Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Bezugspreis: Vierteljährlich 1 Mark mit Botenlohn, durch die Post 1 Mark 25 Pf. N# 8•. Druck und Verlag Fernsprech=Anschluß Nr. &am. Sonntagsblatt. ∆ 05 Anzeigenpreis: die 1 spaltige Grundschriftzeile oder deren Raum 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung 25% Ermäßigung. Anpreisungen 25 Pf. Geschäftsstelle: Gütersloh, Köterstraße 314/15. Für die Schriftleitung verantwortlich Nr. Röttmann, Glterslotz. Sonntag, den 20. Juli 1902. Postzeitungsliste Nr. 3276 19. Erstes Blatt. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser ist auf der Nordlandsreise am Freitag nach guter Fahrt in Golde eingetroffen. Die Kaiserin hat sich nach Gut Kadinen in Ostpreußen begeben. Klagen über den Luxus der deutschen Offiziere sind neuerdings wieder häusiger geworden. Wenn es auch die Reprätentation des Offizierkorps erheischt, daß seine Mitglieder nach außen hin standesgemäß auftreten, so geht doch darin das deutsche Offizierkorps viel weiter als irgend ein Offizierkorps des Auslandes, auch wenn man die höheren Anforderungen in Rechnung stellt, die die bevorzugte gesellschaftliche Stellung des Offiziers in Deutschland erheischt. Wenn ein Stand, der wie kein anderer berufen ist, jederzeit zu Kämpfen und Strapazen bereit zu sein, den vielen Untergebenen als Vorbild dienen soll, so dars er nicht dem Lurns fröhnen, sondern er muß zur soldatischen Einfachheit zurückkehren, wie sie einst das preußische Offizierkorps zeigte und wodurch sich sein Ruf und Ansehen begründet hat. Die„Kreuzztg,“, zog schon vor längerer Zeit gegen den übertriebenen Luxus ins Feio und jetzt läßt sich der Offizier und Historiker, Generalmajor a. D. v. Lettow=Vorbeck ganz in dem gleichen Sinne vernehmen. Er schildert nämlich in der Kreuzzeitung seine Pariser Eindrücke und sagt darin u. a.: Was die geringere Wohlhabenheit des französischen Offizierkorps anbetrifft, so vermag ich darin keinen Nachten zu erblicken, eher das Gegenteil wenn ich den steigenden Luxus in unsern Offizierkasinos und bei nannten Ehrenausgaben, Liebes= und Abschiebsmahlen, sowie Geschenken betrachte. Wie außerordentlich einfach waren vor unseren großen Kriegen die Verhältnisse bei den Linienregimentern. Auch in Oesterreich herrscht noch große Einfachheit..“ In ähnlichem Sinne äußerten sich schon viele höhere Offiziere, besonders Graf Häseler. Sie sind doch in erster Linie in der Lage, die Schsden des Luxus zu beurteilen. Es wäre erwünscht, wenn alle maß gebenden Stellen diese Angelegenheit berücksichtigten, ehe der entstandene Schaden zu groß wird und die Folgen sich in der ganzen Armee bemerkbar machen. Die Militär behörde würde damit auch allen den tüchtigsten und befähigsten Offizieren entgegen kommen, denen der übertriebene Luxus zuwider ist. Rußland. Die Ernteaussichten im europätschen Rußland werden von Tag zu Tag schlechter. Die anhaltende Regenlosigkeit im Süden Rußlands, Wollen brüche und Hagelschläge in den südlich von Moskau belegenen Gouvernements und das massenhafte Auftreten von Raupen in den Wolgagegenden lassen die Befürchtungen rege werden. Als eine arge Kalamität wird von den bäuerlichen Wirtschaften der Futtermangel und der dadurch bedingte erzwungene Verkauf des Viehes zu Spottpreisen empfunden. Südafrika. Die Schwierigkeiten für die englische Regierung in Südafrika mehren sich. Dr. Smar#, Leiter der auf Suspension der Kapverfassung gerichteten Agitations=Campagne, ist, wie der„Times“ aus stadt gemeldet wird, dorthin zurückgekehrt. Die Republiken wären in die Lage gesetzt, die neue Entwicke lung mit neuen Regierungsformen zu beginnen; wenn man sich für die Kapkolonie nicht ebenfalls zu einer Reconstruttion der Regierungsmaschine entschließe, werde der Dampflessel eines Tages platzen. Auf dem flachen Lande seten nicht 50% der Bevölkerung englisch gesinnt. Junge Kapburen, die auf der englischen Seite gesochter hätten, würden verhöhnt und gemieden, allenthalben sagten die ehemals Aufständischen:„Noch habt ihr die Oberhand, aber wartet nur, bis das Kriegsrecht wieder aufgehoben ist, dann kommen wir dran der Düsseldorfer Ausstellung. Die Ausstellung der Handwerkskammer. Neben den ausgestellten Erzeugnissen der rheinisch, westfältschen Industrie und des Großgewerbes hat auch das Handwerk eine in allen Beziehungen würdige Vertretung gefunden hat, an der sich seine Konkurrenzfähig leit in überzeugender Weise darthut. Es fehlie nicht an Können noch an Fleiß oder an Geschmack, um dies Ausstellung der Handwerkerprodukte zu einer solchen zu machen, die in Ehren neben Manchem bestehen kann, das mit mehr Wucht und Geschlossenheit auf den Plan tritt. Die Ausstellung der Düsseldorfer Handwerkskammer hal in ihrem zwischen dem Pavillon der Dortmunder Aktienbrauerei und der Hauptfesthalle gelegenen malerischen Gebäude einen recht günstigen Platz gesunden. Das in etwas alterlümlichem Stil erbaute Haus, bei dessen äußerer Formengebung verschiedene Motive vom Niederrhein und von der Mosel geschickte Verwendung gefunden haben, macht einen freundlichen, behaglichen Eindruck. Belreten wir durch den von je einer mannlichen und einer welblichen den Gewerbefleiß verkörpernden Figuren slankierten Haupteingang die große Mittelhalle des Gebäudes, so fesseln den Blick einige herrliche Meisterwerke der Schmiedekunst, deren hervorragendstes, ein schmiedeeiserner Brunnen, aus einer Düsseldorfer Werkstalt hervorgegangen, von einer adeligen Dame für die Stadt Bielefeld als Geschenk bestimm ist. Noch mehr herrliche Stücke der Kunstschlosserei sind zur Ausstellung gebracht; so ein in der Uinten Seitenhalle aufgestellter prachtvoller Altar, schmiedeeiserne Thore, Kandelaber, Rahmen und sonstige Gegenstände von Meistern aus Düsseldorf, Duisburg, Rheydi. So ist das Kunstgewerbe durch die genannten Erzeugnisse der Schlosser und Schmiede sehr reichlich vertreten. Die Haupthalle wird hauptsächlich eingenommen von der in großen Glasschränken untergebrachten, recht mannigfaltigen Ausstellung der Schneiderei, in der wir für jeden Geschmack und für jede Modeanschauuug ansprechendes finden. Einzelne unserer besten Zuschneideschulen haben hier eine Reihe Zeichnungen sowie elegante Uniform= und Zlollkleidungsstücke ausgestellt. An der einen Seite vom Haupteingange ist die Aus stellung der Düsseldorfer Bäckerinnung untergebracht; eine mit den modernsten Maschinen eingerichtete Bäckerei, in der in drei riesigen, nach verschiedenen Systemen erbauten Backösen fortwährend Kuchen und Backwaren zum Verbrauch für das nebenanliegende Café hergestellt werden. Wir finden serner in dieser Halle eine stattliche Reihe feuer= und diebessicherer Schränke, ausgestellt von den Firmen V. Adolphs und B. Füßmann=Düsseldorf, sowohl für große Bankhäuser und Handelsbetriebe, wie einfachere, die sich mehr für den Kleingewerbetreibenden, den Handwerker eignen. In der gleichen Abteilung ferner stehen Heerde und Oefen, eine von der Firma Ernst Essers, M. Gladbach ausgestellte Kollettion guß= und schmiedeeiserner Pumpen in Saug= und Hebekonstruktion für die verschiedensten Zwecke, auch eine ansehnliche Ausstellung von Schmiedessen und=Herden, Feldschmieden, Ventila= toren, Exhanstoren und Werkzeuge für Schlossereibetriebe, — Erzeugnisse der Firma Werner Geub, Köln=Ehrenfeld. Eine Art Sehenswürdigkeit ist hier u. a. ein von M. Gudenosi=Dutsburg hergestellter drehbarer Operationsund Zwangsstallwagen für Pferde. Bei den Hausfrauen erregt eine Aufstellung praktischer Bügelösen großes Interesse. Setzen wir unseren Rundgang fort, so nimmt eine recht imposante Ausstellung zinkeiserner Geräte der Firma Rob. Weber, Wermelskirchen, unsere Aufmerksamkeit in Anspruch: wir sehen hier Dampfwaschkessel, Eimer, Wannen, Spülbecken, Kalklöschkörbe, Koalsösen, Perdernufen, Samenstreuer,— all diese so verschiedenartigen Gegenstände aus Eisenblech hergestellt. Recht lebhaften Besuches erfreuen sich den ganzen Tag über die Hühnerbrütapparale der Firma I. Egen, Schwerte a. Ruhr. Man kann, in diese mit warmer Lust gefüllten Apparate hineinschauend, den ganzen Entwickelungsgang des winzigen Kütens zum possierlichen Hühnchen von den Moment, wo es die Eischale durchgepickt und abgestreift, beobachten; an einer Reihe Spirlluspräparate sind sogar einzelne Stadien des Wachsens des Huhn=Embryos im Ei während der Brutperiode ausgestellt. Diese ortginellen Maschinen dürften wohl noch allgemeiner ein sehr schätzbarer Faktor lohnender Geflügelzucht und vermehrter Elergewinnung werden. Wir gelangen nun zu einer Ausstellung verschiedenartigster Wasch= und Wringmaschinen, wie wir sie ähnlich, sogar in noch größerem Maßstabe, in der sehenswerten Ausstellungs=Wäscherei(hinter der Maschinenhalle) in Arbeit sehen und die allerdings, besonders für größere Betriebe, schätzenswerte Vereinfachungen des oft noch sehr umständlichen Waschverfahrens mit sich bringen. Des Weiteren sinden wir hier eine Anzahl Waagen für Fuhr werke sowohl wie für Personen; in einer benachbarten kleinen Koje interessieren uns die einfachen zusammenlegbaren Badewannen der Firma Steffens, an denen manche kluge Verbesserung gegen vormalige Plumpheiten auffällt. Eine recht prattische Neuerung in der Regulierung von Gardinen, Vorhängen, Jalousien bringt die Firma Hesemann, Düsseldorf: ein geräuschlose einfache Vorrichtung zum Verstellen auch von Fenstern, Thüren usw., die hier vorgeführt wird. In der rechten Seitenhalle, deren Ausgang zur Haupifesthalle führt, ist das guuxg Jewerve Austergebracht: Buchdruckerei und Buchbinderet. Beide führen so ziemlich alle in diesen Gebieten gebräuchliche Maschinen in Betrieb vor, sodaß auch dieser Teil der Ausstellung eine Fülle des Sehenswerten bielet. Besonders reichlich sind die Düsseldorfer BuchbinderInnung und die Verlagsfirma J. B. Gerlach u durch Pressen und Maschinen aller Art vertreien. Werkzeuge und Rohmaterialien für das Buchbindergewerbe sind ebenfalls ausgestellt, auch Erzeugnisse der EtuiKartonnagenfabrikation fehlen nicht. In der Nähe des Ausganges haben die duflenden Stände mehrerer Konditorelen Aufstellung gefunden; die wohlbekannten Düsseldorfer wie Clever Honigkuchen werden dort feilgeboten. Wir finden im Frelen an der hübschen Rückselte des Handwerkskammergebändes noch eine reichhaltige Aufstellung von Turngeräten mehrerer Arten. Schmiedegeräte, kandwirtschaftliche Maschinen und Wagen, die nicht minder Beachlung verdient wie die im Innern des Hauses befindlichen Gegenstände. Eine Fülle des Interessanten und Belehrenden ist in dieser Ausstellung des Handwerks zu finden; in der Ausnutzung aller technischen Vorteile sind unzweifelhaf bedeutsame Fortschritte festzustellen, die dem Handwerk seinen„goldenen Boden“ sichern. Vom Aufschwung des Großbetriebes sind ja die verschiedenen Handwerke in höchst ungleicher Weise betroffen; so das Baugewerbe fast gar nicht, ebenso wenig Friseure, Barbiere; andere Gewerbe, wie das Schneidergewerbe vermögen Widerstand zu leisten, stark sind dagegen das Schlosser= und Schmiedehandwerk, beispielsweise auch das Schuhmacherhandwerk betroffen. Und in dieser Ausstellung machen wir die interessante Beobachtung, daß gerade die am meisten umfochtenen Gebiete die besten Leistungen aufzuweisen haben. Aue Ort und Provinz. Allgemein interessterende Nachrichten aus der Stadt und deren Umgebung werden entgegen genommen und entstehende Auslagen von uns vera □ Gütersloh, 19. Juli.[Städtisches.] In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde folgende Tagesordnung erledigt: 1. Der als Magistratsmitglied gewählte Herr Rechtsanwalt und Notar Dr. Brinkmann wurde in sein Amt eingeführt und vereidigt. 2. Der Antrag des Magistrats betreffend den Verkauf des Stückerschen Wohnhauses wurde dahin erledigt, daß dem Kupserschmiedemeister Piccard auf sein Gebot von 1550 Mark der Zuschlag erteilt wurde. Es wurde die Bedingung gestellt, daß das Haus abgebrochen und der Platz falls er nicht wieder bebaut wird, an der Straße mit einer vorschriftsmäßigen Einfriedigung versehen werden muß. 3. Für Instandsetzung der beiden Häuser Friedenstraße 755 und 756 wurden die Kosten von 170 bezw. 110 Ml. bewilligt. 4. Der Antrag auf Bewilligung der Kosten für Dichtung des Kellers im Armenhause wurde )( Gütersloh, 19. Juli.[Die Schlachl bei Sedan] Eine plastische Darstellung der Schlacht bei Sedan wird von Dienslag nächster Woche an im Pollkläser'schen Saale geboten werden, und dürfte auch hier wie allerorten lebhaftes Interesse erwecken. Die Ausstellung bietet, so schreibt die„Rintelner Zig.“ dem Beucher ein künstlich aber naturgetreu dargestelltes Gelände von 120 qm Größe. Man erblickt auf demselben die Festung Sedan, die freundlichen Dörfer Torcy, Claire, Bazailles und Balan, deutsche und französische Truppen, Artillerie, Infanterie und Kavallerie im vollem Gesechte. Die Figuren, 7000 an der Zahl, sind so gearbeitel, daß sie den Moment der Handlung auschaulich darstellen. Aus der Vielseitigkeit der mit Riesengeduld und großem Fleiß in einem Zeitraum von 8 Jahren angefertigten Ausstellung sei nur erwähnt: der Standpunkt des großen Generalstabes, Kaiser Withelm 1, Kaiser Friedrich, Fürst Bismarck, Graf Molike, Graf Roon; Bahnhof b. Torcy, woselbst sich der furchtbare Bajonettkampf der Infanterie abspielt, Bauernhaus, wo die Unterredung Bismarcks mit Napoleon stattfand, Pappelallee bei Sedan, die Maas, das Dorf Claire, von Truppen des XI. Armeekorps genommen und mit klingendem Spiel durchzogen, französische Kavallerie unter Führung von Gallisel, Straßenkampf der Baiern mit Turkos und Marine=Infanterte, Flucht der französischen Mitratlleusen=Vatterie durch das Dorf Valan und dsal. Die ganze Ausstellung wird durch ein Begleitwort des Besitzers erklärt. Der Vortrag ist korrelt, fließend und bringt eine Darstellung des Krieges von der Kriegserklärung bis zur Schlacht von Sedan.„ + Gütersloh, 19. Juli[Turnfahrt.] Gestern, Freitag, kam die längst geplaute Semtnar=Turnfahrt zur Ausführung, nicht völlig verschont von einem der diesjährigen unvermeidlichen Gewitterschauer, sonst aber dem aufgestellten Programm gemäß und zu aller Tellnehmer Zufriedenheit verlaufen.— Ein Sonderzug der Teutoburger=Wald=Eisenbahn brachte die Ausflügler zu früher Morgenstunde nach Iburg, das noch nicht völlig zur Tagesarbeit erwacht, durch Trommelwirbel und Hörnerklang teilweise widerwillig sich in die kleinstädtische prosaische Wirklichkeit versetzt sah. Das mug den einen oder anderen verdrossen haben. Nach Besichtigung der Burg, jenem festungsartigen Schmollwinkel einst der Osnabrücker Bischöfe, noch immer als trutziges Kastell von der Höhe herabblickend; von der Iburg wieder zurück durch das Städtchen über den Gebirgskamm, zunächst nach Lienen. Der Weg in der Waldeskühle bie#el alle jene Freuden einer Morgenwanderung, wenn die Sonne, durch das dichte Laubdach nur einzelne Strahlen sendend, auf der staubbedeckten Landstraße brütet. Lienen hal eine alte Kirche mit noch flacher Decke, des öfteren umgebant, bezw. erneuert. Das Volk schreibt ihre Gründung wie die so mancher Kirche mit Unrecht dem Großen Karl zu; daß Friedrich I. dieselbe vollenden ließ, 1707,„sua im pensa“, sagt eine Inschrift im Innern. Unter dem Grafen Solms, der 1707 die Grafschaft Teckleuburg an Preußen verkaufte, war sie begonnen. Weiter geht's in der sonnendurchglühten Ebene nach Lengerich, nach Besichtigung der Friedenskirche dem Ziele zu, Tecklenburg. Freundlich und schmuck, wie aus der Schachtel genommen, winkt von der Höhe das Hotel „Burggraf“, mit vorzüglicher Bewirtung die Müden erquickend. Schön ist der Blick von den Terrassen des Holels, fern hin bis Münster sieht bei klarem Wetter das unbewaffnete Auge, über wogende Kornfelder hinweg und oft weit sich dehnende Waldstücke. Jetzt lag sie da, die allehrwürdige Bischofsstadt, in einen Dunstschleier gehüllt, mit unsicheren Umrissen. Weit hinaus zur Rechten wissen wir das Haler=Feld, wo in blutiger Feldschlacht der Tecklenburger Graf als Freund des Kaisers dem Grasen von Lippe, einem Anhänger des gerichteten Löwen, unterlag und gefangen genommen wurde. Dort, auf der Höhe unserer Kuppe, am anderen Ende des Städichens ragt ein bescheidener Turm inmitten der dürftigen Trümmer der einst umfangreichen Burg der Tecklenburger, seit 1700 Bentheim=Tecklenburger Grafen. Es ist der Wier=Turm, zum Andenken an den„unerschrockenen Streiter wider die Hexenverbrennung", wie ein Jahrh. später der Jesuit Friedr. v. Spee, Dr. Wier, 1 1588 zu Tecklenburg. Ein niedriger Denkstein unweit des Turmes, ein Obelisk mit Inschriften auf seinen 4 Seiten meldet uns die oben erwähnte Vereinigung Tecklenburgs mit Preußen. Er ward gesetzt zum Andenken an die Anwesenheit König Friedrich Wilhelm IV. in Tecklenburg am 17. Mai 1857, der 150jährigen Erinnerungsfeier jenes Ereignisses. Wieder hinaus geht es zur„Hexenküche“ mit dem „Teufelsfurth“, uns an die Roßtrappe erinnernd, nur daß das nagende Wasser hier der Aushöhlung auf der wagerechten Felsenplatte eine andere Form gab. Ein interessanter Punkt auch ist der„Heidentempel“. Mit unvollkommenen Instrumenten sind in einem der freistehenden, hier häusig hervortretenden Felsblöcke, bezw. der Felswände zwar ungleichgroße Vertiesungen in Rechteckform ausgemeißelt eine alte heidnische Kultstätte, an der Menschenopfer gebracht worden, sagt das Volk; in der Rinne am Fuße des Felsens sei das Blut abgeflossen. In seinen Kapitularien ordnete Karl der Große ausdrücklich an, daß die christlichen Tempel in erster Linie an alten beidnischen Kultstätten sollten errichtet werden, meist gewiß einfache Holzkapellen. Der Grund dieser Anordnung liegt auf der Hand. So hat sich denn die Bezeichnung„Heidentempel“ an manches christliche Kirchlein, bezw. manche Kultstätte überheupt geknüpft, ist auf diese übergegangen, und dergl. Bezeich nungen gewähren somit einen Schluß auf fernliegende Zeiten. War auch dieser„Heidentempel“ eine bescheideie Walfahrtsstätte ähnlich den Externsteinen?— Noch einen Blick auf das vescheidene Geburtshaus Ad. Krummacers, des edlen Mannes und tiesempfindenden Dichters, Iumitten des winkligen Ackerstädichens mit seinen engen und holprigen Straßen—: und zurück bringt die Tentoburge: die Ausflügler in zwar langsamer, aber sicherer Fahrt. () Giitersloh, 19. Juli.[Der Sonderzug nach Dusteldorfs fährt wie wir bereits in der Donnerstag=Nummer meldeten Sonntag früh 350 Uhr ron Minden eb. Auf hiesiger Siation fährt der Zug um 528 Uhr#b. Die Rückfahrt erfolgt Montag abend ab Düsseldorf, Hauptbahnhof um 1021 Uhr. In Güterslot, trisst der Lug nach's 201 Uhr ein. Es ist erwünscht, daß die Rücksa## ebenfallt mit dem Sonderzug angetreien wird, jedch kann dieselbe auch mit jedem fahrplanmätzigen Pesonenzuge erfolgen. Die Fahrkarten haben 10 Tage ültigkeit. ** Gütersloh, 19. Juli.[Hitze und Truppenübungen iner Senne.] Zum ersten Male war in diesem Jahre##is aus Mannschaften der Reserve und Landwehr zusamangesetzte Reserveregiment Nr. 55 zu einer 14tägigen#atung in der Senne. Mit den Truppen sind Versuche zur Feststellung der Leistungsfähigkeit und Ausdauer bei größeren Marschübungen gemacht worden, die die Leute infolge der Hitze außerordentlich mitnahmen. Leider hat, wie die„W. Zig.“ mitteilt, eine große Anzahl der Uebenden den gewaltigen Anstreugungen nicht Stand halten können. An einem Tage sind über 120 Mann marode geworden. Während sich der größte Teil der Ueberanstrengten bald wieder erholte, sollen doch drel Mann gestorben sein. Bei einem Soldaten sollen sich Spuren von Geistesgestörthelt gezeigt und ein weiterer söll sich eine Lungenentzündung zugezogen haben. Gütersloh, 19. Juli[Erhängt.] An der Bielefelder Chaussee im Tegelmann'schen Gehölz fand man gestern morgen einen gut gekleldeten Menschen erhängl vor. Nach den bei ihm vorgefundenen Papieren ist es ein 45 Jahre alter Buchbinder namens Brachmann aus Dresden. Unter mehreren guten Zeugnissen, führte er auch ein solches von der Anstalt Bethel, bei sich, wo er bis vor kurzem gearbeiter halte. ** Gütersloh, 19. Juli.[Verkehrswesen. Zur Erhöhung der Betriebssicherheit sollen auf dem preußisch=hessischen Staatsbahnen die Hauptbahnlinten nach und nach mit Fernsprechanlagen versehen werden, die sowohl eine schnelle als auch bequeme Verständigung zwischen den Stationen und den Bahnwärterposten ermöglichen. Zwischen je zwei Stationen wird eine Leitung gelegt, in welche alle auf dem betreffenden Streckenabschnin vorhandenen Bahnwärter= und Schrankenwärterposten eingeschaltet werden. * Gütersloh, 19. Juli.[Falbs Weiterbericht.] Professor Falb. der gegenwärtig in unserer Nähe, in Bad Oeynhausen, weilt hal folgendes Wetter vorausgesagt: 16. bis 25. Juli: Die Regen nehmen etwas ab, ohne ganz zu verschwinden und werden namentlich in den letzten Tagen wieder recht ergiebig. In den Alpenländern sind die Gewitter zahlreich. Die Temperatur hält sich verhältnismäßig ties. Der 20. ist ein krittscher Termin 3. Ordnung, der sich durch Gewitter bemerkbar machen dürfte. 26. bis 31. Juli: Nachdem das Wetter einige Tage sehr trocken ist, treten in den letzten Tagen wieder stellenweise sehr ergiebige Regen ein, die meist von Gewittern stammen, sowohl in Deutschland, als auch in Oesterreich und Frankreich. Die Temperatur steigt allmählich bis zur normalen. 0 Gütersloh, 19. Juli.[Thermometer= und Barometerstand] von der vergangenen Woche Celsius=Thermometer. niedrigster Stand. höchster Stand. Wind 7 übr Wialofeld. 18. Juli.[Kreis Kreissynode Bielefeld faßte in ihrer letzten Sitzung u. a. folgende Beschlüsse: 1. Die Synode wolle bei der Regierung Minden dahin vorstellig werden, daß dieselbe von einer zwangsweisen Einführung des Religionsbuches von Falke und Förster absehe, und die Beibehaltung der bisher im Gebrauch befindlichen bibl. Geschichte von Hechtenberg gestattet bleibe. 2. Zu erwägen, da die zweite Entlassung von Schulkindern zu Michaelis erhebliche Mißstände für Kirche und Schule gleicherweise mit sich bringt, die Beseitigung der zweiten Entlassung zu erwirken suchen. 3. Die Einführung des von Pastor Wischmeyer verfaßten Leitfadens für den Konfirmandenunterricht nachzusuchen. Gewählt wurden: Zum Assessor Pfarrer Volkening, Stellvertreter Pfarrer Huchzermeler. Als Deputierte zur Provinzial=Synode: Mfarrer Volkening und Rektor Hark. Zum Ort der nächsten Kreissynode wurde Bielefeld bestimmt. * Siele, 17. Juli.(Unfall.) Zu Unfall kum der Landwirt Kiel von hier. Die Pferde, welche vor eine Egge gespannt waren, gingen durch, wobei der p. Klehl von den Zähnen der Egge erfaßt und zu Boden geschleudert wurde. K. trug schwere Verletzungen am Kopfe davon. Tortmund, 16. Juli.[Das letzte west fälische Musikfest] in Dortmund soll mit einem Defizit von 4000 Mf. abgeschnttten haben, für welches die Zeichner des Garantiefonds in Anspruch genommen werden müssen. “ A r u s b e r g, 1 7. J u l i.[ V e r s c h i e d e n.] A m Dienslag starb nach langem, schwerem Leiden im St. Johannishospital zu Vonn der Königliche Regierungsund Schulral Dr. Herm. Riemenschneider im Alter von 58 Jahren. Mit ihm ist ein erfahrener und tüchtiger Schulmann dahingeschieden. Wanne, 17. Juli.[Mil dem Tode gebüßt.] Ein hiesiger Milltärpflichtiger, aus Polen stammend, spielte vor einigen Tagen mit einem Revolver, man nimmt an, in der Absicht, sich an der Hand derart zu verletzen, daß er vom Militärdienst befreit werde. Die Wasfe ging auch los, und der Sohn des Ostens wurde an der Hand verletzt, so daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte; es war aber Blutvergiftung eingetreten, die den Tod des Mannes zur Folge hatte Ortschaft zählt 373 Einwohner und besteht aus 79 Häusern. Der Ort ist sehr arm. Es ist fast nichts versichert. Man vermutet, daß Kinder durch Spielen mit Zündhölzern in einer Scheune den Brand verursachten. —[Was Berlin trinkt.] Nach den Mitteilungen der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft sind im Jahre 1901 nicht weniger als 4,2 Mill. Hektoliter Bier in den 111 Brauereten Berlins und seiner Vororte erzeugt worden. Die Produktion der Berliner Brauereien repräsentiert jetzt fast den vierten Teil der Produktion Bayerns. 31 Brauerelen erzeugen unterjähriges(Lager=) Bier und 80 oberjähriges Bier, und 22 lediglich Weißbier, 47 Weiß=, Braun= und Bitterbier, 6 nur Bitterbier und 5 sogen. Färbebier. Die Biereinfuhr nach Berlin betrug 592933 Hektoliter, wovon 2 aus Süddeutschland kamen. Die Bierausfuhr aus Berlin betrug 626 941 Hektoliter. Danach stellt sich der Berliner Bierkonsum im Jahre 1901 auf 4172 030 Hektoliter gegen ß 135 898 Hektoliter im Jahre 1900 und hat mit 209 Liter pro Kopf der Bevölkerung mit der Vermehrung derselben genau Schritt gehalten. —[Ein Duell von Zuchthäuslern] fand lm Bagno von Pozzuoli unter ganz eigenartigen Umständen statt. Zwischen den dort untergebrachten siziljanischen und neapolttanischen Gefangenen herrscht ein traditioneller, grimmiger Haß, der sich in zahllosen Reibereien kund that und endlich dazu führte, daß von den beiden seindlichen Parteien jede einen der Ihrigen ausloste, welcher in einem Duell die Ehre seiner„Landsmannschaft" verleidigen sollte. Für die Reapolitaner trat Francesco di Girolama, für die Sizilianer Calogero de Carlo ein. Die Beiden bewaffneten sich mit hölzernen, gespitzten Stilets. Der Kampf zwischen den Sträflingen, der lautlos in einem Winkel des Arbeitshoses geführt wurde, um die Wärter nicht aufmerksam zu machen, war entsetzlich. Schließlich brach de Carlo zu Tode getrossen zusammen. Ausseher eilten jetzt herbei, banden Girolama und führten ihn unter dem freuetischen Beifall der Neapolitaner in seine Zelle. Die Regierung hat eine strenge Untersuchung dieser merkwürdigen Zustände im Zuchthaus von Pozzuoll angeordnet. —[Eine hübsche Hochzeilssille ist von der verstorbenen Königin Viltoria von England eingeführt worden. In den Gärten von Osborne stehl ein blühender Myrtenbaum, der aus einem winzigen Zweig aus dem Brautstrauß der Kaiserin Friedrich erwachsen ist, die sich vor mimnmehr 44 Jahren verheiratete. Er wurde von der Königin Viktoria eigenhändig gepflanzt. und kleine Zweige waren in den Hochzeitssträußen der meisten Bräute im englischen Königshause vertreten, die seildem gehefrater haben. —[Es glebt doch noch Hundstagsnachrichten.] Die Brüsseler Zeitung„Gazette" berichtet ihren Lesern allen Ernstes, daß auf Befehl des deutschen Kaisers auf allen Bahnhöfen unsers Vaterlandes— Papageien als Stationsausrufer angestellt werden sollen. Danach liefert die Generalverwaltung der Reichseisenbahn jedem Siationsvorsteher einen Papagei. Die Tiere werden darauf dressiert, den Namen ihrer Station zu rufen. Absolut ist verboten, ihnen irgend etwas anders beizubringen. Auf diese Weise haben die Reisenden nicht nötig, beim Hallen des Zuges die Beamten zu belästigen, deren Aufmerksamkeit nun auch nicht durch unnütze Fragen abgelenkt wird. Vermischtes. — Daun i. Eiselgebirge, 18. Juli. Gestern abend brach in der 1½ Stunde entfernt gelegenen Ortschaft Oberstadtfeld ein Feuer aus, das rasch um sich griff und 18 Wohnhäuser und 9„Nebengebäude einäscherte Die Neueste Nachrichten. London, 19. Juli. Gestern fand eine Generalprobe zur Krönungsseier statt. Zürich, 19. Juli. Infolge eines gewaltigen Gewilters und Hagelschlages, wie solche seil Jahren in der Ostschweiz nicht erlebt worden sind, wurden im Kanion Schaffhausen ca. 200 Heklar Rebgelände total vernichtel. Der Schaden übersteigt 1 Million Franks. Lissabon, 18. Juli. 1200 Buren schiffen sich morgen nach Südafrika ein. Nach einer Blättermeldung ist auch Dr. Leyds hier eingetroffen und beabsichtigt, sich nach Kapstadt einzuschiffen. London, 19. Juli. Die Besserung im Befinden des Königs Eduard schreitet derartig ersteulich fort, daß die Aerzie einige Beschränkungen seiner Diät zurückgevommen haben. Auszug aus dem n) Stadt Gütersloh. Nachrichten vom 13. bis 19. Juli 1902. Geburten: Söhne: Fabrikarbeiter Friedrich Kellenberg.— Stellmacher Hermann Fechtel.— Kaufmann Heinrich Schürmann.— Gasarbeiter Friedrich Lünstroth.— Kaufmann Josef Meyer— Buchhalter Heinrich Dreyling. Töchter: Hotelbesitzer Emil Wegmann.— Lagerarbeiter August Potthoff. Aufgebote: Tischlermeister Karl Blomberg in Blankenhagen und Marie Haversieck hier. Eheschließungen: Packer Heinrich Wilmskötter und Karoline Sielmann beide hier. Sterbefälle: Heinrich Erich Oblau, 11 Monate alt. b) Amt Nachrichten vom 13. bis 19. Juli 1902. Geburten: Söhne: Schneidermeister Josef Vinnenberg zu Nordhorn. — Kolon Karl Gronebaum zu Pavenstädt.— Zimmergeselle Heinrich Buschsiewele zu Sundern. Töchter: Zlegelmeister August Dreier zu Nordhorn.— Bahnarbeiter Hermann Siewert zu Nordhorn. Sterbefälle: Ehefrau Johanne Redeker geb. Boß zu Sundern, 37 Jahre 5 Monate alt. Kirchliche Nachrichten. (Fvangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 20. Juli. Kollekte für bedürftige Theologie=Siudierende in Bonn. Neue Kirche: Morgens ½10 Uhr: Pastor Siebold. Alte Kirche: Morgens ½10 Uhr: Kandidat Lünzuer. Nachmittags 3 Uhr: Pastor Meinshausen Kinderlehre. Freilag, den 25. Juli, Morgens 10 Uhr: Pastor Siebold. Sonnabend, den 26. Juli. Morgens 10 Uhr: Beichte in der neuen Kirche: Pastor Meinshausen. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 20. Juli. 9. Sonntag nach Pfingsten. Morgens 6 Uhr: Frühmesse mit Homilie. Morgens 7½ Uhr: Hl. Messe mit Morgens 9 Uhr: Hochamt muit Bredigt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre und Andacht zu den h. 14 Nothelsern. Freitag, den 25. Juli. (S. Jacobus d. Aellere, Ap.) Morgens ¾/47 Uhr: Hl., Messe für die Anliegen der ganzen Pfarrgemeinde. Die Verlobung meiner## Tochter Auguste mit dlom Landwirt Herrn 4s Heinrich Depenbrock S. in Kattenstroch bei Gütorsloh beohre ich mich # hiermit anzuzoigen. gi #8 Meyer Kattenstrotl.# Kattonstroch.# im Juli 1902. P Fahrraddecken für Mark 8 unter Garantie empfiehlt Wilh. Stratemann. Essig-Essenz Flasche 50 Weinessig 20, 25 u. 30 Pf. 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Die Beordigung findet verhause, Sundorn 92, in Feier im Hause beginnt Montag nachmittag 3½ Uhr 4 Uhr vom Bahnhof, aus st Bekanntmachung. Der Steuer=Inspektor Carl Josten zu Gütersloh, Friedrich= straße 38, hat die Genehmigung zur Ansiedelung auf dem außerhalb einer im Zusammenhange gebauten Ortschaft in der politischen Gemeinde Amt Gütersloh, Bauerschaft Sundern, belegenen Grundstücke Flur 26 Parzelle Nr. 26 der Kalastergemeinde Gütersloh Land be— ä c h g g i d e s§ 1 6 d e s G e s e t z e s v o m 2 5. A u g u s t 1 8 7 6 b r i n g e ich diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß gegen denselben von den Eigentümern, Nutzungs=, Gebrauchsberechtigten und Pächtern der benachbarten Grundstücke innerhalb einer Präklusivfrist von 21 Tagen bei der Ortspolizeibehörde des Amtes Gütersloh zu Gütersloh Einspruch erhoben werden kann, wenn der Einspruch sich auf Thatsachen begründen läßt, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Ansiedelung den Schutz der Nutzungen benachbarter Grundstücke aus dem Feld= oder Gartenbau, aus der Forstwirtschaft, der Jagd oder Fischerei gefährden werde. Gütersloh, den 18 Juli 1902. Der Gemeinde=Vorsteher. gez. Nur in Paketen mit vollem Firmen=Auforuck A. Zuntz sel. Wwe., Kgl. etc. Hofl Sebnamte Kaffes caramelisiert und hellglasiert NI. 1.20, 1.10, 1.50, 4.60, 1.70, 1.80, 1.90, 2.00 per ½2 Kilo käuflich. Niederlagen durch Firmenschilder kenntlich. Mord! Kammerjäger Derksen int hier um Ratten, Mäuse, Schwaben, Wanzen, Ameisen radikal auszurotten. 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Das Herannahen des 300jährigen Geburtstages Panl Gerhardt's, des gostbegnadeten Sängers geistlicher Lieder, hat weiten Kreisen der evangelischen Christenheit den Gedanken nahegelegt, ihm in der Stadt Lübben in der Lausitz, wo er die letzten Jahre seines Lebens gewirkt und unter dem Altare der Hauptkirche seine Ruhestätte gefunden hat, auf dem Marktplatze vor der Kirche ein Denkmal zu errichten. Das unterzeichnete Komitee hat dlesen Gedanken sreudig ausgenommen und richtet hiermit an alle evangelischen Christen die Bitte um thätige Mithülfe zu seiner Verwirklichung, in der Hoffnung, daß derselbe überall freudige Aufnahme finden wird. Ist Paul Gerhardt doch neben Luther der größte, einflußreichste Dichter, den die evangelische Kirche hervorgebracht hat. Kein evangelisches Gesangbuch, das nicht den reichen Schatz seiner Lieder aufwiese. Ob die Gemeinde ihrem Adventskönig zuruft:„Wie soll ich dich empfangen?" oder Wethnacht an der Krippe ihres Herrn feiert; ob sie mit ihrem Gesange:„Nun laß uns gehn und treten“ das neue Jahr begrüßt oder sich vor dem Haupt voll Blut und Wunden am Kreuze neigt oder dem Einzuge des heiligen Geistes die Herzensthür öffnet, immer sind es die Lieder Gerhardt's, in denen ihre Andacht am liebsten ausströmt. Und nicht bloß im Gottesdienst, sondern, tief und mächtig in unser ganzes Volksleben eingedrungen, sind diese Lieder neben Luther's Bibelübersetzung das edelste Kleinod des deutschen Hauses und unseres evangelischen Volkes geworden. Mit ihnen begrüßt es den Morgen:„Wach auf, mein Herz und singe“, und die sinkende Nacht:„Nun ruhen alle Wälder“; in ihnen wallt das Herz zu Preis und Dank:„Sollt' ich meinem Goll nicht singen?"; an ihnen ringt sich das bekümmerte Gemüt zur sieghaften Freudigkeit des überwindenden Glaubens empor und iritt aus der Tiefe der Sorge:„Befiehl du deine Wege“ auf die Höhe des getrosten Vertrauens:„Ist Gon für mich, so treie gleich alles wider mich." Was der stille und tapfere Mann geglaubt und gelebt, hal er für das evangelische Volk geglaubt und gelebt, und darum hat er, wie keiner, aus dem Herzen des Volkes heraus in dasselbe hineingesungen mit schlichten und einfältigen Worten, an deren Wohlklang doch kein Rost des Alters haftet; in der trübsten Zeit unseres Vaterlandes der lichteste Zeuge von der Gotteskraft des Evangeliums Trude. Novelle aus dem Holländischen von Marie Mohr. Es ist daher eine Ehrenpflicht, die wir erfüllen, wenn wir dem srommen Sänger ein Denkmal setzen als ein sichtbares Zeichen unserer Dankbarkent und zugleich als eine beständige Mahnung der Mit= und Nachwelt, seiner zu gedenken. Zur Entgegennahme von Geldbelträgen ist die Firma F. W. Krause& Co., Bankgeschäft in Berlin, Leipzigerstraße Nr. 45, sowie jedes Komitee-Mitglied gern bereit Der geschäftsführende Ausschuß: von Manteuffel, Landesdirektor, Vorsitzender, Berlin W., Matthälkirchstraße 20/21; D. Braun, Generalsuperintendent, stellvertretender Vorsitzender, Berlin W., Matthälkirchstraße 22, von Krause, Bankter, Schatzmeister, Berlin W., Wilhelmstraße 66; Pfeisser, Vize=General= superintendent, Lübben i. L.; Meyer, Landesrat, Schriftführer, Berlin W., Maithälkirchstraße 19 Eigentümlichkeiten der deutschen Sprache. Es ist eine eigentümliche Thatsache, daß in unserer deutschen Sprache fast alle Worte, die etwas für das Leben der Menschen hervorragend Wichtiges bedeuten, das G als Anfangsbuchstaben aufweisen. Der alleinige unsichtbare Herrscher der beiden Welten ist Golt, und der Glaube läßt die, welche ihm dienen, hoffen, daß sie wenn sie diese irdische Welt verlassen, in jenem himm lischen Reich in ewigem Frieden ausruhen dürfen. Goll hat den Menschen seine Gebole gegeben, und die Gewißheit, auf Gottes Guade bauen zu dürfen, läp#ne im Gebeie sich ihm nahen, und in diesem Kraft, Trost und Hülfe finden. Der Geist ist es, welcher den Menschen über das Tier erhebt, ihn zum Herrscher über alle Kreaturen macht und ihm die höchsten Güter menschlicher Erkenninis erschließt. Die Gesundheit wird das höchste Gut genannt; sie giebt die Kraft zu leben, zu kämpfen und zu siegen, und des Menschen Geschick ist gewiß ein freundliches, wenn er es verstehl, diese Gaben recht zu schätzen und anzuwenden. Die Sinne des Menschen, welche ihn in die Lage setze. Genuß und Grauen zu empfinden, heißen: Gesicht, Gehör, Geschmack, Genuß, Gefühl. Das Gefühl könnte man als eine Aeußerung der Seele bezeichnen. Wer nur eines dieser Organe entbehrt, den nennen wir einen Unglücklichen, bemilleiden ihn und preisen die Kunst der Aerzie, die ihm Genesung von seinem Leiden schafft. Die Gesetze sind die Grundlagen der Ordnung im Staat und in der Gesellschaft; sie sind die feststehende Richtschnur für Sitte und Anstand, für Kunst und Geschmack gewesen, sie werden abgeändert und verbessert, gegeben und wieder verworsen, je nach dem Zeltalter und der Kulini der Völker. Gesetze wird es geben, so lange die Welt bestehl und Menschen leben. Werden ne in grober Weise mißachter und übertreten, so hören wir oft die mit überlegener Sicherheit den Beschuldigten gegenüber hoffnungsvoll ausgesprochene Aeußerung: Dafür giebt es noch ein Gericht! Von einem Gericht erwartet man Gerechtigkeit in seinen Entscheldungen, der schuldige Teil wird dort zum Geständnis gebracht und muß in vielen Fällen sein Vergehen im Gesänguis büßen. Grausamkeit, Geiz, Gewalithätigleit sind verhaßte, verachtese Charakier=Eigenschaften, während Großmm, Güte, Geduld, Genügsamkeit und liefes Gefühl freundliche und liebliche Begleiter auf dem Lebenswege sind, von hohem Wert für seinen Besitzer und häufig zum Segen für seine Nebenmenschen. Gewohnheit, Gelegenheit und ein gutes oder schlechtes Gedächmis haben oft verhängnisvolle Folgen für uns, ob gute, ob böse, das bedingt unser freier Wille. Die Gastfreundschaft war schon in ältester Zeit eine geschätzte Tagend, und der Gast eine geheiligte, unverletzliche Person. Wie viel kann in einem Gruß liegen, der an uns gerichtet wird, wie viel in einem Geschenk ausgebrückt werden; sie können uns sie“; und glücklich oder traurig machen, uns gleichgültig sein oder gar enttäuschen. Gelehrsamteit ist ein großes schwer zu erlangendes Gut, welches seinen Träger zu hohen Ehren und Auszeichnungen bringen kann. Die Geschichte wird ein Spiegel der sortschreitenden Entwicklung, sowie der Thaten der Bölker und einzelnen Nationen genannt; ihr Sindium ist nicht nur von höchstem Interesse, sondern für die Wissenschaften und Forschungen ganz unentbehrlich. „Ohn Glück und Gunst all' Kunst ist umsonst, sagt ein alles deutsches Sprichwort, und ohne diese beiden Schutzengel als Begleiter bringt das bestgeplante und sorglichst geführte Geschäst oft keinen Gewinn, und der größte Eiser, die redlichsten Bestrehungen bleiben ohne Erfolg. Selbst die Bezeichnungen der verwandschaftlichen Stellung derer, die uns im Leben die nächsten und liebsten sind, haben das G zum Anfangsbuchstaben: Galte und Gattin, Geschwister und Großeltern, welche Fülle von Liebe, Glück, Freude, Schmerz und wehmütige Erinnerung haben diese Namen für uns alle! Mit Leichtigkeit ließe sich noch eine ganze Reihe mit G beginnender Worte anführen, welche vielsagend und bedeutungsvoll für unser Schicksal, unsere Eigenschaften, für unser Thun und Lassen sind. Um indessen die Geduld der freundlichen Leser Es war mir peinlich, mich noch länger bei den armen Leuten aufhalten zu müssen, allein der Regen schien nicht nachlassen zu wollen; auch blitzte es fortwährend, sodaß ich mich nicht entschließen konnte, dem Unwetter Trotz zu bieten. Trudchen half indessen einem alten Manne, der halb angekleidet auf dem Bette gelegen hatte, in den Schlafrock zu schlüpfen, steckte ihm ein paar Pantoffeln an die Füße und schob dann einen zweiten Lehnstuhl an den Tisch, der alten Frau gegenüber. „So Vater,“ sagte sie,„unn setze Dich auf Deinen Platz. Willst Du eine Pfeife?“ Der alle Mann antwortete nicht, sondern sah mich nur mit matten, erstannten Augen an und nahm dann Platz. „Der Alte ist kindisch“, sagle die blinde Frau und fügte mit einem Seufzer hinzu:„Und wie lange schon! Auch das mußte noch hinzu kommen!“ Es hätte übrigens der erklärenden Worte nicht bedurft: denn sein Blick und der halbgeöffnete, zahnlose Mund bewiesen mir deutlich, daß der Geist der armen Mannes im Schlafe lag, und daß eigentlich nur noch sein Körper sortlebte. Ich mußte bei seinem Anblick denken, es könne Fälle geben, in welchen der Seele das Leben zu lange dauert, sodaß sie, der langen Gefangenschaft müde, sich zu befreien trachtet und durch ihre Befreiungsversuche den Einklang zwischen sich und dem Körper zerstört. „Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich Ihnen noch keinen Sitz anbol,“ sagte Trudchen, indem sie, ihre Versäumnis gut machend, mir einen Strohstuhl hinschob. „Der Vater leidet so sehr an Beklemmungen und des Der Alte hat es auch auf der Brust, katarrhhalisch und Astma!..." bemerkte jetzt die Blinde, während sie mit den Fingern an ihrem Strickzeug herumtastete, worauf sie hinzufügle:„Ich habe eine Masche fallen lassen, sieh einmal nach, Truve." Ich empfand lieses Mitleid mit dem Mädchen, welches, zwischen den beiden Alten stehend, den Fehler verbesserte:„Armes Trudchen!“ dachte ich. Das also barg das einsame, stille Häuschen, welches meine Einbildungskraft so lange beschäftigt hatte. Eine blinde Mutter, einen Undischen Greis und ein armes, junges Mädchen, vor der Zeit verblüht und vergessen. Vielleicht hätte sie weniger bleich und unglücklich ausgesehen, wenn sie das Geschick mit gewöhnlichen Geistesgaben ausgestattet und eine jener emsigen Hausfrauen aus ihr gemacht hätte, welche in ihrer täglichen Beschäftigung aufgehen und zufrieden sind, des Abends ermüdel ihr Lager aufzusuchen. Mit Trude stand es anders. Ihr junges Herz, welches von Glück geträumt hatte, verzehrte sich in den dumpfen Räumen; es schmachtete nach dem Leben, dessen Reize es, ohne dieselben je gekannt zu haben, ahnend empfand. Vielleicht hälten in dieser Seele Saiten mit lieblichem Tone erklingen können, allein das Schicksal verurteille sie zum Schweigen. Sie war einst jung und reizeud gewesen, aber Jugend und Reiz schwanden von Tag zu Tag, zugleich mit ihren Hoffnungen. und immer noch änderte sich nichts in dem trostlosen Einerlei ihres Lebens. Wie lange es dauert, bis Du die Masche aufgenommen,“ sagte die Blinde, ungeduldig mit der Hand nach der Richlung tastend.„Ich könnte es wahrlich mit meinen blinden Augen noch besser als Du;— Du bist zu ungeschickt?" „Es waren mehrere Maschen heruntergefallen, Mutter, und das Sirickzeug war ganz verwirrt," versetzte Trude sanft: dennoch sah ich, als sie wieder aufblickte, Thräuen in ihren Augen schimmern. Pfeise!“ rief der kindische Mann und lachte, mich ansehend, auf einfältige Weise, indem er hinzusetzte: „Pseise gut, samos! Pfeise!“ Soigsam stopfte Trudchen einen alten, schwarzen Pfeifenstummel, steckte diesen dem alten Mann in den Mund und strich mit einem Zundholz darüber hin. Die dünnen Lippen des Greises sogen mit Anstrengung an der Pfeise, welche nicht ohne Mühe, endlich zu glühen beaann. „Das ist alles was der Alte thut, rauchen und essen, zur Unterhaltung tangt er schon lange nicht,“ brummie das blinde Weib, indem sie ziemlich unsanft Trudchen das Strickzeug aus der Hand riß. Mit traurigen Gedanken ging ich munn aus der armseligen Hütte und liefes Mitleid erfüllte meine Seele mit dem jungen Mädchen. In der Nähe des Gäßchens, in welchem Trudchen mit ihren Eltern wohnte, stand ein Häuschen, nicht weniger all und baufällig als das ihrige, welches einer ältlichen, aber noch rüstigen Witwe gehörte. Frau Becker, so hieß die alte Frau, führte dort seil Jahren ein kleines Kolonialwarengeschäft. Obwohl schon den Sechzigen nahe, hiell man sie doch für viel jünger. Siels sauber und slink, hatte sie sich durch ihr freundliches, zuvorkommendes Wesen die Achlung und Liebe ihrer Kundschaft erworben und war in ihrem Viertel allgemein geachtet und geschätzt. Brachte der Kleinhandel auch keine großen Reichtümer, so erwarb sie noch genug, um ihre geringen Bedürfnisse zu befriedigen und die Erziehung ihres nicht zu ermüden, und in der Voraussetzung, daß die Roll, welche das G unter den bedeutungsvollen Worten userer Sprache piell, selcht durch bese Zuhzuigen, Keien, schon genugsam nachgewiesen ist, mögen die beiden Worte diese kleine Betrachtung schließen, welche die wichtigsten für das Bestehen eines jeden einzelnen Menschen sind, indem sie sein ganzes Leben begrenzen, seinen Eintritt in die Welt, und das, was allein nach seinem Abschelden von derselben sichtbar von ihm übrig bleibt, nämlich letzte Ruhestätte bezeichnen, sie heißen Geburt und Grab! Aus Ort und Provinz. Gütersloh, 19. Juli.[Die von der Privatindustriel hergestellten Kartenbriefe, Postkarten, Briefumschläge, Streifbänder und offenen Drucksachenkarten mußten bisher in Mengen von mindestens 10 000 Stück für jede Gattung bei der Reichsdruckerei ingeliefert werden, um mit dem Freimarkenstempel bedruckt zu werden. In Zukunft genügt schon eine Anzahl von 1000 Stück für jede Gattung. Gütersloh, 19. Juli.[Am 1. Aprit1 tritt die Anordnung in Kraft, daß zum Studium der Tierhellkunde nur der zugelassen wird, der die reiseprüsung bestanden hat. Nur den Eleven der Mit tärroßarztschule soll eine Uebergangsfrist bis zum 1. Olt. 1905 gewährt werden, well man befürchtet, daß ohne diese Ausnahme vorern ein milltärärztlicher Nachwuchs in der erforderlichen Zahl nicht zu erlangen wäre. Bielefeld, 18. Juli.[Verschüttet.] Am 16. d. Mts., nachmittags### Uhr, wurde der Arbeiter Heinrich Karmeyer bei Ausschachtungsarbeiten am Neubau Hagemeyer, Kaiser= und Brunnenstraßen=Ecke durch Herabrutschen des alten Gemäners verschüttet. Der Ver unglückte wurde sofort freigemacht und arztlich behandelt, sowie in das städt. Krankenhaus überführt. Hier in er gestern vormittag an seinen schweren inneren Verletzungen und Beckenbruch gestorben... asts umgng an Oelde, 17. Juli.[Eine Rattel zwang vergangenen Samstag den hier durchkommenden Nordexpreßzug Paris=Petersburg, plötzlich auf freier S in der Bauerschaft Menninghausen zu halten. Tier haute nämlich ein Holzstück in eine Weiche geschleppt und dieselbe dadurch gebrauchsunfähig dem das Holz entfernt war und das scheußliche Tier sein Heil in schleuniger Flucht gesucht und gefunden hatte, konnte der Expreßzug, dessen Passagiere anfänglich nicht wenta bennruhigt waren, die Stelle passieren. Rheine, 15. Juli.(Ein für Jedermann, welcher Muglied einer Krankenkasse ist, sehr interessanter und wichtiger Rechtsstreit wurde dieser Tage am Landgericht zu Münster entschieden. Der Thatbestand ist kurz folgender:„Ein junger Mann von, hlet, welcher. 2s glied der Ortskrankenkasse war, bekam vom Arzt 12 Bäder des hiesgen Soolbades„Gotesgghg“ mittel gegen Rheumatismus verschrieben. Derselbe wandte sich an den Vorstand der Kasse um Gewährung der Kosten im Betrage von 10 Mark. Der Vorstand lehnte jedoch die Zahlung resp. Gewährung der Bäder ab, trotzdem der Betreffende bereits früher auf Koste der Kasse gebadet haute. Jetzt wandle sich der Mann an den hiesigen Magistrat als Aussichtsbehörde und wurde auich dier absclähg beschesen. Se, Bie, Juaug übrig, als die Kasse zu verklagen. Dieses geschah und wurde der Kläger vom Amtsgericht in Rheine am 2. Oktober 1901 kostenpflichtig abgewiesen mit der Begründung, die Kasse sei nicht verpflichtet die Bäder zu ge währen, venn die Kosten überstiegen den Preis von Brilen, Bruchbäudern und ähnlichen Helmiteln ganz Sohnes Heinrich bestreiten zu können. Frau Becker war von zufriedener Sinnesart und wußte mit dem was sie besaß, hauszuhalten. Ihren Sohn liebte sie abgöttisch, ohne ihn jedoch durch allzugroße Nachgiebigkeit zu verziehen. Als er, der mütterlichen Obhm entwachsen, erllärte, zur See gehen zu wollen, hielt ne ihn nicht zurück, sondern meinte, er solle nur mit Gott gehen, sie wolle ihn an seinem Vorhaben nicht hindern; denn des Menschen Wille sei sein Himmelreich. So ging denn Heinrich als Schiffsjunge an Vord und kehrte, nachdem er zwei Reisen mitgemacht hatte, als Matrose zurück, zur großen Freude seiner Mutter, die nicht müde wurde, jedem Kunden zu erzählen:„Wißz Ihr es schon, Nachbarin? Mein Heinrich ist als Matrose heimgekommen! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was für ein schmucker, strammer Bursch aus ihm geTrotz ihres geringen Berdienstes war sie doch im stande gewesen, einen kleinen Sparpfennig zurückzulegen. erfüllte sie mit Stolz und Glück, ihrem Sohne, er wieder zur See ging, eine Ausrüstung anschaffen zu können. Von da an ging ihr ganzes Dichten und Trachten darauf, ihm die notwendigen Vorstudten zu der Steuermannsprüfung zu ermöglichen. Unbeschadet seiner sonstigen guten Eigenschaften ließ es Heinrich jedoch am richtigen Eiser fehlen, denn es dauerte sehr lange, bis er mit seiner Steuermannsprüfung zu stande kam. Er war schon dreißig Jahre alt, als er endlich zweiter Sieuermann wurde. Vielleicht trug auch ein Aufenthalt von einem Jahre in Indien zu dieser Verzögerung bei. Zuletzt aber kam es so weit, und Heinrich kehrte freudigen Herzens als zweiter Steuermann heim. Er blieb nur kurze Zeit zu Hause und erblickte bei dieser Gelegenhei auch Trudchen, seine frühere Schulkameradin wieder. Er erkannte sie erst, als seinen Mutter ihn auf sie aufmerksam machte, so sehr hatte Gram und Kummer das einst so fröhliche Kind verändert. (Fortsetzung folgt.) bedeutend und nur diese brauchten die Krankenkassen zu gewähren.— Der Kläger gab sich mit diesem Urtell nicht zufrieden und ließ die Sache weitergehen. Das Landgericht zu Münster stellte sich denn auch auf einen anderen Standpunkt und verurteilte die Ortskrankenkasse zu Rheine zur Zahlung der verordneten Bäder, sowie in die nicht unbedeutenden Kosten des Prozesses."— Es muß noch bemerkt werden, daß der junge Mann während des Prozesses, ehe derselbe entschieden war, statb, seine Eliern setzten jedoch sein Werk fort und trugen so anerkennenswerter Weise dazu bei, daß dieser so wichtige Rechtsstrett endlich einmal entschieden wurde. * Dortmund, 17. Juli.[Die Teilung des Regierungsbezirks Arusberg] kam in der letzten Stadtverordneten=Sitzung zu Dortmund zur Sprache. Herr Oberbürgermelster Schmieding erwiderte nach der Köln. Zig.“ auf eine Anfrage folgendes: Die Tellung des Bezirks Arnsberg sei unter Herrn v. Rheinbaben, der die Verhältnisse von Düsseldorf her kenne, ziemlich beschlossene Sache gewesen, auch das von Dortmund für den Bau des Regierungsgebäudes angebotene Grundstück sei als geeignet bezeichnet worden. Der Ministerwechsel habe aber die Sache ins Stocken gebracht, der neue Minister habe ihm gesagt, die Frage der Tellung des Bezirks sei nicht ausgegeben, er wolle sich informieren, auch sei wohl gleichzeitig die Frage der Teilung weiterer Bezirke zu prüfen. Für die Verlegung des Sitzes der staatlichen Bergverwaltung könnte außer Dortmund noch Recklinghausen, Essen, wohl auch Hamm in Betracht sommen. Die Versammlung beschloß einstimmig die Wahl einer Kommission, die gemeinsam mit dem Magistrat beraten soll, welche Schritte zu unternehmen selen, um Dortmunds Interessen zu wahren. Die Kommission wird auch beraten, ob sie dem Staate ein Grundstück anbieten soll. * S c h w e r t e, 1 6. J u l i.( U n w i r s c h e r S t e u e r schuldner.] Recht rabiat benahm sich der Alttrödler B. von hier. Wegen rückständiger Steuern u. s. w. wurde ihm seine Hundekarre gepfändet, worauf B. kurz entschlossen die Siegelmarke entfernte, ein Beil ergriff und dem Vollziehungsbeamten damit zu Leibe ging, sodaß dieser wohl oder übel sich zurückzlehen mußte. Die Sache wird für B. vor dem Strafrichter ein unangenehmes Nachspiel haben. Aus dem Reiche. Wesel. Eine englische Firma hat von den südlich der Bahnstrecke Wesel=Venlo gelegenen Grundstücken, welche türzlich von den Rayonbeschränkungen befreit sind, 18 Morgen angekauft, um eine Porzellanfabrik zu errichten. Die Firma will mit dem Bau in kürzester Zeit beginnen und beabsichtigt, den Betrieb im Frühjahre 1903 mit mehreren hundert Arbeitern aufzunehmen. Inehoe. Der„Nordische Courier“ meldet von dem Truppenübungsplatz Lockstädter Lager: Mittwoch Vormittag fuhr ein Fouragewagen des mecklenburgischen Feldartillerie=Regiments 30 mi solcher Wucht gegen einen Baum, daß die Insassen des Wagens, sechs Soldaten, herausgeschleudert wurden. Einer wurde getolet, die übrigen fünf schwer verletzt.— Trier. Im Forste Schwarzbruch bei Saarburg wurde, der anscheinend wildernde Gemeindeförster Windrath vom Königlichen Förster im Kampfe erschossen.— Ensisheim. In Munweiler ermordete der dreizehnjähriger Alphons Sessert das vierjährige Töchlerchen der Eheleute Johassek, an welchem er vorher ein Sittlichkeitsverbrechen verübt hatte. Den Leichnam bedeckte der jugendliche Mörder, welcher sofort verhaftet wurde, mit Erde. —[Die Eisenbahnkatastrophe von Altenbeken] beschäftigt zur Zeit bereits die Zivilgerichte. Die Vergleichsverhandlungen, welche von den bei der Katastrophe zu Schaden Gekommenen bezw. von den Angehörigen der bei derselben Gelöteten eingeleitet worden sind, haben noch zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt, und so ist ein hiesiger Anwalt mit der Führung einiger Klagen betraut worden. Bei einem der Beteiligten, dem Kaufmann H., haben sich nachträglich Lähmungserscheinungen eingestellt, die möglicherweise eine dauernde Störung der Erwerbsthätigkeit zur Folge haben werden. Die Eisenbahnverwaltung lehnt eine nachträggeliend gemachte Entschädigung ab. Auch die Witwe eines der Getöteten, des Agenten P., hat sich mit der ihr gebotenen monatlichen Rente von 500 M. nicht einverstanden erklärt. — Berlin.[Sanden=Prozeß.] Nach achtwöchentlicher Verhandlung ist am Freitag vormittag in dem Sanden=Prozeß, der aus Anlaß des Zusammenbruchs der sog. Spielhagen Banken entstanden ist, das Urteil gefällt. Es erhielten 1. Eduard Sanden: Wegen Vergehens gegen das Hypotheken=Bankgesetz, wegen Bilanzverschleierung und Untreue zu sechs Jahren Gefängnis und 15000 Mk. Geldstrafe. Von der Gefängnisstrafe ist ein Jahr durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet worden. 2., Heinrich Schmidt: Wegen Bilanzverschleierung und Untreue zu 9 Monate Gesängnis und 2000 Mk. Geldstrafe. Belde Strafen sind durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten. 8., Paul Puchmüller: Wegen Vergehens gegen das Hypotheken=Bankgesetz, Beihilfe zur Bilanzverschleierung und Untreue zu 1 Jahr 3 Monaten Gesängnis und 4000 M. Geldstrafe. Die Gefängnisstrafe ist durch erlittene Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten. 4., Eduard Schmidt: Wegen Bilanzverschleierung und Untreue 1 Jahr Gefängnis und 10000 Mk. Geldstrafe. Die Gesängnisstrafe ist durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten. 5. Berthold Warsinsk!: Wegen Untreue zu einem Jahr Gefängnis und 5000 M. Geldstrafe. Die Gesängnisstrafe ist für verbüßt zu erachten. 6. Otto Sanden: Wegen Untreue und Bilanzverschleierung zu 1 Jahr Gefängnis und 1500 Mk. Geldstrafe. Beide Strafen sind durch die Untersuchungshaft für verbüßt zu erachten. 7. Alexander Haenschke: Wegen Bilanzverschleierung und Untreue zu 9 Monaten Gesäugnis und 2000 Mk. Geldstrafen. Beide Strafen sind durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten. Im übrigen werden die Angeklagten freigesprochen. An Stelle der erkannten Geldstrafen trin im Nichizahlungsfalle für je 15 Mt. ein Tag Gefängnis, die Ersatz=Gefängnisstrafe darf aber höchstens ein Jahr betragen. Die Kosten werden in den Fällen, in denen Freisprechung erfolgte, der Staatskasse, in den Fällen, in denen Verurtellung erfolgle, den Angeklagten auferlegt. — Hannover, 16. Juli. Ein Hypotheken=Ausfall von 220000 Mt. erfolgte bei der Zwangsversteigerung des Passage=Grundstücks Georgsstraße 9. Inhaber des Grundstücks war die Passage=Gesellschaft, G. m. b. H. Das Gebäude hat eine Grundfläche von 9 ar 58 qm mit einem Nutzungswert von 26000 Mt. Die Forderungen nebst Kosten und rückständigen Ziusen beirugen 822 237 Mt. Auf dem Grundstück ruht eine erste Hypothek mit 580000 M., eine zweite mit 220000 Mark. Letziere ist das Platzgeld für das Grundstück. Das Höchstgebot von 595 224,64 Mk. gab Kaufmann Wilh. Lorentzen für ein Konsorttum von sechs Herren ab. Die zweite Hypothek, die den Gasfky'schen Erben gehört, siel damit vollständig aus. — Seesen, 15. Juli. Heute nachmittag 2 Uhr fand eine Generalversammlung der Zuckerfabrik Seesen Aktiengesellschaft stalt, die sehr stark besucht war. Es wurde eine Unterbilanz von 95000 Mt. festgestellt, welche durch eine verfehlte Zuckerspekulation des Vorstandes entstanden ist, der Zucker in Hamburg kauste, woran die Gesellschaft 84 000 Mk. verlor; 11000 Mt. wurden im regelmäßigen Betriebe zugesetzt. Die Generalversammlung lehnte die Decharge für den Vorstand und Aussichtsral ab und wählle eine Kommision mit fünf Mitgliedern, unter Vorsitz des Justizrats Semmler (Brannschweig), welche die Unterbilanz und die Regreßansprüche prüfen soll. Mitte Dezember soll eine Generalversammlung stattfinden, in der die Revisions=Kommission Bericht erstatten soll. — Konstanz, 14. Juli. Der Luftschiffer Oswald Lische aus Dresden, der gestern hier aufgestiegen war, siel bei Meersburg mit seinem Ballon ins Wasser, wurde aber samt seinem Gefährten, einem hiesigen Bürger, vom König von Württemberg, der gerade mit einem Motorboot in der Nähe war, aus dem Wasser gezogen. Erst als man dem Retter ein„Trinkgeld“ für die geleistete Hilfe aubieten wollte, wurde bekannt, wer dieser war. — New=York, 17. Juli. In North=Dakota ist ein gewaltiger Tornaoo zum Ausbruch gekommen, der schweren Schaden anrichtete. Ein noch unkontrollierbares Gerücht besagt, der Sturm habe 3 Städte zerstört. — New=York, 16. Juli. In zwei großen Pulverbehältern der Datly Westmine bei Park City in Ulah ereignele sich eine heftige Explosion. Zur Zeit des Unglücks waren 150 Mann in der Grube beschäftigt. 27 Leichen und 21 Schwerverletzte sind bereits herausgeschafft. Man fürchtet, der Brand werde sich auch auf die Ontario=Gruben ausdehnen, worin 100 Arbeiter beschäftigt sind. —[Die bekannte Zugführertasche, das Erkennungszeichen des zugführenden Beamten bei den zur Personenbeförderung dienenden Zügen, soll unn auch bei der Staatseisenbahn verschwinden. An deren Stelle tritt ein roter, breiter Lederrlemen mit Schnalle und Signalpfeise, welcher gleich der bisherigen Tasche über Schulter und Brust getragen wird. Mehrere zugführende Beamte sieht man seil einiger Zeit bereits mit dem neuen Erkennungszeichen ausgerüstet. —[Ehrlichkeit eines Diebes.] Vor dreißig Jahren kam, so erzählt die„Verkehrs=Zig.“, dem Briefträger P. in C. ein ihm zur Bestellung übergebener Geldbrief mit einer Wertangabe von 500 Thalern fort. Da durch die vorgenommenen Erhebungen der Verbleib der Sendung nicht nachgewiesen werden konnte, so mußte P. die Dienstschuld anerkennen und sie durch monatliche Teilzahlungen tilgen. Nachdem auf diese Weise bis zum Jahre 1877 etwa 760 M. abbezahlt worden waren, wurde ihm der Restbetrag im Gnadenwege erlassen. P. ist inzwischen in den Ruhestand getreten und hochbetagt. Ende Juni ging nun ein bei der Postagentur in Hattingen (Bezirk Konstanz) aufgegebener Geldbrief mit einer Wertangabe von 3350 M. bei der Oberpostdirektion in C. ein, der außer der auf dem Umschlage vermerkten Summe Geldes die Angabe enthielt, daß der Betrag die Entschädigung für den seiner Zeit dem P. entwendeten Geldbrief sein sollte. P. erhält dadurch nicht nur seine geleisteten Abzahlungen nebst Zinsen zurück, er wird auch für den seiner Zeit erlittenen Kummer und Gram einigermaßen wieder entschädigt, denn nach der„Verkehrs=Zig.“ sind ihm 1675 M. ausbezahlt worden. Der Absender des Geldbrieses soll unmittelbar nach Auflieferung der Sendung mit der Eisenbahn in der Richtung nach Basel abgereist sein. Märkte. Montag, 21. Juli. Detmold, Kram= und Biehmarkt. Dienstag, 22. Juli. Bielefeld, Viehmarkt.— Lübbecke Viehmarkt. Mittwoch, 25. Juli. Enger, Kram= und Viehmarkt. Donnerstag, 24. Juli. Halle, Viehmarkt. Freitag, 25. Juli. Herford, Vieh=, Schaf= und Hammelmarkt.— Mastholte, Kram= und Viehmarkt. Sonntag, 27. Juli. Paderborn(8 Tage) Krammarkt.