Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnadend. Bezugspreis: Bierteljährlich 1 Mark mit Botenlohn, durch die Post 1 Mark 25 Pf. Druck und Verlag von Judw. Rlöttmann, Güterskohz Mit illustrierten d&a Sonntagsblatt Anzeigenpreis: die 1 spaltige Grundschriftzeile oder deren Raum 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung 25% Ermäßigung. Anpreisungen 25 Pf. Geschäftsstelle: Gütersloh, Kökerstraße 314/15. NS 141. Für die Schriftleitung verantwortlich Nr. Röttmann, Gütersloßz. Fernsprech=Anschluß Nr. 37. Sonntag, den 23. November 1902. Boszeitungssste Nr. 9276. 19. Jahrgaus Erstes Blatt. Zum Totenfest. Heute ziehl es uns vor anderen Tagen hin zu den Gräbern unserer Lieben. Wenn wir dann, der Unruhe des Tages entrückt, sinnend draußen auf dem Kirchhofe sehen, weilen unsere Gedanken besonders gerne bei den letzten Tagen und Stunden der Verstorbenen. Wie ein Vermächmis halten wir ihre letzten Worte. Es ist eiwas Ernstes darum, wie ein Mensch am Ende seines Lebens angesichts des Todes die Summe seines Lebens zieht. Die gesamte Lebensanschauung wird da auf ihren Ewigkeitsgehalt hin geprüft. Auf die Worte, die von den Großen dieser Erde auf dem letzten Krankenlager gesprochen werden, merken Viele. Das ganze Volk hörte darauf, was der alte Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich, Bismarck auf ihren Sterbelagern beschäftigte. Herrliche Zeugnisse von dem Ernste ihrer sittlichen Verantworiung und ihrer tiefen Demut werden uns von ihnen als tröstliche Vermächmisse milgeteilt. Vor wenigen Wochen wurde ein Mann abgerusen, der auch in jener großen Zeit als Kuliusminister mitzuwirken berufen war, Gustav von Goßler. Er ging dem Tode entgegen nicht wie jemand, der sich mit der Stärke seiner Ewigkeitsgedansen und seines Lebenswerkes als ein Held über den Tod beweisen möchte, sondern als ein edler Mensch, der vor der Bitterkeit und den Schrecken des Todes erbebt, und als ein Christ, der in seinem Heiland den Ueberwinder des Todes fest und sicher gesunden hat. Auf seinem letzten Krankenlager bekannte er:„Es bleibt überall ein Rest in meinem Leben, den nur die Gnade meines Heilandes zudecken kann; wo ich auch hinblicke, bei allem was ich gewollt und erreicht, alles Gnade und nichts als Guade!“ Eins seiner letzten Worte war:„Wir haben alle unser Kreuz. ein jeder seln eigenes, aber ein Kreuz, ein Kreuz, das ist für uns alle.“— Am Totenfest gedenken wir der Verstorbenen voll Wehmut und voll Dank. Es ist ein Fest der Pletät, und als solches ist es gui, besonders in einer Zeit wie der unsern, da über dem Hasten nach immer neuen „Fortschritten" und über der Selbstbewunderung der dankbare Sinn für das Große und Gute, was andere vor uns geschaffen haben und was in ihnen selbst war, immer mehr zu schwinden droht. Auch das Volk als Ganzes braucht sein Totenfest, das pietätvolle Gedenken an die, die seine Geschichte gemacht, seine Kämpfe geführt, seine Fortschritte errungen haben. Wenn wir uns dessen bewußt bleiben, daß wir auf den Schultern anderer stehen, daß wir nur eine Welle im Strom der Geschichte gleichen, der viele andere voraufgingen und noch manche folgen werden, dann werden wir bescheidener in der Selbstbeurteilung, dankbarer gegen die Väter, treuer auf dem Platz, den wir nun gerade auszufüllen haben. Aber das Totenfest hat uns noch mehr zu sagen. Es sollte eigentlich Lebensfest heißen, denn nicht heidnische Totenklage stimmen wir an, nicht nur rückwärts richtet sich das Auge, sondern aufwärts blicken wir zu dem, der dem Tode die Macht und den Schrecken genommen hat, der uns eine lebendige Hoffnung in das Herz gegeben hat, daß wir und unsere vorangegangenen Lieben uns droben an seinem Trone zusammenfinden werden, wenn anders wir in die große Schar der Kinder Gottes aus allen Zeiten und Völkern eingetreten sind. Diese Lebenshoffnung trelbt uns auch vorwärts zu unermüdeter Arbeit in unserer Zelt, an und mit unserem Volke: Gott ist nich: der Toten, sondern der Lebendigen Gott. Er will auch nicht, daß die Völker dahinsterben in sittlicher Versumpfung, in träger Mattherzigkeit in ideallosem Festlleben an den kleinen Gütern und Freuden dieser Erde, sondern daß jeder mit allen Kräften hinstrebt, ein lebendiges Glied in dem großen Gottesreich zu werden. Wenn wir daran mitarbeiten, dann gehört uns die Zukunft Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser ist Freitag abend von der Englandfahrt zurückgekehrt. Die Kaiseryacht„Hohenzollern“ mit dem Kaiser an Bord passierte um 5 Uhr nachmittags Helgoland. Von der Südspitze wurden Salutschüsse abgegeben. Am Montag kommt der Kaiser nach Bückeburg. Neuters Bureau meldet, der deutsche Kaiser habe sich über den Besuch in England in Ausdrücken hoher Befriedigung geäußert. Es habe ihm nicht nur der Aufenthalt bei seinen königlichen Verwandten, namentlich das Zusammensein mit dem Könige, für den er die Gefühle wärmster Freundschaft hege, eine große Freude berettet, sondern er fühle sich auch angenehm berührt durch die Freundlichkeit, womit ihn die Engländer überall von der Stunde der Landung an empfingen. Der Kaiser erkenne die ihm gegenüber bekundeten Gefühle hoch an und nehme bei seinem Scheiden von den englischen Gestaden die besten Erinnerungen mit.—„Daily Graphic“ erklärt, der Besuch des Deutschen Kaisers sei von großer Bedeutung gewesen. Die Persönlichkeil des Kaisers habe nicht verfehlt, auf alle, die mir ihm in Berührung kamen, anziehend zu wirken. Die ganze Haltung des Kaisers habe noch den Eindruck verstärkt, daß es sein Wunsch sel, die freundschaftlichen Beziehungen zu England aufrecht zu erhalten. Die verschiedentlich auftauchenden Nachrichten, die Stellungen des Grafen Posadowsky und des Landwirtschaftsministers von Podbielski seien erschüttert, werden als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet. Allerdings scheinen, dem„Berl. Tagebl.“ zufolge, in einem oder einigen wichtigen Aemtern demnächst Veränderungen bevorzustehen. Die im Reichstage eingebrachte Interpellation wegen der Fleischnot wird settens der Reglerung, wie offiziös mitgetellt wird, schwerlich schon in nächster Zeit beantwortet werden, da einige der über diese Frage in den einzelnen Landestellen eingeforderten Berichte noch ausstehen, und da zur erschöpfenden Beantwortung auch das Ergebnis der am 1. Dezember vorzunehmenden Viehzählung abgewartet werden soll. Sowelt die Berichte aus den einzelnen Bundesstaaten und Provinzen bereits vorliegen, eröffnen sie durchweg günstige Aussichten für die zukünftige Fleischversorgung Deutschlands. Die Linke brachte eine Interpellation im Reichstag ein, welche den Reichskanzler ersucht, sich darüber zu äußern, welche Maßregeln er zu ergreifen gedenke, um die Reichsbürger vor den immer mehr sich häusenden Uebergriffen der Polizei zu schützen. Der Reichskanzler wird ferner ersucht, eine Vorlage einzubringen, durch welche der Strafvollzug gesetzlich geregelt wird. Die Zoll mehrheitspartelen des Reichstages, Konservative, Reichsparlei und Zentrum, sind Freitag vormillag zu der angekündigten Besprechung über die Verständigungsmöglichkelten zusammengetreten. Ein den Mehrheitsparieien nahestehender Parlamentsberichterstatter meldet: Eingehend sind die Vorschläge, die der Reichskanzler in letzter Zeit den Vertrauensmännern der Mehrheitsparteien unterbreitet hat, erörtert worden. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß die Zahl der Abgeordneten, welche einem positiven Ergebnis zuneigen, größer ist, als man gedacht hat. Man ist selbstverständlich über die Präliminarlen nicht herausgekommen. Zum Teil werden die Fraktionen morgen weiter tagen. Wie verlautet, sollen die Vertrauensmänner, die von den Mehrheitsparieien zur Vorbereitung einer Verständigungsbasis bestimmt werden, nicht lediglich die Aufgabe haben, ein Verständigungsprogramm für die Mehrheitsparieten zu entwerfen, auf Grund dessen dann die Verhandlungen mit der Regierung geführt werden können. Sie sollen vrelmehr selbst bereits den Einigungsversuch mit der Regierung vornehmen und zu diesem Zweck dauernd mit dem Reichskanzler konferieren. Das Ergebnis dieser Konferenzen würde dann der Genehmigung der Mehrheitspartelen unterbrettet werden. Von den Konservativen sind als ihre Vertrauensmänner für diesen Zweck bezeichnet worden die Herren von Normann und Graf Limburg=Stirum, von der Reichspartei die Herren von Kardorff und Stockmann. Nach dem Ergebnis der Volkszählung von 1900 hat Ostpreußen wiederum an Einwohnerzahl abgenommen und zwar infolge der großen Abwanderung nach anderen Teilen des Reiches. Während sich nur 71 920 Zugezogene in der Provinz befinden, leben nicht weniger als 523836 Ostpreußen in anderen Provinzen Deutschlands, also über ein Viertel der Gesamtbevöllerung. Belgien. Dem König drückte eine Abordnung der Repräsentantenkammer am Donnerstag den Abscheu über das Verbrechen Rubinos aus. Der König antwortete: „Die Zeiten sind sehr unruhig; es gibt Leute des Umsturzes, die Anhänger suchen, um die bestehende Ordnung, welche doch die Freihelt in jeder Hinsicht gewährleistet, zu stören. Ist die Ordnung gestört, so verfällt man in Zügellosigkeit und die Zügellosigkeit führt mit Notwendigkeit zum Despottsmus. Auf ihrem Wege treffen die Umsturzmänner zuerst die Staatsoberhäupter. Können sie diese nicht erreichen, so sind es deren Gemahlinnen, die sie treffen, wie bei dem entsetzlichen Verbrechen in Genf. Wenn ihnen dies mißglückt, so zielen ihre Angriffe auf die Minister wie auf Canovas del Castillo, den die Kugel traf, weil er zu viel Talent besaß. In Ermangelung von Ministern sprengten sie die Häuser von Privatteuten in die Luft. Sie wollen uns einschüchtern; aber es wird ihnen nicht gelingen. Und selbst wenn sie eln Staatsoberhaupt zu Fall brächten, was tuts? Ein anderes wird sofort an seine Stelle treten. Ihre Angriffe sind nicht immer Schüsse. Nicht nur tötliche Waffen und Sprengstoffe haben sie, sie haben auch Papier; und das Papier ist geduldig. Ich persönlich stehe an der Neige des Lebens. Keiner kenm seine Stunde. Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde oder vielmehr, wie lange sie mich leben lassen werden. Aber ich kann Ihnen versichern, meine Herren, daß die Spanne Lebens, die mir noch bleibt, im Kreise meines verfassungsmäßigen Machtbereichs dem Wohle des Landes und dem Schutze aller verfassungsmäßigen Freiheiten gewidmet sein wird.“ Südafrika. Ein Mitarbeiter des„Pelit bleu“ hatte mit Delarey eine Unterredung, welcher mittellte, die Burengenerale hätten ihre Rundreise nach Europa aufgegeben und würden sich demnächst nach Südafrika zurückbegeben, um dort gleichzeitig mit Chamberlain einzutreffen, welchen sie 50000 notleidende Familien vorführen wollen. Sie würden sich Anfangs nächsten Monats in Southampton nach Kapstadt einschiffen und sich von dort mit der Eisenbahn nach Pretoria begeben. Chamberlain reist bereits am nächsten Montag ab, da er, weil er in Durbau landen will, eine längere Seereise machen muß. Delarey erklärte das Gerücht, wonach die Generale beabsichtigen, demnächst wieder nach Europa oder Amerika zurückzukehren, für unbegrändet. Botha befinde sich augenblicklich krank in London. Am Schlusse der Unterredung bal Delarey noch, daß etwaige Unterstützungsgelder an die Standard=Bank in London gesandt werden möchten. Aus den Kammern. Reichstag. Sitzung vom 20. November. Auf der Tagesordnung stand§ 10a der Zollvorlage, den die Kommission hinzugefügt hat und der die Gemeindesteuern auf Backwaren, Vieh. Fleisch, Fleischwaren, Feit, Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl usw. aufheben will. Abg. Fischbeck(frs. Vp.) befürwortele diesen Paragraphen. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, es liege hier eine Verfassungsänderung vor, gegen welche die verbündeten Regierungen die ernstesten Bedenten hätten. Auch preußischer Minister des Innern v. Hammerstein sprach für Preußen, Bayern, Baden, Württemberg, Hessen, Sachsen und Elsaß=Lothringen gegen§ 10a. Er legte vor allem die finanziellen Bedenken dar. Abg. Reitich(kons.) schloß sich den Regierungsvertretern an, wogegen Abg. Herold(Zir.) den Paragraphen befürwortete. Die Regierungen würden hoffentlich doch noch in die Verfassungsänderung willigen. Auch Abg. Singer(Soz.) war im Interesse des „kleinen“ Mannes für§ 10a. dem sodann bayerischer Ministerialdirektor v. Geiger widersprach, desgleichen die Abgg. Paasche(natl.) und v. Kardorff(frkons.). An der Erörterung beteillgten sich noch die Abgg. Gothein(frs. Vg.), Graf Kanitz(kons.), Preiß(Els.) und Sudekum(Soz.), worauf der Paragraph dahin abgeändert wurde, daß seine Bestimmungen erst 1910 in Kraft treten sollen. Damit wurde§ 10a mit 145 gegen 90 Stimmen angenommen. Zum Totensonntag. Lasset fließen Eure Tränen! Hemmet heut nicht ihren Lauf! Euer brennend heißes Sehnen. Weckt, die Toten doch nicht auf.— Nein,— sie ruhen sanft und selig Bis zum Auferstehungstag.— Euer brennend heißes Sehnen Nach den Lieben in der Gruft Dürstet Ihr nicht trostlos wähnen;— Nein, es überbrückt die Kluft Zwischen denen, die hienieden, Und getrennt von jenen dort. Wolltet Ihr für trostlos halten, Daß ein Wiederseh'n Euch blüht? Laßt die Hoffnung tröstlich walten, Die in Eurem Herzen sprüht: Unser brennend heißes Sehnen Bürgt für die Unsterblichkeit. Wenn auch heute Eure Zähren Trüben Euch den klaren Blick, Laßt den Frommen Scherz gewähren, Zürnet drum nicht dem Geschick! Denn der Herr der großen Welten Weiß am besten, was Euch frommt. Schmückt die Gräber Eurer Lieben Reich mit Blumen heut zum Fest, Euch ist ja der Trost geblieben. Daß hier nur der Leib verweest, Und am Auferstehungstage Wird zum Jubel Eure Klage! Aus Ort und Provini. sterende Nachrichten aus de en genommen und entstehen : Gütersloh, 22. Nov.[Eisvereln.] Nachdem es gelungen mit erheblichen Kosten wenigstens einen Teil der Wiese unter Wasser zu bringen, bielet der Eisverein von heute ab wieder seine Abonnementskarten aus und rechnet auf kräftige Unterstützung seitens des Publikums umsomehr als, wie schon in letzter Nummer erwähnt, aus vorigem Winter ein Defizit von Mk. 150 mit herüber genommen werden mußte. Man kann dem Eisverein nicht verdenken, wenn er die Ausgabe von Tageskarten auf ein Minimum, elwa nur auf einen Eisfesttag oder auf einzelne spälere Tage, wenn die Fläche mal gründlich abgelaufen ist, beschränkt, denn er ist eben auf großen Dauerkarten=Verkauf angewiesen, damit er zu weiterem Schaffeu ermutgt wird. Es wäre gewiß sehr zu bedauern wenn der Verein sich durch wiederholte Unterbilanzen genötigt sehen sollte, seine Tätigkeit einzustellen, um die ideale Fläche sich selbst zu überlassen. Die alten Flächen auf den Emswiesen und in der Haide haben infolge der andauernden Ameliorationen bereits aufgehört zu extstieren, umsomehr erscheint es uns angebracht, die neue Fläche des Eisvereins dem Betriebe zu erhalten. f“ Gütersloh, 12. November.[Todesfall.] Polizei=Sergeant Nößel der seit 1. April 1901 hier im Dienst stand, und seit Juni d. Is. krankheitshslber beurlaubt war, ist in seiner Helmat Mallwischken in Ostpr. gestorben. ( Gütersloh, 22. Nov.[Ortskrankenkasse III. In der gestern abend stattgefundenen Vorstandssitzung der hiesigen Ortskrankenkasse III wurde u. a. über einem Kranken verhandelt, der die Vorschriften des ihm behandelnden Arztes nicht genügend befolgt hatte. Dem betr. Kranken war zur Wiederherstellung seiner Gesundheit der Aufenthalt im Freien untersagt worden, die Verrichtung jeder Arbeit verbietet schon die Krankenkasse selbst. Bei einer Revision wurde aber der Kranke dabei betroffen, daß er leichte Arbeit im Freien verrichiete. Der Vorstand der Krankenkasse hat nun das Mitglied mit Mk. 20 bestraft, außerdem ihm aufgegeben, sofort bis zu seiner Genesung im Krankenhause zu verblelben, wenn er seines Krankengeldes resp. der kostenfreien Verpflegung nicht verlustig gegen wolle. Man kann derartige Maßnahmen der Krankenkasse nur billigen und es ist unbedingt erforderlich, daß solche Fälle zur öffentlichen Kenntnis gelangen. §“ Gütersloh, 20. Nov.[Schöffengericht. Den Vorsitz führte Herr Amtsgerichtsrat Paleske. Als Schöffen waren anwesend die Herren Meter Wilhelm Schulte auf'm Erlei von Avenwedde und Kolon Hermann Höner von Sundern. Verhandelt wurde in nachstehenden Sachen: 1) Der Former Heinrich H. von Liemke und der Schreinergeselle Johann P. von Stukenbrock wurden für überführt erachtet am 10. April 1902 den Schmied Johann H. zu Schloß Holie bei Abhaltung einer Hochzeitsfeler gemeinschaftlich vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben. Der Angeklagte P. hat bei der Mißhandlung mit einem Stocke auf den p. H. eingeschlagen. Das Gericht erkannte gegen P. auf eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen und gegen H. auf eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen.— 2) In der Strafsache gegen den Schüler Jakob St. zu Sundern wegen Kaninchendiebstahls wurde neuer Termin anberaumt.— 3) Der Kaufmann Wilh. H. von hier ist durch Polizelverfügung der hiesigen Polizeiverwaltung in 15 Mk. Geldstrafe genommen, weil er gewisse Bestimmungen über die Aufbewahrung von Arzneimittel nicht beachtet und ferner Heilmittel feilgeboten haben soll, deren Feilhalten und Verkauf nur in Apotheken gestattet ist und zwar im wiederholten Rückfalle. Hlergegen hat H. Berufung eingelegt. Das Gericht ermäßigte die Strafe auf 5 Mk. Geldstrafe. 0 Gütersloh, 22. Nov.[Thermometer= und Barometerstand] von der vergangenen Woche: seit Montag ein Lohnabzug von 10% eingetreten. Hoffentlich tritt bald wieder eine Besserung der Lage ein. Bielefeld, 20. November.[Ravensberger Spinneres.] In einer jüngst abgehaltenen Aussichtsratssitzung wurde, II.„Rh.=Westf. Zig.“ festgestellt, daß für das Jahr 1902 wieder keine Dividende verleilt werden kann. Herford, 20. Nov.[Lehrermangel.] Dem im Regierungsbezirk Minden immer fühlbarer werdenden Lehrermangel— etwa 100 Stellen sind unbesetzt— soll nun durch Errichtung eines weiteren Seminars in diesem Bezirk abgeholfen werden. Wegen ihrer vorzüglichen Lage ist unsere Stadt für die Errichtung einer derartigen Anstalt ausersehen; settens der Regierung und der Stadtvertretung schweben bereits diesbezügliche Verhandlungen. * M i n d e n, 2 0. N o v.[ B e r e i d i g u n g.] N a c h der kirchlichen Vorbereitung der Rekruten aller Truppentelle fand Donnerstag mintag 12 Uhr auf dem Bastionshofe vor der Marienwallkaserne die feierliche Vereidigung statt, zuerst der Rekruten des Infanterie=Regts. Nr. 15, dann des Mind. Feldartill.=Regts. 58 und des Hannov. Pionier=Bataillons Nr. 10. Der Garnisonälteste Generalmajor v. Uslar hielt eine Ansprache an die Truppen, schließend mit einem Hurra auf Se. Majestät den Kaiser. * W a r e n d o r f, 2 0. N o v.[ V e r b r a n n t.] A u f dem Twehnes'schen Kolonate in Velsen spielten die allein Im Hause befindlichen Kinder des Landwirts Nolte mit Feuer. Hierbei entzündeten sich die Kleider eines kleinen Mädchens; dasselbe erlitt so schwere Brandwunden, daß es alsbald gestorben ist. * M ü n s t e r, 2 0. N o v.[ E i n e B l u t t a t.] A m 20. November d. J. wurde auf dem Wege von hier nach Lütkenbeck am frühen Morgen das Milchmädchen des Kolons Konermann in Delstrup von einem Strolch überfallen und gräßlich zugerichtet. Man fand das bedauerswerte Mädchen um 10 Uhr morgens, in ihrem Blute schwimmend, am Wege liegen. Der Körper war an Brust und Leib von 13 Messerstichen durchbohrt. Alle seinerzeit angestellten Nachforschungen nach dem Scheusal blieben leider ohne Erfolg. Nunmehr ist es der Polizei gelungen, des Täters in der Person des Maurers H. Plester in Hagen habhaft zu werden. Er selbst hat sich im Rausche des scheußlichen Verbrechens bezichtigt. * Beckum, 21. Nov.[Eine Versammlung) der Kallproduzenten von hier, Neubeckum und Eunigerloh beschloß gestern abend, sich zu einer Verkaufsvereinlgung zusammenzutun. Das bisherige Versandtbureau in Beckum und das kaufmännische Bureau in Hamm sollen bestehen bleiben. " T o r t m u n d, 2 2, N o v.[ D e r D o r t m u n d Emskanal ist zugefroren] Viele Schiffe sitzen auf Grund und im Eise fest. “ A r n s b e r g, 1 9. N o v.[ A l s N a c h f o l g e r des voraussichtlich als Landesdirektor der Rheinprovinz nach Düsseldorf übersiedelnden Regierungspräsidenten Renvers werden noch der Geh. Reg.=Rat Dr. Osterrath im Kuliusministertum und der Koblenzer Oberpräsidialrat v. Coels v. d. Brügghen genannt. Duisburg, 22. Nov.[Explosion.] In der Wohnung des Rechtsanwalts Kühnemann explodierte ein Gasofen. Die Frau des Rechtsanwalts wurde getötet, der Rechtsanwalt erheblich verletzt. Celsius-Thermometer. niedrigster Stand. höchster Stand. orgen 7 Uhr wurde das hier neuerbaute kath. Schwesternhaus eingeweihl. Dasselbe erhielt den Namen Elisabeth=Hospttal. — Die schlechte Geschäftslage macht sich auch in der hiesigen Industrie bemerkbar. Auf dem Stmonswerk ist Vermischtes. — Wie schon in voriger Nummer gemeldet ist die Sonnabend=Nummer des sozialdemokratischen„Vorwärts“ die eine schwere Beleldigung des Geheimen Kommerzien= rat Krupp enthiell, beschlagnahmt. Der„Vorwäris“ beschuldigt Krupp eines hier nicht wiederzugebenden Vergehens gegen die Stttlichkeit, das er bei seinem Sommeraufenthalte auf der Insel Capri(Provinz Neapel) begangen haben sollte, eine Handlung die in Deutschland nach§ 175 des Strafgesetzbuchs geahndet wird. Assessor Korn, der Justitiar des Gehelmrats Krupp, hat der Kölnischen Zettung eine Erklärung gesandl, nach welcher die Verdächtigung durch einen Wahlkampf auf Capri hervorgerufen ist; die eine Partei hatte bei der Wahlagitation die Verdienste und Wohltaten Krupps um die Insel Capri hervorgehoben und aus Rache dafür habe die unterlegene Gegenpartei die schweren Verdächtigungen gegen Krupp erfunden und 3 Artikel in der sozialistischen Zeitung Propaganda veröffentlicht. Der„Vorwärts“ hatte nun nichts eiligeres zu tun, als die Verdächtigungen gegen Krupp weilerzuverbreiten nach seinem bewährten Rezept:„Verleumde nur lapfer, es bleibt immer etwas hängen.“ Wie gemeldet wird, hal Krupp in seinen Werken einen Anschlag veröffentlicht, in dem er die Behauptungen des„Vorwärts“ für unwahr erklärt und belannt gibt, daß er gegen den„Vorwärts“ die Beleidigungsklage erhoben habe. Der„Vorwärts“ seinerseits ist guter Dinge und„freut sich“, daß er wieder einmal in einer Sensationsaffäre die allgemelne Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, er behauptel umfangreiches Beweismaterial zu besitzen. —(Undeutsches in den Poststempeln.] Aus dem Leserkreise sind der„Tägl. Rundschau" in letzter Zeit mehrfach Ausschultte mit Poststempeln zugesandt worden. Die Abdrücke sind bedeutend kleiner als die bisher üblichen und tragen statt der bisherigen Tagesbezeichnung N.= Nachmittags die Buchstaben PM. Auch die Tagesangabe ist undeutsch, indem die Tagesziffer nach dem Monatsnamen gestellt ist, während wir sie im Deutschen veranstellen, also 12. November schreiben und nicht November 12. Die vorllegenden undeutschen Poftstempel stammen alle aus Berlin. Vermutlich sind die neu eingeführten amerikanischen Stempelmaschinen die Uebeltäter, so daß die Reichspostverwaltung an dieser undeutschen Form der Poststempel zunächst nur mittelbar die Schuld trägt. Dieses amerikanische oder englische PM und Am ist die Abkürzung für post meridiem und ante meridiem. Der Engländer spricht aber nur die beiden Buchstaben, also„Pl—em" und„Ae—em“. Deutsche Briesempfänger haben also mil diesen beiden Buchstaben ihre Schwierigkeiten. Vielen werden sie überhaupt rätselhaft bleiben. Bei der Bedeutung, die die Post heute auch schon für den einfachsten Deutschen hat, muß man von ihr verlangen, daß ihre Bezeichnungen allgemein verständlich sind. Daß nun gar die Reichspostverwaltung, deren weiland Generalpostmeister einer der eifrigsten Vorkämpfer für reines Deutsch in allen ihren Dienstbezeichnungen gewesen ist, jetzt der Ausländerei Zugeständnisse macht und uns Deutsche mit englischen Poststempeln beglückt, dem muß doch nachdrücklichst widersprochen werden. Einige Blätter knüpfen dann auch an die Wiedergabe dieser Meldung die beißende Bemertung„Deutschland sei doch noch keine zeuglische Provinz“. — San Francisco, 21. Nov. Flüchtige aus Guatemala bestätigen die letzten Nachrichten über dort staltgefundene vulkanische Ausbrüche. Besonders selen die Indlaner von der Katastrophe betroffen worden; Tausende derselben seten durch giftige Gase erstickt, andere durch brennende Lava und ausgeworfene Steine gelötet worden. Räuberdanden durchztehen das Land und ermorden die Flüchtigen, nachdem sie deren Ansiedelungen geplündert haben. Die vulkanischen Ausbrüche sollen nicht bel dem Santa Maria, sondern bei dem Fasaco erfolgt sein. —[Seidenumhällung für Wurst.] In der Patentliste des letzten„Reichsanzeigers“ findet sich eine Gebrauchsmustereintragung eines Krefelders mit der Bezeichnung:„Aus Seiden oder andern Geweben hergestellte Umhüllung für Wurst. —[Angesichts der Tatsache), daß jetzt wieder viele Damen Straßenkleider tragen, die viel zu lang sind. hal der Verein. für Verbesserung der Frauenkleidung zu Dresden ein Preisausschreiben für ein fußfreies Straßenlleid erlassen. Zur Erlangung einer zugleich wirklich hübschen Kleiderreform hat der Verein sechs Preise von zusammen 300 Mark ausgesetzt. An der Spitze des Preisgerichts steht die Gattin des Ober=Bürgermeisters. Zum Wettbewerb zugelassen sind fertige Kleider, die Eigentum der Hersteller bleiben, Hülfsmodelle und Entwürse zu Kleidern. Der Einlieferungstermin ist auf den 1. Dezember I. festgesetzt. —(Ein unterirdisches Hotel.] In Mons in Belgien gibt es sett einiger Zeit ein Holel, das einzig in seiner Art dasteht; es liegt nämlich auf dem Grunde eines Kohlenbergwerkes, 185 Meter unter der Erdoberfläche. Das seltsame Hotel, das in einem kohlenhaltigen Gang in der Grube von Saint=Pierre de Monis ausgehauen ist, befindet sich am Boden des Hauptschachtes und bei der Einmündung der Gänge, deren Verzweigungen sich bis 9 Kilomeler weit unter der Erde erstrecken. Es dient vor allem den Reugierigen, die während des Sommers in ziemlich großer Zahl zum Besuch des Vergwerkes von Salnt=Pierre kommen. So haben sich in diesem Jahre nahezu 2000 Touristen in dem Fremdenbuch des unterirdischen Hotels eingeschrieben. Obwohl es ganz aus Kohle besteht, ist doch für Komfort und selbst für Luxus Sorge getragen. Man findet darin einen großen Salon, der, wie alle anderen Zimmer, mit elektrischem Licht erleuchtet ist;; ferner enthält das Hoteleine Bibliothek, ein Klavier und ein Schwimmbassin. Zwei besondere Fahrstühle besorgen das Ein= und Ausfahren der Besucher. Neueste Nachrichten. Berlin, 22. Nov. Wie die„Deutsche Tageszig.“ mittelli, behält Herr v. Wangenheim den Vorsitz im Bunde der Landwirte. London, 22. Nov. Die„Central News“ melden aus Lissabon von einer Verhaftung einer französischen Dame gesetzen Alters. Gerüchtweise verlautet, es handle sich um Frau Humber.. Auszug aus dem Zivilstands=Register. 8) Stadt Gütersloh. Nachrichten vom 16. bis 22. November 1902. Geburten: Töchter: Weber August Döring.— Lokomotivheizer Heinr. Hopmeier. Sterbefälle: Seiler Heinrich Gottlieb Brinkmann 30 Jahre 8 Monate alt. b) Amt Sütersloh. Nachrichten vom 16. bis 22. November 1902. Geburten: Tochter: Hülfsrangierer Wilhelm Braß zu Pavenstädt. Sterbefälle: Kind Walter Heidemann zu Sundern 22 Tage alt. Neue Sendungen paletots und Kragen. Chr. Banning. Weihnachts= Ausverkauf nur noch bis Sonnabend, den 25. November. Paletots, Jacken, Kragen, Kindermäntel, Herren- und Knaben-Ueberzieher wegen vorgerückter Saison zu und unter Einkaufspreis. J. H. Manecke. Kirchliche Nachrichten. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 23. November. (26. Sonntag u. Trin.) Kollekte für das Friedr.=Wilh.=Stift in Hamm. Neue Kirche: Morgens 10 Uhr: Pastor Meinshausen. Nachmittags ½2 Uhr: Kindergottesdienst: Pastor Seippel. Alte Kirche: Morgens 10 Uhr: Pastor Siebold. Nachmittags 5 Uhr: Pastor Seippel. Freitag, den 28. November. Alte Kirche: Morgens 10 Uhr: unbestimmt. Sonnabend, den 29. November. Morgens 10 Uhr: Beichte in der alten Kirche: Pastor Siebold. Texie der Gesänge des evangel. Kirchenchors am Totenfeste. 1) Motette von Chr. H. Rinck. Selig sind des Himmels Erben, die Toten, die im Herren sterben, zur Auferstehung eingeweiht! In Frieden ruhen sie, los von der Erde Müh'! Vor Gottes Thron zu seinem Sohn begleiten ihre Werke sie! Hosianna! 2) Motette von E. Rohde. Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben. Ja der Geist spricht: sie ruhn von ihrer Arbeit. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 23. November. 27. und letzter Sonntag nach Pfingsten. Morgens 6 Uhr: Frühmesse mit Homilie Morgens 7½ Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre und Andacht zur Erflehung eines seligen Todes. * G Die,Vorlobung unserer Tochter Johanna mit dom Herrn * Benno Jaulus zeigen er2 gebenst an. 5 Hoolf Wolf und Frau Amalie, geb. Kleeberg. Gütersloh und Wien, Vieh- und Mobilien-Verkauf. Mittwoch, den 26. Nov., morgens 10 Uhr anfangend, läßt Frau Ww. Rothland bei Kolon Voß in Sundern Nr. 19 wegen Aufgabe der Wirtschaft: 2 junge Kühe, ein Manteltopf, 1 Schneidelade, 1 Kochmaschine, 1 Ofen, mehrere Kisten und Kasten, 1 Schleifstein, ca. 60 Ztr. Wurzeln, 35 Ztr. Steckrüben, 10 Ztr. Runkeln, 12 Ztr. Kartoffeln, einen Schweinestall zum Abbruch, ca. 150 trockene Buschen und zerkleinertes Holz, verschiedene Kleidungsstücke, sowie versch. Haus= u. Küchengeräte, Ein Faßmiteingemachten Bohnen meistbietend gegen Kredit verkaufen, wozu Kauflustige einladet W. Deppe, Auktionater. Kattenstroth, im Novbr. 1902. Besitzung an verkehrsreicher Straße gelegen mit Hintergebände, Hofraum Garten, zu jedem Geschäft geeignet, zu verkaufen. Näheres in der Geschäftstelle d. B. Der praktischen, sparsamen Hausfrau empfehle angelegentlichst - Würze, - Bouillon-Kapseln. W. Flöttmann, Kolonialwaren= und Delikassen=Handlung. LGG Es empfiehlt gestrickte Unterjacken und Strümpfe in allen Preislagen. Friedr. Viemann Ww. Winterschuhse Gummischuhe empfiehlt W. 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Die Aussagen des aus Württemberg stammenden Matrosen Kohler tun dar, daß ausschließlich Geldgler das Motiv seines Verbrechens gewesen ist. Kohler, der selt neun Monaten an Bord der„Loreley" dient, hatte sich seit langem mit dem Gedanken an Diebstahl getragen, besonders selldem er vor der Abfahrt des Schiffes aus Konstantinopel einen Blick auf die Goldstücke geworfen hatte, die ihm aus dem in seinem Beisein zufällig geößfneten eisernen Kasten im Rauchsalon entgegengestimmert hatten. In der Nacht vom vergangenen Sonnabend auf Sonntag, wahrscheinlich der letzten, in der er bis zur Beendigung der Schiffsreparaturen Nachidienst haben würde, brachte er nun sein Vorhaben zur Ausführung. Sobald die Wache im Hinterdeck schlasen gegangen war, holle er aus einem Schiffsraum Hammer und Brecheisen herbei. Als die für die Abhaltung der ersten Ronde festgesetzte Stunde verronnen war, ließ er eine der Schiffsbarken ins Meer und nahm eln unlängst im Piräus gekauftes dem Schiff gehörendes großes Messer an sich. Es war halb zwei Uhr: voll stand der Mond am dunklen Himmel, als Kohler seine Kerze auslöschte, sich ein Bündel aus den Kleidern machte, die er bei der Verhaftung trug und es im Boote barg. Bei seinem Eintritt in den Rauchsalon, dessen Tür offen stand, regle sich plöglich der auf dem Diwan eingeschlafene Unteroffizier. Kohler halte ursprünglich keinen Mord geplant, aber jetzt von wilder Angst vor möglicher Entdeckung auf frischer Tat gepackt, stieß er das Messer, das ihm für später zum Durchschneiden der Stricke hatte dienen sollen, dem Schlafenden in dem Hals. Um die Vermutung zu erwecken, Biedritzki sel infolge eines räuberischen Ueberfalls, dem auch er, Kohler, zum Opfer gefallen, ermordet worden und man habe ihre beiden Leichen ins Meer geworfen, schleppie er den Leichnam zur rechtsseitigen Fallreeptreppé, von der herab er ihn ins Meer warf, dann rückte er den Kasten, den er bei seinem großen Gewicht unmöglich heben konnie, vorsichtig ebensauls zur Fallkreepstreppe und umwand ihn mit Tauen, die er dann zerschnitt. In dem Augenblick, wo er seine blutbefleckten Hände, sein bluttriefendes Messer im Meer wusch, holle die Uhr zum zwelten Stundenschlag nach Mitternacht aus. Kohler hielt die Richtung zum Leuchtturm ein, da er schon früher festgestellt hatte, daß dieser ein sicheres Versteck bieten könnte. Belm Anblick einer nahenden Fischerbarke trieb er hier das Vool aus Land, zog mit milgenommenen Sachen an, warf seine von dem miteingepackten Messer beschmierte Uniform ins Meer und ergriff schleunigst die Flucht, da die Fischerbarke inzwischen ganz nahe gekommen war, ohne einen Pfennig, nur ein vom Schiff mitgenommenes Stück Brot in der Tasche, wie wahnsinnig in die Nacht hinausstürzend. Freigelassen wurden der wegen Verdachts der Mitschuld in Mogara verhafteie und nach Piräus transportierte Deutsche Joseph Konrad und der Däne Andersen, die, aus Aegypten kommend, in Patras Arbeit suchen wollten. Bei der Beerdigung Biedritzkis, bei der deutsche, russische, österreichische und griechische Mairosen=Abteilungen mit ihrer Schiffsmusik dem Toten die letzte Ehre erwiesen, halten König Georg und der Kronprinz durch ihre Adjutanten sich vertreten, und die Kronprinzessin einen kostbaren Kranz an der Bahre niederlegen lassen. Die griechische Regierung, die ein Gefühl der Erleichterung über die so schnelle Aufhellung des düsteren Vorgangs empfindet, drückte dem deutschen Gesandten ihre aufrichtige Teilnahme aus. Graf Plessen äußerte zum Ministerpräsidenten die für den schrecklichen Vorfall charakteristischen Worte:„Die Verbrecher haben kein Vaterland.“ Die öffentliche Meinung steht noch unter dem Einfluß einer vom Kommandanten der„Loreley" zum Hafenkapitän angeblich gemachten Aeußerung. Herr v. Reuter soll angeblich dem Hafenkapttän, der die Möglichkeit andentele, daß der verschwundene Posten das Verbrechen begangen haben könnte, geantwortet haben: „Die Deutschen sind keine Griechen". Die Presse führte aus diesem Grunde eine etwas erregte Sprache. Die Aeußerung scheint jedoch nicht in der erwähnten Weise gefallen zu sein. Das Hasenamt veröffentlicht eine offizielle Erklärung, daß die mißverstandenen Aeußerungen des Kommandanten von Reuter keinesfalls die ihnen von der hiesigen Presse gegebene, gänzlich falsche Auslegung zulassen. Der Mairose Kohler wurde in betrunkenem Zustande in Phaleron bei Athen verhaftet. Er gab zunächst an, Matrose auf einem österreichischen Handelsschiff zu sein, gab aber endlich seine Identität mit dem vermißten Kohler zu, und legie ein vollständiges Geständnis ab. Er sagle aus: Er beging die Tai allein, um das Geld, das, wie er glaubte, in der geraubten Geldliste enthalten sei, zu stehlen. Er schlug den Unteroffizier Biedritzkt nieder, dieser konnte sich aber wieder erheben und bis zur Schiffstreppe gehen, wo er tot niederfiel. Als Kohler sah, daß er die Geldkiste nicht öffnen konnte, ließ er sie llegen. Er lehte zwei Tage in einer Höhle. Als er diese, vor Hunger erschöpft, verließ, wurde er verhaftet. Aus Ort und Provinz. * Gütersloh, 22. Nov.[Die alten Taler, d. I. alle deutschen Taler, die bis zum Jahre 1856 geprägt sind(genau: diejenigen Taler, die aus den Jahren 1822 bis 1856 stammen, denn die aus früheren Jahren sind berelts eingezogen) werden aus dem Verkehr gezogen und eingeschmolzen zur Herstellung neuer deutscher Reichsmünzen. ** Gütersloh, 22. Nov.[Bekanntmachungen in Wartesälen.] Der Eisenbahnminister hat betreffs der Zulassung von Privatbekannimachungen in den Wartesälen und Vorfluren der Bahnhofsgebäude verfügt, daß dieses Recht im Wege der öffentlichen Ausschreibung für den ganzen Direktionsbezirk an einen Unernehmer vergeben werden kann. Es sind hierbei die allgemeinen Bestimmungen über die Vergebung von Leistungen und Lieferungen entsprechend zu beachten. Halle, 15. Nov.[Amtsniederlegung.] Dem Vernehmen des„Krsbl.“ nach wird Herr Amtmann Schwollmann aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Stadtvorsteher zum 1. Januar 1903 niederlegen. * H a l l e, 1 8. N o v.[ E i n s t u r z e i n e r K e g e l bahn.] Durch den heute hier herrschenden starken Ostwind ist die massiv erbaute Kegelbahn des Gastwirts Künsebeck hier eingestürzt. Bünde, 18. Nov.[Städtisches.] Aus der übergroßen Anzahl der Bewerber um die hiesige Bürgermeisterstelle haben wie die„Westf. Zig.“ meldet, die Siadtverordneten 6 auf die engere Wahl gebracht, aus denen nach vorhergegangener persönlicher Information der Erwählte hervorgehoben wird. Die Durchführung der städtischen Verwaltung wird erst nach dem Eintritt des Bürgermeisters ins Werk gesetzt werden, da bis dahin der erwählte Magistrat erst seine Bestätigung erhalten soll. Paderborn, 19. Nov.[Unterschlagung.] Gestern wurde hierselbst der Rendant der städtischen Sparkasse in Gesecke gefänglich eingebracht, welcher großer Unterschlagungen bezichtigt wird. Als Konkursverwalter Nachbarskinder. Original=Roman von Irene v. Hellmuth. — 38 XIII. Die Wohnung des jungen Doltor Linde'schen Ehepaares war sehr geschmackvoll ausgestattet, nur eines ärgerte Sigmund, daß sie so nahe bei dem Hause der Schwiegereltern lag; sie war nur durch zwei schmale, einstöckige Gebäude davon getrennt, und er fürchtete mit Recht den steten Verkehr zwischen seiner Frau und deren Muner. Frau Sennebach war ihm nun einmal im innersten Herzen unsympathisch, er haue sich bis jetzt nicht entschließen können, seine Schwiegermutter„Du“ zu nennen, trotzdem sie ihren„lieben Sigmund“ schon am Hochzeitsabend darum gebeten hatte. Er wäre am liebsten nach dem audern Ende der Stadt gezogen; aber da die Wohnung von ihm selbst als praktisch und passend bezeichnet werden mußle und Hilda es reizend fand, so nahe bei den Eliern sein zu können, so mußte Sigmund sich fügen. Bei der Auswahl der Möbel, der Teppiche und Vorhänge haue es sehr oft Meinungsverschiedenheiten gegeben, und es zeigte sich, daß Hilda sehr wenig Geschmack besaß. Sie liebte die grellen, schreienden Farben, während Sigmund sich mehr für dunkle, solide, gediegene Sachen entschied. Auf eine Hochzeitsreise hatte Hilda ebenfalls verzichten müssen, weil der junge Mann erllärte, dieselbe nicht von dem Gelde seiner Frau machen zu wollen, er selbst aber sich vorläufig aus eigenen Mitteln solchen Luxus nicht gestatten könne. Es gab dabei eine lange Auseinandersetzung, die beinahe zu einem ernstlichen Streit Veranlassung gegeben hätte, well jedes von ihnen eigensinnig an seinem„Willen festhielt. Es war Hilda weniger um die Reise selbst, als um das Ansehen bei den Freundinnen und Nachbarn zu tun. Man sollie sie beneiden, bewundern, anstannen, und was würden alle für Augen machen, wenn sie erzählen konnte, sie sei in Rom, Neapel, Venedig gewesen, denn dahin gingen doch alle„besseren Leute", wenn sie eine Hochzeitsreise machten. Nun war das alles nichts, weil Sigmund nicht wollte. Sie ballte im Stillen die Hände vor Zorn und nahm sich vor, bei der nächsten Gelegenheit Nache zu nehmen. Fügen mußte sie sich freilich vorlaufig, denn allein konnie sie nicht reisen. Das wußte er auch gar wohl, und deshalb blieb er stets ruhig bei Aufzählung all' ihrer Scheingründe, ja, er lächelle sogar etwas spöttisch, und das brachte sie noch mehr auf.— Der Sommer war gekommen mit lachendem, blauem Himmel und goldenem, warmem Sonnenschein. Sigmund halte sich nun mit Ernst und Eifer an die Ausführung seines Vorhabens,— ein wissenschaftliches Werk zu schreiben,— gemacht, zum großen Verdruß Hildas, die alle Augenblicke in das Siudierzimmer ihres Mannes lief und ihn mit nichtigen Fragen quälte und störte. Sie hatte offenbar gar kein Verständnis für sein Streben, und begriff es nicht, wie man an so vielen „dummen, langweiligen Büchern“ Freude haben konnte. Sie meinte, da sel es doch viel schöner, in Gesellschaft zu gehen und seine neuen Roben bewundern zu lassen. Sigmund seufzte oft lief auf, wenn seine junge Frau derartige Gedanken laut werden ließ; er suchte sich zwar über ihre Hohlhelt und Oberflächlichkeit hinwegzutänschen, aber manchmal blickte er sie ganz erschrocken an, wenn sie Aeußerungen machte, die sie in der Gesellschaft geradezu kompromittiren mußten. Er suchte ihr dies auf schonendste Weise beizubringen, aber sie lachte ihn aus: „Ach, wer wird denn alles so genau nehmen, ob ich so sage, oder so, das blelbt sich gleich.“ Dies„es bleibt sich gleich“ brachte ihn manchmal beinahe zur Verzweiflung, ebenso ihr ungestümes und oft unmotiviertes Eindringen in sein„Heiligium“, wie er sein Studterzimmer nannte. Oft brachte sie ihm ein Band, irgend ein Kleldungsstück oder Aehnliches und er sollte entscheiden, was ihr am besten zu Gesicht stehe. Seufzend gab er die gewünschte Auskunft. Sie ging dann, um im nächsten Augenblick mit irgend etwas anderem wiederzukommen. „Aber Kind, Du störst mich, siehst Du denn nicht, daß ich arbeit“ Gerade m meine besten Gedanken plapzest Du immer herein, das darfst Du nicht!“ sagte er oft ungeduldig. „Ich langweile mich surchtbar,“ entgegnele Hilda, und verzog den Mund. „So setze Dich zu mir, aber still mußt Du sein. Nimm Dir ein Buch und lies etwas,— wir haben ja so viele, herrliche Sachen.“ „Ach, Deine dummen Bücher, die langweilen mich am meisten, ich verstehe das alles gar nicht!“ „So geh ein wenig spazieren!“ „Jawohl, damit die Leute sagen:„Ei, sehl doch die Hilda an, die geht schon allein, ohne ihren Mann; der scheint auch nicht besonders aufmerksam zu sein, sonst ließe er sie doch nicht allein lausen! Ich kenne das,— mein Lieber.“ Er seufzte.„Ach, die Leute, was gehen uns die Leute an! Laß sie doch reden was sie wollen.“ „O, das gehl uns schon etwas an, es ist doch die Haupisache,“ protestierte Hilda. Er lächelte dann so spöttisch und überlegen, daß sie rot wurde vor Aerger. „Bitle, geh doch ein wenig zu meiner Mutter hinüber,“ sagte Sigmund einmal. „Nein, nein, das will ich nicht, war die rasche Antwort der jungen Frau. „Warum denn nicht“ Hilda, was machst Du für ein komisches Gesicht? Ich bemerkte es schon östers an hat er etwa 18000 M. aus einem vor vielen Jahren erfolgten Konkurse nicht zur Auszahlung gebracht, ferner hat er von zahlreichen Personen zum Tell sehr erhebliche Summen zur Unterbringung entgegengenommen und auch zeitweilig mit 6 pCi. verzinst, die Kapttalten aber verspekuliert. Die Gesamisumme der Veruntrenungen ist noch nicht festgestellt, beläuft sich aber jedenfalls weit über 100000 M. Die Geschädigten sind zumeist Leute aus den wohlhabenderen Kreisen. Die Gelder der Sparkasse selbst hat laut„K. Volkszig.“ der Rendant nicht angegriffen. * S a l z u f t e n, 1 7. N o v.[ W a s b e i e i n e r E x proprlation herauskammt.] Aus Exter wird geschrieben: Die Arbeiten zur Fertiestellung der Kleinbahn wurden durch has Verhalten einiger Grundbesitzer diessellt von Blotho eine Zelt lang verzögert, da dieselben ihren Tell Grundbesitz nich verkaufen wollten, trotzdem ihnen die Kleinbahn der hohen Preis von 3000 Mark pro Morgen bot. Nach dem jetzt abgeschlossenen Exproprlationsverfahren erhalten die in Frage kommenden Grundbusitzer anstatt der gebotenen 3000 M. noch nicht einmal 1300 M. pro Morgen. * B e c k u m, 1 8. N o v.[ W e s t f a l l a,] A k t.= G e s. für Fabrikation von Portlandzement und Wasserkalk, Beckum i. W. Die Verwaltung tet# mit, daß sie auch für dieses Jahr voraussichtlich keinne Dividende vertellen wird. * Oberhausen, 16. Nov.[Auf freien Fuß gesetzt.] Der vor etwa vier Wochen wegen Banknolen= Fälschung verhaftete Toni Wigler ist gestern wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Verhaftung des Witzler erfolgte auf Grund einer Anzeige des Bahnbeamten Schleuter zu Frintrup bei der hiesigen Kriminalbehörde, Witzler besitze eine Druckpresse und lithographische Steine, und vermittelst hieser Drucktverkzeuge habe er eine Menge salscher Tausenhmarkscheine hergestellt. Es wurden in dieser Angelegenheit drei weitere Verhaftungen vorgenommen. Die von seiten der Untersuchungsbehörde sofort angestellten umfangreichen Erhebungen haben nun die völlige Grundlosigken der Anschuldigungen gegen W. ergeben, bessen sofortige Freilassung gestern verfügt wurde. Es wird munmehr gegen den Bahnbeamten Schleuter Anslage wegen wissentlich falscher Anschuldi gung erhoben werden. * Düsseldorf. 18. Nov.[Nach den jetzt vorliegenden Abschlüssen ist die Ausstellung) lusgesamt von 5 095 125 Personen besucht worden. Davon waren 3 186 126 zahlende Besucher und 1 908 999 Abonnenten und Inhuber von Freikarten. Die Gesamteinnahme betrug 3 263 818,50 Mk., davon sind 512 162 Mk. Einnahmen aus Dauerkarten. Aus diesen Zahlen ergtbi sich, daß die Ausstellung im Durchschnitt täglsch von 29 446 Personen besucht war und daß an Eintrittsgeld 18 866 Mk. pro Tag eingenommen wurden. Die drei Tage mit stärksem Besuch waren Sonntag, den 17. August mit 44 586, Sonntag, den 12. Oktober mit 44842 und Sonntag den 19. Oktober mit 45 258 zahlenden Personen. Die deutsch=nattonale Kunstausstellung wurde von insgesamt 456 461 zahlenden Personen besucht, die ein Eintrittsgeld von 353 256 Mk. ergaben. Aus dem Reiche. Emmerich. Das hiesige Hauptzollamt beschlagnahmte eine Sendung frischer amerikanischer Aepfel, die mit der San Jose=Schildlaus behaftet waren und daher von der Elnfuhr ausgeschlossen werden mußten.— Diedenhofen. Auf der Straße zwischen hier und Sierk ereignete sich ein schweres Unglück. Durch den Pfiff einer Lokomotive scheuten die Pferde eines Fuhrwerks, in dem drei Herren aus Trier saßen und liesen direkt in die Mosel. Herbeieilende Schiffe retteten den Kutscher, während die drei Herren ertranken Pferde und Wagen verschwanden in den Fluten.— Insing= dorf. Ein übles Nachspiel dürfte für einen Kontroll= pflichtigen von hier ein„Scherz“ haben, den er sich am Tage der letzten Kontrollversammlung in Melle mit einem Landmann erlaubte. Er nahm in einer Wirtschaft den Stock des letzteren heimlich an sich und verbarg ihn zu Hause im Uhrkasten, wo er von dem hinzugezogenen Gendarm entdeckt wurde. Da der junge Mann an jenem Tage unter dem Milltärgesetz stand, dürfte die Sache vor dem Kriegsgericht zur Verhandlung kommen, das den„Scherz“ wohl als bitteren Ernst auffassen wird.— Essen. Die Eisenbahn=Attentate mehren sich. Auf den nach Herne fahrenden Personenzug wurde abermals geschossen, die Passagiere wurden jedoch nicht verletzt.— Emben. Die einstweilige Niederlassung der Hamburg=Amerika=Linie scheint zu einer dauernden werden zu sollen, denn die Gesallschaft beabsichtigt, im nächsten Jahre hier ein eigenes großes Geschäftshaus zu errichten. Denselben Plau hegt die Westfälische Transport=Akt.=Ges. in Dortmund. Bei den Unternehmungen hat die Stadt geeignete Bauplätze zum Geschenk gemacht.— München. Der Mittwoch abends 6 Uhr 20 Minuten von hler abgegangene Schnellzug D 21 stieß bei der Station Schwarzenfeld auf einen Güterzug. Ein Bremser und ein Wagenwärter wurden getötet. Von den Reisenden, unter denen sich mehrere bayerische, nach Berlin fahrende Reichstagsabgeordnete befanden, wurde niemand verletzt. Permischtes. —[Das Telephon im Schnellzuge.] In Zukunft wird jeder Passagier eines englischen Schnellzuges im Stande sein, von seinem Platze im Koupee sich mit Bekannten, Geschäftsfreunden usw. zu unterhalten, Dir, wenn ich von meiner Mutier sprach.“— Es klang eine unheimliche Angst und Sorge aus seinen Worten. In der Tai stand die junge Frau da, mit einer Gebärde eisiger Abwehr, und zwischen ihren Augenbraunen lag eine niese Falte. „Ich mag nun einmal Deine Mutter nicht,“ klang es srotzist. Sigmund war sehr blaß geworden. Er begriff es ger nichtt, wie man seine gute, alte, praktische Mutter mit dem goldtreuen Herzen nicht lieben konnte. Jeder Mensch mußle sie verehren und hochschätzen, meinte er. „Rnd— warum nicht?" fragte er erust, indem seine Augen mit einem beinahe drohenden Ausdruck an dem jungen Gesicht hingen. 8 „Sie ist mir zu Ung,“ sagte Hilda spöttisch.„Und dann hat sie an allem, was ich rede und lue, etwas auszusetzen. Beständig tadelt sie an mir herum, seit ich Deine Frau bin.“ Sigmunds Gesicht hatte sich während der mit harter Stimme vorgebrachten Rede mehr und mehr verfinstert, aber Hilda fügte trotzdem kein freundliches Wort hinzu. „Meine Mutter ist so gut,“ entgegnete er endlich, und seine Stimme bebie schmerzlich.„Wenn sie etwas an Dir tadelt, so meint sie es doch nicht böse, Du darfst ihr das nicht übel nehmen.“ Er wußte es nur zu gut, seine Frau besaß viele tadelnswerte Eigenschaften, und wenn die Mutter sie erziehen helfen wollte, so tat sie das mit so viel Taki und seinem Gefühl, daß man sich unmöglich dadurch verletzt fühlen konnte. Sie nannte Hilda steis„ihr liebes Töchterchen" und umgab sie mit einer Zärtlichkeit und Nachsicht, die ihn manchmal rührte, während Hilda noch nicht das Mindeste getan hatte, um dem Herzen der alten Frau näher zu treten. Kam die Schwiegermutter einmal, um nach„ihren Kindern" zu sehen, so steckte die junge Frau steis eine Miene auf, die zu sagen schlen:„Ach, Du bist es, was willst Du denn schon wieder?“ Sigmund ärgerie sich jedesmal unbeschreiblich über dieses Benehmen, auch die Mutter schien es zu kränken, doch sagte sie kein Wort. Nun war sie allerdings seit vier oder fünf Tagen nicht mehr gekommen; auch Hilda war nicht bei ihr gewesen, nur Sigmund ging, während seine Frau bei ihren Eltern weilte, schnell einmal hinauf, um nach der Mutter zu sehen. Unbeschreiblich wohl fühlte er sich jedesmal, menn er der alten Frau gegenübersaß und in ihr gutes Gesicht blicken konnte. Mit sehnsüchtigen Augen blickte er sich dann in dem Zimmer um, als sähe er alles zum ersten Mal, und es war doch seit dreißig Jahren an der Einrichtung nichts verändert worden, höchstens, daß die Mutter die Möbel auspolieren und das Syfa frisch überziehen ließ. Sigmund kam sich jetzt immer wie ein aus dem Paradiese Verstoßener vor. Die Mutter betrachtele den Sohn sets mit so eigentämlich forschenden, besorgten Blicken, als wollte sie ihm bis auf den Grund der Seele schauen. Nach Hilda fragte sie nicht. An all das dachte Sigmund, während seine Frau mit troßig aufgeworsenen Lippen vor ihm stand und mit den Fransen der Tischdecke spielte. Forrsetzung folot.) die viele Meilen von ihm entfernt sind. In Zukunft, das heißt, sobald die englischen Eisenbahngesellschaften die Kurterzüge mit Fernsprecheinrichtung ausgerüstet haben werden, womlt sie eben beginnen. Als nämlich vor nicht langer Zeit der Prinz und die Prinzessin von Wales auf ihrer Weltreise in Kanada anlangten, verband die Kanadische Pacific Railroad Compauy, um es dem Prinzen zu ermöglichen, durch den ganzen Zug zu sprechen, alle Abteilungen desselben telephonisch. Diese Einrichtung hat man jetzt in England dahin vervollkommel, daß man in jeder Abteilung einen Telephonapparat angebracht hat. Hält nun der Zug auf einer größeren Station, so kann alsbald eine Verbindung mit der Telephonleitung des Stationsortes und damtt Anschluß nach allen Teilen des Landes hergestellt werden. Um jeden längeren Aufenthalt zu vermelden, werden die Anmeldungen zu Ferngesprächen schon während der Fahrt angenommen. Ein Beamter sammelt die Bestellungen ein und gibt sie auf der nächsten Station einem Kollegen ab. Dieser benachrichtigt die nächste Haltestation und so kann das Gespräch beginnen, sobald der Zug angekommen ist. —[Ein Geschenk für Königln Margherita.] Man schreibt aus Marburg dem„Franksurter Generalanz.": Das Offizierkorps des hiesigen Jägerbataillons hat seinem hohen Chef, der Königin=Mutter Marghersta von Jialten, zu deren Geburtstag am 20. November eine besondere Ehrung zugedacht. Auf die wenig bekannte Taisache aufmerksam gemacht, daß die hohe Frau in direkter Linie von der heiligen Elisabeih abstammt, hat das Korps durch einen hervorragenden Gelehrten eine Ahnentafel aufstellen und in künstierischer Weise durch den Maler Professor Hildebrand in Berlin nach dem Muster des berühmten Stammbaumes Christt in der St. Michaelskirche zu Hildesheim im Stile des 13. Jahrhunderts herstellen lassen. Die Stammtafel, zu der auch der Kaiser einen Bettrag gibt, war im Offizierkasino zur Ansicht ausgestellt. Sie ist 1½ Meter lang und ½ Meter breit und kann in ihrer prächtigen Ausführung als ein Kunstwerk ersten Ranges bezeichnet werden. Ein Jägeroffizler ist nach Italien abgereist, um im Schloß Stuvonigt bei Turin der Königin das Geschenk zu überreichen. —[Brandkatastrophe.] Eine Btägige furchtbare Feuersbrunst hat die persische Handelsstadt Rescht vernichtet. 1500 Häuser und viele Warenmagazine sind niedergebrannt. 200 Menschen kamen in den Flammen um. Gänzlicher Mangel an Hilfe. —[Brandunglück.] In den Tiroler Alpen, und zwar in der Ortschaft Maisch in Bintschgau brannten 24 Häuser nieder. Das Feuer war böswillig von der Frau eines Besitzers im eigenen Hause angelegt worden und hatte sich mit rasender Geschwindigkeit weiterverbreitet. Die Bewohner des armen Bergdorfes befinden sich im traurigsten Elend, da ihr Vieh und die kärglichen Wintervorräte größtemteils ein Raub der Flammen wurden. —[Der Spielhölle in Ostende,] dem belgischen Weltbade, soll nun endlich das Lebenslicht ausgeblasen werden. Wie aus Brüssel gemeldet wird, wird das Gesetz über die Spiele gegen Ende des Jahres bestimmt veröffentlicht werden und in Kraft treien. Bisher galt der König als Beschützer der Spieler. Parkte. Dienstag, 25. November. Beckum, Kram= und Viehmarkt.— Bielefeld, Kram= und Viehmarkt.— Delbrück, Kramund Blehmarkt. Mittwoch, 20. November. Petershagen, Kram= und Biehmarkt. Donnerstag, 27. November. Teckleuburg, Kram= und Viehmarkt. — Rheda, Kram= und Viehmarkt.— Hamm, Viehmarkt. — Detmold,(3 Tage), Kram= und Viehmarkt. Freitag, 28. November. Herford, Viehmarkt. THEE-MESSMER n M. 2,80 und M. 3,50 p. Pfd. Der Name ist eine Garantie. Wilh. Heckmann, Drogerie. Leiden Stolle Muster portofrei. Deutschlands grösetes Speblalgeschaft HICHELS& Cie BERLIN sw. 19 Lotprigerstrasse No. 45, Rare Wr S Winter's irische Dauerbrandöfen„Germanen“ enpfiehlt Georg Sager. Ia. holl. Vollheringe 12 Stück 70 Pfg. F. I. Ibrügger, Verler Chaussee. C. Karstadt, Nerford Naturheilverfahren für offene Beinschäden, Krampfader-Geschwüre und Hautkrankheiten. Keine Berufsstörung. Langjähr. Erfahrung. Komme zeitweilig nach Hlelefeld. Anfragen erbeten Jbach Flügel Jbach Pianinos bekannt und beliebt in allen Weltteilen. Anerkannt bestes Fabrikat. Düsseldorfer Ausstellung: Nöchste Auszeichnung. Goldene Medaille. Grosse Auswahl. Fabrikpreise. Alte Instrumente werden in Zahlung genommen. Franko Lieferung. 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Zugleich wird bemerkt, daß die Versammlung ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen beschlußjähig in. Herzebrock, den 20. November 1902. Der Vorsteher der Emsgenossenschaft zu Rheda Frhr. von Elmendortt Künstl. Zähne in Gold, Kautschuck auch ohne Haumplatte. Plombieren in Gol8, Silber, Emaille etc. schmerzloses Zahnziehen. Bahnhofstraße 486 hier. Sprechstunden Mittwochs von 8—12 Uhr, Sonnabends von 2—5 Uhr, P. Zaremba, Dentist. In Bielefelld, Neumarkt Nr. 7 Sprechstunden:— 9—12 und 2—6 Uhr. Zum Backen empfiehlt Syrup, honig, Rosinen, Korinthen u. Mandeln in frischer Sendung A. Fricke Wwe. 63 63 s Unterzeuge 8 für Herren, Damen u. Kindere# 85 in großer Auswahl. Friedr. Viemann Ww. 8 Westfälisch-Lippische Vereinsbank Nktien-Gesellschaft. Vollgezahltes Aktienkapital 5 Millionen Mark. Haurtsitz: Zweigniederlassungen: Herford, Detmold, Lemgo. 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Hoslieferant iu Neuntirchen, Riederöstereich, Mitzersi Mache Ihnen zu wissen, daß Ihr Wilhem's antiarthritischer antirheumatischer Bintreinigungs=Thee sieben Personen, die gichtleidend waren, geholfen hat, so daß alle jetzt gesund sind; eine Person, muß ich bemerken, ist schon ein ganzes Jahr im Bette gelegen, und auf mein Auraten hat sie solchen Thee getrunken und kann jetzt ihren Geschäften nachgehen. Auch meine Frau findet diesen Thee im Hause unentbehrlich. Ich sage dem Erfinder dieses Thees tausendmg Dank, indem dieser Ther in jedem Hause und in jeder Familie ist oder bo Achlungsvoll Georg Kräl. Bestandteile: Jnnere Nußrinde 56, Wallnußschale 56, Ulmenrinde 75, franz. Orangenblätter 50, Eryngüblätter 35, Skabiosen= blätter 56, Lemusblätter 75, Bimmstein 1.50, rotes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44. Caruxwurzel 3.50, Radic. Cariophyll. 3.50, Chinarinde 3.50, Eryngitwurzel 57, Feuchelwurzel,(Samen) 75, Graswurzel 75, Lapathewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sassaparillwurzel 30, Feuchel, röm, 3.50, weiß. Seuf 3.50, Nachtschaltensteugel 75. Die Bestandteile sind nach einem eigenen Verfahren geschnitten und getrocknet, wodurch der Heilwert speziell erhöht ist. Nicht zu verwechseln mit gewöhnlicher Handelsware. Wir Waschweiber wellten wohl weisse Wäsche waschen, wenn wir wüssten, welches Waschmittel wirklich weisso Wäsche wäscht? Dus thut Dr. Thomson's Seifenpulver mit dem SCHWAN Man verlange es überall! Vortroter: Herr B. Henneböhle in Gütersloh.