der L. P.). Wie bekannt haben die Regierungen von den Vereinigten Staaten und England bereits in Moskan Protestschritte wegen der Vorkommnisse auf der Tagung der Komintern unternommen. Nach dem„Jour“ hat man sich auch in französischen Regierungskreisen damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Towoet-Regierung auf den Widerspruch zu lenken, der zwischen den Beschlüssen der Komintern und den Verpflichtungen der Sowjet=Regierung aus dem französisch-sowjetrussischen Nichtangriffspakt besteht. Auf dem Ministerrat am Mittwoch habe der Ministerpräsident diese Frage angeschnitten und die Zustimmung der Regierungsmitglieder zu einem Schritt in Moskau erhalten. Roosevelt prüft die sowjetrussische Antwort. Präsident Roosevelt prüft gemeinsam mit Staatssekretär Hull und dem Referenten die sowjetrussische Antwort auf den amerikanischen Protest. Wie verlautet, möchte man einerseits nicht alle Beziehungen abbrechen, andererseits sieht man aber ein, daß man es nicht bei dem gegenwärtigen Zustand bewenden lassen kann. Das Argument, daß die Internationale von der Sowjetregierung völlig getrennt sei, wird hier als lächerlich zurückgewiesen. Man betont, daß die Sowjetregierung die teilweise albernen und leeren Prahlereien amerikanischer und anderer Kommunisten über ihren Einfluß in Amerika offiziell hätte desavouieren sollen. In englischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Roosevelt gegen den Rat vieler Amerikaner, insbesondere vieler seiner politischen Gegner, im Herbst 1933 die Beziehungen zur Sowjetunion aufgenommen hat. Ein Abbruch der Beziehungen nach so kurzer Zeit würde das Eingeständnis eines schweren politischen Fehlers darstellen. 1725 neue Kleinsiedlungen für Schleswig=holstein. Unter Vorsitz des Gauleiters und Oberpräsidenten Lohse fanden in Kiel Beratungen über ein umfangreiches Bauprogramm statt, das die Errichtung von 1725 neuen Kleinsiedlungen in 112 Stadt= und Landgemeinden der Provinz Schleswig=Holstein vorsieht. Der Umfang der beabsichtigten Arbeiten ergibt sich am klarsten daraus, daß der Gesamtarbeitsbetrag 7¼ Millionen Reichsmark ausmacht. Balbo aus Paris abgereist. Paris.(Eigene Funkmeldung der L. Ph). Luftmarschall Balbo, der sich zwei Tage in Paris aufhielt, ist Mittwoch abend mit dem Orient=Expreß abgereist. Ueber die Unterredungen Balbos mit dem französischen Luftfahrtminister Demain ist nichts bekannt geworden. Mitteilungen aus Nah und Fern. — Sitzung des Amtsgerichts Lemgo. Der heutige Terminzettel verzeichnet sieben Strafsachen, die alle wegen kleiner Vergehen zur Verhandlung kommen. Zu der ersten Sache wird G. B. aus Stemmen aufgerufen, der in Lemgo einen Scheibenwischer gekauft hatte und der, wie sich später herausstellte, von dem Verkäufer auf unredliche Weise erworben war. B. bestreitet, daß er das gewußt habe oder hätte annehmen können, da er den Gegenstand für denselben Preis von dem Eigentümer hätte kaufen können, so daß ihm ein Vorteil nicht erwachsen sei. Gegen den erlassenen Strafbefehl wegen Vergehens nach§ 259 StrGB, hat der Angeklagte im Bewußtsein seiner Straffreiheit Einspruch erhoben. Dieser war von Erfolg. Das Gericht sprach den Angeklagten wegen Mangel an Beweisen frei, unter Belastung der Staatskasse mit den Kosten. — Besitzwechsel. Die Witwe Wienbröker hierselbst hat ihr Wohnhaus an der Kämpferstraße an Herrn Matthias Rettenberger in Entrup verkauft. Der Kaufpreis soll 12 000 Mark betragen. — Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. An dieses Sprichwort muß man denken, wenn man die Schmiererei steht, die junge Burschen in der vergangenen Nacht mit Oelfarbe an mehreren Geschäften der Mittelstraße gemacht haben. Wenn die Polizei diese Burschen faßt, können sie mit einer empfindlichen Strafe rechnen. — Der diesjährige Erniedanktag findet, wie im Gesetz für die Feiertage vom 27. Febr. 1934 bestimmt ist, am Sonntag nach Michaelis, also am 6. Oktober, statt. Am Bückeberg bei Hameln wird, ähnlich wie in den Vorjahren, ein feierlicher Staatsakt veranstaltet werden, der über alle deutschen Sender übertragen wird. In allen Städten und Gemeinden des Reiches werden gleichzeitig Parallel=Veranstaltungen durchgeführt werden. — Schreibmaschinenkursus. Erwerbslose kaufmännische und sonstige Angestellte, die an einem Schreibmaschinenkursus teilnehmen wollen, mögen sich sofort am hiesigen Arbeitsamt melden. — Am 1. September neue Militärfahrkartenregetung. Der Reichsverkehrsminister hatte kürzlich eine Verordnung über die Benutzung von Militärfahrkarten bei der Einberufung und Entlassung der Wehrpflichtigen erlassen. Diese Amtswaltertagung der im Kreise Lemgo. Wieder einmal hatten sich die Amtswalter der NSV. im ceis Lemgo zu einer Tagung im Hotel Losch zu Lemgo zusammengeunden, um die Aufgaben der Gegenwart und des kommenden Winters durchzusprechen. Stellv. Kreisamtsleiter Pg. Schute, der die Tagung eröffnete, ging zu Beginn seiner Ausführungen auf die Mitglieder=Werbung ein und verwies dann darauf, daß sowohl die RS.=Frauenschaft, Hitlerjugend, als auch der NSLB. sich bereit erklärt hätten, bei der Werbung für die Kinderlandverschickung mitzuwirken. Diese Aktion müsse sofort in Angriff genommen werden, da der 4. Hauptentsende=Termin vor der Tür stehe. Am 1. September wird auch in unserem Kreis die Tuberkulose=Bekämpfung in Angriff genommen. Den Ortsgruppen gehen die Anweisungen zur Durchführung der Aktion noch zu. Der Gau hat angeordnet, daß sämtliche Ortsgruppen einen neuen Organisationsplan aufstellen, der die Zusammensetzung des Ortsgruppenstabes, ein Verzeichnis sämtlicher Block= und Zellenwarte sowie eine Aufstellung sämtlicher Führer der örtlichen Verbände und PO.=Dienststellen enthält. Um einen festeren Zusammenschluß zu erzielen, wird bis zum 1. Dezember in jeder Ortsgruppe eine Arbeitstagung nden, damit jeder Mitarbeiter für seine Aufgaben vorbereitet wird. Ausführlich wurde die Hilfsaktion für die Tabakarbeiter besprochen. Der Kreis Lemgo hat schon viel getan, um die herrschende Not zu beheben; auch in den kommenden Wochen soll die Betreuung der Tabakarbeiter in ausreichendem Maße erfolgen. Für die kommende Winterarbeit wurden schon mancherlei Anweisungen und Richtlinien gegeben. Eine begrüßenswerte Neuregelung erfolgt auf dem Gebiet des Sammelns; Einzelheiten werden den Ortsgruppen noch mitgeteilt. Die Richtsätze, die vorgesehen sind, beweisen, daß man auch in der Zukunft eine großzügige Betreuung vorgesehen hat. Mit großer Freude konnte festgestellt werden, daß der Kreis Lemgo einen schönen Erfolg dadurch erzielt hat, daß zahlreiche Dosen Fleisch=, Gemüse= und Obstkonserven bereits gesammelt worden sind. Die Vorträge der Tagung. Wie immer, so wurde die Arbeitstagung durch Vorträge bereichert. Die Kreisfürsorgerin Frl. Fleer sprach über die Aufgaben des Hilfswerks„Mutter und Kind“, Abteilungsleiter Pg. Pachnicke über das Thema:„Kampf der Gefahr", während die Leiterin der NS.=Gemeindepflegestation, Schwester Gustel, über ihre Erfahrungen sprach als:„4 Monate NS.=Gemeindeschwester in Lemgo“. Nach einer regen Aussprache sprach zum Schluß Gauinspekteur Pg. Siewing, der seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mitzureißen verstand in seinen Ausführunen über den Wert der Einsatzbereitschaft in der NSV. und in der Winterarbeit. Aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen konnte er allen wertvolle Hinweise und Anregungen für die kommende Arbeit geben, und zum Schluß legten alle einmütig das Treugelöbnis ab, auch weiterhin ihre Dienste und ihre Arbeitskraft in den Dienst der NS.=Volkswohlfahrt zu stellen. Und die Bilanz dieses Appells: Der Kreis Lemgo steht mit ungeschwächter Tatkraft einsatzbereit, zum Wohle und zum Aufbau des deutschen Vaterlandes mitzuwirken— durch die vielen Arbeitsgebiete der NS.=Volkswohlfahrt. Verordnung tritt bereits ab 1. September in Kraft, nicht, wie ursprünglich berichtet, erst am 1. Dezember. — Eine Amtswalter-Tagung der NS.=Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Lemgo, findet am Montag abend 8,15 Uhr, im Hotel Losch statt. Neben den Zellen= und Blockwaltern werden auch die Blockfrauen der NSV. erwartet, da wichtige Fragen behandelt werden. — Der Sporttag des Untergaus 55 im BdM. vereinigt sämtliche Mädchen aus Lippe, die im BdM. zusammengeschlossen sind. Auf der Morgenfeier, die mit einer Wimpelweihe verbunden ist, spricht der stellv. Staatsminister Pg. Wedderwille. Der Nachmittag wird durch sportliche Darbietungen ausgefüllt. Detmold. Schössengericht. Vor dem Schöffengericht hatte sich gestern K. K. aus Billerbeck zu verantworten Durch größere Verluste geriet der Angeklagte im Jahre 1931 in Zahlungsschwierigkeiten. Zur Abdeckung seines Kontos bei der Spar= und Darlehnskasse in Horn ließ er sich von seinem Schwager, der kein Vermögen besaß, einen Wechsel geben. Bei der Hereinreichung dieses Wechsels über 480 Mark will der Zeuge Rendant B. den Angeklagten gefragt haben, ob es sich bei dem Akzeptanten des Wechsels um seinen Schwager oder Schwiegervater handelte. Der Zeuge B. behauptet, daß der Angeklagte gesagt hätte, es ware sein Schwiegervater, der ja genügend Grundbesitz hätte. Der Wechsel wurde nun angekauft, ging aber später zu Protest. Der Spar= und Darlehnsverein wurde geschädigt, machte allerdings den Rendanten B. regreßpflichtig und dieser wiederum erstattete Anzeige. Das Gericht hielt den Angeklagten des Betruges nach§ 263 und 273 für schuldig und verurteilte ihn zu 7 Monaten Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens. Der Richter führte aus, daß man den Angaben des Zeugen B. glauben müsse. Dieser habe sicherlich den Angeklagten bei Ankauf des Wechsels nach dem genauen Akzeptanten gefragt. Der Angeklagte habe auch leichtsinnig gehandelt und deshalb habe das Gericht nicht auf Geldstrafe erkennen können, um den Angeklagten zum Bewußtsein zu bringen, wie man kaufmännisch einwandfreie Geschäfte macht.— Dem Angeklagten A. aus Horn ging es vor Jahren so, wie es leider manchem Tischlermeister ergangen ist, der seinen kleinen Tischlereibetrieb umstellte und Möbel auf Versand fabrizierte, wofür das Geld dann meistens ausblieb. 34 Jahre ist der Angeklagte alt und noch nicht vorbestraft. Sein Geschäft ging zunächst gut, bis schließlich die großen Verluste kamen und er bei dem Spar= und Darlehnskassenverein in Horn seinen Kredit nicht mehr abdecken konnte. Auch die eingehenden Kundenwechsel wollte diese Kassé nicht mehr ankaufen, so daß er seinen Schwiegervater K. veranlaßte, sein Giro auf die Kundenwechsel zu setzen. Der Angeklagte, der schließlich nicht mehr ein und aus wußte. ließ sich dazu verleiten, später selbst den Namen seines Schwiegervaters auf die Kundenwechsel zu setzen. Es kam schließlich soweit, daß er Wechsel mit der Querschrift seines Schwiegervaters versah und diese dann zur Abdeckung der Schuld an die Kasse gab. Insgesamt wird die Wechselsumme, die gefälscht wurde, auf über 6000 Mark beziffert. Der Angeklagte sah seine Schuld ein und wollte schon im Juli 1931 die Staatsanwaltschaft von seiner Straftat in Kenntnis setzen. Sein Bücherrevisor empfahl ihm dann aber, doch erst mit den Gläubigern Rücksprache zu nehmen und es kam auch zu einem Vergleich. Der Staatsanwalt beantragte, da der Angeklagte in vollem Umfange geständig war, 10 Monate Gefängnis. Das Urteil lautete schließlich auf 7 Monate Gefängnis. Detmold. Der französische Konsul für Livve. Nach Mitteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin ist Herr Maurice Ordiet an Stelle des Konsuls Eybert zum französischen Konsul in Bremen ernannt worden— Nachdem dem Genannten das Exequatur seitens des Reiches erteilt worden ist, wird er in der genannten Eigenschaft auch für das Land Lippe anerkannt und zugelassen. Lage. Prüfung der Lastkraftwagen. Gestern nachmittag fand eine behördliche Prüfung der lippischen Lastautos in der Adolf Hitler=Allee statt. Ein Fachmann prüfte die äußere Beschaffenheit wie sonstige Betriebssicherheit der Fahrzeuge und stellte die Mängel fest. Polizeilicherseits wurden die Beanstandungen notiert und dem Besitzer übermittelt. Bad Salzuflen. Vom Bade. Heute abend von 20,10 bis 22 Uhr überträgt der Reichesender Köln das Kurkonzert aus dem schönen Bad Salzuflen. Ein besonders ausgewähltes Programm wird den Hörer erfreuen. Bad Salzuflen. Zahlen des Bades. Nr. 35 der BadeZeitung(Amtl. Kurliste) verzeichnet bis einschl. 25. August 17 489 Kurgäste und 220 775 Kurformen. In der Zeit vom 21. bis 25. August sind hier 220 neue Gäste eingetroffen. Oerlinghausen Wiedersehensfeier. Am Sonnabend, dem 31. August, treffen sich alle ehem. Schüler der Gehobenen Privatschule zu Oerlinghausen um 16 Uhr in den idyllisch gelegenen Gasträumen in der Schopke zu einem Pickertessen mit anschließendem gemütlichen Beisammensein. In Frage kommen die Jahrgänge 1914 bis einschl. 1919. Selbstverständlich sind auch alle anderen Schüler, die gern einmal wieder in froher Schulgemeinschaft sein wollen, herzlich eingeladen. Boßheide. 50jährige Jubelfeier. Das Festkonzert. Während wir morgen über das Begrüßungskonzert berichten werden, das am Sonnabendabend im renovierten Saale des Eickernkruges stattfindet, wollen wir heute das Festkonzert am Sonntagnachmittag näher unter die Lupe nehmen. Dabei fällt uns dreierlei angenehm auf, nämlich 1., daß alle Lemgoer Vereine sich dankenswerterweise aktiv betätigen werden, 2. daß der gemischte Chor neben dem Männerchor gut vertreten ist, und zwar durch Hillentrup, Großenmarpe und Brake, und 3. daß dem deutschen Volksliede eine bevorzugte Stellung im Programm eingeräumt worden ist. Wir erleben heute in den Tagen des Wiedererwachens deutschen Nationalbewußtseins den Durchbruch des wahren deutschen Volksliedes, ähnlich wie in den Tagen der Freiheitskriege 1913. Wir singen wieder nach der Art echter, volksgebundener Liedweisen, wir haben wieder Sinn bekommen für das Volkshafte im Liede. Ohne auf Einzelheiten der Liedfolgen einzugehen, wollen wir nur feststellen, daß trotz der großen Zahl der Vereine, die im Hauptkonzert mitwirken, keine Programmüberlastung eintritt, weil vielfach mehrere Vereine gemeinsam als kleinere Singgemeinschaften auftreten, wodurch jedoch das gebotene Liedgut in ein besseres Licht gerückt wird. Erwähnt sei noch, daß auch der Voßheider Schülerchor in Gemeinschaft mit dem gemischten Chor des„Orpheus“ mit den beiden im Festkonzert des Bundesfestes vorgetragenen niedlichen Volksliedern von K. Wüst wieder dabei sein wird. Dieser kurze Programmhinweis mag gezeigt haben, daß am Sonntag allen Besuchern genußreiche musikalische Stunden geboten werden. Darum:„Auf zur 50jährigen Jubelfeier der„Eintracht" Voßheide! Westorf. Eine Jahrt nach Essen unternahm am Sonnabend und Sonntag der Sportverein„Germania“ Westorf. Anläßlich des Sportfestes des Essener Allemannen trug die 1. Germanen=Mannschaft ein Rückspiel aus, das sie 5:1 verlor. Bei den leichtathletikchen Kämpfen konnte dagegen „Germania“ mit 1 Punkt Vorsprung den Sieg davontragen. Hohenhausen. Ein Anglücksfall. Als vor einigen Tagen eine Schar kleiner Kinder auf einem Leiterwagen spielten, fiel plötzlich der 4 Jahre alte Sohn des Sattlermeisters H., welcher sich an der einen Leiter zu schaffen machte, von dem Wagen herunler und stürzte hierbei so unglücklich auf den rechten Arm, daß dieser von dem heftigen Aufschlag zweimal im Unterarm gebrochen wurde. Der sofort herbeigerufene Arzt renkte den Arm des verunglückten Kindes wieder ein. Hohenhausen. Einen Betriebsausflug unternimmt am kommenden Sonntag die Belegschaft der Zigarrenfabrik Schmidt u. Co., Hohenhausen. Die Fahrt aeht mit einem Anordnung beir. Kartoffelhöchstpreise. Auf Grund der mir übertragenen Befugnisse des Reichskommissars für Preisüberwachung durch§ 5 der Verordnung für Preisüberwachung vom 11. 12. 1934(RGBI. 1 S. 1245) ändere ich meine Anordnung vom 20. 7. ds. Jo. betr. Festsetzung von Kartoffelhöchstpreisen dahin ab, daß der Höchstpreis für Speisekartoffeln bei der Abgabe im Kleinhandel an den Verbraucher 1.45 RM. je Zentner über dem Mindestpreis für den Erzeuger liegt. Bei der pfundweisen Abgabe beträgt die Spanne 1.80 Reichsmark. Diese Anordnung tritt am 25. 8. 1935 in Kraft. Der Kartofselhöchstpreis beträgt infolgedessen fortan für gelbe Torten 5.15 RM. bei zentnerweiser Abgabe und 4.5 Pfg. bei der Abgabe pfundweise. Für blaue, rote und weiße Torten betragen dieselben Preise 3,65 RM. und 4 Pfg. Münster, den 22. August 1935. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen. J. V.: gez. Weder. Vorstehende Anordnung wird hiermit für Lippe bekannkgegeben. Die Anordnung des Oberpräsidenten vom 20. Juli ds. Is. ist auf Seite 255 des Slaatsanzeigers von 1935 abgedruckt worden. Detmold. den 27. August 1935. Lippische La#hesregierung. Hausaufgaben für Berufsschüler. Die im Amtsblatt des Reichs= und preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin vom 20. August 1935, Heft 16, auf Seite 353 veröffentlichte Anordnung über„Hausaufgaben für Berufsschulen“ wird im vollen Umfange auch das Land Lippe übernommen Lippische Landesregierung. Staatsseindliche Elemente in Wirtschaften In einem Aufruf des Leiters der Wirtschaftsgruppe Gaststätten und Beherbergungsgewerbe werden alle Gaststätteninhaber ersucht, staatsfeindlichen Elementen in ihren Betrieben künftig größere Aufmerksamkeit zuzuwenden. In dem Aufruf heißt es u. a.:„Wo immer derartige Schädlinge an Volk und Vaterland sich zusammenfinden, müssen sie spüren, daß sich die Volksgemeinschaft entschlossen von ihnen abwendet. Auch der deutsche Gastwirt hat die Pflicht, sich zweifelhafte Gemeinsamkeit in seinem Lokal daraufhin etwas näoer anzusehen und diese, wenn nicht anders, der Polizei überantworten. Die deutschen Gaststätten sind im besten Sinne des Wortes Pflegestätten nicht nur der deutschen Gastfreundschaft, sondern auch neuen deutschen Geistes! Die Mitglieder der Wirtschaftsgruppe werden aufgerufen, sich ihrer Pflichten und Aufgaben auch in dieser Beziehung berpißt zu bleiben; sie stehen mit ihren Betrieben zu Führer, Volk und Vaterland und sollten Schädlingen der Nation gegenüber, so bald sich solche in Gaststätten bemerkbar machen, darüber keinen Zweifel lassen.“ Autobus zum Steinhuder Meer und von da nach Hannover. Hier sollen der Zoo, die Eilenriede sowie weitere Sehenswürdigkeiten besichtigt werden. Wir wünschen allen Teilnehmern eine frohe Fahrt und vor allen Dingen gutes Wetter. Bentorf. Einen tragischen Unfall erlitt am Dienstag in der Mittagsstunde die 70 Jahre alte Ehefrau Süllwold. Sie ging nach der Mittagspause in ihren im Heidegrund liegenden Garten. Als gegen 2 Uhr ein Bentorfer Einwohner gleichfalls aufs Feld zum Ackern zog, fand er die alte Frau im Garten auf dem Boden liegend. Der herbeigerufene Arzt Dr. Mette, Hohenhausen, stellte einen Schlaganfall fest. Hoffentlich bringt die Zeit der Bedauernswerten Linderung und Genesung. Versammlung der Deutschen Eigenheimbau=Gesellschaft m. b.§ Ueber die Versammlung der Deutschen Eigenheimbaugesellschaft, über die wir bereits gestern berichteten, ging uns noch folgender ausführlicher Bericht zu: Die von der Deutschen Eigenheimbau=Gesellschaft m. b. H einberufe Versammlung war sehr gut besucht; u. a. waren auch der Herr Bürgermeister, der stellvertretende Ortsgruppenleiter und der Kreisleiter der Deutschen Arbeitsfront anwesend. Der Leiter des Gauheimstättenamtes in Münster, Pg. Gerling, umriß in klaren Ausführungen zunächst den Unterschied der Siedlung im nationalsozialistischen Staate gegenüber der Siedlungstätigkeit der Vorkriegszeit und der Systemzeit. Sinn der Siedlung im Dritten Reich sei die Verwurzelung des deutschen Menschen auf deutschem Boden, eine Aufgabe, die viele Jahrzehnte erfordert. Er lehnte die Ansiedlung von Erwerbslosen in sogenannten Stadtrandsiedlungen ab, verlangte vielmehr, daß in erster Linie diejenigen zur Siedlung kommen sollen, die über das notwendige Eigenkapital verfügen. Zum Eigenkapital sind hinzuzurechnen, Eigenleistungen, in Form der Selbsthilfe, vorhandene Grundstücke usw. Das Reichsheimstättenamt bezw. Gauheimstättenamt, als Einrichtung der Partei habe die Aufgabe, jede Siedlungstätigkeit mit allen Kräften zu fördern. Nach Prüfung der Verhältnisse hat der Gauleiter und Reichsstattleiter, Herr Dr. Meyer, ihn in den Aufsichtsrat der Deutschen Eigenheimbau=Gesellschaft m. b. H. delegiert, um einmal zu erreichen, daß die Tätigkeit dieser Gesellschaft im Sinne der nationalsozialistischen Siedlungsidee tätig ist und um eine Ueberwachung der Gesamttätigkeit derselben zu gewährleisten, damit sich jeder Siedlungslustige ihr ohne Besorgnis anvertrauen kann. Die Eigenheimsindlung, die auf dem Grundstück an der Slawertrift durchgeführt werden solle, seien bestimmt für die Erwerbstätigen, die nach Beruf. Eignung und Neigung, nach einer Woynheimstätte strebten. Für die Durchführung dieser Siedlung seien die Voraussetzungen von der Deutschen Eigenheimbau=Gesellschaft geschaffen. Viel schwieriger und wichtiger sei aber die Ansiedlung des erwerbstätigen Arbeiters. Am Laubkerbach solle eine Nebenerwerbssiedlung entstehen, die in erster Linie dazu bestimmt sei, dem Arbeiter seine schwere, wirtschaftliche Existenz zu erleichtern. Die Mindestgröße für eine Siedlungsstelle sei 26 Morgen (1250 gm). Die Hauptsache sei, daß die notwendigen Wirtschaftsräume, Stallung usw. vorhanden seien. An Wohnräumen dürfe nur das unumgängliche, notwendige zunächst erbaut werden. Der Ausbau des Dachgeschosses könne zunächst unterbleiben und erst dann erfolgen, wenn die Räume für die wachsende Familie unbedingt benötigt werden. (Wachsendes Haus.) Die Kosten eines solchen Hauses dürften 7= bis 8000 RM. nicht überschreiten, da ein Arbeiter nur # seines Lohnes für die Wohnung aufwenden könne. Dabei sei aber zu berücksichtigen, daß bei rationeller Gartenwirtschaft und Kleintierzucht ein wesentlicher Teil der Belastung erarbeitet werden kann. Das Reichsheimstättenamt würde über Einrichtung der Gartenwirtschaft und Kleintierzucht durch Vorträge weiter aufklärend wirken. Es komme selbstverständlich auf die Eignung des, Siedlers und der Hausfrau an, wenn das Ziel erreicht werden sollte, daß der Arbeiter durch die Siedlung krisenfest würde. Herr Gerling wies weiter daraufhin, daß die Arbeitgeberverbände sich verpflichtet hätten, nach Kräften durch Hergabe billig verzinster Darlehen etwa fehlendes Eigenkapital der Siedler aus ihrer Gefolgschaft zu unterstützen und berichtete, daß dies an vielen Orten bereits in großem Umfange geschehen sei. Die mit großer Sachkenntnis und innerer Wärme vorgetragenen Ausführungen des Redners fanden in der Versammlung einen sehr lebhaften Widerhall. Herr Professor Sievert von der Deutschen EigenheimbauGesellschaft bat die Versammlungsteilnehmer, seinen Bestrebungen mit Vertrauen entgegen zu kommen, da die Aufgabe seiner Gesellschaft ausschließlich die eines Treuhänders sei, die jedem Siedlungslustigen, wer es auch sei, zusammen mit dem zuständigen Architekten will. Die Bauten sollen durchaus den Wünschen der Interessenten entsprechen, vor allen Dingen aber ihrer Leistungsfähigkeit angepaßt werden. Jeder Interessent solle vor Baubeginn wissen, was das Haus kostet und wie hoch die dauernde Belastung ist. Die Gesellschaft wolle aber dem Interessent gegenüber nicht nur für die Güte sondern auch für den ausbedungenen Preis absolute Garantie übernehmen. Bei Baubeginn müßte Eigenkapital und die notwendigen Hypotheken auf einem Konto bei der Sparkasse eingezahlt werden. Die Sparkassen würden darüber wachen, daß die für jedes Haus bereitstehenden Mittel nur für dieses Verwendung finden und daß der Bau bis zum letzten Pfennig bezahlt werden kann. Da die Lippischen Sparkassen, die immer den Eigenheimbau durch Hypothekenhergabe gefördert hätten, infolge der vorgeschriebenen Liquiditätsbestimmungen nicht in der Lage seien, den großen Bedarf an Hypotheken zu decken, deshalb habe die Gesellschaft in enger Zusammenarbeit mit den Sparkassen und der Landesbank nach langen Verhandlungen erreicht, daß die Volksfürsorge=Lebensversicherungsgesellschaft A.=G. 1,5 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt habe. Diese Mittel stünden jetzt zur Ausleihung bereit. Jeder Baulustige möge daher von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Es wäre nicht abzusehen, wie die Verhältnisse im nächsten Jahre liegen würden. Redner machte dann nähere Ausführungen über die Siedlung an der Slavertrift und am Laubkerbach, in Sonderheit über die Geländepreise, die so niedrig seien, daß die Belastung aus dem Grund und Boden sich im ganz erträglichen Ganzen halte. Die Bedingungen, betreffs der Zinsen und Tilgung seien für die Hypotheken die gleichen, wie die der Lippischen Sparkassen. Der Abschluß einer kleinen Versicherung bei der Volksfürsorge diene vor allen Dingen zur Sicherung des Eigenheimes für den Fall, daß der Ernährer der Familie zeitlich abgerufen würde. In Bezug auf die Höhe der Belastung aus dieser Versicherung würde auf die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen weitestgehend Rücksicht genommen. Redner verbreitete sich dann über die Vorteile des Reichsheimstättengesetzes, daß vor allen Dingen einen absoluten Schutz der Heimstätte gewährleiste, außerdem eine Verbilligung durch Gebühren, Steuererlaß herbeiführe. Da die Bauwünsche und die Verhältnisse jedes einzelnen Interessenten andere seien, müsse in persönlicher Verhandlung zwischen der Gesellschaft und ihn ein Vertrauensverhältnis hergestellt werden. Es würden daher an jedem Donnerstag Sprechstunden, zunächst im Hotel Losch stattfinden, außerdem stünde die Gesellschaft jedem jederzeit auf Verabredung zur Verfügung. Diejenigen, die bereits ein Grundstück erworben oder von ihren Eltern ererbt hätten, solle der Bau eines Eigenheimes genau so ermöglicht werden. Diejenigen aber, die noch nicht im Besitz eines Grundstückes seien, sollten nach Möglichkeit von den in den beiden Siedlungen gebotenen Möglichkeiten Gebrauch machen. An der Aussprache beteiligte sich vor allen Dingen auch der stellvertretende Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Gräfer. Sie wiesen in warmen Ausführungen alle Anwesenden daraufhin, die durch die Deutsche Eigenheimbau=Gesellschaft gebotenen Möglichkeiten auszunützen. Da die Gesellschaft mit den Behörden und der parteiamtlichen Stellen aufs engste zusammenarbeite, könnte ihr jeder mit vollem Vertrauen entgegenkommen Aus der Bewegung. ASDAp. Ortsgruppe Lemgo. Die Parteigenossen der Ortsgruppe Lemgo und sämtliche Nebnorganisationen werden darauf hingewiesen, daß ab Freitag in den Hansa=Lichtspielen der Film vom Gauparteitag 1935 in Münster gezeigt wird. Formationen, die den Film geschlossen sehen wollen, wollen sich zwecks ermäßigter Preise mit Herrn Schneider in Verbindung setzen. NS.-Frauenschaft. Kreisamtsleitung Lemgo. Es wird dringend gebeten, sofort die rückständigen Monatsberichte einzusenden. Mitteilung der Kreisbauernschaft. Es ist wiederholt vorgekommen, daß mehr Getreide abgeliefert wird, als die Betriebsinhaber Marken erhalten haben. Eine Lagerung von Getreide bei den Mühlen bezw. Händlern ohne Abgabe der Marken kann nicht stattfinden. Die Bauern werden nochmäls darauf hingewiesen, daß ein gegenseitiger Austausch der Marken unter sich die gegebene Lösung ist. Familien=Nachrichten. Gestorben: Heinrich Prasse, Bad Meinberg, 70 Jahre alt. Rentner Adolf Perl, Lage, 80 Jahre alt. Schlachtermeister Heinrich Trachte, Großenmarpe, 34 Jahre alt. Maurermeister Heinrich Brandt, Oberwüsten, 61 Jahre alt. Frau Julie Diederich, verw. Kemper, geb. Meier=Hanz, Lemgo, 73 Jahre alt. Hauptschriftleiler: Carl Wagener, Stellvertreter: Waliher Liedthe. Verantwortlich für Reichs= und Landespolitik, Feuilleton, Materdienst und den allgemeinen Teil: Carl Wagener. Verantwortlich für Lokales u. Sport: Waltder Liedthe. Verantwortlicher Anzeigenleiter: Ludwig Kling: sämtlich in Lemgo. D.=A. 7. 35, 272 Truck und Verlag: F. L. Wagener. Lemgo. Jur Zeil ist Anzeigenpriesliste Nummer 2 gültig. Eigenheimbau! Heute, Donnerstag, den 29. August, ab 5 Uhr nachmittags unverbindliche Besprechung und kostenlose Raterteilung an alle EigenheimbauInteressenten im Hotel Losch, Temgo. Deutsche Eigenheimbau Bad Salzusten. Gmb.H., Jungs Mädchen, freundl. u. ehrl., für klein. Geschättshaushalt gesucht, nicht unt. 18 Jahr. Frau Friedrich Pültbach. Bielefeld. Wertheistraße 24. Nach München u. 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August 1935 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 20630 2 Gewinne zu 5000 M. 56982 8 Gewinne zu 3000 M. 62077 215133 255387 26962 18 Geminne zu 2000 M. 42828 55827 87447 162420 230333 256914 289747 345758 373272. 40 Gewinns zu 1000 M. 9846 61537 72213 77099 106049 146861 178800 191188 192759 ———— 306977 816265 81460 91844 490 91244 100049 146961 178300 226214 241646 244250 281938 9 73 L. st u. i5 P iam wrie 4u Gn 3cto“ Ksord- Jachis- 115äh zärrch 206115 206599 209339 211882 268182 271622 341933 34581s 868955 Sai9o 365505 Siee 374 C.piane zn 300 N. 1927 2597 4997 10856 11956 13254 18005 20040 20196 26232 34042 34886 42730 43163 48260 46680 46194 46873 48619 60007 61500 67125 69493 69636 70090 70790 72077 73017 73361 76933 79129 80086 82340 82934 86241 85860 87791 89167 88694 93462 94624 94942 9626: 99034 103067 44307 146332 106048 122638 149640 156630 167226 180376 193370 204521 220697 283811 243771 110700 127586 143884 161210 162725 162946 167622 169192 176177 — 184976 187090 197605 200031 216600 217667 226596 228223 236406 287166 247606 250781 —— 264770 279148 287589 801924 818833 319612 228162 822338 183100 193773 214463 225891 881167 834690 335255 336266 335893 335998 887245 837722 337789 339706 841133 348354 348425 848570 850362 350446 852991 360915 882440 362972 367496 367832 368297 374928 878736 383294 384683 384738 388549 389203 890476 392289 394849 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 20000 M. 819719 4 Gewinne zu 10000 M. 107461 863018 2 Gewinne zu 6000 M. 342483 8 Gewinne zu 3000 M. 60962 237843 265027 272587 28 Gewinne zu 2000 M. 4960 7209 11088 17614 68299 168585 182215 205889 241118 259575 280714 808534 314407 345719 62 Gewinne zu 1000 M. 40672 59504 62816 74193 79682 91640 111322 186651 137670 140840 143915 211929 287808 240427 240710 261044 267767 271689 288578 292760 297714 301967 814700 345027 361106 880082 94 Gewinne zu 500 M. 8787 27196 87715 40206 42785 47679 62106 66995 68361 72776 80109 98884 99393 116673 127504 128143 131940 134042 146827 147151 160669 158885 175190 179259 188670 202908 246046 261878 264152 285100 289670 296677 296266 301045 811283 314371 882521 835361 338739 345295 859914 364262 867036 872288 374795 382112 394471 264 Gewinne zu 300 M. 4007 8374 11902 15154 16344 21473 21534 22776 27642 28764 29762 81738 33307 87818 89304 43878 48215 48638 48677 60256 60614 56960 58890 59096 68164 72577 76824 79163 85521 86321 86555 93255 99267 102469 106140 106669 110104 114404 116296 117606 122274 125435 125833 125859 128298 139822 142162 144301 146029 147108 160138 161581 151662 154823 159661 162263 171096 171606 172570 176258 176654 175986 179839 182148 183305 189282 189617 191648 192041 194356 194753 199967 203542 206740 206779 207581 217633 226722 229677 229778 239196 251563 252715 254274 256617 261896 267978 270690 270837 271500 273883 276200 279016 279942 281842 283664 286618 289943 292309 294338 296212 296503 299162 300215 302255 807363 807846 308789 811676 317023 819231 820448 820489 320763 821441 322277 824885 829166 834780 347772 348265 358270 368704 874866 878202 881202 385166 386463 886906 889277 393449 399212 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 4 zu je 50000. 2 zu je 30000, 2 zu : 20000, 36 zu je 1000, 90 gu se 500, 176 zu 3000, 364 zu zu ie 2000, 1180 zu 7340 zu sje 1000, 1814 Mk. Küchenberd (Küppersbusch) fast neu, zu verkaufen. Zu erfragen: Leopoldstr. 5. FamilienKarten BesuchsKarten beschäftsGrucksachen emplichlt Buchdruckerei f. I. Wagener Königswusterhausen. Freitag, 30. Augast. 9.00: Sperrzeit.— 9.40: Gregor Heinrich:„Abschied von Himmelsrike.“— 10.00: Sendepause.— 10.30: Ernährung auf Wanderungen und Märschen.— 10.50: Spielturnen im Kindergarten.— 11.30: Hauswirtschaft— Volkswirtschaft. Das tägliche Ausgabebuch.— 11.40: Der Bauer spricht— Der Bauer hört: Noch mehr Eiweißfutter aus eigenem Boden!— Anschließend: Wetterbericht.— 15.15: Kinderliedersingen.— 15.30: Jungmädel im Hamburger Hafen.— 17.15: Jungvolk hör' zu! Fähnleinnamen. — 17.45: Gesätge für Alt und Cello.— 18.15: Der Arbeiter in seinem Betrieb. Bericht aus den Carl=Zeiß=Werken in Jena.— 18.45: Zwischenprogramm.— 19.05: Und jetzt ist Feierabend! Militärmufik.— 19.45: Deutschlandecho.— 20.15: Reichssendung: Stunde der Nation. Aus Breslau: Der Diamant. Eine phantastische Komödie von Friedrich Hebbel.— 21.00: Aus Leipzig: Walzer=Potpourri.— 22.30: Eine kleine Nachtmusik. Curt Hosemann. Cello.— 23.00—24.00: Wir bitten zum Tanz! Am Mittwoch mittag 1.30 Uhr entschlief nach kurzer Krankheit meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Dorothea Berlin geb. Klasing im 76. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Christian Berlin und Kinder. Lemgo, den 28. August 1935. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 31. August. nachmittags 2,30 Uhr vom Trauerhause, Gertrudenstr. 20, aus statt. Trauerfeier eine halbe Stunde vorher. Heute morgen 9,30 Uhr entschlief sanft nach lurzem Kranksein unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und Tante, Frau Julie Diederich verw. Kemper, geb. Meier=Hans im 73. Tebensjahre. In tiefer Trauer: Familie Edwin Kemper, Familie Karl Wernicke, Familie Willi Vorher. Lemgo, Berlin=Wilmersdorf, Divitsheide, Augustastr. 8, den 28. August 1935. Trauerfeier: Sonnabend nachmittag 15 Uhr im Trauerhause, Braker=Straße. 15 30 Uhr Ueberführung nach Heiden i. L. Beerdigung gegen 17 Uhr. Feierliche Beisetzung der Opfer des Berliner Einsturzunglücks. —. Die bei dem Einsturzunglück in der Hermann=Göring= Straße in Berlin bisher geborgenen Toten werden am Freitag in feierlicher Weise beigesetzt werden. Das Begräbnis wird vom Gau Groß=Berlin der RSDAP. ausgerichtet. Die Feier oir so gestaltet, daß sie auch für diejenigen Opfer des Unglücks gilt, die bis zum Freitag vielleicht noch nicht geborgen sein sollten, und die deshalb auch an diesem Tage noch nicht beerdigt werden können. Der Trauerzug bewegt sich vom Leichenschauhaus in der Hannoverschen Straße über das Oranienburger Tor, die Friedrichstraße durch die Linden über die Schloßbrücke zum Lustgarten, wo er um 9 Uhr eintreffen wird. An seiner Spitze marschiert der Musikzug der Reichsschule des Arbeitsdienstes mit einem Spielmannszug. Zu jeder Seite eines jeden Leichenwagens gehen vier Arbeitsdienstmänner, von denen auch die Särge getragen werden. Am Schluß des Leichenzuges marschiert wiederum eine 100 Mann starke Abteilung des Arbeitsdienstes mit geschultertem Spaten. Während des Marsches zum Lustgarten werden sämtliche Kirchen, die am Wege des Zuges liegen, ihre Glocken erlassen. Die Glocken des Domes beginnen zu läuten, sobald der erste Leichenwagen auf der Schloßbrücke erscheint; sie werden so lange geläutet, bis die Leichen gegenüber der Westbalustrade des Schlosses aufgebahrt sind. Von 9.45 bis 10 Uhr ertönen die Glocken sämtlicher Berliner Kirchen. Die Leichenfeier beginnt um 10 Uhr mit dem vom Musikzug der Leibstandarte Adolf Hitler gespielten Trauermarsch aus der„Eroica“ von Beethoven. Anschließend sprechen ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer. Dann singt der Arbeitsdienst das Lied„Nichts kann uns rauben Liebe und Glauben zu diesem Lande". Hierauf wird Reichsorganisationsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, sprechen. Während des Liedes„Ich hatt' einen Kameraden" werden Kränze des Führers, der Reichsminister und anderer führender Persönlichkeiten an den Särgen niedergelegt werden. Anschließend hält Reichsminister Dr. Goebbels die Gedenkrede. Als Abschluß der Trauerfeier werden die Nationalhymnen angestimmt. 16 Vermißte aufgefunden— 14 geborgen Berlin.(Eigene Meldung der L. P.). Den Bergungsarbeiten an der Unfallstelle am Brandenburger Tor werden mit unverminderter Kraft vorwärts getrieben. In der Nacht um 4,45 Uhr fand man im nördlichen Teil des Hauptstollens 2 weitere Verschüttete und konnte sie um 5,30 Uhr freilegen und bergen. Eine Stunde darauf fand man den 15. Verschütteten, der jedoch nicht freigelegt und geborgen werden konnte. Um 6,35 Uhr fund man im Parallel=Schacht einen Toten, der gegen 7,30 Uhr geborgen wurde. Man hat also bisher 16 Vermißte aufgefunden, von denen bisher 14 geborgen werden konnten. Nachprüfung der Sicherheitsverhältnisse Der Reichs= und preußische Verkehrsminister hat, veranlaßt durch Feststellungen auf der Unglücksstelle, unverzüglich eine genaue Nachprüfung der Sicherheitsverhältnisse auf allen Baustellen der Nord=Süd=S=Bahn durchführen lassen. Der hierfür bestimmte Sonderbeauftragte untersuchte die rechnerischen und zeichnerischen Bauunterlagen sowie die praktischen Ausführungen der Baugrubenabsteifungen und e Feststellungen über die personelle und organisatorische Regelung der Verantwortlichkeiten und der Bauaufsicht. Die Untersuchungen und die sich aus ihnen ergebenden Maßnahmen konnten am Mittwoch abgeschlossen werden. Trauerbeflaggung am Freitag Reichsinnenminister Dr. Frick hat angeordnet, daß am kommenden Freitag, dem Beisetzungstag der Opfer bei der Einsturzkatastrophe am Brandenburger Tor, sämtliche staatlichen Gebäude halbmast flaggen. Der geistige Kampf um die Rassenpflege Dr. Groß vor dem internationalen Kongreß für Bevölkerungswissenschaft. Der zweite Tag des Internationalen Kongresses für Bevölkerungswissenschaft in Berlin begann mit der Bekanntgabe folgenden Telegramms des Führers und Reichskanzlers:„Den Teilnehmern an dem Internationalen Kongreß für Bevölkerungswissenschaft danke ich herzlich für den mir von der Eröffnungssitzung übersandten Gruß. Ich wünsche dem Kongreß für seine bedeutungsvolle Arbeit auf den wichtigen Gebieten der Bevölkerungspolitik und Rassenpflege einen vollen Erfolg.“ „Professor C. E. Campbell=New York schilderte die diologischen Grundforderungen der Bevölkerungswissenschaft und betonte dabei, daß man heute entgegen der Einstellung in den vergangenen Jahrhunderten, wo man die Entwicklung der Menschheit einer gütigen Vorsehung überlassen habe, endlich die Erkenntnis gewonnen habe, daß die Menschheit selbst Einfluß auf ihre Entwicklung ausüben könne. Eekennutnse in seiner Polik und Hesetgebung die Jolae. Per Fe f geg. Lervoragenden viah in v, Aastengeschschte Professor Lundborg=Upsala unterstrich die Feststellung, die Dr. Burgdörfer am Vortage getroffen hat, und nach der ein Volk nicht zu sterben brauche, wenn es nicht will. Mit Begeisterung begrüßt und oft von starkem Beifall unterbrochen, behandelte sodann der Leiter des Rassepolitischen Amtes, Dr. Walter Groß, den geistigen Kampf um die Rassenpflege. williges Opfer fordern könne. Demgegenüber betonte Dr. Groß mit Nachdruck: Es gibt Pflichten des Mitleids und der Humanität auch gegen die gesunden Kräfte der Völker. Sie berechtigen uns zur Anwendung aller der Maßnahmen, die wenigstens für die nächste Generation Raum und Geld für die erbgesunden, aber armen Volksschichten frei machen. Die Sterilisierung in den von der Wissenschaft dafür angegebenen Fällen bleibt auch humane Pflicht gegenüber dem Einzelschicksal. Echtes Mitleid sucht Leid und Elend zu verhüten, statt es hinterher zu besammern. Die letzte Gruppe von Einwänden befürchte, es könne der Hinweis auf hiologische Wertunterschiede in der Gesellschaft oder auf Klassenunterschiede in der Menschheit zu schwerwiegenden Konflikten führen. Gerade die rassenhogienischen und rassenkundlichen Erkenntnisse und ihre Anwendung seien aber geeignet, Konflikte und Kriege einzuschränken oder gar zu verhindern. Besonderheiten der großen Völkergruppen, ihre Pflege und Reinhaltung bedinge gleichund die Ablehnung jedes nnorganisch-ImpeDie Pflichk. ane. Laun 9. ge helb in hren Ligrur, Interese Erkenntnissen der objektiv forschenden Wissenschaft die notwendigen praktischen Folgerungen zu Kolonien für Deutschland Bemerkenswerter Artikel der„Daily Mail“. Die Londoner„Daily Mail“ setzt sich in einem Leitaufsatz für eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und England ein und schreibt dabei u. a.: In England wächst immer mehr die Einsicht, daß die Frage der Jreundschaft Englands mit Deutschland den Schlußstein der britischen Politik bilden sollte. In den letzten 2½ Jahren hat Deutschland erstaunliche Fortschritte gemacht. Aus einer vom Kommunismus geschwächten und von Zwietracht zerrissenen Nation ist die stärksie und entschlossenste Großmacht geworden. Seine Genesung gehört zu den Wundern der modernen Welt. Dies alles ist unter der begeisternden Führung Hitlers erreicht worden, dessen Politik eine Nation geeint und neu gestärkt hat, die heute den eindrucksvollen Beweis patriotischen Glaubens an ihre Sendung gibt. Das britische Volk wünscht, mit Deutschland ebenso wie mit anderen Nationen auf freundschaftlichstem Fuße zu stehen. Das englisch=deutsche Marineabkommen steht in einem erfrischenden Gegensatz zu dem andauernden Gezänk, das alle Versuche zu einer Annäherung in Genf begleitet und schließlich in der lächerlichen Anklage des Völkerbundes gegen Deutschland geendet hat. Das Flottenabkommen war ein großer Schritt zur Befriedigung der berechtigten Wünsche Deutschlands. Niemals zuvor ist ein solcher je getan worden. Es bleibt noch die Frage der Kolonien übrig, die Deutschland durch den Versailler Vertrag genommen wurden. Die Zeit rückt schnell heran, wo auch diese Angelegenheit im Interesse des Weltfriedens ein für allemal in Ordnung gebracht werden muß. Deutschland hat sein Recht durchgesetzt, als gleichberechtigt unter den Mächten angehört zu werden. Es hat auch einen wohbegründeten Anspruch auf Berücksichtigung auf kolonialem Gebiet. Die britische Regierung könne sehr wohl erwägen, ob es nicht klug wäre, die gegenwärtig unmittelbar unter britischem Mandat stehenden Gebiete an Deutschland zu übertragen. Ueber die Frage der Dominionmandate sollen die Dominions selbst entscheiden. Eines ist sicher: Es ist unmöglich, eine männliche Nation von 66 Millionen ständig auf ein Gebiet von 181 000 Quadratmeilen in Mitteleuropa zu beschränken. Deutschland braucht Atemraum für sein übervölkertes Gebiet. Besonders gilt dies von einem Volk, dem die Vorteile eines überseeischen Reiches bekannt sind, und dessen Erinnerungen an seine koloniale Entwicklung wach geblieben sind. Sir Samuel Hoare hat Italiens Bedürfnis nach Ausdehnung anerkannt. Dies ist ein Bedürfnis, das gleichermaßen für Deutschland, der anderen„besitzlosen" Nation, gilt. Großbritannien mit seinem Weltreich von mehr als 13 Millionen Quadratmeilen sollte zu allerletzt Wünschen eines Volkes nach überseeischen Besitzungen im Wege stehen. Die Schau der 500000 geschlossen Großer Erfolg der Rundfunkausstellung Die 12. große deutsche Rundfunkausstellung Berlin 1935 ihre Pforten endgültig geschlossen. Durch die Drehkreuze wurden in diesen 12½ Tagen 480000 Besucher gezählt gegen 300000 Besucher im Vorjahr. Sie setzten sich zu etwa 40 v. H. aus Berlinern und zu 60 v. H. aus auswärtigen Besuchern zusammen. Gegen das Jahr 1934 ist somit eine Besuchssteigerung von 60 v. H. eingetreten. Es wurden allein 152 ausverkaufte Sonderzüge gefahren und über 1000 Gesellschaftsfahrten veranstaltet. Unter den Besuchern sah man zahlreiche Ausländer aus allen Teilen der Welt. Es gab nur ein Urteil über die Ausstellung; insbesondere gaben die ausländischen Besucher ihrer Bewunderung Ausdruck über ihre Gestaltung und Vielseitigkeit. Große Begeisterung hat der erstmalig auf der Ausstellung eingeführte Volkssender hervorgerufen. Stärkster Andrang serrschte zu jeder Tagesstunde in der Fernsehstraße, die ich vor allem auch größter Beachtung durch die Ausandsbesucher erfreute.— Die täglich stattfindenden Abendveranstaltungen in der großen Halle I waren ständig überfüllt. Auch der wirtschaftliche Erfolg ist unbestritten. Von den ausländischen Händlern wurde die Klangschönheit und Tonwiedergabe der deutschen Geräte uneingeschränkt anerkannt.I.ILII Dr. Groß setzte sich dabei u. a. auch mit den Einwänden auseinand Maßnahmen des nationalfozi listischen Deutschlands gemacht worden sind, und legte glänzenden Ausführungen die Unhaltbarkeit dieser Ei wände dar. Der erste Einwand, so führte Dr. Groß im ei zelnen aus, gehe von einer rein individualistischen Haltur aus, die keinen Eingriff in die Lebensgestaltung des Einzwolle. Sie geben dem einzelnen daher etn das Recht, kinderlos zu leben oder auch bei deutlich vorli genden Erbkrankheiten beliebig viel Kinder zeugen od über alle Grenzen und Rassen hinaus nach seinem eigen Geschmack Ehen zu schließen. Diese Haltung müsse völl gerworfen, werden, zu sie, sinngemäß angewendet, auf alle Gebieten des menschlichen Lebens die Gemeinschaft und d mit Staatenbildung, Wirtschaft und Kultur unmögli machen würde. Menschliches Leben ist nur möglich durch die Eingli derung des einzelnen in die Gemeinschaft. Und wie d Gemeinschaft etwa durch Steuergesehze und Seuchenbekäm fung in höherem Interesse den Egoismus des einzelnen 5 schränke, so habe sie auch das Recht, für die Gemeinscha notwendige bevölkerungspolitische und rassenhygienisc Maßnahmen durchzuführen, wenn die wissenschaftliche E kenntuis dazu zwinge. Die zweite Gruppe von Einwänden sei humanitärer Natur. Sie glaube, daß z. B. der Eingriff der Sterilisation für den Betroffenen ein so schweres Opfer bedeute, daß die Gesellschaft es überhaupt nicht oder nur als freiHochschulstudium Der Reichsjugendpressedienst enthält u. a. folgende Ausführungen über die Möglichkeit für HJ.=Führer, auf Grund des Volksschulbesuches zum Hochschulstudium zugelassen zu werden: Die Hitler=Jugend hat die Möglichkeit, politisch bewährte und wirklich begabte HI.==Führer, die keine Reifeprüfung ausweisen, auf die Hochschule zu bringen. : Die Auslese erfolgt nicht unter Berücksichtigung irgendwelcher finanzieller Voraussetzungen, noch ist irgend eine Vorbildung erforderlich, die über den Volksschulbesuch hinausgeht. Es kommt ausschließlich darauf an, junge Nationalsozialisten zu finden, in denen ein starker und schöpferischer Wille lebt. Die vorgeschlagenen Bewerber werden für die endgültige Auslese in einem Gemeinschaftslager im Einvernehmen mit dem Reichsjugendführer und dem Reichsarbeitsführer zusammengezogen. Leider sind verständlicherweise die Mittel beschränkt, so daß verhältnismäßig nur wenig junge Kameraden erfaßt werden können. Immerhin ist die Durchführung der Aktion für 20 Bewerber zum 1. November gesichert. Nach einer dementsprechenden intensiven Auslese werden die zum Studium endgültig Ausgewählten in einem Kameradschaftshaus zusammengefaßt. Im ersten Jahr erwerben sie sich in konzentrierter Form diejenigen Kenntnisse, die als Grundlage für für HJ.=Führer. das weitere Studium notwendig sind. Nach dem ersten Jahr wird eine Prüfung abgelegt, die nach erfolgreicher Absolvierung zum Hochschulstudium berechtigt. Im zweiten Jahr beginnt bereits das ordentliche Studium. Auch für das spätere Studium erhalten die Zugelassenen staatliche Freistellen(Lebenshaltung u. Studienkosten), wenn die Eltern nicht zur finanz. Beihilfe herangezogen werden können. Die Hochschule erhält auf diese Weise einen Stamm zuverlässiger Nationalsozialisten Es handelt sich nicht um eine Wohlfahrtseinrichtung mit der Möglichkeit zu„sozialem Aufstieg“, denn in der Volksgemeinschaft arbeitet jeder von seiner Stelle mit derselben Ehre, sondern es ist diese Aktion ein neuer Weg, die Hochschule und damit das Zentrum deutschen Kulturträgertums zu revolutionieren. Fraglos wird schon die Vorauslese, die bis zum 1. September abgeschlossen sein wird, eine Ueberfülle von wirklich geeigneten jungen Nationalsozialisten ergeben, und es ist zu hoffen, daß, um diese Kräfte nicht ausfallen lassen zu müssen, der Plan für die nächste Zeit erweitert werden kann. Die Hitler=Jugend ist sich der Bedeutung dieser Maßnahmen bewußt und wird durch die Nennung fähigster und zuverlässigster Kameraden beweisen, daß die Aktion in vollem Maße im Geiste und in der Ausrichtung der HI. liegt. Die Herbstübungen des 6. Armee=Korps in der Lüneburger=Heide. Eine Rundsunk=Vorschau Am Mittwochabend gab der Chef des Generalstabes des 6. Armeekorps, Herr Oberst Mummenthey, seinen Volksgenossen in Rheinland=Westfalen, Hannover und Oldeuburg über den Reichssender Köln einen Ausblick auf die am 2. September beginnenden Herbstübungen in der Lüneburger Heide. An ihnen sind, wie bekannt, vorzugsweise die Truppen aus Westfalen und Niedersachsen beteiligt. Der Vortrag stimmte die Rundfunkhörer auf diese große militärische Veranstaltung ein, indem er ihnen deren Bedeutung durch den zum Nachdenken anregenden Vergleich dieser Manöver mit denen der letzten 14 Jahre nahebrachte:„Die Zeiten der Holzattrappen von Geschützen, der Panzerwagen aus Pappe und Blech und der Flugzeuge in Gestalt von Kinderballons sind vorbei! Eine stolze, freie Truppe, ausgerüstet mit allen neuzeitlichen Waffen, eine moderne, starke Infanterie, leichte und schwere Artillerie, Panzerfahrzeuge, Kampfwagenabwehrgeschütze, motorisierte und berittene Aufklärungsformationen und zugeteilte Kampfflieger werden in der Woche vom 2. bis 7. 9. in der Lüneburger Heide ihre Waffenübungen abhalten. Die weiteren Ausführungen wiesen auf die größeren Ausmaße dieser Uebungen des verstärkten 6. Korps hin, die der Kommandierende General, Herr Generalleutnant von Aluge mit seinem Generalstab selbst leitet. Auf Sinn und Zweck solch großer Truppenübungen eingehend, begründete Oberst Mummenthey überzeugend die Notwendigkeit solcher Manöver mit einer Parallele zwischen der soldatischen Arbeit und dem Fertigungsprozeß in einem industriellen Betriebe. So wie dort am Ende der Werkstattarbeit des Einzelstücks die gewaltige fertige Maschine steht, so muß die Einzelschulung des Soldaten, seine Ausbildung in Waffeneinheiten und deren Zusammenwirken auf dem Gefechtsfelde ihre Schlußprobe bestehen im Zusammenspiel von Waffe, Truppe und Führung im großen Manöver, im weiten, möglichst unbekannten Gelände, in der normalen großen Kriegseinheit, in der erstmalig alle modernen Waffen vereinigt sind, der Division. Die bevorstehenden Herbstübungen des 6. Armee=Korpo werden Gelegenheit bieten, mehrere Divisionen gegeneinander kämpfen zu sehen. Aus naheliegenden Gründen(Achtung, Feind hört mit) konnte diese Funkvorschau natürlich mit Einzelheiten über die Aufträge der Parteien und anderes nicht aufwarten. Betont wurde die kriegsmäßige Durchführung der Uebungen. Auch wurde ein Ueberblick über die Zeiteinteilung gegeben, auf die noch an anderer Stelle eingegangen werden wird. Besonders unterstrich der Vortrag die Bedeutung der beiden letzten Manövertage, die voraussichtlich unter den Augen des Oberbefehlshabers des Heeres, Generals der Artillerie Freiherr von Fritsch und des Reichskriegsministers Generaloberst von Blomberg ablaufen werden. Am Ende seine Ausführungen wies Oberst Mummenthey auf die große Parade hin, die am 7. September den Tagen angestrengter Arbeit die Krönung geben wird und auf die bereits in der Presse aufmerksam gemacht werden ist. An ihr teilzunehmen wird einer fast unbeschränkten Zuschauermenge möglich sein. Auch an den Uebungstagen können die Manöver aus einiger Entfernung verfolgt werden. Der Redner schloß mit der Bitte an die Zuschauer, die Gefechtshandlungen selber nicht zu stören und den Absperrungsposten Folge zu leisten. Nur so können die großen Vorarbeiten und Kosten auch ganz der Schulung der Führer und der Truppe zugute kommen. Mit dieser Rücksicht dient jeder unserem Volke am besten, denn unsere Wehrmacht kann nur bei bester Schulung der starke Hort des Friedens sein, den Führer und Volk in ihr erblicken. Mit einem herzlichen„Auf Wiedersehen in der Lüneburger Heide!“ klang die Rundfunkansprache des Chefs des Generalstabes des 6. Armeekorps aus, die jedem Hörer die Bedeutung der bevorstehenden Waffenübungen gezeigt hat, wofür man dem Reichssender Köln aufrichtig Dank weiß. Aus dem ewigen Eis gerettet. 29. August. Einem d#nischen Grönland15 Todesovier eines Sturmes Jork, 29. August. Ueber Neufundland fegte ein Sturm hinweg, der große Verheerungen anrichtete. Der Sachschaden wird 250000 Dollar geschätzt. Ueber 200 Fischerboote wurden beschädigt oder zerstört. Zwei zweisitzige Flugzeuge der Britischen Reichsluftverkehrsgesellschaft, die an eine Firma in St. Johns vermietet worden waren, sind zerstört worden. Zwei Schoner sind gesunken. Die Besatzung konnte nicht gerettet werden. Insgesamt haben in dem Un15 Menschen den Tod gefunden Ein Mittelsmann Varmats vor Gericht Vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte hatte sich der 38jährige William Hahlo wegen Devisenverbrechens zu verantworten. Im Hintergrund dieser Devisenschiebung steht einer der Brüder Barmat, jener Großschieber, die in den Nachkriegsjahren durch Finanzgeschäfte mit öffentlichen Geldinstituten und durch Steuerhinterziehungen das öffentsiche Vermögen um annähernd 30 Millionen RM geschädigt aben. Dem jetzigen Prozeß liegt folgender Tatbestand zugrunde: Einer großen Gesellschaft war in einem Zivilprosetz, in dem sie als Klägerin auftrat, viel an Auskünften egen, die allein Heury Barmat, der sich in Brüssel aufhielt, erteilen konnte. Da der schlechte Ruf Barmats bekannt war, zog man es vor, einen Mittelsmann, nämlich den Angeklagten Hahlo, damit zu betreuen, mit Barmat in Verbindung zu treten. Hahlo hat das getan und Anfang Fehruar 1933 unter Verletzung der Devisenbestimmungen 26 000 RM an Barmat für die Auslieferung des angeblich wertvollen Beweismaterials in Berlin ausgezahlt. Hinrichtung wegen Verrais militärischer Geheimnisse. Der vom Volksgerichtshof am 14. Juni 1935 wegen Verrats militärischer Geheimnisse zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wilhelm Mueller=Heinecke aus Berlin ist in Berlin hingerichtet worden. Die Vollstreckung des Todesurteils wurde in Berlin durch Plakatanschlag bekanntgegeben. Neues in Kürze. Luftmillionür des Nordens. Joseph Kaspar, der Pilot der dreimotorigen Ju. 52„William Langanke“, die auf der Strecke Oslo—Gotenburg—Kopenhagen verkehrt, hat eine Million Kilometer im Luftraum durchmessen, und gehört damit zu den Luftmillionären der Deutschen Lufthansa. Flugkapitän Kaspar, der bayerischer Abstammung ist, hat ungefähr 900000 Kilometer in den nördlichen Ländern, und zwar wohl als einziger überwiegend auf Wasserflugzeugen, abgeflogen. Wie man sich noch erinnern wird, hat das von Kaspar geführte Flugzeug vor kurzem einem in der Ostsee Drei Kinder von einer einstürzenden Mauer erschlagen. In der Nachbarschaft einer Schule im Südosten Lonbons streifte ein Lastkraftwagen die Mauer des Schulhinter der sich eine große Anzahl von Kindern mit Ingehörigen befanden. Die Mauer stürzte unter dem uck mit lautem Krachen zusammen und begrub mohrere Kinder und Erwachsene. Nach den bisherigen Feststellungen wurden drei Kinder, darunter ein im Kinderwagen liegendes Baby getötet. Die Jahl der Verletzten wird mit echs angegeben. Drei Brunnenarbeiter in Italien ködlich verunglückt. Bei Brunnenarbeiten in Palestrina in der Nähe von Rom wurden drei Arbeiter durch giftige Gase getötet. Als ein Arbeiter, der in einem neu gegrabenen, 20 Meter tiefen Brunnen arbeitete, verdächtig lange in der Tiefe blieb, begaben sich zwei weitere Arbeiter ebenfalls in den Schacht. Alle drei wurden von den Giftgasen betäubt und konnten nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Einbruch in die Jamillengruft der Grafen Auersperg. Unbekannte Täter drangen in die Familiengruft der Grafen Auersperg in der Nähe des Schlosses Thurn bei Burgfeld ein und öffneten den Sarg des Grafen Alexander Auersperg, der unter dem Dichternamen Anastasius Grün vor ast hundert Jahren in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen ist. Die Täter brachen auch noch andere Särge auf, fanden aber nirgends Wertgegenstände vor. 6000 Silbermünzen gefunden. Bei dem Bau der Reichsautobahn. 20 Kilometer östlich von Nürnberg, wo schon vor einigen Wochen zwei kleinere Münzenfunde gemacht wurden, wurde ein großer Tonkrug ausgegraben, der nicht weniger als 6000 Silbermünzen enthielt. Es handelt sich um künzen verschiedener Prägung aus der zweiten Hälfte der 11. Jahrhunderts. Verschiedenes. Mond in der Stunde der Geburt. Haben Ebbe und Flut Einfluß auf die Geburt von Mensch und Tier? Steht der Mond in irgend welcher Beziehung zu dem Augenblia, in dem der kleine Erdenbürger das Licht der Welt erblickt? Das sind gewiß überaus interessante Fragen, deren weitere Verfolgung allgemeine Aufmerksamkeit verdient. Kirchhoff und Harfst in Kiel sind neuerdings diesen Problemen nachgegangen. Denn im Volke besteht die Meinung, daß fast alle Geburten in die Zeit des auflaufenden Wassers fallen und daß die Wehen während der Flut stärker seien. Die Forscher hielten zunächst bei allen Hebammen der Nordseeinseln Rückfrage. Die Frauen bestätigten die Meinung. Aber dann hat die nüchterne wissenschaftliche Arbeit mit gewohnter Gründlichkeit eingesetzt. Man blätterte in den Tagebüchern der Wehmütter und verglich sie mit den Flutkalendern, die im Interesse der Seeschiffahrt genau geführt werden müssen. Dabei ergab sich keine sichere Beziehung zwischen der Meeresbewegung und der Geburt. Und auch dem guten Mond hat man nicht nachweisen können, daß er im Spiele ist, wenn die Menschenkinder den ersten Schrei tun. Es scheint also, als sel der Volksglaube Irrwege gegangen Ob es stimmt? Wenn der Tintenstift ungesichert ist... Verletzungen durch den Tintenstift sind nicht ganz selten; immerhin haben sie im Laufe der letzten Jahre an Zahl heblich abgenommen, wahrscheinlich dank den wiederholten ärztlichen Warnungen in der Presse. Trotzdem muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der Verletzte sich möglichst schnell in Behandlung begeben und der chirurgische Eingriff mit tunlichster Beschleunigung erfolgen muß. Diese Erfahrung hat kürzlich Dr E. Glaß in Hamburg gemacht, der in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ darüber berichtet. Da hatte sich ein Mann von 47 Jahren verletzt, als er unvorsichtig in die Tasche griff, in der ein Tintenstift ohne Sicherungskappe steckte. Das geschah um zehn Uhr vormittags. Sechs Stunden später suchte der Kranke den Arzt auf und wurde nun ins Krankenbaus geschickt. Dort fand um sieben Uhr abends die Operation statt. Es zeigte sich, daß im Verlaufe der neun Stunden eine weitgehende Zerstörung des Gewebes eingetreten und das Gift auch in die Beugesehne des Daumens eingedrungen war. Die Zukunft des Pferdes. Weil die Pferde in den Weltstädten immer mehr durch das Auto verdrängt werden, meinen viele, in absehbarer Zeit Zu spät— zu früh? Skizze von Rudolf Schneider=Schelde „Es ist zu spät“, sagte sie lächelnd, als er sie an ##9# sagte er.„es?“ und zu spät?“ sagte er,„es ist doch nie zu st *=—— und zog so sicher wollte sie gehen. Sie saß am selben Tisch wie er, sie hatte nur ernd dort Platz genommen, aber das Kaffeehaus war sehr und der voll gewesen und einander entfernt. geschrumpft, und Er hatte eine Zei cht mehr, sondern s# und zurückhalten Tisch sehr breit und die Stüble weit vonInzwischen, schien es, war die Tischplatte die Stühle waren aufeinander zu gerückt. itung gelesen, als sie kam, aber dann las er ute sie an. Er schaute sehr rücksichtsaber er schaute, und sie merkte es natürlich. Sie fand ihn nett. Sie sah ihn nicht an, aber sie sah ihn genau, sie konnte das so gut wie andere Mädchen, und vielleicht bätte sie sich sogar mit ihm unterhalten. Aber er redete nicht. Sie konnte doch nicht zu reden anfangen. Sie wunn, daß er gern geredet hätte, aber es schien, er war so stumm wie ein Fisch.— Schade, dachte sie. Er dachte noch viel mehr. Aber er war doch nicht stumm, gerade, als sie gehen wollte, fing er zu reden an. Doch jetzt war es zu spät, sie sagte es, und die ganze letzte halbe Stunde schwang in den paar Worten mit, die ste sagte, besonders schwang mit, daß er alles versäumt hatte. Er verstand sie genau, und nun gab er sich nicht zufrieden, nun wurde er mit einmal gesprächig und so, daß sie lachen m. Er leider zie. was alles er gern gesagt hätte, und darum sch.. spazierenzugehen, die Straße entlang, dort hinüber, wo Bäume waren, er dachte an die Bänke, die unter den Bäumen standen. Es war eine schöne, warme Nacht. „Es ist zu spät“, sagte sie wieder lächelnd. „Immer zu spät“, sagte er,„es ist keineswegs zu spät.“ Es war noch nicht einmal Mitternacht, er fand es schrecklich trüh und wurde sehr beredt und malte die Nacht und den Mond mußte. Damit hatte er gewonnen. Er ging mit ihr fort und brachte sie vor ihr Haus, das r ziemlich in der Nähe lag, viel zu nah für ihn oder das, alles er gern gesagt hätte, und darum schlug er vor, noch 1n05 und die Sterne und das duftende Laub der Bäume in so prächtigen Farben, wie es eigentlich nicht nötig war, da sich das alles spürbar in nächster Nähe befand. Aber sie verstand ahnte, daß er im Grund mehr sie malte als die Nacht, war zufrieden mit dem Bild und fühlte sich von seinen angerührt. Sie zog unsicher ihre Handschuhe aus, weil sie ihm zum Abschied die Hand reichen wollte, und fand ihn noch netter als vorhin. Er ließ ihre Hand nicht mehr los. Er gewann das Spiel und führte sie unter die Bäume und saß eine Weile mit ihr auf einer Bank, mit viel Anstand und Abstand. Er sprach von sich und der Welt und von ihr, er war nicht mehr ganz jung und machte sie neugierig, und dann eingen sie noch ein Stück und standen plötzlich vor seinem Haus, und er sagte, daß er hier wohne und daß er ihr furche bar gern seine Bilder und Bücher zeigen würde, er habe so hübsche Bilder, und sie müsse mitkommen und alles ansehen, es sei eine einzigartige Gelegenheit in dieser herrlichen Nacht. Er sagte es drängend und sah sie in der Dunkelheit mit glühenden Augen an. „Es ist zu spät“, sagte sie wieder und schüttelte leise den Koyf. „Wieder dasselbe“, sagte er,„das alte Vorurteil, sonst nichts, das ganze Leben wird Ihnen entgehen, wenn Sie ewig denken, es ist zu spät.“ Er war nicht sicher, ob er glaubte, was er sagte, aver vielleicht glaubte er's, und vielleicht war es sogar wahr; er sagte weiter, wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre es auch zum Kennenlernen zu spät gewesen, und damit hatte er wenigstens scheinbar recht. Sie gab nicht mit Worten nach, aber in der Tat, denn er hatte sie langsam in eine Welt etzt, in der es vielleicht wirklich nur Vorurteil war, sich um Mitternacht hübsche, Bülder, egerzeighe 2. H5, Gerg, die Sie war ein Stufen zu seinem Haus hinauf und hörte seine no wußte nicht recht, wie ihr geschah. aber gerade, weil sie sein in Zauber hatte über loszulösen, es fragte Tür seiner Wohnung zufallen und sah ihn an, aber er tat, als habe sich nirgends eine Tür geschlossen, und jetzt kam wohl alles darauf an, ob er wirklich ein Zauberer oder ob er ein Schwindler war. Er wukte es wahrscheinlich selber nicht, es konnte sein, daß er beides war, aber es würde sich herausstellen, und insofern kam alles wieder auf das Mädchen an; ob es ihn zum oder zum Schwindler machte. Er zeigte ihr seine Bilder, die ziemlich hübsch waren, und dann versuchte er sie zu küssen. Sie wollte nicht. Sie wandte sich mit einer unbewußten Bewegung rasch zur Tür, aber er kam ihr zuvor und vertrat ihr den Weg und stand halb bittend und halb drohend vor ihr. Er ärgerte sich. Er fand, sie war zu weit gegangen, um sich noch heil zurückzuziehen. „Es ist zu spät“, sagte er spöttisch mit ihren Worten und wollte fortfahren:„Wer A sagt, muß auch B sagen“, da wurde die Macht des Mädchens wirksam. Er schwieg, sein Trotz schmolz, etwas an ihrer Haltung verursachte ihm Scham. Sie merkte, daß sie ihn überwand, und verzieh ihm alles. Sie war sehr hübsch, noch hübscher jetzt als vorher, verklärt durch das Zartgefühl, womit sie iom über die Niederlage hinweghelfen wollte. Er traf sie plötzlich in einer dritten Welt, fern der Begegnung im Kaffeehaus und fern der Verführung soeben; es konnte sein, daß es die Welt der Liebe war. Er sah erstaunt und zaudernd dorthinein, es schien, daß er nicht über die Schwelle wollte. Sie setzte sich wieder an seinen Tisch, in seinen Stuhl, und er verwunderte sich, daß Wahrheit wurde, was Lüge gewesen war, daß er ihr seine Bilder und seine Welt zeigen wollte, sonst nichts, und daß ihm wohl dabei war. Mit leiser Scheu genoß er den Zauber, der aus dem Schwindel wurde, und fühlte beglückt, wie ihr Vertrauen ihm entgegenkam. Es war auch etwas Wehmut in ihm oder Unzufriedenheit. er ahnte, daß er einen guten Tausch gemacht hatte, aber es war ein Tausch, ihm schien, er hatte etwas dafür verloren. Als er sie schließlich nach Hause brachte und ihr„Auf Wiedersehen!“ sagte, bot sie ihm von selbst die Lippen. Er küßte sie, aber es war ein andrer Kuß, als er ihn vor kurzem begehrt hatte. Er empfand Zärtlichkeit dabei und liebkoste sie vorsichtig und schwieg und empfand auch wieder Unzufriedenheit.". Es ist zu spät, dachte er bei sich. Er sagte es nicht, aber sie lächelte und sah nicht so aus, als ob ihr bange vor irgend etwas wäre, und es schien, sie hatte erraten, was er dachte. Ehe sie schnell ins Haus schlüpfte, sagte sie mit winzigem Kopfschütteln und einer siegesgewissen Süßigkeit, so leise, wie man ein Geheimnis verrät:„Es ist zu früh. Ratten verlassen das Schiff. Geheime Kräfte wirken in der Kreatur. Beim Bergsturz von Elm in der Schweiz im Jahre 1881 büteten Männer unten im Tal und auf dem gegenüberliegenden Abbang Kübe. Die Tiere brachten sich durch Flucht nach der gefahrlosen Richtung rechtzeitig in Sicherheit, während die Hirten unter der Steinlawine begraben wurden, nachdem sie sich über das„unvernünftige" Verhalten der Tiere eben noch erbost hatten. Es verloren bei diesem Ereignis 116 Menschen das reven, aber keine Katzen; sie fand man am folgenden Tage auf dem Trümmerfelde, vergeblich ihre Heimat suchend.— Ein oder Tage vor dem Bergsturz, der 1618 den Flecken Plurs im (Schweiz) zerstörte, ramen die Aelpler berab und bedie Kübe fräßen nicht mehr auf der Alp und liefen talab davon, auch die Bienen hätten in Schwärmen ke verlassen.— In Kalabrien hält man sich Katzen Hunde, um Erdbeven am Benehmen und Fliehen der Tiere vorauszusehen und mit ihnen zu fliehen. Die Vernhardinerhunde vom Hospiz auf dem Sankt Bernbard werden unruhig und begehren hinaus eine halbe oder viertel Stunde vor Eintritt eines Schneesturms, um Verunglückte zu suchen. Vor den Mönchen her suchen sie ihren Weg, ohne ihn bei Nacht und Nebel auch nur um einen Meter zu verlieren: —— sesten vorkommen, daß der Leithund plötzlich rechtwinkelig von der Richtung abweicht Umweg macht; dann kracht eine Lawine herunter, die, hätte der Hund den Weg fortgesetzt, das Tier verttet haben würde. Die Menschen lassen sich von diesen Hunvertrauensvoll führen. Auch Bergpferde„ahnen“ den von Lawinen; sie wollen plötzlich nicht weiter vor##en sogar mit dem Schlitten um und retten so oft ihr Leben und das ihrer Herren. Als ich eines Nachts im Kriege mit meinem Burschen aus ierend die Zone der Gefahr ferde und wollten kurz kehrt n waren sie nicht vorwärts zu bringen. Vielleicht fünf Sekunden verrannen, dann platzte vor uns auf der Straße eine feindliche Granate. Hierauf rasten die Tiere weiter. Zweifellos wäre das sonst für uns ein Volltreffer geworden; so blieben wir unversehrt, nur ein Splitter durchlöcherte den Schuh meines Burschen. Dies Verhalten der Pferde ist um so verwunderlicher, als auf der ganzen Strecke fortwährend rechts und links Cranaten einschlugen, da die Straße unter feindlichem Artilleriefeuer lag.— Als im Jahre 1848 in Marseille und Umgebung die Cholera ausbrach, waren plötzlich sämtliche Echwalben und Sperlinge aus der Stadt verschwunden; die Schwalben kehrten auch in diesem Jahre nicht rück; dafür zeigten sich in den Straßen auffallend viele Krähen. Kairo, Alexandrien und anderen Städten Nordafrikas hat man zu Zeiten vor Seuchen dieselbe Beobachtung gemacht. Bei Hrusttasche in den Rock, wenn sie ebenfalls nur einem überflüssigen Schmuckbedürfnis entspricht? Der britische Kulturhistoriker Chapman hat die Be tung aufgestellt, das Ziertaschentuch sei eine Erfindung König Georgs IV. von England, des ersten Gentlemans Europas. Glücklicherweise regierte dieser sonderbare„Gentleman“ nur zehn Jahre das Inselreich, denn, er, der zügellose Genußmensch, war alles andere als ein Gent. Er starb im Jahre 1830, und Old=England weinte ihm keine Tränen nach. Nach Ansicht Chapmans war es zu jener Zeit üblich, daß man sich in England bei Hofe zum Schneuzen nur des Daumens und Zeigefingers bediente. So kam es gelegentlich vor, daß hohe Würdentrüger in der peinlichsten Weise angeniest wurden. Um diesem Uebelstand zu beseitigen, führte Georg IV. das Ziertaschentuch in einer besonders gearbeiteten Brusttasche am Staatsfrack ein. Im Gegensatz zu heute wurden indessen diese Tüchlein auch verwandt. Es gehörte damals zum guten Ton, sich durch ein sichtbar zur Schau getragenes Taschentuch als ein Kulturmensch auszuweisen. Doch befindet sich der Engländer Chapman mit seiner Behauptung auf dem Holzwege. Dokumentarisch belegt ist das Taschentuch des Mannes schon im siebzehnten Jahrhundert, als das„ala mode“=Unwesen sich in den europäischen Ländern breitmachte. So wird bereits in den 1644 erschienenen„Lois de Galanterie"(Gesetzen der Galanterie) einem französischen Edelmann geraten, er möge sein eigenes Taschentuch keinem anderen Manne ausleihen, selbst wenn der andere eine noch Zeit hervorzuziehen und es spielerisch durch die Hand gleiten zu lassen. Dann komme die Schönheit, die Kostbarkeit eines Geltung und hebe ebärdet sich ein Jahre 1685. Er warnt allen Ernstes seine Landsleute davor,„beim Schneuzen Trompete zu blasen“, da dies sich„erschröcklich für frembde Ohren“ anhöre und leicht zum Platzen des Trommelfelles ühren könne. Von einem schwedischen Schauspieler des vorizen Jahrhunderts wird berichtet, daß, wenn er, der durch ein genaues historisches Rollenstudium die Bewunderung einer Zeitgenossen erregte, einen französischen Hofmann aus ser Zeit des Sonnenkönigs darstellte, er es niemals unterließ, ich den Schnupftabak von den seidenen Frackaufschlägen mit einem rotgeblümten Taschentuch abzuputzen. Wer diese Vorgeschichte kennt, mag daraus die kulturelle Wichtigkeit des Taschentuches ersehen. Wozu aber trägt der aufgeklärte Mann unseres Jahrhunderts ein überflüssiges ihm nnge nicht unter, wenn er es ablegen würde. mit ihrem Aussterben rechnen zu müssen. Der Zeitpunkt liegt noch in weiter Ferne, wie eine Statistik zeigt. In Deutschland gibt es noch etwa 3½ Millionen, in England 1 Million, in Polen 4 Millionen und in der Sowjet=Union angeblich noch 30 Millionen Pferde. In dem Dorado der Autos, wo jeder Farmer seinen Fordwagen hat, in den Vereinigten Staaten tummeln sich immer noch 12 Millionen Pferde und 5 Millionen Maultiere. In Argentinien werden 10 und in Brasilien 6½ Millionen gehalten. Asien und Afrika sind im Vergleich dazu pferdearm. ebenso Australien. Die Sprache der Knochen. Amerikanische Forscher haben beim Studium der Menschenknochen Aufsehen erregende Entdeckung gemacht. Sie haben an Tausenden von Menschen festgestellt, daß die Knochen auf äußere Reize in unverkennbarer Weise eine Gegenwirkung hervorrufen. Gerade Gesichtsknochen zeigen sich äußerst empfindlich. Eine Stupsnase z. B. ist in den meisten Fällen auf einen äußeren Reiz, er kann auch ein seelischer sein, zurückzuführen. Schon ein Betäubungsmittel, einem Kinde bei einer kleinen Operation gegeben, führte zu einer Narbenbildung am Knochen. Wird das Wachstum durch eine Krankheit gehemmt, was sehr oft der Fall ist, so prägt sich das auch im Knochenbau aus. Bei einem Kinde stellte man Knochenveränderungen fest, obgleich es nie ernstlich krank geworden war. Schließlich entdeckte man die Ursache. Als es zwei Jahre alt war, verließ der Vater die Familie. Die dadurch bewirkte Veränderung genügte, um sich in der Knochenbildung auszuprägen. Mit der neuen Knochenkunde ist der Heilkunst vielleicht ein neues wertvolles Mittel in die Hand gegeben. Der größte Wolkenkratzer der Welt. Einen typisch amerikanischen Vorschlag zur Behebung der Arbeitslosigkeit hat der amerikanische Architekt Henry Rush gemacht. Rush will, wie aus St. Louis gemeldet wird, den größten Wolkenkratzer der Welt bauen, der 196 Stockwerke erhalten und damit noch einmal so hoch werden soll, wie das Empire State Building in Newyork. Das Bauwerk würde sich über 600 Meter über dem Erdboden erheben. Die Kosten veranschlagt der Architekt mit 233000 000 Dollar. 100 000 Arbeiter würden bei dem Bau durch vier Jahre hindurch Beschäftigung finden. Der Wolkenkratzer würde eine kleine Stadt für sich darstellen. Nicht weniger als 250000 Menschen können sich in sämtlichen Räumen des gigantischen Bauwerks aufhalten. Außer Büro= und Wohnräumen soll das Gebäude noch ein eigenes„Krankenhaus“ und sogar eine höhere Schule für die Kinder der Bewohner erhalten. Turnen, Spiel und Sport. Sportsest in Winterberg. Am letzten Sonntag errangen auf dem Sportfest des SuS. Winterberg einige lippische Sportler kchöne Erfolge im Kampf gegen Leichtathleten jenseits der Weser. So gelang es dem Kalldorfer Turner Julius Schaksmeier, im Dreikampf einen achtbaren 3. Platz zu erringen, während er im 3000=Meter=Lauf nur knapp hinter dem Sieger Flagmeier. TV. Horst, Zweiter wurde. Die 4 mal 100-Meter=Staffel sah die Mannschaft des TV. Kalldorf in Front. In den Spielen siegte TV. Kirchheide über SuS. Winterberg mit 3:0 Toren, BSV. Bentorf zog gegen die Fußballelf aus Westkilver mit 1:2 den Kürzeren, während Sp. Vg. Bavenhausen über Sundern mit 3:1 Toren die Oberhand behielt. Im Handball fertigte TV. Kalldorf die Mannkchaft von Westkil ver sicher mit 5:1 ab. Ferner siegte im 3000-Meter=Lauf der Jugendlichen der Kirchheider Wöstehoff ganz sicher, während es in der Jugend B=Klasse dem Winterberger Hachmeister gelang, im Dreikampf den zweiten Platz zu erringen. Also hier schlug sich Sportnordlippe ganz prächtig. Auf dem Hohenhauser Sportplatz versammelten sich am Vormittag die Jungführer der gesamten nordlippischen Sportvereine zu einem ernsthaften Gemeinschaftstraining. Die Jungführer der Vereine, SC. Hohenhausen, TV. Kirchheide, BSV. Bentorf, VfB. Matorf BSV. Leese, Union Entrup, SC. Lemgo=West, Blau=Weiß Hasenbrede, TV. Schwelentrup und BV. Lemgo erhielten vom Oberjungführer Wibusch wertvolle Anweisungen für die kommenden Wochen. Schließlich versammelten sich noch am Nachmittag in Hohenhausens Badeanstalt die Schwimmer, um den Besuchern des humoristischen Schwimmfestes auch die originelle Seite zu zeigen. Man konnte hier wieder einmal sehen, wie vielseitig doch der Schwimmsport ist. Die Wasserscherze waren wirklich gelungen, und die leider wenigen Zuschauer erlebten einige Stunden köstlichen Schwimmerhumors. Schiedrichter=Untergruppe Lemgo. Alle Schiedsrichter der Untergruppe Lemgo müssen zu dem Belehrungsabend am Freitag, dem 30. August bei Pehle Lemgo um 20,30 Uhr unbedingt erscheinen. Fr. Hausmann. Turnverein Lemgo. Betr. Schülerinnenabteilung. Die Abteilung A(12= bis 14jährig) turnt von jetzt ab am Dienstag. Die Abteilung B turnt dafür Donnerstag 17,30—19 Uhr. Handel und Industrie. Berliner Effektenbörse. Bei allgemeiner Geschäftolosigkeit sind an der Barliner Börse vom Mittwoch keine nennenswerten Veränderungen eingetreten. Der zunächst weiter rückläufigen Bewegung der Kurse folgte später eine weit ruhigere Auffässung, die Kurserholungen mit sich brachte. Die Aktien am Montanmarkt zeigten ein uneinheitliches Bild. Vereinigte Stahlwerke notierten mit 84½ etwas geschwächt: auch Mansfelder und Harpener lagen schwächer. Bei den Braunkohlenaktien verloren Ilse=Genußscheine und Bubiag je X Proz. Bei den chemischen Aktien traten geringfügige Verluste von 2 bis X Prozent ein. Es notierten Chemische Heyden 115 und I. G. Farben 1557/. Elektropapiere hatten fast gar keinen Umsatz. Der Rentenmarkt blieb lustlos. Am Geldmarkt wirkte sich der Ultimo voll aus bei starkem Mangel an kurzfristigem Geld. Blankogeld erhöhte sich auf 2⅞/ bis 3½ Prozent. Am Devisenmarkt lag das Pfund etwas schwächer, Dollar behauptet. Berliner amtl. Kurse: 12,36(12,37) und 2.485(2.48). Devisenkurse. Belga(Belgien) 41,86(Geld) 41,94(Brief), dän. Krone 55,12 55,24, engl. Pfund 12,345 12,375, franz. Franken 16,44 16,48. holl. Gulden 168,26 168,60, ital. Lira 20,36 20,40, norw. Krone 62,05 62,17, österr. Schilling 48,95 49,05, poln. Zloty 46,99 47,09. schwed. Krone 63,65 63,77, schweiz. Franken 81,12 81,28, span. Peseta 34.05 34,11, tschech. Krone 10,305 10,325, Dollar 2.483 2.487. Im grünen Wagen durch die Roman aus dem Zirkusleben von Daul Hain Ucbeder=Rechloschut: Drei Quellen-Berien, Aön##sbrück(Dez. Drroden) 99) „Hoho“, schimpft Ringelnatz,„bleib du gefälligst neben Kasimir. Was hast du hier vorn zu suchen?“ „Kasimir ist in seinem Wagen“, brummt Charles und bleibt etwas zurück. Kann man das mit ansehen, wenn die Ria und„der Graf" da hinten nebeneinander reiten? Die Pia hat's gut, und der Peter hat's gut, der so verliebt in sie ist. Irgendwo werden die beiden schon mal Hochzeit machen. Und der Alfons hat's gut, der nichts weiter wünscht als eine Flasche Knallkümmel und die Landstraße, der Jack hat's gut, der doch wenigstens eine große Vergangenheit hat und seinen Jungen, Johann Augustus und Anastasia haben's gut, die alle Jahre dicker werden. Nur er, er selber, Herrgott, soll er nie was andres haben als jahrein, jahraus im Zirkuswagen durch die Welt zu rollen, immer nur durch kleine Dörfer? Immer nur seinen Kasimir an der Kette? Es ist eine tiefe, hungrige Sehnsucht in dem jungen Menschen. Und die Sehnsucht heißt immer: Ria Roselli! Die Sehnsucht heißt: Bleib wenigstens bei uns. Ria * Ja, wenn es doch immer so bliebe! Ul singt es fidel in die grüne Welt hinaus, während er so neben Ria dahinreitet. Und Rias helle, warme Stimme schwingt sich dazu, und Peter und Pia, die ewig Verliebten, stimmen mit ein, und Little Gnom, der vorn auf dem Sattel von Jack Bill sitzt, kräht es jungenluftig mit, und Alfons schwenkt die Flasche aus dem Wagenfenster in den hellen Sonnenschein, und der ganze schwankende Zug der grünen Wagen mit seinen Pferden und den Hunden und dem Kater Munkepunke, der auf dem Wagen von Kasimir sitzt, scheint in einem Meer von Vergnügen und Freude zu schwimmen. „Ach, wenn es doch immer so bliebe, Hier unter dem wechselnden Mond.“ „Kann's uns besser gehen, Ria?“ lacht Uli sie an „Wenigstens nicht sorgloser, Uli.“ „Stimmt aufs Haar, Liebes.“ Wo liegt Berlin? Wo liegt Köln? Wo liegt die Vergangenheit? Die flimmernde Welt, die grüne Weite hat alles aufgeschluckt, Gott sei Dank! „Wir werden einen feinen Sommer haben, Ria! Einen so feinen Sommer, wie er uns noch nie geblüht hat. Frei wie der Vogel in der Luft. Wie der Reiter auf dem Pferderücken.“ Jack Bill lächelt still. Stimmt schon, was der Uli da sagt. Im Sommer macht es Spaß, durch die Welt zu ziehen. Die beiden kennen noch nicht den Winter. Im Sommer sind die grünen Wagen ein romantisches Paradies. Im Winter? Wehe dem, der da nicht genug im Sommer gespart hat. Im Winter heizt die liebe Sonne nicht. Im Winter kosten die Pferde Geld. Im Winter sitzen die Leute nicht in einem ungeheizten Zelt, um sich Landstraßenspäße anzusehen. Im Winter ist Johann Augustus ein höchst ungemütlicher Herr, den das Zipperlein plagt. Im Winter ist so mancher Wanderzirkus schon verhungert. Aber was will das jetzt schon bedeuten? Und auch der alte Jack Bill reißt plötzlich den Mund auf und singt einfach mit. Und nun ist es nicht mehr das Lied „Ach, wenn es doch immer so bliebe“, nun hat Uli schon ein anderes angestimmt, und auch das kennen sie alle, und über die Wiesen und Felder strömt es dahin und fliegt bis zu den Lerchen oben am „Es blühen die Rosen, die Nachtigall singt, Mein Herz ist voll Freude, voll Freude es springt. Ein Reiter zu Pferde, so reit' ich durchs Land Und halte die Liebste dabei an der Hand. Im Wirtshaus am Wege, da kehren wir ein Und trinken ein Gläslein vom goldenen Wein. Du Hübsche, du Feine, komm, setz' dich zu mir, Ein Ringlein von Golde, das schenke ich dir. Ein Ringlein von Golde, drin glänzt alles Glück Aus unsern Augen funkelnd zurück. Und reiten wir weiter dann Seite an Seit', Dann faßt kaum die Welt unsere Seligkeit!" Und noch was anderes singen sie, immer in die grüne Weite hinein. Von Frühling und Sommer und Rosen und Jungsein, und sie schwenken die Mützen zu den Arbeitern aus dem Felde und den Mägden mit den weißen Kopftüchern, zu den vorüberratternden Leiterwagen, zu den Rinderherden auf den Wiesen, und die grünen Wagen schwanken dahin zwischen dem reifenden Korn und den Bauerngärten und den heuduftenden Wiesen, zwischen den Pappeln der Chaussee, die leise rascheln und rauschen im warmen Wind und sich leise neigen mit ihren hohen Wipfeln als wollten sie das lustige fahrende Volk da unten, zu Pferde, zu Fuß oder zu Wagen, heiter und zuvorkommend begrüßen und ihnen zuflüstern: „Gute Fahrt, Gesellen, gute Fahrt. Euch geht die Sonne nicht unter.“ Sechstes Kapitel Eines Tages kriegt Jack Bill die Unruhe. Uli, der mit ihm in einem Wagen schläft, merkt es daran, daß schweigsamer ist als sonst und manchmal des Vormittag einfach verschwindet. Feingemacht. In einem Anzug, dei allerdings nicht mehr modern, es aber sicher vor Jahren mal gewesen ist. (Fortsetzung folat.) Die Herbstübungen des 6. in der Lüneburger=Heide. Eine Rundsunk=Vorschau Am Mittwochabend gab der Chef des Generalstabes des 6. Armeekorps, Herr Oberst Mummenthey, seinen Volksgenossen in Rheinland=Westfalen, Hannover und Oldeuburg über den Reichssender Köln einen Ausblick auf die am 2. September beginnenden Herbstübungen in der Lüneburger Heide. An ihnen sind, wie bekannt, vorzugsweise die Truppen aus Westfalen und Niedersachsen beteiligt. Der Vortrag stimmte die Rundfunkhörer auf diese große militärische Veranstaltung ein, indem er ihnen deren Bedeutung durch den zum Nachdenken anregenden Vergleich dieser Manöver mit denen der letzten 14 Jahre nahebrachte:„Die Zeiten der Holzattrappen von Geschützen, der Panzerwagen aus Pappe und Blech und der Flugzeuge in Gestalt von Kinderballons sind vorbei! Eine stolze, freie Truppe, ausgerüstet mit allen neuzeitlichen Waffen, eine moderne, starke Infanterie, leichte und schwere Artillerie, Panzerfahrzeuge, Kampfwagenabwehrgeschütze, motorisierte und berittene Aufklärungsformationen und zugeteilte Kampfflieger werden in der Woche vom 2. bis 7. 9. in der Lüneburger Heide ihre Waffenübungen abhalten. Die weiteren Ausführungen wiesen auf die größeren Ausmaße dieser Uebungen des verstärkten 6. Korps hin, die der Kommandierende General, Herr Generalleutnant von Aluge mit seinem Generalstab selbst leitet. Auf Sinn und Zweck solch großer Truppenübungen eingehend, begründete Oberst Mummenthey überzeugend die Notwendigkeit solcher Manöver mit einer Parallele zwischen der soldatischen Arbeit und dem Fertigungsprozeß in einem industriellen Betriebe. So wie dort am Ende der Werkstattarbeit des Einzelstücks die gewaltige fertige Maschine steht, so muß die Einzelschulung des Soldaten, seine Ausbildung in Waffeneinheiten und deren Zusammenwirken auf dem Gefechtsfelde ihre Schlußprobe bestehen im Zusammenspiel von Waffe, Truppe und Führung im großen Manöver, im weiten, möglichst unbekannten Gelände, in der normalen großen Kriegseinheit, in der erstmalig alle modernen Waffen vereinigt sind, der Division. Die bevorstehenden Herbstübungen des 6. Armee=Korpo werden Gelegenheit bieten, mehrere Divisionen gegeneinander kämpfen zu sehen. Aus naheliegenden Gründen(Achtung, Feind hört mit) konnte diese Funkvorschau natürlich mit Einzelheiten über die Aufträge der Partelen und anderes nicht aufwarten. Betont wurde die kriegsmäßige Durchführung der Uebungen. Auch wurde ein Ueberblick über die Zeiteinteilung gegeben, auf die noch an anderer Stelle eingegangen werden wird. Besonders unterstrich der Vortrag die Bedeutung der beiden letzten Manövertage, die voraussichtlich unter den Augen des Oberbefehlshabers des Heeres, Generals der Artillerie Freiherr von Fritsch und des Reichskriegsministers Generaloberst von Blomberg ablaufen werden. Am Ende seine Ausführungen wies Oberst Mummenthey auf die große Parade hin, die am 7. September den Tagen angestrengter Arbeit die Krönung geben wird und auf die bereits in der Presse aufmerksam gemacht werden ist. An ihr teilzunehmen wird einer fast unbeschränkten Zuschauermenge möglich sein. Auch an den Uebungstagen können die Manöver aus einiger Entfernung verfolgt werden. Der Redner schloß mit der Bitte an die Zuschauer, die Gefechtshandlungen selber nicht zu stören und den Absperrungsposten Folge zu leisten. Nur so können die großen Vorarbeiten und Kosten auch ganz der Schulung der Führer und der Truppe zugute kommen. Mit dieser Rücksicht dient jeder unserem Volke am besten, denn unsere Wehrmacht kann nur bei bester Schulung der starke Hort des Friedens sein, den Führer und Volk in ihr erblicken. Mit einem herzlichen„Auf Wiedersehen in der Lüneburger Heide!“ klang die Rundfunkansprache des Chefs des Generalstabes des 6. Armeekorps aus, die jedem Hörer die Bedeutung der bevorstehenden Waffenübungen gezeigt hat, wofür man dem Reichssender Köln aufrichtig Dank weiß. Aus dem ewigen Eis gerettet. Lopenhagen, 29. August. Einem Telegramm zufolge, das von einem dänischen Grönland=Expeditioneschiff ein15 Todesovfer eines Sturmes New Fork, 29. August. Ueber Neufundland fegte ein Sturm hinweg, der große Verheerungen anrichtete. Der Sachschaden wird 250 000 Dollar geschätzt. Ueber 200 Fischerboote wurden beschädigt oder zerstört. Zwei zweisitzige Flugzeuge der Britischen Reichsluftverkehrsgesellschaft, die an eine Firma in St. Johns vermietet worden waren, sind zerstört worden. Zwei Schoner sind gesunken. Die Besatzung konnte nicht gerettet werden. Insgesamt haben in dem Un15 Menschen den Tod gefunden Ein Mittelsmann Varmats vor Gericht Vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte hatte sich der 88jährige William Hahlo wegen Devisenverbrechens zu verantworten. Im Hintergrund dieser Devisenschiebung steht einer der Brüder Barmat, jener Großschieber, die in den Nachkriegsjahren durch Finanzgeschäfte mit öffentlichen Geldinstituten und durch Steuerhinterziehungen das öffentliche Vermögen um annähernd 30 Millionen RM geschädigt aben. Dem jetzigen Prozeß liegt folgender Tatbestand zugrunde: Einer großen Gesellschaft war in einem Zivilprojeß, in dem sie als Klägerin auftrat, viel an Auskünften gelegen, die allein Heury Barmat, der sich in Brüssel aufhielt, erteilen konnte. Da der schlechte Ruf Barmats bekannt war, zog man es vor, einen Mittelsmann, nämlich den Angeklagten Hahlo, damit zu betreuen, mit Barmat in Verbindung zu treten. Hahlo hat das getan und Anfang Februar 1933 unter Verletzung der Devisenbestimmungen 26 000 RM an Barmat für die Auslieferung des angeblich wertvollen Beweismaterials in Berlin ausgezahlt. Hinrichtung wegen Verrais militärischer Geheimnisse. Der vom Volksgerschtshof am 14. Juni 1935 wegen Verrats militärischer Geheimnisse zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wilhelm Mueller=Heinecke aus Berlin ist in Berlin hingerichtet worden. Die Vollstreckung des Todesurteils wurde in Berlin durch Plakatanschlag bekanntgegeben. Neues in Kürze. Luftmillionür des Nordens. Joseph Kaspar, der Pilot der dreimotorigen Ju. 52„William Langanke“, die auf der Strecke Oslo—Potenburg—Kopenhagen verkehrt, hat eine Million Kilometer im Luftraum durchmessen, und gehört damit zu den Luftmillionären der Deutschen Lufthansa. Flugkapitän Kaspar, der bayerischer Abstammung ist, hat ungefähr 900 000 Kilometer in den nördlichen Ländern, und zwar wohl als einziger überwiegend auf Wasserflugzeugen, abgeflogen. Wie man sich noch erinnern wird, hat das von Kaspar geführte Flugzeug vor kurzem einem in der Ostsee Drei Kinder von einer einstürzenden Mauer erschlagen. In der Nachbarschaft einer Schule im Südosten Londons streifte ein Lastkraftwagen die Mauer des Schulhofes, binter der sich eine große Anzahl von Kindern mit ihren Angehörigen befanden. Die Mauer stürzte unter dem Druck mit lautem Krachen zusammen und begrub modrere Kinder und Erwachsene. Nach den bisherigen Feststellungen wurden drei Kinder, darunter ein im Kinderwagen liegendes Baby getötet. Die Zahl der Verletzten wird mit sechs angegeben. Drei Brunnenarbeiter in Italien ködlich verunglückt. Bei Brunnenarbeiten in Palestrina in der Nähe von Rom wurden drei Arbeiter durch giftige Gase getötet. Als ein Arbeiter, der in einem neu gegrabenen, 20 Meter tiefen Brunnen arbeitete, verdächtig lange in der Tiefe blieb, begaben sich zwei weitere Arbeiter ebenfalls in den Schacht. Alle drei wurden von den Giftgasen betäubt und konnten nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Einbruch in die Jamillengruft der Grafen Auersperg. Unbekannte Täter drangen in die Familiengruft der Grafen Auersperg in der Nähe des Schlosses Thurn bei Burgfeld ein und öffneten den Sarg des Grafen Alexander Auersperg, der unter dem Dichternamen Anastasius Grün vor fast hundert Jahren in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen ist. Die Täter brachen auch noch andere Särge auf, fanden aber nirgends Wertgegenstände vor. 6000 Silbermünzen gefunden. Bei dem Bau der Reichsautobahn, 20 Kilometer östlich von Nürnberg, wo schon vor einigen Wochen zwei kleinere Münzenfunde gemacht wurden, wurde ein großer Tonkrug ausgegraben, der nicht weniger als 6000 Silbermünzen enthielt. Es handelt sich um Münzen verschiedener Prägung aus der zweiten Hälfte der 17. Jahrhunderts. Verschiedenes. Der Mond in der Stunde der Geburt. Haben Ebbe und Flut Einfluß auf die Geburt von Mensch und Tier? Steht der Mond in irgend welcher Beziehung zu dem Augenblia, in dem der kleine Erdenbürger das Licht der Welt erblickt? Das sind gewiß überaus interessante Fragen, deren weitere Verfolgung allgemeine Aufmerksamkeit verdient. Kirchhoff und Harfst in Kiel sind neuerdings diesen Problemen nachgegangen. Denn im Volke besteht die Meinung, daß fast alle Geburten in die Zeit des auflaufenden Wassers fallen und daß die Wehen während der Flut stärker seien. Die Forscher lten zunächst bei allen Hebammen der Nordseeinseln Rückge. Die Frauen bestätigten die Meinung. Aber dann hat nie nüchterne wissenschaftliche Arbeit mit gewohnter Gründlichkeit eingesetzt. Man blätterte in den Tagebüchern der Wehmütter und verglich sie mit den Flutkalendern, die im Interesse der Seeschiffahrt genau geführt werden müssen. Dabei ergab sich keine sichere Beziehung zwischen der Meeresbewegung und der Geburt. Und auch dem guten Mond hat man nicht nachweisen können, daß er im Spiele ist, wenn die Menschenkinder den ersten Schrei tun. Es scheint also, als sei der Volksglaube Irrwege gegangen Ob es stimmt? Wenn der Tintenstift ungesichert ist... Verletzungen durch den Tintenstift sind nicht ganz selten immerhin haben sie im Laufe der letzten Jahre an Zahl heblich abgenommen, wahrscheinlich dank den wiederholten ärztlichen Warnungen in der Presse. Trotzdem muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der Verletzte sich möglichst schnell in Behandlung begeben und der chirurgische Eingriff mit tunlichster Beschleunigung erfolgen muß. Diese Erfahrung hat kürzlich Dr E. Glaß in Hamburg gemacht, der in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ darüber berichtet. Da hatte sich ein Mann von 47 Jahren verletzt, als er unvorsichtig in die Tasche griff, in der in Tintenstift ohne Sicherungskappe steckte. Das geschah um zehn Uhr vormittags. Sechs Stunden später suchte der Kranke den Arzt auf und wurde nun ins Krankenhaus geschickt. Dort fand um sieben Uhr abends die Operation statt. Es zeigte sich, daß im Verlaufe der neun Stunden eine weitgehende Zerstörung des Gewebes eingetreten und das Gift auch in die Beugesehne des Daumens eingedrungen war. Die Zukunft des Pferdes. Weil die Pferde in den Weltstädten immer mehr durch das Auto verdrängt werden, meinen viele, in absehbarer Zeit Zu spät— zu früh? Ergge „Es ist von Rudolf Schneider=Schelde. spät“, sagte sie lächelnd, als er sie ansprach. „Was heißt zu spät?“ sagte er,„es ist doch nie zu spät?“ Er war verlegen, sie lächelte so sicher und zog so sicher ihre Handschuhe an, es war im Kaffeehaus, sie hatte nach dem Theater noch ein Glas Himbeer=Soda getrunken, und jetzt wollte sie gehen. Sie saß am selben Tisch wie er, sie hatte nur zögernd dort Platz genommen, aber das Kaffeehaus war sehr voll gewesen und der Tisch sehr breit und die Stühle weit voneinander entfernt. Inzwischen, schien es, war die Tischplatte geschrumpft, und die Stühle waren aufeinander zu gerückt. Er hatte eine Zeitung gelesen, als sie kam, aber dann las er nicht mehr, sondern schaute sie an. Er schaute sehr rücksichtsvoll und zurückhaltend, aber er schaute, und sie merkte es natürlich. Sie fand ihn nett. Sie sah ihn nicht an, aber sie sah ihn genau, sie konnte das so gut wie andere Mädchen, und vielleicht bätte sie sich sogar mit ihm unterhalten. Aber er redete nicht. Sie konnte doch nicht zu reden anfangen. Sie wunte, daß er gern geredet hätte, aber es schien, er war so stumm wie ein Fisch.— Schade, dachte sie. Er dachte noch viel mehr. Aber er war doch nicht stumm, gerade, als sie gehen wollte, fing er zu reden an. Doch jetzt war es zu spät, ste sagte es, und die ganze letzte halbe Stunde schwang in den paar Worten mit, die sie sagte, besonders schwang mit, daß er alles versäumt hatte. Er verstand sie genau, und nun gab er sich nicht zufrieden, nun wurde er mit einmal gesprächig und so, daß sie lachen mußte. Damit hatte er gewonnen. Er ging mit ihr fort und brachte sie vor ihr Haus, das leider ziemlich in der Nähe lag, viel zu nah für ihn oder das, was alles er gern gesagt hätte, und darum schlug er vor, noch spazierenzugehen, die Straße entlang, dort hinüber, wo Bäume waren, er dachte an die Bänke, die unter den Bäumen standen. Es war eine schöne, warme Nacht. „Es ist zu spät“, sagte sie wieder lächelnd. „Immer zu spät“, sagte er,„es ist keineswegs zu spät.“ Es war noch nicht einmal Mitternacht, er fand es schrecklich trüh und wurde sehr beredt und malte die Nache und den Mond und die Sterne und das duftende Laub der Bäume in so prächtigen Farben, wie es eigentlich nicht nötig war, da sich das alles spürbar in nächster Nähe befand. Aber sie verstand ihn, sie ahnte, daß er im Grund mehr sie malte als die Nacht, und sie war zufrieden mit dem Bild und fühlte sich von seinen Worten angerührt. Sie zog unsicher ihre Handschuhe aus, weil sie ihm zum Abschied die Hand reichen wollte, und fand ihn noch netter als vorhin. Er ließ ihre Hand nicht mehr los. Er gewann das Spiel und führte sie unter die Bäume und saß eine Weile mit ihr auf einer Bank, mit viel Anstand und Abstand. Er sprach von sich und der Welt und von ihr, er war nicht mehr ganz jung und machte sie neugierig, und dann eingen sie noch ein Stück und standen plötzlich vor seinem Haus, und er sagte, daß er hier wohne und daß er ihr furchtbar gern seine Bilder und Bücher zeigen würde, er habe so hübsche Bilder, und sie müsse mitkommen und alles ansehen, es sei eine einzigartige Gelegenheit in dieser herrlichen Nacht. Er sagte es drängend und sah sie in der Dunkelheit mit glühenden Augen an. „Es ist zu spät“, sagte sie wieder und schüttelte leise den Koyf. „Wieder dasselbe“, sagte er,„das alte Vorurteil, sonst nichts, das ganze Leben wird Ihnen entgehen, wenn Sie ewig denken, es ist zu spät.“ Er war nicht sicher, ob er glaubte, was er sagte, aber vielleicht glaubte er's, und vielleicht war es sogar wahr; er sagte weiter, wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre es auch zum Kennenlernen zu spät gewesen, und damit hatte er wenigstens scheinbar recht. Sie gab nicht mit Worten nach, aber in der Tat, denn er hatte sie langsam in eine Welt versetzt, in der es vielleicht wirklich nur Vorurteil war, sich nicht um Mitternacht hübsche Bilder anzusehen, sie ging die Stufen zu seinem Haus hinauf und hörte seine Schlüssel klappern und wußte nicht recht, wie ihr geschah. Sie war ein seines Ding und kein gewöhnliches, aber gerade, weil sie sein war, hatte ein Zauber über sie Macht. Ein Zauber hatte über sie die Macht, sie von der sonstigen Welt loszulösen, es fragte sich höchstens, bis wohin. Sie horte die Tür seiner Wohnung zufallen und sah ihn an, aber er tat, als habe sich nirgends eine Tür geschlossen, und jetzt kam wohl alles darauf an, ob er wirklich ein Zauberer oder ob er ein Schwindler war. Er wukte es wahrscheinlich selber nicht, es konnte sein, daß er beides war, aber es würde sich herausstellen, und insofern kam alles wieder auf das Mädchen an; ob es ihn zum Zauberer oder zum Schwindler machte. Er zeigte ihr seine Bilder, die ziemlich hübsch waren, und dann versuchte er sie zu küssen. e wollte nicht. Sie wandte sich mit einer unbewußten Bewegung rasch zur Tür, aber er kam ihr zuvor und vertrat ihr den Weg und stand halb bittend uno halb drohend vor ihr. Er ärgerte sich. Er fand, sie war zu weit gegangen, um sich noch heil zurückzuziehen. „Es ist zu spät“, sagte er spöttisch mit ihren Worten und wollte fortfahren:„Wer A sagt, muß auch B sagen“, da wurde die Macht des Mädchens wirksam. Er schwieg, sein Trotz schmolz, etwas an ihrer Haltung verursachte ihm Scham. Sie merkte, daß sie ihn überwand, und verzieh ihm alles. Sie war sehr hübsch, noch hübscher jetzt als vorher, verklärt durch das Zartgefühl, womit sie ihm über die Niederlage hinweghelfen wollte. Er traf sie plötzlich in einer dritten Welt, fern der Begegnung im Kasfeehaus und fern der Verführung soeben; es konnte sein, daß es die Welt der Liebe war. Er sah erstaunt und zaudernd dorthinein, es schien, daß er nicht über die Schwelle wollte. Sie setzte sich wieder an seinen Tisch, in seinen Stuhl, und er verwunderte sich, daß Wahrheit wurde, was Lüge gewesen war, daß er ihr seine Bilder und seine Welt zeigen wollte, sonst nichts, und daß ihm wohl dabei war. Mit leiser Scheu genoß er den Zauber, der aus dem Schwindel wurde, und fühlte beglückt, wie ihr Vertrauen ihm entgegenkam. Es war auch etwas Wehmut in ihm oder Unzufriedenheit. er ahnte, daß er einen guten Tausch gemacht hatte, aber es war ein Tausch, ihm schien, er hatte etwas dafür verloren. Als er sie schließlich nach Hause brachte und ihr„Auf Wiedersehen!“ sagte, bot sie ihm von selbst die Lippen. Er küßte sie, aber es war ein andrer Kuß, als er ihn vor kurzem begehrt hatte. Er empfand Zärtlichkeit dabei und liebkoste sie vorsichtig und schwieg und empfand auch wieder Unzufriedenheit. Es ist zu spät, dachte er bei sich. Er sagte es nicht, aber sie lächelte und sah nicht so aus, als ob ihr bange vor irgend etwas wäre, und es schien, sie hatte erraten, was er dachte. Ehe sie schnell ins Haus schlüpfte, sagte sie mit winzigem Kopfschütteln und einer siegesgewissen Süßigkeit, so leise, wie man ein Geheimnis verrät:„Es ist zu früh.“ Ratten verlassen das Schiff. Geheime Kräfte wirken in der Kreatur. Beim Bergsturz von Elm in der Schweiz im Jahre 1881 unter der Steinlawine „unvernünftige" Ver Es verloren bei diesem Ereignis 116 Menschen das n: sie fand man am folgenden Te raben wurden, nachdem sie sich ten der Tiere eben noch erbost aber keine Katzen: stie fand man am folgenden Tage auf Trümmerfelde, vergeblich ihre Heimat suchend.— Ein oder sturz, der 1618 den Flecken Plurs im rie, kamen die Aelvler berab und bezen nicht mehr auf der Alp und liefen on, auch die Bienen hätten in Fichr-Keauen verlassen.— In Kalabrien hält man sich Katzen kleine Hunde, um Erdbeven am Benehmen und Fliehen der Tiere vorauszusehen und mit ihnen zu fliehen. Die Vernhardinerhunde vom Hospiz auf dem Sankt Bernburd werden unruhig und begehren hinaus eine halbe oder viertel Stunde vor Eintritt eines Schneesturms, um Verunglückte z suchen. Vor den Mönchen her suchen sie ihren Weg, ohne ion dei Nacht und Nebel auch nur um einen Meter zu verlieren; dabei soll es nicht selten vorkommen, daß der Leithund plötzlich stills#eht, umherschaut, rechtwinkelig von der Richtung abweicht und einen weiten Umweg macht; dann kracht eine Lawine herunter, die, hätte der Hund den Weg fortgesetzt, das Tier verschüttet haben würde. Die Menschen lassen sich von diesen Huninn vertrauensvoll führen. Auch Bergpferde„ahnen“ den Niedergang von Lawinen; sie wollen plötzlich nicht weiter vorwärts, kehren sogar mit dem Schlitten um und retten so oft ihr Leben und das ihrer Herren. Als ich eines Nachts im Kriege mit meinem Burschen aus der Feuerstellung kam und galoppierend die Zone der Gefahr durcheilte, stutzten plötzlich beide Pferde und wollten kurz kehrt machen; trotz heftiger Sporenhilfen waren sie nicht vorwärts zu bringen. Vielleicht fünf Sekunden verrannen, dann platzte vor uns auf der Straße eine feindliche Granate. Hierauf rasten die Tiere weiter. Zweifellos wäre das sonst für uns ein Volltreffer geworden; so blieben wir unversehrt, nur ein Splitter durchlöcherte den Schuh meines Burschen. Dies Verhalten der Pferde ist um so verwunderlicher, als auf der ganzen Strecke fortwährend rechts und links Granaten einschlugen, da die Straße unter feindlichem Artilleriefeuer lag.— Als im Jahre 1848 in Marseille und Umgebung die Cholera ausbrach, waren plötzlich sämtliche Echwalben und Sperlinge aus der Stadt verschwunden; die Schwalben kehrten auch in diesem Jahre nicht werik, destr geigten sich iu den Biraßen ausfallend viele Krähen. Kairo, Alexandrien und anderen Städten Nordafrikas hat Der britische Kulturhistoriker Chapman hat die Be tung aufgestellt, das Ziertaschentuch sei eine Erfindung König Georgs IV. von England, des ersten Gentlemans Europas. Glücklicherweise regierte dieser sonderbare„Gentleman“ nur zehn Jahre das Inselreich, denn, er, der zügellose Genußmensch, war alles andere als ein Gent. Er starb im Jahre 1830, und Old=England weinte ihm keine Tränen nach. Nach Ansicht Chapmans war es zu jener Zeit üblich, daß man sich in England bei Hofe zum Schneuzen nur des Daumens und Zeigefingers bediente. So kam es gelegentlich vor, daß hohe Würdentrüger in der peinlichsten Weise angeniest wurden. Um diesem Uebelstand zu beseitigen, führte Georg IV. das Ziertaschentuch in einer besonders gearbeiteten Brusttasche am Staatsfrack ein. Im Gegensatz zu heute wurden indessen diese Tüchlein auch verwandt. Es gehörte damals zum guten Ton, sich durch ein sichtbar zur Schau getragenes Taschentuch als ein Kulturmensch auszuweisen. Doch befindet sich der Engländer Chapman mit seiner Behauptung auf dem Holzwege. Dokumentarisch belegt ist das Taschentuch des Mannes schon im siebzehnten Jahrhundert, als das„ala mode“=Unwesen sich in den europäischen Ländern breitmachte. So wird bereits in den 1644 erschienenen„Lois de Galanterie"(Gesetzen der Galanterie) einem französischen Edelmann geraten, er möge sein eigenes Taschentuch keinem anderen Manne ausleihen, selbst wenn der andere eine noch M iun znr Sschen beich Bechchtunt enacht be tasche in den Rock, wenn sie ebenfalls nur einem überen Schmuckbedürfnis entspricht? Zeit hervorzuziehen und es spielerisch durch die Hand gleiten u lassen Dann komme die Schönheit, die Kostbarkeit eines olchen„Schneuztüchleins“ gebührend zur Geltung und hebe das Ansehen seines Trägers. Moralischer gebärdet sich ein Engländer in den„Rules of Civility“ vom Jahre 1685. Er warnt allen Ernstes seine Landsleute davor,„beim Schneuzen Trompete zu blasen“, da dies sich„erschröcklich für frembde Ohren“ anhöre und leicht zum Platzen des Trommelfelles ühren könne. Von einem schwedischen Schauspieler des vorizen Jahrhunderts wird berichtet, daß, wenn er, der durch ein genaues historisches Rollenstudium die Bewunderung einer Zeitgenossen erregte, einen französischen Hofmann aus der Zeit des Sonnenkönigs darstellte, er es niemals unterließ, ich den Schnupftabak von den seidenen Frackaufschlägen mit einem rotgeblümten Taschentuch abzuputzen. Wer diese Vorgeschichte kennt, mag daraus die kulturelle Wichtigkeit des Taschentuches ersehen. Wozu aber trägt der aufgeklärte Mann unseres Jahrhunderts ein überflüssiges Ziertuch in einer eigens dafür gearbeiteten Brusttasche seines Rockes? Aus Eitelkeit oder Gewohnheit? Oder um den unz jadurch etwas zu beleben? Sei dem, wie ihm wolle: Die Unge nicht unter, wenn er es ablegen würde. mit ihrem Aussterben rechnen zu müssen. Der Zeitpunkt liegt noch in wetter Ferne, wie eine Statistik zeigt. In Deutschland gibt es noch etwa 3½4 Millionen, in England 1 Million, in Polen 4 Millionen und in der Sowjet=Union angeblich noch 30 Millionen Pferde. In dem Dorado der Autos, wo jeder Farmer seinen Fordwagen hat, in den Vereinigten Staaten tummeln sich immer noch 12 Millionen Pferde und 5 Millionen Maultiere. In Argentinien werden 10 und in Brasilien 6½ Millionen gehalten. Asien und Afrika sind im Vergleich dazu pferdearm. ebenso Australien. Die Sprache der Knochen. Amerikanische Forscher haben beim Studium der Menschenknochen Aufsehen erregende Entdeckung gemacht. Sie haben an Tausenden von Menschen festgestellt, daß die Knochen auf äußere Reize in unverkennbarer Weise eine Gegenwirkung hervorrufen. Gerade Gesichtsknochen zeigen sich äußerst empfindlich. Eine Stupsnase z. B. ist in den meisten Fällen auf einen äußeren Reiz, er kann auch ein seelischer sein, zurückzuführen. Schon ein Betäubungsmittel, einem Kinde bei einer kleinen Operation gegeben, führte zu einer Narbenbildung am Knochen. Wird das Wachstum durch eine Krankheit gehemmt, was sehr oft der Fall ist, so prägt sich das auch im Knochenbau aus. Bei einem Kinde Im grünen Wagen durch Roman aus dem Zirkusleben von Daul Hain Urbeder=Rochtoschutz: Drei Quellen-Berien, Aöuisebrück(Dez. Drroden) 28 schimpft Ringelnatz,„bleib du gefälligst neben Kastmir. Was hast du hier vorn zu suchen?“ „Kasimir ist in seinem Wagen“, brummt Charles und bleibt etwas zurück. Kann man das mit ansehen, wenn die Ria und„der Graf" da hinten nebeneinander reiten? Die Pia hat's gut, und der Peter hat's gut, der so verliebt in sie ist. Irgendwo werden die beiden schon mal Hochzeit machen. Und der Alfons hat's gut, der nichts weiter wünscht als eine Flasche Knallkümmel und die Landstraße, der Jack hat's gut, der doch wenigstens eine große Vergangenheit hat und seinen Jungen, Johann Augustus und Anastasia haben's gut, die alle Jahre dicker werden. Nur er, er selber, Herrgott, soll er nie was andres haben als jahrein, jahraus im Zirkuswagen durch die Welt zu rollen, immer nur durch kleine Dörfer? Immer nur seinen Kasimir an der Kette? Es ist eine tiefe, hungrige Sehnsucht in dem jungen Menschen. Und die Sehnsucht heißt immer: Ria Roselli! Die Sehnsucht heißt: Bleib wenigstens bei uns. Rin Ja, wenn es doch immer so bliebe! Uli singt es fidel in die grüne Welt hinaus, während er so neben Ria dahinreitet. Und Rias helle, warme Stimme schwingt sich dazu, und Peter und Pia, die ewig Verliebten, stimmen mit ein, und Little Gnom, der vorn auf dem Sattel von Jack Bill sitzt, kräht es jungenlustig mit, und Alfons schwenkt die Flasche aus dem Wagenfenster in den hellen stellte man Knochenveränderungen fest, obgleich es nie ernstlich krank geworden war. Schließlich entdeckte man die Ursache. Als es zwei Jahre alt war, verließ der Vater die Familie. Die dadurch bewirkte Veränderung genügte, um sich in der Knochenbildung auszuprägen. Mit der neuen Knochenkunds ist der Heilkunst vielleicht ein neues wertvolles Mittel in die Hand gegeben. Der größte Wolkenkratzer der Welt. Einen typisch amerikanischen Vorschlag zur Behebung der Arbeitslosigkeit hat der amerikanische Architekt Henry Rush gemacht. Rush will, wie aus St. Louis gemeldet wird, den größten Wolkenkratzer der Welt bauen, der 196 Stockwerke erhalten und damit noch einmal so hoch werden soll, wie das Empire State Building in Newyork. Das Bauwerk würde sich über 600 Meter über dem Erdboden erheben. Die Kosten veranschlagt der Architekt mit 233000 000 Dollar. 100 000 Arbeiter würden bei dem Bau durch vier Jahre hindurch Beschäftigung finden. Der Wolkenkratzer würde eine kleine Stadt für sich darstellen. Nicht weniger als 250 000 Menschen können sich in sämtlichen Räumen des gigantischen Bauwerks aufhalten. Außer Büro= und Wohnräumen soll das Gebäude noch ein eigenes„Krankenhaus“ und sogar eine höhere Schule für die Kinder der Bewohner erhalten. Sonnenschein, und der ganze schwankende Zug der grünen Wagen mit seinen Pferden und den Hunden und dem Kater Munkepunke, der auf dem Wagen von Kasimir sitzt, scheint in einem Meer von Vergnügen und Freude zu schwimmen. „Ach, wenn es doch immer so bliebe, Hier unter dem wechselnden Mond.“ „Kann's uns besser gehen, Ria?“ lacht Uli sie an „Wenigstens nicht sorgloser, Uli.“ „Stimmt aufs Haar, Liebes.“ Wo liegt Berlin? Wo liegt Köln? Wo liegt die Vergangenheit? Die flimmernde Welt, die grüne Weite hat alles aufgeschluckt, Gott sei Dank! „Wir werden einen feinen Sommer haben, Ria! Einen so feinen Sommer, wie er uns noch nie geblüht hat. Frei wie der Vogel in der Luft. Wie der Reiter auf dem Pferderücken.“ Jack Bill lächelt still. Stimmt schon, was der Uli da sagt. Im Sommer macht es Spaß, durch die Welt zu ziehen. Die beiden kennen noch nicht den Winter. Im Sommer sind die grünen Wagen ein romantisches Paradies. Im Winter? Wehe dem, der da nicht genug im Sommer gespart hat. Im Winter heizt die liebe Sonne nicht. Im Winter kosten die Pferde Geld. Im Winter sitzen die Leute nicht in einem ungeheizten Zelt, um sich Landstraßenspäße anzusehen. Im Winter ist Johann Augustus ein höchst ungemütlicher Herr, den das Zipperlein plagt. Im Winter ist so mancher Wanderzirkus schon verhungert. Aber was will das jetzt schon bedeuten? Und auch der alte Jack Bill reißt plötzlich den Mund auf und singt einfach mit. Und nun ist es nicht mehr das Lied „Ach, wenn es doch immer so bliebe“, nun hat Uli schon ein anderes angestimmt, und auch das kennen sie alle, und über die Wiesen und Felder strömt es dahin und fliegt bis zu den Lerchen oben am Turnen, Spiel und Sport. Sportsest in Winterberg. Am letzten Sonntag errangen auf dem Sportfest des SuS. Winterberg einige lippische Sportler kchöne Erfolge im Kampf gegen Leichtathleten jenseits der Weser. So gelang es dem Kalldorfer Turner Julius Schaksmeier, im Dreikampf einen achtbaren 3. Platz zu erringen, während er im 3000=Meter=Lauf nur knapp hinter dem Sieger Flagmeier. TV. Horst, Zweiter wurde. Die 4 mal 100-Meter=Staffel sah die Mannschaft des TV. Kalldorf in Front. In den Spielen siegte TV. Kirchheide über SuS. Winterberg mit 3:0 Toren, BSV. Bentorf zog gegen die Fußballelf aus Westkilver mit 1:2 den Kürzeren, während Sp. Vg. Bavenhausen über Sundern mit 8:1 Toren die Oberhand behielt. Im Handball fertigte TV. Kalldorf die Mannkchaft von Westkilver sicher mit 3:1 ab. Ferner siegte im 3000-Meter=Lauf der Jugendlichen der Kirchheider Wöstehoff ganz sicher, während es in der Jugend B=Klasse dem Winterberger Hachmeister gelang, im Dreikampf den zweiten Platz zu erringen. Also hier schlug sich Sportnordlippe ganz prächtig. Auf dem Hohenhauser Sportplatz versammelten sich am Vormittag die Jungführer der gesamten nordlippischen Sportvereine zu einem ernsthaften Gemeinschaftstraining. Die Jungführer der Vereine, SC. Hohenhausen, WV. Kirchheide, BSV. Bentorf, VfB. Matorf BSV. Leese, Union Entrup, SC. Lemgo=West, Blau=Weiß Hasenbrede, TV. Schwelentrup und BV. Lemgo erhielten vom Oberjungführer Wibusch wertvolle Anweisungen für die kommenden Wochen. Schließlich versammelten sich noch am Nachmittag in Hohenhausens Badeanstalt die Schwimmer, um den Besuchern des humoristischen Schwimmfestes auch die originelle Seite zu zeigen. Man konnte hier wieder einmal sehen, wie vielseitig doch der Schwimmsport ist. Die Wasserscherze waren wirklich gelungen, und die leider wenigen Zuschauer erlebten einige Stunden köstlichen Schwimmerhumors. Schiedrichter=Untergruppe Lemgo. Alle Schiedsrichter der Untergruppe Lemgo müssen zu dem Belehrungsabend am Freitag, dem 30. August bei Pehle Lemgo um 20,30 Uhr unbedingt erscheinen. Fr. Hausmann. Turnverein Lemgo. Betr. Schülerinnenabteilung. Die Abteilung A(12= bis 14jährig) turnt von jetzt ab am Dienstag. Die Abteilung B turnt dafür Donnerstag 17,30—19 Uhr. Handel und Industrie. Berliner Effektenbörse. Bei allgemeiner Geschäftolosigkeit sind an der Barliner Börse vom Mittwoch keine nennenswerten Veränderungen eingetreten. Der zunächst weiter rückläufigen Bewegung der Kurse folgte ter eine weit ruhigere Auffassung, die Kurserholungen brachte. Die Aktien am Montanmarkt zeigten ein unein Bild. Vereinigte Stahlwerke notierten mit 84½ etwas ge auch Mansfelder und Harpener lagen schwächer. Bei den kohlenaktien verloren Ilse=Genußscheine und Bubiag je X Proz. Bei den chemischen Aktien traten geringfügige Verluste von 3/ bis Prozent ein. Es notierten Chemische Heyden 115 und 3. G. arben 155 7/. Elektropapiere hatten fast gar keinen Umsatz. Der entenmarkt blieb lustlos. Am Geldmarkt wirkte sich der Ultimo voll aus bei starkem Mangel an kurzfristigem Geld. Blankogeld erhöhte sich auf 2⅞/ bis 3½ Prozent. Am Devisenmarkt lag das Pfund erwas schwächer, Dollar behauptet. Berliner amtl. Kurse: 12,36(12,37) und 2.485(2.48). s 5-.- ee. Seleien) 41. 88.(Geld).41.94(Brief), dän Krone 24, engl. Pfund 12,345 12,.375, franz. Franken , Furrg. Ur 16,44 16,48. holl. Gulden 168,26 168,60, ital. Lira 20,36 20.40, norw. Krone 62,05 62,17, österr. Schilling 48,95 49.05, poln. Zloty 46,99 47,09. schwed. Krone 63,65 63,77, schweiz. Franken 81,12 81,28, span. Pef- asor alff M lar 2.483 an. Peseta 34,05 34,11, tschech. Krone 10,305 10,325, Dol2.487. „Es blühen die Rosen, die Nachtigall singt, Mein Herz ist voll Freude, voll Freude es springt. Ein Reiter zu Pferde, so reit' ich durchs Land Und halte die Liebste dabei an der Hand. Im Wirtshaus am Wege, da kehren wir ein Und trinken ein Gläslein vom goldenen Wein. Du Hübsche, du Feine, komm, setz' dich zu mir, Ein Ringlein von Golde, das schenke ich dir. Ein Ringlein von Golde, drin glänzt alles Glück Aus unsern Augen funkelnd zurück. Und reiten wir weiter dann Seite an Seit“, Dann faßt kaum die Welt unsere Seligkeit!" Und noch was anderes singen sie, immer in die grüne Weite hinein. Von Frühling und Sommer und Rosen und Jungsein, und sie schwenken die Mützen zu den Arbeitern auf dem Felde und den Mägden mit den weißen Kopftüchern, zu den vorüberratternden Leiterwagen, zu den Rinderherden auf den Wiesen, und die grünen Wagen schwanken dahin zwischen dem reifenden Korn und den Bauerngärten und den heuduftenden Wiesen, zwischen den Pappeln der Chaussee, die leise rascheln und rauschen im warmen Wind und sich leise neigen mit ihren hohen Wipfeln als wollten sie das lustige fahrende Volk da unten, zu Pferde, zu Fuß oder zu Wagen, heiter und zuvorkommend begrüßen und ihnen zuflüstern: „Gute Fahrt, Gesellen, gute Fahrt. Euch geht die Sonne nicht unter.“ Sechstes Kapitel Eines Tages kriegt Jack Bill die Unruhe. Uli, der mit ihm in einem Wagen schläft, merkt es daran, daß schweigsamer ist als sonst und manchmal des Vormittag einfach verschwindet. Feingemacht. In einem Anzug, dei allerdings nicht mehr modern, es aber sicher vor Jahren mal gewesen ist. (Fortsetzung folat.) Bilder vom Tage Der König von Jialien und Mussolini bei den Manövern am Brenner. Links: Der König von Italien und(links) neben ihm der Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, General Baistrocci, bei den italienischen Manövern im Brennergebiet. — Rechts: Mussolini und(links neben ihm) der Generalsekretär der faschistischen Partei, Staraze, bei der Ankunft in Bozen.(Weltbild— M.) Vor dem Reit= und Fahrturnier in Neustadt, das am 31. August und 1. September vom Preußischen Haupt= und Landesgestüt in der Dosse=Stadt durchgeführt wird: Austritt des Gestüts.(Dr. Grothe— M.) (Dr. Grothe— M.) Abessinische Frauen wollen in den Dienst des Kaisers treten. Ueberall im Lande veranstalteten abessinische Frauen Zusammenkünfte, in denen sie den Beschluß faßten, im Falle eines Krieges ihrem Kaiser zu helfen. (Weltbild M.) Stabschef Lutze weihl Deutschlands größtes Schöpfwerk. In Oldersum, zwischen Leer und Emden in Ostfriesland, wurde durch den Oberpräsidenten von Hannover, Stabschef Lutze, das neue Schöpfwerk Moormerland seiner Bestimmung übergeben. Vorn Stabschef Lutze, dahinter der oldenburgische Ministerpräsident und Innenminister Joel. (Scherl Bilderdienst— M.) Am grünen Wagen durch die Welt Roman aus dem Zirkusleden von Daul Hain S-Ae: Drei Duchen-Berleg, Aöntesbrück(Dez. Dresden) Man sitzt um diese Zeit in der Nähe der alten sächsischen Residenz und Kunststadt Dresden, und die Dörfler sächseln angenehm und gemütlich. Die Luft riecht sozusagen ein bißchen nach Bliemchenkaffee, und Ria findet das„furchtbar nett". Die Leute in den Abendvorstellungen sind also weniger beduselt, als es anderswo häufig der Fall ist, wo die jungen Burschen vor der Vorstellung erst mal im Krug einen Ermunterungsschluck zu nehmen pflegen, um für die Vorstellung in„Stimmung" zu sein. Ja, Jack Vill hat seine Geheimnisse, das steht außer Frage. Jack Bill hat sogar ein sehr großes Geheimnis, aber er verrät nicht, welcher Art es ist. Und so hat er sich auch heute vormittag wieder feingemacht und sagt der braven Anastasia, daß er wohl nicht zum Essen zurück sein wird. Die schaut ihn aus schmalen Augenschlitzen blinzelnd an. „Jack, du wirst doch nicht auf deine alten Tage mautzen gehn? Oller Jenießer...“ Puff in die Seite. Jack Bill schmunzelt über sein ledernes Gesicht. Uli fragt ein bißchen verwundert: „Und die Probe? Nu haben wir schon dreimal aus. gesetzt, Jack. Ich weiß nicht...“ Jack blickt ihn auf seine stille Art ernst an. „Es langt schon, Uli. Laß nur, dir verrat' ich bestimmt, was in diesen Tagen in mich gefahren ist. Ihr junges Volk seid ein bißchen vergeßlich, da muß so ein alter Hase ein wenig mit für euch denken.“ Er geht los. Sehnig und federnd in den Kniegelenken wie ein alter Trapper. Uli blickt ihm nach und hat ein sehr herzliches und frohes Wort für ihn auf den Lippen. Den alten Kameraden da wird er im ganzen Leben nicht vergessen, das wein er zutiekst. Solche Menschen wie den da findet man nur selten im Leben, am wenigsten aber in den Salons der großen Welt.— Jack Bill verschwindet zwischen den Feldern, die nun schon bald in voller Reife stehen. Rüstig schreitet er aus. Und eine gute Stunde später ist er in der Stadt. * „Tag, Jack! Mensch! Junge, wie ich mich freue! Nur rein in die gute Stube! Rein!" Ein Schulterhieb befördert Jack freundlich in Rosenbergs Privatzimmer. Rosenberg? Jawohl, Will Rosenberg! Varietéagent von Rang und Namen, der in der Prager Straße eines der bekanntesten Vermittlungsbüros unterhält, in dem die berühmtesten Artisten der Welt aus= und eingehen. Wen er einmal unter seine Fittiche genommen hat, der kann sicher sein, daß er seinen Weg macht. Seine Beziehungen reichen über den ganzen Globus. Die Direktoren des Berliner Wintergartens, der Pariser Scala, des Londoner Zirkus, der großen Varietés von Buenos Aires, Frisco, Amsterdam— sie alle sind bekannt mit ihm, und die Welt kennt er bis in die kleinsten Winkel von Schanghai oder die verdreckten Gassen von Kairo. Ein Mann, der früher einmal als Dompteur von Löwen und Tigern und sonstigen gefährlichen Bestien unübertrefflich war, bis ihm dabei der linke Arm abhanden kam. So was kommt vor. Es war Leo, sein Liebling bei Sarrasani, der sich daran gütlich tat in einer Anwandlung von Urwaldsehnsucht. Und mit der Karriere war's vorbei. Dann hat er die Agentur aufgemacht, ein Hans in allen Gassen wie er fand da das richtige Betätigungsfeld und blieb immer in enger Berührung mit der Welt, für die er nun mal geboren war. Wie ein alter Indianer sieht er aus, der Will Rosenberg: kupferbraun im Gesicht, dem man die sechzig Jahre nicht ansieht, mit frech vorspringender Adlernase und unwahrscheinlich hellen, durchdringenden Augen. die aber jetzt, da er Jack Bill in einen der Ledersessel drückt, etwas kindlich Strahlendes haben. „Also, Jack, entschuldige, daß ich dich ein paar Tagwarten ließ. Du weißt ja, wie unsereins auf der Landkarte rumspringen muß. Heute Paris— morgen Marseille, übermorgen Berlin— manchmal kann man sich die Haare ausreißen, wenn man noch welche hätte— haha.“ Er fährt über die tadellose Glatze, auf der nicht ein Härchen mehr sprießt. Die haben ihm die wilden Tiere schon in früher Jugend weggeärgert. „Gestern erst zurückgekommen. Meine Sekretärin sagte mir, wie oft du hier gewesen bist. Na also, erst mal'n richtigen Begrüßungskognak, mein Junge. Und dann schieß los. Weißt ja, für dich habe ich immer was auf Lager.“ Er holt die Flasche aus dem Schreibtisch, der aussieht wie der Diplomat eines Industriellen, gespickt mit einer förmlichen Telephonzentrale, einem Diktaphon, hundert Notizzetteln und Dutzenden von Photographien. Ein wüstes Schlachtfeld. Denn hinter diesem mit dickgepolsterten Ledertüren verbarrikadierten Privatzimmer liegen noch eine Flucht von sieben, acht Räumen, in denen eine halbe Kompanie Angestellte arbeitet. Sie stoßen die Gläser an. Blinzeln sich über den Rand an, wie zwei alte Spitzbuben, ordentlich jung schaut nun auch Jack aus. „Fein hast du's, Will“, sagt er, nachdem er getrunken hat und blickt sich um.„Großartig. Warst immer ein tüchtiger Kerl. Will, du ahnst gar nicht, wie ich darauf gewartet habe, endlich mal nach Dresden zu kommen, dich zu besuchen.“ Fein? Nun, wie man's nimmt. Gediegene Einrichtung, natürlich. Aber nichts Pompöses. Doch dafür kleben überall bunte Plakate an den Wänden, Tänzerinnen, fliegende Menschen, Schulreiterinnen, Humoristen mit blödsinnig verzogenen Juxgesichtern, Schlangenbändiger, ein tolles Durch einander von Varietéplakaten in den fröhlichsten Farber Rosenbergs Bildergalerie! Der folgt Jacks Blick. (Fortietung folgt.)