Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Bezugspreis: Bierteljährlich 1 Mark mit Botenlohn, durch die Post 1 Mark 25 Pf. Mit illustriertem Druck und Verlag von Judw. Ikötimann, Gütersteh. Sonntagsblatt. Anzeigenpreis: die 1 spaltige Grundschriftzeile oder deren Raum 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung 25% Ermäßigung. Aupreisungen 25 Pf. Geschäftsstelle: Gütersloh, Kökerstraße 314/15. Für die Schriftleitung verantwortlich Fr. Möttmann, Güterslotz. Rà 142. Fernsprech=Anschluß Nr. 87. Mittwoch, den 26. November 1902. Postzeltungstiste Nr. 6276. 19. Jahrgang Erstes Blatt. Zum Tode des Geheimrats Krupp. Als am Sonnabend abend der Telegraph die Nachricht über das Land verbreitete, daß der Geheimrat Friedrich Alfred Krupp plötzlich an einem Gehirnschlage verschieden sel, rief diese Meldung überall große Bestürzung hervor. Ruft schon der Tod eines Mannes, der im öffentlichen Leben eine Stellung einnimmt, wie es Krupp beschieden war, allgemeines Interesse hervor, so ist dies in ganz besonderem Maße der Fall, bei dem unter so tragischen Umständen erfolgten Tod des größten Industriellen Deutschlands, der im besten Mannesalter, im 49. Lebensjahre, plötzlich dahingerafst ist. Sowest man nach den bisherigen Meldungen urteilen kann, ist der Tod des schon längere Zeit leidenden Krupp durch die gegen seine Person gerichteten schmachvollen Verläumdungen des„Vorwäris“, an die nlemand, der Krupp und sein menschenfreundliches Wirken kannte, glauben mag, herbeigeführt oder doch beschleunigt worden. Das Ableben Krupp's gab die Direktion der Kruppschen Werke am Sonnabend nachmtttag 6 Uhr durch folgenden Auschlag bekannt:„Den Angehörigen der Fabrik teilen wir mit liesem Schmerze mit, daß unser hochverehrter und geliebter Herr Krupp heute nachmtttag 3 Uhr infolge eines Gehirnschlages gestorben ist. Herr Krupp hatte heute morgen 6 Uhr einen Schlaganfall erUten. Unter ärztlicher Einwirkung erwachte Herr Krupp wieder zu ziemlich klarem Bewußtsein. Um 9 Uhr begann eine erneute Verschtimmerung des Zustandes, der am Mittag von den Aerzten als schwer bedenklich erklärt wurde. Es ist ein neuer Gehirnschlag eingetreten; um 3 Uhr verschied Herr Krupp, ohne daß er das Bewußtsein wieder erlangt hätte.“ Die Trauerkunde von dem Ableben Krupps erregte in Essen tiesste Bestürzung; überall sammelten sich Scharen und erörterlen die Nachricht. Sonnabend abend 7 Uhr wollle der Oberbürgermeister in vertraulicher Sitzung der Stadverordneten über die Stellungnahme gegenüber den jüngsten Verdächtigungen beraten. Der Oberbürgermelster tellte dies Krupp berelts Freitag abend mit. Die Stadtverordnetenversammlung drückte einmütig ihre Entrüstung über die ihrem um seine Vaterstadt hochverdienten Ehrenbürger so kurz vor seinen Hinscheiden angetane Kränkung aus und beauftragte den Oberbürgermeister, der Witwe Krupps das innigste Beileid namens der gesamten Bürgerschaft auszusprechen. Krupps Arzt, Pahl, meilie bereits seit Freitag nachmittag auf Villa Hügel. Frau Krupp war beim Tode ihres Mannes nicht zugegen. Sie ist seit längerer Zeit leidend und befand sich bei Prof. Binswanger in Jena in Behandlung. Sie eille, als sie die erschütternde Nachricht erhielt, sofort nach Hause und traf Sonntag vormittag auf Villa Hügel ein. Die schwache Gesundheit Krupps wird bestätigt durch folgende Notiz der„Rh. W. Zig.": Friedrich Alfred Krupp war ein zarter Knabe und ein schwacher herzleldender Mann, der im Ortent verschiedentlich Heilung von Asthma suchte; außerdem war er, unähnlich seinem Vater, ein weicher, liebenswürdiger, fast ängstlicher Charakter. Krupp empfand es schon außerordentlich peinlich, als im Verfolg der Gründung der„Berliner Neuesten Nachrichten“ und des Flontenvereins sein Name in die Oeffentlichkeit gezerrt und angegriffen wurde; er war nicht der Mann heftiger Kämpfe. Am 13. und 14. November weilte er noch mit seiner Gemahlin und seinen Töchtern in Kiel, in der letzten Woche kehrte er nach Hügel zurück. Die überaus heftgen Angriffe der sozialdemokratischen Presse gegen die Ehre seiner Person und seines Hauses haben nach uns schon vor einigen Tagen gewordenen, ganz privaten Mitteilungen Unbeteiligter Herrn Krupp auf das Entsetzlichste angegriffen, wie bei seinem welchen, leicht verletzbaren Gemüt zu erwarten stand. Die fortdauernden Gemürsaffektionen der letzten Tage, die sichere Aussicht, daß der Prozeß bei einer juristtsch=geschickten Gegensette sich mindestens monatelang, vielleicht jahrelang hinschleppen würde, haben nach den vorliegenden Meldungen die überaus traurige Katastrophe herbeigeführt. Die öffentliche Meinung in Essen steht unentwegt zu Krupp und in allen Kreisen ruft man sich rührende Züge des Verstorbenen in Erinnerung; nur ganz selten hört man auf den Straßen rohe Aeußerungen der Sozialdemokraten. Feinde hatte der Verstorbene nur in solchen Kreisen, die ihn nicht kannten und ihn aus polltschen und sozialen Beweggründen haßten; jeder, der ihn kannte, ist erschütiert durch die Traglk dieses Todes. Das Gutachten der Aerzte Krupps. Von den beim Tode Krupps zugegen gewesenen Aerzten ist, wie aus Essen gemeldet wird, eine Darstellung über den Verlauf der Krankhelt und den Tod Krupps verfaßt worden, welche die Unterschriften der anwesenden, zum Tell hervorragenden ärztlichen Antoritäten trägt. U. a. war auch der bekannte Berliner Nervenarzt Vogt, der Berliner ärztliche Beistand des Verblichenen, am Totenbette. Das Schriftstück ist vorläufig nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, man wir aber wohl nicht fehlgehen in der Annahme, daß es späler einmal (vielleicht im„Vorwärts"=Prozeß) eine bedentsame Rolle spielen wird. Auch in diesem Bulletin soll die Ueberzeugung ausgesprochen sein, daß die Verdächtigungen der soztaldemokrattichen Presse mit dem erfolgten Gehirnschlage Krupps in einem ursächlichen Zusammenhange stehen. Aus ärztlichen Kreisen, die über den Krankheitsverlauf Bescheid wissen, wird der genannten Zeitung mitgeteilt, daß die Ohnmachtsanfälle, die Krupp vor zwei Jahren in Genua und vor 1½ Jahren im Hotel Bristol In Berlin halte, bereits als leichte Schlagaufälle anzusehen sind. Krupp war selt langer Zelt die Sorge seiner Aerzte. Er II an einer Veränderung des Gesäßsystems, die ein plötzliches Lebensende sell langer Zeit befürchten ließen. Auch von selten der Aerzte wird versichert, daß die Vorwärtsverdächtigungen Krupp ins Grab gebracht haben. Köln, 24. Nov. Die Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp erklären, daß der Tod Krupps als die numittelbare Folge der durch den„Vorwärts"=Artikel hervorgerufenen Erregung betrachtet werden müsse. Daß ein natürlicher Tod seinem Leben ein Ziel gesetzt, s# nicht zu bezweifeln. Zahlreiche Beileidstelegramme sind dem Direktorium der Firma Krupp sowie der Famille zugegangen: Der Kaiser lelegraphierte an das Direktorlum der Firma Krupp: „Die Nachricht von dem so unerwartet eingetretenen Hinscheiden Ihres Chefs hat mich tief erschüttert. Die Vorsehung halte Gehelmrat Krupp an die Spitze einer Unternehmung gestellt, die weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus eine untverselle Bedeutung gewonnen hal. Dies Werk, wie es von seinem genialen Vater ihm überkommen, nicht nur zu erhalten, sondern seinem Weltrus entsprechend weiter auszubilden, sah er als die Aufgabe seines Lebens an. Sein Name ist mit der Entwickelung der Eisenindustrie, des gesamten Wassenwesens, der modernen Befestigung wie des Schiffsbaues auf das innigste verknüpft. In der Fürsorge für seine Angestellten war er unübertroffen und vorbildlich. So empfinde ich, dem der Verewigte in patriotischer Gesinnung auf das ireueste ergeben war, mit der Beamtenschaft und den Tausenden seiner Arbeiter seinen Verlust auf das schwerste. Wilhelm I. R.“ An Frau Geheimrat Krupp lelegraphiert der Kaiser: „Neues Palais. Ihre Exzellenz, Frau Geheimrat Krupp, Essen(Ruhr.) Soeben erhalte ich die erschütternde Nachricht, daß Ihr Gemahl für uns alle unerwartel entschlasen ist. Die Kaiserin und ich trauern tief ergriffen mit Ihnen um den Verewigten, welcher so jäh aus dem Streben gerissen ist, der ihm vom Schicksal übertragenen, gewaltigen Aufgabe in strengster Pflichterfüllung gerecht zu werden. Möge Gott der Herr Ihnen und Ihren Töchtern die Kraft geben, das Schwere, das er Ihnen jetzt auferlegt, zu tragen. Wilhelm R. Ein Telegramm der Kaiserin lautet: „Neues Palais. Frau Geheimrat Krupp. Essen (Ruhr). Ich muß Ihnen, liebe Frau Krupp, nochmals persönlich aussprechen, wie erschüttert ich von dem frühen Tode Ihres Mannes bin und mit wärmster Teilnahme Ihrer gedenke. Gott schütze und tröste Sie und Ihre beiden Töchter in Ihrem tiefen Schmerze. Auguste Viktoria. Der Erbgroßherzog von Baden telegraphierte:„Tiefbetrübt durch den frühen Tod Ihres hochverehrten Chefs spreche ich dem Direktorium meln herzlichstes Beileid aus. Friedrich. Erbgroßherzog von Baden.“ Der Reichskanzler Graf von Bülow sandte folgendes Telegramm: Tief ergriffen durch die Mitteilung von dem plötzlichen Hinscheiden des von mir hochgeschätzten Wirklichen Geheimen Rats Krupp betrauere ich mit Ihnen, seinen Beamten, Arbeitern und Freunden schmerzlichst den bewährten Letter unseres größten industriellen Unternehmens, den treuen Diener seines Königs und fürsorgenden Vater seiner Angestellten. Reichskanzler Grof von Billow.“ Ferner sandten Belleidstelegramme: Der Chef des Zwilkabinets Exzellenz von Lucanus. Der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke und der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding. Der Kriegsminister von Goßler. Der Fiuanzminister Freiherr von Rheinhaben. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Budde und der Stoatssekretär Tirpitz. Essen. 23. Nov. Volksversammlung für Krupp. Auf heute vormitag hatte ein Komitee bestehend aus Vertretern der christlichen Vereine Essens eine Versammlung der Vorstände christl. Vereine anberaumt, um zu beraten, in welcher Weise Protest erhoben werden sollte gegen die Beschuldigungen, die in einer Reihe soztaldemokratischer Blätter gegen Geheimrat Krupp erhoben worden waren. Durch den inzwischen eingetretenen erschütternden Todesfall war dieser Zweck der Versammlung gegenstandslos geworden. Dafür gestaltele sie sich zu einer Trauerkundgebung. Die Vereinsvorstände(Essen ist augenblicklich ohne jeden großen Saal für Massenversammlungen) waren in Stärke von etwa 7—800 Mann vertreten, die sich nach einlettenden Worten des Arbeitersekretärs Kloft zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben und sich sämtlich mit der Absendung eines Betleidstelegramms an die Witwe des Verstorbenen einverstanden erklärten. Es waren vertreten außer den christl. Arbeiter= und Gesellenvereine, auch mehrere Kriegerverehne, die Hirsch=Dunkerschen Gewerkvereine, Gesang=, Kaufmännische=, Eisenbahnbeamten=, u. a. Vereine aus Essen und Umgegend, im ganzen weit über 100 Vereine. Das Telegramm hal folgenden Wortlaut: Frau Geheimral Krupp, Hügel. Die Vorstände der unterzeichneten Vereine der Stadt Essen und der Umgegend gestatten sich, Ihnen angesichts der erschütternden Nachricht von dem Hingange Sr. Exzellenz des hochverehrten Herrn Geheimrats Krupp ihr liefes Beileid auszudrücken. Gott tröste und erhalte das Haus Krupp, dem unsere Sympathie und Verehrung stets bewahrt bleiben. Ueber den Eindruck, den der plötzliche Too des Geheimrats Krupp in Essen hervorrlef, wird von dort gemelder: Von Villa Hügel wehen zwei große schwarze Flaggen halbmast mit langen schwarzen Wimpeln. Das Bootshaus hat ebenfalls halbmast geflaggt. Fortgesetzt tresfen Besuche ein. Das Telegraphenamt iu den ganzen Tag derartig beschäftigt, daß die dienstfreien Beamten haben einberufen werden müssen. Die Eisenbahndireltion hat infolge des Hinscheidens Krupps von der aus Veraulassung der bevorstehenden Erössnung des neuen Empfangsgebäudes hierselbst geplanten Festfeier Abstand genommen. Die Stadt Essen ist in liefer Trauer. Von der Facade des Rathauses wehl eine lange Trauerfahne herab; Fahnen auf Halbmast siehl man vor allen öffentlichen und sehr vielen Privatgebäuden. In den Kruppschen Werken wird weiter gearbeitei, erst am Begräbnistage werden die Werke stillgelegt. Mit Friedrich Alfred Krupp süirbt oie Manneslinie der Essener Krupp aus, da der Verewigte nur zwei in diesem Jahre konfirmierte Töchter hinterläßt. Nur drei Generationen iu das zu se gewattigem Umfange gelangte Kruppsche Werk als Eigentümer erlebt. Der Großvater Friedrich Krupp, geboren 1787, besaß in Allenessen ein kleines Hammerwerk und errichtete 1818 bei Essen eine Fabrik, die bei seinem Tode(1826) aber nur wenig Arbeit hatte. Auch sein genialer Sohn Alfred Krupp lint lange Zeit unter ungünstigen Verhältnissen, und erst 1855 begründete sich der nie wieder erschütterte Weltruf der Firma in Folge der Vorführung eines Stahlblocks auf der Londoner Weltausstellung. Alfred Krupp, der 1887 starb, war in seinen letzten Lebensjahren eine zurückhaltende einsame Natur, der über Millionen und aber Milllonen fortsah. 1887 übernahm der jetzt verstorbene Friedrich Alfred Krupp(geboren 17. Februar 1854) die Leltung; er war eine stllle, in sich gekehrte Natur, jede Ueberhebung stand ihm fern, seine Nelgung waren kleine gemütliche Gesellschaften. Er war von Jugend auf schwächlicher Natur und hat viel im Süven schon damals gelebt. DieErhebung in den Adelstand lehnte er, ebenso wie sein Vater, ab, nahm indessen die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz an. Das Kaiserpaar besuchte ihn fast alljährlich auf Villa Hügel bei Essen, mit der sich nur wenige Fürstensitze vergleichen können, zum letzten Mal im verflossenen Sommer. Die Kruppschen Werke sind in der Verwaltung und Arbeiterfürsorge mustergiltig. Im Jahre 1900 beschäftigte die Firma 44 087 Personen, einschließlich 3210 Beamte, insgesamt bezogen mehr als 75000 Menschen von der Firma ihren Lebensunterhalt. Der Verstorbene erweiterte das von seinem Vater übernommene Essener Werk bedeutend: So erwarb er 1893 u. a. das Grusonwerk in Magdeburg=Buckau, 1896 die Schiffs= und Maschinenbauanstalt Germania(Berlin und Gaarden bei Kiel). Die Kassenbeiträge der Firma betrugen jährlich gegen 4 Millionen, zur Steuer war Krupp mit einem Jahreseinkommen von 12—15 Millionen, mit einem Vermögen von 120 Millionen veranlagt. Für das Wohl der Arbeiter ist durch eigene Wohnungen, Schulen, Konsumanstalten, Kaffeelüchen, Haushaltungsschulen, Krankenhäusern, Bädern und Kassen aller Art in wahrhaft großartiger Weise gesorgt. Das ganze Werk ist eine Riesenstadt für sich. Der Verstorbene ließ das ganze gewaltige Unternehmen, dem er in den letzten Jahren nicht mehr häufig persönlich nahetrat, durch ein Direktorium leiten, dem früher Geheimral Jancke und jetzt Geheimrat Rölger vorstehi. Es ist sicher, daß die Firma unverändert im nationalen Sinne weiter besteht, wenn auch ein männlicher Erbe fehlt. Geheimrat Jancke und der Vetter des Verewusten, Gehelmrat Arthur Krupp in Berndorf bei Wien, werden bei der definttlven Regelung voraussichtlich mitwirken. Die Fräge, was aus Krupps Riesenunternehmen werden soll, wird dahin aufgeklärt, daß alles für den Fall des Todes Krupps wohl geordnet ist, sodaß für absehbare Zeiten ür Befürchtungen kein Raum vorhanden ist. Lam einem unverbürgten Gerücht soll, entsprechend einer testamentazischen Bestimmung von Krupps Vater, die Fabrik in Form einer Ari Fidetkommiß weiterbestehen; als neuer Chef sei Krupps Beiter, Artur Krupp in Berndorf, ausersehen. Man erzählt, Krupp habe noch Sonnabend nach Lapri reisen wollen, und der Salonwagen hätte schon bereit gestanden. Krupp war seit längerer Zeit herzleidend. Die feierliche Veisetzung des letzten Krupp findet Mittwoch Vormittag 20 Uhr von dem kleinen„Stammhause“ aus statt, welches dem Valer und den Großeltern des Verstorbenen als Wohnung diente und heute mitten in der Fabrik liegt. Am Dienstag abend wird die Kruppsche Feuerwehr die Leiche auf Hügel abholen und über die Alfred= und Bismarckstraße nach Essen zum Kruppschen Stammhause überführen, wo sie bis Mittwoch morgen aufgebahrt bleibt. Rom, 24. Nov. Die Blätter widmen Herr Krupp ehrende Nachrufe. In der Bevölkerung Capris und namentlich in Anacapri hat der Tod Krupps einen tief schmerzlichen Eindruck gemacht. Viele Häuser haben halbmast geflaggt. Die Behörden der Insel haben beschlossen, Krupp ein Denkmal zu errichten. Uebersicht. Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser reiste Montag mittag kurz nach 12 Uhr mit Gefolge nach Bückeburg zu den dortigen Hofjagden und wird sich von dort Mittwoch früh zur Beisetzung Krupps nach Essen begeben. Sonnabend abend begannen beim Reichskanzler die Verständigungsverhandlungen über den Zolltaris. Je zwei Konservative, Nationalliberalle und Reichsparteiler sowie vier Mltglieder des Zentrums nahmen daran teil. Als in Aussicht genommener Einigungs= punkt werden in Reichstagskreisen die Viehzölle bezeichnet und vielfach betrachtet; die Regierung solle sich, so hofft man, mit Mindestsätzen für Vieh und Fleisch, jedoch unter deren starker Herabsetzung — auf 10 bis 8 M.— einverstanden erklären.— Die Konservativen haben Anträge auf Herabsetzung der Industriezölle, durchschnittlich um 25 Prozemt, eingebracht. Oesterreich=Ungarn. Die parlamentarische Situation gestaltet sich immerfort kritischer. Die Verhandlungen des Ministerpräsidenten mit den Parteiführern machen keine Fortschritte. Vielsach kommentiert wird das Communique der Deutschen Fortschrittspartel, das besagt: In der Deutschen Fortschrittspartei wurde einmütig das Bedauern ausgedrückt, daß das Parlament abermals durch die tschechische Obstruktion lahmgelegt sel. Die Tschechen versuchen abermals, aus Kosten des deutschen Volkes, Erpressungen. Es müsse entschieden Verwahrung eingeleg werden, daß seitens der Regierung diesen neuerlichen Erpressungsversuchen nachgegeben werde. Von deutscher Seite ist und wird alles geschehen, um die Arbeitsfähigkeit des Hauses wiederherzustellen, und die Denischen trifft keine Schuld, wenn es bisher nicht gelungen sei, die Obstruktion zu beseitigen. Die Verantwortung für die Arbeitsunfähigkeit des Hauses trifft daher die Tschechenvertreter und alle Jene, die sie offen oder stillschweigend in ihrem Zerstörungswerke unterstützer. Aus Ort und Provinz. Allzemein intereisterende Nachrichten aus der Stadt und deren Umgebung werden gern entgegen genommen und entstehende Auslagen von und vergütet. f Gütersloh, 25. Nov.[Totensonnlag.] Am Sonntage war unser Friedhof das Ziel vieler Besucher, und der in tiefer Stille dallegende jetzt, wie alles in der Natur, jeden sommerlichen Schmuckes entkleidete Gottesacker zeigte einen neuen Frühlingsschmuck durch die Blumen und Kränze, womit dankbare Hände die letzte Ruhestätte lieber Angehöriger geschmückt hatten. Gütersloh, 25. November.[Freiwillige Feuerwehr.] Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr machen wir auf die heute. Dienstag abend 8½ Uhr in der Kegelhalle des Hotel Barkey stautfindende Generalversammlung, aufmerksam. : Gütersloh, 25. Nov.[Generalversammlung.] Am Mittwoch abend 8½ Uhr findet im großen Saale des Vereinshauses eine Generalversammlung der Krankenkasse der Allgemeinen Handwerker=Innung, und darauf eine Generalversammlung der Allgemeinen Handwerker=Innung statt. Die Mitglieder werden hiermit auf die Versammlung noch besonders hingewiesen. Gütersloh, 25. Nov.[Landw. KreisVerein.] Die Generalversammlung des landw. Kreisvereins fand am Sonnabend den 22. Nov. im Saale der Gesellschaft„Erholung“ statt, und war gut besucht. Um 3½ Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vereins Herr Gutsbesitzer Brüning zu Schledebrück die Sitzung. Zuerst wurde der zu einem Vortrag erschienene Direktor der landw. Schule zu Dortmund Herr Müller den Versammelten vorgestellt, dann wurden verschiedene Eingänge mitgeleilt, unter anderen wurden Exemplare der landw. Zettung von Westfalen und Lippe verteilt, mit dem Ersuchen auf dieselbe zu abonnieren, ferner ein Schreiben der Landwirtsschaftskammer betreffend Bildung von Aufforstungs=Vereinen. Beireffs Ausbildung von Wiesenwärtern, soll vorab bei der Landwirtschaftskammer angefragt werden, in welcher Art und Weise die Wiesenwärter ausgebildet werden sollen, wie lange der Kursus dauert u. s. w. Die im Kreise befindlichen Wiesengenossenschaften, sollen aufgefordert werden, Personen zur eventuellen Tetlnahme anzumelden. Alsdann wurde ein Schreiben des Königl. Landrates verlesen betreffend voraussichtliche Belhülfe des Westfonds für Verluste beim Verkauf von Vieh auf der nächstjährigen Tierschau, und zwar sind beantragt 600 Mk. Beihülfe. Diesem stimmte die Versammlung zu, und wird eine eventuelle Beihülfe recht gern zu dem angegebenen Zweck verwandt werden. Der Herr Vorsitzende nahm wieberholt Gelegenheit dem anwesenden Herrn Landral für seine tatkräftige Unterstützung auf den verschiedenen Gebieten der Landwirtschaft zu danken. Betreffs Vorlage der Rechnung vom Tierschaufest u. Jahresrechnung wurden die nachstehenden Zahlen bekannt gegeben. Es ergab sich, daß ein augenblicklicher Bestand der Vereinskasse in Höhe von 1802,65 Mk. vorhanden ist. Zu Revisoren der Rechnung wurden gewählt die Herren Gemeinde=Vorsteher Raßfeld in Blankenhagen, die Oekonomen Feuerborn in Kattenstroth und Maas in Pavenstädt. Sodann wurde die II. Hälfte der Staatsprämien in Höhe von 280,50 Mk. ausbezahlt; auch wurden 83 Mk. Prämien à 4 Mt. für gelegentlich der Ankörung vorgeführte Bullen gezahlt. Darauf hielt Herr Direktor Müller aus Dortmund den angekündigten Vortrag über das Thema:„Wie vermag der Landwirt die Reinerträge seiner Felder und seiner Viehzucht zu erhöhen?" Der Vortrag bot manches Interessante; mit Recht betonte der Redner immer wieder daß auch der kleine Landwirt Buch führen müsse, um klar zu durchzuschauen wo er zusetzt und wo er verdient. Redner stellte als fernere Bedingung auf: brauchbares Maierial an Zugtieren und Maschinen, Vorsicht beim Kunstdünger=Einkauf, richtige Handhabung und Mischung des Kunstdüngers, rationellere Behandlung des werwollen Stalldüngers, vorsichtigere Saalkornwahl. Ferner sei angebracht mehr Witterungskunde unter Beobachtung der unteren und oberen Luftströmungen.(Redner prophezeite an Hand seiner Beobachtung schon das inzwischen eingetretene Tauweiter.)— Nur schade, daß diese Herren Vortragenden sehr häufig aus Gegenden kommen, deren Bodenverhältnisse von den unfrigen ganz verschiedene sind; unser Sandboden will nun mal ganz eigenartig behandelt sein. Allein beim Kapitel der Fruchtfolge gehen die Ansichten der hiesigen Landwirte well von denen des Redners auseinander, unzählige hiesige Aecker werden bei Kunstdünger und Seradella Jahr aus Jahr ein mit Roggen bestellt und liefern zufriedenstellende Erträge, von einer größeren Fruchtfolge kann hier also keine Rede sein. Immerhin aber scheint es angebracht, daß man auch auf unserm Sandboden Versuchsstationen einrichtet und unter Leitung eines berufenen Fachmannes die Resultale der verschiedenen Düngungen und Bestellungen als maßgebend festlegte. Wir glauben, daß sich mancher Hofbesitzer bereit erklären würde, einige Durchschnittsäcker für solche Versuche zur Verfügung zu stellen.— Zum Schluß wurden mehrere Herren als Vereinsmitglieder aufgenommen. Rb. Gütersloh, 25. Nov.[Neue Reichsbanknebenstelle.] Am 1. Dezember d. J. wird in Culmser eine von der Reichsbankstelle in Thorn abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. §' Amt Gütersloh, 25. Nov.[Wahl.] Die Gemeindeverordnetenwahl findet am Donnerstag, den 27. d. Mis., im Vereinshaus zu Gütersloh statt. Näheres ist aus der in heutiger Nummer abgedruckten amtlichen Bekanntmachung ersichtlich. “ P o r t a, 2 2. N o v.[ N e u e r u n d a u s s i c h t s reicher Weg zum Kaiserdenkmal in Porta.“] Die„Aktlengesellschaft Poria Westfalika“ hat sich dem „M. Krhl.“ zufolge neuerdings der dankenswerten Aufgabe unterzogen, den zum großen Bedauern so vieler Bergbesucher eingegangenen sogenannten Pionterweg auf ihre Kosten wieder dem Publikum zugängig zu machen. Es wurde nämlich, direkt hinter dem„Kaiserhof" aufgehend, ein neuer Weg zum Denkmal geschaffen, welcher an den schönsten Aussichtspunkten des früheren Pionier= weges vorbeiführt und neben den Vorzug eines bequemen Aufstieges auch denjenigen der größeren Kürze bietet, so daß man auf diesem neuen Wege am angenehmsten und schnellsten zum Kaiserdenkmal hinaufgelangen kann.— Die Aktiengesellschaft Porta Westfalika beabsichtigt außerdem, an geeigneten Stellen des neuen Weges später noch Ruhebänke aufstellen zu lassen, um das Verweilen an den einzelnen herrlichen Aussichtspunkten möglichst angenehm zu machen. * Hamm, 24. Nov.(Unglücksfall.] Heute Morgen gerlei ein Strohhändler auf der Chaussee von Rhynern nach Werl unter die Räder eines von Werl kommenden Kleinbahnzuges. Die Räder zerschuttten den Körper in zwei Hälften. Der Zug hatte den Wagen des Getötelen gestreift, wodurch das Unglück herbeigeführt wurde. Vermischtes. —[Eine drollige Geschichte) ereignete sich an der Fahrkartenausgabe der Eisenbahnstation St. Wendel. Eine junge Frau aus dem Dorfe Urweiler, die in ihre zukünftige Heimat übersiedeln will, erscheint am Schalter und es entspinnt sich zwischen ihr und dem Beamten folgendes Zwiegespräch:„Ich hätt' gäree Billjet for hin un hee!“„For wohin?“„Ei for hin un her!“ „Ja, Sie müssen mir doch sagen, wohin.“„Gell do, wie gescheit! Wammer uf de Hochzeitsreis' geht, do woll se alle wisse, wo mer hinfährt. Das sahn ich Ihne nit; ich wille Billjet for hin un her.“ Der Beamte glaubt, die Frau wolle ihn foppen und wird grob. Daraufhin sagt sie:„Dann genn Se mere Billjet for hin un her nah Saarbrück!“ Das erhält sie denn auch und bezahlt 20 Mark dafür. Triumphierend verläßt sie das Schalter und sagt verschmitzt lächelnd zu den Umstehenden:„Ich hann en jo doch geuhzt, ich fahre so nore nach Nennkerche!“ Nach Rennkirchen kostet die Rückfahrkarte von St. Wendel nur 1,50 Mark. — Barcelona, 24. Nov. Der Poltzei gelang es eine schon seit Jahren ihr Unwesen treibende Schwindlerhande aufzuheben, die durch Vorspiegelung von angeblich ungehobenen Schätzen zahlreiche Personen im Auslande um Geldbeträge betrogen hat. Das Konsortium besteht aus einem Spanier, einem Deutschen und einem Oesterreicher, welche alle Drei verhaftet wurden. — Dutsburg, 24. Nov. Als in der verflossenen Nacht der Fabrikarbeiter Karl Schultz beirunken nach Hause kam, geriei er mit seiner Frau in Streit. Die Frau erwürgte den Mann. Sie wurde verhaftet. Es sind 10 kleine Kinder vorhanden. — Aus dem Fahrplandes Norddeutschen Lloyd 1902/1903.] Die Flotte des Norddeutschen Lloyd in Bremen setzt sich z. Z. zusammen aus acht Schnellpostdampfern, 20 Reichspostdampfern, 36 Doppelschrauben=Postdampfern und Postdampfern, 72 Dampfern. von denen 30 die europäische Fahrt bedienen, und zwei Kadetten=Schulschiffen. Im Bau sind sieben Dampfer für die transatlantische Fahrt und 2 Dampfer für die indochnesische Fahrt. —[Die Taufe einer Regerlul fand am Sonntag in der evangelischen Si. Marienkirche zu Krossen stat. Täufling war die 20jährige Negerin Matuscha aus Dar=es=Salaam, die den Namen Elisabeth erhielt. Eine bis vor zwei Jahren dort wohnhafte deutsche Beamtensamilie hal das Negermädchen mit in die Heimal gebracht. Die Negerin wiro sich binnen kurzem mit einem schwarzen Landsmann, der in Forst(Lausitz) wohnl und dort getauft worden ist, verheiraten. Fernsprech-Meldung. Essen, 15. Nov. Der Kaiser wird der Leiche Krupps iu Fuß folgen, weswegen ein kürzerer Weg zur Gruft gewählt wird. Ein Bataillon Infanterie and Mülheim a. d. Nuhr und eine Schwadron Düsseldorfer Husaren trafen ein. Heute abend findet eine Leichen feier in der Kruppschen Familie statt. Cavri, 25. Nov. Die Bevölkerung der Insel veranstaltete gestern abend eine großartige Trauerkundgebung für Krupp. An den deutschen Botschafter in Rom und den Oberbürgermeister von Essen wurden Beileidstelegramme gesandt. Berlin, 25. Nov. In der Strafsache gegen den Grafen Pückler und seine Genossen wurde ersterer wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten zu 700 M. ferner wegen Beleidigung des Geh. Sanitätsrats Dr. Neumann zu 300 M. Geldstrafe verurtellt. Der Redakteur Weber von der Staatsbürger Zeitung wurde wegen Beleidigung des Dr. Reumann zu 100 M. Geldstrafe verursellt. Die Uebrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Briefkasten. Herrn A. Von der Veröffentlichung Ihres„Eingesandt“ müssen wir absehen, obgleich wir mit Ihnen derselben Ansicht sind, wie wir dies ja auch schon in unserer Nummer vom 21. d. Mts. zum Ausdruck gebracht haben. Ihre Ansicht, daß die Handlungsweise der erwähnten Zeitung, die eine Anzeige, die sie im ersten Blatt als„Schwindel" bezeichnet, im zweiten Blatt abdruckt, um sich die Einnahme dafür nicht entgehen zu lassen, in Punkto Geschäft eine„große Vielseitigkeit“ verrate, mag ja zutreffen, wir sind aber eher geneigt, den Vorfall auf ein Versehen zurückzuführen. Der Verhauf preiswerter Weihnachtskleider in eleganten Präsent-Kartons hat begonnen. Chr. Banning. Nach Gottes unerforschlichen Ratschluß entschlief in vergangener Nacht, nach kurzem, schweren Leiden im festen Glauben an ihren Erlöser meine liebe Tochler, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Elise Lütgemeyer im 42. Lebensjahre, wel ches tiefbetrübt anzeigt Namens der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Lütgemeyer. Gütersloh, den 25. November 1902. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Münsterstraße 218, aus statt. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, gestern nachmittag 1 Uhr meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwiegerin und Tante Frau Kolon Wilhelmine Plaßzmann geb. Güthmann nach langjährigem Leiden im 51. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dies zeigt namens der trauernden Hinterbliebenen tiefbetrübt an Kolon Aug. Plassmann. Isselhörst, 24. November 1902. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag 1½ Uhr vom Trauerhause aus statt. Die Feier im Hause beginnt um 1 Uhr. Bekanntmachung. Am Dienstag. den 2. zember 1902 sollen in Zimmer Nr. 8 etwa 30—40 Zentner altes Papier— ausrangierte Akten— meistbietend gegen Barzahlung verkauft werden. Die Verkaufsbedingungen sind auf Zimmer Nr. 8 zu erfahren Gütersloh, den 24. Nov 1902. Königliches Amtsgericht. Donnerstag morgen: Frischen Schellfisch M. Pollkläscner. Für die Weihnachtsbäckerei empfehle: Feinsten Syrup, „ Honig, Mandeln, Sucende, Orangent, Chtronen, Citronenöl, Rosenwasser, Pottasche, Hirschhornsalz, Cardamom, feinste Marzipanmasse, bittere Chokolnde, bunten Streuzucker etc. Clemens Müller. Vieh- und Mobilien Mittwoch, den 26. Nov., morgens 10 Uhr anfangend, läßt Frau Ww. Rothland bei Kolon Voß in Sundern Nr. 19 wegen Aufgabe der Wirtschaft: 2 junge Kühe, ein Manteltopf, 1 Schneidelade, 1 Kochmaschine, 1 Ofen, mehrere Kisten und Kasten, 1 Schleifstein, ca. 00 Ztr. Wurzeln, 35 Ztr. Steckrüben, 10 Ztr. Runkeln, 12 Ztr. Kartoffeln, einen Schweinestall zum Abbruch, ca. 150 trockene Buschen und zerkleinertes Holz, verschiedene Kleidungsstücke, sowie versch. Haus= u. Küchengeräte, Ein Faßmit eingemachten Bohnen meistbielend gegen Kredit verkaufen, wozu Kauflustige einladet W. Deppe, Auktionater. Kattenstroth, im Novbr. 1902. Ger. Kieler Bücklinge. Ludwig Grabemann. J. H. Manecke Aussteuer=Geschäft. Fertige Zetten in allen Preislagen. 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Vorlage der von der Finanz=Kommission geprüsten Rechnungen: des Wasserwerks pro 1898, 1899 und 1900, des Gaswerks pro 1900, der gewerblichen und der kaufmännischen Fortbildungsschulen pro 1900 und Antrag, dem Rendanten Mehlhoff für diese Rechnungen Decharge zu erteilen. Gütersloh, den 22. November 1902. Der Vorsitzende. Ferdin. Bartels sen. Amt Gütersloy. Bekanntmachung. Der diesjährige Herbstkörtermin für das Amt Gütersloh findet am Sonnabend, den 29. November er., vormittags 11 Uhr, aus dem Marktplatz in Gütersloh stalt, was hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird Gütersloh, den 10. November 1902. Der Amtmann. Paasch. Bekanntmachung. Zur Beschlußfassung über 1. Hergabe von Zufuhrwegen 2. Ueberlassung der durch Genossenschaftsanlagen abgeschnittenen Grundstückteile, 3. Schneiden des Grases auf den Deichen und den Böschungen der Flüsse, Bäche und Gräben sowie 4. Entsernen des aus den Wasserläusen Ausgeräumten wird hiermit eine General=Versammlung aller Mitglieder der Emsgenossenschaft zu Rheda auf Montag, den 15. Dezember 1902 des Vormittags 8½ Uhr nach Rheda in den Saal des Gasthofes Homburg berufen. Zugleich wird bemerkt, daß die Versammlung ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen beschlußfähig ist. Gerzeorock, den 20. November 1902. Der Vorsteher der Emsgenossenschaft zu Rheda Frhr. von Elmendornl. Drucksachen jedler Art in Buchdruck oder jeder Ell, Lithographie Hielert In beiter Ausführung schnell und billig die Buch- und Steindruckerel kudw. Flöttmann ∆0 cen Sütersloh.n(2 Zur Weihnachtsbäckerei empfehle seinsten Jud. Syrup, seinsten BlütenHonig sowie sämtliche Gewürze in seinster Qualität. W. Küster. la. Preisselbeeren Pfund 45 Pfg. Ernst Iloffschüdt. Der vorgerückten Saison wegen gebe auf sämtliche garnierte u. ungarnierte Damen- und Kinder-Nüte 20 bis 25% Rabatt. Otto Honcamp Nachf. 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Wählen kann jeder Amtseingesessene, welcher im ganzen mindestens M. 4,— Steuer zahlt.— Von der III. Abteilung scheidet Herr Wilhelm Hermjakob aus. Ferner scheidet aus ein Vertreter der zweiten Abteilung aus Pavenstädt. Die II. Abteilung hatte seit Jahren einen Vertreter zu viel, wir dagegen einen zu wenig. Wir haben also jetzt anstatt des ausscheidenden Vertreters der II. Abteilung einen Vertreter aus Pavenstädt für unsere Abteilung neu hinzuzuwählen. Nach gewissenhafter und ernster Prüfung empfehlen wir den Wählern unserer Abteilung, den ausscheidenden Vertreter Schriftsetzer herrn Wilhelm Hermjakob in Nordhorn wiederzuwählen, und als Vertreter für Pavenstädt den Maurerpolier herrn Ludwig Westerhellweg in Pavenstädt neu zu wählen. Es ist hinreichend bekannt, daß wir in Herrn Hermjakab einen sehr geeigneten Vertreter gehabt haben, von Herrn L. Westerhellweg haben wir die feste Ueberzeugung, daß er nicht nur das Wohl der ganzen Gemeinde sondern auch ganz besonders die Interessen unserer Abteilung wahren wird. Wir bitten deshalb alle Wähler der III. Abteilung, am Vonnerstag morgen pünktlich um 9 Uhr im Wahllokal zu erscheinen und ihre Stimmen nur den Herren zu geben. Ludwig Westerhellweg Viele Wähler der III. Abteilung. Zu der am Donnerstag, den 27. d. Mts., stattfindenden Ergänzungswahl der Gemeinde=Vertretung des Amtes Gütersloh ersuchen wir sämtliche Wähler der 3. Abteilung, für Nordhorn den Tischlermstr. Heinr. Vermpohl Nr. 47 und für Pavenstädt den Rolon Heinr. Dannenbaum zu wählen. Viele Wähler der 3. Abteilung. Ortskrankenkasse 11 Generalversammlung am 4. Dezember abends 8½ im Hotel Barkey. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl von Kassenrevisoren. 3. Verschiedenes. Gütersloh, den 25. November 1902. Der Vorstand. 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Der Reichskanzler werde als preußischer Ministerpräsident seine Gesichtspunkte dort zur Anwendung bringen; überall, wo gegen das Gesetz verstoßen sei, werde die Ahndung nicht ausbleiben. Aber über die einzelstaatlichen Rechte werde er nicht hinweg= und nicht hinausgehen; auch die Unabhängigkeit der Richter müsse unangetastet bleiben. Ein Strafvollzugsgesetz sei zwar notwendig, könne aber nicht in Aussicht gestellt werden. Auch Abg. Bassermann(nil.) verurteilie die Uebergriffe, halte aber Vertrauen zur Regierung. Es müßte das minderwertige Personal aus der Polizei ausgemerzt werden. Abg. Gröber(Zir.) hielt eine Vermehrung des Richterpersonals in Preußen für notwendig. Abg. Lenzmann(fr. Yp.) bemängelte, daß das Polizeipersonal sich aus ehemaligen Soldaten zusammensetzte, die den Respekt vor der persönlichen Freiheit verlernt hätten. Nachdem noch die Abgg. Schrader(frs. Verg.) und Bebel(Soz.) sich geäußert, schloß die Besprechung. Sitzung vom 24. November. Fortsetzung der 2. Lesung des Zolltarifgesetzes bei dem durch einen Antrag Bebel(Soz.) neu vorgeschlagenen 8 11b. Derselbe will von den zu erwartenden Zollmehrerträgen alljährlich den Einzelstaaten nach dem Maßstabe der Matrikularbeiträge 100 Millionen überweisen zur Förderung des Volksschulwesens; speziell für Anstellung und bessere Besoldung der Lehrer und behufs Unentgeltlichtelt des Volksschulunterrichts und der Lehrmittel. Abg. Bebel(Soz.) begründet den Antrag unter Hinweis auf die stark steigenden Ansorderungen des Volksschulwesens an die Gemeinden. Die Schullasten seien außerordentlich drückende und doch geschehe noch entfernt nicht alles, was im Interesse der Hebung des Bildungsstandes der arbeltenden Klassen verlangt werden müsse. Schlimm stehe es namentlich mit den Schulen im Osten. Abg. v. Czarlinsk(Pole) verbreitet sich über die Bedrückung der polnischen Muttersprache; er nennt dabei die preußischen Schulen eine papagetenhafte Abrichtungsanstalt für Kinder, was Vizepräsident Graf Stolberg für unzulässig erklärt und schließt damit, seine Freunde würden für den Antrag Bebel stimmen. Ueber den Antrag Bebel wird namentlich abgestimmt. Für denselben stimmen 9, gegen denselben 162 Abgeordnete, wayrend sich 7 der Abstimmung enthalten. Das Haus ist also beschlußunfähig. Nächste Sitzung Dienstag. Aus Ort und Müteraleh. 25. Nov.[Die Schätzung der Flughöhe) des Meieors am Sonntag hat mehreren Zeitungen einen bösen Streich gespielt. So meldet das „Chemnitzer Tageblatt“ mit verblüffender Ruhe und Sicherheit:„Die Feuerkugel verlöschte in der Höhe von hundert Meter unter deutlich vernehmbarem Zischen und fiel in der Nähe der 12. Bezirksschule an der Reichenhainerstraße zur Erde“ Auch in Bockenem bei Hildesheim soll das Meteor niedergegangen sein.— Hier wie dort dürfte man sich getäuscht haben. Denn die Feuerkugel hat, soweit bis jetzt feststeht, Deutschland annähernd in einer Linie von Danzig über Berlin und Koblenz überflogen und in einer Höhe, die wahrscheinlich 120 Kilometee oder mehr betrug. * Mütrslah. 25. Nov.[Aupflanzungen auf Bahngebiei) zum Schutze der Vögel sind neuerdings durch einen Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten den Eisenbahndirektionen empfohlen worden. 4##teralab. 25. Nov.[Füllerung der Vögel.] Wenn auch in Zeitschriften und Tagesblättern der Mahnruf:„Gedenkei der Vögel im Winter!“ an alle Vogelfreunde ergeht, so ist keineswegs zu befürchten, daß infolge dessen die Bögel übermäßig gefüttert werden. Solange der Boden noch offen und schneefre! ist, sieht sich auch selten einmal jemand zum Füttern der Vögel veranlaßt. Bei Schnee, Rauhreif, Glatteis und anderen Unbilden der Witterung ist es aber geradezu ein Gebot der Notwendigkeit, die am Suchen von Nahrung gehinderten Tierchen durch Füttern zu erhalten, so ganz besonders die Körnerfresser(Finken), die nicht auf das Suchen von Insektenelern,=Larven und=Puppen eingerichtet sind und doch im Frühjahr und Sommer so viele Raupen verzehren. Sollte infolge dargebotener Nahrung manches Vögelchen im Winter einmal nicht so eifrig Jagd auf Baumschädlinge machen, so holt es solches aber später treulich nach und belohnt somit auf das reichlichste die ihm unsererseits erwiesene Wohltat. Deshalb kann in unser aller Interesse wahrlich nicht eindringlich genug zur Fütterung der„hungernden Vögel“, im Winter geraten werden. * Bielefeld, 24. Nov.[Mil einer halben Stunde Verspätung] ist am Samstag abend der fahrplanmäßig um 10 Uhr 31 Min. hier einlaufende Schnellzug von Gütersloh angekommen. Derselbe hatte unterwegs einen Maschinendefekt und mußte durch einen Stationstender hereingeholt werden. Minden, 21. Nov.[Die Martini= Marktpreise] der Getreidefruchtarten u. s. w. im Normalmarktort Minden für 1902 betragen für 1 Neuscheffel: Weizen 5,87 Mark, Roggen 5,28 Mark, Gerste 4,33 Mt., Hafer 3,75 Mk., Erbsen 10,58 Mk., Bohnen 10,75 M., Linsen 9,87 Mk., Eßkartoffeln 1,90 Mk. 100 Kllo: Stroh 5.30 Mk., Heu 5,50 Ml.(Westf. Zig.) Minden, 24. Nov.[Reineinkommen der preußischen Eisenbahnen im Direktionsbezirk Hannover.] Nach dem„Vertellungsplan“ betragen die Gehälter und Löhne im Direktionsbezirk Hannover nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre auf den 245 Stationen des Bezirks zusammen 16 644249 Ml., der Reingewinn bezifferte sich auf 10 651 007 Mi. An diesem Gewinne sind beteiligt: Hannover mit Mark 2 612 28=, Bielefeld 225 891, Mk., Gütersloh 208 617 Mk., Herford 164 851 Mk., Löhne 166 921 Mk., Lüneburg 235 815 M., Minden 804 978 Ml.— Hoffentlich gibt der auffallend hohe Gewinn auf hiesiger Station der Eisenbahn=Direktion Veranlassung in Zukunft den Wünschen des hiesigen Publikums ein willigeres Ohr als bisher zu schenken.(Die Schriftl.) Tecklenburg, 22. Nov.[Bismarck=Säule. Hier, an den Ausläufern des Tentoburger Waldes, soll nach einer schon seit längerer Zeit gegebenen Auregung eine Bismarck=Säule errichtet werden. In der letzten Sitzung des engeren„Ausschusses zur Errichtung einer Bismarcksäule im Kreise Tecklenburg" wurde beschlossen, durch die schon in der vorigen Hauptversammlung angeregte Gründung eines„Bismarck=Vereins" dus Interesse der weltesten Kreise für die Sache zu erwecken. Die Entscheidung über die„Platzfrage“ soll in einer späteren Versammlung erledigt werden. Nachbarskinder. Original=Roman von Irene v. Hellmuth. „Glaubst Du denn, daß Du ganz fehlerfret bist, Hilda?“ begann Sigmund wieder, die schwüle Pause unterbrechend, die nach seinen letzten Worten entstanden war. Hilda wandte sich halb zu ihrem Gatten um und sagte über die Schulter zurück:„Mama ist auch der Ansicht, daß ich es mir nicht gefallen zu lassen brauche, wenn man beständig an mir herumnörgelt, denn ich—“ Sie verstummte plötzlich vor seinem drohenden Blick, er hatte sich erhoben und stand nun dicht vor ihr. „Warum vollendest Du nicht?“ rief er aufgebracht, sprich es doch aus! Du wolliest wohl sagen, ich müßte zu allem schweigen, weil— Du reich bist und ich Dein Geld ins Haus bekam Sie widersprach nicht und ließ ihm ahnen, daß er die Wahrheit getroffen hatte. „Hüte Dich, einen ähnlichen Gedanken meiner Mutter gegenüber auszusprechen. Ich sage Dir, wenn die alte Frau ganz bei uns wohnt und Du unterstehst Dich, sie zu ärgern———“ Er hielt inne, denn Hildas helles Auflachen unterbrach ihn. „Ha, ha. Du bist köstlich, wenn sie ganz bei uns wohnt? wiederholte sie,„das wird— nie geschehen!“ Er umspannte mit krampfhaftem Druck ihr Handgelenk, daß sie beinahe ausschrie.. „Was sagst Du?— Es wird nie geschehen? Aber es war doch alles vorher ausgemacht, daß die Mutter nächstes Ziel die Wohnung kündigen solle, um dann zu uns zu ziehen? Die beiden hinieren Zimmer sind doch für sie reserviert?“ „Ja, das war so— aber— nun, wir haben es uns anders überlegt, Mama und ich.— Mama sagt, wenn ich nicht will, brauche ich es auch nicht, und dann — wenn wir später ein— Kinderzimmer haben müssen, würde die Wohnung so wie so zu klein. Ich kann doch nicht die Wlege in den Salon stellen, und dann meint Mama, das Zusammenleben mit einer Schwiegermutter sei für die Dauer unmöglich, sie habe die ihrige auch drei Monate lang im Hause gehabt und es hätte alle Tage Streit gegeben. Die Frau sei dann so klug gewesen, auszuziehen, aber das Gerede der Leute hälte man doch gehabt, und das alles sollte ich mir sparen und alles lassen, wie es ist— es wäre besser so.“ Sigmund stand sprachlos und starrte seine Frau an, die das so sicher und ruhig hersagte, wie eine auswendig gelernte Lektion, wie etwas ganz Selbstverständliches. Daß sie ihm damit surchtbar wehe tat, schten sie keinen Augenblick zu bebenken. Seine goldene, herzensgute Mutier wollte man also nicht; sie durfte nicht einen friedlichen Lebensabend bei ihrem Sohn verleben, wie sie es immer geträumt, wie sie es gehofft hatte. Man sperrte einfach die Tür vor ihr zu und hieß die alte Frau gehen. sam sollte sie bleiben, bis an ihr Ende! Und welchen Reichlum an Liebe und gütiger Fürsorge barg dies treue Herz! Wie hatte sie immer versichert:„Deine Frau soll es gut haben, wenn ich bei Euch wohne; ich werde schon nach dem Rechten sehen, werde sie lehren, Deine Lieblingsgerichte selbst zu kochen,— patz mal auf, was für ein liebes, fürsorgliches Hausmütlerchen ich aus ihr mache, Du sollst Deine Freude daran haben! Freilich, Geduld braucht man dazu, das welß ich,— denn Hilda ist ja noch so jung, sie muß das alles erst lernen.“ So gut hatte es die Mutter gemeint und er hatte so unendlich viel von ihrem Einfluß erwartet, und nun war alles aus, alles dahln! Denn unter den obwaltenden Umständen mußte er sich sagen, daß es am besten sei, wenn die Mutter in dem stillen Frieden ihres eigenen Heims blieb. Rimmermehr würde er die alle Frau dem Aerzer ausgesetzt haben, der sie hier erwartete. Aber wie sollte er es ihr beibringen? Sie durfte nicht ahnen, daß man sie nicht haben wollle, er mußte auf einen Ausweg finnen. Aber wie war ein solcher zu finden? Mit großen Schritten wanderte er im Zimmer hin und her, seine Frau folgte ihn mit den Blicken. „Du siehst es doch ein, daß ich Recht habe?“ fragte sie ein wenig beklommen. antwortete nicht, sondern setzte seine Wanderung fort „Ich gehe jetzt zu meinen Eltern, Du kannst mich nachher abholen,“ sagte Hilda nach einer Pause. Und schon im Hinausgehen, rief sie ihm noch zu:„Du willst ja doch ungestört sein bei Deiner Arbeit; ich richte also kein Abendessen, wir spelsen drüben bei Mama, komme gegen sieben.“—— Ohne die Antwort ihres Gatten abzuwarten, eille sie fort. Sie reichte ihm auch nicht wie sonst die Hand zum Abschied, sondern begnügte sich damtt, ihm zuzunicken. Er trat aus Fenster und sah ihr nach, bis sie in ihrem Eliernhause verschwunden war. Bitter auflachend, warf er sich so heftig in einen Sessel, daß das zierliche Möbel in allen Fugen krachte. „Da soll man nun arbeiten!“ murmelte er,„sie hal dafür gesorgt, daß es für heute gründlich damit vorbei ist.“ Dann saß er eine Weile sinnend und grübelnd— es war ganz still im Zimmer. Nach etwa einer Viertelstunde vertauschte er den bequemen Hausrock mit einem Jacket und nahm seinen Hut. „Wenn jemand nach mir fragen sollte— ich bin bei meiner Mutter drüben,“ rief er dem Dienstmädchen zu, das heimlich verwundert den Kopf schüttelte. „Merkwürdig,“ brummte die Küchenfee dann,„verliebt sind die zwei schon gar nicht mehr inetnander. Sie a#rn, 22, Nov.[Verschüttell wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag auf Zeche„Königsborn:, Schacht II. zwei Bergleute. Einer von ihnen wurde bald nachher mit gebrochenem Rückgrat aufgefunden. Belde Verunglückte waren verheiratet. “ Heunen(Kreis Iserlohn), 25. Nov.[Verhaftet.] Der Sparkassenrendant B. wurde verhaftet und nach Iserlohn abgeführt. Es ist noch nicht bekannt, aus welchem Grunde die Verhaftung erfolgt in. Gelsenkirchen, 21. Nov.[Am 1. April 1903 wird Gelsenkirchen, wenn der Name bleiht, zu den Großstädten der Provinz zählen. Nach dem gestrigen Beschluß der beretts gewählten Kommission und der Gelsenkirchener Stadtverordneten vereinigen sich die Landgemeinden Bismarck, Bulmke, Ueckendorf und geht zu ihrer Mutter er zu der seinen. Wenn ich meinen Fritz einmal hetrate, wir gehen dann immer zusammen aus. Na, mir kann's recht sein, es gibt hier wenigstens nicht viel Arbeit, das ist die Hauptsache.“ Damst setzte sie sich im Salon auf den Plüschdivan und machte es sich so bequem als möglich. Zu tun hatte sie gerade nichts, und da nickte sie ein wenig ein. Sigmund saß inzwischen in dem behaglichen Stübchen seiner Mutter. Er sah sehr blaß aus und die alte Frau wußle auch gleich, daß ihm etwas Unangenehmes passiert war. „Was fehlt Dir denn, meln Junge?“ fragte sie nun schon zum zwelten Male,„ich sehe. Du bist verstimmt also beichte einmal. Mir kannst Du alles sagen," fuhr sie aufmunternd fort, immer die Augen auf sein finsteres Gesicht geheftei;„ich bin Deine beste, treueste Freundin. Hat es etwas mit Hilda gegeben? Nun, ihr darfst Du nicht gleich alles übel nehmen. Schau, sie ist noch so jung und dazu ein wenig falsch erzogen. Du liebe Zeit, so ein einziges Töchterchen in immer der Abgolt von Vater und Mutter, und alle Fehler werden da als Tugend angesehen! Wenn ich erst bei Euch wohne, dann soll kein Mißverständnis mehr vorkommen! Weißt Du ich freue mich ordentlich darauf, Hilde ein wenig zu erziehen. Und wenn mir der liebe Gott noch die Freude erleben läßt, daß ich ein Enkelkindchen auf meinem Schoße wiegen darf, dann— will ich nichts mehr!“ Sie nickte dem Sohne liebreich zu, doch sein Gesicht hellte sich nicht auf. Unmöglich konnte er der Mutter erzählen, wie lieblos Hilda von ihr gesprochen, er zermarterte sein Hirn, was er vorbringen sollte, es wollte ihm nicht die kleinste Lüge einfallen, er starrte nur immer sich hin.(Fortsetzung folgt Hüllen mit Gelsenkirchen zu einer Stadtgemeinde von über 100 000 Seelen, deren Hauptverwaltungssitz Gelsenkirchen wird. Unter Leitung des Ersten Bürgermeisters Mackens, dessen Gehalt bei freier Dienstwohnung auf 15000 Mark erhöht wird, bleiben die Amtmänner besoldete Beigeordnete mit selbständigen Dezeraten bei 9000 Mark Gehali und freier Dienstwohnung. Dem Bürgermeister Mackens sind außerdem 3000 Mark Repräsentationsgelder bewilligt. Bis zum Jahre 1915 bildet jede Gemeinde einen eigenen Wahlbezirk und werden somtt auf den jetzigen Stadtbezirk Gelsenkirchen 19 Stadtverordnete entfallten. Die Gemeinde Schalke ist vorläufig noch gegen eine Vereinigung mit Gelsenkirchen, ebenso Heßler, doch wurde in der Versammlung der Gemeindevertretungen, welche unter dem Vorsitze des Herrn Regierungsrats Heinle aus Arusberg stattfand, wiederholt der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sich diese Gemeinden der Vereinigung bald anschließen. So wäre denn eine Stadt geschaffen, welche nächst Dortmund, das ja noch weiter eingemeinden will, die größte der Provinz Westfalen sein wird. dem Peiche. Osnabrück. Das„Frerener Volksblatt" berichtet über eine große Papierwarenfabrik(Aktlengesellschaft), die am hiesigen Platze gegründet werden soll. Das Kapital soll 250000 Mark betragen, wozu schon 160 000 Mark gezeichnet sind. Die Fabrik soll zum Februar nächsten Jahres dem Beirieb übergeben werden.— Düsseidorf. Im benachbarten Gerresheim wurde der Fabrikarbeiter Becker überfallen und derart mißhandelt, daß er an seinen Verletzungen anderen Tages verstarb. Als der Tat dringend verdächtig wurde der eigene Sohn des Ermordeten verhaftel.— Fleusburg. Sonnabend früh, kurz nach 5 Uhr, sind auf der Station Pattburg der Eisenbahn Flensburg—Vamdrup bei Rangieren des Gülerzuges sechs Güterwagen entgleist. Hierbei ist ein Bremser aus Neumünster getötet worden. Ein Güterwagen ist nach Ueberfahren des Prellbocks in das dahinter stehende Bahnwärterhaus gefahren. Von den Bewohnern ist ein Kind durch Herabfallen des Mauerwerks leicht verletzt worden.— Salzkotten. Hier ist ein tollwutteanker Hund getötet worden. Das Tier hat einen jungen Mann gebissen, der in Begleitung eines Arztes sofort nach Berlin zum Kochschen Institut gereist ist.— Coblenz. Sonntag Nachmittag explodierte das Haupigasrohr im Gasthofe„Zum Schwan“. Das Haus ist teilweise zerstört. Wände und Decken sind eingestürzt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Vermischtes. —[Mädchenhandel zwischen Deutschland und Amerika.] Veranlaßt durch Mittellungen der deutschen Botschaft in Washington, die dieser durch den deutschen Kousul in Philadelphia zugegangen waren hat die Polizel in Phladelphig eine vlösliche Durch. suchung von 20 verrufenen Häusern vorgenommen, in welchen 400 Mädchen festgenommen wurden. Dabel wurden Beweise gefunden, daß ein Syndikat mit dem Hauptsitz in Deutschland und mit Agenten in Philadelphia und New=York besteht, das gewerbsmäßigen Mädchenhandel betreibt. Nach Aussage des deutschen Konsuls werden die Geschäfte dieser Mädchenhändlerbande in Europa von einem Einwohner der Stadt Halle geleitet, die Leitung der Geschäfte in Amerika liegt in den Händen von fünf Personen, von denen drei bereits verhaftet wurden. Die von der Bande verhandelten Mädchen wurden unser verschiedenen Versprechungen, meistens dem nach Amerita gelockt, dann in öffentliche Häuser verschleppt und dort gefangen gehalten. —[Zwergenhochzeit.] Eine Hochzeit, wie man sie nicht alle Tage sieht, ist in New=York gefeiert worden. Zwei Pygmäen, die, aufeinandergestellt, nicht mehr als 2 Meier 20 Zentimeter messen, haben den Bund für's Leben geschlossen. Die beiden kleinen Wesen gehören einem Wanderzirkus als Mitglieder an. Der junge Ehemann, Major Erlqui, ist in New=York geboren und jetzt 23 Jahre alt; die Braut, ein gewesenes Frl. Robinson, stammt aus Chicago, und ihre Mutter ist in ganz Amerika unter dem Namen„die starke Frau" bekannt. Braut und Bräuttgam wiegen je 53 Pfund. Frau Robinson, die Mutter der jungen Frau, bricht eiserne Ketten wie Strohhalme entzwei und zertrümmert mit der Faust, zum größten Vergnügen des Publikums, das den Zirkusvorstellungen betwohnt. Der Vater des Majors Eriaut ist ein 150 Kllo=Manin. an neui also, daß die Sprößlinge der beiden ganz aus der Art geschlagen sind. —[Neue Spielhölle auf Korfu.] Der Gemeinderat der Insel Korfu hat mit einem internationalen Konsortium einen Vertrag abgeschlossen, wonach diesem das Grundstück des ehemaligen englischen Kirchhofes zur Erbauung eines Kasinos nebst Spielhölle abtreten wird und zwar für die Dauer von 39 Jahren. Dafür zahlt das Konsortium an die Gemeinde jährlich 1410000 Drachmen und verpflichtet sich, zahlreiche Verschönerungen der Insel vorzunehmen. Die staatliche Genehmigung steht noch aus. Gerechtigkeit hal das Reichsgericht walten lassen, als es entschied, daß die Beteiligung bei der Württ. Serienloosgesellschaft in Stuttgart in allen deutschen Staaten gestattet sei. Jeden Monat große Gewinnziehung und Gewinnverteilung. Auf jedes Loos 1 Treffer. Haupttreffer: Mt. 300000, 240000, 135000, 120000,90000.— Jahresbeitrag Mk. 60.—,vierteljährlich Mi. 15— monatlich Mk. 5.— Statuten versendet der Vorstand: J. Stegmeyer, Stuttgart Rosenbergerstraße 82. erlang### Cognac SP% AC Arztlich empfohlen. Preise auf den Etikellen. K Flasche Mlk. 2 bis Mk. 5. E —. Cocnac zucherirel„ 3. R Vorzügi. 1 Genesende u. Zuckorkranke. Alleinverkauf: Clemens Müller, Jütersloh, Berlinerstrasse. S! Bekanntmachung J. findet um preußischen Staate eine außerordentliche Viehzählung statt. Die Austeilung der Zählkarten erfolgt am 29. und 30. November cr. durch die hiesigen Polizeibeamten, die Wiedereinsammlung am 2. Dezember er. Indem ich die hiesigen Einwohner hierauf hinweise, ersuche ich, für die ordnungsmäßige und sorgfältige Ausfüllung der Zählkarten Sorge zu tragen. Gütersloh, den 24. November 1902. Der Bürgermeister. Mangelsdorf. Ein uns zugekommener Brief lautet wörtlich: Herrn Franz Wilhelm, Apotheker, k. u. k. Hoflieferant in Neunkirchen, Niederösterreich. Piesting. ubg ersuche, Sie freundlichst, mir zwei Pakete Wilhelm's antiarthritischen antirheumatischen Blutreinigungs=Tee mit Postnachnahme ich. Sicsm Steien; welche zu mir kommen, fagt, a teus,#uen solchen Tee besorgen. Ich danke Ihnen daher r dieses Wundermittel, Gott moge es ihnen vergelten. Ich weiß es, daß es für mich das beste Mittel ist. J9. Lanks Ihnen nochmals. für Ihr gutes Mittel, denn ich weiß es schon, ich bin diesen Winter drei Monate krank gelegen. ### mich 6 sund gemacht. Ich wollte es, es möge jeder kranke Mensch diesen Wunder=Tee einnehmen. Mit aller Achtung Mathias Steiner. Bestandteile: Innere Nußrinde 56, Wallnußschale 56, UlmenGeu###uz- Orangenblätter 50, Eryngüblätter 35, Skabiosenblätter o6. Lemusblätter 75, Bimmstein 150, rotes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44, Caruxwurzel 3.50, Radic. Cariophyll. 3.50, Feuchelwurzel(Samen) 75, Gras##ewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sassaparillwurzel 35, Feuchel, rom. 3.50, weiß. Seuf 3.50, Nachtschattensteugel 75. e und a. Ticg,.Beugndzeute, si. d nach einem eigenen Verfahren geschuitten „vanen, wodurch der Heilwert speziell erhöht ist. Nicht zu verwechseln mit gewöhnlicher Handelsware. Se MS ANL.SELLE Musikalien-Handlunge** ••• BIELEPELD Zöpfe in großer Auswahl von 2,50 an bei Otto Sablotzki, Friseur, Kökerstraße. Im Sturmschritt E „ j a g e n s i c h h e u t e d i e E r f i n d u n g e n. I m W e t t lauf der Waschmittel ist Dr. Thompson’s #s Seienpalver Marke SCHWAN, das erste aller Seifenpurver, unerreicht an der Spitze, es noch heute von derselben unübertreffe- lichen Güte ist wie damals, als es das einzige Seifenpulver war. Zu haben in allen besseren Handlungen! Vertreter: Herr B. Henneböhle in Gütersloh. Bekanntmachung. Die Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung der Gemeinde=Verordneten finden am Donnerstag, den 27. November d. I dem kleinen Saale des Vereinshauses zu Es scheiden aus: aus der I. Abteilung: Oberwärter a. D. Heinrich Wix Nr. 39 zu Nordhorn; aus der II. Abteilung: " g###er Wilhelm Witthoff Nr. 2 zu Pavenstädt; 2. Kolon Wilhelm Neuhaus Nr. 8 zu Sundern: aus der III. Abteilung: Schriftsetzer Wilhelm Hermjakob Nr. 93 zu Nordhorn. Da gemäß§ 27 der Landgemeinde=Ordnung jede Wählerabteilung ein Drittel der Gemeindeverordneten zu wählen hat, die II. Abteilung aber bis jetzt mit 5, dagegen die III. Wählerabteilung nur mit 3 Gemeinde=Verordneten in der Gemeinde=Versammlung vertreten war so ist in diesem Jahre an Stelle des aus der II. Abteilung ausscheidenden Gemeinde=Verordneten für Pavenstädt ein Gemeinde=Verordneter von der III. Wählerabteilung für Pavenstädt zu wählen. Es hat mithin in diesem Jahre die 1. Abteilung einen Gemeindeverordneten für Nordhorn, 1e k.: heilung einen Gemeindeverordneten für Sundern, d. III. Abteilung je einen Gemeindeverordneten für Pavenstädt und Nordhorn(also 2 Gezeindeverordnete), zu wählen. Die Wahl der III. Abteilung beginnt um 9 Uhr, „„„ II„„„ 11 „„„„„„„ 11¾ der stimmberechtigten Gemeinde=Eingesessenen ist vom 20. d. M. av auf 4 Wochen bei dem Gemeindevorsteher Herrn Meier Raßfeld zu Blankenhagen zur Einsicht offen gelegt. Reklamationen gegen dasselbe, welche bei dem Gemeindevorstande anzubringen sind, machen die spätere Wahlhandlung nur dann ungültig wenn erst nachher eine solche Abänderung des Verzeichnisses verfügt wird, durch welche der Gewählte die absolute Stimmenmehrheit verliert. Zur Teilnahme an der Wahl(Gemeinderecht) sind nur diejenigen Mitglieder der Gemeinde berechtigt, welche I preußische Untertanen und selbständig sind; II. seit einem Jahre 1. keine Armenunterstützungen aus öffentlichen Mitteln empfangen, 2. die sie betreffenden Gemeindeabgaben gezahlt haben, und 3. a in dem Gemeindebezirke mit einem Wohnhause angesessen und von ihren daselbst gelegenen Grundbesitzungen zu einem Jahresbetrage von mindestens 6 Mark an Grund= und Gebäudesteuer vom Staate veranlagt sind, b. ihren Wohnsitz im Gemeindebezirke haben und außerdem entweder zur Staatseinkommensteuer oder zu einem fingierten Normalsteuersatze von vier Mark veranlagt sind oder ein Einkommen von mehr als 660 Mark vis 900 Mark haben. Steuerzahlungen und Grundbesitz der Ehefrau werden dem Ehemann, Steuerzahlungen und Grundbesitz der minderjährigen, beziehungsweise der unter väterlicher Gewalt befindlichen Kinder, dem Vater angerechnet. Gütersloh, den 30. Oktober 1902. Der Amtmann.