a Erscheint wöchentlich brimal: Dienstag, Dennerstag und Sonnabend, Bierteljährlich 1 Mari mit Botenlohn durch die Pos 1 Mart 25 Pf. Mit illustriertem Druck und Verlag von Judw. Flöttmann, Güterskoß. Sonntagsblatt. die 1spaltige Grundschriftzelle oder deren Raum 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung 25% Ermäßigung. Anpreisungen 25 Pf. Seschststele: Gatersloetz, Vcertrate 3141. Für die Schriftleitung derantwertlich Nr. Flöttmann, Gülerokot. A 58 Fernsprech=Anschluß Nr. 87. Mlitwoch, den 14. Mak 1902. Postzeitungsliste Nr. 3276. 19. Zahegang Die Aushebung des Diktaturparagraphen in Elsaß=Lothringen. Der Kaiser hat bei seinem letzten Besuch in Straßburg, in der vorigen Woche, den Reichslanden ein Geschenk gemacht, nach dem man sich dort schon lange gesehnt und auch eifrig bemüht hal; die Aufhebung des Dittalurparagraphen. Am 10. Mal hat der Kalse: folgenden Erlaß an den Statthalter gerichtet: „Um den Bewohnern Elsaß=Lothringens einen besondern Beweis Meines Wohlwollens zu geben, sowie im Verirauen auf die Reichstreue und loyale Gesinnung, welche sich je länger desto mehr in der Bevölkerung des Reichslandes befestigt hat und Mir bei Meinen wiederholten Besuchen dieses dem Vaterlande zurückgewonnenen Landes in unzweidentiger Weise entgegengetreten ist, will Ich Sie ermächtigen, wegen Aufhebung des Paragraphen zehn des Gesetzes vom 30. Dezember 1871 betressend Einrichtung der Verwaltung in Elsaß=Lothringen mit dem Reichskanzler in Verbindung zu treten, den Ich ermächtigen werde, einen entsprechenden Gesetzentwurf dem Bundesrat vorzulegen. Sie wollen diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntnis bringen. Wilhelm.“ „Diktaturparagraph“ wird kurz der§ 10 des Gesetzes vom 30. Dez. 1871 für Elsaß=Lothringen genaunt, durch den der Statthalter(bis zum Jahre 1879 hatte der Oberpräsident diese Vollmacht) ermächtigt ist „bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit alle Maßregeln ungesäumt zu treffen, welche er zur Abwendung der Gefahr für erforderlich hält.“ Es ist einleuchtend, daß eine solch weilgehende Machtfülle in der Hand des Einzelnen drückend auf dem Lande und auf jedem einzelnen Staatsbürger lasten muß; konnte doch der Statthalter jeden Staatsangehörigen ohne Weiteres ausweisen, jedes Zeitungsunternehmen ohne Umstände unterdrücken usw. Die Schaffung des Paragraphen erklärt sich aus den Zeitumständen. Als im Frantfurter Frieden vom 10. Mal 1871 die jetzigen Reichslande Elsaß=Lothringen von Frankreich an Deutschland abgetreten und durch Gesetz vom 9. Juni 1871 für immer mit dem Deutschen Reiche vereinigt waren, fand die sich bald geltend machende vielseitige Fürsorge der deutschen Verwaltung für das gemeine Wohl und die geistigen Bedürfnisse des Reichslandes von setten der Bevöllerung keinerlei Entgegenkommen. Die unmittelbaren Vorteile, welche die rechtlichen Entschädtgungen für Kriegsverluste, die Herabsetzung der Steuerlast, die Verbesserung des Verkehrswesens, die Aufhebung des Tabakmonopols u. a. mit sich brachten, vermochten bei der herrschenden Stimmung den unabweisbaren Folgen gegenüber, welche vor allem die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Durchführung der Optionsangelegenheit, mit sich brachten, nicht zur Geltung zu gelangen. Die große Erregung hervorrufende„Optionsfrage" wurzelte in den Bestimmungen des Frankfurter Friedens, nach welchem alle in Elsaß geborenen oder wohnenden Personen bis zum 1. Ottober 1872 sich darüber zu erklären hatten, ob sie künftig Deutsche oder Franzosen sein wollten. Wer sich für letzteres entschied, mußte seinen Wohnsitz in Elsaß aufgeben und denselben nach Frankreich verlegen; that er das nicht, so wurde sein Option für Frankreich als ungültig angesehen und er trotz derselben in jeder Beziehung als Angehöriger des deutschen Reiches behandelt. Von 160 878 Personen, welche für Frankreich optirten, wanderten nur 49 926 dahin aus; die Verblelbenden wurden als Deutsche betrachtel, und bei Entziehung von der Militärpflicht und ihrer Rückkehr nach Elsaß ohne Erlaubnis, ging man mit aller Strenge gegen sie vor. Der offene Widerstand des Gemeinderates von Straßburg veranlaßte 1873 die Aufhebung desselben durch die Regierung. Die Verweigerung des Eides der Treue an den Kaiser bewirkte, daß von den 1878 gewählten 22 Kreislagen nur 14, von den 8 Bezirkslagen nur 1 beschlußfählg waren. Seit 1890, wo zum ersten Male 4 deutsch gesinnte Abgeordnete von Elsaß=Lothringen in den Reichslag gewählt wurden, wird allmählich eine Erstarkung der deutschen Gesinnung erkennbar, insbesondere durch den persönlichen Einfluß Kaiser Wilhelms II. Dem entsprechend wurde auch die Bevölkerung milder behandelt: 1891 wurde der Paßzwang aufgehoben, 1895 die Thürund Feustersteuer, 1896 trat eine neue Gemeindeordnung in Kraft, welche den Gemeinden größere Selbstständigkeit verlieh. Gleichzeitig wurde ein Gesetz von 1887 aufgehoben, welches die Regierung ermächtigt halte, staut ehrenamtlicher Bürgermeister Berufsbürgermeister zu ernennen, die nicht aus Gemeinde und Gemeinderat zu entnehmen waren. Bisher hatte sich die Regierung gegen die Aushebung des Diktaturparagraphen energisch gesträubt, die Aufhebung durch den Kaiser ist daher ziemlich überraschend gekommen. An unsern Reichsbrüdern in Elsaß=Lothringen wird es unn sein, des Vertrauens, welches der deutsche Kaiser durch seinen hochherzigen Erlaß in ihre Reichstieue und loyale Gesinnung gesehzt hat, sich würdig zu erweisen. Politische Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser ist Sonnabend nachmittag in Wiesbaden eingetrossen. Sonntag nachmittag unternahm der Monarch eine Spazierfahrt nach dem Herrberg, woran sich ein Spaziergang anschloß. Am Abend versammelie der Kaiser nach der Theatervorstellung die Herren der Umgebung um sich. Montag früh 7½ Uhr unternahm der Kaiser einen Spazterritt und hörte später im Laufe des Vormittags den Vortrag des Chess des Civilkabinets. Der Kaiser hal anläßlich der Kalastrophe auf Martinique an den Präsidenten Loubei folgendes Telegramm gerichtel:„Tief bewegt durch das Unglück, welches St. Pierre betroffen und welches der Bevölkerung das Leben gekostet hat, die ihrer Zahl nach fast die erreicht, welche in Pompest umkam, beeile ich mich, Frankreich den Ausdruck meiner aufrichtigen Teilnahme auszusprechen. Möge Gott, der Allmächtige, die Herzen derjenigen trösten, welche unersetzliche Verluste beweinen. Mein Botschafter wird Ew. Exzellenz den Betrag von 10 000 Mi. von mir übergeben, um den Betroffenen zu heifen. Wilhelm, I. R. Loubei antwortete: Sehr gerührt von dem Beweise der Teilnahme, welche Ew. Majestät die Güte hatten, mir anläßlich des schrecklichen Unglücks, das Frankreich beiroffen hat auszudrücken, bitte ich Sie, meinen lebhaften Dank wie auch die Versicherung der Dankbarkeit der Opfer entgegenzunehmen, denen Sie zu helfen beabsichtigen. Emile Loubei. Der Kaiser hal, wie amerikanische Blätter erfahren, beim Präsidenten Roosevell anfragen lassen, ob eine Einladung an drei hohe amerikanische Offiziere zur Tetlnahme an den diesjährigen Kaisermanövern genehm sein würde. Der Präsident soll darauf geantwortet haben, daß eine solche Einladung als ein neuer Beweis der herzlichen Gefühle, die die deutsche Reglerung für die Verein. Staaten hege, betrachtet und als solcher gerne angenommen werden würde. Voraussichtlich werden die amerikanischen Generalmajors Corrbin und Young, sowie der Brigadegeneral Wood zu den deutschen Kaisermanövern entsandt werden. Die„Nordd. Allg. Zig.“ schreibi: Wir traten schon einmal der Legende entgegen, wonach von dem Kaiser dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Lieber Anerbietungen wegen Verleihung einer Ordensauszeichnung 4 Zweite Heimat. Roman von J. von Couring. 18 Dann geriet der Prinz in den Bannkreis von Nellys Zauder. Nach einer längeren Unterhaltung mit der kleinen Blumenfee erstand ei zu unerhörtem Preise eine dunkelrote Rose, die Nellys Händchen auf seiner Uniform bejestigen mußten. Sie schlug bei dieser Beschäftigung die strahlenden, schwarzen Augen mit einem derartig bezaubernden Blick zu dem fürstlichen Herrn empor, daß dieser ein swenig errötete, herausfordernd den Schuurrbart strich und augenscheinlich lebhaft bedauerte, daß ihn die umherstehende ohrenspitzende Menge an dem kecken Kompliment, das ihm auf den Lippen schwebse, verhinderte. Der Adjutam mußle sich mehrfach, wenn auch sehr diskrei, räuspern, ehe der Prinz bemerkte, daß seine Gemahlin ihn erwartete. Er empfahl sich mit einem verbindlichen Abschiedsworte an Nelly, die ihm lächelnd nachsah. Neben der Ephenwand, die Ilsens Versteck begrenzte, suchten eben zwei Herren einen Platz. Nach dem metallischen Klirren, das ihr Nahen verrlet und auf Schleppsäbel und Sporen deutete, mußten es Offiziere sein. „Ein Nacker, die kleine Swieten,“ sagte der eine. „Aber kolelt! Und habei kalt wie ein Eiszapfen!“ „Na, ich glaube, nicht gegen Jedermann,“ meinte der erste Sprecher;„der Russe, zum Beispiel weicht und wankt heute nicht von ihr.“ „Der ist zum Tragen des Blumenkorbes kommandiert— fader Geselle, dieser Fürst, was?“ „Kenne ihn wenig. Er soll eine gräuliche Spielratze sein. Jede Nacht sitzt er im Klub beim Hazard. Na, er kann sich's leisten. Hal, glaube ich, Goldgruben oder so etwas Aehnliches im Kaukasus. Weißt Du übrigens, daß die kleine Swielen einen schwunghaften Handel mit Handküssen betreibt?“ „Mit was? Hab' nicht verstanden.“ „Für zwanzig Mark darfst Du Rellys kleine Hand küssen; das ist doch großartige Wohlthäligkeit, was? die Blumen wersen nicht genug ab.“ „Na, weißt Du, mein Geure wäre das nicht; ich bin solider angelegt.“ „Ach, alter Knabe, spiel Dich nicht auf den Tugendhasten.“ Beide lachten herzlich. „Alle Weiter, da kommt Exzellenz Selcher— wenn der sieht, daß wir beim Selt sitzen— hält er nächstens wieder eine seiner beliebten Siandreden über„die erwünscht weise Sparsamteit" des jungen Offiziers." Ilse hörte, daß die Herren sich entfernten. Sie konnte den Russen sehen, der, mit einem riesigen Blumenkorbe beladen, Nelly auf Schritt und Triut folgte. Er schien noch jung zu sein, haue ein verlebtes Antlitz und bedenklich gelichtetes, glattes, schwarzes Haar— herzlich unbedeutend sah er jedenfalls aus. Der General, vor dem die Ossiziere geslohen waren, kam auch in Sicht, und es stieg ein qualvolles Gefühl von Leid und Sehnsucht in Ilse auf, obwohl seine Züge denen des Verstorbenen nicht glichen; aber es war da ein gewisses Elwas in Haltung, Stimme und Barttracht, das, außer der wohlbekannten Uniform, Ilse mit peinlicher Schärfe an den Verlust erinnerte. Sie lehnte sich noch mehr in ihr Versteck zurück und versuchte vergebens, die immer wieder aufsteigenden Thränen zurückzudrängen. Als sie jetzt ausblickte, sah sie Ernst vor sich stehen. Entgegen seiner sonstigen beherrschten Ruhe lag ein Ausdruck von Mitleid und Zärtlichkeit auf seinen Zügen, daß ihr Herz stürmisch und schwer zu klopfen begann. Er schwieg einen Moment und nahm dann auf dem schmalen Bänchen neben Ilse Platz. Der Gesellschaftsanzug stand dem hohen, schön gewachsenen Mann gut, und sein dunkles Autlitz mit dem edlen Profil, den etwas lief liegenden Augen und dem schwarzen, spitzgeschnittenes Vollbart hob sich vorteilhaft von der schneeweißen Wäsche ab. „Nach mehr als einer Stunde unaufhörlichen Suches habe ich Sie gefunden,“ sagle er.„Das Versteckchen, das Sie sich ausgesucht haben, ist jedenfalls vorzüglich gewählt. Nur ein Schimmer Ihres weißen Kleides verriet Sie endlich.“ „Ich fühlle mich fremd und unbehaglich,“ erwiderte Ilse.„Von hier aus kann man hübsch beobachten und wird selber nicht gesehen; das war gerade, was ich haben wollte.“ Er lächelle ein wenig und schaute auf die bunte, lachende und plaudernde Menschenmenge, die sich rastlos durcheinanderschob, immer neue Gruppen bildete und jeden Augenblick neue Gesichter, neue farbenprächtige Kostüme in den Vordergrund drängte. „Vauity kair,“ sagte er,„Jahrmarkt der Eltelkeit! Sehen Sie doch einmal diese Veranstaltung an und erwägen Sie dann das Resultat aller Mühe und Kosten. Die Armen, denen zu Liebe doch die ganze Sache gemacht wird, würden nicht begreifen, weshalb alle diese eleganten Damen und vornehmen Kavaliere große Totlette machen, sich tagelang durch Herumstehen ermüden und überflüssige Sachen zu enormen Preisen verkaufen, da sie es doch viel bequemer und vor allen Dingen zweckmäßiger einrichten(önmen, wenn sie das Geld der Bedürftigen direkt gäben.“ „Dann wäre ja aber gar kein Spaß dabei,“ erwiderte Ilse,“ und ich glaube auch nicht, daß es prattisch wäre, wenn man die Wohlthätlgkeit auf Ihre Art in Szene setzte. Die meisten Menschen wollen nicht allein geben, glaube ich, sondern auch selber noch etwas davon oder eines höheren Antes gemacht seien. In den letzten Tagen wurde abermals in der Presse erzählt, der Kaiser habe Lieber einen Orden und schließlich auch den Oberpräsidentenposten in Kassel angeboten. Wir wiederholen deshalb, daß alle Behauptungen über Anerbletungen, die der Kaiser demn verstorbenen Zentrumsführer direkt oder indirekt gemac,t habe, gänzlich aus der Lust gegrisfen sind. Nach der„Kreuzzig.“ hal Prinz Georg von Preußen zuri Erben der Burg Rheinstein den Prinzen Heinrich von Preuzen eingesetzt. Die allgemeine Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Heimatrbeiter, zu der dem Bundesrat durch Gesetz vom 20. Juni 1900 die Ermächtigung erteilt ist, soll, wie aus einem Erlaß des Handelsministers Möller zu ersehen, jetzt durchgeführt werden. Holland. Die letzten Berichte über das Befinden der Königin konstatieren eine fortgesetzte Besserung. Die Gefahr scheint jetzt überstanden zu sein. Frankreich. Es sind 171 Stichwahlergebnisse von 174 bekannt. Gewählt sind 128 Ministerielle und nur 43 Antiministerielle. Die Regierungsmehrheit in der Kammer wird um 40—50 Stimmen erhöht werden. Rußland. Der Belagerungszustand ist über fünf Kreise des Gouvernements Poltawa verhängt worden. Man findet darin mit Recht eine Art Bestätigung der beunruhigenden Gerüchte, welche schon seit längerer Zeit über die Zustände in einigen südrussischen Gouvernements umlaufen. Aus Grt und Provinz. di und deren Um #slagen von und X Gütersloh, 10. Mai.[Burenvortrag.] Der ursprünglich für heute gepiante Vortrag des Herrn Geiser wird endgültig am Freitag Abend im Vereinshause stattfinden. Der Vortrag dürfte für Gütersloh von besonderem Interesse sein, well der Redner selbst Gütersloher ist, der als Geschäftsführer des Alldeutschen Verbandes also der großen nationalen Körperschaft, welche die ausgedehnteste Burenhilfsthätigkeit vom Beginn des Krieges an entfaltet hat, wie wenige berufen sein dürfte über das Thema„Das deutsche Volk und die Buren" zu reden. Allen Tellnehmern der letzten Kaisersgeburts. tagsseler wird noch in frischer Erinnerung stehen, in welch begeisterter und überzeugender Rede Herr Geiser damals die Buren feierte. Wie wir vernehmen, gedenkt der Redner die damals entwickelten Gedanken diesmal weiter auszufähren und insbesondere die wichtigen nationalen, politischen und wirtschaftlichen Interessen, die für Deutschland bei dem Burenkriege auf dem Spiel stehen, auseinandersetzen. Wir empfehlen demnach den Besuch des Vortrages allen Burenfreunden und allen, welche die Entwicklung der nationalen Bewegung in unserem Vaterland mit Interesse verfolgen aufs wärmste. Im übrigen verweisen wir auf die Anzeige in gleicher Nummer. : Gütersloh, 13. Mai.[HandwerkerVersammlung.] Am Sontag nachmittag fand im Vereinshause eine von dem Vorstande der Allgemeinen Handwerker=Innung einberufene Handwerker=Versammlung statt, welche von den Handwerkern aus Stadt und Amt Gütersloh, Kattenstroth=Spexard, Avenwedde u. Friedrichsdorf sehr gut besucht war. Der Vorsitzende Herr A. Pütt begrüßte die Erschtenenen und wies hin auf die in Handwerkertreisen vielfach noch bestehende Unkenninis über den Inhalt und die Wirkungen des nunmehr in seinem ganzen Umfange in Kraft getretenen HandwerkerOrganisations=Gesetzes vom Jahre 1897. Herr Pült warf dann noch einen Rückblick auf die Entwicklung des Handwerks seit Einführung der Gewerbefreihelt im Jahre 1869 und die seitdem an vielen Orten unternommenen Versuche einer Organisation des Handwerks. In kurzen Zügen streifte er die Thätigkeit der hiesigen Allgemeinen Handwerker=Innung, die im Jahre 1881 als Handwerker=Verein gegründet und später zur Innung ausgestaltet ist; die Innung hat eine rege Thätigkeit entfaltet und besonders in letzter Zeit, seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes hat die Mitgliederzahl stetig zugenommen.— Darauf nahm der Sekretär der Handwerkskammer in Bielefeld, Herr Sackmann, das Wort um in längerem Vortrage, in allgemein verständlicher, eingehender Wesse die neue Handwerker=Gesetzgebung zu erläntern. Der Redner gab zunächst eine Uebersicht über die Organisation, die Rechte und Pflichten der Innungen, über die Einrichtungen derselben, über das Lehrlingswesen, die Gesellen und Meisterprüfungen, sowie über die Innungsschiedsgerichte, die die gleichen Befugnisse wie die Gewerbegerichte hiben, sich infolge ihrer Zusammensetzung aus Fachgenossen vielfach ier an allen weiteren Konferenzen tell. Die Forde= aber praktischer als die ersteren erwiesen hätten. rung der Buren, ihre Waffen behalten zu dürfen, wurden Alsdann verbreitete sich der Redner näher über die FachVom südafrikanischen Aus Preiorsa wird berichtet, daß die Zensur keine Nachrichten über die Friedensverhandlungen durchläßt, mit Ausnahme der Meldungen über die Bewegungen der Burendelegierten. Deshalb gehen die tendenzlösen Ausstreuungen über den schon angeblich abgeschlossenen Frieden jetzt sogar nach Portugal hausieren. Die offiztöse vortugiesische Zeitune„Novidades" bestätigt diese Friedensnachrichten aus Südafrika. Sie behauptel zu wissen, daß die Bestimmungen für die Buren ehrenvoll seien. Die offiztelle Proklamation des Friedens werde am 20. Mai erfolgen und aus diesem Anlaß würden große Festlichketten in Delagog=Bai vorberettet. Dagegen lüstet das„Neu. Bur.“ jetzt ein wenig den Schleier von dem wirklichen Stande, wenn sein Korrespondent in Preioria in einem vom 19. April datierten Schreiben ausführt, alle damals in Pretoria anwesenden Delegierten der Buren seien anscheinend wohlauf gewesen, mit Ausnahme Steisus, der außer an den Augen auch an den Nerven leide, und dessen Zustand sehr schlimm zu sein scheine. In der ersten am 12. April abgehaltenen Konferenz stellten die Delegierten als Basis der Verhandlungen die Forderung den Unabhängigkeit auf, für deren Bewilligung den Ultlanders ein liberales Wahlrecht zugestanden werden sollte. Auch wollten die Buren ihre Forts schleifen. Als diese Forderung von der britischen Regierung abgelehnt wurde, legten die Delegierten eine Reihe von Bedingungen vor, auf deren Bewilligung sie den Buren raten würden, um sich zu ergeben. In diesem Stadtum der Verhandlungen traf der Oberkommissar Milner ein und nahm Klichener an allen weiteren Konferenzen tell. Die ohne weiteres abgelehnt, die britische Regierung kam ihnen aber in der Frage der Entschädigung für die niedergebrannten Farmen und der Wiederausstattung derselben weit entgegen und erhob auch keine Schwierigkeiten hinsichtlich der geforderten Amnestierung der Ausständischen in der Kapkolonte. Die Delegierten gaben zu, daß diese Leute eine Strafe für die Rebellion treffen müsse, hofften aber, daß diese Bestrafung in nicht mehr als einer Entziehung des Bürgerrechtes bestehen werde. Es scheint, als ob diese Frage keine unüberwindlichen Schwierigkeiten geschaffen habe. Die brittsche Regierung hat es dagegen abgelehnt, schon jetzt den Tag für die Einführung der repräsentativen Regierung zu bestimmen. Dies war überhaupt der springende Punkt der ganzen Verhandlungen. Im Lause der Verhandlungen hat sich gezeigt, daß Steijns Fanatismus noch keinerlei Mäßigung erfahren hat. Zum Stillstand kamen die Beratungen, weil Steisn und Schalk Burger erklärten, daß sie keine Vollmachten besäßen. Es wurde ihnen dann bis zum 15. Mai Zeit gegeben, mit den Buren zu konserieren. Eine Gewißhelt, daß die Burenführer beabsichtigen, sich zu ergeben, besteht somtt nicht. haben, auch, wenn das wieder erhöhle Opfer an Zeit und Geld kosten sollte.“ „Und Sie finden das begreiflich?“ „Im allgemeinen, ja. Denn viele von den auwesenden Damen sind herzlich froh, wenn sie ihre überflüssige Zeit auf gute Art hinbringen können— hier aber thun sie damit noch ein gutes Werk, das sonst ganz gewiß unterbliebe. Für die Armen ist es schließlich doch die Hauptsache, daß ihrer Noi abgeholfen wird. Ob das Geld, das dazu dienen soll, eingesammelt oder wie es hier geschieht, zusammenamüsiert wird, ist doch im Grunde einerlei.“ „Weshalb haben Sie sich denn diesem guten Werle gegenüber passiv verhalten?“ „Ich habe nicht für mich gesprochen, Herr Harl. Ich selber mag nur helfen wo es mir wirtlich Arbeit und auch bisweilen ein Opser kostet. Die Art, wie Ihre liebe Mutter giebt, stützt und hilft, ist die einzige, die mir zusagt, und ich bemühe mich, sie immer besser von ihr zu lernen.“ (Fortsetzung folgt.) Innungen, deren Einrichtung er überall da, wo es sich ermöglichen lasse, empfahl, da die Thätigleit der FachInnungen in denen die Angehörigen eines oder mehrerer verwandter Gewerbe sich vereinigten, weit intensiever und nutzbringender sei, als die der gemischten Innungen. Für den Kreis Wiedenbrück sollen 3 Iunungsbezirke gebildet werden, der erste Bezirk umfaßt Stadt und Amt Gütersloh, Kattenstroth, Spexard, Avenwedde und Friedrichsdorf. Der zweile Bezirk umfaßt Wiedenbrück und den übrig bleibenden Tell des Amtes Reckenberg, der dritte Bezirk umfaßt Stadt und Feldmark Rheda und das Amt Herzebrock. Die Aemter Nielberg und Verl sind bisher noch nicht zu Innungen organisiert. Nach dem Vortrage des Herrn Sackmann empfahl der Vorsitzende der Handwerkskammer Herr Malermeister Meyer aus Bielefeld ebenfalls die Errichtung von Fachinnungen, deren Vorteile er aus eigener Erfahrung kennen gelernt habe. Darauf stellte Herr Püli die Frage, ob man hier mit der Bildung von Fachlunungen vorgehen solle zur Abstimmung und fast alle Anwesenden entschieden sich dafür. Es wurden dann verschiedene Gruppen aus verwandten Gewerben gebildet, welche die Angelegenheit weiter fördern werden. Auch die vorliegenden Antragsformulare wurden von einem Teile der Anwesenden mit Unterschrift versehen. Gütersloh, 18. Mai.[Großfeuer.] In der Mitternachtsstunde meldete das Läuten der Sturmglocke sowie Alarmsignale der Feuerwehr den Ausbruch eines Brandes in der Landgemeinde. Ein gewaltiger Feuerschein in südöstlicher Richtung von der Stadt ließ auf einen größeren Brand schließen und diese Annahme bestättgte sich.„Die Sunder=Mühle brennt,“ so hörte man in den Straßen rufen, was neben den Feuerwehrleuten auch vielen Bürgern Veranlassung gab, die behagliche Ruhestätte mit einem Gang zur Brandstelle zu verlauschen. Je näher man dieser kam, desto mächtiger wurde der Eindruck, der sast turmhoch schlagenden Flammen, die die ganze Umgebung taghell erleuchteten. Das Feuer hatte sich mit rasender Geschwindigkeit über das ganze Etablissement verbreitet und war im Nu auch auf den durch eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbundenen Korn=Silo übergesprungen, der ebenfalls lichterloh brannte. An eine wirksame Belämpfung des Feuers war nicht zu denken, da die große Hitze und die Gefahr den Aufenthalt in der Nähe der brennenden Gebäude fast unmöglich machte. So mußte sich die Thätigtelt der hald auf der Brandstätte erschienenen Feuerwehr in der Hauptsache auf das sehr gefährdete aber vom Feuer verschont gebliebene Wohnhaus und Scheune beschränken. Giebel, Balken, Maschinen usw. stürzten krachend und polternd in die unteren Stockwerke der brennenden Gebäude, gewaltige Feuerregen zum Himmel sendend und weithin flogen brennende Zunder. Selbst die starken eisernen Träger und Säulen konnten den Gluten nicht stand halten, sie knickten wie Nohre zusammen. Innerhalb weniger Stunden war die ganze innere Einrichtung der Mühle vom Feuer zerstört, sodaß nur noch die Umfassungsmanern stehen geblieben sind. Auch nicht unbedeutende Mehlvorräte sind den Flammen zum Opfer gefallen. Zum Glück ist niemand bei dem Brande zu Schaden gekommen. Auch das Mobilar des in der Mühle wohnenden Mehl=Verkäufers konnie zum größten Teil gerettet werden. Die Dampfmühle, welche in den Jahren 1856 und 57 erbaut und später durch Anbauten mehrfach vergrößer: worden ist, ist bei 6 Gesellschaften versichert, die für den nach Hunderttausenden zählenden Schaden aufzukommon haben. Die Emstehungsursache ist unaufgeklärt. Bemerkt wurde dus Feuer zuerst in der Korn=Reinigung, von einem in der Wassermühle Nachtdienst ihnenden Arbeiter, der die sofortige Meldung des Feuers nach der Stadt veranlaßte. ) Gütersloh, 10. Mai.[Unfall.] Der bei dem Bezirksschornsteinsegermeister Herrn Beckmann hier in Arbeit stehende Schornsteinsegergeselle Wilhelm Schütz erlist gestern bei Ausübung seines Berufes in der Gemeinde Verl einen Unfall dadurch, daß er durch die Bodenlute auf die Tenne fiel. Die Luke soll offen und mit Stroh bedeckt gewesen sein. Der Verletzte wurde mittelst eines Wagens nach hier gebracht und dürfte nach ärztlicher Aussage der Unfall für ihn glücklicherweise ohne schlimme Folgen verlausen, so daß er hoffentlich nach einigen Wochen wieder arbeitsfähig sein wird. Die Fahrlässigkeit in der Behandlung der Bodenluken hat schon manches Unglück herbelgetührt, und den Hauseigentümern Uninnehmlichkeiten bereitet. Isselhorst, 11. Mai[Personalno###z. Der Lehrer Brinkmeier hierselbst wird seinem Wunsche gemäß am 1. Aug. d. J. in den Ruhestand treien. Bielefeld, 9. Mai.[Die Garnisonfrage. Die„Westf. Zig.“ schreibt: Ueber die Verlegung der Garnison von Bielefeld nach Brackwede bestehen die Unterhandlungen weiter fort und werden von Seiten der königlichen Intendantur des 7. Armeekorps in Münster und der Gemeinde Brackwede lebhaft unterhalten. Es wird von der königl. Intendantur ein Komplex von 20 bis 24 Schesselsaat(à 1702 gm, also zusammen 34040 bis 40 848 qm) zum Bau der Kaserne und zur Anlegung des Exerzierplatzes beansprucht. In erster Linie sind hierzu in Brackwede die Ländereten zwischen Voßmerbäumer und der Kaiserstraße in Aussicht genommen. Soweit wir unterrichtet sind, kommt es dem Brackweder Gemeinderat nicht darauf an, gwenn es erforderlich ist, Grund und Boden gratis herzugeben. Seit unserm letzten Bericht sind übrigens auch seitens der Stadt Vielefeld die Unterhandlungen mit dem Militärsiskus wieder ausgenommen worden. Es verlautet, daß hier immer wieder nur das Ellerbrocksche Grundstück in Gadderbaum in Frage komme. Die Stadt Blelefeld hal bei der Ausgemeindung von Gadderbaum zur Bedingung gemacht, daß das Ellerbrock'sche Grundstück im Falle eines Erwerbes zum Zwecke des Kasernenbaues zum Stadtbezirk Bielefeld hinzugezogen werden solle. Die Besitzeri des Grundstücks hal ansangs 7 Ml. pro gm gefordert; nach Ablauf der ersten erfolglosen Unterhandlungen soll, wie verlautet, der Preis jedoch neuerdings höher geworden sei. Die zum Kasernenbau erforderlichen 20—24 Scheffelsaat Ländereien dürften also immerhin heute der Stadt Bielefeld über 320.000 Mt. kosten. Dazu kommt in Betracht, daß wegen des ansteigenden Ellerbrock'schen Terrains sogenannte„Futtermauern“ nötig sind, die an geblich auch über 100 000 Mt. kosten und zu dem Grundstückspreise hinzukommen würden. Nach alledem ist der Stand der Verhandlungen inbetreff der Garnisonfrage für Brackwede bedeutend günstiger als für Bielefeld, das jetzt durch Theater= und Rathausbau sehr in Anspruch genommen ist. Wie schon früher erwähnt, könnte ähnlich wie in Düsseldorf die Bezeichnung der Garnison den Namen der Stadt Bielefeld beibehalten, auch wenn das Vataillon von hier nach Brackwede verlegt wird. Bis zum definttiven Abschluß der Verhandlungen, die immerhin noch einige Zeit dauern können, hüllen sich die beteiligten Behörden in lieses Schweigen. * N e u h a u s, 1 1. M a i.( E i n e K o r n ä h r e i m Magen eines Kindes.] Das 1 Jahre alle Kind eines in der Senne wohnenden Anbauers war selt einigen Tagen bedenklich erkrankt. Trotz hinzugezogener ärztlicher Hilfe nahm die Krankheit eine immer bedrohlichere Haltung an, bis sich die Anzeichen des Todes einstellten und das Kind starr dalag. Mit einem Male stellle sich Erbrechen bei dem schon totgeglaubten Kinde ein, und eine Menge Blut und mit diesem eine Kornähre dringt aus dem Munde. Sofort nach Entfernung dieses gefährlichen Fremdkörpers stellten sich die Lebensgeister wieder ein; das Kind ist jetzt auf bestem Wege der Besserung. Sicher hat dasselbe mit Aehren gespielt und eine derselben verschluckt. Eine Warnung für Mütter ihre Kinder beim Spielen nicht aus dem Auge zu lassen.(G1) * Löhne, 8. Mai.[Verbrecherbande.] Der Gendarmerie gelang es, eine Verbrecherbande aufzuheben, die sich in einem leerstehenden Häuslingshause im Schwarzen Moore eingenistet hatte und von dort aus auf Streifzügen die ganze Umgegend unsicher machte. Die Bande bestehl aus zwei Händlern aus Minden, einem Arbeiter aus Löhne und einem anderen aus Hannover. Eine Menge Einbruchsdiebstähle, die in letzter Zeit vorgekommen sind, auch eine Pferdediebstahl bei dem Bäckermeister Grebenhorst in Löhne, werden ihnen zur Last gelegt. * Meunighüffen, 9. Mal.(Schwindler.] Vor einigen Tagen hat hier ein Schwindler sog. Kaiserbilder, welche einen Wert von 30 Pfg. haben, für 1 M. pro Stück verkauft. Der Mann erzählte den Leuten, der Vertrieb geschehe für Rechnung der Anstalt Bethel bei Bielefeld, woselbst auch die zu den Bildern passenden Nahmen angeserugt würden und in einigen Tagen gralis an die Käufer der Bilder durch den Ocisgeistlichen verteilt werden. Diese Angaben sind völlig erlogen und nur dazu berechnet, die Leute zur Hergabe des überieuren Preises zu bestimmen. Um die Sache besonders glaubhast zu machen, schrieb er den Leuten Zettel, worauf sie vom Pastor die Nahmen erhalten sollten. * Minden, 9. Mai.[Stiftungsfest.] Wie in den früheren Jahren finder auch diesmal das Stiftungssest des hiesigen Taubstummenvereins am 2. Pfingstfeiertuge statt. Well aber im nächsten Jahre das 10jährige Bestehen des Vereins in etwas ausgedehnierer Weise gefeiert werden soll, so beschräuft sich die diesmalige Feier nur auf den Festgouesdienst in der Simeonskirche und die Nachversammlung im Vereinshause. Diejenigen auswärtigen Taubstummen, welche einen Fahrpreisermäßigungsschein zu haben wünschen, mögen sich rechtzeitig umter genauer Angabe ihrer Adresse und Bahnstation an den Vorsitzenden des Vereins, Pastor Büttner wenden. * Vlotho, 11. Mai.[Leichenfund.] Heute früh 8 Uhr wurde an der hiesigen Fähre die Leiche eines etwa 40 Jahre alten Mannes entdeckt, die beim Passieren eines Dampfers mit der Fährleine aus, dem Wasser gezogen ist. Die Leiche, die am Oberkörper teilwelse entkleidet war und mehrere große Verletzungen an Kopf und Händen zeigle, wurden geborgen und nach dem städtischen Leichenhause übergeführt. Der Verstorbene ist bis jetzt nicht rekognosziert. Ibbenbüren, 9. Mai.(Grundsteinlegung.) Am heutigen Nachminage um 3 Uhr fand auf dem hiesigen oberen Marktplatze in feierlichster Weise die Grundsteinlegung für das zur Erinnerung an die 200jährige Zugehörigkeit der Obergrafschaft Lingen zum Königreiche Preußen zu errichtende Denkmal stalt. * Bochum, 9. Mai.[Eisenbahnunglück.] Auf dem Baynhof Hautingen stieß eine Maschine mit einem Personenzug zusammen. Fünf Personen wurden verletzt. * Witten, 9. Mai.(Gemeinsames Vorgehen der Aerzte.] In der letzten Versammlung der Ortskrankenkasse der ver. Handwerker, Gesellen und Lehilinge wurde von einer Anzahl Müglieder die Anstellung eines Naturarztes beantragt; die Beratung dieses Antrages wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Der Aerzieverein für Winten und Umgegend saßte hierzu den Beschluß, daß die bei der genaunten Kasse thätigen drei Aerzte sofort ihre Funktionen als Kassenärzie niederlegen sollten, falls von den Kassen=Mügliedern die Anstellung eines Naturarztes beschlossen werden sollte.— Von einer Fabrik=Krankenkasse war einem Kassenarzt die Stellung ohne Angabe von Gründen gekündigt worden. Der Aerzte=Verein hat uun einstimmig beschlossen, daß die Aerzte in Zukunft sich um die Anstellung als Kassenarzi überhaupt nicht mehr bewerben sollen. * R u h r o r t, 1 0. M a i.[ A u f d e r H ü l t e „Phönix“) erlinen gestern nachmittag 4 Uhr drei Arbeiter an einem Hochosen infolge Herausschlagens der Flamme schwere Brandwunden. Zwei der Verunglückten sind gestern Abend ihren Verletzungen erlegen. erfaßt, wobei ihm ein Fuß abgefahren und ein Arm mehrfach gebrochen wurde; auch verlor er ein Auge. Der Verunglückte wurde in das evangelische Krankenhaus zu Kettwig gebracht, wo er inzwischen verstorben ist.— Trier. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag sind fast in sämtlichen Weinbergen des Saargebietes alle Triebe und Bläuer erfroren.— Dresden. Der von hier nach Skandinavten gesandte Kriminalbeamte Bernhardt entdeckte bei Roenne(Vornholm) eine Fabrik gefälschter deutscher und österreichischer Banknoten. Die Falsisikate sind seit Januar in Mitteldeutschland, besonders in Sachsen und Böhmen, verbreitet. Die gesamten Vortäte sind beschlagnahmt.— Osnabrück. Nach einer soeben eingetroffenen Nachricht hat der Großherzog von Sachsen=Weimar es endgültig abgelehnt, den in Nöda einstimmig gewählten Pastor Weingart zu bestätigen. Diese Ablehnung erscheint umso bemerkenswerter als u. a. Minister Siudt sich wiederholt zu Gunsten Weingarts verwendet haue.— Kohlenz. Die hiesige Firma Gebr. Stmon erhielt den Auftrag, 150000 Krönungsbecher nach England zu liefern.— Heiligenstadt. Der Truppenübungsplatz für das 11. Armeekorps, nachdem nach langem erregtem Streit das Eichsfeld endgültig fallen gelassen ist, mit dem Uebungsplatz für das 18. Korps vereinigt und in das Gelände der Gemeinde Wermerihshausen(Kreis Marburg) und Rüdingshausen (Provinz Oberhessen) gelegt werden. Es dürfte dies der größte Militärübungsplatz in Teutschland werden. In den letzten Tagen wurden von Vertretern der Militärund Staatsbehörden die vorbereitenden Schritte gethan, um das Enteignungsverfahren einzuletten. Düsseldorf. Ein Ulan vom 5. Ulanenregiment war nach Mintard beurlaubt. Zur Rücksahrt wollte er den letzten Zug von Keutwig aus benutzen. Da er diesen versäumte, hat er sich anscheinend zu Fuß auf den Weg nach Düsseldorf begeben, zu welchem Zwecke er den Eisenbahnkörper betrat. Er wurde dann von einer Lokomot#ve Die Vulkan-Katastrophe in Martinique. Auf der französisch=westindischen Insel Martinique hat, wie bereits kurz gemeldet, ein vulkanischer Ausbruch stattgefunden, der eine blühende Stadt, St. Pierre, fast vollständig verschüttel, und ihre Einwohner zum größten Tell unter den Tiümmern begraben hat. Die Katastrophe erinnert lebhaft an die im Jahre 79 nach Chr. Geb. verschütteten römischen Stadt Pompeji und Herculanum. Jetzi, nach fast 1900 Jahren, hat sich ein solches schreckliches Naturschauspiel wiederholt und zwar in Mittelamerisa, auf der den Franzosen gehörenden kleinen Antillen=Insel Martinique. Die ganze Stadt ist zerstört, ihre Einwohnerschaft, die im Jahre 1889 in über 29 000 Seelen bestand, bis auf ein verschwindend kleines Häuflein um's Leben gekommen. St. Pierre, 1665 gegründet, war die wichtigste Stadt auf der Insel Martinique, war Sitz eines Bischofs, besaß eine katholische Kathedrale, ein Kollege, ein Rathaus, einen Justizpalast, einen botanischen Garten, ein Theater, eine Irrenanstalt, ein Militärhospital, und eine Schiffs=Rhede. Seit fünfzig Jahren galt der Kraler des Moni Pele als erloschen. Die Bevölkerung von Saint Pierre vergnügte sich damit, Partieen bis zu dem 150 Meter breiten See zu machen, welcher sich in der Krateröffnung gebildet haue. Das nach würzigen Kräutern schmeckende Wasser dieses Stes galt als Heilmittel. Bei dem jetzigen Ausbruch ist, wie ein weiteres Telegramm meldei, die Altstadt von Saint Pierre am Abhang des Mont Pele völlig zerstört worden. Vernichtet sind die schönsten Kolonial=Pflanzengärten der Amillen, die prächtigste Anlage von Saim Pierre. Ferner sind verschüttel das vischöfliche Palais und einige Konsutatsgebäude; Deutschland hat in Saint Pierre keine Konsularvertretung. Pariser Geschäftshäuser hatten mit Saint Pierre minder rege Beziehungen als Havre und Vordeaux. Die„Agence Havas“ veröffentlicht folgende Schilderung der Katastrophe. Die Stadt St. Pierre ist am 8. d. Mis. gegen 8 Uhr früh durch ein furchtbares Naturereignis vollständig zerstört worden. Bei einem Ausbruch des einige Kllometer von der Stadt gelegenen Bulkaus Pelé= verwandette der von einem wahren Feuerregen begieitele glühende Lavastrom die Stadt in einigen Sekunden in ein ungeheures Feuermeer, das sich auch auf die St. Pierre benachbarte Küste erstreckte und so eine Feuerlinte vom Dorse Carbei bis Bourg de Pscheur bildete. Die Wirkungen dieses vm anischen Ausbruches machten sich bis Fort de France bemerkbar, wo ein Regen von Asche und nußgroßen Etemnen im Gewichte von 7 bis 10 gr niederfiel. Die ganze Insel wurde mit einer drei Millimeter hohen Ascheschicht bedeckt. Der Bericht fährt fort: Trotzdem allgemeine Bestürzung herrscht, ist die Hülfeleistung bald in die Wege geleitel. Der französische Kreuzer„Suchel" wird zur Unglücksstätte entsandl, auch andere Dampfer mit Leichtern gehen dorthin ab, die bald mit schreckenerregenden Nachrichten zurückkehren. Man kann sich der Küste nicht nähern. Die auf der Rhede von Si. Pierle liegenden Schiffe stehen die Flammen, die Hitze ist unerträglich; die Bestürzung ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Lebensmittel werden requiriert bei den Häusern der Großkausleute, bei den Niederlagen und bei den öffentlichen Kassen werden Posten ausgestellt. Gegen Abend frifft der „Suchel“ wieder ein mit ungefähr 30 Ueberlebenden, von denen die meisten mit schrecklichen Brandwunden bedeckt sind; zwei von ihnen starben während des Transports nach dem Hospital. Die Scheinwerser des„Suchel“ lassen ihr Licht auf die Unglücksstätte fallen. Genauere Nachrichten treffen ein, die Zahl der Opfer wird auf 30000 geschätzt. Unter den Vermißten befinden sich der Gouverneur von Martinigne mit Gemahlin, die am Tage vor dem Unglück in St. Pierre eingetrosfen waren. Alle Schiffe, die in der Nähe von Barbet und Bourg de Precheur liegen, sind mit Flüchtlingen angefüllt, deren Zahl ungefähr 5000 beträgt; die Flüchtlinge werden nach und nach hierher geschafft, die noch auf den Schiffen verbleibenden werden mit Lebensmitteln versehen. Die Regierung von Guyana hal einen Kredil von 25.000 Fres. für die Opfer der Kalastrophe bewilligt, in Cayenne und den übrigen Gemeinden werden Sammlungen veranstaltel.— Ein weiteres Telegramm aus Fort de France von gestern meldet: Die Kabelgesellschaft hat ihren Mitarbeiter Molina nach St. Pierre gesandt: derselbe meldet, er habe unter den Trümmern zwar das Bureau der Gesellschaft, aber keine Spur von dem Direktor Jallabert und dem Pers##al aufgefunden. Die Stadt sei mit Leichen bedeckt, mit deren Verbrennung seyzt begonnen werde. Der Dampfer„Pouyer Quertier", der jeyt disponibel sei, werde die Reparierung des Nordlaheis in Angriss nehmen. rmtschtes. —[Das Urteil im Gumbinner Prozeß ist jevi rechtskräftig geworden, da eine Revision seltens des Oberkriegsgerichtshofes nicht eingelegt. Daß Marten und Hickel in Berlin eine Gastwirtschaft errichten wollen, wird der„Nat.=Zig.“ als erfunden bezeichnet. Alle Angebote, aus benen zu ersehen war, daß man ihn aus Reklamezwecken engagieren wollle, hat Hickel unberücksichtigt gelassen. Im Uebrigen sei die Frage, wie die Unglücklichen untergebracht werden sollen, schwer zu lösen. Deu oisziplinierten Unteroffizieren ist es trotz des Ziollversorgungsscheins nicht möglich gewesen, eine Stellung im Staatsdienst zu erhalten; nur Buckpesch ist die Aussicht auf Anstellung im Eisenbahndienst eröffnet, es ist jedoch ungewiß, wann er einberufen werden wird. sernsprech-Meldungen. Brannschweig, 13. Mai. Der Landtag lehnte heute einstiiamig die Eingabe der Welsen, in den Kirchengebeten und Gesetzesverordnungen den Namen des Herzogs von Cumberland zu erwähnen ab. Ebenso einstimmig faßte der Landtag eine Resolution, die mit den Worten beginnt:„Wir stehen allezeit treu zu Kaiser und Neich.“ Für die Burenfrauen und Kinder sind eingegangen: Am Sonntag aus einer Hochzeit gesammelt 3,50 Mt. Weitere Gaben nimmt gern entgegen Die Geschäftsstelle der Gütersloßzer Zeilung. Vorhemden, Kragen, Shlipse, MKanscheiten, Roschträger! Chr. Neue Egyptische Zwiebeln empfiehlt W. Küster. Meine an der Wiedenbrüchker Chaussee belegene Wiese beabsichtige ich zu verpachten und bitte Reflektanten, sich an mich zu wenden. Friedr. Küpper, Lederfabrik. L ahnschmerz hohler Zähno beseltigt sicher sofort„Kropp's Zahnwatte“(20% CurvacrolWatte) à Fl. 50 Pfg, nur echt Drogerien Wilh. Heckmann und Ernst Hoflschildt. A Buck- u. Puddingpulver, Oanille-Zucker u. Salieg! mit Pramien-Dons. Zu haben bei: Louis nauer, Ludw. 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Mai, abends 8½ Uhr, Im großen Saale des Vereinshauses: Vortrag des Herrn Alfred Geiser, Geschästsführer des Alldeutschen Verbandes sber: Das deutsche Volk und die Buren. Eintritt frei. Damen willkommen. Allerfeinste Messina= und Messina=Blutapfelsinen in allen Preislagen u. frischester Pflücke empfiehlt W. Küster. Donnerstag morgen: Frischen Schelfsisch M. Pollkläsener. Kunsti. Zähne u. Gebisse Plombleren in Gold, Silber und Emaille. Schmerzloses Zahnziehen in der Betäubung. G. Schemmel, Zuhntechniker. Reparaturen an künsll. Gebissen werden solort ausgeführt. 6 Sämtliche Damen-Jacketts, Kragen,# Cäpes und Paletots, s sowie fertig garnierte Hüte # verkaufe mit 15% Rabatt = damit das noch vorhandene große Lager bis Pfingsten geräumt ist. e## * J. Pl. Gromfan. Künstliche Zahne in Gold, Kautschuck auch ohne Gaumplatte. 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Um diesen kräftigen und frischen Geist des Kongresses unmittelbar auf uns wirten zu lassen, haben wir ihn nach Dortmund eingeladen und freuen uns, unsern Provinzialgenossen mitteilen zu können, daß der Vorstand nusre Einladung mit herzlichem Dankeswort angenommen hat. Darum rusen wir nunmehr Euch Allen, evangelischen Männern und Frauen Westfalens, mit brüderlichem Gruße und freudiger Zuversicht zu: Auf nach Dortmund! Auf zur Teilnahme an den Sitzungen des Evangelisch=sozialen Kongresses. Ihr Alle wißt und empfindet es mit uus, daß uufrem deutschen Volke auf religiösem, sittlichem und sozialem Gebiete neue, hohe Aufgaben gestellt sind, die uns ernster Mitarbeit verpflichten, weil von ihrer gedeihlichen Lösung die Zutunft unsres Landes abhängt! Masc„„ d Gam Wenn wir trotzdem unter dem Getöß der maschinen, wie im Getriebe vergmannischer und gewerviicher Arbeit nur allzuoft vergessen, daß der gesamte Prozeß der Gütererzeugung und der nationalen Arbeit nicht nur Einzelnen zum Vorteil gereichen, sondern der sozialen und sittlichen Wohlfahrt des ganzen Volkes dienen soll, so mögen die Verhandlungen des Kongresses uns diese Wahrheit laut und vornehmlich in's Gewissen rufen und alle Teilnehmer mit der freudigen Zuversicht erfüllen, daß derselbe freimachende, evangelische Geist, dem der moderne Staat seinen Ursprung und die deutsche Kultur ihre Eigenart verdankt, auch auf sozialem Gebiete berufen sein wird, Entwicklungen zu zeitigen, die unsrem gesamten Volke und nicht am wenigsten den nach sozialer Hebung strebenden Bevöllerungsklassen dauernd zu Gute kommen und zum Segen gereichen werden! In dieser Hoffnung stärke Euch und uns der Evangelisch=soziale Kongreß Das walte Gott! Programm des diesjährigen Kongresses: Mittwoch, den 21. Mai: Nachmittags 4 Uhr: Sitzung des weiteren Ausschusses. Abends 6 Uhr: Festgottesdienst in der St. Reinoldikirche. Pfarrer Dr. Förster=Frantfurt a. M. Abends 8 Uhr: Begrüßungsversammlung in der„Kronenburg". Donnerstag, den 22. Mai: Vormittags 8½ Uhr: Eröffnungsrede des Vorsitzenden.— Begrüßungen.— Verhandlung über: Die sittlich=soziale deutung des heutigen Bildungsstrebens. Reserent: Professor Dr. Adolf Harnack=Berlin. Mittags 1 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im evangelischen Bürgerhaus, 1. Kampstraße 67. Nachmittags 3 Uhr: Verhandlungen über: Einfluß der Künste auf das Volksleben. Reserenten: Privatdozent Dr. Ltc. Paul Schubring=Berlin und Dr. von Erdberg=Berlin. Abends 8 Uhr: Evangesische Volksversammlung im evangelischen Arbeiterverein an der Kronenburg. Freitag; den 23. Mai: Vormittags 8 Uhr: Sitzung des weiteren Ausschusses: Wahl des neuen Vorstandes. Vormittags 9 Uhr: Verhandlungen über: Ursachen und soziale Wirkungen der modernen Handels= und Industrie=Kriesen. Reserent: Projessor Dr. L. Pohle=Frankfurt a. M. Nachmittags: Spezialkonferenzen in den Sälen des evangelischen Bürgerhauses. Nachmittags 3 Uhr: leber die sozial=religsöse Bedeutung des Deialogs für die Vollsschule. Leiter: Superintendent Galtwitz Salza. Nachmittags 4 Uhr: Die Frau als Gehilfin bei sozialen Zeitaufgaben. Leiterin: Fraul. Martin, Oberlehrerin am Königl. Lehrerinnen=Seminar in Burgsteinfurt.— Nachmittags, ist auch Gelegenheit geboten, das Eisen= und Stahlwer!„Hoesch“ und die Kohlenzeche„Kaiserstuhl“ zu besichtigen. Alle Verhandlungen und Versammlungen(außer den Spezialkonferenzen) finden an der Kronenburg statt. Tageskarten(1 M) und Teilnehmerkarten für beide Tage(2 M.) berechtigen zum Einritt in alle Verhandlungen(auch Spezialkonferenzen) und Versammlungen. Mitglieder der evang. Arbeitervereine haben freien Zutritt gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte. Mitgliedskarte zu 5 M. giebt gußerdem noch Anspruch auf Zusendung des Protokolls und der „Evangelisch=sozialen Mitteilungen“. Die sämtlichen Arbeiten zum Neubau eines Gendarmenhauses in Gütersloh sollen an einen Generalunternehmer vergeben werden. Zeichnungen und Bedingungen liegen im Geschäftszimmer der Königl. Kreisbauinspektion, Bieleseld, Dorotheenstr. 9, zur Einsicht aus, von wo aus auch der Verdingungsanschlag gegen post= undbestellgeldfreie Einsendung von 3,50 M. bezogen werden kann. Angebote sind verschlossen und vorschriftsmäßig bis zum 26. Mai, vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermine einzureichen. Der Königl. Banrat. Büchling. Taleigetrüng wolland des Fürsten Bismarch Natürliches Mineralwasser. Quellenfüllung und doppelkohlensaure Füllung. Altbewährte Heilquelle. Bestes Tafelwasser Hauptniederlage: Heinrich Strüwer, Bierverlag, Güterslob. Waltsgott’s Praeservativ-Crôme ist das bosto und sparsamsto Mittol gogen Fussschweiss. 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