Erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Vierteljährlich 1 Mark mi Botenlohn, durch die Don 1 Mort 25 Pf. Mit illustrierten Druck und Verlag von Judw. Flöttmann, Hüternloß. Sonntagsblatt. Anzeigenpreis: die 1spaltige Grundschriftzelle oder deren Raum 10 Pf., bei 4mal. Wiederholung"5% Ermätzigung. Anpreisungen 25 Pf Geschäftsstelle: Gütersleh, Kökerstraße 314/15. Für die Schriftleitung verantwortlich Fr. Flöttmann, Cüterskot. Né 26. Fernsprech=Anschluß Nr. 37. Freitag, den 28. Februar 1902. Postzeitungsliste Nr. 8276. 19. Nahrnana Erstes Blatt. Prinz Heinrich in Amerika. Ueber den glänzenden Verlauf der Festlichkeiten liegen folgende Meldungen vor. Washingion, 25. Febr. Prinz Heinrich wurde gestern auf der Fahrt von der deutschen Botschaft nach dem Kapttol von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt. Auf dem Kapttol wurde Prinz Heinrich zunächst von dem Sprecher des Repräsentantenhauses aufs Herzlichste bewillkommnet. Als der Prinz dann die Galerieen des Sitzungssaales betrat, wurde er mit lauten Beifalls=Kundgebungen empfangen, die sich wiederholten, als er das Haus verließ. Im Saale des Präsidenten wurden dem Prinzen die Mitglieder des Repräsentantenhauses vorgestellt. Hierauf begab sich Prinz Heinrich nach dem Sitzungssaale des Senats, wo er längere Zeit den Verhandlungen belwohnte. New=York, 25. Februar. Prinz Heinrich und Präsident Roosevelt mit ihrem Gefolge sind in 2 Sonderzügen heute früh von Washingion in Jersey=Ctty eingetrosfen. Die Ankunft war etwas verzögert worden, weil kurz hinter Baltimore eines unbedeutenden Maschinenschadens wegen ein Maschinenwechsel stattfinden mußte. Kurz nach 8 Uhr schifften sich Präsident Roosevelt und Prinz Heinrich nach Shooters Island ein, wo sie unter Saluschüssen und jubelnden Zurufen um 9 Uhr 50 Min. eintrafen. Das Weiter ist ungünstig. Ein seiner, talter Regen fällt nieder, und der Hafen ist mit Nebel bedeckt. Der Stapellauf und die Schiffsbenennung. New=York, 25. Febr. Auf Shooters Island angekommen, gelettete Prinz Heinrich Fräulein Alice Roosevelt zu der Plattform, auf der dann auch der Präsident Roosevell, die Gattin des Mayors von NewYork, Frau Low, und der Botschafter v. Holleben Platz nahmen. Der Prinz plauderte mit Fräulein Rooseveelt, bis diese um 10 Uhr 40 Min. die Champagnerflasche mit einem Schlage zerschlug und in englischer Sprache sagte:„Im Namen des deutschen Kaisers taufe ich dich „Meteor“!“ Kanonenschüsse, Musik und lauter Jubel ertönten. Sodann überreichte der Prinz Fräulein Roosevelt einen Blumenstrauß, wobei er den Hut lüftele. Fräuleln Roosevelt zertrennte dann mit einem silbernen Beile die Seile, welche die Jacht hielten, diese erzitterte, glitt vorwärts und erreichte glau die Mitte des Stromes. Prinz Heinrich überreichte inzwischen Fräulein Roosevelt ein Hutband mit dem Namen„Meteor" und knüpfte ihr dasselbe um den Arm. Von dieser Szene, sowie mehreren anderen während des Stapellaufs, wurden photographische Aufnahmen gemacht. Trotz des Wetters verlief der ganze Hergang in vorzüglicher Weise. Die Jacht führte die amerikanische Flagge. Fräulein Rooseveli trug ein saphirblaues Sammetkleid, gßen schwarzen Hit mit Straußensedern, Muff und Vou. Prinz Heinrich kabelte Seiner Majestät dem Kaiser sofort einen Bericht über den Verlauf der Taufseier. Das Telegramm des Prinzen Heinrich an Seine Majestät den Kaiser lautet: „Soeben ist bei glänzendster Beteiligung, von Miß Roosevelts Hand getauft, das schöne Schiff unter großer Begeisterung vom Stapel gelaufen. Ich gratuliere von ganzem Herzen.“ Nach dem Sapellauf fand in der Festhalle ein Galafrühstück statt. Prinz Heinrich brachte folgenden Trinkspruch aus: „Bei dieser Gelegenheit möchte ich ein dreifaches Hoch ausbringen auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten Roosevelt! Hip, Hip. Hurra!“ Das Haus erdröhnte unter den einstimmenden Rusen. Dann erwiderte Präsident Noosevelt mit einem dreifachen Hoch auf den„Gast, der schon unsere Herzen gewonnen hat.“ Tosender Beifall. Der Prinz und der Präsident schüttelten sich darauf die Hand. Dann wurde noch ein Hoch auf Mitz Roosevelt ausgebracht. Um 1 Uhr trafen Prinz Heinrich, Präsident Roosevelt und das Gefolge, von Shooters Island kommend, auf der„Hohenzollern“ ein. Es herrscht noch Regen.— Vor dem Beginn des Festmahls auf der„Hohenzollern“ überreichte Prinz Heinrich Miß Roosevelt als Geschenk des Kaisers ein goldenes Armband mit dem Bildnis Sr. Majestät, umgeben von Diamanten. Dem deutschen Botschafter v. Holleben ist vom Kaiser Wilhelm der Rote Adler=Orden erster Klasse mit Eichenlaub verliehen worden. Prinz Heinrich hat dem Botschafter die Insignien des Ordens überbracht. Bei dem Gastmahl an Bord der„Hohenzollern“ brachte Prinz Heinrich folgenden Trinkspruch in englischer Sprache aus: „Herr Roosevel! Sie sind hier an Bord als Gast des deutschen Kaisers, und ich glaube, daß dies das erste Mal ist, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten jemals an Bord eines der Schisse Seiner Majestät gewesen ist. Wollte Gott, daß es nicht das letzte Mal sein möge. Ich möchte noch herzlichst für den Empfang danken, den ich seit dem Tage, an dem ich landete, bis zu diesem Augenblick gefunden habe, und ich habe den aufrichtigen und gewissen Eindruck, daß ein starkes Gefühl der persönlichen Freundschaft zwischen uns aufwächst. Möge es sich ausbreiten zum Heile der belden großen Nationen. Präsident Roosevell Hurra, Hurra, Hurra! Präsident Roosevelt erwiderte sofort, ebenfalls in englischer Sprache: „Ich möchte meinen herzlichsten Dank für die gütigen Worte ausdrücken, welche Ew. Königliche Hohell mir gewidmet haben und ich möchte Ihnen zu wissen thun(das ist kein leeres Kompliment), daß Ew. Königliche Hohelt bereits einen bevorzugten Platz in unserer Zuneigung und in unserem Wohlwollen gewonnen haben. Wir würdigen es in hohem Maße, daß der deutsche Kaiser Sie zu dem amerikanischen Volke entsandt hat und ich danke Ihnen persönlich dafür. Was aber natürlich eine noch viel höhere Wichtigkeit besitzt, das ist das Aneinanderschließen der beiden großen Völker, deren Freundschaft so viel für die zukünftige Wohlfuhrt der ganzen Welt bedeutet. Um schließlich einem persönlichen Wunsche von mir Ausdruck zu geben, so ist dies der, daß ich mit großer Freude dem Tage entgegensehe, an welchem ich als Ihr Gast eines Ihrer Schlachtschiffe betreten kann.“ Der Präsident schloß mit einem Hoch auf den Prinzen Heinrich. Dieser erhob sich später nochmals, sprach seinen Dank aus und toastele auf Miß Allce Roosevelt. New=York, 26. Febr. Das Festbankett im Rathause gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Mayor Low überreichte dem Prinzen Heinrich die Urkunde über das ihm von der Stadt New=York verliehene Ehrengastrecht und hob hervor, daß die Verleihung für die hohe Achtung und die innige Freundschaft Zeugnis ablegen solle, welche die Stadt für den Prinzen hege. Die Verleihung des Ehrengastrechts sei die höchste Auszeichnung, welche New-York zu vergeben habe. Nach dem Banken fand eine Festvorstellung im „Metropolitan Opera Hause“ statt. Zur Aufführung gelangen der erste All aus„Lohengrin“, der zweite Akt aus„Carmen“, der dritte All aus„Alda“, der zweite Alt aus„Tannhäuser“, der erste Akt aus„La Traviala“ und die erste Szene des vierten Aktes aus„Le Cid“. In den Zwischenakten spielte die Musik deutsche Kriegslieder und amerikanische Potpourris. Die Geschenke des Prinzen Heinrich. Die vom Prinzen Heinrich der Familie des Präsidenten mitgebrachten Präsente überraschen sowohl durch ihre große Zahl wie durch ihre künstlerische Gestaltung und ihren hohen Wert. Zwei Gegenstände ragen durch künstlerische Ausführung und Kostbarkeit besonders hervor. Es ist dies erstens ein im Empirestil gearbeiteter, massiv goldener Rahmen mit dem Emailporirät des Prinzen. Der Rahmen ist mit Brillanten übersät, die in den verschiedensten Farben sprühen. Das andere Hauptstück ist eine aus Nephrit geschliffene Dose mit goldener Monilrung und ebenfalls mit Brillanten besetzt. Den Deckel ziert ein von einer Krone überragtes H. Chiffre und Krone sind ebenfalls aus Diamanten gebildet. Nephrit ist ein sehr schwer zu bearbeitender Stein von außergewöhnlicher Härte. Unter der reichen Kollektion goldener Zigaretten=Etuis befinden sich mehrere Exemplare, die in Brillanten den facsimilierten Namenszug„Heinrich, Prinz von Preußen“ und die Jahreszahl 1902 tragen. Außer diesen Einis hal der Prinz mehrere goldene Dosen mitgenommen. Auch diese zeigen, in Brillanten ausgeführt, das von der Krone überragte II. Allein das für Miß Roosevelt bestimmte Geschenk trägt das Bildnis des Kaisers. Wenn alle übrigen Gaben des Prinzen mit dem Porträt des Geschenkgebers geziert sind, so hat dies seinen Grund in dem amerikanischen Gesetz, das dem Präsidenten und sämtlichen Staatsbeamten verbietet, Geschenke von gekrönten Häuptern anzunehmen. Diese Geschenke sind aus dem Atelier der Berliner Firma Gebr. Friedländer hervorgegangen. Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser wohnte Mittwoch der Schlußbesichtigung in der MilitärTurnanstalt, welche ihr 50jähriges Jubiläum feierte, bei und nahm dort das Frühstück ein. Anläßlich der Bereidigung der MarineRekruten der Nordsee=Station wird der Kaiser eine Fahrt an Bord des Kriegsschiffes„Kaiser Wilhelm II.“ nach Helgoland und Bremerhaven machen. Die 12. Kommission des Abgeordnetenhauses hat Montag Abend den Gesetzentwurf gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden durch 2 Zusätze ergänzt. Die Vorlage lautet nunmehr:„Die Landespolizeibehörden sind befugt, zur Verhinderung der Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden Reklameschilder und sonstige Aufschriften und Abbildungen, welche das Landschaftsbild verunzieren, außerhalb der geschlossenen Ortschaften durch Pollzeiverordnung zu verbieten.“ 484 In der Zolltariskommission des Reichstags hat nun auch der Reichsschatzsekretär eine Erklärung abgegeben, und zwar dahln, daß die Verbündeten Regierungen ihre Tarifvorlage nicht nur im Ganzen, sondern auch im Einzelnen als das äußerste Maß betrachten, bis zu dem sie gehen können. Wenn gleich wohl von verschiedenen Anhängern eines höl ren Zollschutzes die Erwartung ausgesprochen, daß dies wohl noch nicht das letzte Wort der Regierungen set, so tragen die Vertreter der Regierung an dieser irrtümlichen Auffassung jedenfalls keine Schuld. Graf Posadowsky und Freiherr v. Thielemann haben mit vollkommener Deutlichkest gesprochen. Und was sie gesagt haben, ist auch bei denen nicht ohne Eindruck geblieben, die heute an die Unvorrückbarkeit der Regierungserklärungen noch nicht recht glauben wollen. Einerlei was die Kommission beschließt, im Reichstage wird sich aller Voraussicht noch eine starke Mehrheit für die Regierungsvorlage finden, da schließlich auch diejenigen Abgeordneten dafür eintreten werden, die ursprünglich die Parole ausgegeben hatten:„Alles oder Nichts". Ist eine Majorität für die Vorlage der Regierung sicher gewonnen, dann handelt es sich nur noch um die Opposition resp. Obstruktion der Minderheit. Und diese wird bei gutem Willen gebrochen werden können. Die Regierung aber hätte als dann ihrer Festigkeit den Sieg zu danken, der ihr nach wochenlanger Unsicherheit jetzt in Aussicht stehl. Die Zoiltartikommission des Reichstages nahm mit 14 gegen 10 Stimmen den regierungsseitig bekämpften Kompromißantrag auf Erhöhung der Maximal= und Minimalzölle der vier Hauptgetreidearten an; zwei Mitglieder enthielten sich der Abstimmung, zwei fehlten. Frankreich. In ganz Frankreich ist der hunderljährige Geburtstag des berühmten Dichters und Romanschriftstellers Viktor Hugo festlich begangen worden. Im Pantheon, der zu diesem Zwecke reich geschmückt war, versammelte sich das offizielle Paris zu einer Gedächtnisfeier, bei welcher der frühere Minister des Auswärtigen Hauolam, als Mitglied der Akademie, die Rede hielt. Viktor Hugo wurde darin als derjenige Mann geseiert, der mit am meisten zum Ruhme Frankreichs auf geistigem Gebiete beigetragen habe. Viktor Hugo war ein ausgesprochener Gegner Kaiser Napoleon III. und lebte während dessen Regierung in der Verbannung. Als Schriftsteller leisteie er Großes, verstand seine Arbeiten aber auch in so hervorragender Weise zu Gelde zu machen, daß er ein Vermögen von mehreren Millionen hinterließ. In Deutschland ist Viktor Hugo weniger populär geworden als mancher anderer französischer Dichter und Romancius; trotzdem er bis zum Jahre 1870 ein großer Freund Deutschlands war und das Wort gesprochen hat: Wenn ich nicht Franzose wäre, möchte ich Deutscher sein. Auch in Rom fand eine besondere Viktor Hugo=Feier statt. Rußland. Die Siudentennnruhen sind, wie aus Peiersburg berichtet wird, wieder in vollem Gange und scheinen einen rein revolutionären Charakter zu tragen, der sich besonders gegen einzelne Minister richtet. So versammelten sich mehrere Hundert Studenten im Volkshause Nikolaus II. und schrien:„Nieder mit den Ministern!“ Sie sangen ein Totenlied auf den Minister des Innern und verietdigten sich gegen die einschreuenden Gendarmen mit Stühlen. Die ganze Bewegung scheint einer tiesen Unzufriedenheit mit dem bestehenden Regime und den vorbereiteten Reformen zu entspringen und dürfte voraussichtlich einen größeren Umfang annehmen, da sie lawinenartig anwächst und durch Flugschriften genährt wird. England. Im Unterhause teilte der Finanzsekretär des Kriegsamis, Lord Stanley, mit, daß die Kriegskosten bis zum 31. Dezember 1901 kund 131 Millionen Pfund Sterling(2625 Millionen Mark) betragen haben und daß die Kriegskosten vom 1. Januar bis 31. März d. J. auf 15 Millionen Pfund Sterling geschätzt würden. China. Ein Edikt des Kaisers von China bestimmt, daß Lihungtschang in Peking ein Ahnentempel errichtet und daß er den offiziellen Opferlisten einverleibt werde. Die Lokalbeamten sollen ihm im Frühjahr und ihm Herbst ein Opfer bringen. Das Entgegenkommen der Vereinigten Staaten gegen China war während des ganzen Verlaufes der China= wirren ein großes. Aber auch jetzt zeigt sich die Regierung in Washington noch außerordentlich wohlwollend. Sie hat den Mächten vorgeschlagen, eine per rata=Reduktion der chinesischen Kostenrechnung zu genehmigen, so daß sie 450 Millionen Taels nicht überschreite. Vom südafrikanischen Kriegoschauplatz. Die„Tgl. Rdsch.“ schreibt:„Wir können aus bester Quelle über den gegenwärtigen Stand des Kampfes zwischen Buren und Engländern versichern, daß Komman= dos der Buren das gesamte Gebiet der Kapkolonie, des Freistaates und Trausvaals unaufhörlich durchziehen und die englischen Truppen allerorten in Schach zu halten wissen. Im Dezember und Jannar fanden über 600 Gefechte statt. Es ist gar kein Gedanke daran, daß England mit seinen militärischen Mitteln der Buren Herr werden kann. Nur zwei Dinge giebt es, welche die kriegerische Kraft der Buren brechen könnten: die fortgesetzte Lieferung von Pferden aus allen Weltteilen und der Ausschluß aller Aerzte. Die Mächte haben nur die Wahl, ob sie der gewaltsamen Entfernung aller den Buren behülflichen Aerzte vom Kriegsschauplatz— soeben sind wieder zwei von ihnen zur Rückkehr nach Deutschland gezwungen worden— ferner stillschweigend zusehen und damit geradezu einen Mord an einem um seine Freiheit ehrlich kämpfenden Völkchen begünstigen oder mit der nötigen, mit strenger Neutralität wohl zu vereinbarenden Energie auf die Beobachlung zivilisierter Krlegsgebräuche dringen wollen. Im letzteren Falle kommt die Pferdefrage erst an zweiter Stelle.“ Ferner wird der„Rh. West. Zig.“ aus Brüssel gemeldet: Wir sind im stande, das Urteil mitzutellen, das Dr. Albrecht über die Lage auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz abgegeben. Der beir. Dr. Albrecht landete Freitag in Antwerpen als Begleiter der zwei Töchter des Höchstkommandierenden in Südafrika, Louis Botha, welche er ihrer Mutter in Brüssel zuführen soll. Dr. Albrecht, der also unmittelbar vom Hauptquartier hier eintrifft, erklärt die Lage in Südafrika in Uebereinstimmung mit unseren Informationen für glänzend. Sie soll(falls Dr. Albrecht nicht übertreibt) jetzt sogar günstiger sein als zu Anfang des Krieges. Die Buren stehen zu 20000 Mann noch im Felde, körperlich und moralisch geläutert, alle fest entschlossen, den Kampf bis zum bineren Ende auszukämpfen; sie sind außerdem in der Lage, noch 10 Jahre auszuhalten, was schwerlich bei den Engländern der Fall sein dürfte. Die Blockhäuser sind geradezu verderblich für die bewegungslos eingesperrten Truppen und hindern den Buren durchaus nicht. Die Demoralisation der englischen Soldaten ist infolgedessen so groß, daß sie jede Berührung mit den Buren vermeiden. Dr. Albrecht hat einen wichtigen Auftrag für den Präsidenten Krüger, wohin er unverzüglich weiterreist. Die andauernd günstige Lage der Burenkommandos wird auch durch folgende Meldungen bestätigt: Johannesburg, 26. Febr. Die Buren sind äußerst aufgebracht auf die National=Kundschafter, die zum Teil aus früheren Burenkämpfern bestehen, und drohen, jeden„zahmen Buren“ zu erschießen, sobald sie ihn fangen. Die Afrikander sollen dasselbe Schicksal erleiden.— Die Buren zeigen sich kampfesmutiger denn je. Vor einigen Tagen erbeuteten sie, angesichts einer Blockhauslinie, einen englischen Wagenzug mit Lebensmitteln. Heilbron, 26. Febr. Eine Abteilung von Burenübersiel ein Blockhaus der Frankforilinie und nahm es; sie vermochten die Verteidiger durch die Schießscharten nur dadurch zu treffen, daß sie aus Flinten Schrotschüsse Nr. 8 abgaben. Aus Grt und Provinz. Allgemein intereisierende Nachrichten aus der Stadt und deren Umgebung werden gern entgegen genommen und entstehende Auslagen von uns verantet. Gütersloh, 27. Febr.[Alumnat.] Wie uns mitgeteilt wird, hal die Verwaltung der hiesigen Gymnasial=Alumnate sich entschlossen, für das ältere Alumnatsgebände an der Neuen Rethe einen Neubau zu errichten und zwar im jetzigen Alumnats=Garten mit der Front nach der Noonstraße. Das jetzige Gebände mit der ganzen Front an der Neuen Reihe wird verkauft, und es foll auch hier dem Vernehmen nach ein Neubau errichtet werden, sodaß dieser Siadtteil mit seinen zahlreichen Neubauten sich demnächst recht stattlich präsentieren wird. Gütersloh, 27. Febr.(Zugverspätung.] Der heutige Personenzug 210, welcher 1119 Uhr hier abfahren, soll traf mit einer Verspätung von 50 Minuten hier ein. In Wunstorf war ein Wagen dieses Zuges entgleist. Personen sind hierbei nicht verletzt worden. Von Minden wurde ein Sonderzug im Plane des ersten abgelassen. (2 Gütersloh, 27. Febr.[Fahrpreis=Ermäßigung auf der Tentoburger WaldEisenbahn.] Nach einer Mitteilung der Betriebsverwaltung der Teutoburger Wald=Eisenbahn werden die Fahrpreise für Personen=Beförderung vom 1. März ab ermäßigt werden. Nähere Auskunft ertellen die deteiligten Stationen. Wiedenbrück, 25. Fehr.[Kronenorden 4. Klasse.] Dem Herrn Meier hierselbst wurde in Anerkennung seiner langjährigen, pflichttreuen Wirksamkeit als Postverwalter in Delbrück der Kronenorden 4. Klasse verliehen. * E n g e r, 2 4. F e h r.[ B e t r i e b s e i n s t e l l u n g.] Die hier seit 40 Jahren bestehende Filialfabrik der Firma Kranefuß und Mier in Herford, mit etwa 30 Arbeitern, stellt am 1. April den Betrieb vollständig ein. Nenhaus, 24. Februar.[Vom Truppenübungsplatz.] Oberst z. D. Freiherr v. Toll, zuletzt Kommandeur des Kürassier=Regiments Kaiser Rikolaus von Rußland(Brandenburgisches Nr. 6), ist zum Kommandanten des Truppenübungsplatzes in der Senne ernannt worden. Paderborn, 25. Febr.[Der neue Sennekommandant, Herr Oberst von Toll. wird am 3. März hier eintreffen. Auf dem Uebungsplatze werden vom 28. April ab zu verschiedenen Zetten üben: die Infanterte=Regimenter 39 und 57, 15 und 55, das 4. Kürassier=Regiment, 6 Artillerie=Regimenter, die Bückeburger Jäger und die Deutzer Ploniere. * D ü l m e n, 2 4. F e b r u a r.[ D i e L e i c h e e i n e s Schlossergesellen aus Speldorf wurde heute morgen auf dem Bahndamm der rechtsrhein. Eisenbahn in der Nähe von Kolon Wewerinke in Mitwick aufgesunden. Es wird angenommen, daß der junge Mann einen der Güterzüge in verflossener Nacht als blinder Passagier benutzt hat, abgesprungen und dabel überfahren worden ist. Die Leiche wurde zum biesigen Leichenhause geschafft. Dortmund, 24. Fehr.[Musikfest.] Das diesjährige westfälische Munkfest findet am 4. und 5. Mai statt. * H ö r d e, 2 5. F e b r u a r.[ B e i d e m h i e s i g e n Spar= und Bau=Verein] sollen Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein. Die Kasse ergiebt ein Manko von etwa 1000 Mark. Der Kassierer, der behauptet, der Betrag sei ihm nicht zugegangen, ist, wie die„Tremonia“ mittellt, vorläufig seines Amtes enthoben worden. Siegen, 24 Februar.[Schlachigenossen schaft.] Eine gestern hier abgehaltene Versammlung, die von ungefähr 300 Arbeitern besucht war, beschloß die Gründung einer Schlachigenossenschaft. Die Bemühungen einer Kommission, die vorher die hiesigen Metzger zu einer Herabsetzung der hohen Fleischpreise zu bewegen suchte, sind ergebnislos verlaufen. —[Im Auftrage des Kaisers) hat, nach der„Täglichen Rundschau" Prof. Köhling=Berlin aus dem Feldzuge in China ein Bild zu malen, das den Titel führen wird:„Germans to the front!“ Es handelt sich um den bekannten Vorgang aus der Expedition unter dem englischen Admiral Seymour zum Entsatz Pekings. Luft und Himmel erscheinen in früher Morgenstimmung; in der Ferne sieht man chinesische Dörfer brennen. Auf dem Peihostuß halten einige Dschunken mn Gepäck und 200 verwundeten Europäern. Die englischen Matrosen liegen zum Tell ausgeschwärmt in der Front und am Flusse. Vor Seymour und seinem Stabe steht der deutsche Kapitän v. Usedom. Mitten im Bilde stürmen die Deutschen von den Engländern freudig begrüßt, vor. Das Gemälde wird im Sternsaal des Berliner königl. Schlosses seinen Platz erhalten. — München, 26. Febr. Aus Dinselsbuehl wird gemeldel: Bei einem heute früh ausgebrochenen Brande wurden durch Einsturz einer Giebelmauer 15 Personen, größtenteils Mitglieder der fretwilligen Feuerwehr verschüttet. Trotz größter Anstrengungsversuche, dieselben zu befreien, ist wenig Hoffnung auf Rettung.— Nach einer späleren Meldung wurden die verschütteten 15 Personen sämtlich tot unter den Trümmern hervorgezogen. — sUeber Nacht Millionärin geworden ist angeblich die Frau eines Tagelöhners in Sloterbeck bei Honneff im Siegkreis. Sie soll die Nachricht erhalten haben, daß ihre soeben in Paris verstorbene Schwester ihr 5 Mill. Fr. hinterlassen habe. —[Die Matrosen der„Hohenzollern“ und„Free Lunch“.“ Eine ergötzliche Geschichte von einigen Matrosen der„Hohenzollern“ und dem„Free Lunch“, dem in den amerikanischen Wirtschaften üblichen Gratis=Imbiß, wissen die New=Yorker Zeitungen zu erzählen. Am Abend nach der Ankunft in New=York halte sast die Hälfte der Mannschaft Landurlaub, und ein halbes Dutzend Matrosen, stramme Jungen von der Waterkam, benutzten ihn, um mit der Hochbahn nach dem Vatterie=Park, der äußersten Spitze der Manhattan=Inselzu fahren. Von dort bummelten sie den Broadway hinauf nach Park Now, unterwegs die himmelanragenden Wolkenkratzer anstannend, und gelangten schließlich nach der Bowery, New=Yorks fidelster Straße. Jede Musikhalle wurde dort besucht, und obgleich man sie vor der Bowery gewarnt hatte, legten die von der„Hohenzollern“ doch keine Scheu an den Tag. Schließlich beiraten sie, müde von dem Sehen, ein Restaurant, um sich an einem Glase Bier zu taben. Als einer von ihnen den LunchTisch mit begehrlichen Augen musterte und sich überlegte, ob seine Löhnungs=Ersparnisse wohl für diese Herrlichkeiten ausreichten, sorderte der Wirt ihn auf, nur zuzugreisen, es koste nichts. Jan Maar ließ sich dies nicht zweimal sagen, bepackte sich seinen Teller gehörig und brachte dann seinen Kameraden die frohe Botschaft. Selbstverständlich zogerten auch diese keinen Augenblick, sich zu verproviantieren, und es währie nicht lange, da war der Tisch so blank, wie das Deck der„Hohenzollern“ nach einem Waschtage, zum Gandium der Gäste und zum Entsetzen des Wirtes, der ein so„einnehmendes Wesen“ nicht erwartet haue. —[Eine Burenhochzeltim Kriege.] Eine ergreifende Episode aus dem Burenkriege erzählt der Burenarzt Dr. Albrecht, der die Verwundeten Dewets in der letzten Zeit gepflegt hat und jetzt in Amsterdam augekommen ist. Es ist die Geschichte einer Burenhochzen in Kriagszeiten.„Wir waren auf Kommando außerhalb von Lindley“, erzählt Dr. Albrecht,„als ein junger Bure mich um Nadeln bat. Ich fragte ihn, wozu er sie brauchte, gab ihm aber gern meinen verfügbaren Vorrat an medizinischen Sicherheitsnadein, als er mir erzählte, daß er sich am andern Morgen verheiraten wolle und daß seine Bram kein Garn für ihr Kostüm zur Hand hatte. Sie hätten jene Hochzeit sehen müssen! Das junge Paar saß zwischen den Trümmern eines Gehöfts. Die Braut trug ein weißes Gewand, das mit Sicherheitsnadeln zusammengesteckt war. Der Bräutigam war mit einem alten Anzug aus schwarzem Tuch bekleidet; Hosen und Aermel waren ganze drei Zoll zu kurz. aber ein Paar Tanzschuhe und eine rote Kravatte glichen alle Mängel aus. Das Hochzeitsmahl bestand aus einem gebratenen Schwein mit Mehlbrei und Kafferubier. Während der Mahlzeit kämpften unsere Leute drei Kilometer davon heftig, aber ein Beldtharmonium übertönte die sernere Musik. Plötzlich wurde die lustige Versammlung von einem Boten Dewets unterbrochen, der die Nachricht brachte, daß jeder verfügbare Mann zur Verstärkung ausrücken sollte. Der Bräutigam gehorchte berettwilligst und zog aus. Als er am nächsten Morgen jedoch seine junge Frau wieder aufsuchen wollte, fand er zu seinem größten Kummer, daß die Briten über Nacht auf dem Gehöft gewefen waren und sie in ein„Konzentcationslager“ gebracht hauten.“ —[Brennende Schornsteine zu löschen. Dieses sehr probate, anscheinend weniger bekannte Mittel besteht in einer schicklichen Anwendung von gepulvertem Schwefel. Jeder Hausbesitzer sollte steis ½ bis 1 kg gepulverien Schwefel, dem man 1 bis 1½ Loi gewöhnlichen Schießpulvers hinzusetzt, in einer verkorkten Flasche vorrätig halten. Sobald der Schornstein brennt, bat man dann nur nötig, den inn etwas Schießpulver gemengten Schwefel unmttielbar umer dem Schornsteine, etwa auf dem Herd oder in den Kamin zu streuen und dann anzuzünden. Sobald der Dampf des brennenden Schwefels(das schwefligsaure Gas) emporsteigt, wird man in wenigen Minuten die Flamme des brennenden Schornsteins verlöschen sehen. Ueueste Nachrichten. In der Zolltariskommission des Reichstags gab der konservative Abgeordnete Graf v. Schwerin=Loewitz im Namen seines Parteisreunde die Erklärung ab, daß seine Freunde nach den Mitteilungen der Staatssekretäre Graf Posadowsky und Frhr. v. Thielmann ein Scheitern der Vorlage dem Wiederabschluß von Handelsverträgen vorzögen. Redner führte im einzelnen aus, daß es ihm schwer falle, nachdem der Reichsschatzsekretär mir nunötiger Schärfe den Grafen Posadowsky übervoten habe, nochmals auf eine sachliche Beratung zurückzukommen. Wenn er sich trotzdem an den Erörterungen beieilige, so geschehe das nur, um die Berechtigung des Reichstags zu dem Standpunkte der Kompromiß=Mehrhei außer Frage zu stellen. Die Landwirtschaft erstrebe keine Mehrbelastung der Konsumenten, sondern nur mittlere, der Gerechtigkeit entsprechende Getreibepreise. Zahnwatte u Zahnkitt zur sofortigen Stillung jeden Zahnschmerzes und Konservierung der Zähne empfiehlt Löwen-Drogeri präpariert für Nähmaschinen und Fahrräder von K. Möblus& Sohn, Knochenölfabrik H0 nnover. Zu haben in allen besseren Handlungen. Durch Vergrösserung unserer Spezial-Abteilung Damen- u. Kinder-Konfektion 910 ist die Auswahl unübertroffen. Als Neuheiten empfehlen wir: Costume: Wiener, Pariser und Berliner Modelle. Paletots: Golf=, Frauen=, Cailormade=Daletots. Jacketts: Eton=, Blousen=Jacketts. Cäpes: Cailormade=Capes. Staub- und wasserdichte Mäntel. Costume-Röcke in Tuch, Cheviot, Satin und Alpacca. Blusen in Wolle, Seide und Waschstoffen. KinderKleider für das Alter von 1 bis 12 Jahren in Wolle und Waschstoffen. Zwang Gebrüder Kaufmann Bielefeid, Niedernstrasse 34. 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Vg.), die Regierung zu ersuchen, von der beabsichtigten Umwandlung der lebenslänglichen Anstellung der Schutzmannschaften in den Provinzen in eine kündbare Anstellung abzusehen. Die Abgg. v. Eynern(nl.) und v. Staudy(kons.) erklären sich gegen den Antrag. Im weiteren Verlaufe der Sitzung werden die Berliner Verkehrsverhältnisse zur Sprache gebracht. Minister v. Hammerstein giebt die VerbesserungsBedürftigkeit zu. Abhilfe sei aber sehr schwer zu treffen. Aus Grt und Provinz * Gütersloh, 27. Februar.[Einheitliche echtschreibung.] Wie gemeldet wird, haben sämtliche Bundesregierungen den Vorschlügen der orthographischen Konferenz in Berlin zugestimmt. Es ist zu erwarten, daß in nächster Zelt im Bundesrat eine Vereinbarung über den Einführungstermin der neuen einheitlichen Rechtschreibung getroffen wird. Bielefeld, 26. Februar.[Tod durch Einalmen von Petroleumdämpfen.] Die Ehefrau des Dekorateurs Fuchs hierselbst wurde am Sonntag abend 11½ Uhr von ihrem Ehemann in der Küche auf dem Fußboden liegend besinnungslos und schwer almend aufgefunden. Die Küche war voll Petroleumqualm, der durch eine große übermäßig großbrennende Petroleum= lampe entstanden war. Trotzdem das Fenster sofort geöffnet und Wiederbelebungsversuche angestellt wurden, trat der Tod ein, was der hinzugerufene Arzi nur noch konstatieren konnte. Vermutlich hat die Verstorbene am Küchentisch gelesen und ist in Folge Einalmens der Petroleumgase eingeschlafen und erstickt. * Amshausen, 23. Febr.[Kaiser Friedrich= Denkmal.] In Sachen eines Kaiser Friedrich III.= Denkmals auf der Schwedenschanze fand heute nachmittag beim Wirt Ranmann unter dem Vorsitze des Herrn Imkamp=Steinhagen eine Versammlung statt. Der Grundstein zum Kaiser Friedrich=Denkmal ist am 12. Juli 1891 auf der Schwedenschanze, gelegt worden. In der Denkmals=Urkunde ist der sofortige Ausbau des Denkmals als nicht gut angängig bezeichnet worden. Diese Schwierigkeiten sind jedoch, wie Herr Tiemann in der Besammlung ausführte, jetzt überwunden, und es ist nunmehr an der Zeit, an die Vollendung des Denkmals kräftig heranzutreten. Die Anwesenden stimmten dieser Meinung bei. Es wurde dann noch in Anregung gebracht, außer den Krieger= und Krlegerverbands=Vorständen der benachbarten Kreise auch geeignete Personen für das Denkmal=Komilee zu gewinnen. Die erforderlichen Geldmittel sollen durch freiwillige Beiträge beschafft werden, und es ist zu erwarten, daß dieselben reichlich fließen werden. Westönnen, 24. Fehr.[Eingestellt.] Die in der Nähe des Staatsbahnhofes belegene Fleischwarenfsabrik hat ihren Betrieb eingestellt. Auch ein Zeichen der Zeit. Werl, 25. Febr.[Herr Fabrikbesitzer Halsaß] zu Regis beabsichtigt seine vor dem Meiserthore hierselbst belegene Eisenfabrik bedeutend zu vergrößern. Herr Halbsaß, der in Regis— im Königreich Sachsen— größere Eisenfahriken besitzt, wird von seinem dortigen Beamten= und Arbeiterpersonal etwa 15 Familien nach hier übersiedeln und vielleicht auch seinen eigenen Wohnsitz nach hier verlegen. Die Verwirklichung dieser Pläne bedeutet für unsere Stadt einen nicht geringen Zuwachs. Mit den Ausschachtungs=Arbeiten für erträgliches Zusammenleben führen zu können. Als der Frühling ins Land zog, hiell es Siephanle nicht mehr in ihres Vaters Konten. Eines Tages fand Kemper Stephantes Schrank und Kasten ausgeräumt, sie selbst mit ihrer Habe war verschwunden, kein Lebenszeichen von iyr sand sich, kein Wort des Abschieds, kein Fingerzeig, wohin sie gegungen. Das war wieder ein neuer Anlaß, der Truntsucht zu fröhnen. Die Menschen suchen ja so gerne Aerger und Verdruß als Deckmantel oder Entschädigungsmittel für ihre Leidenschaften. Die Kemanns hielt Kemper in seinem bethörten Gemür für diejenigen, welche allein Schuld an seinem Unglück seien, immer mehr und mehr wuchs der Groll und Haß gegen alles, was diesen Namen trug, und da ihm Bernard fortgesetzt die Summen verweigerte, die er zu erpressen suchte, einnand in Kemper der Gedanke, die ganze Familie ins Unglück zu stürzen, wie die seine hineingestürzt war. Je mehr er diesen Gedunken verfolgte, desto mehr freunde## er sich mit ihm an, schließlich war diese Rache der ganze Inbegriff seines Denkens und Sinnens, und er thot den Schriut, den Bernard Kemann sängst befürchter hatte, beging den Verrat, der neues Unglück auf viele Herzen häusen sollte, die, mn ihrer schönster Blüte stehend, auch Anspruch auf Glück und Friede hatten Karl Wagner sollie der erne sein, der davon erjuhr. Eines Minags ließ sich bei ihm, zu seinem nicht geringen Erstaunen, der Kreistichter melden, ein alter, äußerst liebenswürdiger Herr, im ganzen Siädichen beliebt. „Womil kann ich dienen Herr Rat?" fragte Karl, als der Besucher Platz genommen. „Ja. mein lieber Herr Oberkontrolleur. eigentiich können Sie mir hemte nicht dienen, aber vielleicht erweise ich Ihnen einen Dienst durch eine Mitteilung, die Ihnen wie so amtlich hätte zugehen müssen, die Ihnen aber die zu erbauenden neuen Fabrikräume soll in allernächster Zeit begonnen werden. Recklinghausen, 23. Febr.[Der preußische Staats wird in Kürze zum Herzog von Arenberg in ein eigenartiges Steuerverhältnis treten; er muß nämlich an den Herzog Bergwerkssteuer entrichten, nachdem er in der ehemaligen Standesherrschaft Recklinghausen Bergeigentum erworben hat und den Bergbau jetzt selbst ausüben will. Auf Grund eines bei der Mediatisierung des ehemaligen Herzogtums Arenberg mit Preußen abgeschlossenen Vertrages ist der Herzog zur Erhebung dieser Sreuer berechtigt. Diese erstreckt sich auf sämtliche im Kreise Recklinghausen zur Förderung gelangenden Steinkohlen und wird von den Privatkohlenbergwerken des Kreises schon seit längerer Zeit entrichtet. Sobald die Förderung der jetzt in den Besitz des Bergfiskus übergehenden Zeche Gladbeck den Selbstverbrauch überschreitet, muß der Staat für den Ueberschuß an den Herzog von Arenberg Steuern entrichten. Arnsberg, 24. Februar.[Geflügel=Ausstellung.] Der hiesige Verein für Geflügelzucht veranstaltet in den Tagen vom 5.—7. April in dem großen Saale des Schützenhofes seine 4. allgemeine Geflügelausstellung. Dieselbe ist zugleich Verbands=Ausstellung für die Provinz Westfalen. Die mit den Vorarbetten betrauten Kommissionen haben berelts das Programm entworfen und sehr bewährte und als solche bekannte Preisrichter gewonnen. Programme und Anmeldebogen, welche beim Buchhändler Muesmann zu haben sind, gelangen schon jetzt zum Versandt und laufen täglich Nachfragen ein. Aus dem uns vorliegenden Programm ersehen wir, daß zur Ausstellung zugelassen werden: Gäuse Enten, Truthühner, Perlhühner, Hühner, Tauben, Singund Ziervögel, Gerätschaften, die mit der Geflügelzucht in Verbindung stehen, Brutapparate, Vogelbauer, Schriften ornithologischen Inhalt usw. Aus Arnsberg kann die Ausstellung nur von Vereinsmitgliedern beschickt werden. Für letzere ist auch außer der Prämierungsklasse eine Verkaufsklasse von Geflügel eingerichtet. Mit der Ausstellung ist eine Verlosung verbunden, zu der die obrigkeitliche Genehmigung bereits eingetroffen ist. Lose zu 50 Pfg. kommen in den nachsten Tagen zum Vertrieb. Aus dem Reiche. Oslerfeld. Sonntag abend gegen 7 Uhr begegnelen dem Ehepaar Jetzel, dem Schwager Keller und dem Kostgänger Menzel, die von einem Spaztergange zurückkehrien, drei Radfahrer ohne Laierne. Da die Spaziergänger angerempelt wurden, stellte Jetzel die Radfahrer zur Rede, worauf diese ohne weiteres über ihn herfielen Der Angegriffene erhiell u. a. einen Messerstich in den Hals, welcher die Schlagader durchschnin und den Tod zur Folge haite. Keller wurde ebenfalls so schwer durch Messerstiche verletzt, daß er im Krankenhause starb. Die Angreifer, drei Oesterreicher, find verhaftet, indes ist der Hauptthäter noch nicht festgestellt.— Kassel. Zwei wegen schwerer Sirafthaten inhaftierte Infanteristen, ein 83er und ein 167er, sind in vergangener Nacht aus dem Militärkastell am Fuldaflusse, nachdem sie ein Loch durch die Mauerwand hergestellt halten, ausgebrochen. Bis jetzt ist keine Spur von den Flüchtlingen vorhanden.— S1. Johann a. S. Der Typhus beim 70. InsanterieRegiment greist um sich. 60 Soldaten sind als typhusverdächtig ins Lazaren eingeliefert.— Oldenburg. Einen neuen Beleuchtungswagen hat die Eisenbahnver= waltung in ihrer Werkstäne hier erbauen lassen. Der Wagen hate eine Dynamomaschine, mittelst deren Elektrizttät erzeugt werden kann, durch die elektrische Lampen gespeist werden können. Der Wagen soll Benntzung finden bei etwalgen Unglücksfällen auf der Bahn und bei evll. auf der Strecke nächtlicher Weile nötig werdenin mündlicher Form und schon jetzt gemacht, vielleicht von Nutzen sein könnte.— Horchen Sie auf: Sie wissen wohl, daß der Mensch, der in vorigen Winter bei dem Schmuggler=Renkontre den Schuß auf Sie abgab, einen Vater hat, der ebenfalls den Schmuggel betrieb?“ Wagner war aufgesprungen:„Es ist geung, Herr Rat, ich weiß alles,“ unterbrach er diesen,„jener Kemper, ein verlumptes Subjekt, hat entweder selbst oder durch seine Tochter die Famille Kemann denunziert, daß Vater und Sohn ebenfalls den Schmuggel betrieben hälten Ist es nicht so?“ fragte er, als erwarte er in einer Verneinung seiner Frage die Erlösung von einer schweren Last. „Leider!“ bestätigte betrübten Tones der Kreisrichter und fuhr dann fort:„Man spricht davon, daß Sie Beziehungen zu der Tochter Kemanns unterhalten, Herr Oberkonirolleur, und oa dachte ich Ihnen nützlich zu sein, wenn ich Ihnen diese Mitteilung jetzt mache. Natürlich nur für Sie, worauf ich rechne. In einigen Tagen muß ich den jungen Amann vorladen und gegebenen Falles verhaften lassen, inzwischen können Sie wenigstens etwas unternehmen, um sich selbst etwa gegen die Folgen des schweren Schlages zu schützen.“ „Ich bin Ihnen sehr verbunden. Herr Nat, und werde gewiß auch im Interesse meiner Bram aus Ihrer Mitteilung Nutzen ziehen. Vorläusig werde ich der traurigen Pflicht ausweichen. Ihnen bei der Bestrafung meines beisen Freundes behülslich sein zu müssen.“ „Adleu, mein lieber Herr Oberkontrolleur,“ sagie der Kreistichter sich erhebend,„wir Juristen sind selten die Ueberbringer sreudiger Botschaft, hossentlich hat meine heutige nicht die üblen Folgen, die wir befärchten.“ Mit einem warmen Händedruck verlleß der Besucher das Zimmer. Fortsetzung folgt.) den Arbeiten.— Hannover. Der Mechaniker Sprengel verübte auf den hiesigen angesehenen Großkaufmann Wolpers ein Revolverattentat. Wolpers wurde bedenklich verletzt. Der Attentäter schoß mehrfach auf die ihn verfolgende Menge, bis schließlich seine Verhaftung erfolgte.— Wolfenbüttel. Großes Leid ist über eine hiesige Familie ausgebrochen, die erst vor vierzehn Tagen in die Ehe getreten ist. Die junge Frau eines Gastwirts saß in ihrem Zimmer und war mit Nähen beschäftigt. Plötzlich rief sie ihrer im Nebenzimmer weilenden Mutter zu, daß sie nichts mehr sehen könne, und als gleich darauf ihr Mann ins Zimmer trat, sah sie auch diesen nicht mehr. Die junge Frau war plötzlich erblindet. Doch hiermit nicht geuug, kurz darauf verlor sich auch noch die Sprache. Die Unglückliche hal Aufnahme in einer Privalklinik gefunden. Vermischtes. — Beetendorf(Almark), 22. Februar. Von einem schweren Schlage ist die alle, hochangesehene Famille des Grafen von der Schulenburg auf Beetzendorf betroffen worden. Der Graf war Kurator eines adeligen Fräuleinstifts in Fulda. Mit der Einzlehung und Verausgabung der Gelder halte er an Ort und Stelle eine ihm geeignet erscheinende Persönlichkeit betraut. Da erhielt er plötzlich von Fula die Nachricht, daß Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung vorgekommen seien. Sofort telegraphierte, wie der Altmärker mittelli, Graf von der Schulenburg, um peinliches Aufsehen nach außen hin zu vermelden, zurück, er komme für alles auf Doch als er nun nach Fulda hinreiste, mußie er zu seinem Schrecken erfahren, daß er für 200000 Mark gutgesagt hatte. Diese große Summe vermochte er nicht aufzubringen, zumal er in früheren Jahren nicht unerhebliche Kapitalverluste erlitten hatte und sein Hauptvermögen in unangreifbarem, zu einem Fideikommiß zusammengeschlossenen Grundbesitz bestehl. So hal denn Graf v. d. Sch. seinen ältesten Sohn als Majoratsherrn in Beetzendorf eingesetzt, seinen gesamten Hofhalt aufgelöst und ist nach Dresden übergesiedelt. —[Ein Rat für Gasthofbesitzer] geht von der Staatsanwaltschaft in Bremen aus. Den Anlaß dazu bietet die Festnahme zweier Allerwelts=Hoteldiebe. Nachdem sie unter den Namen eines Oekonomie=Inspek= tors und eines Fabrikanten Rath in Kiel mehrere Einbrüche unternommen hatten, kamen sie nach Bremen und kehrten dort unter falschen Namen in ein erstklassiges Hotel ein. Beim Eindringen in die bewohnten Zimmer führten sie eine elektrische Blendlaterne, Chloroform und Tücher mut sich. Um aber noch sicherer zu gehen, hielten sie bei einem Chemtker Nachfrage nach einem Pulver, mit dem man durch ein Schlüsselloch hindurch Beläubungen ausführen könnte. Sie fügten hinzu, daß sie das Mittel keineswegs gegen Menschen, sondern nur gegen Tiere anwenden wollten. Der Chemiker machte der Kriminal= polizei Mittellung, auf Grund deren die Verhaftung erfolgen konnte. Die Behörde erachtete nach dieser Erfahrung für wünschenswert, daß alle Besitzer von Gasthöfen zum Schutze der Fremden ihre Zimmer mit Nachtriegeln versehen lassen. — Washingion, 25. Febr. Das Oberbundesgericht hat beschlossen, Terlinden auszuliefern. Das Oberbundesgericht erkannte den Auslieferungsvertrag als giltig an, da Deutschland ihn stets respektierte und Preußen nicht aufgehört habe, zu existieren. —[„Schalitagskinder“]. Die„Schalttagskinder“, das heißt solche, welche an einem 29. Februar geboren sind, planen für das Jahr 1904 eine gemeinsame Geburtstagsfeler in Berlin; sie konnten ja seil acht Jahren keinen rechtmäßigen Geburtstag mehr felern, da befanntlich im Jahre 1900 der Schalttag auch ausfiel. Ein Berliner Monteur, der trotz seiner 70 Lebensjahre nur 17mal seinen Geburtstag feiern konnte, will die Angelegenheit in die Hand nehmen und zu gegebener Zeit einen Aufruf erlassen. —[Dem Burengeneral Cronie,) seit elwa zwei Jahren als Gefangener auf S. Helena weilt, steht ein schwerer Verlust bevor. Wie dem„L.=A.“ aus London gemeldet wird, liegt die Gattin des Generals, die ihn in die Gefangenschaft begleitet hat, so schwer krank darnieder, daß ihr Ableben stündlich erwartet werden kann. „Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“ Es ist dieser au, doch ble.ht er ewig neu. Der gesündeste und vorichtigste Mensch, ist nicht vor plötzlich eintretender Krankheit oder Unfälle geschützt. Welch' großes Elend bringt oft ein derartiger Fau in die Familie. Ja ganz gut situierte Familien sind schon dadurch in Not und Elend geraten. Welchen Kummer eine Krankheit in armeren Familien bringt, braucht wohl nicht weiter ausgeführt zu werden. Wie oft kommt es vor, daß Unverheiratete beiderlei Geschlechts, durch Krankheit ihre schöne Stellung, die sie teils zum eigenen Lebensunterhalt, teils behufs Unterstützung eines alten Mütterleins, oder sonst kranken Familieumitgliedes, unter einer Unmasse von Erwerbern sich glücklich erworben hatten, verlieren mußten. Was ist es für einen kleinen Geschäftsmann oder Oekonomen für ein unermeßlich finanzieller Schaden, wenn er erwerbsunfähig ist. Wie können sich nun alle diese Bevöllerungstlassen schützen, oder doch einigermaßen eine durch Krankheit oder Unfall eingetretenes Unglück mildern? Nur durch Aufnahme in eine Krantenkasse ist Hilfe zu erwarten und hierzu bietet in sicherer und weitgehendster Weise die unter staatlicher Aussicht stehende für ganz Deutschland genehmigte Krankenkasse„Bavaria“ in Augsburg die Hand. Die Krankenkasse ist derart sinanziell fundiert, daß sie den weitgehendsten Anforderungen Genüge zu leisten und den Mitgliedern absolnte Sicherheit zu bieten vermag. Die„Bavaria“ gewährt nicht bloß für 30 Wochen Krankengeld, sondern giebt sogar noch Begräbnisgeld. Wer seiner Familie eine glückliche Zukunft, wer in Not und Krantheit Hilfe haben will, versäume nicht die helfende Hand der„Bavaria uu ergreifen und durch baldige Aufnahme dem Schreckensgespenst Krankheit und Unglücksfall ein wirksames nicht teures Heilmittel entgegen zu setzen. Auskunft erteilt bereitwilligst die Direktion Angsburg.