Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnubend. Bierteljährlich 1 Mark mu Botenlohn, durch die Pos 1 Mart 25 Pl. mätzigung. Druck und Verlag von Judw. Röttmann, Getersloß. A 75 ernsprech=Auschluß Nr. 37. Sonntag, den 22. Juni 1902. Anzeigenpreis: Grundschriftzeile oder deren Ra# 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung 25% Ermät Anpreisungen 25 Pf. Geschäftsstelle: Gütersloh, Kökerstraße 314/15. Für die Schriftleitung verantwortlich Nr. Plöttmann, Süterofeg. Zonntagsblatt. Postzeitungsliste Nr. 3276. 19, Erstes Blatt. König Albert von Sachsen+. König Albert von Sachsen der letzte der großen Männer aus großer Zeit, der letzte Generaljeldmarschall und Heerführer des Krieges von 1870/71 ist unn auch dahingegangen. Am Donnerstag abend hat ihn in der Einsamseit des Schlosses von Sybillenort, ein sanfter Tod von seinem schmerzhaften Leiden erlöst. Mit König Albert ist, eine der sympathischsten Gestalten aus dem Kreise der deutschen Fürsten geschieden der bei Hoch und Niedrig sich gleicher Verehrung und Liebe erfreute, und das ebenso infolge seiner großen persöniichen Liebenswürdigkeit und Leutsellgkeit, wie infolge seiner unvergänglichen, der Geschichte angehörenden Verdienste um Sachsen wie um das ganze deutsche Reich im Krieg und im Frieden. Sein weiser Rat wurde allenthalben gern gehört und befolgt. Als besonders maßgebende Autorität galt er in allen milltärischen Fragen nie hatte er infolge seiner großen Liebe zum Heer ganz besonders studiert und widmete ihnen seine unausgesetzte Aufmerksamkeit und Sorgfalt. Kurz und gut, König Albert war ein Fürst, gleich ausgezeichnet als Herrscher als Soldat und als Meusch. König Albert wurde am 23. April 1828 als Sohn des damaligen Prinzen und späteren Königs Johann in Dresden geboren. Seine Mutter war die Schwester des damaligen Königs von Bayern. Der junge Prinz genoß eine außerordentlich sorgfältige Erziehung, doch wandten sich seine Reigungen vorwiegend der militärischen Laufbahn zu, die er mit 15½ Jahren begann, indem er als Leutnant beim Lelbinfanterle=Regiment eintrat. Seine ersten Waffenthaten verrichtete er 1849 im Feldzuge gegen Dänemark, wo er bei Düppel die Feuertause erhielt. Schon damals sagte ihm kein Geringerer, als Graf Moltke eine glänzende milltärische Laufbahn voraus. In der darauffolgenden langen Friedenszen durchlief der Prinz schnell alle milttärischen Rangstufen, ohne jedoch bei seiner angestrengten milltärischen Thätigkeit die Vorberettung auf seinen staatsmännischen Beruf zu versäumen. Im Jahre 1853 vermähtte er sich mit der Prinzessin Karoline von Holstein=Gottorp=Wasa, mit der er in außerordentlich glücklicher, wenn auch emderloser Ehe gelebt hat. Als der Krieg von 1866 ausbrach wurde der unterdes Kronprinz gewordene Albert Komman= dank der mobilen sächsischen Armee. Es ist bekannt, mit welcher Umsicht und Tapserkeit er sie geführt hat, und daß er der preußischen Armee mehr als irgend ein anderer zu schaffen gemacht hat. Der Krieg von 1870 zeigte ihn auf der Höhe seines militärischen und strategischen Ruhmes. Krouprinz Albert führte sein Armeekorps in das Feld und wurde nach dem glänzenden Siege bei Gravelotte zum Kommandeur der Maas=Armee ernannt. Mit dieser schlug er am 30. August die Franzosen bei Beaumont und besiegelte damit das Schicksal Napoleons und seiner Armee, die in Sedan eingeschlossen und dort zur Kapitulation gezwungen wurde Auch bei der Belagerung von Paris entwickelte er eine umfassende und erfolgreiche Thätigkeit und wurde nach der Uebergabe von Paris mit der Führung aller deutschen Streitkräfte vor Paris beauftragt. Außer vielen anderen glänzenden Auszeichnungen wurde ihm das eiserne Krenz zweiter und erster Klasse und das Großtreuz des eisernen Kreuzes als Anerkennung für seine glänzenden Wassenthaten verllehen. Am 11. Juni 1871, wo er an der Spitze der sächsischen Truppen in Dresden einzog, erhlelt er die Ernennung zum Generalfeldmarschall. Als er am 28. Ottober 1873 den sächsischen Thron bestieg, legte er seine militärischen Kommandos nieder und behlelt nur seine Chefsstellen, doch hal er in seinem Interesse und in seiner Fürsorge für die Armee niemals nachgelassen. Und doch waren seine Interessen nichts wentger als einseitg, sie wandten sich nicht minder der Förderung von Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft zu. Seinem Volke ist König Albert immer ein gütiger und gerechter Landesvaler gewesen und er brachte allen öffentlichen Angelegenheiten lebhafte Teilnahme entgegen, wenn er auch in der inneren Politik stets eine wohlabgewogene Zurkckhaltung an den Tag gelegt hat. Sowohl in der Geschichte, wie im Herzen des deutschen Volkes hat der dahingegangene Fürst sich ein Denkmal gesichert, das dauernder sein wird, wie diejenigen, die man dem König aus Erz errichten wird. Die Thronfolge in Suchsen geht, da König Albert keine Leibeserben hinterlassen hat, auf seinen Bruder, den am 8. August 1832 geborenen Prinzen Georg über, der sich am 11. Mai 1859 mit Donna Maria Anna, Insantin von Portugal, vermählle, die bereits am 5. Februar 1884 verstorben ist. Prinz Georg, der Bruder des Königs Albert ist Freitag Vormittag zum verfassungsmäßigen König durch das Staatsministerium proklamiert worden. Das Ministerium hat gleich darauf dem neuen König den Eid geleistet.— Die Eröffnung des Testaments König Alberts sand heute Mittag durch den Mintster des königlichen Hauses statt. Die Beisetzung König Alberts wird am Montag in Dresden erfolgen. Die meisten der deutschen Bundesfürsten, voran Kaiser Wilhelm, werden dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen, ebenso wird eine Abordnung aller Regimenter eintreffen, zu welchen König Albert in näheren Beziehungen gestanden hat. Die Mitglieder der beiden Häuser der Ständeversammlung sind telegraphisch aufgefordert worden, sich am Sonnabend Abend an der Ueberführung der Leiche vom Hauptbahnhofe nach der Hofkirche zu beteiligen. Deutsches Reich. Das Kaiserpaar wird sich am Montag nach Dresden zu den Beisetzungsfelerlichkeiten begeben. Der Kaiser leß Freitag morgen telegraphisch verordnen, daß die Schiffe der kaiserlichen Marine aus Anlaß des Ablebens des Königs Albert von Sachsen die Flaggen auf Halbstock setzen und mittags 12 Uhr einen Trauersalut abzufeuern. Das Offizierkorps des Panzerschiffes„Sachsen" hat außerdem in ähnlicher Weise Trauer anzulegen, wie die Offiziere der Landregimenter, deren Chef König Albert war. Eine Sonderausgabe des„Acmee=Verordn.=Blattes“ ordnet für den verstorbenen König von Sachsen eine Armeetrauer von 14 Tagen an, bei den 2. GardeUlanen und den 10. Dragonern währt die Trauer drei Wochen. Anläßlich des Todes des Könlas Alberi von in Berlin auf Befehl des Kaisers sämtliche königlichen und Staatsgebäude halbmast geslaggt Reichstagsgebändes wehl die Der„Reichsanzelger" widmet Könia Albert in welchem es unter anderem heißt: „König Albert gehört für immer zu den heroischen Gestalten, die am Eingang der durch ihr Wirken heraufgeührten neuen Epoche des deutschen Lebens stehen. Ebenbürtig den berühmtesten Führern des großen Krieges etiss#mncge Generalfeldmarschalt seinen Namen mit Erfolgen verknüpst, die zu den schönsten Wassenhaten des einigen Deutschlands gehören. Nicht minder Fmnben als weiser, gerechter Landesherr sein secn Biie und. r sein Alter. und allen Patrioten galt es als eine liebgewordene Vorstellung, daß diesem ehrwürdigen Könige die gleiche Lebensdauer beschieden sein möchte, wie seinem Waffenbruder, Kaiser Wilhelm dem Großen. Bewegten Herzens trauert Seine Majestät der Kaiser und König um seinen väterlichen Freund, die Nation um einen #und Könla, indem sich grone Erinerungen ihrer Geschichte verkörperten.“ Neue Bestimmungen über die Kapstulatior der Mannschaften sind vom Kaiser erlassen. Gleichzeitig st angeordnet worden, daß, wenn ein bestrafter Kapttnant im attiven Dieust vier Jahre hindurch so gee## 6# weder gerichtlich mit Freihellstrase diszipliarisch mit Arrest bestraft ist, alle vor dieser Zeit erlittenen Diszipliarstrafen gelöscht sind. Als Kaulanten dürsen nur solche Mannschaften angenommen uc ermarien n erbfolgegesetz für Lippe=Detmold, das die dortige Regierung dem„Fränk. Kur.“ zufolge ge... ha., erkennt die Erbsolge der gräflich Biesterseldschen Linie zu und schließt dadurch die Lippe=Schaum= burgischen Linie von der Thronfolge aus. Das Erbolgegesetz soll dem Landtage sofort nach dem Wiederzusammentritt zugehen. der Betrügerelen des lürzlich verstorbenen Pastors Disselhof in Trebbin hat das königl. Konsl= Gexsumue Ter#in scharfe Bestimmungen an die Klrchenbehörden über die Handhabung und Beaussichtigung der Kassengeschäfte der kirchlichen Gemeinden erlassen Nachelnander sind verschiedene Verfügungen in dieser Angelegenhelt ergangen. Insbesondere ist die gewissenhafte und sachgemäße häufige Durchsicht der kirchlichen Vermögensbestände den kirchlichen Organen einer jeden Gemeinde zur strengen Pflicht gemacht; die dazu berufenen Mitglieder der kirchlichen Körperschaften sind darauf hingewiesen worden, daß sie für jeden Schaden, der auf eine Unterlassung ihrer Kontrollpflicht zurückgeführt werden kann, mit ihrem Vermögen haftbar gemacht werden. Vorgänge wie die in Trebbin sollen fortan unmöglich gemacht werden. England. Die Ernennung Milners zum Gouverneur in Transvaal ist in Südafrika pobliziert worden. Im englischen Unterhause erklärte Chamberlain, die Entschädigung für die während des Einfalles der Buren in Natal und in der Kapkolonie entstandenen Verluste werde von den für Transvaal bestimmten Geldern aus der ersten Anleihe gedeckt werden. Die Höhe der für Natal und die Kapkolonie zu gewährenden Entschädigung werde auf über zwei Millionen Pfund Sterling geschätzt. Die halbamtlichen Blätter sind ermächtigt, die Gerüchte von einer Veräußerung oder Verpachtung irgend eines eines Telles der Provinz Mozambiqne seitens Portugals an England mit Entschiedenheit für unrichtig zu erklären Von der Düsseldorfer Ausstellung. Die Ausstellungsleitung macht folgendes Telegramm bekannt: Wegen Ablebens des Königs von Sachsen müssen der Kaiser und König zu Allerhöchst ihrem Bedauern den Besuch der Düsseldorfer Ausstellung für jetzt aufgegeben, hoffen aber, ihn im Laufe des August d. Is. zur Ausführung bringen zu können. Eulenburg. Elwa 100 Mitglieder des Imernationalen WohnungsKongresses und des Internationalen ArbetterversicherungsKongresses unternahmen gestern von Düsseldorf aus die programmmäßig vorgesehene Fahrt zur Besichtigung der Wohlfahrtseinrichtungen der Firma Fried. Krupp. Die Mitglieder des Direktoriums der Firma Landrat Roeiger und Finanzral Klüpfel, empfingen die Gäste, die in drei Gruppen geteilt, sodann die Arbeiterkolonieen und die anderen Wohlfahrtseinrichtungen unter sachkundiger Führung einer eingehenden Besichtigung unterzogen und wiederholt ihrer Bewunderung über die vorzüglichen Einrichtungen lebhaften Ausdruck gaben. Bei einem den Teilnehmern von der Firma dargebolenen Imbiß begrüßte Landrat Roeiger die Teilnehmer. Geheimrat Boediker sprach namens der beiderseitigen Kongreßtellnehmer den Dank für den überaus freundlichen Empfang aus und hob die Verdienste der Firma Krupp hervor, deren Vorgehen wesentlich zur Inauguration der den Arbeitern günstigen sozialpolitischen Gesetze beigetragen habe. Ein Dausestelegramm an Geheimrat Krupp gab diesen mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Worten besonderen Ausdruck. Der Besuch der Ausstellung ist in beständiger Zunahme begrissen und wird, wenn das Wetter anhält wohl noch bedemend wachsen. Am Mittwoch wurde die Ausstellung von 22 856 zahlenden Personen und elwa 10 300 Abonnenten besucht. Kuliusminister Dr. Sindt weille vormittags, begleitet von Prof. Fritz Noeber, mehrere Stunden lang im Kunstpalast. Immer mehr bricht sich die Erkenuints Bahn, daß ein reichhaltigeres Bild deutscher Arbeit und deutschen Fleißes bisher nirgenswo gezeigt worden ist.— Der deutsche Kommissar für die geplante Weltausstellung in St. Louis, Josef Brucker, ist zur Besichtigung der hiesigen Ausstellung eingetrossen. Prieg in Vorkum. Nachstehende Schilderung eines Seegefechts bei Vorkun erhalten wir soeben von einem daselbst z. Al. wellender Leser unserer Zettung. Wir sind überzeugt, daß diese aus führliche Beschreibung allgemein interessieren wird. 1 Borkum, den 20. Juni 1902. Manöver finden in Preußen und Deutschland steis besonderes Interesse aus allen Bevölkerungskreisen und wer nur Gelegenhelt und Zeit hal, versäumt nicht die Uebungen anzusehen, in denen unsere Vaterlandsverteidiger für den Ernst eines Krieges geschult werden. Ganz besonders interessante kriegerische Bilder wurden in diesen Tagen den Einwohnern und Besuchern der Insel Vorlum geboten; die Darstellung eines Angriffs auf diese Insel ausgeführt durch eine starte feindliche Flotte und die Verieidigung durch Truppen aller Wassengattungen, die zu diesem Zwecke vom Festlande auf die Insel geworfen waren. Regstes Leben herrschte vom 15. Juni ab zwischen Emden und der Insel, riesige Transport=Kähne, sonst der friedlichen Beförderung von Getreide 2c. dienend, wurden beladen mit schweren oder leichten Geschützen und Kriegsmaterial, mit Pferden und vielen Soldaten, durch kräftige Schleppdampfer aus der Emsmündung heraus nach Borkum befördert, außerdem waren die meisten Personendampfer der Emden und Leerer=Schiffahrt=Gesellschaft zum Truppentransport herangezogen. Drei kriegsstarke Insanterie=Bataillone aus Emden und Aurich, eine friegsstarke Kompagnie des Garde=Fußartillerie=Regiments in Spandau, eine Kompagnie des Pionier=Bataillons Nr. 10 in Minden, eine Abteilung des 62. FeldartillerteRegiments in Oldenburg und ein Kommando Oldenburger Dragoner, im Ganzen 3—4000 Mann besetzten die Insel. Sogleich nach ihrem Eintressen am 10. Juni begannen die Artilleristen und Pioniere mit dem Bau von Batterien für die aus Magdeburg herangeschafften Festungsgeschütze; mühsame Arbeit war es, das schwere Material über die haltlosen Sandwege in die Dünen zu schassen, und waren auch die Deckungen schon vorhanden durch die Dünen selbst, so mußte doch die Stellung für jedes Geschütz durch schwere Balken ausgebaut werden, um einen sicheren Stand zum Feuern zu erhalten. Am 17. Juni waren alle Truppen angekommen und alle Vorrichtungen zur Verteidigung der Insel getroffen, die Insel von allen wichtigen Punkten nach dem Zentrum im Dorf Vorkum durch Telephon verbunden, alle höher gelegenen Punkte, besonders die Leuchttürme durch Beobachtungsposten besetzt und die Insel glich einem großen Heerlager; drohend richteten die schweren Geschütze aus zwei Vatterten am Südstrard und Oststrand ihre Mündungen auf das Meer; nur diese Stellen sind von der See aus für schwere Schisse zugänglich, die ganze Insel ist sonst durch vorliegende Sandhänke gegen Angriffe zur See geschützt. In großer Anzahl trafen höhere Offiziere ein, Gerale und Admirale, alle begleitet von ihren General= stabs-Offizieren dazu besondere Vertreter des Kriegsministeriums, und als Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Leopold von Preußen. Vom 18. Juni mittags ab galt für die Insel der Kriegszustand und von da ab mußte jederzeit ein Angriff der seindlichen Flotte erwartet werden. Diese bestand aus den Linienschiffen Baden und Württemberg, dem Krenzer Ziethen und dem Siationsschiff Bremse, dazu war noch ein Privatdampfer gemielet, der ebenfalls als Panzerschiff zu beirachten war, und es wurde angenommen, daß jedes Panzerschiff von zwei großen Transportdampfern mit Landungsmannschaften begleiter sei. Alles war auf das äußerste gespanmt, als am Abend des 18. Juni am Südweststrand ein seindliches Schiff gemeldet wurde, dasselbe kam in der Dunkelheit bis auf ca. 5000 Meter heran und untersuchte mu seinem Scheinwerfer das Fahrwasser und auf und abfahrend den ganzen Strand, aber dabei blieb es, zu einem nächtlichen Angriff, auf den mancher sich eingerichtet hatte, kam es nicht, und die in Bivonaks untergebrachten Truppen konnten ruhig schlafen bis auf die Feldwachen und Beobachtungsposten; nochmals um 3 Uhr in der Frühe des 15. näherten sich seindliche Schisse der Insel, um vann mit Beginn der Fluizeil gegen 8 Uhr vormillags plötzlich gegen den Südweststrand vorzubrechen. Ein unheimlicher Anblick war es, als die Kolosse langsam den Strand entlang fuhren, einzelne Schüsse abgebend, die mir ihrem dumpsen Donner die Lust weit erzittern ließen; aber es war nur ein Scheinangriff, so schnell wie sie gekommen, verschwanden die unheimlichen Gesellen auch wieder und nun wußle man, daß der erste scharfe Angriff dem Oststrand gelten würde. Der Oststrand, ein lang hingezogener Kompler von hohen Dünen, bot in seiner äußersten Spißtze, an der Sternenklippe hinter der Vogel=Kolonie gelegen,(am Morgen des 19. Juni), ein malerisches Bild. In den Thälern lagen die Truppen in Bivonaks mit allen dazu gehörigen Einrichtungen, Zelten, Strohlagen, Kochfeuern 2c. 2c., auf den Höhen nach der See hin standen die Posten und in einer Versenkung stand hier eine überaus starke Batterie, durch mehrere Dünenreihen nach der See hin geschützt und doch imstande den ganzen vorliegenden Strand zu bestreichen. Auf der See lag dicker Dunst, der jede weitere Aussicht verhinderte. Da plötzlich gegen 11 Uhr zeigt sich Rauch in der Ferne, sofort ist alles alarmiert, alles rückt in die Stellungen ein, da sind die Panzer aber schon da, legen sich vor den Strand in ca. 2000 Meter Entfernung und nun gehi eine Kanonade los, bei der einem der Kopf mitbrummte. So schnell wie nur möglich jeuert die Vatterie, drei und vier Ge schütze oft auf einmal, und die Schiffe mit ihren noch viel schweren Kanonen bleiben die Antwort nicht schuldig. Schon begium man auf den Schisfen, zwischen denen Torpedoboote hin= und herschießen, Boote auszusetzen, am Lande fährt die Feldurtillerte auf und feuert auf die ausgejetzten Boote, die Insanterle schwärmt am äußersten Ufer aus, um den Landenden einen warmen Empfang zu bereiten; da scheim es den Schiffen doch ungemütlich zu werden, sie ziehen die Voote wieder ein, noch einige donnernde Abschiedsgrüße und die Kollosse dampfen wieder in die See hinaus. Der Angrisf ist abgeschlagen und Borkum noch einmal gerettel. Nun heißt's, zurück zum Südweststrand, denn dort muß die Entscheldung fallen. Richtig lauchen um 3 Uhr die Panzer an dieser Seite wieder auf und an ihrem energischen Vordringen sieht man schon, daß es bitterer Ernst wird. Bis am 1000 Meter jahren die Panzer an den Strand und legen sich breit, der am kleinen Leuchtturm gelegenen Vatierie gegenüber. Die dann beginnende Kanonade war fürchterlich, eine halbe Stunde lang erschütterte unaufhörlich der schwere Kanonendonner die Luft, dann sah man, wie auf den Panzern die Boote ausgesetzt und mit ganz auffallender Fixigkeit bemannt wurden und dann gab es ein Bild, welches der, der es gesehen hat, nicht wieder vergessen wird. Plötzlich brachen, eine Dampfptnasse voran, dahinter hängend 6 Boote, alle dicht bemannt, mit wehenden Flaggen die Landungsboote hinter jeden Panzer hervor auf den Strand zu, fürchterlich donnerte dazu auf beiden Seiten die Kanonen, dazwischen rasselten die Maschinen=Gewehre von den Schissen. Am Lande war die gesamte Feldartillerie, auch von dem ca. 6 Kilometer entfernten Ostlande, herangezogen und gaben tollstes Schnellfener auf die heranjagenden Boote ab, in dichten Schwärmen hatte die Infanterie den Dünenrand am Ufer besetzt und gab ebenfalls Schnellfener auf die Landungstruppen. Aber nichts mehr hielt diese ab, die Boote ließ man auf den Strand laufen, halb und ganz bekleidete Matrosen, auch ganz nackte waren zu sehen, sprangen heraus und schoben unter Benutzung der Flutwellen die Boote noch höher auf den Strand. Das dauerte aber den stürmenden Mannschaften zu lange, die Gewehre und Patronentaschen hoch, sprang alles, stellenweise bis an den Leib ins Wasser und mit Hurrahgeschrei ging es stürmend gegen die Ufer hinau. Der Angreifer war nach der Annahme, stärker als der Verteidiger, die Verteidigungsstellung war durch das Bombardement der schweren Schiffsgeschütze bombardiert, bei der dann folgenden Kritik wurde angenommen, daß Borkum genommen sei. Das konnte natürlich nur unsern braven Blanjacken gelingen und unsern Seesoldaten, von denen das ganze Wilhelmshavener See=Vataillon mit auf den Schisse; war und die ebenso tapfer durchs Wasser stürmten, wie die mit geradezu affenartiger Geschwindigkeit heranstürmenden Blaujacken.— Man scheint aber in leitenden Kreisen sich doch mehr auf den Schutz Vorkums und des dahinter liegenden Emdener Seehafens einrichten zu wollen; die Festungsgeschütze bleiben in Vorkum und nach allem, was aus den Gesprächen der hohen Offiziere durchsickert, besteht auch die Absicht, zwei feste Vatterien auf Borkum anzcg Aus Get und Provinz. Allgemein intereisterende Nachrichten aus der Stadt und deren Umgebung werden gern entgegen genommen und entstehende Auslagen von uns vergület. ( Gütersloh, 21. Juni. Monatsversammlung.] Der Verein für Geflügelzucht und Tierschutz hielt gestern Abend eine gut besuchte Monatsversammlung ab. Zunächst wurden verschiedene Eingänge betreffend Berichte über Verbandslage u. s. w. bekannt gegeben. Herr Hepke empfahl als bestes und billigstes Mittel gegen Kaltbeine bei Hühnern die Anwendung von Karvoineum. Alsdann erfolgte die Aufnahme von 10 neuen Mitgliedern, die sich gelegentlich des letzten Vortrages über ländliche Geflügelzucht, angemeldet hatten. Eine lebhafte Debatte rief die Besprechung über eine in diesem Herbst evenmell abzuhaltende Lokal=Junggeflügel=Ausstellug hervor. Dieselbe wurrde bei der Abstimmung mit geringer Mehrheit abgelehnt. Man befürchtete, daß die Kosten infolge der neuen ministeriellen Vorschriften über Ausstellungen, zu hoch werden würden, und auch weil im nächsten Jahre eine Verbands=Junggeflügel=Ausstellung hierselbst staufinden wird. Mit einer neuen, jedenfalls sehr anregenden Einrichtung, wurde in gestriger Sitzung der Anfang gemacht, es soll nämlich in jeder Versammlung 1 Stamm Rassegeflügel vorgeführt werden. Diesmal war ein Stamm gelber Orpingtons, welcher das Imeresse aller Anwesenden in hohem Maße in Anspruch nahm. Zum Schluß sand eine Verlosung von Bruteiern, Trinkgefäßen und sonstigen Gegenständen stalt Gütersloh, 21. Juni.[Stifrungsfest. Der Turn=Verein begeht morgen sein 23. Stiftungsfest. Wer in den letzten Wochen den Turnstunden beiwohnte, der hat wohl die Ueberzeugung bekommen, daß im hiesigen Turnverein im Rahmen straffer Schulzucht die per schiedensten Leibesübungen gepflegt werden, Uebungen, die von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit für die Wehrkraft unseres Volkes sowohl als auch in erziehlicher Wirkung sind. Und wenn nun der Verein morgen einem größeren Kreise zeigen will, was er im Laufe des letzten Jahres erstrebt hat, so sollen herbei die turnerischen Uebungen und Vorführungen dem Feste einen wertvollen Inhalt geben. Daher giebt sich auch der Turn=Verein der angenehmen Hoffnung hin, daß ihm die Bürgerschaft durch einen zahlreichen Besuch das Interesse an der edlen Turnerei bezeugt. Ein Früh= und ein Nachmittagskonzert der hier rühmlichst bekannten Kavelle des wests. Jägerbataillons, deren schön gewählte Programme bereits in dieser Zig veröffentlicht worden sind, und Vorträge des Turner=GesangVereins sind vorgesehen. Wenn nun auch, was man nur wünschen kann, das Wetter sich günstig gestaltet, so dürste den Freunden der Turnsache ein schönes Fest bevorstehen. Gütersloh, 21. Juni.[Konzert.] Das erste Abonnementskonzert des Bielefelder städt. Orchesters findet Dienstag, 24. Juni. im Gaiten des Hotel Barley statt. Oßgreich die Zahl der Abonnenten noch nicht ganz die Höhe der vorigen Jahre erreicht, hat sich Herr Musildirektor Ochs doch dazu entschlossen, die Konzerte abzuhalten. Selbstverständlich werden auch jetzt noch Abonnements hierfür im Holel Barkey entgegengenommen.— Einzelkarten sind an der Kasse zu haben. * Gütersloh, 21. Juni.[Wohnungsangabe anf Reisegebäck.] Die im Auslande von den Reisenden fast ausnahmslos beobachtete Vorsichtsmaßregel, das der Eisenbahn zur Beförderung zu übergebende Relsegepäck mit genauer Angabe des Reiseziels, d. h. mit dem Namen der Bestimmungsstation und des Empfängers, sowie mit dessen Wohnung zu versehen, wirt in Deutsch= land wenig geübt. Es kann aber diese Maßnahme dem Reisenden— besonders bei der jetzt beginnenden lebhaften Reisezeit— nicht dringend genug empfohlen werden, wenn er sich die richtige und pünktliche Ankunft des Gepäcks auf der Zielstation sichern will. Ohne solche Aufschrift bietet die von der Eisenbahn angebrachte Bezeltelung den einzigen Anhalt für die Beförderung des Gepäcks. Es kommt aber zuweilen vor, daß diese Zettel verwechselt werden oder unterwegs verloren gehen; wer einmal zur Sommerzeit den gewaltigen Gepäckverkehr auf einer größeren Bahnstation beobachtet hat, wied sich über solche Vorkommnisse nicht wundern. Die geringe Mühe der Anbringung der Adresse an den einzeln Gepäckstücken steht aber in keinem Verhältnis zu den Unannehmlichkeiten und dem Verdruß, welche dem Reisenden bei nicht rechtzeitiger Ankunft seines Gepäcks erwachsen. * Gütersloh, 21. Juni.[Die geplante Regelung des Feuerwehrwesens) durch die Provinz wird nicht in Kraft treten; auf dem westfälischen Feuerwehrtage in Schwelm tellte nämlich settens der Regierung Assessor Tull mit, diese Regelung müsse unterbleiben, weil das Kammergericht entschieden habe, daß die Pflichten und Verhältnisse der freiwilligen Feuerwehren nicht durch Polizelverordnungen, sondern durch Gesetz zu regeln seien. Es wird also dem Landtage ein entsprechendes Gesetz vorgelegt werden müssen, welches hoffentlich nicht zu lange auf sich warten läßt. 0 Gütersloh, 21. Juni.[Thermometer= und Barometerstand] von der vergangenen Woche: Amt Gütersloh, 20 Juni.[General= versammlung.] Am Mittwoch abend wurde im Vereinshause zu Gütersloh die diesjährige Generalversammlung des Amt Gütersloher Spar= und Darlehns= kassen=Vereins, e. Gen. m. u. H. abgehalten. Die Versammlung wurde von dem Vereinsvorsitzenden Herrn Fislake eröffnet und geleitet. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende mit ehrenden Worten des durch Tod ausgeschiedenen Aussichtsratsmitgliedes Roion Welpmann, die Versammlung ehrte das Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen. Darauf wurde die Tagesordnung in folgender Weise erledigt: Der Vorsitzende erhattete den Jahresbericht über das abgelaufene Jahr 1001 und berichtete über den gegenwärtigen Stand und den Geschäftsgang in den verflossenen 5 Monaten d. Is. Darauf erläuterte der Rendant Herr Lehrer Goebel die Ergebnisse der Rechnung und Bilanz pro 1901. Darnach betrug die Einnahme Mk. 289 485,07, die Ausgabe Mk. 272 705,58. Der Reingewinn Mk. 1763,02, der Reservefond aus den früheren Jahren beträgt Mt. 17 647,89. Der Verein besaß am 31. Dezember 1901 ein Vermögen von Mt. 19410,91. Der stellvertrelende Vorsitzende des Aufsichtsrates Herr Kolon Kletmann berichtete über die vom Vorstande und Aussichtsrate vorgenommenen Revisionen. Die Buchund Geschäftsführung habe sich in vorschriftsmäßiger Verfassung, die Kasse sowie die Wertdokumente in bester Ordnung befunden, und die Kassenabschlüsse haben gestimmt. Lant Revisionsprotokoll hat auch der Revisor Böhm aus Münster, der die Kasse einer mehrtägigen Nevision unterzogen hat, die Kasse in bester Ordnung befunden. Darauf wurde die Richtigsprechung der Bilanz und die Entlastung des Rendanten einstimmig angenommen. Bei der nun, auf Antrag per Akklamation vorgenommenen Wahl wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder einstimmig wiedergewählt und zwar Herr H. Fislake als Vereinsvorsteher, Herr Hermann Diestelkamp als Stellvertreter desselben und Herr Kolon Epke als Beisitzer. Die ausscheidenden Aussichtsratsmitglieder die Herren Karl Strothotte und Heinrich Helling wurden ebenfalls einstimmig wiedergewählt, und an Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Kolons Welpmann wurde Herr Kolon L. Fislake genanm Krümpelmann in Blankenhagen ge wählt. Das Betriebskapital wurde, da bereits die festgesetzte Höhe von 750000 Mark erreicht ist, auf 1 Million Ml. erhöht. Zum Schluß hielt der Rendam noch einen inneressanten Vortrag über die Pflichten der Mitglieder dem Darlehnskassen=Verein gegenüber. Möge das Institut, das bisher für unser Amt so segensreich gewirkt hat, sich auch ferner in der bisherigen Weise entwickeln. §§ Harsewinkel, 21. Jumi.(Jagdverpachtung.) Donnerstag den 10. Juli wird im Gasthof Niedick die Zagd unseres Kirchspiels il 5 Bezirken auf 6 Jahre verpachtet werden. * P e t e r s h a g e n, 1 8. J u n i.[ Z w e i t e L e h r e r prufung.] Das Ergebnis der 2. Lehrerprüfung, welche heute beendet ist, ist ein recht günstiges zu nennen. Von 30 Lehrern haben 28 die Prüfung bestanden. Hagen, 19. Juni.[Trichinen] fand der Fleischbeschauer Ernst Bickenbach in dem Fleisch eeines auf dem hiesigen Schlachthofe geschlachteten Schweines in ziemlich zahlreicher Menge. Das Fleisch des Tieres wurde vernichtet. “ S n h a n f u b u r g. 1 8. J u n i.[ M i t d e n V o r arbeiten] für die am 30. Juni stattfindende Einweihungsfeter ist man hier mit sehr vielen Arbeitern beschäftigt. Die links vom Denkmal aufgestellte Zuschauer tribüne soll über 300 Personen fassen. Auf ein Teil der von Westhofen nach Hohensyburg führenden Straße, welche der Kronprinz passiert, wird deswegen neuer Belag gelegt. In der Näbe des Bahnhofes Westhofen, auf dem der Kronprinz zwischen 12 und 1 Uhr mittags eintreffen wird, werden in nächster Woche große Ehrenpforten errichtet werden. * Gelsenkirchen, 19. Juni.[Die Stadlverordnetenversammlung) beschloß mit allen gegen eine Stimme den Ausbau der Rektoratschule zu einem Gymnasium mit angegliedertem Realschulkursus zum 1. April 1903. Die Anstalt erhält einen paritätischen Charakter. — Mev. 20. Juni. Der kommandierende General des 16. Armeekorps, Generaloberst Graf Häseler ist heute morgen auf dem Exerzierplatze von Frescaty mit dem Pferde gestürzt und hat einen einfachen Bruch des linken Unterschenkels erlitten. — Brunsbüttelkoog, 20. Juni. Die Kaiseryacht„Meteor“ ist heute früh 5 Uhr im Schlepptan eines Torpedoboots von Southampton aus hier eingetroffen. —[Der Burenführer Deweis hat, wie aus Amsterdam gemeldet wird, den Bewohnern von Schierstein(Bez. Wiesbaden), wo ein Denkmal für ihn errichtet ist, mitgeteilt, daß er einige Zeit dort zu verweilen gedenke. — Paris, 19. Juni. Die Abfahrt der Tellnehmer an der Tourenfahrt Paris=Wien auf der Place de la Concorde begann heute früh 8 Uhr. Zahlreiche Zuschauer wohnten der Abfahrt bei. Alle Automobile sind mit vielen Reisenden, besonders auch Damen, besetzt. Bis 9 Uhr waren 14 Wagen unter dem Beifall der Menge abgefahren, denen im Laufe des Tages noch zahlreiche andere folgten. —[Unstatthafter Ausschluß.] Ein Mitglied ohne triftigen Grund aus einem Verein auszuschließen, ist nach dem Gesetze nicht statthaft. Dies mußte dieser Tage der Spar= und Bauverein G. m. b. H. in Witten erfahren. Der genannte Verein hatte In seiner letzten Generalversammlung vom 12. April d. J. beschlossen, ein Mitglied angeblich wegen Pflichtverletzung aus dem Vereine auszuschließen. Das betreffende Müglied war sich keiner Pflichtverletzung schuldig und klagte gegen den Verein auf Anerkennung seiner Mitgliedschaft und zwar mit Erfolg. Das Königliche Amtsgericht entsprach dem Antrage des Klägers und verfügte die Anerkennung als Mitglied. Dieses wurde hierdurch in seine vollen Rechte wieder eingesetzt. —[Barnums größler Elefant„Fritz“] mußte in Tours mittels dicker Seile und Kloben erwürgt werden, weil er plötzlich wild wurde und nicht nur das Publikum, sondern auch seine Wärter bedrohte. Er halte schon früher einen Menschen gelötet und mehrere andere verwundel.„Tritz“ war der größte von den sechszehn Elephanten, die Barnum besaß, und soll überhaupt der größte Elephant gewesen sein, der jemals öffentlich gezeigt wurde. Er war 2 Meter 60 Zentimeler hoch und achtzig Jahre alt geworden. Die„Hinrichtung“ des Riesen sand, da die Zirkuszelte bereits abgebrochen waren, auf einem öffentlichen Platze statt, der von Soldaten abgesperrt wurde. Mehrere Male drohte der Elephant sich loszureißen, bis er schließlich mit großer Mühe gefessell werden konnte. Das Skelett des Dickhäuters, der einen Wert von 80000 Mark gehabt haben soll, ist von Barnum dem Museum zu Tours überwiesen worden. Ueueste Nachrichten. Krefeld, den 21. Juni. Die Zeitungen berichten heute früh von einer kleinen unbedeutenden aber scherzhaften Szene aus den Krefelder Kaiserfest, die schneller als wohl von besonders klugen und besonders liefen „Kennern“, der neuen Politik geahnt wurde, politische Wichtigkeit erlangt hat:„Bei seiner Abfahrt fragte Majestät die Ehrenjungfrauen, ob sie auch tüchtig mit jungen Leutnants tanzten. Als ihm gesagt wurde: Wir besitzen hier leider wenig Leutuants," erklärte der Kaiser lächelnd: „Dann muß ich Ihnen einige herschicken," und zum Schluß rief er noch huldvoll:„Ich werde mein Wort einlösen." Jetzt meldet der Draht: Hügel, 21. Juni An den Oberbürgermeister Küper wurde gestern abend von hier aus folgendes Telegramm des Kommandeurs des VII. Armeekorps von Bissing abgesandt:„Auf Befehl des Kaisers und Königs soll Krefeld Garnison erhalten. Ich bitte um baldige Vorschläge über Unterbringung eines Husarenregiments in der Stadt und Schaffung eines Exerzierplatzes in der Umgegend. Es ist bekannt, daß schon seil langem geplant ist, in die Gegend des industriereichen Niederrheins eine neue Garnison zu legen. Es ist natürlich nicht anzunehmen, daß der Kaiser in Wirklichkeit um jenen Krefelder Schönen „Leutnants zum Tanzen" zu besorgen, eine Garnison nach Krefeld verlegt. Die Wahrheit wird vielmehr sein, daß der Kaiser diesen Plan vorher hatte, und indem er jenen Krefelder Damen das vielsagende Leutnantsversprechen abgab, gewissermaßen eine Art von geschicktem dramatischen Conp ausführte. Natürlich werden die Krefelder, sehr erfreut über dieses schöne kaiserliche Geschenk sein. Auszug and dem Zivilstands=Register. a) Stadt Güteroloh. Nachrichten vom 15. bis 21. Juni 1902. Geburten: Sohn: Weber Ludwig Hark. Töchter: Kaufmann Carl Meyer=Schulte.— Barbier Hermann Wagener. Aufgebole Arbeiter Heinrich Ludwig Schmidt hier und Margarethe Hertel in Bielefeld. Eheschließungen: Fabrikarbeiter Wilhelm Dams in Eisen=Altendorf und Charlotte Harbaum hier äl Arbeiter Heinrich Wulff, 40 Jahre alt.— Ehefrau Hanne Charlotte Bütteröwe geb. Kornfeld, 53 Jahre 10 Monate all.— Johanne Katharine Heißmann, 2 Jahre all. b) Amt Gütersloh. Nachrichten vom 15. bis 21. Juni 1902. Geburten: Sohn: Fahrknecht Ludwig Schmedtkord in Sundern. Töchter: Ackerer Friedrich Fissenewert in Blankenhagen. Weber Friedrich Verleger in Nordhorn.— Tischlergesell Marthin Leipert in Sundern. Ausgebote: Maler Otto Camphausen in Nordhorn und Marie Hoffmann in Pavenstädt. Sterbefälle: Ehefrau Charlotte Auguste Dreyer geb. Niewöhner in Nordhorn, 28 Jahre, 9 Monate alt.— Tagelöhner Marthin Gottsleben in Blankenhagen, 61 Jahre 5 Monale alt. Gedenktag. 1866 um 21. Juni. Kriegserklärung Preußens Oesterreich. Garten-Tischdecken, Knabenblousen Kattunkleidchen, Mullblusen. Chr. Kirchliche Nachrichten. Eyangelischer Gottesdienst Sonntag, den 22. Juni. Kollekte für das Brüderhaus Nazareth. Neue Kirche: Morgens ½.10 Uhr: Pastor Meinshausen. Alte Kirche: Morgens ½10 Uhr: Pastor Siebold. Nachmittags 3 Uhr: Pastor Siebold. Kinderlehre. Am Freitag fällt der Gottesdiens aus. Sonnabend, den 28. Juni. Morgens 10 Uhr: Beichte in der neuen Kirche: Pastor Meinshausen. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 22. Juni. 5. Sonntag nach Pfingsten. Morgens 6 Uhr: Frühmesse mit Homilie. Morgens 7½ Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre und Andacht zum hl. Aloysius. Dienstag, den 24. Juni. (H. Johannes d. T.) Morgens ¾47 Uhr: Hochamt für die Anliegen der ganzen Pfarrgemeinde. Feinste Isländ. Matjes=Heringe, feinste marinierte Holl. Vollheringe. W. Küster. Man verlange## S. 0 00 48 C0 Arztlich empfohlen ise auf den Ellkeite Flasche Mk. 2 bis Mk. 5. Cognsc zuckertrei„ 3. Vorzügl. 1. Genesende u. Zuckerkranke. Alleinverkauf: Clemens Müller, Gütersloh, Berlinerstrasse. abnschmerz Zahnwatte“(20% CarvacrolWatte) à Fl. 50 Pfg. nur echt Drogerien Wilh. Heckmann und Ernst Hoflschildt. Westfälisch-Linpische Vereinsbank AlktienGesellschaft in Zielefeld. Vollgezahltes Aktienkapital 5 Millionen Mark. Wir übernehmen Spareinlagen— in provisionsfreier Rechnung — und gewähren auf dieselben je nach Kündigungsdauer bis zu 4% Zinsen. Die Verzinsung geschieht vom Tage der Einzahlung bis zum Tage der Aöhebung. Wir halten uns zur Vermittlung aller in das Bankfach einschlagenden Geschäfte empfohlen. Westfälisch-Lippische Vereinsbank Aktiengesellschaft, Zielefeld. Nur in Paketen mit vollem Firmen=Ausdruck A. 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Blume, st Dach- und Schieferdeckermeister. Verpachtung. Die anderweite Verpachtung der mit dem 15. k. Mts. pachtlos werdenden Gemeindejagden der Gemeinde Harsewinkel Kirchspiel soll am Donneretag, den 10. Juli d. J., vormittags 10 Uhr, im Gasthofe Niedick hierselbst in 5 Bezirken und auf die Dauer von 6 Jahren öffentlich im Wege des Meistgebots stattfinden. Pachtliebhaber werden hierzu eingeladen mit dem Bemerken, daß die Pachtbedingungen im Termine bekannt gegehen, auch inzwischen auf dem Amtsbureau eingesehen werden können. Harsewinkel, den 16. Juni 1902. Der Amtmann. Diepenbrock. Gras=Verkauf. Montag, den 23. Juni, morgens 9 Uhr lassen die Herren A.& W. Niemöller den ersten Grasschnitt in den Wiesen bei der Sundermühle, ferner 26 Stück durch Brand beschädigte Bäume (Eichen, Eschen und Erlen) meistbietend gegen Kredit verkaufen. Eduard Husemann. Gras-Verkauf. Am Montag, den 23. d. Mts., morgens 10 Uhr, verkaufe ich den diesjährigen Graswuchs in der Wortwiese gegen Kredil. F. W. Barkey. Klee- u. Gras-Verkäufe. Montag, den 23. d. Alto., morgens 10 in der Moorwiese und den folgenden Wiesen. Dienetag, den 24. d. Alte., morgene ½11 Uhr, bei der Vogelsang'schen Ziegelei an der St. Viter Chaussee. A. Heinrichs, Wiedenbrück. Mineralwasser alle 14 Tage frische Füllung Badesalz, Mutterlauge Löwendrogerie Hoffschildt. Strümpfe und Socken Beinlängen, Untertaillen, Jäckchen, Höschen Leibbinden, Aermelchen etc. verfertigt aus Wolle, und Bar Qualiich unach die mechanische Strumpf=Steickerei Otte Honcamp Nacht. Och warne hieimit meiner Frau etwan zu borgen, da ich für keine Zahlung auf komme. Fritz Verleger, Maurerhandlanger. 8900 84 Jurn-Verein Gütersloh. Sonntag morgen von ½12—1 Uhr: Frühschoppen-Konzert im Garten des Hotels W. Deichtuss. G Entree 20 Mitglieder frei. Es ladet ergebenst ein 5 Der Festauesschaess. 9989999998888888888998 Gras=Verkauf. Zu Gut Langert in Blankenhagen lassen die Unter zeichneten den ersten Schnitt Gras meistbietend gegen Kredit verkaufen Dienstag, 24. Juni d. in Große und Howe Wiese; Mittwoch. den 25. Juni d. in den Wiesen Mersch, Eusternlamp, und Wischgarten. Aufang jedesmal 9 Ahr morgens. A.& W. Niemöller. Hotel Barkey. I. Abonnements-Konzert des Bielefelder städt. Orchester Königlicher Musikdirektor Ochs. Dienstag, den 24. Juni cr. i Anfang abends 8 Uhr. Einzelkarten an der Kasse. Wrlereleangel sgeleelengelenge Grealmn aangae egelste ege## Gras-Verkauf. Am Montag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr, werde ich 25 Abteilungen Gras meistbietend gegen Kredit verkaufen. Kolon Lienenkamp in Pavenstädt. Künstl. Zähne u. Gebisse Plombleren in Gold, Silber und Emaille Schmerzloses Zahnziehen In der Betäubung. G. Schemmer, Zahntechniker. Reparaturen an künstl. Gebissen werden solort ausgeführl. Gras-Verkauf Am Vonnerotag, den 20. Juni cr., nachmittage 4 Uhr anfangend, soll der I. Schnitt in der großen Wiese, der Langenkamps=, Bleck=, Brunnen= und Lodenwiese ca. 80 Abteilungen meistbietend gegen Kredit verkauft werden. Blaukenhagen, den 21. Juni 1902. Meier Rassfeld. Am Freitag, den 27. Juni, morgens 9 Uhr beginnend, verkaufe ich für Herrn H. Niemöller meistbietend gegen Kredit den diesjährigen Grasschnitt in den Westheermann'schen Wiesen. Eduard Husemann, Auktionater. Verjüngt! erscheinen Alle, die ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfr. Aussehen, weiße, sammetweiche Hant und blendend schönen Telnt. Jed=Dame wasche sich daher mit v. Bergmann& Co., Radebenl=Dresden Schutzmarke: Steckenpferd Stück 50 Pf. bei: B. Daltrop in Gütersloh. F. A. Brann in Rheda. X Visiten## Karten In ginfacher und DS Sertigt schnen u./ Lod w. Plötmanut Steindruckege S Zum Sommeraufenthalt gesucht für zwei Personen zwei einzelne Zimmer(mit Pension nahe der Stadt in ländlicher Gegend. Off. mit Preisangabe an die Geschäftsstelle d. Bl. I. Oliven-Oel Löwendrogerie Hoffschildt. 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Roggenschrot pr. 100 Psd. Ml. 8 60 Bohneumey„„„ 9 20 Gersstenschrol„„„„ 730 Bezugeprets: Bierteljährlich 1 Mark mu Sotenlohn, durch die Doß i Mark 2à Sf. Druck und Verlag von Judw. Flöttmann, Cütersteh. Fernsprech=Anschluß Nr. 37. Zweites Pheinische Kaisertage. Am Donnerstag mittag 2 Uhr traf das Kaiserpaar in Aachen ein. Am Bahnhofe waren anwesend: der Erbgroßherzog von Baden, der Reichskanzler in der Umform der Bonner Königshusaren, Graf Waldersee, Oberpräsident Nasse und Regierungspräsident Hartmann. Nach der Begrüßung stiegen der Kaiser, der die Uniform der Garde du Korps mit dem schwarzen Küras trug und der Kronprinz zu Pferde, während die Kaiserin in einem vierspännigen Wagenea la Daumont Platz nahm. Feierliches Glockengeläute ertönte von allen Türmen der Stadt und Kanonen donnerlen, als sich der Zug durch das Marschierthor nach der Franzstraße bewegte. Bei der Rundfahrt durch die Stadt wurde an dem Denkmal Kaiser Wilhelm I. Halt gemacht. Dann ging es zum Münster mit der historischen Krönungskirche, in der sich 30 deutsche Könige und 11 Könige salben und krönen ließen. Am Portal stand der hohe Klerus. Prätat Dr. Bellesheim tral vor und begrüßte das hohe Paar mit einer Ansprache. Dann ging es zum Rathause woselbst Oberbürger= meister Belimann eine Begrüßungsrede hielt. Auf die der Kaiser mil folgender bedeutsamer Ansprach erwiderte: „Er danke für den hohen Patriotismus und den begeisterten Empfang, den ihm die Stadt Aachen bereitet habe. Es sei ihm ein Herzensbedürfnis gewesen, die Stadt Nachen zu besuchen. Er stehe hier auf historischem Boden. Wer sollte nicht an die Fügung des Himmels denken, wenn er die Geschichte der Jahrhunderte überblickt, die das Vaterland durchgemacht in Verbindung mit Nachen. Nachen sei die Wiege des deutschen Kaiseriums. Hier habe der große Karl seinen Stuhl aufgerichtet, und von seinem Glanze habe auch die Stadt Aachen einen Wiederschein bekommen. Die Bürde der alten Kaiser, die Bürde und Würde eines römischen und germanischen Herrschers zu tragen, sei zu schwer gewesen. Was der große Kaiser mit seiner Persönlichkeit vermocht, das habe die Geschichte seinen Nachfolgern versagt, und unter der Sorge um das Imperium Romanum hätten die späteren Kalsergeschlechter das Auge für das germanische Land verloren, zum Schaden für das deutsche Vaterland. Nun seil ein anderes Kaiserium entstanden. Dem deutschen Volke sei der Kaiser wiedergekommen, den es sich selbst geholt habe, mit dem Schwerte in der Hand. Es bestehe kein Unterschied in der Begeisterung und Liebe, mit der Sonntag, den 22. Juni 1902. das deutsche Volk an seinen alten Kaisern gehangen habe und mit der es den heutigen Kaiser verehre. Bedeutendes habe das deutsche Volk auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung geleistet, und es sei notwendig, daß es seine Ideale aufrechterhalte. Dann fuhr der Kaiser fort: Hier steht General von Loe, ein treuer Diener seines Herrn. Er war von mir bestimmt, nach Rom zum Jubiläum des heiligen Vaters, und als er meine Jubiläumsgabe überreichte, hatte er ein mimes Gespräch darüber, wie es bei uns aussehe in Deutschland. Da hat der Papst gesagt, er freue sich, sagen zu können, daß er stels Hohes gehalten habe von der Frömmigkeit der Deutschen, zumal des deutschen Heeres. Er könne aber noch mehr sagen, und das möge von Loe dem Kaiser bestellen; das Land in Europa, wo noch Zucht und Ordnung und Disziplin herrschen, wo noch Respekt vor der Obrigkeit und Achtung vor der Kirche bestehe, wo jeder Katholik frei und ungestört seinen Glauben bekennen dürfe, das sei allein das Deutsche Reich.(Lebhafter Beifall.) Beide Konfessionen müssen nebeneinander ein großes Ziel im Auge behalten: Gottesfurcht und Ehrfurcht vor der Religion zu erhalten und zu stärken. Denn wenn wir auch moderne Menschen sind, die leben und sterben und dem Erwerbe nachgehen auf diese und jene Weise: Jeder muß sein Leben auf die Basis der Religion stellen, sonst ist er verloren! Wie beschwörend erhob der Kaiser den Marschallstab bei den Worten: Darauf fasse ich am heutigen Tage das Gelöbnis in das Versprechen, daß ich das Kaiserreich und das Volk, mein Heer, mich selbst und mein Haus unter den Schutz dessen stelle, von dem der große Petrus gesagt hat: Es ist kein Hell als in Gott, und von dem, der da sagte: Himmel und Ende werden vergehen, aber mein Wort wird nicht vergehen. Hierauf nahm der Kaiser den Becher mit dem Ehrentrunk und sagte: Und so trinke ich auf das Wohl der Stadt Aachen in der festen Ueberzeugung, daß die Worte, die heute gesprochen, auf guten Boden gefallen sind, den, was ich heute in der Bürgerschaft bei Alt und Jung gesehen, macht mich sicher, daß in Zukunft die Krone und das Haus gu aufgehoben sind in der Stadt Nachen. Die Stadt Aachen lebe hoch, hoch, hoch!“ Im Krönungssaale empfing der Kaiser auch eine Gesandtschaft des Königs der Belgier unter Führung des Generalleninants Chapelié und des Oberstleutnants Baron de Snoy. Zu der Reise des Kaiserpaares nach Mörs und Krefeld zur 200jährigen Vereinigung der Grasschaft Mörs mit Preußen wird gemeldet: Das Kaiserpaar traf 9 Uhr 20 Min. vormittags hier ein. Nach der Begrüßung wurde der Ehrentrunk eingenommen. Auf der Fahrt zum Bismarckplatz wurde der Wagen von einer Schwadron Düsseldorfer Ulanen eskortiert. Nach dem Eintreffen daselbst erfolgte die Enthüllung des Denkmals König Friedrichs I. Um 10½ Uhr reiste das Kaiserpaar nach Krefeld ab, wo es auf dem Nordbahnhofe eintraf, und sich von dort im Wagen unter Eskorte der Fünften Ulanen nach dem Kaiser Wilhelm=Museum begab. Der Monarch dankte auf die Huldigungsansprache des Kreselder Oberbürgermeisters in längerer Entgegnung für den warmen Empfang. Wie ein so bedeutender Feldherr und Herrscher wie Friedrich der Große Zeit gefunden habe, die Krefelder Industrie zu fördern, so zeige sein Kommen, daß die Hohenzollern den Wert derselben zu schätzen wissen. Dann wies der Kaiser auf die Armee als den Schutz des Friedens hin und sagle, daß ebenso notwendig, und zwar gerade für den Handel, eine starke Flotte sei. Mit jedem neuen Kreuzer und jedem neuen Kriegsschiff werde dieses mehr gewährleistet. Der Kaiser schloß mit Wünschen auf das Gedeihen von Krefeld. Nachdem der Kaiser einen vortrefflich gelungenen Parademarsch über die Ehrenkompagnie abgenommen hatte, verließen die hohen Herrschaften unter brausendem Jubel der tausendköpfigen Menge Krefeld. Zum Friedensschlusse der Engländer und Buren. Die englischen Burenfreunde bereiten eine Adresse an das„um sein Land und seine Unabhängigkeit beraubte“, Burenvolk vor. In der Adresse wird der Bewunderung für die heroische Verteidigung ihrer höchsten nationalen Güter, und dem Bebauern ob der ihnen zu teil gewordenen ungerechten Behandlung Ausdruck gegeben und die Hoffnung ausgesprochen, daß sie schließlich das Verlorene doch wieder zurückgewinnen werden. Es heißt da zum Schlusse: „Wie in Kanada und Australien, so kann in Südafrika die Errichtung eines„Sonveränen Parlaments“ (wie das kanadische Parlament offiziell genannt wird) nur eine Frage der Zeit sein. Wenn das geschieht, so werden Eure Kinder eine Vereinigung freier südafrikanischer Staaten sehen, die Eure romantischesten Ideale verwirklichen kann. Wir hoffen es und wir glauben, daß sich die Geschichte wiederholen und eine neue Art Vereinigler Staaten— die Vereinigten Staaten von Südafrika— schlagen wird. Was da Euer Patriotismus Zweite Heimat. Roman von J. von Couring. — 29 In dem Augenblicke, als Ernst das Zimmer verlassen wollte, kam ein Bote von der Fabrik: „Herr Kommerzienral lassen bitten, Herr Hart möchte sofort hinauskommen— ich habe einen Wagen mitgebracht.“ „Ist etwas Besonderes vorgefallen Mein Vater ist doch nicht krank?" „Ich weiß es nicht, Herr Kommerzienrat schienen mir sehr erregt.“ Ernst benutzte die einsame Fahrt, um einige Klarheit in selue Gedanken zu bringen. Er war noch nicht imstande, die Lage einigermaßen zu übersehen; doch mußte er sich gestehen, daß sie kaum schlimmer hätte sein können. Heftiger Zorn gegen Paul wallte in ihm auf: sich feige davonschleichen, ohne ein Wort der Reue, ohne eine Klarlegung des Geschehenen, ohne mannhaftes Einstehen für die eigene Schuld— ach, wie klein und erbärmlich das alles war! Der Gedanke an den Schmerz der Eltern krampfte Ernst das Herz zusammen— was wußte der Kommerzienrat?— hatte er etwa auch ein Schreiben von Paul erhalten? Der alle Herr kam Ernst aufgeregt und ärgerlich entgegen: „Willst Du mir sagen, was das alles bedeutet? Wo ist Paul? Verreist, ohne daß ein Mensch weiß wohin und weshalb? Heute morgen wurden mir da zwei Wechsel präsentiert— weißt Du etwas davon? Ich bin fast auf den Rücken gefallen, als ich den Betrag sah!"— „Wie hoch, Vater?“ „Neunziglausend Marl jeder, von Paul ausgestellt und von mir acceptiert. Und ich weiß bestimmt, daß sie nur auf Neuntausend lauteten, als ich unterschrieb!“ „Ja lieber Vater, sagte Ernst traurig lächelnd, „dann wird Dir doch nichts übrig bleiben, als zu zahlen. — Wir wollen hoffen, daß sich Paul nicht noch häufiger geirrt hat.“ Der alte Mann taumelte einige Schritte zurück: „Ernst— Golt stehe mir bei— Du willst doch nicht sagen, daß Dein Bruder...“ „Ein Ehrloser ist? o nein, Vater, wir wollen ihn nicht verdammen! Aber gut machen wollen wir, und unsern ehrlichen Namen reiten, wenn es uns auch den letzten Groschen kosten wird.“ Der Kommerzlenrat war auf einen Stuhl gesunken und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen: „Mein Sohn, mein Sohn,“ stöhnie er,„weißt Du, wo er ist?“ „Nelu, Vater, er hat Briefe für Frieda und mich hinterlassen, sagt aber nicht, wohln er zu gegen gedenkt.“ „Die arme Frau, wie nimmt sie es auf?“ „Sie war sehr tapfer und entschlossen. Ihre abgöttische Liebe für Paul hilft ihr über alles hinweg, Sie ist bereit, mit ihrem ganzen Vermögen für das Defizi einzutreten.“ Der Kommerzienrat richtete sich wieder auf— sein Gesicht sah grau und verfallen aus: „Du hast von mir aus Vollmacht, Ernst, verfüge über mein Eigentum, ich lege alles in Deine Hand— handle, wie Du es für recht hältst. Ach mein Golt, wer wird es der Mutter sagen?" „Niemand! Sie darf nichts davon erfahren, ehe wir wissen, wie und ob sich alles ordnen läßt. Die Herzensangst der nächsten Tage wollen wir ihr ersparen; sie mag an eine geringfügige geschäftliche Unannehmlichkeit glauben, wenn sie überhaupt etwas merkt.“ Am Nachmittage dieses Tages saß Ernst seiner Schwägerin gegenüber. Sie hatte wacker vorgearbeitet und wies stolz mis glühenden Wangen die Resultale des Tages vor: „Da ist die notartelle Vollmacht für Dich, über mein Vermögen zu disponieren. Da die Depesche meines Valers, daß die Anweisungen heute noch abgehen werden; da die Liste der Kunstsachen und Gemälde, die verkauft werden können. Da die Abschätzung meiner Brillauten durch den Juwelter. Meinst Du, Ernst, daß das genügen wird, daß Paul zurückkehren kann?" Ihre Augen hingen mit verzehrender Angst an seinen ernsten Zügen. Er reichte ihr die Hand: „Gewiß! er müßte Dir auf den Knieen für Deine Opfer danken und für die Art, wie Du sie bringst. Ich bin jetzt fest überzeugt, daß es uns gelingen wird, die Katastrophe zu vermeiden. Paul muß Uauldieren und von neuem beginnen, wenn auch nicht gerade wieder ein Bankiergeschäft.“ „O nein,“ warf sie lächelnd hin,„wir gehen zu meinem Valer. Der hat in seinen vielen Bureaus Stellungen genug, die für Paut passen, und hal er keine, so wird eine geschaffen. Paul soll nicht unter dem Druck der Arbeit und Mühe verkümmern, dafür laß mich sorgen.“ Keine Klage, kein Vorwurf gegen Paul kam über ihre Lippen. Sie fühlte Riesenkräfte, nun es galt, den Gatten zurückzuerobern, und Ernst that ihr im Innern Abbitte. Sie war ihm immer unsympathisch gewesen, erzwang sich aber jetzt seine Achtung durch die heroische Art, mit der sie, als sei es selbstverständlich, auf jeden Schmuck des Lebens verzichtele, um den Mann, der sie so herzlos verlassen hatte, vor jedem Makel zu bewahren — wie sie nur darauf sann, für ihn die Zukunft so hell zu gestalten, als es nach Lage der Dinge noch möglich war. geschaffen haben wird, dessen wiro Euch keine raubsüchtige Hand wieder berauben können.“ Die Adresse trägt bereits einige hundert Unterschriften. Die irischen Abgeordneten werden natürlich die Adresse sämtlich zeichnen. Nachdem nunmehr nach Waffenstreckung von 18 000 Buren der Krieg seinen Abschluß gefunden hat, wenden sich die„Daily News“ gegen das lügnerische Kriegsministerium. Sie sagen: „Wenn wir zu dieser Zahl noch die Buren hinzufügen, die als gefallen oder gefangen gemelbet wurden, so finden wir in der Thatsache, daß zu dieser Zeit, als Mr. Brodrick erklärte, daß die Buren nur noch 10 000 Mann stark seien, 28000 Buren im Felde standen. Wir wiederholen dies nicht, um darauf aufmerksam zu machen, daß Mr. Brodrick, dessen Pflicht es war, die Wahrhelt zu wissen, nichts wußle, und daß unsere Schätzung damals richtig war, sondern wir erwähnen es wegen der Wichtigkeit, die diese Thatsache für die Frage der Reform des Kriegsministeriums hat. Während des ganzen Krieges war nichts überraschender, als die Unwissenheit, die Mr. Brodricks Departement in allen wichtigen Fragen an den Tag legte. Wenn die Opser des Krieges nicht vergeblich gebracht sein sollen, so wird es nötig sein, nicht nur die Armee selbst, sondern auch das Kriegsministerium zu reformieren.“ Daß der Tag kommen würde, wo es sich klar erweisen würde, wie verlogen die vom Kriegsamt veröffentlichten Kitchenerschen„Streckenrapporte“ waren, war vorauszusehen. Die jetzige Blamage ist den Helden im Lügen herzlich zu gönnen. Aus Ort und Provinz. * Gütersloh, 21. Juni.[Die Sonne] erreicht am 22. Juni ihren höchsten Stand. 23 1/8 Grad nördlich vom Aequator. Sie tritt dann in das Zeichen des Krebses, wodurch sinnbildlich angezeigt wird, daß nun die Rückwärtsbewegung beginnt. Mit diesem Zeitpunkt beginnt der astronomische Sommer, während dessen unser Zentralgestirn die Tierkreiszeichen Krebs, Löwe, Jungfrau durchtäuft. Die Tage nehmen zunächst noch zu. Am 1. Juni ging die Sonne gegen 4 Uhr auf und um 8¼ Uhr, unter. Am 22. Juni findet ihr Aufgang beretis vor 4 Uhr, ihr Untergang erst gegen 8½ Uhr statt. Der Tag ist also noch um mehr als eine Viertelstunde länger geworden. Der Sonnenuntergang ändert sich dann bis zum Ende des Monats nur ganz unbedeuend. Der Aufgang des Gestirns aber verzögert sich allmählig, an ihm kann man erkennen, daß unsere Lichtund Lebensspenderin sich von unseren Bretten zurückzuziehen beginnt, langsam zunächn, sehr langsam— in den letzten acht Tagen des Monats täglich etwa um eine Minnie— aber doch sicher. * Gütersloh, 21. Juni.[Zeitungsbestellungen.] Seit einiger Zeit bestehl seitens der die Einrichtung, daß die Beträge für die Zeitungsbestellungen von den Briefträgern, welche zur rechtsgältigen Outttungsleistung berechtigt sind, eingezogen werden können. Eine wellere Bequemlichkeit für das Publikum llegt darin, daß man die Einziehung der Zeitungsgelder bei Neubestellungen schriftlich beantragen kann. Man wirft nur einen Venachrichtigungszettel in den nächsten Briefkasten, und am nächsten Tage erscheint der Briefträger zur Entgegennahme der Bestellung und Abholung des Geldes. Kosten entstehen durch dieses Verfahren nicht. ** Gütersloh, 21. Juni.(Ein troviender Wasserleitungshahn.] Man schreibt dem„Hann. Cour.“: Eine Notiz der Zeitschrift Gesundheitsingenieur vom 16. Oktober 1900, welche für Abnehmer von Wasser in Städten mit Wassermessern von großem Interesse ist, sei hier mitgeteilt. Es heißt daselbst: In der Nr. 15 der Zeitung für das Gas= und Wassersach Bar von einem tropsenden Wasserhahn die Rede, welcher in einem Jahre über 5000 Liter Wasser nutzlos fortlaufen läßt. Dabei war vorausgesetzt, daß in einer Minute Ein leichter, schneller Schritt ertönte im Nebenzimmer— die Portiere ward zurückgeschlagen, und Nelly kam herein. Sie blieb einen Augenblick zögernd stehen und trat dann näher. Frieda zog finster die Brauen zusammen: „Was willst Du? Wir können Dich hier nicht gebrauchen, wir haben geschäftlich zu thun.“ „Ach, wie schade,“ sagte Nelly leise, und das Funkeln ihrer Augen strafte die sonfte Stimme Lügen —„ich kam aus gutem Herzen, dachle es würde Dich interessieren, dus Neueste von Deinem Manne zu hören.“ Ernst und Friedas Blicke begegneten sich— „Halte uns nicht mit Deinen Thorheiten auf, Nelly, Du wirst mir nichts neues sagen können.“ „Doch,“ sagte Nelly,“ die sich auf einen Stuhl gleiten leß und den Kopf wie ein spielendes Kätzchen, gegen die Lehne schmiegte,„ich wein, wo er ist, und das weißt Du nicht.“ Alle Vorsicht vergessend, sprang Frieda auf: „Du lügst,“ rief sie außer sich,„ich weiß nur zu gut, daß kein wahres Wort über Deine Lippen kommt.“ „Ich hatte es gm gemeint“, sagte Nelly freundlich, sich machte eine Bewegung sich zu erheben,—„aber wenn Du nicht willst...“ „Die Sache ist zu ernst für Kindereien,„rief Ernst; „wenn Sie nicht wirklich etwas zu sagen haben, ist es besser, daß Sie uns verlassen. Sie sehen ja, wie erregt meine Schwägerin ist.“ „Ach ja, es ihut mir leid!“ (Fortsetzung folgt.) aus einem tropfenden Hahn nur 50 Tropfen fallen. Man nennt aber auch dann noch den Hahn tropfend, wenn bei mangelhaftem Verschlusse desselben der seine Wasserstrahl an seinem unteren Ende sich in Tropfen auflöst, so daß das Geräusch des Tröpfelns entsteht. Auf diese Weise gelangt man zu weit größeren Wassermengen, welche ungenützt fortlausen und welche allerdings imstande sind, einerseits die Wasserwerke, andererseits, bei Entnahme nach Wassermessern, die betroffenen Eigentümer arg zu schädigen. In solchen Fällen kann man bis zu 240 Tropfen in einer Minute zählen anstatt 50 Tropfen, ja, man kann sogar, beim nachlässigen Schließen des Hahnes oder bei Undichtigkeiten desselben, beim Tröpseln in einer Minute 17. Liter oder ein gewöhnliches Wasserglas füllen. Da ein Tag 1440 Minuten hat, ergiebt dieses 300 Liter pro Tag oder 131 Kubikmeler im Jahr. Möge der Wasserpreis unn 10, 20 oder 30 Pfg. pro Kubikmeter betragen, jedenfalls wird man versuchen, diese Ausgabe zu sparen und die Behörde kann nicht sorgfältig genug solchen Vergendungen nachgehen, denn es brauchen nur hungert Hähne in dieser Weise gleichzeitig zu tropfen, so erwächst dem Wasserwerk daraus schon eine ungenutzte Mehrleistung von 13 100 Kubikmeter pro Jahr. * Paderborn, 19. Juni.[Diebstahl.] Auf dem benachbarten Gute Warte wurde in der letzten Nacht eingebrochen. Den Dieben fielen ungefähr 600 Mk. in die Hände. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat man es mit denselben Thätern zu thun, die in der vorletzten Nacht einen Postdiebstahl in Berlebeck verübten. Castrop, 15. Juni.[In der neugebackenen Stadt Castrop] gehl es lustig zu. Unter dem Vorsitz des kommissarischen Bürgermeisters, Herrn Amtmann Barfels, fand, die zweite Sitzung des städtischen Kollegiums statt. Erschienen waren 22 Stadtverordnete, zwei Herren fehlten. Der erste Punkt der Tagesordnung bezog sich auf die Einführung der sogenannten Bürger=Verfassung, welche in der ersten Sitzung bereits zum Beschluß erhoben worden ist. Dagegen erhob Amtmann Barfels wegen eines Formfehlers Widerspruch und man beschloß, vorerst beim Bezirksausschuß den Antrag zu stellen, die Einführung der Bürgermeisterverfassung zu genehmigen. Sodann hatte das Kollegtum auch über die Anstellung eines zweiten Vollziehungsbeamten zu beraten. Die Mehrheit lehnte diesen Antrag kurzer Hand ab. Amimann Barsels erklärte:„Ja, meine Herren, Sie lehnen ab. Wer soll denn nun den Dienst thun? Dann müssen Sie ihn besorgen. Das ist ja gerade, als ob ich in den Wind spreche. Ich erkläre, daß ich die Verantwortung für eine korrekte Sienereinziehung hiermit ablehne und die Verantwortung allein der Mehrheit der Stadtverordneten überlasse. Zugleich erkläre ich, daß ich der Regierung über Ihren Beschluß Vorlage machen werde.“— Glau abgelehnt wurden auch die Vorschläge wegen Anmietung von Verwaltungsräumen. Amimann Barfels:„Dann müssen Sie aus Ihren Beschlüssen auch die Konsequenzen ziehen. Das Amtshaus bekommen Sie nicht, das bleibt für die Verwaltung des Amtes Rauxel. Ich ziehe auch nicht aus, es sei denn, daß Sie mich mit vollem Gehalte zur Disposition stellen. Das können Sie meinetwegen, ich gehe lieber heme wie morgen. Wenn Sie das aber nicht ihun und auch keine anderen Räume mielen, dann wird die Folge sein, daß Sie Ihre Tische auf dem Marki aufstellen und dort Ihre Verwaltungsbeamten arbeiten lassen müssen.“ Die Stadtverordneten ließen sich damit aber nicht ins Bockshorn jagen, sondern beschlossen lediglich eine beschleunigte Vermögensauseinandersetzung; dann könne man sich später noch immer schlüssig machen, wohin man die Verwaltung der Stadt lege. Herr Amtmann Barfels:„Ich muß hierzu folgendes erklären. Ich werde über den 15. Juli hinaus weder die Verwaltung der Stadt weiterführen, noch werde ich dulden, daß die Stadt über diesen Termin hinaus ihre Geschäfte in meinem Amtshause erledigt. Wenn Sie daher nicht in Verlegenheil kommen wollen, müssen Sie schon bis dahm für andere Verwaltungsräume sorgen."— Das nennt man einen Anfang mit Hindernissen!“ Langendreer, 15 Juni.[Belochnte Dienstbotentreue.] Einem 20jährigen Dienstmädchen, welches vier Jahre bei einer hiefigen Dame in Stellung gewesen und dieselbe in ihrer Krankheil bis zu dem vor 6 Wochen erfolgten Tode gepflegt hatte, wurde das von der Dame bewohnte Haus mit Mobiliar nebst einem ziemlich hohen Geldbetrag vermacht. Der Wert der gesamten dem Mädchen zugefallenen Erbschaft beträgt 30000 Mark. Arnsberg, 16. Juni.[Ein gewiß noch nie dagewesener Streich) wurde dem hiesigen Flurschützen Herrn B. gespielt. Als derselbe kürzlich seine in der Berbte liegende Wiese mähen wollie, sand er dieselbe über und über mit 4zölligen Nägeln besteckt, und zwar so, daß an das Mähen des Grases auf der Wiese nicht gedacht werden konnte. Daß ein Nacheal vorliegt, ist zweifellos. Zu bewundern ist nur die Ausdauer des oder der Thäler, da die betreffende Wiese ungefähr 3/4 Morgen groß ist. Aus dem Reiche. Detmold. Das 4. Gausest des Gaues III des Deutschen Radjahrer=Bundes finder am 21., 22. und 23. Juni d. J. in Detmold statt.— Düsseldors. Im Petroleumhafen zu Reisholz stürzte ein hölzernes Gerüst an einem Petroleumlessel, auf dem sich drei Monteure beim Nieten des Kessels befanden, zusammen. Die drei Monteure gerieten unter das Gerüst und wurden alle drei schwer verletzt, einer von ihnen starb alsbald.— Brühl. Die Frau eines hiesigen Arbeiters hörte plötzlich ihr im Nebenzimmer schlafendes drei Monate altes Kind laut aufschreien. Als sie die Thür öffnele, sprang eine Ratte von dem Betichen. Das Tier hatte Wangen und Stirne des Kindes angefressen.— Stuttgart. Am 16. und 17. Juli findet hier der 25. Deutsche Fleischer=Verbandstag statt. Dem Deutschen FleischerVerband gehören 35 238 Mitglieder an. Mit diesem Verbandstage ist eine große Deutsche Fach=Ausstellung für Fleischerei, Kochkunst und verwandte Gewerbe, unter dem Protektorale des Königs von Württemberg stehend, verbunden.— Duisburg. In der Nähe des Kaiserberges schlug ein mit 30 Schulkindern, die von Melderich hierhin einen Ausflug unternahmen, besetzter Straßenbahnwagen um. Eine große Anzahl der Kinder erlitt mehr oder weniger schwere Verletzungen, eines erlitt eine Gehirnerschütterung.— Kassel. In der Donnerslag Nacht entgleisten bei der Ausfahrt eines Güterzuges die 5 letzten Wugen, während der vordere Teil des Zuges weiterfuhr. Verletzt wurde niemand. Der Material= schaden ist erheblich.— Hann.=Münden. Am 22. Juni findet die Grundsteinlegung zu dem Erholungsheim für denische Lokomotivbeamte statt. Ihr Erscheinen haben bereits zugesagt der Eisenbahnminister v. Thielen und der Ministerialdirektor Wehrmann aus Berlin sowie der Regierungspräsident von Philipsborn=Hildesheim und viele hohe Eisenbahnbeamte von Kassel, Frankfurt a. M. und Hannover. Die für die Bibelforschung wichtigen Funde Dr. Piolao aus der Muschee=Kuppel zu Damaskus werden jetzt, wie mitgeteilt wird, mit Erlaubnis des Sultaus nach Doutschland gebracht. Der prächtige Arkadenhof, der auch Djamt el Kebir genannten Omajaden=Moschee hat drei bei einer Feuersbrunst glücklicherweise verschont gebliebene Kuppelbauten: die Springbrunnen=Kuppel, die UhrKuppel und die östlich gelegene Kabei ei Hasne oder Schatzkammer=Kuppel. Im Laufe der letzten Jahrhunderte waren die Augen der Gelehrten auf die Kabet el Hasne gerichtet, da die Ueberlieferung wissen wollte, daß dort für die abendländische Wissenschaft wichtige, aus der ersichristlichen und einer späteren Zeit stammende Urkunden verborgen seien. Namentlich für die Bibelforschung erwartete man gauz wesentliche Belege. Nach jahrelangen Bemühungen des Prof. Frhru. v. Soden und seines Assistenten Dr. Viola, die dabei eifrig von der diplomatischen Vertreiung des Deutschen Reiches in Konstantinopel unterstützt wurden, gelang es, vom Sullan die Erlaubnis zur Oeffnung des durch Jahrhunderle sorgsam gehüteten Baues zu erlangen. Erleichtert wurde die Angelegenheit durch den Umstand, daß die Gelehrten eine Gewähr übernehmen zu können glaubten, die schließlich durch die Thatsache gerechtfertigt wurde, daß nämlich in der Kabel el Hasne keine die mohemehanische Religion betressenden Urkunden eingemanert sind. Wäre dies der Fall gewesen, so würde die ganze mühevolle Arbeit, besonders bei den strenggläubigen Ansichten der Mohamedaner nutzlos gewesen sein. Die Urkunden sind in Kisten verpackt zunächst nach Konstantinopel geschafft worden, wurden dorl, soweit es ging. gesichtet und photographiert und sind jetzt vom Ministerium der frommen Stiftungen dem Ministerium des Aeußern überliefert worden, das die Funde dem deutschen Botschafter Frhru v. Marschall übergab, damit die Schriften, um die es sich handelt, in Berlin genau durchforscht würden. sind, nach der„Franks. Zig.“, 25 Blätter Psalmen und 11 Blätter Pentateuch in griechisches Majuslelschrift, zurückreichend bis ins 11. Jahrhundert, ferner eine größere Anzahl allt= und neutestamentarischer Bruchstücke in altsyrischer Sprache und Schrift, Bruchstücke einer Uebersetzung des alten und neuen Testaments in die si 5palästinische Sprache, darunter das erste Zeugnis für das Vorhandensein einer Uebersetzung der Paulusbriefe in dieser zur Zeit Christi gesprochenen Mundart, außerdem mehrere samaritanische Pentateuch=Bruchstücke. Zeugen dafür, daß eine samaritanische Gemeinde in Damaskus bestand; Psalm 78 in griechisch=arabischer Sprache, die arabische Uebersetzung in griechischen Unikalbuchstaben. Hochwichtig für die Kennints der Aussprache des Arabischen in der vormohamedanischen Zeit; 77 Blätter eines bisher unbekannten Kommentars des Theodor von Mopsucstia in altsyrischer Sprache, sämtliche Blätter in prächtiger griechischer Unikalschrift; 117 Blätter altsyrische christliche Gebele muit Kopien aus den Schriften des syrischen Kirchenvalers Ephraim; mehrere hochlnteressante altfranzösische Bruchstücke aus den Kreuzzügen, darunter Geleitsbriefe des Königs Balduin III. von Jerusalem an verschiedene Kaufherrn. —[Wie notwendig es ist, mit dem Kampfe gegen die Trunksucht] schon in der Schule zu beginnen, zeigt folgendes Eingesandt eines Lehrers an den „Stadtsanzeiger“ zu Köln: Durch ausfallende Schläfrigkeit und geistige Trägheit meiner Schulneulinge veranlaßt, stellte ich kürzlich Montags Nachsorsungen über den Alkohol= und Nikotingenuß der sechsjährigen Knaben an. Von 54 Schülern des ersten Schuljahres waren 19 am Sonntag vorher im Gasthause gewesen, 20 hatten Wein, 24 Bier, 19 Schnaps, 17 Wein und Bier, 14 Wein, Bier und Schnaps getrunken. 10 gaben an, betrunken gewesen zu seln, 9 so, daß sie zu Boden fielen, 8 hatten Erbrechen infolge des Alkoholgenusses, 19 hatten geraucht, 12 auf Veranlassung des Vaters, 4 auf Veranlassung von Brüdern und 5 auf Veranlassung von Soldaten, einer hatte sich selbst Cigaretten gekauft. Wenn 8 auch manches Schlückchen und mancher Zug an Vaiers Cigarre harmlos gewesen sein mag, so ist doch die Traurigkeit der Thatsache nicht zu verkennen. Man bedenfe nur: 14 Kinder haben an einem Tage Wein, Bier und Schnaps getrunken und 9 waren nachweislich sinnlos betrunken. Was sollen wir Lehrer mit solchen Kindern anfangen und was wird aus ihnen werden: —[Kirschenernte.] Allenthalben hat jetzt am Rhein und an der Mosel die Kirschenernte begonnen und den Orten Camp, Kesterl und Österspal findet ein Massenversand nach dem Niederrhein statt. kostel gegenwärtig noch 30 Pfg. im Großhandel. Die Ernte bleibt hinter den Vorjahren zurück und fällt auch etwa 14 Tage später infolge der kühlen Witterung. Diebrich an der Mosel z. B. bleibt dieses Jahr um zwei Drittel hinter dem vorjährigen Erträgnis der Kirschen[Reschen reellen Wert Hauptgewinne der Pferdelotterlen haben,) beweist nachfolgender Fall: Der erste Hauptgewinn der 8. Schneidemühler Luxus=Pferdemarkt=Louerie(eine Equipage mit 4 Pierden im Werte von 10000 M.), den der Postschaffe ner Staaks I in Bromberg gewonnen hatte, ist für 4500 M. von dem Rentier Hermann Röder in Schneidemühl oe iong„Heltuaten und Kanntbaltsmus n Australten.] Die„Köln. Zig.“ verössentlicht Mitteilungen aus Brisbaue über schanderhafte in DeutschNeugninea an Weißen verübte Greuelthaten. Beim Ueberfall der Farm des Pflanzers Rudolf Wolf wurde Frau Wolf sowie ihr Sängling durch Veilhiebe erschlagen. Andere Personen sind schwer verletzt. Nach einer allgemeinen Razzia wurden durch Polizeitruppen dreißig Eingeborene erschossen, zehn eingelerkert. In den verschiedensten Gegenden des Festlandes sind täglich grausia: Fälle von Kannibalismus vorgekommen. Die Eingeborenen werfen die gelöteten Personen in ein Wasserloch und verzehren deren Fleisch, das sie in großen Stücken vom toten Körper abschneiden. In Cue(De australien) wurden zwei Weiße geröstet und von den Eingeborenen verzehrt. —[Ein samoser Nachtwächter.] Ein er götzlicher Vorfall spielte sich in dem märkischen Dorse Dolversaul ab. Einige Nachtschwärmer fanden aus einer Bank im Gebüsch ein Kopfissen und eine Weckuhr. Als rechtmäßiger Eigentümer meldete sich der— Nachtwachter, der bei seiner Thätigkeit also mit einer Schlafzei zu .##in betrogener Schwindler.] Vor einiger Zeit erhiell ein Braunschweiger Schlachsermeister von einem Berliner„Kaufmann“ eine Bestellung auf Lieferung einer Wurstsendung im Werte von 30 Mark, wobei der Besteller einen anderen Kaufmann als Referenz aufgab. Die Sendung wurde ohne vorherige Zahlung abgeschickt, hinierher erfuhr aber der Schlachtermeister, daß sein Auftraggeber völlig mittellos und die von ihm bezeichnete Auskunftsperson mit diesem unter einer Decke stecke. Das Geld schien sonach verloren zu sein. Die Wurst hatte aber dem Berliner so billig geschmeckt, daß er der ersten Bestellung bald eine zweite, und zwar diesmal zu hundert Pfund, folgen ließ. Schlachtermeister schrieb, daß er bereit sei, die Ware zu senden, wenn er bei Ankunst derselben den Betrag für die erste Bestellung auf Postnachnahme einzahle. Dies that denn auch der Berliner; als er aber die Kister öffnete, waren sie mit 100 Pfund Sand gefüllt. Der Berliner war natürlich über diesen Streich sehr entrüstel und machte seiner Entrüstung in Ausdrücken Lust, die man in einem Komplimentirbuche vergebens suchen würde. Inzwischen war die Berliner Polizeibehörde von den Geschäftsgebahren des„Kaufmanns“ in Kennmis gesetzt worden und nahm, nachdenn sie genügend Erkundigungen eingezogen hatte, die Verhaftung dieses Menschen vor. — Jrau, 19. Juni. In den Speßwarer Kohlengruben fand gestern eine Explosion schlagender Wetter statt, wodurch 10 Arbeiter erstickten, 7 wurden lot und 3 lebend hervorgezogen. — Wie Vertrauensselige auf die Annoncen von Gehelmmittel=Schwindlern) hinelnfallen, davon erzählt die„Fundgrube“ von 1887 ein ergötzliches Stückhan— as fand jemand, der von Hühnerangen sehr gequält wurde, in einem Blatt die Anzeige, daß Hühnerangen sicher entfernt würden, gegen Einsendung von 1.10 Mark in Briefmarken unter A. X. poste rest. Genf; er that dies und erhielt in einigen Tagen folgende Antwort: „Sind Ihre Hühneraugen groß, Sodaß vor Schmerz Sie schwitzen, So sägen Sie die Zehen los, An denen solche sitzen.. 1 9r Ich empfehle Ihnen hierzu meine Knochensäge im Preise von 10 bis 30 Mari. DI. Eisenbart.“ Märkte. Montag, 23. Juni. Padervorn,(3 Tage), Wollmarkt. Dienstag, 24. Juni. Tecklenburg, Kram= und Viehmarkt. Bieleseld, Biehmarkt.— Schildesche,(2 Tage), Kramund Viehmarkt.— Delbrück, Viehmarkt.— Hamm, Viehmarkt. Mittwoch, 25. Juni. Melle, Kram= und Viehmarkt. Donnerstag. 26. Juni. Münster,(5 Tage), Markt.— Halle i. W., Viehmarkt. Künstliche Zähne in Gold, Kantschuck auch ohne Gaumplatte. Plombieren in Gold, Silber, Emaille etc. schmerzloses Zahnziehen. Jeden Mittwoch und Sonnabend im Hause des Herrn Wächter, Bahnhofstraße 486 hier, Sprechstunden Mittwochs von 9—5 Uhr, Sonnabends von 2—5 Uhr P. Zaremba, Deutist. In Bieleseld, Neumarkt Nr. 7 e Sprechstunden: 9—12 und 2—6 Uhr. Nussteuer-Geschäft. 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Leslbetag 2e, Deshgeches site den Bastr des alreise Wiedenbrick d Geichzelig werden in Nachlecsenden die Strafsestinnungen des § 10 der genannten Polizeiverordnung mit dem Bemerken verossentlicht, daß die Viehbesitzer bei Zuwiderhandlungen die angedrohten Strafen zu gewärtigen haben. Wer einen nicht angekörten sprungfähigen Bullen so weiden äßt, daß er fremde Kühe oder Rinder decken kann, wird mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit entsprechender Haft bestraft. Wer einen nicht angekörten Bullen zum Decken fremd Die benntzt oder benutzen läßt, sowie derjenige Bullenbesitzer, der es unter das vorgeschriebene Deckbuch ordnungsmätig zu führen, wird mit einer Geldstrafe von 5 bis 60 Mark oder entsprechender Haft bestraft. Gleiche Strafe trifft denjenigen Bullenbesitzer, welcher den Bestimmungen des Kreisausschusses über das Mindestdeckgeld zuwide handelt. Viehbesitzer, welche ihre Tiere von emnem nicht angekörten fremden Bullen decken lassen, werden mit Geldstrafe von 3 bis 00 Mark oder entsprechender Haft bestraft.“ Wiedenbrück, den 10. Juni 1902. Der Vorsitzende des Kreis=Ausschusse Engellurd, Königlicher Landrat. Insekten=Cötungsmittel Beliebteste politische Tageszeitung in Rheinland u. Westfalen. Fast Verdreifachung der zahlenden Abonnenten in den Jetzten 4 Jahren. Von keiner politischen Zeitung erreicht. Ein Erfotg der unabhängigen nationalen Haltung des Blattes und ein Beweis, dass die Bevölkorung Rheinlands und Westfalens diese Haltung billigt. Täglich 3 Ausgaben. Preis pro Quartal Mk. 4,75. Probesendungen bis Ende dieses Monats kostenlos. ####ötet radikal speziell Flieg flöhe, Läuse, Auferlaken, cewaben 2c. 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